BERLIN Sonnabend 6. September 1930 10 Pf. Nr. 418 B 208 47. Jahrgang erscheint tizlich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Voririrts". Beiugsxrcij beide Ausgaben 85 Pf. pr» Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition-, BcrlinSWö8,LindenKr.3 Anzetgenpreis: Die einspaltige Nonpareillezcile «0 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vormärts-Verlag E. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Kommunistischer Fälscherrekord Die„Z�oie Fahne" fälscht sich selbst Das Berliner Balschewisteiiblatt ist in flroßcr Verlegenheit wegen der von uns festgenagelten und auch von ihm selber gebrachten Erschiegungsredc seines Max ch ö l z. Aus diesem Grunde erklärt die„Rote Fahne" in ihrer Sonnabendnuminer, den Ausspruch des Holz„zur Richtigstellung" noch einmal wiederholen zu wollen und zitiert ihn folgendermaßen: „Die Werttätigen werden sicher nichts dagegen haben, wenn die GPU. in einem kommenden Deutschland die Hitler und Goebbels, Severing, Noske und Zörgiebel erschießen wird." Diese„Wiederholung" ist in Wirklichkeit eine gerissene U m f ri si e ru n g. Die„Rote Fahne" vom Freitag hatte den Satz von Max Hölz anders, und zwar in folgender Fassung, durch besonderen Fettdruck herausgehoben, beriäztet: „Die werktätigen Deutschlands werden sicher nichts dagegen einzuwenden haben, wenn die GPU. in einem kommenden Sowjet- Deutschland die Zörgicbel, Noske und Severing erschießen wird."(Tosender Beifall.) Von Hitler und Goebbels, die erschossen werden sollten, stand in der-„Roten Fahne" am Freitag noch keine Silbe. Die sind ihr erst nachträglich zum Sonnabend«ingesallen und hinter- her ist den Text gesetzt worden. Selbstverständlich kann das saubere Volschewistenblatt, während es sich selber fälscht, nichr unterlassen, den„Vorwärts" der Fälschung an Max Hölz zu bezichtigen! Ein Blatt, das sich selber fälscht, dürste, troh Ben iltiba, eine noch nicht dagewesene Erscheinung sein! (£s wird weiter gelogen! Zu der Erschießung des Arbeiters Paul Schulz in der Box- Hagener Straße verbreitet di«„Rote Fahne" die Lüge, die gestern schon von den Konnnunisten ausgestreut wurde, daß Schulz vom Reichsbonnerauto aus erschossen worden sei. Wörtlich schreibt das Lügenblatt: „Diese Burschen, die bei Jürgiebcl in die Schule gegangen sind, knallten, von Mordgier besess«», frisch und fröhlich los." Dies wagt die„Rote Fahne" den Arbeitern vorzulügen, wäh- rend der wirkliche Täter, der Kommunist Friedrich Schars aus Lichtenberg, bei dem die Mordwasse, vier jcharse und zwei leere Patronenhülsen gesunden wurden, bereits sestgestellt. verhaftet ist und gestanden hat. Der amtliche Bericht. Ueber den blutigen Vorfall in der Boxhagencr Straße in Lichtenberg wird vom Polizeipräsidium solocnde amtliche Mitteilung gegeben: Am Freitag, dem 3. November, fuhr gegen 19 Uhr ein mit 25 Reichsbannerleuten besetztes Lastauto durch die Jung- und Boxhagener Straße in Lichtenberg. In der Voxhagener Straße wurde von dem 20jährigen Arbeiter Friedrich Scharfe aus der Friedrich-Ztarl-Straße in Lichtenberg, der früher der Roten Jungfront angehört hat und auch sonst politisch hervorgetreten ist, aus einem Trommelrevolver ein Schuß aus die Reichsbannerleute abgegeben. Da es sich um eine alte Masse handelte, schlug die Masse bei Abgabe des Schusses nach unten. Durch den ochüß wurde ein vor Scharfe stehender Mann namens Schultz aus der Friedrich-Äarl- Straße 30 in Lichtenberg, der früher Mitglied der A n t i s a lAntisaschistische Junge Garde) gewesen ist. in den Rücken ge° t r o s s e n. so daß er in ein Krankenhaus überführt werden mußte. Die Angaben, daß vom Reichsbanner geschossen wurde, sind unzutreffend. Fälscher mit eiserner Stirn. Zum Falle Dörsam ergreift jetzt endlich di«„Rote Fahne" das Wort. Sie macht es sich sehr leicht, indem sie darauf vertraut, daß unser« ausführliche Aufdeckung des Schwindels ihren Lesern nicht zu Gesicht gekommen ist. Mit dreister Stirn behauptet sie nach wie vor: ..Dörsam war als Angehöriger eines Rollkommandos des Reichsbanners an einem Zusammenstoß mit dem Stahlhelm beteiligt und wurde dann v o n d e r S P D.- P o l i z c i verhaftet und zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt." Hier wurde bereits festgestellt, daß der zehnmal wegen Reichöschmied Thälmann Neue Schreckensnachrichten. Man spricht bereits von 3000 Toten in Domingo. New park, K. September.' Wie aus San Domingo gemeldet wird, ist die Zahl der Todesopfer nach dem verheerenden Mrbelsturm bereits a u f 1 Z 0 0 ge st legen. DieGesamtzahlderTodcsopser wird aber auf mindestens Z000 geschäht. Die Hungersnot greift immer mehr um sich. Strengste Ratio- nalisierung der eintreffenden Lebensmittel ist notwendig. Die Löschung der Dampfer wird mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, da die Hafenschifsahrt infolge der umherschwimmenden Wrack- stücke beinahe unmöglich ist und außerdem sämtliche Lagerhäuser zerstört wurden. Beinahe alle öffentlichen Gebäude, unter ihnen der Palast des Präsidenten, das Abgeordneten- Haus und das I u st i z g e b ä u d e sind zerstört. Obenstehendes hochpatriotisches Gemälde offerieren wir als Wandschmuck den verehrlichen Krieger-Etahlhelm- Notfrontvereinen. Darf als Haussegen in keinem na- tionalen kommunistischen Haushalt fehlen. Vertrieb: Münzhugenberg& Co Betruges und Diebstahls vor best raste Döxsam das halbe Jahr Gefängnis nicht wegen einer Keilerei mit dem Stahl- Helm, sondern wegen Rücksalldiebslahls und Rücksallbetruges erhallen hat. Die Geschichte vom Rollkommando und dem Stahlhelm hat er lediglich erfunden, um sozialdemokrarische Abgeordnete sür sich zu interessieren. Weiter erhält-die„Rote Fahne" di« Lüg« ausrecht, Dörsam hätte von dem Abgeordneten Kuttner einen„hohnvollen Brief" erhalten. Sie besitzt also die Dreistigkeit, die von uns auf- gedeckte Brieffälschung, die Dörsam in Gcmeinschgst mit dem kam- munistischen Reichstagsabgcordnclcn Schneller fabriziert hat, auf- rcchtzuerhalten, obwohl das von uns im Wo'-tlalit veröfsentlichte Rückschreiben Dörsams klar beweist, daß Kuttncr diesen„höhn- vollen Brief" an Dörsam nicht geschrieben hat, sondern lediglich eine Aufsocderung, sich über seine Parteizugehörigkeit auszuweisen. Das Strafversahren gegen die Fälscher Ernst Schneller und Georg Dörsam wegen gemeinschastlicher lirkundcnsälschung und Ver- leumdiiiig wird diesem Schwindel sehr bald«in Ende bereiten. Verurteilt und sogleich erschossen Die faschistische Schnelljustiz gegen die Südslawen. T r i e st. ö. September. Die vier gestern abend zum Tode verurteilten Terroristen Bidorelsch, Marujilsch. Blilos und Balencilsch wurden heule früh um 6 Uhr durch Erschießung hingerichtet. Die Verurteilten wurden fo gestellt, daß sie dem Peloton den Rücken zukehrten. Zwölf Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von zwei bis dreißig Jahren, zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Angeklagten waren beschuldigt, im Februar gegen eine Triester Zeitung ein Bombenottentat verübt zu haben, dem mehrere Personen zum Opfer gefallen sind. Oer Schiedsspruch im �uhrbergbau. Die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Bachum, 6. September.(Eigenbericht.) Der Bergbauindustriearbeitervcrband beschloß, die Verbindlich- keitserNärung des für den Ruhrbergbau gefällten Schiedsspruches in der Lohnfrage zu beantragen. Anerkennung derKinderfreunde Allen Verleumdern ins Stammbuch. In Münster(Westfalen) hat der Deutsche Katholiken» tag seinen Ansang genommen. In den geheimen Konventitelii, die diese Tagungen nach alter Ueberlieferiing umrahmen, wie in den össentlichen Kundgebungen treten die Hinweise auf die„bevorstehende Entscheidung" demonstrativ hervor. Dabei liegt das Generalthema des diesjährigen Katholilentages:„Die christliche Erziehung der Jugend" auf der rein kulturpoliiischen Ebene, die durch diesen Rcichstagsuxihlkamps au sich gar nicht berührt wird. Gleich zu Beginn erfolgte eine bemerkenswerte Auseimnidec- jetzung mit der f o z i a l i st i f ch e n K i n d e r s r c u n d c- b e w c g u n g. In Freiburg Halts man im vorigen Jahre die demagogischen Register aufgezogen, die in der Nack?- plapperung all der bekannten Verleumdungen gipfelten. Diesmol beliebte man eine gründlichere und objektivere Be- Handlung. Der Jejuüenpaicr S ch r ö t e l e r von der Zentrale der katholijä)«!! Schulorganisation forderte eine tiefere Begründung des katholischen Bildungsideals, gemäß moderneren Auffassungen über die Jugenderziehung, wührr-nd Dr. D e s i d e r i u s V r e i t e n st e i n (Paderborn) feine kritische Würdigung in diesen Sätzen zusammen- saßt?: Sicherlich seien die Kindecsreuade areligiös, aber sie vewnie» sehr stark die silllichea Werte des Dienstes an der Gemeinschaft, der kzilssbereitschajt, der Ueberwindung de» Etzoismus. 3n der sozialistischen Erziehungsbewcgung sei die Ueberwindung des ..blinden kausalitälsglaubens, des Dulgärmarrismus" zu einer mehr ethischen Aussasiung sc st zustellen. Man dürft das Gemein- schasisleben der 5 indersreunde nicht nur schwarz in schwarz malen. Zhrc ethische Grundhaltung bringe sie in die Röhe bestimmter soziulrejorwerischer Richtungen im Katholizismus. Wir hoben rcr kurzem die schamlosen Verleumdungen niedrig.-r gelstingt, die in dem katholischen„Bayerischen Kurier" über die Kiiidersreeindc-Vewegung verbreitet wurden. Und wir freuen uns, daß diese Verleumdungen jetzt aus dem Katholikentag selbst abgeta-i werden. Liste-I-Geschwader fliegt nach Breslau. Das Sturmvogel-Gejchwader. dos den Deutjchlandflug für die Sozialdemokratie durchsührt, startete heute vormittag in Chemnitz zum Weiterslug nach Breslau. üff! Gnche Kundgebung Arbeiter, Angestellte, Beamte erscheint In Massen I „Ein hochverrSierisches Ltniernehmen." Wie das Reichsinnenministerium die Hakenkreuzpartei charakterisiert. I'i« thüringische Regierung hat dem Staatsgerichtshof ein« H a r t e i s ch r j f t der NationalsoziaMischen Partei eingereicht, um den Beweis zu führen, daß die Nationalsozialistische Partei keine staatsscindiche Partei sei. Das Reichsinnenministerium hat darauf eine 63 Seiten starke Denkschrist eingereicht, di« den Titel trögt„Das hochverräterische Unternehmen der N S D A P.". Die Denkschrift legt zunächst die geschichtliche Ent- wicklung der NSDAP, bis zum Hitler-Putsch dar und führt weiterhin den Beweis, daß die nach Aufhebung des Verbots neu gegründete Partei die in unmittelbarer Fortsetzung der alten sei. Unter Aus- breitung eines reichen Bewsismoterials legt die Denkschrift dar, daß das Ziel der NSDAP, die Zertrümmerung des jetzigen Staates sei. Als Mittel zur Erreichung dieses Zieles betrachtet die NSDAP. die Anwendung offener Gewalt, die Revolution und die Diktatur. Das hochverräterische Unternehmen der NSDAP, sei wohl organi- siert. Die Kräfte zur Durchführung des Unternehmens seien die Parteiorganisation, die Sturmabteilungen und der Studemenbund. Die Kräfte der NSDAP, würden zu diesem Zwecke militärisch aus- gebildet. Die Denkschrift gelangt zu folgendem Schlußergebnis: „Die NSDAP, erstrebt mit allen.ihr zu Gebote stshenden Mitteln de» gewaltsamen Umsturz der aus der Weimarer Verfassung gegründeten deutschen Republik. Die Partei selbst und die von ihr geschaffenen Organisationen sind so aufgebaut, daß sie alle als geschlossene militärisch disziplinierte Kampftruppen bei dem beabsichtigten Umsturz eingesetzt wer- den können. Soweit sich Nationalsozialisten am parlamentarischen Staatslcben beteiligen, tun sie es zu dem ausgesprochenen Zweck, den Staat und seine Machtmittel von innen heraus zu unterhöhlen, um den Generalangriff durch Schwächung der inneren Widerstandskraft des Staates zu erleichtern. Sie fühlen sich schon jetzt g e r ü st e t, um unter Anwendung von brachialer Gewalt den Umsturz herbeizuführen." Angesichts des in der Denkschrift ausgebreiteten Beweis- Materials muß man sich nur wundern, daß vor dem Reichsgericht bisher eine große Anzahl von Hochverratsprozessen gegen Kommu- nisten geführt worden ist, aber noch kein Hochverratsprozeß gegen Nationalsozialisten!» In der Aluminiumgondel 16 Kilomeier hoch- Pros. Piccard, ein Belgier, ist mit seinem Luftballon in Augs- bürg eingetroffen, von wo er aufsteigen will, um die Atmosphäre in bisher unerreichten Höhen zu untersuche». Die Gondel aus Aluminium ist luftdicht abgeschlosien, da kein Mensch vtegen der Kälte und der geringen Dichte der Luft so hoch am Leben bleiben kann. Augsburg. 