BERLIN Nomierstag 28. August 1930 10 Pf. Nr. 402 B 200 47. Lahrgang e rfch e k«t täglich außer Sauutag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. BezuzSpreit beide Ausgaben ssPf. xroWoche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWes, ündeostr.» Sfuilautyaße xlel„VyftVwfk* Aoieigeapreit: Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Pestscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.37SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2S7 Geisteskranker tötet zwei Krauen L�evolverschüsse in der Laubenkolonie— Oer Täter verhastet Auf der» Laubeugelänix a» der sogenannten Moos» Villa In Nowawes wurde» heute vormittag zwei Frauen, eine von etwa SV Jahre« und eine etwa zehn Jahre jüngere, von einem anscheinend gel st es- kraulen Manu erschossen. Der Mörder hat sieben bis acht Schüsse abgegeben, die sofort tödlich wirkte«. Der Potsdamer Kriminalpolizei, di« unter Leitung de» Krnninolarztes Degner die ersten Ermittelungen am Tatort vor- nahm, ist es überraschend schnell gelungen, die Bluttat zum großen Teil ausznNären. Der Täter wurde al, der tSsährige Weichensteller Gustav Brüggemmm aus Drewitz festgestellt. Seine Opfer find sein« Schwägerin und eine öl jährige Frau warzacha ans Nowawes. Enieignungsrecht gegen Bodenspekulanten Aufsatz auf der 3. Seife Die furchtbare Tat hat sich folgendennaß«N"abgespielt: Brügge- mann hatte in der vergangenen Nacht Dienst. Er war in Drewitz als Weichensteller bei der Reichsbahn angestellt. Aus seinem Rade fuhr er kurz nach 8 Uhr nach Nowawes, offenbar schon mit der Absicht, sein« Schwägerin, eine Frau Müller, die in Nowawes wohnt, zu töten. Man nimmt bisher an, daß sich Briiggemonn in der Nähe ihrer Wohnung verborgen gehalten hat. Gegen lv Uhr verließ Frau M. in Begleitung von Frau Warzacha dos Haus, um sich nach ihrem Laubengrundstück am Horstweg, unweit des Unionplatzes, zu begebn. Brüggemann ist den beiden dann vermutlich unausfällig gefolgt. Kurz nach 10 Uhr hörten Lauben- kolomsten, die ihr Grundstück in der Nähe von Frau Müller haben, in kurzer Folge zahlreiche Schüsse fallen, denen mehrere laute Aus- schreie folgten. Als die Leute nachsahen,' bot sich ihnen ein furchl- bares Bild. Auf dem Boden vor der Laube lagen Frau M. und ihre Begleiterin blutüberströmt. Beide gaben keine Lebenszeichen mehr von sich. Ihr« Körper waren von mehreren Kugeln durchbohrt. Andere Laubenkolonisten sahen einen Radfahrer, i« dem sie Brüggemann erkannten, wild davonjagen. Der Täter wurde später noch einmal aus der Ehausiee Drewitz— Jüterbog am Jagdschloß Stern von mehreren Bekannten getroffen. Die Leute wunderten sich noch, daß Brüggemann, der einen verstörten Eindruck machte, auf ihren Gruß und ihre Zurufe nicht reagierte. Man dachte sich zunächst weiter nichts dabei, da Brüggemann in Nowawes auf dem Fahrrad häufiger Besuche abstattete. Erschütternde Szenen spielten sich aus dem Laubengelände am sogenannten Horstweg in Nowawes ab. Die Leickzen der beiden Frauen, die zwischen hohen Blumenbeeten liegen, werden jetzt von den Angehörigen rekognosziert. Der Eheinonn der erschossenen Frau Wartzehn bricht in laute Schmerzensruse aus, eine Biertelstunde später kommt die Tochter der ihrschossenen, ein lljähriges junges Mädchen, und schreit: Wo i st ni e i n c Mutter, wo i st meine Mutter. Sie bricht on der Leiche ihrer Mutter zusammen, eine Fürsorgeschwester erscheint und sucht die 8 Jahre alte blinde und taubstumme Tochter der er- schossenen Frau Müller auf. Diese war noch kurz vor der Tat am Laubengeländc gesehen worden, sie ist von einer Frau mitgenommen morden, damit sie das Furchtbore nicht erfährt. Oer Täter verhastet. »ei Schluß des Blattes wird bekannt, daß Brüggemann um lZ Ahr in Drewitz verhaftet worden ist. Cr muh sich also nach der Tat direkt nach Drewitz in seine Wohnung begeben haben, wo ihn die Landjäger festnahmen. Brüggemann wurde sofort nach Potsdam gebracht, um über die Gründe zu der blutigen Schreckens- tat vernommen zu werden. Ote Auswndsstucht der Gowjeibeamien Fast 150 find nicht zurückgekehrt. R i g a. ZS. August. fEigenbericht.) Aus Moskau wird gemeldet, daß sich bisher insgesamt lZ4 im Ausland tätige Beamte de, Sowjetregierung geweigert habest, der Allsjordernng nach Rußlaud zurück zuiehren, zu entsprechen. Ä>a« Qroflfeuer in der XulherSirajße Gestern mittag brach im Hause Augsburger Straße 69, Ecke Lutherstroße 21/22, ein Großfeuer aus, das den lDcichstuhl des Hauses vollständig zerstörte.(Neun Löschzüg« der Berliner Feuerwehr waren nötig, um den Brand einzudämmen.) Gistgas über Kolorado. 26 Personen durch Ehlordämpfe schwer erkrankt. Denver(Kolorado), ZS. August. Ein mit HO Tonnen flüssigem Ehlorin beladener Tankwagen wurde vor einer Fabrikanlage für feuerfeste Tonprodukte leck. Es entwickelten sich sofort gelbe Schwaden von Chlordämpsen. Zö Personen, darunter mehrere Feuerwehrleute, mußten in bedenklichem Zustande gasoergistet in, kranken- hau« gebracht werden, über lOO Arbeiter tonnten sich recht- zeitig in Sicherheit bringen. * Norton(Virginia), 28. August. Di« Leitung einer Pulverfabrik wollte 40 Kiste« Explosivstoffe, di« sie für unbrauchbar geworden hielt, verbrennen. Es erfolgte eine furchtbare Explosion, die in einer nahegelegenen Ortschaft vier Häuser zerstörte und in einer etwa Iii! Kilometer weit entfernten Schule sämtliche Kinder von ihren Sitzen warf. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Die Erschütterung war in weitester Umgebung zu verspüren und man dachte allgemein an ein Erdbeben. Gluthitze über England. Bereits 5 Todesopfer.- Abkühlung nicht zu erwarten. Die seit einigen Tagen in England herrschende Hitze hat bisher fünf Todesopfer gefordert. Alle Anzeichen lassen daraus schließen, daß ein Temperaturumschlag in nach st er Zelt nicht zu erwarten ist. Ungewöhnliche Hitze auch in Spanien. Madrid. 28. August. Die gegenwärtig im ganzen Lande herrschend« 5)itzc ist so stark, daß zum Beispiel in Bilbao zahlreiche Betriebe schließen mußten. Oos schöne Weiier bleibt! lleberall heiter und sehr warm. Die wetteraussichten sind für die nächste Zeil äußerst günstig. Seit Dienstag herrschen überall hochsommerliche Temperaturen, und wenn nicht alles täuscht, ist mit einem weiteren Steigen der Ouecksilbersäule zu rechnen. In Berlin wurden heute früh um 8 Uhr 20 Grad Wärme ge- messen, mittags zeigte das Thermometer bereits 27 Grad. Auch in den übrigen Teilen des Reiches herrscht überall sonniges und warmes Wetter. Westlich der Elbe betrugen gestern di« Tempera- turen durchschnittlich 30 Grad, stellenweise sogar 33 bis 34 Grad Wärme. Geradezu grotesk wirkt sich der Wetterwechsel in den deutsche» Gebirgen asts. Die �pstjpitzc, die vor etwa acht Tages Schnee und 7 Grad Kälte meldete, hatte gestern 13 Grad Wärme. Auf der Schneekopp« betrug di« Tageshöchsttemperatur am Mittwoch 16 Grad Wärm«. Auch hier hatte das Quecksilber vor einigen Tagen bei Regen und Schnee schon den Gefrierpunkt erreicht. Nach einer Meldung des Amtlichen Wetterdienstes erstreckt sich über ganz Mittel- und Westeuropa ein schönes und ausgedehntes Hochdruckgebiet. Es reicht von Südeuropa(Mittelmcergebiet) bis nach Nordskandinavien herauf. Der Kern dieses gewaltigen Hochs liegt über Südjchweden. Sogar ein Teil Oftrußlands steht unter dem Einfluß des Hochdruckgebiets. Nach einer Londoner Meldung ist auch in Südengland herrliches Sommerwetter zu oerzeichnen. London verzeichnete 3l bis 32 Grad Wärme. In Frankreich lagen die Temperaturen gestern zwischen 30 und 3S Grad Wärme. Oer Bombenlegerprozeß. Wiborg wollte nur das Fahrgeld verdienen. Altona, 28. August. Bor Eintritt in die Verhandlung nimmt der Borsitzende heute Stellung zu den gestrigen Aeußerungen des Rechtsanwalts Hütt» mann gegen den Berichterstatter eine» Altonaer Blattes. Der Vor» sitzende bittet dringend. Borfäll«, die außerhalb des Saales liegen, nicht in die Verhandlung hineinzuziehen und persönliche Angriffe zu unterlassen. Zudem sei er außerstande, eine Zensur über die Presse auszuüben. Der Angeklagte Solomon redet da» zwischen und zieht sich eine Rüge zu. Rechtsanwalt 5) ü t t- mann wiederholt nochmals seinen Antrag, den betreffenden Presse» Vertreter von der weiteren Teilnahme an dieser Berhandlung aus- zuschließen, weil er geschrieben hätte, nur ein Teil der Angeklagten seien Bauern, der Rest„gekaufte Elemente". Das Gericht geht je» doch zur Tagesordnung über. Es wird in dek Verlesung der Protokolle fortgefahren, nachdem festgestellt ist, daß heute di« Eheleute Holländer und der Angeklagte Matthes fehlen. Die Protokolle über die Vernehmungen des Angeklagten Matthes kommen also in seiner Abwesenheit zur Verlesung. Sie ergeben im wessnt- lichen ein Geständnis mit der Einschränkung, daß er nur an ganz ungefährliche Demonstrationen geglaubt haben will. Die nächsten Verlesungen betreffen den Angeklagten Wiborg. Dieser will von Heim den Aufttag erhalten haben, mit Nickels nach dem Rheinland zu fahren und will von diesem dann'erfahren haben, daß es sich um die Abholung von S p r e n g st o f s e n handele, die in Mülheim-Ruhr aus einem Steinbruch entwendet werden sollten. An dem Einbruch will er nicht beteiligt gewesen sejn, sondern nur mit seinem Kraftwagen in der Nähe gewartet haben. Die Spreng» stoffe sind nach seiner Aussage an ein anderes unbekanntes Auto übergeben worden. Ihm selbst sei nur an dem von heim gezahlten hohen Fahrgeld von 435 Mark gelegen gewesen, weil er Wechsel einlösen muhte. Die verschiedenen Protokoll« decken sich inhaltlich. Wiborg gab von Anfang an zu, daß er, wenn er auch nicht in alies eingeweiht war, doch genau gewußt hat, Teilnehmer an unerlaubken Handlungen zu sein. Auch die Gefährlichkeit des von ihm ausgeführten Sprengstofftrans- Ports ist ihm genau bekannt gewesen. Außer Nickels will er keinen der bei der Tat in Mülheim beteiligten Leute kennen; je- doch soll Nickels ihm verschiedene Andeutungen gemacht haben. Er hat nur mitgemacht, weil er an vaterländische Ziele der Führer Heim und Genossen glaubte und überzeugt war, daß seine Helfer- schaft ganz geheim bleiben würde. Gelegentlich einer Anssührung aus der Untersuchungshaft nach Mülheim zeigte er dort die Stelle, an der am 27. Januar 1929 dos Roburit gestohlen worden ist. RechtsanwaU Dr. Brande- bezweifelt die Rechts- gültigkeit dieses Protokolls, weil bei dieser durch den.Untersuchungs-. richter Dr. Masur geführten Bernehmung Staatsanwalt Dr. Eich- holz und Kriminalkommissar Braschwitz zugegen gewesen sind, dies sich aber nicht aus der Niederschrift ergibt. Der Verleidiger muß zugeben, daß er von seinem Einspruchsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Staatsanwalt Dr. E i ch h o l z erklärt, es seien lediglich zum persönlichen Schutz Dr. Masurs Polizeibeamte zugegen gewesen. Rechtsqzupait Dr, Luetgebrune fachet es jxdpch aujjalliz. daß ausgerechnet die Crmittlungsbeamten als Schutzgorde des Unter« suchungsrichters aufgeboten worden sind. Nach dieser Auseinandersetzung wird in der Verlesung fort- gefahren. Man lernt aus den weiteren Angaben Wiborgs den ganzen kreis der Angeklagken kennen, ohne aber über die Rollen, die die einzelnen gespislt haben, Klarheit zu gewinnen.* Brünings Riesenreform. Gewaltiges Finanzprogramm in fünf Grundsahen Amtlich wird bei Redaktionsschluß mitgeteilte Die mehrtägigen Beratungen des Reichskabinetts über seine finanziellen Reformpläne wurden heute unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu Ende geführt Es wurde Todesurteil gegen Hindenburg In einer Essener Versammlung forderte der Rationalsozialist Zillekens die Nöpfe aller Zfoungplan-Unterzeichner, auch Hindenburg«, den er allerdings„begnadigen" wollte. ifi zeze» C" 'Wi i „3br Kopf, Herr Präsident, gebort uns. Wir lassen >bn Ihnen nur, damit Sie Herrn Goebbels auch das nächste Mal verzeihen können!" U« b e r e i n st i m m u n g über diejenigen Grundsätze erzielt, nach denen nunmehr die erforderlichen Gesetzesvorlagen durch die zuständigen Ressorts während der nächsten Wochen zwecks Vor- läge an den Reichsrat und den Reichstag ausgearbeitet werden sollen. Voraussetzung für das Gelingen aller Reformpläne ist eine ge- ordnete Kaffenlage und ein die Wirtschaftslage berück- fichtigender Haushaltsplan. Das Kabinett hat für die Aufstellung dieses Prograisims als wesentliche Gesichtspunkte die folgenden festgelegt: 1. Im Haushaltsplan 1931 wird über die bereits im Haushalts« plan 1930 vorgesehene Senkung der Ausgaben von 169 Mil- lionen Mark hinaus auf Grund der vom Reichsfinanzminister ge- machten Vorschläge ein weiterer namhafter Betrag eingespart werden. 2. es wird ein mehrjährig«? Programm für den Wohnungsbau und di« ländliche Siedlung mit dem Ziel der beschleunigten Verminderung der Wohnungsnot- der unbemittelten Schichten und unter Berücksichtigung ihrer Leistungsfähigkeit auf- gestellt. Die Finanzierung der größeren Wohnungen wird auf anderem Wege durchgeführt. 3. Der Reichshaushalt soll gegen die bisherige un- oorsehbare Beanspruchung durch die verschiedenen Formen der Arbeitslose nhilfe gesichert werden, indessen, ohne daß dadurch die notwendigen Leistungen gefährdet werden. 