BERLIN Freitag 12. September 1930 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spälausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 428 B 213 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Leibeigene des Fünfjahresplans Sowjetbehörden zwingen Arbeiter zu Zwangsarbeits- Kontrakten Kowno, 12. September. Nach Meldungen aus Moskau nimmt der Kampf gegen die Disziplinlosigkeit der Arbeiter in den Sowjelbetrieben immer schärfere Formen an. Die Behörden haben den Kampf in die Werke selbst verlegt und die Arbeiterausschüffe beauftragt, mit allen Mitteln gegen ungeeignete Arbeitskräfte vorzugehen. Auf einem großen Werk in Odessa sind 14 Arbeiter unter der Anklage der 3uchtlosigkeit" aus dem Betriebe entfernt und in den 2nflagezustand versetzt worden. In Kiew ist der Vorsitzende des Bezirksvollzugsausschusses wegen Unfähigkeit und Disziplinlosigkeit aus der Partei ausgeschlossen und von seinem Amt entfernt worden. Durch die Sowjetbehörden wird neuerlich, um der Arbeiterflucht enfgegenzuwirken, dafür Stimmung gemacht, daß die Arbeiter, insbesondere fommunistische Parteiangehörige, neue langfristige Arbeitsverträge abschließen. In einem großen Odessaer Wert und in der Ukraine ist es gelungen, die Arbeiter zur Uebernahme der Verpflichtung zu bewegen, bis 3 um Schluß der Durchführung des Fünfjahresplans auf ihrer jehigen Arbeitsstelle auszuharren. Diese Arbeiter haben sich zu„ Leibeigenen des Fünfjahresplanes" erflärt, was von der Moskauer Presse in großer Aufmachung gebracht wird. Diese Arbeiterkontrakte, die dem Arbeiter seine Freizügigkeit nehmen, sind den folonialen 3wangsarbeitsverträgen nachgebildet, mit denen die fapitalistischen Kolonialausbeuter Hunderttausende und Millionen schußloser Eingeborener unter ihre Profitknute zwingen. Das ,, Arbeiterparadies" ist auf die Stufe einer kapitalistischen Ausbeuterkolonie gesunken. Ehrenfalve für Rathenaumörder Aber Naumburger Gericht spricht frei Kameraden, wir meilen hier an den Gräbern unserer toten Kameraden Fischer und Kern. Sie waren echte deutsche Jungen. Sie haben Deutschland von jemandem befreit, der ein Schandfled war. Wir wissen, daß wir in Deutschland noch viel folche Schandflecke haben. In der nicht gerade ruhmvollen Justizgeschichte der Republit hat| Agitators Friz Riedel. Riedel kommandierte Stillgestanden" der Naumburger Gerichtssprengel einen besonders und hielt folgende Ansprache: Wir erinnern an jenen Amtsrichter traurigen Ruf erworben. Beinert, der megen Beschimpfung Erzbergers und Rathenaus diszipliniert werden mußte, an den Freispruch des Halleschen Chefredakteurs Elze trotz schwerer Ministerbeleidigung, an die Haßurteile gegen den französischen Schwimmer Cuvelier, an die unglaubliche Milde gegen nationalsozialistische Rohlinge, deren einer für den eingeschlagenen Schädel eines Gegners zunächst einen Strafbefch über 20 Mark wegen ruheftörenden Lärms erhielt! Darauf wurde über den Gräbern von Fischer und Kern eine Ehrensalve abgegeben. Den Wortlaut der Ansprache hat der anwesende Kriminalsekretär 2o3e jofort notiert. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage auf Grund§ 5 3iffer 3 und 4 des Republitschuhgesetzes wegen Billigung des Mordes und Beschimpfung Bezt hat das Schofiengericht in Raumburg ein Urteil eines toten Ministers. Obwohl die Anklage von Oberstaatsanwalt er beantragte eine gefällt, das ähnlich wie der jüngst in Berlin erfolgte Freispruche ßler durchaus sachgemäß vertreten wurde Gefängnisstrafe von sieben Monaten kam das Schöffengericht Naumburg unter Vorsitz des Landgerichtsrats Dr. Albrecht zu einem glatten Freispruch. 91111 Am Sonntag Wahl von 8 bis 5 Uhr Saarbahnschutz verschwindet. auf den Schluß nahelegt, daß gewiffe Juftizorgane Rat wird seine völlige Aufhebung befchließen. Genf, 12. September. Der Völkerbundsrat hält heute nachmittag eine Sitzung ab, die hauptsächlich der Frage des Bahnschutzes im Saargebiet gewidmet ist. Der italienische Delegierte Scialoja wird in feiner Eigenschaft als Berichterstatter dem Rat einen Vorschlag unterbreiten, der in den gemeinsamen Besprechungen des Dreier- Ausschuffes ( Curtius, Briand, Scialoja) mit dem Präsidenten der Regierungsfommission des Saargebietes vorbereitet worden ist. Scialoja wird, wie man hört, dem Bölkerbundsrat vorschlagen, die Bahnschuhtruppen bis spätestens 1. Januar 1930 vollständig zurüdzuziehen. An der Zustimmung des Rates wird nicht gezweifelt. Europa- Antrag auf der Tagesordnung. Genf, 12. September. Der französische Außenminister hat gestern beim Präsidenten Der Bundesversammlung den Antrag gestellt, die Entschließung, die die Bertreter der europäischen Staaten am 8. September zur Frage der europäischen Föderation angenommen haben, auf die Tagesordnung der Bundesversammlung zu setzen. Hermann Müller rechnet ab. Begeisterte Wahlfundgebung für den Befreiungsfanzler Wiesbaden, 12. September.( Eigenbericht.) Bor einer vieltausendköpfigen Menschenmenge sprach am Donnerstagabend in der Stadthalle Reichstanzler a. D. Her. mann Müller. Der Andrang war so start, daß viele teinen Einlaß bekommen fonnten und Müller, der wegen seiner Befreiungspolitik stürmisch gefeiert wurde, noch in einer Parallelversammlung sprechen mußte Ernste Worte richtete der Redner vor allem an das Zentrum, das den Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie mit den unsachlichsten Mitteln führt. Warum, fragte Hermann Müller, hat uns bas Zentrum 21 Monate regieren lassen, und warum hat das Zentrum mit regiert, wenn wir nur Mißwirtschaft getrieben haben? Dem Zentrum habe der gute Wille gefehlt, mit der Sozialdemokratie überhaupt zu einer Einigung zu fommen. Wenn die Politit Brünings nach dem 14. September Trumpf werde, fönne das deutsche Volt noch was erleben. Mit aller Schärfe wandte sich Hermann Müller gegen die Bee hauptung, sein Kabinett habe ebenfalls mit dem Artikel 48 gespielt. Niemals hätten Ebert oder er eine Verordnung auf Grund des Artikels 48 erlassen, die vom Reichstag abgelehnt worden sei. Sein entschiedenes Bekenntnis für die Sozialpolitit, ohne die Deutschland nicht mehr leben könne, wurde mit großem Beifall aufgenommen. wegen ,, Judenbastard" und ,, lächerlicher Bonze" beinahe zwangsläufig den Schluß nahelegt, daß gemiffe Justizorgane ob Schöffen oder gelehrte Richter, läßt sich zunächst nicht übersehen die Gesetze der Republik nicht anwenden und ausführen wollen, zumal dann nicht, wenn diese Gesetze zum Schutz der Republik und ihrer Organe angewandt werden. Hier der Tatbestand: Am Pfingstsonntag dieses Jahres erschien auf dem Friedhof Saaled, wo sich die Gräber der Rathenaumörder Fischer und Kern befinden, eine Schar von 15 Haten freuzlern mit geschulterten Gewehren(!) unter Führung des Die mündliche Begründung des Freispruchs ist so widerspruchsvoll und unlogisch, daß es schwer fällt, an die Ueberzeugung dessen, der sie vorgetragen hat, von der Beweiskraft seiner Gründe zu glauben. Um zum Freispruch zu gelangen, operiert die Urteilsbegründung fogar mit handgreiflichen unrichtigkeiten. So wird eingangs der Urteilsbegründung behauptet, der Angeklagte hätte ursprünglich eine Feier für gefallene Kriegsfame= raden veranstalten und auf die Gefallenen des Weltkrieges sprechen wollen. Eine Unmöglichkeit, denn auf dem Friedhof Saaled liegen, wovon das Gericht sich jederzeit überzeugen fonnte, überhaupt feine Kriegsgefallenen. Es liegen dort nur die Rathenaumörder Fischer und Kern. Aber diese Ausrede brauchte das Gericht, um weiter folgern zu können, daß der ungebildete" Angeklagte er ist gewohnheitsmäßiger Agitator, wenn er sich auch ,, Arbeiter" nennt! ohne Vor= bereitung gesprochen habe. Er habe sich bei dem Worte Schandfleck" womöglich etwas ganz arderes gedacht, als " Der erschlaffte Diftator DEUTSCHLAND ERWACHE! DEUTSCHLA ERWACHE Deutschland erwache- Hitler zu Bette! • „ Die Kraftnatur Hitlers bat die Anstrengungen der Sportpalaft Versammlung nicht ertragen. Wir haben ihn in die Badewanne sehen und zu Bett bringen müffen" . ( Goebbels im„ Orpheum") er ausgedrückt habe.(!) ,, Unvorbereitet" nennt es das Gericht, wenn der Angeklagte an der Spize von 15 Mann, die Gewehre für eine Ehrensalve mitgebracht haben, an die Gräber zieht, um dort zu reden. Wann spricht man nach Ansicht dieses Gerichtes cigentlich vorbereitet?! Selbstverständlich hat das Gericht, wie man das in Hakenfreuzlerprozeffen nachgerade gewohnt ist, die belastende Aussage des Kriminalsekretärs Cohe für unglaub. würdig erklärt. Es sei ,, anzunehmen", daß er, obwohl er die Worte des Angeklagten sich notiert hatte, sie ,, nicht mortgetreu" miedergegeben habe. So ist das Gericht zum Freispruch wegen Ziffer 3§ 5 des Republikschutzgesetzes gekommen( Beschimpfung eines verstorbenen Ministers). Für die Nichtverurteilung aus Ziffer 4 des gleichen Paragraphen hat sich die mündliche Urtedsbegründung jedwede Angabe von Gründen erspart. Sie wäre wohl auch bei größter Bemühung nicht zu finden gewesen. Denn diese Ziffer stellt neben der Verherrlichung auch die ausdrückliche Billigung eines Gewalt verbrechens unter Strafe. Der Angeklagte war einwandfrei überführt, die Rathenaumörder Fischer und Kern wegen ihrer Tat gepriesen zu haben. Totzdem Freispruch. Es fehlte nur, daß das Gericht erklärt hätte: Wir wollen eben nicht, das Gefch paßt uns nicht! Gegen das Urteil ist von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Vielleicht wird auch dieses Urteil dem. Preußischen Richterverein Gelegenheit geben, seine Prüfungskommiffion in Tätigkeit zu setzen. Wir wollen heute nur eines aussprechen: In Richterkreisen zitiert man bei jeder Gelegenheit das Schreckgespenst der„ Gefährdung der richterlichen Unabhängig= feit". Die richterliche Unabhängigkeit hat feinen schlimmeren Feind als Willtürurteile, sie wird durch nichts mehr gernagt und untergraben als durch ihren fortgesezten Miß= brauch! Münzenbergs Konto, Konto. Revolverjournalismus gepaart mit 3G- Farbenattien. Die Rote Fahne", erregt sich fünstlich über die erfundene Behauptung, daß Genosse Scheidemann bei der Bankfirma Bett, Simon u. Co. ein Konto in der Höhe von 100 000 Mart hätte. Es ist dieselbe Methode, mit der die bürgerliche Meute früher über Bebels Vermögen zeierte. Es widerstrebt uns, mit dem kommunistischen Blatt und seinen Machern eine Unterhaltung darüber aufzunehmen, wie die Einkommens- und Vermögensverhältnisse sozialdemokratischer und fommunistischer bekannter Persönlichkeiten fidy zueinander verhalten. Dort, wo wirkliche Korruption zu Tage tritt, werden wir sie anprangern, wie wir es seinerzeit gegenüber dem Kreis um die fommunistische Inserentenegpedition für Arbeiterzeitungen getan haben, bei dem sich korruptive Bereicherung mit gemeinem Verbrechen paarte. Wir haben auch keine Neigung, uns über die Wohnverhältnisse sozialdemokratischer Führer und kommunistischer Führer in eine Diskussion einzulassen und alle jene Anwürfe und Fälschungen in Bort und Bild, die das Abendblatt des Herrn Münzenberg seit Bochen befreibt, zu beantworten. Für Standalblattmäßchen ist die Lage viel zu ernst. Wen wählen wählen wir? MIJAZA polists Die Berliner fozialdemokratischen Kandidaten für Potsdam 1 2299 Rudolf Wiffell Rudolf Breitfcheid nicht mit dem der Roten Hilfe zu verwechseln ist. Der ungefähre Wert des Kontos beträgt 70 000 m. Er schwankt start; denn das Ronto besteht zum größten Teil aus Spekulationsattien, und zwar aus Aktien der J. G. Farben! Räuber im Humboldthain. Gemeingefährliche Burschen treiben ihr Unweſen. Gemeingefährliche Am vergangenen Sonnabend, dem 6. September, wurde ein Uhrmacher aus der Puttbuser Straße nachts im Humboldthain von vier jungen Burschen überfallen, niedergeschlagen und beraubt. Er hatte in einem Lokal in der Brunnenstraße eine Selter und einen Kognak getrunken und dort hatte sich ein junger Mann an ihn herangemacht und ihn um ein Glas Bier gebeten. Er blieb auch beh nicht abzuschütteln. Im Hain fing der Bursche beharrlich bei dem Uhrmacher, als dieser nach Hause ging, und war nicht abzuschütteln. Im Hain fing der Bursche plötzlich ohne Veranlassung einen Streit an. Im Handumdrehen waren noch drei andere da, die dem Streitenden beistanden. Der Uhrmacher wurde mit einem Messer bedroht und die Täter raub= ten ihm die Börse mit etwa 50 M. und vier goldene Armbänder, die er zur Ausbesserung erhalten hatte und in der Tasche trug. Dann ließen sie ihn liegen und flüchteten. Den Beamten des Raubdezernats gelang es jetzt, drei Mitglieder dieser Bande ausfindig zu machen und festzunehmen. Es sind ein 22 Jahre alter Hermann R., ein 21 Jahre alter Walter B. und ein 24 Jahre alter Bruno L. B. und L. geben den Ueberfall zu. Das Geld haben sie noch in der gleichen Nacht vertrunken und die goldenen Armbänder am nächsten Tage in der Münzstraße für 6 m. ver fetzt. L. ist als Raufbold bekannt. Erst vor furzem wurde er zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er im Streit einen Mann erstochen hat. Das Berufungsverfahren ist noch nicht erledigt. M. sowohl B. wurden auf der Straße aufgegriffen. K. ist an dem Ueberfall auf den Uhrmacher zwar nicht beteiligt, er hat aber einen Betrunkenen in einer Bedürfnisanstalt ausgeraubt. Gesucht wird noch der vierte, dessen Name noch unbekannt ist, dessen Bevor, daß Walter B, einen ähnlichen Raubüberfall in Rahnsdorf ausgeführt hat. Die Untersuchung über weitere Straftaten der Burschen ist noch nicht abgeschlossen. Eins jei gesagt: Wer es zum Anlaß einer persönlichen Heze macht, daß sozialdemokratische Führer und Gewerkschaftsführer in Siedlungshäusern wohnen, der kann uns leid tun. Ja- schreibung man aber hat. Aus vorgefundenen Briefen geht herwohl, fie wohnen in Siedlungshäusern! Und nicht sie allein: mus. sollte aus den großen Siedlungen um Berlin werden, wenn nicht auch qualifizierte Arbeiter dort wohnen könnten? Ist denn das tommunistische Wohnideal die Einzimmerwohnung in der Kaserne? Will die KP. fünftig den Klassenkampf der Arbeiter, die eine Einzimmerwohnung oder ein Wohnloch haben, gegen die Arbeiter propagieren, die eine Zweizimmerwohnung haben? Wenn aber diese dreckige und dumme Art der Hetze ausgerechnet in den Blättern des Münzenberg Konzerns gepflegt wird, so bedauern wir die Soldschreiber des Herrn Münzenberg. Sie müssen gerade das, was ihren Chef auszeichnet, zur Hetze gegen Sozialdemokraten benußen. Alles das bis auf das Bant tonto bei Bett, Simon u. Co. Denn Herr Münzenberg besitzt bei dieser Firma einen Tresor, weil er sich nicht auf das Bantgeheimnis ganz verläßt, und daneben noch ein Konto, das Schießerei in Lichtenberg. Die Radifalen prügeln sich und wissen nicht warum. Gestern nacht wurde in Lichtenberg an der Ece Gürtel- und Wasserstraße ein kleiner Trupp Nationalsozialisten von Anders gesinnten überfallen. Die Kommunisten feuerten mehrere Schüsse ab, wodurch drei Hakenkreuzler verlegt wurden. Einer der Getroijenen, Friz Boubach aus der Wuhlischstraße in Lichtenberg. mußte mit einer schweren Schutzverlegung in das Auguste- VittoriaKrankenhaus gebracht werden. Die Politische Polizei hat die Ermittelungen nach den Tätern aufgenommen. Oeffentliche Wählerkundgebungen Morgen, Sonnabend, 13. Septbr.: 1. Kreis Mitte. Treffpunkt zum Werbeumzug mit Mujit ( 3 Kapellen) pünktlich 17 Uhr Arkonaplatz. Rote Fahnen und Transparente sind mitzubringen. 