Morgenausgabe Nr. 435 A 219 47.Zahrgang WZchtUÄch SS PI, monatlich �»0 M. w> aarau» zahlbar, Postbezug OZ M. einschließlich öO Psg-Poftzeitungs. und 72 Pfg Postbestellgebühren. Iluslonb» abonnemem S.— M, pro Monat. * Der ,Ben»art»* erscheint wochentZg. lich zweimal, Sonntag» und Montag, einmal, die Lbendau-aaben ftlr Berlin und im chandel mit dem Titel.Der Tlbenb-, Jlluftrierte Beilagen.Volt und Zeit" und,Sindersreunb". Ferne, .Frauenslimme» Technik",.Blick in die Dücherwelt"..Iugend-Lorwärt," und»Eladtbeilag«". Nerttnee VottsblM Mittwoch 17. September 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Z)te, e t n s p o l t t g e Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame neile 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' da» ettge« druckte Won 2S Pfennig lzuläfsig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erst« Won 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei WoNe. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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August, der Radikalismus hat noch immer seine eigenen Kinder getötet. Er ist unfruchtbar. Auch Partciorithmetik zu treiben und Koolilionsgcspröche zu führen wäre gänzlich unzeitgemäß. Der Radikalismus hat ein« Schlacht gewonnen, ober die Regierung behauptet das Schlachtfeld.(!?) Sie bleibt im Amt« und überprüft das Geschehen vom staatlichen Standpunkte aus. Sie wird über den Reichsrat dem Reichstag Gesetzesoorlagen zuleiten, so daß die Oppo- sition Gelegenheit hat, die Frag« zu beantworten: Wie denkt ihr euch die Dinge? Die Kräfte, die hinter der Regierung stehen, Jen- trum und Bayerische Dolkspartei mit 87, die Konservativen um Treviranus, Westarp und Schiele mit 43, die Volkspartei mit 30, die Wirtschaftspartei mit 23, die Bayerischen Bauern mit 6 und die Staatspartei mit 20 Mandaten, stellen eine Minderheit von 209 Abgeordneten dar: die Mehrheit erfordert 289 Stimmen, es fehlen 80 stimmen. Die Opposition ohne Sozialdemokraten verfügt über 226 Mandatsträger. Es genügt also nicht eine bloße Rentralität der Sozialdemokratie. imi die Annahme eines Mißtrouensvowms gegen die Regierung zu verhindern. Ein Teil der Sozialdemokraten(!?) müßte mit der Regierung stimmen. Ich spreche nichs nur ausrichtig., sovdern mehr als deutlich. Der Begriff der Großen Koati t i o n, gestern noch lebend, hat heute seinen Jnhall verloren. Sozialdemokraten, Zentrum, Stoatspartei und Vollspartei verfügen über 280, mit den Bauern über 286 Stimmen.- Mit der. Wirtschaftspartei würde sie über-einc knappe Mehrheit von 309 Stimmen verfügen. Aber je weniger über eine solche Koalition gesprochen wird, um so besser ist es. Die Regierung wird, das hat die heutige Kabinettssitzung bewiesen, mit einem klaren, sachlichen, sogialen, wirtschaftlichen und finanziellen Programm vor den Reichstag treten. Dann mögen sich die Krästc der reinen Negation von der politischen Gemeinschaft der Zusammenarbeit scheiden. Mit ihnen, »den Nationalsozialisten und Kommunisten, geht nach seiner Erklärung Hugcnberg mit 42 Mann Gefolgschaft Hand in Hand. Da das Reichs- tagsdrittel 192 Stimmen beträgt, können verfastungsändernde Ge- fetze also nicht verabschiedet werden. Der Gedanke eines Ermäch- tigungsgesetzes ist also zerronnen. Man hat von einer Rechtsfront gesprochen. Das ist reine Theo- rie. Nationalsozialisten, Deutschnationale, Konservative. Wirtschafts- parteiler und— ich will ihr deshalb nicht zu nah« treten— die Bolkspartei verfügen über 244 Stimmen, das ist ein« Minderheit. Daß die Bayerische Volkspartei und das Zentrum einer solchen Rechtskoalition beitreten, ist polltisch nicht diskutierbar. Die Rechtsfront liegt außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Wir stehen vor der großen Schicks alsirage, alle zur Mitarbeit bereiten Parteien vor konkrete sachliche Fragen zu stellen. Man spricht in der Kunst von der strengen Sachlichkeit, die den, der genießen will, oft enttäuscht. Diese st r e n g e Sachlichkeit tut not und wird, mag sie auch herb sein, in Wirtschaft. Finanzen und Sozialpolitik von der Regierung gesucht. Es ist kein gesundes Derfastungsleben, wenn radikale Strömungen überhand zu nehmen scheinen, und nicht ohne Grund schlägt man im Auslande teilweif« die Hände über dem Kopf zusammen. Eine übevlegene Staatsführung muß die Dinge meistern, damit der Radikalismus allmählich abklingt. Awöls Ähre lang ist unser Volk durch ein« harte Schule des Leidens gegongen, und wir stehen vor den Grenzen des Möglichen. Die Stoatsmönner aller Länder mögen sich sagen, daß eine Jugend ohne Hoffnung und Lebensfreude keine Jugend ist. Sie kommt in einen Zustand, der sich unpolitisch auswirkt und keine Grundlage bietet für Ideen tyie Pane uropa und Solidari- tät der Völker. Di« Seele dieser Jugend ist im innersten auf- gewühll und im innersten bedroht. Nicht das deutsche Volk allein ist verantwortlich, wiewohl auch unser Volk selbst«inen großen Teil der Pflicht trägt, dies« Strömungen vom Unpolitischen ins Politisch« zurückzulenken. Die Jugend der ganzen Welt muß für diese Zu. sammenhänge Verständnis gewinnen. Ich empfing im Garten des Innenministeriums französische Schüler und St u den- t e n, und ich gedachte der Voraussetzungen, die nötig sind, um die deutsche Jugend von den Hemmungen der Hoffnungslosigkeit zu befreien. Wer guten Willens ist, trete uns zur Seite und helfe uns in unserem Werke. wie paradox es auch klingen mag: die Regierung führt, und sie wird weiter führen. Das ist der Sinn der Demokratie. Sie wird dem Parlament die politische Linie nationaler, streng durch- dachter und durchgeführter Sachlichkeit vorlegen. » Herr Wirth bestätigt, daß das Experiment des Re- gierens ohnq und gegen die Sozialdemokratie nicht mehr fort' gesetzt werden kann. Er scheint aber der Meinung zu sein, daß die Regierung in der bisherigen Zusammensetzung weiter bestehen und- ohne Fühlungnahme mit den Parteien, die sie braucht, dem neuen Reichstag ihre Entwürfe vorlegen kann. Ganz deutlich kommt diese Meinung allerdings nichft'zum Ausdruck, ha. Herr Wirth selbst die Vorstellung, als� ob. die gegenwärtige Regierung führte, als paradox bezeichnet.. Im Lager der Regierungsparteien gibt es zweife�os über diese Frage verschiedene Meinungen. So schreibt z. B. die staatsparteiliche„Berliner Lolkszeituiig": Die bürgerliche Mitte hat die Wahischlacht verloren, und ihr« Regierung wird daraus die Konsequenzen ziehen müssen— das ist ein Gebot der parlamentarischen Logik. Nach dieser Wahl- Überraschung kann Herr Brüning nicht weiter re- gieren, als ob nichts geschehen wäre, und die, die ihm diesen Rat geben, erteilen ihm«inen schlechten Rat. Zwischen einem Rücktritt und einem Weiterwursteln auf der bisherigen parlamenta- rifchen Basis als Minderheitsvegierung— zwischen diesen beiden Extremen liegen aber einige fruchtbore Möglichkeiten. Es ist sicherlich auch nicht möglich, das Problem auf die einfache Formel„Sachlichkeit-oder Negation" zu bringen, so als ob immer auf feiten der Regierung die„Sachlichkeit", auf der anderen Seite die„Negation" fein müßte. Es gibt eben verschiedene Arten von Sachlichkeit. Herr Wirth meint doch ganz gewiß nicht, wenn die Sozialdemokratie die Außen- Politik des Herrn Treviranus, die Handelspolitik des Herrn Schiele und noch manches andere ablehne, fei dies „Unfachlichkeit" oder„Negation". Wenn schließlich Herr Wirth davon gesprochen hat, daß „ein Teil" der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Mehrheitsbildung notwendig sei, so war das wohl nur matbematisch und nicht politisch gemeint. Die einige und ge- schlössen« Sozialdemokratie ist das stärkste Aktivum, das die Deutsche Republik aufzuweisen hat. Einig und geschlosten wird auch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihr Ge- wicht in die Waagschale der Entscheidung werfen. Oer Pilsudski-Kurs. Tteae Verhaftungen— die Opfer des Sonntags. Varschmi, 16. September.(Ost-Expreh.) Di« Warschauer Polizeidirektion hat eine besondere Ver- Ordnung erlösten, wonach die Polizeibeamten nur bei Gefahr für ihr Leben von der Schußwaffe Gebrauch machen dürfen. Wegen der Demonstration am vorigen Sonntag sind zahlreiche neue Verhaftungen führender vliiglieder der Zenlrolinken vorgenommen worden, besonders solche Personen, die in den Be- zirksorganisationen und in den Kampftrupps der Sozialdemo- k r a t i e eine Rolle spielten, so in Warschau acht Sozialisten, deren Namen vorläufig geheimgehalten werden; angeblich hat man bei ihnen Waisen gesunden. In Thorn wurde nebst 23 anderen Personen der Sekretär R o s i n e k von der Pommerellen Kreis- orgamsation der Sozlaldemkraten verhaftet. Der sozialistisch«„Robolnik" ist gestern überhaupl nichl er. schienen, weil die beiden ersten Seiten von der Zensur gestrichen waren. Nach endgültiger amtlicher ZusammenR-vung sind vom Soriv tag zwei Todesopfer. 7S Verwundete und etwa 1000 Verhaftete zu verzeichnen. Di« Oppositionspreste setzt sowohl die Zahl der Toten wie der Verwundeten höher an. Kampf in Lndochina. Zt.gelrechter Vanbenkrieg. pari«, 16. September.(Eigenbericht.) Wie nunmehr bekannt wird, sollen die Unruhen vom 8. bis 12. September im Norden von Indochina wesentlich ernsteren Charakter getragen haben als das Kommunique des fran- zöstschen Kolonialministeriums vermuten ließ. Nach jetzt durch- sickernden Meldunzen waren es gut organisierte Auf- st ä n d e, deren Teilnehmer regelrecht bewasfnet waren und den Regicrungetruppen mili.ärischen Widerstand entgegensetzten. Einschtänkung der USA.- Einwanderung. Das Staatsdeparte- ment hat in Ausführung der Anweisung des Präsidenten Hoooer über weitere Beschränkung der Einwanderung die amerikanischen Konsuln in Europa zu Konferenzen einberufen, auf denen die Richtlinien für die striktere Anwenki-nq der geltenden Cinwande- rungsbektimmmzaen erläutert wert-en soNen. Außenpolitik und Wahlen. Or. Eurtius' Genfer Bekenntnis zur Verständigungspolitik. Der Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s war in einer wenig beneidenswerten Lage, als er gestern das Podium der Genfer Völkerbundsversammlung betrat, um die deutsche Außenpolitik darzulegen. Er vertrat dort eine Regierung, die zwei Tage zuvor die schwerste Wahlniederlage er- litten hatte. Er sprach im Namen eines Volkes, dessen Mehrheit zweifellos an den bisherigen Grundlinien der Außenpolitik festhalten will, in dem aber unleugbgr eine überaus starke Minderheit entstanden ist, die eine radikale Aenderung des außenpolitischen Kurses fordert und die Parolen der natio-- nal-faschistifchen oder der national-kommunistischen Gewalt- aposteln nachbetet. Selbst für einen Stresemann mit seinem überaus starken persönlichen Kredit im Auslande wäre es in einer derartig verfahrenen Situation nicht leicht gewesen, auf das Genfer Weltparlament einen nachhaltigen Eindruck zu machen. Für Dr. Curtius, der weder das Prestige noch das Format seines Vorgängers besitzt, war es eine noch viel schwierigere Aufgabe. Dennoch muß anerkannt werden, daß Dr. Curtius diese schwierige Aufgabe einigermaßen befriedigend gelöst hat. Seine Rede ist sauber, vernünftig, nüchtern, vorsichtig. Das, was sich soeben in Deutschland abgespielt und was das gesamte Ausland erschreckt hat, soweit es an einer friedlichen Entwicklung Europas interessiert ist, hat der deutsche Außen- minister nur in einem Nebensatz andeutungsweise gestreift: Innerhalb einzelner Staaten könnten ebenso wie in den inter- nationalen Beziehungen die Konstellationen und die Probleme wechseln, aber der Völkerbund bleibe ein wesentliche r Faktor der deutschen Polit'k, an dessen Weiterentwicklung Deutschland mit allen Kräften arbeiten werde. Also ein Bekenntnis zum bisherigen Kurs der deutschen Außenpolitik. Dieses Bekenntnis verträgt sich durchaus mit der vorangegangenen berechtigten Kritik an der gesamten internationalen Entwicklung,„die fstr uns manche Enttäuschung gebracht hat". Damit hat Dr. Eurtius zweifellos vor allem auf das doppelte Versagen des Bolkerbundes oder vielmehr der im Völkerbund ver- tretenen Siegermächte in der A b r ü st u n g s f r a g e und hinsichtlich des Schutzes der nationalen Minder- h e i t.e n angespielt, zwei Probleme, auf die er später näher eingegangen ist. Freilich konnte er sich bezüglich der Ab- rüstung darauf beschränken, der überaus energischen Rede des sozialistischen Außenministers Henderson die volle Zu- stimmung Deutschlands auszusprechen. Dr. Curtius hat sich ferner positiv zu dem Gedanken einer engeren europäischen Zusammenarbeit ge- äußert, an der angesichts der Weltwirtschaftskrise. die Deutschland besonders hart trifft, das deutsche Boll das größte Interesse hat. Der Reichsaußenminister hat in diesem Zusammenhang ausführlich die A g r a r z o l l p o l i t i k der Regierung Brüning-Schiele besprochen und verteidigt. Er befand sich dabei in der Defensive, nachdem in der voran- gegangenen Generaldebatte die Außenminister eines halben Dutzend' neutraler Staaten, die sonst eher zu den Freunden Deutschlands zählen, sehr herbe Kritiken an die deutsche Adresse gerichtet hatten. Diesen Kritiken und ihrer Wirtschaft- liehen Auswirkung wird man auch durch die schönsten Reden nicht wirksam begegnen können. Davon abgesehen, stimmen wir dem Grundgedanken der Ausführungen von Curtius zu, weil sie geeignet find, das durch den 14. September schwer erschütterte Vertrauen der Welt in Deutschland einigermaße n wieder zu be- festigen. Wir erstreben die Wiederherstellung dieses Ver- trauens nicht etwa im Interesse des Bürgerblocks, der sich am deutschen Volke schwer versündigt hat. sondern im Interesse der d e u t s ch e n- A r b e i t e r k l a s s e, die die Folgen eines Rückschlages in erster Linie zu tragen hätte. Das Bekenntnis zur Fortsetzung der bisherigen Außenpolitik war umso notwendiger, als jede Unklarheit darüber lata- strophale Folgen gerade für die Besitzlosen haben muh.©in Deutschland, dessen Friedenswille bezweifelt werden würde Und dem infolgedessen alle Ausla- sskredite automatisch gesperrt' wären, würde innerbalb eines Vierteljahres eine Verdoppelung oder Verdreifachung seiner Arbeitslosenziffern erleben. Damit wäre zwar den Drahtziehern Thälmanns in Moskau und Hitlers in Rom gedient, aber w i r wollen dem deutschen Proletariat helfen und verhindern, daß es auf dem Altar der russisch- bolschsewistischen oder der italienisch-faschistischen Diktatoren und Imperialisten geopfert werde. Indessen ist es mit dem bloßen, Bekenntnis zur Fortsetzung der Verständigungspolitik nicht getan. Das Ergebnis der Reichstagswahlen" hat Probleme aufgeworfen, denen sich gerade die Vorkämpfer des Friedensgedankens hüben und drüben nicht verschließen dürfen. Es ist dies in erster Linie das Problem der neuen Generation, die den Krieg kaum mit Bewußtsein erlebt hat und die nun ins politische und ins wirtschaftliche Leben tritt Diese jungen Leute finden vielfach leine Arbeit, sie erleben Wirt- V ichaftskrise, die eine relativ kleme Schicht von Desitzenden rücksichtslos gegen die> Besitz- und Arbeitslosen auszunutzen oersucht: es wird ihnen eingeredet, daß diese Krise, unter der sie leiden, verursacht ist durch die Reparationszahlungen, die zu leisten Deutschland sich verpflichtet hat; ja. sie stellen fest. daß Deutschland zwangsweise abgerüstet wurde, daß aber die anderen weiterrüsten— weiterrüsten mit dem Velde, das Deutschland für andere, für Wiederaufbauzwecke aufbringen soll. Und ist es dann ein Wunder, daß Millionen dieser jüngeren Menschen sich bei diesem Gedanken empören und daß sie den Scharia- tanen ins Garn laufen, die ihnen von dem„Dritten Reich" oder von„Sowjet-Deutschland" alles Heil versprechen? Man kann, ja, man muß dennoch versuchen, aufzu- klären, diesen empörten jungen Menschen zeigen, daß wir leider keine andere Wahl hatten, daß es sogar auf dem Wege der Erfüllungs- und Verständigungspolitik gelungen ist, be- trächtliche Erfolge zu erzjelen, sei es in der Form einer wesentlichen Herabsetzung der uns ursprünglich zugedachten Lasten, sei es in der Form einer früheren, unblutigen Be- freiung des Rheinlandes: man muß ihnen beweisen, daß jeder andere Weg die Lage nur noch verschlimmern würde, wie sich schon einmal bei der Ruhrbesetzuna gezeigt hat: man muß ihnen demonstrieren, daß neue Rüstungen und ein neuer Krieg, gleichviel, wie er ausfiele, das Elend des ver- lorenen Krieges von 1914— 1918 nur verzehnfachen würde. Das ist unsere Aufgabe. Sie ist undankbar, vielfach un- populär, wie alles, was an die Vernunft und nicht an das Gefühl appelliert. Aber sie ist notwendig, heute not- wendiger denn je, wo das faschistische und das bolsche- wistische Maulheldentum solche Siegesorgien feiern durfte. Dennoch darf sich die Welt nicht allein auf den Erfolg unserer Aufklärungsarbeit oerlassen. Auch sie mutz helfen, auch sie muß die gefährlichen Zeichen der Zeit rechtzeitig erkennen. Die Staatsmänner des Auslands stehen vor der" Alternative, wie sie auf das Sturmzeichen des 14. September reagieren sollen. Die eine, kurzsichtige Methode würde darin bestehen, zu sagen, wie es vor allem die nationalistischen Blätter in Frankreich und Polen schon tun:„Das ist das Resultat der Ermäßigung der Dawes-Lasten und der Rheinlandräumung! Nun erst recht keine Zu- geständnisse mehr, nun erst recht rigoroses Festhalten am Buchstaben des Versailler Vertrages und des Haager Ab- kommens! Nun erst recht„Sicherheit" und erst recht keine Abrüstung!" Eine solche Politik wäre aber die beste Propaganda für die Rechts- und Linksradikalen in Deutsch- land, ihre Folgen wären unabsehbar, und je mehr junge Jahrgänge, zumal solche, die erst nach dem Kriege groß wurden, in die politische Arena träten, desto schwerer würde es sein, ihnen die Notwendigkeit der Verständigungs- und Friedenspolitik klarzumachen. Die andere Methode besteht darin, endlich die Ver- heißungen des Völkerbunds st atuts zu erfüllen, endlich und wirklich abzurüsten, nur solche Reparations- lasten von Deutschland zu fordern, die w i r k l i ch dem Zinsen- und Tilgungsdienst der Wiederaufbauanleihen zugute kommen und durch wirtschaftliche Kooperation in Europa die Wirtschaftskrise zu beheben, die Millionen von Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Nur eine solche Außenpolitik vermag die Gefahr zu bannen, die die deutschen Reichstagswahlen heraufbeschworen haben. Es ist dies die Politik, die feit zehn Iahren von der Sozialistischen Internationale erstrebt und pro- pagiert wird. Ihre Aufgabe ist es, heute mehr denn je in diesem Sinne zu wirken, denn sie allein verkörpert«inen ein- heitlichen Willen über die Landesarenzen hinweg. Als ihr Wortführer hat der sozialistische Außenminister Englands, Arthur Henderson, die Abrüstung gefordert- Gerade die verständigungsbereiten Teile des deutschen Volkes er- warten schnelle und entschlosiene Taten zunächst auf diesem Gebiete.___ Die(Stimme der Krauen. Eine Zählung aus Köln. Ein interessantes Bild bietet die Wahl in der Stadt Köln,«o die Stimmen von Frauen und Männern getrennt gezählt wurden. Die Beteiligung der Männer und Frauen an der Wahl ergibt sich aus nachstehenden Zahlen: Sozialdemokraten 41 599 Männer, 3S 667 Frauen: Deutschnational« 3142 Männer, 3472 Frauen: Zentrum 36179 Männer, 63 266 Frauen: Kommunisten 41436 Männer, 26348 Frauen: Deutsche Volkspartei 12 348 Männer, 14 422 Frauen: Deutsche Staatspartei 9057 Männer, 8530 Frauen: Wirtschastspartei 11177 Männer, 10 636 Frauen: Notionalsozialtsten 39 522 Männer, 30648 Frauen. Allerdings muh berücksichtigt werden, daß die Zahl der wähl- berechtigten Frauen größer ist als die der Männer, und zwar in Köln 281 000 gegenüber 248 000. Immerhin ist diesmal zu verzeichnen, daß Kommunisten und Nationalsozialisten erhebliche„Frauenzissern" zum ersten Male für sich verzeichnen können. Besonders die Zahl von 39648 Hitler- Anhängerinnen überrascht, da diese Partei in Köln bisher nie mehr als 3000 Frauenstimmen sür sich buchen tonnt«. Es überwiegen auch in Wiesbaden die Frauenstimmen beim Zentrum, der Staatspar r«i, der Deutscheu Bolkspartei und dem EoangelischenVolksdienst. Das Zentrum zählt doppelt so viel Frauenstimmen wie männliche Wähler. Unter den 1999 Stimmen des Evangelischen Volks- di e n st e s, der gleichfalls den Wahlkampf unter Hervorhebung des religiösen Moments geführr hat, befanden sich in Wiesbaden 1599 weibliche und' nur 499 männliche Stimmen. Die Frauen gaben also über 299 Proz. mehr Stimmen ab als die Männer. Zuchthausstrafen sür Spione. Der Polizeiwachtmeister Ko- Pietz und der Sekretär T r o p p e r sind wegen gemeinschaftlichen sortgesetzten Verrats militärischer Geheimnisse vom 4. Strafsenat des Reichsgerichts zu je 8 Iahren Zuchthaus und zehn- jährigem Ehroerlust verurteilt worden. Die Strafe wurde nach der Urteilsbegründung besonders hoch bemessen, weil Kopietz an der Polizeisunkstclle in Gleiwitz eine Vertrauensstelle besaß und die Spionage sür Polen nur aus reinen Gewinnabstchten betrieben habe. Troppcr ist als Anstifter anzusehen. »raun stell! Sirasanlrag gegen den„völkischen Beobachter". Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat auf Grund eines Beschlusses des preußischen Staatsministeriums Strafantrag gegen den„Völkischen Beobachter' gestellt. Das Blatt halte am IL. Juli d. I. in einem Artikel:„Einspruch des Reichs- rats gegen Amnestierung der Femerichter" die preußische Staats- rgienmg schwer beleidigt. Reichsregierung boykottiert Mieter Kür Hausbesitzer alles— Zür Mieter nichts Auf der Jubiläumstagung zum 39jährigen Bestehen des Bundes Deutscher Mietervereine in Dresden hat Reichstagspräsident Löb e über„Die Wohnungsfrage eine Kulturfrage" gesprochen. Während die R e i ch s r e g i e r u n g auf der Tagung der deutschen Haus- und Grundbesitzer durch drei Mini- sterien sich hat vertreten lassen, hat sie die Jubiläumstagung des Bundes Deutscher Mietervereine geschnitten,«in Zeichen für die Rücksichtslosigkeit, mit der der Hausbesitzerminister Dr. Bredt das Kabinett zur Mißachtung der Mieterinteresien zwingt. Der deutsche Mietertag hat an die Reichsregierung folgendes Protest- t« leg ramm gerichtet: „Der 25. Deutsche Mietertag protestiert entrüstet gegen das Verhalten des Reichsjustizministers Dr. Bredt auf der Danziger Tagung des Grund- und Hausbesitzerverbandes, auf welcher er sich als Minister des Hausbesitzes bekannt hat. Der Bundestag protestiert dagegen, daß die deutsche Reichsregie- r u n g, die auf der Hausbesitzertagung mit drei Ministerien ver- treten war, eine Vertretung aus der Mietertagung nicht für notwendig gehalten hat." Für diese Brüskierung der vielen im Mietertag organisierten Millionen durch die jetzige Reichsrcgierung zeichnet derselbe Herr Profesior Bredt verantwortlich, der auf der Danziger Haus- besttzertagung gesagt hat, er hätte den Mieterschutz sofort und bis ins Letzte aufgehoben, wenn nur feine Unter- schritt dazu ausgereicht hätte. Die wichtigste der beschlossenen Resolutionen fordert die Er- süllung des Artikels 153 der Reichsversassung, der Verankerung der sozialen Grundgedanken des Reichsmieten- und Mieterschutzgesetzes in einem der Notzeit entsprechenden Wohnwirt schaftsge setz, den Mieterschutz sür die Neubaumieter und insbesondere auch sür die zur Miete wohnende Ge s ch ä s t s w« l t. Ferner wird der jetzige Anschlag der Reichsregierung gegen die Verwendung der Hauszins st euer aufs schärfste verurteilt und die restlose Verwendung der aus der Hauszinssteuer fließenden Mittel zum Wohnungsneubau und zur Beseitigung der Elendsquartiere ge- fordert. Endlich fordert die Mieterschaft ein energisches Eingreifen der Reichsregierung zur Senkung der B a ust o f f p r e ife. Die Entschließung endet mit den Worten: Die Mieterschaft for- dert von den politischen Parteien die Unterstützung und Erfüllung dieser Forderungen. Sie wird sich in erster Linie a m 14. September sür die Parteien einsetzen, die bisher schon bewiesen haben, daß ihnen die Forderungen der deutschen Mieter- schaft als soziale Notwendigkeit erscheinen. In der Reichsregierung, die die Hausbesitzer bewußt hätschelt, ist keine Partei, die die Mieterinteresien vertreten wird. Die Partei der deutschen Mietermassen ist die Sozial- demokratie. Hitler über seinen Sieg. Oer Zwang zur Verfassung. München, 16. September. Im Zirkusgebäude am Marsfelde sprach heut« abend der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, über die Bedeutung des Wahl- sieges vom 14. September. Der Sinn dieses Sieges fei darin zu sehen, daß die Bewegung nunmehr sich einen Platz in der Oesfent- lichkeit erobert habe. Es fei geradezu lächerlich, nun in der Bil- dung einer neuen Regierung das Ziel der nationalsozialistischen Bewegung zu sehen. Für die Nationalsozialisten sei das Parlament nicht das Ziel an sich, sondern nur ein Weg zum Ziel. Die National- sozialisten seien nicht Parlamentspartei aus Prinzip, sondern P a r- l a m e n t s par te i aus Zwang, und dieser Zwang heiß« Verfassung. Der Sieg vom 14. September sei nicht das Signal zum Ausruhen, es fei nur eine neue Waste gewonnen worden. 197 Mann stehen nun auf dem legalen Fechtboden. Sie werden zeigen, daß die Nationalsozialisten nicht nur die Masien be- herrschen, sondern daß sie auch Florett fechten können. Die Nationalsozialisten werden aus diesem Boden jede Möglichkeit kühn- sten Sinnes wahrnehmen, die sie ihrem Ziel näher bringen kann. Nicht um Abgeordnetenmandate kämpfen die Nationalsozialisten, sondern sie erobern Mandate, um das Bolk dereinst frei machen zu können. Der Sieg habe nicht im geringsten das nationalsozia- listische Ziel verändert., Adolf Hitler schloß seine Rede, zu der auch zahlreiche Vertreter der ausländischen Presse erschienen waren, mit einem beschwörenden Appell an die SA-, nicht zu oerzwei-seln. der Kampf gehe weiter.— (Schießprämie für Nationalsozialisten. ' Gilt für sie die Waffenverordnong nicht? Der jetzt in Bochum, früher in Ratibor ansässige Lehrer Joses Adamczik, ein fanatischer Nationalsozialist, hatte am 12. August in Ratib�, wie bereits berichtet, gelegentlich eine» Zusammenstoßes zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zwei scharfe Revolverschüsse abgegeben. Er hatte, bevor er sich zur Demonstration begab, den Revolver nebst Patronen im Hundt äschchen seiner Frau versteckt. Als die Zusammenstöße erfolgten und Adamczik sich angeblich von den Kommunisten bedrängt sah, ließ er sich von seiner Frau das Handtäschchen geben, entnahm ihm den Revolver und schoß. Darauf flüchtete er, wurde aber festgenommen. In der Gerichtsverhandlung, die am Donnerstag stattfand, behauptet Adamczik, in Notwehr gehandelt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn und feine Ehefrau lediglich wegen unbefugten Waffenbesitzes zu je 199 Mark Geldstrafe. — Die Wastennotverordnung der Regierung sieht bekanntlich ein« Mindessttrafe von drei Monaten Gefängnis vor! Eine Frage übrigens: Ist gegen diesen schicßwütigen Jugend« erzieh««in Disziplinarverfahren eingeleitet? Oder soll dieses Erziehungsvorbild die Jugend darüber unterweisen, wie man am geschicktesten einen Revolver versteckt? Naziführer unier Mordanklage. Sprengsioff'Funde i« der Wohnung de« Angeklagte«. Köln. 16. September.(Eigenbericht.) Gegen den nationalsozialsttstchen Sturmsührer Kurt K o n r a d. der vor einigen Tagen den kommunistischen Arbeiter Anton Klaßen er. schössen hat, ist von der Staatsanwaltschaft Anklag« wegen Mordes, verbotenen Waffenbesitzes und Vergehens gegen das Sprengstostgesetz erhoben worden. Bei der Durchsuchung der Wohnung Konrads hat die Polizei größer« Mengen Sprengstoff gefunden._ Oer Einbruch in die Pulverkammer. Schwierige Zeugenvernehmung im Rombenprozeß. Altona, 16. September. In der heutigen Verhandlung des Bombenlegerprozesies mußten eine ganze Reihe von Zeugen aus Mülheim a. d. Ruhr gehört werden, da der Angeklagt« R e h l i n g seine Beteiligung an dem Einbruch in die dortige Pulverkammer noch immer bestreitet. Lorher teilt« Staatsanwalt Junker mit, daß ein Telegramm Sternheim„Bürger Schippel" Erstausführung im Staatlichen Schauspielhaus. Carl Sternheims Satir4 auf den Geltungshungcr des Spießbürgers zündet nicht recht. Sein„Bürger Schippel" läßt in der schleppenden Inszenierung des Staatstheatert un- befriedigt. vgr. von Frau v. Oertzen eingelaufen sei, worin sie ihr Erscheinen für den Donnerstag vormittag ankündigt. Das Gericht beschloß jedoch, sie telegraphisch davon zu verständigen, daß ihre Vernehmung programmäßig erst am Freitag in Aussicht genommen sei. Sämtliche vernommenen Zeugen gaben an, daß Rehling am 26. Januar, am Tag des Sprengswffdiebstahls, an einem Fest, das der Zeug« Dr. Oberheid in Mülheim gab, teilgenommen habe. Keiner von ihnen konnte etwas darüber aussagen, ob sich Rehling eine Zeitlang von dem Fest entfernt hat. Einig« haben sich mit Rehling im Verlauf des Festes mehrmals unterhallen. Zur Auf- klärung der Frage einer Beteiligung Rehlings an dem Sprengstoff- diebstahl diente die Bernehmung dieser Zeugen keineswegs. Kriminalassistent Kolk aus Mülheim erklärte, er habe Er- Hebungen über die Entfernung des Gasthauses Kahlenberg zum Steinbruch Weyand gemacht. Der Weg betrage zu Fuß 25 Minuten, mit einem Kraftwagen 26 Minuten hin und zurück, einschließlich des Weges im Steinbruch. Dazu wären mindestens 29 Minuten Arbeit im Steinbruch hinzugekommen, so daß Rehling drei Viertel- stunden hätte ausbleiben müssen. Die Mülheimer Polizei habe sich nicht erklären können, daß der Verdacht ausgerechnet auf Rehling zielle, der ein Feind jeglicher Gewalttätigkeiten gewesen sei und sich im R u h r k a m p f der Polizei verschiedentlich zur Wieder. Herstellung von Ruhe und Ordnung zur Verfügung gestellt habe. Das Gericht beschloß, den Kommissar Mühlfriedel nochmals für Frellag zu laden zur Aussage darüber, daß er sich als Verlobter von Frau v. Oertzen ausgegeben und Volck aus der Schweiz nach Deutschland gelockt Hab«, sowie, daß er sich dessen Aufzeichnungen über seinen Fortgang aus Deutschland angeeignet habe. .Die Verhandlung wurde daraus aus Mittwoch vormittoz vertagt.'_ Sowjeirußlands Arbeiislosigkeii. Oer Schwindel der„Roten Fahne". In großer Aufmachung bringt di«„Rote Fahne" seit Wochen Meldungen, daß in Sowjetrußland die Arbeitslosig. k« i t verschwunden sei. S t a l i n ist anderer Meinung. Er sagte in seinem Referat auf dem letzten Parteikongreß wörtlich: .�Hinsichtlich der Arbeitslosigkeit ist zu sagen, daß auf diesem Gebiet ein großer Wirrwarr sowohl in den An- gäben des Arbeitskommissariats wie in denen des Zentralrats der Gewerkschaften herrscht. Ein- mal«gibt sich aus den Angaben dieser Behörden, daß wir rund ein« Million Arbeitslose haben, von denen nur 14,3 Proz. ge- lernte Arbeitskräfte sind, während rund 73 Pro;, auf Personen geistiger Berufe und aus ungelernte Arbeitskräfte enstallen. Da- von besteht der Hauptteil aus Frauen und Jugendlichen. Anderer. seit» geht aus den gleichen behördlichen Angaben hervor, daß wir einen großen Bedarf an gelernten Arbeitskräften verspüren. Di« Arbeitzvermittlungsstellen siird nicht in der Lag«, mehr als 29 Proz, der Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskrästen zu befriedigem Infolgedessen sind wir gezwungen, vollständig ungelernte Arbeiter sozusagen zwischendurch anzulernen und sie aus verantwortliche Posten zu stellen, um wenigstens den dringlichsten Bedürfnissen notdürftig nachzukommen. In diesem Wirrwarr kann sich kaum jemand zurechtfinden."(„Jswestija" Nr. 177.) Aus diesen Aeußerungen Stalins geht hervc«, daß nur unter der sehr geringen Schicht qualifizierter Arbeit Erwerbslosig- kell nicht zu finden ist. Dagegen unterliegt es keinem Zweifel, daß vom flachen Lande täglich Tausende in die Städte und Industrie- bezirke wandern, ohne Beschäftigung zu finden und ohne von den Arbeitsvcrmittlungsstellen erfaßt zu werden. Estnische Lappo. Neues Material der Regierung. Reval, 16. September.(Eigenbericht.) Als vor einigen Wochen Pressemeldungen des Inhalts auf- tauchten, daß di« sinnländisch« Lappo-Bewegung auch in Estland Nachahmung finde und daß ein« Verschwörung mit Putschabsichtea entdeckt worden sei, wurden diese Nachrichten offiziell als maß- lose Uebertreibungen dementiert und sestgestelll, daß es sich nur um ein Trinkgelage von Politikastern und Wichtig- t u« r n handle, die nicht ernst zu nehmen wären. Kurze Zeit darauf stellt« es sich dann ober heraus, daß die Regierung einige dieser Personen ohne Gericht mit einer G e ld st r a f e belegt hat. Per- schiedene Blätter fanden dos recht sonderbar. Wenn es sich wirklich um eine irgendwie politisch gefährliche Sache Handelle, so hätte ganz anders eingegristei, werden müssen, anderenfalls erscheine ein« Strafe auf dem Verordnungswege als ungerechtfertigt. Diese Angriff« haben nun den estnischen Innenminister veranlaßt, in einem Interview zu erklären, die ganze Sache habe doch einen g e, fährlicheren Charakter als anfänglich angenommen wurde; dos Ministerium habe Material, welches im Interesse des Staates zunächst nicht veröffentlicht werden könne. Die öffentliche Meinung ist durch dieses Interview nicht beruhigt. Die Bekanntgabe de« gesamten Materials wird dringend gewünscht und zugleich die Frage aufgeworfen, warum das Ministerium nicht schärfere Maß- nahmen sür notwendig erachte. Severins unter Zensur. Die„lleberparteilichkeit� des Rundfunks. Von Fritz SegalL Zur Sicherung der politischen als auch der kulturellen Belangs des Reiches und der Länder sind den Rundfunk» gesellschaften von der Deutschen Reichspost Bedingungen auf- erlegt, die eine Ueberwachung des Nachrichten- und Vortrags- dienstss zur Folge haben. Diese Richtlinien, die die Reichs- regierung im Zusammenwirken mit den Ländern aufstellte, sind dem Reichstag Ende 1926 durch den demokratischen Reichsinnenminister Külz vorgelegt worden. Sie be- stimmen, daß der Rundfunk keiner Partei zu dienen habe, daß sein gesamter Nachrichten- und Vortragsdienst also streng überparteilich zu gestatten sei. Die Ausübung der staallichen Ueberwachung obliegt dem Politischen Ueber- wachungsausschuß. der aus drei Mitgliedern besteht, von denen je eines durch das Reich, die anderen von der zu- ständigen Landesregierung bestimmt werden. Zur Mit- Wirkung an dem Teil der Programmgestaltung, der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung umfaßt, fungiert der Kulturbeirat. In ihm müssen mindestens drei, hoch- stens aber sieben Mttglieder vorhanden sein, die nach An- hörung der Sendegesellschaft von der zuständigen Landes- regierung oder der von ihr benannten Stelle im Benehmen mit dem Reichsministerium des Innern zu berufen sind. Der Reichsminister des Innern fällt also in Fragen der gesamten Programmgestaltung die letzte Entscheidung. Von ihm selbst werden naturgemäß nur ganz wichtige Fälle behandelt, wie zum Beispiel ein Antrag der Sozialdemokratischen Partei, die auch in diesem Jahre eine Berücksichtigung des Maifeier- gedankens im Rundfunkprogramm forderte, die von Wirth jedoch abgelehnt wurde. Weniger bedeutungs- volle, aber doch wichtige Entscheidungen werden vom politi- schen Ueberwachungsausschuß erledigt. Es ist zu einer beliebten und verständlichen Geste der Sendcgesellschaften geworden, bei Ablehnungen von be- stimmten Programmvorschlägen den Politischen Ueber- wachungsausschuß verantwortlich zu machen. Da dieser wieder das Bestreben zeigt, nach Möglichkeit ungenannt zu bleiben, ist es für Außenstehende sehr schwer festzustellen, welche Instanz eigentlich Einspruch erhoben hat. Ohne Zweifel wird die Unklarheit in der Pro- grammgestaltung dadurch gefördert, daß die Darbietungen überparteilich gehalten sein sollen. Die praktische Arbeit der bürgerlichen Parteien beweist, daß dort, wo die Theorie der Ueberparteilichkeit am stärksten in den Vordergrund gestellt wird, sie am allerwenigsten eingehalten werden kann. Jeder Vortrag, auch wenn er von unpolitischen Referenten ge- sprachen wird, ist von der Weltanschauung be- st i m m t, die ihn stets beeinflußt. Bei Durchsicht der Programme zeigte sich deutlich, wie wenig die sogenannte Ueberparteilichkeit«ingehatten werden kann und wie sehr diese Verschleierung auch heute dazu dient, sozialistische Weltanschauung vom Rund- funk fernzuhalten. Es sei in diesem Zusammenhang nur an die lächerliche Verfügung des bayerischen Kultus- Ministeriums erinnert, die zum Beispiel bestimmt, daß die dortige Rundfunkgesellschaft im Rahmen der Sonntags- feie m nur solche Vorträge zulassen darf, die/ die Pi Iii- g ung der kirchlichen Ober be Hörde oder der von ihr benannten Vertrauensleute gefunden habe. Sozialistische Morgenfeiern müssen also von der Kirche begutachtet werden. Der Rundfunk glaubt, auch noch heute einen Unterschied da- durch geltend machen zu müssen, daß er den Sozialismus nur als p ö l i t i s ch e n, also nicht zu berücksichtigenden Faktor be- zeichnet, während er die jetzige Gesellschaftsform mit allen Begleiterscheinungen als weltanschaulich anerkennt und unvergleichlich stärk berücksichtigt. Eine ändere Absicht vertrat der Rundfunkkommissar Dr. Bredow in seiner aufschlußreichen, durch Rundfunk verbreiteten Rede anläßlich der Eröffnung der Großen Funk- ausstellung. Er führte dort aus: „Kein bedeutendes politisches, kullurelles oder sportliches Er- eignis, das der Mitwelt nicht durch Berichterstattung oder Ueber- trogung nahegebracht wird. Völlig verkannt wird hierbei in manchem Hörerkreis noch immer die Aufgabe des»Rundfunks als Zeitspiegel, wenn ihm diese oder jene Uebertragungen vor- geworfen werden, als sei er selbst verantwortlich für das betreffende Zeitereignis. Der Rundfunk ist in diesem Fall nur objektiver Mittler und nimmt nicht Stxllung zu den Dingen. Er mutz auch Zeiterfcheinungen widerspiegeln, die nicht jedem willkommen sind. Der Rundfunk kann nicht den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wenn die Gegenwart für ihn nicht vorhanden wäre. Er ist wie ein Fenster, durch das man ip die Außenwelt hineinblickt. Jeder wird sich von seinem Fenster abwenden, wenn er etwas für ihn Unerfreuliches sieht, aber niemand wird es deshalb zerschlagen. Unzweiselhast, der Rundfunk geht einen schweren Gang. Engherzigkeit und Unduldsamkeit können ihm den Weg erschweren, ihn aber nicht verhindern, seine Pflicht zu tun. Zum parteipolitischen Kampfmittel will kein Rundfunkmann ihn machen. Staatspolitische Notwendigkeiten können die Verwen- dung des Mikrophons auch für politische Zwecke er- forderlich machen. Hier Handell e« sich um ein der Regierung zu- kommendes Recht, das den Rundsunkgesellschasten nicht zusteht." Die Hörerschaft hat ohne Zweifel erwartet, daß der Rundfunk auch die aktuellsten Geschehnisse der Gegenwart, die Wahlbewegung, widerspiegele. Es wäre möglich gewesen, Reportagen aus Wahlversammlungen zu übertragen. Es wäre möglich gewesen und war auch vorgesehen, die Führer der Reichstagsfraktionen entsprechend 'hrer Fraktionsstärke sprechen zu lassen. Schon vor Wochen ist im„A r b e i t e r f u n k", dem Organ des Arbeiter-Radio- Bundes, auf diese Möglichkeit hingewiesen worden. Nichts ist von alledem erfolgt, well der gleiche Dr. Bredow die Rundsunkgesellschasten anwies,«alles zu vermeiden, was irgendwie als Stellungnahme für eine Parteigruppe gedeutet werden könnte!" Natürlich ist der Inhalt dieses Rundschreibens durchaus korrekt, wenn an das..Neutralitätsprinzip" des Rundfunks gedacht wird. Aber wenn auf Anordnung des Rundfunk- kommissars das Programm das a k t u e l l st e Zeitgeschehen unberücksichtigt läßt, dann hat der Rundfunk eben den Kopf in den Sand gesteckt. Für die vom Genossen Ministerialrat Prof. W o l d t ge- leitete Arbeiterstunde der Deutschen Welle mar für den Sonn- abend vor dem Wohltag Genosse Severin g als Redner über das Thema«Demokratie im Volksstaat vorgeschlagen worden. Die Leitung der Deutschen Well« hatte ihn aber Seekadeiienlos. viebtai? Das unter Führung des kaiserlichen Kapitänleutnants Treviranus in die Wahlschlacht gezogene Torpedoboot erwies sich als nicht seetüchtig. Das Schiff versank. Nur 5 Mann konnten gerettet werden. Oer Scherbenhaufen. Weitere pessimistische Kommentare der Auslandspresse. Die Bölkerhehe profitiert. Paris, 16. September.(Eigenbericht.) Den Wahlerfolg, den die Gegner der deutschen Republik am ii. September davongetragen haben, hat den französischen Nationalisten Wasser auf ihre Mühlen getrieben uird läßt sie mit verdoppelter Energie den Verzicht auf jede Verständi- gung mit Deutschland, ja sogar die schimpslich« Absetzung des versöhnungswilligen Außenministers Br io nd fordern. Die faschistische„Liberi i' triumphiert in lauter Freude über das Entsetzen der„Friedenshühner", die sich plötzlich Rechen- schast ablegen müßten» daß sie Enten ausgebrütet hätten Die Räumuna des Rheinlandes Hab« nicht nur kein« Entspannung tn DeutscAund. hervorgerufen,, sondern sie habe im- Gegenteil das deutsche Volk dazu veranläßt, okfeu feinen Rev a n�h« millan kundzutun.„Jnrronsigea nt" behauptet.�däß Deutschland sich wieder als dos gezeigt habe, was«s wirtlich sei:«Ein Volk des Raubes, des Krieges und der Eroberung." Selbst der„T e m p s" erklärt am Dienstag wieder, man iuirfe die Versicherung, daß der Wahlaussall die Richtung der deutschen Außenpolitik nicht ändern werde, vorläufig nur mit äußerster Vorsicht entgegennehmen. Es sei sicherlich besser, abzuwarten, bis der neue Reichstag und die neue Regierung im Amt sei. Es werde viel Zeil und viel guter Wille notwendig sein, um da» er- fchüllerte vertrauen iu Deutschland wieder herzustellen. Wenn Stresemann als höchstes Argument Vertrauen zur Stärkung der deutschen Republik Hobe fördern können, so habe das deutsche Volk jetzt durch stipe Begünstigung der Gegner der Demokratie, der Republik und des Friedens einen frevelhaften Bcer» trauensmißbrauch getrieben. Was di« französischen Beobachter in ihrem Mißtrauen noch be- stärkt, ist die Tatsache, daß der geschlagene Reichskanzler Brüning es nicht für notwendig gehalten hat, die Kon- s e q u e n z aus seiner Niederlage zu ziehen und reinen Tisch zu machen. Die Entscheidung Brünings, im Amte zu bleiben, so schreibt der «pari» Midi", zeuge von eiaer außerordentlich elastischen Auffassung der parlamcntarischeu Regeln. Tn jedem anderen Lande wäre das unmöglich. Brüning schein« nicht zu bemerken, daß er sich lächerlich mache, wenn er an seiner Seite einen Minister ohne Partei behalte, wie Treviranus, während eine große Partei von fast 150 Mitgliedern. wie die Sozialdemokratie, aus der Regierungskoalition aus- geschlossen bleibe, mir weil sie„höheren Ortes nicht gern ge- sehen" sei. Ernste Besorgnis in Prag. Prag. 16. September.