BERLIN Freitag 5. September 1930 10 Pf. Nr. 416 B 207 47. Jahrgang erscheint ttglich aoger Genntags. Aiigleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S.KOM. prwMonal. Redaktion und Expedition; Berlin SWes, kindenstr. 3 Lnitigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts. August 1930 vorsah, wird den außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Betriebe des holzver- arbeitenden Gewerbes in keiner Weise gerecht. Die Holzarbeiter werden die Antwort nicht schuldig bleiben. Jawohl, Verbrecher! Massenmörder Heidger und Hein von Kommunisten verherrlicht. Unsere Liste kommunistischer Verbrecher ist der„Roten Föhne" sehr in die Glieder gefahren�?Aus die meisten Fälle weis, sie nicht» zu erwidsrm Dafür lügt sie ihren Lesern vor, wir hätten„die Ge- brüder H e i d g e r und den Posträuder chein der Kommunistischen Partei zugesprochen, mit der sie nie etwas zu tun hatten/' Das ist uns gar nicht eingefallen. Wir Hoden festgestellt, daß diese gemeinen Verbrecher, weil sie sich ihrer Festnahme durch Tötung vieler unschuldiger Menschen zu entziehen suchten, von der Kommunistcnpresse alö revolutionäre Helden gefeiert worden sind Will die„Rote Fahne" das be» streiten? Aus den Artikeln der Kommunistcnpresse. die damals zum Lobe dieser Massenmörder erschienen, zitieren wir einen, den ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter in dem in- zwischen eingegangenen Bertiner kommunistischen Montazsblatt vcr< ösfentlicht«. Er schrieb: Die individuelle Lösung, die B e r b i s s e n h e i t und Wut gegen die Polizei als eine politische klassenersiheinung ist bei Hein und auch bei den Gebrüdern Heidgcr ganz deutlich in Erscheinung getreten... Andererseits bietet der Kamps der Gebrüder fjeidger mit der Polizei gewisse Lehren, insbesondere darüber, wie durch eine kleine Anzahl von Menschen, in diesem ssalle van Verbrechern, ungeheure polizeiliche bzw. mili- tarische Kräfte gebunden werden können. Die Theoretiker des bewaffnete» Auf st an des können zweifellos aus dieser Hetzjagd in Köln ebenso viel Lehren ziehen, wie aus d e in H a m b u r g e r A u s st a n d. Zn den Gebrüdern Heidger ist die proletarische Revolution lebendig, nur ist sie nach der individuellen Seite abgedrängt. Di« Ge- brüder Heidger, der Posträuber Hein, das sind rheinische Rebellen... Die heidger» und der Hein, es waren Kerle. Sie Hutten Mut, Entschlossenheit und Tatkraft." Im Falle Margies erklärte es die„Rote Fahne" für eine „Sudelei", ihm 20 Jahre zurückliegende Taten zum Vorwurf zu machen. Wie liegen die Dinge? Margies hat sogar schon vor 39 I a h re n mit seiner Aerbrechertaufbahn angefangen. Nach seiner letzten Eroß-Seri« von Einbnichsdiebstählen wurden dann sämtliche gegen ihn erkannt« Strafen in 15 Jahr« Zuchthaus zu- fammengezogen, die er ziemlich restlos verbüßt hat. Während dieser Zeit konnte er also nicht einbrechen. Un- mittelbar nach seiner Entlassung hatte er dann als„Kommunist" in drei Fällen Schutzleute niedergeschossen und kam sofort wieder in» Gefängnis. Im Fall Kobitsch-Meyer erklärt die„Rote Fahne", daß dieser Märtyrer sein«— auch von der„Roten Fahne" nicht abge- leugneten— Einbruchsdiebstähle aus Haß gegen die Gesellschafts- ordnung begangen habe. War es auch„Haß gegen die Gesellschaits- ordnung", der Kobitsch-Meyer veranlaßte, bei Begehung dieser Diebstähl« einen proletarischen Nachtwächter tot- und einen zweiten zum Krüppel zu schießen? Die„Rote Fahne" nennt solche Taten „die berechtigte Notwehr eine» proletarischen Klassen- kSmpfer» gegen bewaffnete Angriffe". Diese Verbrechermoral kennzeichnet sich selber! L«// „Dem unbekannten Funktionär Die Lüge von der Futterkrippenwirtschast Die Jugend marschiert! Mesendemonstration der sozialdemokratischen Jungwähler. Die Jungarbeiter Berlins stehen auf der Seite der Sozialdemo- kratie! Sie werben und wirken für die Partei der Arbeit, sie stehen geschlossen hinter ihr. Das beweist die Riesenbeteiligung an der Kundgebung der soziallstischcn Arbeiterjugend und der Jung- sozialistischen Vereinigung Groß-Berlin sowie der sozialdemokrati- schen Studenten, die sich am Donnerstag um 19 Uhr an der Müller- Eck« Seestraße sammelten. Der imposante Zug, geführt durch unsere prächtige Arbeiter. jugendkapell«, bewegte sich durch die Straßen des Wedding zum Kleinen Tiergarten. Wahl waren auch gestern wieder einige kammunistische Schreier zur Stelle, aber es gelang ihnen nicht, irgendeine Wirkung zu erzielen. Im Gegenteil, es erwies sich deut- lich, daß der überwiegende Teil des Publikums auf feiten der Sozialdemokratischen Partei steht. Das Btld, das sich dem Besucher bot. war graßartig. Di« schmucke Tracht unserer Jungen und Mädels in ihren blauen Hemden mit dem Zeichen der Sozialistischen Arbeiterjugend, die zahlreichen roten Fahnen, die wirkungsvollen Transparente und Schilder, alles das brachte den Aelteren die Gewißheit eines siegreichen Ausganges des Wahlkampfes. Genosse H e n n i g hielt, oft von Beifall unterbrochen, die Schlußansprache.„Die denkend« Jugend weiß, daß nur eine Partei für sie kämpft und für sie sorgt, die Sozialdemokratie. Di« Iugendschutzgesetzgebung, die besonderen Schutzbestim- mungen für die arbeitend« Jugend beiderlei Geschlechts, ist unser Werk. Immer wieder waren wir es, die im Kampf für die Ar- beiterjugend vorwärts trieben und bei den bürgerlichen Parteien unseren Willen durchsetzten. Wir sind noch lange nicht zufrieden, wir sind noch lange nicht am Ende unserer Arbeit. Aber Treue um Treue! Stehen die Jungarbeiter und Iunggrbeiterinnei, zu uns, stärken sie die Macht der Sozialdemokratie, dann sind auch wir in der Lage, ihnen z» helfen Am 14. September muß sich zeigen, daß der reaktionäre Bürgerblock auch durch die Jugend ge- stürzt wird und daß auch die Schleppenträger der Reaktion, die Kommunisten und Hakenkreuzler, bei der Berliner Arbeiterjugend abgewirtschaftet haben. Einig ist die Berliner Arbeiterjugend in ihrem Treuegelöbnis zur Sozialdemokratie." Schadenersatzklage der Nordwestlichen. Sie fordern 7000 Mark vom OMV. Esten, S. September.(Eigenbericht.) Der Arbeitgeberoerband Nordwest hat den Deutschen Metall- arbeiterverband beim Arbeitsgericht verlin auf Schadenersatz in Höhe von rund 7000 Mark verklag«. Die Klag« steht im Zu- fammenhang mit dem Kampf um den Zlkkordabbau. Nach der Darstclluyg' des Arbeitgeberoerbandcs soll im Juni«in Funktionär des Meiallarbeileroerbandes in Esten-Katernberg in einem Schleiben an eine Firma erklärt haben, er fordere die Arbeiter zum Streit auf, falls die Firma die Akkorde abbaue. Darin sehen die Arbeit- geber ein tarifbrüchiges Verhalten. Die Herren der Nordwestlichen Gruppe wollen sich die Früchte des Stegerwaldschcn Lohnabbaues nicht schmälern lassen. Als erst« dieijähr ge Sonietoeranftallung der Bolftbütjnc C. v. findet am Mittwoch, dem 10., M Ubr, im Bürgeifool de» Raidaule«. Sinzang Sövlgstratze, ein Rest Langer.?Ibend slalt. Einlaßkarten 0.00 M. Es ist immer das Borrecht der Sozialdemokratie gewefen, ihren Kampf mit sachlichen Argumenten führen zu können. Wenn wir heute etwa gegen die Nationalsozialisten auch die persönliche Kennzeichnung des Charakters„ihrer' Führer" verwenden müssen, dann nur darum, weil diese Führer vorgeben, die Idee selbst zu verkörpern, weil es kein Richtmaß über ihnen gibt, das gelten würde, auch wenn sie selbst Schurken sind. Demgegenüber hat die bürger- lichc Welt gegen die Sozialdemokrati« oft und oft das Mittel per- sönlicher Verleumdung ihrer Führer benötigt, einfach weil es ihr an besseren Wassen, an wirksamen Gegenargumenten gegen unsere Politik gefehlt hat. lind gerade gegenwärtig«rieben wir wieder eine Hochflut wüstester Beschimpsung der Männer, die für unsere Politik die Verantwortung tragen. Nicht nnr wenigen, die führend on der Spitze stehen, sondern der ganzen breiten Schicht von Funktionären, wird der Borwurf gemacht, daß sie„Futter- krippenwirtschast" treiben, daß es ihnen nicht um den Sozialismus, sondern um ihr Privatwohl zu tun sei. Es wäre leicht, den Gegnern mit gleicher Münze heimzuzahlen und sie zu fragen, wie viele in ihren Reihen noch an ehrlich gläubigen und opferwilligen Männern in führender Position stehen, aber wir haben einen höheren Mut. Ja. wir sin!into*ffiimmeim Jnnern Jltisfralleit». S)iefe Stämme trur den kürzlich ton der ITlackey Expedition entdeckt Ein Film von der Arbeitslosigkeit „Lohnbuchhalter Kremke" Riesenfeuer bei London. 1000 Personen bedroht.- 70 Sprthen in Tätigkeit. London, 5. September. Ein riesiges Schadenfeuer ist am Donnerstagabend in einem an der Themse gelegenen Lagerhaus in dem Londoner Vorort W a p- p i n g ausgebrochen. 79 Feuerwehrwagen, 2 Feuerlöschboole und 399 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen den riesigen Brand an, der an den großen Warenvorräten aller Art reiche Nahrung fand. Mehr als 1999 Personen wurden infolge der großen Hitze aus ihren Wohnungen in den benachbarten Häufern vertrieben. Dichter Rauch füllte die Straße», so daß für die An- wohner Vergiftungsgefahr bestand. Nach mehr als vier- stündigen Bemühungen gelang es der Wehr, Herr des Brandes zu werden. Der Sachschaden wird aus 29 Millionen Mark gefchägt. Zeitweilig bestand auch die furchtbar« Gefahr, daß dos Feuer auf eine naheliegende Gasanstalt überspringen würde. In diesem Fall wäre das ganze Stadtviertel verloren gewesen. Nur mit äußerster Anstrengung gelang es den 79 Spritzen, das rasende Element nieder- zukämpsen. Was wird nun mit Lack Diamond. Niemand will ihn hoben. Bremen, 5. September. Bremer Polizeibehörden wissen immer noch nicht, auf welche Weis« sse Jack Diamond los werden sollen. Der Berbrecherkörng besteht auf seinem gültigen Paß und Visum. Die Reederei-n ob-r haben mit Rücksicht auf ihre Passagiere wenig Neigung, Diamond als Passagier an Bord zu nehmen. Di« Bremer Kriminalpolizei ist oufs äußerste bemüht, die Ausweisung des Schwerverbrechers unter allen Umständen zu beschleunigen, da man deutscherseits größten Wert darauf legt, daß Diamond möglichst noch am Freitag, aus jeden Fall aber am Sonnabend, den deutschen Boden verlosten h->l. Die Verhandlungen der Bremer Polizeibehörde gehen nsurrd'n r dahin, den Verbrecherkönig als anierike:''■ Staatsbürger auf einem amerikanischen Dampfer> zubringen. In diesem Fall« würde Diamond mit einem Schiff f United States Lines von Hamburg«ms abgeschoben werden. Dieser Lohnbuchhalter Kremke ist einer von den vielen, die jahrelang in guter Arbeit standen und plötzlich durch die Maschine überflüssig gemacht werden. In die Behaglichkeit eines Kleinbürger- daseins, das selbst im Elend noch alles Proletarische entschieden ab- lehnt, bricht die Not herein. Der tüchtige Mann findet keine Arbeit und klammert sich verzweifelt an den Anschein einer bürgerlichen Lebenshaltung. Schließlich geht er ins Wasser. Es ist ein typisches Schicksal, wenn auch der Ausgang vielleicht herber ist als gewöhnlich. Es ist hier oft betont worden, daß der Film, gleichgültig ob er stumm oder tönend ist, aktuell« Themen behandeln und zu einer Kritik der Zeit, der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Zu- stände beitragen sollte.