2. Kreis Tiergarten. Werbeumzug mit Fackeln. Abmarsch pünktlich 18 Uhr vom Kleinen Tiergarten. Fahnen und Transparente sind mitzubringen. 3. Kreis Wedding. Alle radfahrenden Genossen treffen sich zur Werbefahrt 18 Uhr Pantstr., Ecke Wiesenstr.( Weltliche Schule.) Motorradfahrer müssen ½ Stunde vorher anmesend sein. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Treffen zum Radfahrer- Werbeumzug pünktlich 17% Uhr vor dem Bezirksamt, Danziger Straße 64. 11. Kreis Schöneberg. 20 Uhr in der Siedlung Lindenhof. Redner: Stadtrat Georg Wendt. Lankwik. Treffpunkt zum Werbeuzug mit Fackeln und Musik 18 Uhr, Frobenstr., Ecke Zietenstr.- Anschließend Kundgebung auf dem Rathausplatz. Redner: Friz Schröder. Tempelhof. Treffpunkt zum Werbeumzug 18 Uhr Ulsteinhaus. Anschließend Kundgebung im Lokal Birkenwäldchen", Manteuffelstr., gegenüber dem Bosepark. Redner: Georg Maderholz, M. d. 2. Johannisthal. Blakfonzert um 18 Uhr am Kaiser- Wilhelm- Blaß. Anschließend Fackelzug. Redner: Fritz Müntner. 14. Areis Neukölln. Dritter Wahlwerbeumzug. Treffpunkt: 18 11hr Richardplay, Spize Kirchhofstr. Borher treffen sich die Abteilungen wie folgt: 89. und 90. Abt. Reuterplay 174 11hr; 91., 94. und 95. Abt. Boddinplay 17 Uhr; 92. und 93. Abt. Herzbergplay 17 Uhr; 96, 97 und 98. Abt. Richardplatz 17% Uhr; 99. 2bt.( Brig) Platz an der Hannemannstr. 17 1hr. Schlußturdgebung in dem Gartenlofal Bergschloßhöhe". Bei " diesem Aufmarsch am Vorabend der Wahl darf kein Parteimitglied fehlen. Alle Zeiten müssen genau eingehalten werden. Treptow, 101. Abt. Antreten zum Werbeumzug mit Musit 18 Uhr Wildenbruchstr., Ecke Graegstr. Anschließend Kundgebung auf dem Platz, Wildenbruchstr., Ecke Graeßstr. Redner: 17. Kreis Lichtenberg. Treffpunkt zum Werbeumzug 17% Uhr, Play vor der Jugendbühne. Wilhelm Strieder. 18. Kreis Weißensee. Treffpunkt zum Werbeumzug mit Fackeln 17% Uhr Heinersdorfer Str., Ecke Gustav- Adolf- Str. 3wei Musikkapellen. Fahnen und Transparente sind mitzubringen. Bohnsdorf. 19 Uhr im Lokal 3u den vier Jahreszeiten", Bahnhofstr. Redner: Emil Barth. Friedrichshagen. Treffpunkt zum Werbeumzug mit Mufit und Fackeln 19 Uhr am Bahnhof. Abmarsch pünktlich 19% Uhr. Anschließend Rundgebung im großen Gaal des Gesellschaftshauses, Friedrichstr. 137. Redner: Dr Julius Moses. Außerdem Konzert, Gesangsvorträge, Rezitationen. Hohenschönhausen. 19½ Uhr Kundgebung am Blaz Degnerstr., vor dem Feuerwehrdepot. Redner: Hans Plettner. Pankow, 128. bis 130. Abt. Treffpunkt zum Werbeu: nzug mit Mufit und Fackeln pünktlich 18% Uhr, Markiplay. Rote Fahnen sind mitzubringen. Buch. 20 Uhr im Lokal Lange, am Bahnhof. Redner: Stadtperordnete Dr. Käte Frankenthal und Otto Theuner. Karow. 20 Uhr im Lokal Meie, Dorfstr. Redner: Hans Bauer, Freie Scholle. Antreten zum Werbeumzug mit Musik und Fackeln pünktlich 18% 1hr por dem Konsumhaus, Hermsdorfer Str. Anschließend Kundgebung im Schollentrug". Redner: Otto Meier, M. d. 2. Rosenthal und Niederschönhausen- West. 20 Uhr im Lokal Manthey, Hauptstr. 1. Redner: Dr. Richard Mischler. Borher Treffpunkt zum Werbeumzug 18% Uhr Sachsenstr., Ecke Germanenstr., an der Schönholzer Heide. 11 Männer und Frauen, erscheint in Massen! Marie Juchacz Herm. Müller- Lichtenberg Schwere Tumulte in Perleberg. Perleberg, 12. September. In der Nacht zum Freitag fam es nach einer sozialdemo fratischen Wahlversammlung zu blutigen Zusammenstößen zwischen Mitgliedern des Reichsbanners, Kommunisten und Nationalsozialisten. Nach ruhig verlaufener Wahlversammlung versuchten Nadie zu vereitelt. Mit Biergläsern, Tischbeinen und Stühlen ging man aufeinander los. Die Nationalsozialisten mußten flüchten. Versuch wurde jedoch vom Reichsbanne türmen. Dieser Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist jedoch eine Rorrespondenzmeldung, die von 40 Verletzten, darunter einer Anzahl Schwerverletzter, berichtet, übertrieben. Hannover, 12. September.( Eigenbericht.) In Bothfeld, einem Vorort von Hannover, veranstalteten die Nationalsozialisten am Donnerstagabend eine Bersammlung. Da auch Arbeiter daran teilnahmen, tam es zu lebhaften Zwischenrufen und Diskussionen. Die Versammlung war schon zu Ende, und die Besucher wollten nach Hause gehen, als plötzlich ein 20 Mann starkes Rollkommando der nationalsozialistischen Sturmabteilung aus Hannover erschien, die Stühle im Saal ergriff und ohne jeden Grund auf die Bersammlungsbesucher einschlug. Die Polizei, die anscheinend Wind bekommen hatte, erschien aber ebenso plöglich im Saal, machte der nationalsozialistischen Raseret cin Ende und stellte die Namen der Rowdys fest. Ein schwerverwundetes Opfer der Nationalsozialisten wurde bewußtlos ins Krankenhaus gebracht. Außerdem sind zahlreiche Leichtverletzte zu verzeichnen. Streifbrecher als Reichstagskandidat. Echt kommunistisch: Erst beleidigen, dann feige fneifen! ,, Jmmer frech verleumden, es bleibt schon etwas hängen - vor allem, wenn man sich um Beweis und Berantwortung drücken kann." Das ist tommunistische Kampfmethode. Der Hausdruck des PD.", Verlag für schmutzige Beschimpfungen und unbeweisbare Angriffe gegen Sozialdemokraten, hat ein Flugblatt herausgegeben, das Mag Urich vom Deutschen Metallarbeiter- Verband ,, Streifbruchorganisator, Hausknecht der Industriellen, Gewerkschaftsspalter, Lockspiel der Abteilung I A und Arbeiterverräter" nennt. Verantwortlich zeichnet der Kommunist ,, W. Hein, M. d. R", Genosse Urich sorgte dafür, daß Hein, sobald ihm durch die Auflösung des Reichstags ter Schutz der Immunität enizogen war, Gelegenheit hatte, für seine Verleumdungen vor Gericht den Wahrheitsbeweis anzutreten. Er streng: e Privattlage wegen Beleidigung und übler Nachrede an. Wer war nicht an der Richtstelle? Der Hein! Mit gutem Grunde sagte Urichs Vertreter, Genosse Rechtsanwalt Dr. Weinberg, dem Borsitzenden Landgerichtsrat Bues: Das habe ich vorausgeahnt!" Er hat natürlich keine Beweise, und nun wartet er bis übermorgen, wo er wahrscheinlich wieder immun wird." Das nennt man tapfer. Genosse Ulrich fügte hinzu:„ Dieser Hein, der 1908 im Formerstreit bei Keyling und Thomas in der Ackerstraße selber Streifbrecher gewesen ist, wirft einem anständigen Menschen Streifbruch vor und ist dann zu feige, seine Beleidigung zu verantworten." Die klagende Partei beantragte, den Beleidiger zwangsweise vorführen zu lassen, das Gericht behielt sich die Beschlußfassung vor. Heins Rechtsanwalt Dr. Alexander war freimütig genug, darauf hinzuweisen, daß Hein auf der Wahlliste ja an so gut wie sicherer Stelle stände. Wenn die Kommunisten glauben, durch diese gemeinen und niederträchtigen Kampfmethoden bei den Berliner Arbeitern Seide ipinnen zu können, dann werden sie sich täuschen. 100 franzöfifche Lehrer in Berlin. Seit einigen Tagen weilen 100 Mitglieder der ,, Ligue d'Etudes Germaniques" als Gäste der„ Deutsch- französischen Gesellschaft" in Berlin. Die beiden Gesellschaften stehen im engsten Konneg miteinander und haben das vortreffliche Ziel, durch Austausch von Studienreisen die Kenntniffe ihrer Länder zu verbreiten und zu vertiefen. Es ist wohl das erstemal seit Ausbruch des Krieges, daß die Hauptstadt der deutschen Republit von einer großen Gruppe französischer Intellektueller besucht wird, die aus allen Kreisen und allen Gegenden Frankreichs stammen. Besonders zahlreich sind die Lehrer und Professoren vertreten, die sich dem Studium der deutschen Sprache und Kultur widmen. Wie bei dem festlichen Empfang, der den Franzosen gestern in Krolls Festsälen geboten wurde, Herr Dr. Otto Grautoff, der Vorsitzende der Deutsch- französischen Gesellschaft", mitteilte, haben die französischen Gäste während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in Berlin durch den Besuch von Sehenswürdigkeiten, Theatern, Schulen und Fabriken, durch Abstecher nach Potsdam und Frankfurt an der Oder den ernsthaften Versuch unternommen, in deutsche Berhältnisse einzudringen. Namens der Gäste antwortete der zweite Borsitzende der Liga, Prof. Rapizé, formvollendet in deutscher wie französischer Sprache und legte die hohen Aufgaben der forrespondierenden Verbände dar, die zum wirklichen Verständnis der beiden Kulturvölker dienen sollen. Nach einer AnSprache des Staatssekretärs Lammer, der den preußischen Kultusminister vertrat, hielt dann Prof. Jouve aus Cahors einen temperamentpollen Bortrag über den modernen Humanismus. Nazi- Kandidat a. D. Wegen unfittlicher Handlungen außer Dienst gestellt. Unser Berlin im Wahlfieber 1 nicht genau einhält, wird vom Rednerpult gestoßen. Im S.- Gesindel schlägt unter der Devise: 3wanzig gegen einen" pon allen Seiten auf den unglücklichen Menschen ein. Bolizet, Gummifnüppel, Verhaftungen. Das ist das Gesicht der NSDAP. Aber Herr Dr. Goebbels, der erst durch maßlose Heßereien das Blut seiner Leute zum Sieden gebracht hat, sagt in seinem Schlußwort: Mit uns marschiert das Volk!" Mit uns marschiert das Volk!"- aber das Fazit dieser nationalsozialistischen Veranstaltung sind drei Schwerverletzte! Der Spizenkandidat der Nationalsozialisten im Wahlkreis Potsdam, Oberschullehrer Emil Holt, ist wegen wiederholter unsittlicher Handlungen seines Amtes vor= Nur noch einige Tage trennen das deutsche Volf vom 14. Sep-| freuzler! läufig enthoben worden. Gegen ihn ist ein Disziplinar- tember, an dem es eine der bedeutungsvollsten Entscheidungen zu Handumdrehen ist eine schwere Keilerei im Gange, das brutale verfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung eingeleitet worden, treffen hat. Je näher die erregenden Stunden rücken, desto bunter, Holz, der bereits 59 Jahre alt ist, soll von dem Fenster seiner desto fieberhafter erscheint auch das Berliner Straßenbild. Wohnung aus mehrfach sich Frauen und Mädchen der Nachbarschaft Ueberall mehr oder minder friedliche Zusammenrottungen, überall in nicht mißzuverstehender Weise entblößt gezeigt und auch sonst diskutierende Gruppen. Sofern nicht ausgemachte Rowdys, Abgeeinen Unfug getrieben haben, der auf sexuelle Entartung schließen fandte der Kozis oder Nazis, hinzukommen, verlaufen die so zwang losen öffentlichen Debatten durchaus in Ruhe. Der Berliner ist pon Natur aus friedlich. Die Schlacht wird in der Hauptfache mit mehr oder minder fachlichen Argumenten geschlagen und mit Flugblättern. Die Flugblätterfülle hat fast etwas Malerisches an sich. Weiß von Weisheiten übersät sind zuweilen die Straßen. läßt. Ein Mann solcher Veranlagung mag bedauernswert sein, aber er eignet sich schlecht als Kandidat für den Reichstag. Besonders dann, wenn seine Partei sich nicht schämt, zu behaupten, der greise Rechtslehrer Kahl und die sozialdemokratischen Mitglieder des Rechtsausschusses wären für die Blutschande und die Unzucht mit Tieren eingetreten, nur weil sie so anormal veranlagte Leute nicht ins Zuchthaus steden lasse, sondern die Gesellschaft in anderer Form vor ihren Erzessen schützen wolle. Wieder Diphterie! In vier Neuköllner Gemeindeschulen. Die mehrfachen Diphtherieerkrankungen in den Neuköllner Gemeindeschulen in der Elbestraße haben den Berliner Gefundheitsbehörden jetzt Beranlaffung zu energischen Maßnahmen gegeben. Bei den von den Erkrankungen betroffenen Schulen handelt es sich um die 9., 10., 25. und 26. Gemeindeschule, zwei MädchenDie Lumpen zu Hause... Hugenberg!!! Quaatz!!! Frick!!! Reventlow!!! Oldenburg- Januschau Goebbels!!! Der Kampf an den Litfasfäulen. " Immer wieder finden in allen Bezirken der riesigen Stadt gewaltige Straßendemonstrationen statt, immer wieder hämmern Sprechchöre den Maffen ein: Wählt Liste 1, wählt Sozial demokraten!" Der Kampf an den Litfaßsäulen wird von Stunde zu Stunde hiziger; Spezialität ist es, die großen Plakate mit Kleinen Zetteln der Gegner zu überkleben. Besonders Nationalfozialisten und Kommunist en leisten sich die ungeheuerlichsten schriftstellerischen Ausschreitungen, aber auch die Deutsch nationalen des taiferfehnsüchtigen Hugenberg holen selbst den schmutzigsten Schwindel der Vortriegszeit wieder hervor, um der verhaßten Sozialdemokratie in den Augen unverbesser licher Dummköpfe eins auswischen zu fönnen. Ein Gang durch die Straßen der Stadt und die Versammlungen, die allabendlich zahl= reich von allen Parteien veranstaltet werden, zeigt dem unbefangenen Beobachter deutlich, wie wenig die Bühler bei allen rechtlich Dentenden erreichen. Mit der SPD. am roten Wedding. Sozialdemokratische Demonstration am roten Wedding. Dort, wo sich die Kommunisten sonst so mausiig zu machen pflegen und wo sie glauben, mit Hilfe des Terrors ihrer RFB.- Rowdys schon das Heft in der Hand zu haben welch eine Demonstration! Zu Tausenden und aber Tausenden marschiert das Weddinger Proletariat unter den roten Fahnen der Sozialdemokratie. Gewaltig auch die Mengen Jugendlicher, die mitmarschieren. Zahllose Schilder mit der Aufschrift: ,, Wählt Liste 1" werden im Zug getragen. Aus einigen kommunistischen Verkehrslokalen stürzen mit verzerrten Gesichtern die Sowjetstern- Krakeeler heraus und fangen mit heiserer Stimme an:„ Nieda, nieda!" zu brüllen. Die riesige Demonstration der Arbeiterschaft verlacht die Tumultanten, worauf die Kommunisten, die merken, daß hier für sie nichts zu holen ist, in ihren Parteikneipen verschwinden, um sich neuen Mut für weitere Heldentaten anzu= trinken, Das tägliche Blutvergießen bei Goebbeis. Nationalsozialistische Radauversammlung in Schöneberg. Die mit Industriezaster vorerst besänftigte SA. stellt den Saalschutz. Herr Goebbels, der wilde Krieger des dritten Reiches, redet mit sich überschlagender Stimme und wilden Gestikulationen. Immer, wenn das Wort ,, Jude" fällt, bricht die Versammlung in ein unartikuliertes Gebrüll aus, aus dem man nur die Worte ,, Deutschland erwache!" und Heil" zur Not unterscheiden tann. Als in der Diskussion zwei Gegner zu sprechen versuchen, werden sie niedergeschrien und der Der deutschnationale Redner:„ Die Lumpen eine, der die dreiminütliche Redezeit so splendid find die Haken waren 1918 zu Hause!" " W 3wischenrufe:„ Und Frick? Und Goebbels? Und du?" Der Redner:„ Bitte sehr, wir waren ordnungsmäßig reflamiert!" und zwei Knabenschulen, die sich auf einem Grundstück befinden. Obgleich sich die Zahl der Erkrankten nicht erhöht hat, ist beschlossen worden, die Schulen bis zum 24. September zu schließen, um die Krankheitsherde, was bisher noch nicht gelungen ist, einwandfrei festzustellen. Fünf Aeste sind mit der Untersuchung und den Abwehrmaßnahmen betraut worden, die in zwei Untersuchungsetappen durchgeführt werden. Außerdem sollen alle Personen, die mit dem Schulbetrieb irgendwie in Zusammenhang stehen, beobachtet und überwacht werden. Es ist zu hoffen, daß diese Generaloffensive" der Behörde gegen die heimtüdische Krankheit auch den gewünschten Erfolg zeitigt. Kind im Trunk ermordet? Die Schreckenstat in Lichterfelde.