(Eigenbericht) Das Wahlergebnis wird von der tschechischen Presse weiterhin als verhängnisvoll für Deutschlands Zu- kunft und als Gefahr für den europäischen Frieden bezeichnet. Alle Prager Blätter sind der Ansicht, daß die einzige Rettung Deutschlands nur eine Koalittonsregierul�g der Sozialdemo- l raten mit sämtlichen republikanischen Parteien sein könne. Der sozialdemokratische„Pravo L idu" schreibt„Deutschland braucht- ein starkes und gesundes de ni akratisches Europa, um sein« Wirtschast aufzurichten und das vom tapita- listischcn Regime verschuldete Elend ein wenig zu bessern. Der Hitlerismus ist der von Europa fortsührende Weg. Er ist gegen Europa gerichtet. Falls Deutschtand diese Weg« gehen wird, wird es wieder eine Niederlage erleben; denn Europa ist gegen allen imperialistischen Partikularismus." Das Organ der deutschen Sozialdemokraten, der„Sozial- d e m o k r a t", sagt:„Die Wahlen vom 14. September waren richtige Konjunkturwahlen für die Rechts- und Links- radikalen. Ihr Ausfall kann für Deutschland und Europa in der nächsten Zeit schwere Erschütterungen bringen. Die sozialen Entwicklungskrästc Deutschlands und seine real- politischen Möglichkeiten zwinge« aber dazu, die Sozialdema- kratie zur entscheidenden Macht in Deutschland werden zu lassen. Die Zukunft Deutschlands wird von der deutschen Sozialdemokratie geschmiedet werden." Di« osfiziöse„Prager Presse" sagt: Zentrum und Sozial- demokratie sind aus finänzpolitischen Gründen auseinandergegangen. Wie verhängnisvoll es war, weiß man erst seit dem 14. September. Aber finanzpolitische Gegensätze können nicht unüberbrückbar sein, wenn das Reich in Gefahr ist. Verantwortung oder Propaganda?? Amsterdam, 16. September.(Eigenbericht.) Das sozialdemokratische„H e t B o l k" erklärt, di« Soozialdemo- kratie stehe jetzt der Frage gegenüber, ob eine neue große Aufgabe von internationaler Bedeutung sie zwing«, auf dem Gebiet der inneren Politik noch größere Zugeständnisse als 1928 und 1929 zu machen. Sie müsse dabei jedoch erwägen, daß das Wachstum der kommunistischen und der faschistischen Parteien bestimmt teilweise dem Umstand« zuzuschreiben sei, daß die Sozialdemokratie ihrem Verantwortungsbewußtsein einen großen Teil ihrer Werbekraft geopfert habe. Di« Friedensotmo-, sphäre in Europa habe durch die Wahlen des letzten Sonntags. schwer gelitte iu Daher werde man alles, was die Sozialdemokratie tue, um diese Atmosphäre wieder zu verstärken, nur begrüßen können. Italienische Aeußerungen. Die kommandierten Aeußerungen der Presse Mussoliniens zeigen. daß man nach dem ersten Jubel über die Zahl der Hitler-Wähler jetzt mit dem Wahlausfall Geschäfte machen will, indem man dem 14. September besonders die Deutung einer Demonstration für Revision des Friedensdrktats gibt. Damit soll angedeutet werden, daß der„Duce" aus des—„Osafs" kriegshllse rechnen könne. Man weiß ja, daß der deutsche Radikalnationalismus längst darauf verzichten mußt«, die Befreiung des unerhört geknechteten deut- schen Südtirol zu fordern. vom Programm gestrichen, angeblich, well am selben Tage ein Reichsminlster reden sollte. Natürlich verzichtete Seve- ring, an einem andern Termin(nach der Wahl!) zu sprechen, den ihm die Berliner Funtstunde einräumen wollte. Schließlich stellte sich heraus, daß der Vorsitzende des Poli- tischen Ueberwachungsausschusses, ein Ministerialrat Sch o l z, gleichfalls seine Einwilligung versagte. Severins am Sonnabend in der Berliner Funlstunde sprechen zu lassen. Der Rundfunkzensor Scholz, der sehr weit rechtspolitisch orientiert ist und bisher gleichzeitig das Rundfunk- referat im Reichsministerium des Innern verwaltet, gab als Begründung ebenfalls die beabsichtigte Rede des Reichskanzlers an, von dem noch nicht einmal fest- stand, ob er überhaupt an dem betreffenden Sonnabend sprechen kann. Es hat stärkster Interventionen bedurft, um die Rundfunkrede Severings am 13. September doch noch zu ermöglichen. Die verbotene und dann erlaubte Severing-Rede ist nur eines der vielen parteipolitischen Symptome, die der Rundfunk unter dem Deckmantel der Neutralität jeden Tag spüren läßt. Die Freie Rundfunkzentrale der Sozialdemokratischen Partei, ihre bczirklichen Rundfunkausschüsse, haben in Zu- sammenarbeit mit dem Porstand des Arbeiter-Radio-Bunoes und seinen Gauleitungen die Arbeiten mit dem Ziel aufge- nommen, die Rundfunkprogramme wirklich überparteilich auszugestalten. Es gilt, den Rundfunk von kirchlicher und nationalistischer Vorherrschaft zu befreien. Schon vor vier Jahren erkannte der Reichstag, daß sich mit der fortschreitenden Entwicklung des Rundfunks die staatspolitische Notwendigkeit ergebe, Maßnahmen zu treffen» um«ine kulturell mißbräuchliche Ausnutzung der rundfunk- technischen Möglichkeiten zu oerhindern. Die Arbeiterschaft hat erfahren, daß die gesetzliche Regelung für den Rund- funk gegen den Rundfunk benützt wird. Kampf der Arbeitslosigkeit! Die mittelalterliche Romantik der Ltnternehmer. Das Zentralproblem unserer Wirtschast und auch unserer Politr? müßte die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sein. Die Unternehmer klagen über die hohen Sogiallasten, die teils direkt, teils indirekt aus der Arbeitslosigkeit resultieren. Sie wider- setzen sich aber hartnäckig jedem ernstlichen Versuch, die Arbeitslosig-. keit zu beseitigen. i Bon wenigen Ländern abgesehen, wo besondere Umstände vor- herrsche», besteht heute eine Arbeitslosigkeit, die weit hinausgeht über die normale Arbeitslosigkeit, die durch Saisonumstände bedingt ist. Prozentual am stärksten ist die Arbeitslosigkeit als Dauer- erscheinung in Deutschland. Dies« krisenhafte und chronische Zlrbeitslosigkeit ist im wesentlichen verursacht durch die Rationali- sierung, die«ine außerordentliche Steigerung der Produktivität zur Folge hotte. Es müßte also— und das ist der Borschlag der Gewerkschaften— die Arbeitszeit soweit herabgesetzt werden, daß die Arbeitslosen wieder in die Produktion eingereiht werden könnten. Das hätte natürlich auch zur Voraussetzung, daß gleichzeitig eine Steigerung der Kaufkraft der Arbeitermassen eintritt, sei es durch eine entsprechende Erhöhung der Löhn«, sei es durch eine cherabdrückung des Preisniveaus. Wie man die Dinge auch in der Zukunft anfassen wird, niemals wird man zu einer anderen Losung kommen können. Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit würde eine wesentliche E n t l a st u n g sowohl der öffentlichen Finanzen, wie auch der Unternehmer und der Arbeiter durch die Herabsetzung der Sozial- beitrage nach sich ziehen. Es liegt auf der Hand, daß durch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit auch die Beiträge zur Kranken- und zur Invalidenversicherung herabgesetzt werden könnten. Denn das Elend und die psychische Not, die die Arbeitslosigkeit sowohl bei den Erwachsenen wie auch bei den unmündigen Familienangehörigen unvermeidlich hervorruft, ist eine der Ursachen des physischen Verfalls. Es ist also durchaus wrchrscheinlich, daß die Belastung der Unter- nehmungen durch eine Lohnerhöhung bei entsprechender Arbeitszeit- Verkürzung nur eine relativ geringe wäre, weil auf der anderen Seite eine Entlastung durch die ersparten Sozialbeiträge eintreten würde. Es muß weiter in Rechnung gestellt werden, daß die Unternehmungen, wenn sie dauernd vollbeschäftigt sein würden, viel leichter einen Preisabbau oder eine Lohnerhöhung vertragen könnten, als bei einer nur teil weisen Ausnützung des Produktionsapparates, dessen Kosten aber in voller Höhe weiterlaufen. Rem technisch gesehen sind die deutschen Unternehmer fähr modern« Leute. Es gibt keine Erfindungen, keinen technischen Fort- schritt, den sie nicht aufgreifen und sich zunutze machen. Menschlich und wirtschaftlich sind sie Romantiker des Mittelalters. Sie können nicht begreifen, daß es nicht angeht, Riesensabriken mit einer stets steigenden Produktionskapazität zu bauen, die Autos, Radio- und Telephonapparat«, Möbel, Schuhe ufw. zu Hunderttausenden und Millionen herstellen, ohne daß die große Masse der Käufer— und das ist nun einmal die Arbeiterklasse— diese Autos, Radio- und Telephonapparate auch verbraucht. Dieser gigantische technische Fortschrill verneint sich selbst, wenn die große Masse der Arbeiterschaft nicht daran teil hat. Die zwiespältige Haltung der Unternehmer führt zu dem ungeheuer- lichen wirtschaftlichen Widerspruch, der darin besteht, daß unser Produktionsapparat auch den höchsten Ansprüchen der Bedürfnisse der großen Massen gewachsen ist, während gleichzeitig das Massen- elend steigt. Es wäre ein hoffnungsloses Beginnen, unseren Unter- nehmern zu predigen, daß ihre Funktion nur darin bestehe, das ungeheure Vermögen vernünstig zu verwalten, das heute in unserem Produktionsapparat aufgespeichert ist, und dafür zu sorgen, daß die große Mass« der Arbeiterschaft stets in der Lage ist, die Produkte zurückzukaufen, die sie erzeugt hak. Wir erinnern als typisches Beispiel für die Mentalität unserer Unter. nehmer an die Verschmelzung der Dedi-Bank. Als durch die Ver- schmelzung einige tausend Angestellte„eingespart* und entlassen werden sollten, schlugen die Gewerkschaftsvertreter in der General- Versammlung vor, bei dem übersetzte» Leihmgsopparat zu sparen und die Einkünfte der Direktoren auf 120 000 Mark im Jahr« zu begrenzen. Dieser Vorschlag wurde mit Hohnlächeln zurück- gewiesen. lind doch war er, gesamtwirtschaftlich gesehen, der einzig ver- nünftige. So werden auch alle anderen Vorschläge bei den Unter- nehmern auf kein besseres Verständnis stoßen. Der Unternehmer muß zur wirtschaftlichen Vernunft gezwungen werden. De Arbeits- losigkeit kann nur durch Kampf gemildert und erst dann bc- festigt werden, wenn die Arbeiterschaft die Wirtschaftsgesetze be- stimmt. Reichsanstalt folgt Scharfmachern Maffenkündigung zum Zweck des Gehattsabbaues Seil der Schaffung der staallichen Arbeitslosenversicherung wird zwischen den Organisationen der Arbeitsamtsangestellten und der Reichsanstall ein zäher Kampf geführt, um die Erhaltung der Rechte derjenigen Angestellten, die die Reichsanstall von den bis dahin städtischen Arbeitsnachweisen übernommen hat. Das Gesetz über Arbeitslosenversicherung und Zlrbcitsvennsttlung bestimmt in seinem§ 228, daß die Reichsanstall ifiif- dem Tage der Uebcrnahm« der städtischen Arbeitsämter auch die Rechte und Pflichten übernimmt, die die Kommunen gegenüber den Angestellten ihrer Nachweise hatten. Damit sollte vor ollem zum Ausdruck gebracht werden, daß die von der Reichsanstall übernommenen Angestellten der städtischen Arbeitsnachweise in ihrem Einkommen nicht schlechter gestellt werden dürfen als bei den Kommunen. Di« Reichsanstalt Hot schon mehrfach versucht, diese für sie unbequeme Gesetzesbestimmung zu umgehe n. Ein neuer Vorstoß in diese Richtung wird von ihr jetzt wieder unternommen. Am 3. Juli hat der Stellvertreter des Präsidenten der Reichsanstalt, Herr K a p h a n, eine Verfügung erlassen, wonach all den Ange- stellten der Berliner Arbeitsämter das Dienstverhältnis gekündigt werden soll, die Arbeiten verrichten, die noch dem Tarifvertrag der Angestellten der Reichsanstalt niedriger zu bewerten sind, als nach dem Angestelltentarif des Magistrats Berlin. Die Reichs- anstall will sich also mit einer Verfügung einfach den Der- pflichtungen entziehen, die ihr durch Gesetz auferlegt sind. Den nach§ 228 des Gesetzes über Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung von der Reichsanstalt übernommenen Ange- stellten des Landesarbeitsamts Berlin sind bereits auf Grund dieser Verfügung die Dien st vertrage gekündigt worden. Bei den übrigen Arbeitsämtern sind gleichfalls schon viele Kündigungen der Ange st eilten erfolgt gekündigt sind bisher 160 Arbeitsamtsangestellte. Der Zweck der Kündigung ist, diesen Angestellten ein geringeres Gehalt aufzuzwingen, also einen durchgreifenden G e Haltsabbau vorzu- nehmen. Die Unterstellung der gekündigten Angestellten unter den Tarifvertrag der Reichsanstall würde für sie je noch der Be- schäftigungsdauer und Art einen Gehallsabbau bis zu 140 AI. pro Monat bedeuten. Man sieht also, daß sich die Reichsanstalt bemüht, den Gehallsabbau, den die Privatindustrie durchzuführen bcab- sichtigt, noch zu übertreffen. Die Erregung, die in der Versammlung der Angestellten des Arbeitsamts Berlin-Mitte am Montag im Gewerkschastshaus über diesen ungeheuerlichen Anschlag der Reichsanstalt auf die Existenz- grundlage der Arbeitsamtsangestellten zum Ausdruck kam, ist nur zu begreiflich. Sowohl von dem Betriebsrotsvorsitzenden des Arbeitsamts Berlin-Mitte als auch von den Gewerkschaftsvertretern und den Arbeitnehmerbcisitzem der Verwalttingsausschüsse der Arbeitsämter und des L-andesarbeitsamts wurde' den Angestellten die volle Unterstützung in ihrem Komps gegen diesen neuesten Streich der Reichsanstalt zugesichert. Es ist zu erwarten, daß es den vereinten Bestrebungen der Gewerkschaften und der Arbeitervertreter in den Verwoltungzousschüssen gelingen wird, diesen beispiellosen Gehaltsabbauvcrsuch der Reichsanstall noch rechtzeitig zum Scheitern zu bringen. Weltkongreß des arbeitenden Palästina. Am 27. September in Berlin. Der dem Internationalen Gewerksäzaftsbund angeschlossene Allgemeine Jüdische Arbeiter- Berbond in Palästina hat jür den 27. September eine internationale Konferenz nach Berlin einberufen. Es soll damit das Jnteresse dxr wternationolen Arbeiterschaft für die aufbauende Tätigkeit der jüdischen Arbeiter>n Palästina geweckt werden. Auch der JGB. wird auf diesem Kongreß vertreten sein. Hochschulstudium und Arbeitsmarkt. Kleiner Rückgang.- Zrauenandrang stärker. Im Wintersemester 1929/30 hat der Andrang zu den wissen- schaftljchen Hochschulen im Deutschen Reich zum erstenmal etwas nachgelassen. Die Gesamtzahl der an den deutschen Hochschulen immalnknlierten Studierenden, die Vorlesungen belegt hatten, betrug im Wintersemester 1929 30— 122 391 gegenüber 123 700 im Sommersemester 1929. Der Andrang zum akademischen Studium kommt am besten in der Zahl der Studierenden im ersten Semester zum Ausdruck. Die Zahl beträgt für dos Wintersemester 1929/30— 7016(ersaßt sind in dieser Zeit nur Reichsdeutsche) gegenüber 8119 im Wintersemester 1928/29. Man wird ohne Zweifel den verringerten Andrpng zum oka- demischen Studium auf die Auswirkungen der Wirt- schoftskris« zurückführen müssen. Im großen und ganzen ist der Andrang zu den wissenschaftlichen Hochschulen immer noch- sehr groß. Vergleicht man die Zahl der Srudicrenden im Wintersemester 1929'30 mit den Zahlen von 1923/26, so läßt sich eine Steigerung der Studierenden für das Wintersem.'ster 1929/30 um 37,3 Proz. feststellen. Von den Studierenden an den deutschen Hochschulen waren im letzten Wintersemester allerdings 6939— 5,7 Proz. der Gesamtzahl Ausländer. Der Anteil ist um 0,6 Proz. höher als im Wintersemester 1929/30. Von den ausländischen Studierenden, unter denen sich 13, 3 Proz. Studentinnen befinden, sind fast 30 Proz. Aus- länder mit deulscher Muttersprache. Von den Studierenden ganz allgemein wählten 21 335 Rechts- und Staatewisscnschaften. 13 644 allgemein« Medizin, 4609 Zahn- Heilkunde, 1167 Tierheilkunde. 3367 Bollswirtjchaftölechre, 2712 Be- triebswirlschaftslehr«, 2483 kaufmännisches Studium, 3990 Pöda- gogik für Bolksschullehrerstndium, 5837 neue Sprachen. 5032 Ger- manistit, 2444 Geschichte, 5636 Mathematik, 2734 Biologie und Ra- turwissenschaft, 2283 Physik, 2081 Landwirtschaft und Brauerei, 3317 Bauingenieurwesen, 2475 Architektur, 6373 Maschineningenieur- wescn, 3661 Elektrotechnik, 759 Bergbau usw. und 4469 Chemie. Soweit die reichsdeutschen Studierenden im Wintersemester 1929/30 gegenüber dem Wintersemester 1928/29 in Frage kommen, zeigen sich Zugänge bei der Pädagogik sür Volks- und Berufs- schullehrerstudium, für das Bouingenieurwefen, für Architektur und Chemie. Die meisten anderen Fächer zeigen mehr oder weniger starke Abgänge. Während sich für das Wintersemester 1929'30 gegenüber dem Wintersemester 1925/26 die Gesamtzahl der Studierenden um 37,3 Proz. erhöhte, nahm die Zahl der weiblichen Studierenden um 118,5 Proz. zu. Die Zahl der Studentinnen betrug im Winter- semester 1928/29 13 359 und im Sommersemester 1929— 16 286, im Winterseniester 1929/30 ober 16 348. Damit macht der Anteil der Studentinnen an der Gesamtzahl der Studierenden 13,4 Proz. auz. Die Zunahme vom Wintersemester 1928/29 zum Wintersemester 1929'30 betrug 22,4 Proz. Die Tendenz eines stärkeren An- öranges derFrau zu den Hochschulen liegt also klar zutage. Von besonderem Jnteresi« ist die Herkunft der Studieren den Die Statistik ergibt, daß von den Vätern der Studierenden 46,7 Proz. Beamte(einschließlich Reichswehr). 36,2 Proz. Handel und Gewerbetreibende(einschließlich Prioatangcstellte), 7,8 Proz. Angehörige freier Berufe, 3.8 Proz. Landwirte, und zwar 2,6 Pro.;. Arbeiter waren. Ohne Reisezeugnis studierten im Wintersemester 1929— 4 Proz. der Studierenden. Ein Zeugnis über die oerkürzte, die Crfatzreifeprüfung und die Ergänzungspüfung besaßen 2.3 Proz. Ueber das Wertstudententum werden folgend« Mst- tellungen gemacht: Im Sommersemester 1929 übten 6,4 Proz. der Studierenden«ine Beschäftigung gegen Entgell aus, in den darauf- folgenden Ferien 12,6 Proz. Sie kamen in der Hauptsache im Lehrberus, im Handel und in der Industrie unter. Wie lebt der Arbeiter in Nußland? Vier Quadratmeter Wohnfläche. Die Wohnungsverhältnisse sind in vielen Arbesterzentren der Sowjetunion trostlos. Der„Trud*(Nr. 249 vom 4. September 1930) bringt einen interessanten Bericht über die Wohnungsverhällniss« im Donezkohlenbecken: „Die Wohnungsverhällnisse der Bergarbester des Donezbeckens und anderer Kohlenrevier« der Sowjetunion waren bereits mehrfach Gegenstand von Beratungen der leitenden Wirtschaftsorgane. Der Stand der Wohnungsverhällnisse bei den Bergarbellern ist jedoch noch bis heute soungünstig, daß diese Frage erneut behandelt werden muß. Durch die jährlichen Neubauten auf dem Gebiet« des Woh- nungswesens wird zwar die Qualität der Wohnräume erhöht, jedoch haben diese Neubauten keinen Einsluh aus den Umfang der W o h n- fläche pro Kopf der Bevölkerung. Im Gegenteil, in den letzten Jahren ist ein Rückgang der Wohnfläche pro Kopf der Berg- arbeiterbevölkerung zu verzeichnen. So entfielen im Jahr« 1927 im Donezbecken 5,08 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf der Bevölke- rung, 1928 4,92 Quadratmeter, 1929 4.64 Quadratmeter und 1930 4,73 Quadratmeter. Dabei kann 1930 diese Norm nur dann ein- geHallen werden, wenn der Voranschlag des Wohnungsbaues in vollem Umfang« durchgeführt werden wird. Der Voranschlag der Bundesvereinigung des Kohlenbergbaues„UgolZ* sieht für den Wohnungsbau im Donezbecken 79,2 Millionen Rubel vor bei einer Gesamtsumme von Kapitalinvestierungen in den Wohnungsbau in Höhe von 663 Millionen Rubel im laufenden Wirtschaftsjahr 1929/30. Bor kurzem ist dieser Voranschlag revidiert worden und die für den Wohnungsbau im Donezbecken bewilligte Summe stellt sich jetzt auf 109,4 Millionen Rubel. Sowohl die erste als auch die zweit« Summe sind keineswegs ausreichend. Sie werden keine Erleichterung der Wohnungsverhällnisse im Donezbecken bringen. Erforderlich sind nicht 79 und nicht 109 Millionen Rubel, sondern mindestens 173 Millionen Rubel. Wenn diese Mittel nicht bewilligt werden, so wird die Wohnfläche im Donezbecken pro Kopf der Be- oölkerung auf 4,07 Quadratmeter sinken...* Ideal« Zustände für die Arbeiterschaft! Ein wahres Glück, daß wir trotz des kommunistischen Wahlerfolges uns der Verwirk- lichung von„Sowjetdeutschland* nicht nähern.,,,,, Zettversäumnis bei Nechisstreiiigkeiien. Sie muß Betriebsraismitgliedern gezahlt werden. Wiederholt werden Betriebsratsmitglledern, die Wege zu be- sorgen oder Rechtsstreite für die Arbeiter in den Betrieben zu führen haben, und deshalb oft mehrere Stunden Arbeitszeit versäumen, die sehlenden Stunden vom Lohn abgezogen. Hat der Unternehmer in diesem Falle ein Recht, den Lohn der Betriebsratsmitglieder zu kürzen? Mit dieser interessanten Rechts- frage beschäftigte sich der Feriensenat des Reichsarbeitsgerichts. Der Arbeiterrat im Betrieb der Bereinigten Stahlwerke A.-G- Engels in Duisburg-Hamborn hatte sein Mitglied, den Schlosser M., beauftragt, in einem Streit über die Bestrafung von Arbeitern Rechtsbeschwerde gegen de« Beschluß- des Arbeitsgerichts einzulegen, der die von dem Arbeiterrat oersagte Zustimmung zur Strafversetzung erteille, und zwar durch einen Rechtsanwall. Der Kläger hatte eine Rachmiltagsschicht versäumt, um in diessm Sinne mit einem Rechtsanwalt Rücksprache zu nehmen. Er verlangt von der Beklagten Bezahlung der Schicht. Das Landesarbeitsgericht hat nach dem Klageantrag erkannt, weil der Kläger damit gerechnet habe, er werde morgens den Anwalt auf dem Büro nicht sprechen können. Eine mündliche Besprechung habe er sür erforderlich Hollen können. Der Lohnabzug sei deshalb ungerecht und die Beklagte wurde zur Zahlung der Schicht verurteilt. Dagegen legten die Metallindustriellen Revision ein und ver- langten Aufhebung und Abweisung der Klag«. Die Revisionsbe- gründung war aber so dürstig abgefaßt, daß das Reichsarbeitsge- richt nach kurzer Beratung die Revision als unzulässig zu- r ü ck w i e s. � Warnung vor Einstellung. Gegen die Freizügigkeit der Landarbeiter. Die Gutsverwaltung Schmolalnen, Kreis Hellsberg in Ostpreußen, glaubt, die Gesindeordnung wieder in Kraft setzen zu können. Einig« Hofgänger, die aus dem Gute in Schmolainen beschäftigt waren, haben dos Arbeitsverhällnis gelöst. Um zu ver- hindern, daß die Betreffenden anderweitig Arbeit bekommen, hat die Gutsverwaltung in der„Guttstädter Zeitung* eine Notiz solgenden Wortlauts verössentlichen lassen: Warnung! Bitte die Hofgänger Franz Gehrmann, Joseph Gerigk und Valentin Kesler ohne Papiere nicht einzu- stellen, da dieselben vertragsbrüchig geworden sind. Die Gutsverwaltung Schmolainen. j?d»�reieGewer?schatts-IuqendVersin Ztailölla: Jugendheim Bcrgllr. 20. H»f.®ie L«I»>a«ntflanb und anderes von pans Reimann.