BERLIN SienStag 16. September 1930 erscheint täglich außer S-nntez«. Zugleich Abendausgabc des.Vorwärts". Bezugsprei« beide Ausgaben S3Pf. pro Woche, S.KvM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWS8,Lindenßr.s 10 Pf. Nr. 434 B 216 42. Jahrgang Anjeigenpreist Die einspaltige Vonparcillezeile so Pf., Reklamejelle s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Nr.37S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Reichstag: IS. Oktober Curtius spricht in Genf: Fortsetzung der Friedenspolitik Rcichslagspräsidcnt Lobe hatte heule eine Besprechung mik dem Reichskanzler, in der der lZ. Oktober als Einberufungstag für den Reichstag scstgescht wurde. Ein Umbau des Sitzungssaal, wie er geplant ist, um dem Zuwachs von mehr als 80 Abgeordneten Sitzgelegenheiten zu verschajsen, wird sich in dieser kurzen Zeit nicht ausführen lassen. Der Reichstagsprüsiöent wird in den nächsten Tagen mit den Parteiführern darüber beraten, wie für die neuen Abgeordneten Raum geschaffen werden kann. Wahrscheinlich wird ihnen eine Tribüne des Reichstags zur Versügung gestellt werden. Vorlagen an den Reichstag. (Amtlich.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning trat heute das R e i ch s k a b i n e t t in einen Meinungsaustausch über die durch die Mahlen geschossene politische Lage ein. Es bc- stand die einmütige Aussassung. dah die Reichsregierung das im Sommer in Angriff genommene Programm einer sachlichen Arbeit zur Lösung der wirtschaftlichen, finanzpolitischen und sozialpolitischen Ausgaben mit allem llochdruck soweit zu fördern hat. datz dem neuen Reichstag bestimmte Vorlagen zugeleitet werden können. Abrüstung— Wirischofisniisere Genf, 16. September.(Eigenbericht.) Die völkerbundsocrsammlung zeigte heute vormittag vor. der Rede des deutschen Reichsautzenministers die gröfzte Spannung. Mährend der Rede des italienischen Vertreters S c i a l o j a war der Saal nur halb gefüllt. Als der Präsident Dr. Eurtius das Wort gab, füllten sich sämtliche Tribünen und die Sitze der Dele- galion bis zum letzten Platz. Eurtius wurde mit stärkstem demonstrativen Beisall begrüßt und sprach sehr ruhig und verhalten, doch konnte er nur einmal bei der Betonung, daß Deutschland seine Politik der Unterstützung des Völkerbundes fortsetzen werde, einen kleinen Beifall erringen. 3ii den Wandelgängen wird seine Red« aufgefaßt als eine verhüllende Darstellung der bisherigen Linie, die zu nichts verpflichte und für einen coenluellen Regierungswechsel in Deutschland alle» offenhalte. Deswegen hat auch seine Rede im ganzen einen schwachen Eindruck gemacht und enttäusch t. Zum Schluß klatschten nur wenige. heute finden noch einige wichtige Besprechungen zwischen Eurtius und anderen Dclegationesührern statt, in denen u. a. das von Deutschland angeregte Verfahren der Minderhcitcnbehandlung erörtert werden soll. Dr. Eurtius begann mit dem Dank für die herzlichen Warte, die dem Andenken seines Amtsvorgängers und Freundes Dr. St res« mann gewidmet waren.„Ich vergegenwärtige mir die Ausführungen, mit denen Dr. Strcsemann vor vier Jahren vor den Völkerbund trat, und muh an die Erwartungen denken, mit denen das gesamte deutsche Volk damals diesen bedeutungsvollen Schritt begleitete. Die gesamte internationale Entwicklung hat seit- dem manche Enttäuschungen gebracht. Trotzdem muh fest- gestellt werden, dah die grundsätzliche hallung Deuttchlanos gegenüber dem Völker- bund heule wie damals eine durchaus positive ist. Der Völkerbund bleibt ein wesentlicher notwendiger Faktor der Völker, an dessen Weiterentwicklung Deutschland mit allen Kräften arbeiten wird. Der Völkerbund steht heute noch im ersten Stadium seiner Entwicklung. I» seiner Betätigung darf keines- falls eine Stagnation eintreten. In der bisherigen Aussprache hat vielfach a l l e r e rii st e st« Sorge osscnen Ausdruck gefunden. Dos erst« Erfordernis oller internationalen Bemühungen war jedoch, auch unbequeme Fragen seft ins Auge zu fassen und die Dinge beim rechten Nomen zu nennen. Wenn aber dabei hier die Möglichkeit angedeutet worden ist, dah die heutigen Zustände sogar zum Kriege führen könnten, so halte ich es für unbedingt gebvten, auch den bloßen Gedanken an solche Möglichkeilen von vornherein auszuschalten. Es ist unnötig, über die A b r ü st u n g s f r a g e noch Worte zu verlieren. Auf djc Darlegungen, die die deutsche Abordnung darüber seit vier Jahren macht, sind keine entscheidenden Taten gefolgt. Die Dinge liegen so, dah die Regierungen mit der Erfüllung ihrer rechtlichen und moralischen Verpflichtung zur Abrüstung seit Zohrcn zur größten Enttäuschung im Rückstand (Fortsetzung auf der 2, Seite.) Scholz im Bruch Scholl Stresemann:„Was hast du aus meiner /Deutschen Volkspartei' gemacht!" Proteststreik in Warschau. Gegen die Pilsudski-Oiktatur. Warschau, 16. September, llkigenbericht.) I« Warfchan begann heute morgen der all- gemeine Proteststreik. Er ist für einen Tag berechnet und soll den Protest der Arbeiterschaft gegen die Verhaftung der Dppositionsführcr und gegen das Verhalten der Polizei ausdrücken. Tie größeren und mittleren Fabriken liegen still. Tie Straßenbahner haben im Einvernehmen mit der Streikleitung beschlossen, weiter zu arbeiten. Tie veranstalteten jedoch ebenso wie alle anderen Staats- und Gemcindcarbeiter kurze Protest- Versammlungen. Ter Protest ist diesmal auf Warschau beschränkt worden. Finanzmächte Warten ab. Die Berliner Börse heuse ruhiger. Die heutige Berliner Börse war auherardentlich still. Es wurde nur in s'ehr kleine» Betrügen auf der Effektenbörse gekauft und vcr- kauft. Die Kurse gehen, nachdem schon die gestrige Nachbörs« ein« Stabilisierung gabracht hatte, nicht weiter zurück: es bestand sogar eine Neigung für kleine Kursbesserungcn. Das Börsengeschäft ist im ganzen gelähnit, aber man ist im Hinblick aus die Regierungs- Möglichkeiten in Deutschland doch nicht ohne Hoffnung. Nach den bei den Banken heute vorliegenden Informationen verhalten sich die auslandischen Finanzmöchte weiterhin abwartend. Freilich stagniert auch hier das Geschäst. Immerhin aber sind von New ssork keinerlei Bertaufsaufträge für deutsche Werte, die sich in amerikamschen Händen befinden, gekommen und aus der Schweiz und später auch aus New Bork werden heute sogar einige neue Geldangebote gemeldet. Auch in Paris verhält man sich weiter abwartend. Einheitlich aber ist bei den Finanzmächtcn des Auslandes die gespannteste Auf- merksamkcit darauf gerichtet, ob die Möglichkeiten der politischen Konsolidierung, die in Deutschland vorliegen, auch wahr- genommen werden. In dieser Hinsicht haben die kraftvollen Aeußerungen Otto Brauns in dem Interview niit dem Vertreter der„United Preß" im Auslande eine starke Wirkung ausgeübt. Jedenfalls muß man aber damit rechnen, daß das Ausland auf dem Sprunge. steht, die Geschäfte abzubrechen, wenn die politische Konsolidierung nicht mit Sicherheit in Kürze zu er- warten ist. Die Hungerkatastrophe droht. Kolleftivwirtschasten leisten nur ein Drittel des Verlangten. K o w n o, 16. September. Wie aus Moskau gemeldet wird, vcröffenllicht das Zentral- komilec der kommunistischen parle! einen neuen Appell an die örtlichen Behörden und die Bauenischast, in dem für den Fall einer Forlsehung des bisherigen Aussaaltempos die s ch w e r st e n folgen für die gesamte Ernährungslagc der Sowjetunion vor- ausgesagt werden. 3n dem Appell heißt es, die bis zum 10. September vorliegenden Ergebnisse zeigten, daß ungeachtet der bereits zü Ende gehenden Abschluhzeiten für die herbsiaussaat im Durchschnitt nur 60 proz. des Plans durchgeführt seien. Besonders unzulässig Wir beginnen beule mit einer Serie von soziologischen Darstellungen der Reichs� tagswahl vom 14. September von Georg Decker. Der heutige Aufsatz vergleicht vor allem die vorgestrige Wahl mit der vom Mai 1924. sei das Zurückbleiben der kollektivwirtschaslen. die insgesamt nur Z5 Proz. des Plans durchgesührl hätte». Diese beschämenden Ergebnisse seien auf die mangelnde Organisation der Arbeiten in den kollektivwirtschaslen, aus die völlig ungenügenden Leistungen der Führer, aus die stellenweise sogar vorgenommene Abänderung der amtlichen Pläne aus eigener Blachlvollkommenhcit usw. zurückzuführen. Das Zenlralkomiice stellt deshalb nochmals die unbedingte Verpflichtung der Wirtschaften fest, die vorzejel>enen Aussaalplänc unter allen Umständen durchzuführen. Zu gleicher Zeit Hot der Rat der Volkskommisiare beschlossen, im neuen Wirt- schastsjahr zur Bckömpsung der„Schädlinge" 272 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Europa-Etudienausschuß eingefetzt. Gens, 16. September. lieber die Entschließung, die der Voltcrbundsveriammlung in der Frag« der europäischen Föderation unterbreitet werden soll, haben sich nunmehr die meisten Delegationen geeinigt. Danach; soll ein Studienausschuß aus Vertretern der 27 europäischen Staaten ernannt werden. Offen ist noch die Frage, ob die Einsetzung dieses Ausschusses unmittelbar durch die Volloersanmilung oder nach Uebcrweisung der Angelegenheit an den sechsten Ausschuß erfolgen soll. Der Vorschlag, Vertreter der außereuropäischen Staaten dem Studienausschuß als Beobachter beizugeben, ist n i ch t durch? gedrungen. Haftbefehl gegen Mordbandiien. Die Wittenauer Schießerei in der Wahlnacht. , Dem Vernehmungsrichter sind am gestrigen Dienstag drei Per- fönen vorgeführt worden, die im Anschluß an die Schießerei in Wittenau festgenommen worden waren. Bekanntlich war bei diesem Ausammenstoß zwischen Kommu- nisten und einem Nationalsozialisten der an den Auseinander- jetzungen völlig unbeteiligte Maurer Mar S o h r, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Lokal aussuchen wollte, durch einen Bauchschuß g e t ö l c t worden. Gegen den Nazimann Hans Sprinkstub, der den verhängnisvollen Schuß aus seiner Wohnung, also als er längst nicht mehr bedroht war, abgegeben hat, wurde Haftbefehl wegen des Verdachts der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang und gegen den Angreifer, den Angehörigen der KPD. Siebenhaar, wurde Haftbefehl wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs erlassen. Der dritte Vorgeführt« wurde aus freien Fuß gesetzt. hindcnburg beim Manöver. Reichspräsident hindcnburg hat sich heute vormittag zur Teilnahme on den Rcichswchrmonövern in Fronten noch Königshofen im Grabfeld begeben. Er wird bis Freitag, dem lg. September, im Manöocrgcländc bleiben. Giimmen der soziasdemokratischen Parieipresse Curtius in Genf. (Fortsetzung von der Seite.) sind. Wir müssen uns über die völlige U» h a l t b a r k e i t dieser Lage einig sein und es als eine Selbstverständlichkeit be- trachten, daß die Abrustungskonserenz nun endlich im Laufe des nächsten Jahres zusammentritt. Wir erwarten eine gerechte, der Sicherlieit aller Staaten Rechnung tragende Lösung, volle Publizität und ErfasiungallerRüftungsfaktoren, fühlbare Verminderung der Rüstungen aist der ersten Ab- rüstungskaiifcrenz und anschließend weiter« Schritte zur Abrüstung in kurzen Zeitfolgen. Ein weiteres Problem, dem die deutsche Regierung große Be- dcutuug beinnßt, ist die Minderheitenfrage. Ich halte es für notwendig, daß die Bundesversammlung nicht einfach die weitere Entwicklung abwartet, sondern daß sie sich fortlaufend mit der gc- übten Praxis beschäftigt. Aus diesem Grunde habe ich die Ueber- Weisung der Minderheitenfragen an den sechsten Ausschuß beantragt. Bei der ganzen Behandlung der Minderheitenfrage handelt es sich nicht um die Vertretung irgendwelcher S o n d e r i n t c r e s s e n einzelner Staaten, sondern um ein wichtiges Element zur Sich«- rung des Friedens, an dem alle Völkcrbundsmitglieder in gleicher Weise interessiert sind. Zum pancuropäischen Gedanken führte Dr. Curtius folgendes aus: Die gesamte Aussprache über diese Frage ist in einen neuen Gesichtspunkt gerückt worden durch die Einsügung der Frage' eines europäischen Zusammenschlusses in die Verhandlungen de» Völkerbundes. Jvcin Land fühlt stärker als Deutschland den Druck und die Ge- fahr der gegenwärtigen Lage Europas, kein Land hat lebhafteres Interesse an einem Ausgleich der Spannungen, als das in der Mitte des Kontinents gelegene Deutschland. Kein Land kann dringender weitgehende Vereinigung aller Länder Europas wünschen. Dr. Curtius ging sodann auf die w i r t s ch a f t s p o l i t i s ch c n Fragen ein und betonte: Ueberall, mit wenigen Ausnahmen, herrscht tiefe wirtschaftliche Depression, deren allgemeine Ursache Ueberproduktion und sinkende R o h st o f f p r e i s c sind. Es mag sein, daß es sich diesmal nur um ein« zeitweilig« Depression handelt. Die Not ist aber so groß, daß die letzten Kräfte zur Ueber- windung eingesetzt werden müssen. Deutschland ist von der Krise stärker betroffen worden als andere Länder. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, daß seine gesamte Wirtschaft durch die Reparationszahlungen aus das schwerste belastet ist. Es war selbstverständliche Pflicht der deutsche» Regierung, einen Schutz gegen Ueberschwemmung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus anderen Ländern zu errichten. Keine Regierung kann untätig zusehen, wenn die Getrcidcpreise im Laus« von cinciuholb Jahren um 40 bis 30 Proz. sinken. Von Deutschland, das seine landwirt- schastlichen Zölle nicht zuerst und nicht am meisten erhöht Hai, kann ich versichern, daß es das einzige Ziel seiner Maßnahmen war, der eigenen Landwirtschaft die Preise zu sichern, die ihr wenigstens eine notdürftige Existenz ermögliche». Man muß jetzt nach besseren Wirtschaftsformen suchen. Es ist aus die Dauer unerträglich, daß sieb der einzelne Staat für sich allein in einer solchen Notlage nicht ander» schützen kann, als durch autonome Follmaßnahmen. Der Gedanke einer europäischen Zusammenarbeit auf wsrlschastlichcm Gebiete ist daher zur rechten Zeit gekommen. Die deutsche Regie- rung ist zu einer solchen wirtschaftlichen Zusammenarbeit positiv eingestellt. Sie ist bereit, alle dahinzielenden Vorschläge mit größter Sorgfalt zu prüfen und sich an allen Arbeiten akeiv zu beteiligen. Im Zusammenhang damit steht der Antrag, zwecks neuer Prüfung der Auslegung der M e i st b« g ü n st i g u n g s k l a u s c l zusammenzutreten. Kein anderes Land kann mehr an einer klaren und ein- wandfreien Auslegung und Handhabung der Meistbegünstigungs- klausel gelegen sein, da gerade Deutschland die Meistbegünstigung zur Grundlage des internationalen Warenrauschs gemacht hat. Die deutsche Regierung behält sich vor, auch die Frage des Kapitalvcr- kehrs auszuwerfen. Es ist ein unwirtschaftlicher Zustand, wenn in einigen Ländern Uebcrfluß an Geld und Kapital besteht, während in anderen Ländern ungeheuer hohe Zinsen bezahlt werden müssen. Der Gedanke einer europäischen Wirlschasts- und Zollunion ist heute noch ein kühner Gedanke: jedoch, wer kann zögern, den Wunsch auszusprechen, daß Wege zur Verwirklichung dieses Gedankens ge- funden werden? Es kann sich bei dieser großen Aufgabe nicht darum handeln, um Zollpositioncn zu feilschen oder sich kleine Vorteile für einige Jahre zu sichern, sondern darum, einen langen Abschnitt der europäischen Wirtschaftsgeschichte abzuschließen, der durch gegen- seitige Abriegelung und durch den Kampf aller gegen alle gekenn- zeichnet war. Nur wenn wir mit diesem Bewußtsein an die Arbeit gehen, können wir auf Ueberwindung der Schwierigkeiten und Herbeiführung von praktischen Ergebnissen rechnen. Vom Stiefsohn erschlagen! Bluttat in der Wiesenstraße. Zn der Nacht zum Montag wurde der ZZjährige ZUolkerei- besiher Julius Fürst in seinem K u h st a l l in der Wiesen st raße 3 2 von seinem 2Zjährigen Stiefsohn Rudolf Laer mit einer Dungschausel erschlagen. Wie der Täter sowie seine Angehörigen zunächst behaupteten, sollte die surchtbare Tat in der Notwehr geschehen sein. Die polizeiliche Untersuchung hat jedoch ein wesentlich anderes Bild er- geben. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Molkereibesitzce hinterrücks überfallen und erschlagen wurde. Noch auf dem am Boden Liegenden müssen mehrer« wuchtige Schläge geführt worden sein, die den hinleren Schädel völlig zertrümmerten. Fürst wurde bewußtlos ins Birchow-Krankenhaus gebracht, wo er gestern seinen Verletzungen erlegen ist. Durch den ganze» Befund ist die Behauptung der Notwehr bereits widerlegt. Der Töter wird nach diesen Feststellungen wegen Totschlages, inöglicherweise sogar wegen Mordes, dem Untersuchungsrichter vorgeführt iverden. Nieder Berliner in den Bergen umgekommen. Füssen, 16. September. Der seit vorigem Dienstag vermißte Kaufmann Gerhard E l s n e r aus Berlin, der allein eiiie Bergtour auf den Säuling machte, ist am Montag nach langem Suchen zweier Rettungsexpedi- lior.cn gefunden worden. Der Tote lag an der Südostwand des SüUliivz, etwa 10 Meter vom Säulinghaus entfernt. Er mag un- gefähr 20 Meter abgestürzt sein und dürfte aus der Stelle den Tod du�rh einen schweren Schädelbruch erlitten haben. In ihren Wahlbetrachlungen stellt die sozialdemokratische Provinzprcsse die Verantwortung Brünings an dem Wahl- crgebnis in den Vordergrund. In diesem Sinne schreibt die„Rheinische Zeitung" z. B.: ■„Der Zentrumskanzler Dr. Brüning steht vor einem Trümmer- Haufen. Diesem Manne, der uns als großer Staatsfiihrer vor- gestellt worden ist, war es vorbehalten, den t o l l st e» Wirrwarr in der deutschen Reichspolitik anzurichten, der überhaupt denkbar ist. Herr Brüning zog aus, um die bürgerliche Mitte zu stärken und mit Hilfe seines tönlservativcn Freundes Trevirrnus graße Teile der Deu�schnationolen an den republikanischen Staat heranzuziehen. Ergebnis: Der Abenteurer Treviranus k-.nn mit seiner„Fraktion" in einer Taxi am Reichstage vorfahren. Die bürgerliche Mitte, das Zentrum ausgenommen, ist zerrieben. Der Versuch einer bürgerlichen Sammlung unter der neuen Jirniu „Staatspartei" ist mißglückt. Di« Nationalsozialisten sind die unbe- strittcncn Triumphatoren. Die Kommunisten haben mächtig auz- geholt. Wir Sozialdemokraten, gegen die heillose Unvernunft den Hauptstoß richtete, haben uns im großen und ganzen behauptet." Oer Scherbenhaufen. Die„Mannheimer Volksstimme" sagt:„Blickt Brüning heute um sich, so wird er zwar seine Partei gestärkt in den neuen Reichstag rückkehrcn sehen, sonst aber um sich nichts als Scherben, und diese Scherben als sein Werk. Denn bis auf seine eigene Partei hat er alles zerschlagen, was irgendwie zu seiner Freund- schaft zählte, und hat jedes zerschlagen aus einen, anderen Grunde. Er hat die Große Koalition zerschlagen, weil er mit der Sazialdem»- kratie nicht länger regieren wollte. Er hat Hugenberg zerschlagen, weil er mit seiner Partei regieren wollte. Er hat Treviranus und Schiele zerschlagen, weil er mit ihrer Hilfe Hilgenberg aus dein Die Siegesfeier. Sie hängen ihre Fahnen raus und feiern ihren Sieg. „Jetzt geht es bald mit Slurmgebraus zum nächsten, hsil'gen Krieg! Jetzt laufen die Maschinen an und Arbeit findet jeder Mann. Wenn heute nicht, dann morgen verschwinden alle Sorgen." Sie treffen sich im Hitlcrbräu und zählen den Gewinn. „Wir schmieden Siezfrieds Säbel neu und ziehen nach Berlin. Und willst du nicht mein Bruder fein, dann hau ich dir den Schädel ein. Wir werden gründlich misten, wir hundertsieben Faschisten." Stolz zieht der Diktaturvcrein durchs Brandenburger Tor. „Nun löst auch die Versprechen ein!" schallt laut der Wähler Chor. Und wenn das Kreuz vom Haken bricht, die große Klappe tut es nicht. Und siehe, bei der nächsten Wahl da heißt's: Es war einmal. Noll/. Das Regierungsproblem. Frankreich und die Große Koalition. Paris, 16. September.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse sieht heute die durch die Neuivohlen in Deutschland geschasfenc Lage mit etwas größerer Ruhe als gestern an. Alle Blätter sind sich einig, daß aus dem augenblicklichen Chaos nur die Große Koalition den Ausweg bringen kann. Alle ober zweifeln daran, ob diese Koalition unter Brüning und Hind«nburg zustand« kommen wird. Der„Matin" spricht von einer bürgerlichen Minderheitsregierung unter Brü- n i n g mit der wohlwollenden Neutralität der Sozialisten. Die Linkspresse dagegen ist der Ansicht, daß die Sozialdemokratie, die trotz wildster Angriffe van rechts und links ihre Position behaupten konnte, jetzt als Meister der Situation die Regierung in die Hand nehmen müsse. Der„Quotidien" erklärt, Hindenburg und Brüning hätten gegen das Parlament und gegen die Sozialdemo- Sattel heben wollte. Er hat die Volkspartci»nd die Demokraten zerschlage», während er sie um sich als bürgerliche Mitte sammeln wollte. Und er hat nur e i n Positives geleistet: er hat den Kommu- nisten zu einem auch von ihnen kaum erhofften Wahlcrfolg verholfen und er hat die Nationalsozialisten zur zweitstärksten Partei gemacht gleich unmittelbar hinter der Sozialdemokratie, wenn auch immerhin mit 36 Mandaten hinter ihr. Bei Gott: eine Leistung, auf die er stolz sein kann: freilich eine im weiten Uebergewicht destruktive Leistung." Straßer in der Bendlerstraße? Die„Leipziger Bolkszeitung" sührt aus: „Der Reichskanzler Dr. Brüning hat unlängst in einem De- battespiel mit Otto Braun die Frage ausgeworfen, worin denn nun eigentlich der Sinn des Wahlkampfes bestanden habe. Für Herrn Brüning war der Sinn der zu treffenden Entscheidung offen und klar. Er brauchte die Mehrheit zu seiner Notverordnung. Was aber stellt jetzt der„Jnteressentenhaufen" dar, im Gegensatz zu der Opposition, die sich am 18. Juni gegen die Notverordming erster Serie gewendet hat? Der. Bürgerblock ist aktionsunfählg, selbst unter Teilnahme Hugenbergs. Ban Mahraun bis Hugenberz ergeben sich rund 247 Mandate, während der Reichstag etrou 573 Abgeordnet« umzassen dürfte. Wo nimmt nun Herr Brüning seine Mehrheit her? Schon Hugenberg hatte sich ihm im Juni oer- sagt. Verlängert jetzt Herr Brüning dieFrontbiszu Gregor S t r a ß c r, Goebbels und Münchmeier, den fingernden Haken- kreuzpastor vom Borkunier Strand? Ist das der Sinn des Wahl- kampjes gewesen, daß Gregor Straßer, wie längst schon angekündigt iourdc, an Stelle von Wirth und einer der Generale Hitlers nach der Bendlerstraßc übersiedeln soll? Das sind Fragen, die binnen weniger Tag« ernsthaft erwogen werden müssen. kratie regieren wollen. Der Wahlaussall zeige aber, daß wiederum die Sozialdemokraten die Mission erhallen hätten, die Republik zu retten. Nur in der Großen Koalition unter sozialistischer Führung könne daher die Rettung liegen. Die bürgerlichen Parteien in Deutschland hätten versucht, die Republik zu chrcin eigenen Prosit zu konfiszieren. Heute aber, nach der Wahlschlacht, seien sie genötigt, bei der vom Proletariat geschaffenen Republik Schutz und Hilfe zu suchen. Aber sie müßten nun auch zugeben, daß die einzige mögliche Koalition gegen die Unordnung unter der Führung der Sozial- dcmokratie stehen müsse. Nur noch Krach im Rachaus? Die Nazis fühlen sich als die starken Männer. Es scheint, daß es im Stadtparlament überhaupt zu keiner sachlichen Arbeit mehr kommen soll. Alles deutet darauf hin, daß auch die heutige erste Sitzung nach den Ferien eine Radau- s i tz u n g wird. Die Nationalsozialisten fühlen sich als die starken Männer und werden in ihrer Demagogie bereitwilligst von den Kommumsten unterstützt. Die Goebbels-Fraktion hat einen Dring- lichkeitcantrag eingebracht, in dem sie die Auflösung des Stadt- Parlaments verlangt. Um nun überhaupt zu praktischer Arbeit komnren zu können, wird man diesem Dringlichkeitsantrag selbstver- ständlich widersprechen müssen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es hierbei zu Tumulten und erregten Auseinandersetzungen der verantwortungsbewußten Parteien mit den Faschisten und Bolschc- wisten kommen wird._ Richter verschleppt? Hober Gerichtsbeamter feit einem Monat verschwunden. Newyork, 16. September. Das rätselhafte Verschwinden eines hohen Gerichlsbcamten erregt seit Wochen in den Vereinigten Staaten großes Aufsehen. Der Richter am Obersten Gerichtshof, Joseph F. E r a t e r, ist seit über einem Monat spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen sind ergebnislos geblieben. Man vermutet, daß Erat« das Opfer van Banditen geworden ist, um so mehr, als gestern seine Gattin einen Brief erhielt, worin sie aufgesordert wird, 20 000 Dollar zu bezahlen, wenn sie ihren Gatten lebend wiedersehen wolle. Falls die Zahlung nicht criolge, drohen die Erpresser damit, den Richter als eine menschlick)? Ruine zurückzugeben. Der Brief ist der Polizei übergeben worden, die sich fieberhast bemüht, die mysteriöse Assäre aufzuklären. Lastauto vom Entsehliches Unglück in Dicht vor den Toren Berlins in R o s e n i h a l ereigncie sich heule vormittag ein entsetzliches Unglück. Ein Lastauto der Städtischen Wasserwerke A.-G. Lichtenberg wurde auf dem schrankenlosen Bahn- Übergang der Nicderbarnimer Eisenbahn(heidekrautbahn) in der wittenaner Straße von der Lokomotive eines Personenzuges ersaßt und völlig zermalmt. Der Führer des Autos kam bei der Katastrophe ums Leben. Die Lokomotive entgleiste, jo daß der Betrieb stundenlang gestört war. Die Ursache des furchtbaren Unglücks ist zunächst noch völlig ungeklärt. Die Unfallstelle ist ziemlich übcrsichtlth, links imo rachts liegen freie Felder. Nur am Rande der Straße stehen,.einige Kirschbäume, die jedoch die Uebcrsicht des Geländes nicht behüipern. 'Cfe war gegen?*12 Uhr» als sich das Lastauto den, Bahnübergang näherte. Um diese Zeit befand sich auch der planmäßig die Strecke passierende Personenzug der Kleinbahn Reinickendorf— Rosenthal— Liebenwalde dein Uebergang nicht mehr ollzufern. Bermuilich hat der Führer des Lastautos durch das starke Motorengeräusch de» eigenen Fahrzeugs den herankommenden Zug überhört. Plötzlich war das Unglück geschehen. Das Lastauto, das sich initten aus dem Bahnübergang befand, wurde von der Lokomotive erfaßt. Es erfolgte ein ohrenbetäubender krach und obgleich der Lokomotivführer alle Bremsen zog. um den Zug zum hallen zu bringen. wurden die Trümmer des Lastautos noch etwa SO Meter mit- Zug zermalmt Nosenthal.- Ein Toter geschleist.. Die Lokomotive war dabei entgleist und die vorderen Achsen bohrten sich tief in das Erdreich des Bahndammes ein. Die Unfallstelle bot einen erschreckenden Anblick. Die Auto- trllmmer hingen zum Teil in der Maschine, die schweren Eisenteile des Fahrzeuges waren zu grotesken Spiralen gebogen. Zwischen Holz-, Eisen- und Glassplittern lag die furchtbar zugerichtete Leiche des 23jährigeil Autofahrers Georg A ß m a n n aus Lichtenberg. Glücklicherweise war der Zug um diese Zeit nicht allzu stark besetzt, so daß nur rvenige Reisende, die bei dem Zusammenprall und das plötzliche Ziehen der Bremsen von ihren Sitzen geschleudert wurden, geringfügige Abschürfungen erlitten. Der Verkehr der ein- gleisig betriebenen Bahn wurde sofort gesperrt. Später konnte der Betrieb durch Umsteigen wieder aufgenommen werden. Von der Reichsbahn als Aufsichtsbehörde und der Direktion der Niederbarnimcr Kleinbahn sowie von der Polizei werden die Ur- fachen des Unglücks zur Zeit noch untersucht. Bisher ist durch Zeugenaussagen ermittelt worden, daß dos Läutewerk an dem Uebergang cinwandsfrei funkttonicrt hat. 4- Die Sicherheiisoerhältnisse auf der Niedcrbarnimer Eisenbahn haben schon wiederholt Anlaß zu berechtigter Kritik gegeben. Es muß dringend gefordert werden, daß derartige Bahnübergänge, die zudem noch fast an der Grenze Groß-Berlins liegen, nicht nur durch«in Läutewerk, sondern auch durch Schranken gesichert werden. Reichsiagswahl wie im Mai �924 SPD. verlor nur wandernde Stimmen, behielt festen Bestand— Anteil des Zentrums ging zurück Die liberalen Parteien auf dem Weg zum Llntergang Das erste, was jeder macht, wenn er neue Wahlergebnisse zu sehen bekommt, ist, daß er diese Ergebnisse mit denen der letzten vorangegangenen Wahlen vergleicht, so die Wahlergebnisse vom 14.