BERLIN Mittwoch 27. August 1930 erfcheisttSgttch Zugleich Abendausgabe des.Vorwärt«'. Dejugsprei« beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW SS, kindeostr.S 10 Pf. flr. 400 B 199 42. Zahrgattg Anseigenpreis: Die einspaltige Nonpareilleteil« So Pf., Reklamejtile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.» Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Aazi- Kanonier vor Gericht Wird in Güstrow freigesprochen— Die Potsdamer Zellenbildung Anter der Anklage, kommunistische Flugblätter an die Marine verteilt zu haben, wurden heute In Leipzig drei Kommunisten verurteilt. Vinnen kurzem beginnt in Leipzig der Hochverratsprozeh gegen ehemalige Reichswehr. ossiziere. 3n Güstrow stand ein Oberkanonier der Reichs- wehrgaraison Schwerin wegen„übler Nachrede'" vor dem Schöfsengericht, weil er eine nationalsozialistische Ver- sammlung besucht und nationalsozialistische Zleuherungen über hindenburg und Groener getan hatte. Er wurde frei- gesprochen. Das Schöffengericht Güstrow beschäftigte sich in der Sitzung am Sonnabend mit dem Oberkanonier Heinz Ritter aus Schwerin wegen Vergehens gegen Z§ 91, 92 des Militärstrafgesetzbuches. Zur Verhandlung waren vier Zeugen sowie als Sachverständiger der General von Schulenburg-Schwerin geladen. Die Verteidigung lag in den Händen des Nazi- Rechtsanwalts Steinsatt- Schwerin. Der Angeklagte war beschuldigt: 1. trotz des auf Grund des§ 36 des Wehrgesetzes erlasienen Verbots am 26. November 1929 in Schwerin ein« Versammlung der Nationalsozialistischen Partei besucht zu haben, 2. fortgesetzt«inen Vorgesetzten oder im Dienstrang Höheren durch üble Nachrede beleidigt zu haben, indem er Kameraden gegenüber äuherte, der Reichspräsident habe den Poung-Plan unter- zeichnet. weil er zu wenig Mann sei. ferner Generol Groener, jetziger Reichswehrminister, habe beim Zu- sammenbruch des Kaisertums gesagt, der Fahneneid stände nur auf dem Papier, er habe auch noch vor der Revolution«in Schießverbot an seine Soldaten gerichtet: General Heye habe vor der Abdankung des Kaisers die höchsten Offiziere in unmittel- barer Umgebung des Kaisers zusammengerufen, um ihnen nahe- zulegen, aus die Abdankung des Kaisers hinzuwirken. Der Angeklagte bestritt, sich eines Vergehens schuldig gemacht zu haben, will auch in seinen Acußerungen kein« Beleidigungen seiner Vorgesetzten erblicken, er sei vielmehr zu den Aeußerungen auf Grund seiner Lektüre nationalsozialistischer Zeitungen und Bücher gekommen. uns zwar insbesondere aus Artikeln, die von früheren Heerführern, wie zum Beispiel Ludendorff, geschrieben seien. Der Verteidiger Rechtsanwalt Stcinfatt beantragte nach längeren Ausführungen F r e i s p r u ch, und serner, dem Angeklagten die not- wendigen Auslagen aus der Staatskasse zuzubilligen. Das Ge- richt sprach daraufhin den Angeklagten frei, lehnte aber die Erstattung der Auslagen aus der Staatskasse ab. * Die„Mecklenburgische Volkszeitung' fügt mit Recht diesem Be- richt die Bemerkung hinzu: Der Freispruch des Güstrower Gerichts wird nur dann verständlich, wenn das Gericht davon ausgegangen ist, daß die Lektüre nationalsozialistischer Zeitungen deren Leser so verblödet, daß sie nicht mehr für ihr« Aeußerungen verantwortlich gemacht werden können. Oer Giahlhelmmusiker. Gegenüber den Mitteilungen des Reichswehrministeriums, wo- nach der wegen Beziehungen zum Stahlhelm genannte Reichswehr- musiker Ziegenhagen seit einiger Zeit aus der Potsdamer Reichswehr ausgeschieden sei, teilt uns unser Gewährsmann mit: 1. Wir haben bisher über den Zeitpunkt der Beziehungen zwischen Stahlhelm und Ziegenhazen keine genauen Angaben ge- macht. Wenn das Reichswehrministerium heut« dementiert, daß diese Beziehungen noch in den letzten Wochen gespielt hätten, so dementiert es etwas, was wir nie behauptet haben. 2. Ziegenhagen hat an dem Stahlhelmtag in Hamburg im Juni 1928 als Tambour major teilgenommen. 3. Er hat bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Reichswehrdienst tätig am Musik- und Spiel- mannszug des Stahlhelms, der von dem Stahlhelmkapellmeifter Leuche geleitet wird, mitgearbeitet. ä. So hat er am 14. Dezember 1928 bei einer Weihlwchtsfeier der Potsdamer Stahlhelmkapclle als Tambour mitgewirkt. Er hat wiederholt an Proben der Stahlhelmkapelle in der Villa Ingenheim, die Eigentum des Prinzen Eitel Friedrich von Hohenzollern ist, teilgenommen. Er ha« selbst wiederholt behaupte«, daß der seinerzeitige vor- gesehte. Hauptmann von Stülpnagel, von dieser seiner(Ziegen- Hägens) Tätigkeit in der Stahlhelmtopelle gewußt, sie gebiltigt und ihn zu den probe« beurlaubt habe. Die Potsdamer Nazizelle. 1. Unter den Reichswehrsoldaten, die der NSDAP, angehören, befindet sich cm Soldat, der aus Neiße in Schlesien gebürtig ist und auf Grund dieser Angabe vom Rcichswehrministcrium wohl leicht ermittelt werden könnte. 2. Der mit seinem Spitznamen„General Heinrich" aus» geführte Soldat der 6. Kompagnie des 9. Infanterieregiments, der übrigens vor kurzem nach Wünsdorf versetzt wurde, hat unter an- derem auch an einer Werbevcran staltung der Pots» damer NSDAP, in dem Lokal„A l t« r Fritz" teilgenommen. In dieser Werbeveranstoltung wurde der nationalsozialistische Werbefilm von: Nürnberger Parteitag der NSDAP, gezeigt. Der genannte Soldat nahm an dieser Veranstaltung in Reichswehruniform teil, doch trug er über dieser Uniform eine« Zivilmanlel. 3. Am 19. Juli 1930 veranstaltete die Nachrichtenabtei- lung der Potsdamer Reichswehr ausgerechnet in dem nationolsiziali st eschen Verkehrslokal„Alter Fritz" einen Unterhaltungsabend. Bei dieser Nachrichten. abteilung befindet sich der Soldat Frank, der bestimmt Mitglied der NSDAP, ist bzw. in der Reichswehr für die NSDAP, wirbt. Frank duzt sich mit einer Reihe von Potsdamer Naziführern, so mtt dem NSDAP.-Funkttonär D 0 m a r u s. 4. In der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 19 29 veranstaltete die Potsdamer NSDAP, einen N a ch t m a r s ch nach Seddin, au dem Soldaten der 6. Kompagnie des 9. Infanterieregiments teilgenommen haben. Die Teilnahme von Reichswehrsoldaten an diesem Nochtmarsch wurde schon vor längerer Zeit dadurch bekannt, daß ein Reichswehr- soldat in einer Gastwirtschast in Seddin bei dieser Gelegenheit einen gelbweißen Biertopf,«in altes Erinnerungsstück, mitgehen ließ. Der Soldat soll bei VerÜbung dieser Tat betrunken gewesen sein. Das Verschwinden dieses Biertop�es hat der Potsdamer NSDAP. manche Ungelegenheit verursacht und, wie gesagt, die Teilnahme von Reichswehrsotdaten an der nächtlichen Expedition bekannt werden lassen. 5. Das in unserer ersten Meldung genannte Lokal Richter ist seit einer Reihe von Wochen nicht mehr offizielles NSDAP.- Lokal. Es hat feinen Besitzer gewechselt Der früher« Be- sitzer aber arbeitet aufs engste mit der NSDAP, zusammen, und sein Sohn ist heute noch SA-Führer und Fahnenträger der Pots- damcr SA. � �* Wir erinnern bei dieser Gelegenheit an unsere Mitteilung „Schüsse im Dunkeln" vom 13. Mai(„Abend-Vorwärts"), in der darauf hingewiesen wurde, daß der Nazi-Landtagsabgeordnete Die Einigung Oer Mitte mißlungen— den Extremen dank des neuen lommumst»scheu Programms glänzend geglückt! K u b e am S. Mai im Landtag und zur gleichen Zeit die„Schless wig- Holsteinische Tageszeitung" in Itzehoe(Nr. 112) durch Andeu, tungcn über einen länger« Zeit zurückliegenden Briefwechsel zwischen höchsten Reichswehrstellen und der Rationalsozialistisclxn Partei gemacht haben. Trotz mehrfacher Aufforderung, diesen Andeutungen durch voll« Veröffentlichung zu begegnen, hat der Rcichswehrminister über den Vorgang geschwiegen. Der Bombenprozeß. ivolck beginnt zu reden.— Er hatte SOS M. Monatsgehalt. Altona, 27. August. Da die Angeklagten sich noch wie vor weigern, etwas zur Sache zu sogen, muh in die Verlesung der Protokolle «ingetreten werden, die. die Staatsanwaltschaft als wichtig für die Ueberführung und den Schuldbeweis betrachtet und die Geständnisse bzw. Beschuldigungen der einzelnen Angeklagten entholten. Di« Angeklagten Rathjen, Bossen, Holländer und Warum die Mlrgcrlldie Judend zum Fasdilsmus strdml Seite 3 des Haupiblaites Teddy und Willy/ Hu Heldendesand 1. Seite der Beilage. Frau Holländer sowie M a t t h e s sind nicht erschienen« Das Gericht beschließt, ohne sie zu verhandeln. Zu einem Antrag des Rechtsanwalt Brandes nimmt das Ge- richt kurz Stellung. Anschließend wendet sich Rechtsanwalt Bloch scharf gegen die von ihm als tendenziös empfundene Bericht- erstattung eines Berliner Mittagsblattes, die er eine „infame Berleumdung des verstorbenen Kapitäns G ö t t i n g" nennt. Rechtsanwalt Dr. Brandt als Bertreter des als Neben« kläger zugelassenen Rechtsanwalts Dr. Stauß-Lüneburg beantragt, Aufklärung über die Richtigkeit der dort gemachten Angaben zu schaffen, da sie bezüglich des Angeklagten Johnsen von erheblicher Bedeutung sein könnten. Zohnsen soll nämlich den ihn» au« der Haft gewährten Urlaub benutzt haben, um mit dem kapu tan Gotting in Verbindung zu treten. Staatsanwalt Dr. E i ch h 0 l z widerspricht dieser Beweise erhebung nicht, und das Gericht beschließt, Zeugen zur Sache zu laden. Dolck beginnt zu reden. Rechtsanwalt Dr. v. d. Goltz gibt Erklärungen ab bezüglich! der Solidarität unter den Angeklagten. Auch sein Mandant B 0 l ck wolle sich nach wie vor entsprechend verhalten� aber sein eigenes Interesse zwinge ihn, zu sprechen, wo er es für nötig erachte. Die Volck betreffenden Protokoll« brauchen deshalb nicht ver� lesen zu werden. Es folgt eine persönliche Befragung Volcks. Zu« nächst soll dieser Angeklagte Auskunft darüber gebe», wie er zur Landvolkbewegung gekommen ist. volck greift bei seinen Schilderungen sehr weit aus und verliert! sich, trotz Mahnungen des Vorsitzenden, immer wieder in eine Eni- Wicklung des Jdeenganges der Begründung der Landvoltbewezu.ig. im Oktober 1928. Volck war eigentlich, nach seinen Aussagen, nach Holstein in der Absicht gekommen, eine Stahlhelmgruppe zu! bilden. Da dies nicht gelang, wurde die Gründung einer anderen Organisation namens der Deulschnationolen Volkspartei beschlossen und dieser Beschluß zur Ausführung gebracht, zunächst durch die Bildung einer„Wachtbundvereinigung für Stadt und Land, deren Hauptaufgabe der Kampf gegen die von Rußland an» dringend« bolschewistische Well« sein sollte. Volck bezog als Organisator 800 ZN. monatlich. Er kaufte einen Kraftwagen, den er zur Bereisung des großen Werbebezirks gebrauchte. Sein Standquartier nahm er zunächst in Husum bis Ende Januar 1929. Am 31. Januar ver- ließ er Holstein, weil ihm bekannt wurde, daß die Behörden sich für feine Person näher interessierten. Er lebte noch einige Zeit in Rönne, und von dort aus trat er Ende Juni 1929 eine Reise nach Italien an. Durch Zwischenftagen hält der Vorsitzende den Angeklagten davon ab, allzu weit auf das wirtschaftliche und politische Gebiet abzuschweije«. Allmählich erfährt man aus seiner Ausjgge dje Schöne Träume, schwere Sorgen Mißtrauen des Zentrums gegen seine Verbündeten Nach der offiziellen Lesart tritt die Regierung Brüning ein- mutig und gefchlofsen im Wahlkomps auf. Jeder für alle und alle 'für jeden. Ihr hohes Ziel: Reitung der deutschen Demokratie und des deutschen Parlamentarismus. Es sei bloß ein fozialdemo- kratischer.Mahlschwindel". daß dies« Regierung eine Gefahr für die Demokratie darstell«. Man muß lächeln, schreibt die„Germania", wenn von sozialdemokratischer Seite auf die Gefährdung der Demo- kratie hingewiesen wird. Nun lassen sich leider in der letzten Zeit sogar manche Z e n t r u m s k r« i s e durch unseren Wahlschwindel beeinflussen. Man wird vor allen: mißtrauisch dem prächtigen Demokraten und großen Geist des jungen Konservatismus, Herrn Treviranus, gegenüber. Herr Wirth hat in einer Wahlrede seinen schönen Traum erzählt. Er sah schon Breitscheid mit Treviranus an einem Regierungstisch sitzen. Prompt dementierte der Pressedienst der Treviranus- Partei diesen Traum von Dr. Wirth. Für die Kons er- vativ« Bolkspartei kommen solche Eventualitäten nicht in Frage. „Sollten solche Versuche(d. h. der Zusammenarbeit mit den Sozial- demokraten) von anderer Seite gewünscht und für aussichtsreich gehalten werden, so steht jedenfalls heute schon fest, daß die Kon- servative Volkspartei sich an ihnen nicht beteiligen, sondern sie auf das schärfste bekämpfen wird." Dieser Ausspruch veranlaßt die ,,Rhein-Moinische Volkszeitung", also«in linkes Zentrumsblatt,„eine' Frage an Herrn Treviranus" zu stellen:„Wohin soll di« Reise gehen?" Das Blatt macht darauf aufmerksam, daß Treviranus und seine Konservative Volkspartei nicht mehr alleinstehen, sondern sich mit der Deutschen Volkspartei und mit der Wirtfchoftspartei zu einer Arbeitsgemein- fchaft zusammengefunden haben.