BERLIN Siimibend 30. August 1930 ersch«i«ttSßlicha«ßerSöaatas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwirts'. Bezugsprei« beide Ausgaben SSPf. xro Woche, 3,60M. pro Monat« Kedaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindeustr. 3 nlbwasfa 10 Pf. Nr. 406 B 202 47. Jahrgang Sn»eige«prttt: Die einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwürtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bis 297 Lustgeschwader Liste 1 Start zum Oeutfchlandflug für die Sozialdemokratische Partei Die Sozlaldemokrakle hak neben unzählige« Wahlflugblättern und Wahlzeihingen, neben der Ausklärung von Wund zu Mund, auch das Luslgeschwader des«Sturmvogels" gemietet und in den Wahldienst gestellt. Fünf Flugzeug« des.Sturmvogels" werden in einem Rundflug von 14 Tagen alle Gebiete Deutschlands bereisen und überall die riesigen Schlagzeilen»Wählt Liste 1" hintragen. Der Flug begann heute morgen, an Bord eines Flugzeuges befindet sich auch ein Mit- orbeiter des.Vorwärts", der über den Verlaus der großzügigen Propagandafahrt eingehend berichten wird. Um 10,15 Uhr starteten die Maschinen, nm chr erstes Flugpensum Schwerin und dann weiter auch Flensburg anzusteuern. Von Flensburg geht es dann wieder zurück nach dem Rheinland und dann nach dem Süden. Am Freitagabend wurden die Maschinen startfertig gemacht. Am Flugzcugschuppen des„Sturmvogels" herrschte ein reges Leben and Treiben. Die Motore wurden noch einmal überprüft, Ersatzteile zurechtgelegt und genügend Benzin getankt. Am Sonnabend ist alles wieder früh auf den Beinen. Die Meßinstrumente werden noch einmal abgestimmt und dann stehen die fünf Maschinen st a r t- bereit.. Letzte Besprechungen mit den Piloten und dann surren die Propeller los. Roch springen die Monteure von Maschine zu Maschine; hier und da wird noch geölt. Inzwischen tressen auf dem Flugplatz die Gäste des„Sturmvogels" ein, die mit regem Interesse die Startvorbereitungen verfolgen. Der Partei vor st and der Sozialdemokratischen Partei hat den Vorsitzenden C r i s p i e n«nt- fandt: auch die Gewerkschaften hoben Vertreter zum Flugplatz ge- schickt. Wolter Binder, der Vorsitzende des„Sturmvogels", führt die Gäste zu den Maschinen und läßt auch einen großen„Dornier" fertigmachen, der einen Teil der Gäste ausnehmen und das Lust- geschwader eins Streck« begleiten soll. Die fünf„Sturmvogel"-Maschinen tragen an den Flügelenden und am Schwanzsteuer die Reichsfarben. Unter den Flügeldecken leuchtet in dicken Lettern die Mahnung„Wählt List« 1!" Um 10.15 Uhr haben alle Maschinen ihr« letzten Vorbereitungen getroffen und nacheinander rollen sie zum Startplatz. Die Flagge des Poli- zisten senkt sich und schon donnert die erste Maschine in die Luft. In wenigen Minuten schweben die fünf Flugvögel im glitzernden Sonnenschein und erst jetzt sieht man, wie wirksam und weithin sichtbar die Schriftleisten„Wählt Liste 1" sind. Die Maschinen fliegen in niedrigen Kurven über den Flugplatz, ziehen erst Kreise über Berlin, sammeln sich dann und steuern, dicht nebeneinander, in Richtung Schwerin los. Der große sechssitzige„Dornier" hat sich auch hochgeschraubt, fliegt über Berlin hinter ihnen her und verläßt sie dann, um zurückzukehren zum Flughafen Tempelhost Die fünf Maschinen verschwinden am chorizont; sie werden 14 Tage über Dörfer und Städte brummen und dort Werber für die Sozial- demokratie sein. « SPD.. Sturmvögel, grüßt die unermüdliche« und eifrigen Streiter der Sozialdemokratie im Wahlkamps und weckt die Lauen und Gleichgültigen, damit sie den Ernst der Stunde erkennen und begreisen, daß Stürme unterwegs sind, die alle politischen und sozialen Errungenschaften der Arbeilerklasie bedrohen,„wählt Liste 1 wählt die Sozialdemokratie!" Das ist der Sampsrus der SPD.-Sturmvögcl._ Hitzewelle in England: 50 Tote! London, 30. August. Die Hitzewelle in England hat bereits SV Todesopfer gefordert. In der vergangenen Nacht ging ein schweres Gewitter mit starken Regen- giissen über London nieder, das eine leichte Abküh. l u n g zur Folge hatte. Auflösung einer Raziversammlung. Feder wegen Beschimpfung der Nepubltt festgenommen. Kastel. 30. August. Eine am Freitag abend in der Stadthalle abgehaltene national- sozialistische Wahlversammlung, in der der Reichstagsabgeordnete Feder-München sprach, wurde wegen Verstößen des Redners gegen das Republitschutzgesetz polizeilich aufgelöst. Dabei kam es zu Tumulten, so daß die Polizei den Saal räumt«. Feder wurde von Kriminalbeamten festgenommen und ins Polizeipräsidium ge- bracht. In der chohenzollernstraße wurde ein Zug der Rational. sozialisten aufgelöst. Auch dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Die Polizei machte vom Gummilnüppel Gebrauch und nahm zahlreiche Zwongsgestellungen Sejm aufgelöst. Neuwahl im November.— Verfassungsreform angekündigt. Warschau, 30. August. Durch Verordnung des Staatspräsidenten Wroscicki wurden heute Sejm und Senat ausgelöst. Ii» dem Erlaß des Staatspräsidenten heißt esi Nach reiflicher Erwägung habe ich festgestellt, daß die wichtigste Aufgabe für die Arbeit aller Bürger die Verbesserung der grundlegenden Recht« ist, durch die der Staat regiert wird, da diese Rechte die Grundlage aller Staatsgcsetze sind. Di« Verbesserung ist not- wendig, weil sich dos gegenwärtig im Staate herrschend« Chaos bisher leider nicht beseitigen ließ. Nachdem ich zu der Ueber- zeugung gelangt bin, daß ich die Verbesserung allen meinen Be- mühungen zum Trotz durch den gegenwärtigen Sejm nicht erreichen kann, habe ich beschlossen, auf Grund des Artikels 23, Ab- schnitt 2 und 3 der Verfassung, nach dem Beschluß des Minister- ratz mit dem 30. August Sejm und. Senat aufzulösen und bestimm« als Wahltermin den IS. November für den Sejm und den 23. November 1930 jür den Senat. Straßenbahn zermalmt Auto. Schweres Verkehrsunglück in Charlottenburg. heule vormittag wurde an der Ecke March, und G u e r i ck e. strafte in E h a r l o l l e n b u r g ritt mit zwei Personen besetztes Privalauto von zwei aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen der Linie 45 ersaßt und buchstäblich z e r. quetscht. Der Führer de» Auto» und sein Begleiter erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Bei dem Unglücksauto handelt es sich um einen Wogen, der in einer Reparaturwerkstätte überholt worden war und heute von dem 22jährigen Monteur Erich Behrendt aus der Uhlandstraß« 183 eingefahren werden sollte. Neben Behrendt hatte noch der 19jährige Schlosserlehrling Karl Löffel aus der Bastianstraß« Platz ge- nommen. An der Eck« March- und Guerickestraße versuchte Behrendt den Fahrdamm noch vor zwei Straßenbahnwagen der Linie 45, die sich gerade kreuzten, zu überqueren. Der Chauffeur hatte jedoch die Entfernung unterschätzt. Das Auto wurde von beiden Straßen. bahnen erfaßt und eingequetscht. Die Führer der Straßenbahnen oersuchten mit allen Mitteln zu bremsen, sie konnten ihre Fahr- zeuge jedoch nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen. Das Auto bildete nur noch«inen Trümmerhaufen. Behrendt und fein Begleiter konnten nur mit großer Müh« aus ihrer furcht- baren Lage befreit werden. Die Verunglückten wurden in das Moabiter Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehr hatte nahezu 30 Minuten mit den Aufräumungsarbeiten zu tun. Die Straßen- bahnen wiesen so schwere Beschädigungen auf. daß sie aus dem Ver- kehr gezogen werden mußten. Der Betrieb war in beiden Richtungen «ine halbe Stunde lang lahmgelegt. Euriius muß den Wahlkampf abbrechen Wegen allgemeiner Lleberonstrengnng. Baden-Baden, 30. August. Reichsaußenmimster Dr. C u r t i u s ist, während er in einer überfüllten Versammlung in Vaden-Baden sprach, infolge von Ueberanstrengung in den letzten Togen unpäßlich geworden und konnte die Rede nicht zu Ende führen. Der Minister unterbricht seinen Ausenthalt in Baden und kehrt heute nach Berlin zurück. Fürstenlreue. Erlebnis vor einer Anschlagfoule. Man schreibt uns: „Die politischen Erinnerungen des Fürsten Bülow erscheinen!" schreit es in großen Buchstaben und möglichst ausfällig von den Anschlagsäulen. Der gewöhnliche Sterbliche liest es im Vorbeigehen. Eine alte Dame, Anhängerin der schönen Kaiserzeit, Krönungstaler in Broschenform als Erkennungsmarke vor den Busen gesteckt, buchstabiert das Plakat«ingehend, dann wendet sie sich, tief geknickt und fast weinend, an ihre Nachbarin mit dem Ausspruch: „Nun fangen sie wieder an und machen die Fürsten schlecht.". 2g tanft holt«x machen! Parteiabzeichen verboten! Wirth verordnet: Wahlvorstände dürfen keine Abzeichen tragen. Bei den letzten Wahlen sind, wie halbamtlich mitgeteilt wird. in einigen Wahlstellen von Dresden Unzuträglichkeitcn dadurch entstanden, daß Mitglieder des W a h l v o r st a n d e s währeno der Ausübung ihres Dienstes politisch« Abzeichen trugen. Auf Anfrage der sächsischen Regierung Hot sich der Reichst m i n i st e r d e s I n n e r n wie folgt geäußert: „Der Abstimmungsvorstand ist ein staatliches Organ zur Vornahme der Wahl. Seine Mitglieder bekleiden«in staatliches Ehrenamt. Sie werden durch Handschlag ver- pflichtet. Ungeachtet des Umstandes, daß bei Berufung der Beisitzer die verschiedenen Parteien zu berücksichtigen sind, sind die Mitglieder des Abstimmungsvorstandes zu streng st er Unparteilichkeit verpflichtet. Di« Mitglieder des Abstimmungsvorstandes haben, gleichviel welcher politischen Partei sie angehöven, bei ihrer Amts- führung diejenigen Rücksichten zu nehmen, die durch ihre Stellung als Mitglieder eines staatlichen Organs bedingt sind. Sie haben be- sonders parteiliche Kundgebungen zu vermeiden, die, wie z. B. das sichtbare Tragen gewisser Abzeichens geeignet sind, bei Andersdenkenden berechtigten Anstoß zu erregen. Der Abstimmungsvorsteher wird zur Vermeidung von Unzuträg- lichkeiten den Mitgliedern des Abstimmungsvorstandes, die mit parte,- politischen Abzeichen erscheinen, nahezulegen haben, das A b z c i ch e n während der Ausübung ihrer Tätigkeit als Mitglied des Abstini- mungsvorftandes abzulegen. Wird diesem Ersuchen nicht entsprochen, so hätte der Abstim- mungsvorsteher den Beisitzer im Interesse der Ausrechterhaltung von Ruhe und Ordnung während f>er Abstimmupgshandlung durch einen anderen Wähler zu ersetzen." Stoßtrupps der Reaktion. Kommunisten als Stuhlbeinheldeo.— Zentrumsredner fordert ein Heer von 700000 Mann. Köln, 30. August.(Eigenbericht.) Zn einer sozialdemokratischen Wahlversammlung i« Jülich, die am Freilagabend stattfand und in der Reichstagsbg«. ordneter S o l l m a n n sprach, drangen unter Führung des kommu- nislischen Reichstagsabgeordneten Dauhenberg lange nach Be- ginn der Versammlung etwa 100 Kommuni st en ein. Räch- dem Dauhenberg die ihm und einem Zcntnimsredner zugestandene Redezeit von 20 Minuten beendet Halle und ihm das wort entzogen wurde, als er nicht von der Tribüne abtrat, schlugen die Som- munisten mit Stühlen auf die sozialistischen ver- sammlungsbesucher ein, wodurch mehrere verletzt wurden. Eine Person wurde mit schweren Kapsverlehungen von Sanitätern aus dem Saal geschafft. Räch dem Einschreiten der Polizei tonnte die Versammlung zu Ende geführt werden. Als Redner des Zen- trums sprach der christliche Gewerkschastssührer Flohr aus Köln. Er forderte für Deutschland, ähnlich wie in der Vorkriegszeil, ein Heer von 700 000 Mann. Mit dieser Forderung stieß er auf den stürmi- schen Protest der Versammlung. Oie Arbeiter der Weli hoffen... Internationale Kundgebung in Kiel. kiel, 30. August.(Eigenbericht.) In Kiel fand ani Freitag eine große internationale Kundgebung statt, in deren Verlauf Redner aus zehn Ländern, so u. a. aus England, Frankreich, Dänemark und Schweden, zu Tnitsenden von Arbeitern sprachen und die Wichtigkeit des Ergebnisses der Wahl am 14. September betonten. Alle Redner erklärten, daß die ganze Welt das größte Interesse daran habe, daß der 14. September zum Siegestag für die deutsche Arbeiterschaft wende, denn in allen Ländern der Welt steh« die Arbeiterschaft vor gleichen Schwierigkeiten wie die Deutschlands. Mit Spannung blicke die Internationale auf den Kampf der deutschen Arbeiterschaft. Sie sei überzeugt, daß jeder Sozialdemokrat seine Pflicht tun werde, um dem Reich eine Regie- rung zu geben, die ein friedliches Zusammenarbeiten mit allen Ländern gewährleiste. Expräsident Leguia im Gefängnis. Expräsident Leguia wurde vom Krenzer„Almirantc Grau" nach dem Gefängnis auf der San- Lorenzo-Infcl übergeführt, dem gleichen Gefängnis, das er mährend seiner elsjährigen Regierung für politische Gefangene oerwendete. Lsgwas Sohn Saat wurde giachfalls oevhafter. Reue französische Klugkatastrophe. Militärflugzeug schlägt im Absturz ganze Familie tot. p a r i s, ZO. August.