6. September. Der haute hier eingetroffene Professor Piccard aus Brüssel empfing abends in der Montagehalle der Riedinger Ballon- fabrik in Gegenwart der Direktion die Vertreter der Presse, um ihnen auf Fragen über Zlveck und Art seiner beabsichtigten wissenschaftlichen H ö h« n s e. h r t Auskunst zu erteilen. Aus de» Mitteilungen des Professors ging hervor, daß er sein Unternehmen auf der Grundlage sorgfältig st er wissen- j ch a f i l i ch e r Forschungen und Untersuchungen vorbereitet hat. die ein glückliches Gelingen gewährleisten. Die in Form einer Kugel von 2,10 Meter Durchmesset aus Aluminiumblättern zusammengeschweißte schwarzweiße Gondel war bereits provisorisch ausgestellt, und mit dem Einbau der wissenschaftlichen Instrument« soll bereits morgen begonnen werden. Mit allem Nachdruck betonte der Gelehrte, daß sein Unternehmen mit sportlichen Höhen- rekordoersuchen nichts zu tun habe, sondern rein wissen- schastlichen Zwecken diene, für die allerdings eine Höhe von 14 000 bis 16000 Metern erreicht werden müsse. Für ihn und seinen Be- gleiter, den Brüsseler Physiker Kipser, muß daher in der Kugel- gondel für Almungsmöglichkeit gesorgt werden. Es wird deshalb ein Luftgenerator mitgenommen, ferner zwei Dräger-Apporace, Preßsauersiosf und als äußerste Reserve zwei Liter flüssiger Sauer- stoss. Die? Vb Millimeter starke Gondel besitzt zwei Ausgänge und ist aus einen Druck von 7 Atmosphären geprüft worden, d. h. auf 2 Atmosphären Ueberdrnck, wäbrend auf der Fahrt höchstens mit Vi Atmosphäre Ueberdruck gerechnet wird. Außerdem wird Piccard drei Fallschirme miisühren. Ucber die Aussichten feiner Fahrt, die er in Begleitung icincs wissenschastlichrn Aisistenten Kipfe? ausführen wird, äußerte Piccard keine bestimmte Mefnung. Er Ixibe, wie er d.irlrgte, bis jcgt 6 Flüge als Pastagler' und 6 als Ballonführer ausgesühri. wobei er ober über ein« Höhe von-IdOO Metern nicht hinausgekommen sei. Der bevorstehend« Aufstieg sei also seine l 3. Fahrt, doch sei cr n! ch t abergläubisch. Günstige Witterung vorausgesetzt, hofft Piccard frühestens am kommenden Dienstag anksteigen zu können. Aelchsbannrr. Ortsverein Pankow. Sonntag, den 7. Septem- der. treten die Kameraden zum S a a l s ch u tz der SPD. K und- a e d y n g in Blankenfelde nm 14.30 llhr an der Hzltesielle der Oivnib'islrnic 5 m der Brcitenstraße an. BundesNeidung. Er kennt das„Stahlbad des Krieges"... Kurzgeschichten aus Moabit— Auch ein Beitrag zur Wahl Er war ein armer Teufel: In der Fürsorgeerziehung groß ge- worden, im„S t a h l b a d des Krieges" völlig verwahrlost, in der Inflation arbeitslos: Was Wunder, daß er auf Abwege geriet! So kam er zu einigen Strafen: Immer wegen Diebstahl und Einbruch. Die Gesellschaft,!n die er kam, war auch recht an- rüchig. aber ein armer Teufel kann eben nicht wählerisch sein. Und als ihn einer seiner damaligen Freunde einlud, die Geburtstags- feier eines Bekannten in einem Lokal mitzufeiern, nahm er gern an. Dann ging er mit dem und noch einem Freunde fort, weil der, bei dem er diese Nackt schlafen sollte, aber noch keine Lust hatte, nach Hause zu gehen, trennte er sich bald von den be'den und fand in der L i n i e n st r a ß e bald ein gefällige? Mädchen, das ihm in seinen, Bett Gastfreundschast gewährte. Die beiden andern gingen weiter, nnd well es nun doch schon mal eine angebrochene Nacht war. probierten s!« einen kleinen Einbruch— aber der Alkohol v WÄHLT LISTE_ Sozialdemokraten\ bewirkte, daß sie nicht mit gewohnter Meisterschaft vorgingen, und so wurden sie aus frischer Tat erwischt. Sie sind schon längst abgeurteilt und haben alles brav ab- gesessen. Er hatte noch eine Straf«, saß die ab— und dann wurde er wirklich und wahrhastig ein ordentlicher Mensch: Drei Jahre arbeitet er nun schon. Plötzlich bekommt er«ine Anklage „Wegen Beihllfe und Begünstigung eines schweren Diebstayls im Rückfall". Was ist los?— Ja, er ist doch damals mit den beiden zusammen aus dem Lokal fortgegangen! Zwar sagen die beiden aus, er Hab« sich bald von ihnen getrennt, zwar ist er nicht mit- verhaftet worden, zwar hat ihn keiner der Zeugen in der Nähe des Tatortes gesehen. Aber ein« Anklage kriegt er doch: Ein V o r b e st r a f t e r, ein ehemaliger Fürsorgezogling... Di« Zeugenaussagen ergeben nichts, aber auch nicht das Geringst« gegen ihn, und schließlich beantragt selbst der Staatsanwalt Frei- sprechung. Er wird srelgesprochen und kann ja nun weiter ein braver, arbeitsamer Mensch bleiben. Er ist froh. Der gut« Staatsbürger aber wundert sich: Das alles konnte dach der Untersuchungsrichter schon aus den Akten ersehen. War es da überhaupt noch nötig, das Hauptversahren zu eröffnen— leidet I u st i t! a bei uns auch an Arbeitslosigkeit? Oer Herr Beamte ist leicht beleidigt... Um den Wachtmeister B a l o u r schwebten allerlei düstere Ge- rücht«— wegen Sittlichkeit und so. Schließlich kristallisierte sich ein Beleidigungsprozeß heraus, in dem der damalige Angeklagte mit einer bemerkenswert milden Geldstrafe(30 Mark) davonkam. Damals war Herr Grünbaum Zeug«, und in seiner Zeugen- aussage sprach er davon, daß die Tochter seiner Wirtin ihm auch einmal von derartigen Dingen Mitteilung gemacht hatte. Herr Kundgebungen im Wedding. Eine zweite glänzende Kundgebung des Z Kreises fand in den Atlantik-Festsälen statt. Hier referierte Fritz Schröder in markanter Weis« über die sozialpolitischen Maßnahmen der Brüning- Regierung. Seine Avcführungen wurden oft von Beifall unter- brochen mit, mochten ans die Versammelten, die zum größten Teil aus Leuten bestanden, die uns noch fernstehen,«inen wirksamen Eindruck. Außerordenllich begeistert wurden die Darbietungen des Sprechchors der Arbeiterjugend ausgenommen. Mit einem kernigen Schlußwort des Versammlungsleiters, der aufforderte, Mitglied der Partei und Leser tes„Vorwärts" zu werden, und einem Hoch aus die Sozialdemokratie fand die erfolgreiche Kund- gebung ihr Ende. Die Versammlung war so Überfüllt, daß Hunderte keinen Einlaß fanden. Ln Hochburgen der Z�eatiion. In Steglitz, dieser Hochburg der Reaktion, zeigte die dritte übersüllt« Wahlversammlung, daß auch das Bürgertum be- ginnt, seine politische Lage zu überdenken. Und was weiter ein beachtenswertes Symtom ist, nicht mehr wie in früheren Wahlversammlungen suchte der Gegner seine Stärke durch Krawall« und Störungen unserer Versammlungen zu beweisen! man hörte unsere Redner in aller Ruhe an. Sogar die Nazis scheinen hier erziehungsfähig zu sein. Unser Redner, Genosse Hermes, übte schonungslose Kritik an den politischen Zliständen, mie sie durch die Rechtskoalition und die Brüning- Regierung hervorgerufen worden sind. Was seine Aussühnm- gen so anßcroroentlich wertvoll machte, waren die unzähligen Bei- spiele, an denen cr die Auswirkung der famosen Notverordmmgv- maßnahme» aufzeigte. Rechtsstehende Aerztc hoben ver- sichert, daß die K r a n t e n k a s s« n» o t v e r o r d n u n g die ärmsten Versicherten abholte, in ihre Sprcch- stunde z ii kommen. Ein Apotheker klagte, daß die Kranken wohl das Rezept bestellen, aber dann da? Abholen der Medizin vergessen, weil sie die 30 Pf. zu ihrer Einlösung nicht auf- bringen können. Aus den Einwand eines Redners von der Deutschen St o o l s p a r t e i. daß die politische Zerrüttung in Deutschland auf das Bcrjagen der Kirche und der Religwn zurück zuführe» sei, tonnte Hermes antworten, daß die Soziaidcuio- , rausche Partei es verstanden hat. in wenigen Jahrzehnten unter dem Banner de? Sozialismus ein« neue Religion zu verbreiten, die der B i ü d e r l i ch k e i t und der M e n s ch c n l i e b« der Millionen von Menschen schon dienen. Wachtmeister Balour bestritt diese Dinge natürlich und behauptete, die Aussage sei unwahr. Also wurde Herr Grünbaum angeklagt. Wegen Meineides, meint der Laie?— Nein, wegen Seiet d i g u n g. In der Verhandlung erklärt der Berteidigcr, Dr. Poppe, daß es doch die Höhe sei, wenn ein Zeuge bei jeder Aussage befürchten müsse, nachher wegen Beleidigung angeklagt zu werden. Er be- antragt, zum mindesten die Akten des ersten Prozesses heranzu- ziehen: der Zeug« habe ja die Verpflichtung gehabt, nichts hinzu- zusetzen und nichts zu oerschweigen, es müßte auch der Vorsitzend« des damaligen Prozesses als Zeuge herangezogen werden, er hätte alles sagen dürfen, was zur Sache gehört! Sogar der Staatsanwalt schließt sich den Ausführungen des Verkoidigers an, und der Prozeß wird vertagt. Wenn er stattfindet, wird er wahrscheinlich.zur F r e i- sprcchung des Angeklagten führen; denn die Verurteilung eines Zeugen wagen einer in einem Prozeß gsmachten Aussage, die ja dem Kläger herzlich unangenehm sein mag, würde doch wohl dos Ende aller Rechtssicherheit bedeuten. Der Laie aber wi-Äert sich. wie locker der Beamteübeieidigungsparagraph manchmal unseren Gerichten sitzt! Leid vereint... Aus der Verhandlung wird nichts. Die Angeklagte ist nicht erschienen. Schade— es war doch«in so schönes, seltenes Delikt: Bigamie. Inzwischen haben auf dem Flur die beiden Ehe- männer, der heute angeklagte Ehemann Nr. 2 und der Ehemann Nr. 1, Freundschaft geschloffen und erzählen sich immer um- schichtig ihr Malheur, das sie„mit der Kanaille, die det Aas is" erlitten haben. Die Kanaille hat anscheinend Angst vor der mann- lichen Uebermacht, der sie heute gegenüberstehen würde. Und nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens ziehen die beiden Ehe- männer, in Freundschaft vereint, zu der Gerichtskneipe, um die Zeugengebühren auf den Kopf zu schlagen. Von der Wand über der Theke aber leuchtet der schöne Satz: ,',Bei Gott und in Moabit ist alles möglich." Pagenschicksal... Aus Verzweiflung im Virchow-Krankenhans erhängt. heule früh wurde der lü, ährige Page Willi Scheller in der Toilette des vlrchow-krankenhouses erhängt aufgesuadeu. Der junge Mensch, eine B o l l w a i s e. hatte sich eine Krankheit zugezogen, die durch die Behandlung im Krankenhaus bald geheilt worden wäre. Der Junge wurde gestern eingeliefert und der ent- sprechenden Station zugeteilt. Nichts deutete in seinem Wesen darauf, daß er sich mit Selbstmordgedanken trug. In den ersten Morgenstunden entfernte er sich aus dem Krankensaal und kehrte nicht mehr zurück. Als später ein Wärter die Toilette ausjucht«. fand der Bdann den Jungen erhängt auf. Wiederbelebungsversuch« blieben ohne Erfolg._ Entmenschter Vater. pari». 6. September 1 Zu der Person de» ZSjährige« Elsässer« v a e h l is« lu Versailles ein Unmensch verhaftet worden, der sich eine, ganz scheußlichen Verbrechens schuldig gemacht hat. Baehl hatte sich am 25. Oktober 1929 mit seinem drei Monate alten Töchterchen aus der Wohnung entfernt. Seitdem war das Kind verschwunden. Seiner Frau und den Nachbarn erzählt« Baehl, er habe das Kind in Pflege gegeben. Die Angelegenheit kam schließlich der Polizei zu Ohren. Da Baehl sich weigerte, über den Verbleib des Kindes Zlngaben zu machen, wurde er verhaftet. Im Kreuzverhör gestand cr ein, das Kind bei lebendigem Leibe im Walde verscharrt zu haben. Der Mörder begründete seine Tat mit wirtschaftlicher Not. Eharlottenburg, verschrien als erzreattionär, bracht« eine glänzend besuchte sozialdemokratische Wählcrmnenoersammlung zustande. Rote Fahnen und rote Gladiolen schmückten symbolisch den großen Saal des Restouraitts Ahlert. All und jung. Männer und Frauen waren, getragen von siegesstcherer Äamps«sstin>n,ung, unserem Ruf gefolgt und verfolgten die Darbietungen mit steigendem Interesse Umrahnit wurde die Veranstaltung von Ge- sängen eines Frauenchors. Den Höhepunkt der Wählerinnenkund- gebung bildete die temperamentvolle Ansprache der Genossin Käthe Kern. Sie verstand es, das wahre arbeiterseindlich« Gesicht des Bürgerblocks zu zeichnen, indem sie noch einmal seine einzelnen sozialreaktionären Taten den Zuhören ins Gedächtnis rief. Auf soviel Unternehmerwillkür gibt es am 14. September nur eine Amwort: Der 14. September muß ein Tag der Abrechnung mit allen Diktaturgelüsten werden. Gin« wirkliche Volksvertretung muß mit aller Sozialreaktion ausräumen! Begeisterter Beifall drückte di« Zustimmung der Antdesenden mit den Ausführungen aus. Der Film„Freie Fahrt", der in packender Bilderfolge den harten und schweren Komps der Sozialdemokratie um sozialpolitischen Fortschritt zeigt, sügte sich harmonisch!n den Rahmen dieser Kundgebung. 