- Vernehmung der Eltern. Das Gärtner- Ehepaar aus Lichterfelde, gegen das, wie der„ Borwärts" berichtete, der Berdacht des Kindes. mordes entstanden war, wurde gestern von der Kriminalpolizei eingehend vernommen. Sowohl der Mann wie die Frau bestreiten, Schuld am Tode des Kindes gehabt zu haben. Der Mann gibt jetzt aber zu, daß er an dem fraglichen Tage, dem 1. September, vollkommen be trunten gewesen ist. Es ist festgestellt, daß vier Glas Bier genügen, um ihn in einen Rauschzustand zu versetzen. Bei Bekannten und in den Lokalen, in denen er sich an jenem Tage auf: gehalten hatte, hatte er im ganzen fünf große Mollen", zwei Gläser Obstwein und wahrscheinlich auch einige Liköre getrunken. Die Geldverhältnisse des Ehepaares lagen sehr im Argen, der Gärtner hatte nur gelegentlich Arbeit und war stark verschuldet. Nach und nach war die Summe auf 1500 M. ange: wachsen. Wie die Frau bei der Vernehmung angab, hatte ihr Mann früher einmal geäußert, er wolle mit dem jüngsten Kinde, dem kleinen Wolfgang, der unter so eigentümlichen Umständen starb, gemeinsam in den Tod gehen. Auch diese Aeußerung bestreitet der Mann nicht. In seiner freien Zeit beschäftigte sich der Gärtner mit Photographieren. In seiner Wohnung hatte er Gigierfalze und andere Chemikalien, die er dazu brauchte. Diese Vorräte find beschlagnahmt worden, denn es besteht der Berdacht, daß von diesen Chemikalien dem kleinen Wolfgang etwas eingeflößt worden ist. Die inneren Organe des Kindes find zu einer chemi schen Untersuchung zurückbehalten worden. Das Resultat steht aber noch aus. Zwischen dem Ehepaar ist es gestern zu einer gewissen Aussöhnung gekommen. Die Frau, die, wie wir berichteten, die Woh nung verlassen hatte, hat sich bereit erklärt, zu ihrem Manne aurückzukehren. Nach Abschluß der Bernehmung wurde die Frau wieder entlassen, der Mann wurde vorläufig in Haft behalten. Seine erste Behauptung, er habe dem Kinde nichts gegeben, hat er inzwischen etwas eingeschränkt. Er sagt jetzt, er wisse es nicht mehr, denn er sei so betrunken gewesen, daß er sich an das, was er an jenem Abend tat, nicht mehr erinnern fönne. Er wird im Laufe des Tages dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. | Schlafiucht bei der Staatspartes. Im Südwesten der Stadt tagen die Staatsparteiler in einem recht kleinen Versammlungslokal. Die Vere anstaltung ist recht dürftig, die Stimmung flau. Grüppchen Jungdeutscher versieht den Saalschutz. 200 Leute find anwesend, aber die Hälfte ganz bestimmt Gegner. Um niemand auf die Zehen zu treten, hat die weise Versammlungsleitung die Farben der Republif gänzlich ausgeschaltet. Man fchwarzrotgoldener Beflaggung den Saalihus munkelt davon, daß sich der Jungdo geweigert habe, bei 3wischenrufe dicht wie Hageltörner, aber langsam schläft alles ein. zu übernehmen. Sechs Redner sprechen, zuerst fallen die Die Zwischenrufe, die Freunde, die Gegner. Als der letzte Agitator gegen 12 1hr geendet het, sind von den 200 Leuten, die zu Beginn ber schläfrigen Veranstaltung anwesend waren, mindestens 90 fort" Klassentampf" gegen die GPD. gegangen Bersammlung der Kommunisten in einem Bierlotal des Ostens. Man hat vielerlei Lockmittel aufgeboten, um den Saal zu füllen. Zwei, drei Leute rezitieren, die unvermeidlichen ,, Agitprop"-Truppen treten auf, ein Chor der kommunistischen Jugend singt ein sehr langatmiges, sehr blutrünstiges Lied, das mit einem Appell schließt, die Liste der KPD, zu wählen. Dann spricht ein Mann mit malerisch dekoriertem Empörerhaupt, dritte Garnitur, ein Berliner Stadtverordneter, der schon einmal vor der Gefahr des Rausschmisses stand, weil er angeblich mit den Versöhnlern" geliebäugelt hatte. Jetzt ist er treu und bran in die allein seligmachende Stalinsche Linie eingeschwenkt und leiert in einem unverdaulichen Deutsch tausend bleierne Phrasen vom Blatt herunter. Und was das Bezeichnende an diesem erschütternd öden Referat ist: der Mann spricht 75 Minuten gegen die Sozialdemokratie und ganze 15 Minuten gegen Bürgerblock und Nazis zu sammen... Unser der Sieg' M Die Sozialdemokratie hat eine Anzahl Plakatsäulen für den Wahlkampf gepachtet und sie mit Blakaten beklebt, die eine riesige 1 mit der Unterschrift Wählt Sozialdemokraten" zeigen. Vor diesen Säulen sammieln sich zu Dutzenden die Nazis und Kozis und fangen an zu diskutieren. Sie erreichen allerdings das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigen. Die Anjammlungen vor den Säulen locken Scharen von Neugierigen herbei, so daß die tüchtigen Kommu nazis zu unfreiwilligen Propagandisten der Liste 1 werden. Und wenn sie allzu wild zu standalieren beginnen werden sie sehr schnell von den Arbeitern fräftig zur Ordnung gerufen. So marschiert die Berliner Sozialdemokratie im Wahltarapf: hoffnungsfreudig, attiv, tämpferisch. Bolschewisten gegen Bolschewismus Der Abscheu vor dem System- Sowjetfunktionäre enthüllen " fammen mit den Bolschewisten die russische Revolution in einer Flut von Demagogie erstickten. Die linken Sozialrevolutionäre traten sofort nach der Unterzeichnung des Difiats von Brest- Litomi? aus der Koalitionsregierung aus, nachdem die Bolschewisten die linken Sozialrevolutionäre dazu gebraucht hatten, um sich als Bauern" regierung aufspielen zu fönnen. Aus der Darstellung Steinbergs verdient besonders der Vergeßlichkeit entrissen zu werden, wie die Bolschewiki das Bolt zum Krieg gegen Deutschland nach dem Abbruch der Brester Verhandlungen aufriefen. Steinberg versuchte als Justizkommissar, Seit etwa einem Jahr gibt es eine neue Literatur über| Monate, in denen die linken Sozialrevolutionäre zuRußland, die sich von der bisherigen wesentlich unterscheidet. Bisher gab es eine Literatur von Pro- und von Antibolschewiften. Jetzt erscheint eine Literatur von Perfönlichkeiten, die mit den Bolschewiffen eng zusammengearbeitet haben und nachher, aus den verschiedensten Moliven, von den Bolschewiften abgefallen find. Diese Literatur wird von den Anhängern des Bolschewismus und von den Unschlüssigen teils mit Wut, teils mit Zweifeln betrachtet. Ganz mit Unrecht. Stets hat die Geschichte das allerwichtigste Material aus den zeitgenössischen Memoiren geschöpft. Aus welchen Motiven die bolschewistischen Memoirenschreiber ihre früheren Mitkämpfer, ihre früheren Parteifreunde, wie die Leute glauben machen, die durch solche Memoiren getroffen Chefs, Geldgeber, verlassen haben, ist nicht von solcher Bedeutung werden. Wenn die Polizei eine Denunziation bekommt, so kann der Charakter des Denunzianten noch so widerlich sein, mit dem Verbrechen, das er anzeigt, hat der Wert seiner Person oder die Motive, die ihm zur Anzeige treiben, nicht das geringste zu tun. So ist es auch mit dieser Memoirenliteratur der Fall. Dazu kommt aber noch folgendes: unter den Verfassern der folgenden Bücher befinden sich Personen, die zwar nicht dem politischen, wohl aber befinden sich Bersonen, die zwar nicht dem politischen, wohl aber dem sittlichen Wollen nach aller Achtung wert sind. Diensten viele Jahre die höchsten Stellungen eingenommen Es befinden sich ferner Personen dahinter, die in bolschewistischen haben. Die Kritik der Memoiren kann sich aber nicht allein auf den allgemeinen Charakter des Werkes stüzen, sondern auch auf die Schlüffe, die sich aus dem Vergleich der Bücher untereinander er3weifelhaftes enthält. Aber es stehen auch. Dinge darin, die un geben. Es gibt da manches Buch und manches Kapitel, das viel weifelhaft wahr sein müssen, weil sie in den anderen Enthüllungsbüchern von Verfassern, die sich gegenseitig nicht fennen, genau so berichtet werden. Ein Beispiel: Wenn in 3 verschiedenen das Blufmeer des Terrorismus, die infamsten Elemente von den Bolschewiften als Terroristen verdas vor ihm aufstieg, einzudämmen. Schon damals zeigte sich, daß wendet wurden. Steinberg versuchte einige balichemistische Schützlinge, die Advokaten Koslowiti und Kraffitow, zu ent fernen. Sie leiteten einige der zahllosen Untersuchungskommissionen, die wahllos und wild mit Erschießungen vorgingen. Steinberg fonnte sofort feststellen, daß dieses Tribunal eine milde Korrup.ion mit Lebensmitteln betrieb, teinerlei Untersuchungen durchführte, ein wahres Räubernest war. Aus reinen Parteigründen verbin derten Lenin und Trogti die Untersuchung und Säuberung dieses Schmuz neste s. Während das Schwert Deutschlands, wie Steinberg schreibt, der Regierung über den Nacken hing, widmete man eine Riesensizung dem Kampf um diese beiden Tichelisten. Eine Kommiffion untersuchte den Fall. Ihre bolschewistische Mehrheit brachte es zu einem Freispruch. Wenige Wochen später mußten diese beiden Banditen auf Grund einer Eingabe des mächtigen Petrograder Sowjets, der ein langes Berzeichnis der von ihnen begangenen Verbrechen einreichte, abgesezt werden. Trotzdem war der eine noch einige Jahre Mitglied des Justiz tommissariats und der andere, Krassitow, wurde sogar Borsigender des höchsten Kassations. Büchern 3 verschiedene Berfaffer behaupten, daß die GPU. das gerichtes des Landes, tungsszenen dadurch perdeckt, daß sie Getpatter der Schüsse bei ihren abendlichen Hinrich. tungsf3enen dadurch verdeckt, daß sie ver= vor den Gefängnisfen Motorlaftwagen auffahren läßt und alle Motoren auf einmal angekurbelt werden, damit der Höllenlärm dieser Motoren das Erschießen der Gefangenen übertönt. und wenn dies außerdem aus schiedenen Städten berichtet wird, so wird man auch bei sorgfältigfter Anwendung kritischer Methoden in jedem Gerichtsperfahren übereinstimmende Aussagen von einander unabhängiger Zeugen als wahr atzeptieren müffen. Ausgabe der zukünftigen Geschichtsschreibung über die bolichemistische Gegenrevolution wird es sein, Die Memoiren der Zeit fachlich zu prüfen, unbeschadet der Motive der Memoirenschreiber. Die älteste Periode des bolschewistischen Regimes behandelt der linfe- Sozialrevolutionär 3. Steinberg in feinen Erinnerungen Als ich Volkskommissar war". Das mit 20 Abbildungen bei R. Piper u. Co., München, verlegte Buch behandelt die tragischen was etwa dem deutschen Reichsgericht entspricht! So schwer die politischen Fehler Steinbergs waren, so verdient doch die sittliche Reinheit seiner Persönlichkeit allen Respekt. Sein Buch ist voll von Beweisen dafür, daß er den aufkommenden durch Demagogie hochgetriebenen Terror mit allen Mitteln einzudämmen suchte, während Lenin und Troyki den Blutrausch der Massen. förderten. Eine Memoirenliteratur für sich bilden die folgenden vier Bücher, die wahrheit vernichtende Enthüllungen über das politische, wirtschaftliche, bürokratische Leben im Sowjetregime bringen. Es ist hier nur möglich, anzudeuten, was die Bücher enthalten. Kein Zweifel, daß jedes mit fritischer Vorsicht zu behandeln ist. Kein 3weifel aber auch, daß diese Bücher sich derart ergänzen, daß fie vielfach Bestätigungen gleichlommen. Grigorij Bessedowsky veröffentlicht seine Erinnerungen unter dem Titel 3m Dienst e der Sowjets".( Verlag Grethlein.) Bessedowsky flüchtete, wie erinnerlich, aus der Pariser Botschaft, deren 1. Sekretär er war und bat die französische Polizei um Schutz vor der GPU. Die GPU. beschuldigte ihn der Unterschlagung, hat aber bisher darauf verzichtet, ihr Anflagematerial zu veröffentlichen. Bessedowski mar ursprünglich linker Sozialrevolutionär, leitete die Verschmelzung der ukrainischen Abteilung der Sozialrévolutionäre mit den Bolschewisten und nahm im boljchemistischen Regime eine Fülle hoher Vertrauensstellungen ein. Er war auf der Wiener und Warschauer Botschaft tätig, mar als Aufsichtsratsmitglied ,, Amtorg" in New York und für eine diplomatische Mission in Südamerika vorgesehen, Geschäftsträger in Japan, Botschaftsrat in Paris. Bessedowsky enthüllt Greuel der Tscheka. Wir erfahren durch ihn die Namen und die Tätigkeit der wichtigsten Tschefisten. Geradezu schauerlich ist, daß sich darunter auch nach seinen Angaben eine Frau befindet, Eugenie Basch, die 1919 in Astrachan der laufende Arbeiter erschießen und ertränken ließ. Grausamkeit von Frauen in der bolschemistischen Gegenrevolution wird nach an anderen Stellen enthüllt. Bessedomsty stellt das Zufammenwirken der staatlichen Vertretungen der Sowjetregierung mit der Komintern und der GPU. dar. Er und andere bestätigen, daß in den Botschaften Tschekisten in möglichst unauffälligen Stellungen untergeordnetsten Ranges verstedt werden. Bessedowsky stellt die bolschemistische Bühlarbeit auf dem Balkan dar und behauptet, daß die Explosion in der Kathebrale in Sofia das Wert der beiden Tschetisten Jaroslawsky und Jelenski war, die ihm in Wien zugeteilt waren. In Warschau haben die zur Botschaft gehörigen Tschekisten die Explosion der Warschauer 3itadelle geleitet, während verschiedene Attentatsvorbereitungen gegen Bilsudski aus verschiedenen Gründen unterlassen worden sind. Außenpolitisch interessant sind die Berhandlungen der Russen mit den Polen im Jahre 1923, in dem angeblich Deutschland vor einem Sowjetumsturz stand. Die Polen follten der Sowjettanallerie den Durchzug durch Polen gestatten, dafür sollte Bolen in Ost preußen ,, Bewegungsfreiheit" erhalten. Auf Sowjetseite haben Kopp und Rajewski die Verhandlungen geleitet. Die Troßkisten warfen nachher noch jahrelang der Partei vor, daß ihr 1923 der Mut gefehlt habe, die„ Rote" Kavallerie in Deutschland einrücken zu laffen. Was Bessedowsky an Korruption, Skandalen, Mißbräuchen berichtet, erscheint phantastisch wenn es nicht leider selbst durch gelegentliche Enthüllungen der bolschewistischen Presse bestätigt würde. Die bolichemistischen Enthüllungen treffen aber nur die fleinen Diebe, während Bessedowsky die großen padt. Es hieße jedenfalls Bessedomity gewaltig überschäßen, wenn man glaubte, daß er seine Enthüllungen erfunden hat. Trotzdem ist die Korruption, die er dem Regime vorwirft, noch ein Nichts, gegenüber den Enthüllungen von Georg Solomon, Unter den roten Machthabern".( Berlag für Kulturpolitik.) Auch Solomon ist fein Beliebiger. Er war mit Lenin seit 1909 befreundet. Und menn er auch den Oktoberputsch abwesenheitshalber nicht mitmachte, so haben ihn doch die Bolschewisten mit verantwortlichen Stellen überhäuft. Er war u. a. 1. Sefretär an der Berliner Botschaft unter 3offe, Konjul in Hamburg, Handelsvertreter in Reval und schließlich als direkter Untergebener Krassins, Direktor der Londoner Artos". Die Enthüllungen über die Joffe- Botschaft find relatie gering, denn was die fleinen Angestellten da sündigten, hat die zweifellos vornehme Persönlichkeit Joffes gutzumachen ver sucht Alle menschliche Borstellung übersteigt aber die korruption auf der Revaler Gesandtschaft. Dort herrschte J. Gutowski, ein Brotektionsfind von Lenin und Stalin. An anderen Stellen dieser Memoirenbücher drohte jeder ertappte Sowjetdieb dem Betämpfer PROGRAMM für die Zeit vom 12. bis 15. September BTL Potsdamer Straße 38 W. 5, 7, 9 Uhr Verlängert: Ein Ton- Schauspiel: Der Andere DRESDNER VOLKS HAUS HI ராமா Ein neues Volkshaus Von den Dresdener Parteigenossen errichtet der Korruption mit seinen Beziehungen zur Tscheka. So auch hier. Die Korruption war aber so ungeheuerlich, daß es Solomon doch gelang, durchzugreifen. Die Geschäfte wurden in den Schlafzimmern der Angestellten und Gutowstis selbst gemacht. Haufen von Geldscheinen aller Länder lagen in effenen Schubladen herum. Man wußte nie, ob in einem Zimmer Geschäfte gemacht, geschlafen, ge fressen oder Orgien gefeiert wurden. 