(Eigenbericht.� Jim Zreitag ereigneten sich in Frankreich wiederum Alugzeug- katastropheu. die sünrs Todesopfer forderte». Heber dem Jlugptat) von Ehalons stürzte infolge Motordefekts ein Militär- f l» g z e u g ad. Der Pilot wurde getötet, fein Beobachter schwer verwundet. 3n Bochesorts geriet ein Jlugzewg während des Aluges plötzlich in Brand. Der Pilot wollte mit dem Fallschirm abspringen, der Bing des Schirmes erwies sich jedoch als zu weit, so daß der Pilot tödlich abstürzte. Das brennende Flugzeug stürzte in den Garten eines Privalhauses und lötete drei Angehörige einer Familie. Gleichzeitig nnt dieser neuen Schreckensnachricht wird der Be- richt der Unlersuchungskvmmission des Luftsahrimrnisteriums über die Katastrophen von Dijon und Chartres veröffentlicht. Der Bericht besagt, daß in beiden Fällen niechanische Defekte die Schuld am Unglück trugen. Das Ministerium hat daraufhin angeordnet, daß die Apparate vom Typ der beiden verunglückten Maschinen(Super- Goliath, Doppeldecker) bis auf weiteres nicht mehr fliegen dürfen. Die Linkspresse richtet im Zusammenhang mit dem Bericht, der die verantwortlichen Stellen natürlich indirekt schwer belaftet, und mit den beiden neuen Unglücksfällen die schärfsten Angriffe gegen das Lustfahrtministerium. Es sei unbegreislich, daß man erst die Katastrophenserie abgewartet habe, che bm Ministerium sich endlich zu einer Maßnahme aufgerafft habe. Die 20 Toten des 22. Regiments und die Urteile aller Fachleute hätten längst genügen müssen. um die Verwendung der völlig unzulänglichen Flugzeuge zu vcr- bieten, auf denen zu fliegen selbst die erprobtesten Militärflieger sich wiederholt geweigert hätten, und die nicht einmal den vor- geschriebenen periodischen. Kontrollen regelmäßig unterworfen worden seien._ Er würgte seine Meistersfrau. Eine noch ungeklärte Tat. heule früh versuchte der l7sährige Väckerlehr l c h r l i n g Willy Sch. die ZJjöhrlxe Frau seines Meisters in ihrem Schlafzimmer zu erwürgen. Der Aeberfallenen gelang es noch rechizeilig, sich ans der verhängnisvollen Um- klommcrnng srelzumachcn»nd aus die Slraße zn slnchien. Der jugendliche Täler wurde festgenommen. Die Wohnung befindet sich neben der Bäckerei im Hause Anzen- grubcrstr. 15 in Neukölln. Der Meister schläft in einem Zimmer für sich allein, wert er früh heraus muß und sein« Frau nicht stören will. Gegen 4 Uhr früh wurde plößlich die Tür zum Schlafzimmer der Frau geössnet. Die Frau erwachte und glaubte, daß es ihr Mann sei. Ehe sie»och Licht machen konnte, wurde sie überfallen. Mehrere Schläge trafen ihren Kopf und der hals wurde ihr zu- gedrückt, so daß sie nicht um Hilfe schreien konnte. In dem Täter erkonnte sie den bei ihrem Mann beschäftigten Lehrling Sch. Der junge Bursche hatte sich einen Strick mitgebracht und versuchte, ihn der Frau um den hals zu schlingen und sie zu erdrosseln. Zwischen der Frau und dem Burschen kam es zu einem heftigen Kampf. Mit Aufbietung aller Kräfte konnte Frau W. schließlich aus dem Bett springen und aus der Tür aus die Straße lausen. Dort weckte sie durch ihre Hilferufe die anderen Hausbewohner. Der Lehrling wurde festgenommen und nach der Revicrwache gebracht. Er behauptet, daß ihn die Meisterin schlecht behandelt habe und daß er sich habe rächen wollen, Er wollte sie, wie er selbst zugibt, im Schlaf« erwürgen. Sch. ist seit beinahe zwei Jahren bei dem Meister m Stellung, nachdem er vorher einem anderen Meister entlaufen war. Bisher hatte der Jung« memal» über irgend «««>§ geklagt. Nachdem er mm eingesehen hak, was er angerichtet hat, fließen seine Tränen in Strömen. Wenn er auch Reue zeigt, so wird man ihn doch der Inspektion A vorführen müssen. KVO. überhitlert Hitler Die Konkurrenz sott platzen Anna Freytag wiedergefunden. Sie hielt sich in Frankfurt verborgen. Do» geheimnisvolle Verschwinden der l7johrigen Hausangestellten Anna Freylag aus Loltche bei Ülosterfeide hat jetzt eine recht harmlos« Aufklärung gesunden. Seit dem 21. Juli wurde, wie mehrfach berichtet, die 17 Jahre alte Hausangestellte Anna Freytag oermißt, die in der Försterei L o t t ch e bei Klosterfelde beschästigt gewesen war. Das Mädchen ist jetzt in einem heim in Frankfurt a. d. O. aufgetaucht und in Schutzhast genommen worden. Wo sie sich im einzelnen 1« der Zwischenzeit' aufgehalten hat, darüber weiß man in Berlin noch nichts Genaues, Ihr Freund, der Melker h u b r i g, hatte neben ihr noch eine zweite Freundin, die der Geburt eines Kindes ent- gegensah. Er hätte sie in einem heim in Neukölln untergebracht. Dann besuchte er die Freytag und verschwand mit ihr. Dadurch, daß er bej späleren Vernehmungen leugnete, über das Verschwinden des Mädchens etwas aussagen zu können, geriet er in den Ver- dacht, ei» Verbrechen verübt zu haben. Was ihn bewogen hat, falsche Angaben zu machen und seine Arbeitsstelle heimlich zu ver- lassen, kann man nur vermuten. Fest steht, daß hubrig mit Anna nach C l b i n g gefahren war und dort mit ihr in einem Hotel wohnte. Das Mädchen hatte er als Frau hubrig, geb. Zimmer. mann, also auf den Namen seiner anderen Freundin, angemeldet. Als dos Geld knapp wurde, versetzten sie ein Rad»nd andere Sachen und reisten nach Marienburg weiter. Dort trennten sie sich. Die Freytag begab sich allein nach Frankfurt. Dos Gerücht von einem Verbrechen war vor allem dadurch bestärkt worden, daß all«, die das Mädchen kannten, es für aus- geschlossen erklärten, daß sie mit einem Manne durchbrennen würde. Was kostet die Wahl? Eine Belehrung für Treviranus. Die durch die Reichsiagswahlen dem Reich, Ländern und Ge- rneindebehörden entstehenden K o st e n(baren Auslagen) werden in der Hauptsache vom Reiche getragen. Das Reich erstattet d e n L ä n d e r n die bei ihren � Behörden entstandenen Kosten voll und vergüten den Gemeinden vier Fünftel ihrer Auf- Wendungen, wahrend ein Fünftel von den Gemeinden selbst ge- tragen wird. Bei den Maiwahlen 1328 betrugen die Aufwendungen Der Ausrufer steht vor der Bude und brüllt: hallo, ihr Hitler, Frick und Goebbels! hallo, ihr Anwärter auf Ministerfesiel der Poung-Republik! Wo bleibt bisher euer Programm, mit dem ihr in den Wahl- kämpf zieht? Warum wagt ihr kein« offizielle Erklärung für Zerreißung des Poung-Plans und des Ber- sailler Schanddiktats? Warum verheimlicht ihr, daß eure Poung-Kapita- listischen Auftraggeber euch eine solche Programm- crklärung. verboten haben? Warum verheimlicht ihr, daß ihr mit Rücksicht auf die er- strebten hochbezahlten Ministersessel in Poung-Deutschland kein solch Programm haben dürft? Ihr werdet auf diese Fragen schweigen— so wie ihr auf unsere täglichen Feststellungen eures Verrates am sozialen und nationalen Freiheitskampf der arbeitenden Klasten schweigt, feige schweigt! So brüllt der Ausrufer. So steht es heute in der„Roten Fahne". hereinspaziert, meine Herrschaften! hier allein ist zu haben die einzig echte deutsche Treue, echt Moskauer Fabrikat. Alles andere ist wertlose Nachahmung. Nur hereinspaziert, meine Herr- schaften, herein... Für Eigentum und Ehristentum Aber auch gegen Marxismus und Bürgertum.— Aazi- demonstration im Sportpalast. Im Sportpalast veranstalteten die Nationalsozialisten gestern abend die erste ihrer drei Wahloersammlungen. Bereits um 7 Uhr war der größte Teil des Saales mit dem Bürger- und Kleinbürger- Publikum gefüllt, das die eine Mark Eintritt be, zahlen tonnt«. Ueber eine Stunde lang spielte«ine Nazikapelle die Militärmärschc des Kaiserreichs, dann erschien„unser Lietzmann", kaiserlicher General a. D., von der Menge mit zehnfachen 5zeilrusen begrüßt. Er erklärte, daß der Kampf der Nationalsozialisten sich gegen die Lüge richte, Stresemanns Silberstreifen sei nur«in Weißblechstreifen gewesen. Die Nationalsozialisten versprechen nichts, außer daß sie im Kampf für Deutschlands Ehre und Freiheit nicht nachlassen werden. Der Pazifismus sei so gemein, daß es keinen deutschen Aus- druck dafür gäbe. Wir müssen die allgemein« Wehrpflicht wieder haben(rasender, minutenlanger Beifall) und bis dahin die Arbeitspflicht. Es ist eine Lüge, daß die Rationalsozialisten das Privateigentum bekämpfen. Sie sehen sich für das Ehristenkum ein. Di« Nationalsozialisten wollen nicht als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt werden, er würde es nicht als Schande ausfassen, wegen Beleidigung dieses„Unstaotes" ins Gefängnis gehen zu müssen. Der General erntete bei fast jeder seiner Forderungen rasenden Bei- fall, die Menge stand beim Schluß seiner Rede begeistert auf. Dann kam wieder ein Militärmarsch, und ,mns«r Staatsminister" Frick lögt« seine thüringischen Ministertaten dar. Er entschuldigte die unsoziale Kops st euer in Thüringen mit dem Druck der übrigen Koalitionsparteien. Der Putsch von 1923 sei nur die Reaktion auf 1918 gewesen Begeisterten Beifall erntet« er, als er Beteiligung an der Macht entsprechend der Große des Wahlsieges forderte und da» Reichsinnenministerinm und das Reichswehrministerium verlangte. Die Nationalsozialisten würden auf„völlig legalem Wege zur Macht kommen".„Wir werden nicht ruhen, bis der Marxismus mit Stumpf und Stiel ausgerottet ist wie durch Mussolini in Italien." „Es ist besser, daß Tausende von Gewerkschasts- und Parteiagita- toren ihr Brot verlieren, als daß das deutsche Volk zugrunde geht." Inzwischen war es Zbll Uhr geworden, und dann zogen mehrere hundert Mann der SA., die sich bis dahin in der Unionsbrauerei aus Protest gegen Goebbels aufgehalten hatten, in den Saal mit einigen Standarten. Im völligen Gegensatz zu dem kleinbürgerlichen Publikum, das den Saal füllte, bestand die SA.— abgesehen von zwei Zügen aus Studenten— so gut wie ausschließlich aus Angehörigen der proletarischen Schickst: si« hätten ebensogut Angehörige des Rotfrontkämpferbundes sein können. Da die Braunhemden ihnen, wie Goebbels erklär!«, von der Polizei ausgezogen waren, traten sie in weißen Hemden mit roter Armbinde, in die ein sast nicht erkenn- bares Hakenkreuz eingenäht war, als Ordner auf. Hatte Lietzmann volkstümlich und Frick einigermaßen politisch gesprochen, betätigte sich„unser heißgeliebter" Goebbels als Priester des National- fozialismus. Puppenhast wie«ine Marionette hob er rechts und links die Arme und unterbrach diese mechanische Bewegung nur, um sich zwischendurch bekräftigend auf die Brust zu schlagen. Er unterstrich den abgrundtiefen Gegensatz des Nationalsozialismus zu allen anderen Weltanschauungen, skizzierte die Entwicklung der Partei, unterließ es nicht, anzudeuten, daß er zu den e r st e n sechs Gründern gehöre,„Adolf Hitler kam als siebenter hinzu", sprach nicht ohne Ironie von dem„unbedeutenden Lande Thüringen", wandt« sich gegen Kapitalismus, das Finanzkapital und sein Spiegelbild, den Marxismus, und sprach sich für„deutschen Sozialismus" aus. Die Republik sei auf der Kriegsschuldlüge aus- gebaut, die Weimarer Parteien Hütten den Versaillcr Bertrag unterzeichnet, um das alte Reich zu vernichten: die Tribute feien die Wurzel allen Uebels. Der Wahlkampf sei nur ein Abschnitt in dem Befreiungskampf des deutschen Volkes. Er endete seine Predigt mit einem Hinweis auf den gordischen Knoten der heutigen Zeit, der immer größer würde, bis ein Alexander käme, der ihn durch- schlüge. Damit meinte Goebbels sich natürlich selbst. Di« Versammlung endete mit dem von der Menge stehend, mit ausgestrecktem Arm, gesungenen Horst-Wessel-Lied und tost« sich nach 11 Uhr ohne Störungen auf. Gpihenkandidai Münchmeyer. Münchmeyer, ehemaliger Pfarrer, ist Spitzenkandidat der Na- tionalsozicrlisten für Hessen-Darmstadt geworden. Ein schöner Weg- bereiter des Dritten Reiches! Das Schöffengericht Emden hat ihn am 7. Mai 1926 wegen Verleumdung Ins Gefängnis gesteckt. Es hat in seinem Urteil festgestellt, 1 Daß Münchmeyer sich„wiederholt an Frauen heranmachte und sie sich, teils, /unter Ausübung eines unzulässigen Druckes", teils, indem er sich als„reicher Kaufmann" ausgab, gefügig machen wollte, und daß„ein solcher Gesstlicher den Namen eines Geistlichen nicht verdient, sondern daß er sich gefallen lassen müsse, wem, er als falscher Priester bezeichnet wird". 