BERLIN Sonnabend 13. September 1930 10 Pf. Nr. 430 B 214 42. Jahrgang ErscheinttSglich auberSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. DezuzSprei« beide Ausgaben 8SPf. prvWoche. J.mM. pro Monat. Kcdaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Anzeigenprei«: Die einspaltige Vonpareillejeile 80 Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärt«; Sozialdemokratie vor dem Sieg Sie hat jeht schon das Oiktaturgerede zum Schweigen gebracht, ihr Erfolg hat Weltbedeutung pari», 13. September(Eigenbericht). Am Vorabend der Reichstagswahleis in Deutschland scheint sich die bisher überaus besorgte Stimmung der französischen Beobachter sichtlich einem gewissen Optimismus zuwenden zu wollen. Der .Motin" ve.'ichert zwar weiter, daß eine Voraussoge über den Ausfall der Wahlen vollkommen unmöglich sei, da heut« noch 40 Prozent der deutschen Wähler, die die groß« Mass« der Un- zufriedenen ausmachten, nicht wüßten, wie sie wählen sollten. Die übrigen Blätter dagegen zeigen sich durch die deutlichen Erfolge der Sozialdemokratischen Partei stark beeindruckt und geben nun- mehr rückhaltlos der Auffassung Ausdruck, daß die Sozialdemokratie i'.icht nur nichts zu befürchten, sondern im Gegenteil ein« neue Stärkung zu erhoffen habe. Besonders charakteristisch für diese Auffassung der Pariser Presse sind die Ausführungen des„Petit Parisien". Das Blatt erklärt schon heute, daß die Sozialdemokratie im neuen Reichstag die ausschlaggebende Fraktion sein werde. Di« bürgerlichen Parteien, von der Staatspartei über die Voltspartei bis zu den äzugenbergleuten, könnten nicht erwarten, irgendwie glänzend abzuschneiden und etwa aus eigener Kraft eine «cue Regierung zu bilden. Dagegen falle es der Sozialdemokratie zu, die ch a u p t r o l l e im neuen Parlament zu spielen. Schon jetzt sei es ihr dank ihrer energischen Haltung gelungen, alle wilden Gerüchte über die Einrichtung einer Diktatur in Deutschland zum Schweigen zu bringen. Hierbei habe gerade die Entschieden- heit der preußischen Regierung«ine besondere Rolle gespielt. Die Voraussagen der deutschen Politiker, erklärt der„Petit Parisicn", rechneten auch nicht mehr mit der Bildung einer rein bürgerlichen Regierung, evtl. mit Unterstützung Hugenbergs. Man sei sich allent- halben klar darüber geworden, daß man im neuen Reichstag ohne die Sozialdemokratie nicht werde regieren können. Keine Gehaliskürzung im�uhrbergbau Oer Zechenverband zieht seine Kündigung zurück. Essen. 13. September. Der Zechenverband hat, nachdem durch den am 4. September gefällten und inzwischen für verbindlich erklärten Schiedsspruch die Löhne der Bergarbeiter unverändert geblieben sind. die in seinem Schreiben vom 30. August ausgesprochene K ü n d i. gu ng der Gehälter der technischen und kaufmännischen Angestellten zurückgezogen. Damit laufen die bisherigen Gehalteabkom- wen weiter._ Das Arbeitszeitabkommen im Ttahrbergbaii JDie Bergorbeiterverbande kündigen es zum 30. November. Essen, 13. September. Die Bergarbeitcrverbände haben schon heute, entsprechend der im Arbeitszeitabkommen enthaltenen Bestimmung, daß die Kündigungsabsicht 14 Tage vor dem Kündigungstermin bekanntgegeben werden muß, mitgeteilt, daß sie das Arbeitszeitabkommen am 1. Oktober zum 30. Booember kündigen werden. Ltebersiüfsig gewordene Bankbeamte. Schwerin. 13. September(Eigenbericht). Bei der Mecklenburgischen Bank in Schwerin sind Massen- kündigungen ausgesprochen worden. Die gesamte Angestellten- schaft ist am Freilag von der Direktion gekündigt worden. Die Se- omten müssen zum 1. Oktober, 1. Zanuar und 1. April ihre Stellung ausgeben. Unter den Gekündigten befindet sich ein« große Zahl von Familienvätern, für die sich diese Maßnahme besonders schlimm auiwirkl. Die Kündigung ist aus die kürzlich erfolgte Zusammenlegung der Mecklenburgischen Bank und der Bofiocker Bank Wcückzujühren. Am Morgen danach... Bekanntgabe der Wahlresultate. Wie in den Vorjahren, wird der„vorwärts" auch diesmal be- strebt sein, die Wahlergebnisse aus Verlin und dem Reich so schnell und so vollständig als möglich zusammenzustellen und seinen Lesern zu vermitteln. Am Montag früh wird eine umfangreiche Sonder. ausgab« des„vorwärts" im Straßenhandel erscheinen. Jeder kann daraus da» wesentliche Ergebnis des Wahltages bereits erfahren. Am Sonntagabend werden die eingelieferten Einzel- ergebnisse an den Schaufenstern unserer„vorwärts"- Speditionen und auch in der Hauptexpedition. Lindenstr. 3. durch Aushang sortlaufend bekanntgegeben. Die Abteilungen der Berliner Parteiorganisation berichten noch am Abend ihre Resultate an den Bezirksvorstand, von dort au» werden sie an den„vorwärts" weitergegeben. Es darf aber kein Abteilungs- und kein Kreisleiter versäumen, die Er- gebnisse noch am Sonntag abend aus schleunigstem Wege. evtl. telephonisch, abzuliefern! Um die Arbeit in der Redaktion nicht allzu stark zu beein- trächtigen, werden unsere Leser freundlichst gebeten, von überflüssigen Rachfragen während der Rächt abzusehen. Bonbons mit Arsen. Massenvergifiungen in England. London. 13. September. Wie die Blätter aus Stokeon-Trent melden, er- kranlten in der Grafschaft Stafford plötzlich über 50 Personen, zumeist Kinder, nach dem Genuß von Süßigkeiten an schweren Bergistungserscheinungen. Die Polizei stellte fest, daß die giftigen Bonbons von einer Fabrik in B u r s l e m hergeftelltt worden waren. Eine Untersuchung in den Fabrikationsräumen ergab die sensationelle Tatsache, daß die Süßigkeiten statt mit Zucker mit Arsenik bestäubt wurden. Ein Beutel mit d r e i P f u n d A r s e n. den der Fabrikant ig gutem Glauben als Zucker getauft hotte wurde befch>lag. nahmt. Eine Haussuchung bei dem Verkäufer des„Zuckers" förderte eine unter einer Treppe versteckte h o l z k i st e zutage, die 5b Pfund eines weißen Pulvers enthielt, das sich nach der chemischen Analyse als reines Arsenik herausstellte. Die Menge des Giftes würde genügen, um eine Viertelmillion Menschen zu töten. Ob es sich bei diesem„Zuckerverkaus" um einen ver- hängnisvollen Irrtum oder ein verbrechen handelt, steht noch nicht fest. Inzwischen werden aus einer ganzen Anzahl von Ortschaften Mittelenglands neue Erkrankungen gemeldet: so erkrankten in New Brightton 15 Kinder eines Waisenhauses an den Bonbons, die ihnen ein Besucher geschenkt hatte. Weitere Der- gistungssälle werden aus Sandbeach, Hanley, Shrc'-1� bury und anderen Orten gemeldet. In der Taucherglocke verunglückt. Zwei Arbeiter tot, drei schwer verletzt. Paris, 13. September.' Wie dem„I o u r n a l" aus Marseille gemeldet wird, sind bei Arbeiten unter dem Meeresspiegel, die mit Hilfe einer Taucherglocke vorgenommen wurden, fünf Arbeiter verunglückt. Zwei von ihnen konnten nur als Leichen geborgen werden, die anderen drei sind mit schweren Erstiitungserscheinnn- g e n in ein Krankenhaus gebracht worden. Buisson durch Abspringen gerettet. Sein Auto zertrümmert. Paris, 13. September(Eigenbericht). Der französische Kammerpräsident Buisson erlitt am Freitag einen Autounfall, der leicht schwer« Folgen hätte hoben können. Buisson, der seinen Wagen selbst steuerte, hatte von seiner Heimat- stadt Marseille aus einen Ausflug nach St. Raphael unternommen. In einer scharfen Straßenbiegung mußte er einem entgegenkam- Menden Lastauto ausweichen und geriet dabei mit seinem Wagen in eine offene Baugrube hinein. Im letzten Augenblick sprang Buisson ab� und kam unverletzt davon, während sein Auto- trümmert wurde. Maffenklagen gegen Bata. Gegen eine Tschechisierung der Nomeo A-G. Vor dem Arbeilsgerichk stand heute ein Termin gegen die Romeo-Schuh- A.-G. an. deren gesamtes Aktien- pakel sich im Besitz des tschechischen ,. Schuhkönigs Bala" befindet. Die Verhandlung beleuchtete die Arbeitsmethoden, die in de» Betrieben des lschechischen Schuhmagnalen seil geraumer Zeit angewandt werden, um aus dem deutschen Schuhmarkt festen Fuß zu fasten. Bata übernahm im vorigen Jahre die gesamten Aktien der Romeo. Schuh-A.-G und errichtete bald danach in den früheren Böhler-Werken in Ratibor die„Deutsche Schuh-A.-G. Bata". In Ratibor wurden bald darauf sämtliche deutsche Ange- stellte— bis auf den Nachtwächter— entlassen. An Stelle der deutschen Angestellten wurden tschechisch« Staatsangehörige eingestellt. Den Angestellten der Romeo-Gesellschaft in Berlin droht nun dasselbe Schicksal, da alle deutschen Angestellten bis auf drei ihre Kündigung erhallen haben, mit der Begründung, daß die Romeo-A.-G. liquidiert werde. Die gekündigten 30 Berliner Angestellten erblickten in diesem Schachzug Batas eine unbillige Härte und klagen nun gegen ihn auf Wiedereinstellung oder Zahlung einer angemessenen Entschädigung. Die Klage wird damit begründet, daß nach Ansicht der Entlassenen die Liquidation der Romeo A.-G. nur ein taktstches Manöver Batas zur Uuterbewgiwg tschechisch» PerjonrtK, und bag in fir ttiteit eine Stiflegung des Betriebes, I sondern nur eine Umorganisierung beabsichtigt sei. In der Klage wird weifer ausgeführt, daß Bata bei der Umstellung der Ratiborer Firma die Leiter des Unternehmens na ch 31in habe tommen lassen und ihnen vorgeschlagen habe, sich an Stelle eines festen Gehaltes mit einer Umsag= provision von 9 Prozent einverstanden zu erklären. Bata habe das Geschäftsrisiko auf diese Art und Weise auf die Schultern der Angestellten abwälzen wollen, da diese mit Ausnahme der Miet- und Steuerzahlungen, für alle Unkosten des Betriebes selbst aufkommen sollen. Bata habe dabei den Ratschlag gegeben, aus Ersparnisgründen nur ganz junges, billiges Perfonál zu beschäftigen, das nach Möglichkeit nicht organisiert sein dürfe. Er schlug sogar vor, von den Berfäuferinnen einen Un fost en beitrag in Höhe von 30 Pfennigen für jeden Kassenblod zu verlangen! Die deutschen Geschäftsführer lehnten diese Vorschläge Batas ab und erhielten infolgedessen ihre Entlassung. In der Berhandlung fam auch zur Sprache, daß Bata unter allen möglichen Ver= sprechungen vom preußischen Staat ein Terrain bet Cosel in Oberschlesien zu erwerben trachte, wo er eine BataStadt" errichten wolle. Von den deutschen Gewertschaften werde wegen der Methoden Batas, die er bisher angewendet habe, dieses Projekt scharf bekämpft. In der Verhandlung beftritt der Vertreter Batas, daß bei der Romeo- 2.- G. nur eine Scheinliquidation vorgenommen und der Betrieb auf veränderter Grundlege fortgeführt werden solle. Das Gericht war jedoch von dieser Mitteilung nicht voll befriedigt und jezte die Entscheidung bis auf einen späteren Zeitpunkt aus. Wahlarbeit der Schupo. Außerordentliche Inanspruchnahme- trotzdem gute Haltung Die Berliner Schutzpolizeibeamten haben während der Wahltampftage einen schweren und verantwortungsbewußten Dienst gehabt. Ueberall mußten sie eingeheizt werden zum Versammlungsschutz und als Begleitkommando fair die unzählig vielen Umzüge der verschiedenen Parteien. Außer diesem gewaltigen Maß von Arbeit mußten sie während der ganzen Zeit die Unbequemlichkeit auf sich nehmen, in dauernder Bereitschaft zu sein und auch des Nachts verstärkter Patrouillengang mitmachen. Die Beamten haben zum größten Teil trotzdem ihre Ruhe bewahrt und haben gerade dadurch mitgeholfen, dem Wahlkampf einige Schärfen zu nehmen, die von bekannter Seite geradezu gesucht wurden. Wenn wir auch zugeben, daß die leitenden Polizeistellen ihre Anordnungen immer so treffen wollten, daß von vornherein Zusammenstöße unterbunden werden können, glauben wir doch, daß an einigen Stellen die leberwachung der Versammiungen durch Bolizei nicht richtig organisiert war. So sind z. B. zu fast allen Sportpalastkundgebungen, besonders aber zu denen der Nationalfozialisten und Kommunisten, größere Polizeiaufgebote verwendet worden. Zum An- und Abmarsch der Versammlungsbesucher war ein so startes Aufgebot wohl notwendig. Das haben die Kom mamisten erst am Freitagabend eindringlich bewiesen, indem sie mit Gejohle und Gebrüll aus dem Sportpalast herauskamen und, sich wenig um die Anordnungen der Polizei kümmernd, durch die Potsdamer Straße zogen. Bei der Abwehr dieser kommunistischen Störungen haben manche Beamte nicht immer ihre Ruhe bewahrt. Das ist aber begreiflich, wenn man weiß, daß vier Lastwagen mit Schupo während der ganzen Kundgebung, also etwa vier Stunden, in den Seitenstraßen warten mußten. Dieses lange Wartenmüssen will nicht jedermann als notwendig einleuchten. Gegenüber dem Sportpalast ist ein Polizeirevier eingerichtet, das den Verlauf der Vorfälle genau überwachen kann. Dort hätten die Beamten wenigstens zu einem Teil untergebracht werden können, der Rest hätte wahrscheinlich in den naheliegenden weiteren Polizeirevieren den Schluß der Versammlung abwarten können. ier Stunden in einem offenen Polizeimagen au sizen, noch dazu bei dem stürmisch- kalten Wetter das muß die Beamten nervös machen. Man sollte bei den polizeilichen Anordnungen etwas mehr darauf achten, die Beamten nicht zu überanstrengen. Das ist eine der vielen Lehren, die dieser Wahlkampf erteilt hat. Revidiert den Nationalismus! Holländischer Angriff auf Schieles Schutzzollpolitik. Zurück vom Sozialisten- Flug Die Flugzeuge, die über ganz Deutschland für die Liste 1 gervorben haben, sind wohlbehallen mit ihren Piloten rieder auf dem Flughafen Tempelhof eingetroffen Bontott gegen SPD. Plakate Reaktionäre Kläffer bellen gegen die Sozialdemokratie Die Sozialdemokratie versucht, in diesem Wahlkampf ihre Agi-- 1 tation in möglichst weite Kreise zu tragen. So läßt sie unter an= derem an allen deutschen Anschlagstellen eins ihrer Platate anschlagen, um die Propaganda der örtlichen Organisationen zu unterstüßen. Während dieser Anschlag in Großstädten und Orten mit Arbeiterbevölkerung reibungslos durchgeführt werden konnte, macht sich in manchen kleinen Landgemeinden der unverschämteste Bontott breit. Alle möglichen Mittel und Ausreden werden von seiten der zum Anschlag verpflichteten Stellen gebraucht, um sich um die Ausführung des Anschlages zu drücken. Selbst bereits akzeptierte und bestätigte Aufträge werden annulliert. So traf aus Heimentirrh bei Lindau folgende Antwort ein: ,, Wir empfingen heute 6 Plakate und finden, daß es sich um Wahlplakate der SPD. handelt. Wir sind daher gezwungen, die Ausführung Ihres Auftrags vom 14. August abzulehnen und ziehen unsere Zusage zum Anschlag von Wahlplakaten hiermit zurüd." Der Pächter der Eltviller Anschlagstellen begründete die Ablehnung mit Plazmangel" und erklärte, daß auswärtige Parteien nicht berücksichtigt werden können." In Ismaning in Bayern wird die Unterlassung damit be= gründet, daß der Anschlag infolge Krankheit des Platatierers nicht zur Ausführung tommen tann". Andere Orte, denen der Auftrag bereits Anfang August, also rechtzeitig erteilt wurde, antworteten nicht oder teilen erst nach 2 bis 3 Wochen latonisch mit, daß bereits alles bejeẞt" jei. Der Anschlagunternehmer in Halbau bei Görlitz lehnte den Anschlag ab, um Verärgerung anderer Parteien zu vermeiden." Während manche Firmen so mit faulen Ausreden ihre Böswilligkeit bemänteln, lassen andere Antwortschreiben erkennen, wie sehr die Firmen unter Drud gesezt werden. Geradezu klassisch dafür ist die Antwort einer Anschlagfirma, die den Plakatanschlag für Bansin und Pfön unter sich hat. Diese Firma hatte den Auftrag bereits angenommen, die Plakate erhalten und schreibt nun wenige Tage vor der Wahl, daß die Durchführung der Aufträge nicht möglich sei, da„ in beiden Ortschaften unvor= hergesehene Schwierigteiten aufgetreten sind". Wähltmorgens schon gleich nach 8 Uhr. Und aus Bü om in Mecklenburg teilt