BERLIN Mittwoch 10. September 1930 10 Pf. Nr. 424 B 211 47. Jahrgang e r sch eint tSzlich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärt«". Bezugsprei« beide Ausgaben 8� Pf. rroWoche, 3.60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerliiiSW6S,Lindenstp.S SficUacLLgaße xle6 ßlnseigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 polnische Politiker im Kerker pilsudski verhastet Oppositionsabgeordnete, darunter vier Sozialisten Warschau, 10. September.(Eigenbericht.) Am Dienotag nachmittag ist ein wahlblock der siins demokra- tischen polnischen Oppositionsparteien abgeschlossen worden. Als Antwort daraus sind in der Rächt zum Mittwoch neun der bc- lanntesten oppositionellen Parteiführer, darunter Dr. Lieber- mann, der von pilsudski wegen seiner eindrucksvollen Anklagerede mit besonderem hah verfolgt wird, Professor Bar tick i. Bor- sihender der Sozialistischen Partei. Dr. Trier und der Redakteur des„Robolnik" und Führer der Sozialistischen Arbeiterjugend D u- b o i s, verhastet worden. Die anderen fünf verhastelen sind be- kannte Führer der oppositionellen vauerngruppen, der natio- nalen Arbeiterpartei und der oppositionellen Rationaldemo- k r a t e n. Es handelt sich um besonders volkstümliche Führer der Mehrhbit des aufgelösten Parlaments. Ossenbar will pilsudski aus diese Meise jeden freien Wahlkamps verhindern und den neuen Massenkundgebungen vorbeugen, die bereits am kommen. den Sonntag im ganzen Lande gegen sein Regime angekündigt sind. Wir haben heute morgen die- Meldung aus Warschau verzeichnet, daß den Abgeordneten die Waffenscheine entzogen worden, sie also gegen Ueberfälle wehrlos gemacht worden sind, und daß dem alten Sejmmarschall Daszynski der Paß entzogen wurde, der ihm die Reise nach Karlsbad zum sturgebrauch ermöglicht hätte. Der leise» Zweifel, den wir zu diesen Meldungen äußerten, ist durch die obenstehcnde Nachricht von der Verhaftung der Oppositionsführer gegen- standslos geworden. Offene Gewa l.t, nackter R e ch t s- b r u ch— das find die ersten Rcgierungshandlungen des Ministerpräsidenten Pilsudski. Das Parlament ist auf- gelöst, die Neuwahl für den Spätherbst ausgeschrieben. Die Verhaftung der Oppositionsführer soll den Wahlkampf der verfassungstreuen Parteien von vornherein um seine Führer bringen und istdasVorspielzumbrutalenWahl- t c r r o r der Offiziere, der Pilsudski-Legionäre und Schützen- verbände und jener Verräter, die die polnische sozialistische Partei zu spalten versuchten, und als ihnen dies mißlang, Banden organisierten, die dein Kampf der Arbeiterschaft und der Demokratie in den Rücken zu fallen haben. Die Republik Polen scheint in den Zustand zurückge- warfen zu werden, der unter der zarischen Fremd- Herrschaft bestand. Damals freilich war Joseph Pilsudski einer der chauptkämpscr selbst. Die polnischen WMWDW im Bunde nicht nur mit dem industriellen und ländlichen Proletariat, sondern auch mit der überwiegenden Masse des Baucrnvolkes, werden sich nicht beugen. So bitter es auch für die polnische Demokratie ist, im eigenen Staat, der nach IsiOjährigcr Zerrissenheit wieder, auferstanden ist. die Kampf- Methoden der Zarenzeit wieder ausnehmen zu müssen— wird geschehen, da man sie dazu zwingt. Wenn die Faschistengefahr in Deutschösterreich einigermaßen gebannt erscheint, so ist sie heute in Polen am brennendsten. Die großen Demokratien des W e st e n s dürfen nicht versäumen, die Entwicklung des ihnen verbündeten Staates zu über- wachen! Die sozialistische Arbeiterschaft aller Länder verfolgt den Kampf der polnischen Genoßen mit heißer Sympathie und erwartet ihren Sieg, zu dem der deutsche Wahltag das Vorspiel sein sott. gegen die Tyrannei. Heute übt er Sozialisten aber, kampsgcwohnt und ä)ie Wahlurnen werden zum Sonntag au* dem flädtifchen Xager in die Stimmlokale transportiert Sie täglichen Abstürze. Wieder sieben Todesopfer der Militärfliegerei. New B o r k, 10. September. In der Nähe von Mcrida in Mexiko ist. ein Militärflugzeug abgestürzt. Von seinen Insassen wurden sechs getötet und zwei schwer verletzt. Paris, 10. September. Bei den elsössischcn Manövern ereignete sich am Dienstag ein Flugzeugunglück. Ein Zagd-Zweisiher, der Metz cnsliegen wollte, stieß im Redet gegen einen Berg und ging dabei in Trümmer, während der Führer mit lebensgesährlichen vertehungen geborgen werden konnte, war der Begleiter aus der Stelle l o t. Pulverexplosion in der Pfalz. Zwei Verletzte, die Belegschaft arbeitslos. Schwarzenseld(Rgbz. Oberpsalz), 10. September. 3n der Atuminiumpulversabrik Lauerbacher u. E o. expto- dierte gestern nachmittag der Mahlroum sür Aluminium. Sämtliche Maschinen wurden durch die Gewalt der Explosion vernichtet und in die Rab geschleudert. Auch eine Seite der Fabrik ist in die Rab gestürzt. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß im Umkreis von ZOO bis 500 Meter alle Fenster und Fensterstöcke, zum Teil auch Türen, in Trümmer gingen. Die Bevölkerung stürzte in panischem Schrecken aus die Straße. Zwei Arbeiter erlitten vertehungen. wolfss Telegraphenbüro sügt hinzu: Die Belegschaft ist arbeitslos geworden. Sie kennen einander! übcjs Di«„Germania", das Z e n t r u m s b l a t t, schreibt Deutsche Nolkspartei und Ctaatspartci: „Wirtschaftlich haben beide Parten sozialreaktionäre Tendenzen. Mag sein, daß dies bei der Volkspartei stärker ist als bei der Staatspartei. Da aber die Staatspartei noch keine parlamen- tarische Praxis aufzuweisen hat, wird man ihr gemäß ihrer per* soncllen Zusammensetzung nach dieser Richtung mit größtem Mißtrauen begegnen müssen. Darauf antwortet die statsparteiliche„Berliner Lolkszejtung": Das Gerede von den„sozialreaktionären Tendenzen" macht sich in dem Organ der Partei besonders dekorativ, deren Führer Brüning einem Kabinett vorsteht, dem der Zentrumsabgc, ordnete Schlack bestätigt hat, daß es dos reaktionärste feit 1918 fei,«nd die einen Rcichsarbeitsminister Stegerwald stellt dessen„soziale" Einstellung sich in dem Konflikt bei der Metall- industrie zur Genüge offenbart hat. Zwei regierungsparteiliche Organe bestätigen einander, daß die hinter ihnen stehenden Parteien sozialreaktionär sind. Beide haben vollständig recht. Blaue Bohnen statt Lohnerhöhung. Für die Bergarbeiler von<5erro de pasco. London, 10. September.! Die Regierung von Peru hat 13 0 Soldaten in die Gruben- bezirke von Cerro de Pasco entsandt, wo die Agitation unter den 13 000 Arbeitern und Angestellten der Cerro de Pasco- Gesellschaft, einem amerikanischen Kupferkonz er», im js�ime erstickt werden soll. Die Agitation begann nach dem Sturz der Regierung des Präsidenten Leguia. Die Arbeiter fordern höhere Löhne, und die Bewegung nahm gefährliche Formen an.(!) Die Forderung einer Lohnzulage erscheint dem Kapital stets und überall als gefährlich. Mit Soldaten lassen sich solche„Gc- fahren" auf die Dauer nickst bannen. Muisthmann legt still. xOer Nazigeldgeber entläßi seine Arbeiter. Die Plaucner Spitzensinna Mutschmann u. Eisenkraut be- absichtigt, wie wir erfahren, ihren Betrieb stillzulegen und hat dahingehende Verhandlungen bereits eingeleitet. Inhaber der Firma ist Herr Mutschmann, der bekannte national- sozialistische'Agitator, Freund Hitlers und sächsischer Spitzenkandidat. Es ist bezeichnend, daß Herr Mutschmann, der seine Geldmittel in reichlichem Maß« der Hitler-Partei zur Verfügung gestellt hat. nun offenbar die ihm daraus erwachsenen finanziellen Röte aus dem Rücken seiner Arbeiter bereinigen möchte. Ein hübscher Arbeiter- fllhrer! rrcarma- Wen wählen wir? 3)ie lozialdcmokraiiichen Jlnmlidalen für Sierlin Jbrbar Crispien Mugo Steinuam Clara tßohtn Sdmrb & Jluf häufer Carl XUke Sir, J. Wlofes Oeflenflidie MMerlmWebimseii. Morgen, Donnerstag, 11. Septbr.: 1..Ute«© Mitte. Alle radsahrendcn Parteigenossen, Sportler, sozialistische Arbeiterjugend, Reichsbanner, tressen sich zum Werbeumzug mit ihren Rädern pünktlich IS'A Uhr aus dem 'Reuen Markt.— Absahrt zur A u t o- W e r b e s a h r t 17 Uhr Arkonaplaiz. !t. 5lreis Wedbing. I u n g w ä h l c r- V e r s a in nt l u n g. Donnerstag, 11. September, 1911 Uhr, in den Pharussälen, Miillerstr. Ii2. Friedrichshain,:J2. Abt. 20 Uhr in den Andreas-Festsälen. Anbreasstr. ZI. Redner: Carl Litke. v. jlreis ttreuzbcrg. Antreten zum Werbeumzug mit Musit und Faekeln pünktlich 18 Uhr Fontanepromcnade— Anschließend Wahlkundgebung unter irciem Himmel. Redner: Karl Helzschold:— Fackeln werden am Sammelplag ausgegeben. v. 5rreis Wilmersdorf.� 20 Uhr im Pittoriagarien, Wilhelms- au« 114/115. Redner: Siegsried Aufhäuser. Zehlendorf-Mitte. 20 Uhr im Lokal„Mutier Mochow", Schlach tensec, Potsdamer Chaussee 83. Redner: Regierungsrat Prawig.— Thema:„Sozialdemokratie und Beamtenschaft." Marienfelde. 20 Uhr im Lokal Petsch, Berliner Str. 00. Rednern Georg Maderholz, M. d. L. Baumschulenweg. IQ'A Uhc in der Aula des Lyzeums, Baum- schulenstraße. Redner: Friedrich Stampser. Niedcrfchönhausen. 20 Uhr m den Gesamträumen des Lokals „Sanssouci", Nordend, Kaiser-Wilhelm-Str. 64. Redner: Redakteur Franz Klühs,— Gesangsvorträze des Gesangvereins „Zukunft", Sprechgemeinschast Niederschonhausen. Filmvor- führung:„Freie Fahrt" und der Tricksilm:„Dem deutschen Balte." Blankenburg. Alle radsahrenden Genossinnen und Genossen ver- sammeln sich zur Werbefahrt 17% Uhr pünktlich bei Klug, Dorsstr. 2. Tegel. 20 Uhr im Lokal 5)ühnert, am Bahnhof Schulzendors. Redner: Biktor Malinc.— Mitwirkung: Gemischter Chor „Polyhymnia". Hermsdorf. 20 Uhr im Lokal Ludwigslust, Albrcchtstr., Ecke Neue Bismarckstr. Redner: Willi Wolfs. wahlerinneiiKniidgebuiigeii! Reinickendorf-West, 137, Abt. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, im Volkshaus, Scharnweberstr. 114, große Frauenwerbeveran- staltung. Referat des Genossen Paul Hossmann. Außerdem Rezitationen und gesangliche Darbietungen. 17. tlrei» Lichtenberg. Donnerstag. 11. September, 19� Uhr. in der Aula der Knabenmittelschule. Lichtenberg, Marktstraße, Kundgebung der Frauen und Jungwähler. Referat der Ge- nossin Paula Kurgas„Der Kamps der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Ferner Mitwirkuno des Ebert-Manz-Ouartetts und der Sozialistischen Arbeiterjugend. bßsnnsr und Frauen, erscheint in Massen! Brüning gegen Gtegerwald. Wahllügen über ein ZVei-MiUlarben-Oefizit. Ueberraschenderweise hat man aus der Brüningschen Rede im Sportpalast erfahren, daß Herr Brüning das führende Organ�seiner Partei nicht l i e st. Bon dem von Pater Muckermann geschriebe- nen Leitartikel in der„Germania" hat er bis gestern abend nichts gewußt. Es liegt die Vermutung nahe, daß er überhaupl während des Wahlkampfes es auf das peinlichste oermeidet, sein« eigene Presse zu lesen, lind es ist gut so! Sonst hätte er schwerlich den Mut sinden können, über die Methoden der Wahlagitation zu sprechen und nach dem guten evangelischen Beispiel dem Himmel dafür zu danken, daß die Zenlrnmsparle: nicht so ist, wie die ande- rcn Parteien. Sicher hat aber Herr Brüning den Bericht über die Dortmunder Rede seines Parteifreundes und Minislerkollegcn Stexerwald zu sehen bekommen, da ein« Stelle der Rede im Sportpalast direkt als Zurückweisung der Auslassungen von Stegerwald klang. Nach dem Bericht in der„Tremonia"(vom 8. September) führte Herr Steger- wald u. a. folgendes aus: „Eines konnten die Sozialdemokraten: Posten vergeben (tosender Beifall), aber im Ordnen der Finanzen versagten sie gänzlich. Hilserding senkt« die Steuern und da- Er- gcbnis war. daß man ein Desizit von zwei Mil- liarden Mark buchen konnte."(Wir berichtigen in diesem Zitat nur einen offensichtlichen Druckfehler-, es steht nämlich:„zwei Millionen".) Es ist köstlich, wenn ein Zentrumsmann über das Vergeben von Posten scheinbar mit Verurteilung spricht. Ueber diesen Witz brauchen wir aber hier kein Wort mehr zu verlieren. Eine Gipfel- lcistung ist aber die Behauptung über die Steuersenkung.„Hilser- ding senkte die Steuern." Es kann nur die Senkung der Lohn- fteuer im Juli 1928 gemeint sein, die zwar van uns veranlaßt, aber auf Grund des von Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten eingebrachte,, Jnitiativgesctzcs durchgeführt wurde. Diese Senkung macht jährlich etwa 130 Millionen aus. lind diese Steuersenkung soll ein Defizit von zwei Milliarden Mark bewirkt haben? Herr Brüning hat zwar Stegerwald nicht genannt, seine Be- hauptungen aber mit aller Bestimmtheit zurückgewiesen. Er sagte von der Hilserdingschen Finanzpolitik: „Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, auch den Mann zu unterstützen, der mit uns gemeinsam und in voller ll e b e r« i n st i m m u n g den Versuch machte, die Reichsfinanzen eud.lich in Ordnung zu bringen, Fehler der Vergangenheit zu heilen und unsere Politik auf diesem Gebiet zu konsolidieren. Wir haben dem sozialdemokratischen Finanz mini st er Hilferding bis zum letzten Tage gestützt." 