„Lohnbuchhalter Kremke" beweist, daß Alltagsgeschehnisse ebensa dramatisch sind wie kunstvoll erfundene Fabeln mit Pathoskatastrophen, Jazz und anderem mondänen Treiben. Bisher liegen drei Filme vor, die in dies« Richtung weisen: „Mutter Krausens Fahrt ins Glück",„Cyankali" und„Der Mensch der Massen" der amerikanische» Paramoyt-Gesellschost. Aber es überwog selbst in diesen Filmen noch immer die romanhaste Ver- knüpfung der Handlung, während im„Lohnbuchhalter Kremke" die Handlung keines der üblichen spannenden Filmmomente aufweist und zwar keineswegs zum Schaden des Films. Das Neue liegt darin, daß die Tragik in einem Alltagsschicksal gezeigt und diesem Schicksal allgemeingiltige Bedeutung gegeben wird. Lohnbuchhalter Kremke kann als Symbol für Millionen andere Existenzen gelten, die die Maschine zerstört. Ein unverdiente» Schicksal/ Weil aber dieser Film ein typisches Zeitgeschehen darstellt. wird«r auch zum Kritiker der Gegenwart. Die sozialen und wirk- schastlichen Mißstände sind hier ebenso wichtig wie das Leiden des einzelnen. Der Film wird zu einem Zeltgemälde und gleichzeitig trotz rfin sachlicher Darstellung zur Slnkloge gegen ein unsinniges Wirtschaftssystem. Die Hersteller haben auf«ine tönende Fassung verzichtet, und man sieht von neuem, ipelche künstlerischen Qualitäten im stummen Film stecken. Die Regie Marie N. Härder» hält sich von ollen Künstlichkeiten frei, sie dient ollein dem Stoff, und Hermann Valentin in der Titelrolle ist von erschütternder Wahrheit. Dieser Film, der ohne große Prätensionen auftritt, ist wertvoller als vieles, das im Monumentalstil angekündigt wird. Bor Per- tretern der Presse fand seine Ilrnufsührung statt, und es ist dringend zu wünschen, daß er bald dem großen Publikum zugänglich wird Oder will man sich einer wahrheitsgetreuen Darstellung sozialer Miß- stände verschließen? L. Lob. Oper und Konzert zum Hausgebrauch Schallplattenschau/ Von Klaus pnngsheim Orchester. Das sinfonisch« Repertoire ist um eine Reihe hervor- «agender Neuerscheinungen bereichert. Unter der Leitung Leopold Stokowskis, des Meisterdirigenten der Schallplatte, spielt das P hila d e l p h ia» Sinfonieorchester das zweite Brandenburgische Konzert in?-Dur von Bach: dazu das herrliche Choralvor spiel„Wir glauben an einen einzigen(Bott*. Wie in diesen drei Platten— besonders schön die zweite mit dem langsamen Mittelsatz— die Wiedergabe dem polyphonen Bachstil gerecht wird, wie der Orchester- klang seine Fülle und, ohne Veränderung der ursprünglichen Pro- Portionen, seine Klarheit und Cbenmüßigkeit behält, das ist un- erreicht und unübertrefflich So wenig wie hier bedürste es für zwei Mozart-Zlufnahmen bei C. und bei El. noch empfehlender Wort«: Bruno Walter, der berusenste Mozart-Interprct, gibt mit der Berliner Staatskapell« die Cl-Moll-Sinfonie, wie nur er es nerniog: und von der„chaffnersinsonie" gibt un� I 0 s c a n i n i mit den New-Uorker Philharmonikern ein in seiner Art schlechthin vollendetes Bild: dozit den„Reigen der seligen Geister" aus Glucks„Orpheus" in idealer Schönheit und Reinheit. In einer Reihe mit diesen Spitzenleistungen ist auch Rimsky-Korsa- koffs„Scheherazade" zu liennen, bedeutendstes Werk der russischen Romantik und Meisterwerk der Instrumentation, vom Konzert- orchester des Conservatoire(Paris) auf sechs großen L.-Platten mit fein nüanciertem Ton dargestellt. Und Debusiys Tondichtung„Das Meer", di« unter dem Dirigenten Piero C o p p o l a in ollem Reichtum ihrer orchestralen Fantastik erklingt (drei EI.-Platten). DG: bringt auf je zwei Platten Franz Liszts musikalisch wert- voll«, groß ausgebaute, noch immer wirkungsvolle Tondichtung„Les Preludes" und Wagners grandiose Faustouvertür«— beide Werke unter Leitung von Oskar Fries. Der Wahlkürenritt erscheint als Konzertstück bei U., vom Philharmonischen Orchester (Dirigent: Selmar M« y r o w i tz) hinreißend gespielt. Ein« Orchesterplatte von ungewöhnlicher Plastik und Tonfülle: bei EI., von den Wiener Philharmonikern prachtvoll gespielt, Wagners „Kaisermarsch",— von dem nichts als der Name zu ändern wäre (etwa:„Deutscher Fe st mar ich"), und die Deutsche Republik hätte für festliche Anlässe wie den B e r f a s s u n g s ta g«in repräfentativ-volkstümliches Musikstück, dessengleichen in einem halben Jahrhundert nicht wieder geschrieben worden ist. Bei E. der äußerlich effektvolle Krönungsmarsch aus Meyerbeers„Prophet". Bei C. Tfchaikowskis charaktervoller„Slawischer Marsch"—(irrtümlich als„Slawischer Tanz" bezeichnet: solchen leicht vermeidbaren Fehlern der Etikettierung begegnen wir bei allen Produktions- firmen)—, von der Regimentskapelle der Londoner Garde- grenadiere mit Elan exekutiert: aber für ihre Militärmärsche vermögen wir uns nicht zu erwärmen. Ein großes historisches , Marschpotpourri bei TV. führt uns gar in das Zeitaller der Lands- knechte. Urrussentum wird in den Polowetzer Tänzen aus Borodins Oper„Prinz Igor" lebendig(U.), Märchenphantasie des Orients in I. G. Mraczeks mit feinem Klangsinn instrumentierten Tänzen(blo.), spanisch-nationales in E. Chabriers bekannter Rhapsodie„Espana"(U.). Endlich«in paar Opernouvertüren: Cornelius' „Barbier von Bagdad", im leichten, spirituellen Lustfpielton«in Gipfelwerk ihrer Art, von Richard Strauß liebevoll und über- *) Abkürzungen: C.= Columbia, DG.— Deutsche Grammophon, EI.— Electrvla, Ho.= chomoeord, O.= Odeon, P.— Par- tophon, Tr.--- Tri-Ergon, U.— Ultraphon. legen interpretiert(DG.): Mozarts„Entführung" mit angefügtem Konzertschluß, dazu die„Maurerisch« Trauermusik", beide Stücke von der Staatskapelle unter Leo Blech in feiner Differenzierung des Klanges wiedergegeben(El.). Mozart-Ouvertüren—„Figaros Hochzeit",„Entführung",„Cosi fan Tutte"— auch bei U.; zum Teil leider etwas kräftig im Ton. Auch Beethovens„Fidelio'-Ouoertüre, die Z e m l i n I k y sehr schön gestaltet, kommt«in bißchen derb heraus(DG.). Eine sehr gut« Ausnahme der Ouvertüre zu Verdis „Macht des Schicksals"— � Orchester der Mailänder Scala— erscheint bei Ho. Und Tr. erinnert mit der melodiösen, elegant gearbeiteten(und vom Berliner Sinfonieorchester sauber ausgeführten) Ouvertüre an Boieldieus verklungen« Oper„Der Kalif von Bagdad". Opernsänger. C. setzt die Serie vollständiger Opernaufnahmen mit italienischem Ensemble fort: nun mit Donizettis ,Lueia di Lammermoor" und Mascagnis„Cavalleria Rusti- cana": diese vorbildlichen Publikationen sind für Opernarchive von unschätzbarem Wert. Im einzelnen weisen wir auf geschlosiene Ensembleszenen hin wie da» Gebet aus„Caoolleria" und das be- rühmte Sextett aus„Lucia". El. präsentiert den italienischen Bariton G. I n g h i l l e r i in Verdi- und Rvssini-Arien: ein Sänger vom Range der allerbesten. Zu ihnen ist auch der amerikanische Tenor Richard C r o o k s zu zählen, der in italienischen Opern- arien— er singt sie in deutscher Sprache— sein« schöne, edel- timbrierte, mit überlegener Kunst behandelt« Stimme hören läßt(EI.). Sehr eindrucksvoll gestaltet der klassische Wagner-Tenor .Heinrich Knote mit seinem noch immer jugendlich strahlenden Organ der Roinerzählung aus„Tanichüuser"(O.). Barbara K e m p und Tino Pattiera, beide in bester Form, geben das Schluß- duett aus„Carmen" in mitreißender Dramatik(P.). Im übrigen Opernarien und Opernsänger in verschwenderischer Auswahl: be- kannte, berühmt« Sänger,— und solche, die es durch die Schall- platte werden sollen. Aus der unedlen, verbildeten Tenorftimme Joseph Schmidts(U.) wird sich auch mit Hilfe des Rundfunks kein Carufo-Organ machen lassen. Als Wagner-Tenor von guten Qualitäten stellt sich Carl Hartmann im Monolog und Liebes- lied aus der„Walküre" vor(Ho.). Glücklicher als John G l S s« r s ein wenig grell klingend« Stimme(P.) erscheint im Preislied aus den„Meistersingern" der schmiegsam« und kultivierte Tenor Paul K ö t t« r s, dem es, im Schwurduett aus„Othello"(mit Paul Schöffler als Jago) auch an dramatischer Kraft nicht fehlt(17.). Boris Creoerus, von dem wir zwei Arien aus„Turandot" hören, ist schon vorteilhast eingeführt(17.). Außerordentlich schön singt Jose Riavez Rodolfos Erzählung aus„Boheme"(El.). Und Michael Bohnen, nicht unanfechtbar im Musikalischen, hat seine persönlich eindringliche Art, den„Bajazzo"-Prolog und das Torrerolied aus„Carmen" fängerrsch zu beleben(17.). Für die große„Fidelio"-Arie hat Elisabeth Ohms mit ihrem nusdruck/vollen Sopran Format und Stil(DG.). Daran fehlt es ill der Ozeanarie au»„Oberon" der Wiener Sängerin Maria N e m e t h, die hier wie bei Mozart und Verdi vor allem durch stimmliche und gesanglich« Qualität hervorragt(EI.). Adele Kern zeigt in der Arie der Marcelline au»„Fidelio" außerordentliche Musikalität und stimmliche Anmut(DG.). Sehr harmonisch»er-. binden sich im Briefduett aus„Figaro" die Sopranstimmen von Lotte Leonard und Irene E i s i n g e r. der Hans R e i n m a r als Don Juan ein Partner von suggestivem Charme ist(17.). Tenia Belma», oft auf Schallplatten bewährt, ist nun bei 17. in russischen und itaklenkschen Arien zu hören. Nicht zuletzt abevi Mafalda Salvatini erneuert den Erfolg, den sie jüngst al» „Fedora" auf der Opernbühne errungen hat(O.). Kaffeetafel und Waschzettel. Keine Haller-Iievue. Die Direktion Haller lud die Presie zu einer„informa- torischen Zusammenkunft" in das vollständig umgebaute„Theater im A d m i r a l s p a l a st". Das Publikum sei hiermit von dem unterrichtet, was es dort festzustellen gab: 60 Girls exerzierte» tadellos gedrillt, noch nicht bühnenmäßig hergerichtet, noch keine füße Serienware, sondern Menschen mit Eigenleben. Das Orchester, buntes Gewirr von Straßenanzügen, wird abends im Frack nicht schlechter spielen— also gut. Der Blick in den Theaterraum, der von den Architekten Kaufmann und W o l f s e n st e i n umgestaltet wurde, bietet dem Auge die Harmonie schöngeschwungencr Linien, die die Farben rot, elsenbein und gold aufteilen. Das Theater, vor einigen Iahren baupolizeilich geschloffen, hat wahr- scheinlich auch die entsprechenden technischen Aenderungen erfahren und wird also nun wieder eröffnet werden. Der Waschzettel, den die Kritik hierüber in die Hand gedrückt bekam, ist fünf Seiten lang: da ich Gedrucktem gegenüber sehr mißtrauisch bin und die Angaben nicht durch eigene Ansicht nachprüfen konnte, halte ich es für bester, nichts davon zu zitieren. Desgleichen entzieht es sich meiner Kenntnis, ob der Kuchen an der für die Presse gedeckten Kaffeetafel frisch, die Schlagsahne süß genug und die Liköre gut waren. Trude E, Schulz. Kein guter Ansang. .Aida" in der Städtischen Oper. Der dreifache Berliner Opernbetrieb hat, ohne dos viel Auf- Hebens davon zu machen wäre, von neuem zu laufen begonnen. Erst«„Premiere" der Spielzeit: Verdis„A i d a". Neulich, im Rahmen der Berliner Kunstwochen„Aida" in der Lindenoper. Nun wieder neuaufgemacht in der S t ä d t i f ch e n Oper. Die alte Systemlosigkeit, die alte Ratlosigkeit, kein guter Anfang. Am Pult steht als Gast der staatliche Generalmusikdirektor Leo Blech. Hat das Haus keinen„Aida"-Dirigenten? Anderthalb Jahr« nach Bruno Walters Rücktritt noch immer kein Plan der inneren Reorganisierung. Das Provisorische, Behelfsmäßige wird stabilisiert, der Zustand der Führerlostgkeü verewigt. Kein guter Sainfonbeginn. „Aida" keine„Neuinszenierung", keine„Neueinstudierung", nur ein«„Wiederaufnahme in dem Spielplan"— man kann die Be- scheidenheit nicht weiter treiben— die Aufführung zeigt immerhin, daß im Musikalischen gute Arbeit investiert worden ist. Auch im Bühnenbild nimmt man Erneuerungen wahr: in der Regie Ber- änderungen, die keine Verbesserungen sind. Das Haus hat feine glänzendste Besetzung herausgestellt: Mafalda Salvatini in der Titelrolle Sigrid Onegin, Ochmann, Kipnis: nur der gesanglich unkultivierte Amonasro Carl A r m st e r s bleibt unter dem Niveau. L. P. Oeffcntlichc Wählerkundgebung. 