Morgenausgabe Nr. 425 A 214 4?.Iahrg,— M. pro Monat, * Set.Vorwärt»' erscheint wochentä,. lich zweimal, Sonntag» und Montag, einmal, die Abendau»gaben siir Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.«inderfreund". Ferner .Frauenstimme" Technik",.Blick in die Bücherweit",.Iugend'Vvrwärt»" und»Etadtbetlag«". Berliner Volksblatt Donnerstag 11. September 1930 Groß-Äerlin 10 Pt- Auswärts 15 pf. T>ie c t n t p a 1 1 1 g c Nonpareill'ezeile 80 Pfennig. Reklame-.eile 5.— Reichsmart.„Kleine Anzeigen' das lettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme im�aupt- Lindenstraße 3. gefchäft wochentäguch von S>/, bis 17 Uhr. Äentealoesan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrabe 3 f?ernspr«lber: Tönboss 292—297 Telegramm.Adr,: Cosialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Bostscheckkontli! Berlin Z75ZK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr, KS, Dt B u, Di!c,.GeI,. Tevolitenkolle Lendensir S. Hilfe für Polen! Ruf der deutschen Sozialdemokratie an die Sozialistische Arbeiterinternationale Der Dorstand der Sozialdemokraiischen Partei Deutschlands hat an das Büro der Sozialistischen Arbeiterinternationale in Zürich folgenden Bries gerichtet: werte Genossen! Die aus Beseht der Regierung Pilsudski vorgenommene A e r. haslungvon Parlamentariern aus den Reihen der Oppositionspartelen Polens, insbesondere von führenden Genossen der PPS., ist ein Ereignis von so weiltragender Bedeutung, daß eine unverzügliche und kraftvolle Aktion der Znternaiionale gegen diese saschistische Gewalttat unerläßlich erscheint. Die gegenwärtige polnische ZNinderheitsregierung hat damit bewiesen, daß sie die Bahnen der verfassungsmäßigen Legalität, die sie bisher wenigstens dem Schein nach noch zu respektieren vorgab, endgültig verlassen hat. Marschall Pilsudski steuert nunmehr einen bewußt faschistischen Surs. Der Terror, der bereits bei den letzten Sejmwahlen von der Regierung, freilich ohne Erfolg, angewendet worden war, wird bei den jetzigen Neuwahlen in unerhörtem Maße gesteigert, weil die militaristischen Machthaber erkannt haben, daß sie bei einer wirklichen Boltsbesragung in einer hossnungslosea Minderheit verbleiben würden. Die Znlernationale hat zweisellos die Pflicht, die Oessenillchkeil der ganzen Well zum Protest gegen diese neueste Untat der Regierung Pilsudskl aufzurufen, die«llle visherigekr Drangsalierungcu der fozialistifchen und nichtfoziatWschen Opposttidn in Polen weil in de« Schatten stellt. Unsere Anregung geht dahin, daß da» Büro der Zlsternatlonale, sich sofort mit den ongeschlsssenen Parteien in vcrh'.pdung setzt und ihnen empsiehlt, alle geeigneten Schrille zu unternehmen, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten und zunächst vor allem die vorgenommenen Verhaftungen wieder rückgängig zu machen. Ueberall, mo dies möglich ist und wo eine solche Aktion einen Erfolg verspricht, vor allem in den Ländern der westlichen Demokratien, deren Regierungen cinen Druck auf Polen auszuüben in der Lage sind, sollten unseres Erachten» von den Vorständen der politischen Parteien und Parlamenlsfrak- tionen entsprechend? Schritte unternommen werden. E? handelt sich nicht nur um eine innerpolitische Angelegenheil Polens, um ein Uebergreisen der faschistischen Diktatur auf die pol- nische Republik, sondern auch um eine eininenle Gefahr für den europäischen Frieden. Diklalurregierungen bedeuten, weil sie olle in ihrem Wesen militaristisch sind und dem Prinzip der Gewalt huldigen, eine schwere Belastung für das friedliche Zusammenleben der Völker. Die polnische Sozialistische Partei bot bisher die stärkste Gewähr für die Aufrechlerhalwng des Friedens mit den Rachborn Polens. Sie trat am energischsten für die Respektierung der Rechte der nationalen Minderheiten ein, die über ein Drillet der Gesamt- bcvölkerung Polen» bilden. Ihre Vernichtung, die pilsudski jetzt mit ähnlichen Methoden wie Mussolini erstrebt, würde den nationa- listischen und militaristischen Elementen freie Bahn verschassen. wir haben uns beeilt, durch diesen Schrill unseren polnischen Genosten, mit denen wir bisher noch keine Fühlung aufnehmen konnten, öffenMch anfere SolldarMt zu bekunden, und wir siktd überzeugt, daß auch die Genossen der übrigen Länder alles in ihren Kräften Stehende tun werden, um der Sache de» Soziatismus und der Demokratie in Polen zux histe zu kommen. �.. verlin. l0., September lSZo. Der Vorstand der Sozialdemokralischen'Partei Deutschlands. Der Pilsudsti-Zarismus. Die verfolgte Opposition seht sich zur Wehr. Warschau, 10. September. hastet, um so den Schein der Unparteilichkeit zu wahren. Jedoch wirkt das gleichartige Vorgehen gegen die Führer der polnischen Mehrheit und gegen ausgesprochene Polen- feinde sowie gemeine Verbrecher um so aufreizender. Zllle Verhafteten wurden von Gendarmen bei Nacht in Autos nach einer entlegenen Festung gebracht, deren Name geheim gehalten wird, wahrscheinlich Brest am Bug oder die Weichselfestung Demblin. Die Warschauer Anwoltskammer hat gegen die Verhaftung ihres Mitgliedes Liebermann lofort protestiert. Er sei als parla- mentarischer Ankläger vor dem Staatsgerichtshof auch nach der Parlament saufiösung rechtlich unantastbar. Alle demokratischen Oppositionsparteien haben einen gemein- famen Aufruf zur Rettung des bedrohten Rechtes und der Dolksfteiheit erlassen. Keine Gewaltinaßnohme könne ihren Willen brechen. Die Diktaturregierung Pilsudskis Hab« dos. Sand so zerrüttet, daß für fremd« Imperialisten geradezu ein Anreiz zum Eingreifen geschaffen sei. Die Opposition verlangt Rück- kehr zur Demokratie, verstärkte Sozialpolitik und friedlich« Außen- Politik zur Sicherung der Landesgrenzen. Die Oppositionspress« ist am Mittwoch in Massen b« schlag- nahmt worden. Dennoch zirkulierten zahlreiche Exemplar« der konfiszierten Nummern. Die verhafteten Sozialisten. Unter den oerhasteten Parlamentariern sind mehrere auch im Ausland wohlbekannt. So von den Sozialisten Gen. Dr. Hermann Liebermann, der schon im altösterreichischen Parlament einer der glänzendsten Redner war. Als Rechtsanwalt hat er im neuen Polen besonders auch politisch AngeNagle sehr wirkungsvoll verteidigt, so verschiedene deutsche Ostoberschlesier und den Volksbundftihrer Üliß. Der Sejm bestimmte Liebermann zur Vertretung der Anklage gegen den Finanzminister Czechowicz vor den Staalkgerickstshof wegen der fast 600 Millionen betragenden Etatsübcrschreitungen. In diesem Prozeß sä, impfte Pilsudski in ge- wohnt ordinärer Weise und sagte wörtlich zum Gerichtshof:„Meine Hände smd rein, nicht schmutzig wie die des Dr. Lieber- mann." Hätte der Anklagevertreter darauf sofort erwidert, so bestand nach der uns gewordenen Versicherung eines Augenzeugen die fast völlig« Gewißheit, daß die Offiziere, die um Pilsudski herum- standen, Liebermann niedergeschlagen hätten. In der nächsten Sitzung aber kennzeichnete Liebermann das Auftreten des Marschalls so scharf und tressend, daß er ihm es gewiß sticht verziehen hat. Senator Dr. Pro gier ist«in Gel«hrter von sehr ruhigem Wesen, was aber die Schärfe seiner Gegnerschaft gegen den Diktaturkurs nicht mildert: vor wenigen Monaten ist Pragier bei einer Arbeiterdemonstration in Warschau von attackierenden Poli- Zlsten verletzt worden. Professor B a rg i ck i ist der Vorsitzende des Parteiausschusses der polnischen Sozialisten, Dubais, das jüngste Mitglied des Sejm und Führer der Arbeiterjugend. Vor wenigen Wochen war Dubais mit«imr starken Iungarbeiiergruppe in Verlin und hat auch öffentlich gesprochen. Genosse Ciolkosz ist Ab- geordneter von Krakau und hat vor einiger Zeit m der Studentischen Bölkerrechtsliga Berlin einen Vortrag für die deutsch-polnisch« Ver- ständigung geholten, der großen Eindruck machte. Siraßenbahnunglück in Zürich. 2 Tote, 10 Schwerveriehie. z ü r i ch. 10. September. Ein schweres Slraßenbahvunglück. bei dem zwei Frauen ums Leb?» kamen und zehnPersoaenschwerverlehf wur- den. ereignete sich heule nachmittag in Zürich. In einem Slraßenbahnhos waren drei aneinander gekoppelte Anhängewagen in Bewegung gekommen. Ehe der Vorgang be- mertt werden konnte, rollten die wagen au, dem Bahnhos hinan» und die abschüssige Straße hinunter. An einer hallestelle fuhren fle auf einen gut besetzten wagen aus. der in rasende Fahrt geriet. Die Fahrgäste wurden von turchl- barem Schrecken erfahl. 3n einer scharfen Kurve sprang der wagen au» dem Gleis und der erste wagen zerschellte an einer Mauer, die nachfolgenden drei wage« bohrten sich in die Trümmer des ersten Wagens hinein. Die zehn Schwerverletzten wurden in ein nahegelegene» Kranken- hau» gebrochk, die beiden toten Frauen tonnken erst nach mehr- stündiger Arbeil aus den Trümmern geborgen werden. Der stelloerlreleade Leiter de» Slraßenbahnhos» beging unter dem Eindruck de» furchtbaren Unglücks einen Selbst. Mordversuch. Er erkletterte einen Mast der hochspannungs- lcilung und siel mit schweren Brandwunden zu Boden. politische Erneuerung. Alte und neue Köpfe im Parlament. Von Wilhelm Dittmann. Unendlich viel Tinte ist in den letzten Jahren über dieses Thema bereits verschrieben worden. Immer wieder wurde „frisches Blut" gefordert,„neue Männer" sollten kommen, eine„B e r j ü n g u n g" wurde als Allheilmittel gegen die angeblich drohende„Verkalkung" des Reichstags und des politischen Lebens angepriesen. Auch jetzt, vor den Neuwahlen zum Reichstage, spielt die Frage in allen bürger- lichen Parteien wieder eine große Rolle. Da ist es nützlich, an Hand der Tatsachen einmal zu prüfen, wie es in Wirk- lichkeit mit der angeblich mangelnden Erneuerung und Ver- jüngung des Reichstags und des politischen Lebens steht. Um es vorweg zu sagen: Die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild, als es bei den Presseerörterungen gewöhnlich dem Leser oorgemalt wurde. Der Wechsel in der Person der Reichstagsmitglieder ist in der Nachkriegszeit ganz allgemein so stark gewesen, daß im jetzt aufgelösten Reichstag in den meisten Fraktionen nur noch wenige Abgeordnete waren, die bereits dem Kriegs-Reichstag oder einem seiner Vor- gänger angehörten. Die Fluktuation war bei manchen Frak- tionen so stark, daß dadurch die Tradition, die Kontinuität und Stabilität der politischen Haltung und Führung ver- loren ging. Von den 45 D e u t s ch k o n s e r v a t i o e n des Kriegs- Reichstags waren nur noch fünf(Westarp, Schiele, Graes- Thüringen, Riefeberg, Bogt-Württemberg), von den 13 Reichspnrt eilern war nur noch einer(Schulz- Aronzberg), von den� acht Mitgliedern der Wirtschaft- lichen Vereinigung waren nur noch zwei(Behrens, Mumm),' von den drei Mitgliedern der Deutschen Re- f o r m p a r t k i war nur noch einer(Bruhn), von den fünf Welsen' auch nur noch einer(Alpers), von den 18 Polen, den zehn Wilden und den neun Elsaß- Lothringern keiner, von den 44 National libe- ralen— nach Stresemanns Tod— auch kein einziger, von den 42 F o r t f ch r i t t l e r n waren nur noch zwei(Fisch- deck, Haas), von den 90 Zentrumsabgeordneten nur noch zehn(Becker-Arnsberg, Dr. Bell, Bolz, Diez, Gies- berts, Herold. Marx, Wirth. Pfleger, Leicht) im letzten Reichstage. Von insgesamt 287 bürgerlichen Abgeordneten des Kriegs-Reichetags gehörten also nur noch 22 dem letzten Reichstage an. Das bedeutet eine„Erneuerung" zu rund 80 Prozent! Die davon betroffenen Fraktionen, die fast einem Taubenschlag glichen, waren nur lose zusammengewürfelte „Interessentenhaufen" ohne den festen inneren Zu- sammenhalt früherer Zeit. Ihre Unausgeglichenheit und mangelnde Verbundenheit mit der Tradition und Erfahrung der Vergangenheit kam oftmals in ihrem parlamentarischen Verhalten zum Ausdruck. Es fehlte an Führernach- l w u ch s, der sich bereits eine auf Wissen, Können und Er- fahrung aufgebaute Autorität hätte erwerben können. Das trat besonders scharf b:im Zentrum hervor, als es vor eini- gen Jahren kurz hintereinander seine alten parlamentarischen Führer durch den Tod verlor. Eine Ausnahme von allen Parteien macht allein die Sozialdemokratie. Von den 110 sozialdemokratischen Abgeordneten des Kriegs-Reichstags oder seiner Vorgänger gehörten noch 31 dem letzten Reichstage an(Bender, Bock, Brandes, Brey, David, Dittmann, Feldmann, Henke, Hilden- brand, Hoffmann-Kaiferslautern, Keil, Krätzig, Landsberg, Lipinfki, Müller-Franken, Pens, Oueffel, Scheidcmann, Rob. Schmidt, Schöflin, Heinr. Schulz, Oswald Schumann, Seve- ring, Joseph Simon, Spiegel, Stücklen, Taubadcl, Ulrich, Wels, Wissell). Trotz der Erschütterung, die Krieg, Revo- lution und Inflation auch der Sozialdemokratie gebracht haben, ist es ihr doch gelungen, die g e n e r a t i o n s- mäßige Erneuerung ihres Fraktionsbestandes ohne den katastrophalen Wechsel zu vollziehen, der die bürgerlichen Parteien seit Kriegsende heimgesucht hat. Tradition, Kon- tinuität und Stabilität sind bei der Sozialdemokratie iin Reichstage am stärksten erhalten geblieben, trotzdem gerade sie in ihrer politischen Praxis eine völlige Umstellung hat vornehmen müssen. Auch diesmal erfolgt wieder ein nor- maler Abgang alter und normaler Zugang junger Kräfte. Die nach dem Kriege neu entstandenen Parteien, wie die Kommunisten und die Nationalsozialisten, weisen denselben starken Wechsel im Personenbestande ihrer Reichstagsfraktion auf wie die alten bürgerlichen Parteien. ocUcnflldie Wäldcrffflndgeliuiigeii. Heute, Donnerstag,11.September: 1. Kreis Mitte. Alle radfahrendsn Parteigenossen, Sportler, Sozialistisch« Arbeiterjugend, Reichsbanner, treffen sich zum Werbeumzug mit chrsn Rädern pünktlich 18H Uhr auf dem Reuen Markt.— Abfahrt zur Auto-Werbefahrt 17 Uhr Arkonoplatz. Friedrichshai«. 32. Abt. 20 Uhr in den Zlndreos-Festfälen, Zlndreosstr. 21. Redner: Carl Litte. 6. Kreis Kreuzberg. Antreten zum Werbeumzug mit Musik und Fackeln pünktlich 18 Uhr Fontanepromenade. Redner: Karl Hestfchold.— Fackeln werden am Sammelplatz ausgegeben. 9. Kreis Wilmersdorf. 20 Uhr im Viktoria garten, Wilhelms- aue 114/113. Redner: Siegfried Aufhäuser. Zehlendorf-Mitte. 20 Uhr im Lokal„Mutter Mochow', Schlach- tensee, Potsdamer Chaussee 83. Redner: Regierungsrat Prawitz.— Thema:„SozioKtemokrotie und Veanüenschaft/ Marienfeld«. 20 Uhr im Lokal Petsch, Berliner Str. S6. Redner: Georg Maderholz, M. d. L. Neukölln. 93. Abt. 18'A Uhr gemeinsam mit der Sozialistischen Arbeiterjugend Kundgebung auf dem Böhmischen Platz.— Platzkonzert SAI.-Kapelle, sowie Sprechchor. Redner:.Hermann Harnisch, M. d. L. und Genosse hoffmann. Baumschulenwcg. 19% Uhr in der Aula des Lyzeums, Baum- schulenftraße. Redner: Friedrich Stampfer. Niederschönhause«. 20 Uhr im Lokal„Sanssouci", Nordend, Kaiser-Wilhelm-Str. 48. Redner: Redakteur Franz Klühs.— Gesangsvorträge des Hcsangvcreins„Zukunft", Sprechgemein. fchast Riedsrichonhausen. Filnworsichrnng:»Freie Fahrt" und der Tricksilm:„Dem deutschen Volke." Blankenburg. Alle radfahrenden Genossinnen und Genossen oer- sammeln sich zur Wcrbefahrt 1731 Uhr pünktlich bei Klug, Dorfstr. 2. Tegel. 20 Uhr im Lokal hühnert, am Bahnhof Schulzendars. Redner: Viktor Malina.— Mitwirkung: Gemischter Chor „Polyhymnia". Hermsdorf. 20 Uhr im Lokal Ludwigslust. Albvechtstr.. Eck« Reue Bismarckstr. Redner Willi Wolfs.— Äusserem Gesang und Filmvorführungen. Jungwähler-Kundgebung. Um 10 Uhr Platzkonzert auf dem Langener Platz,\9% Uhr Abmarsch zur Kundgebung im kleinen Phaniesaal, Müllerstr. 142.— Politische Revue— Ansprache— Sprcchchor. Wfiblerinnenhiindgeliiiiiäeii! 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag. 11. September, 19% Uhr. in der Aula der Knabenmittelschule, Lichtenberg, Marktstraße, Kundgebung der Frauen und Jungwähler. Referat der Gc- nossin Paula Kurgaß:„Der Kampf der Sozialdemokratie gegen die Reaktion". Ferner Mitwirkung des Ebert-Manz-Ouartetts und der Sozialistischen Arbeiterjugend. Männer und Frauen, erscheint in Nassen! Mussolinis Mordfanatismus. Protest gegen preffekritik. Eine stetige, auf Erfahrung aufgebaute, parlamentarische Praxis kann sich deshalb bei ihnen schwer herausbilden, auch deshalb nicht, weil bei ihnen die jüngere Generation in so starkem Maße überwiegt, daß das alte Wahrwort„der Jugend die Tat, dem Alter der R a,t", in seinem letzten Teile keine Anwendung finden kann. Zickzackpolitik mit bombastischem Phrasengeschmetter wird auch künftig ihr be- sonderes Merkmal sein, zumal systematisch alle Abgeord- neten bei einer Neuwahl abgesägt werden, die so naiv waren, im Parlament sachlich zu arbeiten. Die„Erneuerung" wird bei der jetzigen Reichstagswahl weitere Fortschritte machen. Die Auflösung der„Demo- kratischen Partei" und die Bildung der„Deutschen Staatspartei" zeigen das ebenso wie die Auflösung der Deutschnationalen Volkspartei und die Bildung neuer Rechts- gruppen. Aber personale Erneuerung wird kaum von einer Erneuerung des Geistes begleitet sein. Auf sie aber kommt es an. Die Gründer der neuen Staatspartei hoffen zwar, daß sie einen neuen Geist in den künftigen Reichstag hineinbringen werden. Aber auch diese neue Parte: bekennt sich zur p r i v a t k a p i t a l i st i s ch e n Wirtschasts- weise. In einer Zeit, in der die Bolkswirtschaft immer mehr von privatkapitalistischen Monopolen beherrscht wird, wird der Uebergang zur sozialistischen Wirt- j ch a f t s w e i s e zur zwingenden RotwendigDit. Rur wer das erkannt hat und in d i e s e m Sinne umgestaltend in das politische Leben eingreift, ist Träger eines neuen Geistes, kann zu einer wirklichen Reichstagserneuerung und Erneuerung des politischen Lebens beitragen. Dadurch, daß Abgeordnete gewählt werden, die das Schwabenalter noch nicht erreicht haben, wird allein noch keine Erneuerung und Verjüngung geschaffen. Das beweisen gerade die Herren Brüning und Treviranue. Wenn Herr Treviranus als Klabautermann der Regierung Brüning fortgesetzt in der Takelage des Reichsschiffs herum- spukt und Freude und Befriedigung darin findet, andere zu beunruhigen, so ist das ein Rückfall in alte Tirpitz-Methoden. Und Herrn Brünings angeblich funkelnagelneue Sammlungs- politit gegen die Sozialdemokratie ist so alt wie der Kampf gegen die Sozialdemokratie. Hinter dem ganzen Erneuerungs- und Berjüngungs- gerede im bürgerlichen Lager steht nur die A n g st v o r d e m Anwachsen der Sozialdemokratie, und ihrem zunehmenden Einfluß in Reich. Staat und Gemeinde. Das klingt aus allen Wahlartikeln und Wahlreden heraus, die den Wählern jetzt vorgesetzt werden. Das Bürgertum fürchtet die Erneuerung und Verjüngung, die von der Sozialdemokratie ausgeht. Das Volk aber kann allein auf diese Erneuerung und Verjüngung feine Hoffnung setzen. „Die Lumpen zu Hause." Oeutschnotionale prangern sich selbst an. In dem Wahlmaterial, das die Deutschnationale Par- t e i für ihre Agitatoren und für die Dummen im Lande heraus- gibt, findet sich ein Satz, der festgehalten.p» werden verdient. Er lautet:-•.••' „3m November 1918 waren die anständigen Deutsche« tot oder lagen im Schützengraben, die Lumpen aber zu Hause mach- ten die Revolution." Wir greisen aus gut Glück ein paar Namen von denen heraus, die sich als die wildesten und fanatischsten Gegner der durch die Revolution geschossenen Zustände gebärden. Wir nennen von den Deutschnationalen die Herren Hugenberg, Oldenburg- I a n u s ch a u, den inzwischen von den Konservativen übergetretenen Grasen Westarp, Ouaatz. Freytagh-Loring- Hoven, Obersohren, Bang, Bernd t. Von den Rational- sozialisten Frick, Goebbels, Graf Reventlow, Feder. Von all diesen Helden' des Monarchismus und der Gegenrevolution roar im November 1918 keiner tot, denn sie leben heute noch. Und n>o waren die Schützengräben, in denen sie zu jener Zeit standen? Sie liefen osjenbar durch Berlin, wo eine Reih« von den Genannten den Opfermut ihrer Landsleute mit flammenden Reden und Artikeln aufrecht zu erhalten suchten. Sie liefen durch die Redaktionen der„Kreuz-Zeitung" und der„Deutschen Tages- zeitung" und om Schreibtisch des mutigen Heimkrieger» Reventlow vorüber. Sie liefen durch Breslau, wo Herr v. F r e y t a g h- L o r i n g h o v e n, bis vor kurzem treuer Untertan des Zaren,«ine Professur innehatte. Sie durch- schnitten die unbebauten Kartoffeläcker des Herrn o. Oldenburg- Januschau, und sie gingen nicht zuletzt quer durch das Bezirksamt Pirmasens, wo Herr Frick als Assessor amtierte. Tot waren all« diese Männer nicht. Wo die Kugeln pfissen, waren sie aüch nicht. Sie müssen dann also wohl zu den„Lumpen zu Hause" gehört haben, von denen die deutsch- uational« Wahlbroschüre spricht. Aber sie haben in der Tat die Revolution nicht gemocht. Nein, nur daß sie nicht das geringste ge- tan haben, um sich ihr zu widersetzen und sich schützend vor die Monarchie und ihre sonstigen Ideale zu stellen. Sie schlichen mit hangenden Köpfen umher oder suchten zitternd einen sicheren Unierstand. Sie waren nicht tot, aber sie stellten sich tot. Erst nachträglich haben sie wieder Courage be- kommen, und die Courage dieser Feiglinge äußert sich darin, daß sie diejenigen, die 1918 aus dem Zusammenbruch und dem Chaos' eine neue Ordnung geschossen haben, beschimpfen. Sturmszenen im Münchener Stadthaus freche Provokationen der Rationalsozialisten München, 10. September.