i err4*Htt*«4£4««fer Zugleich Abcudautgab« M.Dorwärts'. BeMsxrei» beide Ausgabe« SsPf. pro Woche, s�aM. pro Monat. Redaktiou und expedition; Berlin SW öS, Äudenstr.» Sjtalau&gcfjßß x&i J&tutofk AvtetgenPrei«: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.S7ü3e. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die Gewerkschaften sind stärker als je Gute Bilanz trotz schlechter Zeiten.— Fünf Millionen Organisierte vle Zckflaft« S« kommunistffchen und nalionalsozia- sozialistifchcn Stimmen durch verzweisclle, Enttäuschte und politisch Indifferente ist dem Generalstob der ZNöchtegern- diktatoren sehr zu Kopf gestiegen. Besonder» in der tommu- nistischen Presse tut man so, als seien die freien Gewerk- schafien. als sei die Sozialdemokratische Partei im Abstieg. die KPD. aber die Massenorganisation der Arbeiterschaft. Gerade zur rechten Zeit erscheint dos Jahrbuch des Allgemeinen Deutschen Gemerkschastsbundes für das Jahr 1929. Es zeigt am besten, was es mit dem papierenen„Sieg" der Nazis und der Kommunisten auf{ich hat, wo die Massen der Arbeiter stehet», wo die Kraft einer gewaltigen Organisation ist. Das Jahrbuch des ADGB. ist diesmal mehr als«ine not» wendige kritische Rückschau auf die Arbeit und Entwicklung der deutschen Gewerkschaften im vorigen Jahr; es ist ein g e s ch r ch t» liches Dokument dafür, dah der modernen Arbeiterbewegung eine Urkraft innewohnt, die durch nichts, selbst nicht durch die schwerst« wirtschaftliche Depression gebrochen werden kann. Die katastrophale Zuspitzung der Krise auf dem Arbeitsmarkt m der zweiten Hälfte des Vorjahres ließ die Befürchtung aufkommen, daß die Mitgliederbilanz der freien Gewerkschaften gegen Jahres- schluß 1S2S ungünstig beeinflußt würde. Diese Besorgnisse haben sich, wie wir bereits mitgeteilt haben, erfteulichcrweise als unbegründet erwiesen. Die Zahl der freigewerkschoftlich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen st i c g im Jahre 19Ä um«1 ZöS aus 4 948 267. Daß der Auftrieb in der Mtgliederbcwegung der freien Gewerk. schaften Deutschlands auch im vorigen Jahre nicht stockt«, ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Arbeitslosigkeit 1929 etwa um 139 Proz. größer war als 1928. Unter Um» rech»ung-der Kurzarbeit in Bollarbeitslosigkeit waren im Berichts» jähr in der Konjunkturgruppe III Proz. der Gewerkschaftsmitglieder <1928— 8,2 Proz.) arbeitslos, in der Saisongruppe 28,? Proz. (17,8 Proz.) und in sämtlichen Verbänden 15.1 Proz.(19 Proz.). Wie sich diese Entwicklung des Arbeitsmarktes auf die Finanzen der Gewerkschaften auswirkte, zeigt eine Vergleichung der Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung im Vorjahre mit denen im Jahre 1928. Sie stiegen von rund 28 Mil- lionen Mark auf rund 45� Millionen Mark im Berichtsjahre. Die gesamten Ausgaben für Unterstützungszwecke beliefen sich auf 86,79 Millionen Mark gegenüber 62,54 Millionen Mark im Jahre 1928. Bon den Gesamtausgaben der Gewerkschosten machten ollein die für Unterstützungen 42,8 Proz. aus gegen 8Z Proz. im Vorjahre. Diese Bergleichung sowie die Tatsache, daß die Kosten der A r b e i t s k ä m p f e sich gegen das Jahr 1928 um 18,9 Millionen Mark auf 13,3 Millionen Mark verringerten, spiegeln am deutlichsten den Krisencharakter des vorigen Jahres wider. Die Einnahmen stiegen im Vorjahr um 29.69 Millionen Mark aus 251,39 Millionen Mark. Der Rückgang der Zahl der Lohn- und Tarifbewegungen gegen 1928 ist aus der ollgemeinen schlechten Wirtschaftslage zu «rtlären, die auch für die Aktionskraft der Gewerkschaften ein natürliches Hemmnis war. Dft Bewegungen blieben mit 16 814 85? Beteiligten um rund 19 Proz. hinter der Zahl von 1928 zurück. Erreicht wurde durch sie eine »öchentliche Lohnerhöhung von 14,36 Millionen Mark für 8 472 922 Personen. die Abwehr von wöchentlich 367 545 Mark Lohnabzug, eine Arbeitszeitverkürzung von 1678 732 Stunden für 412 816 Personen die Woche, sowie die Abwehr von 29 299 Stunden Arbeitszeit- Verlängerung pro Woche. Di« Tariflöhne, also nicht die wirklich gezahlten Löhne, erhöhten sich nach der Tarifstalistik des ADGB. im Borjahre u m 4.5 Proz. Dieser Erhöhung dürfte aber noch Ansicht des ADGB. eine Senkung der Akkord« und übertariflichen Spitzen- löhn« etwa im gleichen Ausmaß gegenüberstehen, so daß eine Hebung des Lohnniveaus der deutschen Arbeiterschaft im vorigen Jahr nicht eingetreten ist. Mit diesen Gegenüberstellungen ist nur ein Teil des Jahr- buches 1929 des ADGB. grob skizziert. Was die freien Gewerkschaften geleistet haben hinsichtlich der Verbesserung des Arbeitsschutzes, der Sozialver- stcherung. de? Arbeits- und Wirtschastsrcchtes, der Bildung der Arbeiterschaft und überhaupt aus kulturgeschichtlichem Gebiet, kann in diesem Zusammenhang nicht einmal angedeutet, viel weniger noch besprochen werden. Schließlich ist auch das Jahrbuch des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundcs dazu da, um von den Mitgliedern der fl«eu Gewerkjchofren, vornehmlich aber von ihre» Funktionären, gelesen.zu werden. Sie sollen daraus neuen Antrieb für ihre Arbeit in den Verbänden erhalten und daraus Materiol für den Kampf gegen die Gegner der freien Gewerkschaftsbewegung schöpfen. Di« Bilanz des ADGB. für das Jahr 1929 läßt die berechtigte Erwartung zu, daß es den freien Gewerkschaften auch in dem noch schwärzeren Krifenjahr 1939 gelingen wird, die Verhältnisse, die zweifellos düster erscheinen, zu meistern und die Bahn für den weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Aufttieg der Arbeiterklasse frei zu machen und frei zu halten. Zwan Schultze spricht. Nachstenographiert von Edwin Fetzer. ... sind nun vorüber und hoben dem Faß die Krone ausgesetzt. Poch nie hol die blutige Tatze des Sozialimperialismus der SPD. die gezinkten Karten offener auf den Tisch des hohen Hauses gelegt! Poch nie pochte im Reichsmahstab die Lawine der proletorischeu Re. volution hartnäckiger an das schlotternde Gebein der herrschenden Klasse und ihrer Lakaien. Poch nie wuschen die Sozialsaschisten ihre Hände begeisterter im Schweiß de» werktätigen Volkes Arm in Arm mit den Klassengegnern! Mil bolschewistischer Offenheit erkläre ich im Pamen und Auftrag des ZK. der KPD. und im Einverständnis mit unserem Welt- sührer Stalin, dem Generalstabsches der eisernen Kohorte unseres Sieges: wir werden der heulenden Sirene des Reformismus aus ihren Gesang mit einem dreifach donnernden Rot Front unsere Antwort geben! Wir werden ihr das klasienverräterifche Handwerk legen. Wir werden das Slaatsschisf mit entschlossenem Griff im Weltmaßstäbe packen und ihm den Schlips gerade rücken! In diesem Sinne also... er befanden sich 50— 00 Mann um 11 Uhr oor dem Reichsbannerlokal uvd rüsteten sich für den U eberfall. Bei Redaktiansschstiß dauert die Verhandlung noch an. AushebungfeudalerGpielklubs Anzeigen der Ehefrauen— 70 Personen festgenommen Nach längercn Beobachtungen wurden In der vergangenen Nach! von kriminalbeamlen de» Spieldezernats in der K a n l st r. S und am Kursürstendamm 1Z zwei Spielparteicn ausgehoben. Es war vorher festgestelll worden, daß in beiden Klubs Ecarlt mit Chouelte zu hohen Einsähen gespielt wuedc. E» wurden dabei mehrere tausend Mark beschlagnahmt. Zu Beginn der Herbstzcit halten verschiedene Unternehmer ihr« Klubs wieder geöffnet. Sie müssen ihren Betrieb natürlich anmelden. Dabei waren sie darauf aufmerksam gemacht worden, daß Ecartc mit Chouette zu den verbotenen Spielen gehörte und daß die Polizei dieses Spiel nicht dulden würde. Die Beobachtungen der Klubs wurden teils ojsl.ziell, teils im geheimen von der Polizei durchgeführt In der letzten Zeil waren auch wiederholt teils genannte, teils ungenannt« Personen, meist Ehefrauen, brieflich mit der Frage an die Polizei herangetreten, ob es kein» Handhabe gäbe, dem Unwesen des Glücksspiels Einhalt zu tun. Diese Hilferufe ließen darauf schließen, daß die Einsätz? wieder eine beträchtliche Höhe erreicht haben mußten. Durch die Beobachtungen war nun festgestellt worden, daß die erwähnten Klubs außer dem Spielbetried auch eine K r e d i t w i r t- s ch a f l enigesührt hatten. Das war so zu verstehen, daß Demokratie als Oer ägyptische Rationalismus gestl Kairo, im September.(Eigenbericht.) Die ägyptischen Nationalisten befinden sich in einer keineswegs günstigen Lage. Sie haben seit Wochen eine Niederlage nach der andern erlitten. Der Versuch, eine Wiedereröffnung des Parlaments auf der Straße zu erzwingen, ist von der Regierung, die Heer und Polizei in der Hand behalten hat, pariert worden. Die mit großem Pathos proklamierte B o y k o t t b e w e g u n g hat sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen. Mit der kleinen Anzahl von Sleueroerweigercrn ist kurzer Prozeß gemoäst worden. Auch die große und letzte Hoffnung von Nahas Pascha, daß es gelingen würde, die englische Regierung zur Intervention gegen die Diktatur zu oeranlassen, schrumpft mehr und mehr zu- sammen. Als Bertreler der nationalen Interessen Aegyptens dürfen die Wafdisten keinen Vertrag mit England eingehen, der die ägyp- tischen Ansprüche auf den Sudan aufgibt. Durch seine Ersahrungen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Nahas Pascha gewitzigt, fordert das englische Auswärtige Amt bindende Erklärungen, während die Wafdisten aus Selbsterhaltungstrieb ihre früheren Manöver wiederholen und oersuchen, durch unverbindliche Erklärungen die Angelegenheit in der S ch w e b e zu lassen. Auf die Dauer wird sich die Labourregierung nicht am Narrenseil führen lassen und die. Gefahr liegt nahe, daß die jetzige Regierung durch eine klare Zusicherung, den seinerzeit von Mohammed Mahmud angebotenen Vertrag zu akzeptieren, auch in diesem Fall ihren Konkurrenten den Rang ablaufen wird. Dieser klägliche Zusammenbruch des Wafd nach einem kurzen Glückstraum ist nicht überraschend gekommen. Er ist die logische Folge einer ununterbrochenen Reihe von psychologischen und taktischen Fehlern des Wafd, die bereits am Tage begonnen haben, als er sich als Nachfolger des Diktators Mohammed Mahmud sah. Bei der Berteilung der Mandat« für Kammer und Senat ist ein Handel ohnegleichen getrieben worden und die Kandidaturen wurden ungescheul an den Tsteistbielenden versteigert. Unter diesen Umständen mußte die Qualität der neuen Bolls- Vertretung auf einem sehr niedrigen Niveau stehen. Es war auch ganz natürlich, daß die neuen durch dieses Verfahren stark ge- schröpften Mochthaber sich nach Möglichkeit schadlos zu halten suchten und unter Politik nichts anderes als die Erleichterung des Staatssäckels oerstanden. Die einzige positive Tat der Was- disten war ein Run auf den aus den besseren Zeiten Aegyptens stammenden Reservefonds der Staatskasse in Höhe von 40 Millionen Pfund, ans dem sofort den Großgrundbesitzern und Baumwoll- spekulanten ein Präsent in Gestalt einer R o t h i l f e von 8 Millionen Pfund gemacht wurde, während die Fellachen fast leer aus- gingen. Selbst