«eptember mit denen vom 20. Mai 1928. Nun besteht diesmal die Schwierigkeit für den Vergleich, daß sich die Wahlbetet li- g u n g in den beiden Fällen außerordentlich stark unterscheidet. Die Maiwahlen 1928 waren durch ausgesprochen schwache Wahlbeteiligung ausgezeichnet, während die Wahlbeteiligung am 14. Septemb.er sehr stark war. Es waren am 20. Mai insgesamt im ganzen Reich 30,740 Millionen gültige Stimmen gezählt, während am 14. September etwa 34,940, also 4,200 Millionen mehr abgegeben wurden. Zum Teil ist diese gewaltige Zunahme auf die Vermehrung der Zahl der Wahlberechtigten zurückzuführen, zum viel größeren Teil aber auf die stärkere Aktivität der Wähler. Man muß diesen Unterschied der Wahlbeteiligung berücksichtigen und nicht nur die absoluten Zahlen der für jede Partei abgegebenen Stimmen vergleichen, sondern auch die relativen, d. h. den prozentualen Anteil jeder Partei an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen. Wenn z. B. die W i r t- schaftspartei diesmal ungefähr die gleiche Stimmenzahl erhalten hat wie im Mai 1928, so bedeutet daß nicht, daß sie stabil geblieben ist, sondern daß sie in ihrer Entwicklung zurückgegangen ist: sie hat im Mai 1928 etwa 4,6 Proz. aller Stimmen bekommen, jetzt aber nur etwa 3,9 Proz. Man darf sich aber auch nicht mit dem Vergleich der relativen Zahlen allein begnügen. Es ist durchaus möglich, daß der prozentuale Anteil einer Partei von Wahl zu Wahl schwankt, bald nach oben, bald nach unten, während ihre Entwicklungstendenz die gleiche, ent- weder auf- oder absteigende, bleibt. Die Sache ist nämlich die, daß es sich bei den Schwankungen der Wahlbeteiligung nicht um einen, sondern um mehrere wesentlich verschiedene Vorgänge bandelt. So z. B. kann die Abschwächung der Wahlbeteiligung die Folge eines allgemein geringeren Interesses zu den in Frag« kommenden Wahlen sein oder dadurch entstehen, daß viele Wähler überhaupt von der Politik enttäuscht sind und sich von jeder Beteiligung an der Politik zurückziehen oder aber dadurch, daß ein Teil der Wähler gegen ihre Parteien verstimmt ist, aber trotzdem nicht für andere Parteien stimmen will und deshalb zu chaufe bleibt. So war die schwache Wahlbeteiligung in westlichen Wahlkreisen Mai 1928 zum Teil darauf zurückzuführen, daß viele Zentrums- Wähler wegen der Beteiligung des Zentrums an der Bürgerblock- rcgierung mit den Deutfchnaticmalen, wegen der Nichtaufftellung von Wirth in seinem Wahlkreise(Baden), wegen des Konfliktes zwischen den Arbeiter- und Beamtcnvertretern in der Partei und dergleichen mehr, stark gegen ihre Partei verstimmt waren, sich aber nicht dazu entschließen konnten, direkt gegen ihre Porlei zu wählen und deshalb überhaupt nicht wählten. Die Enthaltung solcher Stimmen bedeutet noch keinen endgültigen Verlust sür die Partei. Schon bei den Gemeindewahlen im vorigen Jahre haben viele von diesen Wählern wiederum das Zentrum gewählt. Ihre Rückkehr zur politischen Aktivität brachte am 14. Sep- tember dem Zentrum beträchtlich« Erfolge, und trotzdem ist die Cntwicklungstendeiiz des Zentrums die gleiche, nämlich die ab- steigende, geblieben, wie wir noch sehen werden. Andererseits kann eine starke Zunahme der Wahlbeteiligung daruf beruhen, daß eine große Anzahl von Wählern, die bisher eigentlich völlig unpolitisch waren, aus irgendwelchem Grunde zur Wahl stürzt, wie es auch ohne Zweifel am 14. September der Fall war. Für einen Teil solcher Reuwähler wird es wahrscheinlich nur ein einmaliges Erwachen zur politischen Aktivität sein, dem Rückkehr in das Heer der Richtwähler folgen wird. Die anderen werden sicher schon bei den nächsten Wahlen anders wählen, als sie diesmal gewählt haben. Es läßt sich jetzt nicht fest- stellen, zu welchem Teil die Aktivierung dieser Wählcrmassen einen dauernden Gewinn für die Sieger dieser Wahl, in erster Linie für die Nationalsozialisten, aber auch teilweise.für die Kommunisten, bedeutet. Es liegt auf jeden Fall auf der Hand, daß durch eine solche plötzliche Erweiterung des Kreises der Wählenden starke Vcr- schicbungen in dem Verhältnis der Stärke der verschiedenen Parteien eintreten. Inwiefern diese Verschiebungen einmalig oder rasch vorübergehend sind, und inwiefern sie die Entwicklung der einzelnen Parteien auf die Dauer zu beeinflussen geeignet sind, ist eine Frage, deren sichere Beantwortung nur in der Zukunft möglich sein wird. Es ist aber für uns außerordentlich wichtig, schon jetzt wenigstens einige Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, wie sich der Rückschlag, den w i r ain 14. September erlitten haben, zu der R i ch- t u n g unserer Entwicklung verhält. Nachdem wir aus dem Gesagten die Schlußfolgerung ziehen, daß wir nicht die relativen oder die absoluten Zahlen, sondern beide Zahlengruppen untersuchen müssen, geben wir den Gesamt- überblick über die Entwicklung der einzelnen Parteien seit den M a i w a h l e n 1 9 2 4, wie sie im prozentrcalen Anteil jeder Partei an der Gesamtzahl der Stimmen in Erscheinung tritt. In Prozent aller gültigen Stimmen Mai 1924 Dez. 1924 Mai 1928 Sept. 1930 SPD...... 20,5 26,0 29,8 24,5 KPD...... 12,5 9,0 10,6 13,1 Zentr. u. Bayr. Vp. 16,7 17,4 15,2 14,8 Deutsche Volksp.. 0,2 10,1 8,7 4.7 Demokraten... 5,7 6,3 4,9 3,8 Wirtschaftspartci.—. 5,3 4,6 3,9 Deutschnationale. 19,5 20,5 14,3 7,0 National-Soz.. 6.5 3.0 2,6 18,3 Die evtl. Aendcrungen für die Zahlen der letzten Wahlen werden voraussichtlich die Grenze eines Zehntels eines Prozent nicht überschreiten, so daß die Dcrgleichsmäglichkeit schon jetzt völlig vorhanden ist. Das Wahlergebnis vom 14. September zeigt zum Teil eine merkwürdige Verwandtschaft mit dem vom Mai 1924. Deranjchaulichen wir diese Verwandtschast durch folgende Gcgenüberst�lung: Mai 1924 September 1930 Deutschnationale 19,5 7,0 Ratkonalsozialisten....... 6,5_ 18,3 Zusammen 26,0 25,3 Kommunisten......... 12.6_ 13,1 Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten zusammen sind also jetzt fast genau so stark, wie sie im Mai 1924 waren, aber mit dem Unterschied, daß sie sozusagen ihre Plätze vertauscht haben. Die beiden Parteien zusammen mit den Kam- m u n i st e n sind jetzt genau so stark win im Mac 192 4. Man sich vor viel zu weitgehenden Schlußfolgerungen hüten und darf z. B. nicht annehmen, daß die drei Parteien in beiden Fällen genau die gleichen Bevölkerungsgruppen umfassen, die insgesamt rund 38 Proz. der Bevölkerung ausmachen. Trotzdem ist es un- verkennbar, daß die Wahlen, die wir jetzt mitten in der- schwersten wirtschaftlichen Krise und bald nach den Kämpfen um die neue Reparationsregelung erlebt haben, zu dem gleichen Typus gehören wie die Rlaiwahlen 1924, die nach der wirtschaftlichen Erschütterung der Inflation, nach dem Ruhrkamps und während der Verhandlungen über den Dawes- Plan stattgefunden hoben. Man darf noch weiter gehen und mit großer Wahrschein- lichkeit, ja sogar mit Sicherheit annehmen, daß ein beträchtlicher Teil der Wähler, die 1924 von der deutschnationalen Demo- gogie(Aufwertung nicht zu vergessen) gesangen waren und die 1928 den Deutschnationalen den Rücken gezeigt, aber bei keiner anderen Partei für sich einen Platz gefunden haben, jetzt nationalsozia- l i st i s ch wählten. Sie sind noch erbitterter geworden und stehen der bestehenden Ordnung noch feindlicher gegenüber, sind zum Teil ausgesprochen antikapitalistisch geworden und deshalb nicht bloß national, sondern national s o z i a l i st i s ch. Sie bilden jetzt einen wesentlichen Teil der gewaltigen nationalsozialistischen Welle. Die Dcutschnationalen haben damals(ohne Landbundlisten) 5,7 M4- lionen Stimmen bekommen, die Nationalsozialisten jetzt 6,4 Mil- lioncn. Die Wahlen im Dezember 1924 waren die Wahlen der Erholung und bedeuteten trotz der Stimmenzunahme bei den Deutschnationalen einen„Ruck nach links"' und zugleich eine Der- schiebung in der Richtung von den Extremen zur Mitte. Wir haben damals sehr stark gewonnen, während die Kommunisten verloren. Etwas zugenommen haben die beiden liberalen sowie die beiden katholischen Parteien. Seitdem war die Entwicklung der beiden liberalen Parteien völlig eindeutig mit der Richtung zum Verschwinden. Das ist schon eine feste Entwicklungstendenz, weil sie sich bei jeder politischen und wirtschaftlichen Konjunktur feststellen läßt. Auf Kosten dieser Parteien entstand die Wirtschaftspartei, die im Mai 1928 ihren Höhepunkt h-. Zentrum und Bayerische Volkspartei. Manche Leser werden vielleicht überrascht sein durch das Bild, welches unsere Zusammenstellung über die Entwicklung des Z e n- t r u m s und der Bayerischen Volksportei zeigt. Ihr Erfolge am 14. Septemv�t' reichten n i ch t aus, um ihren prozentualen Anteil an der Gesamtzahl der Stimmen im Vergleich mit den Maiwahlen zu verbesserit: Sie haben nur ihren zu scharfen Rückschlag bei den für sie außerordentlich ungünstigen Wahlen im Mai 1928 einiger- maßen gutgemacht, aber nicht einmal ganz die absoluten Stimmenzahlen vom Dezember 1924 erreicht. während die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen jetzt um mehr als 2lt> Millionen größer war. Sie haben jetzt im Reichstag einen Abgeordneten weniger als nach den Dezemberwahlen 1924, während wir 13 Abgeordnet« mehr haben, trotzdem unser prozen- tualer Anteil unter den vom Dezember 1924 zurückgegangen ist. Unser Rückschlag ist zweifelsohne stark. Nun liegt gor kein Grund vor, anzunehmen, daß dieser Rückschlag zugleich der Umschlag unserer Entwicklung auf die Dauer vom Aufstieg zum Abstieg be- deutet. Wir haben den Wahlkomps gegen alle unter außerordentlich schwierigen Umständen geführt. Bei der Betrachtung der Wahl- ergebnisse in den einzelnen Wahlkreisen wird über unser Wahlresultat noch im einzelnen die Rede sein. Fest steht aus jeden Fall, daß die Stimmen, die wir am Sonntag bekommen haben, unseren festen Bestand darstellen. Jede Partei hat ihren festen Bestand und bekommt dar- über hinaus wandernde Stimmen, die zu behalten ihre Aufgabe ist. Wir haben viele wandernde Stimmen verloren, und es ist sehr bedauerlich, daß wir nicht imstande waren, sie zu halten, unseren festen Bestand haben wir aber sogar aller Wahr- scheinlichkcit nach vermehrt. Sicher ist das wenigstens in einem großen Teil der Wahlkreise der Fall gewesen. Die KPD. hat stark zugenommen und ihre Höhe vom Mai 1924 sogar etwas überschritten, indem sie jetzt 13,1 gegen 12,6 Proz. im Mai 1924 erhalten hat. Die beiden proletarischen Parteien erhielten jetzt zusammen be- deutend mehr Stimmen als damals, nämlich 37.6 Proz. gegen 33,1 Proz. aller Stimmen im Mai 19Z4. Im Vergleich mit M a i 1 928 ist aber die Gesamtsumme der sozial- demokratischen und kommunistischen Stimmen von 40,4 auf 37,6 Prozent, also relativ stark zurückgegangen. Ob dos mehr auf die verhältnismäßig schwächere Beteiligung der proletarischen als nicht- proletarischen Wähler zurückzuführen ist oder vor allem auf die Erfolge der Nationalsozialisten bei proletarischen Schichten, diese Frage kann nur durch die Betrachtung der Wohlergebnisse im einzelnen einigermaßen aufgeklärt werden. Oorz Decker. Keine Kn'egsschuldenrevision. Dondon. 16. September. Die Agentur Reuter erfährt, daß die aus amerikanischer Quelle .stammend« Meldung, die britische Regierung bemühe sich um eine Revision des englisch-amerikanischen Kriegsschuldenabkommens, voll- kommen grundlos fei. � Alle 3 Parteien zusammen 38,6 38,4 „Die drei von der Tankstelle." Gloria-palast. Das nicht ungeschickt gemacht« Manuskript wird den Belangen des Kurfürst«ndamin-Publikums gerecht. Drei junge Männer, die noch nie gearbeitet haben, werden, während st« eine lustige Reise mit ihrem Auto niachen,— von ihrem Bankirr um ihr Geld bc- trogen. Sie verkaufen ihr Auto, richten eine Tankstelle ein und verlieben sich alle drei in ein Mädel, mit dem dann einer zum Schluß sich verlobt. Damit diese Handlung sich abrollt, wird viel gesungen und noch mehr getanzt. Es tanzen nicht nur Braut und Bräutigam, nein, es tanzt auch der Gerichtsvollzieher, es tanzen die Freunds und Zieh- leute und die Schreibmaschinendamen tanzen desgleichen. Der Re- gisseur Wilhelm Thiele führt eine fiotts, geschmackvolle, ein- fallsreiche Operettenregie. Der Ton ist sehr gut. Jedes Wort kommt klar heraus, ganz gleich, ob es gesungen oder gesprochen wird. Die eingestreuten Liedchen„Liebling, mein Herz läßt dich grüßen", „Ein Freund, ein guter Frrimd",„5)allol>! Du süße Frau" und „Erst kommt ein großes Fragezeichen" werden unfeni Schlager- reichtum noch vermehren. Der Komedo mann Franz Planer photographicrte räfsinicrt und für die Dan«n höchst schmeichelhaft. Die Darstellung(L i l i a n H a r v e y, Willy F r I t s ch, Oskar Karlwciß, Heinz Rühmann, Fritz Kam- pers, Olga Tschechowa, Kurt Gerron, Gertrud Wolle, Felix B r e s s a r t) ist erstklassig. Sorglose Menschen können lachen, aber die Röte und Sorgen des Volkes lacht man nicht hinnxg. Im übrigen wissen wir schon lange, daß der Tonfilm der Operette Konkurrenz machen kann. Nun wird es nachgerade einmal Zeit, sich mit wirklichen Aufgaben und rein filmischen Fragen zu beschäftigen. e. b. „Lohnbuchhalter Kremfe." phoebus-palast. Anläßlich einer Presseoorfllhrung wurde hier bereits auf die Bedeutung dieses stummen Films hingewiesen. Jetzt läuft„L o h n- buchh alter Kremke" in öffentlicher Ausführung im Phoebus- Palast. In der Gestalt Kremkes soll ein Typ geschossen werden, der durch Arbeitslosigkeit aus seiner Gesellschaftsschicht hinausgleitel, in der Rot den inneren Halt verliert und schließlich freiwillig aus dem Leben scheidet. Kremke wird zum Symbol eines entwurzelten Klein- bllrgerruins, da der Film aus romanhafte Elemente verzichtet und in fast dokumentarischer?lrt bestimmte typisch« Tatsachen festhält. Die Wahlresultat« der Extremen am 14. September stammen aus der Sphäre der Enttäuschten. Es zeugt von Mut, heut« in der Zeit des Tonfilmfetischismus einen stummen Film herzustellen, und dieser Mut hat sich bewährt. Jenseits der üblichen Produktion ist ein Film entstanden, der die pathoslose Tragik des Alltags entdeckt und der als ein soziales Doku- ment der Gegenwart bewertek werden kann. Keine Zlnklage, son- dern ein erschütternder Bericht, der die Tatsachen sür sich sprechen läßt. Und hierauf ist auch die Regie Marie M, Härders cingestellr. Milieuechtheit und Wahrheit im schauspielerischen Ausdruck bleiben die Hauptsache, und es gelingt, die Atmosphäre um Menschen und Dinge zu verlebendigen, die Berknüpfthcit des einzelnen mit seiner Umgebung darzustellen. Hermann A a l e n t i n gibt dem kleinen Lohnbuchhalter das Gesicht des Lebens. Er und auch Äowsl- S a in b o r s k i wirken nicht wie Schauspieler, sondern wie Mcw- scheu, die der Beruf gestempelt hat. F. Seh. 26 Jahre Barnowsky-Theater. Vor 25 Jahren zog Victor Barnowsky, der bei Brahm als Schauspieler begonnen und am Lustspiethaus die Kunst der Regie versucht hatte, in das Kleine Theater. Er mar seitdem Theater- direktor in Berlin. Heute leitet er das Theater in der Stresemann- straße, wo er das literarisch« Interesse seiner Anhänger befriedigt. Im Komödienhaus am Schiffbauerdamm, der Filiale feines Ruhms, läßt-Barnowsiy das leichtere Plauderstllck und die Operette spielen. So balancierte er stets fein geistiges und finanzielles Budget ge- schickt aus, um nicht bei dem sehr fchwierigen Theatergeschäft zu Schoden zu kommen. In dem Vierteljahrhundert seiner Berliner Tätigkeit bemüht« sich Barnowsky, mit den besten Lerlretern der Feder und der dar- stellenden Kunst Frenndschast zu halten. Künstlerinnen vom Range der Bergner, der Maria Bord und Massary gratulierten ihm zu seinem Jubiläum stürmisch und dankbar. Ein Büchlein, das Julius Berstet, Barnowskys Dramaturg, seinem Chef widmet und durch den Verlag Kiepenheuer verbreiten läßt, bezeugt den Respekt, de�s zahlreiche angesehene Persönlichkeiten Berlins dem jubilierenden Direktor entgegen bringen. Barnowsky hat schön« Dinge inszeniert, Strindberg und Ibsen. Der Barnowskyjche„Peer Gynt" ist un- vergeßlich und noch heut« ein Kassenmagnet. Wedetind erwarb einen Teil seiner Unsterblichkeit, weil Barnowsky ihm fleißig bei- stand. Hasenclever und Zuckmeyer, die jungen Dramatiker, be- künden gern, daß sie von Barnowsky die nützliche 5)ilfe empfingen. dl. II. Volksbühne E. V. Der durch die Ausschaltung aller 3. Rang- plätze von Äartenoerlosung bewirkte Andrang neuer Mitglieder hat dazu gesülzt, daß eine Reihe von Abteilungen gefüllt ist. Es sei jedoch ausdrücklich hervorgehoben, daß auch jetzt nach Mitglieder- anmeldungcn sowohl für die Abend- wie sür die Nachmittagsabtei- lungen(auch für die Sonderabtcilungen) entgegengenommen werden. Einmalige Einjchreibegebühr 1,50 Mk.. Vorstellungen im Schauspiel gleichmäßig auf ollen Plätzen 1,70 Mk., in der Oper 2,50 Mk. Alles nähere durch die Zahlstellen der Volksbühne E. V. sowie durch die Hauptgeschäftsstelle, Linienstr. 