4. Der Finanzausgleich wird durch eine onderweitige Verteilung der öffentlichen Einnahmen unter Reich, Länder und Ge- meinden entsprechend der ihnen obliegenden Aufgaben u m g e- staltet werden, dabei soll vor allem auf Klarstellung der selb- ständigen Verantwortung für die Ausgabengebarung hingewirkt werden. Dieser endgültig« Finanzausgleich kann in Kraft treten, sobald der Reichstag das Steueroereinheitlichungsgesetz, zu dessen Vorbereitung in der Notoerordnung entsprechende Maß- nahmen vorgesehen und«ingeleitet sind, verabschiedet hat. In diesem Zusammenhang ist auch eine vereinsiuhung de» Steuersystems in Aussicht genommen, und zwar zunächst bei der Landwirtschasl, sodann durch Freistellung der vermögen bis zu 20 000 Wart von der Vermögenssteuer. Die A u s w ü ch s-e auf dem Gebiete der k o in in u n a l e n B e a m t e n b e s o l d u n g sollen beseitigt werden; hierbei wird bei denjenigen Gemeinden einzusetzen sein, deren R e a l st e u e r n be- sonders überhöht sind. 5. Eine Bewirtschaftung der K r e d i t b e d ll r s n i s s e der öffentlichen Körperschaften unter einlieitlichen Gesichtspunkten wird die notwendige Senkung des zu hohen Zinsfußes unterstützen. Die Gesamtheit dieser Maßnahmen wird eine Senkung der zu hohen steuerlichen Belastung des deutschen Volkes ermöglichen. Ein solches Senkungsprogromm kann nur fortschreitend durchgeführt werden. Begonnen werden soll aber bereits im Jahre 1931 mit der Senkung der die Produktion am meisten hemmdenden Real steuern. Dadurch soll der Wirtschast Antrieb und neue Arbeit gegeben werden. Seine Änflätigkeit der Herr Ministerpräsident Gras Peslalozza gestorbev. In einer Erlanger Klinik ist der langjährige frühere Landtagsabgeordnete der Bayerischen Volks- partei. Geheimer Justizrat Rechtsanwalt Graf von Pestalozza-Nürn- berg, einem schweren Leiden erlegen. Er stand im 63. Lebensjahr und war von 1906 bis 1928 Abgeordneter im Bäuerischen Landtag. Pcstalozza hatte als Slrafoerteidiger einen Ruf über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Aus Polen sind jetzt die Zeitungen mit dem neuen P i l s u d s k i- I n te r v i e w eingetroffen. Es bestätigt sich unser« Vermutung, daß das Beste dieser Unterhaltung telephonisch nicht befördert werden konnte, weil der Draht sich weigerte, es wieder- zugeben. Schließlich will man aber doch wissen, was in dem Nach- barland eigentlich los ist, darum lassen wir einiges davon folgen. Schon der Beginn d«r Unterredung gestaltete sich auhergcwöhn» lich und originell. Der Chefredakteur der„Gazeta Polska", der zu- gleich Mitglied des polnischen Parlaments ist, stellte die Frage: „Welches ist d a s Programm des Herrn Marschalls als des Chefs der Regierung für den nächsten Zeitabschnitt?" Darauf antwortete Pilsudski:„Sie als Abgeordneter haben die Frage in Abgeordnetenart gestellt, das heißt so, daß es kein« Möglichkeit gibt, auf sie zu antworten; ocnn der Sejmabgeordnete ist dazu geschaffen, daß er dumm sragl und dumm spricht. Darum, wissen Sie, zweifle ich persönlich oft daran, daß der demokratische Begriff irgendwelchen Wert hat, und noch weniger Wert dürfte der sogenannte Parlamentarismus hoben, da er zwairgsläufig zu Betrügereien und zu einem Leben im Lichte der Betrügereien führt. Ich werde mich jedoch be- mühen, Ihnen zu antworten, wenn auch nur annähernd." Der Herr Ehesrcdokteur und Abgeordnete nahm nun keines- wegs seinen Hut und ging, sondern machte«ine tief« Verbeugung und schrieb. Der Marschall-Minifterpräsident aber sprach weiter: „Wie Sie sehen, Herr Abgeordneter, ist der Aufbau der Kon- stitutjon so schwankend und ungenau,«r ist so unflätig be- schrieben, wie die Gedanken der Herren Abgeordneten unflätig sind. Ueberhoupt muß ich Ihnen sogen, daß diese unflätige Schreiberei aus unserer Konstitution etwas Aehnliches mit einem«rbärmlichen Iägerfrühftück macht, in das man neben völlig verfaulten Schinken angefaulten Speck packt und das Ganze neben ungesäuerten Kohl legt, so daß man jeden Paragraphen und Artikel ganz individuell nehmen kann und muß, ohne ihn mit irgend etwas anderem, das heißt irgendeinem anderen Artikel zu verbinden. Natürlich ist der völlig verfaulte Schinken für den Herrn Präsidenten der Republik, der angefaulte Speck für die Regievung, na und den Abgeordneten bleibt der ungesäuerte Kohl. Wie Sie verstehen werden, müssen die Mögen dabei versagen und es kommt dann ein Gestank heraus, daß die ganze ul. wiejfka stinkt— ich bitte Sie!(Anm. d. Red.: In der ul. Wiejska liegt das S«jm- gebäude.) ... Wissen Sie, oft hörte ich von den verschiedensten Arten und Weisen einer Verdrehung der Konstitution und des Suchens von Grundlagen für die eigenen Feststellungen oder Forderungen, so als ob sie auf der Konstitution beruhten. Ich aber nenne da» nicht Konstitution, ich nenne da»„Konstituierte". Und ich habe mir da» wort ausgedacht, weil es der Prostituierten am ähnlichsten ist. Wenn in eurem geehrten Sejm solche Hampelmänner vom Schlage des Labermann(das soll der Abg. Genosse Liebermann sein. D. R.) Rechtsautoritäten sind, oder solche dunklen Individuen vom Schlage hochg«. k o m m e n e r Diebe, so ist auch eine solche Interpretation mög- lich, aber sie ist nicht rechtmäßig und niemand ist imstande, sie als Recht anzunehmen. Dieses System des Aerbrechens der Konstitution sür die verschiedenen Bedürfnisse muß aus der Konstitution eine gewöhnliche Dirne machen, und das zu gestatten ist nicht erlaubt." Oer Ministerpräsident fordert dazu auf, die Abgeordneten zu prügeln. „Nach meiner Ansicht muß man in jed«m Amte den H«rrn Ab- geordneten vor die Tür setzen, wenn man ihm dabei noch etwas zugibt, so schadet das auch nichts. Denn der Herr Abgeordnete hat sich einen so lächerlichen Begriff über seine Unantastbarkeit gebildet, wo die Konstitution doch nur von der gerichtlichen Unantastbarkeit spricht. Alles andere, Herr Abgeordneter, ist a r t o st b a r I Ich werde Ihnen eine sehr lustige Anekdote erzählen: Irgend solch ein nicht geehrter Herr in einer gewissen Stadt bekam eins über den Wund und wandte sich an den Stadtkommandanten mit der Forderung um Schutz. Der Herr General, zu dem er sich begab, antwortete ihm sehr solide und ruhig, daß er, der Abgeordnete, doch keinPulver- schuppen sei, daß er bei ihm Posten aufstellen müsse, und deswegen werde er auch keine ausstellen. Darum wird auch die Re- gierung keine Pasten ausstellen; davon können Sie überzeugt sein." Oer stinkende Parlamentslöwe. „Ich konnte mich, ich gestehe es Ihnen, des Lachens nicht cnt- halten, als ich darauf wartete, wann dieser„Löwe" vor Schreck st i n k e n würde. So kam es auch... Das Bild davon oerfolgt mich direkt. Ein solcher Herr mit aufgeknöpfter Hose geruht nicht einmal anständig zu stehen und zu antworten, lind von solchen beschmutzten Hosen soll der Staat abhängen! Das ist nicht zu ertragen. Dieser unsauberen Arbeit, dieser Arbeit der Taugenichtse, die die Anarchie herbeiführt, muß ein Ende ge- macht werden." Wissen Sie, worüber ich am häufigsten nachdenke? Ueber d i e merkwürdige geistige Verwirrung der Herren der „untergehenden Welt". Dieses System der Anarchie ist die größte neuzeitliche Krankheit. Darum stelle ich auch auf Ihre Frage. welches meine größte Sorge sei, fest, daß es mir dabei um die Ab- wehr des Angriffs auf das Steuergeld geht, um die Abwehr der Ausgabe dieses Geldes für Parteiklosetts. 3ch muß Ihnen sagen, daß das völlige verlorengehen des An- standes charakteristisch für die neuen Zeiten ist." Was diesen letzten Satz betrifft, so muß man dem Herrn Ministerpräsidenten unbedingt recht geben. Bedauern aber muß man die geistige Verwirrung eines Landes, das sich der Führung eines offenkundig Geisteskranken anvertraut. Hitlers Schmutzkonkurrenz. Antisemitisches aus der„Roten Zahne". Das„gewaltig« Ereignis" des nationalsozialistischen Wahlprogramms, das sich die KPD. gegeben hat, ist nicht ohne Folgen auf den Hausdichter der„Rot«nFohne" geblieben. Am Mitt- woch reimt« er in einem„Roten ABC" folgendes zusammen: Die Jobber, Juden und Jungdogesellen Verhandeln mit Junkern und Industriellen. Da aber ein Teil der Leser die neue Schwenkung zum National- sozialismus, wozu ja auch ein Schuß Antisemitismus gehört, noch nicht genügend begriffen hat, so muh sich die Redaktion der„Roten Fahne" unter der Ueberschrist„Ein Fehler' folgende Entschuldi- gung zurechtstammeln: Im gestrigen„Roten ABC" ist durch einen bedauerlichen Druckfehler(?) in eine Zeile eine antisemitische Ten- d e n z geraten. Es sollte das Bündnis des christlich-safchistischsn Iungdo mit den jüdischen Börsenjobbern in der Staats- partei gegeißelt werden. Da aber der B i n d e st r i ch zwischen den Worten„Jobber" und„Juden" wegblieb, ist die an sich schon mißglückt« Zeile völlig mißverständlich geworden. , Der Sinn und die antisemitische Tendenz ändern sich nicht im mindesten, ob man zwischen die Worte Jobber und Juden Binde- striche oder ein Komma setzt. Man ist eben im Erfer sür die neuen Richtlinien ein Stück zu weit vorgeprellt und möchte es nun nicht wahr haben. Nur keine Sorge, es kommt noch! Wir erinnern uns sehr wohl noch der Zeit von 1923, in der Ruth Fischer mit dem Nationalsozialisten Gras R e v e n t l o w Arm in Ann in Studenten- Versammlungen referierte und in der man alle Tage in der„Roten Fahne" einiges gegen die Juden lesen konnte. Damals rief Ruth Fischer den völkischen Studenten zu:„R e ch t s o l T r« t e t d i e Iudenkapitalisten nieder, hängt sie an die La- terne! Zertrampelt sie!" Was damals selbst einem Werner Schalem und einer Ruth Fischer gelang, dürfte doch Heinz Neumann keine Schwierigkeiten verursachen! Mit mächtiger Schlagzeile tut sich die Donnerstagnuunner der „Rot«n Fahne" auf: 44 Minister. Regierung«äke. Polizeipräsidenten als Spihen- kandidolen der SPD. Darunter folgt dann eine Aufzählung, von der ausdrücklich zu- vor bemerkt wird, daß sie aus den jetzigen Kandidatenlisten der Sozialdemokratie zusammengestellt sei. Der Mann aber, der dies« „Statistik" offenbar nach Moskauer Muster besorgt hat, lebt entweder auf dem Monde oder hat einige Jahre verschlafen, sonst konnte er z. B. gewiß nicht der Sozialdemokratie zumuten, daß sie den toten Genossen Alwin Saenger noch einmal für den Reichstag aufgestellt hätte. Ebenso ist unter den jetzigen Kandidaten der Landrot o. D. B ü l o w auigeführt, obwohl er nicht wieder zum Reichstag kandidiert. Sehen wir von solchen„Schönheitsfehlern" der bolschewistischen Statistik ab, so bleibt noch genug des Lächerlichen übrig. Unter den„hohen Beamten" der kommunistischen Zusammen- stellung finden wir z. B.: Ein Ehrenbürger van Verlin(Hugo Heimann)., Der geistvolle Statistiker hdt wohl gemeint, daß Ehrenbürger sein in Deutschland«inen Berus oder ein gewinnbringendes Geschäft darstelle, vfsenbar ist. il>m da«in« Verwechslung mit soayetrussijchen Verhältnissen unterlausen. In Sowjetrutzland kann man allerdings als„Ehrengast" monatelang wie Gott in Frankreich leben, wofern man sich verpflichlet, nur Günstiges zu berichten und vor allem Elend beide Augen zuzudrücken. Weiter werden aufgeführt: Otto Wels als„Kommandant von Berlin". Schöpft in als„Gouverneur von Berlin". Posten, die beide während einiger Revolutions- monat« inne hatten(also vor zwölf Jahren!) und für die sie selbstverständlich seitdem keinen Pfennig Gehalt mehr beziehen. Aus dem gleichen Grunde find in der„Roten Fahne" die Genossen Kurt Rosenf«ld und Heinrich Ströbcl als„Staatsminister a. D." ausgeführt. Beide waren vom November 1918 bis Januar 1919 preußische V o l ts b c a n ftra gte. Aehnliches gilt von dem„Staatsministcr a. D." der„Roten Fahne" Genossen Kuhnt, der bekanntlich einig« Monate lang Lolksbeaustragter sür Oldenburg war. Wahrlich Grund genug für di«„Stote Fahne", daß sie pathetisch ausruft: Das sind die B e r us s pa r l am e n ta ri e r, denen Politik ein Geschäft ist, wie anderen der Handel mit Steinkohlen oder mit alten Hosen! Was sind denn dann die kommunistischen Abgeordnsien, die in der Revolution Arbeiter- und Soldatenräte, Stadtkommandanten, Generale der Roten Armee spielten— oder vormals sogar kg l. preußisch« Leutnants a. D.(wie der bisherige Abg. D enget) waren! Konflikt in den Bauschlossereien. Noch ist kaum ein Jahr seit dem Abschluß des vierwöchigen Kampfes in den Berliner Bauf-chlosfereien vergangen und schon schlägt der Zeiger des Barometers wieder nach der Schlechtwetterseite aus. Der Schutzverband Berliner Schlossereien hält anscheinend den Zeitpunkt für gekommen sich für die Niederlage im vorigen Jahr zu revanchieren und nun einmal von sich aus„Lohnpolitik" zu machen. Er hat dem Mtzall- arbeiter-Verdand den Lohntarif der Bau- und Geldschrank- schlosser zum 30. September gekündigt, bestimmt nicht mit der Absicht, das Lohnniveau der Branche zu heben. Die Unternehmer wollten wahrscheinlich der Tariskündigung durch den Metallarbeiter-Berband zuvorkommen, die von den Funktionären in ihrer letzten Zusammentunst beretts beschlossen war und nur noch der Bestätigung durch die Branchenvolloersammlung bedurfte. Di« Funktionäre hatten beschlossen, die gleichmäßige Er- höhung sämtlicher Löhne um 10 P s. je Stunde zu fordern. Sie hatten darüber hinaus der Agitationskommifsion den Auftrag gegeben, noch verschiedene andere Derbesserungsvorschläg« sür den Tarifvertrag auszuarbeiten. Diesem Auftrag hat die Agitations- kommission auch entsprochen und u. o. die Lohnforderung noch dahin ergänzt, daß die jugendlichen und weiblichen Berufsangehörigen den gleichen Lohn erholten sollen wie die männlichen Arbeiter, daß die Transportarb etter eine Lohnstufe höher eingruppiert werden und in den Lohntarif eine Bestimmung aufgenommen werden soll, wonach Sonderabmachungen, die dem Sinn des Tarifver- träges zuwiderlaufen, keine Gültigkeit haben sollen. Die Branchenversammlung Hot die Forderung der Funktionäre und der Agitationskommission gebilligt. Die Bau- und Geld- schrankschlosser waren sich völlig klar darüber, daß es infolge der ungünstigen Arbeitsmarktlage, durch die die Unternehmer zu ihrem vorgehen ermutigt wurden, leicht zu ernsten Auseinander- s e tz u n g e n kommen kann, wie im vorigen Jahr. Entelgllungsrechl gegen Bodenspekulanten Gemeinden wehrlos gegen Preistreibereien— Sondergerichte notwendig Als vor zwei bis drei Monaten heftige Erörterungen über die Grundstückskäufe der Stadt Berlin tobten, ist manchmal schon darauf hingewiesen worden, daß gewisse Pfade städtischer Grundstückspolitik nur aus den Bestimmungen des noch heute geltenden preußischen Enteignungsgesetzes von 1874 zu verstehen sind. Es hat sich in jenen Debatten zum Beispiel herausgestellt, daß für ein Grundstück, das zum Untergrundbahnbau benötigt wurde und welches der Kämmerer sich aus finanziellen Gründen weigerte, zum Preis von 475 000 M. zu erwerben, die Stadt Berlin dann im Ent- eignungsverfahren 850 000 M. zahlen mußt«. Damit wird wohl einwandfrei erwiesen sein, daß man der Stadt Berlin generell daraus keinen Vorwurf machen darf, wenn sie es vorzog, sich bei Käufen hinter