40 Proz. der Rechnungen taffierten die Sowjetbeamten als Bestechungsgelder. Die Korruption der Handelsdelegation wird von der der Komintern ergänzt. Ginowien verlangt telegraphisch, daß einem durchreisenden Kurier der Komintern für Einkäufe in Berlin 200 000 Goldmart ausgehändigt werden. Nach drei Wochen wird der Handelsverkehr in Reval durch zwei Baggons gestört, die aus Berlin fommen und bevorzugt behandelt werden sollen, da sie für die Komintern und Sinowjew direkt bestimmt sind. Bei der Durchsicht stellt sich heraus, daß sie nichts els Delitateffen, Parfüms, Manifürapparate, Spigen und Curusartifel aller Art 914. wurde. Bei der 2ondoner Artos fand Solomon geordnetere Zustände vor, aber unzweifelbare Korruption. Solomon versuchte, den Korruptionsherd zu zerstören, indem er verlangte, daß diejenigen die Waren abnehmen, die identisch) sein dürfen mit denen, die die Waren kaufen. Diese selbstverständliche Kontrolle war undurchführbar! Schließlich sah Solomon, daß er niemals fertig werden würde, und verließ nach sechsjähriger Arbeit den Sowjetdienst. Den Sowjetdienst hat ebenfalls eine Persönlichkeit verlassen, die unter dem Pseudonym M. J. Larsons und unter dem Titel ,, Als Expert im Sowjetdienst"( Rowohlt) über ihre Erfahrungen berichtet. Auch Larsons hatte eine hohe verantwortliche Stelle in der Staatsbant, in der Valutaverwaltung, im Edelmetallvertrieb inne. Auch durch seine Hände sind so wie durch Solomons und Bessedowskys Millionen gegangen. Gegenüber Solomon und Bessedowify zeichnet sich sein Buch durch fühle Sachlichkeit, durch Verzicht auf Enthüllungen und auf persönliche Angriffe aus. Aber das Resultat ist dasselbe, und da er zum Teil auch die Revaler Geschäfte behandelt, bietet er die Möglichkeit, Solomon zu kontrollieren, ohne Solomon zu widerlegen. Larson hat für Rußland ein Wort gefunden, das unbezahlbar ist. Er nennt es das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Nichts, was in einem Tollhaus erfunden werden kann, ist in Rußland unmöglich. Er dient dem System als Expert und als Spezialist, aber er gibt seinen Dienst auf, weil es unmöglich ist, produktive Arbeit zu leisten. Auch er bestätigt, daß in den ausländischen Handelsdelegationen unter den Masken untergeordneten Personals GPU.- Agenten tätig sind. 3ur Geschichte der Tscheka Greuel gehört seine Mitteilung, daß einer seiner Mitarbeiter fich öffentlich rühmte, als Tschekist ein Mädchen gezwungen zu haben, ein Todesurteil gegen ihren eigenen Vater als Beisitzerin des Gerichts, die sie zufällig war, mit zu unterschreiben. Den Enthüllungen über die Tscheka ist ein Buch Wladimir Brunomsfis In Sowjetfertern"( Union, Deutsche Verlagsgesellschaft) gewidmet. Brunowsti mar ebenfalls ein ehemaliger Sowjetfunktionär ynd verdantt, wie er schreibt, der Intervention verschiedener Mächte, aber auch Nansens und Kautskys, seine Rettung. Die GPU. verlangte von ihm, fich als Hauptperson für einen großen Demonstrationsprozeß herzugeben. Da er sich weigerte, wurde er 43 Monate in Sowjetterfern zurückbehalten, mehrfach zum Tode verurteilt, durch viele Gefängnisse geführt. Brunowskis Buch enthält erschütterndes Material über die Praxis der GPU. Auch dieses Material ist kritisch zu betrachten, aber die llebereinstimmung vieler Angaben mit dener anderer Verfasser zeigt, daß es im ganzen große Beachtung verdient. Nach Brunowski fällt die Moskauer GPU. jährlich durchschnittlich 35 0000 Urteile. Brunowski schildert den ganzen Apparat der GPU. mit einer bisher noch nicht bekannten Eindringlichkeit. Brunomski hat mit größtem Mut seine Unabhängigkeit verteidigt. Dem Buch ist das Protokoll der ersten Haussuchung photographisch beigelegt, aus ihm geht hervor, daß Brunowiti mit Trojki, Lenin, Rytom und anderen in Korrespondenz stand und Geheimatte der Komintern besaß. Also aud) er ist ein Beischemist, der auf Grund besonderer Bertrautheit mit dem System zum Anfläger des Systems geworden ist. Kein Zweifel, daß die Enthüllungen der Bolschewisten über den Boljchemismus erst begonnen haben. Die Zahl der Persönlichkeiten, die freiwillig in die Berbannung gehen, wird immer enthalten. Als Solomon Gutowsti das überall ohne jede Ber: größer fein. Eine Memoirenliteratur von Bolfchewiften gegen den buchungen herumliegende Geld abzunehmen bevollmächtigt wird, Bolschewismus ist im Entstehen. Und damit werden der Geschichte stellt sich heraus, daß sich 8 Millionen Goldrubel in den über die letzten jurchtbaren 13 Jahre Quellen erschlossen, deren BeZimmern unkontrolliert besinden! Da erscheint ein von der Tscheka deutung nicht verkannt werden darf. Jedes Werk bestätigt, daß die bestimmtes Individuum. Bei der Prüfung stellt sich heraus, daß| Parole der Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre richtig war: er von Buchhaltung keine Ahnung hatte, aber der Friseur| Der Sieg der Bolschewisten das ist die Gegenrevolution. genins war, dem auf diese Weise ein Auslandsurlaub vermittelt Felix Stössinger. KINO- TAFEL Moabit Süden Artushof- Lichtspiele Primus- Palast Film- und Bühnenschau Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Frauennot Frauenglück, mit einleit. ärztl, Vorträg Beiprogramm m. Fritz Kortner, Käthe v. Nagy, Welt- Kino Beg 6.45, 9.00, Heinrich George, Ed.v.Winterstein Rheinstraße 14 Ander Kais.- Eiche) Die Perle des Regiments mit Reinhold Schünzel Der Jüngling aus der Konfektion mit Curt Bois, Maria Pandler Odeon, Potsdamer Str.75 Tonfilmposse: Wien, du Stadt der Lieder m. Charlotte Ander, Paul Morgan, Max Hansen Jugendliche haben Zutritt Turmstraße 12 W. 5, 7, 9 Uhr Ein Tonschauspiel: Der Andere mit Fritz Kortner, Käthe v. Nagy, Alt- Moabit 99 Tonfilmoperette: S. 5, 7, 9 Uhr Ein Tango für dich m. Fee Malten Tönendes Beiprogramm Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Wtgs. 7, 9.15 Stg. 5, 7, 9.15 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochent. 5.30, 7, 9,15, Sonnt ab 3 U. Tonfilm: Der Andere mit Fritz Koriner, Heinr. George, Käthe von Nagy, Oscar Sima Auf der Bühne: Wilhelm Bendow Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Tonfilmoperette: Stg. ab 4 Uhr Ein Tango für dich mit Willy Forst Ab Sonntag: Hokuspokus mit Harvey, Fritsch Neukölln Die Csikobarones mit Greil Theimer, Ernst Verebes, Mercedes- Palast Albert Paulig, Julius Falkenstein Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Schöneberg früher Titania( Ufa Schöneberg Hauptstraße 49 W 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. Der Sohn der weißen Berge Anfang: Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3. 5, 7. 9 U Berlins größtes Tonfilmtheater Der große Berg- Ton- Sprechfilm: Der Sohn der weißen Berge mit Luis Trenker Bühnenschau mit Luis Trenker, Renate Müller Kukuk Belprogramm Jugendliche haben Zutritt Heinrich George, Ed.v.Winterstein Alhambra Wchtgs. 7 u. 9 Uhr Alexanderstr. 39-40 ( Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Tonfilm- Operette: Stgs. ab 3 Uhr Hauptstr. 30 Ufa- Tonfilm: Hokuspokus mit Lilian Harvey, Willy Fritsch Beiprogramm Friedenau Kronen- Lichtspiele Liebeswalzer mit Lilian Harvey, Willy Fritsch, Georg Alexander Rheinstr. 65 Westen Primus- Palast W 5.15, 7.15. 9.15 S.ab 2.15 W.7,9, U. S.5,7,9 U Tonfilm: Der Schuh im Tonfilmatelier mit Gerda Maurus Tönendes Beiprogramm Steglitz Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Titania- Palast Urauf.ührung des Tonfilms: Mach mir die Welt zum Paradies m. Gösta Eckmann, Anita Dorris, Albert Paulig Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Der Florentiner Hut mit Alb. Prevant Entr'acte Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Belprogramm Täglich 6.30, 9 Uhr. Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Wochent. 6,45, 9 U. Sonntags 5, 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 Tonlustspiel: Zweimal Hochzeit. mit Liane Haid, Ralph A. Roberis Belprogramm Excelsior Wochent 6.45, 9 U. Sonntags 5, 7. 9 U. Stella- Palast Köpenicker Straße 11-14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 5.30, 7.15, 9.15, Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Der große Sprech- Torfilm: Der Sohn der weißen Berge mit Luis Trenker Beiprogramm Bühnenschau Sternwarte- Treptow Sonnabend 8 Uhr: Sonntag 4,6,8 Uhr: PROGRAMM für die Zeit vom 12. bis 15. September Viktoria- Lichtbild- Th. Filmpalast Puhlmann Frankfurter Allee 48 Woch. 5, ca 7, 8.45, Stg. 3, ca. 5, 7, 8.45 U. Bühnenschau Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 312 U. Tonfilm: Hokuspokus mit Lilian Harvey, Willy Fritsch Cowboykönig mit Jack Terrin Beiprogramm. Der geheimnisvolle Kavalier Ein Mädel von heut Alhambra Woch. ab 630 Uhr. Sonnt ab 4 Uhr. Colosseum Varieté Wtgs. 5, 7 u. 9 Uhr Koppenstraße 29 Tonfilm: Sei gegrüßt du mein Schönhauser Allee 123 schönes Sorrent. Beiprogramm Neu- Lichtenberg Roah- Roah( Schrei der Sehnsucht) Kosmos- Lichtspiele Großtierfilm d. Georgien- Expedition Lichtenberg, Lückstraße 70 Nordosten Elysium" Film und Bühne Prenzlauer Allee 56 W.5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Tonfilm: Der Andere mit Fritz Koriner, Käthe v. Nagy, H. George W 6.15 U. Stgs. ab 4 U. Der Detektiv des Kaisers mit O. Gebühr Bühne: Gasispiel des ColumbiaBalletts. Bühnenschau Friedrichsfelde Stg 3, 5, 7 u. 9 Uhr Tonfilm: Das lockende Ziel mit Richard Tauber Große Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9, Stg. 5, 7, 9 U. Sprech- Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, S. Arno Tivoli, Pankow Bühne! Else Ward, Hans Leidner Kino Busch W. 6.15, 8.45 Uhr Berliner Straße 27 S. 5, 7 u. 8.45 Uhr Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochen: ags 6 30, Sonntags 5 Uhr Moral um Mitternacht Alt- Friedrichsfelde 3 Das Halsband der Königin mit Diana Karenne Ist Eddy Polo schuldig? Beiprogramm Weißensee Schloßpark Film- Bühne mit Camilla Horn, Gustav Diehl Berliner Allee 206-210 Stg. 23 Jgd.- V Das gute Beiprogramm Die ausgewählte Bühnenschau Luna- Filmpalast Kaiser- Friedrich- Straße 191 Kriminal- Tonfilm: Der Schuß im Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilmatelier mit Gerda Maurus Stern, Hermannstraße 49 Wohentags 6 45 u. 9, Sonntags 5, 7, 9 U. 100 proz. Tonfilm: Tonlustspiel: Lumpenball mit Fritz Kampers, A. Müller- Linke Beiprogramm Filmeck Südosten Wochent. 5 Uhr, Sonnt. 3 Uhi Tonfilm: Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst Bühne: 5 Original Parodister" Schwarzer Adler Frankf Tonfilm: Delikatessen Allee 99 Tonfilm: Der Andere mit Fritz Kortner, K. v. Nagy Ab Montag: Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larifari Ton- Beiprogramm Norden Müllerstraße 136, Alhambra Ecke Seestraße Ton- Operette: Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst Woch. 5, 7, 8.45, Stg. 3, 5, 7, 8.45 U. Pharus- Lichtspiele Müllerstraße 142 W. 5, 7,9 U. Stg. ab 3 U Ton- Lustspiel: Komm zu mir zum Rendezvous m. Morgan, M. Kupfer mit Harry Liedtke Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Comenius- Lichtspiele Stg. 4, 6.30, 9 Uhr Ein Walzer im Schlat coupé mit Lucle Englisch, Fritz Schulz, Trade Berliner, Adele Sandrock Südwesten Beginn W. 5.30 U. S. ab 3 U. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof 100 proz Tonlustspiel: Lumpenball mit Fritz Kampers Bühnenschau Memeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U König Cowboy mit Tom Mix Ein besserer Herr m. Fritz Kampers Luisen- Theater Anf. W.5% Concordia- Palast Film- Palast Kammersäle Reichenberger Str. 34 Teltower Str. 1 W.5, 7, 9, Stg. ab 3 Uhr 100% Sprech- Ton- Gesangfilm: Das lockende Ziel m. Rich, Tauber 100 proz. Tonfilm. Westfront 1918 W.512. Sonnt. 3 U. Andreasstr. 64 mit Fritz Kampers, Gustav Diehl W. ab 5 U., Stg. ab 3U. 100 Proz, Tonfilm: Der Korvettenkapitän mit Harry Liedtke, Fritz Kampers Bühnenschau Marga- Lichtspiele Schulstraße 29 Ein Spitzenprogramm: Ich glaub' nie mehr an eine Frau mit Richard Tauber Mädel aus U. S. A. m. Anny Ondra Prater- Lichtspiel- Palast Stg. 2% Jgd.- Vorst. W. 7, 9 U., Stg. 5, 7 u. 9 U. Der große Tonfilm:-Westfront 1918, Vier von der Infanterie. Niederschönhausen Film- Palast NiederBlankenburger Straße 4 Beipr. schönhausen W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. Ufa- Tonfilm: Der blaue Engel mit Marlene Dietrich, Emil Jannings Yegel Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6, Stg. 4 Uhr Sonntags 2 U Jugendvorstellung Tonoperette: Ein Tango für Dich mit Willy Forst, Fee Malten Tönendes Beiprogramm Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,30 Uhr Ufa- Tonfilm: Der blaue Engel mit Marlene Dietrich, E. Jannings Union- Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8% U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4, 62.83 U. Kolonne X mit Reinh. Schünzel Sein großer Bluft mit Harry Piel Hennigsdorf Kastanienallee 7-8 W. ab 5. Stgs 3 U. Filmpalast sig. 6.84 U Laila( Tochter des Nordens) Was kleine Mädchen träumen Bühnengastspiel: Georg E. Schmidt- Revue Beg. W. 6, 8.30 Stg. 4, 62, Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.- Vorst. Tonfilm: Das lockende Ziel mit Richard Tauber.- Tön. Beiprogr ««"«6« nwmpm Freitag. 12. September 1930• Meidenverehrung und Pose Kinogeist im Leben und in der Politik „Ts ist fcic Ehre, dos Palladium entwendet, Frei muh sie sein, noch eh' der Tag sich endet!" Dunois jchniettert dies« Verse ins Theater, und darauf erhebt sich programmäßig wilder Jubel. Der Darsteller des Bastards muh sich immer wieder verneigen. Gilt dieser Begeisterungssturm nur den Schillerschen Versen aus der, Lungfrau von Orleans" und nur ihrem Sprecher? Oder Ferdinand zieht aus seinem erregten Gespräch nril dem Vater im zweiten Akt von„Kabale und Liebe" die donnernde Konsequenz: „Umgürte dich mit dem ganzen Stolze deines Englands! Ich verwerfe dich, ein deutscher Jüngling!" Noch höhere Wellen der Begeisterung als bei Dunois' Worten, was unbedingt auf die Suggcstionskraft des deutschen Jünglings zurückzuführen ist. Aber die Sätze und ihr Rhythmus sind nicht allein von entscheidender Bedeutung. Ein anderes Moment kommt hinzu. Dort auf der Bühne steht«in Mann mit der'großen, heldischen Gest«, der noch heldenhaftere Worte spricht. Außerdem trägt er eine Uniform oder eine Ritlerrüstung. Es ist also ein wahrer Held. Carlyle schrieb im vorigen Jahrhundert ein Buch über Helden- Verehrung, aus dem sogar früher in der englischen Stunde aus höheren Lehranstalten ausgewählte Kapitel zur Prioatlektüre cmp- sohlen wurden. Große Männer passieren Revue, und Carlyle fordert für sie die nötige Ehrfurcht und Verehrung. Doch die Größe spielt nicht die ausschlaggebende Rolle, für die Masse der heldensetischisten genügt vollständig die Pose des Helden und das heldische Kostüm mit dem damit verknüpften Augenrollen und Fäusteballen. Blättert man alte Theaterzeitschriften durch, so starren nur Helden aus dem Papier oder besser Menschen, die die Vorstellungen ihrer Zeitgenossen vom Helden restlos erfüllen wollen. Lohengrin sieht aus wie ein gesalbtes Merinoschaf, Götz trägt«inen hundert- prozentigen, tadellos ondulierten Vollbart und Hamlet ist nur noch der verwüstet«, edle Heldengeist. Mädchen- und Knobenherzen schlugen beschleunigter, wenn Mortimer seine Arie von den zwanzig Jahren hinlegte, oder Siegfried in falscher Tonloge mit den Schmiede- liebem rang. Hier erlebte der Bechiff des Helden seine strahlendste Verkörperung, und die Begeisterung übertrug sich auf die Darsteller. Man sammelt« Photographien, Locken und Autogramme, und der Hcldentenor, der schwere und der jugendliche Held notierten auf der Heldenbörse dicht hinter den: Ofsizier. Nun winkt jeder irdischen(Schönheit ein frühes Heldengrab. Achill ünd Siegfried mußten