'Am. Montag stand der Bericht über die Stegerwald-Rede in der Presse. Am Dienstag sprach Brüning im Sportpalast. In diesem Falle geschah es wirtlich nach dem Sprichwort: Lügen haben kurze «eine. 15 Arbeiter verletzt. Oelexplosion in Rumänien Bukarest, IN. September.( Eigenbericht.) I»! der Nähe der Stadt B a e a u. im rumänischen Prtroleumzentrum, fing am Dienstagabend eine Tonde Feuer, so daß eine furchtbare Sxplosion hervor- gerufen wurde. Mehrere in der Nähe des(vxplosions- Herde» gelegene Häuser wurde« förmlich in die Luft ge- schleudert. 13 Arbeiter wurden schwer ver- lcht. b>'in Teil dürfte kaum mit dem Leben davon- kommen. Die Bemühungen der Feuerwehr um die Löschung des Brandes waren in kurzer Zeit erfolgreich. Titulestu präsidiert. Beginn der Döikekbundsversammlung. Gens, 10. September.(Eigenbericht.)» Di« Völkerbundsversammlung wurde heute unter starker An- teilnahme'crössnet. 31 Staaten sind vertreten. Zu den bekannten alte» Delegatjonsjührern sind neu hinzugekommen Ministerpräsident H e r tz o g- Südafrika sowie der der Arbeiterpartei angehörende Ministerpräsident van Australien, S c u I l i n. Die Diplomaten- logen sind stark besetzt, etwa 400 Journalisten füllen die Presse- tribüne. In seiner Crösfnungsred« gab Präsident Zumta einen Ueber- blick über die Arbeiten des letzten Jahre». I» warmen, Worten gedacht« er der unvergänglichen Verdienste Stresemanns und Nansens. Durch Stimmzettel wurde die Wahl de- diesjährigen Versammlungspräsidenten vorgenommen. Mit 46 van 30 ab- gegebenen Stimmen wurde T i tu l e s c u- Rumänien gewählt. Palästina vor dem Völkerbund. 3)as£nger der Wahlsellen tßeim Vlagitfrat SSerlin irerden riete Wundert ron trahlsellen auf ammeng ertappt auf he irahrt. Sie irerden fetal herausgegeben und an die Slimmbeairke verteilt, um am Sonntag auf geftelll au irerden Zm Trunk umgekommen. Strichnin statt Schnaps genommen. Zn der Trunkenheil ist gestern /abend der 57jährig« porticr VrunoiPatzer au» der poderborner Straße 0 aus entsetz. liche Weise ums Lcben gekommen. � P., der sehr häufig angetrunken nach Hause kam, hatte auch gestern abend dem Alkohol wieder stark zugesprochen. Gegen Mitter- nacht, al» seine Frau schon im Bett lag, lehrt« er heim. Der Mann hantierte noch zn der Wohnung umher. Dabei griff er eine Flasche, in der sich eine Strychninlösung befand, die noch von der letzten Rattenvertilgung herrührte. Offenbar im Klauben, daß es Zllkohol fei, setzte Patzer die Flasche an und trank den Inhalt aus. Die Folgen des verhängnisvollen Irrtums stellten sich schon wenige Minuten später ein. p. brach nnter schrecklichen Schmerzen zu. sammen. Seine Frau rief das Städtisch« Rettungsamt zu Hilfe; es war aber bereit» zu s p ä t. Der linglückliche starb auf dem Transport zum Westendkrankenhans. über den Rahling, als er abgeführt wurde, herzusallcn. Die Beamten harten Mühe, ihn vor einer Lynchjustiz zu schützen. P. behauptet, daß die Frau ohne jeden Anlaß ans dem Fenster gesprungen sei. Er habe sie am Nochmittag kennen gelernt und mit in sein« Mahnung genommen. Diesen Angaben wird zunächst kein Glauben geschenkt. Im Lause des Tages hojft man die Schwer- verletzte im Krankenhaus vernehmen zu können. _» Schwermut... Eine Mutter ging mit dem Kind in den Tod. In den gestrigen späten Abendstunden wurde die Zlj�H- rige Frau Erna G r i x in ihrer Wohnung in der w i s b y e r - Straße mit ihrem einjährigen Kinde durch Gas ver- giftet leblos aufgefunden. Die junge Mutter hatte, wie sich später herausstellte, in einem Anfall von Schwermut die Gashähne aufgedreht, um mit ihrem Kinde in den Tod zu gehen. Die zu Hilse gerufene Feuerwehr war längere Zeit mit den Wiederbelebungsver- suchen beschäftigt, die jedoch ohne Erfolg blieben. * In einem Wäldchen bei Rudow in der Buchenstraß« wurde der 30 Jahre alte Bernhard Martens mit einer Schußwunde in der Schläfe tot aufgefunden. In den Taschen des Lebensmüden wurde ein Zettel gefunden, aus dem hervorgeht, daß M. aus Per- zweiflung über lange Arbeitslosigkeit zur Masse gegriffen hat.-'_ Alltagstragödie... Nüchtern verkündet der P o l i z e i b e r i ch t: Im Hause. Bis- marckstraße 39 in Spandau hat sich die 41iährige Frau Ida Keßler mit Gas oergiftet. Versuche der Feuerwehr, die Frau durch Sauer- stoffbehandlung ins Leben zurückzurusen, blieben leider erfolg- los. Im Nebenzimmer fand man in seinem Bettchen das zehn Wochen alte K i n d, da, von dem ausströmenden Gas verschont geblieben war. Das Haus Bismarckstraße 5V ist eine jener alten, vor dem Zu- sammenbnich stehenden Wohnstätten, in denen olles Verbitterung, Verfall und Verzweiflung atmet. Blinde, halbzerbrochcne Flur- fenster zeigen die Aussicht auf einen kleinen, trostlosen Hof, in dem das monotone Hämmern einer Werkstatt die ewige trostlose Musik liefert. Das Treppenhaus ist schmutzig, die Wände verrußt und ab- gebröckelt. In diesem Hause lebte die 41jährige, von ihrem Manne seit längerer Zeit geschieden, mit zwei erwachsenen und einem zehn Wochen alten Kinde. Lange Zeit schon war die Frau a r b e t j s l o s, längst aus der Arbeitslosenunterstützung ausgesteuert und nur auf die Krisenjürsorge und eine kleine Rente angewiesen, die nicht her und nicht hin reichte. lind zu ihrer seelischen Not gesellte sich körperliche Erkrankung. Die beiden großen Kinder sind in der Lehre und an diesem Ersten brachte der Junge kein Geld nach Haus«, weil s�ine Firma pleite gegangen war. Das riß ein roch tieferes Loch in den schmalen Geldbeutel, wieder konnte keine Miete gezahlt werden, die Geduld des Hausherrn war erschöpft, ein menschen- freundlicher Richter gab ihm Recht und der Gerichtsvoll- zieher sollte seines Amtes walten. Da räumte die Frau freiwillig und für immer ihren Platz.... Mitleidige Hausbewohnar nahmen sich der drei verwaisten Kinder an: sie sind in drei � verschiedenen Familien verstreut und sollen von der Stadt einen Vormund erhalten. Das geht alles nun seinen amtlichen Weg. Keines der Kinder hat ein dunkles Kleid zur Beerdigung, ihre Wohltäter können ihnen auch keines schliffen: so rennt man von einer Stelle zur anderen, wird überall abgewiesen, böse, verzweifelte Worte fallen von den Lippen der Menschen und die Kinder stehen mit großen, fragenden Augen in all dem bitteren Jammer und können alles gar nicht so recht fassen. Nicht einmal ihnen hotte sich die Mutter in ihrem Schmerz anvertraut, lzeimlich, als keiner daheim war, ging sie den schweren Gang. Selbstmord eines Studenten. Schrcckenstzene auf der Stadtbahn. Auf schreckliche Weise versuchte der 23jährige Student Eberhard Zietz von T i s ch r n i ck ans Bergen in Norwegen'seinens Leben ein Ende zu machen. Auf dem Bahnhof Wilmersdors-Frieocnau warf«r sich vor die Räder eines einfahrenden elektrischen Stqdt- bahnzuge». Mit schweren Verletzungen wurde der Lebensmüde von der Feuerwehr geborgen. Er liegt im Schöneberger Krankenhaus hoffnungslos danieder. Das Motiv zu der Verzweiflungstat des jungen Ausländers, der in Berlin schon�inig« Semester studierte, ist bisher noch unbekannt. �< ver verleorr Eugen viederichs ist heute vormittag im Alter von KZ Jahren nach längerem Leiden in Jena gestorben. Gens, 10. September.(Eigenbericht.) Der Bötkerbundsrat rnchrn einen Bericht des smnischen Außen- Ministers über die Mandatsverwaltung in Palästina entgegen. Der Bericht enthält zum Schluß eine Entschließung, in der die britische Regierung ausgefordert wird, Maßnahmen zu er- greisen, um die Gleichberechtigung zwischen Juden und 'Arabern sicherzustellen und die jüdische Einwanderung nur zeitweilig zu beschranken. Der englische Außenminister H e n�> e r s o n erklärt« nach dem Bericht, daß die englische- Regierung erfreut sei, die Schwierig- leiten der Mandatsverwaltung in Palästina in jo weitgehendem 'Maße bcrücksichug, zu sehen. England sei erfreut, daß die Kommis- sion sich nicht als Vormund der britischen Regierung betrachte. Die englische Regierung wolle mit der Kommission nicht in Differenzen kommen, sj« werde die Schlußsolgerungen der Resolution beachten und mit den Ratschlägen der M a n d o t s k o m m l s s z o n in Einklang zu kommen trachten. Der Frieden uns die Wohlfahrt Palästinys könnten nicht allein von der Mandatsmacht selbst erfüllt und gewährleisiei werden. Sie wäre deshalb siir jede Unterstützung dankbyr. 0 Hie Entschließung au» dem Bericht-der Mandatskommission wurde schließlich einstimmig angenommen. Der Rat verabschiedete dann noch die Bericht« Über die Mädch-nhandel»«nqu«te im Orient, die wirtschaftlichen Arbeiten, den Opiumschmuggel und dl« griechisch- bnlqnrische Auswanderung. Abschließend wurde der Barschlag Fjnn- Iths, den ständigen Jnlerimtionalen Aerickuhai zur Berufunzs- m'.anz für Schlichtungetz zwischen einzzlnen. S.aaten zu mache,,, ans die Tagesordnung der nächst«» Vollversammlung gesetzt. Max Holz schwer verletzt. Die Tlazikolonnen überfallen KPD. Lad Elster. 10. September. In einer für Dienstagabend von den Kommunisten nach der Wilhelmshöhe einberufenen össentlichen Versammlung kam es noch vor Beginn zwischen Kommunisten und National- sozialisten zu schweren Z u s a n, m e n st ö ß e n. wobei Max Hölz so schwer verletzt wurde, daß«r nach einem Sanatorium gebracht werden mußte. Die Kommunisten flüchteten durch Fenster und Türen ins Freie. Gendarmerie räumte den Saal. Die Tat des Rohlings. Ein gewalttätiger Bursche. lieber die Vorgänge, die sich gestern abend, wie berichte», im Hanse Lbeinsberger Straße W abspielten/ war e» bisher noch nicht möglich, ein völlig klare» Bild zu gewinnen. Noch den bisherigen Ermittlungen besteht jedoch kaum noch ein Zvxlfel. daß die 24jähnge Elli L. au» der Büschingstraß« von dem Schlächter P. nach einem Streit aus dem Fenster geworfen wurde. P. lebt von seiner Frau getrennt und ist in der Gegend als sehr gewalttätig bekannt. Nach der Tot verweigerte er sogar der Polizei den Einlaß in se:ne Wohnung, doch verschassten sich dl« Beamten sehr schnell gewaltsam Zutritt. Biete Passanten, die sich vor dem Hause angefammelt hatten, vekfuchten Militär-, Sowjet- oderVolkspolizei? Oer Wahlkampf um das Instrument des Volksstaates Es ist«in Gebot stacr Selbstsicherung, daß die Republik der Zusammensetzung, der Wirksamkeit, dem„Geist" ihrer Polizei dauernd die notwendige Aufmerksamkeit zuteil werden läßt. Bildet eine nicht durch und durch republikanische Polizei in ruhigen Zeiten schon kein vollwertiges Vollzugs- und Sicherheitsinstrument ihrer Gesetze und Institutionen— m kritischen Zeiten kann aus der schlummernden Gefahr leicht eine offene werden. Sehr erklärlich, daß gerade die Parteien, die der heutigen Staats- form ablehnend, ja, offen feindlich gegenüberstehen, sich um die Polizei in ihrem Sinne bemühen: Zersetzungsarbeit, die diesen inneren Machtsaktor der Republik für gewisse Fälle weniger wirksam machen will. Dies eigentlich« Ziel wird natürlich verschleiert. Die Frag«, welche Polizei nach Form, Wirken und Geist diese politischen Richtungen, wenn sie die Macht hätten, uns bescheren würden, interessiert nicht'nur den Polizeibeamten. Sic wird dahin zu beantworten sein», daß in diesein Falle die Rechtsparteien, besonders die Nazis, fraglos ein« ans- gesprochene ZNilitärpolizei ausziehen würden. Schon aus„nationalen" Gründen. Motto:„Siegreich woll'n wir..." Ihr sehnlichster Wunsch war ja schon immer, die Polizei zu einer Art Reichswehr Ii auszugestalten. Di- „Wehrhastigkeit" der Polizei würde Trumpf werden. Diese Grund- tcndenz schließt solgerichtig in sich. daß rein militärische Ausbildung, Drill nach altem Muster.„Taktik". kurz, der sattsam bekannte Wehrgeist in verstärkter NeuanslHe die«igent- liche polizeiliche Ausbildung' glatt erschlagen würden. Was die Be- völkerung von solch einer Polizei- s o l d a t e s k o zu erwarten hätte, welch erfreuliche Perspektive an übelstem Kommißdienst sich damit ergibt— das kann selbst ein Analphabet vorausisehen. Klar, daß dieses verkappte Militär gleichzeitig auch als Obrigkeitspolizei im schlimmsten Sinne Verwendung finden würde. Ist doch der alte, obrig- kcitlichc Polizeiftoot immer noch das schmerzlich vermißte Ideal gewisser Kreise. Die Nazis arbeiten— über die „Legalität" ihrer Mittel lacht jeder einigermaßen denkende Mensch— aus die Diktatur des nebelumhüllten dritten Reiches hin. Logisch, daß sie sich eine viklalurpolizei vom reinsten Wasser schaffen wür- den. Ein liebliches Zukunftsbild: chitler als Diktator und etwa Goebbels als sein Polizeiminister I Armes Polt, arme Polizisten! Auch die KPD. erstrebt offen die Diktatur in ihrem Sinne. Auch ihr würde also die Polizei in erster Linie einDiktatursicherunge- i n st r u in e n t sein. Di« heutige Polizei würde dies« Partei— ebenso steht es bei den Nazis, etwas abge- ich mächt bei den Rechtsparteien— •h nicht zu einem Bruchteil über- ■ hinen. Hot doch ein führendes kam- nistisches Blatt vor einiger Zeit len erklärt, daß die„Z o rg i e b e l k osa k e n' verfemt bleiben. i.