„Wenn diese drei Parteien durch die oben zitiert« Erklärung festgelegt sein sollten, dann machen sie sich entweder Illusionen über den Ausgang der Wahlen, oder sie erstreben— ganz vorsichtig ausgedrückt— eine Regierung. deren verfassungsmäßige Grundlage nicht zu sehen ist." Wenn wir uns nicht irren, so gehören all« diese drei Parteien zu den Parteien, von welchen die Regierung Brüning getragen wird. Ist Herr Treviranus nicht die große Hoffnung des mit ihm sehr befreundeten Herrn Brüning gewesen? Hat er nicht in der Um- gebung des Reichspräsidenten den Boden für die Regierung Brüning vorbereitet? Und jetzt diese Vermutung, daß von ihm und von der Hälfte der Regierungsparteien«ine Regierung ohne verfasiungs- mäßig« Grundlage angestrebt wird. Also scheint unser„Wahl- schwindet" doch den Tatsachen zu entsprechen. Wenigstens nach der Aufiassung der„Rhein-Mainischen Volkszeitung". O-* * Das andere Sorgenkind des Zentrums ist die Deutsche Staatspartei. Die Blätter wie die„Germania" und die „Tremonia" fürchten, daß für den Iungdo die Verschmolzung mit den Demokraten ein Kompromiß mit dem Libe ra lisnwt« und den Abbruch der christlich-konservativen Idee des Ordens be- deuten würde. Die„Tremonia"(vom 2S. August) stellt fest,„daß der Kampf gegen die Plutokratie vom Iungdeutjchen Orden in der Praxis anders geführt wird als in der Theorie". Dem Orden gelten zwar die Sympathien des Blattes, dessen„Wertschätzung des christlichen und nationalen Idealismus" des Ordens durch ungehobelte Schreiben aus seinen Reihen(hört! hört!) nicht beeinflußt werden.„Wir sehen aber", schreibt die„Tremonia",„wie unter dem Borgeben, die Deutsche Slaatspartei fei etwas ganz Neues und sie entspreche dem Kampf des Iungdo für die Volksgemeinschaft und gegen den Parteiismus und di« Plutokratie, oersucht wird, die Mitglieder des Ordens dem Liberalismus in die Arme zu führen." Wir sehen: alle Parteien des Brüning-Blockes sind für den einen oder den anderen Teil des Zentrums verdächtig. Man vermutet die dunkelsten Pläne, spürt noch der hinterlistigen Politik. Aber im Zentrum selbst setzt sich mächtig das Staats- o o l k gegen die Interessentenhausen durch. Darüber unterrichtet uns ,z. B. die Mitteilung d«r„Germania"(Morgenausgabe vom 4. August) über die Aufstellung der Kandidaten für Koblenz-Trier und Westfalen. In Koblenz-Trier ist die Liste„gegenüber der letzten Wahl fast unverändert geblieben. Nur tritt an die Stelle des Reichsoerkehrsministers von G u c ra rd der Landtags- abgeordnete VerHülsdonk als Vertreter des Mittel- st a n d e s." Eine Kleinigkeit: der alte Führer und vielleicht der klügst« Politiker der Partei wird nicht mehr aufgestellt.. Sehr wichtig:. ein Vertreter des Mittelstandes tritt an seine Stelle. In Westfalen-Nord bleibt der Borschlag ebenfalls gegenüber 1928 un- verändert,„n u r tritt an die Stelle d«s bisherigen Abgeordneten Dr. Klöckner Postsekretär Kampfschulte als Vertreter der unteren und mittleren Verkehrsbeamten". Ein paar Tag« später schreibt die„Germania":„Das Zentrum braucht nicht nach einer stoatspolitischen Idee zu suchen. Es trägt diese staatspolitische Idee in sich: den in der Demokratie zu verwirk- lichenden christlich unterbauten Volksstaat, in dein olle Teile sich durch Leistung und nationale Gesinnung dem Ganzen verbunden fühlen sollen, und in dem nicht die Interessen, sondern das Gcfamtwohl herrscht." Man muß lächeln... Dr. Scholz wird aufgerollt werden. In der Zentralvorstondssitzung der„Deutschen Volkspartei" am 24. August kam, nach dem ,�iung deutschen", eine sehr starke und lebhafte Opposition gegen die Matznahmen der Parteiführung und insbesondere gegen den Parteiführer Dr. Scholz zum Ausdruck. Es sei mit Sicherheit zu erwarten, daß nach den Wahlen die Frage der Parteiführung aufgerollt wird. Entwicklungsgeschichte der Landvolk bewegung bis zu der Zeit, wo die den Angeklagten zur Lost gelegten Straftaten befchloffen worden sind. Im Jahre 1928 hatten sich bekanntlich in Beidensleth holsteinisch« Landleute gemeinsam gegen Steuereintrei- düngen aufgelehnt und damit auch erreicht, datz durch Ministerial- Verfügung von Zwangsvollstreckungen Abstand genommen wurde. Di« moralisch« Rückwirkung dieses Ereignisses auf die ländliche Be- völkerung erleichterte, ja begünstigte direkt die Werbearbeit Volcks. Der Vorsitzende lätzt den Angeklagten längere Zeit reden, unterbricht ihn dann aber wieder und ersucht ihn um Auskunft, wie er zu den sogenannten„Knallpakelen" gekommen ist, ob er von der Wirkung dieser Pakete gewußt und sich ihrer Gefährlichkeit bewußt gewesen sei. Der Angeklagte V o l ck erklärt hierzu, der Lieferant, dessen Namen er nicht nennen wolle, Hab« ihm ausdrücklich oersichert, die Dinger seien ganz harmlos. Darauf Hab««r sie oerteilt. Vors.: Wenn es Ihnen nur aus das Knallen ankam, warum kauften Sie sich dann nicht in irgendeinem Laden einen der so- genannten Frösche oder einen Kanonenschlag, der ja auch recht laut knallt? Angekl. V o l ck: Wir standen in einer ernsthaften Bewegung und hätten uns dadurch lächerlich gemacht. Endlich kommen di« Ereignisse des 2 6. November 1929 zur Sprache, des Tages der ersten Ausgabe derLnallpakete, die den Anhängern Mut machen, dem Gegner Schrecken einjagen sollten. Der Angeklagte meint, die betreffenden Kreise hätten genau gewußt, worum es ging und daß es durchaus kein ü, inderkram, sondern eben eine ernsthafte Sache war. Do in jener Zeit gerade die bedeutungsvollen Reparations- Verhandlungen im Haag stattfanden, beschlossen die Angeklagten Ansang 1929, in Abwehr des„herandrohenden Poung-Planes" zu stärkeren Demonstrationen überzugehen. Auch der hierfür beschaffte MvIerllÄen einsehen! neue Spreng st off, das in Mülheim gestohlene Ro mpe r it und die Sprengkapseln, will Bolck für ungefährlich gehalten haben. Er gibt zu, die Gegenstände in Empfang genommen und weitergegeben zu haben, weigert sich aber, die Namen der anderen zu nennen. Ueber den Verbleib der Spreng st off« schweigt er sichhrute aus, und der Vorsitzende hält ihm seine frühere Aussag« vor, wonach er die Sachen in der Nähe der dänischen Grenz« verborgen hatte. Vors.: Nun brauchten Sie aber doch auch Leute, di« etwas von der Anfertigung von Knallkörpern verstanden. V o l ck macht ausweichende Angaben und bestreitet auch jede Beteiligung an den Attentaten in Itzehoe und Lüneburg. Er sei damals im Auslande gewesen und habe erst-ms den Zeitungen von diesen Dingen erfahren. Er habe sich damals von seinen Gesinnungsgenossen kaltgestellt gefühlt und geglaubt, daß man ihn als halben Verräter ansehe. Sein« früheren diesbezüglichen Angaben bezeichnet er heute als Rederei. Da er sich wieder weigert, Namen zu nennen, weist ihn der Vorsitzende darauf hin, daß dann die Protokolle verlesen werden müßten. Volck beharrt ms seinem Standpunkt. Der Vorsitzende hält ihm noch vor, daß ihm doch bekannt gewesen sein knüjse, welchen Schaden die ersten Allenlate in VeidenfleIH usw. angerichtet batten, daß er somit unmöglich den guten Glauben an die Unge- iährlichkeit der„Knallkiften" hätte haben können. Hiermit ist die Vernehmung Volcks beendet. Dos Ergebnis ist aber für die weitere Prozeßführung so bescheiden. daß noch in eine Erörterung über die Verlesung din: Protokolle eingetreten werden muh. RA. Dr. Brandt wünscht eine klare Angab« von Volck, ob er seine früheren Aussagen heute als falsch bezeichne.— Bolck oerweigert die Antwort. RA. Dr. Luetgebrune wünscht zu wissen, in welcher Weis« sich Volck durch seinen Glauben an astrologische Lehren in seinen Beschlüssen hat beeinflussen lassen. Volck stellt in Abrede. nach astrologischem Rat zu Handeln. Staatsanwalt Dr. E i ch h o l z stellt einige Fragen über Volcks Kenntnis in der Anfertigung von Sprengkörpern. Auch hierauf ver- weigert Bolck die Antwort. Rechtsanwalt Dr. Brandt teilt mit, der Angeklagte Volck hätte in Freundeskreisen geäußert, ihm könne nichts passieren, denn er ginge doch ins Ausland. Volck gibt eine heftige Antwort, die ihm eine Rüge eintrögt. Rechtsanwalt Graf v. d. Goltz erklärt, sein Mandant hätte sein Ehrenwort gegeben, nicht zu entfliehen: das müsse ge- nügen. Es entspinnt sich eine Auseinandersetzung über die Reichweite der Befugnis des Verteidigers, für seinen Mandanten Erklärungen abzugeben, wobei die Mei- uungen auseinandergshen. Aazi-Umzuge verboten. Durchgriff in Hamburg. Hamburg, 27. August.(Eigenbericht.) Die Hamburger Polizeibehörde hat sich veranlaßt gesehen, alle nationalsozialistischen Auszüge uad Demonstratianen, sowie Umzüge aus Lastkraftwagen In einheitlicher Kleidung und mit einheitlichen Abzeichen zu untersagen. Außerdem sind alle g«. schlossenen An- und Abmärsche zu und von den Versammlungen der Ralionalsozlallsten verboten worden. Die Hamburger Polizeibehärde sah sich zu diesen ZNaßnahmen ge- z innigen, nachdem bisher fast alle Demonstrationen der Rational- sozialisten in Hamburg zur Störung der öfsenllichen Ruhe und Sicherheit geführt haben. Heimwehrmann schießt drei Arbeiter nieder. Graz. 27. August. Bor der Glasfabrik Gradeirberg bei Köflach ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen Heim wehrleuten, die rvn einer Heldengedenkfeier heimkehrten, und Arbeitern der Glasfabrik. Nach noch nicht abgeschlossenen Erhobuvyen der Gen- darmerie hat ein Heimwehrinann fünf Revolverschüss« ob- gefeuert, wodurch drei Glasfabritarbeiter schwer ver- letzt wurden. Auf feiten der Heimwehrleutc wurden fünf Personen durch Stechwürje und Stockhiebe leicht verletzt. Wieder ein KaN spinaler Kinderlähmung 6ine Lichtenberger Schulftasse geschlossen. Auch in Lichtenberg ist jetzt ein Zoll von spinaler Kinder. lähmung zu verzeichnen, vor einigen Tagen erkrankte ein Schlüter, der die 7. Klasse in der Volksschule in der Kronprinzen- straße besucht, unter verdächtigen Erscheinungen. Durch den Arzt wurde gestern einwandfrei spinale Kinderlähmung fest. ge stell?. Daraufhin wurde vom Kreisarzt die vorläufige Schlie. ßung der Klasse angeordnet, heule vormittag sind die Räume bereits einer gründlichen Desinfektion unterzogen worden. Wann der Unterricht wieder ausgenommen wird, ist noch unbestimmt. Das ist in diesem Monat der achte Fall von spinaler Kinder- lähmung. Die Krankheitsherd« verteilen sich auf Steglitz, Lich- tenberg, Wedding, und Zentrum. Unter diesen Erkrank- ten befindet sich auch ein 25jährig«r Mann, aus der Dircksen- straße. Das ist bisher der einzige Erwachsen«, der von dieser Krankheit befallen ist. An den Zohien des Vorjahres gemessen, ist die spinale Kinderlähmung erheblich zurückgegangen. 1929 wur- den 72 Fälle amtlich registriert, in diesem Jahre sind es im selben Zeitraum bisher etwa 18 bis 29. Es wäre also falsch von einer Epidemie zu sprechen, da es sich, wie von zuständiger Stelle betont wird, um alljährlich in mehr oder minder starkem Maße auftretende Erkrankungen dieser Art handelt. Da die Gcsundheitsbehörden jeden Fall genau und gewissen- hast verfolgen sowie alle Abwehr- und Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen, liegt zur Beunruhigung kein Anlaß vor. Kommunalskandal in Wehiar. Oberbürgermeister und Etadtbauinspettor amtsenthoben. W e tz l ar, 27. August. tSegen de« Wetzlarer Oberbürgermeister stütz« und den Leiter des Bauamts,«tadtbauinfpeltor Hepp, ist vom Regierungspräsidenten in stoblenz das förmliche Difziplinarverfatzren eingeleitet worden. Beide Herren sind vom Amt suspendiert und dürfen die Verwaltungsraume nicht metzr betreten. Ihre Bezüge werden ihnen nur bis zur Hälfte aus- bezahlt. Die Verwaltung ist einstweilen dem ersten Beige- ordneten Geoeg übertrage« worden. soll sich um Unregelmäßigkeiten in der Verwendung städtischer Gelder handeln. Sinzelheiten fehlen noch. Gerüchte über eine Wahlkandidatur. Erklärung des sozialdemokratischen Bezirksvorstandes - Zwickau. Zwickau. 27. August. Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei teilt mit: „In der Press« fft zu einer etwaigen Kandidatur des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Z e i g n e r zum Reichstag die Mel- düng verbreitet worden, daß von selten des Porleivorftandes der Sozialdemokratischen Partei ein Druck auf Z eigner bzw. die Organisationen ausgeübt worden sei, um«in« solche Kandidatur zu verhindern. Hierzu teilen die Pezirksvorstände der SPD. im Wahl- kreis Chemnitz-Zwickau inst, daß solch« Gerüchte völlig unbogründet sind. Die Aufitellung der Reichstagskandidowren des Wahlkreises sei vielmehr am Sonntag, 24. August, ohne den geringsten Einfluß von irgendwelcher Seite aus Grund de» Or- ganisafionsftatute» vor sich gegangen. 6 TodesopferbeiFlugmanövern Französisches Bombenflugzeug abgestürzt. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Ja Ehavaoues bei Eharlres hat sich ein schweres Flugzeugunglück ereignet, das sechs Menschenleben forderte. Ein großes Lombenwerserslugzeug des 22. Flicgerrcginumls stürzte au» beträchtlicher Höhe infolge Rlolordesekls ab. Die gesamte Besatzung. elnLeutnankundsünfAnlerossiziere. war auf der Stelle kok. Das Flugzeug ging vollkommen in Trümmer. Zum Glück war die Straße, in der es abstürzte, vor einigen Tagen wegen Boufälligkeit einiger Häuser gesperrt worden, so daß von der Bevölkerung niemand zu Schaden kam. Mehrere Häuser wurden durch da» brennende Flugzeug schwer beschädigt. Paris. 