227. „Eyankall" wieder zensiert. Die Filmprüfstelle Berlin hat den Film ..T ii a n k a l i" erneut zur öffentlichen Vorsübrmrg» u g e l a s s e n. nachdem er von der Film-Oberprüsstelle im Widerrussversahren völlig verboten war. Der Sturm. Kurtürstendamm 173. bat den Kindern einer Tegeler Schule zur öffentlichen Ausstellung für selbstgctertigte Zeichnungen und Aguarelle einen seiner Säle zur Versügung gestellt. Die liluSstellung: ,DaS Kind mall' ist täglich von 10—20 Uhr geöffnet. Zehn Lahre Bauhüttenbewegung Ein Stück praktischen Sozialismus Der Verband sozialer Baubetriebe feiert am Dienstag, dem IL. September, sein zehnjähriges Jubiläum. In diesen 10 Iahreu hat die Bauhütlenbcweguug ein Stuck praktischen Sozialismus geschaffen. Sie kann aus reiche Ersolge zurückblicken: sie' ist ein Faktor in der Wirtschaft geworden. Selbstverständlich sind der Bewegung bittere Erfahrungen nicht erspart ge- blieben. Aus der harten Schule ging aber eine Unsumme von Wissen und Erfahrungen hervor, die ein in vorderster Linie stehender Vauhüttenmann vor kurzem wohl am besten mit den Wollen gekennzeichnet hat: Es wäre von ungeheurem Dorteil und von größter Bedeutung gewesen, wenn wir dieses lvissen und diese Ersahrungen in den Tagen des Zusammenbruchs im Jahre ISIS besessen hätten! Die Geburtsstättc der deutschen Bauhüttcnbewcgung ist der Sitzungssaal des Deutschen Bauarbeiteroerbandcs in Hamburg. Hier wurde der Berband sozialer Baubetriebe G. m. b. H. am 16. Sep- tember.1920 gegründet. Als Väter darf man die beiden Gewsrr- schaster P a e p l o w und E l l i n g e r vom Deutschen Baugewerks- bund und den Berliner Stadtbaurat Dr. Wagner bezeichneil, der aus dem Schützengraben heraus seine erste Broschüre über die Sozialisierüng der Bauindustrie schrieb. Nach Kriegsende bildeten sich überall in Deutschland Baugenossenschastenn. Es waren zun, Teil wilde Schöpfungen und häufig gerieten sie auch, eine Gefahr, die sehr oft bei Produktivgenossenschaften eintritt, in kapitalistisches Fahrwasser. Eine Zusammenfassung tat not. Sic erfolgte mit der Gründung des Verbandes sozialer Baubetriebe. Die Bewegung wurde auf eine gemeinschaftliche Grundlage gestellt. Di« Bauhütte wurde als neu erFaktor in die große ino° Verne Zlrbeiterbewcgung eingeschaltet— und sie hat sich bewährt. Erwähnenswert ist, daß in den dem Verband sozialer Bau- betriebe angeschlossenen Unternehmungen kein Pfennig privalgeld niehr sicckt. Auch das Geld gemeinnütziger Institute ist ausgeschaltet worden. Unsere Bauhütten arbeiten mit eigenem Kapital und mit Gewcrkschaftsgeldern. Der Versuch der Gewerkschaften, durch Uebernahme der bau- gewerblichen Produktion die Bau preise zu senken, Ring- bildunge» zu sprengen und damit zur Verringerung der von den breiten Volksmassen aufzubringenden Wohnungsmicten sowie zur Beseitigung des Wohnungselcnds beizutragen, ist geglückt. Die Hoffnungen des privaten Unteruehmertuins, das der Bauhütten- bewegung bei ihrem Entstehen ein rasches Ende voraussagte, haben sich nicht erfüllt. Im Kampf gegen eine Welt des Widerstandes ist die Bauhüttcnbewegung unter Ueberwindung aller Rückschläge von Jahr zu Jahr immer mehr erstarkt. Wurden im Jahre 1921 in allen Baubetrieben zur Zeit der besten Bautätigkeit 20 045 A r- beiter und Angestellte beschäftigt, so stieg diese Zahl im Jahre 1929 auf 29 367 beschäftigte Arbeiter und Angestellte. Eine noch stärkere Steigerung zeigte der Umsatz, der im Jahre 1924 rund 41,05 Millionen und im Jahre 1929— 137,65 Millionen Mark betrug. Das ist eine Steigerung um 237 Proz, Das im Jahre 1924 3L7tzz,Pljllionen Mgrf betragende E ig en k apikal der.sozialen s Baubetriebe stieg aus 9,293 Millionen Mark im Jahre 1929. Die (Steigerung beträgt 153 Proz. Ende 1929 waren im Verband sozialer Baubetriebe 130 selbständige Bau- und Nebenbctricbe mit 19 handelsgerichtlich eingetragenen und zahlreichen nicht eln- getragenen Zweigstellen vereinigt. An B a u st o f f b c t r r e b c n verfügt die Bauhüttenbewegung über 12 Ziegeleien, 4 Sägewerke, 5 Kiesgruben, 4 Zementwarenfabriken, 4 Steinbrüche, 3 Holz- bearbeitungsfabriken, eine Schiefergrube, ein Schwemmsteinwcrk, «in Kunststeinwerk und«ine Sandquetschanlagc. Durch diese Bau- stofsproduktiobetricbe hat die Bauhüttenbewegung auch auf die Bau- stofspreise Einfluß gewonnen. In der Erkenntnis, daß neben der Berbilligung der Baugclder durch Herabsetzung des Zinsfußes in erster Linie die Wirtschaft- l i che Gestaltung der Bau arbeit zur Senkung der Bau- kosten führt, hat sich der Verband sozialer Baubetriebe«ine beson- dere Abteilung für wirtschaftliche Betriebs- f ü h r u n g angegliedert, durch die allen Betrieben die neuesten technischen Errungenschaften und die in einzelnen Betrieben ge- machten Ersahrungen der Gesamtbewegung dienstbar gemacht werden. Ilm den die Bauten verteuernden Leerlauf der Baubetriebe nach Möglichkeit zu beseitigen, tritt der Berband sozialer Baubetriebe seit Iahren für ein langfristiges vauprogramm und eine gleichmäßige Verteilung der Bauaufträge auf das ganze Jahr ein. Die Zusammenarbeit der sozialen Baubetriebe mit der gewerkschaftlichen Wohmmgssürsorgc und befreundeten Vau- genossenschaften Hai auch bereits zu einer erheblichen V e r m i n d r- rung des Leerlaufs der sozialen Baubetriebe beigetragen. Von dem fflesamtnmsatz der sozialen Baubetriebe entfielen im Jahre 1929— 72,8 Proz. auf Bauten gemeinnütziger Siedlungszesell- schaften und Genossenschaften. 4- Das zehnjährige Bestehen der Bauhüttenbewegung wird durch eine künstlerisch ausgestaltet« Morgenfeier am Sonntag, dem 26. Ok- tober 1930, in der B c r l i n e r Volksbühne begangen werden, für deren Ausgestaltung die besten Kräfte der Volksbühne, der Arbeiterdichter Ernst Preczang und der Koniponist des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes Erwin L e n d v a i gewonnen worden sind. Nächtlicher Spuk im Grunewald. Das Gerücht von einem A k t« n d i e b st a h! in der Wohnung des Landgerichtsdirektors Dr. Weigert war gestern in der Wangenheimstraße 12 im Grunewald verbreitet. Dr. Weigert wurde in der Nacht durch ein klirrendes Geräusch aus dem Schlaf geschreckt. Der Landgerichtsdirektor glaubte zunächst an Einbrecher, die im Grunewaldviertel nichts Seltenes sind, und alarnücrtc das U e b e r f a l l k o m m a n d o. Es konnten jedoch nirgends Spuren entdeckt werden, die auf einen Eindringling hindeuteten. Man glaubt, daß der Hund des Landgerichtsdirektors der Missetäter war, der in der Dunkelheit gegen den Tisch gelaufen ist, so daß die Vase herunterstürzte. Wie uns mit allep Be- stimmtheit versichert wird, sind weder Akten noch andere Gegenstände gestohlen worden. Wetter für Verlin: Wechselnde Bewölkung und ziemlich kühl mit Neigung zu etwas Regen. Südwestliche bis westliche Winde.— für Deutschland: Im Norden veränderlich und namentlich an der llste leichte Regenfälle. Im Süden zeitweise heiter; überall ziemlich kühl. Die Berliner Abieilungsziffern. Ein Nachtrag. Den weitaus gtüßten Teil der Vsrlincr Abteilungs- zifsccn konnten wir bereits gestern abend vcrösfentlichen. wir tragen heute die Ergebnisse nach, soweit sie beim Bezirks- vorstand eingegangen sind. Abt. 37: So,. 3860. Dnl. 944, Z. 549, KPD. 5682, Dp. 145, Staatsp. 292, Wp. 319, Rsoz. 1221, Landvolk 3, Kons. Vp. 3. Christl.-Soziale 59. Abt. 53: So,. 2791. Dnl. 640, Z. 270, KPD. 4423, Vp. 126, Staatspart. 284, Wp. 136, Nsoz. 1143, Landvolt 5, Kons. Vp. 19, Ehristl.-Soziale 150. Abt. 56: So,. 8275, Dnl. 14 022, Z. 1232, KPD. 4302, Vp. 2034, Staatsp. 3683, Wp. 719, Nsoz. 6598, Landvolk 20, Kons. Vp. 517, Christl.-Soziale 414. Abt. 72: Soz. 3268, Dnl. 3053, Z. 531, KPD. 1553, Vp. 1335, Staatsp. 1399, Wp. 241, Nsoz. 3003, Landvolk 18, Kons. Bp. 323, Christl.-Soziale HO. Abt. 75: So,. 1012, Dnl. 682, Z. 116, KPD. 284, Vp. 406, Staatsp. 344, Wp. 96, Nsoz. 875, Landvolk 3, Kons. Vp. 104, CrijnfU�ozmle�lS. � x>nl. 1470, Z. 406, KPD. 401, Bp. 938, Staatsp. 862, Wp. 79, Nsoz. 988, Landvolt 38, Kons. Vp. 420, OchrchUwQzia.c OU � zznl. 492, Z. 43, KPD. 685, Vp. 145, Staatsp. 165, Wp. 243, Nsoz. 387, Landvolk 4, Kons. Vp. 2. Abt. 112: So,. 899. Dnl. 584, Z. 92, KPD. 679. Vp. 149, Staatsp 253, Wp. 361, Nsoz. 610, Landvolk 1, Kons. Vp. 19. Soz. 4734, Dnl. 3026, Z. 517, KPD. 3809, Vp. 663, Staatsp. 866, Wp. 700, Nsoz. 2539, Landvolk 54, Kons. Vp. 101, EhriOHSozmle 162. � zzul. 234, Z. 26, KPD. 535, Vp. 29, Staatsp. 80, Wp. 53, Nsoz. 166, Landvolk 6, Kons. Bp. 4, Christl.- Soziale 20.__ Oer fällige Monatswechsel. Bergarbeitertarife in Oberschlesien gekündigt. G l c i w i h. 16. September. wie der Arbcilgcberverband der obcrschlesischcn wonlaninduslrie miUeilt. sind die Lohntarise im Kohlenbergbau and Erz. bergbau sür den 31. Oklober gekündigt worden. vieostax. 16. September. Berlin. 12,20 Kiinstlcrlebcn. 17.30 Juucndstunde. 15.40 Dopinz Sport. 15.00 Neue russische Bücher. 16.05 Der Masus im Norden. 15.30 Französisch für Anfanser. 10.30 Untcrhaltunssmusik. Weiter Konzerte. Könlzs Wusterhausen. 16.00 Probleme des Philoloitcn-Nachwuchscs. ISsOO Künstlerpcrsönlichkeit in dieser Zeit,. 19.00 Deutsche Redekunst.. 19.30 Die deutsche RciChsverfassuiiK(Min.-Rat Qö�lai1). Sfroitlmortl. für die Rrdaktinn: Wnlsganj, Schwa». Berlin:'Anzeigen: Th. Siecke, Berlin. Verlag: Bnrmiirls Verlag G. ni. b. S.. Berlin.'Bruck: Borwärls Buch- druckerci und Verlagsanstalt Paul Singer S: Ca.. Berlin SW KS, LindenltraKe Z. Hierzu 1 Beilage. PRO G R AH M für die Zeit vom 16. bis IS. September I N O-TA F i L PROGRAM für die Zeit vom 16. bis 18. September M »er CD CSCEl Potsdamer Strafe 33 W. 5. 7, 9 Uhr Tonf Im: Der Korvettenkapitän m Harry Licdtke, Maria Pandlcr, Frltx Kampcrs Jugendliche haben Zutritt Rhein strafje 14 KafiAs.n-Eiche) 5chicksa>, deine Weite sind wunderbar Mit der Ehe spielt man nicht Odeon, Potsdam er Str. 75 Delikatessen mit Harry Liedike Lupino Lanc, das Püppchen Jugendliche haben Zutritt Turmstra$e 12 W. 5, 7, 9 Uhr Tonfilm: Westfront 1918 mit Fritz Kampcrs, Gustav Dicfjl Alcxandcrstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Tonfilmoperette: Der Licbeswalzer mit Liiian Harvcy, Willy Frltscb U Wösten W Primus-Palast oVs.Vz1,* Potsdamer Str. 19 Ecke Margareienstr Uraufführung des Tonfilms: Mach mir die Welt zum Paradies m. Gösta Eck mann, Anita Dorris, Albert Panitz Ffiedrfich&tatft Täglich 3, 5, 7. 9 Uhr Die Kamera Unter den Linden 14 Verlängert Der FloreDüner Hot m Alb.Prefan Entr'acle Markt in Berlin Moabit Artushof-Lichtspiele Film- und Bahnenschau Perleberger Str. 29 Alraune m. Brig. Helm, P. Wcgcntr Besondere Kennzeichen mit Lux, König der Abenteurer Bfihncnschan Welt-Kino Mt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Dreyfii« m. Frllz Kortner, Heinrich George Grete Mosbeiin, F. Kampers g Wilmersdorf""b Atrium Beba-Palast sigg 5,7, 9.I5 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Urauff.: 100 proz. deutscher Tonfilm ' Die Csikobarone� mit Gretl Thclmcr, Ernst Vcrcbcs, Albert Faulig, Julius Falkenstein Schoneberfl Titania(ula S�höneberg) Hauptstraße 49 W 5, 7, 9 U. Stg. 3 Li. Ton- und Sprechfilm: Der Korvcllenkapltän mit Harry Liedike. Fr. Kampers Alh/in-lhrA Wchtgs 7 u.9 Uhr r�inamDra stgs. ah 3 Ohr Hauptstr. 30 Ton- und Sprechfilm; Skandal von Fva m Hcnny Porten Beiprogramm Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W.7,»,U. S.5,7,9U Tonfilm: Der Andere m. Frllz Korlner, Kithe r, Nagy, Heinrich George TOnendcs Beiprogramm a st«3iit«» Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4. 6.30, 9 Uhr Uraufführung: 100 proz. Tonfilm: Ein Walzer im Schlafcoup� mit Lucie Englisch, Fritz Schulz, Trudc Berliner, Adele Sandrock g saawesten"" g Fiim-Peiesi Kammersäle Teltower Str. I W. 5, 7.9, Stg. ab 3 Uhr Tonlustspiel: Die vorn Hummel' 81 atz mit Anny Ondra eiprogramm Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr 72/76 Wochent. 5 30, 7. 9.15, Sonnt ab 3 U. Der Großtonfilm: Affäre Drcyfus mit Fritz Kortner, Heinr. George, Grete Masheim, Fr. Kampers, Alb. Basscrmaan Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzpiatz Beginn; W. ab 5 Uhr. Stg. ab 4 Uhr Tonfilm; Hokaspokns mit Ullan Harvey. Willy Frllsdi > Neukölln j Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs. 6 45, 9 Stgs. 3. 5, 7. 9 U 100 proz. Tonfilm: Dreyfus mit Heinr. George, Fritz Korlner Jugendliche haben Zutritt Wochent. 6,45, 9 U Sonntags 5, 7, 9 U. Koltbusser Damm 92 Kukuk Tonfilmposse: Lampenball Tonfilmbeiprogramm Pv�1cv/�v Wochent 6.45, 9 U. EXCClSiOr Sonntags 5, 7. 9 U Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilmlustspiel: 2 mal Hochzeit TonBlmbeiprogramm Jugendliche haben'Zutritt Stern, Hermanmtra�e 49 Wohcmags 6 45 u. 9, Sonntags 5, 7. 9 U. lOOpror- Tonfilm: Tonlustspiel: Lumpenball mit Fritz Kampers, A. Müller-Linke Beiprogramm > Sttdesten M Filmeck Beginn W. 5 30 U S. ab 3 U. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof 100 proz Tonlustspiel: Lumpenball mit Fritz Kampers Bühnenschau Luisen-Theater s�ntfu. Rcichenberger Str. 34 Helden d. Nacht mit Fairhank» Jr. Der geheimnUrolle Kavalier BUisaudtaa Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen; Wochtgs. 5.30, 7.15, 9.15, Sonnt, 3. 5, 7. 9 U Der große Sprech-Tonfilm; Oer Sohn der weisen Berge mit LuU Trenker Beiprogramm— Bühncnsdiaa Sternwarte- Treptow Dienstag. 16. 9, 8 Uhr: Der gestirnte Himmel Mittwoch-Donnerstag:„MahaM Plnrcium" Filin Bühne judySlUin Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S- 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilm: Der Andere mit Fritz Kortner, Käthe v. Nagy, H. George Bühne: Else Ward, Hans Leidner ■ 0st*n> Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30. Sonntags 5 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Die Affäre Dreyfus mit Fritz Kortner, Heinr. George, Alb. Bassermann, Grete Mosheim Tönendes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Wochent 5 Uhr, Sonnt. 3 Uhr Tonfilm: Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst Bühne:„5 Original Parodbster" Schwarzer Adler In« 99 Woch. 5, 7. 8.45, Stg. 3. 5. 7. 8.45 U /Tonfilm Dan WoIgamSdchea mit Evelyn Holl, Igo Sym Beiprogramm Comenlus-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U Schenk mir das Leben Tarzans neue Osch ungelgesch lebten Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. 