Morgenausgabe πr. 403 A 203 47.Jahrgang Wöchentlich 85 t, monatlich 3,60 im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 R. einschließlich 60 Bfg. Postzeitungs- und 72 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6,- m. pro Monat. * Der„ Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Jllustrierte Beilagen Bolt und Zeit“ und„ Rinderfreund". Ferner Frauenstimme". Technit"," Blid in bie Bücherwelt", Jugend- Borwärts" und Stadtbeilage", Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 29. August 1930 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaltige Nonpare lezetle 80 Bfennig. Reflame eile 5,- Reichs mart. Aleine Anzeigen das lettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zmel fettgedruckte Borte), jedes meitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Haupt geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoft 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts: Verlag G.m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr 65 Dt Bu Disc.- Gef. Depofitentafle. Lindenstr. 3. Das enthüllte Geheimnis. Außenpolitische Einheitsfront? Ein Finanzprogramm, das feines ist. Das Geheimnis, das über den Beratungen des Reichsfabinetts geschwebt hat, ist gestern gelüftet worden. Das Finanzprogramm des Kabinetts Brüning, die große Bahlparole für die Brüning- Koalition, ist veröffentlicht worden aber siehe da, das Programm ist kein Programm, sondern nur eine Vertröftung auf ein fünftiges Programm! Die amt liche Veröffentlichung beginnt: Die mehrtägigen Beratungen des Reichsfabinetts über feine finanziellen Reform pläne wurden heute unter Borsiz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu Ende geführt. Es wurde lleber. einstimmung über diejenigen Grundfäße erzielt, nach benen nunmehr die erforderlichen Gesetzesvorlagen durch die zuständigen Ressorts während der nächsten Bochen zweds Vorlage an den Reichsrat und den Reichstag aus gearbeitet werden sollen. Boraussetzung für das Gefingen aller Reformpläne ist eine geordnete Kaffenlage und ein die Wirtschaftslage berücksichtigender Haushaltsplan. Das Kabinett hat für die Aufstellung dieses Programms als wesentliche Gesichts punkte die folgenden festgelegt: Die wesentlichen Gesichtspuntte" sind da, und sie sind danach! Hier ist Nummer eins: tlassen wieder eine Rolle spielt, oder daß die Regierung unter notwendige Leistungen" etwas ganz anderes versteht als die bisherigen gefeßlichen Leistungen. Immer weiter mit der Zukunftsmusik: 4. Der Finanzausgleich wird durch eine anderweitige Berteilung der öffentlichen Einnahmen unter Reich, Ländern und Gemeinden entsprechend den ihnen obliegenden Aufgaben umgestaltet werden; dabei soll vor allem auf Klarstellung der selbständigen Berantwortung für die Ausgabengebarung hingewirkt werden. Dieser endgültige Finanzausgleich fann in Kraft treten, sobald der Reichstag das Steuervereinheitlichungsgeseß, zu dessen Borbereitung in der Notverordnung entsprechende Maßnahmen por gesehen und eingeleitet sind, perabschiedet hat. In diesem Zusammen hange ist auch eine Vereinfachung des Steuersystems in Aussicht genommen, und zwar zunächst bei der Landwirt fchaft, sodann durch Freistellung der Vermögen bis zu 20 000 m. von der Vermögenssteuer. Die Auswüchse auf dem Gebiete der tommunalen Beamtenbesoldung sollen beseitigt werden; hierbei wird bei denjenigen Gemeinden einzusetzen sein, deren Realsteuern besonders überhöht find. Versprechungen, Vertröstungen und Andeutungen! Nur 1. Im Haushaltsplan 1931 wird über die bereits im Haushaltseins wird flar: das große Programm" mündet in flein plan 1930 vorgesehene Senfung der Ausgaben von 169 mil- ften a bliped für Herrn Schiele! lionen Mart hinaus auf Grund der vom Reichsfino minister ge machten Vorschläge ein weiterer namhafter Betrag ein gespart werden. Ausgabensenfung und Einsparung ist recht hübsch und gefällt im Bürgertum. Die Frage ist nur, wo und wieviel gespart werden soll, und noch interessanter ist die Frage, marum die Regierung nicht zu sagen wagt, wound mieviel gespart werden soll! Es ist schon einmal in einem Haushalt gespart worden mit dem Effekt, daß die Einsparungen" als Defizit wiederauftauchten! hat schon der Krach der Interessenten und Ressorts um Einsparungen eingesetzt, daß die Regierung so schweigsam ist? Das Programm fährt fort: 2. Es wird ein mehrjähriges Programm für den Wohnungsbau und die ländliche Siedlung mit dem Ziel der beschleunig. ten Verminderung der Wohnungsnot der unbe mittelten Schichten und unter Berücksichtigung ihrer Lei stungsfähigteit aufgestellt. Die Finanzierung der größeren Wohnungen wird auf anderem Wege durchgeführt. In diesen Sätzen ist die Absicht verstedt, eine größere Quote der Hauszinssteuer als bisher für allgemeine Finanzzwecke in Anspruch zu nehmen. Beschränkung der Berwendung von Hauszinssteuermitteln auf den Kleinwohnungsbau und Herabseßung der bisherigen Qualität das ist ebenfalls darin verborgen. Von der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Minderbemittelten durch Berbilli gung der Baustoffe scheint teine Rede mehr zu sein! Nun das Problem der Arbeitslosenversicherung: 3. Der Reichshaushalt soll gegen die bisherige unbegrenzte und amporsehbare Beanspruchung durch die verschiedenen Formen der Arbeitslosenhilfe gesichert werden, indessen ohne daß dadurch bie notwendigen Leistungen gefährdet werden: Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie man das macht! Aber die Patentlösung wird leider verschwiegen. Man kann nur mutmaßen, daß entweder der Gedanke der Gefahren Schließlich folgt eine ganz allgemeine Bemerkung: 5. Eine Bewirtschaftung der Kreditbedürfnisse der öffentlichen Körperschaften unter einheitlichen. Gesichtspunten wird die notwendige Senfung des zu hohen Zinsfußes unterstützen. Zum Schluß aber der eigentliche Wahlsped: Die Gesamtheit dieser Maßnahmen wird eine Gentung der zu hohen steuerlichen Belastung des deutschen Boltes ermöglichen. Ein solches Senfungsprogramm tann nur fortschreitend durchgeführt werden. Begonnen werden soll aber bereits im Jahre 1931 mit der Senfung der die Produktion am meisten hemmenden Realsteuern. Dadurch soll der Wirtschaftsantrieb und neue Arbeit gegeben werden. Da ist sie ja glücklich wieder, die Parole von der Steuersentung! Das Kabinett Brüning hat tagelang über einer großen Finanzreform" geschwigt, und was ist herausgekommen: die alte beliebte Parole von der Steuer. sentung, mit der Bolkspartei, Demokraten, Hansabund und noch andere frisch und fröhlich in die Finanzkrise hinein geritten sind! Man weiß, daß heute schon wieder ein Defizit besteht, das nach Deckung verlangt aber das Kabinett redet von der Steuerfenkung! Jedem Interessentenhaufen das Seine, und wo die Interessen zusammenstießen, hat man sich auf ,, wesentliche Gesichtspuntte" geeinigt, die jeder im Wahlkampf für sich auslegen fann wie er will. Das ist alles? Ja, das ist alles! Dies Finanzprogramm" als Wahlparole für den Brüning- Blod ist genau so schön wie die Preisfenfungsparole, die auf dem Bapier stehen bleibt. Es ist genau so groß" wie die ganze Regierung! Aber immerhin es zeigt den Wählern, was es mit es zeigt den Wählern, was es mit dieser Regierung der Staatspolitik auf sich hat! Oeffentliche Wählerkundgebungen. Heute, Freitag, den 29. August: 5. Kreis Friedrichshain. Treffpunkt 18 Uhr Küstriner Plaz. 33. Abt. Friedrichshain. Im Anschluß an die Wahlfundgebung des Kreises öffentliche Wählerkundgebung in der Alten Taverne", Alt- Stralau 26. Redner: Bürgermeister Redner: Bürgermeister Paul Mielitz. 17. Kreis Lichtenberg. 19% Uhr in der Aula der Mittelschule, Marktstr. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Charlottenburg. 20 Uhr im Wohlfahrtssaal, Königin- Elisabeth= Straße 6. Redner: Frizz Naphtali. Friedrichsfelde. 19% Uhr bei Tempel, Prinzenallee 45. Redner: Dr. Julius Moses. Blankenburg. Um 17% Uhr treffen sich alle radfahrenden Ge noffinnen und Genossen zum Werbeumzug bei Klug, Dorfstr. 2. Lichtenrade. 20 Uhr im Lokal Bohm, Kantstr. 42( Westgelände). Redner: Otto Meier, M. d. L. Wannsee. 20 Uhr im Lokal Lindenhof Redner: Adolph Hoffmann, M. d. 2. Morgen, Sonnabend, 30. August: 7. Kreis Charlottenburg. Abmarsch zum Werbeumzug um 17% Uhr vom Goßlaer Blaz. Pankow, 128. und 130. Abt. 17% Uhr Radfahrerumzug ab Bantom, Marktplatz. Fahnen mitbringen! Bohnsdorf. 19% Uhr im Lofal Faltenhorst( früher Ziebarth), Heidestr. 1. Redner: Genoffe Könemann. Blankenburg. 19 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2. Redner: Eduard Zachert, M. d. 2. Außerdem Filmvorführung: Sturm über Afien. Männer und Frauen, erscheint in Massen! und gegen die Sozialdemokratie. Von Rudolf Breitscheid. Da im Bereich der Außenpolitik die engen Interessen fleiner und fleinster Gruppen und Berbände nicht dieselbe Rolle spielen wie in der inneren Politit, ist es richtig, daß sich auf diesem Gebiet leichter ein Zusammenarbeiten verschiedener einander sonst widerstrebender Parteien bewerks stelligen läßt. Aber doch ist die neuerdings wieder im Manifest der Staatspartei antlingende These falsch, daß die Außenpolitif ein jozusagen neutraler Boden sei, der die Voraus fegungen für die Bildung einer Einheitsfront biete. Schon der Streit, der sich innerhalb der Staatspartei selber zwischen den Pazifisten und ihren jungdeutschen Gegnern erhoben hat, straft eine solche Auffassung Lügen. Sicher liefert tein Parteiprogramm positive Antworten auf jede einzelne, das Verhältnis zu anderen Nationen betreffende Frage, indessen außenpolitischen Probleme in flarem Zusammenhang mit stehen die allgemeinen Grundsätze für die Behandlung der denen, die für die Gestaltung des eigenen Staatswesens maßgebend find. Sie haben dieselben Wurzeln, und die Ehrlichkeit und Festigkeit einer Ueberzeugung erweist sich erst, wenn fie in der inneren sowohl wie in der äußeren Politik die Probe bestanden hat. Wer ein Staatssystem auf dem Recht aufbauen will, fann nicht Anhänger des militärischen Machtgedankens sein. Wer das arbeitende Bolt von den Fesseln des Kapitalismus befreien will, fann sich nicht mit den Kapitalisten seines Landes zur Unterdrückung und Entrechtung einer anderen Ration zusammentun, und anderseits werden die Befürworter der Dittatur einer Person oder einer Klasse auch immer diejenigen sein, denen die Gewalt oder doch die Drohung mit ihr als die wirkjamste außenpolitische Waffe erscheint. Dabei mögen sich die Grenzen gelegentlich verwischen. Eine bestimmte Situation fann Menschen und Parteien, die von verschiedenen Voraussetzungen ausgehen, vorübergehend zu gemeinsamem Handeln und zur Lösung bestimmter Aufgaben zusammenführen, ohne daß die beiderseitige prinzipielle Einstellung dadurch berührt würde. Das war beispielsweise der Fall, als die Sozialdemokratie Stresemann unterstützte. Sie wußte, daß sein Ausgangspunkt und seine legten Ziele andere waren als die ihren, aber da Stresemann, wenn auch von fapitalistischen Erwägungen geleitet, den harten Tatsachen Rechnung tragend mit psychologischem Berständnis den friedlichen Ausgleich mit den Nachbarn anerstrebte, konnte die Sozialdemokratie an seiner Seite stehen und die Angriffe der Nationalisten abwehren helfen. Sie würde dieselbe Haltung jedem Staatsmann gegenüber einnehmen, der mit derselben Entschlossenheit und demselben Mut zur Unpopularität selbst in seiner eigenen Partei denselben Weg ginge. Sie würde sich dabei troß ihrer anders gearteten allgemeinen Auffassung vom Besen internationaler Beziehungen nichts vergeben. Allein die 3 weifel werden immer starter, ob wir unter dem Nachfolger Stresemanns, besonders nachdem er Mitglied des Kabinetts Brüning geworden ist, die bisherige Linie einzuhalten im stande sein wer den. Solange wir mit in der Regierung saßen, war die Gefahr einer Kursänderung nicht vorhanden, aber seit unserem Ausscheiden machen sich vorsichtig gesprochen- Anzeichen bemerkbar, die bedenklich stimmen müssen. Zunächst: Ist eigentlich Herr Curtius überhaupt noch Außenminister? Zuweilen fragt man sich, ob einem nicht an falls schweigt er, während Herr Treviranus, der sich überEnde die Nachricht von seiner Demission entgangen ist. Jeden Rabinett zum Sprechminister dieser Regierung auszubilden haupt mangels anderer Beschäftigung im scheint, über alles und nicht zuletzt über außenpolitische Gegenstände redet. Und schließlich kann das Schweigen nicht anders denn als Zustimmung ausgelegt werden. Nun mag man erklären, daß die Zustimmung selbstverständlich sei, da Treviranus der Auffassung weitester Kreise der Bevölkerung Ausdruck verliehen habe. Ganz recht, au ch uns beschwert die Grenzziehung im Osten, auch mir zweifeln an der Durchführbarkeit der Young- Gefeße, auch wir wünschen ganz allgemein eine attive Außenpolitik. Aber in der auswärtigen Politik fommt es nicht nur darauf an, daß man Forderungen aufstellt, sondern in ebenso hohem Brade, wann man sie aufstellt und wie man fie formuliert. Mit anderen Worten: die Methoden des Vorgehens sind von n: von größter Wichtigkeit, und wenn wir geneigt sind, dem redefreudigen Minister persönlich nicht die Bedeutung zuzuerkennen, die er sich offenbar selber beimißt, so muß es uns doch mit großer Sorge erfüllen, daß nicht zuletzt unter dem Einfluß des Zentrums unter der gegenwärtigen Regierung die ,, Aenderung der Methoden" zu einer Programmforderung geworden ist. Das heißt in der Praris, daß man unmittelbar nach der Räumung der Rheinlande in aller Deffentlichkeit das schwierige Problem des Polnischen Korridors anschneidet, daß die Revision der Young- Geseze wie ein dringendes Postulat des Augenblics behandelt wird, und daß man im übrigen Wo starb Amlinger? Ein iragischer(Selbstmord mit politischen Kolgen. » bfit Franzosen offen oder versteckt mit der Annäherung an das mussolinische Italien droht. Und das alles in einem 5on. der auf die psychologischen Wirkungen edenso wenig Rücksicht , nimmt wie auf die talsächlichen Machtverhältnisse. Gewiß zeugt der Widerhall, den olle diese Auslassungen bei unseren Nachbarn finden, von der Absicht böswilligen Mißoerstehens. Aber ist es in unserem Interesse gelogen, den nat'analistischen Elementen jenseits der Grenzen Wind in die Segel zu führen und die Widerstandskraft der Vernünftigen nicht allein durch die Methoden an sich, sondern auch dadurch zu schwächen, daß man ihre rednerische Vertretung einem. Manne überläßt, dessen Gegnerschaft gegen dos politische System Stresemannz aller Welt bekannt ist? Was kann denn auf diesem Wege für Deutschland erreicht werden? Die Neigung unserer Partner zum Entgegen- kommen und zur Revisiion bestehender Verträge wird wahr- hastig nicht verstärkt. Im Gegenteil, die Spannung vergrößert sich und mit ihr, von allem anderen abge- sehen, die schon durch die inneren Zustände genügend ge- nährte pessimistische Unsicherheit der deutschen Wirtschaft. Der Versuch einer Verständigung mit Italien wird nach aller Wahrscheinlichkeit Paris auf die Bahn eines Ausgleichs mit Rom treiben, und Deutschland wird mehr isoliert sein als zuvor. Was dann? Soll dann an die nicht vorhandenen Waffen appelliert werden oder will man den wahnwitzigen, in gewissen Kreisen der Reichswehr und an anderen jedes politischen Verständnisses baren Stellen gehegten Ideen Rech- nung tragen, die in der Verbindung mit der Roten Sowjet- armee das Heil suchen? Es ist klar: die sogenannten neuen Methoden führen im besten Fall ins Nichts, im schlimmeren zu verhängnisvollen Verwicklungen, und des- halb muß sich ihnen die Sozialdemokratie mit aller Kraft widersetzen. In dem bereits erwähnten staatsparteilichen Manifest wird für die Außenpolitik die Herstellung einer möglichst großen Einheitsfront aller der Kräfte verlangt,„welche die wahren Interessen des deutschen Volkes erkennen und ver- treten". Leider läßt der Aufruf mit Rücksicht auf die Er- Haltung der Harmonie in den eigenen Reihen eine eindeutige Antwort auf die Frage vermissen, welches denn die w a h r e n Interessen des deutschen Volkes sind. Sollte aber darunter das System verstanden werden, daß man bei der stummen Zurückhaltung des in erster Linie zu Erklärungen berufenen Ministers als das des Herrn Treviranus bezeichnen muß, I o wird die Sozialdemokratie in die geplante Einheitsfront nicht einrücken können. In diesem Fall wird man auch in der Außenpolitik zu einem Negieren ohne und gegen die Sozialdemokratie gelangen, und es wird sich sehr baid herausstellen, was die Anwendung der neuen Methoden für Deutschland und für die Welt bedeutet. Hitlers stolzeste Stunde. Als er das nationalkommunisiische Programm las... Dem Naziführer ist großes Heil widerfahren. Er ist über- glücklich, weil die K o m m u n i st e n sich endlich ein nationalsozialistisch es Programm zugelegt Koben. In seinem..Völkischen Beobachter" läßt Hitler den ikrteutonen Rofenbcrg erregt gegen die Kommunisten los- poltern, weil sie ihm sein Programm gestohlen hätten. Man muß die Sätze wörtlich genießen: Das„neue progronnm" der KPD. bedeutet unser» bisher gkößteu Sieg, denn zähneknirschend muß die bolschewistische Leitung unsere Losungen stehlen, denen sie jetzt ausdrücklich„pro- nrammatisch« Bedeutung" zuschreibt. Sie stiehlt aber— und dag gilt«z sich zu merken— nicht, um die Losungen zu erfüllen, sondern um die Betrogenen noch in als zu betrügen. Wir werden das in all« Versammlungen hinausrufcn: Der welt- anschauliche Zusammenbruch des Kommunismus ist von ihm selbst zugegeben. Er muß jetzt auf Diebstahl ausgehen, um noch leben zu können. Selten waren mir stolzer, als wir das au» der„Roten Jahne" feststellen konnten. Wir können den Stolz der Hitler-Rosenberg begreifen. Die kommunistischen Arbeiter, die mit den Nazikolonnen raufen müssep, wissen jetzt wenigstens, daß dieses Raufen nur mit Gleichgesinnten zum höheren Ruhme des Faschismus er- folgt. Arbeitsgericht gegen VBMZ. ,.. und gegen Siegerwald. Das Berliner Arbeitsgericht hnt gestern in einer grundsätzlichen Klage eines Ingenieurs gegen die Berg- mann AG. entschieden, daß die vom Verband Berliner Mctallindustrieller angeordnete Gehalts» kürzung der Angestellten bei gleichzeitiger Kurzarbeit ein Verstoß gegen den Tarifvertrag ist. Diese Entscheidung trifft nicht nur die Metallindustriellen, sondern auch den Reichsarbeitsminister Stegerwald» der sich für diese eingesetzt hat.(Bericht siehe vierte Seite.) Beamte als Raziagitatoren. preußische Regierungsstellen greifen durch. Zlordhauscn. 28. August. Der Regierungspräsident von Erfurt hat den Mittellchul-Kon- rettor Ä l a g g e s uird den MittelsckMehrer M e ye r in Bennecken- stein vorläufig ihres Amtes enthoben. Gegen beide ist das Disziplinarverfahren mit dem Ziel der endgültigen Amts. enthebung eingeleitet worden, da sie trotz vorheriger Verwarnung entgegen der bekannten preußischen Ministcrioloerordmmg in letzter Zeit in nationalsozialistischen Versammlungen öffeniliche Wahlreden gehakten haben. Aach Lübeck verbietet Raziunisorm. Lübeck. 28. August. Wie in Hamburg sind jetzt auch in Lübeck unter Hinweis auf die letzthin von Nationalsozialisten unternommenen Versawmlungs- störungen Umzüge und Demonstrationen der Ratio- n a l l o z i a l i st« n in einheitlicher Kleidung und mit einheitlichen Abzeichen verboten worden. Die Polizei ließ zugleich eine Warnung an die Kommunisten ergehe», daß dos gleich« Ilmzugsverbot auch ihr gegemkber ausgesprochen werden würde, wenn sich Ruhestörungen durch Kommunisten ereignen jolkten, Eine Frau Amlinger hat Selbstmord begangen, indem sie sich aus einem Flugzeug stürzt«. Sie wollte ihren Gatten nicht über- leben, und so wurde der Tod dieses Mannes plötzlich ein Fall, der allgemein interessierte. Wer war Amlinger, wo und woran starb er? Wir lassen einige Zeitungsstimmen folgen. „B. Z. a. Mittag": Die Tote ist die 22iahrige Witwe des bekannten deutschen Herrenreiters und Iagdsliegers, Oberleutnant Amlinger. der vor einige» Tage» in Ruh- lond, ebenfalls bei einem Ilugzengabflurz. tödlich verunglückt ist. „Tempo": Die Selbstmörderin, Frau Amlinger, die sich bei Hanau durch Sprung aus einen» Flugzeug das Leben nahm, ist die 22 Jahre alte Frau eines Rillmeisters Amlinger, der vor wenigen Togen in Verlin bei einem Pferderennen tödlich verunglückte. Sie befand sich auf dein Wege zur Beerdigung nach Berlin. „Nachtausgabe":„Der Rittmeister nahm am vergangenen Sonnabend an einem Pferderennen teil, stürzte und brach sich das Genick." TU- M c l d» n g aus Hannover:„Fast genau ein Jahr nach der Hochzeit siel er einem Flugzeugunglück zum Opfer." „Berliner Tageblatt": Frau Amlinger war mit dem Ritt m ei st er der Reichswehr Amlinger verheiratet. Rittmeister Amlinger war im Kriege Fliigzeugbeobcichtcr, und es scheint, daß er var kürzerer Zeit zur Luftwaffe zurück- kehren wollte. Cr befand sich in Rußland, vor wenigen Tagen erhielt seine Familie die Nachrichl, daß er dort mit dem Flugzeug abgestürzt und tödlich verunglückt ist. Rittmeister Amlinger war Herrenreiter. Das gibt einem rechtsstehenden Lokalblatt Anlaß, zu schreiben, er habe„an einein auswärtigen Pferderennen" teil- genommen und habe sich dabei das Genick gebrochen. Offenbar wußte man dort Bescheid und wollte den wahren Zusammenhang verwischen. Das völkische Blatt hätte seine Absicht geschickter durchführen können." Rittmeister Amlinger, der zurzeit nicht als aktiver Reichswehr- Offizier geführt wird, ist in Rußland mit einem Flugzeug abgestürzt. Der Versuch, diese Tatsache zu verbergen, war ungeschickt und aus- sichtslos. Zweifellos ist man an zuständigen Stellen des Auslandes über diesen Unfall und alle die Umstände, mit denen er zusammenhängt, auf das genaueste informiert. Dies« Unistände mit aller Offenheit klarzulegen, wäre wahrscheinlich das allerbeste. Ver- tuschungsversuche aber fördern m>r die Uebertreibung und das alar- miercnd« Gerücht. So unsinnig die Behauptung ist, daß Deutschland mit Rußland gegen irgendwen einen Krieg vorbereitet, so bekannt sind gewisse Intimitäten, die früher-einmal zwischen der Reichswehr und derRoten Armee bestanden haben. Di« Sozialdemokratie hatte diese Intimitäten nicht dulden wollen und war dabei aus eine Llbwehrfroni gestoßen, die von der Reichswehr ßis zu« KPD. reichte. Damals wurde Abbau in kürzester Frist zu« gesagt. Daß man aber auch heute noch auf gute Freundschaft hält. zeigt folgende Meldung der„Ostpreußischen Sonntogspost" aus Arys:„Auch in diesem Jahre weilten hier mehrere russisch« Offizier« als Gäste der Reichswehr. Di« Offiziere tragen Uniform und werden stets von deutschen Reichswehroffizieren be- gleitet." Wenn nrffrfche Offiziere die Reichswehr besuchen, so ist es mir selbstverständlich, daß auch Reichswehroffiziere der Roten Armee ihre Aufwartung nwchen. Hätte es sich im Fall Amlinger um einen solchen Besuch gehandelt, warum hat man dann die Zusammen. hänge vertuschen wollen? Unwillkürlich erinnert man sich der Diskussion, die sich in der deutschen Preß« über den bevorstehenden Rücktritt des Generals Heye entwickelt hat. In dieser Diskussion wurde behauptet, General Hey« werde be- seitigt, weil er den Wünschen anderer Reichswehrgeneräle nach rntimen Beziehungen zu Rußland im Wege stünde. In Zusammenhang damit nannte man neben dem General von Schleicher auch den General von Hammer st ein, den Leiter des Trnppenamts, der zum Nachfolger Heyes auszusehen ist. Gegen diesen General von Hammerstein äußert die„Germania", wenn auch in recht vorsichtiger Form, deutliche Besorgnisse. Schließlich sei noch die russisch-osfiziöse Stimme eines Berliner kommunistischen Abendblatts zitiert: Und schließlich— wenn es auch einige Generäle und völkische Politiker geben mag— wir betonen, daß sie nicht die entscheidende Rolle im Rechtsblock spielen— die aus machtpolitischen Gründen«in gutes Verhältnis mit de r Sowjetunion bis auf weiteres empfehlen(ähnlich, »oie es auch der l l u g e Stresemann gehalten hat), so sind sie doch keiner Sympathien für ein proletarisches Regime verdächtig. Ihre Machtpolitik gucken sie einfach Mussolini o b. Auch dieser pflegt gute Beziehungen zur Sowjetunion, aber gleichzeitig führt er einen grausamen Vernichtungskrieg gegen das Proletariat im eigenen Land. So und nicht anders verstehen Hammer st einundKonsorten ihre„Sympathien" für die Sowjetunion. Was da gesagt wird, ist fo ziemlich richtig. Es ergibt sich ab«: daraus auch ohne weiteres, daß«sfürdieSozialdemokratie gegenüber dieser schlecht kopierten Mussolini-Politik kein anderes Verhältnis geben kann, als das der a l l e r j ch ä r f st e n Gegner- s ch a f t. Di« Sozialdemokratie wird nicht dulden, daß zu Rußland oder zu irgendeinem anderen Staate der Welt Beziehungen bestehen, die das Licht der Oeffentlichkeit zn scheuen haben. Finnlandvertrag wird gekündigt. Schieles Wahlspeck sticht.