— Südwest«»: Ingendheim Rorckstr. 11 (ssabritgebeinde). Das Leben des Kumpels.— Flnechafe»: Jugendheim (slughafenstr.«S. Vortrag:.Die ssrau im öffentlichen Leben".— TchSnebeig: Jugendheim Sauptstr. IS. Liederabend.— Adlersdos: Adlershaf. Visinarckstr. 1. Vortrag:..Da» Mädel in der— Vaumschnlenweg: Baumschlllenwcg, Ernststr. l«. Vortrag:.Die Bedeutung und Ziel« der Volksbühne". .�«aendäruppe des?eniralverbande6 der Anaefleltten "Sy# Heute. Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: Sesnndbrnnnen: Zu» - g.'ndheim Orthstr. 10, pt. Vortrag:..Jugend und Staat". Relcrent: Heinz Löwi.— Rrinickendors: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke!, ckräfs. nungsabend.— eharlotirnburg: Jugendheim Vostnenstr. 4. Oruvpenbesprcchung und ssestlegung des Arbeitsprogramms im Winterhalbiahr.— Schönhauler Vorstadt: Jugendheim der Schule Kasuinienallc« 81. Vortrag:.Die deutsche Revolution". Ref.: Dr. Mar Schütte.— Obersprr«: Jugendheim der Schule Berliner Str. A. Lichtdildervortrag:.Iugendwandern und Jugendberbergen". Referent: Kurt Maper.— Zlordost: Jugendheim Danzigcr Str.«2 iVaracke 3). Vortrag:„Die Sttlluug der Iran in Wirtschaft und Sefcllschaft". Rcferentln: Dora Doenifch.— Stralau: Jugendheim der Schule DoK:erftr. Kl. Vor-rag: ..Soz'alismus und Individualismus". Referent: Artur Rackow.— Rculella: Jugendheim Vrhmifche Sir. 1— 4, Ecke Kanncr Strohe. Lichtbildervortrag:»Eine Jährt ins Weltall". Referent: Erich Krug— Südsft: Jugendheim Wrangel- strahe 128. Eruvpenbcfprcchung— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Lieder- abend.— Poisdam-Rowames: Jugendherberge in Rowawes, Dricstrrstrahe. Vor- !rag:.Der Aufbau der Konsumgenossenschaften". Referent: Heinz Man». Verantwortlich-llr Volitik: Dr. Snrt«epee: Wirtsch-f«:».«Ij»a«lhSI-r: Dcwirlichailsbewcgung: Z. Steiner: Zeuilieton: K. A. Dölcher: Lokale» und Sonstiges Jritz Karstödt: Anzeigen: Th. Klocke: sämtlich in Verlin. Verlag: vorwärls-verlag S. m b. b Verlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Veriogsanftalt Daui Singer n Do. Berlin SW. K8. Lindenftrahe 3. l jfciera» 2«eilaae». yir. 435* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 47. September 1930 Volksbetrügcr am Werk! Terror im Siadtparlament.— Nazis und Kommunisten Arm in Arm. Die gestrige Sitzung der Sladtverordnelea, die erste nach den Serien, ist imeder aufgeflogen. Wieder ist es einer mit den verbrecherischen Mitteln der Verhetzung und de« Volksbeiruges arbeitenden Minderheit gelungen, eine im Interesse der arbeitenden Bevölkerung Berlins gelegene sachliche Arbeit zu verhindern. Zur Erreichung dieses Zieles ist den ZlationalsoMlistcn und Kommunisten jedes Mittel recht. Im Plenum mimen sie noch gegenseitige Feindschaft und der Kommunist Pieck spricht von der„drohenden faschistischen Gefahr". Im geheimen Beratungszimmer aber wird mit dem Nazimann Engel die gemeinsame„Aktion" vorher genau besprochen und ver- cinbart. Ob die Berliner Arbeiter, die bei der Reichstags mahl noch ihr vertrauen den kommunistischen und nationalsozialistischen tiasardcurev gaben, da» frevelhafte Spiel, das hier mit ihren Lebensinteressen getrieben wird, erkennen werden? Die Kommunisten arbeiteten mit alkbewährter Demagogie. Sie verlangten einen Antrag, der der Brüning-Regierung das Mitzlrauen ausspricht, al» ersten Punkt aus die Tagesordnung geseht. Da die Sozialdemokraten unter allen llmsländen vor Behandlung dieses Antrage» Vorlagen und Anträge, die schon lange der Erledigung harren und deren weitere Ausschiebung das Interesse der Arbeiter und Aogefiellten verbietet, erledigt wissen wollten, wurde dem Verlangen der Bolschewisten widersprochen. Das war für Razis und Kommunisten das Signal zum vorher verabredeten Losbrüllen. Ein ohrenbetäubender Lärm setzte ein. Die Bemühungen des Stadtverordneleuvorstehers Hätz, Ruhe zu schaffen, werden mit Schimpslvorten beantwortet. Schlietzlich sieht sich der Vorsteher, besten objektive, ruhige Geschäftisührung auch gestern wieder Anerkennung verdiente, gezwungen, die Sitzung um 10 Minuten zu vertagen. Im Aeltestcnausschuh war man. um doch noch die Erledigung einiger dringlichen vorlagen zu ermöglichen, durchaus bereit, den Kommunisten entgegenzukommen. Diese lehnten jedoch jeden Vorschlag rundweg ab. Was kümmern sie in Wahrheit die Intereffen der Berliner arbeitenden Bevölkerung! Wenn nur der Parteikarren gut fährt. Bei dieser Haltung der kommunistischen Fraktion«vor ein weiteres Zusammenarbeiten nicht möglich und der Vorsteher«var daher gezwungen, die Vcrsainm- lung noch der neuen Eröffnung sofort wieder zu schliefen. Lange nach B Uhr eröffnete der Vorsitzende Genosse haß die Sitzung. Das Wort««ahm alsbald der koiimunistische Stadtverordnete Pieck, der in einer längeren Siegesfeierrede de- antrogte. die proiestantrSgo der Komwunifien gegen die Brflning- Regierung. icher o«e eine am 0. August abgchaltene JeneNsitzung befchtichen sollte, als ersten Tagesordnungspuirkt zu behandeln. Interessant bei den Ausführungen des kommunistischen Redners war, daß er die neue nationolkonrmunistische Linie seiner Partei auch auf die Kommunalpolitik ausdehnte. Schließlich wurde gegen die Stimmen der Kommunisten und der Nati onolf ozia l iften, die sich entgegen den Crwarwngen sehr ruhig verhielten, die Umstellung der Tagesordnung abgelehnt. So wäre es also bei der geschästs- ordnungsmäßigen Erledigung des Protestantrages geblieben. Als das Abstimmungsergebnis festgestellt«var, erhob sich in der kommunistischen Fraktion ein un geheurer Lärm. Das Glockenzeichen des Vorstehers wurde nicht beachtet. Jeder Versuch des Genossen Haß, die Geschäfte iveiterzuführen, wurde mit stürmischen Zurufen„Protestairtrag— Tagesordnung umstellen", vereitelt, so daß dem Vorsteher nichts anderes übrig blieb, als die Sitzung zu vertagen. Im Aeltestenrot, der alsbald zusammentrat, war eine Einigung nicht möglich. Die Konunu nisten lehnten oll« Vorschläge der anderen Fraktionsvertreter ab, so daß nach der Wiedereröffnung der Sitzung der Vorsteher nur das Scheitern der Einigungsverhandlunsen mitteilen konnte, um dann unter ungeheurem Lärm der Komnuinisten die Sitzung sofort zu schließen. Von den Kommunisten und den Nationalsozialisten waren zu Beginn der Sitzung eine ganze Reihe von Dringlichkeitsanträgen eingebracht worden. So verlangten die Konnrninisten, daß die Stadt die Westerversicherung der Erwerbslosen gegen Krankheit und Invalidität übernehmen und auch die durch die Regierung Brüm««g festgesetzten G eb ü h r« n für die Krankenbehand- lung zahlen solle. Der Antrag wurde einem besol»deren Ausschuh überwiesen. Dieser ohne Debatte gefaßte Beschlutz kam den Kommunisten offenbar gänzlich unerlvartct: ein voreilig migeb«achter„Hört!-Hört!"-Zwischenruf von ihren Bänken her ließ daraus schließen, daß sie nuindestcns mit Wider- sprach, wenn nicht gar mit Ablehnung des Antrages gerechnet hatten. Protestartträg« gegen die vom Magistrat abgelehnte vorzugsweise Behandlung kommnnisttscher Sportverein«, die«ncht den Sportspitzenverbänden angehören, ebenso wie ein Antrag gegen den Erlaß der preußischen Regierung über die Betätigung von Beamten in staatsfeindlichen Parteien vervollständigten das kommunistische Antragsbukett. Die Rationalsozialisten verlangten in einem Antrag die Auf- lösimg der Stadtverordnetenversammlung: der Ausfall der Reichstagswahlen gab ihnen die Veranlasiung dazu. Der sofortigen Behandlung dieses Antrages umrde ebenso widersprochen wie auch der Behandlung eines Antrages, der gegen die voin Oberpräsidenten ausgesprochene Genehmigung zu den Ent- lastungen bei der Berliner Berkehrz-Gesellschaft protestiert. Schließ- lich fragten die Deutsch««ationolcn dem Magistrat um Auskirnft über die Borgänge bei der Besetzung einer Arztstelle auf der Frauen st ation des Reukötlner Krankenhauses durch einen Richtfachinann. Die nächst- Sitzung findet n«orqen, Doniwr-tag,«im Uhr statt.'____ Aaiionalisiische Gchülerfrechheit. Oer Stadtfchulrat mußte persönlich eingreifen. In der Berlmer-Luisenstädtischen Oberrealschul.« befanden sich noch immer mit Genehmigung der Schulleitung in der Eingangshalle Anschlagbretter des„I u n g st u r m s" und der „Deutschen F r e i s ch a r". Letztere hat sich mit dem völlig monarchistischen„Großüeutschen Jugendbund" vereinigt. Der„Jungsturm" ist ausgesprochen monarchistisch und führt in seinem Vereins wappen Schwarz weißrot. Trotzdem hat der Oberstiidienrat Helfritz als stellvertretender Di- rektor der Anstalt und der Mägistratsobcrschulrot Heyn eine Be- schwerd« der Republikanische«« Beschwerdestelle Berlin zurück- gewiesen. Als dann die Beschwerdestelle«n einer neuen Eingabe darauf hinweisen konnte, daß der.Lung stürm" in de? Schule ein Flugblatt anbrachte, in dem es misdrücklich heißt:„Wir glauben nicht an all jene Irrlehren der Völkerversöhirung und internationaler Berbrüderung", Hot imninchr endlich der Stadtschulrat R y d a h l «tngegriffei«. Sein« amrtiche Mitteilung tautet folgendermaßen: „Wir hoben angeordnet, daß dos Anschlagebrett des Jmtgsturms in der Luisenstödtifche» Oberreaffchule entfernt wird und Aushänge an keinem Brett der Schule erfolgen dürfe»»." Unbegreiflich würde es der verfastungstreuen Bevölkerung bleiben,«venn sich dre oberste Schulleitung nicht auch die Herron Helfritz und Heyn vorknöpfen würde, die doch offenkundig mit der monarchistischen Jugend sympathisieren. Oer Lehte von der Weißen Insel. Oie lleberreste Frankels in Tromsö. Tromsö, 16. September. Das Expedittonsschiff„Jsbjärn" mtt den sterblichen U« b e r- testen Frankels, des Begleiters von Andräe und Strindberg, an Bord ist heute in Begleittrng des Kriegsschiffes„Soenkfund" und des Regieruiigsdanrpsers„Michael Lars" hier eingetroffen. Hofen und Stadt haben halbmast geflaggt. Der Sarg«vurde von Matroien an Land gebracht und zum Hospital übergeführt. Dem Zuge gaben Marine- und Arnreeosfiziere, Vertreter der Regierung und Konsuln verschiedene Länder das Geleit. Die wisienschastlich« Kommission wird ihre Arbeiten sofort aufnehmen. Die Arbeiten der Uittersuihungskornmission sollen so beschleunigt «Verden, daß die Leichen aller drei E xp edi ti o n st« i l- n e h m e r schon in den nächsten Tagen cm Bord der„Sveusksund" nach Stockholm übergeführt werden können, wo eine o f f i- zietle Ehrling durch die schnwdische Regierung und Bevölkerung stattfinden wird. „Wir wollen morden und aufhängen." Erklärt ein kommunistischer Abgeordneter vor Gericht. Der komnmnlslische Rcichslagsabgeordnete(Böhlke mutzte sich am Dienstag vor dem Reukötlner Schösseugericht ver- antworten. Er zeichnete mit seinem Rcrmcn als vercmtworMchee einer Schulzellen zeitung, in der aufgefordert wurde, einen Berufs- fchüler zu verprügeln und in der auch die kommunistische Parole: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" abgedruckt war. Der Prozetzverlauf war insofern interessant, als er klar erwies, datz die Kommunisten die Immunität ihrer Abgeordneten ausnutzen, um die Voiksverireler für Presieorgone verantwortlich zeichnen zu lassen, in denen die unglaublich st en Lügen verbreitet werden. Als ein kommunistischer Verteiler der in Frage steheirden Schul- zeitung angeklagt wurde, ging er zu dem Abgeordneten Gohlke. und dieser übernahm freudig die prcßgesctzliche Verantwortung. Er glaubte ja, als Abgeordneter geschützt zu sein. Der Preußische Landtag hob aber für dieses Strafverfohren die Immunität auf, und nun versuchte natürlich Gohlke«nit allen Mitteln, die Ver- antwortung wieder von sich abzuwälzen. So erklärte er vor Gericht. daß er zwar seine Zustirmrnrng für derartige Zellenzeitungen als Verantwortlichcr gegeben habe, aber mit der Einschränkung, daß ihm die Zeitungen vorher oorgetcgt werden müßten. Di« Schul- zellenzeitung wolle er gar nicht gekannt haben. Gohlke gab im Berlguß.deK.Prozesses- auch vsfeu zu. daß die kommunistischen Reich?» .rogsahgeordNetvMür.derartiger. Zellenzeitungen zeichnen müßten. Der StaaOannmlt hatte.1-50 Mark Geldstrafe beantragt, odap Gericht kam jedoch zu einem Freispruch, weil« dem?ln geklagten glaubte, daß er die betreffende Zeitung nickst gekannt habe und auch widerrechtlich als Verantwortlicher bezeichnet worden fei. Bezeich- nend war das Srhluß«»ort des Angeilagten, der sich zunächst dagegen verwahrte, daß in der Parole:„Schlagt die Fcffchisten, wo ihr sie trefft", eine Aufforderung zur Körperverletzung läge. Um aber sein durch die vielen Ausreden ramponiertes Ansehen vor de» kom» «nnnistischen Zuschauern wiederherzustellerr, erklärte dieses Muster- exemplar eines Volksvertreters großschnäuzig:„Die Kom m u- nisten werden morden und aufhängen, aber erst wenn sie die Macht dazu haben." Der Vorsitzende hatte für diese freche Ungebühr vor Gericht nur ein ironisches Lächeln. SJNCIAIRLEWIS 77) ROMAN Er schlug sich an die geschwellte Brust.„Hast dich immer ganz fein amüsiert, bei Pokerpartien und in den Varietes, wenn ich mit dir hinging: aber seitdem du dir deinen Lebensunterhalt selber verdienst, bist du so etepetete geivorden und so„unabhängig", daß, wenn ich bloß vor- schlage, mal'n Glas Bier zu trinken, du mich scheel ansiehst. als rvolltest du mir zu verstehen geben, wie himmelhoch du über diesem Eddie Schwirtz«nit seinen ordinären Ver- gnüguugen stehst. Und dann hast du dir angewöhnt,' zu allen möglichen Zeiten auszubleiben— natürlich war s dir egal, ob ich hier alleine blieb, ohne'n bißchen Unterhaltung oder 'n bißchen was zuin Abendbrot, oder ohne sonst was, wäh- rend du dich herumtriebst, weiß Gott wo—. Du hast ge- sagt, daß du init Frauen gewesen bist!" Sie schloß die Augen fest zu; dann kain es«nüde:„Du meinst, nehme ich an, daß ich mit Männern aus«var?" „Nun, ich will auf all das, was du jetzt getan hast, keine Anspielungen marken. Du warst schließlich dein eigener Herr und ich«nutzte mir, solange ich unten war. von allen Leuten alles mögliche gefallen lassen. Aber laß dir's gesagt sein, von jetzt an wird sich kein weißgepudertes Frauenzimmer mehr dreinzumischen haben. Kannst jetzt mal'n bißchen deine eigene Medizin runter,'chlucken. Diese dumme Stenotypisten- stelle wirft du aufgeben und schön zu Hause bleiben, dort. wo ich dich unterbringe: und wenn ich dich«nal auffordere, «nit mir bummeln zu gehen, so wirst du hübsch froh und zu- frieden sein..." Jetzt verzerrte sich ihr Gesicht vor Zorn. Sie sprang auf ihn los, packle ihn a» der Schulter und schüttelte ,hu. Kreischend rief sie: „Jetzt ist's genug! Ich bin damrt fertig! Du Haft An- spieiungen machen«vollen, daß ich mit Männern gegangen bin? Ich hab's nicht getan— aber das war nur ein Zufall. Ich wäre yern geganaen, wenn nur enw da gewesen wäre» der mir ein«vem'g gefgll»» hätte. Ich w仫iberall hü». gegangen mit ihm— hätte alles getan! Und jetzt sind wir miteinander fertig. Ich habe es so lange bei dir ausgehalten, als es meine Pflicht war. Gott! Was wir Frauen doch in dieser ritterlichen Zeit, in der die Frauen so geehrt werden, für Pflichten haben!— Aber jetzt— da du für dich allein sorgen kannst, werde ich dasselbe tun." „Was willst du damit sagen?" „Das will ich damit sagen!" Sie rannte zu ihrem Bett hinüber, riß den darunter- stehenden Handkoffer hervor und fing an, ihre Toiletten- gegenstände hineinzuwerfen. Herr Schwirtz saß auf seinem Bett und lachte mächtig. „Du bist doch eine großartige Nmnmer!" jubelte er. „Gehst wohl zu Mütterchen zurück, wie? Das hat die erste Frau Schwirtz auch immer getan. Eimnal kam sie bis auf den Bahnhof, eh« sie heimkam und zugab, daß sie'n> er- rücktes Huhn sei. Ich weiß wahrhaftig nicht, ob du so weit kämst. Du bleibst schon auf der Treppe stehen. Bist ja zu geizig, um dir'n Auto zu nehmen, sogar wenn sich's darum handelt, mir Angst oder Unbequemlichkeiten zu machen." Una hörte zu packen auf, stand da und hörte ihm zu. Dann antwortete sie mit einer wieder völlig ruhigen Stimme: „Du hast in manchen Dingen recht. Es war sicherlich gedankenlos von mir, dich abends so oft allein zu lassen— obwohl es nicht wahr'ist, daß ich dftb je ohne Abendbrot ließ. Und natürlich hast du mich dort im Hotel auch oft allein ge- lassen, wenn du mit anderen Frauen ausgegangen bist..." „Wer macht jetzt Anspielungen?" Er ließ nun eine neuerliche kunstvolle Rede los, doch sie hörte nicht mehr zu. Sie stand mit warnend emxorgehobei«er Hand da— ein kleiner, mutig dreinblickender Verkehrspolizist— bis er aufhörte: dann fuhr sie fort: „Aber eigentlich kann ich dir keinen Vorwurf machen. Sogar heutzutage, da Leute, wie meine Freundin Mamie Magen, glauben, daß die Frauen alles erreicht haben, denkt wohl die Mehrzahl aller Männer noch so wie du— als hätten sie von der ganzen Frauenbewegung noch nie etwas gehört und meinten, die Frauen seien nichts anderes als Zuchtvieh. Ich beurteile das nach den Gesprächen, die ich in Gasthäusern und in der Straßenbahn aufgefangen habe, nach den Operettenscherzen über die Ehe, die du so liebst, und nach den Kinostücken, in denen Frauenrechtlerinnen ihr« Männer prügeln. Du scheinst nur Männer K�kennen. die hisser Diehtreiberklasse angehören, und darum Tan» ich dir keinen Vorwurf daraus machen, daß du genau so denksb wie sie..." „Sag mal, was soll ich mit diesem ganzen Viehhandel da? Ich kann mich nicht erinnern, daß wir uns über Vieh- zucht und Schlachthäuser unterhalten haben. Versuchst du von was anderem zu reden, �damit du dir ersparst, dein Zeugs zu packen, ehe du deine Aufschneiderei mit dem Da- vonlaufen zurücknimmst? Ich oersteh' das Ganze überhaupt nicht!" „Du wirst es gleich verstehen, mein Freund...! Ich wollte sagen, ich sehe jetzt ein— jetzt, da es zu spät ist—• wie gemein ich oft gegen dich gewesen bin. Ich Hab' dich wahrscheinlich unzählige Male getränkt—" „Ja, das Haft du!" „— aber ich weiß immer noch nicht, wie ich es Hütts machen. Wir beide konnten eben einfach nicht zusammen-« kommen— du bist zu zwei Dritteln der traditionelle Roh, ling, und ich bin mindestens zu einem Drittel ine moderne� unabhängige Frau. Wir könnten einander nicht verstehen� nicht wenn wir tausend Jahre lang miteinander sprächen, Guter Gott! Man muß nur all das dumme Zeug hören,. wenn Männer wie du über Frauenrechtlertum sprechen, wo doch die ganze Sache eigentlich so einfach ist: daß die Frauen einfach intelligente Lebewesen sind und ein Recht haben auf...* „Jetzt möcht' ich nur wissen, wer was von Frauen- rcchtlertum gesagt hat? Wenn du mir gefälligst mitteilen wolltest, wo du eigentlich hinaus willst, dann—" „Hör einmall Wir beide konnten einander nie ver» stehen. Und darum verlasse ich eben das Haus. Will die Dinge los werden, die nur zu Mißverständnissen führen. Ich gehe heute abend fort und ich glaube nicht, daß ick? dich je wiedersehen werde: also bemüh' dich, bitte, nett zu sein, während ich packe. Wenigstens dieses letzte Mal..» Oh, ich bin wieder frei! Und du ebenfalls, du armer, anstän, diger Mann. Wir wollen einander gratulieren." 