2. Daß er sich als Arzt und medizinischer Sachverständiger, ebenso als Jurist mit drei Semester Iura ausgegeben hat, obwohl er weder Medizin noch Iura studiert hatte.„Das war wissentlich falsch und em« Lüge, und eines Geistlichen durchaus unwürdig." 3. Daß er im Gotteshaus über Dinge uist» in einer Form ge- sprachen hat, die„nicht nur die Kirche gefährden, sondern auch im Munde eines Geistlichen absolut verwerflich sind." 4. Daß er„verwerflichen Terror" gegen Geschäftsleute, seine eigenen Pfarrkinder, ausgeübt hat. 5. Daß er unter der„lächerlichen Ausrede", eine Narbe am Körper eines Mädchens„kontrollieren" zu wollen, unsittliche Beruh- rungen vornahm. Mit Münchmeyer für Schönheit, Würde und Sittlichkeit! des Reiches 1S82 000 M., davon wurden den Gemeinden erstattet 1 136 000, die Kosien där Landesbehörden betrugen 372 000 M., die der Reichsbehörden 74 000 M. Außerdem wurden 284 000 M. von den Gemeinden selbst getragen. Mithin betrug die G e s a m t�a u s g a b« der öffentlichen Hand 1 866 OOO M. Mit der Reichstagswahl 1928 waren in verschiedenen Ländern, zum Beispiel Preußen, Bayern, Württemberg Landeswahlen oder Wahlen zu kommunalen Körperschaften verbunden. Hierdurch haben sich die Ausgaben des Reiches auf einen der Zahl der o«r- bundenen Wahlen entsprechenden Bruchteil verringert. Mit der Reichstagswahl im September 1930 werden nur die Landtagswahlen in Braun schweig verHunden. Dementsprechend werden die Aufwendungen des Reiches fürdieWahl höher sein. Sie werden auf 23SOOOO Mark und die Gesamt- aufwendungen der öffentlichen Hand auf 2 800 000 Mark geschätzt. Die offiziöse Ausklärung über die Kosten der Wahlen ist Zweifel- los für den Redeminister Treviranus bestimmt, der vor kurzem ankündigte, die Regierung Brüning wolle immer wieder auflösen, bis sie einen gefügigen Reichstag beisammen habe. Inzwischen würde das Geld de« Reiches völlig oerpulvert sein. Beim Schwimmfest ertrunken. Tragischer Unfall beim Treptower Schülerfchwimmfefi. Das Schülerschwimmfest der Gemeindeschüler und höheren Schüler im Bezirk Treptow, das heule vormittag stattfand, nahm leider ein tragisches Ende. Der Gymnasiast klamm von der humboldtschule aus Oberschöneweide kam beim Skreckenkanchen nicht wieder an die Oberfläche. Trotzdem alle Vorsichtsmaßnahmen getrosten wurden. Die Rettungsschwimmer brachten ihn nach zehn Minuten an die Oberfläche, doch konnte trotz der Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr und des Feuerlöschbootes nur noch der T o d festgestellk werden. Heber 900 Arbeiter in Mcmel. die bei der AEG. für Zeltstoff- und Papierfabrikation beschäftigt sind, wurden zum IS. September gekündigt. Gute Löhne, keine Prämien. Oer Textilarbeiterstreik in?ioubaix-Tourcoiug geht weiter. . Paris, 30. August.(Eigenbericht.) Die am Freitag von dem„Arbeitsminister eingeleiteten Be- sprechungen zwischen den Unternehmern und Arbeitnehmern zwecks Beilegung des Streiks im Revier von Rouboix-Tourcoing haben ebenfalls zu keiner Verständigung geführt. Die Arbeitgeber sind zwar an„Konzessionen" auf dem Gebiete der Treueprämie bereit. Die Arbeiter verharren jedoch aus dem Standpunkt, daß die Prämie vollständig abgeschafst werden muß. „Ende des Gtresemann-Kurses!" Die Wahlparole von Treviranus. Die„Volkskonservativen Stimmen", Werbeorgan für Liste 16. verössentlichen einen Leitaussatz mit der Ueberschrift:„Das End« des Strefemann-Kurfes." In einem anderen Aufsatz desselben Blattes wird gesagt: Durch inueupolitische Reformen zur außenpolitischen Revision,— das ist das Gebot ernsthafter deutscher Besreiungspolilik. Die Ablehnung der R o t v e r o rdn u n g e n des Reichs- Präsidenten durch das Zusammengehen von Breitscheid und Hugenberg kommt einer Verweigerung der Sricgskredilc gleich. Wer in der heutigen Notzeit der Regierung die Mittel zur Durchführung der Rettungsarbeiten vorenthält, trägt vor der Geschichte dieselbe Verantwortung wie derjenige, der in Kriegs- Zeiten der Regierung die Mittel zur L a ü d e s v e r t et d i- gu ng versagt. Danach scheint die Verhängung des Kriegszustandes unmittelbar bevorzustehen. Große öffenttiche Wahlkundgebung des Rcichsbundes jüdischer Fronstoldalcn. Ortsgruppe Berlin, am'Mittwoch, dem 3. September, 20 Uhr, in den Spichernsälen,«pichernstr. 3. Es sprechen die Herren Major Hauff, M. d. L., Deutsche Staatspartei, Dr. Alfred Wiener, Felix Kell er mann, Zcntrumspartei, und der sozial- demokratische Landtagsabgeordnete Erich Kuttner. welker für Berlin: Fortdauernd heiter mit weiterer Erwär- mung und südöstlichen Winden.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche beständiges Wetter. Morgen letzter Tag an dem die Wählerliste ausliegt. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen. Darum Einsicht nehmen von 10 bis 17 Uhr! Lied der Höttenmaschinifien. Im tiefen Keller zu singen. Kameraden, zieht auf die Weckeruhr Und stellt sie auf Viertel vier, Wenn der Funke springt an die Luntenfchnur, Dann sind wir nicht mehr hier. Herr Landrat, keine Bange, Sie leben nicht mehr long«. Morgen früh an Ihrer Korridortür, Da waren wir schon da, Da begrüßten wir Sie Mit der Lunte, mit dem Wecker, mit der Taschenbotterie. Wir sind im Staat die Schwarze Hand, Jawohl, wir arbeiten prompt. Und wer da leistet Widerstand, Der wird in die Luft gebombt. Bald kommt das große Finish, Dann geht es mussolinisch. Wenn der vaterländische Aufmarsch kommt, Dann marschiert auch unsere Kompagnie Mit der Lunte, mit dem Wecker, mit der Taschenbatterie. Wir haben Mumm, wir sind beherzt, Wir siegen hintenherum. Den Reichstag haben wir angeschwärzt, Das nächste Mal liegt er um. Bald hört der Herr Minister (kin heimliches Geknister In den Balken vom Ministerium. Wir besuchen ihn nämlich morgen früh Mit der Lunte, mit dem Wecker, mit der Taschenbatterie. Niodt von Jonathan, sondern unter den Papieren des Bombenattentäters Kaphenget aufgefunden. psychologisches Lustspiel. Theater in der Etresemonnstraße:„Marguerite: drei- Eine Frau führt drei Männer an der Nase herum, dcp ist ein beliebtes Spiel im Leben und vor allem auf der Bühne. Es ist auch der Handlungskern der Komödie„Marguerite: drei'. Der Autor Fritz Schwiefert sucht sie über den simplen Schwank hinauszuheben, indem er sie mit einem nachdenklichen psychologischen Problem de» lastet. Von drei flotten Junggesellen trägt jeder sein eigenes Ideal- bild der Frau mit sich herum. Für Ludwig muß sie kühl und fach- liä), für Karl mondän und dämonisch, jür Lorenz anschmiegend, romantisch und nach allem Schlage sein. Die Drei haben die Frau gesunden, die ihrem Idealbild vollkommen«nlspricht. Sie ahnen nicht, was der Zuschauer schon lange stillvergnügt gemerkt hat, daß sie sich in dieselbe Frau oerliebt haben. Marguerite oersteht«s nämlich, immer den Typ zu spielen, den der Partner liebt. Das ist die hübscheste Szene des Stücks, in der sich Marguerite an einem und demselben Abend verschieden gibt und damit den jeweiligen Mann liebestoll macht. Es soll der tiefer« psychologische Gehalt der Komödie sein, daß man sich unbewußt jedem Menschen so anpassen kann. wie er ihn haben will. Aber von unbewußter Anpassungs» jähigkeit ist bei Marguerite durchaus nicht die Rede. Sie flunkert und schauspielert nach Strich und Faden, und die Männer sind dumm genug, nicht zu merken, daß sie ihnen nur zum Munde redet. Des Autors psychologisches Problem steht also auf schwachen Füßen. Ein interessanteres Motiv wäre es, wenn Marguerite jedesmal ganz sich selbst gespielt hätte, die drei Männer ober in ihr stets«ine andere gesehen hätten. Hier geht ein Riß durch das Spiel, der psychologisch« Unterbau überzeugt nicht und beschwert dos Zwang- mäßige zu sehr, als daß ungehemmte Heiterkeit entstehen könnte. Die flott« Ausführung unter Heinz Dietrich Kemters Regie macht ober diesen Mangel wett. Ein reizendes Bühnenbild i r nii-n in« dorn SSroMehopf de* deul}(it~'. r S. Ichner feierlld:■ Ausmalung. Dafür nutzt er die Situation bühnenmäßig aus. Hier also tritt der Tonsilm bewußt und sehr gewollt als Konkurrent des Theaters auf. Demgemäß handeln auch die Schauspieler, und Ralph Artur Roberts, Al-xa Engström. Woller Rilla, Szök- Szakall, Luci« Englisch, Trude Liesk« und Fritz Schulz führen mit Bravour ihr« Theoterrollen durch. Trotzdem manches Nebengeräusch arg stört, kommen die Stimmen klar und deutlich heraus, soweit das Publikum die Dialoge nicht durch Lachen erstickt. Der Film wurde sehr beifällig ausgenommen, obwohl er nur einer von vielen und durd)aus nicht nötig ist. e. b. Mängel der Funkschau. llnhöflichkeit ist nicht„Dienst am Kunden'. Wie in jedem Jahr, so fällt es auch diesmal wieder unangenehm auf, daß die Konsumenten, d. h. die Ausstcllungsbesucher, die keine Händler sind) als Ausstellungsbesucher zweiter Klasse angesehen werden. Zwar soll die Ausstellung den Zweck haben, wirt- sthoftlich werbend aus den Verbraucher zu wirken, d h. ihm die Vorzüge der verschiedenen Apparate vor Augen zu führen: aber leider ist der„Dienst am Kunden" auch hier kaum mehr als ein« Phrase.> Nicht zu Unrecht ist der die Ausstellung besuchend« Konsument erbittert darüber, daß dem Zwischenhändler bereitwilligst, ihm aber nur mit einem gewissen Widerwillen Fragen be- antwortet werden. Dieser Möerwillen steigert sich an vielen Stellen zur direkten UnHöflichkeit, ja Ungezogenheit, wenn ein Kunde sich erlaubt, Auskunst über einen schon gekauften Apparat zu fordern, weil sein Händler ihm keine Auskunft geben kann. Die Aussdellungsleitung sollte hier unter allen Umständen durchgreifen, da es sich doch letzten Endes um eine reine Ausstellung und nicht um eine Messe handelt. Die Reichsrundfunkgesellschast hat sich alle Mühe gegeben, den Besucher in die Geheimnisse des Sendewesene einzu- führen. In gar keinem Verhältnis zu der gemochten Reklame steht aber die Stö-rschutzschau in der Halle VII. So leicht sollt« man sich die Sache, um deretwillen ein sehr großer Prozentsatz Rundfunk- Hörer die Ausstellung besuchen, nun doch nicht niachen. Wenn die RRG. glaubt, mit dieser zusammengeborgten und unvollständigen Ausstellung des Verlages Reckendorf Eindruck hinterlassen zu haben, dann ist ihr scheinbar entgairgen, mit welcher Enttäuschung die Be- ijucher dieses so wichtige Gebiet in Augenschein genommen haben. Sehr schlimm ist es, wenn Fachleute und Bastler feststellen mußten, daß. abgesehen von den unvollkommenen und zum Teil nicht funktionierenden Demonstrationstafeln, speziell bei der Demon- ftration der Straßenbahnstörungen, Inkorrektheiten auftraten, die 9mx ganze« Sache mehr schadeten als nützten. Lediglich die Möglich- keit in allen Störfragen mündlich Auskunst zu erlangen, setzte den Besucher über den unangenehmen Eindruck hinweg. Unverständlich blieb auch vielen Ansstellnngsbesuchern dos Fehlen der Bastler stände. Insbesondere wurde der A rb ei te r- Ra d i o- L und Deutschland e. B. vermißt, der auf ein« Rückfrage erklärte, diesmal keinen Stand von der RRG. erholten zu haben. Die RRG. begründe ihren ablehnenden Entschluß damit, daß im letzten Jahr« zu viele Bastlerverein« entstanden wären, die alle das gleiche Recht beanspruchten. Daß aber der Arbeiter-Radio-Bund, welcher weit größer ist als olle dies« kleinen Bereinchen zusammengenommen, als Kultur- und Bostel« Organisation ein nicht unerhebliches Teil Werbearbeit für den Rund- funk gelesstet hat und noch leistet, wird einfach übergangen. , Unterstützt den Arbeiter-Radio-Bund Deutschlands e. V zur Stärkung seiner Schlagkrost und damit zur Erreichung seines Ziele» — Programmreform im Sinne unserer Weltanschauung! A. Theater der Woche. Vom 31 August bis 8. September. Volksbühne. S�caicz an BSlowplatz: Dcr fröhliche Weinberg. Slaalstheaker. Oper Unter de» Linden: 31. Der Rofenkavolirr. I. Trojaner, z. La Traviata. !. Tannhilufer. e. Echtvanda. der Dudelsackpfeifer. S. Boheme, e. Tristan und Isolde. 7. ffigaroz Kochzeit. 8. Tosea. Oper nm Plap der RcpubliI: 3>. fiauierflSte. 1. Don Giovanni. Z. Salome. Z. Di« Stumm« von Portici. 4. Carmen. 5. Der arme Matrose, Erwartung, Schwester Angelique.«. Die i>>uberflijte. 7. Rigoletto. 