— Trumps gegen Hugenberg. Mie die Telcgraphcn-Uniou von zuverlässiger Seite erfährt, sind die in Sclsingfors geführten Verhandlungen des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Ministerial» direktor Ritter, über die Neuregelung der Sandelsver- tragsbeziehungen mit Finnland im wesentlichen abge- schlössen. Es wurde vereinbart, daß der laufende Handelsvertrag gekündigt wird und am 1. Januar, dem Zeitpunkt des Ablaufs des Vertrages, ein«euer Vertrag in Kraft tritt, der die Vcrtragszöltt für Butter und andere Molkereiprodukte auf wesentlich höherer Zollgrundlage als der gegenwärtigen festsetzt. * Wenn diese Meldung stimmt, was man annehmen kann, da am 1. September Kündigungstermin war, dann hat Herr Ritter für Herrn Schiele in Helsingfors erreicht, was er sollte. Für Herrn Schiele kommt die Kündigung des Handels- Vertrages mit dem Versprechen einer wesentlichen Zoll- erhöhung für den abzuschließenden neuen Vertrag sehr zur rechten Zeit: Herr Schiele kann nunmehr bei den Agrariern Herrn Hugenberg am 14. September ausstechen, denn sein Wahlspeck wird viel zugkräftiger fein als olle Reden Hugsn- bergs gegen den Marxismus und für Deutschlands Befreiung. Etwas anderes ist es um d e n P re i s, den die deutsche Volkswirtschaft und das hungernde Volk für diese Vertrags» kündigung und für die angestrebte neue Zollerhöhung zu zahlen haben werden. Wenn die Finnen in dem abzuschließen» den neuen Bertrag auf höhere Zölle eingehen, so lassen sie sich dieses Zugeständnis sehr teuer bezahlen. Eine Regierung wie diese und ein Ernährungsminister wie Schiele. der seinen Landbund um jeden Preis gegenüber Hugenberg zum Siege führen möchte, sind Gelegenheiten zur Auswuchs- rung, wie sie nie wiederkehren. Wenn man den Finnen die Zollerhöhungen mit gesicherten Einfuhrkontingenten nach Deutschland abkauft, dann wird der Boykott unserer Industrieabnehmer, die auch Butter und Käse nach Deutschland importieren wollen, von neuem aufleben. Aber auch eine Zollerhähung, die mit anderen Zugeständnissen be- zahlt wird, wird Empörung in diesen Ländern ausläsen und die deutsche Gesamtwirkschast von neuein schwer gefährden. In der tiefften Krise werden die wichtigsten Interessen Deutschlands, weil Speckzölle der beste Wahlspcck sind, für reaktionäre Interessenhaufen verhökert. Revolution in Argentinien? Zrigoyens Giettung bedroht.- Militärische Abwehrmaßnahmen. Buenos Aires, SS. August.(Eigenbericht.) Die argentinischen Behörbcn sind durch de« lltttstur, in Peru außerordentlich beunruhigt und treffen umfangreiche Borsichts» maßnahmen, damit die Umsturzbewegnug nicht auch auf Argentinien übergreift und der Herrschaft des Prä- sidente» Jrigohcn nickst ein ebenso schmähliches Ende bereiten wird, wie der seines Kollegen von Peru. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag vcrhandelta Jrigoyen stundenlang mit de» maßgebenden Militärs und den Parteiführern. Am Donnerstag wurde der Prä- stdentenpalast mit Maschinengewehren und zuverlässigen Truppen besetzt. Außerdem setzt« die Regierung mehrer« Truppenverbände in Alarmbereitschaft. Zahlreiche Re- gimenter wurden mit unbekantcm Ziel verladen. * Das führende argentinische Blatt in Buenoz Aierez a Prefsa" bestätigt diese Meldung und spricht von einer wachsen- den Spannung in der Arbelterbevölkerung. Wie steht die Armee? Kcw Hark. 28. August. Die Meldungen, die die Associated Preß aus Buenos Aires erhalten, geben einstweilen kein klares Bild von der Lage. Gewiß ist indessen, daß die Loge sowohl in der Stadt Buenos Aires als auch in der gleichnamigen Provinz ernster ist, at» die ersten Nachrichten erkennen ließen. In der Hauptstadt schwirren beunruhigende Gerüchte umher. Die Wachen im Re- gierungspalast sind in der Nacht erheblich verstärkt worden. Die Wohnung des Präsidenten Jrigoyen wird von berittenen Truppen bewacht, die dauernd auf» und abpalrouillieren, ohne daß ein Grund hierfür bekanntgegeben worden sei. Nach ,£a Nation" hat Jrigoyen die ganze Nacht mit dem Bürgermeister von Buenos Aires, mit zwei Kobinettsmlnistern und den Militärkommandanten der Hauptstadt konferiert, während gleichzeitig die Regierung der Provinz Buenos Aires mit den Kam- mondeuren der Regimenter der Garnison La Plata Beratungen abhielten.— Die Zeitung.La Critica" will wissen, daß der Justiz- minister Juan de la Campa dem Präsidenten Jrigoyen mitgeteilt Hobe, es bestehe die unmittelbare Gefahr einer Revolusion gewisser politischer Führer und eines Teiles der Armee. Oer Schweizer Bundesrat hat der italienischen Regierung zwei in der letzten Zeit vorgekommene Grenzverletzungen durch italienisch« Grenzorgane zur Kenntnis gebracht und Abhilfe ver- langt. Es handelt sich um Vorkommnisse am Theodul- Paß. In beiden Fällen wurde die Schweizer Grenze von italieni- schen Gren.zorganen verletzt, und zwar beim Anhalten eines Schweizer Touristen und bei?lbfangen eines heimlichen italienischen Auswanderers. Gesängnisrnrieii gegen einen kommunistischen Schusiieiter. Der Redakleur Otto H o s m o n n vom kommunistischen.Länipser" in Chemnitz ist wegen Vergehens gegen das Republitschutzgejeg zu drei Monaten Gefängnis verurteilt würbe». Frauenfreuden im Gowjetparadies. Täglich 4 Stunden Schlangenstehen. 2ondon, 28. August.( Eigenbericht.) Der Moskauer Berichterstatter des Daily Herald" brahtet seinem Blatt: Infolge der Nationalisierung der Lebensmittel und der Art ihrer Verteilung herrsche in Rußland eine erbitterte Stimmung, die auch in der Presse ihren Niederschlag gefunden habe. Stunden Iang müßten die Menschen vor den Räben Schlange stehen, um auch nur die geringfügigsten Artikel ers halten zu können. Dazu fomme die Spekulation mit den in den Konsumbereinen gekauften Waren. Durchschnitts lich bringe die Hausfrau täglich vier Stunden damit 31, Schlange zu stehen. Hunderte von Personen scien fürzlich verhaftet worden, weil sie das Anstehen zum Geschäft gemacht und die Waren abermals mit hohem Gewinn weiterverkauft hätten. Nunmehr sollen die Konsumbereine nach westeuropäischem Muster umorgani siert werden. Ungarische Reaktion. Gewerkschaftsaufmarsch verboten, die Nepzava" fonfisziert. Budapest, 28. August. Der für den 1. September geplante Aufmarsch der unga. rischen sozialdemokratischen Gemertschaften ist am Mittwoch von der Polizei mit der Begründung verboten worden, daß das Hauptblatt der sozialdemokratischen Partei ,, Nepzava" bereits Lage vorher scharf gehaltene Leitartikel geschrieben hat, die fast die Grenze einer Aufforderung zum Aufruhr er. reichten. Im Donnerstag- Morgenblatt der„ Nepzava" erschien ein Leitartikel mit der Ueberschrift Den Arbeitern ist es per boten", in dem die Angelegenheit des verbotenen Aufmarsches be= handelt wird. Die Staatsanwaltschaft hat diese Nummer der„ Nepzava" beschlagnahmt. Eine Rede Horthys. Budapest, 28. August. Der Reichsverweser Horthy besichtigte heute die Kohlenmerte und sonstigen Betriebe in Tata- lanŋa, wobei er in einer Ansprache an die Arbeiter auch auf die für den 1. September geplante Rundgebung der sozialdemokratischen Partei zu sprechen fam. Nachdem er der mustergültigen Wohlfahrtsanlagen in Lata- Banya gedacht hatte, betonte er, daß der ungestörte Gang der Produktion gleicherweise im Interesse der Arbeitgeber und der Arbeiterschaft liege. Die Borbedingungen hierzu fei die Ordnung, die unter allen Umständen gesichert werden müsse. Die Regierung sei bestrebt, in erster Linie das Schicksal der mit den 00.0 82.0 al.J- 603 Land, vold". Syſtem.W 100 Der Bombenleger old erhielt 800 M, monatlich sowie ein Auto. 100 Hier noch ein paar Hunderter für Gie. Und sagen Sie überall, daß das heutige System durch seine Steuern uns Landwirten den legten Pfennig raubt!" Hamfens Bombenlager. Wie der Sprengstoffdiebstahl durchgeführt wurde. Altona, 28. Auguft. In der weiteren Berhandlung des Bombenleger- Prozesses wurde zur Verlesung der Protokolle bezüglich des Angeklagten Bossen übergegangen, der am Schluß seiner Bernehmung sagte:„ Ich habe frei und offen alles zugegeben. Un ben Attentaten war ich nicht beteiligt. Ich habe nur für Unterbringung des Sprengit offs in der Nähe meines Hofes, bei meinem Nachbarn Holländer gesorgt, um Bold gefällig zu fein und weil 26 Der Kunstmaler Herbert Schmidt hat bereits vor dem Unterfuchungsrichter Ausjage und Protokollunterschrift verweigert Es folgt dann eine weitere, Nickels betreffende Protokollver lejung, in der sich der Saß findet: Rehling war nicht an der Sache beteiligt." Die Aussage Wiborgs, in Mülheim set Rehling herbei. geholt morden, bezeichnet Nickels bei dieser Bernehmung als unmahr. Das Lager im Wygandschen Steinbruch ist mit Stahlfäge und Stemmelsen schwersten Lebensbedingungen fämpfenden Klassen zu erleichtern. Die wirtschaftliche Lage sei gegenwärtig auf der ganzen Welt schwierig, daran laffe fich jedoch auch durch Straßenfundgebungen nichts ändern. Die Bolitit auf die Straße zu tragen, heiße nichts anderes, als statt ernster Erwägungen die blinden Leiden schaften walten zu lassen und einem solchen Bersuch gegenüber mich eine starte Mißstimmung gegen den Landrat Stalweit in geöffnet worden. Die Sprengstoffe find mit dem Auto befördert werde die Regierung wissen, was ihre Pflicht sei. * Die Politit der Horthy- Regierung besteht seit elf Jahren aus. schließlich in der Wahrung der Intereffen jener fleinen herrschenden Schicht von adligen Großgrundbefigern. Um die Arbeiter flaffe, die man politisch drangsalisiert und entrechtet, hat man sich bisher nicht gefümmert. Es besteht nicht einmal eine staat liche Arbeitslosenperficherung. Wenn nun die Ar. beiter demonstrieren mollen, um die Aufmerksamkeit der Regierung und des Bürgertums auf ihre Sage zu lenten, antwortet man ihnen In Ländern mit Demokratie fann die Arbeiterklasse ihre Forderungen im Parlament und durch die Preffe erheben. Aber in Ungarn mo das gleiche Wahlrecht von der herrschenden Rafte hartnädig nermeigert und die Arbeiterpresse verfolgt wird, sind Straßenfundgebungen ein um so notwendigeres Kampfmittel. mit Berboten und Zeitungsbeschlagnahmen. Niebüll erfüllte. Daß dem aber eine Bombe hingelegt werden sollte, habe ich nicht gebilligt, mich auch nicht daran beteiligt. Der Angeklagte Boid macht hierzu einige Angaben, die sich jedoch auf seine antisemitischen Propagandareben in Holstein beschränken. Der Angeflagte Beter holländer hat gleichfalls im mefent. liggen feine Mitmisierschaft und die Beihilfe durch Berwahrung des Sprengmaterials zugegeben, will aber anfangs geglaubt haben, es handele sich um Kunstdünger und um Abwehrung des Bollches mismus. Ais after Soldat hat er später freilich den vermeintlichen Kunstdünger als Sprengmunition erkannt. Rady Bekanntwerden der Attentate ist er froh gewesen, als der Kram ondlich aus dem Hause war". Heim will er nicht fennen, Bold, Nidels und Johnfen, die ihm die Knalltisten brachten, hat er nur unterſtügt; meil er glaubte, es sei eine nationale Tat. Die Angeklagte Frau Holländer hat besonders Bemerfenswertes nicht befunden können und nur zum Teil die Aussagen ihres Mannes bestätigt. Danach haben beide vorher gewußt, daß und zum Umpaden an Bold und Johnsen geleitet worden. Um Spuren zu vermeiden, hat Ridels beim Einbruch Handschuhe ge tragen und die Bulverfammer mit einem eigens mitgeführten Besen ausgefegt. Den Angeklagten amiens betreffen die nächsten vier zur Berlesung tommenden Protokolle. Hamtens hat Bomben permahrt und befördert. Heim hat nach feiner Aussage alles einge fabelt umb angenommen. Die Höllenmaschinen seien mit aller Bor ficht befördert worden. Das Auto habe Hamfens geführt, ohne einen Führerschein zu besitzen. Der fleine Stoemerwagen, der bei Hamlens beschlagnahmt wurde, ist für einen Opelmagen angeschafft worden, da man diesen bereits beobachtet hatte. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vormittag periagt. Frau Bombenieger. Himmelblaue Gentimentalität im Sprengförperchen. Was den Ministermördern recht ist, das ist den Bombenlegern Volksbegehren für Arbeitslosenfürsorge Bold Sprengstoffe bringen und wieber abholen würbe, billig. Wenn der Kathenaumörder Ernst von Salomon seine Er Beschluß der österreichischen Sozialdemokratie. mien, 28. Auguft.( Eigenbericht.) Ein Vertretertag der österreichischen Sozial. demokratie beschloß am Donnerstag, den Entwurf eines Gefetzes, durch das der Beitrag des Staates zu dem Aufwand der Arbeitslosenfürsorge in dem notwendigen Maß erhöht und die dadurch erfolgende Entlastung der Wirtschaft zur Intraftsehung der Witmen- und Invalidenverficherung ausgenutzt werden soll, zum Gegenstand eines Boltsbegehrens zu machen. Mit der Durchführung der Aktion, die in fürzester Frift beginnen soll, wurde eine Kommiffion beauftragt. Der Weglarer Grandal. Rostspielige Launen des Herrn Oberbürgermeister. Wehlar, 28. Auguft.( Eigenbericht.) Der von seinem Amt suspendierte Beglarer Bürgermeister Dr. Kühn, der seit 1914 im Amt ist, ist ein Better des Ber. liner Oberbürgermeisters Böß und gehört der Deut fchen Staatspartei an. Er hat sich zweifellos um die Stadt Weglar große Berdienste erworben, hat sie aber auch in eine unge heure Schulbenlast gestürzt, da er mit großer Eigen mächtigkeit Bauausführungen vornahm. Er baute das Straßenne großzügig aus, übernahm die Umwandlung der früheren Unteroffizierschule in einen Schultomplex, richtete ein Walbkrematorium ein und ließ einen sehr foftfpteligen städtischen Schlachthof bauen. Die Steuerlast stieg außerordentlich an, so daß Kühn namentlich in der Arbeiterschaft auf starten Widerstand stieß. Schon im Jahre 1919 bat bie Sozialdemokratie in Meglar wegen der Eigenmächtigkeit des Bürgermeisters ein Diszi plinarverfahren gegen ihn in Gang gebracht, das feinerzeit jedoch infolge Amnestierung nicht zum Austrag fam. Persönlich hatte Rühn mancherlei fostspielige Baumen. So hat er durch den städtischen Baumeister Hepp den Bau eines Jagd. hauses vornehmen lassen. Wie es heißt, sollen gewisse Ausgaben hierfür auf städtische Rechnung übernommen worden sein. Auch in anderen Fällen sollen Buchungen auf falsche Konten erfolgt fein. Die Erregung in der Bürgerschaft ist außerordentlich groß. Die wildesten Gerüchte gehen in der Stadt um. Man spricht von Schädigungen der Stadt, die in die Hunderttausende gehen sollen. Die Behörde hüllt fich vorläufig noch in ftrenges Schmelgen. was auch geschehen ist. Nach jedem Attentat haben sie sich schwere Sorgen gemacht. Die Aussagen von Weschke. Dann beginnt die Berlesung früherer Ausfager des Angetlagten Beschte, der als Syndifus bei der Landvoltbeme. gung für den Kreis Steinburg mit einem Monatsgehalt von 500 mt. tätig war. Weschte bezeichnete die Bomben als Feuerwerkskörper, die nach seiner Ansicht unmöglich irgendwie Schaden hätten anrichten fönnen. Die Sachen in Beidenfleth habe lediglich ein fräftiges Mißtrauensvotum für den Gemeindevorsteher sein sollen. Als Bombenleger murde von ihm Matthes bezeichnet. Den Magen, der bei der Tat benutzt wurde, habe er, Beschte, selbst gesteuert. Bon den Attentaten in Fleberwurth und Hellingstedt mill er nur aus den Zeitungen erfahren haben. Den Sprengförper, den er als harmlosen Kanonenschlag betrachtete, habe er trotzdem eigens an der Fahnenstange anbringen laffen, um auf jeden Fall Schaden zu verhüten. Weschte will nur mitgemacht haben, um vor seinen Genoffen nicht als Feigling zu erscheinen. Alle anders lautenden Aussagen von Hamtens bezeichnete er als unrichtig und setzte hinzu, er bereue, sich damals in der Aufregung so weit hinreißen lassen zu haben. Es kommen dann die Aussagen des Angeklagten Nidels an die Reihe, der zugegeben hat, non heim Riften mit Höllenmaschinen erhalten zu haben. Er habe mit Bünjer zusammen die ,, Herren aus dem Ruhrgebiet" in Hamburg empfangen, doch hat Bünjer, den Nidels als einen gutmütigen Spießer bezeichnet, von dem Bor haben nichts ahnen tönnen. Ridels ist von Anfang an beteiligt und über alles unterrichtet gewesen. Er sagt, Klaus Seim habe sämtliche Anschläge sorgfältig organisiert und jedem Teil nehmer ben für ihn bestimmten Auftrag erteilt, somie die Ausfüh rung von Fall zu Fall angeordnet. Die bei der zweiten Serie von Anschlägen verwandten Höllenmaschinen hat Nickels im Gewahrsam gehabt. Er hat Bünjer eine Handtasche mit einer Bombe zum Aufheben gegeben, meil er fich bereits von der Bolizei beobachtet fühlte. Pünjer hat den Inhalt der Handtasche nicht getannt. Midels hat seine Aussagen teilweise miderrufen und abgeändert. Bei einer Gegenüberstellung mit Heim und Hamtens beschränkte er sich auf die Erklärung, Heim habe ihm zwar die Höllen maschinen in die Wohnung gebracht, ihm aber nichts über den 3nhalt gesagt, so daß er sich nur das Richtige denten könnte". Dem Mitangeklagten Rehling will er einmal eine Höllenmaschine gezeigt haben, weil diefer wiffen wollte, wie eine folde nalltifte ausfehe. innerungen in einem Boulevardblatt ablagert, warum soll Frau Erna Bold, die Gattin des Agitators der notleidenden Landwirte mit Ministerialratsgehalt und Auto, nicht hingehen und desgleichen tun? Und Frau Erna Bold legi los: 11. Juli 1929. Beginn der Hochzeitsreise in den blquen Himmel Italiens. Nun sehen wir alles leibhaftig vor uns: das blonde Gretchen mit ihrem deutschen Gemüt und ihrem falschen Deutsch, mit ihrem sentimentalen Schmachtherzen und ihrer sadistischen Freude an Männergrausamkeit. Hochzeitsreise... in den blauen Himmel.. Berzweiflung der armen Landwirte... mit frachendem Putschheil! .. Eine Zierde der KPD. Billi Leow, fommunistischer Reichstagskandidat. Wir lesen im Gegen den Strom", dem Organ der Rechts tommunisten: " Mehr als drei Millionen haben bei der letzten Reichstagswahl für die KPD. ihre Stimme abgegeben. Für diese drei Millionen ist die Frage, ob unter den Kandidaten der KPD. ein Gauner, ein be. flechlicher Cump ist, von großer Bedeutung. Da offenbar das 3K. der KPD. Gründe hat, um sich schüßend Dor Herrn Milli Leow zu stellen, mehren sich innerhalb der Parteimitgliedschaft die Stimmen, die fordern, daß Leom flagt. Bie uns berichtet wird, ist in der Parteiarbeiterfonferenz des Unterbezirts Süd vom 6. Auguft ein Antrag gestellt worden, der auf die von Hans Büz, bem ehemaligen Generalsekretär des RFB., in der Leipziger Boltszeitung" gegen Leow erhobenen Beschuldigungen Bezug nimmt und verlangt, daß bas 3. den Genossen Leow zu einer fofortigen gerichtlichen Klage gegen diefe Ber leunder zwingt". Dann heißt es weiter in dem Antrag: ,, Es geht nicht an, daß die Nachlässigkeit vom Genoffen Leow, die gegenüber diesen dreisten Beschuldigungen als Feigheit angesehen werden muß und die das Bertrauen zur Partei untergräbt, noch weiter geduldet wird." Der Antrag wurde vom Referenten Hans Blum abgewürgt. Ein Freund von ihm hielt es für notwendig, festzustellen, ob der Antragsteller überhaupt Mitglied der KPD. ist, denn seiner Meinung nach lönne nur ein Konterrevolutionär verlangen, daß sich Leom von den gegen ihn gerichteten Anschuldigungen reinwasche. Wie man fieht, find augenblicklich im Apparat der APD. für Gonner gute Zeiten." WERTHEIM Leipziger Str.( Versand- Abt.) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Freitag u. Sonnabend, soweit Dorrat billige Lebensmittel Tomaten 3 Pfund 18 Pt. Pfirsiche Pfund 28 pt. Weintrauben Pfund 28 Pt. 0.38 Birnen Williams Pfund 30 Pt. Zitronen Dutzend 38 Pt. Pflaumen blaue 5 Pfund 68 Pl. Bananen 3 Pfund 95 Pt. Preiselbeeren 5 Pfund 95 Pf. Fische, Obst u. Gemüse werden nicht zugesandt Theater, Lichtspiele usw. Freitag, 29 8. Staats- Oper Unter d. Linden Jahres-Ab.-V.No. 180 20 Uhr Freitag, 29 8. Städt. Oper Bismarckstr. 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Lessing- Theater Die Komödie Weldendamm 2797.0846 Täglich 8% Uhr Letzte Vorstellungen Wiederaufnahme beantragt Sonntag 71 Uhr Uraufführung Des Kaisers Kulis von Th. Piivier. 11 Bismck.2414/ 7516 81 Uhr Wie werde ich reich und glücklich? Mutik va Mischa Spoliasty von Felix Joachimson. Regie: Erich Engel Bühnenbilder Ludwig Kainer Kottbusser Str. 6 Täglich 8 Uhr auch Sonnt. nachm 3/2 EliteSänger adm. ermalige Praise! Zille- Festspie e ermäßigte Volles Abendprogramm. 1.50 Rauhreif- Mehl Beutel 1.70 Sultaninen Pfd. 0.72, 0.52 0.34 Korinthen ..Pfund 0.62 0.50 Zitronat...... Pfund 1.40 Mandein Pfund 2.40, 2.10 1.60 Kartoffelmehl. Pfund 0.20 ..... Pfund 0.19 Bruchreis Tafelreis glasiert. Pfund 0.23 Haferflocken..Pfund 0.25 Hartgrief Makkaroni .... Pfund 0.32 Harigriek Bruch, Pfund Wein 0.46 Preise für 1 Flasche, ohne Glas 1929 Oberhaardter Tischwein 0.75 1929 Bergzaberner Letten 0.80 1929 Nitteler Leiterchen 1.10 1929 Liebfraumilch Goldkaps. 1.20 1927 Oppenheim. 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Brüggemann versuchte noch auf seinem Rade zu flüchten Als er die Haltrufe des Polizisten unbeachtet ließ, feuerte der Beamte dem Flüchtigen zwei Schüsse nach. Eine Kugel traf Brüggemann in die Schuller. Nach wenigen hundert Metern sank er infolge des Blutverlustes vom Fahrrad und ließ sich widerstandslos festnehmen. Brüggemann trug einen Ruck- sack umgeschnallt, in dem sich mehrere Gegenstande befanden. Di« Kugel wurde dadurch so stark herabgemindert, daß Brüggemann nur eine ungefährliche Fleischwunde erlitt. Der Täter wurde darauf nach dem Tatort zur Konfrontation mit den beiden Leichen über- geführt. Hier kam es zu hellem Aufruhr, als Brüggemann von mehreren Kriminalbeamten eskortiert, auf dem Laubengrundstück er- schien, auf dem mit Tüchern zugedeckt, seine beiden Opfer lagen. In weinerlichem Tone rief Brüggemann immer wieder aus: „Ich wollte sie ja nicht töten, ich wollte sie ja nicht töten." Mehr war von dem Manne, dem wahrscheinlich erst jetzt das Furchtbare seiner Tat zum Bewußtsein kam, zunächst nicht heraus- zubringen. Kriminalrat Degner brach die Vernehmung ab und Brüggemann wurde zu einem Arzt gebracht, wo ihm ein Rot- verband angelegt wurde. Nachdem der Arzt den Verletzten für haftfähig erklärt hatte, wurde das Verhör auf dem Potsdamer Polizeipräsidium fortgesetzt. Die Erzählung des Mörders. Brüggemann behauptet, daß er sich vom Augenblick, nachdem der erste Schuß gefallen war, an nichts mehr erinnern könne. Er geht sogar so weit, zu behaupten, daß er in Notwehr gehandell uersciintöhien? üden Frauen in nowawes. habe. Er sei nach dein Nachtdienst auf dem Fahrrad nach Nowawes gefahren, um feine Schwägerin. Frau Müller, die über ihn zu einer Frau Sch. Schlechtes gesagt haben solle, zur Rede zu stellen. Er vermutete seine Schwägerin auf ihrem Laubengrundstück und tatsächlich traf er sie dort an. Außerdem war noch die eine Bekannte von Frau Müller, die ebenfalls getötete 61jährige Frau Warzecha anwesend. Er wollte seine Schwägerin nur fragen, ob sie wisse, wo sich seine Frau aufhalte, die ihn vor etwa 14 Tagen verlassen habe. Da sei ihm plötzlich eingefallen, daß seine Schwägerin über ihn schlecht geredet Hobe. Er sei in Wut geraten und nach einem kurzen Wortwechsel seien die beiden Frauen auf ihn ein- gedrungen. Bei dem Handgeinenge will er Kratzwunden erlitten haben. In der Notwehr habe er dann mehrere Schüsse abgefeuert. Die Darstellung Hütt die Polizei für unglaubwürdig und auch die Zeugenaussagen geben ein wesentlich anderes Bild. Brüggemann soll sofort geschossen haben, noch bevor die Frauen sich von ihrem Erstaunen über sein plötzliches Auftauchen erholt hatten. Auch die sofortig« Flucht und die weiteren Vorbereitungen lassen nur die Möglichkeit einer vorbereiteten Tat zu. Allem Anschein nach dürfte es sich um die Rache eines Verschmähten handeln. Wiederholt soll Brüggemann sich um die Liebe seiner Schwägerin bemüht haben: ob er damit Erfolg gehabt hat, weiß niemand. Brüggemann wenigstens behauptet es und das fei auch der Grund gewesen, warum ihn seine Frau ver- lassen habe.