BERLIN Nonnetttag i September 1930 10 Pf. Nr. 414 B 206 4?.Zahrgang erscheint t S» l i ch auterSeillitaz«. ?uzleich Abrndausgabe de«.Vorwärtt". Bezugirrci« beide Autgaben 85 Pf.»re Woche, Z.MM. pro Monat. Redaktion und Exreditioni Berlin SWes,kindenstr.s „Ibwasfa Anzeizenorei«: Die einspaltige NonparciUeieil« 80 Pf., Retlameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärtt�Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 37530. Fernsprecher: Dönhoff ÄiNZ bi« 207 Kaiserfest mit Bomben Oer Gprengstoffbauer im Gehrock Altona, 1. Septemb«r. Di< Angeklagten Bossen und di« Eheleute Holländer sind heute zur Stelle. Als das Gericht im Saal« erscheint, fehlen noch einige andere Angeklagt� weil der vom Norden kommende Zug Verspätung haben soll. Der Beginn der Sitzung verzögert sich dadurch. Die Sitzung wird hierauf erössnct. Nicht erschienen sind die Angeklagten v. Solomon, Hamkens und W« s ch k e. D'e Staatsanwaltschost hat an ihrer Gegenwart kein besonderes Interesse, woraus das Gericht beschließt, in ihrer Abwesenheit zu oerhandeln. Staatsanwalt Dr. E i ch h o l z teilt mit, daß nach Abschluß der Ermittlungen wegen der von Bolck im Auftrage der Landvolkbewe- gung abgeschlossenen Waffenkäufe die Berliner Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Hochver- ä at s nicht befürworten konnte. Hierauf wird der Zeug« Dr. M o s u r nochmals in den Saal oerufen, um bezüglich der Aussagen der heule erschienenen� Ange- s.ogten Bossen und Holländer befragt zu werden. Bossen hat sich anfangs auf fein Zeugnisverweigerungsrecht gestützt, aber später doch alles erzählt, was er wußte. Er habe Bolck, der bei ihm Aufent- stalt genommen hatte, die in Carlumield an der dänischen Grenze unsofsigcn Eheleute Holländer zur Beschaisung eines sicheren Verstecks für die Sprengstoss« empfohlen. Holländer soll über die Ver? «cndung des ihm anvertrauten Materials nichts gewußt haben. Er ist eiy ganz einfacher, schlichter Mensch, und man hat ihm gesagt, es handele sich um den Schutz des Landvolkes gegen die aus den Städten kommenden Kommunisten, die den Bauer von seiner ererbten Scholl« vertreiben wollten. Als er von den Attentaten erfuhr, schöpfte er Verdacht und lebt« in. ständiger Angst. Er hat vor den Führern der Landvolkbewegung den allergrößten Respekt gehabt und sich durch ihr Vertrauen besonders geehrt gefühlt. Deshalb hat er auch an dem Tage, als man ihm den Sprengstoss aus den hos brachte. am 27. Zanuar 1929, eine Saisergeburt-lagsseier veranstaltet, gu der er seinen Gehrock anzog und seine Kriegsauszeichnungen an- legte. Holländer war an diesem Tag« so seierlich zu Mute, daß er von ihm selbst verfaßte Gedichte deklamierte und zu Gott betete, er möge dem deutschen Volk« bald einen Retter senden. Frau Holländer hat gesagt, es stehe ihr als Frau nicht an, ihrem Manne zu wider- reden. Sie wird vom Vorsitzenden noch einmal gefragt, ob sie heute bereit sei, sich zur Sache zu äußern. Sie schüttelt aber nur leicht den Kopf und verharrt weiter in Schweigen. Hierauf werden die für gestern vorgesehenen Zeugen und Sachverständigen in den Saal gerufen und auf di« Eides- pflicht sowie die für die Verletzung derselben angedrohten Strafen hingewiesen. R.-A. Luctgebrune lehnt den Sachverständigen Kracht wegen Besorgnis der Befangenheit ab, weil er einer Log« angehört, die von den Angeklagten aufs schärfste bekämpst wird. Aditong, Verbredier! Liste ttommunisilsdier Gröben Je näher di« Wahl rückt, desto tobsüchtiger gebärdet man sich im Karl-Liebknecht-Haus. Heut« bekommt es die„Rote Fahne" fertig,«ine plump-v erzerrt« Karikatur des Genossen Wissel! zu bringen, unter der in etwa drei Zentimeter hohen Lettern ge- druckten Zeile:„Achtung, ein Verbrecher!" In der Um- schristung ist dann einiges über die Ministerschaft Wissells zusammen- gelogen, worauf dann der Text noch einmal mit den Worten schließt: „Gebt am 11. September diesem Verbrecher die richtige Antwort!" Diese bodenlose Gemeinheit, die nicht mehr zu übertreffen ist, veranlaßt uns denck doch einmal festzustellen, wo die wirklichen Verbrecher zu Hause sind. In Köln haben di« Kommunisten den wegen Eigentums- vergehen mit zweieinhalb Jahren Gesängnis vorheftrasten Georg Sattler als Reichstogskandidolen aufgestellt. * Im„Echo des Ostens", dem kommunistischen Organ für Ost- preußen, hat ein zehnmal wegen Betrug«», Dieb. stohls und Urkundenfälschung vorb« st rasier Mensch, namens Georg Dörfom, einen großen Aufruf ver- öfsentlichen dürfen, in dem er„alle anständigen Arbeiter" auf- fordert, der„Berroierpartei", der Sozialdemokratie, den Rücken zu kehren und sich der KPD. anzuschließen. * Der von den Komimmrften als Held und Märtyoer gcheiert« I für tafen Beguodignn, feie gwHi—wlk» 1 die Fememörder amnestieren wollten, ist in Wirklichkeit ein sünszehn- mal wegen der schwersten Eigentumsdelikte vorbestrafter gewerbsmäßiger Einbrecher. Er hat bis zur Revolution über zwanzig Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern gesessen. Seine höchste Einzelstrase betrug zehn Jahre Zuchthau» wegen zwölffachen bewassneten Ein- bruchdlebstahl» im Rückfalle. Seine„revolutionären Taten" be- standen darin, daß er bei drei Gelegenheiten, um seinen Rachel instinkten zu frönen, Polizisten niederknallte. « Der von den Kommunisten mit ungeheurem Pomp als politischer Märtyrer beerdigte Kobitsch-Mcyer war ebenfalls ein ganz gewöhnlicher Einbrecher. Seine Zuchthausstrafe hatte er Die lebendige Bewegung ■s-w .Meint der Kerl etwa mich?" erhalten, weil er in einen Konsumverein, eine Bäckerei und ein Sthuhwarengeschäst eingebrochen war, wobei er einmal einen ihn überraschenden Nachtwächter durch Revolverschüssen schwer verletzt. ein andermal einen wachbeamten ebenfalls durch Revolverschuß ge- lötet hat. * In Erkenschwick hoben die Kommunisten ihren sechzehnmal vorbestraften Parteigenossen weinert zum Gemeindevorsteher wählen lassen. Als dieser Wahl wegen der Vorstrafen Weinerts die Bestätigung versagt wurde, verkausle dieser Edelkommunist seine Stimme gegen Zahlung von 700 Rl. an da» Zentrum, wodurch trotz vorhandener Arbeitermehrheit«in Zentrumsmann namens Höppe Gemeindevorsteher wurde. Weinert erhielt wegen Stimmenverkaufs zwei Monate Gefängnis. Der Rundfuntentführer S ch e r I i n s t y, der Kampfgenosse des kommunistischen Abgeordneten Schulz-Neutölln, selber Führer einer Abteilung des Roten Frontkämpferbundes, ist sechsmal wegen Eigentumsdelikts, darunter wegen schweren Einbruchdiebstahl» im Rückfall mit mehreren Jahren Zuchthau» vor- besttast. Desgleichen sind der Rotfrontkämpferführer„A l i" Höh- l e r, der den Nationalsozialisten Horst Wessel erschoß, und sein Kundgebung imSportpalatt Die Berliner Sozialdemokratie veranstaltet am Sonntag, dem 7. September, vormittagslOUhr, eine große Wählerkundgebung im Sportpalast PROaRAMM Fahnen« neug der Sportler und der Sozialistischen Arbeiterjugend Chöre des Deutschen Arbeitersänger-Bundes. Dirigent: Georg Oskar Schumann Sturm.......... Uthmann Das hellige Feuer..... Uthmann Ansprachen der Genossen: S Aufhäuser, A. Crispien, Gertrud Hanna. F. Künstler, E. Lübbe, O. Ortmann Chöre: Brüder zur Sonne...... Schetchcn Gemeinsamer Gesang: Die Internationale Genossen, sorgt für Massenbesuch! Der Bezirksvorstand Komplize„P i p e l", wie schon ihre Spitznamen sagen, typische Mit- glieder der Berliner Unterwelt, vielfach vorbestrafte Ber- brecher. Nach ihrer Tat wurden die beiden von kommunistischen Kreisen ossiziell unterstützt und fanden in den Villen der Inseraten- atquisiteure der„Welt am Abend" wochenlang gastliche Ausnahme. » • Als die mehrfachen Raubmörder Gebrüder Heidgcr in Köln, um sich der Festnahme zu entziehen, fünf Menschen totschössen, darunter zwei Passanten, da wurden sie in der„Roten Fahne" und in der„Welt am Abend" als..Rheinische Rebellen" und instinktive klassenkämpser gefeiert, die nur in der Wahl der Mittel geirrt hätten! » Ebenso wurde der mehrfache Raubmörder und Postrüuder Hein von der Kommunistenpresse als„ganzer Kerl" gepriesen, in dem„die proletarische Revolution lebendig sei". Diese Liste im Augenblick, ohne jeden Anspruch aus Bollständig- keit, zur Charakteristik der Partei, die schamlos genug ist. im Dienste der Arbeiterbewegung ergraute Arbeiterführer als Verbrecher zu bezeichnen!» Parteitag ohne Politik! Wie Bethlen die Sozialöemokratik bekämpst. Budapest, 4. September.(TU.) Dem am 7. September beginnenden Parteitag der Sozialdemokraten sieht man mit großem Interesse entgegen. Aus Grund eines Polizeiverbots dürfen politische Fragen aus dein Parteitag nicht behandelt werden. Eine große Anzahl von Polizist«» und Detektiven wird während des Kongresses anwesend lein, um die Einhaltung des Verbots zu überwachen. Die Sozialdemokraten können sich daher aus ihrem Parteitag nur mit Parteiange- legenheiten und Wirlschastssragen beschäftigen. Für die von den Sozialdemokraten beschlossene große Volksversammlung ist bis jetzt noch keine Genehmigung der Polizei beantragt worden. Die Genehmigung dürste nicht erteilt werden. Omnibus-Kaffe beraubt. Maskierte Banditen rauben 5000 Mark. Kassel, 4. September. Anläßlich des Zeppclinb«fuches am Mittwoch hatten die Kasseler Vertehrsunternehmungen natürlich sehr erheblich« Einnahmen. Diese Tatsache mag der Anreiz dafür g.'wescn sein, daß nachts um 1 Uhr maskierte Männer in die Geschäftsräunie der Kasseler Omnibusgeselljchaft eindrangen, wo B«amte mit der Abrechnung beschäftigt waren. Es gelang ihnen unter Bedrohung der Beamten, einen Betrag von öOOÜ Mark zu rauben und zu entkommen. Tornado rast. Eturmkatastrophe über Haiti.— Hauptstadt zerstört? New Park, 4. September. sEigenbeeichl.) Santo Domingo aus Haiti ist von einer Sturmkalastrophe heimgesucht'worden. Sämtliche Verbindungen mit der Inselgruppe sind durch de« mit einer Stundengeschwindigkeit von lZo Meile» herannahenden Sturm unterbrochen. Die letzten Rachrichten vor der Zerstörung der Telegrophenteitungen melden große Häuserschäden und umfangreiche Vorkehrungen der verängstigten Bevölkerung. In späteren Berichten, die noch unbestätigt sind, wird behauptet, daß die Hauptstadt soft völlig zerstört sei. Der Verlust zahlreicher Menschenleben wird befürchtet. Exkronprinz verhöhnt Arbeitslose. Warum sein Arbeitswille beeinträchtigt ist. Der Exkronprinz hat es sür taktvoll gehalten, in Wien ein Interview über die kommenden Wahlen zu geben. Wir greifen einen Satz heraus. Der Schloßherr und Besitzer des 30 000 Morgen großen Lehnsgutes von Oels erklärte: Dringend reformbedürftig sei das Problem der Arbeits- iosenfürsorge. Sie müsse ihres Charakters als Rene oder Pension entkleidet werden, da sie so den Arbeitswillen be- einträchtige. Endlich wird einem klar, warum der Arbeitswille der mit acht- stelligen Ziffern abgefundenen Hohen zollern so außer- ordeutlich beeinträchtigt ist! Zungds prügelt Reichsbanner. Zn einer auch-republikanifchen Staatspartei-Versammlung t In einer Versammlung der sogenannten„Deutschen Staats- Partei" in den Kammersälen, Teltower Straße, kam es in den «pätabendstundcn des Mittwoch zu einer schweren Schlägerei. Die Versammlung, in der u. a. Dr. Bruno Weil und der Iungdeutsche Helmers sprachen, war ungefähr zur Hälste von politischen Gegnern gefüllt, die aber, von gelegentlichen Zwischenrufen ab- gesehen, die Redner ruhig aussprechen ließen. Als kurz nach Hl 2 Uhr die Versammlung, entgegen den Erwartungen ohne Dis- kussian geschlossen war, bildete sich ein Sprcchchor junger Sozial- demokraten, der aufforderte, am Ii. September Sozialdemokraten zu wählen. Als die jugendlichen Sozialisien, dis zum größten Teil auch als Mitglieder des Reichsbanners kenntlich waren, beim Hinausgehen aus der bereits geschlossenen Versammlung gar ein Kampflied anstimmten, fiel der„Saalschutz" des Iungdeutschen Ordens von hinten über sie her. Es kam zu einer heftigen, Minuten- langen Prügelei, bei der auch von Stühlen und Gläsern Gebrauch gemacht wurde. Einer der Reichsbannerleut« wurde von einem Jungdomann die Treppe hinabgestoßen. Die Polizei, die zur Hilfe erschien, wurde von Iungdoleuten gleichfalls bedroht. Sie zerstreute schließlich die Ansammlungen, die sich daraufhin vor dem Bersamm- lungslokal bildeten, und machte in einem Fall auch vom Gummi- knüppel Gebrauch.,« Der Vorfall hätte sich vermeide» lassen, wenn der Saalschutz des Jungdeutschen Ordens Selbstdisziplin gehabt hätte. Bis vor kurzem haben Reichsbannerleute de» Demokraten Saalschutz gestellt und dabei manches Opfer gebracht. Jetzt werden sie von den neuen Verbündeten der Demokraten bei einer öffentlichen Wahloersamm- lung überfallen und geprügelt. Di« Folge muß sein, daß in Zu- t�unft Sozialdeinokraten die Versa nrmlungen der Staatspartei meiden. Wir haben keinen Anlaß, den Jungdo in 5)eld«npose zu sehen. Wilhelm als privaikläger. Kin Presseprozeß eigener Art. Ain Freitag, dem 5. September, findet vor dem Amtsgericht Berlin-Mittc unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Bues die Haupiverhandlung über die vom früheren Kaiser gegen den Ehefredakteur Mendel angestrengte Beleidigungsklage stall. Die„Morgenpost" hatte in einem Artikel behauptet, der Kaiser habe«in starkes finanzielles Interesse an den Kruppwerken besessen. Deshalb sei er auch nicht dagegen eingeschritten, daß Krupp schlechtes Artilleriemateria,! lieferte. Demgemäß habe sich der Kaiser also nicht nur an Krupp bereichert, sondern darüber hinaus auch den Tod vieler Taufende von deutschen Soldaten verschuldet, weil das deutsch« Heer mit einem minderwertigen Geschütz ins Feld ge.zogen sei. Die„Mocgenpost" verband diese Behauptung mit dem Beinerken, das Verhalten. des Kaisers müsse als der„furchtbarste Skandal der Weltgeschichte" an- g«s«hen werden. Der«hemalige Kaiser stellte daraufhin bei der Staatsanwalsicha't Berlin Strafantrag wegen Beleidigung. Von feinem Vertreter Oberst a. D. von Kleist wurde dabei ausdrücklich betont, daß Wilhelm die zahlreichen Beleidigungen seiner Person bisher nicht gerichtlich verfolgt habe, in diesem Fall« aber aus seiner Zurückhaltung heraus- zutreten beabsichtige, da durch die Behauptung ,der„Morzenpost" nicht nur er selbst, sondern auch überaus verdiente Angehörige der alten Armee beleidigt worden sein. Im Dezember INS lehnte Oberstaatsanwalt Köhler die Erhebung einer An- k l a g e a b, da der ehemalige Kaiser keine Person des öffentlichen Interesses fei. Darauf erhobt der Rechtsvertreter die Privatklage wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Der Sühnetermin führte zu keinem Ergebnis, da sich Mendel daraus beschränkte, die Generalvollmacht des Oberst a. D. von Kleist anzuzweifeln und den ihm vorgelegten Widerruf abzulehnen. Nach Lage der Dinge wird