27. August.(Eigenbericht.) Aus dem Flugplatz in Le Bourget oersuchte am Dienstag- iiachiinttag«in unbekannter Mann, ein Passagier- flugzeug zu stehlen bzw. sich mit ihm aus dem Steube zu machen. Der Mann bestieg den Pilotensig und versuchte das Flug- zeug in Bewegung zu setzen. Da er sich jedoch an der Schalttafel nicht auskonnte, gelang es ihm nicht, das Flugzeug vom Boden hochzubringen. Das Flugzeug machte lediglich verschiedene Lust- spränge, so daß sein Insasse schließlich hoch ini Bogen heraus- geschleudert wurde, aber noch che feine Verfolger ihn erreichten, hotte er sich davongemacht. Das herrenlose Flugzeug raste weiter, fiihr gegen einen Bergabhang und zerschellte. Drei wegen„Zersetzung" verurieili. Leipzig, 27. August.(Amtlich.) In dem Hochverratsprozeß gegen die drei Wilhelmshavener Kommunisten Walter, Arntfen und Wende wurde heute mittag folgendes Urteil verkündet: Sämtlich« Angeklagten find sch u l d i g der Vorbereitung des Hochverrats im Sinne des§ 86 Strafgesetzbuches. Es werden ver- urteilt: Wolter und Arntjen zu einemJahr, Wende zu e i n e ni Jahr sechs Monaten Festungshaft wegen Verbreitung von Zersetzungsfchristen. Es handelt sich, so wurde in der Begründung u. a. ausgeführt, um»sehr gefährliches Verhalten gegenüber der Reichs- marine. Trotzdem glaubte der Senat unter den Antrag des Reichsanroalls gehen zu sollen(der für Walter und Arntjen je ein Jahr neun Monate und für Wende zwei Jahre drei: Monate Festungshaft beantragt hatte), weil alle Angeklagten zu ihrem ver- derblichen Verhalten verführt worden seien. Massenprozeß gegen Slowenen. Wien, 27. August(Eigenbericht). In Trieft beginnt am 11. September ein Hockzverratsprozeß gegen 87 Angeklagte, die zumeist italienische Staatsangehörige slowenischer Nationalität sind. Den Angeklagten wird vorgeworfen, slowenische Bücher und Broschüren verbreitet zu haben, durch die Italien verleumdet worden sei und zahlreiche tcrro- ristische Aktr angezettelt worden wären. Insgesamt zählt die An- klag« 99 Verbrechen auf, darunter nicht weniger als 13 Morde, 31 bewaffnete Ueberfälls auf faschistische Milizsoldaten, 18 Brand- stiftungen an italienischen Schulen, 8 terroristische Akte und 4 Splonageakt«. Sprcchchor Tiergarten des SAZ. Heute Uebimgeabend Uhr Waldenferstraße. Alle müssen erscheinen. Georg Decker:* Die bürgerlicheMend strömt zum Faschismus- weil sie nicht mehr königlich preußischer Reserveoffizier werden kann. Der Tchrei in den bürgerlichen Mittelparteien, ..die Jugend vor die Front", stellt den Versuch dar, die davonlaufenden Scharen der Jungen für die Politik ihrer Väter zu gewinnen. Das gilt so gut für die Staatspartei wie für die„Jungkonser- vativen" um Treviranus und Westarp. Es wird nicht für, sonder« um die Jugend gekämpft. Die Jugend wird nicht zum neuen po/itische« Bewußt- sein geweckt, sie wird bloß umworben. Di« ganze innerliche Verlogenheit dieser Umwerbung der jungen Wähler offenbart sich schon in allen diesen Redensarten von den „Jungen", von der„Jugend", von der„lungen Generation" über- Haupt, ohne jede nähere Bezeichnung, an wen eigentlich dabei ge- dacht wird. Gehören denn wirtlich alle Söhne zusammen, unge- achtet dessen, zu welcher gesellschaftlichen Schicht, zu welcher Klasse, zu welchem Beruf ihre Väter und sie selbst gehören? Jede Schicht, jede geistig« Richtung und jede politische Partei hat jetzt ihr eigenes Problem der Beziehung zwischen den Generationen. Es lassen sich freilich auch gewisse Züge feststellen, die verschiedenen Formen dieses Problems gemeinsam sind. Physiologische und damit verbundene psychologische Unterschiede existieren immer, sie bildeten aber keine Grundlage für die gemeinsame politische Front der Jungen. Jetzt gibt es noch eins, was der gesamten jungen Gene- ration gemeinsam ist. Sie ist von den älteren Generationen dadurch getrennt, daß sie die Zeil vor dem Kriege und vor der Umwälzung nicht bewußt miterlebt hat. Auch diese zweifelsohne außerordentlich bedeutsame Tatsache genügt aber n i ch t, um es zu begründen, daß die gesamte junge Generation zu einer politischen Front, und erst recht nicht, daß sie zu einer Front ausgerechnet mit Dietrich und Hermann Fischer oder mit Graf Westarp und General Lettow-Vorbeck» gehört. Wenn man das Kind mit seinem richtigen Namen nennt, so geht der Kampf um die bürgerliche Jugend im breiten Sinne des Wortes, um die Söhne und Töchter, deren Väter lonseroatio oder liberal wählten, die aber selbst nicht geneigt sind, diese politische Erbschaft willig zu übernchmen. Wenn wir uns zum Beispiel die schwinde!- basten Erfolge der R a t i o n a l s o z i a l i st e n bei der akademischen Jugend oergegenwärtigen, so wird es klar, daß diese Jugend andere Wege gehen will als ihre Väter. Wir übersehen die Totsache nicht, daß die Nationalsozialisten auch bei der proletarischen Jugend ge- wisse Erfolge haben. Diese Erfolge haben aber ein ganz anderes. und zwar viel geringeres Ausmaß, und sie erstrecken sich vornehmlich auf die Kreise außerhalb der großen Masse der sozialisti- s ch e n Arbeiterschaft, währertd innerhalb der bürgerlichen Zugend die Nationalsozialisten die traditionellen Bindungen zerschlage«. Daß für die Arbeiterschaft das Problem der Generation ganz anders ist, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß hierbei die Ver. schiedenheit in der Wertschätzung der Errungenschaften der Arbeiter- bewegung eine sehr beträchtlich« Roll« spielt: Die Jugend, die nicht aus eigenen Erfahrungen weiß, was die frühere„D e s p o t i« im Betriebe", überhaupt die Arbeit unter den früheren Verhält- nissen oder Arbeitslosigkeit ohne jede Unterstützung bedeutete, ist nicht imstande, ebenso klar wie die Alten einzusehen, wie stark und wie vieles sich doch geändert hat. Erst jetzt, da die soziale ReaktionzumAngriss auf ganzer Linie übergegangen ist und Hunderllausende wegen der dauernden Arbeitslosigkest ausgesteuert iverden, lernen auch die Jungen kennen, was die Arbeiterschaft alles zu verlieren hat. Di« Differenzen innerhalb der sozialistischen Arbeiterschaft drehen sich im wesentlichen um die Frage, w i e die gemeinsame Sache besser zu machen ist. In der Zielsetzung ist man einig, und am wenigsten kommt es in Frage, daß die„glorreiche Vergangenheit" in irgendwelcher Hinsicht von der alten oder von der jungen Generation als Ideal betrachtet wird, was bei der Aus« «inandersetzung zwischen den Generationen innerhalb des Bürger- tums keine gering« Rolle spielt. Mit anderen Worten: Di« Span- nungen zwischen den Generallonen in der großen Masse der Arbeiter- schast gehören zu dem Prozeß der Bildung des proletarischen polillschen Bewußtseins, während die entsprechenden Spannungen in den verschiedenen bürgerlichen Schichten die Zersetzung des bürgerlichen politischen Bewußtseins widerspiegeln. Für die proletarische Zugend ist es typisch, daß sie ihre proleta- rische Gesinnung besonders stark betont, während niemand von der bürgerlichen Zugend als. bürgerlich erscheinen will. In ihrer Auswirkung bedeutet die steigende Aktivität der Jugend für eine Partei wie die unsrige ihr« Stärkung und die Sicherung ihres Aufstiegs, während die bürgerlichen Parteien von der Jugend oerlassen und durch die Aktivität der Jugend in ihrer Existenz bedroht werden. Für die bürgerlichen Kreise sind die Nationalsozialisten schon in starkem Maße die Partei der Jugend geworden. Neulich sagte mir jemand, der wegen seiner persönlichen Verbindungen und seiner beruflichen Tätigkeit sehr breit« Beziehungen in den bürgerlichen— auch in den großtapita- listischen— Kreisen hat: „Bürgerliche Zugend. soweit sie sich nicht zum Sozialismus bekennt, muß faschistisch werden." Es war kein Sozialist, sondern ein guter bürgerlicher Demokrat, der diese Feststellung getroffen hat. und er hat damit auch die für ihn sehr unangenehme Tatsache begründet, daß sich die Demokraten mll dem Jungdeutschen Orden, dessen saschisttsche Neigungen unverkennbar sind, verschmolzen haben. Die Gründung der Staats- Partei ist also insofern ein« Anpassung an die junge Gcueration. als sie der Entwicklung der Kinder Rechnung trägt, die für den Liberalismus— wohlbemerkt für einen sehr verwelkten Liberalis. mus— ihrer Väter nichts mehr übrig hoben und sich durch die un- klare faschistische Ideologie und geräuschvollen faschistischen Phrasen beeinflussen lassen. Soll nun das, was aus dieser Paarung eines verwelkten Liberalismus mit einem gemäßigten Faschismus zustand« kommt, als der Ausdruck des politischen Willens der jungen Gene- ration gelten? Die Staatspartei kann«ine nützliche Funktion er- füllen, wenn es ihr gelingen wird, einen Teil des Bürgertums außerhalb einer geschlossenen reaktionären Front zu holten. Ihre positive politische Bedeutung wird nicht zuletzt davon abhängen, wieviel von altem politischen Liberalismus in ihr erhalten bleibt. Die Partei der deutschen Jugend ist sie auf keinen Fall. Für die bürgerliche Jugend von heute, mag es sich um die Söhne der Industriellen, der Käufleute, der mittleren und höheren Beamten oder der Akademiker handeln, sind die alten Wertschätzungen ver- lorengegangen, die für ihre Väter in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege selbstverständlich waren. Man wußte damals ganz genau, was der Begriff„hoch zu kommen" bedeutet. Rur für wenige„Auserwählte" bedeutete das auch damals„reich werden"; für alle war das die Sicherung der anständigen E x i st e n z und eine„ehrenhafte" Stellung in der gesellschaftlichen Pyramide. Das Maß des gesellschaftlichen Erfolges wurde sozu- sagen von oben gemessen. Die Gesellschaft hatte«nie klar u m- rissene Spitze— der Hof und Hofadel, die höheren Militärs, die geadelte Plutokratie, das war eine Lichtquell«, und ehrenhaft war es, in ihrer Ausstrahlung zu leben. Auch Titel und �Zrdcn gehörten zu dieser Ausstrahlung. In Preußen hat» die Einrichtung der königlichen Reserveoffiziere eine besondere Rolle gespielt, die von Dr. Eckart Kehr(„Zur Genesis des Kgl. preußischen Reserveoffiziers", in„Die Gesellschaft", De- zember 1928) vorzüglich geschildert wurde. Dr. Kehr spricht von der „Anbiederung des Bürgertums an die Armee unter Umbildung der bürgerlichen Denkweise zur Denkweise des Offiziers und der Verleihung eines sozialen Nimbus an die bürgerliche Schicht, die der Würde des Reserveoffiziers teilhaftig werden konnte".„Der Referveoffizierafpirant wurde im Kasino von den Offizieren seines Regiments, die ihn später zu wählen hatten, genau auf seine Qua- litäten geprüft. Der Jude kam von vornherein nicht für die Würde eines„Manöveronkels" in Betracht, der Sozialdemokrat noch weniger: nicht mir deshalb, weil er mit seiner Zugehörigkeit zum Sozialismus bewies daß ihm die nötigen„moralischen Qualitäten" Christliche Neutralität. Bei der Sozialdemokratie hört sie auf. Bei einer„Gründungstundgebung" für den Landesverband Mitteldeutschland des.Deutschen Gewerkschastsbundes" am Sonn- tag, ausgehend von den Christlichnationalen Gewerkschaften in Halle, referierte Heinrich Im dusch. Die christlichen Gewerkschaften seien politisch neutral, das heiße aber nicht, uninteressiert,«keine Neutralität gibt es der marxistischen Sozialdemokratie gegenüber, aber im übrigen lassen wir unseren Mitgliedern vollkommene Freiheit." Imbusch betonte das besondere Interesse seiner Gewerkschaften am Staat. Deutschland sei ein Staat, in dem der Bürokratismus herrsche, trotzdem wolle man mitarbeiten an seiner inneren Ausgestaltung sowohl, wie an seiner äußeren Macht und Größe. Nach Imbusch präsentierte sich der Vorsitzende des neugcschaffe- nen Landesverbandes, der Gauvorsitzende des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbondes Feger(Halle). Er feierte den nsuen Zusammenschluß als bedeutsames Ereignis zu„bewußter Zusammen- führung von Arbeitern und Angestellten der freien Wirtschast zu gemeinsamem staatsbürgerlichem Handeln. Ein ungeheurer Unter- schied besteht zwischen un» und den freien Gewerkschaften". Feger nennt den Wahlkampf einen soziapolitischen, bei dem die SPD. unter dem Einfluß der Gewerkschaften stehe. abgingen. Wer aber nicht Rcservcossizier war, dem fehlte das entscheidende Stück des sozialen Ansehens. Der Akademiker, der es nur bis zum Reserveunterosfizier gebracht hatte, war im bürger- lichen Leben das, was in der Kaserne Soldat zweiter Klasse hieß." Diese alte Herrlichkeit ist vorbei. Geblieben ist aber dos Bedürfnis nach der sicheren Orientierung der Lebenstätigkeit, nach dem gesellschaftlichen Erfolg, nach dem Aufstieg zu Ehren und Würden. Dem entspricht die faschistische Verheißung einer festen Rangordnung mit der Chance, in die Nähe der„Clile", d. h. der auserwählte« Führer- schasl zu kommen. Die Wehroerbände ersetzen die alte Armee mit ihrem aus- gedehnten Offizierkorps, man macht sich zu„R e s e r v e o f f i zieren" einer eingebildeten Armee. Zugleich versagt auch der alte Individualismus, der Glaube an die Macht einzelner Persönlichkeiten. Schon so viele sind durch die Parole„Freie Bahn dem Tüchtigen" enttäuscht worden. Die Wirtschaft selbst wird b ü r o k r a t i s i e r t, an die Stelle der.freien" Unternehmer treten die besoldeten Leiter und Vertreter. Einsam und Verlässen fühlt sich der einzelne in dieser Gesellschaft, in welcher alte Bindungen so schonungslos zerschlagen werden, während von unten zusammen- geschlossene Massen immer bedrohlicher emporsteigen. Man über- läßt das persönliche Wirken dem berufenen Führer, man will geführt sein, man sucht die Rettung vom eigenen Schicksal, von den eindeutigen Bindungen an die großen kämpfenden sozialen Kräfte in vagen Vorstellungen von einer alles umfassenden, alles, was zerrissen wurde, wieder bindenden Volksgemeinschaft. Um diese Jugend geht jetzt der Kamps. Diese Jugend wird jetzt umworben. Und die Werbenden scheinen um so besser« Erfolgs- aussichten zu haben, je verworrener ihre Gedankengänge und je un- klarer ihre Programme sind. Dieser Verwirrung gegenüber ist es unsere Aufgabe: unsere Ideal« und unsere nächsten Ziele, unser« sozialen und kulturellen Bestrebungen mit aller Klarheit für jeden kenntlich zu machen, damit sich alles, was den Mut dazu findet, sich nicht für die nicht existierende„Volksgemeinschaft", sondern für die Freiheit und das Wohl des in Wirklichkeit bestehenden, schwer arbeitenden und leidenden Volkes zu entscheiden und sich um unsere Kampffahnen zusammenschart. Zu der Sozialdemokratie fänden die Arbeiterorganisationen stärkste Berücksichtigung. Bei den bürgerlichen Parteien fänden da- gegen die christlichen Gewerkschaften kaum Beachtung, ihr Einfluß sei unbedeutend und unerwünscht. Es sei in Mitteldeutschland gelungen. 