Morgenausgabe Mittwoch M'• �®eP,ember � rr:i.K äse jBllJi_-<>- An-w-r«s il V einichließlich dv Pfg. Postzettung». Jmß»MX W t��7/ 7- P!s P°„d.st.llg.dühr.n� ilu-I-nd» AWN! WM M M M M MM M M) M M/ Die.,n>p»>,.g. Noop.reillezeN, adonnemcm S,— M. pro Monat. HSB»\' BM■ W>— Hf! AL SU Pfennig. R-rlam- i- Reich». ch TrBH I H I W■ �» n■■ W wart,„ftlctne S°--ttge. Der Bonrörts- erldielm mnA,n(Ä» I �B/ dni«e Won 25 Pfennig izulsisig zwei üZ�ZlicnnßXnr&SZ■■ MsK M lengedru»..«°N.I l-d»°....r. � U JB � � MV Z7■®0rtf75ntien®'B'Ur;�rt,�eSÄ ÄSSlirS � VäÄ- Frauenstimme- TeAnif-«IMM« MM MM M»M m* Zelle 60 Pfennig. Fomilienanzeigen Zeil« Vevtinev VvWsbliM».--isM« Aentvawvsan der GozialdemokratifOen Vartei Deutschlands Redaktion und Verlag� Berlin TW 68. Lindenstraße 2 (ternfpifditt: Tönbos« 292—297 Telegramm-Adi©ostalbemofiot©erltn. Auf dem Wege zum kleinbürgerlichen Nationalismus, den die Zentrale der Kommunistischen Partei mit ihrer den Hakenkreuzlern gestohlenen nationalistischen Programm- erklärung betreten hat, gibt es kein Halten. An der Spitze der von Otto Straßer herausgegebenen Zeitung..Der Nationale Sozialist" war gestern in Fettdruck zu lesen: Nationaler Sozialismus oder Inlernallonaler Kommunismus? lieber diese Schicksalsfrage des deutschen Volkes beginnt dem- Nächst zwischen revolutionären Marxisten und revolutionären Rationalsozialisten eine grundlegend« Aus. spräche, die gleichzeitig hier und in der kommunistischen Treviranus gerüffelt. Gr soll keine außenpolitischen Extratouren unternehmen. Die Berliner„D o s s i s ch e Zeitung" berichtet in ihrer Dienstag-Abendausgabe über eine Auseinandersetzung Curtiue- Treviranus. Zwischen dem Reichsaußcmninifter Dr. Curtius und Herrn Treviranus habe dieser Tage«ine Auseinandersetzung statt- gesunden, deren Anlaß das immer häufigere rednerische und publizistische 5) ervortreten des Reichs- Ministers Treviranus auf dem Gebiete der aus» särtiaen Politik gewesen sei. Dr. Curtius habe seinen konservativen Ministerkollegen daran erinnert, daß er, und nicht Treviranus für die auswärtige Politik verantwortlich' zeichne, cknd dast es weder den Gepflogenheiten entspreche, noch'dem Interesse des Rviches nützlich sei, wenn Mitglieder des Kabinetts öffentlich zu Fragen der auswärtigen Politik Stellung nähmen, ohne sich vorher mit dem Außenminister in Verbindung zu setzen und sich seines Einverständnisses zu versichern. Dr. Curtius habe Treviranus ersucht, sich in Zukunft ia dieser Richtung mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. Einige Zeitungen und Agenturen teilen dazu„von unterrich- teter Seite" informiert mit. eine solch« Auseinandersetzung habe nicht stattfinden können, da Curtius und Treviranus nicht zu gleicher Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Tageszeitung„Berlin am Morgen" durchgeführt wird und an der sich führende Persönlichkeiten beider Lager beteiligen.-- Da wird also demnächst Major Buchrucker in der kommunistischen Zeitung„Berlin am Morgen" schreiben, und R« m m e l e oder Thälmann in Straßers Hakenkreuz- blatt! Die Einheitsfront zwischen Sowjetstern und Hakenkreuz wird wieder hergestellt wie zu jenen Zeiten, als Graf R e v e n t l o w in der„Roten Fahne" schrieb. � Sowjetstern am Stahlhelm, Hakenkreuz am Band! Zeit in Berlin gewesen seien. Tatsächlich aber waren beide Minister an«in- und demselben Tage in Berlin. Di« Tatsache, daß Reichskanzler und Außenminister für nötig gehalten haben, Herrn Treviranus an die Schranken seiner Komp«- tenz zu erinnern, l�it in der Rede des Reichskanzlers in Trier ihren öffentlichen Ausdruck gefunden, und Herr Curtius hat Herrn Trevi- ranus persönlich die Kompetenzfrage zu Gemüt« geführt— mit dem Erfolg, dos, wie versichert wird, Herr Treviranus versprochen hat, sich in Zukunft die von ihm geforderte Zurückhaltung aufzuerlegen. Keine Diskussion mit ben Radikalen. Ein Beschloß des rheinischen Bezirksvorstandes. Köln, 2. September.(Eigenbericht.) Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei für die obere Rheinprovinz gibt bekannt, daß Kommunisten und Nationalsozialisten in Zukunft in sozialdemokratischen Per- sammlungen des rheinischen Bezirks das Wortnicht mehrer. halten. Der Ausschluß der Nationalsozialisten und Kommunisten von der Diskussion wird damit begründet, daß di« Rowdys in sozial- demokratischen Wohloersammlungen wiederholt Sozial. demokraten blutig geschlagen haben. Postilbeckkonloi Berlin 37ZLK.— Bankkontos Bant der Arbeiter. Annestellte» und Beamten. Wallstr 65 Dt B u Ditc-Gel Deposit entalle Liudenstr 8. Wahlen und Wirtschaft. Oer Einfluß der Politik. Von Rodert Schmidt. „Das Parlament hat versagt, die Auflösung ist ein De- weiß dafür, daß der Parlamentarismus zum Teufel geht, wenn es nicht anders wird: denn wir glauben nicht daran, daß der Reichstag die großen Probleme löst, die seinem Aufgabenkreis gestellt sind."— Das ist die Anklage, die dem Reichstag nachgeschleudert wird von Leuten, die ihrem Un- mut frei die Zügel schießen lassen.— Biel berechtigter Unmut ist dabei, manches aber ist falsch gesehen und beruht auf einem nur dberflächlichen Eindringen in die parlamentarischen Vorgänge. Wer ist der Reichstag? Die Vertretung der politischen Parteien. Und diese Parteien wiederum sind von der Wählerschaft des deutschen Volkes berufen. Also ist das deutsche Bolt schließlich der Schuldige, wenn der Reichstag versagt. Nun. an der politischen Aufklärung des deutschen Volkes ist manches auszusetzen. Da ist zunächst die große Zahl der N'chtwähler, die ständig von Wahl zu Wahl in der deutschen Republik zugenommen hat. Bei der Wahl zur Nationalversammlung 1919 haben von den 36 766 000 Wählern 6 366 000 von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht, und bei der letzten Wahl 1928 ist die Zahl der Nicht- Wähler auf 10 506 000 angewachsen. Da die Zahl der Abgeordneten sich nach den abgegebenen Stimmen richtet und auf je 60 000 Stimmen ein Abgeordneter entfällt, so haben die Richtwähler auf rund 175 Abgeordnete verzichtet.— Damit soll nicht gesagt sein, daß der Reichstag ein besseres Aussehen erlangt hätte, wäre der Verzicht nicht eingetreten. Am Ende hatten wir das Vergnügen gehabt, einige Herren von der Partei der rotgeftempelten Tausendmarkscheine zu begrüßen und dazu könnte man sich vorstellen, daß auch einige Anhänger des Apostel Häußler— oder der Heiligen um Weißenberger das Niveau des Reichstags gehoben hätten. Immerhin, dieser Kreis der Nichtwähler stellt dem Volk der Denker kein gutes Zeugnis aus, denn wenn e l n Viertelder Wähler von dem Staatsbürgerrecht keinen Gebrauch macht, noch dazu in einer Zeit schwerer politisckier wirtschaftlicher Sorgen, so zeugt das von einer Indolenz, die mit dem republikanischen Staatswesen nicht recht zu verein- baren ist. Welchen Schichten der Bevölkerung gehört nun diese Schar der Nichiwähler an? Da ist keine, die einen Vorzug genießt: leider stellt auch die Arbeiterschaft ihren großen Anteil. Aber wir, die wir die Erwerbstätigen in Stadt und Land für unsere Ideen gewinnen wollen, sehen, wie groß das Gebiet ist. das für den Sozialismus bisher unzugänglich war. Das ist eins Wäh'.ermasse. die unter den 18 Parteien, die bei den letzten Wahlen auftraten, keine kür würdig hielt, ihrer politischen Emfalt zu genügen, deren G''- sichtskreis endet bei dem Interesse für eine schöne Skandal- geschichte, die ihnen die bürgerliche Presse mit breitem Bs- Hagen vorträgt. Leute, die nicht wissen, wohin, die über- Haupt weder sehen, nach hören, was in der Welt vorgeht. Wer in diesem Wahlkampf untätig beiseite steht, begeht einen großen Fehler, denn es handelt sich um die großen Probleme kommender Tage. Zu keiner Zeit Hot der Tiefstand der Wirtschaft, die ungeheuer große Ar- beitslosigkeit die Bedeutung erlangt, wie gegenwärtig. Können wir diese Wirtschaftskrise nicht beheben, die heute jedem Einzelnen bedroht, die jeden vor die bange Frage stellt, wann wirst du aus deiner Stellung, aus dem Betriebe hinausgeworfen und das Heer der Arbeitslosen vermehren— dann gehen wir trüben Zeiten entgegen. Alle müssen Hand ans Werk legen, um dieles Unheil zu verhüten, das bei einem weiteren Absinken der Konjunktur uns bevorsteht, denn mit dieser Frage des wirtschaftlichen Aufkommens sind eng verknüpft die Aufrechterhal- tung der Sozialversicherung, der sozialen Gesetzgebung und die finanzielle Lage der Republik. Keins ist von dem andern zu trennen, die Wirtschaft ist das Zentrum, von dem aus die Kräfte sich entwickeln für eine Entfaltung der Sozialpolitik und der Finanzen. Unsere Sorge resultiert aus dieser engen Verknüpfung. Wir wären nie in diese finanziellen Schwierigkeiten geraten, die uns von einer Steuervorlage zur andern trieb, wenn nicht das Steuer- aufkommen durch den Niedergang der Wirtschaft stark herab- gedrückt wäre und die enorm gesteigerten Ansprüche auf dem Gebiet der Arbeitslosenunterstützung den Etat immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. Daß es im Reichstag Leute gegeben hat, die die Arbeitslosen für ArbeUssaule hielten, gereicht ihm nicht zur Ehre, aber größer war die Zahl derjenigen, die forderten, daß die Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung herabgesetzt werden. Gegen diesen Ansturm hat die Wählerschaft die Entscheidung zu treffen, und hier ist der zuverlässigste Führer die Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie stand in der sozialen Gesetzgebung zu allen Zeiten in dem Pordergrund: von ihr sind die vielen OeUenflldie Wäldcrtamdgebiiiigen. Heute, Mittwoch, 3. September: 6. Abt. Mitte. 19'* Uhr in Hosimanns Festsälen. Schwedter Str. 23. Redner: Carl Litte. 2. und 53. Abt. Echarlottenburg. 20 Uhr Schulaula Wiebestraße. Oeffentliche Werbekundgebung. Redner: Otto Meier, M. d. L. 2. Abt. Siemensstadt. 20 Uhr im Lokal„Zum Hcidekrug", Nonnendammallee 89. Redner: Polizeioberst a. D. Dr. Her- mann Schützinger. 4. Kfeis Neukölln. Treffpunkt zur Demonstration um 19 Uhr auf dem Reuterplatz. Von hier au, setzt sich der Umzug mit Fackeln und Musik in Bewegung. Vorher treffen sich die Ab- teilunqen wie folgt: 91., 94. und 95. Abteilung IS'A Uhr Boddi'nplatz: 92. und 93. Abieiwng 18!� Uhr Finowstraße(Nahe Kaiser-Friedrich-Straße): 96., 97., 98. Abteilung und SAJ. 18',I Uhr Siubenrouchplatz(Nähe Schierkestraße). Die 89. und 90 Abeilung sowie Britz treffen sich 18?L Uhr aus dem Reuter- platz Niemand darf bei dieser wichtigen Wahl.rrbest fehlen. Schlußkundgebung auf dem Hertzbergplatz. Redner: Artur Crispien. Sprechchor der«Ao. iohannistbal. 20 Uhr im Lokal„Zum Einsiedler", Sierndamm. Rednerin: Stadtverordnete Minna Todenhagen und Genosse Reuter. töpenick. 2014 Uhr im Lokal Seidler. Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße. Redner: Kurt Heinig.- Treffpunkt zum Werbe- "mzug mit Musik und Fackeln um 19 Uhr. wtadtpark, Fürsten- walder Straße. Nahlsdorf. 20 Uhr im Lokal Nordstern. Hönower Str. 49. Redner: Stadtverordneter Franz Ääming. Zankow, 128./130. Abt. 191ä Uhr in Linder, Konzerchau». Marktplatz. Redner: Siegfried Zlufhäuser. Znchholz. 20 Uhr im Lokal Erdmann. Pasewalker Str. 11. Redner: Carl Dressel. borgen, Opnnerstsg, 4. Sepfbr,; Witte. 4. Abt. 20 Uhr in der Aula der 5. Realschule, Kleine Frankfurter Str. 6.(Friedrich-Ebert-Oberrealschule.) 3. Kreis BSeddiag. 1914 Uhr im Swinemünder Gesellschafts- Haus, Swinemünder Str. 42. Redner: Otto Meier, M. d. L. 6. Kreis Kreuzberg. Antreten zum Werbeumzug mit Musik 18 Uhr Spreewaldplatz, am Görlitzer Bahnhos. Anschließend Kundgebung unter freiem Himmel. Redner: Fritz Schröder. Die an die Abteiwngep ausgegebenen Fahnen müssen mitge- bracht werden. Lichterfelde. 1914 Uhr in Hennig, Festsälen, am Bahnhof Lichterfelde-Ost. Rednerin: Marie Kunert. Teurpelhos. 20 Uhr in der Aula de, Realgymnasiums. Kasierln- Augufta-Straße 19/20. Rednerin: Paula Kurgas. Rudow. 1914 Uhr bei Wedler, Bendaftrahe. Redner: Stadtoer- ordneter Hermann Lempert. Adlershof. 20 Uhr bei Wällstein, Bismarckstr. 73/75. Redner: Georg Mendt. 177. und 121. Abteilung. Gruppe Kliugeuberg. 1914 Uhr im Lokal Städtische, Flußbad. Redner: Genosse Sengersdorf. Betriebsfraltio« der SPT. beim Arbeitsamt Berlin- Mitte. 5 Uhr. Hackescher Hos. Rosenthaler Str. 40. Fraktion,- Versammlung mit Sympathisierenden. Genosse S:egfried Aufhäuser spricht über die„Reichstagswahl am 14. September". Betriebsfraktion der SPD. beim Beziclsamt Berlin- Mitte. 4 Uhr. Wahlkundgebung für olle Arbeiter. Angestellten und Beamten rm Hackeschen Hos, Rosenthaler Str. 40/41. sVSMrinnenltunasevunS! 3. Kreis Weddiug. Mittwoch, den 3. September. 19)4 Uhr, in der Hochschulbrauerei. Amrumer, Ecke Seestr. Referat der Genossin Klara Bohm-Schuch. M. d. R..„Der Kamps der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Außerdem Ausführung de, Sprechchorwerkes„Dividende" durch den Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerklchastsjugend. 7. Kreis Yharlottenburg. Freitag, 5. September, 1914 Uhr. in Ahlerts Festsälen. Charlottenburg, Berliner Str. Bor- sührung des Filmes„Freie Fahrt". Ansprache der Genossin Käte Kern. Ferner gesangliche Darbietungen. »4SNNSI' uns Frauen, erscheint in Massen! Nationalkommunismus marschiert immer tiefer in den Sumpf des kleinbürgerlichen Nationalismus. Anregungen zur Aufbesserung der Leistungen der Sozial- Versicherung ausgegangen. Kommen wir zu einem Aufwärts in der Wirtschaft, dann lösen sich die Probleme der Sozialversicherun-g, der Steuer- und Finanzpolitik leichter, dann kommt es nur noch aus'das Wie an. Aber gerade hier ist die Regierung auf falschem Wege, denn die unglückselige. Idee, die Wirt- schaft mit dem Lohnabbau zu kurieren, ist ein verfehltes Mittel. Damit gestaltet man die Aussichten auf eine Belebung der Wirtschaft nur noch ungünstiger. Lohn- abbau bedeutet Schwächung der Kaufkraft, wir aber brauchen eine Steigerung des Konsums durdi gesteigerte Stauf- kraft. Daneben spielt nun eine große Rolle der Preis- abbau. Aber man darf sich nicht allzuviel davon ver- sprechen.. Im mäßigen Grade ist der Preisabbau unwirksam, in Verbindung mit erhöhten Lebensmittelpreisen hebt eins das andere auf. Die Wirtschast bekommt dadurch keinen Auftrieb. Ebenso wirkungslos werden heute Millionen für Land- Wirtschaft hingegeben, die wohl den einzelnen Landwirt helfen, aber auf die Gesamtwirtschaft keinen fördernden Ein- fluß ausüben. Die Republik ist dabei, erhebliche Schulden- betröge der Landwirtschaft zu übernehmen, und sie darf dafür die besondere Aufmerksamkeit entgegennehmen, die ihr einige Landvolkführer durch ihre Bombenattentate zum Ausdruck bringen. Die Republik hat die bankrotten Ge- nossenschaften der Landwirtschaft wieder aufgerichtet, sie hat 'den starken Preissturz für landwirtschaftliche Produkte auf dem Weltmarkt im Inland nicht zur Auswirkung kommen lassen, und dafür doch nur die eine Quittung erhalten, daß schandmäßig wenig für die Landwirtschaft getan ist. Diese politische Interessenclique kennt kein Gesamtinteresse der Wirtschaft, sondern nur ihr eigenes. Mit diesen Kräften, die heute in der Regierung einen starken Einfluß ausüben, kommen wir wirtschaftspolitisch nicht vorwärts: jede gesunde Entwicklung wird im Keim erstickt. Die Wahl muß die Entscheidung bringen über.den Kurs, der gesteuert wird, denn die Herrschaft der Landbündler treibt zu einem weiteren Ver- fall d e r W i r t s ch>a f t. | Oas Deutsch des Dichters. * Er dichtet Kleine Anfragen. Die Preußenfraktion der Deutschen Dolkspartei zählt in ihren Reihen neben«inigen Dutzend chandelskommermitoliedern, Unternehmern usw. auch einen leibhaftigen„D i ch ter": Herrn Joseph Buch- Horn, den seine Parteianhänger auf Plakaten„den größten leben- den nationalen Dichter Deutschlands" nennen. Herr Buchhorn hat vaterländische Studentc ndraMen geschrieben, neben denen„Alt-' Heidelberg" fast als krasser Naturalismus wirkt. Wie dieser größte lebende deutsche Rationaldichter die deutsche 'Sprache beherrscht, ergibt eine von ihm eingebrachte, Meine An- ■ frage", die sich mir dem Kentern eines Paddelbootes auf der Havel, verursacht durch das Motorboot des Staatssekretärs Weißmonn, be- ' saßt. Hierüber dichtet Herr Buchhörn in seiner Anfrage:. „Usber die Ereignisse noch dem Unfall gehen die Lesarten der B e t e i l i g t c N'(feit wann haben Beteiligte ,L es orten", sie baben doch höchsten? Darstellung? arten! Red.)-mseiiiairder. 'i-Si e sollen auch nicht" A weck dieser Anfrag«/s«w, Die Beteiligten? Die Lesarten? Die Er«iHnisse?' Me kann- so- etwas ..Lweck" einer Anfrage fein? Red,) Jetzt schon möchte ich ober be- merken, daß mir der Satz des Herrn Staatssekretärs in der Berliner illustrierten ,,N achtau sgo b«" (armer Staatssekretär, der in der„Nachtausgabe" Satze macht! Reld.) „im übrigen wird der Sachschadei?, der insgesanü 30) RM. aus- macht, inzwischen von meiner Versicherung gedeckt werden", n-i cht der Lage und der inneren Einstellung eines Menschen. bei einem. solchen Unfall zu. entsprechen scheint.(Nicht der Lage? Hm! Herr Buchhorn weiß offenbar bereits, daß die Versicherung nicht zahlen wird. Red.) Unmittelbar nach dem Unfall hat der Herr Staats- fekretär durch die Pressestelle der Staatsregierung feine Ver- l g u t d a r u n g über den Unglücksfall bekannt geben. lassen.(„Seine Vekanntgabe über den Unglücksfall verlautbaren lassen", wäre ebenso schön und ebenso verschnörkelter Schwulst ge- wesen. Red.)._ Herr Buchhorn fragt schließlich a», ob die Staatsregierung den Slmtlichen Preußischen Pressedienst in Zukunft auch anderen Leuten„zur Regelung von Privatangelegocheiten" zur Der- fügung stellen will? Wir rufen begeistert: Bitte, ja! Zuerst möge die Regierung dein Dichter und Schriftsteller Buchhorn den Amtlichen Presse- dienst f ü v St i lüb u n g« n zu r V e rf ügung stellen, damit er sich von seinem hochtrabenden und falsch konstruierten Phrasen- ichwulst befreie, den er offenbar für den Stil eines Gebildeten hält! Gerade er als Dichter hat doch ein richtiges Deutsch so nötig! 260 MMonen Entschädigung. Urteilsspruch gegen die Sowjetregierung. � Landau. 2. September. 3n dem Prozeß der enzlischen Gesellschaft Lena Gald- sield» gegen die Sowjetreglernng fällte da» Gericht folgende, Urteil: Die russische Regierung hat die Lena Goldflelds verhindert, den Konzessionsvertrag auszuführen. Dieser ist jetzt erloschen. Die russische Regierung ist verpflichtet, der Gesellschaft dreizehn Millionen Pfund Sterling, das sind 260 Millionen Mark, zu zahlen. Dos Schiedsgericht Island aus dem deutschen Professor Dr. O l t o Stutzer nno Sir Lestie Scott und war von der Lena Goldsiclds einberufen worden. Die Sowjetregierung, die bei den Verhandlungen in Berlin vertreten war, hatte zu den Verhandlungen de» Schiedsgerichts in London keinen Beoollmächlizten gesandt. ★ Der Vertreter der Lena Goldfields, RechtsanwaU Nelson, teilte dem Schiedsgericht interssiont« Einzelheiten über die Zustände auf der Konzession mit. Die OGPU. soll danach fortlaufend zahlreiche Angestellte der Konzession verhaftet haben, so daß eine ordnungs- mäßige Bctricbsführung nicht möglich war. Auf die Stellungnahme der Sowjetreglernng zu diesem Urteil darf man gespannt sein. Die russische Regierung beschuldigt die Lena Göldfields-Gesellschast des Bertrag«- b r u ch s und hat dementsprechend ihr« Zustimmung zu dem ver- tragsmäßig ousbedungenen Schiedsgericht zur ü ckg e z og e n. Das Schiedsgericht vertritt demgegenüber den Standpunkt, daß die Lena Gsksields ohne eigenes Verschulden nicht in der Lage war. den Vertrag durchzuführen, so daß der Konzeffionsvertrag bis zur Fällung de« Urteils tn Kraft geblieben sei. Die Meuterei in der Hakenkreuzarmee.— Wer trägt die Kosten? München, 2. September.(Eigenbericht.) ver„völkische Beobachter" vom Dienstag teilt parleiamkllch mit. daß der Führer der Parleiarmec der Rationalsozialisten, der oberste SA..Auhrer(Osof), Hauptmann a. D. von Pscsfer. München, von seinem Posten zurücktritt. An seiner Stelle übernimmt Hitler selbst die oberste SA..Aührung. Die veröfsentlichung im„Beobachter" enthält weiter die finanziellen Zugeständnisse hillerz an die meuternde SA. Die SA�Diensistellen sollen neue erheblich e Geld. mittel erhalten. Diese Mittel sollen dadurch ausgebracht werden. daß jedes Parteimitglied monatlich eine Sonderkopf st euer von 2 0 p f. für die SA. zu zahlen hat, serner wird die Aufnahmegebühr snr neue Mitglieder von l M. auf 2 M. er. höht und die Ortsgruppen haben künftig die Hälfte der Aufnahme- gebühr an die SA. abzuführen. Sckstietzllch sollen die Ortsgruppen in Zukunft SO Prozent der von ihnen eingezogenen Kampf- schätz spenden abliefern. Dem zurückgetretenen SA.