Mendel nun den W a h r h e i t s- beweis für seine Behauptung antreten. Er wird im Haupttermin durch Iustizrat Mamroth-Breslau vertreten. Der Kaiser hat als sach- verständige Zeugen die Generalleutnants a. D. Muther, Moewes, Freiherr von Watter, den Vizeadmiral a. D. Rogge und den General- major a. D. Rehfeldt gestellt. Kube rufi nach Polizei... ... zum Schuh gegen Nationalsozialisten! Am Sonntag mußte die Berliner Polizei eingreisen, um Herrn Goebbels und sein Gaubüro vor der Wut der meuternden Prätorian«rgarde zu beschützen. Daß Nationalsozialisten den Schutz der sonst von ihnen so verlästerten Polizei gegen eigene Partei- genossen anrufen, ist keineswegs ohne Vorgang. Im September 192(5 erhielt der Berliner Polizeipräsident Genosse Grzesinski folgenden Brief des damals deutfchvölkifchcn Abgeordneten Wilhelm Kube: Reichstagsabgeordneter. Berlin, den 13. September INS. An den Herrn Polizeipräsidenten der Sladl Berlin. Seit mehreren Wochen werden, wahrscheinlich aus Anweisung der Gauleitung Bertin der Rationalsoziali st i- schen Deutschen Arbei.t erpartei. von halbreifen I u n g e n s mit dem nalionalsozialistlschen Abzeichen, deutschvölkische Versammlungen zu sprengen oersucht. Am Freitag, dem 12. September, fanden sich etwa ZOO. junge Leute der Rationalsoziali st ischen Deutschen Arbeiter- Partei ein, die schon beim Eröffnungsbericht des Versammlungsleiter» mit ihrem Gejohle die Versammlung störten. Immer wieder sehte verabredetes Gebrülle ein. Ich ersuche um ein kriminalpolizeiliches Ermittln ngs- verfahren gegenüber der Ganleitung Berlin der Rational- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Mit vorzüglicher Hochachtung Wilhelm kube, Abgeordneier. Inzwischen ist Herr Kube selber einer der Hauplkrakehler der Nationalsozialisten geworden Es ist interessant, wi«. er seine heutigen Bundeebrüder damals einschätzt«, als er noch, um eine Nuance van ihnen gelrennt, sich als Dcutichvölkijcher ihrer Flegel- haftigkcit nicht erwehren konnie. Er Hai es auch nicht versäumr, zu ieinm Schutze den sozialdemokratischen Pol-.zeipräsidenten Grzesinski perlöit! ich anzuruien. denselben Grzesinski, den jetzt ein National- sozial:-? Löpelmann unter johlendem Beifall der Kube und Genossen als„Judenbaftard" und„lächerlichen Bonzen" vefchi�ipft. Dreifach beförderl. Der Prinz von Wales ist zum General- ltiitvant. Vizeadmiral und Marschall der Luststreitkräfte ernannt worden. WM ihr LlebefsüNie Wahlkundgebung in p, Auch die Pankower Sozialdemokraten zeigen, daß sie aus dem postm sind, um für die Sozialdemokrolie zu werben. Die Partei halte zu einer Versammlung In Linder's konzerihaus am Marktplatz gerufen, und der Saal war so überfüllt, daß auf polizeiliche Anord- nnng hin keinem mehr Zuirilk gewährt werden konnte. Reichstagsabgeortrneter Siegfried Anfhäuser referierte. Zum Mittelpunkt seines Vortrages machte er die sozialreaktionärc Ein- stellung des Kabinetts Brüning„Es ist nicht wahr, daß der Reichs- tag versagte. Durch die Haltung der Sozialdemokratie fand sich keine Mehrheit, die den reaktionären Plänen der Regierung Vrüning folgte. Hätte die Regierung Brüning nach demokratischen Grundsätzen gehandelt, hätte sie nicht zum Artikel 48 der Reichs- verfassung gegriffen, dann wäre der Platz frei gewesen für eine andere Regierung. Abbau der Arbeitslosenversicherung, Betrug an den Kriegsbeschädigten, Verminderung des Sozialetats Verschlechte- rung der Krankenversicherung, Raub an der Wochenbcihilfe, Sonder- geletz gegen dt« Konsumvereine und als schlimmstes sie Kopfsteuer: das ist dis Arbeit des Bürgerblocks. Die Sozialdemokratie wollte die Arveilsloscn nicht ins Elend stürzen, deshalb wird sie heule für schuldig am Sturz des Kabinetts Müller erklärt. Aufhäuser führte weiter aus:„Reichsarbeitsminister Stegerwald erklärt, daß 12 Millionen Menschen vom Staate leben. Dos ist falsch. Die Zahl ist viel zu hoch gegriffen. Wer gibt und'wer nimmt? 23 Millionen schassende Menschen erzeugen die Wert« Die bürgerlichen Parteien stehen gegen die Arbeit. Denken wir nur an die Kapitalaiishunguung der Kommunen durch den früheren Rcichsbank- Präsidenten Dr. Schacht. Das Bürgertnm will die ffl.'winne der einzelnen immer größer machen und gewisse Produktionsmhaber bereichern. Die Regierung Brüning ist den Syndikaten und Kartellen in Wirklichkeit nicht zu Leibe gegangen, wie es der Reichsfinanz- minister Dietrich versprochen hat. Ihr« Zollpolitik leitet eine Boykottbewegung ausländischer Abnehmer deutscher Waren ein. Wir sind für vernünftigen Warenaustausch mit dem Ausland. Das wäre eine wirklich nationale Wirtschaftspolitik. politischer Mord in Köln. Nazi erschießt einen Kommuniflen. Köln, 4. September.(Eigenbericht.) Am Dannerstagmorgen gegen ö Uhr wurde vor seinem Wohnhause der 28jährige Maurer Klaßen erschossen aus- gefunden. Er hatte sich mit einem in seinem Haus« wohnenden Nationalsozialisten, mit dem er seit längerer Zeit wegen politischer Meinungsverschiedenheiten im Streite liegt, vor der Haustür gc- troffen. Es besteht der dringende Verdacht, daß der Nationalsozialist den Maurer, der der Kommunistischen Partei angehört, erschossen hat. Der vermutliche Täter wurde festgenommen. U-Äool hebt Flugzeug. Eine geglückte Rettung in Toulon. ' Paris. 4. September. Die französische Militärfliegerci wurde am Mittwoch wiederum von zwei Unfällen betroffen, die glücklicherweise kein Menschenleben forderten. Das erste Unglück ereignete sich unweit von Bordeaux, wo ein Marineslugzeug mir zwei Mann Besatzung infolge Motor- schaden? ins Meer stürzte und zertrümmert wurde. Trotz des harten Aufschlages verloren die Insassen die Besinnung nicht, sondern konnten schwimmend das Ufer erreichen. Bei dem zweiten Uniall handelte es sich ebenfalls um ein Marineflugzeug, das über dem Hafen von Toulon abstürzte. Ein Unterseeboot, das sich zufällig in der Näh« befand, benachrichtigte sofort die Rettungsstation des Hafens, die ein Rettungsboot entsandt«, das die Insasien der Maschine aufnahm. Dos Flugzeug begann inzwiichcn langsam zu sinken Der Kommandant des llnierfeeboote», der auch den Apparat bergen wollte, ließ tauchen und trieb fem Bort unter das Flugzeug, stieg dann wieder auf und brachte das Flugzeug auf diese Art in den Hafen. Diktatur? lnkow- Die Massen stehen zu uns? Sollten Znleresfentengruppen durchaus die Diklotur wollen, dann ist die deutsche Arbeitnehmerschaft stark genug, zv be- stimmen, wer die Diktatur ausübt.(Stürmische Zustimmung.) Denen, die den Voltsstaat zerschlagen wollen, treten wir mit allen Mitteln entgegen. Sozialismus auf dem Wege über die Demokratie ist die R e t t u n g. Sammeln wir uns und sammeln wir die Mil- lionen der Schaffenden um das rote Bamui der Sozialdemokratie! Rur eine Liste darf unsere Stimme bekommen: die Liste 1, die Liste der Sozialdemokratie!" Unsere Arbcitersänger vom Verein„Vorwärts" umrahmten die glänzende Kundgebung durch den Bortrag des„Sturni" von Uthmann und des atten Kampfliedes„Dem Lenz entgegen". Mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale wurde die Bersamm- lung geschlossen. Das Llnrecht der Kopfsteuer. In der Schulaula Wiebestraße, Charlollenburg, sprach Land- lagsabgeordneter Genosse Otto Meier vor einer zahlreichen Zu- Hörerschaft. Er kritisierte besonders das S t e u e r f y ft e m der Befitzbürgerblockregicrung, die mit Massensteuern das Volk belastet und dafür das Kapital schont. Die Sozialdemokratie richtet sich gegen ungerechte Massensteuern, aber entsprechende Anträge, sie durch andere Steuern zu ersetzen, scheiterten am vereinten Wider- stand der bürgerlichen Parteien. Von den Sozialdemokraten wurden Sanierungsoorschläge zum Etat gemacht, u. a. sollten bei den hohen Einkommen von über 80tX) M.«in Steuerzuschlag von 10 Proz. er- hoben werden. Das wurde abgelehnt, dafür erhebt die Brüning- Regierung einen Zuschlag von fünf Prozent, den sie aber bei allen einkassiert. Die Kopfsteuer, eine der größten steuerlichen Un- gerechligkeiten, hat man in schonendster Weise für die hohen Ein- kommen nach oben gestaffelt. Während man so die Einnahmen des Reiches in ungerechtester Weife zu steigern versucht, will man die Ausgaben durch Drosselung der Sozialleistungen verringen. Die Sozialdemokratie ruft die Massen auf zum Kampf gegen diese Regierung. * Unter großer Beteiligung demonstrierten die Sozialdemokraten in Treptow gegen Sozialreaktion und Diktatur, für Sozialpolitik und Demokratie. In der anschließend im Diktoriagarten, Treptow, Am Treptower Park, stattfindenden überfüllten Wählerversammlung sprach der Rcichstogsabgeordnete Dr. Julius Moses. In packenden Worten schilderte er in seinem vortrefflichen Referat die Schandtaten des Bürgerbl�cks und rechnete mit unseren Gegnern, vor allem den Nationalsozialisten und Nationalkommunisten, sowie mit allen Spieß- bürgern scharf ab. Ganz besonders wandte sich Genosse Moses an die in der Mehrzahl vorhandenen Wählerinnen, die ja als Haus- frauen bei ihren Einkäufen einen wichtigen Faktor im Wirtschasts- leben darstellen. Es gilt, diese Macht zu erkennen und danach am 14. September zu handeln. Der werdend« Volksstaat braucht denkende Menschen. Bor allem an den Frauen liegt es, den neuen Reichstag arbeitsfähiger als den verflossenen zu gestalten, darum wählt Sozialdemokraten List« 1! Auch die Fürsorger für die sozialdemokratische Liste. Frouensekretariat und Bezirksverband der A r b e i ter w o hl» fahrt hatten gemeinsam die Fürsorger zu einer Aussprach« über dos Thema„Bürgerblock und Sozialrcaktion" eingeladen. Klarheit über die wirklichen Absichten des Bürgerbwcks gerade in einem Kreise derjenigen zu schassen, die das Massenelend tagtäglich in den Wohlfahrtsämtern mitansehen müssen, war eine dringende Not- wendigkeit. Und so kam es der Genossin K u r g a ß in ihren�Aus- führungen auch hauptsächlich darauf an, das Prinzip der Bürger- blockpolitik: den Rechtsanspruch der Besitzlosen auf Unterstützung zu schmälern, herauszustellen. Sie sah davon ab jede einzelne Ver» schlechterung aus sozialpolitischem Gebiet darzulegen, sondern zeigte, daß jede kleinste Errungenschast verteidigt werden muß, soll nicht das ganze Gebäude unserer Sozialoersicherung ins Wanken geraten. Die schwache Finanzlage der Kommunen wird den neuen Aufgaben Im Rahmen der Fürsorgepflichtverordnung kaum gewachsen sein. Es gilt, am 14. September den Generalangriff des Bürgerblocks auf die Sozialversicherung entscheidend zu schlagen. Keine An- strengung, um der Sozialdemokratie zum Siege zti verhelfen, wird vergebens fein. Wer noch einen Funken von sozialem Verant- wortungsgefühl besitzt, weih, wem er seine Stimme zu geben hat: der L i st e II Die Hehe der Zenirumspreffe. Ugenfabrik gegen die Sozialdemokratie. Ein neues Beispiel daiür, mit weich verwerflichen Mitteln die Zentrumspresse gegen die Sozialdemokratie hetzt, liefert die„Rheinisch« Zeitung" in ihrer Dienstag-Ansgabe. Danach verbreitet die Zentrumspresse folgendes angebliche Zitat aus der „Rheintichen Zeitung": „Wir wissen ganz genau, daß, wenn sich die wirischafllichen Verhältnisse der Arbeiter bessern, der revolutionäre Geist verloren gehl und dieselben sür ideelle Zwecke sehr schwer zu haben sind. Ilm diesen Kampfgeist zu erhallen, müssen wir Forderungen an die Gesellschast stellen, von denen wir überzeugt sind, daß sie nicht zu erfüllen sind." Die, Rheinische Zeitung" bemerkt dazu:„Jawohl: dos stand in unserem Blatte. Am 2S. März 1921. In ihrer unersorschlichen Ausfassung von Wahrheitsliebe unterschlägt die Zentrumspresse nur die Kleinigkeit, daß es sich um eine Rede des k o m m u- nisi ischen Ge we r k! cha f l« r s Oberdörster I)ande!t. Wir haben heftig g.sgen diese Auslassung polemisiert und sie ein Ver- brechen genannt. Trotzdem dies« Fälschung!" Irrsinniger springt vom Dach. Ein ausregender Borsall spielte sich heute vormittag im Hause Ztübbenftraße 7 ab In einem Irrsinnsanfall hatte sich der 27jährige Journalist Wladislaus S z i l k g y s auf das Dach des Hauses begeben, wo er, nyr notdürftig bekleidet, ans der Dachrinne hin und her balancierte. Die Feiiermehr. die alartniert worden war, breitete mehrere Sprungtücher aus, da jeden Augenblick be- sürchle: werden mußte, daß S. hinunterstürzen würde. Mehrere Feuerwehrleute begaben sich dann auf das Dach hinaus, um den Kranken von seinen Vorhaben abzubringen. Kaum halten die Wehrleute zedoch das Dach betreten, als der Irrsinnige in die T i e f e s p r a ii g. Er wurde von dem Sprungtuch aufgesongen und mit geringen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die Notverordnung gegen Kranke Die verhängnisvollen Auswirkungen der neuen Verficherungsbestimmungen Von Helmut Lehmann, Vorsitzender des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen Die auf Eruick des Artikel 48 der Reichsoerfasfung erzwungenen Aenderungen in der Krankenversicherung spielen im Wahlkampf eine erhebliche Rolle. Die Sozialdemokratie hat diese Sparmaß- nahmen bekämpft, nicht weil, sondern w i e gespart werden ioll. Sie bekämpft die unsozialen Folgen dicfer Sparmaßnahmen, die sich als Beschränkung der Krankenfürsorge und als Gefährdung der Gesundheitsfürsorge auswirken. Die sozial bedauerlichste Einschränkung liegt in der verschärsten Heranziehung der Versicherlen zu den kosten der Krankenpflege. In den Notzeiten der Jahr« 1923/24 war bereits unter dem Reichs- orbeitsmmister Dr. Brauns vom Zentrum diese Kostenbeteiligung eingeführt worden. Die Versicherten mußten 19 Proz. der Arzneikosten tragen; außer den, waren die Kassen berechtigt, eine Kranken- scheingebühr von 19 Pf. zu erheben. Die Notverordnung bringt seht die Verpflichtung für die Versicherten, Arznei und Heilmittel j e l b st zu zahlen, lvenn sie n i ch t in e h r als 5 9 P f. kosten. Ist der Preis höher, so hat der Versicherte einen Beitrag von 59 Pf. zu zahlen. Werden auf einein Rezept mehrere Mittel verordnet, so hat der Versicherte insgesamt nur 59 Ps. zu zahlen. Außevdein legt aber die Notverordnung dern Versicherten die Verpflichtung auf, für die Inanspruchnahme ärztlicher(auch zahn- ärztlicher) Behandlung einen Krankenschein zu lösen, der mit einer Gebühr von 59 Pf. belastet ist. Es steht also nicht mehr wie bisher im Belieben der Krankenkasse, ob sie dies« Gebühr erheben will. Die Satzung kann aber die Gebühr für Versicherte mit einem Grundlohn von nichtmehrals4M. bis auf die Hälfte ermäßigen. Da die Erhebung der Krankenschcingebühr aber erheb- liche Verrvaltungsschwierigkeiten macht, wollen die meisten Kassen es zunächst bei einer einheitlichen Gebichr von 59 Pf. belassen. Die Satzung kann ferner bei gleichzeitiger und gleichartiger Erkrankung mehrerer Familienmitglieder die Gebühr für den ein- zelnen