1214 Ooppelschreibungen nach Duden! Buchdrucker für Reform der Rechtfchreibuag. In Magdeburg tagte«ine Kreisvorsitzendenkonferenz des Biidiingsoerbandes der Deutschen Buchdrucker, auf der für die Re- form der Rechtschreibung mit dem Ziel der Kleinschrist Vorarbeit gcleistel wurde. Der daran anschiiehende Kreistag des Kreises Magdeburg, der in Braunjchweig stattfand, fahie folgende Entschließung:„Der i» Braunschweig tagend« Kreistag des Kreises Magdeburg im Biidungsverbonde der Deutschen Buchdrucker erblickt in der überalterten zur Zeit noch amtlich geltende» deutschen Recht- schrcibung ein willkürlich erschwertes Bildungsmiitel, das der geistigen Niederhaltung der arbeitenden Klaffe zu dienen geeignet ist. An- gesichis der Tatsache, daß.nur ein kleiner Bruchteil de? deutschen Volkes die künstlich erschwerte heutige amtliche Rechtschreibung beherrscht. und angesichib der 1274 Doppelschreibungc» im Duden tritt cr nachdrücklichst für eine baldige durchgreifende Reiorm der deutschen Rechtschrelbung ein mit dem Ziele wettest gehender Erleichterungen» wozu in erster Lanie die Kleinschreibung beitragen würde. Di« Ein- sührung der Kleinschrist«mptiehll sick auch aus wirlschaillichen Gründen und entspricht durchaus dem Formempjinden der Neuzeit. Nach gründlicher Erörterung des Für und Wider erklärt sich der Kreistag bereit, Bestrebungen im Sinne dieser Entschließung weitest gehend durch Wort und Schrift zu unterstützen." GlänzendeWahlstimmung! Otto Braun über seine Eindrücke in Ostpreußen. Ein Mitarbeiter des„Go z. Pressedienst" befragte den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Otto Braun am Freitag über seine Eindrücke im Wahlkampf. Otto Braun stellte fest: „Unsere ostpreuhischen Freunde sind mit außerordentlichem Elan an der Arbeit, und ich habe die Stimmung und die Zuversicht für einen guten Ausgang des Wahlkampfes in Lstpreuften überall ganz ausgezeichnet gefunden. Insbesondere die Landarbeiterschast, die weiß, ums für si« auf dem Spiel steht, ist auf dem Posten. Jede Versammlung zeigt das mir schon aus Ostpreußen gewohnt« Bild, daß die Landarbeiter viele Wegstunden weit auf ihren Rädern heran- kommen, oft genug auf den Ertrag eines oder zweier halber Arbeitstag« verzichtend, um durch ihre Anteilnahme bezeugen zu können, daß„sie dabei sind" und mit alter Kampfesfreude für unsere Sache eintreten� Meine Versammlungen, nicht nur in Königsberg, fondern auch in Orten wie Elbing, Sensburg und Deutsch- E y l a u waren überfüllt— in Sensburg mußte polizeilich abge- sperrt werden— und verliefen ohne jeden Störungsoerjuch in aller- Qegen die Ulörder&arleien Zugkräftige Propaganda an einem Maufe in der Slargarder Straße an der fdte Pappelallee bester Stimmung. Typisch war es, daß am Donnerstag abend In Deutfch-Eylau im Großen Stadthallensaal 1200 bis 1500 Menschen versammelt waren, während der Vorkämpfer fjugenbergscher Ideen, der dort gerade in Ostpreußen doch persönlich sehr bekannte cherr v. O l d« n b u r g. Ja n us cha u, der ja als Verkörperung de« heut« etwas vorsintflutlich anmutenden Urpreußentums wieder auf dam Plan«schienen ist, in einem Saal, der eigentlich ein größeres Hotelzimmer war, sich zu gleicher Zeit mit 60 bis 70 Menschen begnügen mußte. Die Versammlung einer anderen bürger- lichen Partei«inen Tag vorher war von gerade 20 Personen be- sucht gewesen. Ueberhaupt zeigt sich die politische Zerrissenheit unter den bürgerlichen Parteien gerade in Ostpreußen, wo bisher die früher geeinte Deutschnational« Voltsportei«ine sehr starke Position hatte— nicht zum mindesten natürlich unter dem politischen Druck des Großgrundbesitzes—, als starkes Hemm- n! s für die Arbeit der Rechten. Die L a n d v o l k l i st e n des Herrn Schiele scheinen kein« übermäßig stark« W-rbekrast aus- zuüben und die Volkskonservatlven haben noch sehr wenig Boden gewonnen. Auf der ganzen Linie wirkt eben die Zersplitte- rung entmutigend. Unabhängig hiervon scheint sich bei der Deut- schen Volks parte! ein Rückgang anzubahnen, der möglicher- weise auch in Ostpreußen empfindlich spürbar werden wird. Tie natwnalsozialistische Agitation wird überall mit einem erstaunlichen Geldaufwand betrieben, und«S ist zweifellos, daß die an Aktivität dahinter weit zurück- bleibend« deutschnationale Propaganda demgegenüber so ms Hinter. treffen gerät, daß sich das in Form von Abwanderungen eines Teils der Hugenbergwähler zu den lautesten Schreiern, eben zu den Nationalsozialisten äußern wird. Es ist angesichts dieser Vorgänge im bürgerlichen Lager doppelt wichtig und erfreulich zu sehen, daß die unter besonders schwierigen Verhältnissen arbeitende ostpreußi- fche Sozialdemokratie, deren Vertrauensmänner, und Funktionär- apparat man auf dem Lande immer wieder durch das System der Schwarzen Listen der Gutsbesitzer und durch politijche Leute- Lmlasiungen zu zerschlagen versucht, kampfesfreudig und aktiv ist, wie nur irgend jemals zuvor. Ich bin fest überzeugt, daß der Erfolg dieser wahrhaft opferwilligen und begeisterten Arbeit nicht ausbleiben wird!" Schutz der Volksgesundheit! Der Bezirk Mitte der Sozialdemokratischen Partei veran- staltete gestern abend ein« recht wirksam« Kundgebung, die durch eine große politische Revue besonders gut unterstützt pzurde. Mit dem Einmarsch der Fahnen der Arbesterjugend begann die Versammlung tn den Sophiensälen. Der Referent Dr. M o s e s gab eine eingehende Schilderung der Wirtschafte- verhällnisse in Deutschland und Europa. Er wandte sich besonders an die Frauen, bei denen die Entscheidung liegt. Die Gesund- h e i t ist dos einzig« Kapital der Arbeiter, und Pslicht aller Regie- rungen wäre es, allen Volksgenosien die Erhaltung der Gesund- heit und damit der Arbeitskraft zu ermöglichen. In der Verfamm- lung waren einige Kommunisten, die plötzlich Verstärkung durch einen Trupp von zirka dreißig Kommunisten erhielten. Die Horde marschierte mit losgeschnalltem Koppel an und wollte auf die am Eingang stehenden Reichsbannerkameraden losgehen. Die Reichs- bannerkameraden griffen recht kräftig zu. und bald waren die Kom- muniften verschwunden. Nach alter Raubrsttermanier warteten sie nach Schluß der Versammlung in den Neben- und Querstraßen, um dort«inzelgehend« Kameraden zu überfallen. Der schändliche Plan ist jedoch durch das energische Eingreifen der Polizei und auch der Versammlungsbesucher zunichte gemacht worden. Adolph Hoffmann ruft die Jugend auf. Auch in Kaulsdorf-ziehen die Sozialdemokraten von Haus zu Haus mit ihren Transparenten und Fahnen und verteilen treppauf treppab die Flugblätter der Lifte 1. Der Höhepunkt aber war die große Versammlung, die die Sozialdemokratische Partei im Bad- schlötzchen in Mahlsdorf abhielt. Adolf H o f f m a n n, der nimmer- müde und immer junge Kämpe jpricht und hat eine kampfesfrohe Zuhörerschaft. Die Genoffen, die aus den umliegenden Orten in großer Zahl herbeigeeilt sind, kommen all« auf ihre Rechnung. Genosse Hoffmann findet, wie schon stets in den unzähligen Wahlkömpfen, die er mitmachte, mit seinem sarkastischen Humor und in seiner volkstümlichen Sprache dl« Herzen seiner Zuhöre. Von den Wahllügen der Dergangenhest erzähl, er und rät. sich die ersten acht Tage in dieser Hinsicht noch aus mancherlei«es ßt zu machen. Er preist das Selbstbewußtsein der heutigen Ar- besterjugend, die die ganze Welt durchstreift und in allen Ländern Menschen findet, die den Frieden wollen. Für diesen Frieden kämpfen wir auch in diesem Wahlkampf. Genosse H e ß b e r g schloß die Kundgebung mst anfeuernden Worten, denen ein Hoch auf die Sozialdemokratie folgte. Berlins Ehrenbürger spricht. Eine machtvolle, überfüllte Wohlkundgebung veranstaltete der Kreis Wedding in den Pharussälen mit Unterstützung der Sozia- listischen Arbeiterjugend und der Arbeitersänger. Eine wirkungs- volle Wahlrevue, gespielt von der Sozialistischen Arbeiterjugend. eröffnete die Kundgebung. Der Redner des Abends, Hugo Hei» mann, unser greiser Parteifreund und Ehrenbürger Berlins, stürmisch begrüßt von der Versammlung, beschäftigte sich be- sonders mit einer der wichtigsten und machtvollsten Errungenschaften der Arbetterschaft, mst der staatlichen Arbeitslosenversiche- rung. In ihr prägt sich am klarsten die Abkehr von der Gedanken- weit der bürgerlichen Gesellschaft aus. Für die bürgerlich« Gesell- schaft hat der Mensch in der Wirtschaft nur den Zweck, Güter zu produzieren, und wenn er das nicht mehr kann, hat er keine Existenz- berechtigung mehr. Dem Arbeitslosen wurde früher mit der kärg- lichen Wohlfahrtsunterstützung sein Staatsbürgerrecht entzogen. Nach der Revolution wurde die Arbeitslosenversicherung ein- geführt, die dann auch in der Weimarer Verfassung verankert wurde. Die Gesellschaft erkennt das Recht auf Arbeit an und sichert dem einzelnen im Falle der Arbestslosigkest seine Existenz. Gegen dies« Gedanken kämpft das Bürgertum, und die brutalen und reak- tionären Maßnahmen der jetzigen Regierung verfolgen lediglich den Zweck, die Arbesterschast wirtschaftlich und politisch zu schwächen. Durch die Diktatur soll die Arbeiterschaft geknechtet werden. Des- wegen führen wir diesen Wahlkampf um die Sicherung der D e m o- k r a t i e und um die Erhaltung der sozialen Errungenschaften. Organisation»er Kunstkonsumenten Rechenschastsbericht der Kunstgemeinschast Die Deutsche Kunstgemeinschast versendet ihren Jahresbericht von 1S29. Sie ist, wie bekannt, keine Organisation des Kunst- Handels, sondern der Kunstkonsumenten: mittelbar aber dient sie den Künstlern in bester Form, indem sie der Kunst dient durch Verbreitung von Freud« und Kauflust an Kunstwerken beim großen Publikum. Die Berussstatistik der Mitglieder gibt über diesen Teilnehmerkreis die interessanteste Auskunft. Obenan stehen natürlich, das kann heute nicht wohl anders sein� Geschäftsleute, Bankiers, Rechtsanwälte, höhere Beamte. Sie stellen etwa tri« Hälfte der Käufer: deren Kategorie bildet Mckgrat und Sinn der ganzen Organisaston(im Durchschnitt ist ein Drittel der Mitglieder auch Käufer von Kunstwerken). Die ouder« Hälfte verteilt sich aus die mannigfaltigsten Berufe, von Parlamentariern, Lehrern, Journa- listen und Architekten zu Polizeibeamten, Handwerkern und Studenten; Geistlich«, Verleger,„Behörden und Verbände" einbegriffen. Die Rubrik„Arbeiter" fehlt leider au» leicht zu erratenden Gründen. Selbst unter den Käufern der Graphikblätter von Zill» und Käthe Kollwitz finden sich wohl Reichstagsabgeordnet«, Staatssekretäre, Direktoren, ein„Schwimmverband", aber kein Gewerkschaftler. Vielleicht wäre ein« Annäherung unserer Genossen an die redlichen Absichten der Kunstgemeinschast nicht von der Hand zu weisen; hat doch«in Unternehmen von ganz verwandter Abficht, die„Kunst unserer Zeit" des Ottens-Derlages, mst Recht bereits festen Fuß unter den Gewerkschaften gefaßt, worüber demnächst zu berichten sein wird. Die wirtschaftliche Depression der letzten Zeit ist allerdings solchen Dersuchen nicht sehr günstig, und der Bericht von Staats- selretär Schulz betont auch die schlechte Lage des Jahres 1920, das nur einen geringen Zuwachs der Mitgliederzachl(auf 1035) brachte. Man mutz in Kunstdingen sich wohl»der übel auf wirtschaftlich etwas Stärker� einstellen; Hauptsache ist, daß der Kunstoerbrouch nicht gänzlich ins Stocken kommt, daß den Künfstern ihre wirt- sstzastlich« Basis erhalten bleibt, wenn auch den Umständen ent- sprechend geschmälert, und daß das Interesse an unseren höchsten Kulturgütern durch so volkstümlich« Einrichtungen wie die Kunst- gemeinschast in weitere Kreise getragen wird, als sie der reguläre Kunsthandel erreichen kann. Di« Uebersicht über die tatsächlichen Verkäufe wird dadurch etwas erschwert, daß die Jahre 1926 bis 1929 zusammengefaßt werden: man bleibt über Zu- oder Abnahme im letzten Jahr im unklaren. Erstaunlich günstig ist danach das Resultat; 1659 Der- käufe in vier Jahren, unter denen die meisten natürlich kleinere Ding«, wie graphische Blätter, bilden, die aber auch in erheblichem Maß« kostspielig« Oelbilder, Aquarelle und dergleichen einschließen. Erfreulich ist die Liste der betelligten Künstler; sie reicht, unter Bevorzugung Berliner Maler, wie U. Hübner, Charlotte Behrend, Honigberger, Pechstein, Heckeadors, Batö, bis zu jo schwer zu- gänglichen Persönlhhkesten wie Hofer, Dir, Nolde, Schmidt-Rottliiff. Selbstverständlich ist das Gesamtbild dabei so bunt wie der Ge- schmack von 358 kauflustigen Liebhabern nur sein kann. Ein« sehr ausbaufähige Einrichtung bildet das Kunst- abonnement, dem 1929 auch der Reichstag beigetreten ist; hauptsächlich für Korporationen gedacht. Man wird am schnellsten die Art dieses eigentümlichen und glücklichen Versuchs erkennen, wenn man den Reichstag als Beispiel nimmt. Er zahlt jährlich 1000 Mark, erhielt dafür als Leihgaben im ersten Jahr 220 Kunst- werke im Wert von 50 000 Mark, die hauptsächlich in den Reprä- sentationsräumen, aber auch in den Arbests- und Konferenz- zimmern, ja in den kleinen Arbestsränmen der Abgeordneten auf- gehängt wurden. Das Material kann jedes Jahr umgetauscht werden, und für den Wert der Abonnementssumme gehen erwünschte Kunstwerke in festen Besitz des Reichstags über. Nach einem Jahr Probe kann sich wohl jeder zu festem Erwerb entschließen. Das Ganze gilt für Behörden und Inststute, wie z. B. Schulen, in erster Linie; ober auch der einzelne kann sich auf diese Weise rasch einen größeren Stock von Kunstwerken für seine Räume beschaffen, die nach und nach, abzahlungsmäßig, in seinen Besitz übergehen. Mit einer großen Wanderausstellung heutiger deutscher Kunst, die von Mai bis Dezember 1929 in den hauptsächlichsten Städten Niederländisch-Indiens gezeigt wurde, unter Leitung von Frau Elisabeth Delbrück, griff die Kunstgemeinschast über die Grenzen Deutschlands hinaus und stellle sich w den Dienst der Propaganda unserer Gegenwartskultur im Ausland. Der moralische Erfolg war bezeichnenderweise west größer als der materielle. Man interesiierte sich in den holländischen Tropen hauptsächlich für unsere abstrakten Künstler. F. Schmidt. Spoitei ihrer selbst.... Llfa-Theaier, Kurfürstendamm. Der Reoue-Operetten-Tonfstm„Nur D u" sängt mit einem guten Trick an, indem er sein eigenes Genre verspottet. Eine neu« Revue wird«Instudiert, man bekommt alle Kulissengeheimnisie vor- geführt und erlebt den ganzen Klamauk einer Probe, bei dem der Komponist und der Dichter von dem Allgewaltigen der Revue schnöde vergewaltigt werden und der platteste Geschmack und das einzige Prinzip, das dieser Kunstbetrieb noch anerkennt, das der Beine, obsiegt.