in Aegypten bildet die Parole„Dereichert Euch" Spieler, die ihre Barschaft bereits eingebüßt halten, Schmuck- und Wertsachen, Uhren. Ringe, Krawatiennadeln usw. ver- sehen und beleihen konnten, um neues Kapital zum Weiterspielen in die Hände zu bekommen. Nebenbei war noch in den Räumen«in nicht koirzesssio- n ie r t c r Ausschank. Die Klubs bildeten insofern ein« Aus- nähme, als Frauen als Spieler nicht geduldet wurden. Di« wenigen weiblichen Anwesenden gehörten zum Borstand Die Kon- trolle der Kriminalbeamten kam in der vergangenen Nacht völlig überraschend. Sie konnten nicht nur alle Geräte, sondern auch mehrere tausend Mark an Spielgeldern beschlag- nahmen. Auch die bereits versetzten Wertjachen wurden sicher- gestellt. Unter den Spielgästen waren ein Teil gewerbsmäßige, darunter sogar einige, die man im Verdacht hat, Falschspieler zu sein. Andere sind angesehens Leute, die wohl gerupft werden sollten. In dem einen Klub waren 40 Personen versammelt, in dem anderen 3 0. Soweit sie den Kriminalbeamten nicht schon bekannt waren oder sich an Ort und Stelle nicht hinreichend ausweisen konnten, muhten sie den Weg zum nächsten Revier antreten. Von dort wurden sie wieder entlassen. Das kann ja nett werden! „Parlamentsberichserstattung" der„Jkoten Fahne". Roch ehe der nene Reichstag zusammengetreten ist, bietet die „Rote Fahne" schon«inen Borgeschmack dessen, was ihr« künftige Parlamentsberichterstattung sein wird: noch verlogener, noch hysterischer als bisher! Anlaß dazu gab ihr die gestrige Sitzung des Ueb e r wa chu n g sa u s f chn ff e s. Dort hatten die bürgerlichen Parteien die Aufhebung der Kapitalertrags- steu er für festverzinsliche Werte gefordert. Ein sozial- demokratischer Antrag, diesen Punkt als nicht dringlich von der Tagesordnung abzusetzen, wurde abgelehnt. Daraus macht die„Rote Fahne", daß die bürgerlichen Parteien, „mit II Ii te r st ü tz u n g der SPD.", beschlossen hätten, „60 Millionen den Reichen zu schenken". Der kommunistische Antrag auf Hastentlassung der neu- geioählten Abgeordneten Maria Blum aus der Uiitersuchungs- Haft wurde von der Sozialdemokratie unterstützt, sowie vom Staatsparteiler Dr. Meyer, aber mit 14 bürgerlichen gegen 12 Stimmen abgelehnt. Die„Rote Fahne" erzählt, daß dieser Antrag„von alten Parteien, einschließlich der SPD., n i e d« r g e st i m m t" wurde! Was die anderen Anträge auf sofortigen Rücktritt der Re- gierung Brüning, Aushebung der Notverordnungen und sofortige Einberufung des neuen Reichstages betrifft, so haben unsciie Leser bereits erfahren, warum die sozialdemokratischen Ausschußmitglieder diese blöden Agitations mätzchen nicht mitgcinachi haben. Für Verbleiben oder Rücktritt der Regierung ist der Heber- wachungsausschuß, der obendrein aus Mitgliedern des alten Reichstags zusammengesetzl Ist. ungefähr so zuständig wie der Bibliothekar oder der Bademeister des Reichstags. Bezüglich der Befugnisse des Ueberwochungsausschusiev, die Notoerordnungen ans- zuHeben, lag bereits ein« Entscheidung dieses Ausschusses vor. Am g. August hatte die bürgerliche Mehrheit einem Antrag zugestimmt, wonäch der Ausschuß dafür nicht zuständig sei. Ein damals von unseren Genossen Rose»seid und Keil unternommener Vorstoß, wonach der Ausschuß die Notverordnungen für ver- sa s su n g s w i dr i g erklären sollte, war durch diesen Mehrheit»- antrag niedergestimmt worden. Das wußten die Kommunisten. Dennoch iührtcn sie gestern ihr Theater auf. Offenbar mir.»m in der heutigen„Roten Fahne" ihren lügenhasien Bericht groß aus- machen zu können. Aushängeschild kitert- Glück und Ende des Wafd kein Zugmittel für die Massen. Die aus der städtischen Intelligenz und den Feudalherren bestehende Leibgarde des Wofd, dem dos Wort Demokratie nur als Aushängeschild für die Gewinnung von Sympathien in Europa dient, mußte dem Ansturm der vom König und von Sidky Pascha geführten Staatsmacht mit dem Finanzkapital im Hintergrunde er- liegen, nachdem die erste Erregung über den Gewaltakt der Paria- mentsauflösung verraucht war. Eine Demokratie ohne so- ziale Inhalte kann selbst die noch im politischen Urzustände befindlichen Massen nicht für die Dauer an ihre Fahne fesseln. Leider verfügt die sogenannt« bürgerliche Demokratie Aegyptens weder über die Männer noch über die Organisation, um aus den Fehlern des Wafd die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Sie wird ihren bisherigen Schlendrian weitergehen und wird bis aus weiteres die Roll« eines unfreiwilligen Steigbügelhalters derRcaktion spielen, anstatt der Idee der Dolksherrschast in dem Reuland des Orients noch unbegangene Wege zu bereiten. Nahas Pascha und seine Freunde haben den großen Augenblick verpaßt, der sich ihnen durch die Existenz einer sozialistisch-demokratischen Re- gierung in England geboten hat. Sie haben den Kamps auf der Slraße vcrfuchk, ohne den 7Nul de» Tode» auf den Barrikaden zu besitzen und sich damit begnügt, den Fellachen als Stimmvieh und bei zwecklosen Demonstrationen als Stoßtrupp gegen die Maschinen- gewehre der Regierungstruppen einzusetzen. Eine kühne Tat in diesem Sinne wäre von der wirtlichen Demokratie Europas ver- standen worden, während eine englische Arbeiteregierung politischen Geschäftemachern gegenüber, deren Absichten noch nicht einmal sehr geschickt verschleiert sind, mit Recht mißtrauisch sein muß. Bei der Primitivität der politischen Zustände Aegyptens, die wie überall im Orient, diese Binsenwahrheit kann nicht oft genug wiederholt werden, vorläufig nichts weiter als mit europäischen Schlagworken etiteitierle Alrappen darstellen, braucht der Wafd als Faktor in der ägyptischen Politik trotzdem noch nicht zum alten Eisen geworfen zu werden. Schon in kurzer Zeit kann der Moment eintreten, daß König Fuad den Mut vor seiner eigenen Courage verliert und über die stets zu einer Der- mittlung zwischen Krone und Parlament geneigten Politiker wie Adly Degen oder Barakat Pascha seinen Frieden mit dem Wafd in Gesamtheit oder mit der zu Nahas Pascha in Opposition stehenden Gruppe macht und sich zur Wiedereinführung des parlamentarischen Regimes in irgendeiner Form bequemt. Dieses neckische, zwischen Diktatur und Parlamentarismus pendelnde Spiel kann sich daher noch sehr lange in der ägyptischen Politik fortsetzen und es wird wahrscheinlich erst dann ein Ende nehmen, wenn«ine von demo- kratssch-sozialistischem Geiste beeinflußte Bauern bewegung handelnd in die Geschicke des Landes einzugreifen vermag. Di« Kommunisten wußten ebenfalls, daß die endgültigen Fest- stcllungen über das Wahlergebnis und die gewählten Abgeordneten erst a ni 6. Oktober vorliegen werden..Dennoch oerlanglen sie die, /sofortige Einberufung" des Reichstages!. Weil die»sozial- demokrotie diesen groben 11' N s u g selbstredend nicht mitgemacht hat, fällt die„Rote Fahne" auch deshalb über sie her. Es wird natürlich nicht immer nzöglich sein, j e d e Lüge der „Roten Fahne" festzunageln. Dazu ist uns auch dos Papier zu schade. Aber diese Kostprobe gibt uns«inen Vorgeschmack dessen, was sich dos Stalin-Blatt in kommenden Zeiten auf dem Gebiet der„Berichterstattung" noch alles leisten wird. Leder-Welffchau eröffnet. Festes Vertrauen in die Bedeutung Berlins als Wirtschasts- zentrale.—?iede des Reichövertehrsministers. Auf dem Ausstellungsgelände am Saiserdomm wurde heule vormittag die Znlernalionale Lcdcrschau 1930 und die Zahresschau„Leder und Mode" feierlich e r ö f s n c l. In dem mit Blumen geschmückten Ehrenroum der Ausstrtlungsholle I hallen sich annähernd 2000 Ehrengäste eingesunden. Besonders stark vertreten war das diplomatische Korps. Für die Reichsregie. rung war Reichsverkehrsmlnister von G u 6 r a r d, für den Magistrat der Stadt Berlin Bürgermeister S ch o l h erschienen. Die Veranstaltung der Internationalen Lederschau zeuge von einem festen Dcrtrauen in die Bedeutung Berlins als Wirtschasts- zentrale und in die kaufmännisch« Erproblheit der Ausstellungs- und Messcorganisation der Reichshauptstadt und ist als totvollcr und ge- sunder kaufmännischer Optimismus zu buchen. Der Reichs- verkehrsminister begrüßte im besonderen die Vertreter der aus- l ä n d i s ch e n Staaten. Umfang und Inhalt der Ausstellung zeigten die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Lederwirtschast. Allein in Deutschland würden durch Industrie, Handwerk und Handel in diesem Wirtschaftszweig jährlich Werte von 3,4 Milliarden Mark geschaffen, von denen 400 Millionen Mark exportiert werden. Mehr als eine halbe Million Arbeitnehmer werden beschäftigt. Der Minister' gab der Hoffnung Ausdruck, daß der internationale Charakter der Ausstellung einen regen Besuch auch aus den außer- deutschen Ländern zeitigen werden. Dann werde auch diese Ausstellung dazu beitragen, die Handelsbeziehungen zwischen den be- teiligten Nationen zu verliefe« und neue Brücken zwischen den ver- schieden?» Ländern zu schlagen. Cs sprachen dann noch verschiedene Vertreter der Wirtschaft und der deutschen Schuhindustrie. Architekt Prof. Hugo Eberhardt behandelte ausführlicher die kulturelle Sonderschau, das künstlerisch gestaltete Leder oller Völker und Zeilen. Die Internationale Leder- schau nur vier Tage, bis zum Sonntag, dem 21. Seprember, ein- schließlich, geöffnet. Die im Funkhaus untergebrachte Modische Iahresschau 1930.Leder und Mode" bleibt bis zum 5. Oktober geöffnet. 52. Abteilung Eharlollenburg. Unsere Genossin Flora N e n i n g e r ist am 15. Sevtember verstorben. Ehr« ihrem Andenken. Einäscherung Freitag, nachmittags 1 Uhr, Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101/103. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Die kreiswahlouvschüsse der Wahlkreise 3(Potsdam II) und 4 (Potsdam I) treten zwecks Feststellung des endgültigen Wahl- ergsbnisses der Reichstagswahl am kommenden Montag im Plenar- sitzungssaale des Rcgierungsgebäudes in Potsdam, Spandouer Straße 32, zusammen, und zwar der Kreiswahlansschnß des Wahlkreise? 