„Ich habe sie sehr geliebt," sagte der Täter einmal inmitten seiner Vernehmung,„aber sie hat ein doppeltes Spiel mit mir getrieben und mich mal gut und mal schlecht behandelt." Gerade in der letzten Zeit habe sie sich ihm gegenüber sehr ablehnend ver- halten und das habe ihn unglücklich gemacht. Vielleicht hat Brügge- mann teils aus Rache, teils aus Eifersucht gehandelt. Daß er dabei auch eine Unschuldige und völlig Unbeteiligte getötet hat, will ihm nicht in den Kopf gehen. 3a seinem Besitz wurden drei geladene Pistolen und über 100 Schoß Munition gefunden. Niemand weiß, was er damit wollte. Er behauptet, die Absicht gehabt zu haben, seinem Leben ein Ende zu machen. Mit dem Fahrrade sei er losgesahren, um eine Schonung bei Drewitz zu erreichen, wo er einst mit seiner Schwägerin glückliche Stunden verlebte. Dort wollte er seinen Rucksack mit den Sachen eingraben und sich dann erschießen. Auch diese Angaben erscheinen zweifelhaft. Die Vernehmung wird heute weiter fortgesetzt. Gronau über seine Fahrt. Er schildert seine Eindrücke im„Daily Herald". London. 28. August.(Eigenbericht.) "Der deutsche Ozeanflicger Gronau gibt im„Daily Herald" als einzigem englischen Blatte seine Eindrücke von der Fahrt wieder. Der Flieger ist der Ansicht, daß die Wetterlage nie genau vorausgesagt werden kann und die Schwierigkeiten des Ozeanflugs größer seien als durchschnittlich angenommen werde. Gronau glaubt an einen baldigen, regelmäßigen Flugverkehr. Zwischenlandestellen durch Aufstellung von verankerten Hollen auf dem Meere hält er jedoch für zwecklos, da bei schlechtem Wetter eine Landung auf See unmöglich sei. Mit dem Flugzeug nach Amerika zu kommen, sei immer noch eine ungewiss« Sache, und nur das Luftschiff biete eine gewisse Gewähr. SfMW ßpn f vmROMAAf Manchmal ging Una allein mit ihm und manchmal in Gesellschaft von Frau Lawrence und einem von Frau Lawrences Adjutanten ins Theater oder ins Restaurant und zu verschiedenartigsten Tanzunterhaltungen. Sie war ganz aufgeregt und betäubt, als Herr Schwirtz sie zur Eröffnung der„ClmmpL du Pom-Pom" führte, einem Potpourri von Unterhaltungen am Broadway. Hier fand man unter einem Dach Bariet�vorstellungen, eine Operette und das Feuerwerk lustiger Sketches: ein chinesisches Restaurant und«in Restaurant Louis Quinze und ein Syrisches Wüsten-Karawanen-Restaurant; einen Tanzsaal und einen Eislaufplatz: einen Sommergarten, der mttten im Winter mit der Pracht wirklicher Bäume und wirtlichen Graes prunken konnte. und einem wirklichen Fluß, über den japanische Brücken führten. Herr«chwirtz Sgte sich in den Champs du Pom-Pom unermüdlich, ver- wenderisch und ganz bei der Sache. Una mußte tanzen und Schlittschuh laufen: er hatte eine Loge zur ParietSvorstellung: er gab ihr im Louis-Quinze-Saal Caviar und Hummer zu essen: sie trank perlenden Burgunder im Sommergarten, wo künstliche Vögel auf schwankenden Zweigen über ihrem Tische sangen. Una trug von diesem Abend ein impressionistisches Bild heim: Scharlachrot und fchattig-duntles Grün, goldene Zechinen, zarte Schullern, von kostbaren Rebenschleiern umspiell. Das Glitzern von Flitterzeug, das Rauschen von Seide, leises Lachen, und unaufhörliche, wiegende Klänge von Musik, well- ob wie ein Traum. Menschenmengen, doch nicht grobe, hastende Leute, die auf den Straßen drängten, sondern ein lächelnder Zug freundlich nickender, prächtiger Damen und Herren. Schwere Wandteppiche und edelsteinfunkelnde Lichter: eilende, lächelnde Diener, und der wohlige Genuß fremd- ortiger und köstlicher Speisen. Orchideen, der betäubende Ge- ruch von Mohnblüten und der Zauber von Lotosblumen, aus- steigende Perlen schäumender Weine; halbgeöffnete Lippen Empfang im New-�ocker Rathaus. New Port, 28. August. 5m Rathaus fand heute abend zu Ehren der deutschen Ozean- flieger ein Empfang statt, zu dem eine große Zahl von Einladungen an die Behörden und die New-Porter Gesellschaft ergangen waren. Gronau und seine Flugkameraden wurden bei ihrem Erscheinen vom Publikum mit herzlichem Beifall empfangen. Im Verlaus des Banketts begrüßte Bürgermeister Walker die deutschen Flieger und feierte ihren glücklichen Flug über den Ozean in beredten Worten, nach einer gleich herzlichen Ansprache von Whalen nahm Gronau das Wort und dankte in englischer Sprache für den ihm und seinen Kameraden bereiteten Empfang. Die Empfangsfeier- lichketten wurden auf die deutschen Sender übertragen. Der 7. 3nlernalionale Kongreß für Geburtenregelung wird vom 1. bis S. September in Zürich stattfinden. voll Verlangen: Ekstase in der orientalischen Pracht einer Herr- lichen Jüdin, die zu dem verhaltenen Zauber gedämpfter Geigen sang. Eine befriedigte Ruhelosigkeit und einen äugen- blick aufsteigender Angst, besänftigt durch den brüderlichen Zu- spruch des breitschultrigen Mannes, dem sie gefiel, und der jeden ihrer Wünsche eiligst erfüllte. Einen nicht ausgesproche- nen Wunsch, ihn davon abzuhalten, so viele Gläser Champag- ner zu trinken: ein dauerndes Gefühl der Dankbarkeit gegen ihn, nachdem sie in ihre Wohnung zurückgekehrt war: eine trotzige Freude darüber, daß er ihr zum Abschied einen Gute- nacht-Kuß gegeben hatte— nur einen einzigen. Einen Plötz- lichen Haß gegen das Bureau, in das sie morgen früh wieder gehen mußte, und eine noch stärkere, noch bittere Abneigung dagegen, daß Herr S. Herbert Roß seine Taschenharfe hervor- ziehen und einstimmig sein eigenes Lob singen würde, einem Cherub gleich, aber etwas schmalzig. Die plötzliche, er- schreckende Frage, welch spöttische Verachtung Walter Babson ihr zuschleudern würde, wenn er sie in diesem Broadway- Zirkus glänzen sehen würde, an der Seite des schwerfälligen Herrn Schwirtz. Ein geisterhaftes, übernächtiges Gefühl, daß sie immer noch Walter angehörte, lebendig oder tot, und ein Grübeln, wo in aller Welt er sein mochte. Einen trotzigen Protest, daß sie Walter idealisiere, daß er den„Champs du Pom-Pom" gar nicht so schrecklich überlegen sei wie dieser, sein Astralleib, vorgab, und eine noch trotzigere Dankbarkeit gegen Herrn Schwirtz, während sie in das aufgewühlte Bett schlüpfte, und Frau Lawrences halbwaches Gähnen:„Oh, Sic find's— Gold'n? Goott! Bin ich schläfrig! Wie spät ist's?" , 2. Una war bettübt. Sie verachtete sich als„Fahnen- flüchtige", wie sie es nannte, aber sie war auf einem toten Punkt angelangt. Rur mit knapper Rot konnte sie jeden Tag mit all seiner Bürcdiplomatie und diesem S. Herbert Roß er- tragen. Sie war nun ein Jahr und vier Monate bei Pember- ton, und noch etwas länger mit Frau Lawrence zusammen in einer Wohnung. Den letzten Sommerurlaub hatte sie mit Frau Lawrence in einem Seebad auf Jersey verbracht. Sie waren aufeinander eifersüchtig gewesen, hatten sich jeden Tag gezankt und wieder versöhnt— wie ein Liebespaar. Jede von ihnen hatte einen Sommerflirt gefunden, doch Frau Lawrence hatte mit ihrem Kavalier so oft einsame Ausflüge unternommen, daß Una dadurch in Verlegenheit gebracht wurde, sich beschmutzt vorkam und früher in die Stadt zurück- kehrte, als sie beabsichtigt hatte. Das hatte Frau Lawrence Ein Berliner verschleppt? Hilferuf aus Westafrika.— Wer kennt Jean Ossenberg? Mit der Ausklärung eines eigenartigen Schreibens besaßt sich zur Zeit die Mordinspektion des Berliner Polizeipräsidiums. Bisher steht noch nicht einwandfrei fest, ob es sich um den hilserus eines Verzweifelten oder um eine gröbliche Mystifikation Handell. Dem Anschein nach ist aber das Schreiben echt. Am 2Z. Juli d. I. ging bei dem Leiter der Inspektion A, Krimi- natlrat G e n n a t, ein Brief ein, der am 13. Juni 1936 in Dakar aufgegeben war. Stempel und Briefmarke waren echt Der Inhalt des Briefes war alarmierend genug. Es hieß darin:„Bin seit dem 1. Juli 1936 hier in Dakar-Senegal, Westafrika, francais, von einigen französischen Banditen auf der Straße gefangen worden ä\a. Kutipow und verschleppt worden nach dem Cap Manuel bei Dakar. Der Generalgouverneur weiß dies, antwortet aber nicht. Ur- Heber sind ein gewisser S o r e l aus Nantes, c>n äußerst gefährlicher Betrüger, welcher mit falschen amtlichen Dokumenten arbeitet, und «in zweiter,«in Dr. Marc i. D. Es soll kein Geld ausgegeben wer- den, nur das französische Konsulat benachrichtigen." Unterschrieben war dieser Brief mit ,Äean R o s« n b e r g". Das Schriftstück ist offensichtlich in großer Eil« auf zwei verschieden« Papiere geschrieben, und zwar mit Bleistift. Einer der Zettel zeigt auch aus der Rück- feite Schriftzeichen in französischer Sprache, die anscheinend ein an einen französischen Oberst gerichtetes Urlaubsgesuch enthielten. Die Worte sind aber fast unleserlich. Sie sind auch durchkreuzt, um anzu- deuten, daß sie mit dem Hilferuf des Jean Rofenbcrg in keiner Ver- bindung stehen. Nach dem Eintreffen des Schreibens haben Kriminalrat Gennat und das französische Konsulat sofort die Nachforschungen nach An- gehörigen des Jean Rosenberg in Berlin aufgenommen. Bisher konnte aber niemand dieses Namens ausfindig gemacht werden, der einen männlichen Verwandten in dem Jean wiedererkennt. Wenn der Inhalt des Schreibens auf Wahrheit beruht, so besteht die Mög- lichkeit, daß ein Berliner zu irgendwelchen Zwecken in Dakar ver- schleppt wurde und dort gefangen gehalten wird. Durch ein« Ver- öffentlichung in der Tagespress« hofft man Fingerzeige zu erhalten, ob Rosenberg Angehörige in Berlin hat. Wer hierüber irgendwelche «achdienliche Mitteilungen machen kann, wird ersucht, sich bei der Inspektion A im Polizeipräsidium zu melden Bier Schüler abgestürzi! Als verstümmelte Leichen aufgefunden. Paris, ZS. August. Ein schweres Unglück ereignete sich am Donnerstag in Ober- S a v o y e n. Eine Gruppe von Schülern aus Lyon bestieg unlec Führung eines Lehrers das sogenannte Hufeisen, einen der schönsten Aussichtspunkte in der dortigen Gegend. Als sich eine Anzahl Schüler aus einer Brücke über einem Gebirgsfluß befanden, brach plötzlich das Geländer, und vier von ihnen stürzten 60 Meter lief in den Abgrund. Nach stundenlangem Suchen wurden drei als vollkommen verftümmelle Leichen aufgesunden, während der vierte Schüler lebensgefährlich verletzt Ist. Gegen den Autorabatt. Die Arbeitgemeinfchaft des Berliner Krastdrofchkengewerbss, der die verschiedenen Droschkenverbände Berlins angehören, hat zu dem Beschluß des Vorstandes des Vereins Berliner Kraftdroschkenbesitzer in der Frage der Rabattgewährung Stellung genommen. Wie wir hören, hat die Arbeitsgemeinschaft einstimmig die Rabattgewährung im Kraftdroschkcngewerbe aus Gründen der Verkehrssicherheit ab- gelehnt und das Verhalten derjenigen Mitglieder des Vereins, die für die Einführung von Rabatt gestimmt haben, gemißbilligt. Wie schon angedeutet, dürfte also der„Kampsrabati" kaum in Cr- scheinung treten, da er lediglich eine Konkurrenzmaßnahme darstellen sollte. ihr nie verzi«hen. Sie hatte sich kürzlich mit einem Arzt ver- lobt, der nach Akron, Ohio, gehen wollte, und sie brachte Una zur Verzweiflung mit ihren freundlichen Raschlägen, wie sie es anstellen sollte, um zu heirate». Abr sogar di« schwierige Frau Lawrence war den auf- reibenden Anforderungen des Büros noch vorzuziehen. Una war durch und durch müde. Sie hatte ein Gefühl, als wäre ihre Seele leer geworden durch Millionen kleiner blutsaugen- der Einzelheiten—«in ewiges Sich-Umstellen, um den Wünschen des Herrn Roß zu entsprechen, der seine schübigsten Büropraktiken immerfort bewundert sehen wollte, und die Notwendigkeit, nach beiden Seiten hin freundlich zu tun, wenn Roß, wie dies häufig geschah, mit einem seiner Mit- arbeiter Meinungsverschiedenheiten hatte. Oft konnte sie abends gar nichts essen. Dann saß sie auf der Bettkante und weinte hoffnungslos, jenes unstillbare, leise, den Frauen eigene Schluchzen, bis Frau Lawrence die Tür hinter sich zuschlug und ins Kino ging. Una leierte immer wieder eine kleine Litanei ab, die sie sich für Dinge zurecht- gelegt hatte, welche sie bei anderen Leuten gerne abgestellt hätte— sie betete, von Herrn Roß' strahlendem Egoismus befreit zu werden: daß Frau Lawrence aufhöre, Unas schönste Schals zu tragen: daß Herr Schwirtz nicht jedesmal, wenn er nach Whisky roch,— s« tun möge, als wolle er sie küssen: daß der Bürochef nicht immer gerade dann hereinkäme, um mit ihr zu plaudern, wenn sie am meisten zu tun hatte: daß der Laufbursche nicht immer mit den Fingern schnalzen solle, wenn er auf dem Korridor vor ihrer Türe vorbeiging: und daß der Liftjunge nicht ständig an seinen Zähnen saugen sollte. Sie kränkte sich. Sie wollte sich hinaufarbeiten, wollte nicht auskneifen. Aber sie war auf einem toten Punkt an- gelangt. An einem Januartag erlebte das Büropersonal bei Pemberton eine jener erschreckenden Krisen, die in einem schwergeprüften Sklavenbetrieb eintreten können. In der Bürosprache heißt das:„Der Chef hat seinen Raptus." Herr Pemberton senior, der gefürchtetste aller obersten Chefs, war mit seiner Verdauung nicht in Ordnung oder mit der Bilanz nicht zufrieden. Er kam zu dem Schlüsse, daß alles verkehrt gehe. Er tobte von einem Zimmer ins andere. Er beanstandete das neue Straßenplakat, den neuen Verschluß der Puderdosen, das System der Briefablags, das Geflüster im Zufluchtswinkel der im Dienst ergrauten Stenotypistinnen. (Fortsetzung folgt.) Jungwähler, denkt an die Wählerlisten! Euer Wahlrecht ist sonst bedroht!- Die Sozialdemokratie zählt auf Euch! 75 Stunden grober Unfug. Ein Dauerjazz am Kurfürstendamm. In einem Kaffeehaus am Kurfürstendamm hat eine Jazztapelle vorgestern ihr Spiel begonnen, das sie erst in den frühen Morgenstunden des kommenden Sonntags zu beendigen gedenkt. Da fizen im prallen Sonnenschein im gänzlich leeren Raum vier Musiker in einer Art Dämmerzustand und spielen; des einen Kopf pendelt perpendikeigleich mal nach links, mal nach rechts, dann schlägt er bums vorne aufs Accordeon auf und der Schlafübermannte hat sich wieder. Der Zweite saugt mit dickverquollenen Augen ganz automatisch an einer Zigarette, der Mann am Schlagzeug ist noch wenigstens feine eigene Weckuhr und der Mann am Klavier starrt mit Aufbietung seiner legten Augenfraft auf den vor ihm liegenden nedischen Schlager: Mein großer Bruder hat von Dir geträumt!" Ach und wie beneidet er diesen Glücklichen! Inmitten dieses traum haften Männerquartetts fredenzt, eine liebliche Hebe es ist gerade Mittagszeit den Traumwandlern ein Schnitzel, das sie in fleine Stückchen zerteilt und ihrem mufiftreibenden Schüßling per Löffel in den Mund schiebt; mit einem leisen Schmerzenslaut fährt der fait dabei schlummernde Accordeonspieler hoch und jongliert die scheinbar etwas zu heiße Masse leise grollend von Bade zu Backe. Mit starkem Kaffee, Zigaretten und Kampfereinreitungen wird die Musikmannschaft hochgehalten. Born an der Kasse sitzt der Manager, leider ohne jegliche Arbeit, ab und zu steckt ein Aurfsichtsführender den Kopf zur Tür rein, cb da nicht etwa gemogelt wird, selbst Scheuer frau und Kellnerin gucken streng kontrollierend nach den Musikanten. frau und Kellnerin gucken streng kontrollierend nach den Musikanten. Jeder vom Personal hat das Recht, die Kapelle zu kontrollieren" meint der arbeitslose Herr an der Kasse, dem schon jetzt ang bange um das Geschäft zu sein scheint, denn er meint höchst fleinlaut: ,, Bis jetzt hab ich noch nicht mal meine Spesen für Reklame herein!"" Der Abend solls bringen, die große Einnahme und den„ künstlerischen" Erfolg. Man kann ja niemand verwehren, fich als Dauermusikant zu produzieren, wenn die Deffentlichkeit aber darum bemüht wird, fann es nur ein Urteil geben: Grober Unfug, den sich ein Manager mit den Nerven armer Musikanten erlaubt. Blamierte Kommunisten. Aufgeflogene Mieterverfammlung in der Wohnstadt Carl Legien. Die zu gestern abend von der KPD. einberufene Mieterversamm lung in der Wohnstadt Carl Legien ist auf Einspruch der Sozialdemokraten aufgeflogen. Die KPD. hielt ihre Anhänger noch zusammen, um auf den eigentlichen Zweck der Uebung, Wahlagitation zu betreiben, zurückzukommen. Ihr Plan, die Mieter als fommunistische Wähler einzufangen, wurde gründlich vereitelt. Genoffe Most, geißelte mit scharfen Worten die unsolidarische Haltung des Versammlungsleiters, der den übrigen Mitgliedern des Mieterverbandes feine Mitteilung von der Bersammlung gemacht hatte. Darauf verließ dann der letzte Rest der Mieter die Versammlung. Uebrig blieb nur ein Duhend bestellte ,, Gäste". Preffefturm in Paris. Dem Luftfahrtminister wird unfähigkeit vorgeworfen. Paris, 28. Auguft.( Eigenbericht.) Die Luftmanöver des 22. franzöfifchen Fliegerregiments, die in einer Nacht zehn Todesopfer forderten, haben einen wahren Bresse sturm gegen das Luftfahrtministerium und gegen den Luftfahrtminister hervorgerufen. Die regierungstreue ,, Liberté" schreckt nicht davor zurück, die Fähigkeit des Fachminifters anzuzweifeln und zieht daraus mit aller Schärfe die Konsequenz, daß ein Unfähiger seinen Platz einem Fähigen überlassen müßte. Borerst aber hat das Ministerium es nicht für nötig befunden, einen authentischen Bericht über die Katastrophen zu geben, geschweige denn über die Maßnahmen zu berichten, die man zu ergreifen gedentt, um Unglücksserien in Zukunft unmöglich zu machen. Inzwischen hat ein Insasse des bei Dijon abgestürzten Flugzeuges, der sich im letzten Augenblick durch einen Fallschirmabsprung retten fonnte, nähere Erklärungen über den Ursprung der Katastrophe abgegeben. Danach ist das höhensteuer des Apparates in 200 Meter Höhe plöglich gebrochen. Nachdem es dem Piloten trotzdem gelungen war, das Gleichgewicht des Flugzeuges wiederherzustellen, tam es zum zweiten Unglüd; zwei von den vier Motoren des Flugzeuges explodierten, so daß der Apparat senkrecht zur Erde stürzte. GIP 1 REICHS MARK DUD SPACHSE Kampf gegen dunkle Gewalten. Alles drängt in die sozialdemokratischen Versammlungen. Eine überaus start besuchte öffentliche Kundgebung veranstaltete| geordneten Bied und Stöder als Mitglieder der Unabhängigen Sodie Wilmersdorfer Sozialdemokratie in den Bittoria- zialdemokratie 1919 gegen Scheidemann die bedingungslose und so. sälen. Bielen fonnte bald nach Beginn der Versammlung fein Ein- fortige Unterzeichnung des Versailler Vertrages forderten. laß mehr gewährt werden, da der Saal überfüllt war. Der Redner Der Redner fand großen Beifall. Die Kundgebung murde durch des Abends, Genosse Ernst Heilmann, wies zunächst auf die Rezitationen und Gefänge der Kinderfreunde und der Sozialistischen Friedenspolitik der Sozialdemokratie hin, die letztlich zur Befreiung Arbeiterjugend ausgestaltet. des Rheinlandes geführt hat, auf deren Grundlage die Kriegsent schädigungen allmählich vermindert wurden und auch weiter ver mindert werden müssen. Unsere Gegner werfen uns heute vor, die ftaltete eine Wählerversammlung in der neuen Gemeindeschule. Die Auch der Weißenfeer Bezirt Hohenschönhausen veran fozialdemokratische Regierungspolitik habe das Defizit im Reichs. Rednerin des Abends, Dr. Räthe Frantenthal, bemies, daß haushalt vermehrt. Aber das Kabinett Müller hatte bereits einen Fehlbetrag übernommen, der durch die wirtschaftliche Krise verstärkt bauernde Preissteigerung diefe augenblickliche Wirtschafttrise heraufes die Unternehmerschaft selber war, die durch fonfumfeindliche an wurde. Die von Hilferding vorgeschlagenen Steuererhöhungen wur- beschworen hat. Was die rechtsstehenden Parteien wollten sei mehr den nicht angenommen, weil sie auch das Kapital belasteten. Dafür aber weniger ein Spiel mit dem Kriegsgebanken. Die einzigen aber würden später vom Bürgerblod Stauern verordnet, die ledig wahrhaften Vorfämpfer für Völlerverständigung und dauernden lich den breiten Massen auferlegt wurden. Gleichzeitig wurden die Frieden sind und bleiben die Sozialdemokraten. Als späte Gäſte Sozialleistungen gekürzt, die Kranken wurden mit einer Sondersteuer erschienen furz vor Schluß des Referats ein Trupp Kommunisten belastet und die Versorgung der Kriegsbeschädigten abgebaut. Das mit den besten Radauabsichten. Sie fanden nur teine rechte Gedeutsche Bolk soll von dem„ sozialen Luxus", in dem es nach Mei- legenheit, diese Absichten in die Tat umzusetzen. nung der Unternehmer lebt, befreit werden. Die angeblich überlegenheit, diese Absichten in die Tat umzusetzen. höhten" Löhne sollen abgebaut werden. Wir aber wollen Breis fondern aus Ueberfluß entstanden. Es ist also verkehrt, die Konabbau, denn diese echt kapitalistische Krise ist nicht aus Mangel, fumkraft durch Lohnabbau noch mehr zu schwächen, sie muß vielmehr Breis- oder Lohnabbau wird am 14. September mit entschieden wer- nistischer durch Preisabbau gestärkt werden. Und dieser große Kampf um den. Die Sozialdemokratie richtet an die Wähler die Aufforderung, mit ihr gegen die herrschenden dunklen Gewalten zu kämpfen, gegen rechtigteit, für wirtschaftliche Demokratie und für den Abbau der Sozialpolitit, für steuerliche Geeine demokratische Staatsgewalt zu kämpfen. Die 1. und 5. Abteilung des Bezirks mitte hatte eine gut besuchte Wahlkundgebung im Hackeschen Hof" einberufen, in der Stadtrat Reimann vom Bezirksamt Weißensee sprach. Der Referent sprach über die Einzelheiten der Vorgeschichte der Reichstagsauflösung und ging auf die wechselnden Phasen des Kampfes der Sozialdemokratie gegen den Anfturm aller tapitalistischen Parteien gegen die Sozialpolitik ein. Die fortschreitende Berteuerung der Lebenshaltung der arbeitenden Massen unter der Dittaturregierung Brüning zeigt die Notwendigkeit des geschlossenen Kampfes mit der Sozialdemokratie um eine andere Gestaltung der Republit, als sie heute aussieht. Der Redner wandte sich besonders scharf gegen die Wahldemagogie der die Arbeiterfront schwächenden Kommunisten, die in ihrer Attacke gegen die hochperräterischen" Unterzeichner des Versailler Friedensdiktats verschweigen, daß die kommunistischen AbTodesopfer der Hitze. Betriebe müssen ihre Arbeit einstellen. Condon, 28. August.( Eigenbericht.) Die Opfer der über England ziehenden Hihe welle mehren sich stündlich. Die Todeszahl bis Donnerstag hat fich allein für London auf 25 erhöht. Zeitweise sind die von den Hihschlägen Betroffenen tot auf der Straße umgefunken. Hunderte von Hitzefranken find in die Hofpitäler eingeliefert worden, und die Rettungswagen der Krankenhäuser find ununterbrochen tätig. In der eng lischen Provinz mußten zahlreiche Industriebetriebe die Arbeit einftellen, da die Hihe unerträglich für die Arbeiter geworden war. Seit 1906 hat England eine solche Hiße nicht mehr erlebt. Die Wetterftationen glauben, daß sie noch einige Tage andauern wird. Der Giegeszug der Schallplatte. | Der Reichsverband des Deutschen Sprechmaschinen- und Schallplatten- Handels e. V. hielt anläßlich der 7. Deutschen Funtausstellung und Phonoschau seine Tagung in Berlin ab. Der Verband als größte Organisation des Musikinstrumentengewerbes umfaßt etwa 1100 angeschlossene Firmen. Nach einem zweitägigen Lehrkursus über die Grundlagen der Radio- und Verstärkertechnik, an dem 150 Mitglieder leberfall auf Sozialdemokraten. Flaschen und Bierfeidel als Wurfgefchoffe. Ueberfall auf mehrere Sozialdemokraten und ReichsbannerGestern abend wurde am Görliher Bahnhof ein feiger fommuleute, die von der Kreuzberger Demonstration heimkehrten, verübt. Als fünf Reichsbannerleute den Tunnel betreten hatten, der von Bahnhofes hinweg nach der Wiener Straße führt, wurden fie von der Görliger Straße unter die Gleisanlagen des Görlitzer einer Horde von etwa dreißig Kommunisten überfallen. Die fommunistischen Rowdys hatten die Reichsbannerleute, als sie an dem KPD.