-Ibst wenn sie der Partei beitreten. Mit den Nazis steht es ähnlich. Uebrigens: Herr Thälmann als roter Diktator würde sich analog dem Moskauer Schreckensregiment auch ganz nett„auswirken". Auch dann: armes Boll, arme Polizei! Wie sich das Regiment schon der sehr gemäßigten„bürgerlichen" 'Parteien in der Praxis auslvirkt. dürfte gerade den preußischen Polizeibeamten noch aus der Aera Dominikus in guter Erinnerung sein. Ein« Hochkonjunktur im Exerzieren. Strammstehen und schönsten Saseruengeist kam selbst mit dieser immerhin gemäßigten Richtung. Man atmete in der Unterbeamtenschaft erleichtert auf, als der damals demokratische(heute: volksparteiliche) Jnnenikmvister Dominikus ging... Volk und Polizei haben weder von einer Miiitärpolizei noch von einer Sowjetpolizei etwas anderes zu erwarten als Terror. Rechtsbeugung«od Vernichtung jeder persönlichen Freiheit. PolÄsche H e n t« r p o l i z e i l Panzerwagen und Maschinengewehre würden sich verzehnfachen. Der mit Recht verachtet« Polizeistaat— so oder so— würde mit seiner Leichenmask« in viel grausigerer Form in Erscheinung lreten als je Zuvor in Deutschland. Und die„Mittelparteien"? Man denk« da nur an die erwähnte Aera Domimtu». man lern« beizeiten von der..Ordnungszelle* Bayern, wo heute noch(typisch!) «ine fortschrittliche Interessenvertretung den dortigen Polizeibeomten fehlt. Als bestes Polizelgebilde wird jeder klar, unvoreingenonmren und sozialdenkende Zeitgenosse nach Form und Inhalt das ansehen und erstreben müssen, was in der.Volkspolizei" zu geben die SPD. stet, bestrebt mar und bleibt. K-m« Partei hat für dl« modern«, freiheitlich« Gestaltung der Polizei im Interesse der Be- völkerung und der Polizei selbst«lt. erhielt in der Ae- ainfcKMttNfamg Rechtr. an dis früh« nicht SU denken war. D« DilaipU»arracht gnet* dernch sie in menfch-m-mri» Bahnen gelenkt, für die Weiterbildung der Beamten trat sie als förderndst« Partei ein. Wenn sie den alten„Miiitärgeist" nicht voll zur Strecke gebracht hat, so liegt das an Widerständen� auf die hier nicht eingegangen werden soll.— Disziplinar- strafen! Wer«rmnert sich da nicht des früheren unwürdigen Bildes, wie der Polizist mit dem Kommißbrot unter dem Arm für drei und mehr Tage ins„Kittchen" zog! Und erst das Ve- fchmerderecht! Selbst politische Gegner, wenn sie ehrlick) sind, werden hier die segensreiche Wandlung nicht bestreiten. Dank der SPD. hat heute jeder Polizist ein Anrecht darauf, von seinein Vorgesetzten inst„Herr" angesprochen zu werden. Dank der SPD. braucht er Vorgesetzten gegenüber heute nicht mehr die vorsint- flutliche Anrede in der dritten Person»ntertänigst zu stammeln Die Anträge der�SPD. in den Parlamenten im Sinne einer sozial Noch 3 Tage Zeit für Wahlarbeltl gerichteten und sozial gestalteten Polizei sind anschaulichstes und überzeugendstes Beweisinattrtai! Ohne oll die sprechenden Tat- fachen steter Arbeit aufzuzählen kann zu Recht gesagt werden, daß gerade und oft nur die SPD. für die Beamtenschaft im Ber- hältnis zu den übrigen Parteien dos weitaus meiste getan hat. Vieles allerdings muß noch getan, muß noch erkämpft werden. Nur der Sozialismus als einzig gesunde Weltanschauung garan- tiert dafür, daß es getan wird. Er garantiert— und daran denke jeder zu jeder Zeit— einzig auch dafür, daß der Polizist nichl als willenloses Instrument jenem Moloch in den Rachen geworfen wird, den der Nationalist Krieg, den der Sozialist Völkermord nennt. Noch fehlt manches im Sinne der wahren Volkspolizei. Die SPD. wird be- stimmt darauf bedacht sein, dies« Mängel energischer als bisher zu beseitigen. Wer ihr dabei helfen will, wer sich nicht einer Militär- oder Sowjetpolizei ausliefern will, wählt Liste 1. Frick verbieiet polizeibeamienverband. Herr Frick. der während des Krieges von seinem König in Pirmasens reservierte tüchtig« Beamte, der dann den Dienst in seinem angestammten bayerischen Vaterland quittierte, um national- sozialistischer Minister in Thüringen zu werden, hat in dieser Eigen- schast vor allem versucht, dem Lande Thüringen einen stramm nationalsozialistischen Polizeiapparat zu verschassen. Daß das Reich di« Kosten dafür tragen fall, findet Herr Frick ganz in der Ordnung. nicht aber, daß es ihm in fein« Pläne hineinreden, lein„groß- zügiges" Unternehmen mcht-fördern will. Herr Frick hat jetzt aber einen Weg gesunden, auf dem er seine Behauptung beweisen will, daß er durch Berufung von National- sozialisten als Polizeibeamt« keineswegs eine Politisierung der Polizei beabsichtigt. Di«.Allgemeine Deutsche Beamtenzeitung". da» Organ des Allgemeinen Deutschen Peamkenbunde». der g«wsrtschast- Uchen Beamten organisation. bracht« am 2. September einen Aufruf an die Beamten, bei der Reichstagswahl ihr« Stimmen allein der Sozialdemokratie zu geben. Weil nun der Allgemeine Preußische Polizeibeamten-Perband mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund in Vorbintoutg stcht. erklärt Herr Frick diesen gewerkschaftlichen Pollzelbeamten-Verband als eine politische Organisation. Weil er Gegner jeder— nickst nationalsozialistischen— politischen Organisation der Polizekbeamten ist, möchte er den Allgemeinen Preußischen Polizeibeamten-Verband am liebsten auflösen. In seiner bekannten Bescheidenheit beschränkt er sich jedoch zunächst daraus, den Thüringer Polizeibeamten die Zugehörigkeit zu diesem verband, bzw. jede Verbindung mit demselben zu verbieten. Sobald der unter III? 1667 ergangene Utas des 5?crrn Frick im Wortlaut vorliegt, werden wir daraus zurückkommen. Die Thüringer Polizeibeamten aber werden 5)errn Frick am Sanntag die passende An.twort geben, indem sie der Parole des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes folgen und ihre Stimmen allein der Sozialdemokratie geben. Die Thüringer kenne» ihren Razi-Minister selber am besten und werde» beider Wahl alles daransetzen, um ihn samt seinem System In Thüringen unmöglich zu machen. Für seine Pension hat ja Herr Frick bereits die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Verleumdung unterZmmunität Ernst Schneller, M. d. X, Mitglied des Ständigen Ausschusses als Llniversalverantwortlicher der gesamten Kommunistenpresse. Je näher die Wahl rückt, in desto konzentrierterer Form bringt die Kommunistenpress e,' voran die„Rote Fahne", Verleumdungen und Unwahrheiten sentsationever Art über sozialdemokrotifch« Parteigenossen. Unser Platz würde kaum ausreichen, alle Gemein- Gewerbetreibende, Handwerker, Kaufleute! »10111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111 Erscheint zur großen öffentlichen Versammlung am heutigen Mittwoch, 20 Uhr, im großen Goal des Lehrervereinshauses. Alexanderplatz/ Thema:„Wer Hilst den Handel-, Gewerbe- treibenden und Mittelstand?"/ Referenten: Käthe Kern, Berlin und Julius Krause, Leipzig, Verbandsvorsitzender des Einheitsverbandes der Handel- und Gewerbetreibenden und freien Berufe/ Parteigenossen, erscheint zahlreich! heiten, die täglich in der Kommnnistenpresse ausgeheckt werden/ zu registrieren. Das ist aber auch nicht nötig. Denn die Komiminislenprcsse gibt selber ein untrügliches Merkmal dafür, daß es sich bei ihren Behauptungen um Wahlmache im letzten Augenblick handelt und keineswegs um ernstgemeinte Anschuldigungen. Wenn nämlich irgendeine Zeitung ernsthaft den Nachweis irgendeines Mißstandes oder einer von ihr behaupteten Unredlichkeit erbringen will, so fordert sie den von ihr Angegriffenen auf. sie zu oerrlagen, um alsdann vor Gericht durch Zeugen und Urkunden vor oller Oeffentlichkeit den Wahrheitsbeweis zu führen. Die„Rote Fahne" und die übrige Kommunistenpresse haben diesen Weg des öffentlichen Wahrheitsbeweises vorsichtlg�rwelsc von vornherein ausgeschlossen. i ua( Jh*,• Die„Rote Fahne" wird seit Wochen von dem Reichstagsabgeord- neten Ernst Schneller verantwortlich gezeichnet, der als Mit- glied des Ständigen Auslschusses zur Wahrnehmung der Rechte des Reichstags auch für die Zeitspanne zwischen Reichs- tagsauflösung und Neuwahl durch Immunität gedeckt ist. Ernst Schneller ist«in sehr vielseitiger Herr: er deckt mit seiner immunitätSgestützten Person- lichkeit nicht nur die Verleumdung der ,)foten Zahnes sondern der gesamten parteckommu- nistischen presse von Ost bis West. Wo wir«in Kommunistenblatt nachschlagen, ob das in Königsberg erscheinend«„Echo des Ostens", ob den tn Halle erscheinenden .Llaffenkampf"— als verantwortlicher Redakteur zeichnet stets Ernst Schnellerl Er besitzt offenbar eine der göttlichen gleich kommende Allgegemvort! Wir stellen also fest: 3n der ganzen KPD. gibt es niemand, der den Mut besitzt, die täglichen Verleumdungen der„Roten Fahne", de»„Klassenkomps" und der übrigen Kommunistenpresse mit seiner Person zu decken— außer einem gerichtlich unbelangbarcn Strohmann. Daraus kann man den Grad des eigenen Glaubens der Verleumder an ihre Verleumdungen ermessen. Indem sie von vorn- herein feige jede Verantwortung und die Führung eine» öffentlichen Wahrheitsbeweises ablehnen, kennzeichnen sie selber den Wert ihres verlogenen Geschreibsels gleich Null! S�euergelder für Sozialdemokratie! Was sich ein llnternehmerflugblatt leistet. Ein obskurer Verlag richtet«in Rundschreiben an Berliner Industrielle und erbietet sich, für 4 Pfennig das Stück eine neue Wahlzeitung„Arbeiterwähler" zu liesern. Der Verlag fordert die Industriellen auf, die Zeitung in ihren Betrieben kostenlos zu ver- teilen. Bisher liegt von dieser famosen Zeitung nur die erste Nummer vor. Aber das genügt, um ihren Geist zu erkennen. Da schreibt ein ungenannter Schreiber einen Leitartikel unter der zündenden Ueberschrist: „Eine Million Steuergeldcr für den Wahlfonds der Sozialdemokratie." und faselt von geheimnisvallen Millionenbeträgcn, die aus der Reichskaste über die Gewerkschaften in unfern Wahlfonds geflosten seien. In diesem Auffatz, auf den einzugehen, die Mühe nicht lohnt, steht folgender Satz: „Ueber 300 000(!) sozialdemokratische und gewerkschastliche Funktionäre sitzen in allen möglichen staatlichen Verwaltungs- stellen. 10 z. B. als Regierungspräsidenten, Landräte, Bürger- meist«? und Minister, und haben auf Grund ihrer SKonopol fUEung fast alle einflußreicher, gutbezahlten Positionen innerhalb» der Behörden, der SozialpoliM und des Arbeitsrecht,(!) inne." Nun wissen wir. woher die Stärke unserer Partei kommt. Ein Drittel unserer Partei sind Frauen und von den Männern haben die Hälfte die„gut bezahlten Positionen" de? Reiches und der Länder inne. Es wäre interessant, zu erfahren, in welchen B e t r i � dies« nützliche Zeitung an di« Arbeiter verteilt wird, Oer Wellentanz der Atome Tkawrferscher im Vogelparadies Mit Zwei der wichtigsten Fragen der modernen Naturforschung, dem VcrhÄtnis der Logik zur Ziaturcrkenntnis und der Frage der Kausalität oder Wahrscheinlichkeit, be- fchäftigen sich zwei grundlegende Vortröge auf der Königsberger Nawrforschertagung. Den ersten hielt Prof. Hilbert, der be- rühmte Töttinger Mathematiker, den zweiten Heisenberg, der Begründer der Quantenmechanik. Wir sind gewohnt, die logischen Formen als ewig« und unab- onderliche Gesetze anzusehen. Der Begriff des Unendlichen, die Geltung des Satzes, daß jedes Geschehen eine Ursache haben müsse, und daß aus der gleichen' Ursache immer die gleiche Wirkung mit Notwendigkeit folge— mit anderen Worten: des Kausalitäts- begnffes— der Satz, daß zwei Dinge, die untereinander verschieden sind, nicht zugleich mit einem dritten gleich sein können, das waren Grundbegriffe der Erkenntnis, die bisher als unantastbar galten Zahllose philosophische Systeme ebenso wie das Weltbild der klassi- schen Physik waren auf ihnen aufgebaut. Heute gibt es aber neben der Erfahrung und der reinen Logik noch eine dritte Methode, zum Aufbau neuer Gesetze zu gelangen, die A x i o m a t i k, die Hilbert ihr« eigentliche Grundlegung verdankt. Die Axiomatik nichts anderes als die Lehre, daß diejenigen Bausteine der Naturwissen- schaft, wie der Mathematik, die seither als dem menschlichen Denken angeborene Prinzipien galten, nur Verabredungen sind, deren For- ruulierung zweckmäßig schien. Die Kausalität ist also nicht, wie man es in diesem Zusammenhange ausdrücken kann, ein ewiges Gesetz, sondern«ine auf Grund der bisherigen Erfahrungen formu- liert« Festsetzung, ein Axiom, dessen überragende Bedeutung für den bisherigen Fortschritt menschlichen Wissens durch diese Klarstellung natürlich nicht in Frage gestellt wird. Von einer ganz anderen Seite her geht nun allerdings H e i s e n- b« r g der Kausalität zu Leib«, der ihr die physikalischen, nicht die erkenntnistheoretischen Grundlagen nimmt. Heisenbergs Anschauungen über die Vorgänge innerhalb des Atoms, die unter dem Namen Quantenmechanik für die letzte Entwicklung der theoretischen Physik den entscheidenden Anstoß gegeben haben, brechen mit der Vorstellung von Elektronenbahnen. Nach dem Atommodell von Niels Bohr stellte man sich«in Atom bekanntlich wie«in kleines Planetensystem vor, in dem die negativ elektrisch geladenen Elektro- nen um«inen positiven Kern kreisen. Heisenberg zeigte jedoch, wie die Quantentheorie— die stoßweise Abgabe von Energie— mit dem Bohrschen Atommodell nicht vereinbar ist, und' zwar lassen sich weder die Bahnen noch der Ort eines Elektrons in einem bestimmten Augenblick ganz genau bestimmen. — Von der Vorstellung der kreisenden Atoine ging man deshalb zu der Annahme von Wellenbewegungen über und erklärte das Elektron und seine Zustände für ein Paket elektromagnetischer Wellen als Zustände eines elektromagnetischen Feldes. Die Quantenmechamr verzichtet auf den Begriff einer strengen Kausalität, der ihr nicht durchsührbar erscheint. Sie begnügt sich damit, festzustellen, daß auf eine gegebene Ursache «ine Wirkung nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit folgt. Aller- dings ist diese Wahrscheinlichkeit im Naturgeschehen gewöhnlich sehr groß.