(Eigen bericht.) Die Münch«»er Stadtverordneten-Versammlung flog am Dienstag wegen Rowdyszenen der Nationalsozia- listen aus. Als einer der nationalsozialistischen Wortführer mit seiner Hetz- red- gegen die Behörden loslegte, verließen sämtliche Stadträte mit Ausnahme der Nationalsozialisten und eine, Deutschnotionalsn unter stürmischem Protest den Saal, so daß der Oberbürgermeister mit den Radaubrüdern allein war. Am Schluß seiner Hetzrede wandte sich der nationalsozialistische Stadtrat an die Tribünenbesucher mit den Worten:„Meine lieben Galeriebesucher". Der Ober- bürgermeister versuchte vergeblich, ihm das Wort zu entziehen. Als sich dann die Galeriebesucher, ausschließlich National sozialisten, mit wüstem Gebrüll gegen den Oberbürgermeister wandten, schloß dieser die Sitzung mit den Worten:„Es i st«in Skandal!" Dann wurden die Tribünen durch die Polizei geräumt. Tic Hinrichtung der vier jungen Slowenen zwango- italienischer Staatsbürgerschaft wegen des Bomben- anschlags auf eine Triefter Faschistenzeitung, der»ach sicheren Indizien von italienischen Faschisten verübt wor- den ist. hat in der Wiener Linkspresse die scharfe Ber- urteilung erfahren, die dieser Schandtat gebührt. Hat man doch die Verurteilten erst noch drei Stunden durch die heiße, staubige Umgebung Trieft» getrieben, um sie dann hinterrücks abzuknallen. Der Gesandte Mussolinis in Wien, A u r i t i, hat nun bei der Bundesregierung diese selbstverständliche Haltung der Wiener Linkspresse getadelt und nach den geplanten Maßnhmen der Regierung gegen eine Fortsetzung dieser Pressekritik gefragt. Der Gesandte und sei« Chef wissen natürlich ganz genau, daß es in der Republik Oesterreich keine Zensur gibt; aber gegen den schwachen Donaustaat können sie sich ja aller- Hand erlauben— im Zeichen des Frenndschastsvertrages. In Trieft und Umgebung haben die Faschisten inzwischen rund tausend Personen, besonders Slawen, oer haftet, darunter die ganze Familie des am Samstag erschossenen jungen Bakencjc, dessen Vater Selbstmord begangen hat. In Trieft und in den umliegenden Ortschaften sind über 20 000 Milizsoldaten.zusammengezogen. Besonders wütend sind die Faschisten, weil die slowenisch« Bevölkerung zum Zeichen ihrer Eni- rüstung und Trauer wegen der vier Hinrichtungen eine einzigartige Kundgebung veranstaltete. Die Bewohner von ganzen Dörfern find au« den Häusern in die naheliegenden Wälder gegangen, «o sie den ganzen Tag und die ganze Nacht zum Sonntag in tiefem Schweigen verbrachten. Dies« wortlose Kundgebung, während der die Bevölkerung nichts aß und nichts trank, dauerte bis Sonntag jrüh. Dann gingen die Leute in die Kirchen, um Trauer- gebete zu oerrichten. Die Faschistenblätter in Trieft und Venedig schreiben zu dieser Kmrdgebung:„W ir haben noch genug Blei und Pulver für andere, die sie ebenfalls in den Rücken bekommen können. Wir werden damit nicht sparen!" Die jugoslawische Regierung trachtet, durch scharfe Maß- nahmen die Press« und das Volk an Kundgebungen gegen Mussolinis Mordregime zu hindern. Iialie« mobilisiert pari». 10. September.(Eigenbericht.) Alarmierende Berichte englischer Blätter und Agenturen über eine plötzliche Zuspitzung der italienifch-jugosla» wischen Beziehungen werden vom„Paris Midi" durch ein« Ppwatmeldung aus Rom ergänzt. Demzufolge soll die faschistisch« Regierung die Mobilmachung von vier Reservisten- k lassen in Istrien und Fium« angeordnet haben. Das Motiv rieser Maßnahmen sei die Befürchtung der faschistischen Regierung, der revolutionären Strömungen der slawischen Bewölkerung msolge der Triester Hinrichtungen nicht mehr Herr werden zu können. Die Demonstrationen in Belgrad und Laibach sowie die italienischen Mobilmachungen und Rüstungen hatten die italienisch- jugoslawische Spannung derart verjchärst, daß die Grenzen bis auf weiteres gesperrt werden mußten. Di« plötzliche Abreise Grandis aus Genf wird mit diesen Ereignissen in Zusammenhang gebracht. Das Llrieil von Triest. Ein Stück Bürgerkrieg. Cocamo, 10. September.(Eigenbericht.) lieber die blutrünstig« Gastrolle, die das Spsziakge- richt in Triest gegeben hat, ließe sich sehr viel jagen, wenn man den Pro.zeß als strafrechtliche Angelegenheil ansähe. Dann wäre der Galoppschritt der Verhandlung hervorzuheben, der in zwei Tagen die ganze Beweisaufnahme für lS Angeklagte zu Ende führte, weiter die Weigerung des Kommandanten des Armeekorps von Trieft, das Gnadengesuch weiter zulei- t e n und schließlich die Tötung durch Erschießen in den Rücken, die das Ausnahmegesetz, auf Grund dessen verurteilt wurde, nicht vor- sieht, und das Militärstrafgesetz nur sür Landesverräter, um die es sich in diesem Falle nicht handelte. Es wäre hervorzu- heben, daß alle Verurteilten, bis auf einen, keine Borstros« eckitten hatten, was das Gericht vielleicht als Zeichen antssaschiflrscher Ge- sinnung für straferhöhend angesehen hat. Wir sehen aber in dem Prozeß nichts, was mit Rechtsprechung zu tun hätte. Es war eine in den Rahmen eines gerichtlichen Ber- fahrens eingeschlossene Episode des Bürgerkriegs, wi« dieser zwischen einer bewafsneten Macht und kaum bewaffneten Freischärlern gc- führt, und blutig, wi« eben der Bürgerkrieg ist.' Der Oberstaatsanwalt Desj'y— den Nomen wollen wir uns merken— hat den Nagel auf den Kopf getroffen, als er von dem Wirken der Ange- klagten sagte: „Der Kamps wurde gegen die faschistische Regierung oufge- nommen, gegen den Faschismus, der eine Lebensregel darstellt, die die Rückenwirbel der Nation verbessert und erneuert Hot. Gegen den Faschismus, der den Zement darstellt, durch den heute ganz Italien eine glühende Masse von Willenskraft ist, im Dienste eines Genius." Bei allem Blödsinn der Ausdrucksweise— wir denken, einige von den zur Ausbesserung gegebenen Rückenwirbeln sind der No- tion noch nicht zurückgestellt worden— versteht man deullich, daß die Angeklagten auch nach der Ansicht ihrer Schergen gar nicht schuldig waren, den Schaden des Staates oder des Vaterlandes zu wollen. Gegen den Faschismus ging der Kampf. Deshalb hat man vier erschossen und auf die übrigen 12 im ganzen 147 Jahre Zucht hau» verteilt. Das Borgchen steht moralisch und juristisch nicht höher als«ine beliebige Strafexpeditton. Auch bei denen halbes gelegentlich vier Tote gegeben. Die der Presse von Rom vorgeschriebenen Kommentare betonen einstimmig, daß Italien durch dieses Urteil die europäische Kultur gegen die Balkanisierung schützt. Es ist sehr gut, daß man uns das so einstimmig sagt, denn auf diesen Gedanken wäre in der der ganzen Welt keiner gekommen. Man hat vielmehr den Eindruck gehabt, daß dos faschistische Italien alles Balkanische, was in Europa noch herumjpukte, in sich ausnimmt und in ein System bringt, das Faschismus heißt. Italienischer Protest in Prag abgeblitzt. Prag, 10. Sepkember. Die Erschießung der vier Slowenen in Triest hak die t s ch e ch o- slowakische presse zu hesligen Angriffen gegen Italien ver- aalaßL Der italienische Gesandle pedrazzi erschien henke im Außen- ministeriuw und legte gegen die Augriffe der tschahoflowakischen presse formell Beschwerde ein. Zu verlrekuug des Außenministers Beuefch erklärte Minister Srofta. daß er de« Ein- spruch zurückweisen müsse. Die Regierung könne a ckf die presse keinen Einfluß ausüben, da die Zeitungen von der Regierung unabhängig seien. Das russische Hungerelend. Meldung des britischen Arbeiterblattes mit Moskauer ' Zensurerlaubnis. London, 10. September.(Eigen beiüchl-i Der Moskauer Korrespondent des„Daily 5)erald" drahtet seinem Blatt:„Während die russische Presse Arttkel schreibt mit der Ueber- schrist:„Das Schlangestchen kann und muß aufhören!", werden die Schlangen vor den Berkaussläden länger und zahlreicher. Di« Moskauer Hausfrauen sind von einer neuen Plage heimgesucht. Zun, ersten Male nach zwei Jahren beginnt wicder das Anstehen nach Brot. Die Bevölkerung empfindet dies um so schlimmer, als sie weiß, daß die Ernte gut war und beträchtliche Getreidemengcn ins Ausland gehen. Das Schlangestehen nach Brot wird deshalb aus die klägliche Organisierung der Kooperative zurückgeführt, die dos Monopol des Brotoerkaufs besitzt. Di« Press« fährt deshalb sott, die Kooperative der vollkominenen Unfähigkeit anzuklagen,- der Bürokratie und der Interesselosigkeit gegenüber der Bevölkerung." Oeutschtchinesischer Lustverkehr. Drei Linien BerUn— Schanghai. Aus Schanghai wird von einem Abschluß eines deutsch-chme- fischen Lujtfahrtabkommens. berichtet,'.'lach chinesischem Rocht wird unter Beteiligung der Deutscheu Lusthansa A.-G. eine Gesellschaft mit einem Kapital von 3 Millionen Dollar gegründet, wovon die chinesische Regierung zwei und die Deutsche Lusthansa A.-G. eine Million Dchllar übernehmen soll. Ein Zehntel des Aktienwertes wird eingezahlt. Die Deutsche Lust- hanso A.-G. stellt das gesamte Materiol. An der Spitze der Gesell- schajt stehen sechs chinesische und drei deutsche Administratoren, die nur mit chinesischen, von der Nanking-Regierung bestimmten Banken zu- sommcnarbeiten sollen. X Berliner Stimmungsbild. Goebbels fährt aus, um eine Rede gegen Bonzen, Prasser und Emporkömmlinge zu halten. Lungwähler und-Wählerinnen! Am 14. September entscheidet die wohlberechtigte Beoötfemng über das Schicksal des deutschen Volkes.> Rund drei Millionen junger Männer und Frauen im Alter von 20 bis 25 Iahren sind berufen, mit zu entscheiden, wie in Audmst in Deutschland regiert werden soll. Diese Millionen Jungwähler und-Wählerinnen bestimmen mit, ob Hitler-Mussolini oder Thal- mann-Stalin in unserem Lande unter Mißachtung des Volkswillens herrschen sollen, oder ob der Geist der Demokratie, der G e i st des Sozialismus die Richtlinien der Politik bestimmt. Wahlrecht ist in höchstem Maße Wahlpflicht! Die wahlberechtigte Jugend muß sich des ihr zuerkannten hoch- sten Staatsbürgerrechts reif und würdig erweisen. Die Jungwähler und-Wählerinnen sind die Hoffnung und Zukunft des deutschen Volkes. Das Kaiserreich halle für die Zugend nur Kasernen. Die demokratische Republik, die Sozialdemokratie, war es, die euch die politische Mündigkeit und Dollberechtigung gab. Di« bürgerlichen Parteien sind heute schon willens, euch dieses höchste Stoatsbürgerrecht zu rauben, sie wollen die Jugend wieder in die unmündig« Rolle der Vorkriegszeit zurückbringen. CFs ist kein Zufall, daß die ersten Versuche des diktatorischen Regierens mit dem Artikel 48 der Reichsversassung mit den Plänen der Wahlentrechtung der Jugend zusammenfallen. Jugend an die Wahlurne! Jugend für Demo- kralie und Sozialismus' Das ist die Parole des 14. September! Die Gegner der Sozialdemokratie, die Gegner de« schaffende.? Volkes sprechen von der Unreife der deutschen Jugend, im? damit ihre reaktionären Pläne zu verdecken. Die deutsche Jugend ist aber nach der Auffassung aller bürgerlichen Parteien als Steuerzahler„reif" gewtg, Lahnfteuer, Ledigensteuer, die Kopfsteuer auf ihre Schultern zu nehmen. Elende Heuchelei und elendes Pharisäertum ist es, tvas in dem Varl„unreife Zugend" zum Ausdruck kommt. Wahlrechtsraub bedeutet Sozialabbau. Was kümmert die bürgerlichen Parteien die soziale und geistige Not der Jugend? Was haben sie bisher getan in der Schaffung eines Jugend- schutzes, was auf dem Gebiet« der geistigen Fortbildung? Das Schund- und Schmutzgesetz des ehemaligen demokratischen Ministers Külz ist nur ein Beispiel dafürl Nationalsozialisten und Kommunisten stehen heut« in einer geistigen Front. Ihre gemeinsamen programmatischen Erklärungen, ihre gemeinsam durchgeführten Wahlversammlungen zeugen von der Verwilderung der politischen Moral. Nationalsozialisten und Kommunisten sind die Versechter des Dittawrgedankens, die Jugend aber braucht Selbstverwaltung und Frieden. Nie wieder Krieg ist die Parole der Sozialdemokratie! Nie wieder soll auf den Schlachtfeldern Europas die Blüte der Nation vernichtet werden! Völkeroersöhnung statt Kriegshetze In diesem Zeichen kämpft allein die Sozialdemokratie! Jungwähler und Jungwählerinnen! Ihr seid reist am 14. Sep- tember die Entscheidung richtig zu fällen! Die Iiigend gehört der Sozialdemokratie! Wir fordern alle wahlberechtigten Iugcl?dlichen aus, bis zum Wohltag unermüdlich für die Sozialdemokratie, für die Liste 1 zu werben. Die noch nicht wahlberechtigten Jugendlichen find gleichfalls ver» pflichtet, der einzigen Partei des sozialen und geistigen Ausstiegs des werktätigen Volkes ihre ganze Kraft zur Verfügung zu stellen? Sozialistische Arbeiterjugend Deutschlands. Bezirk Brandenburg-Grenzmark. I. A.: Richard Schmidt. Lrele Geiverkschastsjugead des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes Derlin Braudenburg-Grenzmark. T A.: Erich Wöllner. Zugendgruppe im Zentralverbaud der Angestellten, Gau Brandenburg-Pommern-Grenzmark. I. A.: Gottfurcht. Cschbach. Arbeiter- Sport- und kullurkarkell der Proviuz Brandenburg. I.A.: Rod ert Oehlschläger. Der Nazisumpf von Gotha. NazüFrük ist Äussichtsmiaifier. Gotha. 10. September.(Eigenbericht.) B(irger?oeifler De. Schmidt teilte am Dienskag über die Anterschlaguagen in der Sladlhauptkassenver. wallung durch nationalsozialistische Beamte unter anderem folgendes mit: Bei der S ladt Verwaltung sei es im allgemeinen üblich. Beamte, die sich in Rot besändeu, Gehalk» Vorschüsse zu gewähren. Sie müßten jedoch ordnungsgemäß auf Listen eingetragen und genau kontrolliert«verde». Als der Skadtvorstaod erfahren habe. daß es bei der Listensührung nicht einwandfrei zugehe, fei man zu einer Revision geschrille?«. Dabei ergab es sich, daß der Sladlobcr- sekrelär Schmidt, der Sladlsekrekär Rlänz und der Angeslellic Herzog ihnen nicht zustehende Vorschußzahluageu bezogen hältem Ferner habe man enkdeckl, daß Gehalts- Zahlungen in falscher höhe vorgenommen worden seit««. Man habe von den belastet«» Beamten Ausklärung über di« Vorschüsse und über ihre Schuldeu verlangt. Anstatt Rede und Ant- wort zu stehen, hätten Schmidt«ad Mäuz ihrem Leben ein Ende gemacht. Ob noch weitere Verfehlungen vorläge«, könne mr Zeil nicht gesagt werdea. Das müßte erst die eingeleitete Unter- svchung ergeben. Die Stadt nwlle versuchen, sich an den Erben der schuldigen Beamten finanziell schadlos zu halten. Hiiler im Sporipalast. »Du warst doch früher auch bei Roifront Es«vor«richt venwimderfich, daß die Ankündigung: Hitler kpricht! gestern den Sportpalast füllte. Männer mit wackeren Barten, fairatisierte bürgerliche Jungfrauen, Studenten und, das fei offen bekanrit, auch verführte Arbeiter imd Arbeitslos«, waren zur Stell«. Worauf aber der Zustrom zu den Nationalsozialisten tatsächlich zurückzusühren ist, das hellt« ein Blick m die Reihen der Ordner auf, die den Zugang zun« Sportpalast absperrten. In weißen Hemden zumeist, trugen sie knallrot« Binden,«md vortrefflich kenn« zeichnet die Situation bei den Nationatsozialisten der kleine Zwischenfall, daß ein absperrender Nazimai?n zu einem, der hindurch wollle, sagte:„Na, du warst doch früher auch bei Rot- front?" Zwei Dinge treiben Hitler seine SA.-Mannschasten zu: Einmal das Verbot von Rotfront vor dem Verbot der national- sozialistischen Kampsabteilungen! Es sind zum großen Teil Menschen, die ihren Radau, ihren Klamauk haben wollen Das Zrveite, das Wichtigste aber ist: Hiiler muß berappen! Er muß herüberkommen mit der Pinke, denn sonst«vird«hm wohlmöglich »och einmal sein Goebbels-Vüro in der Hedem« nnstraß« kurz und klein geschlagen. Sollte freilich Moskau wieder mit dem Gelde spendabel sein, dann heißt es: Gestern noch auf Hitlers Rossen, heute Thälmanns Frontgenossen! Der Extrakt aus der Hitler-Kundgebung im Sportpalast bleibt der Satz:„Du warst doch auch bei Rotfront?" Bombenleger aus Wahlagiiaiion. StoatsanwaU macht diesem unmöglichen Zustand ein Ende. Altona, 10. September. Bei Beginn des gestrigen BerhanÄungstag«; stellt« Oberstaats- anwolt Dr. G o l l«? i ck den Antrag, di« Angeklagten Becker u??d W«schke, die in den letzten Tagen oft in Versammlungen gesprochen und auch fiir heute ein« solche artgekündigt haben, in Haft zu nehmen. Rechtsairwalt Dr. Luetgebrune nirnmt das zum Anlaß, mit längeren sormaljuristischen Ausführungen einen Gegenantrag zu be- gründen. Er sagt, es lasse sich darüber streiten, ob das Tun der Angeklagten geschmackvoll oder taktvoll sei, aber das versassimgs- mäßige Recht der freien MemungsSußerung dürfe nicht angetastet werden. Oberstaotsanivolt Dr. Gollnick verteidigt nochmals seinen An- trag und nach mehr als einstündiger Beratung wird der Beschluß verkündet, Weschke und Becker neuerdings in Haft zu nehmen, da aus diesem öffentlichen Auftreten geschlossen«Verden müsse, daß sie Z eü g« n be« i nflu ssen«vollten. Der Anwalt beantragte sodann, die Sitzung zu schließen, da er zu dem Hast- beseht gegen Weschke und Becker, von dem er eine schriftliche Aus- sührung erbittet, Stellung nehmen müßte. Nach kurzer Berawng beschließt das Gericht, die Sitzung auf Donnerstag vormittag zu vertage«?. Oer faschistische Kommunistenhäuptling Sindermann durch Zeugen überführt. Chemnitz, 10. September.(Eigenbericht.) Die Chemnitzer Rede des kommunistischen sächsischen Ab- geordneten Sindermann, in der er ein Bekenntnis zu einem nationalsoziali st isch-kommuni st ischen Bündnis ablegte, hat in den Kreisen der kommunistischen Parteimitgliedschaft wie eine Bombe eingeschlagen. Unter dem Drucke der Veröffent- lichungen in der sozioldemokralijchen Presse ist Sindermann ge- zwuiigen worden, eine Erklärung abzugeben, in der er— l?ach altbekannter kommunistischer Methode— die Sozialdemokratie der Lüge bezichtigte. Dieses Ablenkungsmanöver hat indessen sür di« kommunistischen Hetzer die gegenteilige Wirkung erzielt. Der sozial- demokratischen.Chemnitzer Volksstimmc" haben sich nämlich elne Anzahl von Zeu g an zur Verfügung gestellt, die die nationalsozialistischen Ausführungen Sindermanns bestätigen. Sie haben die.Chemnitzer Volk-stimme" um Aufnahme einer Er- klärung gebeten, in der es heißt: .Die Unterzeichneten erklären hierdurch vor der gesamten Oeffenllichkeit. daß die Ausführungen des kommunistischen Land- tagsabgeordneten Sindermann, die m der.Polkitstunme" vom 5. September zitiert wurden, mit der RedeSindermanns übereinstimmen. Im„Kämpfer", dem Chemnitzer Kommu- nistenorgan. hat der Abgeol»üete SindermaiM«in« Erklärung neröfs-nl.licht. in der die Festsiellungen der„Dolkkstlmme" als Lügen bezeichnet werden. Dies« Erklkärung ändert aber nichts an der Tatsache, daß.Sindermann ein öffentliches Be- kenntnie zum Faschismus abgelegt hat. Daß Sinder- mann sich der Bedeutung seiner Ausführungen bewußt war. ergibt sich klipp und klar daraus, daß er außerdem noch erklärt hat:.I ch jage das bewußt, und wenn morgen die.Chemnitzer Volks- stimme" meine Ausführungen in noch so großer Aufmachung bringt." Diese Erklärung isloonachtZ«llfr«schlusses des Deutschen Theaters an di« Staatstheoter verhandeln. Diese Genichle werden in Vühnenkreisen kolportiert, von den maßgebenden Instanzen aber vorläufig dementiert. Trotzdem schei?,t chncn ein Körnchen Wahrheit zugnmde zu liegen. Christliche Neutralität. Arm in Arm mit der Reaktion gegen die(Sozialdemokratie. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der christlichen Gewerk- schaften, Bernhard Otte, bemüht sich, die etwas schwierig ge- wordene Stellung der christlichen Gewerkschaften dadurch Zu retten, daß«r den freien Gewerkschaften ihre Stellungnahm« zu de» Wahlen als Verletzung der parteipolitischen Neutralität ankreidet. Wenn die politische Neutralität darin besteht, dah man im Wahl- ,kampf auf einer Liste mit ausgesprochenen Uniernehmervertretern in allen bürgerlichen Parteien als christlicher Gewerkschaftler auf- trete» kann und gleichzeitig mit dieser mehr als wohlwollende» Neutralität gegenüber den reaktionärsten bürgerlichen Parteien die grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratisch« Partei in den Vordergrund stellt, dann haben die christlichen Gewerkschaften in diesem Wahlkampf allerdings den Gipfel der Neutralität er- klommen. Daß Herrn Bernhard Otle auf diesem Gipfel nicht recht wohl zumute ist, können wir ihm nachfühlen. Aus diesem Unbehagen erklärt sich, wenn er im„Deutschen" u. a. schreibt: „Die Verletzung der parteipolitischen Neutralität der freien Gewerkschaften und ihre Unterstützung der Sozialdemokratischen Partei schließt gleichzeitig auch eine Verlegung der religiösen Neu- tralität in sich. Warum? Der Sozialismus, zu dem sich die Sozialdemokratische Partei bekennt, ist zugleich Weltanschauung, und zwar eine Weltanschauung, die im Gegensatz zum Christen- tum steht. Die Stellungnahme des Sozialismus zum Dasein Gottes, zu den Fragen derJSHe und Familie, der Erziehung der Kinder, der konfessionellen Schule beweist das zur Genüge." Was„die Stellungnahme des Sozialismus zum. Dasein Gottes" betrifft, so kann Herrn Bernhard Otte doch nicht ganz un- bekannt sein, daß weder das Programm der Sozialdemokratischen Partei noch irgendeine der grundlegenden Schriften des Sozialis- mus irgendwie Propaganda zu machen versucht für ein Bekenntnis gegen das Dasein Gottes. Was nun gar die Fragen der Ehe und der Familie, der Erziehung der Kinder und der konfessionellen Schule betrifft, so wird auch Herrn Bernhard Otts nicht unbekannt sein, daß in diesem Punkte sich im Laufe der Existenz des Thristen- tums die Sitten und Anschauungen der gläubigen Christen sehr häufig gewandelt haben. Es ist durchaus möglich, daß w:r heute in diesen Fragen eine andere Stellung einnehmen als viele kirchengläubige Christen. Es ist aber durchaus nicht sicher, daß die kirchengläubigen Christen nicht morgen, das heißt in 50 oder 100 Jahren sich nicht zu unseren Anschauungen bekennen. Es gibt hunderttausende gläubige Christen, die Sonntags zur Kirch« gehen und sich öffentlich als Sozialisten de» kennen und betätigen. Es gibt zahlreiche christlich« Priester, ja selbst Bischöfe, die sich zum Sozialismus bekennen. Es ist grotesk, wenn ausgerechnet ein Gewerkschafter auftritt und diesen Dienern der christlichen Kirche das Christentum absprechen will. Zu solchen Verrenkungen der Logik und der Vernunft muß man aber kommen, wenn man gut Freund ist mit den Faschisten, mit den Schwerindustriellen der Deutschen Volkspartei, mit den reaktionären Großgrundbesitzern der Voltskonservativen und den industriellen Scharfmachern der Deutschnationalcn Volkspartei. Einem derartigen„Christentum" stehen die freien Gewerkschaften allerdings feindlich gegenüber. Du sollst nichi lügen! „Der Deutsche" brachte am 27. August unter der lieber- schrist„Sozialdemokraten als Arbeitgebervertreter" einen langen Wahlerguß der Breslaucr kommunisti- schen„Arbeiterzeitung", worin dem Leiter des städtischen Arbeiterdezernats Stadtrat Schramm nachgesagt wird, daß„er der schlimmste Arbeiterfeind ist, weil er einen Lohnabbau für die städtischen Arbeiter zum Zweck der Sanierung der Finanzen der Stadt vorschlägt." Wie steht e? mit dem Schwindel? Sofort nach dem kommu- nistischen Angriff erklärte am 11. August Schramm, der gerade in Urlaub war, daß er nicht daran denke, Lohnabbau zu treiben, well er Lohnkürzungen nicht als Mittel zur Sanierung betrachte. Trotz dieser Erklärung ist von der sozialdemokratischen Fraktion an den Magistrat eine Anfrage zur Klarstellung des Sachverhalts gerichtet worden. Sie wurde in einer außerordent- lichen öffentlichen Stadtverordnetensitzung am 13. A u g u st vom Arbeiterde, zernenten offiziell dahin beantwortet,„daß der INagistrat keinen Lohnabbau vorhabe und auch den Lohntaris zum Zl>. September ISZl) nicht kündigen werde: geplant seien lediglich frei« Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die, auch von den Betriebsräten geforderte, zweckmäßige Gestaltung des unübersichtlichen Zulagewesens." Der kommunistische Wahl- schwindet ist also bereits am 13. August klargestellt worden. Trotz- dem tischt ihn„Der Deutsche" seinen Lesern noch am 27. August auf. Ist das nun Christentum oder politische Neutralität? Antwort an Frick. Nun erst recht? Zu dem Ukas des thüringischen Nazipolizeiministers Frick, der den Verband Thüringer Polizeibeamten als politischen Verein erklärt, weil er dem ADV. angehört, schreibt die„Allgemeine Deutsche Be- amtenzeitung" in ihrer heutigen Nummer: Di« thüringische Frick-Regierung kriegt es also fertig, mit einem Federstrich die Gewerkschaften für politische Vereine zu erklären. Denn nichts anderes bedeutet dieser Erlaß. Herr Frick will ein neues Muster für die Gewerkschaften aufstellen und ihnen dekretieren, daß sie sich um Politik nicht zu kümmern haben. Er will aus den Gewerkschaften Berüfsvereine machen, die auf jede grund- sätzliche und konsequente Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder verzichten sollen. Herr Frick wird aber vergeblich versuchen, das Rad der Geschichte wieder zurückzudrehen. Die Gewerkschaften sind nicht nur dazu da, um die engeren Berufsfragen ihrer Mitglieder zu erörtern, sondern haben die Pflicht, ihre ganze Macht auch für eine Umgestaltung der politischen Verhältnisse in die Waagschale zu werfen. Wenn sie darauf verzichten würden, zu den Taten der politifchen Parteien Stellung zu nehmen, würden sie auch damit darauf verzichten, ihre gewerkschaftlichen Forderungen aus Worten in Taten umzusetzen. Wenn sie keine Stellung zu den politischen Wahlen nehmen würden, dann gäben sie es auf, ein« Wendung der politischen Lage zu ihren Gunsten herbeizuführen... Es wird noch mehr dazu zu sogen sein. Soviel steht aber schon heute fest, daß diesem Vorgehen der entschieden st e Wider- stand der freigewerkschaflllchen Bewegung entgegengesetzt wird. Wir werden nicht eher ruhen, als bis dieser famose Erlaß der rückständig- sten Regierung, die wir in einem deutschen Lande haben, wieder b e- s e i t i g t ist. Und wir hoffen, daß auch der Spuk eines national- sozialistischen Polizeiministers damit zu Ende sein wird. Aber angesichts der bevorstehenden Wahlen wird auch dieser Ver- such die Koalitionsfreiheit der Beamten einzuschränken, für die ge- samte Beamtenschaft eine Mahnung sein, am 11 September ihre Pflicht zu tun. Bauarbetter zum Bauprogramm. Wie vie M eten verbilligt werk» n können. „Arbeitsbeschasfungsprogramm" nennt man den Abbau des Wohnungsbaufonds von Süll Millionen Mark auf 400 Millionen Mark und die damit verbundene Steigerung der Arbeitslosigkeit allein unter den Bauarbeitern um sthätzungsweiie 150 000 bis 200 000 Menschen. Und das plant man in einer Zeit, wo die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe schon immens groß ist: waren doch Ende Juni dieses Jahres in Berlin mehr arbeitslos« Maurer und Bauhilfsarbeiter vorhanden, als im Februar 1023. dem Monat der sibirischen Kälte! Wie die Bcr- liner Bauarbeiterschast über diese Art von„Konjunkturbelebung" denkt, zeigte die Versammlung der Funktionäre, der Baugewerkschaft Berlin am Dienstag im Gewerkschastshaus. Genosse Drügemüller wies an praktischen Beispielen nach, daß man den Baumarkt erst dann wird beleben können, wenn die Planlosigkeit in der Bauwirtschaft aufgehört hat Grund- bedingung für die Ankurbelung des Baumarktes und damit der gesamten deutschen Wirtschast ist zunächst die Senkung der über- setzten Baustoffpreise und der Hypotheken Zinssätze. wodurch erst die Erstellung von Wohnungen zu einem Preise ermög- licht würde, der auch für die ärmere Bevölkerung erschwinglich ist. Wenn der heutige Hypothekenzinssatz aus 0 Proz. gesenkt würde, hätte das für eine Wohnung, die im Durchschnitt einen Herstellungswert von 10000 M. hat, die Verbilligung der Miete um 4 00 Mark jährlich zur Folge. das Grrc e von der„großen" Bedeutung der angeblich z!■;*• 100 Mi! Ionen M'rk aus Reichsmi'.teln für den Woh- nunasbau auf sich hat. zeig: am besten«in Vergleich mit Berlin. das nhrlich rund 130 Millionen Mark allein füi Wohnungen ver- baut Wenn dann aus Reichsmitteln für das gesamte Reichs- gebiet rund 60 Proz. dieser Summe für den Wohnungsbau„zu- sätzlich" zur Verfügung gestellt werden soll, kann sich jeder Laie leicht ausrechnen, wie das zur„Belebung" des Baumarktes beitragen wird. Diese ganze 100-Millionen-Mark-Aktion der Reichsregierung ist eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit und nichts weiter als ein Wahl manöver. Die Bauunternehmer fassen das.Llrbeitsbefchaffungs- Programm" wieder von einer anderen Seite auf. Sie erblicken darin die Aufforderung, die Bauarbeiterlöhneabzubauen und die Tarife zu umgehen. Die Anzeichen mehren sich, daß trotz bestehender Tarifverträge auch im Baugewerbe versucht wird, die Bauarbeiter um ihre Errungenschaften der letzten Jahre zu bringen. Diesen Anfängen den schärfsten Widerstand entgegenzusetzen ist die Hauptaufgabe, die den Bauarbeitern als Gewerkschaftern jetzt ge- stellt ist. Als Staatsbürger aber haben die Bauarbeiter die Pflicht, dafür zu sorgen, daß wieder ein« Regierung ans Ruder kommt, in der die Arbeiterschaft ein entscheidendes Wort mitzureden hat und die mit wirklich brauchbaren Borschlägen zur Behebung der Wirtschaftskrise vor die Oeffentlichkeit tritt. Die Ausführungen des Genossen Drügemüller wurden in der Diskussion noch wirksam unterstrichen. Ein Kommunist, der die Ver- fammlung für„Sowjetdeutschland" begeistern wollte und zur Stimm- abgab« für die KPD. aufforderte, erntet« schallendes Gelächter. Unter begessterter Zustimmung richtete Genosse Drügemüller zum Schluß an die Versammelten die Aufforderung, am Sonntag ihre Stimmen der Sozialdemokratischen Partei zu geben, die im Gegensatz zur KPD. die Gewerkschaften in jeder Beziehung und in jeder Situation unterstützt hat. Geheilt aus Gowjetrußland zurück Ke.ne Lust mehr nach den bolCchew.stischen Beischtöpfen Am 22. August veröffentlichte die„Rote Fahne" in Fettdruck folgende angeblich« Aeußerung eines deutschen Arbeiters m Rußland: „Ich habe hier in Rußland in einer Woche mehr Fleisch gegessen, als in Deutschland das ganze Jahr." In derselben Nummer stand weiter in fetten Lettern zu lesen: „Zwanzig deutsch« Former, welche von Berlin nach Rußland gingen, geloben mternationale Solidarität." Es folgten unterschristlich alle Namen der Former. Von diesen zwanzig Formern, die sich mit Herz und Hand Sowjet rußland verschrieben, und vor knapp einem Bierteljahr nach Rußland reisten, in der Erwartung, dort zu erträglichen Bedingun- gen Lohn und Brot zu bekommen, sind acht Former bereits wieder in Berlin eingetroffen. Man übertreibt nicht, wenn man behauptet, daß diese Former nicht deshalb so schnell nach Deutschland zurückgekehrt sind, um am Sonntag für die KPD. zu stimmen. Die Sowjetkur war wohl kurz, aber gründlich „Revolutionäre"(Streikbrecher. Ob Nazi, ob Streikbrecher, der KpO. ist nichts zu schlecht. Einen interessanten Einblick in dos schäbige Treiben der so- genannten„roten Gewerschastsopposition" gewährte die Versamm- lung der sreigewerkschaftlich organisierten Bauanschläger am Dienstag im Verbandshaus der Metallarbeiter. Di« Versammlung war von der Branchenkommission der Bauanschläger einberufen worden, um den gesamten Branchenangehörigen, auch den kommu- nistischen einmal ganz deutlich vor Augen zu führen, wie g e- w i s s e n l o s die KPD. in ihrem haßerfüllten Kampf gegen die Gewerkschaften ist. Neben der straftorganisierten Bauanschlägerbranche im Deutschen Metallarbeiter-Verband besteht schon fest Jahren in Berlin ein Bauanschlägerverein, den man mit Recht als Ver- ein der Beitragsscheuen und gewerkschaftlich I n d i f s e- r e n t e n ansprechen kann. Auch wegen seiner zahlenmäßigen Be- deutungslosigkeit hat dieser Berein aus die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Bouanschläger noch nie Einfluß aus- üben können. Der Versuch, neben dem Meiallarbeiter-Berband als Kontrahent des Bauanschlägertarifes zugelassen zu werden, wurde von dem Bereinsvorstand zwar mehrfach unternoimnen, schlug aber jedesmal fehl, weil die Branchenkommission der freigewerkfchastlich orzanisi erben BauanschlSge? sich«eigerte, die Vertreter eines Be» eins mit kaum 100 Mitgliedern als ein« ernstzunehmend« Arbeiter- arganisation anzuerkennen. Das Schattendasein behasst« nun dem Berein nicht mehr: er suchte und fand Anschluß an die kommunistische R. O. G., an deren Sternenhimmel die„Riesenorgamsation" gleich den ge- bührenden Platz zugeteilt bekam. In einem Artikel des Organs der „Gewerkschaftsopposition", dem„Pionier" wurden die Vereinsbrüder als die„einzig klassenbewußten Bauanfchläger Verlins" gefeiert, die„sozialfaschistische" Branchenleitung der im Metallarbeiterverband organisierten Bauanfchläger jedoch in Grund und Baden verdammt. Mit keinem Wort aber wurde in dem Schmahartikel gegen die Bauanschläger des Metallarbeiterverbandes di« Tatsache erwähnt, daß der jetzt auf einmal so„revolutionäre" Bauanfchlägeroersm bei dem letzten Bauanschlägerstreik planmäßig den Streik- bruch organisierte. Daß der„klassenbewußte" Vercinsvor- stand damals nicht nur feine Mitglieder auffordert«, i n d e n b«- streikten Betrieben weiterzuarbeiten, sondern die von den freigewerkschaftlich organisierten Bauanfchläger verlassenen Arbeitsplätze durch feine Bereinsmitglieder besetzen ließ, ist an- scheinend bei den kommunistischen Gewerkfchaftsftrategen in Vergessenheit geraten. Die Hauptfach« für die bankrotte kommuniftifche Gewerkschaftsopposition ist, daß sie ihren wenigen Anhängern wieder einmal einen„Werbeerfolg" vorgaukeln kaim, wenn auch die neugewonnenen„Klassenkampf««" ehemalige Streikbrecher sind. Die Mitteilung dieser Tatfachen durch den Branchenleiter Ge- nosfen Backhus rief in der Berfammlung helle Entrüstung her- ver. Die Branchenverfammlung nahm e i n st i m m i g, also einschließlich der kommunistischen Branchenange- hörigen ein« Entschließung an, in dem die verlogene Schreib- werf« des Organs der kommunistifchm Gewerkfchaitsoppofition scharf verurteilt und der Branchenkommission das volle Bertrauen ausgesprochen wird._ Die Arbeiter gegen die KPD. Die KPD. hatte die Belegfchaft der Firma Mix u. Genest zu einer Versammlung einberufen. Es wurde eine große Pleite. Bon rund 1600 Personen Belegschaft waren etwa 20 erschienen. Dagegen halt« der Arbeiterrat vor einigen Tagen eins Beleg- schaftsversammlung einberufen, die«inen äußerst guten Besuch auf- wies. In klarer und ruhiger Weife rechnet« der Betriebsratsvor- sitzende Genosse Galle in seinem Referat mit den Scharlatanen und Hanswürsten ab. Gegen die fachlichen Argument« de» Redners konnten die Ver- lreter der„Opposition" sich nicht durchsetzen und stießen wiederholt ouf den heftigsten Widerspruch der Bersammlung. Von unserer Seite sprachen in der Diskussion Genosse Emil Barth und der Be- zirksleiter des 11. Bezirks des Deutschen Metallarbeiterverbandes Genosse Otto Mendt, die in äußerst wirkungsooller Weife das Treiben der gewerkfchaftsfeindlichen Kommunisten brandmarkten und deren Reden in di« Aufforderung ausklangen, am 14. September die Lift« der Sozialdemokratischen Partei zu wählen. Ein Antrag, der den Bericht des Arbeiterrats billigte und gleichzeitig den kommunistischen Arbeiterratsmitgliedern schärfste Mißbilligung der Versammelten für ihr Verhallen aussprach und zum Schluß den Arbellerrat beauftragte, geeignete Maßnahmen für die Verhinderung von Entlassungen zu ergreisen, wurde gegen wenige Stimmen angenommen. �uHrvergvaU'Schlebsfpruch verblndltch. Der Schiedsspruch für den Ruhrkohlenberg» bau vom 4. September 1930 ist für v e r b i n d l i ch erklärt worden. Der Schiedsspruch, von den Unternehmern abgelehnt, verlängert die bisher geltenden Löhne._ Achiung, Berliner Tabakarbeiier! In einem Flugblatt der kommunistischen Gewerffchastsgegner. der REO., das heute vor dem Jofetti-Betrieb verbrellet wurde, wird behauptet, die Zigarelleasabrik Zofettt werde stillgelegt bzw. aufgelöst. Diese Behauptung ist unwahr. In der„Oppositions"-Dersammlung. zu der in diesem Flugblatt eingeladen wird, ist als Referentin«ine kommunistisch« Reichstags- kandidotin Roberto Groppa als Taba karbeiterin angegeben. Eine gewerkschaftlich organisierte Tabakarbeiterin dieses Namens ist im Deutschen Tabakarbeiterverband nicht bekannt. Die organisierten Tabakarbeitcrinnen und Tabakarbeiter bei Jofettt tun also gut daran, die„Opposition" ganz unter sich zu lassen. Tariwerlängerung im Kohlenhandel. Der seit mehreren Monaten schwebende Lohnkonflitt im Berliner Kohlenhandel ist jetzt beendet worden. Der am 6. August gefällte Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, wonach sowohl der bisherige Manteltarifvertrag als auch das Lohnabkommen unverändert bis zum 31. März 1931 verlängert werden soll, ist für verbindlich erklärt worden. Die Verhandlungen zum Neuabschluh der Tarife zogen sich deshalb monatelang hin, weil die Unternehmer den Abbau der Löhne und die Verschlechterung des Manteltarifoertragcs gefordert hatten, die Kohlenarbeiter dagegen eine angemessene Lohnerhöhung. fo» �reie Gewertschafts,Iugent> Berlin d«ut«.$onn«»t«(|, um iszz Uhr. tagtll die Sruvpen: Aip«»ick: Iuucnd. licim ffitllitau« Str. 5. Bortra«:.Di« cnalilch« S«w«rkschak:»bewcaung". ,-—«elundbruuuen: Iug«n»heim Ziot, Schule. S«t«nburaer Str. 2. Bartrog:.Anaer«erkschait»richtung-n neb»n den freien Semerflchaften".— Siidofte«! Sruppenheim Reichrnberger Str»« tZeuerwehr). BrePspielabend. Alle lernen Schock>spiel«n.— Tempelhaf! Sruppcnlieim Liueum Sermonio- straße 4—«, Bortraq:.Augendschu»— Iugendrccht".— Moabit- Zugenblieim Ltdrtcr Str, lü-lg. Siballplattenabend— zleu-Lichtenberg- Iugenddeim Sunterstr. 44,«cur Keim, und Äusienspiel«.— Lichtenberg: Jugendheim Kaufs», an der LessingstraKe. Bortrcg:.Mädel und Bursche in der Jugend- brrocgung". .�uoenderuvpe vesZkntra'verbandes Ver Anaeffellten sSrjf Leute. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen siatt: Pankow. Ziiederichöubanfe»: Jugendheim Görschstr. 14 fgrohes Zimmer). Bor. trag:.Proletarische iZeftr und Meiern" Referent Albert Ranasf«.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildenbruchsir, öS lZugang von der Graehstrage in Treptow). Lichtbildervortrag: Lugendwandern und Jugendherbergen". Refe- renk Georg Seilbrunn.— Schiraeberg: Zugendbeim Kauptstr, 15 lKofgebiiudc, Thüringen, immer). Bortrag:.Sozialismus. Kommunismus. Anarchismus". Beferent Ar'ur Bochow— vsten: Jugendheim der Schul« Litauer Str. 18. Arbeitsgerichtslihung.