\ Morgenausgabe Nr. 405 A 204 47.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monaMchZ.SO M. im voraus zahlbor. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement k,— M. pro Monat. -st Der„Donvörts� erscheint wochevtäg- Iich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Frauenstimme". Technik".„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Dorwärt»" und„Stadtbeilage". NerUner Vottsbla« Sonnabend 30. August 1950 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame' eile S.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das lettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben ählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« lv Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8V, bis 17 Uhr. Zentvalossan der«SozßaldemokvatisOen Partei DeutichtandS stiedaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbofs 292—297 Telepramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwaris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkomo: Berlin S7b2k.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Anaestelhen und Beamten. Wallstr. K5. Dl u Diec-Gei� Deposttenkaste Lwdenstr S. Schieles Wahlspeckschacher AeueLndustrieopser im finnländischen Vertrag.— Die Gefahr eines Butiertriegs. Die Ergebnisse der Verhandlungen in helsingfors sind jetzk b«- kennt. Eine unmittelbare Kündigung des deutsch-sinnischen Handels- verkragss von l92S ist nicht ersolgk, bleibt ober als Druckmittel für die Durchführung der neuen Vereinbarungen in Reserve. Der Reichstag muß ja diese Vereinbarungen genehmigen, danach muß die R a l i f l k a t i o u erfolgen, ileußcrster Zeilpunkk für die Ratifikation ist der 2g. Rovember lSZO: die Kündigung soll einkrelen, wenn dos neue Abkommen bis dahin nichl ralifizlerl ist. Tir Das Abkommen selbst ist die Aenderung des Zusatzabkommens vom November vorigen Jahres, das mit dem Abkommen außer Kraft tritt. Sein Inhalt besagt: Spatestens am 29. November 1930 soll ein vullerzoll von 50 INork >>: Kraft treten(alter Bertrag 27,60 Mark, früherer Zusatzvertrag 50 Mark mit Depression), die Bindung des Butterzolls jällt weg, so daß Deutschland grundsätzlich das Recht erhält, den Butter- zoll autonom, d. h. nach eigenem Belieben zu ändern. Der große Ersolg für Schiele liegt nicht in der Zollhöhe von 60 Mark, diese hätte er ja schon im alten Zistatzabkommen haben können, sondern in der grundsätzlichen Möglichkeit, diesen Zoll eventuell aus 80 Mark erhöhen zu können. Damit wird Schiel« in erster Linie seinen Wahlkamps auf dem Lande gegen hugenberg führen. Di« Käsezölle bleiben zunächst un- ».«rändert. Nicht unwichtig ist aber auch die Zlufhebung der Zollbindung, d. h. die Möglichkeit dxr autonomen Zollerhöhung bei Oleo-Margarine, eine gemeinsame Forderung des Landbundes und der Wirtschastsparlei.■ Der Finnland für dies« Zugeständnisse gezahlte Preis sind garantiert« Zolleins uhrkontingentefür Butter n n d Käse. Finnland wird die Einfuhr von 5000 Tonnen Butter jährlich zum Zollsatz von 60 Mark garantiert (1929.betrug die sinnische Buttereinfuhr 4461 Tonnen), ferner erhält Finnland ein Einfuhrkontingent für 600 Tonnen Quart, 90 Tonnen Tofelkäse und 1910 Tonnen Hartkäse, zusammen 2600 Tonnen Käse, zu den alten Zollsätzen. Im Jahr« 1929 wurden etwa 2240 Tonnen finnischer Käs« eingeführt. Die Buttereinfuhrgarantie wird sofort praktisch: das Käsekontingent kann erst praktisch werden, wenn auch gegenüber den vier anderen Ländern die Bindung des Käsezolles ausgehoben würde. Die deutsche Industrie muß neue Opfer bringen. Für Sperrholz aus Birkenholz werden di« Zölle von 8 auf 7,50, für roh« holzspulen, die die Textilindustrie braucht. von 6 auf 5 Mark zugunsten Finnlands ermäßigt. Dazu tritt noch eine Zollermäßigung für Renntierslersch. Wie zu erwarten war, ha: Finnland sein« günstige Position ausgenutzt. Die Zollkontingcnte sind größer als die letztjährige Einfuhr, und die Borteile für die verarbeitende sinn- ländisch« Holzindustrie sind ziemlich hoch anzuschlagen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß di« verarbeitend« deutsche Holzindustrie berechtigte ernst« Klage über di« ihr zugemuteten Opfer führen wird. Für die oerbrauchenden Massen ist die Möglichkeit der autonomen Zollerhöhung weit über 60 Mark hinaus eine neue ernste Gefahr. Zn den Butter und käse tinführenden übrigen Ländern wird von neuem eine schwere Beunruhigung ausgelöst werden. Auch gegenüber ihnen ist ja der Butterzoll jetzt auf 60 Mark erhöht, die Einsuhrmöglichkeit nach Deutschland dadurch erschwert und es droht ihnen die Gefahr, wenn Herr Schiele weiter zu bestimmen Hot, daß auch Zollerhöhungen bis auf 80 Mark noch durchgeführt werden. Demgegenüber ryäre jetzt nur Finnland und zwar für mehr als stin, volle bisherige Einfuhr gesichert. Bestenfalls wird nach dem Grundsatz- der Gleichb«r?chtigung beispielsweise Holland. wenn der Zoll weiter erhöht würde, nur ebenfalls 6000 Tonnen zum Zollsatz von 60 Mark einführen dürfen, was aber nur etwa ein' Siebentel seiner Butteraussuhr nach Deutschland ausmacht. Die handelspolitischen Beziehungen zu den Butter und Käse einführenden übrigen Ländern, die weitaus unsere besten Industriekäufer sind, bleiben also auss höchste bedroht, und ein allgemeiner B u t t e r k r i e g ist jeden Tag möglich. pilsudsti-Goldateska am Werke. Vier Offiziere in Uniform überfaNen Gejm-Vizepräsident Oombfki. Warschau, 29. August. Wie eine Sonderausgabe des nationaldemokratischen ABC. meldet, wurde heute abend um MS Uhr in einer Warschauer Bor- stadt von drei Offizieren in Uniform und einem Unter- ossizier«in llebcrfall auf den Vizemarschall des Sejm und vauernführer Abgeordneten Johann Dombfki verübt. Dombski stand gerade in seinen Garten, als ein Offizier und ein Unteroffizier an den Zaun traten und ihn, nachdem sie sich von seiner Identität überzeugt hatten, aufforderten, auf die Straße zu treten, da sie ihm eine wichtig« Mitteilung zu machen hätten. Einige Schritte von ihnen standen zwei weitere Offiziere, die ossen- bar Wache hiellen. Dombski entgegnete auf die Aufforderung, der beste Ort für eine solche Mitteilung wäre wohl seine Wohnung. Als er die klinke seiner Haustür ergreisen wollte, stürzte sich der Offizier und der Unteroffizier auf ihn und versehten ihm eine Reihe von Faustschlägen aus den Kopf und gegen die Brust, so daß Dombski betäubt wurde. Die Wirtschafterin des Abgeordneten eilte aus der Wohnung herbei und stellte sich schützend vor dem Vizemarschall. Der Lärm lockte einige Nachbarn herbei, so daß die Angreifer es für geraten hielten, schleunigst die Flucht zu ergreifen. Bizemarschall Dombski ist �iner der hervorragendsten Führer der Z« n t ro l in t so p Position, die ja gerade von Marschall Pilsudfki in seinem letzten Interview mit so heftigen Beschimpfuiigen bedacht worden ist. Dombski, der früher einmal auch Bizeminister im Außenministerium war und bei Abschluß des polnijch-russischen Friedens von Riga hervorragend beteiligt war, gilt als ein über- zeugter Demokrat. OeMlMie wahierfaindgeliiiiigcii. Heute, Sonnabend, 30. August: 7. Kreis Charlottcnburg. Abmarsch zum Werbeumzug um 17 H Uhr vom Goßlaer Platz. Pankow, 1S8. und 130. Abt. 17� Uhr Radfahrerumzug ab Pankow. Marktplatz.— Fahnen mitbringen! Sohnsdorf. 19H Uhr im Lokal Falkenhorst(früher Ziebarch), heidestr. 1. Redner: Genosse Könemann. ylankenbnrg. 19 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2. Redner: Eduard Zachert, M. d. L. Außerdem FUmvorsührung: Sturm über Asien. Morgen, Sonntag, 31. August: 3. Kreis Wedding. Abmarsch zur Demonstration pünktlich 16 Uhr vom Brunnenplatz.— Sympathisierende, Sportler, Jugend, Kindersreunde, seid zur Stellei «. Kreis Kreuzberg. Alle radfahrenden Parteigenossen, sowie Sozialistische Arbeiterjugend und Sportler, beteiligen sich an der Wahlpropagndafahrt de- Arbeiter-Radfahrerbundes„Soli- darUät" durch den Südosten.— Treffpunkt: 10 Uhr vor- mittags Heinrichsplatz. Lichtenberg. 117. Abt. Vormittags IVA Uhr im„Kosmos", Lllckstr. 70/71. Redner: Franz Künstler.— Rezitationen, Wahltrickfilm, großer Film„Freie Fahrt", artistische Dar- bietungen. Sprechchor der Freien Gewerkschaftsjugend über das Werk„Dividende". 12. Kreis Steglitz. Lankwitz, Lichterfelde. Bormittags 10 Uhr im Parkrestaurant Südende. Redner Kurt Heinig.— Mitwirkende: Männergesangverein„Steglitz-Friedenau". Spandau. 17 Uhr(5 Uhr nachmittags) in Gatow, Lokal Wolter Krause„Zu den drei Linden". Rednerin: Käthe Kern. und Frauen, erscheint in Massen! Zentrum- wohin? Spie! mit dem Staatsstreich. Herr Ivos hat in Köln eine außerordentlich scharfe Rede gegen die Sozialdemokratie gehalten. Es war eine der vielen Reden, in denen man dem Gegner Demagogie vor- wirft, um dann selbst einen neuen Rekord der Demagogie aufzustellen. An sich sind solche Reden nicht sehr ernst zu nehmen, auch wenn sie von einem Mann wie Herrn Joos gehalten werden. Behauptungen wie die, daß die Sozial- demokratie durch ihre Abstimmung gegen die Notverord- nungen mitgeholfen hat,„etwa 250 000 Arbeiter um Brot und Arbeit zu bringen", können nur auf die Dümmsten der Dummen irgendwelchen Eindruck machen. Wir beneiden Herrn Ivos um diese statistische Demagogie nicht. Wenn wir uns überhaupt veranlaßt sehen, uns mit seiner Rede zu be- schäftigen, so geschieht es aus einem anderen, und zwar aus einem außerordentlich ernsthaften Grund. Herr Ivos wirft uns vor, daß wir„den demokratischen Gedanken in schwere Gefahr gebracht" haben. Dann sagt er: „Das Zentrum ist, offenbar im Gegensatz zur Sozialdemo- krati-, für eine gesunde Demokratie"(im Bericht der„Tremonia" in Fettdruck gedruckt). Dann erzählt er, daß eine Demokratie krank sei,„die schwätzt und nicht handelt. die diskutiert und nicht regiert" und so fort. Herr Joos darf es uns nicht übelnehmen, wenn uns solche Ausdrücke wie „gesunde" oder„wahre" oder„veredelte" Demokratie sehr verdächtig sind. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß alle solche Redewendungen denen des Prälaten Seipel verflucht ähnlich sind. Was aber Prälat Seipel darunter versteht, steht doch fest: für ihn sind die österreichi- schen Hakenkreuzler die Träger seiner„wahren Demokratie". Es ist bis jetzt nicht gelungen, das Zentrum zu einer klaren Stellungnahme in dieser Frage zu bewegen. Wir wissen zwar, daß das Zentrum für die deutschen National- sozialisten keine solche Sympathie hat wie Prälat Seipel für die österreichischen Heimwehren, ja, daß das Zentrum gegen d.e Nationalsozialisten, die jetzt einen„Durchbruch" in den katholischen Teilen Deutschlands versuchen, einen sehr heftigen Abwehrkampf führt. Wir wissen aber immer noch nicht. wo für das Zentrum die Grenzen der zulässigen„Veredelung" der Demokratie liegen. Wenn an uns die Segenfrage gerichtet wird: warum wir dett Absichten des Zentrums mißtrauisch gegenüber- stehen, so antworten wir: wir müssen es, weil von der Zen- trumsseite und an sehr autoritativen Stellen immer wieder sehr bedenkliche Aeußerungen gemacht werden. Wir würden es für eine wesentliche Erleichterung der poli- tischen Situation halten, wenn in dieser Frage völlige Klar- heit geschaffen würde. Leider besteht diese Klarheit bis jetzt nicht. So hat z. B. die„Germania" unlängst einen Leitartikel von Muckermann veröffentlicht, der sogar eher Klar- heit in einer anderen Richtung als der uns erwünschten schafft. Herr Muckermann stellt zwar fest, daß in Deutsch- land für das Volk und für den Katholizismus im besonderen jeder Weg schlechter ist„als der Weg, der den Parlamentaris- mus durch das Parlament erneuert". Dem folgen aber Aeußerungen, die nicht einmal als mißverständlich zu be- zeichnen sind, sondern in bestimmter Richtung völlig eindeutig sind.„Ob das(die Erneuerung des Parlamentarismus durch das Parlament) möglich ist. darüber entscheidet diese Wahl. Es wird entweder ein arbeitsfähiges Parlament geben oder das letzte Parlament der Weimarer Zeit." Die letzten Worte lassen keinen Platz für Zweifel darüber, daß mit der Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung gerechnet wird. Das wird durch den nächsten Satz noch einmal unter- strichen:„Es wird sich entscheiden, ob die Anwendung des Artikels 48 in die Aera eines erneuerten Parlamentarismus hinein- oder aber aus der Aera eines herunter- g e w i r t sch a f t e t e n Parlamentarismus über- Haupt herausführt." Mit dem Aufzeigen einer solchen Perspektive wird unsere Kritik an der Anwendung des Artikels 48 durch die Regierung Brüning gerechtfertigt. Wir wollen eben nicht, daß eine solche Alternative entsteht. Nun gilt für Herrn Mucker- mann die zwelle Möglichkeit für den Fall, daß der neue Reichstag nicht arbeitsfähig wird. Wer entscheidet aber dar- über? Wann ist ein Reichstag als arbeitsunfähig anzusehen: nur dann, wenn in ihm überhaupt keine Regierungsmehrheit möglich ist oder auch dann, wenn die vorhandenen Mehr- heitsmöglichkeiten jemandem nicht gefallen? W e r die Entscheidung zu treffen hat, sagt Herr Mucker- mann mit ausreichender Klarheit.„Wir wollen jetzt die Frage nicht untersuchen, was letzte Verantwortung vor dem Volk von einem Reichskanzler verlangt, der auch das jetzt zu wählende Parlament wieder nach Haufeschickenmäßte." Behalten wir jedes Glied dieses außerordentlich beachtenswerten Gedankenganges. Das neue Parlament, welches unter Umständen wieder nach Hause ge- schickt werden muß, wird das letzte Parlament der Weimarer Zeit fein. Kann man das anders verstehen als eine Auf- forderung an den Reichskanzler für den Fall, daß er kein Landesverrat? Landesverrat? Schweigen über Rußland als nationale Pflicht. williges Parlament bekommt, einen Staatsstreich zu vollziehen? Die Antwort wird wiederum in dem nächsten Satz völlig unzweideutig gegeben:„Wir wollen für diesen -tfall nur bemerken, daß die christliche Moral nicht bloß dazu da ist, um ein Ta.it accompli(vollendete Tatsach«. D. Red.), das ihre Gegner machen, hinterher gutzuheißen, sondern daß sie auch dem katholischen Staats- mann die Möglichkeit gibt, unter gewissen Bedin- gungen ein kalt aacompti zu s ch a ffen." Es läßt sich also ein von dem katholischen Staatsmann als Reichskanzler vollzogener Staatsstreich durch die christlillze Moral rechtfertigen. Es ist schon eine fast überflüssige Ueber- betonung, wenn in diesem Austatz noch folgende Worte von Herrn Dr. Eugen M. Kogon zitiert werden:„Man möchte meinen, daß nun der Augenblick gekommen ist, wo die christlichen Führer sich erheben und d i k t a t o- rial den Weg durch die Mitte bahnen werden." Wir schließen uns der Bemerkung von 5)errn Mucker- mann an:„Alle Wähler im Lande sollen missen, was dieses Mal gespielt wird." Es wird wirklich ein außerordentlich gefährliches Spiel gespielt, wenn die Auffassungen von Herrn Muckermann nicht nur seine eigene, für niemanden mehr ver- bindliche Meinung sind. Sein hochpolitischer Aufsatz stand aber im Zenrralorgan des Zentrums an der Stelle des Leit- artikels, und wir haben bis jetzt keinen Anhaltspunkt dafür, daß die Redaktion der„Germania" die Auffassung dieses Artikels nicht teilt. Gewiß wird die Zuläfsigkeit des Staats- ftreiches im Artikel von Muckermann nur für den Fall be- jaht, daß sich der neue Reichstag als arbeitsunfähig erweisen wird. Auf diese Weise pflegen aber auch alle Diktatoren von Mussolini bis Pilsudfki die von ihnen vollendeten Tatsachen zu rechtfertigen. Das Problem, wie man das Parlament arbeitsfähig macht, besteht für uns auch. Wir sehen aber das stärkste Hindernis für die Arbeitsfähigkeit des Reichstages und damit die größte Gefahr darin, daß ein Teil der Parteien, und zwar ein Teil der bürgerlichen Parteien, keinen arbeite- fähigen Reichstag will, wenn er in diesem Reichstag keine Mehrheit für seine Wünsche findet. Mit solchen Be- strebungen ist auch im neuen Reichstag zu rechnen. Daraus ergibt sich für uns aber eine ganz andere Schlußfolgerung als für Herrn Muckermann, nämlich die, daß es die wichtigste Aufgabe dieser Wahlen ist, im neuen Reichstag eine Mehrheit derjenigen, die überhaupt für die Erhaltung der Demokratie sind, zu schaffen. Wenn das Zentrum der gleichen Auffassung ist, so muß es mit aller Deutlichkeit sagen, daß es auf dem Boden der demokratischen Verfassung bleiben wird, daß Zur eK Teilnahme an einem Staatsstreich nicht in Frage kommt, mögen einige sonst von ihm vielleicht sehr geschätzte Geistliche die Zuläfsigkeit der„vollendeten Tatsachen" auch mit der christlichen Moral begründen. Wir wiederholen: die Klärung in dieser Frage würde uns als eine wesentliche Erleichterung der politischen Situation erscheinen. Nicht in dem Sinne, daß wir uns davon eine Erleichterung unseres Wahlkampfes versprechen. Ein solches Bedürfnis haben wir überhaupt nicht. Wir wollen aber erreichen, daß sich schon während des Wahl- ckampfes trotz aller Schärfe des Kampfes und trotz aller zweifelsohne sehr gewichtigen Jnteressenverschiedenheiten wenigstens eine breite Front der Parteien herausbildet, die festen Willens sind, ihre Gegensätze auf dem Boden der Demokratie auszukämpfen und allen Angriffen gegen die Demokratie geschlossene Abwehr zu bieten. Dadurch wurden sich auch die Chancen dafür verbessern, daß aus diesem Wahlkampf ein arbeitsfähiges Parlament entsteht. ' In einer anderen Haltung zu dem Problem der„Erneuerung" der Demokratie sehen wir die größten Gefahren. Darüber darf man sich doch nicht täuschen, daß jedes Spiel mit den „vollendeten Tatsachen" zugleich ein Spiel mit dem Bürger- kriege ist. Hugenberg gegen das Zenirum. Eine Musterkarte deutschnationaler Höflichkeit. Das Zentrum richtet seinen Wahlkampf gegen die Sazialdemo- krotie. Es beschwert sich über sozialdemokratische Angriffe, es spricht »an Demagogie, von vergifteter Agitation, sobald Sozialdemokraten sachliche Kritik an der Haltung des Zentrums üben. Vergiftete Agitation— das gibt es wirklich, aber nicht auf der Seite der Sozialdemokraten! Hier sind einige Proben: „Dem Zentrum ist es hauptsächlich zu verdanken, daß das deutsche Volk bis nahezu an die Jahrhundertwende in die Tributsklavcrei verkauft ist. Die sogenannte Friedensrejolution Erzbergers hat unseren nationalen Zusammenbruch eingeleitet und hat mit dazu beigetragen, unsere nationale Widerstandskraft schon im Jahr« 1917 entscheidend zu lähmen. An den Namen Evzb erger knüpft sich die ehrlose Kapitulation vor dem Feindbund im November 1318. Keine Partei des Deutschen Reichstages hat das deutsche Volt so irregeführt wie das Zentrum! Verbrecher am Volk und Vaterland— politische Ehorakter- losigkeit und Grundsatzlosigkeit— überhaupt kein« eigenen Grund- ■ sähe mehr.— Förderer des Kulturbolschewismus." Di« Proben entstammen einem Flugblatt der Deutschnatio» nalen Schriftenvertriebs st eile, das bei Hugenberg ge. druckt wurde. Nichtsdestoweniger gibt es Zentrumskreis«, die in Hugenberg schon den kommenden Koalitionssreimd sehen. Jedem Wähler seine eigene pariei. 