— Mit dieser fundamentalen Erkenntnis wird nun aber die ganze bisherig« Naturgejetzlichkeit wenn auch nicht entthront, so doch in einen anderen Geltungsbereich versetzt. Die Statistik rückt gegen- über der exakten Gesetzlichkeit an erste Stelle. Oos Rätsel des Vogelzugs. Den ersten allgemeinen Vortrag der Naturforschertagung hielt am Sonntag abend Prof. Thiene mann, der langjährig« Leiter der Vogelwarte Rossitten, über seine Erforschung des Vogelzugs. Es ist bekantlich völlig rätselhast, woher die Vögel die Gabe haben, einen Taufende von Kilometern langen Weg alljährlich mit ab- soluter Sicherheit«inzuhalten und ihr« Sommerheimat im Norden wiederzufinden. Durch die Beringungsmethode, deren Durchführung dos große Verdienst von Prof. Thienemann ist, wurde es ermöglicht, die Zugstraßen der Vögel genau zu oerfolgen. Jeder beringte Vogel erhält in Rossitten außer seiner Nummer noch ein« Stammrolle, auf der alle Meldungen über Auffindung oder Beobachtung während des Fluges eingezeichnet werden. Fast für jeden Tag, ja, sogar an den ersten Tagen für verschiedene Stunden konnte Prof. Thicnemonn für einen Störchcnzug die Reise bestimmen. Um nun festzustellen, ob der Zugtrieb angeboren oder durch die ölten Vögel angelernt ist, zog Prof. Thienemann eine größere Anzahl von Störchen auf, die ganz jung aus dem Nest gekommen waren. Auch diese künstlich großgezogenen Vögel machten sich— im geeigneten Augenblick freigelassen— sofort auf die Reis« und kamen in wenigen Tagen bis nach dem Slldbalkan. Das erstaunlichst« aber ist, daß sie teilweise auch den Rückweg wleder fanden.— Wichtig ist für den Vogelzug das Wetter. Nur bei warmem Wetter und günstigem Wind ziehen die Vogelschwärme ab.— Es scheint, als ob vielleicht in der Art und Richtimg der oberen Lutströmungen das Rätsel des Vogelzugs zum Teil begründet ist. Hierüber liegen jedoch noch keine exakten Untersuchungen vor. Ein interessanter Film von dem Vogelparadies Rossitten er- gänzte den Vortrag. Lanvwirtschast und Voikswirlschaff. Mit diesem außerordentlich aktuellen Thema beschäftigte sich in einem der Hauptvorträge der Natursorscheroersammlung Oberpräsi- dent a. D. Prof. v. Batocki. Er setzte sich mit der Frage der Steige- rung der landwirtschastlichen Produktion durch Rationalisierung der Arbeitsmethoden auseinander und stellte u. a. fest, daß gerade der vorwiegend bäuerliche Charakter der deutshen landwirtschastlichen Bevölkerung die Einführung neuer wissenschaftlicher und Wirtschaft- licher Kenntnisse in die Praxis erschwere. Lediglich ein Viertel des deutschen Grund und Bodens ist in den Händen von Großbetrieben, das übrig« ist Bauernbesitz. Immerhin hat die deutsche Londwiri- schaft, was die Erzeugung angeht, gegenüber dem Durchschnitt der europäischen Länder in den letzten Jahrzehnten ganz erhebliche Fort- schritte gemacht. Der Getreidecrtrag pro Hektar hat sich, in der Zeit von 1820 bis zum Jahr 1314, mehr als vervierfacht. Wenn nun heute— ganz besonders in Ostpreußen— kaum noch ein landwirtschaftlicher Betrieb einen Gewinn abwerfe, ja, die große Mehrzahl direkt vor dem Zusamnienbruch stehe, so liege das an einer Anzahl unglücklicher Umstände, auf die Redner nicht näher einging. K. I-. Walter von Molo zurückgetreten. Die Preußische Akademie der Künste teilt mit, daß Walter von Molo den Vorsitz in der Sektion für Dichtkunst niedergelegt hat. Ein reaktionäres Blatt versetzt dem scheidenden Dichter bereits einen Fußtritt und glaubt die Gründe für seinen Rücktritt in Miß- trauen seiner Kollegen zu finden. In Wirklichkeit hängt aber Molos Abgang mit ganz anderen Vorgängen zusammen. In der Dichterakademie ist man mit der ganzen Wirksamkeit der Sektion begreiflicherweise nicht sehr zufrieden. Haben Akademien heut« überhaupt noch einen Zweck und kann besonders eine Dichter- akckdemie wirksam dos Schrifttum fördern? Walter von Molo, seit 1928 der Vorsitzende der Sektion, hat sich gewiß redlich Mühe gegeben und vielerlei Arbeit geleistet, die Nach außen hin nicht sehr sichtbar wurde. Aber er hat seiner Aakademie auch nicht die Be- deutung schaffen können, die man von ihr und in ihr erwartet. Ein Teil der Mitglieder der Akademie ist- der Meinung, daß ihren Aufgaben besser gedient wäre, wenn sie keinen Präsidenten mehr hätte. Da Molos Amtsperiode im nächsten Monat abläuft, ist er den Wünschen seiner Kollegen zuvorgekommen. Die Akademie kann nun in voller Freiheit entscheiden. Hältnisse innerhalb des Bauhauses im Jnteresie der Erhaltung und der gedeihlichen Weiterentwicklung des Instituts einen Wechsel in der Leitung erforderlich machte. Sie sprechen einmütig dem neuen Leiter des Bauhauses, Mies van der Rohe, ihr Vertrauen aus und sind überzeugt, daß unter ihm dem Institut«ine sachliche und ersprießliche Arbeit ermöglicht werden wird." Mit Rücksicht auf organisatorisch« Umgruppierungen, die zur Durchführung eines ordnungsmäßigen Unterrichtsbetriebcs«rsorder- lich erscheinen, ist das Sommcrscmester bereits jetzt geschlossen worden. Dafür beginnt das Wintersemester zwei Wochen früher als bisher in Aussicht genommen, nämlich schon am 21. Oktober. Zum Wechsel in der Leitung des Bauhauses. Dessau. 10. September.(Eigenbericht.) Der Lchrkörper des Bauhauses hat in seiner gestrigen Sitzung. an der sämtliche Profesiorcn und hauptamtliche Lehrer teilnahmen, zu dem Wechsel in der Leitung des Instituts Stellung genommen und einstimmig folgende Entschließung gefaßt: „In voller Würdigung der Persönlichkeit und- der von bestem Wollen getragenen Arbeit des bisherigen Bauhausleitcrs Hannes Meyer erkennen die Meister an, daß die Entwicklung der Ver- Selbstmord desSerben-Oberfi Großer Spionageikandal in Sofia. Sofia, 10. September.(Eigenbericht.) Die im bulgarischen Kriegsministerium aufgedeckte Spionage- a f f ä r e hat in der Oeffentlichkeit größtes Aufsehen hervorgerufen. Trotzdem schweigen sich die bulgarischen Blätter und die Behörden immer noch aus, um angeblich die eingeleitete Untersuchungsaktion nicht zu gefährden. Die umlaufenden Gerüchte nehmen nach den Selb st morden einiger Offiziere aus dem Kriegs- Ministerium und der Verhaftung hoher Polizeisunktionär« stündlich sensationelleren Charakter an. Wie der Korrespondent des„S o z. Pressedienst' von gut unterrichteter Seite erfährt, verhält sich die Angelegenheit wie folgt: Es handelt sich um militärische Spionage zugunsten Rumäniens, die von einer Gruppe von Offizieren aus dem Generalstabe des Kriegsministeriums sowie dem 7. Grcnzabschnitte(an der rumänischen Grenze) getrieben wurde. Die Spionagetätigkeit umfaßte alle geheimen Mitteilungen über die bulgarische Armee, die mehr oder weniger militärisch ausgezogene Organisation der Arbeits- dienstpflichtigen sowie Berichte über bulgarische Propaganda- aktion in der heute zu Rumänien ge�örendesi�D o v r u ds ch a. An der Spitze der spionierenden Offizicrsgruppc stand der Ober st M a r i n o p o l s k i, der bis vor zwei Monaten Chef der Kanzlei des Kriegsministers war und dann zum Kommandanten des 7. militärischen Grenzbercichcs ernannt wurde. Marinopolski hatte sich zuletzt durch wiederholte Reisen ins Ausland und große Geld- ausgaben stark verdächtig gemacht. Eine seit kurzem durchgeführt«! geheime Beobachtung der verdächtigen Generalstäbler war bald von Erfolg begleitet. Der Hauptmann Alexiew wurde bei der Uebermittlung cestohlener/ Militörpapiere ertappt und verübte, als zu seiner Verhaftung geschritten werden söllre, einen Selbstmord- versuch durch Oeffnen der Pulsadern, ohne sich jedoch lcbens- gefährlich zu verletzen. In einem Kreuzverhör verriet Alexiew jeino Mitschuldigen, darunter den stellvertretenden Chef der politischen Polizei in der Polizoidirektion in Sofia, Ninow, sowie einen hohen Polizeioffizier aus der Grenzstadt Dragoman. Oberst Marinopolski, ein Verwandter und Vertrauensmann des früheren Kriegsministers und jetzigen bulgarischen Gesandten in Rom, des berüchtigten Generals Wolkow, entleibte sich unmittetbar nach seiner vcrhaslung im Gefängnis durch Erhängen. In einem Brief erklärte er, daß er das Opfer einer Erpressung und eines Racheaktes geworden sei. Ueber das Schicksal der übrigen Verhafteten sind bestimmte Nachrichten noch nicht zu erhalten. Weller für Berlin: Freundlich bis heiter. Noch kühler Nacht am Tage mäßig warm, südöstliche Winde.— Für Deutschland: I» der nordöstlichen Hälfte zeitweise heiter mit einer kühlen Nacht. Südwinde, noch ziemlich wolkig mit wenig Temperaturänderung. Bcranlwortr lllr die Redaktion: LZoltaana Schwor», Berlin: Zlnzcioen: Th. Sloikc, Berlin. Verla»: Vorwär!» Verla» kh. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwiirls Buch. druckerei und Berlagsanftalt Paul Singer k Co., Berlin EW 68, Lindenstrahc 3. Hierin 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. Ende 22U3 Uhr Theater am Sdilffbauerdamm Tägl.SV» Uhr Feuer ansden Hesseln! von Ernst Toller. hg'u; Hm Helandn. lühnnkildtr: Cut. Hiher. Täfll. S U. 815 Söhnt. 2. 5 1. 8U Alex. E 4. 8066 Cloire Waldoff, Leo Morgenstern, Achilles u. Newman usw. heateri. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Robert« Das häBiiclte mäüchen VolHsbUlme Thealer im BOlowpliti. 8'-. Uhr Der fröhildie Weinberg von Carl Zudtmayer Staat!. Sdiller-Th 8 Uhr Der Mann mit dem Klepper '«ch— Rohsns— Riemann. Theater am Schiinauerdamn! 8'/i Uhr Feuer aus den Kessein Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Hans Helling Deutsches IDnsller-Thetl Tel. Bartnnnu 393T 8'* Uhr letzte IMDhroggeiil Oastspiel der Ludwig- Thoma-Bllbiie Magdalena Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Dia Wunder-Bar RevuestQck Rose- Theater er.rraDkinrlerStr.i32 Tel. Alex 3422 u 3494 8.15 Uhr; Brsnt t. Hessina Garten bfibne: 5.15 Uhr Koniert». Bunier Teil 8.15 Uhr: Etappe. Berliner HlkTrio M B■ H 0 1 1■, � Lfthastt. 74;7U Oeotsdi» Theater 8'/, Uhr 1914 von Georg Wilhelm HQIlei Regie: Gustav Giüodgens. Kammerspiele 8'/. Uhr Die Schule derFrauen von Moliöre. Regie: RensDeppe. Die Komödie 8>/. Uhr Der Diener zweier Herren von Goldoni Regie: Hu Reiobanlt. Lessing- Theater Weidadna 2791(.Pete Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne Des Kaisers KUllS von Th- Plivier. Regie: Erwin Pisotor. Jrene Triesch als Jsabella „Braut von Nessina" täglich sis unr, Sonntags 8 15 und 9 Uhr, Irr» ROSE Theater Gr. Frankfurter Str. 132 Bllltttku»; Ale*. 3422 u. 3494 Auf der Gartenbühne bis tS. Septembsr tsarllch 5 30 Uhr die glanzende Varietdsdiau „Etappe" „Onkel Gustav schreibt k, v." ".m» CASINO-THEATER i,l'Uh' Uothrintfer Strafe 57._ Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Pers. Fauteuii 1,25 M-, Sessel 1,75 M. Der Possen-schlager Der selige Hollschinsky iirietipitmetieeiiiteiiiniieiiiiiilflPHtMiiieiiiiiiuefiltitiiHiiUHili* und ein erstkl. buntes Programm. Bamowsky- Söhnen Theatsr In dsr Slresemannstr. Täglich 8'. Uhr :3 toshViil mb Sdiviehrt Komödien ha us 81« Täglich 8 1 4 Konto X von Bernooer und Otslsrreidicr WöBöB�Böö Neues Theater am Zoo i AmBahnh.Zoo. Stpl. 6554 Täglich B'l, Uhr Lommel in der Posse Herr Amor peisüs'iih. Rundfunkhörer talhs Preise. lustspieihaus Ab Freitag, den 12 September Täglich 8V, Uhr msine SGüuiester und ich MusikvonBenauky Lory Leux. Kurt von Möllenhof. Berliner Prater Sommeiifiealer Kastanienallee 7— 9 Humb. 2246 Täglich 8 Uhr- Tnnh Sdirfder. Inj» lirlrtn. tojm RcUai, Erwin Hirtnnj „Die kleine Sünderin" Sdiwenkoperetti in 3 Akttu v.R. lerlvtt o. W.Pragir. Musik von Jean Gilher). Theater am Rotth. Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr aoeh Sonnt. nachm 3 Der Elite- Sanier Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Die liehen Verwandten. Zum Schluß: Pinselheinrich's Himmelsklause! Komische Oper S'h Uhr Die Frau ohne Kuss Operette v. W. Kollo Ruth SoMitags nadnuJ1" zu kleinen Preisen meiropoMheater Täglich SV* Lhr Sensationeller Opcrcttcner folg I Unter pers- Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Zimmer 15ett Mk.7,-bi5 11* ZBettenld.