18. kreis. Weihensee. Heute, Freitag, 19V, Uhr, in der Stadthalle, Psttoriusstraße. Redner: Bürgermeister Paul Mielitz. wetterausfichlen für Berlin: Etwas wärmer, teil» wolkig, teils heiter, südliche bis. südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordwesten stärker bewölkt mit Neigung zu etwas Regen. Im übrigen Reiche wärmeres und zeitweise heiteres Wetter. Verantwortl. für die Redaktion:«elsgaog Schwarz, Berlin: Anzeigen: Tch.»lock«. Berlin. Berla«: B-rwärt» Verla«®. rn. b. S.. Berlin. Druck: BorwSrt, Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin Sffl«8, Lintenftrote S. Sirrin 1 Beilage. ukiV'«« - tna': EÄ'*.: ra Glich ey Hisp' Uhr «■/•Ohr fAyillO-THEATER>l'tVh' o.hringer Strafte 57. Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Fers Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,75 M. Der Possen-Schlager Der sellae Hollschlnsky niMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinitHiniiMiuuiiiitAii -t ein er�tkl buntes Proerarnrn. B" Uhr.— Zentiuni 3819.— Rauchen erlaubt Hans Kollsehar mit nauam Repertoire Schwestern Outfek> Argentlno S Alenlmes-Luftglrls und weitere VarleM-Hauneltan. Sonnab. u. Sonntags ja 2 Vorstellunge 4 Uhr und 8.1S.— 4 Uhr kleine Preise. Das führende Variete TolKsütthne THtatir üb RHnrpiitt. 8V- Uhr Der Iröhlidie Weinberg m Cvi ZudiMjw StutlSdillir-Tli. 8 Uhr Florian Geyer Theater am Stnnniaoerdainm 8 Uhr Feuer aus den Kesseln Stsatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Oer arne Matrose ErwartBog Neues Theater —wem Zoo—— liüahililM. StpKSSl Täglich fc',» Uhr Lommei in der Posse Herr tM pa.staid). Rund fu n khöre i ttaltie Preise. 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Merkwürdig verläuft die Diehmast in Nowosibirsk Das Mastvieh nimmt ab. während die Sowjetoerwoltung. die doch keineswegs auf Mast gesetzt ist, zunimmt. Tor Arr IttsH llarh der tltafi Auf dem Viehhof. Da» Schwein:„Ich fand heut« beim Frühstück im Trog einen Zigarrenstummel!' Das Ferkel:„Schweinerei! Unser Züchter denkt wohl, daß wir wie die Menschen alles fressen?!' Im Speilehau s. 21.:„Das soll ein Beefsteak sein? Das sind ia Echuhjohtenl' B.:„Um Gotteswillen, her damit! Genosse Ober, noch ein« Portion! Endlich kann ich meine Stiefel zum Kooperativpreis be» fohlen.' Sein Standpunkt. „Woran, Hochwürden, mag es liegen, daß es so wenig Fleisch gibt?' „Das kommt daher, mein Sohn, weil das Zwlk ungläubig ist und die Fasten nicht einhält.' Kollektivwirtschaft. „Iwan Petrowitsch, kommen Sie schnell, unser« Kuh will kalben!' „Sie soll bis zum nächsten Jahre warten. Ich habe die Slatistit über den diesjährigen Zugang an Jungvieh gerade abgefchlosien.' Träume... Ms der Verwalter des Proviantmagazins erfuhr, daß«in Teil der Vorräte von Mäusen ausgefressen sei, seufzte«r tief und verfiel w phantastische Träume. Da» Proviantamt— so war es ihm— lag in Zentralafrika, wo es zwar keine Mäuse, dafür aber Elefanten, Löwen. Nashörner und Krokodile gibt... „Schade, nur Mäuse...' murmelte er, als er erwacht«. Ganz einfach. Donnerwetter, Ihr« Organisation hat ja einen ordentlichen Batzen Fleisch herbeigeschafft!' „Ganz einfach. Wir haben unser« Leute auf vegetarische Diät gesetzt.' Häusliche Szene. „Schämst du dich nicht: Zwei Zellen und. so viel« Fehler!' „Was ist denn dabei! Papa tut im Dienst überhaupt nichts und trotzdem hat die Kommission Fehler bei ihm gefunden!' (SHe Beiträge fini ohne freundlich» Genehmigung der Sowictregierung de» Moslauer Wittblatt„ÄtttlBdil" entnommen.) �Plauderei am Seelisch 91111 einem Jtnklang an Sieine Sie saßen and tranken am Teelisch und plauderten von der Wahl. Sie blieben zuerst theoretisch. Dann kam es mit einemmal. „Man wähle nur monarchistisch," sprach der dicke Holl Lei er ant, „dann wird es wieder richtig in unserm Vaterland." Der Fabrikant hob die Brauen: „Wer schützt uns mutig und treu? Wer wird den Betriebsrat verhauen? Unsere brave Hitlerpartei!" Der Gutsherr öffnet den Mund weit: „Ich wünsch mir mein Leben bequem. Hugenberg zur Gesundheit! Der Hitler ist mir zu extrem." ,Man bleibe kühl," sprach der Kaufmann, „in der Hitze des Nahgefechts; nicht zu weit nach links hin lauf man und auch nicht zu weit nach rechts." „Man soll nicht Gott vergessen," sprach der Pfarrer,„er ist unser Hirt, er gibt uns täglich zu essen—" (Zwischenruf: Ein seltener Wirt!) Ein Bankier war auch in der Runde. „Man schließe sich eng an den Staat, das Reellste ist doch im Grunde ein jungdeulscher Demokrat." „Eh' wir euch nicht zusammenschießen," donnert ein Kommunist, „und eh' nicht Blutströme fließen, Ist alles Scheiße und Mist." „Wir wollen euch Schweinepack kriegen," schrie der Nächste, vor Eifer rot. „Wer nicht pariert, den lassen wir fliegen! Wir schlagen die Juden tot.1" Der Mann sah aus wie der Teufel, gesträubt war sein Schnurrbarthaar, und niemand war im Zweifel, daß dies Hitler selber war. Da stand er, der Retter, der Teure, ganz arisch blitzte sein Blick." Von gestoßenem Pfeffer und Säure waren seine Taschen dick. Und jäh zu Taten befeuert durch diesen Führer von Rang, haben alle die Freundschaft erneuert mit einem Trutzgesang. Sie sangen, sie wollten Frankreich sehlagen beim nächsten Mal. Die Kommunisten wurden gesangreich und empfanden ganz national. Sie hielten einander umschlungen. O seht diese prächtigen Drei, die lieben ehrlichen Jungen— Thälmann, Hitler und Volkspartei. Dann begann ein Fressen und Saufen und sie sangen im Kanon: „Wir sind kein Interessentenhaufen, wir sind eine Staatsnatio n." Ein Platz war freigeblieben, da hat ein Soldat gefehlt. Er hätte so hübsch, meine Lieben, vom letzten Kriege erzählt. Camille d' Orange. föelloge Freitag, 5. September 1930 SEeilgenosse Teilhaber Vorgestellt von Max B ar t h e l. Teilhaber geht nicht gern durdi die Arbeit erbexirlce der Stadt, Er ist Auto- und Villenbesitzer und wohnt natürlich in ruhiger Gegend, Er schwärmt für die Kunst, für Herzog und Bonseis Und sitzt im Aufsichtsrat von siebenundzwanzig Aktiengesellschaften. Er ist Patriot vom Scheitel hinab bis zum Lackschuh. Teilhaber ist nur ein Name und keine Rassebezeichnung, Er kandidiert auch zum nächsten Reichstag Und will dem Volk zeigen, was eine Harke ist! Im Blutmeer der Zeit schwimmen die grauen Schiffe der Armut, Die Segel gebläht von den Seufzern der Armen Und ihren verzweifelten Schreien um Rettung und Hilfe. Teilhaber ist Realist und sieht keine gespenstischen Schiffe, Mißtönend klingen ihm nur im Ohr die Lieder der Dreh- Orgelspieler, Denn er ist durchaus musikalisch. Beleidigt wendet er ab seine Augen, Sieht er der Bettler und Arbeitslosen trostlose Scharen. „Die Zeiten sind schlecht", sagt er und seufzt, Dann wendet er ab sein gemästetes Antlitz Und bläht seine Nüstern. Teilhaber ist noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, Er ehrt die Gesetze, die seinen Besitz sichern, Und viele gute Jurisien sind. seine Freunde und seine Berater. Und wo es Frauen gibt, schöne, strahlende Frauen, Da ist Teilhaber durchaus Teilhaber, Er ist ja Aesthet und liebt die Schönheit! Kr liebt die Schönheit, Und wo es fette Gewinne gibt, auch da ist Teilhaber Teilhaber, Auch da ist er zufrieden. Natürlich ist er gut angezogen, doch das versteht sich am Rande. So lebt er- ein Freund der besiehenden Ordnung, Wohl geachtet, ein ruhiger Bürger und satt bis zum Erbrechen! _ er geht nicht gern durch die Elendsbezirke der großen Stadt, Teilhaber hat, wie alle bewunderten Männer, Natürlich auch seine kleinen, verständlichen Schwächen. 3). WUiosew: JJch enthalte mich'' Im Dorfe Beloschkino, das mit seinen sechzig Häsen bis zu den Bahngleisen vorstötzr, sind Peter die Großen(so nennt man in den Dörfern die Gründer der Kollektivwirtschaften) gewesen. Da kommen sie also an— so schildert ein Bäuerlein ihre Ankunft— und rufen uns zusammen. Nun, wir drängen uns ins Haus, der.«ine hockt sich auf die Bank, der ander« auf den Fuß- boden, um sich an die Wand zu lehnen, und manch einer liegt mi.ten im Zimmer auf dem Boden. Da kommt keine Mau» mehr durch. Ein schwarzes Iungchen redet. Ein Wort zum anderen, so bleibt dir die Rede im Kopf haften: Also Bürger und Bürgerinnen, Mittelbauern und Dorsarme, wir sind gekommen— und er zeigt mit dem Händchen auf sich, auf einen anderen, der etwas älter, und nuf einen dritten, der junger�ist und ein« Medaille am Rock trägt-, wie«r so mit der Hand zeigt, sehen wir das weiße Pfötchen, mit Zahnpuloer weißgerieben, sagen unsere Mädels. Also, wir sind gekommen, um euch zu erklären, daß der Be- zirk als durchgängige Kollektivisierung proklamiert ist. Das heißt: die Dörfer und Siedlungen müssen in die Kommune hinein, damit wir ein für allemal Schluß machen mit der Unkultur und die ver- größert« Wirtschaft mit allen möglichen Maschinen führen. Und erzählt, wie so Kommunen gebaut werden, daß alles ge- meinschaftlich ist und gar kein Eigentum. Zum Schluß haut das Iungchen so«in paarmal mit dem Händchen auf den Tisch: Wir sind nicht gekommen, euch zu fragen, ob ihr in die Kommune wollt oder nicht. Wenn die Macht in den Händen des Proletariats ist und wenn die Macht will, daß Kommunen sind und nicht irgendein selbständiger Einzelbetrieb, dann werden Kommunen sein! Wir kommen ober, um zu erfahren, wer freiwillig in die Kommune gehen will und wer freiwillig nicht will. Und wer nicht im gleichen Schritt mit uns gehen will, der ist nicht mit uns, der ist gegen uns. Wir werden ja sehen, wer hier solche kulakischen Abweichungen hat.... Und erklärt schließlich: Wir bitten, an den Tisch zu kommen und zu unterschreiben. Kulaken und solche, welche kulatische Ab- weichungen haben die bitten wir. sich nicht vorzudrängeln, für die haben wir am Murman*) das Plätzchen bereit. Wer hier Dorf. armer ist und wer Mittelbauer, möge nähertreten. Aber nicht olle auf einmal, sondern schön der Reihe nach. Wie das in den anderen Dörfern auch war. erzählt der Iüng- ling. Ich sitz« auf dem Fußboden, denke nach und schweige. Auch den anderen Bauern ist das Maul zugefroren, sie geben nicht einen Atemzug von sich gucken gebannt auf den Tisch und kein-;- tritt näher. Wir wissen schon, wie es weiter kommen wird Der Schwarze ist ja nichi nur in unserem Dorf gewesen. Und wir wissen auch, was man ihm sagen darf und was nicht. 