3 um 9 Uhr und der Kreiswahlynsschuß des Wahlkreises 4 um 10'� Uhr vormittags. Der Zutritt zu den Sitzungen steht allen Stimmberechtigten offen. Georg Decker: Oer Zusammenbruch der Mitte Das Fiasko der konservativen Sammlung/ Brünings politische Niederlage/ Die Halbierung der Deutschnationalen Wir haben in unserem ersten ilriikel die Entwicklung derjenigen Parteien betrachtet, für die vergleichbare Zahlen von den früheren Reichslogswahlen vorlagen, alfo die„alten' Parteien. Zwei dieser Parteien dürten aber nicht ganz als„alte" Parteien angesehen werden, nämlich die Deutschnationalen wegen der Reih« der Spaltungen und die Deutsche Staatspartei wegen ihre» Entstehens durch e.ne..Verschmelzung'. Di« Parteien, die ihren gemeinsamen Ursprung in der alten Deutschnationalen Partei haben, werden wir im folgenden näher belrachlen. Was die Deutsche Staatspartei anbetrifft, so ist in einer wohl- statistischen Betrachtung die Gleichstellung dieser Partei mit der Demokratischen Partei bei den früheren Wahlen kein Fehler. Der Iungdo hat sich als eine Seifenblase, die bei der ersten Be- rührung mit der politischen Wirklichkeit platzte, erwiesen. Die Ber- schmelzung mit dem Iungdo und sonstigen angeblich jungen Kräften hat die absteigende Entwicklung der Demokratischen Partei nicht aus- zuhalten vermocht. Vielleicht hat sich dies« Entwicklung nur etwas verlangsamt. Mit Ausnahme von ganz wenigen Wahlkreisen haben der Iungdo und die anderen neuhinzugekommenen Wähler nur die Wähler ersetzt, die unmittelbar infolg« der Verschmelzung den Demokraten den Rücken gekehrt haben. Ersatz für die st ä n d i g davonlaufen- den demokratischen Wähler haben diese neuen Kräfte nicht gebracht. Als einen Ausnahmefall darf man vor allem den Wahlkreis Dresden- Bautzen betrachten, in dem die Staatspartei jetzt 81 630 Stimmen erhalten hat gegen 62 657 demokratisch« Stimmen bei den Maiwahlen 1928. Eine geringe Zunahme im Vergleich zu den früheren demokratischen Stimmenzahlcn weisen noch die Wahlkreis« Ost-Hannover(20 716 gegen 18 788 im Mai 1928) und Hessen- Darmstadt(38 755 gegen 37 521) und eine etwas stärkere Zunahme Koln-Aachen(34 017 gegen 29 826) aus. In den Wahlkreisen Thüringen(41609 gegen 42 939), Schleswig-Holstein(42 282 gegen 41751), Koblenz-Trier(10152 gegen 10 737) find die Verluste weniger erheblich, so daß man sagen darf, daß sich die Staatspartei in diesen Wahlkreisen einigermaßen behauptet hat. Durch«ine weiter in die Prüfung der Einzelergebnisse gehende Betrachtung wird es vielleicht möglich sein, ein Urteil darüber zu gewinnen, wo und in welchem Maße solche relativen Erfolge oder relativ geringeren Mißerfolge aus die Mitwirkung des Jungdos oder auf die Kreise um Winschuh oder Baltrusch zurückzuführen sind. Einen großen Wert würden solche Feststellungen nicht haben, da es sich dabei um politisch sehr wenig erhebliche Größen handelt. Es steht auf jeden Fall fest, daß es der erneuerten Demokratischen Partei nicht gelungen ist. irgendeinen Erfolg bei der jungen Wählergenerakion zu erringen. Auch die Ausstellung einer gemeinsamen Lift« der Staatspartei und der Volkspartei bedeutete keine Rettung. In Württemberg Hot eine solche Liste 136 775 Stimmen erholten gegen 173 570, die die beiden Partcein zusammen im Mai 1928 erhielten, in Baden 114 693 gegen 150 289. Der groß« Führer des Staatsoolkes, Herr Dietrich, ist nur mit württembergischcn R e st st i m m« n gewählt worden. Wenn wir auch die Wirtschaftspartei zu der.bürgerlichen Mitte' zählen, so ergibt sich seit Dezember 1924, als die Wirtschaftspartei zum erstenmal auftrat, folgende Entwicklung: Dez. 1974 Mai lg» Srpt. 1 Theater, Lichtspiele usw. Donnerst, 18 9. Stasts-oper Unter d. Linden A.-V. 18 19ih Uhr Aida Ende 23'/< Uhr staats-oper Im Pljti 4er Repobük. Vorst 131 Wh Uhr Carmen Ende n.22V2 Uhr Donnerst, 18. 9. staut, oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Doge und Oogarassa Ende n.22": Uhr Staat). Sdiaospii. (an GeadanniiuiuriU. A.-V. 16 20 Uhr Bürger Schippe! Ende 22'k Uhr M.WIet-MMIiMg. 20 Uhr Birr Doktar. haben Sie zu tuen? Ende geg. ZZ'U Uhr TBgl. 5 u. 8'/, Uhr. B b Bart). 9258 Pr. 1—8 M.— Nachm. halbe Preise. Itorman Thomas QuhtleH, 2 Pterroiyn. The Sorera, Jilfred Jarkaon gtrls uatr. PLAZA »gl. s II. au Sonnt. 2. 5».»>- Alex. E 4. 8066 Welnlraubt Syncopators Frahson, Kremo u. Rarlino usw. Winser * Qorrön* 8.15 llde— Raaaen eriaohi Hans Kolisdier» Argenttno Llttle Esther tanzt a. singt o.a. Theater 1. d.Behrenstr. 53-54 Diiektion: Ralph Arthur Roberts sv. ßas häSliche Mädchen Englisch— Kobens— Riemann. "'Uhr CASINO-THEATER s'/'uh' _ i-oihriager Strafte 37 Nur noch bis 30. September Der selige Hollschinsky Am I. Okiober zum t, Male Hurrah, ein Junge! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 Sessel U" M.— Sonntags- Preise: Parkett 79s Rang 6» Pfg. Volks btthne Hxitir am BOlowplati. 8'/« Uhr Der fröitlidie Weinberg via Carl Zcdmajer Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr Ben Doktor, haben Sie zu essen? ineater am SchtflDauardamm SVs Uhr Feuer aus den Kesseln Deotsdies Wer »'/. Uhr 1914 IM Georg Wilbelm Müllei ■egia: Gustav GrGndgtiis. Kamraersplele 8-/. Uhr Die Schule der Frauen von Moliire. Iigit; HaosDtppe. 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MW» BETRIEB/ KEMPINJK!� Rose- Theater Gr.FrankfnilerSlr.132 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Braut r. Messina mit Irene Triesrih i •U Isabella. Tbealer aa Inttb. Tön|| Kottbusser Str. 6 f • Tägl. 8 Uhr j Ol. aueh Soiml.[ wJJJ nachm 3 Dbrl fß Eitte- |JJ sangerf V* Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Possel Die liebes»erwandten.l Zum Schluß; Pinsethelnrichs Hlmmelsklause! 1 metropol-Theaterll Täglich 8»/- Uhr Sensationeller Oper etiener folg J Unter pers. Leitung|| des Komponisten Viktoria undihrHusarlj Zimmer 1Bdt Mk.7.-bis 11- " betten li-bis 22.-, Mlt.3,- iolomlQr| VtfhVtOAw, ROSE er.FranliturfsrStr.132 Billettkaue; Alex. 3422 n. 3494 Täglich SV. Uhr .Die Braut von messina' Irene Triexb al« babella Sonnabend 7 Uhr u lO'A Uhr Sonntag 53/« Uhr und 9 Uhr laabclla: Sonnabd TUhru.Sonnt 9Uhr Irene Triesch Uabellai Sonnbd. IDVi u. Sonnt 5A« Uhr Grete Nebelung Nächsten Sonnabend VU Uhr Sonntag 2>/- Uhr „Dornröschen11 Ab Mittwoch, d. 24. September. jeden Mittwoch 5 Uhr Hinsel n. Grete!" hariin HOTELoAnhW EXCELSIORl Mein Kautabak schneckt mir doch aa besten I M* audiin MONATS-RATEN JJwtin.teiplgeotf 0203 Reichshallen-Theater Abend.|7| Sonntag nartm.| 3';| Stettiner sanger Das gr. September-Progr. mit .LaOBInmeo soreffien" HaöiiiLhjIb« Preiso! Zeatr. 11263. I Dönhoff• Brettl: Das beliebte Familien-Varietd BETTFEDERÜ BUS erste? Hand Dm» 0.90, 0,75, 0.60 »«8,5... 4,-, 3.61), 1.90 Dau« 9—, 7—, 4— Utahltlinilt>2.-, 9.50, . 7.5t), 6.90 IiBagi'-&5 ,3.50,1.40 Dugn-Uxrtdt.. 51.50 und andere Sorten in großer Auswahl lliisiifiiinigug für naswi Romien gratis. SACam& STADLER MUUttl Bcffloicni• SotzUl- Baos C.25, Laadsbcrger8trUV4V(IhaBaa4aoU <8ciVage Donnerstag, 18. September 1930 SivÄbniö SiuiLuagaße Ja ibunisit Das Ende der Kommune Von Pierre Dominique Der Verfasser hat in seinem soeben erschienenen Buche „La. Commune" die Literatur über den Pariser Kommune- aufstand um ein mahrhaft auswühlendes Wert bereichert. Besonders erschütternd ist das Schlußkapitel„Die Agonie", dem der folgende Abschnitt entnommen ist. Die Kriegsgerichte sind mit Arbeit überhäuft. Kriegsgerichte? E i n Offizier hält lässig Gerichtstag, die Zigarre im Mund, den Säbel zwischen den Beinen. Seine Urteile kennen keine Eni- scheidungsgründe. Richter von seiner Art gibt es Dutzende in Paris i sechs allein im Quartier Latin. Manche haben ein gewisses System. Der eine läßt jedermann einkerkern, der andere alle erschießen. Für den einen ist alles nur eine Frage der Papiere.„Haben Sie Le- gitimationspapiere?"„Ja." Wird der Gefangene nun in Freiheit gesetzt? Kaum je.—„Rein!" Dann bestimmt an die Mauer! Andere sind gewissenhafter, sie prüfen die Hände, die Schullern, ob sie von körperlicher Arbeit zeugen... Bon denen, die man mit Massen in der Hand ergriffen hat, spricht man gar nicht. Da ist es doch selbstverständlich... Auch das Schuhwerk gibt einen ausgezeichneten Schuldbeweis ab. Wenn jemand Soldatenschuhe trägt, so ist er ein Kommunard. Oder auch, wenn er nach Pulver riecht, einen unruhigen Blick hat oder trotzig aussieht; vielleicht hat er auch nur gelacht oder ge- lächelt.„Was?" schnauzt ihn dann der„Richter" an,„Sie wollen sich über mich lustig machen? An die Mauer!" * Besonders rasch arbeitet das Kriegsgericht C h a t e l e t, da es die Kaserne L o b a u versorgen muß, wo man schnell tötet. Man sieht die Verurteilten in Zügen von zehn oder fünfzehn Mann herauskommen; sie werden den Kai entlang in die Lobaukaserne geführt. Oft sind die Verurteilten von ihren Frauen beglellet, beim Kasernentor entreißt man ihnen die Männer, stößt die Wider- strebenden mll Fußtritten zurück. Die Frauen werfen sich vor der Kaserne aus die Knie, lauschen ängstlich auf da» Geschrei im Kasernenhof, ob sie vielleicht den Schmerzenslaut einer geliebten Stimme heraushören... Alle fünf Minuten ertönt eine Salve, die sie zusammenzucken läßt. Die Gendarmen lochen und rauchen. Und weil eine der unglücklichen Frauen zu laut schluchzt, packen sie zwei Gendarmen und schleifen sie fort. Das Innere der Kaserne ist ein Schlachthaus. Rottenfeuer folgt auf Rottenfeuer: zwischendurch vereinzelte Schüsse, die das Wert vollenden. Die Soldaten haben Eile. Manchmal erschießt man die Verurteilten von hinten, noch bevor sie an der Mauer angelangt sind und wirft die Toten auf einen Haufen. Wenn mehr als zehn sind, verwendet man die M i t r a i l l e u s e. Im Gefängnishof von Roquette sieht ein Zeuge eine lange Reihe von Männern, mit den Rücken an die Mauer gelehnt, mit den Füßen aus Leichnamen st e h e n d. Das Blut fließt in Bächen. Vor ihnen stehen drei Priester, die aus ihren Gebetbüchern die Totengebete lesen. Die Soldaten scherzen:„Seht nur, diese Visagen..." Und mit den Absätzen treten sie auf Menschenantlitzen oder sie vergnügen sich damit, einen Pseifenstiel oder einen Flaschenhals zwischen die Zähne eines Toten zu stecken... Vorher oder nachher durchstöbert man ihre Taschen. Dann schafft man sie weg. auf zweiräderigen Karren, wirst sie in die. Gräben. Und da man Eile hat, scharrt man auch noch Lebende ein. Nicht wenige Leichen bleiben aus der Straße liegen. Zuhälter mit ihren Mädchen gehen spazieren, drehen mit ihrem Spazierstöckchen oder mit dem Fuße ein Gesicht noch aus- wärts und ergehen sich in geistreichen Scherzen. Zuerst sind es die Frauen, die es nicht länger mitansehen können. Eine springt auf der Straße auf einen Offizier zu, spuckt ihm ins Gesicht und schreit:„Mörder!" Der Offizier streckt sie mit einem Säbelhieb nieder. Mannschaften vollenden sein Mord» wert mit den Bajonetten. Es war eine Bürgersrau, durchaus keine Kommunardin, die das Gemetzel nicht mehr mitansehcn konnte. Die Wildheit der Sitten beginnt nun auch die„gutgesinnten" Zeitungen in Schrecken zu versetzen. Die Patrioten sehen mit Mißfallen, wie die deutschen Besetz ungstruppen die flüchtigen Komm»- narden niedermachen. Die Presse ändert ihre Tonart. Jules Fe.rry und die Pariser Abgeordneten protestieren. Die Re- gierung legt sich ins Mittel. Thiers, der in der Blutwoche telegraphiert hatte: »Der Loden ist bedeckt von Leichnamen: dieser gräßlich« Anblick wird als Lettion dienen".> derselbe Thiers glaubt nun, daß die Lektion genügt. Reu« Wei» sunzen werden erteilt. Es ist die höchste Zeit. Die Soldateska, durch Schauermärchen ausgepeitscht, unterstützt von unmenschlichen Helfern, die der Haß und die Furcht in gleicher Weise bewegte, diese Soldateska tötete bereits ohne Unterlaß, mechanisch, wie eine Maschine. (Aus dem Französischen übersetzt von Leo Korten- Wien.)