25 Wahlvorschläge in Berlin. Vci dem Krciswahlleiter für den Wahlkreis 2— Berlin— find folgend« Kreiswahtvorfchläge rechtzeitig eingegangen: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Deutschnationale Volksportei, Deutsch« Zcntrumspartci, Komma« nistrschc Partei, Deutsche Dolkspartei, Deutsche Staatspartei, Reichs- Partei des deutschen Mittelstandes(Wrtschasrspartei) E. V., National- jczialiftisch« Deutsche Arbeiterpartei(Hitler-Bewegung), Volksrecht- partei(Reichspartei für Volksrecht und Amwerwng) und Christlich. Soziale Reichspartei, Deutsche Bauernpartei, Christlich-Sozialer Voltsdienst. Haus- und Landwirteportei, Polnische Volkspartei, Un- abhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Freibund des Handwerks, Kleinhandels- und Gewerbes(Rcichsbund des Deutsck>«n Mittelstandes), Arbeiterpartei für das arbeitende und schaffende Volk, Partei gegen den Alkohol, Deutsch« Kullurpartei der geistigen Berufe, Angestellten und Beamten, Deutsches Landvolk, Reichspartei der Arbeitslosen Deutschlands, Evangelisch« Wähler und Wöhlerinnen, Konservative Voltspartei, Ehriftlich-Soziale Volksgemeinschaft, � Menschheitspartei und Reue Volksgemeinschaft, sowie«in Wahl- Vorschlag der Mieter- imd Volksreichsportei.. Die Militärjunta in Lima ist zurückgetreten«nd General - Eanchez Cerro hat die neue Regierimg Perus gebstdet. Das Organ der mitregierenden Konservativen Dolkspartei und der Minister Schiele und Treviranus, die„Deutsche Tageszeitung", fordert die Erhebung der Anklage wegen Landesverrats gegen das„Berliner Tageblatt" und darüber hinaus«in« V«r- jchärfung des Landesncrratsparagraphen des Strafgesetze?. All dos, weil das„Berliner Tageblatt" gewagt hat, die Wahrheit über den Fall Amlingcr vorsichtig anzudeuten! Wörtlich schreibt das genannte Regierungsorgan: Wenn die Angaben des Blattes zutreffen würden, so würde es sich bei seinem Vorstoß um einen offenen Akt des Landesverrats handeln. Das gibt das Blatt selbst zu, indem es von einer „diskreten Aufgabe" spricht. Das llnerhörtefte dabei ist es, daß die angenommene Teilnahme eines ehemaligen deutschen Offiziers an einem russischen Militärflug, die höchstens einen milttärtcch- nifchen Charakter hoben könnte, in einen politischen Akt umgefäljcht wird, mit der Absicht, das Ausland auf angebliche Um- triebcderRcichswehr aufmerksam zu machen. Im richtigen Augenblick enthüllt so dos— staatsparteiliche!—„Berliner Tageblatt" wieder seine völlige Un Zuverlässigkeit. Wer national zuverlässig ist, der läßt einen in Rußland ver- unglückten Ftiegeroffizier sich bei einem Pferderennen in Berlin den Hals brechen.' Zwar macht man durch solche plumpe Schwin- d« l« i« n das Ausland erst darauf aufmerksam: daß mm, etwas verbergen will, man spart sich aber vielleicht im Inland unan- igenehn«: Auseinandersetzungen... -Zu diesem- Zweck will auch die„Deutsche Tageszeiftmg" den, „Berliner Tageblatt" den Mund stopfen. Daß von zwei der gegenwärtigen R e i ch s r e g i e r u n g nahestehenden Zeitungen die ein« der anderen mir dem Landes- verratsparagrapben droht, ist ein Bild von be- sonderem Reiz. Ein Artikel Hammersteins. Vor einiger Zeit erschien in der„Magdeburger Zeitung" ein Aussatz, der— wie der Demokratische Zeitungsdienst jetzt enthüllt— von General von Hammer st ein verfaßt war. In diesem Aus- satz hieß es: Während des Vordringens der russischen Heere»ach Polen, stand der„N a t i o n a l b o s s ch c w i s m u s" auf seinem Höhe- pmikt. 1323, während des Ruhrkompfes, lebte er noch einmal auf. Damals bändelte Ruth Fischer mit rechtsstehenden Kreisen an, um mit ihnen„ein Stück Wegs zusammenzugehen". Damals In der Berliner Presse wurden gestern Meldungen ver- breitet, nach denen der gesamte Gäusturm der Berliner SA. aus. der Ratlonalsoziallstischen Partei ausgetreten fei. Diese Meldung ist nicht richtig, richtig aber ist, daß unter den Ver- liner SA.-Leuten eine organisierte Rebellion gegenGaebbels u n d Ca. im Gonge ist. Das Organ Otto Straßers berichtet darüber: „Die inneren Zustände in der Berliner Hitler-Partei hoben zu neuen schweren Auseinandersetzungenzwischen SA. und Partei geführt. Die Berliner Bonzakrotie, als deren ausgeprägtester Vertreter der Geschäftsführer de» Berliner Gaues, Will«, und der stellvertretende Gauleiter M u ch o w, beides Vrtrauensleute von Goebbels, zu betrachten sind, die Zustände auf der Gaugeschäftsstelle, Gegensätze zwischen der obersten SA.» Führung für Nordost-Deutschland, die in Händen von Hauptmann Stenn es liegt, und dem Gauleiter Goebbels, Goebbels Der- halten im Hindenburg-Prvzeß, alle diese und andere Dinge haben jetzt die seit langem bestehenden Gegensätze offen zum Ausbruch kommen lassen. Die Münchener Rcichsparteileitung ist auf das eifrigste bemüht, den schweren Konflikt beizulegen und vor dem 11. Sep- tember nichts in die Oesfentlichkeit dringen zu lassen. Hinzu kam, daß die Unzufriedenheit der SA.-Lcute durch eine Reih« von Tatsachen verstärkt wurde. Der Erwerb eines Münchener Palastes, um ihn zu einem eigenen Parteihaus umzubauen, für das jeder Partei- genösse mit einer Sonderumlage von 2 M. herangezogen wurde. Die Mißwirtschaft auf der Gaugeschäftsstelle Berlin. Die unglaubliche Behandlung einfacher Parteigenoffen durch Milte und Muchow, die von Goebbels in jeder Situation gedeckt wurden. Das Jnstichlasfen der in die Röntgentaler Angelegen- h« i t verwickelten Parteigenossen durch den Gaugeschäftsführer Wille. Für die Sozialdemokratie! Beschluß der Eisernen Internationale. Kopenhagen, SS. August. sEigenberieht.) Ter Internationale Metallarbeiterbunt» hat seine Tagung beendet. Die„Eiserne Internationale" wird künftighin, gemäß einer von S t e i n- Oesterreich und U r i ch- Teutschland begründeten Entschließung, die der Kongreß einstimmig annahm, in eng st er Ver- l> indüng mit der Sozialdemokratie arbeiten. Teddy, der Erbarmungslose. Achtung, Achtung! Die Thälmann-Regierung kommt. Also sprach Heinz Reu mann in Dresden, und man liest es in der kommunistischen„Arbeiterstimme": Die von T h ä l m a n n geführte Sowjetregierung wird in Deutschland ausräumen unter den Volksfeinden. Sic wird mit Stahl und Eisen ohne Erbarmen jeden Widerstand gegen die Macht der Arbeiter brechen. Wenn wir die Macht haben! Die von Ernst Thälmaan geführte Regierung, sie wird gewählt werden von de«» bewassneten Arbeitern. Sic wird so stark sein durch das Vortrauen der Arbeiter, daß keine Macht der Weit sie zu erschüttern vermag. Woher Heinz Reumann die Massen nehmen wird, um die Arbeiter zu bewaffnen, wollen wir lieber gar nicht fragen,: das wird er uns Landesverrätern ja doch nicht sagen. Wenn er aber jetzt schon weiß, daß die bewaffneten Arbeiter Thälmann zum Re- richtete eine angebliche„Gruppe kommunistischer Offizier«"— in Wahrheit August Thalhermer— einen Werbebries an die Offiziere und versprach ihnen Ruß- lau dz Hilfe gegen Frankreich, wenn sich die Reichswehr auf die Seite der Äommunistsn stellte. Damals ging die Initiative alio von den Kommunisten aus, als sin Versuch, die Reichswehr sijr den Aufstandsversuch vom Herbst 1923 zu neutralisieren oder zu gewinnen. Seitdem ist der Gedanke des„R ationalbolsche- w i s m u s" tatsächlich tot. So ganz tot ist er nun freilich nicht, denn die neueste Progrannn- crkläning der KPD. ist weiter nichts als eine Wiederaufnahme des Zluth-Fischer-Kurseü Andererseits ist Herrn von Hammerstein ohne weiteres zu glauben, daß er den Bolschewismus für Deutschland ob- lehnt. Der General jagt dann weiter: Politik betreibt die Reichswehr überhaupt nicht, sondern die Richtlinien für ihr Handeln empfängt sie von der Reichsleitung. Gegenüber Rußland sind es dieselben wie gegenüber jedem Staat, zu dem das Deutsche Reich gute Beziehun- gen unterhält: wir suchen militärisch von ihm zu lernen lind zeigen seinen Offizieren auch, was wir luilitärisch können, ebenso wie wir es mit S ch w e d e n, S p a n i e n, der Schweiz, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und anderen ljalten. Di e Sowjetunion etwa anders zu behan- dein als jene Staaten, wäre unsinnig und ge- fährlich. Denn,. so scchr wir auch die rvoltrevolutionären Be- strebungen ablehnen und bekämpfen, so darf Deutschland darüber nicht vergessen, daß Moskau nicht nur das„Ekki", sonder» in erster Linie die Regierung des russischen Reichs beherbergt,, das auch heute noch ein wirtschaftlicher und politischer Macht- fa ktor ist, mit dem jeder europäische Staat rechnen muß. Nach der Theorie des Generals von Hammerstein gibt es also eine Gruppe von Staaten, zu denen Deutschland politisch und inili- tärisch„gute Beziehungen" unterhält. Das sind Rußland, die Vereinigten Staaten, Schweden, Spanien, dn» Schweiz u. a. Daneben gibt es dann natürlich andere, nicht namentlich aufgezählte Staaten, w denen so gute Beziehungen nicht bestehen, Z. B. Frankreich, England, die Tschecho- s l o w a t e i u. a. Nach dieser Leistung scheint es uns mcht nur vallständiq un- möglich, daß Herr von Hairmrerstein die Nachfolge Heyes übernimmt, es scheint uns vielmehr auch geboten, daß er schleunigst seinen Ab- schied erhält. Die Behandlung der Angestellten aus der Gau- geschöftsstelle: für die eine Geschäftsordnung entworfen wurde, wie sie'schlimmer von dem r e ä kt i o n ä r st e n A r b> itg e b e r nicht entworfen werden tonnte..:.: DieluxuriöscEinrichtungavfderGangeschösts- stelle im Gegensatz zu der einfachen Einrichtung der SA.-Ge- schäftsröume. Bonzenwirtschast. Absetzung von nicht bedingungslos den Wille- kurs mitmachender Funktionäre, Uebergabe von Fimktionürämtern in der Hauptsache nur noch an bürgerlich« Parteigenossen, A u w i- Verherrlichung, zunehmende Verbürgerlichung usw. sind weitere Gründe. Goebbels Verhalten im Hi n de n b n rg- Pr o z e ß, die Taffach«, daß er sich heute einen abgfeiwten Lügner nennen lassen muß, ohne zu Magen. So kam es, daß die SA.-Slürme und Standorten nicht mehr vollständig in Aktion traten, daß die Zahl der SA.-teute, die dem aktiven Dienst fern blieben, von Woche zu Woche wuchs." Aus anderer Quelle erfährt man noch, daß der letzte Anlaß zum offenen Ausbruch der Rebellion die Auf- Hebung der Zahlung von Spesen für Propa- gandafahrten gewesen sei, die die SA.-Leute bisher er- hielten. Inzwischen sollen die SA.-Leute sich wieder beruhigt haben, weil ihnen neue Spesenzahlung versprochen wurde. Die eiserne militärische Disziplin, der unbedingte Ge- horsam gegen den Führer und den Grad der Begeisterung scheint demnach bei den Hakenkreuzlern vom Grad der Bezahlung abzuhängen! Hier eröffnen sich liebliche Einblicke in die intimen Ge- Heimnisse der Hitlerpartei! gierungschef wählen werden, so hat er offenbar die Absicht, bei der Waffenausgabe sehr vorsichtig zu sein, denn von zehn Arbeitern iverden sich neun angesichts einer solchen Kandidatur vor Lachen denBauchhalten. Aber frellich, daß es noch immer Arbeiter gibt, die dieser maulrevolutionären Han-wurstgesellschaft nachlausen, ist eher zum Heulen als zum Lachen. Gefängnis für Gregor Giraßer. Gerechte Strafe für einen völkischen Verleumder. Am Freitag, hatte sich Gregor Straßer vor dem Oranienburger Schöffengericht in nicht weniger als sechs Prozessen wegen Belei- dizung zu verantworten. In einem' Falle wurde Straher wegen Beleidigung mehrerer Mitglieder der Reichsregierung zu zwei Monaten G ef ä n g n i s und in einem anderen Falle wogen Beleidigung des Rsgierungs- Präsidenten Dr.-Friedcnsburg zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In drei weiteren Fällen wuckic der völkische Ehrabschnewcr wegen Beleidigung des Berliner Polizeioizepräsidenten Dr. Weiß— es wurde fortgesetzte Handlung angenommen— mit 500 M. Geld- strafe und schließlich wegen Beleidigung mehrerer Beamten der Stadt Brieg in Schlesien mit 000 M. Geldstrafe belegt. Keine Postlariserhöhungen zum 1- Oktober. Die Meldung eines Berliner Mittaasblattcs, daß zum 1. Oktober die Erhöhung der Pest- tarise geplant iei, wird v o in Reichspostministerium sür völlig aus der Luft gegriffen erklärt. Ärrfferhöhungen seien weder beabsichtigt noch in Erwägirng gezogen gewesen. Sprünge im Hakenkreuz. Rebellion der GA. gegen Goebbels.— Lohnbewegung der Raufbolde. Priester und Pfaffen. Zur Geschichte eines Wahlschwindels. r 2tm 26. Sluguft schrieb der..Sozialdemokratisch« Pressedienst": Am 8. Juni 1929 hielt Severmg im Reichstag den Kom» munisten ihre politische Grotzmäuligkeit vor. Er stellte die rethorische Frage, ob denn jemand an den Ausbruch der Welt- reoolution am 1. August glaube. Der kommunistische Abgeordnete Maddalena war so im Bann« der Rede Seoerings. daß er aus tiefstem Herzensgründe rief:„D a s glaubt ja nie- m a n d!" Der verstorbene Abgeordnete H ö l l e i n ober, abgebrühter als Maddalena. rief darauf seinem Parteifreunv zu: „Du dummes Rindvieh!" Sie glaubten damals nicht an die weltrevolution, nicht zum 1. August und einen anderen Termin, sie glauben auch heute nicht daran. Sie glauben nicht, aber sie tun als ob sie glaubten. Weil sie selber wissen, daß sie Charlotane sind, treiben sie schlimmste Spekulation auf die nationalistischen Instinkte. Das Kennzeichen des Psaffen ist es. daß er nicht glaubt, aber Glauben heuchelt. daß er anderen Glauben beibringen will, den er selber für Schwindel hält. Arbeiter, wollt ihr auf die Leimruten der Pfaffen der kommunistischen Wcltrevolution kriechen, wollt ihr euch zu Werkzeugen ihrer unehrlichen und verlogenen Ab- sichten machen? Ihr würdet euch selbst ichädigenl Am Tage darauf zitierte der„Deutsche", das Organ der christ- lichen Gewerkschaften, die oben in Fettdruck wiedergegebenen Worte und schrieb dazu: Ist das nun Empfindlichkeit, wenn wir uns eine solche bodenlose Gemeinheit allen Ernstes verbitten. Immer mehr läßt die Sozialdemokratie ihr wahres Gesicht als Todfeindin der Kirche sehen. Wozu nun auch die„Deutsche Tageszeitung", das Agrarier- blatt, salbungsvoll bemerkt: Wir begrüßen es, daß man in den Kreisen des den, Zentrum nahestehenden katholischen Deutschlands das wahre Gesicht der Sozialdemokratie als Todfeindin des Christentums und der Kirche erkennt. Wir vermissen aber noch immer, daß man in den Zentrumskreisen endlich daraus die Konsequen- z e n zieht. Es dürfte sich vielleicht empfehlen, derartige sozialistische Stilblüten und unerhörte Zlenßernngen zu sammeln, um sie zu gegebener Zeit der preußischen Landiagsftaktion des .Zentrums zur Kenntnisnahme und wsitercn Veranlassung zu übergeben. �Vielleicht sängt man dann auch dort an, das wahre Gesicht der Sozialdemokratie zu erkennen. Tatbestand: Der„Soz. Pressedienst" polemisiert gegen dos kommunistische Psossentum. Der„Deutsche" und die„Deutsche Tageszeitung" erklären die katholische und die evangelische Kirche für beleidigt. Das nennt man noch Solidarität! Ein Angriff auf Kirche und Christentum ist weder direkt noch indirekt erfolgt, der Begriff Pfafje ist zu ihnen in keine Beziehung gebracht. Daß man unter einem Pfaffen einen Menschen versteht. der selber nicht glaubt, was er predigt, ist eine Tatsache, die weder für ein« Kirch« noch für einen Glauben beleidigend ist. Dadurch unterscheidet sich eben der Pfaffe von dem Priester, der von seiner Idee erfüllt ist, der für, sie lebt und stirbt. Wie schon P. K. R o s« gg« r gesagt hat: Der Herrgott, der hat die Priester erschaffen. Der.T euf« l. sein Zeind, der geht her und macht Pfaffen Der„Deutsche" und die„Deutsche Tageszeitung" haben einen Angriff auf di« KPD. zu einer Beleidigung der christlichen Kirchen umgefälscht. Das ist ein psäfsische» Treiben, das jeder ehrliche Priester und jeder echte Christ mit uns auf das schärffte verdammen wird. Memel-Landtag aufgelöst. WegenMißtrauenskuudgebung gegen litauischen Gouverneur Memel, 29. August. Nach Eröffnung des Msmelläudiichen Landtages am Freitag er- klärte der Abgeordnet« G u b b a im Namen der deutschen Mehrheit, daß dos vom litauischen Gouverneur dem Memel- gebiet aufoktroyiert« Direktorium Reisgys-Dugnus-Czeskteba das Vertrauen der überwiegenden Mehrheit des Landtages und der memelländischen Bevölkerung nicht besitze. Die vom Gouverneur zu Landesdirektoren ernannten Persönlichkeiten seien weder in politischer noch in rein sachlicher Beziehung sähig, di« Ge- schicke des Memellandes auch nur vorübergehend zu leiten. Di« Mchrheitsparteien sahen sich daher veranlaßt, dem Direktorium das Vertrauen abzusprechen. Anter Betonung ihres Partei- standpunNe» schloffen sich dieser Erklärung die Vertreter der Sozialdemokraten und Kommunisten an. In der anschließenden Abstimmung wurde dem Direktorium mit 2S Stimmen bei 4 Stinnnenthaltungen der litauischen Minderheit das Vertrauen entzogen. Landespräsident Reisgys zog darauf zur allgemeinen lleberrajchung des Hauses das bereits fertiggestellte Auflös ungsdekret des litauischen Gou- verneurs aus der Tasche und erklärt« d«n Landtag für a u s g« l ö st. Ganz Südamerika gärt. Ttach Bolivien, Peru und Argentinien auch noch Brasilien! R i o d e I a« e i r o. 2S. August. sEiganbericht.) Brasilien ist seit Freitag ebenfalls voneiner Umsturzwelle bedroht. Unter der Führung von Franzisco de Sonza ist in dem Tüdftaate Rio Grande dcl Sul eine ernsthafte Slnfstandsbewegung ausgebrochen, die sich gegen die Zentralregiernng richtet. Rio Grande del Sul ist der Hauptstsihpnakt der Libc- ralen Partei und ei« bekannter Aufstandsherd. In- folgedessen steht daS Gebiet feit Jahren fast nnunter- Krochen unter Ausnahmezustand. Zusammenstöße Zwischen Anhänger« der verschiedenen politischen Parteien sind in Rio Grande del Sul an der Tagesordnung. Die brasilianische Bundesregierung hat das B y« d e S- Heer in Alarmznstand verseht. Kein Soldat darf bis auf weiteres die Kasernen verlassen. In Peru wird verhaftet. Lima. Z». August.