der dortige Anschläger mit, „ daß ich diesen Auftrag zu meinem Bedauern aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausführen tann". Wieder andere Firmen zeigen ganz unverhüllt ihre reaktionären Tendenzen, die um so unerträglicher sind, als es ja in den meisten Fällen Monopolstellungen sind, die diese Unternehmer innehaben. Das Greizer Anschlaginstitut beispielsweise erklärt: ,, Wir bedauern, Ihren Auftrag betreffend Anschlaa non Wahlplakaten nicht ausführen zu können, da in unserem Berlag ein rechtsstehendes Blatt erscheint." Und aus Liebenstein in Thüringen schreibt die Anschlagfirma: Wahlplakate der SPD. bedauere nicht ausführen zu können, da ich Anschläge der Linksparteien gegen meine Ueberzeugung nicht ausführe." Das Tollste leistete sich die Anschlagfirma in Crossen an der Oder, die auf eine Reklamation hin antwortete: Ihre Ansicht, daß unsere Säulen und Tafeln nur einzelnen Parteien zur Verfügung stehen, ist völlig unrichtig. Wir stellen genau so, wie den Anzeigenteil unseres bürgerlich- national eingestellten Blattes, aud) unsere Anschlagsäulen und Tafeln jeder Partei zur Verfügung, solange sich die betreffende Partei bemüht, alles Hezerische in ihrer Propaganda zu unterlassen. Zum Beweise dafür diene 3hnen, daß in unserem„ Croffener Tageblatt" wiederholt Wahlanzeigen der kommunistischen Partei veröffentlicht wurden. Wir haben die Inserate bedentenlos aufgenommen, weil sie jede Aufreizung zum klassen hak vermieden. In dem plakat der SPD. dagegen erbliden wir eine unsachliche und heherische Propaganda deshalb, weil bildlich zur Zerschlagung des Bürgerblods aufgefordert wird. Wir haben uns deshalb zur Ablehnung des Anschlages entschieden." Dieses angeblich heizerische" Plakat zeigt lediglich einen Ar. beiter mit der als Ramme geschwungenen Eins, die auf einen mit dem Hakenkreuz plombierten Geldsack niederfaust. Der Tert lautet: Liste 1 gegen Bürgerblock und Hakenkreuz!" So wird in der niederträchtigsten Weise mit den verschiedensten Mitteln versucht, die Propaganda der Sozialdemokratie zu unterdrücken. Die kleinen reaktionären Kläffer werden unseren Bormarsch nicht aufhalten! Nazipleite bei Siemens. Drei Tage lang machte die Nazipartei Reflame für eine Am Nach- Betriebsversammlung im Elmowert. Goebbels wurde als Redner angekündigt. Er hütete sich und schickte einen feisten Herrn Löppelmann als Vertreter. Dessen Tiraden fielen auf unfruchtbaren Boden. Er mußte sich allerhand 3wischenrufe gefallen laffen. Nach zehn Minuten war das Theater beendet. mittag sind die Wahllokale nur bis 5 Uhr geöffnet. Die Nazizelle des Siemens Ronzerns hat sich heute über Mißerfolg unterhalten. Die Unterhaltung ging in Krach man nur von der großen Nazipleite. Genf, 13. September.( Eigenbericht.) Nazi- Totschläger an der Arbeit. auseinander. In allen Abteilungen des Siemens- Konzerns spricht Reichsbannerleute schlägt man nieder, wo man sie trifft. Die Völkerbundsversammlung setzte am Freitag die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht des vergangenen Jahres fort. Im Verlauf der Debatte wurden verschiedene scharfe An= In der vergangenen Nacht find an zwei Stellen der Stadt griffe gegen Deutschlands Wirtschaftspolitit ge- Reichsbannerleute von links und rechtsradi. richtet. talen Gegnern überfallen und schwer mißhandelt Infolgedessen wurden 48 Personen zwangsgestellt. Ein großer Teil konnte wieder entlassen werden, etwa 12 bis 15 Personen sollen dem Vernehmungsrichter vorgeführt werden. Der dänische Außenminister Munch, der im Namen von worden. Echweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Schweiz, Lettland und Estland den Antrag stellte, die meist begünstigungstlausel durch ein internationales Reglement bald zu interpres tieren, münzte seine Begründung deutlich gegen Deutschlands jüngste Zollpolitit, Berliner Kriminalbeamtin verunglückt. Bei einer Gebirgstour in der Nähe von Berchtesgaden ist Kriminalbezirkssekretärin 42jährige Marie- Luise gestern die Glanz, die dort ihren Urlaub verbrachte und im Berliner Polizeipräsidium tätig war, tödlich abgeſtürzt. Helfer für franke Wähler stehen Bereit! die die Meistbegünstigungsklausel völlig willkürlich ausgelegt habe. Ebenso wandte sich der Berliner Geschäftsträger Uruguays Cosio ben Angriff mit der Hand abzuwehren, dabei wurde ihm die hand auch am Wahltage die Arbeiter- Samariter zur Verfügung, um gegen einen Staat", der seine Zolltarife entgegen dem taum abgeschloffenen Zollfriedensbeschluß erhöht habe. Hollands Außenminifter Blokland erklärte, daß gewiffe Mächte", die auf Revision von Berträgen drängten, erst einmal ihren Nationalismus und Profettionismus revidieren müßten. Bellegarde- Haiti sieht in dem Europaplan nur den uneingestandenen Versuch, Europa von der wirtschaftlichen Vorherrschaft Nordamerikas zu befreien, unter der auch Südamerika schwer leide. Der österreichische Bundeskanzler Schober sieht in Briands Plan die Möglichkeit zur Berwirklichung der wirtschaftlichen Bereinigung Europas. Der erste Weg dazu sei das einheitliche Vorgehen für ganz Europa, der aber für viele Staaten zu lang jei. Er halte den zweiten Weg des organischen und synthetischen Zusammenschluffes von Gruppen von Ländern gleicher Bedingungen zu wirtschaft licher Kooperation für raider durchführbar. Dieser Weg beschleunige auch die Erreichung des Gesamtzieles von Baneuropa. Aus den übrigen Reden ist hervorzuheben, daß der Belgische Außenminister Hymans den Standpunkt Briands zur Sicherheitsfrage start unterstrich. Curtius wählt nicht. Die deutsche Abordnung in Genf wird am Sonntag früh mit der Bahn nach Lörrach fahren, um dort ihrer Wahlpflicht zu genügen. Der Reichsaußenminister wird jedoch nicht an der Fahrt teilnehmen, da er mit der Borbereitung feiner Rede befchäftig ist, die er am Dienstag halten wird. 1 In der Oterstraße in Neukölln fielen Kommunisten über den Reichsbannermann Neganz her. Einer der Burschen suchte ihn die Mordwaffe in die Brust zu stoßen. Neganz versuchte brang mit einem gezückten Messer auf den Wehrlosen ein und ver= glatt durch sto che n. Der Verlegte erhielt auf der Rettungsstelle einen Notverband. Leider ist es dem Messerstecher gelungen, unertannt zu entkommen. Am Tegeler Weg in Charlottenburg über fielen dreißig Hakenkreuzler den 39jährigen Reichsbannermann Arthur Müller und brachten ihm schwere Kopfverletzungen bei. Der Haupttäter tonnte später von der Polizei festgenommen werden. Die Festnahme des Barschen war nur dadurch möglich, daß ein Polizeihauptwachtmeister, der in Zivil zufällig ben Ort des Ueberfalls passierte, die Bande mit seinem Dienstrevolver so lange in Schach hielt, bis das alar. mierte Ueberfallkommando zur Stelle war. Außerdem wurde noch ein zweiter Hafentreugler festgestellt, der die Reichsbannerleute mit Dolch und Revolver bedroht hatte. cus In Spandau wurde der 19jährige Walter Schröder der Jagowstraße von Nationalsozialisten durch mehrere Brustschüsse niedergeftredt. Sch. soll der BD, angehören. In einer Kommunistenversammlung im Alten Schüßenhaus" in Spandau wurde der 19jährige Ernst Peter In einer Kommunistenversammlung im Alten aus Spandau zu Boden geschlagen; mit schweren Kopfverlegungen mußte B. ins Städtische Krankenhaus in Spandau gebracht werden. " Der Arbeiter Samariter Bund schreibt uns: Wie bei allen Veranstaltungen der Arbeiterschaft, stellen sich zu begleiten. Wir bitten um rechtzeitige Meldung, möglichst am franke und behinderte Wähler nach ihrem zuständigen Wahllokal frühen Morgen, da erfahrungsgemäß die meisten Anforderungen zum Transport erst in den Nachmittagsstunden erfolgen, so daß es uns sehr oft nicht möglich ist, allen Ansprüchen zu genügen. Damit es uns ermöglicht wird, jedem Wähler zu seinem Recht zu verhelfen, bitten wir, nach oben Gesagtem zu verfahren. Meldungen erbitten wir in nachstehende Lokale gelangen zu lassen: Bezirk Mitte: Große Hamburger Str. 20, 3enttale. Tel.: D 1 Norden 3340. Bezirt Tiergarten: Lotal Rlaufe, Stromftr. 60. Tel.: Sanfa 7007. Bezirk Brenzlauer Berg: Lotal Hoffmann, 2nchener Str. 8. Tel.: D 5 Bineta 2413. Bezirk Friedrichshain: Lokal Busch, Tilsiter Str. 27. Tel.: E 3 Rönigstadt 1105. Bezirk Kreuzberg: Lofal um Urbanhafen", Blanufer 75-76. Tel.: F 6 Bärwald 6386. Bezirt Kreuzberg: Lotal Reichenberger Sof" Reichenberger Straße 147. Tel.: Morisolas 3238. Bezirt Charlottenburg: Bache Ghilletfaal. Tel.: G 1 Gleinplas 6979. Bezirk Spandau: Lotal Matreprange, Bezirk Wilmersdorf: 2otal Rrois, Neumeisterstr. 5. Tel.: Spandau 5237. Solsteinische Str. 60. Tel.: Pfalzburg 1108. Bezirk Schöneberg; Lokal Gehrfe, Ebersstr. 66. Tel.: Stephan 2932. Bezirk Steglig: Lotal Quandt, Bichterfelbe- West, Moltkestraße Ede Sindenburgdamm. Tel.: G 3 2913. Bezirk Tempelhof: Lokal A. Seeger, Mariendorf, Chauffeeftt. 37. Tel.: Gud Tel.: Fi morigplas 12 898. ring 443. Bezirk Neutoun: Lotal Schreiter, Kirchhoffit. 41. Tel.: F2 Neuföln 1607. Bezirk Treptow: Lotal Domnid, Graeg Ede Wildenbruchstraße. Bezirt Röpenid: Lotal Sink, Schönerlinder Straße 5. Tel.: Röpenid 607. Beşir! Grünau- Bohnsdorf: Lotal Seimann, Waltersdorfer Str. 100. Tel.: F3 Grünau 6310. Bezirk Lichtenberg: Lokal Geipte, Kronprinzenstr. 47. Tel.: E 8 Andreas 1220. Bezirk Weißenfee: Botal Stätte, Charlottenburger Str. 3. Tel.: E 6 Weißenfee 377. Pantom: Lotal in der Floraftr. 5-6, bei Mielis. Tel.: D 8 1598. Reinidendorf 0: Riehne, Residensfr. 9. Tel.: D9 Reinidendorf 1897. Bezirk Reinickendorf Best: Lotal Matter, Eichbornftt, 94. Tel.: D9 Reinidendorf 3155. Herms Waidmannshift Rotal Schmiedschte. TeL: Tegel- 687. Bezirk Wedding: Lokal Duwe, Schulftr. 109. Tel.: D 6 5564. Der Weg zur Sozialdemokratie. Der bisherige Borsigende der Demokratischen Partei, Ortsgruppe Pillau, Amtsgerichtsrator: Sotal Goatfe Ede. Tel.:egel 2959. Dr. Bedmann, ist zur Sozialdemokratie übergetreten. Die Wettschau der Briefmarke. „Zposfa' im Zoologischen Garten. Die BriefniorkensreunHe haben hohe Zeit. Gestern mittag wurde in den Räumen des Zoologischen Gartens die „Internationale P o st w c r t; c i ch« n- A u s st e l I u n g" in Gegenwart zahlreicher diplomatischer Vertreter sowie Bries- markcnhändlcr und Sannnlcr unter mancherlei Reden«rüssnet Sie wird vom 12. bis 21. September dauern und bietet den Besuchern den Vicrerblock der neuen Wohlfahrtsmarken in einem besonders roilenoeten Druck zu 1,70 M. Cs ist die größte, die schönste und die wertvollste Briefmarkenausstellung, die je dagewesen ist. Zwei Drittel davon stammen aus dem Ausland. Der Wert der Aus- Heilung wird auf 2 5— 3 0 Millionen Vi a r k geschätzt. Die teuerste und seltenste Marke, die überhaupt und nur in einem Exemplar existiert, die idunkelrote Britilch-Gniana zu 1 Cent von 1856— zuletzt mit 150 000 Marl bezahlt— ist da. Andere seltene Marken, die ausgestellt sind— selbstverständlich in seuer- und diebessicheren Tresoren— wie eine Mauritius-Fehldruck und alt- deutsche Seltenheiten, werden auf 60 000 resp. 20 000 Mark geschätzt. Man sieht daraus, daß das Briefmarkensammeln heutzutage nicht nur eine Beschästiguwg für die Jugend ist, bei der sie immerhin ihre geographischen und geschichtlichen Kenntnisse vermehren und ihren ästhetischen Sinn entwickeln kann, sondern auch ein Sport und vor allem auch eine Geldanlage und Spekulationsangelegenheit für die Erwachsenen ist. Die großen Sammlungen, die. in der Welt existieren, dürsten einen Wert von zirka eine Mil- ! iarde Mark repräsentieren. Die Ausstellung bietet auf etwa 2000 Quadratmeter Fläche und 50 Vitrinen«ine Fülle der großen Seltenheiten in einzelnen Marken, in Bogen, in Ganzsachen usw. Zwanzig Staaten haben Ausstellungen ihrer Postverwaltungen eingerichtet. Man kann hier die Entstehung der Briefmarke von der Zeichnung bis zum fertigen Druck ausgezeichnet studieren. Aehnlich wie seinerzeit die Tulpenzucht in Holland ist heute das Briefmarkensammeln in mancher Hinsicht z u einer aus- gesprochenen Narret ei ausgeartet. Man findet pracht- volle Beispiel« dafür in der Ausstellung, wenn die Sammler ver- suchen, mit einem ungeheuren Aufwand von Geduld und Scharfsinn ganze Plattenserien wieder zu rekonstruieren, und mit allem tech- nischen Raffinement darauf aus find, neue Abarten festzustellen und durch die Entdeckung von Fehlern neue Seltenheiten zu kon- struieren. „pierrot Lunaire." Die Funkstunde sendet Arnold Schönbcrgs Melodram„Pietrot Lunaire". Mit der grundmusikalischen, meisterhasten Sprecherin Erika Wogner und unter der Leitung Erwin Steins, der den un- endlich diffizilen Apparat der sünf Soloinstrumente mit Ueberlegen- heit lenkt, in ausgezeichneter Wiedergabe. Vielleicht Schönbergs glücklichste Schöpfung, heute sein sozusagen„populärstes" und in seiner Art beinahe ein klassisches Werk, in der Tat rundfunkreif ge- worden— wenige Werke der neuen Musik sind umkämpft worden wie dieses, das einen großen Teil ihrer Entwicklung vorweg nahm. Es ist nicht lange her, daß die Opposition nach jedem Gedicht tobte, Die Kugel rollt! Das„Dritte Reich" in zwei Etagen Oben das Epießerlokal, unten die Wachtsiube/ Wenn Hitler vor Oöberih steht „Unsere Chauffeure find alles russische Fürsten" Mitten in den Bürgerblock! in jedes Gedicht hinein— und Opposition war der größte Teil des Publikums: das schlechthin Unverständliche lehnte man ab. Und heute? Man hat inzwischen diese Musik nicht„verstehen" gelernt"; denn den Schönberg des„Picrrot Lunaive" analytisch verstehen, ist Sache eingehendsten fachmännischen Studiums. Aber es kommt eben nicht aufs„Verstehen" an, sondern auf das willige liingegeben- sein: das ist es, was man vllmöhlich gelernt Hot: der Widerspruch verstummt, je mehr der Kampf um die„Richtung" an aktuellem Interesse verloren hat. Eine seltsam zwingende Kraft geht von diesen Gebilden aus. Man sollte nicht versuchen, ihr Zu widerstehen — obgleich die Idee, diese Gedicht« von Pierrdt im Mondschein solcher Art in Musik unxzufetzen, einer Zeit angehört, deren Aesthe«- zismus uns fremd anmubet.