- Verkehrslokal an der Ecke der Sorauer Straße vorbeigingen, beobachtet und waren ihnen mit Bierfeideln, Seltersflaschen und Messern bewaffnet, heimlich gefolgt. Im Tunnel fiel die Uebermacht der Bolschewiken dann über die kleine Gruppe unserer Parteifreunde her. Der 22jährige Reichsbannermann Erich A. wurde durch zwei Stiche am Kopf erheblich verletzt. Später gelang es dem alarmierten Ueberfalltommando zwei der Täter festzunehmen. Sie stritten natürlich, an dem Ueberfall beteiligt gewesen zu sein und behaupteten, parteilos zu sein. Diese Ausreden nugten ihnen aber menig, sie wurden von mehreren 3eugen als Beteiligte an dem feigen Ueberfall erkannt und der politischen Polizei übergeben. Der verlegte Reichsbannerkamerad wurde nach Aniegung von Notverbänden auf der Rettungsstelle in seine Wohnung gebracht. teilnahmen, wurden am 22. August interne geschäftliche Beratungen abgehalten. In einer gutbesuchten öffentlichen Rundgebung im Haus der Funkindustrie erstattete der Syndifus des Verbandes Dr. Wiggers ein sehr bemerkenswertes Referat über Wirt schaftskrisis und Phonobranche". Seinen Ausführungen war zu ent nehmen, daß auch die phonographische Branche unter den Auswir tungen der Wirtschaftsfrise erheblich zu leiden hat. Weniger treffe dies allerdings die Industrie, die etwa 60 Proz. ihrer Produktion exportiere und auf dem Weltmarkt hinter Amerika und England an dritter Stelle stehe. Erschwert werde die Situation durch den technischen Umstellungsprozeß, in dem sich die Branche befinde, wobei der Händler gezwungen sei, bei stocendem Absah neue Investitionen Dounehmen. Der Leiter der Kulturabteilung der Carl Lindström A.-G. Ludwig Koch sprach anschließend über die„ Kulturellen Aufgaben der Phonoindustrie". In sehr interessanten Ausführungen wies er auf die Berwendungsmöglichkeit von Musikapparat und Schallplatte im modernen Schulunterricht hin. Er forderte eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Schulbehörden, Presse, Kunst und Wissenschaft. sowie Industrie und Handel, um die kulturellen Aufgaben der Phonoindustrie zu verbreiten und zu stüßen. In Megifo- Cify veranstalteten die Behörden eine Razzia auf bas kommunistische Zentralbüro und beschlagnahmten zahlreiches Propagandamaterial und Korrespondenzen. Mehrere Personen wurden verhaftet. Spielend Spart der Käufer von Zuntz- Waren denn er erhält wertvolle GUTSCHEINE, dazu die anerkannt schönen SAMMEL- BILDER Außerdem ab 29. August: NEUE PREIS- ERMÄSSIGUNG auf alle Zuntz Kaffees. 20 Pf. für das Pfd. bei Kaffee über 3 M., 10 Pf. bei Kaffee unter 3 M. Zuntz- Gutscheine und Bilder bei allen durch Plakat gekennzeichneten Wiederzerkäufern and in allen Zaatz- Filialen Gaswerke bauen aus. Es wird wieder heller.— In Berlins Strafen: SO 000 Gasflammen Arbeiter, schützt die Betriebe eurer Stadt! Wählt Sozialdemokraten! 3ser Bericht der städtischen tKaswerke zeigt ebenso wie der kürzlich vom„Vorwärts" behandelte Jahresbericht der Bewag, daß die Cmtwkklnng der großen kommunalen Unternehmungen der Stadt Berlin trofc Wirtschaftskrise und der daraus resultierenden Arbeits- losigkeit dauernd starke, auf solider Basis ruhende Fort- schritte macht. Daher auch der immer schärfer ein- setzende Ansturm des privaten Unternehmertums gegen die öffentliche Wirtschaft. Es ist bezeichnend, daß fast die gesamte bürgerliche Presse dabei willig Seknndontendienst leistet. Die beste Abwehr dieser von Profitgier diktierten Angriffe ist ein Erfolg der Sozialdemokratie am 14. Sep- tember. Arbeiter und Angestellte stellt euch schützend vor die Betriebe eurer Stadt! Wählt Liste 1, die Liste der deutschen Sozialdemokratie! Für sind von den Berliner Städtischen Gaswerken als Kämmereiabgabe an Stelle der im Haushaltsplan 1929 vorgesehenen 7.4 Millionen insgesamt 7 336 08332 M. gezahlt worden, außerdem weitere 1154 891,81 M. aus den Tariferhöhungen vom Dezeinber 1929. An Stelle der im Etat 1929 vorgesehenen 7 626 000 M. führ- ten die Städtischen Gaswerk« als U e b« r s ch u ß nur 2 190 000 M. ab. Die Berliner Städtischen Gaswerke haben also in ihrem Ge- fchöftsbericht 1929 10 680 975,33 M. an die Kassen der Stadt ab- geführt. Von der Sonderabgab« des Jahres 1928 find 1 769 690,72 M. noch nicht gezahlt und als Rest auf das Jahr 1930 übernommen worden. In dem Geschäftsbericht macht die Verwaltung der Stäbtischen Gaswerke darauf aufmerksam, daß das Jahr 1929 im Zeichen wirt- schastlichen Niederganges gestanden Hab«. Kostensteigerungen und Derlausspreissenkungen hätten das Ergebnis in ungünstigem Sinne beeinflußt. Die fortgesetzten Bemühungen, den Betrieb wirt- schastllcher zu gestalten, feien nicht in der Lage gewesen, einen Aus- gleich herbeizuführen. Eine erhebliche Eewinnfentung gegenüber dem Vorjahre habe sich nicht vermeiden lassen. Die Gaserzeugung konnte im Berichtsjahr am 22 636 670 Kubrk- meter von 489 620 760 Kubikmeter auf 512257 430 Kubikmeter gesteigert werden. Di« Nutzabgabe betief sich insgesamt aus 470 970 062 Kubikmeter gegen 451806 298 Kubikmeter im Jahre 1928. Diese Absatzsteigerung ist besonders durch die Uebernahm« des Werkes der Deutschen Gosgcsellschast in der cholzmarktstraße erfolgt, so daß die Alt-Berliner Jimenstadt jetzt ausschließlich von den Städtischen Gaswerken mit Gas versorgt wird. Di« Städtischen Gaswerke schätzen de,, Erfolg ihrer Werbemaßnahmen in einer Absatzsteigerung von 21 Will. Kubikmeter, der aber durch eine Umstellung der Gas- auf elektrische Beleuchtung mit 20 Mill. Kubikmeter fast wieder ausgeglichen wird. Weltstadtahlen: 4�00 Kilometer Rohrnetz. Das Rohrnetz wurde mesentlich erweitert und«ine Reihe größerer Rohrlegungcn ausgosührt. Im Gejanüocrsorgungsgebiet der Berliner Städtische Gaswerke A.-G. betrug die Länge des Rohr- nctzes am 31. Dezember 1929 insgesamt 4104,581 Kilometer gegen 3860,946 Kilometer am 31. Dezember 1928. Wenn man sich einen Begriff von der Länge des jetzigen Rohrnetzes der Gaswerke machen will, müßte man gleichsam Rohr an Rohr reihen, einem Schienen- sträng vergleichbar. Dann entspricht die Länge von ungesähr 4100 Kilometer der Eisenbahnstrecke von Berlin über Warschau— Uoskau— Perm bis nach Jekaterinburg(heute Swerdlowsk genannt) an der russisch-sjhirischen Grenze, oder der Eisenbahnstreeke Riga— Eydkuhnen— Königsberg— Berlin— Aachen— Paris— Salamanca nach Lissabon. Auch die Straßenbeleuchtung konnte im letzten Geschäftsjahr weiter verbessert werden. Am 3l. Dezember 1929 waren 58 954 Stück Leuchten mit 80 069 Flammen in Betrieb. Die Vermehrung betrug 2357 Leuchten. Der Gasverbrauch für die öfsent- !iche Beleuchtung stellte sich aus 43 088 959 Kubikmeter und ist seit 1928 um etwa 3,6 Millionen Kubikmeter oder 9,1 Proz. gestiegen. Interessant ist, wie stark die Gaserzeugung seit dem Jahre 1910 g e st i e g e n ist. 1910 wurden rund 388 Millionen Kubikmeter Gas erzeugt. Die Produktion stieg dann bis 1913 auf 446 Millionen Kubikmeter und»ahm im ersten Kriegsjahre 1914 zum ersten Mal? ab, betrug damals 419 Millionen Kubikmeter. Sie stieg dann wieder allmählich bis 1918 auf 476 Millionen Kubikmeter an, um in den Jnslationsjahren fast von Jahr zu Jahr zu fallen. Im Jahre 1923 betrug sie mir rund 335 Millionen Kubikmeter, war also um 13,7 Proz. niedriger als im Jahre 1910. Von diesem Zeitpunkt ab beginnt dann ein ständiges Steigen auf die Produktion van 1929 in Höhe von 512 Millionen Kubikmeter, womit«ine Zunahme von 32,1 Proz. gegenüber dem Jahre 1910 erreicht ist. Kote kalmen wehen! Glänzender Umzuj* der Kreuzberger Sozialdemokraten. Die roten Jahnen der Sozialdemokralle grüßen die proletarischen viertel Berlins! Die riesige veleiligung. die der Werbeumzug unsere,»Immer ruhenden Kreises Kreuzberg gestern aufwies, zeigte, in welchem Lager die schassende vevälkeruug Berlins steht: 3 m Lager der Sozialdemokratie! Zum erstenmal wurden der Bevölkerung die neuen roten Werbefahnen der Partei mit der Inschrift:..wählt Liste 1" gezeigt. Unseren Bannern folgten in schier unabsehbarem Zuge die Männer der Arbeit, die Angestellten, die kleinen Beamten, unsere unermüdlichen proletarischen Frauen und vor allein auch unsere Jugend, die, unbeirrt durch faschistisch- kommunistische Demagogie, eine bessere Zukunft im Zeichen unserer Partei sich er- ringen will. Arbeiter- und Reichsbannerkapellen waren in den Zug eingereiht. Unsere alten Kampflieder ertönten. Es ging hinein in die Arbeiterbezirk« ani Naunynplatz, am Görlitzer Bahnhof, am S ch l« f i s ch e n Tor, die Sowjetsternler und Hakenkreuzler ach so gern als ihre Domäne sehen würden. Wohl standen an den Straßenecken Gruppen, die durch törichte oder un- slälig« Zwischenrufe die Wirkung des Zuges beeinträchtigen woll- ten. Di« Kreuzberger Sozialdemokraten ließen sich nicht stören: Wir sind Lüge und Gemeinheit gewöhnt und hören sie unberührt, weif wir wissen, daß auf unserer Seile Recht und Zukunft sind. Allenfalls begrüßte man Kommunistengruppcn in Anspielung auf da- neueste Programm mit ironischen Rufen:.hoch die National- kommuniflen!" und:.Nächstens demonstriert Ihr ja doch unter Hitler!" Am Schlesischen Tor sprach Paul Robinson.„In sich zer- spalten, ist sich das Bürgertum nur darin einig, alle Lasten auf das Proletariat abzuwälzen. Die Nationalsozialisten und Kommunisten, selbst innerhalb der eigenen Gruppen zerrissen, suchen sich einander durch demagogische Phrasen zu übertrumpfen. Das zeigt vor allem das neueste nationalkommunistisch« Manisest. Geschlossen und einig steht allein die groß« deutsche Arbeiterpartei, die S o z i a l d e m o- krati«, in unerschütterlichem Kampfeswillen siegesgewillt und siegesgewiß!" Der große Werbeumzug unserer Kreuzberger Freunde war ein schöner E r s d l g, der uns für den 14. September mit berechtigter Hoffnung erfüllt. Auch in Baumschulenweg großer Erfolg. Auch in Baumschulenweg marschierte die Sozialdemo- kratie zu einer großen Wahldemonstratson auf. Besonders zahl- reich beteiligten sich Arbeitersportler im weißen Turnanzug und Frauen an der Kundgebung. Biel« Transparente belebten den Zug. Zum Abschluß wurde bei Fackelschein auf dem Hof de- Lyzeums in der Baumschulenstraß« eine Kundgebung mit einer Ansprache des Reichstagsabgeordncten Mendt veranstaltet. Genosse Weicht geißelte die Anmaßung der bürgerlichen Parteien, die 1918 nach dein Zusammenbruch des alten Systems allein die Ret- tung Deutschlands den so geschmähten Marxisten überließen. Die wahr« Rettung vor den Generalangriffen auf die Lebenshaltung des Volkes bringt auch die marxistisch« Sozia ldernokrotie, aber in anderem Sinne als die bürgerlichen Diktaturparteien e-, sich nach ihrem Verfassungsbruch wünschten. Wer den Bruch der Kapitals- diktAtur will, deren Bundesgenossin die Kommumstische Partei ist, der wählt am 14. September sozialdemokratisch. Di« Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall cmfge- nommen. « In Friedrichshatzen sprach vor einem Auditorium, das den größten Saal des Ortes bis auf den letzten Platz füllte, Kurt H e i n l g über das Thema:„Der 14. September, ein Schick« f a l s t a g des arbeitenden Volkes." Wenn es zu einer Revision des Dawes-Vertrages und damit zur Befreiung des Rlzein- landss und zur Herabsetzung und Begrenzung unserer Reparations« Verpflichtungen gckoimnen ist, dann nicht zuletzt infolge der auf Er- füllung und Verständigung eingestellten Politik der Sozialdemotrati- schen Partei. Von der nationalen Freiheit Deutschlands zu reden, ist in dem Augenblick kein Kunststück mehr, in dem Deutschland wieder in den Besitz seiner Souveränität gelangt ist. Das Vorgehen der K o m n, u n i st e n und N a t i o n a l f o z i a l i st e n ist nichts anderes als eine Spekulation aus die Du nun Heilder Wähler. Die Sozialdemokratische Partei wird ihre Politik, die auf Erhaltung des sozialen Fortschritts eingestellt ist, mit Konsequenz fortsetzen. Der Redner erntete stürmischen Beifall. Obgleich Gegner anwesend waren, meldete sich niemand zum Wort, und die Bersammlung schloß mit einem Hoch auf die Partei des arbeitenden Volkes, auf die Sozialdemokratie_ Abwehr der Hetze. Sie pleite privater Bauunternehmer und die Stadt. Der„vorwärts" hat bereits gestern nachgewiesen, daß die Angrisse, die im Zusammenhang mit der Pleite der Privat- archilekten Schalldach und Wagner wieder gegen die Stadl verlin erhoben wurden, unberechtigt sind. 3ehl ver- breitet dos Bezirksamt Eharlottcnburg eine(Erklärung, der wir folgendes entnehmen: Ueber die Verwendung städtischer Gelder bei den Grundstücken Hebbelstraße 18/19 Ecke Fritschestraße, und Wernigeroder Straße Ecke Rordhauser Straße bemerken wir im voraus, daß im November 1929 die gesamte Berliner Presse zu einer Besichtigung des Grundstücks Hebbelstraße Ecke Fritschestraße eingeladen war, und daß gelegentlich dieser Besichtigung den Vertretern der Presse auch über die Finanzierung der Sanierunz dieses Grundstückes bis ins einzelnste Angaben gemacht worden sind. Außerdem ist die An- gelegenheit in dem letzten Winter in einer öffentlichen Sitzung der Charlottenburger Bezirksvcrsammlung eingehend in mehrstündiger Debatte erörtert worden. Man muß die beiden Angelegenheiten Hebbel- Ecke Fritschestraße und Wernigeroder Ecke Rordhauser Straße streng voneinander trennen. Bei Hebbel- Eck« Fritschestraße ist lediglich der Architekt Wagner beteiligt als alleiniger Eigentümer dieses Grundstücks. Das Bezirksamt griff bei der Sanierung des Hauses Hebbel- Ecke Fritschestraße helfend lediglich unter dem Gesichtspunkt ein, die alten bestehenden Wohnräume zu erhalten. Das Grundstück ist von dem Architekten Wagner in der Zwangsversteigerung erworben worden. Ein Erwerb durch die Stadt bei der Zwangsversteigerung kam nicht in Betracht, weil die Stadt nicht alleiniger Träger der Gesamtkosren sein wollte. Die Stadt hat die Sanierung gefördert durch die Gewährung eines Darlehens, das in sogenannten Ablösungsgeldern in Form einer Tilgungshypothek, also nicht etwa zinsfrei gegeben wurde. Die Gewährung dieses Darlehens zu einem mäßigen Zinsfuß war abhängig gemacht worden von der Erfüllung folgender Bedingungen: 1. Wiederherstellimg des Hauses unter der technischen Aufsicht des Bezirksamts Charlottenburg: 2. Mitwirkung des Wohnungsamtes bei der Festsetzung der Mieten: 3. Unterstellung dieser Wohnungen unter Wohnungszwangswirtschaft. Bei der bau- lichen Durchführung der Sanierung des Grundstückes Fritsche- Ecke Hebbelstraße ist Schalldach überhaupt nicht beteiligt. Das Grundstück Wernigeroder Ecke Nordhaujer Straße ist von den Herren Schalldach und Wagner von der Firma Zimmermann u. Sohn erworben worden. Um die Bebauung dieses Grundstückes mit Kleinwohnungen zu billigen Mietsprerfen zu fördern, hat das Bezirksamt Charlottenburg neben der von der Wohnungsfürsorgs gegebenen Hauszinssteuerhypothek eine Zusatz Hypothek ge- geben. Die Wohnungsfürsorgegesellschast teilt dazu noch mit, daß von einer Gefährdung städtischer Gelder kein« Rede sein könne. Auch das haben wir bereits eindeutig nachgewiesen. Große L«W unübertrefflich in dieser Preislage Sehr beliebt sind ferner Nr. 8 8 Pf. Nr. 10 10 Pf. Bürger Schippe! 10 Pf. Ich schlage alles 15 Pf. LOESERtWOLFF SOOO Arbeiter und Angestellte• Zentrale: Berlin W 35. Potsdamer Str. 24-25 Die Zeit drängt: Wählerlisten einsehen! Am 14. September gehört deine Stimme der Sozialdemokratie! 99 Was soll ich nur tun?" Plötzlich kommt eine weniger liebenswürdige Dame. Wütenden Blides wirft sie den Pfändungsbescheid der Kirchengemeinde auf den Tisch des Hauses. Auf die Frage, ob sie denn noch Mitglied sei, antwortet sie mit einem grimmigen Ja, worauf ihr der Sprech stundenleiter natürlich sagen muß, daß man da schlecht helfen tönne. stische Sprechstunde da?" packt sie den Zettel und rauscht tief beleidigt von dannen. Der„ Vorwärts" als Helfer in der Not.- Ein Tag in der Juristischen Sprechstunde. mit einen wütenden:„ Ja, wozu ist denn dann eigentlich die juriDie Leser des„ Vorwärts" kennen die Juristische Sprechstunde. Sie wissen, daß ihnen in Not und Verzweiflung hier Rat und Hilfe wird. Täglich kommen viele unserer Freunde zu ihrer Zeitung, die ihnen helfend zur Seite steht. Da kommt die Arbeiterfrau, der Angestellte und Gewerbetreibende und die Arbeitsleute aus der Stadt und vom Lande, um sich Rat und Hilfe zu holen. So verschieden ihre Tagesarbeit, so verschieden ihre Anliegen. In der Hauptsache sind es Fragen handelsgesetzlicher, steuer- und erbrechtlicher Natur, die beantwortet sein wollen. Daneben die vielen Hilferufe bedrängter, verzweifelter Menschen, die infolge unsozialer Maßnahmen schwere Schädigung erlitten haben. Die überwiegende Zahl Ratsuchender find Frauen, und es ist oft für den Juristen gar nicht so einfach, Rat und Hilfe zu schaffen, weil Verzweiflung oder Verbitterung, meist beides, all diesen abgehezten ausgemergelten Menschenfindern Ruhe und flare Ueberlegung geraubt hat. Ein trauriges Bild zeigt sich oft und es offenbart sich, wie vieles noch sehr im argen liegt. Da kommt eine alte gebrechliche Arbeiterswitwe und erzählt mit tränenerstickter Stimme von ihrem Gang nach Canossa, dem Besuch beim ärztlichen Berater der Landesversicherungsanstalt wegen vorzeitigen Bezuges der Witwenrente.( Bekanntlich erfolgt diese erst mit dem erreichten 65. Lebensjahr, ausgenommen Personen, die zwei Drittel erwerbsunfähig sind.) Im eiskalten Raum mußte sich die Sechzigjährige vollständig entfleiden, erst eine Weile wartend herumstehen, dann befahl ihr der Arzt in barschem Tone irgendwelche gymnastische Uebung, die sie aber nicht ausführen fonnte und schob sie wieder zur Tür hinaus. Erfolg: Abgewiesen! Diese Fälle, in denen gebrechliche, notleidende Frauen sich über die grobe, noch dazu mit negativem Erfolg endende ärztliche Behandlung bitter beklagen, sind nach Aussage des Sprechstundenleiters sehr häufig. Eine Mutter fämpft um ihr Kind. Ein anderer, noch traurigerer Fall: Eine Arbeiterfrau haite wegen Bergehens gegen§ 218 eine mehrmonatige Gefängnisstrafe zu verbüßen; während dieser Zeit wurde ihre Tochter durch Denunziation freundlicher Nachbarn in Fürsorge gesteckt; die Frau, die jetzt frei ist, möchte um jeden Preis ihr Kind wieder haben, sie rennt von Pontius zu Pilatus, alles vergebens und die Aermste, ohnedies total zermürbt durch ihre eigene Freiheitsberaubung, ist der Verzweiflung nahe. Ueberhaupt spielt der unglückselige§ 218 in der juristischen Beratung eine große Rolle und der Leiter erzählt von einem an deren Fall, wo durch bösartige Klatschereien zwei Familien fürs Leben unglücklich gemacht wurden. Immer und immer wieder tommen auch Mütter mit drei und mehr Kindern, die bereits wieder einem neuen Kinde entgegensehen, und fragen und jammern: Was soll ich nurtun? Wozu besteht eigentlich, so fragt man sich, die Eheberatungsstelle, die dazu geschaffen wurde, soziales Elend durch Hilfeleistung und Aufklärung der Frauen zu verhüten, wenn davon so wenig und meist erst zu spät Gebrauch gemacht wird? Verzweifelt und ratlos kommt eine Ehefrau, um Hilfe flehend: Mann, Frau und deren halbwüchsige Tochter aus erster Ehe schlafen in einem Bett und regelmäßig von Zeit zu Zeit vergeht sich der Mann an seiner Stieftochter; die Frau will ihren Mann nicht ins Zuchthaus bringen, die Wohnung bietet feine weitere Schlafgelegenheit und die Mutter möchte ihr Kind nicht an die Fürsorge verlieren. Hier ist der Jurist machtlos, hier fann nur eine grundlegende Berbesserung proletarischer Wohn- und Lebensverhältnisse helfen, solch grenzenloses Unglück aus der Welt zu schaffen. Waffen für den Arbeitskampf. Auch auf arbeitsrechtlichem und sozialem Gebiete wollen die Klagen kein Ende nehmen. Eine Firma mit etwa 200 Angestellten ging in andere Hände über und der neue Besizer kündigte dem gesamten Personal, wobei er sich allerdings bereit erklärte, mit vielen diesen Gekündigten Angestellte, die bereits über 18 Jahre der Firma von ihnen neue Verträge zu machen. Nun befinden sich unter angehören und mun, wo sie ein neues Vertragsverhältnis eingehen, sich all ihrer Vorteile in bezug auf Urlaub, Feiertagsdienst usw. begeben müssen, abgesehen davon, daß sie dem neuen Chi auch noch weitere Konzessionen einzuräumen haben, wenn sie nicht auf der Straße ſizen wollen, denn die Ersatzmannschaft steht schon hinter ihnen. Dann wieder stellen vielfach Mädchen und Frauen die Frage, ob sie sich strafbar machen, wenn sie unverheiratet mit einem Manne zusammenleben; heiraten sie, dann sind sie ihre Stelle los und damit wäre ihr wirtschaftlicher Ruin und das Ende ihrer Gemeinschaft gegeben. Neben all dieser Tragik kommt manchmal, wenn auch recht felten, ein wenig der Humor zu seinem Recht. Da kommt ein nettes junges Mädchen, flott und lebendig, und berichtet von einem ihr zugestoßenen Autounfall, für den sie Schmerzensgeld beansprucht. Da ihr in feiner Weise von dem Malheur etwas anzumerken ist, muß sie über den Vorfall berichten, und sie erzählt von einer Rippenquetschung und einer kleinen, allerdings nicht mehr bemerkbaren Gesichtsverlegung, die ein leichtes Verziehen des einen Mundwinkels zur Folge hatte. Die Frage, ob die ärztliche Behandlung durch die Kasse erfolgt sei, beantwortet sie mit einem Ja, die weitere Frage, ob denn die leichte Gesichtsentstellung nach Anficht des Arztes bleiben würde, mit einem Nein. Und mit welcher Begründung sie denn dann das Schmerzensgeld beanspruche? Das wüßte sie nicht. Ihr läge ja eigentlich auch gar nicht soviel daran, aber der Vater meinte, daß... Sie ist mit dem Rat des Juristen, auf schriftlichem Wege ihr Glück zu versuchen, völlig einverstanden und tippelt lächelnd und frohgemut wieder davon. Das glückhafte Schiff. So viele glückliche Menschen hatte wohl taum ein Berliner Ausflugsdampfer jemals gefrachtet wie die„ Berolina", die mit Musik etwa 400 Menschen, alte und hilfsbedürftige Personen von Köpenick, nach dem idyllischen Rauchfangswerder fuhr. Das Wohl. fahrtsamt Köpenid arrangiert alljährlich eine solche Dampfer. fahrt, um seinen Pflegebefohlenen einige frohe Stunden zu be reiten. Schon während der Fahrt entwickelte sich ein fröhliches Leben; die alten Leutchen, die ein Wechselschicksal von guten und bösen Tagen getragen haben, fanden sich schnell zusammen im Austausch persönlicher Erinnerungen und manche alte Bekanntschaft hat sich wieder erneuert. In Rauchfangswerder war im großen Saal eine mit Blumen geschmückte Tafel zum gemeinsamen Mittageisen gedeckt. Musikalische und gesangliche Darbietungen von ersten Künstlern verschönten das Fest; ein Zauberkünstler entfaltete seine Späße und Künste, so daß an Unterhaltung kein Mangel war. Leider, so betonte Stadtrat Herbst in seiner Begrüßungsansprache, erlaubten es die Mittel des Bezirksamtes nicht, jedem der etwa 2000 Unterſtügungsempfängern die Teilnahme zu ermöglichen. Aber es wäre Vorsorge getroffen, daß im nächsten Jahre auch die Heimgebliebenen an der Fahrt teilnehmen würden. Nach einer wohlbestellten Kaffeetafel mit reichlichem Kuchen wurde gegen Abend die Heimfahrt angetreten. Zufrieden und glücklich schied man voneinander mit der Hoffnung auf das Wiedersehen im nächsten Jahre. Herr Hofarzt Bürger stellt sich vor. Wer es noch nicht wußte: ja, man fann sich in Berlin fogar den Lurus leisten, von einem richtigen Hofarzt untersucht zu werden. Herr Dr. Bürger in der Luisenstraße hat in seinem Hauseingang ein normales Arztschild, aber an seinem Wohnungseingang prangt in großen Lettern: Hofarzt. Und in seinem Wartezimmer erhält man als geistige Rost die Deutsche Tageszeitung" und ein nationalsozialistisches Blättchen vorgesetzt. Wenn Herr Dr. Bürger nur Privatkundschaft hätte, könnte es gleichgültig sein, was er seinen Patienten für Lektüre zumutet. Der Herr hat aber auch die fostenlose Beratung und Untersuchung der Unfall, Invaliden- und Sozialrentner von den Behörden übertragen erhalten. Herr Dr. Bürger ist außerdem Sachverständiger für Reichs- und Staatsbehörden, vielleicht wird ihm von diesen Stellen einmal flar gemacht, daß politische Irreleitung nicht zu den Pflichten eines Arztes gehört. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Th. Glode: sämtlich in Berlin. Berlag: Forwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdrudere und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße& Hierzu 3 Beilagen und„ Stadtbeilage". KARSTADT Lebensmittel . Hühnerstückenfleisch. Pfd. 0.90 Hühner, gefr. an Pfd. 0.82 Masthühner, fr. an Pfd. 0.98 Jg. Gänse, frisch an Pfd. 0.98 Junge Tauben an Stck. 0.68 Enten . an Pfd. 0.98 Brathühner Hamb. Stck. 1.25 Hirschkeule. . Pfd. 1.40 Rebhühner • • . Stck. 1.00 Rehblätter.... Pfd. 1.08 Goldwein.. Bananen Melonen. • Tomaten. • . Pfd. 0.28 3 Pfd. 0.95 an Ptd. 0.15 3 Pfd. 0.09 Salatgurken..... Pfd. 0.14 Schmorgurken 3 Pfd. 0.10 Senfgurken.... 