(Eigenbericht.) Der Führer der vmsturzbewegung in Peru, S a n ch e z Ecrro. mdnete an. daß sämtlich« l«itend«n Person. lich ketten der gestürzten Regierung verhaftet imd in einem beschleunigten Verfahren durch ein Contergericht wegen Amtsmißbraiichs und Verschleuderung öff-ntlicher Gelder abgeurteilt werden. Die Ueberführung de» erkrankten Expräjidenteu L«gm i a von eTfiffn« nach Lima soll am Sonnabend Dietrich der Zauberkünstler. ,Llnd nun werde ich Ihnen eine Steuersenkung vormachen. Ich öffne diesen Hahn und schon sehen Sie, wie der Spiegel sich senkt!" Würfelbecher und Bombenlegen. Oer Täier wird ausgeknobelt. Altona, 29. August. Nach Vorhaltung der Aussagen des Angeklagten Vick bekennt Johnsen späterhm, auch an dem Anschlag in Winsen tätig teilgenommen zu haben, sowie an einem Versuch in Lüne- bürg. Dieser war gegen das Rcgierungsgebäud« geplant, konnte jedoch nicht ausgeführt werben, weil ein SchutzpoliM dort Posten stand. Ein Versuch am Lüneburger Finanzamt schlug wegen Varsagens der Zündung fehl. Auch Holländer wird durch Johnsen schwer belastet, denn er will in dessen Haus und m dessen Gegenwart einig« Knallkisten fertiggemacht haben. Mit Rathjen gegenübergestellt, sogt er aus, er habe aus Rathjens Wunsch etwas von dem bei Holländer lagernden Sprengstoff geholt und ihm ge- geben. Was damit geschehet sollte oder geschehen ist, sei ihm unbe- kannt. Sein« gelegentlichen Aussagen, daß für das Attentat in Itzehoe noch andere Mittäter in Frage kämen, sucht er später mit der Behauptung zu entkrästen, er habe nur Verwirrung in die Vor- Untersuchung hineintrogen wollem Im übrigen sei er der alles- »ige Täter ,md Bruno».Solomon könne ganz bestimmt keine Ahnung davon gehabt haben, denn er sei bei dem plötzlichen Knall mitten in der Nacht sogar beinahe au» dem Bett gefallen. Eine Bekanntschaft mit Rehling stellt Johnsen in Abrede. Unter dem Deckmantel einer Autoponn« soll der Wagen Wiborgs in Mühlheim an den seinigen herangesahren sein, und so sei die Uebernahme des durch Einbruch erbeuteten Sprengmaterials ganz unauffällig vor sich gegangen. Dann werden die Bernehmungsprotokolle bezüglich des An- geklagten Schmidt verlesen. Schmidt hat sein« Teilnahme an dem von Kaphengst ausgeführten Attentat in Niebüll eingestanden. Di« Anweisung dazu ist ülber Kaphengst an ihn er- gangen: er wollt« aber nicht sagen von wem. Ferner hat er ge> standen, mit Kapheng st zusammen mehrere Knall- kisten angefertigt zu haben. Die Herkunft der Spreng- stoff« zu k«nnen bestritt er. Die Anschage waren sorgfältig vor- bereitet. Ein« ganze Reihe von Teilnehmern wirkte Hand in Hand, ohne angeblich miteinander bekannt zu sein. Ueber die Beweggründe befragt, verweigerte Schmidt die Aussage. Cr hat noch dem Kriege, ebenso wie Kaphengst, im Freikorps gedient, später dem Iverwolf, dem Wiking-Bund und anderen Bünden, die sich au» ehemaligen Angehörigen der Brigade Ehr. Hardt gebildet hatten, angehört. Er zählte auch zu den Schülern der„Nationalpolitischen Schule", in der er Bruno von Solomon kennenlernte. Durch ihn kam er mit der Landvaikbeweguvg in Berührung und zog auch Kaphengst zur Beteiligung an dieser heran. Die Führer der Landvolkbewcgung schlugen dann vor, durch Bombenattentate Propaganda für die Bewegung zu machen. Gewissermaßen als Assistent hals Schmidt seinem Freund« Kapheng st bei derartigen Versuch«», die durchaus nicht gefahrlos gewesen s«ien. Nach mancherlei Fehlschlägen gelang es ihnen aber, brauchbore Höllenmaschinen mit Zeitzündung herzu- stellen. Als Arbeitsraum mietete Schmidt«in Atelier in der Frieden- straß« in Altona, und zwar Mitte Juni 19Z9. Einen Teil der Miete hat Kaphengst beigesteuert. Die erste gemeinsam angefertigte Bomb« ist für das Attentat in Niebüll aus die Wohnung des Landrats Skol- weit am 10. Juli 1929 verwendet worden. Anschließend machte Schmidt eine elftatig« Segelbooffahrt nach Dänemark. Von der ihm gehörenden Segsljolle l>at er auch die zur Bombenansertigung verwendeten Oelkanister mitgebracht. Bei dem Anschlag aus das Rcichstogsgebäudc bestreitet Schmidt jede Teilnehmer- uich Mitwisserschaft. Da» A t t e n- tatinOldenburgwillor allein und ohne jede Hilf« aufgeführt, den Plan dazu allerdings mit Kophengst eingehend besprochen hoben. Daß ihm von irgendeiner Seite Belohnungen ausgezahlt worden seien, stellt er entschieden in Abrede, lediglich bare Auslagen habe ihm Kophengst ersetzt. Die Handgranatenwerferei in Wesselburen Theater in der Stresemann-Siraße. ?ritz Sckviefert„Marguerite: 3". Drei Freunde lieben eine Frau, ohne zu ahnen, daß es eine und dieselbe ist. Dreimol ist sie eine andere, sie gibt sich immer so, wie jeder sie z» sehen wünscht. Carola Reher macht das so hübsch und überzeugend, daß dem Lustspiel ein freundlicher Erfolg bejchiede» mir fr. Dgn. Hot Schmidt gemeinsam nnt Nickels begangen. Bei einem neuen Verhör gestand Schmidt, es wäre an den Anschlag in Oldenburg doch noch jemand beteiligt gewesen, doch wolle er den lltamen nicht angeben. Schmidt knobelte bei dieser Gelegenheit mit Gesinnung«- genossen nrit dem Würfelbecher aus, wer den Tat begehen sollte. Die Eheleute Holländer sind dem Angeklagten Schmidt persönlich nicht bekannt, doch wußte er, daß sich auf ihrem Hof das Munition»- loger des Bundes befand. Wie der Angeklagte Rieper in die Sache hmeingekommen ist, wollte Schmidt anfangs nicht erklären, gestand ober doch, daß dieser in Oldenburg Mittäter gewesen ist, nachdem ihm ein Geständnis dieses Angeklagten vorgehalten worden war. Noch ein Wikingmann. Aus den Lernehmungsprototollen über den Angeklagten Rieper geht hervor, daß Rieper der Sohn eines Polizeibeamten ist. Er Hot von 1922 bis 1923 eine gute Kaufmann slehre durchgemacht, worauf er in der Spsditionsbranche Expedient wurde. Er ist Mitglied de» Wiking, de» Niedersochfenringes und des ttotionolistenklubz gewesen, denen Kaphengst und deffen Freunde ebenfalls angehörten. Ende Mai 1929 hat Kophengst ihn für den Anschlag auf da» Finanzamt in Oldenburg angeworben, den er gemeinsam mit Herbert Schmidt ausführen sollte. Die Knallkisten hat Kap Hengst ihm in die Wohnung geschickt. Den Jichalt der Kisten hat Kaphengst den Eltern Riepers gegenüber als zum Verteilen bestimmt« Flugblätter bezeichnet. Bei der Rückkehr aus Oldenburg erwartete sie Kaphengst, dem sie ein- gehend Bericht erstatteten. Ein späteres Ansinnen, sich an weiteren Attentaten zu beteiligen, hat Rieper abgelehnt, weil er glaubte, es sei„nun genug Propaganda für den Landvolkbund getan". Für die Reise nach Oldenburg hat Rieper von Kaphengst S0 M. erhalten. Schmidt gegenübergestellt, blieb Rieper bei seinem Geständnis bis auf einige nebensächlich« Kleinigkeiten. Das Gericht fährt dann mit der Verlesung der Protokoll« über die Aussagen des Angeklagten Vick fort. Dieser hat seit 1920 Waffen und Munition aus den Beständen der Boltikumer in Besitz gehabt. Er fft mit Volck befreundet und Hot mit ihm wegen des Ankaufs van Waffen verhandelt, doch soll dieses Geschäft nicht zustande gekommen sein. In einem zweiten Verhör hat Vick ein- gestanden, daß er Klaus Heim, der damals bei Bolcks Eltern in Rönne weilte, um Volck zu besuchen, in dessen Gegenwart die Hand- granaten überlassen habe, di« später bei dem Anschlag in Wesselburen benutzt worden sind. Da er und seine Freunde sehr schlecht auf den Leiter der Landkronkenkasf« in Lüneburg zu sprechen waren, wurde beschloffen, „auch diesem eine Bombe zu legen". Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch die Billa des Rechtsanwalts Strauß mit einer Bombe bedacht. Luhmonn legte die Spreng- körper an die vorher bestimmten Plötze, während die anderen für die nötige Sicherung sorgten. Vick ist auch bei dem Anschlag auf das Regierungsgebäud« in Lüneburg aktiv beteiligt gewesen. Der Angeklagte Dick ist Gemeindevorsteher in Ränn« gewesen und will nur an Demonstrationen geglqubt haben. Er hat eingestanden, mit Johnsen und Luhmann gegen das Finanzamt in Winsen vorgegangen zu sein, aber immer in der Meinung, es handele sich um ganz unschädlich« Knallkörper. Er gibt meiter zu, Becker und Mannecke zu kennen und nennt Volck als Urheber der Plön«, bestreitet auch nicht, die von ihm weitergegebenen Bomben von Kaph«ngst erhalten zu haben. Das Attentat auf das Re> gienrngsgebäude in Lüneburg hat nach seiner Meinung Manneck« ausgeführt. Luhmann hat zugegeben, daß er.zusammen mit Volck und Johnsen an dem Bombenanschlag von Winsen beteiligt gewesen ist. Nach seiner Aussag« sollten eigentlich in Lüneburg zwei Bomben losgehen, da das aber nicht gelang, und sie nicht unverrichteter Ding« heimkehren wollten, ließen sie die«in« in Winsen losgehen. Auch er be< zeichnet Bolck als Urheber und treibende Kraft und gab später zu, im Fall Strauß mtd bei dem Regikrmrgszebäude dabei gewesen zu sein. Kaphengst hat von ihm wie von Bolck Geld zur Flucht erbeten, aber nicht erhalten. Darauf wurden die Verhandlungen auf Montag vormittag vertagt. Gewerkschaften undReichsiagswahl Kür die Sozialdemokratie, für Liste Wohl noch bei kelmr Wahl fiab Mc freien Gewerkschaften so offen und entschieden für die Sozialdemokratische Partei eingetreten wie jetzt zu der devorstehenden Reichstagswahl cnn 14. September. Diese öffentliche Parteinahme der Gewerkschaften für die Sozialdemokratie kommt nicht von ungefähr. Dieselben Gründe, die hauptsächlich zur Auslösung des Reichstags führten, und zwar insbesondere auf Drängen der Gewerkschafts- sührer, sind es. die die Gewerkschaften geradezu zwingen, alles daran zu sehen, damit die Sozialdemokratie aus der neuen Reichswgswahl stärker hervorgeht. Die beispiellose Wirtschaftskrise, die die Arbeiter und Angestellten in Gestalt einer kalaslrophalen Arbeitslosigkeit bedrückt, ist ein Pro- dnkt der privatkapitalistischen Profitwirtschaft. Der Einwand etwa, datz Nachwirkungen des Weltkrieges diese Krise ausschließlich oder doch hauptsächlich mitverschuldeten, ist nicht stichhaltig. Denn auch der Weltkrieg ging auf Konto der kapitalistischen Gesellschaftsordnung: im übrigen aber zeigt die Arbeitslosigkeit auch in Ländern, die aus dem Kriege als Sieger hervorgegangen sind, daß die Krise durch die kapital! st ische Produktionsweise heraufbeschworen wurde. Das Unternehmertum hat zwar von jeher versucht, alle Nach- teile, die ein« Wirtschaftskrise mit sich bringt, van sich aus die Schultern der Arbeiter und Angestellten abzuwälzen, jedoch selten mit solcher Ungeniertheit wie jetzt. Bei seinem Einfluß im Parlament glaubte es sich das leisten und aufs Ganze gehen zu können. Die Herrschasten, die sich heute noch nicht mit dem gesetzlichen Achtstundentag vertraut machen wollen, den sie in der ersten Furcht vor den Folgen des Kriezszu-fammenbruches zugestanden hatten, die sich heule noch gegen die Ratifizierung des Washingtoner Acht- stundentagabkommens sperren, geschweige denn die Arbeitszeit zu verkürzen, sie ihrer Ra> tionalisierung anzupassen, die Herren, die einen großen Teil der Arbeiter aus die Straße warfen und die beschäftigten Arbeiter zu U e b e r st n n d e n zwangen, um die„sozialen Losten" abzuwälzen, sie suchen die von ihnen heraufbeschworene Krise dazu auszunützen, um aus der von ihnen mitverschuldeten Not der Arbeitnehmerschost eine Tugend für sich zu machen, aus der Arbeitslosigkeit noch Kapital zu schlagen, wirtschaftlich wie politisch. Dabei forderten sie von der Regierung, sie in ihrem großen Abbaufeldzug zu unterstützen. Nachdem die Unternehmer alle weniger großen Prosit ver- sprechenden Betriede stillgelegt haben, daneben Reichsbahn- w e r k st ä t t e n, die jahrzehntelang in eigener Reale der Reichsbahn betrieben worden waren, um die Tributpslicht der Allgemeinheit für da» Privotkapital zu unterstreichen, nachdem sie Hunderttausende von Arbeitern und Angestellten abgebaut haben, gingen sie zu weiterem Abbau über, zum Abbau der sozialen Versicherungen, der Erwerbslosen- und der Krankenversicherung, wie zum Abbau der Löhne. Die Tarifverträge erscheinen ihnen dabei kaum als ein Hindernis. Bricht Not Eisen, warum soll sie nicht auch Torisverträge brechen. Sie llellen die Arbeiter und Angestellten vor die Alter- natioe:„Bogel, friß oder stirb". Entweder ihr verzichtet auf eure Rechte aiis dem Tarifvertrag, findet euch mit den von uns diktierten verschlechterten Bedingungen ab oder wir legen den Betrieb still und werfen euch ebenfalls hinaus. Mit seinen Abhauplänen stößt das Unternehmertum nicht nur aus keinen ernsthasten Widerstand der von der Sozialdemokratie„ge- säuberten" Regierung, es findet in ihr obendrein noch Förderer feiner Pläne, sogar bei dem christlichen Arbeitsminister. Hand in Hand mit der wirtschaftlichen Reaktion gehen die Be- strebungen, ihre zeitweiligen Erfolg« dauernd zu sichern durch die Ausbreitung der politischen Reaktion. Der Einfluß, den sich die organisierte Arbeiterschaft in den Be- trieben, den Gemeinden und Ländern sowie im Reichstag errungen hat, geht dem Unternehmertum samt seinen Verbündeten zu weit, erscheint ihm für sein« Pläne gefährlich. Die Erkenntnis, daß heute ohne die Sozialdemokratie nicht mehr regiert werden kann, soll dazu dienen, die Sozialdemokratie, die einzig wirksame Vertretung der Arbeiter, Angestellten und Beamten, aus der Regierung zu ver- drängen. Die bürgerliche Reaktion macht alle Anstrengungen, diesem Ziel bei den Reichstagswahlen näherzukommen durch einen großen Verdummungsfeldzug gegen die Wähler. Bedauerlich ist, daß sie dabei noch gewollte und ungewollte Unterstützung aus Arbeitnehmer- kreisen findet, d'.e einem unfruchtbaren Radikalismus von weit links und weit rechts Gefolgschaft leisten. Um so mehr gilt es in diesem Reichstagswahlkampf, alle Kräfte der organisierten Arbeiterschaft mobil zu machen. Es sind nicht nur politische Wahlen, es sind gewerkschaftliche Wahlen, Wahlen, in denen darüber zu entscheiden ist, ob die Reaktion ihr bisheriges Treiben ungehindert fortsetzen kann oder ober ob die Sozialdemokratie und die mit ihr verbündeten Gewerkschaften stark genug sind, um diesem Treiben einen Damm entgegenzusetzen, dieser Mißwirtschaft zu begegnen und den Diktoturgelüsten durch Mißbrauch des Artikels 48 der Reichsverfassung ein Ende.zu machen. Die Christlichen zeigen sich stark besorgt um die parteipolitische Neutralität der freien Gewerkschaften. Ihre eigen« Neutralität geht dahin, daß jedes Mitglied selbst der reaktionärsten Par- t e i seine Stimm« geben darf, nur nicht der Sozialdemokratischen Partei. Die freien Gewerkschaften haben deshalb um so größer« Veranlassung, für die Sozialdemokratische Partei zu stimmen, um der Reaktion zu steuern. Nachdem die soziale und politische Reaktion von christlichen Abgeordneten aller Schattierungen unterstützt, die freien G e- werkschaften aus ihrer Neutralität herausgerissen, ihr« Mitglieder in ihrer Existenz bedroht hat, steht höher als die Neutralität, der Kampf um die Rechte der Arbeiter um den nötigen Lebensspielraum. Es geht um die wirtschaftliche Existenz der deutschen Arbeiter- schast wie um ihre sozialen und politischen Rechte und ihre Kultur- errungenschoften. Deshalb sehen die freien Gewerkschaften alles daran, um der Sozialdemokralischen Partei am 14. September zum Erfolg zu verhelfen. Herunter mit der Arbeitszeit! Kopenhagen, 29. August.(Eigenbericht.) Herunter mit der Arbeitszeit! Das ist die Parole, die der Internationale Metollarbeiter- b u n d auf seinem Kopenhagener Kongreß für die ihm angeschlossenen Metallarbeiter ausgegeben hat. Der Kongreß weist in einer zunj Problem Arbeitslosigkeck und Arbeitszeit angenommenen Entschließung mit schärfstem Nach- druck darauf hin, daß die kapitalistische Produktionsweise immer mehr unvereinbar werde mit den tebensinterssen der Volksmassen aller Länder. Trotz Uebersluß an Jndustrieprodukten, an Waren und Lebens- Mitteln gebe es Millionen Menschen, die kaum ihr nacktes Leben fristen können. Die unter dem Namen„Rationalisierung" durch- geführte technische Unistellung ohne Erhöhung der Löhne habe das Mißverhältnis zwischen Kmifkraft und Produktion verschärft und eine Dauerkrise mit fürchterlicher Arbeitslosigkeit entfesselt. Der Kongreß fordert, um den Millionen Erwerbslosen wieder Arbeit und Verdienst zu verschassen, die Lande sorgani- sat tonen auf, all ihre geistigen und materiellen Kräfte ein- zusetzen, um überoll eine wesentliche Verkürzung der Arbeitszeit durchzuführen. Die Landesorganifativnen werden vom Kongreß verpflichtet, zu der ungemein wichtigen Frage der Arbeitzeitverkürzung in möglichst kurzer Frist Stellung zu nehmen und dem Internationalen Metallarbeiterbund über ihre Beschlüsse und Maßnahmen zur Durchführung der Arbeitszeit- Verkürzung Mitteilung zu machen. Zur Förderung der Propaganda in den Ländern mit schwacher Organisation beschloß der Kongreß eine Beitragsleistung der Landesorgonisationen zugunsten eines Unter- stütziingsfonds, die pro 1000 Mitglieder 20 Schweizer Fronken be- tragen und gleichzeitig mit den ordentlichen Beiträgen entrichtet werden soll. Das vom Bundesrat an das Internationale Arbeitsamt ge- richtete Gesuch zivecks Erhebung über die verschiedenen Enllohnungs- systeme in der Hochofen-Industrie und in den Walzwerken wurde von dem Kongreß begrüßt. Einstimmig wurde von neuem Bern als Sitz des Bundes bestimmt und Konrad II g wieder zum internationalen Sekretär gewählt. Mit 1 294 581 gegen 618 540 Mitglieder- stimmen beschloß der Kongreß, das E x e tu t i o- K o m i t e e aus vier Mitgliedern zusammenzusetzen. Gewählt wurden Reichel- Deutschland, Kj a e r d o e l- Dänemark, Mae Kenna-Groß- britanmen und K e u oe t- Belgien: Ersatzmänner sind Brandes- Deutschland, Ekmann-Schweden. Hodge-England und Chevalme- Frankreich. Iniemaiionale Zusammenwnst. Ausländische GewerkschastSaenossen in der Vundeeschu'.e An der vom Internationalen Gewerkschaftsbund vorbereiteten ersten Zusammenkunft jüngerer Gewerkschaftsmitglieder aus den ver- schiedensten Ländern, für die die Bundesschule des ADGB. in Bernau als Treffpunkt bestimmt wurde, werden 35 Genossen und zwei Ge- nosstnnen teilnehmen. Dem Iüngerenbegriff wurde ziemlicher Spielraum gelassen. Zwei 22jährige, ein deutscher Handlungsgehilsc und ein holländischer Zimmermann, sind die jüngsten. Der Aelleste ist ein 44jähriger belgischer Metallarbeiter. Der Nationalität nach sind es neun deutsche, fünf französische, vier englische, je drei belgische, dänische, österreichische und tschechoslowakische Teilnehmer, zwei hollandische und je ein lettischer, polnischer, schwedischer und schweizerischer Genosse. Dem Beruf nach sind es neun Angestellte, vier ungelernte Arbeiter, Eisenbahner, Metallarbeiter, Schlosser, Former, Eisendreher. Maschinenbauer, Biechschmied, Klempner, Wagner, Brauer, Textilarbeiter, Tischler, Bauarbeiter, Bergarbeiter, Friseur, Schriftsetzer, Zimmermann und Zigarrenmacher. Die Mehrzahl von ihnen, und zwar 23, sind jetzt Gewerkschaftsangestellte, einer Konsumangestellter. Wir hoffen, daß die Erwartungen, die auf diese Zusammenkünste gesetzt werden, in Erfüllung gehen und der erste Versuch in Bernau sich als ein guter Anfang erweist Der Austausch der Kenntnis über die besonderen Verhältnisse in den einzelnen Ländern wird ein« bessere internationale Verständigung wesentlich fördern. Wir begrüßen die ausländischen Genossen und wünschen, daß ihre Zusammenkunft in Bernau sich für sie zum Erlebnis und für lhi« Organisationen zum Nutzen gestallet. HaupfberuflxeKe Arljeitn-eKmer in Deutscilland In 10 0 0 Personeiv Sta-n-d E-n.de des Ja Kr es I Mann er 8 Frauen «JOS94«0685 50981 �"04*1079 19 8 n X vX) O x u"> X X O o vO 19*5 19*6 19*7 19*8 19*9 1930 Waffer, Gas und Elektrizität. Gegen privatkapitalistische Ausbeutung. kiel, 29. August.(Eigenbericht.) Die Kieler Reichskonferenz der im Gesamwerbond organisierten Gas-, Wasser- und Elektrizitäts- arbeit er faßte das Ergebnis ihrer Beratungen in vier für die kommunale Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft richtunggebenden Entschließungen zusammen, die einstimmig An- »ahme fanden. Die erste Entschließung wendet sich gegen die Finanzpolitik der Reichsregiemng, die eine schwere Belastung der Gemeinden dar- stellte. Sie sondert, daß die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der privatkapitalistischen Ausbeutung entzogen und ausschließlich durch öffentlich-rechtliche Körperschaften, betrieben und verwaltet werden. Sie richtet sich serner gegen die Bestrebungen der Reichsregierung, die Steuerpslicht der gemeindlichen Unternehmungen weiter auszubauen und verlangt entsprechend der technischen Eni- wicklung eine Verkürzung der Arbeitszeil unter 48 Stunden. Für die Durchführung kommunaler Gasversorgung werden in einer weiteren Entschliehuyg folgende Richtlinien festgelegt: Be- freiung aller Kohleniieferungen an die öffentlichen Gasanstalten von der Kohlensyndikaisobgabe, Belieferung der Bevölkerung mit Gas nur durch die öffentliche Hand, in erster Linie durch die Gemeinden, Errichtiiirg von kommunalen gemeinwirtschaftlichen Werken zur Ver- besserung und Derbilligung der Gaserzeugung und-Verteilung und planmäßige Belieferung des gesamten Dersorgungsgebietes, um den weniger ertragfähigen dünnbesiedelten Gebieten den Gasbezug zu erleichtern. Eine dritte Entschließinig fordert dringend den baldigen Erlaß eines besonderen Reichsgesetzes über planmäßige Erzeugung und Verteilung der Elektrizität durch das zu Trägern der Eleklrizitäls- wirt schaff Reich. Staaten und Gemeinden gemacht werden. In der vierten Entschließung wendet sich die Reichskon- ferenz gegen die Unterstützung der Technischen Rothilse durch das Reich. Sie begrüßte«s, daß Severing seinerzeit die Reichszuschüsse für die Teno beträchtlich herabzusetzen vermochte. Die Konferenz erklärt sich grundsätzlich bereit, für den Fall eines Streiks die Notstandsarbeiten durch Vereinbarungen auf Grund der Beschlüsse der Berbandstage und Gewerkschaftskongresse zu regeln. « Die erste internationale Konferenz des Per- sonals der Gas-, Elektrizitäts- und Wasser» werke, die am Freitag in Kiel begann, ist von 65 Delegierten besucht, die zehn Länder vertreten. Der Präsident der Föderation Tevenan-London sprach aus Grund einer von der Internationale vorgenommenen statistischen Erhebung über die Arbeitsverhältnisse der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserarbeiter. Die Erhebung, deren Ergebnisse noch reichlich dürstig sind, soll aus einer neuen Grundloge noch einmal durchgeführt werden. Der Generalsekretär des belgischen Verbandes, Uytroever, forderte weiteren Ausbau des Arbeiter- schutzes sowie der Kranken, und Invalidenversicherung, und zwar unter Mithilfe des Internationalen Arbeitsamtes. Oer Arbeiisfchiedsspruch für Nordwest. Vom Metallarbeiterverband abgelehnt. Essen. 