3. Trotz der ununterbrochenen Vorstellungen des Herr» Schwirtz, der plötzlich aus einem Tyrannen zu einem ver» lorenen Waisenkind wurde, beendete Una voll Ruhe unh� Umsicht das Packen ihres Koffers, fuhr in ein Hotel und fand im Laufe der nächsten Woche in Brooklyn eine freundlich«- weiß-grüne Wohnung im dritten Stock. (Fortsetzung folM j Das Kaviar-Automobil. Aufdeckung eines großen Schmuggels. Eiivm ungewöhnlich großen Schmuggel mit Kaviar und anderen Leckerbissen ist die Zollfahndungsstelle Verlin-Luisenslraße gemeinsam mit der Zollbehörde in Warnemünde aus die Spur gekommen. Den vereinten Ttach- sorschnnge,, gelang es, den Schmuggler und einen Hehler in Berlin dingfest zu machen und dem Richter vorzuführen. Vir erfahren dazu solgende Einzelheiten: Dor etwa 14 Tage» entdeckten die Beamten der Zollfahndungs- stelle in einem Kühlhause in der Nähe des Alcxanderplatzes 400 PfundKaoiar, der unverzollt war. Die Delikatessen waren in einen» Stand untergebracht, der einem Kaufinann Stein- f e l d gehörte. Steinfeld erklärte daß ein Däne, den er nicht näher kenne, den Kaviar in seinein Stande untergestellt habe. Da der Zoll für das Kilo Kaviar 24 Mark beträgt, so ergab sich schon hier eine hinterzogene Sumine von 4800 Mark. Die Dosen unirden beschlagnahmt und die Suche nach dein Dänen eingeleitet. Den Zollbeamten in Warnemünde war schon früher ein Auto aufgefallen, das des öfteren nach Dänemark fuhr und wieder zurückkam. Der Wagen benutzte nicht den Trajekt, sondern die Fähre und kam immer erst bei Einbruch der �Dunkelheit an. Mehr als einmal war dos verdächtig« Auto, das einem 47 Jahrs alten dänischen Kaufmann Adolf Petersen gehörte, durchsucht worden, man hatte aber nur harmlose Dinge g-stunden Auf die Benachrichtigung von Berlin aus wurde, nachdem man am Aleranderplatz die überraschende Entdeckung gemacht hatte, das Auto in Warnemünde wieder angehalten irnd von vorn bis hinten durchsucht. Plötzlich entdeckten die Beamten das Geheimnis dieses Schmugglerwagens. Die Hinlerwand öffnete sich und dicht an dicht verstaut lagen darin nicht weniger als bZ Dosen Kaviar, von denen jede 2 Kilo faßte. Auch dieser Kaviar war notürfich nicht verzollt. Petersen legte iiiiter der Wucht der unwiderleglichen Beweise auch ein Geständnis ab. Seit dem Jahre 1928 betreibt er den Schinuggcl mit Delikatessen, denn er beschränkte sich nicht auf Kaviar, sondern nahm auch Hummer in Dosen. Davon wurden ebenfalls 300 Dosen gestunden und beschlagnahmt. Ter Zwischenhändler, bei dem Petersen regelmäßig die Ware» unterstellte, war Steinfeld in Berlin. Das Geschäft sing znnächst klein an. In einein gewöhnlichen Koffer schmuggelte Petersen den Kaviar über die Grenze, während er im Schlafwagen von Kopenhagen nach Berlin reiste. Später reichten die kleinen Mengen nicht mehr aus, da die Berliner Feinschmecker rege Nachfrage nach Kaviar bezeigten. Petersen schaffte sich deshalb einen großen Weidenkorb mit doppeltem Boden an und bedeckte die Schmuggelwaren init alleii Akten und Makulatur. Kam einmal eine Kontrolle, so siel an feinem Korbe nichts Besonderes auf. Der Däne hatte in der Zwischenzeit so viel verdient, daß er im großen Stil arbeiten kannte. Er erwarb einen Buick-Wagen und stattete auch diesen mit einem Versteck aus. Petersen und Steinfeld standen in Berlin in Berbiiiidung init einer altbekannten Feinkostfirma »nd durch diese wieder nrit großen Gaststätten, bei denen Kaviar und Hummer stets auf der Speisekarte stehen. Sie iieferten nur erstklassige Waren, deren Preis pro Kilo 70 Mark beträgt. Im Laufe der fast drei Jahre sind, wie leicht zu errechnen ist, vi e l s Tausende an Zollgebühren von dem Schmuggler uiid seinen Helfershelfern hinterzogen worden. Steinfeld und Petersen sind dem Richter vorgeführt worden. Gegen die Finnen, die als Abnehmer festgestellt sind, ist ebenfalls «>n Verfahren eingeleitet worden. Der teure Wunderdoktor �00 Mark für eine Flasche Wunderelixier Zuerst war er Friseur, aber sein Ehrgeiz war nicht damit zufrieden: So sattelte er um und wurde nun Noturheilkun- d i g e r, Pri votgelehrter und Chirologe. Der Berufswechsel ist ihm anscheinend ganz gut bekommen: Der Sechziger, dessen Kopf halb wie der eines Schauspielers und halb wie der eines Pfaffen aussieht, ist eine gepflegte, elegante Erscheinung,— und er hat sich vor Gericht zu einer Berusungsverhandlung einen der smartesten und teuersten unter den jüngeren Berteidigern genommen. Aber er hatte auch wahrhaftig den Rummel raus— seine Preise kann man wirklich nicht mehr als„Apothekerpreise" be- zeichnen, man würde den Apothekern schmählich Unrecht tun. Er nahm für eine Flasche seines Wunderheilmitiels, da» ebenso wirksam gegen die Tuberkulose, wie gegen Nierensteine und Mageugeschwülfte und Herzschwäche war, Hundort Mark. Freilich nicht als Ginheitspreis. sondern er richtete seine An- forderungen ganz nach dem Geldbeutel seiner Kundschaft und nach dem Grade der Verzweiflung der Kunden: Eine Bankdirek- t o r s g a t t i n zahlte für fünf Teelöffel seiner Medizin und fünf- zig Minuten Behandlungsdouer sechzig Mark— und einer Mutter, deren Kind tolkrant in galoppierender Schwindsucht war, nahm er hundertunddreißig Mark für einen Besuch und eine Flasche Medizin ab. Er war freilich recht vorsichtig: Er ließ sich von der Mutter einen Revers unterschreiben, daß sie den Preis freiwillig gezahlt habe und sich weder übervorteilt noch geschädigt fühle, und im übrigen liquidierte er immer nur für„Zeit und Bemühungen"—"sogar dann, wenn die Leute die Wunder- Medizin bei ihm abholten. Die Medizin gab es sozusagen gratis. Zwei kleine Berussunsälle hat er schon hinler sich, dies ist seine dritte Bekanntschaft mit Rloabit. Denn die Tochter der Frau, die ihre letzten paar Mark opferte und sich die hundert Mark für die Mundermedizin sogar zusammen- borgte, st a r b acht Wochen nach Beginn der Behandlung durch den Wundermann— und in drei Wochen hatte sie nach seiner Dersiche- rung doch aufstehen, in sechs Wochen gesund sein sollen! Dann wurde«r von Bekannten der unglücklichen Mutter angezeigt und in der ersten Instanz zu zwei Monaten Gefängnis v«r- urteilt. Nun hat er Berufung eingelegt und vier Entlastungszeugen laden lassen: Eine ältliche und eine junge Hysterische und zwei Zeitgenossen mit beschränktem Gesichtskreis. Besonders die Heilung der ältlichen Dame grenzt ans Wunderbare: Er saß fünfzig Mi-� nuten an ihrem Bett, gab ihr alle zehn Minuten einen Tee- löfsel Wundcrelixier— und am nächsten Mittag um zwei war sie bei seinem Telephonanruf von jahrelangem schwerem Leiden geheilt— und sie betont auch heute wieder,„wie wohltuend sein ganzes Wesen sie berührt habe". Die andere heilte er von einer ganzen Handvoll Krankheiten, unter denen Dormge- schwüre noch die gelindeste war, die Männer von Bronchialkatarrh und Nierensteinen— allerdings war dieser Patient vorher schon operiert worden! So lautet freilich das Gutachten des SachvFF- ständigen, Ptofcfsar PrZuges hielt beide Hände zum Lokomotiofenster hinaus, als ein aus der entgegengesetzten Richtung kommender Personenzug ihm beide Hände fortriß. Der Unglückliche, der ms Krankenhaus geschafft wurde, ist van der n s je n stehen- den Tür des Personenwagens getroffen worden. Die Viedererössuvvg der Stadt lnbUothek. die wegen Verlegung « ander« Räume des Warstallgebäudes zur Zell noch geschlossen ist, wird voraussichtlich«m 1. O k 1 o v« r erfolgen. Selbstmord eines Bürgermeisters. Am Grabe feines Kindes erschossen. Gießen, 16. September. Der Bürgermeister der Stadt Wetzlar, Dr. Kühn, ein Per- waudter des bisherigen Berliner Oberbürgermeisters Dr. B ö ß, hat sich Dienstag mittag auf dem Bergtriedihof am Grabe seines Kindes erschossen. Gegen den Bürgermeister war aus Grund einer Anzeige der Demokratischen Partei ein Disziplinarver- fahren wegen Verfehlungen im Amte durch den Regie- rungspräsidenten in Koblenz eingeleitet und die sofortige Enthebung vom Amte angeordnet worden. Das Untersuchungsversahren durch die Staatsnnwalrschaft war noch nicht abgeschlossen. In einem hinterlassenen Briese erklärte Bürgermeister Dr. Kühn, daß seine geschwächten Nerven der Hetze gegen ihn nicht mehr standhalten könnten. Bürgermeister Dr. Kühn stand in den 40er Jahren. Schmeling als Weltmeister anerkannt. New Nork, 16. September. Di« nationale Boxsportbehörde hat nunmehr Max Schmeling als Schwergewichtsweltmeister anerkannt. S t r i b b l i n g und C a r n e r a sind als neu«Anwärter aus- «rfshen worden. Selbstmord einer Lehrerin. Am Dienstag nachmittag verübte die 54 Jahre alte Lehrerin Martha«?chübler in ihrer Borba- rossohöhe 13 zu Frohnau gelegenen Wohnung Selbstmord wegen unhetlbarer Krankheit durch Gas. Vermißt wird seit dem 10. Septembcr die Ibjährige Herta H i n tz e, Berlin,«onnenburger Straße 12. Die Verschwundene, die 1,50 Meter große ist, trug einen hellbraunen Mantel, flieder- sarbenes Leinentleid(Rock und Bluse), schwarze Halbschuh« und braun« Strümp je. Haartracht Bubikops, blondes Haar. Benach- richtigimge»«bitte« die Eltern. Wieder em rechtskräftiges Todesurteil. Am 20. Juni 1930 hat das Schwurgericht Tilsit den Arbeiter Erich Breihan wegen Mordes zum Tode und wegen Sitllichkeits- Verbrechens zu einem Jahr« Zuchthaus verurteilt. Breihan hatte seinen zukünftigen Schwiegervater getötet und Selbstmord vorgetäuscht. Di« Frau des Getöteten stand mit Breihan im Einoer- ständnis und hatte zum Morde beigeholfen. Sie hat nachher Selbst- mord begangen. Breihan hatte gegen das Urteil Revision eingelegt. Der Feriensenat des Reichsgerichts hat diese Revision am 12. September als durchaus unbegründet verworfen. Das Todesurteil ist damit rechtskräftig. Es besteht kein Zweifel, daß die preußische Slaatsregierung von ihrem B e- g>i a d i g ii n g s r« ch t Gebrauch machen wird. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde am Donnerstag fällt aus. Für die tägliche� Pflege der Haut ist die Qualität Ihrer Wasditisdiseife immer entscheidend. Deshalb verwenden Sie ein Produkt, dessen auserlesene Besdiaffenheit in allen Verbraudierkreisen gerühmt wird: Dr. DRALLE" Larendelselfe SroBa Bwtntle Form* S9C. Werbt letzt für den Vorwärts Stärkt die Front der Sozialdemokratie! Wieder Goiieslästerungsprozeffe? Vier Verfahren um das Ehristusbild von Groß. Am das Ehristusbild von George Groh schweben neben der bevorstehende,» Bcrusungsverhandlung gegen den Künstler selbst nicht weniger als vier Versahren. Das politische Dezenmt der Stoatsannxibschaft I hat gegen den Moler Franken doch, der dos inkriminiert« Christusbild von George Groß vergrößert ausgestellt hotte, Anklage wegen Gotteslästerung erhoben. Auf ocr Zfa-Schau, die im Februar in einem Hause am Potsdamer Platz abgehalten wurde, hatte auch der Verband für Freidenkertum eine Abteilung einge- richtet. In einem Räume hing dos bekannte Großbild, das Christus am Kreuz mit einer Gasmaske dorstellt, das Bild eines Papstes mit der Bibel in der einen und der Pistole in oer anderen Hand, und die Abbildung eines Pfarrers, der vor einer Versammlung von Schofsköpsen spricht und dadurch die Haltung eines großen Teiles der Pfarrer im Kriege geißeln woMe. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden diese Bilder, die sämtlich von Fronkenboch gemalt waren, beschlagnahmt und dos Ler- iohren gegen den Maler eingeleitet. Gleichzeitig schwebt noch ein Verfahren gegen den Leiter der Ausstellung, den kommunistischen Abgeordneten M a s l o w j k i. In G l e i w i tz ist ein Verfahren gegen einen Buchhändler eingeleitet worden, der die Bildermappe des Georg« Groß ausgestellt hatte. Der Verteidiger hat beantragt, diese sämtlichen Versahren auszusetzen, bis der Prozeß gegen George Groß selbst rechts- kräftig entschieden ist. Am Z.Oktober ist der Tennin gegen ihn bei der Strafkammer des Landgerichts III festgesetzt worden, den Vorsitz wird Sandgerichtsdirektor Siegert führen, der George Groß van der Anklage der Gotteslästerung mit einer Urteilsbegrün- dung freigesprochen hatte, die von allen freiheitlich Gesinnten begrüßt wurde. Das Urteil ist auf das Revlsionsgesuch der Staatsanwaltschaft vom Reichsgericht aufgehoben. Falls es diesmal wieder zu einem Freispruch des Künstlers kommen sollte, würden damit wohl auch die Verfahren gegen die Personen, die seine Bilder nachgemalt oder ausgestellt haben, hin- fällig werden. Wir brauchen Qualiiäismenschen! Die kulturelle Aufgabe der Eheberatungssiellen. Aus der Tagung der Vereinigung öffentlicher Chcberatungsstellen in Dresden zeigte der Professor an der dortigen Technischen Hoch- schule Genas!« Robert W i l b r a n d t die Zusammenhänge zwischen Geburtenrückgänge und Wirtschaft. Entgegen der Meinung der Rastehygieniker vertrat er den Standpunkt, daß bei der heutigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands das langsam« Wachstum der Bevölkerung nur zu begrüßen sei. Durch den Mangel an Kapitalbildung, durch den Mangel an Absatz und Arbeitsmöglichkeiten, durch den Mangel an Bildung auf dem Lande sei es unmöglich, daß Deutschland in der nächsten Zeit für eine rasch' und stark ansteigende Berölkerung Lebensraum bore. Mehr wie je komme es auf die Qualität und nicht auf die Quanti- lät des Nachwuchses an. Es genüg« nicht, für ein« gesunde Erb- mafse im Volk« Sorge zu tragen, sondern es fei auch notwendig, die Unnveltbedingungen zu schaffen, damit die wertvollen Erbanlagen sich entwickeln können. Der Leiter der Ehebevatungsstelle Prenzlauer Berg, Genosse Dr. F. K. S ch e u m a n n, betont« in seinem Vortrag«„Grund- tragen der Eheberatung', daß die Eheberotungsstellen in engem Zusammenhang mit den übrigen Fürsorgeeinrichtungen arbeiten müßten, denn nur dann können Umweltbedingungen gejchcrssen werden, die für eine Gesundung des Nachwuchses notwendig sind. Der Redner verlangte den Ausbau der Eheberatungsstellen zu einer umfassenden Familienfürsorge. Cr betonte, daß d>e Eheberatungs- stellen ihre Tätigkeit aus der Freiwilligkeit ihrer Besucher aufbauen müsten, denn es habe sich gezeigt, daß zwangsweise eingeführte Kontrollmoßnohmen, wie die Forderung der Chelizenz und eines obligatorischen Heiratszeugnisses leicht umgongen werden können. Es käme daraus on, das Verantwortlichkeitsgefühl des Volkes für die Gesundung des Nachwuchses zu wecken und zu stärken. Gerade durch die Freiwilligkeit des Besuches find in eugenischer Bc- Ziehung durch die Wirksamkeit der Eheberatungsstcllen sichere Erfolge erzielt worden. So hat Professor Fetscher, der Leiter der Dresdener Eheberatungsstelle— wie er auf der Tagung berichtete— in 123 Fällen in den letzten drei Jahren bei Ehebewerbern mit krankhaften Erbanlagen Kinderlosigkeit und so die Vermeidung eines unerwünschten Nachwuchses bewirkt. Eine harmlose Berührung. General Großmanns Hastentlassung bevorstehend. Die Affär« des Generals Großmann, der bekanntlich vor einiger Zeit in dem Seebad Ost ende von den belgischen Behörden wegen Sittlichkeitsvergehens verhaftet wurde, scheint sich nach der bisherigen Untersuchung doch als nicht so schwer- wiegeird herauszustellen, wie es die ausländische Presse in ihren großen aufgemachten Berichten hingestellt hat. Die Ermittlungen in Brügge, die von dem Unterjuchungs- richtcr van Hog angestellt wurden, haben«rgebcn, daß der General Großmann in einem Kino einen 17jährigcn jungen Mann an den Knien berührt habe. Auf die laut« Entrüstung des jungen Mannes hin griffen zwei Kriminalbeanue ein, die auffälliger- weife in einer Nebenloge saßen und den General hauptsächlich des- halb verhafteten, weil sein deutscher Paß nicht auf seinen eigentlichen Titel, sondern ans einen Kaufmann Großmann ausgestellt war. Nachdem numnehr durch den Brügger Advokaten Scheppcrs und durch seinen Berliner Verteidiger Rechtsanwalt Julius Meyer I nach Vermittlung des Berliner Polizeipräsidiums, die Identität des General Großmann sicher sestgestellt wurde, dürfte seine Hast- entlassung sicherlich in Kürz« erfolgen. Di« Beschuldigung gegen den General lautet jetzt lediglich auf Erregung öffentlichen Aergermsses, eine Straftat, die nach belgischem Recht mit höchstens 2S Franken Geldstrase oder zwei Wochen Haft bedroht wird. Ein Pfund Obst und Gemüse täglich. O b st und Gemüse aller Art beherrschen den Markt. Die Nestau- rierung des menschlichen Körpers wird durch den Genuß des eben gereisten Obstes, und auch durch Spinat, Salat, Kohlrabi, Mohr- rllben u. a. m. gefördert. Gewaltig« Mengen dieser stark v i t a- minhaltigen Produkt« gelangen täglich auf den Markt und bedeuten fiir den größten Teil der Bevölkerung ein« willkommene Abwechslung in der Ernährungsweise. Unsere Großstädte werden geradezu Überschwemmt von diesen den Körper reinigenden und von allen Schlacken befreienden Erzeugnissen. Das ist durchaus gut so und zu begrüßen, denn die Bolksgesundheit muß gepflegt und gefördert werden. In der Hochsaison werden in Berlin täglich etwa 45 0 00 bis 50000 Zentner Frischobst und Gemüse auf- den Markt, gebracht. Das ergibt pro Kopf der Bevölkerung l bis-lfs Pfnn d. In anderchf" Großstädten (wie Leipzig, München, Hamburg usw.) ist etwa dasselbe Verhältnis. Dringend notwendig wäre und im Interesse der Volkswirtschaft liegt es, daß diese gewalligen Obst« und Gemüfemengen unverzüglich der Bevölkerung zu den billigsten Pressen zugeleitet werden. Schon aus dem Transport sollten diese lange rsehillen und köstlichen Güter so schonend, wie nur irgend möglich, behandelt werden, und es erscheint durchaus angebracht, daß hierfür besonder« Transportbestimmungen erlassen werden. Jede Lagerung muß vermieden werden, da beispielsweise Frischobst bei Witterungsumschlägen in wenigen Stunden verdorben sein kann. Staat und Gemeinde sollten es sich aus diesen Gründen angelegen sein lassen, dafür Sorge zu tragen, daß die erforderlichen Ableitungsoentile gut funktionieren. Weit über die Hälfte der Obst- und Geinissemengen wurden bisher durch den Straßen- und Markthandel der Bevölkerung zugeleitet, und in Anbetracht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lag« sollte diesen Berufsgruppen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es ist richtig, daß die Straße dem Verkehr dient; jedoch ebenso > M r.C'.- V. VlV,:'ÄfeÄV. richtig ist, daß der Großstädter nur dann zu seinem Pfund Obst pro Tag kommt, wenn es so oft und so billig wie möglich täglich an ihn herangebracht wird. Damit wird der' Volks- wie Landwirtschaft, ebenso aber auch der Gesundheit der Bevölkerung gedient. Den Bestrebungen, den Straßen- und Markthandel einzuschränken bzw. lahmzulegen, sollten von unseren Bolkswirischaftlern aus den dargelegten Gründen auf das entschiedenste widersprochen werden. „Eßt mehr Obst und ihr bleibt gesund!" lautet ein bekanntes Wort der Aerzte und Hygiemker, das von den Erzeugern und Jmpor- teuren aufgegriffen worden ist, und man kann nur wünschen, daß Staat und Gemeinden dem Straßen- und Markthandel Freiheit gewähren, die er braucht, um der Bevölkerung im eigenen Interesse mehr Obst und Gemüse zuleiten zu können. Gasiod einer Kamiiie. Ehepaar und vier Kinder durch Koblenoxydaase vergiftet. Paris, 1(5. September. Einen tragischen Tod hat eine sechsköpsige Arbeiter» samilie in Lyon gefunden. Ein Arbeiter, der am Dienstag früh seinen Kollegen an der Wohnung abholen wollte, erhielt aus sein Klingeln keine Antwort und lieh die Tür von der Polizei gewaltsam öffnen. Den Ein- tretenden bot sich ein erschütternder Anblick. Die ganze Familie wurde t o t aufgefunden. Im Bett lag der Z7jährige Arbeiter und hielt in seine» Armen sein fünfjähriges Töchlercheu. Beben ihm lag ein erst 2!4 Monate altes Baby. Seine Frau kniete vor dem Bett, sie hatte den Kopf auf dem Bellrand gestützt. Die beiden anderen drei bzw. einjährigen Kinder lagen friedlich in ihren Betten, als ob sie schliefen. Man vermutet, daß der Tod der Familie durch ausströmende Kohlenoxydgase hervorgerufen worden ist. In der Küche war der Ofen noch angeheizt und rauchte stark. 187 Tote auf dem �-est der Arbeit. Bei den Feiern des Labour Days(Fest der Arbeit) in den Der» einigten Staaten sind laut„Chikago Tribüne" 187 Personen ums Leben gekommen und 230 verletzt worden. Die meisten Todesfälle, nämlich 140, find auf Verkehrsunfälle zurück- zuführen. Die Berliner Kommission für Baturdenkmalpslege veranstallel in diesem Winterhalbjahr wiederum eine sechs Abends umfassende Vortragsreihe über Naturschutz und damit zusammenhängende Fragen, um auch auf diese Weise die Kenntnis der heimischen Natur und den Gedanken des Naturschutzes in weitere Kreise der Bevölkerung hineinzutragen. Sämtliche Vorträge finden im Städtischen Saalbau in Berlin-Nenkölln, Bergstraße 147, in nachstehender Reihenfolge statt: Freitag, den 3. Oktober 1930, um 20 Uhr: Prof. Dr. Ulbrich:„Die heimsschen Landpstanzengenieinschasten.' Freitag, den 7 November 1930, um 20 Uhr: Pros. Dr. Kolkwitz:„Die Pflanzenwelt unserer Gewässer. Freitag, den 5. Dezember 1930, um 20 Uhr: Herr Torge:„Die heimischen Orchideen" Freitag, den 9. Januar 1931, um 20 Uhr: Dr. Klose:„Die geschützten Pflanzen der Heimat"(mit Ausnahme der Orchideen). Freitag, den 6. Fe- bruar 1931, um 20 Uhr: Dr. Hilzheimer:„Die einheimischen Nadel- Hölzer" Freitag, den ö. März 1931, um 20 Uhr: Stadtgartendirektor Kupholdt:„Die Ziersträucher unserer Gartenanlagen.' Der Ein- t r i t t s p r e i s beträgt für jeden Bertrag 0,25 M. und für die ganze Vortragsre'chc 1 M. Die Estecnsckast der KSie-kollwih- Schule in Neukölln hat zum Dienstag, dem 23. September, eine Elternoersammlung nach der Aula der Karl-Marx-Schule in der Kaiser-Friedrich-Straße einbe- rufen, die sich mit dem Neubau des Schulgebäudes befassen soll. Zeugen gesucht. Am 13. September gegen 22 Uhr wurde der Bauklempner A r t u r Hanert auf dem Bülowplatz vor dem Karl-Liebknecht-Hauz von bisher unbekannt gebliebenen Tätern erschossen. Nach Zeugenaussagen sollen zwei weitere Personen durch Schüsse verletzt und von selten des Publikums fort- geschafft worden sein. Zur Klärung des Sachverhalts werden alle Personen, die zweckdienliche Angaben machen können, gebeten, dem Polizeipräsidium, Zimmer 249, Hausanruf 380. Kenntnis zu geben. Gj Ars Kenners, v/enn' oßiS,die7Fro,etteenldeck,.Di�';r e, eine bessere> gezeicbnele \V\n _____ l«VW ScfoO** Generalvertretung: Carl Sudel, Berlin NW 6, Luisenstraße CO, Tel. D 2, Weidendamm 3354 Volkszahsung erst 1932! Mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage von Reich, Ländern und Gemeinden ist die in dem üblichen sünfjöhrigen Zeitraum im Jahre 1030 fällig gewesene Volkszählung zunächst auf das Jahr 1931 verschoben worden. Da die Schwierigkeiten in der Finanz- läge von Reich, Ländern und Gemeinden anhalten, wird auf An- regung Preußens die nächste Volkszählung, mit der«ine Berufs. und Betriebszählung verbunden werden soll, erst für das Jahr 198? in Aussicht genommen. Der kennt nicht die Aebeitersanumter Kolonne Berlin, die im Interesse ihrer Mitmenschen täglich und stündlich überall da helfend eingreift, wo es erforderlich ist, fei es beim Wasserrettungsdienst.in Saatwinkel, Freibäder oder sonstigen Veranstaltungen. Die Kolonne hat mit ihren Mitgliedern im Jahre 1929 in nicht weniger als 14Z6S Fällen eingegriffen. Getreu dem Motto:„An jedem Ort zu foder Zeit, find wir zur ersten Hilf bereit." Die Arbeitersanmriter geizen nicht nach Ruhm uno Ehre, sondern versehen in aller Stille ihre manchmal nicht leichten Arbeiten: speziell an Sonntagen, wenn sich olles an der Natur erfreut, steht der Samariter auf Wacht, um immer helfend einzugreifen. Wenn der Samariter auch nicht auf Dank rechnet, so hofft er doch, daß man ihm die dazu notwendigen Mittel bereit stellt, es wird viel gebraucht, um die Not unserer Mit- menschen zu lindern. Darum unterstützt den ASB. auch materiell, spendet reichlich zum �weiteren Ausbau der Organisation, zum Wohle der Allgemeinheit. Spenden nimmt die Zentrale des Arbeiter- Samariter-Bundes. Kolonne Berlin, N. 24., Hamburger Str. 20, entgegen partemachrichien fürGroß-Verlin volbebezirl Zeltmolanal: gelttager ond Ämwlerfabrt nach Senwtotf ftnb «uf ien 20. und 21. E«Menib.r noranlegt. Karten sind am greito». dem 12. Deptemder, von 20 bi» 22 llhr, int Zuzendhejm Lichterfelde. Albrecht. sirasi« 14 abzurechnen. Lankwitz: Iugendbeint Echulftrasie.