(Man sagt,'daß einer unserer Reouebchcrrslber über dies« BerHerriichung bah empört gewesen sei.) Zlber Willi Wolfs und seine Mitarbeiter meinen es nicht so ernst mst ihrer Persiflage. Zum Schluß kehrt der Komponist, der nicht länger Kitsch fabrizieren will, reumütig in die Welt seiner Erfolge zurück, nachdem er mit seiner großen Oper gründlich durchgefallen Ist und in seiner Eh« mit der Tochter des schwerreichen Spekulanten Schijsbruch erlitten hat. Der Reouestar ist ihm mit ihrer Lieb« treu geblieben, obwohl er sie schnöde verlassen hatte, und empfängt ihn mit offenen Armen bei seiner Rückkehr zur Revue. So reicht die Tonfilmoperette von der Parodie bis zur SentI- Mentalität und sticht jedem Geschmack gerecht zu werden. Filmisch wird mancherlei geboten, wenn es auch nicht gerade neu ist, es gibt mancherlei Revue- und Tanzszenen. Dazu sind drei Schlagerkomponisten ausgeboten: Jean Gilbert, Wolter Kollo und Rudolf Nelson bemühen sich um die Wette,«inen schlagkräftigen Schlager zu komponieren, aber ein erster Preis dürfte hier kaum verteilt werden. Um so mehr befriedigt die Darstellung E» geht beim Tonfilm wie beim Theater zu; wir haben.zwar keine guten Theaterstücke und gute Filmmanuskripte, aber Künstler, die aus der Loche etwas zu machen wissen. Charlotte Ander ist ein entzückender Revuestar voller Laune und Schmiß und Wolter Jantze« ist gar nicht der übliche Süßling, sonder««in fast rauh- beiniger Komponist, der nur sei»« Musik im Kopfe hat. Eine Fülle gut charakterisierter Nebenfiguren vervollständigen das Ensemble. Fritz Schulz ist ein sehr netter Remiedichter und Paul Morgan läßt alle Register seinerai 2. Hos, Z Treppen recht», zu richte» Morgen, Sonntag. 7. September. Vormittags IV Uhr große Kundgebung im«Port- Palast, Potsdamer Str. 72. Alle Genossinnen und Ge- nossen beteiligen sich geschlossen daran. >7. Abt. 15 Uhr Treffen jut. Demonsttotion auf dem Sparrplah. 19. Abt. Ii Uhr Treffen ,ur Dcmonstrotion ouf dem Sporrploh. 40. Abt. Geschlossener Anmorsch zum Sporipolöst findet nicht ftotl. 41., 42. Abt. Treffen um 9 Uhr Gneisenouftroh«, Ecke Belle. Allionce-Stroße. Zahnen mitbringen. .72., 55. and 57. Abt. Ehnrloiienburq. Räch der Kundgebung im Sportpolost Demonstration durch Ehorlottenburg. 78, Abt. Schnaeberg. All- woblberechngten Eltern gehen morgen, Sonntag. zur Eltcrndeirolsipohl der 10. Gemeindefchule, Zeurigstrgße. List« Schul- oufbou! Wahlzeit 10 bis 16 Uhr. 86. Abt. Marienbors. 9 Uhr treffen sich. alle, radfahrenden Genossen bei Görlih, . ff. �.. 1 r.-.■_________— 4.. v.... f».«T.*-«•««** A tfl*,*' Ehousieesir. 19, zur Zlugbiattbcrbr/itung' in den' Nolomcn. 9 Uhr Zlng- blaUoerbreitung bei Gärlisi. Chaugtestr. 19. Der 1., 2. und 7 BeMl Dcr" teilt non Reltmener. ScksmirKbrgcr Strasse, 011»:' Renkölln. 9i. Abt. Am Sonntoq Elternheirotswohl der Boddinschule. Tie Wanl. Helfer melden sich bei Siohmonn, fllnghafcnstr. 29, beim Genossen Surf Li eh Ina nn.— 99. Abt. Antreten oller gemeldeten Genoiicn zur Autofahrt bei Schoner, Treptower Strohe Ecke Wesersttohe. pünktlich 5fli llhr. K. Abt. Bri», Buckow. Alle Genossen unserer Abteilung trcsfen sia> Sonntog, 1.1 llhr. in der Onkel-Brästg-Stroße, Ecke Porchimer Allee. 101. Abt. Treptow. Treffen 9 Uhr Bouchestrohe, Ecke Groetzftrohe. 198. Abt. Köpenick. Wir beteiligen uns an dcr Versammlung in Müggelheim. Lokal Treppeiis. 15 Uhr. 131. Abt. Nieberschönhausen. Wohlkundgedung in Blankenfelde, 18 Uhr. im Lokal von Sioob, Houptstr. 13. 138. Abt. Kermebors. 10 Uhr fiohlmorgeil im Lokal Lkrent, Bohnhofstraße, Ecke Berliner Straße. Einteilung dcr Wohlarbeiten. und Genossen an der Kundgebung im Sportpolast. Siebe auch Ausftevnnqs» plan. Nächste Abtoilunasverfommlunq Mittwoch, 10. September. 141. Abt. Rofcnthal und Riederlchönhausen.West. Treffen 8.15 Uhr Endholt», stelle dcr Straßenbahnlinie 15 plan. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Arbeiter-Samariler-Vund, Kolonne Berlin. Scichäst-stcllc: R. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: vi Norden 3340. Zolgcndc Nersammlunzen finden statt: Montag, 8. September. Webdinq: Lokal Duwe. Schulstr. 199. Tcmpelhof: Lokal Linbtsch, 5>on!gstr 44. Schönebera: Lokal Gehrie, Ebersftr. 88. Bohnsdorf: Lokal Hei- mann. Waitersdarfer Str. 109 W-iß-nf-c: Lakai Starke. Eharlotienburqer Straße 3— Dienstag. 9 September. Hcrmsdorf: Schule Zreiherr-vom-Stein- Straße. Mitte: Schule Gipsstr. 2»-. Zriedrichshain: Lokal Busch. Ttlsiter Straße 27 Wilmer-dorf: Lotal Kraiß, Holsteinische Str. 80. Treptow: Lokal Doinnick, Graeß. Ecke Wilbenbruchstraßc.— Donnerstag, 11. Sepetmber. Tier. garten: Lokal' Klauke. Stromstr. 89.'Pankow: Jugendheim Ktssingenstr. 48. Adlershof: Sanitätsbaracke Hackenbergstraße.— Zrcitag. 12. September. Stegltß: Lolal Schmidt. Lichicrfcidc. Noonftiaße. Lichtenberg: Lokal Scipke. Kronprliizen. strafte 47.— Montag. 15 September. Krcuzbrrg: Lokal Krepp. Am Urban Eck- Plamiser— Dienstag. 18, September. Prenzlauer Berg: Schule Kastanien- allrc 81—82.— Zreitag. 19. September. Reinickendorf: Lokal Matter. E'ch- bornstr 94— Montag. 22. September. Köpenick: Lokal Stipvckohl, Sätöner- linder Str 5.— Abteilung Webbina: Dienstaa, 18. September. Vortrag über Zrauenkrankheiten in der Schuir Schulstr. 99. I9>4 llhr Vortragender: Herr Lewin Am Dienstag, dem 59. S-p'ember. Vortrag über Krcbskrantheite» mit Lichtbilbern in der Schule Schulstr. 99, l9ZH Uhr. Bortrag-näer: Herr Dr. Rothenburg. Eintritt frei. Theater der Woche. Bom I. bis 15, September. Volksbühne. Theater am Büloipplaß: Der fröhlich« Weinberg. Slaalslheaker. Staat«sp«r Unter den Linden: 7. Zigaros Sachzeit. 8. Tosea. 9. Slhello. 19. und 13, Neuinszenierung: Der Liebestrank. 11. Zrau ohne Schatten. 12. Rheingojd. 14. Walküre. 15. Rigoletto. Slaatsoper am Platz der Republiit 7. Rigoletto. 8. Das Leben des Drest. 9. Die Stumme non Portici. 19. Sans Heiliug. 11. Zreischütz. 12. Iphigenie ouf Tauris. 13. Zledermaus. 14. Zibtlio. 15. Die.Zauberflöte. Städtisch« Oper: 7. Aida. 8. Zreischüß. 9. und 14. Carmen. 19. Trau- bobour. 11. Rigoletto. 12. Samson und Dolila. 13. Erstaufführung: Doge und Dogarissa. 15. Turandot. Schanspieibau« am Sendarmenmarkt: 7., 8., 10., 12. und 15. Siebe auf dem Lande. 33 Minuten in Erilnederg. 9.. ll. und 14. Liebesleid und Lust 13. Ocdipus... � � Sebiller-Theater Eharlsttenburg: 7.. 8.. 10., 12. und 13. Der Mann mit dem Klepper. 9. Zum ersten Male: Herr Doktor, haben Sie zu essen? II. und 14. Herr Doktor, haben Sie zu essen? 15. Ilorian Geyer. Thealer mik festem Spielplan: Theater am akliisfbaucrdamm! Feuer aus den Kesseln.— Denis che, Theater: 1914.— Sammerspiel«: Die Schule der Frauen.— Theater in de« Strelentonn» strafte: Maraucrite: 3.— Komödienha»»: Das Konto T.— Grofte» Schauspielhans: Die lustige WiiNte.— Theater des Westens: Hasenklein kann nichts dafür.— Lcfstng-Theater: Des Kaisers Kulis.— Komische Oper: Di« Fron ohne Kuß.— Deutsches Künstler. Theater: Magdalena.— Reuaissanee-Thenter: Die Wunder-Bar.— Ihrater ia der Behrenstr. 53—54: Das häßliche Mädchen.— Mctrnpol-Theater: Viktoria und ihr Hnfar.— Rene» Theater am Zoo: Herr Amor persönlich.— Die Tribüne: Mister Pirn will nicht stören.— Kasino- Theater: Dcr selige Hollschinsly.— Rose-Theater: Die Bront non Mcssina. Garfenbühne: Etappe.— Wintergarten, Plaza, Scala: Internationales Varirte. — Reichshall«»- Theater: Stettincr Sänger.— Theater am Kottdnsscr Tor: Elitc-Sänger.— Komödie: Dcr Diener zweier Herren. Thealer mit wechselndem Programm: S. Theater Steglitz: Bis 8. Wie fessele ich meinen Mann? Ab 9. Die Glatze und der Bubikopf. Bachmillagsneransialkungen: Komisch« Oper: 14. Die Frau ohne K»ß.— Rofe-Theatcr: 14.. 14'- Uhr: Dornröschen; llZi Uhr: �?ic Braut ran Mefstno. Eartendsthnt: Konzert und Bunter Teil.— Schloftpork-Theatcr Steglitz: 7.. 14. Schwindelmcicr n. Eo.— Wintergarten: Tr, 13., 14 Internationales Variete.— Plaza, Scala: Internationales Variete.— Reichshallc». Theater: 7., 14. Stettiner Sänger.— Theater am Kottbnsser Tor: 7., 14. Elitc-Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. Rose-Theater: Die Braut non Messina.— Dienstag. Schiller-Theater: Herr Doktor, haben Sic zu essen?— Schloß- vark. Theater: Die Glatze und dcr Bubikopf.— Mittwoch. Linden- Oper: Der Liedcstrank.— Sannahend. Stadtische Oper: Doge und Dogarissa.'_ Berantwortl iür die Redaktion:«»lsgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer 6c Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Hierzu 1 Beilage. Reichshalfen-Iheater At>cndi|_8_| Sonntag naefam.!»■:[ Stettiner SSnger Neu! Neu? LaßBlomsD spredien" nadiraittaQS ßslde Preise! Rose-Theater (Gartenb&hne) T&ftlich 5.50 Konzert, 6.00 Variei* Täfillch 6.15 „Etappe" oder Onkel Gustav schreibt K. v. Im lanenlheaier nur nodi bis Sonntag, dem 7. Sept.» tStzl. 8. 14 „Heimliche Brautfahrt" iiiiiiiifiiitiiitiin iiiniiiiiiitiiitMiiiiit Voranzeige F.rrtt,.niinfi.der Y/ioter.sais.on= i Monta«, den 8. September| 8.15 Uhr M rnvle Branl von Nessina mit Irene Triesch, Traute, Paul und Willi Rose| 'Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Varte«. VolusbUline Tmatir am Rlowplit:. 8','i Uhr Der frötilldie Weinberg von Carl Zndmiayn 5laatl.Söii!Ier-Th. 8 Uhr Der Mann mit dem Klepper Kammerspieie 8V« Uhr Die Schule derFrauen von Molifere. teil»; hmDmipt OeütsöiK Itieatei 8". Uhr 1914 fon Qtirg Wilhelm Wllln Rejii; tefn fiihlsm. Winrer ★ Qarren* 8.1s nur- Raaata eniH&i Hans Kollschar, Argantino. Jdo und Ivalyna Duffak. Navilla Blshop usw. Sannabaad 11. SeaaUg J» 2 Voratallungaa 4 und 8uUhr. 4 Uhr kleine Pr. LUN/q S Tage Musik-Fest Sonnabend: Kh Uhren Itlehard Wa�fner verstürktes Lunapark- Orchester. Sonntag: I>laHI|renten- We ttetrel t Daa Pablikom entscheidet. An beiden Tagen Grosse« Programm F E l' K H W F R«4. Zum Schills«: Fanfaren- SKärsehe Grosser Zap fönst rei eh. Auf d.Terrass.:Tisch-Tenms-Tiirnier Alle Ehren- nnd Freikarten gültig Rassehund- Ausstel lang am 11. u. 12. Oktober im Lunapark. deschaftsit:6. Ulitzka, Röntgentat b.Slii. Denlsehes lOnstler-Theil. Tel. Sallurosi 3937 81'3 Uhr Gastipiil der Ladwij- Thoiuö-BüliH magflaiena Renaissance- Theater Steinplatz 6780 9 Uhr DI« Wunder-Bar Revuestück Berliner Freier Sonunfliibeaur Kasianienallce 7—9 Humb. 2246 Täglich 8 Uhr Tnöi WirWr, lez, Itrisn, iagn laltii, Inii Iirtn« in „Di« kleine Sünderin" Sdnaeiopirlte i« 1 Alrin i. Hans Zeilett Mnik viio Jean Cilb-rt. GROSSES ■ Sk"hn, icSIIWer- ,nkelstern ��&£>e4w S!lob e ü"h'; '.f e Tnealeram Sdtlflbaaerdamni Tägl. SV« Uhr Feaeransden Hesseln! von Ernst Toller. Iqii: Hici Hiinndn. BüiniibiUii: Cnl. lUbtr. Timrinf imlerkredn. Id.; 1.1, M. Uli 1.5113 —mv a m Zoo> llnIlalioli.Za9. StpL Täglich 8Ve Uhr lomme in der Posse- Herr inor persiaiidi. Rundfunkhörer 1808 Preis«. Die Komödie Letzte Aufführung 8>ä Uhr Wie werde idi reidi und glsdilidi 7 v.Felix Joachimson Musik vm Misdii Spoliantky, Dar Posun-schlager Der selige HoMschinsky and ein erstkl. bantes Programm. Lessing-Tbeater Weidtuhmn 1731 g-Otlt Täglich 8 Uhr Sonntig ndi 3 Uhr Des Kaisera Kults von Th- Plivicr. tqii: tnri» Piscatiir. Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arlhor Roberl« 8«/. Das naenche waflehen Komödie in 3 Akt von Felix joachimson Berliner Fahnenfabrik Fischer A Co.. Wallstr.84 m. l8i8lbrficK8. k t Uflrkur 4580-12 BlömenspeDden lebet Art liefertpreiswerl Paul Oollet« oorm. Robert Merer MariaaneiuiraBc 3 Ecke Naunynstraße Amt Moritzpl. 19393. Komisehe oper »ist Uht vi« krsu ohne Kuss Operette v W. Kollo ludi Sonntags Didire. 3'> zu kleinen Preisen vImetIBUSCH Eröffnungssalapremiere: Sonnabend G.SCPt.i»605. 8■ lUlf im vollständig umgebauten Hause II Dm sraste BHd schttuU Clrais Inraptsll 4500 Plätze 4500 Die gewaltigsten Lichtanlagen der Welt, Sternenhimmel und Leuchtvorhang, leucht. Manegerand.Hebe- bQhne.FontSneni.WasserkasKaden. iWeltstadtattraktionen! stets 0 u.«. Cubanos. Sprung v. d. Circuakuppel autelaTrapez. JoaB Moessr, der und oertr. span. Reiter. Oreen Wood u-Vielat, fallend. Narr ohne Knochen. Trio Fratellinl. Original H. Jackson eirla.- Reiterei. - Clowns.— Luitevolutionen. {Sensationeller Preisabbau! Nachm.*H, unr: SO P(g. bis Mk.«.SO Abends 8", Uhr; SO Ptg. Die Mk. S.-. Programm 10 Ptg.— Oarderobe 10 Ptg Sonntags 3 Vorst: 2'/-. 5 u. 8V, Uhr. Sichern Sie sich Karten Im Vorverkauf an dar Clrcuskaasa I Hfwilbpllft Sonnabend, 6. September 1930 wfa tco�iüosA DIE ZWEI STÄDTE PHANTASTISCHE BETRACHTUNGEN ÜBER EIN NÜCHTERNES THEMA D«r Plüjchvochong war wieder zugefallen, aber die Worte hingen noch greifbar in der Lust: ich hatte sie nur gehört, jetzt konnte ich sie fühlen. Kein Geld ist in der Kaife. Man kann sin dem Haus mit den vielen roten Teppichen und Vorhängen) nicht bezahlen, nicht heut« und nicht morgen: sondern erst dann, wenn der Kassierer findet, daß jetzt wieder Geld genug vor- handcn ist, solch kleine Forderungen zu begleichen. Denn: die Prominenten beanspruchen unerhörte Gehälter und müssen punktlich. befriedigt werden. Man braucht sie: also müssen die Kleinen warten. Da hilft kein Jammern. Die kleinen Leute sagen immer(meinte das Bürofräulein), es geht nicht mehr, heute müssen sie Geld haben oder sie sind verloren. Und in ein paar Tagen sind sie dann doch wieder da. Sie waren gar nicht verloren, sie sind wiedergekommen und fragen wieder, ob sie vielleicht jetzt das Geld haben könnten. Oder einen Teil. Heute müssen sie unbedingt etwas nach Haufe bringen. Und wenn sie wieder nichts kriegen, kommen sie eben das dritte, vierte und fünfte Mal zurück. Sie leben immernoch. Es ist noch keinem etwas passiert!