2llso b-ginnt der Schwarze einzeln aufzurufen: Iwan Bykov. unterschreibe als Erster!— Ich enthalte mich.— Nonu. polkt der Schwarz«, erklär mal. wieso du dich enthältst!— Enthalt« mich, wiederholt Bykov.— Und einer Erklärung enthältst du dich auch, also bist du nicht mit ') Das Murmon�iebiet. im äußersten Norden den Soloweski- Inseln vorgelagert, ist das Verbannungszentrum für„entkulav- sterse' Bauern, die dort Zwangsarbeit leisten müfle«. uns, sondern gehst gegen uns. stimmt's oder stimmt's nicht?— Stimmt so und so nicht, brummt Bykov, enthalte mich! Immer weiter polkt der Schwarze, und immer wieder brummi Bykov: Enthalt« mich!— und kein Wort mehr. So«in rundes Wörtchen, das man nicht fassen kann:«in Glaskügelchen, willst es mit dem Nagel ankratzen, und es rollt weiter, hast du nicht gesehen, und du faßt es nicht. So läßt unser Schwarzer den Bykov in Ruhe und nimmt sich einen anderen vor. Aber der andere und der dritte und der zehnte, alle wehren sie sich mit dem kugelrunden Wörtchen, und wer immer aufgerufen wird, der erhebt sich und sagt nur immer das«in«: Enthalte mich. Da läßt unser Schwarzer die Mittelbauern in Frieden und macht sich an die Armen heran: — Das haben unr natürlich erwartet, sagt er, die selbständigen Ku,'akentnechte haben ihr Gesicht deutlich gezeigt: Kulaken sind sie und Besitzer und wir brauchen sie gerad' so, wie die Kuh die Feuer- leiter nö.ig hat Hier bei den werktätigen Bauern, da haben sie nichts zu suchen, sie gehören nach Murman. da reicht das Land für sie. Ganz gewiß. Wir haben schon unsere richtige Einstellung auk die Armen und die Mittelbauern, die, welch« aufgeklärt sind: ich bitte nun die Genossen von der Dorfarmut um ihr« Meinung?» äußerung. Kein Ton. Als ob lauter Tot« im Haufe wären. Di« Liste her! Der Schwarze ruft nach Namen auf: Genosse TImosejew, stehe auf und äußere dich!— Timofejew aber ist belerdigl, stützt sich auf und legt los: Was, bin ich hier schlechter als ander«, daß du dich an mir festkrallst? Enthalte mich, da hast du's!— Brüllt und steckt die Hand in di« Tasche. Da aber geht der Schwarze hoch. Bums — mit dem Fäustchen auf den Tisch, und muß schon das Fäustchen ins Mündchen stecken, die Tischplatte war, scheint's,«in bißchen hart. Ihr habt hier eine Verschwörung! schreit er. Denk ja nicht, daß du keinen kulakischen Geist in dir hast, wenn du zur Dorsarmut zählst. Zu Protokoll wirst du genommen als Kulakcnknccht! Willst du mich etwa auch entkulakisieren? brummt Timofeiew. Vielleicht nein? Entkulakistert wirst du und dann schicken wir dich nach Murman. Ist da» weit, dein Murman? Wirst hinfahren, dann wirst das schon merken! Muß ich das selbst bezahlen oder werde ich auf Staatskosten geschickt? Per Schub. Werden keine langen Geschichten mft dir machen. Na also, mein Lieber, dann schick mich doch gleich brüllt Timofejew. Dann kann ich wenigstens mal Eisenbahn fahren. Schick mich doch, am Murman sind vielleichi die Stücken größer und schöner. Entkulokisier' mich in Gottes Namen. Da. nimm mein ivermögen!— und schiebt dem Schwarzen seinen Tragkorb hin. Die Versammlung wälzt sich vor Lachen und man muß auf- paffen, daß das Haus nicht aus dem Leim geht (Aus.Smesd a'. L«ninar-dtr Monat-kchrikt.) Copyrtf« 1M0 by rickel retter-Verttt Q. m. b. H., Himburt-Bergedori (17. Fortsetzung.) Er stellte sein Gewehr neiden da» meine, den Helm'.m Genick: „Hmm?' „Karl, da lag Heim in seinem Blut..." „Ja „Ich habe ein Gehemmte, Karl— das tonn ich nicht mehr mit mir herumtragen...* Er sieht mich voll an und schnallt das Koppel�eug ab: t>____ f- „Dir, aber nur dir will ich es sagen. „Dann schrei doch nicht so..." Ich blicke mich um: die Kameraden stolpern in ihre Stuben. Einige pfe'fen. Minulla?ieht sich mit großer Anstrengung die Stiesel schon auf dem Flur von den geschwollenen Füßen. Niemand beachtet uns. „Karl, ich Hobe die letzte Nacht mit ihm gesprochen— hier an dieser Stelle." „So.." „Ich soll alle Kameraden grüßen— das kann ich doch nicht. Aber an dich will ich seinen legten Gruß bestellen, deinen Namen hat er noch genannt..." Kilb sieht auf den Boden. Er geht schwerfällig einige Schritte, wie unter einer ungeheuren Last gebeugt---;...„so so so... mei... meinen Namen... hat er... noch einmal... soso... danke.." Er zuckt die Achseln:„Hätte sich nicht gleich totschießen 'ollen... oder er hatt' gleich noch einen anderen mitnehmen können..." ..Das habe ich auch gedacht, Karl." „Das denken viele, aber das ist auch alles... mit eurem Denken ist gor nichts getan, Kamerad... und nun laß mich in Nuhe... ich will mich gleich hinhauen..." „Karl, hör noch mal.. vor der Tür bleiben wir noch ein- mal stehen. „Mach es kurz". Kilds Stimme klingt bitter und Hort,„'s hat doch olles keinen Zweck meh»: mit solchem Gerede machen wir den armen Kerl nicht wieder lebendig..." Da überstürzen sich meine Worte im Flüsterton: „Wir haben doch olle Hülsen abliefern müssen... genau Hot man darauf geachtet... nur bei Langer nicht, weil er in den Wagen kam... neun Hülsen hat man unter seinem Kopfkissen gefunden... sagt Minulla... Karl, hatte man ihm doch die Hülsen abgenommen wie uns... dann wäre nichts passiert, dann hätte man es ge- merkt..."--- Kilb sieht mich beinahe verächtlich an:„Na und— was soll das? was willst du damit sagen? Daß es dann anders gekommen wäre? Nee, mein Lieber, dann hätte er«in« andere Gelegenheit gefunden..." und dann packt er mich bei den Schultern und zischt mich fast an:„Aber etwas andere»! Wir, wir, wir, wir hecken die Schuld! Du und ich und all' die anderen! Wir hätten ihn retten können... ober wir sind all« erbärmlich« Scheißer, lo...!!!"— Er läßt mich wieder las und fährt etwas ruhiger fort:„Hätte... hätte... wie du sagst... wenn wir in Sadowa ine Gemeinheit, wie er ihn da so geschlagen hat, und wie Heini uns da so angesehen hat. wenn wir uns alle das nicht hätten gefallen lassen, du Quatsch- kopp, daß der Hund... der Hund, der... uuuuha... na, laß! Is doch zu spät...'s muß noch ganz anders kommen! Und es wird noch ganz anders kommen, sag ich dir!---* Cr dreht sich kurz um und will in die Stube gehen. Und da fällt mir plötzlich ein...: ich wollte ihm ja etwas ganz anderes sogen... dies eben war es nicht...--- ich halt« ihn am Arm fest: „Karl! Es kommt der Tag!..." Da fährt er plötzlich wieder herum: ich habe rhn richtig ge- troffen... das ist die Stell«, da» ist Kilb, das ist das Stichwort... seine Augen leuchten... ich kenne ihn fast nicht wieder... er öffnet sich lächelnd den Rock am Halse und geht einige Schritte mit mir nach links: „Ja. Hamburger...", eisenhart fühle ich seine Hand in der meinen,„das schäre ich dir!" Unsere Blicke strömen ineinander: „Das schwöre ich mit dir, Karl!" „Bei unserem Wien Kameraden!" „Bei unserem toten Kameraden, Karl."-- --- Als wir in die Stube treten, sieht Preuß uns an, als wüßte er olles. Cr lächelt eigenartig: es ist wie ein Lächeln hinter der Gesichtshaut... aber er sagt kein Wort. Der Unterossizier Preuß ist der schweigende Dritte im Bund unserer ersten seltsamen Verschwörung. *** Drei Tage nach Langer» Tod kommt der Befehl, daß unsere Kompagnie nach Döberitz, dem Barackenlager, zur Ausbildung am Maschinengewehr soll. Di«, Kompagnie ist wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm. Der Befehl erscheint uns fast wie ein« Erlösung: denn in dieser traurigen, öden Kaserne ist es uns bald unheimlich zumute nach Langers Tod, nach dem ewigen Exerzieren, dem schlechten Essen — in dieser Atmosphäre, in der schon Generationen Rekruten vor uns schwitzten, fluchten, hungerten, gequält wurden, der Zukunft entgegenstarrten... Hoffnungen auf besser« Verpflegung und bessere Behandlung tauchen auf. Jede Veränderung in seinem Dasein, jeder Platz- Wechsel nur— wecken in dem Soldaten immer wieder trügerische Hokfnungen, denn allzubald wird er wieder enttäuscht. Wir müssen die bisher empfangenen Ausrüstung.-gegensiände abgeben und bekommen andere. Sie sind nicht neu, aber doch etwas besser, und vor allem sind wir beim Empsang der Sachen schon etwas gewitzter und lassen uns nicht alles in die Hand stecken. Auch Schnürstiefel werden neben den Langschäftigen verpaßt. Bon den alten Sachen bleiben uns mir das Gewehr und der Helm. Tagelang jagt nun ein Appell den anderen: in Stieseln, Schuhen, Hosen, Röcken, Halsbinden, Seitengewehren, Patronen- taschen— sogar in Toschentüchern und Brustbeuteln, so daß einige Hellhörige schon wissen wollen, wir kämen statt nach Döberitz gleich an die Front. *+* Vor mir steht aus der Putzbant eine große Dose mit Stiesel- fett, die ich noch von Hause mitgebrocht habe. Mit einer großen Bürste und mit Lappen bearbeite ich die neu empfangenen Marsch- stiefel, die so hart sind, daß sie knirschen, als wollten sie brechen, wenn ich sie etwa» biege. Ich weih jetzt, was es bedeutet, morsch- fähig« Stiefel zu haben. Ich reibe und bürste, daß mir der Schweiß in Tropfen von der Nase in das Fett fällt und meine Arme und Hände dumpf schmerzen. Nach dem Essenempsang soll Generalappell sein: heute nach- mittag iverden wir nach Döberitz verladen. Einige Kameraden in der Stube pfeifen. Adamczik und Güttler sind schon so weit, daß sie ihre Spinde ausräumen und das Bettzeug abgeben. Ich muß mich sehr beeile». Bumaizn steckt dem Stubenältesten c n Paket Tabak„für Heer und Flotte" zu:„Wenn Herr Gefreiter mir den Mantel und die Zeltbahn mit rollen helfen wollen?"—.„Her mit die Klamotten", sagt Baock und rollt mit unnachahmlichem Geschick aus Mantel und Zeltbahn eine Wurst, die er wie spielend um den Asien legt. „Scheißkerl!" sogt Adamczik zu Bumann gewendet und blinzelt, sein Gewehr hoch vor sich haltend, durch den Lauf. „Wen meinst du, Grünschnabel?"— Baack blickt wütend auf. Aber Adamczik läßt sich nicht aus der Ruhe bringen:„Ick meene ja man bloß, Herr Iefreiter: det muß een richsier Muskote doch selber können, wo?"