Privatpersonen zu verbergen. Denn es kann wohl als allgemeiner Erfahrungsgrundsatz gelten, daß jeder Verkäufer, der mit der Stadt zu verhandeln hatte, � seine preise besonder, hoch ansetzte, weil er hoffen durste, im Enteignungsverfahren noch mehr zu erholten. So heißt es z. B. in der Vorlage für die Stobtoerordnetenversamm- lung der Stadt Berlin Nr. 15 1930 S. 248:„Die Erfahrung Hot auch hier gezeigt, daß Kaufpreisvereinbarungen, die freihändig ab- gemacht waren, aber nicht zu einem Abschluß kamen, weil diese Preise zu hoch erschienen, regelmäßig im Enteignungsverfahren um ein Bedeutendes, oft um ein Bielfaches überschritten wurden." Daß diese Zustände aus den verschiedensten Gründen unhaltbar sind, bedarf keiner langen Erörterung. Auch kein noch so verbissener Anhänger des Privateigentums wird leugnen können, daß es weder einen moralischen noch einen Rechtsgrundsatz des Inhalts gibt, daß die öffentlich« Hand teurer taust als der Privatunternehmer. Und gerade die bürgerlichen Parteien müssen es eigentlich als Ausfluß ihres immer empfohlenen Sparsamkeitsprinzips für die öffentliche Hand begrüßen, wenn hier Wege beschritten werden, die zu einer fühlbaren Entlastung für die städtischen Finanzkassen führen. Dazu kommt noch ein weiteres: Auch wenn die Stadt Berlin und ihre Grundstücksdezernenten im wesentlichen mit allen ihren Sünden um 90 Proz. hinter der Darstellung der großstädtischen Skandalpresse zurückbleiben, so ist es doch dringend notwendig, daß die Großstädte im Interesse ihres eigenen Ansehens es in Zukunft nicht mehr notwendig haben, mit allen möglichen, oft wenig an- ziehenden Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten. Es ist ein unhalt- barer Zustand, daß die Städte sich, wenn sie billig kaufen wollen, der Vermittlung von Privatpersonen bedienen müsien, denen sie hohe Provisionssätze zahlen, nur damit niemand merkt. daß eine Stadt der Käufer ist. Ein Enteignungsverfahren ist notwendig, dessen Anwendung d:n Städten ihre Aufgaben erleichtert, nicht erschwert. Weiter- bin aber ist nach der bekannten Reichsgerichtsentscheidung, die hier schon mehrfach den Gegenstand der Erörterung gebildet hat, für eine planmäßige Baupolitik keine sichere Grundlage mehr vorhanden, und die Städte müßten, falls die dort ausgesprochenen Grundsätze weiter in Kraft bleiben sollten, so hohe Entschädigungen zahlen, daß sie in Zukunft kaum mehr die Mittel zu ihrer so not- wendigen planvollen Baupolitik haben werden. Schon der Entwurf eines preußischen S t ä d t e b a u g« s e tz x s, der vor dieser Ent- s Heidung fertiggestellt war, suchte hier ein« sichere Rechtsgrundlage zu schaffen. Aber auch wenn der preußische Staatsrat keine so «ngsrirnige Privateigentum schützende Tendenz gezeigt hätte, wäre dieser in mancher Hinsicht nicht zustiedenstellende, in mancher aber immerhin befriedigende Entwurf zum Scheitern verurteilt ge- wesen. Denn da die höchstrichterliche Rechtsprechung in ihrem eifer- vollen Bemühen um die Verteidigung des Privateigentums in den Art. 153 der Reichsverfassung Dinge hineininterpretiert hat, über die die vorweimarische Berwaltungsrechslehre nur den Kopf geschüttelt hätte, müssen diese Fragen— ganz abgesehen von der Zweckmäßigkeitsfrage— reichsgesetzlich geregelt werden. Einen bescheidenen Versuch einer solchen reichsgesetzlichen Rege- lung stellt der Entwurf dar, der im Reichsarbeitsblatt Jahrgang 1930 Heft Nr. 5 veräsfentlicht ist und der den anmutigen Titel trägt: vorläufiger unverbindlicher Reserentenenlwurf für ein Gesetz über die Erschließung und Beschaffung von Baugelände. Wir wollen hoffen, daß die ministerielle und gesetzgeberisch« Weiter- behandlung dieser Materie weder vorläufig noch unverbindlich bleibt, weil die Städte jeder Tag längeren Wartens nicht nur sehr viel Geld kostet, sondern ihnen auch eine planvolle Baupolitik gegenwärtig unmöglich macht. Es ist gut, daß dieser Entwurf in seinem Ab- schnitt II über Geländeerschließung und in seinem Ab- schnitt IV über Bodenbeschaffung die organisatorischen und rechtlichen Grundlagen für die Bodenpolitik der Gemeinden schafft. Es ist weiterhin gut, wenn dieser Entwurf die Notwendigkeit einer Beschleunigung des Enteignungsverfahrens, eine Ausschaltung der ordentlichen Gericht« aus dem Berfahren, eine anderweitige Entfchädigungsberechnung anstrebt; aber wir glauben, daß der Entwurf aus vielerlei Gründen einen großen Teil dessen, Ivos notwendig ist, gar nicht ausführen- kann. Das Enteignung;- wesen rst eine Materie, für die die städtische Bodensrage ein sehr wichtiger Teil ist; aber sie hat auch noch sehr viele andere An- wendungsgebiete. Auch die Reichsbahn und zahlreiche andere öffentliche Körperschaften müssen Enteignungen vornehmen, für die dieser Spezialentwurf nicht in Bettacht kommt, und die heute noch nach den unmöglichen Enteignungsgeletzen der Länder, die in sich mannigfach voneinander abweichen, behandelt werden. Es ist infolge- dessen«in Reichsratzmeagesetz notwendig. das die Versahrens- und Entfchädigungssrogen in den Grundzügen von Reichs wegen einheitlich regelt. Dabei muß das gesamte Ent- eignungsverfahren weitgehend vereinfacht und beschleunigt werden. Manche Länder besitzen Gesetze über ein vereinfachtes Enteignung;. verfahren aus der Nachkriegszeit, wie Preußen, während Länder wie Bayern z. B. sich in diesen Dingen noch im letzten Jahrhundert mit aller Umständlichkeit und Langwierigkeit bewegen. Dazu kommt. daß der Instanzenaufbau des vorliegenden Entwurfes(Bau. landgesetz) eine Unmöglichkeit ist. Die ordentlichen Gerichte, die bisher zuständig waren, haben den in den Enteignungsgesetzen aus- gesprochenen Grundsatz der vollen Entschädigung, wie wir oben sahen, in einer wahrhaft fürstlichen Großzügigkeit ausgelegt. Wenn jemand wußte, daß in nächster Zeit sein Grundbesitz enteignet werden sollte, so brauchte er nur mit einem guten Freund zum Notar zu gehen, allwo der gute Freund ihm ein notarielles Kaufangebot machte. Es war gleichgültig, ob dieses Kaufangebot ein 50 Proz. zu hohes Kaufpreisangebot enthielt. Es ist aber Rechtsprechungs- grundsatz, daß bei der Enteignung der individuelle Wert zu berücksichtigen ist, den das Grundstück nicht für den Eigentümer selbst, sondern für einen dritten Kauflustigen hatte. Der führt« dazu, daß der in diesem fingierten Sausangebot genannte preis von der öffentlichen Körperschaften bezahlt werden muhte. Solchen Machinationen schiebt der Baulandentwurs teilweise einen Riegel vor, wenn er zunächst grundsätzlich übereinstimmend mit dem Wortlaut der Reichsverfassung die Reduktion der vollen auf die an- gemessene Entschädigung vornimmt. Nicht ganz glücklich ist frei- lich die nähere Bestimmung dessen, was angemessen ist. Es genügt nicht, wenn der Entwurf bei der Festsetzung der Entschädigung vom Steuerwert ausgeht; es empfiehlt sich vielmehr, den Steuerwert als Höchstgrenze der Entschädigung zu bezeichnen. Unhaltbar ist der Entwurf, wenn er einer alten Anregung aus dem Jahre 1919 folgend, die Zuständigkeit des ordentlichen Gerichts, dos in diesen Dingen so schmählich versagt hat, keineswegs gänzlich beseitigt; vielmehr läßt der Entwurf gegen den Entschädigungs- beschluß der Enteignungsbehörde Klage bei einem Sondergericht zu, das in Wirtlichkeit aber nur eine mit zwei richterlichen und einem Verwaltungsbeamten besetzte Spezialkammer des Landgerichts ist. Das preußische Ausführungsgesetz zum Reichs siedlungs» gesetz hat mit gutem Grund die ordentliche Gerichtsbarkeit gänzlich aus dem Enteignung». verfahren ausgeschaltet und dadurch neben allen anderen Vorteilen dieser Regelung Einheit- lichkeit und die dringend notwendige Verfahrensbeschleunigung ge- währleistet. Will man gegen den Enteignungsbeschluß der Berwal- tungsbehörde überhaupt ein förmliches Rechtsmittel und nicht nur die Aufsichtsbeschwerde geben, so kann dafür allein die Zuständigkeit eines Derwaltungsgerichts in Frage kommen. Grundsätzlich aber muß gefordert werden, daß an Stelle dieses Entwurfes schleunigst das R« i ch s i n ize n m i n i st« r i u m gemein- schaftlich den gesetzgebenden Körperschaften ein Reichsrahmen- gesetzfürdasgesamteEnteignungsver'fahren unter- breiten, dem als spezieller Teil die besondere Baulandmaterie anzu- gliedern ist. Die schon längst notwendige einheitliche reichsgesetzliche Regelung wird das Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen haben; das Gesetz wird das ordentliche Gericht endgültig und nicht nur teil- weise aus dem Enteignungsversohren zu beseitigen und für die angemessene Entschädigung den Steucrwert nur als Maximalgrenze festzusetzen haben. Ein solches Gesetz, ver- Kunden mit den korrespondierenden Bestimmungen über den Städte- bau ist«ine der dringendsten Notwendigkeiten. Es ist zu wünschen. daß die beiden dafür zuständigen Ministerien in gemeinsamer Arbett den vorliegenden Entwurf so umgestalten, daß der Reichstag imstande sst, sich möglichst noch im kommenden Winter mit der Materie zu befassen. Otto Xircbbeimer. Aus Qlas und Stein f'in neues Jiaufhawt in Chemnitas, erbaut von Srich tttendelfohn. dem Erbauer des ttleiallarbeHer■ Der- bands- Qebäudes in Merlin, ä)ie den Mau tragenden Pfeiler find von außen un- fichlbar. Grotesk-Theater in Nußland. Auf den Moskauer Bühnen ist in letzter Zeit«ine neue Form des Schauspiels eingeführt worden, d'.« anfangs als Kinder- und Märchcnvorstellung gedacht, sich allmählich auch den Abendspielplan zu erobern beginnt. Die Bewegung geht aus von einer grotesken Komödie Uri Olefhas„Drei dick« Männer", die zuerst im Moskauer Künstlertheater aufgeführt wurde. Der Erfolg war derart groß, daß auch andere Theater die gleich« Komödie in immer neuen Ber- fionen spielten. Die drei dicken Männer symbolisieren den Kapitalis- mus, die Religion und die bürgerliche Regierungssorm. Sie werden in allen möglichen Situationen als Typen gezeigt, in Verbindung gebracht zu Tagesereignissen, in immer neuen Szenen, wobei aller- dings der Grundriß des ehemaligen Märchensttickes unverändert bleibt. Der Erfolg dieses Theaters, das etwas an politssches Kasperletheater erinnert, ist, wie aus Moskau gemeldet wird, bei- spiellos. Gestützt auf das Stück hat sich eine Theaterorganisation gebildet, die Wandergastspiele durch die Provinz veranstaltet. Bc- sondere Theatertruppen sind in Leningrad, in Charkow und Odessa im Entstehen. Klugzeug nnt Kletwer-Noioren. Die„Posststhe Zeitmig" meldet aus New York:„Drei Ersmder, deren Namen einstweilen noch geheimgehalten werden, haben in oller Stille auf Long Island ein Flugzeug konstruiert, da; an Stelle der Flügel waagrecht gelagerte Rotoren nach dem Flettner-Typ aus- weist. Sie verwenden aus jeder Seite ihres Flugzeugs zv>ei Rotoren, die sie durch einen eigenen Windmotor antreiben lassen, während das Flugzeug selbst durch den gewöhnlichen Flugzeuginctor und Finen dreiteiligen Propeller angetrieben wird. Um ihr Geheimnis zu wahren, haben die Erfinder das Flugzeug auf einem Schiff« gebaut, dos in keinerlei Verbindung mit dem Lande steht. Trotzdem verlautet, daß sie bereits mehrere Mal« geflogen find. Bei einer Landung soll sogar der Schwimmer zerbrochen sein. Man ver- spricht sich auf Grund der bisherigen Versuche außerordentlich« Er- gcbnisse von diesen, neuen Flugzeug. Es soll zehnfach so große Lasten wie die gewöhnlichen Flugzeug« tragen und dabei eine viel höhere Geschwindigkeit entwickeln als die gewöhnlichen Flugzeuge gleicher Konstruktion. Angeblich gehört zu der Finanzgruppe, die die Ausbeutung dieser neuen Ersiudung übernehmen will, ein bekannter Automagnat." Der Siegeszug der Schallptattc. Ein« Berliner katholisch« Kirch«, die keinen eigenen Kirchenchor besitzt, hat sich eine Schall- plattenübertragungsanlag� errichten lassen. Durch einen doppel- seitiqen Grammophonschrant ist das Spielen von längeren Stücken ohne Unterbrechung von Plattenwechsel gestattet. Das Wasser unter der Sahara. Soeben ist«ine wissenschaftliche Expedition aus Frankreich ob- gereist, um die Möglichkeiten zu studieren, die sich für die Erschließung der Wüste Sahara bieten. Es ist den Franzosen schon immer schmerzlich gewesen, daß dieses ungeheure Kolonialgebiet, das so nahe liegt, völlig unbenutzbar ist. Nun haben Untersuchungen einer wissenschaftlichen Organisation die Vermutung nahegelegt, daß sich unter dem Wüstensand ein großes Gebiet mit frischem Wasser ver- birgt, sozusagen ein mächtiger unterirdischer See, der nur an d'e Oberflää)« gebracht werden muß, um die ganze Wüste zu bewässern und fruchtbar zu machen. Es ist sehr leicht möglich, daß der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen ist. Immerhin haben die Geo- graphen festgestellt, daß sich in der Wüste Hundert« von jetzt aus- getrockneten und verödeten Flußbetten befinden, und daraus kann man in der Tat schließen, daß die Sahara früher einmal fruchtbar gewesen ist. Nun-geht die anfechtbare Meinung dieser Gelehrt.'« dahin, daß die Sahara nur deshalb zu einer Wüst« geworden ist, weil die Bevölkerung dieses Landes nichts von Bewässerung ver- stand und den natürlichen Quellen erlaubt«, vom Sand verschüttet zu werden. Die Expedition, die jetzt nach der Sahara ausgebrochen ist, hat die Aufgabe, ein« genaue Karte der verborgenen See» und Quellen anzufertigen, und dann hofft man, ein Bewässerungssystem ausarbeiten zu können, durch das 2H Millionen Quadratmcilen Land der Kultur zurückgegeben werden können. Man beruft sich dabei auf das Beispiel, des Irak, dessen ehemaliges Wüsteng.ttiiet dmch planvolle Bewässerung zum Teil fruchtbar gemocht worden ist. Wo früher kaum ein anspruchsloser Kaktus wachsen wollte, kann man nun alljährlich zwei Weizenernten einbringen, genau so wie zu jener Zeit des Altertums, in der Mesopotamien als die Kornkammer der Welt angesehen wurde. Der neue Wahltricksilm der Sozialdemokralischen Partei wird in einer von der 117. Abteilung veranstalteten künstlerischen Matinee am Sonntag, dem 31. August, vormittags �12 Uhr. im Lichtspielhaus Kosmos in der Lückstrahe in L i ch t e n b e rg ur> aufgeführt werden. Die einleitenden Worte wird Reichstagsobge- ordneter Genosse Künstler sprechen. Genosse Heinz Wagner spricht politisch-satyrische Dichtungen. Den Schlußteil bestreitet der Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerkschaftsjugend mit dem Chorwerk„Dividende". Sämtliche Programmteile wenden von dem verstärkten Kinoorchester musikalisch umrahmt. Für den Eintritts- preis von 50 Pfennig hat jeder Besucher außerdem dos Recht, kosten- los an der wertvollen Bücherverlosung teilzunehmen. Da» Staatliche Schausplelhou» eröffnet am 30. August die neue Spiel- zeit mit der Uraussührung von Klabund».Liebe aus dem Land«' in der Olnlzcmcrung von Jürgen Aehling.