5 Pfd. 0.48 Blumenkohl... an Kopf 0.08 ⚫an Pfd. 0.90 . Pfd. 0.25 . Fl. 1.30 .FI. 1.30 Ananas Mais... Himbeersaft Kirschsaft 0 .. Vollmilch Bruch- Schok.Pfd. 1.00 Pralinen- Mischung Pfd. 0.75 Mürbeteig Dess.Tört 10 St. 0.48 Haushalt- Kakao.... Pfd. 0.58 Pfd. 0.58 Gelee- Mischung. Pfd. 0.80 KAFFEE aus eigener Rösterei stets frisch geröstet WURST WAREN WEINE U.SPIRITUOSEN • Wiener Würstchen Dampfwurst Speckwurst Fleischwurst. Filetwurst. Jagdwurst. Bierwurst. .. • Pfd. 1.20 Pfd. 0.98 • • • . Pfd. 0.95 • Frankf. Apfelwein.Ltr. 0.46 Edenkobener..... Ltr. 0.85 Edesheimer Forst... Ltr. 1.00 Nitteler Leiterchen.. Ltr. 1.10 Oppenheimer.... Ltr. 1.40 Dürkheimer( Rotw.).. Ltr. 0.85 Utiel( Span. Rotw.).. Ltr. 1.00 Tarragona Ltr. 1.10 Malaga Wermuth Portwein. . Ltr. 1.80 Johannisbeerwein.. Ltr. 0.75 Erdbeerwein..... Ltr. 1.40 Reiner Weinbrand, Ltr Fl. 4.60 Weinbrand*** Fl. 4.65 • • Ltr. 1.30 Ltr. 1.30 . Pfd. 1.05 . Pfd. 1.78 . Pfd. 1.15 Pfd. 1.68 Hausm. Leberwurst. Pfd. 0.95 f. f. Leberwurst f. f. Leberwurst... Pfd. 1.40 Bauernleberwurst.. Pfd. 1.38 Streichmettwurst.. Pfd. 1.25 Teewurst....... Pfd. 1.88 Berliner Mettwurst Pfd. 1.00 Braunschw. Teewurst Pfd 2.20 Zervelatwurst i. Fettd. Pfd. 1.85 Schinkenspeck.... Pfd. 1.85,, Hausmarke" Sekt/, FL. 3.95 KOLONIALWAREN Zucker, fein..... Pfd. 0.29 Wiener Auszugsmehl, 5 Pfd. 1.45 Kartoffelmehl.... Pfd. 0.2 Eierschnittnudeln.. Pfd. 0.50 Sultaninen.... an Pfd 0.32 Mandeln, süß.... Pfd. 1.60 Auslese Kaffee... Pfd. 2.00 • KONFITUREN Erfrischg. Waffeln.. Pfd. 0.80 Keks- Ringe .. Pfd. 0.60 Pfd. 1.80 Russ. Brot Teegebäck Pfd. 1.00 Pfd. 0.80 Milch- Karamellen.. Pfd. 0.80 Eis- Bonbon.... Pfd. 0.70 Burgm. Vollm. Schok. 100 gr. Tfl. 0.25 Burgm. Speiseschokol. 100 gr. Tfl. 0.25 • . • BUTTER UND KASE . • • Kochbutter.. Pfd. 1.12 Moikereibutter... Pfd. 1.30 Tafelbutter...... Pfd. 1.50 Dänische Butter... Pfd. 1.72 Margarine.... an Pfd. 0.50 Pflanzenfett . Pfd. 0.50 Bratenschmalz. Pfd. 0.76 Limburger 20%, fett Pfd. 0.55 Limburger 40%, fett Pfd. 0.90 Finnischer Schweizer Pfd. 1.33 Dän. Schweizer... Pfd. 0.84 Dän. Schweizer Butter- Käse .... Pfd. 1.20 Edameru.Holländ. 20% Pfd. 0.72 Emmenth. Art 20% Pf. Pak 0.88 Emmenthaler% Port. Scha. 0.75 Vollfetter Edel Rahmkäse 1.50 Vollfetter Steinbuscher.0.90 9 OBST UND GEMUSE 5 Pfd. 0.68 Bl. Pflaumen Tafeläpfel.. an Pfd. 0.25 Kochbirnen.... 2 Pfd. 0.25 Kochäpfel 2 Pfd. 0.25 Pfirsische.. Zitronen . • • . . .. Pfd. 0.14 Preißelbeeren Preißelbeeren... 5 Pfd. 0.95 Johannisbeeren Dattelwein... Pfd. 0.55 Pfd. an 0.28 Dtz. an 0.38 Grüne Bohnen,... Pfd. 0.06 Wachsbohnen.. Pfd. 0.15 Weiß u. Wirsingkohl Pfd. 0.04 Rotkohl........ Pfd. 0.04 Möhren, gewaschen 3 Pfd. 0.10 Zwiebeln...... 3 Pfd. 0.20 Neue Kartoff.... 10 Pfd. 0.30 • DELIKATESSEN Olsardinen Clubds. 2 Stck. 0.95 Span. Sprotten i. Ol, 2 Ds. 0.85 Hors d'oeuvre Gab.- Frst. Ds. 0.85 Fettheringei. Tom. Ds. 0.75, 0.55 Krabben.. Ds. 1.10, 0.68, 0.38 Mayonnaise Gl. 1.00, 0.85, 0.55 Ochsenfleischi.eig. Saft Ds. 1.10 FISCHE, RAUCH.- WAR, Schellfisch m. K.... Pfd. 0.12 Kabeljau im ganzen Pfd. 0.12 Seelachs, ohne Kopf, i.g. Pfd. 0.14 Goldbars o.K..... Pfd. 0.14 Kabeljaufilet an Pfd. 0.22 Bücklinge .an Pfd. 0.38 Bundaale an Bd. 0.30 Seelachs, geräuch. Pfd. 0.40 .. Pfd. 1.95 Nußschinken Schweineback. ger. Pfd. 0.85 Sülzwurst.. Pfd. 0.95 Zervelatw. Salami Pfd. 1.65 Schinkenpolnische Pfd. 1.18 Würstchen 5 Paar- Dose 0.88 Tilsiter 20%.... Pfd. 0.58 Tilsiter 35% Weidebl. Pfd. 0.85 Prima Harzer. Prima Harzer... Pfd. 0.36 Edelblock Käse 20% Pfd. 0.75 Camembert voilfett Schtl. 0.22 Pfd. 0.32 Hartweizengrieẞ Olsardinen Portds., 4 Ds. 0.98 Bismarckher. 1 Liter Ds. 0.75 Grüne Heringe. 3Pfd. 0.64 Neue Fettheringe 12 Stck. 0.50 Lebende Aale. Pfd. an 0.98 Tafelöl . Ltr. 0.78 Johannisb. Konf.ca.1% Gl. 0.85 Himbeer Konf. ca. 1 Pfd. GI. 0.95 Macon Roter Burg. Fl. 1.50 Wermuth Acossato Flasch. 1.80 28er Frankenweiler FI. 0.85 28er Maikammer Kr.FI. 0.95 28er Maringer Schwy. Fl. 1.10 29er Hambach.Galgen Fl. 1.05 Obstschaumw. Fl. 1.25, 1.00 Wochenendkonserven in großer Auswahl Die Dose von 0.50 an U BAHNHOF HERMANNPLATZ DER KARSTADT BAHNHOF Nr. 403 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 29. August 1930 Europawirtschaft gegen Weltfrise. Wie sieht die Produktion? Europa muß ein Markt, ein Wirtschaftsgebiet werden. Eine neue Tagung des Bölkerbundsrats steht bevor. Gleichy zeitig werden am 8. und 9. September nachmittags die Beratungen der von Briand einberufenen Europatonferenz abgehalten werden. 15 Staaten haben bisher ihre Teilnahme an diesen Beratungen zugesagt. In Deutschland kümmert sich die Deffentlichkeit um diese Dinge auffallend menig; aber sie sind heute, wo Existenzfragen der Völker nicht mehr von Land zu Land, sondern Don Kontinent zu Kontinent entschieden werden, lebenswichtig ge worden. Sie sind auch lebenswichtig geworden, weil man auf Dauer der Ursachen der jetzigen Weltwirtschaftskrise nur durch die wirtschaftliche Rationalisierung Europas Herr werden tam. Als Briand Ende vergangenen Jahres den Borschlag machyte, eine Art Bundesverhältnis zwischen den europäischen Völkern einzurichten, war der Gedante im Munde des französischen Außen ministers eine Sensation. An Zutunftsbildern von der gegenseitigen Anmäherung der europäischen Volkswirtschaften", von der Einrich tung eines gemeinsamen Marktes zur Höchststeigerung des Niveaus der menschlichen Wohlfahrt" und ähnlichen schönen Worten fehlte es in Briands Memorandum nicht. Europas Regierungen antworteten teine ablehnend, aber jede machte von sich aus Bor behalte und formulierte Boraussetzungen, daß schließlich von irgend einer gemeinsamen Zielsetzung nicht mehr viel übrig blieb. Große Hoffnungen bestehen denn auch hinsichtlich der bevor: tehenden Tagung auf feiner Seite. Ganz offensichtlich haben sich vielmehr die Gegensätze zwischen den europäischen Staaten verstärkt. Biltgehante eines mehrjährigen Sof, Baffen schon ein Kompromiß; daraus entstand als ganz bescheidenes Kompromißchen die Genfer Konvention vom vorigen Jahr, und auch gegen sie wird überall( auch in Deutschland: Finnlandkündigung) gefündigt. Selbst die britische Handelspolitik ist immer mehr in Gefahr, von der Idee des Freihandels abgedrängt zu werden. Aber allen Ernstes muß bedacht werden: Durch die Zollbarrieren in Berbindung mit den zahllojen Synditaten und Kartellen, deren sich alle europäischen Länder„ erfreuen, wird Europa in 30 oder mehr Märkte zerrissen, von denen ein großer Teil ohne dauernde Staatsfubventionen überhaupt nicht mehr lebensfähig ist. Diese Zerreißung Europas ist die Haupturfache der Ueberlegenheit der Amerikaner in der Welt. Die Amerikaner verfügen in Deutschland jetzt über 79 Fabriten und 1150 Abjatagenturen: Fabriken Agenturen Industriezweig Landwirtschaftliche Maschinen Automobile und Motorräder Zubehörteile für Automobile Chemikalien Elektrotechnische Erzeugnisse Eisen- und Stahlwesen Maschinen und Geräte Textilien Schnhe und Leder Nahrungsmtitel. 375489834 15 20 146 69 36 70 296 51 12 198 Solche kommerziellen Armeen unterhalten die Amerikaner auch auf den anderen großen europäischen Märkten. Die hohen 3ŏlle der europäischen Länder bilden für sie kein Hindernis: die amerikanischen Maffenerzeugnisse sind teilweise fo billig, daß fie die Zollbarieren überspringen und trotz der hohen Fracht, Versicherungs- und Zollfäße noch wettbewerbsfähig bleiben. Bo aber der Zoll nicht übersprungen werden kann, gehen die amerifanischen Unternehmungen zur Produktion oder zur Montage it Europa über. Besonders auf dem Gebiet des Landmaschinen- und des Automobilbaues hat sich das Prinzip der Montage, der Verbindung billiger amerikanischer Massenerzeugnisse und billiger europäischer Arbeitstraft, gut bewährt. Daraus ergeben fich für Europa zwingende Schlußfolge rungen: Bohe Produktionsmittelpreise hindern die wirtschaftliche Befferung. A Der letzte Wochenbericht des Instituts für Konjunt. turforschung stellt fest, daß der deutsche Produktionsindeg ( 1928 100) von 94,2 im März auf 85,7 im Juni 1930 gesunken ist. Im Juni 1929 stand der Produktionsinder noch auf 109,8 Proz., so daß gegenwärtig also rund ein Fünftel weniger Waren hergestellt werden als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Im ganzen ersten Halbjahr 1930 blieb die Produktion um rund 10 Proz. hinter dem Vorjahr zurück. In den letzten Monaten sind vor allem in den Produk tionsgüterindustrien erhebliche Einschränkungen Dor genommen worden. Bei den Verbrauchsgüterindustrien liegt die fehr beachtliche Tatsache vor, daß die Lage fich in einigen Industriezweigen zu bessern begonnen hat. Die Schuh produktion hielt sich im ersten Halbjahr 1930 um rund 7 Broz. über der gleichen Zeit des Vorjahres, die Porzellan. erzeugung um rund 3 Proz., die Herstellung von Baumwoll. garn um rund 5 Proz. Auch in der Woll- und in der Seidenindustrie hat sich die Produktion unverkennbar leicht erhöht. Das Institut führt diese teilweise Besserung der Beschäftigung auf die start geräumten Lager und die sinkenden Preise der von diesen Industrien verarbeiteten Rohstoffe zurück, so daß der mengen mäßige Absatz an die Konsumenten bei weitem nicht mehr so start fintt wie die Umjazwerte, teilweise sogar wieder etwas gestiegen ist". Nach der Auffassung des Instituts ist die konjunkturelle Entspannung in den Verbrauchsgüterindustrien am meisten fortgeschritten. Bei den Produktionsgüterindustrien, besonders bei der Produktion von Kraft- und Grundstoffen, laffen erhöhte Lagervorräte eher noch weitere Einschränkungen erwarten. Die Wirtschaftslage in Deutschland scheint also im ganzen, da das Gewicht der Produktionsmittel- und Rohstoffindustrien sehr groß ist, noch nicht an ihrem Tiefst and angelangt zu 1. Der große einheitliche amerikanische Markt hat Riesenunternehmungen mit beispielloser Massenfabritation entstehen lassen. 2. Die durch Zollbarrieren verstärkten politischen Grenzen zwischen den europäischen Völkern verbieten die Entstehung von mit ſein. Um so wichtiger ist die Lehre aus den Feſtſtellungen des InAmerita wettbewerbsfähigen Unternehmungen auf sehr vielen Produktionsgebieten. 3. Die Zollbelastungen verteuern das europäische Lebensniveau und damit auch die Produktionskosten um viele Milliarden jährlich. 4. Die Ameritaner profitieren aus dieser Zerreißung Europas und rechnen mit ihr wie mit einer für ewig unabänderlichen Tatfache. ftituts, daß Preissenfungen bei den Verbrauchsgüterindustrien die. Beschäftigung erhöhen konnten. Diese Lehre muß auch für die. Produktionsmittel und die Rohstoffindustrien gezogen werden, die an eine ausreichende Preissenfung nicht heran wollen. Das Volk spart am Fleisch, Neuer Rückgang des Fleischverbrauchs. Die vom Fachausschuß für Fleischversorgung durchgeführte Erhebung über den Gesamtfleischverbrauch im ersten albjahr 1930 ergibt einen bedenklichen Rückgang. Der Berbrauch betrug: 1926 1927 1929 1930 Ballbarrieren abgebaut und die politischen Grenzen bedeutungsloser Europa wird in dem Maße wirtschaftlich gesunden, wie die geworden sein werden. Der Flugverkehr der europäischen Staaten wartet auf gemeinsame Organisierung, der durch Zollabfertigungen verzögerte Bahntransport verteuert die Frachtspesen, die rationelle Ausinigung der Wasserkräfte erfordert gemeinsame Betätigung vieler Staaten, eine rationelle Großtraftverteilung über den Kontinent Es war vor einigen Monaten, als zum ersten Male der törichte wird durch die Grenzziehung unmöglich gemacht, militärische und Plan auftauchte, für die wichtigsten europäischen Industrieländer Landesverteidigungsinteressen veranlassen die Entstehung teuer argemeinsam einen besonderen Schutzzoll gegen die Einfuhr amerifa- beitender Industrien( Stichstoffproduttion, Rüstungsindustrie, Mouischer Automobile zu schaffen. Schußzölle find freilich tein vertorenbau usw.) und verursachen leberproduktion überall 1928. münftiger Weg für wirtschaftliche Europapolitit; es fommt auf die Die gesamte technische und betriebliche Rationalisierung der letzten Beseitigung der falschen Kosten zwischen den Staaten und die Schaf Jahre wird in ihren Ergebnissen zunichte gemacht durch die jeder fung eines europäischen Marktes an. Man höre, was die Ge rationellen Wirtschaft hohnsprechende wirtschaftliche Vielstaatere. neral Motors Corporation die in Deutschland die Opelwerke und in England die Baurhall- Gesellschaft beherrschtseinerzeit in einer Denkschrift dazu sagte: Erhöht ihr in Europa die Zölle, dann werden wir Amerikaner noch stärker als bisher unsere Fabritation in die europäischen Länder verlegen. Auch andere Gegenmaßnahmen gegen eure Rampfmittel find nüglich. Ihr könnt in Deutschland schwere und mittelschwere Automobile bauen, aber die Herstellung der billigen Massenwagen ist amerikanisches Borrecht. Es ist vergeblich, zu hoffen, daß die deutsche Industrie, solange nicht durch eine europäische Zollunion ein Abjahgebiet von der Größe des amerikanischen geschaffen worden ist, einen Wagen wie den Ford oder Chevrolet zum Ladenpreise von 2000 bis 2500 Mart auf den Markt bringt." Diese Borte sollten sich die europäischen Industriellen in ihren Büros eingerahmt an die Wand hängen! Die amerikanische Industrie hat in der Tat dort ihre hauptfachlichsten Erfolge, wo sie auf Grund ihres heimischen einheitlichen Marties mit außergewöhnlich billigen Massenerzeug miffen auftritt: landwirtschaftlichen Maschinen, Sezmaschinen, Automobilen, elektrischen Kühlschränken, Kodaf- Apparaten usw. Eben in diesen Tagen wurde ein Bericht des Berliner Com mercial Attaché der Bereinigten Staaten, Mr. Douglas Miller, veröffentlicht, der die Tätigkeit amerifanischer Unternehmungen in Deutschland zusammenstellt. Viel wird man von Briands neuer Europakonferenz nicht ermarten dürfen. Es wird mit ihr wohl ähnlich gehen, wie mit der internationalen Abrüstung, wo man seit Jahr und Tag aus vor bereitenden" Konferenzen taum herausgekommen ist. Die wirt fchaftliche Vereinheitlichung Europas zu einem gemeinsamen Markt fann sich auch nicht mit einem Schlag vollziehen. Sie muß von dem Willen und dem Elan der organisierten, arbeitenden Massen, die von der Unvernunft der gegenseitigen Absperrung am härtesten betroffen werden, schrittweise und von Land zu Land vorwärts getrieben werden. Auch auf diesem Wege wird Deutschlands mächtige Sozialdemokratie führen müssen. Sie tann aber nur führen, wenn sie auch im deutschen Reichstag, wo der Regierung die Aufträge erteilt werden, am 14. September mit vergrößerter Macht einzieht. Expansion des Widing- Konzerns. Die Widingsche Portland3ement- und Wasserfallwerte A.-G., Münster i. W., hat aus den hohen Zementpreisen immer noch Geldüberfluß für Expansionen. Während der Neubau des Unternehmens in Neuwied Millionen 800 000 Mart nom. Aktien der Portland- 3ement- und Kallwerte verschlingt, hat die Gesellschaft jetzt 60 Prozent von insgesamt Wilhelm Schlenkhoff A.-G., eines Familienunternehmens, erworben. Die Anlagen dieser Gesellschaft liegen in Beckum und Lengerich, ganz in der Nähe von denen des Wicking- Konzerns. Pro Kopf der Bevölkerung Mehr(+) bezw. wenig.(-) in kg. für das erste Halbj. als im Vorjahr 1 19,519 21,734 23,759 23,481 22,576 +1 Proz. 11,3 9,3 1,2 3,9 Der Fleischverbrauch ist pro Kopf um 3,9 Proz. gegen. über dem Vorjahr gefallen. Während der Fleischverbrauch bis 1928 eine ständige und nicht unerhebliche Zunahme zeigt, trat schon 1929 ein Rückgang ein, der sich im Jahre 1930 unter dem Druck der Krise und der agrarpolitischen Maßnahmen der Regierung Brüning- Schiele vergrößerte. Der Fleisch verbrauch ist damit hinter dem Stand von 1928 zurüd verbrauch von 3,9 Proz. ausschließlich zu Lasten der breiten Massen geworfen worden. Man fann annehmen, daß der Mindergeht. Wenn man demgegenüber dem Krieg veränderten Altersaufbau berücksichtigt, hat der Fleischverbrauch pro Kopf im ersten Halbjahr 1930 um 1,5 Broz. unter dem Berbrauch der Jahre 1911 bis 1913 gelegen. Das sind großenteils die Folgen der Politik der Regierung Brüning- Schiele. Im 2. Halbjahr hat die ,, Notstands" regierung ihre Hungerpolitik besonders für die Arbeitslosen noch verschäft. Sogar das billige Gefrierfleisch wurde dem Arbeiterhaushalt genommen. Auch darauf erhält sie am 14. September die Antwort. Reichswirtschaftsrat arbeitet. Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats trat am 28. August zusammen, um auf der Grundlage des Schreibens des Reichswirtschaftsministers vom 22. August an den Borläufigen Reichswirtschaftsrat seine Größe verpflichtet 09.01 Die größte deutsche Schuhfabrik wird allen Ansprüchen auf bestes Material, tadellose Verarbeitung und höchste Eleganz bei billigster Preisgestaltung gerecht. MARK SALA MAN SALAMANDER ER Die Wahlzeitung ist erschienen! Am Sonnabend, 30., und Sonntag, 31. August, erfolgt die Verbreitung von den bekannten Lokalen aus. meiteren Berhandlungen über die Fragen der Preisbindungen fest| zusehen. Nach längerer Aussprache wurden zwei Arbeitsausschüsse mit je 12 Mitgliedern gebildet, von denen der erste Ausschuß zuerst die Fragen der Baustoffe und sodann die Fragen von Kohle, Kali, Eisen, Treibstoffen, Düngemitteln u. a., der zweite Ausschuß die Preisprobleme der Martenartikel unter Heranziehung von Sach verständigen und Interessenten behandeln soll. Die Ausschüsse werden sofort ihre Arbeiten aufnehmen und mit größter Beschleunigung durchführen. Ueberjee handels erflärt fich, abgesehen von allgemein fonjunt.| messen auf Handel und Genossenschaften verteilen. Die Kommiffions. turellen Gründen, zum Teil durch den Erfaz des Warenexports durch gebühren, die die Deutsche Getreidehandels- Gesellschaft zahlt, werden Rapitalerport( Errichtung von Zweigfabriken, Lizenzverträge usw.), herabgesetzt. zum Teil auch durch den ganz enormen Kauffraftrüdgang, der in südamerikanischen Ländern eingetreten ist, und durch die Erschwerung der Getreideeinfuhr nach Deutschland durch amtliche Maßnahmen. Zu dem beobachteten erheblichen Sinten der Frachten für Ueberseeverschiffungen hat der Rückgang des Handels erheblich beigetragen. Deutschlands Weltmaschinenegport. Verschiebungen in der Handelsbilanz. Der amerikanische Kontinent fauft weniger von Deutschland berechnet die gesamte Weltmaschinenausfuhr für das Der Verein Deutscher Maschinenbauanstalten Der Umfang des Handels über die deutschen Grenzen und Häfen Jahr 1929 auf 5,65 Milliarden Mart gegen 4,93 Milliarden im hat im ersten Halbjahr 1930 wert und mengenmäßig einen er- Jahre 1928, 4,18 Milliarden 1927 und 2,54 Milliarden( wobei die heblichen Rückgang erfahren. Der Wert der eingeführten seitdem eingetretene Geldentwertung zu berücksichtigen ist) im Baren blieb nach einer Zusammenstellung in Wirtschaft und Jahre 1913. Deutschlands Anteil an diesem Weltmaschinen Statistit" um 1117 Millionen, der Wert der Ausfuhr um export betrug 1929 1,43 Milliarden, ist also gegenüber 1927 mit 325 Millionen Mark hinter dem ersten Halbjahr 1929 zurück. Die 960 Millionen um 50 Proz. und gegenüber 1913 mit 738 Millionen deutsche Handelsbilanz war in den ersten sechs Monaten 1930 mit um fast 100 Broz. gestiegen( Geldentwertung nicht angerechnet). Die 503 Millionen Mart attiv( im ersten Halbjahr 1929 Bereinigten Staaten stehen aber heute in der Welt mit 289 Millionen Mark passiv). ( 2023 Millionen Mart) Deutschland beträchtlich voran, während im Jahre 1913 Deutschland noch an erster Stelle stand. Deutschlands Anteil ist von 1928 auf 1929 von 23,7 auf 25,2, der der Vereinigten Staaten von 34,2 auf 35,8 Proz. gestiegen, während der Eng lands von 21,6 auf 19,6 Proz. zurüdgegangen ist. Die Gruppe Textilmaschinen war 1929 mit 277,6 gegen 223 Millionen im Vorjahr am stärksten am deutschen Maschinenerport beteiligt. Dem mehr als 16prozentigen wertmäßigen Rückgang der Ein fuhr steht jedoch infolge des Sintens der Weltmarktpreise ein mengenmäßiger Rückgang in Höhe von nur 5,8 Pro3. gegenüber. Der Minderaufwand für die eingeführten Waren in folge der Preisrückgänge war am stärksten bei ben eingeführten Lebensmitteln; hier betrug der durchschnittliche Preisrüdgang gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahrs 14 Proz. Die deutsche Ausfuhr zeigt mengenmäßig noch eine fleine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Erhebliche Berschiebungen sind jedoch bei den Besti m- Kredite für Roggenstühung verdoppelt. mungsländern eingetreten. Auf Kosten der deutschen Ausfuhr nach Frankreich, die um 161 Millionen gegenüber dem ersten Falbjahr 1929 gestiegen ist( nicht durch Reparationslieferungen!), der Ausfuhr nach den Niederlanden(+43,4 Millionen), BelgienLuremburg(+ 41,6 Millionen), Dänemark und anderen europäischen Ländern, ist die nach dem amerikanischen Kontinent um 216,2 millionen gefunten. Aber auch die Ausfuhr nach Japan jant um 26,9 millionen, die nach China um 25,9 Millionen und nach Niederländisch- Indien um 22,2 Millionen. Die Einfuhr Dom amerikanischen Kontinent nach Deutschland ging um 219,4 Millionen Mart zurüd. Dieser auf den ersten Blick auffällige Rüdgang des deutschen ZUR Die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft( Staatliche Roggenstüßungsstelle) und die Getreideindustrie und Kommiffions-.- G. haben einen Kreditvertrag abgeschlossen, nach dem der bisherige Kredit von 30 Millionen Mart verlängert und ein zusätzlicher Kredit von 30 Millionen Marf neu gewährt wird. Die Grundlagen der Kreditgewährung werden ge= ändert. Die Beleihungsgrenze je Tonne lombardierter Roggen, die bisher auf 80 M. abgestellt war, mird auf 66% Proz. des Roggen marktwertes festgelegt. Die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft soll fünftig ihre Stügungsfäufe und die Verwertung des Roggens nur zu zwei Dritteln durch Bermittlung der Getreideinduftrie und Kommissions- A.- G. vornehmen, den Rest aber nach freiem ErEs ist wünschenswert, daß das Reichsernährungsministerium über die ziffernmäßigen Grundlagen der neuen Abmachungen fich etwas genauer ausdrückt. Die der deutschen Autoindustrie Produktionsdroffelung Citroen Automobil 2.-G. in Köln hat ihre Werte wegen Auftragsmangel porübergehend geschlossen und ver legt jetzt ihre Berkaufszentrale von Köln nach Berlin. Eine vorübergehende Teilstillegung wird auch von der DaimlerBenz 21.-B. gemeldet, während die Adam Opel A.-G. nach wie vor Absatzsteigerungen meldet. Rüdgang der amerikanischen Autofabritation. Der Rüdgang der amerikanischen Autofabrikation ist nach einer vom Handelsministerium veröffentlichten Statistit in den ersten fieben monaten dieses Jahres jehr bedeutend. Es wurden 2 481 911 Automobile gegen 3 716 382 in der gleichen Zeit des Vor. jahres hergestellt. 9 Konzentration der medizinischen Apparatefabritation. Die Beldamwerfe 2.-G., Nürnberg, die vornehmlich zahnärztliche Apparaturen herstellt und von Siemens- Schudert tontrolliert wird, treten ihre Fabriken an die Adam Schneider A. G., Berlin, ab, die zur Inag- Gruppe des Siemens- Konzerns gehört. Der Konzern nimmt damit einen weiteren Schritt zur Konzentration der medizinischen Apparatefabrikation bei der Inag- Gruppe vor. Siedlung Holländer Hoppegarten Parzellen Fordern Sie Prospekt! qm von 1.35 an Wagenfreifahrt ab Bahnhof Hoppegarten Verkaufsbüro: Niederheider Straße, Ecke Festionostraße Fernruf: Neuenhagen 599 JUGENDWEIHE uno ม ก Kielder aus kunstseldenem 8.75 7.50 4.90 Schwarze Kleider Taffetarmellos, in zarten 17.00 Kleider aus Crepe de Chine, ärmellos, in zarten 17.00 Kleider Pastellfarben 24.00 21.00 in Schwarz und Weiß, aus Crêpe de Chine und Veloutine, in mod. Verarbeitung 23.50 21.00 29.50 27.50 Farben 19.75 aus Veloutine, mit langen Aermein, in schönen 25.00 6.25 4.90 4.50 aus Seidentrikot, in allen Kleider Unterröcke Farben . 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Absatz... 12.50 6.90 Chevreau, silbergrau, L. XII Absatz 8,90 Chevreau, mode mit amerik. Absatz 10.90 Burschen- Halbschuhe Boxkalf, schwarz, kantige Form, weißgedoppelt, Gr. 37 bis 39 Boxkalf, braun, kantige Form, weißgedoppelt, Gr. 37 bis 39 .10.90 Burschen- Lackhalbschuhe 11.50 weißgedoppelt, Gr. 36 bis 39.... 