— Spiel irab Sport ab 19 Uhr im Bolkspark n-eljiergc. ob 18 Uhr auf dem Sportplah Bremer Straß« fRordwest), ab 19 Uhr guk dem Eportplaß Olbersstraße fCiharlottenburg) Beran, wortlich tvr Politik: Dr, Turt»eiier- Qirtschall:«, ftlmgelhös«-: Gewerkfchoitsdewegung: I. Steiner. iZeuilleton: tt. K. Töfcher: Lokale» und Sonsliac» Tri»»»rstädt: Aneeiaen: Tb Gloche: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Lerloq(8. m b. K. Berlin Z ruS: Borwärts-Buchdrucheret und Brrlaasauftalt Bau! Singer n. Cd-, Berlin SW 88. Lindciillraß« L. Kieq» 2 Beilagen ,«».Frauenstiw-e-, Är. 425• 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts vonnerstog, 44. September 495t) Zyankali bei der Zieichspost. Postbeamtin in gistigen Dämpfen hilflos erstickt. ?m Reichspostzenkrolamk in der Schöne- berger Strasse in Tempelhos ereignet« sich am Nliltivochnachniittag ein äusserst feftfomer und geheimnievotler Unsall, dem eine junge Postlaborantin zum Opscr siel. In dem Laboratorium des Reichspostzentralamtes war die ZZjährige Laborantin Anna Huwald aus der Seidelstraße in Steglitz beschästigt. Als gestern eine Kollegin den Raum betrat, fand sie zu ihrem Schrecken das junge Mädchen tot auf. Sie war durch Zyankalidämpfe(!) betäubt worden: der Gift- stoff hatte bereits so stark gemirlt, daß alle Wiederbelebungsversuche der inzwischen olannierten Feuerwehr ohne Erfolg blieben. Die Leiche ist von der Kriminalpolizei beschlagnahmt worden. Es ist zn erwarten, daß von der Polizei eine strenge Untersuchung eingeleitet wird. Zunächst ist es völlig unerklärlich, zu welchen Zwecken im Reichspostzentralamt mit so gefährlichen(Bisten gearbeitet wird, und das Reichspostzentralamt wird nicht umhin können, sich schleunigst umnißoerständlich darüber zu äußer». Weiterhin hat die Deffenllichkeit auch ein Recht, zu erfahre», warum die Laborantin bei ihren Arbeiten nicht hinreichend geschützt worden ist. Ans entsetzliche Weise kam der lSjährige Lehrling Erwin Kegel aus der Cadiner Straße Ist bei Elektromoickage- arbeiten in der Pumpstation Rcinickendors-Ost, Teichstraße, ums Leben. Der Junge berührte mit seinem Handwerkszeug ein Stark-. ltromkabel und wurde durch den elektrischen Schlag auf der Stell« getötet. Müchiiger Kabareitdirekior. Künstler und Angestellte um ihre Gelder betrogen. Im Kabarett„Marietta" am Bayerischen Platz sitzt ein Häuflein trauriger Menschen, deren Brotgebcr seit Mittwoch, dem ersten Gogentag im Monat, spurlos verschwunden ist. Außer dem Künstlerpersonal und den Musikern, die ein Monatsengagement abschlössen und nun acht Tage umsonst gearbeitet und die übrigen drei Wochen ohne Engagement sind, wurden die Pächter des B u- fetts, der Garderoben und Toiletten ganz besonders schwer hereingelegt: ihre Kautionen, die Hunderte, teilweise sogar Tausende von Mark betrugen, sind verschwunden. Ein« Garderobefrou hat außer der geleisteten Kaution aus Veranlassung ihres sauberen Ehefs auch noch einen Wechsel unterschrieben, den sie jetzt einzulösen hat. Die verschiedenen Pachtverträge wurden ober nicht nur mit den im Lokal befindlichen Pächtern, sondern auch noch mit verschiedenen anderen Personen geschlossen, denen der Herr„Direktor', Alois Dethon nannte er sich wohl, die Kaution abluchste, die aber niemals dos Pachtobjekt erhielten. Der Direktor hat auch noch bei hen KAnftlern des vorher. gehenden Programm» beträchtliche Aage.rzs chu l d e y. hmterlgssen und obwohl dies bekannt war. ist es ihm mit geschickten Dersprechun- gen doch gelungen, wieder neue Kräfte für sei» Unternehmen zu bekommen. Um wenigstens etwas zu retten, haben nun die ver- schiedencn Pächter die Leitung des Lokals übernommen. Groschen- weise muß sich beispielsweise einer der Musiker, der bereits längere Zeit engagiert ist und während des ganzen vorigen Monats statt einer Gage von 8stst M. ganz« 3st M. erhielt, das Fahrgeld zu- fammenbetteln: ähnlich ergeht es den Künstlern, von dem immensen Verlust der Pächter ganz zu schweigen. Es wäre unbedingt not- wendig, daß die Ucbernohme eines Kabarcttbetriebcs von einer Konzession mit Hinterlegung einer bestimmte» Kautionssumme ab- hängig gemacht wird. Dunklen Geschäftsleuten, die skrupellos ein Unternehmen gründen und arbeitswillige Menschen auf gemein« Weise prellen, muß das Handwerk gelegt werden. Der saubere Herr Dethon wohnte zuletzt in der Deulsttaße in Oberschönewoide. Seinen Wirtsleitten hatte er mitgeteilt, daß er geschäftlich noch Honiburg gereist sei. Man nimmt ober an, daß er sich in Berlin oerborgen hält. Bisher ist ein Schaden von etwa 4st vstst M. festgestellt worden. Schrecklicher Gelbstmord eines Mörders An der Hochspannungsleitung verbrannt Paris, Ist. September. Der Mörder des Pariser Taxjchaufseurs, der vorgestern in einem Lorort tot aufgefunden wurde,. ist jetzt unter schrecklichen Umständen entdeckt worden. Es handelt sich um einen Soldaten, der, als er sah, daß man seiner Untat ans die Spur gekommen war, die Flucht ergriff. Die ganze Nacht hindurch dauert« die Jagd nach dem mutmaßlichen Mörder. Am andern Morgen fanden ihn Bauern vollständig verbrannt an der Hochspannungk- leiwng der Linie Paris-Orleans, 12 Kilometer von Orleans cnt- fcrnt, aufgehängt. Der Strom von öst ststv Volt hatte den Mörder sofort getötet. Giftige Bohnen. Drei Todesopfer einer Cpeisevergistung. Altona. Ist. September. Der Kaufmann Hermann Degenhardt, sein« Frau und die Hausangestellte Käthe Dahl erkrankten dieser Tage nach dem Genuß von eingemachten Bohnen unter schweren Lähmungserjchcinungen. Trotz oller ärztlichen Bemühungen sind die drei Personen on den Fökgen der Vergiftungen gestorben. Di« Untersuchung der Speisereste, die im bakteriologische» Institut des Allonaer Krabkmliaüjes vörgMmch�n wipd�zst noch nicht abze- schloss-n.................• Ballonaufstieg verschoben. Professor Picard hofft auf baldige Wetterbefferuug. Professor Picard hat seinen geplanten Aufstieg in die Str« tosphöre abermals verschieben müssen, da die Wetterlage dem Un- ternehmen noch immer nicht günstig ist. Zwar hat sich im Lause des gestrigen Dienstags der Wind in Eüddeutschland gelegt, doch ist die Wolkendecke noch immer ziemlich stark und auch die Wind- richtung nicht gerade förderlich. Professor Picard rechnet nämlich selbst damit, daß er wäh- rend des Aufstiegs und der Landung, die ganz allmählich erfolgen muß, evtl. sehr weit abgetrieben werden kann und daß ein Nieder- gehen in Entfernungen von Sst bis Syst Kilometer von Augsburg durchaus im Bereich der Möglichkeit liegt. Falls nun der Ballon sehr stark abgetrieben würde, wäre es immerhin denkbor, daß eine hochliegende Wolkendecke den beiden Forschern jede Aus- ficht über das unter ihnen liegende Terrain versperren könnte. Für den Fall, daß Professor Picard in nördliche Luftströmungen geraten würde, könnt« er also über die Sllpen getrieben iverden. In diesem Fall wäre eine Landung mit erheblichen Schwierigkeften. sogar mit Lebensgefahr verknüpft, wenn der Ballon auf einem unwegsamen Berggipfel niedergehen sollte. Nach Möglichkeit will Professor Picard südliche Strömungen abwarten, um in Nord- oder Westdeutschland niedergehen zu können. Professor Picard hat übrigens jetzt noch einige Verbesserungen an der Aliiminiumgondel anbringen lassen und Hilss'mstrumente eingebaut, um seine Beobachtungen in der Stratosphäre besser kontrollieren zu können. Lteber 60 Kommunisten festgenommen. Demonstrationen vor den Betrieben. Gestern abend hatten die Kommunisten wieder eiinnal die Arbeitslosen vor ihren Agitationskarren gespannt. Mehrere Züge de» monstrierten in S i e in e n sst a dt, vor den Betrieben der AEG. in Oberschöneweide, der Knorrbvems« in Lichtenberg und am Tegeler Weg. Auch das„Vorwärts'-Gebäude wqr zweimal das Ziel der kommunistischen Radaubrüder, wo sie in provokatorischer Weise vorgingen. Ihre Absichten wurden jedoch durch das besoimeue Verhalten der Belegschaft, die gerade den Be- trieb oertieß, vereitelt. Kurz vor 20 Uhr kam es vor dem Reichspräsidenten- palais zu einem ernsteren Zwischenfall. Etwa 8 st Kam- m ü n i st« n marschierten durch die Wllhelmstraße und vor dem Palais sielen mehrere der Demonstranten über den Polizeiposten her. Der Beantte, der im Gesicht erhebliche Verletzungen erlitt. n rußte aus semer Dienstpistole einen Schreckschuß abfeuern, um sich die Angreifer vom Leibe zu holten. Die Krakeeler zogen dann weiter, zwischen der Behrcnstraße und Unter den Linden wurde der Zug zwangsweise aufgelöst. Es erfolgten mehrere Festnahmen. Insgesamt, mnrden etwa öst bis 7st Kommunisten zwang s- gestellt und der'Abteil>mg IA eingeliefert. Lei dem Riesenbrand im Piräu» sind K M a r r o s e n ums Leben gekommen, Ist wurden schwer verletzt. 15 Petroleumtank. schiffe und ein Passagierdampfcr wurden durch die Flammen zerstört. „Zeppelin" auf dem Nückstug. Angeblich von russischen Grenzwachen beschossen. Wie aus Mo'skau gemeldet wird, ist„Gras Zeppelin' am Mittwoch um 15,441 Uhr zum Rücksluge ausgestiegen. Dr. Eckener richtete eine Botschaft an die Sowjetrcgierung, in der er sich für den freundlichen Empfang in Moskau bedankte. Zwischen der Ankunft lind dem Abflug lag eine Begrüßungsfeier, in der der Chef der Luftstreitkräfte der Sowjetunion, B a ra n o w, u. a. ausführte: Ich bin fest davon überzeugt, daß der Besuch des deutschen Lustschiffes unter Ihrer Führung erneut die Gewähr für den Ausbau und Wa Festigung nicht nur der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern auch einer engen Verbindung zwischen der soevjetiftischen und deutschen Luftftotte bietet. Allen Flugteilnehmern wurden Geschenke überreicht. Dr. Eckener erhielt einen silbernen Pokal. Riga. lst. September. Wie sich da? Rigaer Blatt„Iaunatas Sinns' von der lett- lö n difch-russischen Grenze melden läßt, soll das Luft- schiff„Gras Zeppelin' beim Ueberfliegen der russischen Grenze von russischen Grenz wo ch e n beschossen worden fein. Im ganzen sollen lö Schuß gefallen sein. Eine Bestätigung dieser Nach- rscht- blecht..qbzuwsrten-'-j■ Die Heimkehr Andre«». Im Programm der Aktuellen Abteilung in der Portvagsrkche Wovon man spricht" wird am Donnerstag. dem 11. September, abends 8 Uhr, der soeben� van Tromsö zurück- gekehrte Redakteur E. Z. Klötzel über die Heimkehr'Andrecs sprechen. Mahraun-partei konzessioniert. Holl-Halfen zieht seine Berufung zurück. Bor dem k. Ferienscnat des Kammergerichts sollte heute mittag die Berusungsverhandlung in dem Streit zwischen dem Schriftsteller Hall-Halsen und der„Deutschen Staatspartei' wegen des Naincns der neuen Partei stattfinden. In letzter Minute hatte der Anwalt Halfens dem Senat jedoch mitgeteilt, daß der Antrag- steller auf die Berufung verzichte. Bon der Staatspartei wird bestritten, daß diese Zurückziehung der Berufung aus ein« sfinigung der beiden Parteien zurück- zuführen sei. SINOAIRLEW/S 72) 'ROMAN Auch das drängende, jagende Leben tagsüber im Büro hatte feine menschlichen Freuden. Una überbot sich den kleinen Stenotypistinnen gegenüber an Liebenswürdigkeit. und da«s hier kein weitverzweigtes Kastenwesen wie bei Pemberton gab, hatte sie bei den Leuten auch Erfolg und genoß all die wohltuende Wärme kleiner Beweise des Ber- irauens. Nach den Erfahrungen mit den 5)erren Schwirtz, Sanderson und Mr. Cullough konnten auch die lärmendsten Vertreter sie nicht mehr verletzen. Doch das Allerschönste war der Weihnachtsabend, als eine Stunde vor Gejchäftsschluß alle Unterschiede aufgehoben wurden' und Herr Truax Goldstücke und Händedrücke aus- teilte, und„Charles", der Verkaufsleiter, auf einen Stuhl stieg und ein Solo sang. 5)crr Fein schmückte alle Schreibtische mit Stechpalmenzweigen, und eine Stunde lang waren Steno- typistinnen und Vertreter und Beamte und Chefs nichts als Freunde. Als sie zu Schwirtz nach Hause ging, bemühte sie sich. ein wenig Festtagsfreude mitzubringen Sie wollte ver- aessen. daß er immer noch auf jene hypothetische Stelle wartete, während er von ihrem Gehalt lebte und immer mehr Entschuldigungen vorbrachte. Sie versuchte, vor sich selbst zu prahlen, daß ihr Mann es hasse, Geld von chr zu verlangen, daß er groß und stark und männlich sei. Sie führte ihn zum Essen aus. zu Pequolt, in einen Saal, dessen Wände mit Gold und Teppichen geschmückt waren. Aber er betrank sich und weinte Tränen in sein Glas und jammert«, daß er nur eine Last für sie sei: und sie war froh, nach Weihnachten wieder ins Büro zurückzukehren. 2. Der Hauch der Neuheit war geschwunden, dieses ver- «irrende Gefühl des Angekommenfeins, sei es in«inun Büro, einem Hotel m der Sommerfrische oder bei einem ge- scllschastlichcn Empfang: Una sah nun die Leute im Büro als einzelne Wesen. Sie wunderte sich, wie sie jemals hatte glauben können, daß der Berkaufsleiter und Herr Fein ein- ander verwirrend ähnlich wären, und daß sie nicht imstande gewesen war, sich die Namen der verschiedenen Vertreter zu merken. f Da war der Chef, Herr Daniel T. Truax, allgemein „D. T." genannt, ein umständlicher, höflicher Wimmerer. mit einem Gesicht, das besonders durch die rosige, zuckende Nasen- spitze an ein Kaninchen erinnerte, mit einem kleinen, gelben Schnurrbart und einem kleinen runden Bauch. Er nahm sich und das Geschäft sehr wichtig, obwohl er lange nicht so ge- rieben war wie Herr Pemberton.' Sein unerschütterliches Festhalten an der Würde seines Berufs machte auch im Handelsministerium Eindruck, und er wurde zu ollen Sitzungen berufen. Er war es, der die Grundstücke zum Parzellieren kaufte, und obwohl ihm Herr Fein in schwie- rigeren Gedankengängen überlegen war, konnte er wieder besser beurteilen, was„die Leute brauchten": wie weit man mit Eigentumsvorbehalten gehen dürfe und welche Laune die in Vororten wohnenden Leute auf der Suche nach einem Heim gegen Norden oder Süden treiben würde. Dann gab es cmcn Oberchef, den einzigen Menschen in der Firma, den Una haßte: Frau D. T. Truax. Sie war im Geschäft nicht offiziell tätig, und ihr Kommen und Gehen war ganz unregelmäßig. Ihre Tätigkeit bestand hauptsäch- lich darin, zu den ungelegensten Stunden zu erscheinen und einen mit ihren Fragen zur Verzweiflung zu bringen. Sie war dick, massiert, glitzernd, asthmatisch und nörgelte. Una hatte eine besondere Abneigung gegen die Nägel der Frau Truax. Ihre eigenen Fingerspitzen waren vom Maschine- schreiben oerhärtet: das Maniküren bestand bei ihr aus einem sehr summarischen Schneiden der Nägel und ober- flächlichem Feilen. Doch für Frau Truax war Maniküren ein Lebenszweck. Durch das ständige Wegschneiden der Ober- haut hatten sich an der Wurzel jedes Fingernagels kleine rosenrote Fleischpölsterchen gebildet. Verglich Una diese Frau Truax mit den Komiteedamen. die in das Abstincnzlerinnenheim inspizieren gekommen wäre«, so gelangte sie zu dem Schluß, daß Frauen, die an Egoismus, aber nicht ans Geschäft gewöhnt sind, gesetzlich daran gehindert werden müßten, jimge Frauen, die im Beruf stehen, Ratschläge zu geben. Die interessanteste Gestalt im Büro war Herr Fein, der jüngere Partner der Firma, ein Jude von der Harvard- Universität, der vollendete Typus des modernen Geschäfts- mannes. Ernst, groß, bebrillt, glattrasiert, mit schmalem Gesicht, einer, der das Geschäft zu seinem Beruf, und freund- liche Gerechtigkeit zu seiner Religion gemacht hatte, der stets auf Zweckmäßigkeit bedacht war, die Umwandlung der An- gestellten In eine Maschine jedoch verabscheute: er war der Glanzpunkt und die Macht der Firma Truax u. Fein. Uncr hatte ihn anfangs für nüchtern und nebensächlich gehalten, doch bald entdeckte sie, daß er es war, der Herrn Truax aus dem alten Geleise, den frommen Ausreden und kleiniichen Sparsamkeiten herausriß. Sie bemerkte, daß Herr Fein Bücher und die Oper liebte, und daß er außerhalb der Büro- stunden knabenhaft heiter fein konnte. Dann der Verkaufsleiter, diese routinierte und doch fröhliche Seele, Herr Charles Salmond, den jeder nur „Charles" nannte— ein guter Kerl, dr ein wenig ermüdend wirkte, weil er aus nichts als aus New Jork bestand. Er glaubte an Broadway und an die„Follies", an elegante Kleider, an ein Automobil, an Palm Bcach und an den Wert der Herlsarmee für die unteren Klaffen. Wenn Herr Fein für wirkliche Schönheit in den Borstadtbauten eintrat, fo war es Charles, die Stimme ganz New Aorks, der wider- sprechend rief:„Wir betreiben das Geschäft nicht zum Ver- gnügen— dieses ganze idealistische Geschwätz ist wunderbar für die Herren, die das Geld dazu haben: aber Sie. können von meinen Agenten nicht verlangen, daß sie dieses Zeug von„einfachen Proportionen" und„vornehmen Ideen' an Abnehmer verkaufen, die kein anderes Interesse haben, als ihr Geld sicher anzulegen und für eine Garage und zwei Kinder Platz zu haben." Sechzig oder siebzig Agenten? Angestellte, Mädchen—' sie alle lernte Una allmählich kennen. Schließlich war da noch eine helläugige, lernbegierige Frau, die stets gerne für jeden alles machte, sich nicht vor- drängte, sich aber auch nicht beiseite schieben ließ, eine Frau. die ein wenig von Architektur verstand und etwas mehr von der Kunst, sich hinaufzuarbeiten: eine Frau, die von Una ernst genommen wurde: und der Name dieses Vorbildes war: Frau Una Golden-Schwirtz. (Fortfetzmrz folgt.) Die letzte Wählerzeitung ist erschienen und wird Donnerstag iincl Freitag verteilt! Die Verbreitung erfolgt von den bekannten Stellen aus, sofern die Abteilungen keine Aenderungen angegeben haben Die Opfer der Arbeit kampfbereit! Kür die Partei Sozialpolitik, für Liste-t! Zirkus Hitler. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Erst jetzt von einer längeren Geschäftsreise zurück, möchte ich Ihnen nod) einige Eindrücke von unterwegs schildern. In den ersten Tagen des Atigust sprach Adolf Hitler in Frank- f u r t a m Main, Wenn die Sozialdemokratie in einer Stadt wie Frankfurt einen besonderen Redner stellt, dann ist der größte Saal im Umsehen voll. Die Hitler-Leute wußten, daß ihnen das nidst gelingen würde. So wurde denn eine Propaganda für die Per- sammkung genwidst, wie sie nur bei den großen Wander- Zirkussen üblich ist. Als ich nämlid) in den Tagen nach der Versammlung durch die vielen kleinen Städte des Rheingaus fuhr, sah ich die Hitler-Plakate, die zum Besuch der Versammlung in Frankfurts aufforderten, in allen diesen Städten, Und trotzdem dos Land gut katholisch ist, hatte dort niemand den Mut gesunden, die Plakate, die doch für den„h e i d n i s ch« n Germanen' Hitler warben, abzureißen. Wie würde es dort einer Jreidcnkerpropaganda ergehen. Auch die Eintrittsgelder waren wie im Zirkus. Man mußte, um den Zirtusdirektor Adolf Hitler zu sehen, 1,Zl1 M, zahlenf und selbst den Kriegsbcsdzädigten nahm nian 15 Pf. ab- Man mußte also, um einen Eaal in Frankfurt zu süllen, die Anhänger aus der ganzen Provinz zusammentrommeln. Nun darf man wirklich ge- spannt sein, wieviel Dumme auf den Blödsinn, den Direktor Hitlers Elowns und dumme Auguste in seiner Berliner Filiale angeben, hereinfallen, Giimmschein besorgen! Nicht bis zum letzten Tag warten. Wähler und Wählerinnen, die am Wahltage aus beruf- lichcn oder anderen zwingenden Gründen außerhalb ihres W a h l o r t e s sich aushalten, müssen sid) bei der Gemeindebehörde ihres Wohnortes einen Stimmschcin besorgen. Kleine Gemeinden stellen Stimmscheine noch am Sonnabend aus. In größeren Gemeinden können Anträge auf Stimmscheine am Sonnabend nidst mehr entgegengenommen werden, weil die Stimmkarten bereits an die Wahloorstände ausgegeben sind. Wer einen Stimmschein benötigt,, darf mit dem Antrag nicht bis zum letzten Tag warten. Es besteht sonst die Gefahr, daß der Antrag nidst mehr redstzeitig erledigt werden kann. Eine Werbewoche für die Schuhe. Am 18. September wird in den städtischenMessehallen am. Kaiserdamm die große I n-t« r,n a t i on a l e Le-de rs cha u Berlin 19 30 eröffnet werden. Im>Züsammewhang mit dieser Ausstellung findet vom 1. 