— AI»»ist« NeueinlUidierung geht im Schillertbealcr Schönhcrr» Schauspiel.Herr Doktor baben Sie zu essen' in Szene. Regie: Leopold Lindtberg. Nur noch bis Sonniaö liegen die Wählerlisten aus. Versäume niemand, sie einzusehen. Wer nicht In der Liste steht, darf nicht wählen» Hyänen auf dem Arbeitsmarkt Verbrecher locken Arbeitslose ins Ausland Wie ein Kranker häujig, wenn di« Kunst der Aer�te versagt, Quacksalbern und Kurpfuschern in die Hände fällt, so laufen auch viele Erwerbslose, wenn si« in einem verzweifelten Kampf um eine neue Arbeitsstelle nicht zum Ziel kommen, Gefahr, von Halunken unter Vorspiegelung von Stellenvermittlung um die letzten Groschen geprellt zu wcrdciu Mancher wird, wenn er die Warnung vor Hyänen auf dem Arbcitsmarkt hört, den Kopf schütteln, weil er nicht glaubt, daß es in unserem so„erleuchteten" Zeitalter noch Leichtgläubige gibt, die auf den Leim von Stellen- vernnttlungsschwindlern stiegen. Und doch ist es so. Vor einigen Iahren hat ein solcher Schwindler es fertig gebracht, sich in einem an die Reichsstelle für dos Auswanderungswefen ge- richteten Schreiben zynisch seiner Erfolge zu rühmen. Er hat, als von den Schiffahrtsgesellschaften für die Auswanderung nach Kanada stark Propaganda gemacht wunde, von London aus Sechs monatsvcrträge mit kastenloser Uebersahrt angeboten. Er verlangte von den Interessenten, zur Deckung der „Unkosten" S M. einzusenden. Auf Veranlassung der Deutschen Botschaft wurden in London durch die Polizei Ermittlungen ein- geleitet, der Vogel war jedoch rechtzeitig entwischt, und Alex Schwiedersky— so hieß der Schwindler— konnte sich die Frechheit erlauben, die deutschen Behörden und die deutschen Arbeits- lösen mit der Bemerkung zu verhöhnen, es seien ihm die 5 M. aus Deutschland in so großer Zahl zugegangen, daß er für sich selbst das Reisegeld nach Kanada reichlich zusammengebracht Hobe. Die„Stellenvermittler" meiden vorsichtigerweise oen deutschen Boden. Sie sitzen in der Regel ein paar Kilometer jenseits der Grenze. Da preist einer die h o l l ä n d i s ch en K o l o n i« n an. Er sogt,„sie bieten vielen jungen Leuten beiderlei Geschlechts ein« glänzend« Existenz in Regierungsbetrieben, in Großhandel und Klein. Handel(Lodenbesitzer), in der Industrie(Petroleum, Hütten, Bau- gewerbe usw.), in Kulturplantagen(Zucker, Tabak, Tee, Kasse«, Kautschuk, Kopra usw.) sowie in der Schiffahrt, in Krankenhäusern, im Hotelbetrieb, in der Haushaltung usw., Gehälter v o n a b 360 bis�OOO Guldenim Monat". Zu solchem Glück gelangt man, wenn man— für 5'A Gulden ein Blättchen bezieht, worin alle „offenen" Stellen aufgenommen sind. Da sitzt in dem gewerbefleißigen Barcelona ein Senor E u s e b i o M a r t i n e z, der in deutschen Zeitungen sich als Ber. mittler von Stellen in Spanien anbietet. Auch hier ist die Hauptsache die Vorauszahlung e e n e r Gebühr. Ist sie gezahlt, dann läßt der brave Eusebio Martinez, der von Beruf Friseur ist, nie mehr etwas von sich hören. Da will ein„Un cle Sa in"— Südamertkadienst Positionen in Argentinien, Brasilien und Chile nachweisen— für 20 M. natürlich. Man sieht, das Geschäft m«ß sich lohnen, wenn s» hohe Preise gefordert werden. Je höher der Preis, desto solider macht sich die Offerte. Unter dem klangvollen Titel„Empresa Augusta" sucht ein Unbekannter in Guayayuil(Eouador) durch Zeitungs- anzeigen Personal für Zuckerplantagen. Er empfängt, obwohl die Beifügung von Brief ni arten für 1 Sucre(etwa 1 M.) verlangt wird. Hunderte von Bewerbungen. Da meldet sich ferner eine Stellenveripittlungsfirma namens„E s k r i p t o r i o International de Informacces" in Rio de Janeiro. Wie dos klingt! Solch ein Firmennanie wirkt auf die verzweifelten Stellenfucher wie Anis auf die Tauben, und arme Schlucker sparen sich das Geld vom Munde ab, um einem Filou mit einem polnischen Rainen ein paar Dollar zu opfern. Sogar unter der Deckfirma„The International Labour Office" (Internationales Arbeitsamt) suchte ein Biedermann im Trüben zu fischen. Er spiegelte vor,«in Londoner Haus benötige«inen deutschen Korrespondenten. Der Wochcnlohn betrage 4 Pfund und die Reise sei frei. Für die Vermittlung wurden 10 Prdz. des ersten Monatsgehalts verlangt und auch diese nur— „wenn Ihnen die Stelle zusagt. Im anderen Falle verpflichten wir uns, Ihnen ohne weitere Kosten Ihrerseits eine paffend« Stelle zum gleichen Gehalt ,zu beschaffen". Dann hieß es allerdings weiter: „Sollte dieses Angebot Sie interessieren, so bitten wir um posb- wendende Nachricht unter Zusendung von 10 M. zur Deckung unserer Auslagen für die Regierungserloubnis." Di«„Stellenvermittler" zerfallen in zwei Hauptgruppen: die einen beobachten di« Stellengesuche Deutscher in der Fach- presse oder tn ausländischen Tageszeitungen uns bieten dann chre „Dienste" an. Die anderen lassen ihre Verlockungen im An- zeigenteil deutscher Blätter ertönen. Es ist bedauerlich, daß die deutsch« Presse bei der Aufnahme solcher Schwindel- offerten nicht vorsichtiger ist. Wenn ein deutscher Arbeitsloser auf der Arbeitssuche mit einem solchen„Stellenvennittler" in Be- rührung kommt, dann sollte er es nicht unterlassen, schleunigst die Auswanderungsberatungsstellen zu unterrichten, damit den Schädlingen das Handwerk gelegt werden kann. Im übrigen zwingt die große internationale Arbeitslosigkeit in Verbindung mit der Wanderung der Arbeitskräfte zu einem Zu- jammen wirken der öffentlichen Arbei'tsoermitt- lung in den verschiedenen Ländern. Davon sind wir leider heute noch weit entsenit. Erst wenn einmal in den führenden Industrieländern die öffentlichen Arbeitsnachweise die gesamte Arbeitsvermittlung restlos in der Hand haben, wird es möglich sein, auch an eine planmäßige intennationale Arbeits- Vermittlung heranzugehen. Gieinarbeiter für E>pO. In der Vierteljahresgeneralverfammlung am 20. August tonnte der Vorsitzende Genosse R i t s ch e berichten, daß trotz der außer- ordentlich starken Arbeitslosigkeit sich die Mitgliederzohl weiter erhöht Hot. Ein Zeichen dafür, daß auch die Fern- stehenden-immer mehr den Wert des gewerkschaftlichen Zusammen- schlusses erkennen. Daß aber auch in politischer Beziehung die Steinarbeiter Berlins die Verhältnisie richtig zu würdigen wissen, zeigte sich bei dem Referat y«S«noff«l LL«e»st«s» Wer: AuflSfssg Sild Neuwahl des Reichstags. Ein von den Anhängern der KPD. eingebrachter Antrag, einem kommunistischen Schwadroneur das Korreferat zu übertrogen, wurde gegen eine winzige Minderheit abgelehnt. Nachdem vom Vorfitzendea noch darauf verwiesen wurde, daß am 7. Juli 1027 es die ftom» munisten waren, die gegen die Einführung der Erwerbslofenverjichs» rung stimmten, wurde von der Versammlung gegen etwa 12 Stimnien nachstehende Entschließung angenommen, ohne daß eine Dis- kussion darüber beantragt worden war: „Die am 20. August 1030 im Gewcrffchastshaus tagende Viertel jahresgeneralverfammlung des Zentralverbandes der Steinnrbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin, ist noch dem ausführlichen Referat des Genossen Löwen st ein überzeugt, daß eine Besierung der elenden Lage der arbeitende» Bevölkerung nur erreicht werden kann, wenn jeder Arbeiter bei der bevorstehenden Reichstags wähl feine Stimme der Sozialdemokratischen Partei gibt, als derjenigen Partei, welche bisher als einzige Arbeiterpartei in der Praxis dahin gewirkt hat. die Errungenschaften der Arbeiterschaft zu erhalten und weiter auszubauen. Die Versammlung steht auf dem Standpunkt, daß der Arbeiten- schaft nicht durch schöne Reden und agitatorische Parolen geholfen werden kann, fondern daß nur zielsichere Arbeit dazu beitragen wird, das Los der deutschen Arbeiterschaft zu bessern." Es ist zu hoffen, daß auch die übrige Arbeiterschaft recht bald zu dieser Erkenntnis kommt, damit endlich wieder eine geschlossene Front den offenen und versteckten Feinden der Arbeiterklasse gegen- übergestellt werden kann. ' Lehrling Renner abgesägi. Arbeiterschaft will nicht mit ihm zusammen arbeiten. Der im Röntgentaler Mordprozeß verurteilte Lehrling Renner ist bei der graphischen Firma Seile u. Co. beschäf» tigt. Als er nach seiner Verurteilung seine Arbeit wieder auf- nehmen wollt«, weigert« sich die Belegschaft, mit einem Beteiligten des Röntgentaler Banditenüberfalles zusammen zu arbeiten. Di« Firma jedoch wAgerte'sich, Renner zu entlassen. Darauf stellten die Arbeiter heute morgen die Maschinen ab. Nunmehr erklärt« die Firma sich bereit, Renner einstweilen zu beurlauben. Achtung, Genossinnen und Genossen des Earl- Legien- Blocks. Weißensee! Heute abend 1*8 Uhr, Hermannsheim, Carmen-Sylva- Stvaß«, pünktliches Erscheinen zu der von der KPD. einberufenen Versammlung zwecks Bildung von Mieterräten. Es ist notwendig. daß alle Genossen antreten. Wetter für Berlin: Weiterhin beständiges und tagsüber lehr warmes Wetter. Für Deutschland: Nur im Osten zeitweife wolkig. sonst überall heiter und am Tage warm. Reich-tm»»«'.»miabete. Seute.®«nnerstofl, 28. Auauft, 18 Ubr, An. Itetcn Wasserwrpl-ti mit Tambourkorps ohne ssahnc zur S-hNundscbunz der SPb. B-ranworN. für di- R-daNioit:«olfsapg Schwarz, Berlin: Anzeigen: rh.»l-cke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. truckcrei und Verlagsanstalt Paul Eingcr& So., Berlin£3B 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Tltealec, Lidtlspiele ustv. SCalA J Tägl. 5 u.B'/ä Uhr. 1 Pr. 1— 6 M." B 3 Bam. 9255 Nachm. halbe Preise. NONI und H O R A C E mw. Denlsehes Künsder-Theal. Tel Bariamu 3931 8', 4 Uhr Weekend Renaissance Theater Steinplatz 6780 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück Berliner Prater Sommertbeeter Kastanienallee 7—9. Humb. 2246 Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte VarieU-TciL Täglich 8Vt Uhr GtistlBetr. TmliSdiHSiltr, Berta Slary, Erwin Härtung in Katja, die Tänzerin Operette in 3 Akten in LenjolilJaknbsnn lind Rudolf Oesterreidier Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 PI. an. 'ifsSs?. •SSnSs*. 'Uhr, Winter ★ vsarren* 18.13 Uhr— Bauihen erlanm Carlos und emta n. Co. and vollere In Berlle nodi nimi qeselfle Stars- ••.uhr CASINO-THEATEH _ Lothringer Strage 37. Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Pers Fauteuil 1,25 M., Sessel 1.75 M. Der Possen-Schlager Der selioe Hollschlnskv und ein erstkl. buntes Programm. Theater l. d. ßehrenstr. 53-54 Letzte Vorstellungen »'/« Uhr isi das nicht nett von Colone? grosses WM NOTELa>nrv8M EXCELSIOR Reichshallen-Theater ' 0 Uhr Stetliner Singer Nea I 31. B.: 1. KaduuittagS'Vorstellg. zu balbtD Preisen. 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August 1930 ZkvMxmd SfuZJaiilfa&ß dox icnWaSÜ Die Arbeit des WettstuömtmwerkS Das Fazit öer Tagung in Srforö Ni6)ts ke»nzeich»ct vielleicht di« Situation d«s Nachkricgs- stuixnten besser als bas in dem Bericht des Weltstudentenwerts zitierte Wort des Herrn Dufour-Feroncc:„Der Dreißig- jährige Krieg hat den Typus des B e t t e l st u d e n t e n geschassen, der Krieg von 1S14 schuf den Typus des W e r k-st u d e n t e n." Die internationale Loge des Studentcntums hat sich in der Nachkriegs- zeit völlig gewandelt. Wo frülier sorgloses Leben, mit allerhand mehr oder weniger törichten Einfällen gespickter Müßiggang gang und gäbe war, herrscht heute— abgesehen von Ausnahmen, deren Häufung in Deutschland gerade unliebsam empfunden wird—«in ernstes Streben noch zielbewußter Arbeit, das oft, allzu oft durch- kreuzt wird von der Sorge um die materielle Existenz. Aus dieser Lage ist die Arbeit des Weltstudentenwerks (International Stuckcnt Service) geboren worden, das vor nunmehr zehn Jahren aus der Initiative des christlichen Weltstudcntenbundes entsprang und heute in völliger organisatorischer Unabhängigkeit von dieser im saubersten Sinne des Wortes„christlichen" Organisation arbeitet. Der Bericht des Weltstudentcnwerkes ergibt, daß allein in den Jahren 1920 bis 1927 S7 318 34S Schw«izer Franken unter den Studenten von 21 Ländern zur Verteilung gelangt sind, eine Summe, die mit Hilf« der Studentenschost von etwa 42 Ländern, darunter ursprünglich in erster Linie Nordamerika, aufgebracht wurde. Was das Studentcnwcrk bei seiner Arbeitsweise auszeichnet, ist die Tatsache, daß die Gelder nicht gewissermaßen al» Almosen oder Darlehen ihre Verwendung finden, sondern daß sie in erster Linie dazu dienen. Selbsthilseorganisationen der Studenten. schaft in« Leben zu rufen und so nicht nur sozialpoli- lisch, sondern auch sozialpädagogisch heilsam zu wirken. Ein wohlgelungenes Kind der Fürsorge des Weltstudentenwerks ist auch das heute zu Ansehen und Einfluß gelangte Deutsche Studenten- werk, dessen Leistungen— wenn auch keineswegs kritiklos— um so eher Beifall gespendet werden kann, als das Studentemverk im nationalen Rohmen ebenso wie das Wsltstudentcnwerk im inter- nationalen Rahmen die einzige wirklich positiv zu wertende soziale Leistung innerhalb der bürgerlichen Studentenwelt darstellt. Zu der diesjährigen Zehnjahresseier nach Oxford hatte auch zum ersten Male die internationale sozialistische Studentenföderation eine offizielle Einladung erhalten, und wenn, wie es fast nach dem Wortlaut des Einladungsschreibens des Generalsekretärs Dr. Kotschnig den Anschein hat, darin der grundsätzliche Wunsch zu erkennen ist, auch mit der international auf nahezu 10 900 Köpse angewachsenen sozialistischen Studenten- schaft positiv zusammenzuarbeiten, so ist das von unserem Stand- punkt aus nur zu begrüßen. Denn bort, wo man sich redlich bemüht, gegen