! Erlebnis im Eisenbahnzug Der letzte der täglichen Personenzüge Hamburg nach Berlin fährt 23.13 Uhr von Hamburg ab. Er hat nirgends längeren Aufenthalt, und weil«r«inen Schlafwagen hat, ist er Luxus- und Fernzug des kleinen Mannes sozusagen. Auf dem Bahnsteig saßen Familien, die wahrscheinlich ihren Wohnori wechseln wollten, auf Schließkörben und Gepäcköündeln; die Männer starrten schicksalsergeben auf ihre Stieselspitzen, die Kinder drängten sich unruhig an ihre Mütter, die aussahen, als würden sie sich lieber vor den Zug werfen, als den Kopffprung ins Ungewisse wagen. Brautpaare gingen Hand in Hand den Bahn- steig entlang und sahen sich mit wehem Lächeln in die Augen. Letzte Ermahnungen wurden erteilt. Eine Ziehharmonika quieffcht«: „Muß i denn zum Städtele hinaus." Jemand stritt sich mit einem Gepäckträger. Einige Leute standen vor dem Ausschank und such- ten ihre Unruhe in Bier und Kognak zu ertränken. Endlich brauste der Zug heran. Die Reisenden stürzten sich wie fanatische Priester zu den leeren Abteilen. Ich hatte einen Fensterplatz erwischt und mußte mich in die Ecke drücken, weil zwei junge Leute, deren fertiggekauft« Anzüge von billiger Eleganz waren, an der Abreiltür standen und auf zwei Mädchen einsprachen, die aus dem Bahnsteig standen und ihre Hände in die Fensteröffnung gelegt hatten. Hände, die trotz der Pflege zerarbeitet aussahen, mit den knotigen Fingergliedern und den glatten Nägeln. Sie konnten ebensowenig über den früheren Berus der Mädchen täuschen wie die geschminkten Gesichter über den jetzigen. Unter verstaubten Hüten fieberten Augen, die das höchste Maß von Liebe ausdrücken sollten, das sie auszudrücken imstande waren. Als der Zug abfuhr, liefen die beiden Mädchen eine Strecke Weges mit und ließen ihre Taschentücher flattern, die jungen Leute winkten zurück, dann setzten sie sich tiefatmend aus ihre Plätze. Außer ihnen im Abteil: ein gut aussehender Mann Ende Zwanzig, mit schwarzkrausem Haar, der ein Tscheche zu sein schien, ein kleiner Buckliger, der seinen Körperfehler durch«inen gut ge- schneiderten Anzug zu verbergen suchte, und ein verschlafener Angestellter vermutlich, der. sein« Aktentasche umklammernd, in sich zusammengesunken dasaß und gähnte. Mir gegenüber hatte sich ein junger Mensch von unbedeutendem Aussehen hinter einer Bilder- Zeitschrift versenkt, als ich ihn musterte. In Schwarzenbeck stieg der Angestellte aus und wünschte uns höslich eine angenehme Reise. Der Bucklige nahm seinen Koffer herunter, kramte Decke, Pullover und Filzschuhe aus,«r machte es sich bequem, sein vcrblasenes Gesicht mit den hellen Augen wanderte mißtrauisch von einem Reisenden zum anderen, bevor er sich zum Schlafen auf die Bank legte. Der vermeintliche Tscheche las ein Buch mit knallgelbem Umschlag, die beiden jungen Leute rauchten nachdenklich ihre Zigaretten, mein Gegenüber mar in seine Bilder- zeilung vertieft. Jch�>«rsuchte dt« spärlichen, stx.ähnigen Haar« auf dem 5iopf des Buckligett zu zählen, der neben mir lag. Ich wurde dabei unterbrochen, wenn der Bucklige von Zeit zu Zeit auffuhr und um sich schaute. Es war, wie ich glaube, Boitzenburg, wo der vermeintliche Tscheche fragte, wo wir seien. Diese Frage war der Auftakt dazu, daß all« von ihrer Zurückhaltung abließen. Mit einem Male waren wir in ein Gespräch verwickelt; ich erfuhr, daß der Schwarzhaarige Hollander und nicht Tscheche war, die beiden jungen Leute stellten sich als Seeleute vor, die nach längerer Abwesenheit ihre Eltern in Berlin besuchen wollten. Der Bucklige war Vertreter einer Be- lcuchtungskörperfabrik und bat um Auskunst, wie er am schnellsten noch dieser und jener Straße in Berlin kommen könnte. Der Holländer bot Keks an, ein Seemann ließ seine Zigarcttcnschachtel die Rund« machen. Mein Gegenüber ließ sein« Zeitung sinken und hatte— nein, ich bildete mir nachher ein, es bemerkt zu haben— einen traurigen Mund. Aber er beteiligte sich am lebhaftesten an dem Gespräch, erzählte Schnurren, war lustig, doch es klang alles gemacht, es war«in« krampfhafte Heiterkeit.(Das ist mir eben- falls erst später klar geworden.) Wenn das Wasser im Winter unter Null abgekühlt ist, bewirkt ein Staubkorn, dos hineinsällt, eine klein« Erschütterung, das plötz- lichc Gefrieren des Wassers. Die Frage des Holländers hatte bc- wirkt, daß fünf Menschen sich beinahe wie«ine Familie fühlten. Der Zug ließ Mecklenburg hinter sich und schnob durch die Mark. Ein kalter Morgen krhch durch die Abteilfenstcr. Wir sahen mit übcrnächtigtcn Augen da und schwiegen. Die Grenze zwischen Nacht und Tag schafft eigenartige Stim- mungen, trotz des Halbdämmerzustandes nach einer durchwachten Nacht, sieht man alles klarer, nüchterner.(Prüfe, ob du ein« Frau auch liebst zwischen Nacht und Morgen, und du merkst, ob du sie wirklich liebst!) Aus jener Stimmung heraus, all« Hemmungen fallen lassend, in einer Art seelischem Exhibitionismus, machte mein Gegenüber uns zu Mitwissern sein«? Kummers. „Si« kennen mich nicht..., wir werden uns wahrscheinlich nie wiedersehen..., hören Sie mich an, raten Sie mir!" begann er plötzlich. Seine Stimme klang belegt, seine Augen flackerten hilfejlehend. Dann berichtete er uns, daß er eine Braut gehabt habe, die infolge eines verbotenen Eingriffes einer„weisen Frau" gestorben sei. Die Frau Hab« den Vorfall zu vertuschen verstanden; «s war ein schönes, liebes Mädchen, so gesund und blühend..., ich habe sie sehr geliebt!" Die Tränen sprangen ihm in die Augen. „Ich kann nicht drüber wegkommen..., ich fahr« nach Berlin, um die Frau zur Rechenschaft zu ziehen..., e s g i b t c! n Unglück!" Wir waren aus unserer Lethorgie gerissen. Keiner sagte ein Wort. Eine unheimliche Stille war in dem Abteil. Der Holländer saß vornübergebeugt da, sein« blauen Augen wurden dunkel und seucht. Der Bucklige räusperte sich und begann zu fragen. Mir kam es vor im Morgengrauen, als sähe er wie ein Mäuserich aus. Mein Gegenüber gab yiit brüchiger Stimme Auskunft, wie alles gekommen war, daß er zu wenig verdiente, als daß er seine Braut hätte heiraten können. Es sei nichts zu machen, mein Gegenüber könne höchstens Unannehmlichkeiten haben. Der«ine der jungen Seeleute schob sich aus seiner Ecke und legte meinem Gegenüber plump-zärtlich die Hand auf die Schulter und sagte, daß er die Frau zum Krüppel schlagen würde, wenn ihm das begegnet wäre. Dann wuchs dos unheimliche Schweigen wieder auf. Schließlich begonnen die See- leutc von ihren Fahrten zu erzählen, onsangs flüsterten sie, als jürchtetea pc, dam Schlasmbm zu wecke«. Der Bucklige frühstückt«. Der Holländer sah aus dem Fenster. Mein Gegenüber stierte mit erloschenen Augen auf ein Reklame- plakat. Als wir durch Siemcnsstodt suhr«n, spiegelte sich die Sonne in den Fenstern der Bürohäufer und ließ sie golden aufleuchten. Ich grübelte noch immer über das Schicksal meines Gegenübers. Ich zerschnitt mein Gehirn: Wie kann man da helfen? Wird er kein Unheil anrichten? Ich beschloß, mein Gegenüber zu bewachen, einen Polizisten aus ihn aufmerksam zu machen, wenn wir Berlin er- reicht hatten. Ich will mich nicht rühmen, daß ich länger als die Reisegesähr- ten über dos Schicksal des unbedeutenden Mannes nachgedacht habe. Ich bin vom Schicksal zerpflückt, zerschlagen worden, ich habe auf Mitleid gewartet, auf einen Menschen, der mein verfahrenes Leben in wohlgeordnete Dahnen leiten sollte. Ich weiß, was es heißt, vor Leuten zu stehen, die hinter breiten Schreibtischen fitzen, mit dem Stolz einer gesicherten Stellung, Leute, die nicht helfen konnten oder nicht Helsen mochten. Ich wollte helfen. Aber wie....? Ich habe keinen Polizisten benachrichtigt. Ich Hab« nichts unter. nommen. Habe ich recht getan? End, Prcusse. Wegeners Grönlandexpedition Pferde stürzen in Gletscherspalten fiamamjuf, 5. September, via Godhavnradin(Ncr&oftgrönlcnb). Die Transporte über den Kamarujukgletscher, über den wir unser gesamtes Gepäck auf das Inlandeis bringen müssen, sind außerordentlich gefährdet. D«r Gletscher ist in Bewegung. Neue Spalten bilden sich. Unsere an sich sehr be- henden isländischen Pferde sind schon wiederholt in die Spalten gestürzt. Si« mußten jeweils in langwieriger Arbeit mit Stricken herausgeholt werden. Ein Pferd ist tätlich abgestürzt. Um weitere derartige Verluste zu vermeiden, haben wir in mühsamer Arbeit auf der Moräne neben dem Gletscher einen provisorischen Weg an- gelegt. Eine weitere Gefahr drohte uns durch das Ausgehen des Pferdesutters. Wir konnten aber inzwischen in sechs Orten des Umanakdiftriktes eine provisorische Heuernte vornehmen. Am 31. August versuchten Ingenieur Schis, Kelb, Kraus und ich mit den beiden Propellerschlitten, die schwer beladen waren, von der Scheideck aus(dem obersten Punkt des Kamarujuk- gletschers; d. Red.) auf das Inlandeis vorzudrii�en. Unser Ziel mar ein Depot in 200 Kilometer Entfernung. Nach einer Fahrt von vier Stunden durch Nebel und zunehmenden Schneesturm mußten wir umkehren, da mir uns nicht mehr orientieren konnten. Die Rückfahrt im Schneesturm war außerordentlich schwierig. Man sah überhaupt nichts. Erst nach stundenlangem Suchen fanden wir unseren Ausgangspunkt bei der Scheideck. Die Motorschlitten an sich haben sich gut bewährt und sind intakt. Wir warten jetzt besseres Wetter ab. Wir konnten am 30. August, den dritten Transport zur Zentral- station im Herzen Grönlands entsenden. Georg! war wochenlang allein in dem Zentrallager und hat meteorologische Beobachtungen gemacht. Der Transport besteht aus drei SUeditionstellrrchmern, sieben Grönländern und zehn Hundeschlitten. Dr. Sorge wird bei Georgs bleiben und mit ihm auf der Zentralstation überwintern, die 400 Kilometer von der Ost- und Westküste entfernt ist. Prot. Wexencr. Line kostbare Landkarte Im Louvrc-Museum befindet sich ein« sehr kostbar« Landkarte. Frankreich ist auf ihr statt aus Leinwand auf feinpoliertem Jaspis wiedergegeben. Seine Hauptstädte sind mit herrlichen Juwelen gekennzeichnet und die Nomen in kleine Goldtäfelchen eingeschrieben. Auch die Grenzen der Departements sind durch Edelsteine markiert. Die Flüsse sind durch feine Platinstrcifen dargestellt. Die ganze Karte ist einen Quadratmeter groß und hat einen ungefähren Wert von fünf Millionen Mark. Hergestellt wurde si« in Rußland. Die Hakinger Der nordwestlichste Ausläufer der Alpen ist der Wiener Wald; im Leopoldsberg fällt er steil zur Donau ob. Von da begrenzt er im Bogen das Wiener Stadtgebiet im Westen und an seinen Hängen und Lzügeln schwingen sich äußere Bezirkstcile hinauf. Da steht das Schloß des Kobenzl, jetzt Besitz der Bundeshauptstadt, da sind die Weinberge von Grinzing und da ist der Wiensluß, zu dessen Seiten di« ehemaligen Dörfer Hacking» Ober-St.