12.50 Burschen- Schnürstiefel Rindbox, Ringbesatz, breite, bequeme Form Rindbox, mit Derby, breite Form 11.25 9.25 • WARENHAUSER S: Oranienstraße 164-165. Charlottenburg: Rosinenstraße 4 ⚫N: Reinickendorfer Straße 21 O: Frankfurter Allee 60 N: Brunnenstraße 188-190( Spezialabteilung für Herrenbekleidung) Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB 68, Sindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Sente, Freitag, 29. August, um 19 Uhr, Ber fprechung aller Abteilungsleiter, Raffierer fowie Materialausgabe bei Alug, Danziger Str. 71. 5. Kreis Friedrichshain. Achtung! Bahlmaterial ist Sonnabend, so. August, um 10 Uhr pünktlich abzuholen. 14. Kreis Reutöln. Achtung, Abteilungsleiter! Die Sandzettel anz zweiten Demonstration find am Sonnabend, 30. August, vom Barteibüro abzuholen. Die Cozialistische Arbeiterjugenb labet ein zu ihrem Sommerfest, welches vor zwei Wochen verregnete, zum Sonntag, 31. August, in der Königsheibe. Abmarsch mit Mufit 13½ be nom Sergbergplag. Sonntag, 31. Auguft, in Rubow, Juliuspart, republikanischer Sag als Auftakt zur Wahl. Um 15 Uhr Umzug burch den Ort. Rege Beteiligung ber Neuköllner Genoffen wird erwartet. 17. Kreis Lichtenberg. Die Abteilungen 114 bis 124 Propagandamaterial adholen aus Borwärts"-Ausgabeftelle Bothagener Str. 62. Flugblattausgabe und Flugblattverbreitung von nachstehenden Lokalen aus: Heute, Freitag, 29. Auguft. 30. Abt. Achtung, Bezirksführer! Ausgabe heute ab 18 Uhr bei Bobft, Bnchener Str. 103. Am Sonnabend, 30. August, Berbreitung von den Rahlabenblokalen aus. 36. Abt. Treffpunkt zur Demonftration um 18 Uhr Rüftriner Blaz. Sonn abend ab 18 Uhr Berbreitung der Flugblätter, Conntag, 31. Auguft, ab 9 Uhr von folgenden Lokalen aus: 1. Gruppe: Busch, Tilfiter Str. 27; 2. Gruppe: Horn, Borndorfer Str. 9; 3. Gruppe: Wittschuß. Petersburger Straße 5; 4. Gruppe: Kirsch, Petersburger Str. 81. 99. Att. Brig- Budom. Ab 19 Uhr Abholen vom Genoffen Günther, Chauffee ftraße 48. Jeder Bezirk muß vertreten fein.- Großfiedlung vom Genossen Arnold, Frig- Reuter- Allee 14. Beziz 151: Connabend ab 16 Uhr von Arnold, Frig- Reuter- Allee 14, aus, Bezirke 149, 150, 151: Gonntag, 31. Auguft, 9 Uhr, am Sufeisen, Treffen aur Baubenagitation. Fitz Ordner Bflichtveranstaltung. 1 120. Abt. Friedrichsfelde. Alle Genoffen beteiligen fich heute en der AutoPropagandafahrt um 18 Uhr bei Gdwara, Capriniallee 104. Flugblattaus gabe am Sonnabend, 30. August, von 18-19 Uhr, vom Genossen Wegner, Capriviallee 104, aus. Morgen, Sonnabend, 30. Auguft. 1. Abt. Ab 17 Uhr und am 31. August ab 8 Uhr bei Spiegel, Aderfte. 1. 3. Abt. Ab 17 Uhr und am 31. Auguft ab 9 Uhr bei Ohngemach, Romman bantenstr. 89. 4. Abt. Ab 17 Uhr und am 31. August ab 9 Uhr bei Brandis, Stralauer Straße 10. 9. Abt. Ab 18 Uhr und Sonntag ab 9 Uhr bei Hübner, Wilsnader Str. 19. Abt. Flugblätter find von den bekannten Lotalen abzuholen. 23. Abt. Bon allen 8ahlabendlotalen aus Flugblattverbreitung. 25. Abt. Ab 18 Uhr bei 8wid, Pasteurftr, 6. Röfeler, Goldaper Str. 9. Schmidt, Aniprodestraße Ede Kurische Straße. Kramer, Cotheniusstr 3. 20 Uhr Berteilung der Transparente und Fahnen bei Rramer, Cothenius ftraße 3. 26. Abt. Ab 16 Uhr bei Beinlich, Weißenburger Str. 1. 27. Abt. Ab 18 Uhr von den bekannten Zahlabenblokalen aus. 28. Abt. Flugblätter und Material abholen von Binner, Tresdowtraße, non 15 bis 17 Uhr. 29. Abt. Die Genoffen und Wahlhelfer der SAS. treffen fich aur Flugblattverbreitung Sonnabend ab 17 Uhr bei Burg, Brenzlauer Alee 189. 31. Abt. Ab 16 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Die Bezirksführer müffen zur Funktionärsizung am Montag, 1. September, die Sahl det be. nötigten Transparente und Fahnen melden. Lojad, Benmefte 8. 33. Abt. Ab 18 Uhr bei Hahn, Simon- Dach- Str. 9. Bertalla, Hohenlohefte. 3. Hoffmann, Stralauer Allee 17. 35. Abt. Gonnabend, 30. August, ab 17 Uhr, und Sonntag, 31. Auguft, eb 21 hr. Gruppe Schlichting vom Lokal Echnoerer, Voigtstr. 38. Gruppe Seeben vom Lotal Graubner, Boigtstr. 25. Die Gruppen Treptow und Rosenstod vom Lokal Schulze, Samariterftr. 38, aus. 37. Abt. Ab 17 Uhr 1., 2., 3. Bezirk: Regener, Seidenfeldstr. 11. 4., 5., 6. Bezirk: Raschte, Matternftr. 14. Jüngere Parteimitglieder und 625. find besonders verpflichtet. 38. Abt. Achtung! Bezirksführer! Die Flugblätter find am 30. Auguft son den Gammelstellen abzuholen. Achtung! Barteigenoffen! Die Flugblatt. verbreitung findet für den Bereich der 38. Abt. Montag, 1. September, von den 8ahlabenblokalen aus ftatt. Rein Genoffe darf fehlen. Buch Dermerf vom Bezirksführer eintragen laffen. 40. Abt. Die Flugblätter für die Berteilung am 30. und 31. Auguft werden ab 16 Uhr bei Reufnet, Hagelbergerftr. 20a, ausgegeben. Es haben fich fämtliche Genoffinnen und Genoffen an der Berbreitung zu beteiligen. 43. Abt. 17 Uhr von den Rahlabenblokalen aus. 46. bt. 16 18 Uhr bei Eichholz, Cuornftr. 23. Charlottenburg. 51. bt. 6 17 Uhr von den Gruppenlofalen aus. 52. 95t. 17 Uhr Antreten zur Demonstration am Goslarer Blak. Gonn tag, 31. Auguft, Flugblattverbreitung von Bade, Raiferin.Augufta- Allee 52-54. Abt. 17 Uhr antreten zur Demonftration. Goslarer Blas. Funktionäre holen Blafate und Fahnen ab vom Jugendheim, Sonntag, 31. Auguſt, Flugblattverbreitung 9 Uhr Sofal Casper, Guerideftr. L. Achtung, Wählen Tiften einfehen! 67. Abt. Grunewald. Ab 18 Uhr Total Burabacher, Bahnhofsreftaurant. 74. st. Rehlendorf- Fishtal ab 16 Uhr vom Genoffen Schade, Balbbitter pfab 80. Schöneberg. 77. 6. Treffpunkt aure Flugblattverbreitung Sonnabens ab 17 Uhr, Sonntag ab 9 Uhr. 1. Bezirt bei Milbe, Rollendorfitt. 16. 2. Bezirk bei Jürgens, Barbaroffaftr. 5a. 3. und 4. Begin bei pin, Martin Luther- Str. 69. 79. Abt. Ab 18 Uhr bei Steimann, Sebanftr. 17. Berbreitung Sonnabend und Sonntag von ben Sahlabendlokalen aus. 81. st. Freibenau. Die Parteigenoffen, die fich am Sprechchor aur Wahl agitation beteiligen wollen, treffen fidh Sonnabend, 17% Uhr, bei Alabe, Sandiernftr. 60/61. Sonnabend von 18 bis 19 Uhr Abholung des Materials gure Flugblattverbreitung von Rlabe, Sandjernftr. 60/61. Parteigenoffen, bie aur Bahl Fahnen und Transparente baben wollen, melden fich ebenfalls bei Rlabe Gonnabend von 18 bis 19 Uhr. 84. Abt. Bantwik. b 16 bis 18 Uhr bei Lehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29/81. 94. Abt. Rentälln. Bezirksführer! Ab 16 Uhr abholen vom 2ptal Schröder. Sonntag Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. 101. Abt. Steptom. 1. bis 3. Bezirk: Borwärtsspedition, Graeßitr. 50. 4. Be airt: vom Genossen Goßmann aus. 5. Bezirk: vom Genossen Blag aus. 193. Abt. Oberfchöneweide. Bon folgenden Lokalen aus: 1. und 2. Bezirk Lotal Knappe, Weftendstr. 18. 3., 4. und 5. Bezirk Lofal Schuls, Edifon. ftraße 87. 6. Bezirk Lotal Winkler, Wilhelminenhofftr. 82b. 7. und 8. Be girl Lotal compter, Luisenftr. 1. 9. und 10. Bezirk Lotal Emmerich, Wilhelminenhofftr. 64. 104. Abt. Rieberschöneweibe. Sonnabend, 17 Uhr, Tomalla, Berliner Str. 38. 106. bt. Johannisthal. Lotal Botha, Stubenrauchstraße. Gleichzeitig fönnen im gleichen Lokal Wählerliften ab 18 Uhr eingefehen werden. 108. Abt. Ropenid. Ab 17 Uhr Alt- und Riesvorstadt, Röllnische Borstadt: Schloßftr. 27 I. Dammvorstadt: Eisner, Raiser Wilhelm- Str. 3. Uhlen. horst, Mittelheide, Röpenid- Nord, Siedlung usw.: Lotal Alofe, Mahlsdorfer Straße 1. 109. Abt. Friedrichshagen. Ab 17 Uhr vom Lokal Fahrenbhols. Wilhelm. Ede Rirchstraße. Montag, 1. September, öffentliche Wählerinnenversammlung im Statitheater, Marktplag. Beginn 20 Uhr. Rednerin Gertrud Sanna, M. b. 2. 117. Abt. Sichtenberg. Sonnabend ab 18 Uhr, Sonntag ab 9 Uhr, Ar Rum melsburg vom Lotal Gienert. Für Neu- Lichtenberg vom Lokal Alofe. 117. anb 121. Abt., Gruppe Klingenberg. Sonnabend ab 18 Uhr vom Lotal Städtisches Flukbad aus. 123. Abt. Raulsdorf. 19 Uhr bei Hilbner. 124. Abt. Mahlsborf. 20 Uhr von den Rahlabenblokalen aus. 130a. Abt. Seinersdorf. Material ist vom Genoffen Loesner, Neutkirchftr. 55, abzuholen. 131. Abt. Riederfchönhausen. 20 Uhr Funktionärsihung bei Alindt, Am Frie bensplag. 133. Abt. Buchhols. 17% Uhr Treffen bei Roffad, Sauptstr. 71. 141. Abt. Rofenthal. Bünktlich 19 Uhr bei Türt, Niederstraße, wichtige Funktionärligung. Petershagen. 20 Uhr wählerverfamuntung im Restaurant Förstertlaufe". Snh. B. Saafe, Bruchmühler Straße, Vortrag des Reichstagstandidaten Ge. noffen Bruno Theet: Die bevorstehende Reichstagswahl." Freie Aus. Sprache. Frauenveranstaltung. 34. Abt. Die Genoffinnen beteiligen fich vollzählig am Sonnabend, 30. August, an bez Flugblattverbreitung von 15 Uhr ab Lotal Neish, Cadiner Str. 10. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 11. Kreis Schöneberg. Dienstag, 2. September, 20 Uhr, im Rathaus Schönes berg, Rimmer 144, Sigung der Arbeiterwohlfahrt. Thema: Fragen der Arbeiter. wohlfahrt". Wir bitten um nollzähliges und pünktliches Erscheinen. Jungfozialisten. Gruppe Webbing- Gesundbrunnen: Seute, Freitag, 20 Uhr, in her Soule Wiesen Ede Vantitrage, Simmer 12, Distusfionsabend:„ Biz und der Bahl lampi". Gruppe Süden: Seute, 20 Uhr, in Jugendheim Nordstr. 11, Simmer 3, Distuffionsabend über Nationalsozialismus". Gäfte willkommen. Gruppe Ciboft: Seute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Wrangelfir. 128, Simmer 8, Diskussionsabend. Werbebegirt Beften: Die Gruppen bes Werbebezirts Westen treffen fich am Gonntag, 1. Auguft, pünktlich 6½ Uhr, an ber Caprioibrüde in Charlottenburg zur Dampferagitationsfahrt nach Brandenburg a. d. S. Es mich um nsh sabliges Erfcheinen gebeten. Gäfte aus Bartei und SAS. beralih willkommen Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Gruppe Martha Demmning: Infolge der Demonftration fällt der Gruppen. abend heute aus. Bir tommen wieder am Dienstag im Jugendheim aufammen. Areis Neukölln: Die Rirkusleute üben heute, Freitag, auf der Wiese Sonnen allee um 17 Uhr. Brobe zum Waldfeft. Selferkreis: Wir finden uns alle morgen, Sonnabend, um 16 Uhr am Ringbahnhof Neukölln ein. Treffen aum Aufbau bes Beltlagers in ber Rönigsheibe Achtung, Berliner! Der Rreis Reutöllu labet alle Berliner Instrumentalisten zum Waldfeft in der Königs. Heibe ein. Treffpunkt 18% Uhr Serkbergplas. Untoften werden verglitet. Gruppe Birke: Alle Falten und Eltern beteiligen fich am Sonntag am Wald. fest in ber Rönigsheide. Treffpunkt um 13½ Uhr Sergbergplag. Gruppe Sichttämpfer: Sum Waldfeft der SUS. und Kinderfreunde treffen fich alle Eltern und fallen am Sonntag um 13% Uhr am Sergbergplag. Falten die Barolen, Eltern die Eintrittstarten nicht vergessen. Rreis Griebrichshain: Achtung, Rote Fallen: Seute, Freitag, 29. Auguft, 16-20 Uhr, im Jugendheim Dieftelmenerstr. 5-6, Rote- falten- Bollversammlung bes Areifes. Erscheinen ist Pflicht. Tagesordnung: 1. Wahl der Kreisfalten. perireter; 2. Ausfprache über Rote Fallen Arbeit im Kreis; 3. Berfchiedenes. Montag, 1. September: Die Kreismusitgruppe tagt 18-2014 Uhr im Jugendheim Dieftelmeperstraße. Alle Spieler müssen erscheinen. Geburtstage, Jubiläen usw. feinez Chefzan ble herzlichsten Glüdwünsche zur Silberhochzeit. 111. t. Bahnsdorf. Unserem alten Genoffen Abolf Richter unb Unserem lieben Barteigenoffen Baul Roll zu seinem 76. Geburtstage herzlichste Glüdwünſche Borträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 92 Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianfte. 37-38. Sof 2. St Freitag, 29. Auguft. Friedrichshain: Die Kameradschaften Memel, Warschau und Stralau treffen sich heute 18% Uhr Helsingforser Blaz. Reinidenbort( Ortsverein): 19% Uhr Antreten zum Saalschuß in Bittenau, Wittenauer Vereinshaus, Oranienburger Straße, zur Versammlung des Reichs bundes der Kriegsbeschädigten. Kameradschaft Hermsdorf: 19% Uhr Vereinshaus Bittenau, Oranienburger Str. 88-89, Sealschuß beim Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Gonnabend, 30. Auguft. Pantow: Antreten sämtlicher Radfahrer um 17% Uhr im Türkischen Belt", Breite Straße, zur Propagandafahrt( Bundeskleidung). Sonntag, 31. Auguft. Wedding: Um 14% Uhr Antreten aller attiven Rameraben im Lotal von Gorgaft, Uferstr. 12, zur SPD.Demonstration. Bundeskleidung. Kreuzberg: Achtung, Flämingfahrt! Abfahrt pünktlich 7% Uhr Fontanepromenade. Steglig: Antreten zum Gaalfchuß der SPD.- Bersammlung im Bartrestaurant Güdende um 9 Uhr. Pflichtveran ftaltung. Lichtenberg: Alle tabfahrenden Rameraden treffen sich in Banner Sleidung zur Bropagandafahrt mit dem Sportfartell um 13½ Uhr bei Wegner, Frankfurter Allee 236. Marineabteilung: Um 8 Uhr im Bootshaus Rudern. Feele Arbeiter Esperanto- Bereinigung. Gruppe Dften eröffnet am 2. Otto. ber, 20 Uhr, im Jugendheim Am Oftbahnhof 17, hochparterre rechtes Rimmer, einen neuen Esperantokursus. Anmeldungen erbeten an Genossen Martens, D. 112, Rroffener Str. 16. Gruppe Zentrum eröffnet am 3. Ottober, 18% Uhr, im Metallarbeiter- Berbandshaus, Linienftr. 83-85, Portal I, 2 Treppen, einen Esperantokursus. Anmeldungen erbeten an Genoffen Sproed, N. 58, Choriner Straße 45. Achtung! Wir beteiligen uns am Gewerkschaftsfest im Lunapart am 1.August. Treffpunkt Teufelsfee, in der Nähe des Bahnhofs Grunewalb. Abmarich um 14 Uhr. Die Reuköllner Bollstanz- Schar beteiligt sich am 31. August am Waldfest der Arbeiterjugend in der Königsheide. Treffpunkt 18% Uhr Neukölln, Sergbergplat. Am Montag, 1. September, eröffnen wir in der Turnhalle der RarlMarg- Schule in Neukölln, Raiser- Friedrich- Str. 208-210, einen Boltstanalehr. gang für Anfänger. Tanzfreudige herzlich willkommen. Touristenverein Die Naturfreunde", Abt. Charlottenburg. Fahrt aum Ueberfee Sonnabend/ Sonntag, 30./31. Auguft. Abfahrt Stettiner Fernbahnhof 17.35 Uhr. AS 250 Typographisches Drchefter. Dirigent Crich Gutzeit. Uebungsstunden jeden Freitag, 20% Uhr, im Ideaskasino, Neukölln, Beichselstr. 8. Bläfer und Streicher willfommen. Bereinigung der Freunde von Religion und Böllerfrieden. Genoffe Bfarrer Bleier spricht am tommenden Sonntag, 31. August, 18 Uhr, im Rahmen einer religiöfen Feierstunde in der Trinitatistirche, Charlottenburg, Karl- August- Plak, über das Thema„ Selbstgerechtigkeit ist gottlos!" Anfragen über Sinn und Red ber obigen Bereinigung beantwortet der 1. Vorsigende Willy Schönherr, Berlin- Steglis, Schönhauser Str. 14. Telephon: Steglig G 2, 8173. Gewinnauszug 5. Klasse 35. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lofferie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 17.8iebungstag 28. August 1930 Sa ber beutigen Bormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M, gezogen 2 Geminne u 75000 . 256105 . 1786 178281 258715 364461 20844 108506 372785 41001 195143 269078 301266 329813 8 Gewinne n 5000 6 Getoinne au 3000 14 Gewinne an 2000. 335545 366499 32 Gewinne a 1000 m. 5788 51951 95293 104465 114177 114291 123702 128164 249866 269606 279956 280502 280996 308612 348739 887957 64 Gewinne a 500. 18018 18696 22530 27951 82140 48717 73116 83287 91997 92919 100165 101121 138559 157947 179868 189088 206999 209620 221343 225806 243096 252350 252397 269903 289005 292155 296455 325106 368145 384713 397718 398804 On ber heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Betsinne u 5000 n. 224665 4 Gewinne u 3000 m. 254323 808014 10 Gewinne a 2000. 41360 285678 302762 343994 388038 50 Betvinne 1000. 25900 30930 33269 70423 80960 91680 123056 132061 136835 138415 145241 156857 174580 193778 197190 205852 216136 243267 244505 245546 245710 258804 373959 374704 377828 82 Getoinne su 500. 9327 14907 17388 20616 22365 23203 28636 36368 74479 87815 105942 109623 111912 121997 125639 141272 141917 149360 149536 155400 196734 197014 205580 212613 225897 246258 253341 262865 273346 283445 291705 806722 322584 330800 336252 338462 350160 369612 370210 373247 388708 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Ge minne zu je 50000, 8 zu je 25000, 42 zu je 10000, 62 zu je 5000, 160 zu je 8000, 336 au je 2000, 792 au je 1000, 1916 zu je 500, 4882 au je 300 m. Was sagt der Bär એક દાયક ફરાર& શા OSETTI KON LINON JOSETTI JUNO Mitten im alten Berlin dient die Mühlendammschleuse seft 40 Jahren der Schiffahrt. Jhr fast gleichalfrig ist jene Cigaretten marke, die bis auf den heutigen Tag alle Ansprüche des Kenners zu erfüllen wußte: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette KONSERVEN Dose Junger Kohlrabi........ 0,50 Junge Brechbohnen 0,56 Junge Karotten........ 0,65 Jg. Schnittbohnen..... 0,75 Sellerie..... 1,05 Leipziger Allerlei..... 0,78 Brechbohnen.......... 0,80 Erbsen fein........ 1,20 Jg.Erbsen feln, mit Karotten 1,20 Stachelbeeren.... Kürbis............. Reineclauden.. 0,75 0,75 0,72 Schattenmorellen 0,98 mit Stein Ananas Singapore, 8 Scheiben.. 0,95 halbe Span. Aprikosen Frucht 1,05 KONFITURE Elmer ca. 2 Pfd. Pflaumen. 0,90 Aprikosen, Johannisbeer.. 1,15 Erdbeer, Kirsch, Himbeer 1,35 FLEISCH Schweinebauch ohne Beilage, Pfd. 0,94 Schweinekammodel 1,18 Schweinekolelett Pfd. Von 1,28 Schwarte..... Pfd. Schweineschinken Ptd. 1,10 Schweine- Schulterblatt Pid. 1,04 Kassler mild........... Pfd. von 1,20 Rückenfelt bratfertig, ohne 0,78 Eisbein mit Spitzbein, gepökelt, Pid. 0,74 Kalbshaxen............ Pt. 0,74 Kalbskamm o. Beliage, Pid. 0,96 Kalbskotelett... Pid. von 1,48 Kalbsschnitzel... Pfd. von 2,10 Kalbsrouladen er 1,58 Hammel- Vorderfleisch, 1,10 Hammelkeulen..Pfd. von 1,28 gerollt, Pfd. von Schallplatten 18 cm Durchmesser, doppelseitig, modernes Repertoire, Stück nur Heute zu Tick: billige und gute Lebensmittel einkaufen Verkauf soweit Vorrat * Preise nur Freitag und Sonnabend Mengenabgabe vorbehalten Fleisch und leichtverderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen * KASE FETTE WURSTWAREN OBST GEMUSE Allg. Slangenkäse 20%... Pta. 0,55 Märk. Leberwurst Ptd. 0,88 Tomaten ........ 3 Ptd. 0,18 Allg. Stangenkäse vollfett, Prd. 0,95 Hausm- Leberwursted.0,95 Pfirsiche Italiener...... Pid. von 0,28 Dänischer Schweizer 80%, Ptd. 0,84 Speckwurst............ Pta. 0,95 Weintrauben......... Pfd. von 0,28 Blockkäse Tilsiter Art, 20%, Pfd. 0,75 .Pid. von 0,88 Pfd. 0,84 .... Ptd. 0,90 Tilsiter vollfett Edamer 40%.... Holländer 40%....... Schweizer vollfett....... Pfd. von 1,28 Steinbuscher vollfett....... Pfd. 0,90 Emmenthaler Art Schachtel 0,75 Emmenthaler Art 30%.... Ptd. 1,15 Harzer.... Pid. 0,36 Camembert .2 Stück 0,45 Brie vollfett...... Ptd. 1,00 Molkereibutter..... Pid. 1,30 Tafelbutter... Ptd. 1,50 Dänische Butter... Ptd. 1,72 Margarine........... Ptd. 0,50, 0,62 Kokosfett...... 1- Pfd- Tafel 0,50 Hühner gefroren Píd. von 0,82 trisch geschl. 0,98 von Hühner Jg. Gänse von 0,98 Jg. Enten geschl. Pid. fr. geschl. von 0,98 FRISCHE FISCHE * Zander gefroren............ Pfd. 0,60 * Kabeljau o.K., ganze Fische, Pfd.v. 0,12 fett....... Dampfwurst Pid. 0,98 Zitronen....... ..... Pid. 0,98 Zitronen............ Dutzend von 0,38 ..Pfd. von 0,98 Bananen .......... 3 Ptd. 0,95 Speck fett. Fleischwurst .... Pid. 1,05 Essbirnen Kalabas........... Pfd. 0,20 Jagdwurst.. Pid. 1,25 Essäpfel Hasenköpfe......... Pd. 0,24 Mettwurst nach Braunschw. Art.... Ptd. 1,25 Erdnüsse Ptd. 0,36 Wiener Würstchen....... Pta. 1,25 Wirsingkohl......Pid. 0,04 Plockwurst................. Pla. 1,35 Möhren gewaschen........ 3 Pfd. 0,10 Speck mager, ohne Rippen, Pfd. 1,40 Feine Leberwurst........... Pra. 1,40 Salatgurken......... Stück von 0,14 Hildesheimer............... Pid. 1,45 Ptd. 1,45 Grüne Bohnen........ 3 Prd. 0,14 Zervelat im Rindsdarm...... Pid. 1,65 Blaue Pflaumen 5 Pid. 0,68 Salami..... .... Prd. 1,65 Neue Kartoffeln 10 Ptd. 0,30 Teewurst fein.... Pid. 1,70 Weiss- od. Rotkohl Pa. 0,04 Schinkenspeck Pid. 1,85 Zwiebeln. .......... 3 Pid. 0,20 Nußschinken. 2 Pid. schwer. Pid. 1,95 Blumenkohl gr. Kopf, Stück von 0,20 WEINE 1928 er Liebfraumilch lieblicher Damenwein.... 1928 er Senheimer Lay..... 1929 er Obermeseler sehr guter Bowlenwein 1929 r Gaubickeih. Goldberg Naturgewächs: W. Becker 1,25 10 FI. 12,00 L00 10 Fl. 9,50 1929 er Oberhaardier Mai- 0,75 kammerer raintöniger Bowlenwein 10 Ft. 7,00 1926 er Lerzig. Würzg.Erglück Hirsch- Kochfleisch 0,36 Pfd. Hirschblätter 0,90 Hirschrücken1,15 Tauben.Stek von 0,68 RAUCHERWAREN Bücklinge........... Pra. 0,38, 0,45 Seelachs geräuchert.......... Pfd. 0,32 Steinbeisser geräuchert..... Pfd. 0,55 * Seelachs o.., ganze Fische, Pid. O, 14 1928 er Piesporter Hohlweid 1,85 Goldbars gerlacher..... Ptd. 0,36 1927 er Schloss Böckelheimer 10 FI. 17,50 Mühlberg Späfl. Naturgewachs. auch sortiert Rheinpf. Weiswein kleiner Tisch wein Cider süsser Apfelwein * Schellfisch............ Ptd. 0,12 " Grüne Heringe........ 3 Ptd. 0,64 * Fischfilet......... Pla. 0,22, 0,30 " Rotbars........... ... Pid. 0,14 * Lebende Karpfen... id. von 1,20 UNSERE SPEZIALITÄT 4,00 * Neue Feltheringe..12 Stack 0,50 Beutscher Weinbrand Liter 4,80 la allen Häusern ausser Andreasstrasse Stück nur Ltr.0,85 5 Ltr.4,00 Ltr.0,75 5Ltr.3,50 Preise ohne Flasche Ladis geräuchert, in Stücken, Pid. v. 1,25 1- Ltr.- Dose-Ltr.- Dose 0,50 0,50 0,50 Bratheringe...... 0,75 0,50 Bismarckheringe 0,75 Heringe in Gelee... 0,75 Rollmops......... 0,75 Oelsardinen 4 Portionsdosen... 0,95 Oelsardinen Marke„ Hertie, Dose 0,50, 0,65, 0,85 EIN BESONDERS BILLIGES ANGEBOT: Stück nur 0.50 12,75 Koffer- Musikapparate 19,50 mit gutem Werk Klar und rein im Ton KOLONIALWAREN Bruchreis... Ptd. 0,19 Weisse Bohnen..... Prd. 0,25 Viktoria- Erbsent 0,26 Gelbe Erbsen poliert, Pid. 0,32 Linsen................. PM. 0,32 Moulmain- Reis Pid. 0,28 Weizengriess........ Ptd. 0,29 Hartweizengriess Ptd. 0,32 HartgriessMakkaronibruch... 0,46 Eierschnittnudeln Ptd. 0,50 Backobst................. Ptd. 0,54 Kalif. Aprikosen... Pfd. 0,88 Saure Kirschen neue Erate, Pid. 0,55 Mandeln st... Ptd. 1,60 Mehl arke, Stadion"..... 5 Ptd. 1,60 Mehl Marke, Stadion"..... 2 Ptd. 0,65 Kaffee................... Pid. von 2,00 Kocheier 0,75 10 Stück FLEISCH Suppenfleisch... Prd. von 0,84 Gulasch gemischt.......... Pid. 1,08 Roastbeef ohne Knochen, Ptd. 1,68 Rinderlunge.......... Pd. 0,40 Rinderherz ......... Ptd. 0,64 Rinderbacken Knochen, Euter .......... Pfd. Pid 0,58 Pid. 0,30 mit Backe, 0,44 Schweinenieren... r. 0,88 Schweineköpfe Pid Talg ausgelassen............ Pfd. 0,54 Rinderleber gefroren, Ptd. 1,18 Hammel Vorderfleisch gefroren...... Pfd. von 0,84 Hammelkeulen proven 0,98 Schmorfleisch frozen, Ptd. 1,28 Pfd. o. Knochen, Schallplatten Spezialmarke Truso Gold", elektrisch aufgenommen.mod. Repertoire, 20 cm Durchmess., doppelseitig..... Stück nur $ 1,00 Verkäufe Sinoleum, Saillat, Roloniestraße 9. Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Totalausverlauf nur noch heute irud morgen. Anzüge, Mäntel, Sosen äußerst billig. 