BERLIN Mittwoch z. September 1930 10 Pf. Nr. 412 B 205 42. Jahrgang S rfch«t«t ti s li ch t8|et6»XKtftg<. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgabe» SS Pf. pro Woche.».60 M. pro Monat. Redaktioa und Expedition; Deiliu SW 68, Liudeustr. 8 SjuUaab$aße dei n]Jbwxis46 Auttigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeil« «o Pf., Metlamqeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Derlag 0. m. b. H., Berlin Nr. 37SZS. Zernsprecher: Dönhoff 202 bis 20? Lleberfall auf Reichsbanner Nächtlicher Angriff aus dem Hinterhalt Elve Zngendabiellvng dv» Spandauer Reich». dann et s wurde, als sie nacht» taon einer fozialdemakratilchen Veranstaltung in Seeburg fOsthanelland) nach Hause marschierte. hinterrücks überfallen. Eine Rott� nationalsozialistischer Keeburger Vauerntnechte hatte sich S00 Meter vor dem Dorf neben einem Aeidwxg aus die Lauer gelegt, lieh heimtückisch den ersten Teil der Reichsbanuerleute vorbei und schlug dann einen Nachtrupp mit hammerschlägeu nieder. Als die weiter vorn marschierendea Reichsbanuerleute aus die Hilferufe ihrer Kameraden hin zur Uebersallstelle zurückliefen, wurden auch sie mit hammerschlägeu in Empfang genommen. Die nationalsozialistischen Wegelagerer find schließlich unerkannt im Dvnkel der Rächt entkommen. Die schwerverletzten Reichsbannerleute blieben bewußtlos am Wege liegen. Erst eine Stunde später konnte ein städtischer Krankenwagen herangebracht werde», in den di« am schwersten verletzten nach Spandau ins Krankenhaus transportiert wurden. Einige von ihnen konnten nach Anlegung von Rotoerbänden nach Hanfe entlassen«erden. Drei Reichsbauuerkameraden. und zwar Erwin Richter. Wchlter Rlehelthin und Karl h S p f n e r. liegen noch in bedenklichem Zustande im Krankenhaus: sie haben sämtlich durch Hammerschläge aus den Kops schwer« Schädelnerletzuogea und Gehirnerschütterungen erlitten, höpsner hat außer- dem schwere innere Verletzungen auszuweisen: die Rowdy? haben ihn m i l Fnß tritlen bearbeitet, als er schon besinnnngslos am Boden lag. Die Polizei sucht noch den Tätern: bisher war ihre Tätigkeit ohne Erfolg. Endlich ein Kartell-Aktiönchen. Es wird etwas aufgehoben, was gar nicht mehr existiert Die Reichsrcgierung hat es doch für richtig schalten, vor dem Ii. September wenigstens«ine Verordnung zur Durchführung ihrer am 26. Juli angekündigten großen Kartellaktion zu erlassen. Di« Verordnung wurde gestern unterzeichnet und wird heute vom Reichswirtschaftsminister bekannt gegeben. Sie hat nur wenige Paragraphen: die Verordnung„erklärt Reversverträge für nichtig und untersagt die Anwendung von Geschäftsbedingungen, soweit sie den Abnehmer einer Ware s) für Waren anderer Art oder Herkunft, oder aber d) für gewerbliche Leistungen in seiner Preisstellung rechtlich oder wirtschaftlich beschränkt'. Der Vorläufige Reichswirtschaftsrat hat am 28. August in seiner Mehrheit die Verordnung zustimmend begutachtet. Man wird diese wohl niemandem verständliche Verordnung etwas ins Deutsche übersetzen müssen. Es handelt sich um eine Vlas die Hausfrau an Steuern zahlt (Siehe 3. Seite) generelle Bestimmung für alle Fälle, die hier gemeint sind, nicht um das Vorgehen gegen ein einzelnes Kartell. Di« Fälle, die aber heute noch darunter fallen, dürsten verschwindend ge> ring sein, sa daß der wirtschaftliche Vorteil nur in der Ver- Hinderung eines Mißbrauchs in der Zukunft besteht. Was dabei verboten wird, zeigen am besten zwei Beispiele: So besteht in Deutschland ein Chlor magnesiumsynditat. dos eine Lauge verkauft, die für die Herstellung von Steinholz- fuhbäden unentbehrlich ist. Dieses Kartell hat nun, was freilich in der Tat erstaunlich ist, auch die Preise für die Verlegung von Steinholzfußböden und von Stcinholzplotien bei allen Firmen vor- geschrieben, die diese Lauge kaufen.— Ein anderer Fall hat in der Linoleumindustrie«ine Rolle gespiel�: Der Deutsche Linoleumtrust hat nicht nur die Verkaufspre,se sür Linoleum. sondern auch die beim V-rlpgen gebrauchten Deckleisten. Messingschiene u und ähnliches, aber auch das Verlegen von Linoleum selbst im Preise gebunden. Das sind zwei typische Fäll«, deren Wieder k-hr in der Zukunft auch grundsätzlich vyrhindert werden soll. Diese Vrrortwmz mag recht nützlich sein. Aber es ist dazu einiges festzu stellen r Einmal wird die P-rortmurg kaum noch praktische Anwendung finden, denn die b-iden genannten Firmen bzm. Kartelle haben ihr« Reverse schon in der Vergangenheit sür ungültig erklärt. Zum Erlaß eist-r dcro.iigr» Verordnung wäre der Reichswirtschaf!?: minister auch ohne die groß« Kariellaktion von 1SZ0 schmi seit 1523 ermächtigt gewesen, Das Reichswirtschoftsministekmm traut Aationalkommunistische Einigung Die kommunistisch« Zeitung„Berlin am Morgen" eröffnet die öffentliche Aussprache zwischen Kommunisten und Rationalsozialist.n. In diesem Zeichen wirst du— erst recht nicht siegen! sich!m Augenblick nur etlßas mehr zu, nachdem nun einmal die ganze Oeffentlichkeit wegen, der Kartellpreis« alarmiert und die Reichsregierung verpflichtet ist, irgend etwas zu tun. Von einer preissenkenden Wirkung wird bei dieser Aktion natürlich nicht die Rede sein. Es ist ein höchst bescheidenes Kartellattiönchen, das hier gestiegen ist, und es bleibt nur di« Zartheit und Behutsam- keit zu bewundern, mit der die Reichsregierung ihre Notverord- nung gegenüber der Industrie durchführt, eine Zartheit und Bs- hutfamkeit, die freilich die Parteien dieser Rcichsrcgierung den deutschen Unternehmern schuldig sind, die ihnen die Wahlen bc- zahlen müssen. Braun stellt Brüning. Deckt der Kanzler Treviranus? Elbing, 3. September.(Eigenbericht.) Die Elbinger Sozialdemokratie hielt am Dienstag eine von über 1500 Personen besuchte Wahlversammlung ab, m der der Preußische Ministerpräsident Otto Bräun referierte. In seinem großzügigen Referat beschäftigte er sich auch mit den letzten politischen Ausführungen des Ministers Treoiranus. Braun sagte u. a.:„Herr Treoiranus stößt gern ins helle Horn und hält forsche, schönklingende Kasinoreden. Für die innere Politik ist das ohne wesentliche Bedeutung, aber seine Ausflüge in dos Gebiet der aus- wältigen Politik können verhängnisvoll wirken, Sie sind Wasser auf die Mühlen der ausländischen Nationalisten. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Reichskanzler vor einigen Tagen erklärt hat, daß er eine Außenpolitik der ruhigen Entwicklung führen wolle. Brüning hat besonders zum Ausdruck gebracht, daß der Außen- minister und er allein für die Außenpolitik verantwortlich seien. Die bloß« Konstatierung dieser Verantwortlichkeit nützt uns nichts, wenn der verantwortliche Minister Curtius und Herr Brüning nicht auch tatsächlich entscheidenden Einfluß nehmen. Das muß auch gelten hinsichtlich Gerüchten über die Politik einzelner Reichswehrosfiziere, die auf Zusammenarbeit mit Rußland hinzielt. Es myß auch auf diesem Gebiet völlige Offenheit herrschen. Der Kanzler muß sich gegen politisch« Aspiration wehren, die un» in eine Katastrophe hineinbringen oder doch wenigstens das Vertrauen zur friedlichen Gesinnung des deutschen Volkes schwer erschüttern können.' Bei der Erörterung der politischen Möglichkeiten nach der Wahl führte der Redner aus:„Bestehen die Regierung und di« hinter ihr stehenden Parteien darauf, das Fmanzproblem. das Wirtschasts. und Arbeitslosenproblem ohne oder gegen die Sozialdemokratie zu lösen, dann kommt es zweifellos zu schweren porlomentorischen Kämpfen. Herr Treoiranus hat in Mainz erklärt, die Regierung lehne es ab, das groß« Reformwert mit Hilfe der Sozialdemokratie zu erledigen. Ich weiß nicht, ob Herr Treoiranus autorisiert ist, für die gesamte Reichsregierung zu sprechen. 3ch mächte, wie in der Frage der Außenpolitik, so auch hier, die Frage an den Herrn Reichskanzler richten, ob er derselben Ans. sassvng ist wie Herr Treoiranus und ob sich die Regierung in ihrer Gesamtheil heule schon daraus festlegen will, die Milarbeit der Sozialdemokralie abzulehnen.' Der Redner betonte noch den Willen der Sozialdemokratie zur Mit- arbeit, den sie in entscheidenden und schweren Augenblicken der deutschen Geschichte der Nachkriegszeil bewiesen hat. Die Sozial- Demokratie scheut niemals, Verantwortung zu übernehmen. Sie muß es aber ablehnen, lediglich mitverantwortlich zu zeichnen, während die Politik selbst nach den Wünschen bürgerlicher Inter« e s s e n t« n geleitet wird, Die Ausführungen Brauns fanden bei der Bersammlung stürmischen Beifall. Erklärung. Die„Berliner Börsenzeitung" und eine Reihe anderer rechtsstehender Blätter bringen über die Sinderfreunde- bewegung folgende Verleumdung: „Zu Analogie zu deu Morgen- und Abendandachten, die die kulturfördernde christliche Zugendarbeit kennt, hält man in den Zettlagern morgen, und abends Fahneuweiheu ab. hierbei sage« die Kinder Reimsprüche her. die etwa folgenden Znhalt haben:„wir haben Gott au» dem herzen eulsernl, darum haben wir Lachen und Singen gelernt.' Sowohl die Ansprachen al« auch die Lieder, die bei diesen Fahnenweihen vorgebracht werden. sind von Feindschaft gegen alle», was göttlich und religiös heißt. durchtränkt.' Wir verantwortlichen Leiter sämtlicher Sinderrepubliken der Zahre 1327. 1328. 1323 und 1330 erklären in aller Oeffent- lichkeit, daß weder beim Aufziehen noch beim Senken der Lagerfahne oder auch sonst bei Ver- anstalkungen jemals irgendein kirchen- oder religionsfeindlicher Spruch gesprochen worden ist. Der angeführte Vers: „wir haben Gott aus dem Herzen entfernt, darum haben wir Lachen und Singen gelernt" ist in der Sinderfreundebewegung überhaupt nicht bekannt, wird dort weder gesprochen noch gesungen. Von seiner Existenz haben wir erst durch eine kirchliche Hetzschrift Seunknis bekommen? wir betonen ausdrücklich, daß die Erziehung in den Sinderrepubliken, wie überhaupt in der Kinderfreundebewe- gung, p o f i t i v w e l l l i ch ist. daß uns jede Verunglimpfung oder Herabsetzung der religiösen oder sonstigen anders gearteten Weltanschauung absolut fernliegt, daß wir g r u n d- s ä tz l l ch und tatsächlich von unseren Helfern wie von unseren Kindern die Achtung vor religiösen oder sonstigen Weltanschauungen auch dann verlangen, wenn sie sich gegen uns gegnerisch wenden. Zede andere Behauptung widerspricht den Tatsachen und ist durch die An- erkennung ernster Gegner, die das Leben unserer Sindergruppen und der Sinderrepubliken beobachtet haben, längst widerlegt. wir halten die Verbreitung derartiger V e r l e u m- düngen vor der Reichstagswahl für ein durchsichtiges TNanöver einer schamlosen Wahldemagogie und weisen es vor aller Oeffentlichkeit mit Entschiedenheit zurück. Dr. Surl Adams(Hamburg). Andreas G a y k(Kiel). Else Heiser(Mannheim). Lotte S u a u e r(Berlin). Theo Litt(Siel). Fritz L i st(Berlin). Dr. Kurl Löwen st ein (Berlin). Hugo Müller(Striegau), Hermann R e d d e r- meyer(vrannschweig), Sari R i c o l a i(Zena). Hans Otto(Lübeck). Z. L u a d t(Söln). Max Schmidtbauer (Berlin). Kurt wecket(Dresden). Mnabbauschiedsspruch verbindlich erklärt. Plauen.?. September. Der sächsische Landesschlichler hak am Dienstag die Verbaudlich- keilserklärnng de» Schiedsspruchs vom 29. August ausgesprochen. der eine Kürzung der bisher gewährten auherloriflichen Zuschläge um vierzig prozeuk vorsieht. Eine Verlan"--- lung der Velegschasl hat die Arbeitsaufnahme beschlossen. D e D r öffnet die Fabriken am Donnerstag. Das Geld für die Bomben. Heim opfert feinen Besih für Knallkästen. Altono, 3. September. Die Aiiflfflagtpn Bossen und die Eheleute Holländer fehlen auch heute wiederum. Da ihre Amvesenhett morgen dringend erforderlich ist, beantragt Staatsanwalt Dr. Junker ihre V o r f ü h- r ii n g. Hinsichtlich Frau Holländer, die schwer herzleidend ist, wird der Antrag zurückgestellt. Dos Gericht fährt dann in der Vernehmung de» Untersuchungsrichters Dr. TNosur fort. Er schildert den Eindruck der ersten Vernehmung von Her- b e r t« ch m i d t, der ausführlich erzählt habe, wie er in Gemein- schasl mit Kapl�ngst wochenlang experimentierte, bis es ihnen endlich gelang,«ine brauchbare Höllenmaschine herzustellen. Schmidt habe alle seine Angaben au» sich selbst heraus gemocht. Er habe von dem Anschlag in Oldenburg erzählt, bevor der Untersuchungsrichter von diesem Attentat wufjte. Schmidt habe aus Dr. Masur den Eindruck eines Menschen gemocht, der long« Zeit unter einem starken seelischen Druck gestanden hat und sich nun durch eine umfangreiche Schilderung aller seiner Er- lebnisse von diesem Druck befreien wollte. An der Richtigkeit seiner Auesagen bestand nicht der geringste Zweifel, denn sie waren durch- aus klar und deutlich vorgetragen und sind durch die Mitbeschuldigten bis in die kleinsten Einzelheiten hinein bestätigt worden. Schmidt habe ganz positiv erklärt, daß Nickels der bis dahin noch nicht seftgcslellte dritte Mann bei der - Sprcngstosfbeschassung»sahrt nach Mülheim gewesen ist, der von Bolck und Wiborg als unbekannt bezeichnet wurde. Dr. Masur ist sest überzeugt, daß Bruno v. Salomon78MSHA.H Dr. Masur ist sest überzeugt, daß Bruno v. Solomon an dem Gesamt unter nehmen beteiligt gewesen ist. Seine mit geradezu blendender Beredsamkeit vorgetrogenen Entlastungsgründe kannten den Untersuchungsrichter nicht davon überzeugen, daß Bruno v. Solomon, ein prominenter Führer der Landvolkbcwegung, bei dieser besonders wichtigen Sache wie ein Popanz zur Seite geschoben worden sein soll. Auch der Angeklagte R i c p e r Hot eine so klassische Schilderung des in Oldenburg ausgeführten Anschlages gegeben, daß kein Zweifel an der Echlheit und Aufrichtigkeit feines damaligen Geständnisses möglich ist. Seine Angaben deckten sich Zug um Zug mit denjenigen Schmidts und der anderen Be- teiligten. Dick hat anfänglich alles geleugnet, bis ihck schließlich das Lügen anekelte und er mit einem vollen G«-. siändnis herausplatzt«. Soweit Dr. Masur sich entsinnt, ist das Atlenlat gegen Rechtsanwall Dr. Strauß nur auf veraulastung von Decker unternommen worden. Er ist einmal auf seinem Hofe von Rsichsbannerleutcn bedrängt worden, und da er R.