__ K. P. Wilhelm Klatte gestorben. Der bekannte Berliner Musikschriftsteller und langjährige erste Musikkritiker des„Berliner Lokal-Anzeigers", Prof. Wilhelm Klatte, ist gestern früh, 60 Jahre alt. einer Lungenentzündung erlegen. ?lls Kritiker vertrat er eine gemäßigt-konservativ« Richtung: der Entwicklung der modernen Musik nach Richard Strauß vermochte er nicht zu folgen, aber er hatte immer«ine noble, niemals verletzende Art, feina ablahnende Hakwng.zmn Ausdruck zu bringen. „Deutschland erwache! Heil Hitler! Liste 9!" So schreien die Schilder an den Pfeilern und über den Fenstern des Afrika- Kasinos: daneben find große Seiten des„Völkischen Beob» achters" zur Lektüre und als Anreiz für Vorübergehend« ange- schlagen. Vor der Kneipe ein Haufen junger Menschen, teils im braunen Hitler-Hemd, teils schon ganz stilecht als Schwarzhemden: sie wären ja keine braven Deutschen, wenn sie nicht ihr Ideal ausJtalien bezögen: und außerdem ist es billig und schmutzt nicht. Wahrscheinlich kommt die Ersparnis an der Wäscherechnung auch dem KampfföNds zugute, ebenso wie ein Teil des Erlöses aus dem Berkauf der Karten mit den Köpfen der Führer: Diese Galerie schöner Männerköpfe klebt unter dem„Völkischen Beob- achter", Adolf Hitlers mussolinisch ausgeschminkter Pvmadenkopf, Goebbels, der bchakenkreuzte Jüngling aus der Konfektion und Münchineyers fuchsiges Tartusfe- Gesicht. Wir versuchen anoe- strengt durch die Lektüre der Probeseiten uns in den passen- den Geisteszustand für den Besuch des Lokals Zu versetzen, aber es will uns nicht gelingen: und so haben wir, als wir uns end- lich durch die schmale Tür zwän- gen, wirtlich Bedenken, ob man uns an unseren nüchternen Au- gen und hellwachen Mienen nicht gleich den Wolf in Schafs- k l e i d e r n ansieht. Gleich hinter der Tür kommt die erste Ueberraschung: Diese Kneipe ist«ine wahre Burg Malepartus. Eine schmale Stiege führt aufwärts in das Kasino, in dem die besseren Leute sitzen. Hier konzertiert natürlich' ein russisches Balaleikaorchester, denn diese streng nationalen Leute haben natürlich Noch nichts von der Rot unserer BerufsMufiker gehört und sind begeistert bei dem Gedanken, daß ein wahrhastiger Fürst — und wenn's man bloß ein georgischer ist sich herabläßt, vor ihnen Musik zu machen. Dos Publikum sitzt ernsthast und gemessen herum: Die älteren Herrschaften sehen wie Studienräie, die jüngeren wie verhinderte Reserveoffiziere aus. Hier ist sozu- sagen die Renommierfalle der Nazis für harmlose Bürger» wer sich hier herein verirrt, kommt sicher mit der Meinung heraus, daß man den armen Nazis schrecklich Unrecht tut, denn die Herrschaften hier drin benehmen sich wie die neuinstruierten Faschisten in Ita- lien, die nun für die Hebung des Fremdenverkehrs sorgen sollen. Aber das ist ja, wie gesagt, erst die eine Seite der Sache. Die andere entdeckt nur der, der sich gleich nach links wendet und eine ebenso schmale Kellerstiege runterkleitert: Hier ist sozusagen die„Wachtsiube". Ein auf Bockbiergemütlichkeit zurechtgemachter Kellerraum, Papier- pirlanden an den Wänden und Zithermusik. Das Publikum unter- scheidet sich wesentlich von dem in den oberen Räumen: hier ist man unter sich. Keiner sitzt mehr ernst und gemessen hinter seinem einsamen Glas Bier, olles rubelt sich zusammen. Man redet von den glorreichen Taten, die Man vollbracht hat und die man plant — hier ist das Quartier der Wache und der Sturmtrupps. Während wir sriedlich vor unserem Bier sitzen, kommt gerade eine solch« Horde wilder Nazis herein: Alles junge Burschen, kaum einer hat das zwanzigste Jahr überschritten. Es findet ein richtiger Appell statt mit Hackentlappen, Knochenzusammen- reihen und allem, was dazu gehört. Aufgeregt schwatzt man dann durcheinander, erzählt von Gummiknüppel und Revolvern, bis sich endlich der ganze Trupp in eine abgeschlosiene Nische zurückzieht, zu der kein Unberufener Zutritt hat. 5?int«r dieser Nische liegt übrigens der Nerbindungsgang mit den oberen Räumen, in denen diese irregeleiteten Kleinbürger anscheinend nicht gern geduldet werden. Plötzlich aber gibt es Alarm; irgendeiner hat von der Keller- treppe herunter das Wort„Kommunisten" in den Keller gerufen. Sofort drängt olles hinaus. Wir stehen allein mit dem Verkäufer der Propagandakarten und den bayerischen Musikern. Bescheiden erkundigen wir uns, warum denn alles hinausstürmt;" da kriegen wir die Antwort, daß man doch aufpassen müsse, wenn die etwa st ü r m e n wolltenl Wir Nehmen die Räuberromantik nicht so ernst, wie die Iungens, die jetzt mit erregten Gesichtern auf der Treppe stehen. Aber weil unsere Rechnung schon gemacht ist und wir auch genug von dem Laden haben, so verlasien wir das Lokal. Und auf der Treppe bemerken wir, daß nur die Gäste des Wacht- kellers in Heldenpose sich um den Eingang geschart haben. Die besseren Leute oben im Kasino wurden anscheinend von der ganzen Aufregung nicht im geringsten berührt. Ruhig sitzen sie vor ihrem guten Glas Bier, vor ihren gut gefüllten Abendbrottellern, wäb- rend sich unten der Sturmtrupp ausstellt, um lodesmullg da» Lokal zu verteidigen. Und so wird mir, während wir in die Rochtluft hinaustreten, dieses „Afrikakasino" zu einem bleibenden Symbol für die nationalsozio- listisch« Bewegung... Aber gerade um diese» intrresionten Gegensatzes willen haben wir nun Luft bekommen, rnol das Dritte Reich zu entdecken: Zum mindesten seine Keimzellen, die sich hier und da unter uns ent- wickeln. Und so fahren wir weiter gen Westen: Da liegt, ge- rade vor einem immer recht gut beschickten Droschkenhalleplatz,«ine Konditorei. Bon morgens bis abends ist der langgestreckte Raum nie ohne Gäste. Alle kennen sich, grüßen sich: immer wie- der sondern sich ein paar der jüngeren Leute ab, setzen sich an einen Tisch zusammen und beraten mit Flüsterstimm« fabelhafte Aktionen. Abzeichen sieht man hier selten, Und dann auch nur in der diskreten Form der kleinsten Aufschlagnadel: es hängt auch kein« der üblichen nationalsozialistischen Zeitungen aus, die Lek- türe ist auf den ,Lotal-Anz«ig«r" und die„Nach taue- Aackre" beschränkt, manchmal wird sog««in Ullst�in-Bla-tt geduldet. Denn diese Kneipe soll ja nicht öffentlich als dos gekenn- zeichnet werden, was sie oft genug ist: Als eine Art Stabsquorlicr— darum wird sie„getarnt". Von hier aus gehen die unsichtbaren Fäden zur„Sportklaufc", dem Sturmlakal und den anderen Hakenkreuzkneipen der näheren Umgebung: und von hier aus können mit ein paar ganz unver- dächtigen Tclephonaten oder durch einen Boten schnell aus diesen Kneipen die„Rollkommandos" zusammengestellt werden, die in Fällen höchster Eile sofort auf einige der wartenden Autos ver- frachtet werden. Hier gibt es immer genug Ehauffeure, die eine solche Fuhre nicht ablehnen: Denn dieser Halteplatz ist bei den russischen Chauffeuren ganz besonders beliebt. Rur ein paar Schritte weiter: Da liegt das Sturmlokal, die „S p o r t kl a u se". Es ist nun doch, durch die„Lohnbewegung" der Sturmabteilungen, bekannt genug geworden und so legt man keinen Wert mehr darauf, es zu tarnen. Also kleben wieder Fenster und Pfeiler voll von Plakaten, Bildern aus dem„Illustrierten Be- obachter" und sonstigem Propagandamaterial. Wir lassen uns an- locken und sind nun ganz zwei behäbige, politisch leicht zu beein- flussende Bürgersleute. Als wir uns gar über die Aufmachung einiger Bilder lobend aussprechen, erscheinen wir sturmreif. Schon drückt einer der Wachtposten meinem Begleiter einen„Illustrierten Beobachter" in die Hand; nun wagen wir es, einzutreten. Die Stampe ist dreckig wie eine c ch t c W a ch t st u b e: die Gäste sind junge Burschen, Jahrgang 1912 dominiert. Alle sind aus zackig und knorke zurechtgemacht, man trägt Räuberromantit und zwei- martstückgroße Abzeichen. Auf einem der schmierigen Sofas sitzen einige der Räuberbräute, arme, verhungert aussehende Nutten. Auf dem verstimmte» Klavier hämmert einer das schöne Lied von dem treuen H'.-saren. Bon der Wand grüßt das Bild Hitlers, Haken- kreuzfähnchen und Plakate tun das übrige, um die Begeisterung anzuschüren. Man spielt begeistert Krieg. Alle Augenblicke schreit einer „Wache raus!" Wir sitzen brav und artig an unserem Tisch und fangen ein Wahl- gespräch an, in besten einetseiis und ondererseiis wir uns ver- heddern; es scheint dringend geboten, uns aufzuklären. Und so sitzt denn bald einer der Jünglinge an unserem Tisch. Meinem Begleiter wird ein Exemplar von Goebbels„ABC des National- sozialisten" in die Hand gedrückt. Dann legt der Aufklärer los: „Also, wenn wir 60 Mandate für den Reichstag haben, dann kann keine Regierung gebildet werden! Dann ist im Frühjahr Hitler da. dann steht er in Dölrerih!" Als diese Aussicht allein nicht genügend erscheint, uns alle anderen Argumente zu ersetzen, muß sich der Aufklärer doch bequemen, uns noch einige Details zu geben.„Dann gibt's keine Arbeitslosen mehr, die stecken dann alle in den Kasernen! Wir kümmern uns nicht um Versailles, wir bezahlen keine Schulden— bloß die Nachkriegsschulden, die auf der Industrie liegen. Und wenn die andern sie holen wollen, denn soll'» sie man kommen! Jede Wurstfabrik ist in 24 Stunden auf Kanonen umzustellen, in einem Monat haben wir vierzig U-Boote fertig. Und wenn wir denn mir Italien und Rußland zusammenstehn, dann soll'n�di«�- Franzosen man kommen! Die könn' uns gar nischt mit ihren pitstb'" Regimentern! England wartet ja bloß darauf, das steht total auf unserer Seite(Herrgott— wo habe ich das bloß schon mal ge- hört...„Blut ist dicker als Wasser?"). In Rußland geht die Re- volution los, mit unserer Hilfe: wir haben hier so viel russische Fürsten und Grafen, olle unsere Thausseure hier sind russische Fürsten. Denn wird man mal was erleben— wir schmeißen ja die Juden bloß raus, denn haben wir keine Wohnungsnot mehr, die müssen runter vom Kurfürstendamm, alle in Baracken— aber in Rußland werden alle abgeschlachtet, mindestens 10(WO werden draufgchon! Und die Rüsten gehen mit uvs zusammen— denn sollen sie mal kommen, Schulden holen! Es wird gleich eine neue Währung angefchaffl und alles jetzige Geld für ungültig er- klätti"— Wir versuchen einige sanfte Einwände: Ob wir denn der ganzen Welt widerstehen könnten— wir hätten doch weder Waffen noch Heer... Da gerät der Jüngling ober beinahe in Wut:„Waffen! Waffen brauchen wir ja gar nicht so viel! Bloß M.-G's. und leichte Geschütze— und Menschen haben wir genug! Alle Arbeitslosen— alle Arbeitslosen.. und nun entwickelt er ein Kriegsprogramm, wie es sich in diesen Schädeln noch heute malt: Bon Flugzeugen und Gasangriffen hat dieser Jüng- ling anscheinend noch immer keine Ahnung— es ist genau noch der frisch-fröhliche Krieg von Anno dazumal, für den wir uns auch in unseren Lesebüchern begeistern lernten.' „Wache raus!" Wieder strömt alles auf die Straße. Wir bc- nutzen die Pause, um zu zahlen und uns auf die Socken zu machen. Wir haben genug von den Zukunftsbildern... wem sie gefallen, Ver kann ja am Sonntag Liste 9 wählen. Aber mahnend taucht eine Frage In uns auf: Wie war es möglich, daß diese Jugend in den Schulen der Republik heranwachsen tonnt«? Wir werden UNS doch nach den Wahlen wohl einmal ernst- lich über eine Bereinigung unserer Schulen unterhalten müssen— wenn wir das unsrige getan haben, um eine sozialistische Linke zusammenzubringen, die stark genug ist, Schluß mit den Hirnge- spinsten dieser mihbrauchien Jungen zu machen. r. r. Oer„Ourchbruch" bei Karstadi. Es wurde ein Durchfall daraus. Am Freitag bracht« die„Rote Fahne" einen Angriff gegen das Warenhaus Korstadt mit der Ucberschrift:„Durchbruch bei K o r st a d t", als Einleitung z» einem Vorstoß, der aM Abend vor sich gehen sollte. An der Propaganda sür den Besuch der Betriebs- Versammlung in.KlteMs Festsälen hatte es die„Revolutionäre| Geverkschastsopposition" wirklich nicht fehlen lasten. Dia„Revolutionierung" der Karstadt-Angestellten mußte jedoch bis auf weiteres vertagt werden, da nur etwa 20 Persönenn sich' zu der Riesenkimdgebung eingefunden hatten Volschewisten enthüllen Bolschewismus. In dem Artikel dieses Titels im„Abend" vom 12. September sind zwei sinnstörende Druckfehler stehen geblieben. Es muß heißen, daß der Direktor der Londoner Arkos Nicht durchsetzen konnte, daß diejenigen, di« die Waren abnehmen, nicht identisch sein dürfen Mit denen, die sie kaufen. Weiter unten steht, daß die GPU. nach Brunowski jährlich durchschnittlich 330000 Urleile fällt. Es handelt sich mü 35 000 Aus der Art des Satzes(Zwischenraum zwischen 5 und 0) geht hervor, daß es sich um einen reinen Druckfehler handelt. Di« Zahl genügt und bedarf fem« Zusatzes. F. St. Ein famte fortrittiche Arbeitsrecht folgen. Eine noch nicht fehr ferme Bergangenheit hat gezeigt, daß in der Hermann- Müller- Regierung Vorschläge zum Erlaß sozialreaktionärer Maßnahmen, zu denen ba ftimmte Kreise auch die damalige Regierung zwingen wollten, den Beg wohl bis zum Reichskabinett, aber nicht aus ihm heraus fanden, und zwar dank der tonsequenten Haltung der sozialdemo fratischen Minister. Für die Arbeiter, die in den letzten Monatem zur Genüge kennengelernt haben, was es heißt, ob im Reiche mit: Cautsprecher Auto ber Sozialdemokratie oder gegen fie regiert wird, fann es der Partei auf der Propaganda fahrt in den Straßen Berlins Auf dem Posten bis zuletzt Die Massen strömen uns zu Säle find überfüllt. Parallelversammlungen müffen ftatf--| spielt sich meist hinter den Kulissen ab, im Sozialpolitischen Ausfinden. Zu den Demonftrationszügen drängen fich die Teilnehmer, schuß des Reichstags, in dem die Kommunisten freilich oft nicht zu Männer der Arbeit, Männer der Feder, Frauen und Jugendliche. finden sind. Die Tatsache, daß die bürgerliche Mehrheit Radler und Motorfahrer ziehen hinaus ins Cand. Ein ganzes Flug- im Reichstag jeden Arbeiterantrag niederstim men zeuggeschwader fehrt heim und seine Führer bringen triumphierend fann, zeigt, daß es nicht darauf ankommt, den Mund aufzureißen Kunde von der herrlichen Stimmung im ganzen Reich. Eine ungeheure Bewegung hat die Maffen gepact. Zehntausende werden Teile der Bürgerlichen loszulösen und so Erfolge für die Arbeiter und Agitationsanträge zu stellen. Man muß vielmehr versuchen, diese Nacht nicht schlafen, um morgen früh die ersten an der Wahl- fchaft zu erringen. Vor allen Dingen darf man es nicht machen wie urne zu sein, ihre Stimme für Liffe 1 der Sozialdemokratischen die Kommunisten, einen Antrag auf Reform der Krankenversicherung Partei abzugeben und sich dann zur Wahlarbeit zur Verfügung zu zu einer Zeit stellen, in der Reformen nur Verschlechterungen stellen. werden können. Im Sozialpolitischen Ausschuß haben die Kommu nisten gegen die von Wissell vorgeschlagene Niederschlagung der an die Reichsanstalt gegebenen 450 Millionen gestimmt, und es ist nichts als eine demagogische Phrase, wenn sie dafür die Begründung geben, die Arbeitslosenversicherung dürfe nicht gefährdet werden. Die neueste parole der Kommunisten fordert von den Krankenfaffenausschußmitgliedern, sie sollen die Notverordnung nicht durch führen. Wenn das aber geschieht, wird sie von der Aufsichtsbehörde eingesetzt, und es besteht dann nicht einmal die Möglichkeit, die gegebenen Vorteile auszunuzen. So wirken sich die kommunistischen Parolen immer zum Schaden der Arbeiterschaft aus. Vorwärts! Borwärts! Es gilt einen letzten Anffurm! Der Sieg muß unser werden. Jeder sei auf dem Posten bis zuletzt. Dittatur, die Staatsform der Analphabeten. In Friedrichsfelde sprach vor überfülltem Saal der Präsident des Preußischen Landtages, Genoffe Bartels. Er beschäftigte sich vor allem mit den Dittaturbestrebungen. Wir haben bereits einen Vorgeschmack von dem bekommen, was uns eine Diktatur bringen wird. Die Regierung Brüning scheute nicht vor einem Verfassungsbruch zurück, um ihre reaktionären Steuerverordnungen in Kraft zu sehen und das Brogramm der fonsequentesten Vertreter einer Rechtsdiktatur der Nationalsozialisten enthält als eine der häufigsten Punkte die Todesstrafe. Weiter geht die Regierungskunst dieser Herr. schaften nicht. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Frage der Diktatur ist eindeutig. Wir bekämpfen die kapitalistische Wirtschaft und Gesellschaftsform, aber wir laffen an der demokratischen Staats: forift nicht rütteln. Die Dittatur ist die Staatsform der Analphabeten, aber sie ist eines intelligenten und aufgeklärten Volkes unwürdig. Auch in dieser Zeit der Krise darf das deutsche Volk nicht den Kopf verlieren, es muß bei der Fahne der Sozialdemokratie bleiben und mit ihr den Kampf gegen Faschismus und Diftatur für den Sozialismus führen. Es geht um die Sozialversicherung. In einer von der sozialdemokratischen Betriebsfraktion der Reichsdruckerei für die Arbeiter der Reichsdruckerei veranstalteten Versammlung sprach Genosse Karl Litte besonders über der Kampf um die Sozialversicherung. Dieser Kampf Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 13 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 13 20 Uhr Der Sonnab., 13. 9. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Doge und Liebestrank Dogaressa Ende g. 222 Uhr Ende g. 222 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik. R.