— Darauf kann Baack allerdings nichts sagen. „Belzalt dein« Weisheit für dich, Kleener", kmirrt er nur,„sonst fliegt dir mal'n Schemel in» Kreuz!" „Zu Befehl, Herr Iefreiter'— der Kleine schmunzelt in sich hinein. „Ueberhaupt", Baack kann sich nicht beruhigen und murrt weiter,„ihr benehmt euch schon wie alte Krieger, ihr Rotzjungs, und habt noch kein Pulver gerochen. Macht erst mal eure Schul- arbeiten und laßt euch Milchsuppen geben, ihr Säuglinge!" Mit wütenden Bewegungen schnürt er die Riemen fest. Adamczik kniet jetzt ebenfalls auf dem Boden und breitet seinen Mantel aus. Die beiden knien sich gegenüber und beachten sich scheinbar nicht mehr. Adamczik singt sogar: „Ein Voglern sang im Lindenbaum: ka vau, ka oou, ka vau..." Da wird Baock puterrot... die Wut hockt in ihm, er blickt«si und schreit den Kleinen an:„Halt's Maul, du frecher Berliner!" Aber Adamczik rollt eifrig weiter: er läßt sich gor nicht stören und singt munter drauflos: „... wer weiß, ob wir uns«iederseh'n am kühlen Strand der Spree— ee— c—<..." Er bewegt seinen Oberkörper dabei und lächelt mich verschmitzt an.— Ich fühl« es genau: es gibt gleich wieder was und reibe und reibe... „Bring dir man nich um, Peter, bei die ollen Trittchcn. Ick wer dir mal heute abend da rinstrullen, und denn laßte se ne Rocht so schtehn, vasclstehste? Hör man usf mit die Wienerei! Oder willst« damit noch'm Zllex zu die kleinen Meechens?— Sing' man lieba eens mit zum Abschied..."(Fortsetzung folgt.) eBucf\ Str. med. Jiemdl Qiilst:, Äa» fchrterersiehbare 3iind*) Der Verfasser verfolgt die Absicht, das seelische Verholten der Kinder in einfacher Darstellung zu kenn, zeichnen. Die Anwendung auf den Einzelfall überläßt er der von gegenfeitigem Vertrauen getrogenen Aussprache zwischen Eltern, Lehrer und Arft. Götz hat den Stoff in folgende Kapitel gebracht: 1. Von der Erziehung.über- Haupt. 2. Von der Seele. 3. lieber die natürliche Anlage. 4. Ueber den Begriff der Schwererziehbarreit. 5. Von den Eigentümlich- knien des kindlichen Wesens. 6. Bon einzelnen Avartigkeiten der kindlichen Seele. 7. Don der Lüge. 3. Bon schwachen Naturen. 9. Bon den seelischen Gezeiten. 19. Don der Geschlechtsreise. In Kapitel 2 ist der untauglich« Versuch gemacht, die Eigenart einer primitiven und die einer reifen, ausgebauten Psyche mit je sechs Strichen graphisch darzustellen. Die Dar- stellung der Slsfekthandlungen auf Seite v ist gleichfall» nicht ge- lungen. In Kapitel 3 wird der Erbmasse im Gegensatz zum Einfluß des Milieus eine zu große Bedeutung beigelegt. In Kapitel 4 lesen wir:„Wir stellen... fest, daß Schwererziehbarkeit häufig nichts anderes ist als die Antwort der Kinder auf die Schwierigkeiten, die Eltern und Lehrer ihnen in Unkenntnis ihres Wesens bereiten." Bei der Formulierung des jetzt im Dordergrundc der Erörterungen stehenden Vegrisfes der Schwererziehbarkeit hätte sich der Mediziner doch einen Heilpädagogen, also einen Mann vom Fach, als Berater heranholen sollen. Beachtlich ist das Kapitel von der Lüg e. Hier zeigt Verfasser die vielerlei Quellen, aus denen die kindliche Lüge entspringen kann. Auf die pathologischen Lügner und auf die Lügner infolge Charakterdesektes ist der Verfasser leider nicht eingegangen. Treffend geißelt Götz die Folgen der seelischen Uebersütterung in unseren Schulen. Im letzten Kapitel zeigt Ver. fasser, daß er als Psychotherapeut einen feinen Blick hat sür die seelischen Nöte, insbesondere des Mädchens in den Jahren in uno nach der Pubertät. Dos Büchlein ist trotz der angedeuteten Mängel lesenswert. Bei einer Beschränkung auf wenige der zahlreichen Fragen wäre die Darstellung befriedigender aiisgefallen. Auf 26 Seiten kann selbst der tüchtigste Psychologe, viel weniger aber ein Arzt, ein« Seelen- künde des schwererziehbaren Kindes schreiben. lV. Seelin Neuerscheinungen: ,.D e r Mann am Faden", der Boxerroman des jungen Autor? Horst Hellwig, der zuerst im„Abend" zum Abdruck kam, ist legt— 242 Seiten stark— zum Preise von 3,50 M.;m Fackelresier-Lerlog Hamburg-Bergedorf erschienen. ') 26 Seiten, geh. 0,50 M., Verlag von G. Birk u. Co. m. d. H., München, ohne Jahreszahl, erschienen 1930.' WAS DER TAG BRINGT Ein Millimeter Regen Wenn bei einem Niederschlag so viel Waffer gefallen ist, daß dieses auf einem völlig ebenen und undurchläsiigen Boden eine Schicht von der Höhe eines Millimeter» gebildet hätte, so sagt der Meteorologe: es ist 1 Millimeter Regen gefallen. Dabei kommt eine recht beträchtliche Meng« Flüssigkeit herab, die auf einen Quadrat- kilometer nicht weniger als 1000 Toimen ausmacht. Da» entspricht dem Inholt eines Würfels, der 10 Meter lang, breit und hoch ist. Verteilt sich ein solcher Niederschlag auf eine länger« Zeit, indem er von einem anhaltenden Landregen geliesert wird, so ist er harmlos und dem Landmann oft recht willkommen. Wenn aber in einer Minute eine Regenhöhe von 1 Millimeter erreicht wird, so bedeutet das einen Wolkenbruch, der verheerend wirken kann. Gegen Urkundenfälschung Wird«in Scheck ausgestellt, so kann dieser von der betreffenden Bank nur dann honoriert oder ausgezahlt werden, wenn er die richtige Unterschrift trägt. Nun bilden aber Unterschriften doch kein sicheres Mittel, um den Aussteller erkennen zu lasten, weil jene leider von geschickten Händen gefälscht werden können. Es hat darum jemand folgendes vorgeschlagen. Der Besitzer eines Scheck- buches schafft sich«inen- Stempel an. der sein Bild zeigt, und er macht mit seiner Bank aus, daß diese nur solche Schecks auszahlen darf, die außer der Unterschrift noch jenen Stempel zeigen. Aber hier können auch falsch« Stempel benutzt werden. Am sichersten wären wohl Fingerabdrücke, die bei allen Menschen oerschieden sind. Rur würde deren Anwendimg etwas mühsam und unbequem sein. Zoologische Sendungen per Flugpost Der„Magdeburger Generalanzeiger" weiß von einer recht eigen- artigen Flugpostsendung zu erzählen: Das dortige Naturkundliche Museum übersandte vor einigen Wochen dem Museum in Porto Alegre, Brasilien, auf seinen Wunsch zwei große gelbgestreiste Feuer- stlamander als große Rarität für fein Terrarium. Molche sind in Südamerika fast unbekannt. Di« Tiere waren m zwei Blechbüchsen mit Torfmull, der 24 Stunden mit Wasser durchtränkt war. ver. packt. Man hoffte aber kaum auf lebende Ankunft der die Kühl« liebenden Salamander, da der heiß« Aequator passiert werden muhte. Wider Erwarten traf doch ein Stück gesund in Porto Alegr« ein. Als Dank sandte der Empfänger in gleicher Berpackung einig« dortig- Frösche durch die Flugpost. Währeick eine Briefsendimg aus normalem Wege von Porto Alegre nach Deutsch.and einen Monat unterwegs ist, gelaugt« das Museum diesmal schon nach 20 Tagen in den Besitz der Tierchen, sedenfalls der ersten ihrer Art, die lebend Europa erreichten. Die Ankömmlinge gehören zu den Engmäulern unier den Fröschen und tragen den wissenschaftlichen Namen.Xtelopus Stelzneri. Es sind krötenartige, kurzbeinige, muntere Kerlchen von 2,5 bis 3 Zentimeter Länge. Die Oberssite ist schwärzlich, oft mit einem unterbrochenen braunroten Rückenstreifen. die Unterseite ist schwarz, karminrot gefleckt, ähnlich wie bei unseren Feuerbauchkröten oder Uicken. Die Frösche stammen nicht von Porto Alegr« selbst, soickern von den Dünen des zirka 100 Kilometer ent- fernten Ortes Torres, unmittelbar am Atlantischen Ozean. Sie lassen eine Art Kükenpiepen erschallen und werden deshalb auch als „Brasilianische Piepfrösche" bezeichnet. Die Moschusochsen werden zahm Als besonderer Erfolg der zahlreichen arktischen Expsditionen wird aus dem nördlichen Kanada berichtet, daß es gelungen sei, Moschusochsen völlig zahm zu machen, so daß sie als Haustiere ge- halten werden können. Damit dürfte auch die Gefahr des Aus- sterben» dieser Tiere überwunden sein. Aus Basfin Land wird gemeldet, daß in den dortigen Expeditionequartieren etwa 290 Mv- schusochsen gehalten werden. Auto-Katakomben Bekanntlich soll am„Weißen Hirsch" in Dresden eine unter- irdische Riesengarage in drei Stockwerken erbaut werden. Aber auch hier ist Amerika zuvorgekommen: In Montreal in Kanada wurde vor wenigen Tagen unter dem Dominion-Sqare-Gebäude ein« Garage eröffnet, die vier Stockwerke tief in die Erde geht und 600 Autos auszunehmen vermag, außerdem über Waschplätze, Repa- raturwerfftätten und Reserveteillager aller an»eritanisch?n Auto- Mobilfabriken verfügt. 300 000 jähriges Geweih In der Tongrube der Bilshausener Ziegelei bei Dickerstadt wurde in 25 Meter Ties««in prähistorische« Hirschgeweih aus- gefunden, da« nach Ansicht der von der Göttinger Universität herbei» geholten Sachverständigen ein Alter von 300 Jahrtausenden besitzt. Ein Gegenstück zu diesem Fund gibt es nur noch im Britischen Mv? seum. wo es bisher als Unitiim Weltruf genoß. Schutzpark für Meerkühe Ein Naturschutzpart für Meerkühe und eine Reih« anderer im Aussterben begriffener Meer-Säugetiere wird von der französischen Regierung auf den in der sicklichen Arktis gelegenen Kerguelen- Inseln eingerichtet. Es soft für eine regelmäßig« Fütterung ver Tiere Sorg« getragen werden. In einem Umkreise von 20 Meilen wird es verboten sein, auf dies« Tier« Jagd zu machen. Man hofft dadurch das Aussterben der Tiere zu verhüten. Großmacht Arbeitersport wahli Liste 1 3m tehreroereinshaw» veranstaltete gestern abend da» Kartell für Arbeitersport und Körperpflege ein« große wahl- kundgebung für Vi« List« l. Man soll das rllhig eingestehen: Im Berliner Arbeitersport ist seit zwei Iahren eine völlige Umwandlung aller politischen Begrisse vor sich gegangen. Einsichtige Sportführer, die die Zukunft cr> kannten, mahnten zwar schon vor der großen Abrechnung mit den Moskauer Söldlingen«ruf dem Bundestag des Arb«iter-Turn> und Sportbundes 1928 zur Umkehr, ober sie erlebten mehr als eimnal, daß sie in den Versammlungen ihrer eigenen Verein« niedergeschrien und als Arbeiterverräter beschimpft wurden. Sowjetistijche Heils- lehren waren Trumpf in Berlin, Phrasendrescher und Maulhelden wurde zugejubelt...! Die gestern ins Lehreroereinshaus einberufene Wahlkundgebung der Berliner Arbeitersportler lieferte den Beweis, daß die Sportler wieder zu ihrer Partei, zur Sozialdemokratie zuückgesunden haben. Ein dichtbesetzter Riesensaal. Jugend, Sportlerjugend, unsere Jugend, eben stimmberechtigt geworden, daneben die Alten, denen Arbeitersport und Soziaiismus schon immer ein» waren— Generationen oereint in den, Willen zur Porteil Sie ließen es nicht genug sein mit der Beteiligung an den Versammlungen und Umzügen in den einzelnen Bezirken: gestern hatten sie ihr« eigene Kundgebung, die Kundgebung für die Liste 1. Filmlickst flammt auf, der Film der Arbeiterolympiade in Frankfurt rollt ab.„Die neue Großmacht" heißt er, Großmach« Arbeitersport. Arbeitersport unter den roten Fahnen de» Soziali». mus. Die Jugend im Saale oerstand die Absicht und bcgrisf die Wirkung: der große Gedanke, der Hunderttausende im Arbeiter- iport zusammenfaßt, ist auch im Sozialisinus, in der Partei lebendig. Hier wie dort bringt gemeinsamer Wille, gemeinsames Handeln die Menschen höher in der Kultur, macht sie frei, läßt sie das Endziel erkennen und erstreben. Emil Barth zeigt« der Versammlung, worum es letzten Endes im Wohlkampf geht: Am Frieden. Freiheit. Brot für jeden, für all«! Weder der unter Moskauer Einfluß stehende Faschismus noch der mit Hitler konspirierende Stalinismus werden der Welt den Frieden bringen. Wenn es wahr ist, daß die Voraussetzung für den Sozialismus mehrer« Weltkriege und noch eine Weltrevolution sein müssen, nun dann kann uns der Sozialismus gestohlen bleiben. Doch uns ist nicht bangender gesunde Geist im gesunden Sportler- körper will einen friedlichen Sozialismus.