-Veit und Hlltteldorf liegen. längst schon Teile des 13. Wiener Gemeindebezirks Hietzing. An das liebe Hacking muß ich denken, wenn ich in Wiener Arbefterblättern von den Jüngern des Hakenkreuzes lese oder Ge- nossetr von drüben sie erwähnen— man nennt sie nämlich nur„Die Hakinger". Damit soll keineswegs der Ortschaft Hacking irgendein Schaden oder Spott zugefügt werden, kein Mensch denkt daran. Aber vielleicht ist das Wort„Hakenkreuzler" der österreichischen Volk«- spräche unbequem, die daraus„Hocknkreizla" macht, oder sie empfindet den Mißbrauch des Kreu.zes unangenehm. Hakinger spricht sich ja auch so leicht und so gemütlich, daß die Mitteilung davon vielleicht schon die Einbürgerung dieses Wortes auch bei uns im Norden begünstigen wird. Wer wird denn den amtlichen Parteinamen NSDAP, ge- brauchen, der noch dazu eine Flagge ist, die total andere Ware deckt! So mancher könnte davon wie Fricka im„Rheingold" sagen:„Was deutet der Name, nie hört ich ihn nennen..." Was deutet er wirklich? Soll er etwa sagen: Nun � oll*"�eutscliland Jk der y�aiieren! a I Ju /\ Her l-'reußa! azi\Jiad MmS och ZZngenehrae X oliiikor! Jüdisches vom Hakenkreuz Im Nollendorstheater spielt jetzt in hebräischer Sprache d'e Moskauer ,.H a b i m a"(Die Bühne). Nicht wenig erstaunt ist man, di« Schauspieler bei dem Grußwort„Schalom"(Friede!) stets die rechte Hand mit der Fläch« nach dem, der gegrüßt wird, erheben zu sehen. Offenbar hat Alt-Rom diesen Gruß von Judas übernommen, Herr Mussolini hat ihn äffisch nachgeahmt und unsere Hakinger kopieren mit Begeisterung. Den neugewühlten Reichstagsabgeordneten und großen Münchener Hakinger Esser wird es gewiß freuen, zu vernehmen, daß sein Name— hebräisch ist und in seiner Ursprache nichts andere» bedeutet als zehn. Heul! Copyrljht 1930 by Fackelreiler-Verlaj G. m. b. H.. HamburK-Bereedorl (27. Fortsetzung.) Während nun Kilb einen neuen, kühlenden Lappen umlegt, erzählt er, und ich sehe, wie sein Gesicht hart und alt ist: „Erst hat der Halunke noch getobt wie ein Verrückter und ist um dich herumgesprungen... Du lagst da, als wenn du ein- geschlafen warst und host wohl nichts mehr gehört und gewußt. Da bin ich aufgesprungen und habe ihn zur Seite gestoßen. Hättest sehen sollen, wie er mich blödsinnig angeglotzt hat. Aber gesagt hat er nichts. Ich hätte ihn auch in den Bauch getreten, du...! lind als ich dich dann umdrehte und du ganz, ganz weiß dalagst mit Schaum vor dem Mund, die Augen geschlossen,—— da hättest du den feigen Vurschen sehen sollen.„Ist er tot", hat er mich gefragt und hat dabei wie ein Schuljunge gezittert und mochte dich nicht anrühren.. Er deckt mir die Decks wieder über, hält mir die Hand ins Genick und läßt mich langsam auf das Lager zurückgleiten. Mir ist, als sei meine Mutter bei mir, und ich schließe die Augen. Ich bin ein Wrack. Kilb hat meine Hand gefaßt,— das beruhigt mich unendlich in dieser Baracke der Verzweiflung. Aber tief, tief in der Brust ist ein Weinen wie rinnendes Blut... Mit geschlossenen Augen höre ich weiter Kilbs ruhigen Baß: „Angst hat er gehabt, dies Vieh... Hat nicht gewußt, was er vor Feigheit mache» sollte. lind wie ich vor ihm stehe und ihn anbrülle:„Du Schweinehund... ja! ja!— er ist tot, du Mörder!" da ist er beinahe zusammengesockt und hat mich wie ein Verrückter angeglotzt... und da... Hab ich ihm eins in die breite Fresse gegeben. Wir waren ja so schön ohne Zeugen... Bumann war gerade mit dir beschäftigt, der hat nichts gesehen. Das ganze Maul ist ihm aufgeplatzt,— und was meinst du?— Er hat nichts, aber auch nicht einen Ton gesagt, und hat mich imnicr noch groß an- gestiert... Und nun will ich dir mal was sagen, Hamburger--" er preßt meine Hand und ich komme lanzsam hoch und sehe ihn an---„der Kerl ist ein Schweinehund, darüber sind wir uns ja einig,— aber warum? Weil das System so gemein ist, das System, das uns zum Vieh macht..." Er reicht mir wieder die Schüssel, es ist dünne, jetzt lauwarme Erbsensuppe darin mit schwimmenden Brotstückchen.„Iß mal was", sagt er und gibt mir einen Löffel. Ich würge den Fraß hinunter, und mir ist, als sei mein Magen eine Ballonblose, die plötzlich mit Luft gefüllt wird. Kilb erzählt weiter:„Nachher kam der Leutnant geritten. Der war vorher einig« Kilometer rechts beim anderen Zug. Scheint'n ganz vernünftiger Kerl zu fein: denn er hat den Magdeburger mächtig runtergeputzt und dich dann zurücktrogen lassen.-- Aber was nützt uns das, Kamerad?", seine Stimnie hebt sich und klingt gefährlich:„Wir müssen uns selber helfen! Wenn ihr nur alle Kerls wäret---." Das ist er wieder, der mutige, rebellische Kilb, der, so lange ich ihn keime, sich auflehnt, und doch nicht heraus kann aus diefein Labyrinth der Qualen, weil er so ollein« steht... Ich sehe ihn immer klarer, und wie ich ihn so anblicke und seine Hand erfasse, da sage ich laut:„Kamerad". Der Hunger überfällt mich wieder mit einem Schwächeanfalli ich sinke zurück, indes mir schwarz« Ninge vor den Augen nieder- sollen.„Karl, hast du nicht noch ein Stück Brot für mich?" Kilb schüttelt traurig den Kopf.„Will mal'n Stück fechten gehen, oerslucht", jagt er mit bitterem Auflachen. Nach einer Weile kommt Karl zurück. Minulla hat noch'nc Kante gehabt, sogar einen Klacks Marmelade hat er aufgetrieben. Er hat Minulla, der schon schlief, geweckt, und Minulla hat es unter dem Kopfkissen hervorgeholt, wie Karl mir ausführlich erzähl. In wenigen Sekunden habe ich den Bissen aufgegessen. Ich sitze aufrecht auf dem Drahtbett und starre durch das Fenster der Baracke in die Dunkelheil. Kilb ijt leis« fortgegangen. Aus der Mitte der Baracke kommt ein Scharren und Knistern: da wird der Ofen in Gang gehalten. Es ist streng« verboten: aber ich weiß schon: sie rösten dort Kartoffeln. Diese kostbare Frucht haben sie vom Feld außerhalb des Lagers geholt.—— Da kommt Bumarm auf mich zu. Ich erkenne ihn an seinem kleinen Kopf. Gleich muß der Diensttuende kommen: dann muß jeder In der Fall« sein. Also beeil' dich, Bumann.-- Bumann taut mit beiden Backen. Er hat eine Feldmütze voll warmer, dampfender Kartoffeln, die mit der Schale geröstet sind. Der Geruch verscheucht in mir alle Bitterkeit und Schmerzen. Bumann gibt mir eine Kartoffel und stopft sich selbst eine weiter« i» den Mund. Dabei lausen ihm vor Behagen die Tränen über die Backen...„Armer Kerl", sagt er,„wie lzast du bloß aus- gesehen! Willst noch«ine Kartoffel?" Aber während er fragt. stopft er sich hintereinander die beiden letzten Kartoffeln in den Mund und verdreht dabei verzückt die Augen.— Ich werde plötzlich wütend:„Na, die Hauptsache ist, daß du den Kanal voll kriegst! Hau man ab!" Da nimmt er aber doch noch eine halbe Kartoffel aus dem Mund, gibt sie mir, und ich schling« sie weg.-- Und dann sehe ich Bumann mit einem Male wieder, wie er heute auf dem Rtihbruch neben mir lag, und ich gönn« ihm die paar Kar- toffeln...„Na, du sahst auch aus wie'ne Wasserleiche, Bumann", sage ich. Er sieht an mir vorbei. J» seinem kleinen Gesicht zuckt es, und ich fühle ungeheures Mitleid mit ihm.„Du würdest dir doch nie etwas antun, Bumann", muß ich ihn fragen und denke an Heini Langer... „Ich, Peter? Ich? Hahaha! Plemplem! Für die da oben? Für die 5>alunlen kamr ich noch früh genug den Heldentod sterben. --- xga, ch Quatsch überhaupt von dir!" Er duckt sich plötzlich: denn die Barackentür wird ausgerissen,— Güttler, der Dienst hat, meldet laut:„Baracke 33.—'«in Mann krank, sonst alles gesund!" De» verhaßten Sergeanten Schönfcld Stimme ist aus der Dämme- ning vernehmbar:„Licht wird nicht mehr angemacht! In fünf Minuten alles schlafen gehen!" Die Barackentür knarrt. Bevor si« zuschlägt, brüllt er noch, in der Oeffnung stehen bleibend:„Morgen früh sechs Uhr antreten mit Sturmgepäck! Uebung mit scharfen Handgranaten! Scheißt nicht vor Angst in die Hosen, ihr Hammel!" --- Krach! schlägt die Tür zu. Neben mir taucht Bumann wieder aus:„Das wird ja sicher wieder ein heißer Tag, Peter!" und etwas leiser fährt er dann fort, versonnen:„Weißt noch im vorigen Jahr, als wir auf der Hohenweidc in Hamburg Fußball spielten? Du als Rechtsaußen. Mensch, was tonntest du immer fein laufen! Und jetzt liegst du da... hast noch Schmerzen? Wart' mal, ich hol' dir noch schnell'n frischen Lappen." Er löst mir den Verband und bringt sein kleines, spitzes, verhungertes Geficht, das nicht dicker wird und wenn er noch so viel Kartoffeln in sich hineinstopft,— dicht an das meine. Er ist ganz verändert, sieht mich fast flehend an, jeine Augen irisieren:„Peter, kommen wir wähl wirklich noch raus? Sag mal, was meinst du? Immer mehr und mehr müssen wir lernen: Sturmangriff, Maschinengewehr, und morgen schon Hand- granaten..." Er packt mich bei den Armen und preßt sie mit aller Kraft:„Peter, ich bin nicht feig«, aber ich habe entsetzliche Angst vor der Front! Wenn ich das Wort nur höre! Geht es dir auch so? Und wenn man bedenkt, wofür. Wir haben doch überhaupt kein Baterland! Wir armen Schlucker. Wenn wir wirklich wieder zurück- kommen, wir bleiben doch Proleten und werden hier nicht besser behandelt als in anderen Ländern." Seine Augen werden ganz groß:„Ich wach' nachts manchmal auf. Dann kommen große, schwarz« Vögel auf mich zugeflogen und umheulen mich, und ein- mal hatte ich«inen ganz furchtbaren Traum: Man warf mich in ein großes Loch, in dem schon viele Tote Soldaten lagen. Adamczik lag drin, dem war der Kopf zerplatzt, seine Zunge hing schwarz und dick heraus, und Kilb lag drin und Minulla:— die waren beide nackt und schrecklich verstümmelt und verrenkten scheußlich die starren Glieder,— und ich fiel mit dem Gesicht direkt auf Adameziks Zunge ... und dabei war mir, als fei ich noch gar nicht tot, Kamerad. Aber dann fiel Erde auf uns, immer mehr und mehr, bis es ganz finster wurde. Es stank entsetzlich, wie damals in der Abfallgrube. Ich habe laut geschrien,— davon bin ich aufgewacht. Ich war klitschnaß vom Schweiß, und als ich wieder zu mir kam, da fiel mir ein, was der Schinder damals zu uns sagt«: �Zuschütten müßt' man euch, ihr Schweinehunde!" Er legt den Kopf auf den blutbefleckten Lappen, den er mir ab- genommen hat, und schluchzt und hat vergessen, daß er mir einen frischen Verband machen wollt«. Ich ziehe ihm den Lappen leise aus der Hand: er merkt es gar nicht. Seine Ellenbogen stützt et! auf die eiserne Kant« meines Feldbettes, so daß mein Lager im Schütteln seines Schluchzens klappert. Er ist versunken in seinen Kamps mit den Gedanken an seinen Tod, mit den schrecklichen Bildern seines Traumes. Ich starre über ihn hinweg durch die Fenster in die Dunkelheit draußen, in der es rauschend regnet, daß es an die Fenster prasselt. „Bumann, hör' auf! Du machst mich ja ganz verrückt!" Ich bin plötzlich außer mir vor Verzweiflung und spreche immer lauter, „wir kommen nicht mehr raus! In Rußland haben sie schon Frieden gemacht: dann wird der Mist wohl bald ganz zu Ende sein." Ich ziehe ihn an den Haaren, die von seinen Tränen verklebt sind, hoch; aber ich fühle, wie ich gegen meine lleverzeugung rede. Bumann sieht mich in wilder Verzweiflung an und schüttelt die Hände über seinem Kopf. Dann dreht er sich gegen die Dunklheit draußen und brüllt:„Alle müssen wir dran glauben! All«! Alle!" „Scht, scht!" machen einige, die schon unter den Decken liegen. Ich höre Bassins Stimnie aus der äußersten Ecke der Baracke, wo er sein Lager hat:„Dafür sind wir ja auch vaterlandslosc Gesellen!" Währenddessen hat Bumann einen alten Schemel gepackt und schlägt damit voller Wucht auf den Boden, bis er entzwei ist. Dann klemmt er sich die einzelnen Teile unter die Arme und ist anscheinend ruhig geworden. Er spricht wieder ganz gemessen und sachlich und lächelt mich dabei sogar etwas an.