sehr früh ins Grab beißen, und auch der Nimbus des Bühnenhelden verblaßte, als vernünftige Regisseur« die Vörie und Locken verschwinden ließen und aus dem Tristan «inen leidenden und aus Tannhäuser einen unglücklichen, zerrissenen Menschen machten. Dies« Verwandlung war möglich, weil man die verlogene Pose der kostümierten Helden erkannle, weil man Menschen und keine Puppen sehen wollte. Und noch ein zweites, weit größeres Unglück traf die für Helden begeisterten'Gemüter. Das Kriegsende und die Revolution erledigten den Abgott des deutschen Bürgers: den Offizier. Das war sehr, sehr schlimm. Ein Heldenkaiser floh mit der Geste eines tief ge- kränkten Siegfrieds, ein Feldmarschall tat nichts weiter als über semitische Finsterlinge sein Gehirn zu zerquälen, und die Offiziere machten in schüchternem Sakko ein« schlechtere Figur als im Interims- rock. Sie ähnelten gar nicht mehr dem Idealbild des Helden, ge- woben aus den Wunschträumen braver Bürger. Die Ideale waren wieder einmal aus den Fugen. Was sollte der Deutsche mit glatt- rasierten Lohengrinen und zivilisierten Offizieren anfangen? Aber die Heldenverehrung suchte sich neue Bahnen. Wenn eben ein Wilhelm oder Ludendorff das heldische Bamier nicht hoch halten wollen, so müssen die Pelzer und Schmelings daran glauben, und wenn sich Tristan fortan nur menschlich benehmen will, dann muh das Kino einen Ersatz bieten. Man sehe sich einen ausgewachsenen Filmhelden an, vielleicht Fairbants oder Harry Liedtke, die übrigens ganz verschiedene Ge- biete des Heldentums beackern. Gemeinsam bleibt ihnen jedoch dies: Sie sind in irgendeiner Beziehung Wunscherfüllungen für die Masse der Kinogläubigen. Liedtke ist der Salonheld, der Tausendsassa und Herzensknicker, der Liebesroutinier mit Anwandlungen biederer deutscher Sentimentalität, ein Verwandter der Bühnenbonvivants, i,, denen sich die Väter der lebenden kapitalistischen Generation treffend verkörpert salzen, und Fairbanks stammt direkt aus dem Atelier Karl Mays. Er schießt, reitet, wirft Lassos und verbringt sein Leben auf diese angenehme Art und Weise. Beide zeigen in Großaufnahmen das, was viele Männer auch in unserem Maschinen- Zeitalter gern sein möchten und was die Frauen am liebsten von ihren Eheherren verlangen würden. Einmal nur so angeschwärmt zu werden wie Harry Liedtke oder in der Art des göttlichen Doug einen verrückt gewordenen Mustang mit muskelgeschwellten Beinen zu bändigen, ja, das wäre Seligkeit,-dann könnt« man sich als Held ausgeben, dann'... Und wenn man einen Sharkcy besiegt, das ist allerdings nicht mehr auszudenken! Hetdenverchrung bedeutet im Grunde die Verehrung der eigenen Wünsch« und Ideale. Ach, man verehrt doch gar nicht die wahren Großen, die in jahrelanger, stiller Forscherarbeit die Erkenntnisse der Menschheit erweitern und bereichern. Die Virchows, Ehrliche und Schleichs werden so schnell vergessen. Schön, man spritzt mit Saloarsan, aber da im Zeughaus hängen Bilder, Bilder, sage ich Ihnen, auf denen sich wirklich königliche Helden in königlichen Heldenposen gefallen. Wie so ein Göttlicher das Fernrohr ansetzt, ein ganzes Orchester von Heldenverehrung gerät sofort in Raserei. Heldenverehrung, ja, sie ist der Ausdruck für den individualistischen Glauben, daß die heldisch« Persönlichkeit die Welt erlösen könnte. und außerdem fällt ein Stückchen Glanz des Helden auch auf seine Anbeter. Unser Bismarck, unser Schmeling, unser Mussolini, unser Hitler und unser Jack Diamond! Er gehört uns, er handelt für uns! Der Held wird zur Stühe für die Stühungsbedürftigen. Ein Harry Liedtke kann vielleicht die Enttäuschten über den Verlust des Heldenhost aufbrausenden Mortimer, der jetzt mir«och als düsterer Glaubenssanatiker herumläuft, einigermaßen trösten. Ein Pelzer, Nurmi oder Schmeling haben ebenfalls bestimmte Reize, aber wo ist der Ersatz für den heldenhaften Offizier, den herrlichsten von allen? lind da retteten die Ritter vom Hakenkreuz die Situation. Der dänische Soziologe C h r i st e n s e n jagt in seinem kurz vor dem Krieg in deutscher Sprache erschienenen Werk„Politik und M a s s e n m o ra l", es ist schwerer, für den Zylinderhut eines Präsidenten als für. den Adlerhelm eines Potentaten Reklame zu machen. Die Demokratie ist pathoslos, sie will überhaupt nichts von dem in Leidenschaften entflammten politischen oder theatralischen Held wissen, sie veropcrt nicht einmal die führenden Persönlichkeiten. Schon diese ollem Aeußerlichen ferne Haltung, diese Reserve hat wenig werbende Kraft bei den Anbetern der Helden, also bei denen, die nach der. Bergpredigt einmal in das Himmelreich gelangen werden, sie setzt Menschen voraus, die politisch reif sind, die denken können und nicht erst durch Heldcnphrasen betrunken gemaeht werden müssen. Vielleicht gab sich die Republik, zu nüchtern, zu vernünftig, vielleicht vergaß sie die Pose des Helden. Wo. blieb der Ersatz für die verschwundenen militärischen Aufzüge, für die große, prächtig inszenierte Oper, die Wilhelm ständig seinen Untertanen servierte? Der alte Held war nicht gerade hcldcnmäßig gestorben, und der politische kindersinn des kleinbürgerlichen Deutschen wollte unentwegt neues Pathos und neues Theater. Daß der Bestand des Deutschen Reiches durch stille, pathoslose Arbeit gerettet wurde, daß aus der Ruine neues Leben erblühte, wurde oergessen. Da oben saß doch nur ein einfacher Mann, der einnial Sattler gewesen war. Ach nein, wahre Helden sahen anders aus, annähernd zeigten dies Harry Liedtke, Fairbanks und die Sportler und ganz entschieden die Porträts der Weltkriegsgenerale aus allerlei möglichen Hauptquartieren. Ach Gott, man verlor nach der Revolution das Idol, den Zeil- tralpunkt, um den das Leben bisher reibungslos und anmutig rotiert hatte. Dem Kindchen war der Apfel gestohlen worden! Was sollte man mit einer Freiheit, mit der man nichts anzufangen wußte! Selbst Film- und Sporthelden waren nicht der richtige Ersatz. Der bürgerliche Durchschnittsmensch deutscher Konsession ist so bescheiden. Er arbeitet mit festen, unverrückbaren Darstellungen, mit Wortbildern, die der Dergangenheil angehören, mit unumstößlichen Vegrisfen, die er nicht an einer sortgeschrillenen Wirklichkeit ändern will. Gebt uns Helden, die wieder raffeln, blitzen, donnern und mit den Energiezahnen krachen! und gebt uns vor allein Helden, die keine Anforderungen an unser Denkvermögen stellen. lind diese Forderungen erfüllte das Hakenkreuz. ,,, Das alte, lieb vertraute Pathos war wieder da, die hübsche Heldenpose mit den dazu gehörigen Dolchen, Handgranate», Raufe- reien und mit dem absolut notwendigen militärischen Drill. Liebe Erinnerungen an den Kasernenhos tauchten auf, und das ganze war so nett, so hübsch und für das minimalste Gehirn so leicht faßlich. Em richtiger Held braucht nur Muskeln zu haben, der Kops ist allein sür Mütze oder Hut vorhanden. Man trug sogar«in sielst- bares Zeichen, einen Talisman und mar deshalb kein Nebdich Der Bettler und der Kommissar Di« Sowjetunion steht unter dem Fünfjahrplan der gemalt- samen Industrialisierung. Ich habe gesehen, wie in der Kornkammer Rußlands, in der Ukraine, die Leute Schlange stehen mußten, um ihre Ration Schwarzbrot zu erhalten, das unserem Kriegsbrot noch an Qualität nachsteht. Aber selbst das gibt es nur auf Karten zum Preise von 6 Kopeken das Pfund. Im illegalen freien Handel kostet es 25 Kopeken(50 Pfennig) für 400 Gramm scheußliches Kleiebrot. Weißbrot gibt es nur hintenherum und kostet das Drei- fache. Kurz vor meinem russischen Aufenthalt hatten mir Leute in der Türkei erzählt, daß sie ihren Weizen von Rußland be- ziehen. Um Devisen vom Ausland zu erhalten, läßt man das eigene Volk darben. Ein Pfund(400 Gramm) Butter kostet im Privathandel 8 Ru- bel, gleich 16 Mark und ist sehr schwierig zu bekommen: 10 Eier 1,50 Rubel, 1 Pfund Rindfleisch 1,65 bis 5,30 Rubel. 1 Glas Milch 0,65 bis 1,30 Rubel. Das olles in landwirtschaftlich sehr gut ge- legenen Gebieten Süd rußlands! Kleider und Schuh« sind fast überhaupt nicht zu haben. Leim Schmuggler sind die Preise un- glaublich: für ein Paar gewöhnliche Damenhalbschuhe 120 Rubel, das ist mehr, als eine Arbeiterin im Monat verdient) Dem besser- gekleideten Fremden wird ständig angeboten, seine Sachen zu kau- f e n. Ueberall hörte die Bevölkerunz mit größtem Erstaunen, daß es in Deutschland alles zu kaufen gibt. Die Menschen können sich nach 15 Jahren Krieg und Notzuftond kaum noch an normal« Zei- ten erinnern. Ja die Jugend glaubt, es gäbe gar nichts anderes und schüttelt de« Kops über die Tatsache, daß es unseren Arbeitern mehr, ganz abgesehen davon, daß endlich Prügelknaben sür ver- lorene Kriege, rutschende Valuten, verdorbene'Mittagessen und der- gleichen unangenehme Dinge gefunden.worden waren. Sind die Rauschebärte verschwunden? Ist das alte, verlogene Heldenpathos zerstört worden? Auf großen Bühnen bestimmt, und selbst im Film benimmt man sich äußerlich zeitgemäßer, wenn auch unter dein Frackhemd das alte, treu« Heldcnherz puppert. Aber in der Politik ist der Bürger der gleiche geblieben. Der Schrei nach dem Helden, nach dem Retter verhallt nicht. und wenn sich dann dieser Retter aus seinen Berstand besinnt und politisch zu denken ansängt, so tut man ihn am liebsten in Acht und Bann, weil er sich schwer an der Heiligkeit der Heldenpose vorsündigt hat. Und jetzt in der Wahlzeit dominiert bei diesen Herrschaften der Glanz der Heldenpose, des Hcldenkintopps. Wie sich ein Fairbanks oder Harry Picl aus den schwierigsten Situationen virtuos befreit,. ohne nach den Möglichtciten zu fragen, so bändigen die Helden aus der Tribüne die Weltwirtschaft und die Weltpolitik und»er- schweigen, daß diese Dinge eben nicht mit der Phrase von Nicht- erfüllungen erledigt werden können. Aber die im Geist Armen, die unten im Saal sitze», glauben, daß von diesen helhenhasteii Rednern das Paradies in Deutschlaist» eingeführt werden wird. Heldenoerchrung glimmt in den treuen Augen, gerührt von der Hoffnung, die alten, guten Zeiten könnten unverändert wieder- kommen. Bankrott des Geistes breitet sich aus, und das Rad der Weltgeschichte ist nicht zurückzudrehen. Man soll schließlich alten Leuten ihr Vergnügen lassen. Sie können nicht aus ihren alten, gewohnten Bahnen heraus. Gesähr- licher ist es mit der Jugend. Die sogenannte Sachlichkeit scheint in diesen bürgerlichen Kreisen ein unbekannter Begriff zu sein. Die Romantik des Heldenbegriffs herrscht dort und ist fast schon zu einer Religion geworden. Alles wird aus dieser Perspektive ge- sehen, und Hiller, Picl, Fairbanks find die Ideale. Die Ritter vorn Hakenkreuz, diese Mussolinis in der Westen- tasche, und ihre Trabanten blicken hypnotisiert nach rückwärts und daher schon ein Erfolg. Aber dieser Erfolg zeigt, daß rinc starke, innerliche Entwertung des Bürgertums zu ver- zeichnen ist. Es.tiege» iu'chm keine Werte mche, W- entwickelt wgrd.ey�könneit. Es ist mit Blindheit geschlagen. Leicht ist. es, heldenhafte Phrasen zu dreschen und mit den Brustscharnieren zu knacken, aber, die wirk- liche Arbeit ist schwerer zu leisten. Heldenrummcl und Heldenvcrehrung bedeuten nicht Ehrung einer großen Leistung sondern Verhimmelung von Pose und Phrase, hinter denen nichts steckt. Die Arbeit der Sozioldemokralie hak bewiesen, daß ohne dröh- nendc Worte Ausbau geleistet werden kann, wir wollen keine Helden mit leerer, verlogener Pose, wir vergehen nicht in Heldenverehrung. wir zeigen Taten! Alfred Arna. zwar schlecht geht, aber selbst ein Arbeitsloser nicht so erbärmlich leben muß, wie sehr viele Russen. Nur die Armee und Marine ist vorzüglich gekleidet und gut ernährt. Auch die hohen Beamten, die Funktionäre aus der Partei und die Arbeiter besonders wichtiger Betriebe haben ihre Vorrechte. Sie fahren in den Zügen und auf den Dampfern in der weichen. Klaffe, ohne tagelang auf ein Billett warten zu müssen. Sie effen in den erhaltenen, eleganten Hotels. Sie fahren zur Kur nach der Krim und Kaukasus. Betteln ist in Sowjetrußland verboten, aber nirgends bin ich so oft angehalten worden, wie dort. Nicht nur von verwahr- losten Kindern, sondern von alten, kriegsverletzten Menschen. Der Erfolg der„Kollektivierung" der Landwirtschaft ist noch der kommunistischen Presse,.daß die Herbstaussaat in diesem Jahr« gänzlich unzulänglich ausgeführt wurde. Welche Folgen das für die Ernährung der nächsten. Jahre haben wird, ist kaum auszu- denken. Ein Zeichen für das heimliche Mißtrauen der Bevölkerung ist der entsetzliche Kleingeldmangel, da viele Leute die Münzen oerstecken und ausspeichern, in der Annahme, damit wenig- stens einigermaßen feste Werte zu behalten. „Freilich haben wir kaum eine Arbeitslosigkeit und haben un- seren Verdienst, aber wir können uns für das Geld nichts kaufen" sagte mir ein Arbeiter. Wovon die Masse lebt, das ist die Hoffnung aus die Zukunft. „In zwei Iahren habt ihr genug zu essen und könnt euch gut klei-' den" künden große Transparente auf den Straßen. Also, wie einst bei uns: Aushalten, Durchhalten, Maulhalten! frsa eb Vtrtehrspoüsis Russisches Leben von heute Von einem eben Zurückgekehrten Peter Riss Anno17 vier -zwei Copyright 1930 by Fackelreiter- Verlag G. m. b. H., Hamburg- Bergedorf sam, wie wir uns hinlegten, auch wieder hoch; eins drei ( 23. Fortjehung.) so, da wären wir wieder, Herr Sergeant. hupp, Ich schiele nach Kilb, er macht noch mit, sein Gewehr ist Der weiß nun Bescheid: er brüllt noch vier-, fünfmal den wie das meine hochgenommen... seine Laufmündung stößt an gleichen Quatsch, aber wie spielen alleine Krieg, das merkt er.. meinen Kolben... ich stoße zurück: wir haben uns verständigt. und zwischen Hinlegen und Aufstehen habe ich eine Bision, die ist ,, Beu--gt! Alle finden, wie von einer Riefenfauft von solcher Klarheit, daß die Bilder sich mir förmlich auf den niedergedrückt, in die Knie. Ich höre viele stöhnen. Aber zwei Leib drängen: Mann bleiben aufrecht stehen: Kilb und ich. Wir lassen unsere Gewehre nach den Knien heruntersinken. Ich bin ganz, ganz ruhig und von einem heißen Gefühl des Glückes durchströmt: Wie schön und leicht ist es doch, wie befreiend, sich aufzulehnen!. Ich bin nur gespannt auf die nächsten Vorgänge und stehe wie in einem Lichtspielhaus, wenn man in einem spannenden Stück den nächsten Att, der die Lösung bringen soll, erwartet. Die Augen des Schinders treten hervor, er starrt uns an wie vom Himmel gefallene Wunder, ich muß grinsen, ruhig steht Kilb neben mir, mein tapferer Kamerad. Des Schinders Maul! flappt auf und zu wie bei einem Nußknacker, sein Gesicht ist graugrün. Beim Vorspringen wirft er blind vor Wut zwei Kameraden um, die in Kniebeuge hin und her wackelten, fauchend steht er vor uns, so dicht, daß er uns mit Speichel besprigt: Wa-, waa-, waas? Ihr ihr das. das", dann fommen unartikulierte Laute heraus, die niemand versteht. Endlich kommt er zu einem Gazz, er faßt mich dabei an den linken Arm und will mich schütteln, aber im gleichen Augenblic reiße ich mich los und fasse mein Gewehr fester... da läßt er mich wahrhaftig los. Und nun weint er beinahe vor Wut, er zieht den Kopf ein wie ein Bulle und funfelt uns aus zusammengefniffenen Augen an: -1 ,, Grenadier Riß! Grenadier Kilb!... Kniee beu- eu- eugt! Kniee beugt!! Beugt!!" Ach, laß uns doch endlich abführen... du feiger Menschenschinder! Dann ist der Krieg doch für uns aus... endlich sind wir dann erlöst... uns ist es doch gleich... ganz einfach ist das doch ganz einfach... Wir beugen uns nicht, wir stehen Gewehr bei Fuß. Da hören wir am Tore ein Aufbrüllen der Zivilisten: Frauen, vielleicht einige Männer dazwischen, viele Kinder: ,, Sööööööö! Laßt euch doch nichts gefallen von diesem Halunken! Schlagt ihn tot! Schlagt tot!" Ich blicke nach dem Toreingang: da stehen sie, vielleicht zwanzig Menschen, ein Teil quilt schon in den Hof hinein... Grenadier Kalbfleisch blickt hilfesuchend zu Schönfeld. Einige Frauen, mager, mit Umschlagetüchern und Einholekörben, winken uns schnell zu und verschwinden dann mieder, als Schönfeld auf sie zufpringt und mit dem Posten das Tor schließt. Draußen hören wir noch lange ihr: ,, höööö! Söööö!!" Das stachelt des Schinders Wut noch mehr auf. Er springt vor, er springt zurück, er überschreit sich in sinnloser But... es müßt ihm nichts, wir rühren uns nicht. Und vor unseren Füßen schwanken die Kameraden, willenlose Werkzeuge, einige fallen schon um, ich höre, wie auch Gewehre in den Sand klirren, ich höre unterdrückte Flüche; aber sie gehorchen. Wieder schreit der Schinder, brüllt und faucht uns an, hebt die Fäuste über uns; aber er rührt uns nicht an, er stiert uns aus meißquellerden Pupillen an. Plötzlich wendet er sich von uns ab und springt nach der Richtung hin, wo Schönfeld steht: Sergeant Schö- önfeld!" Wie aus der Pistole geschossen fligt Schönfeld heran und steht por ihm. Su Befehl, Herr Leutnant!" Der Schinder ringt nach Luft:„ Sehen Sie diese beiden hier nehmen Sie diese Halunken besonders vor! Dort an der Mauer!!" Zu Befehl, Herr Leutnant!" . 