-Zührex von Pfeffer spricht Hitler den Dank für seine außerordentlich großen Verdienste aus. Cr erklärt gleichzeitig, daß Pfeffer an anderer Stelle verwendet werde, lieber die Meuterei� von Berlin enthält der„Völkische Beobachter" nicht ein einziges Wort. Auch in Ztnrnberg nod Angsburg hak isi« SA. feil längerer Zeit gemurrt und aufbegehrt. * Der„Führer"- Hitler behauptet seine Führerschaft nur noch dadurch, daß er sich den Gehorsam der Gefolgschaf: buch- stäblich erkaust. Die in feinem Solde stehende Parteiarmee hat eine Lohnbewegung gegen ihn erfolgreich durchgesetzt. Wie der anschließend veröffentlichte Bericht zeigt, haben sich seine Söldner dabei ganz wie die meuternden Landsknechte benommen. Die treu gebliebenen Truppen haben auf die Meuterer geschossen, die Meuterer hatten' blutige Verluste— aber sie erhalten mehr Geld! Wohek? Wenn man nüchtern überschlägt, was'bei der im„Völkischen Beobachter" veröffentlichten Deckustg'svorlage für die Mehrfotderung der SA.-Leute herauskommen kann. und dem gegenüberhält, was diese Privätarmee kosten mag, so entsteht von selbst die Frage, wie die dafüt erforderlichen gewaltigen Mittel beschafft werden. Hitler hat kapituliert, die SA. erhält ntehr Geld— aber wer trägt die Kosten? Sollte hier der rechtsradikale Flügel der Schwerindustrie eine Lohnbeweg u'ng verloren haben?... Kein Geld, aber Schüsse. Das Organ Otto Straßers teilt über die Hakenkreuz- fchlacht in der Hedemannstraßs folgendes mit: Hauptmann Stenn es halle am Sonnabend auf der Ge- fchäftsstelle der SA., die sich gleichfalls in der Hedemannslr. 10 befindet. eine Besprechung mit seinen Unterführern. An dieser Besprechung nahmen auch SA.-Führer aus dem Reiche teil. So stellte sich der s ch l e s i s ch e G a u st u r m geschlossen hinter die Berliner SA. In diese Besprechung. drang der Geschästsführer der NSDAP. W i l k e, der trotz aller Vorgänge von Goebbels gestützt wird, unter Schutz der SS.(Schutzstaffel), die zu Goebbels und Wilk« steht, mit vorgehaltenem Revolver ein und versuchte Stenne» zu zwingen, von seinen Forderungen abzugehen und bestimmte Erklärungen abzugeben. Stennes weigerte sich. Von der SA. wurde der in Bereitschaft liegende Sturm 31 (Charlottenburg) sofort angerufen. Diesem Sturm schloffen sich andere SA.-Leute an. Als der Sturm 31 in die Ge- jchaftsftcll« des Gaues eindrang, gab Wille dem SS.- Führer K e r n d en B e f e h l,■gegen, die eindringende SA. mi t dem R e- v o lp er� v o rzugeh e n. Die S S. schoß, vier SA.-Leute wurden schwer verletzt und mußten in die Krankenhäuser abtransportiert werden. We kapitulierte. r ,-;';■ Hitler besuchte: in Begleitung schwerbewaffneter �'S.-Lenw am Sonntagabend nach sämtliche SA.-Lokate. um zp retten, m««ach zu retten mar. Daß der SA. dieser Eanossaga'ng Hitlers wenig im- panierte, liegt auf der Hand, Noch vor wenigen Tagen hätte Hitler die GA.-Abordnung, die ihm die berechtigten SA.-F orderungen in München vorttagen wollte, stolz noch Hause geschickt. Er verhandl« ■nicht mit Rebellen. Als die SA. ober in Berlin mit der Faust mif den Tisch schlug, brach Hitler josort seine Wahlreife' ab, eilte im Flug- z epg nach Berlin intd unternahm B i t t g ä n g« i n d i e S A.- L o k äl e.''■" Hitler wurde den, entsprechend in den einzelnen SA.-Lotalen empfangen. Mit eisigem Schweigen hörten sich in einzelne» Lokalen die SA.-Leute die Worte ihres Führers an, in anderen wieder erreicht« er sein Ziel, die SA. wurde unsicher, der Zweck wurde erreicht. Inzwischen wurtx mit allen Mitteln auf Stennes eingewirkt, um ihn zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Die meisten Forderungen der SA. wurden' bewilligt. Mit einem Male ging alles, was bisher nicht möglich war, durchzuführen. Hitlers politische Pläne. Hitler und Goebbels waren entschlossen, 14 Tage vor dem 14. September die Revolte mit allen Mitteln abzustoppen. Nach den Reichstagswahlen werden einschneidende M a ß- nahmen durchgeführt, um für die Zukunft ähnliche Vorkommnisse völlig auszuschließen. Hitler und Goebbels erblicken in den revo- lutionären SA.-L«uien eine Gefahr für die sichere Durchführung ihrer reformistischen Koalitionspolitik, die sie nach einem Wahlsieg entschlossen sind durchzuführen. Es hab�n bereits jetzt schon Besprechungen der Regierungsparteien mit der Deutschnattonalen Volkspartei nnd den Nationalsozialisten über eine gemeinsame Regierung nach dem 14. September stattgefunden. Den■ Nationalsozialisten'ist zunächst das- Berkchrsmi'msierium angeboten worden! �'■ Soweit die Darstellung des Straßer-Blättes, die die lieb- lichen Zustände im Hakenkreuzlager noch weiter beleuchtet. Zu der Behauptung, daß Besprechungen zwischen Regierungsparteien und Nationalf özia- l i ft e n über eine künftige Koalition stattgefunden haben, werden sich die Regierungsparteien bestimmt äußern müssen! ,V Hauptmann Stennes. ' Ein alter Geheimbündler und Verschwörer. Der Letter der Nationalsozialistischen Sttrnnabkeillmgen Än Gau Ost, deren Aufruhr soeben notdürftig von Httler durch Geldoer sprechnngen besänftigt wurde, ist der ehemalige Polizeihauptmonn Stennes. Er hat vor neun Jahren in dcr Berliner Schutzpolizei als Leiter der„Hundert.fchaft zur besonderen Der- Wendung"(z. d. 33.) ein« sehr dunkle und bis heute nicht völlig aufgeklärt« Rolle gespielt. Unth:' seinem Pcttronat hafte sich in der Hundertschaft eine G.e h e im o r ga ni'sa t'i o n gftüideft M..sich „die Ringmannen" nannte.' Diese Geheimorganisation hatte auch außerhalb der Hunderlschaft Mitglieder, aber in dieser selbst ihren stärksten Stützpunkt. Nach ihrem Programm sollte die damalige Meichsregierung.durch eine>nati.onai.-e..-Re.�ierung".ersetzt werden, wobei das Recht der RegieruNgsemfetzung reicht vom Reichs. tag, sondern eben von der Geheien'orgavifation ausgeübt werden sollte. Zu diesem Zweck sollt« der Gehestnbuud seine Waffen behalten. Die gehennbündlertsche Tätig�S äußerte sich den» bald m einer umfangreichen Wasfenschi«b»ng> weg« derer später ■Hauptmann Stennes vorübergehend unter Anklage gestellt-wurde. Man wäre dieser Schiebung jedoch kaum aus die Spur gekommen, wenn nicht zu ihrer Verheimlichung die Ringmannen ein« ans- gesprochenen Fememord begangen hätten:, die Ermordung des Polizeioberwachtmeisters Bu chholz. Dieser wurde ein« Tages mit durchschossenem Kopf aufgefunden. Ohne, wettev« meldete die z. b. B, daß Buchholz Selbstmord jms Liebes kunm«r" begangen habe. In der Hundertschaft munkelte man jedocst daß der Einschuß sich nicht in der Schläfe, fondern im Hinterkopf des Buchholz befunden habe. Diese Gerüchte- verdichteten fich 4»nnier mehr, gelangten in die Oefieittttchkeit; eine Obduktion der Leiche de? Erschossen« ergab, daß sie richtig vaapta, Dnchhotz war erm o rdet worden. Daraufhin wurde ein Ermttttnngsversochrm eingefeSet, das sich zu einer Anklage wegen Mordes gegen den Haupttvachttneifter Meyer und den Unterwachimeister Erven verdichtete. Beide waren eifrige Ringmannen gewesen, hierdurch kam man auch auf die Spur der Geheimorgamsation und der Waffenschiebung. Trotz schlvevbeiastenden Materials wurden Meyer und Erv« wegen angeblich �na regelnd er Beweise' freigesprochen. Die damalig« Preußenregierung Stegerwald-Dominicus weigerte sich trotz aller Enthüllungen, die Hundertschaft z. b. P. aufzulösen. Di« geschah erst durch den Nachfolger des Ministers Dominicius. durch Genossen S e v e r i n g. Herr Stennes aber fetzt« nach einem kurz« Zwischenspiel bei der Privatinduftrie seine liebgeworden« Täft�kett erst beim Stahlhelm, dcnm bei den Na tionalsozialisteu fort. Galomon provoziert. Aussage des Llniersuchungerichkers. AUona, 2. September. Bei der heutigen Aufnahme der Verhandlungen im Bomben-- legerprozeß kam es zu einem Zwischenfall- Der Angeklagte von Salomon oerteilte im Saal Zettel, in denen zum Besuch eitler Versammlung aufgefordert wird, in der er über den Bomben-' legerprozeß sprechen will. Der Boftitzende warnt« ihn aus das nachdrückkichste vor derartigen demonstrativen Handlungen, die hart an Ungebühr grenzten und im' Wiederholungsfalle mit aller Strenge geahnixt werden' würden. Bors. Dr. Zelenka muß den Angeklagten Nickels in scharfem Ton aus den E r n st'd e r'-S it ua l i o p hinweisen, weil sein Betragen-den Eindruck erwecke, als ob i ihm die ganz« Der- Handlung lächerlich vorkomme. Der Borsitzende liest nun dem Zeugen Dr. Masür einige der von ihm aufgesetzten Protokolle vor, da er sich bei der Fülle des- angesammelten Materials auf Einzelheiten nicht mehr genau besinnen kann.- Dr. M a f u r erklärt bann fest'ünd bestimmt: Ich habe Nickel s damals noch onsdrücklich gesagt, er solle sich vor der Unlerschrifks. leistung reichlich Lbellcgcn. öb die Niederschrift auch taksachlich feinen eigenen Angaben in nllen punkten genau entspreche. Damtt kommt der Zeug« auf di« Vernehmung«, Wiborgs, der offtnsichtlich unter schwerster seelischer Erschütterung feine Angaben macht«, bei denen .er ohne jede Beeinflussung aus sich felbft heraus Rehling als Mittäter nannte. Die Angaben■ Wiborgs wäre» mtt solcher Bestimmtheit gemacht, daß daran nicht gezweifelt werden konnte. In seiner weiteren Vernehmung stellte.Dr. Masirr entschieden i n Abrede, daß sich irgend jemand anberechtigterwesse cm den Vernehmungen beteiligt hätte. Ktaatsanwalt Dr. Eich holz bat den Zeugen um Auskunft, welchen Eindruck Nickels gemacht habe/besonders ob feine Angaben über die Beteiligung von Rehling glaubwürdig erschienen seien. Zeuge Masur antwortete, daß er sich keine bestimmte Meinung darüber gebildet habe, ob Nickels glaubwürdig ist oder nicht. Die Protokolle der Bernehmungen seien jedenfalls durchaus ordnungs- gemäß zustande gekommen und enthielten nur Tatfachen, die von den Angeklagten felbft angegeben worden seien. Auch Vvlck habe ■ebenso wie die anderen aus sich selbst heraus seine Angaben gemacht. Rechtsanwalt.Dr. Brandt: Hat Bolck Frau von. Oertzen als Anstifterin bezeichnet?' Dr. Masur: Er ist wütend auf.sie, weil er sich van ihr be- ! trogen fühlt. Sonst weih ich nichts.'' Es wurden nun Proben dcr bei den Anschlägcn verwandten Romperitpackimgen vorgelegt, die ungefähr das Aussehest einer in rotes Oelpapier gepackten Erbswurst haben und von.weitem, ganz gut■ für. einfach« Feuerwerkskörper gehalten werden konnten. Di« Verhandlung ward« sodann aus Mittwoch vornttttog vertagt. EostesundBellonteinNewUort Eine großartige Flugleistung. New Hork, 2. Septewber. Der Flieger Costes erschien um 7 Uhr 3 Minute« «rbends(Ortszeit) über dem Flwgplah Cvrtis Fielt». Um 7 Uhr 12(12/12 MEZ.) war das Flugzeug glatt gelandet. * Es heißt keinezwegs. die Leistung von Aoehl. Hünefev» und Fitzmgvrice zu verschleiern, wenn man feststellt, daß die beiden Franzosen die e r st e wirklich ei n w andfrei« Durch« guerung des Atlantischen Ozeans in oft westlich er Richtung, und zwar von Weltstadt zu Weltstadt vollbracht haben: auf dem Pariser Flugplatz Le Bonget ausgestiegen, sind sie auf dem New-Iorker Flugplatz.Curtis gelandet. Die Deutschen und die Jrländer waren von der Westküste Irlands aufgeflogen und hatten eine Insel an der Mündung des kanadischen' St. Lorenz-Stromes gerade noch erreicht. Die Franzosen haben etwa 1000 Kilometer mehr zurückgelegt. Allerdings scheinen die zwei vom„Frage» zeichen", vom Wetter erheblich mehr begünstigt worden zu sein als einst die drei von der„Bremen". Die Ost-West»Ueberquerung ist zweifellos unvergleichlich schwie- riger als der Flug in umgekehrter Richtung: das liegt sowohl an den vorwiegend widrigen westlichen Winden, wie auch an dem starken Nebel, der zwischen Neufundland und dem amerikanischen Festland zu herrschen pflegt und dem die„Bremen"°Besatzung beinahe zum Opfer gefallen, wäre. Versuche, von Europa nach Amerika zu fliegen, haben schon viel zahlreichere Todesopfer— angefangen mit den Franzosen Nungesser und Colli— gekostet als in der anderen Rich- tung, die Lindbergh und bald danach Chamberlin cknd Levine er- folgreich zurücklegten. Die lebenden und die toten Ozeanflieger, sie waren und sind alle kühne Pioniere des menschlichen Fortschrittes. Denn was heute noch als waghalsige Rekordleistung anmutet, wird vielleicht in einer nicht allzu fernen Zukunft normaler Verkehr sein. Das lehrt die Entwicklung der Fliegerei über den Aermelkanal, die von Bleriot vor 22 Iahren als ein« tollkühne Einzeltat ausgeführt und gefeiert, wurde, aber längst zu einer normalen Erscheinung des Personen- und Postverkehrs, zwischen dem Kontinent und dem Britischen Insel- reich geworden ist. Freilich scheint es, als ob praktische Bedeutung für die nächsten Jahrzehnte- mehr dem jüngsten Etappenflug v on Gronau mit..„Landllngs"möglichceiten auf dem Wasser zukommt äls den grandiosen,- aber riskanten Sprung von Koehl oder Costes. In diesem Sinne'-darf man- dem angekündigten Unternehmen des Riesenapparatcs Do. X mit besonderer Spannung entgegensehen. Oer Budapester Aufmarsch. Kundgebung dee Nachbarpartei. Wien. 2. September.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Parteivorstand hat an die Parteileitung' in Budapest ein Telegramm gerichtet. worin gesagt wird, die Demonstration vom Montag zeige. daß das Proletarkat in seinem Aufstieg durch keinerlei Eewalt zu hemmen ist. Den ungarischen Arbeitern wird die brüderliche Sympathie der. Arbeiterschaft Deutsch. öjtermchsL irnscfiprnchew._______________________-_______.. _________________ Volizeibericht... -. Budapest, 2. September.(WTB) Tic gestern von der Polizei zwangsgestellten Ruhestörer wurden zum Teil bereits abgeurteilt'. Im 6' Bezirk wurden von 140 Zwangs- gestellten-i«i. zu Freiheitsstrafen von 3 bis 10' Tagen verurteilt. 40 der Politischen Abteilung der Obcrstadthauptmannschast über- geben, 11 dem Jugendgericht, die übrigen 43 ciülassen. Von den bei der Polizeihaüptmannschast des 7. Bezirks zwangsgestellten Personen wurden 33 zu Freiheitsstrafen von zwei bis acht Tagen verurteilt, gegen Neun wurde das Strafverfahren eingeleitet, ein Jugendlicher dem Jugendgericht übergeben. Von den wegen Uebertretung ver- urteilten Personen haben bloß drei Berufung eingelegt, während die übrigen die Perbüßung der Strafe sofort antraten. Die mit Verletzungen ins. Hospital, gebrachten Demonstranten wurden zum größten Teil von dort wieder entlassen, es sind noch 26 in der Klinik. Zwei Personen sind lebensgefährlich verletz!, das Befinden von acht anderen ist ernst. Im Polizeifpital befinden sich sieben verwundete Beamte, von denen nur der Zustand des einen, der einen Beinbruch erlitten hat, ernst' ist... Aus eipm Platz des 7. Bezirks rotteten(Ich(!) heute oor- miitag wieder 100 bis 130 Arbeitslose zusammen, die unter den Rufern B r o t. Arbeit! eine lärmende Kundgebung veranstalteten. Die Polizei zerstreute die Gruppe mühelos. Es wurden 21 De- monslrauten zwangsgestcllt. Die- Polizei hat Kenntnis erholten, daß die Kommunisten die Abhaltung eines Roten Tages am 6. September angekündigt und die Ardeiter zum demonstrotwen Marsch durch die Straßen«ms- gefordert haben. Infolgedessen hat sie schon für Freitag nachmittag erhöhte Alarmbercttschast angeordnet und wird /' bei der geringsten Ruhestörung in der energischste» weise «inschreiten. Die Oberstadthauptmannschast fordert die Einwohner auf. sich am Sonnabend jeder Gruppenbildung und Ansammlung sowie stder Art-von Umzügen f-r nzilha lte n.• Inzwischen werden die Vorbereitungen zum Leichenbegängnis des gestrigen Todesopfers getroffen. Oer neue Aktäon. Zum Ueberfa« auf das Berliner Gaubüro der Nazis Prügelei in Stemhagen. Nazi unst Kozi spielen„Aekormverein". Rostock. 2. September.(Eigenbericht.) Auf einer- nstionolsozi alistiichcn Wahlversammlung in S t a v e n- h a g e n. dem Geburtsort F r i tz R e u t e r s. kam es am Montag- abend nach Schluß der Diskussion Zu einer blutigen Schläge. fei. Ein kommunistischer Redner hatte die Redezeit überschritteu ürch wurde, als' er der Aufforderung, die Rednertribüne zu verlassen. nicht nachkam, von ihr heradgedrängt. Darauf entstand ein wüster Tumult. Alle erreichbaren T i s ch e u n d S t ü h l« wurden von den Nationalsözinlisten ergriffen, zerbrochen und a l? Waffe be. nutzt. Aus emen Wink des Führers, der Rarionatsozialist«» stürzten sich diese auf die anwesenden Kommunisten Faustgroße Steine sowie Stuhlbeine wärden durch den Saal geschlendert. Mehrere Personen wurden lefcht verletzt. Goebbels träumt, er würde wie der Jäger Aktäon der griechischen Sage von feinen eigenen Hunden gejagt und zerrissen! Ganz Südamerika in Gärung. Diktaturen in Gefahr. Buenos-Aires. 2. September.(Eigenbericht.) Die Regierung konzentriert immer mehr Truppen in' der Haupt- stadt. Am Dienstag früh traf wieder ein« Marinebrigod« in Buenos-Airez ein. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, das Präsident Irigoy en zurücktritt, wodurch die Spannung eMläden und der Weg für eine Koalition zwischen den Pch bis on die Zähn? bewaffnet gegenüberstehenden Gegnern frei würde.. Allmählich greift die Um- sturzbewegung auf ganz Lote i.n-Amerika über. Zu Guatemala ist die Regierung zurückgetreten. Auch Brasilien scheint von der Aufstondsbewegung erfaßt zu werden. In allen Staaten sind die Gründe der Revolte die gleichen: Ein durch lange Jahre von Diktatoren und ihren Cliquen auf den Hund ge- brachte? Wirtschaftsleben, das infolge der Weltkrise vor dem Ruin steht. Den steigenden Preisen, der wachsenden Arbeitslosigkeit, sowie der Agrarkrise stehen die reaktionären Diktatoren hilf- und ratlos-gegenüber. Das Volk hungert und kein« soziale Hilfe mildert Not und Elend.. Die,, auf.den Nullpunkt gesunkene Kauskroft der Massen läßt Handel und Wirtschast erlahmen und reißt den Mittel stand in die Ties«. Es kommt hinz�','daß sich"Z. /.""«".'.7.7.'.'."' die Staaten Latein-Ameritas immer' mehr vom topitvl der ~: ,VV Veselnigteu Staaten dedroht sehen. Je mehr aber die Stimmung gegen USA. wächst, desto heftiger wird sie auch gegen, jene Diktatoren und ihr« Helfer, die sich bisher meist nur mit Hilfe des amerikanischen Kapitals gegen das eigene Volk behaupten konnten....... Oer Kriegsmimster zurückgetreten. Rem Jork. 2. September. Wie„Associated Preß" aus Buenos Aires berichtet, meldet die Zeitung ,La Critica" den Rücktritt des Kriegs- m i n st c r s D e l l e p i o n c.""' Dellepiane begründete sein.Rücktrittsgesuch damit, daß es ihm unmöglich fei, weiterhin an der Spitze der Londesstreit- kröfte zu verbleiben. Die Zeitung„Ha Nacion" rechnet mit der Wahrscheinlichkeit des Rücktritts welkjerer Kabine ttsmit- g,t i eder...... In der Stadt 1?nd wä d er s p r c ch c nd r G e r ü'ch�t e im Um- lauf, während die Regierungsstellen sich in Schweigen hüllen. Im Hasen.sind jetzt insgesamt elf Kriegsschiffe verankert: die Truppen sind weiterhin ist AI a rMbe r.« i.-ts ch o f t. jedoch- ist die MM. ruhig. i''""; Gegen slowenische Irredeniisten— Folterungen während der Ltntersuchungshast. . Locarao, 2- September 1930. Am 1. September begann in Tri est, wohin das Sonder- gericht für die Sicherheit des Staats seinen Sitz für diese Ver- Handlung verlegt hat. ein Riesenprozeß gegen slowenische Zrrcdeutisien. Es kommt gewissermaßen eine Ergtezeit, in der der Faschismus das in die Scheuern bringt, was er durch Unterdrückung der anderssprachigen Minoritäten seit Iahren gesät hak. Zur Verfolgung der Muttersprache, die von Ihrem Verbot in den Schulen bis zur ihrer Aüsmerzüng aus den Grabstemen ging, kommt beim Faschismus noch die politische Entrechtung, die freilich die Slowenen und Kroaten mit allen anderen italienischen Staatsbürgern teilen, die aber insofern schwerer auf den Südslqwen als auf den anderen fremdsprachigen Stämmen lostet, als Slowenen und Kroaten vorwiegend zum Pro- l e t o r! a t geHäven und also gleichzeitig die Bedrückung als Volk und die als Klosse erfahren. Diesem unerträglichen Druck haben sie Widerstand entgegengesetzt und heute stehen vierzehn Süd- s l a w e n vor dem Sondcrgericht unter der Anklage des ver- s u ch t« n 21 u f st a n d e s gegen den Staat, des Versuchs, dem Lande Gebietsteste zu entreißen, uni sie. einem anderen Staate«inzuver- leiben, der Brandstiftung in achtzehn Fällen, des. Mordes in dreizehn Fällen und zweier Attentate mit Sprengstoffen. Für jeden dieser 2lnklogcpunrtc kann die T o d e s st ra f c.oerhängt werden. Die 2ln>klage richtete sich ursprünglich gegen neunundsechzig Personen, von denen drei im Gefängnis gestorben sind, während elf in der Voruntersuchung freigesprochen wurden und die übrigen flüchtig sind. Die Südslawen haben gegenüber den anderen Gegnern des Regimes den Borteil, mit geringerer Schwierigkeit die Grenze erreichen zu können. Das furchtbare Vorspiel des Prozesses hat sich natürlich im Geheimen abgespielt, denn während der Bor. Untersuchung steht den dem Sondergericht bestimmten Opfern kein Rechtsanwalt zlu-'Säit«. paß tu den Gefängnlsten van Trieft gefoltert nsird. ist zur Genüge bekannt. Man ipeiß, daß dort durch Eintauchen der Füße in kochendes Wasser, durch Quetschungen an den Geschlechtsteilen und durch Ausreißen der Nägel„Bekenntniffe" erpreßt werden. Daß drei junge Menschen Bressard rtffei„Konto X". Komodienhaus. Im Komödienhous rettete gestern der.Kvmtter Felix Bressard.da» sentimental«, geistlos« Stück...Kopto Z" von Oesterreicher und Bernauer vor dem durchlast.'