(Lebhafter Beifall.) Freiheit! Wer sie nicht täglich eroben, muß, sie aber, weil sie ihm mühelos zufiel, täglich mit Füßen tritt, der kennt ihren wahren Wert nicht, lltur wer sich in seiner Freiheit so beschränken kann, daß dem Mitmenschen die Freiheit auch bleibt, nur der allein ist frei. Brot ist keine Frage des sozialen Wohlwollens, sondern dos gor nicht so schwere Problem vernünftiger Ausnutzung der Pro- duktionskräft« und-mittel. Kann hier eine recht« oder cm« linke Diktatur helfen? vi« Demokratie ist in Gefahr: um ihr« Erhaltung, ihren Aus- bau geht es am 14. September. Bei der Verteidigung demokratischer Rechte werden auch die Arbeitersportler nicht zurückstehen, bis zum Wahlsonntag heißt es deshalb? Sport in der Wohlarbeit, auf zur Mitarbeit für den Sieg der Liste 1! Der tosende Beifall war das Bekenntnis der Versammlung zur Sozialdemokratischen Partei. Wie war es noch vor zwei Iahren im Berliner Arbeitersport? Cornelius Gellert Reichstagskandihat. Der Dorsitzeivde des ArbeiterwTurn- und Sportbundes, Gellert-Leipzig, ist von der sächsischen Sozialdemotran« an absolut sicherer Stelle auf die Liste 1 gesetzt worden. .Airfs Trockene gesetzt Kommunistischer Turnhailenzauber Die„Rote Fahne", die an hysterischem wutgeschrci in diesem Wahlkamps den eigenen Rekord zu schlagen sucht, veröffentlichte am gestrigen Donuerslog einen Ausruf der tandesleilung der kommunistischen.. Interessengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport" gegenden verliuer Magistrat. Darin macht sie Mitteilung von einer Reuregelung der Vergebung von Uebungsslätten an Turn- und Sportvereine. Der Erlaß bestimmt, daß die Uebungsstätteu vordringlich an solche vereine vergeben werden sollen, die vom Staat al» 3ugendpslcgeocreine aner- kannt sind oder einem Spißenoerbande angehören, und daß die Stadt nur bei solchen vereinen einen Teil der kosten tragen will. Da die rrrrevotutionären Vereine der JG. nicht a l S zendpflegevereine anerkannt sind, tonnen sie nicht 3 vordringlich behandelt werden omd müssen für die Benutzung ier Uebungsstätten den vollen Selbstkostenpreis bezahlen. Darüber erhebt nun di« Leitung der JG. ein Mordsgeschrei und gibt '-ePannt, daß in allen Uebungsstätten der Betrieb zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen werden solle, d. h. man will sich weigern, mehr als die bisherigen Gebühren zu zahlen und es auf den abermaligen Hinauswurf ankommen lassen- Zn dem ausgeregte» Geschrei ist zu sagen, daß die Herrschaften nach unserem Wissen in den Verhandlungen mit den städtischen Be- börden sich sehr fromm benommen haben, dort winselte man wie ein ausgesperrtes Hündchen. Das große revolutionäre Maul reißen sie ja immer erst auf, wenn sie unter sich sind. Früher/ als sie noch den Verbänden angehörten, haben sie selbst sehr energisch den Stand- oertreten, daß nur die den Zentralvcrbänden angeschlossenen Vereine die Uebungsstätten gegen ermäßigte Gebühren bekommen sollten. Jetzt nennen sie das Verrat. Das Völkchen kann es nicht laut genug herausschreien, daß es den Staat gewaltsam stürzen will, aber es verlangt dennoch die Förderung durch diesen Staat. Es hetzt in verbrecherischer Weise die Kinder gegen die Schule auf, verlangt aber von dieser Schule als jugendpslegensch anerkannt zu uzenden. Wenn diese Leute und ihre Parteibonzen über die Uebungsstätten zu ge- bieten hätten, dann dürste nur hinein, wer einen kommunistischen Partkistempel aufzuweisen hätte. Der Staat tut gut daran, wenn er mit diesen Zerstörern der Arbeiterl ewegung in ihrer eigenen Sprache verkehrt. Es ist ein« Frechheit, von demselben Staat, den man in Trümmer schlagen will, zu verlangen, daß er dazu selbst die Waffen liefern soll. Man lasse den Leuten die Möglichkeit, Leibesübungen zn treiben, damit die von ihnen verhetzte Jugend nicht ganz den moralischen Halt verliert. Gleichberechtigt mit anderen vereinen können sie erst dann wieder sein, wenn sie gelernt haben, daß Sport ein Mittel der Volksgesundung und nicht«in Mittel hemmungsloser Volksverhetzung sein soll. Letzten Endes haben sie sich ja selbst in das Dilemma hineingebracht. Die kommunistischen Sportler genossen, als sie noch in den Arbeiter- sportoereinen waren, alle Erleichterungen, die Staat und Stadt den als Jugendpfleger anerkannten Vereinen bieten. Sie müßten diese Verein« verlassen, weil sie den politischen Krakehl ernster Sport- betätigung vorzogen. Nun Heulmeiern sie auf den Trümmern von Karthago! ■ARmmH fUSSBALL Start zur neuen Serie Mit dem kommenden Sonntag beginnt für di« Berliner Arbeiter- ßballbewegung di« neue Serie. Dielen Vereinen bietet sich hier die Gelegenheit, für die erlittenen Niederlagen aus der Früh- lahrsserie Revanche zu nehmen. Der 1. Bezirk beginnt erst' in zwei Wochen. In der Kreistlass« trefsen sich im Wechcnseer Stadion der artige Fußballklub und Brandenburg a. d. H. Luckenwalde III erhält in der Etzheide den Besuch von Wolteredorf. Saxonia und Karow treffen sich auf hem Exerzierplatz in der Schönhauser Alle«. Eintracht und Schönow stehen sich aus den Sportplätzen in der Scharnweberstraße in Reinickendorf gegenüber. Ein Ortsderby gibt es in Spandau. Auf den Plätzen in der Seeburger Straße treffen sich Spandau 25 und Butab. Der glückliche Sieger übernimmt dann die Führung in der Gruppe. Im Volkspark Mariendorf stehen sich am Sonntag, dem 7. Sep- tember, zwei alt« Rivalen im Fuhballsport gegenüber. Union 28 hat sich Lichtenberg I als Gegner verpslichtet. Die Mannschaft der Union wird alles aus sich herausgeben müssen, wenn sie an der Seite ihres Lehrmeisters Lichtenberg I bestehen will. Das Spiel beginnt um 17 Uhr. Weiter« Spiele: Storckow gegen Herzfelde, Strausberg gegen Neukölln-Britz, Lychen gegen Freie Scholl«. Schwedt gegen Alt-Ranft. Schiffmühle gegen Neuenhagen, Rathenow gegen Nauen. Potsdam gegen Nowawes, Sokol gegen Eladow, Brieselang gegen Wilmerdeorf. Caputh gegen Werder. Jeserig gegen Alt-Bensdorf, Fohrde gegen Premnitz. Brandenburg gegen Rathenow II, Brück gegen Teltow. Schönebcrg gegen Luckenwalde V. Treuenbrietzen gegen Ruhlsdorf, Niemegk gegen Jüterbog. 2. Mannschaften: Minerva gegen Herzfelde, Schöneberg gegen Lichtenderg I. Kogel gegen Hoppegarten, Storckow gegen Neukölln-Britz, StGB. Osten gegen Borussia, Saxonia gegen Karow. Borwätts-Wedding gegen Pankow. Weißens««" gegen Templin I, Wansdorf I gegen Freie Scholle. Wt-Ranst gegen Neuenhagen. Drewitz gegen Efadow. Knoblauch gegen Ketzin, Nowawes gegen Grebs, Spandau gegen Charlottenburg. Brieselang gegen Wilmersdorf. Caputh gegen Werder, Ketzin gegen Butab. Beginn der Spiel«: 1. Männermannschaften 17 Uhr. 2. Männermannschaften 15,15 Uhr. Vormittags spielen ob 10 Uhr allen Mätzen die Jugendmannschaften Dm die Gaurneisterschoften bei Solidarität Die in den einzelnen Bezirken de» Gaues g im Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bund S o l i d a r l t ä t ermittelten Bezirksmeister auf Bahn und Straße tresfen nunmehr Sonntag, 7. Sep- tember. zusammen, um den Gaumeister zu ermitteln, der im solgcnden Jahre bei den Gaubundmeisterschaften das Anrecht auf Teilnahme an der Bundesmeisterschast haben soll. Die Rennstrecke führt vo» Groß.Ziethen über Klein-Ziethen—- Mahlow— Blankenfelde— Jühnsdorf— Groß-Schulzendorf— Glienicke— Zossen— Graß-Machnow— Dahlewitz— Glasow zurück nach Groß- Ziethen. Im öv-Kilometer-Einzelsahren treffen Fahrer aus Lucken- walde, Kolkwitz, Guben, Forst, Wittenberge, Caputh, Berlin und anderen Orten zusammen. Der Sieger dieser Strecke wird unter Forst, Guben, Kolkwitz und Berlin zu suchen sein. Im 2S.Kilometer. Einzelfahren der Altersklasse sind Fahrer der Bezirke 1, 5, 8, 9, 20 und 27 am Start zu finden. Hiervon einen als Sieger zu benennen, würde heißen die Rechnung ohne den Wirt zu machen. Für das Iv-Kilometer-Einzelfahren liegen Meldungen aus den Bezirken 1. 2. 8 und 9 vor. Hier düift« der 1. Bezirk unseres Erachtens noch als Sieger hervorgehen, doch dürfte ihm eine starke Konkurrenz durch die Fahrer de» 8. und 9. Bezirks entstehen. In der 5-Kilom«t«r. Jugendklasse trefsen Fahrer aus den Bezirken 1. 2, 5. 8 und 9 zusammen. Der Start ist morgens 6 Uhr: d!« Fahrer der verschiede- nen Strecken werden in Abständen von 5 Minuten auf die Reise geschickt. Die Bezirksmeister im Bahnrennen treffen um 14 Uhr auf der Wannseebahn zusammen, wo noch einzelne Rennen der Ortsgruppe Groß-Berlin das Programm vervollständigen. Der Start oller Kroß-Berliner Radfahrer von Solidarität ist Sonntag früh 4 Uhr am Hermannplatz, vor Karstadt. Sammelstart in Groß.Ziethen 5 Uhr. Zu den Vereinsmehrkämpfen Die schwerste Prüfung für den technischen Apparat sind die Vereinsmehrkämpf« im Arbeitersport am kommenden Sonntag auf dem T i« r g a r te n s p o r t p l a tz. Von der Fertig- keit und der Zahl der zur Verfügung stehenden Kampfrichter hängt die reibungslose Durchführung der großen Abschlußprüfung ab. Die gesamt« Kampfrichteroereinigung de- I. Kreises wird auf- gefordert, am Sonntag spätestens um 9 Uhr auf dem Tiergarten- sportplatz anwesend zu sein. Die teilnehmenden Vereine entsenden ebenfalls um 9 Uhr laut Ausschreibung je einen Kampfrichter. Für drei Mannschaften sind zwei und sür m»hr als drei MAnnschasten drei Kampfrichler zu delegieren, weil die Durchführung der Mehr- kämpfe sonst in Frage gestellt ist. Vereine, die diesen Ausschreibungs- bestimmungen nicht nachkommen, können zu den Wcttkämpfen nichr zugelassen werden. Jeder Derein stellt ferner ein Bandmaß zur Verfügung. I. A: Fritz Leutlojj. Kleiner Sport von überall Reue» Freikörperkulturgelönde der FTGB. Alle Besucher des Freikörperkulturgslöndes in Kallinchen am Motzener See werden dar- auf aufmerksam gemacht, daß der Geländebetrieb ob Sonntag ein- gestellt ist und das Gelände wegen Abriß der Einrichtungen nicht mehr besucht werden kann. Die FTGB. hat ein neues größeres Gelände in der Nähe von Groh-Besten erworden, das in den nächsten Monaten eingerichtet wird und dann im Frühjahr ollen Mitgliedern und Freunden der Freikörperkultursparte der FTGB. mit Unterkunftsbau. lichkeiten, Spielplätzen usw. zur Verfügung steht. Nähere Auskunft darüber sowie über die jetzt beginnenden Winteroeranstaltungen(Nackt- gymnastit, Badeabende ujw.) erteilt die Vereinsgeschäftsstelle NO 18, Lichtenberger Straße 8. Meltmeister Möller geschlagen. Die erste Weltmeisterschasts- revanche der Dauersahrer ging aus der Stadionbahn in Amsterdam vor sich. Das über 109 Kilometer führende Rennen stand ganz im Zeichen der beiden Deutschen Paul Krewer und Erich Möller, von denen sich diesmal Krewer als der Bessere erwies. Der Kölner zog im letzten Teil des Rennens unwiderstehlich an die Spitze und siegte in 1:18:15 mit 700 Meter Vorsprung vor dem Weltmeister.