-S. 71 20 Uhr Die Fledermaus Ende 23 Uhr ( am Gendarmenmarkt). A.-V. 12 20 Uhr Oedipus Ende n. 222 Uhr Staat. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 2212 Uhr Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts 8% Das häßliche Mädchen Englisch Roberts Riemann. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Lustige Witwe Hesterberg, Hansen, Arno, Schollwer, Jankuhn, Schaeffers, Winkelstern, Desni. REGIE CHARELL SCALA Tägl. 5 u. 8, Uhr. B 5 Barb. 9256 Pr. 1-6 M. Nachm. halbe Preise. Norman Thomas Quinlell, 2 Pierrolys, The Jovers, Alfred Jackson- girls usIO. PLAZA Tag. 5. 815 Sonnt. 2, 5 u. 8 15 Alex. E 4, 8066 Claire Waldoff, Leo Morgenstern, Achilles u. Newman usw. 34 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Lothringer Straße 37. Für unsere Leser: Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Der Possen- Schlager Der selige Hollschinsky und ein erstkl. buntes Programm. Reichshallen- Theater Abends 8 Sonntag nachm. 32 Stettiner Sänger Das gr. September- Progr. mit ..Laß Blumen sprechen" Nachm. halbe Preise! Zentr. 112 63, Dönhoff Brettl: Das beliebte Familien- Varieté Barnowsky- Buhnen Metropol- Theater Theater in der Stresemannstr. Täglich 84 Uhr Marguerite: 3 Lustspiel von Schwiefert Komödienhaus 84 Täglich 814 Konto X von Bernauer und Oesterreicher Täglich 84 Uhr Sensationeller Operettenerfolg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria und ihrHusar Sonntag 5 Uhr kleine Preise Friederike von Léhar. Die Belegschaft von Aschinger für Liste 1. Belegschaft des Aschinger- Konzerns, die der Zentral Einen eindrucksvollen Verlauf nahm die Wahlfundgebung der verband der Hotel, Restaurant- und Caféangestellten nach dem Hackeschen Hof einberufen hatte. Die Referentin, Genossin Klara Bohm- Schuch, verstand es ausgezeichnet, der Bersammlung überzeugend vor Augen zu führen, was es für die arbeitende Bevölkerung bedeuten würde, wenn durch die Entscheidung des Volkes nicht hinweggefegt werden sollte. Lebigensteuer, Stopfsteuer, Abbau am 14. September die arbeitnehmerfeindliche Bürgerblockregierung der Arbeitslosen- und Krankenversicherung wären dann bestimmt noch Bagatellen gegen das, was der Arbeiterschaft von einer auch nach der Wahl am Ruder bleibenden Bürgerblockregierung blühen würde. Den bisherigen sozialreaktionären Maßnahmen der Brüning- Regierung würde nicht nur unter stillschweigender Dul dung, sondern mit Unterstützung der Regierung großangelegte Angriffe der Unternehmer auf die tariflich geregelten Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiterschaft und auf das ge= Jrene Triesch als Jsabella In der ,, Braut von Messina" täglich 815 Uhr, Sonntags 515 und 9 Uhr, im ROSE Theater Gr. Frankfurter Str. 132 Billettkasse: Alex. 3422 u. 3494 Auf der Gartenbühne bis 15. September täglich 5 Uhr die glänzende Varietéschau und ,, Etappe“ oder ,, Onkel Gustav schreibt k. v." Winter Garten 8.15 Uhr Rauchen erlaubl Hans Kolischer, Argentino. Jda und Evelyne Duffek. Neville Bishop usw. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 815 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Theater am Bülowplatz. 81 Uhr 81 Uhr Volksbuthne Deutsches Theater 1914 Der fröhliche von Georg Wilhelm Müller Regie: Gustav Gründgens. Weinberg am Sonntag feine andere Entscheidung geben, als restlos für die Sozialdemokratische Partei zu stimmen. Die lebhafte Zustimmung | der Versammlung zu den Ausführungen der Referentin zeigte, daß auch die Belegschaft des Aschinger- Konzerns in ihrer großen Mehrheit zur Sozialdemokratie steht. Die Gegner fneifen. Die in der Schulaula in der Schönfließer Straße von der 31. Abteilung des Kreises Prenzlauer Berg einberufene öffentlichen Wählerversammlung wies einen so starten Besuch auf, daß der etwa 500 Personen fassende Versammlungsraum schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung überfüllt war. Die Ausführungen des Referenten Genossen Faltenberg wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Troß mehrmaliger Aufforderung meldete sich von den anwesenden Gegnern niemand zum Wort. Rote Fahnen über Schöneberg. Der 11. Rreis Schöneberg veranstaltete am Freitag den legten seiner Berbeumzüge. Kurz vor dem Abmarsch steht der große Winterfeldtplaß schon voll von Menschen, doch immer neue Massen schließen sich an. Gegen den tiefdunklen Nachthimmel im Schein lodernder Fackeln brandet das Meer roter Fahnen. Der Wind bauscht sie weit wie Segel über die Köpfe. Groß ist die Zuversicht dieser bewegten Kräfte, die sich zum Ziel gesezt haben, begrüßt. Selbst der" Wedding" in Schöneberg, die Bahnstraße und der Reaktion einen Damm entgegenzusehen. Freudig werden wir umliegende Gegend ist erstarrt von diesem imposanten Eindruck des Riefenaufzugs der SPD. Bahn, findet die Demonstration ihr Ende. Mit zündenden Worten Am Leuthen Play, jenseits der daß jeder seine Pflicht erfülle ,, gemäß der Aufschrift auf einem richtet Genosse Wendt einen letzten Appell an alle Anwesenden, Transparent: Fühlst wirklich du des Volkes Weh, Wählst du mit uns die SPD.! * Wahldemonstrationen von seltener Einheitlichkeit und Geschloffenheit fanden in den beiden Reinickendorf statt. In Reinidendorf- Ost sprach in überfülltem Gaal Genoffin Bohm- Schuch und hatte mit ihrer gewinnenden Art im Flug die Herzen aller, besonders aber der Frauen für sich. In Reinidendorf West richtete Genosse Robinson an die zahlreich Erschienenen die eindringliche und ernste Mahnung, alle Kräfte antzuspannen, um den Sieg an die Fahne der Sozialdemokratie zu heften. Die sich an die Versammlungen anschließenden Demonstrationszüge waren von allen Wählerdemonstrationen zweifellos die bedeutendsten und schönsten. M In einer SPD.- Fraftionsversammlung, an der auch zahlreiche Sympathisierende teilnahmen, auf dem Bahnhof 3, Nordend, in Kliems Gesellschaftshaus, Blankenfelder Straße, referierte der Stabtverordnete Amberg über die Bedeutung der Reichstagswahlen für die Angestellten und Arbeiter der BVG. Die Fraktionsversammlung nossen Amberg fand außerordentlichen Beifall. Eine Diskussion war von 150 Männern und Frauen besucht. Das Referat des Gefand nicht statt. In der Versammlung waren das gelbe Betriebswesend, die troz Aufforderung des Referenten, doch ihre Meinung ratsmitglied Peters und drei Kommunisten des Bahnhofs 3 an= zu seinen Ausführungen zu sagen, das Wort nicht ergriffen. Durch den Fraktionsvorsitzenden wurde die Versammlung mit einem kurzen Hinweis auf die Bedeutung des 14. September geschlossen. Die Veranstaltung hat von neuem bewiesen, daß die BVG.- Ange= stellten und Arbeiter zu der Liste 1 stehen. Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Berliner Prater Sommertheater Humb. 2246 Lustspielhaus Rose- Theater Täglich 8 Uhr Gr. Frankfurter Str.132 8.15 Uhr: Braut v. Messina Kastanienallee 7-9 Meine Schwester Tel. Alex 3422 u. 3494 und ich Musik von Benatzky Lory Leux. Täglich 8 Uhr Trade Schröder, Inge Karlsen, Eugen Kottai, Erwin Hartung in von Carl Zackmayer Kammerspiele ,, Die kleine Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Der Mann mit dem Klepper HAUS VATERLAND fas KURFORST 7460 8% Uhr Sünderin" Die Schule Schwankoperette in 3 Akten v. H. Zerlett u. W. Prager. der Frauen von Molière. Regie: Hans Deppe. Die Komödie 84 Uhr Der Diener zweier Herren von Goldoni Vergnugungs Regla: Max Reinhardt. Restaurant für JEDERMANN BETRIEB KEMPINSKI K Deutsches Künstler- Theat. Tel. Barbarossa 3937 812 Uhr Zimmer: 1Bett Mk.7,-bis 11. Betten 13- bis 22Bad: Mk.3- Salon: 10 Keine ehöheren Preise Eine Großmacht europäischer Musik von Jean Gilbert. Theater am Kottb. Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 Uhr EliteSänger Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Die lieben Verwandten. Zum Schluß: Pinselheinrich's Himmelsklause! Komische Oper 812 Uhr Die Frau Hotels ohne Kuss Berlin Hon Lanh an Operette v W. Kollo Letzte Auffrung! EXCELSIOR Auch Sonntags nachm. 3 Gastspiel, der LudwigThoma- Bühne Magdalena Renaissance Theater Steinplatz 6780 9 Uhr Die Wunder- Bar Revuestück zu kleinen Preisen Am Wochenende in den LUNA Sonnabd.: Sondertag, Berl. Hausfrau Brillant- Feuerwerk Sonntag: KONZERT, VARIETE Rassehund- Ausstellung am 11. u. 12. Oktober im Lunapark. Geschäftsst.: G.Ulitzka. Röntgental b.Bln. Kurt von Möllenhof. Lessing- Theater Weidendamm 2797 u. 0846 Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne Gartenbühne: 5.15 Uhr: Theater am Schiffbauerdamm Tägl.8% Uhr Feuer aus den Hesseln! von Ernst Toller. Regie: Hans Heinrichs. Konzert u. Bunter Tell Bühnenbilder: Cast. Neher. 8.15 Uhr: Etappe. Neues Theater am Zoo Am Bahnh. Zoo. Stpl. 6554 Täglich 8 Uhr Vorverkauf ununterbrochen. Tel.: D. 1. Nord. 0281 u. 5813 KLEINE ANZEIGEN Des Kaisers Lommel in der Gesamtauflage Kulis von Th Plivier. in der Posse des Vorwerts" sind Regie: Erwin Piscator. Herr Amor persenlich. Sonntag 3 Uhr Des Kaisers Kulis Rundfunkhörer halbe Preise. besonders wirksam und trotzdem schr billig! ergnügen am laufenden Band Dorinas Konzer hous CLOU in neuer Gestaltung eröffnet! iBetlage Sonnabend, 13. September 1930 SprftbpnO *6* nofvtasG KriegskartewirdKulturKarte Aus der Geschichte der Kartenaufnahme Die Karte ist ein notwendiger Ausflugs- und Reisebegleiter ge- worden und genaues Kartenlesen eine selbstverständliche Fertigkeit. Das war nicht immer so. Vor dem Kriege noch dienten Kartenwerke in erster Linie den militärischen Interessen. So führte die Karte im Maßstab 1: 100 000 allgemein den Namen..Generalstabskarte" und trug den Aufdruck ..Nur für den Dienstgebrauch". Für Geschäfts- und Privatbedürf- nisse genügten die großen Uebersichtskarten. An Spezialkarten waren nur die Behörden und Gelehrten interessiert, vor allem aber die Militärs. Aus dem militärischen Gesichtspunkt ergab sich aber gleichzeitig das Bedürfnis, die Spezialkarten geheimzuhalten. Eine Veröffentlichung genauer Karten lieferte dem Feinde ja die begehrte Kenntnis des Geländes, war also Landesverrat! So hatte beispielsweise Friedrich II. in seiner Plankommer, die streng geheim blieb, die besten Karten der preußischen Länder. Die zahlreichen Neuaufnahmen gelangten selbst an die höchsten Ver- waltungsbehörden nur vereinzelt in handschristlichen Kopien. Jeder Krieg wurde für die Kartierung des besetzten feindlichen Gebietes ausgenutzt. Die Napoleonischen Kriege brachten für die Kartenmacher gute Zeiten. Der Feldherr der neuen Strategie unter- nahm keinen Feldzug, ohne von einer Schar von Kartographen, olles Offiziere seiner Kartenabteilung, begleitet zu sein. Die mit- geführten Karten der Länder, auf denen die Entwürfe der Feldzüge genau eingetragen waren, wurden oerbessert und ergänzt. Länder wurden völlig neu vermessen und aufgenommen, zahlreiche alte Karten neu verarbeitet und wiader vorgelegt. Der gigantische Plan einer großen Karte von Europa 1: 100 000 stürzte mit dem Korsen, aber die großen Fortschritte der Kartenaufnahme blieben. Mit Heßtisch und Triangel Es bedurfte jedoch noch einiger wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie der Erfindung und Anwendung der Lithographie, um die heutigen guten Karten darstellen und in billigem Druck liefern zu können. Die Berechnung der Höhenlinien(Isohypsen), die Er- sindung der Schrasfen zur Gebirgs- und Höhcndarstcllung und nicht zuletzt die machematischen Leistungen eines G a u ß haben den Weg lüerfür frei gemacht. Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahr- Hunderts datieren die Arbeiten der neuen Vermessungen auf Grund dieser Fortschritte der reichsdeutschen Landesaufnahme. Die Grundlage ist das Meßtischblatt, das bei uns im Maßstab 1: 2S 000 erscheint. Die Ausnahme eines Geländes ist heute eine verhältnismäßig einfache Sache. Ueberall im Lande stehen die bc- kannten trigonometrischen Punkte. Die Punkte erster Klasse haben genau« Höhenlagen, die ständig nachgemessen und kontrolliert werden. Zu ihnen in bestimmten Abständen stehen die Punkte zweiter Klasse, beide Arten zusammen bilden die Hauptstützpunkte der Vermessung. Es sind meist eingemauerte Steine, feste Punkte oder Gerüstbauten. Hinzu treten die Punkte dritter Klasse als Hilsspunkte. Die Lage der Hauptpunkte ist genau nach Länge und Breite bekannt. Sie bilden ein Netz über fast olle Kulturstaatcn der Erde, das nach astronomische» Berechnungen genau aufgestellt und gezogen ist, ein Netz, dem aus den Karten das bekannte Gradnetz entspricht. Soll nun ein Gelände aufgenommen werden, so wird der Meßtisch — eine bewegliche Zeichenplatte mit Lot— auf solchem Punkt auf- gestellt. Von diesem Punkt wird nach einem in kurzer Entfernung liegenden anderen Punkt in gleicher Ebene, ein Haus, eine Höhe und dergleichen, der genaue Abstand gemessen. Die Linie A. L ist die Vermessungsbosis. Jetzt werden von A im Rahmen des Meßtisch- blatte? die verschiedensten Erscheinungen im Gelände, eine Mühle, eine Kirche, eine Höhe, eine Wegkreuzung, eine Waldecke, anvisiert, der jeweilige Winkel zur Basis mit dem Theodoliten gemessen und der Wert notiert. Das gleiche geschieht vom Stadpunkt B. So entstehen viele(gedachte) Dreiecke, von denen immer eine Linie, die Basis, und die Winkel bekannt sind. Man kann also nun die Eni- fcrnung und die Lage der anvisierten Punkte 1. 