-bisZ�: Bad:Mk.3r daloo.lE S® tN',. ßerlln HOTELclA/VJM EXCELSIOR HäüSVÄTERUh �afpfeiswerte MYNWIM Rgteurant Berlins BETRIEB /fX kempinski* r» Ptiarussäle und Bierhallen M 65, MUllerstr. 1 42- D• Wedding 0645 SUIefQrTersammlunaen u.vereine bis tsoopnntoin fassend [n den Dierh&Uen jeden Abend UnicrhaUnngsmosilf 5 Verbands-KegelbaliDeD. vollständig renoviert. 8.15 Uhr— Kaaflien erlanöi Hans Kolischer, Argentino. Jda und Evelyne Duffek. Neville Bishop usw. Reichshalien-Theater Abend«[jT! Sonntag nachm.|»'es Sieniner Sänger Neu! Neu! „LaA Blumen spredien" Nadimittags halbe Preise. � J Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Vaiietd Sirümpie wüsche Gardinen Kaufhaus Emil Muses NBdd. Birkenstr.20(Edie Pollltzstr.) Berliner Fahnenffabrik Fischer S Co.,WaMstr.84 O-B. luselbräcke, AB Merkur 4360-82 jSelloge Mittwoch, 10. September 1930 dffWbmh jdMi&}f>i0czsA Wie einer wählen lernte Srlebnifie auf einem yunkerfchlofl Ms ich das Seminar verließ, war ich 20 Jahre alt geworden, vhnc zu wissen, was und wen ich hätte wählen sollen. Nachdem ich mich in verschiedenen Berufen hcrumgeiriebcn Hatte— Provisionsreisender. Privatlehrer usw.—, bekam ich durch Empfehlung eine chauslehrcrstelle beim Grasen v. B. in F. in Mecklenburgs Schon che ich die Stellung antrat, hatte ich erfahren, daß der Graf ein echter Mecklenburger Junker sei, den man„König der Röbeler Ecke" genannt hatte, weil er einmal gesagt haben sollte:„Was geht mich der in Schwerin(der Großherzog) an, auf meinen Gütern bin i ch König und Herr!" Aber ich sollte 70 Mark Monatsgehalt bei freier Station bekommen, und das war so viel, daß es niemand glauben wollte. Meine Kollegen arbeiteten für 30 bis 40 Mark, mußten teilweise außer ihrer Erziehertätigkeit noch als P i e h- Händler und Buchhalter arbeiten. Damals kam das Prügel- wort Junglehrer auf. Junglehrer: Lehrer ohne Katheder und Stock. Als ich meinen Antrittsbesuch beim Grasen machte, empfing er mich auf der Veranda seines Schlosses. Er war«in klappriger Siebziger mit weißem Vollbart, verkrüppelten Ohren und braunen Basedowaugen. Er hatte«inen grünen Hausanzug an, trug Filz- Pantoffeln und räkelte sich in seinem Lehnstuhl. Der Empfang war insofern stürmisch, als die Jagdhunde des Grafen mir beinahe die Schöße meines funkelnagelneuen Prüfungscuts zerrissen hätten. Der Gras begann die Unterhaltung, ohne mir Platz anzubieten. Weil ich aus der Großstadt kam, kannte ich die Gepflogenheiten Mecklenburger Gutsherren nicht, nahm mir einen Stuhl und setzte mich. Der Graf sagte nichts. Das Dorf hat wochenlang darüber gesprochen. Ich war der einzige Nichtgutsbcsitzer, der einzige Bürgerliche, dem der Gras zu sitzen erkvubt! Ich habe die Enkel des Grasen unterrichtet, er hat mir An- schauungsunterricht gegeben, gründlich und gut, muß ich sogen, ich wurde von �meiner Neutralität geheilt. Uebrigens— mein Vor- gänger war ein gewisser Korff gewesen, seines Zeichens Pfarramts- kandidat, der seine Sporen alz Erzieher im Rauhen Haus in Hamburg verdient hatte. Er hatte die Fürsorgezöglinge sehr miß- handelt, daß sie ihn in sein Zimmer eingesperrt, Holz vor die Tür geschichtet und es angezündet hatte», um ihm den Märtyrertod zu bereiten. Herr Korff war der Welt nur erhallen geblieben, weil feine Kollegen den Anschlag rechtzeitig bemerkt hatten, so daß sie ihn retten konnten.— Der Deutschunterricht des Herrn Korff hatte wie folgt begonnen: die Kinder hatten die Fremdwörter ans dem Sprach- lehrebuch herausschreiben und sie auswendig lernen müssen. Wer die Fremdwörter nicht aufsagen konnte, bekam Prügel. Herr Korff hatte in dem halben Jahr aus dem Schloß erreicht, daß die Kinder Zwangsvorstellungen bekamen, von Substantiven und Adjektiven träumten und nur mit Gewalt zum Unterricht zu schleifen waren. lWer's nicht glaubt, ich bin... bereit, die Adressen zu geben.) Dabei hatte Herr Korff dem Dorfjchullehrer erklärt, e» sei schade, daß die geistliche Schulaufsicht aufgehoben sei. Die verwitwete Schwiegertochter des Grafen warf schließlich den Pfarramtskanbi- datcn hinaus. Der Graf hatte vier Güter, eine Spiritusfabrik und die Aktien- Mehrheit einer Molkerei. Gewirtschaftet wurde nach folgendem Grundsatz: der Graf wollte nur so viel haben, daß er leben, jedes Jahr mit seiner Mätresse eine Badereise machen und jeden Winter Jagdgesellschaften geben konnte. Der jährliche Wildschaden betrug 30 000 Mark. Die Jagd war das Hauptvergnügen des Grafen: seine literarischen Bedürfnisse befriedigte er mit der„Kreuz-Zeitung" und Kriminalromanen, die allwöchentlich aus Berlin eintrafen. Der Graf war aus der Untertertia des Adelsgymnasiums Doberan konfirmiert worden, das Einjährigenzeugnis hatte er auf einer„Presse" erlangt. Weil der Graf sozusagen„keine Bedürfnisse" hatte, konnte eine gute Ernte ihn in Verlegenheit bringen.„Lassen Sie das Korn auf dem Felde verfaulen, ich baue keine neuen Scheunen!" hatte er zu seinem Güterdirektor gesagt. Die Wiesen ersoffen und wurden sauer, weil die Eniwässerungs- anlagen verfielen: die Kühe standen bis zu den Bäuchen im Kot in den Ställen. Holz im Werte von 200 000 Mark vermorschte aus den Bäumen und durfte nicht geschlagen werden. Die Inspektoren be- kamen 40 Mark Gehalt monatlich, der Oberjäger 25 Mark, die beiden anderen Jäger 18 Mark. Die Tagelöhner bekamen(5 Mark Barlohn wöchentlich. Die polnischen Schnitter wohnten in Schnitter- kasernen. Das schlechteste Haus im Dorf war die Schule: der Schwamm saß darin, die Löcher in den Schulstubenwänden waren mtt Zigarrenkistendeckeln zugenagell! Die Kinder mußten im Winter ihre Mäntel anbehalten, es waren Tagelöhnerkinder. Laut Attest des Kreisarztes war der Aufenthalt im Schulzimmer gesundheitsschädigend. Aufforderungen der Behörden, ein neues Schulhaus bauen zu lassen, ließ der Graf unbeachtet. Geld- strafen mußte der Gerichtsvollzieher einpsänden, an der Box des gräflichen Reitpferdes klebte der Kuckuck fast immer. Von Wahlpropaganda hätte man nichts gemerkt, wenn nicht der „Rostocker Anzeiger" gewesen wäre, den der Graf den Tagelöhnern hielt. Die Tagelöhner hatten keine Zeit zum Diskirtieren; wer von 5 bis 22 Uhr arbeiten muß, ist froh, wenn er im Bett liegt. Stadtreise war eine Tagesreise und kam nicht in Frage. Der sozial- demokratische Amtshauptmann— den der Güterdirektor, wie er mir nachher versicherte, absetzen wollte— vereinigte die Güter des Grafen und ein Nachbargut zu einem Stimmbezirk. Das Wahllokal war in der Schule, der Lehrer Wahlvorsteher. Der Inspektor achtete darauf, wer nicht kam. Der Graf fuhr mit Vieren vor, obgleich es nur 200 Meter vom Schloß zur Schule waren. Er hatte seine Brille vergessen, der Lehrer mußte für ihn den Stimmzettel ankreuzen. 2lbends war Auszählung der Stimmen. Der Lehrer holte die Zettel aus den Umschlägen, der Inspektor notierte. Das ging:„Schon wieder ein Sozialdemo- krat...!" Der Inspektor fluchte fürchterlich, der Lehrer schmun- zelte. Zuletzt waren es über SO Stimmen für die SPD.!-- Am nächsten Morgen saßen die beiden Besitzer auf der Terrasie und schoben sich gegenseitig die meisten Sozialdemokraten zu. Der Graf entzog dem Sporkerein den Sportplatz:„Für Sozialdemokraten habe ich keinen Sportplatz... die Leute können auch Sonntags arbeiten, wenn sie sich austoben wollen." In dem Sportverein waren nur vier Mitglieder Landtagswähler, und keiner von ihnen stand in dem Verdacht, Sozialdemokrat zu sein. Selbst zum Besuch der Kriechervereinsscste in der Umgebung gab der Graf den Tage- löhnern keinen Wagen.„Sozialdemokraten können zu Fuß gehen...!"» * Vor einigen Wochen hörte ich, daß Herr v. L. auf Massow, der Bruder der Mätresse des Grafen B., geslüchtet ist, nachdem er eine Million Mark staatlicher Hypothek unterschlagen hatte. Er war schon dadurch im Siedlungswesen bekannt geworden, daß er land- wirtschaftliche Maschinen gekauft hat, die in folge mangelnder Pflege zerbrachen. EricK Preusse. Ausländer haben keinen SEutriti Li« irahres Qeichichidten Man schreibt uns: Ein Städtchen in der Neumark. An den Mauern Plakate der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei: Morgen, 24. August 1930 abends 8 Uhr im Schützenhaus Große öffentliche Wählerversommlung. Herr Lehrer Schirm, Berlin, spricht über „Die nahende Entscheidung". Alle deutschen Volksgenossen sind herzlichst eingeladen Unkostenbeitrag 30 Pf. Kurz vor 8 Uhr betrat ich mit mehreren Genossen das Schützen- haus. Die Tür zum Saal stand offen, und wir konnten sehen, daß bereits zahlreiche Vevsammlungsbesucher sich eingesunden hatten. „Die überwiegend« Mehrzahl sind unsere Leute", flüsterte mir einer meiner Begleiter zu. Wir standen niit anderen Besuchern hintereinander in einer Reihe und warteten, bis wir an der Kass« den„Unkostenbeitrag" liezohlen konnten. Ein langaufgeschossener Herr spielte den Kassierer. der slotte Schnurrbart war augenscheinlich besonders sorgfältig ge- pflegt. Ein Zwicker mit Nickelrand klemmte heftige Quetschfalten in eine ettvas zu kurz, aber dafür um so breiter geratene Nase. Ein Anzug legte sich um seine Glieder, der noch aus der Konfir- mationszeit des Trägers zu stammen schien. »Studien rat Altschwager vom hiesigen Gymnasium", sagte Genosse Müller,„der Obernazi." Also der Obernazi stand in höchsteigener Person hinter einem Tisch am Saaleingang und kassierte eigenhändig. Das heißt: der Versammlungsteilnehmer mußt« die dreißig Pfennig auf den Tisch zählen, dann nabm sie der Herr Studienrat und legte sie auf-inen tiefen Teller. Ein lebendes Hakenkreuz von noch nickst wahlfähigem Alter überreichte darauf«inen Eintrittszettel mtt Hausnummer, und man konnte passieren. Genosse Müller hatte gerade seinen Zettel bekommen, nun stand ich vor der Tcllerkasse. Legte meine drei Zehnpfennigstücke auf den Tisch, schon löste der Hakenkreuzjüngling den Zettel vom Block— da schnorrte der Studicnrat: »Halt! Sie kommen h i« r n i ch t rein!" Und schob mit den Fingerspitzen mein Geld zurück. „Nanu?" fragte ich,„warum komme ich denn hier nicht rein?" Da antwortete" der Mann kurz und in wegwerfendem Ton: „Ausländer haben keinen Zutritt!" Entgegnete uP ruhig:„Ich bin kein Ausländer. Ich bin Deut- ttW«oll«.«« amam Paß f*«?" Meckerte der Studicnrat:„Sie sind Jude, und damit sind Sie für mich Ausländer!" „Diese Weisheit mögen Sie---", begann ich. Doch er unterbrach mich in größter Aufregung: »Sie sind Ausländer! Damit basta! Der nächst« Herr, bitte!" Er zitterte am ganzen Körper. Sein« Hände hatten Mühe, die Röllchen in den Aernxln des Konfirmationsanzugcs zu halten. Immer wieder sprangen sie neugierig bis über die Finger. „Ich gehe rein", sagte ich lächelnd. Di« Umstehenden hatten die kleine Unterhaltung aufmerksam oerfolgt. Jetzt riefen sie: „Natürlich! Du gehst rein! Wär' ja noch schöner!" Da rutschte der Zwicker mit Nickelrand über die zu kurz und zu breit geratene Nale. Der Studienrat fing ihn geschickt im legten Augenblick mit der Hand auf, aber durch die plötzliche Bewegung löste sich ein Röllchen vollends aus dem Aermel, machte einen elc- ganten Salto durch die Lust und ließ sich inmitten der wartenden Menge häuslich nieder. Ein schallendes Gelächter brach aus. Eine niedliche Drängelei und Schubserei— Druck von hinten— fetzt« ein. Und mit einein ganzen Schwann kräftiger Arbeiter zusamnien wurde ich in den Saal geschoben. Ziemlich weit nach vonie wurde ich gedrückt. Da arbeitete sich der Konsirmandenanzug durch den Mittelgang des Saales. Fest unter den linken Aermel geklemmt trug er die Tellerkass«. Der anne Studienrat! Er sah aus wie ein hysterisch gewordener Zustand. Die ganze Versammlung war auf den Vorfall am Eingang ausmerksam geworden, imd aller Augen richteten sich auf den Studienrat, der unheildrohend und schnaufend sich durch den verstopften Gang Bahn brach. Es war ein schweres Stück Arbeit für ihn, denn die Arbeiter standen wie die Mauern. Das anwesende Häuflein Hitler-Jüngling«, das Ordner oder Saalschutz spielen wollte, fand sich umringt von einem Wall von breitschulterigen Männern, die das Abzeichen des Reichsbanners trugen. Die ließen niemanden durch, die standen wie die Felsen. So mußte sich denn das Ober. Haupt mühselig durch den verrammelten Mittelgang quälen. Auf dem Podium saßen drei mickrig« Herren und ein langer Vier- schrötiger� die mit Spannung das Dorwärtsarbeiten ihres Vorsitzen- den oerfolgten. Aber ihm zu Hilfe kam keiner von ihnen. Endlich, endlich hatte sich der Studienrat bis zu seinen: Ziel durchgerungen: Er stand vor mir. Auf seiner Stirn perlten Schweißtropfen. Zwei fauchende Töne pusteten sich durch sein« kurze breite Nase. Seine frisch gestärkte Hemdbrust hob und senkte sich in heftigster Erregung. Ich sah zu ihm ans und mutzte lächeln. Er wirkte geradezu komisch: Seh aus wie ein Seehund mit Zwicker. Jetzt holte er tief Atem, alz wolle er«inen Anlauf zu einer ga»z besonderen Anstrengung nehmen. Und dann jchrie«r los: «Statt« f - Sein rechter Zeigefinger mies zur Tür. Ich tat, als habe der Befehl meinem Nebenmann gegolten, und wendete den Kopf zu ihn: hin. Da berührte mich die Flosse des Seehunds, gleichzeitig brüllte er: „Ich meine Sie!" Ich drehte mich um. Setzte mein liebenswürdigstes Lächeln qpf und fragte sooo bescheiden: „Wie, bitte?" Diese Kirchhofsstille im Saal! „Ich fordere Sie zum zweiten Male auf, den Saal zu verlassen. Ich habe da- Hausrecht hier und werde davon Gebrauch machen, wenn Sie nicht---" Da brach die Hölle los. Von allen Seiten tönte es:„Hier bleiben! Hier bleiben!" Schrille Pfiffe dazwischen. Es war ein ungeheurer Sturm der Entrüstung, der durch den Raum tobte. Der Studienrat war einem Schlaganfall nahe. Oder hotte er plötzlich einen Wahnsinnsanfoll bekommen. Denn er packte mich an den Rock und brüllte exstatisch: „Zum drittenmal— raus l" Und zerrte mich. Da hob ich meine Arme, um mich von seinem Griff zu befreien. Eine etwas gewaltsame Bewegung, mein rechter Ellenbogen berührte Hort den Kassenteller unter seinem Arm. Ein kurzer Krach. Scherben. Ein Haufen Groschen, der klingelnd auf den Fußboden fällt. Ich war von dem Griff des Rasenden frei. „Polizei I Schupo! Hierher! Führen' Sie den Mann hier raus!" Der Studienrat hatte es in ohnmächtiger Wut zum Podium geschrien. Ich ging dann heraus und zu einer Zentrumsoersomm- lung, aus d«r dann eine Menge Besucher wieder zu der Nvzi- Versammlung mtt zurückkamen. War die Versammlung der Nationalsozialisten schon durch den Besuch der SPD.