29. August. Eine Fimktionärversammlung des Deuffchen Metallorbecker- Verbandes am Freitag beschloß, den am Dienstag für die Nordwest- liche Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie gefällten Arbeitszeit- schicdsfpruch abzulehnen. Der Kreis der durch den Schiedsspruch erfaßten Arbeiter— es handelt sich um 2000 bis 3000 Arbeiter, für dl« die Arbeitszeit von 57, 54 und 52 Stimden auf 48 Stunden herabgesetzt wurde— sei angesichts der herrschenden Arbeitslosigkeit zu gering. Nach T. U. steht zu erwarten, daß die Unternehmer die Ver- bindlicherklärung des Schiedsspruches beantragen werden. Streik im Engelhardt-Ausschank. Münzstraße, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße. Der Unternehmer G e i ß l e r des Engelhardt-Bier- und Speise- Hauses, Münzstr. 20, versuchte zunächst sich um die Bezahlung der tarislichen Garantielöhne der Kellner zu drücken. Die Arbeitnehmer lehnten es>«doch ab, auf den tariflichen Lohn zu verzichten. Nun- mehr versuchte Herr Geißler durch Einführung einer angeblichen Kurzarbeit sein Ziel zu erreichen. Auch dos Ansinnen, auf diese Weise zu einem Lohnabbau zu kommen, wurde von der Belegschaft und dem Zentralverbano der Hotelangestellten abgelehnt. Jetzt kündigte Geißler den Kellnern und sperrte die Kellner gestern, Freitag, aus, samt sämtlichen Mitgliedern des Betriebsrats, die ohne Zustimmung des Arbeitsgerichts überhaupt nicht gekündigt werden konnten. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- uno Caseangestellten hat den Streik erklärt. Als Streikbrecher benutzt der Unternehmer weibliches Bedienungspersonal. Wieder 1100 Mann enilassen. Wannhelm, 29. August. Di« Firma L a n z A.-G. hat beim Landeskommisiar die Ge» nchmigung zur Entlassung von720Arbeit«rn nachgesucht. Die D a i m l e r- B en z- A.- G. hat die Genehmigung zur Eni- lassung von 400 Arbeitern erhalten. Der Abbau wird bis Mitte September durchgeführt sein. Die Belegschaft Daimler. Benz beträgt dann noch etwa 900 Mann gegen 3000 bis 4000 in der Blütezeit des Unternehmens. Achtung, Bauarbeiter Im Zirkus Dusch, Durgstroße, werden zur Zeit größere Umbauten ausgeführt. Die Gesellsehast des Zirkus Busch, die wiederholt darauf aufmerksam gemacht wurde, die tarif- lichen Bestimmungen anzuerkennen, weigert sich kategorisch, dos zu tun. Die Baustell« ist deshalb für organisiert« Maurer, Bauhilfs- arbaiter und Zementierer gesperrt. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. �Kreie Gewerkfchafts-Jugend Berlin s Morgen, Eonntag, trifft sich der Sprechchor um 11% ülir in Lichten. bero Liickstroge, Kino-Losmoo. ssalirverbinduNg: Stadtbohn bis Bah. Hof Ncu-Lichtenberg, Siraßenbahn Nr. 1K und 7S bis Cchlichtallee. �uaenvoruvpe 0es?entraiverban!>es ver Anaefteliken Hc» e, Sonnabend, finden folgende Veranstaltungen Natt: Spiel»od Spo't ob 19 Uhr auf dem Sportplatz im bumdoldthai». Veranta>ort-üch stir Volitit: Vr. intt Seper: Wirtschaft:». ttliagelhSIeri vewertschaitsbewegung: Z. Steiner: ffeuilleion: lt. K. Söscher:'Lolale» und So. istioc»?ri» ltarstödt: iln»eiocn: Th. Stocke: liimtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Lerlag®. m d. S. Berlin Druck: Vormärls-Buchdrucker-t und Verlagsanstalt Vau! Singer u. Co.. Berlin SW. SS. Lindenstratz' t. Kierz, 2 Beilagen. Tlr. 405* 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 30. August �930 WochUlMt Ausflüge In Oer Gchwanenkrug. Man redet jetzt so viel von der Romontik des neuen Reisens auf der Landstraße und dünkt sich erhaben über Cisenbahnreisende und Fußgänger, die aber vielleicht doch mehr von der Landschaft und den Städten sehen als der im Auto Dahinschicßelide. Auch der Postautoverkehr Hot hohe wirtschaftliche Vorteile gebrocht, aber der Poesie keinen Platz einräumen können. Das Verschwinden des Pferdes van der Landstraß« hat denn auch jene Gaststätten umge- wandelt, die als W e g e- K r ü g« sich die verdienstliche Aufgab« gestellt hotten, den Fuhrwerksreisenden und Fichrwerkslenkern Er- quickung und Unterkunft zu bieten. Der Krug hat sich in den Dörfern wohl erHollen, ober seinen Charakter und meistens auch gleichzeitig fein Aeußeres verändert. Der angebaute Tanzsaal ist heut« wichtiger als die alle gemütliche Wirtsstube. -Ein echter Stroßcnkrug hatte oor dem Eingange eine Unter. fahstt(nach schlesischem Vorbild„Laube" genannt) und dieser Porbau hatte einmal den Zweck, bei schlechtem Wetter den Reisenden das Verlassen des Wagens zu gestatten— um sich die Füße zu„ver- treten"—, andererseits dos Unterstellen eines Wagens zur Nachtzeit zu ermöglichen. Solcher„Laubenkrüge" Hot es früher vielfach ge- geben— heute sind in der Umgegend von Berlin nur noch ein paar vorhanden. Der Tegeler Loubenkrug und der Schwanentrug an der einstigen, von Spandau nordwärts durch den„Krämer" ziehenden chamburgerPoststroß« sind ebenso wie der Ziegen. krug im Krämer- Gebiet Muster solcher Wegekrüge. Wenn wir von Spandau aus zu Fuß oder mit der Straßenbahn die chatte stelle Johannes st ist erieicht hoben, so nimmt uns Uingeüung der zwischen Folkensee und Nieder-Neuendors liegend« schöne Span- dauer Stadtforst aus. Mitten durch das Waldrevier führt die Straß«: in einer Stunde ist die Steinerne Brücke über den chavcl- ländischen chauptkanol erreicht. Nach einer Viertelstunde sind wir am Schwanenkrug. Auch heute noch ein Berkehrsmittelpunkt für den Wandersmonn. Rechts, geht es nach Schönwolde und Bötzow (Bahnstation), die die cheimfahrt über Velten gestattet, doch orieittiere man sich vor Antritt der Wanderung über Anschlüsse. Links bietet sich Rückkehr von Folkensee aus, wohin man in zwei Stunden über Damsbrück gelangt. Llngetreuer Gtadtobersekretär. fälschte Ltrkunden und betrog die Gchulverwaliung. Am Rathaus ist man soeben einem umfangreichen Betrug und Veruntreuungen eines langjährigen Vc- amtm auf die Spur gekommen, die zu der überraschenden Verhaftung des öZjährige» Stadloberfekretärs Hans Wolfs in dessen Wohnung in der Rastenburger Straße l2 geführt haben. Die Verhaftung des ungetreuen Beamten erfolgte. als er am Donnerstagnachmitkag von einem längeren Urlaub wieder nach Verlin zurückgekehrt war. während feiner Abwesenheit hatte man durch Zufall die Unterschlagungen ent- deckt, die bis zum Zahre 192? zurückreichen und durch die Wolfs die städtische Schulverwaltung nach den bisherigen Ermittlungen um über 50 ODO w. geschädigt hat. B«i der Verhaftung, die durch Kriminolkommissar Kopphengst vom Betrugsdczernat erfolgt«, spielten sich in der Wohnung dra- matisch« Szenen ab, da die Frau des Täters den Versuch mach!«, aus dem Fenster zu springen und nur mit Mühe von den Beamten daran gehindert werden tonnte. Ueber die Veruntreuun- gen des Stadtoberjckretärs, die außerordentlich raffiniert und. unter Fch lschung zahlreicher Iiikunden, Stempel und Fdrmularc vorgenommen worden waren, erfahren wir folgende Einzelheiten: Während des Urlaubs des Stadtobcrsckretärs, der im Büro der städtischen Schulverwaltung beschäftigt war, stellte sich die Notwendigkeit heraus, bei einer von der Firma„Christian Otto Schmidt" eingereichten Rechnung über gelieferte Lehrmittel eine Nachfrage bei dem Lieferanten wegen einzelner Positionen varzunchmen. Zur größten Ueberraschung des betreffenden Be- omtcn, der Wolfs verlrat, stellte sich heraus, daß es die auf den Rechnungen angegebene Firma überhaupt nicht gab. Die weiteren Nachforschungen brachten dann die sensationelle Ausklärung, daß der Stadtobersekrctär Wolfs diese Firma überhaupt nur fingiert hatte. Di« Kantonummer der Firma, auf die seit Jahren die angeblich g«. lieferten Lehrmittel beglichen wurden, war das Geheimkonto Wlüffs, das er unter diesem Namen bei dem betreffenden Bankinstitut eingerichtet hatte. Durch Fälschung der Stempel und der Unterschrij ten der gegenzeichnenden und den Eingang der Lieferungen be- stätigenden Beamten war c« ihm jahrelang gelungen, für dies« „Leermittel" erhebliche Summen zu veruntreuen. Bei einer in der Wohnung und im Büro des Stadtobcrfekretärs vorgenommenen polizeilichen Durchsuchung fand man dann auch mehrere Rechnungs- formulore der fingierten Firma, Quittungen und Stempel usw., die Wolsf zu seinen Fälschungen benutzt hatte. Angesichts des er- drückenden Bcweismateriols, dos ihm bei seiner Ver- Haftung vorgelegt wurde, legte der verhaftete Stodtobersekretär bereits ein Geständnis ob. Walff, van dem jetzt behauptet wird, daß er auch während des Krieges bei der Lebensmittelkartenausgab« beschäftig! und durch einen ziemlich großen Aufwand verdächtig gcwor- den sei, kam Donncrstognachmittog gerade von einer längeren Auto- reise und wurde sofort von den Kriminalbeamten in Empfang ge- nommen, die bereits seit mehreren Togen auf seine Rückkehr warte- ten. Der Verhaftete wird heute dem Vernchmungsrichtcr zugeführt werden. «- Oer Schrecken von Magdeburg Raffinierter Erpresser holt die Stadt in Atem. Magdeburg. 29. August. Ein gerissener Erpresser, der seit Monaten von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts Geldbeträge durch Drohbriefe zu erhallen sucht, da er„sonst der Landwirtschaft ganz unermeßlichen Schaden zufügen" würde, verlangte gestern in einem Briefe wiederiun 12 099 M. und vier Fahrkarten nach chamburg. Die Art und Weife der Ucbermittlung des Geldes sollte durch einen Brief, der unter der Chiffre A 636 vom Hauptpostamt abzuholen war, be- kanntgegeben werden. In dem Brief, den ein Kriminalbeamter in Empfang nahm, war folgendes angegeben: Der Bat« sollte in den letzten Wagen des I)-Zuges nach Helmstedt, ob Magdeburg 18.2ö IIhr, steigen, sich auf der rechten Seite des Wagens aufhalten und auf ein Zeichen, dos ihm auf der Strecke zwischen Magdeburg und Helmstedt in der Näh« von Marienborn gemacht werden sollte, das Paket mit den 12 999 M. abwerfen. Außerdem wurde dem Boten angeraten, genau nach den Anweisungen zu verfahren, da er dauernd unter geheimer Bewachung stände. Es wurde nun auch genau nach den Anweisungen des Briefes gehandelt. Außerdem bestiegen aber nach zwei höher« Polizeibeontte den Zug, und mehrere Palizeibeamte auf Autos und Motorrädern besetzten die Gegend bei Marienborn. Kurz vor Nieder ndodcleben sahen die Beamten das verabredet« Zeichen in der Nähe des Bahndamms, das Paket, das natürlich nur Papierfchnitzel enthielt, wurde abgeworfen. Ehe aber der in voller Fahrt befindliche D-Zug zum Holten gebrach! werden konnte, war der Töter verschwunden. Roch allen Anhaltspunkten, die man bisher hat, scheiitt der Erpresser sich in Magdeburg aufzuhalten. Einige Auszüge aus den Briefen mögen die Art seiner Drohungen kennzeichnen:„Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen einmal ein Schuß Schwefel- säure ins Gesicht fliegt" und:„Es steigt jetzt des Dramas letzter Akt, aber falls Sic es wünschen, kann es auch der Anfang zu einem neuen Drama sein!" Der Polizeipräsident hat 1999 M. Belohnung auf die Ergreifnng des Erpressers ausgesetzt. Morgen letzter Tag der Funk- und Phonoschau! Die Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau in den Funkturnchallen am Kaiserdamin, die einen sensationellen Besuch aus dem In- und Ausland.zu verzeichnen hat, ist nur noch bis morgen, Sonn- tag, 31.-August, geöffnet. Außer den Nachmittags- lonzertcn der Funkstunde findet am Sonnabendabend ein großes Konzert mit den Dirigenten Holländer, Lincke und Gilbert und Sonntagabend«in großes Konzert des Berliner Sinfonie- Orchesters unter dem Dirigenten Dr. Helwulh Thierfcldcr statt. S/NOAIR LEW/S 'ROM/W Er sandte Dutzende von Laufzetteln aus. Alles zitterte. Die Söhne des Herrn Pemberton ließen sich tatsächlich zum Ar- beiten herbei, und je mehr das Feuer um sich griff und auch die kleineren Chefs ihrerseits im Kreise ihrer Untergebenen zu wüten begannen, erwartete jeder einzelne, bis zu den Packerinnen im Seifenmagazin unten,„hinausgeschmissen" zu werden. Nach einer Heimsuchung durch Herrn Pemberton und dm tobenden Laufzetteln innerhalb van fünfzehn Minuten, zog sich Herr S. Herbert Rotz ins Cafä Lafayette zurück, und Una war, als Herr Pemberton neuerlich erschien, dem Grollen des Bären ausgeliefert. Neuerdings begannen die Laufzettel sich auf ihrem Tisch zu häufen und man hörte Herrn Pembertons Stimme von einer anderen Seite des Büros her, sie näherte sich— drohend, alles durchdringend. Una floh. Sie raste in den Waschraum, sperrte sich ei» und lehnte sich keuchend gegen die Türe, als märe sie von Detektiven verfolgt. Hier war sie einen Augenblick lang sicher. «Man würde sie vielleicht vermissen: ober sie war abgeschnitten von allen Fragen wie etwa:„Wo ist Roh. Fräulein Golden? La. w a r u m wissen Sie nicht, wo er ist?'; von telephomschen Anrufen, von Laufzetteln, deren höfliches„Bstte" nur eine bemäntelt« Drohung war. Doch sogar bis zu diesem Zufluchtsort dräng der wohl- bekannte Klang des Bürobstriebes: das Schwirren, das ge- wohnlich wie ein einziger Laut klang, in dem sie aber in ihrer augenblicklichen Ueberempfmdlichkeit die Stimmen der ver- fchiedenen Schreibmaschinen unterscheiden konnte— eine flach, schnell, abgehackt, eine gleichförmig wie eine Schnarre. Dos ,,zzzz" beim Zurückziehen der Schreibmaschinenfchlitten. Das Rollen beim Schließen der Fahrstuhltüre und das Rumpeln, wenn der Fahrstuhl heraufkam. Die einzelnen, deutlich unterschiedenen Töne vermischten sich wieder zu einem durchdringenden Geräusch von Eile und gestürmten llnas Gemissen, riefen sie zu ihrer Arbeit zurück. Sie feufot«, wusch ihre brennenden Äugen, öffnete die SS* wob schlich sich in ihre Zell«, Auf dem Korridor kam sie an. drei jungen Stenotypistin- nen vorbei und hörte eine von ihnen ausrufen:„Ja, und von mir aus soll der Alte jeden Tag fünfundzwanzig Stunden seinen Raptus haben! Ich Hab' es hinter mir. Hör' mal, May, weißt du eigentlich, was bei mir los ist? Ich bin ver- lobt! Ja, mein Ehrenwort, es ist wahr! Schau meinen Ring an! Was, das ist keiner? Es ist ein richtiger Verlobungs- ring, sag' ich dir. In zwei Wochen bin ich diese Hölle hier los und Papa Pemberton kann seine Wut an jemand anderem auslassen. Und ich werd' jeden Tag einen Schlasrekord auf- stellen, bis Mittag mindestens!" „Ieh!" „Verlobt!" — riefen die anderen Mädchen, und— „Verlobt! Jeden Tag bis Mittag schlafen. Und� weder Herrn Roß noch Herrn Pemberton zu Gesicht bekommen! So stelle ich mir den Himmel vor!" dachte Una. Auf ihrem Schreibtisch lag ein Stoß Laufzettel von Herrn Pemberton und von den verschiedensten Büroabteilun- gen. Bei diesem Anblick erreichte Unas Wunsch, sich aufzulehnen. den Höhepunkt.> „S. Herbert Roß läust� davon, wenn der Sturm los- bricht und läßt mich hier ollem. Ja, müßte er nicht genau so auf seinem Posten sein wie ich?" fragte sie sich.„Warum bringe ich nicht den Mut auf, einfach aufzuspringen und fort- zugehen, um eine Tasse Tee zu trinken, wie er es an meiner Stelle täte? Bei Gott! Ich tu's." Sie Ifatte Zlngst vor der unbestimmten Drohung, d'« in dem ganzen Pem'bertonsystem steckte, als sie den Fahrstuhl hergufklingeste. Doch erwiderte sie kein Wort, als der D'ener fragte:„Sie gehen fort, Fräulein Golden?" Sie grng in eine deutsch-judische Konditorei und Früh- stucksstube und trank nachdenklich einen dünnen Kaffee aus einer dicken Tasse und aß einen zuckerbestreuten„Kaffee- kuchen" und zwei Stück Backwerk. Von hier aus zu ihrer Arbeit zurückzukehren, fiel ihr noch schwerer als vorhin vom Waschraum aus. Sie hatte das Gefühl, jetzt eher sterben zu wollen, als wieder mit der alten Plackerei zu beginnen. Sie „hatte es hinter sich", wie das kleine verlobte Mädel. Sie war„fahnenflüchtig". Eine halbe Stunde lang blieb sie im Büro, doch Punkt halb se6)s ging sie fort, obwohl ihr Schreibtisch voll uner- ledigter Arbeiten war, und obwohl Herr Roß telephoMert hatte, daß er noch vor sechs kommen würde, was feine ritter- «che Form war, von ihr zu verlangen. Äs sieben zu bleiben. Herr Schwirtz sollte an diesem Abend zu ihr zu Besuch kommen. Er hatte vorgeschlagen, zu einem Lustspiel zu gehen. Sie kleidete sich mit großer Sorgfalt an. Probierte eine neue Frisur. Als Herr Schwirtz kam. erklärte sie. daß sie unmöglich ins Theater gehen könne. Sie sei„vollständig fertig". Sie wisse überhaupt nicht mehr, was sie tun solle. Dieser Riesen- betrieb bei Pemberton sei eben zu viel für sie. Sie sei über» müdct— vollkommen zerschlagen. „Armes, kleines Kindchen!" sagte er und fuhr ihr streichelnd übers Haar. Sie lehnte den Kopf an feine Schulter: sie erschien ihr breit, stark und beschützend. Sie war froh, als er den Arm um sie schlang. Zwei Wochen später wurde sie mit Herrn Schwirtz ge- traut. 