Not und Elend anzukämpfen und auch neue Wege zu sozialem Aufftieg zu sinden, wird man ungeachtet verschiedenartiger Aus- gangspunkte und andersgearteter Ziele auch die sozialistische Sw- dentenschaft als Weggenossen finde». Die Tagung fand in einem Oxford er Kolleg statt und führte so schon rein äußerlich gut in das eigenartige soziale Milieu des traditionellen englischen Hochschullebens ein. Dazu kamen allerhand gesellige Veranstaltungen, an denen sich auch Leute wie G a l s- w o r t h y, Lord C« c i l und andere beteiligten. Die in dem Kolleg vereinigten Vertreter von 30 Nationen vermochten in dem achttägigen Zusammensein viel voneinander zu lernen, und die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Vorträge erweiterten den An- schauungsuntcrricht des einzelnen beträchtlich. Das Einleitungsreferat hatte der Erzbischof von York, Genosse Temple, übernommen, der als früherer jahrelanger Leiter des englischen Dolkshochschulwesens besonders für diese Ausgabe geeignet schien. Der aus seinen Ausführungen immer wieder hcroorklingende wichtigste Gedanke war die Grundforderung englischer Universitäts- bildung, den Charakter und nicht die wissenssülle in die Mitte der Au»- bildung zu stellen. Von diesem Grundsatz der individuellen Förderung um der Gesamt- heit willen ausgehend, konnte Genosse Temple auch zu der für jede internationale Zusammenarbeit geltenden Forderung gelangen, daß ihre Basis innerhalb oerschiedenartiger Menschengruppen nicht durch die Tatsachen geschaffen werden könne, in denen die Gruppen einander ähneln, sondern am besten durch die gegenseitige An- erkennung und das gegenseitige Derstehenwollen ihrer Besonder- h e i t e n. Dieser Grundsatz fand seine Wiederholung in dem ausführlichen Referat, da» Dr. Kotschnig über die„Aufgaben einer inter- nationalen Hochschulbewegung' und zugleich über dos„Welt- studentemverk und seine Zukunft" erstattete. Dr. Kotschnig sprach von der wirtschaftiichen Not und den drei Grundübeln in dem geistigen Leben der Studenten, der sozialen Isolierung der Hochschule, der nationalen Ver- engung studentischen Denkens und der Vernachlässigung der Persönlichkeits- und Gemeinschaftsbildung zugunsten einer �ungeordneten Spezialisierung und Professionali- sierung, alles K'lagen, die auch von uns zu wiederholten Malen geäußert worden sind und restlos unterschrieben werden können. Di« von chm genannten Lösungsversuch«, soweit sie die Besserung der wirtschaftlichen Lage der Hochschulen und die aus Nothilfeaktionen geborene Idee der studentischen Selbsthilfe betreffen, werden von uns gleichfalls unterschrieben werden können. Ebenso sind wir ge- mißlich für die Erziehung der Studenten zum sozialen Dienst. Hier allerdings setzt unsere Skepsis ein. �(i einer besonderen Kommission wurde diese Frage späterhin zur Erörterung gestellt, und abgesehen von der höchstverdienstlichen Schaffung eines internationalen Fragebogens über' die Z u l a s s u n g s m ö g l i ch k e i t von Arbeitern zum Hochschulstudium, an dessen Aus- arbeitung mir uns gern und intensiv beteiligten, konnte man von den Vertretern der verschiedensten Nationen Rezepte für die An- Näherung zwischen Studenten und Arbeitern hören, die teilweise ein wenig an die berühmte weiße Salbe, teilweise aber auch(man denke an die Arbeilsdienstpflicht in Bulgarien) an höchst bedenkliche soziale Kurpfuschereien gemahnten. Von unserer Seite wurde demgegen- über mit allem Nachdruck betont, daß freiwillige Arbeits- k o l o n i e n, wie man sie jetzt in der Schweiz aufzuziehen trachtet, und andere derartige Mckßnahmen nicht unbedenklich seien, daß in der gegenwärtigen sozialen Not und in Anbetracht vor ollem auch der heutigen Arbeitslosigkeit Arbeitsdienstpflichtpläne eine Unmöglichkeit darstellen und daß auch studentische Sied- lungen in Arbeitervierteln bestenfalls eine freundliche Geste aber nichts mehr feien. Nur der Student, der sich in die Reihen der Arbeiterbewegung stelle, könne wirklich mit ihr verwachsen und ihr bei der Erleichterung ihres schweren Loses helfen. Gewisse Formu- lierungen in den Koimniffionsberichtcn und in der Diskussion der Tagung lassen annehmen, daß dies« Erkenntnis auch in weiten Kreisen des Wcltstudentenwerks ein gesteigertes Echo zu finden vermögen. Die Bereitschaft zu solcher Erkcimtnis muß mit Notwendigkeit unter solchen Menschen wachsen, die in ihrer praktischen Arbeit Not und Elend auch innerhalb der Studentenschaft mit eigenen Augen kennenlernen. Erschütternde Tatsachen brachte beispielsweise der Be- richt von der Balkanreise eines Sekretärs des Weltstudentcnwerkes, des Herrn P o b« r e s z k i, über die Situation der bulgarischen Studenten. Nicht viel erfreulicher war das, was Prof. H s u über die Universität im neuen China und Herr Datta, das frühere Mitglied der gesetzgebenden Versammlung, über di« Situa- tion in Indien zu berichten hatten. Das Weltstudentenwerk sucht oll diesen Fragen nachzugehen. Es hat, abgesehen von seiner sozialen liilsstätigkeit, Aussprachen zwischen den Studenten Amerikas, zwischen den Studenten der um den Pazifischen Ozean gruppierten Länder und sogar den kühnen und leidlich geglückten Versuch einer Aussprache zwischen Antisemiten und Juden der verschiedensten Richtungen in Bierville herbeigeführt. Für alle diese Bemühungen, unter denen auch auf der vorjährigen Tagung in Kreuz der Versuch einer Aussprache von Arbeitern und Studenten verzeichnet sei, ist als«in Zeichen wirklich guten Willens und zukunftsfreudiger Arbeit dem Weltstudentenwerk zu danken. Wenn es sich auch in Zukunft in seiner Arbeit, die durch die Gründung besonderer nationaler Komitees unterstützt werden soll, darauf beschränken wird, ein internationales In» stitut für materielle und geistige Hilfe innerhalb der Weltftudentenschoft zu sein, so wird es weiter erfolgreich arbeiten können. Der Versuch einer hochschulpolitischcn Stellungnahme oder auch einer wohl gut gemeinten, aber heute aussichtslosen kampfsreien „Verständigung" zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum müßte zu Mißerfolgen führen. Wir glauben, daß ebenso die gesunde Einsicht wie die Erfahrungen der praktischen Arbeit das Weltstudentenwerk vor solchen Fehlschlüssen bewahren können, vorausgesetzt, daß auch fernerhin bei ihm die gleiche gesunde Einsicht und die gleiche prak- tische Arbeit maßgeblich sind wie bisher. Ilm mit dem Wahlspruch des Weltstudentenwerks zu sprechen, es bleibe:?er lsborem urnnn! Einig durch das Werk! Dr. Otto Friedländer. Dr. Gtto Seelmg: Mangel im(chularztltchcn Softem Die Ausgesüüwng des Systems der schulärztlichen Ver- sorgung der Berliner Lehran st alten hat sich in der Praxi« nicht völlig bewährt. Der Sinn schulärztlicher Fürsorge ist doch der, daß in enger gemeinschaftlicher Arbeit zwischen den Päd- agogcn und den Medizinern jedes einzelne Kind in gesundheitlicher Beziehung nicht nur vor Schaden geschützt, sondern auch hygienisch gefördert wird. Dieses Ziel, das von niemandem bestritten werden kann, ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erreichbar. Der Lehrer bzw. der Schulleiter muß in der Lage sein, sich jederzeit von dem Gesundheitszustände des Kindes zu überzeugen,, und zwar-, durch Einsichtnahme des akten mäßig, niedergelegten ärztlichen Befundes. Darüber hinaus muß die Schule die Möglichkeit besitzen, unverzüglich eine Untersuchung plötzlich er» krankter Kinder vornehmen zu lassen. Diese Untersuchung kann sinngemäß nur dann von unmittelbarem Segen sein, wenn vor und nach der Untersuchung ohne den Umweg über Papier und Tinte eine Aussprache zwischen derjenigen Lehrperson, die die Untersuchung beantragt hat, und dem Schularzt erfolgt. Aus den Darlegungen geht hervor, daß die in Berlin eingeführte Zentralisierung und büromäßige Behandlung der schulärztlichen Fürsorge höchst u n- zweckmäßig ist. Es erhebt sich nun die Frage, wie man dies« Ding« ändern kann. Grundsätzlich müsien die Untersuchungen in jedem Falle in die Schulgebäude verlegt werden. Da Berlin das System der Doppelschulen hat, würde es genügen, wenn für zwei benachbarte Anstalten ein ärztliches Untersuchungszimmer— natürlich mit Vorraum— eingerichtet würde. Die Schulärzte müßten die Verpflichtung haben, wöchentlich wenigstens zwei» bis dreimal auf jedem Doppclgnmdftück chrcs Bezirkes vor- zusprechen, um Anträge auf Untersuchung und Begutachtung er- krankter Schulkinder an Ort und Stelle zu unternehmen. Auch die Reihenuntersuchungen, die in Berlin alle zwei Jahre stattfinden, dürften nur in der Schule selbst erfolgen. Es soll hier ganz abgesehen davon werden, daß durch die Zuführung ganzer Kindergruppen der Schulunterricht erheblich gestört und den Lehrern und Lehrerinnen eine Arbeit zugemutet wird, die von manchem als eine Art niederer Küstcrdienst empfunden wird. Solange die Zentralisierung nicht aufgehoben ist, solange müßte die Schul« postwendend einen Durchschlag bzw. ein« A b- ichrist jedes Untersuchungsbefundes empfangen. Hier wird von manchen Schulärzten eingewendet, daß das ärztliche Berufsgeheimnis diese Forderung unerfüllbar mache. Es ist in einigen Fällen sogar vorgekommen, daß dem Anstaltsleiter keine Mitteilung gemacht wurde von gewissen diskreten Erkrankungen, ohne daß die betreffenden Schüler vom Unterricht ausgeschlossen wurden, also ein« Gefahr der Weiterverbreitung der Krankheit vor- lag. Die Schweigepflicht des Arztes kann unmöglich dadurch ver- , letzt werden, daß die Schulleitung laufend informiert wird. Als gewisses Bindeglied zwischen Schularzt und Unterrichts- anstalt kommt in Berlin— wie auch anderwärts— die Für- sorgeschwester in Frage. Jeder Kenner der Verhältnisse wird bedauern, daß dos Schreibwerk für diese Hilfskräfte ganz erheblich angeschwollen ist, so daß für die fürsorzerische Tätigkeit im eigensten Sinne des Wortes hier und da recht wenig Zeit übrig bleibt. Es wäre wünschenswert, daß die Fürsorgeschwester(Schulschwester) täglich im Schulgebäude wenigstens während einer Stunde anwesend sein könnte. Arbeit ist nämlich an jedem Tage in irgendeiner Form vorhanden. In viel stärkerem Maße als bisher müßte u. a. die Schule informiert sein bezüglich der Umwelt des Kindes, und manche Anzeige wegen„unentschuldigten Fehlens" würde wohl unterbleiben, wenn der Lehrer eine Ahnung hätte von den bedauer- lichen Verhältnissen, unter denen viele Kinder in der gegenwärtigen Zeit leben und Schularbeiten erledigen müssen. Aus Elternkreisen wird immer wieder darüber gemurrt, daß die Schulärzte erkrankte Schüler nicht behandeln dürfen. Man hört immer wieder die Klage:„Warum schicken Sie mein Kind mit einend Schein zur Schulärztin, wenn idi dann doch noch privat zum Doktor gehen muß?" Es gibt Länder, in denen grundsätzlich auch die Behandlung erkrankter Kinder durch den Schul- arzt erfolgt(z. B. Belgien). Und auch in.Deutschland ist in manchen Gegenden das schulärztliche System in der angedeuteten Richtung mehr oder weniger ausgebaut. Es soll hier nicht die Frage erörtert werden, ob das Berliner System besser ist oder nicht, sondern wir wollen uns begnügen mit dem. Hinweis auf die spontan vorge» brachten Wünsche der Elternschaft. Die Entscheidung der Frage können naturgemäß nur Fachleute treffen. Ganz abgesehen von den dargelegten Mängeln des gegen- wärligen Systems ist noch hervorzuheben, daß auch der-'Schularzt im Laufe der Jahre in steigendem Maße zu einem schreibenden Bürobeamten hinabgedrückt worden ist. Ob es Sinn hat, bis ins einzelne ausgearbeitete Statistiken zu verlangen, kann von hier aus nicht beurteilt werden. Aber als grundsätzliche Forderung muß ausgesprochen werden, jede entbehrliche Zeile Schreib- arbeit vom Schularzt s e r n z u h a l t e n, insbesondere ihn so selbständig zu stellen, daß er aus eigenem Verantwortlichkeitsgefühl heraus nur diejenigen Berichte macht, die er nach Lage der Sache für unerläßlich hält. Daß die Schularztbezirke noch zu groß sind, daß also die Zahl der Schulärzte erheblich vermehrt werden muß, wird wohl niemand bezweifeln. Eine Entlastung der Schulärzte könnte indirekt dadurch herbei» geführt werden, daß bei der Ausbildung des Lehrernachwuchses ver- mehrter Wert gelegt würde auf Kenntnisse s ch u l h y g i e n i s ch c r Art. Ist das Interesse rechtzeitig und in geschickter Weise erweckt, so wird der junge Lehrer von sich aus auf dem genannten Felde weiter arbeiten und sich viel schneller bei strittigen Punkten mit dem Schularzt einigen. Es würden aber auch nicht so viele Kinder ohne ausreichenden Grund von den einzelnen Schulen in di« Sprechstunde des Schularztes geschickt werden. Staatsbürgerliche �iehaag Die Forderung der Weimarer Verfassung, daß die Erziehung der Jugend im Geiste der Völkerversöhnung erfolgen solle, ist heute' — nach zehn Iahren Republik �— in keiner Weise hinreichend er- füllt. Oft, zumal an den höheren Schulen, ist das auf bewußte Obstruktion der Lehrerschaft zurückzuführen, großenteils aber fehlt es noch an brauchbarem Unterrichtsmaterial. Diesem Mangel ab- zuhelscn bemüht sich Professor Adolf H e d l e r in der kleinen Schrift„Vom Geiste der Völkerversöhnung'. In den besonders für die Lehrerschaft geschriebenen Aufsätzen zeigt er, daß deutsches Volkstum und Völkeroersöhnung durchaus nicht wider- sprechend« Begriffe sind. Besonders aber rechnet er mit der ein» festigen Betonung der Kriegsgeschichte in den bisherigen Gesckiichts» büchern und den Unterlassungssünden aus dem Gebiete des Völker» rechts ab. Sehr nützlich und brauchbar ist die Zusammenstellung von Literatur über Völkerverständigung und Völkerrecht. „Die deutsche Fahne' nennt sich eine Schrift von Schul- rat Fritz S ch u l tz e, di« in der Hauptsache eine Geschichte der Farben Schwarz-Rot-Gold gibt. Die Sammlung von Lesestoffen und zeitgenössischen Quellen aus der Geschichte des Kampfes um die Farben der Republik mad)en das Heft ebenfalls zum Schul- gebrauch sehr geeignet.