8. Das Leben des Orest. Städtisch« Oper Charlottenburg: Zl. und 8. Mignon. 1. Boheme. 2. Tigaros Kochzeit. Z. Othello. 4. und 7. Aido. 8. Turandot. 8. Der ssrcischilh. Tchaulpielhau, am Sendarmeamarkt: Zl. Liebe auf dem Lande, zz Minuten in Grstnederg. 1. Nathan der Weife. 2. Wehe dem. der lilgt. Z., 7. und 8. Lieb« auf dem Lande. SZ Minuten in Grüneberg. 4. und 6. Oedipu» «chiSectValcf: L, 7.. I.»er Mann m» dem Kmtt I. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. 8. fflorian Geyer. Theater mit festem Spielplan: Theater am Schiffbanerdamm: fstuer aus den Sesseln.— Deutsch«» Theater: ZI. Phoea. Ab 1. 1914.— Sommerspiele: Ab 3. Di« Schule der grauen.— Die Somödie: Wie werde ich reich und glücklich?— Theater in der StrefemonnstraK«: Marguerite: Z.— Somödienhous: Bis 1. Mein« Schwester, und ich. Ab 2. Konto T.— Großes Schauspielhaus: Die lustige Witwe.— Theater des Westens: Hasenklein kann nichts dafür.— Metropol-Theater: Viktoria und ihr Kusar.— So misch« Oper: 31. Liebe und Trompctenblasen. Ab 1. ssrou ohne Suß.— Deutsche» Sünstlertheater: Magdalena.— Renaissance-Theoter: Die Wunter-Bar.— Lesssug-Theater: De» Kaisers SuNs.— Theater in der Behren- strah« 83—54! Ist das nicht nett von Colettc?— Ientral-Theater tOperetten- Haus): Uebern großen Teich.— Neues Theater am Io«: Zl. Dcr kleine Kuppler. Ab 1. Herr Amor perlonlich.— Di« Tribüne: Ab Z. Mister Pliß will nicht stören.- Cafino-Th roter: Der selige Kollschinskn.— Ziose-Theater: Heimliche Bvautfahrt. Gortenbühne: Etappe.— Theater in der Klosterstraße: Bis 4. Stn» dentenliebe. Ab 8. Büchs« der Bandora, I. und ll. Teil.— Schloßpark-Theater Steglitz: Wie feßle ich meinen Mann?— Wintergarten, Plaza, Skala: Inter. nationales Variete.— Reichshallen-Theater: Etcttincr Sänger.— Theater am Kottbulfer Tor: Elite-Sänger. l Vachmittagsverlmfiaktungen: Theater de, Westen,: Zl., 7. Da» Land des Lächeln».— Metropol-Theatert ZI., 7. Friederike.— Rofe-Theoter«Sartenbühne): Konzert und bunter Teil.— Theater in der Klosterstraße: Zl.. 7. Büchse dcr Pandora, I. und II. Teil. Wintergarten: 51., 6., 7. Internationales Variete.— Plaza, Skala: Internatio» noles Variete.— Reichshallrn. Theater: ZI., 7. Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Woche: Sonntag. Theater am Schiffbauerdamm: Feuer an» den Kesseln.— Lefsing-Theater: De» Kaisers Kulis.— Montag. Deut. sche» Theater: 1914.— Neue» Theater am Ioo: Herr Amov persönlich.— Dienstag. Komödienhaus: Konto T.— Kammer» spiel«: Die Schule dcr Frauen.— Theater in der Behren» strafte: Das häßliche Mädchen.— Mittwoch. T r i b ü a«: Mister Pliß will nicht stören. Verantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. K., Berlin. Druck: Borwärt, Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße Z. Hierzu 1 Beilage. T&qe. eine ernkauis � r' wem de? Mfllfi] UdönOüQt Wollstoffe #——"y äer klclogemaetert« Wollitoff für Bliucn Nack iweea Kidd«...................... m«« WftU-TnflTpt Sk inilf» rein« Wolle, der neue emfarbige Kleider. " OU* anei a jour nog in Farben..... Meter Jtevnli«»itroitv der moderne Wellateff mit dezentem rouie neigeuz Noppen-Effekt............. Meter P n r T* Vi i n« n m rdne Wolle, des neue Gewebe für des einfarbige VzFCpC 1 II»111115111 Wollkleid i. viel. Modefarben, ca. r oo cm br. Mir. T*— J XT�—— Ji reine Wolle, du epert gemusterte Wollkleid für 1 Weetl-iZ uppe den Herbst, ct. looan breit...... Meter lit* PViin«» reine Wolle, meine bewlhrte " OU-*M.repe ae �»mne Stemm qaaliut, in modernem Ferb- eutllmem, ca. 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Linden Jilins-U.-Uii.1tJ I»>/> Uhr Boris Bodonoff Ende 23 Uhr Staats-Oper Am Platz der Repablik. Tontillun; n er- »ZW« Preisen 20 Uhr Dil Fiedemiaos Ende 23 Uhr Oetfnll. Iirtnnrinl Sonnab., 30. 8. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Der Uato Endo Z2'b Uhr Staat). Schaosph. (am Gensdarmenraarkt). 19 Uhr Zum 1. Male: Liebe auf dem Lande, 33 Minuten In Grfinebera Ende Zl1/» Uhr M.Miiller'Mer.ülarltbg. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 22>h Uhr scata Tägl. 5 u.S'ji Uhr. U 8 Barb. 82S6 Pr. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preiae. Morgen letzter Tagt NON1 andHOBACE a«w. Tägl. 5 u. 818 Sonni. 2. 5 u. 8" Alex. E 4. 8066 Morgen letzter Tag! Kassner, Maciste, I S Resua— Roller— Girls us w Deotjdiej Theater D 2 WtldtDitain» 5201 Heilte letzt« liitflltiniiHjl 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhard) Koilk: FrMridi Rtllmdtr. Bähnnibilder Eni) S»Wi. Montag, l.Septemb 8 Uhr Uraufführung 1914 von Georg Wilhelm Müller Regio: Gustav GiGndgeDS. Die Komödie II Bismck.2414/7516 8Vj Uhr Wie werde ich teidi und glodtlidi? Ranoi ng killt Judiinsgg. Mosik ton Miidn Spoliantkjf Rizii: End Engel Bühnenbilder Udvig Rainer Mtoiraizen mit obenstehender Schutzmarke sind, hygienisch einwandfrei, in allen besseren Betten- und Möbelgeschäften zu haben. Fordern sie ausdrücklich Matratzen „NarkeSlelucntclaiafer** Rose- Theater 6r. Franktarier StMZZ Tel. Alex ,3422 u. 3494 8.15 Uhr; Belraiidie BraiUakrt Garten bühne: 515 Uhr. Homert n. Sanier Teil 8.isuhr:Dleioiieloia GROSSES \fl f| �4�* Theater 1 Wetleotl Täglich 8'/» Uhr Max Adalbert Hasenklein kann nimtsdaiar. Sonntag oadm. 4 Uhr kleine Preise Das Land des Lficbelns zenirai-Titeater Alte Jakobstr. 30/32 Dönh. 2047 Täglich 8Vt Uhr Debern örofien Teldi Ausstattungsoperette in 4 Akten Rundfunkhöre i DalbC Preise. Komische Oper S'/a Uhr Pael Westerineier in; Liebe und Trompetenbiesen Operett« von Rolanl Denlsebes KDnsller-The*l. TiL brlarassa 3931 Täglich SW Uhr Gastsgill dir Lodvrig- Dioina-BOtiDi(Egirn) Magdalena Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Ols Wunder-Bar Revuestfick Dtetropol-Theeter Täglich 8V. Uhr ScoMlloaeUer Operetlenerf olg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undlhrHusar Sonntag nadim. 4 Uhr kleine Preise Friederike. Winfer * Garten* 8.15 Dbr— Rntotben eriaobi Carlos and Chlta n. Co. und«altera In Berlin aodi ntdil gezeigte Stars. Sonnadanö u. Sonntae Je KVoratellungen 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Berliner IflkTriO N c Ii k B 1 1 n. 74/76.1 Reichshallen-Theater (T) Uhr stettiner Singer Neu 1 1 afl Qlnmon onnanhan| 31. B.: 1. Hadraiittags-Vorstellg. zu halben Preisen. Inf. 3� Uhr. Dönhoff- Brettl: Das erslklaulge FaralUen-Varlett Sonntag, den 31. August naebmittags 3 Uhr- Tätowierungen I— y rJ' Muttermal«, Leberflecke andfarnf unter voller Garanlte vlllf Cf III kein Siechen, kein Schneiden. Cniticr, Elsasser Str. 78, 1 Treppe, Nähe Rofenth. PL. tdgL 10-6, Sonnt iO-1 CITY BLEIBT CI UOD /EIME /EM/ATIOH� /Ireinmeie� �%edwiji5tc.96.dä Mmhot. s• KABARETT TAhZ- CAFE•/ ffieilage Sonnabend, 30. August 1950 Sprjttiptid Sjinlnulgnß» Jti l£neärA Seäan und die Feigen Zum sechzigsten Jahrestag der Kapitulation des französischen Kaiserreichs Wenn Preußen nicht seinen Sieg mißbraucht hätte, wäre der Krieg von 1870 der letzte Krieg zwischen Deutschland und Frankreich gewesen. Jules Claretie. Als am 1. September 1870 in der siebenten Abendstunde der französische General R e i l l e langsam den Hügel hmaufritt, auf dem Wilhelm I., umgeben von Bismarck, Moltte, Roon und einem Schwärm von Schranzen, das Schlachtpanorama- von Scdan betrachtete, war das Ende des zweiten Kaiserreichs da, denn der rotgefiegelte Brief, den der Parlamentär mit gezogenem Käppi dem König überreichte, enthielt das Kapitulationsangebot Napoleons III. Am folgenden Tag ergaben sich Kaiser, Festung und Heer: IlM 000 Gefangene, 550 Geschütze, 66 000 Gewehre, 6000 Pferde fielen den Siegern in die Hände. Aber während die deutschen Soldaten jubelten, gewiß, daß es jetzt bald„zu Muttern" heimgehe, ossenborte Bismarck das, was ihn zunächst bewegt«, auf jenem Hügel dem württcmbergischen Thronfolger: „Der heulige Tag sichert und besesligl die deutschen Fürsten und die konservativen Grundsähe." In der Tat bewirkte der überwältigende Sieg der deutschen Waffen, daß Deutschland, mit„Blut und Eisen" geschaffen, nicht als Der- faffungs. und Bolksstaot, sondern als Bund der Dynastien und als Militärdespotismus zur Welt kam. Aber auch außenpolitisch entschied Sedan das Geschick Deutsch- lands für Jahrzehnte. Zwei Tage nach der Kapitulation war in Paris der Bonapartismus weggefegt, die Republik ausgerufen, ein Ministerium von neuen Männern, die dem Krieg widerraten und widerstrebt hatten, am Ruder. Das republikanische Frank. reich zeigte sich vom ersten Augenblick seiner Existenz an fricdenswtllig. Zu hoher Kriegsentschädigung und Schleifung seiner Gren�festungen war es bereit, nicht jedoch zur Preisgab« von Land.„Wir werden," erklärte Jules Favre als neuer Außen- minister,„keinen Zoll unseres Gebietes, keinen Stein unserer Festungen abtreten. Ein schmachvoller Friede wäre«in Ausrottungs- krieg in kurzer Frist. Wir werden nur über einen dauerhaften Frieden verhandeln," aber Grundklang seiner Ausführungen:„Wir wollen nur den Frieden!" Da die deutschen Machthaber verkündet hatten, daß der Krieg der Dynastie, nicht dem französischen Volk gelt«, hätten sie in diese Hand einschlagen müssen. Aber, übermütig geworden durch den Erfolg ohnegleichen, verspürten die preußischen Generale einen wahren Er- oberungsheißhunger. Waldersee wollte das„Sündenbabel" Paris zerstört wissen, und Aloensleben Frankreich bis zur Marne behalten. Bismarck hatte mehr Hirn unter der Pickel- Haube als diese Eisenfresser und Gamaschenknöpfe, aber seine Stellung gegen die„Halbgötter" des Großen Generalstabs war nicht mehr so günstig wie 1866, als er den annexlonslofen Frieden mit Oesterreich durchzusetzen vermochte. Gelegentlich erzählte er, daß er 1870 die Friedensbedingungen fix und fertig nach Frankreich mitgebracht habe, aber wahrscheinlicher ist, daß er sich erst nach den Schlachten um Metz unter allerhand militärischen Einflüssen zu handfester Eroberungspolitik bekehrte. Denn von eiskalten strategischen Erwägungen ließ er sich leiten, als er jetzt den Erwerb von Elsaß und Lothringen ins Aug« faßte: Deutschland, namentlich der Süden, brauchte zu seinem Schutze ein„Glacis" gegen Westen— damit basta! Für die „Professorenidee", daß zwischen Rhein und Vogesen„deutsch« Brüder" zu„befreien" seien, hatt!? der gewitzte Realpolitiker nur Hohn und Spott. Aber da er noch immer nicht von allen guten Geistern verlassen war, hätte ihm mehr als eine Einverleibung sprach- und volks- fremden Bodens die Errichtung eines neutralisierten Puffer st aates, vielleicht im Rahmen des deutschen Wirtschafts- gebietes, behagt, und selbst als die glatt« Annexion auf der Tages- ordnung stand, lehnt« er zunächst die Angliederung von Französisch- Lothringen mit Metz schrojs ab. Ja, ein Diplomat, der in Bis- m a r ck s Anschauungen eingeweiht war, von R a d o« i tz, später deutscher Botschafter in Konstantinopel, versicherte noch im Dezember 1879 dem Vertreter Oesterreich-Ungarns in Berlin in einem hoch- politische» Vortrag:„Wenn es nach dem Kanzler gegangen wäre, so hätten wir Frankreich nicht allein Metz samt Lothringen, sondern au ch das Elsaß belassen. Freilich konnte Bismarck selber nicht mehr zurück, nachdem er die national! st ische Presse in eut« einmal losgekoppelt und auf die Spur: Annexion des Elsasses gesetzt hatte: zum mindesten seit Sedan war«r der Gefangene der öffentlichen Meinung. Treitscht« tobte wie«in rasender Schamane, daß der„Rechts- sinn", die„Sicherung des Völkerfriedens", die„nationale Ehre" und was nicht"sonst noch alles die Angliederung der beiden Provinzen heische:«r warf sich in die Brust:„Wir Deutschen, die wir Deutsch- land und Frankreich kennen, wissen besser, was den Elsäsiern srommt als jene Unglücklichen selber", und alle Professoren, alle Oberlehrer, olle Bierbankpplitiker, olle Stammtischstrategen fielen im grölenden Chor«in: Heraus mit dem Raube! Die Nationalliberolen Bennigsens hatten die größten Annexionsstiesel an. doch auch unter den Demokraten waren viele, durch die ewigen Leierkasten- klänge der„Wacht am Rhein" rammdösig geworden, wie der alte Z i c g l« r bereit,„charauslo? zu annektieren". Mit Bedacht verzögerte Bismarck die von Paris gewünschten Besprechungen über Beendigung des Krieges. Als endlich, durch Vermittlung Englands, F a v r e am 19. September mit Bismarck im preußischen Hauptquartier Ferneres zusammentraf, setzte ihm der