Krankenschein auf 25 Pf. ermäßigen. Wichtig ist vor allem, daß die I Krankenscheingebühr nur einmal zu entrichten ist, solange die Notwendigkest der Heilbehandlung fortbesteht. Di« Behandlungsschcine der Krankenkassen haben aus verwal- tungstechnischen Gründen nur eine beschränkt« Gültigkeitsdauer. In Berlin z. B. beträgt die Gültigkeitsdauer einen Monat. Besteht die Notwendigkeit der Heilbehandlung wegen des gleichen Leidens auch nach Ablauf dieser Zeit, so erhält der Erkrankte einen neuen Be- handlungsschem gegen«ine entsprechende Bescheinigung des behan- dslnden Arztes, ohne die Gebühr entrichten zu müssen. Besteht nun die Gefahr, daß durch die Verweigerung eines Krankenscheines, wenn die Gebühr nicht bezahlt wird, ein Kranker ohne ärztliche Behandlung bleibt? Hierzu hat der Reichsarbeitsminister bestimmt, daß die Vorschrist über die Krankenschemgebühr p keine voraussehuog für die Gewährung der Krankenhilfe begründet. Wenn der Krank« die Gebühr aus zwingenden Gründen schuldig bkeibt, so ist die Kasse allerdings v-r- pflichtet, diesen Beitrog nachträglich einzuziehen In vielen Fällen wird die Kasse wahrscheinlich den Beitrag nicht erlangen können. Mit dem Gedanken der Vorbeugung ist die Krankenschein, gebühr unvereinbar, denn die Inanspruchnahme des ärzt- lichen Rates zu diesem Zweck« wird in vielen Fällen nicht erfolgen. um«inen Krankhsitszustand zu beheben. Sehr wichtig ist dieser i Gesichtspunkt z B. bei der Zahnpflege. Es ist zu befürchten. daß sehr viele Versicherte wegen der Krankenschemgebühr diesen Teil> der Gesundheitsfürsorge vernachlässigen. Auch auf vielen anderen, Gebieten ist die rechtzeitige Inanspruchnahme des Arztes nicht nur«ine Pslicht des von Krankheit Betroffenen gegen sich selbst, sondern mich eine Pflicht gegen die Gesamtheit. Deswegen müsse« Jonbf gebildet werden, aus denen die Krankenscheiu- gebühr bezahlt wird. wenn sonst gesundheitliche Gefahren entstehen. Im übrigen aber können die Krankenkassen Härten dadurch vermeiden, daß sie den Krankenschein auch ohne Bezahlung der Gebühr verabfolgen, wenn die Zahlung nach gewissenhafter Prüfung im Augenblick und auch bei kurzfristiger Stundung über die Kräfte des versicherten hinausgeht. Der Reichsarbeitsm, nister hat diese Ausnahme bereite für die Durchführung des Arzneikostenanteils als zulässig an- erkannt. Die Arzneikostenbeteiligung wirkt noch härter, da dieser .Kostenbeitrag bei jeder Verordnung zu zahlen ist. Der Apotheker wäre an sich berechtigt, die Abgabe der Arznei zu v«r- weigern, wenn der Kranke nicht.zahlt. Die Apotheker haben sich aber mit Recht geweigert, die Verantwortung aus den daraus entstehenden Folgen zu übernehmen. Insolgedessen haben die Tpitzenverbände der Apotheker und der Krankenkassen folgendes vereinbart:„Ost der Beitrag von dem Versicherten nicht zu erlangen, so wird die Kasse den vollen Kostenbeitrag der Verordnung zahlen, wenn es sich um nachts ausgestellte Verordnungen handelt, oder wenn aus der Verordnung unzweideutig zu erkennen ist, daß die Nichtanwendung des verordneten Mittels das Leben des Kranken ernstlich bedroht, oder wenn die Zahlung nach gewisienhafter Prüfung durch den Apo- theker im Augenblick und auch nach kurzfristiger Stundung über die Kräfte des Versicherlei, hinausgeht." Der Ve, sicherte schuldet den Kostenbeitrag dann der Kasse, die ihn von dem Versicherten ebenso einzieht wie die Krankenscheingebühr. Etwas airders liegt die Sache bei den Arznei�,, die für Familienangehörige vom Kallenarzt verordnet werden Die ärztlichc Dehairdlung ist für nicht selbstversicherte Ehegatten und Kinder Pflichtlei st ung geworden, doch ist auch hier die Krankenscheingebühr zu entrichten Von den Kosten für Arznei und kleiner« Heilmittel erstattet die Kasse die Hälfte. Di« Satzung kann dies« Erstattung bi» aus 70 Proz. der Kosten erhöh en und die Gewährung von Kranken- hauspflege, vou Hilfsmitteln(Krankenpflege-Artikel), Stör- kungs- und größeren Heilmitteln oder einen Zuschuß hierfür zu. billigen. Die Pflichtleistung gilt bis zur Dauer von 13 Wochen. Die Sahung kann die Dauer bis aus 2S Wochen erweitern und die Leistung auch auf sonstige Angehörige erstrecken(z. B. Eltern, Enkel), die mit dem Versicherten in häuslicher Ge- meinfchoft leben und von ihm ganz oder überwiegend unter- halten werden. Für Kinder kann außerdem eine Altersgrenze eingeführt werden. Di« Rechtslage ist hier insofern anders, als für Angehörige grundsätzlich der G e s a m t b e t r a g der Arzncitosten an den Apotheker zu zahlen ist. Das Mitglied kann sich den satzungsmäßigen Anteil von der Kasse wiedergeben lassen. Um diese Borschrist für die Praxis brauchbar zu machen, ist zwischen den schon er- wähnten Spitzenoerbänden vereinbart worden, daß die Apotheker den von dem Versicherten zu tragenden Teil der Arzneikosten von diesem erheben. Der versicherte zahlt an den Apotheker die Hälfte der Rezept- kosten oder, wenn die Satzung ein« Erstattung von 79 Proz. vorsieht,. zahlt er 39 Proz. Zahlt er n i ch t, so ist der Apoiheker bercch- tigt, die Abgabe der Arznei zu verweigern, sowen ihm niäst die Apotheken-Betriebeordnung das untersagt. Eine weitere wesentliche Einschränkung der Kassenleistungen bringt die Notverordnung für dieienizen Kassen, die bisher das Krankengeld als Mehrleistung höher als 50 Proz. des Grundlohnes festgesetzt hatten. Das Krankengeld beträgt jetzt in allen Fällen 59 Proz. des Grundlohnes. Es kann aber durch die Satzung für Angehörige, die der Versscherte bisher ganz oder überwiegend unterhalten hat. und die mit ihm in häuslicher Gemein- schast leben, durch Zuschläge erhöht werden. Der Zuschlag dars für den Ehegatten 19 Pioz. und für jeden sonstigen Angehörigen 5 Proz. de-(Brundlcchiws, Krankengeld und Zuschläge zusammen dürfen drei viertel des Grundlohnes nicht übersteigen. Es ist dringend zu wünschen, daß die Kassen, die bisher in der Lage waren, m e b r als 59 Proz. des Grundlohnes zu gewähren, von dieser Ermächtigung Gebrauch machen. Zum mindesten aber müßten die Kassen von der weiteren Vorschrift, daß das Krankengeld von der siebenten Woche der Arbeitsunfähigkeit an 69 Proz. de? Grundlohne! betragen kann, Gebrauch machen. Wichtig ist auch noch die Vorschrift, daß Krankengeld für einen Sonn- oder Feiertag nicht gezahlt wird, wenn dieser Tag der letzte Tag der Arbeitsunfähigkeit ist Weiter. ist von erheblicher Bedeutung, daß für die ersten drei Tage der Arbeitsunfähigkeil Krankengeld nicht gezahlt wird. Zahlreiche Kassen hatten diese W>rrietag« abgekürzt oder ganz be- seitigt. Das sst jetzt nicht mehr zulässig. Eine weitere Einschränkung der Leistungen besteht in der Vor. schrift, daß der Anspruch auf Kranken- und Hausgeld ruht, wenn und soweit der Versicherte während der Krankheit Arbeitsentgelt erhält. Zuschüsse des Arbeitgebers zum Krankengeld gelten jedoch nicht als Zahlung von Arbeitsentgelt Daher werden die Gewerkschaften in ihren Tarifverträgen die Vereinbarung über die Weiterzahlung von Lohn oder Lohnteilen dahin ändern müssen, daß „Zuschüsse zum Krankengeld" zu gewähren sind. Wenn einem Versicherten Krankenhausbehandlung gewährt wird, so ist für die Familie ein Haus- geld in höhe des halben Krankengeldes zu zahlen-, die Möglichkeit, das Hausgeld bis zum Betrage von 59 Proz. des Grund- lohnes zu erhöhen, ist w e g g« f a l l e n. Die Satzung kann aber Zuschläge in höhe von je 59 Proz. des Grundlohnes für Der- sicherte mit mehr als einem Angehörigen vorsehen. Für die Ehefrau darf also ein Zuschlag nicht gezahlt wsrden. Außer- dem darf der Gesamtbetrag das satzungsmäßig« Krankengeld nicht übersteigen. Die Verordnung bringt auch einige Verbesserungen der Leistungen Wir haben schon die Einführung der ärztlichen BeHand- luug für Angehörige als Pflichtleistung erwähnt. Die Witwe eines Versicherten kann sich bei der Kasse ihres Mannes weiterversichern. Die Weiterversichertcn treten zu der Kasse ihres Wohnortes über. Wer z. B. von Stuttgart nach Berlin ver- zogen ist, und bisher Mitglied der Stuttgarter Ortskrankcnkass« war, wird jetzt automatisch freiwilliges Mitglied der Berliner Allgemeinen Ortskrantenkass«. Für die nichtverfichertcn und ausgesteuerten kriegsbefchädigtea gelten die gleichen Leistungen wie für die Kassenmit- g lieber. Arzneikostenbeteiligung und Krankenscheingebühr soll auch von ihnen erhoben werden. Das will der Reichsarbeitsminister noch anordnen. Verschiedentlich sind die Vertreter der Versicherten in den Kassen. vorständen ausgefordert worden, zum Protest die Notverordnung, weil sie ungesetzlich sei. nicht durchzuführen. Eine solche Haltung würde nicht iin Interesse der Versicherten liegen. Die Aussichts- behörde kann den Vorstand durch Zwangs st rasen ,n Geld an- halten, das Gesetz zu befolgen. Weigert er sich, so kann die Aus. sichtsbehörde an Stelle des Vorstandes für Rechnung der Kasse das Gesetz so durchführen, wie sie es für richtig hält Die Vertreter der Versicherten haben aber keine Veranlassung, den Behörden die Selbst- Verwaltung auszuliefern. Aufgab« des neuen Reichstages wird es vielmehr sein, den Abbau der Krankenversicherung wieder rück- gängig zu machen und der Selbstverwaltung die Pflicht aus- zuerlegen, ihr aber auch die Möglichkeit zu geben, die Mängel der Krankenversicherung, die insbesvndere durch ein« unzweckmäßige Gestaltung des k a s s e n är ztli che n Dienstes hervorgetreten sind, zu beseitigen. -,. n%tio Don'Uetv ijork nach Sierlm gefunkt &te*e Aufnahme vom empfang des franstöfifchen Fliegers Cofies in Dien fforh nurde über Xondon nach SBertin durch Stadio übertragen Judentum und Wahl. Die Sozialdemokratie Schüherin oller Geknechteten. Eine überfüllte Versammlung des Reichsbundes jüdi- scher Frontsoldaten in den Spichernsälen beschäftigle sich mit den kommenden Reichstagswahlen. Major Haus als Sprecher der Staatspartei erklärte, daß seine Partei bereit sei, die Verfassung gegen nationalsozialistische und diktatorische Einbrüche zu schützen. Gerade durch die Verschmelzung der Demokraten mit der Iungdo-Jugend sei die Gewähr dafür gegeben. Der Redner stieß jedoch in seinen weiteren Ausführungen auf starken Widerspruch der Versammlung. Rektor Kellermonn versuchte, die Einstellung des Zentrums als Gegner des Antise- mitismus geschichtlich zu begründen. Seine Partei wäre durchaus nicht prokatholisch, sie erhielte auch von Inden Stimmen(?). Beweis für die Toleranz des Zentrums sei, daß man Direktor Kareski in Verlin an— 19. Stelle aufgestellt habe. Gegenüber diesen schwach wirksamen Argumenten umriß der sozialdemokratische Landtagsabgeordnet« Kuttner— mit lang- anhaltendem Beifall begrüßt—, die klare und eindeutig« Stellung der Sozialdemokratie zu Kultur- und Rassenfragen. Die Sozialdemokratie sei keine Iudenschutztruppe, sondern kenne nur dos eine Ziel, die Menschwerdung aller Geknechteten. Die Person eines«infachen Arbeiters, der seine Pflicht tue, sei ihm lieber als ein jüdischer Unternehmer, der seinen sozialen Pflichten nicht nachkomm«. Wenn die früheren Koalltionsparteien sich bereit finden, mit den Sozialdemokraten«ine Regierungsbildung nach rechts zu verhindern. so wären damit auch alle Attentate und Pläne eines hugenöerg und hiller abgewehrt. Es war durchaus überflüffig, daß seitens der Bundesleitung noch einem zweiten Redner der Staatspartei, Rechtsanwalt Dr. Well, dos Wart gegeben wurde. Dieser Redner bemühte sich, seine Auf- stellunz als einziger jüdischer Kandidat in der Staatspartei als heroische Tat zu seiern, was die Versammlung zu schärfstem Wider- spruch oeranlaßte. Diese Wahlkundgebung hat jedenfalls klar auf- gezeigt, in welcher Partei wahre Kameradschaftlichkeit und Treue zur Verfassung lebt. Der Jüdisch« Frontkämpferbund wird in seiner überwiegenden Mehrheit der L i st e 1 seine Stimme geben. Finnland und tlngarn. Gluckwünsche der deutschen(Sozialdemokratie. Der Parleivorsiand hat an die Sozialdemokratische Partei Finnlands folgendes Telegramm gesandt: Werte Genossen' Die deutsche Sozialdemokratie steht zur Zeit in einem Wahlkampf zur Sicherung ihrer demokratischen und sozialen Errungenschaften. Sie sendet den finnischen Sozialdemokraten, die in ihrem Wahlkampf auf östlichem Vorposten heldenmütig den frei- heitlichen Aufstieg der Arbeiterklasse verteidigen, den Ausdruck ihrer brüderlichen Solidarität. Der Sozialdemotralische parleivorsiand. Otto Wels. * Der Sozialdemokratischen Partei Ungarns nur de anläßlich der großen Demonstration telegraphiert: Die deutsche Sozialdemokratie beglückwünscht die unga- rflche Brudcrpartci zu ihrem grandiosen Ausmarsch, der beweist, daß die sozialistische Bewegung auch in Ungarn unübcr windlich ist. Der Partcioorstaad. Otto Wels. Glänzende Photo-Ausstellung Deutsche Plastik im Bild/ Die Provinz besucht Berlin Seit einiger Zeit hat Direktor Curt Glaser der Staatlichen Kunstbibliothek das„Deutsche Bilderarchio" angegliedert, das„möglichst alle erreichbaren Aufnahmen deutscher Kunstdenk- mäler vereinigen" soll: ihr finanzielles Rückgrat bilden die„Förderer des deutschen Bildarchivs" mit Jahresbeiträgen. Eine Zentralstelle, die das Photomaterial oller Kunstwerke Deutschlands zu Studium und Uebersicht sammelt, ist allerdings eine höchst erwünschte Sache, und man sieht schon an der Auswohl, die im Lichthof des alten Kunstgewerbemuseums ausgestellt ist, welch eine Fülle von Möglichkeiten und Anregungen in einem solchen Archiv schlummert, für das die ausgezeichnete Kunftbibliothck in der Prinz- Albrecht-Straße die gegebene Stelle ist. Was da in kurzer Zeit an vorzüglichen Photos schon zusammengekommen ist, ist erstaunlich und erweckt vollstes Vertrauen in die sachgemäße Leitung. Diese Ausstellung ist— wie übrigens fast alle Veranstaltungen im ehemaligen Kunstgewerbemuseum!