1. b 1 s' 17, S« p t e m b e r in Berlin eine Reichs-Schuhwo ch e statt, veranstaltet vö'm R e i ch s o e r- band Deutscher Schuhhändler, die der Propaganda zur Hebung des deutschen S dz hH ton sums dienen soll. Sympathisch und erfreulich phrasenlos trugen der Perbandsoorsitzende Kommerzienrat H a r t l m a i e r- München und Syndikus Dr. Auerbach den Berliner Pressevertretern die begreiflichen Wünsche des Handels nach größeren Umsätzen vor. Sie wiesen auf die Tat- fache hin, daß in Deutschland im Durchschnitt nur ein Paar Schuhe pro Jahr auf den Kopf der Bevölkerung entfalle und daß dieser minimale Verbrauch weder den wirtschaftlichen, noch den hygienischen Bedürfnissen unserer Zeit entspreche. Größere Umsätze bedeuten größeren Verbrauch. Größerer Verbrauch ist größere Beschäftiguno der Arbeiter der Schuhindustrie und der Angestellten des Handels. Wenn aber Arbeiter und Angestellte millionenweise aufs Pflaster geworfen werden, wie stellen sich die Herren dann eine Belebung des Geschäfts vor? Deshalb rückten sie denn auch ziemlid) deutlich von dem jetzt üblidien wirtschaftlichen Zweckpessimismus ab. Es gibt nach ihre» Angaben in Deutschland etwa 14 000 Schuheinzel- handclsbetriebc mit etwa 20 000 Schuhgeschäften, in denen etwa 30000 Personen beschästigt werden, 1929 gelangten in diesen Gesdiäflen rund 72 Millionen Lederschuhe und 50 Millionen 5? ausschuhe zum Verkauf. Eine Preissenkung für Schuhe sei indessen nicht mehr möglich, da die heutigen Preise zum Teil unter dein Reidtsindex liegen. Ein Werbefilm, ein Schlager aus der demnächst zur Aufführung gelangenden Reklamerevue„Wir ziehen vom Leder" und eine originelle Revue elegant beschuhter Damen und Herrenbeine sdstossen sich an. Die Herren vom Schuhhandel sind sich darüber klar, daß ihnen nur durch Belebung des innerdeutschen Marktes ge- halfen werden kann. Sehr gutl Wenn aber die Wcrbewoche nicht den Erfolg haben' sollte, den man sich wünscht, dann sollten die Herren daran denken, daß durch immer neue Arbeitslosigkeit auch der Schuhkonsum immer mehr zurückgehen muß. Unter de» Perdacht der Blutschande. Schwere Besd)uldigungcn iverden gegen«inen 45 Jahr« alten pensionierten Eisenbahnsdzaffner ans der Pappel- Allee erhoben. Er soll sid), wie seine 10 und 19 Jahre alten Töchter behaupten, seit Iahren in widernatürlicher Weise an beiden vergangen haben. Erst jetzt osfenbari sid) die ältere Tochter der Mutter, die je- doch nicht wagte, eine Anzeige zu erstatten. Das tat vielmehr«in Student, der im Hause auch wohnt und von der Sache erjahren hatte. Der Schaffner wurde vor drei Iahren pensioniert und neiat dem Trunk« zu. Er soll seine Familie wiederholt schwer bedroht haben. Seine Verfehlungen verübte er stets dann, wenn seine Frau, die als Näherin arbeitet, ihre Wareü abliefert� und aus dem Haufe war. Der Festgenominene bestreitet das ihm zur Last ge- legt« Verbrechen, wurde aber dem Ridster vorgeführt, da er schwer belastet erscheint. Die Untersuchung zur Klärung der Beschul- digungen ist eingeleitet. Waffenlager beschlagnahmt. Zu unserem Bericht in der Dienstagnummer:„Waffenlager be- schlagnohmt" teilt uns die darin genannte Firma Daugs u. Ei«,, Berlin W, 35, Potsdamer Str. 12Za, folgendes mit:„Die beschlag- nahmten 275 Hülsen für Pirschbüchsen(nicht Gewehrschlösser) find nicht von einem Angestellten unserer Firma geliefert worden, son- dorn ein Angestellter der Firma hat versucht, ein Privatgeschäft da- durch zu machen, daß er die beschlagnahmte Ware ohne unser Wissen kousen und weiterveräußern wolüe. Die Firma Daugs u. Cie. ist bisher i» keinerlei Waffenschiebungsprozefse verwickelt gewesen, I« über 40 Versammlungen nahmen die Ar- beitsinvaliden in Grost-Berlin Stellung zur Reichstags- Wahl vom 14. September. Tie Versammlungen, die vom Zentralverband der A rb e its i n v a l i d en und Witwen Deutschlands, Gau Berlin, ejnberufen waren, waren außerordentlich gut besucht und gaben Zeugnis von dem lltampfwillen der QPfer der Arbeit. Mit Interesse nahmen sie Kenntnis von den Ausführungen der Redner, die mit besonderer Sihärfe die sozialreaktionäre Ein- stellung der Regierung Brüning geißelten. Die Reichstagswahl hat für die Arbeitsinooliden nach all dem in den letzten Monaten Er- lebten eine ganz besondere Bedeutung, steht sie doch im Zeichen des Kampfes um Abbau oder Erhaltung der Sozialgesetzgebung und Fürsorgepolilik. Es heißt sid) zu entscheiden, ob sie mit den Maßnahmen der Brüning-Regierung und der Berordnung des Reichspräsidenten einverstanden und somit bereit sind, alle die bereits eingetretenen Verschlechterungen, Erhebung neuer Steuern, Abbau der Arbeitslosen- und Krankenversicherung sowie Reichs- Versorgung hinzunehmen, oder ob sie gewillt sind, einen Reichstag zu wählen, der den Lebensbedürfnisien der hilssbcdürjtigen Bevölkerung gerecht wird. Die jüngsten Ereignisse haben aud, die letzten Zweifel darüber beseitigt, daß der weg. den die Regierung Brüning beschrilken hat. für die Arbeiter und Rentner ungangbar ist. Mit neuen ungerecht verteilten Steuern, durch«inen Abbau der Sozialpolitik, verfudst die augenblickliche Regierung ihren durch die verkehrte Finanzpolitik bürgerlicher Minister in Unordnung geratenen Reichshaushalt wieder in Ordnung zu bringen. Durch diese Maßnahmen der bürgerlichen Regierung und der sie stützenden, Parteien ist in den letzten Moiwtcn die Not und das Elend der Arbeitsopfer ungeheuer vergrößert worden, Eine Enttäuschung nach der anderen haben die Arbeitsopfer Deutschlands in letzter Zeit über sich ergehen lasse» müssen. Sie haben erkennen müssen, daß der Staat und die besitzende Klasse, für die sie sich durch Hingabe ihrer Arbeitskraft und Gesundheit geopfert haben, nichts fiir sie übrig hast Diesen unsozialen Zustand zu beseitigen Helsen, ist auch Ausgabe der Arbeitsinvaliden. Restlos müssen sie sich an, Sjoyntag, dem 14. September, an der Relchstagswbhl> beteMgen., Keiner darf der Wahl fernbleiben. Wahlrecht st, st W c> h l p f l i ch t�chies gist auch für die Arbeits- invaliden. Kelster lasie"sich vön den Propheten der bürgerlichen Parteien, von den Fürsorgedamen der oberen Zehntausend in den letzten Tagen vor der Wahl betören! Arbeilsopfer Berlin», sorgt dafür, daß am Sanntag. dem 14. September, die Arbeiterpartei, die Sozialdemokratie, die Oiste 1. den Sieg erringt, weil dieser Sieg auch der eure ist. Die Beamten reihen sich ein? Die Arbeiter, Angestellten nnd Beamten des Bezirksamts W e d d i n g nahmen in einer Bersanmstung in der Lichiburg zu den Reichstagswahien Stellung. Nach einem Referat des Siadtoerordnetenvorstchers Genossen Haß, in welchem der Redner die Versprechungen und Taten der einzelnen Parteien Revue passieren ließ, wurde«instimmig eine Resolution ange- nommen, in welcher die Versammelten geloben, sich mit allen Kräften für den Sieg der Lift« 1, Sozialdemokraten, einzusetzen. Bemerkens- wert war, daß unter dem Eindruck des von dem Referenten vor- gebrachten Tatsachenmaterials aud) die anwesenden Gegner nicht wogten, gegen die Resolution zu stimmen, Wortmeldungen von KPD.-Leuten(sogenannten Kozis) wurden auf Beschluß der Bersammlung wegen der unehrenhaften Kampfes- weis« dc'k Kommunistischen Partei gegen fünf Stimmen zurückgewiesen. Der sozialdeni akratische Werbeausschuß im Be- zirk Lichtenberg hatte die bei Behörden und in öffentlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten zu einer eindrucksvollen Kundgebung in der Aula des Realgymnasiums an der Parkaue«ingeladen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Ministerialrat a. D. Genosse F a l k e n b e r g, sprach über das Thema„Gegen Lohn- und Gehaltsabbau, für g»- rechte Besteuerung." Diese im Vordergrund des politischen Kampfes stehenden Fragen bewegen Arbeiter, Angestellte und Beamte gleich stark. Es ist verfehlt, die wirtschaftliche und politische Entwicklung vom Gesichtspunkt des Standesinteresies allein zu betrachten. Der politisch reife Beamte hat längst eingesehen, daß, wie die übrigen Arbeitnehmergruppen. aud) er nichts weiter als nur seine Arbeits- kraft zu verkaufen hat. Er weiß, daß es zur Sicherung des sozialen und wirtsd)astlichen Inhalts des Berufsbeanttentums starker Kampf- otganisatione» gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem bedarf. sie hat mit Wasfenschiebungsprozessen nichts zu tun gehabt. In| dem einzigen Prozeß um ein Munitionsgeschäst, in das die Firma verwickelt war, ist in allen Instanzen ein freisprechendes Urteil er- gangen. Das freisprechende Urteil ist rechtskräftig geworden. Diese unsere Richtiqstellung soll nidtz so verstanden iverden. daß wir uns nicht mit Waffeiigeschästcn befassen. Wir sind Lieseranten von Heeresmaterial jeder Art, machen unsere Geschästc aber nicht in Deutschland, sondern von Ausland zu Ausland direkt mit den Regierungen der Länder, mit denen wir feit Iahren in Gcschäftsver- bindung stehen. Unsere Lieferanen sind ausländische Kriegsmini- sterien und ausländische Fabriken, Beziehungen unserer Firma zur Nationalsozialistischen'Partei bestehen nicht und haben nie b'e- standlen.'...... Wir hotten den Bericht von einer uns bisher als zuverlässig und vertrauenswürdig bekannten Erlte erholten, „Die Zrau als Staatsbürgerin." Im Berliner Rund» funk spricht heute um 115.20 Uhr Gensssin Paulo Kurgaß über das Thema �D«e Frau als Staatsbürgerin". Diese Organisationen hat er in den freien Beamtengewe r k» j ch a f t e n gefunden, die sich Seite an Seit« stellen mit den Arbeiter- und Angestelltenorganisationen. Den politischen Ausdruck aber finden alle Bestrebungen der gesamten Arbeitnehmerschaft in der Sozialdemokratie. Sie gibt Gewähr für eine dem Volkswohl allein dienende Staatspolitik. Es gilt deshalb, den Zusammenschluß aller Arbeiter, Angestellten und Beamten zu erstreben. Die sozialdemokratische Fraktion im Bezirks- amt Prenzlauer Berg hatte zu einer WahUundgebung in den Sitzungssaal des Bezirksamts gerufen. Unter/ größter Spannung folgt« die überfüllte Versammlung den Ausführungen des Genossen Kurt H e i n i g, der, an Vergleichen zwischen früher und heute die Erfolge des sozialdemokratischen Kampfes zeigte. Die Rechte des Arbeiters, des Angestellten und Beamten auszu» bauen und vor den Zugriffen der Brüning, Schiele, und Treoiranus zu schützen, ist die dringendste Llufgabe der Partei. In friedlichem Wettbewerb mit den anderen Ländern und Völkern sind die wirt- schaftspoliti schen Fragen zu lösen. Eine von höchster Verantwortung getragene Außenpolitik wird die Stellung Deutschlands in der Welt zu festigen haben. Das waren von jeher die Ziele der Sozialdemokratie und dos werden sie auch in Ztcktmft sein! Gewalt gegen die Sozialdemokratie. Die Siedlung Neu-Tempelhof stand am Mittwoch abend im Zeichen der sozialdemokratischen Wahlpropaganda. Ein riesiger Demonstrationszug, angeführt von den Gruppen der sozial i» stischen Jugend, setzte sich vom Ringbahnhof Tempelhof aus in Bewegung. Rote Fahnen und Fackeln leuchteten in den stillen Garienstraßen auf. Kampflieder lockten die Bewohner an die Fenster. An einer Straßenecke mir ertönten die stereotypen Rufe der Nazis und Kozis, um im Gelächter imterzugehen. Zum Absdituß sprach in einer Kundgebung in der Volksschule auf dem Tempelhofer Felde Stadtrat Ernst Reuter. Er widerlegte die Wahllüge, die Sozialdemokratie sei an allen wirtschaftlichen und politischen liebeln und Krisen schuld, mit dem Hinweis auf die fürchterliche W i r t s d) a f t s k r i s e in Amerika, wo alle die.,marxistisd)en" Erfindungen, wie Arbeitslosen- und Krankenoersicherung. Arbeiter- schütz, Tarifverträge, gegen die das deutsche Bürgertum onreniü, nicht existieren. Die Sozialdemokratie soll von der Regierungsinachi ausgeschaltet werden, und nad�z den Ankiindigungbn von Trevtranus uittrr lünftsinden sogar mtt' Ge- »alt. Die Forderung Brünings, man' sollte nicht mitt-B�r- sprechungen im Wahlkampf arbeiten, schlägt den bürgerlichen Parteien selbst ins Gesicht, die ein halbes Jahr lang mit Steuersenkungs- oersprechen hausieren gingen. Eine so lügenhaft« Politik, wie die der bürgerlichen Parteien, wird einmal on ihnen durch ihre eigenen bisherigen Anhänger gekächt werden. Entscheidend für dos Schicksal Deutschlands und vor allem der arbeilenden Massen ist, daß die innerpolitischen und wirtschaftliche« Probleme sozial gelöst und außenpolitisch« Abenteuer ver- mieden werden. Die einzige Garantie für eine solche Entwicklung ist die Schaftimg einer starken sozialdemokratischeu Macht im Reichs- tag, für die wir kämpfen müssen! Oer Wahlkampf geht auch um die Gemeinden. Die fiir den 8. September nach den Passage- Festsälen in Neu- kölln von der sozialdemokratrschen Fraktion der Ar» beiter, Ange st eilten und Beamte« denn Bezirksamt Neukölln einberufene Wählcroersominlnng erfreute sid) starken Zuspruchs. Die Versammlung war von einem Kampf- und Siegeswillcn beherrscht. Das Referat hielt Genosse Dr. Löwen st ein. Er beleuchtete die augenblickliche politische Situa- tion voin Standpunkt der Politik der modernen Gemeinde und ihrer öffentlichen Betriebe, zeigte, wie stark das kapitalistische Interesse darauf gerichtet ist. den wirtschaftlichen und sozialen Charakter der Gemeinden auszuhöhlen. Die politische Demokratie ist das wesentliche Mittel, um auch in den Gemeinden die Ansätze der sozialen Demokratie zu sichern und mts- zubauen. Die kapitalistische Dittatur der Regierung Brüning be- deutet durch ihre Finanz-, Steuer- und Hondclspokttik, vor ollem auch durch die Kopfsteuer, eine ungeheure Gefahr. Der 14. Sez» tember muß diese Gefahr beseitigen. Die bürgerlichen Parteien sind kapitalistisch und gegen die Gemeinde eingestellt. Die Nazis und Komniunisten können zwar Rodau, aber keine Politik machen. Die Sozialdemokratie ist der einzige Hort für die politisch« und soziale Demokratie.— Die Ausführungen Löwensteins fanden starken Beifall. Große Erregung verursachte die Mitteilung, daß ein Neuköllner Stadtamt mann, der noch vor einigen Monaten bei der Bewerbung um eine Stelle in die Soziaidemo- kratische Partei«intreten wollte, jetzt, nachdem er keinen Erfolg hatte, sich als Reichstagskandidat, allerdings an aussichtsloser Stelle, für die M u m m- P a r t e i hat eintragen lassen. Neue preise für Sonntagsrückfahrkarten. Mit der am 1. September in Kraft getretenen Tariferhöhung bei der Deutschen Reichsbahn sind' leider auch die Fahrpreise der Sonntagsrückfahrkarten erhöht worden. Auf ollen Berliner Fernbahnhöfen hat die Reid)sbahndirektion Berlin neue Aushänge mit den veränderten Fahrpreisen angebracht. Die Reichsbahn soll nicht glauben, daß diese Erhöhungen so geringfügig sind, daß die Berliner sie nicht merken: sie haben es auch gemerkt, als die Reichsbahn In aller Heimlichkeit bereits im Frühjahr dieses Jahre? die Preise für einige Sonniggskavte« erhöht hat...''h r'ik Die Berliner täten deshalb gut. der Reichsbahn, die sich cwJ\ in bezug auf die Ablehnung der Bäderzü�e für dos Wonnseeoav als volksfeindlich erwiesen hat, einen Denkzettel zu erteilen und fq oft ms mogfich die wqtt ws Land gehende», KlygeN Fahv» zeuge der BBG. z« benutzen.-.---!--•f?..yf Landvolk für die(Sozialdemokratie. N.ichd-'m am Sonntagmittag die groß« Kundgebung der Ber- iiner Sozialdemolratie in> Sportpalast beendet war, samnieUen sich in der Winterfeldstrahe zahlreich die I u n g s o z i a l i st e n der Werbebezirke Osten und Süden zu einer Auto-Agitations- fahrt in die östliche Mark. Trost strömenden Regens herrschte frohe Kampsstimmung, die nicht unbelohnt blieb. Unter wehenden roten Fahnen ging es hinaus. Sprechchörc mahnten immer wieder zur Wohl der Lifte 1. In Hönow, Mehrow, Ahrensfelde, Vlumberg, Secfeld, Krummensee und Alt-Landsberg wurden unsere Losungen freudig begrüßt. Besondere Demonstrationen in den Dorfstraßen der Orte Blumbcrg, Seeseld und Krummensee gaben den dort unter schwierigen Ver- hältnisscn wirkenden Genossen Rückholt für ihre Wohlarbeit Ver- einzelte Gegenruf« gingen im Gelächter unter. Man nahm die Gewißheit mit heim, daß am 14. September auch große Teile der Landbevölkerung an der Seite der Sozial- Ü�mokratie marschieren werden. Wintergarten. Wie eine Schar bunter, farbensatter Faller, so flattern die einzelnen Nummern des neuen Wintergorten-Programms an den entzückten Augen des Zuschauers vorüber. Diese ersreuliche Fest- stellung vorweg. Ein Zufall schien es zu wollen, daß Kraft und Kunst der Frauen besonders ausdrucksvoll in die Erscheinung tritt, so vor ollem in den fünf herrlichen Gestalten der A l e x i m e s, die tollkühn und graziös zugleich hoch unter dem Dach turnen, so in der famosen Entreenummer der akrobatischen Tänze der E d n a und Lilian. Den Geschwistern Dufsek, die sich aus München auf- gemacht hoben, um mit den Beinen die Welt zu erobern, wird ihr Borhaben zweifellos gelingen: geschmeidige Tänzerinnen aparter Ngtur. Mit einem Knalleffekt schließt A r g e n t i n o den spanischen Tanz. In der Grotesks-en« der zweiSpyras spielt ein energisches Weibsbild Berliner Couleur mit ihrem waschloppigcn Mann Fang- ball, während«in süßes Mädelchen(oder Frauchen) den oft ans Wunderbare grenzenden Iongleurkünften T o r i n o s bewundernd (manchmal allerdings ein wenig übertrieben) assistiert. Dann ober kommt ausschließlich männliches Gebein. Zuerst Hans Kollischer mit seinem göttlich- frechen Wiener Schnäuzchen, dem man stunden- lang zuhören kann. Em ausgezeichneter Akrobatikakt ist der der Faßspringer Peters und Billy. Neuartig auch N e v i l l e B i f h o p, der eine ganze Küchenausstottung im Iazzrhythmus zum Schwingen bringt. Na, und wenn die 14 Casanovas unter S t e n z e e l s Leitung spielen, dann möchten 1000 Zuschauer bestimmt am liebsten sich in den Tanz stürzen. Ctafcn&uagtR fit tieft Siabiil ftnb • c 1 1 i a«««. Einbeaftrag« 3, parieinachnchien für Greß-Berlin stet» aa da» Sc)tcf»felretotial 5. Hat, 2 Treppen recht», za richten Zungsozialisten. Hrnppe Webdina-chelundbrannen: Heute,?»nnerstoq. U. September, treffen wir uns alle um lg Übt auf dem Lenzener Watl iiur Wäblerkundftkkiin-I. Morgen, grcitog, l2. September, fällt der Gruppenabend aus und beteiligen wir uns an der Veranstaltung der Partei. Gruppe Zleinlikendors! Heute, Donnerstag, restlose Beteiligung an der Jung» wäblertundgebunz der Gruppe Wrdding im kleinen Pharus�Saal. MUllerftr. 142. Wir treffen uns um lg llbr auf dem Lensener Platl. Abmarsch zur Nund- gebung um Igle Ubr.- Morgen, fzreitag. beteiligt sich jebe Genossin und ieder ibenasse an der Varteitundgebung seiner Abteilung lin Z>einiltkndarf�>st und Reinickendorf-Westl...Borwärts" beachten. Gruppe Eiidast: Morgen, grcitag. 20 Ubr pünktlich. Jugendheim Wrangel» straf! e IM. Gruppe Bphnsbarf: Heute, 19 Uhr pünktlich, treffen wir uns auf dem Guts- hpf fzalkenberg lSemeinichaftshaus) zur Wahlprapaganda. Alle jungen Vartei» genauen sind zur Beteiligung herzlichst eingeladen. Eilte Windiacke, die am Sauntag auf der Fahrt»ach Werneuchen an eine Genofsia verliehen wurde, ist abzuholen»o» der Wahlfahrtsfchule, Linbeuftr. 3. Arbeilsgemeinschast der Sinderfreunde. Gruppe Gugeluser: All« Baten Falken nehmen heute um 17i4 Uhr an der Falkrnaussprache im Jugendheim Waisenstr. l8 teil. Sonnabend Treffpunkt zur Demonstration um lk Uhr Falkenecke für alle Falken. Kreis Neukölln. Achtung, Kelferlreis! Zu unserer Ausstellung.Sozialistische Jugendarbeit", die am Montag eröffnet wird, treffen sich alle Helfer heute, Donnerstag, um 17 Uhr an der Orangerie Körnerpark zur Aufbauarbeit. All« Gruppen, dir noch Material für die Ausstellung haben, hitten wir. es zur selben Zeit im Körnerpark abzugeben. Geburtstage. Jubiläen usw. 108. Aht. Köpenick. Unserem alten Genosicu aab Jubilar Traugatt N e u m« n n,«aifer.Wilhelm.Str. 12, zu seinem 83. Geburtstage die herzlich- steu Glückwünsche. verein): Antreten 18 Uhr Rosenthal.Niederfchönhausen.Wcst, Gerwanen..�Ecke Sachfenstrahe. zur Wahlkundgebung.—' Kreis Osten: Die für Sonntaiz. 14. Sey. l.mber. ongesehte Autopropagandafahrt findet nicht statt.— Friedrichshain: Die Kameradschaften schicken drei bis vier Kameraden zum Matcrialabbolen zum Kassierer. Kamerad Löwenberg.— Weddiug(Ortsverein): Achtung, Block- fllbrer! Sofort Wahlmatcrial von der Geschäftsstelle Seestr. 82 im Restaurant Seeadler abholen._ Arbeiter- Samariter-Bund. Kolonne Berlin. G-fchaftsstelle: R. 24, Gr. Kamburger Str. 20. Tel.: v 1 Norden 3340. Armbinde Nr 83, ist verlorengegangen und wird für ungültig er- klärt.— Armbinde Nr. 456 Ist verloren gegangen und wird illr ungültig erklärt.— Wabllokal für Abt. Charlottenburg am 14. September im Schtllerfaal. Telephon: O 1, Stelnvlah 6979, Wahllokal für Abt. Hrrmsbo-f am 14. September„Scharfe Ecke", Telephon: O 8, Tegel 2969. Freie Ardeiter Esperanto Bereinigung. Wichtige Monatsvcrsammlung am 11. November 20 Uhr. im Jugendheim Am Oftbahnhof 17, Zimmer rechts, hoch. parterre. Thema:„Unsere Herbstpropoganda und unser H-rbswergnllgen am 4. Oktober in den Saphiensälen". Männerchor Fricbrichshoin. Wegen der Demonstration am Freitag fällt dl« Uebuugsstundc aus. Dieselbe findet dafür am Donnerstag statt. Erscheinen ist Pflicht. „Engllsli Conrersatlonal Ciob founded 1878." Meetings every Friday 8 p rn. Cafd Koenigstest, Potsdamer Stea6e 28 Lecturei: Mr. Herklotz on;"Sleep and Relaxation". Guests, Ladies& GentI einen, are welcome." Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 41. Abt. Unser lieber Genosse Frih Arendt. Nostihstr. 88. ist am 8. September verstorben, Ehre feinem Andenken! Beerdigung am Donneistag. II. September. 18 Uhr. auf dem Kreuz.Friedhos, Marienborf. Wir bittrn um rege Beteiligung. Für den Wahlfonds der SPD. in Berlin wurden vom Betriebsrat der Vank der Ärbeitcr, Angestellten und Be» antten A.