-. 7. 5.-11. in der Voruntersuchung starben, sagt genug. Auch zeigt die An- klagcschriit,. aus der Auszüge veröffentlicht werden, daß di« Polizei-über alles informiert war, über Herkunft und Verbleib der Bomben, die im„Popolo di Triefte" und am Üeucht- türm explodierten, über die Organisation, die Chiffren, die Parolen. Natürlich versucht die faschistische Regierung, die slowenische Be- wegung, die sie selbst großgezogen hat, dadurch zu besudeln, daß sie sie als im Sold« von Jugoslawien stehend hinstellt. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Volksbewegung für Freiheit und Recht, die dem Antifaschismus im ganzen Lande als nochahmens- wertes Beispiel dienen sollte. Die Regierung hat den Kamps auf den Boden der illegalen Gewalt geschoben: Organisationen der slowenische» Jugend haben sich, ihr auf dein vom Faschismus ze- -wählten Terrain gestellt. Es ist kein Gerichtsverfahren, sondern die Episode eines geschichtlichen Kampfes, die sich vor dem Sonder- goricht in Trieft abrollen wird. All« Richter gehären der faschistischen Miliz an. Sie führen und versinnbildlichen Dolch und Knüppel einer Partei, nicht- die Justiz eines Staats. Die Maffenfluchi ausZialien. Hilfsstationen in Frankreich eingerichtet. Paris, 2. September.(Eigenbericht.) Die ununterbrochene Flucht demokratischer El«» niente aus dem faschistischen Italien hat, wie dos in Poris unter der Leitung Filippo Turatis erscheinende Organ„Jtalia" metdet, den Behörden von Nizza und Lyon lveranlossung gegeben, H i 1 f s st a t i o Ii e n einzurichten, die den unter den schwie- fgsten Verhältnissen in Frankreich cintresscnden italienischen Familien soziale Unterstützungen gewähren sollen. Außer der bei der Poll« zeibehörde von Nizza bereits bestehenden Spezialabteilung für Deserteur« der italienischen Arme« hat der A l p ß n- klub von Lyon jetzt eine Bergs ührermannschajt zusammengestellt, die bei Unglücksfällen, die sich bei der.schwierigen Gebirgsüber- steigung fast täglich ereignen, Hilfe, leisten sollen. U. a. sind auch Maßnahmen geplant, um den italienischen Auswanderern«in« Niederlassung in Frankreich zu erleichtern. Die Sehnsucht der Italiener: Heraus aus Italien? Unlängst wurde in einer kleinen Stadt Umbriens das Gerücht verbreitet, die Regierung gäbe jetzt Auslandspässe. In der weniger als 20 000 Einwohner zählenden Stadt erschienen in den ersten 48 Stunden 1772 Personen, die einen Auslands- paß haben wollten. Etwa jeder dritte erwachsene Mann des Orts hatte sich rn der kurzen Frist zur Auswanderen? ent. H-Iiflosten. Wo lein« Freiheit ist, ist keine.tdeininl. Die Gewerkschaften der LldGEoft. Giaatseinrichiungen zur Auspreffung der Arbeiter. Wie die Wirtschaftsstruktur der Sowjetunion von der Wirt- schaftsstruktur Europns ob weicht, so sind auch die russischen Gewerkschaften nach Organisationssorm, Zielsetzung und Arbeitsmethoden von den europäischen Gewerkschaften völlig v e r- schieden. Dies« Gewerkscliasten tragen viel mehr den Charakter einer staatlichen Institution als einer freien Vereinigung, die Mitglieder empfinden ihre Beitraaspjlicht eher als eine Art Ertrabesteuerung. Da obendrein die russische» Industrie- verband« alle Ang«stcUten und Arbeiter des gle.chen Betriebs g e- ni e i n s a m organisieren— vom Fabrikdirektor bis zur Scheuer- frau—, so sind die wirtlichen Arbeitermitglieder in den unter Teilnahme der hohen Vorgesetzten stattfindenden Gewerkschafts» Versammlungen befangen und wehrlos. Die Verbandsleitungen und sonstigen gewerkschaftlichen In- stanzen gehen nicht aus freien Wahlen hervor— soweit sie nicht einfach ernannt werden, geschieht die„Wahl" durch blohe Bestätigung der von der Kommunistischen Partei vor- geschlagenen Liste durch die abhängigen Mitglieder, die keiner- lei Widerspruch wagen können. Da den Gewerkschaften in Wirklichkeit kein Streikrech« zusteht, so können um so mehr Mittel zur Unterhaltung eines para- sitären Apparates verwendet werden, der die Mitgliedschaft von oben regiert. Dennoch waren selbst diese Gewerkschaften durch die Logik der Tatsachen gezwungen, neben einer mehr oder weniger ausgedehnten kulturellen Tätigkeit gewisse Schutzsunktionen zu über- nehmen. Aber mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Anwachsen der Arbeiterklasse erschienen selbst diese zahmen Berbände der Stalinschen Diktatur als eine potentiell« Gefahr. Daher führte Stalin in threin Apparat«ine Palastrevolution durch. Ihr Zentralrat sowie die Hauptvorstände der meisten einzelnen Gewerkschaften wurden zurückgezogen und durch gewert- schaftsfremde Agenten Stalins ersetzt. Damit änderte sich das Gesicht der Gewertschaften vollständig. Die„gewerkschaftlichen" Schutzsunktionen verschwanden oder traten doch mehr und mehr in den Hintergrund: als Hauptaufgabe der Gewerkschaften wurde die Förderung der Industria- l i s i e r u n g proklamiert. An die Stelle der Erziehung zur Klassensolidarität trat die Organisierung des wcttarbcitens und der„Slohlrnpps". Bor allem aber mutzte die Vorherrschaft der Kommu- nistischen Partei erhalten und befestigt werden. D e Bildung von„Stotztrupps", d. h. von Arbeitergruppen innerhalb eines Betriebes, die sich zu einer besonderen Steigerung ihrer Leistung verpflichten, gilt gegenwärtig als das letzte Won kommunistischer Gewerkschaftsarbeit. Dabei handelt es sich keines- wegs um eine zeitlich beschränkte Matznahine etwa zur Erreichung cines momentanen Produktionszieles, sondern um eine ständige Einrichtung, vermittels deren man den letzte« Tropfen Energie aus dem Arbeiter herauspressen will. Als die Bildung der- ortiger Gruppen ohne allzu heftigen Widerstand gelang, steckte man das Ziel weiter. Nicht mir einzelne Stotztrupps sollten geschaffen werden, ganze' Abteilungen, ja ganz« Betriebe sollten zur„Stoß- arbeit" übergehen, bis schlietztich die gesamte Arbeiterschaft erfaßt wäre. Manche Fabrikleitungen suchten sich dadurch aus der Affäre zu ziehen, daß sie einzelne Abteilungen ihres Betriebes, manchmal auch gleich den ganzen Betrieb als„Stoßtrupp" anmeldeten, ahn« daß de beteiligten Arbeiter ein« Ahnung davon hatten, wi« der neugebackene„Gewerkschaftsführer" Schwernik, der an. die Stelle des abgesägten Tomski gesetzt wurde, voller Empörung mitteilt. In Verbindung mit diesen Stoßtrupps wird unter aktiver Mit- Wirkung dieser quittegelben„Gewerkschaften" noch ein anderes System praktiziert— dos„sozialistische Wettarbeiten". Eine Gruppe von Arbeitern, eine Abteilung oder eine Fabrik fordern«ine andere Arbeitergruppe der Fabrik zum„Wettarbeiten" heraus und schlietzen mit ihr einen Vertrag, worin das zu erreichende Arbeits- ziel genannt wird. Da dieses System unter d e ni nötigen Druck überall eingeführt wird, so suchen die Zwangs-Wetteiferer ein Hintertürchen zu gewinne», indem sie das Produktions- ziel in den„sozialistischen Verträgen"(so werden sie genannt) mög- llchst allgemein fassen. Mitunter lassen die gereizten Arbeiter bei Formulierung eines solchen aufgezwungenen Vertrages ihrer Wut die Zügel schießen. In dem„Sofia-Restaurant" in M a k e j e w k a «Donezbassin) schloß die Belegschaft ein«» solchen„soz.alistischen Vertrag" ab, in dem es u. a. mörtlich heißt:„Wir Angestellte des Neftaurants verpflichten uns, kein Geschirr zu zerschlagen und den Gästen nicht ins Gesicht zu spucken". Am k. März 1930 nahmen bereits 2 Millionen Industrieorbeiter cm„sozialistischen Wettorbeiten" teil und 1% Millionen gehörten „Stoßtrupps" an. Um die Arbeiter für die Stoßtrupps einzufangen, spart man weder mit der Peitsche, noch niit Zuckerbrot. Man gewährt ihnen Prämien, Aussicht auf bessere Posten und auf Aufstieg im Staatsdienst oder im Apparat der Eeiverkschasten. Neuerdings wird sogar vorgeschlagen, die„Udarnikl" zur Hebung der allge- meinen Arbeitsdisziplin zu verwenden. Man will aus ihnen Ehrengerichte bilden, die über Arbeitskollegen zu befinden babsn, die sich Disziplinwidrigkeiten zuschulden komnien liehen. Wenn Amerikanisierung Trumpf ist, dürfen die Pinkertons nicht fehlen. Obwohl die Gewerkschaften min allenthalben all« Parolen aus Etalins Schmiede widerspruchslos sich zu eigen machten, beschränkt man ihre Rechte im Betrikb und ihren Einfluß auf die Geschäfts- leitung mehr und mehr. Zur Begründung oll dieser den Gewerkschaften gestellten An- sinnen wird immer wieder hervorgehoben, daß in der„sozio- listischen" Sowjet-Union in der Zeit der„Diktatur des Prole- tariats" di« Gewerksd�fte« ganz andere Ausgaben zu crsüllen hätten als in kapitalistischen Ländern. Dieses Argument ließe sich hören— es hat nur den emen Fehler von gänzlich falschen Voraussetzungen auszugehen. Denn erstens ist die Sowjet-Union trotz aller staatskapitalistischen Ex- perimente vom Sozialismus himmelweit entfernt,, und zweitens hat die auf Bajonetten und Geheimpolizei basierende Diktatur Stalins mit einer„Diktatur des Proletariats" nicht das mindeste gemein. Oder ist die Lage der Arbeiter unter dem spezifischen Wirtschaftssystem der Sowjet-Union wirklich schon jetzt eine solche, daß den Gewerkschaften nichts mehr zu tun übrig bleibt, als durch allgemeine Einführung des frühkapitalistischen Schwitz- s y st« m s die Produktion zu fördern? Die Arbeite rfchutzgefetze stehen häusig nur auf dem Papier: die Fabrikinspektion, die � oft genug von uner- fahrenen jungen Leuten, die nur wenige Monate auf diesem Post«, bleiben, ausgeübt wird, ist ohne ernste praktische Bedeu- tung. Kein Wuiiier also, daß die Unfälle in ständiger Zu- nähme begriffen sind. Nach offiziellen Angaben der zentralen Ver- sicherungs-Institution„Zustroch" kamen im Jahre 1927/26 auf 1000 Versicherle 202 Unfälle, 1928/29 225 Unfälle. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht auch die Zunahme der Eisen- bahnun fälle. Im ersten Halbjahr 1028/29 ereigneten sich 10 ö 7 2 E i send a hn u n f äl l e, im ersten Halbjahr 1929 30 aber 14 040!(Prowda Nr. 219 v. 10. August 1930.) Trotz dieser erschreckenden Häufung der Unstill« werden die für Schutzvorrich- tungen ausgeworfenen Mittel nur zur knappen Hälfte verausgabt. Die Löhne der russischen Arbeiter bleiben weit hinter dem bescheidenen Niveau selbst der mitteleuropäischen Arbeiterlöhne zurück. Nach Angaben der Stoatsplankommission betrug der duechschnitllche Monatslohn der Industriearbeiter 192677 61,63 Rubel. 1927/28 67,83 Rubel. 1928 29 74,25 Rubel, im ersten Halbjahr 1929/30 77,84 Rubel. Trotz der in der Sowjet-Union auf allen Gebieten anerkannten Gleichberechtigung der' Fräu erreichten die Frauenlöhne durchschnittlich nur 67,9 Proz. der Männerlöhne. «eNenliaie Bcamlen-vassininluiis DoBBcnia«, 20 Uhr,'ra tfroftra Saal der MeuIbersUe, KaUer- Wllhelm-SiraOe Sl. TagoordaiiBd: Die ReMhsfatfswafiieii nnd die Bcam'en Referent: Albert Falkenberg, M. d. R. Beamte, in dieser Versammlung wird bewiesen werden, wer kapitaiistische Interessenten- und Iditastrophenpolilik und wer gerechte Staatspolitik betreib». Zahlreiches Erscheinen erwartet Da* Betrlebuekretarlai der SPD. Akkordarbeit kst weit verbreitet und wird in immer steigendem Maße angewandt— van 100 geleisteten Arbeitsstunden wurde 1927/28 58,6 Stunden in Akkord gearbeitet, 1928/29 59,1 Stunden. Sind die Löhne niedriger, so find die Preise höher als im übrigen T Europa. Nach dem offiziellen Index für Kleinhandelspreise betrugen die Preise für landwirtschaftliche Waren, wenn man die von 1913 gleich 100 setzt, in den staatlichen und genossenschaftlichen Ver- kaussstellen am 1. Oktober 1928 190, am 1. April 1929 203, am 1. Oktober 1929 203, am 1. April 1930 202. Aber im Privathandel, Ivo selbst nach der offiziellen Statistik die Ar- beiter 23,4 Pro.z, und die Angestellten 37,7 Proz. ihres Bedarfs an Lebensmitteln decken müssen, lauteten die Indexziffern für die gleichen Daten 280, 385, 426 und 604t Im Privathandel find also während der ersten sechs Monat« des laufenden Wirtschafts- jahres die Preise nahezu um die Hälft« gestiegen. Wenn man ferner die fast in ganz Rußland herrschende furchtbare Wohnungsnot in Betracht zieht, die schlechten sanitären Arbeitsbedingungen und die ganze Recht- l o s i g k e i t der Log« der Arbeiter, die jeder Willkür ihrer Bor- gesetzten und oller untergeordneten Behörden preisgegeben sind, so muß man doch wohl z» dem Schluß gelangen, daß die russischen Gewerkchaften auch ohne„Stoßtrupps" und„Welt- arbeit" Aufgaben genug finden könnten, wenn— ja, wenn sie eben G e w e r k f cha f t« n wären! Deter Pctrof f. Entlassungen bei der BVG.? Die Verhandlungen vor dem Gewerbeaufsichlsamt. Gestern fanden vor dem Gewerbeaussichtsamt Verhandlungen statt über den Antrag der Direktion der Berliner Verkehrs A.-G., den geplanten Arbeiterenllasssungeu zuzustimmen. nachdem in der Urabstimmung der Vorschlag der Arbeitsstreckung abgelehnt worden ist. Grundsätzlich verlangte die BVG. die Ermächtigung zur Kündigung von 1500 Arbeitern. Bei den Verhandlungen wies der Vertreter des Gesamt- verband«? daraus hiu, daß die Gewerkschaften stets einer Arbeits- ftreckung zustimmten, wenn dadurch Entlassungen vermieden würden. Aus dieser grundsätzlichen Einstellung heraus beantragte der Vertreter des Gesamtverbandes die Ablehnung de. An- träges der Berliner Verkehrs-A.-G. Der Vertreter der BVG. erklärte demgegenüber, daß nach dem Aussall der Urabstimmung über die Einführung von Feierschichten die Direktion keine andere Möglichkeit als die Entlassungen von Arbeitern habe. Die Eatfcheiduug de» Oberprasidlums dürfte nicht vor Anfang nächster Woche sollen. Zu wünschen und zu erwarten ist jedoch, daß nach der Entscheidung de, Oberprasidlums die Gewerkschaften sich bemühen werden, eine Lösung herbeizuführen, die Härten für die Arbeiter nach Möglichkeit vermeidet. Die Gewerkschaften werden bemüht sein, die Lösung in neuen VerHnnMttnjjen mit der Direktion der BVG. zn finden. Großer Erfolg Giegerwaws. lZwergwohnongen und hohe preise. Das Reichsarbeitsministerium meldet„erste Erfolge" des neuen Reichswohnungsbau program ms. Die cigcnt- lichen Arbeiten sollen bei vielen Bauten bereits begonnen haben und jetzt zunehmend rascher einsetzen. Noch vor dem Winter würden fast sämtliche Wohnungen im Rohbau fertiggestellt, wenn das Herbstwetter einigermaßen günstig bleibe. Die erforderlichen Ar. beitckräste würden durch die BernntUung der zuständigen Arbeits- äm�er herangezogen. Ziffermäßige Angaben über die Aus- Wirkung des Wohnungsbauprogromms auf den Arbeits- markt seien noch nicht möglich, da diese Auswirkung sich nicht nur in Neueinstellungen von Arbeitskrästen, sondern ebenso stark in der Beibehaltung bereits in Beschäftigung stehender Ar- beitskräfte äußern müsse. In der Baukostengestaltung sei die sonst bei Erteilung großer Austräge stet» eintretende Preis steige- rting verhindert und die bereits in Ansatz brfindliche„N c i- � gung zur Senkung" der Baukosten verstärkt worden. Li« erste Rate der Reichsmittel werde im September an di« Länder ausgezahlt. Das Reichsarbeitsministerium treibt hier ein wenig Stim- mungsmache für die Wahlen. Vorsichtig sagt das Arbeits- Ministerium, daß ziffernmäßige Angaben über die Auswirkung des Bauprogramms noch nicht vorliegen und bescheiden betont es, daß man schon froh sein müsse, wenn keine weiteren Entlassungen von Bauarbeitern stattfinden. Sehr bescheiden ist das Ministerium auch in der Frage der Preissenkung. Es ist schon sroh, wenn kein« Preissteigerung eintritt! Mit der V e r b i l l i g u n g der Mieten der neu zu er- stellenden Wohnungen wird es also kaum etwas werden. Das Ministerium behilft sich deshalb mit dem Ausweg, daß bis zu zwei Drittel der geplanten Wohnungsbauten unter 45 Quadratmeter Wohnfläche erhalten. Diese Wohnungs- „Verbilligung" durch Verkleinerung der Wohnfläche zeigt, daß. es sich bei der großangekündigten Aktion um die Anwendung der be- kannten Maxime handelt: den Kartellen den Pelz zu waschen, ohne ihn nsh zu machen. Bilanz bei den Maschinisten. Gute Fortschritte itS2S. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer wartet für das Jahr 1929 mit einer ganz ansehnlichen Bilanz auf. Trotz der Wirtschaftskrise hat sich die ZahlderVerbandsmitglieder, noch Beiträgen und im Jahresdurchschnitt berechnet, gegenüber 1928 um 2100 auf 51 241 erhöht. Diese günstige Entwicklung in der Mitgliederbewegung, aber' auch die Erfolze auf lohnpolitischem Gebiet, sind zum Teil aus die erfreuliche Tatsache zurückzuführen, daß die Mitglieder des Verbandes der Maschinisten und Heizer von der Arbeitslosigkeit nicht so stark heimgesucht wurden wie die übrigen Industriearbeiter. Der Jahresdurchschnitt der erwerbslosen Derbandsmitglieder bc- lies sich auf 6 Proz. und der Kurzarbeiter auf 1,1 Proz. Zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wurden im Berichtsjahr 818 Bewegungen, davon 42 mit Arbeitseinstellung geführt, an denen 48 896 Mitglieder beteiligt waren. Für fast alle Beteiligten wurden Erfolge erzielt; es gingen nur 1296 Verbands- Mitglieder leer aus. Di« Resultate dieser Bewegungen waren: Pro Mitglied durchschnittlich ein« Lohnerhöhung von 8 Pfennig je Stunde; die Abwehr von rund 70 000 M. Lohnabbau jährlich, für 822 Berufsangehärige: für 5506 Berussangehörige eine wöchentlich« Arbeitszeitverkürzung von 18 411 Sinn- den sowie für 1036 Berufsangehörige die Abwehr einer Arbeitszeit- verlängening von jährlich rund 280 000 Arbeitsstunden. Die Aus- gäbe der Haiiptkasse für dies« Bewegungen betrug rund 250 000 M. Die Zahl der Tarifverträge, an denen der Verband der Maschinisten und Heizer beteiligt ist, stieg gegenüber dem Schluß des Jahres 1928 von 440 auf 501 Tarifverträge. Trotz erhöhter Ausgaben für Unterstützungszwecke hatte die Hauptkosse eine Mehreinnahm« von 222 596 M., so daß dem Vermögensbestand der Organisation rund 520 000 M. überwiesen werden konnten und sich der Kampftonds je Mitglied um etwa 10 M. erhöht hat. Alles in allem zeigt das Jahrbuch 1929 des Verbandes der Maschinisten und Heizer, dqß sich der gut« organisa- torische Zusammenhalt dieser Berufsgruppe auch im vergangenen Jahre wieder als di« beste Waffe im Kamps« um den wirtschaftlichen Aufstieg und die Sicherung der Existenz der Maschinisten und Heizer erwiesen hat. ltm Lohn und Arbeiiszeii. In der oberfchlesifchen Schwerindustrie. Wie bereits gemeldet, hat der Atiteitgeberverftand der aber- fchlefifchen Montanindustrie den geltenden Lohn.taris der ober- schlesischen Eisenhütten für Ende September gekündigt. Zum gleichen Zeitpunkt haben nunmehr auch die Metallarbeiterverbönde das Arbeitszeitabkommen gekündigt. Irgendwelche Forde- rungen für den Neuabschluh sind bisher nicht ausgestellt worden. Lniernaiionaler Vuchdruckerkongreß. Für Freizügigkeit und Siebenstundentag. Amsterdam, 2. September.(Eigenbericht.) Der Internationale Buchdruckerkongreß nahm am Dienstag ein« Entschließung an, in der eine Arbeitszeit- Verkürzung van 8 auf 7 Stunden pro Tag oder auf 42 Stunden die Woche gefordert wird. Zlußerdem wi>d die W i« d e r e i n- führung der Freizügigkeit zwischen den verschiedenen Ländern verlangt. Achtvag. SPD.- Betrieb, verkrauensleuke! Ein wichtiges Flugblatt für die Setriebsagitotion Ist sofort abzuholen im Sekretariat de, Genossen holz. Lladeustr. 3. II. Hof. 2 Treppen. vi» 18 Uhr Im Zimmer 13. Ausweis mitbringen. Drntsch« Kaljtarteiter.verSan», Drineraialtrmo Bfrli». 54««rttrauens. tnämtfroftfontnilunafii her Sranrhcn und®t»trtt finhen om Milrwoch. hrm 3. Srptrmbrr. jut Üblichen tzeit und«n brn brfannftit Orfrn nhc all- monatlich statt. f�reieGeVerkschafts«Iuaenö Verlin Unlrr« Iuzrnbbrratungsftrll« ist»«öffnet leben Mittmoch von tZZ, bis 20 Übt int Demerktchaftsbaus. Ena«Iuf«r 24—28, Zimmer 36, 2 Treppen. Seilte, Mittwoch. I»v Ubr. tagtn bie®rup»n; flaanfchalcBaM«; guaenb- beim Crnftftr. 16. Srimbeiprechun». Aussprache:.Betriedaaerbiiitniffr-.— Schiit bauser Tor:"vtiflonbbcim Zeboenlcker Str. 24—25, Seimbesprrchun».— Rculölln:(Snippenbeim Verqstr. 