3. Sie brachte es fertig, ihn„Cd" zu nennen..... Eddie" mar zu viel für sie, sogar in diesen vierzehn Tagen einander überstürzender Veränderungen und verwirrender Reue- rungen. Sie wollte eine Hochzeitsreise nach Savannah machen. Sie hatte den Wunfch, siä? auszuruhen: sie müsse sich aus- ruhen, sagte sie, sonst würde sie-zusammenbrechen. So fuhren sie also nach Savannah. zu den immergrünen Eichen und Zwergpalmen und den stillen, alten Plätzen. Aber sie konnte sich nicht ausruhen. Immer wieder grübelte sie der entfesselten Brutalität jener ersten Nacht ouf dem Dampfer nach, dem starken, unentrinnbaren Männer- geruch von Ed? Nacken und Schultern, den rohen Witzen, die er ihr unentwegt erzählte. Er bestand darauf, daß sie in Savannah in einem Hfttel für Geschäftsreisende wohnten. Wann immer sie sich ein wenig niederlegen ging, was oft geschah, spielte er Poker und trank Wbisky. Er bemühte sich aufrichtig, sie zu unter- halten. Er führte sie ins Theater, in Restaurants, macht? Ausflüge mit ihr. Er veranstaltete einen dreitägigen Jagd- ausflug mit einem schwarzen Koch. Er mietete Motorboots und Automobile und erzählte ihr olle„neuesten Witze", die er Härte. Aber sie fürchtete feine häufigen Aüfmirntenrngen, nur tüchtig Champagner zu trinken: fürchtete seine Klagen — weinerlich wie die eines kleinen Knaben—, Sag mal, Uni, kannst du denn nicht'n bißchen Feuer aufbringen? Das kann doch'n Mann wohl mit Recht erwarten, um dies? Zeit." Mortjetzung frlgü) i Nur noch zwei Tage liegen die wahlerlisten zy? Einsichtnahme aus. Jeder Wähler muß sich überzeugen, daß auch er in der Liste aufgeführt ist! Der Mörder von Notvatves. Das eine der Opfer von Schüssen zersiebt. Ia der Leichenhalle des Goekhe-Ariedhot« in Nowawez sind am Areilagmitlag die Leichen der beiden Frauen, die der Llukial des Weichenstellers Brüggemann zum Opfer ge- fallen sind, von dem Gerlchtsarzi Dr. huwe obduziert worden. Bei Frau Müller, der Schwägerin des Mörders, wurden neun Schußwunden festgestellt: davon haben mehrere Kugeln den ganzen Körper durchschlagen. Zwei Kugeln wurden noch im Körper vorgefunden. Es handelt sich um ein K,3Z-Millimeter- und ein 7,gZ-Millimeter-G«schoß. Brüggemann muß also aus zwei Pistol e n auf die wehrlosen Frauen geschossen haben. Man nimmt deshalb an, daß der Täter nicht nur acht, wie zuerst oermutet wurde, sondern mindestens zwölf bis vierzehn Schüsse abgefeuert Hot. Noch dem Gutachten des Gericht sarzts hat jede der Kugeln, die im Körper der Toten gefunden, sofort tödlich gewirkt. Die Leiche der Frau Warze cha ist von einer Kugel getroffen worden. Der Schußkanal verläuft von links nach rechts durch die Bauchhöhle urtb hat die beiden B a u ch s ch l a g a d e r n sowie die Leber zerrissen. Der Tod ist wenige Minuten später infolge innerer Verblutung eingetreten. Es ist anzunehmen, daß die Leichen der Ermordeten von der Staatsanwaltschaft noch heute zu der Anfang nächster Woche beabsichtigten Bestattung freigegeben werden. Brüggemann ist am Freitag vom Kriminalkommissar S ch w ä n z n e r, der die weitere Untersuchung führt, auf dem Polizeiamt in Nowawcs stundenlang verhört worden. Der Täter, ein kleines, schmächtiges Männlsin, das kaum 1.6S Meter mißt und trotz seiner Eisenbahnerumform unscheinbar aussieht, ist durch die endlosen Verhöre schon stark mitgenommen. Wenn man ihn so sitzen sieht, möchte man glauben, daß dieser Mensch, der zwei Frauen kaltblütig über den Haufen schoß, keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Cr gibt ziemlich klare Antworten. Nur wenn die Situation für ihn verfänglich wird, kann er sich plötzlich an nichts mchr er- innern. Seine Behauptung, daß er in Notwehr gehandelt habe, well die Frauen mit Kartoffelharken auf ihn losgegangen feien, hat er auf die Vorhaltungen der Polizei inzwischen bereits stark einge- schränkt. Der Täter hat eingesehen, daß die Polizei erdrückendes Beweismaterial gegen ihn in Händen hat, und daß weiteres Leugnen darum zwecklos ist. Brüggeinann hat darauf eine neue Taktik ein- geschlagen: er weiß von nichts, er will sich auch an nichts erinnern können. Seine Rettung scheint er in dem Paragraphen öl sehen zu wollen. Dieser Schachzug dürfte ihm aber wohl kaum gelingen, denn die sorgfältigen Vorbereitungen, die Tat selber und nicht zuletzt sein Verhalten nach der Bluttat, lasse» nicht aus die Handlungsweise eines Geisteskranken schließen. Die Vernehmung wird aller Voraussicht noch heute zum Ab- fchluß kommen. Goldgruben, die im Monde liegen. fZOProz. Zinsen versprochen und 200 000 M. erbeutet. Wieder stand ein.„Bankier" vor Gericht, der seinem Bekannten- kreis soviel von. seinen fabelhaften Geschäften und großartigen Ver- bindungen erzählte, bis ihm die Leute ihr Geld sür Spekulations. zwecke geradezu aufdrängten. Auf dies« Weise erbeutete der Ange- klagte Paul Thielsen 200 000 Mark und war jetzt wegen Betruges im Rückfall in sechs Fällen und Urkundenfälschung in drei Fälle» vor dem Schöffengericht Eharlottenburg angeklagt. Thielsen ist bereits wegen Betruges, auch wegen Heirats- schwindels zu fchwereu Strafen verurteilt worden. Nach seiner letzten Entlassung heirqtete er. Das Ehepaar lebte auf großem Fuß und erzählte allen Leuten, mit denen es in Berührung kam, von Thiel- fens guten Geschäften und seiner glänzenden Ver. mögenslage. Sie sprachen von brasilianischen Gold- gruben und zeigten auch Bilder von ihrem Besstztum und ihrer Villa in Kopenhagen. Das erste Opfer war ein junger Kaufmann, der dem Angeklagten, der ihm 48 Proz. Zinsen versprach, 10 000 Mark zur Verfügung stellte und zu seiner großen Befriedi» gung auch nach vier Wochen tatsächlich ISOOO Mark zurückerhielt. Jetzt aber sprach Thielsen von einem Geschäft, das bis zu 120 Proz. Zinsen bringen könne und erhielt erneut 750 00 Mark. Als Sicherheit gab der Angeklagte Hinterlegungsscheins für Großbanken auf Effektenkonten. Als die Rückzahlung der Gelder immer länger auf sich warten ließ und der Geldgeber die Schein« verwerten wollte, erfuhr er, daß sie vollkommen gefälscht waren, und daß Thielsen überhaupt kein Konio bei der betreffenden Bank hatte. Andere Leute gaben ihm je 30 000 und 50 000 Mark und erhielten als Sicherheit Zessionsurkunden eines Steueramtes über Kommunalanleihen, die auch gefälscht waren und deren Formu- lare der Angestellte Fischer für Thielsen gestohlen haben soll. Eine Dame, mit der sich Thielsen näher anfreundete, gab ihm gegen sein Ehe versprechen 25 000 Mark. In der Verhandlung verweigerte der Angeklagt« jede Auskunft über den Verbleib der Gelder mit der Be» haupwng, daß er durch seine Aussage sich ein neues Strafverfahren zuziehen würde. Das Schöffengericht verurteilte Thielsen wegen Betruges und vrkundenfälschung in mehreren Fällen zu vier Iahren Zucht- Haus und 50 000 Mark Geldstrafe. Im �lichtzahlungsfall tritt für je 5 00 Mark ein weitererTag Zuchthaus hinzu. Der Mitangeklagt« Fischer, der sich wegen Beihilf« zum Betrug zu ver. antworten hatte, erhielt einen Monat Gefängnis. Vom Autobus totgefahren. Siebzehnjähriger Lehrling unter Pen Bädern. Bor dem Hause Prenzlauer Straße 48 ereignete sich heute vormittag ein tödlicher Unfall. Der 17jährige Lehrling Erich Krüger aus der Cadiner Straße 48 wurde dort von einem Autobus der Linie 12 angefahren und mit feinem Fahrrad zu Fall gebracht. Der junge Mann erlitt jo schwer« Verletzungen, daß er bald nach seiner Aufnahme im Krankenhaus am Friedrichshain st a r b. Ein ähnlicher Unfall trug sich an der Ecke Behm- und Bellermannstraße auf dem Gesundbrunnen zu. Der 20i ährige Radfahrer Rudolf Sclaff ke aus der Feurigstraße geriet auf der Straßenkreuzung unter eine Kraftdroschke und wurde schwer verletzt. Der Verunglückte wurde ins Dirchow-Krankenhaus gebrächt.— Vor den Augen der Mutter wurde am Donnerstag abend der sechsjährige Helmut Iunghans au» der Steglitzer Strohe K am Stettiner Korso von einem Prsvatanto über. Zioie Fahnen im Friedrichshain. Die Sozialdemokraiie demonstriert in den Arbeitervierteln. Noch dem Bezirk Kreuzberg und nach Neukölln der große Arbeiterbezirk des östlichen Berlins, der Friedrichshain! Wieder, wie gestern, ein imposantes Bild für den Beschauer: Kolonne an Kolonne, rote Fahnen in allen Gruppen, die Jugend, die Sportler, die Reichsbannerkameraden und die alten bewährten Parteigenossen und Genossinnen. Sie wollen — mögen auch an den Straßenecken kleine kommunistische oder nationalsozialistische Haufen ihr:„Nieder!" brüllen, zeigen: Die Berliner Arbesterschaft, da» schaffende Proletariat, steht zur Sozialdemokratie. Am Küstriner Platz sammelte sich der riesige Zug, den Konmm- nisten ohne Erfolg zu behelligen versuchten. Durch die Langestraß«, Krausitraße, durch die Andreasstraße ging es bis hinaus nach Stralau. Daß der Wille zum Schäften vorhanden ist und das von einem Sozialdemokraten geleitete Bezirksamt schon in vielem vor- wärts kam, dos kann heute jeder Beobachter erkennen, der den Bezirk Friedrichshain vor etwa zehn Iahren kannte. In Alt-Stralau löste sich der Zug auf, nachdem Bürger- mesiter Genosse M i e l i tz einen flammenden Appell an die Genossen gerichtet hatte. Mit besonderer Schärfe wandte er sich gegen die demagogische Hetze der Kommuni st en.„Die Kommu- nisten, die jetzt wieder durch ihr neuestes nationalkommunistisches Manifest gezeigt haben, daß man bei ihnen auf alles gefaßt fein muß. haben bei jedem«insichtigen Arbeiter aus- gespielt. Die Kommunisten haben nur schimpfen, nur Hetzen, nur ver- leumden können, aber niemals etwas positives geleistet. Das haben wir gerade hier in unserem Bezirk deullich genug er- fahren. Wer da will, daß die Arbeiterschaft weiter kommt und alle Röte in zähem Bemühen überwindet, der weist die Kommunisten und Nationalsozialisten ob und nimmt für die Partei, die, allen Schwierigkeiten zum Trotz, positive Arbeit fiir alle Schaffenden leistet, für die deutsche Sozialdemokratie, für die Liste 1!" Die große Kundgebung war ein Beweis dafür, daß auch im Friedrichshain die Sozialdemokratie auf dem Posten ist. Die sozialdemokratischen Frauen des Bezirks Wedding wollten beweisen, daß auch sie tüchtige Helfer in der Aufklärungsarbeit der Sozialdemokratie sein können. Sie beriefen nach dem Swinemünder Gesellschoftshaus eine Versammlung ein, die zu einem vollen Er- folg wurde. Auch diese Versammlung war überfüllt und zwar vor allem von den Frauen, die dem Rufe gefolgt waren. Der Referent August N i e M a n n gab den Frauen sehr gutes Material über die sazialpoli tischen Talen der Sozialdemokratie und stellte sie in Gegensatz zu den Abbaumaßnahmen des Bürger* blocks. Im Anschluß an das Referat führt« die Fr eie Gewerk- schaftsjugend ein Sprechchorwerk„Dividende" auf, das tief aufrüttelnd die soziale Notlage des Volkes darstellt. Die be- geisterte Stimmung und der große Beifall beweisen, daß die besonder« Note dieser Veranstaltung die uneingeschränkte An- erkemmng der Versammellen gefunden hatte. Die Frauen des Bezirks Tiergarten demonstrierten in M o a b i t mll einem statllichen Zuge. Mit Stolz trugen die Frauen die neuen roten Fahnen. Der Umzug sollte nur den Auftakt zu der Versammlung in den Arminius-Festsälen bilden. Eingeleitet wurde die Versammlung durch kampfesfrohe Weisen der Jugend und Rezi- tationen Maria Johns. Die Ansprache hiell Genossin Hanna. Sie redete den Frauen ins Gewissen, die Parteien nach ihren Taten xir beurteilen. Die Kapitalisten wollen die Lebenslage der Besitzlosen noch mehr herabdrücken. Die Entscheidung am 14. September ist eine Entscheidung über unser künftiges Lebensschicksal. Harmamsch klang die lebendige Wählerinnenkundgebung mit Gesängen der Jugend aus. fahren. Das Kind erlitt einen schweren Schädelbruch: es liegt im St.-Josefs-Krankenhaus bedenklich danieder. Beim Ueberhalen eines Lastautos geriet der öSjährige Schneidermeister Gustav Schulz aus Köpenick in der Nähe des Bahnhofs Köpenick mll seinem Fahrrad in die Straßenbahnjchienen und stürzte um. Sch. wurde von den Wdern des schweren Fahr- zeuges ersaßt und auf der Stelle getötet. Großfsuer auf Gut Blankenfelde. Fahrlässige Drgydsiistung durch einen Wanderburschen. Gestern abend brach in emem zum Städtischen iGut Blankenfelde gehörenden großen Kornspeicher an der Schildower Chaussee infolge Brandstiftung Feuer aus. Die Flammen griffen rasend um sich, und in ganz kurzer Zell stand das langgestreckte halbmafsive Gebäude völlig in Flammen. Große Ernteoorräte— etwa 30 000 Zentner Getreide— und mehrer« landwirtschaftlich« Maschinen wurden vernichtet. Zahlreiche frei- willige Feuerwehren und zwei Berliner Motorspritzen waren zur Bekämpfung des Großfeuers, das stundenlang mit unverminderter Heftigkett andauerte, ausgerückt. Der gewaltige Feuerschein war kilometerweit sichtbar. Nach den bisherigen Ermlltlungen ist das Großfeuer durch fahrlässige Brandstiftung entstanden. In dem Korn» speicher wollte ein 22jähriger Wanderbursche übernachten. Er hatte eine Zigarette geraucht und war darüber eingeschlafen. Der glühende Zigarettenrest. setzte die Garben in Brand, und noch im letzten Augenblick gelang es dem Wanderburschen, das Freie zu gewinnen. Er wurde festgenommen und der Pankower Kriminal- polizei übergeben._ Ooppelmord in Hamburg. Ein Matter erschießt seine Braut und deren Mutter. Der seit einigen Wochen bei den Eheleuten Preuß wohnends Makler A ck e r in H a m b u r g hat in der vergangenen Nacht seine Braut, die 18jährige Tochter der Eheleute, sowie deren 41 Jahre alt« M u t t e r im Schlafzimmer der Wohnung, während sie schliefen, durch Kopfschüsse getötet. Der Täter verließ heute früh die Woh- nung. In einem hinterlasienen Zettel gibt er an, Selbstmord oerüben zu wollen. Für den Beweggrund der Tat fehlt jeder An. Haltspunkt. Krüh übt sich... Georg der Maler und Schnucki der Terrier. Neusatz, 29. August.(G. P. D.) Georg Warga, K Jahre alt, ist ein künstlerisch begabtes Kmd. Seine Neigungen schlagen in die Malerei. Immerhin hätte er aber nicht Schnucki, den Foxterrier des Herrn G y u r- k o w i t s ch, bemalen sollen. Dann hätte Schnucki? Herr ihn auch nicht beschimpft, geohrfeigt, und Georgs Vater, Stefan Varga hätte es sich ersparen können, für seinen Sohn eine„Ehrenbeleidigungs- klage" einzubringen. „Ich finde es unerhört, daß man eines Hundes wegen einen Menschen beleidigt," beklagte sich Papa Darga vor Gericht. „Aber, dieser Mensch war jo nur ein 6 Jahre altes Kind," ver- teidigts sich Herr Gyurkowitsch. „Und wenn schon," erboste sich der Kläger.„Mein Kind ist männlichen Geschlechts und hat also auch«in« Mannesehre." Und dieser Auffassung schloß sich das Gericht an und verurteilte Herrn Gyurkowitsch wegen Ehrenbeleidigung zu 1000 Lei Geldstrafe. Verbreiterte Ausfallstraße nach Potsdam. Im Ausbau der Berliner Ausfallstraßen nach Pots- dam über Steglitz. Zehle.ndorf,� die größtentells ver- breitert werden, wird Anfang nächsten Monats ein wichtiges Teck- stück fertiggestellt sei». Und zwar sit in Zehlendorf in der Potsdamer Straße, Ecke Spandauer Straße an einer besonders gefährlichen Biegung, an der wiederhokt Unfälle passierten, ein zweiter Damm angelegt worden. Dadurch wurde für jede Fahrtrichtung eine getrennte Fahrbahn geschaffen. Die Bauarbeiten sind soweit fortgeschritten, daß Anfang September auch der zweite Damm dem Berkehr übergeben werden kann. Väuberstück aus Marburg. Geldbriefträger am hellen Tag überfallen und beraubt. Marburg a. d. Lahn. 29. August. Heute nachmittag wurde der Geldbriefträger Vöttner in der Bretten Straße von einem etwa ZSj.ahrigen Mann überfallen und mit v'0 rgVH'ä ll'ene'tn'Me o o k ver" Ntzvstlttgen, über 5 00 Märk. die der GeldSrieskräger in'seiner Tasche bei sich' hatte, herauszugeben, mit denen der Räuber flüchtete. Der Ueberfallene rief sofart um Hilfe. Der Täter war jedoch mit seinen� Komplizen, der Schmiere gestanden hatte, inzwischen unerkannt entkommen._ Zweimal„von Sander". Ein Schwindler gefaßt, der zweite noch gesucht. Zwei Stellenschwindler, die unabhängig voneinander arbeiteten, fanden Gefallen an dem salchen Name»„v o n Sander". Einer konnte von der Kriminalpolizei ergrijsen werden, nach dem zweiten wird noch gesucht. An Arbeitslose trat ein junger Mann heran, der sich für den Sohn des Generaldirektors„von Sander" eines großen Metall- konzerns ausgab. Er versprach den Leuten im Wert seines Vaters ein« gute Stellung mit einem Monatseinkonmien von 450 Mark. Der jung« Herr wollte den Angeworbenen auch einen Empfehlungsbrief mitgeben. Zu ihrem Erstaunen muhten die Leute aber feststellen, daß dieser Brief von Fehlem aller Art wimmelte, Sie schöpften beizeiten Verdacht und wandten sich an die Krimi- nolpoiizei. Diese ermittelte, daß der angebliche Direktarsftchn ein 21 Jahr« alter Lehrling Alfred K. war und nahm ihn auf dem Dönhoff-Platz fest. Als Oberingenieur„van Sander" vom Flughafen be- tätigte sich der zweite Betrüger,. der gegen„kleine Schreibgebühr" Personal für den Flughafen engagiert. Er bestellt die Angeworbenen nach Tempelhof hinaus, wo sie dann erfahren müssen, daß niemand eingestellt werden soll. Inzwischen hat sich der„Ober- ingenieur" mit den Gebühren aus dem Staube gemacht. Borsicht diesem Schurken gegenüber ist dringend geboten. Mitteilungen über sein Austauchen werden an die Dienststelle D5 im Palizeipräsidium erbeten. Herbstflugplan ab 1. September. Am Montag, dem 1. September, tritt bei der Deutschen Luft- Hansa der H e rb stfl u g pla n in Krast. Anläßlich der Leip- ziger Herbstmesse wird am Sonntag, dem 31. August, der Flugdienst auf den Verbindungen Berlin— Halle— Leipzig und Köln— Halle— Leipzig unterhalten. Beide Strecken werden bei Be- darf mit Großflugzeugen, und. soweit erforderlich, mehrfach beflogen. Im Herbstflugplan, der bis zum 31. Oktober gilt, kommen gegenüber dem Hochsommemerkehr einig« Strecken in Fortfall, so die E x p r e ß- streck« Berlin— Kopenhagen. die Seestrecke Stettin— Kalmar— S t o ck h a l m, die Verbindungen nach den Ostseebädern und nach Marienbad. Die weitaus meisten Flugverbindungen nach dem Ausland und zwischen den großen deutschen Städten bleiben auch im Rahmen de? Herbstflugplanes der Deutschen Lufthansa in Betrieb. Eine vermißte zurückgekehrt. In ihr« Wohnung zurückgekehrt ist die Ehefrau Hedwig Schleus ener, die seit einigen Tag4n vermißt wurde. Am Frellag kam sie nach Hause. Wo sie sich aufgehalten und wo» sie überhaupt zum Verschwinden veranlaßt hat. ist nicht bekamt. Der nächste sexualwissenschafillche Frageabend. Smitötsrat Dr. Magnus H i r s ch f e l d wird den nächsten serualwissenschaft- lichen Frageabend des Instituts für Sexualwissenschaft persönlich leiten und zwar am Montag, dem 1. September, 20 llhr, im Ernst» Haeckel-Saal, In den Zelten 9a(Eingang Gartenpartal). Unkosten- beitrag 20 Pf., Erwerbslose frei. und Sonnt Die Parteigenossen werden «len Wählern Ins Haus tragen II Sie hat den„Autofimmel". Eine Krankenschwester als Schrecken der Ehauffeure. De« Autofimmel hat ein 26 Zahre alte» Mädchen, die eine ganze Reihe von Chauffeuren um ansehnliche Summen geprellt hat. Das Mädchen, eine gewisse Luise, ist die Adoptivtochter eines Geistlichen in einer mitteldeutschen Stadt, gibt sich aber gern für eine„Gräfin S t o s ch" aus. Luise ist von Beruf Kranken» schwester. Ihr« Angehörigen hatten ihr in Berlin eine Stellung verschafft, in der sie nur knappe vierzehn Tag« verblieb. In dieser Zeit hatte sie acht andere Krankenschwestern und auch mehrere Patienten um je 20 bis SO Mark angeborgt. Dann bekam sie den Autofimmel. Unter den verschiedensten Ausreden ließ sie sich nach Zwickau, Halle, Köslin, Kiiftrin usw. usw. fahren und versprach, baß die Bekannten, die sie in den Städten besuchen wollt«, den Fahrpreis zahlen würden. So merkwürdig es klingt, sie fand stets Glauben, denn sie wußte ihre Märchen mit sehr treuherziger Miene vorzutragen. Geld hak kein einziger der Chauffeure bekommen. denn da» Mädchen verstand e». die Fahrer geschickt zu versehen. Vor vier Wochen war Luise einmal sestg«nommen worden, und es stellt« sich heraus, daß sie 1000 Mark' Fahrschuld«n hatte. Der Adoptivvater kam noch Berlin und löst« das Pumpgenie aus. Man verschaffte ihr sogar eine neue Stellung. Gestern wurde sie wieder von einem Chauffeur angehalten, der von ihr noch 320 Mark für eine Reise nach Zwickau und Umgebung zu fordern hatte. Aus dem Polizeipräsidium mußte sie bekennen, daß sie diesmal bereits 3000 Mark schuldig sei. Da nun die Angehörigen sich geweigert haben, die anscheinend Unverbesserliche wieder auszulösen, so wird Luise dem Richter vorgeführt werden. Uond Hgo ntna UlC französische Schüler als Gäste des Konsums. Kurz vor ihrer Heimreise besichtigten französische Schülerinnen und Schüler— eine Gruppe von den Auslandsftrienschlllern der Stadt Berlin— mit ihren Lehrern die Betrieb« der Äonsum-Ge> nossenschaft Berlin und Umgegend in der Rittergutstraße. In einer kurzen Rede zeigte än Hand von graphischen Darstellungen der Geschäftsführer Gen. Güttler das Wesen und den Zweck der KonsmwGenosienschaft in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auf. Hierauf erfolgte der Rundgang durch die Bäckerei, Fleisch- und Wurstmacherei. der Lagerei, der Kaffeerösterei, der Mineralwasser- fabrit, der Tischlerei und den Reparaturwerkstätten. Mit Freude konnte man feststellen, mit welch großem Interesse die jungen Fron» zosen den Erklärungen folgten. Immer wieder konnte man das Er- staunen über die Organisation und über die peinliche Sauber- k e i t, die an den Arbeitsstätten herrschte, von den Gästen ver- nehmen. Di« Besichttgung endete schließlich im Speisesaal des Wohl- fahrtsgebäudes, wo den Besuchern ein bescheidenes Frühstück ge- reicht wurde. Hier hieß Gen. Güttler die Gäste herzlich willkommen. Der Direktor des Lycees von St. Avallon, Monsieur Claus,«r- widerte hieraus in einer längeren Ansprache. In dieser führte er in deutscher Sprache u. a. aus, wie groß seine Bewunderung für das soeben gesehene Werk sei. Die Worte..dqß man sich mit größtem Appetit hier gn den Tffch setzen könne, weil die Hygiene in diesem Betrieb in vollendetem Maße beachtet wird", durfte die Konsum- Genossenschaft als wohlverdientes Lob entgegennehmen.. Bllliger Sonnabend im Zoo. Heut« ist billiger Sonnabend im Zoo. Do» Eintrittsgeld beträgt nur SO Pf. für Erwachsene und 5 Pf. für Kinder. Dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. parteinachrichten für Groß-Berlin >eisleud-»gen für dies« Subtil sind i# stet» an da» fflejltltfelrttatiol warlt» SW CS, Liudruftratzr 3, 2. Hat, 2 Ttrvvru t-cht«, ja riebt« u Achtung, Gewerkschafisfest? Alle Mitglieder werden gebeten, am Sonntag, dem 31. August, am Gewerkschaftbfest im Lunapark teil- zuuehmeu.