-A Strauß für den Urheber hielt, wollte er ihm die erlittene Unbill heimzahlen. Das Attentat in Lüneburg am 6. September, dos letzte in der Reihe, hat Rick als von ihm ausgeführt bezeichnet. Die Knall- kisten dazu hat Kaphengst angefertigt und geliefert. Es sollte ein Menetekel für die Regierung und ihre Hintermänner sein, um sie zum Einschlagen eines anderen Kurses zu veranlassen. H a m k« n s hat bei seinen verschiedenen Vernehmungen jede Teilnehmer- schaft bestritten, aber immer wieder betont, Klaus heim habe das vorgehen seiner Anhänger nicht nur gebilligl, sondern selber gewollt und veranlaßt. Für eine-direkte Mitschuld Hamkens ließen sich Beweise nicht er- bringen. Es bestanden in der Laudvolkbewegung zwei Richtungen.- rine unter der Führung von Hamkens, die nur auf gesetzlichem Wege ihren Erfolg suchte, und die andere mit Heim an der Spitze, die an friedlich« Eroberungen nicht mehr glaubte und zum Gebrauch auch der alleräußersten Mittel entschlossen war. Di« Gegenüber- stellungen sind immer sehr kurz gewesen und ohne dramatischen Ein- ■schlag. Aus Vorhalt der Geständnisse gaben all« unumwunden ihren Anteil an den verschiedenen Anschlägen zu. Heim jedoch hat immer nur gesagt, er wisse von nichts und habe mit der ganzen Sache absolut nichts zu tun. Dabei ist er bis heute geblieben. Auf eine Frage von R.-A. Dr. Brandt antwortet der Zeuge, er erinnere sich, daß Schmidt ihm in Oldenburg einen engen Schacht zeigte, in den die Bomben hineingelegt werden sollten. Dort hätten sie sicherlich eine ganz verheerende Wirkung ausgelöst, aber Schmidt hat sie dach lieber in dem Kellersenster abgelegt. R.-A Dr. Brandt wünscht noch zu wissen, wann der angeb- l:ch« Angriff von Reichsbannerleuten auf Becker stattgefunden hat. Da der Angeklagte Becker sich in Schweigen hüllt, erklärt Dr. Brandt, es handle sich hier um einen Borfall, der be- reits sechs Jahr« zurückliegt und mit dem Rechtsanwalt Strauß nicht das Geringst« zu tun hätte. R.-A Brandt fragt dann: Wie hat der Angeklagte Bick seine Angaben begründet? Sind die bei ihm aufgefundenen Maschinengewehre und san- i'igcn Waffen von den durchziehenden Boltikumern bei ihm zurückgelassen worden? Hot das Reichs wehrmini st«rium sich bemüht, di« Herkunft des Waffenlagers festzustellen? Dr. Masur: Darüber weiß ich nichts. Dr. Brandt: Woher stammen nach Angaben der Ange- klagten die immensen Geldmittel, die zur vorbereilung der Anschläge nötig waren? Dr. Masur: Claus Heim soll seinen Besitz� geopfert haben. Dr. Brandt: Hat Schmidt für seine Tätigkeit Geld be- kommen? Dr. Masur: Wahrscheinlich nicht. Ich glaub«, er hat sich das Geld für seine Versuche zum Teil von der Erwerbslosenunterstützung abgespart. Dr. B r a n d t: Ist dem Zeugen dienstlich bekanntgeworden, ob der Angeklagte Bolck außer an Heim auch noch an andere Per- sanen herangetreten ist, um Geld für die Landvolkbewegung und die geplanten Attentate einzubitten? I>r. Masur: Ja, an Justizrat E l a h, der zur Unterstützung der Landvolkbewegung 100 OOO M. zahlen sollt«. Die Verhandlungen sind aber gescheitert. Kapitän Ehrhardt hat gleichfalls sein« Hilfe verweigert. Dr. Masur vertritt die Ausfassung, daß die Bomben. legerei nur am Geldmangel erstick« ist, da jede Bombe sich mit den Reifekosteo usw. aas 1000 M. stellte. Daun kamen aber noch die Gehälter und sonstigen Spesen hinzu, die die von heim vorgeschossenen b0 000 M. schnell verzehrt haben. Selbstmorde und kein Ende. Schreckliche Folgen der Wirlschastsnot in Sachsen. Chemnitz, Z. hepfember. 3ra benachbarten Obersroh na wurden gestern abend de« Händler Paul Zischer. sein« Ehesrau und die vier ftin- Zwei Seelen und ein Gedanke Buchrucker und Goebbels in der Kommunistenpreffe Die kommunistische Münzenbergsche Morgcnzeitung bringt heute di« Bestätigung der im Stroßer-Organ erschienenen Ankündigung einer n o t i o n a l k o m m u n i st i s che n Aus- spräche. Dos Kommunistenblatt erscheint am Mittwoch unter der Schlagzeile„Oeffentliche Diskussion" Aus dem weiieren geht l>ervor, daß zu dieser Diskussion nicht nur Angehörige der Straßer-Richtung wie Masor Buchruckcr, Dr. Otto Slroßcr und Mossa- k o ws k i. sondern auch als Repräsentant der ossiziellcn Hitler-Richlung— Herr Joseph Goebbels «ingeladen ist. Die nolionalkommunistifchc Verbrüderung kann also vor sich gehen. Um dieses Treiben.zu maskieren, teilt die Redaktion mit, daß sie auch einige demokratische und sozialdemokratische Schriftsteller zur Teilnahme an de: Diskussion„eingeladen" habe. Dies« sollen sich also als Kirtissenwand hergeben, hmter der sich die soschistifch-kommunistrsche Umarmung ungestört vollziehen kann. Es gehört schon die ganze Unverfrorenheit eine» Münzenberg dazu, um an eiiien sozialdemokrotifchen Schriftsteller auch nur ein derartiges Ansinnen zu stellen! Genosse Max Seydewitz- Zwickau, der als einer der Eingeladenen aufgeführt wird, teilt uns mit, daß er gar nicht daran denke, dieser Einladung zur Mitarbeit an einem kommunistischen Blatte Folge zu leisten. Die national- bolschewistischen Verlobten beiderlei Richtung mögen sich von uns aus schnäbeln und abknutschen, soviel sie wollen. Sie sollen aber den Mut hoben, das vor der Oeffentlichteit zutun und sich als verlobtes Brautpaar ohne Anstandsbegleltung auf der Straße zu zeigen! ClSreeB" Hattouler foWhniK oder Inlernatlonater RraauhfflisT Heftiuiybgr*■ Or.OUoStraKer——' ,N So tvlrd die fafchiflifch honuniinifiifche Verbrüderung angezeigt! Transparente an den Verkehrszentren Die Berliner Partei im Wahlkampf Der Bezirksverbond Berlin-Brandenburg der Sozialdemo- kratifchen Partei zeigt auch bei dieser Wohl wieder unsere Partei, daß sie im Aufbau der Wahlpropagonda an der Spitz« marschiert. Ileberous geschickt und wirkungsvoll wird die Lichtreklame für die Werbung benutzt. Große Ironsporealc rufen an den wichllgflen verkehr»z«nlren die Berliner auf, an, 14. September ihre Stimme der Sozial- demokratie zu geben. Am Potsdamer Platz hat die Partei am Eckhause des Eäfi Iostq eine 5X3� Meter große Leinwandsläche mit der Ausschrift:„Wählt am 14. September List« 1 Sozialdemokraten!" angebracht. Weit hinein in di« Leipziger Straße ist die von«inbrechender Dunkel- heit ob bis in die spat« Rächt hell erleuchtet« Fläche für alle Passanten sichtbor. Noch eindrucksvoller fast ist die Wirkung der Propaganda unseres Bezirksverbandes am Hermann platz in Neukölln. Auf dem Dach des Hauses Kaiser-Friedrich-Stroße 248 erstrahlen bei Eintritt der Dunkelheit drei gewaltige Buchstaben- reihen. Sic rufen dem schaffenden Volke zu: Wählt am 14. September List« 1» Sozialdemokraten I Die beiden oberen Reihen werden von weißen Leuchtkörpen, gebildet, während die untere Buchstobenreihe in buntem Licht gehalten ist. Jeder einzelne Buchstabe ist über 1,20 Meter hoch. Die Schrift selbst nimmt eine Länge von 14 Metern ein. Die Licht- Wirkung ist so stark, daß auch bei vorgerückter Abendstunde auf dem Hennannplatz beinahe Tageshcll« herrscht. Ebenso cindrucks- voll ist der Apell, der auf dem Alexanderplotz die Wähler aufruft, die Sozialdemokroti« zu wählen. Ebenso wichtig ist die K l e i n p r o p a g a n d a, die von unseren Genossen gerade bei diesem Dohlkampf mit bosooiterem Eifer betrieben wird. Der an den großen Denwnstrationszügen der letzten Woche teilgenommen Hot, sah immer wieder mit freudiger Genugtuung an den Balkonen und Erkern die erleuchteten Transparente mit. den, einen großen Appell: Wählt am 14. September Sozialdemokraten! Rote Fahnen mit der gleichen Inschrift weisen den Wähler aus seine Pfticht hin. Mit unermüdlichem Eifer verteilen unser« Funktionäre die Wahlzcitung der Berliner' Organisation, das „Berliner Volksblait", das durch Schrift und Zeichnung der Be- völkerung die Sünden de» Bürgerblocks, die Verbrechen der radikalen Hilsstruppen und den Ausbauwillen der Sozialdemokratie einhämmert. Ebenso finden die Plakate der Partei an den Litfaßsäulen Beachtung. Der Bezirksverband hat im Einverständnis mit den Kreisen in diesem Wahlkampf die Straßen demonstratio» zum Haupt- teil der Werbung gemacht. Er hat gut daran getan. Die riesige Be- teitigung trotz Sonnenglut am letzten Sonntag, trotz Regen und Sturm am gestrigen Dienstag, di« Beachtung, die unsere Umzüge beim Publikum finden und nicht zum wenigsten der Aerger der Gegner, der sich durch wütend« Schreiereien Luft schafft, zeigen, daß mir mit. unserer Wahlpropagonda aus dem-rechten Wege sind. Daneben weißen aber auch unsere Saalkundgebungen«inen Riesenbesuch auf.. Wichtiges Gebot, für jeden einzelnen Parteigenosien ist die persönliche Werbung, die Aufklärung von Mund zu Mund der Andersgesinnten und der Indifferenten. Jeder von uns darf in den nächsten vierzehn Tagen keine Gelegenheit zur Werbung außer acht lassen. So steht Berlin unter dem Zeichen: wählt am 14. September Liste 1. Sozlaldewokvakle! d e r im Alter von sechs Monaten bis zu neun Jahren in ihrer- Wohnung gasvergifke« tot aufgefunden. Zischer und seine Zrau, die in giückiicher Che lebten, haben die Tal in gegenseitigem Einversiändni» wegen wirtschaftlicher Notlage begangen. In Kesselsdors bei Dresden fand man die Ehefrau eine» Bergarbeiters in ihrer Wohnung erhängt auf. Die 17jährige Tochter wurde gleichfalls tat, durch Leuchtgas ver- giftet, aufgefunden. Die Frau hat bereits früher einmal einen Selbstmordversuch unternommen. Schreckenstat einer Wahnsinnigen. Mit dem Enkelkind an« dem Fenster gesprungen. Ein furchtbarer Vorfall spielte sich heute früh tn der»er- ltner Straße S0/S1 in Wilmersdorf ob. Offenbar in einem 7lnsall von Geistesverwirrung sprang die 50jährige Witwe Auguste Topp mit ihrem dreijährigen Enkelkind Ruth aus dem 5. Stockwerk in den Llchtschacht hinob. Beide waren sofort tot. Neber die Schreckenstat, die in der ganzen Umgegend größte Aufregung verursacht hat, werden noch folgend« Einzelheiten be- könnt. Frau Topp teilte mit ihrer Tochter und ihrem Schwieg«- iohn den Haushalt. Der Schwiegersohn, von Beruf Artist, und seine juuq« Frau kränkelten ständig. Nor etwa einem halben Jahre wurde die jung« Frau bettlägerig und nach einem kurzen Krankenlager starb.sie. Den Tod ihrer Tochter konnte die Mutter irur schwer überwinden, sie vcrsirl bald in Schwermut. Ihre ganze Aufmerksamkeit schenkt« sie nun ihren, Enkelkind«, der dreijährigen Ruth. Heute früh gegen H8 Uhr hörten Hausbewohner einen Aufschrei, dem auf dem Hof unmittelbar darauf ein dumpfer Fall folgte. Mehrer» Mieter sahen auf den Steinsliesen Frau Topp und da» Kind in einer Blutlache leblos liegen. Die Polizei und ein Arzt wurden sofort gerufen, die Hilf« kam aber bereits zu spät, Großmutler und Kind waren auf der Stelle getötet worden. Der Schwiegersohn, der in seinem Zimmer schlief,>>Qtte von dem schrecklichen Vorfall nicht dos G.'ringste bemerkt. Als ihm später Mitteilung von den, Gescheheven gemacht wurde, erlitt der bedauernswerte Mensch, der in kurzer Zeit sein« Frau, sein ein- ziges Kind und di« Schwiegermutter verloren hat, einen schweren Nervenzusammenbruch. Die Leichen wurden nach dem Charlottenburger Schanhaus gebracht. Brandstistung auf Gut Blankenfelde. 14000 Zentner Getreide vernichtet. Das Städtische Gut Blankenfelde ist heute früh, ähnlich wie am vergangenen Sonnabend, abermals von einem Großfeuer heimgesucht worden. In diesem Fall« haben sich Spuren ergeben, di« darauf schließen lassen, daß der Brand von verbrecherischer Hand angelegt worden ist. Es handelt sich um eine grcß« halbmassiv« Scheune, di« an der Prenzlauer Chaussee gegenüber dem zum Gut Blanken. selde gehörenden.Lindenhos" liegt. Wenige Minuten vor 7 Uhr züngelten aus der Scheune, in der etwa 14000 Zentner G«- treide fowie große Stroh, und Heuvorräte lagerten, an mehreren Stellen zu gleicher Zeit di« Flammen empor. Di« frei- willigen Wehren der Umgebung, sowie zwei Berliner Züge, di« unter Leitung des Oberbaurat«» Tamm aiigerückt waren, konnten nichts mehr retten. Die Scheune wurde mit dem gesamten Inhalt ein Raub der Flammen. Zack Oiamond ist der richtige. Und bleibt auch in Hast. - Aachen, 2. September. Ein Vergleich der Fingerabdruck« des in Aachen verhafteten Jack Diamond mit au» Berlin zugesandten Finger- abdrücken des bekannten Rew-Dorker Unterweltkönigs hat ein- wandsrei ergeben, daß es sich tatsächlich um den von der Polizei Gesuchten handelt. Diamond wird voraussichtlich bis zur Auslieferung an die Vereinigten Staaten in Aachen in Haft bleiben. Zrau Mctho wurde wegen Veröfientlichung des verbotenen Amtsblattes des Allindischen Kongresses zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Was zahlt die Hausfrau an Steuern? Durch Verteuerung der Waren jährlich 2i4 Mark Ufr ZNevsch oon heute ist nur zu leicht geneigt, die steuerliche Belastung seines Haushalts nur nach den direkten Steuern, d. h. den Steuergeldern. die ihm vom Q»hn oder Gehalt abgezogen werden, zu bewerten, viel höher aber, als diese sosort fühlbaren Steuern find die indirek- ten Steuern, die in Gestalt verteuerter Warenpreise tag- täglich, bei jedem Einkauf, von der haussrau bezahlt werden muffen. Wieviel Steuern die Hausfrau zu zahlen Hot, ist nicht so einfach zu berechnen.. Da ist zunächst die Umsatzsteuer. Sie beträgt .zur Zeit 0,85 Pro.z. des Warenpreises! aber sie«vird von der Ware mehrmals erhoben. So beträgt z. B. die Umsatzsteuer beim Brot nicht OBS Proz., sondern etwa 3 bis 4 Proz. Denn die Umsatz- steuer wird erhoben, wenn der Bauer sein Getreide oerkauft, wenn der Atöller sein Mehl an den Grohhändler weiterverkauft, wenn der Großhändler das Mehl an den Zwischenhändler abgibt, wenn der Zwischenhändler das Mehl an den Bäcker liefert und fchfietzlich, wenn der Bäcker das Brot an die Hausfrau verkauft. Di« Umsatz- steuer wird also nicht weniger als fünfmal von demselben Erzeug' ni» erhoben und jeder Verkäufer hat das Recht, sie auf den Käufer abzuwälzen. Wie. es beim Brot ist, ist es bei allen anderen Waren, so daß die Umsatzsteuer«ine der drückendsten Steuern ist, die wir kennen. In einer fünfköpflgen Familie gibt die Hausfrau nach den amtlichen Erhebungen des Reichsstatistifchen Zlmts wöchentlich rund 4,70 M. für Milch, Butter und Käse aus. Sie entrichtet dabei, was ihr wohl selten klar wird, eine Umsatzsteuer von 14 Pf. In den 4,85 M., die die Hausfrau für Brot und B a ck w a r e wöchentlich für ihre Familie ausgibt, stecken 17 Pf. Umsatzsteuer, in den 6,55 M. für Margarine, Schmalz, Nährmittel, Teigwaren, Zucker, Eier, Kasse«, Tee und Kakao 20 Pf. und in den 6,70 M. für Fleisch und Wurst waren ebenfalls 20 Pf. Umsatzsteuer. In dem Betrag von 3,75 M., der für Kartoffeln, Gemüse und Obst verwandt wird, werdcn an Umsatzsteuer 10 Pf. gezahlt. Heizung und Beleuchtung, Bekleidung und Wäsche unterliegen ebenfalls der Umsatz- steuer. Nach den amtlichen Feststellungen beträgt die Ausgab« für Heizung und Beleuchtung wöchentlich 2,40 M., worauf mindestens 5 Pf. Umsatzsteuer entfallen, während die Ausgaben für Bekleidung und Wasch« wöchentlich 8 M. ausmachen, worin�die Umsatzsteuer mit 3? Pst entholten ist. Zusammen mit einigen Kleinigkeiten gibt also unsere Hausfrau Woche für Woche Z7,<5 w. für Nahrungsmittel, Heizung, Beleuchtung und. Bekleidung au» und tzal dabei 1.70 TN. Umsatzsteuer zu zahlen. Eine Reih« von Waren ist einer besonderen Steuer, der so- genannten Verbrauchssteuer unterworfen. Verbrauchssteuern sind die Zuckersteuer, die Steuern aus Essig, Zündwaren und Leuchtmittel, hier bezahlt die Hausfrau für eine fünfr köpsige Familie in der Woche etwa 20 Pf. Auch in den Preisen für Elektrizität, Gas und Wasser ist eine besonder« Steuer enthalten. Da die Gemeinden durch die Erwerbslosigkeit und durch die Schuld der bürgerlichen Parteien in groß« finanziell« Schwierig- leiten geroten sind, sind sie soft alle gezwungen, durch ihr« Werke hohe Abgaben- zu erheben. Das kann man wöchentlich aus etwa 70 Pf. schätzen. Die wichtigsten Nahrung?