2, 3, 4 genau bestimmen und im gewünschten Ntaßstab auf dem Meßtischblatt ein- tragen. Jetzt werden von diesen derart bestimmten Punkten wiederum andere Punkt«(I, II, III, IV) bestimmt, bis ein ganzes Gerippe von zahlreichen Bestimmungspunkten und Entfernungen vorliegt. Nach diesen Punkten wird nun noch der Anschauung das Gelände ausgcsüllt, die Höhen werden gemessen und eingetragen, die Besitz- und Vcrwaltungsgrenzen, die Grundrisse der Häuser usw. nach den Katasterkarten berichtigt und das Meßtischblatt ist fertig. zzjer Meßtischblätter werden durch Zusammendruck zu den „Umdruckskarten des Deutschen Reiches" 1: 100 000 verarbeitet. Vier weitere Umdruckskarten liefern im gleichen Maßstab die„Einheits- blätter", die von der Landesaufnahm« neuerdings herausgegebenen Wanderkarten. Des weiteren beruhen auf diesen genauesten Auf- nahmen die„Uebersichtskarte" des Deutschen Reiches 1: 200 000 und die„Uebersichtskarte von Mitteleuropa" 1:300 000. Entsprechende Karten erscheinen in Oesterreich 1:75 000 und 1:200 000, in der Schweiz 1:2S 000, 1: 50 000, 1: 100 000, in Frankreich 1: 50 000, 1: IG) G>0. Großbritannien besitzt ein eigenes Maß- system, seine Karten erscheinen infolgedessen im Maßstab 1:63300 und 1: 126 720. Rußland gibt eine militärtopographische Karte 1: 126 000 für das europäische Rußland und eine Epezialtarte 1: 420 000 heraus, von neuen Einzelausnahmen der Nachkriegszeit find bisher nur wenige Blätter erschienen. Italien hat genaue Karten 1: 25 000, 1: 100 000. Auch die übrigen europäischen Staaten be- sitzen Karten, die aus genauer Landesvermessung beruhen. Die meisten Länder der Erde können genaue Aufnahmen jedoch nicht durch süh ren. Die Aufftellung der trigonometri- lchen Punkte, die vielen Einzelaufnahmen und die sorgfältige Ver- arbeitung würden Summen oerschlingen, die zu dem Ergebnis in keinem Verhältnis stehen. Hier genügen immer noch Uebersichts- karten, wie wir sie unlängst auch von Europa hatten: Karten auf Grund mehr oder weniger genauer Einzelaufnahmen, durch Angaben und schematischc Darstellungen von Landeskennern und Reisenden ergänzt. Eine neue Errungenschaft wird hier weit«r- Wege weisen: die Photogrammettie. Viele Forschungsreiscnde haben schon mit der Meßtisch- und Stereophotogrammettie aus bisher ungenau bekannten Gegenden in kürzester Zeit gute Karten geliefert. Erinnert sei an die großartige Karte der A l a i- P a m i r- E x ped it i o n. Bei diesem Verfahren wird das Gelände mit verzcichnungsfreien Ob- jektiv-Apparaten photographiert unter Anwendung des ftereoskopischen Sehens auf diese Bilder. Eine Weiterung dieser Ausnahmen ist die Lustphotogrammetrie, bei der das Gelände vom Flugzeug aus aufgenommen wird. Allerdings erhält man hier durch die schiefe Aufnahmerichtung erst verzerrte Bilder, die in einem be- BW». Mörder Radium Das Los seiner*— Gewinner Joachimsthal im Böhmischen Erzgebirge ist ein ganz reizendes Städtchen. Alles freundlich, viele frischgetünchte Häuschen. Und große Liebe zu den Blumen haben die Menschen all«. Kein Fenster, das nicht Blumen schmückten, sei das Haus auch noch so ärmlich. fehlen auch an so manchen Fenstern Gardinen und Vorhäng«— weil kein Geld dazu da ist. Die Menschen freundlich und höflich. Alle sprechen sie deutsch. Und in diesem heimlichen Ort« lauert das Unheil, der frühe Tod? Man kann und will es nicht Klauben. Und doch wird uns bald Bestätigung. Ioachimsthal ist eine Quelle des Goldes für die Tschechoslowakei. Hier sind die staatlichen Gruben, in denen die stark radiumhaltige Uran-Pechblende gebrochen wird. Was aber Radium sür uns alle bedeutet, weiß jeder. Es kommt nur an wenigen Stellen der Erde in solchen Mengen vor, daß eine Ausbeute überhaupt lohnend ist. Ein Gramm ist bereits eine Riesenmenge, die kaum aufzutreiben ist. Die Heilwirkungen aber auch der kleinsten Menge schon sind gewaltig. Im Kampfe geg«n den furchtbarsten Feind unseres Zeitalters, den Krebs, leistet Radium unschätzbare Dienste. Ueberall steigt die Nachfrage. Naturgemäß steigt auch der Preis. Also eine lohnende Sache für die Republik da drüben, die von Alt- österreich das Radium Monopol, fast das Wellmonopol, geerbt hat. Aber eine Kehrseite hat die Gewinnung der Pechblende. Sie ist ein Bergmannsschrccken, gegen den die schlagenden Wetter eine Kleinigkeit sind. Tie Arbeit in diesen Gruben bedeutet ebenso wie diejenige an der Gewinnung des Radmms aus der Pech- blende für alle damit beschäftigten Personen bei längerer Dauer den sicheren Tod! Alle Bergleute der staatlichen Radiumgruben sterben im Alter von 26 bis 40 Jahren! Was nützen ihnen die statistischen Ergebnisse, wonach das Durchschnittsalter des Europäers im ständigen Steigen begriffen ist? Ihr Leben ist vor- geschrieben: Kurze Dauer bei schwerster Arbeit. Freudearm. Jeder Tag nähert ihren Körper um ein gutes Stück dem Friedhof. Viel«, die meisten, haben ja noch einig« Monate gute Nahrung und Ruhe im Spital, ehe sie die letzte Fahrt antreten, zu der ihnen niemand „Glückauf!" zuruft- Aber ihr Zustand ist-dann schon so, daß sie die Annehmlichkeiten der letzten Lebenstage nicht mehr zu genießen vermögen. Apathie, völlige Tcilnahmlosigkeit hüllt sie ein und macht ihnen das Sterben leichter. Ein Bergmann kann nicht länger als 10 bis 15 Jahre in diesen Gruben arbeiten. Alle bisher angewandten Schutzmittel und Schutz- Vorrichtungen haben versagt. Der Senator Friedrich regte an, die Regierung möge nach besseren wissenschaftlich erprobten Hilfsmitteln Umschau halten; weiter sollten die Löhne der Arbeiter erheblich auf- gebessert werden, und die schwer> Gefährdeten solllen nach 10 bis 15 Jahren mit ausreichendem Ruhegehalt pensioniert werden. Diese Vorschläge lassen sich hören. Wir fragen einig« Bergleute, ob Aenderungcn seit diesen Anregungen eingetreten seien. Sie schütteln lächelnd de» Kopf oder zucken resigniert die Schultern, je nach Temperament. Sie hätten nichts bemerkt. Ja, Kommissionen seien einige Male dagewesen, hätten eine Menge Papier vollgeschrieben und eine noch größere Menge Fragen gestellt. Zlber es sei olles noch wie früher. Jede Woche gehen einig« ab ins Spital, und einige werden mit bergmännischen Ehren begraben. Wir fragen: Warum bleibt ihr bei dieser Arbeit? Dies« Frage verstehen sie gor nicht. Der Urgroßvater und der Großvater waren in der Grube und der Vater starb mit 40 Iahren. Arbeitsmöglich- leiten gibts in der Tschechoslowakei auch nicht viel mehr als anderswo. Also bleibt man. Es könnte ja auch sein, daß man Glück hat und länger aushält. Gegen diesen Fatalismus ist wenig zu sagen. Aber uin so mehr gegen die Gleichgültigkeit der staat- lichcn Stellen. Es muß möglich sein, die Leute ausreichend zu bezahlen. Jetzt fehlt ja ihrem kurzen Leben alle Sonne außer der, die kostenlos vom Himmel scheint. Fleischgenuß so gut wie unbekannt. Das Bier ist billig, aber Kraft gibt es auch nicht. Brot und Kartoffeln, viel Mehkfuppen, damit der Magen das Gefühl der Fülle hat. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Menschen aus dem Werk aussehen wie mit Bleifarbe ange- strichen. Es m u ß möglich sein, einen jährlichen bezahlten Urlaub von einem Vierteljahre zu gewähren. Nach der Meinung von Fach- ärzten würde dies die Lebensdauer nicht unwesentlich erhöhen. Die Schutzmaßnahmen sind sicher zu verbessern, wenn auch in dieser Hinsicht eine einschneidende Besserung kaum möglich sein wird. Denn— oll« Radiologen, darunter Aerzte, die es bestimmt nicht an Vorsicht fehlen lassen, büßen früher oder später Glieder ein und sterben endlich eines elenden Todes. Ein Schutz also, der Fach- leuten selbst der eigenen Person gegenüber unmöglich ist, wird auch der Arbeiterschaft gegenüber nicht befriedigend durchzuführen sein. Ich hatte angenommen, daß die Erkrankung in ähnlicher Weise eintreten würde wie die Radiumberbrennungen bekannter Forscher, doch soll die Geschwürbildung hier seltener sein. Der ganze Körper wird in Mitleidenschaft gezogen. Das Blut wird weißblütig, also eine Art Leukämie ttitt ein. Die Bewegungen werden schleppend und langsam, die Atmung kurz und stoßweise. Das Herz macht nicht mehr mit. Müde siiud die kranken Menschen alle. Bis sie den letzten Schlaf tun. Sollen wir deshalb Ioachimstol meiden? Keinesfalls. So not- wendig es ist, reichsdeutsch« Orte zu bevorzugen, die schwer unter der Not der Zeit zu leiden haben, so notwendig ist es auch, den Deutschen Ioachimstal zu zeigen, daß wir sie nicht vergessen. Sie brauchen unser Geld sehr nötig, um ihr karges Dasein aufzubessern. Schön ist die Stadt über all« Maßen. Und der Fremde sieht ja nichts vom-. frühen Bcrgmannsto Kartenkunde- Völkerkunde So sind die Wege geöffnet für eine weitere genaue Kenntnis der Erdoberfläche. Ständige Verbesserungen der Kartenvervielsältt- gung ermöglichen ihre weiteste Verbreitung, an der private Unter- nehmungen stark beteiligt sind. Diese weiteste Kartenverbreitung ist ein höchst wichtiger Kulturfortschritt, denn Kartenkunde bedeutet Völkerkunde. Noch sind in unseren Schulatlanten die greulichen Karten enthalten, die zum Teil die außereuropäischen Länder dar- stellen, wie es nichtssagender kaum geschehen kann. Noch wird ständig Verwirrung angerichtet durch die Verschiedenheit der Maß- ftäbe, wodurch die Riesengebiete der außereuropäischen Staaten so unbedeutend klein erscheinen. Von guten Karten der einzelnen Wirtschaftsgebiete sind kaum Ansätze vorhanden, und an Kulturkarten werden immer nur noch die völlig nebensächlichen Religionskarten gedruckt. Und genaue Vermessungskarten, liegen, wie gesagt, von den größten Gebieten noch gar nicht vor. In den Schulen sind ja sogar gute Uebersichtskarten der wichtigsten Wirtschaftsgebiete u n- bekannt! Es wird gearbeitet mit der— für erste Kenntnis ganz nützlichen— Wandkarte und dem Atlas, das ist alles. Allerdings würde die Zeit für weiteres Eindringen bei ein bis zwei Wochen- stunden auch kaum ausreichen. Und doch sind hier große Möglichkeiten. Gute Karten bergen eine Füll« von Material, das uns geboten wird, Land. Leute, Wirt- schaft und Kultur kennen und dadurch die Völker verstehen zu lernen. Die Kartographie hak sich erfreulicherweise freigemacht von der Herr- schaft der militärischen Geheimnistuerei und der Kriegsinteressen. Sie hat in starkem Maße die Kenntnis vor allem des eigenen Landes durch Förderung der Wanderbewegung erhöht. Aber noch zu sehr ist sie in der ausschließlichen Geländedarstellung und der Vernach- lässigung der fremden Länder befangen. Demgegenüber sollte man Siedlungs- und Wirtschaftskarlen, Verkehrs- und Sprachenkarten und vor allem Bevölkerungskarten in den verschiedensten Variationen herausbringen, mich für beliebte Wandergebiete als Nebenkarten, um dadurch die Aufmerksamkeit auf diese Faktoren zu lenken. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten im Interesse einer völker- verbindenden Länderkunde. � Wilhelm Tictgcns. Wellausstellung in Antwerpen Ein Junger Arbeiter erzählt seine Eindrücke Alljährlich veranstaltet das internationale Kapital Ausstellungen seiner Produktionsmittel. Belgien ist diesmal der Schauplatz: denn das Jahr 1030 ist sür Belgien von historischer Bedeutung. 100 Jahre Königreich Belgien. 1830 brachte der belgische Aufstand die Un- abhängigkeit. Riesige Hallen, Türme, Pavillons in allen Baustilen beleben das Bild. Das architektonische Bild wird durch gärtnerische Anlagen, Wasserkünste u. a. m. abgerundet. Stimmen aller Nationen sind hörbar, Händler preisen ihre Waren, jeder bietet scheinbar das beste, verkauft am preiswertesten und dennoch ist jeder auf seine Prosi'e bedacht. Vom kalten Norden bis zum heißen Süden, alle sind vertreten. Jede Nation hat eine oder mehrere Hallen. Als gäbe es keine Uneinigkeit auf der Welt, stehen die Ausstellungshallen nebeneinander. Rußland fehll allerdings. MvK fcchte iK«S die Halle habe ße jÄach nicht gefunden. Dagegen waren die Hansastädte Hamburg, Lübeck, Bremen und andere deutsche„Länder" in besonderen Pavillons untergebracht. Bavaria allen voran. Der Oberbayer macht mit seinem Maß'l ein blendendes Geschäft. Ein gut gefülltes Haus und a' Maß'l 15 Fronken(1,80 M.), das soll kein Geschäft sein? Leider hoben die Bayern vergessen, ihren kleinen Adolf auszustellen. Frickkanesien war nicht da, wahrscheinlich haben die Thüringer genug mit dem Reich zu kämpfen und noch keine Zeit, ihre Welt- Verbesserung international auszustellen. Der Herrgott der„Nazis" fehlte jedoch nicht. In der Halle „Jtalia" ist Mussolinis Bild so angebracht, daß er alle Besucher mustern kann und sie ihn alle sehen müssen. Es ist und bleibt so auf der Welt, daß die kleinen Länder sich durch Personen in den Vordergrund drängen, weil sie sonst nicht zur Geltung kommen können, denn Großmächte lassen keinen Baum in den Himmel wachsen. Das wird das Schicksal Italiens sein, oder es sei, die entrechtete italienische Arbeiterschaft schafft sich auf demokratischer Grundlage ein neues Italien. England, Kanada, Spanien, Chile, Schweden usw. haben gut ausgestellt. Frankreich ist mn geschmackvollsten vertreten. Die Lichtwirkung in der Halle und die Pariser Moden geben dem Ganzen das typische französische Gepräge. Selbstverständlich fehlt nicht der Lunapark, ein Negerdorf und anderer Rummel, denn man muß den Besuchern doch das Geld anständig abnehmen. Imposante Bauten, Farbengemisch der Fahnen, Stimmen- gewirr der Besucher, das ist der äußere Eindruck der Ausstellung. Es war zu Pfingsten als ich in Antwerpen war. Durch die Sttaßen zogen Verein um Verein— Turner und Sänger waren aus dem Lande zusammengekommen. Trubel muß sein. Voran Musik in phantastischen Uniformen, dahinter viel Volt, wie die Bourgeoisie sagt. Es will Trubel haben, aufreizende Musik, Jahr- marktsrummel und zahlt willig Nepppreise für Getränk« und Essen. Und der Enderfolg? Verstaubte Kleidung, trockene Kehlen und leeren Geldbeutel, aber man hat sich amüsiert und legt sich zufrieden ins Bett. Das ist der Typ eines Teiles der Arbeiterschaft, der sich selbst und seine Macht noch nicht erkannt und den braucht das Kapital und züchtet ihn, er ist sein Lebensnerv. Eine andere große Demonstration zur gleichen Zeit in denselben Straß est. Es y>aren auch Arbeiter und nicht der schlechteste Teil der belgischen Arbeiterschaft, nämlich die Sozialisten, die für Arbeiter- forderungen marschierten. Riesige Schilder mit Inschriften, die Herabsetzung der Altersgrenze und Erhöhung der Invalidenrente forderte. Das war das Gegenstück. Das beste, was die Arbeiter- schaft tun kann, denn nur so kann ein Ventil zur Verminderung der Arbeitslosigkeit geöffnet werden."Es gibt aber noch viel« Möglich- ketten, die Arbeitslosigkeit und somit die allgemeine Verbesserung der Arbeiterlag« durchzuführen. Doch hierzu gehört die Einigkeit der internationalen Arbeiterschaft. Aber auch das kapitalistische Zeitalter muß einst abgelöst werden, denn genau so, wie der Feudalismus zerbrach, wird auch der Kapitalismus den gezeichneten Weg gehen und hierbei den Sozialismus aus der Taufe heben, und das um so schneller, je schneller Erkenntnis und Machkbewußtssm in den Arbeiterkreisen wachsen, S. Ont. C»i>yri|ht 1930 t>y FickelrtiUr-Vtr)«» G. m. b.(f., H»Diburt-Bert«i<>rf (24. Fortsetzung.) „Marschordnung!" Durchs Tor hinaus«ine Kompagnie. Kinder laufen mit, ein Hund kellt und bellt, aus den Fenstern schauen Leute mit ernsten, blassen Gesichtern, aber niemals) winkt... Adamczik hat seine Paula an der Seite. Sie hat ihm Blumen an den Helm gesteckt... er läßt es sich gefallen... er denkt sich wohl gor nichts dabei...«r lacht und drückt sie und sie ihn, und sie erzählen und erzählen... und ich denk« nur immer: oben liegt Heini's Mutter, Heini's Mutter... und immer fallen Schleier vor meinen Augen dunkel nieder, das wird der Hunger sein, und es ist, als wären es alles Tücher über Denkmälern... und dann sehe ich wieder die Blumen an Adamcziks Helm, und Ich denke immer wieder: Was sollen die Blumen am Helm?... die Blumen am Helm?... Blumen sind doch Blumen... die kann man doch nicht an einen Helm stecken?!-- „Herr Unteroffizier, haben Sie mcht ein ganz kleines Stückchen Brot für mich? Ich habe ja heute noch nichts gegessen..." . Ich fühl««inen horten Brotkanten in der Hand... ich rieche daran wie ein Hund... ich schließe dabei die Augen,— ich könnte iveinen vor Glückseligkeit: Brot— Brot! Ich beiße hinein... es ist klumpig in der Mitte, und die Kanten sind- steinhart... es schmeckt nach Sägespänen und Kartoffeln, aber ich schlinge und würge, und mir ist alles egal— alles egal... Und einmal sehe ich mich noch um und sehe die Fenster und Mauern der verfluchten KoserNe,— dieser verfluchten Kaserne! Wie haben wir darin gelitten, geweint, wie haben wir darin Tag und Nacht dieses Leben verwünscht und manchmal den Tod herbei- gesehnt... ober nun will ich mich nicht mehr umsehen. Ich kaue und kau« und bin glücklich, solange ich kaue,— und wir marschieren... links rechts, links rechts... Marschmusik ist wicder da... aber ich habe heute keinen Lössel warm« Suppe in den Leib bekommen... und da fangen sie vorn« an zu singen, es klingt schwermütig. aetrogen wie ein Totengesong: „So lebt den wohl, ich muß jetzt Abschied ne—-ahmen, Aie Kugel wird in? Flintcnrohr gesteckt, vnh du mein ollerschönstes junges Le�-eben, wirft auf dem Schlachtfeld blutig hingestreckt." trumm... trumm... trumm... trumm... trumm... „So labt denn wohl, ihr Eltern und Eeschwistcr, zum letzten Male reich' ich euch die Hand, und sehen wir un» niemals, niemals wi— ieder, so hoffen wir auf jenes bess're Land..." Wir sind schon weit fort von der Kaserne... die Smwe prallt von den heißen Mauern der Straß« zurück... der Schweiß bricht un« aus allen Poren. ich sehe die Stein« Berlins unter meinen Füßen... ich denke an nichts mehr... ich halte mit einer Hand den Bauch fest; denn er schmerzt bei jedem Schritt, dos macht der Hunger. �„Wo is denn Muttan", höre ich Adamcziks Stimme, und dann«ine Mädchenstimme, Paulo:„Mulla wollt' noch mitkommen, aba sie hat sich so ufsjeregt vorhin am Tor«.. det find ja aba ooch verfluchte Halunken bei euch. Fritz... da war Mutta nämlich noch da, sie wollt' doch mit noch'm Bahnhof, aba nu hat der Schuster von her Ecke sie nach Haue jebracht, weest ja, der Schnittke... Herzkrämpse hatte sie jekriegt... ick soll dir nach scheen jrüßen... und du sollst jut uffpassen und bald wieder- kommen, Fritz... und«at hat sie jeweint."