2». Hof. Heimbesprechung. Wir lesen aus unstrein Fabrirnbuch.— SSchr». StibWestea: stöbt. Zugenbbeim Aorckstr. 11 lgöbeitgebäubel. gerienerlebniffe.— zimobafn: Iugenbbeim Rrukölln. Mug- bafenstr. 66. Heimbrspretbun». Brettfpielabenh.— Ubier, bof: Srupp nbkim Ablershof, Bismarckstr. 1. Hrmbesprechuttg. Lieberabenb.— Weihenfee: Iu> »enbheim Parkstr. 36. Heimbesprechun».— Sloedriu»: Iugenblieim Sonnen. burgrr Str. 2». Heimbesprechun».— vchineberg: Jugendheim Hauplstr. lö. Heimbesprechung. stunterbuntes. @Iuaendsruvpe des?enira»vertande6 der Anaestellten Heute, Mittwo6>. einben folgenbe Neranstaltungen statt: Sesnnb» bcsnnen: Zugenbhrim Ortbstr. 10, pt. Bortra»:„Was ist Coaiai- polihr?" Referent: Ott» Lamm.— dbarlsttrnSneg: Jugendheim Rofinenftr. 4. Wir besuche» hie Beranstailun» he» W> rbebezirk,.— Schönhattfer Borftaht: Iuaenhhrim der Schule Sastanienallee 81. Bortra»:.Sotirrn und flar'.faturen". Rrferent: Martha Job».— Dherspr«: ZuqenhHeim ber Schuir Berliner Straste 31. Ausfpracheabenb.— Rarhaft: Jugendheim Danziger Str. 62 fBaraete 3). Besprechung unh ssestsckung des Winterprogramms.— Stralau: Nugenhbeim her Schule Sostlerltr. 61. Bunter Abenh— RenlWn: Jugend- Heim Böhmisch« Str. 1—4. Ecke itanner Strafte. Wir besuchen hie Vera». staltung he» Werbedrzirk».— Sihaft: Jugendheim Wrangelstr. 123. Vor trag:..Stwa» über Grapbologie-'. Referent: Artur Rachow.— Spanhan: Jugendheim Linhenufer I. Wir besuchen bie Veranf altun» b«9 Werdebesirko. — Potedam-Rsiraw«»: Zugenbherberg« in Rowawe o, Priesterstraße. Lieder- abrnb. Verantwortlich für Politik: Dr. Satt©eilet; Wirtschaft:» stlingrlhöser: Srwrrllchaftsbeweguog: Z. Steiner: Feuilleton: SL S. Dölcher: Lot» i es und Sonktiaes: Reift Karstöbt: Rnseiaen: Tb. Stade: sämtlich In Berlin. Berlag: Vorwärts-Berla» S. m b. H. Berlin Ttutf; Borwärts-Budtbruckeret uitb Beriagsanstalt Paul Sinarr u. So.. Berlin TD. 63, Linbonstraft.- 3 Kiersn 2 Beilagen. 7tr. 411* 4T. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 3. September 1930 „Schlittenfahrt-1897/' Das Totenschiff mit den Lleberrefien Andrees läuft ein. Ztomfo, 2. September.(Eigeuberichl) (Uan unserem nach Jrotnfö entsandten Sonde rbcrichtersto tter.> Heller Sonnenschein glänzt über den Dächern von Iromsö. Die gavze Stadt ist ans den Deinen. Schon von Morgengrauen an «arten die ersten Neugierigen an» Hasen, um die„V r o t v o a g". das Schisf mit de« traurigen menschlichen Resten der Andröe. Expedition, zu empfangen, ftnrz vor 9 Ahr erschallen grghende Sireuentöne..?lagg«n senken sich zum Zeichen chrrndeo G«. denken»: longsam gleitet die„Drotvoag" in den Hosen. An Dord bat sie erschütternde Fracht: Skelette. Ausserdem zwei wichtige Dokumente de» Heldentum»: da» Logbuch und da» Tagebuch Zahlreiche Boote unrsohrcn die über Nacht berühmt gewordene ..Brotngog". Photogrophen und gilinleiite entfalten rege Tätigkert. Noch darf niemand an Bord. Dos erste, was man von den Booten aus als zur Androe-Erpedition gehörig erkennt, ist etwas Gelbes. es ist Andrees Schlitten. Spoler, gegen 19.� Uhr, wird die s o r g a r t i g« H o l z k i st« mit den letzten Menschenresten der Un.- glücksexpedition von Bord g�ragen. Noch immer steht am Ufer dicht gedrängt und entblositen.Hauptes die wartende Meng« der Fischer und Arbeiter und.Handelsleute van Tromjö. Erste Untersuchung der Skelette. Der Trauerzug bewegt sich durch die schmalen Straßen von Tromsö nach dem Spital der kleinen Stadt, wo die Leichen bis zu ihrem Weitertransport noch Schweden aufgebahrt bleiben sollen. ?lndes beginnt P ro s« ss o r hedren mit der ersten Unter. fuchung der Skelett«. Das Skelett Andrees ist am besten erhalten, aber tatsächlich fehlt ihm der Kopf. Es scheint erwiesen zu sein, daß Andre« seine Kameraden überlebt hat. Dos Tagebuch ist insofern«ine Enttäuschung, als überhaupt mix anderthalb Seiten beschrieben sind, falls nicht noch mehrere Blätter zusammengeklebt sein sollten, was erst durch die genaueste Untersuchung festgestellt werden kann. Es ist wohl so, daß das auf- gefunden« Tagebuch d>« Fortsetzung eines anderen, das man noch nicht besitzt, darstellt. Ausgezeichnet erholten ist indessen da? Log. buch, dessen Inhalt numnehr bekanntgegeben wird. Das Logbuch enthält Aufzeichnung!!» über eine Zeit von zwei Monaten. Die Ein- tragungen sind verschiedener-Handschrist. Die wichtigste Feststellung: Der Ballon Andrees befand sich überhaupt nur wenige Tage in der Luft. Wie man Andrce fand. Di« Berichterstatter der Weltpresi« drängen sich um Dr. Horn, den Leiter der norwegischen Eismeerexpedition. Es herrscht«n« g«. wisse Mißstimmutzg darüber, daß Dr. Horn noch am Montag abend gekabelt hatte, daß er drei Leichen an Bord der„Bratvaag" habe, während nunmehr feststeht, daß er, ohgesehen von der etwas besser erhaltenen Leiche Andrees, nur Skelette und Gebein- rest« mitbrachte, deren genaue Identifizierung gar nicht möglich ist. Noch weiß man nicht genoü/.wieweit dies« Borwurfe berechtigt sind, und man lauscht deshalb mit größter Spannung der V e r- l« s u n g des Homschcn Berichts über, die Auffindung der Reste der Andree�Zxpedition. Es heißt da: ,Ln tiefem Stillschweigen gingen wir auf das Lager zu, das allzu deutlich zeigt«, was vorgegangen war. Dort lag das Boot, Halb im Schnee begroben. Doneben lag ein Schlitten und auf dem Schnee einige Mgter weiter ein Stück' rotschwarzen Stoffes w't Fenstern. Bielleicht handelt es sich um ein Zeitstück. Und unter der Bergwand lag Andre« selbst. Daß es Andre« selbst war, geht au» Hein Monogramm auf dem Locket} hervor. Er log, an die Bergwand gelehnt, wernge Meter nordöstlich vom Boot. An seinen Füßen sahen wir stark alo.etrogene Polar. schuhe. Sonst war er gut bekleidet. Neben ihm logen Gewehr und ein K o ch o p p a r a t. Es»»ar Petroleum darin. Und als wir pumpten, kam dos Petroleum in feinem Strahl aus dem Brenner hervor. Beim Oeffnen des Deiuils strömt« Go? heraus. Der Appa- rot war also in ooller Ordnung. In der«inen Tasche Andrees wurde dos Tagebuch gefunden. Etwas später wurde dann An. dr�es Kamerad gefunden. Wie bereits unmittelbar noch der Entdeckung der Ucberreste der Andrees? Spedition berichtet wurde, ist er wahrscheinlich als erster gestorben. Denn zwischen zwei Stöcken log er ausgestreckt, mit kleinen Steinen bedeckt, die seine Heiden Kameroden wahrscheinlich über ihn gestreut horten, um so ein notdürftiges Grob zu errichten. Di« Leiche war voll- kommen fest gefroren. Auch im Boote wurden Knochen. r e st e gefunden, die möglicherweis« zum dritten Leichnam gehören. Döe Heiden Leichnam« waren»»eiter nichts als .Knochenreste mit Kleidern. Die Kleider hatten die Knochen gut zusammengehalten. Sie sind gewiß in N Iahren niele Male wieder aufgetaut, so daß die Leichname der Verwesung nicht ent. gehen konnten. Es kann nicht die Rede davon sein, daß die Leich- nam« durch das Eis konserviert wurden." Das Observaiionsbuch. Auf dem gut leserlichen Observationsbuch Andre«» steht be> scheiden„Schliftenfahrt 1897". Man erfährt, daß die Eisfahrt beim 88. Grad nördlicher Breite begann. Sie erstreckte sich über die Riesen st recke von 839 Kilometer. Oft scheint da» Treib- eis, das überdies zu großen Klumpen und tzügeln z'isommengepackt war, in falscher Richtung geströmt zu sein. Die Mühen ganzer Tage waren damit vergeblich. Der Ballon hat offenbar nicht viel genützt. Brauchten die drei Forscher doch anderthalb Monate bis zur Weißen Insel! Nur mit Erschütterung kann man die Seiten im Observatians- buch lesen, durch die eine leichte heitere Stimmung weht. ,M«pos Pendant le vaimge". Speisenfolg« während der Reise, heißt es«in- mal ganz fronzösisck>-var>»ehm in dem Buch, das sonst vollständig in schwedischer Sprache abgefaßt ist. Am ersten Tage gab es Borenschink-'ii mit Schokolade und Keks. Bold sollten die Mohlze-trn spärlicher werden... Und nur mit Trauer blickt man schließlich auf Aufzeichnungen im Logbuch, die von der Land Andrees zu stammen scheinen und diesem Titel folgen:„Vorschläge für di« nochstc Expedition"... Menschenknochen oder Aarentnochen? Tromsoe. 2. September.(Eigenbericht) Eine amerikanische Iicht-Expedition, die am Dienstag von Franz-Iofef-Land an Bord der„Rordkop" nach Tromfo« zurückkehrte, bestärkt die bisher in der Oeffentlichkeit gehegten Zweifel, daß der norwegische Forscher Horn insgesamt drei Leichen ge f U N d e n hat. Die Amerikaner sind der„Brätvaag" vor Wochen in der �Näb« bös Franz�wfef Landes begegnet. Damals wurde ihnen erklärt, daß sich nur zwei Leiche» an Bord der „Bratvoog" befinden. Di« in Tromsoe weilend» schwedisch« Aerztekomwission, die am Dienstag die Skelette der aufgefundenen Leichen einer Untersuchung unterzogen hat, hält sich in ihren Aeuherungen über da» Ergebnis ihrer Untersuchung äußerst zurück. Es verlautet, daß sie ihren Be- richt zunächst der schwedischen Regierung zur»ertraulichen In- formation übermittelt hat und die Formulierung einer amtlichen Ver- lautbarung über den Befund in Stockholm veranlaßt merden soll. Di« Möglichkeit, daß die von Lorn in einem Boot aufgefundenen Knochen in Wirklichkeit van Eisbären stammen, gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Ein harmloser Wanderer. Geht mit zehn Solchen spazieren. Als«inen Rowdyübel st er Sorte bezeichnete der Staars- onwalt den neunzehnjährigen„Tataren" Lxrbert S ch l a s a ch. der am 3. Mai festgenommen wurde, weil er sich im Besitz van W ästen kesand. Nicht weniger als zehn Dolche, einige Guinmifchläuche. «inen Totschläger und ein Seitengemehr wurden bei dem Angeklagten gefunden, der Mitglied des wiedererstandenen Wandcrvcreins ,.N e u- T a t a r e n b l Ii t" ist. Etwa ZV Mitglieder des„S ü d r i n g", des Spitzeuverbandes einiger Ganovenvereine des Berliner Südostens, die bezeichnender- weif« die Namen„T a t a rc n b l u t", Zigeunerblut usw sichren, unternahmen damals einen„Ausflug" nach Erkner. Mit einigen Mitgliedern der„Antifaschistischen jungen G a r d e", nist der der.„Südring" in bitterer Fehde lebte, kam es schon in Neukölln zu einer Schlägerei, bei der die„Antifa" unterlao. Aus Rache machten die Besiegten der Polizei davon Mitteilung, daß der„Siidring", der seine Wanderung sortgesetzt hatte, bewaffnet sei. Eine Polizeistreife, die sich nicht stark genug fühlte, Um selbst einzuschreiten, alarmierte das Ilobersallkannnanda, bei dessen Ein treffen die Rowdys nach allen Richtungen flohen. Lediglich zwei .Wanderer" wurden festgenommen, von denen der eine nach seine, Entlassung nicht wieder ermittelt werden konnte. Bei dem zweiten. dem Angeklagten, wurden die erwähnten Waffen gefunden. Vor de, Polizei bekundet« er, daß der„Südring" wegen der dauernden Ueberfäll« durch die„Antifa" stets solche Waffen mitgeführt habe Er selbst Hab« allerdings keins der Mordwcrkzeuge besessen, die ihm olle zugesteckt worden seien. Vor Gericht erklärt« er dagegen, daß die Dolche zum Br o t s ch n e i d c n bestimmt waren. Auf den Verhalt des Vorsitzenden, ob man auch mit dem Revolver, der von einem Passanten auf der Straße gefunden und abgeliefert wurde,„Brot schneiden" wallte, blieb der Angeklagte iKe Antwort schuldig. Dos Gericht, dos das neue Gesetz über das Tragen von Wassen noch nicht anwenden konnte, verurteilte den Rowdy zu drei Wochen Last. In der Begnindunz führte der Vorsitzende aus. daß leider die neuen Strafbestimimmgen für diesen Fall noch nicht angewendet werden könnten und man die Straftat nur mit der längst überholten Laftstrafe sühnen könne. John oder Jack? Ist btr festgenommene Diamond der richtige? Aachen, 2. September. Di« Aachener Polizei ist noch immer damit beschäftig!, festzustellen, ob es sich bei dem nerhafteten Diamond totsächlich um den berüchtigten New-Porkcr Verbrecher Jack Diamond Handel,. da inzwischen auch hier neu« Vermutungen aufgetaucht sind, daß der Festgenommene doch nicht der überall gesuchte Jack ist. TJer- schieden« Zeitimgsn'eldungen. wonach der verhaftete John Diomon? eingestanden hoben fall, Jack Diamond zu sein, werden ausdrücklich von her Aoäiener Polizei bestritten. Bei der Festnahme hotte Diamond einen P a ß bei sich, der auf den Namen John(nicht Jack, Diamond loütek« und.von dem deutschen Konsul in New?)ark mit einem Einreisevisum versehen mar. Diamond hehauptet. nicht mi dem angeblichen König der New-Porker Unterwelt identisch zu sein. Auf Beronlassung des Berliner Polizeipräsidiums wurden von der Aachener Kriminalpolizei die Fingerabdrücke des Verhafteten angefordert, um an Land der internationalen Ver- brecherolben feststellen zu können, ob es sich hei dem Festgenommenen tatsächlich um den gesuchten Bankräuber Diamond handelt Sprechcher für proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 4. September, 75; Uhr, pünktlich. Uebungsstunde im Gesongfaoi der Sophienschiil«, Weinmeisterstratze 16/17. S/AOAJRLBS/S 66] ■ROMAN llno sprach die Vermutung aus, daß die Autoren solcher Romane die schlechteste Seite des Ledens nur in der Hoff- nung zeigen, daß man das Leben schöner gestalten könnte. Ader sie War selbst nicht sehr überzeugt davon, und so ergab sie sich, wenn er sie aiischnanzte:„Zlch Quatsch! Die Kerle wollen ja bloß mal zeigen, wie originell sie sind, ganz zu schweigen davon, daß sie so reden, als wären sie uns anderen Sterblichen himmelhoch überlegen. Lies dos Zeug nicht! Lies lieber einen anständigen Autor wie Loward Paneock Binch; wenn bei dem irgendeine Dome verführt wird oder sonst was Aehnliches passiert, so zeigt er das wirklich nur, weil dann ein solcher Schurke auch jedesmal«in Zltheist ist oder irgendwas, und die Dinge merden immer in einex netten, feinen, onstandig-n Art geschildert. Donnerwetter nochmal. Ja und noch was. Ich Hab' dich unlängst?u Frau Sanderson sagen hären, daß man deiner Ansicht nach alle Kinder sexuell aufklären nuißte. Mein Gott! Ich weiß wirk- l-ch nicht, wo in diese unsittlichen Ideen her hast? Bon mir gewiß nickst. Hrd ich kann dir sagen, mein Kind wird durch solches Zeug niemals verdorben- werden. Ja, meine Gnädige, und wenn's auch hundertmal auf der Schule ge- lehrt wird.* Da Uiia jeden Streit zu vermeiden wünschte, hielt sie sich an Bücher, die das Laben— einschließt ick) Büros und Familienhotels und schwitzender Ehegatten— nur von der guten Seite schilderten. Doch hin und wieder stieg chr ein Zweifel auf, und sinnend sah sie auf einen Stoß schwarzer Baumwollsocken mit weißen Füßen, die ihrem Mann ge- hörten, und fragte sich, ob das Leben wirtlich auf Panama und Pemberton nnd Schwirtz beschränkt sein müsse. .hält man sich cherrn Schwirtz' Anforderungen Romanen gegenüber vor Augen, so könnte man sich eigentlich di« ent- setzlichsto Szene aus Uuas Leben kaum vorstellen, wenn man nicht annehmen müßte, daß in Wirklichkeit auch anders Frauen solchen Scheußlichkeiten ausgesetzt sind, oder daß d,« Statistik über Geschlechtskrankheiten in.Fäuslichkeiten, die auch uns bekannt find, richtig sst... Una hott« Ursache anzunehmen, daß chr Mann krank sei. Sie ging heimlich zu einem alten Hausarzt, und dort wurde ibr zumindest der be- scheidcne Trost zuteil, daß sie einer 2lnsteckung entgangen war. „Obwohl ich es", meinte der Doktor,„nicht für ratsam hoste, ein Kind von ihm zu bekommen."* „Ich werde keins bekommen!" sagte sie entschlossen. Sie wußte, wie man das verhindern konnte. Der praktische Herr Schwirtz hotte dafür gesorgt. Merkwürdigerweise hatte er nichts gegen Geburtenbeschränkung, obwohl sie von eben jenen Leuten besprochen wurde, die diese sensations- lustigen, realistischen Romane schrieben. Sie bemühte sich aufrichtig und ernstlich, gerecht zu sein. Sie»versuchte immer wieder, daran zu denken, wie gut sie sich bei einigen dieser geselligen Zusammenkünfte unterhalten hatte— Theater und spätes Abendessen mit zwei Leuten, die eben aus Südamerika zurückgekommen waren. Aber— es gab fo viele..Abers"! Das Leben war nichts als ein alles auslöschendes Aber. Ihre schlimmsten Augenblick« waren die. in denen sie ent- deckt«, daß auch sie nachlässig wurde und sich während des An- und Auskleidens in einem Aufzug vor ihm zeigte, der schlampig und unwürdig war; daß sie seine Taktlosigkeiten angenommen hatte. In diese Martonetteutrogödien mischte sich auch der tiefe Schmerz, ihr Leben als verdorben ansehen zu müssen ihren eingeborenen Anspruch auf Sauberkest, für«in Linsen- gericht verkaust zu haben. Und während sie dahinging in dem Dunkel ihrer ängstlich ringenden Seele, stumm und blind, verstört und doch heldenhaft, vermachte sie kaum mehr zu unterscheiden zwischen Schmutz und dem großen Treu- bruch. so eisig und dicht war der Nebel, der sie umgab- S>e dachte oft an Selbstmord, doch ihre Auflehnung mar zu langsam und widerwillig, um je die Krisis des Selbst- mordes zu erreichen. Und der gesunde Menschenverstand, den sie sich bewahrt hatte, klammerte sich an die Möglichkeit, daß. so unglaublich es auch scheinen mochte, eines Tages doch wieder eine Hoffnung auftauchen könnte. Noch öfter freilich dachte sie an Scheidung. Daran hafte sie sogar schon am zweiten Tag nach ihrer Hochzeit zu denken angefangen. Sie vermutete, daß es nicht schwer sein würde, auf gesetz- mäßigem Wege die Scheidung zu erlangen. So oft Herr Schwirtz von einer Reis« zurückkam, entfernt« er so. daß sie> es sehen konnte, ein Paket Briefe in billigen, auffallenden. rosa- oder lavendelfarbenen Umschlägen aus seinem Koffer Sie verschmähte es, sie zu lesen, aber sie stellte sich vor, daß sie fiir einen Richter nicht ohne Interesse wären. 2. War Herr Schwirtz fort, so war Una verhältnismäßig glücklich. Totsächlich genoß sie dann eine Zeil so heiterer Ruhe, wie seit ihrer Mädchcnzeit nicht mehr: und in langen Stunden des Denkens und Lesens und Sich-Bemühens, an das Leben zu glauben, wurde das unbedeutende, gute klein? Ding allmählich eine wohlüberlegte, reise Frau. Frau Lawrence hatte den Arzt geheiratet und war nach Ohio gegangen. Sie fuhren viel im Auto, schrieb sie, lasen einander vor und erwarteten ein Kind. Una versuchte, sich mit ihnen zu freuen. Mit Herrn und Frau Sessians mar Una ganz außer Knntakt gekommen, doch hatte sie nach ihrer Heirat Mamie Magen aufgesucht, die es nun weiter gebracht hafte und ernstere Ansichten hotte als je, und eine Wohnung in Green- wich Village besaß: auch Iennie Cassavant besuchte sie, di? einst im Heim gelebt hatte, und sich nun kümmerlich auf de? Bühne fortbrachte: und die lockenhaarige Rose Larsen, die einen jungen Rechtsanwast geheiratet hatte. Una hotte dos Gefühl, als wären alle auffallend liebenswürdig zu ihr, und mied sie darum aus Stolz und Zlerger. Sie hätte gerne ge mußt, mos die redselige Frau Lawrence ihnen allen von Herrn Schwirtz erzähst hatte. Oft stellte sie sich Szenen vor, in denen sie ihren guten, vernünftigen Gatten in beredieu und stolzen Worten vor ihnen allen verteidigte. Dann wieder sehnte sie sich noch Gesellschaft und gab zu. sie habe sich nur eingebildet, daß man ihr mit hochmütigem Mitleid begegnet war. Und doch konnte sie nicht zurückgehen zu ihnen und um Freundschaft betteln. Auch fürchtete sie, obwohl sie sich diesen Grund nie ein- gestand, daß ihr Mann, wenn sie den Verkehr aufrecht hielte. fragen würde:„Warum rückst du denn nie heraus mit deinen wunderbaren Freundinnen? Schämst dich meiner wohl, was?" So kam es allmählich, daß sie den Vorkehr aufgab, und wenn sie das Alleinsein manchmal nicht mehr ertragen konnte, mußte sie mit den Frauen in der Familienpevsiou varlieb nehmen, denen sie im Korridor, im Cafä und un „Salon" begegnete., (Fortsetzung folgt.] Frau verkaust— Eheglück verkaust. Sin Scherz, Ver tragtschrr Ernst würde. Paffau, 2. September 1930. Das kleine lZrenzstädtchea Rieb würbe Schauplatz eines blu- ' tigen Eifersuchtsattentates. Der 3viährig« Erich S. schlug in einem nahezu tobsüchtigen Zustand mit einem schweren Knüppel aus seine Frau ein und konnte nur durch vier Gendarmen gebändigt werden. Di« unglückliche Frau mutzte mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus gebracht werden. Von nahezu unglaubhafter Bizarr ie ist jedoch die Vorgeschichte dieser Tot. In fröhlichster Weiräanue saß Erich S. eines Abends mit seinem jüngeren Freund, mit dem Junggesellen Werner S). zusammen. Eine Flasche nach der anderen wurde getrunken, man sprach— oder lallte— von diesem und jenem, und so auch über die Eh«. Beide waren sich über die Verdammung dieser Institution einig, und schließlich ließ sich S. zu dem geschmacklosen Witz hinreißen— seine Frau für einen Schilling und, damit der Handel einträglicher sei, seine Tochter um die Hälfte dieses Betrages zu verkaufen. Am nächsten Morgen hatte er selbstverständlich diese Dummheit vergessen. Nicht aber de?