--- So sonderbar zähe und dcharr- lich sind sscheinbär) t>ie Menschen. Und es„passiert" offenbar viel zu wenig. Der Herr Direktor tritt auf. Unten auf der Straße stand der Direktor mit dem Freund im hellgrauen Anzug, zu dem er gönnerhaft sagte:„Tja, jetzt fetzen wir uns irgendwohin, aber wo ist's am gemütlichsten, das ist die schwierige Frage." Eine ungeheuer schwierige Frage, es gibt fo viele Lokale in Berlin, aber überall hat's ein kleines Häkchen, da paßt einem dieses und dort jenes nicht ganz. Der Mann mit den Zeitungen aber starrt mich an, daß ich immer zu seiner Hauptgeschäftszeit da vor der Türe stehe, gar nicht für die neuesten Nachrichten interessiert bin»no soviel Zeit hol'«. Leute, die viel Zeit haben, machen keinen guten Eindruck. Man muß sich mit einem Entschluß rasch auf dem Absatz herumdrehen und losmarschieren— statt in unschlüssiger Erwartung zu stehen, ob nicht doch jemond einem von hinten auf die Schulter klopft und sagt: JDa hast du Geld!" Aber wenn man verweilt, sieht man, daß andere auch un- schlüssig stehen. Ueberall an den großen schönen Gebäuden stehen Menschen ratlos und blicken einen an: auch einer. Ick) hatte immer nur den Verkehr dieser Stadt gesehen(Tempo! Tempo!), iveil ich selbst herumgerannt war. Jetzt, wo ich stille stand, sah ich, daß da eine zweite tot« Stadt in der leben- sprudelnden Stadt.efttgebektel liegt. Die«inen können nicht genüg basten, und für die anderen hat kein Schritt Weges Sinn oder Zweck. Die einen denken in Rekordziffern, die anderen in Schmalz- stullcn: die einen haben die Sorge, wie sie den gemütlichsten Winkel ausfindig machen, die anderen, daß sie nur irgendwo sich hinsetzen können, wo für sie eine Bleibe ist. lind warum hatte ihnen übrigens nicht der Herr, der sie«mp- sohlen hat, aus seiner Taichc Geld vorgestreckt: er hat es doch, „er ist reich", sagte das Bürofräulein, als sie hinausging. Ja, warum hatte er das nicht? Er dachte wohl auch: der Mann wird sich schon irgendwie Helsen. Das denken die Menschen innner, sonst gäbe es nicht zwei Städte, ein üherlebenöige und eine ganz tote. Man könnte sich eigentlich fragen, ivarum die eine so sinnlos drauflos produziert und die andere ebenso sinnlos lahmgelegt ist. Warum die eine Hälfte der Menschen zu viel zu tun hat und die andere gar nichts. Warum die Vielbeschäftigten so überaus wichtig tun und die Müßigen so ganz überslüssig erscheinen, nein, lästig. Leute. die kein Geld l)aben sind immer lästig. Sie stehen vor der T ire und sehen«inen an wie ein lebendiger Vorwurf, das verdirbt die Laune. Auch einer. Einer von den Prominenten, die das viele Geld aus der Kasse bekommen, stieg in sein Auto und klappte die Türe fest zu, wie, um alles Lästige von sich fernzuhalten, dann flog er davon, ich trottete nach einein anderen Büro. „Hallo!" rief da ein Freund.„Ich ljabe Sic lange nicht oe- sehen!"— Gr mar außer sich vor Freude. Wir plauderten aufs herzlichste, und es. schien mir plötzlich wieder alles auss Beste«in- gelichtet in dieser Welt. Bis ich mich, nein, bis wir uns besannen, warum wir da im Vorzimmer warteten. Wir warteten auf den Mann im Hinterzimmer, den Mann an der Kasse. Er mochte etwas geben: aber sicherlich nur einem von uns beiden. Derselbe Gedanke sprang uns beiden ins Gehirn. Die Unterhaltung erlahmte, starb ab. Es ist nur für einen etwas da. und wir sind zwei. Einer ist zuviel, einer muß leer ausgehen. Der Letztgetammene wohl.„Ade, lieber Freund— hat mich sehr gesreut!" Es hätte mich tatsächlich sehr gefreut: wenn die Kasse für b e i d e gereicht hätte. Oder.... wenn mau den Mut aufgebracht hätte zu teilen. Es war ihm vielleicht nur einsach nicht eingefallen, nieinem Freund, zu sagen:„Willst du hineingehen, oder soll ich? Wir teilen uns den Betrag." Man denkt an dergleichen Dinge erst, wenn die Tür lchon zuzesallen ist. Daß man etwas abgeben hätte können. �aß man Verpflichtungen an den Nächsten hat, daß man nicht sagen mß, du oder ich, sondern: wir. Daß wir in einer Zeit leben, in der nicht der eine olles haben und der andere ganz leer ausgehen darf. Weil zufällig einer früher da war und der andere später: um ein paar Minuten. DiezweiStädt«.< Wie ich wieder aus die Straße trat, sah ich sie jetzt nach deut- licher: die zwei Städte. Die Stadt der Glücklichen und die Stadt der Unglücklichen. Die einen, die zufällig früher ge- kommen sind: ist es ihr Verdienst, daß sie im Glück sind? Warum lächeln sie denn so überlegen? Und die ahnungslos Zuspätgekom- inenen, die nicht wußten� daß man ihnen zuvorkommen würde. Die einen F r« u n d umarmen und dann plötzlich entdecken, daß man sich seindllch gegenübersteht, bloß weil man nicht auf den Gedanken kommt, daß jeder von beiden etwas abhaben müßte von dem, was aus der Kasse fließt, der Glückspilz und der Pech- oogcl. Jetzt sah ich sie funkeln, wie ich durch die Straßen schlich, die Stadt der Glücklichen:.zu hoch aufgeschossen, zu protzig, zu trotzig. und dazwischen schoben sich die düsteren Kulissen der Stadt der Unglücklichen, zu eng, zu niedrig: widrig. Bor den hohen Häusern stehen betreßte Diener und vor den niedrigen hält das Elend Wache mit hohlen Augen. Und di« Menschen teilen sich in zwei Gruppen: die einen steigen immer höher hinaus und die andere» sinken immer tiefer herunter: immer schwieriger wird es für beide Teile, sich die Hand zu reiche». Ein Wunder geschieht. Ich sank auf ein« jener Bänke, zwischen kümmerlichen, scheinbar dem Asphalt entsprossenen, höchst uiiländlichen Bäumen, wo die unfreiwilligen Zuschauer des Lebens hocken, die zum Zuschauer verdammten, die nicht zu ruhen scheinen, wenn sie sitzen. Für einen Moment schaltet« sich mein« Gedankenspule aus: eine Pause entstand in dem Filmdrama„Leben". Als ich wieder zu den Häusern ausblickte, tat sich«in Wunder auf. Die Außenwände fingen sich zu bewegen an: fingen hoch wie ein Vorhang und gaben de» Blick frei aus die Schaubühne des Daseins. Das Leben lag sozusagen nackt vor mir. Und jetzt sah ich'- grauenhaft deutlich, wie zwei Städte, zwei Kategorien Menschen ineinander verwoben waren: die des Zu v i e l und die des Zu w c n i g. Auf dem Dache und im Keller sah hungrig und müde das Elend, eng aneinandergeklcbt, verfilzt sozusagen, und in der Belle Etage standen Zimmerflucht aus Zimmerslucht als Promenadcräume und Tanzsäl« den Herrschaslen�zur Bersügung, die unter Gläsergeklirr tafelten, scherzten, lachten. Aber nicht nur i ch konnte ossen hineinblicken in den Glan; und in die Misere, sondern alleanderenauch: denn di« Wände waren und blieben verschwunden. Mit ossenem Mund starrten die Leute auf der Straße in die Stätten des Wohllebens, die sie n u r o o m K i n o her kannten. Da, da dicht neben ihrem Jammer waren olle Luxusträume des Lebens verwirklicht... Aber die Glücklichen selbst starrten nicht(bis auf wenig«), sie wandten sich ab, der Anblick des Elends war ihnen sichtlich pein- lich. Sie erkannten. Beide Teile erkannten. Sie hatten die Situation ja nie s 0 klar vor Augen gesehen. Die Glücklichen, empfinden zwar den Anblick ihrer Vorrechte als Schuld, weigern sich aber, die Konsequenzen zu ziehen. Nur ganz wenige erwachen zu einem Menschentum. Die anderen Ziehen sich in die Ecken ihres Salons zurück. Aus Keller,� und Dachkammern aber starren hohl« Augen in den Glanz hinein... schwere Schrilte dröhnen auf den Treppen, jammervolle Menschenhäufchen kommen zum Vorschein und schwellen an. Das Elend versammelt sich aus der Straße. Was, sind wir unserer so viele? Das Staunen wächst, die Elenden sehen die Masse der gleich Elenden, und sie sehen, wie gering die Anzahl ihrer Unterdrücker ist. Einige sind durch den Glanz der Glücklichen geblendet, liebedienerisch suchen sie sich ihnen zu nähern und maäicn sich zu ihren Sklaven. Aber die vielen erkennen die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und die daraus resultierende Macht. Ein Zorn erfaßt sie über die Ungerechtigkeit ihres vergangenen Martyriums und über die Dummheit �«s Vertrauens, das sie in die Leitung der bisher bestehenden Ordnung gesetzt hatten. Und sie beschließen: wir nehmen unser Schicksal in die eigen« Hand! Man einigt sich untereinander, teilt sich alle notwendigen Arbeiten und Produktionen. Der direkte Austausch des Arbeits� Produkts wird nicht nur den Wohlstand, sondern auch das Woh> befinden lzeben. Arbeit und Erholung halten eine natürliche Valan�,. Aus dem Kampf um die bescheidensten Lcbensgüter, nein, um ein Recht auf Leben überhaupt wird voller Genuß des Daseins. Wo sind die Häuser, wo die Wände, wo ist die Stadt des Elends? Ver- wandelt alles, Stadt und Land sind eins, und selbst das Schlotmeer der Fabriken noch ein Wohlklang wie der Arbeitstakt des schaffenden Menschen. Kein Hungerantlitz mehr: nur lebcnssrohe Ge- s i ch t e r. Doch nein, was schleicht da heran in Frack»nd Seide...? Sind das nichr die Gestalten jener, die in den Salons die lächelnde Eleganz spazieren führten? Was ist's mit diesen glücklichen Gesichtern? Seht da, ihr Glück zerbrach wie das Kristall, das sie in einer übermütigen Stunde auf dem Spiegelglanz ihrer Parketts zerbrachen. Zerbrachen in jener Stunde, in der die vielen Arbeilshändc zum Schwur sich hoben: unser die Arbeit, unser das Werk. Ja, und... Ich recke mich hoch, um besser zu sehen. Doch da, das Mädchen aus der Kellerwohnung ist es, das mich von hinten umschlingt. Sie, die ich noch nie lachen sah, lacht laut in über- strömender Freude, rüttell mich, schüttelt mich und ein Kuß. „Aber Fräulein, bitte", ich versuche mich zu erwehren und... greise in dos zottige Fell eines Hundes, der mir das Gesicht leckt. Der weihe Pudel des Direktors ist's. „Pfui, Jacky", ruft er ihm zu und reißt ihn zurück, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Heinrick Hemmer. IM AUTO DURCH USA REISE NACH DEM WILDEN WESTEN JeÄer Deutsche einmal in Berlin! Jeder Amerikaner einnial in Kalifornien! Beide Schlagworte sind für die beiden betreffenden Länder richtunggebend im Reiseverkehr geworden. Kalifornien, dos ist für den Zlmerikaner Sonne, Schönheit, Süden, landschaftlicher Reichtum. Kalifornien ist Italien für USA., ist der Traum der amerikanischen Jugend, ist das Wunder- land des Films. Wie kommt man aus dem voll- und städtereichen amerikanischen Osten nach Kalifornien? Dos sst keine Reise von Berlin nach Rom, das ist von Berlin nach Peking, eine Fahrt von 3000 bis-1000 Kilometer. Man kann eine teuere Fahrt ö Tag« lang im P u l l m a n n- wagen durch di« Staaten machen, teuer, ermüdend, ohne das Zwifchcnlond kennenzulernen. Man kann sich für bis 10 Tage in verschiedene Autobusse der Linie von New Pork noch Los Angeles setzen, wird am Schluß nicht weniger ermüdet sein, seine Tasche nach leerer finden— wenngleich der Fohrpreis billiger ist, man wird ein wenig dos Zwischenland kennen— aber man wird die vorgeschriebenen Routen fahren und zum Augenblick niemals fagen können: ver- weile doch, du bist so schön. Man kann auch durch die Staaten laufen— i>. h. man stellt sich auf den Hauptstraßen auf, winkt mit dem Daumen die Richtung, in der man mitgenommen werden will und findet vielleicht eine gute Seele, die sich des„tkumbpuskerz"(Daumenstoßers) annimmt. Es wird nicht oft vortormnen— man ist vorsichtig ge- worden, seit einig« der Burschen die Automobilisten von hinten erschossen und sich selbständig gemacht habe». Die Fahrt„par excellent" ist immer noch die Fahrt i m eigenen Auto. Das Problem, das Auto zu bekommen, ist für eine» Amerikaner völlig undiskutabel, entweder er besitzt eins oder er kaust sich eins, wie wir einen Anzug kaufen, häufig billiger. Das SO-Dollar-Altauto trägt sicher bis Los Angeles und zurück. Aber ein« Autofahrt durch die Staaten hat Gefahren, die gleiche» Gefahren, di« auf den Straßen Sibiriens, Chinas oder anderer asiatischer Teil« drohen: Hitze und Kälte, Wegelagerer und gefäbrliche große»Nd kleine Tiere, Tiere, di« oft kleiner sind, als die Maschen des Moskitonetzes, und die doch den großen Menschen nicht schonen. Man fährt durch wasserlofe Wüsten und Gebirge mit ewigem Schnee aus den Häuptern. Schließlich hat das Auto noch seine Mucken und wirst einen mit zerschlagenen Gliedern in den Straßengraben. Das olles und noch mehr gab uns ein guter, alter Mann zu bedenken, der sicher unser Bestes wollte und der die Staaten konnte. Da es aber schon viele leichtsinirige Burschen gegeben hat, die diese Fahrt glücklich beendet hatten, enthusiastisch davon erzählten und nicht besser ausgestattet waren