Bundeskanzler hart und kalt auseinander, daß seine Politik aus den Krieg und nicht auf den Frieden angelegt sei: „3ch bin sicher, daß wir über kurz oder long von neuem Krieg mll Zhnen haben werden, wir wollen dann alle vorkeile avs unserer Seite haben." Deshalb die Forderung, daß Frankreich die Departments Oberrhein, Niederrhein und Mosel mit Straßburg und Metz an Deutschland ab- trete. Bei allem Willen zur Verständigung konnte sich die rcpubli- konische Regierung aus diese Bedingung nicht einlassen: hätte sie es getan, wäre sie. ebenso vom Unwillen der Voltsmass« weggespült worden, wie sechs Monate später der als Schmach empfundene Friede den Kommuneausstand entfachen half. So ging der Krieg weiter: als nackler Eroberungskrieg. Immerhin erlag nicht all« Welt in Deutschland den Schlogworten eines ruhmredigen und kraftstoffligen PseudoPatriotismus. Der bayerische Ministerpräsident Graf B r a y, dem Abneigung gegen die Preußen die Brillengläser schärst«, erkannte, daß die Lostrennung französischer Gebietsteile und„die gezwungene Bereinigung wider- strebender französisch gesinnter Bevölkerung mit Deutschland gleichbedeutend mit der Verewigung des Krieges und des Nationalhasses zwischen beiden großen Völkern" sej, und der alte Johann I a c o b y wahrte die Ehre der bürgerlichen Demokratie, indem er eindringlich davor warnte,„den Götzen der Macht anzubeten" und den Verteidigungskrieg in einen„Kampf für die Oberherrschaft der germanischen Rasse in Europa" ausarten zu lassen:„Selbst der eifrigste, eingefleischteste Annexionist räumt ein, daß dieElsässerundLothringermitLeibundSeele Franzosen sind und Franzosen bleiben wollen." Vor allem aber fanden sich die beiden Flügel der Sozialdemokratie, Eisenacher und Lassalleancr, in der entscheidenen Abwehr der Erobe- rungsgelüst«: am 5. September rief der Ausschuß jener die Arbeiter zu Massenversammlungen auf gegen die Annexion des Elsasses und für einen ehrenvollen Frieden mit Frankreich, und in jeder Nummer erhob der„V o l k s st a a t" die Forderung: Ein billiger Friede mit der französischen Republik! Keine Annexionen! Daß sich derart das Gewissen des deutschen Voltes regte, vertrugen die wild- gewordenen Generale nicht; auf Bejehl Vogel v. Falckensteins wurden die Mitglieder des Parteiausschusses verhaftet und in Ketten nach der Feste Boye» bei Lötzen an der russischen Grenze geschleppt: auch Johann I a c o b y teilte ihr Schicksal; es war, wie H e r w e g h sang: Mit patriotischem Ergötzen Habt ihr Victoria geknallt; Der Rest ist Schweigen oder Lötzen, �riegsidiotentum, Gewalt. Aber daß Sedan den Militärdespotismus im Innern und da» .�kriegsidiotentum" noch außen einleitete, hing organisch zusammen. Ein glimpflicher Friede mit Frankreich drehte das Gesicht der deutschen Politik freundschaftlich nach Westen und konnte im neuen Reich aus die Entwicklung des Verfassungslebens im Sinn der Demo, kratie nicht ohne Einfluß bleiben. Die Vergewaltigung Frankreichs aber hieß Anlehnung an das zaristische Rußland. Verlegung der Grenze Osteuropas an den Rhein, Junkerherrschaft und Polizeiwirtschast statt Bürgerfreiheit. Gleichwohl feierten die patriotischen Bratenröcke Jahr für Jahr unter Bumbum den Tag, der Europa der Unsicherheit und dem Wettrüsten, dem bis an die Zähne bewaffneten„Frieden" ausgeliefert hatte. Aber nicht umsonst prophezeite damals Karl Marx, die Geschichte werde ihr« Ver- geltung nicht nach der Zahl der von Frankreich abgerisienen Quadrat- meilen bemessen,„sondern nach der Größe des Verbrechens, daß man in der ztbeiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Politik der Eroberungen aufs neue ins Leben gerufen hat". 1918 umschloß auch diese historische Vergeltung. Sedan? Hurra? Hurra? Hurra? Verhüllt lieber euer Haupt! Denn das deutsche Volk hat noch heut« und noch lange an Sedan und seinen Folgen zu würgen! Hermann Wenäel. Fahrt nach Tegel Erlebnisse in der Straßenbahn So Ost das Wetter es erlaubt, bringt Großmutter Ple- s e ck e ihre beiden Enkelkinder hinaus in den Wald, damit sie sich dort in reiner Lust kräftigen sollen. Die alte Frau stammt aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, und wenn sie auch ihr märkisches Heimatdorf längst mit dem Berliner Wedding vertauscht hat, so verrät ihr derbes, zur Fülle neigendes Körpcrgestell trotz seiner 72 Jahre immer noch die bäuerliche Abkunft. Mit hellem Auge erspäht sie im Gedränge des Wogeninnern einen freiwerdenden Sitzplatz und schiebt die sechsjährige Käthe und den achtjährigen Fritz an dem breiten Rücken eines Metzgermeisters vorbei, der gerade nach der anderen Seite geblickt hat. Käthe und Fritz sind so mager, daß sie zusammen nicht mehr Raum einnehmen als ein Erwachsener. Bescheiden und glück- lich sitzen sie nun am Fenster und nicken der Großmutter dankbar zu. Aber deren Ausgabe ist damit nicht zu End«: wie eine Löwin wacht sie darüber, daß den Kindern die Eroberung nicht wieder streitig gemacht wird.„Ihr habt junge Beine, ihr könnt stehen", sagt «ine Bürgersfrau und winkt den beiden mit fleischiger Hand. „Ihr bleibt sitzen!" fährt Frau Piesecke rechtzeitig dazwischen und kommt einem Angriff der verwundert nach ihr sich umblickenden Frau zuvor:„Jawoll! Wenn se ooch nur auf Kindersahrschein fahren! Wat? Det dürfen se nich? Woll dürfen se det. Wenn je vor Jroßen uffstehen sollen, denn dach zu allererst vor ihre olle Jroßmutta, nich? Na sehen Se, und die vazichtet. Weil nämlich unsaeenen seine Knochen imma noch kräftja sind als die ihre au de herrlichen Jnflationsjahre. Was der Fritz« is, den feine bogen sich wie'n Paar Bockwürste in de Pfanne. Nu, wo ick se mit ville Mühe jraöe jekricht habe, soll» se nicht durch det lange Stehen in de schlechte Luft hier widda schief wern. Det hält so'n armet Kind nich aus. Da steh i ck eben lieba!" So stand sie, hoch aufgerichtet, als schützendes Bollwerk, vor ihren Enkeln und brachte mit ihren derben Worten alle Mitfahrenden auf ihre Seite. Aehnliche Motive der Mutterliebe werden es sein, aus den« Frau R o d e w a l d, die Molkereibesitzerin, wenn sie die Groß- eltern in Tegel besucht, ihrem Kurtchen stets einen„ganzen" Fahrschein tauft. Der kleine vierjährige Bursche läßt seine festen Bcinchen stolz von seinem Sitz herabschaukeln, und heute blickt er wahrhaftig mit einer Miene des Triumphes auf den Arbeiterjungen gegenüber, der trotz seiner sechs Jahre immer noch von Muttern auf den Schoß genommen wird, sobald sich der Wagen füllt. „Mutta! Warum tonn der da sitzen blei'm?" „Halt bloß deinen Mund!" sogt die Frau und schüttelt, den Jungen, daß ihm die Tränen kommen. So eine Arbeiterfrau ist eben viel zu müde und viel zu ungelenk in der Sprache, als daß sie Lust hätte, einen Protest gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Ordnung vom Stapel zu lassen.... � Scharnweber-, Ecke Berliner Straße in Reinickendorf gibt es etwas Luft im Woge». So findet auch ein abgehärmter, sichtlich früh gealterter Mann, der eben zugestiegen ist, einen Sitz- platz. Hinter ihm tritt ein Kontrolleur ein und ersucht die Fahrgäste höflich um Vorzeigen der Fahrscheine. Bei dem Alten angelangt, fragt er:„Aus welcher Linie sind Sie gekommen?" „Aus, aus... aus 68..." „Stimmt nicht. Auf dem Schein hier ist 29 gelocht. Sie haben ihn vorhin an der Haltestelle aufgehoben! Ich habe Sie beobachtet. Wissen Sie, daß Sie sich damit des Betrugs schuldig gemacht haben?" „Det weeß ick nich!" war die mürrisch gegebene Antwort.„Ick weeß bloß, det ick keene Arbeet habe un ooch kernen Pfennich Ield. Als ob et nich ejal is, wer die zweete Strecke abfährt, ick oda der, wo ihm jelöft hat!" „Das ist ganz und gar nicht egal. Wollen Sie nun nachlösen und außerdem die vorgeschriebene Strafgebühr in Gestalt von drei weiteren Fahrscheinen zahlen? Sonst muß ich Ihren Namen feststellen und Sie aus den Wagen weisen. Sie haben dann eine Klage zu gewärtigen." „H i e r s i n d 2 5 für den Fahrschein!" sagte eine einfache Frau. „Soll der Mann etwa bis Heiligensee loosen?" „Gut, dann mag er weiterfahren, aber ausschreiben muß ich ihn, wenn er die Strafgebühr nicht entrichten kann. Zeigen Sie mir Ihre Papiere!" Der Beamte schien nur sein« Pflicht zu erfüllen, als er die zer- schlisfenen Schriftstücke aufmerksam durchblätterte, aber er blieb doch nicht ganz bei der Sache, denn er stellte jetzt an den Delinquenten, so laut, daß es der ganze Wagen hört«, die Frage:„Fünf Kinder hoben Sie also?" „Du meine Jüte!" rief daraufhin eine behäbige, damenmäß'g gekleidete � Frau,„arbeitslos und fünf Kinder zu füttern! Mein Mann ist auch abgebaut, aber wir sind doch allein!" Damit zog sie ihr Portemonnaie aus dem Handkorb und sah sich auffordernd im Wagen um. Mehrere andere Fahrgäste folgten ihrem Beispiel und suchten Geld heraus. Ein Herr fragta den Kontrolleur:„Mit der Zahlung der Strafgebühr ist die Sache doch erledigt?" „Ja, dann ist sie erledigt." „Es folgt also kein Betrugsversahren?" „Nein!" Der Herr erstand die drei Straffahrscheine beim Schafs» ner, und der Kontrolleur entwertete sie, indem er sie zerriß. „Schade um det Ield!" sagte ein junger Arbeiter.„Als ob sich unsaeens wat draus macht;'n paar Dage Knast zu schieben. Seine Untastitzung kricht er doch. Brot is ville wichtija!" „Er hat wahrhaftig recht!" entsuhr es der wackeren Bürgerin! der die bereit gehaltenen Groschen sichtlich in der Hand brannten. „Wenn jeder gäbe, was er entbehren könnte, schaffte man ihm doch eine Erleichterung. Legen Sie zu, Frau Nachbarin!" Ein Hut ging von Hand zu Hand, von Bank zu Bank. Als er wieder bei der gutmütigen Frau angelangt war, zählte sie zwei Mark neunzig Pfennig, dazu zwei Zigarren, fünf Ziga. retten und— offenbar für die Kinder— einen Riegel Schokolad«. Ganz glücklich stellte die Dicke dieses Ergebnis fest, nahm dann dem Alten resolut den verschwitzten Hut vom Kopf und schüttet« die Spenden hinein. Eine Welle von Fröhlichkeit lief durch den Wagen und«int« die Fahrgäste all«, aus wie verschiedenen Ständen sie auch stammten. „Mensch!" sagte der junge Arbeitsmann und schlug dem Alten kräftig auf die Schulter.„Vajiß nich Muttan frilche Wurscht mitzubringen. Kannst ja in Tejel aussteijen jetzt. Pfund sechzig Pfennje...!" » Mal«. Copyrifht IftW by Packelrelter-Verlai 0. m. b. H., H»mbnrc-Ber£tdori (12. Fortsetzung.) „Sauhunid!"', brüllt da Bossin auf, seine Tollkirschen werden ganz groß, und ein unheimliches Feuer flackert darin. Er springt den Sievers wie eine Katze an und tritt ihm mit den klobigen Stiefeln in den Hintern. Im Nu liegen beide am Boden, und ihre Arme fuchteln in der Lust herum wie Dreschflegel.——— Da springt Preuß dazwischen. Er reißt sie auseinander... keuchend und mit verzettten Gesichtern mustern sich die beiden... der Sohn des Arztes und das Arbeiterkind... „Kerle, Kerls!", ruft Preuß und seine Augen blicken traurig, „seid ihr denn keine Kameraden?!— Wie soll das denn draußen werden!?" „Kameraden?... Kameraden?..:" ächzte Bossin,„ick will den sein Kamerad nich sind!"... er macht dem Einjährigen«ine dro- hende Faust... Mit lauerndem Blick von untPi nach oben steht Sievers hinter Preuß, als wart« er die Gelegenheit zu einem heimtückischen lieber- fall auf Bossin ab, wenn Preuß sich entfernen sollte. Preuß aber scheint seine Gedanken zu ahnen. „Grenadier Bossin! Du bleibst hier bei Langer", sagt er im väterlichen Ton und legt dem Erregten die Hand begütigend auf die Schulter.— Dann wendet er sich zu dem Einjährigen-�.. seine Stimm« ist plötzlich verändernd, befehlend: „Und Sie, Sievers, marsch an die Spitze der Gcwehrreihen! In Zukunft lassen Sie Ihre dummen Bemerkungen und Urteile über sogenannte„Deserteure". Dazu sind Sie ein viel zu grüner Junge, der den Krieg nicht kennt. Lernen Sie erst, was Kameradschaft ist! Sie wollen doch ein gebildeter Mensch sein, habe ich immer gedacht." Vossin kauert neben Langer auf der Erde. Er ist bis ins Innerste aufgewühlt. Mit den Fäusten, mit welchen er Sievers verprügeln wollte, schlägt er sich jetzt selbst, trommelt er aus seinen Knien her- um. Auf und ab keucht seine Brust und er schluchzt vor Wut:„Den Olto... den ss wie eenen Hund behandelt ham... den hat... der Schuft beleidigt... ich— oh... oh...!" Er kann es nicht fassen, daß auch nur einer gegen den armen Muskoten aufstehen konnte. Mit weiten, starren Augen blickt Langer auf den Erregten, und inlt einer matten Handbewegung tastet er nach ihin hin... Noch steht Sievers bleich und unschlüssig vor Preuß... seine Hände zittern an der Hosennaht... als wolle er dem Befehl nicht gehorchen... er schluckt einige Mole und würgt unverständliche Worte heraus... Preuß weiß die widerstrebenden Gefühle des Ein- jährigen... er geht einen Schritt aus ihn zu:„Na, wollten Sie noch etwas sagen, Sievers? Rühren Sie!"