Morgenausgabe Nr. 439 A 221 47.IahrgtMg Wöchentlich SS Pf� monatlich Z.SO V. im voraus zahlbar. Postbezug M. einschließlich 60 Pfg.Postzeiw»g»- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnement 6.— M. pro Monat. J* Der„SJonnSrts* erscheint«ochentLg. lieh zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlm und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme". Technik".„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-Vorwärt»" und»Stadtbeilage�. Uomart � NerUner SolkSvlatt Freitag 1.9. September �9)0 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame�eile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das tettge- druckte Wort 2S Pfennig(zulässtg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von 8'/, bis 17 Uhr. Jentealorsan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 fternlvrecher: Dönhoff 292—297. Telegramin-Adr.: So,ialdomokra» Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und» Becnnten, Wallstr. 65. Dt.B.u.Disc.-Ges.,Depositenkassc, JerusalemcrStr.65/66. An die Partei! Parteigenossinnen und-genossen! Ein Wahlkampf fiegt hinter uns, wie ihn die Sozialdemokratische Partei Deutschlands während der ganzen Zeit ihres sturmbewegten Bestehens noch niemals zu führen hatte. Wochen hindurch stand sie einem konzentrischen Angriff ihrer Gegner aus dem bürgerlichen und dem kommunistischen Lager gegenüber, einem Lügen- und Verleumdungsfeldzug, der die Kampfesmethoden des Reichslügenverbandes aus der Vorkriegszeit weit in den Schatten stellte.> „Kampf gegen den Marxismus'' lautete der Schlachtruf der Rechtsparteien, allen voran der der Nationalsozialistischen Deutschen„Arbeiterpartei" mit ihren neudeutschen„Arbeiterführern aus den davongejagten Dynastien, der kaiserlichen Generalität und dem scharfmacherischen Unternehmertum. „Nieder mit den Sozialfaschisten und Sozialverräter n!" hallte es aus dem kommunistischen Heerlager. Schwächung der Sozialdemokratie war das Kampfziel des Bürgertums bei der Wahl am 14. September. Um es zu erreichen, förderten Großagrarier und Großkapitalisten den Nationalsozialismus und Kommunismus, die sich aufgeregt als die radikalsten Gegner des Kapitalismus aufspielen, in Wirklichkeit aber seine besten Werkzeuge sind. Trotz alledem: Stelz und ungebrochen ging die Sozialdemokratische Partei, die FUhrerin der schaffenden Voiksmassen Deutschlands, aus dem Wahlkampf hervor. Mit 143 Mandaten ist sie auch im neuen Reichstage die weitaus stärkste Partei. Mehr noch als im letzten Reichstag werden sich die Gegner der Sozialdemokratie zu der Erkenntnis bequemen müssen, daß in Deutschland auf die Dauer nicht ohne und gegen die Sozialdemokratie regiert werden kann. Einheit und G« schlossenheit, Vertrauen In ihre Partei und Vertrauen auf sich selbst, kühle Uebarlegung und feste Entschlossenheit fordert die durch den Wahlausgang geschaffene Situation von der deutschen Arbeiterklasse und allen ehrlichen und aufrechten Republikanern. Mit dem Wahltag ist der Kampf um die umstrittenen Fragen nicht abgeschlossen. Ungleich schwerer als im letzten Reichstag wird sich die Arbeit der Sozialdemokratischen Partei im neuen Reichstag erweisen. Nationalsozialisten und Kommunisten verdanken die wesentliche Vermehrung ihrer Sitze der skrupellosen demagogischen Ausnutzung einer aus der Not erwachsenen Verzweiflungsstimmung. Beide Parteien sind gegen die Demokratie und für die Diktatur, gegen die Weimarer Verfassung und für die brutale Gewalt. Ihr Programm heißt Katastrophenpolitik im Innern und nach außen. Beide können sich jedoch über gemeinsame Ziele nicht einigen; sie denken nur daran, sich zu bekriegen. Ihnen das Feld zu überlassen, hieBe Deutschland dem Bürgerkrieg ausliefern. Schon jetzt droht als Folge des Wahlausganges Steigerung der Wirtschaftskrise, Vermehrung der Arbeitslosigkeit, neues Massenelend.' Ueberwindung der Wirtschaftskrise mit ihrer Massenarbeitslosigkeit wird und muß die vordringliche Sorge unserer Partei Im neuen Reichstage sein. Hinweg mit dem Spiel der Diktatur, zurück zur verfassungsmäßigen Gesetzgebung! Das ist die zwingende Forderung, die sich aus der Situation des 14. September ergibt. Niemals wird die sozialistisch geschulte, in vielen Jahrzehnten erprobte Arbeiterklasse Deutschlands und ihre Führerin, die Sozialdemokratische Partei, sich die Diktatur einer gewalttätigen Clique gefallen lassen. Denn so wie H u g e n b e r g s Diktatur die einst stärkste bürgerliche Partei, die Deutschnationale Volkspartei, zertrümmerte, so würde jeder Diktaturversuch im Staate ' ganz Deutschland In einen Trümmerhaufen verwandeln. In einer Zeil ungeheurer Verelendung der breiten Volksmassen wird die stärkstePartei des Reichstages, die Sozialdemokratie, auch im neuen Reichstag für die demokratischen Rechte und die sozialpolitischen Errungenschaften des schaffenden Volkes mit aller Entschiedenheit eintreten. Die Sozialdemokratische Partei wird diese Aufgabe um so besser erfüllen können, je mehr sie auf das Vertrauen und die tätige Mitarbeit der arbeitenden Volksmassen rechnen kann.,„,,,,>.„ Selbst in dieser Situation, wo die faschistische Gefahr vor den Toren steht, lassen die Kommunisten keine Spur politischer Vernunft erkennen. Ihre Parolen, ihre Taktik, ihre Versuche, Teile /ler Arbeiterbewegung in sinnlose Einzelaktionen zu treiben, können nur die faschistischeReaktlon fördern und die Widerstandskraft der Arbeiter beeinträchtigen. Notwendiger denn je ist demgegenüber die Einheitsfront der Arbeiter, Angestellten und Beamten unter Führung der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften. Parteigenossinnen und-genossen! Daß eure Partei, die Sozialdemokratische Parte? Deutschlands, allen Stürmen zum Trotz sich behauptet hat, das verdankt sie eurer Opferwilligkeit für eure politischen Ideale. Ihr habt Uebermenschliches in der Werbe- und Aufklärungsarbeit geleistet und euch gegenüber dem Feldzuge der Lüge und Verleumdung in eurer Ueberzeugungstreue auf das glänzendste bewährt. Die Partei dankt es euch. Bleibt fest! Wir stehen, das lehrt uns der letzte Wahlkampf, unerschütterlich auch in der schwersten Situation. Darum vorwärts!