als mein Freund E l s n« r— ein Amerikaner— und ich— der deutsche Besucher— so sagten wir dem guten Alten, wir würden alles sorgfältig bedenken und den nötige» Schutz mitnehmen, aber die Reis« aufgeben— nein, dos Leben ist der Güter höchste« nicht! Das letzt« war freilich nicht ganz ernst gemeint, ober wenn! man die Tage mit Plänen anfüllt, die stete Gefahren enthalten I und in den Nächlen durch die Traumgebilde der Erwartungen ge- jagt wird, dann wird man poetisch und emphatisch. Glücklicherweise hatren wir wichtigere Dinge zu tun, als dar- über nachzudenken, welche Gefahren drohen. Unser Auto mußte für die Reise hergerichtet werden. Es sollte unser Schlaf-, Wohn-, Eß- und Reisezimmer werden: Der gute Pontiax-6-Zylin- der hätte sich das auch nicht' träumen lassen, als er aus den Werk- stätten der General-Motors herauskam. Acußcrlich durfte er sein Gesicht behalten. Aber seine Eingeweide lagerten wir ein wenig um. Der Hintersitz mußte raus. Er war überflüssig und hinderlich. Nachts schraubten wir auch die Vordersitze ab, legten «niige Bohlen quer, zwei gut geschnittene Bretter darüber, und wir hatten ein« ebsne Schlaffläche. Darauf wurde«ine �Luft- matratze gelegt, eine Decke als Unterbett mit Laken darüber, Stepp- decke mit Ueverzug drüber und wir zwei dazwischen. Das war ein ideales Nächtlager. Am Tage verwandelte sich das große Zweischläserbett in den Hintersitz, der nicht weniger ein- ladend als der alte aussah. Ja, wenn nicht unsere Koffer gewesen mären. Aber die mußten dort Platz nehmen und lehnte» sich gutbeschützt in die weichen Kissen, die uns als Kopfunterlage«ine freundliche Nach- barin geschenkt hatte. Küchengerät und Benzinkocher hockten wie unge- zogen« Jungen auf dem Trittbrett der linken Außensett«, von einem Drahtgitter gegen Herabfallen geschützt. An jeder Fnßseite vor unseren Sitzen wurden Pistolen an- gebracht mit dem heimlichem Wunsche, die unheimlichen Dinger niemäls in Tätigkeit setzen zu brauchen. Eine Filnitamera und zwei Photonppqrate veroollständlgteii unsere Ausrüstung. Unsere lieben Nachbarn waren durchaus nicht der gleichen Meinung, brachten noch gute Borschläge, die sicher zwei Lastautos' gefüllt hätten, und Süßigteite», die uns den Platz beengten und den Magen verdarben. Aber auch das gehört zum Reiseantritt. Und noch etwas gehört zu einer so außerordentlichen Reise — d> e Zeitungen selbstverständlich— nicht um zu lesen, daß Hoover sehr enttäuscht, sondern, daß der gut bekannte Reo. Elmer Hoefcr mit seinem deusschen Freunde Fritz W. aus Berlin eine Reif« nach Kalifornien„bz- ear" unternimmt, daß die beiden sich durch eine internationale Korrespondenz der Jugend-� bewegiing kennen gelernt haben, daß sie zusammen in Berlin studierten, daß sie vor fünf Jahren die Reise durch die Staaten geplant hätten und jetzt an die Ausführung gingen, daß sie wie mutige amerikanische Jungen im Auta schlafen, essen und fahren, und daß die„Times Union" ihnen Glück wünsche. Eine solche Ankündigung versetzt natürlich das deutsche Blatt des Ortes in die Notwendigkeit, Genaueres über den deutschen Be< sucher zu berichten. Eine dritte Zeitung macht eine Artikelserie daraus.— Ja, amerikanische Reporter sind auf dem Posten. Wir besahen uns am siebenten Tage die ganz« Geschichte noch einmal und sieh,« sie war sehr gut. Daraus mhten wir nicht, sondern schüttelten ollen Spendern süßer Genüsse die Hände, tauschten brüderliche Küsse, die Filmkamera schnurrte und der Motor summte st'" Abschiedslied: Auf io den wilden Westen! I Copyricbt IMO by Fäckelrelter-VerUs 0. m. b. H.. Hinibmi-Bergedorf (18. Forts«tzung.) Er sieht halb erhoben über den Gefreiten jum Fenster hinaus. „Menfchenskmd, haste Töne? Et rejent uff unser scheenct Baiin! Nich zu glooben. und denn wellte doch meine Paula zum Abschob kommen mit dem neu«, Kleid..." Er schnallt sein Kochgeschirr fest imd prustet dabei. Ihn, sitzt der Teufel im Nocken: „Alle ma hee-- hööööö! Und denn all« wieder weg-- hööö!...", er ahmt des dicken Feldwebels Stimme täuschend nach, und mit einem Rundblick auf die hantierende und packende Kor- poralschaft und einem listigen Seitenblick auf Baack sängt er wieder an: „Annemarie, du bekommst ein Kindelein. Annemarie, du bekommst ein Kindelein--- krieg ich ein Kindelein, sollst du der Vater sein, ei ei ei hoppsaffa, Annemarie..." All« kennen wir dieses Lied, diesen lockeren, leickstsinlwgen Marschgesang, und während wir bei unseren verschiedenen Be> schäftigungen unseren verschiedenen Gedanken nachhängen, lassen wir uns einige trügerische Augenblicke von dem Gesang dieses Liedes tragen und singen putzend, packend, schnürend mit: „Annemarie, wie heißt dein Kindelein? Annemarie, wie heißt dein Kindelein?— Mein Sohn heißt Waldemar, weil es im Wald geschah--- ei ei«i hoppsassa..." Ich habe schon wieder die Fehde mit Adamczik und Baack ver- gessen und habe halb sehnsüchtige, halb unklare Gedanken bei dem „weil es im Wald geschah..." Adamczik Höst bereits seinen eigenen Generalappell ab. Er steht feldmarschmäßig aus einem Schemel an der Tür, die geöffnet ist, daß der Gesang bis auf den Flur dröhnt. Ich sehe Preuß auf Sekunden draußen stehen. Er lächelt und macht grüßende Be- wegungen mit der Hand zu mir hin— Preuß, mein Kamerad zur Linken, d'.eser merkwürdig« Korporal in der verfluchten Armee—» und er blickt belustigt auf Sldamcziks Hinterfront. Adamczik wippt mit einer Stiefelspitze auf und ab und schlägt mit einem Lössel den Takt: ..... ei ei ei hopfasso Preuß verschwindet. Adamczik wird immer übermütiger:„Den letzten Vers noch mal. weil's so schon war!", gröhlt er,„morgen sind wir raus, Kinder!"— Auch er hat jetzt sicher den Austritt mit dem Gefreiten vergessen: es ist die reine, ungetrübt« Ausgelassenheit eines guten Jungen. Baack aber, der Dumann eben den fertiggemachten Affen geben will, wich plötzlich bleich— der Tomifter fällt Vumann schwer auf die Füße... irgend etwas hat des Gefreiten Wut zu vollem Jäh- zorn entfacht. Er dreht sich einmal um sich felbft, stößt mich an die Seste. daß ich gegen die Tffchkante fliege, packt einen Schemel am Bein und stürzt aiff Adamczik los, der nichtsahnend den Löffel schwingt.... Plötzlich Ist alles still und scher verfolgt die unverhoffte Szene, herausgerissen aus minutenlanger Unbekümmertheit: „Du willst mich durch den Kakao ziehen, du frecher Hund.. — Adamczik springt behende vom Schemel und stellt sich kämpf- bereit auf. Der hat keine Angst. Aber... ich seh« Baack an... den kräftigen ausgewachsenen Baack... ich fürchte doch um den Kleinen... Baack schwingt schon den Schemel über dein Kleinen... hemmungslos von seiner Wut getrieben... blind wie ein Tier... Wie aus dem Boden geschossen steht da mit einem Male Kilb zwischen den beiden Mit einem harten Griff packt er Baack an den Hals, die andere Hand entwindet ihm den Schemel, daß dieser polternd unter den Tisch fällt... Die beiden ringen... Baack ächzt unter den eisenharten Klammern des Kutschers... er schlägt wild um sich. Seine Augen treten heraus: er tritt mit den Füßen an die Schienbeine Kilbs... Aber der ist viel stärker... er ist ganz ruhig und schiebt ihn schließlich mit ausgestreckten Armen vor sich her und drückt ihn dann an die Wand... „Licht aus!", ruft einer, und«in anderer gleich hinterher: „Messer— rrrausss! Zwei Mann zum Blutrühren!"— Es ist der übliche Schlachtruf der Soldaten des Weltkrieges... «r erschallt oft und bei allen mögliche» Gelegenheiten... auch wenn kein Licht brennt. Es sind Schlagworte... die mit einem Male aus den Kompagnien heraus geboren wurden: roh, aus' hetzend, aber treffend und immer passend... Adamczik springt um die beiden herum und rollt eine Salve von Berliner kraftausdrücken hervor. ----„Das— das--- wer— de—— ich— ich--- b— h— h mel— den— du— ra toi roter H— Hund—— du—"... Baacks Abwehrbewegungen werden immer schwächer. Schließ- lich läßt Kilb los, ober er ist auf«inen neuen Ausbruch gefaßt und bleibt abwartend vor ihm stehen. Der Gefreite knirscht mit den Zähnen:„Angriff vor ver- sammeller Mannschaft!" keucht er...da» werde ich dir heim- zahlen...1" Er sieht K'lb mit zusammengekniffenen Augen an. Heber Kilbs Gesicht aber, das keine Spur von Erregung zeigt, liegt ein großer stiller Ernst gebreitet... und ruhig entgegnet er...: „Da» fürchte ich nicht... Ich furcht» euch oll« nicht! Aber was hat Ihnen der Kleine getan? Freude habt ihr am Schinden... unser Leben ist euch einen Dreck wert... erschlagen hätten Sie ihn... ich— ich habe ihn geschützt, verstanden? Und ich werde jeden schützen, der es verdient hat und der zu schwach ist. sich selbst zu verteidigen..." Atemlos haben wir zugehört. Kilbs Stimme hebt sich; er sieht sich nach uns im Kreff« um: „Und niemand von euch allen hat wohl an Heini Langer ge- dacht: das war wohl noch nicht genug, wie? Kameraden!? Kam«- raden, könnt ihr denn nicht denken?... Oder seid ihr zu feige, euch zu wehren? Sind wir denn Vieh vor all den Schindern hier, wie? Wollt ihr denn nicht aufwachen...?*— er wendet sich langsam, rollt fein Bettzeug zusammen und geht zur Tür hinaus.— Er muß an mir vorbei und sieht mich groß und vorwurfsvoll an, ohne ein Wort zu sagen, mich sieht er an... mich... mich... Preuß steht neben mir und legt mir seine Hand auf die Schulter. Ich blicke hoch und bin plötzlich ruhig und wie getröstet, als ich in fein Auges und gutes Gesicht sehe. „Nicht weiihen". sagt er, sich zu mir niederbeugend,„alles sehen, nichts vergessen und da>m-handeln. Stark sein, mein Junge, oder unterliegen... nicht weinen... komm, bist doch ein Mensch mit klaren Augen und wachen Sinnen...* Ich stehe auf: So spricht ein Mensch. Ich fühle Kraft in mir aufquellen: denn ich bin nicht verlassen. Der Gruß fast vergessener Menschlichkeit zwffchen grauen Mauern und grauen Korporal- schaften dringt wie Sonne in den dunklen Kerker meiner Per- zweiflung: „Stark sein— oder untergehen..." Das ist die ganze und tiefste Weisheit. Danach werde ich handeln, solang« ich lebe, und erst recht, solange ich diesen Elendsrock auf dem Leibe trage. „Schnallen Sic um und melden Sie sich auf der Schreibstube", höre ich Preuß wieder,„was los ist, weiß ich nicht..." Er klopft mir noch leicht auf die Schulter und geht. Ich schnall« mein Koppel um, setze den Helln aus und habe das Gefühl, ein« lächerlich« Clownfigur zu sein in diesen Lumpen des Kaisers... habe zum erstenmal dieses Gefühl mit überwälti- gender Deutlichkeit... So ertappe ich mich selbst, wie ich lächle: im nächsten Augenblick aber wird mir der voll« blutige Ernst dieser Komödie bewußt und ich fühl«, wie ich mit harten Schritten in die Schreibstube gehe--- ---„Wer sind Sie?" Der dicke Feldwebel, kurzsichtig. sieht mich aus verquollenen Augen über halben Brillengläsern an. Er sitzt mit einem Schreiber am Tisch und blättert in einer Akt«... „Grenadier Riß, dritte Korvoratschaft---- ich soll mich hier melden... Befehl vom Herrn Unteroffizier Preuß..."--- Er erhebt sich etwas über den Tffch hinweg und mustert mich von oben bis unten. Eine gelbblaue Friedensdekoration, ein Band, klebt an feinem Extrarock mit dem viel zu hohen Kragen, aus dem das gerötet« und gedunsene Gesicht dumm herausquillt... Dollgefressener Strumpf!, denke ich bitter, um wieviel magst du uns schon begaunert haben mst den Lebensmitteln und welch« Verbrechen halst da schon auf den» Gewesen... Er war natürSch wie oll« Lumpen seines Schlages nach nicht an der'Front. Ich habe da» Gefühl, daß er mich, obwohl er sicher ein sehr dummer und roher Mensch ist, durchschaut. .Lrci Schritte näher kommen und bessere Haltung, da Hammel!" Ich habe nicht die geringste Furcht vor diesem Idioten, nur grenzenlose Verachtung ist in memer Brust... Preuß' durchgeistigtes Mcnschenailllitz taucht neben dieser Wüstlingsvisage aus: Das Antlitz nickt mir zu:„Stark fein..." Ich trete näher wie befohlen und blicke das Fettpolster durch- dringend an.(Fortsetzung folgt.) e Buch Mampf der tuberkulofe!*) Diese nicht an die Allgemeinheit, sondern an Aerzte gerichtete Schrift interessiert deshalb jeden, weil der Nachweis erbracht wird, daß die Heilung der Tuberkulose in einer Reihe von Fällen ambu- latorisch hier in Berlin mit Erfolg durchgeführt werden kann, näm- lich auf dem alten Exerzierplatz des Bezirks Prenzlauer Berg im „Institut der Stadt Berlin für Knochen und Ge- kenkkronke". Die gewaltige Bedeutung dieser Taffachen läßt sich mit drei Worten gar nicht beschreiben. Deshalb in Stlchworten: 1. Wer wird behandelt? Kinder mit Drüsentuberkulose, alle Formen der Knochen, und Gelenttuberkulose, die trotz der Er- krankung gehen können(etwa 30 Prozent oller sogenannten chirur- zischen Tuberkulose), ferner rachitisch Erkrankte und schließlich die tuberkulös Gefährdeten. 