-Anhänger dicht besucht, so wurde der Saal im Schützenl)aus nun durch das Zuströmen der Zentrumsleute über- füllt. Die Saaltür mußte geöffnet bleiben, bis auf den Flur standen jetzt die Massen. Es kam die Aussprache. Ich stand auf dem Flur unmittelbar hinter der Eingangstür zum Saal. Bis dahin ging das Hausrecht des Versammlungsleiters:«inen Schritt weiter, da, wo ich stand, hatte er keine Gewalt mehr. Zwei Zentrumsarbeiter bildeten mit ihren kräftigen Armen eins Brücke, auf die ich hinaufstieg. Das war mein Podium. Ich konnte die ganze Versammlung im Saal und auf dem Flur überblicken, olle konnten mich sehen. Und nun begann ich meine Ansprache. Bei meinen ersten Worten drehten sich die Menschen im Saal zu mir um. Die Herren am Vorstandstisch sprangen von ihren Stühlen auf. Der Studienrat redete wild gestikulierend ans den Schupo ein. „Ihr Hausrecht, Herr Studienrat", rief ich laut,„endet an der Türschwelle. Ich befinde mich außerhalb des Saales!" Der Schupo schien dem Studienrat eine Erklärung zu geben, zuckte die Schultern und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. Der Seehund schwang ununterbrochen di« Glocke, aber ich ließ mich dadurch nicht stören. Ich sprach wohl eine halbe Stunde und rechnete mit den Nazis gründlich ab, häufig von ftünnifchem Beifall unterbrochen. Zum Schluß forderte ich die Anständigen in der Ver- sammln ng auf, de» Saal z.u oerlas scn, und brachte«in Hoch auf die Republik aus, in das begeistert eingestimmt wurde. Die Massen räumten den Saal. Em Bäckerdutzend blieb zurück. Und dazu der„Saalschutz". Auf dem Podium begann der Lehrer Schirm sein Schlußwort'... Vlihkel Warina 3)er Führer der eUnifchen Sossiatdemokralie Mihkel Marino, der heute 70 Jahre alt wird, ist in der Wieck, der ännsteir Gegend Estlands, als Kind armer Bauersleute geboren. Als Hirtenjunge fing Mihkel Marina früh an, sein Brot zu oerdienen, ging dann später zum Malerhandwerk über und bracht« es bald zum Malermeister in Dorpat. In Dorpat kan: Marina mit russischen Studenten in Berührung, unter denen viele Revolutionäre waren: durch sie lernt« Marina di« Lehren Ka rl Ma rx' und Fried» richEngels' kennen. Von da an war er der glühende Vorkämpfer des Eozialis- mus. Auch mit lettischen Studenten kam er häufig zu» sammen, unter ihnen war auch ein gewisser Paul Köln in. heute der Präsident des lettischen Parlaments, mtt dem ihn feit jener Jett eng« Freundschaft verband.. Als der estnische Politiker Konstantin P ät s 1900 die Zpitung „Teataja" gründete, sah Marina eine publizistische Betätigungs» möglichteit und überfiedelte nach Reval, wo er von nun an wirkte. Damals erschien sein« erste Broschüre„Unsere Wohnungen" und die Wohnungsfrage hat Marina seither stets bearbeitet. Di« Reaktion nach dem Revolutionsjahr 1905 bereitet« der Zettung „Teataja" ein gewaltsames Ende. Marina war schon 1904 ver- hastet worden, kam in der Revolution frei und mußte vor der Rache flüchten. Lang« Jahre im Exil folgten, meist in Zürich in«nger Gemeinschaft mtt Trotzki, Radek und deren Gefährten. Aus jener Zeit stammt eines seiner Hauptwerke„De roten Jahre in Estland". In jenen Emigrantenjahren lernte er auch Bebel und K a u t s k y kennen und war Mitarbeiter des„Vorwärts". Im Kriegsjahr 1917 endlich kehrt« er heim— im plombierten Wagen quer durch Deutschland mit Lenin und den anderen Führern d«r Bolschewik!. In Estland war eine seiner ersten Taten die Gründung einer legalen sozialdemokratischen Partei, bis dahin hatte nur eine illegale Orga- nisatton bestanden. Dann kämpft« Martna mit den Kriegsregie- rungen um Estlands Selbständigkett, und im Parlament, dessen Vizepräsident er ist, für Demokratie und sozialen Fortschritt. Lebenssprühend und temperamentvoll, voller anfeckernder Begeisterung und gütigem Humor schreitet de« 70jährige Kämpe neuen Generationen voran, gefeiert nicht nur von seinen Gesinnnungs» freunden, sondern von der ganzen Nation, die ihn als einen Kulturträger und Freiheitskämpfer, als«inen d-� edelsten Geister seines Volkes oerchrt. z»«tn«n Mord«m«wem dies« Schurken getrieben wurde??--— In unbändiger Freude, die ich nicht hinausbrüllen kann in die Oeds meines Rekrutenlebens, stoß« ich Kilb mit dem Kolben auf den Fuß, und wie er schnauft und ich ihn ansehe, blicke ich in ein über alle Maßen glückseliges, verklärtes Gesicht, wie ich es noch nie bei ihm sah— und aus seiner Kehle quillt ein Glucksen wie ein unterdrückter Iubelruf.(Fortsetzung folgt.) 'pßsjch Copyrirtt 1930 by rackelrelter-Verlae Q. m. b. H., Hambnrg-Bersedorf (21. Fortsetzung.) Meine Sinne sind überwach geworden, ich koste sekundenlang eine triumphierende Freude über dieses erbärmliche Subjekt aus. Ganz nahe hinter der Mauer klappern die Hufe, die abgerissenen Warte der Frau werden immer lauter, ich hör: sie deutlich, ein Wimmern dazwischen, ein Schreien dann: „Mein Sohn— mein Heini— ist... er... wirklich... tot? Was... habt ihr mit... ihm... gemacht?"---- Zurück, gehen Sie zurück!!" brüllt Kalbfleisch... lind die Fraijenstimme dagegen: „...Ich— ich muß hinein!... o! o! o!!"... gellend hallt es über uns hin:„... Platz!... Platz!!... ich lasse mich nicht fort. sägen!... Huüuu... ich... ich... bin seine Mutter!..." Meine Hände sind eiskalt in der Mittagsglut, ich schlucke... ein Krächzen kommt mir aus dem Halse... Nun wissen wir es alle: es ist Langers Mutter Unsichtbar steht plötzlich der Geist des toten Kameraden in der Kompagnie- front. Er beherrscht uns... unbeweglich stehen unsere Körper, aber unsere Sinne sind bei der weinenden und schreienden Mutter am Tor... „Achtung!" der Schulder überschreit sich fast,„das Ge— wehr übcrrr!" In das taktmähige Krachen des Griffes dringt die Stimme der Mutter:„--- ich gehe nicht, und wenn..." ,.Prrä— fen— tiert das Gewehr!— Augen rechts!!" Die Köpfe fliegen herum... ich sehr Kilbs eisenhartes Profi! ...— und nicht einer mehr hat an Heini Langer gedacht..., seine Worte fallen mir plötzlich ein--- Und dann steht mitten in der Torössnung ein Schimmel, der tänzelt spielerisch mit den Vorderbeinen wie ein Zirkuspferd. D.er Neiter ist ein schlanker, blosser Mensch... man kann nicht sagen, wie alt er ist: es ist der Hauptmann. Er blickt nach unten, er beugt sich etwas über den Hals des Pferdes vor und macht eine Hand- bewegung nach dem Posten zu. Der hält noch immer die zitternd« Frau fest, sie schluchzt krampfhaft, sie wehrt sich nicht mehr und schluchzt in ihr Taschen- tuch hinein. „Laslen Sie die Frau los!" der Hauptmann hat die ersten Worte gesagt... die fünfte Kompagnie starrt! /. Äugen rechts... Und dann ist die weinende Frau frei... sie uxuikt mager, mit weißem, eingefallenem Antlitz... schwarzgekleidet, in den Hof hinein... sie geht langsam... mit weiten, leeren, brennenden Augen... tränenlos... sie geht an unserer Front entlang... sie sieht uns an, der Reihe nach... und niemand hindert sie mehr... sie gebt mit hängenden'Armen... vornübergebeugt... gleich muß sie zusammenbrechen... sie preßt das naßgeweinte Taschentuch in der Hand... die Augen der fünften Kompagnie gehen gebannt mit... gebannt in das unbeschreibliche, furchtbare Leid einer Mutter... O dies« Augen... diese Augen, mit denen sie uns unverwandt ansieht... Schritt für Schritt... es sind die Augen aller Mütter des Krieges, die Mütter suchen ihr« Söhne in den grauen Linien der Millionen:„Wo bist du, mein Sohn mein lieber Sohn... siehst du nicht deine Mutter?! Kommst du bald heim... Komm dein« Mutter holt dich heim..." Sie weint nicht mehr... sie klagt nicht mehr... ihr Herz ist verdorrt... sie spricht kein Wort... sie sieht uns nur an... unsere Mutter...\ Mutter, dein Sohn ist tot! Er starb den Heldentod..."-- ... Und festgebannt in diese wetten, anklagenden, suchenden Augen der Mutter folgen die Blicke der Rekruten... vom rechten zum linken Flügel... unwiderstehlich angezogen... von keiner Macht zu trennen, von keiner Macht--- Eine seltsame niegekannte Parade... Denn es ist ein Befehl ergangen von einer anderen Macht... es ist der Befehl unserer achtzehnjährigen 5)«rzen, unserer Kinder- herzen, die mit dem Herz der Mutter schlagen:„Die Augen links!..." Weil das Herz einer Mutter nicht das Herz des Krieges und des Mordes ist! Weil der Befehl von Menschenherzen stärker ist als der Befehl des Krieges und der Tyrannei... „Augen rechts! Achtung, Augen rechts!!"-- Der Schinder tobt vor uns. Du armer, arm�r Wicht, es nützt dir nichts. Hier, in dieser Minute ist deine Macht vernichtet... unaufhaltsam wenden sich unsere Augen mit der wankenden Mutter nach links... Milli- meter für Millimeter-- bis die blasse Frau dicht vor der Treppe zusammenbricht— ohne einen Laut— an der Stelle, wo ihr Kind nach dem Strafexerzieren zusammeirsank unter den schneidenden Kommandos...«ine Blutspur zog sich bis noch der Treppe. Es ist nur ein leichtes, unscheinbares, armseliges, schwarzes Bündel, und in der Hand ein tränennasses Taschentuch.. Hart pocht mein Herzschlag gegen die Rippen Die Linie meines präsentierten Gewehrs schwankt verschwommen vor meinen Augen. Ich fühle es salzig in die Mundwinkel rinnen.. du hast mich erkannt, Mutter meines Freundes... wie muß ich aussehen ... ja, ich bin ein anderer geworden... ich bin kein Mensch mehr... Menschen erkennt man wieder... aber wir sind Sal- baten. wir tragen die Uniformen der Versluchtin... Wie schwer, wie unsagbar schwer ist dos Gewehr, das ich vor dir präsentiere, Mutter... „Die Kompagnie hört aus mein Kommando!", der Haupt- mann... wir haben ihn schon vergessen... reitet vor unserer Front... der Spuk ist vorbei... es war nur ein Traum... „Gewehr ab! Rührt euch!" Der blasse Hauptmann springt vom Vferde und gibt die Zügel dem Posten. Sein Gesicht ist ernst, und »'auria blicken die großen, dunklen Augen. Er geht etwas ge> krümmt, er stützt sich auf seinen Degen, ruhig wandern seine Blicke S;<: Front entlang.„Guten Tag, Grenadiere." In seiner Stimme ist ein dunkler, schwermütiger Unterton, die letzten Minuten zittern darin nach... „Guten Tag, Herr Hauptmann", antwortet die fünfte Kvm- pagnie. Ich sehe, wie sich die Brust des Hauptmanns von einem schweren Atemzug hebt und senkt. Einige Schritte hinter ihm, fast auf Zehenspitzen gehend, voller Unterwürfigkeit, mit einem unsagbar erbärmlichen und erschlafften Gesicht, bewegt sich der Schinder,.an- dauernd und, mir scheint es so, zitternd die rechte Hand an der Mütze. Cr will seine Meldung anbringen und stammelt, jetzt dicht hinter dem Hauptmann, einige leise, unverständliche Worte, während sein Gesicht immer mehr verfällt. Unwillig wendet sich der Hauptmann halb nach ihm um und winkt wortlos und energisch ab. Der Schinder ist ausgeschaltet und kriecht wie ein« verscheuchte Hyäne vor ihrem Bändiger zurück. Es ist totenstill auf dem Kasernenhof, nur das Scharren des Pferdes am Tor ist zu hören... Da wendet sich der Hauptmann mit einem Ruck an den Feld- webel, der mit hochrotem, verquollenem Gesicht noch vor uns steht. Seine Stimme ist hart und unerbittlich streng: „Feldwebel, bringen Sie die Frau nach der Schreibstube!"