- und Genutzmittel sind weiter mit hohen Zöllen belegt, die dem Reich zwar große Ein- nahmen verschaffen, aber die Preise in die höhe treiben. Ob die haussrau Mehl oder Brot, Butter oder Schmolz, Kaffee oder Kakao, Eier oder Käse kaust, überall zahlt sie Preise, die durch die Zölle erhöht sind. Den Betrag, mit dem die haussrau aus diese Weise Woche für Woche Zölle bezahlt, wird man aus 2 TIT. annehmen können. Das ist die Belastung, die der Derbraucher zugunsten des Reiches zu tragen hat. hohe Zolle bedeuten ober hohe Preise. Wie hoch die Belastung, die aus Grund der durch Zölle in die höhe gelriebe- nen Preise entsteht, ist. entzieht sich der Berechnung. Sie dürste ein Vielfaches der direkten Zollbelostung ausmachen. Machen wir uns ein Bild, wie hoch die Belastung insgesamt ist. Die Hausfrau Hot für eine s ü n f k ö p f t g« Familie pro Woche für 37,85 M. Waren«ingekaust und dabei 4,10 M. an Steuern und Zöllen entrichiet. Dos ergibt«ine direkte Steuerbelastung vfrn rund 214 M. im Zahr. Dazu kommen die Steuern, die der Familienvater zu entrichten hat. Die Lohnstauer allein be- trägt 1,45 M. pro Woche. Weiter zahlt der Manu indirekt« Steuern, wenn er Tabak und Alkohol kauft. Die Tobak- steuer dürste wöchentlich 60 Pf. und die Alkoholsteuer 50 Pf. ausmachen. Die gesamte Steuerleistung des Mannes beträgt wöchentlich also 2,55 M. oder 133 M. jährlich. Mthin beläuft sich dl« Gesamtbelastong de» Arbeiterhaushalts auf 347 M. Do» sind bei einem Einkommen von 3300 M. mehr als 10 Proz. Die Sozialdemokratie hat seit jeher alle Kräfte angespannt, um die indirekten Steuern, die den lebensnotwendigen Verbrauch be- lasten, zu beseitigen oder wenigstens zu ermäßigen. Sie Hot die Senkung der Ilmsahfieuer von 216 auf% Proz. durchgesetzt, fl- hat die Halbierung der Zuckerfieuer und die Beseitigung der Salzsteuer erreicht. Im Finanzprogramm des Sozialdemokraten hilferding war die völlig« Aufhebung der Zuckersteuer vorgesehen. Die R e- gierung Brüning dagegen hat die wenigen Monate, die sie im Amt« ist, dazu benutzt, um die indirekten Steuern und damit die Steuerlost der haussrau zu erhöhen. Sie hat die U ni- s a tz st« u c r wieder von 0,75 Proz. auf 0,85 Proz. heraus- gesetzt. Sie hat die S o n d e r u m s a tz st e u e r sür die Daren- hquser und xonsumveretne eingeführt, um den Hausfrauen jede billigere Einkaufsmöglichkeit zu nehmen. Sie hat die Mineral- wosier besteuert und die Regierung Brüning hat die Zölle in einem Ausmaß erhöhl. dessen Wirkungen auf die Preise überhaupt noch nicht abzusehen sind. Schließlich hat die Regierung Brüning ihre volksfeindliche Steuerpolitik durch Einführung der Kopfsteuer und der Krankenschein- und Arzneigebühr gekrönt. Geht dies« Regierung des Bürgerblocks am 14. September mit Erfolg aus dem Wahlkampf hervor, so weih man, was sie plant. All« Erleichterungen, die die Sozialdemokratie in jahrelangen Kämpfen bei den Maffensteuern erreicht hat. werden nach und nach wieder beseitigt und neue drückende Lasten werden den breiten Massen auferlegt Verden. Di«.Hausfrau als Steuerzahler ha! das dringendste Interesse, daß dos nicht geschieht. Will sie verhindern. daß sie in Zukunft noch mehr als bisher von ihr�m kargen Wirtschaftsgeld an Steuern entrichten muh, dann muß sie am 14. September sozialdemokratisch wählen, also Liste 1. Alles geträumt! Goebbels weiß nichts vom Angriff auf das Gaubüro In der Sanntagnacht fand der Ueberfall der natinolsozialististhen Sturmobteilungen auf da» Gaubüro des Herrn Goebbels statt, wo- bei geschossen, gestochen und zertrümmert wurde. Am Mittwoch erschien zum ersten Male seit diesem Vorfall das Organ des Herrn Goebbels, der„?lngriss" wieder, und man konnte gespannt sein, in welcher Weise Herr Goebbels zu den Ereignissen Stellung nehmen würde, denen er persönlich nur entgangen ist, indem er den Motor seines Mercedes auf vierten Gang einschaltete. Di« Nummer liegt uns vor und— siehe da— Herr Goebbels weiß von nichts. Er weiß nur, daß die längst erkannte Notwendigkeit, eine Ilmorgonisierung der SZl. herbeizuführen, der ekelhaften Wahlhetze(!!!) neue Nahrung gegeben Hobe. Don einer Meuierci könne gar keine Rede sein(!!), es handle sich dabei �um eine ganz grobe Wohllüge". Herr Goebbels vertraut eben auf den blinden Fanatismus seiner An- Hänger und schließt seine sehr kurzen Ausführungen mit den Worten: Die Vernunft und die Einsicht(!!) der Berliner Porteigenasien dürsten schon von vornherein all« Alarmmeldun- gen der Iudenpresse als das gewcrtet haben, was sie sind: als ganz plumpe und unglaubliche Schwindeleien mit dem Ziele, der NSDAP, in Berlin in letzter Stunde von ihrem zu erwartenden Wohlerfolge ein Stück abzuringen. Di« Nottonalsozialiften Berlins antworten daraus mit einem Hohn- lachen. Ein hohnlachen ist allerdings am Platze, nämlich ein hohnlachen über die verlogenen W i 6z t e, die selbst die Hand- oreisliäzsten Tatsachen, wie den Stunn aus das Berliner Gaijbüro ihren gläubigen Säzäslein hinwegschwindcln möchten! '„ZEH verfüge!" An der Seit« dieser Goebbelsschen Erklärung findet sich der neueste hitlerfäze Armeebefehl abgedruckt mit der Schlagzeile: ..Hitler ordnet a»." Oben links steht: Adols Hitler, Kanzlei. Dann folgen sechs Ziffern, die beginnen: „Zch übernehme... Ich erwarte... Zch verfüge..." Der Militärsargon soll darüber hinwegtäusäzen, daß der Inhalt der sechs Punkt« eine völlige Kapitulation des Diktator» vor seinen wild gewordenen Prätonancrn ist, denn ihr Inhalt besteht in der Bewilligung von Zulagen und Geldzuweisungen an die SA.-Leiite. Hitler Hot kapitulieren müssen— aber man hat ihm gestattet, im Kommandoton zu kapitulieren. Oie„Ttoie Kahne" schweigt. Sie gesteht damit die'Ookumentenfälschung des Reichstags« abgeordneten Schneller! Zweimal haben wir bereits in nicht zu übersehender Aus- machung im„Vorwärts" festgestelll, daß die unter Verairtwortung des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Schneller er- scheinende Kommunistenzeitung„Echo des Ostens" ein oon A bis Z gefälschtes Schreiben des L a n d t a g s a b g e o rd- neten Kuttner an einen Strasgesongenen namens Dörsom veröffentlicht hat. Wir hoben weilcr festgestellt, daß dieser Dörsam, der von Schneller und dem Kommunistenblott als ein seit 15 Jahren in der Sozialdemokratie organisierter Arbeiter vorgestellt wurde, in Wirklichkeit ein mehr als zehnmal wegen Diebstahls und Betruges sowie Urtundcnsälsäzung vorbe- st r a s t e r Gauner und h o äz st o p l e r ist. Wie haben sckzließ- 4ich festgenagelt, daß das Kommunistenblatt des Reiäzstagsab�eord- neten Schneller diesem Subjekt Dörsam gestattete, einen pathetischen Ausruf an die anständig« Arbeiterschaft loszulasien, der 9m Sludhtald von 9$udapeH tlnfer Mild seiql die illenfchen msffen bei der Mudapefter jlrbeHstofendemonlfralion am 1. September, gegen die die &olJ*eimHdem£rfolgeeinfchrHl. daß ein Semonftrant getötet um Ober 800 verietmt wurden. Sozialdemokratie als einer„Berräterpartei" den Rücken zu kehren und sich der KPD. anzuschließen!» Die ,Mot« Fahne" hüllt sich über dies« Angelegenheit nach wie vor in Schweigen. Sic will ihre Schande offenbar vor ihren Lesern geheimhallen. Das wird ihr nicht gelingen. Wir werden immer wieder darauf hinweisen, wo die wirklichen und vorsätzlichen Fälscher sitzen und zu welch' schmierigen Manövern die Kommunistenpreste greift, um sozialdemokratische Abgeordnete zu verdächtigen. (finfttoeilen fragen wir noch einmal laut und össeittlich: wann und wie gedenkt die..Rate Zahne" zu der entlarvten Zölscherarbeil ihrer Freunde Schneller und Dörsam Stellung zu nehmen? Es wird ihr doch nicht erspart bleiben, denn die Strafanzeige gegen Schneller und Dörsam wegen Urkundenfälschung und Verleumdung ist ergangen. „Die zärtlichen Verwandten." Universum. Der Film leidet unter dein Manuskript, dos Fritz Fried» mann. Frederich verfaßte und das nur aus einer Aneinander, reihung von Episoden besteht. Anläßlich des ersten Hochzeitstages wird ein juitges Ehepaar oon sämtlichen Verwandten heimgesucht. Wie immer entstehen Situationswirkungen aus der Verschrobenheit der einzelnen Charaktere. Leider kann man nicht feststellen, daß diese Situationen und diese Charaktere besonders originell gefaßt worden sind. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man die„Zärtlichen Verwandten" von Bendir vertonfllnU hätte. Richard O st w a l d führt Regie und versammelt um sich einen Kreis erwähfter Schauspieler, wie. Roberts, Pau.lsen,� B r e s s a r t, B e n d o w intd die Sani» rock. Die einzeln«»»� Szenen werde» oon Ostwald bis zur letzten komischen Wirksamkeit gesteigert, aber auch ein Roberts kann diesmal scheinbor nicht mehr geben, als im Manuskript steht. Das Gcmze wirkt trotz der hervor- ragenden Regie und Darstellung zu gedehnt und zu abgenutzt. Der Tonsilm müßte sich endlich sür gute und originelle Manuskripte ent- scheiden. F. Seh. „�osenmoniag." Ufa-Palast am Zoo. y O. E. Hortlebens Tragödie des gefühlsseligen Leutnants, der mit seiner Liebe ,zu einem kleinen Bürgermädchen an dem Ehr- begriff seiner Kaste säzettert, als Tonfilm ist«in etwas seltsamer Gedapke. Denn darüber sind wir uns doch einig, daß der Film keine bloße Wiedergabe eines Dramas oder einer Operette fem kann. Das haben die Manuskriptverfasser denn auch wohl begriffen, und so sind mannigfach« rein filmisch wirkende Szenen hinzu- gekommen. Aber leider bekommt der Film, dessen Vorbild immer- hin etwas vom Kamps gegen die Militärkast« in sich hatte,«inen ausgesprochen militaristischen Charakter. Diese Kasernenhosblüten, diese Parademärsche, diese Umzüge mit schmetternder Militärmusik sollen dazu dienen, die Sehnsucht nach der preußischen Armee wach- zuhalten. Dazu steht dann freilich die Handlung in settsamein Gegensatz, denn sie zeigt immerhin noch, wohin das vielgerühntt« System mit seinem Adelsdünkel, seinem Kastengeist und seiner Der- achtung des Voltes führte. Hans Sie in Ho ff weiß gutgemachte Bilder aus dem Militärleben von einst zu stellen und die Vertreter des Offiziersstandes treffend zu charakterisieren. Mathias W i e m o n verkörpert den Leutnoitt, der es wagt, gegen die Tradition zu locken und seinem herzen zu folgen, sehr überzeugend. Ihm ist oon vornherein der Stempel des Unterganges ausgedrillt. Echt im Gefühl ist auch sein« Partnerin Lien Deyers, andere Typen stellen Karl Ludwig D i e h l. der schneidig-blasterte Leutnant, Ed. o. W i n t e r st e i n als wohlhabender Oberst und Peter Voß dar. Die Musik, die sich auf bekannte Militärmärsche und einige Lieder beschränkt, stammt von Schmidt-Gentner. Was soll uns heute dieses propagandistisch aufsrisierte Militär- stück?_ r. Oer Welfenschatz in Berlin. Ausstellung im Schloßmuseum ob 22 September/ Der gegcÄärfifl im Stödelschen Kunstinstitut in Frankfurt m Main gezeigte Welse nschatz wird im Lause des September nach Berlin gebracht und vom 22. S e p t e m b e r ab im B e r- l iner Schloß mu seu m ausgestellt werden. Aus dieser Au». ftellung, der letzten öffentlichen«choustellung. werden sämtlich« 82 kirchlich« Geräte und Reliquienbehäiter. einschließlich der sechs bedeutenden, an das Museum in Cleveland verkauften Stück« zu sehen sein. Da weiter« Stücke inzwischen nicht vertaust wurden, wird sich das endgültig! Schicksal des Welsenschatzes in Berlin ent- scheiden. Die Ausstellung wird etwa sechs Wochen zu besichtigen fetti. Notlandung des NTardonald-Zlugzeuge». Ministerpräsident ' Macdonold, der sich am Freitag mit dem Flugzeug nach Lossie- mvuth zurückbegeben wallte, geriet über Vorklhire in einen schweren Sturm. Der Pilot des Flugzeuges mußte sich zu einer Landung aus dem Flugplatz von Catteric entschließen, von wo aus der P"- wierminister seine Reise mit der Bahn fortsetzte. 