(Beide Schriften sind im Verlag Beltz, Langensalza, erschienen.) Für einen größeren Kreis bestimmt ist eine andere Schrift von Adolf Hedler:„Die Entwicklung der außer. deutschen Verfassungen'(Verlag Klotz, Gotha). Die Ver- fassungen der Welt in ihren verschiedenen Formen werden hier in ihrer augenblicklichen Stellung und geschichtlichen Entwicklung beschrieben. Bei der Aehnlichkeit vieler Verfassungen werden nur einig« Großstaaten als Musterbeispiele für die verschiedenen Staats- formen genauer geschildert. Leider fehlt ein Absatz über die latein-- amerikanischen Staaten, aber im ganzen bietet das allgemeinvcr- ständlich(jedoch nicht flach) geschriebene Buch einen guten lieber» blick, durch Quellennadzweise wird das Einzelstudium erleichtert. Richard Junge. Copyright 1930 by Fackelreiter-Verlag G. m. b. H-, Hamburg-Bcrgcdorf (10. Fortsetzung.) Longer wird hochgezerrt, hin- und hergeschüttelt,--- er sockt mit dumpfem Aufschlag wieder zusammen... Ach... ich kann mich nicht mehr halten!... ich muß dem Halunken an die Kehle!...— Eisern fühl« ich Preuß' Finger um meinen Arm; ich hatte schon eine Bewegung aus dem Glied heraus gemacht... „Heini stirbt", denke ich,„er verreckt hier wie ein Stück Vieh..." Es sind schon Minuten vergangen; die Zeit steht still. Wenn nicht gleich etwas geschieht... Aber es ist immer das gleiche... wir sind ohnmächtig... Die Kompagnie steht unbeweglich... die Hitze brütet wie in einem Backofen. Immer noch reden die Gruppenführer durchcin- ander und beratschlagen.' In der Ferne rollt ein heraufziehendes Gewitter... Vor mir zucken Minullas Schultern wie im Krampf... „Wir müssen den Kerl tragen lassen, Herr Leutnant!" höre ich Schönfelds Stimnie mit einem Unterton von Verachtung,„er ist zu schlapp zum Weitermachen... ein elender, schlapper Jahrgang, diese Muttersöhnchen..."— Laut klappt er die Hacken zusammen. „Gewe— e— ehr ab! Rührt euch!" Di« Blicke der Kompagnie irren zu dem sich krümmenden Knäuel im Sand.— Mit geringschätzig herabgezogenen Mundwinkeln sieht der Schinder darauf nieder. Dann wirft er sich zu uns herum und schreit: „Sechs Mann hierher, marsch marsch!" Kilb, Minulla und ich schnellen als die ersten heraus. Wohl zwanzig Mann folgen uns. „Sechs! Hab' ich— gesagt!" Er stößt mich brutal in die Seite und jagt mich stoßweise in die Reihe zurück. Acngstlich weichen die anderen zurück. Es ist ein heilloses Durcheinander. Der Schinder kann wohl nach dem Exerzierreglement unsere ihm verfallenen Leiber gefügig machen, aber hier oersagt er vollständig und ist wie ein Viehtreiber, der nur mit brutalen Knüppelschlägen die ausbrechenden Opfer zu- fommenhält. Es ist«in Murren in der Kompagnie von vorne bis hinten. Der Schinder überfliegt die Reihen mit einem erkennenden Blick.— Langer stöhnt und zieht die Knie an den Leib. Bleich und durchsichtig liegen seine armen Hände in der Sonne. „Kilb, Minulla, zutück! Los! Zurück!! Könnt ihr Hanimef nicht hören?!" Der Schinder stampft mit dem Fuße auf und schnaubt erregt durch die Rose. Minulla, der wieder bei Langer kniet und leise auf ihn einspricht, starrt fassungslos auf und schüttelt verloren den dicken Kopf. Der Schiuder springt auf ihn zu und zieht ihn wie«in Kanin- che» am Genick hoch.„Rem in dein Loch, Lümmel!" Mit einem haßerfüllten Blick streiften Minullas Augen den Schinder. Seine Lippen lieg«» hart aufeinander. So trotzig sah ich noch nie dieses gutmütige Knechtsgesicht. Schritt für Schritt und sich einige Male kopfschüttelnd umsehend, kommt er zu uns zurück. Da zerreißt ein furchtbarer Donnerschlag die Schwüle. Feige zuckt der Schinder zusammen. Kurz vor ihm steht Kilb mit fünf an- deren, die sich nicht vertreiben ließen. Er beachtet den Schinder gar nicht, löst den Riemen seines Gewehres und hängt es sich um den Hals. Dann ordnet er an und zeigt, wie man aus vier Gewehreu eine Trage macht.— Ein zweiter Blitz grellt über uns. Es wird schnell finster und der Sand fegt durcheinander. „Die Gruppenführer zurück ins Glied! Sergeant Schönfeld, Sic bleiben bei dem Maroden!" Lässig gibt der Schießscheibengeneral seine Anweisungen und zupft an seinen Glacehandschuhen. Seine Stimme klingt nebensächlich: „Einjähriger Sievers, Sie tragen mit! Gr— r— renadiec Kilb, eintreten!" Seine Stimme hebt sich zum Schluß drohend.— Dicke Tropfen platzen. Wir erwarten den Befehls zum Weitermarsch. Es kracht mehrere Male kurz nacheinander. Zwei Rekruten heben Langer behutsam hoch. Wachsbleich leuchtet sein Gesicht in der stärker werdenden Finsternis. Der. ab- gezehrte Kopf hängt mit geschlossenen Augen nach unten. Blut klebt um den Mund, und die Arme baumeln wie die eines Toten. Hastig geht der Einjährig« auf Kilb zu. Kilb stützt Langers Kopf, als sie ihn auf die Gewehrtrage legen. Er legt ein großes, rotes Taschentuch unter. Was nun geschieht, kommt plötzlich und unerwartet: Sievers ergreist den einen Gewehrlauf der Trag« sind drängt hart gegen Kilb an. Aber Kilb läßt nicht los. Die beiden messen sich mit wütenden Blicken. Adolf steht wie absichtlich abgewendet und spricht mit Schönselh. „Herr Leutnant!", ruft da Sievers,„Kilb läßt nicht los!" .„Kamm her, mein lieber Kamerad Kilb", denke ich,„konim her! Es hat keine» Sinn... hier nicht... jetzt noch nicht..." Ich möchte ihn fortreißen. Aber Kilb schlägt dem Einjährigen mit geballter Faust vor die Brust:„Abhauen, Kadett!" ruft er den Sievcrs zu,„abhauen, sag ich dir! Hier ist mein Platz!" ... Lieber Kamerad... du bist doch der letzte Sohn deiner Mutler... dein« Mutter ist krank... sie braucht dich später... komm her... Der Schinder dreht sich ganz langsam um. Sein Gesicht ist ge- dunsen vor Wut, wieder fletscht er die Zähne, die großen, gelben Hauer..., „Grenadier Kilb!" schreit er gegen den Donner an, der immer stärker wird.„Sie kommen vors Kriegsgericht! Eintreten, marsch, marsch!!" Er macht zwei gewaltig« Sätze auf ihn zu und steht wieder dicht vor ihm.— Kilb's Nasenspitze schimmert weiß und bedrohlich. Kilb rührt sich nicht. Seine freie Hand ist fest geballt. „Lassen Sie los!!" brüllt der Schinder... „Nein..." sagt Kilb einfach und sachlich. Der Schinder taumelt wie von einem schweren Hammer ge- troffen: „Was sagst du Hund?! Nein... sagst du Lausejunge?!...„Er säht an den Degen, als wollte er ihn ziehen...„ich befehle Ihnen -- Sie lassen sofort iosü"... Es ist wie ein Zischen zwischen seinen Zähnen. Kilb's Ruhe ist unheimlich... ich fühle, wie es mir am Rücken heraufkriecht... ein unbekanntes Gefühl... was wird jetzt kommen. „Ich bin kein Hund! Ich bin ein Mensch wie Sie, Herr... Herr Leutnant!"... Langsam... abgemessen... ruhig... ganz ruhig kommen die Worte von seinen Lippen... aber: aus der Faust treten die Knochen weiß hervor... die Augen find schwarz unter dem Helmrand... der Hals ist etwas vorgestreckt... der Unterkiefer schiebt sich langsam vor... ich sehe alles sehr deutlich... so und nicht anders kann es ja überhaupt auch nur sein... Regen hat uns vollständig eingedeckt. Ich blicke auf Langer... er ist von dem kalten Regen erwacht... er starrt teilnahmslos in den Himmel... er weiß nicht, was um ihn vorgeht... wer um ihn kämpft... Hinter mir lacht jemand unterdrückt auf, ich glaube, es ist Adamczik... warum lacht denn der Adamczik?... Der Schinder ist fassungslos. Er umkreist die Gruppe wie ein Raubtier... unablässig auf Kilb starrend... jetzt... jetzt wird er sich auf ihn stürzen... jetzt... gleich werden die beiden im Sande sich wälzen... Er faßt ihn nicht an... er ist ein elender Feigling...mit lauernden Augen folgt ihm kurz auf den Hacken der Sergeant. Plötzlich springt er vor den Schinder und knallt mit den Hacken.„Soll ich ihn abführen lassen, Herr Leutnant?" In seinem Gesicht ist ein« widerliche Vorfreude. Einen Schritt vor Kilb bleibt der Schinder stehen... weiter wagt er sich nicht vor... „Grenadier Kilb! Sie sind sich scheinbar nicht bewußt, was Ihnen bevorsteht?!"— Der Rebell lächelt unbeschreiblich...„Ich befehle Ihnen jetzt ein letztes Mal: Treten Sie sofort ins Glied!..." Die Katastrophe ist unvermeidlich.-- Do schreit Langer mit einem Male auf: „Peter!!" Ich zucke zusammen... Peter? Peter?!... Visionär tauchen Erinnerungen, Bilder, sefundenlong auf vor mir... Langer rennt in unseren Hof hinein... ein langer Bengel aus der Nebenstraß« hinter ihm her... er schwingt einen Knüppel... sein Gesicht ist verzerrt... Heini schreit in Todesangst: Peter Pe— e—«— ter!!" *£... ich fange den großen Kerl auf..." •tr Er ruft mich wieder m feiner Not.—.lind wieder:„Peter!"— Da läßt der Schinder von dem Aufsässkgen ab. Er geht auf uns zu.— Hilflos, verlegen starrt der Einjährige auf seine Stiefelspitzen, Gewehr bei Fuß.--- Wieder:„Peter!! komm mal her-- Peter!—" Adolf sieht sich fragend um... ich warte nicht mehr... ich trete vor ihn hin—... der Regen rinnt mir vom Helm in die Augen, als ich zu dem Koloß aufblicke.. „Er.». Hekck... mehrt mich. Herr Leutnant... ttAr**. Hetnj und ich... sind gute Freunde..." Da prustet der Schinder los... sein Gesicht zittert von der Er- schütterung des Lachens... er hält sich«ine Hand auf den Bauch und seine Augen sind ganz zusammengekniffen... er brüllt... ich bin fassungslos...: „Heini-- Heini---" sagt dieser Idiot.... wer ist denn hier Heini?... hahahahaha... der kleine süß« Hei— i— i— iniii --- hihihihi--" und dann verschwindet das Lachen plötzlich und er stiert mich wie ein Mordgefelle an: „Das da... was da so rumliegt... das ist ein Grenadier seiner Armee des Kaisers, verstanden?— Verschtanden?" Und dann grinst er wieder bösartig, maskenhaft: „Los, Rekrut! Kilb ablösen!"— und mit einem Ruck: „Kompanie schtill— geschtann!'s Gewe— c— hr über! 0— o— ohne Tritt marsch!" Die Kompanie stapft durch den Regen. Einzelne Tropfen fallen noch, ganz hinten am Horizont flackert es auf... Wetterleuchten... noch ein verspäteter Donnerschlag... Sievers rennt in sein Loch, sichtlich erleichtert. Ich gehe auf'Kilb zu, fasse seine Faust... sehe ihn an... Er sagt gar nichts, es arbeitet nur in seinem harten Gesicht... er streckt seinen Körper... atmet tief und nimmt dann mein Gewehr. Langsam geht er an Adolf vorbei... die beiden sehen sich noch ein- mal kurz an... es zuckt in beiden Gesichtern auf... Wetterleuchten am Horizont...(Fortsetzung folgt.) eBuch £ine Biographie Stichard WiHings Im„Deutschen Biographischen Jahrbuch", das vom Verband der Deutschen Akademien der Wissenschaften heraus- gegeben wird, ist soeben eine von Arthur Kronthal verfaßte Lebensbeschreibung Richard Mitlings erschienen. Dieser che- malige Oberbürgermeister von Posen, Günstling des Kaisers und spätere Revolutionär der Berliner Salons, gehört sicher zu den inter- essantesten Erscheinungen ani Ausgang der deutschen Kaiserzeit und es ließe sich über ihn wohl mehr sagen, als was Kronthal auf den acht Seiten, die ihm zur Verfügung standen, sagen konnte. Doch auch das wenige scheint mir in einigen Punkten korrekturbedürftig. Willing war wohl trotz allem, was Kronthal dagegen sagt, eine sprunghaft«, stark von Stimmungen beeinflußte Natur. So hat er zu einer Zeit, in der er noch nationalliberaler Führer war— vor dem Kriege—, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zu noch schärferem Vorgehen gegen Wilhelm II. zu bestimmen versucht. Zu Beginn des Krieges war er, was Kronthal nicht zu wissen �scheint, ebenso wie sein Bruder Horden, Annexionist, erst später kam ihm die Einsicht, daß sich Deutschland in einen Krieg gestürzt hatte, der über- Haupt nicht zu gewinnen war. Zu jener Zeit unterhielt Witting enge Verbindung u. a. auch mit Preuß, der«inen sehr interessanten Entwurf einer neuen Reichsversassung ausgearbeitet hatte. Ich glaube nicht, daß Witting an diesem Entwurf, den er mir damals überreichte, stark mitgearbeitet hat; er hätte mir das gewiß nicht verschwiegen. Ganz richtig ist es auch nicht, wenn Kronlhal sagt, Witting sei in die Affäre L i ch n o w s k i ohne jedes eigene Ver- schulden durch den Generalstabshauptmann von Beerfelde hin- eingezogen worden. Witting hatte von Lichnowski ein paar Abzür� seiner berühmten Denkschrift erhalten und war wohl mit ihnc.i nicht ganz vorsichtig umgegangen. So konnte Beerselde— allerdings ohne Wissen und Willen Willings— sein« Publikation vornehmen. — Schon diese wenigen kritischen Andeutungen zeigen, wie scharf sich die große Tragödie Deutschlands in dem Leben dieses einen Mannes widergespiegelt hat. Dielleicht schreibt einmal jemand die ausführliche Biographie Wittings, die nicht apotheosiert, aber diesen faszinierenden Menschen mit feinen inneren Widersprüchen schildert, wi« er wirklich gewesen ist! Friedrich Sumpler., «» FW DEN KLEINGÄRTNER HwuiuiiiimiiiuiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiMiiiiiiiwuiuiuiiiiiimiiuuiuiuuiuiiiniiiiiiiuiiinniiiiuuuuiiiiiiuiiiuiiuuiiiiuiiiuiniuiiiuiuuiiiiuiuiuiMmiiiiiimiiiiuuiiimui Von Gartenwegen Wo Kleinheit des Besitzes oder der Pachtung zur sorgfältigsten Ausnutzung des Bodens zwingt, wird man auch die Breite des Gartenwegs möglichst klein nehmen, u n t e r 80 Zentimeter sollte sie j«doch möglichst nicht sein. Die Benutzung einer Handkarre oder eine- kleinen Handwagens sollte möglich sein. Bei größerem Umfang des Grundstückes sollte mindestens der Hauptweg das Befahren mit einem Wagen gestatten, was z. B. für die Anfuhr von Mist wichtig ist. Nichts ist lästiger als das Umladen auf Handwagen oder Karre, wenn ein Viertel Meter mehr Wegbreite die Verteilung des Mistes vom Wagen aus gestattet hätte. Auf die Herstellung der Wege sollte mehr Gewicht gelegt werden als es meistens geschieht/ Hat man einen gut hergestellten Weg, so wird auch ein starker Ge- witterregen ihn nicht„verschlammen". Man kann den Wegebau vermeiden, wenn man den Weg als Rasenweg anlegt. Dies empfiehlt sich besonders dann, wenn der Weg ziemlich lang ist und nicht so stark benutzt wird, daß das Gras dauernd niedergetreten wird. Wird ein solcher Grasweg häufig geschoren oder gemäht, so wird auch der Eindruck der Sauberkeit und Ordnung vorhanden sein. Für den Wegebau kommen zwei Bauweisen in Betracht,«ine einfachere, die für die schmalen Nebenwege genügt, und die für breitere und stärker begangen« oder befahrene Wege zweckmäßige mit wider st andsfähigem Unterbau. Beiden gemein- sam ist die etwas gewölbte Wegsohle. Man stellt sie