80 000(?) Arbeitnehmer christlich zu orientieren und sie so der Sozialdemokratie vorzuenthalten, das müsse bei den politischen Parteien beachtet werden. „Es gibt keine Aebcnvindung der SPD, wenn nicht Bresche geschlagen wird in freie Gewerkschaslen. Genoflenschaslen und die anderen, sozialistisch eingestellten Arbeilerorganisatloaen. Woher kommt die Kraft der SPD, die 1 Million Wähler organisiert hat und 9 Millionen Stimmen erhielt? Zn der Zusammenfassung in den freien Gewerkschaslen liegt die Bindung und Verflechtung der Blassen mit der Sozialdemokratie." Die„Grundungskundgebung" endete mit dem Deutschlandlied. Man kann sie als Symptom werten, als Symptom de» immer stärker werdenden Einflusses des Deutschnationalen Handiungs- oehilsenverbandcs und seiner Hintermänner auf die christlichen Gewerkschaften. Bessere Worte der Anerkennung können sich freie Gewertschosten und Sozialdemokratie nicht wünschen, als sie hier ausgesprochen wurden. Ihre Anerkennung mit dem Stimmzettel werden die Arbeiter und Angestellten am t4. September mit dem Stimm, eilel für die SPD. aussprechen. •letzt Ist die alten Mitgliedskarten der Volksbühne umzutauschen und Neuanmeldungen vorzunehmen „Organisationsfetischismus" (Schärfste Bekämpfung der eigenen Läden der KPO. Die ganze KPD. in Deutschland ist nichts als ein einziger Fehler. Was sie heute als richtig erkennt und anbetet, muß sie morgen als Fehler erklären und verbrennen. Sie kann nie wissen, was für sie fehlerhaft und richtig ist. Das erfährt sie stets erst hinterher aus Moskau. Da hafte man in Berlin die Schumacher und Kaiser gefeiert, als sie eigene Läden für Bekleldungsarbefter und Bauarbeiter aufzogen. Nachdem sie längst nicht mehr linientreu befunden und ausgeschlossen worden waren, wurde Niedtrkirchner gelobt, als er seinen Rohr- legerladen aufmacht«, und. Repschläger bekam sogar ein Reichstags- mandat dafür, daß er einen Laden für Zimmerer eröffnete. Auf dem S. RGJ.- Kongreß in Moskau führte Dahlem u. a. aus: „wir müssen offen sagen, daß unser« innergewerkschaftliche Arbeit stagniert, hauptsächlich infolg« sektiererischen Theor.en und Abweichungen, deren Repräsentant in Deutschland Genosse Werter war. Die Gewerkschostsopposition muß diese Fehler korrigieren." Eine Resolution von Losowski fordert, daß in Deutschland die Losung:„hinein in die Gewerkschaften i" aufgegeben werden muß. Dahlem wandte sich aus taktischen Gründen dagegen, indem er sagte:„Tatsächlich existiert in unserer Press« eine solche Losung nicht mehr seit zweieinhalb Zahren. Würde eine solche Formulierung in der Resolution(von Losowski) beibehalten werden, so könnte dos angesichts der bestehenden starken gewerkschaftsfeind- lichen Tendenzen bei vielen Arbeitern den Eindruck hervorrufen, daß auch sie nicht mehr den reformistischen Ge- wertschasten anzugehören brauchen. Wir müssen positiv« Losungen aufstellen wie etwa: Arbeiter, tretet in die Reihen der Revolutionären Gewerkschaftsopposition ein!" Der Russe Smolianski erwiderte: „Innerhalb der reformistischen Gewerkschaften sind wir immer noch sehr schwach, unsere Arbeit innerhalb der Gewerk- schasten Hot in der letzten Zeit nachgelassen. Diese Vernachlässigung hat sehr traurige Folgen gehabt. Wäre unser Einfluß innerhalb der Gewerkschaftsbewegung stärker, könnten wir für uns die Ele- m«nte gewinnen, die den Reformisten Gefolgschast leisten, so wäre unser Kampf viel erfolgreicher. Einige Genossen unterschätzen die große Bedeutung der Arbeit in den reformistischen Ge- we rks cho s te». Sie halten es für notwendig, sofort und überall selbständige verbände zu gründe«, als ob wir durch Schaffung neuer Verbände automatisch die Möglichkeit be- kämen, größer« Massen zu beeinflussen. Diese Stellungnahme ist Organtsalionsselischismus, die wir schärfftens bekämpfen müssen." Ob jetzt Repschläger und Niederkirchner samt den„revolutionären" Schuhmachern ihre Läden wieder zumachen sollen und einem dahin- gehenden Befehl nachkommen werden, das mögen die Moskau- Berliner unter sich abmachen. Unsere Aufgabe wird es sein, in den Gewerkschaften dafür zu sorgen, daß die kommunistische„Arbeit", die allerdings traurige Folgen.hotte, vollends ausgeschaltet wird. Aas Nugboot, das den Atlantik Sberqverte Gronaus wettere Flugpläne New Zort. Z7. August. äebet das gestrig« Einlreffen des Fliegers Gronau berichten die Blätter ausführlich und in freundlichster weife. Die„Times" bringt einen längeren Bericht Gronaus über seinen Alug. Er plant die �orlfehung des Fluges nach Washington und Ehikogo.„World" sagt in einem Leitartikel, von Gronaus Flug werde als dritter wesl- wärtsflug bezeichnet, indessen sei er einzig in seiner Art. Wie jetzt bekannt wird, handelt es sich bei dem Flugzeug des deutschen Fliegers von Gronau, der von Grönland noch Konada und weiter nach New Jork geflogen war. und der damit gleichzeitig die erste Ueberquerung des Nordatlantik durch ein Flugboot vollzogen hatte, um ein sechs Fahre im Betriebe stehendes Dornier-Flugboot der Type„Wal".(Auch das bei Bornholm gestrandete Flugboot war ein Dornier-Wal desselben Typs.) Roald Amundsen gab im Jahre 1924 den Austrag zum Bau des Flug- zeug es, er benutzte es bei einem Fluge nach dem Nordpol. Während dos Schwesterslugboot, die„dl. 24" im Eise zurückgelassen werden mußt«, gelang es dank der umsichtigen Leitung des großen Polorsorschers mit der Besatzung beider Flugboote unter schwierigsten Berhältnissen zu starten und das einzige Flugboot trotz Ueberlastung vom Eise loszukriegen. Mit der zerbeulten Dornier-Maschine, die die Bezeichnung„dl. 25" trug, flog Amundsen dann nach Spitzbergen und weiter nach Oslo. Eine Glanzleistung ersten Ranges für Führer und Maschine. In den späteren Jahren unternahm der norwegische Oberleutnant Lützow-Hohn große Flüge mit demselben Flugzeug, die ihn zwecks Wettererkundung bis weit über England und Holland führten. Im Jahre 1927 kauften die Dornier-Werke da» Flugboot zurück und baut« die bis dahin verwendeten Rolls- Royce-Motore aus, um an ihre Stelle zwei>? 459 starke englische Napier-Lion-Motore zu setzen. So in der Motorenanlage verjüngt benutzt« sie der bekannte englische Weit st recken« flieger Courtney zu seiner mißglückten Atlanttküberquerung, die er infolge großer Stürme und wegen Nebel nicht durchführen konnte. Er mußte damals bei den Azoren lzalt machen. Dos Flugzeug, legte diesen weiten Weg von den Azoren bis zurück nach Friedrichshofen ebenfalls im Flug« zurück. Am Bodcnfee angelangt, erfolgte ein nochmaliger Motorenwechsel, da di« englischen Napier- Motoren eigens für die mißglückte Ozeanübersliegung von Courtney gestellt worden waren. Man griff jetzt aus die deutschen Erzeugnisse zurück und baute zwei 450/600 PS starke BMW-Motoren ein, die sich noch heut« im Flugzeug befinden! Hierauf wurde der Wal von der Deutschen Berkehrsfliegerschul« Warnemünde erworben und führt« bereits im Jahre 1928«inen großen Rundfiug von List— Färöer Inseln— Bergen— Oslo bis zurück nach List aus. Während 1929 ein Flug noch Island und zurück zu verzeichnen ist. Auch in diesem ganzen Jahr war der Wal eifrig unterwegs— u. a. noch Helsingfors. Alle diese Flüge führt« Gronau selber durch und er- warb sich durch dieselben die notwendige Erfahrung, die ein solches Unternehmen wie di« Ozeanübersliegung erfordert und voraussetzt. Anörees Leiche wird heimgeholt. Ernennung der Andree-Kommission. Stockholm, 27. August. Die Andree-Kommrssion ist am Dienstag er- nannt worden: st« wird schon in den nächsten Tagen nach Tromsö abreisen. Die Einbalsamierung der Leichen wird Professor Hedven übernehmen. Für die Sicherstellung der Ejcpcditions-Zubehörteile übernimmt Professor Litberg die Dcrant- wortung. Außerdem werden einige norwegische Gelehrte mit- arbeiten. Das Kanonenboot„S v e n f k s u n d" hat Auftrog erhalten, die Fahrt noch T r o m sä vorzubereiten. Ein Weit- rennen hat begonnen, um die„Bratwaag".zuerst zu erreichen. Meh- rcre Schisse, von skandinavischen und ausländischen Zeitungen ausgerüstet, zum Teil sogar mit Flugzeugen an Bord, sino von Tromsö unterwegs, um das Schiff, an dessen Bord sich die Ueberrest« der Expedition befinden, zuerst zu erreichen. Kormmpierte Justiz in Aew 8ork. Jünf dichter mehr beschuldigt— Gewerkschaften. für iioosevelt. New Jork, 27. August.(Eigenbericht.) Di« Untersuchung des städtischen korrupten Iustizwesens droht auf vier Polizeirichter und einen Oberrichter über- zugreifen, die des Acmterkaufs und dienstlicher Mißbräuche be- schuldigt werden. Die Staatsanwaltschaft prüft die Beschuldigungen. hält aber die Namen der Angeklagten geheim. Die Untersuchung, die unter der direkten Leitung des Generalftaatsanwalls Ward geführt wird, gewinnt angesichts der kommenden Gmivcrneurswahlen besondere Bedeutung. Ward ist bittere? politischer Gej�neit des mit der Stadtverwaltung eng befreundeten Gouverneurs des New-Dork-Staates R o o s c v e l t und wird als Bewerber um den Gouverneurposten genannt. Demgegenüber tritt die organisierte Arbeiterschaft in einem offenen Briefe des Gewertfchafts- Präsidenten William Green für die Wiederwahl Roosevelts ein. Green hebt rühmend die Leistungen Roosevelts für die wirtfchafltiche und soziale Hebung der Zlrbeiterschost hervor, wie staatliche Alters- Pensionen, Forderung des Achtstundentages, Arbeitsjchutzgeseg für Frauen und Kinder. Die Sozialistische Partei bezeichnet dagegen die Arbeitsgesetze des New-Vork-Staates als unzulänglich. Sie nagelt die städtischen Korruptionsskandal« fest und stellt eine eigene Kandidatenlist« auf. kein Mililärtrieg in Peru. Der Bürgerkrieg zwischen den rivalisierenden Militärgruppen ist vermieden. Der Führer der Aus. ständischen im Süden, Sanchez Terra, nahm ein Vergleichsangebot an und wind in das Mikitärdirektorium eintreten. Die Ruhe ist im allgemeinen wiederhergestellt. Gerüchte über den Expräsrdenten Leguia sprechen von schwerer Krankheit und plötzlichem Tode des Expräsidenten an Bod des vor Callas liegenden Kreuzers. Wetterbericht für Verlin: Weiterhin beständig und am Tag« warm. Für Deutschland: Allgemein heiler und namentlich im Westen am Tage warm. IT'&lJtM Mittwoch. 27. Angnst Berti«. 16.00 Hans HWIwie; Vom Serelfliejen. 16.30 I. Haydn: Sintonie Cs-Dnr.— 2. Schobert: Sinfonie Nr. 6, C-Dnr. (Funkorchesfer.) 17.30 Aktuelle Abteilung. 18.00 Prof. Dr. W. WaetzoWt«nd Dr. Graf w, Are«: MOtHchkettait dej Rundfunks. 18.30 Untcrhaltungsmosik. 19.25 Arbeitsntarkt. 19.30 Leben in Briefen, f. Robert Brosnünt nd Elisabeth Birrett-Barrett, (Uebertragung von Paul Greve.)(Sprecher; Alfred Braun u. Else Theel.) 20.00 Von der Kinotechnik bis zum Tonfilm.(Artur Guttmann mit seinem T erra-T onf ilm-Orchester.) Nach den Abendmeldnngen bis 0.30; Tanzmusik. Königsvoeterhaiiic«. 16.00 Hamburg; Nachmittagskenzert. 17.30 Karl Frlebel: Erfahrungen und Erwartungen. 18.00 Prof. Ma* Strub und Hilde Strub-Neoffer: Wette für zwsl VioUnen. 18.30 Dr. Emst Herrmann: Tenfelsstelne im Volksglauben. 18.55 Spanisch für Anfinget. 19.25 Reg.-Rat Dr. Weyrich: Die rechötche Stellung der Wirtestandsbermten. 20.00 Leipzig: Konzert. 21.00 Leipzig: Vorlesung ans dem Bneh von Agnes Smedley:-Ein Em allein". 