3)er MonUinirerein baut SHe neue Zleifeiterei des Monfumreretns.TonrärK' in Dresden Oer geglückte Ofi-West-Flug. Sckener erklärt ihn als ungeheure Leistung. New Dorf, 3. September. Vir französischen Ozeonflieger Loste, und V e l l o n l e. die in der vergangenen Nacht aus dem Flugfeld Lurtisfield gelandet sind, haben damit zum erstenmal den Jlug Pari s— N e w Jork in 37 Stunden l 8 Minuten ausgeführt. Es ist da, zwölfte Mol. das) der Nordatlanlik durch Flugzeuge bezwungen wurde und da, erste Mal in Richtung O st— DJ e st aus einer so weiten Strecke ohne Zwischenlaudung. lg Dersudfe sind tragisch ausgegangen und hatlen den Tod von ZS Personen zur Folge. Zlcht- zehn versuche sind, ohne das Menschcnverluste zu beklagen waren. gescheitert. Auf dem Flugplatz Curtisfield und dessen Um- gcbung hatte sich eine riesige Menschenmenge eingefunden. Auf dem Londungsfeld allein befanden sich über Ist» OOO Menschen. �Vertreter der amerikanischen Regierung, der französisch« Botschafter, Lindbergh mit seiner Gemahlin waren zur Begrüßung der Flieger erschienen. Lie Begeisterung der Menge kannte keine Grenzen. Erst ein« halb« Stunde nach der Landung konnten die Flieger aus dem Apparat steigen� und dessen Unterbringung in einem Schuppen veranlassen. Die Flieger haben bereits viele Glückwunschtelegramme aus Amerika und Frankreich erhalten. Unter den Glückwunschkundgebun- gen befindet sich auch eine solche von Dr. Ecken er, in der es heißt:.Dieser Flug ist«in« ungeheure Leistung, auf die die Franzosen stolz sein können, und der Beweis, daß es möglich ist, bei ruhigem Wetter den Atlantischen Ozean mit einem Flugzeug zu überqueren, wenn das Material ebenso aus der Höhe ist wie die Mannschaft. Ich bewundere den Mut und die Geschick- lichkeit der Piloten und teile voll und ganz die große Freude der öffentlichen Meinung in Frankreich." Jubel in Paris. Parta, 3. September. Als die Meldung von dem Gelingen des Transozeanfluges von Eostes und Bellonte in Paris bekannt wurde, bemächtigt« sich der auf den Straßen und Plätzen der Stadt harrenden Meng« eine unbeschreibliche Begeisterung. Man betont, daß das Unternehmen von Costes und Bellonte einen Markstein in d«r Ge- schichte der Weltluftsahrt darstelle und daß dieser Erfolg einer ge- dukdigen langjährigen Vorbereitung zu verdanken sei. Das Flugzeug.Fragezeigen" ist ein Breguet-Doppeldecker mit Tanks, die SS00 Liter Benzin fassen können, ganz aus Dur- aluminium gebaut und mit Leinewand bespannt. Beide Flieger hatten Fallschirme und«in Gummiretlungsboot an Bord. Der Motor ist ein Söst Hispano-Suiza-Motor Zwölf- Zylinder in V-Form mit besonders geringem Brennstofsoerbrouch, so daß bei normalen Bedingungen und unter Einmontierung der Hilfstanks«in Aktionsradius von 10000 Kilometer erreicht werde könnt«. Bekanntlich hatten die beiden Flieger für den Ozean- flug die beiden Hilfstanks nicht aufmontiert. Andrees Leiche amilich anerkannt. Ein zweites Tagebuch gefunden. Stockholm, z. September. Die schwedische Regierung hat am Dienstagabend folgendes Telegramm von den mit der Bearbeitung des Andröe- Feinde? beauftragten schwedischen Gelehrten aus Tromfö erhalten: „Andröe und Strindberg identifiziert. Tagebuch bei Aadröe gefunden." Das wichtigste Ergebnis der Arbeit der Andree-llntersuchungs- kommifsion ist bisher, daß die ini Boot gefundenen Knochenreste nicht von einem Menschen, sondern von dem Rückgrat eines Eisbären stammen. Man nimmt daher an, daß der dritte Expeditionsteilnehmer, Frankel, schon auf dem Marsch über das Eis umgekommen ist. Strindberg wurde u. a. an Zahnplomben erkannt. Besonders wertvoll ist der Fund des neuen Tagebuches in Andröes Rock. Diese, Tage- buch ist leserlich und scheint die Zeit vor den Eintragungen in das zuerst gefunden« Buch zu umtasien. Die Bücher werden sobald als möglich nach Stockholm geschickt werden.. In Tromfö wird nur untersucht, ob ihr Zustand die Verwendung erlaubt. lieber die Veröffentlichung werden die schwedischen Behörden entscheiden. Der norwegische Gelehrte Hoel erklörle, dos neuentdeckte Tagebuch sei viel ausführlicher als das von Dr. Horn gefundene. Die Schrift sei deutlich und es scheine möglich zu sein, sie'durch«in geeignetes Verfahren lesbar zu machen. Freunde der Freiheit Italiens. Das faschistische Regime in Italien ha, Unzählige Anhänger des Sozialismus und der Demokratie veroNkaßt, chre italienische Heimat zu oerlassen und in demokratischen Ländern Zuflucht und Existenz zu suchen. Auch in Deutschland haben italienische Siaotsongehörig«, die seit Jahren weder mit ihrer Heimat noch untereinander Verbindung haben und noch Lage der Verhältnisse zur völligen politischen Un- tätigkeit verurteilt sind, während der Faschismus, dem sie sich nickst unterwerfen wollen und der sie aus der Heimat vertrieb, auch in Deutschland an Boden zu gewinnen sucht. Eine Gesellschaft van Freunden der Freiheit Italiens, bestehend aus Deutschen und Italienern, hat sich nun in Bertin zusammengefunden, deren Bestreben ist, der faschistischen Lehre und Agitation entgegen und für den Völkerfrieden im Rahmen des Völkerbundes zu wirken. An alle in Deutschland lebenden Italiener und deutschen Freunde der Freiheit Italiens, welche diese Bestrebungen anerkenne» und bereit, sind, sie zu fördern, ergeht hiermit das Ersuchen, sich schriftlich mit Angabe ihrer Adressen bei dem Unterzeichneten zu melden. Georg Käppler, Berlin N öS, Barftisslr. 10. Neuer Bischof»oa Ermland. Wie die päpstliche Nuntiatur Berlin mitteilt, hat der Papst den Prälaten Kaller in Schneidemühl zum Bischof vo» Ermland ernannt. Oas Lunapark-Aefi. Sine verzweifelte Lügenkampogne. Am Mittwoch berichtet die„Fahne" über das Gewerschostsfsst am Sonntag. Und wie! Ueberschrift:„Die Lunapork-Gewerkschafter." Zunächst kommt die Entdeckuno. daß der Lunopark„an der Grenze zwischen dem luxuriösen Villenviertel und den Bcrgnügungsstätlen der Bourgeoisie" liege. Dann heiß» es: Eintritt SO Pf. und durch Druck besonders hervorgehoben: Für Erwerbslose gab es keine Er- Mäßigung. Diese dumm« Lüge bildet den Vorwand sür eine Er» Zählung von einem Ordner, der angeblich gesagt habe: Wir rechnen gar nicht mit dem Kommen von Erwerbslosen, denn die ärgern sich doch bloß, daß sie sich hier nichts leisten tonnen." Den.fachenden, fettigen Gesichtern der Gewerkschaftsbürokraten" folgt die zweit« Lüge:„Vom Musikpavillon ertönten alle möglichen Schlager(halbfett gedruckt) aber nicht ein einziges Arbeiterlied." „Einige Bonzen" von den W e i n t e r r o f s e n(!)— die wie alle Räume am S.onntag Bierausschank hatten— werden noch vor- geführt und o'm Schluß die Genossen Tarnaw, Bredow und Ort- nwnn„ongeflaumt" um den Knalleffekt herauszubringen: ein Fest der sozialsoschistischen Gewerkschaftsbürokratie. Wir würden dieses Häuschen Dreck in dem unsauberen KPD.- Blatt gleich vielen größeren Hausen, die es togtäglich gegen Partei und Gewerkschaften produziert, nicht beachtet haben, wenn es nicht ein besonderes Schulbeispiel sür die Verlogenheit darstellte, mit der die„Fahne" operiert. Weit über 40000 Menschen auf verhältnismäßig engem Raum haben am Sonntag gesehen und gehört, was im Lunapork vor sich ging. Weil das Blatt damit rechnet, daß es nicht von einem einzigen der.Lunapark-Gewerkschoft-'r" gelesen wird, glaubt es seinen Lesern so plumpe Lügen auftischen zu können, um sie gegen die Gewerkschaften aufzuhetzen. Aus diesem Beispiel können unsere„Lunopark-Gewerkschofter" ersehen, zu welchen verzweifelten Mittelchen die KPD. greisen muß, um Stimmung zu machen gegen die Gewerkschaften. Ein paar Tage noch und die„Lunapark-Gewerkschafter" werden der KPD. die Quittung auf dem Stimmzettel geben: sür Liste 1. Tkahrungsmiiiel- und Geiränkearbeiier. Für die SPD. Eine machtvolle Wahlkundgebung wurde von der SPD.-Froktion für die Mitglieder der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Nah- rungsmittel- und Getränkearbeitor veranstaltet. Im schön aus- geschmückten großen Saal im Hackeschen Hof wurde die Kundgebung vom Gesangverein„Morgengrauen" mit sozialistischen Kompsgesöngen eingeleitet. Besonders zahlreich waren die alten, zum Teil invaliden Mitglieder erschienen. Die Ausführungen des Gcnosien Emil Barth riefen die Köpfe und Herzen wach gegen Nationalkommunismus und ihrem Diktatur- und Kriegsgeschrei. Wer Freiheit und Frieden gesichert haben will, muß gegen den Sozialabbau, ein Kämpfer für die SPD. sein. An den Arbeitsplätzen und bei allen Gelegenheiten für die DJichl der Liste 1 Stimmen werben. Ein langonhaltcnder Beifall quittierte die eindrucksvollen und sehr inhaltsreichen Ausftihrunzen des Redners. Mit einem begeisterten Hoch und zahlreichen Aufnahmen für die SPD. wurde die eindrucksvolle Kundgebung beendet. Die Lohntürzungstampagne In der oberfchlesischen Montanindustrie hat der Arbeitgeber- Verband die Lohastassel der Eisenhütten sür Ende September ge. kündigt. Die Metallarbeiterocrbände haben daraufhin da» Arbeitszeitabkommen gekündigt. In Köln haben die vier Bäcker Innungen dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter den Ratfinentarif und dos Lohnabkommen gekündigt, offenbar zu dem Zweck, einen Lohnabbau durchzusetzen. Streit in australischen Hafen. Der Streik in den nustralischen Häfen nimmt immer weitere Ausdehnung an. In Melbourne kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen 200 Gewerkschaftsmitgliedern und 50 unorganisierten Hafenarbeitern, wobei acht Personen verletzt wurden. In Adelaide kam es zwischen Polizisten und Streikenden zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei von der Schußwasse Ge- brauch machte. Die Besatzung des Dampfers„Roora" verließ ihr Schiff, die Besatzungen anderer Fahrzeuge folgten ihrem Beispiel. N�rantivortl für die R«d-ktioo: volla-ne Schau,. Berlin: iln, eigen: Th.»loil«, Berlin. Berlaa: Loraärt» Verlag' 0?. n>. b. S.. Berlin. Druck: Lorwarta Buch- druckerei und Derleigsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin TW KS, Lindenstrade z. Kicrju 1 Beilage. Theater(.Oehrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Robert» S>.. Uhr: Das naeiiciia Mgflcnen Komödie in 3 Akt. von Felix Joachimson »• 8.11 lldr— Baumen uriauDi Hon» Kallschar, Argantlne. Jda und Evalyno Duffek. Naville Blshop usw. ¥oiKsbttline Tbeatet us BUowpliti. «>/. Uhr Der fröhlidie Weinberg m Carl Zutkrayef Staatsoper Am PI. d. Republik S.Uhr Die Stumme von Portlct StaatLSdiillei-Ii!. 8 Uhr Oer mann mii dem Klapper TtiMter am öcniKDauardamm 8 Uhi Feuer aus den Kesseln Oeuisdies itieam g 2 Weiden dämm 5201 «>/. Uhr 1914 von Georg Wilde!» Hüllcr Regie; Gustav GrOndgen. Kammerspiele 0 2 Weideodam» 5201 A Heute 8 Uhr Zum 1 Male: Die Schule derFrauen von Moliöre. Dculsdi von Lud»ig Fulda. Regie: HinsDepi». Die Eomödie > Bismck.24M/75ie S-Ä Uhi Utile loffilhngn! Wie werde idi teidi und gloddidi? («nu vh Filii dqie:(riifc Upi Deatsebes Künsller-Theai Tel. Barbcrosu M2 81/2 Uhi Gastspiel der Ludwig- Thoma-Bübne magdaiena Renaissance- Theater Steinplatz 6780 9 Uhr Die Vunder-Bar Revuestack metropol-lheater Täglich 8V» Uhi ScasaUoBeUer Operetten er folg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHumar GROSSES SOIAUSPIELHAUS 7.�0. Hanscn SZSS- ra Qllch Relchshailen-Theater Ahead*(jT) Sennteg nedmi.| i'i I stettiner sanger 0*» drohe neue Septemher-Progremm. ,• U „laHBlaman sprBitien" Dönhoff- Brettls Hb inttlmm Twillni-TiTi»!». lASlNU-THKATtH" Lothrtnger Strafte ST__ Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Pers Fauteuil 1,28 M, Sessel 1,75 M. Der Ponen-Schiager D�r selioe Hollschhinsky MiiHTfiuiiiMaitHiiuiaiiiauiiiiiiuiuituiTiiiiiitituiiiiuiiHiiihii and ein erstkl. bunt«« Programm. Lessing-Thealer «dtolauinf I.oatl Täglich 8 Uhr Des Kaisers KUliS von Th Plivler. Rigit; Enrio Pisator. Zimmer.. ZBettMk.7.-bist1.- IÄÄS «WM 'vi«-.'' MdinHOmcAW« EXCELSIOR Bannvsky-ita Tbmtarta aet SirnnMiatir. Täglich«'/. Uhi MaiBiitiile: 3 lintipU ni Sduldtrl Komödlanhaus 8 Vi Täglich Konto X voo broauir uod Otstemidw Theater an SililllBauerdaram Tigl. 8V« Uhi Feuer ansden Hesseln! von Emst Toller ftegl«: Bus Hilohda. BikmOlUtr: üst. Hrttr. Tunrkuf nuMtadn. D.I. Bort, Olli i. 5813 Rose> Theater Ir.rruktnrtcrsir.isz Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: RilalldM Braoncbri Gurten bfibne: 515 Uhr äoutn o. Biatar Tel) AIS Uhr: Etappe. Neues Theater — am Zoo—■ IraBabob.Zoo. Stpl. 655t Täglich»>.. Uhr lomvnel in der Posse Rurr Amor ptisAsütb. Rundfun khörn 081kl Preise Komische Oper 8 Vi Ohl Di« Frau ohne Kuss Operette v W Kollo toib SoBBlags oackB.Z>.- ru kleine« Preisen # Rose-Theater (Garicabfihne) Täglich 5.30 Konzert, 6 00 Variete Täglich 8.1s „Etappe" oder Onkel Qustav schreibt K. v. Im Inpentheaier aar naeh hU SoaBiad, dem 7. Sept., lägt. 8.14 „Heimliche Braut/ahrl" iitvMimmgeHMiHiiiiiinMltiHuiiitiiatiii� I Voranzeige KK'dSSX'.Ä I 8.15 Uhr I„Die Draal von Nesstna" I | mit Irene Trlesch, Traute, Paul und Willi Rose| Tbaatir» lotth. Tor Kottbusser Str. 6 Täglich tV< Uhr mcB Bauet. nacbm B'.u Kille- Sünder Zllle-Ftstspie« Suttmtw«rläogtrt. Badi.«miOist» Mtii VoÜBlbtjojrojram sirumole wasche Gardinen Raoihags Emil Mases MadO. Blrkeastr. 29(Eike Poiiitzstr.) / ) (ßellage Miffwoch, 3. September 1930 frrAimid SjinlnuiyttAi Jtk Aunöfunk uttö Hörer programmatisches;ur Programmgestaltung' Auf lxr deutschen Well« unterhielten sich kürzlich Ministerinl- rat Dr. Woldt und der Vorsitzende des Zlrbeiterradiobundes Segall ither das Thema„Was gibt der Arbeiter dem Rundfunk?" Die Deutsche Welle hat seit längerer Zeit eine regelmäßig wiederkehrende„Stunde des Arbeiters" ein- geführt, in der Menschen, die im Beruf stehen, Schilderungen aus ihrem Arbeitskreis geben. Auch der Berliner Sender vermittelt ran Zeit zu Zeit Vorträge ähnlicher Art. Das Zwiegespräch zwi- schert Dr. Wölbt und Segall versuchte, die grundsätzliche Bedeutung solcher Veranstaltungen klarzustellen. Es ist unbestreitbar, daß der Bericht aus dem Munde eines Werktätigen viel stärker, viel lebens- wahrer in fein Milieu einführen kann als die lebendigste Repor- tage, die doch immer ein Von-außen-Betrachten bleiben muß. Di« Unterhaltung über die Frage, was der Arbeiter dem Rundfunk dielet, mußte naturgemäß auch ihre Umkehrung wenigstens streifen: „Was bietet der Rundfunk dem Arbeiter?"— oder, int weiteren Sinne:„Was. bietet der Rundfunk der großen Mass« der chörer?"