> Unser die Welt trotz alledem! f Berlin, den 18, September 1930. vsr ParteivOrSfCind. Krisenlust in Rumänien. Enttäuschung über die Bauernregierung. Bukarest, im September.(Eigenbericht.) Noch sind die politischen Ferien nicht vorüber, die nt Rumänien bis in den Herbst hinein zu dauern pflegen, und schon weht Krisenluft in der inneren Politik. Immer lauter und sicherer wird verkündet, daß die Regierung M a n i u S sich ihrem Ende nähere, immer lauter und sicherer aber ertönt auch der Ruf nach der Diktatur. Kaum ist in diesem unglücklichen Lande ein wenig mehr Freiheit geschaffen, kaum ein karger Ansatz demokratischer Zustände angebahnt worden. Kann denn hier jene auch im Westen unbegründete, aber immerhin aus den geschichtlichen Gegebenheiten verständliche Strömung ernstlich Raum ge- Winnen, die der Demokratie und dem Parlamentarismus als veralteten verknöcherten Institutionen den Totengesang an� stimmen möchte? Gewiß nicht. Trotzdem kann nicht be-, zweifelt werden, daß die Idee der parlamentarischen Demo- kratie in Rumänien lange nicht mehr jene Zugkraft hat, die noch vor wenigen Jahren breiteste Volksmassen gegeü die Tyrannei der Liberalen zusammenballte.» Es kriselt nicht nur in der Politik, sondern auch in der Seele der Massen. Nach dem Sturz der Liberalen, dieser führenden Partei einer nur notdürftig hinter konstitutionellen Formen verhüllten Gewalt- Herrschaft, hatte die Bauernschaft alle ihre Hoffnungen auf das neue Regime gesetzt. Als 1920 die Arbeiterbewegung nach dem Generalstreik zu Boden geschmettert wurde, war die national-zaranistische Bauernpartei die hauptsächlichste Vor- kämpferin gegen die liberale Oligarchie. Während sich die Arbeiterbewegung nur schwer, in langen Jahren mühseliger Kleinarbeit, von dem vernichtenden Schlage erholen konnte, den ihr der Terror und die Spaltung versetzte, zog die neue bürgerliche Oppositionspartei die Bauernschaft und viel städtische Bevölkerung unter ihre Fahne. Im politischen Be- wußtsein der Nation mar sie die Partei der Demokratie, an sie knüpften sich die Erwartungen des verelendeten, unter- drückten Landes. Auch die Arbeiterklasse hatte keine ander« Wahl, als den Kampf um die Demokratie vereint mit der bürgerlich-bäuerlichen Opposition zu führen, wenn sie auch immer wieder nachdrücklich vor überspannten Hoffnungen warnte. Nun ist die nationalzaranistische Partei schon zwei Jahre an der Macht, aber sie hat die auf sie gesetzten Erwartungen schmählich enttäuscht. Wohl ist es mit der politischen Freiheit um vieles, wenn auch lange nicht alles, besser gc- worden, aber die große Erneuerung auf allen Ge- bieten staatlichen und gesellschaftlichen Lebens ist a u s g e- blieben trotz der so schwunghaften Versprechungen aus der Oppositionszeit. Schwäche, Halbheit, Furcht, Unfähigkeit kennzeichnen die gesamte Politik der Regierung Maniu. Däzu kommt die geradezu uncrdrägliche Wirtschaftskrise, die immer schwerer auf allen Schichten der Gesellschaft lastet. Kurzum«! nach zwei Jahren nationalzaranistischen Regierens sind Ent- täuschung und Unzufriedenheit allgemein. Was nun? Niemandem oder doch nur verhältnismäßig wenigen fällt es ein, auf die Liberalen zurückzugreifen, deren Schmutz- und Gewaltwirtschaft noch lange unvergessen bleiben wird. Die anderen bürgerlichen Parteien zählen nicht mit, die große Hoffnung der letzten Jahre, die Nationalzaranisten, haben versagt, und die Sozialdemo- kratie ist noch immer die Partei der Industriearbeiter, also einekleineMinderheitin diesem Lande, in dem über 70 Proz. der' Bevölkerung Bauern sind. Als am 8. Juni Carol zurückkam und den Thron bestieg, loderte für einen Augenblick in den Dörfern eine neue Hoffnung auf, die Hoffnung, daß nun der Retter gekommen sei. Aber Carols Wiederkehr brachte bisher nichts mehr als einen ev- wachsenen König... In die gegenwärtige Situation, die deutlich den Stempel unentwickelter, primitiver politischer Verhältnisse trägt, schleudern nun die Zserfechter der Diktatur ihre Ideen. Die Bauern sind überschuldet, der Marktwert ihrer Produkte ist katastrophal gefallen. Handel und Industrie winden sich in der Krise. Arbeitslosigkeit macht sich breit» die wirtschaftliche und moralische Depression ist allgemein. Damit ist den Bestrebungen der. Diktatur ein günstiger Bode« geschaffen. Die Unpopularität der Rechtsparteien und die Ergebnislosigkeit des nationalzaranistischen Regierens wer- den gegen die Demokratie ausgespielt. Wir brauchen neue Männer, wird verkündet, Männer der starken Hand. Bedeutet dies, daß die Diktatur in Rumänien vor der Tür steht? Das wohl nicht. Aber es bedeutet, daß die psychologischen Vorbedingungen und die allgemeine Situation diktatorische Bestrebungen zwangsläufig begünstigen. Noch fehlt es an den Männern, die das Zeug zu Diktatoren in sich hätten. Grigore Filipescu, der mit seiner Liga „Tepes Voda" nach einem Mussolini schreit, die paar Aben- teurer um Carol, die auf mehr Macht und Ehre hoffen, die paar Generale, deren Ehrgeiz kein �Betätigungsfeld findet— sie alle sind an sich keine Gefahr für die Demo- kratie. Die Gefahr liegt in der Situation selbst, und sie wird immer größer werden, wenn es der Regierung nicht gelingt, irgendetwas gegen die Wirtschaftskrieg vor allem gegen die Ueberschuldung der Dauern, für den Absatz der Agrarproduktc und für die Belebung des Kapitalmarktes zu schaffen. Es ist mehr als bezeichnend, daß aus liberalen Kreisen die Einigung aller Parteien gegen alle Diktaturgelüste angeregt wurde. Vorerst freilich scheint nichts zu befürchten zu sein. Noch will der Könjg, auf dessen Konstitutionalismus hier nie- m a n d mehr schwört, mit den bestehenden Parteien manövrieren-, er hofft— wie man sagt—, die National- zaranisten s p a l t e n zu können, um so eine neue regierungs- sähige Partei zu erhalten und durch eine Konzentrations- regierung Spielraum für die Entwicklung einer neuen politi- schen Konstellation zu schaffen. Jedenfalls können gegen- wärtig nur mehr oder minder wichtige Veränderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts erwartet werden, ohne daß Neuwahlen vor dem Frühjahr wahrscheinlich wären. Aber die Gefahr schwebt in der Lust, sie ist nicht zu leugnen. Rumäniens junge Demokratie steht vor einem schweren Wendepunkt. Es geht ums Ganze! Geheimfonds der Bundesbahnen. Korruption im Strasella-Prozeß aufgedeckt. Thälmann wird es tun! Fuhrertalt der KPO.