— interessant und besuchens- wert für jedermann. Zunächst einmal ist die Schwierigkeit, viele hunderte vpn Photos übersichtlich auszustellen, mit auherordent- lichem Geschmack und Geschick überwunden. Die mit grauem Rupfen bespannten Wände und Scherwände sind durch schwarze Linien geteilt, und kurze Uebcrschriften in verschieden großen roten und schwarzen Lettern sorgen für leichte Orientierung. Man kann diese Aufstellung wohl als schlechthin mustergültig bezeichnen; sie verlockt schon an sich zum Nähertreten und Betrachten. Das Material selbst bringt mehr Skulptur als Architektur, die gleichwohl als Standort der Bildwerk« überall in Erscheinung tritt. Die Fülle schöner Bildpublikationen, die uns Architektur und Land- schaft(vor allem Deutschlands) in der letzten Zeit darboten, ist fast unübersehbar geworden. Das Bildarchiv legt dem gegenüber den Nachdruck mit Absicht auf die Architektur p l a st i k der romanischen und frühen gotischen Zeit. Beginnend mit der karolingischen Kunst, zeigt sie in mächtigen Akzenten die Anfänge und die Blütezeit deutscher Bildnerkunst und endigt bei den Werken des frühen 14. Jahrhunderts, bei.den Parier und den norddeutschen Backstein- bauten. Man sieht als Hauptwerke die gewaltigen Bronzetüren des 11. Jahrhunderts(Hildesheim, Nowgorod usw.), dann die macht- vollen Domskulpturen des 13. Jahrhunderts, den Stolz der spät- romanischen Kunst Deutschlands: Bamberg, Naumburg, Straßburg, Freiberg, Magdeburg; im 14. Jahrhundert dann die Verbreitung und Verflachung des Niveaus. Eine Auslese herrlicher Photos, deren wesentlicher Sinn es ist, zur Vertiefung in die Schätze des Bild- archivs in der Staatsbibliothek zu führen. » Di« K u n st b l a t t a u s st e l l u n g c n im Rcckcndorfhause (Hedemonnstraße) bringen zur Zeit„K ü n st> e r im R c i ch", d. h. jüngere Maler und Bildhauer außerhalb Berlins, die sich noch nicht durchgesetzt haben, gleichwohl aber einen starken und persönlichen Eindruck erwecken. Eine vortreffliche Idee: das Gute, Heran- wachsend« in der„Provinz" uns zu zeigen, gerade weil Berlin den Ehrgeiz und immer stärker auch die Möglichkeit besitzt, Kunstzentrale für Mitteleuropa zu werden. Aus der Fülle reifer oder versprechen- der Talente heben sich hervor: O. Schlemmer(Breslau), I. Adler, W. Gilles(Düsseldorf), S z p i n g e r und A h n e r (Weimar), Peter Röhl(Frankfurt o. M.>. E. Jenne(Saar- brücken), Elfriede Schnell((Königsberg), jung gestorben, Martha Hegemann, A. Rädcrscheidt und der merkwürdig starke Bildhauer Fritz Müller(Köln), Lachnit, Griebel und der Plastiker E. Hoffmann(Dresden), Hermann Sohn (Eßlingen), Lenhausen(Kassel). Welch ein Glück, daß inmitten unseliger Zeitumstände uns eine solche Fülle produktiver Talente im weiten Reiche erwächst! Deutschland muß auch als Kulturvolk groß bleiben, wo solche Fruchtbarkeit im Ideellen herrscht. Paul F. Schmidt. Die Musik in der Schute. Die Musikobteilung des Zcntralinstituts für Erziehung und Unterricht veranstaltet in diesem Herbst zwei musikpädago- zische Tagungen. Di« eine findet in K ö n i g s b e r g i. P r. vom 13. bis 20. Oktober, die andere in Saarbrücken vom 20. Oktober bis 1. November statt. Di« Königsberger Veranstaltung Schulmusik(Querverbindung, höhere Schule Fragen des Privatmusikunterrichts. Die Veranstaltung in Saarbrücken Schule. Jeder Kongreßtag wird durch«ine o j unter Fritz Jöde eingeleitet werden. Anmeldungen und Anfragen an die Musikabteiluitg des Zentral- instituts für Erziehung und Unterricht, Berlin W. 33, Potsdamer Straße 120. behandelt Fragen der und Volksschule) und behandelt Musik und sene Singstunde Die„Schule der Krauen". ' Kammerspiele. „Das unaufhörliche Lachen des Parterre ist schon allein hin- reichend, um zu beweisen, daß das Stück nichts taugt." Im Parterre standen, als M o l i e r e, der Dichter, Schauspieler und Theater- direktor, die„Sch ule der Frauen" zum erstenmal aufführte, die Leute, die nur einige kupferne Sous gezahlt hatten, wähxend die Vornehmen, die ein Halbes Goldstück daran wenden konnten, in thren Logen saßen, auf seidenen Polstern. Das Parterre, die.Waffe, der Pöbel, hatte Moliere zugejubelt, die Logen aber hotten gemurrt. Sie hatten beide die richtige Witterung.„Sind die Strafpredigten und die Ehestandsregeln, vor welchen«in jeder Ehrfurcht hat, in diesem Stück nicht lächerlich gemacht? Es alarmiert unser Scham- gefühl, besudelt unaufhörlich unsere Einbildungskraft; eine sittsame Frau kann es nicht ohne Verlegenheit ansehen, es ist anstößig, zotenhaft, im höchsten Grade unverschämt." Aber: im Theater Mo- licre war kein Platz auszutreiben und in sämtliche» Häuser» von Paris war die Frauenschule Hauptgegenstand der Unterhaltung. Das Parterre lachte, die gute Gesellschaft wurde nüßtrauisch; Malier«, dem es gleichgültig war, ob man sein« Stücke angriff, wenn man sie nur sah, schrieb immerhin eine Art Verteidigung, einen Ein- akter„Die Kritik der Frauenschule". Darin läßt er(wie obige Stichproben zeigen) die aufgescheuchten Moralisten heftig toben, schlägt ihnen aber zugleich mit frohem Lachen die Narrenpritsche auf die Perücken.„Wenn bedeutende dramatische Kunstwerke auf- geführt werden, ist das Theater zum Erschrecken leer, während die albernste Farce ganz Paris in seine Räume lockt." Malier« hielt es mit der Farce, die das Parterre lachen machte. Dies Lachen des Parterres, das der angekratzten Konvention galt, dem Adelfimmel des Bürgertums(Herr Arnolphe Nennt sich des Eindrucks wegen de la Touche), dem Reinfall des männlichen Sklavenhalters, der Rebellion des eingesperrten Weibchens gegen den Fütterer und Dik- totor. Dies Lachen des Parterres im Jahre des Sonnenkönigs 1062 war ein schwangeres Vorgewilter des Sturmes, der hundert Jahre später um das Schafott des königlichen Enkels raste. Moliere, die Grenze zwischen Adel und Bürgertum durchstoßend und an den Götzen der guten Gesellschaft rüttelnd, mochte Zeittheater und damit Geschichte, eine köstliche, eine unwiderstehliche Revolution. Dieser Tatbestand hielt ihn am Leben; Moliere war nicht nur,, wie die Damen und Herren heute noch meinen, ein scharmanter Spaß- macher, ein galanter Esprit, eine Essenz aus Geist und Musik, Mo- liör« war ein Toselzerbrechcr, ein. Polfyhrer, ein Zielbald, Die Aufführung der„Schule der Frauen" in d�> Kammer- spielen, nach der Ilebcrfetzung von Ludwig Fulda, von Hans Deppe geleitet, wurde den: wahren Moliere gerecht. Man hörte das ansteigende Gewitter, man sah die Gitter fallen. Mit wunderlicher Keckheit, niit rührender Naivität, zugleich mit herz- losem Triumph sprach Lore Anne Mosheim dem reingefallenen und abgetakelten Bürgeredelmann das Urteil:„All Eure Reden zehn mir nicht zu Herzen; Horace sagt mit zwei Worten mehr als Ihr." Der gestrandeten Selbsthcrrlichkcit des zinsgieren Wohltäters gab Max Gülstorfs den abtropfenden Glanz eines Bankrotteurs; während Hans Brausewetter, feinem Namen alle Ehre machend, als Horace derb und lachend daher kam: Frühlingsboic neuer Zeit. Rodert Breuer. 3m Rose-Theater beginn! die Wüiterspielzeit am 8. September.?US erste« Stück gelangt.Die Braut von Mcsfina" von Schiller zur Zlussührung. Paul Rose bat das Werk, dem eine vollständig neue Bear. beitung zugrunde liegt, inszeniert. Für die Jsabella ist als Gast Irene T r i e s ch verpflichtet. Atargarele wallmavn, die Berliner Tanzregisscnrin und Schulleiterin. wuibc zur Rbbaltung eigener Kurse sür Tanzrcgic nach New Bort ver- pflichtet. Ter Unterricht in der von ihr geleiteten Wigman-Tchule-Berlin erleidet dadurch keine Unterbrechung. Der verleugnete Münzenberg. Und grüß' mich nicht unter den Linden. Di«„Rote Fahne" hat ein«..Wahllüge" des„Vorwärts" e»t- deckt: Wir sollen nämlich unsere Leser„beschwindelt" hoben, weil wir die in Münzenbergs Morgenblost angekündigte gemein- schaftliche Aussprache zwischen National sozio- listen und Kommunisten gebührend angeprangert hoben. Wer nun aber die Ausführungen der„Roten Fahne" nachliest, der findet, was den Tatbestand anbetrifft, Wort sür Wort unsere Ausführungen bestätigt, bis dann plötzlich der wunderbare Satz erscheint: Die kommunistische Partei hat mit dieser Diskussion in ..Verlin am Morgen" nichts zu tun. Siehe da,— nichts zu tun. Herausgeber und verantwortlicher Leiter ist zwar der wiederum an aussichtsreicher Stelle aufgestellte— kommunistische Rcichstogsabgeordnete Münzen- bcrg, Mitarbeiter an der Zeitung find alksschließlich Partei- kommunisten oder sogenannte Sympathisierende von der Internationalen Arbeiterhilfe und dem Bund der Freunde Sowjet- rußlands, jeden Tag fordert sie zur Wahl der Korn- nrunisten auf, sie beschimpft die Sozialdemokratie in genau der gleichen gehässigen Weise wie die„Rote Fahne", und— nicht zuletzt— die finanziellen Erträgnisse der MUnzenberg- Presse und des Münzenberg-Konzerns müssen zum großen Teil her- halten, um das Defizit der„Roten Fahne" und der kommunistischen Parleikasse zu stopfen, aber die Kommunistische Partei hat mit der Münzenberg-Presse nichts zu tun!!! Wie schrieb Heine: „Blamier mich nickst, du schönes Kind. Und grüß' mich nicht Unter den Linden! Wenn wir nachher zu Hause sind,, Da wird sich alles finden!" Am dritten Tag. Die„ZWe Zahne" schweigt noch immer. Seit zwei Tagen fordern wir die„Rote Fahne" auf, sich zu der gemeinschaftlichen Urkundenfälschung des kommunistischen ReichZtagsabgeardneten Schneller mit Hilfe des zehnmal vorbc st rasten Hochstaplers und Fälschers Georg D ö r fa m z» äußern. Wir registrieren heute, daß die„Rote Fahne" sich am dritten Tage unserer Aufforderung über diese kommunistisch« Fälschung cenau so ausschwcigt wie am ersten und zweiten. Wir werben weiter registrieren. Englisches Lustspiel. Tribüne:„Mr. pim will nicht stören.1' Die Harmlosigkeit dieses Lustspiels des Engländers A. A. M i l n e ist entwaffnend. Der Herr Pim, �er nicht stören will, erzählt sa von ungefähr von einem Mann, dessen Erwähnung das bisher gemessen und ardnungsgemätz dahinplätschernd« Eheleben des ieudalen Landedelmanns Morden in hellen Ausruhr oersetzt. Es handelr sich nämlich um den erst«» Mann seiner Frau, der ein Tunichtgut gewesen ist und wieder aufzutauchen droht. Nun gibt es drei Akte lang Erörterungen über Schicklichkeit oder Unschicklich- kcit, die �or hundert Iahren aktuell gewesen siild. Man muß schon gar keine Sorgen mehr haben, wenn man für die Fragen Interesse ausbringen soll, die der Autor in behaglicher Breite zur Diskussion stellt. Eine witzig« Idee enthält dos Lustspiel immerhin: Herr Pim, der wirklich nicht stören will, und trotzdem den Frieden einer geruh- same» Ehe heillos stört, hat ein schlechtes Namengedächtnis. Zum Schluß kommt herous, boß der Mann, uni den sich die ganze Aufregung dreht, ein ganz anderer ist und auch ganz anders heißt als der erste Gatte der Frau Morden. Mr. Pim ist Viktor Schwannecke. Di« hilflose Bescheidenheit und seine behutsame A4t zu sprechen, wirken so komisch, daß der Zuschauer sich wenigstens ab und zu amüsiert. Aber im übrigen fragen wir uns vergebens, wozu die Tribüne das iinbedeutendc Spiel wieder herauskramt, das schon vor Jahren an derselben Stelle gegeben worden ist. �_ Dstr. 22 Todesurteil« in Afghanistan. Berichte aus Afghanistan be- sagen, daß 22 Personen, die in den kürzlich unterdrückten Ausstand verwickelt waren, zum Tode verurteilt und 20 mit Verbannung be- straft wurden. Zwei Verbannte waren vormalige Minister. Üieatei', Lichtspiele usw. ÜM.WIei-IUMMW. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende Z&b Uhr Tägl. 5 u. 8',, Uhr.« 5 MrU. BSSD Pr. 1— 6 M.— Nachm halbe Preise. 'Norman Thnmax Quint f II. Maillot« Ulrrlon. Tb« Jorar*. Jj�red Jarhton-Qirit utrr._ Winter * Qorten* 8.1 S Uhr— Rgatiea irlaaii Hans Kollschar, Argantlno. Jda und Evalyna Duffak. Navllla Blshap usw. metropolTheater Täglich S'k Uhr ScnsatioDcIlcr Oprrrfirnrr folg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Nomische Oper 8'/= Uhr Die Frau ohne Kuss Operette v W. Kolfo MSoontags nadwi.311: zu kleinen Preisen Volks bUbne Theater en BBIovpliti. 8V. Uhr Der Iröhlidie Weinberg nn Carl Zoikouyir Staat!. Sdiiller-Hi 8 Uhr Der mann mit dem Klepper DenttdiK meatir D 2 Weidet) dann 5211 «>/. Uhr 1914 von Oeorrj Wilhein Miller Regie; iusliv CrfloiigeDS. Die Komödie 1 1 Bismck.2414/751*{ 8'/« Uhr lebte lulfütiniogej! Wie werde idi teidi und glDdilidi? Rinn ni Ftlii Judiinttt| Kuli: End Eipl Zimmer ,k.ettN><.7.'d!»rE 2Betten1i"bi522r "' solorr.llv lauter am ScnmtMuardamm 8 Uhr Feuer aus den Kesseln Kammersplele 1 2 Weidewlemin 5201 8'. Uhr Die Schule der Frauen von Moliere. Dealsdi voo Uilvig Fülle. EXCELSIOR Lessing- Theater Wiidndnut 279Ii.0eU Täglich 8 Uhr Des Kaisers KUliS von Th- Piivier. Regie; Enrie Phcatar. Neues Theater — am Zoo— lBiRahDh.2oo. Stpl 6554 Täglich 8>,'. Uhr iommel in der Posse Herr Amor perslsiidi. Rundtunkhörei halbe Preise Bamowsky- Bühnen Thealer In der Siresemannstr. Täglich SV» Uhr Hanioenti!: 3 Imhpiil m Sdiwidiri Komödienhaus SV» Täglich 8>'. Konto X von Reniauer and Desterreidier em ftertin HOTEL&AnftJ"' Rose-Theater (Gartenbohne) Täglich 5.50 Konzerl, 6 00 Variete TSglicfa 8.15 „Etappe" oder Onkel Ointav schreib! K. v. Im Innenlhealer bot noch bis Sonntag, dem?. Sept., tägl. S IS „Heimliche Braut/ahri" | Voranzeige I 8.15 Uhr ;„Die Draal von Hesslna"| | mit Irene Triesch, Traute, Paul und Willi Rose| •IIIIIIIIIIIIIMIMII »pKV'Ce f y# 5 HesterbcrQ* Oe. cr..7�.?"r. Uhr REGIE ERIKCHARELC VA vir BUSCH 1 eröffnet im vollständig 1 umgebauten Hause (Manege und BOhne) | am 6. September 1930 abends 81/, Uhr Täglich 2 Vorstellungen: «"J.Uh"r: 30 PÜ- 1.50 Mit. Ä 30 PID.- 3- Mk. Sonntags 3 Vorstellungen: SV, Uhr- S Uhr- V:, Uhr Das gröSte Varietö Europas/ 450O PlStzel Sichern Sie sich Karten Im Vorverkt uf a.d.CircusKasse I Deutsches ROnsller-Th«»l Tel. Barbtrossa 3937 SVj Uhr Oashpiel der Udwig- magdalena Renaissance- Tbeater Steinplatz 6780 V Uhr Die WnnderBar RevuestOck Theater am SdilfluaDerdamn rägl.SV» Uht Feuer aosden Kesseln! von Ernst Toller. Rh»: Neu hdihd». üühBwbiWcr; Cut. Nedu. Id.: D.I.Ncrt. Kai«. 5413 Rose- Idealer Gr.rnnklaitsrstr.isa Tel. Alex 3422 u 34« 8.15 Uhr: Belmllib« Braattibri Gartenbübne: 5 15 Uhr: Komert■. Bonlsr Tsll 8.15 Uhr: Etappe. CASWO-THEATER 8•Uh' Lothringer Strebe 57. Für unsere Leser: Outschein 1—4 Pers Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Der Possen-Seniager Der selige Hollschinsky BUfsniHmisiHiiNiiiiiiMiiiiMimtmiiifisHiniiiutinninn'Miiii und ein erstkl. buntes Programm. Reichshallen-Theater AbemcU| S| Soxmlh# nadiin.| S1?| Stettinsr sangen Neul Neu! .LaBBlDinn sprechen" tataittip RiteFrtiul i Dönhoff- Brettl: ~bae beliebte Femlllen-Varlet«. Tbutir an bttb.Tor Kottbusser Str. 6 JF Täglich f] SV» Uhr «K eeeh Seeet. WD) eachu SVs IW Ente- ♦DsanRer Zille-Festspie e ScRltnkr nrUsgcrt. Neda. meUigti Rimel follu UiBdprognniii. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arlbar Roberts sv. Das mbiigiw Wäflclinn Komödie In 3 Akt von Pelix Joachimsotl SprAbPtiD Änmerkungen eines Sopalh�giemkers Geilage Donnerstag, 4. September 1930 Die tteberfuttung öer höheren Verufe Wege öer Abhilfe? Wir Deutschen hören es ganz gerne, wenn man uns das Nolk der Dichter und Denker nennt. Manchmal wäre die Bc- zeichiwng Tiftler und Zänker richtiger. Daß es ein Wohnungs- elend bei uns gibt, könnte nochgerade wirklich jeder wissen. Wir erforschen dies Elend aber immer weiter, mache» große Zählungen schreiben Bücher darüber und vergessen, Wohmingen zu bauen. Aehnlich verfahren wir mit der UeberMlung der höheren Berufe, händeringend stellen wir immer wieder fest, wie die höheren Schulen und die Hochschulen anschwellen. Schon jetzt gibt es viel zu viel Aerztc, Rechtsanwälte und sonstig« studierte Herren, und in Zukunft wird es noch schlimmer werden. Das alles ist bekannt und es wird genug darüber geschrieben und geklagt, aber von Bemühungen um Adhili� ist bis jetzt nichts zu be- merken. Immerhin soll anerkannt werden, daß die neuestc Hochschub statistik in ihrer Weise ein verdienstliches Werk ist. Die Nachweise über die Zahl der Studierenden an jeder Hochschule gehen vielleicht zu sehr ins einzelne und bringen auch kaum etwas grundsätzlich Neues. Anerkennenswert ist aber, daß der Versuch gemacht ist. nicht bloß das Angebot an Bewerbern, sondern auch die Nach- frage festzustellen, dos heißt den künstigen jährlichen Bedarf etwa an Aerzten oder Studienräten zu berechnen. Das Wort„Berechnung" jagt vielleicht zu viel, es ist eher eine Schätzung, die übrigens erst für einige Gruppen durchgeführt ist, besonders eben für die Aerst« und Studienräte, dagegen für die Juristen und alle technischen Fächer noch nicht. Wer den Bedarf für die nächsten Jahre angeben will, der versucht, in die Zukunft zu blicken, und dies bleibt immer etwas Unsicheres. Beispielsweise wieviel Aerzte in den nächsten Jahren gebraucht werden, das hängt nicht nur davon ab, wieviel Aerzte sterben oder sonst ausscheiden werden. Diese Zahl läßt sich noch einigermaßen sicher angeben. Für den künftigen Bedarf kommt es aber auch darauf an, welche Politik die Krankenkassen künftig ein- schlagen. Mrd das Streben dahin gehen, den einzelnen Kranken sorgfältiger zu behandeln, dann werden mehr Aerztc gebraucht werden,— oder wird man sich bemühen, den allgemeinen Gesundhestszustand zu bessern und die Menschen dahin zu erziehen, daß sie nicht um jede Kleinigkeit zum Arzt gehen, sondern sich auch einmal selbst zu Helsen wissen,— dann werben tünstig weniger Aerzte nötig sein. Unter der Annahme, daß die Dinge uirgesähr so bleiben wie sie sind, wird geschätzt, daß jährlich etwa 1900 junge Leute in Deutschland das medizinische Studium beginnen müssen, wenn der Bedarf an Aerzten gedeckt werden soll. Tatsächlich hat sich aber seit Jahren«ine größere Zahl zum' medizinischen Studium entschlossen, im Jahre'1929 sogar 4000, also mehr als das Doppelte des Bedarfs! Für das Unterkommen der Studirnräte waren die letzten Jahre ünsofcni günstig, als überall neue höhere Schulen begründet und alte ausgebaut wurden. Infolge der Geldknappheit bei Staat »nd Gemeinden wird es aber damit vorläufig vorbei sein. Man kann annehmen, daß der Bedarf an Studienräten in Deutschland gedeckt sein wird, wenn jährlich 830 Anwärter ihr Studium abschließen und ihre Ausbildung als Studienreferendar beginnen. Tatsächlich wird aber das Jahr 1930 schon 2600 solche An- rvärter liefern, also dreimal so viele wie gebraucht werden, und in den nächsten Jahren wird die Zahl noch weiter steigen bis auf nahezu 3000 im Jahr« 1933! Um den Andrang zu den Universitäten zu drosseln, wird von den Hochschullehrern öfter vorgeschlagen, die Zlnsorderungen der höheren Schule zu steigern. Nun werden aber die Knaben und Mädchen aus unseren höheren Schulen schon so angespannt wie wohl in keinem anderen Lande. Nirgends gibt es einen so viel- jährigen Und mit soviel' Stunden betriebenen fremdsprachlichen Unterricht, nirgends sind auch die Lehrer so erfüllt von lebensferner Wissenschaft und strenger Gründlichkeit. Eine Verschärfung der Ans orderungen würde die gesundheitlichen Schäden der Schule für alle Besucher vermehren, und zuerst er- matten würden die Kinder aus weniger bemittelten Kreisen, die zu Hache ungünstige Lebensbedingungen und wenig Hilfe für die Schularbeiten haben. Brauchbarer ist schon der Bor- schlag, der in der Einleitung unserer Statistik gemacht wird: bei jeder Auswahl unter Bewerbern solle man nicht so sehr aus Schul- Zeugnisse als auf die Persönlichkeit und ihre Bewährung sehen. Aber was wird nun aus den Zurückgewiesenen? Wenn man doch andere Berufe enrpsehlen könnte! Leider ist dort die Lage oft gar zu drückend. Was so viele Eltern bestimmt, ihre Kinder aus die höhere Schule und die Universität zu schicken, das ist ja gar nicht die dort gelehrte Weisheit, sondern die Eltern, denen e, schlecht geht, wollen, daß die Kinder es besser haben sollen. Hierauf hat Minister Grimme im Landtage hingewiesen. Warum geht man nicht energisch daran, die Lage der Handarbeiter zu verbessern? Die sozialen Unterschiede sind immer noch viel zu groß. Sorgt dafür, daß jeder Mensch, er sei Hand-, oder Kopfarbeiter, seine reichliche Freizeit hat und auch Gelegenheit, sie auf schöne Weise zu erfüllen! Baut Arbeiter- Wohnungen, legt die Industrie mehr aufs Land und in die kleinen und mittleren Städte, dann braucht der Slrbeiter sich nicht mehr durch stundenlange Wege zu zermürben, im eigenen Haus und Karten wird jeder Freude und Ausspannung finden— und das übertriebene Streben nach den sog. höheren Berufen wird von selbst nachlassen!. Prof Dr- G- 5unge. Der Aufstieg bes. VoSks-fchulers Otto Schulz behandelt in seiner Schrift„Der Aufstieg des Volksschulkindes über Volksschule und Berufsschule" <67 Seiten. Verlag von Julius Beltz. Langensalza) folgende Kapitel: 1. Das Kind des Volkes im Bildungswesen der Gegenivart. 2. Die bildungspolstische Lag« der Volksschule und ihre Ausbautendenz. S. Die bildungspolitische Lage der Berufsschule und ihre Ausbau- tendenz. 4. Der neue Bildungsweg des Bolkskindes. 3. Di« Frage des neunte« Schuljahres. Es folgt ein Anhang: Stimmen zu der Frage des Aufstiegs über Volksschule und Berufsschule. Darunter finden wir u a folgende Namen: Otto Schulz, Georg Kerschensteiner> Dr. L i st und Wilhelm Pauls« n. . Schulz versteht unter Ausstieg die Hebung eines jeden»indes| Unter diesem Titel machte Dr. Seelin g im„Abend" vom 29. August sehr verdienstliche Ausführungen, die vom Standpunkte des Schulmannes die Schulgesundheitspslege beleuchteten. Da er aber neben berechtigten Forderungen auch einige ausstellte, die Bedenken erregen müssen, so seien in Anbetracht der Wichtigkeit des Gegen- standes auch dem Sozialhygieniker einige Worte gestattet. Die Schulgesundheitspslege hat die Aufgab«, durch regelmäßige Untersuchung der Kinder und damit im Zusammenhange stehende frühzeitige Feststellung von Abweichungen, durch schnelle Ver- mittlung der rechten Hilfe und durch gerechte Uebermittlung der von der Stadt gebotenen sozialen Maßnahmen(Schulspeisung, Ver- schickungssürsorge, Schulzahnpflege usw.) an die Bedürftigsten den durchschnittlichen gesundheitlichen Zu st and der Schuljugend möglichst hochzuhalten, soweit die gesellschaftlichen Berhältnisse es gestatten. Sie ist hiernach nicht in erster Linie Hilfe für ein einzelnes Kind, sondern Dienst an der Gesamtheit. Gerade diese aus die Allgemeinheit gerichtete Zielrichtung macht ihr Wesen aus und sichert ihr ungeahnte Erfolge: aber nur straffes methodisches Arbeiten kann sie herbeiführen. Die unentbehrlich« Grundlage ihrer Arbeit in der Praxis sind die sogenannten Reihenuntersuchungen, die alle zwei Jahre für jede Klasse stattfinden und sämtliche Kinder umfassen. Daß diese Untersuchungen in der Schule vor sich gehen sollen, ist eine berechtigte Forderung. Das Ziel, das Seeling aufstellt, ist im Bezirk Berlin- Treptow dank eines sehr verständnisvollen Entgegenkommens von feiten der Schulverwoltung beinahe oerwirklicht. Für 18 Bolls- schulen sind 19 Schularztzimmer innerhalb der Schulen bereitgestellt, die alle die notwendige Ausstattung haben, domit die Untersuchungen regelrecht vor sich gehen können. Für die Mehrzahl der Schulen ist der Schularzt an ein für allemal festgesetzten und bekanntgegebenen Wochentagen wöchentlich zweimal vier bis fünf Stunden während der Unterrichtszeit im Schularztzimmer anwesend, sonst einmal. Es ist ein« Selbstverständlichkeit, daß der Klassenlehrer zu diesen Untersuchungen eingeladen wird, so daß eine rege Unterhaltung zwischen Lehrer»nd Schularzt, bei der beide Teile gebend« und empfangende sind, stattfinden kann und keine Feststellung dem Lehrer verloren geht. An denselben Tagen ist für besondere Fälle eine Sprechstunde, ebenfalls im Schularztzimmer in der Schule, ein- gerichtei: kann hier der überweisende Lehrer nicht anwesend sein, so erhält er sofort einen schriftlichen Bericht, der ihn über Zweck und Ergebnis der Untersuchung unterrichtet. Die Schul- f ü r s o r g e r i n ist noch viel öfter im Schularztzimmer anzutreten und daher der fürsorgerische Gedankenaustausch zwischen ihr und der Lehrerschaft noch intensiver. Diese Regelung sichert die obsvlut not- wendige gemeinsame Arbeit zwischen allen Beteiligten in voll- kommener Weise. Nur zur Behandlung in der Schulzahnklinik läßt sich eine Zufllhning einer Klasse nicht umgehen, wenn ehrliche Arbeit geleistet werden soll: bestellt doch auch privat niemand den Zahnarzt ins Haus, sondern macht lieber den Weg in ein wohleingerichtetes zahn- ärztliches Behandlungszimmer. Dieser gewiß nicht ganz angenehmen Zuführung hat sich die Lehrerschaft bis auf vereinzelne Ausnahmen in anerkennenswerter Weife unterzogen. Ein sehr heikles Kapitel ist die viele Schreibarbeit. Vollkommen unigehen läßt sie sich nicht, wenn eine ausreichende Ueberficht über große Massen von Kindern geschaffen werden soll. Die Verschickungsfürsorge allein, die Tausende van Kindern ersaßt, verlangt eine große Schreibarbeit, desgleichen die Schul- auf die Stuf« der Bildung und die Hohe der Leistung, die ihm nach Stärke, Richtung und Mischung seiner individuellen Anlogen über- Haupt möglich ist. Er betont, daß Volksschule und Berufsschule noch immer keine Bildungslaufbahn bedeuten. ,D>as Kind des Volkes findet darin fein.Recht' nicht."(S. 13.) Bezüglich der Richtlinien, die für die preußische Volksschule gelten, hat Schulz klar er- kannt, daß dem vorgeschriebenen viel zu umfangreichen Bildung«- stoff eine nicht entsprechende Schulzeit gegenübersteht. Er tadelt mit Recht auch die Zersplitterung des Bildungsgutes in gar zu viele Fächer und die mit vielen vorgeschriebenen Stoffen zwang s- läufig verbundene Lebensferne. Daß im Gegensätze zum Text« der Richtlinien von keiner abschließenden Schule gesprochen werden kann, hebt Verfasser gleichfalls scharf hervor(S. 19). Schulz setzt seine Kritik fort, wenn er sagt, daß die Volksschule von heute zu wenig mitgibt, um dem Kinde im Leben den Zugang zu gehobenen Lebensstellungen zu eröffnen. S o i st d i e Zl u s- bautendenz der Volksschule nur zu begreiflich. Schulz fordert: Verlängerung der Schulzeit, Abschaffung der Abseits- und Minderstellung, Einbeziehung in das Berechtigungswefen und innere Umbildung der Schularbeit(S. 21). Verfasser bedauert, daß die Loslösung der Verufsschule von der Volksschule eine nahezu vollständige geworden ist. Die Berufsschule ihrerseits habe gleichfalls e r h« b l i>ch e Mängel, insbesondere muß die unzureichende Unterrichtszeit hervorgehoben werden. Ihre Bildung werde zudem auch aus anderen Gründen nicht anerkannt(S. 31). Alles in allem ist auch die Berufsschule«ine ausgejprochen« Sackgasse. Schulz zieht auch hier die entsprechenden Forderungen. Aus der geschilderten Sachlage heraus ergeben sich notwendiger- weife die Zlusbau- und Reformtendenzen, hier wie dort. Leider verfolgen beide Schulen ihre Ziel« ohne Rücksicht aufeinander. Das hält Schulz siir einen Grundfehler. Di« unerläßliche und sich bereits anbahnende Reform darf nur so erfolgen, daß sie sich organssch zu einer Gesamtleistung aneinanderfügt. Bon der Volksschule muß als dringend« Aufgabe zunächst verlangt werden: die Nachprüfung der Bildungsaufgabe der vier oberen Jahrgänge(S. 41). Vor ollen Dingen muß endlich die erstrebt« Vollständigkeit des Vildungsgutes überwunden werden. Richtpunkte müssen fein: die Wirklichkeit der Schüler- psych« und die Wirklichkeit des Lebens. Andererseits darf aus der Volksschule gleichwohl keine Berufs vor schule gemacht werden. Den verschiedenen Begabungen ist mehr als bisher Rechnung zu tragen, und zwar durch Aufgliederung in Begabten- und Durch- ichniltstlafsen. Alle Verfrühungen und Uebcrlastungen müssen be- i jeitigt«erden. So will-Schulz die Sta at sb ü r g er k» a d« aus[ f p e i f u n g, ganz zu schweigen von dem notwendigen Schriftwechsel, den die sonstige Fürsorge mit sich bringt und die siir andere Aemter (Schulverwoltung, Jugendamt, Kriegshinterbliebenenfürsorgc, Wohl- fahrtsamt, Wohnungsamt, Familicnfürsorgc usw.) zu leisten ist. Verringerung dieser Schreibarbeit würde mit einer Verringerung der Fürsorge einhergehen. Die statistische Schreibarbeit, die Seeling besonders rügt, hat allerdings einen Umfang angenommen, der ernste Bedenken erregen muß: eine erneute Prüfung wird festzustellen haben, wie diese, die Hiöglicherweise nur geringen sozial- hygienischen Wert hat, aus ein erträgliches und vernünftiges Maß herabgesetzt werden kann, damit die Fürsorge zur größeren Geltung gelangt. Was die Behandlung erkrankter Kinder durch den Schularzt anbetrifft, so muß davon ausgegangen werden, daß ein Schularzt unmöglich 6000 Kinder, die ihm anvertraut sind, in allen Krankheits- fällen behandeln kann: er könnte es auch dann nicht, wenn die Zahl der Kinder, die er zu betreuen hätte, herabgesetzt würde. Wie sollte er auch die vielen Besuche machen können! Aber nicht nur diese praktischen, sondern auch prinzipielle Gründe sprechen gegen die Uebertragung der vollen Behandlung an den Schularzt. Das Wesen der Fürsorge und damit das Geheimnis ihres Erfolges liegt in der Vorbeugung,'der Segen der Erziehungsarbeit am Volke, die darin besteht, daß man zum Fürsorgearzt geht, bevor man er- krankt, also bevor es im Grunde genommen zu spät ist, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. In denselben Moment, in den, der Schularzt behandelnder Arzt wird, würde der alte Schlendrian des Wartens bis zum äußersten Termin wieder aufleben und die vorbeugende Fürsorge zugrunde gerichtet sein. Die Frage lautet daher nicht: Fürsorge und Behandlung, sondern Fürsorge oder Behandlung, so daß die Wahl sicherlich nicht schwer fallen kann. Unbeschadet dieses Prinzips muß man dem Schularzt das Recht zu- gestehen, in gewissen Fällen eine vorübergehende BeHand- l u n g zu übernehmen. Die Berliner Deputation für das Gesund- heitswesen hat hierfür die zutreffende Formel ausgestellt, daß Be- Handlung da stattfinden solle, wo sie anderweitig nicht sichergestellt sei. Verfährt man hier nicht engherzig, sondern ist man von wirk- lichem sozialen Geiste erfüllt, so wie es der Sozialhygieniker ver- langen muß, so dürfen die berechtigten Forderungen des einzelnen wie der Gesamtheit durchaus gewahrt sein, oihne daß etwas anderes Wichtiges zerstört ist. Die von Seeling gewünschte Ausbildung der Lehrer- s ch a f t in schulhygienischer Hinsicht ist durchaus zu begrüßen, sie würde die Zusammenarbeit mit den» Schularzt außerordentlich vertiefen. Zu warnen ist aber davor, diese Kenntnis zu benutzen, um die Berechtigung der Bssraqung des Schularztes im Einzelfall: vorher zu prüfen. Das lvärc eine Art ärztlicher Tätigkeit, für die die Lehrerschaft die Verantwortung kaum tragen könnte, sie sollte, eine solche Forderung in chrem eigenen Interesse lieber nicht stellen. Durch die Einführung des hauptamtlichen Systems vor drei Iahren, die in erster Linie dem konsequenten Wirken der sozial- demokratischen Fraktion zu verdanken ist und einen ihrer Programmpunkte darstellt, hat die Schulgesundheitspslege in Berlin eine ausgezeichnete und unverrückbare Grundlage gewonnen, auf der Aenderungen, die die Entwicklung verlangt, sich bei gutem Willen nicht allzu schwer durchführen lassen. Die nächsten großen Etappen sirid die Uebertragung auf die Fach- und Fortbildung»- schulen und eine Verringerung der Schülerzahl, die auf einen Schularzt fällt. Ltsätar�t Dr. Roeder. der Volksschule herausnehmen, desgleichen Hauswirtschaft, Kochunterricht und Säuglingspflege. Hier wird jeder vernünftige Schulmann zustimmen müsse n. Für die Berufsschule verlangt Schulz pro Jahr als Mindestmaß 320 Unterrichtsstunden. Den Berufsschulen soll Ge- legenheit gegeben iverden, sich den„geistigen Eintrittspreis", d. h. di« Berechtigung, an die aufnehmende höhere Schul« zu«riverben (S. 39). Schulz fordert freilich gleichzeitig„daneben" den Kampf gegen das Berechtigungswesen. Schulz dürfte wohl selbst wenig Hoffnung auf den Sieg'bei diese»» Kampfe haben, wenn schließlich auch in jeder Berussschule das„lockende Ziel" des Berechtigung?