— Da scheint Sievers wie von einem augenblicklichen Gefühl der Versöhnung überschwemmt zu sein: „Vielleicht habe ich unrecht gehandelt, Herr Unteroffizier: aber ich habe es so gelernt von unserem Geschichtsdozenten. Sicher hätten Sie anders gelehrt... ich bitte um Verzeihung!— Aber, bitte, nennen Sie mich nie wieder einen grünen Jungen; denn ich möchte Ihr Kamerad sein wie oll« anderen..." Und Preuß, der gute Preuß, einer der wenigen anständigen Korporole der Armee, legt dem unbeliebten Einjährigen, gerecht gegen jeden Grenadier, die Hände aus die Schultern: „Du bist mein Kamerad wie die anderen Kameraden auch, mein Junge... Ihr seid doch all« noch Kinder... vertragt euch nur.— Komm mal her, Bossin", und als dieser vor ihm steht mit finster zusammengezogenen Brauen,„gebt euch mal die Hand... so... wenn ihr an der Front seid... in dieser Schweinerei, in die man euch alle zusammen schickt r.. da denkt ihr nicht mehr daran, euch zu schlagen... wenn der Tod euch im Nacken sitzt..." Und erf faßt beider Hände und führt sie zusammen... Bossin lächelt sogar schon wieder etwas... „Und sollten Sie einmal Offizier werden, Sievers",— Preuß blickt dem Einjährigen voll in das Gesicht,„bann denken Sie nicht an Ihre Dozenten, sondern an diesen Tag",... er zeigt auf Langer, ...„dann werden Sie das Richtige treffen." Da kommt mir blitzartig der Gedanke und die Frag«, warmn dieser Kamerad kein Offizier ist, während Leute wie der Schinder über uns herrschen und uns zum Haß gegen dos System erziehen. Mit trauriger Stimme endet der Korporal:„Aber ich will hoffen, daß es nicht mehr so weil kommt, und daß bald kein Offizier mehr gebraucht wird... und daß ihr alle bald wieder in eurer Heimat seid... wo ist denn deine Heimat, Bossin?..." Bossin wird plötzlich wieder lebendig, sein Gesicht hellt sich mehr und mehr auf,— sieh' mal an, er hat sogar Grübchen im Kinn... das habe ich ja überhaupt noch nie gesehen... er jauchzt es fast her- aus:„Ianz in die Nähe hier, Herr Unteroffizier..."— seine kleine Hand zeigt geradeaus,...„in Brandenburg...an der Havel... Herr Unteroffizier... wat Hab ick da für schöne Fische jeangelt... Sonntags, wenn et nach draußen jing..."— Bossin hat plötzlich alles andere vergessen... „Korporal, hättest du das letzte, das mit dem„Ossizier" nur nicht zu dem Sievers gesagt", denke ich.— denn ich sehe plötzlich einen merkwürdigen Zug in Sievere Gesicht, als er wegtritt... niemand anders hat es gesehen... Haß... Ironie... Falschheit lag in seinem Blick.. Kilb sitzt noch wie vordem, wie außerhalb ollen Geschehens. Aber er schlaft nicht, wie ich glaubt«... Er blickt dem Einjährigen noch durch halbgeöffnete Augenlider, mi, einem Gesicht, das nicht zu enträtseln ist... wissend... hassend... Plötzlich seufzt er laut auf... wirft den Kopf in die Hänoe und starrt zwischen den Knien hindurch auf die Erde... Denkst du an deine Mutter, Kamerad?... einsamer Kamerad... Bruder... ach... der Kaiser weiß nicht... wie ein Rekrut die Tage seines elenden, grauen Rekrutenlcbens verbringt... Vieles ist geschehen an diesem Tag: Ich denre zurück bis an den Augenblick, da der kleine Adamczik die Spitze eines Geschosses befühlte. Ich suche den Berliner mit den Blicken. Da liegt er dicht bei Kilb auf dem Bauch und hat ein dünnes, vergriffenes Buch vor sich liegen. Es ist nicht der Zarathustra, den die Kriegsberichterstatter jedem Soldaten der deutschen Armee in den Tornister dichten wollen... es ist auch kein Katechismus oder Gesangbuch... auch kein Exerzierreglement...— es ist die Fortsetzung einer Reihe windiger Eroschenhefte, die wöchentlich erscheinen, es ist ein Schmöker einer Leihbibliothek: „Lord Percy Stuart, König der Detektive.", Ich erkenne es von weitem, oenn ich habe diese Schmöker häufig bei Adamczik gesehen. Seine Braut bringt ihm die Hefte oder schickt sie ihin zu, und er verschlingt den Inhalt gierig. Jede freie Minute benutzt er dazu, und einmal verstieg er sich zu dem Vergleich: „Wenn unser Willem so pfiffig wäre wie der Lord Percy,— na,— denn hätten wa längst keenen Krieg mehr.. Ich muß plötzlich an diesen Ausspruch denken, als ich den Kleinen jetzt mit roten Ohren. glühend vor Aufregung... liegen sehe... ein Soldat, der sein trauriges Dasein auf Minuten vergißt... der mit den Zeilen je nach ihrem Inhalt mitlebt... millächelt... die Stirn auf einmal kraus zielst... dann gespannt eine Flucht über Dächer verfolgt... wird der Percy den Kerl nun kriegen... is doch'» Teufclsjunge, der Percy y.. er bewegt die Lippen mit den Worten und Taten seiner Helden--—:„wenn unser Willem..." Langer wird plötzlich unruhig. Er wälzt sich nach der Seite und stöhnt tief auf. Ich beug« mich zu ihm nieder, � da ist er wieder still, und rot«, abgegrenzt« Flecke sind auf seinen Wangen. „Hilf mir mal, Peter," sagt er leise,„bis ich hier wegkomme, das dauert wohl noch etwas; ich muß mal pinkeln." Er stützt den Oberkörper auf die Ellenbogen. Minulla und ich heben ihn hoch; es gluckert in seinem Leib«, sein Kopf hängt tief herunter. Er röchett. Wir führen ihn einige Schritte abseits an einen Baum und halten ihn unter den Achselhöhlen fest, während er sein Bedürfnis oerrichtet. Es ist ihm sichtlich unangenehm; die Situation ist ja auch etwas komisch. Aber schließlich: das ist doch noch nicht das Schlimmste... was wird noch alles an uns herantreten.— Wir blicken weg und ich spreche derweilen mit Minulla von meinen &Ufaa. Ate michrmmer Mtieu. Dir wollen unbetsLgt«japftswy Merkwürdig, daß uns dies« Sell'stverständlichkeit in diesem rauhen Leben überhaupt noch geniert; es muß«in Ueberbleibsel aus fernen, fernen Tagen sein.--- Der Urin riecht strenge und beißend. Wir müssen sehr fest zupacken, denn Langers Beine zittern in den Kmen,— dabei macht er sich beide Hosenbeine naß. Langsam, behutsain legen wir Heini wieder hin.—„Verfluchte Scheiße", sagt er dabei, legt den Kopf auf die Seite und packt sich Kilbs rot«s Taschentuch über die Augen... Wir sind In uns hineingesunken. Der heiße Mittag brütet über unseren Helmen und Gewehren.— Ein unerträgliches Hungergefühl plagt mich, das manchmal so furchtbar wird, daß ich sekundenlang nicht zu denken vermag.(Fortsetzung folgt.) e Buch 3)er Amerikaner'Zune Qrey Die Canons des Colorado, die Steppen Arizonas, Mormonen, Indianer, Verbrecher und Siedler sind die Handlungselemente in Greys Romanen. Auch die beiden neuesten Uebersetzungen im Th. Knaur- Verlag(Romane der Welt),„Das Erde der Wildnis" und„V o l l b l u t". bilden keine Ausnahme. Sie spielen in den 7<)er und 80er Iahren, als die weiten Landstrecken.zwischen Mississippi und Felsengedirge enger besiedelt wurden. Es sind Heldenepen auf die Pioniere des amerikanischen Westens und be- handeln also ein Thema, das früher den Groschenheften und Schmökern vorbehalten blieb. Grey gehört heut« zü den meist ge- lesenen Schrfftstellern. Woher sein Erfolg? Zone Grey orienttert sich am Geschmack des Publikums. Er sucht immer der Moral einer bürgerlichen Gesellschaftsklasse zum Sieg zu verhelfen und ferner zeichnet er Menschen, die den Idealen dieser Gesellschaft entsprechen. Selbstverständlich zieht er die kullu- rellen Umstände.der Pionierzeit in Betracht, aber im Grunde sind diese heldenhaften Cowboys intim« Verwandte jener braven, jungen Männer, die den amerikanischen Gesellschaftsfilm bevölkern, und auch die Technik der Charakterentwicklung ist ähnlich. Chan« Weyer im„Vollblut" gilt zuerst als Rowdy, als an- rüchiger Ab«nt«uver, und dabei trägt er ein treues Herz in der Brust, das sich auch später strahlend offenbart. Genau so verhält es sich im Gesellschafts- oder Cowboyfilm und mit jedem Helden über- Haupt. Jeder Held muß, um das Ideal zu erreichen, vorher gelitten haben. Damit können alle Greyschen Helden aufwarten und deshalb ihr großer Ersvlg. Doch damit allein ist es nicht getan. Zum Held gehört die Heldin, die bei Grey als Girl erscheint, dos in der Natur allerdings oerwildert«. Sue im„Vollblut" und Marita im „Erbe der Wildnis" können als typische Vertreterinnen gellen. Nun ist Grey ein viel zu begabter Schriftsteller, um diese Typen unverhüllt zu offenbaren. Eine geniale Maske hilft darüber hinweg, und di«s« Maske steht in Einklang mit der grandiosen Natur, in deren Beschreibung und Verlebendigung Grey höchste Meffterschast erreicht. Die Atmosphäre einer Landschaft wie die der Canons („Vollblut") oder der Wüsten(„Erbe der Wildnis") hüllt den Leser ein. Grey ist darin Lyriker und Dichter, der mit den feinsten Farben und Sttmmungen arbeitet, vor allem w«nn er Landschaft und Tier gibt wie im„Dollblut". Nur die Menschen stören manchmal. Di«s« Momente bedeuten den großen Erfolg. Hinzu kommt das abenteuerliche, spannend« Geschehen in einer abenteuerlichen Zeit und in einer großen Natur, darüber wird vergessen, daß die Psychologie oft viel zu wünschen übrig läßt und daß das ganze Geschehen schmackhaft für ein Publikum serviert wird, das sich an Heldenverehrung berauscht. Lelix Scherret. /Rätsel- Ecke des„Abend" auuuiiuiuiimiuumiiiiKumiuiiiintuoiiini muw» Kreuzworträtsel Waagerecht: l. deutsche Hafen- stadt; ö. Säugetier; 7. französischer Artikel; 8. poetische Bezeichnung für Jahreszeit; 9. Nagetter: 12 chine- sisches Wegemaß: 14. abschlägige Antwort: IS Apfelsorte. Senkrecht: 2. weiblicher Vov- name; 3. Funkstation: 4. Stadt in der Schweiz: 6. wie 8. waagerecht; S. deutscher Fluß: IC naher Ver- wandtcr;. 11. landwirtschaftliche Bodenfläche: 12. versteckte Kampfes- art: 13. Verhältniswort. es. Silbenrätsel Aus den Silben a berg bor bul bürg but chill chur da de deck di dom du e e er er ge ge gen go gra ha hal i in lan lau le le list ne ne ne no nun phie Punkt ra re re ri rich rheins san sot sau se je sie so ste. tät te tel tel tre u min zi sollen 23 Wörter folgender Bedeutung gebildet werden: 1. Südfrucht; 2. Farbstoff; 3. Männlicher Vorname; 4. Hitzegrad; 5. Männlicher Vorname: 6. Stadt in der Schweiz: 7. Einfassung; 8. Zugehöriger einer politischen Partei; S. Bekanntes Dorf im Harz: 10. Männliches Rind; 11. Biblischer Name; 12. Stadt an der Saale: 13. Stadt m Bayern: 14. Stadt in Brandenburg; IS. Sellenheit: 16. Reit« utensilie; 17. Englischer Staatsmann; 18. Frucht; 19. Insel tnn Stettiner Hoff: 20. Berliner Ulksigur: 21. Tischzeug; 22. Weiblicher Vorname; 23. Kurzschrift. Die Anfangs- und die dritten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ergeben einen alten Wahrfpruch.»d. Verschieden veranlagt Auf dem Heimwege— siehe da— Treffen sich Hilde und Erika. Don der H—--- her kommt Hildegard Sie spielle dort Geig« seelenvoll und zart. Die prakttsch« Erika aber indessen Schwärmt« schon immer für gutes Essen, Daher war die K--- auch ihr Ziel, Lernt backen und braten und kochen dort viel. ab. Füllrätsel a( Die Buchstaben aaagillnnno orrrrrttu sind so in die neben- stehende Figur einzusetzen, daß die waagerechten Rechen Wärter folgender Bedeutung ergeben: 1. Deutsche Stadt; 2. Oper; 3. Männlicher Vorname; 4. Erdvertiefung: 5. Teil des Weinstocks, n. L. Königszug (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Mmmer Kreuzworträtsel: Waagerecht: 5. Hamburg: 6. Le«: 8. Ast; 10. Reval; 13. Etui; 14. Anam; 15. Eiger: 16. Hang: 17. Emil; 18. Ellen; 21. Ida; 23. Gnu; 24. Platane.»— Senkrecht: 1. Ehe; 2. Imme; 3. Aula: 4. Aga; 7. Estland: 9. Spanien: 10. Riege; IL Vogel; 12. Laren: 19. Laar; 20. Esau; 22. Opa; 23. Ger. Silbenrätsel: 1. Aderpresse: 2. Meineid: 3. vcrsicherungs- schein; 4. Znfanlerist: 5. Edelhirsch: 6. Reling: 7. Zwergwildhuhn; 8. Eisenach: 9. haarlem; 10. Naphthalin; 11. Tempelhof: 12. Emomuel; 13. Neptun; 14. Sozialdemokratie; 15. Elentier; 16. Petersilie: 17. Tradikion: 18. Erdbeere: 19. Mirabellen: 20. Berg- gießhübel; 21. Elefaut; 22. Regensburg.