-Jührung. Wir lesen in der rechtskommunistischen Zeitschrist„Gegen den Strom": „Wenn bei den Nationalsoziallsten ein Führertultus mit ivni Abenteurer chitler betrieben mird, so ist das insofern in Ordnung, als die blinde Anbetung der Führer einen wesentlichen Bestandteil der faschistischen Ideologie bildet. Wenn aber die KPD.- Führung diesen saschistifchen Führerkultus nachahmt, so ist das ein beispielloser Skandal sür eine revolutionäre, marxistische, proleta- rische Partei, der auch dadurch nicht besser wird, daß man sich auf dos Beispiel der KPdSU, beruft, wo die Parteibürokrotie g«- fchmalklose Tänze um die Person Stalins aufführt.. Wir bringen hier einige Proben der persönlichen Reklame, die die KPD.-Führung während des Wahlkampfes für den traurigen Helden des Wittorf-Skandals, Ernst Thälmann. veranstaltete. In dem Bericht der„Roten Fahne" über die Thälmann- Versammlung im Berliner Sportpalast heißt es: „Immer wieder brandete das Händeklatschen, das begeisterte Rufen, der Gruß für Ernst Thälmann, als Ausdruck nicht nur der Begeisterung, sondern der proketarischeu Liebe der Massen zu ihrem revolutionären Führer." In diesem Stil geht es spallenlong weiter. Den Vogel abgeschossen oder, um mit Thälmann zu sprechen, dem Faß die Krone ausgesetzt, hat zweifellos die„S o z i a l i st i- ! ch e R e p u b l i t", das Kölner Parteiblatt. Dort heißt es im Leitartikel vom 23. August: „Banken, Fabriken, Bergwerke, Eisenbahnen, Handelspakäste enteignen und in den Besitz der schaffenden Massen überführen, das Land den Junkern wegnehmen und dem werktätigen Land- volk geben, die imperialistischen Raub- und Trtbutverträge von Versailles bis Haag zerreißen, die Wucherer und steuerhinter- ziehenden Millionäre durch Vokksgerichte aburteilen lassen— kein Hindenburg, kein Hitler, kein Brüning tut es, Thälmann wird es lnn." Mar� war doch auf dem Holzwege. Jetzt wisse« wir es: Das Werk der Befreiung der Arbeiterklasse kann nw? das Werk Ernst Thöl manns sein. Di« Sache ist aber nicht nur lächerlich, sondern hat auch ihre ernste Seite. Die Nachahmung der faschistischen Ideologie von dem „Retter" muß die Passivität in den Massen verstärken: ein« wirk- liche revolutionäre Führung hat nicht die Ausgabe, Reklame sür sich zu machen, sondern die Massen vom Vertrauen zu ihrer eigenen Krall zu erfüllen, ihnen beizubringen, daß ihnen niemand Helsen kann, wenn sie sich nicht selber Helsen." Räch Tische... Hitlersche Liebenswürdigkeiten für Hugenberg. München. 18. September.(Eigenbericht.) Hitlers letzte Münchener„Verfassungsrede" scheint in seinen eigenen Kreisen auf heftigen Widerstand gestoßen zu sein, sodoß es notwendig erscheint, ihr em Kommentar nach- zuschicken. So schreibt er am Freitag im„Völkischen Beobachter" im Zusammenhang mit dem Gerücht einer kommenden Frattions- gemeinschast der Nazi mit Hugenberg, daß jetzt wieder die Zeit gekommen sei, die notwendig« Distanz den Deutsch- nationalen gegenüber herzustellen. Wörtlich heißt es kann:„Wir Nationalsozialisten sind eine sozialrevolutioiüir«, die Deuts choati analen dagegen aber eine sozialreaktionär« Partei, und dieser Unterschied bleibt unverrückbar bestehen. Deshalb ist eine F ra ktro ns ge m ein s chaft absolut vndiskutabel." Das Märchen vom Bischofsdom. Sine feite Zeitungsente. Ein kommunistisches Spötabendblatt in Berti» will wissen, daß Reichskanzler Dr. Brüning, Ministerpräsident Dr. Braun und Bischof Dr. Schreiber sich über den Bau eines Bischofsdoms am Platz der Republik in Berlin geeinigt hätten. Die„auf Grund des Konkordats für den Bau von 440 katholischen Kirchen bestimmten 327 Millionen" und ein Reichszuschuß von annähernd einer halben Milliarde sollten dazu verwendet werden. Diese Nachricht ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst feststellt, von A. bis Z. erfunden. Ein solcher Plan ist von keiner Seit« diskutiert worden, ist aber auch völlig indiskutabel. Ganz abwegig ist namentlich die Bemer- kung über die im Konkordat angeblich bereitgestellten 327 Millionen. Der Kirchenvertrag wirft für den Bau von Kirchen keinen Pfennig aus. Die in ihm festgelegten Staatsleistungen für sämtliche Diözesen Preußens belaufen sich noch nicht auf den hundertsten Teil jener Millionensumme. Hastbesehl gegen Max Hölz. Wegen Vergehen gegen das Repvblikfchuhgeseh. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten' melden aus Faltenstein: Gegen den Kommunisten Max Hölz ist vom Amtsgericht Berlin- Schöneberg Haftbefehl erlassen worden. Hölz hat sich eines Vergehens gegen das Republitschutzgesetz und dos Reichsstrafgesetz- buch schuldig geixwcht. Der augenblickliche Aufenthalt von Hölz ist unbekannt. Am Sonntag wurde Hölz in Faltenstein, wo er sich bis.jetzt aufgehalten hatte, von seinen Anhängern ein Fackelzug dargebracht. Bei dieser Gelegenheit oerabschiedet« sich Hölz van den Folkensteiner Arbeitern durch«ine Ansprache. Er wollte angeblich nach Berti« übersiedeln. In der obersten Leitung der österreichischen Bundesbahnen ist vor etwa dreiviertel Jahren ein Wechsel eingetreten. Präsident Günther trat infolge des Krachs der Bodenkreditanstalt zurück, deren Leitung er angehört hatte. Sofort setzten gewisse Leute mit starken Anstrengungen ein, um dem Erazer Vizebürgermesster S t r a f e l l a dieses hohe Amt zu verschossen. Als„Befähigungs- Nachweis" wurde der— Lokalbahnaktienbesitz dieses Heimwehr- protcttors und seine oizebürgermeisterliche„Leitung" der Grazer Straßenbahn angeführt. Nach heftigen Kämpfen, die fast eine Regierungskrise herbeigeführt hätten, wurde jedoch der alte Verkehrsfachnum-n Banhanv, der schon in der Monarchie das Eisenbahnwesen geleitet hatte, Präsident. Nun sollte Strafella Generaldirektor an Stelle des Ingenieurs F o e st werden, der zwar ein rechtsstehender Mann ist, aber kein Scharsmacher, und der wegen seines guten Verhältnisses zum Personal von dem Seipel-Blatt „Reichspost" so angegriffen tvnrde, daß er freiwillig sein Amt aufgab.. Gegen die Strafella-Treibereien veröffentlichte nun die„Arbeiter- Zeitung" am 13. Mai einen Artikel:„Waruni Strafella General- zürektor der Bmidesbahnen werden soll?" mit dem Untertitel:„Ein