... Der Feldwebel sinkt in sich zusammen, schrumpft fast zusammen vor diesem Befehl... es ist ein ungeheuerlicher Befehl, hier, vor ver- sammclter Mannschaft... aber der Hauptmann jährt mit schnellen, schneidenden Worten fort:„Und inachen Sie mir heute noch eine ein- gehende, schriftliche Meldung über die Zusamnienhänge! Sorgen Sie für die Frau... ich werde mich erkundigen..." Wie Musik klingen die Worte in mir nach. Wie eine leichte, alles heisxnde Hand legt es sich auf unsere tausendmal verwundeten, zerrissenen Herzen... mir ist, als blühten Rosen um mich her... Und als der Spieß wie ein wütender Mops, der hinter einem Maulkorb nicht beißen kann, unschlüssig noch stehen bleibt, als glaube er nicht an diesen demütigenden Befehl vor den„blöden und dreckigen Hammeln",— er, der„allerhöchste Feldwebel": „Haben Sie mich denn nicht verstanden? Sie sollen die Frau fortbringen! Sie! Sic! Sie!!— Besinnen Sie sich nicht so lange! Sehen Sie denn nicht, daß die Frau krank ist?!" Schwerfällig und taumelnd vor Wut geht der Spieß nach der Treppe, faßt die leicht« Last unter den Armen an und bringt sie in die Kaserne hinein... ein seltsames Bild... Federleicht ist plötzlich mein Tornister.. � das Blut strömt mir wie feuriger Wein durch die Adern.... ich möchte lachen und weinen zu gleicher Zeit... ich möchte dem Hauptmann um dex�Hals fallen wie einem Vater:... der Schinder wie Lust beHandel!, der Spieß gedemütigt vor versammelter«Mannschaft... diese beiden Menschen- quäler endlich einmal ihrer ganzen Sklavenhaltermacht beraubt... Himmel! Gibt es so etwas überhaupt noch? Oder träume ich? Ich, der ich noch, vor knapp einer Stunde aus Verzweiflung fast 3)ie bayeriiche Sprache Gleich zwei Bücher�) sind über die bayerische Sprache er- schienen(man tut sich schwer, auf„Breißisch" darüber zu reden, zu- mal wenn man selber eifrig drauf studiert und mit Erfolg die große bayerische Indigenatsprüfnng mit einer 1 in der Aussprache des Wortes„Loabitoag" bestanden hat). Es muß also ein großes Be- dürfnis für die vielen Nordlichter bestehen, die im Sommer das schöne Landl mit dem leider nicht immer weißblau angestrichenen Himmel heimsuchen, zum Bier, Leberkäs und Radi nun auch die richtige Sprach' zu hantieren. Um die im Hofbräuhaus begonnenen Uebungen auch daheim fortsetzen zu können, haben sich wackere bayerische Bruderherzen dazu hergegeben, den Fremden die Geheim- nisie ihrer heimischen Mundart aufzutun. Natürlich auf gut baye- rische Art mit Humor und gut unterhaltlich. Freilich der Lachner verlangt etwa� vom Leser und gibt ihm allerhand zum Lernen auf. Er definiert die bayerische Sprache, worunter selbstverständlich nur das Altbayerisch«, nicht einmal das verwandte Oesterreichische und noch viel weniger das schon halbfremde Fränkische oder gar das auch in Bayern gesprochene Schwäbische zu verstehen ist. Und dann geht er auf die Aussprache und die Grammatik ein und de- monstriert die bayerischen Reseroatrechte auf den mangetnden Geni- tiv und das nicht vorhandene Imperfekt. Aber keine Angst: die Sache wird nie lehrhaft-langweilig, und wer der von diesem guten Kenner der kernhaften und urwüchsigen Sprache vorgenommenen Führung durch die Bezeichnung der Körperteile, die Grußformen, die höchst anschaulichen Beispiele aus der Beugung und Satzlehre aufmerksam folgt, der wird seine Freude an der wachsenden Sprach- kenntnis und Beherrschung erleben und gor nicht erst nötig haben, das große bayerische Wörterbuch von Schmeller zu erwerben(das beiläufig hätte erwähnt werljen können, weil es ein stolzes Doku- ment dieser Sprache ist). Wer den Sprachkurs absolviert hat, der zbm Schluß eine ur- bayerische Spezialität serviert von den vier Worten, von denen eines unaussprechlich ist, in ihrer dreifachen Bedeutung, der greife zu dem Bayerischen ABC. Hier kann er die Nutzanwendung machen und an prächtig gewählten Lesestücken aus der neuesten bayerischen Literatur seine Sprachfertigkeit erproben. Zuvor gibt's allerhand schnackerlfidele Einführungen. Aber die Hauptsache sind doch die saftigen Kernstücke und knusprigen Geschichten von Lud- wig Thoma, Fritz M ü l l e r- Partenkirchen, Oskar-Ma- ria Graf. Ernst H o f e r i ch t e r, Karl Valentin. Fritz Scholl u. o.(wenn ich die Titel verrate, läuft euch schon das Wasier im Munde zusammen). Dazu gibt's alte und neue Verse und als besondere Zuspeise viele Bildchen, die ebenso gut bayerisch sind wie die Sprachstücke. Man hat seine rechte Freud', manchmal eine ausgesprochen pantagruelische oder ra&elaisische an den beiden Büchern. Daß mir ober keiner hergehe und dos eine ohne, das andere studiere, aus- probiere und verkoste. Sonst wird er nimmer ein perfekter Bayer. _ K. H. Döscher. *) Johann Lochncr; 999 Worte Bayerisch. Eine kleine Sprachlehre für Zugereiste, Fremde und Ausländer(München, bei Georg Müller). O. M a u ß e r: Bayerische» ABC und allerhand lustige Ge. schichten.(Verlag H. Hugendubel, München, Preis kart. 4 Mark, in Leinen 5,50 Mark.) Rätsel'Ecke des„Abend" rl l l rl l Sroismortröfftl 1. Griechische Göttin; 3. deutscher Badeort; 5, Raubtier(dichterisch. Form); 7. Teil eines Gehöfts; 5. Hoher- Priester; 9. Ausdruck aus der Schiffahrt; 11. Laut; 13. Geschlechts- wort(3. Fall): 15. Teil des Baumes: 17. alt- deutscher Frauenname: 19. Filmgesellschaft: 21. Schwur; 22. Verhält- niswort; 23. Windstoß: 25. tat.: bete: 27. bel- gischer Badeort; 29. Lagebezeichnung: 31, Nebenfluß des Rheins; 33. englisches Bier: 35. Fett; 36. Zeitmesser; 37. wie 21 waager.; 38. Nebenfluß der Donau; 39. männl. Vorname. — Senkrecht: 1. Fisch; 2. Gemeinschaft; 3. häufig; 4. arabisch. Sohn; 5. Teil des Auges; 6. süddeutsche Stadt; 19. Badeort; 12. wie 29 waager.; 14. Zahl; 13. deutsches Mittelgebirge; 16. Getränk; 17. männl. Borname: 18. biblische Frauengestalt: 19. persönliches Fürwort: 29. abgekürzte Bezeichnung einer gewerkschaftlichen Spitzenorganisation; 24. Teil des Kopfes; 26. Wild; 28. geographische Be- Zeichnung; 29. Gedichtform; 39. Lebensende: 31. türkischer Vor- »am«; 32. Ansturm; 33. Gattung: 34. das Ich. kl. Silbenrätsel Aus den Silben a ä ab al al ba deck berg bor cho co de deutsch da el e eil er flot gro go gas hyd halb ir i i i irr kar kraut kro le lau le lau las let land li la mas ma ine me me ne nu ne ne ni prot ro ri ri ri ra re ra fe sitz fen sar sau sinn thyt til ti ter tho tern tall ter to thurm ul um mit wund we zen sind 28 Wörter zu bilden, deren erste und letzte Buchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Satz ergibt, dessen Inhalt für uns alle von großer Wichtigkeit ist Die Wörter bedeuten: 1. Krankheit; 2. Alkohol; 3. mehrere Torpedoboote; 4.' linker Nebenfluß des Rheins; 5. Männername; 6. Musikzeichen; 7. liegt zwischen Oder und Elbe; 8. Hafen im Golf von Aden: 9. franz. Insel; 19. Legiorung; 11, liegt westlich von England: 12. Landstrich in Westfalen; 13. Staatsbürger in USA.; 14. Widerhall: 15. Vorort von Hamburg; 16. Nebenfluß der Donau; 17. Zahlwort(lat.); 18. ein- gemachter Weißkohl: 19. Stadt in Weftpreußen; 29. was die Artillerie tut: 21. Insel im Indischen Ozean; 22. Mädchenname: 23. höchster Berg im norddeulfchen Hügelland: 24. Berliner Buchhändler, f 1811; 25. Baum; 26. Stadl in Schlesien; 27. Ehefrau, deren Mann gestorben; 28. Geisteskrankheit. Ks. WHiwniiinniiBiiniinmimmiiiiuiMwiiniiiimumiiiiiiiiimiiiiiim Kopfwechsel Die Natur uns gütig das Wort bescherte Als ein Sinnesorgan von hohem Werte. Und setzest du ihm ein M voran, Gleich erscheint vor dir ein schwarzer Mann. Doch wenn du statt M es mit R verbunden Hast du ein vielseitig nützliches Ding gefunden. Kapselrätsel ab. Aus den Wörtern Verworrenheit, Protest, Ostindien, Zwetschgenbaum, Bürger, Beiträge, Spinat, Belebung, Besinnung, Hedrich, Esel, Wendung sind je drei, aus den letzten beiden je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinander- gefügt eine alte Wahrheit nennen. ab. Silbenrätsel ä bu e e«l ed da de du en je ha har ja li lu mi na ne o!s pi ram se fe fen jes wrack. Aus vorstehenden 27 Silben sind 19 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Nordseegewässer; 2. weiblicher Vorname; 3. Hofmeisterin; 4. weiblicher Vorname; 3. ägyptischer König; 6. zertrümmertes Schiff; 7. Instrument; 8. Säugetier: 9. Futterpflanze: 19. Sagenfammlung. Die ersten und dritten Buchstoben dieser Worte, von oben nach unten gelesen, er- geben einen beherzigenswerten Wahlspruch. l�- (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Silbenrätsel: 1. Wenden: 2. Alraune: 3. Elefant; 4. halleluja; 3. Lebensretter: 6. Taktik; 7. Salomo: 8. Obseroa- torium; 9. Zigarette; 19. llsfland; 11. Arsenal.— Wählt Sozialdemokraten! Silbenkreuzworträtsel: Waagerecht: 1. September; 4. Nerven: 3. Katalog: 7. Ostsee; 9. Brandenburg; 19. Not/; 11. Konstabler; 12. Pascha: 13. Pegasus.— Senkrecht: 1. Scptett; 2. Berliner 3. Prolog: 3. Kasino; 6. Odenwald; 8. Seeadler; 11. Kontor; 13. Schaluppe; 14. Kasus. K ö n i g s z u ch Die Hände liegen in dem Schoß, Die der Maschinen Hüter waren. Und Feuerherzen schlagen bloß Entgegen Nöten und Gefahren. D«,- Arbeit Kampf ist neu entbrannt. Die Erde bebt von seinen Flammen... Wird sie nicht allen Vaterland, Stürzt sie mit unsrem Fall zusammen. VtzSchöntan k. Die W irklichkeii Rußland baut seine Stadien ab Es tft nicht alles Gold was glänzt, besonders nicht der Fort- schritt der praktischen staatlichen Unterstützung d«s Sportes in Nußland. Die kommunistischen Propheten unter den deutschen Arbeitersportlern mit ihrem Lobgesang über die Förderung des Sports in Rußland und der Bezichtigung der deutschen Sozial- demokratie als arbeitersportfcindliche Partei sind Demagogen, die die Wahrheit in Lüge umbiegen.„Physkultur und Sport', Moskau, das Aentralorgan der russischen Sportbewegung muß selbst zugeben, daß die Bedürsnisse des Sports von den maßgebenden sowjetischen Amlsstellen als Uebel betrachtet werden, die man ausrotten muß. Da haben weder die Sportler noch sonst eine Arbeiter- organisation hineinzureden. Wir bringen aus dem genannten russischen Sportblatt vom Mai dieses Jahres die wörtliche Wieder- gäbe einer Schilderung der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie zum Beispiel in Moskau liegen: „Die Physkultur in die Masten!"„Erweitern wir den Ausbau der Körperkultttr!"— das wird von den Tribünen, in jeder Ver- sammlung, Sitzung und Konferenz gerufen. Das ist alles ganz schön, ober in der Praxis zerplatzen diese Parolen wie Seifenblasen. In der diesjährigen Sommersaison verliert Moskau fünf Stadien für Körperkultur, für die Hunderttausende von Rubeln verausgabt worden sind. Das einzige Stadion der Bauarbeiter(Rasgulaj), das ein herrliches Klubhaus, einen Turnsaal und Sportplätze besitzt, wo jedes Jahr eine erzieherische und gesundheitfördernde Arbeit unter den Saisonarbeitern durchgeführt wurde, hat aufgehört zu existieren. 130 000 Rubel sind in den Wind geworfen worden. ~,.s«r Platz ist für den Bau eines Ledigenheimes für die Studenten des Instituts„K. Liebknecht' bestimmt worden. Dassejhe gilt für den Sportplatz der Holzarbeiter(Ssemenowskaja Sastawai. Dieser Platz ist renoviert worden und sollte in diesen Tagen feierlich er- öffnet werden, aber— o weh!— er wird geschlossen. Dabei sind vor der Erbauung di�es Platzes eine Reihe autoritativer Kommissionen dagewesen, di�die Untauglichkeit des Bodens des Stadions für andere Bauten anerkannten. Und nun, da dos Stadion erbaut ist, wird— das Land... gebraucht. Ebenso sind die Sportplätze der Eisenbahner und beim Palais Awiachim ge- schlössen worden. Sie werden bebaut. Unter der Gefahr der Schließung befindet sich zum Beispiel eines der besten Stadien Moskaus— KPT., aber„Oh Glück im Unglück', wegen Mangel an Bamnaterialien fristet das Stadion irgend wie noch sein Dasein. Tausende von Arbeitern verlieren die Möglichkeit, Körperkultur zu treiben. Die Arbeiter fragen, warum die gewerkschaftlichen und anderen ösfentlichen Organisationen über die Zweckmäßigkett der Schließungen der Sportplätze,— deren es in Moskau so wie so wenige gibt, nicht in großen Arbeiterversammlungen verhandelt haben. Dies olles wird auf Anhieb gemacht: eins— zwei— und der Sportplatz ist geschlossen. So sieht es also im gelobten Lande Rußland aus. Wenn man den deutschen Moskaupapageien diese Vorgänge vorhält, so spucken sie Gift und Galle und bezichten den Mahner arbeiterverräterischer Haltung gegenüber dem„Arbeiterstaat" Rußland. Die Aus- sührungen der russischen offiziellen Sportzeitschrist dürften jedoch auch bei dem verbohrtesten Anhänger russischer Körperkultur einiges Bedenken erregen, sofern er diese russisch« Sprache versteht. In Deutschland haben wir zum Glück Vi der Sozialdemokratischen Partei eine einflußreiche Organisation, die dem Arbeitersport wirkliche Sympathien entgegenbringt und ihm Hilst, wo es nur geht. Die Arbeitersportler werden das am 14. September bei der Wahl beherzigen und Liste 1 wählen. Die FlaUensaison beginnt Bisher 14 Sechstagerennen angesetzt Früher als sonst werden die Rennfahrer diesmal ihr Winter- quartier beziehen. Bereits am Sonnabend erfolgt die Eröfsnung des Brüsseler Winteroelodroms, und wenige Wochen später werden auch die deutschen Winterbahnen nach und nach ihre Pforten öffnen. Den Anfang macht die Rheinlandhalle in Köln, die die Saison am 4. Oktober mit einem Städtckampf