——— Auf und ab schwingt die Troddel des Tambourstabes.—— ie Sterne über Vöberiß. Die Nacht ist voller Winde. Ich liege auf meiner Pritsche und lausche dem seltsamen Raunen in dem Kanonenofen unserer zugigen Baracke. Nachts ist es schon kall: der Herbst kommt näher; abends. wenn wir vor den Baracken stehen, zeigt dieser und jener Kamerad nach dem Horizont, an dem die Sonne früher untergeht und einen blutroten Streifen in den Wolken zurückläßt. Sie stehen sinnend und sprechen nicht viel; denn mehr als je denken sie an die Front, an das unbekannte Land, das sie ansaugt in seine Trichter, Gräben und Drahtverhaue. Und sie denken an die. Heimat, an ihre Fabrik oder an ihren Acker, und dann springt sie plötzlich wie ein großes, grausames, fremdes Tier der Gedanke an ihren Tod an, und sie fühlen, wie ihr Herzschlag auf Sekunden aussetzt.„An— den— Tod—",-- o. es ist so leicht gesagt: aber e» reißt am Herzen, den» wir sind so jung, und mit achtzehn Jahren ist der Gedanke an den Tod erfüllt mit Angst und Bitterkeit. ..Ihr tretet in das Leben", sagte uns bei unserer Konfirmation der Geistliche,— war«s nicht gestern erst?:„Ihr tretet in das Leben..."--- Er hat gelogen, und er sei vcrslucht wi« alle seinesgleichen: wir stehen vor dem finsteren Tor, das in das Reich des, Todes führt.--- Es ist«ine mondhelle Nacht wie damals bei Langers Tod. Ich liege und lausche und muß immerjort o» meinen tote» Käme- roden denken: ich weiß nicht einmal, wo er begraben liegt: denn di, Beerdigung ging In aller Heimlichkeit vor sich. Aber der gleiche Mond, der durch die breiten Fenster der Baracke leuchtet,—«r scheint auch auf den kleinen Hügel, unter dem du still und bleich liegst,— wo du den Hunger nicht mehr fühlst, wo du Ruhe hast vor deinen Schindern, so wie du es wolltest, wo dll nichts weißt von den beNemmenden Gedanken, der um unser« Stunden kreist. Ich könnte dich beneiden. Heini Langer,— ich könnte dir sogar nachfolgen, jetzt, in dieser Stunde schon, wenn ich es wollte: es ist ja so einfach, und meine Verzweiflung und mein Hunger und mein Lebensüberdruß ist groß und würde für den Strick oder die Kugel ganügen... es ist ja jo einfach, davonzugehen: aber: ich habe geschworen, dich zu rächen,— ich und noch einer, der dort hinten auf fernem Feldbett mit geballten Händen liegt und schläft. Ich springe leise vom Lager und ziehe meine Hos« an. Ich will hinausgehen in die Nacht mll ihrem Mond und ihren Sternen. Und nun stehe ich an der großen Pump«, wo Minulla heute abend nach dem Dienst kurze Zeit mit mir stand. Er streckte seinen kurzen, dicken Zeigefinger nach dem Himmel, über die Dächer der Baracken hin:„Da, is Krieg. Kam'rad", jagt« er nur und meinte das Abendbrot,„das is Krieg..." Er sah mich traurig und fragend an wi« ein schönes und gutes Pferd, und ich mußt« ihm auf die Schuller klopfen einem Pferde, das sich nach Verständnis sehnt. Al« er in die Baracke ging mit dem schweren Schritt des oft- preußischen Knechtes, da überfiel mich der Gedanke wi« ein Schatten, er überflutete all« mein« Sinne: Minulla wird fallen.— Das war so selbstverständlich gekommen, wie die N.ocht nach jedem Tage kommt,— ich konnte mich mit keiner Kraft dagegen wehren: er wird fallen.— Dann spielte jemand am Barackenfenster auf einer Mundharmonika: es war eine dunkle, wehmütige Melodie, di« zu dem blutigen Streifen in den Wolken über dem Döberitzer Sande paßte, es war die Melodie des Liedes, das überoll die Soldaten dies«, Krieges singen: „Und schießt mich ein« Kugel tot, kann ich nicht heimwärts wandern, so wein' dir wicht die Aeuglein rot und nimm dir einen andern: nimm dir'nen Burschen jung und fein, Annemarie, e» braucht ja nicht grab einer sein von meiner Kompagnie, von meiner Kompagnie..." Und Minulla, wi« von seinem Schicksal hingestoßen, stand neben dem spielenden Kameraden am Fenster der Baracke, und ich sah, wie er den Mund bewegt« und sang. Ich konnte seinen Gesang nicht hören, denn er sang sehr leisem ober ich hörte trotzdem di« Worte m mir nochklingen, so, wie ich sie oft bei anderen Gelegen- hellen von ihm gehört hotte. Und das klang so: „Und schießt mich ä— ine Ku— chel tot, kann ich nix hä— imwärt» wandern, so«Sin' dir nix die Aeig— lein rvt und nimm dir L— inen andern.. so hörte ich Minulla singen. Ich war wie gebannt davon... Sein« Blicke hingen an dem blutroten Streifen über den Dächern. Jetzt schlofft du, kleiner, guter Minulla, du harmloser gutmütiger Knecht mit den braven Augen eine« Zugpferdes,— was willst du hier? Was sollst du hier? All« deine Tage werden nur noch Dor- bcrellung zu einem gewaltsamen Sterben sein... Der Wind weht in mein dünnes Hemd hinein, und unter meinen nackten Füßen weicht der kühl« Sand des Lagers. Ich gehe und gehe und blicke in die Sterne und weiß nicht mehr, daß ich der Rekrut Peter Riß der fünften Kompagnie bin. Ich bin ein Land- streicher der Welt und suche meine Heimat...(Fortsetzung folgt.) e Buch 3)ie Uerichtvöruug der 3)iplonialen Fast alle Politlter. die aus eigener Erfahrung Beiträge zur Entstehung des Weltkriegs beisteuern lönnen, haben bereits ihre Memoiren veröffentlicht. Ein Mann hat aber bisher gefehlt, der zu den wichtigsten Diplomaten der Zeit vor dem Kriege ge- hörte: SirArthurRicolson. Nun hat Sir Arthurs Sohn. H a r o l d N i c o l s o n, das Leben feines Vaters, verbunden mit dot von ihm geschaffenen Zeitgeschichte, unter dem Titel:„Die Ver- schwör ung der Diplomaten"(Frankfurter Societäts- druckerei) geschrieben. Da fast jede Seite lange Zitate aus den Briefen und Randbemerkungen zu den diplomatischen Atten von Nicolsons Hand cnthäll und lang« Auszüge aus seinen Memoranden in den Text eingeschoben sind, dos Buch außerdem, vor der Veröffentlichung, dem Foreign Office, dem englischen Auswärtigen Amt, vorgelegt worden ist, darf man Harold Ricotsons Darstellung der Politik seines Vaters authentischen Cha- rakter zuerkennen. Der politische Gedanke, der Nicolson an zwanzig Jahre be- herrschte, war die Niederhaltung Deutschlands zur Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts, das durch Deutschlands militärische und nautffche Macht zuungunsten Englands verschoben war. Während auch deutsche Politiker zu bestreiten suchen, daß es eine Einkreisungspolitik überhoupr gegeben hat, stellt Harold Nicolsen Sir Arthur als ihren Schöpfer dor, als den diplomatischen Meister, der es verstanden hat, unter Ueberwindung und Nichtachtung anderer Gegensätze die Entente Englands mit Frankreich und Rußland durchzuführen. Harold Ni- colison läßt auch erkennen, daß weder Rußlartd noch Frankreich in dieser Zeit jemals England die politische Initiative ent- winden tonnten und England durch alle Schwierigkeiten hindurch, ohne Verträge schassen zu müssen, Rußland und Frankreich an sich zu binden verstand. Nicolson führte di« diplomatisch« Arbeit im Dienste des englischen Kabinetts aus, aber doch in einem ent- scheidenden Gegensatz zu ihr. Dieser Gegensatz bestand darin, daß Nicolson jede Verständigungspolitik mit Deutschland ablehnte. weil er es aussichtslos fand, das deutsche Uebergewicht durch Ber- ständigung zu verringern, aber zugleich gefährlich, weil sie das Der- trauen Rußlands zu England erschüttern konnte. Als die eigentliche Kriegsgefahr erschien ihm, daß Deutschland an Englands Ernst nicht glaubte und daß England durch das, was Nicolson „den Flirt mit der deutschen Botschaft" nannte, diese Unsicherheit verstärkte. Wöhrend ferner dos Kabinett alle definitiven Bindungen oermeiden wollte, in Wahrheit aber doch Verabredungen traf, die den Charakter von Bindungen hatten, drängte Nicolson m e t h o- d i s ch und konsequent darauf, die lockere Entente in«in festes Bündnis zu verwandeln. Wiederholt erklärte er, daß nur die unbestreitbare Existenz eines solchen Bündnisses Deutschland von einem Krieg abhalten wird. Diese Klarheit vermeiden, bedeutete für Nicolson. den Krieg ermöglichen. Das führte z» steigenden heftigen Zusammen st äßen und scharfen Auseinander- s e tz u n g e n mit Edward G rey. So stellt sich das Werk Nachtrag- lich als eine Beschuldigung des Kabinetts Asquith-Grey, durch Unterlassung für den Krieg verantwortlich zu sein, dar. Das Buch enthält harte und häßlich« Worte über die deutsche Diplomatie und das deutsche Volk, deffcn hartnäckigster Gegner Nicolson gewesen ist. Das Buch seines Sohnes, der selbst in Berlin an der Boffchast unter Lobd d'Abcrmm tätig war. bringt dies unver- hüllt, aber auch mit Worten der Kritik gegen manch: diplomatisch- Methoden der Vorkriegszeit zum Ausdruck. kelix Stössinger. Rät sel= Ecke des„Abend (i rainuumuuoujimiummmnnumiiuiuui Gilben-Kreuzwortrötsel Waagerecht: 3. Durch Staatenkonferenz bekannte Schweiz. Stadt: 6. Behälter: 7. Sozialist:«. Maß: 9. Getreide: 11. die Republik schützend« Organisation: 1k. Werbearbeit.— Senkrecht: 1. Getreidespeicher: 2. männl. Vorname: 4. Oper von Bizet: 6. strafende Gerechtigkeit: 7. Erzählung: 10. Kopsbedeckung: 11. Volksvertretung; 12. Organ. Mehrzahl; 13. bibl. Person, weibl.; 14. Frauenname: 15. franz. Stadt; 17. Riese; 18. Ausschrist.-Ic. Küllrätsel. Die Buchstaben: a, a, a, a, b, b, d, e, e, e. e, g, i, k, k, k, l, i, n, n, o, o, o, r, s, s. t, t. u. w. sind so in die freien Felder nebenstehender Figur einzusetzen, daß die waagerechten Reihen Wörter folgende Bedeutung ergeben: 1. männlicher Dor- name: 2. deutsche Stadt: 3. Teil des Hau- je»: 4. Zugabeartikel: s. Gestein: 6. Be- hälter.».» Zahlenrätsel 123456738-9 10 8— 1234 11 12 49378 eine beherzigenswerte Mahnung: 2 10 7 3 6 Berbrennungsprodukt: 3 6 7 3 8 Fisch: 4 9 12 8 Auszug: 5 9 11 11 6 Körperteil; 6 10 6 4 Lasttier: 7 6 4 4 2 Stadt in Hannover; 3 2 5 12 6 Musikinstrument: 8 6 4 4 6 5 Tischgerät: 9 10 2 5 Nebenfluß der Donau: 10 9 7 3 6 4 Gartengerät: S 3 6 5 6 10 6 weiblicher Vornan«: 12 4 8 6 5 männlicher Vorname: 2 12 12 6 Säugetier: 3 2 4 4 6 Stadt nn der Saale; 4 6 9 8 6 5 Hausgerät: 11 9 4 4 6 Medikament; 12 4 2 10 7 3 6 Flüssigkeiisbehälter: 4 9 N 11 6 Teil des Ge. fichts: 9 4 4 6 5 Nebenfluß der Donau; 7 6 4 4 9 10 8 Cellist: 3 9 ö 10 7 2 Wild; S 2 10 16 S Tischgerät. Die«rftc senkrechw Linie lalltet rvig die erste waagerechte."»d. Rösselsprung Silbenrätsel Aus den Silben ä al oft d de ei en en es flu gen ais he w in ki ki kra la ll li lu mo mo na nei ner a o pe ri l so se so su tk« to to to trop tum um wi pa pi sind Wörter nachstehender Bedeutung zu bilden, deren erste Buchstaben ein« Wahlparole er» geben. 1. österreichische Stadt; 2. Wassergott in der nordischen Mythologie: 3. bekannte Blume: 4. Teil des Auges: 5. Trinkspruch: 6. Vergrößerungsglas: 7. Krankheit: 8. Heilanstalt; 9. japanisch« Stadt; 10. Besitz; 11. Voltsstamm: 12. Inselbewohner; 13. deutscher Fluß: 14. große Partei. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Ate: 3. Orb: 5. Leu: 7. Hos: S. Eli: 9. Lee; 11. Ton: 13. d«m: 15. Ast: 17. Ute: 19. Ufa: 21. Eid: 22. von: 23. Boe: 25. ora: 27. Spa; 29. Ort: 31. Ahr: 33. Ale: 35. Oel: 3«. Uhr; 37. Eid: 38. Inn: 39. Teo.— Senkrecht: 1. Aal: 2. Ehe: 3. vst; 4. Ben: 5. Lid: 6. Ulm: 10. Ems: 12. Ort; 14. elf: 15. Alb: 16. Tee: 17. Udo: 1«. Eva: 19. uns: 20. AsA: 24. Ohr; 26. Reh: 28. Pol: 2«. Ode; 30. Tod: 31. Ali: 32. Run; 33. Art: 34. Ego. Silbenrätsel: 1. Wundros«: 2. Aethylaldehyd; 3. halb- flottllle: 4. Lauter: 5. Thomas: 6. Allegro: 7. Lausitz; 8. Lasgori; 9, Elba: 10. Letternmetoll: 11. Irland; 12. Senne; 13. Territorium: 14. Echo: 15. Eilbeck; 16. Isar: 17. Numeralia: 18. Sauerkraut: 19. veutschkronc: 20. abprotzen; 21. Madagaskar: 22. Irene; 23. Thurinberg: 24. Nicolai; 25. Ulme: 26. Ratibor; 27. Witwe: 28. Irrsinn.—„Wählt alle Liste»ins. damit nur wieder Sozial- demokraten regieren." Kopfwechsel. Ohr, Mohr, Rohr. Kapselrät sei: Worte sind Zwerge, Beispiele sind Riesen. Silbenrätsel: 1. Iodebusen: 2. Emil!«: 3. vuenna: 4. Else: 5. Ramses: 6. wrack: 7. Aeolshcuffe: L, Säle: s. LMaoz 10. Edda.— Sögt.wähl« diesmal SP3U, Nr. 430 47. Jahrgang Sonnabend 13. September 1930 Neues Aber das Ozcanfludbool„DoX" Warum amerikanisdie Motoren? Anfang Sfptemfc« hat das größte Flugschiff der Welt„Do X* sein« Probeflüge wieder aufgenommen, nachdem die im Frühjahr begonnenen Unibauten beendet worden waren. Es war um den „Do X* nach seiner erfolgreich»erlaufenen ersten Reihe von Ver- suchsflügen ziemlich still geworden in der Oeffentlichkeit. Nichts- deftoweniger wurde in Friedrichshofen fleißig gearbeitet, um die aus den verflossenen Probeflügen gezogenen Lehren in Gestalt von Berbesserungen auszuwerten. Da galt es als schwerwiegendste Aenderung der Auswechslung der Motorenanlage, die sich als zu schwer erwiesen hatte. Dieses Manko hätte sich besonders bei den großen Weitstreckenflügen, für die„Do X" ja eigens gebaut ist, nachteilig ausgewirkt und seinen Sicherheitsfaktor merklich beeinträchtigt. Aus diesem Grunde sahen sich die D o r n i e r Werke veranlaßt, ander« Motoren als Antriebsquelle in den Bereich ihrer Berechnungen zu ziehen. Betriebssichere, ausprobierte, neue luft- gekühlte Motoren starker Leistung waren aber nicht vorhanden, die den gesteigerten Ansprüchen der Hersteller- firma entsprachen. Daher beschlossen die Dornier- Werke, sich die neuesten Er- Zeugnisse des internationalen Flugmo- torenmarktes, die wassergekühlten Schnelläufer, zunutze zu machen. Diese Motorengattung, Schnelläufer genannt, trogen ihren Namen daher, weil sie ganz bedeutend höhere Umdreh- ungszahlen(2400 bis 3000 Um- drehungeit in der Minute) aufzuweisen haben als die üblichen. Sie arbeiten auch durchweg mit Verdichtern, bestehen au» hochwertigstem Material, zum Teil neuester Forschung, besitzen geringe Stirnwider stände und sind sehr leicht. Der Noll»-Royc«.Mo- tor zum Beispiel, der im Kriege den Schneider Coup gewann, besitzt bei einer Spitzenleistung von 190 0 ein Gewicht von kW Kilogramm! Wäh- rend mm im gesamten Ausland diese modernen Antriebsmittel für Flugzeuge hergestellt werden, besitzt Deutschland keinen einzigen Vertreter dieser Mo- torengattung. Ein betrübliches Zeichen für die Kurzsichtigkeit der verantwortlichen Stellen. So mußte man auf di« ausländischen Er» zeugniss« zurückgreifen, die in reicher Auswahl vorhanden waren, denn Enland baut Rolls Royce u. Rapier, Frankreich Hifpono-Sutja, Italien Fiat und Amerika Curtics Schnelläuser. um di« markantesten zu nennen. Bei der endgültigen Wahl mußte nian ober Rücksicht nehmen darauf, daß viel schwerere und stärkere Motoren von vorn- herein ausschieden, weil sie eiire ganz ander« Einteilung der Motoren- fundament« auf dem ja bereit» seit langem fertigen Flügel und des größeren Gewichtes wegen aus statischen Gründen bedeutend« Um- kauten bedingt hätten, zu denen man sich aus leicht erklärlichen Gründen nicht entschließen konnte. Es kamen also nur bei der schon vorhandenen Lagerung auf dem Flügel Motoren ähnlichen Gewichtes und ähnlicher Leistung in gleicher Anzahl in Frage. Da di« Curticswerk« der Dorniergesellschaft das größte Entgegenkommen zeigten, baute man ihre Erzeugnisse in den„Do X" ein. Glenn H. Curtic», der Konstrukteur dieser Motoren, zählt