100 Proz. Toniilm: Der KorvctlenkapifSn mit Harry Liedike, Fritz Kamper» THHmrnKhM Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, ca 7, 8.45, Stg. 3, ca 5. 7. 8.45 U. Mein Hlmmelreidi m.VilmaBanky Tembi.— Bühnenschan * 1 L._ U..- Woch. ab 6 30 Uhr AinamDra SonnL ab 4 Uhr Koppenstraße'29 Seine Gefangene, Der Schrecken von Piccadtlly BChnenschan g Neu-llchtentoerg"b Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 6.15 U., Stgs. ab 4 U Tonfilmpremidre: 2 mal Hochzeit.— Tön. Bciprogr. Frisdrlchsrclclo Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Lord Blutf mit Margot Landa Die schönste Frau von Paris mit Werner Fuettcrcr, Elg« Brink Beiprogramm Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206—210 Stg.'/,3 Jgd.-V Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larifari m. M.Hansen. C. JÖkcn.- Bühne: Die dtsch. 5 Rcvellcrs jazzsänger � Worden � � Alhambra Ton-Operette: Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst Pharus-Lichtspielc Müllerstraße 142 W. 5. 7. 9 U. Stg. ab 3 U. Verlängert: Ton-Lus spie!: Komm zu mir zum Rendezvous m. Morgan, M. Kupier Marga-Lichtspicle Schul Straße 29 Ein Spitzenprogramm: Kurztonfilm: Flock und Flicjky Familienzuwachs Der CowboyKÖnig m.Hoot Gf bton Bühnenschau Prater-Lichlspiel- Palast Kastanicnailce 7-8 W. ab 5, Stgs 5Vj U- Das göttliche Weib m. Greta Garbo Gibt's ein schöneres Leben. Bühne Mila-Liditspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.5l/j, S. S'-a Ein Film der russischen Revolution: Matrosenregiment 17 Mädels von heut.- Bühnenschan Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3'- U. Tonfilm: Die letzte Kompagnie mitVeidt.- Rautbold von Arizona Variete Colosscum stg.lA?7 u. 9 Uhr Schönhauser Allee 132 Ton-Sprechfilm: Absd�ied So sind die Menschen.— Bciprogr. Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7. 9. Stg. 5, 7. 9 U. Sprech-Tonfilm: Die vom Rnmmel- plau mit Anny Ondra, S. Arno Tivoli, Pankow fgl U. ------,------- Igd.-Vorst, Berliner Straße 27 W. 7. 9 U.. Stg. 5. 7 u. 9 u. DergroßeTonfilm: Westfront 1918, Vier von der Infanterie— Beipr. Niederschönhauten K Film-Palast Anhausen Blankenburger Str. 4 W.7, 9, Stg.5.7,9 U. Ufa-Tonfilm: Der blane Engel mit Marlene Dietrich, Emil Jannings Tegel Filmpalast Tegel suSee0/" Stgs. 2 U Jgd.-Vorst. W. 6. Stg. 44, U. Tonoperette; Ein Tango fOr dich mit Willy Forst, Fee Malten Tßnendes Beiprogramm Auf Tohis-Apparatur „Kosmos" Fümbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr.?,30 Uhr Kriminaltonfilm: Der 5chuh Im Tonfilmatclier mit Gerda Maurus Beiprogramm Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6,8'fe U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 41,1, 5'-. SAi U. D. Blumenfran v. Potsdamer Platz Der tolle Harry m Harry Liedike c MenmgttforF Filmpalast Stg. Äf Berliner Straße 59 Stg. 2U. Jug.-Vorst. Kolonne X mit Reinh. Schänzel Sein größter Blatt mit Harry Fiel (ßeitage Dienstag« 16. September 1930 Sn'Äbpnd SfuZlaulfaßt Ja{ofvxldt Begabtenauslese-Begabtenförderung Studienreform und Auslesepolitik Der preußische Kultusminister Genosse Grimme hat in seiner vrnßcn, vielbeachteten Landtagsrcde als sein« Hauptaufgabe wirkungs- voll« und gerechte»Auslese und Förderung alter Begabungen bc- zeichnet. Die Lage an den höheren Schulen und Hochschulen ist gegen- wärtig so: Die höheren Schulen sind überfüllt. Jeder Volks- fchüler, dessen Eltern es wirtschaftlich nur irgendwie schaffen können, wird, ob begabt oder nicht, auf die höhere Schule geschickt. Wer mit dem Schulpensum nicht fertig wird, bekommt Nachhilfestunden. Wo Begabung fehlt, soll sie durch Fleiß ersetzt werden. Die Folgen solchen ungesunden Streb«ns sind schon erkennbar: die Hochschulen klagen darüber, daß die Studenten eine mangelhafte Schulbildung hoben. Die Lehrer der höheren Schulen sind sich darüber einig, daß ein großer Teil ihrer Schüler nicht auf die höhere Schule gehört. Die wirtschaftliche Lage und ein falscher Ehrgeiz sind die Ursachen dieser Situation. Die Uebersüllung auf fast allen Gebieten des Ar- beitsmarktcs verleitet Behörden, Wirtschaftsgruppen, Berufsstände zu überspannten Anforderungen. Der„Bercchtigungssimmcl" wird immer schlimmer. Auf der anderen Seite können Tausende wirk- licher Begabungen nicht die höhere Schule besuchen. Dos liegt weniger am Schulgeld(obwohl es schlimm genug ist, daß die Fi- nanzlage des Staates und der Städte die Erhebung und sogar Er- höhung des Schulgeldes verlangt), als daran, daß Arbeiter, An- gestellte und gering bezahlte Beamte auf baldige wirtschaftliche Selbständigkeit ihrer Kinder angewiesen sind. Wenn aber wirkliche Begabungen nicht die Förderung finden, die sie verdienen, so leidet darunter die Allgemeinheit. Denn das Gemeinwohl verlangt, daß die Kräfte scdes Menschen seinen Fähigkeiten entsprechend ausgebildet und ausgenützt werden. Es gibt in der Welt weniger spezielle Begabungen, als man deyken sollte. Und es bedarf langer und sorgfältiger Auswahl, ehe es ge- lingt, den richtigen Mann an chie richtige Stelle zu setzen. Darum ist es ein entscheidender Fehler, wenn der Staat es duldet, daß begabte Menschen nicht die ihnen gebührende Ausbildung finden. Wir leben in einem kapitälsstischen Staat und die Sozialpolitik muß sich darauf beschränken, Schönheitsfehler auszubessern. Darum ist auch auf dem Gebiete der Begabtenauslefe eine Aenderung des Systems, die an sich nötig wäre, zur Zeit noch nicht durchführbar. Eigentlich ist es unerhört, daß Staat und Städte, die gegenwärtig für jeden Schüler einer höheren Schule durchschnittlich im Jahr etwa 700 Mark zahlen, es dulden, daß mit diesen öffentlichen Mitteln auch Unbegabte gefördert werden. Die Gerechtigkeit ver- langt unbedingte Ausschließung jedes unbegabten Schülers aus der höheren Schule und die Erziehung begabter unbemittelter Kinder auf Staatskosten. Zu solcher Politik, die durchaus im Interesse der Allgemeinheit läge, hat sich noch keine Regierung entschlossen. Immer- hin wird es notwendig sein und ist durch die Rede des Ministers Grimme erfreulicherweise auch angekündigt, daß die Abwehrmaß- nahmen auf der negativen, vor allem aber die Hilfsmittel auf der positiven Seite vermehrt werden. Die höheren Schulen müssen eine schärfere Auslese treiben. Schüler, deren Fähigkeiten nicht aus- reichen, müssen, man kann Bewährungszeiten abwarten, rllcksichts- los auf die Volksschule zurückgeschickt werden. Am schärfsten muß diese Auslese beim Eintritt in die Oberstufe der höheren Schule und bei der Schluhprüfung sein. Geht die höhere Schule in dieser Weise vor, so wird sich trotz des jetzt herrschenden Berechti- gungsunwesens die vernllnstige Ansicht wieder durchsetzen, daß«in tüchtiger Arbeiter oder Handwerker wertvoller und nützlicher ist als ein unfähiger Beamter. Rein soziale Maßnahmen, die nicht gleichzeitig der Begabtenauslefe dienen, sind abzulehnen. Freistellen, Erziehungsbeihilfen, Geschwisterermäßi- gungen haben nur dann einen Sinn, wenn sie den Begabtesten und Bedürftigsten helfen. Eine mittlere oder mindere Begabung nur barmr zu fördern, weil die Eltern in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen leben, ist genau so sinnlos, wie zu dulden, daß ein unbegabtes wohlhabendes Kind die höhere Schule, die z» einem wesentlichen Teil auf Kosten der Allgemeinheit betrieben wird, be- sucht. Di« Freistellen und Erzichungsbeihilfen müssen vctmehrt werden. Auch in Zeiten der öffentlichen Finanznot werden sich für diese dringlichste Ausgabe Lösungen finden lassen., Aehnlich liegen die Verhältnisse an den Universitäten und Hochschulen. Stipendien, Gebührenerlaß, Wirtschaftshilfe sind geeignete Ansätze, die sich vermehren und vervollkommnen lassen. Das Reich unterstützt jährlich mit Millionenbeträgen das Deutsche Studentenwerk in Dresden, das durch Stipendien, Darlehen und wirtschaftliche Erleichterungen mit Unterstützung der Länder und der Städte, vielfach auch der Wirtschaft, begabten Studenten hilft. Die im Etat des Reiches, der Länder und Gemeinden ausgeworfenen Beträge müssen wesentlich erhöht werden. Wenn keine neuen Ein- nahmen dafür zur Verfügung stehen, so muß durch Kürzung der Ausgaben an anderen Stellen geholfen werden. In anderen Res- sorts des Reiches und der Länder, aber auch in den Unterrichts- Ministerien selbst sind solche Einsparungen möglich. Wenn dem Deutschen Studentenwerk diese neue große Aufgabe mit übertragen werden soll(man muß die Frage sorgfältig prüfen), so müßten seinen leitenden Organen und Ausschüssen noch mehr und einfluß- reichere Vertreter der öffentlichen Körpe�chasten hinzutreten. Gegen- wärtig werden etwa 200 Studenten jährlich als Vollstipendiaten vom Studentenwerk ausgenommen, es müssen künftig 800 bis 1000 fein, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, daß eine nennenswerte Zahl wahrer Begabungen erfaßt wird. Wer in die„Ctlidienstistung des Deutschen Volkes"(so heißt diese Stelle des Studentenwerks) ausgenommen ist, sollte auch gleichzeitig vollen Gebührenerlaß be- kommen und besondere Förderung durch die Wirtschastseinrichtungen der Hochschulen genießen. Wenn dadurch die Mittel gemindert wer- den. die für andere Studenten zur Verfügung stehen, so ist das unbedenklich, wenn wirklich die Zahl der vtudienstiftungsmitglieder wesenllich erhöht wird. Auch auf den Universitäten und Hochschulen muß im übrigen ein schärferes Auslesesystem Platz greifen. Zwischen- Prüfungen sollten in allen Fakultäten und Abteilungen rechtzeitig unbegabte Studenten von weiterem Studium ausschalten. Es ist eine schwere Sache, am End- des Studiums einen Stud-nten end- gültig durchfallen zu lassen und dadurch langjährige, oft intensive und brave Arbeit zumchie zu machen. Es zeigt sich denn auch, daß auf weiten Fachzcbiet-n, zum Beispiel im Medizinstudium, kaum .üeinals ein Student endgültig durchfällt. Ohne Zweifel birgt solche und rücksichtslose Zwischenprüfungen könnten manchen Ausgleich schaffen, allerdings müßten die Prüfungen sich in erster Linie auf die Begabung, dann erst auf die Kenntnisse beziehen. Wichtige Er- fahrungen sind in dieser Beziehung in der sogenannten Begabten- prüfung gemacht worden. Studicnreform und Auslescpolitik müssen Hand in Hand gehen. Man sollte meinen, daß die Regierungen und Parlamente des Reiches und der Länder«in dringendes Interesse daran haben, dies« wichtigste Frage der Kulturpolitik einer schnellen und befriedi- gcndcn Lösung«ntgegenzusührcn. Dr. Otto Bcncuke. Die Erfahrungen in Preußen Aus der Beantwortung einer Kleinen Anfrage durch den preußischen Unterrichtsminister erfährt man über die bisherigen Resultate der B c g a b t e n p r ü f u n g in Preußen: Seit Bestehen der Begabtcnpriifung(Dezember 1923) haben sich 1530 Bewerber gemeldet(bis 31. Mai 1930): Davon männlich 1314, weiblich 186. Nach abgelegter Prüfung sind zum Studium zu- gelassen worden 369 Kandidaten, und zwar 302 männliche, 67 weib- lichc. Die zum Studium Zugelassenen gliedern sich nach ihrer Schulnorbildung in 2-57 Nichtvolksschülcr, 112 Volksschüler. Die Statistik über den Beruf des Vaters ergibt, daß die große Mehrzahl der Zugelassenen sich aus den bürgerlichen Schichten rekrutiert. Zlls Kinder von„Handwerkern und Arbeitern"(leider sind diese beiden Kategorien in der Statistik nicht getrennt auf- geführt) werden nur 42 der Zugelassenen ausgewiesen, als Kinöer von unteren Beamten: 23, von Privat angestellten in nicht leitender Stellung: 13. Interessant dürfte sein, daß unter den 1161 Durchgefallenen sich nur 7 0 Kinder von Hand- werkern und Slrbeitcrn befinden. Während bei den Zu- gelassenen diese Kategorie etwa 12 Proz. ausmacht, ergibt sie bei den Durchgefallenen n»r 6 Proz. Danach haben die Arbeiterkinder im Durchschnitt doppelt so gut bestanden wie der große bürgerliche Durchschnitt. Dies erklärt sich zum Teil aus größerem Fleiß und E r n st des S t r e b c n s, zum Teil wohl auch daraus, daß ausgesprochen unbegabte Abkömmlinge des Bürgertums, nachdem sie im regulären Bildungsgang gescheitert sind, in der Begabtenprüsung einen letzten Rettungsweg erblicken, um zum Studium zu gelangen. Dagegen muß ein Arbeiterkind schon wirklich begabt sein, um die Opfer der Vorbereitung für diese Prüfung riskieren zu können. Trotzdem zeigt die absolut geringe Zahl der Slrbeiterabituricntcn, daß die Begabtenprüsung wohl ersrculiche Ergebnisse in Einzel- fällen zeitigen, aber nicht das Bildungsproblem des Proletariats als solches lösen kann. Der Masse der begabten Proletarier- kinder kann nur geholfen werden durch gesteigerten Ausbau der Zl u f b a u s ch u l e. Giftdiebstähle.. Uehergroße Furcht nicht angebracht Giftdiebstählc, wie sie in gewöhnter Duplizität der Fälle die Oeffentlichkeit momentan in Berlin und Paris zugleich beschäftigen, sind seit vielen Jahren eine gangbare Rubrik des kriminellen Ge- schchcns, welche die Allgemeinheit stets in etwelche Unruhe versetzt. Seit vielen Jahren habe ich diese Rubrik immer mit größtem Interesse verfolgt, weil sie einen der Wege darstellt, auf welchem Gifte unkontrollierbar ins Publikum gelangen. Aber ich mußte konstatieren, daß die crivartete gefährliche Auswirkung sozusagen niemals eingetreten ist, indem in keinem Falle etwa ein Morden auf breiter Basis an einen solchen Gistdiebstahl geknüpft war. Denn' Giftdiebe sind zumeist, ja fast immer Psychopathen.von bestimmter Eigenart, welche von dem Gift eine ganz andere Verwendung machen, als sich die breite Masse vorstellt. Der Giftdiebstahl ist eine der seltensten Quellen zur Verbreitung von Giften, weil gerade diejenigen, welche das Gift stehlen, sich davon nicht mehr trennen. Ich komme darauf noch eingehender zurück. So war ich in der Lage, daß eine weitaus gefährlichere Quelle der Giftverbreitungen die gerichtlichen Auktionen durch die Gerichtsvollzieher darstellen, welche mit der größten Gemütlichkeit kistenweise Gifte versteigern, das nach der allgemeinen Konstitution des Auktionswesens in Händlerringen durch diese ins Publikum koinmen. Auch Gewerb« und Industrie sind Einfallspforten für Gifte in jeder Menge, ohne daß dies« jedoch größeres Unheil an- richten. Jahrelange Beschäftigung mit dem Vorkommen und der.Verwendung von Giften in Gewerbe, Industrie, in Genußlebcn und Verbrechen hat mich erkennen lassen, daß hem Gist als solchem bei einem großen Teil des Publikums ein gewisser Zauber inne- wohnt, der ein altes Erbteil aller Kultur- und Halbkulturvölker aus der Zeit ihrer Primitivität ist. Die uralte Gleichung: Gift gleich Macht hat sich im volkskundlichen Unterbewußtsein sei dem Zauber- lrank und dem Giftpfeil ständig weitervererbt und bei gewissen Leuten besonders intensiv verankert. Gift auf alle Fälle. Man weiß nie, für