„Unser zukunftestaat."—»esunb- Btunntn II: Jugendheim Orthftr. 10..Lehren der Wahl."— Weddina: Iu- gendheim Turiner G,rtt Eeestraße...Wirtschaftii eisen."— Kabenichönbaulen: Jugendheim Dinaelstedter Siratze.„Wahlergebnisse."— Ueanksnitee»lertel: Jugendheim grankfurtcr Alle« Z07...Der Nationalsazialigmus."— Patcre- lmrger«iertel:""'—■~--~------ Iugendhe� «rgehnlssi WWW.__________________ der Arbeiterbewegung."— Tempelb»!: Zugendheim SSHstiatze...Di« Wahl, crgcbuisse."— Uriebrichaselbe: Zugendheim«Sunterstr. 44. KÄrderer. und Altern- abend.»SaziaNsiisch« Arziehunq."— Annlebgrs: Iugendheim Adolfstratze.„Der Ratignalsoziallsmu«."— Lichtenberg-Mitt«: Iugendheim Scharnwebersir.?». „Ausw-rkunq der Wahlen."— Licht-nlxrg.Kard: Jugendheim Eunterstr. 44. „Sozialistische Literatur." Wertebetziri Renlhlln: Außerordentlich«, wichtig« Sitzung d'» engeren Werdebeurk, mit den Abteilungoleiiern im Varieibsiro üuldastrotze. Unser« Ausstellung im KSrnernark ist täglich nan 16 bis 19 Uhr geöffnet. Jeder Genosse mutz die Ausstellung gesehen haben. Bringt eure Eltern und Be- kannten mit. Eintritt frei, sder Sprcchchor übt beute im grotzen Saal des Iugendheim« Kanner Siratze. Alle Genossen müssen erscheinen. Werbe bezirk Schöneberg! Werbebczirksvorstandssttzung im Jugendheim Haupisir. 15. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Mi„Note Rotte" übt im Heim Sonnen, bnrger Str. 20. Interessenten sind eingeladen. Einsendungen für diese Rubrik sind >, r l i» SW 68. Lindenstratze 3. stet« an da» Bezlrissekrrtarlo» 2. Hos. 2 Treppen recht», zn richte» Achtung. Funktionäre! Die Sammellisten für die Reichstagswahl müssen spätestens bis zum 20. September an die AbteilungSkaff ierer abgerechnet werden. I. A.: Alex Pagets. * Am Donnerstag, 18. September, bleibt das Büro des Bezirksverbandes der SPD. Berlin geschlossen. Der Bezirksvorstand. *• 1. Krei» Mette. Bei der Demonstration am Sonnabend sind sechs ffahmen nicht abgeliefert. Die Genossen werden gebeten, dieselben beim Genossen .j. Moldenhauer, Johannisstr. 14—13, abzuliefern. heute, Mittwoch, 17. September. 17. Abt. Die Sammellisten sind bis Sonntag, 21. September, bei» Genossen Höhne abzurechnen. Di- Abrechnung der Marienbestände hat bi, zum 30. September zu erfolgen. 33. Abt. Es sieben immer noch sechs Bezirke aus, die die Bücherkteisbände nicht angegeben haben. Di- Angaben sind noch in tiefer Woche dem Kassierer zu machen. 4». Abt. Schwerhörig«. 20 Uhr Miigliclxrvarsowmlnng im Zugendbeim Lindenstr. 4,». 1 Treppe,«orirag:„Räch der Wahl". Referent: GattNrt B«ese. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. 25. Abt. Reukölln. Die bestellten Tribünenkarten sind heute im Lokal von Keil, Prinz-Handjerp-Str. 38, abzuholen. Die Bezirksführer sammeln alle Transparente und ssahncn ein. Morgen. Donnerstag. 18. September. 134. IT&fc. Grsvpe Röntgen tal-Zepernick. Die ordentli«he MitqNedenzersantm> lung am Donnerstag fällt aus. Sie findet am Donnerstag, dem 23. Sep- t-mber, im Lokal oon Meißel, Dahnhofstratze. um 20 Uhr, statt. Arauenveranstaltungen. 6. Kreis Krruzberg. Sonntag. 2l. September, ifahrt nach Brieselau« mit der SAI. und den Kinderfreunden. Treffpunkt Lehrter Bahnhof. Abfahrt 8,04 Uhr. Nachzügler 9L2 llhr. Zfahrgeld und Kgffcekochen zusammen 1,25 M., Kinder 30 Pf. Karten sind bei allen Abteilungsleiterinneu zu haben............ 41. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich an dem KreisausNuq am Sonntag,' dem LI. September. Teilnehmerkarten sind bei der sfrauenabendleiteriu, Genossin' Betnareek, ssriesenstr. 2S,- zu haben. 44. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich an dem Kreiigusflug am Sonntag. dem LI. September. Näheres siehe Kreisnotiz. starten sind bei der Genossin Aldcr, Reichenberger Str. 153, ab 16 Uhr. zu haben. Bezirksausschub für Arbeitcrwohlfahrt. 3. Krei« Weddiug. greitag, 10. September, 1014 Uhr. Sitzung der Aach, gruppe Zugendwohlfahrt im Ledigenheim Schönsied titr. 1, Zimmer 15. Tage». Ordnung wird in der Sitzung bekanntgegeben. Erscheinen aller Helfer ist notwendig. Iungsozialislen. Die heutig» Gruppenkonferen, findet im«rbeiter.Abskin-ateu.Buud.«fc- lijter Str. 6, pLnltlich ISih Uhr. statt. Jede Gruppe«utfeadet zwei Der. ttttn. Um 18 Uhr Srb«it»au«schutzsitzuua au gleicher Stelle. Gruppe Reukölln. Heute. Mittwoch, 17. September, 20 Uhr, Jugendheim Treptower Str. 03—06, Vortrag:„Das Ergebnis der Reichstagswahlen". Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Achtung, strei«le>trr! Me Krcieleiter der-Kreise Neukölln. Wilmersdorf, stehlendorf. Schöneberg, Steglitz. Tcmp-lh-f, Treptow und Köpenick werden gebeten, zur Besprechung der Zugendherbergsveranstaltung am Donnerstag, dem 18. September. 20 Uhr, im Jugendheim Yorckstr. 11, zusammenkommen. Geburtstage, Jubiläen usw. 12. Abt. Unserem Genossen N-inhold Ireacd«. Berlichingeustr. t, ,»m LSiährigen Paririjub-läum die herzlichsten Glückwünsche. 43. Abt. Unser langjähriger Parteigenosse Paul Rosen berg feierte n«r drrzem sewe» 63. Geburtstag. Einer unserer sleltzigsteu und rührigste» Par- 139a, Abt. Rwie Scholle. Einer uuseree Alten, der Genosse Karl Zfleischee. Tegel, Freie Scholle, begeht am 17. September seine» 70. Geburtstag, Genosse Fleischer gehört ,u de» Gründern der im Z-dre 1893 entstände»«« Bau. ae nossenschaft„Freie Scholle". Wir wünschen dem tapferen Genosse»»och eine» frohen Lebensabend. | Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation� 4. Abt. Unser Parteiveteran Louis Börner, Große Frankfurter Str. 65. ist nm 13. September plötzlich verstorben. Ebr« seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 18. September. 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir biiten um recht rege Beteiligung. .. 51- Abt. Eharlottenbnrg. Unser Genosse Theodor Hoffmann. Riehlstr. 13, tst plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Donnerstag. dem 1». September, 1« Uhr, im Krematorium Bilmersdorf. Wir bitten um reg« Beteiligung. 7». Abt. Schöneberg. Unser rühriger Genosse Karl Watierot ist plötzlich »erstorben. Ebre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 18. September, 17 Uhr, im Kremaiorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. »9. Abt. Britz.Vnckow. Am Montag verstarb unser lanajähriger und treuer Genosse Adolf Tielke. Er war mehr als 2S Jahre Mitglied unserer Partei. en den Vorkriegsiahren und wahrend des Krieges 2. Vorsitzender de» da- mal« noch selbständigen Olsoereins Britz. Pflichtgefühl und seine Treue waren vorbildlich. Wir bewahren ihm ein ehrendes Andenken. Einäscherung Donner». tag, 18. September, 18 Vi, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Betetligung wird gebeten. Sozialjsiische Arbeiterjugend Groß-Lerllu Sinsendvnqen für diese Rubrik mir an Jusendkttretalai. Serftn SW 68.-ClabcnfTroC« 5 politischer Informationsabend. Montag, 22. September I9zh Uhr. im große» Sitzung«*-»»! de, Bezirk samt« Krenzberg, Porckstr. 11. Es spricht Genosse Deckt» über: „Wa, lehrt di. tzS-hl?" Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Achtung. Spiel- und Sporileitcr: Das für nächsten Tanntag in Wannsee angesetzte Sporitressen mutz besonderer Umstände wegen ausfallen Achtung. Mitglieder der Zngendoolksbühn«! Di- Migliedskar'ten liegen zur Abholung bereit. Achtung, Abteilungsleiter! Schickt die Ronatsprogramme ein. Heute, Mittwoch, 17. September, 19'� Uhr. Streichorchester der SAI.: Pflichtprobe im Jugendheim See. Ecke Zuriner Etrotze. Werbebczirk Tiergarten: Der Sprechchor übt in der Aula der Schule Waldensersträtzc. Voriräge,VereineundVersammlungen. Landsmannschaft htt Schl«swig.Solst-iner zu Berlin. Geschäftsstelle: S. 14, Vrin�enstr. J51. Donnerstag, 1«. Sevtember. 20 Uhr. im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Heimatabend. Aufnahme neuer Mitglieder. Berichte. Ehrung rat Ilhahrige Mitgliedschaft. Vortrag des Landsmanns Wilhelm Steffen:„De Dithmarscher Mehlbttdel". Hoch, und plattdeutsche Vorträge. Landsleute— Damen und Herren— wiMommen. Freie Arbetter.Esperanto'Vereinignns. Wir rufen alle in Neukölln und Ilm- gegend wohnenden Parteigenossen auf, sich an der ersten Zusammenkunft der Arveiter�sperantisten Zu beteiligen. Alle Genossen, die Esperanto lernen wollen, treffen sich am Donnerstag, dem 18. September. 20 Uhr. in der Rittli. Schule, Rütlistraße. Achtung! Sonntag. 21. September. Wanderung»um Fänger sc e bei Strausberg. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Strausberg. Verernignnvq Freunde von Religion und Bölkerfrieden. Sonntag. Tl. veptember, 10 Uhr, religiöse Feierstunde. Genosse Pfarrer Bleier spricht über das Thema:„Echte Wohltätigkeit". Die Veranstaltung findet in der Trinitotiskirche. Eharlottenburg, Karl-August'Platz, statt. Freireligiöse Gemeintn: Berlin. Am Freitag, dem 19. September, von 18 bis 191*3 Uhr. veranstaltet die Freireligiöse Gemeinde in der Pappelallee 15 e?nen Airchenaustrittsabend. AustrrttsgebUhr pro Person 2 M. Legitimation ist mitzubringeu.___ Allgemeine Wetterloge. 46.Sept.4930.abds. «wllesnlo&O heiter. 9 halb bedecJir 9wQA(ig,#b0deckb*RqMvaGraupabi •Scbr)e«;=(fcbei,'RGewi»t«c<§MWstJle 3m Bereiche eines kühlen westlichen Luftkörpers liegend hatte am Dienstag der größte Teil Deutschlands unfreundliches und ver- anderliches Wetter mit einzelnen Regenfällen. Die Temperaturen blieben meist unter 16 Grad C. Nur im Südwesten des Reiches war es trocken und«in wenig wärmer. Das über Südschweden befindliche Tief verlagert sich jetzt langsam nordostwärts, so daß unser Bezirk am Mittwoch noch innerhalb der kühlen westlichen Luftströmung an der Südseite des Tiefs bleiben wird, lieber Ir» land liegt z. Z. eine neue Störung: sie dürfte ihrer Vorgängerin ostwärts nachfolgen und so die feuchten Winde auch am Donners- tag anhalten lassen. * lvelkeraussichten für Berlin; Weiterhin kühl, bewölkt mit Neigung zu einzelnen leichten Regenfällen, mäßige westliche WiiÄe.— .?ür Deutschland; lieberall kühl; im Südwesten noch meist trocken, im übrigen Deutschland veränderliches Wetter und besonders cm der Küste leichte Regcnfälle. Durch di« Reportage von der Einweihung der neuen Synagoge in der Prinzrcgentenstraße, von Msred Braun stimmungsvoll und mit großer Virtuosität vorgetragen, geht ein Teil des Schallplatten- konzerts für den Berliner Hörer verloren. Dieses Konzert ist interessant, weil es italienischen Bclcanto dem Wogner-Gesang ent- gcgenstelll. Besonders gut sind die deutschen Sänger vertreten, doch fehlen hier die weiblichen Stimmen. Könnt« die Auswahl auch besser getroffen sein, so zeigt trotzdem dieses Konzert ganz deutlich die stilistischen Unterschiede zwischen den beiden Grundformen des modernen Bühnengesanges.— Ein Vortrag unter dem Titel „Wendepunkte im Künstlerleben*, von Otto Haag de- monstriert, wie merkwürdig der Zufall im Leben des Bühnen- künstlers spielt. Haag untersucht die Dinge nicht weiter. Ihm genügen ein paar Anekdoten, die er sehr nett vorträgt. So ist das Ganze nichts weiter als eine angenehme Unterhaltung.— Auch Pro. st stör Dr. Liebert hält sich in feinen Ausführungen über den Königs- berger Philosophen und Schriftsteller H a in a n anläßlich des 200. Geburtstages von allzu schwerem wissenschaftlichen Ton frei, aber Haman wird zu eng gefaßt, zu sehr auf das Religiöse festgelegt: e» ist immer gefährlich, bei der Charakterisierung eines Menschen einen Generalnenner finden zu wollen.— In der Lüche rstundc be- handelt Dr. Erwin Honig russisch« Romane und Er- Zählungen. Honig gibt eine Schilderung der einzelnen Bücher, ihre? Aufbaus und der Handlung, aber es fehlen diesen Kritiken die großen Perspektiven. Bester wäre es, wenn Honig die Unterschiede zwischen alter und neuer russischer Literatur skizzieri und auch Grundsätzliches über die Sojetliteratur gesagt hätte. So bleibt es im Grund« nur bei einer Auszählung. Ueber die Rede des Reichsinnenministers Dr. Wirth wird an andere- Stelle berichtet.?. 5«ch. Herbstmoden bei Wertheim. In einer reich beschickten, außerordentlich abwechslungsreich ge- stalteten Modenschau zeigt die Firma Werthcim, Leipziger Strohe, di« Mode der kommenden Tage Braune, burgunderrote, grüne und blaue Tweed, und Ierseystoffe, uni oder mit leichten weißen Mustern versehen, bilden dos Stoffmaterial zu Straßenlleidcrn, die, schlicht oerarbeitet, alz einzigen Putz eine hübsche weiße Hole- und Aermelgarnitur zeigen. Die Röcke sind halblang: dazu der Mantel aus demselben Stoff oder auch aus abweichendem Gewebe, ebenfalls einfach verarbeitet, mit Kragen, und Aermelgarnitur aus Kanin oder anderen gut gelungenen Imitationen. Sehr hübsch und kleidsam wirkt neben dem sportlich betonten Mantel der Samt- mantel in schwarz oder ein« der Modefarben als passende Umhülle für das Nachmittags» und Abendkleid: ein elegantes Kleidungsstück, dessen Anschaffung auch bei schmalem Geldbeutel nicht unerschwing- lieh ist. Will man noch ein übriges tun und verziert Kragen und Aermel mit einer hübschen Pclzimitation, dann ist man mit wenig Geld wirklich„totschick". Die Nachmittagskleider bevorzugen sast durchweg die schwarze Farbe oder schworz-weitz, das Stoffmaterial ist Crepe Georgette, Crepe Romain, Marocain und andere weich- fallende Gewebe. Die Hüte sind ganz tlein, mittelgroß und wagenräderartig, so daß jeder sich individuell und vorteilhasi zurechl- machen kann.___ Neue Gardinen bei Israel. Der ruhig- sachlichen Baulinie enlsprechend, trägt auch der moderne Fensterschmuck schlichten Charakter. Das Kaufhaus Israel. Königstraße, zeigt in einer gut zusammengestellten 2liis. stellunq neuartige Fensterdekorationen. Da es nach Ben?lkiba be- kanntlich nichts Neues mehr gibt— und in diesem Falle muß man ihm unbedingt Recht geben— feiert man diesmal ein fröhliches Wiedersehen mit der guten, fast vergessenen Handklöppelspitze, die sowohl in Kunstseid- wie in altbewährtem Leinen hergestellt wird: als neue Technik bewährt sich der Häkelst ich. der besonders reizvolle Wirkungen durch die verschiedenen Farbnuancen erhäl'. Ungemein dekorativ präsentiert sich ein neuarriger Rips— er nennt sich Spiralrips— mit warmer, fammetartiger Wirkung. Der Filet- stoff für die Fenstergardinen behauptet noch wie vor das Feld, die Uebergarnituren sind aus Rips, Kunstseide verschiedener Art und bilden in origineller, neuarnger Drapiening einen wirkungsvollei, Rahmen._ Der..Elvu"»m neuen Gewand-. Das Berliner Konzertha.is „Clou" in der Mauerstraße ist einer gründlichen innenarchitektoni- schen Umgestaltung unterzogen worden. Fast 3>i Monate dauerte es, um dem Rieienraum zeitgemäß« Form zu verleihen. Dabei i«i gleich vorweg festgestellt, daß der gewaltige Umbau als äußerst ge- lungen bezeichnet werden kann. Die störenden Säulen wurden beseitigt. das Dach mit großen Brückenkonstruktionen abgefangen. Zluf der hierdurch geschaffenen Freifläche entstand«in T a n z p l a tz mit über 3 00 Quadratmeter einer der größten Berlins. 20 Lichtsaulen und 300 Meter Voutebeleuchtung erhellen den Saal gleichmäßig und abjolut blendungsfrei. Ein« moderne Entlüf- tungsanlag« sorgt dafür, daß stündlich 70 000 Kubikmeter temperiert« Lust dem Saal zugeführt werden. Trotz der modernen Umwandlung soll der volkstümliche Charakter ge- wahrt bleiben, ebenso di« billigen Preise, durch di« der zwanzig- jährige Ruf begründet wurde. Außer der beliebten Kafseeitunde nachmittags mit Konzert und Vorführungen werden am Abend Tanz, und artistisch« Darbietungen roechseln. Das Kaufhaus Wilhelm Joseph in Schöneberg hat, der allze- meinen Wirtschaitsentwicklung' entfprrchend. einen sehr energischen Preisabbau durchgeführt. Die Angebot« der jetzt veranstalteten Propagandatage beweisen, daß es durch lchärfst« Kalkulalivr und rationellst« Eintaufsmethoden möglich war, Spitzenleistungen der Preiswürdigkeit zu bieten, ohne deshalb das Prinzip der Qualitätsware zu vernachlässigen. Bekanntlich pflegt die Firma in ihren umfangreichen Sp-ziai- abteilungen modern« Sortimente erprobter Qualitätswaren. Eine besondere Spezialitat ist die riesige Auswahl der schönsten in- und ausländischen Modenneuheiten. Aus den Inseraten ersieht man das westere. Wi« man hart»» Wasser weich macht. Sehr»st hört man Hauslrauen beim Waschen klagen:„Die Seif« schäumt nicht genug, das Wasser„greift" nicht" Da» Wasser ist in diesen Fällen nicht weich genug. Es enthält zu viel Kalk. Ehemiker haben berechnet, daß 10 Gramm Kalk in 100 Liter Wasser schon 130. Gramm bester Seile unwirksam machen. Früber wußte man sich nur dadurch ju helfen, daß man weiche» Regenwasser sammelte und sich zum Walch» tag in einer grotzen Tonne aufbewahrte. Heute ist e» einfacher, ba die moderne Wafcholittrlindustrie«in Mittel geschaffen hat. da» harte» Wasser weich macht wie Regenwasser. Man gibt dem Wasser vor Bereitung der Lauge einfach etwa» Kenko-Bleichsoea bei. Henko-Bleichsoda schlägt hie Härte. dildung vollkommen nieder und macht da» Wasser weich und geeignet ftir die Wäsche. Auch di« Wäsche selbst wird durch weiche» Wasser bedeutend mehr geschont. freie Turnertcbafi Groh-Berlin e. V. M. d. A.-T.- o Sp.-B. _ Arn Donnerstag, dem II. September, verstarb nach einem Berkehraunfall unser Mitglied August Pellmann im 72. Lebenslahre. Ein Immer Pflicht» getreu er Turngenosse,derüber23Zahre dem A.»T.- und Ep.-B. angehörte. scheidet mit ihm aus unseren Reihen. Ehre seinem Airdenlenl Die Trauerfeier stndet am Donners» tag. dem 18 Septemdcr, l7>/, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Oer vorfiyud. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau,Schwester,Schwäg«rin und Tante Agnes Rex ttb. Mhaetdeviad nach schwerem Leide» im Alttr von 30 Jahren am Sonnabend. demIZSep. tember, abend» 8 Uhr, verschieden ist. Otto Rex Berlin O Zt. Matternltr. 10. Einäscherung am Sonnabend, dem 20. Sepiembcr, nachmittag, 3 Uhr. im Krematorww Serichtstr. 87. Am 13. September verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Barer. Schwieger- und Großvater Karl Riegel im Alt« von 77 Jahre«. Im Namen der HInterdliedenen »arle««egal. Die Einäscherung sindel am Freitag. dem 10 Seplemder, 10 r» Uhr. im Krematorium Gerichtstratze statt. schied nach kurzem, schwerem Leiden f mein lieber Mann, unser guter Vater, f Großvater. Schwiegervater, Bruder. Onkel und Schwager, der Tischler Reinttold Ziegert im 67. LebenZjahr. Im Namen per trauernden Hinter- bliebenen kr«» elatlrUck« Zictzerl u. Kinder. Berlin, den 13. September 1030. Wiihelmshavcncr Str. 34. Die Trauerseier findet am Don- ncrstag, dem 18. September 1030, nachmiitag» IVa llhr. in der Halle des Krematorium» Gerichtstratze ltatt. Am ll. September wurde uns plötzlich und unerwartet durch Ber-! lehrsunfall unser lieber Vater,] Schwiegervater, Großvater, Bruder,! Schwager und Onlel August Pellmann entrisse» In lieser Trauer, kamlUa XUreck kallui»«» Familie Paul Ulbrieg Hermaaa FeUmacn u. Branl j Familie Robert Schmidt Die Trauerseier findet am Donners-\ tag, dem 18 Seplemder. um 17' j Uhr.| im Krematorium Baumlchulenweo statt. Von der keise rurüale: Dr. Emil Hirsch Facharzt für Herskran khrtlen Kurfürsten dämm 197 Alexanderstr. 37 □er gute Kapitän' MaiUatoaKÄÄ C. Höcker, Berlin lldUtnhtroer Strasse 22. ROnlgst. 38» l_ Nr. 435» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 47. September, Arbeit und Anleihen? Oer Arbeitslosigkeit muß sofort entgegengearbeitet werden. Es gibt einen Gesichtspunkt, unter dcm der Wahlausgang als besonderes Mahnzeichen angeschen werden muh. Das ist die riesengroße allgemeine Arbeitslosigkeit und— fast noch mehr— die Verzweislungsstimmung, in der sich die jüngste Gene- ratio» der Hand- und Kopfarbeiter befindet, die nicht in richtig« Dauerarbeit kommen kann und in der sich auch die älteren Angeftelltengenerationen befinden, deren Abbau in zu rigoroser Weise erfolgt ist und die überhaupt nicht mehr auf Daucrarbeit hoffen. Die Beschaffung von Arbeit zur ZNilderung der politischen Krisenwirkungen ist also auch ein eminent staatspolitisches Problem. Wären die Ursachen der Arbeitslosigkeit ausschließlich wclt- wirtschaftlich bedingt, so ließ« sich überhaupt kaum etwas machen, wenn man von der Förderung des Außenhandels, von der Verhinderung etwa der Schieleschen Finnland-Experimente absieht. Es gibt ober auch innerwirtschaftliche K r i s e n u r sa che n, deren Bekämpfung sofort mit erheblich verstärkter Energie aufgc- griffen werden kann. Di« teilweise Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch innerwirtschaftliche Maßnahmen ist ein praktischer Weg auch zur sofortigen politischen Konsolidierung Deutschlands. Die„Deutsche B e r g w e r k s- Z e i t u n g*. dos Organ der Schwerindustrie, schreibt in einem Katzenjammerartikel über den Wahlausgang: Politik müsse nahrhaft sein, sonst wenden sich di« Massen gegen die Politik. Di« d'legierungspolitik Brünings war nicht nahrhaft, so fahren w i r fort, sie. war nicht nahrhaft, weil die Regierung Brüning den Kurzsichtig- leiten der deutschen Unternehmer zu viel Zugeständnisse gemocht hat. Dies« Zugeständnisse liefen in der gleichen Richtung deutscher Un t e r- »ehmerpolitik, di« seit der Stabilisierung und besonders im Gefolge der Rationalisierung die innerwirtschaftlichen Krisen- Ursachen erzeugt Hot. Die Schaffung von Arbeit durch Beseitigung der innerwirtschaft- lichcn Krisenursochen kennt zwei Wege: staatliche Maßnahmen und«ine vernünftige Politik des Privatkapitals, die von Staats wegen eventuell gezwungen werden muß. D?