2. W i e wird behandelt? Ambulatorisch, d. h. die S*an- ken finden sich um VöS Uhr morgens ein und gehen um b Uhr wieder nach Hause. All« erhalten zweites Frühstück und Mittag- brot, vor allem Milch und Obst dazu(Bitaminel) Verpfiegung kostenlos. Die Kinder erhallen Schulunterricht! Die Tuberkulose- behandlung ist konservativ, d. h. niemand wird operiert, sondern alles heilt durch Sonne, Racklübung. Bierfche Siauungsbindcn, Liegekuren und innerlich Jod(resorbierendes Mittel gegen Stau- ungsabszesse), Bestrahlung(Röntgen- und Kisch-Lampen). S. Mit welchem Erfolg wird behandelt? Zahl der oom l. Januar 1024 bis 1. Januar 1929 behandelten Fälle: 894. Dä- von ausgeheilt 47,4 Prozent, wesentlich gebessert entlassen oder noch in Behandlung 49,1 Prozent, verschlechtert 0 Prozent, Rest unver- ändert. Durchschnitlliche Dauer der Behandlung 10,4 Monate. Das «nffpricht durchaus den Erfolgen der Anstalt sbehantoung. Die Bedeutung dieser Tatsachen ist sehr groß. Kein« Heilstätten- paläste, sondern einfache Bauten inmitten der Großstadt. Keine Eni- sernung der Kranken von Leben und Umgebung wie bei der sonst üblichen geschlossenen Anstalt. Keine Versteifung von Gelenken, keine Abmagerung unbrauchbarer Gliedmaßen, keine Stützkorsetts, son- dern harmonische Behandlung in Luft und Sonn«(Schulunterricht im Freien). Der Kamps gegen die Lungentuberkulose kann hier allerdings nur indirekt geführt werden durch möglichst frühzeitige Erfassung der vielen ftroficköfen und gefährdete» Kinder(Bor- beugung). Erwähnt fei noch, daß dos Sonnenlicht hier indirekt wirkt, indem die infraroten Wärmestrahlen(nicht die ultravioletten) ein« Blutstauung in den Kapillaren hervorruft(Ersatz durch die Kffch-Lampe). Dies« Hyperämie wirkt als Reiz. Sie wird nichl an- haltend gleichmäßig, sondern in rhythmffchen Intervallen durchze- führt. Dazu gehört«ine besonders ausgeprobt« Technik, die nur unter ärztlicher Leitung gefahrlos ist. Gewarnt seien auch an dieser Stelle olle Lungenkranken und Lungengefährdeten, sich selbst stunden. lang der prallen Sonne auszusetzen. Schwere Blutungen können die Folgen sein. Jedes ReizheUmittel fft zugleich Gift— auch die Sonne. Ihre Lerabfolgung an Kranke sollte nur nach Rezept statt-. finden. Heine.�.ckam. *) Prof. Dr. E. Sifch, Berlin: Medizin, Gymnastik und Pädagogik im Kamps« gegen Tuberkulose, S. Thieme-Verlag, Leipzig Rätsel-Ecke des„Abend 66 ■ounuuniiuRmniiiiimiuinmniiiitmnimiiwuHiimmiHDmiHanHm (Silbenrätsel Aus den Silben ol ar bens den e sant ga Hai iff ja tond le te le lo lu mo nal n« ob oau ret ret ri sa se ser lak te ter tik to um va wen zl sind 11 Wörter.zu bilden, deren Anfangs- und End- buchstaben. erstere von oben nach unten, letzter« von unten nach oben gelesen, ein« zeitgemäße Mahnung an alle Leser und Löser er- geben. Die Wörter bedeuten: 1. Alter Volksstamm: 2. Fabelwesen: 3. Säugetier: i. Frommer Ausspruch: 5. mutige Person: b. Zweck- mäßigtest: 7. bibl. Person: 8. Beobachtungsstelle: 9. Genußmittel: 10. nordischer Dichter; 11. Aufbewahrungsort. Xrr. Silben'Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Monat: 4. Organ, MehrAchl; 5. Berzeickb nis: 7. Test des Allantischen Ozeans; 9. deutsche Provinz: 10. Musik- zeichen: 11. Schutzmann: 1'2. Kirf. Titel: 15. Dtchterroß.— Senkrecht: 1. Siebenstimmiges Tonstück: 2. deutsche Großstädter; 3. Dorspruch: 5. Gesellschaftshaus: 6. rhein. Gebirge: 8. Raubvogel: 11. Schreibstube: 13. große» Schiffsboot: 14. Fall, lat. ak. (Das Schema dieses Stlbentreuzworträtsels wurde in der letzten Rätselecke am Mittwoch infolge eines technischen Versehens mit falschem Text veröffentlicht. Wir wiederholen es heut« mit den richtigen Angaben und empfehlen unsere lösenden Leser noch einmal mit mehr Aussicht auf Erfolg die Nuß zu knacken. Red.) (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch-) KönigSzug Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel: Waogerecht. 1. Waehllz 3.(zuzügl. 28) Sozialdemokraten: 6. Od; 9. da: 14. Bebel; 18. Ar: 19. Ruhe; 23. Elend; 20. As; 27. Seide; 29. in; 30. den; 31. Reichstag. Senkrecht. 1. Wahl; 2. Thaer; 4 Lid; 5. Reichstag; 0. ob; 7. de; 8. Alfen: 9. du; 10. Ar; 11. Anode; 12. Braun; 13. Wirch: IS. Ur; 16. Wende!; 17. Arena; 20. ha; 21. es; 22. Elan; 23. es; 24. Leer: 25. Eibe.(1, 3. 28, 29. 30 und 31 zusammen: Waehlt Sozioldenio- traten in den Reichstag!) Silbenrätsel: 1. Logogriph: 2. Ernestine-, 3. Bübeland; 4- Nandu: 5. Erika: 6. Zyklon: 7. llhland: 8. Violine: 9. Oder: 10. Reklame: 11. Samuel: 12. Euterp«: 13. tenbach; 14. Uernhar- diner: 15. Sonne: l6. Tunis: 17. Engagement.—„Lerne zuvo? selbst, ehe toi andere lehrest." Nr. 416 47. Jahrgang Sonnabend 6. September 1930 42 Millionen Normalkerzen Aus der Arbelt der Seezeichen-Versuchsanstalt In Berlin-Friedrichshagen am Müggelsee, unweit der berühmten Berliner Wasserwerke, liegt die zum Bereich des Reichsverkehrsminlstcriums gehörende Seezeichen-Ber- l u ch s a n st a l t. deren Dasein den weitesten Kreisen unbe- kannt ist. Trotzdem wird hier eine Arbeit geleistet, die weit über den Rahmen Berlins hinausgeht, eine Arbeit, die für die Modernes Spiegcldrehfeuer Schiffahrt in den deutschen Küstengebieten und damit für den deutschen Handel von größter Bedeutung ist. Hier wird in stillen Laboratorien daran gearbeitet, Geräte zu schaffen, die die Sicherung unserer Küstengewäfser gewährleisten sollen. Welch ein gewaltiger Unterschied zwischen den von den alten Völkern angewandten primitiven Leuchtfeuern, die als offene Flammen in Wind und Wetter brannten(oder auch nicht brannten), und den modernen auf Grund erakter Forschung hergestellten Leuchten. Das Institut enthält eine ausgezeichnete, ziemlich vollständige Sammlung von Brennern aller Art, die für die Küstenbevölkerung im Laufe der Jahre Aerwendung gefunden haben. Da sind Petroleumbrenner, die früher, als Gas und Elektrizität noch nicht ihre Herrschaft auf diesem Gebiete angetreten hatten, auf Leuchttürmen und Feuerschiffen ausschließlich Verwendung fanden. Da gibt es Petroleumbrenner mit fünffachen Dochten. Die Engländer sind sogar bis zu zehnfachen Dochten gegangen. Die Wartung solcher Feuer wollte wohl verstanden sein. und wer noch die mit einfachen Dochten ausgerüsteten Petro- leumlampen bedient oder bedient hat, wird diese Arbeit zu schätzen wissen. Das Petroleumlicht wurde abgelöst vom Gas- licht und heute hat sich die elektrische Lichtquell« neben dem Gas sieghaft durch- gesetzt. Viele dieser Lichtquellen müssen automatisch auf längere Zeit hinaus arbeiten und sind so eingerichtet, daß beim Versagen einer Lampe sich eine zweite Re- servelampe selbsttätig einschaltet, so daß keine Unterbrechung des Leuchtens entsteht. Im Institut am Müggelsee wird der Güte- grab der verschiedenen Leuchten geprüft, ihre Helligkeit und ihre Wirtschaftlichkeit festgestellt. Die Sichtbarkeit der einzelnen Leuch- ten hängt im praktischen Be- triebe natürlich von dem Zustand der Atmosphäre ab. Ein sehr schönes Modell läßt die Wirksam- keit der Parabolspiegel und der vor die Lichtquelle geschalteten Linsensysteme erkennen. Man er- hält dadurch ein prächtiges Bild von der Zweckmäßigkeit des Strahlenganges. Das größte deutsche Leuchtfeuer strahlt vom Leuchtturm aus Helgoland. Es besitzt drei elektrische Zentral- feuer, von denen jedes 42 Mil- lionen Normalkerzen Leucht- stärke entwickelt. Die drei Feuer sind im Winkel von 120 Grad gegeneinander versetzt und außerdem ist ein Reserveschein- werfer vorgesehen. Das Helgo- länder Feuer läßt alle S Sekun- den einen Blitz von»/,„ Sekundendauer aufleuchten. Wichtig ist für den Seefahrer auch die „Kentumg" der einzelnen Feuer. Da gibt es weiße, rote And grüne Lichter, feste Feuer von gleichmäßiger Stärke jurd Farbe, unterbrochene Feuer mit regelmäßigen Teuchifeuer für Flugzeugstredcen Verdunkelungen oder gruppenweisen Unterbrechungen. Es gibt Wechselfeuer, die weißes oder farbiges Licht in wechselnder Folge aufleuchten lassen. Blinklichter von über 2 Sekunden Dauer und Blitzfeuer von unter 2 Sekunden Dauer. Diese Blink- oder Blitzfeuer können ein- zeln oder in Gruppen auftreten. Es gibt feste Feuer, also solche Feuer, die ständig brennen, die dann plötzlich heller aufleuchten, und M i s ch f e u e r, die aus verschiedenen Farben und Verdunklungen bestehen. Ein sehr interessantes Beispiel der Fahrwasserbefeuerung ist der Königsberger Seewasserkanal, bei dem die Feuer so angeordnet sind, daß der Schiffer stets weißes Licht sehen muß, wenn er richtig steuern will. Erscheint rotes oder grünes Licht, so hat er die Fahrstraße zu verlassen. Das Institut beschäftigt sich weiter mit der Ausbildung der Funktechnik zur Sicherung der Schiffahrt. So ist die Funkpeilung bereits so weit durchgebildet, daß die Schiffahrt heute energisch darauf drängt, daß die deutschen Küsten in erhöhtem Maße mit Peilsendern ausgerüstet wer- den. Bei der Funkpeilung wird ein Empfangsrahmen zu- nächst auf die größte Lautstärke des anzusteuernden Küsten- senders eingestellt. Dann dreht man den Empfangsrahmen so, daß die Zeichen immer schwächer werden, bis sie gänz- lich verschwinden, nun muß das Schiff stets so gesteuert werden, daß die Zeichen nicht mehr zu hören sind. Bei jeder kleinsten Abweichung aus dem richtigen Kurs tönen die Zeichen aufs neue, man steuert, wieman fagt.nachdcmMinimum a n L a u t st ä r k e. Es ist etwa so, als wenn man auf einen von Sonnenstrahlen getroffenen Baum zugehen will. Dann braucht man nur auf dem Schattenstrich des Baumes, also auf dem Minimum an Licht- strahlen entlang zu gehen, um genau auf den Baum zu treffen. Weitere Arbeitsgebiete sind die Ausbildung von Unter- wasserjchaltsignalen, Sirenen, Bojen usw. Von Friedrichshagen aus werden die deutschen Leuchtfeuer und See- zeichen vom Leuchtturm und Feuerschiff bis zur Barke und Boje überwacht. Die Leucht- feuerwärter reichen jährlich eine Bedarfsanmeldung ein und wer- den vom Institut aus mit den notwendigen Materialien ver- sorgt. Eines der Hauptergebnisse der Arbeiten des Instituts be- steht darin, daß die Befeuerung der deutschen Küsten auch wirtschaftlich betrieben wird. Mit dem geringsten Aufwand wird der größte Nutzeffekt erzielt. So spinnt sich von dem kleinen Haus am Müggelsee strahlenförmig ein Netz zu den deutschen Küsten und darüber hinaus auch zu den anderen Nationen, denn die Küstensicherung ist ein Gebiet, das inter- national geregelt ist. Die Seezeicheningenieure treffen sich auf Konferenzen, auf denen die wichtigsten Fragen dieses Gebietes behandelt werden. Die Arbeit, die sie alle leisten. hat nicht nur wirtschaftliche Werte, sondern auch vor allem zahlreichen Menschen das Leben zu erhalten. Wlijr MöbUS. Oelremigung Man hat schon vielfach versucht, gebrauchtes Oel durch Abstehenlassen oder Filtrieren wieder verwendungsfähig zu machen. Die Erfolge find minimal gewesen. Neuerdings ist ein Patentverfahren auf den Markt gekommen, welches Leudiie mit Fretnel-GüricUiruc 0/ reinige r eine intensive Reinigung von gebrauchtem Oel verspricht. Dazu dient ein Oelreiniger, den unser Schaubild zeigt. Mit Hilfe von Zentrifugalkraft werden aus dem Oel Wasser. Schlamm, Rost, Kohle. Metallteilchen. Späne usw. aus- geschieden. I�eidüsrunclkunlraboimemeirt? Ein Vorschlag, der beachtenswert ist Deutschland hat es in sechs Rundfunkjahren auf noch nicht ganz 3 000 000 Funkhörer gebracht. Vielleicht wäre es nunmehr an der Zeit, Möglichkeiten zu erörtern, die geeignet erscheinen, einen schnelleren Ausstieg der Funkhörerzahl innerhalb der deut- schen Grenzen zu erreichen. Hierzu gehört es, zunächst diejenigen hauptsächlichsten Hemmungen zu ermitteln, unter denen die Fortentwicklung des deutschen Rundstcnks seit geraumer Zeit leidet. Abgesehen von mannigfachen Progrmnmwünschen— die bei der geistigen Vielseitigkeit eines Millionen-Hörerkreifes nie ganz verschwinden werden— scheitert der Aufschwung im Rundfunk- Abonnement vor allem an der finanziellen Beengung, die in weiten Kreisen zu einer Beschränkung aller jenen An- spräche zwang, die über die Grundbedürfnisse hinausgehen. Tausende von Freunden des Rundfun kgcnusses können sich kein einwandfreies Hörgerät anschaffen, weil die Kosten zu hoch sind. Für den Nichts-als-Hörer kann heute mir noch das Netzanfchlutzgcrät in Frage klommen, dessen Anschluß an jede Lichtleitung mittels einfachen Steckens bewerkstelligt wird. Bleibt nur die Frag« der Anschaffung oder Be- schasfung eines solchen modernen Empfängers übrig. An, einfachsten erscheint es. dem Beispiel des deutschen Fernsprechers zu folgen, der für einen Haupt- Anschluß leinerlei Anschaffung eines Apparates bedingt. Verlairgt wird nur eine monatliche Grundgebühr zuzüglich der Gesprächsgebühren. Abgesehen von der«inmaligen Einrichmngsgcbühr für die Herstellung des„Anschlusses", die, neuerdings erfreulich ermäßigt, gleichfalls in kleineren Monatsraten erledigt werden darf. So sieht der richtige„Dienst am Kunden" ops, der sich sehr bald aus- gezeichnet be, zahlt gemacht hat: in Groß-Verlin innerhalb weniger Monate über 10 000 neu« Fernsprechanschlüsse! Dieses einfache System liehe sich ohne groß« Schwierigkeiten euch auf den deutschen Rundfunk übertragen, der sowieso m den Händen der gbeichen amtlichen Stelle Legt. Allerdings müßte für diesen Fall ein enges Zusammenarbeiten von Reichspost, Reichs-Rundsunk-Gesellschaft und der einschlägigen Groß- Funkindustrie erzielt werden. Der zukünftig«„Reichs- Rundfunkteilnehmer" meldet