„gute Freund V Brühwarm hatte er Erich S's Gattin olles wiedererzählt, und ob es nun auf deren Seite be- leidigter Frauenstolz oder Rachsucht gewesen sein mag, kurz— Erich S. überraschte am nächsten Abend sein« Frau in der Wohnung des Freundes in einer Situation, di« jeden Zw«is«l ausschloß. Im Nebenzimmer spielt« das 12jährige Töchterchen. Werner H. flüchtete und der Ehemann stürzt« sich aus die Frau. Wenn nicht nach kurzer Zeit d!« Polizei erschienen wäre, hätte der „Spatz mit der verkauften Frau"«in Menschenleben getostet. l Beweisaufnahme gegen Böß beendet. Max Sklarek vernehmvngsunfähig. Zur Vorbereitung der Verufungsverhandlung in dem Diszipll- narverfahren gegen Oberbürgermeister Böß haben Montag und Dienstag im Oberverwaltungsgericht in der Hardenberg- stratze zahlreiche Zeugenvernehmungen stattgefunden, da bekanntlich in der Verhandlung selbst nur das.schriftliche Ver- fahren" Anwendung findet und lediglich die Dernehmungsprotokolle zur Berleftmg gebracht, nicht ober die Zeugen persönlich gehört werden. Wie bereits mitgeteilt, sind auch die Brüder Willi und Leo Sklarek über ihre Beziehungen zum Oberbürgermeister Böß und die Kreditgewährung und die mit ihnen abgeschlosienen Ver- träge gehört und dem Oberbürgermeister gegenüber gestellt worden. Wie die B.-S.-Korrespondcnz wissen will, beruhen die zahlreichen Meldungen über den Inhalt der angeblichen Aussagen der Gebrüder Sklarek, die auch zu der Pelzasfäre vernommen worden sind, auf Kombinationen, da die Aussagen selbst, wie das ge- samte Disziplinarverfahren unter strengstem Aus- schlutzderOeffentlichkeit durchgeführt und demgemäß streng geheim gehalten werden. Auch Frau B ö ß ist über den Pelzankauf «ernommeu worden, des weiteren die Hellseherin Frau �Seidel,«ine Vertraute der Gebrüger Sklarek, die sich dort ihr Schicksal aus den Sternen wahrsagen ließen, ober auch Beziehungen realerer Art gehabt zu haben scheinen. Die Staatsanwaltschaft hat sich nämlich seinerzeit veranlaßt gesehen, das Bankkonto der Hell- seherin zu beschlagnohnien, da man den starken Verdacht hegte, daß -die Gebrüder Sklarek ihre Gelder dort auf einem Scheinkonto zu einem Teil hinterlegt hatten. Auch Frau Seidel, der die Gebrüder Sklarek wohl als Grundlage für die Schicksalsdeutung sehr viel Ge- schästsgeheimnisse anvertraut hatten, wurden eingehend geHort. Schließlich ist auch der langjährige Luchhalter der Gebrüder Sklarek, Lehmann, gehört worden, serner eine Reih« früherer Angc- stellten der KVG. Aus die Vernehmung Max Sklarek» wird da» Oberverwal- ! tungsgericht voraussichtlich verzichten müssen, da sein Verteidiger ärztliche Atteste vorgelegt hat, die ihn als oernehmungs» junsähig bezeichnen. -. Edel sei der Finder! Verhängnisvolle Vergeßlichkeit eines Buchhalters. Y" Der Buchhalter Paul Kutzer, ein verheirateter Mann und c Familienvater, der in der Krumme Straße 47 in Charlotten» Iburg wohnt, hat am Montag in einem Stadtbahnzug auf �der Fahrt von Charlottenburg nach Friedrichstraße ein Paket liegen lassen, das Geschäftsbücher. Kassenbeleg« und SSO Mark bares Geld enthielt. Der Verband, bei dem der Buch- Halter angestellt ist, hat den unglücklichen Verlierer mit sofortiger Entlastung bestraft, ihm aber gleichzeitig Wiedereinstellung ver» sprachen, lvenn er wenigstens di« Geschäftsbücher und P a- piere herbeischafft. Es steht dem Finder frei, die Sachen an- onym, oder an eine der Adressen zu schicken, die aus den Belegen i hervorgeht. Der Buchhalter, der sich in einer verzweifelten >Lage befindet, erklärt sich bereit, sogar noch eine Belohnung zu zahlen. Für den, der als Finder in Frage kommt, sind die Ge- [ schästspapiere völlig wertlos. ■ Gerüchte von einem Giftmord. An den Tod eines 49 Jahre alten Mannes namens E. in N e u» > k ö ll n hatten sich in der Bevölkerung Gerücht« von einem Giftmord «geknüpft. Durch die Untersuchung, die von der Kriminalpolizei ein- j geleitet wurde, ist aber einwandfrei erwiesen, daß ein Verbrechen nicht in Betracht kommt. C. hatte seinen Bekannten gegenüber wiederholt geklagt, daß man ihn zu Hause schlecht behandele und ihm nicht gut zu esten gäbe. Als er am Sonntag in der Näh« des Reuterplatzes in Neu- kölln plötzlich auf der Straße ins Tamneln geriet und den Leuten, die ihm halfen, unter den Händen verstarb, hieß es, man habe ihn I vergiftet, um ihn aus dem Wege zu räumen. Bon der Staatsanwalt- , fchaft wurde die Beerdigung des Verstorbenen aufgehoben und eine i Obduktion angeordnet. Diese ergab, daß nicht eine Spur von irgend- i einem Gift vorhanden war. Der Tod war vielmehr infolge Gehirn- Blutung, hervorgerufen durch Adervertalkung,«ingetreten. � Ein lebensgefährlicher Badestrand. Ueber die Zustände im Bad Sarowstrand am Scharmützelsee wird von«irrem Bor- wärtsleser lebhost Klage geführt. Da» Wasser soll dort völlig mit Schlingpflanzen durchsetzt sein. Nach den Angaben unseres Gewährsmannes ist am Sonntag nachmittag ein gut schwimmender i Badegast mit den Füßen in den Pflanzen hängen geblieben und {, rief gellend um Hilfe. Zwei beherzte Schwimmer brachten den bereits völlig Ermatteten unter eigener Lebensgefahr ans Ufer. Die anwesenden Badegäste waren über den Vorfall äußerst«m- p ö r t: wie sich dann Ixrousstellt«, war noch ein anderer Schwim- mer in eine ähnliche lebensgefährliche Situation geraten, er konnte sich aber rechtzeitig ohne andere Hilfe retten. Im Interesse des Publikums sollten die Behörden hier schleunigst nach dem ! Rechten sehen und dafür sorgen, daß die Vadeverwaltung, die für f. Eintritt 50 Pf. und für Garderobenablage 25 Pf. erhebt, ihren ' Pflichten nachkommt. r Einmal Kommunist und nie wieder. Glänzende Wahldemonstrationen der Sozialdemokratie. Ms sich der Zug der Sozialdemokraten vom Prenzlauer Berg am Arnim-Platz aufgelöst hatte, wurde ein etwa IS-jähriger Genosse von der Arbeiterjugend beim Nachhausegehen an der Straßenecke von gleichaltrigen Kommunisten, Schulkameraden wahr- scheinlich, bestürmt, di« ihn mit kommunistischen Phrasen zu betören suchten. Er antwortete ihnen:„Ich bin ein Jahr bei Euch gewesen, aber das sage ich Euch:„Einmal Nationalkommunist und ni« wieder." Diese kleine Episode ist kennzeichnend für den Choratter des gewaltigen Umzuges, der sich gestern vom Bahnhof Weißen- je« aus durch den proletarischen Bezirk Prenzlauer Berg unter den Fahnen der Sozialdemokratie zum Arnim-Platz bewegt«. Demonstration der jungwihier am Donnerstag, dem 4. Septamaer (Treffpunkt: 19 Uhr, Müller- Ecke Seestraße) für die Sozialdemokratie! Fackelzug zum Kleinen Tiergarten: dort 21 Uhr Kundgebunci gegen Wahlrechtsraub, soziale Reaktion und Diktatur, für soziale Demokratie Redner: Paul Hennig. SozIallsiUche Arbeiterjugend Jungtoz. Vereinigung SPD. CroB-Berlin üro B-Berlin Vereinigung lozialdemokraiitcher Studierender Ortsgruppe Berlin Nationalsozialisten und Kommunisten, di« man ja heute kaum noch unterscheiden kann, sind die Feinde, die der Arbeiterklasse in den Rücken fallen. Das bewiesen die Gruppen, die, zum Teil aus den Kneipen herausstürzend, ihre-törichten und verlogenen Schreiereien veranstalteten. Auf der anderen Seit« aber merkte man an der Hal- tung des Publikums, daß der überwiegende Teil der schaffenden Be- völkerung im Bezirk Prenzlauer Berg im Lager der Sozialdemokratie steht. Man hat eingesehen, daß nicht die Stärke des Organs, sondern der Wille zum Handeln die Arbeiterklasse vor- wärtsbringt. Trotz zeitweise sehr starken Regens hielt die Mäste der Demonstranten vom ersten biszum letzten Mann und, das fei besonders betont, von der ersten bis zur letzten Frau bis zum Schlüsse des fast zweistündigen Marsches aus. Fackeln leuchteten zu feiten der Marschierenden, ein Sprechchor hämmerte mnner wieder den Satz in die Hirne:„AchtetausdieTaten, wählt Sozialdem traten." Landtagsabgeordneter Genosse Maderholz hielt die Schluß- anspräche.„Nationalsozialisten und Kommunisten sind die Schleppen- träger der bürgerlichen Parteien. Der Aufruf der Kommunisten sieht so aus, als wenn er von deutschen Generalen und Moskauer Machthabern gsmeinsam verfaßt worden wäre. Der Kampf aller gegen uns, die Sozialdemokraten, zeigt, daß wir der einzige Gegner sind, vor dem die Bürgerlichen Angst haben. Wir schützen die Rechte des Volkes, wir kämpfen für den Aufstieg aller Schaffenden. Die Eiterbeule des Hakentreuzlertums auszu- brennen, die Kommunisten mit ihrem arbeiterschädlichen Verhalten auszuschalten, das ist unsere Ausgabe am 14. September. wer mit uns den Ausstieg der Arbeilerklaste will, wählt nur eine Liste, wirbt für nur eine Liste, sür die Liste 1. für die Sozial- demokraiie!" Republitanertag in Ztadow. In dem immer noch recht bäuerlichen Rudow gelang es der Partei bisher schwer Fuß zu fasten. Die Lauern glaubten bis vor Jahresfrist noch den Hugenbergianern. Am Sonntag hat die P a r- tei gemeinsam mit dem Reichsbanner und der Arbeiter j u g e n d auch dieses Dorf im Sturm erobert. Mit einem r e p u- blitanischen Tag, der eine Massenbeteiligung aus- wies, wurde auch für Rudow die Wahlarbeit aufgenommen. Im Juliuspark wurde ein richtiges Bolksfest mit Tombola und Tanz durchgeführt. Um 15 Uhr traten Reichsbanner, Sozialdemokratische Partei und die Sozialistische Arbeiterjugend an und zeigten in Rudow in einem imposanten und vielfach freudig begrüßten Zug ihre Fahnen und Banner. Di« Stadtverordneten R o b i n- son und Lempert betonten in ihren Ansprachen die Notwendig- teit republikanischer Sammlung. Die Bevölkerung von Rudow be- teiligte sich überaus zahlreich an der Kundgebung. Beides. Die Partei, die halb nationalistisch und halb demokratisch ist Von einem Parteigenossen und RelchsbannermitgliÄ geht uns folgende Episode zu, die so köstlich ist und so bezeichnend sür die famose neue Stoatspartei, daß man sie ohne jeden Kommentar genießen muh. Durch die abendliche Berliner Straße in Neukölln fährt ein Propaganda auto an mir im Eltempo vorüber, ohne Fahnen, mit irgendeiner Aufschrist. Ich erkenne nicht genau, welche Partei hier demonstriert! es fliegt zu schnell vorüber. Im Weitergehen grüble ich darüber nach, welcher der 24 Wahlvorschläge wohl propagiert werden sollte, kann aber zu keinem Resultat gelangen. Ich gehe weiter und biege in die Anzengruberstratze ein. Siehe da, ich habe Glück! Dasselbe Auto, das inzwischen die Kaiser-Friodrich-Strohe hinunter fuhr, kommt mir von dort her wieder entgegen. Und nun höre ich: Rettet am 14. September Deutschland: Wählt Liste 6 Deutsche Staatspartei. Im Augenblick des Borübrr- fahrens bei mir schweigt zufällig der Chor, uisd ich rufe mit Stentor- stimm« durch die stille Straße den Demonstranten die Frag« zu: Parole Schwarzweißrot oder Schwarzrotgold? worauf unisono, klar und deutlich die prompte Antwort erfolgt: Beide»! Das Auto enteilt, ich brauche nicht mehr zu grübeln: meine Reichsbannerkameraden auch nicht!! KpO. unter SPD.' Zahnen. . Am Montag abend hatte die Tegeler KPD. unter Beteili- gung Auswärtiger«ine Kundgebung im„Lilienthalhof" der Bau- genossenschast„Freie Scholle". Das es an jedwedem Flaggen- schmuck fehlte, hatte unsere dortig« Abteilung„Freie Scholle" ihnen einen würdigen Empfang unter zahlreichen SPD.. Fahnen und Transparenten bereitet. Es gab sehr viel lange Gesichter. Mit Schalmeien und Pauken wurde notgedrungen für uns demonstriert. Der K o m m u n i st L u s ch e r war Sprecher Dazwischen dröhnten ober kräftige Rufe:„Wählt L i st e 1 SPD." Bei Dunkelheit zog das Häuflein schmerzerfüllt ab. Es war ein guter Auftakt für unsere Sache im 20. Kreise. Selbstanschlußbein'eb Pallas. Llmstettung der IernsprechvermitttungSstelte Köpenick. In der Nacht zum 31. August ist die neue Fernsprechver- mittlungsstell« mit S e l b sta n s chl u ß b e t r i e b, Pallas, er- öffnet worden, der die Teilnehmer der alten Vermittlungsstellen K u r f ü r st und L ü tz o w und alle Teilnehmer der Fernsprech- Vermittlungsstelle Nollondorf zugeteilt wurden. Ebenso wurde die Fernsprechvermittlungestelle Köpenick unter Beibehal» tung ihres Namens vom Handbetrieb auf den Selbstanschluß- betrieb umgestellt und die Fernsprechvermsttlungsstelle Nollendorf außer Betrieb gesetzt. Die Teilnehmer von Pallas und Köpenick werden in der Loge sein, durch Drehen der Nummernscheib« ihre» Apparats alle anderen Sslbstanschlußteilnehmer unmittelbar zu wählen. Sie erreichen einen Teilnehmer, der an«in« Derüiittlungs- stelle ohne Selbstanschlußbetrieb angeschlossen ist. durch Wahlen des Rufzeichens dieser Vermittlungsstelle und durch Ansage der Nummer an die sich meldende Beamtin. Allen Teilnehmern wird geraten, vor Anruf eines Teilnehmers der Vermittlungsstellen Kurfürst, Lützow und Köpenick im Fern- sprechbuch nachzusehen, ob der bei Kurfürst oder Lützow gewünschte Teilnehmer etwa an die neue Vermittlungsstelle Pallos herangeführt worden ist, oder ob der bei Köpenick gewünschte Teitnehmex etwa ein« neue Nummer erhalten hat. Ltzie ein leitendes' Mitglied des Reichspostministeriums vor Bertretern der Presse aueführte, gibt es in Berlin zur Zeit etwa 300000 Hauptanschlüsse, von denen Ende 1930 ungefähr 130000 Anschlüsse automatisiert sein werden. Um für ganz Berlin den Selbstanschlußbetrieb durchzuführen, sollen unter Berücksichtigung einer jährlichen Zunahme der Anschlußzahl um 14 000 in jedem der kommenden Jahr« 46 000 Anschlüsse automatisiert werden, so daß das Berliner Fernsprechnetz 1936 voraussichtlich nur noch Selbstanschlußämter kennen wird. Während der Umschalt- arbeiten soll schon bis End« 1931 auch das Amt Zentrum still« gelegt werden. Das neue Amt Pallas ist für 7900 Hauptanschlüsse ausgebaut worden und wird 1896 Anschlüsse von Lützow, 2274 Anschlüsse von Kurfürst und 1436 Anschlüsse von Nollendors über- nehmen. Für das im Fernsprechamt in der Neuen Winterseldfftraß« untergebrachte Selbstanschlußamt wurden 12 000 Wähler und 41 000 Relais benötigt, für deren organische Verbindung etwa 3 M l l- lionen Lötstellen notwendig waren. Für die Venachrichiigung aller Selbstanschlußtellnehwer Groß- Verlins zur Berichtigung der Rufzeichenverzeichnisse wurden 120 060 Karten verschickt. Um die zu erwartenden Jfehlanruse aufzufangen und möglichst schnell in die richtigen Weg« zu leite», Hot dl» Postverwaltung besondere Lorkehrungen getroffen. Die renitenten Nazis auf freiem flfust. Am gestrigen Dienstag wurden die 26 Mitglieder der Sturmabteilungen d e r'N S D A P., die bei dem Eindringen in die Geschäftsräume der Gauleitung Berlin der Nationalsozia- listischen Arbesterpartei in der Hedemannstr. 10 von der Polizei] festgenommen worden waren, dem Ver nehmun ge r ichter vorgeführt. Sämtlich« Festgenommenen mußten entlassen werden, da ein Straf- antrag sestens der Partei nicht gestellt war und andere Dergehcn, die eines Strafantrages nicht bedürfen, nicht in Frage kamen. Schwere Verkehrsstockung in Hannover Folgen des ungeheuren Vrandes. Hannover, 2. September. Die Stätte de» Brande»«ms dem Güterbahnhof Hannover- Nord, über den im Sonn lag.„Vorwärts" ausführlich berichtet wurde, bietet ein schreckliche» Bild der Verwüstung. In den beiden Schuppen von etwa 300 Meter Läng« und 40 Meier Br«ite standen sieben zum Teil schon beladen? Güterzüge. Das Feuer, das in einem mittleren Wagen eines Zug«s entstand, griff so rasch um sich, daß binnen fünf Minuten sämtlich« Züge in Flammen stanben. Der Wind trug die Flammen in wenigen Minuten über die ganze Halle. Stahl- flaschen mit Kohlensäure, Oelfässer usw. explodierten mit dumpfem Knall, groß« Stücke des Hallendaches fortreißend. Die oberen Stockwerke der in nächster Nähe des Brandherdes stehenden Wohnhäuser d«r Gärtnerstraße mußten polizeilich geräumt werden, well die Dachstühle bereits Feuer gefangen hatten und die Gefahr einer noch größeren Ausdehnung des Brandes bestand. Di« Schuppen, von denen nur noch di« geborstenen Seiten- mauern stehen, bilden«in schauriges Chaos, über dem«in dichter Rauchnebel lagert. Riesige Eisenträger haben sich in der Höllenglut gebogen. Durch die herabstürzenden Deckentonstruk- tionen wurden di» Eisenpfeiler von 30 Zentimeter Durchmesser, denen da» Feuer nichts anhaben konnte, aus dem Boden gerissen und umgestürzt. Die Hitze war so stark, daß das Glas der Decken- fenster schmolz und wie Eiszapfen herunterhängt. Die Äüterwag«», deren Holzteile völlig verbrannt sind, stehen noch auf den verbogenen Schienen und werden wahrscheinlich dort verschrottet werden müssen, da sie sich nicht bewegen lassen. Es Ist noch nicht abzusehen, wie die Reichsbahn den Güterverkehr aufrecht erhalten wird. Der während des Brandes vermißte Arbeiter Hamel hat sich inzwischen wieder«ingesunden, so daß Menschenleben nicht zu beklagen sind._ „Vorwärts� in den Siempelstetten! Mehrfache Anfragen an» den Reihen arbeitsloser Partei- genossen geben un» Anlaß, daraus hiazuwetsea. daß der„vor- wärt»" in sämtlichen Arbeitsnachweisen an». liegt. Soweit er nicht ohne wettere» za haben ist. wolle man ihn von den Beamten de» Rachweise» anfordern und dann zirkulieren lassen. Sollt« irgendwo der..Vorwärt»" nicht oder nicht mehr vor- Händen sein, bitten wir um Benachrichtigung an den Verlag, Linden- i'.iaße Z. Die Wahlzeitung soll werben für den Sieg der Sozialdemokratie! Parteigenossen! Am Sonnabend und Sonntag stellt euch restlos in den Dienst unserer Partei! Wie wird man Polizeibeamter? Was der Bewerber wissen muß. Der Z. Vorsitzende des Allgemeinen Preußischen Polizeibeomten« Verbandes, Genosse Ernst Hildebrand, sprach kürzlich im Rundfunk über das Thema„Anforderungen an den Polizeibeamten und sein« berufliche Fortbildung". Den Anlaß zu seinen Ausfüh- rungen gaben Hundert« von Anfragen, die täglich bei den P o l i z« i- Präsidien und bei dem Ministerium des Innern über Voraussetzungen und Anforderungen für die Polizeibeamtenlaufbahn einlaufen. Die Behörde legt zunächst größten Wert darauf, nur Anwärter einzustellen, die sowohl nach ihrer körperlichen wie auch geistigen Veranlagung und nach ihrem Vorleben die Gewähr dafür bieten, daß sie sich zu tüchtigen, pflichtgetreuen Beamten heranbilden lassen. Schon dem Bewerber werden eine Reihe von Bedingungen auferlegt. Er muß die preußische Sto a t s z u g e h ö r t g k e i t besitzen, körperlich tauglich sein, muß ohne Schuhe 1,68 Meter messen, das 2». Lebensjahr vollendet und das 28. noch nicht begonnen haben, d.Tf nicht ve rheiratet und muß unbescholten sein. Ist der junge Bewerber im Besitze eines Reife« Zeugnisses(Oberfekunda), oder hat er das A b i t u r i u m be» standen, hat er sogar Aussicht aus beschleunigte Be- förderung zum Offizier. Vorbestraft« und Personen, die an Bestrebungen aus Aenderung der Verfassung mit unerlaubten Mitteln teilgenommen haben, sind natürlich von vornherein von der Einstellung ausgeschlossen. Den Bewerbungen muß«in lückenloser Lebenslauf und Führungszeugnis sowie ein genau ausgefüllter Fragebogen, der bei den Polizeischulen und Polizeioerwaltungen zu erhalten ist, beigefügt werden. Hat ein Bewerber bei dieser ersten Prüfung bestanden, wird er einer Polizeischule zugewiefen, und nach seiner Vereidigung auf die Reichs- und Staatsverfassung tritt der jung« An- wärter in«in öffentlich-rechtliche» Dienstverhältnis, dessen Inhalt durch das Polizeibeamtengefetz vom 81. Juli 1927 geregest ist. Die Ausbildung auf der Polizeischule dauert ein Jahr. Jeder Polizei» anwärter erhält monatlich«ine Vergütung von Sö Mark, wovon er seine Verpflegungekosten mst 1,20 Mark pro Tag bezahlt. So ver- bleiben dem Anwärter neben freier Kleidung, Wäfche, Wohnung und Licht noch L9 Mark monatlich zu seiner Verfügung. Der Anwärter, der mit Abschluß der Ausbildung das Ziel der Schule erreicht hat kommt jetzt in die P o l i z« i b e r e i ts chaften einer Polizei- Verwaltung und wird zum Polizeiwachtmeister befördert. Als solcher ist er zum Besuch der am Standort eingerichteten Polizei- berussschulen verpflichtet. Jeder Beamte kann Polizeiwachtmetstcr, Oberwachtmeister, Hauptwachtmeister, Polizeimeister, Obermeister, oder aber, falls er die Offizierslaufbahn unter der Voraussetzung, daß die hierfür notwendigen Bedingungen erfüllt sind,«inschlägt, Polizeileutnant, Oberleutnant, Hauptmann, Major, Oberstleutnant, Polizeioberst und Kommandeur werden. Für die Ausbildung zum Polizeioffizier ist die höhere Polizeischule in Eich« geschaffen. Allen Beamten, die nach Ablauf einer gewissen Dienstzeit— 12 Jahre— keine Möglichkeit haben, lebenslänglich innerhalb der Schutzpollzel angestellt zu werden, oder aber aus innerem Drang« sich zu einem anderen Zweig der Polizei hingezogen fühlen, steht es frei, sich entweder zur Kriminal-, zur Berwaltungs« oder Kommunalpolizei oder zur Landjägerei(früher Gendarmerie) zu melden. Das ist in groben Zügen ein kleiner Abschnitt au« dem infor- matorischem Vortrag Hildebrands. Der Beruf des Polizelbeamten ist sehr schwer und stellt höchste körperliche und geistig« Anforde- rungen. Darum sollte jeder, der die Absicht hat, Schupobeamter zu werden, vorher genau überlegen, ob er das Zeug zu dieser Laufbahn hat. Di« E i n st e l l u n g von Polizeianwärtcrn findet jährlich zwei- mal, zum 1. April und zum 1. Oktober statt. Die Gesuche hierzu können jederzeit an die staatlichen Polizeioerwaltungen oder ein« staatliche Pvlizeischule eingereicht werden. Wir lebe« in der Milchstraße! Heber den Bau des Weltalls sprach im Bortragssaal der Treptow-Stermvarte vor den Freunden dieser Bolkebilüungo- anstatt Günther Archenhold, der Sohn des Direktors Archen» hold. Durch zahlreich« Lichtbilder erläuterte er den allgemeinen Bau unsere« Sonnensystems, der uns recht gut bekannt ist. Dann schildert« er die verschiedenen Methoden, auch in die Fixsternwelt ein- zudringen und die Entfernungen ihrer Glieder zu messen. Interessant ist, daß die Benutzung der Linsen mit den Fernrohren den Bildern farbige Ränder gibt, die von den Astronomen früher als sehr störend empfunden wurden, und doch ist gerade dies« Falbenzerstreuung de« Lichtes durch die Gläser Anlaß und da« Mittel zur Spettro- s k o p h i« gewesen, da« sich als da» fruchtbarste Werkzeug de» Astronomen bei der Erforschung der Fixsternwetten und Nebelflecke erwiesen hat. So ist die Zusammengehövigtett ganzer Sternsystew« in verschieden gestatteten Sternhaufen erkannt worden, auch die Nebelflecke erwiesen sich teils als solch« Haufen, teils als nebel» artig« Materte, in der zahlreich« Sterne«ingebettet sind, also al« in Bildung begriffene Wetten gleich unserem Sonnensystem, dos gleich» falls einem Sternhaufen angehört. Mit zahlreichen anderen und Violen unregelmäßig gestalteten Nebeln bildet er dos System der Milchstraße. Aber außerhalb diese« System« stehen andere Nebel von spiraliger Form, in denen wir selbständige Milchstraßen- system« erblicken müssen, die durch Millionen von Lichtjahren von uns getrennt sind. In jüngster Zeit sind fermr zusammen- gehörige Spiralnebel entdeckt worden, sogenannte Nebelnester, deren entfernteste», da« im Sternbild des Großen Bären, erst vor zwei Jahren aufgefunden worden ist. von uns einen Abstand von nicht weniger als 150 Millionen Lichtjahren hat. Bielleicht bietet unser« Milchstraße einem von außen auf st« blickenden Auge auch das Bild nicht eine» einzelnen Spiralnebels, sondern einer Anhäufung solcher Nebel dar. Der geschilderte Ausbau des Weltalls, so schloß der Vortragend« seine interessanten Darlegungen, ist in seinen Grundzügen recht sicher begründet und kann wohl al« feststehend betrachtet werden, der Aus» bau der feineren E-inzelheitm jedoch wird Aufgab« der Zukunft sein.