1 Kilb lacht furz und hart auf. Ich sehe ihn schnell von der Seite an, er zwintert mir mit einem Auge zu, das gibt mir weiter Kraft und ich sehe gefaßt gradeaus mun laßt sie man tommen. ,, Stre- e- eat!" Das galt der Kompagnie. Es wurde auch die höchste Zeit, denn die Hälfte lag schon im Sande, ich habe troß unjerer Lage alles gesehen. Minulla fällt, als er sich erheben will, mit einem verschwitzten, erstaunten Gesicht hintenüber. Als er aufrecht steht, schüttelt er sich wie ein nasser Pudel. Plöglich muß ich an Langers Mutter denten, die oben in der Kaserne liegt, vielleicht ohnmächtig, und niemand kümmert sich um fie... Es läuft mir über den Rücken wie Hunderte von Spinnen.. . Da zischt hinter uns Schönfelds Kommando: An die Mauer marsch, marsch!" Wir fallen in einen gemütlichen Zudeltrab. Kilb grinst unaufhörlich. Er geht dicht vor mir, jetzt so langsam, als übe er langsamen Schritt. Ich überhole ihn, stoße ihn mit dem Ellenbogen an und nun gehen wir beide nebeneinander, ganz gemütlich, als machten wir einen Spaziergang. Hinter uns, vor uns, neben uns aber tobt sich der Sergeant ab:„ Marsch marrich! hab' ich befohlen! Marsch marrsch!! An die Mauer marsch marrsch!!" Wir aber wollen nicht, uns ist nach wie vor alles egal... Was kann uns schon viel passieren, wenn wir in den nächsten Wochen doch schon an die Front sollen... Ja, wir haben viel gelernt in der legten 3eit; wir sind doch nicht mehr so ganz die dummen Hammel. Wir gehen immer noch ganz langsam, Seite an Seite, und stoßen uns dabei fichernd an.. Hinlegen!" Darauf haben wir gerade noch gewartet. Gemächlich lassen wir uns erst auf das eine, dann auf das andere Stnie nieder, dann nacheinander auf die Ellenbogen. Wir stügen uns dabei noch auf das Gewehr, und allmählich rutschen wir so der Länge nath in den Sand. ,, Das nennt ihr hinlegen?! Auf marsch marsch!" Er hat schon die Schärfe seiner Stimme verloren und feift wie ein altes Weib. Ich wundere mich plöglich, daß uns dieser Schinder überhaupt einmal Furcht einflößen fonnte, daß wir bedingungslos alles taten, was er wollte. Aber das ist lange her... damals, als er noch Heini Langer, den halbtoten Kameraden quälte. Kilb und ich liegen ruhig nebeneinander und spielen wie die Kinder mit den Fingern im Sand... Dann fommen wir so lang Ein Plaz... Sonne... ein schmetternder Militärmarsch. feierliche dann Orgelgebrumm: ich hatt' einen Kameraden . Ehrenjung Bürgergesichter... aufgedonnerte Matronen frauen... ein Kriegerverein: dicke Bäuche unter Fracks.. 3ylinder, glänzend schwarz, Fahnen, Orden, ganze Klempnerläden Stimmung 1870/71... aha, schau auf den Heldenbrüften"... Stimmung 1870/71 schau: unsere Helden: Adolf im Frad, der Spieß im Frad, Schönfeld im Frack da sind ja wieder die alten, lieben Bekannten von damals guten Tag, na? Wißt ihr noch? Damals auf dem Rasernenhof, Was waren wir damals auf dem Schleifstein, in Sadowa?. noch für euch?! Hammel!! Drechaufen! Hunde! Schweine!" Aber wir können euch ja nicht mehr daran erinnern; denn wir sind ja tot ,,, gefallen für Kaiser und Reich". Ein Lappen fällt langsam von einer Statue: Kriegerehrenmatenthüllung... Was leje ich denn da? Seht mal genau hin, ihr Heldenväter, ihr Kriegervereinsvorsitzenden und Schinder von ehemals: ,, Es fielen in den Schlachten unseres stolzen Regiments bei..." Und dann die vielen, vielen Namen der jungen Menschen, nein! Ich muß ehrlich sein: der Schweine und Hunde": Am... 19...: Grenadier Adamczik, Grenadier Kilb, " Grenadier Bumann, Grenadier Güttler, Grenadier Minulla, Grenadier Berberig... Grenadier... Grenadier... Grenadier... immer mehr, und immer noch mehr. c. die Toten, die Toten die achtzehnjährig stquod Gefallenen, Gemordeten. Und ihr werdet nicht blaß? Ihr sinkt nicht in die Knie und bittet um Berzeihung? Nein! Ihr seht stolz auf das Denkmal, -oh, es ist ja so leicht, auf ihr seid stolz auf die vielen Toten, die Vorangegangenen stolz zu sein, wenn man nicht weiß, wie fie wenn man selber noch lebt... ftarben.. 600 Ich werde von einer unbekannten Macht hin- und her geschhüttelt. ich schließe die Augen, die Bilder verschwimmen, ich erwache wieder: neben mir frabbelt Kilb hoch, er lächelt immer noch und haft sich eine Tornisterschnalle, die sich gelöst hatte, in aller Ruhe fest. Auch dieses Spiel ist aus. Rotieren Sie, notieren Sie!" höre ich den Schinder ,,, auch, daß er gelacht hat!" Und dann stehen wir beide, Kilb und ich, wieder in der Kompagniefront. Ich blicke auf Kilb: schwarz sind die blauen Augen, eine dünne Linie der Mund, weiß die Nasenspitze, tod ernst.. Ich sehe den Schinder und den Spieß in die Kaserne hineingehen, ich glaube fast nicht daran, ich sehe noch einmal angestrengt hin: ja! sie sind wirklich und wahrhaftig fort... es gibt noch Wunder auf der Welt... Und nun lächelt Preuß mich an... bist du auch noch hier, lieber Preuß?!- Wie lange haben wir uns nicht gesehen... Da knicke ich in den Knien ein, es ist wieder der furchtbare Hunger, der mich in die Kniekehlen pufft... Der Sergeant brüllt vor der Kompagnie: Mit Gruppen rrrechts- schwentt- marrrsch!! Halt! Rom- pagnie marrrsch!" Endlich! Vier Mann vor mir, drei Mann neben mir, Preuß, der int Marschieren meinen Aermel berührt, auf und abschwankende Tornister, Helme, Gewehre, flappernde Spaten, Stiefel auf der Erde, die stampfen und stampfen von Flandern bis Berdun: links rechts, lints rechts, fints rechts... Wir marschieren, wir marschieren. ( Fortfegung folgt.) Das neile Bush Trotz Tempo 1000... Friedrich Wolf: Trot Tempo 1000 Gefund." Ber lag Dr. Madaus u. Co., Radebeul- Dresden. Die Broschüre will zweierlei. Erstens Kampf dem Krebs, der größten und wachsenden Boltsjeuche( nachdem die Tuberkuloje zurückgeht) zurückgeht) Rampf mit den Mitteln der biologischen Heilweise Kampf allen Stoffwechsel( Naturheilkunde und Homöopathie) störungen von chronischer Darmträgheit bis zur Leberstauung. Zweitens Gesundheitserziehung durch Umstellung der Ernährung und Lebensweise( Konstitutionsbehandlung). Deshalb Naturheilparts und Boltsgesundheitsschule. Friedrich Wolf( u. a. bekannt durch sein Schauspiel ,, Cyantali,§ 218") weiß zu paden. Statistisches Material über Todesursachen furz und fnapp zusammengetragen Stimmen aus aller Welt über Ergebnisse und Erfolge der biologischen Heilmethoden und über Bersagen der Allopathie Material für das Anwachsen der neuen Heilbewegung: all das muß für Uneingeweihte wie eine Bombe wirken mitten hinein in die Vertrauenstrije der Medizin. Die Schrift wendet sich auch vor allem an die Krankenkassen. Bon den mehr als 600 000 Anhängern des Biobundes sind über 83 Broz. Krantentassenmitglieder, ohne dort im Sinne der erprobten Raturheilkunde versorgt zu werden von den übrigen nicht eingeschriebenen Anhängern ganz zu schweigen. Zu welchen absurden 3uständen das führt, muß man gelesen haben. -w Und nicht zu vergessen: hier spricht ein Arzt. der wiederum nur Aerzte für die Sache ins Feld führt. Deshalb teine laienhaften Berallgemeinerungen, sondern genaue Abgrenzung des Stoffes. Boran steht des Wort von Virchow: Die Aerzte müssen dereinst Erzieher des Menschengeschlechts werden." Dereinst! Heinz Adam. WAS DER TAG BRINGT Kontrollprüfungen für Privatdozenten Ulm Privatdozenten auch nach ihrer Habilitierung noch zur Fortführung ihrer wissenschaftlichen Durchbildung anzuregen, hat die medizinische Fakultät der Universität Wien beschlossen, von allen Privatdozenten jedes fünfte Jahr den Nachweis der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit in Form einer Prüfung zu verlangen. Der von Der Dozentenorganisation eingelegte Einspruch wird die Durch führung des Beschlusses aller Voraussicht nach nicht hinderr Chinesen als Wiener Verkehrspolizisten Der Gouverneur der chinesischen Provinz Tschefiang hat in seiner Jugend in Wien studiert und dabei einen guten Eindruck von den Wienern und Desterreichern gewonnen( damals gabs noch feine Heimwehr), daß er sofort nach seinem Dienstantritt Posten, die bis dahin hauptsächlich mit Angehörigen der angelsächsischen Länder besetzt wurden, mit Desterreichern besetzt. Nun hat er die Wiener Polizeidirettion gebeten, chinesische Polizeischulen mit den Fortschritten des europäischen Polizeidienstes vertraut zu machen. Wien hat zugejagt. 20 Polizeischüler sind schon unterwegs. Sie werden in der Wiener Polizeischule Dienst machen und auch als Berkehrspolizisten herausgestellt werden. Ein Storch stiehlt Wäsche chne von ihr wahrgenommen zu werden und schießt in rasendem Sturze herab, um sie zu schlagen. Im Gegensatz zum südamerikanischen ist der kalifornische Kondor eigentlich nicht gesellig. Bei seinem seltenen Borkommen nimmt dies auch nicht weiter Wunder. Man hat beobachtet, daß er, sobald er seine Schwingen rühren und für sich selbst sorgen fann, fast als Einfiedler lebt bis zum vierten Jahr. Hernach gefällt ihm dies Junggefellendasein nicht länger, er sucht sich seine Ehegefährtin und bleibt ihr ein treuer Ehegenosse, solange er lebt. Das Kondorweibchen legt nur ein einziges Ei im Jahre, wodurch die eSltenheit dieser Bögel erklärlich ist. Dementsprechend wird das Ei des Kondors allein für die Zwecke der Museen mit 1000 Dollar, also 4200 Mart bewertet; zoologische Gärten, die das Ei anderen Bögeln zum Ausbrüten unterlegen, bezahlen bis zu 8000 Mart und mehr. Das jetzt gefundene Ei hat eine größte Länge von 14 Zentimetern und einen weitesten Durchmesser von 5 Zentimetern, es ist also eigentlich im Vergleich zur Größe der Tiere ziemlich klein zu nennen. Der neu ausgeschlüpfte Kondor bleibt in der Regel die ersten zwei Jahre bei den Eltern, um sich erst danach für ein bis zwei weitere Jahre in einsamer Suche nach einer Gefährtin im Gebirge umherzutreiben. Seinen Horst richtet er so entlegen und fast unnahbar ein, daß es bisher erst gelang, 15 Kondoreier zu finden und sie in Museen oder in private Sammlungen zu bringen. Ja, seit 1915 ist das jetzt gefundene Kondorei das erste und als solches wie gesagt, das fünfzehnte überhaupt gefundene. Durch Zufall beobachtete man in einem ostpreußischen Dorfe, wie der dort beheimatete Storch ein Wäschestück von der abseits des Dorfes gelegenen Bleiche entführte. Man hielt daraufhin Hausfuchung in feinem Neste und entdeckte dort ein richtiges fleines Wäschelager: 3 Handtücher, 5 Taschentücher, 2 Hemben und Neue Wegweiser in Frankreich 7 Kinderhemden hatte dieser merkwürdige Wäschedieb in feinem Neste gesammelt. Da ja der Storch nach Meinung alter Tanten auch heute noch die kleinen Kinder bringt, wäre das Auffinden der Wäschehemdchen verständlich. Aber das andere alles? Was wollte der Storch nur damit? Das seltene Kondor- Ei Ein junger Vogelsteller hat das große Glück gehat, ein Ei zu finden, das als zoologische Kostbarkeit ersten Ranges angesprochen erden muß: ein Ei von der fast erloschenen kalifornischen Kontorart wurde im Gebirge von Eucenaca in Südkalifornien gefunden. Der kalifornische Kondor ist der größte in der gesamten Fa milie der Geier überhaupt und auch der größte Bewohner der Lüfte, der sogar den Andenkondor noch übertrifft. Hat man doch Eremplare des falifornischen Kondors gefunden, deren Flügelspanne 2,55 Meter, ja in einem Falle sogar 2,85 Meter aufwies, mit einem Gewicht von 20 Kilogramm. Für gewöhnlich pflegt sich der Kondor wie alle Geierarten in einer Höhe von 900 bis 1200 Meter über dem Erdboden zu halten. Aus dieser Höhe erblickt der Kondor noch seine Beute auf dem Boden Dem glücklichen Finder und Jäger sind verschiedene Angebote auf fein Kondoret zugegangen. Die bisherige fast 100 Jahre alte Art der Kennzeichnung von Wegekreuzungen genügt den Anforderungen des heutigen Verkehrs nicht mehr. Eine französische Reifenfirma hat deshalb unter der Bezeichnung„ Corne d'angle" eine neue Kennzeichnung hergestellt, die in einer vierseitigen Säule besteht. Auf den vier Flächen sind Emailleschilder angebracht, welche die Richtung der verschiedenen Streuzwege angeben. Einzelne Departements haben die Säulen an den Hauptverkehrsstraßen bereits aufgestellt. Neue Berliner Sprechchöre ( Frage der anderen:) Wer hat uns perraten? ( Antwort der unseren:) Die Rotfrontsoldaten! * Arbeiter, ihr müßt es wiffen Die KPD. hat Euch betrogen." Nomen est Omen Man schreibt uns: Bei uns in Röpenid lag das Gefängnis an der Freiheit", der Ratsteller 1 Treppe hoch, ein Krantenhausarzt hieß Todt", ~ Sport und Spiel~ Sorgen eines Agrarierblattes Hetze gegen Arbeiter- Wassersportler Was in der Deutschen Tageszeitung" von einer„, c'e Die große Wahldemonstration, die die Arbeiter. Wassersportler für Liste 1 veranstaltet haben, ist der ,, Deutschlacht" zwischen Kommunisten und den sozialdemokratischen Mitschen Tageszeitung" ganz furchtbar auf die Nerven gefallen. gliedern des Rudervereins Borwärts" erzählt wird, ist einfach Sie hält sich in ihrem Geschimpfe nicht so sehr an die außergewöhn- Quatsch. Eine Dampferwerbefahrt der Kommunisten ist zwar von liche Demonstration auf dem Wasser, als an den Ruderverein ,, Borden ,, Borwärts"-Leuten mit Gegenkundgebungen für die Liste 1 wärts", der als Beauftragter der Wasserfahrer die Organisation empfangen worden. Aber diese Gegenkundgebung hat sich ebenso besorgte. Hören mir, was das Berliner Organ der agrarischen Jauchefahrer zu sagen hat: ,, Am Wilhelmstrand der Oberspree, dem Plänterwald gegen über, haust der sozialistische Ruderklub ,, or märts", nebenbei bemerft: auf einem Gelände, das der Stadt Berlin gehört. Die ,, Borwärts"-Leute vereinen es nun mit ihrer Auffassung pon sportlicher Betätigung, menig geschmackvoll, aber dafür außerordentlich handfest in den Wahlkampf einzugreifen. Riesige Trans parente prangten gestern an den Vorwärts"-Bootshäusern am Wilhelmstrand. ,, Wählt SPD.! Wählt SPD.!" so schrie es in den Frieden an der Oberspree in grellen Lettern hinein. Da tommt zunächst die Wasserpolizei und sieht nach dem Rechten mit dem Ergebnis, daß die geschmaciofen Transparente entfernt werden, und helle Freude herrscht bei allen Sportlern, die den Wahlkampf nicht auf dem Sportgelände der Oberspree ausgetragen wissen möchten." Wir gestatten uns zu diesem giftigen Erguß einige Richtigstellungen: Der Reichswasserschutz hat selbstverständlich mit der Entfernung der Wahlplakate am Bootshaus des Rudervereins„ Vorwärts" nichts zu tun. Er würde das Hausrecht verletzen, wollte er etwa den Verein auffordern, die Werbeplakate für die Liste 1 zu entfernen. Das weiß die Polizei so gut wie die ,, Deutsche Tageszeitung", und man konnte in der Redaktion des agrarischen Blattes es sich eigentlich auch denken, daß es so und nicht anders war. Die Plakate find entfernt worden, weil sie vom Regen aufgeweicht aus teinem anderen Grunde. Aber alle Gegner des Vereins und unserer Partei fönnen beruhigt sein, bis zum Wahlsonntag find wieder neue dran. Das Gebäude gehört auch dem Verein und nicht der Stadt. waren mit Nr. fährst Du gut! wie alle Kundgebungen der Sozialdemokratischen Partei in den Formen von Anstand und Sitte bewegt, die man bei den Anhängern der Deutschen Tageszeitung" vergeblich sucht. Im übrigen sei eines festgestellt: Im kaiserlichen Deutschland war der von dem die ,, Deutsche Tageszeitung" heute noch träumt Arbeitersportler unterbrüdt und entrechtet. Erst die Republik hat die freie Entwicklung des Arbeitersportes zum wahren Volkssport ermöglicht. Das wiffen die Arbeitersportler sehr genau und deshalb wählen fie am Sonntag alle£ iste 1. Ferienachlese Von Siedlungshäusern und dem Harz/ Von Nacktsportlern und Rohessern Treffe ich da vor einigen Tagen einen alten Ruderknaben, der fich für sein Ruderboot ein Siedlungshaus getauft hat. Auf meine Frage, wie es ihm denn u nun gefalle, zudt er bloß mit den Schultern.