dann— wie beim Fernsprecher— seinen beabsichtigten„A n s ch l u ß" dem zuständigen Postamt(Abt. Rundfunk) und erhält neben dem üblichen Antrags- formulor vorab ein kleines belehrendes„Amtliches Or ient i er u n gs h ef tch t ä t" trägt morgen aus der Klein-Ziethener Rundstrecke seine G a u m e i st e r s ch a s t e n aus. Sammelstart aller Berliner Rad- fahrer Sonnlag früh 4 Uhr hermannplatz, um 3 Uhr in Grosz- Ziethen. An dem„F e st der Arbeit" in Britz beteiligen sich auch die . Arbeitersporiler, und zwar insbesondere die Vereine des Neuköllner Kartells. Treffpunkt 13 in den Schulbarackcn an der Parchiiner Allee. Das wichtigste Ereignis inr Berliner Arbeitersport sind die V e r e i n s m e h r k ä m p f e, die morgen, Sonntag, auf dem Tiergarlenfportplatz ausgetragen werden. Mehr als 200 Mannfchaften der Verein« des ersten Kreises sind gemeldet: jeder Freund des Arbeitersports wird interessante und scharfe Kämpfe zu sehen bckonnnen. Unter dem Motto„Jugend und Tanz" wird der Bezirk Wedding der Freien Turnerschaft Grotz-Berlin am morgigen Sonn- tag im Tanzring des Volksparks Rehberge tnnzgymndstischc Darbietungen bringen. Sie beginnen um 13 Uhr, der Eintritt ist frei. Arbeiterartisten und das Ulktrio werden beim herbstball der freien Schwimmer C h a r l o t t e n b u r g, der heute. Sonn- abend abend, im Seeschloh Pichelsberg stattfindet, mitwirken. Auch diese gesellschafilich« Veranstaltung wird der Propaganda für die Liste 1 dienen: jedensaUs hat sich das Ulktrio in seinen Vorträgen darauf eingestellt. Die Arbcitcr-Fußball-, Handball- und Tennis- s p i e l e r beginnen mit neuen Serien auf Plätzen, die bereits im „Abend" angekündigt sind. Auf der Berliner Oly in pia-Radr cnnbahn begegnen sich morgen im Stundenrennen um das„Blaue Band" Dederichs, Krewer, Maronnicr, Thollembcck, Bauer und Wynsdau. Im Grunewald st adion finden die Vereinsmehrkämpf« des Verbandes Brandcnburgifchcr Athletikvercine stalt. Das Pro- gramm, das bereits um 9 Uhr morgens beginnt, weist insgesamt �Konkurrenzen auf. Die Nationalfußballniannschaften von Deutschland und Däne- mark stehen sich morgen in Kopenhagen zum fünften Male im F u tz b a l l ä n d c r k a in p f gegenüber.— Auf dem herthaplotz am Bahnhof Gesundbrunnen spielen die Städtemannschaften von Berlin und Hamburg um 16 Uhr. HuZvorölKrun�en auf neuer Grundlage Am Sonntag, 7. September, werden auf dem F l u g h a s e n T e in p e l h o f eine Reihe gänzlich neuer Flugvorsührun- gen stattfinden, die unter dem Namen„Lustspiele" zusammen- gefaßt sind. Erstmalig ist hierbei der Begriff„Amateur" sehr scharf umgrenzt worden: teilnahmeberechtigt sind nur reichsdeutschc oder der deutschen Kulturgcmeinschaft angehörend« Flieger, wenn sie seit l. April 19Z9 nicht gegen Entgelt oder Verdienst geflogen haben. So sehr an sich unter normalen Verhältnissen vielleicht derartige Ausschreibunzen zu begrüßen sind, so verfehlt dürsten diese Erwägungen in so schweren Zeiten sein, wie wir sie jetzt durch- leben— wir wollen dabei von der besonderen Eigenart der Luft- sahrtverhältnisse bei uns noch ganz absehen. Man sollte den wenigen privaten Flugzeughaltern ruhig gönnen Geld zu verdienen, wo sich die Gelegenheit bietet, denn von den au den Fingern abzuzählenden hieb- und stichfesten Amateurfliegern kann eine Bewegung wie der Flugsport weder leben noch Auf- schwang verzeichnen Das; es der Luftfahrt und besonders dem Flugsport in Deutschland nicht rosig geht, dürfte sich wohl schon herumgesprochen haben: das geht auch aus§ 3b der Ausschreibungen hervor, der folgenden Wortlaut hat:„Sie(die Flugzeugeigentümcr) müssen das Eigentumsrecht des gcmeldelcn Flugzeuges nachweisen und durch... Bei gutgläubigem Kauf gegen Ratenzah- l u» g schließt Etxentumsvorbehalt der Lieferfirma die Teilnahme am Wettbewerb nicht aus." Man darf, wie ein altes Sprichwort sagt, nicht päpstlicher als der Papst Zptn, denn man fliegt ja bei diesen Lustspielen ebenfalls um bare Geldpreise und nicht um Pia- ketten und Pokal« allein, wie bei anderen Veranstaltungen. An sich bietet der Wettbewerb, vorausgesetzt, daß alles so klappt, wie es sich die Veranstalter wünschen, manche Flugdarbie- Hingen, die dem Publikum schmackhaft und unterhaltsam gemacht werden können, ohne daß halsbrecherische Luftakrobatik gezeigt wird. Die Lustspiele selber bestehen aus Einzel- und Gruppen- kämpfen, die wiederum wie bei jedem Sport in Vor- und Eni- scheidungskämpsen zum Austrag kommen. An Einzelkämpfcn sind vorhanden: Ileberlandrcnnen, Hindcrms-Ziellondung, Kunstslug- und Luftbildweitbewerb. Die Gruppenkämpfc zeigen: Suchspiel, chinden- burg-Stafette, Ballonrammen, Verfolgungs- und Apwursspiel. Die Gruppen setzen sich immer aus Flugzeugen bis zur chöchstzahl von fünf zusammen. Sie bilden dann eine Partei derart, daß die Flug- zeuge beider Gruppen, die jeweils gegeneinander antreten, mustcr- und zahlenmäßig übereinstimmen. Einzelne Flugzeugmustcr kommen hierbei also nicht in Betracht, es müssen ihrer immer mehrere gleichartige gemeldet sein. Di« Klassisizicrung selbst erfolgt»ach Punkten für erzielt« Leistungen, wobei die Bestleistungen die höchsten Punktzahlen erhalten. Der einzelne Punkt hat die finanzielle Bedeutung von 73 Mark! Vierzig Punkte kann ein Bewerber im besten Falle erhalten. Neu ist, daß bei den einzelnen Kon- kurrcnzen die Flugzeugführer ausgewechselt werden können. Die Veranstaltung ist offen für Sportflugzcugc, deren Riistgewicht 410 Kilogramm nicht überschreitet. Die Bestrebungen, den T o t a l i s a t o r bei Flugveranstaltungen einzuführen, sind schon so alt wie die Fliegerei selbst. Die Mci- nungen hierüber gehen sehr auseinander. ZV. H.. bULndUocUV Die kommenden Spiele Am heutigen Sonnabend spielen FTGB.-Norden 3 (1. Männermannschaft) gegen FTGB.-Nordring 3 um 18 Uhr im chumboldthain und Schöneberg 2 gegen Berlin 12 1 um 18 Uhr in Schönebcrg, Dominikusplatz. Am Sonntag spielen im Plänterwald(Platz k!) FTGB.- Baumschulenweg(Frauen) gegen Rehselde um 13 Uhr, die 2. Männermannschast gegen Rehselde 1 um 16 Uhr, die 1. Männer- Mannschaft gegen Nauen 1 um 17. 10 Uhr und Fußballklub Ober- sprec(1. Männer) gegen FTGB.-«tralau 1 um 13 Uhr. FTGB.- Nordring-Turncr führt nach Zossen, dort spielen die Jugcndmann- schasten um 13 Uhr, die Frauen um 14.10 Uhr, die 2. Männer- Mannschaften um 13 Uhr und die 1. Männermannschaften um 16.10 Uhr. In Ruhlsdorf spielen Teltow 1. Männermannschost gegen Tegel um 13 Uhr, Ruhlsdorf 1. Iugendmannschaft gegen Berlin 12 um 14 Uhr, Schcnkendorf 1 gegen Velten 2 um 13.10 Uhr und Ruhlsdorf 1 gegen Marwitz 1 um 16.20 Uhr. Auf dem Urban- platz spielen FTGB.-Süden 3. Männermannschost gegen Charlotten- burg-Schwimnier um 9 Uhr und die 4. Mannschaft gegen Teltow 2 um 10.10 Uhr. FTGB.-Osten spielt in der Bödickerstraße mit der 2. Männermannschaft um 14 Uhr gegen FTGB.-Norden 1 (2. Mannschaft), uni 13.10 Uhr mit den Frauen gegen Sparta-Nauen und mit der 3. Männermannschaft gegen Stralau 2 um 16.10 Uhr. Weitcrc Spiele: Bernau 1 gegen Nowawes-Reichsbanner 1 um 13 Uhr in Bernau und Kleingärtner 1 gegen Halbe um 13 Uhr im Volkspark Iungfernheidc. Eiche-Köpenick sucht zu seinem Spielertag am 28. September in Bohnsdorf folgende Handballmannschaftcn: Zwei Männer-, zwei Jugend- und eine Frauenmannschaft. Angebote än H. Lorenz, Köpenick, Kaiser-Wilhclm-Straße 3. Gut Wind-hund ahoi! Jedes Tierchen bot fein Pläsierchen— was dem einen sin Uhl is, is deni anderen sin Nachtigall. Der eine züchtet Kakteen ohne Stacheln und der andere Windhunde ohne—— In Berlin finden sich eben für alles Leute die Zeit haben. Da hat ein Mann, der für sein Leben gern große, schlanke Windhunde über eine ebene Bahn laufen sieht, einen Apparat konstruiert, der den Windhunden sozusagen blauen Dunst vormacht. An einem Hunderte von Meiern langen, dünnen Drahtseil ist der Balg von einem Hasen oder von e'mem Karnickel Ul,r Sporrplatz. AU- Vereine und Abtcilunacn de. teUinen sich. Salinen und Banner mitbrinqen.„„, 20.«arteUbezirt Reinickendorf Kartellütiung Montag, S. September, 20 Uhr, Volk-Iiaus Scharnweberftr. IIS. �,... Sieitt Sportoerein Ncinickendorf-West. Alle Sportler betellmen uch kieuie abend an der Demonstraiiou der Partei. Zu den V-reinsmehrkampfen treffen der Teilncbmcr Sonntag Uhr am Sportplatz. Normaluhr. »reie»anu-Union Srotz.Kerlin. Abt. Savrl. Sonntag, 7. September. Wahlpropaganda fiir Liste I. Treffpunkt 3 Uhr Vootshaus Slcischcr, Spandau. �°�«i-r �Sportklub Saxonia t»s«. Ab Montag. r>. September, neuer Kursus im Ringe» und Boren, Turnhalle Danziger Str. 23..-,, 51®»., Bezirl Nordost. Mitgliederversammlung Sonnabend, o. September, 30 Uhr. bei Bieberstein, Tanzigcr Str. 40. kk. Vallantin.) Reeie: Walfsans Hof- Sonnabend, 6. September. Berlin. 16.00„Powenzbaiidch' von Ernst Pcnroldt.(Sprecher: 16.30 Hermann v. Klaisl:„Der zerbrochene Krt mann-Hamisch a. 0. 17.30 Orchesterkonzert. 18.55 Arbeitsmarkt. 19.00 Rrol. I). Dr. Dr. Bredt;„Die Idee des Staatsbürccrtams", 19.25 Zehn Minuten Film. 19.35 Aktuelle Abteiluns. 20.00 Blasorchcslerkonzcrt. 21.00„Dr. Einwcnders Hochzeitsreise." Eine kleine Eunkrevue. Nach den AbendmcldunKCu bis 0.30; Tanzmusik. Koniss Wusterhausen. 16.00 Dr. Adolf Qrabowsky: Staatsbüreerlichc Erzichuns. 16.30 NachmiltaKskonzcrt von Hamburs. 17.30 Paul Westheim: Kirclmcr-Poclzis. 18.00 Siesfried Auihäuser, M. d. K.: Platz der Arbeit! 18.30 Felix Sliemcr: Gcgcnwartsfrasen. 19..30„Der Weg in die Stille." J 20.00 Hamburg:„Hinter den Kulissen des Olymps**.' SonntaK. 7. September. Berlin, 06.30 Futik-Gyinpastik. 07.00 Von Hamburs: Hafen-Konzert. 08.(10 Für den Landwirt. 08.50 Morsenfcier. 10.05 Wettervorhersasc. 10.10 Münster: 69. üeneraivcrsammluns der Deutschen Katholiken. 11.30 Studio.„Fazit eines Mannes", von Andreas Zettlet.(Sprecher: H. S, Kronbcrs. Lts.; Edicf Koppen). 12.00 Lcipzlt: Mitlasskonzerl. 14.00 I. Frederic Misiral: a) Der Iiocbscrechtc Mann: b) Püscrfahrl(Sprecher? Traute Lieb). 14..30 Mandolincnorchcster-Konzert. 15.30 Finghafen Ternpelliof;„Reporlasc von der Hindenhurg-Stafetfe der Deutschen Luftspiclc 19,30.(Am Mikrophon: W. Ccsar). 15.40 Rachmaninoff, Lieder.(Marianne Thalau, Sopran; am FIüscl: Julius Bürser). 16.05 Dr. Kurt Schröder:„Gärende Kräfte in junger Literatur". 16.35 Ueberlrasuns von Königsberg. 17.10 Unterhaltungsmusik. 17.45 Einlage: Sporthalle Bcelitzhoi; Kegelweltkampf um den Goldenen Gürtel.• 19.10 Sportnachrichten. 19.25„Gedieht und Vertonung". Verbindende Worte: Hcrman Kasak. Rezitationen: Anna Hüiicring.(Dazu Sclialiplattcn). 20.00 Orebpstcrkonzert. Anschließend: Zeit, Wetter, Nach richten, Sport. Anschließend bis 00.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.00 Landgerichfsdir. Dr. Hellwig: Kinderaussagen. 12.00 Leipzig* Konzert. 16. ,35 Uebertragung von Königsberg. 18.30 Hans von Spallart: Aus dem Roman„Erdsegen" von Peter Roseggcr. 19.00 Dr. F. K. Scheumann: Wer geht zur Ehebcratungsstelic? 19.30 Rudolf Maczurat: Georg Trakt— Georg Heyen— Ernst Stadler. Die Internationale ruft! Zum Arbeiter-Olympia nach Wien Die, S o z I a l i st i f ch e 2(rbeHer|pot{-3n(et. nationale tust zur 2. Aibeiter-Olympiade nach Wien. Der große Aufschwung proletarischer Körperkultur hat sich schon 1925 bei der I. Arbeiler-O'.ympiade in Frankfurts a. M. ge- zeigi. Seither sind neue Länder und neue Massen zu uns gekommen. Wien rüstet, um den lieben Gästen aus nah und fern den Aufenthalt angenehm zu machen und die Tage der „Roten Olyinpisde" unvergeßlich zu gestalten. Im nenerbauten Stadion, das im herrlichen und weltberühmten Naturpark, im Praler, liegt, wird das inlernalidnale Fest vor sich gehen. Die Stadt Wien hat dieses Stadion der Jugend Wiens am zehnten Jahrestag der Republik Oesterreich gewidmet. Die erste Großveranflaliung im neuen Stadion wird unsere Olympiade sein, um so sinnfällig zum Zluejinick zu bringen, daß die Schasfenskrast der sozialdemokratischen Gemeinderatsmehrheit von Wien und der Kulturaufftieg der Arbeiterklasse Hand in Hand gehen. Bor den Augen des internaiionaten Sozialistenkongresses, der gleichzeitig in Wum tagt, wird die hohe Bodeutung des Arbeitersports für die klar zur Arbeiterklasse der ganzen Welt durch die Arbeiter-Okympiade zum Ausdruck kommen Die Internationale ruft: Kommt 2. Arbeiter-Olyinpiade ins rote Wien! Amerika kommt Die sozialdemokratische Rew-Dorker„V o l k s z« i t u n g" hat schon seit langem im Verein mit dein Arbeiler-Turn- und Sport- bund der Bereinigten Staaten einen Bertrag zu einer Europa- reise anläßlich der Wiener Olympiade abgeschlossen. Die Zlbreise erfolgt am 23. Juni mit dem Dampfer Albert Ballin. Di« Rund- reise führt über Sauthampton, London, Köln, Mainz, München, Nürnberg, Leipzig nach Wien, dort Ankunft am 16. Juli, Teil- nähme an der Olympiade bis zum 29. Juli. Daun Fahrt nach Berlin und Hamburg, anschließend Rückfahrt. Die Dauer der Land- reise beträgt zweiundzwanzig Tage, die Rückreisekarten haben ein Jahr Gültigkeit. Man sieht, die nordamerikanischen Arbeitersportler haben Großes vor, so wie es der Bedeutung des gewaltigen Festes entspricht.