her, indem man längs den zur Absteckung der Wegbreite dienenden Schnüren die Erde 20 bis 30 Zentimeter aushebt und bei diesem Erdaushub der Wegsohle eine Wölbung gibt, die als Höhenunterschied zwischen Mitte und Rand etwa 5, höchstens 10 Zentimeter haben soll. Nach der einfacheren Methode wird die Wegsohle festgestampft, dann eine dünn« Schicht Kies aufgebracht. Ist dies« Kiesschicht festgetreten, was meist im Verlauf einiger Wochen der Fall sein wird, so wird von neuem eine Kiesschicht ausgebracht, der später vielleicht ein« dritte oder vierte folgen wird. Di« andere Methode oerlangt zuerst eine 15 Zentimeter hohe Schicht aus Stein- oder Ziegelbrocken, die hochkant und etwas schräg aufgestellt werden. Auch Kohlenschlacken können ver- wandt werden. Darauf wird, um die Fugen auszufüllen, lehmig« Erde oder feiner Kies und Sand ausgebreitet und diese Lage wird durch Uebergießen mit Wasser in die Fugen getrieben und ordentlich festgestampft. Es folgt als oberste Lage eine Kiesschicht, die j« nach Wunsch aus gröberen oder feineren Steinen bestehen kann. Auch grober Sand wird zuweilen gewählt. Ein Nachplanieren mit dem Material der letzten Schicht wird sich meist als notwendig er- weisen. Bei breiteren Wegen als sie im Garten üblich sind, legt man auf die unterste Steinschicht noch eine zweite Stein» schicht, wobei man kleinere Steine, sog. Schotter, verwendet. Diese wird ebenfalls tüchtig angeseuchtet und gestampst. Dann folgt die Bindcschicht und die ober« Kie-schicht. Wo die Wege von Rasen umgeben sind, gibt man gern dem Rasen einen Abschluß, entweder durch Blumenrabatten oder durch ein sortlaufendes Eisenband, das sich auch den Krümmungen des Weges anpaßt. Man vermeidet da- durch ein Ueberwuchern des Weges durch das Gras.?. D. Das Verpflanzen Herbst und Frühjahr sind die beiden Perioden, in denen eine Uebersührung der Pflanze in einen anderen Topf oder an ein« an- der« Stelle des Gartens am meisten am Platze ist. Wer Tops- erde im Frühjahr gebraucht, tut gut daran, schon zu Beginn des Winter» die passende Erde in den Keller zu schaffen, denn oft genug hat man es erlebte daß gerade in dem Augenblick, da man umpflan- zen wollte, ein Rückschlag des Frühlings in den Winter erfolgte und der im Freien ausgewahrte Erdhaufen gefroren war. Es ist bc- kannt, daß jede Pflanzenart in einer bestimmten Erdmischung am willigsten wächst und man wird sich gern beim Fachmann über die betressende Erdart orientiere». So lieben Farn« und Orchi- deen eine poröse Erde, wobei Farnwurzeln, Moos, verrottetes Laub eine Rolle spielen; Rhododendron und Azaleen ver- langen Heideerde, alle Nadelhölzer gedeihen am besten in san- diger, durchlässiger Erde, Palmen wünschen eine schwere mit Lehm durchsetzte Erde. Alle krautartigen Pslanzen lieben den lockeren aus der Mischung von Humus und abgelagertem Dung entstan- denen Boden. Neben diesen treten nun ober noch weitere Anforderungen an die Beschasfenheit des zu Gebote stehen- den Materials auf: die Erde soll seucht sein, aber nicht naß, sie soll das neue Wasser gut„annehmen". Wichtig ist auch, daß der Tops nicht zugroh gewählt ist. Ist dies der Fall, so tritt fast immer ein Versauern der Erde ein und die Wurzeln beginnen zu faulen. Man wählt also ein der Bewurzelung entsprechendes Topfmah und beachtet dabei, daß die Wurzeln sich bequem einlagern können. B«m Einpflanzen selbst gebe man acht, daß die Erde den Raum zwischen den Wurzeln völlig ausfüllt, also kein hohler Raum sich vorfindet Durch gelinde- Aufstoßen de» Topfes und Nachhilfe mit einem flachen Holz wird qran«ine richtige Verteilung erzielen. Abgestorbene Wurzelteile sind zu entfernen und im Absterben begriffene Wurzeln bis auf den gesunden Teil zurückzuschneiden. Lange Wurzeln können gestutzt werden, wodurch die Bildung neutr Faserwurzeln hervorgerufen wird. Wenn das Verpflanzen ws freie Land noch im Spätsommer vorgenommen wird, wie z. B. bei Erdbeeren und jungen Stauden, tritt oft scharfer Sonnenbrand auf und es geht meist nicht an, auf«inen Tag mit bedecktem Himmel zu Marten, man muß dann für Schatten sorgen durch Anbringung leichter Bedeckung, auch wird man durch Wassergeben und Spritzen feuchte Luft zu erzielen suchen. E, D. ■UhonLnc/oJhiel Internationaler Arbeitersport Deutsche Fußballer gegen Finnland wieder unterlegen— Siegeszug der finnischen Mannschatt Seit einigen Tagen befindet sich eine finnische ceichtathletikmannjchast in Deutschland. Ueber die Ergebnisse des Sporttresfens in Dresden berichteten wir am Dienstag: gestern spielte die Auhballmannschost gegen Chemnitzer Arbeitersportler und gewann wiederum. Chemnitz hat dem Arbeiter-Zutzballsport gestern durch eine SBe= sucherzahl von 15 000 ein« Achtung entgegengebracht, die hoch anzu> erkennen ist. Die deutsche tändermannschast verlor wiederum gegen die finnische Autzballmannschaft, trotzdem sie zeitweise stark überlegen mar. Wieder lag es am Sturm, in diesem Falle besonders am Jnnensturm, der sich nicht durchzusetzen vermochte. Torgelegenheiten boten sich eine ganze Reihe, aber sie wurden nicht ausgenützt. Die ginn«n Zeitgen ihr schnelles zweckmäßiges Spiel, bei denen besonders uufsiel, daß sie wenig mit dem Ball tändelten, sondern ungekünstelt zuspielten. Der finnische Linksaußen entpuppte sich als ein gefähr- licher Durchreißer. Beide Landesvertretungen treffen am 30. August in L e i p z i g, am 31. August in Braunschweig und am 2. September in Stettin auseinander. Finnische Leichtathlctikmeisterschaften Bei schlechtem Wetter kam am 16. und 17. August in Kotka der Schlußteil der leichlalhlelischen Meisterschaslen de» finnischen Arbeiter- Sporlbundes zur Durchführung. An den Wetttämpsen nahmen mehr Sportler als je zuvor teil. Die schlechten Wetterverhältnisse beein- trächtigten die Leistungen der Wettkämpfer: dennoch wurden in einigen Sportarten bemerkenswerte Ergebnisse herausgeholt. Die Meisterschaften haben diesmal in zweifacher Weise eine besondere Bedeutung? Die Sieger wurden Anwärter für die finnische Leicht- athletikerpedition zum 2. Arbeiter-Olympia 1931 in Wien und zwei- tens l>efinden sich einig« der finnischen Meister gegenwärtig in Deutschland zu Wettkämpfen mit den besten Leichtathleten des Ar- beiter-Turn. und Sportbundes. Nach dem aus Dresden— dem ersten Start der Finnen in Deutschland— vorliegenden Ergebnissen, sind die Gäste ganz ausgezeichnete Sportler. Ergebnisse von den Meisterschaften in Kotka: 1V0.Mcirr.Lauf: S. Wall'),»rifmafots, 11«: 200.Mctrr.Laus:». Wall 23,2: Ivo-Mrier-Lauf: Zt. Wall 03,1:«no.Mrtrr.Lauf: s. Ztulrla, Itiuäsiniij, 1:58,3; I500.Mrter-Lauf: Zt. Ztukrla 1:11,8: 5000- JRrlft. Lauf: A. Sarin*), Ztatta. 13:06,3: 10 ovo-Mrirr-Laus: A. Sarju 32:05.7: 110.Mrirr.Si>r»rnIauf: z» Wall 16.8: 100,Mctcr.SiIr8enIauf: M. Lctlio, Helsinki. 08,7: Weitspruni: I. RüHria, Sarppita, 6,41 Metcr: Sochsprung:?. Lchtinen*), Tamprrr, 1�0 Meter: Stabiiachsprung: N. Ztrisiofscrssen, Hrislnki. 8.70 Meter: Dreisprunp: B Takkinrn. Oulu, 13.53 Mrter: Sammcrwrpsen:®. Pärni. Talikkala, 44,40 Meter: Schleuderball: E. Lchtinen, Turku. 49,40 Meter: tScwichtwcrfen: S. Lrlitinrn, Turku. 1350 Meter(neuer finnischer Bundezrekord):«unelltpßen: Zt. Ztpti. nalo. Ztnmi. 1350 Meter: leichtatbletischer glinstamps: L. Leppänen. Milnttä, 375,28 Punkt« fSBeitfpcuna 5,97 Meter, Speerwerfen 58.89 Meter. 200.Meter- Lauf 25,1. Diskuswerfen 24,01 Meter, Ibvo-Meter-Lauf 4:50). *) Weilen gegenwörli-i in Deutschland Kassenscbränbe otknenl Dr. Dien» sucht eine halbe Million Mark Der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibes- Übungen, Dr. Diem, teilt in der bürgerlichen Presse mit, daß die deutsche Expedition zu den Olympischen Spielen 1932 in Los An- Wenn wir von bestimmten küstenvöltern der Südsee absehen, gehören die Indianer des nördlichen wie des südlichen Amerika zweifellos zu den tüchtig st en Schwim- m e r n. Schon bei der Entdeckung des neuen Kontinents riesea ihre säst amphibischen Fähigkeiten da» Erstaunen der weihen Eindringlinge hervor. Es gibt nur wenige Stämme, die man beinahe oder ganz als wasserscheu bezeichnen könnt«, bei den meisten anderen aber gehört das Baden zur täglichen Gewohnheit, die auch unter ungünstigen Witterung»- Verhältnissen mehrmals am Tage ausgeübt wird. Es war eine alt« Sitte, die nichtdurchbrochen werden durfte, daß gleich nach der Entbindung die junge Mutter mit dem Neu- geborenen«in kaltes Bad im Fluß nahm: dieser fast religiös gewordene Brauch galt auch für Stämme, bei denen Fluß und See im Wirtschaftsleben kein« besondere Rolle spielten. Bei den Mandaner-Jndianern zogen die Frauen und Mädchen all« Morgen an den Missouri, um zu baden, und ein« aus- gedehnte Kette bewaffneter Krieger sorgte sür die S i ch e r h e i t der Schwimmsportlerinnen. Bei manchen Horden genügte schon die Benetzung mit Regen- oder Meerwasser, um ein Bad nötig erscheinen zu lassen: auch Kälte uyd Eis hielt sie davon nicht ab, nur beschränkt« man sich im Winter meistens auf«in einziges Bad am Tage. Auch Schwitzbäder konnten die Indianer, ähnlich wie die Slawen und Finnen, und gleich unseren östlichen und nord- östlichen Nachbarn stürzt« man stch. wenn man genügend durch. gekocht war, ins k a l t« F l u h w a s s e r. Das war auch üblich, «nn man durch körperliche Anstrengung stark geschwitzt hatte, und daraus erklärt sich wahrscheinlich die leichte Anfälligkeit vieler Indianerstämme für Erkältungen und Katarrhe, wie zahlreiche Forscher berichten. Das bei uns mehr und mehr aufkommende Crawl schwim- men ist die übliche Technik der Indianer: auch bei den alten Griechen und den mesopotamischen Bölkern war dies« Art zu jchwimmen bekannt. Als die Schiffe des Columbu» nach Westindien kamen, schwammen ihnen die Eingeborenen Veit entgegen und begleiteten sie auch bei der Abfahrt schwimmend weit in» Meer hinaus. Als die Spanier später ihre Solonialgreyel verübten, durch die fie in der ganzen Welt berüchlig« wurden, wurde für die Ein- geboreneu die Flucht ins Wasser oft die einzig« Rettung. Di« Einwohnerschaften ganzer Dörfer sprangen beim Nahen der Eroberer in dos für sie sicher« Element, tauchten und ent- kamen. Wenn man st« gefangen nahm und mit eisernen Ketten gefesselt an Bord brachte, warfen sie stch trotz der schweren Belastung in einem unbewachten Augenblick ins Meer, ab«? uicht, um(ich das Leben zu nehmen: jast re�ekmähig geles(USA.) und für die Winterspiele 490 000 Mark kosten wird. Sie soll nach Los Angeles 130 Personen umfassen, davon 92 Sportler, die anderen erscheinen als Prominent« und Begleiter. Für die Winterspiele sind 21 Teilnehmer— einschließlich Prominent«— vor- grschen. Nach Dr. Dienis Berechnungen habe der deutsche Sport 300 000 Mark aufzubringen, die anderen 190 000 Mark werden vom Reich und aus öffentlichen Sammlungen erwartet. Das Reich Hot be- kanntlich schon 50 000 Mark allein für den Kongreß(!) de» Olym- pischen Komitees in Berlin gezahlt. Vereinsmekrlcäinpte der Arbcitcr-Leichiathletcn Sozusagen al» Abschiedsveranstaltung führen die Ceichl- i athleten des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sporlbund am Sonntag. 7. September, auf dem Sportplatz im Tier- garten ihre Bereinsmehrkömpfe durch. Die Durch- sührung dieser Veranstaltung ist in diesem Jahre dem Sportverein Moabit übertragen worden. Bei derartigen Bereinsmehrkämpsen stehen sich die Vereine gegenüber, um im friedlichen Wettstreit aufzuzeigen, daß sie sich nicht nur mit der Ausbildung einiger Sportler, die besonders gute Anlagen für gewisse Sportarten besitzen, beschäftigen, sondern daß ihnen die Ausbildung und die körperliche Ertüchtigung der gesamten Mitgliedschaft besonders am Herzen liegt. Daher werden hier, dem Charakter der Arbeiter-Sportbewegung entsprechend, nur Mann- schaftswettkämpfe ausgetragen. Jeder Sportler muß also seine ganze Kraft sür die Mannschaft einsetzen. Das Programm ist sehr vielgestaltig, werden doch in diesem Jahre die Mehrkämpfe sür Männer, Frauen und die Jugend an einem Tage durchgeführt. Die Männer werden in drei Klassen gewertet, A, B und C. Um einen Ueberblick über das von jedem Berein zu bewältigende Pensum zu geben, sei hier das Programm für die �-Vereine aufgeführt: Läufe: 100 Meter, 400 Meter, 800 Meter, 3000 Meter, 110 Meter Hürden: 10Xl00-M«ter- Stafette, ferner Hochsprung, Weitsprung, Stabhochsprung, Diskuswerfen, Speerwerfen und Kugelstoßen. Die Sportlerinnen tragen einen Sechs bzw. Fünfkampf aus, die Jugendlichen einen Sieben- bzw. Fünfkampf, außerdem werden die älteren Sportlerinnen und Sportler in besonderen Mannschaften erfaßt. Das System ist kurz folgendes: In jeder Uebung startet ein Mannschaftsmitglied, das aber höchstens 2 Konkurrenzen(Stafetten ausgenommen) bestreiten darf. Die erreichten einzelnen Punktziffern werden innerhalb der Mannschaften zusammengezählt. Kein anderes Sportfest kann so vielgestaltig und interessant, so abwechselungsreich sein, wie gerade diese Vereinsmehrkämpfe. Deshalb wird ein Besuch derselben sehr lohnenswert fein. Di« Arbeitersportler werden aus dem Tiergartensportplotz nicht nur ihr« besten Mannschaften feststellen, sondern, wie bei ollen ihren Ver- anstaltungen, auch demonstrieren für den Sozialismus. Die Parole für die Berliner Arbeiterschaft am 7. September lautet also: vormittags— Wahlarbeit für die Partei, nachmittags— zv den vereinsmehrkämpsen im Tiergarten! gelang d i e Flucht durch Tauchen. Auch Stämme mit nur schwach ausgebildeter Schiffahrt zeigten sich als vortrefflich« Schwimmer: ein« Strecke von drei Kilometer war gewähnlich, zehn Kilometer oder ein halber Tag schwimmen sind von zuver- lässigen Beobachtern als sicher beglaubigt. Selbst die kleinen Kinder waren schon Im Wasser zu Hause, und ein Missionar, der die Kolonial- inörder des Königs von Spanien begleitete, berichtet wörtlich:„Zu Beginn des Gefechts sah ich einen kleinen In- dianer im Wasser, der nicht mehr als zwei Jahr« alt fein konnte. Er schwamm brav mit seinen kleinen Armen, aber es war unmöglich, ihn zu retten." Daß die F ra u e n der Indianer den Männern im Schwimmen nichts nachgeben, wird vielfach beobachtet. Schomburgk