Geheimfonds, über den der junge Mann des Herrn Rintelen (des Landeshauptmanns und Heinnvehrhäuptlings. Red.) verfügen soll. Di« Bundesbahnen sollen den chrichlichsozialen Wahlsonds und die Heimwehr finanzieren. Strafellas Sanierung splan". In diesem Auffatz wurde von Strafella gesagt, daß er die Bundesbahnen als eine Melkkuh für die christltchfozialc Partei, für ihren Wahlfonds und nicht zuletzt für den Kriegsschatz der H e i m w e h r betrachten könnte. Unter der Ueberschrift „Das Eonlo separato" wurde ausgeführt, daß seit einigen Jahren ein nichtkontrollierter Geheimfonds, das„Conto separato". bestünde. Dieser schwarze Fonds, der bisher von persönlich korrekten Männern verwaltet war- den sei, besitze mehr als 400 000 Schilling. Es gehe nun der Kampf um die Verffigung über diesen Fonds. Diejenigen, die die Er- nennung Strasellas als hochpolitische Sache betrieben, wollten dem Günstling des Herrn Rintelen die Verfügung über diesen schwarzen Fonds sichern. Weiter wurde von Dr. Strafella behauptet, daß er, der bisher viele Lokalbahnaktien befaß, in den letzten Monaten die meisten Lokalbahnaktien zusammengekauft habe. Es fei selbstverständlich, daß ein den Lokalbahnen gutgesinnter Generaldirektor der Bundes- bahnen diesen Bahnen unerhörte Vorteile zuwen- den und dadurch auch den W e r t der Lokalbahnaktien, die er besitze. außerordentlich steigern würde. Der Artikel Moß mit der Be- hauptung, daß mit der Ernennung Strafellas zum Generaldirektor der Bundesbahnen der Grund zu einer schändlichen Kor- ruption gelegt werde. Strafella verklagte den verantwortlichen Redakteur Dr. Oskar P o l l a k. Dieser trat durch seinen Berteidiger, Abz. Dr. Eisler, Graz, den Wahrheitsbeweis an. In der Verhandlung vor dem Presserichter Dr. Po walatz wurde zunächst eine protokollarische Aussage des Innenministers Dr. Schumy verlesen. Danach Hot vor einigen Monaten Dr. Rin- telen dem Zeugen erklärt, er wäre für die Kandidatur des Sektions- chefz En de res zum Präsidenten der Bundesbahnen, doch möchte er erfahren, ob Sektionschef Enderes bereit wäre, Dr. S t r a f« l l a zum Generaldirektor zu ernennen. Minister Schumy machte nun. da ihm die Stellungnahme Dr. Enderes in dieser Frage nicht bekamt war, Rintelen den Borschlag,«in« mündliche Aussprache zwischen Enderes und Strafellck herbeizuführen. Nach dieser Be- sprechung berichtete Enderes, daß Strafclla zwar«in intelligenter, energischer, vitaler Mann sei, daß aber seine fachlichen Fähig- leiten und Erfahrungen nicht dazu hinreichen, um ihn zum General- direktor bestellen zu können. Hätte er aber einige Jahre Gelegen- heit, sich in die Geschäfte einführen zu lassen, dann wäre es immer» hin möglich, ihn später mit dieser Funktion zu betrauen. Das hielt Enderes auch Rintelen gegenüber aufrecht. Aus Gesprächen mit Schober und Vaiigoin hat Schumy entnommen, daß Rintelen die Kandidatur Strasellas aufrechterhalte. Zeugenaussage Daugams. Dizekanzler Vaugoin gab an, daß ihm über die Gehestnforchs der Bundesbahnen nichts bekannt gewesen sei. Vaugoin gab zu, daß e r Strafella zum Generaldirektor vorgeschlagen habe. Dr. E i s l e r: Haben Sie mit Strafella über die Angriffe, die gegen ihn in den Zeitungen erhoben wurden, gar nicht ge- sprachen?— Zeuge Vaugoin: Ja, so ganz allgemein: wenn ein Angriff gegen ihn erhoben wurde, habe ich ihn s o im Vorbei- gehen gefragt, und er hat mich aufgeklärt Ich persön- i i ch klage ja jedesmal so oft als möglich. Präsident Dr. Bauhaus über den Geheimfonds: Als ich das Amt des Präsidenten übernommen habe, am 16. März 1930, trat der Generaldirektor Foeft freiwillig zurück. Er mackste mich darauf aufmerksam, daß«in Eonto separato be- stünde, Äer das nur der Präsident und der Generaldirektor das Verfügungsrecht haben. Er hat mir gesagt, daß aus diesem Konto Spenden, Remunerationen usw. gegeben wurden. Ich habe Ingenieur Sedlak beaustragt, sich um das Konto zu kümmern und mir Ausschluß zu geben. Er hat mir nach einiger Zeit gesagt, daß der Vorstand der Bundesbahnen von diesem Conto separato nichts wüßte. Ich habe nun Sedlak ersucht, daß er und der Vorstand sich mit diesem Conto separato beschäftigen sollen, um dessen Höhe festzustellen, seine Quellen und seinen Zweck aufzuhellen. Das hätte längere Zeit gebraucht. Es hat sich nun herausgestellt, daß das' Konto im Jahre 192? entstanden ist, und zwar bestand es aus einem Konto bei d?r Bodenkreditanstalt und aus einem zweiten Konto bei der Firma Kux, Bloch u. Co. Das Konto bei der Bodenkreditanstolt bestand bis 1929, wurde dann aufgelöst und ein Betrag von 16 000 Schilling wurde von der Bodenkreditonstalt auf das Konto bei der Firma Kur, Bloch u. Co. übertragen. Entstanden sind dies« Konti durch Einzahlungen von Firme«, und zwar als Differenz zwischen den Fakturenbeträgen und katsächlichen Zahlungen. Diese Aussage bestätigt den Verdacht, daß dieser Geheimfonds korrupter Natur ist. Am Morgen des zweiten Vcrhandlungstages wurde der K a- binettsbeschluß bekannt, den Befund der interministeriellen Untersuchungskommission über den Geheimfonds der Staats- anwaltschaft zu übergeben— was Vaugoin in seiner Zeugenaussage für den Fall angekündigt hatte, daß sicb Unklarheiten herausstellen sollten. Zu Beginn der AerhentWung stellte der Richter fest, daß es sich in dein Prozeß nicht um eine Strafunterfuchung gegen leitend« Funktionär« der Bundesbahnen handle, sondern um eine Ehrenbcleidigungskkige Dr. Strafellas gegen die„Arbeiter- Zeitung", und lehnte aus diesem Grunde die vom Klageoertreter und vom Verteidiger beantragte Vernehmung zahlreicher Vertreter von Kohlen- lieferungsfirmcn für die Bundesbahnen ab. Der Klagevertreter Dr. Gürtler, Präsident des Nationalrats, betonte, daß unter den beantragten Zeugen Personen find, die leitende Stellen bei den Bundesbahnen bekleiden und gleichzeitig Aunklionäre der Firmen, die mil kohienlieserungen sür die Bundesbahnen beauflragl würden. Die Vertreter beider Parteien erklärten es als unerläßlich, daß mit Rücksicht auf den Beschlutz des Ministerrats Präsident Barchans und Generaldirektor a. D. F o e st noch einmal vernommen werden. Der Richter erklärte jedoch, daß er keinen Anlaß habe, seine Beschluß- sassung über die Vernehmung weiterer Zeugen zu