— Die Abteilungen nehmen ihre roten Fahnen mit._ 2. fitti« SktaatttB. beut«,(Honnobcnb, 30. August, beteiligen sich alle Ib«. nosfiimen und Genossen mit toten gabnen on der Denwnsttalion de» «teile» Thatlottenbutg am Gaolatet Pia». Tteffpunlt 17V4 Uhr Goalater Dlost. an dtt«aifttin,Augusta.All-l. 1 8. jwei» ftttuadrtg. Alle tadfabtenden Parteigenossen sowie die Nadfahter der SAI. und der Spöttlet beteiligen sich am Sonntag, 31. August, an unfettr Wahlpropagonda fahrt durch den Südosten. Tttkspur.it 10 Uhr Heiitrichplat. Flngblatiaiisgabe und Hugbladverbreiinng. von nachstehenden Lokalen aus: heule, Sonnabend. 30. August. ' 2. Abt. Berichtigung! Nicht 3. Abteilung! Heute ab 17 Uhr, Sonntag ob 9 übt bei Olmgcmach,«ommandantenstr. 89. X Abt Atrichtiaung! Sicht bei Ohngemach, I-ndet» heute ah IC Uhr bei Borlick, SebaMauftr. 37. ».Abt. 7. Abt. it AM". All"«�nosfnntu Find'Genossen.tt-ftcn sich heute' 17ib Uhr jut Demonstration G-slar-r Plag, an der«aisetin-Augiista�Illee. 14. Abt. 17�. lihr VON den laben dlokaleu aus. «. Abt. 1« Uhr von ollen gablobendlokalen. Die Mitglieder de- 3oblabend» Silmann treffen st» bei R-uHner, Restaurant Seeadler. Seestr.«2. Eck- 22. Abt �' a b" 1 8'uhV' Sonntag» Uhr stahlabtndlokale. Die Betlrtzsllhrer holen die M�ablättÄ ab 1? Ubr pom Genossen Bortowsli. Brüsseler Str.«. ad. � NA�tt. stw. ab l-.Uhp«n �Utrecht«-». w. abholen. 3»! Äbts Ab l?Ub? LNüdanstr!'».'Auch"die Jugendgenossen tresfen Nch dort. «.Abt. ISUHr Yahlabendlokale. ®on den bekannten Lokalen»n». oi-r*Ti.».»i. K S M iiÄÄSÄV,ÄÄ,»a"U «.'iksts"s\sss asffs»»».». den Kahlab endlo kalen au» Verbreitung. Ehttlottenbnrg. 63. Abi. Sonnabend, SO. August, 1« �4 Hbc. treffen ft® fömtlrchß Genossinnen und Genossen gat De�ns�a'lonaufdem Goslar er Dla» Sonntafl Flugblattverbreitung von den Zablabendloralen aus. � Abt. glnablattoerbrettuu«. 3 Gruppe Sonntag. 31. August, g Uhr. bei Schub. Wallstr. A. 9. Gruppe Sonnab-nd. ab 3 Uhr. und Sonntag. 9 Uhr. bei Reimer. Wilmeradorfer Str. 21. 1«. �r.Ä' Schloßstr. tZ. Demonstration Sonnabend. 30. August. 17tb Uhr. Treff. Wielandstr. 4. Heute. Sonnabend, IVA Är.«Mlattt Plab. Arttftfn. Sonntag. 31. August, Treffpunkt beim E«werlschaft»fest im Lunapart. Abteilungofahnen und Banner mitbringen. 93. Abt. Laicusee. 17 Uhr bei Schüler. Iohann�lgi-mund.Str. 11. WUmefdorf. 99.«dt. Ad 17 Uhr van Sigmaringer Str. 80.— 71.«dt. 17 bU 18 Uhr. Lau, Hildegardstr. 14. 22. Abt.«chmargeuborf. Sonntag, 31. August, ob 10 Uhr, vo» Deutschen Haus, Breit« Str. 39, aus. «a. Abt. Schauet«»,«h lS�lh»«». GjdSch. B-gasSi. 1. ittt WÄi'isiie MkiAiwns 82.«dt. Steglitz. Ab 17 bi» 19 Uhr: 1. bis 4. Bezirk, Schellhafe. Ahorn. ftraße 13»: 3. Bezirk. Selir. Bismorckstr. 33:«. Bezirk, stauberfronz. Berg. Ecke Lauenburger Strafte: 7. Bezirk. Südender Hof. Lichterfelder Str. l: 8. Bezirk, Humboldt. Ecke Slifenftrafte: 9. Bezirk, Bernickc. Deriinickestr. l. Alle Radfahrer tresfen stch 18 Uhr Marktplatz, Düppelstrafte, zur Propa. gandafahrt. 83. Abt. Lichterfelde. Wegen der«reismiiblernerfammluns am Sonntag in Südende Verbreitung schon heut« Sonnabend, 30. August, ah 11% Uhr: Westen: Quandt, Moltkestr. 31. Osten: Bubcrift, L-rcnzstr. 3«. Süd: Pritsche. Berliner Str. 123». 83. Abt. Tempelhos. Di« Handzettel für unsere Kundgebung am 3. September sind morgen von der..Dorwürta�-Spedition mit den fttugdliittern durch die Bezirkoführer adzubolen. Wohlmaterial wird um 18 Uhr beim Gc. nossen Burgemeister, Berliner Str. 90. ausgegeben. 89. Abt. Maeienborf. Verbreitung nicht heute Gonnghenb, sondern erst»m Montag, 1. September, 18 Uhr. von Görlitz, Ehausseestr. 19. aus. Der 1„ I., 7. Bezirk verteilen von Reumener. Schönebrrger Str. ou». Reulolln.»f. Abt. 18 Uhr in den Bezirkslokalen. Vom Lokal Stahmann, stlug. hafenstrafte A. können Transparente abgeholt werden.— 92.«k>t. Die Bezirksführer holen heute. Sonnabend, l8 Ubr. stlugblütter und Material für Transparente und ffohnen im Lokal Wolf. Aaiser�?riedrich. Sirafte 173, ab. Bezirke 31, 38 und 80: Sonntag. 31. August, um 9 Uhr, allgemeine Flugblattverbreiwng vom Lokal König. Bildendnich- Ecke Weserstrafte. Bezirke 39, 33 und 33: 19 Uhr Flugblätter im Lokal Gauter, Harzer Str. 88. abholen.— 93.«dt. 83. und 103. Bezirk: sflugblatwer- breitung von Schauer, Treptower Str. 90, 17—18 Uhr. 89. Bezirk: 18 Uhr hei Zimmermann, Treptower Str. 13. 109., 11. und 119. Bezirk bei König, Böhmische Str. 43— 44. 18—19 Uhr. Alle anderen Bezirke wie üblich. 108. u. 139. Bez.. Siedlung Dammweg: Ab 17 Uhr und Sonntag 8 Uhr wichtige stlugblattverbreiwng.— 93.«dt. Berdreitung: 3i.. 77. Bezirk: Keusch, stägerstr. 10. 73.. 73.. 78. Bezirk: Pflanz, Prinz-Handierv- Strafte. 33.. 72.. 73. Bezirk:»eil, Prinz-Sandierv-Str. 38. 91.. 92. Bezirk: Wittlg. Steinmetzstr.»9. 89., 90. Bezirk: Grieger. Lefstngftr. 9.— 97. Abt. Bon Rohr. Siegfriedstr. 28/29, nhholen. 192.«dt. Bauurfchnlenweg. 17—19 Uhr beteiligen sich sämtlich« Genossen und Senofsinnen an der Nugblattv erbreit» ng. Dieselbe findet vom Lokal Haft aus statt. 103. Abt. Oberfchöneweib«. Am Sonntag, 31. August, von den bereit» bekannt- gegebenen Stellen au». Genossen, die verbindert sind, holen die Tlug, Mütter vom Bezirksführer ob und verbreiten sie bestimmt am Montag, I. September. 119. Abt. Bon 17 Uhr an Klugblattvcrbreitung, Lokal Schwarzer, Gabriel- Max-Str. 17. Lichtenberg. 115.«dt. 18 Uhr in den bekannten Lokalen. Gruppenleiter holen die Flugblätter vom Genossen Seipke ab.— 113. Abt. Ab 17 Uhr bei Morr. Reu« Bahnhofltr. 28.— 118. Abt. Bon 17 bis 19 Uhr Lokal Lenz. Magdalenensteafte: Tempel, Sudrunstr. 7: John, Friedrichstraße Ecke Irenenftrafte.— IIS.«bt. Ab 18 Uhr bei Bartz, Möll-ndorfftraftc. Aichwald«(Kreis Teltow). Heute grofte öffentliche Wählerverfammlun« Im Kastno Dahnhafstrafte. Referent Franz Künstler. M. 6. Zi. Morgen, Sonnlag. 31. August. 12.«bt 9 Uhr bei Schmidt, Wi-lefstr. 17. 19.«bt Treffen um U'A Uhr bei Sottfchalk, Puibusser Str. 29. Um 13 Uhr Abmarsch Brunnenplatz. 17. Abt. 11% Uhr Brunnenplatz. 19.«bt 15 Uhr Brunnenvlatz. 23.«bt Treffen um 19V4 Uhr Brunnenplaft. 89.«bt. Lankwitz. Wir bitten um rege Beteiligung an der Keeisveran staltung im Parkrestaurant Südende um 11 Uhr. Referent Kurt Heinig. 93.«bt Reukölln. Die Genossen, ble Nach Rudow zu« Republikanischen Tag marschieren wollen, treffen Och um 1319 Uhr Steinmetzstrafte Ecke Hermauu' straft«. Haltesteell. n.«bt. Britz. Buckow. 139—13» Bezirk: Flugblattverbreitung 10 Uhr vom Waschhaus lIbeal-Siedlung) aus. 193.«bt. Adlershof. 9 Uhr dil Schmtdtbaur, Bismarckstr. 79. Frauenveranstallungen. ». Abt. Alle Genossinnen beteiligen sich am Sonntag ab 9 Uhr an der Flug- dlatwerbreitung Lokal Sllbner. Dilsnacker Str. 39. 39. Abt. Am Sonntag beteiligen sich sämtlich» Senossinnen an der Flug. Mattoerbreitun«. 118.«bt Lichtenberg. Am Sonntag. 81. August, beteiligen stcki alle Genofstnnen an der um 1119 Ubr in den Kosma»-Lichtspielen. Lllckstrafte. stattfindenden Film-Matinee. Borfvhrung de» Film».Freie Bahn'. Ansprache de» Ge- nossen Franz Künstler, M. d. R. Eintritt 30 Pf. Zungsozlallsten. Gruppe Tempelh-ii-Marieudorf: Heute abend Fvauenbunbgebung in Tempel,' Hof, Gymnasium Kaiserin-Augusla-Sttafte. stur Dampferagitationsfahrt tteffen wir uns morgen, Sonntag, um 31», Uhr Tempelhof. Derfiner Eck- Dorfstri�-. LilMenberg: Um 20 Uhr im Heim Gunterstr. 99. Referat des Genossen Hornigk Uber �lartellpolitik�. Erfibeinen. speziell der Genossen, die mit ihren Beiträgen statk im Rückstand sind, ist sehr erwünscht. Kassierer ist setzt Genosse Tb. Schwiegrr, Anschrift: Berlin-Friedrichsfefdc, Kraetkestr. 38. Gruppe Eharlottenburg! Morgen*Vs Uhr Abfahrt des Dampfer» nach Brandcnburg von der Eaprivibrück», Sprcefttofte. Bitte möglichst früher er- scheinen, da wir al» Führer dienen sollen. Gruppe Reinickendors: Sonntag. 31. August. Dampferfahrt nach Branden. bürg. Da die Fahrt im Dienste der Wahlvorbereitung steht, ist vollzählige» Erscheinen Pflicht. Parteigenossen und SAF.-Mitglieder Nnd willkommen. Ad- fahrt W Uhr Eavrivibrücke, Eharlottenburg. Nähe Wilhelnrplatz. Teilnehmer aus Reinickcvdorf-Vst fahren 3.19 Uhr vom Bahnhof Reinickendorf-O. Teil. nehmer au» Reinick-ndvrf.West lind Tegel treffen sich um 3 Uhr in Reinick-n. doef-West. Scharnweberfttofte Ecke Schwarzer Weg. Markt. Gruppe Bohnsdorf: Treffpunkt zur Agitationsfahrt nach Brandenburg a. d. Havel Sontag 3V4 Uhr Bahnhof Grünau. Gäste herzlich willkommen. Arbeiksgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Lerlin. Tenepelhos: Die Decken aus dem Thuner steltloger stnd Sonnabend»mischen IC und 17 Uhr vom Genossen Schlawe, Konradinstr. 2. abzuholen. Keei» Reukölln! Der Helfcrkreis ist um l3 Uhr am Bahnhof Neukölln zum Abmarsch nach der Königsheide Alle Heffer brauchen für Sonntag ebenfalls Teilnehmerkarttn. Die Teilnehmerkarten müssen möglichst olle verkauft werden. Am Montag in der Arbeitsstunde werden die Karten abgerechnet. Geburkslage, Jubiläen usw. 3. Abt. Berichtiguua! Unserem treuen Genossen Richard Kelöiug und seiner Frau, Stallfchreiberftr. 97, zur Silberhochzeit die herzlichsten Glück- wünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 90. Abt. Renk öl». Unser Genosse Karl Relte Ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Sonnabend, 80. August, 17 Uhr, Krematorium Baumschuleneoeg. Um reg« Beteiligung wird gebeten. Der Bildhauer Ernst Barlach liebt das Material mit dem herben und starten Eigenleben: da» Holz, das schon vor der Bearbeitung durch die Hand des Künstlers das geahnte Wert in seiner Grundstimmung lebendig umschließt. So liebt der Dichter B o r l a ch die Sprache, aus deren Dunkelheiten Schicksale atmen, und«s ist Achtung vor dem ausdrucksstarken Rohstoff, wenn Barlach ihn nur mit großer Vorsicht formt und schleift. Seine Dichtungen behalten etwas von der sprachlichen Dunkelheit, wie seine Bildwerke die Maserung de» Holzes. Der„Blaue Boll", den die Funk- stunde aufführt«, sehr gut aufführte, ist«In Bruder von Barlochs „Armen Detter", und Lebenslust und Grundstimmung beider Werke sind nah« verwandt. Aber Barlach ging Im„Blauen Boll"«inen großen Schritt weiter: der„Arme Detter" kündet das Schicksal ein- zelner, die in Dunkelheit weise und im Alltag tragisch sind. Der „Blaue Boll" weiß um die Tiefen und die Sinnlosigkeit aller Leben. Daß die Funkstund« sich an dieses Werk heranwagte, wird ihr von manchem, der es mißverstand, verübelt werden: aber sie verdient trotzdem Dank dafür.—„S t a a t» k r i s« oder D o l t» k r i s«" fragt« Ministerialrat Helen« Weber, um als Antwort zu verkünden. daß. um die Staatskrise zu beenden, und die Volkskrise zu ver, meiden, es nur ein Heil gäbe; die„Parteien der Dielheit".— wie Frau Weber sie nannte,— zu wählen, die„ihre alten Interessen überwunden haben zum Wohle des Ganzen". Welches dies« idealen Parteien sind, veriet Frau Weber leider nicht. Sie konnte doch un. möglich das neubegründete Parteichao» der feindlichen bürgerlichen Brüder meinen? Frau Weber fand für die wirtschaftlich« Be- drückung der Arbeitslosen durch neu« Beschränkungen der Arbeits- losenhilfe, für die Besteuening der Krankenscheine und Medikament« die tröstliche Erklärung, daß dies« Opfer zum Wohl« des Staate» notwendig seien. Was stch Frau Weber unter dem Satz dachte, daß für den Preisabbau die Konsmngeuossenschafteu den ersten Schritt ttta. Müßten, P ihr Geheimnis, Tes, W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerliu Einsendungen für diese Rubrik am au das ZugendseNeiartat Seckin SW 33, Twdensiroü« S Echrepel, Srüntholcr Ecke Bellerniannsttafte. All« müssen erscheinen.— Kutt- busser Tor: Heim Britzer Sir. 30: Mitgliederversammlung.— Siibwi Sttelchorsteches der SAZ.I Morgen Treffpunkt 18% Uhr SM. Schöneweide. Heute, Sonnabend: Westen: Treffpunkt zur Fahrt 18 Uhr Bhf. BUlowstvaft«.— Gesund- brunueu I: Treffpunkt zur Flugdlattverbreitung für die Partei 1714 Uhr Lokal ---■J------- n-__"" in.„«ott- Südwesten: Treffpunkt zur Flugblattverdreitung 13 Uhr Vorwärts. Morgen Treffpunkt zur Dampferfahrt 3Zi Uhr Delle-Alliance-Pfatz.— Britz: Treffpunkt 19 Uhr Dusch. krug. betr. Waldfest.— Reukölln VI: Heim Treptower Str. 93: Ueben zum Waldfest Alle müssen erscheinen.— Pankow I, N und III, R. F.: Alle Ge- Nossen mik Fahrrädern beteiligen ssch an dem Rodfohreruinzug Her Partei. Treffpunkt I7N, Uhr Marktplatz.— 2. DSnemorl-Ferienfahrer: Treffpunkt 20 Uhr Stetttner Bahnhof. Rächst« Mitgliederversammlung am 2. September, 20 Uhr, im Schubert-Saal- Berlin W.. Blllowsttafte 109. Reichstagsabgeordnete sämtlicher politischen Parteien sind eingeladen und es liegen auch bereit» einig« Zusagen von solchen vor. Gäste können mit Zustimmung des Vorstandes an der Vettamm- lung teilnehmen. Reichsbnnb der Kriegsbeschädigten, Kriegsttilnedmer und Kriegerhixtcr- MUbenen, Ortegruppe vberspree. Aufterordentliche Generalversammlung, am Dienstag, 2. September. 20 Uhr. im Restaurant Krüger, Niederschöneweide, Berliner Str. 110. Ecke Fennstrafte. Etta, einen ist Pflicht. Arbeitet. Radfahrer-Bund.Solidarität". 1., 2., Z. Abteilung: Sonntag. 3l. August, beteiligen silb die Genossen an der Wohlpropaganda des 8. Kreises, Statt 10 Uhr Heinrichsplatz. Freireligiöse Seweiude. Sonntag. 11 Uhr, Papvelallee 15. Bortrag des Herrn A. Domdev:.Berfochlichung des Dottcspttnzips". Harmonium: Solvegs Lied lGtteg). Gaste willkommen. Allgemeine Wetterlage. 29.Aug.'1930fabds. Molkcnlos.0 Hcittr.Ghalbbedcckr 9M)fldg,Wbedeokt*R«gcaAGraupeln " ,iW»bel,il Gev."3tac@Wina dar strasemaanstr. Täglich 8V, Uhr Haweiiti!: 3 Ushtid toi Sdir,8l»rt Komödianhaus SV» Täglich SV» Meioe Sdiwester und ich Mnä«. Ralph Benahky Deutsebes IDnstler-Tbeat. Tal Barbanaa 3937 Täglich 8t* Uhr Gastspiel dv Udwig- Thoma-RüliBB(Egern) Magdalena Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück Berliner Erster SommerUieoter Kastanienallee 7—9. Humb. 2246 Eine entzückende Burleske sowie der auserwählte Varlett-TeiL Täglich 8V» Uhr GastlBeer.TmdeSduedar, HsrlaStar), Erwin Härtung in Katja, die TDnzerin Operette in 3 Akten von UnpoldJakolRaD und ludoli Destemidnj Musik von Jean Gilbert. Eintrittspreis von 50 R. an. zeniral-Ttteater Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8V» Uhr DcDern Profiten Teldi Ausstatfungs- Operette in 4 Akten Rundfunkhöre r halbe Preise. HAÖTERUHD BETRIEB/ KEMPINSKN Theater am Knttb. Tot Kottbusser Str. 6 Täglich UV. Uhr aar* Sonot. mchm S'ra EUle- Süuaer Zflle-Festspieie PtdM.«maaizt« Pnhii fnlles Uendpmgraniffl. gut itoo tri lüg T Nur 6po88- Benin Alexandarplats Ootttnnfs-.Btbatt- a.Reklamemsrkeii gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 45jahr als Spezi AlllÄt Conrad Hflller Leipzig■ Schkeuditz zur Niete WSO.Ansbachersir.l Werde Abonnent des R ose'Theaters!: Unser Abonnsment bietet; 12 Vorstellungen im Jahr. Freies Programm. Freie Garderobe(als einzige Bühne Berlins). Beim Beitritt bis 51. August keine Ein schreibegebühr. Unsere Abonnenten werden u.a. sehen;„Die Braut von Messina", von Schiller.„Die schöne Helena", große Operette von Offenbach. „Eine Nacht in Venedig", mit Musik von Johann Strauß.„Die DoUarprinzessin", von Leo Fall.„Die Faschingsfee", von Kaiman. „Rose Bernd", von Gerhart Hauptmann. „Der Veilchenfresser", von Moser,„Die fünf Frankfurter", von Rößkr.„Das 4. Gebot", von Anzengruber. Vorteilhafte Plätze im Abonnement: 7. Parkett-Sessel nur RM 1,10 II. Parkett nur RM 0,85 7. Rang-Balkon nur RM 1,— 7. numerierter Mittelrang nur RM 0,60 (Die Preise verstehen sich inkl. Programm und Garderobe) Persönliche Anmeldung wochentags v.9ühr früh bis 8 Uhr abends. Können Sie uns nicht persönlich besuchen. so schreiben Sie uns oitte Ihre Adresse. Wir senden Ihnen dann umgehend kostenlos und unverbindlich einen ausführlichen Prospekt Name:___ Wohnung: % •%> IPt . ,'W Ishlsn beweisen i Die Versicherungsgesellschaft der werktätigen Bevölkerung, die ITolIcsfiirsor�e Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherungs- Aktienge.sellschaft, gewährt ihren Versicherten auf die gewinnberechtigte Jahresprlmia für 1929 30% Qawinnanteila in der Volkaabteilun«, 35% Gewinnanteile in der Lebensabtailung. Bei der Volksfürsorge sind 2 Millionen Versicherungen in Kraft; sie hat ein Vermögen von rund 100 Millionen Relohsmark. Nähere Auskanft erteilen die Rechnnngssteilen: ik4* iS Mariendorf, Rathausstraße 93, pt; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 121 j Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26, Gartenh- pt; Berlin-Köpenick, Bahnhofstraße 34; Berlin-Reimckcndorf- Wcst, Straße 20, Haus 12; Berlin-Spandau, Götelstraße 5. pt. oder der Vorstand der Volks- fursorge in Hamburg 5, An der Alster 57—61. 8 DßDlsdier MMIarbeitef-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanseigen Den Mitzfithrm»ut Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinenschlosser Karl Nolte atn 28. August gestorben Ist. Di« Einäscherung findet am Sonnabend, dem 30. August. 12V, Ubr. im Krematorium Baumschuienmeg,.fites- hoizstraß». statt. Am 26 August starb unser«ollege. der Arbeiter Rudolf Kubisch geb. am 8. August 1903. Die Beerdigung findet am Montag. dem I. September, 16 Uhr, auf dem Neuen Iafobikirchhos in NeuTolln, Hetmannstr,, statt, Am 25. August starb unser fiollege, der Schteiser Friedrich Kussin geb am 27. Januar 1873. Die Einäscherung findet am Montag, dem L September. 