— Im Mittelpunkt der Abendrennen auf der Pariser Buffalobahn stand ein 100-Kilometer-Dauerrennen, in dem die Weltmeisterschaftsfinalisten Möller, Krewer, Paillard, Grassin und Läuppi erneut aufeinander- trafen. Das Rennen nahm insofern eiyen überraschenden Verlauf, als die beiden Deutschen mit der Entscheidung nichts zu tun hatten. Weltmeister Erich Möller mußte beim 70. Kilometer wegen Sattel- schaden dse Weiterfahrt einstellen und Krewer hatte unter Motor» defekten zu leiden. Sieger blieb Paillard vor Grassin. kest der Arbeit in Britz Bei dem am Sonntag, 7. September, stattfindenden„Fest der Arbeit" wirken auch die Arbeitersportorganisationen mit Dt« Gesamtleitung liegt in Händen der 99. Abteilung des Bezirks- verbände» der SPD. Tress- und Sammelpunkt: 13 Uhr, Schul- barocken, Parchimer Allee, hier erfolgt die Ausstellung zum Fest- zug«. Umkleideräume für die Turner in der Schule. Gegen 15 Uhr Rückmarsch und Anmarsch zur Festwiese. Ab 10 Uhr werden musika» lische Darbietungen und Rezitationen mit turnerischen Vorführungen der Vereine des Neuköllner Kartells und der einzelnen Organisationen abwechseln. Der Kinderfackelzug, der gegen 19 Uhr auf der Fest- wiese formiert wird, bildet den Auftakt zum Ausbruch nach dem „Hufeisen". Hier finden sich noch einmal alle Festteilnehmer und alle Organisationen zu«incr Schlußkundgcbung zusammen. Fest- redner ist»Arthur Crispien. Alle Partei- und Gewertschasisfreunde, überhaupt die gesamte Bevölkerung wird aufgefordert, sich an dieser Beranstolkung zu beteiligen. Alle Fahnen und Transparente werden mitgesührt. Paulchen, der Alpinist, berichtigt! In der Ferienbetrachtung unseres Mitarbeiters Paulchen im„Abend" vom Mittwoch läßt in der vorletzten Zeile(also ganz am Ende) der Druckjehlerteusel, der keine Ferien kennt, die Gerichte beim Biertrinken aus der„Kirche" kommen. Paulchen interessiert sich natürlich nur fiir Gerichke, di« aus der Küche kommen__■ «6C. tztiilofl, 6. September. Monatsversammlunq bei Lehnigt, Mühlen. slrasir Ecke Brnmmlibrllrte.— Krcita«. IS. September, beginnt das Sallcn. tratning Tun Halle Stealgymnatium am Srcptowcr Nathans. Neue Nrugallee. -lrb«iter.«thlct«l-Bui>d, t. fttei» Berliu-Brandenburg. Achtnng, Kursiftent Mltgltcber, die an dem vom«. bi, IS. September stattsindenben Lehrkursus an der Bundeslchul« teilnehmen, müssen sich am S. September, rn Uhr, auf Hein Potsdamer tzernbahnhof einsinden. Teilnehmer an der Bundeslchul-Ew- weihunz treffen sich ebenfalls dort.'_ Tourtften-Vcrcin.Dt« Natursuundc". Gruppe Prenelauer Berg: gohrt nach dem Tscheschsee am«. September. Trefspuntr l«',z Uhr Potsdamer Porort. bahnhof. ffahrkarte ldstn nach Wünsdorf.—«rcitag, S. September. Phot». gemeinschaft Abt. Osten: Seimadend im griedrich-edert-Eaal Jugendheim Krank- furter'Hütt 907.— galibootabt.: 40-22 Uhr im Jugendheim Brigcr Str. 27: ßjeseltäftlichee.— Iugendzruppe Sumboldthain I: 20—22 Uhr Klaffengimmcr der weltlichen Schul». Pank- Ecke Wiescnstrohe:(hruppen fragen tanschlichcnb Brettspiele)— Südost: 20-22 Uhr im Seim Brihcr Str. 21, Diotussion: .RationaUiicrung".— Charlottcnburg: 19!-) Uhr im Jugendheim Sprecstr. 30: Scschitftlichco.— Bris»: 20—22 Uhr Jugendheim Shausseestr. 4«730 Dr. Mario Krammer; Königsberg. 18.00 Minlsterlalret von Krosigk: Der Reichshaushell. 19,00 CnglUeh für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaltlicher Vertrag für Aerzle 20.00 Köln: Tinze und Märsche. Zu viel Glück gehabt -120000 Mark gewonnen, aber nicht bekommen/-Von Wettfreunden hereingelegt Man kann Pech haben und man kann Glück haben. Aber manchmal spielen die beiden mit einem Menschen Blindekuh, und wenn man glaubt, das große Glück erwischt zu haben, hält man, wenn die Binde gefallen ist, oft ein recht erbärmliches Pech gepackt— und hat seine liebe Mühe, es wieder los zu werden. Dies zuvor. Und nun solgt die tragikomisch« Geschichte von Herrn E. und seinen Wettberatern. Herr E. war ein junger Kaufmann, der aus irgendeiner Provinz- stadt nach Berlin gekommen war, um hier mal die üblichen Freuden der Großstadt zu kosten. Daß ein Besuch der Rennbahn dazu gehört, ist klar. Also ging Herr E zum ersten Male in seinem Leben zum Rennen. Cr hatte von Tuten und Blasen, von Pferden und Jockeis kein« Ahnung und war froh, als ein kolossal vertrauenswürdig erscheinender Mann, den er zufällig am Totalisator kennenlernte, ihm einen guten T'p gab. Er setzte— und gewann; aus Dank- barkeit gab er dem Berater ein Ticket ab. Der gab ihm einen neuen Tip, und das gesetzte Pferd gewann wieder— und noch- mal ging das so. Herr C. war glücklich. Der neue Freund war ja das reine Dukatenmännchen. Das Malheur war bloß, daß er kein eigenes Geld hatte, um seine guten Tips auszuwerten: Aber für2SProz. Gewinnanteil wollt« er sie all« Herrn E. ausliefern. Herr E. sah den Himmel, wenn nicht voller Geigen, so doch voller Goldstücke; er hatte unbegrenztes Vertrauen zu seinem„Tipster", und wenn der ihm sagt«,„er solle einsteigen", dann gab er ihm einfach das Geld: Der gute Freund, der ihm als Reff« eines bekannten Trainers vor- gestellt worden war, würde es schon unterbringen. Er bracht« es auch unter: aber kurioserweise hob jetzt eine Pechsträhne an — und wenn wirklich mal ein von dem Bertrauensmann vorher bezeichnetes Pferd gewann, dann hatte der gute Freund das Pech, zu spät zum Toto gekommen zu sein, hatte nicht mehr auf den Gaul setzen können und hatte das Geld dann mit einem anderen Tip ver- loren. Das ging eine Weile: Als Herrn E. auf dies« Weise aber 2 0 0 0 0 Mark abhanden gekommen waren, wurde er doch bedenklich. Und seine Bedenken wurden zur Gewißheit, als eines schönen Tages der Jockei K 0 s i n n a bei ihm anrief und ihn vor seinem Vertrauensmann warnte: Der sei ein ganz sauler Kunde, ver- brauche das Geld für Privatzwecke— kurz, er macht« den„Reffen des Trainers Winkler" nach Kräften madig Daß er auch etwas wurmstichig war, siel dem Herrn E. nicht auf, denn er erkundigt« sich nicht einmal nach der genauen Adresse seines neuen Freundes: Sonst hätte er rechtzeitig erfahren, daß dieser„Jockei Kosinna" in Wirklichkeit der stellungslose Kellner Schade war. Im Gegenteil, Herr E. war hochbeglückt, als ihm von seinem neuen Dertouensmann noch der„Jockei Rastenberger" vorgestellt wurde, eine distingiert« Persönlichkeit, die sich in vielsagendes Schweigen hüllte, zuerst prinzipiell keine Tips geben wollt« und dann, nachdem sie sich hatte erweichen lassen, die Bedingung stellte,„bei diesen tot�icheren Sachen müsse man aber ordentlich reinsteigen", denn er gäbe nur ein. oder zweimal im Jahre einen Tip raus. Der neue Mann war nun zwar nicht Rastenberger, sondern ein arbeits- loser ehemaliger Jockeilchrling, namens Fiedler, aber auch er genoß bald das voll« Bcrtrauen von Herrn E.— selbst noch, als die Freund- schaft der beiden dem Opfer an 90 000 Mark gekostet hatte. Aber dem fing die Geschichte nun auch an, auf den Nägeln zu brennen: Das ver wett ete Geld war nämlich nicht fein Eigentum— aber das ist eine andere Geschichte. So willigte er gern ein, als die Freunde ihm erklärten, man müsse nun zu einem ganz großen Schlag ausholen: In Baden-Baden würde ein notorischer Außenseiter gewinnen— haushohe Quoten würde es geben,„Couer d'armee" sei sicher wie Gold. Herr E. kratzte noch- mal all« Reste zusammen: Eswurden10000Mark:die sollten sein« Freunde bei den verschiedenen Buchmachern unterbringen, da- mit die Quote nicht gedrückt wurde. Und well sie das nicht allein schafften, warben sie einen neuen Vertrauensmann an,«ine etwas dunkle Persönlichkeit, angeblich während der Besatzungszeit Ver- trouensmann der deutschen Regierung: Ein Herr, dem immer ver- schiedene Pässe und Namen zur Verfügung standen. Soweit hatte der gute Herr E. immer Pech gehabt; aber nun fielen mal die anderen rein und hatten zu viel Glück. Das Pferd, das sie ihrem Geldgeber avisiert hatten, gewann wirklich— und der Toto zahlte ISS: 10. Nun war die Kompanie geplatzt: Woher sollten sie das Geld nehmen — sie hatten es doch natürlich wieder nicht gesetzt— so leichtsinnig ist doch ein ordentlicher Gannef nicht! Herr E. bekam noch ein Glück- wunschtelegramm: Das war dos letzte, was er von dem Geld hatte. Denn nun teilten ihm feine lieben Freunde mit, daß der dritte Ver- trauensmann mit dem Geld« durchgegangen sei. Und nun brach alles Unheil herein. Zuerst bekam Herr E. einig« Unannehmlichkeiten mit Madam« Iustitia, dann zeigte er die lieben Freunde an, und zum Schluß traf sich nun die ganze Gesellschaft vor dem Schöffengericht Lerlin-Mitte. Herr E. hat inzwischen wegen der„anderen Geschichte"«in Jahr Gefängnis verbüßt, denn die 120 000 Mark, die die heutigen Ange- klagten so gut untergebracht hatten, gehörten ja nicht ihm, sondern der Bank, bei den er Kassierer war. Und heute sind die Herren W i n ck- ler. Schade, Fiedler und Desbrus, der„Vertrauensmann der deutschen Regierung", dran. Sie konnnen verhältnismäßig billig weg: Winckler wird, weil ihm nicht nachzuweisen ist, daß die gege» denen Gelder von ihm nicht wirklich auf dem Rennplatz verwettet wurden, sogar freigesprochen. Schade- Kosinna und Fiedler- Rastenberger werden zu 6 und 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Schade wird sogar für einen Teil der Strafe Bewährungsfrist in Aussicht gestellt, weil er schon zwei Jahre lang' richtig arbeitet. Fiedler werden 5 Monat« Untersuchungshaft angerechnet, und Herr Desbrus wird auch auf freien Fuß gesetzt, weil die 6 Monate, zu denen er verurteilt wird, gegen die 8 Monate Untersuchungshast angerechnet werden. Und als sie, die letzte Partei auf diesem Korridor, noch Hause gehen, da sind sie alle herzlich froh und wieder ein Herz und eine Seele._ Oer Oeutschland-Wefbeflug für die SPD. Das Sturmvogelgeschwader hat nun bald die Hälfte seines Deutschlandfluges zurückgelegt. Die Maschinen starteten heute vormittag in Hannover, nahmen in den Mittagsstunden ein« Zwischenlandung in Dessau vor und flogen dann über Halle, Leipzig nach C h em n i tz weiter. Ueberall, wohin die Flugzeuge kommen, erregen sie größte Ausmerksamkeit, überoll wird der Besatzung ein begeisterter Empfang zuteil. „Volt und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Besuch in Paris. Oeutsch-französische Sozialistentagung. 