ändern. Der Prozeß dauert noch an. Das Ministerium packt aus. Wien. 18. September. Das Handelsministerium bestätigt und ergänzt in einer aus- führlichen Mitteilung an die Presse die im Prozeß Strasella vor- gebrachten Beobachtungen über den Geheimfonds bei den Bundes- bahnen. Das Geheimkonio bei der Bodenkreditonslalt Halle danach einen Umsatz von rund 328 000 Schilling, das Konto beim Banktyjus Bloch u. Co. hatte binnen zwei Iahren Eingänge von 840 000 Schilling. Beide Konti werden als Kohlcnkonti bezeichnet. Ihre Eingänge bestanden aus Preisnachlässen, Per- gütungen und ähnlichen Zahlungen der Lieferanten der Bundes- bahnen, und zwar in erster Linie von Kohlenlieseranten. Hierzu hob im Prozeß Strafella am Donnerstag Dr. Gürtler behauptet, daß der frühere Präsident Günther in erster Linie bei solchen Kohlen- sinnen Bestellungen ausgegeben habe, deren Verwaltungsrat er angehörte, billiger« Angebote anderer Firmen seien dabei u n- berücksichtigt geblieben und B e n h a n s habe die Bewilligung größerer Betröge aus dem Geheimfonds zugelassen. Ueber die Zahlungen aus dem Geheimfonds gibt die Mitteilung des Handelsministeriums genauer« Ausschlüsse. So seien dem Zokeyklnb(feudaler Spiel, und Renn verein) in 3 Raten 375 000 Schilling zugewendet worden. Neben dem Ehrengeschenk für den Präsidenten Giinche? im Werte von 57 000 Schilling und der Slbsertigung von 80 000 Schilling an den ausscheidenden Generaldirektor Maschat seien eine Reih« anderer beträchtlicher Zuwendungen hohen Beamten der Bundesbahnen gemacht worden. Generaldirektor Maschat habe vor seinem Ausscheiden 30 000 Schilling erhalten, die gleiche Summe habe sein Nachfolger Fo e st in seiner Eigenschaft als Beschaffungsdirektor erhalten. Die übrigen Vorstandsmitglieder hätten je 20 000 Schilling und die übrigen hohen Beamten der Bundesbahnverwallung Beträge von 10000 bis 20 000 Schilling be- kommen. Die Zahlungen feien im Oktober 1927 auf Weisung des Präsidenten Günther vorgenommen worden. Im Oktober 1928 seien wiederum 200 000 Schilling als Sondervergütungen an denselben Personenkreis verteilt worden. Thüringische Koalitionssreunde. Brutale Drohungen der Nazis gegen die Voltspartei. Weimar. 18. September. Di« nationalsozialistische L a n d t a g ss r ak ti o n hatte in einer Erklärung festgestellt, daß der Ausgang der Reichstagswahlen insbesondere sür das Land Thüringen eine Vertrauens- kundgebung für die Tätigkeit des Ministers Dr. Frick und für die Fraltion selbst bedeute. Stimmenthaltung der Deutschen Volkspartei, wie sie von dieser bekanntlich bei dem sozial- demokratischen Mißtrauensantrag gegen Minister Dr. Frick geübt worden ist, würde nicht mehr geduldet. Entweder sei die Volkspartei für ein bewußt nationales Thüringen oder sie sei ein willfähriges Werkzeug der Sozialdemokraten. Würde eine in der Regierung vertretene Partei durch unsachlichen Kampf gegen die Nationalsozialisten die Geschäfte des Marxismus oder des Bolschewismus besorgen, so seien die Nationalsozialisten in Thüringen bereit, einen neuen Wahlkampf zu fuhren. Die Deuffche Volkspartei antwortet jetzt mit einer Gegenerklä- rung. Angesichts der Tatsache, daß gerade die Deutsch« Volkspartei in der Bekämpfung des sozialdemokratischen und kommunistischen Radikalismus fett der Revolution in vorderster Linie ge- st a n d e n Hab«, längst ehe es eine nationassozialistffch« Partei ge- geben habe, werde man über den Vorwurf der Nationalsozialisten, die Volkspartei habe durch ihr Verhalten die Geschäfte des Marxis- mus und Bolschewismus besorgt, mit einem Lächeln hinweggehen können. Die Entscheidung darüber, wie die Volkspartei künftig ihre Politik treiben werde, sei ganz allein ihre Sache. Belehrungen darüber von den Nationalsozialist«» lehne die Deutsche Volkspartei entschieden ab. Roiverordnung und Kriegsbeschädigie. Milderungen kür Kranke in Ausficht genommen. Die Verbände der Kriegsbeschädigten sind, wie wir hören, an zuständiger Stelle wegen einer Befreiung der erkrankten Kriegs- beschädigten von den neuen Gebühren fürKrankenschein« und ärztliche Verordnungen vorstellig geworden. An zuständiger Stelle sei eine Milderung dieser Be st im münzen in Aus- sicht genommen und mit dem Erlaß einer neuen Verordnung zu rechnen. Tagung des preußischen Giaaisrais. Der preußisch« Staatsrat tritt am Dienstag zu einem Tagungsabschnitt zusammen, der vier Tage dauern soll. Haupt- gegenständ der Beratungen werden die preußischen Aus- führungsverordnungen zur Nowerordnung des Reichs- Präsidenten fein, und zwar zur Durchführung der Bürger- abgab«, zur Gcmeindebiersteuer und Gemeinde- getränkcsteuer sowie zur Verordnung- über die V c r- hütung unwirtschaftlicher Preisbindungen. Oer grobe Llnfug. »In der Schule hat er nischt lernen wollen. Aus der Lehre ist er rausjefchmissen. Bei jeder Schlägerei ist er mang. Lln' nu ist er obendrinn noch Abgeordneter bei de Nazis geworden. Ick fahre ja, nischt wie Llnfug hat der Bengel im Kopf." Vrrschärster Streik in Barcelona. Arbeiierredakieur verhastet./ Gtudenien solidarisch./ Soldaten als Mütlkutscher. Stahlhelm gegen Iungdo. Oüsterberg bestreitet jede Verhandlung mit Franzosen. halle, 18. September.(Eigenbericht.) Dor dem Einz-lrichter des Gerichts Halle mürbe am Donners- tag eine Privatklag« des zweiten Bunbesführers des Stahl- Helms, Oberitlentncmt a. D. Duesterberg, gegen den Ge- fchäftsführer des Jungdeutschen Ordens Borne mann und den verantwortlichen Redakteur des„Jungdeutschen", Hauptschriftleiter Pastenaci, wegen Beleidigung oerhandelt. Dem Prozeß kommt besondere Bedeutung zu. weil durch chn festgestellt werden soll, ob der Stahlhelm mit Franzosen in Berbindung getreten ist oder nicht. Zlls der Iungdeutsch« Orden vor mehreren Jahren- Gegend von honan und das bevorstehende Ende der kämpfe meldet. sicherzustellen. Aach die Straßenbahnen sollen von Soldaten wieder in Sang gebracht werden. Spaniens Sozialisten für Republik. Madrid. 