17V, Uhr, im firematorium Baumschuienmeg, fiies» holzstr„ statt. Am 28. August starb unser fiollege, der Giiztiez Franz Jacoby geb. am 6. November 1860. Di« Einäscherung findet am Montag. dem 1. September, 18V, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, fiies. hoizstr., statt Ack 28. August starb unser fiollege. der Bauschlosser Martin Böhtnke Die Einäscherung findet am Di-vo- tag. dem 2. September. 16 Uhr, im firematorium Serichtstraße, statt. Reg« BeteiNgung mird ermattet. Am 23. August starb unser Kollege. der Dreher Georg Ziegner , Di«. Einäscherung hat schon statt- Am 19. August starb nnser Kollege, der Schnlttardeiter llermsnn ZehSmi/älder Die Einäscherung Hat schon statt- gesunden. SHrr ihrem«udenfen! vie Ortoverwaltnug Am Mtttmoch. dem 27. August, ist nach langem, schwerem Leiden unsere fiollegm, die Arbeltrvermlitlczin Käte Noga verstorben. In vielen Jahren ihrer Tätizfeii hat die Berftordene stet» Pflichttreue und soziale» Berständni» bekundet. Ehre ihrem Andenken. Beiseßung am Sannabend, dem 30. August. 13,15 Uhr. auf dem ehe- maligen Niederfchöneweider Fttedhos WAft Gltenide.SchSneselder Ehaussee. vi« KollegensdiaH de« Arbeitsamt.» Berlin-SOdoit. Danksagung. IJQc die niclen Beweise herzlicher Teilnahme beim Ableben meiner innigst geliebten Frau, unserer her- zensguten Tochtrr Marianne Wilke geb. Ul brich sprechen wir hiermit allen Beteiligten. Freunden. Betannte» und Bei. wandten, unseren herzlichen Dank au». Walter Wilke. Anton nnd Marie Ulbridb. Eisenmoorbad Preizscfa Elbe Beste Erfolge bei Cicbl, Rheuma, Istblas, Nerven-, Franenleld. nsw. Das Bad Ist das ganze Jahr geöffnet/ Femspr. 69 Höheres durch kostenlos. Prosp. d. Badercrwaltung Alexanderplatz Neue K�nigstr, 4.3 Gewlnuauszog EL Klasie 35. Preußilch-Süddeuisch« Klasisn-Lotterl«. Ohne Gewähr' Nachdruck verboten' Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose«leicher Nummer in den beiden Abtelluvge» I und II 18. Ziehungslag 20. August ISA) La der Heuligen Vormitlagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Bewhm, in 10000 M. 10967 285182 4 Sewimi« bu 0000 M. 90056 263163 4 Sewinne 3000 OL 1 1 4526 271 71 7 14»ewinn« ,a 2000 na. 84684 960723212706 242848 269317 822769 376126 52©eftinne in 1000 95t. 301 66443 84007 91325 124947 143722 149802 169949 182637 234031 237287 248997 253556 260690 264883 293023 307174 309822 317711 319641 323777 347051 360908 374485 394842 398196 92©ctoinn» su 500®L 2649 16713 32218 33078 35120 38837 47135 62237 55977 68362 74256 81941 107656 126581 128140 128240 137103 143191 147100 166696 158310 166828 169050 198268 200380 209150 209245 212707 246226 24ZB91 262556 264134 293118313735 322324 332334 334063 338467 340196 341229 342165 346939 353918 355243 379187 393427 In der Heuligen Nachmstlagzzlehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 2«eloiaiu an 5000 OL 47014 12««Winne zu 3000 OL 74828 92240 263400 292236 304537 336900 18«-Winne»n 2000 OL 12118 76939 121805 227843 262623 277188 290944 330410 339486 28«-Winne bu 1000 OL 6580 128972 141144 149857 163036 173953 176101 187012 210539 215840 230247 264598 318516 362524 76«-Winne bu 600 M. 9493 18384 40847 46538 62971 65646 85942 92491 9350299899 102424 102827 110234 112645 127648 129978 144986 151159 156404 169687 174586 170758 193699 207476 242521 248999 266021 284410 284665 297017 304213 327262 323910 351613 357117359271 362142 394003 Jui Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu Je 500000, 2 Gewinne zu je 50000, 8 zu je 25000, 38 zu je 10000, 86 zu je 5000, 144 zu je 3000, 304 zu je 2000, 712 zu je 1000, 1748 zu je 500, 4428 zu je 300 M. 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Die Wrtscho-ststrisc und die Massenarbeitslosigkeit, wie wir sie gegenwärtig nicht nur in Deutschland, sondern in fast allen groß- lapitalrstijchen Ländern erleben, gehört zu den verheerenden und un- aiisweichlichen Begleiterscheinungen der kapitalistischen Produktions- weise. Es wäre deshalb ein glatter Schwindel, wenn irgendeine Partei vor den Reichslagswahlen mit der Behauptung austreten würde, daß sie bei einem Wahlsieg mit einem Schlage den wirtschastlichen Itotftand dieser Zeil beseitigen könnte. Die Planlosigkeit der Produktion, die Ungerechtigkeit der Ein- kommcnsoerteilung und das Profitstreben als alleiniger Antrieb der Wirtschaft führen im Kapitalismus immer wiederkehrend zu Krisen, deren Opfer in erster Linie die dem Elend preisgegebenen Massen der arbeitenden Bevölkerung sind. Jede Wirtschaftskrise hat neben den ständig wiederkehrenden Er- scheinungen auch in der Vergangenheit ihre besondere Eigen- a rt, ihre besonder« Ursache gehabt. Das gilt auch von der Krise, die gegenwärtig die kapitalistische Welt erschutrert. Ohne Zweifel spielen für die Eigenart der gegenwärtigen Krise die Noch- Wirkungen des Krieges, die Zerstörungen und Zer- reißungen wirtschaftlicher Zusammenhänge, die der Krieg mit sich gebracht Hot, eipe maßgebliche Rolle. Hinzu kommt, daß der Kriig nicht durch einen wirklichen Frieden in- der Welt beendet worden ist, nicht durch eine gegenseitige Streichung der internationalen Kriegsverpflichtungen, wie sie die Sozialistische I n t e r- nationale gefordert hat, sondern durch einen Friedens- vertrag, der seinerseits zur Quelle neuer Unruhe wurde. Di« ungeheuren europäischen Zahlungsverpflichtungen an den amerikanischen Kriegsgläubiger wurden aufrechterhalten: im besonderen bedeutete die Belastung Deutschlands mit Repara- t i o n s z a h l u n g« n ein Störungsmoment der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, dessen Last natürlich besonders auf Deutsch- land ruht. So falsch es wäre, diese Wirkung der Sonderlast, um deren Verringerung die Sozialdemokratie seit dem Abschluß des Versailler Vertrages mit Erfolg gekämpft hat und für die sie auch weiter auf dem allein erfolgversprechenden Wege der friedlichen Verständigung unter den Völkern kämpfen wird, zu verkennen, so töricht ist es auf der anderen Seite, in ihr die einzige Quelle der gegen- ivärtigen Krise zu sehen oder gar die Vorstellung zu nähren, als oh durch ein« gewaltsame Abschüttelung dieser Last dem Krisenunhcil ein Ende gemacht werden könnte. Jede Form der Katastrophenpolitik, die dahin zielt, würde neue Kriegs- gefahren heraufbeschwören und sie würde selbst dann, wenn der verhängnisvolle Ausbruch von militärischen Feindseligkeiten ver- meidbar wäre, immer die Gefahr eines völligen Zusammenbruches des europäischen Wirtschaftslebens mit sich bringen. Wir können bei der richtigen Wertung der Bedeutung der Reparationen für die Besonderheiten der deutschen Wirtschaftskrise niemals verkennen, daß der Fluch der Massenarbeitslosigkeit sich gegenwärtig keineswegs auf Deutschland beschränkt, sondern zum Beispiel auch in England und Amerika, d. h. Ländern, die Empfänger von Reparationszahlungen sind, wütet. Weil wir überzeugt sind, daß periodische Krisen und Kapitalismus untrennbar miteinander verbunden sind, glauben wir auch, daß der Kampf der Kriscnopfer, der Kampf der Arbeiterklasse nicht nur gegen Einzelerscheimmgcn, sondern gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem im ganzen und für die Verwirklichung des S o z i a I i s m u s geführt werden muß. Der Kampf der Sozialdemokratie geht für planmäßige Wirt- schaftsgestaltung, für gerechte Einkommensoerteilung, für Demokrati- sierung der Wirtschaft, für die Sicherung der Lebcnsmöglichkcitcn des arbeitenden Volkes in der Zuversicht, daß mit dem Aufbau einer neuen Wirtschaftsordnung auch die verheerende Wirtschaftskrise ver- schwinde. Für den Kamps gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem ist jeder Wahlkampf ein neuer Abschnitt. Für die Stärkung der anttkapitalistifchen Kräfte ist bei jeder Wahl die Stärkung der Sozialdemokratie von größter Wichtigkeit. Aber wir wissen auch— und nur Schwindler können dies vor den breiten Massen des Volkes verschweigen—, daß der in unendlich vielen Formen von der. Arbeiterschaft zu führende Kampf gegen dos kapitalistische Wirtschaftssystem in diesem Wahl- kämpf allein nicht entschieden werden kann.. So schwer die gegen- wärtige Krise auch auf den kapitalistischen Ländern lastet«, ist der Glaube und die Einstellung ungerechtfertigt, daß dies« Krise im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen keine periodische, sondern eine Dauererscheinung sein müsse. Wir sind überzeugt, daß auch dieser Krise noch im Rahmen des kapitalistischen Wirtschaftssteuer- systsms eine Besserung, ein neuer Ausschwung, eine Wieder- einschaltung der heute brachliegenden Arbeitskräfte folgen kann und folgen wird. Es liegt also im Interesse des arbeitenden Volkes, daß man sich nicht einer Stimmung der Verzweiflung und der K a t a st r o p h e n- angst hingibt, sondern daß politisch alle Maßnahmen getroffen werden, um die Ueberwindung der gegenwärtigen Krise zu be- schleunigen und um die Leiden, die sie hervorruft, zu mildern. Deshalb verbindet die Sozialdemokratie ihren dauernden Kampf um die Ueberwindung des Kapitalismus, um die Neugestaltung der Gesellschaft mit Gegenwartsforde- r u n g e n, deren Durchführung entscheidend ist für die Linderung der gegenwärtigen Not und für die Anbahnung einer besseren Wirtschaftslage. Nur wer Wahlschwindel treibt, kann sagen, daß er ein Gene- r a l r e z e p t für die sofortige Ueberwindung der ökonomischen Krise, die, wie schon dargelegt wurde, eine Erscheinung von übernationalen Dimensionen ist, in der Tasche Hot. Aber gerade weil wir diesen gewiß nicht erfreulichen Zustand ehrlich zugeben, bleibt eine Fülle von Einzelmaßnahwen, deren entschiedene Durchführung von entscheidender Bedeutung für die tage der breiten Masse der Bevölkerung sein wird. Dahin gehören Erhaltung und Erhöhung der Massenkaufkrast durch Abbau überhöhter Preise, umfassende Arbeitsbeschaffung, Bs- seitigung der bestehenden Hemmungen, die den Zustrom ausländischen Kapitals in die deutsche Wirtschaft verhindern, Exportsteigerung, Abbau der Zölle, Ausbau der Handelsverträge usw. Dies« Forderungen gilt es im neuen Reichstag durchzusetzen. Darum ist es Pflicht des Wählers, am 14. September für die Liste 1(Sozialdemokraten) zu stimmen. kntr Napbtali. Bata baut in Deutschland. Eine Gründung in Oberschlesien.- Augen auf, Herr Stegerwald! Die Meldung bestätigt sich, daß der tschechische Schuhmagnat Thomas Vota in Deutschland eine große Schuhfabrik errichten will. Vom preußischen Staat werden im Kreise Cosel in Ober- jchlesien dem Bata-Konzern etwa 3000 Morgen Wald überlassen— als Kaufpreis werden 1,6 Millionen Mark genannt— und Herr Thomas Bata will aief diesem Gelände eine Fabrik für bis zu 3000 Arbeitern und ein« entsprechende Wohnsiedlung errichten. Di« Kaufverhandwngen sollen vor dem Abschluß stehen, die Absicht des Berkaufs wird vom preußischen Staat nicht bestritten. Als Hauptgrund für das Bota-Geschäft geben die Beiförden die Möglichkeit an. in Obevschlesien. wo große Arbeitslosigkeit herrscht, dauernd« Beschästigungsmögllchkeiten für mehrere tausend Arbeiter zu schaffen. Weiter soll sich Bata verpflichtet haben, nur deutsche Arbeiter zu beschäftigen. Bata kommt also nach Deutschland. Bata ist der Mann, dessen Konkurrenz der Schlachtruf der deutsche n Schuh- industriellen für ein« Zollerhöhung war. Möglich, daß auch Bata durch seine Gründung beweisen will, wie man unoer- nünftige Zollerhöhungen illusorisch machen kann. Wir haben in Uebcreinstimmung mit den organisierten deutschen Schuharbeitern immer darauf hingewiesen, daß mau Batas Konkurrenz nicht durch Zölle bekämpfen soll, sondern durch Umstellung dJt eigenen Industrie und vor allem durch die Aufklärung der tschechischen.Arbeiter, sich gegen die Bota-Ausbeutung zur Wehr zu setzen und durch die Aufklärung der deutschen Verbraucher, durch Ausbeutung verbilligtes Lchlchwerk nicht zu kaufen. Es kann bezweisett werden, ob Preußen richtig handelt, wenn gerade staatlicher Grund und Boden Herrn Vota zur Ver- fügung gestellt wird. Wenn Herr Bata nach Oberschlesien geht, weiß er, warum. Der preußische Staat sollte auch wissen, daß das Kammergericht in Berlin das System Bata als kapitalistische Ausbeutung gekennzeichnet hat und daß es nicht gut ist, wenn Herr Bata in Deutschland sich damit einführen kann, daß er ja für die Errichtung seiner Werke, die zum mindesten den Versuch der Ueberpflaryung seines Systems in sich schließen kann, den Segen des preußischen Staates habe. Es wäre unvernünftig, sich gegen die Errichtung von Bata-Fabriken in Deutschland zu wehren. Die mögliche Gefährdung von investiertem Kapital durch Ncugründungen, selbst wenn die Leistungsfähigkeit der bestehenden Werk« nicht ausgenutzt werden kann, gehört nun einmal zum kapitalistischen System. Nicht ober gehört zum kapitalistischen System, wie wir es durch den Kampf der Arfwiterttesi« in Deutschland geformt haben, die ZuMstach de» Fabrik-, Produktions. und Fiüalensystems. wie es Herr Thomas Bata in Zlin ausgebildet hat. Gegen die Ueber- tragung dieses S y st e m s nach Deutschland gibt es für uns nur den Kampf bis zum Letzten. Wir machen Herrn Stegerwald und seine Nachfolger, wir machen die Gewerbeaufsichtsbehördcn darauf aufmerksam, daß das Bata-System besonders die sozialen Gesetze aus das weit- herzigste auszulegen geneigt ist und wenig Verständnis hat für e ch t e n sozialen Schutz der Schwachen, wie er in Deutschland selbstoerständlich geworden ist.. Porzellankartell gesprengt. Aber kein Erfolg der Kartelloktion, wie behauplet wird. Bei einer Verhandlung vor dem Äärtellgericht hat sich heraus- gestellt, daß die Unterbietungen der Kartellpreise für Ge- schirrporzellan durch die Mitglieder des Kartells selbst schon «inen sehr großen Umfang angenommen haben. Der Verband der Porzcllangeschirrsabrikea Hot daraufhin entgegen seiner ursprüng- lichen Absicht aus die gerichtliche Durchfechtung seines Treurabattes (für Kunden, die nur von Berbandsmitgliedern beziehen) verzichtet. Damit ist den Abnehmern der Porzellangeschirrfabriken jetzt die Mög- lichteit gegeben, gleichzeitig von Lerbanösfabriten und von den fünf billig?r verkaufenden Außenseitern zu be- ziehen, d. h. auch die papierenen Kartellpreise sind gefallen. Ein völliges Auseinanderfalle» des Geschirrverbandes erscheint unter diesen Umständen mcht ausgeschlossen. Was nun aus dem Kartellabkommen mst dem Verband der tschechischen Porzellanfabriken wird, das in allernächster Zeit unterzeichnet werden sollte, darauf kann man gespannt sein. Immerhin ist zu beachten, daß der Porzellangeschirrverlxnld schon mehrmals wieder gekittet worden ist. In kritischen Zeiten mit geringem Inlandsabsatz macht der Prcisdruck sich be- sonders bemerkbar, der von den Warenhäusern und anderen Großabnehmern immer auf die Porzellangeschirrfabriken gfisstrahlt. Fast komisch wirkt es, daß ein Berliner Finanzblatf das Aus- einanderfallen des Porzellankortells als einen indirekten Teil- erfolg der Reichs r« gierung und deren Kartellpolitik be- zeichnet. Hatte die Reichsregierung Schritte gegen das Porzellan- kartell unternommen— uns ist davon nichts bekannt—, so hat sie sich so ziemlich den ungefährlichsten unter allen Verbänden in Deutschland herausgesucht, der noch nie auch nur mit seinen «lgeuen MtgUoderu fertig geworden est. Rohstahlkartell aufgeflogen. Offener Preiskampf beim Export der Internationalen Rohstahl- Gemeinschaft. Der Zersetzungsprozeß in der Jnternatianaien Rahstahlgemcm- schaft(Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien) ist vollständig. Die I R G. c x i st i« r t nur noch dem Namen nach:«s gibt weder mehr Vorschriften für die Exportaufteilung noch für die Preise. Am Donnerstag ist auch die letzt« international« Eisen- kartellbastion gefallen. Die Ausfichrzentralstcllcn für Halbzeug und Träger, die noch im Juli stärker ausgebaut worden waren, nachdem man schon die Preis« für Stabeiscn, Bandeisen und Grob- bleche hatte freigeben müssen, haben ihre Preisbindungen ebenfalls aufgehoben. Die W c lt wi rlf cha f t s k r i f« hat dazu geführt, daß der Wille zur Selbstbehauptung der einzelnen intrr- nationalen Werksgruppen das«inst so viel bestaunte Internationale Stahlkartell zusammenbrechen ließ. Das hat zur Folge, daß auf dem Weltmarkt— außerhalb der vier Länder— jetzt unbeschränkte Konkurrenz herrscht und daß die Preise sich im wesenttichen nur noch nach Angebot und Nachfrage, d. h. nach der Fähigkeit der An- bicter richten, den Konkurrenten zu unterbieten. Freilich besteht zwischen den vier Ländern der JRG. noch die Gentlemenverpflichtung, daß keiner den Markt des anderen beliefern darf(Gebietsschutz), was für die deutsche Eisen- industrie, zumal sie ja den größten Teil des Handels beherrscht, weitgelfend die Aufrechterhaltung der inländischen Markt- Herrschaft bedeutet. Der Schluß wäre also falsch, daß der faktische Zusammenbruch der JRG. die Druckausübung für weitere Eisenpreissenkungen in Deutschland überflüssig macht. Die Preis- fenkung muß im Gegenteil mit aller Macht weiter angestrebt werden, weil der jetzige Käuferstreik der Eisenverbraucher, die auf niedriger« Preise warten, die Beschäftigung der Weiterverarbeiter wie der Eisenindustrie mit der Folge der Krisenoerschärfung weiter drosselt. Jetzt ist auch der Zeitpunkt näher gerückt, wo die Auf- Hebung der Eisenzölle als wirklames Druckmittel zu einer weiteren Preissenkung ausgenutzt werden könnte. Oer Wohnungsbau-1930. Aauvollenduugen relativ stärker als Reubauten. Die deutsche Bautätigkeit war im ersten Halbjahr 1930 infolge der günstigen Witterung stärker als im Borjahr; aber es wurden nach den Ziffern von„Wirtschaft und Statistik"' meistens nur bereits begonnene Bauten unter Aus- nützung des milden Winters vollendet. Die konjunkturell wichtigen Vergleichsziffern der neu erteilten Bauerlaubnisse können jedoch nicht zu einer günstigen Prognose Anlaß geben. Während der ersten sechs Monat« 1930 ist die Zahl der erteilten Bauerlaul»- niste für Wohnungen in 92 erfaßten Städten um 34 Praz. gegenüber 1929 und um 9 Proz. gegenüber 1928 zurückgegangen. Bei den gewerblichen und industriellen Bauten beträgt der Rückgang der Vaugesuche 18 Prvz. Nun muh es allerdings dahingestellt bleiben, inwieweit der Rückgang der Baugesuche durch ein« Berorötzerung der einzelnen Bauvorhaben, also durch verstärkte Konzentrotion im Bau- wesen, etwa wettgemacht wird. Bei den fertiggestellten Wohnungs- bauten traten Mehrfamilienhäuser, d. h. größere Bautei» in den Vordergrund. Der Anteil der E i n f a m i l i e n h ä u s e r' am ge- samten Wohnungsbau betrug 1927 noch 41 Proz., 1930 nur noch 27 Proz. Die mittelgroßen Wohnungen(4 bis 6 Wohnräume) haben in derselben Zeit auf Kosten der Kleinwohnungen(1 bis 3 Wohnräum«) erheblich zugenommen. Der Anteil gemeinnütziger Bauunternehmungen am Gesamt- Wohnungsbau betrögt für das erste Halbjahr 1929 nicht'weniger als S7 Prozent. Mannesmann unveränderte Gewinne! Käuferstreik wegen zu hoher preise. Die Mannesmann-Röhrenwerke A.