■,, Oer Aaziüberfall auf Arbeiiersporiter. Kürzlich wurden in Eladow an der Havel Mitglieder de- Arbeiter-Fußballvereins Schöneberg-Friedenäu 07 von Hakenkreuz- lern überfallen und schwer mißhandelt. Ueber den empörenden Bor- fall wird uns von einem Augengeugen noch folgendes mitgeteilt: Die Berliner wollten ein Gesellschaftsspiel mit den Cladower Genossen austragen. Gegen 13 Uhr trafen sie mit dem Autobus in der Ortschaft ein. In nächster Nähe hielt ein Lastauto mit Hakentreuzlern. Einige der Nazis oerteilten Flugblätter, deren Annahme von den Arbeitersportlern abgelehnt wurde. Das war für die nationalsozialistischen Rowdy- schon Anlaß genug, um hinter dl« jungen Leute herzueilen und auf sie einzuschlagen. Aus dem Versammlungslokal eilten den Usberfollenen mehrere Genossen zu Hilf«. Die Uebernwcht war aber zu groß, und so mußten die Sport- ler in dem Lokal Auslucht suchen. Es entspann steh«In erbitterter Kampf zwischen den beiden Parteien, da die Hakenkreuzler den Ein- tritt in die Gaststätte erzwingen wollten. Als ihnen da» nicht g«. lang, setzte«in Hagel pon Pflastersteinen ein. so datz kaum ein« Fensterscheibe ganz blieb. Ein Genosse wurde durch einen Stein- wurs am Kopf» schwer verletzt. Während dieser Zeit hott, sich ein Teil der Angreifer um da« Hau« geschlichen und war über deä Hof in das Lokal eingedrungen. Mit Bierseideln und Stühlen wurden nun die Fußballer schwer mißhandelt. Um weiterem Schaden zu entgehen, blieb ihnen vor der Uebermacht, die von einem Nazi in verbotener Tracht kommandiert wurde, nur die Flucht übrig. Di« nationalsozialistischen Strolche wurden später in Spandau von der Polizei gestellt und über 30 Mann der politischen Polizei«ingeliefert. Dl« Arbettersportler, die über diesen Ueberfall aus« höchste empört sind, erwarten eine strenge Bestraf ttttg der Rowdys. Kundgebung imSportpalast Die Berliner sozialdemokratie veranstaltet am Sonntag, dem 7. September, vormittags 10 Uhr, eine groBe Wählerkundgebung Im Sportpalast PROGRAM« Pahneneiniu j der Sportler und der So zUlisti sehen Arbeiterjugend - Chöre du Deutschen Arbeitersinger-Bundet. Dirigent; Georg Oskar Schumann Sturm.......... Uthmann Das heilige Peuer..... Uthmann Ansprachen der Oenossen: S. Aufhiuser, A.Crtspien, Gertrud Hanna, P. Künstler, E. Lübbe, O. Ortmann Chöre; Brüder rur Sonne......... Scherche« Gemeinsamer Gesang: Die Internationale Genossen, sorgt für Massenbesuch! Der Bezirksvorstand partemachnchien für Groß-Berlin Cimfcabuagen fia Mefe«BbrH fleh IVnP'Ä stete ea bu«c|M*f«frrtacUn B• 1 1 i 8«ffl M, StnbcnftroBc 3, i. Hot, 2 Treppe» reiht». ,» rtchtea. Für de« Wählfonds der TPD. in Berlin wurden vom Betriebsrat der Bank der Ardeiter, Angestellten und Be- amten A.-G. 900 Mark, von den Arbeitern und Angestellten der „Msirkischen Wohnungsbau" G. m. d. H. 4(5,25 Mark gesammelt und an die Bezirkskasse abgeliefert.— Allen Spendern hierdurch besten Dank. I. A.: Alex Pag eli«. Achtung, Kreis- und Abteilungsleiter! Wir bitten, alle roten Fahnen und Banner zur Kund- gebung am 7. September im Sportpalast mitzubringen. Der Bezirksvorstand. * heute, Mittwoch, 3. September: IL Abt. Fahnen und Transparente stirb heute, Don 18 bis 20 Uhr, von Perser, »m-fcoVstr. 21, abzuhole». 13.«dt. Unser Weg ist von de« Epebitton, Wilhelmshavener Str. 48, ab- 21. IlM. 10 Uhr Materiolausgabe In der Sesehilftssteve, Ulrechter Str. 21. 22. RH. Die Transparente müssen heute Mischen 17 und 12 Uhr von GMtlel, Utrechler Tir. 10, abgeholt werden. 36. Abt. Fahnen und Transporente können vom Genossen Springer, Eckert. stcahe 1, abgeholt werben, Donnerstag, 4, September, 12� Uhr, bei Busch, Tilsiter Sir. 27, ssunktionärsttzung. Erscheinen sämtlicher Partei- und Betriebssunktisnäre ist Hflich!, «l. Abt. Ehaelotteabueg. 2« Uhr bei Lehm-aa,«ö-iMweq 8, wichtig« gank- tioastrsthnng. 78. Abt. chchSaeberg. 20 Uhr isunttwnärsthung, ffeurigstr. 44, im Laden, aicht bei Nath». 81. Abt. Feiebenau, 20 Uhr bei st labe, Haichjernstr.«0-61, wichtige Funk» tisnärsthung, Reukölln. a_ h<»uckow. 8um Wahlwerl alle Mitglieder um 1864 Uhr am Äeuterpla». 10». Abt. Frledrichshage». Wir beteiligen UN« an der____ B., kundgebung der Abteilung Eöpenick im Lokal Seibiet, Uhlenhorst, Mahl». ' � �......... 16 Uht B-Hn�osftraje, 13«. IN» t iokal Sammeln »(fenUichen Wähler. , Uhlenhorst. Mahl». ssabn Genossen stiehl, e in Empfang nehmen. ..... x- ittt können von Miitwochnachmittoz "erkehreloiol, Äefldenestr. g, hei dem 140. Abt. Borsigwalde. Uhr im Lokal von Woitschach, Ernstste. 1, Voritonds, und ssunktianärsihuna. Rontgental-�epernlck und Umgegend. 18', i Ubr Treffen der Mitglieder am „Ebelweih- nur Wohlkundgebun« nach Birkhol,, Referent!(Jen.®r, Fried- rich Sertnl«, Morgen. Donnerstag. 4. September: ebenbort Elbung des Festausschusses, 40. Abt. Alle Genossinnen und Genossen beteiligtn sich SN der Demonstretlon. Abmarsch 18 Uhr Epreewaldplo» sGUrliher Bahnhos).- 41.»bt. 18 Uhr Treffen Spreewoldpla», 42. Abt. 17H Uhr Treffen ,ut Demonstralion bei Wiersdorfs, Urban skr. 8. ""...... 18 Uhr Spreewoldpläh fGörNH, ter«HM, 43. Abt. Antreten«ut Demonstration 18._____________________. 47.«M. Alle Miialteder beteiligen stch an her Demonstration. Die Fahnen „Wählt Liste 1!" sind mitaubringen. Sammelplähe 17?t Uhr bei Siedentopk, Mnokaurr Str. 25: Rachzligl» OätChet Bahnhof. 48. Ahl, Treffen Aut Demonstration 17 H Uhr Fiirstenstraste Ecke Ritterstrahe; Räch, Udler 18 Uhr fflötliNet Bahnhof, Die Beziikofiihrer laden bestimmt ein. 73.«bt. Schmargeoborf. 20 Uhr bei Winsier, Breite Str. 2b, Funktionär. 7». Abt. schöneberg. 20 Uhr bei Reimann, Sedanstr. 17, wichtige Funktionär- 101. Abt. Treptow. 1»H Uhr pünktlich in der Spedition vorstandssthung. '— 19H Uhr dei M" Adt."rr enbera. Iis. Abt.' l&H Uhr bei Stöber, Iungftraste„ Funktionärsihung.— 11». Abt. 20 Uhr bei Mo». Reu« Bahnhofstr. Ecke Oderstrahe, wichtig- Funitionärsidung. Auch die Betriebsvertraueusleute haben ftu erscheinen,— 118. Abt. 20 Uhr bei Max Ludwig, Prinzenallee, wichtige Funktionärsihuna.— 119. Abt. 20 Uhr bei Bart. Möllendorf sirahe, Funktionärsihung, Befendere Einladungen erfolgen nicht. "......-'----•" ieafee. 20 Ifte organifatio». hnhvfstrahe. ,1.»ah unltionärsihun».— 11».«bt. 20 Uhr bei Bart. ..unktionärsitung. Besondere Einladungen erfolgen nie 139. Abt. Schul, endo ei, Keiligensee, Siedlung a» Bahnhof im Sofal Beck, Am Flugpla», MItgliederperfommlung. Röntgental-Zepernick. 20 Uhr Wahlfundgedung bei Meihel, Referentin! Genossin cherto Gotthllf. Bach, Sobrechtsfelde. Freitag, 5, September, 20 Uhr, Wahlkundgebuna im Äemeinschoftsbous. Treffpunkt der Genossen am Röntgentaler Bahnhof um 19 Uhr. Irauenoeranstaltung. llklntgental-grprUtick. Donnersiag, 4. September, 20 Uhr. öffentliche Frauen. Versammlung bei Meihel, Röntgenial. Bahnhofstr. 7»..Die Frauen als ausschlaggebender Faktor bei den Rrichskagswahlen." Referentln: Hertha «otlhelf. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 4. strei» Pven�auer Bern. Donnerotag, 4, September, islj Uhr. ln der Dnnzlger SU, M, fiimmet 29, Akten- und Seiferbesprechung. Jede Abtei- lung muh vertreten fein. Zungsozlaliskea. 's'' Zungwählerdemanstrattou am Donnerstag, dem 4. September. Die W gesamte Berliner Bereinigung beteiligt sich geschlossen an dieser De. ich monflration. Alle Gruppe nueranslaltuitgen falle» au». Treffpunkt 19 Uhr an der Müller» Eck« Seestrahe, Die Gruppen treten hinter der sW SAI. an, Fahnen und Transparente sind mitzubringen. Jeder sf Zungfpzialist muh ,ur Stelle fein. W Gruppe Schöneberg. Donnerstag. 4, September. 19 Uhr. Demonstration mit der SAI, und Studentenschaft an der Miller- Ecke Seestrahe. Nach der Demonstration Funklionärdefprechnng. W«rbebe,irt Osten, Am Sonntag, dem 7. September, findet onfchliehrnb an der Sportpolast.stundgedung der Partei eine Laftauwsabrt nach Werneuchen stott, Fahrpreis 1 M, Die Teilnehmermeldungen müssen bis Freitagabend iir Händen des Genossen Iakubomski, R. 58, kastanienalle» 94. fein, Gruppe Mitte. Mittwoch, z. September. 18—1» Uhr, Rufammriikunft beim Genossen Broecker, Rolischeunenftr'2. p. pl. Wichtig« Informationen, Der Gruppenabend am Dennerstan fällt oue. Wir beteiligen UN» restlos-n der Jungwählerdemonstration, Treffpunkt 19 Uhr Ecke Müller- und Seestrahe. Jeder Genosse muh erscheinen. Junge Parteigenossen sind herzlich willkommen. Fahnen mitbringen, Werdebezirt Rot_________________________________________ punlt jur Demonstration der Tesomtvereinignng MMer. Ecke Seeftrohe. Fahnen und Transparente sind mitzubringen. Di« Gruppenleiter treffen sich , Uhr ,u einer wichtigen Besprechung. Scappe Tempelhef- Marie owors. Im Aua«nbh«im, Lyzeum Tempelhof, Ger. der Göhsirahel, 20 Uhr. unser Heimabend fällt dem n. verbebeziri Rorbca. Morgen, Donnerstag, 4. Septrmibrr, 19H Uhr, Treff. kt zur Demonstration der Tefomtvrreinigiing MMer. Ecke Sf Fahnen und Transparente sind mitzubru 19lt Uhr zu einer wichtigen Besprechung, Gauppe Tampelhof. Marie,'' � maniaftr. 4—8 kdfingang von,_......„__ heute au». Für Jungwählerdemonstraiion treffen wir un« am Donnerstag, be 4, September, um Ml Uhr, Bahnhof Ringbohnstrohe, oder um 19 Uhr Doh Hof Seestrahe. Geburkskage, ZubllSen usw. f». Alt. Uuferau Genosten und Mitkämpfer» Oskar Rühle, Butt wann ftvahe 13. jiermann stiel, Zitlichar Str. 7. und Her man» Schlegel, Freies. walder Str. 38,|a ihrc» Ajähriq«» Pandeijubilöm» die herzlichsten Glück. wünsche._______ Gl««»tcllunasleltuna. Allgemeine Wetterloge. 2 Sept. �330, sbäs. Q vwikonlos.O hoiWr.O halbbedockf S wollög.ebedeckteRegen/iGraupoln Schnee.sNebel.'ss GewsteckgWiiidstine Bei Fortdauer der kühlen nordwestlichen Winde blieben am Dienstag die Temperaturen in Deutschland ziemlich niedria. Nur im Südwesten des Reiches stiest das Thermometer über 20 Grad Eclstus. An der Ostseeküst« und auch im norddeutschen Binnenlande kam es dabei noch zu einzelnen Regenschauern, während in West. deutschland anhallend heiterer Himmel herrschie. Die bestehend« Lustdruckverteilunst ändert sich nur lanstsam, so daß der Tranepart der nordwestlichen Lustmassen nach Mitteleuropa zunächst noch fort- dauern dürfte. Innerhalb des kühlen Luflkörper» wird es voraus- sichtlich am Mittwoch noch zu vereinzettsn Schauern kommen. Das allmähliche Abflauen des Nordweststrome» dürfte dann später eine langsame Wiedererwärmung möglich machen. tllteii jue a»eu»|U|iUliu. sjut aafCsttli nuu; v------ im übrigen Reiche wechselnd wolktg und im nördlichen Deutschland noch einzeln» Schauer, Temperaturen nirgend« wesentlich geändert. Gl« Relnigang stark verfetteter Sachen. Gerade diese Arbeit»«rettet den Heiissrou pft gan, hefonbere Last, SpllWecken, B-j»'— Wisch, und Bohnertücher, Mops, kur, alle Sachen, die, ölige und fettige Bestondteile in sich aufgenommen� baden, ..L �irrspstl ewannen. Puhtimer, . M Gebrouck et, sich Nur rni: durch den , lasse «gen, hoben Mrtung hat,' Lch�s''unid"fe'tttäe vVstaitdt»ile"t»«Äen smVlend««löfti wr Haft- und StelnSöben, Fenster. Fensterrahmen, kur» fll, leben ertei Relntgungs�peck eignet ff® das neue ffneugnls San, hervorragen!> Kitt« VUB fetttj| mWWWWWW, M «roher Mühe säubern, Jehl ist In strlonlalworenhaudluiigeit, Drogerien un! selfeilgeschäfien unter dem Ramen iMi«>» Wittel ,u haben, da» al» Ge- l- und ReinIguirßdMlllel verkouft wird und»ine ganz frappante .............— lett» gelöst. Auch Nz frappante Auch Ntllichen _______ I. iMi wirb unserer Hgusfrau" hefonbcrs beim kommenden Hauspuh gro' Dienste leisten. 8.1 S Ultr— Buu&en«rtsalii Hont KollMher. Arg*ntlno. Jdo und tvstyna Oufalr. Navill« Bistiop usw. plAza 1 TSql. S u.«15 SODDL J, 5 0- B" I Alex. E 4, SO« Claim Waldoff, Leo Morgenstern, Achilles u. Mcwman ow. � CÄSINO-TBEATEH™ vd. Lothriafter Strafe 37. Für unsere Leser: Gutschein 1—» Fers Fauteuil 1.25 JL, Sessel 1,75 M. Dar Possen-Schiaser Der selige Hollschlosky Biiit'iMitmiifiitiffiimiiiiniiiiiiMiiiHiiitiiiniiiiiitiiiHiiiiiiliii ond ein erstkl. buntes Programm. VoiKsbimne lwl» in Bllorilst; 8>ii L'hr )er fröüllfln Weinberg ton Cwl ZuiiMjn Sfaatsoper tmPl. d. Republil « Uhr Die Stumme von Poröcl Staatl. SdiiUer-Hi. S Uhr Oer mann mit cem Klepper Ttieater am Schilieauerdainm 8 Uhr Feuer aus den Kessein Rose-Theater rGartenbObne] TSeUcfa 5.30 Kouiert, 6.00 Variete TSelidi 615 „Etappe" oder Onkel Oustav schreibt K. v. Im Innentheater nur aeds hl» Bnaaiad, dem T.Jrpt, tagL».Ii „Heimliche Brauliahrk*' = VnranToino Eröffnung der Wintersaison; i l■UiaOZolgo Moalae. den». Sepien her 8.15 Uhr | JNe Brani von Nesüiia*') | mit Irene Triesch, Traute, Paul und Willi Rose i ... und immer viieder ins Rose-Theater Aj* hestm u. hilligsten als Ahemtevr. rn*«r AbomvsmeH* bietet: 12 Vorstellungen im Jahre. FrtUt Preiframm. Frtie Oarderoh*(alt nnrijt Buhns Berlins). Beim Btn/rtrt hü TJ. September keine Eintehreihegebühr. L'neere Abemenren werden u. e sehen: ,.Die Braut von Messina", von Schüler.„Die schöne Helena", große Operette von Offenhaeh. .JEine Nacht in Venedig", mit Musik von Johann Strauß. ,,D'e Dollarprinzessin", van Leo Fall. „Die Faschingsfee", von Kaiman. ,Jtose Bernd", von Gerhart Hauf t- mann. ,J)cr Veilchenfresser", von Moser. ,jyie fünf Frankfurter", von Rößler. ,J3as 4- Gebot", von Amengntber. Um den riesigen Zustrom zufrieden zu stellen, richten wir Sonder. gruppen des Abonnements ein, und zwar an den Sonntag-Nachmittsgen um 230 Uhr FürdteseGruppensindnoehxuhahen: I. Ordiest' Sessel AI AS M II. Orchest.- Sessel A 1JSO M Parkett- Sessel Al.toM IL Parkett A SS Pf. I. Mitielrang A OOPf, (DU Preis* verstehen sich inkl. Programm und Garderobe) Für die Woc'nemagsvor Stellungen sind im Abonnement nur nach L Rang- Balkon A 1 Mark, IL Parkett A SS Pf. und LMlHelrang A SO Pf. zu haben. PersSnliche Anmeldung woehswags vom 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Können SU uns nicht persönlich besuchen, so schreiben SU uns bitte Ihre Adresse. Wir senden Ihnen dorm umgehend kostenlos und wwerhindlich einen ausführlichen Prospekt. Wohnung i..— WIM T&eafer D l Weldnitaiiiin 5211 SV. Uhr 1914 m Külz Wiliel® Mtk Itagii: Giiitä! LMzsm. GROSSES Ii SiVlp '�Q'lch n Kammerspiele 0 2 Wsldemlimiii 5201 Heute 8 Uhr Zum 1 Male: Die Schule der Frauen von Molidre. Onhdi von Uutvig Fulda. tagic: Binlkiiiit. Theater 1.1 Kehrensir. 53-54 Direktion: Holpb Arthur Roberis Sl* Uhr: Da» nsBüciie waticften Komödie in SAIltvon Felix Joachimson Die Komödie II Bismck. 2414/751» Uhr Wri» htlüdiiiBgul Wie werde idi teidi Gfld gllltklid!? Imos tm Mi JeafcnBM : Erid Enjti Reichshallen-Theater Abend*( fT) Sonntag nadm.| 3 ,1 Stettiner sanger Das gmAe neoe Scptenner-Pragramn. U a.: Laß Blumen spreOen" Dönhoff- Brettl: Dk«rttlpT�p hniliM-Virirt». Deutsches KfiDStler-Theat. TcL dldsimA 3937 8>.? Uhr Gvtsg'itl der lidvlg- Thtica-BiiiiM magaatena Renaissance- 1 beater Stelnplatr 6780 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestüek Taglich 8-., Uhr Sensationeller Operettenerfolg I |Uni...■ pers. Leitung des KömpöhiSten Viktoria undihrHusar ssing-Tbeater ieiMndimm 2181 1, M46 Täglich 8 Uhr Des Kaisars Kults von Th. Plivier. Regii: En in Pistaiw. WAN» lUKSlSl-M smitfPauerdamm rsgi-sv« uhi Feneransden Hesseini von Ernst Toller. Iht.»: üimllrmndK. BOo'jtbiHe:; tut Um. TsmiUtf MuitiAndn. Tg.; LI. Bort. 0281 b. Stil Neues Theater am Zoo tüi Bihiih. 2fln. StpL 6554 Täglich Sflt Uhr lommel in der Posse ftsrr iioor persialii. Rundfunkhörer hHIBg Preise. Rose• Theater BT.FranHiiriftrMt.ii2 Tel. Alex 3422U.3494 8.15 Uhr: HelmUdw Brautaut Garten bSbae: 5.15 Uhn ftnuxift«. Bunter Ttü 815 Uhr: Etappe. I. J. 1167. 29. Strafsache :Bf n ben Slehaftrut WüHel» Ftrl. Berlin. choneweide. Wallst:. 11, wegen iiffenUich« Belcittzung. Das L-Hüffengericht Berlm-Mitle.?lb- Teilung 267, in Berlin, Hai am 2L Mai iSZiZ für Recht erkannT: Ter Angenagte wirb wegen äffentitcher Beleihigiing zu einer Eeidltrafe nan Aus — breibunbert— RMT. neruifeilt an deren Stelle im Richlbeitteibungsialle iijr je 20— zwanzig— RMt ein Tag»eiangni» tritt. Der irr au©tobtrötm Weyl wirb die BesUgnw zugefprachen, den erlennenben Teil be» Urteils binnen eines Ranai«»ach Zustellung einer mit Rechtsirastzeugnis derseheuen Urlriisausfettigung an sie in der.Raten Fahne" und„Bormiirts" je einmal auf Saften de» Angenagten astend lich bekanntzumachen. Die Noch varbandenen iügemplare. die Ersten Beilagen" der Rumm-rn 2uS, MS unb 209 der„Raten Fahne", sowie die zu ihrer Herstelluug bestimmten Platten und Formen find im Rahmen des§ 41®t®S unbrauchbar zu machen. Die Saften des Zerfahren» hat her An- geklagte zu tragen. Da» Urteil ist vollstreckbar. Der Gener glstaatsanwalt bei dem Sandgerichi I. Barnöwsity-BBlinep Tbftater u 8w SUKemnnnstr. Täglich 8'. Uhr »WM: Z IrstyM*m Sdiwiafirt Komödianhaus SV. Täglich 8'. Konto X von ferMuu md Oftstmiiti' Komische Oper 8*» Uhr Die Frau ohne Kuss Operette v W. Kollo tiÄ Sruntags nsdusJv iu kleinen Preisen TlMter am Knttb. Tw Kottbusser Str. 6 Täglich OB Uhr piek Soent. naebra S'-.j Etile' Sander Zllle-Festspieie legfoter Mtiisptt. Kidts. tmiSiiis Prea«! Voll«•• Mittwoch. Z. September 1030 nachmittags ZV, Uhr Zieh. t. 10. hfa 17. SefL 1930| Tierzchnle droßc Volkswohi-I Lotterie 5] 178 Grvinae und 7 Prismen irol Gesamtwert« tob RMI K_ 465000 eil 50000 i«. 75000 Hbchatgew.a. 2Pr4mieo ru je 25000 RM' SWOOOOI 50000 1��400001 1»Tm2000CI lAMnlRMDeppeBMnnSRM L "•WU�Mtlßr «. y*r«di. Taus. Porte«ad Gewiaalist« 85 Fi In alWo durck Plakat« kesntliek. Varkaufsatallea und durch\ H. C. Kroger A.-G. BerftaW«, FrMridstr. 192/93 J Peittcksckkoato: Bsriia 215 Womeh»«/. b»r <9«»baansjas 5.«losi» 39. Pleabllch-SM-Atsch« ÄlaBen.