- fcheines winkt. Di« Berufsschule soll schließlich den Anstalten zur Vorbereitung für di« geistigen Arbeiter' ebenbürtig werden. Bezüglich der Verlängerung der V o l k s s ch u l p f l i ch t um ein Jahr stehen sich Meinung und Gegenmeinung noch hart gegenüber. Hier verhält sich Schulz in der Hauptsache nüchtern referierend. Die Arbeit von Otto Schulz ist ein bedeutender und segens- reicher Beitrag zur Lösung eines der brennendsten Probleme der Gegenwart. A» der Schrift darf kein Reformer vorübergehen. Dr. Otto Seeling. Schweester;»ehbare Seit 1928 hat Berlin Klassen für Schwer erziehbare(so- genannte R-Klassen) eingerichtet. Sie haben sich keu>ährt»»»d dürften beibehalten werden. Jy allerjüngster Zeit wird die Frage der Schwerst erziehöorkeit von Wissenschaftlern und Praktikern eingehend erörtert. Di« kürzlich in Dresden abgehaltene 3. Sach- verständigenkonserenz des Deutschen Vereins zur Fürsorg« siir jitgendliche Psychopathen und der Bereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen hatte sich di« Aufgabe gestellt, die Frag: zu beantworten:„Welche Wege müssen beschritten lverden, uin im Lause von Iahren unterscheiden zu lernen, ivelche Berhaltungsiveisen Schwersterziehbarer, Unerziehbarer oder Asozialer sich als anlage- bedingt erweisen, öder inwieweit dies« Berhaltungsiveisen durch un.zu>eckmäbige Umwelteinflüsse und Erziehungsmaßnahmen, durch Erlebnisse oder andere psychisch« Schädigungen, die aus die abnorme Konstitution einwirken, hervorgerufen iverden." Die Konferenz betonte, daß der ungünstige Einfluß gestörter Familienbeziehungen nicht überschätzt iverden könne. Andererseits wurde allerdings zugegeben, daß die Frage der Schwersterziehbarkeit auch von der Konstitutionsscite her in Angriis genommen werden müsse. Alles in allem wurde die Frage der Ursachen der Schwersterziehbarkeit med Kriminalität noch nicht geklärt. Dr. O. S. Copyright 19.» by Packelrelter-VerUg G. m. b. H., Hamburg-Bergedorl t(16. Fortsetzung.) --- Als ich auf mein Lager kriechen will, Tränen in txx Brust, die nicht fließen können... kracht es draußen furchtbar auf --- hallend--- bellend--- als wenn das Haus zusammenstürzen will--- ich falle zurück auf den Boden, als hätte mich eine Riefenfaust geschlagen--- Die Kameraden stürzen aus den Betten, einige sitzen mit ent- setzten, verstörten Gesichtern aufrecht und zittern——— Schreie... Türen knallen aus und zu... Tische und Schemel poltern... irgendein lautes, schreiendes Kommando ertönt... Ich stürze gepeitscht auf den Flur: Bor dem Gawehrstand liegt Langer— mit dem Gesicht nach unten--- das Hemd ist ihln bis auf den Hals heruntergerutscht — Gaslicht flammt gespenstisch auf— hinten in seinem Kops klafft ein große- schwarzes Loch— er liegt über einem Gewehr, seine Hönde liegen wie abgerissen vor seinem Kopf... vor dem glatt- rasierten Kopf, der mich eben noch ansah... eben noch ansah... bleich liegen die Hände... die ich eben noch fühlte... bleich, ver- krampst... .,--- durch den Mund geschossen"— höre ich noch wie aus weiter, weiter Ferne--- Ich sinke in einen Abgrund, sausend schnell... Finsternis... Ich trage einen Verband um die Stirn, in die ich mir in der Naclu von Langers Tod ein Loch fiel. Einen Tag lang lag ich im Repker: dann hat man mick) wieder hinausgejagt. Unablässig pocht es in meinen Schläfen: dumpi hallt jeder Stt.ritt im Schädel nach. Krank an Leib und Seele, wird mir das Marschieren zur größten Qual. Im monotonen Gleichschritt stiere ich auf die Schaftstiefel meines neuen Vordermannes. Langer ist eingegraben. Ein anderer marschiert jetzt vor mir. So ist es: In der Kainpagnieliste steht hinter einem Namen ein Kreuz, ein Datum: Die Nummer ist ausgelöscht.— Ein anderer tritt ein: eine neue Nummer, ein anderes Gewehr— und doch das gleiche: ein Soldat unter Soldaten, eine Nummer unter Nummern--- namenlos... unbekannt.--- Das Blut hämmert unter dem Schädeldach: hart drückt der Helm gegen den Verband und sitzt dadurch natürlich schief. Die Gedanken kreisen immer um das Gleiche, Unfaßbare: Heini Langer... tot... durch den Mund geschossen..: es kann doch gar nicht sein... da... da vor mir... bist du doch noch vor... vor kurzem... marschiert... eine Elendsgestalt wohl, aber du warst doch wenigstens da...--- Seine letzten Worte— mir ist auf einmal, als marschiere Heini neben mir und wiederhole sie: „Gute Nacht, Peter...* „Gute Nacht, Heini.. Ich zucke zusammen... sehe ich Gespenster?.. „Ja, gute Nacht, du erster Toter der Kompagnie." Du bist der erste, du wirst nicht der letzte sein. „Setz mal den Helm gerade auf, du Bengel", ich schrecke zu- sammen— neben mir geht der Schinder. Er haut mir auf den Helm, daß ein stechender Schmerz mir quer durch den Kopf fahrt. Mit einen, eigenartigen Blick sieht er mich an: „Wie kommst du zu dem Loch im Kopf, hä..." �„Ich bin gefallen, als wir ans den Flur liefen bei dem Schuh, Herr Leutnant." „Was hast du auf dem Flur zu suchen, ohne Befehl, du Lümmel?!— In den Augenwinteln sitzt es wie Drohung.— „Langer war mein bester Freund, Herr Leutnant."— Ich sehe ihn an, um seine Nase zuckt es höhnisch, ich sehe wieder die gefähr- lichen gelben Hauer wie bei einem Tier... .Hier gibt's keine Freundschaft, hier gibt's nur Disziplin! Wenn der sich um die Ecke bringt, das geht dich gor nichts an, ver- standen?..." Es saust in meinem Schädel— gleich ist mir alles egal... er beschimpft Heini noch im Tode.— Ich starre aus die Erde... ich stiere krampfhast nach unten, ich verfolge meine grauen faltigen Sehaststiefel— vor— zurück— vor— zurück— o, nur nicht den Schinder ansehen müssen... geh' doch weiter, du Unmensch! Laß mich doch endlich in Ruhe... willst du mich auch soweit treiben?... Er weicht nicht von meiner Seite:„Verschtann, Rekrut? Gib Antwort, wenn du gefragt wirst!" Ich gebe keine Antwort. Plötzlich wird es um mich herum ver- schwömmen, ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.—--- Da schreie ich kurz auf:„Au..."--- der Schinder hat mich auf den Fuß getreten... auf den wunden, schmerzenden Fuß... „Lausejunge, gib Antwort!"-- Ich weine vor Schmerz... „geh, och geh!" denke ich nur, und ich schluchze heraus:„Zu Befehl, Herr Leutnant!" Mit langen Schritten geht er wieder nach vorne. Siedend steigt der Haß wieder in mir hoch... ich wische mit dem Rockärmel die Tränen weg... verdammt, ich schäme mich... was soll Kilb denken... „Karl", presse ich heraus,„Karl, hast du gehört, was das Aas gesagt hat?...„Der" hat er gesagt, und„dos geht dich dar nichts an"..." Kilb lagt keinen Ton, aber ich sehe, wie die Finger seiner linken Hand weiß und al>gestorben erscheinen von Blutleere, so hat er sie um den Kolben gepreßt..., Und dann formen sich plötzlich von selbst die Worte auf meinen Lippen:„Es kommt der Tag!... Es kommt der' Tag!"... Immer wieder wiederholen sich die Worte im Unterbewußtsein. Sie geben meinem Blut rascheren Schlag, sie durchpulsen meine abgespannten Glieder, sie geben mir Kraft, Tag für Tag, trotz Hunger und Hitze die Strapazen auszuhalten, sie verleihen mir ungeheuren, letzten Trost, sie gewähren mir die Hilfe, die Trauer um den unglücklichen Kameraden zu ertrogen. „Es kommt der Tag!",., aus dem Unbekannten kommen diese Worte: niemand hat sie mir gesagt, nirgends habe ich sie gelesen, sie stiegen plötzlich aus all den Leiden und Demütigungen auf... ungerufen... ungewollt... qualgeboren... „Es kommt der Tag...", kein Befehl kann diese Worte nieder- brüllen, kein Gewehr kann sie niederknattern. *** Wenn ich mein Gewehr in den Ständer auf den Flur stelle. gedenke ich der Nacht, in der ich dem gehetzten Kameraden Lebe- wohl für immer sagte. Aus der Reil)« der verfluchten Gewehre nahm er sich eins und lud es mit der zehnten scharfen Patrone, diy er in der gekrümmten Hand hielt, in den eiskalten Fingern. Wie lange schon mag er den Gedanken an die Flucht aus diesem unwürdigen Dasein, aus dieser endlosen Quälerei, in sich getrogen Hachen?— Ich sehe ihn auf dem Felde von Sadowa:—— wie er in unserer Schützenlinie lag--- „Warum hast du nicht Visier vierhundert eingestellt, verfluchter Hund!"... ——— Der Schinder reißt an einem grauen Bündel. schlägt mit dem langen Degen aus den Helm, daß er herunterfällt... krachend haut er ihm den Helm aus den armen Kopf... hilfesuchend blickte Langer aus uns... wortlos steht er:...„helft mir doch, Kameraden, helft mir doch!"... Kilb scharrt zornig mit der Stiefelspitze im Sand... das ist alles... niemand hat ihm geholfen... „Ja, lieber Kamerad, hätten wir gewußt... o, hätten wir dir geholfen... und hätte es uns Kerker und Tod gekostet... hätten wir gewußt, daß du dich umbringen würdest... damals war noch Zeit dazu.. jetzt aber ist es zu spät!... Es war dein letzter lautloser Hilferuf. Und dann, als du dich von allen verlosten fühltest... dann stecktest du die letzte scharfe Patrone ein... sie wurde dein letzter Halt... du wußtest keinen Ausweg mehr.--- Die Nacht auf dem Flur--- „Mir kann keiner mehr helfen... sorg dich nicht mehr mq mich... morgen ist olles gut!..." Du hattest mit dem Leben abgerechnet: e? war eine einfache, klare Rechnung.--- „Hunger, Schmerzen, Schinderei, eine armselige Uniform, ein hartes Lager, Nächte voller Sehnsucht und Leid, Tage voller Schweiß und Strapazen... die Zukunft ein Granittrichter..." --- Das war das Diesseits! „Ruhe, Schlaf, Frieden, das Nichts, die Stille, das Unbekannte...' --- Das war das Jenseits! Und der Einsatz? Eine schwarze Patrone, ein- Fingerkrümmen, ein letzter Ge- danke, vielleicht ein letztes bitteres Lächeln und Abschiednehmen... es wird dir nicht schwer gefallen sein als Rekrut des Jahres 1ö17. ---- Und dos Vaterland? Unser Vaterland? Was hat es au dir verloren? Einen„tapferen Helden"? Wird man deinethalbeu halbstock flaggen? Werden Salven über deinem Grabe knattern? Werden Generäle an deinem Grabe stelzen? Ach nein...du arme graue Kreatur... dein Sterben war der unwichtige Tribut eines »aiiienlosen Rekruten an den Moloch Krieg— damit hat unser Vaterland nichts zu tun! Du Hammel, du verfluchter Hund!... „Kilb!"(Fortsetzung folgt.) eBuch 'Die Xohndisliiiffion � Dr. Jakob Mars cha k versucht in dieser Schrift die theo- retischen Argumente, di« bisher für oder gegen Lohnsenkungen(oder Lohnerhöhungen) vorgebracht wurden, systematisch zu gliedern und zu ordnen. Außerwirtschaftliche Gesichtspunkte— ethische, politische oder kulturelle— werden völlig beiseite gelassen, es:nter«ssteren lediglich die rein wirtschaftlichen. Im wesentlichen handelt es sich um Meinungen der Unternehmer und der Gewerkschaften, die kritisch gegenübergestellt werden. Losgelöst von tagespolitischen Bedenken und Rücksichten werden die möglichen Wirkungen von Lohnverände- rungen in ihrem Zusammenhang mit dem Warenmarkt und Kapital- markt kritisch untersucht. Das Eintreten der Gewerkschaften für Lohnerhöhungen findet ebenso seine theoretische Begründung wie die Sorge der Unternehmer, daß die Kapilalbildung— deren Notwendigkeit von keiner Seit« bestritten wird— unter hohen Löhneil leiden könnte. Zu dieser Frage wird festgestellt, daß man sich wohl über di« Möglichkeit, nicht aber über die Notwendigkeit und das Maß eines ungünstigen Einstusses hoher Löhne auf die Kapitalbildung einig ist. Eine positive Stellung nimmt der Verfasser nicht«in, er stellt lediglich sest, daß man nicht abstrakt-thcoretisch, sondern von Fall zu Fall empirisch(erfahrungsmäßig) die positiven und negativen Wirkungen hoher Löhne ermitteln müsse. Die Schrift kann in ihrer vorbildlichen Objektivität und klaren Darstellung der heute so aktuellen Frag« nur empfohlen werden. tticbzrä lunx?. *) Die Lohndiskussion. Verlag Mohr, Tübingen. 