21.50 Leipzig: Konzert. Verantwortl. für die Rehaktinn: Solfgans SchnKtzg, Berlin: Anzeigen: Th.»lecke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag ib. m. b. S., Berlin. Druck: Borwilrts Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singet& Co., Berlin®38 68, SinbenfttoSe 3. Hierzu 1 Beilage. PER mUEFFEKJ i 1 .. dec'ftMiMstodt /•-■ üt ( rJ und. # h&j m-2 /.v• ■ KOflZ E RT-K AFFEE-TAHZ- PAL AfT-HABARElT- BAR1 FBIEDRKHfm.Q6.An BAH h HOF. ("r�*----.T.*«-r F'asta«* Xlieiilec, Ltdtlspiele usw.|| -l'nch, J'--------- OL»---- vlAza Tägl. S u. 8» Sonnt. 2. 5u. 8" Alex. E 4, 8066 Kassner, Maciste, |5 Resua— Roller— Girls usw. Winrer ★ Garren* 8.15 Bhr— Bamten eriattbi Carlos and emta a. Ca. and weitere In Berlin nodi nidit geielgto Stars. 19 S "««em»® i"® •'«ke&e�e«'- ers, 'Uhr. Tel. C1 St«in> piatz 6554 Lydia Potechina GreteWeiser, Hilde Wenzel, Olaf Bach, HenryBerg, Harry Gondi, Hilde Römer, Eberhard Wrede, Mayer- Folkow, Ernst Wurmser. Regie: Viktor Heinz Fuchs Bühnenbildert Herbert Oöblin. Jazz an 2 Flügeln: Joseph und Klupsch. ABI. SEPTEMBER Täglich SV« Uhr Rundfunkhörer halbe Preise. Der Vorverkauf hat begonnen. Lommel nur auf Homocord-Schallplatten. rheaterl. d. Bebrenstr. 53-54 Letzte Vorstellungen «V* Uhr ist das niebl nett uon coiette? DuDtJdies Ibiater D 1 Viidnfcnn 5»1 8 Uhr Phaea ron Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt iatik; friadhdi Hrllaakr, ISnnbiMar Emt RUH,. Die Komödie |I Bismck. 2414/7516 8'/a Uhr Wie Vinte idi reidi Nil glAklidi? Sann zu Fiibt Joxhinui n,ilt na Kidu SptKaaM Sei,: Emt Eooct Bühnenbilder Uerlg Rziur Rose- Theater Br. Frau Unrlir Sir. 132 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Htleildw BrattMri Garten bübne: 5.15 Uhr: Ronsail o. BnniarTall 8 ISUhnBI« tollt Lola Lessing- Theater Viidifltinm 2797 1.0118 Täglich 8i/z Uhr lsfif» VinMIinja v OttoErnst Hesse Täglich SV» Uhr Hassoklslo kun nidits öafflr mit Max Adalbert. zentrai-Theater Alle Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8 Uhr Dcbern itr offen Teidi Ausstattungsoperette in 4 Akten Rundfunkhörer aalbo Preise. KlMNill' Sil!«» TBaaiar In der StmtMinlr. Freitag, 29. August Uraofiflbruiig: Unnente; Z Lnhsiii r. Fritz Stehfrl Komödienhaua 8'f» Täglich 81/* Meine Sdiweiter mi idi Hasikr.flalfliBtiiitilii metropoi-Theater Täglich 8'A Uhr SeDaatioBeUcr OperettezieHalg I Unter pers. Leitung des Kümponisten Viktoria untlJhrHusar OeDtsehes lenstler-Theal. TtL Barbansu 3S37 8'h Uhr Weekend Lustspiel ron K. CowuJ. Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr □I« Wunder-Bar Revuestück Komische Oper eva Uhr Paol Weiteriteier in; Lielio und TrompetentHasM Opmtlf too Rtimi Berliner freier Sonwarthwiar Kastanienallee 7—9. Humb. 2246 Eine entzückende Bnrletke sowie der auserwählte Varleti-TelL Täglich SV, Uhr Gastl Bar, Inda Sdirödif, Herta Staij, Erwin Hartuiig in Katja, dl« Tänzerin Operette in 3 Akten na Laopokl Jakshtm ubi)! n--J.il n--a---:.I--- nUQOll UtSferrfKnU Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 PL an. Ttuatar am Kotti Tor Kottbusser Str. 6 o Täglich J\«V. Uhr fiUjh uob Sonnt. nachm S'rt W Elile- Sünder Zille-Festspiele lUcke. ttniaiNi Prthil foHts Umdprograinni. „Die �«Ile Lola'' Hau» Rose• Lonl Pyrmont Tätlich 3.15 Uhr im Rose-Theater (Gartenbtthne) Musik: Hugo Hirsch, Regio:, Edgar Kanlsch, linsa: Bruno Arno, Orchester: Max Schmidt Kaue Auaatattungen: Waltor Flschar. Im Innentheater S15 Uhr: Heimliche Brautfahri mit W. Rose und Gert. Kaniis. %fpimswefte �YMYUM R�steurdM Berlins BETRIEB KEMPIMSKlm Zimmer IBett Mk.7,-bi5 11." 2 betten 73.-bis22.- 6ad:Mk.i- ialorr.lCr Berlin HOTELnAnhSM EXCELSIOR CASWO-THEATER 8,'Ufc' Lothringer Strafe 37._ Für unsere Leser: Gutschein t— 4 Pers Fauteuil 1�5 M., Sessel 1,75 M. Der Possen-sciilager Der selige Hollschinsky iiiiiiaiiiisiiifiiiutiiiininiiaiaiiiiiBiiiiiBiiiiiinnia und ein ersttl. buntes Programm. Reichshallen-Theater I g| Uhr Stettiner sanger �■Lafi Blumen sprechen! Soaotag, 31. 8.; I. Kadiraittags- fontalliug n halben Prahsn. I Dönhoff- Brettl: Daa beliebteste Varl et« Berlin. strompie wasche Gardinen Ragnums Emil Moses Käst. BlrkeBslr.2fl(Efiß Pullitzslr.) % BprAtiitiO SfuUaulfaße Ja ibwarA ——■—— iü�—' msss Teddy und Willy Ein[Heldengesang/ von Edwin petzer (Beilage Mittwoch, 27. August 1930 John Bull zu Hause Eine Studie Uber den englischen Menschen Seit langem hatte ich kein so instruktives Buch über ein fremdes Land gelesen wie das von KarlSil«x:IvhnBullzu5iauie. (Verlag 2L E. Seemann, Leipzig.) Fast jeder Reiseschriststeller sucht das Auffallende, das Farbige, Besondere zu entdecken. Cilex stellt, was viel schwieriger ist, das alltäglich« Leben methodisch dar. Der Untertitel seines Buches: Der Engländer im täglichen L e b en gibt zugleich seinen Inhalt an, den nicht einer, der England bereist hat, sondern nur einer, der England bewohnt hat, derart xesammenfassen konnte. Cilex versichert mehrfach, daß nicht die sonderbaren oder verlockenden Einzelzüg« das englische Wesen ausmachen, sondern ihre Addition. Er, der den Engländer liebt, der das einzigartige Wesen der englischen Gesellschaft wegen seiner Vorzüge und deshalb trotz seiner Mängel bewundert, zieht aus allen seinen Erfahrungen die Konsequenz, die zugleich das schmeichelhafteste Lob Englands ist: daß der englische Organismus«in unteil- bares Ganzes ist und deswegen weder übertragbar noch imitier- bar. Wohl kann jeder Einzelzug dieser Kultur, sei es Herrenmode oder Sport, Schulerziehung oder Aufbau der Beamtenschaft,«xpor- tiert werden, ober eine Wiederholung des Ganzen auf anderem Boden ist unmöglich. Zwischen Sport und Spiel, Abenteuer und Lebensweise der Engländer und denen aller anderen Völker ist ein himmellanger linterschied. Deswegen wirkt das Hervorkehren oder Betonen einer echt englischen Einzelheit aus den Engländer absolut u n e n g l i s ch. Der Kurfür st endamm-Bcrliner erlebt nach Silex in London immer wieder die größte Enttäuschung. Seine Bemühung, den Engländer zu markieren, stempelt ihn zum unvcr- kcnnbaren Ausländer. Was nach seiner vorgefahten Meinung in England groß sein müßte, existiert gar nicht oder in viel kleinerem Maßstab als in Deutschland. Was aber dort wirklich und einzig ist, das sucht er nicht, weil er es nicht versteht. Sa zeigt sich immer wieder, daß die vermeintlichen Kenntnisse der Völker voneinander noch immer primitive Mißverständnisse sind. Karl Silex unternimmt es aus diesem Grund«, das englisch« Leben systematisch darzustellen. Er sucht nicht bedeutende Er- kenntnisse über das englisch« Wesen zu vermitteln, sondern er um- schreibt den alltäglichen Verlaus, um daraus die Unterschiede zwischen der englischen und nichtcnglischfn Welt hervorgehen zu lassen. Er geht von der Vorstcllungswelt eines bürgerlichen modernen Berliners aus und zeigt ihm das englische Leben aus dem Gesichtskreis eines entsprechenden Londoners. Weder das Leben des ganz Reichen noch dos Leben der Arbeiterschaft beschäftigt den Verfasser. Es wäre recht vulgär gedach., das Buch wegen dieser seiner Begrenzung zu übergehen. Das größte Kapitel des Buches zählt die Feste des englischen Jahres auf. Diese Kalendergeschichte ist bereits eine Geschichte der englischen Gesellschaft und ein Spiegelbild des englischen Lebens. Kein Monat vergeht, ja nicht niol ein Zeitraum von wenigen Wochen, in dem es nicht in London eine seasan c>ibt, die für weite Volks- kreise jedes Jahr wieder ein Erlebnis ist. Seascm: das heißt nichts anderes als die saisonmähige Wiederkehr eines bestimmten Ereig- nisscs. Ganz im Gegensatz zur neudeutschen Betriebsamkeit vermeidet die englische Kultur dos Ausschlachten und Zutodehetzen eines Ereig- nifjes. Berlin wartet jedes Jahr auf eine neu« Sensation: London jedes Jahr auf dieselbe. Unzählige Sportseste sind Volksfeste und selbst wenn sie sich nur zwischen zahlenmäßig engen Gruppen abspielen. Nimmt doch die ganze Oeffentlichkeit daran teil. Ein solcher Volkstag ist ein Dzz-. Day heißt Tag, aber hier zugleich Fest- tag, Gedenktag, Vvlkstag. Dos englische Jahr ist eine Folge von Days, zwischen denen man auf den nächsten wartet. Wie hier die Massen tage-, ja wochenlang ihr Interesse auf ein Ereignis konzentrieren, welche Unsumme von Zeit die Geschäfts» weit im 20. Jahrhundert dafür übrig hat, ist unfaßbar. Schon daraus geht hervor, was ja im übrigen alle Kenner Englands bestätigen, daß der Engländer durchaus kein Arbeitsmensch ist, viel eher ein Spieler,«in Abenteurer, ein Waghals— freilich möglichst auf Basis einer auskömmlichen Rente. Auf dieser Basis haben tausende Existenzen, die nur in England denkbar waren, das britische Imperium geschassen. Heute freilich ist die Klage, daß der jungen Generation der Abenteurergeist der alten fehlt, allgemein. Merk- würdigerweije spielt dabei die Entwicklung des Raten- geschästes, das fast so umfassend ist wie das amerikanische, eine große Rolle.. Die Jugend bleibt zu Hause, weil sie mit Werten vom Ratenhandel bevorschußt wird, die sie im Land« abzuverdienen ver- führt oder auch gezwungen ist. Auf ein« Anzahlung von 400 Mark bekommt man ein eigenes Haus, auf eine Anzahlung von 3 Mark «in Klavier, und dieses Kausen auf Raten ist so allgemein, daß selbst der Stadtrat von Middlesborough eine neue goldene Ober» bürgermeisterkette auf Teilzahlung erwarb. Ueberhaupt gehört es zu den in Deutschland wenig beachteten Kennzeichen des englischen Lebens, daß der Gemeinschaftsgeist und der Gemeinschaftssinn äußerlich in einer alles erfassenden Unisor- mierung zum Ausdruck kommt. Di« Klugheit der herrschenden eng- tischen Klasse äußert sich nicht zum geringsten darin, daß sie das Volk geistig und körperlich u n i f o r m ie r t, aber, und darin ist sie ganz unpreußisch, sie zwingt der Allgemeinheit keine Uniformierung auf, sondern sie läßt ein uniformes Wesen aus dem Leben selbst hervorgehen, sie schafft Gewohnheiten, Freiheiten, Bindungen, die der Engländer nicht nur trägt, sondern auch liebt, die der Engländer als seine nationale Eigenheit betrachtet, die anderen Völkern zu geben«r gar kein Interesse hat. Und trotzdem ist dieses so einheitlich« und konservative England in einer mächtigen Umwandlung begriffen. Silex stellt sehr richtig den b e ha r r« nd e n Charakter des englischen Wesens in den Vordergrund. Damit stehen die fabelhaften Freiheiten, die die Engländer sich gegenseitig gewähren, in keinem Widerspruch. Der Engländer darf als Engländer so ziemlich alles. Keinem Tunicht- gut ist die Rückkehr in die beste Gesellschaft und in die höchsten Würden verschlossen, sofern er nicht die ungeschriebene Sexualmoral verletzt hat. Und dabei lebt dieses Volt einschließlich der Reichen in Beschränkungen, die kontinentalen Begriffen unfaßbar sind. Immer wieder betont Silex, daß London(das er so sehr liebt) nichts anderes ist als die größte Provinzstadt der Welt.„Ganz' London geht um 0 Uhr 30 schlafen. Zu den Märchen über England gehört auch der engliicke Komfort und die eigen« Badewanne, mit der jeder englische Säugling zyr Welt kommt. Nach Silex wohnt..ganz' Eng- land ohne Komfort, im Winter jrieren alle. Wohnungen, wie sie In Berlin da lebt ein Geschwisterpaar, Das gleicht sich beinah bis aufs Haar, Es besteht nur ein kleiner Unterschied, Und den erseht ihr aus meinem Lied. Zuerst also Song an Thälmann ist für die Diktatur In Rußland, Thälmann ist gegen die Diktatur In Deutschland. Werden in Moskau Bombengeschwader gebaut, Lacht Teddy, Werden in Deutschland Soldaten einexerziert, Flucht Teddy, Denn er, Teddy, ist ein historischer Führer Und weiß, was sich gehört. Auf alle Fragen des arbeitenden Deutschland Hat er nur eine Antwort: Heil Moskau! Thälmann ist für das Klassenurteil In Moskau, Thälmann ist gegen das Klassenurteil In Deutschland, Wird einer in Moskau an die Wand gestellt, Lacht Teddy, Wird einer in Deutschland auf Festung geschickt, Flucht Teddy, Denn er, Teddy, ist ein historischer Führer Und weiß, was sich gehört. Auf alle Fragen des arbeitenden Deutschland Hat er nur eine Antwort: Rot Front! Thälmann ist für die Einheit der proletarischen Klasse In Moskau, Thälmann ist für die Spaltung der proletarischen Klasse In Deutschland, Wird einer in Moskau nach Sibirien geschickt, Lacht Teddy, Wird einer in Deutschland zur Ordnung gerufen, Flucht Teddy, in Berliner Arbeitervierteln selbstverständlich sind, sind in England Luxus. Der Deutsch« wohnt komfortabel in Mietwohnungen, der Engländer ohne Komfort im« i ge n e n Haus. Erst in den letzten Iahren sind Wohnungskomplexe gebaut worden, in denen Einzel- Wohnungen mit ollem Komfort vorhanden sind. Die Preis« sind ungeheuerlich. So kostet in diesen Neubauten ein« Zweizimmer- wohnung mit Bad 12 000 M. jährlich,«ine Sechszimmcrwohnung mit zwei VaMzimmern 30 000 M., eine Zehnzimmerwohnung mit drei Bädern 60 000 M Trotzdem sind dies« Wohnungen, bevor noch der Bau beginnt, verkauft. Die Mehrheit der Bevölkerung wohnt aber in eigenen Häusern oder in Häusern mit 9Sjähriger Pacht. Das