berichtet aus Guyana, daß In den furchtbaren Stromschnellen Männer und Frauen mit Seilen in der Hand von Klipp« zu Klippe schwimmen und das Boot sicher durch die tosenden Wassermassen hindurchbringen. Bei manchen Stämmen waren die Frauen sogar die besseren Schwimmer: so konnten bei einem Stamm an der Magalhaes-Straße nur die Frauen tauchen, die Mämier dagagen nicht einmal schwimmen. Der Forscher, der sich nach der Ursache dieser eigenartigen„Arbeitsteilung" erkundigte, bekam von den Männern in allem Ernst die erstaunlich« Antwort: „Wenn wir versuchen würden zu schwimmen, dann würden wir untergehen, denn wir haben nicht die fetten Brüste unserer Frauen, die ihnen als Schwimmblasen dienen." va» Bilden und Schwimmen hat bei vielen Jndianerstämmen ein« rituelle Bedeutung gewonnen. Bäder bei Krankheiten sind oft weniger als physikalisch« BeHand- lungsmethodc anzusehen, denn als ein« Art seelischen Reinigung». Prozesses, bei dem der Krankheitsgeist weggespült werden soll. Mehrere Forscher berichten aus den verschiedensten Gebieten, daß Fi«b«rtrante in eiskaltem Wasser baden und sich hinterher an, Feuer setzen. Säugling« werden öfter ins kalte Wasser gesteckt, al» Ihnen lieb ist, und auch größere Kinder müssen oft in den eisigen Fluß, dessen Temperatur in Gebirgsgegenden bisweilen auf acht Grqd heruntergeht. Der Reinlichkeitstrieb bei den Jndiynern ist Übrigen« sehr nötig, denn bei ihrer mangelhaften Bekleidung und ihrer Gewohnheit, sich mit Erdsarben«inzuschmieren, bei den vielen Moskitostichen und Hautwunden, denen sie ausgesetzt sind, kann nur «in« einigermaßen konsequent durchgeführte Reinlichkeit vor Jnset- tionen schützen und die normal« Hautfunktion in Gang erhalten. Ungeklärt bleibt noch, warum trotz ollen Baden» die tropischen Indianer so stark an Katarrhen leiden. Die Hauptrolle spielt hierbei sicherlicl, der stark« Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. Kleiner Sport von überall Arbeitersporl-Vczirkskarlcll Friedrichshai,,! Morgen, Freilag, muß jeder Uebungsbelrieb ruhen. Die Kartell- leilung fordert alle angeschlossenen Verein« und Abteilungen aus, sich an der Wahldemonslralion der Sozialdemokratischen Partei zu beteiligen. Tresspunkt 18 Uhr mit Fahnen und Transparenten am Küstriner Platz. Burmi lies in helsingfors. Finnlands Leichtathlelik-Elite mit Nurmi, Lirtanen, Kim, Siocstedt und Matti Iärvinen an der Spitze ist nn eine», zweitägigen Meeting beteiligt, dn� in Helsingfors ftitt- iindet. Pncvo Nurmi startete am ersten Tage über 3 englische Meilen, die er in der ausgezeichneten Zeit vcn 14:20,7 als leichter Sieger beendete. Entgegen feiner Gewohnheit ließ er sich bis 100 Meter vor dem Ziel von seinem Landsmann Pirtanen führen, nn dem er dann mühelos vorbeiziehen komite. Dritter wurde in 15:01 der polnische Meister Petkicwicz. Einen neuen Landesrekord gab es in der 10X100-Meter-Stasfel durch Kisaveikot mit 1: 48,7. Kim warf den Diskus 47,10 Meter weit, Sjoestedt durchlas 110 Meter Hürden in 15,2 Sekunden und Koponen legt« 100 Meter in 10,9 Sekunden zurück. vierkötler nur Fünfter beim vlarathonschwimmen in Toronto. Das alljährliche Marathonschwimmen auf dem Ontariosee bei To- ronto(Kanada) hat diesmal mit dem Siege de? Amerikaners Marvin Nelson geendet, der die 24.135 Kilometer lange Strecke in 7: 43: 36.2 nirücklegte. Der Kölner Ernst Vierköttcr, der sich 1927 in die Sieger- liste hotte eintragen können, kam nicht über den fünften Platz hin- aus. „Alt-Wedding 1883" veranstaltet ein Sportfest. Für Sonntag, 31. August, ab 16 Uhr, ladet der Arbeiter-Schwerathletikverein Zllt- Wedding 1883, zu seinem diesjährigen Sommersportfest ein. Bei dem anerkannt guten artistischen Programm im Ringen, Heben und Boxen werden alle Besucher aus ihre Kosten kommen. Die Der- anstaltung findet im Naturgarten des Moabiter Schützenhauses statt. Kafseeküche, Kittderbelustigungen. Eintritt 30 Pf. Eine neue kinderableilung cröfsnet der Athletit-Sportklub, Mitglied im Arbeiter-Turn und Sportbund, am 2. September in Neukölln. Knaben und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren können hier unter guter Leitung alle Arten der Leibesübung wie Turnen, Gymnastik, Handball, Leichiathletik und Schwimmen pslegen. Die Uelningsabende der bisher bestebenden Kinder- abteilungen sind: Dienstag und Freitag 18 bis 20 Uhr Walter- Rathenau-Schule, Boddinstr. 33—34. Auskunft erteilt: Gustav Lehmann, Neukölln, Lichtenrader Straße 40. Rmi« RtHbaotfafetct Berit» C. B. Donncrotas, 28. August, gufammtit- lunft im»Hackeschrn ie\". Apsrntstalcr Sir. 41, 20 Uhr, Vortrag dro ßenofTc.n Dr. Bruno Lbwenberg Ubcr:.Ein Vlick hinter die Kulissen eines modernen Thraters". Gäste willtommen. Sonntag, 31. August, ab NänigsWusterhauscn lRottetanal)»um V«»irt«4est noch Mittenipalde, sssthrcr: Iungdluth. Sonn- obenä, 8„ und Sonntag, 7. September. Vropaganderfahrt fstr Liste 1. Nähere» solar. Der Rcttu»g»lursu» bei bin Rreien Schwimmern Grosi-Rerlin. Gruppe Neutölln, fällt für die Kartellpereinc Donnerztag, 28. August, wegen der Wahldemonstrotion au». TB. Baturferund«,»bt. Aculölln. Donnerstag, 28. August, nicht Besuch der Sternwarte, sondern Drmonstrotton. Trcffpunrt 19 Uhr Neukölln, Schiller. Promenade, .Solid- ritit", Zllotore-blahrer An dem Vropagan!>aum»ug durch Weigen. sec-Heincrsdorf am 30. August beteiligen stch alle Bundesgenossen. Start 18 Uhr Prenzlauer Allee Ecke Heincetdooser Straße.— Touren für Sonntag. 31. August:«bt. Renköln: Schlaubetal— BrcmZdorfcr Mtthlc. 7 Uhr Hohenzollern. platz.—«bt. Roebe«: Bernau— Prende»— Strrhlcsee. 7 Uhr Sparrstr. 3. —«bt.»reuzberg: Donetzsc- bei Teschendorf. 8 Uhr Baltenplatz.- Abt. Feiebeichshain: Kloster Lehnt». 8 Uhr Landsberger Platz.—«bt. Eharlotten. bürg! Wörlitz. 6 Uhr Wilmcrsborfer Str. 21.—«bt. Lichtenberg: Schwärze- sce bei Ebcr»walde. 8 Uhr Oder. Ecke Rinowstraßc. «rbeiter.Ltchtbilb-Bnnb.«rbcitcrphotogllde Berlin. Rreiiag. 5. September, 20 Uhr, Jugendheim Lindenstr. 4. ßeitschriftenschau, Bildkritil.— Rilin- -btcilnng. Mittwoch, 3. September, 20 Uhr, Vortragssaal des Parteivor. stände», Lindenstr, 3, Aussprache Uber praktische Tilmarbeit mit Vorfllbrungcn. — Ph-togrnppen be» TB..Die Matuefwunbe", Staat mg nipp«. Montag, 1. September, 20 Uhr, Iohanni»str, 15, DioposttiiworfUhrungen.— Photogruppe Norde». Donnerstag. 4. September, 20 Uhr. Phnstkzimmer der w«lt- lichen Schul« Pank- Ecke Wiesenftraße, Vildkonfektion,— Photogruppc Osten. Freitag. 5. September. 20 Uhr, Jugendheim Frankfurter Allee 307. Friedrich. Edert-Saal,— Photogruppc Neukölln, Mittwoch, 3. September. 20 Uhr, Jugendheim Bergstr, 29, Zimmer I. FTGB., Neukilln-Britz. Altersadteilung Donnerztag. 28. August, kein Turnen, sondern geschlossene Beteiligung an Parteiwahlkundgebung. Alters- abteilung besucht am Freitag, dem 29. August, die 1. Männcrabtcilung in der Lessingstroße. roueistennerei».Die R-tnrfreunde-, Zentrale Wien. Freitag, 29.«ngnst. Faltbaotattellung: 20 b!» 2L Uhr, Jugendheim Britzer Str. 27, Vortrag: „Ueberwintern der Boote".— Sumdoldthain, Iugendgrnppe I: 20 bis 22 Uhr, Klassenzimmer, Pank- Ecke Wicsenstraßc.„Märkische Fahrten."(Epi-Vorträgc.) — Mdaft: 20 bis 22 Uhr. Vritzcr Sir, 27. Untcrhaliungsabcnd.— Ebarlottcn. bürg: lgt-! Uhr, Jugendheim Sprcestr. 30,.�eitgemätzc Ernährung.",h Uhr im Seim Elscnstr. 3(am Bahnhof). Zwangloser Abend.— Pee», lauer Berg: 18 Uhr Spiclabend Sportplatz„Ein- same Pappel*. Sportkleidung mitbringen.— Fahrten S-nnabend, 3»., nnh Laanta«. 3t. Anguft.«bt, Mitte: In den Sprecwald. Kosten etwa 8 M. Abfahrt>7.32 Uhr Görlitzer Bahnhof.- Kumboldthoini Meichow, Echwärzcsce. Führer: Timm.— Prenzlauer Bcrg: Meichow, Uedersee. Treffpunkt 1714 llhi: Stettiner Vorortbahnhof. Fllhrcr: Strophsf.— Britz: Kremmen.— Zngeud- grnpp« Osten: Brieselang. Finkenkrug. Treffpunkt 17V; Uhr Warschau-r Strotz». Führer: Lüdecke.- Sanntag.»1. August,«bt. Ritte: Bernau. Hell- se». Abfahrt 6,05 Uhr Stettinrr Vororibahnhof. Führer: Sickel,- Weddäng: Tegel. Neubrück, Sennigsdors. Treffpunkt 6% Uhr See- Ecke Mllllerstratze.— Friebrichshai«! Teupitz, Hölzerner See. Abfahrt 6(6 Uhr Görlitzer Bahnhoi. Führer: Dannenberg.—«ht. Teaptaw: Fahrt nach dem Kiobichsee. Fllhrerin: Nolle.— Sonnabend, 30,, und Sonntag, 31. Angnft.«bt. Tiergart««: Rüd- Nitz, Meichow. Abfahrt 1755 Uhr Gesundbrunnen. Führer: Airscmann.— Montag. J. September. Maltunstgemeinschasi: Igtz bis 22 Uhr Wrangclstr. 128 Dekoration», und Theaiermalercien.— Photogemeinschaft: 19H Uhr Geschäftsstelle Iöhannisstr. 15, Saal.- Diaoorführnng(Diapositive mitbringen).— Ssperanto: Arbeiisgcmcinschaft 20 Uhr im Jugendheim Titfiter Str. 4. Freie Anderervereinigung 1913. Sitzung Freitag, 29. August, im Strand- schloß, Oberschöneweitc. FTGB., NuderSezirk. Donnerstag,»i. Auguft, 20 Uhr, Sitzung bei Schmidt. Nirderfchön-weide, Berliner Str. 97—98. In der Abteilung Männer und Jugendliche können noch einige sportfrcndlqe Mitglieder anfgenominen werden. Donnerstag, 28. August. Berlin., !t>.05 Nordische Musik. 17. JO Dr. Wolf Zucker: Goethes Bibliothekar. |8.00 Prof. Dr. A. Dempf. Bonn: Der Einfluß Augustins auf die geistigen Strömungen der Gegenwart. 18.28 v. Lindelner-Wildau: Nation und Staat. 18.50 Aus italienischen Opern. Als Einlage: Zehn Minuten Fritr Hagen. 20.00 Wovon man spricht.• 20. Li) l. Hindemith: Vorspiel zu..Neue# vom Tage".— 2. Massenet: Scönes dramatiques.— 3. Fibich: Am Abend. Idylle, op. ZS. 4. Wltdigerow: Wardar, bulgarische Rhapsodie, op. 16.(Funkorchester.) 21.20 Was Sie von Beethoven noch nicht kennen.(Funkorchegfer.) Mich den Abendmeiduncen bis 0.30: Tanrmuslk. Königswusterbausen. 17.30 Prof. Dr. Felix Lampe: Aus der pädagogischen ZcitschriftenlitCMtur. 18.30 Dr. Hans Göttling: Deutsch-franrösische Vermittlungsarbeit. 18.55 Spanisch für Fortgeschrittene. IÖ.25 Dr. Horlacner, M. d. R.: Folgerungen aus einer planmäßigen Or:!- tung der Agrarpolitik. 20 JO Hamburg:„fata Moriaaa". 21.30 München: ypm visyÄ�«nd Bwunfang. Indianer schwimmen am besten Kein Weltrekordler kommt da mit! Kür Kommunisten unverständlich. Was ihnen an der„Malerhütte" nicht gefällt. „... daß man, wenn man in der Malerhülle arbeilel, Mitglied der Gcwerkschasl, de» Konsums und der SPD. sein muß, sonst hal man keine Aussicht, auch nur kurze Zeil zu arbeilen." Dieser Satz steht, gleichfalls in halbfetter Schrift, in dem Berliner kommunistischen Organ. Er soll einen schweren Vorwurf eni- holten, ist aber eine hohe Anerkennung. Halten wir uns an die Tatsache, dann bleibt, daß ein von organisierten Arbeitern ins Leben gerufenes und unter- haltenes genossenschaftliches Unternehmen o r g a n i- s irrte Arbeiter und nicht„klassenbewußte Unorganisierte" be- schäftigen will. Daß die Malerhütte darüber hinaus mit Anhängern der kommuniftisch-revolutionären Gewerkschaftsopposition nicht gern zu tun haben will, mit Leuten, deren Partei sie zur G c w e r k- schaftsfeindlichkeit ganz besonders verpflichtet und damit auch zur Genossenschaftsfeindschaft, bei Strafe des Parteiausschlusses, ist leicht bcgreislich. Die in der„Malerhlltte" beschäftigten Maler werden samt allen übrigen gewertschastklch organisierten Malern auf die plump« tom- munistisch« Wohlspekulation am 14. September die gehörig« Ant- wort geben und L ist e 1 wählen. Binnenschiffer, geht zur Wahl! Gewählt wird Liste 1, Sozialdemokraten. Der Gesamt verband, Mitgliedschaft Westdeutsche Wasser- straßcn, Sitz Duisburg, richtet folgenden Aufruf an die Binnenschiffer: „Am 14. September wird der neue Reichstag gewählt. Unsere Kollegen in der Binnenschiffahrt und auch in der Flößerei haben noch bei jeder Wahl erlebt, daß sie sich unterwegs auf Reise befanden und nicht an ihrem Wohnort ihre staatsbürgerlichen Rechte ausüben konnten. Auf unser Betreiben hin sind die Stimm- scheine eingeführt worden, sie sind jedoch noch nichts Bollkom- menes, ihre Mängel zeigen sich bei Wahlen zu den Landtagen und Kommunalvertretungen. Bei R e i ch s t a g s w a h l c n ist ihre Brauchbarkeit jedoch erwiesen: beschafft euch den Stimm- schein. Er wird von der Heimatbehörde(Bürgermeisteramt usw.) ausgestellt. Wendet euch schriftlich dorthin oder beauftragt Ange- hörige mit der Beschaffung. Alle Nmienschiffer und Flößer müsse ir den Stimmschein haben, auch die Frauen, wenn sie an Bord sind, damit sie in der Lage sind, während der Reise zu wählen. Der Cinheitsstimmzettel ermöglicht in jedem Stimmbezirk eines Ortes die Stimmenabgabe. Nehmt vorsichtshalber euren Paß, Personalaus- weis, Patent. Dienst- oder Fahrtenbuch zur Legitimation mit. Geht zur Wahl! Wahlrecht ist Wahlpflicht. Der Wahlkampf wird geführt um den Lohn und für die Erhaltung der Kranken- und Arbeitslosenversicherung!" In.den, Aufruf wird dann mitgeteilt, daß die Organisatious- leitung an sechs Unternehmerverbände, an die Firmen in der Weser- schiffahrt und an das Reichsoerkehrsministerium ein Schreiben ge- richtet hat, in dem ersucht wird, den 14. Septemberals freien Sonntag innezuhalten, oder mindestens während der Wohlzeit drei Stunden Ankerruhzeit innezuhalten, oder um 4 Uhr Feierabend zu machen. Der Aufruf schließt: „Kein Unternehmer ist berechtigt, euch an der Ausübung des Wahlrechtes zu hindern; er macht sich strafbar, wenn er euch die Gelegenheit zur Stimmenabgabe verweigert. Am 14. September gehen die Binnenschiffer und Flößer zur Wahl! Gewählt wird Liste I, Sozialdemokraten. �(fafchäfite-Jlnseiger* töczirfc Jlorden-Cfien. f R. Bauke, Bandagist� Berlin C 2, Stralaner Str. 56 zwischen Kloster- und Neue FriedrichstraBe 1 Leibbinden— Brncfabfinder— Plattfa�einlagen GnmmUtrflmpfe[R. 134 1 Eigene Werkstatt. Lieferant sämtl. Krankenkassen J Jl. Xädkemäcker Optisches Institut 71 58, Sdtönhauser Allee 136 Xteferanl für tämil. Mrunkenkat$en + DANDAGIST Lieferant sämtlidier Krankenkassen sowie städtischer und staatlicher Behörden LANGE ifeuesalzdlllgurKen in allen Sortierungen nnd bester QualitAt liefert Paul Graftnidi, lidilenbcrg, Rilleröiitstrafte 129a.::: Tel. E 5 2653. Bufler-Heinze Farben- lacke Tapeten- Linoleum •ngros Spezialhau» en datall Wilh. 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