— Am vierzehnten September richtig waehlen: Liste eins. Besuchstarteurätsel Oranienburg. Magisches Quadrat; L Lama; 2. Ädam; 3. Made; 4. Amen. Zahlenrätfel: Reichstaasauflösung. Esche. Isar, Celle, Heinrich, Sennerin, Trichter, Acht, Gasse, Sichel, Agnes, User, Flagg«, Laut«, Öls, Sachsen, Ursula, Richte, Glogau. Nr. 406 47. Jahrgang Sonnabend 30. August 1930 £iH$eCfieiteH von der �unß&etiaH flci$anode eftne Sießßetien-£wei neue foofftett-'Zfietmo&icAetung fut$let§ttafufo\maiot- Jüan sie fit fetn(in Sußunfi) k.-. f lüHaanode ohne Sieb/teilen Ja der vorigen Woche haben wir an dieser Stelle eine Heber» ficht über die Radio- und Funlschau gegeben. Es sollen nun noch einige besonders bemerkenswerte VorsühruiMl�«ingehender de- sprachen werden. Hier sei zunächst aus ein« neu« Netzanode mit Akku- Ladeeinrichtung hingewiesen, welche nach völlig neuartigen Prinzipien— im In- und Auslande patentiert— hergestellt ist; sie fällt dem Fachmann bereits durch ihre besondere Klein- heit auf, die auch ihre besonders billig« Herstellung ermöglicht. Es wird nämlich bei dieser Netzanode der Widerstandssabrik Panadi zum ersten Male das Siebtettensystem verlassen und eine besondere Schaltung verwendet, die auf Gegen- induktion beruht. Nicht allein die Anschaffung, auch der Betrieb dieser Anode stellt sich dadurch ungleich billiger als bei denen mit Siebkett«. Ein rveiterer Borteil dieses«einen Apparates ist es, daß sich die Anodenspannungen entsprechend den jeweils ver- wendeten Empfängerröhren, diesen automatisch an- passerr. Dem Netz wird nur soviel Strom ent- nommen, als tatsächlich von dem Radioapparat als Anodeustrom benötigt wird. Bei Umschaltung auf Ladung gibt die gleiche Gleichrichterröhr« 1 Ampere Ladsstrom. Diese Netzanode kann auch zur Ent- nähme von 100 Milliampere Erregerstrom sür dynamischen Lautsprecher dienen. Statt der Akku» Ladeiurichtung kann auch der Heizstrom für Wechsel- stoomröhren entnommen werden; er beträgt 6 Amper«. Weiterhin besonder« bemerkenswert sind zwei neuartige Röhreirsysteme, welche von Telefunken vorge- führt werden. Die eine von ihnen, der Telesunkenstab, ist an dieser Stelle bereits erwähnt worden. Dies ist eine Röhre von nicht besonders hoher Leistung. Die Steuerung ersolgt hier nicht Gelefunken Hab durch ein Gitter, das zwischen Kathode und' Anode ange-- bracht ist. sondern, wie die Abbildung welche ihr Inneres zeigt, durch eine autzer- halb angebracht« Hilfs- ekt trade. Die Anode, auf der Abbildung sink-, wurde mit verhältnismäßig sehr kleiner Oberfläche hergestellt und der Heizfaden sehr dicht an die Steuerelektrod« her- angebracht. Infolge dieser besonderen Eigenschaften be- sitzen die Stobröhren daher auch eine hohe Unempsind- lichkeit gegen das Netz- brummen. Ist nun diese Röhre be- sonders für die Berbilligung de» Gerätes von Bedeutung, so dient die andere neue Röhre der Erhöhung der Qualität, der Erhöhung des Wirkungsgrade» und der Leistung. Daher«chiell diese Röhre auch die Bezeichnung „SchnfzgUter traft- rö h. öm Gegensatz zu den anderen Schirmgitter- röhren weist sie drei Gitter ins, nämlich das Steuer- liiier, das Schatz- /'• - l I VelefunkenSehutagfUerhrafirObre gilter und ein Fonggitter. Dos Schutzgitter dient dem Zweck, den wirksamen Durchgriff zu verkleinern und das Fanggitter, die bei Mehrgitterröhren auftretende Sekundäremijston unschädlich zu machen. Dadurch entsteht natürlich ein besonders hoher Aus- steuerungsbereich. Die Abbildung zeigt, wie die drei kastenförmigen Flachgitter ineinandergeschachtelt sind. Innerhalb derselben befinden sich außerdem noch acht Heizfäden. Mit den Flachröhren ist ein Dreiröhrenempsänger ausge- stattet, der hierdurch«ine nicht unerhebliche Berbilligung erfährt. Er enthält Empfänger und Lautsprecher in einem; die Abbildung stellt ihn aufgeklappt dar. Um einerseits unter ungünstigen Empsangsbedingungen, zum Beispiel in unmittelbarer Röhe eine» Ortesenders die«rsorderliche Abstimmschärfe erzielen zu können, andererseits aber unter normalen Empfangsverhältnissen«insochst« Bedienung zu erzielen, enthält dieser Apparat ein« neu« Kon- 3-XShrenempfänger mll dm neuen Stabrlfhrm und Xaul Sprecher(geöffnet) struttion, den Selektion« wähl er, der mit einem einzigen Handgriff dl« variable Antennentopplung reguliert und ferner die Eingangsschaltung tn seiner einen Cndstellung so umschastet, daß die Antenne kapazitiv fest angekoppelt ist. Eine wichtige Neuerung stellt eine Thermosicherung sür den Netztransformator dar, den die AEG. zum ersten Male zeigt. Der Ausbau der Hochoakuumgleichrichterröhre läßt es zu, daß ein gerissener oder stark durchbogen«? Heizfaden sich gegen die Anode legt und damit Schluß oder Kurzschluß auf der Sekundärseite de» Netztransformators hervorruft, weicher dadurch beschädigt wird. Die Thermosicherung, die als Schutz hiergegen dient, besteht aus zwei Metallstreifen, dip-an eurem End« mit leicht schmelzendem Lot zusammengelötet sind und in einer im Innern der Transformator- MM Xauupreeherrhaatit mll rlerpoHgem Sytiem wicklung zwischen Primär- und Sekundärwicklung eingebetteten Hills«. Erreicht die Wicklung de» Netztransformators ein« ge- sährliche Temperatur, so schmilzt das Lot und die beiden Streifen werden durch den Federdruck der Kontaktfedern auseinandergerissen, wodurch der Primärestrom unterbrochen wird. Nach Beseitigung der Ursache der Ueberlastung kann«in neue« Streifenpaar eingesetzt werden; dies« Thermosicherung schützt auch bei Ueberspannung de» Lichtnetzes, irrtümlichen Anschluß an«in« zu hohe Netzspannung oder des Wechselstromgerätes an ein Gleichstromnetz oder bei Kurzschlüssen tm Gerät, etwa infolge Durchschlagens von Kondensatoren. Ein« weiter« AEG.-Neuheit ist ein elektromagnetischer Lautsprecher mit vierpoligem entlastetem System, bei dem die Ankerrtchtkrast nicht durch die Torsions-Elastizität eines Querbalken», sondern durch die Biegungselastizität des Ankers selbst ausgeübt wird, sein Lorzug ist ein noch hohen Frequenzen erheblich erweiterter Wiedergabe- bereich Es ist dieser Lautsprecher nicht nur sür einfach« Endröhren, sondern auch nach Umschattung sür den Anschluß an die neuzeitlich»« Schirmgitterendröhren geeignet. m Das Fernsehen wird auch In diesem Jahre von der Reich»- Post vorgeführt. Außerdem bereitet aber di« �Tekade" die Tat«!» Fr~~-T i%:■: j,.%•. :- ÖSSEi.„ � XaulMprecherchattit am großen lllembran monlferl kation des Telekor-Fernschers von Mihaly vor. Er wird auf der Ausstellung vorgeführt und wird bei weiterer Der- oollkommnung voraussichtlich gut« Resultate ergeben. Nicht vor- geführt werden di« keineswegs unerheblichen Vervollkommnungen von Telefunken. Bekanntlich wird die Qualität eines Fernsehbildes durch die Feinheit der Unterteilung des übertragenen Bildes, also der Zahl der Bildelemente, weiter durch di« Anzahl der in der Sekunde übertragenen Bilder, also di« Bildfolge und die Bildhellig- keit bestimmt. Hier sind größer« Erfolg« erzielt worden. Während bisher 8 bis 12 Bilder in der Sekunde erzielt worden, ist jetzt die Bildsolge auf 20 gesteigert worden. Die Jmpulszahl und feine Bild- qualität verhält sich also zu den bisherigen Systemen wie 4: 1. Auch die Licht Helligkeit ist stark erhöht worden. Bekanntlich arbeitet Telefunken mit dem Spiegelrod. welches ein« Konzentration der gesamten zur Verfügung stehenden Lichtenergi« auf den über- tragenen Bildpunkt zuläßt. Dieses früher sehr umfangreiche Spiegel- rad des Empfängers Ist so verkleinert worden, daß es im Durch- meffer nicht mehr als 15 bis A) Zentimeter hat, das heißt etwa« i n Hundertstel der ersten Ausführung. Damit sind die Grundlagen einer billigen Fobrikotionsdurchführung gegeben. Der Gleichlauf des Empfangsfpiegelrades wird örtlich durch einen kleinen Synchronmotar erzielt, wie ihn die Abbildung nebst dem Spiegelrad zeigt. Der Motor wird entweder vom Netz oder von einem be- sonderen Röhrengenerator gespeist. Scfneatfkotet rot getickt In den Monaten April bis Juni 1950 sind wegen nichtgenehmig- ter Errichtung oder nichtgenehmigten Betriebes von Funkanlagen 217 Personen rechtskräftig verurteilt worden gegenüber 258 im gleichen Zettraum des Borjahres und 248 in den Monaten Ja» nuar bis März 1930. Zum Teil ist auf recht empfindliche Strafen erkannt worden, nämlich auf 200 M. Geldstrafe, auf 3 Tage, Z Wochen und 1 Monat Gefängnis. Unter den Verurteilten find vier, die wegen Beihilfe oder Mittäterschaft bestrast worden find. Bergleichsweife sei erwähnt, daß in England während des Monats Juni 1930 tn 1024 Fällen Bestrafungen wegen Schwarz- Hörens stattgefunden haben. Schallplalten oder echt« Musik? Der Süddeutsche Rundfunk oeranstaltet« am 2. August ein Preisraten, bei dem die Hörer fest» stellen sollten, ob es sich bei den gesendeten Darbietungen um Ori- ginalvorträg« oder um Schallplatten handelte. Wie schwer es ist, Schallplattensendungen von Originaldarbietungen zu unterscheiden, zeigte sich in dem Ergebnis, bei dem unter den 16 274 eingesandten Lösungen nur 52 richtige festgestellt werden konnten. »er künfilg« S�ased«npftwgm�nvttcken�5pl«gelreck und Ufz&r/ünc/c/fzozl Sport am Sonntag Arbciiersporlliches und anderes Aeutölla-Vrih feiert Wochenende! Der Bezirk Neukölln- Britz der Freien Turnerschaft Groß-Berlin veranstaltet für olle seine Abteilungen und Mannschaften heute, Sonnabend, und mor- gen, Sonntag, ein fröhliches Wochenende auf feinem ständigen llebungsplatz, dem„Sonnenplatz"(Sonnenallee zwischen Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße und Grenzallee). Der Sonnabend wird die Mitglieder der Jugend-, Iungmädchen-, Frauen-, Männer- und Altersabteilungen zu zwanglosem, festlichem Treiben zusammen- führen. Der Sonntag gehört den Kindern! Ab 15 Uhr wird nach gemeinsamem Aufmorsch, Gymnastik, lustigen Spielen und mancher- lei Schnick-Schnack gezeigt werden, wie die Arbeiterturner die Kin- der betreuen. Für Unterhaltung von jung und alt wird bestens gesorgt werden. Die gesamten Einrichtungen des Sonnenplatzes stehen an beiden Tagen allen Besuchern zur Berfügung. Der Ein- tritt ist für Gäste und Mitglieder kostenfrei, Gelegenheit zum Kaffee. kochen ab 14 Uhr vorhanden. Tfr Spiel und Sport am Faulen See. Morgen, Sonntag, veran- stalten die bundestreuen Sportler in W e i ß e n s e e ein Sportfest. Neben leichtathletischen Wettkämpsen werden auch die anderen Sportarten zur Geltung kommen. Handballer, Hockey- und Schach- spieler, Radfahrer und nicht zuletzt die Fußballer werden Beweise ihres Könnens ablegen. Als besondere Ueberraschung wird den Zu- schauern ein Städtekampf im Ringen und Jiu-Jitsu vorgeführt, um dadurch auch in Weißensee für einen bundestreuen Schwerathletikverein den Weg zu ebnen. Die musikalische Unterhaltung wird durch den Arbeiter-Radio-Bun>d, Ortsgruppe Lichtenberg, ausge- führt. Beginn der Hauptkämpfe IS Uhr. Sportfest in Teltow. DoS bundestreue Arbeiter-Sport- und Kulturkartell von Teltow und Umgegend veranstaltet morgen, Sonn- tag, sein Jahressportfest. Bon früh VM- bis WA Uhr wer- den die Borkämpfe ausgetragen: dabei werden sich die ersten Fuß- bollmannschaften von Oberschöneweide und von Teltow die Re- vonche für ihr Spiel im Minervaturnier geben. Nach dem Mittags- tonzert auf dem Marktplatz erfolgt ab WA Uhr der Festzug durch die Stadt. Um 16 Uhr beginnen die Endwettkämps« auf dem Sportplatz. »* Die Trabrennbahn in Mariendorf bringt unter den Rennen am Sonntag auch den mit 60 000 M. ausgestatteten Preis der Republik. * 3m Moabiter Schützenhaus feiert'der dem Arbeiter-Athleten- Bund angeschlossene Verein„Alt-Wedding 1883" sein diesjähriges S p o r t s o m m e rf'e st. Beginn 16 Uhr. * Boxen und Bingen am Sonntag. Der jüdische Boxklub„Mac- cabi" und der Boxsportklub„Sparta" warten am Sonntag, 16 Uhr, mit einem Sportfest aus dem Sportlatz Tiergarten auf.