vielgestaltige Wesen der englischen Gesellschaft an Beispielen zu demonstrieren ist gewiß schwierig, aber Silex gelingt es, Einzel- hellen hervorzuheben, in denen das größere Ganze symbolisch cnt- halten ist. Interessant ist der Versuch der Engländer, ihr« i g e n e s Wesen zu formulieren, ohne daß sie übertriebenen Wert aus diese Formeln legen. Hier zeigt sich das unwägbare Wesen eines lebendigen Organismus mit großer Deutlichkeit. Eine kulturell und politisch gleich interessante Folge davon ist die Unverbind- l i ch k e i t, die der Engländer bevorzugt. Gewiß ist sein Ja, be- sonders in der Geschäftswelt, ein zuverlässiges Ja. Aber der Eng- länder hat, wie Cilex sehr hübsch darstellt, eine ganze Skala dafür, Ja zu sagen, ohne Ja zu meinen. Diese Skala scheinbarer Zu- st immun gen täuscht eine konventionell höfliche, aber gar nicht existierende innere Beteiligung vor. Die Engländer fassen unterein- ander diese halben, unverbindlichen Jas richtig auf, nur der Aus- länder nimmt«ine solche scheinbare Zustimmung ernst und erwartet etwa einen Engländer zu einer Verabredung, die nach Aus- fasiung des Ausländers abgeschlossen, nach Auffassung des Engländers nur mit einer unverbindlichen Freundlichkeit zur Kenntnis ge- n o m m e n worden ist. Daß diese Mißverständnisse über ein angeb- liches Ja der Engländer in der internationalen Politik der letzten Jahrzehnte ein« beträchtliche Rolle gespielt haben, ist bekannt. Daraus ergibt sich dann für die«inen der Vorwurf des„falschen' Albions, während die Engländer selbst nicht oerstehen, wie der Aus- länder ihre höfliche Art, Sachen zur Kenntnis zu nehmen, als Zu» sicherung auffassen konnte. Dem Engländer liegt an nichts mehr als daran, sich seine Handlungsfreiheit bewahren und i n st i n k t m ä ß i g richtig handeln zu können. Alle diese Ding« beleuchtet Silex. im Verlauf seiner Darstellung. So lernt man Tatsachen und Deutungen kennen, die sich gegenseitig ergänzen, manchmal wohl auch widersprechen, und kommt im ganzen dem Wesen eines Volkes nahe, dessen eigentlicher Ruhm Ist, daß niemand es imitieren, alle aber viel von ihm lernen können. ?ellx Ltössinxer. Denn er, Teddy, ist ein historischer Führer Und weiß, was sich gehört. Auf alle Fragen des arbeitenden Deutschland Hat er nur eine Antwort: Nieder mit den Sozialfaschisten! So redet Teddy mit der Faust, Der Mitmensch hört und flieht. Ihm graust. Dann hört er Willy und er weiß: Heiß wird hier kalt und kalt wird heiß! Darum also; W» Teddys geschickterer Bruder heißt Willy, Heil Moskau! Er macht pathetisch in edelster Menschheit, Heil Erdball! Er schickt zwei Zeitungen auf den Strich der Straße, Heil Moskau! Sie schwelgen täglich am liebsten in Lustmord, Heil Blutrausch! Denn Willy ist auch ein historischer Führer Und weiß, was sich gehört. Auf alle Fragen des arbeitenden Deutschland Hat er viele Antworten: Heil Moskau! Heil Gandhi! Heil Corki! Lesen Sie die W. a. A.! Lesen Sie B. a. M.![Rußland! Treten Sie ein in den Bund der Freunde des neuen Besuchen Sie den Solidaritätstag der IHAHA. Heil Stalin! Nieder mit Trotzki! Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft' Lest den roten Juhu! Nieder mit der SPD.! Es lebe die eiserne Kohorte, die KPD.! Prometheus-Filme sind die besten![Hungersnöte Empfehle mich für jegliche Arten aller vorkommenden Heil Erdball! Werdet Mitglied der Ozean-Bücherei! Lest die einzige Illustrierte Arbeiter-Zeitung, Die lAZett mit den kassenbewußten Inseraten! Heil Stalin! Heil Moskau! Heil Erdball! Heil Willy! Nur zehn Minuten... Ein wahres Geschichtchen Man schreibt uns: In der meinem Referat folgenden Aussprache wurde den sich zum Wort Meldenden zehn Minuten Redezeit vom Versammlungs- leiter zugestanden— genau die Zeit, die sozialdemokratischen Rednern in gegnerischen Versammlungen bewilligt wird. Ein Kommunist hatte das Wort ergriffen. Er wettert« «n schlecht gespielter Entrüstung darüber, daß er nur zehn Minuten sprechen dürfe. Das sei ein« Vergewaltigung der Ver- sa m m l u n g s t e i l ne hm e r. In dieser kurzen Zeit könne er natürlich die Inständigen Ausführungen des Referenten nicht widerlegen. Ich merkte nach den ersten Sätzen, wes Geistes Kind der Kom- munist war. Sein großes Maulwerk sollte ihm selbst die treffendste Abfuhr erteilen— daraus gründet« ich mein Vorhoben. Ich unterbrach seinen Entrüstungsschwall, indem ich dem neben mir sitzenden Versammlungsleiter zuries: „Ich beantrage, dem kommunistischen Redner un- beschränkt« Redezeit zu gewähren!' Der Versammlungsleiter stutzte einen Augenblick, dann ober ging er auf meinen Vorschlag ein und verkündete die unbeschränkte Redezeit für den Kommunisten. Was ich erwartet hatte, trat ein: Ein paar alte, abgedroschene Phrasen gegen die Sozialdemokratie schleuderte der hilflose Stalin- Jünger in den Saal— dann trat er ab. Ich erhob mich mit der Uhr in der Hand und wandte mich an die Versammlung:» „Ich stelle hiermit fest, daß der Kommunist nicht einmal die ihm ursprünglich bewilligten zehn Minuten Redezeit ausgenutzt hat. Nach genau sechs Minuten war er mll seinem Latein zu Endel' Die Versammlung erledigte den Maulhelden durch Gelächter und Zurufe vollends. Der anne Kerl, der auf Befehl der kommunistischen Ortsleitung reden mußte, tat mir leid. Er saß da wie eine geplatzte Leber- wurst. Er wird sich in einer sozialdemokratischen Versammlung nicht mehr zum Wort melden... Romane auf Schaliplatten Einer Anregung des schwedischen Schriftstellerverbandes folgend, wird eine Reihe der bedeutendsten Autoren Schwedens, unter ihnen Selms Lagerlöf, ihre neuesten Werke vor der Druck- legung auf Gramnrophonplatten veröffentlichen. -npyrieht 1W0 by Fackelrclter-Verl« 0. m. b. H., Himburs-Beraedorf (9. Fortsetzung) Und dann geht der Schinder wieder an unserer Seit«: „Brav, fünfte Kompagnie, brav! Wie ihr schön singen könnt! Fressen möchtet ihr wohl, he? Wohl— wohl— Kameroden— nachher! nachher! Drahtverhau... Wasser und Brot... genügt euch das— he?" Und dann kommt seine große Geste: Er zieht sich seine Glace- Handschuhe an... Glacehandschuhe!... und dabei merkt er sich wieder jeden einjelnen der halb bewußtlosen Rekruten, zu deren Haß sich die Apathie gesellt hat... ich sehe nur Minullas kurze Beine, die klobigen, grauen, faltigen Stiesel vor mir... gleich werden sie zusammenbrechen, gleich... gleich... links, rechts... links... rechtg... links... rechts... Er weiß, er kriegt uns mürbe, jederzeit... immer... solang« wir unter seiner Geißel gehetzt werden... denn ihn schützt eine ze- wältig« Macht... und wir sind Retruten... Kanonenfutter... Alles kann er mit uns machen.. bis wir uns nach dem Graben sehnen, nach den Trichterfeldern, wie nach Erlösung... nach den Granaten und dem Tod... Langer macht mit übermenschlicher Kraft immer noch mit. Er schoß und stolperte mit uns über das Feld, als gälte es. sein Leben ein letztes Mal zu erstürmen. Vor mir zittert seine kraftlose Stimme im Gesang. Ich sehe einen rotblauen Streifen an seinem Hals, an seinem dünnen, dünnen Hals ... der vor mir in seiner Hilflosigkeit gelblich schimmert. Des Schin- ders Degenscheide hat dieses Mal hinterlassen. Das Lied ist zu Ende gesungen. Longer dreht sich noch mir um; ist bin erstaunt, daß er überhaupt einmal an mich denkt. Tagelang hat er mit niemandem mehr gesprochen, und wir ließen ihn deshalb in Ruhe. „Du.. haucht er, und sein spitzes Gesicht ist totenblaß,„laß uns mal singen... du weißt ja...:„In der Heimat.. stimm' mal an..." Ja. ich weiß es, es ist sein Lieblingslied: denn er denkt seit dem ersten Tag seines Soldatseins an das Wiedersehen in der Heimat. Ost, wenn er sich unbeobachtet fühlte, auf der Korporalschastsbude beim Putzen, beim Gewehrreinigen, wenn er einen Brief nach Haus schrieb an seine Mutter, die spitze, krank« Rase dicht über dem Papier— ja selbst abends kurz vor dem Einschlafen,— dann summte er diese Melodie, diese sehnsuchtsvolle, in diesem Krieg geborene Melodie vor sich hin... Damals im Viehwagen, als wir eingezogen waren und in dieses verfluchte Schindernest fuhren... unsere Pappkartons zu unseren Füßen... da haben wir es auch gesungen... Heini Langer sing damit an... „Kameraden!", rufe ich und halte mein Gewehr mit der rechten Hand hoch wie einen Tambourstab,„Heini hat einen Wunsch!"„Na wat denn, na wat denn, Peter?", ruft Adamczik dazwischen--- und dann ich wieder:„Mal durchsagen, Fritz: Ich hatt' einen Käme- radcn... alles mitsingen! Wenn ich das Gewehr wieder hochholte, gchts los!" Hinter mir, vor mir räuspern sich die Kameraden, der Tritt wird fester mit letzter Anstrengung... die Kompagnie macht sich bereit, einem Kameraden ein Lieblingslied zu singen: denn eine geheime Stimme sagt jedem, daß Langers Wünsche Befehle der Kameradschaft sind. Wer würde sich weigern, diesem gehetzten Menschen ein« Freude zu machen?! Er trägt die Schmerzen der Kompagnie in sich vereint. Der Einjährige Sievers hinter mir hat Gönnerlaune... das ist ein seltener Fall... er, der Sohn eines Arztes... selten gibt er sich mit uns armen Söhnen der Nation ab... und jetzt verteilt er sogar Zigaretten?... wir sind alle platt über so viel Großzügigkeit. „Der Herr Leutnant haben mir noch keen« jejeben",— der Radfahrer spöttelt hinein: wie er das herausbringt:„der Herr Leutnant haben..." „Mcnschenskind, dein« Schauze!", bewundert Güttler,.Leutnant, gib ihm man gleich zwei..." Wir lachen wieder. Kilb gcht mir mit Andacht Feuer... Und dann setzt Bumann Tritt an: links... links... links... links... unsere plumpen Schaftstiefel finden sich allmählich im Gleichschritt... Ich schwenke die Knarre,— unter unseren Stieseln stäubt der Sand... „--- einen bessern find'st du nit... di— ie Trommel schlug zu— um Strei— te, e— er ging an meiner Sei— te im gleichen Schritt u— und Tritt..." Die fünfte Kompagnie ist ein einziger Sehnsuchtsgesong,— sie gibt ihr Letztes her... das Letzte der armen, grauen Rekruten- seelen... „Gloria, Gloria, Gloria Viktoria— ja mit Herz und Hand für das Vaterland, für's Vaterland..." Mein„ZZaterland" ist in Hinterhau» m einem engen Hof der Eleni�viertel der Großstadt, Wäschedunst... ein halbverhungerter Kanarienvogel... ist Erinnerung an ein« blasse, weinende, immer kranke Mutter, die sich neuzehnhundertundsechzehn beim Anstellen noch Gefrierfleisch vor den Gefrierfleischhallen erkältete... sie hat sich morgens um halb Fünf schon ausgestellt... im strömenden Regen... der Mann— Schwerarbeiter mein Vater— mußte doch etwa» in die Knochen bekommen... plötzlich starb sie von einem Tag auf den anderen... Hungertnphu»... mein Vaterhaus... ein« dunkle Küche, in der immer ein« klein», blakende Lampe hängt... ewig schon, solange ich zurückdenken kann ein alter verbeulter Wecker tickt ... ober, och... wäre ich da... in meinem„Vaterland"... Die Blicke gesenkt, marschieren die Rekruten, di« Gewehrläufe ''dmanken im Tackt mit: links... link... links... „Die Vögletn— im Walde— "ie fangen so wunder-wunderschön: der Heimat— in der Heimat -ibt's ein Wiederseh'n..." Alle arideren Gedanken sind ausgeschaltet...„in der Heimat... in der Heimat..." Jeder ist plötzlich zu Haus, in der Freiheit... unsichtbar fallen die Uniformen ab... Gewehre türmen sich zu un- geheuren Haufen... Schluß!... Schluß... zu Haus... zu Haus ...:„Guten Tag, Bater.. Bruder, lieber Bruder,— wie gut, daß du nicht mehr Soldat geworden bist, kurz davor warst du ja..." --- Preuß tritt in feine Klasse... er trägt eine Blume im Knopf- loch, eine große, rote Rose... wie siehst du fein aus, lieber Kamerad ... so ganz anders mit Kragen und Manschetten und Schlips... er wird seinen Jungen? nichts vom Kriege erzählen... bestimmt nicht ... gütig strahlen seine braunen Augen...„guten Morgen, Herr Lehrer..."--- „Da gibts ein Wiederseh'n!"--- Tücher winken... sieh', da ist ja auch Preuß' Frau... welch' eine liebe, klein«, blonde Frau ... wie eine Fee... Kilb preßt plötzlich meine Hand: er sieht mich nicht an--- „Eine Kugel kam geflogen, gilt sie mir oder gilt sie dir—---, ihn hat sie weggerissen— c— er liegt mir vor den Fü— üßen, als wär's ein Stück von mir, a— als wär's ein Stück von mir.. Langers Stimme ist schwach,— ich sehe seinen schmalen Mund im Profil... „... da gibt's ein Wiedersehn---" Der dicke Minulla singt breit und getragen... seine Sehnsucht ist ungeheuer... dos Dorf mit dem Ententeich, auf dem Sonne liegt... die weiten Wiesen... die duftende Erde... Kühe... Muuuuh... muuuuuuh...: Kilbs Baß brummt... Segelnde Wolken unsere Gedanken... sie segeln noch Haus... nach Haus... Aber dann tut sich ein jäher Abgrund vor uns auf und wir stürzen--- stürzen--- Langer taumelt nach links, stöhnt grauenhajt... schwankt nach rechts gegen Minullas breiten Körper... ich springe vor... faste mit der freien Hand in Langers Koppel... er hustet bellend... röchelt... dann sinkt er hintenüber... ich fange ihn mit letzter Kraft auf... wir kommen ins Stocken, Leiber prallen aufeinander... „Halten! Halten!!" schreien mehrere noch vorne. Preuß rennt nach der Spitze... Langer liegt ausgestreckt wie ein Toter. Still, ganz still. Plötzlich krümmt er sich. Faßt mit beiden Händen an die Brust. Sein Blick, mit dem er mich ansieht, ist nicht auszuhalten. Er erbricht sich, gelber Schleim... Blut... stoßweise... Blut... Blut... die grauen Lumpen bedecken hellrote Flecke... Kilb öffnet ihm den Rock... schnallt ihm den Tornister los... streichelt ihm mtt unbeholfenen Fingern des kalkweihe Gesicht... ich hebe ihm den Kopf hoch... „Wasser! Wasser!!" schreit Güttler und rennt hilflos hin und her. Lieber Güttler, es ist aussichtslos: hier gibt's kein Wasser... Mi- nulla kniet neben uns..