&Uerle. Oh« Eftwähr Rochbruck verbvlen Auf jede gezogen» Rümmer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, vnb zwar fe einer auf die Löf» gleicher Rümmer t» den beiden Abteilungen I und ll BETRIEB /> KEMPIKSKlS Zimmer. tbett Mk.7,-bi5l1." 2 betten 13.- bis Zt &od;Ml(.3- Solonilft- Benin HOTELoAntilM EXCELSIOR 21. Fkehungstag 2. September 1930 3n der beuligen Donnlttagszlehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen Z O«Winne zu 10000 M. 138513 4»«»hm. zu BOOO all. 69821 35340» 12 s-winn» p. 2000 all.«SOS 30305 76542 77300 143812 1S1004 18 G-wwn« ,u 2000 all. 7334 63995 76168 140290 169499 188445 216543 338384 46«evinne» 1000 M. 10044 20SS9 24353 39317 120487 120950 135682 140311 151286 160666 161738 16"570 181397 228402 229658 235586 245992 247520 273978 328719 338622 353769 398629 84»»winn. zu 500 W. 24074 5162« 55084 62392 62449 65213 88196 102339 102940 111571 165032 167164 168716 168993 179902 211839 221221 222982 241158 247161 249480 265773 269001 275236 287146 291737 301398 321930 328362 338423 357640 366510367011 369104 870217 376425 379308 383177 386948 388777 392584 3.99667 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2».winn« zn 10000 M. 56920 2»«Winne zu 5000 M. 7402 2 Gewinne zn 3000 M. 424 10«ewin», zu 2000 M. 127809 196540 261889 2 68 667 347602 26»-winn«.» 1000 W. 31302 68108 72488 177870 190661 102787 197869 299016 301342 303575 305937 338699 336727 90»«winn« zu 500 M. 8642 15080 17824 19913 43448 48315 64162 67241 67300 79444 79483 85859 109190 119878 128046 133773 159842 176618 186524 202361 206325 210303 221882 223186 265555 269491 284170 286092 287565 294014 303796 304693 308513 316255 316658 323840 333368 334795 340351 368218 370689 373516 373928 382126 398488 Im Eewinnrad« verblieben: 2 Prämien zu fe 500000, 2®e» minne zu je 60000, S zu je 26000, 26 zu{« 10000, 42 zu je 6000, 102 zu je 8000, 220 zu je 2000, 406 zu je 1000, 1286 zu je 600, 8242 zn je 800 M. 1 U; M 4>'jf Zahlen beweisen! Die Versicherungsgesellschaft der werktätigen Bevölkerung, die Vollcsfiftrsor�e Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherunps- Aktiengesellschaf'. gewährt ihren Versicherten auf die gewinnberechiigte Jahresprimie für 1929 30°, 0 Gewinnanteils in der Volknableilung, 33 V: Gewinnanteile In dar Lebeneabteilung. Bei dar Volksfürsorge sind 2 Millionen Versicherungen in Kraft; sie hat ein Vermügen von rund 100 Millionen Reiehtmark. Nähere Auskunft erteilen die RechnoDflsstellen: TÄ« ikt Manendorf, RathausstraBe 93. pt; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 121; Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26, Qartenh. pt-: Berlin-Köpenick, BahnhofstraBe 34; Berlin-Reinickendorf- West, Straße 20, Haus 12: Berlin-Spandau. Götelstraße S, pt. oder der Vorstand der Volks- fflrsorge in Hamburg 5, Ab der Alster 57—61 Nach langem, geduldig ertragenem Leiden. verschied heute nacht unser verehrter Verbandsdirektor und Verbandsvorsitzender. Herr Justizrat Hans-Georg Klinke Sciu Leben war der Arbeit im Dienste unserer hohen sozialen Bestrebungen bis zum letzten Atemzuge gewidmet. Wir verlieren in ihm einen unschätzbaren Führer und Organisator unserer Verbände. Der Haaptverbimd Deulsmer Bonoenossensdiatteo Der ReidiSMtuind DentsdtßrBeDflGDOSseesdialten e.V. Berlin, den 1. September 1930. Am Sonntag, dem 3t. August, ver. schied sanft nach schWerem. mit Ge- bulb ertragenem Leiden, mein Herzensautor. unvergeßlicher Mann.Vater und Schwiegervater, der Tapezierermeister Qeorx Kuppricst im Alter von 61 Zähren. Die» zeigen tiesdetrilbt an Therenc Rnppridh. geb. LemVe, Otto ftnppricfa, EUe Ropprich, geb. Ktenm. Schön eberg. den 2. September 1930 Muhl-nstr. s. Di« Trauers eier findet am Donner#. tag. dem 4.(September, 17 Uhr, im Sremaiorium, Wilmersdorf. Berliner Straß« 101 statt. Am 2. September verstarb plötzlich mein lieber Mann und Baiee, der Saiiwiri Karl �Vullricl, im Alter von 56 Jahren. Di« trauernden Hinterbliebenen Aogwie'Wallrid,, geh Berahau» Willer WoUrldi Berlin, Boppftr. 6 Di« Emäscherung findet am Fretiag, dem 5. September. W, Uhr, im Sremalprium Baumschulenweg statt Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Ableben meiner inniggeliebten Frau, unserer Schwester und Tante Olga Bertram, geb. Berg sprechen wir hiermit allen Beteiligten, Freunden unb Bekannten unseren herzlichsten Dank au». äeorg Bertram. Statt Karton Danksagung Für bfe vielen Beweise herzlich« Teilnahme am Garge meines lieben Mannes, unseres guten. Baters � Karl Nolte sprechen w>r hiermit allen Bekannten, her Geschiistsstrlle und den Fach. abteilungen der MetaMndustri» nehn Arbeitsamt Berlin-Sittte, besonders Herrn Borsteher Weber und Herrn Babn silr ihr« trostreichen Wort« unseren innigsten Dank aus. Wwe. Anna NoKe geb Slolf und Kinder. Dr. Fritz fleiosias,\mmü Moizsirab« 6�. Zurück: Dr. stuiz, neruenarzt. s KLEINE ANZEIGEN s Jedes Wort 12 Pf. t D« fettgedruckte Wort 23 Pf.(rn- lässlg zwei fettgedruckte Won«) Stellengesuche das erste Wort(fett) 15 PI, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte Oder 15 Buchstaben zählen doppelt. Anzeigen,«eiche für die nächste Nummer bestloair sind, müssen bis41;,Uhrnachmlttagj. In der Haupt- expedltlon des Vorwirts, Berlin S w, Undenstrafle 3, abgegeben«erden. Dieselbe ist von tnorgensS1 ,11hr bis nehm. SUhr ununterbrochen geöttnei Verkäufe Linoleum, Szillat, Soloniestraße 9. Teppichhaus Emil Lesenr«. Berlin, seit 1882 nur pranienstrotze 138. Fah. lungscrlcichterung ohne Aufschlag. Reiter Satalag lostenfrei..' Möbel Vatentmateatze».Primissi ma". llEe. iall bellen, Auflegematratzen. Chaiselongue». Walter. Stargarderstratz« acht- zehn. Sein Lade». Ksukgesucke zahngeblffe. Platinadsäle, Ldiziun Blei, Lueckstlbee. Silloerschmelze, Eold .inn. ____ elh. schmelz» eei Christ io not, 5ibpenicker» ltrake ZS iHaltesicll« Adalbertstratze).' Mäbelläusrr merke Seehit und dar Möbeibazae. aeotze Auswahl. «eine Preise! Beispielsweise: Schlafzimmer 4ä5.—. Speisezimmer öl?,—, Herrenzimmer SM.—. Spiegel- schränke 118,—. Dielengarnitur 38,—, AnrichtckUche 99,—. Messinadetisiell» 66,— Äleiderschriinte 48o-. Chaiselongues 28,—. Birtallbettstelle 18,—, Ausleaema trotze 13,— Sonstige Äiohel angemessene Preise. Teilzahlung aus- schlagsrei. Kochen rate». Monatsraten. Saiiaradatt bis zehn Prozent, auch out Anzahlungen. Siein« ouaz ahne Anzah- iungen. sredite bis zmei Jahre. Mätz Öins. Salalog franko. Hauplaefchait; Sieglitz. Schlokstratze 107; 2. cheldxift; ZicukSlln. Hermannnlatz 7: 3. Deschait; Belle-Alllance-Stratze 95.—, Unterarund, bahn: 4. Eeschissl: Äotldusser Stratze 23. geaenilder Clitesänger.' Slibel-gamerliirg, Kastanie»alle- 38 Lcrreuzimmcr. Eodelingarnituren. Klub. tische. Armlehnsessel Riesenauswahl Spoitpreise. üohlungserleichterung.« Musikinstrumente Linkpia no», überaus preiswert. Piano- sabrik Link, Brunnenstraße 35.__' Piano,, neu unb gebraucht, mit Herr- licher Tonfttll«. kleine Raten, sehr preiswert Langiährige Garantie. Kcrer. Strefemannstraße 14 und Brun- uenftraße 191.» fluclio B nahen, Reunziger 440. Hunderter 4L0. Sparrabren 250. Avparate Teil- zahlung. Schönlelnstraß« 3.• Fahrräder Eebrauchte Fahrräder 15,—. 20,— 23.—, 80,-. 35.—. Machnow. Sein- meisterstraß« 14. Laternen ISO, Fahrradoeck-n 2L0 Sdlläudk 1,90. Pedalen 150, Border. näher 3,50. Schö-rleinstrage Z.* Unterricht Schnelsiedernh« Piinatzirkel, Kurzschrift, Maichinenschreiben. Buchhaltung. Bücherreoisor Aulich, Seydelirraße 1. Spitt» Imarkt__• Technische Prinatschuie. Diplam-Zn, genicur Steklmacher, Friedrichstr. 113119. Waschinendau, Elektrotechnik. Salnono. technit. Ausbildung zu technischen Actifc. nerinnen. Tageslehrgänge, Abendlehr. gänge�_______________________________ Immer noch leinen Fnhrerscheiut Ver. großern Sie Ihre Chanrel Wir bilden Sic in kurzer Jett zum perfekten Kraft. sohizeugsiihrer aus! Günstig« Bedin- gung. Ratenweise Zahlung des Hone.. rars. Fordern Sie Angebote! Auto- sahrschule Vurggaüer. Bismardstroß« 81. Sleinplatz 0647.' Verschiedenes ZPale«arbeiten. Revooierung von Kniin. und Geschäftsräumen führt aller- billigst aus Schmidt. Fennstraße 3. Post- kort« erdeten. Wäschereien Köpenicker Dampfwäicherei»Chor. iotte". Grünauerstraße 33». Telephon F. 4, 0687, wascht ohne Anwendung scharfer Wittel, trocknet im Freien. Billigste Preisberechnung. Abholung taglich. w.uslk unu faenang H Wusitaufträge aller Art, auch En. sembles und Orchester mit und ohne Kapellmeister vermittelt gebührenfrei Wustternachmein. Beffelstroß, 22. v 2 Wcibcndamm 0017 Mietgesuche 2 gut mi&Ttcttc fitiwnuu: mit Aen- trarhei�ung unt Bad gesucht. Angebote t-vbeten unter 81 an ben Vorwärts. ttrdeitsmsrht «ollowirt. Jurist. Dr., Genosse,«s- long GesdzäftsküHrer sucht ähnliche Stellung zu sofort. Alter 4S Zahre. Beste Enrpsehlnngen. Offerten unter » a HounfepWiitiim da» Larwört» 3»r. 411- 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. Z. September 1930 „Luxus" für proletarierkinder. Oos Bekenntnis einer kapitalistischen Seele. In der„Deiüncr Sörfcnjeitung*(„rechtsncttionol") schrieb Herr Ditlrich(Altono) dieser Tage folgendes: „In einer Verschwendung, zu der nur marxistische Vcrairtwortungslostgkeit sähig ist, hat man ein Kinder- und Jugendheim nach dem andern erbaut, nur um die christlich geleiteten Heime matt zu setzen. 5)eule haben wir dreimal soviel Kinderheime als überhaupt benötigt werden. Das beleuchtet wohl am besten die Sinnlosigkeit der kommunalen'tzaubetätigung. Und wie sieht es in diesen kommunalen Heimen«us? Pompöser Luxus nach außen! Trostlose Leere noch innen!" Mütter und Jugendliche, merkt euch das und verbreitet es überall, wo Arbeitermütter und-linder darben müssen und Jugend- lichen Stätten der Muße und der Ausbildung fehlen. Da spricht ein „nationaler" Mann offen aus, was viele seinesgleichen im Busen bewahren: Was für die Kinder und die Jugendlichen an Freude geschaffen wird, ist diesen„nationalen" Ichmenschen Luxus! Denkt daran und tut eure Pflicht am 14. September. Macht den sozialdemokratischen Geist so stark, daß diesen kapitalistischen Real- tionären der Mut zur antisozialen Aufreizung gründlich vergeht! Lleble Wahlagitation des Zentrums. Es scheut vor niedrigsten Verleumdungen nicht zurück. Zu welchen Mitteln die Zentrumspresse in diesem Wahlkampf greift, zeigt die neueste Lüg«, die sie ihren Lesern mit der Schlagzeile„Sozialdemokratische Heuchelei" austischt. Diese cm- gebliche„Heuchelei" soll durch folgende Behauptung beweiskräftig gemacht werden: „Im Reichstag, wo es Aufsehen erregte, beantrag- ten die Sozialdemokraten die Festsetzung einer Höchstpension von 12 000 M.; im Reichsrat, wo man es nicht merkt, ließen sie dann durch Preußen gegen ein solches Gesetz Einspruch er- heben." Dies« Behauptung ist frei erfunden und deshalb kann zu ihrer Charokterrsierung kein Wort scharf genug sein. Ein Gesetz- entwurf, von dem in der Zentrumslüge gesprochen wird, hat dein Reichsrat bisher überhaupt nicht vorgelegen. Insofern war für Preußen auch die Möglichkeit eines Einspruchs nicht ge- geben. Aber selbst wenn es anders wäre, hätte die preußische Regierung unter der Führung der Sozialdemokratie nicht Einspruch erhoben, sondern wie im Haushaltsausfchuß des Reichstags an- läßlich der Beratung eines über den Gesetzentwurf dex Reichsregierung weit hinausgehenden Antrags Breitscheid erklären lassen, daß die preußisch« Regierung dem Grundgedanken dieses An- trags sympathisch gegenüberstehe. Ferner wird die preußische Re- gierung, wie wir erfahren, auch gegen den neuen Pensionsgesetz- entwurf der Renhsregiening keinen Einspruch erheben, sondern ihn unterstützen. Damit wird aus der angeblichen„Sozialdemokrat!- ich«n Heuchelei" � eine niederträchtige Verl« um- dung der Sozialdemokratie durch die Zentrums- presse!_ General Kundi erklärt sich. Stine Tätigkeit in Bolivien. Am Montagabend sprach im Rundfunk der deutsche General Hans K u n d t in einem Interview feine Ansichten über die Rolle aus, die er als bolivianischer General st absches mehrere Jahre lang gespielt hat, bis er vor einiger Zeit durch eine Revolu- tion zum Rücktritt gezwungen wurde. Er habe es als feine Aufgabe betrachtet, eine Armee mit den Tugenden der deutschen Armee zu schaffen, die dem Parteigetriebe entrissen und in Disziplin und Pflicht- treue erzogen sei, um Bolivien die Möglichkeit zu schassen, den „Wunsch jedes Bolivianers' eines Tages zu erfüllen, nämlich Bolivien, das von fünf„feindlichen" Rachbarn umgeben sei, den„dringend notwendigen" Zugang zum Meere zu verschaffen. Als es ihm nicht gelungen sei, die Armee von Parteipolitik freizuhalten, wollte er als Ausländer nicht den Befehl im Bürgerkriege führen, und er sei ohne jeden Druck und ohne jede Feindseligkeit von feiten der Bolivianer zurückgetreten. Ein Dichter an das deutsche Volk. Maurice Nostandö Botschaft gegen einen neuen Krieg. Paris, 29. August.(Eigenbericht.) Der Sohn des berühmten Cyrano-Dichtcrs, des verstorbenen Edmond Rostand, Maurice Rost and. dessen dramatische Dichtung „Der Mann, den ich getötet iMbe", e'ne der schönsten und er- greifcndsten Kundgebungen gegen den Krieg, nach dem starken Pariser Erfolg demnächst auch in Deutschland zur Aufjührung ge- langen wird, veröffentlicht im„Svir"«ine Botschaft an das deutsche Volk, der wir folgendes entnehmen: „Glaubt nicht— so ruft Rostand dem deutschen Volke z»—, daß Frankreich mit Geringschätzung oder Ranküne aus Euch herab- sieht, so wenig wie wir dies von Euch glauben. Nicht in dem Streit der Politiker diesseits und jenseits de/ Grenze spricht die Seele der beiden Völker. Hinweg mit allen denen, die sich zwischen uns stellen wollen. Es sind Verbrecher. die mit dem Gedanken eines neuen Krieges spielen, von dem sie genau wissen, daß er eine unmenschlich« Schlächterei sein wird, in der es weder Sieger noch Besiegte, sondern nur unglückliche, bemitleidenswerte Opfer geben kann. Di« Verantwortung, die sie auf sich laden, schreit zum Himmel. Zlber nicht minder schuldhaft sind die Zeitungen, die die öffentliche Meinung auf- peitschen und die nationalistischen Leidenschaften schüren, statt ihre ganze Macht in den Dienst des gegenseitigen Per- stehen? und der Verständigung zu stellen. Es soll und darf nicht noch einmal Krieg zwischen Deutschland und Frankreich kommen, denn es ginge dabei nicht nur um das Schicksal unserer beiden Länder, sondern um die Menschheit selbst." Im Jahre 1865 schrieb Verdi seine„Sizilianische Vesper" für die Pariser Große Oper. Es war ein Mißerfolg und auch in Deutschland ist diese Oper niemals populär geworden. Ein großes Verdienst des Berliner Rundfunks, daß er dieses Werk der Vergessenheit entreißt. Bereits die Ouvertüre bringt eine Fülle blühender Melodien, die allerdings noch in der primitiven Art des ..Troubadour" instrumentiert und miteinander verbunden sind. Ein Duett zwischen Baß und Tenor, ein paar Ensembleszenen deuten auf die große französische Oper hin. Immer mehr kommt man zu der Ueberzeugung, daß in den vergessenen Opern Ver- bis ein kostbarer Schatz für die Opernbühne zu heben ist. Die Aufführung der Funkstunde, die übrigens aus hohem, künstlerischem Niveau steht, gißt nur einen Querschnitt, alio dle Höhepunkte. Vielleicht regt diese Aufführung ein Berliner Opern- haus an, die„Sizilianische Vesper" in seinem Spielplan auszu- nehmen.— In der„Literarischen Umschau" stellt Edles Koppen u. a. völlig objektiv die verschiedenartigsten Zeitungskritiken über die letzten Berliner Premieren zusammen. Kein Kommentar wird da.zu gegeben und dieser würde sich auch erübrigen. Die Ler- anstaltung erhält eben durch diese sachliche Gegenüberstellung ihren Reiz und ihren Wert, denn sie zeigt, beabsichtigt oder nicht beab- sichtigt, die Relativität der Kritik und deutet daraus hin, daß Kritiker auch nur Menschen und keine unfehlbaren Götter sind. Ferner aber weist sie darauf hin, daß ein Kunstwerk ans die mannig- faltigste Art ausgedeutet werden kann. Jedenfalls ein gelungener Versuch, ein objektiver Spiegel der Kritik, der vielleicht aus dieser Verschiedenheit der Meinungen das wahre Bild einer Dichtung re- flektiert.— Fritz Rück gibt einen Ilebcrblick über charakte- ristische Wander- und Landstreicherbücher. Es ge- Unat ihm in knapper Form, dem Hörer gute Porträts zu über- mittel». P. 8ch. iiü Sozialistische Arbeiterjugend Groß Verlio Einsendungen für diese lNnbrtt nur an da# Zugendserreiarial. ZZertln GW KS. �indenftraS« 5 Iungwählctdcmonstration mit Fackelzug Tonnersiag, 4. Eeptember, 19 Ulir. Müller. Ecke Seestraße. Schlußkund-gebung im Kleinen Tiergarten. Ansprache Genoffo Hennig. Sämtliche Abteilungsveranstaltungen fallen aus. Arbettegemeinschaft Abraham fällt morgen wegen der Iungwählerdemon. ftration aus. Achtung, SS Uhr am Keim Echicrlcstr. 44. Derbcbezirf RcukSlln: Treffpunkt zur Wahldemonstratian durch Neukölln 18'! Uhr Stubenrauchplaß. Schierkestraßc. Nachziiciler 10 Uhr Rruterp>al!. Schiußkundgcbunll Hcrßbrrgplatz. gähnen, Wimpel und Transparente find Mitzubringen. Werbebezirk Westen: Allgemeine ssunktionäruerfammlung im Jugendheim Olbersstraße«Iungsernheidc). Werbebezirk Wedding: Ardeit-kreis der kiiingcrcn fällt am 4. und Tl. Sep- temher wegen Wahlardeit aus. Beginn am TS. September. Wcrbebezirk Krcrzberg: Morgen, Donnerstag. Demonstration der Partei Treffpunkt T8 Uhr Sprcewaldplaß«Sörliher Bahnhof). Werbrbezirk Prenzlouer Berg: Wondcr. und SpicUeilerkonferenz im Heim Sannenburger Str. 20 um 20 Uhr. Wichtige Tagesordnung. Jede tbruppe m»ß vertreten fein. Voriräge,VereineundVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Selchäktsstelle: Berlin S. T4. Cebastianstr 37—38. Lot 2. Tr. Mittwoch. 8. September. Mitte. 4. ktameradichaft. 19') Uhr Name, radichaftsperfammlung bei Brandis. Stralaurr Sir. 10. Wichtige Tagesordnung. Vortrag. Tirrgorteu. stameradschast Moabit. 18% Uhr Antreten zum Plaßkonzert, Stephanplaß. Im Anschluß Materialausgabe, strcuzbeeg. Iug 8. 20 Uhr Versammlung bei Grahl, Wartenburgstr. II. Rcuiolln. Pslicht- antreten Ig Uhr Rcuterplaß zum Umniarsch.— Donnerstag. 4. September. Mitte. 10 Uhr Sealschutt im Lackeschen Hof, Bezirksamt Mitte. 8. und 4. Käme, radschaft Saalschuß 4. Abt. SPD., Kleine fsrankfurter Straße, Schule, 1g Uhr. — Freitag, 8. September. Prenzlauer Berg. Zum Schuß des SPD..Ui»z'iges 1.4 Uhr Schönhauser Allee Ecke Danziger Straße. Krcuzberg. Zug I. Versamm- lung um 20 Uhr dri Seelml, Willibald-AIcpis-Str. 8. Ttegliß(Ortsvercin). 10 Uhr Antreten zum Saalschuß der SPD..Vcrson»iil>lNg. Stegliß, Gmnililßum, Heefestraße.— Mitte(Iungbanncr). Mittwoch. 8. Seplcinber, 10'.) Uhr. Treffpunkt Untcrgrundbahnhas Alepanderplaß. Ausgang Kaiserstraße, in Zivil. — SchSncweide-Iohanniothal. Mittwoch. 3. September. 20 Uhr, Eaalichuß der SVD.-Berfammlung im Lolal..E'niiedler" in Johannisthal.— Schöneberg. Friedeng». Der Kamerad Scorg Rupprich ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, 4, September. 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten._ Deutsch«, Frribenkrr.Derband 6. V. lV erbau d für Frcideukertum und Fcuerdestattung.) Bezirk Eroß-Berlin. SW. 2g, Sneisenaustr. 4l, Unterrichts- kurfc: Kursus l. Dienstag, 2,, 18, und 28, September. Frsidcnkcrwm und Sozialismus lWeltankchauung). Referent: Prof. Mark Abramowilfch. Kursus 2. Dienstag. 14., 2l,, 28, Oltober, und 4. November. Freidenlertum und Staat (kulturpolitische Fragen). Referent: Rektor Friß Echulidt. Kursus 3. Dirnstag. 28. und 28. November und 4. Dezember. Freidenkertum und Erziehung., Tägüdi schreiben uns Hausfrauen, täglich kommen begeisterte Briefe ins Haus, täglich freuen wir uns über das stürmische Echo, das Q findet! Wir geben gern die Erfahrungen weiter, die tüchtige Hausfrauen mit O machten: denn sicherlich finden auch Sie in Ihrem Haushalt Dinge, deren Reinigung Ihnen Kopfzerbrechen macht, oder Gegenstände, die Q Ihnen wieder für wenige Pfennige in neuer Schönheit erstehen läßt! ©reinigt alles, was stark verschmiert oder verschmutzt ist; Steinböden, Badewannen, Kämme, Börsten, weiße Korbmöbel, Nachtgeschirre, Ausgüsse, Becken, Fensterscheiben und Rahmen, Aufnehmer und Mops, Fliesen, Marmor, Grabsteine, Kacheln, Porzellan, Kristall, Holzsachen aller Art, Abflußrohre in Spül- und Waschbecken, Tran- und Petroleumflaschen, eiserne BettsteK., Böden, PIatt:n,2entriiugen, Milchkannen, ßierleitungen, Aluminiumgerät, Milch-, Bier-, Essig- und Weinflaschen, Einmachgläser, Saftflaschen, blinde Spiegelscheiben, Vasen, Schmuck, Nickel, Silber, Speiseschränke,, Käseglocken, Geschirr, Töpfe, Bestecke, Krüge, Putzeimer, Farbtöpfe, Badeteppiche, Bohnertücher, KüdientQcher,Türen, Zimmerdecken, harte Pinsel, Vorleger, Metalle aller Art, es entfernt Öl, Kalk und Farbe, beseitigt Leim, Kohlenstaub, Flecke aller Art, Fliegenschmutz, entfernt Wasserstein, reinigt angebrannte Töpfe, Bleche und Kuchenformen, grobe Berufskleidung, Gummiwäsche, Photogeräte, Geweihe, in Wirtschaften: Gläser und alles Geschirr, entfernt Bierstein, säubert Hackmaschinen, Schlachtgeschirre, Buttergefäße, Fässer usw. •-3 �• enhel's - V- T 5/tnD aus und (>''"h- r..''