-tzl. 50 M. als zweite Rate und von den Angestellten des Betriebshofes I der BVG. 13 M. on die Bezirkskasse ab- geliefert.— Allen Spendern hierdurch besten Dank. _ I. St.: Alex Pagets. Achtung, Abteilungsleiter? Sehleppzettel, Blocks. Resnltatzettel, Umhängeschilder lönnen vom Bezirkssekrctariat, Zimmer 1 3, abgeholt werden. Achti'ng. Kreisleiter? Es stnd immer noch nicht alle Zentralwahllakale der ltreise gemeldet.— Wir bitten die Kreisleiter, dem Be zirrssekretariat, Büro Fischer, sofort die Zentralwahl- lokale namhaft zu machen. * 4. Keei» Peenzlnuei Belg. Die Abteilungsleitn melden unigehend der Kreis- leiiung die Zsahileftung der Adtcilung. Das Kreiswahllokal ist bei Klug. Donziger Str. 71. 10. Ktci» Zehleudorf. Di« Genossinnen und Genossen ireffen sich zu wichtiger Wohlarbeit täglich van 17 bis EU Uhr im Lokal Siockmaun, Machnow-r Strah« 2. 20. Kreis Neiaickendaes. Freitag. 12. September. Drmonstratianaumzna burch JWnickrndnrf.aVst. Ireffpuntt 18 Uhr Spartplal, Sch-enwedeestrahe. S'eran beteiligeo sich b>e Abteilnagen Tegel. Wittenau, Borfigwalde, Frei« Scholle. Anfchlichenb Kundgebung ia Miller, Feftsälev. S--«sVeditilZN Lousi�cr Vlot». Nach�ijqler pünktlich 18 Utlr �ontanepramenade. 47. Att. 17% Ühr bei Sirdentopf, Mustauer Sir. Zo. Treffen. Nodfoijqler �onta n e pr c> m e B a de. 85. Äbt. Tempelhof. Heute, Dannerstag,.Zusammenkunft der Be�irksfUhrer uird Vorstandsmitglicdtr bei Burqemeister. Berliner Str. 90, um 20 Uhr. 90. Abt. Neutätla. Bezirtsführer ladeu Für Verbreitung ein. 99. 9! 6t. Bmt,.Backow. Die Genoffen des 1?«.. 157.. Vü.. 130. N�irks treffen sich zur ftlugoscttnetbreituna tB\? Uhr bei Tristram. Büraemtr. 40-�9. Die Teilnehmer an der heutigen Demanstrotion treffen sich unr 19 Uhr an der(kildhaite stelle der Linie Zb in Buckow, nicht, wie gestern irrtümlich angegeben, in Rudow. 1«. Abt. Baumschulen»««. Affe Genossen treffen sich heute vor dem Lokal Boegmann. Baumschulen- Ecke 5�efhos�strohe. jlur Teilnahme an der Auto- - werb-fahrt.— Freitag. 12. September, von 18 bis 19 Uhr. bei Hast. �lugblottverbreUung. Morgen. Freitag. 12. September. 8. Abt. All« vadfahrenden Genossen and Neichsbannerkamerabeu beteiligen sich an dem Umzug des Radfahrcr-Bundes„Solidaritä:", Abfahrt 18 Uhr vvn Ricke«. Steinaiestftr. 36a. 1». arh4 Kundgebung in den Atlantic-Säle». 32. Abt. Di» Bezirk ssührer laden zur Kundgebung ein. 8". Abt. Siemensfmdt. Kundgebung in Spandau. Abfahrt 180« Uhr mit der Srrasieubahn zum Notha-wvorpl-t,. 74. Abt Zehlendoof-Sieblung. 20 llbr im Eaf« Brumm, Riemeisterstrasir, treffen sich all- Funktionäre und Boblbelser. 78. Abt. SchSneberq-Friebenan. Berjchtiguag! Achtung! Der 8. und 4. Bezirk ireffen sich nicht, wie angegeben, am Donnerstag, sondern erst Freitag. 18H Uhr, bei Nosenthol. Eberssft, 86. zi m Abholen der Fadnrn und Blokate. Alle übrigen Genossen sind ab 19'� Uhr zur Demonstrat-on auf dem Wiiitcrseldwlah-...... �..,, 101. Abt. Treptow. 20 Uhr Zusammenkunft der»otiminbezirksfUhrrr IN der Spedition Sroehstr. 50. � 108. Abt. Zohannisthol. Die Senoiien beteiligen sich an der Dcmoustralia» IN Niederschäneweidr,.,,., � 1:18. Abt. Kera-sdorf. Beteiligung an der Kreisdemonstralion ist Pflicht. Treff» Punkt 18-, Udc Schönholzer Weg. Ecke Restdenzstraf,«. 170-1. Abt Freie Scholl«. Teilnahnic an der Demonstration INN 1« Uhr Sport- Plast Neinickendor,-West. Treffpunkt 17� Uhr vor dem«onsumhaus. 148a. Abt. Wittenau Teilnahm« an der«undaebung der Abteilung Neinicken- dorf-Wcst, Lokal Müller. Scharnweberstc. 14. 141. Abt. Rvfenthal»ob NiederschönbansrN'West. Teilnahme aller Mitglieder an den Demonstration in Nrinickendorf-Ost. 147. AK. Waidmannslust Adkohrl lur. Demonstration in Nrinickendorf-Ost 18.18 Uhr Bahnhof Waidmanns.'uft bis Echänholz.-Nciiiickrnborf. Arauenocranslalwngen. 3. Kui» Webdivg. Der Hir. heult angegedene Treffpuntl hei Lauristen zur »erteilung d-i Fluablältrr betrifft nur b'e 14.«bteiluiig. dt. Abt. Heute. Donuei-tag. II. September,-h 1» Uhr, Berdreitung ber , irauen flieg blä-ter von Lauristev. Putbnsser Sir II. au». n. Abt. Samtliche-Gennfsinüeu treffen sich um 18 Uhr IM Lokal von Eich. wann. Belke�UUan-e�P/�ta/������b����ue��Mäwr. fij». Abt. Beist-Biukow. Heule, Donnersiag. II. Sepiemder. ab W M Ii Ubr. Frauen, iüfommei'fuiift im Lokal Dietrich. Dorfftr. 1 lSndhalte. f* Z steffe het Linie 30). Anschließend groß? Denmnftnatioit durch den Ort. � Die GenvssinAEn Streifes AeuW' Sozialistische Arbeiterjugend Sroß-Serllu alnseadungra für diese Ztabro NM aa da» Zuaanblelretaelat TTerftn GW 68. Tstibcnffnlle J Achtung. Mitglieder ber Dalksbähae! Die Karten für Jugend- und Sander- abteilung liegen zur Abholung im Zugentsekretoriat bereit. heute Donnersiag. II. September. Wer�cbezirk Kreuzderg: Treffpunkt zur Parteidemonftiation um 18 Uhr Fontanepromenadc fKaiser-Friedrich-PIast).— Hallesche, Tori Treffpunkt zur Demonstration 171, Uhr Notr-Falk-n-Ecke. Berdebezirk Neinickendorf- Oeffentliche Bahlversanmrkung in Hermsdorf 20 Uhr Lokal Ludwigslust. Roon- Ecke Bisniarckstroßc. Werbebezirk Neukölln: Wir treffen uns zum Plastkonzert des Tambourkorps auf dem Böhmischen Plast. Beginn 186« Uhr. Nachdem Wahlkundgebung. Werbebezirk Weddiug i Treffpunkt zur Iungwählerverfammlung um lSV- Uhr Lenzener Plast. Abmarsch 191« Uhr zum kleinen Pharus-Saal, Müllerftraste. Redner Genosse Frist Levi. Die Teilnehmer der Revue und des Svrechchars müssen vollzählig erscheinkn. Werbebezirk Mitte: Treffpunkt zur Autvdemonstration um 17 Uhr am Arkonaplast. Werbebezirk Lichtenberg: Frauen- und Iungwählerverfammlung in der Schulaula Marktstrasse um 20 Uhr. Ordner pünktlich 19 Uhr. SAZ..Buchdruckcr: Monlag. 1ö. September, um 18 Uhr, im Jugendheim Liirdenstr. 4. wichtige Besprechung. Atitgliedsduch miidriiigcn. Arnimplast: Jugendheim Connenburger Str. 20. Bortrog:„Die SPD. im Kampf um die Macht".— Aruswalder Plast l: Die Flugblattoerbrcilung in den Laubenkolonien findet um 18 Uhr vom Lokal Kramer, Cotheniusstr. Z. au» statt.— Aruswalder Plast II: Jugendheim Raftenburgcr Sir. 16:„Das Kam- muliistische Manifest".— Fallpliast I: Jugendheim Connenburger Sir. 20: „Meine Erlebnisse bei der Wahl".— Nordosten II: Jugendheim Danziger Str.«2: „Bürgerlicher und Arbeitersport".— Schönhauser Borstadt: Jugendheim Eonn«n. durgcr Str. 20:„Die SPD. im Kampf um die Macht".— Westend. R. F.: Jugendheim Sporwlast Westend:„Rundfunk der Werktätigen".— Zehlenbocs- Dahlem: Jugendheim Dahlem. Lansstr. 2:„SAI. und Körperkultur". Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gekchäktsfielle: BerNn S 14. Sedastianstr 87—38. Hak 2. Tu Donnerstag, lt. Septemher. Ti ergorten lOrtawerein): Antre en 13') Uhr Kleiner Tiergarten. Bis 19'-? Uhr Psastkunzeri. v Au- iddustend Propagandotahrt. Friedrich, Hain, Kameradschaften Petersburg. Bltiching, Andreas: 19>- Uhr in den Andreas-Festsälen zum Saalschust. Wilmer,. dort lOrtsnerein): 20 Uhr' Saalschust zur SPD.-Kundgebung im Piktoriagarten. Teiapelhos: 20 Uhr Saalschust in Marienfelde bei Petsch. Kermsdori istamerod- ichaft): 19'-? Uhr Antreten in Ludwigslust zum Saalschust. Steglist lOrtsnerein): Antreten l8">« Uhr Dllppelvlast. Pklichiveronstalwng. Neukälln-Beist. 1. Käme, radschaft: 20 Uhr Saalschust in den Kammersälen, Teltower Straße.— Freitag. 12. September. Mitte: 181« Uhr Antreten mit Spielleuten ohne Fahnen Bahn- hoi Karlsharkt. Tiergarte». Kameradschaft Moabit und Iungbanner: 19 Uhr Generalappell im Seicllschastshaus, Wielefftraß«. Anfchliesteiid Saalschust. Kameradschaft Westen: 19 Uhr Generalappcll im Rafionalhos. Anschliessend Saalschust. BundeÄlcidung. Friedrschshoin lSrtsverein): Antreten 18 Uhr mit Musik ohne-Fahnen zum Schuste de« SPD.-Umzuges auf den Sammelvlästen der Kameradschaften. Erscheinen aller attivcn Kameraden Pflicht. Bannerkleidung. Kameradschaften Memel. Stralau und Warschau: 18 Uhr Anlreten aus dem ge. mcinsamen Sammelplast. Erscheinen aller aktiven Kameraden ist Pflicht. Schäneberg-Friedeuan: 19 Uhr Antreten Wartdurgplast zur Demonstralivn der SPD. Reulöllu-Brist, 4. Sameradsämtt: 20 Uhr Saalschust im Lokal Sedler in Rudow. Tewpelhos lOrlsverain): 18'.) Uhr Antreten zum Schust des SP D.Umzuges Dorfftrasse Mariendars zum Spiclmannszug. Kameradichaft Lichten- rade: 20 Uhr Saalschust zur SPD..Bersammlung im Waldrestäuront. Lichten- derg lOrtsverein): Antrefen 18 Uhr Bahnhof Karlshorst mit Tomhaurkorps ohne Fahnen zum Uumtarfch. Erscheinen Pslichs. Anschliessend Versammlung oller Kameradschaften in den dekannten Lokalen. Pankow lOrtsverein): 189} Uhr bei Lindner, Breite Strasse. Saoffchust für die SPD. Bundeskleidung. Neiaickendars lOrisverein): 18 Uhr Antreten Reinickendori-Ost. Resideirzslrasse Ecke Schönholzer Weg. zur Wahlkundgebung. Hermsborf lKomerodschaft): An- treten 18 Uhr Neinicken dors-Ost. Echänholztr Weg.— Sonnabend, 13. September. Mitte: 17 Uhr Antreten mit Spielleuten ohne Fahnen Arkonaplast. Tiergarten, Moabit und Iungbanner: Antreten 16 Uhr Kleiner Tiergarten»um Schust der SPD�Demaristration. Kameradschaft Westen: 10'-? Uhr bei Rickert. Bundes. kleidung. Friebrichshoin: 18 Uhr Propaganda-Autofahrt mit Musik und Fahnen in Bannerkleidung durch den Bezirk Friedrichsbain. Meldungen der Kamerad- ichaften dis Freitag. 12. September. 181? Uhr, bei Kamerad Linnenberg. OOen. kölln-Brist lOrtsverein): 18 Uhr Pflichtau.treten Richardplast zum Wahlumzug. Köpenick: 19 Uhr Bahnhof Friedrichshagen zum Ummarfch. anschliessend Bar- sammlung. Steglist: 18 Uhr Antreten zum Säiust der SPD.-Demonstration in Lankwist. Froben- Ecke Ziethenstraße. Tampelhos lOrtsnerein):.1« Uhr Antreten mit Spiclmannszug Ullstein, Haus zum Schust des SPD.-Umzuges. Lichtenberg lOrtsverein): Antreten 17%? Uhr mit Tambourkorps ohne Fahnen an der Fugendbühn- Soltcistrasse„im Umzug. Restloses Erscheinen Pflicht. Pankow iOrtsverein): 18 Uhr Antreten Pankow, Marktplast, zum Schust des SPD.- Wcrb«Umzuges. Bundeskleidung. Pflichweranstaltung. RWaickeadarf lOrt» Im Rah,»«» unserer zyttischen Beranstattuug:.Leben in Briefe n"— das ttingt fchr nach weife dozierter Literaturgeschichte, dach was diesmal geboten wurde, war lebendigstes Leben. Diese Veranstaltung machte dem Rundfunk Ehre, der mit che ohne zaghaftes Wenn und Aber in den Kamps der Meinungen eingriff. Er ließ von Ernst Giusberg aus den Briefen lesen, die. der Student Philipp Halsmann, der aus Indizien hin als Vatermörder ver- urteilt wlirde, aus der Untersuchungshast an eine Freundin schrieb. Die Empfängerin der Briefe hat diese veröffentlicht, um der Welt den Menschen Philipp chalsmann zu zeigen und durch den Eindruck dieser Briefe zu überzeugen, daß Halsmann lein Mörder sein kann. Die Notschreie und Liebesbekenntnisse aus der Untersuchungshaft klingen erschütternd. Hat das Urteil recht, war Philipp chalsmann wirklich der Mörder seines Baters, so verrät sich von einem Menschen. der diese Tai begehen tonnte, in diesen Zeilen jedenfalls nichts.— Ein« schöne Liederstunde berettete den Funkhorern Margaret« Roll, deren warmer, dunkler Mezzosopran im Mikrophon stets besonders gut anlprichi. Diesmal hörte man von ihr Volkslieder und Volkslied- bafte Kompositionen.— Aus Köln wurde vom Deutfchlandsender«ine Abenddarbietung„Meister der Operette" übernommen, die Bruno Grani chftäkten und Michael Kra uß mtt Probe» aus ihr«, bekanntesten Werken, allerdings weniger als»»«psnfften «harakterifierte als freundlich fti der Crinnervnq der tZSrer befestigte. Allgemeine Wetterlage. 40.Sept.'1930,abds. Ost-»» 0wo!kenlos,0 heifBT.Obslbbedeckt «wolkig,•bedeoktrRegeii&Graupoln iSdinefiSNebolTGewittef��ndsriile Mit der allmählichen Ausbreitung des nördlichen 5)ochdruck- gebietes nach Süden besserte sich am Mittwoch das Wetter in Deutschland allgemein etwas, jedoch war es wetterhin ziemlich kühl: nur im Westen des Reiches stieg das Thermometer wieder über 20 Grad.— lieber Südwesteuropa geht seht verbreiteter Driicksgll vor sich: dadurch wird eine Verstärkung der östlichen Luftströmung über Mitteleuropa eintreten. Erhebliche Niederschläge stehen damit in den nächsten beiden Tagen in unserem Bezirk nicht in Aussicht. » Wetteraussichten sür Berlin: Temperaturen wenig oerändert. mäßige Winde aus östlicher Richtung.— Aür Deutschland: Im Süd» Westen des Reiches wolkig mit einzelnen Niederschlägen und mäßig wann: im übrigen Deutschland zeitweise heiter und weiterhin ziem- lich kühl. s, ist ieift ein« besonders günstige Gelegenheit,� Oese» fai�ou�Teilzahlung zu lausen. BllBflM Drcsdeaer Lagerräumen....—■ Badewannen. Badeiisen, Waschkessel. Kcsselösen. Klolettanlagen. Waschbecken zu billigsten Preisen. i ist lestt eine veionoer» gunlligc Geiegengeii. zieien cium aue Ifen. Die alte Speziolsabrik Semmlcr». Blegberg A.-G.. Berlin S. 14- euer Str. 98—99. bietet hierbei die grösslen Darteile. In den riesigen caiim-n findet man in reichlicher Auswahl: Herde in jeder Ai.»Mrung. CS a■'■■■:; '' MM M müssen W ■■ "-.-ff, mein« Firma, wenn Sie gut und billig kaufen wollen Sonder- Angebots 29er Mersteinrr. 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Unden K-V. 11 19 Uhr Matten Ende 23 Uhr Staats-Oper An Plitz dw Rnublit. Vorst 133 IVA. Uhr Der FrelsdiQtz Ende n.22<,lj Uhr Donnerst, Ii. 9. Stadl Oper Bismarcksrr. Tamus M 20 Uhr lügolei Ende n. 22� Uhr StaatL Stepb. (im Gnitmnimi�tJ.. A.-V. 10 20 Uhr liebes Leid and Last Ende n,22>A> Uhr Staati.MMeater.Qiarltlig. 20 Uhr Bert Doktor. ItaiieiiMzQeueD 7 Ende 22li. Uhr Feuer aus den Kessein Neues Theater i am Zoess Sm Bataik. Im. 5tpl-655t Täglich.S". Uhr Lommel in der Posse Dorr jtior parÄM. Rundfunkhörei halbe Preise. Bamowsky-BohnoR Thnaler In der StresemenaslT. Täglich 8'/« Uhr Haipilte.i Inhiiil tw Sdnmft rl Komödienhaus 8 1/4 Täglich 8',4 Konto I ™ Baraauer anif OastuniAer Deotsdies TDeatet 8-/4 Uhr 1914 voa OMrg Wilbslm Müll« fisgie; Oustav QrDndgeni. Kammerspiele 81/4 Uhr Die Schule derFrauen von Moliftre. Rtgit: ftmsOtppe. Die Komödie «1/4 Uhr Der Diener zveier Herren von Qoldoni Rag»; Mai aeiiMt. 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Tkaiar am Kntti Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr agdi Sonnt. nnclira. 3 dir ElilC' sanier Das Barwund erl Liederspiel u. die tolle Posse Dia liiteii VewamHnt. Zum Schluß; Pinselheinrlch'n Kimmeisklausc! Berliner Prater SnmmeiUiBalcr Kastanienallee 7—9 Humb. 2246 Täglich 8 Uhr- Tradt UtraAtr. Ion lirlin, Ebjw Koitli, Erwil Hsrtonj in „Die kleine SUnderin" Söinantowrhh In 3 Utn t. H. Iirlatt b. W. Präger. Musik von Jean Cilbert. BionienspßDdea jedrr Art liefert pteistBecl Paai CroIIetn oottn. Robert Meyer t-Iarianaetuira ne 5 Ecke Raunynstratze Amt Moritzpl. 10893. Rennen h.ZtsrlzliDrZl Donnerstnß, i I. Septemder I?ZV nnckmittA�s Z Ukr Preußen- Preis. Deglsditi IMIIarlieMeH uerwaitungsmitgiiederl Adtlnng I Acbinng I Am ffreitag, beut 12. September, leise Sißung her mittleren« ermalt sng. Die Orlivervaltnog. beh'n HOTELoJWJW EXCELSI0R »MWW Na Wehmengt.. ■lURant mn BETRIEB/ KEMPIHSKl« gut ORd Dlülg? Nur arosK- Benin I Alexandorplatz Deiitidierletallariiiitiir-irirliaoi! Venraltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, boß /xnfer Kollege, der Schleifer< aottueb Demant geb. 12. OVtober 1864. am 8. September gestorben tft. Ehre seinem Anbcnlea! Dir Beerdigung findet am Freitag, dem 12 September, 15>/,lll)e, auf best Solgath-.Friebhos Barfußslraße ftait, Rege Beteiligung erwartet DI« Orlsverwelhing 28.8iehungstog 1V. September ISA In der heutigen Boimittasszkehung wurden Gewinn« flbn 150 M. gezogeu 2 Oembrn» tu 25000 TO. 136370_____ 4«ewiime is IOOOO«L 176199 254999 2 e«Bhw« pi 5000 M. 216814 18 ISinS* Ju 2000 S oisl6 47181 72640 118088 159660 173821 ,8827|Ä.a8ÄV 18638 36772 48384 �>77 161788 168311 attinnf��SOO 1 0272�597l3077l�Ä77��031 70248 96913 131507 139620 148716 179605'83883 186227 187�89 187786 203512 214794 219729 229233 233966 271267 285299 297859 301447 310104 329404 330983 351230 357392 372739 377B56 383261 391471 393703 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne eher 150 M. gezogen 4 Eetehme|s 10000 M. 82870 390702 4 SeBiitac i» 5000 M. 194039 201204 6 Steinn« 3000 fflU 230472 233076 279171_ 8®e»inu4 sn 2000 m. 4584 81032 237257 361290 34».wi-m. m 1000 W. 3464 7529 10756 16992 90745 93276 99162 125065 125795 332106 255786 277196 281845 284462 309067 �84 ee3B-�.7»u 500 M. 531 1680 5392 12635 13633 28618 43066 61258 73768 84734 85578 86097 99733 107392 114440 122038 128489 143581 151242 152262 199440 202021 204366 208328 214102 232343 232498 245189 254166 287933 297725 293620 305975 340909 344279 353816 355599 358134 372882 378945 380820 399147 Im Gewinnrad« verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 3 Gewinne zu je 25000, 2 zu je 10000. 4 zu je 6000, 10 zu je 8000, 34 zu je 2000, 40 zu je 1000, 140 zu je 500, 340 zu je 300 M. 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'Zentrmn: Ackerstr.174, amSoPvenplatz.vl Norde» 18135. Neuman», Erünstr. 21(Ausgabe: Kur- strafte 85). Berolina 1371. Walter, Ww., Kronenstr. 2. Merkur 283. Westen: Steglitzer Str. 37. Ecke Magdeburger Strafte. �SLden: Baerwaldstr. 47, a. d. Sneisenaustrafte. V 6 Baerwald 6918. �Pripzenstr. 63, Laden. Jannowitz 4438 "Oitea: MarkuSstr. 36. B 4 Alexander 9735. •„ Petersburger Platz 4. E 4 Alexander 9734. Sil dosten: Lau fitzer Platz 14/15. F 8 Oberbaunt 0894. �Nordosten: Jmntanuelkirchstr. 24. E 4 Alexander 9736. „ Carmen-Shlba-Str. 67, G i I i m an n. � Moabit: Wilbelmshoveucr Str. 48. C 5 Hansa 4095. Huttenstr. 67. bei Bitterling. •SStbbtng; Müllerstr. 34, Ecke Utrechter Str. 05 Hansa 4094. -Rosentbalgr und Oranienburger Vorstadt: Wattstr. 9. D 4 Humboldt 7875. "Oefunbfaunnea; Bastianstr. 7. D 4 Humboldt 7874. �Schönhauser Dorstadt: Greiferchogener Str. 22. O 4 Hizmboldt 7805. «dlershof: Hermann P e tz 0 l d. Gemeinschaftssir. 10. Alt-Glienicke, AnnaHallmann, Grünauer Str. 40. »Baumschulenweg: Strahl, Kiesholzstr. 179. Ober» schoneweide 1073 Bernau, Röntaental, Zepernick, Schöubrück, Karow und Buch: Heinrich Brose, Bernau. Mühlenstr. 5. ««rgselde: Anna Bruchmann. Dorfstr. 15. Biesdorf-Nord: Karl Kellermann, Königstr. 17. Diesdorf-Süd: Georg Winkler, Fortuna-Allee 40. Birlenwerder: Frau Z 0 0 r, Bahnhofstr. 6 Bohnsdorf: Karl Kuske, Eichduschstr. 9. DorgSdors: Oswald Börner, Siedl. Borgsdors 36. Borsigwalde: Gebauer. Schuberistr. 32, v. 3 Tr. »Buchholz-Blaukenburg: Wagner. Burgwallftrafte 63. Panrow 333. »tteuburg I: Sescnhcimer Str. 1. C 1 Steinpl. 4156. Ottenburg II; Eisfeld, Tauroggener Str. 11. C 4 Wichelm 7798. »Charlotteuburg HI: Joachim», Kaiserda imn 95, Eingang Rognttzstrafte. C 3 Westend 3154. Charlotteudurg IV: Pujentat, Augsburger Str. 47, Portier. Charlotteudurg V: Schulz, Drohsenstr. 18, l. Garten- Haus 3 Tr. Charlottenburg VI: Kantstr. 128, Laden. Eeässnet 2 bis 6 Uhr. Dabeubors: Walter Hohl», Dabendorf, Provinztal- Cbaussee. Eichwalde: H a n s D ü l I. Waldstr. 24,>27. Siedl. DBB. Crwer: P 0 i k e. Flakenstr. 9. Fichtenau: Sobierajski, Hauvlstr. 86. Falkenberg: Salzmann, Fallenberg, Gartenstadt- strafte 10. FrederSdorf-PeterShagen: Otto WtlinSkt, Freders- darf. Arndtstrafte. Friedenau: Gebr. Petermann, Röuncbergstr. 3 Rbeingau 9054 u. 3027. Wilmersdorf, Lanenourger Strafte 83. Laden. Rheingau 9054 Friedrichshag«»: Mittenzwet, Lindenallee 14. Frohnau: Adolf Zurlies. Hermsdors. Schloftstr. 8. Glienick« a. b. Nordbahn: Willi Enzler, Hohen- zollernallee 203. Grätzwalde: Muhl dach, Fichtenau, Mittelstr. 14. Grönau: Frau P sitz ne:, Bahnhofflr. 9a III. �...._ ,. Halensee, Grunewald, Eichkamp: Frau 2t 0 a ck. Kiosk 1 Niederschoneweide: Henriettenvlatz. Privatwobnuna: Kotharinenstr. 4.! strage 4, v. 3 "Lichtenberg l: Lichtenberg, Wartenbergstr. 1. E 5 Lichten berg 1536. 'Lichtenberg II, Rummelsburg. Stralau: Boxhagener Strafte 62. E 8 Andreas 733. Lichtenberg III, Friedrich« selbe, FrauGroft, Prinzen. Altec 66. v. I. 'Lichtersclde-Ost, Lankwitz: A. Wenzel, Lankwitz, Zietenstr. 15. Tel.: Lichterfelde G. III 8703. Lichterselde-West: Höhn, Zjehlendors. Tellower Str. 3. Telephon: Zehlendors 1853. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahnhofstr. 20. Mahlidors: Ulrich Haese, Am RoleNhag 28. Mariendorf: Frau L e i p. Chauffeestr. 89. Marienseld«: Alfred Pöschk, Berliner Str. 85. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. Gimpel- lein, Landsberger Chaussee 39a, Block I, Wohnung 4 Neuenhggen: W e n z k e. Ziegelstr. 1. 'Neukölln 1: Neckar str. 2. F 2 Neukölln 5707. 'Neukölln II; Siegsriedstr. 28/29. F 2 Neukölln 5706. Reulölln ni; Winkler, Hobrechtstr. 40, v. 1 Tl. 'Neuköllu-Britz: Mittag. Britz. Chausseestrb 82. F 2 Neukölln 2550. Neuschulzendorf, Zeuthen: Franz Kühl. Nkuschulzen- dors, Ernstsir. 54. F�riedrichStankewitz. Spree- HeinerSdors: Schulz. Hildestr. 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Hoherlehme, Friedrich-Ebert-Str. 66. Wilmersdorf l: Louenburger Sir. 23, Laden. Rhein- gau 9054. Wilmersdors U: Friedrich Bauer, Paulsborner Strafte 22. l. Effl. IV. Wilhelmshagen. Heffenwiulel: Schulze. Wilhelms- Hägen. Wilhelmstr. 31. Wittenau: H t d e I t, Houvfftr. 65. Woltersdors: Frau A e»per. Fangschleusenstr. 2a 'Zehlendors. Schlachtenje»Abikoia»iee: Höhn. Zehlen« dorf. Teltower Str. MF 4 Zehlendors 1853. ZernSbors. Nicberlehme, Coblow. Neue Mühle: Otto L i e j e g o n g. Zernsdorf, Breit« Str. 105. Zossen: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Literatur terrie oll« wissenschaftlichen Werke werden geliefert. Sonntag» sind die Geschäftsstellen geschlossen. Die mit einem» versehenen Ausgabestellen sind nachmittags von 2— 6 Ahr unter der angegebenen Nunta mer telephonisch zu erreichen. ??r. 425» 4?. Jahrgang 2. ��6'��Ol�tödt�S Oonneröiag, 11. September 1930 Deutsche Glühlampenteuerung. Oer Osram-Konzern weicht unseren Feststellungen aus. Unsere kürzlich gemachte Angabe, daß in England die Glüh- lampenpreise gesenkt worden sind und daß die amerikanischen Glüh- lampenpreise seit einiger Zeit unter den deutschen liegen, Hai die O s r a m G. m. b. f). laut WTB.-Handelsdicnft zu solgendcn Be- hauptungen veranlaßt: 1. In England seien auch nach der Preissenkung die Preise um 40 bis 50 Proz. höher als in Deutschland:- 2. in den Vereinigten Staaten seien die llO-Volt-Lampen um 10 bis 20 Prozent billiger, die 220-Volt-Lampen um etwa 5 Proz. teurer als in Deutschland: 3. Die Behauptung,.daß die Glühlampcnpreise seit 1024 fast. unverändert geblieben seien, sei unrichtig: die normal« Lampe koste heute 20 Proz. weniger als 1924. Dagegen werden zwei andere Feststellungen, die wir gemacht haben, von der Osram nicht bestritten: daß das Glühlampenmono- pol aus dem deutschen Markt lückenlos ist und daß die Rcntabil tat 1«r Glüchlampenproduktion seit 1024 stark gesteigerr worden ist. Im übrigen stellen wir folgendes fest: Wie wir der englischen Zeitschrift„Electrical Review" vom 29. August entnehmen, sind ab 1. September die englischen G l ü h l o m p c n p r e i s c für kleinere Glühbirnen um 1 bis 2 Pcnce (8— 16 Pf.), für 100-Wott-Lampen sogar um 6 Penc«(48 Pf.) gc- scn't worden. Die heutigen Verkaufspreise mögen noch über den deutschen liegen(etwas Gegenteiliges hatten wir auch gar nicht be- houptet): die englische Glühlompenerzeugung ist sa auch unseres Wilsens nicht so weitgehend konzentriert wie in Deutschland, auch sind die. englischen Löhne höher. Maßgebend war ober für uns nicht die absolute Preishöhe, sondern die Tatsache einer offenbar erheblichen Preissenkung. Für dies« Preis« fcnkung müssen schließlich wichtige Gründe gesprochen haben: wahr- scheinlich ist der Absatz zu stark zurückgegangen. Für Glühlampen gibt es ja feit der Kartellgründung keinen eigentlichen Markt mehr. Die preise werden diktiert. Zeuge ist Generaldirektor INeln- hordk von der Osram G. in. b. h. selbst, der 1926 schrieb:„Wir haben in jedem Lande sogenannte Komitees, in denen alle interessierten Firmen nach Maßgabe ihrer Beteiligung am Geschäft Sitz und Stimme haben. Diese Komitees haben für das betreffende Land die richtigen Preise und Bedingungen zu finden und haben so oft als nötig zusammenzutreten, um entsprechend den Marktverhältnissen und ihren Veränderungen die Preise zu regeln"(zitiert aus einem Zlrtikel Dr. Meinhardts in den„Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer zu Berlin", 10. November 1026). Dieser Artikel schließt zwar mit den schönen Worten:„Es lebe der König Kunde!", doch geht daraus einwandfrei hervor: erstens, daß nur die Produzenten und Händler den Preis bestimmen, daß die Ver- braucher keinerlei Einfluß hoben und zweitens— man muß dies jchlußfolgern—, daß offenbar die Osram G. m. b. H., die den dcut- fchen Markt zu mindesren»«?�- Proz. nerMgch„nach'Maßgvbs? ihrer Beteiligung am Gefchäst" in' ihber Prerspolstit' durch die anderen Gesellschaften kaum gestört werden kann. Dem König Kunde bleibt also lediglich das Recht, den Preis zu zahlen, den die Osram für „richtig" hält. Die amerikanischen Glühlampcnpreise wurden, nach Mitteilungen John Listons von der Electric Co., im März 1020 gesenkt, und zwar für 50- und 60-Watt-Lampen zu 115 Volt von 22 auf 20 Cents(von 02 auf 84 Pf.), so daß nunmehr alle hauptsächlich gebräuchlichen 115-Volt-Lampen bis zu 60 Wmt einschließlich 20 Cents kosten(zitiert nach der„Electrica! World" vom 28. Dezember 1020). Ferner wird uns von einer deutschen Verkaufsfirma mitgeteilt, daß der Kleinvcrkaufspreis in Deutschland für 220- Voll-Lampen von 10 24 bis heute unverändert be ragen haben: 15 Watt.......... 1,20 Mark - 1„..»»«»«.». 1,20„ 40............ 1,40. 60........... 1 ,80. 75........... 2,20, 100........... 2,60. Die 110-Volt-Lampen haben unseres Wissens die gleichen Preise. Verändert haben, sich nach unserer Insormotion seit 1024 nicht die Vcrkauspreise, wohl aber die H ä n d l e r r a b a t te: diese be- trugen ursprünglich 33':; Proz. der Verkaufspreise, wurden ober im Januar 1927 auf 23 Proz. gesenkt. Demnach wären also die Erlöse, die die Osram selbst erzielt hat. nicht gesenkt. sondern erhöht worden. Wir würden uns freuen, wenn die Osram ein« ausführliche Liste der Großhandels- und Einzeloerkaufspreis« veröffentlichen würde, aus der sich die Preisentwicklung feit der Kortellgründung, also feit Ende 1024, einwandfrei ergibt. Di« Oefsentlichkeit hat ein Recht, zu erfahren, wie der Sachverhalt eigentlich liegt. Die Osram-GmbH. dürste allein jährlich für etwa 12 0 Millionen Mark Glühlampen umsetzen. Der Ver- brauch und die Produktion sind van Jahr zu Jahr gestiegen, die Rationalisierung und Zentralisierung haben große Fortschntle ge- macht. Taufende von Osram-Arbeitcrn sind in den letzten 6 Jahren entlassen worden: da ein freier Markt für Glühlampen in Deutschland nicht mehr existiert, da die Osram-Gesellschaft kein« Akticngcsellichast ist und der Oefsentlichkeit leine Bilanzen und Gewinne ausweist, so wird der Kunde wissen wollen, in welchem Umfang durch diese Veränderungen die H« r st e l l u n g s t v st e n gesenkt werden konnten und warum die Preise nicht eben- falls heruntergehen. Wenn wir im Interesse der Verbraucher an diese Dinge, mit denen sich sonst die Oefsentlichkeit leider viel zu wenig beschäftigt hat, rühren, so sollte sich die Osram in ihrem eigenen Interesse nicht auf einige Behauptungen beschränken, sondern sie sollte in aller Ausführlichkeit antworten. Angesichts dieser Sachlage stellen wir. es. dercLeuxteilung.istr Ck'jjenstichke.st cnhruir, wer nun eigenttich hien-der ,:König" ist- ob der Knnde.'d«? ohne zw murren die Kartellpreis«: zu-zahlcn hat» oder Herr Generaldirektor Db. Mein- Hardt, der sie bestimmt. Die Welt erstickt im Geld. Llnd 40 Millionen Menschen hungern. Die noch immer zunehmende Geldflüssigkeit, von der auch der am Mittwoch verössentlichte Reichsbankausweis Zeugnis ablegte, hat in Oesterreich zu einer neue» Diskontsenkung um ein halbes Prozent geführt. In der Schweiz ist der Prioatdiskont aus IVi Proz. gesunken. Eine Senkung der offiziellen Bankrate von 2'1 auf 2 Proz. wird erwartet. Bei der Schweizer Nationalbant ist die Deckung des Notenumlaufs durch Gold und deckungsfähige Devisen auf 104,3 Prozent gestiegen: vor einem Jahre betrug sie 70,2 Proz. Die Schweizer Privatbanken haben schon in verschiedenen Fällen die Hereinnähme kurzfristiger Gelder von deutschen Banken verweigert, weil in der Schweiz keine Unterbringungsmöglichkeit besteht. Die Arbeitslosigkeit der Welt hat sich nach einer Fest- stcllung des deutschen Konjunkturinstituts in einem Jahr von 5 auf 11 Millionen Arbeiter und Angestellte erhöht. Rund 40 Millionen Menschen hungern also. In der ganzen Welt ist gleichzeitig auch das Geld in ungeheuerlicher Weise arbeitslos geworden. So äußern sich wieder einmal die tiefen Widersprüche der kapitalistischen Welt, in der wir leben. Verändern wir diese Welt. Schaffen wir den Sozialismus, der diese Widersprüche beseitigt, weil er für den Arbeiter als Verbraucher, nicht als Profitinstrument Wirtschafts- poliiit macht. Auch daran denken wir am 14. September. Oas heißt Wirtschaftsführung! Vesih,notopfer� und kapitalistische Verschwendung. Die Notverordnung der Regierung Brüning hat auch dem Besitz ein„Notopfer" auserlegt. Es besteht in einem fünf- prozenligcn Zuschlag zur Einkommensteuer für Einkommen über 8000 Mark und in einer 2'.bproz«ntigen Besteuerimg der Aufsicht?- ratstontiemen. Für das Rechnungsjahr 1030 werden aus dem Zu- schlag zur Einkommensteuer 58 Millionen Mark erwartet. Der Ertrag der Aussichtsratssteuer ist so gering, daß er nicht einmal besonders veranschlagt ist: er ist wohl auf höchstens 3 M i l- lionen Mark zu schätzen. Und nun vergleiche man mit diesen Jisfern folgende: Vor einem Jahr ist.«in großes deutsches Versicherungsuiiternchmen. die Frank- furter Allgemeine Vcrficherungs-A.-G.(F a v o g) zusammengebrochen. Der Schaden, der mit diesem beispiellosen Skandal an- gerichtet wurde, läßt sich zifjernmäßig erst jetzt allmählich übersehen. Nach dem neuesten Status überragen die Passiva die Aktiva um mehr als 80 Millionen, wenn man die Verluste einrechnet, die die Verwaitungsbonken als Gläubiger erleiden. Das Not- opser sämtlicher Besitzenden Deutschlands an das not- leidend- Reich ist also wesentlich geringer als das Opfer, das eine Neine Schicht von Geldgebern durch den Zusammenbruch eines einzigen Umcrnebmens bringen mußte. Weiter: Tie Banken, die im Aussichtsrat der Favag vertreten waren und ein gerüttelt Maß von Schuld an dem Zusammenbruch dieses Unternehmens trugen, mußten sich, um an der Schadenersatz- Nage vorbeizukommen, zu einen, S o n d- r o p f e r bereit erklären. Sie verzichteten auf ihre eig-oen Släubigeriorderuuscu und bewilligten den Aktionären eine kleine Quote auf ihre Aktien. Diese Opfer der Aussichtsratsbanken belaufen sich aus rund 20 Mii- lionen Mark. Das heißt also: das Opfer, das der A u f s i ch r s- rat eines einzigen Unternehmens bei dessen Zusammenbruch gebracht hat, ist ungefähr sieben- mal so groß wie das Opfer, das sänitliche Auf- sichtsräte Deutschlands der Not des Reiches bringen. Kommentar ist überflüssig! Die Wähler sollten sich aber dieses Beispiel für den kommenden Sonntag merken. Neues vom Preußen-Elekiro-Trust. Erfolgreicher Ausbau der Stromverteilung. In der Generalversammlung der Hannover-Braun- schweigischen Stromoers orgungs°A.-G- wurden für die innere Abrundung der preußischen Elektrizitöts Zl.-G. wichtige Beschlüsse gefaßt. Das Kapital der Gesellschaft wurde um 4 auf 16 Millionen Mark erhöht, wobei von der Prooz 2,13 Millionen junge Aktien übernommen wurden. Ferner wurde ein Vertrag mit der Stadt Lüneburg angenommen, durch den die Kreis, überlandwerke Lüchow und Lüneburg, die Lüneburzcr Kraft-, Licht- und Wasserwerke und die Krastanlazen der Stadt Celle der Hannover- Braunschweigischen Stromversorgungs-A.-G. angeschlossen wurden. Mit diesen Maßnahmen wird die Zersplitterung der Kraft- erzeugung und Kraftverteilung in dem jetzt aus 6247 Ouadrotkilometer angewachsenen Dcrteilungsgebiet der Gesellschaft weitgehend b c- f« j t i g t. Es wird eine Berbindung mit den modernen Groß- erzeugunzsanlagen der Preußischen Elcktrizitäts-A.-G.(Braunkohle und Wasserkraft) hergestellt und damit die Boraussetzung ge- schaffen, in dem größtenteils landwirtschaftlichen Gebieten des Ver- sorgungsbereiches den bisher noch recht geringen S t r o in v c r- brauch unter günstigen Bedingungen erheblich zu erweitern. Durch den neuen Zusammenschluß erhöht sich die Strom- abgab« der 5)annover-Braunfchwcigischcn Stromvcrforgunzs-L.-G. aus 85 Kilowattstunden jährlich. Züricher Elektrobant-12 Prozent Dividende. Die Bant für elettrifchc Unternehmungen 21.-0., Zürich, die in enger Verbindung mit dein Brown-Boveri-Konzern und der Motor-Eolumbus-Gruppe steht, und die bei den P r i v a t i- fierungsbe strebungen in Deutschland auch eine Rolle spielt, erhöht ihre Dividende für das Geschäftsjahr 1029 30 auf 12 Proz.(Vorjahr 10 Proz.). Die Züricher Eleklrobank ist an zehn größeren Aktiengesellschaften in Deutschland direkt und an einem Vielfachen dieser Zahl indirekt beteiligt. Der außerordentlich vor- sichtig angesetzte Buchwert der direkten Beleil'gungen in Deutschland betrug in der vorjährigen Elektrobank-Bilanz rund 16 Millionen Mark. Der buchmäßige Reingewinn der Schweizer Gesellschaft ist im letzte» Jahr zwar nur geringfügig gestiegen(vpn 9,70 aus 9,84 Mill. Schweizer Franken bei 75 Mill. Franken Kapital), aber durch Abwicklung großer Geschäsle(Abstoßung von Beteili- gungcn?) sind still« Reserven in Höhe von 2 8 Mill. Franken realisiert worden. Diese Summe soll zur Erhöhung des Reservefonds auf 45 Mill. Franken Verwendung finden. Schiele produziert Arbeitslose. Dänemark lehnt deutsche Maschinen ab, obwohl billiger! Di« einseitige Politik des Kabinetts Brüning-Schieie fängi an, bedenkliche Frücht« zu tragen. Di« Boykott-- bewcgung gegen die deutsche Ware wachst im Ausland zusehends. Ein großes Elektrizitätswerk in Dänemark(Vereinigte Eiektriziläts- werke von Südwest-Jüliand) hatte«inen Auftrag in Höhe von 100 000 Kronen zu vergeben. Um diesen Auftrag bewarben sich vor allem deutsche Firmen, u. a. der S i e m e n s- K o n z e r n. Obwohl die deutschen Firme» um 10 bis 15 Proz. billiger waren als die dänische Konkurrenz, siel der Auslrog, der den Berliner Unternehmen sicherlich gerade setz! gelegen gekommen wäre, an die dänische Maschinenfabrik Titan. Der Leiter d:r Vereinigten Elektrizitätswerke von Südwest- Illtland erklärte dazu, daß bei der Vergebung des Auf- :rages handelspolitische Ucberiegungc» eine Rolle gespielt hätten. Die Maßnahine sei nicht gegen deutsche Firmen gerichtet, mit deren Leistungen die dänische Industrie zufrieden sei, sondern sie sei vielmehr ein Protest gegen die deutsche Handelspolitik. Deutschland treibe eine Handels- Politik, die dem dänische» Wirtschostsleben schade. Deutschland müsse sich dessen bewußt sein, wenn Dänemark Zlbwehrmaßnohmen ergreise. Das tu« es, indem es den 100 000-Kranen-Austrog nicht, wie wohl ursprünglich geplant, an deutsche Fabriken gebe. Wir werden derartige Erklärungen m den nächsten Wochen und Monaten noch öfter hären. Das sind die Ersolg« der ein- i eiligen agrarpolitiichen Maßnahmen des Kabi- n c t t s B rü n i n g- S ch i e l«. Wann wir— in den meisten Fällen iinnäligcrweisc— unsere Zölle übersteigern und den Import aus- ländifchcr Ware»ach Deutschland abdrosseln, dann können wir uns nicht wundern, wenn das Ausland zu Abwehrinaßnahinen greift. Die Politik des Kabinetts VruNing-Schiele ist im Begriff, uns in handelspolitische Abenteuer zu stürzen, unser Handelsvertragssystem zu unterminieren, den Export zu drosseln und neue Hunderttausende in Deutschland aufs neue dci» Fluch der Arbeitslosigkeit zu überantworten. Dicscr Politik muß ein energisches Halt zugerufen werden. Wir können keinen Handelskrieg mit unseren Nachbar», die wir mit deutscher Ware beliefern wollen, verlragen. Wir wollen mit diesan Völkern in Frieden leben. Wir wollen mit ihnen Handel treiben, um unser Llrbcitslosenheer Mieder in Arbeit zu bringe». Wir brauchen «inen Ausbau unserer Handelsverträge und eine ehrliche und ehrenhafte?lchtung internationaler Verträge. Di« P»- litik des Kabinetts Brüniiig-Schiele muß verschwinden, um cinar besseren Agrcr- und Handelspolitik Platz zu machen, darum ist die Machtstärkung der Sozialdemokratie am 14. September notwendig. Oie Verwertung des Westvermögens. Die Deutsche Bau- und Boden-Baut gründet eine Spezialgesellschast. Das sagenannte Westvermögcn des Reichs, das durch den?lbz>ig der Besatzungstruppen aus dem Rheinlände sreigewordeu ist und dessen Wert aus etwa 130 Miliioneu Mark geschätzt wird, soll betannllich allmählich veräußert werden.. A»s der Belcihiing, der etwa ans 100 Millionen Mark geschätzten Wohngebäude mill sich dos Reich noch für den Etat 1030 ein« zusätzliche Einnahme schaff««.. Mit der Durchführung der Pläne ist die Deutsche Bau- uud Bodenbank A.- G. beauftragt, die vom Reich be- herrscht wird. Die Deulsche Bau- und Bodenbant hat jetzt die „Deutsche Bau- und Grundstücks A.- G., Berlin", mit einem Atlieiilapital von 500 000 M. gegründet, von der die Ver- wertung des Westverinägens vorgenoininc» werden soll. Das Reich hat der Gesellschaft am 0. September durch einen L e r- trag zunächst die Verwertung der reichseigenen Wohnungsbauten in den ehemals besetzten Gebieten übertragen. Im Aussichtsrot sollen auch die Reichsbehörden vertreten sein. Nutzen der Preissenkung. Steigende Llmsähe in der Schuhindustrie. In der Schuhindustrie haben sich nach dein Vierteljahresbericht des Instituts für Konjunkturforschung die seit längerer Zeit vorgenominencn Preisherabsetzungen auf die E i n z e l- i Handelsumsätze günstig ausgewirkt Für das erste Halb- jähr 10Z0 kann gegenüber dem Vorjahr ein«»tengenniäßige Erhöhung der Einzelhandelsumsätze um 5 bis 10 Proz. angsnommen werden. Die deutsche Aussuhr von Lederschichen belief sich im ersten Halbjahr 1930 aus 2,1 Millionen Paar gegen nur 1,2 Millionen Paar im ersten Halbjahr 1929. D:o verhältnismäßig kleinen Lagerbe stände in Industrie und Handel lassen für die nächsten Monate ein« erneute Zunahme d4r Schuhproduktion erwarten, wenn nicht eine wesentliche Schmälerung der Kaufkraft weiter Bevölkerunaskreii« eintritt. Der Lederoerbrauch der deutschen Schuhindustrie ist trotz zunehmender Verwendung von Rohstoffen aus dem Vereich der Textilindustrie im ersten Halbjahr 1030 gegen dieselb« Zeit des Vor- jahres um 7 Proz. gestiegen. Die Lederindustrie hat jedoch unter dem Auftragsrückgang der Lederwarenindustrie und dem Rück- gang ihrer eigenen Auslandsaufträge zu leiden, so daß ihr« Pro- duktion mit etwa 55 Millionenn Kilogramm im ersten Halbjahr 1930 um rund 5 Proz. hinter der des Vorjahres zurückgeblieben ist. Donk der gesunkenen Häutepreise hat die Lederindustrie trotzdem nicht ungünstig abgeschnitten. Der Beschäftigungsgrad bei de» Arbeitern der Schuh- und Lederindustrie ist im Monat Juli nach der Gewerkjchastsslatistik geringfügig gestiegen. LlGA. wünscht lZinwanöerer mit Vermögen. Sämtliche Konsulate der Vereinigten Staaten sind vom Aus- wärligen Aiyt in Washington angewiesen worden, bei der Erteilung von Einwanderungsoisen genauestens zu prüf.'«, ob die Antragsteller genügend Vermögen besitzen, um«ine längere Arbeil-' lotio'eit ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel zu übersteh n Die Tiesbau-Bctelllgnnq der Vvswun und ftooun' ii Berlin wurde von den Aktionären.in«iner außerordentlichen Genera!» vensammluna einstimmig gutgeheißen. Die' Geschält ev. er G o t t l i e b T e s ch G. m. b. H. im Nennbetraa von 1,25 Mill. sind demnach endgültig aus dem Besitz der Faiiiilie T sch in den der Boswau». Knausr A.