„Heini, Heini... was is' denn, Heini..." ---— Er weint: dicke Tränen kollern ihm über das brette Gesicht... Die Kompagnie HS»-.. Erregt« Stimmen wirbeln dnrchei» ander. Alle blicken entsetzt. Da kommt der Schinder angesetzt. Sein Gesicht ist wie gs» prügelt... „Wollt ihr in euer Loch, Halunken!" Er reiht mich hoch, daß Langers Kopf mir aus den Händen und in den Semd fällt. Wir stürzen ins Glied zurück... .�Kompanie schtill— ge— schtann!"... Ist denn das möglich?! -- r— Während unser Kamerad wie tot im Sande liegt, dürfen wir uns nicht rühren, dürfen nicht helfen... Selbstverständlichkeiten werden hinwegkommandiert... brutal... unmenschlich... wir dürfen nicht einmal hinsehen... Ich höre in der plötzlichen, aufgc- zwungenen Stelle, wie Kilb's Backentnochen in verhaltener Wut knacken... Hart neben uns stöhnt Langer auf... Der Schinder steht vor ihm.„Die Unteroffiziere!" brüllt er.' Und ich höre Preuß sprechen, aufgeregt, mühsam zurückgehalten: „Er ist— zu früh— aus dem Revier— dem Revier entlosten — und den... den... Anstrengungen dieses Dienstes— nicht... nicht gewachsen... schon lange nicht mehr... Herr... Herr Leut..." „Sind Sie oerrückt geworden! Habe ich Sie gefragt, Unteroffizier Preuß?!— Holten Sie den Mund! Treten Sie sofort ins Glied! Marsch marrrsch!!" Preuß steht wieder neben mir... ich fühle seinen Arm zittern... Der Schinder steht mit den übrigen Gruppenführern um den Kranken herum... sie flüstern erregt durcheinander... einer kniet bei Langer... ich sehe es beim Hinschielen... er bewegt Langers Arme hin und zurück wie bei einem Ertrunkenen... „Steh'n Sie auf, Grenadier Langer!" kommandiert der Schinder. Er sagt sogar„Sie", aber es klingt wie:.Loch, hoch, du Hund!" Er steht frech und herausfordernd, breitbeinig da. „Dringen Sie ihn auf die Bein«, Sergeant Schönfeld!' schnarrt er weiter,„verfluchte Schweinerei, verdammter Simulant!" (Fortsetzung folgt.) e Buch '.Heinrich lllcng: A«« ärstHiche Volksbuch*) Der Preis dieses Buches(33 M.) wird es kaum zu einem Voltsbuch werden lasten. Auch hat man den Eindruck, daß die Kürzungen, die an der großen Ausgabe vorgenommen sind, noch etwas großzügiger sein könnten. Die vorliegend« Ausgab« wendet sich an vielen Stellen mehr an den Arzt als an den Laien. Um so bedauerlicher wäre es, wenn sie auf Grund ihres Umfanges nicht einen breiten Leserkreis finden würde. Denn die Vorzüge gegen- über anderen ärztlichen Volksbüchern, wie etwa dem von Bilz, Bock oder von Anna Fischer-Dückclmann(Naturheil- künde), geben überhaupt erst ein Anrecht auf die Bezeichnung „Volksbuch". Hier finden wir die„zünftige" Medizin in vergleichen- der Darstellung neben der Naturheillehre und der Homöopathie. Diese Anordnung gibt ihm eine Bedeutung, di« weit über den Zweck einer Hilf« in der Not hinausgeht. Der große Kreis von Mitarbeitorn, die für die einzelnen Ab- schnitte verantwortlich zeichnen, ist mit einer peinlichen Sorgsalt ausgewählt. Wir finden auch Namen, die uns als Sozialisten be- kannt sind wie z. B. Böhnheim, Federn, Graatz, Tand- le r. Die Darstellung der schwierigsten Kapitel ist flüssig und klar: besonders der Abschnitt von Ragnor Berg über Ernährung, Küche und Gesundheit ist ein Musterbeispiel dafür, wie schwierige wissen- schastliche Fragen allgemein oorständlich und reizvoll dargestellt werden können. Diese Seiten sollten Allgemeingut unterer Bil- dung werden. Im ganzen ist das Buch das vielseitigste und zuver- lässigste Nachschlagewerk unserer Tage. Es bleibt, zu hoffen� daß es trotz des teuren Preises wenigstens in den Buchereien der Or- ganisationen und Arbeitsgruppen überall Eingang finden wird. Heins Aichtm. *) Kleine Ausgabe, Hippokrotesvcrlag, Swttgart. RätsehEcke des„Abend U auuiiiiutuiuirumiiiimiHuiiuiiimmiiuiinuiiiiiuuinuiniuuiiiuiiuuiiuiiinraiiffliMai Kreuzworträtsel Waagerecht: 5, Deutsche Hasenstadt: 6. Ausdruck aus der Schiffahrt: 8. Teil des Baumes: 19. Stadt in Estland. 13. Behälter: 14 französischer Schutz- staat in Indochina: 15. Berg im Berger Ober- land; 16 Trieb: 17. männlicher Vorname: 18. weiblicher Vor- name: 21. Welchiifs- spräche: 23. Antilopen- Ei l ort; 24. Laubbaum. i I Senkrecht: 1. Verbindung: 2. Insekt: 3. Festsaol: 4. türkischer Beamtentitel: 7. Staat in Osteuropa: 9. Staat in Westeuropa: 19. Turnermannschast; 11. Tiergattung: 12. römisch« Schutzgötter: 19. holländischer Maler: 29. biblischer Männername: 22 Koseform für Großvater: 23. alte Waffe. KI. Silbenrätsel Aus den Silben a al bee bel berg bei bürg che der del di de e e e erd eid ei e el e san sant gens gieß Hirsch haar Huhn Hof hü in kra l« l«n ling len li lin lem mein ma mo mi nach napf nu nep on pel Pres per rungs rist r« re re ra so se si schein si se te tho tem ti«r ter tra ti tun tie ver wild zi zwerg sind 22 Wörter zu bilden, deren erst« und sechste Buchstaben ein« Ennahnung an j«d«n Arbeiter, Angestellten und Beamten ergeben. Di« Wörter bedeuten: 1. Medizinisches Hilfsmittel: 2. falscher Schwur: 3. Police: 4. Fuß- soloat: 5. Wild: 6. um das Oberdeck ein«» Schisfes: 7. Geflügel: 8. Stadt in Thüringen: 9. holländische Blumenstadt: 19. Motten- schütz: 11. Stadtteil von Perlin: 12 Männ«rname: 13. Planet: 14. dos ist die richtig« Partei: 15. Wiederkäuer' 15. Gemürzpslan.z«: 17. Ileberlicferung: 18. Gartenfrucht: 19. Pflaumen: 29. Stadt in Sachsen: 21. Dickhäuter: 22. nördlichste Stadt an der Donau, s«. mimmm ■uiimitmuimiiuiiiiuiummmmif Besuchskartenräisel BRUNO GARJEN Wo wohnt dieser Herr? H.S. Magisches Quadrat In die waagerechten Reihen sind Wörter fol- gendcr Bedeutung einzusetzen: 1 Reihe: Buddhistischer Priester: 2. Reihe: Menschenvater: 3 Reihe: Insektenlarve: 4. Reihe: Gebetsschluh. Bei richtigem Raten ergeben dir Senkrechten die gleichen Worte. Zahlenrätsel 1 2 3 4 5 6 7 8 9 6 8 19 1l 12 13 6 19 14 9 Politisch« Maßnahm«: 2 6 4 5 2 Baum: 3 6 8 1 Nebenfluß der Donau: 4 2 12 12 2 Stadt in Hannover: 5 2 3 14 1 3 4 5 Männlicher Vorname: 6 2 14 14 2 1 3 14 Alpenhirtin: 7 1 3 4 5 7 2 1 Küchengerät: 8 4 5 7 Zahl: 9 8 6 6 2 Kleine Straß«: 6 3 4 5 2 12 Gartengerät: 8 9 14 2 6 Weiblicher Vorname: 19 11 2 1 Wossevrand: 11 12 8 9 9 2 Symbol; 12 8 19 7 J Musikinstrument: 13 12 6 Stadl in Schlesien: 6 8 4 5 6 2 14 Deutscher Fwistaat; 19 1 6 19 12 8 Weiblicher Vorname: 14 3 4 5 7 2 Verwandt«: 9 12 13.9 8 19 Stadt in Schlesien. Die erste senkrechte Linie lautet wie di« erst« waagerecht«. ab. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Silbenrätsel: 1. Genezareth: 2. Euterpe: 3. Braksord: 4. Entomologie: 5. Nihilismus: 6. Indianer: 7. Sonne: 8. Toni: 9. Scharlach: 19. Akademie: 11. Christian.—„Geben ist Sache des Reichen." Kreuzworträtsel: Waagerecht. 1. Erna; 3. Hawai; X Raup«: 8. Reichstagswahl: 12. Euler: 13. Abtei; 14. Ukas: IL. Indra; 18. Mamz: 2L Sozialdemokrat; 24. Torso; 25. Eiter: 26. Tort.— Senkrecht. 1. Eis: 2. arg: 3. Heu; 4. Ahr; 6. Pot: 7. Ehs: 8. remis; 9. Tokod; 19. Agave; 11. Liszt: 16. Not; 17. Aas: 18. mon 19. Akt; 29. Ire; 22. Lot; 23. Met. Rösselsprung: Lehr' nur die Jugend wclbhcusooll,/ Wirst ihnen keinen Irrtum sparen./ Was ihnen gründlich yesten soll,/ Dos müssen sie eben seldst erfahren. Emanuel Geibel. Dtamanträtsel: 1. A: 2. Erz: 3, Bebel: 4- Rosette: 5. Persianer; 6. Arbeitslose: 7. Kreissäge; 8. Geliert: 9. Probe: 19. Ast; 11. E. Bersteckrätsel: 1. Neta: 2. Alma: 3. Rosa: 4. Gerda; 5. Agnes; 6. Rcke: 7. Eva: 8. Trudc; 9. Emma.— Margarete. � UfiorujnoL Douerrennen in einem Laus, das Sawall, Krewer, Thollembeck, Dederichs, Maronnier, Bauer und ein siebenter Jahrer bestreiten werden. Auf Grund seiner hervorragenden Fahrweis« beim letzten Mannschaftsrennen ist der Italiener B a t t« f i n i auch für den nächsten RenntBg auf der R ü t t- A r e n a am kommenden Sonntag verpflichtet worden. Battesini, der sich die Herzen der Berliner Radsportgemeind« im Sturm erobert hat, wird wieder mit Dinole in dem von 15 Paaren besetzten Rennen«ine Mannschaft bilden. » Dem Beispiel von Oskar Rütt und Mathias Engel, die in den letzten Iahren ihr Heil in A u st r a l i e n versucht haben, folgt demnächst der Krefelder Flieger Fritz S ch a m b e r g. Er ist zur Bestreitung von 20 Rennen nach dem fünften Erdteil verpflichtet worden und tritt am 5. September die weite Reise an. Wodicnendfnhrlen der Naturfreunde Am Sonnabend, 30. uird Sonntag, 31. August, finden zwei Wochenendfahrten des Touristenvereins„Die Naturfreunde" statt mtd zwar führt die eine zur Heideblüt« in den Fläming und die andere noch Dessau und in den Wörlitzer Park. Letzter An- Meldungstermin ist morgen Donnerstag. Karten sind noch zu haben in der Geschäftsstelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", N. 24, Johanni-sstr. 15. Schmidt. W., Rankestr. 30. Sinn. N.20. Stettiner Straß« 30. Meckelberg. Treptow, Graetzstr. 50. Walter. Neukölln. Siegfrieöst-. 53. Thomas. N. 65. Luxemburger Str. 1. Gäste herz. ßch willkommen._ Boxkämpfe im Berliner„Osten". Donnerstag, 28. Aurist, 20 Uhr. veranstaltet der„B.-C.-Sparto" gemeinsam mit dem„B E. Ost" im Steuerhaus. Landsberger Allee 02, wieder Amateurbox- T"Th Sg pitu przsgezeichneter Sport zu eyvorteg sein. Seit etwa 14 Tagen kreuzt täglich auf dem Langen See dieser Propagondasegler eines Bohnsdorfer Arbeitersportlers und weithin ist auf dem weißen Grund zu lesen: WSMt SPD., Liste 1 O schöne 12. August. Einen ganzen Tag lang sind wir gefahren mit unserem Paddelboot, immer dem silbernen Band der Dahme nach, an Wiesen vorbei und an Dörfern, bis wir einen Wakd fanden, wo wir unser Zelt aufschlugen. Diese kleine Leimvondhüll« wird jetzt unsere Wohnung sein. Jeder Tag ein Fest! Unsere Nachbarn haben keine Kultur. Als wir zu nächtlicher Stund« noch einmal ans Seeufer gingen und die funkelnden Stern« grüßen wollten, zogen sie ihr Grammophon auf und spielten „Waldesruh". Das ist das Lied mit dem Refrain: „Mein Voter kennt mich nicht, Meine Mutter liebt mich nicht, Und sterben mag ich nicht, Bin noch so jung." Wir sind extra vom Wedding in die Dubrow gefahren, um wenigstens«inen Tag lang dieses Lied nicht zu hören.„Waldes- ruh" oerfolgt uns jedoch wie ein Schotten. 15. August. Wir haben Nahrungssorgen. Ich wollte des- halb um 4 Uhr ausstehen und fischen, wachte aber erst vom Klingeln des Bäckers um 814 Uhr auf. Der umfangreichen Vorbereitungen wegen erschien ich auch erst 10 Minuten vor 10 Uhr auf dem See. Um diese Zeit scheinen die Fische schon alle weg zu sein. Dafür kam ein Polizeiboot und verlangte meine Angelkarte, die ich nicht habe. Es bedurfte langwieriger, teilweise ausregender VerHand- lungen, um die angedrohte Beschlagnahme meines Bootes zu ver- hindern. Die Stimmung ist gedrückt, ein schwarzer Freitag. 1 7. A u g u st. Es ist der erst« Sonntag, den wir fern von dem Häufermmer genießen. Leider hat Eifa Zahnschmerzen. Es muß der rechte Augenzahn fein, denn longsam kullert eine dicke Träne über die rechte Backe. Eifa liegt im Zell und stöhnt leise und quäl- voll. Ich bin ganz klein und häßlich vor Kummer und jage von Zeit zu Zeit die Frösche ins Wasser. Das plumpst so schön.--- Solange Elsa Zahnschmerzen hat. kann ich doppekte Rationen essen! 