18. September. Das Nationalkomitec der spanischen sozialistischen Ar- beiterportei hat sich in seiner heutigen Sitzung von neuem bereit «rttärt, an joder ernsthaften Aktion teilzunehmen, die durch andere politisä)« Elemente unternommen würde, um die Errichtung eines trcpubli kon ische n Regimes in Spanien herbei- zuführen. Es wird ein llntcrkomitce gebildet werden, das die Frage der Zusammenarbeit mit andere», in diesem Sinne agitierenden Parteien prüfen soll. Der Nationalkongrcß des spanischen Ge- wcrkschaftsbundes, der am IS. Oktober in Madrid zu- sammentritt, wird wahrscheinlich diese Frage auf seine Tagesord- nung setzen. Sollten sich diese Siegesnachrichten bewahrheiten, so wäre der diesjährige Feldzug der chinesischen Oppositionsparteien undxihrer Armeen gegen Nanking gescheitert. Daß aber damit die Kämpfe in China aushören werden, ist ein allzu optimistischer Traum. Vielleicht wird mit der Einnahm« von Ticntsü, und Peking, wenn Nanking die Kraft dazu aufbringen sollte, der Feld- zug für dieses Jahr ein Ende haben. Der Krieg wird ober neu aufleben und dafür sorgt schon die benachbarte Macht und die von ihr ausgehaltenen Generäle. Solang« die chinesische Revolution nicht beendet ist, werden auch die Kämpfe an- dauern. Ein Ende der Revolution und des gegenwärtigen chinesischen Chaos ist aber nur denkbar, wem, den Millionen hungernden und verhungernden Bauernmasscn der Weg zur Emanzipation durch die Enteignung des Großgrund- besitzes nicht freigemacht wird. Oer pilsudski-Kurs. Schon Majestätsveleidigungsprozesse.— Wahlaufrufe beschlagnahmt. Warschau, 18. September.(Eigenbericht.) 'Auf Grund der Aussage des Lubliner Starosten(Stadtchefs), des Polizeikommandanten, eines Polizeioffiziers und eines Kriminalpolizisten, die als Belastungszeugen austraten, ist die Abgeordnete Frau Koscowfka(Bauernpartei Befreiung), die während der Kundgebungen an, Sonntag in Lublin verhaftet wurde, vom Bezirksgericht. zu 6 Monaten Gefängnis wegen Beleidigung Pilsudskis verurteilt worden. Die Wahlaufrufe der sozialistischen und der Nationaldemo- tratifchen Partei wurden in Warschau beschlagnahmt. Die russische Regierung ließ in Paris durch ihren Botschafter Dorogalewski gegen die Teilnahm« von Emigranten in Uniform an einer Parade vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten protestieren. Staatssekretär Bcrthclot oersprach, der Sache nach- zugehen. Dr. Schicmann scheidet aus dem Parlament aus. Der deutsch- baltische Abgeordnete und Führer der Deutschen Fraktion im lett- ländischen Parlament Dr. Schiemann hör mit Rücksicht auf seine Erkrankmrg, die einen mindestens halbjährigen?lusenthalt in Davos notwendig macht, der Deutschen Fraktion sein Zlbgeordnetenmandat zur Persügung gestellt. � WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abi) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz ffiweiiag u, Scnttahettd, soweit(Üovrat hillige ßehensmüttel Fische, Obsf u. Gemüse werden nicht zugesandt &t4sches fleisch Rinderkamm und Brus» 0.90 Suppenfleisch.• Pfund 0.88 Gehackfes.... Pfund 0.80 Schmorfleisch 1.1 4�. 1.38 Roastbeef-m» Knoch., Pfd. 1.14 Hammel-Vorderfleisch 1.12 Gulasch...... Pfund 1.00 Schweinerücken mit Big. 1.05 Schweinekamm"pfulid 1-10 Liesen....... Pfund 0.75 Rüekenfeff bratfertig, Pfd. 0.80 Kaller mild gesalzen, Pfund 1.16 Kalbskamm u. Brust 0.94 Kalbsnierenbraten 0.98 Kalbsschnitzel Pfund 2.20 Fr. Bratwurst Sp*1 p'ünd � 28 Nierentalg auS30lasP,feunnd 0.54 gefroren Schweineschinken. 1.10 Rinderkamm Ghst u. Setnüse u. Brusff Pfund 0.86 Tomaten.... 3 Pfund 0.20 Musäpfei.Pfund 0.18 0.22 Goldparmänen Pfund 0.33 Kaliforn. Xpfel Pfund 0.48 Kochbirnen.. 2 Pfund 0.35 Graubirnen..• Pfund 0.24 Kaiserkronen. Pfund 0.35 Weintrauben.. Pfund 0.28 Goidtrauben j�'/p"d?br. f-55 Bananen... 3 Pfund 0.98 Zitronen.... Dutzend 0.36 Rot- u. Weihkohl pid. 0.03 Wirsingkohl... Pfund 0.03 Möhren gewaschen I Pfd. 0.20 Zwiebein..... 4Pfd. 0.20 Rote Rüben.. 4 Pfd. 0.20 Schmorgurken 4 Pfd. 0.20 Senfgurken. Pfund«.» 0.06 Blumenkohl Kopf von an 0.10 Kartoffeln... 10 Pfd. 0.25 Fettbücklinge Pfd.v.an Schellfisch. Pfund von an Seelachs i. stock., ptd.v. an Rotbars>. stocken, Pfd. V. an Makrelen Pfund von an Kieler Bücklinge SGCddi abgezogen, Pfd.v.on Aale v�sn 0.28 vp,ad; Matjesheringe fontn Lachs'• SlOdcan, Pfd. von an 0.28 0.48 0.48 0.48 0.52 0.42 0.68 2.40 0.28 1.25 3Colonia1woa*e*t Bruchreis..... PAmdO.18 Tafelreis gu-iaa.. Pfund 0.24 Haferflodcen..Pfund 0.25 Viktoria-Erbsen Linsen..... Weihe Bohnen Hartgrieh..... Pfund 0.30 neu. 0.22 0.29 Pfd. � 0.30 Eier» Schnitt> Nudeln 0.49 Makkaroni-tat. Art, Pfd. 0.68 Kalif. Pflaumen.. 0.38 Saure Kirschen"�nta 0.52 Ringäpfel amerik., Pfund 0-70 Kalif. Pfirsiche Pfund 0.72 Kalif. Birnen... Pfund 0.82 (t0ufsttMjaren&Case u,%rett Qeflüiel u.(Wild Hühner gefroren, Pfd. v. an 0.88 Tauben... sta-k von an 0.68 Gänse.... Pfund von an 0.95 Suppenhühner vo�ün 0.95 Brathähnchen Pfd.».an 0.98 Enten.... Pfund von an 1.05 Rebhühner stock von an 1.30 Kirschblätter Pfd. von an 0.90 Hirschrücken Pfd. von an 1.20 Hirschkeule Pfd. von an 1.40 rftaucherufat�n Bl uf u Leberwurst"td" 0.72 Dampf-*<"■ 0.98 Fleischwurst...Pfund 1,05 Sehlnkenpolnische 1.18 Mettwurst 125 Kümmel- f. 50 Zervelaf u.Salami Pfd. 1.65 Filet- u. Teewurst Pfd. 1.65 Speck f.« 0.95 mXrnd 1.35 Schinkenspeck. Pfund 1 ,70 Gekoditer Schinken n oc ohn. Schwarte, geschnitt., Pfd. Kfinfgsfr., Rosenthaler Str., Morrfzpla�: Speckwurst... Pfund 0.65 Berliner Mettwurst 1.00 tfCottserven � Junge Schnittbohnen 0.56 Erbsen faln 1.20 Junga 0.68 Leipziger Allerlei.■ 0.78 Gem. Gemüse mmoifein 1.00 Bruchspargel ohnaKspfa 1.65 Stangenspergel 2.00 Stangenspargel 2.70 PtlrSlchekaltf,,ohnaZuckar 1.05 Dlsardinen 0.45 0.35 0.24 Marmelade ÖIÄJr 0.85 PorÜonsstück vollfett Briekäse Camembert läMil Harzerkäse- Limburger 0.58 Dän. Schweizer J;< f»« Edamer.. voiiiatt, ptund Tilsiter vollfalt, Pfd. von an Steinbuscher voiifett.ptd, Holländer votitett, ptund Schweizer ÄÄ Margarine ptund 0.50 Molkereibutter Pfund Tafelbutter Pfund 1.52 Dän. Butter..■ Pfund (tüein Preisa für',1 Flasche, ohne Glas 1729 Wöiljtciner Tisch* und Bowlenwein 0.78 San Antonio span, Rotwein 0.95 1928 Obermoseler.... 0.95 1929 Freilaubersheimcr Rheinhesse 0,95 1928 Plattaner Neuberg lieblicher Mosel 1.20 1929 Liebfraumilch(Goidk.) 1.20 1924 Chat. 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Sthausph. (ia Qeidamtnmaittl. A.-V. 17 20 Uhr Prinz Friedridi von Hombarg Ende n.ZZUhr Ml.Schiiler-Tlieater.Uarltlig. 