„Brennholz für morgen", sagt er, „für die nächsten Kartoffeln." Er kommt wieder ganz nahe an mein Lager heran und flüstert mit zusammengekniffenen Augen:„Is ja doch alles egal, Kamerad. Wenn's auch gefährlich ist und man einen verpaßt kriegen kann,— heut' oder morgen— is ja doch egal.— Hör' mal zu! Ich weiß genau die Stelle am Drahtgitter, wo wir durch können. Willst« mit? Kartoffeln holen? Kannst du auch schon wieder ausstehen? Versuch's mal nachher." Er kommt noch näher:„Laß mal deine Uhr sehn." Wir vergleichen unsere Leucht- uhren.(Fortsetzung folgt.) Viktor Auburtin:„Kristall« und Kiesel, auf Reisen gesammelt." München, Alberl Langen, 155 S„ geh. 3 M„ geb 5 M. Dieses nachgelassene Werk bringt uns noch einmal zu Bewußr- fein, welch ein Künstler des Feuilletons mit Auburtin dahinge- gangen ist. Jedes der„Kristalle"— denn„Kiesel" findet man kein« in dem Buch— ist in der Sprache glitzernd zurechtgeschliffen, ohne daß man den anmutig dahingleitenden Worten etwas von der Mühe des Gestaltens ansieht: tiefe, zarte Bemerkungen tauchen mit köfl- licher Anspruchslosigkeit auf, feine Beobachtungen leuchten in das Wesen von Städten und Völkern, Kunstwerken und Weltanschauungen überraschend hinein, und inr Fluge erhascht man«in Wissen von vielen unbekannten, wissenswerten Dingen. Bamberg und Würz. bürg, Wien und das neue Oesterreich, Madrid und Burgos zeigen uns ein neues Geficht, weil ein auf eigene Faust Reisender sie un- pathetisch und als moderner Gegenwartsmensch zu sehen weiß, auf Hartes und Düsteres legt sich ein Lebendiges in den Kranz unserer Tag«. Kein« gewichtigen Reisestudien, gewiß, sondern nur Feuille- ton», aber man wünscht sich Satz für Satz mit solch einem Gefäbr- ten wandern zu dürfen— und, Hand aufs Herz, liebe Freunde, ist das nicht das Beste, was man sich angesichts eines Reisebuches wünschen kann? Dr. Alfred Kleinbcrg. •• FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■wuiiiiiiiiimniniimimuuuumiiiimniiiiiiiuiiiiiiiiiiiimiuiiimiiiuuimiiuiuuHiiniiiiiiiuiuuiuumiiimiiiiiiiiimiiimiiiuMuiiiiiuuiiuiMiuiiiiimniuuiiiiiuiiiimmiiiuiiuuiiiiiimuiaiiiiiiiiiniiu Fruchtfolge Die alte Erfahrung, daß Gemüsepflanzen, aber auch Blumen nicht dauernd mit Erfolg auf demselben Boden gezogen werden können, hat zu der meist dreijährigen Fruchtfolge geführt: die mit den„Fressern"(Kohl, Sellerie, Gurken, Frühkartoffeln) im ersten Jahr, wo Stallmist und Kunstdünger gegeben wird, beginnt, worauf dann im zweiten Jahre unter Verwendung von nur Kunstdünger Erbsen oder Bohnen und eine Spätkohlpflanzung folgen, während schließlich im dritten Jahre unier Ausbringung von Kompost und Kunstdünger späte Mohrrüben gebaut werden. Dies« Art der Aus- Nutzung des Bodens rechnet mit der Tatsache, daß der erst« Jahres- anbau den reichen Nährstoff des gedüngten Bodens nicht genügend ausnutzen kann, daß daher im zweiten Jahre den Hülsenfrüchten für das erste, besonders wichtig« Wachstum ein ge- nügender, durch Kunstdünger leicht zu vermehrender Nährstoff zur Verfügung steht und daß diese Hülsenfrüchte nun ihrerseits mit Stickstoff bereichern und auch für einen gut gelockerten Boden sorgen, was der Hauptfrucht des dritten Jahres, den Mohrrüben, wieder zu- gut« kommt. Auch die Nachfrucht des zweiten Jahres findet, namentlich wenn bei ihr eine nochmalige Gabe von Kunstdünger erfolgt, bei der Aussaat von Erbsen und Bohnen bessere Er- nährungsverhältniss« vor, als wenn die Hülsenfrücht«, wie dies viel- fach üblich, in das dritte Jahr versetzt werden. Mit dem Kunstdünger hat aber die ganze Frage der Fruchtfolge im Gemüsebau«in anderes Gesicht als früher bekommen: die dreimalige Ernte in einem Jahr ist nicht mehr selten: man muß dazu freilich einen lockeren und warmen Boden haben, dem auch die genügend« Feuchtigkeit gegeben werden kann. D. D. Sortenprüfungen im Blumenbau Auf dem deutschen Blumen- und Pslanzenbautag in Quedlin- bürg wurde über die Ergebnisse der zur Standardisierung im Gartenbau durchaus nötigen Sorte»Prüfungen gesprochen. Bei Dahlien, Chrysanthemen, bei Rosen— im Rosarium zu Sangerhausen sind z. B. im Herbst 1929 119 Rosenneuheiten onge- pflanzt worden—, aber auch bei Zonal-Pelargonien, Astern, Phlor, Päonien— um nur auf einige besonders überfüllte Sortimente hinzuweisen—, sind solch« Untersuchungen im Gange. Hoffentlich wird bald ein« deutliche Trennung zwischen dem Notwendigen und dem Ueberslüssigen und dahep Entbehrlichen stattfinden. Für den Berufsgärtner, der Jungpflanzen heranziehen soll, bedeutet die Ucbersülle an Sorten eine Belastung, gerade die Beschränkung der Arbeit auf wenige Sorten gestattet bessere Pflege. Bei der Einführung des Tulpenzwicbelanbaus in den friesischen Landen hat man dieser Tatsache dadurch Rechnung getragen, daß man jedem der Genossenschaftsanbouer nur zwei bis drei Sorten zur Vermehrung überwies. Das ermöglicht einfaches Pflanzen und Ernten, gestattet Beobachtung der einzelnen Sorten ohne großen Zeitverlust usw. Dem Publikum, das oft genug teures Geld für fragwürdige Neuheiten zahlt, wird es gewiß lieb sein, durch die Prüfungsliste einen Maßstab für die Güte der zur Gebote stehen- den Ware haben. Auch die W e r t z e u g n i s e r t e i l u n g gehört in diese Rubik der Sortenbeurteilung. Im Jahre 1929 wurden 27 Neuheiten geprüft— davon erhielten 13 das Wcrtzeugnis, 7 wurden abgelehnt, 7 als„beachtenswert" erklärt.?. D. Herbstfärbung Wohl jedermann ist die prächtige Laubfärbung des herbstlichen Waldes bekannt: wer es unternimmt, im kühlen Sonnenschein etwa eines Oktobertages durch den Wildpark bei Potsdam zu wandern, wird seinen Augen das reichste Forbenschauspiel bieten, das sich als Naturerscheinung in unserer kühlen Zone denken läßt. Und nicht minder bekannt wie dieses„in Schönheit Sterben" der Baum- blätier ist die intensive Rotfärbung, die der als Schlinggewächs so belieble wilde Wein darbietet. Aber neben den alltäglichen Er- scheinungen steht noch eine ganze Reihe von Ziersträuchern, die ebenfalls im Herbst leuchtend roie Blätter oder ebensolche Früchte zeigen. Einig« Seltenheiten sind darunter, ober auch billige und keine großen Ansprüche an Boden und Pflege stellende Sträu- chcr gibt es, dir, namentlich, wenn sie einzeln oder wenigstens an bevorzugter Stelle stehen, auch einem kleinen Garten zur Zierde gereichen. Da ist die Kanadische Felsenbirne(Amclanchicr canadensis) mit glänzend scharlach bis blutroter Herbstfärbung, ferner der Hartriegel(Connis), der in C. alba, sanguinea und florida besonders schöne Herbstfärbungen bietet, sowie der Perücken st rauch(Ubus), der in kd. cotinuz, glabra und glabra miniata leuchtend rot gefärbte Belaubung hat. Rib« floridum ist ein guter Scharttenstrauch, dessen Herbstfärbung hübsch rotbraun ist. Gute Herbstfärbung hat auch die Schneebeere(llympbortcarpus) und der in der Blattform dem Ahorn ähnelnde kleine Baum Liquidambar(Amerika).'Ihuch ein kleiner Ahornbaum, Acer Ginnaia, ist durch seine im Herbst prächtig rot gefärbte Blätter be- sonders ausgezeichnet. Mit farbigen, meist rot leuchtenden Beeren- f r ü ch t e n wartet eine ganze Reihe von Jiergehölzen auf. Wir nennen: die Berberitze(Rerberis), namentlich die Sorten B. Thun bergt,«in nicht zu teurer niedriger Strauch mit korallenroten Früchten besetzt, und B. W i l s o n a e, nock) teuer, aber im Herbst mit roten Beeren übersät— Ilex aquifoüuni, Stechpalme, Evonymus, Spindelbanm, namentlich E- curojjaa, nicht zu teuer und sehr zierend durch die roten Früchte—. Cotoneaster mit einigen immergrünen Arten, so die kriechende humifusa, scharlachrot, und ferner der schwärzlich-rote Früchte zeigende niedrige C nitens, serner S i m o n s i, korallenrot, applanata, rot, divart- rata, lebhaft rot, borizontalis mit waagerecht ausgebreiteten Zweigen, Beeren rot, durch ihren langsamen Wuchs auch für kleinste Vcrholtmsse in Betracht kommend— Crataegus, die Dorne reich an Arten mit schönen Früchten, so C. coccinea, besonders winterhart,— Lonicers, Heckenkirsch«, auch Geißblatt, von denen L. xylosteum. mit dicken roten Beeren sich auch für Hecken eignet, aber auch Schatten gut verträgt. Hippopbae rhamnoides, Sanddorn, für Sandboden wertvoll, bis in den Winter hinein mit orangeroten Früchten bedeckt: schließlich den immergrünen Zwergstraud) Gaultbena procumbeits, im Schatten sich wohlfühlend, mit zlemlid) großen Winterbeeren, die rot bis scharlach gefärbt sind. R- D. Internationaler Arbeitersport Jubiläumsta�un� der SASL Die Sozial! st ischeArbeitersportinternationalc hält anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens am 2<1> und 21. September in der Gründungsstadt L u z e r n eine Tagung des Internationalen Büros ab. Der Grundstein zur SASI. wurde zwar schon 1913 in Gent(Belgien) gelegt, aber der Weltkrieg machte alle Aufbau- arbeiten zunichte. 1920 kamen die Förderer der Internationale in Luzern zusammen, um ein gefestigtes Fundament zu schaffen. Die am 20. und 21. September in Luzern stattfindende Tagung wird ein weiterer Baustein sein. Neben den Berichten den Untersekretäre und Ausschußoorsitzenden steht in Luzern die Behandlung der Bor- arbeiten für das 2. Arbeiter-Olympia 1931 in Wien im Vordergrund. * Gute Ansänge des Arbeitersports in Litauen. Die faschistische Reaktion in Litauen hat ein wenig nachgegeben. So konnte ein Arbeitersportverein.Viltis" in Kowno entstehen, der zwar noch dem bürgerlichen Verband angehören muß. Die lettischen Arbeitersportler baben mit den Litauern die sportlichen Beziehungen aufgenommen. Nach Kowno reiste eine lettische Fußballmannschaft, die dort, aller- dings unter starker Polizeiaussicht, einen Wettkamps austrug. Die Litauer zeigten sich als gute Fußballspieler und flegleu mit 4: 1. Länderboxkamps Lettland— Finnland. Die Kämpfe der Arbeiterboxer hatten im großen Zirkus von Riga ein über- aus zahlreiches und sportbegeistertes Publikum. Jedes Land war durch fünf seiner besten Leute vertreten. Zum spannendsten Kamps wurde der im Schwergewicht zwischen dem Meister des lettischen Sport- und Schutzbundes Kleesberg und dem Finnen P u r h o. Sie kämpften unentschieden. Das Gesamtergebnis ist 7:3 für Lettland. * ffhirogo Fußballmeister. Bei dem sich über drei Tage erstrecken- den Chicagoer Kreisturn- und Sportfest kamen alle im nordame- rikanischen Arbeiter-Turn- und Sporwerband betriebenen Arten von Leibesübungen zu guter Geltung. Einen für amerikanische Verhält- nisse außerordentlich großen Erfolg bildeten die von 1000 Sportlern und Sportlerinnen gemeinsam gezeigten Massenfreiübungen. Die