was es gut ist. Es gibt einem so ein eigentümliches Gefühl von Sicherheit. Nur ein bißchen, damit man es hat. Das sind Begründungen, mit denen man mir Bitten um Gift vorgetragen hat. Vielfach liegt darin ein heimliches Spiel mit dem Selbstmordgedanken, weniger mit den übrige» kriminellen Möglichkeiten. Gewisse Psychopathen haben den absoluten Drang des Giftbesitzes, wie andere Kakteen sammeln. Nicht um es zu verwenden, sondern um es zu hegen, zu pflegen und sich immer wieder an den Möglichkeiten zu berauschen, die im Gist be- gründet liegen. Sie beten gewissermaßen die verborgene, heimliche Macht an, welche im Gifte l>egt. Sie fühle» sich sicher, überlegen. Sie beherrschen die letzten Möglichkeiten. Wenn eine solche Idee überwertig wird, kann sie dazu führen, daß ein Gistdiebstahl be- gangen wird. Vor allem dann, wenn zusälligerweise eine Flasche oder Tüte mit Gistetikett in greisbar« Nähe gelangt. Die Zwangs- idce kann aber auch weiter entwickelt werden, bis sie den Einbruchs- diebstahl erzwingt. Es ist eine Eigentümlichkeit der Presse, daß sie bei Gtftdieb- stählen immer die tausend Möglichkeiten erörtert, wie dieses Gist Verheerungen anrichten könnte. Wie viele hundert oder tausend Menschen man damit umbringen könnte, manchmal wird von ganzen Städten gefaselt. Man kann den Gistdieben damit kein« größere Freude machen, als daß man dadurch fein Mochtbewußtsein ins llngemessene steigert. Erst dann fühlt er sich so vollkommen im Vollbesitz seiner Macht. Man rät bei Giftdiebstählen immer in erster Linie auf die Gistsüchtigen im engeren Sinne, auf die, welch« bestimmte, allgemein als Rauschgifte bezeichnete Narkotika und Euphoriastika(Mittel, die ein gesteigertes Wohlbesinden herbeiführen) gewohnheitsmäßig zu sich nehmen. Dies« Morphinisten, Opiophagen und Kokoinisten haben bestimmte charakterologischen Eigenschaften, welch« sie zu einem Cinbruchsdiebstahl sehr wenig tauglich machen, sie sind so gut wie nicht zu einer Tat der Gewaltanwendung fähig, sondern nur zu Delikten der List und Verschlagenheit: Gelegcnhcitsdiebstahl, __ � Rezeptfölschung, Urkundenfälschung, Betrug. Man rät also meist tSMie»" jsir d» Wgemrdrhert nr pch. Svündli cher�Hoijch� wen» wo« RcarschgMüchftge als- Täter ozoümmt. Und wcrm. es solche sind, so sind sie rauschgistsüchtig geworden« Berufsver- brecher, b«i denen das Einbrechertum bereits bestanden Hot, bevor sie giftsüchtig geworden sind. Ais dritte Klasse von Tätern kommen die berufsmäßigen Rausch- gifthändler niedrigster Sorte, die sich aus dem Beruss- und Gelegen- hcitsverbrechertum rekrutier«», in Frag«, deren andere Quellen ver- stopft sind. Also Leute, die mit dem Gifthandel, insbesondere dem Schwarzhandel vertraut sind und die die Gifte zu Geld zu machen verstehen und wissen, was sie stehlen. In Händen Unsachverständiger haben die Gifte nach däm Diebstahl selten ein langes Leben, gestohlenes Zyankali bleibt nicht lange mehr Zyankali, sondern zersetzt sich, und so geh: eb� Mit vielen anderen Stoffen auch, sie werden in falschen Händen unwirksam. Uebergroßc Besorgnisse nach Giftdiebstählen sind dank der Tücke des Objekts meist etwas deplaziert. Je aktiver ein Stoff ist— das trifft auch bei den Kampfgasen zu—, desto schneller wird er auch durch Zersetzung unwirksam, je komplizierter seine Zusammensetzung, desto größer die Zersetzungsgefahr. Dies ist besonders bei medizinisch hochwirksamcn Medikamenten der Fall, und der Hauptschaden eines derartigen Giftraubcs ist der, daß die wertvollen Stoffe vollkommen, selbst wenn sie wieder ver- wendet werden können, nur noch ausnahmsweise medizinisch wieder verwendet werden können. Durch das Opiumgesetz, das von einschneidender Wirkung auf die Zugänglichkeit der Rauschgift« ist, wurde natürlich ein« Beengung des schwarzen Handels erzeugt, die einerseits die Preise trieb, die Verfälschungen fördert« und zweifellos auch den Antrieb der gewaltsamen Beschaffung steigerte. Nur der llmstond, daß in Ztpotheken die dem Opiumgesetz unterliegenden Stoffe noch unter besonderem Spezialverschluß an geheimer Stell« liegen, vermag selbst bei Einbrüchen den Raub der erstrebten Drogen zu verhindern. Es ist aber auch für die Zukunft eher mit einer Zunahme von solchen Versuchen zu rechnen, und man tut auch deswegen gut, wenn man aus die berufsmäßigen Gifthändler ein besonders wachsames Auge hat.__ Dr. J. R. Spinner. Ba r-Sittlichkeit Das Resultat von sieben Jahren 11 Uhr abends. Die Lokal« füllen sich mit Theater- und Kwo- besuchern. Ich sitze in einer bekannten Bar des Berliner Westens, Eine Negerkapelle trommelt Jazzmusik. Plötzlich össuet sich die Tür. Zwei Damen, ossensichtlich Nicht-Berlinerinnen betreten das Lokal. Sie sind in keiner Weise aufsällig gekleidet, sie benehmen sich durchaus nicht ungewöhnlich. Sie tun nur, was jeder der Dort- sitzenden vor ihnen getan hat, sie suchen ganz einfach einen leeren Tisch. Doch schon schießt die Inhaberin mit allen Zeichen sichtbarer Empörung auf die Ahnungslosen zu:„Suchen Sie hier jemanden?" „Nein", kommt die harmlos- Antwort. Darauf die Wirtin, grollend- Sittlichkeit in der überflüssig gehobenen Stimme:„Bitte verlassen Sie sofort das Lokal! Damen ohne Herrenbegleitung ist der Ein- tritt nicht gestattet."„Aber, erlauben Sic", protestiert die«ine der Damen,„seit wann steht es nicht mehr jedem Menschen irci, in einer öffentlichen Bar am Zlbend einen Kg sie« zu trinken?" Eine Ausklärung wird ihr nicht zuteil. Im Gegenteil. Diö augenblicklich« Entfernung aus dem Lokal wird ihr und ihrer Begleiterin noch nachdrücklicher— noch geräuschvoller nahegelegt. Alle Umsitzenden dürfen an dieser Szene teilnehmen. Der Abgang der beiden ähnelt in fataler Weise einem Herausschmiß mit Gewaltanwendung... Gleichberechtigte deutsche Frauen! Alles ist euch gestattet. Ihr dürft wählen, ihr dürft Steuern zahlen, ihr dürft euren Berufen nachgehen, sofern ihr welche habt, ihr dürft euch einen legitimen und auch einen illegitimen Ehemann zul-gen. Aber wehe euch, ihr Alleinstehenden, wenn euch nach abendlichem Theaterbesuch der Wunsch noch einer Erfrischung befällt. Kocht euch euren Kasse«, preßt euch eure Zitronen zu Hause oder es gibt genug Erwerbs- lose in Berlin— schafft einen neuen Berus: Herrenbegleitung für -Saüehausbejuch, die Stunde 50 Pfennig, Bewiplung. gratis. Copyriiht 1930 by Fackdreiter-Verlas G. m. b. H.. Hamburt-Bcreedorf (2ö. Fortsetzung.) Aber meine Sck>enkel und Waden und Füße schmerzen bei jedem Schritt, die Schultern brennen von dem Druck des Tornisters und mein gepeinigter Körper erinnert mich wieder daran, daß ich ein Soldat von Kaiser und Fürsten bin, ein Söldner; daß ich kein Äkensch sür meine Herren und Pciniger bin, daß ich ein Vieh bin, dem die Sterne fremd sein müssen und die Gedanken über Mensch- lichtcit und Schicksal ein Frevel, und wenn man mich hier aufgreifen wllrd', dann würde ich für meine Sehnsucht in den Kerker wandern. Den» verfluchter als verflucht ist der Soldat— und wehe, wenn der Mensch in ihm sich regt und an das Licht will... Woher kommst du, Ruhelosigkeit, Schicksal, unbekanntes...? Das vor mir geht, lautlos, durch die Nacht...? Wer bist du? Wo- hin gehst du? Bist du mein Leben? Bist du mein naher Tod? Was treibt mich? Daß ich aufstehen mußte und im dünnen Hemd barfuß durch die Nacht gehe? Wie arm sind wir! Keine Antwort wird uns.— Ob wir einsam gehen oder in Kompagnien marschieren: innner, immer gehen wir allein.--- Was wissen wir voneinander, als daß wir alle leiden müssen und Bettler sind im Nebel, da einer den anderen nicht sieht. Wir wissen nichts von der nächsten Stunde und sicher ist nur der Tod.— Geh' zurück, Mensch! Die Nacht ist kalt; unsinnig ist dein Gang unter den Sternen. Schlafe doch, du brauchst den Schlaf. Du bist jung und dein Körper ist schwach vom vielen Hungern. In einigen Stunden wieder ist schwerster Dienst:„Sprung aus, niarsch, marsch! Stellung! Punktfeuer! Garbenfcuer! Laufwechsel!..." Aber ich gehe und gehe, und der Wind ist mein Gefährte unter den Sternen. Ein Psalm fällt mir ein, geboren im Dunkel der Nacht,— sind e» Stimmen aus der versunkenen Kindheit? Ich sehe mich in die Kirche treten mit vielen anderen jungen Menschen: in blauen An- zügcn wir Knaben, in weißen Kleidern die Mädchen--- Konfirmation-- ein feierlicher Zug... die Orgel brummt, helle Kinderstimmen. Und dann die salbungsvollen Worte des Predigers: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich doch kein Ilnglück, denn du bist bei mir,—— dein Stecken und Stab trösten mich..."--- der Wind pfeift um die Baracken: pi— juuuuu— hiuuuh— pi juuuuuu— pjuuuuuuh... Ich schaudere zusammen und namenlose Leere umweht mich kalt und hoffnungslos... Es knackt von den Baracken her: in der Nähe schlägt dumpf eine Tür oder ein Fenster--- Kalt stehen über mir die Sterne. Ich krümme die Hände in meiner Schutzlosigkeit,— es ist mir, als wärme das und gäbe nur Mut in dieser grenzenlosen Verlassenheit der Barackenstadt. Ich setze Fuß vor Fuß, mechanisch, unempfindlich, nachtwandlerisch____ Ich komme an der großen Latrine vorbei. Es riecht strenge nach Urin, Lysol und Ammoniak, und dieser Geruch verstärkt das ungeheuer wachsende Gefühl der Perzwcifluna, das mich umschleicht wie eine Hyäne und mich anglotzt>.iit grüngelben Augen.--- Finster stehen die Silhouetten der Barocken. Ich bin schon in dem Teil des Lagers, in welchem fremde Kompagnien und Regimenter liegen... Wenn ich immer weiter ginge, über das Lager hinaus, in die Felder hinaus, dann kommen vielleicht Wälder, darin würde ich leben wie ein Tier... Wie herrlich muß es sein, ein Tier zu sein, denke ich, ein freies Tier! Und kein Soldat!--- Der Gedanke verscheucht plötzlich meine traumhafte Müdigkeit: Flucht?! Flucht!?... Wenn ich zurücklaufe, niich ganz anziehe,— und dann fort in die Wildnis, ganz gleich wohin. Nur nie wieder unter Menschen, und — nicht— in— den Schützengraben.— Ich überlege kühl und muß lächeln. Nein, so geht das nicht, Rekrut! Stacheldraht umgibt das Lager,— er soll elektrisch geladen sein, und Posten stehen draußen mit geladenen, entsicherten Ge- wehren: Wir sind Gefangene!---„Mit diesen Gedanken an Flucht sind wir vertraut, ihr Hunde! Darauf sind wir eingerichtet! Versucht es nur'mal! Ihr werdet nicht weit kommen! Ha ha ha ha ha ha ha!!!!"... Ich fahre zusammen. Es hallt von den Barackenwänden schreck- lich zurück: Ich selbst habe gelacht... lind zwischen dem Schwächegefühl des Hungers und plötzlicher Müdigkeit, die mich wie wolkiger Schnee überfällt, torkele ich weiter,— und dann, um nicht niederzusinken, reibe ich mit beiden Fäusten die Augen, spreche sinnlose Worte, nur um mich zu hören, lege die Handflächen unter das geöffnete Hemd auf die nackte Brust, bohre die Fingernägel in das Fleisch... Mechanisch, Fuß für Fuß, wandle ich weiter und weiter... vielleicht gehe ich im Kreise, ich weiß nicht mehr, wo ich bin,— und dann schaue ich wieder aufwärts, bleibe stehen und sehe die Nachtlichter der Erde, die Sterne, sie flimmern und flammen aus und ziehen ihre Bahn... lind dann kommt der übermächtige Wunsch, zurückzugehen zu meinen Käme- roden, ich will unter meine Decke auf das harte Lager meines Feldbettes kriechen. Ich gehe schnell und immer schneller,— zurück, zurück zu meinen Kameraden. Ich blicke um mich: die Gegend ist vollkommen fremd. Ich muß mich orientieren, sonst laufe ich die ganze Nacht. denn das Lager ist groß... Ich starre die Baracken an, sie ziehen an mir vorbei und zeigen mir ihre fremden, teerbestrichenen Wände. Und wieder blicke ich um mich: hier ist endlich die große Küchen- barocke,— also muß ich mich rechts halten.--- Mx öC£ Wind pfeift! Er zieht über mich hin wie der pfeifende Atem taufender gequälter Soldatcnleiber. Und wie ich wieder ganz verloren vorwärtswandle wie der kleine Junge in dem schönen Märchen meiner Kindheit, da höre ich ein seltsames Klingen im Wind. Träume ich? Das kann doch nicht seinl? Ich bleibe stehen, lausche, vorgestreckt den Kopf.-- Nein, das kann nicht Täuschung sein: es sind Geigenkläng« im Wind. Ganz nahe sind sie jetzt, wenn der Wind von vorne kommt, nun wicdex weit entfernt... unendlich zart und fein wie die Saiten einer Harfe... Dann zucke ich zusammen: Nein! Das ist unmög- lich!: Döberitz... Baracken... Gewehre in den Ständen rings- um... vi acht... Stern«... ich kann doch nur alleine sein in dieser Einsamkeit... Aber wieder, ganz nahe höre ich die Klänge. Ich gehe wie von unsichtbaren Händen geführt... näher und näher sind die Geigen- klänge. Nun bin ich am Ziel— es ist kein« Täuschung, es ist ungloub- lich« Wirklichkeit: An einer Barackenwand steht ein Soldat. Wie verwachsen miteinander liegen sein Kopf und die Geige, innig ver- schmolzen, unlösbar... Er hört mich nicht und sieht mich nicht und doch ist mir so, als habe er mich zu dieser Stunde erwartet... er spielt und spielt, und seine Geige schluchzt in die Nacht hinein... hier! Aus einem Truppenübungsplatz!... Seine Geige schluchzt und weint und klagt. Er hat die Feld- nn'itze Ins Genick geschoben und steht mit bloßen Füßen, angelehnt an die Wand, ein Bein über das andere geschlagen... Sein Antlitz ist ruhig und unsagbar schön, und der Mund und die Sterne scheinen daraus und spiegeln sich in seinen Augen: die sind dunkel gefüllt mit Sehnsucht und Traurigkeit... Er blickt nach oben und spielt und spielt, und sein Notcnbuch ist der Sternenhimmel!... Jetzt stehe ich ganz nahe bei ihm. Ich will ihn nicht erschrecken. Ich bin ganz versunken und möchte immer so stehen und lauschen: ja! diese Nacht könnt« ewig währen... Ich blicke zu ihm hoch... immer leiser werden die Töne, si« sterben, verlöschen, jetzt— ist— es— still--- Nur der Wind fegt um die Baracke» und trägt die letzten Klänge zu fernen Räumen... in unsere Heimat, Kameraden, Brüder... und unser« Seelen schweben mit in die Unendlichkeit und wir sind wieder allein und was zurückbleibt, das sind: Soldaten... Ich stehe auf und stehe vor ihm. Er ist gor nicht erschrocken, und seine Augen sagen:„Ich habe dich erwartet, Kanyerad. Ich wußte, daß du kommen mußtest zu dieser Slunöc."— G» ist alles so selbstverständlich: er lächelt mich an und gibt mir die Hand. „Wie heißt du. Kamerad?" frage ich. Er aiiichortet leise mit einem fremden Dialekt, aber seine Stimme ist mir bekannt, als hätte ich sie immer neben mir gehört:„Ich heiße Hermann Lorenz und bin ein Bergmann aus Ob«rschlesien." Er ist ein ganz fremder Soldat und sagt mir, daß er van der dritten Kompagnie des Aleranderregimcnts sei... Ich habe ihn noch nie gesehen, und doch kenn« ich ihn seit Anbeginn. „Was spieltest du, Hennann", frage ich weitcr. Er sieht mich voll an und lächelt wieder: „Ich spielte aus der Neunten Sinfonie von Beethoven---* Wir sprechen noch etwas von unserer Vergangenheit und ver. sprechen uns gegenseitig, daß wir Freunde sein wollen, und daß wir uns schreiben werden. Dann drücken wir uns die Hände und sehen uns in die Zlugen und können uns nicht trennen: dcim wir wissen beide nicht, ob wir uns wiedersehen... Aber wir lächeln uns noch einmal zu, und dann seh« ich ihn durch ein offenes Fenster in die Baracke klettern. Von innen winkt er noch einmal, ich sehe nur die Hand... dann ist nur Dunkelheit. Nun will ich schlafen...