20 Uhr Der Hann mit dem Klepper Ende 22»/i Uhr CÄSIÜIO-THEATER Lothringer Strafe 97, Nur noch bis 30. September Der selige Hpllschlnsky anMIIIItllUMIIIIIIIMIUIIIHIIIItMIIUIMIIIIMIIIIIinilllllMniflll Am I. Oktober zum 1. Mole Hurrah, ein Junge! Outichein 1— ♦ Fers. Fauteuil 1.25 M, Sessel 1,75 M.— Sonntags- Preise Parkett 75, Rang'60 Pfg. Little Esther tanzt und singt Hans Kolischer» Schwester Duffek Stenzeel und seine 14 Casanovas Torino, der unerreichte Jongleur Argentino» 5 Aleximes- Luftgirls Sonnab. u. Sonntags Je 2 Vorstellungen 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise Das führende Varieti! aRCusDIlCf U VARtETE'DUO VIT Reichshallen-Theater Abends[T| Sonntag n.dizn.| 3'*| Stettiner Singer Das gr. Septembei-Progr. mit ö�aBBIurasn sprefflen" MA Nadim. halbe Preise I Zentr. 11263. 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Soontig 9-z oßd 5 I Meine Sdiwester und Idi metropoi-Theater Täglich 89« Uhr 5cn«atioBcllcr Operettcnerfol� t Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Sonntag 9-3 Uhr Das Land des Lächelns 5 Uhr Friederike. Neues Theater i. nm Zoo— lmRabDh.bD.Stpl.6SS4 Täglich SV. Uhr Lommel in der Posse Paul und Paniine Rundfunkhöret DalDe Preise. Deulsehes lOnsller-Thei). Tel Rarharossa 3937 89. Uhr Jim und Jill Optriiti V. liviaD Ms Renaissance- Theater Stcinplatz 6789. 9 Uhr Dia Wonder-Bar Oper 89, Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Rose- Theater lir.FniBiilDrtarsrr.uz Tel. Alex 3422u.349A 8.15 Uhr: Braut r. Kessina mit Irene Tiiesdi ale babelle. Theater am Kotth. Tor Kottbusser Str. 6 TIgl. 8 Uhr aack Sonnt. nachm 3 Uhr Ellle- sander Das Berwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Ki lieheo fervaniten. Zum SchiuB: Pinselheinrichs Himmelsklause! Kottbui I Verkäufe Einotcutn,_ Szillat, Jtolonicfltofie_9. Total-Anoncrlauf, Teppiche, Läufer s!»fse. 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Dank diesem Einsehen konnte die gestrige Sitzung des Stadtparlamentes in ruhiger, sachlicher Arbeit zu Ende geführt werden und die Kommunisten konnten trotzdem ihre Rede gegen die Drllning-Regierung vom Stapel lassen. Vei vernünftiger Einstellung hatten sie dos alles schon am Dienstag haben können. Für die kommunistische Fraktion sprach, besser schrie Herr Kasper seinen Sermon in den Saal. Seine Rede zeigte, wie sehr den Herren die Aufdeckung ihrer sauberen Doppelrolle durch den„vor- w ä r t s" aus die Verven gefallen ist. So wurde die Rede gegen die Brüning-Regierung zu einer einzigen Brandrede gegen die Sozialdemokratie und den„Vorwärts", hin und wieder brüllte der Psychopat Lange etwas von„Alle Mann köpfen" und„Sowjetdentschland wird es euch zeigen" dazwischen. Mögen sick) die Hasardeure nicht läuschen: Die Sozialdemo. k r a l i c wird die Arbeiterschaft vor der faschistischen Diktatur ebenso zu schützen wissen wie vor der Verwirklichung der verbrecherischen Pläne unfähiger Maulhelden. * Die längst« Zeit in den Verhandlungen der gestrigen Stadt» verordnetensitzung nal)m die Beratung der kommunistischen Anträge gegen die Steuernotverordnungen der Regierung Brüning und gegen die Steuerfestsetzungen durch den Obervräsidenten der Provinz Bran- denburg aus Anlaß der Ablehnuno des SteueroerteiUingsschlüssels bei den letzten Etatberatungen ein. Stadtverordneter Kasper (Komm.) wandte sich eingangs seiner Ausführungen gegen den „Vorwärts", dessen aufklärende Berichterstattung sein Mißsallen gefunden hatte. In fast 1>-stllndiger Rede schob er der Sozialdema- kratie alle Schuld an den Maßnahmen der Brüning-Regierung zu; in dem fast geleerten Hause fand er lediglich bei seinen Fraktion?- genossen Beifall. In wirkungsvoller Weise wurde die Demagogie des kommu- nistischen Redners durch den Stadtverordneten Ittese(Goz.) abgefertigt. Die„Rote Fahne", so erklärt« Ries«, könne man wirk- lich nicht als das Muster einer Zeitung mit objektiver Berichtet- stattung hinstellen. Aus der Fülle des vorliegenden Materials griff der Redner einen VorGang heraus: Am Dienstag hat der Frak- rionsvorsitzende der Kommunisten, Pieck, den von den National- so.zialisten gestellten Antrag auf Auslösung der Stadtverordneten- Versammlung mit der Begründung abgelehnt, daß die Folge der Auflösung eine„Faschisierung der Stadtverwaltung" wäre; die „Rote Fahne" berichtete darüber,' daß die Sozialdemokraten eine Auslösung des Sladtpoklamcntes verhindert hätten. Was ist nun der Wille der Konimunisten? fragt« Genosse Riese. Weiß man in der kommunistischen Fraktion nicht, was man will, oder soll man. was naheliegender ist, die Berichterstattung der„Roten Fahne" als lügenhaft bezeichnen. lZurufc bei den Soz.: Das letztere ist der Fallit Die Sozialdemokraten, fuhr der Redner fort, find selbstverständlich gegen die Verschlechterungen der sozialen Fürsorge durch die Regierung Brüning. Dos kann hier im Stadlparlament nur bekrästigt werden, denn es ist von ollen sozialdemokrati- schen Rednern im Reichstage und ganz besonders im Wahl- kämpf mit oller wünschenswerten Deutlichkeit gesagt worden. Weil ein Teil der bürgerlichen koalitionsgcnosjen solche 8er- ichlcchtcrungcn schon in der Regierung des Sozialdemokraten Müller beabsichtigten, ist die Sozialdemokratie aus der Regierung ausgcschieden. Gegenüber gewissen Behauptungen des kommunistischen Vor- rcdners betonte Riese, daß in der Sozialdemokratischen Partei von jeher bis aiif de» lzeutigen Tag volle Diskussionsfreiheit herrscht und daß jedes Mitglied das Recht genießt, seine Ansicht in aller Oefsentlichkeit zu vertreten. Mit der Behauptung des Gegen- teils ist diese Tatsache nicht aus der Bklt zu schafsen, um so weniger. als gerade in der kommunistischen Partei jeder, der sich selbständiges handeln und Denken bewahren will, rückjichtslbs unter die Partei- knute gerät. Dem Protest der Kommunisten wird sich die sozial- demokratische Fraktion, soweit sie es verantworten kann, anschließen. Dabei darf aber gesagt werden, daß sich die Sozialdemokraten von den Protesten gegen Reichsgesetzc in der Siadtverordnetenversamm- liiirg sehr wenig versprechen. Die Aenderung oder die Aufhebung der Briiningschen Notverordnung ist Sache des Reichstages. An der Festsetzung der Steuerzuschläge für das Etatjahr IStzO durch den Oder Präsidenten ist die Stadtverordnetenversammlung