im Rahmen des Festes ausgetrogene Fußballmeisterschaft des Bundes fiel an den Arbeiter-Turn- und Sportverein Chicago durch einen 1: 0-Sieg über Union City New Jersey. Um die Kreismeisterschaft in Wasserball spielten Cleveland und Chicago. Letztere gewannen mit 4: 0. Besonderen Zuspruch wiesen auch die leichtothletischen Wettkämpfe auf. Sensationelles Melcleer<>ebnis des internationalen Motorradrennens Das als Ersatz für das ausgefallene Kolberger Bäderrennen am 28. September auf der Avus stattfindende internationale Motorradrennen verspricht einen ausgezeichneten Saison- schluß. Mehr als 120 Fahrer des In- und Auslandes geben sich ein Stelldichein. Den besten Deutschen wie Geiß. A. Müller, Kohsink, Bauhofer, K. Friedrich(DKW.), Hiller(Montgomery Jap), Graf Bismarck, Ley(AIS.), Pätzold(Sarolea), Rüttchen, Ulmen(NEU.), Prybilski, Jschinger, Polster(D-Rad), Huth, Wiese(BMW.), Weyres(Harley Davidson), Zaspel(OD) treten u. a. die Engländer Bullus(NSU.), Hicks, Guthrie, Da venport(AIS.), Donooal, I. Williams, Duncan(Sturmey Archer), Handley(FN.), Simcock (Motosacoche) sowie die Italiener Nazarro(Guzzi), Londi(Belo- cette), Sandri(AIS.), Ruggerie(Norton) und Bortolotti(Sunbeam) gegenüber. Dos Rennen führt für die Beiwagenmaschinen über 59,53 Kilometer, für die 2S0-Kubikzentim«ter-Klasse der Solo- Maschinen über 313,999 Kilometer, für alle übrigen Klassen über 353,145 Kilometer. ftihball vor 36 Jahren Die gute alte Zeit Wir entnehmen dem Jubiläumsbuch des Norddeutschen Sport- Verbandes folgenden Spielbericht über ein F u ß b a l l w e t t- i p i e l in Borgfelde bei Hamburg aus dem Jahre 18 9 4. Diese Schilderung ist sowohl spieltechnisch wie als Stimmungsbild sehr interessant und reizt unwillkürlich zu einem Vergleich mit Inhalt und Stil der modernen Sportberichterstattung. In der Festjchrist des Norddeutschen Sportverbandes heißt es: „Am 5. August 1894, 6 Uhr morgens(!). findet auf der Borg- seider Eisbahn«in Fußballwettspiel zwischen dem Borgfelder Fuß- ballklub und dem Fußballklub Association aus Eilbeck mit Herrn Heyfen vom Altonacr Cricketklub als Schiedsrichter statt, so hört« man einige Tage vorher, und sofort«mflannnt« der Sporteifer unserer Mitglieder. An dem betreffenden Morgen'A6 Uhr fuhren 10 Vertreter unseres Vereins, unter ihnen der Schiedsrichter, nach Hamburg und gingen dann zu Fuß nach Borgfelde, wo sie jreund- lichst empfangen wurden. Pünktlich 6 Uhr waren die Spieler beider Vereine aus dem Platz«, und Herr Heyfen, begleitet von einem mit einer Trompete bewaffneten Trabanten, forderte die Spieler auf, sich aufzustellen. Nachdem dieses schwierige Geschäft zur Zufriedenheit aller, auch des Herrn Heyjen, vollbracht war, und als man sich geeinigt hatte, welche Partei zuerst anstoßen sollte, winkte der Schiedsrichter feinem Trabanten, der dann nach einem anfänglich vergeblichen Versuch einige Töne aus seiner Trompete hervorstieß: Das Zeichen zum Beginn des Kampf«. Sofort nach dem Anstoß stürzten sich alle Spieler, mit Ausnahme des Goalteepers, auf den Ball und traten ihn mit bewunderungswürdiger Sicherheit alle Augenblicke über die Grenzlinien, welche von den beiden Linienrichter bewacht wurden. Da auf dies« Weis« die ganzen 2 Stunden (10 Minuten Pause) gespielt wurde, wäre es wohl zu keinem Resultat gekommen, wenn nicht ein Eitbeckcr durch Unvorsichtigkeit den Borg- scldern«inen 11-Meter»Stoß zugewendet hätte, wodurch diese ein Goal machten und das Spiel beendet wurde. Herr Heyfen hatte Gelegenheit gehabt, seine Tüchtigkeit als Schiedsrichter zu zeigen. Um 8 Uhr begab er sich dann, begleitet von den Danksagungen der Eilbecker und Borgfelder, in Gemeinschaft mit seinen Klubkameraden wieder nach Altona zurück."_ An falscher Stelle gespart Nach einer Zusammenstellung von Dr. Karl Seutemann, des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Hannover, haben 88 deutsche Städte über 50 000 Einwohner im Rechnungs- fahre 1929 1 0%. Millionen Mark für Zwecke der Leibesübungen ausgegeben. Hiervon entfallen fast 8 Millionen auf 23 Großstädle mit mehr als 200 000 Einwohnern, 1.3 Millionen auf 22 Großstädte von 100 000 bis 200 000 Ein- wohnern und der Rest von 1,4 Millionen auf 43 größere Mittel- städte von 50 000 bis 100 000 Einwohnern. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, gaben diese Städte sür die Leibes- Übungen im Rechnungsjahre 1929 durchschnittlich 5 3 Pf. aus. Ein Vergleich mit dem Aufwand für Jugcndwohlfahrt und allgemems Gesundheitsfürsorge und Krankenhäuser zeigt die Geringfügigkeit der städtischen Zuschüsse für Turnen und Sport. Die genannten Städte gaben nämlich für Iugendwohlfahrt im gleichen Zeitraum 75 Mil- lionen Mark aus. auf den Kopf der Bevölkerung 3,86 Mark und für allgemeiire Gesundheitsfürsorge und Krankenhäuser 105 M>l- lionen Mark, auf den Kopf der Bevölkerung 5.42 Mark, also rund das Zehnfache des Aufwandes für Leibesübungen. Der Gesamt- zufchußbedarf der 88 deutschen Städte über 50 000 Einwohner belief sich auf 2 Milliarden Mark. Turnen und Sport erhalten davon gerade X Prvz. Di« ganze Iugendwohlfahrt. einschließlich der Leibesübungen, nimmt knapp 4 Pro;, des Gesamtzufchußbedarfes rn Anspruch, die allgemeine Gesundheitsfürsorge einschließlich der Krankenanstalten rund 5 Proz. Es ist bedauerlich, daß unter dem Druck der städtischen Finanz- nöte die kommunale Unterstützung der Leibesübungen im letzten Jahr doch fühlbar zurückgegangen zu sein scheint. Denn für da» ZMMllgsjahr 1926/22 haben 6? dieser Städte 12,9 Millionen Mark sür Turnen und Sport ausgegeben, 1927/28 9,3 Millionen Mark und 1928/29 10,2 Millionen Mark. Demgegenüber bedeutet der Aufwand von 88 Städten für 1929/30 mit 10,75 Millionen Mark zweifellos einen Rückschlag. Line sichere Lnte Mit dem neu entwickelten„E n t e n"- F l u g z e u g der Focke- Wulf-Flugzeugbau-A.-G. sind in letzter Zeit unter Führung des Chef- piloten Edzard weiter« eingehende Versuche durchgeführt worden mit dem Zweck, seine Flugeigenschaften mit denen der Flugzeuge bis- heriger Bauart zu vergleichen. Die Versuche hatten ein ausgezeich- netes Ergebnis. Der Leiter der Flugabteilung der Dcutjchen Ver- suchsanstalt sür Lustfahrt, der alle neuen deutschen Flugzeugmuster zu begutachten hat, konnte feststellen, daß die„Ente" sehr gut« Flug- eigenschaften besitzt und sich in allen Fluglagen leicht und sicher fliegen läßt. Es hat sich gezeigt, daß das neu« Flugzeug die durch die Entenbauart sich ergebende Vergrößerung der Sicher« heit mit den guten Eigenschaften der bisherigen Flugzeuge ver- einigt. Oer Hecht und die Krabben Kleiner Sport von überall Die fliegende Billardpartie. Daß die Amerikaner auf die aus- gefallensten Ideen kommen, um ihrer Sensationslust zu sröhnen, ist nicht neu. Auf der Suche nach noch nie Dagewesenem ist man auf den Gedanken gekommen, eine Ptllardpartie in einem Flugzeug zu veranstalten und zwar sollen die beiden bekannten Champions Willis Hoppe und Jack Schaefcr auf dem Fluge von St. Louis nach Chicago eine Zweiball-Cadrepartie austragen. Wir schlagen als nächstes den Einbau einer Kegelbahn im Zeppelin vor. Auf ihrer Fahrt im Auto von Kapstadt nach London sind die beiden Engländerinnen Belcher und Budgell in Kairo cingetrofsen. Wie die beiden mutigen Automobilistinnen erklärten, hätten sie die bisher etwa 6500 Kilometer betragende Strecke ohne Motor- oder Rcifendefekt zurückgelegt. In der Wüste, etwa 150 Kilometer von dem nächsten Orte entfernt, sei der Wagen in Brand geraten, doch hätten sie das Feuer schnell löschen können. Außerdem hätten sie sich einmal in der Wüst« verirrt, konnten aber noch rechtzeitig den richtigen Weg wiederfinden. Die beiden Engländerinnen verlassen am Sonnabend Aegypten mit dem Ziele Italien, um dann die Reise nach London fortzusetzen. Schulsporlfeste. Morgen, Freitag, veranstaltet die Schulverwal- tung des Bezirks Neukölln ihren diesjährigen Schulsporttag. Die Wettkämpse finden im Neuköllner Stadion, Sporipark Tempelhofer Feld, Eingang Warthestraße, statt. Beginn 9 Uhr vormittags, ob 15,30 Uhr, werden auf den Plätzen 1 bis 7 Rafenspicle, Weit- kämpfe und Volkstänze gezeigt.— Ebenfalls am Freitag findet auf den Sportplätzen in Reinickendorf, Scharnweberstrahe, das Sport- fest der Berufs- und Handelsschulen Berlin statt. Rocklbadeabende im Stadtbad Berlin-Mitte. Di« Körperkultur« schule Adolf Koch hat ab morgen jeden Freitag, 20,15 Uhr, Nackt« badeabende mit anschließendem unentgeltlichen Gymnastikkursus im Stadtbad Mitte eingerichtet. Die Abende sind offen für Partei-, Gewerkschafts- und Arbeitersportmitglieder.— Montag, 6., und Montag, 13. Oktober, 19 Uhr, finden im Stadlbad Mitte, Garten- straße. zwei Werbeabende für die Freikörperkulturbewegung statt. Eintritt 20 Pf. einschl. Schwimmbad, Brausen und Gymnastik- Unterricht. Außerdem ist im Stadtbad Mitte eine neue Gymnastik- abteilung eröffnet worden. Unterrichtsgcbllhren sehr mäßig. An» Meldungen in der Stammschule Friedrichstr. 218. 2, Inlernalionale Meisterschaft der Tennislchrer. Ab heute, Donnerstag, wird auf den Rotweißplätze» nn Grunewald die intcr- nationale Meisterschaft der Tennislehrer ausgetragen. Die Spiele finden vor- und nachmittags statt. Eintrittspreis 1 bis 3 Mk. Hans Breilensträler läßt boxen. Er veranstaltet seinen ersten Kampftag Freitag, 31. Oktober, im Berliner Sportpalast. Im Rahmen des großangelegten Programmes wird der deutsche Halb- schwergewichtsmeister Ernst Ptstulla im Ring erscheinen. Die kartellvereine des Deutschen Autoclubs treffen sich mit der Auto-Abteilung der Ortsgruppe Fürstenwalde Sonntag, 21. Sep- tember, 10 Uhr, in Fürstenwolde, Restaurant Philharmonie, zur Rundfahrt um den Scharmützelsee, anschließend Fahrt und gemüt- liches Beisammenfein im Klubgarten des DAC. in Köpenick. Townstemxrein»Di« Xatncftainhe", HtnitaU Wien, ffteiiag, 19. Top tember, 20 Uhr.. Abt. Eharlottenburg: Lprerstr. SO: UntrrbaNungsadend«döni» ling.2uart:tt).— Iugenbgruprc Humdotdlbain l: Pank» ikckc Wiescrislraßc: .Unsere Zeltlager 1980"(mit Eni).— galtbooladt.: Britzer Etc. 27: Buntet Abenb.— Äbt. Britz: Chaussccslr. 48:.Altertiimstunde in bcr Marl".— Abt. Eiidost: Britzer Etr. 27:„Unsere Erbe" lCchSpfungsaeschichtel.— Abt. Treptow: Elscnstr. 3: ,.£>od)»ilÖ im deutsch-n Wald".— Montag, 22. September, 20 Uhr. Photogemeinschaft: Iohannisstr. 15:„Bon der Bildoufmachung".— Malgcmcin. schaft: Wrangclstr. 128:„Tuschzeichnungen".— Esperanto-Arbeitsgemeinschast: Tilliter Str. 4. greie Schimmmet Ihaelottcnburg 04. Heute. Tonuerstag, 20 Uhr, Schwimm-. wartelltzung bei Iacnicke, Kaiscrin-Augusta-Allee 12. «rastturn»« reia„Sparta 1896". Nack, Wiedereröffnung der Turnhalle Neu» lölln. Schule Elbestr. ll— 12. ssreitag, 26. September, und fortlausend jeden Dienstag und Freitag, 19l4 Uhr. findet nach dem Ningcrtraining„eine Stunde ©gmnastil" statt, wobei neue Wege der Spannungs. und Lockerungsgumnastik beschritten werden. Jedermann kann daran teilnehmen,©äste, die keiner Arbeitcrsportorganisation angehören, haben zur Teilnahme an der Ucbungs- stund« 25 Pf. in die Untcrstittzungslosse zu entrichte». Arbeiter. Rad» und«raftsahrer-Bunb„Solidarität", Ortsgruppe©rotz. Berlin. «rastsahrer: Touren Sonntag, 21. September. Abt. Neukölln: Zeschice,» Ubr Svhenzollernplatz.