1,80 M. •• «> FL/J? DEN KLEINGÄRTNER HOiianiiiiiniiininmiiiiuiuinmiiiiuiHiiiinniiiiiiiiiiniimiiiiniiiiiiiiiiniiiuiuiiiiiuiniiuiiniiiuuumiimniiiiiiiiiinnniiiiiiiiuiiiinn!niiniiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiimiiiiiiiiininnMinuiiKniinnainHiimt Kleintierhaltung im September Die Ställe müssen für die bevorstehende kalte Jahreszeit gründ- lich gereinigt, desinfiziert und abgedichtet werden. Für genügendes Trocken- und Beifutter ist zu sorgen. Bohnen-, Hafer- und Streu- stroh empfiehlt sich ganz besonders für Ziegen. Diese gehen jetzt an den schönen Tagen noch tüchtig auf die Weide, aber man achte darauf, daß sie nicht aus Felder, die mit jungen Klee und Luzerne bestanden sind, getrieben werden: schon mancher Ziegenhalter hat dadurch empfindliche Verluste erlitten. Luzerne und jungen Klee kann man nur zu Hause in kleinen Mengen unter Beimischung von harten Gräsern und Haserstroh geben, wobei man jedoch dafür Sorge tragen muß, daß die Tiere nicht gleich hinterher getränkt werden. Auf dem G e s l ü g e l h o f müssen möglichst olle älteren Tiere geschlachtet und durch neue junge ergänzt werden, weil sie anfangen unrentabel zu werden. Den mausernden Tieren muß man helfen, damit sie schnell durch die Mauser kommen. Das geschieht am besten dadurch, daß man sie vor Nässe, Kälte und Wind schützt und ihnen Gelegenheit gibt, sich an schönen sonnigen Plötzen auszuruhen. Da die Mauser bekanntlich die Tiere sehr schwächt, so muß man das beim Futter mit berücksichtigen. Am zweckmäßigsten ist wohl, wenn man ihnen als Beifutter Sonnenblumenkerne, frisches Knochenschrot, Brennesseln oder feingeschnittenes, ausgebrühte� Heu gibt. Den Tauben gibt man während der Mauser am besten Wicken. Hanf, Erbsen und Rüben. Die übrigen ernähre man möglichst knapp und nehme ihnen jede Nistgelegenheit, um die zwecklosen Spätbruten, die die alten Tiere unnütz schwächen, zu verhindern. Gänse, Enten und Puten bringt man vorteilhaft zu Mast. Die Tiere werden in einem möglichst eng begrenzten Raum gehalteiv (Enten und Gänse in dunklen Verschlügen) und zweckmäßig folgender- maßen gefüttert: Gänse hauptsächlich mit Rüben, Möhren und gekochten Kar- toffeln. Enten mit gekochten Kartoffeln und möglichst viel fein- geschnittenem Grünzeug und Puten mit Mohrrüben und gekochten oder frischen ranzigen Käse, sowie verdorbenen Früchten. Kauft man neue, junge Tiere ein. so oereinige man sie nicht sofort mit den alten: man kann nie wissen, ob sie nicht mit Krank- hellen oder Ungeziefer' behaftet sind. Neue Tiere gehören also zu- nächst einmal in einem Beobachtungsstall. Im Kaninchenstall gebe man nicht zuviel Möhrenkraut und Rübenblötter, die oft hestigen Durchfall verursachen. Sonst sind Knollen- und Rübengewächse sehr zu empfehlen. Ende des Monats kann man dann— ebenso wie im Ziegenstall— langsam zur Trockenfütterung übergehen. Die jungen, zur Zucht bestimmten Häsinnen werden vom Ramm- ler getrennt und die anderen, nicht zur Zucht geeigneten, vertauft oder geschlachtet: unnütze Fresser soll man nicht in und durch den Winter schleppen. G. B- Blutenfolge der Narzissen Frühzeitige Blüte und Bescheidenheit in den Kutturansprüchen— sosern nur der Boden nicht zu trocken ist— zeichnen die Narzissen aus und ihre Beliebtheit ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Man denke nur an die Menge der Osterglocken, die alljährlich feilgehalten werden. Dem Liebhaber der schönen und auch verhältnismäßig billigen Frühlingsblume wird«s angenehm sein, etwas über die Aufeinanderfolge der Blüte der verschiedenen Sorten zu erfahren. Er kann durch entsprechende Auswahl den Flor im Garten verlängern. Bemerkt sei noch, daß es ratsam ist, Narzissen einige Jahre am selbe» Platz stehen zu lassen. Einer Ausstellung von W. Psitzer-Stuttgart folgend, ist die Frühzeitigkeit wie nach- stehend angegeben: Don den Trompetennarzissen galt bisher„Golden Spur" als sehr früh, dieser erste Platz wird jetzt durch die Neuheit„King Alfred" eingenommen. Als früh sind an- zirsehen:„Princeps maximus" und„Sir Watkin"; mittelfrüh ist „Bieolor Victoria". Endlich folgen„Bicolor Empreh" und „Emperor". Als mittelfrüh wird auch die Neuheit„Van Wawerens Riefe" bezeichnet, die großblumigste Narzisse mit enormer goldgelber Trompete. Bei den gefüllten Narzissen ist„Dan Sion" früh, es folgen di« päonienförmigen.Dränge Phoenix" und „Sulphur Phoenix", schließlich die wohlriechende Narzisse„Albus plenus odoratus". Di« Reihenfolge der kurztronigcn Rar- zisfen ist:„Barrl Firebrand",„Barri Conjpicuus",„Jncom- parabilis Lucifer",„Leedsi White Lady",„Poeticus Glory o« Lisse", «ine Verbesserung der bekannten Sorte„Poeticus ornatus", die selbst den Reigen beschließt.?. O. Erdbeerrekorde und Neuheiten Die Erdbeere ist so recht die Gartenfrucht des Kleingärtners: ihre Nützlichkeit erweist sie schon bei guter Qualität der Sämlinge im ersten Jahr. Die Spezialerdbeerkulturen bieten denn auch Hunderttausende von jungen Erdbcerpflanzen an, und man erfährt von achtbaren, ja staunenswerten Ergebnissen der guten Kultur. Da wird ,D b e r s ch l e s i e n" gepriesen— Riesenfrucht, bringt 60 Zentner Ertrag je Morgen—. aber auch die„reinechte M o u t o t" ist die rentabelste Riesenfrucht für Großanbau. Bei jährlich wiederholter Düngung kann sie auf schwerem Boden 6 bis 7 Jahre stehen bleiben. Von„D e u t s ch- E v e r n" wird gesagt, daß sie die früheste sei, aber schon macht ihr die„Früheste der Frühen" Konkurrenz— sie soll 8 Tage früher reifen. Und von „Afrika" wird frühe Reifezeit, aber auch große Festigkeit ge- rühmt: zwei Wochen Verharren in gutem Zustande bei Reissein. Auch„Sonnenstrahl" soll sich in voller Reif« einige Tag« an der Pflanze halten.„Rotkäpple von Schwabenland" gilt alz Verbesserung von„Mad. Moutot", von der einzelne Früchte bis 75 Gramm wiegen.„Oberschlesien" wird von„M a l h i l d«" in Güte und Wohlgeschmack übertrofsen. Von.Herbstfreude" wird gesagt, daß ji« das ganze Jahr hindurch trägt, was wohl soviel heißen soll, daß sie zwei Erntezeilen bietet: eine Vorernte im Iuni-Juli und«in« zweite Vollerntc im August. Der Verlängerung der Erdbeerernte dient. auch„Orange von Askanien", deren Reifezeit nach„S pät e von Leopolds hall" beginnt. Wie man sieht, ist das Streben offenbar auf Verfrühung und Verlänge- rung der Ernte gerichtet— zwei löbliche Bestrebungen, die auch den heimischen Markt stützen würden. P. D. Rapünzchen-Samen zweijährig Für den als Wintersalat angenehmen Salat aus Rapünzchen sollte man älteren, zweijährigen Samen verwenden, der sicherer keimt als der frisch- geerntet«. Der Samen, der sehr fein ist— 1000 Korn gehen aus 1 Gramm, genügend für 1 Quadrat- meter—, wird auf das umgebrochene Land breitwürfig gesät und möglichst flach eingehackt. Bei feuchtem Wetter wächst di« kleine Salatpflanze freudiger als bei Trockenheit— wenn man den Samen im Garten aussät, so ist nötigenfalls Wasser zu geben. Auch ist dann Reihensaat vorzuziehen. Bei strenger schneeloser Kälte ist mit Stroh oder Reisig eine leichte Schutzdecke zu geben. Bei lange liegender Schneedecke kann man sich die Mich« des Heroorkratzenz ersparen, wenn man einen Tell durch Bretter geschützt hat odex einen kalten Kasten zur Aussaat benutzt«. P. D, „Jeden Tag spielen, himen!" Das Spielfest der Volksschulen in Treptow ,.3m Spiel und Sport gewinnen wir die rechte Lebensart und die rechte Lebensfreude", sagte gestern Stadtschulrat N y d a h l in seiner Ansprache an die 3000 Sinder und ihre Lehrer, die aus der großen Spielwiese im Treptower Park zum 14. Spielfeft der Voltsschulen versammelt waren. Jeden Tag spielen, jeden Tag turnen, wandern, schwimmen, so forderte der sozialdemokratische Stodtschulrat weiter— da verstanden ihn die Kinder aus der Wiese am besten, der jubelnd« Beifall bewies es. Bor 6l). 70 Iahren bereits sind dem guteb Pädagogen Eduard Anaerstein schon die Turnhallen und die Schulhöfe zu eng gewesen; er wollte mit seinen Kindern hinaus ins Freie, jede Woche einmal in Wald und Feld hinaus. Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörte schon ein schön geordneter Ausflug in den Grunewald oder ein steifpädagogischer Spaziergang in den Zoologischen Garten zu den Seltenheiten un Schulunterricht, von monatlichen Ausflügen oder gar von„Spiel- festen" mit allem lustigen und sportlichen Drum und Dran wußte man noch nichts. Gestern waren schon 120 Volksschulen, fast ein Viertel der vorhandenen, mit 3000 Kindern und gegen 400 Lehrern und Lehrerinnen von der Turnvereinigung Berliner Lehrer an einem solchen Spielsest beteiligt— welch ein Fortschritt in einer Zeit, wo jeder, der im Gestern stecken blieb, gerade an der Schule und ihrer zielbewußten Führung etwas auszusetzen weiß. Es wäre für solche Leute heilsam gewesen, mit anzuhören, wie der Stadtschulrat selbst die Kinder ermahnte, bei ihren Lehrern, bei Rektoren und Schulräten für eine Beteiligung an dem Spielfest zu werben, damit es bald alle Schulen Berlins sind, die mitmachen bei Spiel und Sport und Turnen und Wandern. Was es gestern in Treptow auf dem grünen Rasenteppich zu sehen gab? Nun, wenn 3000 Kinder, Großstadtkinder aus Hintsr- Häusern, Herumtollen bei Völkerball, Handball und Faustball, wenn sie laufen und stürmen bei Slaselten und Eilbotenläusen, wenn schließlich am Ende der sechs Stunden währenden Spielschlacht liebe kleine Mädel in leichten Anzügen und Barfuß von ihrer gong- schlagenden Lehrerin geleitet, modern-rhythmische Tänze, ja ein ganzes lTanzfpiel aufführen und wenn schließlich andere Mädchengruppen Iweckgymnastik vorführen, nun dann gibt's allerlei zu schauen und zu freuen. Manche„Mann"schaften waren schon von recht erheb- lichen Sporteifer erfaßt wenn es um die Endkämpfe ging; schließlich ist unsere Zeit nicht umsonst die Zeit der sportbegeisterten Jugend und der Wanderpreis, eine schöne, große, gestickte Fahne mit der entsprechenden Inschrift und dem Berliner Bärenwappen ist für ein Jahr als Siegestrophäe nicht zu verachten. Gewiß, ein Preis und sei es nur ein Buch, spornt an, aber als der leitende Lehrer ein„G u t Heil" auf den Sport ausbrachte, schrie neben mir ein hübscher Trupp kräftiger Jungen feste„Frei Heil"! Ob das�jchon Arbeitersport jungs waren, die gewohnt sind, ohne Preise zu kämpfen? Ein Hoch aus die Republik und das von ollen begeistert gesungene Deutschlandlied beschlossen das Spielfest. Um die Siegermannschaften gab es schließlich noch, ganz wie bei den Großen, heftige und mit allem offiziellen Nachdruck vorgebrachte Proteste. Deshalb wollen wir keinen nennen, sondern uns freuen, daß an Berliner Volks- schulen überhaupt Spielfeste gefeiert werden. M. J, Erste Arbcitcrsportlcr starten am Sonntag im Tiergarten Für die am Sonntag, 7. September, aus dem Tiergartensporlplah staltfindenden Vereins- mehrkämpse der Arbeiterjportvereine des ersten, Berlin. Brandenburger, kreise» ist die Rteldezisfer von 200 Rlann- s ch a st e n fast erreicht. Dieses Zahr hat sich der„Sportverein Moabit" der bestimmt nicht leichten Durchführung de» Feste» angenommen. Das Hauptinteresse wird sich wieder den.V- M a n n s cha f t e n zuwenden. Hier hat alles, was Namen hat, gemeldet. In den Kurzstrecken trifft die Elite des 1. Kreises, wi« Held-ASC., Traxel- Ostring, Lädemann-Brandenburg auseinander; in der angeführten Reihensolg« sollten sie auch das Ziel passier«». Die Mittelstrecke dürfte der für den ASE. startende Huwe mit Beschlag belegen. Um di« Plätze streiten Kittler-O�tring und Sennert-Nordring. Bei den Langstrecklern kann der für Nordring startende Böhm« leicht ein« Ueberraschung vor Brau-ASC. bringen. Die mit größter Spannung erivartete I0.nml-100-Mctcr-Stasfel dürfte nach den bis- her gezeigt«» Leistung«» Ostring vor ASC., Rathenow und Brandenburg beenden. In den Sprung- und Wurskonkurrenzen streiten keine Geringeren als Corts-Brandenburg, Görjch-ASC., Zain- ASE-. Rutz und Schurwagen-Ostring und andere Um den Sieg. Der Besetzung der einzelnen Konkurrenzen nach zu urteilen müßte ASE. vor Nordring, Brandenburg und Ostring gewinnen. Auch in der Klasse der 2. und 3. Mannschaften wird hart um den Sieg gestritten werden. Weis«» doch die Meldungen Namen wi« Fischmann und Wicnecke vom ASE., Stoll, Lippert- Ostring, Krüger-Nordring aus. Wedding s«i aber bei der Sieg- Zuteilung auch nicht vergessen. Di« X-Gruppe der Frauen könnte ASC. vor Wedding und Köpenick gewinnen. Bei den Laufkonkurrenzen sollten die Ergebnisse vom Frauenfest wiederholt werden. Sieger der Jugendgruppe müßte Köpenick od«r Wedding werden; Seidel-Wedding, Faul-Köpenick und Mart«n-Ost< ring sollten ihre Konkurrenzen gewinnen. In der L- Klasse ist der Si«g«r völlig ungewiß. In Frage kämen Fürstenwald«, Schöneberg, Moabit und Süden. Uebcrraschungcn durch die Pro- vinzvereine sind nicht ausgeschlossen. Mit einem sicherem Siege im Stabhochsprung kann Bergens-Schönow rechnen, der bestimmt die Leistungen der.X Klasse übertreffen wird. Schönebcrg, Süden oder Moabit können der Sieger der K-Fraucngrupp« sein. Die für Provinz und kleinere Vereine vorbehaltene C- K l a s s e ist die der Ueberraschung«». Sicher jedoch ist der Sieg von Osten in der Frauengruppe. Einen Gesamtsieger vorauszusagen wäre gewagt, Lucken- walde, Osten, Lichtenberg und Neukölln dürsten aber an der Spitze zu finden sein. Mit 17 gemeldeten Mannschaften stellt Wedding vor ASE. mit 14, Nordring und Schöneiberg mit je 10 Mannschaften die meisten Teilnehmer. Da bekanntlich eine große Besucherzahl mit zum Gelingen eines Festes beiträgt, wollen wir hoff«», daß alle Freunde des bundestreuen Arbeitersports ihren Sonntagsspazier- gang nach dem Tiergarten oerlegen. Vormittags g«ht aber alles, Sportler und Sympathisierende, in den S p o r t p a l a st zu der KuiKrgebung der Sozialdemokratischen Partei! tauis 20 Uhr Kundgebung der Arbeitersporller im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz Karl Litke spricht Sport- und Wahlfilme Alle Karfellvereine treten vollzählig anl Kleiner Sport von überall Achtung, Arbeiter-Handballspieler! Die ange- fehlen Spiele am Sonntag, 7. September, finden bestimmt statt. Die Ankündigung in der ASW. beruht aus einem Irrtum. Kreisleitung der Handballspieler. Z. A.: Rl a x Richter. Der letzte Finnenstarl in Deutschland. Die sinnischen Arbeiter- fußballspieler.Zind Leichtathleten starteten kurz vor Antritt ihker Heimfahrt in Stettin. Im Fußball geimmn die Städtemannschast Stettin in vorzüglicher Form gegen Finnland 3: 1. Dagegen waren die finnischen Leichtathleten nicht zu schlagen. 100 Meter: Wall 11,3 Sek., Höwer-Stettin 11,4 S«r.: Olympische Stafette: Finntand 3 Min. 43,3 Sek., Stettin 3 Min. 44 Sek.; Speerwerfen: Tokkinen 34,24 Meter; Kugelstoßen: Wall 13,03 Meter; Hochsprung: L«thinen 1,85 Meter. Dübbers verzichtet aus den Titel. Bei den am Fr«itag in Ham- bürg stattfindenden Boxkampstag wird der Kölner Dübbers seinen Titel als Federgewichtsm«ister gegen Heinrich Gohres-Duisburg nicht verteidigen. Er ist ertrankt und Hot seinen Titel zur Versügunz gestellt. An Stelle von Dübbers tritt nunmehr d«r Ersatznrann Daniel Schink-Köl» gegen GoHres an.— Die Dortmunder West- falenhalle eröffnet die neue Boxsaison am 12. Oktober und hat sich für diesen Tag gleich einen Kampf um die Schwergewichtsmeister- lchaft gesichert. Der neue Titelhalter Hans Schönrath hat die Heraus- fordcrung von Rudi Wagner angenommen. Fußballkamps„Bühne-Film gegen Zeitung". Eine seit Mo- naten bestehende Vereinigung von Bühnen- und Filmschauspielern, d«r sich einige Presseleute, Zeichner und Sporttrainer angeschlossen hal»«n, veranstaltet am kommenden Mittwoch im Post-Stadio», Lehrter Straße, ein Spiel Bühne-Film geg«n Zeitung. Ganz be- lannte Männer der Leinwand und der Bretter, die die Welt be- deuten, werden starten; zum erstenmal werden in Berlin Film- und Bithnengrößen miteinander aus dem grünen Rasen um den Sieg ich Fußball kämpf«». Rennen zu karlshorsl. Die Karlshorster Herbstsaison Nimmt am Freitag mit einein vielversprechenden Programm ihren Fortgang. Beginn der Rennen 13 Uhr. Tennis- Friedmann als lästiger Ausländer! Um für Moskau Retlame zu schinden, fuhr der berüchtigte ungarische Husarenleutnant, spätere Eiergroßhändler und Häusenspekulant Fried», ann nach Norwegen. Er und die mitgenommene Prätorianersportlergarde wurde vom Sportplatz gewiesen. Di« kommunistische Presse schweigt über diesen Reinsall. «rbnte-.Rod.»nd«loftfokMt-SuBb.Solibarität". Ortmtuppf Toniita«, 7. Scpicinbcr, S'.