„Unterhaltung und Belehrung" ist hier eine nichts- sagende Antwort. Cs kommt auf das Was, Wie und Wann des Gebotenen an. Die beiden Vortragenden, die entgehende Fühlung mit den funktittercjsicrlen Arbeiterkreisen haben, kamen denn auch, trotz inancherl«! abweichender Einzelauffossungcn, zu der selbstver- ständlichen gemeinsamen Forderung, daß die Rundfunkdorbietungen so gestaltet werden müssen, daß sie in der überwiegenden Mehrzahl — und also in der Grundeinstcllung— der Gesamtmasse der chörer zugänglich sind, und daß vor allem die Borträge tn d«r Sprache einsoch und klar zu sein haben. Denn das, was die Arbeitcrstunde des Rundfunks erstrebt, Verständnis zwischen den einzelnen Volkskreifcn zu fchasfen, kann nur dann erreicht werden, wenn der Arbeiter— genauer umschrieben: der chärer mit B o l k s s ch u l b i l d u n g— von den Sendestellen nicht als minderwertige Sonderl iaife behandelt wird, die zwar die Ouan- tität her chörermafse bes. inmt, die aber nur für die Dualität eines Teils der Sendeprogramme ausschlaggebend sein darf,� wenn nicht das Niveau dieser Bortröge auf einer zu niedrigen Stufe holten soll. Dos, die Auseinciiderschungen zwischen Ministerialrat Woldt und dem Vorfi.' enden des Arlieitcrradiobundes diese Perspektive einmal in eincr öficnllichen Diskussion auszeigten, machte den Bor- trag so wertvoll. Denn es wurde damit die Frage der Pro- g r a m in g c st a l tu n g, zu der jeder einzelne Fiinkhörer für sich ja täglich Stellung nimmt, in ihrer Bedeutung für die Gesamtheit der chörer angedcntcl. Es ist dringend nokwdndlg, daß dieses wichtig« Problem cnd- Ikch allgemein von einet höheren Warte als der des Priootivter» efscs»dts einzelnen bllrochtci wird, da vielfach die Gefahr immer drohender zu werden scheint, daß es durch ängstliche Interessen- polilik cnicr wirklichen Lösung ferngehalten� wird. Dos für den Rundfunk vielgebrauchte Wort u l t u r f a k t o r" ist zu einem etwas gefährlichen Schlagwort geworden. Es klingt so gut, daß mancher es gern ausspricht, auch wenn er sich nichts Rechtes dabei denken kann, und es tlingl jo bedeutend, daß mancher sich davor beugt, obgleich er es nicht nötig hätte. Drücken wir die Möglich- leiten des Rnndsunls begrifflicher aus: der Rundfunk kann— und er soll und muß es— 'richtige tl-'nuftetne für das Volksgebäude der lzttlttir liefern; cr muß aber auch daraus dieses Gebäude mit errichten hclfcn. Erst dann sind die Bausteine wertvoll. Dieser Zweck wird leider noch osl verkannt. Man tut so, als wolle man bauen; aber es ent- stehen nur sinnlose Steinhaufen. Das heißt: man läßt Vorträge halten mit schönen Titeln, über wichtige Themen; man sendet Kunst der verschiedensten Richtungen, und Unterhaltung, die noch eine Richtung und die keine mehr hat. Man ist so vielseitig, daß es aussieht, als bliebe wirklich nichts mehr zu tun übrig. Und die Klagen der„undankbaren" Junkhörer häufen sich. In den Anfangsiahren der Radiosendung hatte Bcrlrn eine Stunde eingerichtet, in der Zuschriften aus dem Publikum behandelt wurden; diese„Unterhaltung", die die Briese des Publi- kums und der Sprecher der Sendestelle miteinander führten, geriet allmählich ein bißchen in den Stil eines etwas simplen Familien. blatte- Do- war vielleicht mit'der Grund, weshalb man diese Einrichtung schließlich fallen lieh. Man sollt« sie wieder aufleben lassen- es liegt ja bei der Funkstunde, dafür zu sorgen, daß diese Diskussionen wertvoll werden. Die Auswahl aus der gewiß sehr großen Znhl der Zuschriften hinge ja von ihr ob. Aber man hätte hier dw Möglichkeit, die einzelnen Hörerkreis« direkt mltein- ander zu oerständigen, und man brächte die Mehrzahl der Hörer wahrscheinlich sehr rasch zu der Ueberzeugung. daß es über- Haupt keine streng getrennten„H o r« r k r e t s« gibt, sondern trotz der zahlloien Sonderwünsche nur eine große Hörerschait. Mit dieser Erkenntnis wäre einer gnindlichen Pro- grommdiirchgestaltung der Weg geebnet; und es könnte ein Pro- gramm aufgebaut werden, das bemüht ist, auf alle wesentlichen Interesicu Rücksicht zu nehmen, ohne sich durch kleinliche Kon- Zessionen einzuengen. Denn nicht mehr die Einzeldarbietung wäre sür den Hörer das wesentlichste, sondern die Richtung, der sie dient: auf dos. vorhin skizzierte Büb angewendet: ein einzelner mangelhafter Baustein läßt fich ohne Schaben aussondern, wen« nur se«ug für den Gcsamtbau übrigbleiben. Um aber den Begriff:„wesentliche Interessen" ge- nauer zu umschreiben und Mißverständnisse zu vermeiden: wesent- liche Interessen sind die Unterhaltungswünsche des alten Heim- tnfaffett so gu, wie die Bildungssehnsucht des ouistrebenden, auf- nahmeiähigcn jungen Menschen; wesentliches Interesse hat die junge Mutter sür KinderpfleM. d«r Gartenfreund für Blumenzucht pfez Objttaa, der«nfikfrnmd für Mozart od« Sogs« oder atonale Musik. Aber hei aller sachlicher Verschiedenheit der Inter-. essen sind sich doch oll« Hörer darin einig, nicht mit Minderwertigem abgespeist werden zu wollen. Und wenn die junge, lern- begierige Studentin sich verheiratet und Mutterfreuden entgegensieht. so wird sie sich plötzlich für Kinderpflege interessieren: der Musikfreund, der auf das Land oder in die Kleinstadt verschlagen wird, kann nun vielleicht Vorträge über Obstbau für sich als sehr nützlich empfinden; und den meisten Alternden werden allmählich die vielseitigen Bildungsbestrcbungen ihrer Jugend entgleiten und sie werden Freud« haben an beschaulichen Betrachtungen und un- mifregender Unterhaltung. Das sind kein« getrennten H ö r e r k r e i s e m« h r, das ist die große, wandlungsfähige Rund- funkfamili«. Für sie bleibt dem Rundsimk nur die Aufgab« zu erfüllen: sachliehe Interessen möglichst weitgehend zu befriedigen. Was den einzelnen lockt, muß aber auch in der Darstellung von ihnen verstanden werden können. Nur der Funkredner, der sich an alle Freunde des voit ihm behandelten Gebietes wendet, wird von dieser Funkfannlie beifällig aufgenommen werden. Der Kritik aus dem Publikum erschließt sich so ein sehr wichtiger Ein- fluß. Für die wirtschaftlich jo gtit gestellten Seudestellen kann es nicht allzu schwer sein, entsprechend befähigt« Dörtragende zu sin- den: die Deutsche Welle Hot u. o. bereits ihre musterhaften Sprachkurse, Berlin die„juristische Stunde" des Dr. Heilfron, die„Stunde für Gartenfreunde", lie Ludwig L c f f c r abhält, die hervorragenden Reportagen A>- fred Brauns, feit einiger Zeit die Jugendstunden Dr. II e b c r a l l s, leider daneben sehr viel Unzulängliches. In Zeitschriften und Volkshochschulen, an Universitäten und Unterhaltiings- stätten offenbaren zahlreiche Menschen die Fähigkeit, zu einem großen Publikum zu sprechen: es gilt, diese Begabungen für das Mikrophon des Rundfunks zu entdecken. Für die so ausgebaute Rundfunkscitidung könnte mich eine Programmvorschau, die heute kaum mehr als eine sinnlose Aufzählung sein kann, einen wirklichen Sinn bekommen: sie könnte auf dos wesentlich Reue hinweisen, das die nächst« Funkwochc bieten will, könnte den bereits dafür Interessierten ein« Einführung geben und jenen, denen das neuerfchlosscne Gebiet fernliegt, eine Erklärung, aus. welchem Grunde man zu ihm vorstieß. Für eine Masse von feind- lichen oder mindestens sich fernstehenden Hörergruppen sind solche Vorbesprechungen zwecklos; für eine große, gemeinsame Hörerschar würden sie fast unentbehrlich sein. Trucka E. SclitUr. Nietzsche und die Kultur €im Kritische Vetrachtung Unter dem Titel„Nietzsches Idee der Kultur" ver- öffentlicht Werner Brock(Verlag Friedrich Cohen, Bonn)«ine ausgezeichnet« Analyse des Frühwcrks von Nietzsche, dessen Todes- tag sich unlängst zum dreißigsten Male gejährt hat. Brock zeigt, wie Nietzsche in seinem Frühwerk die„Idee der Kultur" an dem Ideal einer„wahren" Kultur-Idec mißt, die letztlich in der Epoche des klassizistischen Humanismus eines Goethe, eines Wilhelm von Humboldt oerwurzelt ist. Das später« Werk Nietzsches sieht Brock wesentlich im Lichte der neuen Lebcnsphilosaphie. Wir fassen im folgenden unsere eigene Ansicht von Nietzsches Kultur-Idce, ohne den instruktiven Untersuchungen Brocks näher zu folgen, in Kürze zusammen. Deutschland hatte im Kriege lb70— 1871 über Frankreich gesiegt. Bismarcks Wunschtraum von einem mit„Blut und Eisen" unter Führung Preußens gecinigten Deutschland war in Erfüllung gegangen. Das neue deutsche Reich mar geschossen. Die vier Mil- liarden Mark Kriegskosten, die Frankreich an Deutschland bezahlen mußte, bedingten in Deutschland einen raschen, aber unorganischen Aufstieg. Der Siegestaumet der Gründer jähre setzte«in. Da erhob Nietzsche, der noch nicht dreißigjährige Baseler Professor, in der„Ersten Unzeitgemäßen Betrachtung" seine warnende Stimme. Dieser Sieg über Frankreich sei kein Sieg der deutschen Kultur, gesiegt haben„strenge Kriegszucht, notür- liche Tapferkeit und Ausdauer, Ueberlegenheit der Führer, Einheit, Gehorsam unter den Geführten, kurz, Elemente, die nichts mit der Kultur zu tun haben... Es kann nur eine Verwechslung sein, wenn man von dem Siege der deutschen Bildung und Kultur spricht, ein« Verwechselung, die daraus beruht, daß in Deutschland der rein« Begriff der Kultur verlorengegangen ist. Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäußerungen eines Volkes. Viel Wissen und Gelernthaben ist aber weder ein notwendiges Mittel der Kultur, noch ein Zeichen derselben und verträgt sich nötigenfalls auf das beste mit dem Gegensatz der Kultur, der Barbarei, das heißt: der Stillosigkeit oder dem chao- tischen Durcheinander oller Stile. In diesem chaotischen Durcheinander oller Stile lebt aber der Deutsche unserer Tage; und es bleibt ein ernstes Problem, wie es ihm möglich sein kann, dies bei aller seiner Belehrtheit nicht zu merken und sich noch do.pt seiner gegenwärtigen „Bildung" recht von Herzen zu freuen. Alles sollte ihn doch be- lehren, ein jeder Gang durch die Straßen seiner Städte,«ine jede Einkehr in den Magazinen der Kunsthändler, inmitten des ge- selligen Verkehrs sollte er sich des Ursprunges seiner Manieren und Bewegungen, inmitten unserer Kunstonstalten, Konzert-, The- ater- und Musensreuden sich des grotesken Neben- und Ueberein- ander aller möglichen Stil« bewußt werden. Die Formen, Farben, Produkte und Kuriolitäten aller Zeiten und Zonen hanz t d-r Deutsche um sich aus und bringt dadurch jene moderne Jahrmarkts- bumheit hervor, die fein« Gelehrten nun wiederum als dos„Mo- dern« an sich" zu betrachten und zu formulieren haben; er selbst bleibt ruhig in diesem Tumult aller Stile sitzen. Mit dieser Art von„Kultur", die doch nur«im phlegmatische Gefühl- losigkeit für die Kultur ist kann man aber keine Feind« bezwingen, am wenigsten solch«, die, wie die Franzosen, eine wirk- liche, produktiv« Kultur, gleichviel von welchem Werte, hoben und denen wir bisher olles, meistens noch do.zu ohne Geschick, nach- gemacht haben. Hätten wir wirklich aufgehört, sie nachzuahmen, so würden wir damit noch nicht über sie gesiegt haben, sondern uns erst von ihnen befreit haben; eist dann, wenn wir ihnen ein« originale deutsche Kultur aufgezwungen hätten, dürfte auch von einem Triumphe der deutschen Kultur die Rede sein. Inzwischen beobachten wir, daß wir von Poris noch tri« vor in allen Angelegenheiten der Form abhängen und ab- hängen müssen: denn bis jetzt gibt es keine originale deutsche Kultur." In dieser scharfen Kritik seiner Zeit liegt Nietzsches einzig- ortige Bedeutung. Er trifft sich hier.zutiefst mit Marx' sozio? listischer Gesellschaftskritik. Aber gerade«in Vergleich dieser beiden Kulturtritiker zeigt die Eigentümlichkeit von Rietz- sche- jtulmrbegnss.„Kultur ist... Einheit des künstlerischen Etil« ta all» Lebeusäußerungen eme, Volk«.' Damit wüd ganz klar, wie Nietzsche die ökonomisch-technischen Lei- st u n g e n(die bei Marx den Unterbau der Kultur bestimmen) aus seinem Kulturbegriff ausschließt; nur so wird die Tremmng der militärischen Leistungen van den anderen Lebensäußerungen ver- ständlich. Nietzsches Opposition gegen die Kultur seiner Zeit geht von einer einseitigen künstlerischen oder ästhetischen Kulturidee aus, die wir dann bei all denen wiederjinden, die von feiner Kultur- kritik, weniger von seiner positiven Kusturlehre, die in einer Macht- therie des blonden Herrenmenschen gipfelte, richtunggebend be» einflußt wurden: hier ist des Kreises um Stefan George ebenso zu gedenken wie etwa des Lebenswerkes von Thomas Mann,. der wie Nietzsche das Zivilisatorische vom Reiche der Kultur trennt.>! Dieser einseitig künstlerische Charakter von Nietzsches Kisttur- idee bedingt denn auch sein Unverständnis des Sozia» l i s m u s, in dem er sich mit seinem großen Zestgenosien Bis- marck begegnen sollte:„Man täuscht sich über die Leiden und Eni- behrungen der niederen Schichten des Volkes, weil man unwill- kürlich nach dem Maß« der eigenen Empfindung mißt, wie als ob man selber mit seinem höchst reizbaren und leidensfähigen Gehirn in die Loge jener versetzt werde. In Wahrheit nehmen die Leiden und Entbehrungen mit dem Wachsen der Kultur des Indi- viduums zu; die niederen Schichten sind die stumpfsten: ihre Lage verbessern heißt: sie leidensfähiger machen... Faßt man mcht dos Wohlbefinden des einzelnen ins Auge, sondern die Ziele der Menschheit, so fragt es sich sehr, ob in jenen geordneten Zuständen. welche der Sozialismus fordert, ähnliche große Resultate der Menschheit sich ergeben können, wie die ungeordneten Zustände der Vergangenheit sie ergeben haben. Wahrscheinlich wachst der große Mensch und das große Wert in der Freiheit der Wildnis auf. Andere Ziele als große Menschen und große Wert« Hot die Menschheit nicht". Gewiß sehen wir dos Ziel der Menschheit nicht in der plan- mäßigen Züchtung höchster Exemplare. Dies« Konsequenzen der Kulturphilosophi« Nietzsches lehnen wir ab. Aber von bleibender Bedeutung bleiben seine genialen Anregungen zu einer neuen Wertlehre, welche die Philosophie der Gegenwart eben erst aus- zuwerten beginnt: diese neu« Lebensphilosophie und Wertlehre, die in einer„Umwertung aller Werte" bestand, erwuchs Nietzsche aus einer tiefgründigen Auseinandersetzteng mit der Geschichte der ethischen Ideen, wie sie seit der Antike, über Rom, in das Christen- tum, endlich in die moderne Gesellschaft eingedrungen sind. In seinen Büchern„Jenseits von Gut und Böse" und„Zür Genea- logie der Moral" hat er seine Wertlehr« am schönsten dargestellt. In ihr und in der radikalen Kritik seiner Zeit schuf Nietzsches Lebenswerk bleibende Grundlag« einer neuen Ansicht vom Wesen des Menschen der Gegenwart. E. dl a zr e r. Wolkenkratzer im alten Vom In dem römischen Stadtmuseum befindet sich seit kurzer Zeit das Modell eines allrömischen Hauses, das man als den Dorläuser der heutigen Wolkenkratzer bezeichnen kann. Freilich läßt sich seine Höhe nicht mit den phantastischenRiesenbauten vergleichen, wie sie sich heut« in New Jork, Chikago und anderen amerikanischen Stödten befinden, aber auf die römische Welt jener Zeit mag dieses Gebäude den gleichen Eindruck gemocht haben wie die amerikanischen Wolken- kratzcr auf unsere Tage. Die Ileberrest« dieses Hauses liegen in der Nähe des Denkmols Victor Emanuels II. in Rom. und noch den Berechnungen, die van den Architekten auf Grund der noch vor- handenen Mouerreste und der zahlreichen, kunstvoll wieder zu- sammengesetzten Steintrümmer vorgenommen wurden, muh dos Haus wenigstens sieben Stockwerke gehabt, sich also gewaltig von den niederen einstöckigen Häusern hervorgehoben haben, aus denen das damalige Rom zum größten Teile bestand. Die Reste dieses Gebäudes wurden im vergangenen Jahre bei den Freilegunpsorbetten des Sapitols entdeckt, und man schätzt, daß es um das Jahr 100 unserer Zeitrechnung errichtet wurde. Es dürste dann zu den Hau- fern gehören, von denen Tacitus in seinen Atmolen schreibt, daß während der langen Friedenszeit der ersten römischen Kaiser ein- Reih« pon Häusern gebaut wurden, deren Höhe bis zum Kapitoi reichte. Copyriiht IS-JO by rjck«!reitcr-VerUs Q- m- b. kl, Mainburt-Beriedorl (15. Fc>rts«tzung,) D«r Atkm der müüen Rekruten geht schwer. Ein paar Swschen noch, dann steh«, sie wieder in langen Reihen:„Abzählen! Eins, zwei, drei, vier! Eins, zwei, drei, vier! Ems, zwei..."