— Abt. Lichtenberg: Mellen see bei Zossen, 7 Uhr Oder- Ecke. sfinowstrabe.— Abt. Wilmersdorf: Plauer See bei Brandenburg, 8 Uhr Hilde. gard» Ecke Schrammstraße.— Abt. Triedrichshain: Lippelswörde, 7 Uhr Lands» berger Platz.— Abt. flreuzberg: galkenbcrg bei Frcienwaldc, 9 Uhr Balte», — Abt. Eharlottendurg: Bura(Sprccwold), 7 Uhr Wilmersdorfer Str. 2l. rfaurmlungen am 19. September. Abt. Friedrichsbain: Abteilungsgencral- Versammlung 20 Uhr Strausbcrger Str. 8.— Abt. Oberschöneweide: 20 Uhr Wilhelminenhosstr. 64.— Am 16. September Abt. Lichtenocrg: 20 Uhr Ober- Ecke lsinowstroße.— Abt. Neukölln startet noch am 20. September. 19'; Uhr, nach Nowawe-, Hohenzollernplotz.— Achtung, slraftsahrerodleutel Am 22. Sep- tember Bersammlung um 20 Uhr im©cwerkschaftshaus, Engelufer, flouserenz. , wimer.— Abt. Oberschöneweide startet noch am 21. Erplember»ach Mlillrose bei Beeskow, 0 Uhr Wilhelminenhofstraßc. Photosport und Arbeiterbewegung warum der Amaleurpholograph nicht mehr valer, Müller. Onkel, Tante und kremserfahrende Landpartien aus- nehmen soll, sogt hier ein Milbegründer des Arbeiter- Lichtbildbunde». Der P h o t o s p o r t ist heule nichts Geheimnisvolles mehr, die Kamera hat überall ihren Einzug gehalten, auch für den Arbeiter ist die Photographie erschlossen worden. Obwohl die Photomaterialien bedeutend billiger sein könnten— es gibt in Berlin eine ganze An- zahl Photogeschäfte, die unrer den Richtpreisen verkaufen—, wird doch sehr viel geknipst, leider werden aber die Photos nur für den persönlichen Bedarf gemacht. Zuerst muß Bekannt- und Berwandfchaft daran glauben, dann werden Landschasts- und Gruppenaufnahmen gemcht, vielleicht ein paar Genrephotos— aber dann ist das Anwendungsgebiet der Kamera scheinbar erschöpft. In den Alben technisch sonst recht weit entwickelter Amateure finden sich jedenfalls kaum andere Photos. Es ist schade darum, denn das Anwendungsgebiet der Kamera ist fast unbeschränkt, mit List und Tücke läßt sich so ziemlich jedes Photo machen. Und an diesem Eifer mangelt es leider sehr. Der Ar- beitersporr könnte Z. B. weit mehr werbend sein, wenn die Arbeiter- sportzeitschristcn zugkräftigere Photos bringen könnten, die einen einwandfreien Einblick in den Sportbetrieb geben. Hier versagen die Amateure. Es kommt nicht immer daraus an, daß«in Photo absolut schön ist, oft wirkt ein originelles Photo weit besser als das schönste gestellte Photo. Gerade durch Momentausnahmen läßr sich sehr viel ermöglichen, man betrachte einmal Bilder aus bürgerlichen Sportzeitschriften, die zumeist diese Forderungen«r- süllen. So ist es' nicht nur beim Arbeitersport, sondern auch bei den meist«« anderen Zweigen der Arbeiterbewegung, das Photo, das heute bei gutwirkenden Inseraten fast immer verwandi wird, ist in der Arbeiterbewegung etwas stiefmütterlich behandelt. So darf es nicht bleiben, Schon einmal wurde der Versuch gemacht,«ine Photovcreinigung der Arbeilerschaft zu gründen, die aber durch die Interesselosigkeit unserer Kreise schnell ins tommu- nistische Fahrwasser geriet. Die sozialdemokratisch orientierten Mit- glied« dieser Arbeiterphotographenvereinigung verließen sehr schnell wieder den Münzend erz-Verein, Anfang dieses Jahres wurde von Hamburger und Berliner Arbcitcramateuren in Gemeinschaft mit den Abeiter-Sport- und Kulturkartcllen der Arbeitcr-Licht- b i l d b u n d gegründet, der einen raschen Aufstieg nahm und heut« schon viel« Ortsgruppen und angeschlossene Photogruppen anderer Organisationen in ganz Deurschland besitzt. Als Organ des Bundes wird„Das n e u e B i l d" herausgegeben, das eine der wertvollsten Zeitschristen der Arbeiterbewegung ist, die zuteil gewordenen Be- sprechungen— auch von der bürgerlichen Presse— be- rechtigen wenigstens zu diesem Schluß. Durch Schaffung eines zentralen Archivs, Deranstaltung von Ausstellungen, Be- lieferung der nahestehenden Presse mit Bildmaterial soll protiische Arbeit geleistet werden, auf die es ja ankommt. Aber auch der Film darf nicht vergessen werden. In Gemeinschaft mit dem Reichs, ausfchuß für sozialistische Bildungsarbeit und dem Film- und Licht- bilddienst der Partei beginm im Oktober ein halbjähriger Filmtursus, der versuchen will, Amateuroperoteure heranzu- bilden, mit denen soziale Reportagefilmc geschaffen werden können. Aktivirung aller Kräfte ist das Gebot der Stunde— da darf kein Propagandamittel vergessen werden, das irgendwie fördernd fein könnte. Die Wiener Sozialdemokratie hat es ausgezeichnet verstanden, durch Bildpropaganda ihre Leistungen in der ganzen Welt bekannt zu machen, die deutsche Sozialdemokratie hat gewiß ähnliche Leistungen aufzuweisen, aber sie wurden bildlich nur wenig bekannt. Hier ist noch viel nachzuholen, und der Arbeireramateur kann viel dazu beitragen. Aber dann: Schluß mit den Gruppen- photos, Schluß mit den veralteten Schönheitsidealen in der Photo- graphie bei Agitation-pho:os, nur auf die Wirksamkeit kommt es an, erst in zweiter Linie auf die phototechnische Güte. Natürlich ist es besser, wenn auch sie einwandfrei ist, aber es gibt Momentaus- nahmen, wo darauf verzichtet werden muß. Da» Phoro, das der Arbeiteromateur aufnimmt, soll ausrütteln, soll zur Stellungnahme zwingen. Solche Photos beeinflussen das soziale Ge- wissen, sie müssen aber ungestcllt, ungezwungen, unbeobachtc: wirken. Dann reiht sich das Photo würdig ein als Werbemittel— und dem Amateur wird diese Uebcrzeugungskrast Freude machen. Das Spruchverfahren. Einsprüche in der Arbeitslosenversicherung. Gegen die Entscheidung eines Arbeitsamtes über den Antrag eines Arbeitslosen steht dem Arbeitslosen dos Recht des Einspruchs zu. Ein Einspruch muß innerhalb 14 Tagen nach Empfang der Entscheidung beim Spruchausschuß des betrefsenden Amtes eingelegt sein. Der Einspruch muß schriftlich erfolgen, er kann in Ausnahmefällen zu Protokoll eines Angestellten des Arbeits- omts gegeben werden. Die Nichtnme Haltung der vierzehntägigen Einspruchsfrist macht den Einspruch rechilich unwirksam. Ist der Einspruch eingelegt, so stellt das Arbeitsamt von sich aus die notwendigen Ermittlungen für die Verhandlung an. Der Ar- beitsloss wird zur Verhandlung schriftlich geladen und mutz auf einer beigehefteten Postkarte den Empfang der Ladung b e st ä t i g e n. Die Ladefrist soll 8 Tage betragen. Der verhandelnde Spruchausschuß setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden des Arbeitsamts, einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberoertreter. Die Verhandlung ist öffentlich und mithin hat das Publikum zum Verhmrdlungsraum Zutritt ohne jede besondere Genehmigung. Erscheint der Arbeitslose nicht, obwohl er die Ladung zum Termin schriftlich bestätigt hat, so kaim in seiner Abwesen- heit oer handelt werden. Hat er die Ladung nicht bestätigt, dann kann nicht verhandelt werden. Der Arbeitslose kann sich durch andere Personen vertreten lassen. Ausgeschlossen von der Vertretung sind nur solche Personen, Me Vertretmige« vor Gerichten gewerbsmäßig Wraflwn, 9k der Verhandlung hat der Arbeitslose das Recht, Anträge zu stellen, insbesondere den Antrag auf Zeugenvernehmung. Das Arbeitsamt ist für seinen gefällten Bescheid beweispflichtig, nicht etwa der Arbeitslose beweispflichtig für das Gegenteil. Wird vom Spruchausschutz ein einstimmiges Urteil gefällt, so ist es e n d g i l t i g.(In anderen Zweigen der Sozialversicherung gibt es das nicht.) Nur in besonderen und bedeutungsvollen Fällen kann der Spruchausschuß auch eine einstimmig gefällte Entscheidung für be- rufungsfähig erklären. Mit Mehrheit gefällte Entscheidungen sind stets berufungsfähig. Einsprüche gegen die Festsetzung einer Rückzahlung gibt es nicht. Gegen vom Spruchausschutz festgesetzte Ordnungsstrafen ist die Berufung immer zugelasien. Die Berufung ist innerhalb von 14 Tagen beim Landesarbeitsamt einzulegen. Die Berufung'hat ebenfalls schriftlich zu erfolgen. Die Vorladung bei der Spruch- kammer erfolgt unter denselben Formalitäten wie beim Spruch- ausschuß. Die Besetzung der Spruchkammer ist die gleiche wie die des Spruchausschusses. Bei grundsätzlichen Entscheidungen gibt die Spruch- kannner die Sache an den Spruchsenat zur Entscheidung ob. Die Kammer kann die Abgabe selbst beschließen oder auch auf Antrag des Arbeitslosen. Der Senat gibt nach Entscheidung über den grund- sätzlichen Punkt die Sache an die Kammer zurück, und die Kammer entscheidet nun endgültig. Die Entscheidungen der Spruchkammer sind also e n d- g i l t i g. H. B. Arvettsvermittluttg der Gelbe«. Das Leipziger Amtsgericht nimmt sie in Schuh. Das Arbeitsvermittlungsgesetz bestimmt, daß nur diejenigen Organisationen Arbeit vermitteln können, die sich bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes damit befaßten. Der Bäcker W. hatte sich vor dem Leipziger Amtsgericht wegen Verstoß gegen das Gesetz zu verantworten. Er gehört dem gelben Bund der Bäcker- und Konditorengehilfen(Sitz Berlin) an und wird beschuldigt, zugereisten und stellungslosen Mitgliedern des Bundes Arbeit nachgewiesen zu haben. Es gelingt den Gelben viel leichter, Arbeit zu finden, weil die Unternehmer„wirtschastsfriedliche' Arbeiter bevorzugen. Können doch die gelben Arbeitervereine nur mit Hilfe von Unten, nehmergeldern existieren. Der Angeklagte wandte ein, sein Bund habe schon vor dem Kriege einen selbständigen Arbeitsnachweis geführt und dieser sei nicht verboten. Der Vertreter des Nahrungs- und Genuß- Mittelarbeiterverbandes bestritt entschieden, daß dieser Bund schon vor Inkrafttreten des Arbeitsvermittlung-- gesetzes mit Arbeitsvermittlung zu tun hatte. Dos Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagten aus subjektiven und objektiven Gründen. Der Bund der Konditoren und Bäcker habe den Nachweis erbracht, daß er bereits vor dem Inkraft- treten des Arbeitsvermittlungsgesetzes einen Arbeitsnachweis g«. führt Hab«. Der öffentliche Arbeitsnachweis wie die Facharbeitsnachweis« werden stärker bekämpft als geschützt. i*•. n--% � dkfchäfts-Jbt&iger t (Qeziwh Jlorden~Cften. maiernuite Berlin G.m.b.H. VORMALS MALEREIQEHOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1112 N018,LANDSBERGERALLEE38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER S02S-30 ALLE MALERARBEITEN 186 MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Friedrichshagener Baugenossenschaft E.G. Optiker Ziem WMM TO1 1-2 1R.I61 Bevor Sie kaufen [R. 219 KonKnrrenzlos � Hoch- u. Tiefbau Fernruf: Friedrlchshaeen 6524 und 6526 [R.197 BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN»KLUTSTR. 8 Paul Zillen GmbH. Eiektrisdier Bedarf Schiff bauerdamm 15 Sä mtl. 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