« Siaalsmaßnahmen der Brüning-Regierung sind ein Fehlschlag: sie waren nicht ganz ohne wahlpolftische Absichten verkündet: auch in diesem Sinn« waren sie ein Fehlschlag. Schon die versucht« Koppelung von Preis, und Lohnabbau könnt« nichts nüßen. weil Lohnkostensenkung bei gleichzeitiger Weltmarktkris« den Umsatz nicht erhöht sondern«her senkt und deshalb neu« Arbeitsgelegenheiten nicht geschaffen werden lonnen. Die Preisabbouaktion gegen di« Kartell« war bisher praktisch erfolglos. Es ist zu befürchien, daß die natür. lichen Kartellsprengungen und Kartellpreissenkungen, die ernste Krisen immer bringen, durch die— dazu nicht eriüt genug gemeinte ..Slaatsaktiofi auigchalteit werden, weiL die. d�sch die Abwehr der Staatsaktion die llüichligkeit ihrer Person beweisen können, die von den Unternehmern dann mit der Lebenskrast ihrer Kartelle verwechselt werden. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Not- regierung war größtenteils, soweit Reichsbahn und Reichspost in Frage komm«»,«in Bluff und bleibt auf anderen Gebieten wirkungs- los, denn es fehlt ja einfach das Geld. Die Bemühungen um die Z i n s j e n k u n g waren, da ja nur . eine Verringerung der Zinsspannen und Provisionen etwas genützt hätte und obwohl Herr Luther sich vorgespannt hatte, nichts als eine schöne Geste: Es ist längst still geworden davon. Diese Staatsmaßnahmen waren nicht etwa vergeblich, weil sie falsch angesetzt waren. Sie waren nur nicht e r n st gemeint oder wurden mit unzulänglichen Mitteln unternommen. Wo sie ernst gemeint waren, wie bei dem Junktim von Lohn- und Preis- abbau, waren sie dumm. Gegen die Uebermacht der Kartell« und für den Karlellpreis- abbau läßt sich nur etwas machen, wen» min den Kartellen die usurpiert« Berufung auf die Gewerbefreiheit, die sie schon seit 50 Jahren mißbrauchen, schlechtweg nimmt. Anders wird jede Kartellaktion nur zu einer talmudiftischen Diskussion. Arbeitsbeschaffung ist imr möglich, wenn man Geld hat. Geld konnten sich zu vernünftiger Arbeitsbeschasfung nur Staat, Kommunen und öfsentliche Betriebe beschaffen. Aber auch Luther hielt die Schleuse für produktive öffentliche Auslandsanleihen geschlossen: die Brüning-Regierung macht« schon erst gar keinen Ver- such, gegen die der Privatisierungskampagne dienende Anleihe- droffelung etwas zu unternehmen. Dafür waren DD-Bant und Danat, Oliven, Siemens. Duisburg, Dögler als tatsächliche Reichs- regierung in der Anleihefrage viel zu stark. Wirklicher Zinsabbau mar nur durch Oeffnung der Anleiheschleufen und durch rücksichts- lof« Unterbietungskonkurrenz aller öffentlichen Banken auf dem Geld- und Kapitalmarkt möglich. Wer aber mag sich mit sowas gegen das private Bankkopital belasten! Di« Staatsmaßnahmen waren also falsch und unzulänglich an- gefetzt. Das hat der Wahlausgang— wir sprechen nur von der unzulänglichen Bekämpfung! n n e r wirtfchaftlicher Krisenurfachen — durch die Radikalisierung bewiesm. verantwortlich dafür sind— noch mehr als Brüning und feine Regierunq— die dies« Regierung dirigierenden ' privatwirtfchaftlichen Kräfte. Es ist ihre Schuld in erster Linie, wenn ihnen wegeii der gefährdeten„Sicherheit und Ordnung" jetzt dos Zittern im Gebein sitzt. Si« müssen die Konsequenzen aus ihrer falschen Politik ziehen und« i r k l i ch e Preissenkung, wirkliche Arbeitsbeschassung, wirklich« Zinsverbilligung in Zukunft auch selber wall«». In der Tat richtet sich die Lawine der politischen Radikalisierung in erster Linie direkt gegen das Privatkapilal und seine falsch« Wirtslhafts- Politik. Es ist nur kein geklärter und kritischer Sozialismus, den Kommunisten und Nationalsozialisten im Gegensatz zu den Sozialdemokraie» wollen. Aber es ist eine ganz echt« und riesenhaft« Welle der Unzufriedenheit gegen dos privatkapitalistische Wirtschasts- syst« m. Das Privatkapital hat die Liste iniierwirtschastlicher Krisen- Ursachen auch nach durch besondere eigen« Dummheiten im Groß- Maßstab« ergänzt. Die Rationalisierung führt« dazu, daß die Kapa- zität der Betrieb« nicht ausgenützt werden konnte: denn man unterließ es, die Preise entsprechend zu senken und dadurch für vermehrte Nachfrage zu sorgen. Dadurch wiederum erHahlen sich die fixen Kosten, und daher kam die Forderung nach Kapital- bildung und Steuersenkung um jeden Preis, eine Parole, mit der man dann, als die Steuersenkung unmöglich war, die Kapitalflucht und die Steu e rs lu cht in der durch Reparationen bedrückten Republik hoffähig zu machen bestrebt war. Da die Gcwinnkonten der Banken, nachdem man die Aktionäre brutalisierl hatte, leer blieben, erfand iiion unter dcm Beifall der Industrie die Privatisierung öffentlicher Betriebe und die Notwendigkeit des öffentlichen Substanzvcrkaufs ins Auslnnd, womit volkswirtschaftlich nur neu« falsche Kosten entstanden. Die„politisch« und Wirtschaft- liche Vertrauenskrise" war dann der„letzte Schrei", mit dem, als die innerwirtschaftlichen selbstverschuldeten Krisenursochen immer deutlicher erkennbar wurden, die Verantwortlichkeit des Privatkapitals für feine momiinentalen volkswirtschaftlichen Dummheiten der letzten fünf Jahr kaschiert werden sollten.. Diese Grosidummheiten der privatkapitalistischen Politik sind wichtige Ursachen der Arbeitslosigkeit. Sie müssen gutgemacht werden. Wenn die Privatwirtschaft durch den Wahlausgang etwas ge- lernt hat, so soll sie dos jetzt beweisen. Das wichtigste Rezept gegen unorganische und überraschend« politische Auswirkungen der Arbeits- losigkeit istdieBeschaffungvonArbeit Das einzig mögliche Instrument dazu sind, im Tiefpunkt einer Krise wie jetzt, A n- leihen für di« öffentlich« Hand, für Wohnungsbau, Straßenbau, für öffentliche Betriebe, für landwirtschaftliche und sonstig« Meliorationen. Man halte uns nicht für so kurzsichtig, daß wir die Lage des Kapitalmarkts vergessenl Es kommt darauf an, wi« man etwa in N« w D o r k die Dinge in Deutschland sieht. Der amerifamschc Staatshaushalt ist weitgehend auf den Reparationen ausgebaut. Amerika hat in Deutschland riesig investiert Deutschland ist in der Krise, besonders weil«s die ungeheure Sonderlast der Reparationen trägt, als Schuldner ebenso empfindlich als mächtig. Das weiß und respektiert man im Ausland. Die Beschaffung von Anleihen für Deubjchlcmd kann so ein kaufmännisches Gebot für unsere Gläubiger sein. Nicht nur in New Jork, auch in London, Paris, Amsterdam, Zürich usw. Man muß dos in Deutschland nur deut- lich sehen und wollen. Dieses Seifen und Wollen sollte den deutschen Banken, der Schwerindustrie und auch Herrn Luther durch den Wahlausgang erleichtert worden sein. Dazu gehört freilich, daß man alten Dummheilen wie kapilol- sluchl, Skeuersobolag« und Sleuerslucht, Privatisierungskam. pagnen und Srawattenpolitik gegenüber Kommunen abschwört. Wir glauben, daß Arbeitsbeschafsiing durch Anleihen helfen wird, und daß Anleihen möglich sind, wenn man will. Wir sind auch der Meinung, daß die politische und parlamentarische Konsolidierung sehr gehemmt sein wird, wenn nicht gleichzeitig di« ernsteste Vorbereitung einer großzügigen Politik der Arbeitsbeschaffung durch Anleihen unrund ncbcngescholtct wird. Wir glauden endlich, daß diese Politik von den privatkapitalistischen Mächten im eigenen Interesse sofort und rückhaltlos gefördert werden muß. Die Sozialdemokratie hat die Priootwirtschoft rechtzeitig auf ihre Sünden aufmerksam gemacht. Si« blieb in den Wahlen Deutschlands mächtlgster politischer Block. Sie macht vernünf. tig« Aufbaupolitit mit, weil sie den Massen Brot und Arbeit geben will. Die Privatwirtschaft muß durch Toten beweisen, daß sie dazu auch bereit ist. Paul Reusch verdient? Gewinne der Schwerindustrie von Krise unbeeinflußt. Wenn es weiterer Beweis« bedurfte dafür, daß die Schwer- i n d u st r i e keineswegs schlecht verdient, wie in der Debatte um die Eisenpreisscnkung und L o h n h e r a b s e tz u n g behauptet wurde, so wäre eines der Abschluß der G u t e h o s s- nungshutte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb in Nürnberg, vom 3». Juni. Diese Ge- sellschaft(Kapital 80 Mill.) ist die Dachgesellschaft der Gutehoffnungshütte Oberhausen A.-G., deren Kapi- tol von Ktz Mill. gänzlich in ihrem Besitz ist. Wenn sie daneben auch wertvolle Beteiligungen an anderen Unternehmen des In- und Auslandes hat, so ist doch ausschlaggebend für dos Ergebnis der Gewinn der Oberhausener Werke. Obwohl dag ganz« abgelaufene Geschäftsjahr von der rückläufigen Konjunktur beeinflußt und die Verschlechterung auf dem Eisen- und Koh- l e n m a r k t im zweiten Halbjahr besonders stark war, wird das finanzielle Erträgnis als ocrhällnismößig g ü n st i g be- .zeichnet. Die Nürnberger Dachgesellschaft kann daher-, zumal auch die übrigen Beteiligungen rentabel arbeiteten, die Vorjahrs- dividende von 7 Proz. gewährleisten. Die �eichöpost verteidigt sich. Im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost machte der Reichspost mini st er zu Angriffen der privaten Unternehmer gegen Betrieb und Wirtschaftlichkeit der Kraftposten Ausführungen, dcnenVnan beipflichten und deren stete Befolgung bei der Tarif- g e st a l t u n g der Reichspost man nur wünschen kann. Seit Jahrhunderten sei die Personenbeförderung auf der Landstraße eine der ureigensten Aufgaben der Post. Heute bildeten die Krastposten die Ergänzung in abgelegenen Gebieten zum Eisenbahnnetz, seien also ein Instrument des öffentlichen Verkehrs das zur planmäßigen Befriedigung der Anforderungen der Allgemeinheit, nicht aber nach Rentabilitätsrücksichten zu handhaben sei. Unter dem Gesichtspunkt des Gemeinwohls sei es ein verkehrspol itischer Fehler, unrentable Linien stillzulegen und sa dünnbesiedelte Gebiete vom Verkehr abzuschließen. Private Unternehmungen könnten solche Linien nicht betreiben, versagten also wichtigen Ausgaben der Verkehrspolitik gegenüber. Das gesamte Kraftpostwesen müsse als wirtschaftliches Ganzes angesehen werden, bei dem die Einnahmen rentabler Linien die Fehlbeträge unrentabler ausgleichen müßten. Die Tarife dürften aus Rücksicht auf das Gemeinwohl nur gerade die Höhe erreichen, bei der ein finanzieller Ausgleich der Gesamteinnahmen»nd der Gesamtausgaben aller Linien erreicht würde. Bei dieser Gelegenheit gab der Reichspostnisnister auch bekannt, daß zurzeit 2266 Krastpostlinien mit einer Betriebs- länge von 43 816 Kilometer(Bctriebslänge der deutschen Eisen- bahnen S8 3 Kilometer) beständen, die im Jahre 1929 85,6 Millionen Personen beförderten. (Solche Entwicklung wird gefährdet! vie veutsch.französische Handelsbilanz wird immergünstiger. Seit der deutsch-sranzösische Handelsvertrag abgeschlossen worden ist, hat sich der deutschen Warcnhandel mit Frankreich außerordentlich günstig entwickelt. Die Waren ei»fuhr aus Frankreich ist vom ersten Halbjahr 1928 bis zum ersten Halbjahr 1939 von 493 auf 291 Millionen Mark gesunken. Die Aussuhr deutscher Waren nach Frank- reich ist— einschließlich der Reparationslieserungen— in der gleichen Zeit von 319 auf 592 Millionen Mark gestiegen. Au» einem sranzösischea Einsuhrüberschuß von 84 Millionen Mark ist in zwei Kahren ein deutscher Aucsuhruberjchuß nach Frankreich von 301 Millionen Mark geworden. Dabei handelt es sich in erster Linie um hochwertige Waren, die nach Frankreich mehr exportiert worden sind. Der Export von Eisenwaren ist mengenmäßig um das Achtfache, von Kupfer und Kupferwarcn um das Zehnfache von Maschinen um dos Vierfache, von elektrotechnischen Er- Zeugnissen um das Zweiein halbso che gestiegen, und der Chemikalienexport Hot sich um fast 59 Proz. erhöht. Diese Entwicklung hängt gewiß mit der weiterhin günstigen Wirtschaftslage m Frankreich zusammen. Si« wäre aber u u- möglich gewesen, ohne das wirtschoftsfreundliche Verhältnis, das durch den deutsch-sranzösischen Handelsvertrag begründet worden ist. Di« Gefährdung dieser Entwicklung gehört« zu jener Politik des Leichtsinns, die unter dem Druck von Schiele von der noch amtierenden Regierung durchgeführt wurde. Es wird«ins wichtige Aufgabe des neuen Reichstages sein, das Handels- vertraglich« Verhältnis zu den Abnehmern deutscher Waren in ganz anderer Weise zu pflegen, als das unter dem Schiele-Regime geschah. Das ist ein Stück A r b c l t s l o f e n p o l i t i k, die un- umgänglich ist. Trustbildung in der Schuhindustrie. Salamander gliedert sich Mercedes an. Die unter dem Druck der tschechischen Konkurrenz erfolgte technische Umstellung in der deutschen Schuhindustrie hat eine ungeahnte Besserung des Schuhauhen Handels und eine Steigerung der Rentabilität gebrocht. Jetzt folgt der t e ch- nischcn Umstellung die k a p i t a l m ä ß i g e Umgruppierung, indem die technisch zurückgebliebenen Werke von der Konkurrenz ausgekauft werden. Führend ist die Salamander AG. mit einem Aktienkapital von 32 Millionen Mark. Jetzt tritt sie in ein„f r e u n d f ch a f t- liches Verhältnis" zur Haueisen u. Co. AG., die die Mercedes-Schuhe fabriziert, unter Umständen, die der Form einer Fusion fast gleichkommen. Während die Salamander AG. nämlich ihre Dividende von 12 aus 16 Proz. steigern könnt.', erlitt das Mercedcs-Unternehmen in den letzten Iahren so starle V e r l u st e, daß nunmehr eine Zusammenlegung des Kapitals im Verhältnis von 19: 1 von 5 auf 9,5 Millionen und eine Wiedererhöhung aus 2,5 Millionen Mark notwendig wird. Und dieses N e u t a p i t a l von 2 Millionen Mark wird von der Salamander AG. übernoinmcn werden, die dann mit 89 Proz. des Kapitals die absolute Gewalt über das Mercedes- Unternehmen ausübt. Wenn betont wird, daß Herstellung und Vertrieb der Mercedes-Schuhe aufrechterhalten werden, so liegt das natürlich im Interesse des Aktienmehrheitsbesitzers Sola- mander, da die Mercedes-Schuhe als gut eingeführte Marken- a r t i k e l eine starke Marktposition besitzen. Aeuer LtSA.-Kupferkonzern. Neben den beiDcn führenden amerikanischen Kupfcrkonzerneu (A n a c o n d n Coppcr und Guggenheim- Gruppe) bildet sich in den Vereinigten Staaten ein dritter großer Trust, dessen Mit- giieder bisher wenigstens der vom internationalen Kupserkartell ausgegebenen Einschränkungsparole nicht Folge geleistet hoben. Es handelt sich um die P h e l p s D a d g c Corporation, die erst vor lremgen Monaten den Konzern C a l u m e t u. Arizona 1 unter ihre Kontrolle brachte. Beide Gesellschaften waren gemeinsam an der Nichols Copper Ca., einer Verhüttungsgesellschaft, beteiligt. Wie aus New Park gemeldet wird, soll jetzt auch die Nichols endgültig mft der Phelps Dodqe oerschmolzen werden. Der neue Trust wird über ein. K a p i t a l von 32 5 M i l» lionen Dollar verfügen. Von besonderem Interesse ist dieser Vorgang durch die Beziehungen, hie zwischen dem neuen Trust unb curopäischen Gruppen bestehen, insbesondere zur British Mctal Corporation, die bekanntlich mit der Metallgesellschast in Frank- surt a. M. in engster Interessengemeinschaft sieht. Die C a n a d i o n Copper Refiners Ltd., die englischen Kapitalgrnppen nahe- steht, wird ebenfalls von der Richols-Phelns-Dodge-Grupp« kon- trolliert. Verluste im Abzahlungsgefchäst. Di« der Dresdner Bant nahestehende Kreditanstalt für Verkehrsmittel Hot im Jahre 1929 ihren eigentlichen Geschäftszweig, das Teilzahlungs-Finanzisrungsgeschöft säst völlig abgebaut. Im Zusammenhang mit dem F a v a g- Zusammenbruch erlitt die Gesellschaft Verluste, die nach Aufzehrung der Reserven zu«Inem Defizit von 659 999 Mark im Jahresabschluß führten. Di« Verwaltung wandte sich nach den Mißerfolgen noch Mitte vorigen Jahres unter Einschränkung des gesainten Geschäflsumsanges dem Aufkauf und der Parzellierung von großen Grundstücks- komplexen zu. ouo&iake: Rundfahrt i. nachdem ich schon ein paar Tag« in der Stadt Umschau geHallen hatte, setzte ich mich in einen der Touristenwagen. mit denen zwei Dutzend aufs Geratewohl zusammengeraffter Menschen aus allen guttural und nasal redenden Nattonen«in« Rundfahrt durch einen Ort machen, von dem sie nichts wissen Ich dacht«, es sei in» Interesse der Besucher Genfs, das auszuprobieren. Die sechs Franken, die diese Stunde— ohne Trinkgeld— kostete, war die Leistung nicht weift. Der Dolmetsch, ein völlig ungeeigneter Mensch, konnte sich in keiner der drei Sprachen, die er „beherrschte", ausdrücken. Den Großen Kurfürsten auf dem Refor- motion-denkmal stellte er den gläubigen Zlmerikanerinnen als Friedrich den Großen vor, und den romanischen Stil der Kathedrale als deft römischen. Er hätte Julius Cäsar, der hier ein« seiner de- rühmten Brücken schlug, als Erfinder dieses römischen Stils nennen können— ich bezweifle, daß eine der Damen aus den Bereinigten Staaten fchokiert gewesen wäre. So ist das Zeitalter der Schnell- reisen— geben Sie sich kein« Mühe,«s zu ändern. Immerhin, auch da gilt, daß dach. etwas hängen bleibt. Ohne dies« Rundfahrt hätte ich schwerlich bis zu dem Punkt gefunden, Ivo Arve und Rhone zusammenfließen. Die Arve, die einen kurzen Weg vom Montblanc her kommt, ist grau— gelb— schlammig: die Rhone, die sich im See gefiltert hat, basaltgrün— grottenblau. Die beiden Farben liegen nebeneinander, ohne sich zu mischen: kein Ei» im silbernen Becher kann Mokka sauberer gegen Pistazie ab- grenzen. Die Flüsse laufen noch lange getrennt im selben Bett nebeneinanderher: erst die Turbinen einer Klärungsanlage wirbeln sie durcheinander. Di« Rhone ist bereits durch eine solche Anlag« gegangen, gleich nachdem sie zum stadtdurchströmten Fluß wurde. Man kann die Maschinenhalle betreten und sollte den Besuch nicht unterlassen. Kaum daß man einen Arbeiter sieht, der dieses Fittrierwerk bedient. Seit mehr als vierzig Jahren gehen die Stahlkolben ihren ruhigen Gang. Man trinkt das Rhonewasser, und es gilt als vorzüglich. 2. Am Zusammenfluß von Arve und Rhone wird man noch eines anderen Schauspiels teilhaftig: des besten Blicks auf den Montblanc. Der beste Blick auf all« Ding« ist nicht der von vorn auf die Breit- fette, sondern der perspektivische von der Seite her. Ich merkt« das auch am anderen Ende des Sees, bei Billeneuve. Der Blick auf die Städtekette von Beoey bis Terrttet ist eindrucksvoll, wenn man ihn von der Mitt« des Sees hat: aber er ist künstlerisch ergiebiger, wenn man das Aug« schräg über alle Windungen, Vorsprünge und Höhen- lichter schweifen läßt. So auch der Montblanc. Vom Arve-Rhone-Punkt aus gesehen liegt er seitlich und füllt mit vollkommener Harmonie die Lücke aus, die zwischen dem Soleoe und einem Blauenden Horn liegt. Er schmiegt sich in dem Halbbogen ein, der die Abhänge der beiden Berge bildet. Fast kann man den Besuch des Saleve entbehren: aber da oben ist das Panorama natürlich großartiger, reicht es doch bis zum See von Annecy. 3. Gleich Zürich liegt Genf am Austritt eines Flusses aus einem See. Dem. Uto-Kai dort entspringt der Montblanc-Kai, und der Blick auf das jensektig« Ufer mit dem Englischen Garten hier ist der gleiche wie auf den Uyzlhen-Kai mit den Anlagen links der Qimmat- brück«. Aber die Brücke, die in Genf über den ausströmenden Fluß führt, liegt dicht auf dem Wasser, während sie sich in Zürich unter- fahren läßt.' Dieser Unterschied ist einigermaßen charakteristisch. Dos alte Zürich baut sich am Flusse auf, dos alte Genf liegt seitlich. Der Grund ist wohl im reißenden Laus der Rhone zu suchen, die sich nicht zu einer Wasserstraße im eigentlichen Sinn des Wortes hergab. So kommt es, daß der Kern von Genf keine organische Verbindung mit dem Wasser eingegangen ist: die Stadt teilt diese Eigentümlichkeit mit Wien. 4. Mit Genuß bin ich den Bauperioden der Stadt nachgegangen. Da ist zunächst der Platz um die Kathedrale Saint Pierre,«in aus dem Flachland emporgehobener Kern auf des Hügels Spitze, Renaissance und Kaloinismus vollzogen sich hier ungefähr gleichzeitig. Man betrachte das Rathaus. Nicht nur die Ersetzung der Treppe durch eine mit Kieseln gepflastert« Rampe— damit die Ratsherren sich in der Sänfte in die Säle tragen lassen konnten— ist bemerkenswert, sondern auch die Stilgebung. Kartuschen, holländisches Beiwerk, Ornamentik fehlen voll- ständig, nur die klaren, festen Linien der neuen Klassik wurden an- genommen. Es ist der Verzicht auf das romantisch« Detail, es ist «Sachlichkeit, es ist die Bermählung protestantischer Nüchternheit mit lateinischer Genauigkeit. Es ist ein Protestantismus, der sich von dem Wittenbergs i.» wesentlichen Punkten unterscheidet: in Genf war er«in diktatorisches, Staat und Metaphysik zusammenschweißendes Ereignis von äußerster Logik. «Seine Gründer gehören zu den großen politischen Führern— man könnt« sagen, da? sie Faschisten des IS. Jahrhunderts waren, die mit der Weltanschauung auch die Gesellschaftsform lieferten—, kriegerische, extrem männliche Gestalten, die befreiten, um sofort wieder zu binden. In den Gefahren des Individualismus wußten sie gründlich Bescheid. Als Krieger, als streitbare Gottesmänner stehen sie an der Wand des merkwürdigen Rsformattonsdenkmals, das bei Kriegsbeginn fowett fertig war. daß nur noch auf den Settensockeln die Standbilder Luthers und Zwinglis fehtten. Diese Standbilder sind dann nicht aufgestellt worden, und dabei wird es, wie ich hört«, bleiben. Die Einheit der protestantischen National- kirchen hatte gezeigt werden sollen. Der Krieg zerriß diese Emp- findung. Immerhin liest man, tiefer angerührt, auf der Wand die Sätze des Großen Kurfürsten, der lieber sein Silber verkaufen wollte, als„diese armen Leute", die vertriebenen Hugenotten, hungern zu lassen.