— Ich ertappe mich, wie ich laut zähle.—„Ruhe!"— das mar Güttlers Stimm« aus dem Dunkel heraus. Dann denke ich an Langer. Äir hoben nicht mal Abschied van« tiihoicher nehmen tonnen. Er liegt nebenan in Stube vierund- zwanzig.— Ob er schon schiäst? Ob er Schinerzen hat? Ach, dah wir auch nicht i» einer Korporalschaft sind... „Du, Äilb!" Ich beuge inich sliistemd mit dem Dbcrkörper über das Loger, dah mir die Eisenkante hart an der Brust liegt,„chör mal zu... schläfft du schon?... Karl... pst, pst... ich kann nicht einschlafen... ob Heini jetzt wohl nach Haus kommt?... Kilb... Karl... psst... pssst!" Kilb schläft fest mit den Händen unter dem Kaps. 'Run fühle ich mich ganz verlassen. Ich stecke den Kopf unter die Decke urnd mag nichts mehr sehen, hören und denken... Wenn doch— dieser verdammte Hunger nicht wäre... Ich liege und liege und drücke die Augen zu und öffne sie wieder und drück« sie wieder zu, daß sie schmerzen... Plötzlich habe ich einen starken Druck auf der Blase. Ich habe vorhin noch viel Wasser getrunken gegen den Kohldampf. Die Latrine ist drautzen auf dem Flur. Vorsichtig krabble ich aus dem Bett und lege dabei behutsam Adamezits Arm ihm auf die Brpst. Er wirst sich herum und locht laut im Schlaf« aus... Ich tappe barfuß nach der Latrine. Es ist verboten, nachts aus- zutreten und ich muß mich sehr vorsehen, daß mich keine Rondc erwischt. Als ich zurückkomme, bleibe ich vor Stube 2i stehen. Drinnen ist«s ruhig.--- Ich stehe und stehe und irgend ctinas hält mich gebannt fest, etam Rätseihostes faßt mich an... „Na. Heini, denn auf Wiedersehen", sag« ich halblaut. Ich er- schreck« vor meiner Stimme: sie ist so fremd und rauh in dieser Nacht.— Soll ich hineingehen?— Nein, das geht nicht!... Ich bin unschlüssig und starre die Tür an. Sie erscheint mir un- durchdringlich, meterdick und unheimlich. Die Kälte der Fliesen ..�/.dringt mir langsam in die Füße... Ich steh« und stehe immer noch und ganz allmählich kriecht die Kühle der Steine mir in den Leib... Ich könnte ja schließlich ganz leise hineingehen> und mit dem Siubenältesten. dem Gefreiten Fischer, sprechen, schießt es mir durch die Gedanken... warte mal. wo... liegt der noch?... Wenn man reinkommt— ja richtig--- gleich vorne liegt der Gefreite--- ölfo:... Entschuldigen Herr Gefreiter�--- der Langer ist mein Freund--- seit ungefähr zehn Jahren kennen wir uns schon... wir haben als Jungs zusammen gespielt... Jäger und Hund haben mir zusammen gespielt... hatten uns ein Zelt gebaut in den großen Ferien draußen im Borsteler Moor... einmal hoben wir uns auch geschlagen... da habe ich ihm einen Zahn ausgeschlagen... den rechts, was man noch heute sehen kann...--- ich muß lächeln: mg, wird dos den Gefreiten interessteren?--- also: wollen der -Herr Gefreite mir erlauben, daß ich mich von Heini verobschiede— so kurz muß ich es ihm sogen, sonst hat's keinen Zweck—...'s wird morgen früh keine Zeit mehr dazu sein, Herr Gefreiter... wir wohnen dicht zusammen in einer Straße in Hamburg... vielleicht wist er mir noch etwas für seine Mutter mitteilen... man kann ja nicht wissen. Herr Gefreiter... wenn Sie gütigst erlauben... nur „Auf Wiedersehen" sogen... bitte, lieber Herr Gefreiter... werde auch ganz ruhig dabei sein und niemand stören... Mein Herz schlägt lyart gegen die Rippen.— Vielleicht geling« es... violleicht aber wirft er dich raus, meldet dich..., was Host du hier zu suchen... was willst du nachts auf fremden Stuben, Bursche, hä?... Willst dir wohl was besorgen, wie?... Nein! Es hat wenig Sinn! Er wird mi6> gar nicht erst zu Worte kommen lassen... er ist genau so ein Schweinehund wie all' die andern auch, die uns schleifen und quälen, damit sie als besonders forsch gelten und nickst wieder an die Front kommen. Er wird Krach machen, jetzt m.tten in der Rockst; Heini kann nur Schaden davon haben... er wird sich aufregen... es kann seinen Zustand vielleicht noch verschlimmern... und ich habe dann die Schuld, obwohl ich es gut meinte... Ich starre nach immer auf die Tür. Wo ist denn die Klinke?... Ich holte sie in der Hand... sie ist kühl... Soll ich?---- Nein! Ruckartig drehe ich mich um. Die Sache wird mir zu dumm. Entweder— oder---. Aber: verdammt... wieder hält mich das Rätselhafte fest. Ich starre jetzt auf di« hellere Flurwond gegenüber den Türen. Dunkel und toi stehen die Gewehre... eine lange Rsih«... unten die Kolben sind plump und schwarz und drohend.— Das dort muß mein Gewehr sein... mein Gewehr sein... mein Gewehr... Nummer„Neun— und— dreißig— vier— und— vierzig—". Drinnen schlafen die Rekruten... losgelöst... Menschen im Traum ... Menschen... Menschen... Aus einmal schießt es mir durch den Kopf: Dos dort sind in Wahrheit die Soldaten— die Gewehr« dort— Nummer fmmbfa, Nummer soundso— eins, zwei, drei, vier... ein», zwei, drei, vier... auch nachts stehen sie ausgerichtet— immer: Tag und Nacht— auch mein Gewehr— auch mein Gewehr— auch.ch... Eine blinde Wut schüttelt mich. Dersluchte Gewehre! Welches Leid habt ihr schon unter den Menschen angerichtet! Nein, ach nem, denke ich dann, warum stehst du hier eigentlich — Ach richtig— wollte dir Lebewohl sagen. Kamerad... aber du wirst selbst einsehen... wirst mir nicht böse sein... später werde ich dir er, zählen, wie ich vor der Tür stand... feige bin ich nicht, Heini.. ober es hat doch so keinen Zweck---. Ich gehe langsam, langsam noch meiner Stube, übermächtig wch mich die seltsame Gewalt festholten, jeder Schritt schmerzt in all»» Glisdun» es jmnmt u» deu Ohre» wie jeiile» Meeres- brausen........ kann dir die Hand nicht gc— eben... bleib du im ewgen Leben mein guter Kamerad, mein guter Kamerad——" Da fühle ich einen leisen, leisen Lustzug im Nacken... unmerk- lich fast... kalt--- Schwer dreht sich mein Genick um... Ich falle fast um vor Schreck— ich fühle, wie mein Blut gerinnt--- kalte Schauer überrieseln mich--- ich will schreien.. in der Türöfinung der Swbe 24 steht Langer wie ein Gespenst... hager... in der Unterhose... barfuß,., ich sehe die hervortretenden Rippen unter dem geöffneten grobleinenen Hemd... ach, ich sehe olles so deutlich in solchen Augenblicken... tief liegen die Augen in den Höhlen... keine?lugen— abgrundtiefe Löcher... spitz und weiß die Nase... der Mund ist v.-r- wischt... ein Bild des furchtbarsten Elends... och. der arme glatt- rasierte Knobenschädel— mir ist, als sähe ich das arme gepeinigte Herz schlagen unter den Rippen... Longer— ein Schemen nur— sieht er mich denn nicht?... er kommt tasteick» auf den Flur... vorgestreckt die dürren, bleichen Hände... sein Gesicht ist uralt, fremd... ich erkenne es nicht mehr wieder--- Da stehe ich fchnn bei ihm:„Heini. Heini Langer", flüstere ich... ich kann nichts irxeiter hervorbringen... mir hält eine drosselnd« Hand den Hals zu. Ich fasse seine eiskalte Hand... sie.st zur Faust gekrümmt wie im Krampf.—„Heini, was willst du hier... kennst du mich nicht mehr... ich bin doch Peter... Heini, sieh nrich doch einmal an... du wirst dir den Tod holen hier auf den kalten Steinen... sog' doch mal«in Wort, Heini.. Aber er geht Schritt für Schritt weiter und sieht mich nicht an. Cr weint— ein« Träne fällt aus meine Hand, ich erschrecke furchtbar— endlich stößt er mühsam hervor: „Laß mich. Peter. Ich wollte nur austreten..."— und dann mit einem Mole ruhig, während er stehen bleibt und mich voll ansieht, daß es sich in meiner Brust zusammenzieht, als ich das ungeheure Leid in seinem Antlitz sehe: „Mir kann niemand mehr Helsen, auch du nicht, Kamerad. Sorg dich nicht mehr um mich. Laß nur, laß nur—' und ganz, ganz leste, hauchartig:„Morgen ist olles gut..." Er neigt seinen Kops dicht an den nieinen:„Bist mein bester Kamerad gewesen, Peter— Hab« vprhin noch an alles gedacht, wie es früher war, ol» man uns noch nicht hierher verschleppt hotte.— Grüß Hamburg und meine Mutter: Illckr denr auch meist an'fmch"Kmnerad, wenn du zurückkommst Ich wünsch dir alles Gute, wenn's an die Front geht." Es stickst mir in der Kehle:„Was sprichst du da für Worte, Heini... du kommst doch eher nach Haus als ich.. er zwingt sich zu einem Lächeln, es sieht furchtbar aus, wenn dieses Gesicht lächeln will— er schüttelt den Kopf, und ich gebe meinen Worten di« letzte eindringliche Kraft:„Doch, Heini, doch! doch! doch!... Morgen wird es besser... du bist heraus aus diesem schlimmen Leben... du kommst ins Lazarett, und man wird dich nie wieder zum Dienst zwingen können... man wird einsehen, daß du ihm nicht gewachsen bist'... dann hast du endlich Ruhe..."--- lind er:„Ja. ja— Ruhe wert»' ich haben, Ruhe... Ruhe.. er betont diese» Dort dumpf, ich erschrecke tief kinon. ich spürck plötzlich wieder die Kälte in nie'nen Gliedern... wir stehen ja auch beide halbnackt mitten in der Nacht auf dem Flur einer öden kalren Kaserne— mir wird es mit einem Male wieder alles so klar; dieses verzweifelte Leben... ich sehe die Gewehr« an der kolk- weißen Wand... ich presse Langers Arm... ich will ckzeini zurückbringen in feine Stube— was nützt all dos Reden hier draußen..« Ich fasse ihn an der Schulter sind drehe ihn um:„Nim leb«oh!, Heini... wie gut, daß wir un» noch getroffen hoben... ich konnte gar nicht einschlafen... ich wollte noch zu dir... nun ist ja alles g-ut, und wenn wir wieder zu Haus sind... nu' geh rein... leb' wohl und ich wünsch' dir gute Besserung." Er dreht nach einmol den bleichen Kopf zu mir hin.., „o Heini, sieh mich doch nicht mehr so an"... ich könnte schreien, in Jammer und Qual... seine Augen sind ganz groß... ober jetzt ist ein seltsames verklärtes Lächeln um feinen Mund: „Grüß' auch oll« Kameraden, vergiß Karl Kilb nicht--—" „Ja, Heini..." „Ante Rockst. Peter." „Gute Nacht. Heini." Er entschwindet mir. Mir wird schwindelig... Seltsam, ich höre... doch... Glocken... in... der Fern« klingen... ganz fein... ganz leise...(Fortsetzung fokflt.) eBuch Amerika vom Auto au* Vom'Auto aus kann man in der Breite nickst weiter sehen als das Auge reicht, aber der Länge nach so weit, wie der Motor läuft. Felix M o e s ch l i n, ein Schweizer Belletrist, hat mit seinem Ford'Wagen und mit seinem Freund und Photographen Dr. Kurt Richter WlXK) Kilometer USA. zurückgelegt, d. h. er ist etwa rund um das ungeheure Land gefahren. Das erweckt so phantastische Darstellungen, daß sein Reifebericht„Amerika vom Auto a u s"(Eugen Reut ich Verlag, Erlenbach, Zürich) hinter den Er- Wartungen zurückbleibt. Man hoffte, di« ganze heiser« Sinfonie Amerikas brausen zu hören mit dem Motor des Autos als General- baß. Aber das bietet Moefchlin nicht, feine Fähigkeit, neu zu sehen, ist leider gering, und was er nun schon berichtet, hüllt er in Floskeln «in, die heute, wo der Sinn für Sachlichkeit und Reportage eine neue ausgezeichnete Reifeliteratur begünstigt hat, etwas provinziell wirkt. Man glaube nicht, daß in Amerika nichts mehr zu entdecken ist. Auf jedem Fußbreit Erde sind nach Entdeckungen möglich: auf di« Augen des Betrachters allein kämmt es an. Moefchlin entdeckt. was gar zu sehr an der Oberfläche liegt. Wer also noch wenig Über Amerika gelesen Hot, findet in diesem Buch wirklich dos Land, das dem unvorbereiteten Besucher überwältigend entgegentritt. Traßdem finden sich in dem vielen, was Moefchlin gesehen oder durch Gespräche erfahren hat, reizvoll« Einzelheiten, z. B. sein Besuch in der Ncw-Porker Public Library, wohl der größten Bolksbibliothek der Welt, in der ihm mehrere Biblialheksbeamte ein« sehr einfache Auskunft über W i t h m a n, Amerikas größten Dichter, nicht geben können. Schließlich konnte ein dritter Bibliothekar nichts besseres tun, als ihm an Stelle einer �lntwort den Artikel„W'ö>man" aus einem Lexikon vorzulegen. Und dabei wollte Moefchlin nur Er- innerungsstätten an Wiihman, Geburts- und Tatenhau», kennen lernen.• Die Antwort hätten ihm viele von Berlin aus gegeben. Das geistige Erlebnis Moeschlin» ist charakteristisch und richtig' die ungeheure Leere des Raumes, die Tragödie der amerikanischen Landwirtschaft, der erschreckende Rückgang an gelernten Arbeitskräften und die merkwürdige Wirkung des gewaltigen amerikanischen Straßenbaus. Alles, was an den Straßen wohnt, flüchtet in die Städte. Die Straßen sollen der Erhaltung und Entwicklung des Landes dienen und wirken in Wahrheit lanizzerstörend. Der Bauer, der als Ehausfeur eines Milchwagens in der Stadt mehr als auf dem Land mit der Milchpjlege verdient, ist selbst- nerständlich auf dem Lande nicht mehr zu halten. Das Schönste des Buches sind 1.54 Photographien. Besonders, die Naturbildcr beweisen einen hervorragenden Ge- schmock in der Auswahl der Objekte. keli» Stössingcr. Rätsel-Ecke des„Abend" Silbenrätsel Aus den Silben dach be dorn der di du e el eu er eu go ge go griph bar kla k!an land land len li lo me ment mu nan ne ne ne ner nes nis o o pe re ri rü sa son ter ti tu uh vi zy sind 17 Wörter zy bilden, deren Zlnsangs- und Endbuchstaben, beide von oben noch unten gelesen, ein Sprichwort ergeben. Di« Worter bedeuten: 1. Rätselwort; 2. weiblicher Vorname: 5. Ort im .Harz; 4. Straußenort:-5. Heideblum«: ti. Wirbelwind: 7. deutscher Dickster: 8. Musikinstrument: l>. deutscher Fluß: IE. ösfentkiche An- preisung: 11. biblischer Name; 12. Muse: 13. Bildnismaler; 14. Hunderasse: 15. Planet; 16. Land in Afrika: 17. Ausstellung. — kr.— Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Aussordermig zu einer staotspolitischcn Tätigkeit: 3. Angehörige einer politischen Partei; 6. Urkrost: 9. Hin- weis: 14. verstorbener sozialdemokratischer Führer; 18 Flächenmaß: IS. Erholung; 23. Not; 26. Spielkarte; 27. Stossart; 28. Schluß- buchstoben zu Nr. 3 waagerecht; 29. Verhältniswort: 30. Artikel (4. Fall); 31. Votksoenretung.— Senkrecht: 1. Stoatspoßtijchc Handlung; 2. bahnbrechender Landwirt; 4. Teil des Auges; 5. wie Nr. 31 waagerecht: 6. Umstandswort; 7. Note; 8. Ostseeinsel; 9. persönliches Fürwort: 10. Flächenmaß; 11 Rundfunkgerät; 12. preu- ßifcher Ministerpräsident: 13. bekannter Zentrumsführer; 15. Rinder- ort; U>. inendiiches Sprachgebiet in Deutsastand; 17. Kampfplatz; 20.'Ausruf: 21. personliches Fürwort: 23. Begeisterung: 25. wie 'Nr. 21 senkrecht; 24. Stadl in Osttriesland; 25. Nadelbaum.— (-1, 3. 28, 29. 30 und 31 waogerecht ergeben hintereinander gelesen «me Wahlparole.)'': IL.. Silben'Kreuzworirätsel Waagerecht: 3. Durch Staatenkonferenz bekannte schweiz. Stadt: 3. Behälter: 7. Sozialist: 8. Maß: 9. Getreide: 11. die Republik schützende Organisatton: 16. Werbearbeit.— Senkrecht: 1. Getreidespeicher; 2. männl. Vorname; 4. Oper von Bizet: 6. stoofende Gerechtigkeit: 7. Erzählung: 10. Kopfbedeckung: l>. Volksvertretung: 12. Organ, Mehr, zahl; 15. bibl Person, weibl.; 14. Frouenname: 15. franz. Stadt; 17. Riese; 18. Aufschrift, ak. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Kummer Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Stettin; 5. Esel: 7. le: 8. Lenz; 9. Mau»; 12. Li: 14. nein; 15. Renette.— Senkrecht: 2. Else: 3. Nauen; 4 Bern. 6. Lenz: 9. Wam; 10. Voter: 11. Feld: 12. List; 13. m. Silbenrätsel: 1. Dastel: 2. Avdigo: 3. Erich; 4. Siede- punkt: 5. Erwin: 6. Cottsonne; 7. Bordüre: 8. Sozialist: 9. Zresc- bürg: 10. Bulle; 11. Esau: 12. halle 13. Erlangen 14. Bhrtnsberg: 15. Rarität 18. Sattel: 17. Ehurchill: 18. Hagebutte; 19. Usedom: 20. Jlunnc; 21. Gedeck: 22. Trcne; 23. Stenographie.— Die Selbstbeherrschung ist die Wurzel oller Tugenden. Verschieden veranlagt: Hochschule— Kochschule. Fllllrätsel: l. Berlin; 2. Oberon; 3. Albert; 4. Groben; ö- Traube. Königszug. Im Glück nicht stolz fein und im Leid nicht zage», Da» Unvermeidliche mit Würde trogen, Das Rechte tun, am Schonen sich erfreue� Das Ztbtu liefen und fen Sab sticht ffrra■■ UhßrturioloJflikl »Schalke 04" wehrt sich Vor entscheidenden Vorgangen im DFB. Der vom Westdeutscl)«,, Spicloerband disqualifizierte Fußballklub„Schalke 04" begnügt sich nicht mit der Berufung an da» Bundesgericht des bürgerlichen Deutschen Fußballbundes, er bemüht sich auch, eine ehrliche Klarstellung der Lag« im deutschen Fußballsport herbeizuführen. Der westdeutsche Fußballmeister hat zu diesem Jweckc erwa 20 der größten deutschen Vereine für Sonn- tag, 7. September, zu einer Besprechung nach channooer gebeten. Im Interesse der Sache darf man erwarten, daß die eingeladenen Vereine diesem Ruf folgen und sich mit Schalke solidarisch erklären. Rur so kann der DFB. veranlaßt werden, an Stelle der bisherigen Verschleierungspolitik eine den Tatsachen entsprechende Haltung ein- zunehmen. Es handelt sich bekanntlich um die Disqualifikation ganzer Mannschaften und der Bestrafung der Vorstandsmitglieder . von Schalk« 04 wegen Uebertretung der Amateurbestimmungen. Auf dem Sonncnplatz turnten Neuköllner Kinder Wer die Feste des Bezirks Ncukölln-Briß der Freien Turner- schajt Graß Berlin auf ihrem..Sonnenplatz" Revue passieren läßt, wird berechtigterweisc fragen: Welches war bisher das schönste, welcher Sonntag der beste? Da muß jeder Besucher des letzten Sonntags sagen: Das war der schönste Tag, der Tag des Kinder- wcrbclurnens! .�weihuichert Jungen und Mädel(im Alter von 4 bis 14 Jahren) schmetterten fröhlichen Herzens„Wir sind jung, die Welt ist offen..." in den herrlichen Sonnenschein. Die Kinderlciter dieser Abteilungen demonstrierten dann mit den Kindern, wie man ohne wochenlange Einpaukerei frische lebendige Gerneinschaftsübiingen ausfiihren kann. Als einziges Hilfsmittel wurde die Melodie bekannter Kinderlieder verwandt. Und was die Vierzehnjährigen konnten, machten auch die kleinsten Knirpse von kaum vier Jahren mit. Die Eltern, die in außerordentlich großer Zahl erschienen waren, schauten erstaunt zu und waren begeistert. Dann die Mädels bei den Singspielen: Das war ein Singen und Springen, ein Jauchzen und tolles Wirbeln! Die Jungen tummelten sich beim Hand- und Kopfballspiel. Do waren sie in ihrem Element. Und dann wurde der Spieß um- gedreht: alle Mamas und Papas, ja selbst die Großeltern wurden .zur Beteiligung aufgefordert und machten mit.- Das ist ja gerade das Wesen unserer Arbeitersportbewegung: Leibesübungen für alle« Die Arbeitersportler wollen nicht den Läufer um die Tausendstel . Sekunde züchten: jedes Kind, die heranwachsenden jungen Menschen, die bereits Erwachsenen und auch die Aelteren werden so beschäftigt, wie es für das betreffende Lebensalter gerade zuträglich ist. Di« FTGB.-Reukolln-Britz unterhält im 14. Verwaltungsbezirk 1b ver- schiedene Abteilungen, in Neukölln in der Doppelturnholle Lessing- � straße, in der TurnlMe Donaustraßc und in der Britzer Turnhalle Ehaulseestraße. Wer sonst noch Auskunft wünscht, wende sich für Neukölln an Paul Schulze, Stuttgarter Str. 18 und für Britz an Otto Schistan, Franz-Körnet-Stroße 23 Zum Aussuchen! Zahlenschwindel der«Unpolitischen'' Di«„unpalitisch"-bürgerlicheu Sportverein« Neuköllns Haben am letzten Sonntag im Neuköllner Stadion eine Kundgebung und ein Sportfest veranstaltet, das als eine Protestaktion gegen das Neuköllner Bezirksamt aufgezogen wurde, das bekanntlich zur Ein- weihung des Stadions einmal die Arbeitersportler herangezogen hatte. Sonst wurden fast ausschließlich bürgerliche Verein« an solchen Feierlichkeiten beteiligt. Diese Veranstaltung ist überall bombastisch angekündigt worden und die bürgerlichen Zeitungen haben auch von dieser Veranstaltung ausführliche Berichte oeröfsenUicht. Leider ist ihnen dabei ein Versehen unterlaufen. Sie haben sich vorher nicht daraus geeinigt, welch« Veteiligungszifser angegeben werden fall. Am spaßigsten hat die„Berliner Morgenpost" die Auf- gäbe gelöst und gleich mehrere Beteiligungszisfern angegeben, so gewissermaßen zum Aussuchen. Ein Berichterstatter, der die spart- lichen Kämpf« kritisierte, gibt an. daß 12 000 Menschen dort waren. Die„Montagspost" hatte aber ein Uebriges getan und einen Be- richterftatter hingeschickt, der über die politisch« Note dieser Ver- anstaltung schreiben sollte. Und dieser wollte die Protestaktion recht groß erscheinen lasten und schrieb:„Die 4 0000 Zuschauerplötze wiesen keine Lücke auf." Di« Neuköllner Tageszeitungen, die damals am wildesten gegen das Bezirksamt hetzten, geben als Beteiligungs- Ziffer 18 0 00 an. Wenn man in bürgerlichen Zeitungen oder Sport- vereinen gegen ein sozialdemokratisch geleitetes Bezirksamt Hetzen kann, dann kommt es also auf eine Kiepe voll Zahlen nicht an. Motorradfahrer auf der Avus Als Ersatz für das in diesem Jahre nicht zustandegetommenen Kalbergcr Bäderrennens bringt der DMV. Sonntag, 2 8. Eep- tember, auf der Avus eine große internationale Veranstaltung zur Durchführung, bei der um den Großen Wanderpreis von Deutsch- lond und alle übrigen, sonst in Kolberg ausgefahrenen Wanderpreise gestritten wird. Di« Beteiligung kann schon jetzt als Hervorragend Sportler heraus! GroHe Wahlkondgebung der Arbeitersportler am Do an er» tag. dem 4, September, 20 Uhr Im«Lehrervereinthaus"(am AJexanderplatz) Ansprache: KARL LITKE VorsUseBder d.SostaldeiaokratUdien Partei, ftcrlin Zwei Filme vom Arbeitersport:„Die neue Gr o hm a cht" und der Wer b et ilm für die Olympiade 1951 in Wien Arbeifersporfler cndielnl In Nassen! Kartali für Arhaltarsport und Kürperpfleaa, Berlin Paulchen als Alpinist Unser Mitarbeiter Paulchen, dessen Knochen für den Sport zu alt wurden, der aber immer noch glühende Liebe für Leibesübungen verspürt, schreibt hier für die ehemaligen Sportkameraden feine diesjährigen Ferienerlebniste auf. Ich bin nicht abergläubisch, aber dieses Mal hatten die Pessi- misten mit ihrem„Siebenschläfer" doch recht. Den ganzen Juli und den halben August Regen und nochmals Regen. Erst trochneien im tropischen Juni beinahe oll« Flüsse und Seen au« und nachher konnte man's im Wasser vor Kälte kaum ausholten. Kam nmn Sonntags auf dem Bootsplatz, waren die Segel- und Motor- boote und die'Angelkähne halb voll Wasser. Dos gab ein Schimpfen beim Auspumpen. Den einzigen Porteil davon halten die Obst- und Gemüsesportler, ich meine oi« Loubenkolonistcn, die brauchten wenigstens nichb zu gießen. Aber der Regen durch die Dächer...! In aufgehängten Konservenbüchsen und untergestellten Waimen suchte nwn dos edle Naß abzufangen. Und ab die Nackedeis am Motzencr See bei der Temperatur auf ihre Kosten gekoinmen sind? Die müssen doch fast zu Wiiüersportlern geworden sein! Do man als„Arbeiterspartler" schon die verschiedensten Sport- arten hinter sich hat, versuchten wir's dieses Mal trotz der trüben Aussichten(die wir ja denn auch auj den Bergen hatten) einmal mit dem Gebirge. Da das Fohrgeld knapp war und das Riesen- g c b i r g c am nächsten, zogen wir dorthin. Da gibt es wenigstens noch keine Seil-, Schwebe- oder Zahnradbahnen. Und alles muß schön auf Schusters Rappen gemacht werden. Im Winter soll dort viel, viel Schnee liegen, daher heißt auch der höchste Berg die „Schneekoppe". Eine ganz respektable Höhe, wenn man den Berg so von unten sieht. Natürlich stritten wir uns über den richtigen Weg gespart hatten! Die Stiesel abgelöscht, die Hosen ausgefrairzt, der andere den über die 5)ampelbaudc. Und ich schlug den übers Gehäng, vor. Der war natürlich am steilsten. Die ersten 000 Meter ging ia alles ganz gut. aber dann ging das Theater los. Der bis dahin bequeme Weg war zu Ende und jetzt ging's über Steine. Geröll. Gestrüpp. Aeste und Wurzeln. All« Augenblicke ging einem von uns die Puste au». Als wir endlich nach drei Stunden pustend, keuchend und schwitzend oben ankamen, schließlich sind ja 1000 Meter auch kein Pappenstiel, wunderte wir uns über die vielen älteren Leute, über Männer mit sehr hohen Stehkragen und Domen, die in leichten Schuhen mit Stöckelabsätzen den Berg erklommen hatten, als sei gar nichts dabei. Wir waren natürlich den verkehrten und unbequemen Weg gegangen. Das Kotten wir nun danon, daß wir eine Stunde Weg gespart hatten! Di« Stiefel abgelascht, die Hosen ausgeironst, die Strümpfe der Frauen-erristen. Auffallend viele junge Dinger sah maii da oben, die zu ihren viel älteren Begleitern immer „Onkel" sagten, was mir besonders auffiel. Also nach oll den Strapaze» schnell in eine„Baude". Unter einer Boich« hatte ich mir immer etwas ganz ander«? vorgestellt. Ich glaubte bis dahin, das Wort Baude sei von Bude abgeleitet und stellte mir«in Holzhaus auf sa einer Alm oar, mo man Milch. Butter. Käse und Eier vom Dirndl zu lächerlichen Preisen erstehen,.zur Not auch mal auf einem Etrohlag" übernachten und sein« mitgebrachten Stullen verzehren könnte. Ia, Kuchen! Den gab's auch, aber dazu auch Kellner im Frack sma» stell« sich vor: Fast im„ewigen Ei»" da oben!) und Jazzmusik, wo wir läutend« Kuhhcrden und Ave- Maria-Glocken und Flötcnmusik von Hirtenknaben erwartet hatten. Na, wir haben uns nicht lange aufgehalten: später habe» wir dann auch erfahren, daß wir nicht an der richtigen Stelle waren. Es gibt auch noch„Natur und Gegend" im Riesengebirge. Aber Gebirgs- stäck«, Etocknogel. Ansichtskorten und nachmals Zlnfichtskartcn und allerlei Krimskrams an allen Enden und Ecke». Aber trotz aller Widerwärtigkeiten in den„Schlesischen Alpen" fahre ich nächstes Jahr doch wieder hin, doch dann ins G l a tz e r Bergland. Ein Freund von mir erzählt mir, da kann man den Rudersport im Gebirge ausüben, das wäre doch was für mich alten Wassersportler. Mitten in einer fürchterlichen Wolssschlucht dicht bei Landeck, 430 000 Millimeter über dem Meere, soll da ein Teich sein, auf dem sechs Ruderkähne und drei Cinbäum«, die als Paddel- boote bezeichnet werden, herumschwimmen. Vom Vermieten dieser „Sportartikel", deren Alter vor lauter Teer- und Oelfarb« nicht mehr festzustellen ist, ernährt sich ein biederer Gebirgsscppcl. Wer kräftig ist, kommt allerdings mit drei Richerschlägen über das Gewässer hin- über, aber in den Ferien soll man seine Kräfte schonen. Früher bin ich als Junge immer Karustel gefahren, das war allerdings auf dem Land« uich ich saß in einem Märchemvagen. Auf dem Gebirgssee im Glatzer Bergland werde ich mich in meine Jugend zurück- träumen und werde Karustel auf dem Wasser fahre». O, wird das schön werden! Als wir nun genug vom Riesengebirge hatten und auch noch etwa» Geld im Beutel, ging'» in die Sächslsch-Böh mische Schweiz. Die Sachsen, was ja bekanntlich die gemitlichen Leute sein, sind gomische Menschen. Auf jeden Berg der Sächsischen Schweiz führen breit« und bequem« Wege nach oben. Bald könnt« man meinen, sie sind teilweise so bequem, daß man es mit einem Kinderwagen versuchen soll. Da gibt» nun ober Leute, die diese Weg« verschmähen. Mit richtigen Gebirgstrachten, mit Lederhose und grünem Wams angetan, dazu mit Mutter» Wäscheleine ausgerüstet, treiben st« auf ihre Weste Sport. Sie haben sich in den Kopf gesetzt, die Berg« gerade von der steilsten Stelle zu erklimmen. Zu diesem Zwecke treten sie vor allem einem Gebirgsveret» bei, kaufen sich ein«„alpine Ausrüstung" und los gehl es. Der beste Krarler machl immer den ersten, oben angekommen, steckt er die Wäscheleine durch einen oben angebrachten Haken und die anderen ziehen sich ncxh- einander hoch. Sind olle oben versammelt, trogen sie sich in ei» Buch ein. da» in einem Blechkosten auf dem Gipfel verwahrt liegt. Und das ist anscheinend die Hauptsache. Aber schön ist es doch in, Gebirge, und unsere diversen Berliner und märkischen„Schweizen" können da lange nicht mit. lieber eins habe ich mich noch gemmiiert. Während in Schlesien fast jeder Gasthof„Zum Gerichtskretschom" heißt, nennen sie sich im Sächfifchen.