neben den Ge- brüder Wright zu den ältesten Pionieren des Flugwesens und speziell des Flugmotorenbau,, den er feit über 25 Iahren betreibt, er besitzt also die zum Bau solcher Motoren notwendige Erfahrung. Bekannt wurde er«rstmaltg. al? er auf der Jnterwtionalen Flug- woche zu Reims 1908 den„Gordon-Vennett-Preis für Flug- Maschinen" gewann, indem er mit einen, Doppeldecker und Motor eigener Konstruktion eine Stundenhöchstgeschwindigkeit von 59,55 Kilometer(!) erreicht«. Die jetzt beim„Do X" verwendeten Motor« besitzen 12 Zylinder in V-Form, leisten bei 2450 Minutenumdrehungen 500 und wiegen 4 00 Kilogramm. Die rechnerische Mehrleistung der neuen Gesamtanlage erhöht sich daher gegenüber der bisherigen um 1400 Die hierdurch erzielte Kraftreserve wirkt sich aber günstig aus di« Betriebssicherheit aus, di« bei dem Verwendungszweck des „Do X" gar nicht hoch genug sein kann. Di« zweit« große Aufgab«, die der Umbau zu bewältigen hatte, galt der endgültigen Einrichtung der Innenräume, deren Bilder in unserer Beilog«„Volk und Zeit" verösfentlicht wurden. Nach modernsten Gesichtspunkten wurde hier bequem Platz geschossen für die Unterbringung von 70 Passagieren, und man wähnt sich beim Betreten der Kabinen, die für 8 und für 10 bis 15 Personen berechnet sind, sowie der Togesgemeinschaftsräume nicht an Bord Stornier SlugtdiW.So X' mU den neuen meieren eines Flugzeuges zu befinden. Dom Speisesaal über ein separate» Rauchzimmer über ein« moderne Bar bis zur elektrischen Küche ist alles vorhanden, was zu einem modernen Verkehrsmittel gehört, sogar eine Kleiderablage vor Betreten der Tagesräum« gibt es. Ebenso natürlich Toiletten, eigen« Waschräume, Gepäckposträume usw. Mit wenigen Handgriffen kann ein Teil der Kabinen und des Tagesraunres in Schlafgelegenheiten umgewandelt werden. Aus die Funkstation ist besondere� Gewicht gelegt worden, ihre Arbeits- mögtichkeiten entsprechen denen mittlerer Seeschiff« I Da„Da X" bei seinen Ausmaßen nicht überall Unterkommen finden dürft«, besitzt er einen Patentanker von 180 Kilogramm mit einer Ankerwinde von 100 Meter Drohtkabel, um im Freien stationiert werden zu können. Nach Erledigung der vorgeschriebenen Prüfungzflüge für sein« Zulassung als Verkehrsflugzeug wird „Do X"«inen zehnstündigen Flug über den Bodensee antreten, um hierauf einen Flug über Deutschland zu unternehmen, bei dem er zuerst der Reichshauptstadt einen Besuch abstattet und auf dem Müggelsee vor Anker gehen wird. Nach eventuellem Besuch europäischer Großstädte folgt eine kurze Rast und hierauf, falls es die vorgeschritten« Jahreszeit erlaubt, der endgültige Start zum Ozeanflug, der in mehreren Etappen vor sich gehen wird. Um mit dem alten Grafen zu reden, dessen Konzern die Dornier Werke an- gehören;„Glück ab",„Do X", i.Berlin erwartet dich." V/. Hamwchke. Die Frauen und die RaflonaKsicrund Als nach dem verlorenen Krieg Deutschland der Inflation preis- gegeben war und vollkommen zu verarmen drohte, da erhoben sich überall Stimmen, die Maßnahmen forderten, um Kraft, Zeit und Geld zu sparen, um mit dem geringsten Aufwand den größtmöglich- sten Nutzeffekt zu erzielen. Nach dem Vorbild Amerikas wurden ungeheure Kapitalien investiert, um Einrichtungen zu schassen, durch die menschlich« Arbeitskrast gespart werden konnte. Wenn diese Einrichtungen sich rentieren sollten, mußte«in dauernder Absatz der erzeugten Güter möglich sein. Aber hier hat die Entwicklung den Verfechtern der übertriebenen Rationalisierung unrecht gegeben. Ein Strom von Waren über- flutete die Welt, ohne daß es möglich war, ihn in die geeigneten Sammelbecken zu leiten. Und hier beginnt die negative Seite der Rationalisierung bereits auch der Frau fühlbar zu werden. Die übertriebene Rationalisierung hat in allen Ländern unzählige Fa- mitten brotlos gemacht. Verzweifelt suchen die überflüssig Gewor- denen noch Arbeit. Demoralisierung, seelischer, geistiger und körper- licher Niedergang sind die Folgen sür die von dem harten Geschick der Arbeitslosigkeit Betroffenen. Und hier sind es wieder die Frauen, die in einer geradezu übermenschlichen Selbstlosigkeit sich bemühen, in di« Bresche zu springen und für das leibliche Wohl der Familie zu sorgen. Die Rationalisierung hat ihr in der In- dustrie ein großes Arbeitsfeld erschlossen, und so verlassen sie Heim und Kinder, um Tag um Tag am fließenden Band, in Großbe- trieben unb Werkstätten, in Wäschereien und Plättereien oder wo sonst es sei. ihr schwere» Brot zu verdienen, um des Mannes und der Kinder willen, di« auf di« Dau«r von der geringen Arbeitslosen, Unterstützung nicht leben können, Freunde der Rationalisierung um seden Preis könnten ein- wenden, daß also die Rationalisierung doch Arbeit geschaffen habe, wenn sie andererseits auch vielen die Entlassung gebracht habe. Gerade die Frau müsse also doch eine Freundin der Rationalisierung werden, da sie es auch der ungelernten Arbeiterin ermögliche, in einem bisher vollkommen fremden Betrieb zu arbeiten. Welcher Art jedoch ist die Arbeit? Bedeutet sie wirklich eine stark« Ver- besserung gegenüber den veralteten Methoden d«r Vergangenheit, und sind diese Frauen am fließenden Band wirklich beneidenswert im Vergleich zu ihren Arbeitskolleginnen früherer Zeit zu nennen? Gewiß, manches ist getan worden in hygienischer Hinsicht. Vieles hat die sortgeschrittenc moderne Technik, die Elektrifizierung und anderes zum Verschwinden gebracht. Wenn die Frauen in modernen Betrieben der Metallindustrie an Stelle des schwer zu betätigen- den Handschraubenzieher» den Motorschraubenzieher benutzen können, der an federnder Spirale im richtigen Abstand von der Arbeiterin angebracht ist, wenn es Exhaustor, Ansauger gibt, di« den Schleifstaub beseitigest, der sich früher in die Lungen der Ar, beitenden einfraß, wenn Stanzen mit zweckmäßigen Schutzeinrich- tungen vorhanden sind, so bedeutet das zweijellos eine Derbessc- rung. Aber dies« Verbesserung ist nicht auf das Konto der Ratio- nalisierung, sondern der fortgeschrittenen technischen Entwicklung an sich zu setzen. Man wird einwenden, daß da» zweckmäßige Her- anfahren der Stanzblech«, das zweckmäßige Lagern, das der Ar- Heilerin unnötig« Wege erspart, oder um Beispiel« aus anderen Be- trieben zu nennen, daß die Arbeit am stiebenden Bond in vielen Fabriten der Arbeiterin schwere Lasten herbeitrage, di« sie früher selbst heran zu schleppen gezwungen war. Auch das ist richtig. Die Rationalisierung hat in gut geleiteten Betrieben zweifellos unzählige Arbeitenden körperlich entlastet. Aber sie hat«inen teuren Preis dafür gefordert! Denn jede Frau, die längere Zeit am sließend'n Band tätig war, kennt das Zermürbende, Seelenlose, Unbefriedigende dieser Arbeit. Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche die gleichen Bewegungen, die gleichen Handgriffe! Kein lebendiger Mensch erträgt eine jolche Arbeit aus die Dauer, ohne seelisch Schaden zu nehmen, wenn nicht durch genügend Pausen, durch entsprechende Freizeit, durch«ine Em- lohnung. die auch der Arbeiterin die Teilnahme an den Kulturgütern ihres Volkes ermöglicht,«in Gegengewicht geschaffen wird. Von überall her, aus der Textilindustrie, ans den Konfektionsfabriken tönt die Klag« der arbeitenden— nicht nur der Frauen, sondern auchderMänner— über ihre Teilarbeit, die sie selbst zu Maschinen gemacht hat. Das Unternehmen hat mit seiner Ent- lohnung keine Köpfe, sondern nur noch Hände gekauft, die mechanisch sich bewegen müssen. Und gerade den Intelligentesten, den geistig Beweglichen und Regsamen, die gern irgendwie schöpferisch tätig sein möchten, wird diese seelenlose Arbeit oft zur Qual, die nur deshalb ertragen werden muß, weil die harte Notwendigkeit dazu zwingt. Die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschafte» sehen es deshalb als eine ihrer dringendsten Aufgaben an, die Schäden einer übertriebenen Rationalisierung zu vermindern. Rationalisie- rung soll angewendet werden, aber innerhalb yernünstiger Grenzen. Sie soll nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sein. Technik soll nicht Menschen knechten und unterdxllcken. sie soll Befreierin werden. Im sozialistischen Gemeinwesen werden die Schädigungen der vom Kapitalismus beeinflußten und ausgenutzten Technik be- seiügt sein. An diesem Ziel heißt es zu arbeiten im täglichen Kamps und auch der 14. September gibt Gelegenheit, in dieser Richtung zum Segen der Schafsenden zu wirken. T ankdampf er fürflüssigen Asphalt Die Deutsch-Amerikanische Petroleum Akt.-Ges. hat den ersten See-Tonsdampfer für flüssigen Asphalt in ihren Dienst gestellt. In diesem Tankdampfer wird der Äsphali ständig unter 150 bi» 180 Grad C. gehalten, die Entlöschung erfolgt mittels Pumpen in folierte Tanks an Land, die Rohrleitungen, welche die Umladung vermitteln, werden durch Dampf heiß gehalten. Die zum Weitertransport dienenden Eisenbahn-Kesselwagen sind gleichfalls isoliert. So wird es möglich, Asphalt in heißflüssigem Zustande zu verfrachten und bis zur Verwendungsstelle flüssig zu erhalten, während er bisher nur in- fester Form in den Handel gebracht werden tonnte und an der Derwendungsstelle geschmolzen werden mußt«._ S. M. Ein Riesentrastwerk auf Malakka. Am Perak-Fluß, in den Dschungeln der hinterindischen Halbinsel Malakka ist jetzt das Riesen- kraftwert Chenderoh vollendet worden, ein Muster technischer Bau- tunst. Mitten in der tropischen Wildnis, als Wunder bestaunt von der Bevölkerung, verwandelt das Kraftwert das wilde, ungezügelte Wasier des Flusses in geregelte, nutzbare elektrische Kraft und in Licht»nd erschließt durch diese einen neuen Teil der Welt. Die Ausmaße de» Riesenwerks sind aus folgenden Zahlen zu ersehen: Der Damm des Kraftwerks ist 20 Meter hoch und 400 Meter lang, di« Wassermeng« beträgt 10 000 Sek.-cbm. sie arbeitet in acht Tur- binenanlogen und schafft in jeder 9000 Kilowatt. Am Bau waren 5000 Eingeborene al» Arbeiter und 100 Europäer als Leiter be- jchäftigt. Er hat gegen 60 Millionen Mark gekostet. Der Perak- Fluß liegt in den unter englischem Schutz stehenden Bereinigten Malaiischen Staaten aus Malakka(Stroits Settlements): mit der Ausführung des Baus war ein englische Firma beauftragt worden. Der Bau ist jedoch ganz ein Produkt schwedischer Ingcnieurkunst, denn di« Anlagen sind von schwedischen Ingenieuren entworfen worden, dys schwedische Wassersallamt hat die Baupläne angefertigt. und schwedisch« Firmen haben die maschinelle Ausrüstung geliefert. So kann Schweden in dem unsichtbaren Export seiner Ingenieur- arbeit einen großartigen Erfolg buchen. Die Halbinsel Malakka ist sehr reich an Zinn. Die Zinngruben in Kinta Valley liefern mehr als die Tzälft« des Weltbedarfs. Don diesen Gruben wird ein großer Teil des elektrischen Stromes des Kraftwerkes konsumiert werden. Aber auch die übrige Aussuhr(Kautschuk, Gold, wertvolle Hölzer, Kopra, Gewürze) wird durch das Kraftwerk gefördert werden. __ Ing. S. M. Bücher der Technik Das Irolleybus- System. Sin neuzeitliches Verkehrsmittel. Bon L. Betz. Der Bersaffer gibt zunächst eine Uebersicht über die Ent- wicklungsgeschicht« des elektrischen Oberleitungsomnibusses— von der ersten Versuchsstrecke, die 1882 von Siemens u. Halske am Spandauer Berg errichtet wurde und hebt besonders die großen Verdienste hervor, die der deutsche Ingenieur Max Schliemann um die Entwicklung des Trolleybus erworben hat. Schliemann, der sich durch keine Fehlschlage entmutigen ließ und zahlreiche Versuche für einen brauchbaren Stromabnehmer machte, hatte bis zum Jahre 1911 insgesamt 13 Linien, die größte davon in Norwegen von 3,5 Kilometer Länge, errichtet. Der Krieg unterbrach jäh die zu- kunstsreich« Entwicklung, wenigstens in Deutschland, bis man nach dem Kriege auf die großen Fortschritte, die dies Verkehrsmittel vor allem in England genommen hatte, aufmerksam wurde. Amerika, Frankreich und andere Staaten folgten, nur in Deutschland hörte man bis in die jüngste Zeit nichts davon, es hatte den Anschein, als ob die bahnbrechenden Arbeiten Schliemann» vergessen wären. — Folgende Lorzüge des Oberleitungsomnibus zählte der Verfasser u. a. auf: Billige Betriebskroft geringe Anlagekost-n, weil keine Gleisanlage erforderlich— Ausweichemöglichkeit und Halten am Bürgersteig— leichtere Reparoturkostcn gegenüber d«n Benzin- omnibus— größere Anfahrgeschwindigkeit usw. Der Verfasser ist der Ueberzeugung, daß der moderne Oberleitungsomnibus«ine Zu- kunft hat— auch manche Großstadt— genannt ist Berlin aus ihren Schwierigkeiten heraushelfen würde. Vier modern« elektrische Omnibusse sollen fünf Straßenbahnwagen ersetzen.— Wenn man auch nicht in allen Punkten dem Verfasser beipflichten kann, ins- besondere was sein« Ausführungen über Wiesbaden betrifft, so sollt« doch jeder Mann vom Bau und jede? Lerkehesfachmann das Vucb gelesen haben. Arbeitersportler: Liste 1! Morgen fällt die Entscheidung Montags: Tote Fische! Eine feltfame Tatsache wird von zahlreichen Seen in der Ume gebung Berlins berichtet. An den Montagen jeder Woche werden zahlreiche tote Fische jeder Größe an die Ufer gefpült. Wasserwanderer und die in den Zeltstädten an den See ufern lebenden Naturfreunde bestätigten uns diese Beobachtung. Borauf dieses eigenartige Antreiben toter Fische gerade an den Montagen zurückzuführen ist, ist wissenschaftlich noch nicht untersucht worden. Das Fischsterben wird durch den starken Motorbootverkehr an den Sonntagen erklärt. Der morgige Sonntag wird in der Geschichte der jungen| gar kein Wunder, daß sich die beiden immer näher tommen. Die deutschen Republik zu einem denkwürdigen Tag werden. Wir gegenseitigen Prügeleien, die einem psychischen Bedürfnis ihrer ſtehen vor dem Ende eines der schwersten Wahlkämpfe, die geistig zurückgebliebenen Anhänger entsprechen, dürfen darüber nicht je geführt worden sind. Morgen fällt die Entscheidung dar- hinwegtäuschen, daß die feindlichen Brüder von den gleichen Eltern über, ob das Besihbürgertum über die Ar- sind. Hier wie dort Gewaltanbetung und haßerfüllte Feindschaft beiterschaft triumphieren soll. Es geht um den gegen die Gegnerin aller rohen Gewalt, die Sozialdemokratie. Das jozialen Inhalt der Republit. Ueberläufertum von dem einen zum anderen Heerlager geht schon in die Tausende; je nach der politischen Konjunttur vollzieht sich der Wechsel. Da aber der Wechsel bei den Kommunisten das einzig Be ständige ift, fällt das den verhetten Arbeitern nicht einmal mehr auf. tag, 18." September, Mitgliederversammlung. Mitglieder werden noch auf Die Kommunisten entpuppen sich immer deutlicher als die Steig bügelhalter der Reaktion, ihr haßgeschwollener Kampf gegen die Das gesamte Bürgertum ist sich darin einig, daß der soziale Einfluß, den die Sozialdemokratie bisher in Regierung und Barlament ausgeübt hat, dem Kapitalismus gefährlich geworden ist. Darum macht es die größte Kraftanstrengung, diesen Einfluß zu brechen und die unbestrittene Herrschaft des Kapitals aufzurichten. Der Wahlkampf ist von allen bürgerlichen Parteien ausschließlich gegen die Sozialdemokratie geführt worden. Geradezu 7 rasend haben sich die Parteien der äußersten Reaktion dabei gebärdet. Diese gemeinsame Frontbildung der Reaktion beweist schlagend, wie nühlich für die Arbeiterschaft und wie gefährlich für den Kapitalismus die Polifit der Sozialdemokratie gewesen sein muß. zu bannen sind. Die Führer dieser Banden sind Leute, die es nicht Jeder Arbeitersportler Bundestreue Vereine teilen mit: RB. Borwärts". Dienstag, 16 September, Borstandsfizung. Donners genommen. Meldungen an Gustav Rücker, Berlin- Weißensee, Rennbahnstr. 