- Auf engem Raum sind in dieser Este um die Kathedrale alle Gassen und Debaulichkeiten zusammengedrängt, in denen ein« groß« historische Bewegung gemacht wurde. Solche Konzentration, solche Kondensierung geschichtticher Stimmung ist von ungemeinem Reiz. Gegenüber der Kathedrale liegt das Anditoire,«in kleinerer Saal mtt ansteigenden Bänken und der Janzel Kalvins, die auch die von John Knox war. Diesen«Saal könnte ein Regisseur übernehmen, der ein Revolutionstribunal zu verwirklichen hätte: es liegt etwas Jakobinisches, etwas Fanatisch-Demokrattsches über den Stuhlreihen, die keine Distanz, kein mystisches Dämmerlicht erlauben. Di« Führer fordern auf, die Kanzel zu besteigen. Ich fand e« überflüssig, daß jeder Gevatter Handschuhmacher von„drüben" seine Hand darauf legte, aber der«Sinn ist derselbe, der jedem Amerikaner das Recht gibt, die Hand seines Präsidenten zu drücken. Unweigerlich ftagt« eine Mistreß oder Miß nach der anderen, ob das Holz Eiche fei— das sind dann die Eindrücke und Erinnerungen, die man von einer Europareise mft nach Hause nimmt. Auf einem winzigen Platz steht das Denkmal für Toepffer, der so liebenswert« humoristisch« Bücher geschrieben hat. Dieser Platz ist«in Juwel, ein Muster verseinerter französischer Bauweise aus schon bürgerlichen Zeiten und ein Beispiel für die Archttettur, die sich in den nachkalvinistischen Jahrhunderten um den allen Kern gelegt hat. Steigt man dann hinunter, so kommt man in die dritte, die neuere Stadt, die sich durch die Breit« der Geschäftsstraßen aus- zeichnet. Diese Breite fällt allen Besuchern auf und verführt, wie das nun einmal bei Stadtgebilden naheliegt, zu charakterologifchen Schlüssen: Die Begriffe Ellenbogenfreiheit, klar« Nüchternheit bieten sich an. Unter den Geschäften fallen die der Juwelier«, Uhrmacher, Emaillearbeiter durch ihren Reichtum auf. Di« Patisserien sind ganz im Pariser Stil gehalten, wohlgefällig für Aug« und Nase. Das Theater ist eine bewußt« Nachahmung der Oper in Paris, kleiner, bescheidener. Dos Reformationsdenkmol, diese mit ein- gemeißelten Worten bedeckte und von überlebensgroßen Figuren in Felder geteilt« Wand ist so undenkbar in Paris wie Hodler, der ein Genfer war, unter französischen Impressionisten. Pariserisch hin- gegen sind die Kamin« auf den Dächern mtt ihren Aufsätzen und Blechröhren— aber sie sind nicht ganz so intim, nicht ganz so elegant wie an der«Seine. Wenn man daher nach Aehnlichkeiten zwischen den beiden Städten sucht, wird man sie zwar belegen können, jedoch auch Unterschied« finden. Genf ist ein wenig derber, unduftiger als Paris. Auch fem Licht ist anders. Di« Farbe von Paris ist— bei guter Beleuchtung— ein wunderbares Sann die von Genf ist greller, viel binnenländischer und auch schon etwas südländtscher. s. Die jüngste Lauperiode lernt man in den neuen Vierteln kennen. die auf beiden Sellen des Sees entstanden sind. Hier ist all das Grün, das in den alleren Quartieren nicht ganz, aber doch zum größten Teil fehlt. Ich war überrascht, zu sehen, wie vortrefflich man die Aufgabe, große Kästen inll Mietwohnungen zu bauen, in dieser Stadt löst. Viel« dieser der Sonne und den Parks zuge- wandten Wohnungen sind sicher angenehmer als Mllen. Die Archi- tekten Übernehmen von der spezifisch genferischen Renaissance des Rathauses das klare ornamentlose Prinzip, die horizontale Grade stark zu betonen und fassen so breite Formen kräftig zusammen. Es ist da offenbar ein« vorzügliche Tradition am Werk. Wie das Palais des Völkerbundes aussehen wird, läßt sich noch nicht sagen: die Arbeiten haben eben begonnen, im September wird die Grundsteinlegung erfolgen. Die landschaftliche Szenerie ist dieselbe wie die des Internationalen Arbeitsamtes, also vollkommen. Es dürfte wenige Städte geben, die so reich an Parks großen Stils sind. Dos Arbellsamt ist von außen eine groß«, weiße Wabe, von deren Umfang man sich einen Begriff macht, wenn man hört, daß die deutsche ständige Delegation allein sechzig Kräfte umfaßt. Der Führer unterläßt nicht zu bemerken, daß sie damft all« anderen Nationen übertrifft. Wir treten ja überall auf den Konferenzen mit einem reichlich großen Apparat auf— billig ist das nicht. Di« deutsche Kolonie ist nicht klein. Unter den Studenten und Studentinnen sind viel« Dentsch«. Das deutsche Auto spielt, wie in der ganzen Schweiz, keine Rolle. Die meisten Buchhandlungen führen ein recht gutes deutsches Lager, die Hotels deutsche Zeitungen. Hier und da stößt man auf deutsches Bier, auch auf das Wort Kur- faal, im übrigen beherrschen die englischen und amerikanischen Ansprüche das Feld. Srlla ateck-matleeaewen; füll 1*1 611t John Palmer, Silk-Ionny genannt wegen der unabänderlichen Eleganz seines Arbeitsdreß, Ingenieur bei der 7. Sprengsektion im tiefften Pfuhl der Kraterhöll«, ist 2ö Jahr« alt, eben von der Hoch. schule in den Krater gewechselt, obwohl man eigentlich lieber Archi- tekt geworden wäre: nun, lassen wir das. In einer halben Stunde steht Ionny, sein Crew erwartend. vor der Förderhalle. Noch ist es halbe Nacht. Die Dampswolke, die nun seit 18 Monaten über dem Krater steht, gezeugt von der Katzbalgerei der Kühlanlagen mit der Höllenglut dort unten, schleicht sich langsam durch den Nebel, steht als grüner Wolkenpilz über dem Krater, verpestet mit ihrem Hauch von Phosgen und Kohlenoxyd und allen tellurischen Höllengestänken die Luft bis zum Meere hinab und läßt die leichte Schneedecke schmelzen ringsum zu einem hoff- nungslojen Urdreck. Und die Rohr« der Kühlanlagen, unaussprechlich häßlich, klettern die Hange hinab und verlieren sich im Nebel, der tiefe Donner einer Sprengung aus dem Abgrund, die Signale der Bohrmaschinen, grün und rot und rot und grün in ewigem Wechsel, diese Wagen der Paternosterwerke, die die Hänge emporklimmen, ihr Geröll in die Eisenbahnloren entleeren und wieder hinunterreißen in unab- änderlichem Wechsel, alles ist häßlich und grau und sinnlos vor allem, vollkommen sinnlos. Man ist nun doch müde von dieser Nacht, man hat Haarweh. Es erhöht keineswegs Jannys Laune, daß Percy Prentice ihm den Tagesbefehl bringt, den jeder Krateringenieur für seine Schicht mitbekommt: Minimalleiftung 7S0 Kubikmeter Geröllförderung, nicht weniger, Herr, soundso viel Zentner Sprengstoff sind auf Station II zu empfangen, von dem neuerdings beachteten Gas .Grünbande alpha 123" sind möglichst Proben mttzubringen. Ionny liest, lacht unmotiviert, ballr den helligen Tagesbefehl zusammen, wirft ihn Percy Prentioe an den Kopf: three cheers kor Lawson... tliree checrs für das neue Gas und die grüne Speltrallini« alpha 123. Hat es etwa einen Sinn,«in Loch in die Erde zu graben, um hinterher mtt den gewonnenen Kräften Zellu- loidpuppen für Babys und Gummigötzen für Kruneger zu ckabri- zieren? Es sind kein« Damen dabei, Prentice, und man kann es laut sagen... I am siclc ok this nonsens, zum Speien ist der ganze Krater. Prentice lacht nur: schließlich weiß man, daß Ionny der tüchttgst« Kerl in Unittusttown ist, und daß jeder Katzenjammer ein Ende hat. Und Prentice beginnt zu erzählen: daß oben im Kon- struktionsbureau nun ein Peruaner sei, der Salz in seinen Kaffee tu« und zum Smoking ein farbiges Hemd und weiß« Bordschiche trage, daß ferner in Jack Paramores otkullistischem Zirkel neuer- dings«in Geist namens Hobby ausgetaucht sei, und der Geist sage, daß«Silk-Ionny«in verliebter Esel sei. Aber Ionny denkt an ganz andere Dinge: an dos Forellen- waffer, das er im vorigen Jahre, im letzten seiner Freihell, in Schottland durchsischr hat, wo ganz goldglänzender Glimmerschiefer in der Sonne blitzte: und an die Arbeitselefanten, die er in Indien gesehen, diese herrlichen Tiere, die sich am Morgen pünktlich auf die Minute zur Arbett einfinden au» dem Walde und genau die Mittags- pause der menschlichen Arbeiter einHallen und wiederkommen auf die Minute wie der gewissenhafteste Arbeiter. Daß es keinen Sinn habe, die Natur zu verwüsten, und daß es vor allem keinen Witz habe, sich in die HölJ« zu begeben, statt mtt Cecily nach der«See zu fahren und platt« Steine über das Wasser zu werfen: zu so unge- hörigen Gedanken versteigt sich Ionny und läßt Prentice schwatzen und schluckt an einer nie gekannten Schwermut und starrr hinunter in das Grau. Da beginnt die Sirene zu heulen da unten im Nebel, tief und /stark wie«in tausendfach vergrößerter Bullockfrosch. Ein« zwett« �antwortet und fünf andere: urplötzlich beginnt dieser ganze Kranz von Kühlstationen, Kraftanlagen und Förderhöllen unisono zu brüllen wie eine irrsinnige Mammutherde: Schichtwechsel, Zeit zum Einsteigen. Und aus dem Nebel zieht Ionny Crew heran: die Somali, die für die Maurerarbeiten dort unten in der Hölle bestimmr sind und denen 50 Grad Celsius nichts anhaben können; groß«, prachtvoll« Leute, geschlossen marschierend mtt dem Borarbeiter an der Spitze. Und mit den heimatlichen Kriegsliedern, die sie singen, fährt endlich ein Zug morgenfrischer Männlichkeit in diese oersluchte Melan- cholie. Und«Sachsen kommen mit gemütvoll bemalten Paartöpfen in der Hand, Nigger aus der Union, und dürr«, rassereine Amerikaner, die doch ihr Englisch abscheulich verwässert sprechen wie ein Spül- wasser gewordenes Idiom. Und kleinrussische Zementeuve aus Mar- slow kommen und rotblonde Mineure aus den Kohlenbecken der Picard»« und gigantische Lastträger endlich, Chinesen— das ganze Proletariat der Welt, schließlich doch geeint durch schmutzfarbige Kleider und das Einheitsgesicht des Maschinenmenschen und den Blick abgrundigen Hasses, der die beiden Ingenieur« streift. Ionny steigt«in. Es geschieht schon auf dem Förderwagen, un- mittelbar vor dem Anspringen der Maschine, daß er seinen gellebten Höhenmesser losnestelt und ihn Percy Pventtce hinhält; gutes Werk. best« englische Arbeit... als Andenken zu behalten an ihn... an Silk-Ionny... ja, farwell... Prentice sieht abwechselnd auf den anderen und auf dieses Ge- schenk, das beinahe schon das letztwillige Vermächtnis eines Sterben- den bedeutet. Er begreift nun, daß Ionny wirklich total oerrückt geworden ist, bückt sich, knetet einen«Schneeball und schickt ihn Ionny mit dem Fluch« nach: der Teufel hole diese Todesahnungen, dies« altindische Resignation. Aber Ionny ist nun schon zu tief in seinem Förderwagen, der Ball jährt hinaus in das bodenlose Grau. Percy Prentice geht stirnrunzelnd hinauf ins Büro und erzählt, daß Sllk-Ionny verrückt geworden ist. Komplett und definitiv verrückt. Die Zahnräder klinken sich in die Schiene: ruckweise und ganz langsam, um sich an den steigenden Luftdruck zu gewöhnen, versinkt man in diesem Ozean von Grau. Noch grüßt«in wenig die schwache Brise, die in der Oberwelt geht, man unterscheidet auch wohl noch undeutlich die Dinge ringsum: Maurer, die den Hang auszemen- tiereg und an den Steilwänden hängen wie felsnistend« Bogel, eine Gruppe Journalisten, die von einem Ingenieur die eiste Horizontale entlanggeführt werden, ein aufwärtsstampfender Wagen, der wie ein Leviathan in maßloser Vergrößerung auftaucht aus dem Nebel mit seiner Besatzung: die eben abgelösten Leute hängen, verbraucht wie unbenutzte Marionetten, an dem Wagen, winken müde Grüße herüber und verschwinden wie Gespenster in der Wolke . Dann hat man die' erstell tausend Meter über sich. De? steigende Drück, beginnt in den Arten en zu hämmern, der Schweiß läuft in der steigenden Glut in unaufhörlichem� Rinnsal in die Augen, die Gr- sichter verzerren sich in unerklärlichem Mißbehagen, verstummt sind die Lieder, die Gespräche schrumpfen zusammen zu schmierigen Flüchen. Der Nebel, mit der steigenden Glut zu einem fast greif- baren Medium der Qual geworden, sperrt jeden ein in eine un- geheure Einsamkeit, in der man nur sich selbst sieht, Geräusche hört, ohne etwas zu sehen: ganz in der Nähe die Detonation einer Sprengung hinter undurchdringlichen«Schleiern; die heulenden Interferenzen gespenstischer unsichtbarer Bohrmaschinen; von einem unsichtbaren Sprecher plötzlich ein Zotenwort aus ungeheurer Eni- fernung vielleicht von der Rundung der Wände hierher geworfen und in dieser Einsamkeit doch beinahe greifbar in seiner Obszönität. Die Fahrt ist traun g, es ist die Fahrt durch die Dämpfe des Styx: das letzte Stationsgebäude auf der Kratersohle taucht auf. Man hat die Sprengmittel gefaßt, die Leute, durch die Gasmasken in eine Herde vorweltlicher Beutelratten verwandelt, treten an; der Schweiß läuft über die perlmuttersarbenen, nackten Leiber wie Iuniregen über ein fettiges Bleidach. Di« Kühlventile auf den Stationen schlagen hin und her und heulen, man kann keinen Fuß weit sehen, man stolpert über das harte, mtt den grünen Kristallresiduen der Sprengungen bedeckte Geschröf auf den Arbeitsplatz zu. _ Wautfchukbäume in IWHeldeuifchland Kautschukbäum« in Mitteldeutschland gab es tatsächlich— nur ist das schon einige Jahrtausende her. Für diese Behauptung ist jetzt ein recht sicherer Beweis erbracht worden. In den mitteldeut- schen Braunkohlenlagern finden sich faserähnliche Gebilde, dt« von den Bergleuten.Asfenhaare" genannt werden. Durch Wissenschaft- liche Untersuchungen wurde festgestellt, daß sich in diesen sogenannten .Affenhaaren' große Mengen fossil« Blätter befinden. Ein ge- naueres Studium ergab, daß diese Blätt« von einem bestimmten Kautschukbaum stammen, der Licue elaztic», aus der man heute in beschränktem Umfang in Niederländtsch-Iridien Gummi gewinnt. Heute gedeihen diese Baumarten wohl nur noch in den tropischen Gegenden Asiens. Diese Tatsache gestattet Rückschlüsse auf die klimatischen Verhältnisse Mitteldeutschlands in jenem Entwicklungs- stadium der Erde. Jlinder lieben flupime Bilme Di« Kinder, die das lustigste Publikum der amerikanischen Kinotheater bildeten, meiden die Kinos, seitdem diese sich auf den Sprech- film umgestellt haben..Der Sprechfilm", führt der New-Yorker Berichterstatter eines Londoner Blattes aus,.hat an die Stelle der Ruhe und Behaglichkeit des stummen Films, die die Kinder liebten, die Haft und Unruhe des Theaters treten lassen. Gerade dies« Ruhe und Stille aber erfreute die Kind«, die dabei Muß« fanden, den Sinn des Schauspiels zu erfassen. Wenn sie die Unruh« des Sprech- films fliehen, so beweisen sie damit nur, daß sie verständiger sind als die Großen. Der Film wird nirgendwo— und am allerwenigsten in Hollywood— ein« Lebensberechtigung haben, wenn er den Ehrgeiz hat, mit der Sprechbühne in Wettbewerb zu treten. Das sollten sich die Produzenten gesagt sein lassen, die gut täten, die Lektion zu beherzigen, die ihnen die Kind« erteilen. Di« photo- graphische Kamera ist auch heute noch ein ungleich größere» Wunder als das Mikrophon." � «LenSeW Htarrlt*iinA und sdion rieselt die feine Henko, Henkel s Wasch- und Bleidisoda, in feinste Teilchen auseinander. T T.- v■• v• V V• � •n; s&c. vWai.C...... 1.-.MitZ:'-G- 1""::r.■•:.-' c.--- rlenko ist so fein, daß sie sich augenblicklich im kalten Wasser auflöst. Gerade in der Feinheit liegt die außerordentliche Ergiebigkeit. 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Die Bauern— Dunkle Geschichten— Die Kleinbürger, 2 Bände— Heimliche Könige — Di© Königstreuen— Der Landarzt— Die Lilie im Tal— Modeste Mlgnon— Nebenbnhler— Pierrette— Tödliche Wünsche— Vetter Pons— Volksvertreter.(Taschenausgabe Rowohlt) Original-Halblederbände. Jeder a*7� ~ rt t i t Jetzt 8,25 Band früher 7,50.......... jetzt 5 versch. Bände zus. früh. 37,50, 30 3ahre In der SQdsee. Von e i eh ard Parkinson. Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarcüipel und aof den deutschen Salomoinseln. 352 Seiten starker Leinenband mit 158 Abbild, und C QC 4 Karten. 1926. Früh. 16, OO, jetzt Unter Feuerland- Indianern,»in« Forschnngsreise xa den südlichsien Bewohnern der Erde von L) r. W. Koppera. 243 Seiten mit 74 Abbildungen nnd l Karte. 1934. Leinenband. O OC Krflber 6,00............... jetzt£,03 Im Motorboot quer durch Afrika. Von Panl Qraetz.— 266 Seiten mit 83 Abbildnngen nnd 14 Kartenskizzen. 1926.— Eleganter Leinenband. 9 QC Früher 12, OO.............. jetzt 3,09 Flavlus Dosephus, Sodrliten. Hoher- setzt nnd mit Einleitung und Anmerkungen verseben von Dr. H. Clementz. 1923. 8 Halbleinenbände mit 2066 Seiten. Band 1 und 2: Jüdische Altertümer. Band 3: Geschichte des jüdischen Krieges. Q CA Früher 30,00.............. jetzt Chr. Dlelr. Grabbe. Gesammelte Werke. Herausgegeben und mit einem Nachwort verseben von Paul Friedrich. 1923. Verlag Lichtenstein. Weimar. O Q C 4 Bde. Brosch. Früh. 10, OO, jetzt 49OD EL T. A. Hoffmann« Sein Werk. Aus sein. Leben. Dargestellt von B. ▼. SohaukaL 806 Seiten mit 3 Bildern. Halb- A QC leinenband. Früher 6,50, jetzt V|7� Heinrich Graetz. Volkstümliche Geschichte der Juden. 1923. 3 starke Leinenbände mit zusammen � CA 2060 Seiten. Früh. 25,00, jetzt I □U Meisterwerke der Gemäldesammlung in der Eremitage zu Petrograd. Mit einleitendem Text von P. P. v. W e i n c r. 327 Selten mit 285 Abbildungen.— 1923.— Leinenband. J QJJ Früher 14, OO---- ..jetzt Meisterwerke der öffentlichen Kunstsammlung in Basel. Mit einleitendem Text von Paul Ganz. 2608eiten mit 227 Abbildung. 1924. � ÖC Leinenband. Früher 14,00, Jetzt WfO«? Nordenskjöld. Forschungen und Abenteuer in Südamerika. 838 Selten starker Leinenband mit 84 Tafeln, 34 Textbildern und 6 Karten. 1924. a CA Früher 11,00............... jetzt U�äwaTÖyÖkunl nnd seine Zeit Von Fr. Succo. 19?4. 148 Textaclten. 155 Abbildungen und 6 Farbentafeln. Gross- Joartformat. Halbleinenband. Q CA rüher 25,00............. Jetzt-rjöJV Vulkane, Baren und Nsmaden. Reisen nnd Erlebnisse im wilden Kamtschatka. 1926. 280 Beiton mit 153 ein- nnd mehrfarbigen Abbildungen und Karten. Leinenband. g 70 Früher 15, CO. .. jetzt' AlsBeduine zu denTeufelsanbetern. Reiseerlebnisse aus Innerarabien. Von Ernst Klippel. I96ßeit. m. O QC 31 Bild. Leinenbd. Fr. 4,00, jetzt fcf O J Rom. Zeiten. Schicksale, Menschen. Von Franz Kuypers. 1927. 538 Seiten. Reich illustrierter Leinenband. Q QA Früher 18, OO.............. Jetzt OfOV August Strlndbers im Lichte seines Lebens und seiner Werke. Von Herrn. Es s wein. Illustriert. 316 Seiten. 4 QA Halblederband. Früher 6.00, jetzt I Bridge-Bucn. Nach dem Englischen bearbeitet nnd erweitert von M. Bashford und Graf Brockdorff. 148Seit� CC Leinenband. Früher 5, OO... jetzt 1 Asphaltballaden. Von Hans Jano- Witz. Mit 16 Lithographien von Marcel Slodki. Follofonnat Leinen- A CA band. Früher 15,00....... jetzt U Der SChWarze Tod. Eine Chronik der Pest 1348— 1720. Unter Benutzung zeitgenössischer Quellen bearbeitet von Job. Röhl. 1924. b72 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Leinenband. 4 AA Früher 6, OO................ jetzt lyVU Les Chefs d'oeuvres desGran isMat- tres. Nouv. Serie. Notices des Ch. Moreau. 60 Bildertaf. mi t T ext. Foliofoira at.£ Q A Leinenband. 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Q CA Früher 25, OO.............. jetzt Of JU Die Bücher der Frau, Heji, Hedw., Die erfahrene Frau im häuslicüen Kreise. 375 Seiten.— Frost, Zu Hause nnd in Gesellschaft 200 Selten.— Krukenberg, Die Erziehung des Kindes zur Gesundheit und Arbeitsfrendigkcit 222 Seiten.— Hessen. Wege zur Frauenschönheit. 264 Seiten.— Schulze-Smi dt. Billiges Haushalten. 292 Seiten. Jeder A OC Band gebund. Früher 4,50, jetzt XJfmrJ Kraft, H., Gesunde Küche. 394 Seiten. 2 Bände in 1 Band gebunden. 4 AA Früher 5,00................ jetzt 1 ß«FL/ Genius. Bilder und Aufsätze zu alter und neuer Kunst— Herausgegeben von C. G. Heise nnd Hans Martersteig. 332 Seiten, icich illustriert Folioformar. Leinenband.— 2 verschiedener August Messer. 5,70 n-Romane 1,90 " Nietzsches Werke AusgewÄhlt und eingeleitet»on Prolessor August Messer. 1234 Selten, Okfarfonnat. 2 Ganzleinenbände. M. * Frauen-Romane in neuen ungekürzten Ausgab. Elegante Leinen. bände,)ed. Band Vi. HEtM BURG Familie Lorenz- Aus dem Leben meiner alten Freundin - LumpenmOilers Liesdien- Kloster Wendhusen— Lore von Tollen- Wie auch wir vergeben— Trudebens Heirat— Herzenskrisen— Trotzige Herzen— Lieber steinige Wege. E» WERNER Am Altar- Yineia- GlCck aut- Um hohen Preis- Sankt Michael- Gesprenge Fesseln. E» MARLITT Das Eulenhaus. irK* Besonnte Vergangenheit Lebenserinnerungen 1859 bis 1919. Illustrierte nnd ungekürzte Ausgabe. Leineuband. 875 Seiten. 2,85 Tausend und ein Tag i Lehrbuch der Liebe|*PauSBCe!lerv Romane Franz Werfel9 Orientalische Xrxählnngcn. Ausgewihit and eingeleitet von Paul Ernst. üebertra�ingen von FeL P. Qreve(Insel- Verlag), 1925. Zwei Binde— zusammen 1508 Selten in einem eleganten und Fhe Leineubaud. Früher 16, OO............... Jetzt Von Franz Blei. Das auf- schlussreichsle Buch über die Krise, In der sich heute die Liebe unedle Ehe be- fluden, und über die Mittel dies© Krise zu überwinden. 333 Seiten. Eleg. Leinenband. Früher 0,50...... jetzt una aie nae oe- 3,85 Waldwinter. Roman aus den schlesischen Bergen. 360 Seiten.— DerSohnderHagar. 294 Seiten.• Maria Heinrich. 298 Seilen. Neoauagabe, in eleganten Leinenbänden................... Jeder Band 2,85 Roman der Oper. Unge- k ürzte Ausgabe. 606 Selten. Eleganter Leinenband.... Vsrtli 2.85 Theater, Lichtspiele usw. An Plitz äff RipsMIl. Vorst 137 20 Uhr Der IliiMiie HolIäQder Enden.22Vj Uhr Staatl. Schauspli. Im Giidimnmarktj. A.-V, 15 20 Uhr Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg Enden. 22�, Uht M.khiller-Hr.Mg. 20 Uhr Oer Mann mit dem Klepper Ende 22>/, Uhr Tägl. 5 u. 81» SoonL 2. 5 n. 8» Alex. E 4. 8066 I Welnlraubs Syncopalors | Frakson. Krems u. Rarllno usw. Theater l.d.BeIirenstr. 53-54 Direktion; Ralph Arthur Robert* «w Das häBliche Bläflchen Englisch— Roberts- Riemann. «BOSCH lug 10» 2 Vorstell.- Tel. He mend. 3�™, nachm. 41 ,Uhr; 30 Pfg.-1,50 Mk. abendsS! ,M,r 30P»,.-s� Mk. I J 1 4 Inlern. Circ.-o.Vatlelisclilager!> | 11 a Orlg. H. 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