�Zum Erblehnsgerichtshof". Die Leute sollten doch wenigsten? beim Biertrinken die Gerichte aus dem Spiel lassen— sichern sie nicht au? der Kirche kommen! Herzlichen Gruß, euer Paulchen. bezeichnet werden, lieg«» doch bereit? etwa 80 Nennungen für die Rennen mit und ohne Seitenwagen vor. In den Rennen der Solo- Maschinen gehen u. a. an den Start die Engländer Simeock(Mow- facoche), Duncan und Williams(Sturmet) Archer), ferner(Beiß, Friedrich(DKW.), Lei)(Triumph), Graf Bismarck, Ziemer(AIS.), Ulmen, Rüttchen, Bullus(NSU.), Pätzold(Sorolca). Ferner haben so bekannt« Bciwagenspezialistcn wie die neuen Meisterfahrcr Hillcr (Montgomery) und Zaspcl(OD.), sowie Tennigkeit(Rudge Whit- worth), Thevis(Norton); Wcyres(Harlcy-Dcwidson) und Schoth (BMW.) ihr« Meldung abgegeben. Kleiner 5port von überall Voxtämpse im Spichernring. Der am Freitag statsmdeu&e Karnpfobend des otönbigen Ringes bringt als ittteressanteüe Rümmer das Prosidebut des Amateur-Hilbschwergewichtsmeister? Albert Leidmann- München. Der Boyer, der über eine gehöriae Portion ausgereiften Könnens verfügt, sollt« trotz des crheblicheit Gewichtsnachteils den Berliner Bredow klar schlagen können. Bantonmewictstsmeister P si tz n e r- Berlin trifft aus den Belgier van Daele, Harry Stein- Berlin aus L« m a j« u r«- Belgien. Weitere vier Berliner vervollständigen das Programm, Bogel gegen Kern und Rörtemann gegen Kostrewsk! Ueber die Pflege der Leibesübungen in Berlin in der Zeit vom 1. April 1924 bis 31. Mörz 1928 unterrichtet das in den nächsten Tagen erscheinende Heft 3 Gesundheitswesen des ftadtstchen Bcrw.il- tungsberichts. Das 200 Seiten starke Heft kann zum Preise von 5,80 M.!m Buchhandel oder von der Geschäftsstelle des?lmtsb'ott.» der Stadt Berlin, Rathaus, bezogen werden. Das„Blaue Band" der Olqmpiabahn. Am nächsten Sonntag merdm aus der Olympiabahn wieder einmal die Motire kuattcru. Zum Austrag kommt ein Sttindenrcnnen um das„Blaue Band", sowie ein 2Z-Kilom«ter-Rennen, betitelt„Herbstpreis". Bisher sind folgende Fahrer verpflichtet worden: Krewer, Thollembeek, Dede- richs, Maronnier und Bauer. Zu diesen fünf Fahrern kommt noch ein sechster internationaler, so daß die Gewähr eines spannenden Rennverlauss gegeben ist. Trabrennen zu Mariendorf. Noch dem glänzenden Verlauf des Eröffnungstages nimmt die Matadorenveranstaltung am Donnerstag ihren Fortgang. Das interessante Programm.zeichnet sich wieder dcrrch starke Besetzung in allen Konkurrenzen aus. Beginn der Rennen 17 Uhr. �Vindhuudremien hinter mechanischen • Hasen Der Deutsche Windhundrennverein veranstaltet in Gemeinschaft mit der Landesgruppe Berlin-Brandeiümrg des Deut- schen Windhund-Klubs Sonntag, 7. September, 15 Uhr, aus der Grunewald-Rennbahn einen Mndhund-Renntag, auf dem die Hunde hinter dem mecharrijchen Hasen lausen. Die veranstaltenden Verein« bitten alle Berliner Windhundbesitzer, die Trainingstage zu diesem Rennen, die am 1., 3. und 5. September, 15 Uhr, auf der Grunewald-Rennbahn stattfinden, möglichst mit Hunden zu besiichen. Nennungsschluß Dienstag, 2. September, 18 Uhr, bei Herrn Herrsch«!, Charlottenburg 5, Kaiscrdamrn 9, Westend 0433. xcn»i»-z>»t Stej-fcerliit, I JJ. Monat»vers<>mml>i»«cn. Abt. kbaelotten. kurz: 8. Seplrmbcr.'20 Uhr, bei Kottkr.«»iseriu-AuzuIla.Ällce A.— Abt. Jttiekcldisboin:«. September. 20 Uhr, bei Soft, W-rneuch-ner Ecke cklbt!>»rr Slroke.— Abt. Sesttttdbrnniien:-I. September, 19'i Uhr. Sporthaus Hum. boldthai». Irbritee-Rab.«»d»easttah«'.»»«d„Solibaeität-, Ort«»«»»«»«oh.Berlt«. Aotoerabfohrer. Versammlunacn: Abt. Obeefchimenteibe: 5. September bei ffmtiierttl). Wijhelminenhofstr. 64.— Abt. Nreu.zbera: 5. September Reichen- berper Str.»1.— Abt. Norken: Z. September bei Winkelsesscr. Sparrstr.— Abt. �riedriebsbain: 4. September Strausderqer Str. Z.— Abt. llharlotten- bura: 4. September bei Reimer. Wilmcr-dorfcr Et. 21.— Abt. Lichtruberp: Z. September bei Henkel. Ober- Site ftmotoftrahe.— Am Sonntag nnbet bit Austragung der Kaumcifter statt. Ter Start da, II ist um 6 Uhr in Sr»h. Ziethen. Nach her Austragung qesckilosscner Start der Mstorsahre, nach Niebertehmc.?a,u starten che Abt. Lichtenberg: S Uhr Oder. Eck- Stmom. sirahe: Abt.«renzber«:« Uhr Srai-Ziethen. Reslaurant Bris,. Ersuche all- Abteilungsleiter, ihre Ausfahrt' am Sonntag nach«roß-giethen ,u leiten. Zecie» Znhbaloerri» z>!>««toa.Ne»Ii>lla 2«. Ingrnbmaii�ast-'n: Sihunaen »an i-ht ab bei Schreider. Reutiilln. Steinmehstr. 56, jeden 19!) Uhr. Bort können st» jngendlichc Sportler von 14 bis 48 Jahren melde». Spiel- Pia»: Sportpark Neuköstn. Blas, Rr. 6. Anschriften an Lab. I-nask-, Reu- kölln. Berthelsborser EU. 13. jttte«affcrfahree»Auswart«'. Zonnerstag, 4. September. 20 Uhr, «»encralvcrsammlung bei Eroßmann. SeosU. 17. Baukommisfion-ine Stunde seither. Sonntag, 7, Scpiember, gemetnsamc Dahlpropaganba auf den Tegeler Sewitsjern fiir die Liste). ibcnosscn, welche sich nicht an der Demonstration der Partei bcheiligen. treflen sich also drauisen im Bootshaus. 8 Uhr. Boots- Haus: Svandoner Str. 4 iTrqrll. Mitqlicdrr mcrden noch aufgenommrn. ZD»».. Nenliilln-Brih. 2. Zungmädchen., 2. �rauenabteilung: Zusammen. iiben cum„Dest der Arbeit" Mittmoch. 3., und Donnerstag. 4. Erptember. 20 Ubr, Turnhalle Britz. Ehausseestr. 137: �reitast, 5. E-Plembcr, W Uhr, Turn- ��'zmi»'Ältd«'»t»h�-"�r?».�e. B. deute. Mittwoch. 20 Uhr. Badeabend im Stadtbod Mitte. Gartenstr.«. Donnerstag. 20 Uhr, gusammentunft im .dackeschen Kos". Roienthaler Str. 4l. iScsckmstliche» nnd IZahrtenbertchtc. Kaste willkommen. Sonntag. 7. September. Propagandafahrt wr dt- Partei. Treffpunkt 9 Uhr Baumichulenweg, Planteewald. gegenüber RB.„Vorwärts. Di- Sonnaden» fahrt fällt ans.,__„, »tat« R-bere- Be reinig»,« ,913. Sitzung fireita»..,. Srpteinber. AI Uh., im Strandschloß. ObrrschSnemeidr. In der Tropen.. Jugend- und Männer. ableilung werde»»och Mitglieder aufgenommen. Anschrift: Serm. Madiack. 9!' Dt ,irts(a r U ll"Treptow. �Ireiiag. 3. September, beteiligen sich alle«artelJ. vereine mit ihren Fahnen an der Wahifnndgebung der SPD. Treffpunkt iMi Uhr Kaner-Wilnelm-PIatj. Johannisthal. Manner: Straßenanzua und schwarzer Rock. Die«MfUuiifirti von "�"»»»«««�«"«o'wäÄ'. �Mitalied-rversammIung Tounetshtfl. 4. Sepffttlbri. 30 Uhr.«ichtiges Refergt:„Unsere Stellungnahme zur Dahl". Erscheinen atzcr »Ritglieder Pflicht. Mittwoch, 3. September. Berlin. 16.03 Prof. Or. Demmler:„Deutsche Bildhauerkunst im neuen Dfeutschcn Museum". 16..»0 Kömgsbers: Berühmte Opcruzwischcuspielc. 17.40 Aktuelle Abtciluue.« 18.00 Königsberg:: durch die musikalischen Schätrc Ostpreußens". 16..50 Oeh. Res.-Rat Haus Pfundtner:„Der konservative Staatssedankc". 15.55 Arheitsmarlct. 10.00 Unterhaltunssmusik. »0.00 Oatlfried Beim: Dys("ionie-Problem. 30.. Vi..Wachtel sind bei Kroll." Alt-Berliner Hörbild von Hans Brennert. Nach den Abendmeldungen bis 0.A0; Tanjmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 5»tud.-Rat Brich bchcifflcr: Wie halte ich mein bcbalrundfunkgcral in Ordnung?' 16..VI Hamburg: Nachmittagskonzcrt. ö I7..?0 Dr. Hammelrath; Deutsche LandslraßcnJicder. l�.no Dr. Werner Deiters: Was verdient der Angesfelitc? 10.00 Spanisch fiir Anfänger. 10..V) Dr. A. Rfchhardt: Das Recht der Küntflguussbehirf"'. JO.00 Köln; Joscf-Plaut-Abcnd. Zwei Lustspiele Komödienhaus. „Oasl Konto X." Das Stück ist von Rudolf Bernauer und Rudolf Oester- reicher und führt den Untertitel«Tin Stück von Liebe und anderen unmodernen Dingen". Ob Liebe unmodern ist, oder nicht, man mag darüber denken, wie man will. Eins steht jedoch fest: In dem Stück des Herrendoppels Bernauer und Oester- reicher will etwas modern werden, das wir nicht gerne auf der Bühne sehen: Courths Mahler. Wohlgemerkt: Courths Mahler als Begriff. Menschen, triefend vor Edelmut, und andere, die merk- würdig konseroatives Zeug vor sich hinquasseln, das bei einem Teil des Publikums lebhaften Anklang findet. Unterschiede zwischen Hoch- und Niedriggeborenen werden erörtert— natürlich alles ironisch gemeint— oder wenigstens von den Schauspielern ironisch gesprochen. Aber irgendwo sitzt ein Körnchen Sympathie für die verbogene Stchkragcnmcntalität vergangener Tage, die wir so sehr lieben. Das Stück erzählt von einem jungen Rechtsanwalt und be- weist— worüber alles erstaunt ist—, daß er, obwohl Jude, dennoch ein anständiger Mensch ist. Mehr noch: Er ist Vermögens- Verwalter der Exzellcnzin von Waldhosen und ihrer Kinder Ulli lurd Kurt und zahlt der Familie, die vom Zusammenbruch ihres iiiermögcns nichts ahnt, aus eigener Tasche eine Monatsrente von lMXH) M. Weil er in die Tochter verliebt ist. Er weiß zwar, daß sie nie die Sein« werden kann, die hochgeboren« Tochter der Exzellenz von Waldhofen, und schwärmt nur aus der Dunkelheit zu ihr empor. Denn es hat ja keinen Krieg und keine Revolution gegeben. Plötzlich muß eine größere Spielschuld des Sohnes be- zahlt werden und dabei kommt die ganze Geschichte ans Tageslicht: daß kein Geld mehr da ist. Die Hochgeborenen sind verarmt, werden alles verkaufen und, o Unglück, arbeilen müssen. Aber dazu lassen es die Autoren denn doch nicht kommen. Es wäre ja auch unausdenkbar, daß die Kinder der Exzellenz von Waldhofen selbst ihr Brot verdienen müßten, wie? Was tut also Gott? Die große Hypothek, die von der verstorbenen Exzellenz ausgenommen wurde und die den Besitz so sehr belastet, erweist sich als gelöscht. Alles ist wieder da, Geld und Ehre. In den Togen der Not ist man volkstümlich geworden, und so willigt man gnädigst— wenn auch mit sichtlichem Widerstreben— in die Ehe der Tochter mit dem jungen edelmütigen Rechtsanwalt. Das Stück ist sehr gut besetzt mit Ida Wüst, Charlotte Anders, Heinz Joachim Moebis, Adolf Wo hl brück und Hans W a ß m a n n. In diesem Stück wirkt Felix Bressart wie ein erlösendes Gewitter. Er gibt den Bürovorstand Reißnagel und ist wie immer echt, erschütternd komisch und menschlich dabei. Er bringt es fertig, daß man die Mängel des Stückes vergißt, denn er erscheint immer im richtigen Moment und löst Gelächter aus, das aus tiefstem Herzen kommt. Wegen Bressart, ober nur seinetwegen, lohnt es sich die Aufführung zu sehen.' �lexanclcr von Laclicr-dliisocli. „Oas häßliche Mädchen." Theater in der Behrenstraße. Das häßliche Mädchen, um das Felix Joachimson seine Komödie herumgcschrieben Hot, ist eigentlich ein hübsches und sehr charmantes Mädchen. Aber sie weiß dos nicht, und darum merken auch die anderen zuerst nichts davon. Dos Sprichwort, Meider machen Leute" wird in diesem Spiel modern abgewandelt: die eigenen Vorstellungen und di« fremden Meinungen, sofern man sie für ausrichtig hält, machen den Menschen. Weil dos arme häßliche Mädchen de» beiden eleganten Jünglingen, die sich nur«inen mit ihr machen wollten, glaubt, daß sie bezaubernd sei, des�ifb»tdj sie es schließlich in dem eleganten Milieu ihrer Wohnung. Und dal im Theater in der Behren st raße dieses häßliche. Mädchen mit dem häßlichen Komödiennamcn Anna in Wirklichkeit L u c i e Englisch heißt, ist di« Ausführung schon gerettet, und sie wäre es selbst dann, wenn die Dialoge der Komödie weniger witzig und glänzend wären und die Hieb« der Redegesechte weniger gut säßen. Ihr Partner ist Ralph Arthur Roberts. Mit überlegener Ironie und lächelnder Würde spielt er den Diener seiner beide» eleganten Jünglinge(JohannesRiemann und HansZesch» B a l l o t), um endlich vor der Frauenlist Annas zu kapitulieren, die trotz der glänzendsten Verlockungen ihn und nur ihn zum Manna haben will. Herta Schroeter gestaltet eine eifersüchtige Ge- liebte, die sich aus einer entzückend gemalten und angezogene» Schaufensterpuppe in der Wut in eine ordinäre kleine Hexe ver» wandelt und die doch immer das Herz auf dem rechten Fleck behält. mit überwältigender Echtheit. Das Publikum unterhiett sich aus- gezeichnet bei der bis in alle Einzelheiten blitzblank funkelnden Vor- stellung, deren Regie Dr. M a r t i u Zickel führte. Trude E. Schulz. Französischer Aesuch in Verlin. Hundert Mitglieder der Ut;uc d'Etudes Gcnnaniqucs nicht nur Germanisten und Historiker, sondern auch Mediziner, Ingenieure. Rechtsanwälte, Verwccltungsbeamte, treffen am S. September unter Führung von Prof. A. Gaucher zu achttägigem Aufenthalt in Berlin ein. Bei einem Empfang im großen Festsoal von Kroll wird u. a. Staatssekretär Dr. Lammers vom preußischen Kultusministeriuin sprechen. Wie die„Deutsch-Französische Rundschau", die dos Unter- nehmen als«inen in der Linie ihrer Bestrebungen liegenden Erfolg bucht, hervorhebt, ist es das erstemal seit dem Kriege von l870, daß so zahlreiche Mitglieder eines Verbandes französischer Intellektueller die deutsche Reichshauptstadt besuchen. Wetter für Verlin: Teil- heiter, teils wolkig, ohne nennens, werte Niederschläge. Nachts wieder sehr kühl. Tagestempera- turen wenig verändert."— Für Deutschland: Nur im Nnrdosten noch einzelne Schauer, im übrigen Reiche trocken und iin Sjjdwester» heiter. �(fafchäfits'Jtnseiger* föeslrß füden-Wefien. Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezüge von Beleuch tungskörpern und sonst, elektrotechn. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, eusabeth-ufer 5-6 TELEPHON: F 1 MORITZPLATZ 978 BERLINER ELEKTRO HÜTTE.._______ JpsefWernerl Bauklempnerei Berlin O 27, Krauistr. 14 tB 65 1 Fernspr.; Alexand. 3806, nach GeschäftsschluB: Alexand. 3807| HUZI GROSSDEST I LL ATI P N Prlnzessinnenstrasse 17 Ritter- EcM Brandenburgstr. Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schlftbauerdamm IS Sä mtl. Elektromaterial SpesialltSI: Heizöfen und Bügeleisen Verkaut nur an zucclaasene Installateure Das reine Roggenbrot Echtes Kommißbrot Feronia-Brotfabrik aus der Gebräder Hagen Bcrlin-Schmargendorf.Salzbrunner Straße 18 30. Fernspr. 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