Köln-Brüssel einzuleiten gedenkt. Einen Tag später, am 5. Oktober, ist die Premiere der W« st s a l e n h a l l c in Dortmund vorgesehen. Am 10. Oktober steigen die ersten Radrenen in der Halle Münster- land, und am 12. Oktober ist die I a h r h u n de r t h a ll e in Breslau an der Reihe. Auch die anderen Winterbahnen lasten dann mit der Eröffnung nicht mehr lange auf sich warten. Am 25. Oktober beginnt Stuttgart die Saison, einen Tag später ist die Reihe am Berliner Sportpalast. Dann folgen Leipzig am 3. November und Frankfurt a. M. am 16. November. Die Leipziger Winterbahn ist noch nicht beim Verband Deutscher Rad- rennbahnen angemeldet worden, so daß eine Abhaltung der Rennen vorläufig noch nicht gesichert ist. Terminlich festgelegt sind bisher 14 Sechstagerennen, davon allein acht in Deutschland, vier in Amerika und je eins in Frankreich und Belgien. Der Sechstag«- Terminkalender sieht so aus: Berlin: 7. bis 13. November. Chikago: 8. bis 14. November. Köln: 28. November bis 4. Dezember. Leipzig: 28. November bis 4. Dezember. New Dork: 1. vis 8. Dezember. Brüssel: 30. Dezember bis 5. Januar. Dortmund: 9. bis 15. Januar. Frankfurt a. M.: 30. Januar bis 5. Februar Stuttgart: 6. bis 12. Februar. Chikago: 7. bis 13. Februar. Breslau: 27. Februar bis 5. März. New Fork: 1. bis 8. März. Berlin: 13. bis 20. März. Paris: 22. bis 28. März. Im Xennisstädtekampf siegte Tennis-Rot über Hamburg Der mm schon zur Tradition gewordene Vereinstampf von Tennis-Rot Groß-Bcrlin gegen Tcnnis-Rot Groß- 5? a m b u r g endete wiederum nnt einem Sieg« der Berliner Mann- schaft, und zwar mit 10: 7 Punkten, 23: 17 Sätzen und 185: 176 Spielen. An Hand der Punkttabellen kann man feststellen, daß sich Hamburg von Jahr zu Jahr wesentlich verbessert hat, die Hamburger haben sich eine Spielhöhe erkämpft, die sich sehen lassen kann. Das Tresfen war von einem geradezu vorbtldiichen bundesgenössstchcn Geiste getragen. Dom Empfang bis zum schweren Abschied habe» es die Hamburger verstunden, ihren Berliner Gästen den Aufenthalt angenehm zu gestalten, sie hatten das Tressen in organisatorischer Hinsicht geradezu glänzend aufgezogen. Sehr sympathisch und recht nachahmungswert war das Verhalten der Hamburger bei den schwer ncrmeidbaren Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Ohne besondere Gesle gaben sie den Punkt zurück, ein Muster von„ehrlich Spiel" im Arbeitersport. Spielresultatc: Frauen- Einzel: Radtke-Wraasc 6:2, 6:2, Schubel-Schwarck 1:6, 1:6, Hallwaß-Klcment 6:2, 6: 2. Neitzke-Koym 6:5, 3:6. 2:6, Noack-Jietz 6:5, 4:6, 6:3. Kohler-Kröger 4:6, 6:5. 2:6. M ä n n c:- E i n z« l: Schiele- Gcrlund 1:6, 2:6, Hellwig-Pietsch 6:4, 6:4, Hamachcr-Iäntsch 6:0. 6:0 Kohler-Schwedier 6:4, 6:4, Gronwald-Mcyer 6:5, k: 3, Ftscher-Haß 4:6 6:4, 5:6. Frauen-Doppel: Kohler- Radtke gegen KrSaer.Sckwarck 2: 6, 4: 6. M S n n e r- D o p p c l: Fifcher-Kohler gegen Haß-Meyer 6:5, 6:0. Gemischte- Doppel: Neitzke-Schiele gegen Brettfchneioer-Iäntfch 2:6, 3:6, Roack-H-llwig gegen Zietz-Krull 4: 6. 6: 4. 6: 4. Hnlla/e Uhr, a>rf dem Reuen Morkt. Kartell für Arbeitersport und«örperpslege, Lichtenberg. Zum Wahluirang der Partei treffen sich olle flartellpereine Sonnabend, 13. August, UM Uhr, au der IugrndMihne. Fahnen und Banner mitbringen. Rudrruerein Tollegia, Lharlotlenburg. Freitag, 12. September, wichtige Tagesordnung. Aussprache über die Winterorbeit. jtart«llde»irk Schöueberg-Friedenau. Zur Wahitundgebung mit Fackelzug Frrt. tag, 12. September, werden alle Arbritrrsporllrr ersucht, im Sportdreß an- zutreten. Treffpunkt 12 Uhr bei Lochgeschurz, Mühlenstr. 0. Arbeitsgemeinschaft proletarischer Volkston, kreise. Bollstau, lreis Preu, lauer Berg. Heule. Mittwoch, im Jugendheim. Raftendurger Str. 10, Mitgliederprr- sammlung. Tagesordnung u. a.: Anschluß on den Arbeiter-Turn- und Sport- Hund.— Vollstaulttreis Tegel. Heute, Mittwoch, in der dekannten Turnhalle Mitglredeopersammlunq. Tagesordnung: Anschluß an den Arbeiter-Turn. und Sportbund.— Reulölluer Vollstau, schar. Karl-Marx-Schule, Zieutöll». Kaiser- Friedrich-Stt. 208—210(Turnhalle). Heute, rwr Schluß des Uebungsabends, Mit- gliederperfammlung. Tagesordnung: Anlchluß on den Arbeiter-Turn- und 'Sportbund. Pflichterschemrn aller Mitglieder. Achtung,.Solidarität": t., 2. und 3. Abt. Freitag. 12. September, 18 Uhr, Propagandasahrt. Start: Steinmeßstr. 30-, Rickert. Sonntag, lt. Septeinder, 10 Uhr, Propogandafahrt de» Bezirks Kpeitzberg. Start: Fontoncpromenade. Alles erscheint. ftgrtell Köpenick. Für Demonstration der Partei am Freitag, dem 12. srp. tcmbcr, 19 Uhr, Antreten aller Parteimitglieder am Bahnhof Spindlersfelo. Mittwoch. 10. September. Berlin. 16.05 Ine. Boehmer: Eine Viertelstunde Technik. 16.30 Lieder.(Margarete Roll. Mczrosopran. Am Flöeel: Julius Bürtrcr). 1�.00 Tcemnsik. 18.00 Ein Sportnachmittag im Eaton College. 18.30 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.30 Arbeitsmarkt.% 19.35 Populäres Orchesterkonzert. 20.30„Briefe aus der Haft an eine Freundin", von Philipp Halsmann.(Sprechers Ernst Ginsberg.) 21.00 Konzert des Berliner Staats- und Domchors. Dir.: Prof. Hugo Rödel. 22.30„Berlin amüsiert sich". Königswusterhauscn. 16.00 Dr. Hans Fischer, Musikunterricht. 16.30 Hamburg: Nachmittagskonzert. *17.30 Qudenberg: Aus der Werkstatt der Kammeropcr. 18.00 Dr. Mevcrt: Wie schützt man sich vor Verlusten im Kreditverkehr? 19.00 Spanisch für Anfänger. 19.30 David Stcttcr: Was kann der Beamte der ländlichen Bevölkerung sein? 20.00 Köln:„Meister der Operette". 20.30 Köln:„Der Herr Senator". Sondersteuer für Arbeitertennis Zum Thema Platzfra�e Wir Berliner haben eine Einheitsgemeinde, wir haben auch ein Stadtamt für Leibesübungen, dessen Aufgab« es wäre, alle sportlichen Fragen nach großen und einheitlichen Gesichtspunkten zu erledigen. Daß dem nicht so ist, davon können auch die A r- beiter-Tennissportler ein Lj�d singen. Am Rande sei oermerkt, daß der Arbeitersport in der Leitung dieses Amtes nicht die Rolle spielt, die ihm eigentlich gebührt: führend ist dort der bürgerliche Sport. Daß das Arbeitertennis als Volkssport zu betrachten ist, dürfte unumstritten sein. Die weitere Entwicklung dieses Sportes wird aber durch die zum Teil sehr hohen Platz gebühren, die in allen Bezirken verschieden sind, gehemmt. Rur einige Bezirks- ämter haben sich durch eine angemessene Gebührcnregelung um die Weiterentwicklung des Berliner Arbeitertennis verdient gemacht. Nach der Verfügung des zuständigen Ministeriums soll auch Tennis als ein Volkssport gewettet und dementsprechend gefördert werden. In dieser Hinsicht hat das Stadtmnt aber noch nichts unternommen. Festzustellen ist. daß in vielen Bezirken der Arbeiler-Tennis- sporl mit einer ganz unberechtigten Sondersteuer belegt wird. Nach den Richllinien der zentralen Finanzoerwaltung soll jeder Tennisplatz eine jährliche Einnahme von 1250 Mark bringen. Man muß die Frage aufwerfen, aus welchen Gründen die Tennissportler für ihre Plätze mehr Gebühren zahlen müssen als die Instand- Haltung der Plätze erfordert? Da diese Frage nicht beantwortet werden kattn, ergibt sich also, daß in Berlin die Arbeiter-Tcnnis- sortier zu einer Sondersteuer herangezogen werden. Jeder Sport- platz erfordert Jnstandhaltungskosteu. Als. recht und billig kann es nur bezeichnet werden, daß die erhöhten Jnstandhaltungskosten, also die Differenz zwischen den Kosten der anderen Sportplätze und den Unkosten für di« Tennisplätze den Tennissportlern in Rechnung gesetzt werden. Was darüber, hinausgeht, ist ungerechtfertigt. Die großen Leistungen der Städt Berlin bei der Schaffung von Sport- platzen müssen unumwunden anerkannt werden, obwohl die Eni- wicklung noch nicht abgeschlossen, sondern durch die zur Zeit herrschend« Finanznot nur gehemmt ist. Nach der Schaffung von Plätzen sür die Leichtathletik, für 5?and- und Fußball muß sich Verlin aber auch langsam der Schaffung von Plätzen sür die Spezialsporte zuwenden und hierzu gehört auch Tennis. Die vorhandenen Anlagen reichen nicht aus, auf ollen Plätzen dominieren noch immer die bürger- lichcn Bercine. Da Berlin eine Kommune der Werktätigen ist, fordern die Berliner Arbeiter-Tennissportler mehr Plätze und die Beseitigung der unberechtigt hohen Gebühren. Auch Möbelwagen werben. Fahrende[Riefenkäffen auf Werbefahrt für die Partei. Die Sozialdemokratie hat in den Dienst ihrer Wahlpropaganda die modern st en Werbemittel gestellt: Tonsilm. Ilugzeug und Lautsprecheraulo sind in den Dienst unserer Idee gestellt, wenn es aber daraus ankommen würde, sest- zustellen, welches Werbemittel die beste Wirkung erzielt, dann dürsten die zwölf Möbelwagen, die die Verlinec Partei. orgonisation In dieser Woche durch Verlin fahren lähl, nicht an letzter Stelle stehen. Bon Sonntag zu Sonntags eine ganze Woche lang, fahren zwölf an allen Seiten dekoriem Möbelwagen langsam durch die «lroßen Berlins. Jeden Morgen teilt sich die Wagengruppe und fährt zu je drei in die einzelnen Stadtbezirke. Diese bunten Riesen- kästen kann niemand übersehen. Jeder Wagen hat ein anderes Gesicht. Eine Seite wendet sich an die Beamten, eine andere an die Frauen, eine dritte an die Kleinrentner, die meisten natürlich gegen die Radikalinskis von links und rechts. Sehr zum Aerger dieser Leute. So wurde Dienstag am Schönhauser Tor eine Wagengruppe regelrecht von einer Kommunistengruppe überfallen. Drei- hundert Mann stürmten wie die Besessenen gegen die zwölf Mann Bedeckung an, um die Plakate an den Wagen zu zerschneiden. Als ihnen das nicht gelang, überschüttete vor dem Karl-Liebknecht-Haus ein dichter Steinhagel die Wagen. Auch im Westen kam es zu einem schweren Zusammenstoß. Wieder war es das Plakat:»Sie schänden nur de» Volkes hau», schmeiß« doch da- pack zum Reichslag raus!', das es den Nazis wie Kozis angetan hatte. Plötzlich stürmten aus dem Arbeitsnach- weis am Wilhelmplatz in Charlottenburg mehrere hundert National- sozialiften und Kommunisten heraus und auf die Wagen los. Ein Loch an der Rückwand eines Wagens war das Ergebnis der „Aktion". Das sind die Zwischenfälle, auf die man gefaßt sein muß. Die Mehrzahl der Passanten aber bleibt stehen, diskutiert und geht nachdenklich weiter. Und das ist ein Erfolg für uns! Lehrer, wählt sozialdemokratisch! Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen, Ortsgruppe Friedrichs- Hain hatte die Lehrerschaft des Berliner Ostens zu einer Wahl- Versammlung eingeladen mit dem Thema:„Was fordern wir vom künftigen Reichstag?" Die Redner wiesen überzeugend nach, daß die ideellen und materiellen Belange der Lehrerschaft folgerichtig nur von der Sozialdemokratischen Partei vertreten werden. Ihre wichtigste Lebensaufgabe, die Volksbildung, könne nur durchgeführt werden, wenn dem Proletariat die notwendigsten Lebensbedürfnisse gesichert werden. Das letzte Ziel der Sozial.» demokratie: Einem jeden Menschen ein menschenwürdiges Dasein, ist das, was auch jeder Lehrer wünschen muß. Die stark besuchte Versammlung, deren Teilnehmer zum aller- größten Teil bisher der Partei fern standen, wurde von den Aus- führungen gepackt und dankte mehrfach mit spontanem Beifall. Der Liste 1, der Sozialdemokratie, sind dadurch viele Freunde geworden. Oer arbetterfeindliche Bürgerblock. Bei der 3Z. Abteilung der Berliner Sozialdemokra» t i e referierte in der Schulaula Hohenlohe st raße in einer Wahlkundgebung Genosse cheimann über das Thema:„Der Kampf der Arbeiterklasse". In wundervoll klarer Ausführung stellte der Redner die Taten der Regierung Müller den Toten der Regierung Brüning gegenüber. Er wies nach, in wie unverant. wortlicher Weife die arbeiterfeindliche Regierung Brüning die Ar, bciter, Angestellten und Beamten mit Steuern belastete. Die Aus» Wirkungen dieser unsozialen Steuern werden sich erst in der noch. sten Zeit mit voller Schärfe zeigen. Danach brachte die Jugend den Wahlfketfch„Der Mann der Zukunft" der Bersammlung wir» kungsvoll zu Gehör. Die Bersammlung wurde vom Vorsitzenden Genossen Lamprecht mit einem dreifachen Hoch auf die Partei und dem Gesang der Internationale geschloffen. Vor der Wahl» kundgebung hatte die Abteilung eine Kraftwagenpropa. gandafahrt durch den Abteilungsbezirk veranstaltet. Di« Schul. äula war infolge der Agitation zur Kundgebung überfüllt. „Graf Zeppelin" in Moskau gelandet. Moskau, 10. September. Das Luftschiss„Graf Zeppelin", das gestern vormittag S Uhr in Ariedrichshasen ausgestiegen war, ist heule millag 12 Uhr hier g e l a n d e l. �(Befchäffc'Jbt&iger t (Qezivk"fUden-Weften. Wer braucht Olenu.Kodiherdei Nur gute und billige Qualitätsarbelt, auch außerhalh arofi- Berlins Fliesenarbeil Baukeramik Berliner Töpferhütte GmbH[ho Berlin SO 36/ Waldemarstr. 14 Fernsprecher: Amt Moritzplotz Nr.©314 alousie- Fabrik fSl iWÄT"'[24*1 Ernst Garf, lob. E.& J. Garf so. 38. Brllzer Str.?. Tel. F 1 Moritzpl. 3070. 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