25. Schwimmbezirt Kreuzberg der FTGB. Badeabende: Montag, 15. September. Dann immer Montags von 20%-22 Uhr und Freitags von 19-20% Uhr int Stadtbad Kreuzberg, Baerwaldstraße. Freitag, 19. Geptember, nach dem Baden Bezirksversammlung bei Krüger, Grimmstr. 1. Freitag, 26. September, nach dem Baden Sigung aller Wasserballspieler ebendort. FTGB. Absporteln. Dienstag, 16. September, 19% Uhr, findet die bereits angekündigte Gigung der Sportleiter, Rampfrichter usw. in der Kreisgeschäftsftelle, Elfaffer Str. 86, statt. meldet sich morgen zur Wahlhilfe tablarbeit. Montag, 15. September, Funktionärfisung, 20 Uhr in den zuständigen Bezirkslokalen. Keiner darf fehlen, es geht um den Sieg der Liste 1 realtion. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Bom Ultrarevolutionär bis zum Spigel ist immer nur ein Schrift gewesen! Die Macht des Bürgertums samt seiner Prätorianergarden hat die Sozialdemokratie nicht zu fürchten. Die deutsche Arbeiterschaft fällt meder auf die Lockungen der Kapitalisten noch auf den Afterfozialismus Hillers und seiner Banden herein. Die Arbeiter missen, daß sich hinter der roten Drapierung der Nazis ein politisches Bri- Sozialdemokratie drängt sie ganz von selbst an die Seite der Rechtsgantentum versteckt hält, das die Front der Arbeiterbewegung von innen heraus zerstören will. Diese Absicht wird nicht gelingen. Die Nazis zerstören ganz im Gegenteil die bürgerliche Front, sie gleichen den Geistern des Zauberlehrlings, die, einmal gerufen, nicht mehr verwinden fönnen, daß ihnen die Reserveoffizierslaufbahn verschlossen ist, darum laufen ihnen ja soviel Bennäler von den höheren Schulen nach. Diese Jungen sind untröstlich darüber, daß sie nun nicht mehr einjährig" dienen fönnen. Die Gefolgschaft aus dem Volke besteht aus Landsknechts naturen, die früher frei willig zum Kommiß gingen, um danach zu kapitulieren, Rekruten schinder zu werden und nach vollendeter Dienstzeit mit dem Zivilversorgungsschein in der Tasche in irgendeiner Amtsstube zu landen. Diese Elemente können der Arbeiterschaft nicht gefährlich werden, sie hat mit ihnen nichts gemein. Anders steht es mit dem inneren Feind der Arbeiterklaffe, den Kommunisten. An Gemeinheit der Kampfesweise gegen die Sozialdemokratie stehen sie den Nazis nicht nach, wenn sie diese nicht gar übertreffen; sie fie den Nazis nicht nach, wenn sie diese nicht gar übertreffen; sie lassen sich dabei auch von den gleichen Motiven leiten. Böbelhafter Haß, unbändige Wut darüber, daß die Sozialdemokratie ihrer Gewaltherrschaft im Wege steht, ist beiden gemeinsam. Es ist darum 99 Freie Faltbootfahrer Berlin, Morgen, Conntag, Startverbot. Alles leistet Rur ginde", Uferftr. 13. Donnerstag, 18. September, außerordentliche Gene talverfammlung 20 Uhr Sadefcher Sof", Rofenthaler Straße. 17. Berwaltungsbezirk Lichtenberg. Am Wahlsonntag finden fich alle Rade und Motorradfahrer bei Wegener, Frankfurter Allee 286, zur Wahlarbeit ein. Ab 14 Uhr muß alles zur Stelle sein. Fernsprecher E 5 3205. FIGB., Bezirk Pantom. Alle Jugendmitglieder treffen sich Sonntag um 9% Uhr am Marktplas( Türkisches Belt). Theater der Woche. Bom 14. bis 22. September. Boltsbühne. Theater am Bülowplag: Bis 19. Der fröhliche Weinberg. 20. gefchloffene Staatstheater. Das Bürgertum schäßt die Kommunisten auch ganz richtig als 3er. Borſtellung. Die Beber. Ab 21. Die Beber. Sozialdemokratie" ein. störer der politischen Front, als Pfahl im Fleische der Kann es angesichts dieses Tat bestandes einen Zweifel darüber geben, an welche Seite sich der Arbeitersportler zu stellen hat? Arbeitersport ist nur in einem Lande möglich, in dem der aufbauende Sozialismus die soziale 20. und 22. Der Barbier von Sevilla. Basis dafür geschaffen hat. Man sehe nach Italien, nach Ungarn und Jugoslawien, um zu erkennen, daß der Arbeitersport immer eines der ersten Opfer der Reaktion gewesen ist. In einem Deutschland der Diktatur würden die kommunistischen Großmäuler fofort untertauchen, und von ihrem Bürgerkriegsgeschrei würde es sofort mäuschenstille sein. Mit brutaler Gemalt mürde sich aber die Reaktion auf die Kulturmerte der Arbeiterschaft stürzen, um sie zu vernichten. Kein denkender seine Stimme geben. Er fann sich nur für die aufbauende, völkerArbeitersportler tann den verantwortungslosen Bürgerkrieghetern befreiende Sozialdemokratie entscheiden. Oper Unter ben 2inben: 14. Waltüre, 15. Rigoletto. 16. Fidelio. 17. Dee Liebestrant. 18. Aida. 19. Palestrina. 20. Trojaner. 21. Siegfried. 22. Die Macht des Schicksals. Oper am Blag der Republit: 14. Fidelio. 15. Die Rauberflöte. 16. Fleder maus. 17. und 21. Der fliegende Holländer. 18. Carmen. 19. Sans Seiling. Städtische Oper: 14. Carmen. 15. Turandot. 16. Mastenball. 17. Boheme. 18. und 21. Doge und Dogaressa. 19. Samson und Dalila. 20. Die Sochzeit des Figaro. 22. Rigoletto. Arbeitersportler wählen Mann für Mann Liste 1! Wer hat uns verraten?" Die KPD.- Sportler in Teltow! Interessante Einzelheiten über das Berhalten tom| 100 mark erleichtert, Herr Großbesizer Mamroth um 50 Mart. munistischer Sportführer in der kleinen Nachbar. stadt Teltow werden uns von dort mitgeteilt: Bei der diesjährigen Etatsberatung im Stadtparlament von Teltow stellte die sozialdemokratische Fraktion den Antrag, für den unbebauten Grundbesitz die Steuerzuschläge auf 200 Pro 3. zu belassen, wie das auch im Vorjahre der Fall war. Die Bürgerlichen verlangten die herabjegung auf 160 Pro3. Sie hätten allein diesen Antrag nicht durchdrücken fönnen, wenn ihnen nicht in dem kommunistischen Stadtverordneten Tams, seines Zeichens Generalvertreter des Metzgerschen Geländes bei Teltow, ein Helfer erstanden wäre. Als treuer Diener seines Brotgebers trat er für die Herabsetzung ein und es gelang ihm mit Hilfe seiner Fraktion, den Antrag der Bürgerlichen zur Annahme zu verhelfen. Warum dieses wertvolle Geschent an die Teltower Großgrund befizer? Wir wollen es allen Arbeitersportlern sagen, damit sie erkennen, wie die Sportopposition und ihre kleinen und großen Führer buch stäblich Verrat an der Arbeiterschaft begehen. Das kommunistische Sportkartell von Teltom arrangierte am 24. Auguft ein Sprtfest, das eine riesengroße Pleite wurde. Um das Defizit auszugleichen, geht nun Herr Tams, der die erste Geige im Sportfartell spielt, schnorren. Aber nicht bei seinen kommunistischen Parteigenossen; er sucht sich ,, schwerere" Leute aus. Herr Fabrik- und Großgrund befizer Metzger, der Arbeitgeber von Herrn Tams, wurde um Kleiner Sport am Sonntag und anderes Auf der Rütt- Arena werden morgen Sonntag die Berliner Meisterschaften ausgetragen. Die 1- Kilometer- Meisterschaft dürfte wohl Lothar Ehmer, dem schnellsten Berliner Sprinter, nicht zu nehmen sein, obwohl ihm in Rütt, Lehmann und Krüger starte Gegnerschaft gegenüber gestellt wird. Die 100- Kilometer- Meisterschaft dagegen ist ein vollkommen offenes Rennen. Wenngleich EhmerTieh im letzten Mannschaftsrennen der Rütt- Arena ihr großartiges Zusammenarbeiten und ihre große Form bewiesen haben, so dürfte doch als stärkste Mannschaft die Verbindung des Siegers der Deutsch landfahrt Buse mit dem stets zuverlässigen Kroll anzusehen sein. Die Rennen beginnen um 15% Uhr. Cangftreden- Regatta. Der Märkische Kreis im Deutschen Kanuverbande veranstaltet morgen 15 Uhr vor dem Bootshaus des Ranuflubs Boruffia", Tegelort, seine diesjährige LangstreckenRegatta, die mit den Kreismeisterschaften verbunden ist. Auf dem Hubertus- Sportplah im Grunewald, Eingang Hubertus- Allee, findet morgen das Herbst- Turn- und Sportfest des Ortsausschusses für Leibesübungen und Jugendpflege beim Bezirts amt Wilmersdorf statt. Schwimmbad Boftstadion. Am 15. September wird das Hallenschwimmbad im Boftstadion wieder eröffnet. Die Badezeiten für schwimmbad im Poſtſtadion wieder eröffnet. Die Badezeiten für den öffentlichen Betrieb find wie folgt festgelegt: Montags 7 bis 19 Uhr, Dienstags und Freitags 7 bis 20 Uhr, Sonnabends 7 bis 20% Uhr, Mittwochs 17 bis 20 Uhr nur für Damen. Der höchste Tennisplatz Europas. In Maran bei Arosa in der Schweiz ist der höchstgelegene Tennisplay Europas eingeweiht worden. Er liegt 1900 Meter über dem Meere. Welchen Erfolg der klassenbewußte Tams bei dem Grundbefizer Mendelssohn und bei den Herren Ernst und Günther Paulus, den Bauleitern an der städtischen Turnhalle gehabt hat, steht noch nicht fest. Die Herren Großgrundbesitzer von Teltow gaben für das Kommunistische Sportkartell gern und freudig, denn die paar Mark werden sie bei der mit Hilfe der Kommunisten erreichten Steuererleichterung vielfach wieder hereinbekommen. Insbesondere wird Herr Metzger wenig Schaden haben; sein getreuer Kommunist Tams hat nämlich auch beantragt, Megger bei Grundftüdsverkäufen die Wertzuwachssteuer zu erlassen. So sehr verbindet der Kommunist Tams die tapitalistischen Privatinteressen seines Brotgebers mit seinem Einfluß als Stadtverordneter, daß er sogar die kommunistische Kreistagsfraktion bearbeitete. Deshalb mußten auch die von den Kommunisten beeinflußten Erwerbslosen zu vier Sizungen des Stadtparlaments in Teltow antreten und Spettafel machen, damit der Beschluß über die Enteignung des Metzgerschen Geländes, auf dem ein Sportplatz errichtet werden soll, verhindert werden konnte. Staatliches Schauspielhaus: 14. und 20. Liebes Leid und Luft. 15., 17. und 21. Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg. 16., 18. und 22Bürger Chippel 19. Der Brinz von Somburg. effen? 15. und 21. Florian Gener. 17. und 19. Der Mann mit dem Klepper. Theater mit feftem Spielplan: Schiller- Theater: 14., 16., 18., 20. und 22. Herr Doktor, haben Sie zu Theater am Schiffbauerdamm: Feuer aus den Refsein. Deutsches Rammerspiele: Die Schule der Frauen. Die Romöbic: Theater: 1914. Bis 17. Der Diener zweier Herren. Ab 18. Der Edymierige. Theater in bee Großes Stresemannstraße: Marguerite: 3. Romödienhaus: Das Konto. Schauspielhaus: Die lustige Witwe. Theater des Westens: Hasenklein tanıt nichts dafür. Leffing- Theater: Des Raisers Rulis. Komische Oper: Bis 15. Die Frau ohne Ruß. 16. geschlossen. Ab 17. Das Mädel am Steuer. Deutsches Künstlertheater: Ab 16. Jim und Jill.- Renaissance- Theater: Die Wunder- Bar. Theater in der Behrenstraße 53-54: Das häßliche Mädchen. Metropol Theater: Bittoria und ihr Susar. Reues Theater am 800: Herr Amor persönlich. Die Tribüne: Mister Pins will nicht stören. Cafino- Theater: Der felige Sollschinsin. Rose- Theater: Die Braut von Meffina. Gartenbühne: 14., 15. Etappe. Theater in der Klosterstraße: Bilchfe der Bandora. I. und II. Teil. Schloßpark- Theater Steglik: Bis 18.. WinterTie Glaze und der Bubitopf. Ab 19. Der Rongreß von Lugano. garten, Blaza, Stala: Internationales Barieté. Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. Theater am Rottbuffer Tor: Elite- Gänger. Nachmittagsveranstaltungen: 1 Beltsbühne. Theater am Bülowplag: 21. Der fröhliche Weinberg. Theater des Weftens: 14. Das Land des Lächelns. Komische Oper: 14., 21. Roſe. Die Frau ohne Ruß. Metropol Theater: 14, 21. Friederike. Theater: 20., 21. Dornröschen. Gartenbühne: 14., 15. Ronzert und bunter Teil. Theater in der Alofterstraße: 17., 20. Rotkäppchen. 14., 21. Büchse der Pandora. Schloßpart- Theater Steglig: 14. Die Glaze und der Bubitopf. 20., 21. Rarl Man- Winnetou. Wintergarten: 14., 20., 21. Inter nationales Barieté. Reichs. Plaza, Stala: Internationales Barieté, hallen Theater: 14., 21. Stettiner Gänger. Theater am Rottbuffer Tor: 14., 21. Elite- Gänger Erstaufführungen der Woche: Montag. Habima Theater: Was ihr wollt. Dienstag. Scha 11[ pielhaus: Bürger Schippel. Deutsches Rünstlertheater: Jim und Jill. Mittwoch. Komische Oper: Das Mädel am Steuer. Donnerstag. Romödie: Der Schwierige. Rentral Theater: Der Kongreß von Lugano. Eine Freundin so goldig wie du. Freitag. Schlospart Theater: Habima Theater: Uriel Acofta. Sonnabend. Republiloper: Der Barbier von Sevilla. Sonntag Boltsbühne: Die Weber. FUNK UNDAM ABEND 1 Sonnabend, 13. September. So sehen also die einzig klassenbewußten dreimal revolutionären Vertreter der Kommunisten aus. Deshalb führen sie den scharfen Kampf gegen die Sozialdemokratie, damit sie die Intereffen der Arbeiterschaft an Fabrik- und Großgrundbefizer um einen Judaslohn verraten können. Arbeitersportler, merkt es euch für die Zukunftt; 16.05 Dr. Leo Matthias: ,, Seltsame Musik des Orients"( mit Schallplattenfür den morgigen Wahlsonntag aber denkt daran, daß nur die Liste 1 der Sozialdemokratischen Partei zu wählen ist! Tobeck disqualifiziert Gestern im Spichernring Der Ständige Borring in den Spichernsälen bot gestern abend ein gutes Durchschnittsprogramm. Leider endete der Hauptkampf zwischen dem deutschen Mittelgewichtsmeister Erich Toback und dem Belgier Geervaerts vorzeitig durch ein ,, foul" des Deutschen. In der 6. Runde landete Toback so tief, daß der Belgier unter großen Schmerzen zusammenbrach. Geervaerts, mit seiner weitaus größeren Ringpragis, bot alle Mittel seiner vielseitigen Verteidigungskunst auf, aber die größere Schlagfraft und Genauigkeit von vorsprung. Tobad verhalfen dem Breslauer zu einem erheblichen PunttDorsprung. An dem Ausgang des Kampfes bestanden danach faum noch Zweifel, als Tobad in der 6. Runde so weit unter dem Gürtel feines Gegners traf, daß dieser nicht weiter fämpfen konnte. Der deutsche Meister mußte disqualifiziert werden. Beispielen. 16.30 Unterhaltungsmusik. Berlin. 18.30 Prof. Dr. Ernst Wagemann: Wie wird morgen gewählt? 18.55 Irmela von Dulong: Marie von Ebner- Eschenbach( zum 100. Geburtstag). 19.25 Fantasie C- Dur, op 159, für Violine und Pianoforte.( Prof. Max Strub, Violine und Bruno Seidler- Winkler, Flügel). 19.50 Zehn Minuten Film. 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30,, Funkhaus in Berlin", ein beweglicher Sonnabendabend. Nach den Abendmeldungen bis 00.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Mag.- Schulrat Dr. Friedrich Pagel: Pädagogische Sorgenkinder in der schönen Literatur. 16.30 Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Dr. Rudolf Pechel: Paul Fechter zum 50. Geburtstage. 18.00 Min.- Rat Falkenberg: Der Volksstaat als Erziehungsproblem. 18.30 Felix Stiemer: Gesellschaftswissenschaftliche Gegenwartsfragen. 19.30 Ob.- Reg.- Rat Pactsch: Verkehrsunfälle und ihre Verhütung. Sonntag, 14. September. 6.30 Funkgymnastik. 7.00 Hamburger Hafenkonzert. 8.50 Morgenfeier. Dann Wettervorhersage. 11.00 Elternstunde. 11.30 Bach- Kantate. 12.00 Breslauer Konzert. Tegeler See.) Gute borerische Anlagen steden in dem Hamburger Halbschmer 14.00 Jugendstunde. gewichtler Hermann Nielsen; er siegte schon in der 2. Runde gegen den Berliner Werner Eberhardt mit einem präzisen rechten Kinnhafen durch f. o. Der Berliner Rudolf Boguhn schlug den Hamburger Frig Krocht nach schwerem Schlagwechsel in der 7. Runde entscheidend. Die restlichen Rämpfe waren mehr als mäßig. Kurt Aust Berlin und Herbert Kaletta- Gleiwiz trennten sich ebenso wie Harry Such Hamburg und Willi Baumann Magdeburg unentschieden. ftatt. = 14.30 Konzert. 15.45 Skizzenvorlesung. 16.00 Unterhaltungsmusik. Berlin. ( Dazwischen: Vom Bundesherbstsegeln auf dem 18,20 Vom Leben der toten Dinge. 18.50 Kolisch- Quartett. 20.00 Orchesterkonzert. Darauf Nachrichtendienst und Bekanntgabe der Wahlergebnisse bis zur Feststellung eines zuverlässigen Gesamtbildes. Dazwischen Tanzmusik. Weller für Berlin: Größtenteils bemölit, einzelne Regenfälle, Der nächste Kampfabend findet am tommenden Freitag leichte Abkühlung Für Deutschland: Ueberall wolkiges und viel jach regnerisches Wetter,