„ Schoft der Umzug", meinte er, war mit Schwierig keiten verbunden. Wir haben doch noch solche alten, großen Möbel von früher her und in dem Siedlungshaus sind die Zimmer alle so kleen und die Türen so schmal. Da blieb uns weiter nichts übrig, als das Dach abzuheben und dann wurden die Möbel von oben in die Zimmer hineingelassen." Muß sehr ullig ausgesehen haben dieser Umzug! Letzten Sonntag hat der mich verführt: Wir sind mit Sonntagsrückfahrtkarten nach dem Harz gefahren. Alleene natürlich, so als Nachkur gewissermaßen. Also wir stehen auf der Roßtrappe und suchen den Pferdestall, da gibts mit einemal einen nall. Und nochmal bum bum! Da ich sehr für das Bullern bin, haben wir uns den Spaß angesehen. Also in einer Hütte ist ein Mann, der aus einer alten Pistole, Modell ,, Raubritterzeit", aber mit Spazen- Munition einen Schuß in die Berge abfeuert. Kostet 30 Pf., it die Hauptsache! Das eine Mal hält er die Pistole rechts in die Berge, das nennt er ,, Echoschießen". Dann ballert er die Pistole nach der anderen Seite ab und dann rollt und bullert es; das heißt ,, Gewitterschießen". Wir haben uns een Jewitter mit Echo" bestellt. Anderthalbdugend Menschen stehen unterdes in einiger Entfernung und warten gespannt auf das Kommando Achtung!" Dann sperren sie alle auf Befehl des Pistolenschießers den Mund auf, damit ihnen kein Trommelfell platzt. Wie das ausjah. Mann, machen Sie doch den Mund auf," rief mich eine ältere Dame an, die sich zur Vorsorge noch Ohrenklappen von zu Hause mitgebracht hatte. Da mußte ich aber doch laut lachen und rief den Männern zu, ob sie denn nicht im Kriege waren. Wenn wir da bei jedem Schuß hätten das Maul aufreißen sollen, hätten wir es nie zumachen brauchen. Plöglich gab es einen Bums und dann noch cinen. Ich hatte nämlich dem Schießer heimlich Bescheid gejagt, daß er ein paar unverhofft losfeuern sollte. Und siehe da, es war nischt geplaßt! Das war der Harz. Kleiner Sport von überall " Rad- und Kraftfahrer von Moabit. Die Bezirksleitung Groß Berlin des Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbundes Solidarität“ beabsichtigt in Moabit eine neue Abteilung zu gründen. Zu diesem Zweck find alle Sportsfreunde aus den Gewerkschaften, dem Reichs. banner, der Partei und der SAJ. zu einer am 19. September, 20 Uhr, bei Schmidt, Wiclefftr. 17, stattfindenden Zusammenkunft eingeladen. Anfragen sind an Friz Wolter, Berlin NW. 87, Waldstr. 27, erbeten. Neue FTGB.- Abteilungen im Bezirk Friedrichshain. Der Bezirk Often der Freien Turnerschaft Groß- Berlin hat in der Friedenstr. 31 feine 2. Mädchenabteilung eröffnet. Uebungsstunden Donnerstags non 18 bis 20 Uhr. Neben Turnen, Leichtathletit, Handball und Fußball hat der Bezirt Often der FTGB. auch Hoden als neue Sportart aufgenommen. Interessenten wenden sich an Kurt Bock, Berlin NO. 18, Tilsiter Straße 69. Nationale Borfämpfe des BC. Heros. Morgen, Sonnabend, 20 Uhr, wird der Borsport- Club Heros Berlin in der Heros- Sport. halle, Scharnhorststr. 6/7, einen Kampfabend veranstalten, der sehr guten Sport verspricht. Pokaltämpfe im Freien Reglerbund. Mit den Kämpfen der Gruppe C ist die erste Entscheidung gefallen. Für die zwischen runden sind folgende Klubs startberechtigt: Gau I( Reglerheim Ober. spree): Turtel 3595, Rot- Weiß 19 3595, Harmonia 3579, Atlanta 3548, Bordered 06 3534, Solide 22 3530, Siehste Wat 3507, Rand ober Sand Weißenjee 3466 Holz. Beste Einzeltegler: A. Schulze( Turtel) 736, Ruben( Harmonia( 734, Karl Hoffmann( Bordered 06) 733 Holz. Sau II( Reglerheim Schneider, Briz): Bundestreue 3558, Schemel Neulich war ich mal mit meinem Freund am Mogener See, wo die Nadth opser rumturnen. Ich muß gestehen, ich bin ein Gegner des Nadtsports. Das sage ich ganz offen. Denn ich behaupte, wenn man eine Badehose an hat, tann man sich nicht so leicht erkälten. Die Nacktsportler behaupten ja das Gegenteil, sie härten sich ab, meinen sie. Nur verstehe ich dann nicht, warum sie sich jede Woche noch mit Höhensonne bestrahlen lassen und jede Woche ärztlich untersucht werden. Wozu? Ich kenne einen Nacktanhänger, der hat noch andere Laster. Sommer und Winter geht er ohne Hut, hat schrecklich lange Haare und sieht sehr blaß aus. Troy Höhensonfe! Ja, das ist nicht für mich als Alterssportler. Ich habe zwei Jahrzehnte lang gerudert und feste gerubert. Unter 40 Kilometer haben wir es feinen Sonntag gemacht. Dazu noch mit den ollen Messingrollsizen. Aber Höhensonne und ärztliche Untersuchung, haben wir nicht gekannt. Wir waren Sonntags inimer so durchgewalft, daß wir für eine Woche genug hatten, aber id tiete schön war es doch! Und mit dem Nacktsport: Nu schön janz jerne zu! Man soll eben alles mit Maßen genießen. So ist es auch mit den Rohköstlern. Js ooch so eine neue Erfindung. Gewiß, Rohköstler im gewissen Sinne war ich schon als Kind. Sonntags gab es bei uns immer Klöße mit Sauerkohl und beim Einholen habe ich. das Zeug immer aus der Tüte gegessen. Und eine faure Gurte effe ich heute noch für mein Leben gern. Aber die Roh föstler treiben es ein bißchen zu weit. Rohe Mohrrüben, rohen Spinat, den Kohl auch ungefocht. Ob fie die Kartoffeln auch roh essen, weiß ich nicht. Nein, so eine Roheit; id effe lieber Brat tartoffeln mit Spiegelei! Wohin soll denn das alles führen? Die einen tragen teine Süte und lassen sich die Haare nicht schneiden, die anderen möchten am liebsten nackt gehen und die dritten brauchen keine Feuerung zum Essentochen! Dänemart in Oslo 7: 0, in Kopenhagen 3: 1 und gegen Schweden 7: 3. Die Städtemannschaft Oslo gewann gegen Schweden 7: 2. Die ungarischen Arbeiterfußballer verloren dieser Tage gegen eine österreichische Mannschaft unverdient 1: 4( 1: 1). Durch zwei Eigentore verhalfen fie Desterreich zu einem Vorsprung, der auf Grund der technischen Leistungen der Ungarn eigentlich ihnen gehörte. Die Wiener Presse spricht sich über das Können der Ungarn lobend aus. Dänische Ringer weiter erfolgreich Nach der internationalen Arbeiterkraftsportveranstaltung Dänemart- Bommern in Stolzenhagen hatte die dänische Länder= mannschaft ihre Tournee durch Norddeutschland fortgesetzt und ging zum Abschluß in Köslin und Kolberg auf die Matte. In beiden Städte blieben die Gäste Sieger, in beiden Städten gestalteten sich die Veranstaltungen außerdem zu Erfolgen, wie sie gerade der hinterpommersche Arbeitersport nur sehr spärlich aufweisen kann. Außerordentlich stark war der Besuch bei den Kämpfen. In Köslin siegten die dänischen Ringer mit 18:10 und in außerordentlich start war der Besuch bei den Kämpfen. Kolberg, zum Abschluß der Tournee, mit 16,5 11,5. Nach ihren Kämpfen in Barth, Stralsund, Stolzenhagen, Köslin und Kolberg hat die dänische Ländermannschaft eine Gesamtniederlage nur von dem ostdeutschen Meister des Arbeiterathletenbundes Stolzenhagen 25 hinnehmen müssen. Am Montag haben die dänischen Arbeitersportler, die von der pommerschen Arbeitertraftsportbewegung den besten Eindrud gewonnen haben, von Kolberg aus die Heimreise angetreten. Paillard und Grassin in Berlin Die vom Pech verfolgten sportlichen Leiter der Olympia= Radrennbahn haben für den nächsten Renntag, am 21. September, ein Programm zusammengestellt, das sich sehen lassen fann und den Ansprüchen der Berliner Radsportgemeinde vollauf gerecht werden dürfte. Zum Austrag gelangt der Große Preis von Berlin, das neben dem Goldenen Rad wertvollste Rennen, und zwar in zwei Läufen über je 50 Kilometer. Fünf Fahrer von Ruf werden sich zum Kampf stellen. Neben Walter Sawall und Baul Krewer sind die beiden französischen Rivalen Georges Baillard und Robert Grassin sowie der Schweizer Läuppi verpflichtet worden. Auch die Freunde des Fliegersports tommen zu ihrem Recht, denn Engel und Steffes sollen zwei guten Ausländern entgegengestellt werden. Senkung der Auto- Betriebskosten Die Verbreitung des Automobils ist in Deutschland in erster Linie von der Wirtschaftlichkeit des Betriebes abhängig. Der Automobilklub von Deutschland, der in der Rabattfrage nach wie vor einen ablehnenden Standpunkt einnimmt, ist ständig für Erleichterung des Kraftfahrbetriebes durch Minderung der zu hohen Unterhaltungskosten eingetreten. Nunmehr besteht, wie wir erfahren, die Aussicht, daß den Bestrebungen des Automobilklubs von Deutschland, was im Interesse der Kraftfahrer sehr zu begrüßen wäre, Erfolg beschieden sein wird. Das Reichswirtschaftsministerium und Reichswirtschaftsrat werden auf Grund der Kartellverordnung sich mit der Preisbildung der Gummi und Treibstoffindustrie beschäftigen. Entsprechende Arbeitsausschüsse sind bereits gebildet worden. Man kann erwarten, daß die Unterfuchung im Rahmen der allgemeinen Preisfenkungsaktion fühlbare Erleichterungen für den Kraftfahrzeugverkehr bringen wird. Bundestreue Vereine teilen mit: FIGB., Neukölln- Brig. Geschlossene Beteiligung an der Wahitundgebung des 14. Kreises. Turner, Sportler laut Rartellbeschluß bis 17% Uhr Richardplak. Abmarsch 18 Uhr. Kleidung: Frauen helle Bluse, dunkler Rod; Männer usw. Straßenanzug, Schillerkragen. Brißer Abteilungen( ohne Kinder) 16 Uhr Kann Franz Körner Cde Rungiusstraße. Fahnen abholen Waschhaus Jbeal. bezirt. Sonntag Reichstagswahl. Das Bootshaus Rahnsdorf ist bis 13 2hr ge Sportbezirt Oftring. fchloffen. Mitglieder beteiligt euch an der Wahlarbeit. alle weitglieder beteiligen fich am Wahlumzug der Partei am Sonnabend, dem 13. September, 17 Uhr, Städtische Jugendbühne, Solteistraße. Das Training fällt an diesem Tage aus. Bezirk Sübost- Treptow. Der gesamte Bezirk bcteiligt fich Connabend, 13. September, 18 Uhr, am Wahlumzug der Partei. Treffpunkt Ede Grach- und Wildenbruchstraße. Bezirk Bankow. Der Männerund Jugendturnabend am Freitag fällt wegen der Wahlkundgebung der Partei bei Lindner aus. Alle Mitglieder beteiligen sich daran. Sonnabend, 18. September, Propagandaumzug ber Partei durch Pankow. Alle Mitglieder treffen fich 17% Uhr im Vereinslokal zum Umziehen. Bezirkslartell Bantow. Connabend, 18. September, 17% Uhr, Antreten aunt legten Wahlumzug. Bereinslofal Schmann, Mithlen Ede Marimilianstraße. Sportdreß. Sturmfahnen mitbringen. Abmarsch zum Stellplag 18 Uhr. Kartell Reukölln- Brig. Rur legten Wahlbemonstration Connabend, 13. September, 18 Uhr, Abmarsch vom Richardplas, milfsen fich alle Kartellmitglieder und Sportler beteiligen. Rieibung: blaues Jacket, Schillertragen ohne Kopfbedeckung: Frauen weiße Bluse und blauen Rod. Treffpunkt 17,40 Uhr Lyzeum der Partet im Jdealtafino, Weichselstr. 8. Leitung: Pflanz. Richardplak. Sonntag, 7% Uhr, treffen fich alle Sportler zum Wahlhelferdienst Frete Schwimmer Groß- Berlin e. B. Gruppe Lichtenberg. Die Uebungsabende für den Winter 1930-1931 find im Voltsbad Lichtenberg, Hubertusstraße, ab 15. September 1930, Dienstags von 20-21% Uhr für Männer und Frauen getrennt, Freitags von 20-21 Uhr gemeinsam. Sportabteilung Rorbring, Soden. Morgen, Connabend, 16% Uhr, Sportplak Schönhauser Allee, Ausscheidungsspiele file die Mannschaftsaufstellungen. Neue Spieler find willkommen. Geschäftsstelle: E. Schlag, Berlin N. 113, Schivelbeinerfte, 22. Telephon: Sumboldt 2979. Am Arbeiter- Rab- und Kraftfahrer- Bund Golibarität", Ortsgruppe Groß- Berlin. Geschäftsstelle: Robert Rothbarth, Berlin GW. 11, Schöneberger Str. 17a. Kurierdienst. Kein Wunder, wenn der einst so steuerfreudige Mittelstand lange Wahlfonntag fallen alle Touren aus. Alle Abteilungen stellen sich zum Wahlfam zugrunde gerichtet wird. Es grüßt Euer Baulchen. Schieb du je 3510, Fraternitas 3485, Blau- Weiß 3440, Dopplum 3433, Gaswerte II 3425, Linke u. Co. 3382, Scharfe Kante Schöneberg 3382 Holz. Beste Einzeltegler Kleemeier( Bundestreue) 720, Blankenburg( Bundestreue) 718, R. Knoll und Kliem( beide Bas merte) je 717 Holz. Was gute Fußballbeine wert find. In England ist man daran gewöhnt, daß zahlungskräftige Fußballvereine große Summen als Ablösegelder für erstklassige Spieler ausgeben. Immerhin gehört es zu den Seltenheiten, daß ein Klub, mag er auch finanziell noch zu gut gestellt sein, den horrenben Betrag von mehr als 160 000 Mart für einen einzigen Spieler investiert. In diesem Falle handelt es sich um den erstklassigen Ligaverein Huddersfield Town, der dem Verein Grimsby Town den schußgewaltigen Mittelstürmer Joseph Robson für 8000 Pfund Sterling ablaufte als Ersatz für den zu Aston Villa abgewanderten Brown. ARBEITER FUSSBALL Länderspiele mit Norwegen Nach Aufnahme der sportlichen Beziehungen zwischen dem deuts schen Arbeiter- Turn- und Sportbund und dem norwegischen Ar bettersportverband ist es uns möglich, näheres über das norwegische Arbeitersportleben zu berichten. Bon unterrichteter Seite erfahren mir, daß Norwegen zum Fußballänderspiel gegen Deutschland am 21. September in Hamburg seine stärffte Bertretung senden wird. Die norwegische Verbandsmannschaft, gewann in diesem Jahre alle bisher ausgetragenen Spiele: gegen FUNK BUND16.05 Sport. AM ABEND Freitag, 12. September. Berlin. 16.30..Der Raub der Gummipflanzen". 17.00 Tee- Musik. 18.00 Das neue Buch. 18.10 Prof. Dr. Hans Reichenbach: Die Naturforschertagung in Königsberg. 18.35 Programm der nächsten Woche. 19.00 Aktuelle Abteilung. 