70 deutsch« Parteigenossen, teils vom Allgemeinen Deutschen Ge» werkschastsbund, teils vom Gemeinnützigen Reiseverein Grotz-Ham- burg, setzten dieser Tage das vom Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit begonnene Werk fort, indem sie einen Ausflug noch Paris unternahmen. Unsere Parteigenossen vom„Globetrotter" ver- miUelten eine freundschaftliche Zusammenkunft mit den französischen Genossen. Im Restaurant„Croissant" in der Montmartrc-Straße, wo am 3. August 1914 Jean Ja»res von Mörderhand fiel, war die Zusammenkunft, an der u. a. auch die Genossen F a r i n e t, der Generalsekretär der sozialistischen Partei für das Departement Paris (Seine), D u m 0 n t und Dr. L i 0 n, der Obmann der deutschen sozialistischen Gruppe in Paris, teilnahmen. Man lernte sich kennen und besprach die großen Probleme, welche das Herz jedes Sozia- listen erfüllen. Nach einigen«inleitende» Worten Dr. Lions schilderte der alte Kämpe F a r i n e t in hinreißender Rede die Vorgänge, die der Ermordung Iaures' vorausgingen und ihr folgten. Hatte er doch selbst dies« traurigen Stunden miterlebt. Die Rede klang in den Appell aus, alles aufzubieten, damit das Wort Iaures' zur Wahrhell' werde:„Niemals Krieg!" Es darf nicht wieder geschehen, daß sich Brüder/Menschen, Brüdergenossen, mit der Mord- waff« in der Hand gegenüberstehen und der blutigen Internationale zuliebe einander töten und alle furchtbaren Martern des Krieges erleiden,„nur weil befohlen wurde und sie gehorchten". Genosse D u m 0 n t, der Obmann der nun schon 9000 Mann starken sozialistischen Jugendorganisation von Paris und Umgegend, hob die Bedeutung der Jugendbewegung für den Sozialismus und für die Erziehung der Menschheit zum Frieden hervor. Die fran- zösischen Genossen sangen darauf das Kampflied der sozialistischen Jugend Frankreichs und die Deutschen antworteten mit„Wenn wir schrellen Sell' an Seite". Nachdem noch Genosie L a d d e r Vogts- Hamburg und Genosse I l g n e r- Leipzig, den franzö- sischen Genossen ihren Dank ausgesprochen hatten, vereinten sich alle Teilnehmer dieser erhebenden Zusammenkunft zum heiligen Eide, alle Kräfte einzusetzen, damit nie wieder Krieg sei. Die WachangesteNien zur Reichstagswahl. Für die bei den Wachgesellschaften beschäftigten Arbeitnehmer hatte der Gesamtoerband eine Versammlung im Geworks chaftshaus einberufen. Genosse W i e l 0 ch vom Gesamtverbond sprach über das Thema: Reichstagswahlen und Wachangestellten. Der Referent zeigte die Schäden auf. die die Regierung Brüning dem Proletariat zugefügt hat. Der Referent oerstand es, seine Zuhörer, die direkt vom Dienst zur Versammlung gekommeiz waren, so zu fesseln, daß sie mll voller Aufmerksamkell seinen Ausführungen folgten. Zum Schluß fordert« Wieloch die Versammelten auf, dafür zu sorgen, daß nicht nur sie selber, sondern auch ihre Frauen und wahlberechtigten Kinder am 14. September ihr« Stimme für Liste 1 abgeben. Stürmischer Beifall zeigte das Einverständnis mll den Aus- führungen des Referenten. In der Diskussion versuchte ein Wächter. gegen die Gewerkschaften und die Partei loszulegen. Er fand jedoch keinen Zlnklang in der Versammlung. Am 14. September wird sozialdemokratisch gewählk. Liste 1. Sein Berusungsprozeß wegen der Unruhen in Oppeln. Die Oppelner Hakenkreuzler, die wegen des Ueberfalls auf polnische Schauspieler zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, haben ihre Berufung gegen das Urteil zurückgezogen. für die Zeil vom s bis 9. Sepiember I N O-T A F E L PROGRAM M für die Zelt vom 5. bis 9. Sepiember ©ioig Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9 Uhr Die große deutsche Tonfilmposse: Lompenbalt mit Anna Mfiller-Liacke, Fiiiz Kämpen, Irene Ambrat, Harry Frank, Carl de Vogl Rheinstratze 14 (An der Kais.-Eiche) Oer Hehn Im Korb m R. SchDnzcl, Malr OeUcbafl, Elga Brink, Wllh. Dicterle, Harry Hardt Die Banditen von Sandy-Bar (Wildwest-Schauspiel in 6 Akten) Moabit Artushof'Licfatspiele Film- and Bflhnensdiaa Perleberger Str. 29 und Stendaler Str Export in Blond(MSdchenhandel) Bühne: Gr. Revnei Die Nacht der Nldiic(12 Mitw.) Weif'Kino Mt-Moabit 99 100 Proi Tonfilm: Beg. 6.«, 9.00, S. 5. 7. 9 Uhr Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr 72(76 WochenL 5 30, 7. 9,15, Sonnt ab 3 U. Wegen Riesenerfolg verlängert! Der sensationelle Tonfilm-Erfolg: Ein Tango tftr dich mit Wllty Forst, Oscar Karlwelg, Ernst Vereb es, Fee Malten Beiprogramm Odeon, Potsdamer Str. 75 Tonfilm-Operette Ein Tango für Dich tn Fee Malten, Willy Forst, Oskar Karlwclg, Paul Otto, Ernst Verebes Der Lampenball(Tonfilmlustspiel) mit Anna Mdller-Undte, Fritz Kampers Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Strale Täglich 7, 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.15 U. Der lustige Tonfilm: Komm xa mir zum Rendezyons Turmstrahe 12 W. 5, 7, 9 Uhr Der weifte Teaiel m. Ivan Mosjnkln Vertonter Film mit LH Dagover, Betty Amann, Frlti Alberti jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag seöffnet. Ton- und Sprechfilm: Melodie des Herzens mit Otta Parin, Willy Frltzdi 2 Kurz-Tontllme > wa.t.n» Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretens'r Oer Korvctlenkaplltn m Harry Llcdtkc, Maria Paadlcr, Fritz Kampers Jugendliehe haben Zutritt ä Frfadrlchstnett W Täglich t 5. 7. 9 Uhr Die Kamera Unter den Linden 14 Sosannas erstes Abenteuer Der Gentleman von Paris mit Ad. Menfoa Th. am Moritzpiatz Beginn; W. ab 5 Uhr. Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Goethes FrOhltngstranm »«ItGMbarg Titania(ufa SchSneberg) dauptstraße 49 W 5, 7, 9 U. Stg, 3U. 100 Proz. Tonfilm; Ein Schah Im TonfUmatcller mit Gerda Maaro» Beiprogramm W Friedenau W Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 55 W. 5 30.9.U. S.4.5J0.9U Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larttarl m M. Hansen, P. Morgan, C. Jökien Tönendes Beiprogramm ■ sf a»it«■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Qutsmuthsstt. Täglich b-SO. 9 Uhr. Stg. 4, 5J0, 9 Uhr Der Korreitankapllln mit Harry Lledtke, Maria Pandler, || SC<3wast«är__�l Film-Palast Kammersäle T eltower Str. I W. 5, 7. 9, Stg. ab 3 Uhr 100 proz. Tonfilm; Skandal am Bva mit Henay Porten— Beiprogramm Süd nn Die �ugendgeUebt«) mit Neukölln U- V—.l, WochenL 6,45, 9 U. tVUKUK Sonntags 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Kriminal-Tonfilm: Der Schab>m Tonfilmatelier mit Gerda Maaras CvozzlelAi» Wochen! 6 45, 9 U. Lxcelsior Sonntags 5, 7. 9 U Kalser-Friedrich-StraSe 191 Ufa-Tonfilm: Hoknspokns mit Lllian Harvey, Willy Frllsdt Stern, Hermannstraße 49 Wohentags 5 45 u. 9,'Sonntags 5, 7. 9 U. Ufa-Tonfilm: Hokaspoxos mit Lllian Harvey, Willy F ritsch �_ Südosten h Filmeck Beg'nn Skalitzer Straße, am QOrlitzei Bahnhof Tonfim Ein Scfaag Im TontllmateUer mit Gerda Maaras dflhnensetiaa Luisen-Theater sS�'tu. Reichcnberger Str. 34 Tonfilm; Panzerkreuzer Poiemkim Gefahren der Brautzeit mit M. Dietrich Stella-Palast KOpenlcker Straße 11—14 Besinn der Vorstellungen Wochtgs. 5.37, 7 15,915. Sonnt 3,6,7.91; Der große Tonfilm Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, S. Arno, Maz Ehrlich, Marg. Kopier, P. Morgan Beiprogramm- BUhnenschan Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4. 6, 8 Uhr; Lalla, die Tochter des Nordens Ein Film a nordisch. Hintergrund „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15. S. 3.15. 5. 7.15, 9 15 Uhr Der große Tonfilm-Schwank: Die zlrtiicheB Verwandten mit Ralph A. Roberts, CharL Ander ■ 0't*n■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Besinn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30, Sonntags 5 Uhr Skandal am Eva m. Henny Porten in ihrem ersten Sprech-Tonfilm Das tönende Beiprogramm: Micky Maos Im Tlerrarielä Luna-Filmpalast Qr. Frankfurter Str. 121 Wochent 5 Uhr, Sonnt 3 Uhr Das WolgamÄdchen mit Evelyn Holt. Igo Sym Oer geheimnicvoUe KaTalfcr mit Richard Talma dgc Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7, 8.45, Stg. i 4. 7. 8.45 U. Großtonfilm: Oer blaae Engel mit E. Jannlngs, Marlene Dietrich Jgdl. Zutritt ,3,5. 7, Comenius-Lichtspicle Memeler Straße 67 W. 6. 9, S ab 5 U Das Lied rom allen Markt Er geht recht«—»ie d�ht link« Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U.. Stg. ab 3 U. Die rom Rmamelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Auf der Bühne Ernst Hofer, der belieb:e sächsische Komiker Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Bflhnemchao Woch. 5. ca 7. 8.45, Stg. 3, 5. 7. Ca 8.45 U. Da* Wolgamädchcn m. Evelyn Holt Erlebnis einer Nacht mit M. Alban! AvVtzam hrsa Woch. ab 6:10 Uhr inamora Sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Groß-Tonfilm: Die Warscfaaaer Zitadelle mit V. Varconi.- Gr. Beiprogramm W N«u-Ll«htent»erg"b Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, LOckstraße 70 W 6.45 v.. Stgs. ab 4 U. Gefahren der Braolzell mit Marlene Dietrich Das Geheimnis Im Schlafvagen mit Oisl Oswalda— BUhnenschan �__Frl(»drlclis»«W4»�J Kino Busch s'Ät« uw Alt-Friedrichsfelde 3 Karassel der LQgc mit Gastav FrShllch, Betty Astor Die Gehelmnisse des Zlrkns Jordan (Lustige Episode)— Beipiogramm V WalCenseq � Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Stg. VjS Jgd.-V Das WolgamÄdchcn mit Evelyn Holt, Igo Sym Achtung Polizeipatrouille Bfibnenschan Norden Alhambra Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Tonfilm: Heate nacht erenlaell mit lenny Joga.— Beiprogramm Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 W. 6 U Stg. 5 U Vollst renovieit! Neue Direktion 1 Der große lOOproz Tonfilm. Im Kampf mit der Unterwelt mit C. AJdini— Beiprogramm Marga-Lichtspicle Schul Straße 29 � Unter tlglich Brot(Die Frau aus Chicago)— Polizeitptonin 77 Bühne: Lustige Revue Prater-Lichtspiei-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5, Sonntags 3*/» Uhr �le heiligen 3 Brunnen mit Lais Trepker- Der Sonderling- BOhne: Ausfet-Revue Im Tempo der Zeit Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W.>/,7 U. Stg. 5 U Tonfilm; Der blaae Engel mit Emil Jannlngs, Marlene Dietrich Colosseum Wtgs.5, 7 u.9Uhr Stg 3, 5, 7 u. 9 Uhr Schönhauser Allee 123 Tonfilm: Der Schah Im Tonfilmatelier mit Gerda Mamma Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9, Stg. 5, 7. 9 U. lOOProz Tonfilm: Der blaae Engel mit Emil Jannlngs, Marl. Dietrich Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Stg 2a» Jgd.-Vorst W. 7. 9 U-, Stg. 5. 7 u. 9 U Tonfilm: Hokaspokns mit LI 11 an Harvey, Willy F ritsch Film-Palast.Äla-en Blankenburger Straße 4 stg � 7* 9 U* Fraaennot— Franenglftck mit ärrtliehetn Vortrag.- Tombl j ffldl» Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 5, Stg. 4>l. Uhr Sonntags 2 U Jugendvorst. Tonsprechfilm: Gigolo(der schöne arme Tanzleutnant) mit Anita Doris, Oscar Marlon.— Beiprogramm „Kosmos" Fümbühne Hauptstraße 6 6 Uhr. 9 Uhr Die belügen 3 Bronnen m. Trecker Da* Wolgamldchen mit EveL Holl Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg, 6, 80» U. Stg. 2 U- j ugendvorsu Stg. 4V«. 6V» 84» U. Der Spion von Odessa Oer Haaptgevtnn(Tragikomödie) U Hdwnlgtciorf M Fiimpalast Stg, 4�6* Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.- Vorst. Tonfilm; Wien, dn Stadt der Lieder Tönendes Belprogre