— Auf dem Sportplatz im Friedrichshain veranstalten die Vereine „Westen" und„Teutonia" ein Boxmeeting, in dem beide Vereine die besten Kämpfer in den Ring stellen werden. kremiere im Ständigen Ring Koska von Trollmann geschlagen Nach einer ziemlich langen Pause nahm der„Ständige R i ng" seine nun wieder regelmäßig folgenden Boxabende in den Spichernsälen in Charlottenburg wieder auf. Vor gut besuchtem Hause gab es recht interessante Kämpfe. Wenn man auch zu der „Premiere" etwas mehr erwartet hatte, war der Abend dennoch keine Enttäuschung. Gleich vorweg sei der H a u p t k a m p f genommen. Der Glei- witzer Emil Koska hatte T r o l l m a n n- Hannover zum Gegner. Trotz eines Gewichtsplus von 12 Pfund bot Koska keine überragende Leistung. Der Gleiwitzer, der als Anwärter auf die deutsche Meister- schalt im Halbschwergewicht gilt, brachte es während der ganzen Runden nicht fertig, sich auf den schnellen und wirksamen Stil Troll- manns einzustellen. Lediglich in den letzten Runden hatte Koska einig« gute Mornent«, was an dem überlegenen Punktsieg des Hau- noveraners nichts mehr zu ändern vermochte. Eine kleine lieber- raschung war der Federgewichtler S ch i l ler- Hannover. Ein sixer Junge, der sehr gute Anlagen verriet. Sein Gegner B a r t n e ck- Breslau hatte Mühe, das Puntiplus Schillers aus den ersten Runde» auszugleichen und noch ein Unentschieden zu bekommen. Mit dein gleichen Ergebnis trennten sich H. Nielsen- Altona und der ungarische Schwergewichtler Vary Sa ndor. Volkmar- Berlin schlug den Düsseldorfer Peter D r e k o p s über 6 Runden nach Punkten. Im letzten Kampf des Abends erhielt der Berliner A n k l a m durch feine genauere und wirksamere Arbeit gegen Veonisch-Leipzig einen Punktsieg zugesprochen. Der nächste Kanipfabend findet am 5. September statt. Arbeilersportkarlell Charlottenburg. Um jede Irreführung zu vermeiden, machen wir die angeschlossenen Vereine darauf ausmerk- sam, daß das dreißigjährige Stiftungsfest der Abteilung Charlotten. bürg des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" am 13. September im„Spandauer Bock" stattfindet. Die Ver- anftaltung am 6. September unter gleichem Namen mit dem Zusatz „Opposition für rot« Sporteinheit" ist eine Veranstaltung der Kom> mumsten. �CuyyAJooJlJü Die Spiele am Sonntag Der Freie Sportverein Reinickendors-West hat sich Vorwärts- Hennigsdorf verpflichtet: auf dem Sportplatz in der Scharnweber- straße spielen die Frauen um d110 Uhr, die 2. Männermannschaften um lO'A Uhr und die 1. Männermannschaften um WA Uhr. Freier Sportverein Schöneberg spielt gegen FTGB.-Nordring- Turner auf dem Dominikusplatz in Schöneberg, und zwar die Iugendmannschaften um 13.50 Uhr, die 2. Männermannschaften um 15 Uhr und die 1. Männerniannschasten um 16.10 Uhr. FTGB.- Neukölln und Sportverein Moabit stehen sich im Volkspark Neukölln gegenüber. Es spielen die 2. Männermannschaften um 13.40 Uhr, die Frauen um 14.50 Uhr und die 1. Männerniannschasten um 155» Uhr. FTEB.-Bauniischulenweg spielt im Plänterwald (Platz B) um 10 Uhr mit der 1. Männennannschast gegen FTGB.- Licht-nberg(1. Männer) und um 16.10 Uhr gegen FTGB.-Nordost (1. Männer) Rehfelde empfängt FTGB.-Adlershof. Um 10 Uhr spielen die Frauen und die 1. Männermannschaften um 11 Uhr, während FTGB.-Stralau noch Erkner fährt. Hier spielen die 2. Männermannschaften um 14 Uhr und die l. Männermann- schaften um 15.10 Uhr. Freie Turnerschaft Wilmersdorf hat am Fehrbelliner Platz folgende Spiel«: 15� Uhr die Frauen gegen Nordost, 16 Uhr die 2. Männermannschaft gegen Kaulsdorf 2 und um 17.10 Uhr die 1. Männernrannschaft gegen Tegel. In Hennigs- dorf spielen Marwitz, 1. Männer, gegen FTGB.-Südcn 3 um 15 Uhr und Hennigsdorf. Frauen gegen Sparta-Nauen um 16 Uhr. In Köpenick, Wendenschloßstvaße(Vereinsplatz) spielen Bohnsdorf- Frauen gegen Kaulsdorf um 14 Uhr und Köpenick(2. Männer) gegen Fichtenau 1 u>n 15 Uhr. Weitere Spiel« der Männermannschaften sind: FTGB.- Pankow gegen FTGB.-Norden 1 um 16!-� Uhr im St>dion Weißen- sec; Kleingärtner gegen Potsdam um 15 Uhr im Volkspark Jungfernheide: Teltow gegen Ruhlsdorf um 17(4 Uhr in Teltow: Spandau gegen Koulsdorf um 16 Uhr in Spandau Seeburger Straße: Schenkendorf gegen Zehlendorf um 9 Uhr in Schenkendorf und Reichsbanner-Nowawes gegen FTGB.-Fricdenau um 13 Uhr in Potsdam, Luftschiffhafen. Morgen findet das erste Entscheidungsspiel um die Bundes- Meisterschaft im Arbeiter-Handball statt. Magdeburg ist dazu ausersehen, die Buiidesveranstoltung durchzuführen. Die Meddingcr. die zum erstenmal an der Bundesmeisterfchaft teil- nehmen, treffen dort aus den Endspielgegner des letzten Entfchei- dungsfpiels, den mitteldeutschen lKrbandsmeister Borwärts-Magde- burg-Fermerslcben. Der korster von Roitstiel ein Freund der Wassersportler Nicht überall erfreuen sich die Wassersportler der Fürsorge staatliicher Forstbeamten. Ein« rühmenswerte Ausnahm« macht Förster Zander aus Bottfliel am Tornowsee. Der etwa 10 Kilo- meter hinter Neuruppin gelegene See ist den ganzen Sommer über das Ziel vieler Wassersportler, die mit ihren Paddel-, Segel- und Motorbooten dort rasten und ihr« Ferien verleben. Nicht zuletzt Berliner Sportler besuchen gern diese Gegend, weil der im Groß- stadkgetümmel Zermürbte dort wirtlich die Ruhe und den Frieden echter märkischer Waldseelandschaft findet. Di« staatliche Försterei in Rottstiel hat mit schönem Verständnis kür die Absichten der Wassersportler' mehrere große ZeUlagerplätze freigegeben, auf denen es sich nicht nur gut zelten läßt, sondern wo auch der einfache Landsport zur Ausübung kommeil kann. Liefe- ranken aus der näheren und weiteren Umgegend bringen den Sportlern alle Vorräte für den täglichen Bedarf, und eine recht«r- giebige, aus den hohen Bergen entspringende Waloquell« liefert klares, kühles Wasser. Förster Zander hat in diesem Sommer, wie uns von Wassersportlern berichtet wird, diese Quelle in ansprechender weise einfassen lassen und hat weiter dafür gesorgt, daß durch eine Umzäunung«ine Verunreinigung des zutage tretenden Wassers ver- mieden wiro. Aus einem Tonrohr sprudelt jetzt der helle Quell hervor: ein darunter angelegtes flaches Bassin dient den Erholung- suchenden als„Eisspind" für ihre Lebensmittel. Di« Sportler haben in dankbarer Anerkennung der durch den Förster getroffenen Fürsorge die so hergerichtete Quelle feierlichst eingeweiht und haben sie nach der Tochter des Försters..Waldtraul- quelle" getauft. Girlanden und Wimpel schmückten den Wold und die Ufer und der Festredner, ein Reichsbanner-Wassersportler, so- wohl wie auch Förster Zander lobten das gute Einvernehmen zwischen Forstverwaltung uno Sportler». Die Rahnsdorfer Segler und die„politische Meinungsfreiheit" Seit Wochen mache» die kommunistischen Arbeitersportler«ine ausgiebige Propaganda für die Wahl von koininuniftischen Reichs- tagsabgeordneten und«in« ebenso regsame Agitation gegen Sozial- demokraten. Als nun kürzlich das Berliner bundestreu« Arbeiter- sportkartell ein«,, Aufruf zur Wahlarbcit für die Sozialdemokratische Partei veröffentlichte, da heulte das kommunistische Sportblättchen „Spiel und Sport" auf, und di« linientreuen Hintermänner ließen sofort die entsprechenden Gegenresolutionen fassen. Auch der Seglerverein Rahnsdorf, der immer noch im Freien Seglerverband organisiert ist, obwohl einigen seiner Mit- glieder die Doppelmitgliedschojt im bundestreuen FSB. und in der kommunistischen„Interessengemeinschaft für die Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport" nochgewiesen wurde, durfte sich notür, lich die Gelegenheit zur Hetze nicht entgehen lassen. Mehr al» merkwürdig, um nicht zu sogen unverfroren, war die Begründung, die die Rohnsdorfer Segler für ihren Protest gegen den Aufruf des bundestreuen Kartells gaben: Man fühlte sich„politisch geknebelt", sah schon die Spaltung des Freien Seglerverbandes durch das „Hineintragen politischer Gesichtspunkte in die Sportorbeit" kommen, und man lehnte es ab, sich unter das„politische Diktat der SPD." zu stellen! Allerdings, gegenüber der kommunistischen Liste hielten die Rohnsdorfer ihr« politische Meinungsfreiheit aufrecht. Hier bekannte man sich frei und offen zur Wahlarbeit und ging im übrigen mit dem Bewußtsein auseinander, den diversen„roten" Reichstags- kandidaten, die zwar im Rahnsdorfer Verein Mitglied sind, die aber zum Wassersport dasselbe Perhältnis haben wie di« grasfressend« Kuh zur Botanik, Hilfsstellung bei der Wiedererlangung der Reichs- togsdiäten geleistet zu haben. Ob das dem Verein allerdings viel nützen wird, ist eine andere Frag«: im Stadtomt für Leibes- Übungen haben jedenfalls die Kommunisten gegen eine Beihilfe für den Seglerverein Rahnsdorf gestimmt, während die Sozialdemo. kraten dafür waren. Das sollten die Mitglieder des Vereins, die wirklich noch ein« eigene politische Meinung haben, bei der Reichs- tagswahl am 14. September bedenken! Neue Bücher Der Wasser. SN- Sport. Der Verlag G. Freytag A.-G., Leipzig, hat kürzlich ein Buch herausgegeben, das sich„Wa s s e r- S k i- Sport" betitelt. Der Verfasser des kleinen Werkes ist Prof. Michael Mitter, Wien, der vor etwa 14 Tagen, wie an dieser Stelle berichtet wurde, auf Einladung des Stadtamtes für Leibesübungen im Stadtbad Gartenstraße das Wasser-Ski praktisch vorführt«. Das Büchlein(48 Seiten stark, kart. 1,50 M.) bietet in der Hauptsache eine klar ausgearbeitete, durch gute Abbildungen veranschaulicht« Methodik des neuen Sports. Der Verfasser ist Präsident des öfter- reichifchen Sportlehrerverbandes und zugleich des Waffer-Ski-Klubs in Wien. In dieser Eigenschaft hat«r in einer Reihe von Kursen den in dem Buche enthaltenen planmäßigen Lehrgang praktisch er- proben können Das Buch wird zweifellos mit da'zu beitragen, den Masserskilauf auch aus den deutschen Gewässern so heimisch werden _ lassen, wie«r es auf den österreichischen Flüssen bereits ist. Im Zusammenhang hiermi. sei noch erwähnt, daß die mit den Wasser- läufer» erreichbare Geschwindigkeit die des Faltbootes weitaus über- trifft. Dabei ist die Mitnahm« von 25 bis 30 Kilogramm Gepäck, die im Innern der Skis trocken aufbewahrt werden köimen, für den Sport- und Tourenfahrer ohne Schwierigkeit möglich. Weitere Vorteile der Wasserskier liegen in ihrem geringen Gewicht(15 Kilo) und ihrer leichten Zerlegbarkeit, die ein bequemes Mitführen überall- hin gestatten._ «uh abknd trifft ,j»n Breiten Srnni. ________________„................___„___ Trainina tot gen Stettin und Daueepaddeln des t. Breifrs. Im neuen geräumigen Bootsbau» in Evan- dau-Tiefmerder sind noch einige Bootsstände frei. Ziuskllnfte bei Walter Reu- mann, Sbarlottenburg, Meerscheid'.str 42.______... Frei« Ruderer- und«ooufahrer im RTaSpB.!• Brei». Rachste Techniker. sigung Montag. 1. September, 20 Uhr, im Sewerkschastshau»(Boirfttetij- zimmcr). s Sonnabend. 30. August. Berlin. 16.05 Prof. Otto Klemm, Lelpzit; Dem Gedächtnis Wilhelm Wund». 16.30 Zur Unterhaltung.(Max Rostock. Konzertrither. Erna Klein. Plileel.) 17.00 Otto Katz: Coolidse— Stalin— Poincare. 17.30 Blasorchester.Konzert. 18.33 Aktuelle Abteilung. 19.00 Lieder, Mozart, Schubert, Brahms, Wolf, Strauß. Marx, Weineartuer, (Marcella Röseler, Sopran. Borger, Flfiael.) 19.25 Zehn Minuten Film. 19.35 Ernst W. FreiOler: Die Errähluni der Woche. 20.00 Von der Fnnk-Ausstetlunx: Holländer— Lincke— Gilbert dlrleieren, Nach den Abendmcldungen bis 0.30: Tanzmusik. K 6 n i e s w u s t e r b a u s e,a. 16.00 Hambure: Nachmitlazskonzcrt. 17.30 Prof. Dr. Th. Li«: Pädaeoeen der Geeenwart. 18.00 Min.-Rat Woldt, Fritz Seeall:.Was eibt die Arbeiterschaft dem Randfunk? 18.30 Ulrich' Croner; Funk und Flue. 18.55 Französisch(Or Forleescbrittene. 19.25 Paul Westheim: Liebcrmann-Kokoschka. Sonntag, ZI. August. Berlin. 6.30 funksnrnastik. 7.00 Hambure: Hsfenkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morgenfeier.* 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Bach-Kantate:..Herr Jesu Christ, du höchstes Gut". 12.00 Konzert. 14.00 Was gibts Neues?(Willi Schaeffcrs und Paul Nicolaus.) 14.30 Lauten-Vorträge. 15.00„Baron von Hüplenstich'4 von Clemens Brentano(Sprecher; Ils� Fischer� Ramin). 15.30 Unterhaltungsmusik. Als Einlagen: 1. Hannover: Leichtalhlctiscjte Kimpfa Deutschland— Frankreich.,— 2. Nürnberg: Wasserball Deutschland-* Ungarn. 17.00 Konzert. 19.00 Fritz Walter liest eigene Erzählungen. 19.30 Unterhaltungsmusik. r. 19.50 Sportnachrichten. 20.00„8; 8 Uhr 30: 9: 9 Uhr 30; 10." Ein Hörspiel von Heinz Ludwigg. 21.05 Orcliesterkonzert. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.30 Stadtarzt Dr. Heinz Franzmeyer: Ueberlastung der Schnliugeijd. 18.00 Dr. Heinrich Michaelis uud Mitwirkende: Nikolaus Lenau zum 100. Todestage. 18.30 Prof. Dr. Albert Dietrich: Johann Ocorg Hamann. 18.55 Dr. Boelitz: Theater und Publikum. 19.25 Peter Flamm liest aus eigenen Werken. 20.00 Von Hamburg:„Nanon". Max Giesen Kaufhaus WIC�BI I Seit 40 Jahren das Kaufhaus der werktätigen Bevölkerung