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September. ün dem Gehallsabbankonflikl in der Berliner Btcall- itibuflde ist gester» von der Metallangestelitenkammer des Berliner Arbeilsgerichtes der Firma Bergmann und damit dem gesamten verbend Berliner Bletallindustrieller der offene Tarisbruch altestiert worden. Damit ist aber auch dem Reichsarbeitsmini st er Kteger- wald von der„zuständigen Stelle" bedeutet worden, dah das Verhalten der Bletallindustriellen ein unsoziales ist. Das Arbeiisgericht hat die Gehaltskürzung für recht- lich unzulässig erklärt. Zur Entscheidung stand die Klage des Ingenieurs S.. der seit 1920 bei der Firma Bergmann beschäftigt ist und seit 1924 dem Betriebsrat angehört. Am 24. Juli d. I. hatte die Firma Bergmann in ihrem Betriebe den bekannten Anschlag herausgebracht, daß sie mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse bis auf w-eiteres am Sonnabend jeder Woche ihre Angestellten nicht mehr beschäftigen werde. Am Sonnabend, dem 20. Juli, tonnten die Angestellten dann auch tatsächlich nicht arbeiten, da das Werk geschlossen war. Bei der Gehaltszahlung Ultimo Juli hatte dann die Firma dem Kläger für die nicht geleistete Arbeit am 26. Juli 8,60 Mark von seinem bisherigen Gehalt abgezogen. Der Kläger, der vom Bund der technischen Beamten und An- gestellten oertreten wurde, beantragte die Zahlung dieser 8,60 Mark und zugleich die F e st st e l l u n g, daß es rechtlich u n z u- lässig sei, einem Angestellten bei Kurzarbeit auch sein Gehalt zu kurzen, wenn ihm sein Einzelarbeits- vertrag nicht rechtzeitig gekündigt worden ist. Die beiden Syndizi des Verbandes Berliner Metallindustrieller, Dr. Kantorowiez und Dr. N e u m a n n, gaben sich alle Mühe, dem Arbeitsgericht zu beweisen, daß das Recht mif ihrer Seite liege. Sie redeten zu diesem Zwecke oftmals beide gleichzeitig aus den Gerichtsvorsißenden ein. Worauf stützten sich die Unternchmervertreter? Dem Kläger war vor sieben Jahren, in der Zeit der Hochinflation, im Oktober 1923, wie damals so vielen Angestellten, unter dem Drucke der Kündigung die Unterschrist unter einen Revers ab- genötigt worden, worin er sich beretterklärte, daß ihm im Falle von Arbeitsstreckung auch nach dem 30. November 1923 sein Gehalt entsprechend der verkürzten Arbeitszeit reduziert werden könne. Daraus leiteten die Juristen des VBMJ. das Recht ab, diesem Angestellten auch heute noch nach sieben Jahren jederzeit sein Gehalt indem Umfange abbauen zu dürfen, wie die Arbeitszett verkürzt wird. Weil doppelt genäht aber bekanntlich besser hält, führten sie noch einen zweiten Grund ins Feld, nämlich die Protokoll- notiz zu§ 4 Ziffer 1 des Tarifoertrages der Angestellten der Berliner Metallindustrie über die W o ch e n a r b e i t s z e i t, die besagt:.Bei Verkürzung der Arbeitszeit unter 4 8 Stunden in dex Woche und entsprechender Kürzung der Bezüge gilt das T o rifeinkommen als einer 48sttindigen Wochenarbeitszeit entsprechend." Mit dem Hinweis auf diese Protokollnotiz glaubten die Unter- nehrnercnwälte ihren größten Trumpf ausgespielt zu haben, denn nach ihrer Auffassung hätte es nunmehr das Gericht nicht mehr nötig, in rechtsphilosophisch« Erwägungen einzutreten. Auf diese Ueberheblichkeit erwiderte der Gerichtsvorsitzende, daß das Gericht auch gar nicht beabsichtige, solche Erwägungen anzu- stellen, sondern sich lediglich von rein praktischen Erwägungen leiten lassen werde. Stach längerer Beratung verkündete der Gerichtsoor- sitzende Assessor Li« brecht das eingangs erwähnte Urteil, das die Firma auch zur Zahlung der vorenthaltenen 8,60 Mark Gehalt verpflichtet und gab dazu sinngemäß folgende Begründung: Der von der Beklagten zur Beweisführung herangezogene Revers des Klägers hat keine Rcchtsgültigkcit mehr, La er einmal in der Inflationszeit unter ganz anderen Verhältnissen unterzeichnet wurde und zum anderen einen Verzicht für die Zu- kunst aussplicht, was gleichfalls rechtlich unzulässig und ein V e r st o ß gegen den Tarifvertrag ist. Die von der Beklagten weiter angeführte Protokollnotiz zu§4 Ziffer 1 des Tarifv-ertrages ist lediglich als eine authentische Jnter- pretation des Tarifoerttages anzusehen, nicht aber als«ine dahingehende Vereinbarung, daß bei Arbeitszeitverkürzung auch gleichzeitig das Gehalt reduziert werden könne. In der Protokoll- nottz wird nur zum Ausdruck gebrocht daß, wenn durch g e s e tz° l i ch e Bestimmungen die Arbeitszeit verkürzt wird, auch das Gehalt entsprechend abgebaut werden kann. Ebenso bestimme die Stillegungsverordnung, daß, wenn zur Streckung der Arbeit die Verkürzung der Arbeitszett gesetzlich an- geordnet worden ist, Gehaltskürzungen e r st dann vorgenommen werden dürfen, wenn die Arbeitnehmer fristgerecht gekündigt sind und die gesetzliche oder verttagliche Kündigungsfrist a b g e- laufen ist. Die Frage, ob überhaupt die einseitig« Verkürzung der Arbeitszeit mit gleichzeitigem Gehaltsabbau gegen die guten Sitten verstoße, habe das Gericht nur angeschnitten, aber nicht entscheiden wollen. Es ist anzunehmen, daß mit diesem Urteil sich auch noch das Landesarbeitsgericht und wahrscheinlich auch das Reichsarbeitsgericht beschäftigen werden müssen. Ob aber, wie der Syndikus Dr. Neu- niann beim Abtreten selbstsicher murmelte, das Landesarbeitsgerichl diese Entscheidung.mit einem Federstrich" beseitigen wird, ist mindestens unwahrscheinlich. Was aber wird der Reichsarbeitsmini st er tun? Nach dem Arbeitsgericht von Brandenburg hat nunmehr auch das Berliner Arbeitsgericht gegen die Metallindustriellen und damit gegen den Reichsarbeitsminister entschieden. Herr Stegerwald wird es wahr- scheinlich wie der Unternehmersyndikus machen und auf die zweite Instanz hoffen. Der Termin der zweiten Instanz ist der 14. September. Bei diesem Termin entscheidet das Volk selbst. Und da ist weder für die Metallindustriellen noch für den Reicharbeitsminister viel.zu hoffen. Oie Eiserne Internationale. Kampf gegen die kapitalistische Unkultur. Kopenhagen, 28. August.(Eigenbericht.) Auf dem Internationalen Metallarbeiterkon- g r c ß, der zurzeit in Kopenhagen stattfindet, wurden im wetteren Verlauf der Verhandlungen verschiedene Berichte über die Lage in Deutschland, der Tschechoslowakei, in Oesterreich und Standi- navien erstattet. Reichel- Deutschland oerwies auf die bevorstehenden Reichs- tagswahlen, deren Bedeutung weit über die Grenzen Deutsch- lands hinausreiche In Deutschland gebe es gegenwärtig über 3 Mil- lionen Arbeitskräfte ohne Beschäftigung. Die Hauptziele im Kamps gegen die Arbeitslosigkeit seien für die Metallarbeiter V« r k ü r- zung der Arbeitszeit und Erhöhung der Kauf- kraft der Bolksmafsen. Rauchende Schlote und surrende Maschinen /Un nächsten Sonntag, dem 31. August: Gewerkschaf tslest im Lunaparh! Eintritt 50 Pf., für Arbeitslose und Kinder 30 Pf. seien noch keine Kultur. Notwendig sei die Beseitigung dar Verlust- quellen der Volkswirtschaft infolge unproduktiver Belastung durch Kriegsrüstungen, Zölle und gegenseitig« Absperrung der Länder. Auch Hampl-Prag und Stein-Wien verwiesen auf die durch die Arbeitslosigkeit geschaffenen Schwierigkeiten. In der Tschechoslowakei ist es, wie Hampl feststellte, dank der Energie der Gewerkschaften gelungen, eine Verbesserung der staatlichen Unterstützungen der Arbeitslosen durchzusetzen. Die Unter- stützungsdauer wurde auf 26 Wochen verlängert und der Staats- beitrag zur gewerkschaftlichen Unterstützung auf das Viersache erhöht. Noch viel mehr könnte in der Tschechoslowakei von der Arbeiterschaft herausgeholt werden, wenn sie sich erst einmal geschlossen organisiert hätte. Von über 300 000 Metallarbeitern sind in den beiden dem Bund angeschlossenen Verbänden mir rund 20 000 organisiert. In Oesterreich ist zurzeit ein Drittel der Mitglieder des Metall- arbeiterverbandes arbeitslos. K j ä r b ö l- Kopenhagen teilte in seinem Bericht mit, daß zwischen den vier skandinavischen Verbänden ein gutes Gegen- seitigkeitverhältnis bestehe, das vor allem bei Wirtschaft- lichen Kämpfen materielle Hilfe sichere. Inn Finnland hätten die politischen Wirren einen Mitgliederrückgang im Metall- arbeiterverband herbeigeführt. Auch dort herrsche große Arbeits- lcfigkeit. Erfreulicher stehe es in Schweden, wo der Metall- arbeiterverband über 101 000 Mitglieder zähle-, 88 bis 89 Prozent aller Metallarbetter seien von der Organisation erfaßt. In Nor- wegen sei eine günstige Entwicklung der Organisationsarbcit zu beobachten. Das gleiche gelte von Dänemark. Hier liege die Organisationszisser nahe bei 100 Prozent. Demgemäß seien auch die Lohnoerhältnisie verhältnismäßig recht gut. Der dänische Lohn- durchschnitt gehöre zu den höchsten Europas. In Dänemark sei die Arbeitslosigkeit gegenwärtig nicht allzu groß. Internationaler Glasarbeiterkongreß. Die Wirkung der Notionalisikrung. Stockholm, 28. August.(Clgenbettcht) Die Glasarbeiter-Jnternationale hielt dieser Tag« ihren 6. Kongreß ab. An der Tagung nahmen 29 Delegierte aus elf Ländern teil. Den Geschäftsbericht erstattete D e l z a n l- Paris. Er schilderte die großen Umwälzungen in der Glasindustrie und zeig e, wie eine übertriebene Rationalisierung, verbunden mit der Weltkrise, viel Not und Elend über die Glasarbeiter gebracht hat. Die Arbeiterschaft brauche noch viel mehr polnische Macht. Trotz der Wirtschaftskrise und der Vorstöße der Sozialreaktion hätten jedoch Fortschritte erzielt werden können. Usber Rationalisierung und Konzentration in der Glasindustrie sprach Krebs- Deutschland. Er betonte, daß beides in der Glasindustrie forden worden sei ohne Rücksicht auf die Abjatzverhältnisse. Die Mechanisierung in der Flaschen-, Fensterglas- und Glühlampenindustrie habe viele gelernt« Arbeiter arbeitslos gemacht. Trotz geringerer Belegschaft seien starke Leistungssteigerungen zu verzeichnen. Zur Mcchani- sierung komme jetzt die Normalisierung und Typisierung und nach dem periodischen Betrieb her tontuinierliche In der'Arbeits- zeitfragc sei eine Ruhepause von 36 Stunhen notwendig: diese Ruhezeit müsse auf den Sonntag verlegt werden. In der mecha- nischen Fensterglasindustrie, in der auch Sonntags gearbeitet werde, müsse der achtstündigen Arbeitszeit eine Ruhezeit von 24 Stunden folgen Die Lohnfrage behandelte D e l z a n t- Paris. Die vor- liegende Lohnftatifttk diene in erster Linie zur Information, sei aber zugleich ein« Waffe gegen die Lohnabbauaktion der Unter- nehmer. Die gewünschte Lebenshaltungsstatistik werde am besten von dem Internationalen Arbeitsamt durchgeführt, weil dort ein reichhchttges Material zur Verfügung steh«.— I ö n s s e n- Nor- wegen trat für den Ausbau der Lohnstalistik ein und schilderte«in- gehend den Druck der fremden Konkurrenz auf die Lebenshaltung der norwegischen Glasarbeiter. In der norwegischen Fensterglas- vts* Wir leisteri meSiH Qualitätsangebote im Zeichen unerhört billiger Preise! 85 45 Lackspangen, der billige Ge- brouchsschuh. Trotteurspan- gen, mittelbraun mit dunkelbeige /£, '45 85 mit Kamt. Lock Wildleder. Absatz Brauner I chuh, moderne breite Form... '35 Lackschuh für Herren, sehr vornehm.»» Schlager-Preise bis 8. Septbr. Brauner Spangenschuh, hübsche �45 gedeckte Herbstfarbe Zweifarbiger Trotteurschuh in modernen Saisonfarben... Brauner Herron-Halbschuh, nicht zu übertreffen....... Herren- Schnürstiefel, Rindbox ein Reklame-Angebot.... Liwera-Strümpfe, feinster QC Pf Seidenflor..... von' � an Liwera-Herrensocken, aporte Pf. Muster....... von an Günstige Kaufgelegenheit zur Einsegnung! nKammammmmwofmmmmKiunBeemrrmsi 130 eigene Verkaufsstelisn davon 23 in Groß-Berlin und Potsdam industrie sei das Bierschichten system eingeführt worden. Die| ihnen noch niemals hilfreich an die Seite getreten ist, sondern ste Arbeiter arbeiteten jetzt nur noch 42 Stunden die Woche; im Gegenteil aufs schärfste bekämpft hat. eine Lohneinbuße hätten sie nicht gehabt. Darüber hinaus hätten fie 14 Tage Ferien eingerie nid In der Diskussion wurde diese offene Stellungnahme der Gewerkschaften für die Sozialdemokratie lebhaft begrüßt. Bebig. lich ein Vertreter der kommunistischen Rechtsoppofition versuchte, einen„ revolutionären" Mißton in die Versammlung zu bringen, ohne jedoch Farbe zu bekennen für irgendeine Partei, ohne aber auch den geringsten Widerhall in der Versammlung zu finden. Die Stimmen machte sich die Versammlung die Entschließung zu eigen, die der Verbandstag der Metallarbeiter in der vorigen Woche zur Reichstagswahl angenommen hat, und in der alle Metallarbeiter aufgefordert werden zur Stimmabgabe für die Sozialdemokratie. Den für die Glasarbeiter besonders wichtigen Arbeiter schutz behandelte Girbig Berlin. Die Güte des Arbeiterschutzes, führte er aus, hängt ab von der Stärke der Gewerkschaften. Nur burch starke internationale Organisationen sichert sich die Arbeiterschaft auch einen internationalen Arbeiterschutz. Die Sozialgesetz- linientreue" Opposition fch wieg gänzlich. Gegen ganze vier gebung muß sich mehr um die Berufskrantheiten fümmern. Da diese Krankheiten nicht ganz zu vermeiden sind, ist ausreichende Unterstützung zu gewähren. Vor allem muß die Tuberkulose als Berufstrantheit anerkannt werden. Die Frauen und Kinderarbeit vor den Defen der Glasindustrie muß überall verboten werden, ebenso ihre Beschäftigung in Schleifereien, Malereien und Aegereien. Von Wert ist in diesem Punkt auch die Ausdehnung der Schulpflicht bis 57- Stunden- Woche und Entlassungen. zum 15. Lebensjahr. Die Gemerbeinspektion braucht Ausbau. = Die Verschmelzungsbestrebungen wurden auf dem Kongreß eingehend besprochen. Neumann Teplitz mies darauf hin, daß die immer stärker werdende Zusammenballung des internationalen Kapitals auch stärkere internationale Verbindungen der Arbeiterschaft erforderlich mache. Die Lohnfrage der Glasindustrie sei infolge der Kartellierungen schon zu einer internationalen Angelegenheit geworden. Nationale 3u sammenschlüsse hätten bereits mit den Keram- und den Fabrikarbeitern stattgefunden, internationale müßten folgen. Der Kongreß mählte, nachdem er zu den einzelnen Referaten Entschließungen angenommen hatte, die im wesentlichen den Darlegungen und Gedantengängen der Referenten entsprechen, als Leitung der Internationale wieder den bisherigen Gefretär Delzant sowie die bisherigen Mitglieder des Erefutivkomitees. Otis und Flohr für Sozialdemokratie. In der sehr gut besuchten Belegschaftsversammlung für die Betriebe Otis u. Flohr am Mittwoch wurde nach einem ausgezeichneten Referat des Genossen Bitte fast einstimmig( gegen 4 Kommunisten) folgende Resolution angenommen: ,, Die am 27. August bei Ladewig tagende freigewerkschaftliche Betriebsversammlung der Betriebe Otis u. Flohr verpflichtet sich, mit aller Energie dahin zu wirken, daß die Sozialdemo tratie am 14. September einen entscheidenden Sieg geminnt." Die Dreher zu den Reichstagswahlen. Einst Hochburg der KPD.- jetzt für Sozialdemokratie. Einen eindrucksvollen Verlauf nahm gestern abend die Branchen versammlung der freigewerkschaftlich organisierten Berliner Eisen und Revolverdreher in den ,, Musikerfälen". In dem gleichen Saal und in der gleichen Branche, wo noch vor gut Jahresfrist eine tommunistische Branchenleitung unter dem Beifall eines großen Teils der Berliner Dreher ihre gewerkschaftsfeindlichen Tiraden vom Stapel ließ, setzte sich das Vorstandsmitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Genosse To st, mit Wärme und unter fast einmütiger 3ustimmung der Versammlung für die Sozialdemokratie ein. Ergebnisse einer guten und einer schlechten Organisation. Die Unternehmer machen von ihrer Machtposition brutal Ge brauch. Der Keramische Bund, Abteilung des Verbandes der Fabritarbeiter Deutschlands, stellt uns folgende Fälle zur Verfügung: Die Firma Fischer, die eine Ziegelei in Landsberg betreibt, beschäftigt bei guter Konjunktur 100 Arbeiter. Die Belegschaft ift äußerst schlecht organisiert. Darauf bauend, verfügte die Firma für die Ofenleute einen Cohnabbau von 12 Mart pro Arbeiter und Woche! Die Löhne der Bresseleute wurden ebenfalls gesenkt, obwohl ein Tarif für die Ziegeleiindustrie von Landsberg und Umgegend besteht und die Firma als Mitglied der Arbeitgebervereinigung diesem Tarif unterſtellt ist. Auch die sonstigen tarif lichen Bestimmungen werden von der Firma nicht eingehalten, Der Tarifvertrag bestimmt auch das Dreischichtensystem für Brenner. Die Firma tehrt sich nicht daran und läßt ihre Brenner in zwei Schichten arbeiten. Das Unternehmen hat start rationalisiert. Trotzdem beträgt die Arbeitszeit 57 Stunden pro Wade, Natürlich führt das zu starken lajjungen. ArbeiterentWas eine gute Organisation zu schaffen wermag, zeigte sich bei der Ziegelei Wiedemann. Hier ist die Belegschaft seit Jahren im Keramischen Bund organisiert. Hier wird auch der Tarif innegehalten. Die Arbeitszeit beträgt 48 Stunden pro Woche. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Die Mitglieder des Sprechchors treffen sich um 19 Uhr im Gefel schaftshaus, Swinemünder Str. 42, vor dem Gaaleingang. Heute, Freitag, 19% Uhr, tagen folgende Gruppen: Norbring: Jugendheim Schule Sonnenburger Str. 20. 10- Minuten- Referate. Hermannplag: Gruppenheim Ganderstr. 11, Ede Sobrechtstraße. Seimbesprechung. Süden, Südwesten: Vortrag: Die Entwicklung der Menschheit". Charlottenburg: Jugendheim Spreefte. 30. Bortrag:„ Wodurch fann der Wanderer mit dem Gefes in Ronffift geraten?" Reppelinplas: Jugendheim Turiner Ede Seeftraße( Eingang Turiner Straße). Bortrag: Die Bant- Ede Wiesenstraße. Vortrag: Die Gewerkschaften im Ausland". Entstehung der Boltsbühne und ihre Biele". Wedding: Gruppenheim Schule Schönhauser Tor: Gruppenheim Tiedstr. 18. Bolkstanzabend. Gruppenheim Waffertorftr. 9, vorn part, Funkwinkel. Es war eine lohnende Aufgabe, einmal dem ,, unbekannten" Genosse Lost mies in seinem Referat Gewerkschaften Beethoven den Funkhörern vorzustellen, nicht den großen Meister und Reichstagswahl" ganz eindeutig nach, daß es für den wuchtiger Meusit, sondern den Schöpfer von Gelegenheitsfompofitionen Gewerkschaftler am 14. September feine andere Entschei- und fleinen noch in der Erlebniswelt des Rofoto wurzelnden Lieder dung geben fann al als die, seine Stimme der Sozialdemo= und Arien. Auch diese Werte verraten noch die Hand des Meisters; fratischen Partei zu geben, die als die einzige politische aber vor allen sind sie interessant, meil sie zu menschlichen Verständ Interessenvertretung der Gewerkschaften, wie überhaupt aller Werk- mis des Komponisten einen aufschlußreichen Beitrag geben. Die von Bruno Seidler- Winfler geleitete Veranstaltung wird vielen tätigen anzusprechen ist. An zahlreichen Beispielen der Regierungs- Freude bereitet haben. Um 20 Uhr fonnte man Amerika ,, kunst" der Regierung Brüning zeigte er den Unterschied, der hören. Der Berliner Gender verbreitete einen Teil der Begrüßungszwischen einer Regierung mit sozialdemokratischem Einfluß und einer feierlichkeiten, die New York dem deutschen Flieger Gronau beRegierung ohne die Sozialdemokratie besteht. Für den Metall- reitete. Der Funkempfang litt zwar anfangs unter schweren arbeiter sei das beste Schulbeispiel der arbeiterfeindlichen Politik Störungen; doch nach einigem Ausharren wurden die Hörer belohnt der Regierung Brüning die Verbindlichteitserklärung und fonnten nun ziemlich flar die Reden und Begrüßungen verdes Dennhausener Schiedsspruchs gewesen. Dieser Politik wird es die folgen. Amerika war zum nahen Nachbarstaat geworden. Ihre Arbeiterschaft zu verdanken haben, wenn im fommenden Winter die Pläne für die neue Theaterspielzeit legten der Intendant der Staatstheater, Dr. Ernst Legal, und Viktor Barnowsky dar. Arbeitslosigteit noch größere Dimensionen annehmen wird als jemals in der Vor- oder Nachkriegszeit. Wenn während Barnowsky sich in der Hauptsache mit einer Aufzählung und Klassifizierung der von ihm geplanten Aufführungen beschäftigte, die kommunistischen Verbandsmitglieder das offene Eintreten der versuchte Ernst Legal, grundsägliche Theaterprobleme und die Frage Gewerkschaften für die Sozialdemokratie mißbilligen, dann mögen ihrer Lösung in den Mittelpunkt feiner Ausführungen zu rücken. fie fich einmal überlegen, ob sie jemand unterstützen würden, der Tes. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen ftatt: Röpenid: Jugendheim Dahlwiger Str. 15( Gasanftalt am Bahnhof Köpenic). Südwest: Jugendheim Nordstr. 11, 2. Sot, Quergebäude Brettspielabend. 1 Treppe, Zimmer 5. Liederabend. Spiel und Sport ab 19 Uhr auf der treinen Spielwiese im Volkspark Neukölln, an der Rodelbahn; ab 18 Uhr auf dem Sportplag Cantianstraße,„ Einsame Papper", Norden. Allgemeine Wetterlage. 28.Aug. 1930, abds. 56 7760 765 16 Madrid 13 15 28 ©°° 1165 770 ° 23 778 $ 16 FO 4326 765° 26 Warsch WO Owolkenlos, heirer, halb bedeckt wolkig, badeckt Regen Graupeln Schnes Nebel, GewitterWindstille Unter dem Einfluß des europäischen Hochdruckgebiets herrschte auch am Donnerstag im Reiche heiteres, meist sogar wolkenloses Wetter. Westlich der Elbe wurden in den Mittagsstunden 30 bis 35 Grad erreicht, nach Osten hin wurde es zunehmend kühler. In Ostpreußen stieg das Thermometer selbst um Mittag nicht auf 20 Grad. Der Schwerpunkt des Hochs liegt über Südschweden. Die in Europa herrschenden Luftdrucänderungen sind ziemlich gering, sie lassen aber im allgemeinen erwarten, daß sich der Kern des Hochs ohne nennenswerte Schwächung, eher noch etwas verstärft, ein wenig nach Osten verschieben wird. Wir haben infolgadeffen auch in Oftpreußen mit ruhigem Wetter zu rechnen. Sonft wird im Reiche feine bemerkenswerte Alenderung eintreten. * Wetteraussichten für Berlin: Weiterhin heiter und marm, leichte östliche Winde. Für Deutschland: Im Nordosten Bewältungsabnahme und am Tage etwas wärmer, sonst Fortdauer des heiteren und besonders in West. und Mitteldeutschland sehr warmen Wetters. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, dem 28. Auguft. 1. Rennen. 1. Rohrpost( Unterholzner), 2. Lichtstrahl II, 3. Mai frone. Toto: 22:10. Blak: 11, 11, 12:10. Ferner Tiefen: Sternfunde, Balaton, Partie, Tante Lehmann. 2. Rennen. 1. Borgia( Wolf), 2. Mima, 3. Madonna d'Arezzo. Toto: 91:10. Plat: 18, 16, 27: 10. Ferner liefen: Frundsberg, Ropja, Greif, Fer aut feri, Schäferburg, Reversi. 3. Rennen. 1. Wilfried( Dertel), 2. Mannestreue, 3. Finnland. Zoto: 33:10. Plat: 19, 17:10. Ferner liefen: Bendelin, Uraber, Ballia. 4. Rennen. 1. Oper( Hauser), 2. Duo vadis. Toto: 18:10. Ferner lief: Dorn II. 5. Rennen. 1. Loga( Böhlle), 2. Festtönigin, 3. Schönau. Toto: 30: 10. Plat: 11, 10, 11:10. Ferner liefen: Chlichy, Rheintreue, Idee, Rentmeister. 6. Rennen. 1. Blanco( Dftermann), 2. Monte Carlo, 3. Nicomedia. Toto: 40: 10. Blab: 19, 21, 15:10. Ferner liefen: Riviera, Tell, Bodo, matrone, Melone, Mia. Achmed. 7. Rennen. 1. St. Robert( C. Rupprecht), 2. Starofte, 3. Gaffenjunge Toto: 25:10. Play: 15, 15, 37:10. Ferner liefen: Fiametta, Bigor. Lorbeerkranz, Mosellaner. DIE GROSSE MARKE! Frägt sich der Raucher jedesmal beim Kauf einer Zigarette, warum er gerade dieser den Vorzug gibt? Wer wirklich von einer Zigarette das vorzügliche Aroma erwartet, das den köstlichen Genuß des Rauchens gewährt, sollte unsere hochwertigen Marken: MAKEDON SOZIAL 48 16 GARANTIE FUR DIE E DER MAKEDO DIE ECHTHEIT IGARETTEN versuchen, die den Raucher durch ihren Duft und ihr lieb. liches Aroma fesseln. MAKEDON. ZIGARETTENFABRIK G. M. B. H., MAINZ A. RH. KONZERN FREI Generalvertretung: Carl Südel, Berlin NW 6, Luisenstraße 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß Berlin infendungen für diese Rubri? nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Die erste Lieferung der„ Baldur" Fahri- Bilder ist eingetroffen. Alle Volksbühnenfarten für Sonder- und Jugendabteilung, die bis zum 22. Auguft eingereicht waren, fönnen gegen Borlegung der Quittung abgeholt merden. In den Abteilungen noch vorhandene Reuanmeldungen müffen umgehend abgegeben werden. Der Bolschewismus". Sohenschönhausen: Heim Freienwalder Str. 6: Bor3trag des Genossen Georg Mendelsohn. Sumannplag: Heim Scherenbergstr. 7: Die bürgerlichen Jugendorganisationen". Norbosten I: Seim Danziger Straße 62, Barade 3: Bom Segelflugzeug zum Zeppelin". Wörther Blog: Schule Kaftanienallee 82:„ Der Kapp- Putsch". Sallesches Tor: Heim Yordstraße 11: Funktionärversammlung. Rottbuffer Tor: Sprechchor. Treffpunkt 18 Uhr Tabor- und Wrangelstraße. Schöneberg I: Heim Sauptstr. 15: „ Soziales Wandern". Charlottenburg: Heim Rosinenstr. 4: Arbeiterwohnung und Heimkultur"( Lichtbilder). Charlottenburg- Süd: Seist Goethefte, 11: Republik, das ist nicht viel, Sozialismus heißt das Biel". Wilmersdorf ( Aeltere): Heim Wilhelmsaue 123: Anarchismus- fein Wirken und Wollen". Mariendorf, R. T.: Alte Schule, Dorfstr. 7:§§ 173 und 218". Mariendorf II: Siedlung Daheim 159/120: Die Arbeitnehmerverbände". Bris: Arbeitsgemeinschaft, Parchimer Allee. Reukölln 1: Heim Gander- Ecke Sobrechtstraße: Tagespolitit". Reukölln IV, R. F.: Heim Schierkeftr. 44: Die Indien. frage". Neukölln VI: Seim Treptower Straße: leben zum Waldfest. Alle Genossen müssen erscheinen. Rentölln VII: Karl- Marg- Schule: Kurzreferate, Köpenid: Heim Dahlwiger Straße: Sozialismus und Religion". Fallenberg ( Meltere): Heim auf dem Gutshof: Die Revolution und ihre Folgen Baum schulenweg: Heim Ernststr. 16: Ferienfahrtenberichte". Johannisthal: Rathaus:„ Nationalsozialismus". Schöneweide: Schule Berliner Str. 31: Tages politit" Karlshorst: Gymnasium: Arbeitsgemeinschaft. Nen- Lichtenberg: Heim Sauffstraße: Die Errungenschaften der Technik" Hermsdorf: Hein Roonftraße: Fahrtenerlebnisse". Niederschönhausen: Schule Blankenburger Straße 70: Bolitische Satire". Westen: Morgen Fahrt. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Bülowstraße. Faltboot- Werbefahrt am 6./7. September für die Wahl. Alle Genoffen, die im Befige eines Faltbootes find, wollen zwecks Beteiligung umgehend ihre Adresse an das Sekretariat einsenden. Arbeitsgemeinschaft Abraham: Die für morgen festgesette Arbeitsfahrt fällt aus. Sie wird am 20./21. Geptember stattfinden. Näheres durch Rundschreiben. Bezirksvorstandsfihung gemeinsam mit den W.- B.- Leitern heute, pünktlich 19% Uhr, im Vortragsfaal des P.-B., Lindenste, 3, 2, Sof, 2 Tr. links. Der Rote Schüler" Nr. 5 ist erschienen und abzuholen. Heute, Freitag, 1912 Uhr. Roll Arkonaplag: Seim Elisabethkirchstr. 19: Die Regierung Brüning" nischer Park: Heim Waisenfr. 18: Ferienerlebnisfe". Sanja: Seim Bochumer Etraße 8b: Tagespolitik". Moabit I: Schule Waldenserftr. 21:„ Der Richtungstampf innerhalb der NSDAP." Moabit II: Seim Lehrter Str. 18--19: Alt- Berliner Humor". Arnswalber Plaz 1: Beim Rastenburger Str. 16: Unser Sternenhimmel". Faltplas 11: Schule Sonnenburger Str. 20, 8. 3: Barum Arbeitersport?" Helmholzplag: Seim Danziger Str. 62, Barade 2: T Werbebezirk Webbing: Gemeinsame Probe aller Gruppen für die Wahlrevue im Seim Utrechter Straße, 20 Uhr. Musiker erscheinen ebenfalls. Werbebezirk Often: Demonstration mit der Partei. Treffpunkt 18% Uhr Auftriner Plas. Werbebegie? Lichtenberg: Laftauto- Propagandafahrt durch Friedrichsfelde. Treffpunkt pünktlich 18 Uhr Rosenfelder Straße Ecke Prinzenallee. Fahnen mita bringen. Radfahrerbesprechung 20 Uhr im Seim Gunterstr. 44. Alle müssen erscheinen. Materialausgabe, neve Werbebezirk Prenzlauer Berg: Morgen Treffpunkt 18 und 19% Uhr zur Landagitationsfahrt mit Laftauto nach Nassenheide. Unkosten 1,50 M. Falken tracht. Rückfahrt Sonntag. Fahnen und Decke mitbringen. Werbebezirk Neukölln: Sonntag, 31. Auguft, Waldfest auf dem Ferienspielplag in der Rönigsheide. Beginn 15 Uhr. Proletarische Feierstunde,( Politische Revue, Laienspiele, Ansprache, Sport, Spiel, Boltstänze usw.) Treffpunkt zum gemeinsamen Hinmarsch 13½ Uhr Herzbergplag. Unkostenbeitrag 30 Př. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschuh nnd Naturkunde E. B. beteiligt fich am fommenden Sonntag, dem 31. August, an dem 20. Märkischen Wanderertag des Verbandes Märkischer Wander vereine E. B. in Baruth hinter Bossen in der Mart. Abfahrt auf Sonntagskarte( Preis 2,60 Mark) Sonntag morgen 9,17 Uhr Anhalter Bahnhof. Die nächste Pilzegfurfion, veranstaltet von der Ortsgruppe Berlin der Deut. schen Gesellschaft für Bilzfunde, findet am Sonntag, 31. Auguft, in die Spanbauer Wälder statt. Abfahrt Friedrichstraße 3.02. Treffpunkt am Stadtpark, Endhaltestelle der Straßenbahn( Johannisstift), 10 Uhr. Rückfahrt von Falken. fee. Führung: Studienrat Hennig. Gäfte willkommen. Frühstückservice 5 teilig 160 庆元 KAFFEE 195 195 N 816 15 hpinend P 0.16 20 100 € 25 Einkochapparat kompl. 25 390 90 gr. € 15 Silberauflage 3teilig 390 Alle Hausfrauen Diese billigen Preise nur durch Großeinkauf! Fuẞbank echt Eiche..... Küchenstuhl unlackiert M. 100 M. 290 Küchenspiegel 39x26 cm, weiß. Rahm. Pf. 75 Topfborte Buche, 80x26 cm.... M. 195 Hackmaschine für Fleisch u.Gemüs. verzinnt M. 195 Waschbeckenweiß email, Porzellanform 40 cm 195 Brotschneider Buche, Hebelmesser.. M. 295 Briketträger schwarz lackiert..... Pf. 95 Waschkessel 34cm Sieb u. 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Fehlern 3,50 275 Tafelservice 23tig., Fest. Goldrand, kl. Fehl. M. 1350 Speiseteller tief u. flach, weiß Porzellan mit kleinen Fehlern... 25 Frühstückgedeck zweiteilig, Porzellan..Pf. 50 Frühstückgedeck breites Farbband, Porz. Pf. 95 Abendbrotteller Steingut m. kl. Fehler Pf. 05 Kaffeelöffel 40 gr Silberauflage.. Pf. 45 Kaffeelöffel Alpaka.......... Pf. 15 Tischmesser Dessertmesser, Dessertgabel, Alpaka, Stck. r. 25 Tischmesser Eẞgabel, Eẞlöffel, 20 und 90 gr. 50 Silberauflage Stck.... 闢 ... Pf. 28 Speiseteller Steingut, tiefu.flach, m.kl.Fehl., Pf. 09 Satz Salats Steingut 6tlg., m.kleinen Fehlern, Pf. 90 Kompotteller Kristall, vorgepreßt.. Pf. 75 Kompottschale moderne Flächenmuster mit Preßglas Pf. 20 Kompotteller Preẞglas, mod.Flächenmuster Pf. 10 Kompotteller Preßglas, div. Muster.. Pf. 06 Kristall- Römer, verschiedene Farben 1204 M. 145 3ÉKARSTADT U- BAHNHOF HERMANNPLATZ DER KARSTADT- BAHNHOF Bruno Corra: Karmi und Softra Die Gründe, die der Zahlmeister ins Treffen führte, waren wohl überzeugend. Vor allem verstieß die Sache gegen den Heuervertrag. Und dann, abgesehen davon, wie fonnte man zwei der besten Diener mitten in der Fahrt plötzlich entbehren? Wo doch soviel Reisende an Bord waren! Wenn also Karmi das Schiff in Aden verlassen sollte, dürfe er auf keinen Fall damit rechnen, je wieder bei der ,, Nederland" Dienst leisten zu können. Die Stelle sei in diesem Falle endgültig verloren. Die Gründe waren wohl überzeugend, doch Karmi, der fleine, schweigsame Javaner, der Boy der Lugus fabinen, erwiderte: ,, Softra ist krank und muß in Aden ausgeschifft werden. Der Arzt sagt, er wird sterben. Sostra ist mein Freund. Auf keinen Fall kann ich ihn verlassen. Auch ich werde in Aden an Land gehen." Ruhig schnürte er seine eigenen fowie die Effekten des Freundes zu einem Bündel zusammen. Und als Sostra in der Tragbahre über den Landungssteg getragen wurde, folgte er, mit der Rechten das Bündel über der Schulter haltend und mit dem Zettel, den der Schiffsarzt für das Spital ausgestellt hatte, in der Linken. Nachts verließ das holländische Schiff den Hafen, um seine Fahrt nach Europa fortzusetzen. Bierzehn Tage später war Sostra genesen. ,, Karmi," meinte er ernst zu seinem treuen Freund ,,, was werden wir jetzt machen? Wie werden wir uns das Leben verdienen?" Doch Karmi hatte sich schon nach einem neuen Beruf für sich selbst und für Sostra umgesehen. Mit den vierzig Gulden, die uns noch übrigbleiben," entgegnete er ,,, werden wir Papageien taufen, die wir auf den Schiffen den Europäern verkaufen werden." Und sie wurden Papageienhändler. Die Matrosen der englischen Handelsschiffe, die, von Ostafrika tom= mend, in Alden anlegten, hatten immer mehrere Exemplare der bunten Bögel, die sie den Eingeborenen um einen halben Schilling abgekauft und denen sie während der freien Stunden die zotigsten Schimpfworte der englischen Sprache beigebracht hatten. Karmi und Softra erwarben diese wohlerzogenen Bögel um zehn Schilling, schütteiten sie fräftig, um sie daran zu hindern, gleich von ihrem Wissen Zeugnis abzulegen, und verkaufen sie um ein Pfund an die englischen aften Jungfern. Die Arbeit war weder schwer, noch mühsam. Der Handel blühte. Er blühte hauptsächlich infolge der seltenen Höflichkeit, mit der die beiden Javaner ihre Ware anboten: Kleine, zierliche Gestalt, weißes Gewand, weßer Turban, zartes Profil, schmale Hände, olipbrauner Teint, Samtaugen, reizendes Lächeln, nackte Füße und Berbeugungen, Berbeugungen und nochmals Verbeugungen. Die rührende Geschichte ihrer Freundschaft war unter den Mannschaften der Schiffe, die in den hielten, bald bekanntgeworden und die Stewards erzählten gerne den sentimalen Damen der ersten Klasse, wie die beiden Javaner Papageienhändler geworden waren, nachdem der gute Karm: auf seine Stelle verzichtet hatte, um den tranten Softra pflegen zu fönnen. Besonders die älteren Frauen waren über solch selbstlose Freundschaft tief gerührt. All dies trug zum guten Geschäftsgang bei. Das Band der Anhänglichkeit, das Karmi und Sostra von frühester Kindheit aneinanderfettete als Söhne zweier Bettern hatten sie bis zum vierzehnten Jahr zusammen gespielt wurde un so enger in einem fremden Land, in dem sie nur höchst selten mit anderen Leuten in ihrer Sprache sprechen fonnten. Auch die tahle Häßlichkeit des arabischen Hafens, so verschieden von der in Farbenpracht prangenden Heimat, trug dazu bei, ihre Freundschaft inniger zu gestalten. Bis spät in die Nacht hinein plauderten sie jeden Abend, auf einem Kaffeejack an den Anlegeplätzen sigend und auf die über den schwülen Meeresdünsten neblig leuchtenden Sterne starrend. Sie sprachen davon, nach Java zurückzukehren und dort ein Häuschen und ein Grundstück zu kaufen, sobald sie dank dem Papageienhandel das nötige Kapital zusammengespart haben würden. Schulter an Schulter sitzend, schwiegen sie oft lange. In diesen langen Schweige pausen vertieften Heimweh und Aberglaube ihre Brüderlichkeit. Hinter ihnen, im ungefunden warmen Dunkel, leuchteten die bösen Lichter der Bars. Eines Tages tauchte eine Frau zwischen den beiden auf. Es war eine schöne und junge Frau, die sich Biulah nannte, in Mellaia und schwarzem Schleier ausging und immer von einer alten Frau begleitet ward. Wenn einer der die Lurusschiffe verlassenden Touristen, nach exotischer Liebe dürstend, sie im Vorbeigehen anstarrte. beantwortete Bulah seinen Blick mit dem Augenausschlag einer Frau, die sich entschlösse, den ersten Fehlschritt ihres Lebens zu begehen, und seitlich die Mellaia hebend, entblößte sie auf einen Augen. blick einen nackten Arm. Es kam oft vor, daß ein naiver Weltbummler auf den Leim ging und der alten Begleiterin einige Pfund schenkte. So konnte er Aden mit den Wahn verlassen, ein seltsames Abenteuer genossen zu haben. Doch wer in der Nähe wohnte, wußte, daß sogar die Neger, wenn sie zahlten, Biulah, eine falsche Orientalin, eine Christin aus Bukarest, haben konnten. Auch Sostra Frau Gefallen gefunden und jeder der beiden hatte anfangs und Karmi hätten sie haben können. Doch hatten beide an der und Karmi hätten sie haben können. Doch hatten beide an der aus freundschaftlichem Tattgefühl das eigene Berlangen zurüdbeiden ein Bedürfnis, eine Qual, eine verzehrende Leidenschaft. Zum gedrängt. Und das zurückgedrängte Verlangen wurde alsbald in erstenmal fühlten Karmi und Sostra ihre übergroße Freundschaft wie ein schweres Hindernis auf sich lasten. der zweifelhaftesten Gestalten Adens Doch hätte dies kaum schwerere Folgen gezeitigt, wenn einige der Abschaum des Hafens nicht gegen Karmi und Sostra einen verwerflichen Plan ausgehedt hätten. Als sie eines Abends in der Nähe des Kais saßen, näherte fich hnen ein australischer Hafenarbeiter namens Etout und berichtete Raum der Bar zum Wurf" erwarte. Die beiden Freunde folgten ihnen, daß ein Fremder sie sprechen wolle und sie im abgesonderten dem Australier, doch fanden sie keinen Fremden im abgesonderten Raum der Bar. ,, Er ist eben fortgegangen," meinten die Freunde des Hafenarbeiters ,,, doch hat er sagen lassen, daß er gleich zurückkehrt." Ge Sie boten Karmi und Sostra je ein Gläschen Arrct. tranten es. Dem ersten folgte ein zweites Gläschen. Es war der Anfang eines grausamen Spiels. Anfang eines grausamen Spiels. Der Hafenarbeiter hatte sein Vorhaben seinen Freunden schon vorher dargelegt: ,, Alle Javaner ich weiß es, weil ich dort gelebt habe gleichen ihrer Erde: träge und fruchtbar, doch in ihrem Inneren lodert das Feuer der Bulkane. Obwohl die beiden die besten Freunde sind, haffen sie einander, weil sie in dieselbe Frau vernarrt find, in Biulah. Sie selbst hat es mir gesagt. Wir werden ihnen soviel zu trinten geben, daß sie einen Rausch bekommen, und dann merden wir jedem ein Messer in die Hand drücken. Das wird einen Spaß geben." ( Schluß folgt.) Per Ditters: Das Riefenfaultier Am untersten Afte eines mächtigen Affenbrotbaumes hing das uralte Riesenfaultier und jammerte: ,, An, ay, ay, ich bin so müde und so hungrig, nun weiß ich gar nicht, soll ich zuerst schlafen oder fressen!" Es kam nicht zur Lösung dieser wichtigen Lebensfrage, denn ein sonderbares Summen und Brummen riß es aus seinen Gedanken. Es war ein starkes Termitenvolt, das sich an der wild verzweigten Wurzel des großen Baumes ansiedeln wollte und eifrigst Material zum Bau seines babylonischen Turmes herbeischleppte. Zuerst betrachtete das Faultier interessiert die Ruheftörer, dann aber schloß es, ganz schwindlig vom Zusehen des lebhaften Treibens, die Augen. Wie diese kleinen Krabbeltiere eifrig hin und her schossen und unausgesezt sich zu neuer Arbeit drängten! Es schien ein Volt von Irrsinnigen oder Arbeitsfflaven zu sein. Und das warmherzige Faultier bemitleidete diese bedauernswerten Geschöpfte auf das tiefste, aber es fühlte sich doch durch die Anwesenheit so vieler Tätigen auch ein wenig unbehaglich. Man tonnte doch nicht in der Nähe solcher Arbeitsluft so nach Herzenslust faulenzen. Diese blödsinnige, nutzlose Regsamfeit erschien wie ein stummer Vorwurf. Wozu, fragte sich das Faultier, brauchen diese Verrückten ein eigenes Haus? Ist ein Affenbrotbaum ihnen nicht gut genug? Die philosophischen Gedanken erzeugten neuen Appetit, und so fiegte bald das Hungergefühl über das Schlafbedürfnis, und jeufzend und ächzend entschloß sich unser Faultier, zum nächsten Aft zu flettern, um sich ein paar reife, saftige Früchte zu holen. Dann fehrte es fatt und zufrieden zum alten Schlafplatz zurück und fuschelte sich wieder, diesmal unter Weinen und Tränen, denn das befördert die Verdauung, in das dichte grüne Blätterwerf. So verging die Zeit und der Termitenhaufen wuchs und wuchs. Eines Tages wurde das Riesenfaultier, es hing gerade im besten Schlafe und träumte von Leckerbissen, die ihm schlafend ins Maul fielen, etwas unsanft geweckt. Der Termitenbau hatte gerade den untersten Ast erreicht, und die Insekten betrachteten das starr hängende Tier als für sie bestimmtes Jagdgebiet und bissen und stachen nach Herzenslust. ,, An, an, an", schrie das Faultier empört. Gesindel, das ist doch mein Pelz, und der Baum ist seit Jahrhunderten mein Reich. Das ist der Dant dafür, daß ich dummes, weichherziges Tier gestattet habe, euch in meinem Gebiete anzusiedeln. Hier, auf diesem Afte, faulenze ich schon drei Jahrzehnte und will ungestört bleiben! Berstanden? Und mun schert euch zum Teufel!" Mit diesen Worten rieb es seinen gepeinigten Rücken an der riffigen Rinde so eifrig, daß die Krabbeltiere davonstoben. Aber auch die Termiten blieben nicht stumm. Es war nicht das erstemal, daß sie ein fonservatives Tier aus seiner althergebrachten Ruhe aufgestört und verjagt hatten. Ihr Wortführer, eine große rote Termite, begann, und die anderen brummten und summten ihm Beifall: Mir, die arbeitfamen, fleißigen Termiten tommen aus tiefstem Dantel der Erde und wollen zum Licht, Aber da, fauler Genießer, und dein Knecht, der Baum, hüllen uns in Schatten und gewähren der Sonne feinen Weg zu uns. Doch die Sonne gehört uns allen. Und tommt sie nicht zu uns, so fommen wir zu ihr. Wir Sklaven der Arbeit tragen Span auf Span herbei zum großen Gebäude, und unser Turm wird wachsen und wachsen und dich von Aft zu Ast jagen, bis der Tag kommen wird, wo unser Baum höher als alle Bäume, im Lichte, in der Sonne steht! Wo aber, ich frage dich, wirst du dann sein?" Aber das Riesenfaultier antwortete nichts mehr auf diese wohlgesetzte Rede, denn es war von der ungewohnten Arbeit des Dentens und des Anhörens revolutionärer Reden ermüdet, am nächsthöheren Ast eingeschlafen. Aber es fonnte von nun an nicht mehr von Leckerbissen träumen, sondern die Furcht vor dem ewig wachsenden Turm verfolgte es in den Schlaf. Die Zeit verging und der Termitenhaufen wuchs und wuchs. Das Riefenfaultier wurde bis zur Krone des Baumes gejagt, und jeder Tag fonnte sein Ende bringen. Denn es war aus lauter Verzweiflung und Todesangst ein Vielfraß geworden. Was blieb ihm denn anders übrig? Außer Schlafen und Fressen hatte es nichts gelernt, und nun ließen Zukunftssorgen und Angst es nicht in Frieden schlafen. Da mußte es seine Zeit mit fressen vertreiben und wurde dick und dicker. Es wartete mit Beben auf die Stunde, wo die schwachen Aeste der Krone seine Leibesfülle nicht mehr tragen tonnten und es zu Boden fallen mußte. Opfer und Beute der Arbeit. Aber eines Nachts tam ein fürchterliches Gewitter. Blige zudten und der Donner heulte, als ob der letzte Tag gekommen wäre. Die Erde bebte, und alles, was auf ihr stand, bebte mit. Die Wohnungen der Menschen stürzten wie Kartenhäuser zusammen, morsche Bäume zersplitterten wir trockenes Schilf, und auch der mächtige Affenbrotbaum drohte zu brechen. Der dide Stamm knirschte und ächzte, als ob eine riesige Säge an seinem Lebensmart nagte. Schwer schwankte der Wipfel im Sturme, und in seiner Berzweiflung flammerte sich das Riefenfaultier fest an. Wenn mein Baum stirbt, dachte es, sterbe ich eben auch. Aber weder Baum noch Faultier starb. Als der Morgen fam, schien alles wie früher. Nur der Termitenturm mar fort. Bom blindwütenden Element zerstört. Das Riesenfaultier hielt sich nun für gottbegnadet und fletterte triumphierend zum untersten Afte. Es hätte dem gedemütigten Krabbelvöllchen gerne eine großtönige Siegesrede gehalten, wie dies dice Praffer nach einem geglückten Coup zu tun pflegen, aber es war zu müde und schlief ein. Als es nach vierzehn Tagen erwachte, erkannte es mit Schreden, daß der Turm wieder zur Höhe wuchs. In rasender Eile schleppten die Arbeiter Span auf Span zum neuen Gebäude. Da beschloß das dickte Faultier, diese betriebsame Gegend zu verlassen. Es wanderte ins Eril und wurde nie mehr gesehen. Das Termitenvolt aber hatte endlich seinen Platz an der Sonne. Ich hoffe, thr versteht diese Geschichte! ( Deutsch von G. Gberfen.) Erna Bijing: Die Krokodilhaut Vor langer, langer Zeit brachte Onkel Theo aus Amerika die Krokodilhaut mit. Damals waren die Länder noch entfernter voneinander; denn man kannte weder die Luft durchschneidenden Zeppeline noch große Lurusdampfer, die in Rekordfahrten das Blaue Band erjagten. Drei Jahre hindurch war man mit dem Plan zu einer Europareise und einen Monat hindurch mit dem Einpacken beschäftigt, bevor man, durch viele gemütvvolle Regungen überängstlich gemacht und start belastet, die Fahrt antrat. Ein Rutsch über den großen Teich bedeutete immerhin etwas. Und nun erst dieser Onkel Theo. Er trug über jedem Augenzahn eine Goldkapsel und an den Händen hatte er schweinslederne Handschuhe. Die waren unbedingt eine Eigenart von gewisser Bedeu tung; denn der großfarierte Ueberzieher, den Onkel Theo gleichermaßen schaustellend trug wie die Handschuhe, der gehörte ebensogut zu den gewollten Auffälligkeiten anderer Amerikaner. Onkel Theo aber war ein Amerikaner ganz besonderen Aus= maßes, schenkte er doch unter vielen yes und now und Erklärungen dunkelster Art die Krokodilhaut. Sein Neffe nebst Frau und Kind wurden glücklich. Das ist bekanntlich das Gefühl, mit dem die meisten Menschen auf eine Auszeichnung irgend welcher Art reagieren. Der Neffe verkaufte gut schließende Portemonnaies, Brieftaschen und Hundepeitschen. Nun stellte er in seinen Vorgarten, längsseits seines Geschäftseinganges, die Krokodilhaut. Sie machte sich gut und er benutzte sie nicht mur als Reflame, er betrachtete sie tatsächlich nicht zu Unrecht als eine Art Befestigung seines geschäftlichen Ansehens. In dem gemütlichen Berlin, in dem man sich während einer Omnibus- oder Straßenbahnfahrt in Ruhe und ohne störende Hast alle Sehenswürdigkeiten ansehen konnte, war die Krokodilhaut ein beachtenswerter Schaugegenstand. Die Straßenbahnfahrgäste hatten Zeit und die Fußgänger waren noch nicht erfrankt am eigenen Tempo. Mit Kennerblick betrachteten sie das Blumenbeet im Vorgarten, prüften die paar Sträucher und Bäume, ob sie rechtzeitig beschnitten worden wären und stutten vor der Krokodilhaut. Man hatte es damals mit dem Vorübergehen an den Dingen nicht so eilig, man trat in den Laden und sein Besizer hielt recht, wer will das nachprüfen? Er war bald in der Lage, Haus die Krokodilhaut bald für einen Talisman. Ob zu Recht oder Unsamt Borgarten faufen zu können. Dann famen Krieg und Inflation und er versteckte seine KrotoStaatsgewalt und den Enteignungsbestrebungen halb verhungerter dilhaut aus Angst vor den Beschlagnahmemaßnahmen einer hohen und gänzlich zerlumpter Volksgenossen. All der Wirrwarr wurde abgelöst von der anderen, der soge nannten neuen Zeit. Sie hatte dem Geschäftsmann nichts getan, Haft, fie rückte die Landesgrenzen so nahe, sie hatte sich das Anaber er haßte sie. Die Gegenwart hatte Probleme, sie war voller staunen und die Verwunderung abgewöhnt, sie hatte so gar fein Interesse für seine Krokodilhaut. Die stand unbeachtet im Vorgarten; raffelte in Etagenhöhe durch die Luft und die Fußgänger mieden denn Autos fuhren den Asphalt blank und schmierig, die Hochbahn die Fahrstraße nebst Bordsteinen, schmärmten für breite Fußwege und betrachteten die Vorgärten als Stehimwege. Die Blumen cher fonnten mur ihr armseliges Leben fristen, da ihre Blätter es starben unter flebrigen Rußschichten vor der Blüte und die Sträusich angewöhnt hatten, mit ihrer Unterseite zu atmen. Der Haus- und Ladenbesizer hätte von seinem Vorgarten erlöst werden fönnen, wollte doch ein Raffeehausbesiger ihn für schweres Geld ablaufen. Es follte dort ein Wiener Kaffee erstehen, das Paris imitierte durch im Winter heizbares Straßenpflaster. Im Vorgarten wollte man Heizungsröhren legen, man wollte Berlin, Wien und Paris in seinen Kaffeehausmanieren vereinigen. Doch der Borgartenbefizer lehnte alle Borschläge ab, weil er nach Hergabe feines Gartens feinen Platz mehr für seine Krokodilhaut habe. Seine ganze Energie hat sich auf diese Krokodilhaut konzentriert. Er haßt Frau und Kind, da sie mit der neuen Zeit liebäugeln und seine Krokodilhaut scheel ansehen. Er, aber er, er schraubi für sich die Vergangenheit zurüc, er stellt jeden Morgen die Krokodilhaut im Borgarten auf, er und seine Krokodilhaut, sie sabotieren die neue Zeit. Die Krokodilhaut ist schmutzig, fie sieht aus wie eine gedörrte schlechte Laune. Der Mann bekommt einen verbissenen Zug um den Mund und seine Blide werden unfreundlich, wenn Frau oder Tochter in Richtung Krokodilhaut gucken. Im Leben dieses Borgartenbesizers wird jedes Ereignis folge= richtig ablaufen und da er der Aelteste in seiner Familie ist, wird er vor seiner Frau und Tochter sterben. Und wenn er gestorben ist, dann werde ich etwas für seine Familie tun. Dann fasse ich mir nämlich nicht nur ein Herz, nein, dann werde ich unwiderstehlich energisch und verlange, daß man zu der Leiche des Mannes die Krokodilhaut in den Sarg legt. Der Ursprung des Flibustiers Die Freibeuter, die in der Geschichte unter dem Namen Flibustiers bekannt sind, waren eine mächtige Berbindung in den westindischen Gewässern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ihr Ursprung reicht bis ins Jahr 1625 zurüd. Damals gründete nämlich ein normannischer Edelmann, d'Esnambuc, eine fleine Kolonie auf den Antillen, und zwar auf der Insel St. Christoph. Fast gleichzeitig ließen sich auch Engländer dort nieder. Man teilte sich die Insel und lebte in ziemlich gutem Einvernehmen. Nun hatten aber Spanien und Portugal sich allein den Anspruch auf Amerika vorbehalten, und als 1630 eine spanische Flotte unter dem Befehl von Don Friedrich von Toledo vor St. Christoph erschien, falls ihnen ihr Leben lieb sei. Ein Teil der Kolonisten fehrte nach wurden Franzosen und Engländer aufgefordert, schleunigst abzuziehen, Europa zurüd, aber achtzig Franzosen segelten nach den Schildfröteninseln und ließen sich dort nieder. Später brachte ein französischer Birat außer Negersllaven noch andere Seeräuber dorthin, und so entstand dort jene kühne Schar von Freibeutern, die den Spaniern so viel zu schaffen machten, bis sie erst am Ende des 17. Jahrhunderts unterdrückt wurden. Die eigentlichen Seeräuber setzten ihr Treiben aber noch das erste Drittel des 18. Jahrhunderts hindurch fort. Geburt und Tod. An einem Tage werden in Deutschland durchschnittlich 1615 Chen geschlossen. 3140 Menschen werden täglich geboren und 2208 sterben täglich in Deutschland. Auf die Minute fommen also zwei Geburten und auf zwei Minuten brei Todesfälle. Die meisten Menschen sterben bei uns im Februar. 2877 Todesfälle tommen durchschnittlich auf einen Februartag; da gegen sterben im August nur 1752 täglich. Auch die meisten Geburten sind im Februar, nämlich 3109 täglich. Die wenigsten Geburten sind dagegen im Auguft und Dezember. Eine Seifengrube. In Ascheroft in. Britisch- Columbia gibt es eine Seifengrube. Die Naturseife, die darin gefunden wird, besteht aus Borag, der mit einem Fettstoff untermischt ist. Amerikanische negerpreffe. In den Vereinigten Staaten er scheinen etwa sechshundert Zeitungen allein für die schwarze Be Dolferung.