19.30 Aus böhmischen Werken( Orchester). 20.50 Die Erzählung der Woche( Axel Eggebrecht). 21.15 Arnold Schönberg: Pierrot Lunaire", op. 21.( Erika Wagner, Rèzitation; Eduard Steuermann, Flügel; Franz Wangler, Flöte, auch Piccolo; Prof. Viktor Pollatschek, Klarinette, auch BaB- Klarinette; Rudolf Kolisch, Violine, auch Bratsche; Benar Heifez, Cello. Dir.: Erwin Stein). Königswusterhausen. 16.00 Stud.- Direktorin Dr. Susanne Engelmann: Der Konflikt der Generationen und die Mädchenerziehung. 16.30 Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Dr. Mario Kraminer: Göttingen. 18.00 Prof Dr. Bräuer: Konjunktur und Staatsausgaben. 18.30 Landtagsabg. Dermietzel: Der Bauer. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 20.30 Breslay: Heitere Stunde. 21.25 Breslau: Lampioon wandert". Filmpaleft Buhlmann, Schönhauser lee 148, veröffentlicht von jest ab auch fein Kinoprogramm Dienstags und Freitags in unferer Rinstafel. Schönheit der Straße. Photographierte Künstlerhände. Der Großen Berliner" ist der negative Erfolg ihrer Sommerschau im Schloß Bellevue" nicht gut bekommen. Sie schließt die Pforten dieses schönen Baues und zweifelhaften Kunsttempels nur, um sie sofort wieder für eine 3 weite Abteilung" zu öffnen. Es ist ein hoffnungsloser Fall, hier Kritik zu üben. Ich " glaube, die Berliner Presse ist selten so einmütig gewesen wie in dem guten Rat, diese überflüssige und recht klein gewordene Große Berliner" doch mal für eine Weile ganz in der Versenkung verschwinden zu lassen. Das Resultat aller geistigen Bemühungen aber heißt schlicht und einfach:" 3weite Abteilung 1930!" Diese Abteilung wird vom Aquarell und der Graphit beliefert. Man sollte meinen, es hielte schwer, hier etwas minder wertiges zusammenzubringen; die deutsche Kunst der Gegenwart gipfelt ja geradezu in den zeichnenden Künsten. Die„ Große Berliner" hat die schwere Aufgabe restlos gelöst, eine vollkommne uninteressante und nichtssagende Aquarellschau deutscher Künstler auf die Beine zu bringen. Beim besten Willen entdeckt man nichts als eine gute Zeichnung von G. Ehmig und ein paar interessante Köpfe von Weinhold und Chr. Schad. Merkwürdigerweise meldet sich dafür einmal wieder die längst totgesagte Graphit zum Wort: Das Beste von der Abteilung sind zweifellos die Tierradierungen von Pol Cassel, die ausgezeichneten Blätter von Werner Laves, Friz Griebel und G. Nesch; anziehend immerhin als technische Leistungen die in Kupfer- und Holzstich durchgeführten Ideallandschaften von dem kürzlich verstorbenen Hans Otto Schönleber. Sehr bemerkenswert bleiben die luftigen und bei aller Kunstgewerblichkeit plastisch empfundenen Tier- Majoliken Ludwig Königs, aus der Umgebung von Läuger. Der eigentliche Trick der Zweiten Abteilung" sind aber die Sonderausstellungen, die man der„ Juryfreien" mit Juryfreiheit nachgebildet hat. Eine heftige Konzession an das, was manche für modern halten: die verschwommen radikalen Experi. mente Walter Kampmanns; zieht man ihm die Haut, den locker umgeworfenen Mantel des Revolutionärs aus, so bleibt ein bei vorgetäuschter Vielseitigkeit ziemlich mittelmäßiger Allermeltskünstler. Um die Wahllosigkeit und Zufallsauslese dieser Zweiten Abteilung" recht augenfällig zu machen, hat man daneben in zwei Sälen eine an sich sehr sehenswerte Ausstellung der Arbeiten des Berliner Stadtbaurats Mar Berg veranstaltet, zu seinem 60. Geburtstag. Die verehrungswürdige Persönlichkeit des Erbauers der großen Jahrhunderthalle und der Breslauer Stadtplanung hat es nicht verdient, in diesem chaotischen Herensabbath als Prominenz zu paradieren. Es folgt ein furioses Sammeljurium Schönheit der Straße", wo man mit G. Groß, W. Scholz und Ner linger aufwartet, ein ganz faloppes Durcheinander von Schönheiten der Mart", bei der einige köstliche alte Aquarelle alter Meister von Rang der Gaertner, Graeb und Hinge die unbegreiflich belanglosen Uebungen einiger wahllos herangezogener Maler Theater, Lichtspiele usw. Freitag, 12. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 12/ 20 Uhr Rheingeld Freitag, 12. 9. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Samson und Dalila Ende g. 222 Uhr Ende g. 22% Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik. Vorst. 134 20 Uhr Jphigenie auf Tauris ( am Gendarmenmarkt). A.-V. 11 20 Uhr Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg Ende n.222 Uhr Ende n.222 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 222 Uhr Jrene Triesch als Jsabella In der ,, Braut von Messina" täglich 815 Uhr, Sonntags 515 und 9 Uhr, im ROSE Theater Gr. Frankfurter Str. 132 Billettkasse: Alex. 3422 u. 3494 Auf der Gartenbühne bis 15. September täglich 50 Uhr die glänzende Varietéschau und , Etappe" oder ,, Onkel Gustav schreibt k. v." 815 Uhr. | von heute hoffnungslos gegenüberstehen. Und schließlich ein paar Kombinationen, bei denen es nahezu unmöglich gewesen wäre, Bersager zu bringen:" Moderne Kunst in der Reflame" und„ Die Photographie in den Händen des Künstlers". Da wir im Grunde feine erfolgreiche Reklame von Künstlern mehr haben, soweit sie wenigstens an die Plakatwände herankommt, war es ein dankbares Unternehmen, die paar Künstler mit ernsthaftem Ehrgeiz zusammenzufassen: Nerlinger, Degel, Haader, Do mela- Nieuwenhuis, Buchholz( daß 3. B. Molzahn, Moholy- Nagy, Leistikow u. v. a. fehlen, wollen wir niemand an= freiden). Das Sehenswerteste dieser Zweiten Abteilung" scheint mir abe: die Photographie in der Hand des Künstlers zu sein; beileibe feine fonsequente Auslese des Besten, was Künstler der Linse heute bringen. Aber das, was der höchst begabte Ner= linger, was Hanna Höch, Kesting und er an witzigen, geistvollen und überraschenden Möglichkeiten aus der Photographie, der Photomontage, dem Photogramm usw. herausziehen, ist hier wenigstens glücklich angedeutet. Paul Ferd. Schmidt. ,, Ein Walzer im Schlafcoupé." Titania- Palast. Graf und Baroneß sind, ohne sich vorher gesehen zu haben, von ihren Familien zur Ehe bestimmt. Durch ein, Grammophon werden im Schlafcoupé die beiden Ehekandidaten miteinander bekannt. Sie spielen noch ein bischen Blindekuh und liegen sich dann beglückt in den Armen. Ereignis, wird von Fred Sauer mit naiver Freude in Szene Dieses, offenbar für gut bürgerliche Kreise weltbewegende gejezt. Im bunten Durcheinander padt er in den Film hinein Varietévorstellungen, Motorbootrennen, ein Schüßenfest und Abschnitte aus Wochenschauen. So ergeben sich oft sehr gute Momente, aber die restlose Ausquetschung einer Idee ermüdet auf die Dauer. Ebenso fommt der Film als Ganzes betrachtet zu feiner Einheit, weil Fred Sauer weder Vertrauen zu sich noch zum Tonfilm hat. Der vielseitige Friz Schulz ist für den Tonfilm ein Komiker von Format; ebenso sieht man die unvergleichliche Adele Sand rod immer gerne. Albert Paulig und Julius Falkenstein gefallen wieder als lebenslustige, vertroitelte adlige Onkel, und Trude Berliner und Lucie Englisch sind der übliche niedliche und nichtssagende Typ. Die musikalische Leitung war Schmidt- Gentner anvertraut. Wenn man sich an seine schmissige Begleitmusik zu vielen stummen Filmen erinnert, dann bedauert man aufrichtig, daß man jein Können und das eines guten Orchesters heute nur noch als Konserve genießen fann. e. b. Das Frankfurter Opernhaus seiert sein 50jähriges Bestehen vom 10. bis 16. Oftober mit einer Festwoche. Es werden markanteste Werke des deutschen Stapellmeister, die seinerzeit führende Persönlichkeiten im Frankfurter MusikDpeintheaters zur Aufführung gelangen. Ein Gastspiel prominenter deutscher leben waren, ist in Aussicht genommen. Winter Garten* Zentrum 2819. Rauchen erlaubt. Torino der unerreichte Jongleur Hans Kolischer Stenzeel und seine 14 Casanovas* Schwester Duffek Argentino 5 Aleximes- Luftgirls u. a. Sonnab. u. Sonntags je 2 Vorstellungen 4 Uhr und 8.15.-4 Uhr kleine Preise. Das führende Varieté Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts 8% Das häßliche Mädchen Englisch Roberts Riemann. Metropol- Theater Täglich 84 Uhr Sensationeller Operettenerfolg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria Reichshallen- Theater und ihrHusar Abends 8 Sonntag nachm. 3/2 Stettiner Sänger Das gr. September- Progr. mit ..Laß Blumen sprechen" Sonntag 5 Uhr kleine Preise Friederike von Léhar. Hachm. halbe Preise! Zentr. 112 63. Lessing- Theater Dönhoff Brettl: Das beliebte Familien- Varieté GROSSES SCHAUSPIELHAUS Lustige Witwe Hesterberg, Hansen, Arno, Schollwer, Jankuhn, Schaeffers, Winkelstern, Desni. REGIE: CHARELL 8% Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Lothringer Straße 37. Für unsere Leser: Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Der Possen- Schlager Weidendamm 2797 u. 0845 Täglich 8 Uhr Gastspiel der Volksbühne Deutsches Theater Theater am Bülowplatz. 81 Uhr 8% Uhr 1914 Der fröhliche von Georg Wilhelm Müller Weinberg Regie: Gustav Gründgens. von Carl Zuckmayer Kammerspiele Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Der Mann mit dem Klepper Theater am Schiffbauerdamm 81 Uhr Feuer aus den Kesseln Staatsoper Am Pl. d. Republik 8 Uhr Iphigenie auf Tauris HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 Das Das preiswerte Vergnüg Piscatorbühne ergnügungs Des Kaisers Kulis von Th. Plivier. Regie: Erwin Piscator. Sonntag 3 Uhr Des Kaisers Kulis Zimmer: 1Bett Mk.7- bis 11.2Betten 13- bis 22Bad: Mk.3- Salon: 10 Keine höheren Preise Eine Großmacht europäischer Hotels Berlin HOTELaAnh. Bht Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Theater am Schiffbauerdamm Tägl. 8% Uhr Feuer aus den Kesseln! von Ernst Toller. Regie: Hans Heinrichs. Bühnenbilder: Cast. Neher. Vorverkauf ununterbrochen. Tel.: D. 1. Nord. 0281 u. 5813 Barnowsky- Buhnen Theater in 8 Uhr Die Schule der Frauen von Molière. Regie: Hans Deppe. Die Komödie 814 Uhr Der Diener zweier Herren von Goldoni Regie: Max Reinhardt. Deutsches Künstler- Theat. Tel. Barbarossa 3937 82 Uhr Letzte 2 Aufführungen! Gastspiel der LudwigThoma- Bühne Magdalena Renaissance Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder- Bar Revuestück Berliner Prater Sommertheater Kastanienallee 7-9 Humb. 2246 Täglich 8 Uhr: Trade Schröder, Inge Rarlsen, Eugen Kottai, Erwin Hartung in 99 Die kleine Sünderin" Schwankoperette in 3 Akten v. H. Zerlett u. W. Prager. Musik von Jean Gilbert. Der selige Hollschinsky, EXCELSIOR Täglich 8 Uhr Neues Theater und ein erstkl. buntes Programm. CIRCUS BUSCH VARIETE Täg.2 Vorstellg.-Tel. Weiden. 3840 nachm. 4, Uhr. 30 Pfg.- 1,50 Mk. abends 8% Uhr. 30 Pig.-3.-Mk. Internat. Circus- u. Varietéprogr. 812 Uhr Komische Oper Lustspielhaus Täglich 8% Uhi Die Frau Meine Schwester ohne Kuss und ich Operette v W. Kollo Musik von Benatzky Auch Sonntags nachm.3% Lory Leux, zu kleinen Preisen- Kurt von Möllenhof. der Stresemannstr. 84 Rose- Theater Marguerite: 3 Gr. Frankfurter Str.132 Lustspiel von Schwiefert Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Komödienhaus am Zoo Am Bahnb. Zoo. Stpl. 6554 Täglich 8 Uhr Täglich 8 Lommel Konto X Braut v. Messina 8 Garten bühne: 5.15 Uhr: Konzert u. Bunter Tell 8.15 Uhr: Etappe. von Bernauer und Oesterreicher in der Posse Herr Amor persenlich. Rundfunkhöret halbe Preise. Die Chifosbaroneß." Beba- Atrium. Bieber wird eine Jarnosche Operette nach dem üblichen Rezept des Tonfilms bearbeitet. Haben wir auf der Bühne bereits mehr als genug von diesen ungarischen Komteſſen und Grafen, so sind sie im Tonfilm überhaupt nicht zu verdauen. Durch die ständige Wiederholung desselben Themas erlischt jedes Interesse, und die ungarische Musik hilft ihm keineswegs auf die Beine. Hier geht ein Bauern- und Dienerrennen in Szene, und dabei gewinnt der verkleidete Graf Ruttkai den Preis. Er liebt die Veranstalterin Baroneß Terka, die ihn nicht ausstehen kann und wegen der einfachen Behauptung, seine Pferde seien besser als die ihrigen. Und dann kommt doch alles, wie es kommen muß. Bei stimmungsvoller Abendbeleuchtung sinkt man sich in die Arme. Es ist ein Stoff, den teine Regie und feine Darstellung von den Toten erwecken kann. Lieder verbreitern dazu noch die Langeweile, und die komischen Intermezzi zeichnen sich durch keine originelle Nuance aus. Flecks führen Regie nicht besonders glücklich, aber besser als sonst. Das Rennen ist gut inszeniert, und die Landschaft findet als Stimmungselement Berwendung. Doch die Regie bleibt zu bühnenmäßig, fie treibt nicht die Handlung vorwärts, im Gegenteil, sie versucht immer wieder, gerade die undramatischen Szenen am längsten auszuspielen. Von den Darstellern steht Falkenstein als vertrottelter und mümmelnder Greis an erster Stelle. Verebes entdeckt seine große, humoristische Begabung, während das Liebespaar, Grett Theimer und Paul Vincenti, konventionell spielt und singt. F. Sch. Breslauer Theaterdirektor, vollendet am 9. September jein 75. e. Theodor Loewe 75jährig. Dr. Theodor Loewe, der befannte bensjahr. Loeme, der mehrere Jahrzehnte an der Spitze des Bres: lauer Stadttheaters stand und daneben auch eine Reihe anderer Theater in derselben Stadt betrieb, gehörte neben Angelo Neumann und Pollini auf dem Gebiet der Oper zu den angesehenſten und erfolgreichsten Theaterunternehmern der Vorfriegszeit. Unter seiner a. Bruno Walter, Furtwängler, Leo Slezak Führung haben u. ihre künstlerische Laufbahn begonnen. ,, Der Diener zweier Herren", von Goldoni, Mufit von Mozart, gelangt Komödie zur Aufführung. in der Belegung der Salzburger Festspiele bis einschl. 14. Sept. in der „ Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „ Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Wetter für Berlin: Stark bewölkt, mit Neigung zu Regenfällen, wenig Temperaturänderung. Für Deutschland: In Norddeutschland heiter und sehr fühl, im Südwesten regnerisch, im mittleren Deutschland Wetterverschlechterung. bruderei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin EW 68, Lindenstraße 3. Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud Hierzu i Beilage. Frauen Berlins wählt nur Hut Cohn chöne kleidsame Damenhüte und Farben Sin allen Qualitäten Pr D rachtvolle Kappen in vielen mod. Ausführungen und Qualitäten ie moderne Glocke aus Pelz u. VelourSoleil, echte Habock- Hüte für Damen u. Herren! 114 Brunnenstr. 114 Große Herrenhut- Abteilung Fahrverbindung: U- Bahn- Station Voltastraße.- Autobus Linie 29. Straßenbahn: Linie 5, 41, 99, 199. Theater am Kottb. Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. KLEINE ANZEIGEN In der Gesamtauflage nachm. 3 Uhr des Vorwärts" sind besonders wirksam und trotzdem EliteSänger Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Die lieben Verwandten. Zum Schluß: Pinselheinrich's Himmelsklause. Wo speist man gut and billig? Nur Gross- Berlin Alexanderplatz sehr billig! Krause- Pianos zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Möbel Teilzahlung Apelt Adalbertstr.6 Lichterfelder Festsäle Zehlendorfer Straße 5 Oekonom Otto Schilling Telephon: Lichterfelde G 3 1445 Festsäle für 1500 Personen mit modern eingerichteten Bühnen für Veranstaltungen jeder Art/ Hochzeitssäle Vereinszimmer für 20 bis 300 Personen Großer schattiger Naturgarten für 3000 Personen mit Waldspielplätzen BETTEN CHONERT Berlin S.O. Oranienstr. 12 Fernruf: FL Moritzplatz 833 Verlangen Sie reichillustrierte Preisliste B