„Hermann Lorenz", wiederhole ich, „Bergmann aus Obcrschlesien, Beethoven, Beethoven... Neunte Sinfonie..." „Diese Hände," denke ich,„und Bergmann und Beethoven, uni» das alles für Flandern und Nvrdfrankrcich.. „Dein Stecken und Stab trösten niich..." ——— Wer hat mich getröstet?— Gott? Nein! Gott ist die Kompagnie, ist mein Gewehr, ist der Feldwebel, der Hunger... Wer ist bei mir?!---: Ein Bergmann aus Obcrjchlcsicn... und Beethoven... und die Neunte Sinfonie.... Um einen Beutet Kartoff'eln. Um einen Beutel Kartoffeln! Truppenübungsplatz Döberig--- Ort der Qualen, Land des Hungers... Döberitz-- Flächen ohne Ende-- Sand Sand— Sand und Horizont. Döberitz— wieviel Schweiß armer, gepeinigter Retruten saugtest du in deine Crd«! Ueber deine Exerzierplätze fegt das Brüllen der Unt«roffizi«re, schleppt sich das Keuchen der grauen Elendsleiber, kriechen die Seufzer der hungernden Soldaten, die niemand schützt vor der Brutalität des preußischen Militarismus, die niemand sättigt. Grausam und unerbittlich bereitest du uns vor auf die letzten Märsche in das Land der Granaten und Flammenwerfer. Jede Stunde stößt uns weiter fort aus den letzten Gedanken unserer geschändeten Jugend, jagt uns vor in die Unbarmherzigkeit des Krieges, der uns verschlingen soll, dessen Bauch wir füllen sollen: arme Söhne des Proletariats, numerierte Masse... (Fortsetzung folgt.) Buch '.Kinder fchrciben ein Siuch „Die Kinder und ihr« Tiere" nennt sich ein im Oito-Maier» Verlag, Ravensburg, erschienenes, von Karl Voupel heraus- gegebenes Buch, das ausschließlich von Kindern, 9- bis Itjährigcn Knaben und Mädchen einer Dorfschule, geschriebene und gezeichnete Erzählungen und Bilder enthält. Kinder schildern kindlich ihr Ver- hältnio zu den Tieren: zu Hanselmann, dem Hase», zu Pussi, der Katze, Lotte, der Ziege, Hansi, dem Kanarienvogel, Fritzchen, dem Goldfisch, zu Kühen, Hunden, Mäusen, Kaninchen... Ein farbiges Bild der kindlichen Seelenlandschaft entsteht, wir geraten in nächst« Nähe zum Kind, wenn vielleicht auch nicht, wie es der Herausgeber will, direkt in sein Allerinnerstes hinein: denn alle in dem Buch vorzufindende Unmittelbarkeit und Naivität des Ausdruckes ver» schafft noch keine Gewißheit über die letzt« Wahrhaftigkeit. Jeden- falls aber ist das Buch geeignet, Eltern und Erziehern manches Er- gänzende über das Kind zu sagen, sein Antlitz um einig« Züge zu bereichern. Eine andere Frage ist es. ob die Ansicht zutrifft, daß diese» von Kindern geschriebene Kinderbuch die Kinder in höhcrem Maße zu erfreuen vermag, als die von Erwachsenen fabrizierten Kinder- bücher. Ich habe das Buch Kindern vorgelegt. Sie zeigten sich nicht sonderlich hingerissen. Gewiß verlangt das Kind Kindlichkeit, ober es ist doch eine unsichere Sache, ob ihm die Echtheit des kindlichen Tonfalls ein Ersatz für die Mängel' des Konstruktiven bietet. Es wäre ja auch ein Trugschluß, dem Bauer nachzusagen, daß er nur Bücher zu lesen begehre, die das Landleben schildern. Wahrschein- lich ist für die Reform des Kinderbuches die Herabsetzung des Alters der Schreiber weniger wichtig als die Modernisierung der behandel- ten Stoffe. kkans Lauer. WAS DER TAG BRINGT «HiHiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniuiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiujiiuoiiutimuiiiiiuuuimimuHiiuüimuiiiiimiuiiumuuuummiDiiiiiiiiiiiiiiiiiRiuiaimiiiinnnimiaiiiiiiiiiiiciiinnimuia Der Unteroffizier von damals Angeregt durch den laufenden„Abend"-Roman,-schreibt man uns: Ich war dazumal ein Knirps von sieben oder acht Jahren, so daß mir der Verstand fehlte, darüber nachzudenken, aber wie es sich zugetragen hat, ist mir noch deutlich in Erinnerung. Wir wohnten in einer kleinen Garnijonstadt Schlesiens. In der Nähe unserer Wohnung war eine Schule mit einem mächtigen, großen Hof als Kaserne belegt. Rings um den Hof war ein Eisen- zäun und vor diesem standen wir Kinder und sahen den Soldaten l)«im Exerzieren zu. Eines Tages im Winter beobachtete ich folgendes: Die Soldaten mußten nach Scheiben schießen und waren in Gruppen von ungefähr acht oder zehn Mann«ingeteilt. Bei der einen Gruppe war ein Rekrut, der wohl sein Gewehr so hielt, wie es nicht hätte sei» sollen. Das Gesicht und das Benehmen des Unteroffiziers, der diese Gruppe befehligte, steht mir so deutlich vor Augen, daß ich sagen kann, es war ein Typ von Unteroffizier, wie er uns heute in wahren Kriegsbllchern abschreckend geschildert wird. Dieser Unteroffizier schlug mit der Faust den Re- kruten so in das Gesicht, daß er stark blutete: vb das durch den Schlag selbst oder durch den Schaft des Gewehres hervor- gerufen war, kann ich heute nicht mehr sagen.• Und als der Rekrut ein Taschentuch ziehen wollte, um sich von dem Blut zu reinigen, schrie der Vorgesetzte ihn mit den Worten an:„Du Schwein, nimm dir Schnee und wisch dir die Schnauze ab?' Und tatsächlich mußte der Soldat auch Schnee dazu nehmen. Jedenfalls frage ich mich heute, wenn ich daran denke, warum haben wir uns als Kinder so gefreut und konnten gor nicht schnell genug laufen, wenn die Soldaten mit Musik durch unser Städtchen marschierten? Heute sehe ich ein, daß mit dem Militarismus Menschenquälerei untrennbar ist. Praktische Wirtschaftsführung König Heinrich IV. von Frankreich fragte einmal einen Bauern, der ihn nicht erkannte:„Was verdienst du denn am Tage?" „Vier Sous." „Was niachst du mit dem(Beide?" „Ich mache vier Teile daraus." „Was machst du mit den vier Teilen?" �Vom ersten nähre ich mich, von dem zweiten zahle ich Schulden, den dritten lege ich gut an, den vierten werf« ich weg." „Was soll das alles heißen?" „Nun— für den ersten Teil kaufe ich mir Essen und Trinken, um mich zu nähren. Den zweiten gebe ich meinen alten Eltern, damit Jic sich ernähren, wie sie mich ernährt haben. Der dritte Teil ist für meine Kinder, damit sie mir einmal vom ihrigen abgeben, wenn sie selber verdienen und ich alt bin. Den vierten Teil muß ich dem Könige geben. Aber der kriegt nur wenig davon, und ich habe nichts mehr davon— also ist es weggeworfen!" Sowjetrussischer Forscher verschwunden Die Akademie der Wisseufchaften in Leningrad hat die Mit» teilung erhalten, daß der Botaniker Prof. G a n e f ch i n von der wissenschaftlichen Expedition, welche die Halbinsel Kola an der Eismeerküste durchforscht, seit 30. August spurlos verschwunden ist. Er hatte vom Lager aus allein einen Ausflug unternommen, um Pflanzen zu sammeln, und ist n i ch t z u r ü ck g e k e h r t. Blinde auf der Welt In, Durchschnitt kommen auf 100 000 Erdbewohner 136 Blind«. Wenn man sich die einzelnen Länder ausseht, erhält man sedoch stark voneinander abweichende Bilder. So beträgt die Zahl der Blinden auf so 100 000 Einwohner in Aegyten 132S, in Zypern 730. in China 500 und in Rußland 200. In Belgien zählt man auf 100 000 Einwohner nur 44 Blinde, in Deutschland 61, in den Bereinigten Staate» 62, in Frankreich 71 und in England 73. Menschenfresser als Gastgeber „Sie waren in Afrika? Haben Sie auch Menschenfresier gesehen?" „3a, die habe ich direkt studiert." «Nee. was Sie nicht sagen! Na, wie haben sich die Leutchen denn nun benommen?" „Och, die waren ganz manierlich. Die wollten mich sogar zum Mittagessen da behalten." Das teure Botel „Was kostet hier ein Zimmer?" „3m ersten Stock zehn, im zweiten acht, im dritten sechs Mark." „Und im vierten?" „Jin vierten? Das Haus hat dock) bloß drei Stockwerke!" „No, dann lamme ich noch mal wieder, wenn Sie aufgestockt haben." zJfyyrfvndQlflÜzi Von 54 auf 73 Meter stieg der Spccrwurfwcllrekord Don d«n leichtothletischen Wurfübungen darf man wohl den Speer wu r f ais die eleganteste bezeichnen. In keiner anderen technischen Disziplin kommen Aestl)etik und Grazie so vollendet zum Ausdruck und vermitteln dem Auge ein« ja vollkommen« Harmonie von Kraft und Schönheit wie beim Speerwurf. Die Technik des Speerwurfes hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer ganz außer- ordentlichen Höh« entwickelt mit dem Ergebnis, daß der Weltrekord, der zum ersten Male tSOZ mit 5Z.7g Meter registriert wurde, 23 Jahre später die 7l)-Meter-Gr«nze überschritt. Die Kraft allein, mit der die früheren Weltrekordwerfer fast ausschließlich ihre Höchstleistungen aufstellten, spielt heute nur noch eine Nebenrolle. Der finnijche Rekordler Matti I ä r v i n e n ist «in Musterbeispiel dafür. Mit kurzen, sprunghaften Schritten läust er bis an die Abwurfniarke und' schleudert den Speer, den rechten Arm ganz tief nach hinten zurückgenommen, ohne sichtbar« groß« Anstrengung in elegantem Bogen in die Luft. Der erst Zweiund- zwanzigjährige meistert so mit verblüffender Sicherheit die vor nicht allzu langer Zeit noch sagenhafte 70-Metcr-Markc. Sein neuer Wellrekord von 72, gZ Meter ist«in Beweis dafür. Die Entwicklung des Speerwursweltrekords gliedert sich in zwei Abschnitte. Neun Jahr« dauerte es, ehe es dem Finnen Saaristo als ersten Zlthletcn 1S12 gelang, eine Weile von mehr als 60 M«ter zu erreichen. Weitere 16 Jahre später war die 70-Met«r-Grenze bezwungen durch den Schweden Lundkvist, der 1925 mit der Leistung von 71,91 Meter auswartete, später aber nie mehr dies« große Form erreichte. Das Specrw«rfen ist, wie aus der Wcltrckordlist« hervorgeht,«ine Domäne der Finnen und Schweden, diese neunmal vertreten sind, lieber die Entwicklung gibt nachstehende Statistik Aufschluß: 1903 Lemming-Schweden in Stockholm,,.. 53,79 Meter 1907 Lemming-Schweden in Göteborg.... 54,15 1908 Halse-Schweden in Oslo....... 54,40„ 1908 Lemming-Schweden in Stockholm.... 58,28„ 1908 Lemming-Schweden in Stockholm.... 57,33„ 1911 Lemming-Schweden in Lidköping.... 58,27 1912 Saaristo-Finnland in Helsingfors.... 61,45„ 1912 Lemming-Schweden in Stockholm....- 62,32„ 1914 Myrrhää-Finnland in Tammerssors... 62,58„ 1916 Peltonen-Finnland in Helsingfors. �. 64,35 ,, 1919 Myrrhää-Finnland in Savitaipal.... 64,81„ 1919 Myrrhää-Finnland in Savitaipal.... 65,55 1919 Myrrhää-Finnland in Stockholm.... 66,10„ 1924 Lindström-Schweden in Eksjö..... 66,62„ 1927 Penttilä-Finnland in Wiborg..... 69,88„ 1928 Lundkoist-Schweden in Stockholm.... 71,01 1930 M. Järvinen-Finnland in Stockholm... 72,38 1930 M. Järvinen-Finnland in Wiborg.... 72,93„ Der Kampf um die„Spesen" Kriegen wir auch in Deutschland Berufs-Futjballspieler? D«r Gesomtoorstand des bürgerlichen Deutschen Fußball- Kundus, dem neben dem geschäftsführeirden Ausschuß die Führer sämtlicher Landesverbände angehören, trat am Sonnabend und Sonntag in Verlin zusammen. Den Kernpunkt der Berhandlungep bildete das A m a t e u r p r o b l e m. In den letzten Wochen kam es bekanntlich in den verschiedensten Teilen des Reichs zu explosionsartigen Entladungen im Fußballbereich. In Berlin blieb es bei„E n t h ü l l u n g c n", in Westdeutschland dagegen wurde konsequent durchgegrisjen und selbst bei dem Meister FC. Schalke 04 die schärfste Maßnahme der Disqualifikation van Vereinsführern und Spielern angewendet. Mit diesen unHalt- baren Zuständen hatte sich jetzt der Gesomtoorstand des DFB. zu beschäftigen. Westdeutschland will sich auch aus dem Vundcstag für eine strenge Durchführung de» Zlmateurbegrifss einsehen und selbst vor der Einführung des Vrofeffionalismus nicht zurückschrecken, während die anderen Verbände für eine„zeitgemäße Locke- r u n g der Sl m a t e u r b c st i m m u n g« n" eintreten und den Berufssport ablehnen. Sie werden in nächster Zeit mit den Führern der großen Fnßballvereine zusammentreten und über eine den beutigen wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt« Spesener- h ö h u n g beraten, ohne dabei den Boden des Amateurgedankens zu verlassen. Die Zlussprache der Berliner Vereine mit dem VDB. soll bereits im Laufe dieser Woche stattsinden, die Zusammenkunst der süddeutschen Vereine ist am 21. September In Stuttgart ge- plant. � lieber die nichtöffentliche Vorstandssitzung in Berlin gibt der DFB. nachstehende amtliche Verlautbarung bekannt: „Die DFB.-Vorstandssitzung besaßte sich fast ausschließlich mit den Satzungsänderungsanträgen für den diesjährigen Bundestag Im Mittelpunkt der Aussprache stand die Klärung der Amateurfrage. Ein westdeutscher Vorschlag, der im Sinne einer strengen Durchführung des Amateurbegriffes die letzten Kon- sequenzen bis zur möglichen Einführung des Berufssports vorsieht, bildete nebst Dorschlägen des gejchäftssührenden Ausschusses des Bundesvorstandes die Grundlage der zweitägig«« Verhandlungen. In jchc ernster, ehrlicher Aussprache, die vor allen die Führer der Landesverbände bestritten, stellte sich heraus, daß zu einer wahr- haften Lösung des Problems eine vorherige offene Aus« spräche mit den Führern der großen Vereine nötig erscheint. Diese Aussprachen werden in den Landesverbänden noch vor dem Bundestag in Dresden angesetzt und durchgeführt werden. In überwiegender Mehrheit ist man sich einig, daß die Amateur- bcstimmungen den heutigen wirtschaftlichen Berhältnissen anzupassen sind, ohne dabei den Boden des Amateurgedankens zu verlassen. Westdeutschland hält seine Vorschläge zum Bundestag aufrecht. Der Bundestag soll in jedem Falle volle Klarheit schaffen.- Letzte Radrennen auf der Olyntpiabahn An ihrem letzten Renntag in diesem Jahre bringt die Olympia bahn ein ganz hervorragendes Programm zur Ab- wicklung. Fünf der besten Vertreter dreier Länder bestreiten das klassische Rennen um den„Großen Preis von Berli n", das in zwei Läufen über je 50 Kilometer ausgetragen wird. Deutschland entsendet Sa wall und Krewer, Frankreich schickt seine beiden besten Steher, P a iü l a r d und G r a s s t n, in den Kampf, und die Schweiz wird durch ihren Stehermeister L ä u p p i vertreten. Diese Bombenbesctzung dürfte ihre Anziehungs- kraft auf die Berliner nicht verfehlen. Sawall wird ganz besonders danach trachten, seinem Sieg im„Großen Preis von Deutschlandeinen weiteren hinzuzufügen. Krewer wiederum will sich für seine letzte knappe Berliner Niederlage revanchieren. Von besonderem Interesse ist aber die Teilnahme der beiden französischen Dauer- fahrer: Sowohl Cxweltmeister Paillard als auch sein Landsmann Grassin erfüllen nun doch noch den von den Berlinern immer ge- wünschten Start und werden sich mit den beiden Deutschen erbitterte Kämpfe liefern. Um auch die Freunde des F l i e g e r f p o r t s zu- frieden zu stellen, hat die Olympiabahn noch einen hervorragend besetzten Fliegerknmpf angesetzt. In sechs Zweier- und zwei Viere?