•,•• K'F' IMr. Richens gleicht fielt aus Ton Sdmund Sinke-ltien Iis William Hichcns am letzitn Tage seines sechsjährigen Aufenthalts in den grauen Mauern von Pentonvill« vor Tolonel Hause stand, der ihm ein paar wohlgemeinte Abschiedswarte auf den Weg in die Freiheit gab, sagt« er bedächtig:„Man soll seine Geheimnisse für sich behalten. Colone!. Aber ich glaube nicht, daß meine Lage ganz hoffnungslos ist." Der Direktor des Gefängnisses sah Hichens kopfschüttelnd nach. Was sollte ein Mann beginnen, der sechs Jahre wegen Straßen- raub gesessen hatte? Nachdenklich blätterte er den gewichtigen Akt durch, der vor wenigen Minuten durch eine letzt« Eintragung zum endgültigen Abschluß gebracht worden war. Hichens hatte an einem nebeligen Novembertage in der City einen Kassenboten mit vorgehaltener Pistole in ein Haustor ee- drängt und dem zu Tode erschrockenen Mann durch die altmodische Formel„Geld oder Leben!" gezwungen, sich seiner Ledertasche und der Bolenmütze zu entledigen, worauf er ihm trotz des erwiesenen Entgegenkommens durch einen wohlgezielten Kmnhaken k. o. geschlagen hatte. An dem Fall war nichts Besonderes. Di« geraubte» fünftausend Pfund waren gelegentlich der Verhaftung Hichens nicht Zustande gebracht worden. Cr behauptete, sie verpraßt und verspielt zu haben. Möglich, doch bei der phlegmatischen Charakteranlage Hichens eigentlich unwahrscheinlich. Nun, Coloncl chouse wußte, daß New Scoiland Yard seinen Schützling nicht sobald aus den Augen verlieren werde. In London angelangt, war Hichcns' erster Weg,»och bevor er sich als entlassener Sträfling in der Postzeiwachtstube des Rayons, in dem er zu wohnen beabsichtigte, meldete, zu Cassan u. Garfield. Diese Anwaltsfirma genoß in gc- wissen Kreisen, besonders bei der Konkurrenz und am Themse Cmbankement, dem New Pork Scotland Pard seine Rückseite zu- gekehrt, nicht den Ruf einwandfreier Geschäftsgebarung. Dort aber, wo jene Dinger gedreht werden, die weder bei Hellem Sonnenschein noch im Rampenlicht Old Baylcys betrachtet werden wollen, wußte man, daß„die Beute" nirgends bester angelegt werden konnte als bei Caston u. Garfield. Sie zahlten zwar nur eineinhalb bis zwei Prozent, das andere ging aufs Ilnkostenkonto, dafür aber war man sicher, daß nach verbüßter Strafe das Konto abgeschlossen bereit lag. Aber, so dachte H'.chens bei sich, er würde sich hüten, das Geld zu beheben. Hundert Pfund fürs erste, um sich einzurichten, das andere würde er nach Bedarf an Deckadressen senden lassen. Das war es. was er mit Mr. Garsield rasch besprechen wollte, bevor er seine Ankunft in London„amtlich" bekanntgab. Als Hichens aus dem hohen, alten Geschäftshaus in Hampftead trat, beruhigt, da er sich mit den hundert Pfund in seiner Tasche reich und frei wie der Herzog von Westminster fühlte, erhob sich im Innern des Hauses, das er eben verlassen hatte,«in wüstes Geschrei, untermischt mit schrillen Angstrufen, die wenig Gutes»er- hießen. Ganz instinktiv setzten Hichens Beine sich in Bewegung. Ehe er jedoch um die Ecke der Hendonstreet gebogen war, befand er sich inmitten einer Meute wildschreiender Menschen. Zwei rohe Konstablersäuste griffen nach ihm und der schöne Traum von Reich- tum und Freiheit war zu Ende, eh««r noch recht begonnen hatte. Alles, was Hichens dem aufgeregten Tosen der gegen ihn anbran- denden Menschenmenge entnehmen konnte, war, daß im Stiegen- gang des ersten Stockwerks jenes Hauses eine alte Dame niederge- schlagen worden sei, der ein Kerl, welcher mit ihm. ausgerechnet mit ihm identisch sein müsse, die hundert Pfund geraubt habe, die sie an Hqlbjahr�zinsen bei einer Bank behoben hatte. Ein« arme alte Frau, hier in diesem anständigen Viertel! Man denke nur!> Der Teufel solle den verdammten Räuber holen! Uebrigens, die Polizei habe ihn ja schon gefaßt! Die alt« Frau, gestützr auf zwei fette, biedere Kerle, die einen Heidenspektakel vollführten, trat aus dem Tore. „Ist er's, Ma'am?" fragte der Schutzmann, auf Hichens weisend. „Sa wahr mir Gott helfe, da ist er! Gewiß! O, meine hundert Pfund!" „Beruhigen Sie sich, Frau, wir werden die Sache schon in Ordnung bringen. Können Sie mit auf die Wachtftube kommen? Ja, sehr gut! Vorwärts, Mann! Was Sie zu sagen haben, können Sie dem Wachtmeister erzählen." Hichens hatte den Mund aufgetan wie ein Fisch, der aufs Trockene geraten ist. Er erkannte das Gefahrvolle ssiner Lage. Aber durfte er denn reden, sich verantworten oder gor erzählen, daß er in dem Hause gewesen war, um sich bei Casson u. Garfield Geld, das van jenem längstvergangcnen Straßenraub stammte, ab- zuholen? Und genau hundert Pfund! Es war ausgeschlossen, die Anwälte zu verraten. Uebrigens hätte ihm dieser Verrat sein bei den Ainvältcn liegendes Vermögen gekostet, das die Polizei auf jeden Fall sofort beschlagnahmt hätte. Woher sollte es denn stammen, als von den, verdammten Straßenraub, für den er sechs Jahre in Pentonville gesessen hotte. Aber sitzen und obendrein das Geld verlieren? Alles eines dummen Zufalls wegen. Jove. das war zuviel des Bösen. Hichens versuchte, die hundert Pfund durch ein Kanalgitter zu e-kamoticren. Es mißlang und seine Position stand jetzt um süni- hundert Prozent schlechter als vordem. Wer würde ihm nach glau- den? Die Männer des Gesetzes keinesfalls. Stumm, mit einem verbissenen Zug um den Mund, bot er dem Schutzmann die Hände zur Fesselung dar. Die Untersuchung gegen den wegen Raubes rückfälligen William Hichens verlief für den Angeklagten hoffnungslos. Wohl überahm Mr. Garfield die Verteidigung und es wurde sogar einwandfrei fest- gestellt, daß Hichens wirklich im Büro der Rechtsanwälte anwesend gewesen war. � Da aber einerseits diesc Anwaltsfirma einen schlech- im Ruf genoß, sich hinter ihrem Veruftgcheimnis verschanzte, als Mr. Garficldt erklären sollte, wozu Hichens ihn aufgesucht habe, andererseits dieser Besuch den Raub durchaus nicht ausschloß und Hichens wegen des gleichen Deliktes vorbestraft war, grstallcts sich dic Angelegenheit für ihn äußerst bedenklich. Dazu kam der Der- such, hundert Pfund auf der Straße wegzuwerfen. Geradezu tragisch aber wurde die Sachlage erst, als Mr. Gar- field die Nachricht bracht«, daß die alte Frau infolge der. erlittenen einer Schling« um den Hals auf der verdammten Falltür stehen, durch die man hinüber in die trübselige Ewigkeit nitscht." Hichens knirschte vor Zorn mit den Zähnen.„Nichts, nichts werde ich sagen, Mr. Garfield. Sie vergessen, daß ich unschuldig bin. Ich soll eines dummen Zufalls wegen mein Geld verl'eren. Schauen Sie lieber, daß die Polizei den Richtigen erwischt und lassen Sie mich mit Ihren Phantastereien in Ruhe. Dafür bezahle ich Sie nicht." „Lieber Hichens, sind denn dies«. fünftausend Pfund wirklich Ihr Geld? Vergessen Sie doch nicht..." „Mein Geld, mein Geld," schrie Hichens laut, ohne auf den Wärter zu achten, der teilnahmlos an der Tür lehnte. Leiser fügte er hinzu:„Habe ich mir's nicht in sechs verfluchten Kerkerjahren ehrlich verdient?" „Darüber gehen die verschiedenen Ansichten zweifellos weit aus- einander. Ueberlegcn Sie sich'-, Hichens! Sie haben nichts von dem Geld«, wenn Sie dafür den Kopf in die Schlinge stecken müssen. In zwei Tagen komme ich wieder. Bis dahin müssen S e sich entschieden haben, was Sie tun werden. Wir haben keine Zeit zu verlieren." Garfield verließ das Sprechzimmer. Hichens wurde in seine Zelle zurückgebracht. In seinem Schädel war ein wüstes Durch- einander. Er konnte, er wollte nicky begreifen, daß er auf solche Weise um sein Geld gebracht werden sollte. Was konnte er dafür, daß in dem Hause in Hampstead an dem einen einzigen Tage, an dem er die Anwälte besucht hatte, ein Raub verübt worden war! Nein, nein, sie sollten sein Geld nicht haben. Lieber wollte tt krepieren. Cr würde es ihnen schon zeigen. Cr war kein Feig- ling. Verflucht, das war er bei Jove nicht. Aber würden sie ihm jetzt überhaupt noch glauben? Sicherlich, da war ja das Geld bei Casson u. Garfield. Fünftausend PfuniR Trotzdem. Vielleicht kamen sie auf die ausgefallene Idee, daß er die hundert Pfund auch noch— so im Vorübergehen— mitgenon,- men habe. E« war wirklich zum Verzweifeln. Was sollte er tun? Drei Fälle waren möglich. Entweder er schwieg und wurde ge- henkt. Oder er sagte, wie sich die Sache verhalten hatte und man ließ ihn frei. Oder aber, auch das war möglich, er sagte es und würde trotzdem gehenkt. O und er war doch unschuldig, unschuldig wie ein Lamm! Hichens warf sich auf die Pritsche. Beinahe hätte er geweint. In seinem Schädel kreisten wie feurige Worte: Geld. Leben, Geld, Leben, immer schneller, bis er aufbrüllt- wie ein Tier und mit den, Schädel gegen die Wand rannte, daß die Feuerrädcr im Dunkel wohltätiger Besinnungslosigkeit zerstoben. Als«r schwach und gebrochen erwachte, ließ er sich dem Rich er vorführen. Leben, leben, zum Teufel mit dem Gelde! Als er der Reihe nach alles erzählt und zu Protokoll gegeben hatte, zeigte sich auf dem Gesicht des Beamten ein lässiges und wie es schien, ein wenig mitleidiges Lächeln. „Ganz recht so, Mr. Hichens. Einige Tage müssen Sie sich noch geduldigen, bis wir die fünftausend Pfund beschlagnahmt haben werden. Um das übrige brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Der Täter wurde heute früh verhaftet und hat bereits gc- standen. Wie gesagt, zwei, drei Tage noch, dann sind Sie frei, Mr. Hichens." Als eine Woche später.Hichens arm wie eine Kirchenmaus an, Themseufer stand und nachdenklich ins Wasser spuck!«, fand er, daß es auf dieser veAeufclten Erde doch irgendeine sehr verborgene göttliche Gerechtigkeit geben müsse. Er beschloß, sich nach Tunlich- keit danach zu richten. 3)as tönende Wufemn kommt 3>as gteichspoftmufeum macht es vor Auf der Frankfurter Ausstellung des Jahres 1l>27, die der „Musik im Leben der Völker" gewidmet war, hat man zum ersten Male die Schallplatte als«ine Art„Erklärer" verwendet. In jener Abteilung, die uns die Instrumente der verschiedensten Zei- ten, Länder und Völker vor Augen führte, wurden sie uns näm- lich auch vorgespielt: das Grammophon vermittelt« hier nie ge- hörte Musik auf selten gesehenen Instrumenten. Es war«ine „H ö r- S ch a u" ganz eigener Art. Die Benutzung der Schallplatte im Dienste einer Ausstellung von Musikalien liegt eigentlich nahe. Daher ist auch die jetzt in einer Münchener Zeitung aufgetauchte Anregung zu begrüßen, daß in der Abteilung„Musik" des„Deutschen Museums" jedem Instrumente auch die entsprechende Schallplatte beigegeben werde. Wenn sich München diesen Gedanken zu eigen machen svllle, wäre das der erste Schritt zum tonenden Museum, denn die Verwendbarkeit der Schallplatte ist mit der Erläuterung von Musikinstrumenten ja noch lange nicht erschöpft. Ein Museum für Völkerkunde zum Beispiel würde sicher- lich nur gewinnen, wenn es uns durch Schallplatte» den Klang seltener Sprachen vermittelt«. Die Laute fremder Volksweisen, die srohen Gesänge rumänischer Schnitter, das erschütternde Klage- lied der Koreaner oder die Rufe des spanischen Nachtwächters»nd des orientalischen Muezzin würden die bunten nationalen Trach- ten, die wir reihenweise unter" Glas bewundern, mit Leben er- füllen»nd in unserem Geiste das Wesen dieser fernen Menschen oder Zeiten viel lebendiger erstehen lassen, als es noch so gelehrte Abhandlungen vermögen. Und ein knapper, populär gehaltener Vortrag aus berufenem Munde, der jede Abteilung als geschloffe- nes Gebiet behänidelt, würde die leierkastenmäßigen Erklärungen der Museumsdiener sehr vorteilhaft ersetzen und dem wirklich interessierten Besucher manchen wertvollen Fingerzeig geben. Diese hier zum ersten Male öffentlich ausgesprochene An- regung ist in allen von uns befragten Kreisen auf lebhaftes Interesse gestaßen und das Reichspo st museum will setzt sogar daran gehen, diesen Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen. Allerdings vorerst in bescheidenem Rahmen, denn zu einer großzügigen Durchführung fehlen ja noch die praktischen Erfahrungen. Jnter- essant ist es, daß Direktor Jacobs schon häufig daran gedacht hat, seinen Besuchern die verschiedenen Signole der Po st hörn er vorzuführen. Er wird sie jetzt ans einer besonderen Schollplatte .zusommenstellen. lind mährend man die behäbigen Postkutscher und die reichbctreßten Uniformen von anno dazumal betrachtet, wird der Postillon seine Weis« ertönen und die Romantik längst entschwundener Tage wieder erstehen lassen. Neben den hochinteressanten Modellen der Drachenflugzeuge Lilienthals, der ersten Flugmoschinen und Luftschisfe werden wir die Stimme des alten Grafen Zeppelin oernehmen, der uns auf einer Edisonfchcn Sprechmaschinenwalze des Jahres 1908 von seinen Nöten erzählt und dabei von einem bewundcrns- werten Optimismus beseelt ist, obwohl wenige Tage zuvor das große Unglück bei Echterdingen sein Luftschiff zertrümmert hatte. Diese Walze hat für das Paftmustum noch eine ganz besonder« Bedeutung, denn sie ist der erste„tönende Brief". Graf Zeppelin sandte sie seinerzeit nänrlich als„Absprache" an die voraussichtlich größten Geldspender für den Bau eines neuen Luftschiffes. Die Kulturabteilung des Liv.dströin-Konzerns, die diese wertvolle Walze besitzt, wird sie dem Pestmuseum zur Verfügung stellen. In dieser Halle soll auch Hauptmann K o e h l einen kurzen Vortrag über den ersten Ozeanflug von Europa nach Amerika halten, den er mit dem Freiherrn v. Huenefeld und dem irischen Oberst Fitz- Maurice vollbracht hat. Direktor Jacobs ist mit großem Verständnis bestrebt, das Mu- feum mit dem Geiste unserer Zeit in Einklang zu bringen; er will daher auch eine Sammlung van Schallplatten anlegen, die ............... von Hertz. Marcom, Edison, Lindbergh, dem Grafen Arco und Aufregungen gestorben war, was den Vertreter der Anklag« bcwog,' andern großen Männern der Technik und des Verkehrs besprochen �-n i U rtn»(iirirtrN m t.1 �..•m.awS*«* TW-,* Os � ma»»-»ff X 4 � � diesen Raub auf Raubmord auszudehnen. „Hichens," sagte Mr. Garfield, als er den Häftling im Zentral- psfängnis besuchte, ernst und bedrückt„ich kann Ihnen nicht vee- hehlcn, es geht um Ihren Hals!" „Sie sollten das Hehlen besser verstehen, Mr. Garfield!" „Lassen Sie das, Hichens, es ist nicht an der Zeit, zu spaßen. Ich habe mit Casson noch einmal die Angelegenheit von ollen Seilen durchgesprochen. Auf uns brauchen Sie keine Rücksicht zu nehmen. worden sind. Dies Archiv, das vor allem späteren Generationen wertvolle Dienste leisten wird, soll bei besonderen Gelegenheiten und Veranstaltungen auch jetzt schon der breiten Oeffentlichkeit zu- gänglich gemacht werden. Es wird im großen Vortragssaale unter- gebracht. Besondere Führungen von Besuchergruppen und Schulklassen ausgenommen� werden Musik und Borträge natürlich durch Kopf- Hörer vermitteit. Die Frag«, ob da nun Automaten mit Groschen- Wir werden uns zu helfen wissen. Aber für Sie heißt es, so merk- i betrieb aufgestellt werden oder ob die Apparate kostenlos zur Ver- würdig dos klingen mag, ebenso merkwürdig vielleich wie mein\ fügung stehen sollen, wird weniger durch eine Rentobilitots- „Verhehlen", es heißt für Sie. Hichens: Geld oder Leben! Eni weder Sie opfern die bei uns hinterlegten fünftausend Pfund oder rechimng entschieden, die bei einer Angelegenheit der Volksbildung ja nicht den Ausschlag geben dars, als durch praktische Erwägungen. aber Sie werde« ewes schönen Tages im Morgengrauen«üt i Der leider überall notwendige Kampf gegen den Mißbrauch spricht zugunsten der Bezahlung eines Zehnpfennigstückes durch Einwurf in den Automaten, der sich dadurch gleichzeitig auch amortisiert. Der Gedanke, die Schallplatte allgemein in den Dienst der Museen zu stellen, wird kurz über lang irgendwie verwirklicht werden müssen. Das ist die einmütige Ansicht aller von uns befragten Kreise. Die sich stets stärker entwickelnde Plattenindustrie, das 'Radio und der Tonfilm lassen diese Prophezeiung heute übrigens kaum noch als Utopie erscheinen. Jemand hielt diesem Gedanken die Behauptung entgegen, das Museum habe sich überlebt und reize nicht einmal mehr den Ortsfremden, trotz aller Hinweise in den Reiseprospekten. Dieser Einwand ist cig-ntlich eine Besür- Wartung. Das Museum wird häusig nämlich nur deswegen van außen bewundert, weil es im Innern die frische Luft der neuen Zeit ängstlich gemieden hat. weil es in der Entwicklung plötzlich stehen geblieben ist. Die Schallplatte bedeutet daher für das Museum die notwendige Bereicherung und Ergänzung, also: die so oft aefordert« Neubelebung' In" einer Unterredung erklärte uns Direktor Jacobs, daß er sich von diesem Versuch viel verspreche.„Der moderne Mensch ist durch Tonfilm und Radio ganz aus das Akustische eingestellt. Diese Feststellung ist siir den Museumssachmonn ein wcltvoller Fingerzeig." Dieser Berliner Versuch wird tm ganzen Reiche und wohl auch im Auslände mit großem Intcrefse verfolgt werden. Dr. H. Ander. 3>ufdthin über den Hell frieden Der größte Lyriker der russische» Literatur, Alexander Puschkin, wird auch in sowsetrussischen Kreisen, denen seine Aeschetik eigentlich lern seilt müßte, hoch geschätzt und viel gelesen. Eine Puschkin-Ge- selllchast in Leningrad beschäftigt sich mit der Herausgabe unbekannter Manuskripte des große» Dichters, den man gern den„russischen Goethe" nennt. Puschkin war in der Tat ein universales Genie und nicht nur ein großer Dichter. Er wgr«in ungemein gebildeter Mensch, der eine wertvolle Bibliothek besaß, in der keine einzige Neuerscheinung der damals modernen Literatur fehlen durste. Schiller und Goethe kannte Puschkin auswendig, und mit der beut- schcn Philosophie war er sehr vertraut. Eine intcressmrte Aufzeichnung in Puschkins Tagebuch, die auf eine Bskanntschast mit Kants Werk„Vom ewigen Frieden" schließen läßt, ist vor kurzem von der Leningrader Puschkin-Gesellschast ent- deckt worden. Sie datiert au« dem Jahre 1821. ist in sranzössscher Sprache geschrieben und lautet wie solgt:„Es ist unmöglich, daß die Menschen mit der Zeit die lächerliche Grausamkeit des Krieges nicht entdecken werden. Wie sie das Sklaventum abgeschafft und die kömgliche Macht begrenzt haben, werden sie sich überzeugen, daß wir dafür geboren sind, zu essen, zu trinken und frei zu sein. Die Berfaffungen.sind ein Schritt vorwärts in lder Entwicklung des menschlichen Gedankens. Dieser Schritt wird nicht der einzige sein, und die Bersassungen werde» sich darum bemühen, die Heereszahl stark zu oermindern, da das Prinzip der bewaffneten Macht der konstitutionellen Idee diametral entgegengesetzt ist. Höchst wahr- scheinlich wird man in hundert Iahren ein Berussheer nicht mehr kennen." In diesem Punkt hat sich aber der geniale russische Dichter gründlich geirrt! Äs« Todesmahl des �ilsfaciwerfländigen Die Franzosen, die bekanntlich große Feinschmecker sind, be- onügen sich nicht mit den verhältnismäßig wenigen Genußpilzen, die bei uns zum Verkauf ausgeboien werden, sondern ihre feine Zunge hat den Wohlgeschmack einer sehr viel größeren Anzahl von Arten erkannt, und so findet man dort die Pilzmärkte viel reicher besetzt. Damit nimmt aber auch die Gefahr einer Bergiftung zu, und die Zahl der Pilzopfer war so groß, daß vor fünf Iahren ein Gesetz erlassen wurde, demzufolge auf jedem Pilzmarkt ein Sach- verständiger angestellt wird, ohne dessen ausdrückliche Billigung keine Pilzsorte oerkaust werden darf. Daß aber auch dieser Kenner nicht unfehlbar sind, zeigte ein tragilck)«? Ereignis, das sich kürzlich in kein Orte Fougeres ereignet hat. Der dortige Pilzinspektor Victor Cottin ist nämlich gestorben, nachdem er ein Gericht Pilze gegessen hatte. Cr hatte die Sorte vorher pflichtgemäß begutachtet und noch dem Essen befriedigt erklärt, daß es ihm vorzüglich geschmeckt habe. Ein und eine halbe Stund« später war er«ine Leiche. Das Vertrauen in die Unfehlbarkeit der Pilzsachverständigen ist durch diesen Todes. fall stark erschüttert worden. Der älteste noch erhaltene Erdglobus stammt von dem Nürn- berger Martin Lehcim tlö. Jahrhundert), der mit portugiesischen Schiffen auch als erster bis zum Kongo gelangte und der auch, ent- gegen der allgemeinen Ansicht, die Pläiie des Kolumbus für aus» führbar hielt.