19. A u g u st. Ich habe Elsa bis heute oerschwiegen, daß Ratten in der Gegend sind. Sie hausen in Schoren in dem allen knorrigen Wurzelwerk am Wasser und huschen un Dunkel der Nacht pfeilschnell über den nassen Usersand. Ich werde Elsa morgen Das alte Lied Man bestraft wieder im Fubballbund Es trifell wieder einmal bedenklich im bürgerlichen Fußball- lager! Während aber im Schöße der allgewaltigen Herren des Deutschen Fußballbundes Friede und Eintracht zu herrschen scheint, droht in manchen Unterverbänden eine Art Revolution auszubre- chen. Ganz energisch geht der Westdeutsche Spielverband zu Werke. Bei der Durchführung der Säuberung-attion ist auch vor dem zweimaligen westdeutschen Meister„Schalke 04" nicht halt gemacht worden. Aehnlich wie im Fall« Borussia-M. /Gladbach wurde nun auch die gesamte Vereinsleitung von Schalke 04 wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen aus dem verbände ausgeschlossen und die gesamte erste Rlannfchast zu Berussspielern erklärt. Dazu gehören auch die internationalen Spieler Kucorra und Czepan, die Deutschland in vielen Länderspielen vertreten haben. In Berlin hat man in letzter Stunde einen großen Skandal zu vermeiden gewußt, nachdem bereits soviel enthüllt worden war, daß nicht nur der Berband, sondern auch der Bund hätte ein- greifen müssen. Bei der zweiten Aussprach« zwischen den Bertre- tern der Bezirksligooereine, an der auch die Beauftragten von Hertha-BSC. und Tennis-Borussia teilnahmen, ging es wider Er- warten ganz friedlich zu. Di« Führer der 20 Vereine gaben die ehrenwörtliche Erklärung ab, daß in Zukunft jegliche Spielerzieherei aufhören und bei freiwilligen Uebertrittcn von Spielern erst nach dem Grund des Austritts geforscht werden soll. Di« Nachricht hört man wohl, allein es fehlt der Glaube! Wie oft ist schon verhandelt, erklärt worden, wie oft hat man Disquali- fikationen ausgesprochen und nach gewisser Zeit wieder zurück- genommen. Es bleibt nun mal dabei: Bürgerlicher Rekordsport und Professionalismus sind schwer zu trennen. Kleiner Sport ans aller Welt Sonntag, 31. August, veranstalten die Radsahrerableilungen des „Rad. und Kraftfahrerbundes Solidärilät" im Bezirk Krenzberg ein« Propagandasahr» für dl« Liste I. Zeder Besitzer eines Fahrrades, der an der Wahl sozialdemokratischer Kandidaten Inter- eflierl ist. beieilige sich a» dieser Kundgebung. Treffpunkt und Ab- fahrt: vormittags 10 Uhr vom heinrichsplah.— Dle Arbeiter. fportler des Bezirk» Krsuzberg beteiligen sich laut Beschluß des Bezirk»kartells mit ihren Fahnen an der Wahltundgebung am Donnersiag. Treffen bi» 18 Uhr am Wasserlorplah. Kleidung: Männer: Schillerkragen, ohne Kopfbedeckung, Frauen: schwarzer Rock und weiße Bluse. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, Bezirk Kreuzberg. Regatta des Deutschen Kanuverbandes. Am kommenden Sonn- tag, 14 Uhr, veranstaltet der Märkische Kreis im Deutschen Kanu- verbände eine Herbst-Kurzstreckenregatta vor dem Restaurant „Hessenwinkel" am Dämmentzsee. Das Meldceogebnis zu den 14 Rennen ist gut ausgefallen. Es nehmen 12 Vereine mit 102 Mannschaften in 65 Booten teil. Eislaus-weltmeislerschosten in Berlin. Die Internationale Eis- laus-Bereinigung hat auf Antrag des Deutschen Eislauf-Vcrbandes sämtliche Weltmeisterschaften im Kunstlaufen für 1931 dem Berliner schlittschuhclub zur Austragung übergeben, der diese Meisterschaften am 28. Februar und 1. März im Berliner Sportpalast abhglten wird. Die Weltmeisterschaften des letzten Jahres fanden in New Park statt. Rennen zu Karlshorst. Das abwechslungsreiche Programm der Rennen zu Karlshorst morgen Donnerstag weist zwei besonders interessante Konkurrenzen nui. In der werkollften Prüfung, dem Deutschen Jagdrennen von 7000 M., kommt zwar nur ein Quartett, Quo vadis, Enzian, Oper und Dorn II, heraus, doch verspricht das Zusammentreffen von Oper, der Gewinnerin des Berliner Inter- nationalen Jagdrennens, mit Dorn II viel Spannung. Im 8300. Rennen, einer Hllrdenkonkurrenz über 8000 Meter, treffen u. a. so gute Pferd« wie Mannestreue, Araber, Wendelin, Finnland, Willfried und Don Iosä zusammen. Auch alle übrigen Nummern stellen guten Sport in Aussicht. Die Rennen beginnen um 15 Uhr. Beim Wasserballturnier in Nürnberg, an dem Deutschland, Ungarn, Frankreich, Schweden, England und Belgien beteiligt sind, siegte gestern die deutsche Mannschaft über die sranzösische 10: 0. Am- Donnerstag spielen England gegen Frankreich, Ungarn gegen Schweden, Deutschland gegen Belgien. Ferienzeit fragen, ob sie Eichhörnchen liebt. Sie wird mit ja antworten, und dann werde ich ihr beweisen, daß man die Wasserratten als Ber- wandte des Eichhörnchens ebenfalls lieben muß. Das Unglück reitet schnell! Ein markerschütternder Schrei, eine aufgelöste Frau: im Gebüsch saß«in Igel. Der arme Kerl hat des Gebrülls wegen sofort das Weite gesucht. Elsa erklärt kategorisch, abreisen zu wollen. Wie soll das noch enden? 21. August. Alle Beziehungen zwischen uns find abgebrochen. — Di« letzten Regentage haben einen ungeahnten Pilzreichtum in den Wald gezaubert: wir beschlossen, Pilze zu unserer Hauptnahrung zu machen. Außer Pfefferlingen und Steinpilzen, den einzigen Pilz- forte», die wir zu kennen behaupteten, waren scheinbar alle Pilze da, die es nur gibt. Ich fand ganze Büschel Stockfchwamm, mit zimtbraunem Hut und zimtbraunen Lamellen. Man kann ihn essen. Elsa sagte jedoch, das wären Schwefelköpfe, die ebenso aussehen wie Stockschwämme, und ob ich denn nicht zimtbraun von schwefelgelb unterscheiden könne. Ich habe einen furchtbaren Tag hinter mir: Pilzesuchen ist der Ansang von Selbstmord!---, Ich werde morgen in die Stadt fahren und ein Buch über Pilze taufen. Das mit den Schwefeltöpfen ärgert mich. 2 4. A u g u st. Ich bin von einem Amt als Einholer abgefetzt worden. Es ist alles rausgekommen. Ick, werde Ulrich und Gustoo nie wiedersehen. Wir waren alle drei„Emholer", fuhren jeden Tag ins Dorf und trafen uns nach dem Einkaufen in der Kneipe. Die Frauen wnndertcn sich immer, daß alles so teuer ist.— Zur Strafe mußte ich heute abend alten Tee vom vorigen Jahr trinken, den wir gesunden l>atten. Das heißt in unserem Boot gefunden, nicht etwa im Schilf. Trotzdem schmeckte er wie Braunbier und Spucke oder auch wie Gesundheitstec. 2 5. August. Es wird Zeit, daß wir obfabren. Unsere ge- samten Vorräte betragen noch: zwei Pfund Kartoffeln, ein Stückchen Brot, drei Zwiebeln, ein Stückchen Speck und drei Eier. An Bargelt» sollen noch 15 Pfennig da sein. Ich bin vor die Wahl gestellt worden: Speckstippe oder Kartoffelsuppe, die Eier sollen für das letzte Frühstück bleiben.— Seit Sonnabend sind auch die Zigaretten rationalisiert: pro Nase und Tag zwei Stück. Ich habe schon längst keine mehr, weil mir gestern mein Zeltnachbar die letzte abgelochten hat. Morgen früh wird«ingepackt..! Der„Mann mit den-1000 Gesichtern". L o n T h a n e y, neben Charlie Chaplin und Douglas Fair- banks Hollywoods best bezahlter und meist begehrter Filmstar, ist Plötzlich gestorben. Eins der erfolgreichsten Schouspielerleben der Welt hat damit sein schnelles und unerwartetes Ende gefunden. Lon Chaney, der im Jahre 188? geboren ist und somit ein Alter von 48 Iahren erreichte, war der wandlungsreichste Schauspieler der Welt. Zahllose Anekdoten gingen darüber in Hollywood um. Jeder Schoirspieler setzt, wie jeder gute Detektiv, seinen Ruhm darein, so gut„Maske machen" zu können, daß ihn niemand erkennen kann. Vor der Fähigkeit Chaneys auf diesem Gebiete mußten «ber die größten„Meister der Schminke" die Waffen strecken. Chaney hat es verschmäht, die alten und verbrauchten Mittel zu verwenden. Schminke und Perücke spielten bei ihm mir eine untergeordnete Rolle. Er hatte sein Gesicht so in der Gewalt, daß er es in tausend verschiedenen Ausdrücken zeigen konnte. Daher trührt fein Beiname her„Der Mann mit den 1000 Gesichtern". Es inachte ihm Spaß, besonders Neulinge zw verblüffen. Wenn ier mit seinen Kollegen und Kolleginnen vom Film nach getaner Arbeit in der Kantine saß, ging er aus eine Sekunde abseits ui»d kam völlig verändert wieder, so daß ihn Fremde, die ihn eben ge- sehen hatten, nicht mehr wiedererkannten. Bei seinen Rollen be- nutzt« er zur Unterstützung seiner Wandlungsfähigkeit alle Mittel der Chirurgie, der Chemie und Technik. Es kam ihm gar nicht darauf an, an sich irgendeinen chirurgischen Eingriff vornehmen zu lassen, wenn es darauf ankam, einen ganz besonderen Eindruck zu erzielen. So Hot er sich zum Beispiel in seinem berühmtesten Vilm„Das Phantom der Oper", in dem er einen grausigen Anblick gewähren muß, von einem Heroorragenden Zahnarzt mit Hilfe der iAahnchirurgie«in zweites Paar Zähne einsetzen lassen, durch das «r die Wirkung erzielte, die ihm vorschwebte. Im Film„Der 'Glöckner von Notre Dame" gab er einen Buckligen, den er eben so naturgetreu darstellte wie einen eleganten Mann in irgend einem anderen Film, so daß niemand wußte, in welcher Gestalt er sich auf . der Leinewand zeigt«. Er war der Schauspieler des Grausens, »enn niemand tonnte grausige Eindrucke mit so großer Raturwahr- Zheit erzietcn, wie er. Er war eine Spezialität für sich und hatte leine Konkurrenten. Daher kam es auch, daß er jedes Honorar ffordern durfte. S0O Jahre Chinin. 300 Jahre sind es her, seitdem«ins der wichtigsten Heilmittel gegen Malaria und andere Fiebererkrankungen, das auch heute noch so viel verwendete Chinin, entdeckt wurde. Der erste, der das Pulver der Rinde des Chinvrindenbaumes als Arznei versuchte, war der Richter von Loxa Don Francisco Lopez de Panizares, der im Jahre 1030 in Peru eine solche Kur machte. Acht Jahre später schickte er ein Päckchen dieser heilkräftigen Rinde an die Gräfin von Chin- choiia, die Frau des Vizekönigs von Peru, die am Wechselfieber litt.« Di« Gräfin hat dann die Rinde zum erstenmal nach Europa ge- bracht und die Aufmerksamkeit auf dieses neue Heilmittel gelenkt.' Der Baum, der bei uns Chinarindenboum heißt, wurde von Linn« auf der Suche nach einem Namen nach der Gräfin genannt, die die Rinde in Europa eingeführt hatte. Der?dame war ihm ober falsch überliefert und so taufte er den Baum Cinchono, noch dem auch das Chinin seine Bezeichnung erhalten hat. Mit China Hot weder Baum noch Mittel das geringste zu tun.' Im 18. Jahrhundert wurden verschiedene Versuche unternom- inen, die wertvolle Pflanze auch anderweitig einzubürgern. Süd- nmerika war damals das einzige Ausfuhrland für China, und die Holländer, die den Handel in ihren Händen hatten, bestimmten den Weltmarkt völlig. Chinin war daher außerordentlich teuer und kostet« noch in d«r Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Gramm bis zu einer Mark. Die Holländer suchten daher jede Ausfuhr von Sa-men des kostbaren Baumes zu oerhindern. 1743 glückte es dem französischen Botaniker La Condanrine, am Amazonenstrom solchen Samen zu erlangen: aber er verlor die wertvollen Körner, nachdem er sie Monate lang unter großen Mühen mit sich geführt hatte. Der gleiche Unstern stand über den Versuch des Franzosen Sussieu, dem die den Samen enthaltende Kiste von den Eingeborenen ge- stöhlen wurde, weil si« darin Gold vermuteten. Erst einem Engländer, dem Beamten des Indien-Büros Tle- m e n t s M a r k ha m, dessen 100. Geburtstag die Engländer jetzt in dankbarer Erinnenmg an seine Tat begehen, ist es gelungen, den Cinchona-Baum nach Indien zu bringen und dort im großen anzupflanzen. Obwohl er die Erlaubnis der Regierung von Peru besaß, hatte er doch viele Gefahren zu bestehen, bevor er, von dem Botaniker Spruce unterstützt, im Jahre 1860 mehrere Pflanzen glllckkich nach Engfemd brachte. Die Sesmntkosten seiner Expedition beliefen sich auf 17 000 M., während England jetzt von den indischen Chinarindenbaum-Pflanzungen einen Millionengewinn erntet. Erst durch Markham wurde das Chinin ein billiges Heilmittel, das jeder- mann zugänglich war. wieviel Töne einer Melodie können gestohlea werden? Diese schwierig« Frage hatte dieser Tage ein Londoner Gericht in einem Plagiotsprozeß des Puccini-Verlegers gegen die englischen Komps- nisten Jack Waller und Joseph Tunbridge zu entscheiden. Die be- klagten Komponisten hatten in ihrer Operette„Silberschwingen" ein« Melodie aus Puccinis Oper„Madame Butterfly" benutzt. Die Kom- ponist«n gaben dies auch ohne' weiteres zu, nur beriefen sie sich auf ein altes englisches Gesetz, wonach acht Töne aus einer Melodie ungestraft benutzt werden könnten. Das Gericht wies die Klage auch ab, und zwar mit der Begründung, daß nur dann von einem Plagiat gesprochen werden könne, wenn ein„wesentlicher Teil" eines Kunstwerkes kopiert würde.— Ein« Walzermelodi« scheint dazu nicht zu gehören. Konferenz zur Erforschung der Arktis. Wie aus Moskau g«- meldet wird, wurde am Dienstag in Leningrad die Konferenz zur Erforschung der Arktis eröffnet, zu der.zahlreich« Gelehrte Europas und Amerikas eiichienen sind. Der Vorsitzende der Aka- demi« der Wissenschaften, Mar, begrüßte die ausländischen Gäste und betonte, daß die Sowjetregierung alles tun werde, um die Er- forfchung der Arktis zu fördern. New Jork verbietet die Slraßenlaukfprecher. Auf Antrag der New-Porker Antigeräuschkommffsion hat der New-Porker Stadtrat verboten, daß in Zukunft ein Lautsprecher vor einem Gebäude oder außerhalb desselben vor einem Fenster, einer Tür oder anderen Wandöffnung«n in Betrieb gesetzt werden darf. „Arbeitsgemeiaschafi satiger löozer"— unter dirscm Namen hcä sich eine Vereinigung Berliner Tänzer gebildet, der als Mitglieder angeboren: Lotte Auerbach, Liselore Bergmann. S e n t a H i l I e rt. I v a L a n g e n t e l 5, Jo Mihaly, LisaNey, HanS Weidt Walter Zieszow. vi« volksböhu« eröffnet ihre diesjährige Spielzeit am l. September. abends 8'/, Uhr. mit der Wicderausnahmc von Carl ZuckmayerS Schau>vicl .Der sröhlichc Weinberg" in der Premicrenbesctzunz. Am SO. Sep- lember gehen unter ber Regie von Karl Heinz Martin»Die Weber" von Gcrhart Hauptmann in Szene. � töefchäfts'Jbtfefger (Bezirk füden-Wefien. Johann W. Albers I G. m. b. H. ! in- und ausländische FrOchte;; Engros— Import t): «'■ Berlin C 15, Panoramastr. 1 H [(* 8» Ä Tel. 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