-G., Düsseldorf, konnten ihren Versand von Blechen und Halbfabrikaten- im ersten Halbjahr 1930 gegenüber derselben Zeit des Vorjahrs um 20 Proz. erhöhen: der Umsatz der Röhrenwerk« hing jedoch um 18 Proz. zurück, der der Kohlenzechen sank um 16 Proz. Der Auftragsbestand in den drei genannten Abteilungen hat eine Verminderung erfahren, bewegt sich aber wieder in aufsteigender Linie. Der Reingewinn des ersten Halbjahrs 1930 deckt sich ungefähr mit dem derselben Periode im vorigen Geschäftsjahr. Ueberrascheno bei dem teilweise sehr beträchtlichen Beschäftigungsruckgang ist die Feststellung der stabil gebliebenen Gewinne. Entweder gilt das gleichermaße» wie für Mannes» mann auch für die übrigen großen Ruhrzechen und Stahlwerke, oder die Mannesmann-Gewinne sind im vorigen Jahr bedeutend höher gewesen als sie ausgewiesen wurden. Jedenfalls ist die Feststellung über die Mannesmann-Gewinne außerordentlich bedeutsam für die Frage, ob im Ruhrgebiet eine Preissenkung für Kohle und eine weitere Preissenkung für Eisen und Stahl möglich sind, was zu bejahen ist und insbesondere für die Kohle bedeutet, daß Preis- senkungen auch ohne Veränderungen der Löhne durchge- führt werden können. Für die Dringlichkeit der Preissenkung geben die Mannesmann-Mitteilungen ein weiteres Argument. Der Trust sagt, daß die Austragsrückgänge im wesentlichen damit zusammenhängen, daß die Berarbeiter bzw. Kohlenkäufer auf Preissenkungen warten und deshalb nicht kaufen. Es ist ein neuer Beweis dafür, daß die Reichsregierung ihre Preissenkungsaltian gerade in der Montanindustrie forcieren könnte, wenn sie es nur wollte. Orlentbank gibt Baumwollkredile. Die Warenbeleihung hat, wie bei der Bremer Schroeder-Bant, deren Abschluß wir kürzlich veröffentlichten, so auch bei der Deutschen Orientbank A.-G. im letzten Jahr einen bedeutenden Aufschwung genommen. Diese Tochtergesellschaft deutscher Großbanken für die östlichen Mittel meerländer verteilt für das Jahr 1929 wieder 5 Proz. Dividende aus 10 Millionen Mark Aktienkapital aus einem Rein- gewinn von 839 783 Mark(Vorjahr 838 264 Mark). Die Spezial- veserve wird durch eine Zuweisung von 300 000 Mark aus dem Reingewinn auf 2,6 Millionen erhöht. In der Bilanz ist der Posten „Vorschüsse auf Waren"" gegenüber dem Vorjahr um 13,43 Millionen Mark von 28,42 auf 41,8S Millionen Mark angewachsen: das ist in der Hauptsache auf eine verstärkte Beteiligung der Bank an der Finanzierung der ägyptischen Baumwollernte zurückzuführen, wobei anscheinend gegen mögliche Einbrüche am Bmiiwnnllmavtt bejouder« Sicherungen getrosten wurden. SSnmo Corra: SUfMIHtli 1111(1 SoflfÄ Schluß> .nüi Stnut nahm Slarmi 511 sich in eins Ecks und flüsterte chm zu, daß Biuloh ihn perachte, weil sie ihn als«inen Feigling de- trachte und Saftra, den sie mutig mahne, lieh«. Gleichzeitig erzählte nertroulich in her entgegengesetzten Ecke ein anderer Hafenarbeiter dem betrunkenen Sostra, daß Biulah über ihn als über einen Mann sprach, der kein rotes Blut in den Adern habe, und daß sie in Karmi ganz toll verliebt war. Nochmols wurden die Gläier gefüllt. Und mit einen» Mole blitzten zwei scharfe Klingen auf. Kann! und Sostra griffen automatisch zu den Messern. Die Anwesenden bildeten einen Kreis um die beiden Gegner. Vier Schritt voneinander entfernt, gehärdeten sich Karmi und Sostra eine Weile long wie toll, ohne aufeinander loszugehen, als ob jeder der beiden gegen sich selbst kämpfe, um sich von einer Fesisl zu befreien, die ihn daran hindere, den Freund anzugreifen. Sich in den Hüften wiegend, stampften sie in wütendem Nhythmns auf den Boden, die Zähne fletschend schüttelten sie den Kopf und die bewaffnete Rechte hinter dem Rücken verbergend, schlugen st« Räder mit dem linken Arm. Die Anwesenden letzten sie gegenein inder, rhythmisch in die Hände schlagend. Und plötzlich, als ob die Freund- fchaftsfessel im Augenblick gesprengt worden sei, stürzten sie auf- «inander, die Messer hochhebend. Ein kurzes Aufbrüllcn, und Blut spritzte aus Karmis rechtem Arm,'.n den Softras Messer gedrungen war. Sie wichen zurück ,md vor Wut knurrend, bereiteten st« sich vor, sich wieder auseinanderzuwerfen... „Halt! Halt!" hörte man von der Tür her. Es waren die beiden Malteser, die Eigentümer der Bor. Der«in« ergriff einen Tisch und schleuderte ihn zwischen die beiden Gegner, während der andere die Fäuste drohend erhob und sie anschrie: ..Wenn ihr einander schlachten wollt, ihr Gesindel, könnt ihr es meinetwegen tun, aber nicht hier! Hinaus! Hinaus!" Wie aus einem bösen Traum erwachend, sahen Kormi und Sostra verblüfft einander an und liehen die Messer zu Boden fallen. Die beiden Malteser faßten sie am Arm, schleppten sie zur Tür und stießen sie auf die Straße. Ohne ein Wort zu wechseln, liefen die beiden Javaner fort, der ein« nach rechts, der andere noch links. n * Nach einer Woche sahen sie einander wieder. Und in drei Tagen, in deren Verlauf vier Dampfschiffe in Aden anlegten, ver- kauften sie all« Papageien, die sie noch besaßen. Sie dachten nicht mehr daran, andere zu kaufen. Hohlwangig, mit irren Augen und nervösen Gesten wurden sie, lebhaft sprechend, von früh bis abend in den Hafenanlagen umhergehend gesehen. .„Du," sagte Sostra, ,.l)ast mir dos Leben gerettet, als ich krank war. Und mos habe ich getan? Ich habe deinen rechten Arm verletzt!" I „Ja," antwortete Karmi,„du hast mich zu unrecht verletzt. Und ich, notgedrungen feig, konnte mich mcht rächen!" „Wenn ich selbst." fuhr Sostra fort, ,chgs Messer dir in die Hand drücken würde, könntest du mich nicht»erletzen, Karmi, weil wir Freunde sind!" Karmi nickte: „Es stimmt! Doch können wir auch nicht mehr zusammen ar- bellen und in gutem Einvernehmen leben, denn wir sind Fclndel' Nicht der Schotten männlicher Eifersucht beeinflußte ihre quälend« Seeleneersassung, ein« düstere Verknüpfung von Aber- glauben und Instinkt««. Wenn sie manchmal Biulah begegneten, weder Karmi noch Sostra sahen sie an. Es war nur eine eitle Laune gewesen, die gleich erloschen, schon vergessen war. Doch die physische und nervöse Erschütterung ihres Zweikampfes hatte in ihnen«inen Haß ausgelöst, der, vom Dazwischentreten der Malteser unterdrückt, immer heftiger und unauslöschlicher wurde, lind zwischen den beiden Pflichten, die für die Stimme des Blutes gleich heilig waren, zwischen der Pflicht der Freundschaft und jener des Hasses schwankend, lillen sie unsäglich, denn sse waren nicht imstande, ein- ander zu verzechen, ohne sich feig zu fühlen, denn sie waren ja Feind«, und sahen sich andererseits gezwungen, ihrem Haß keinen freien Lauf zu geben, da sie doch Freund« waren. Karmi starrte mit vor Schrecken fieberhaftem Blick in Sostros Augen und flüsterte: „Den Freund, der den Freund verletzt, du weißt es wohl, Sostra. Holl der Teufel!" Und Sostra ftanwnelte mit bleichem G'ficht, dem Blick des anderen standhaltend: „Und dem Feind, der sich verletzen läßt und die erlittene Ver- letzung aus Feigheit nicht rächt, du weiht wohl, Karmi, dringt der Teufel in Herz und Hirn!" In einer Iuninacht, als der Hafen von Aden in drückender Schwüle schlief, stiegen die beiden Freunde in«in leichtes, flaches Boot, eine Art malaiischen„Sampan". Sie lösten dos Tau und ruderten schweigsam hinaus in die offene See, bis die Lichter der Stadt verschwanden und da« blinkende Feuer des Leuchtturms nur mehr ein ferner Stern schien. Am Abend hatten sie, gemeinsam nachtmahlend, ihre letzten Schillinge ausgegeben. Im Schein des Mondes, der breit aus dem stillen Ozean stieg, waren chre Gesichter ruhig, beinah« glücklich. Sie ließen die Ruder fahren und warteten, daß das Glucksen des Wassers an den Seitenwänden des Btlotes erstürbe. D«nn holten sie zwei einen Meter lang« Seile aus der Tasche hervor, fesselten damit den linken Fuß an den linken Fuß und da» linke Handgelenk an das link« Handgelenk, den rechten Fuß und die rechte Hand zum Kampf freilassend. Zur Hälfte an- einandergebunden, zur Hälft« gegeneinander bewaffnet, zur Hälft« Freunde, zur Hälfte Feinde. „Verzeihe mir, Sostra," jagte Körmi,„aber es muß fein." „Es muß wirklich fein," bestätigte Sostra,„sonst würden unsere Seelen in Ewigkeit verdammt bleiben!" Zusammen beugten sie sich und mit einem Ruck entfernten sie vom Boden des Bootes ein Brett, das sie schon vorher gelockert hatten. Hnd während das Boot zu sinken begann, oersetzte Karmi einen wütenden Fußtritt Sostra in den Bauch. Heulend faßten sie einander an der Kehle. Und da» schwarz« Wasser verschlang die beiden in einer rasenden Uniklnmmö- rung befreienden Hasses ringenden Männer Der gelbe Mond der Tropen, der Beschützer des Aberglaubens, der Zauberkünste und de? todlichen Liebens, breitete einen gleißen- den Schleier von gehämmertem Gold über ihr nasses Grab... kSulortfiert« Urteisttzims von*«rt Oeerj ap Xuigi tPiraudello: Sin neuer%ag bricM an Dos sohle Licht der Morgendämmerung hält gespenstig an den Scheiben des Fensters inne, dessen Loden offen geblieben sind, und scheint nicht die Kraft zu haben, weiter in da» Dunkel des Zimmer» »u dringen. Doch allmählich sieht man im Dunkel ein leise» Schwingen, da» sich erst in den dünnen Vorhängen versängt, dann dringt e» wie Dunst durch die Stäbe eines kleinen Käfigs, der an der oberen Mitte des Fensterstockes hängt, ohne jedoch den Kanarienvogel zu wecken, der unbeweglich auf der Sprosse hockt. Dann... weiter- rückend, berührt es kaum die Beine und den unteren Rand eine» schwarzen Tischchens, das vor dem Fenster steht, um sich dann ruck- weise über dessen Platte auszudehnen und tastend gewissermaßen die darauf befindlichen Gegenstände zu berühren: einige zerstreute Bogen Papier, einige Bücher, einen Leuchter aus emailliertem Eisen mit kupfernem Kerzengrifs, in dem die Kerze ganz ausgebrannt ist: einen vsrsisgelten Brief: einen anderen Brief:«in« Stange Eiegellock: ein Lichtbild... Und... was ist denn mit diesem B>ld? Eine Hut- nadel steckt in seinem Halse. Und es lacht? Ja, man erkennt es deutlich: der junge Mann, der da abgebildet ist, lacht herausfordernd. ohne sich um die in seinem Halse steckende Nadel zu kümmern. Und dann? Höh! ein Revolver! Ein Arm? Ja: und ein anderer Arm: und ein zerraufter Frauenkopf. Tot? Da» fahle Licht streift weiter, ohne über die grausig« Ent- deckung zu erschaudern. Es kümmert sich um den unbeweglichen Kopf der Frau ebenso wenig wie um die Stickerei der Bor- hänge, das Hplz des Tischchens und den Beingriff des Revolver». Es breitet sich weiter im Zimmer aus: es gelangt zur gegen- überstehenden Wand und entdeckt zu Füßen des Bettes einen Wasch, tisch mit einem ovalen Spiegel: das unberührt« Bett, aus dem ein Frauenhut. ein« alte, rote Ledertasche, ein Schirm und ein Buch hingeworfen liegen. Plötzlich erwacht der Kanarienvogel im kleinen Käfig:«r neigt da» gelbe Köpfchen zur Seit« und sieht zum Himmel: mit einem kurzen, fröhlichen Piepsen dreht er sich auf der Sprosse um. Guten Morgen! Di» Ann« und der Kopf der Frau bleiben unbeweglich über der Blatt« de. Tische» Negen. Zwischen dem zerzausten schwarzen Haar sieht man«in Ohr, das aus Wachs scheint. ★ Nur zu! Da kannst lachen! Denn sckssießlich, was hat dir denn diese Frqu damit angetan, daß sie dir die Hutnadel in den Hals gestoßen hat? Nichts. Vielleicht wirst du heute nacht, während du ruhig schliefst. dort am Hal» etwas wie einen Mückenstich gespürt und die Hand erhoben haben, um dich zu kratzen und dann weiter zu schlafen und im Schlaf zu lächeln. Denn das sieht man dir an: du hast nicht den Anschein, an die Drohung eine» Selbstmorde» zu glauben. Dort in deiner Nähe liegt ihr Kopf und du stehst in ein» ander« Richtung und lachst, als wenn du noch nicht daran glauben wolltest. daß sie sich wirklich das Leben genommen hat. Die siehst in die Ferne... Du weißt, daß die Welt weit ist und daß du überall»in Plätzchen finden kannst: du hast nicht» in dir. da» dich hier»der anderswo zurückhalten würde. Wer viel inneres Leben in sich hat, Liebes, und Gedqnkenleben, und e» mll Liebe zwischen den vier Wändest auch nur eines kleinen Zimmer» an andere spendet, merkt nicht dessen Enge, denn dos kleine Zimmer wird gedanklich zur ganzen Welt: und er könnte sich nicht mehr davon trennen. Doch ein Mensch wie du, durch Liebe und Sorgen nicht gehemmt, ich meine Liebe und Sorgen, die man nicht jeden Augenblick in Koffer verpacken und anderswohin tragen kann, kann leicht reisen und überall Platz finden. Für dich ist da» Leben draußenwo... Dieses Zimmer ist zu sehr vom Gestank der ausgebrannten Unschlittkerz« geschwängert. Doch du spürst den Gestank nicht und lochst darüber, denn du bist ja hier nur in einem Bilde zugegen. Auch sie spürt ihn nicht mebr. Bielleicht wird ihn der Kanarien- vogel spüren. Sieh« da! Di« Tür de» Käfig» steht offen. Sie wird sie wohl gestern abends offen gelassen hoben, mit einem Bändchen an«inen Stab gebunden. Der Kanarienvogel blickt immer herum und schüttelt dabei das gelb« Köpfchen und springt unruhig van einer Sprosse auf die ander«. Er hat noch nicht bemerkt, daß die Tür offensteht... Jetzt hat er«» bemerkt: er steht davor; er streckt das Köpfchen vor und zieht es wieder zurück. Als ob er sich wiederholt verbeugte. Oder wartet er auf eine Aufforderung, um fortzufliegen? Di« Aufforderung kommt aber nicht und, überrascht, versucht er, die Luft mit kurzen, lauten Trillern gewissermaßen zu durchpicken. Jetzt ist er doch abgeflogen, zum Bett hin. LI» er schon nahe daran ist, sich niederzulassen, hält er sich noch, wie erschrocken, auf den Flügeln: er fällt aus den Umschlag der Decke, die unberührt ist: er springt herum und sucht und wimmert: und weiter springt er aus dem Bett federnd umher: er nähert sich der roten Ledertasche: zwei- oder dreimal beguckt er sie und pickt dann nach ihr: noch«in Sprung und er ist auf dem Schirm: lange steht er sich dort um, verloren: und fliegt wieder zum Käfig zurück. Und du lachst unentwegt au» deinem Bild«!... Vielleicht weiht du, daß sie die lieblich« Gewohntzeit hatte, die Tür de» Käsig» offen stehen zu lassen, damit morgens das lieb« Böglein auf«ine Aüfforderung hin zu ihrem Bett fliegen, auf ihren Fingern herumspringen, oder sich an ihr erwärmen, oder nach ihrer Lippe oder ihren Ohrläppchen picken könne. Unten auf der Straße hört man, wie die Straßenkehrer die Gasse fSgen: dann hört man da» Rüderrollen eines Milchwagen». Es ist schon heller geworden und da» Licht flimmert im Zimmer. Ein» Fliege fliegt von der Scheibe des Fenster» zum Vorhang und vom Borhang auf die Schulter der Frau. In zwei Absätzen kriecht sie den Rand des Iqckentrogens entlang, unschlüssig, ob sie auf den Nacken krabbeln soll, den man wächsern zwischen den schwarzen Locken sieht. Sie fliegt wieder fori; sie sitzt qus der Hut- nadel, die in deinem Hals steckt: sie kriecht die Nadel lang und kommt auf dein Gesicht; sie hinterläßt auf deiner Wange ein kleines Mal und fliegt weg. So. mtt dem Schönheitsmol auf der Wang«, siehst du schöner au».. Loch« nur weiter, lieber Freund! * Eigentümlich dw Fliege, die fliegt, eigentümlich»er Kanarien- nogel. der in seinem Käfig wieder herumspringt, und der Käsig selbst, der wackelt: und das alles w diesem Zimmer, da» immer Heller wird und da» Licht eines Tages aufnimmt, der hier für den Kärpeir, dieser über den Tisch hingestreckten Frau nichts mehr bedeutet. * Al» wenn er eine« Entschluß gesaßt hätte, trillert mm der Kanarienvogel lauter, wie um Hllfe zu rufen. Da bewegt sich der Kopf der Frau, der zwischen den Armen auf dem Tisch liegt-.. Nachdem sie seit vielen Stunden dort gekrümmt gelegen hat, dehnt sie den Rücken; sie zieht die Arme mit den geballten Fäusten an die Brust und verzieht da» verfallene und verzerrte Gesicht unter der Begleitung eines Röcheln? in Kehle und Nase. Doch allsogleich, vielleicht infolge de? ekligen Gestanks, der die Lust des Zimmer, schwängert, wird in ihr das furchtbar« Gefühl des leeren Magens und das Bewußtsein der nicht begangenen Tat wach- Sie hat sich also nicht das Leben genommen!... Bon Müdigkeit zerschlagen, in der Verzweiflung, nachdem sie die zwei Briese geschrieben hatte, die Stirn« aus die Arme gelegt, bevor sie sich zur Tat entschlossen hatte, ist st« eingeschlafen. Weit öffnet sie die Augen, als sie die beiden versiegelten Briese und daneben den Revolver erblickt- Die Aufregung wird gleich zu schmerzender Wut und sse springt auf. Ein Krampf in dem einen Bein... Ein Gefühl des Kribbelns in den Fingern der rechten.Hand... Doch während sie sich mit der anderen Hand die kribbelnden Finger reibt und versucht, das ganze Körpergewicht auf das im Krampf erstarrte Bein zu drücken, um ihn zu lösen, fällt ihr Blick auf dos auf dem Tisch liegende Bild, mit der in den flals gestoßenen Hutnadel. Sie flihlt weder den Krampf, noch das Kribbeln Jn den Fingern mehr: sie ergreift die Nadel und bearbeitet mit wütenden Stichen das Gesicht des abgebildeten jungen Mannes so lange, bis vom Kopf nichts mehr zu sehen bleibt; und damit nicht zufrieden. reißt sie das zerstochene Bild in Stück« und wirst sie zu Boden. Mord und Zersetzung der Leiche... Sie ist wütend, voll Irrsinn in den Augen, Sie öffnet das Fenster. Sie beugt den Kopf nach rückwärts und schließt die Augen. um sich vor der«inströmenden Luft zu schützen, die ihr auf der Brust lostet, in der chr das Herz noch hämmert und schmerzt. Sie begreift, daß sie nicht hier bleiben kann, allein mtt sich selbst, nicht ein« Minute lang, mit den beiden versiegelten«riefen und mit dem Revolver vor Augen: sie laust zum Bett, greift zum Hut und setzt ihn auf das z-rza»st« Haar: sie nimmt die Ledertasche, in die sie die Briese und den Revolver steckt. Sie verläßt das Zimmer und schleicht aus den Gang wie eine Diebin. Sie ist im Begriffe, die Tür zu össnen und über die Treppe hinunterzustürzen, als yus einer am Ende des Ganges sich öffnenden Tür eine rauhe Stimme sie anschreit: „Fräulein! Fräulein!" Verblüfft bleibt sie einen Augenblick lang stehen, wie in einem 5iinterhalt: dann schüttelt sie wütend die Schultern, öffnet die Tür. tritt hinaus, schließt sie hinter sich und stürzt über den ersten Treppen- absatz hinunter. Hier muß sie halten, denn ein dickes, halbnacktes Weib, fettleibig, schlaftrunken und vom Laufen schwer atmend, hat die Tür wieder geöffnet und schreit nun, an dos Geländer gelehnt, ihr nach: „Durchbrennen wollen Sie? Ich kleide mich an unkt lause zur Polizei! Glauben Sie. daß mir vier zerrissene Bücher und drei Fetzen genüqen, um mich für die Miete für ffinf Monate schadlos zu holten? Ich lauf« zur Polizei! Schämen sollten Sie sichl So einfach durchzubrennen!" Wie ein Hund, der aus seiner Hütte bellt, so wirst sie sich nach vorn« und zieht sich wieder bei jeder Frag«, bei jeder Drohung zurück. die sie hinschleudert. Vit den fetten roten Hände» packt sie das Geländer, da sie nicht» anderes packen kann, während die rauhe Stimme von der Hätz« herab'm der Einsamkeit de, Stiegenhauses. da» noch im Dunkel und in der Stille der Nacht versunken ist, widerhallt. Das Mädchen bewahrt zwar ihre stolz« Hallung, bleibt aber doch unter der Wucht der Drohungen wie zerschmettert stehen. Sie hat nicht die Kraft zu flüchten oder etwas zu antworten, um die Frau zum Schweigen zu bringen. Schließlich, gezwungen ge- wisscrmahen, nickt sie einige Male mit dem Kopf, wie um z» bedeuten, daß.... daß sie gehen wird... ..... zum Alten?" fragt von oben die rauh« Stimme. Mehrmals nickt sie mit dem Kops Und nach diesem Zeichen, als wenn sie nunmehr das Recht hätte, steigt sie langsam die Trepp« hinunter. Sie entnimmt sogar d«m Täschchen die schadhaften Handschuhe. um sie anzuziehen: während die andere, bereits besänftigt, sich brummend zurückzieht: „No, sie hat sich also doch entschlossen..."