-G. übergegangen. Der Kausvrcis besteht In 827 090 M. neu auszugebenden Boswau u. Kiw'ier. Aktien. Da deren Börsenwert 1,61 Millionen Mark beträgt(letzter Berlin«- Kurs 105 Proz), sind also die Tefch AiitciU mit etwa 128 T des Nennbetrages bewertet worden. Alexander von Warai:, l SiSBli HQ6* Diese Verletzung ist unscheinbar, wie wenn eines Tages in Gesellschaft ein Mensch aus der Stirn des andern«ine kleme, blasse Spur bemerkt, die Narbe eines Risses oder Schlages und ihn fragt, was es denn sei? Worauf der andere entgegnet: — Nichts. Ich bin als Kind einmal gefallen und habe mich verletzt. * Der Gefanglehrer hieß Vargoczq und hatte einen struppigen, laywarjen Bart. Sein Gehilfe Strache war Seminarist. Jetzt, nachträglich, glaube ich. daß Strache an allem schuld war. Er war es, der zu Vargoczy sprach, Bemerkungen macht« und mich kriti- sicrte, anscheinend hatte er etwas gegen mich. Der Knabenchor zählte vierzig Mitglieder. Anfang Dezember tauchte Vargoczy zer- streut in der Klassentüre auf, blieb stehen und schien zu über- legen. Er hielt eine Liste in der Hand, sagte halblaut die Namen vor sich hin, suchte die zu den Namen gehörenden Gesichter, schüt- telte den Kopf und brummte etwas. Gesanglehrer haben so etwas Verträumtes. Auch Vargoczy umgab eine sanfte Melancholie, von Zeit zu Zeit holte er die kleine Ottavenpfeife hervor und blies ohne jeden Grund ein schrilles, traurig-langgezogenes„Aoa* vor sich hin in die Luft. Als wollte er sich davon überzeugen, dag alles in Ordnung sei und daß die Harmonie der Töne, die von dem reinen und sicheren Grundstein dieses„Aaa", das er in seiner Westentasche trug, ausging, noch vorhanden war inmitten der brandenden Sphären. Wie alle bärtigen Gesanglehrer, lebte auch er etwas abseits von seinem Barte, der gleichsam sich selbst ge- nügend von seinem Kinn baumelte, besonders während des Singens. wenn die Schüler beim Anblick des auf- und niederwallenden Bartes manchmal den Eindruck hatten, als sänge der Bart, für sich allein, in seltsamen Tönen mit. Vargoczy drehte die Liste hin und her, suchte die Gesichter und plötzlich blieben seine Augen an mir hängen. Er trat einen Schritt zurück und begann mich mit zusammengekniffenen Augen zu mustern. Sein düsteres Antlitz er- hellte sich. „Kannst du singen?" fragte er vertraulich. Ich glaub«, daß es im Leben jedes großen Sängers einen solchen Augenblick gibt, wo der Einfall eines Impresarios ihn aus dem Nichts hervorschleudert. Auch Kiepura hat so begonnen. Auch Volpi hat so begonnen. Jahre hindurch sangen sie umsonst, nur für sich, eines Tages jedoch kam fo ein Vargoczy und winkte ihnen. Ich war ein empfindsamer und ehrgeiziger Knabe, zwölf Jahre alt. Ich stand auf. Wirklich, konnte ich singen? Bis dahin hatte ich es noch nie versucht. Tatsächlich empfand ich etwas Aehn- liches, als„könnte ich, hätte aber noch nie versucht". Ich sagte, daß ich eine angenehme Stimme habe. In mir dämmerte eine Ahnung, daß der Mensch nie ein« Chance vorübergehen lassen soll. Vargoczy musterte mich aufmerksam. „Gut", jagte er mutig.„Komm noch der Stunde ins Pro- fessorenzimmer. Du wirst die heilig« Margarethe verkörpern. Ich gebe dir dein Rollenheft." Die Anstalt bereitete anläßlich eines Festes ein Bühnenstück vor. Auch die Mädchenrollen wurden von Knaben gegeben. Die Möglichkeit, daß ich aus einem einfachen, kleinen Pennäler von beut auf morgen zur heiligen Margarethe aufstieg, versetzte mich in einen stillen, unwahrscheinlichen Rauschzustand. Ich weiß noch heute nicht, was Vargoczy zu dieser Entscheidung veranlaßt«, wann und wo er in mir jene Qualitäten entdeckt«, die mich,— unter vierzig anderen gerade mich— für die Rolle der heiligen Marga- reihe geeignet machten. Di« heilige Margarethe war die Parade- roll«, mit langer, blonder Perücke, einem Heiligenschein um den Kopf und langem Nachtgewand. Hellige Margarethe zu sein, war fo«in bc>r5-cc>ncallr!?Zustand, befreite von der regelmäßigen Er- lediguug der Schulaufgaben und bot in jeder Hinsicht Vorteile. Nach der Stunde ging ich in das Professorenzimmer. Bar- goezy kam mir entgegen und überreichte mir die Rolle. Es war eine oerwickelte und lange Rolle und die wichtigste Arie, die beim Einzug der heiligen Margarethe gesungen wurde, kann ich mein Leben lang nicht vergossen. Sie lautete, in ziemlich hoher Ton- lag«, so: Die heilige Margarethe(singt): Wo die klaren Wellen der Donau Ein Inselchen umarmen, Verlebte ich meine Tag«... Das war der Schlager des feinen Gesangstückes. Als ich mit der Rolle in der Hand heimwärts wanderte, und die große.Arie studierte, mochte ich ein Gefühl haben, als sei es die Melodie d«r Zukunft und als hänge alles davon ab, wie ich die Sache kreierte. Auch die Popularität. Ob diese Melodie nach der Vorstellung aus- gegriffen und von den Schusterjungen in den Straßen gepfiffen wird. Zwischen ,chie— kla" und„der— Do" war ein kleiner Uebergang, eine schwere und eine zarte Tonlage, davon hing alles ab. Aber das erfuhr ich erst am Nachmittag, als ich zu Fräulein Heddy in die Klavierstirnde ging. Fräulein Heddy war sechzig Jahre alt und litt an Plotzscheu, sie lehrte die Kinder der Stadt jenes nette Musikstück, das„Ankunft des Schiffes" heißt und sie Margarethe. Ich weiß es nicht ganz sicher, aber jetzt nachträglich habe ich starken Verdacht, daß Musik und Text Stretches und Vargoczys gemeinsames Erzeugnis war. Vargoczy bearbestete finster und träumerisch die Orgel, die Klage der helligen Margarethe ichwebte durch die Luft des kalisn Saale«, es war Anfang Dezember und am Nachmittag wurden die Säle nicht geheizt, das Lied quoll als Dunstwolken aus den warmen Mündern der Kinder. „Na, beginne", sagte Vargoczy. Ich begann: Wo die klaren Wellen der Donau... Meine Kehle preßte sich zusammen. Ich hatte nie geglaubt, daß es so schwer sei. Vargoczy pfiff.„Aaaa," sagte er.„Höher", rief er. Ich mußte mich durch irgendein ungewisses und nebliges Hiitbernis hindurchsingen, dort am jenseitigen Ufer stand Vargoczy mit der Pfeife in seinem Barte und winkte, ich soll« endlich kommen; das war alles, was ich empfand. Ich legte los. Ich fpiMKg kopfM» di die klaren Wellen der Donau und brüllte bitter mit der ganzen, verzweifelten Hartnäckigkeit eines zwölfjährigen Kindes. Ich brüllte, wie fchlecht es mir ginge, weil ich meine Tage auf einein Jnfelchcn verleben müsse. Ich spürte nach den ersten Tönen, daß sich mein Mund mit etwas Warmem füllte, das mochte dos Lied fein. Mir war schon alles gleich. Ich fühlt«, jetzt würde ich singen, was auch geschieht. Ich kam über.die— kla" und„der— Do" glücklich hinweg, dann jchloh ich die Augen. Groß« Schweigen entstand. Noch war das Aechzen der Orgel vernehmbar, dann verstummte auch dys. Als ich die Augen öffnete, ruhte Vargoczys Bart über der Orgel aus und Vargoczy sah finster vor sich hin. Er betrachtete seine Fingernägel. Mich sah er nicht an. Dann ächzte er zweimal vor sich hin, fo:„Hm, hm." Damr sah er Strache an, über meinen Kopf hinweg und Strache winkte ihm etwas zurück, wieder über meinen Kopf hinweg, was damals nicht schwer war, da ich Strache nur bis an den Bauch reichte. Vargoczy sagte wieder hm und winkt« zurück. Dann sah er sich um.(Schluß folgt.) Aatil 5. Schmidt: CjUff dl Der Tod von Eugen Diederichs beraubt die deutsche Literatur einer ihrer stärksten Anregerpersönlichkeiten. Seit der klassischen Blütezeit hat Deutschland immer das Glück gehabt, führende Verleger zu besitzen, die nicht wahllos annahmen, was der Tag ihnen zu- brachte, sondern selber energisch bestimmten, was sie verlegten, und eine bestimmte Gesinnung in ihrer Produktion kundgaben. Die letzte Generation ist besonders reich an solchen Persönlichkeiten. Eben noch haben wir S. Fischers siebzigsten Geburtstag gefeiert, und nun erfahren wir den Tod eines ihm so gar nicht ähnlich sehenden, aber gleich starken und zielbewußten Mannes. In dem abgelegenen, zumindest nicht in einem Mittelpunkt gelegenen Jena hat Diederichs fett Jahrzehnten gesessen und einen guten Tell des deutschen Schristwosens organisiert. Er war ebenso demokratisch wie national gesonnen. Freiheit konnte er sich nicht ohne voltsmäßige Bindung vorstellen, und alle Kultur gipfelte ihm in der geistigen Erhöhung seines geliebten Deutschlands. Aber er war niemals kleinlich oder nationalistisch; seine Zettschrift„Die Tat" beweist es ebenso wie seine Vorliebe für das internationale Märchen, dem er eine gewaltige Serie von Büchern widmete, aus denen das Gut der ganzen Welt sprechen sollte. Ueberhcmpt war ihm der Drang zum Reihemnäßigen eigentümlich, die großartig ausgreisende und wellen- umspannend« Gebärde, die sich fast nie mit Einzelpublikationen genügte, sondern gleich in Serien dachte und handelte, und oft in so umfassenden Bücherserien, daß ihre Vollendung fast aussichtslos schien. Immer aber schwebte diesem wahrhaft schöpferischen Manne eine hochgesteigerte Geistigkeit vor. Mit Unterhaltungsbüchern, ja, nur mit dem eigentlichen Roman hat er sich kaum abgegeben. Spitts- ler, Tolstoi, Löns, Kierkegaard, Fleuron gehörten zu seinen Lieblingen, die weiten Gebiete von Kunst, Aesthetik, von religiöser und sozialer Spekulation lagen seinem Herzen am nächsten. Seine Ausgaben hatten auch buchtechnisch und buchkünsllerisch stets eine Note, die sie sogleich aus allen übrigen heraus erkennen ließ. Nicht immer war das ein Vorzug zu nennen, das symbolistische Schnörkelwesen des Jugendstils hat um 1300 tiefe Spuren in seineu Verlagswerlen hinterlassen. Aber dann kam er wieder zu ganz reiner und klarer Sachform des Buches, und immer legte er nach- drücklichen Wert auf die köstliche Schale, in der er die Früchte seiner Autoren darbot. Nun ist er tot. Wer ihn je bei den Sitzungen des Deutschen Werkbundes erlebt hat, dem er mit Leib und Seele als Mit- arbeiter angehörte, wird diesen besonnenen und innerlich glühenden Menschen niemals vergessen; er war einer von der Art, die deutsche Kultur begründen und tragen hilft. » Eugen Diederichs wurde am 22. Juni 1867 als Sproß einer niederdeutschen Bauernfamilie geboren, deren Bestehen bis 1616 urkundlich zurückreicht'. Er besuchte das Naumburger Dom- Gymnasium bis zur Obersekunda, war dann drei Jahre lang prak- tijcher Landwirt und erlebte, nachdem er sein Einjährigenjahr in Dresden erledigt hatte, seine buchhändlerischen Lehr- und Wander- jähre in Halle, Würzburg, Genf, Erlangen. Sangerhausen und Karlsruhe. Im Jahre 1896 gründete er in Florenz den Verlag Eugen Diederichs, siedelte mit diesem ein Jahr später nach Leipzig über und verlegte ihn 1964 definitiv nach Jena. In erster Ehe war Diederichs mit der Schriftstellerin Helene Voigt-Diederichs, seit 1916 mit der Schriftstellerin Lulu von Strauß und Torney verheiratet. Die Universität Köln oerlieh ihm 1924 den vr. Ii. c. Walter 3)ehmel: Stempelkarte M. 202ii selbst komponiert hatte. Heddy spiellc den Einzug der heiligen Margarethe und sowohl ihr musikalisches, wie auch ihr religiös« Ich war von dem Stück angenehm überrascht. Meine Stimme konnte sie nicht beurteilen, denn sie war schwerhörig, die Arme. Abends nahmen wir mit meiner Mutter die große Arie durch und die Familie war von der Entdeckung, daß ich die heilige Margarethe sein werde, offensichtlich freudig berührt. Wir übten die Gesangs- Partie. Am dritten Tage war Prob«. Ich war gar nicht auf- geregt. Vargoczy faß vor der Orgel und übt« mit dem Chor jenen Chorgesang, dessen Refrain so lautete: Chor der Engel(singt): Wir schwenkten den heiligen Palmwedel über ihren Häuptern, Damit in des Lebens Nöten ihr Mut nimmer sinke. Wer sie waren, über deren Häuptern der heilige Pcrlmwedel geschwenkt wurde, damit in des Lebens Nöten ihr Mut nimmer sinke, weiß ich nicht mehr. Ueber dem Haupt der heiligen Margarethe mußte auf keinen Fall etwas geschwenkt werden, denn ich, die heilige Margarethe, stand hoch über dem Chor, ich stand vornehm und allein neben Vargoczy. mit dem zerknitterten Notenblatt in der Hand. Ich stützte mich etwas schief auf die Orgel und erwartete meinen Austritt. Neununddreißig Augenpaare hingen an mir. Stracheo und Vargoczys Augen gar nicht zu erwähnen, die zählten extra. Ich stand in lässiger Hottung da und hört« mir diese Sache mit dem heiligen Palnlwedel an. Dann machte Vargoczy eine Pause, sqin Bart ruhte aus, er nahm mir das Notenblatt aus der Hand, holte die kleine Pfeif« aus der Tasche und blies hinein. „Aaaa. sagte Vargoczy,„jetzt bist du an der Reihe." Cr nahm jede Gelegenheit wahr(seien wir nur ehrlich!), um in diese Pfeife blasen zu können. Seine Hände griffen in die Orgettasten, seine Füße in den mächtigen Schnürschuhen traten den Blasebalg. Und aus dem schwarzen Kasten schwebte erst unsicher, später mit rnaner stärkerer Majestät die erhabene Arie der helligen Irgendwo im Hause schrillt««in Wecker. Wie ein dünnes ver- grämt« Stimmchen drang«s durch das Gemäuer. Karl Stein suhr aus dem Schlafe hoch und sah sich um. Der erste Schimmer des Tages, ein grauer, kaum wahrnehmbarer Schein, drang ins Zimmer und ließ die Konturen der Möbel erraten Die�Frau neben ihm lag krumm auf der Seit« und schnauf l« leise im Schlaf. Der Mann richtet« sich auf und wollte aus dem Bett steigen. Da fiel es ihm wieder erschreckend ins Bewußtsein: Das Klingeln des Weckers gatt ja nicht ihm, er war doch erwerbslos. Seinetwegen konnten hundert Wecker lärmen, er durste ja liegen bleiben. Und doch, jeden Morgen, wenn dies leise Gewimmer durch die Mauer drang, wollte er aus dem Bett und in die Sachen fahren. Jedesmal legt« er sich dann wach in die Kissen zurück und grübelte. Drüben, hinter der Wand, kletterte der andere, dem das Klingeln gall, schlaftrunken aus hen Federn, war sicher ungehalten. daß die Nacht schon wieder vorbei war. murrte vielleicht über die ewige Plackerei, während er sich fröstelnd anzog. In Gedanken be- gleitete ihn Karl Stein an den Küchentisch, wo er, halb angezogen, eine Tasse gewärmten Kasse« schlürfend trank, langie wie jener nach Stullen und Kasfeeflasche, zum Weggehen bereit. Und dann packte ihn auf einmal der gelbe Neid, wenn der ander« wirklich die Treppen hinunterpollerte und er, Karl Stein, fand sich hier im Bett liegend. Nun ja, man war ja wie ein Gaul, der immer und immer, Tag für Tag. Jahr und Jahr im Geschirr ging. Und sich nun nicht mehr zurückfand, wenn dos plötzlich aufhörte, der Gaul abgesträngt und stehengelassen wurde. Ach, was war man doch schon mürbe, was war man schon jür ein elender Hund, daß man einen anderen be- neidete um seine Mühseligkeit morgens m die Tretmühle zu müssen. Der Mann im Bett blickt« sich in der heller werdenden Stube um. Die Möbel waren alt und wacklig, das Bettzeug grau und verschlissen, die Federn dünn.— es hätte ja schon lange nicht.zu irgendeiner Erneuerung gelangt. Erst die monatelang« Kurzarbeit, dann die Krankheit seiner Frau und nun seine Erwerbslosigkeit. i Die Tapete an der Wand war auch schon durchgestoßen und ab- geblättert-- Ach, es war zum Kotzen! Es litt ihn nicht länger im Bett, er stand auf und zog sich an. Die Frau wurde wach, blinzelte, fragt«:„Was ist, Karl? Was stehst schon auf?"— Er fuhr ihr plump liebkosend über den Kopf:„Kann nicht mehr liegen, Minna, schlaf man weiter!" Und leiser für sich:„Hast Schlaf ver- dient, Frau!"— Sie hörte es schon nicht mehr, schief log ihr Kopf, sie schnarchte etwas. Ja, sie war jetzt immer todmüde. Versuchte durch Aufwartestellen und Heimarbeit den fehlenden Derdienst des Mannes zu ersetzen. Es langt« ja doch nicht. Sie machte sich nur kaputt. Der Mann ging leise in die Küche. Es sah wenig einladend darin aus. Schmutziges Geschirr von gestern abend stand noch da, am Fenster, wo die Nähmaschine stand, lagen Stoffreste und Fasern. Er räumt« alles«in bißchen zusammen. Wusch sich an der Wasser- leitung, kämmte sich. Dann ging er zur Flurtür, langte nach dem Türschlitz. Verflucht! Keine Zeitung? War ja abbestellt! Er setzte sich auf den Stuhl hinter der Nähmaschine— glotzte ins Leer«. Sinnierte lange— lange. Im Hause regten sich die ersten Geräusch« des Tages, Schritte bumsten die Treppe hinunter, irgendwo pfiff einer immer wieder dasselbe Lied,— Abwässer rauscksten in den Röhren, eine Glasslammer pufft«-- Alle diese Geräusche hatte«r früher nicht gekannt, nicht gespürt, was für ein verborgenes Leben die Mietkaserne, das steinern kolle Diiig, durchflutete. Jetzt kannte er es genau, zu genau. Die vielen, vielen toten Stunden hatten es ihn gelehrt. Er griff nach Rock und Mütze, die Decke fiel ihm auf den Kopf. Doch«he er ging, faßte er in die Tasche, ob er auch die Stempelkarte hatte. Das war ja jetzt das Wichligsi«, die Stempelkarte. Was ihm an redlichem Willen im Herzen, klugen Gedanke» im Kopfe lebte, daß er ein tüchtiger Arbeiter war—— das war alles nicht so wichtig: wichtiger war, daß die Stempelkarte da und in Ordnung war. Er jah das abgegriffen«, fleckige Stück Karton an. Nr. 20 211 stand in großen Ziffern obenan auf der Vorderseite, sehr viel kleiner war darunter geschrieben, wa» sich hinter dieser Nummer verbarg; — ein Mensch mit Namen, Beruf, Geburtstag und-ort. Er klappt« die Karte auf, da waren die langen schmalen Reihen mit den vielen, vielen Stempeln,— mit jedem war ein verlorener Tag, ein vergeblicher Gang zum Arbettsnochweis verbunden. Mit einer müden Bewegung steckte Karl Stein die Kart« ein und ging. Die Straß« war noch leer, eine verschleiert« Sonne warf durch das Laub der Sttaßenbäums klein« Kringel auf den Boden. Zögernd ging der Mann, lenkte seine Schritt« zum Fluß hinunter, hockte sich aus einen Stein. Das Wasser war trübe und schlammig,— die Fabriken mit ihren Abwässern hatten den Fluß oerdreckt, vergiftet, — alle Fische starben in diesem Modder. Ein Schleppzug kam langsam vorüber, ruhige Kähne, bis oben an mit Kohle beladen. Karl wollt« ausrechnen, wieviel Zentner Kohle wohl solch ein Kahn fassen könne,— dabei fiel ihm plötzlich ein, daß er selbst kein« Kohle mehr im Hause hatte; sich diesmal nichts hatte hinlegen können für den Winter. Wieder kamen die bohrenden Gedanken— Herrgott, was sollte das bloß werden?-- Er spuckt« ingrimmig aus und ging zum Arbeltsnachweis. Auch hier war ihm alles bekannt, zum Ilebalwerden genau be- kannt. Ein großer langer Raum, ein paar Schalter, einig« Bekannt- machungen und Vorschriften an den Wänden, in der Eck« ein paar rohe Tische und Bänke und dazu ein buntes Gemisch von Männern, jungen und allen. Die jüngeren spielten meist Karten und erzählten Mädelgeschichten,.— die älteren, mit der Sorge um die Familie be- laden, murrten, politisierten sanatisch oder maullen stumm. Arbeit gab's nicht, man reicht« sein« Karte ins Schalterfenster, da wurde ein Strich für die Statistik gemocht und in die Kart««in Stempel gedrückt,— fertig! So sinnlos und niederdrückend war das alles— Karl Stein machte, daß er wieder auf die Straße kam. Ein« sellsam« Unruhe beherrschte ihn jetzt immer. Rur nicht stille sitzen, dann war die Untätigkeit nicht auszuhalten. Er lief ganze Vormittage in den Straßen umher, guckl« hier in ein Schau, fenster, las da an einer Säule ein Plakat.— Auch heute lief er so umher. Als er in eine größere Straße einbog, sah er seinen Freund Erich in einer kleinen Gruppe Passanten vor einem Schausenster stehen. Neugierig trat er hinzu, zupft« den Freund am Aermel. Der grüßte kurz und zeigt« auf ein Schild, aus das die Leute hier alle interessiert starrten. Karl reckte sich, noch sah er es nicht deutlich „Ziehung— las er, Hauptgewinn. 500960 Mark",— noch sah er die Nummer des Gewinnes nicht deullich.--„Menschenskind, die Nummer habe ick ja!" sagte er plötzlich ziemlich vernehmlich:— verwunderte, erstaunte Gesichter drehten sich ihm zu,— Erich blickte ihn gespannt an. Sollte der am Ende gar--? Karl Stein faßte in die Tasche— die Spannung wuchs—, er schwenkte etwas, ober das war ja kein Los— enttäuscht wandten sich die Sensations« lüsternen ab.— Der hotte sie wohl zum Narren?— Einer lachte: „«o«in lspaßvogcl. der Kerl hat Humor!" Erich glotzte— Karl schwenkte noch immer die Stempelkarte in der Luft umher.„Jawohl!" sagt« er.„siehste, oller Jung«, die Nummer hätten wir schon, aber nicht das richtige Papier! Dafür ist es ja auch«in« Klasienlotterie! Wir haben eben nicht die richtige Klasse erwischt! Wir müssen in „unserer Lotterie"— er hielt ihm die Stempelkarle vor die Nase— zufrieden sein, wenn wir mal mit einem Freilos rauskommen, das wir wieder«in« Weil« mitspielen können!" Sie güigen wortlos nebeneinander her. Schwiegen.-- Nach einer Weile sagt« Karl ernst:„Lieber Junge, merkst du nicht, daß uns von dort— er zeigte zum Schaufenster zurück— keine Hilf« kommt? Was nützt es uns, wenn einer von vielen Tausenden da einen Treffer macht? Einer aus Kosten der vielen anderen? Nein. Erich, wir müssen daiür sorgen—»nd wenn wir als einzelne auch noch so verzweifelt sind—, daß die ganze Geschichte anders ein- geteilt wird, mit dem Geld und der Arbeit und mit allem! Denk mal nach über das Lotterielos mit dem Hauptgewinn und d«e gleiche« Nnmmer der Stempelkarte! Auf Wtederjeheu. Erich!"