-i Uhr. Wahltuudecbung im Sportpalast trelcu »Hl Abiiilunarn mit Bannern an �um Einmarsch der Eporllcr. ltartrlbezlrk Schij-rtxrp.grirtxna». Äste Kartcllvrreinr dcteiliflc, sich mit ihren gähnen an den Wahllnndpebunac» der CP?. greltaa. V Septemder, 19 Uhr, La»ervlos!.»leidang: Männer' Strastenan�ua und CchiUerkraqen: grauen meiste Bluse und schwarzer Rock. Sannlafl J'ir«undgebnna im Eparl. Palast. Treffpunkt 9 Uhr im Bor-iortrn he, Spoclpalasies. Nleidunp: Sport Hose und Sporihem«. Dienotaa. 9.. und Freitaft. 12. September, und heute, Drnnerptaft, hie Sportlertundftebuuft um 20 Uhr im Lehreruereinshauo, 'Zlexanderplast, restlos besuchen. �. Freie«asserfahrer»öpexlck 1924, e.». An, i. septemder Wahlpro paftanda- fahrt. An diesem Tafte sowie am 14. September Fahrten sperre.--- Bor. standssistun» 19. September, Monat»siti»nft 26. September. Bride 20 Uhr Sporthaus Eiche, Ztijplnick. Dartenstiast«. einnelmitBlieber der Freie- Ruberer und«-»-seheee>««..I. u. >. Brei». Alle Miiftlieder der Obersprce betriliften sich mit ihrrm Botts. Material an der SSahIpropaganba tllr die Lifte I. Treffpunkt Sonntoft. 7. September, 9 Uhr, Bootshaus.Vorwärts". Brapaftanbamaterial wird dort ousftrfteben, Sistunft II. September, 20 Uhr, bei Sachse, Lindowcr Str. 26 i Bahnhof Dedbing)._„ Freie Schwimmer«rost.Beeli», e. B. Weften her Rrichstagsmahlen Saupt- oorstemdsslftunft Tvnnerstaft. 10. September, 18 Uhr. Kauptauoschiistfistunft am ftleichen Tage 20 Übt,— Sur grostrn Walstkunbftebung im Sportpalast, Bots- dam er Slr. 72, Sonnraft. 7. Eep'rmber. 91, Uhr, stellen für die Fahnendolega- tion die chruvpen Neukölln. 6 Männer» Frauen: Lichtenberg: 4 Männer. S Frauen t Friedrichshai»: 3 Männsr 3 Frauen; Mitte: 2 Männer 2 Frauen! Obctfprcc: 2 Männer 2 Frauen. 9 Uhr Sportpalast, Bundessrstilcidunft. Auster- dem keieiligen sich alle Oe nippen mir all ihren Fahnen und Bonnern an dieser stundftrdiinft.— Alle Gruppen de, Vereins werden fteheren. Flugblätter klir die Wahl ans der C-eWifte stelle o&Aitbolfn ttäftlich ob IS Uhr). To-riftenoerrin.Sie Rar-rfreuade", Abt. Brl», lauer«erg. Die strirligr Mitgluderversammlimg lällr au», wir dcteiligeu uns geschlossen an der Soorlier. kundgebuna sr» Lchrervcreinshaus(Rexandcrplast). Maffenklage gegen Reichswehr. Vor dem Arbeitsgericht. vor dem Arbeilsgerichl fand am gestrigen Rlill- wach eine inleressanle Feststellung»klage stall, die nur den Auftakt zu einer Massenklage gegen da» Reichswehr- Ministerium bildei. Es soll in deren verlaus festgesleUl werden, ob die Angestellten dieser Behörde sich als Arbeiter oder als Angestellte fühlen können. Im Jahre 1923 hatte das Reichswehrmmisterium aus dem Wege des Inserats Angestellt« gesucht und stellte einen Kauf- mann M. als Buch- und Rechmingsführer ein. Bei der Uebernahnie seiner Tätigkeit wurde ihm mitgetefti, daß er sonnell als Arbeiter in den Listen goführt werde, da laut Abmachung mit der Enteilte nur weibliches Personal im Reichswthrministeriu.m als Angestellte tätig sein dürfte. Dem Kläger wurde jedoch zugesichert, daß, wenn ciirmai diese Vorschrift der Entente fallen gelassen würde, er und zahlreiche andere Personen, die damals engagiert wurden, auch als Angestellte gelten und daß ihnen die entsprechenden Vergünstigungen gewährt würden. M. wurde nun größtenteils mit typischen Büroarbeiten beschäftigt, hatte Listen zu sichre» usw. Um andererseits den Nachweis führen zu können, daß es sich um Arbeiter handelte, mußt« M. zusammen mit anderen Kollegen gelegentlich auch Arbeiten ausführen, die im rechtlichen Sinne nur von Arbeitern ausgesührt werden. Vor einiger Zeit wurde der �Kläger als Telegraphenarbeiter noch Döberitz geschickt. Er führte die ihm übertragenen Obliegenheiten auch, allerdings unter Protest, aus. Nachdem er schließlich in den Betriebsrat gewählt und bestätigt worden war, verweigerte er jedoch die Aus- jührung solcher Arbeiten mit der Begründung, daß sie nicht zu den Obliegenheiten eines Zl n g e st e l l t e n gehörten. Nach seiner Bc- Häuptling wurde M. daraufhin weiter mit schweren und schmutz!- gen Zlrbeiten beschäftigt, die keineswegs von Büroangestellten ver- richtet werden. Als er sich nun beschwerdeführend an die vorgesetzte Dienststelle wandte, wurde er suspendiert, nicht etwa entlassen. Um Klarheit zu erhalten, strengte nun M. vor dem Arbeits- gericht die F e st st«l l u n g s k l a g e an, ob er sich im Reichsivchr- Ministerium als Arbeiter oder als Angestellter zu fühlen habe. Er wies im gestrigen Termin darauis hin, daß die Entente schon seit geraumer Zeit chre Forderung habe sollen lassen, daß nur weib- .lichc Kröste im Reichswehrministerium als Angestellte beschäftigt würden, daß man ihn und ein« große Anzahl anderer Personen jedoch trotz der früher erfolgten Zusage nicht als Angestellte be- handle und führe. Der Vertreter des Reichswehrministeriums widersprach der Behauptung des M., daß im Jahre 1923 den eingestellten Kräften versprochen worden sei, sie später als Angestellte zu betrachten. Das Gericht kam nach kurzer Beratung zu der An- ficht, daß M. nn wesentlichen die Tätigkeit eines Angestellten habe ausüben müssen und daß er deshalb auch berechtigt sei, sich als solcher zu fühlen und die Rechte für sich abzuleiten, die sich aus dem Angestelltenverhältnis ergeben. Auf Grund dieses Urteils dürften jetzt voraussichtlich über IVvKlagen gegen das Reichswehrministerium eingeleitet werden, die auf derselben Basis beruhen. Die Funde um Andere. Die Knochen des dritten Teilnehmers fehlen. S l o ck h o 1 m. 3. September. Die Untersuchung der Andrte- Funde durch die wissen- jchaster hat nach den Meldungen aus I r a m s ö ergeben, daß die in dem Segellnchboo« der Andree-Expedition aufgefundenen Knachen nicht von einem Menschen, sondern von einem Eisbären stammen. Die Gebeine Frankels sind also noch nicht geborgen; man nimmt an. daß sein Skeielk sich noch ans v i l ö befindet. Das neue Tagebuch, das in einer der vielen laschen Andrees gestern noch gesunden wurde, Ist g u l lesbar. Die Dokumente werden nach Stockholm gesandt. Nach einer amtlichen Mitteilung ist bei der Untersuchung der Ueberreste der beiden Nordpolsahrer sestgestellt worden, daß die vr- ganischen Teile beträchtlich zerstört sind. Mehr oder minder er- halten sind dagegen die Kleider. Aus den in den Kleidern ein- genähten Kennzeichen geht hervor, daß es sich tatsächlich um die Ueberreste von Andröe und Strindberg handelt. Nur Teile der Skelette sind erhalten geblieben. Andröes Kleider sind mehr oder minder zerrissen, wahrscheinlich von Bären. Sein Jackett bedeckte den obere» Teil des Körpers. Unter dem Jackett wurden einig« andere Bekleidungsgegenstände, darunter eine Mütze gefunden. Auf dem Rücken des Körpers fand man in ein Wachs- tuch eingewickelt ein wollenes Hemd, in dem zwei Notizbücher lagen. Das eine von ihnen enthüll nur auf den ersten Seiten Aus- Zeichnungen und ist im übrigen unbeschrieben. Das andere war das Tagebuch der Wanderung über das Eis. Dies ist bis jetzt und vielleicht überhaupt das wichtigste Dokument über das Schicksal der Expedition. Da, Tagebuch, das zuerst gesunden wurde und das Dr. Horn an sich nahm, ist nämlich nur auf den ersten Seiten beschrieben; Das Tagebuch, das jetzt gefunden wurde, ist von der ersten bis zur letzten Seite beschrieben. Die Auszeichnungen, die im übrigen durchaus leserlich sind, wurden mit einem Blei« st i f t gemacht. Wetter für Berlin: Trocken und vielfach heiter, wieder sehr kühle Nacht, schwache nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordosten noch veränderlich, im ganzen übrigen Reiche trockenes und vielsach heiteres Wetter mit sehr kühler Nacht. I Donnerstac, 4. September. Berlin. 16.03 UrUcrlislumüsnniiik. V 17.30 Fredy Budzinski: R«dfalir.sporl. 17.50 Günther Uirkenfcld; Die ErzJhluns der Woche. 18.13 Karl Jöken sinet Schlacer. 18.35 Wilhelm Dlttmann; Onane der Staatsrewzlt. 19.00 Arbeltsmarkt. 19.03 Choreeslinee. 19.30 Helleres(Schallplaiten). 20.00 Wovon man spricht. 20.30 1. Tschaikovsky: Konzert für Violine und Orchester,»p. 36. fProf. Jose! Wollsthal).— 2. Bloch: Sinfonie Cis-Moll,(Punk-Orchester.) Nach den Abendmeldunten bis 0,30; Tanzmusik. KOnigs sc usterhanse». 16.00 Rektor Johannes Kaystr; Ende des Schulaufsatzes? 17.30 Dr. Mario Krammer: Heidelberg. 18.00 Dr. J. Schult: Deutsche Schulen in Brasilien. I0.no Spanisch für Fortgeschrittene. Ih..*) Frau von Treuemelsi Die Frau als Oefliieeihalierin und ihre Aussichten im landwirtschaftlichen Betrieb. J0.3Ü Stuttgart: Im Land der Cryeanthenie". 21.30 Stuttgart: Operettenkonzert. Ein Flu�sidierheitsrckord Welchen großen Fortschritt die Flugtechnik in bezug aus Flug- s i ch e r h e i t gemacht hat, zeigt ein kürzlich mit einem Focke-Wuls- Verkehrsflugzeug mrsgesührtcr Versuch. Bei der Ueberführung eines von der Nordbayerischen Verkehrstlug A.-G. gekauften Facke-Wulf „Bussard" von Bremen nach Fürth konnte der leitende Ingenieur der genannten Verkehrsgesellschaft. Dipl.-Jng. Wiehler. einen einzig- artigen Rekord ausstellen: Er slog die 420 Kilometer lange Strecke in etwas über 2>s Stunden bei sehr böigem Wetter, ohne die Steuersäule zu berühren, also sozusagen freihändig. Der Typ„Bussard" ist»in aus dem als trudelsicher bekannten Focke-Wuls„Habicht" weiterentwickeltes Verkehrsflugzeuz sür 7 Personen, das sich ebenso wie der„Habicht" durch eine besondere Flügelsorm auszeichnet. Arbeiter-I'eQvisserienspiele Am Sonntag, 7. September, spielen: Gruppe A, Männer: Tennis-Rot Lichtenberg II Aegen Tennis-Rot Prenzlauer Berg, 8 Uhr. Prenzlauer Berg. Gruppe v, Männer: Tennis-Rot Wedding gegen Tennis-Rot Pr-nzlauer Berg. 8 Uhr, Prenzlauer Berg; Tennis-Rot Gesundbrunnen gegen FTGV. Wedding, 9 Uhr, Reh- berg«; Frei-Tennis Spandau gegen FTGV. Neukölln, 9 Uhr. Neu. kölln. Gruppe B, Frauen: Frei-Tennis Spandau geaen FTGB. Neukölln, 9 Uhr. Neukölln. Für eine schnelle Berichterstattung ilt es unbedingt notwendig, daß die vorgedruckicn Berichtskarten.01» Spieltage abgesandt werden. Schwarze Listen im Bühnenverein. Durch ungünstige Auskunst brotlos gemacht. Der I>i,spiz!ent Berat-Feigl ivar zwei Jahre am Stadrthcater in K o t t b n s beschäftigt. Im Mai 1929 wurde sein Vertrag nicht erneuert. Seitdem ist er stellungslos und kann trotz eifrigster Be- mühungen keine Stellung finden. Ueberall, wo er sich bewirbt, wird er zurückgewiesen, sobald man seinen Namen hart, denn der Kottbuser Intendant Spannuth-Bodenstedt hat den Mitgliedern des Buhnenvereins eine so u n g ü n lt i g c Zl u s- r n n f t über Berat-Feigl erteilt, daß ihn kein Theaterlecker einstellt. Bei dem tarifmäßig zuständigen B ü h n e n s ch i e d s g e r ch t hat Berat-Feigl eine Schadenersatzklage gegen die Stadt- gemeinde Koitbus und den Intendanten Spannuth-Bodenstedt er- hoben. Die Klage ist sowohl vvni Schiedsgericht wie vom Ober- schicdsgericht abgewiesen. Beide Instanzen hielten für festgestellt, daß die vom Intendanten erteilte Auskunft den Tatsachen entspricht, also ein Anspruch auf Schadenersatz nicht bestehe. Berat-Feigl hält das Urteil der beiden Schiedsgerichte für einen Fehlspruch, der darauf zurückzuführen sei, daß die gegen ihn aufgetretenen Zeugen durch ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von dem Intendanten beeinflußt seien und die von ihm benannten Zeugen gar nicht gehört worden seien. Berat-Feigl hat nun beim Arbeitsgericht Berlin— gestützt aus § 100 des Arbeitsgerichtsgesetzes— eine Klag« auf Aufhebung des Schiedsgerichtsurteils eingereicht. Auch diese Klage wurde aus sormal-juristischen Gründen abgewiesen. Wie der Vor- sitzende, Auitsgerichtsrat Dr. Franke, ausführte, bedauert das Gericht aus menschlichen Gründen, nicht in die materielle Verhandlung eintreten zu dürfen. Das Arbeitsgericht sei in seiner Befugnis bei Aufhcbungsklageii noch mehr beschränkt, als die Reoistons- rnstanzeli der ordentlichen Gerichte. Es sei an die tatsäch- lichen Feststellungen des Schiedsgerichts gc- Kunden und dürfe nicht nachprüfen, weshalb das Schiedsgericht manche Zeugen, die vielleicht Wesentliches hätten bekunden können, nicht gehört habe und weshalb es über eidesi stattliche Versicherungen einfach hinweggegangen sei. Einer von den in§ lOst angegebenen Aufhebungsgründcn liege nicht vor. Deshalb habe dos Gericht zu seinem Bedauern die Klage abweisen müssen. Intendant Spannuth-Bodenstedt ist vor einigen Tagen gestorben. Unser in Kottbus erscheinendes Parteiblatt„M ä r- tische B o l k s st i m me" widmet ihm einen Nachruf, der seine künstlerische Tätigkeit rückhaltlos anerkennt, zun: Schluß aber bc- merkt, daß seit einiger Zeit an der Einstellung des Intendanten dem Personal gegenüber manches auszusetzen sei, was wohl auf seine nervöle Uebcrreizung, aus der seine Krankheit, die zum Tode führte, entstand, zurückzuführen sei. hiernach und nach den Ausführungen des Amtsgerichtsrats Dr. Franke, der sich ja auf Grund des Aktenstudiums ein zutreffen- des Bild der ganzen Angelegenheit machen konnte, darf man wohl annehmen, daß Berat-Feigl das Opser eines krankhast überreizten Mannes und eines nicht einrvandfrei zustand« gekommenen Schieds- gerichtsurtecks geworden ist, welches der Bühnenverein durch sein« Schwarzck Liste vollstreckt. verantworll. für die Redaktion: Wolsgaag Schwarz. Berlin: Anzeigen: Tl,. Slocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag©. m. b. 6.. Verlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei un» Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin 633 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. � dkfchäfis-Jlnseigei* föezirß Jlorden-Cfien. maierhatte�nwitoMif Berlin G.m.b.H. VORMALS MALEREI6EN0SSEH8CRAFT GEGRÜNDET 1112 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER 5628—30 ALLE MALERARBEITEN 186 MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Werner& Schade Berlin N, Kastanienaliee 43 Fernsprechanschluß Humboldt 101 1-101- liefert Kautsdiok- und Metallstesipei prompt Bevor Sie PlÖbd kaufen [R. 129 Ich offeriere: la frischeste Vollmilch in bester, fettreichster Qualität, die auf dem schnellsten Wege vom Erzeuger zum Verbraucher ohne Lagerung und Stapelung(dadurch I— 3 Tage älter) gebracht wird. Außerdem offeriere: In ff. 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