- laufen treffen der deutsche Meister Stesses, sein Vorgänger Engel und zwei nahmhaste Ausländer aufeinander. Kleiner Sport von überall Am die Europa-Bolmkifterschaft im Weltergewicht kämpfen am 15. Oktober in Paris der belgische Meister Gustave Roth und der französisch« Meister Raphael. vorkämpse in Verlin. Der Bochumer Schwergewichtsboxer Walter Neiesel, der in seinen bisherigen Profikümpfen ein« au,- gezeichnete Figur machte, erhält am Freitag im Berliner Spichernring Gelegenheit, seinen Rekord weiter zu bereichern. Allerdings ist der tschechisch« Schwergewichtsmeister Hampacher ein Gegner, der über ein solides Können verfügt und dem Deutschen die Aufgabe keineswegs leicht machen wird. In einem zweiten internationalen Kampf trifft Emil Koska-Gleiwitz mit dem zweit- klassigen B.-lgier Balere zusammen. Das übrige Programm d?- streiten Paul Bogel-Bcrlin gegen Gebftedt-Leipzig, Willi Bartnccr- Breslau gegen Erich Thriene-lhannover und Crueius-lzalle gegen Urban-Berlin. Zeder einmal im Zohre In Potsdam! Unter dieser Devise ver- pnstnttet der Zinchapp-Eiirb Potsdam am 20./21. d. M, eine Ziel- fahrt nach dieser weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten historischen Stadt. Verbunden mit' der Zielfahrt ist cm Geschick- licht eitswettbewerb auf dem herrlich gelegenen Gelände des Luft- schislhasens Potsdam, der gleichzeitig Ziel aller Fernfahrer ist. Der Start ist vom 20. d. M. ob 12 Uhr nachts freigegeben. Gewertet werden die meistgefahrcnen Kilometer, gemessen nach der Luftlinie zwischen Start und Zielort. Das Nenngeld beträgt 5 M. Nennungen an die Geschäftsstelle, Fromm, Potsdam, Neue Königstrahe 132. Billige Uebernachtungsmöglichkeiten. Zielfahrl zum Internationalen DMV.— Aousrennen. Die Meldungen zur Zielfahrt, die der Deutsche Motorradsahrer-Derband anläßlich des Internationalen Avusrennens am 28. September aus. geschrieben hat, gehen bereits recht zahlreich ein. Das Nenngeld für DMB.-Mitglieder beträgt 6 M., für Nichtmitglicder 7 M. Meldungen sind unter Beifügung des Nenngeldes an den Deutschen Motorrad- fahrer-Verband e. V., Berlin W. 35, Potsdamer Str. 108, bis Diens- tag, 23. September, 14 Uhr, zu richten. Jeder Meldende erhält außer der künstlerischen Plakette bei seiner Ankunft am Ziel eine Eintritts- karte zur Avus-Nordschleife gratis. Beifahrer haben Anspruch aus einen Platz zu ermäßigten Preisen. Nachnennungen ausgeschlossen. Bt®#., Verwa:i>ing««u»schuß!itiu»i, Donnerstag, 18. Lcptember, i8Vj Uhr, «reisgeriWfteftcne, SIsäffcr Str. 86-88, Ausgang A. lZT®P., Äonitbcjltl. Mitgltederversammlung Dienstag, 16. September, « Uhr. im„IZalckcnftein.r", Zalckrnstcinstr. 19. "rptun, Weihense«. Dienstag, 16. September, 19 Uhr, Anbadrn Si5I'C!9c,c. Strohe. 25. September Eitiuna der Altersrtege. 29. Eeplembrr Äbschicdsfeier im Seebad Weihenscc. 2. Oltober Mitgliederoersamlnlung. Kandballspieler, 1. Be,i«l. Die Schledsrichterocreintguna der Sandball- spieler tagt Dirnstag, 16. September. 191-1 Uhr. bei Bollcnbach. Alt-Etralau 8. Breie Schwimmer®roh-Berlin. Anbaben aller Mitglirder Sonnabend, .September, 19 Uhr, im Lunabat. Eintritt gegen Vorzeigung des St'l. jMMJ'iit)«« frei.— Sauplvorstandssthnng Donnerstag, 18. September. 18 Uhr. ®3,Ebert-Saai. Arbeitsabcnd. Achtung, Arrt, schul,! Donnerstag. 18. September, 20 Uhr. in her Geschgsts. stelle. Elsitsser Str. 86-«.«ortrogsabenh der stretsschttler. Interessenten stnb dazu eingeladen.— Dos Zulammen-turnen der geübteren Gcrälelurner ist beute. Dienstag, 20 Uhr, Turnhalle Ettoßmannstriche. Theatralische Puppenstube. Theater am Aollendorfplah:„Was Ihr wollt". Schon hat der Bannstrahl Moskaus auch die südisch-russischen Schauspieler der H a b i m a getroffen. Sie irren heute, zwölf Jahre, nachdem sie sich gesammelt haben, ohne Subvention d«r Bolschewiken und ganz ouf sich selber gestellt, durch Europa. Sie zeigen nach wie vor ein sehr kunstgewerbliches Theater, das sie zuerst in Ruhland erprobten. Als rassimene Komödianten, Bühnenmaler, Maschinenmeister, Tänzer, Akrobaten und Stimmcnjongleur« gaben sie der dankbaren und primitiven Masse, die tief in Hunger und Zwangs- arbeit steckte, erheiternde Zerstreuung. Jetzt soll diese Kunst, die ans Not und Niedrigkeit geboren wurde, die ausländischen Zlesthcicn im Luxusthcater und deren gehorsamen Anhang erfreuen. Die Habima wendet ihre Methode, die Verfeinerung des reinen Sinnenmittels, die Veredelung des Tingeltangels und des Zirkus, die Krönung des barbarischen Ulks und der sentimentalsten Er- bauung, auch aus die hohe, im poelischen Wort blühend« Dramatik an. Sie spielt Shakespeare, sie will Sophokles spielen. Gestern bei Shakespeare zeigte sich wieder, wo- an der meisterhaft disziplinierten Truppe rühmlich ist, aber auch, welchen ruinös falschen Ton sie d«m modernen Theater geben wird. Alle diese Habimakünstler sind nach wi« vor hervorragende Kenner ihres körperlichen Apparates. Es liegt etwas-großartig Kindisches in dieser Fähigkeit. Die Verstandes- und Einsühlungskräfte. die den fremden Dichlergeist bewäliigen, sind dagegen viel schwächer ent- wickelt. Das heißt: die Habimakünstler entwerten das dichterische Genie. Sie haben Shakespeare für die theatralische Puppenstube umgc- arbeitet. Sie werden mit jedem Klassiker das gleiche tun. Drohien unserem Kulturleben nicht von viel regsameren und gröberen Ba- Nausen, etwa von den durch geistige Schwindsucht und soziales An- alphabetentum verseuchten Nazis, weit größere Gefahren, so wllr- den wir jammern: die Habima macht aus dem schönen Menschen- theater, zu dem wir, Gott sei Dank, in Deutschland gelangten, ein bis in die letzten Federn prachivoll sunktionierendes Marionetten- theater. Die Spezialität amüsiert gelegentlich, sie langweilt jedoch auf die Dauer, weil die Habimaleute nicht weiterkommen in der gedanklichen Bewältigung des Wichtigsten, das auf d«m modernen Theater entscheidet: in Ausdeutung und Aussormung des Glücks und Unglücks unserer Z«it. dlax Ilocliuorf. Gemimte Revolte. Z-alsche Behauptungen über Pas Ledigenheim im Wedding. Zu einem in der„Welt, am Montag" erschienenen Artikel „Revolte im Ledigenheim" nimmt jetzt die Grundeigentums- Deputation am Dezirksamt Wedding in einer längeren Erklärung Stellung, in der es heißt: Der Da m e n b e s u ch ist i«it Einrichtung des Heims durch den „Verein zur Förderung des Kleinwohnungsuxsens und zur Be- kämpfung des Schlasst«llenu-n-wes«ns" im Jahre 1917 verboten ge- wejen. Nach Uebernahin« des Heims durch die Stadt Berlin ist verschiedentlich der Versuch gemacht worden, den Damenbes-uch grund- sätztich bzw. unter gewissen Voraussetzungen und Sicherungen, zu gestatten. Di« hierbei gemachten Erfahrungen, insonderheit Vor- gänge, die bis zum Oberstaatsanwalt wegen Kuppeleien führten, machten die Zurücknahme des widerrustich gestatteten Damenbesuäxs notwendig. Die Unzuträglichkelten, welche die vorübergehende Ge- stättung des Damenbesuches mit sich brachte, wurden selbst von einem großen Teil der Mieterscha�t selzars kritisiert und ließen von diesen den Wunsch erkennen, das Damenverbot wieder einzuführen. Das angebliche Fehlen von Gemeinschastsräumen. Bei Errichtung der Bezirksämter mußte infolge der Raumnot ein Teil der mittleren Räum« des Ledigenheims für die Unter- bringung der BerwaltungsbUros in Anspruch genommen werden. Hierbei konnte auf den im Zusammenhange mit diesen beanspruchten Zimmern befindlichen wenig benutzten bisherigen Gemeinschaftsraum nicht verzichtet werden. Als Ersatz hierfür wnrde der noch erheb- lich größere, yur manchen Mietern ungünstiger gelegene Raum in der vierten Etage als Gemeinschafts-, Gesellschafts, und Unter- hattnngsraum zur Verfügung gestellt. Der Raum hat andererseits den Vorzug, sogar in besserer Verbindung mit dem den Mietern jederzeit zugänglichen Dachgarten zu stehen. Für Badegelegenheit soll gesorgt werden. Di« im Heime vorhandenen Badezellen wurden nachlveiä- lich der hierüber geführten Besuchsstatistik von den Mietern des Heims fast gar nicht benutzt. Eine hierüber geführte genaue Kpn- trolle ergab vielmehr, daß der schwache Besuch zum größten Teile aus Badobedürftigen, die außerhalb des Heims wohnen, bestand. Daher wurden auch diese Räume bei der vorhandenen Raumnot und infolge der Notwendigkeit, das Bezirksamt bei seiner Entstehung räumlich unterzubringen, für Zwecke der Verwaltung in Anspruch genommen, vtachdem das Bezirksamt im Oktober d. I. die noch bis dahin im Ledigenheim benutzten Räum« ausgibt, wird sofort sür ausreichend« Badegelegenheit der Mieter gesorgt werden. Dagegen haben die in allen Etagen vorhandenen Fuß- lvaschbccken mit der Möglichkeit, auch den übrigen Teil des Körpers der Reinigung zu unterziehen, den Mietern stets unbehindert zur Verfügung gestanden. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Mieter gezwungen sind, ihr Eßgeschirr in den Fußbecken zu reinigen. In ollen Etagen befinden sich vielmehr in den Waschräumen(Borräume der Toiletten) Abwaschgelegenheiten und zwar sowohl besondere Abwasch- decken als auch Wasserleitungen sür kaltes und warmes Wasser sowie Slusgußbecken und zwar vollkommen getrennt von den er- wähnten Fußwaschbecken. Die vorstehenden Beschwerden über Mängel, im Berliner Ledig«nl)eim rühren nur von einzelnen unzufriedenen Mietern her, wie diese in einer größeren Gemeinschaft immer wieder vorkommen, während die Mehrzahl der Mieter mit den vorhandenen Einrich- lnngen durchaus zufrieden ist. Dies geht auch aus der großen Zahl der Anmeldungen und Bittgesuche wegen Aufnahm« in das Heim hervor. Di« Aufnahmesuchenden, welche stets mit den vorl>andcncn Einrichtungen bekannt gemacht werden, können nur zum Teil berück- stchtigt werden: eine größere Zahl wird in den hierfür«ingerichteten Listen o°rge>n«rkt und muß oft monatelang aus das Freiwerden von Zimmern warten. Entsetzlicher Tod eines Rangierers. Auf furchtbare Weise kam aus den Gleisanlagen des Schlesi- scheu Bahnhofes der 49jährige Rangierer Gustav W a l l i n au» der Gürtelstraße 23a in Lichtenberg ums Leben. Der Eisenbahner geriet beim Zusammenkoppcln eines Waggons an die Lokomotive so unglücklich zwischen die Pufter, daß er auf der Stelle getöt-:' wurde. V Volksbegehren in Oesterreich. Llm die Arbeitslosenversicherung. Di« Sozialdemokratie in Oesterreich will durch Volksbegehren iein Gesetz herbeiführen, wonach 1. der Bund zu den Kosten der normalen Arbeitslosen- Unterstützung— bis zur 12. und 26. Unterstützungswoche— 4 9 Prozent beitragen soll. Der Rest soll je zur 5)älfte von Unternehmern und Arbeitern getragen werden. Der Bund zahlt zur normalen Arbeitslosenunterstützung bis jetzt nichts. Durch seine Be- teiliguna an der Aufbringung der Mittel soll die Einführung der Alters-, Invaliden-, Witwen- und Waisenver- j i ch e r u n g ermöglicht werden: 2. soll die Notstandsunterstützung nicht bis Ende dieses Jahres, sondern unbegrenzt weiterlausen: 3. der Bund soll statt einem Sechstel zu den Kosten der außer- ordentlichen Notstandsunterstützung fortab die Hälfte trogen, das Land, in dem der Arbeitslose seinen Wohnsitz hat wie bisher ein Drittel, Arbeiter und Unternehmer anstatt je ein Viertel, fortab je ein Sechstel als Zusatzbeiträge zu den Arbeitslosenoersicherungs- beitragen zahlen. Die beantragte Neuregelung soll ab 1. Juli 1931 Gesetz werden. Zusammenschluß in Japan. Die beiden größten gewerkschaftlichen Landesorganisationen: der japanische Gewerkschaftsbund und der Landesverband der Gewerkschaften haben sich am 1. Juni 1939 vereinigt. Der neu« Verband führt den Namen Landesverband der Gewcrk- esserung der Arbeitsbedingungen und die Befreiung der Arbeiterklasse sowie Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Kapitalisten vor, ferner die Entfaltung einer Tätigkeit, um den politischen Einfluß aller besitzlosen Klassen zu fördern. Insbesondere wird gegen die Rationalisierung Stellung genommen, sofern sie lediglich zum Vorteil der Unternehmer durchgeführt wird. Ferner wird gefordert: die sofortige Einführung von Hilfsmaßnahmen für die Arbeitslosen, Auf- stellung eines Systems zur Einführung von Mindest- lohnen, Achtstundentag, Anerkennung der Vereini- gungsfreiheit und des Streikrechts. Einführung der Gesamtarbeitsverträge, Zusammenarbeit mit der internationalen Arbeiterschaft, Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsgesetz- gcbung und Herbeiführung einer gewerkschaftlichen Ein- heitsfront. Dienstag, 16. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 16 20 Uhr Fldelio Ende n.22V2 Uhr Staats-Oper Am Platz der Republik. Vorst 136 20 Uhr Die Mm Ende g. 23 Uhr Dienstag, 16. 9. staut. Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Ende 22'/» Uhr Staatl. Schaasph. (aa Gendarnw.TiarM). A.-V. 14 19 Uhr Bürger Schippe! Enden. 22 Uhr SIsatl.Sthiller-MeUliarltlig. 20 Uhr Um Doktor, haben Sie zu essen? Ende 22'h Uhr Alex. 8066-63 TltK1. B, B». Sonnt. 2, S. 8« HEUTE PREMIEREo Weintraubs Syncopators das berühmte Jazz-Orcbesier Frakson der amüsante Manipulator Kremound Karlino HcnrlMbe SpUje u. weitere internal Ion. Attraktionen Tägl. 5 11.8h, Uhr. 0 3 Hart). 9236 Pr. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise. ttorman thmnmt QtdnleH, S Pierrolya, The Ijorrra, Jllfred J»ckaon Qlrls um. 8.15 Obr—«andren erioobl Hans Kolischer* Ar�entino Little Esther tanzt n. singt n. a. GROSSES SPIELHAUS Kb»- (e/«em WirivLSSh*effers Oesn,: Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts sv. Das Irämichs Mädchen Englisch— Kobens— Riemann. ".Uhr CASINO-THEATER"-Ud. Lothringer Strafe 37. Für unsere Leser: Gutschein 1— 4 Pers. 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Uhr Feuer aus den Kesseln Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Die FleiiefDiaDs Destsdies l&eater 8 Vi Uhr "1914 »so Georg Wilhelm Müller Regia: Costa» GrOndgens. Kammerspieie 8Vi Uhr Die Schule derFrauen von Moliire. Regit: RansDeppe. Die Komödie 8V. Uhr Der Diener zweier Herren von Goldoni Regie; Mai Reisbardt. Neues Theater — am Zoo— ImRalmh.Zoo. Stpl.GSSt Täglich SV# Uhr lommel in der Posse Paul und Pauilne Rundfun khörei halbe Preise. Lessiug- Theater Wtidiaiboio 2791 9.0846 Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne Des Kaisers Kults von Th. Plivier. Regie; Erwin Pisrator. Lustspiemaus Täglich 8V# Uhr meine Schwester und ich Musikvon Benatzky Lory Lcux. Kurt von MSIlenhof. Zimfner iBett M k. 7,- bis 11- 2Betten13.-bi522.- Bod:Mk.3i- doloniK, tcrlln HOTELsAnbeM masiöRi? Dentsclies KUbsder-Tbeat. Tel Barbarossa 3937 • Th Uhr Heute, Dienstag Zum 1. Male: Jim und Jill Operette v. 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