nichr gan z unschuldig. Eine Mehrheit, die sich aus die Kommunalpolitik negie- renden Parteien im Rathaufe zusammensetzte, hat bei den Etai- beratungen in diesem Jahre den Mut gehabt, den Berliner Etm scheitern zu lassen. Die Vertreter dieser Politik mußten sich selbstverständlich im klaren darüber sein, daß die Aufsichtsbehörde nunmehr die Balaneicrung des Etats von sich aus vornehmen wird Es steht den Kommunisten, die zu dieser Mehrheit gehörton. jetzt schlecht an, wenn sie als ersten gegen die Maßnahmen der Aussichts- bchörde protestieren. Trotzdem erachtet aber auch die sozial- demokratische Frakiion die Stcuersestjetzungen als eine ungeheure Härte gegen die arbeitend? Bevölkerung Berlins und sie wird sich dem Protest dagegen anschließen. Was für Rußland heute noch ein Experiment ist, so schloß unter dem großen Beifall der Sozial- demokratcn der Redner, das würde für Devlschland ein ungeheures Unglück bedeuten. Deshalb lehnen wir all« Empfehlungen aus Nach- ahmung russischer Verhältnisse rundweg ab. In der daraus folgenden Abstimmung wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten der Protest gegen die Bürgersteuer sKopfstcuer) angenonnnen, ebenso die F�st- stellung des Antrages, daß in der Anordnung der Steuergesetzc init Hilfe des 8 48 durch die Brüning-Regierung«in Berfa ssungs- b r u ch erblickt wird. Die Aufforderung des kommunistischen An- lrages, die Bevölkerung zur Borweigerung der Steuerzahlungen auszurufen, wurde gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Angenommen wurde auch der Protest gegen die Steuer- seftsetzungen des O b« r p r ä s i d e n t c n. Eine schwache Mehih.it aus Koinmunisten, Deutschnationalen, dem Zentrum und den Wirt- schaftspnrieilern beschloß ferner, beim preußischen Innenministerium die Aufhebung der oberpräsidialen Steuerfestsetzungen zu verll�igen. Theater der Nazis- Diäten nicht vergessen? Bor Eintritt in die Tagesordnung erregten die Nazis für eine» Augenblick das Interesse der Versammlung. Als nämlich der Vorsteher, Genasse haß, die Zustimmung der Versammlung zu der Erledigung der Tagesordnung nach seinen Vorschlägen fest- stellte, glaubten die Nazis, min auch ihrerseits irgend einen Prolest nach dein Muster der Konununisten vom letzten Dienstag vor- bringen zu müssen. Herr L i p p e r t beschwerte sich über eine„Per- gcwaltigiing" durch den Vorsteher, die daraus hinausliefe, die FiugzeugKaiasirophe in stufigan. Luftakrobat Schindler und drei Flieger gelötet. Auf dem Flutzplatz Stuttgart-Böblingen stießen am Tonncrstag nachmittag bei einer Flugzcugvorführung zwei Flugzeuge zusammen und stürzten ab. Tie vier Insasse» waren auf der Stelle tot. lhs handelt sich un, de» Fluglehrer und Luftakrobaten Schindler, Haupt- mann Ingwer, Flugzeugführer Spengler und Monteur Hagcnmester. Bei den Flugzeugen handelt es sich um eine K.l e m m- Maschine und einen II d e t- F l a in i n g o. Die Ursache des Unglücks ist daraus zurückzuführen, daß der bekannte Lustakrobat Schindlet; So n einem Flugzeug in da z andere steigen wollte. Dieses Lustakrobateukunststück wurdg.ihm seinerzeit auf, d e m Flügplatz Tömpelhvs verboten. In Böblingen wölkte' er es nun durchführen. Zu diesem Zweck war zwischen den beiden Flugzeugen eine Leiter befestigt worden. Das eine Flugzeug führte hauplman Engwcr, ein alter Flieger und Leiter der Luftfahrt- schule Böblingen, das andere der Böblingcr Fluglehrer Spengler, der auch den Europa-Riindflug l9M mit Erfolg mitgemacht hatte. Als Schindler aus dem unteren Flugzeug herausgestiegen war und sich an die Leiter hing, geriet die obere Maschine in eine Bo, so daß Schindler, der bereits mehrere Sprossen der Leiter erstiegen hatte, herabstürzte. Die beiden Flugzeuge gerieten in- c i n a n d e r u n d st ii r z t e» a b. Schindler stand vor der Hochzeit. Freiburg, 18. September sPrivaimeldung.) Das tragische Endo des Freiburger Fliegers Fritz Schindler auf dem Böblingcr Flugplatz hat hier große Be- stürzung hervorgerufen. Schindler stand unmittelbar vor seiner Verheiratung mit seiner langjährigen Mitarbeiterin, der betonnten Fallschirmpilotin h e d i S ch u ni a n n. Die Hochzeit sollte in der nächsten Woche stattfinden. Schindler hat im Jahre 1929 die S ch i n d l e r- F l n g- G. m. b. h. ins Leben gemsen, deren Aufgabe es war, durch Veranstaltung von Flugtogcn für die deutsche Luftsahr zu werben. Dieser Ausgabe galt sein ganzes Streben und schweren Herzens hat er sich entschlossen, die L u f t a k r o b a t i k in den Kreis seiner Ausgabe zu ziehen, um auf diese Wesse das schwindende Interesse der breiten Masjen an der L u s t s a h r t neu zu beleben. Das war auch der tiefere» Grund, weshalb Schindler sich zur Ausführung, des Uinsteigens von. emsiri Flugzeug in ein anderes entschloß. Schindler widmete sich der Fliegerei seit 1913. Seit zehn Jahren war er Lustakrobai." Abgesehen von einer kleinen Sehnenzerrung, die er sich bei" einer Flug- Veranstaltung im Sommer dieses Jahres in Berlin zuzog, hat er nie einen ilnfall erlitten. Das Unternehmen Schindlers hat durch den Tod des kühnen Piloten feinen Leiter verloren. Schindler hat in Freiburg insbesondere auch den Segel fing gefördert und eine Jungsliegergruppe ins Leben gerufen, die in der nächsten Zeit mit Segelsiugversuchen auf dem höchsten Berg in der Freiburger Gemarkung, dem 1284 Meter hohen Schauinsland, beginnen sollt«. Wie berechtigt das Berliner Verbot derartiger Schaustellungen war, wird durch diese entsetzliche Katastrophe bewiesen. Vier wertvolle Menschenleben sind einem Akrobatenstück zum Opfer gefallen. Das Ansehen des Fliegens wird durch derartige Kunststücke bestimmt nicht gefördert. Doch nachdem Una die Sache Boutell getost hatte, ersuchte Charles sie öfter, mit Frauen über die Vorteile zn sprechen, die ein eigener Grundbesitz ihnen und ihren Kindern böte, während die eigentlichen, intelligentenei-Familien- haus in irgendeiner dummen Straße in Flatbush die Belohnung für fleißiges Arbeiten. Es ist gleichgültig, ob man gerne dort wohnt, wenn man dort nur gesichert ist. Und Sie wissen es— Herr Truax vielleicht nicht, aber Sie wissen es— daß dieses ganze heutige Bürosystem alle An- gestellten zu bleichen, gedrückten, nervösen Menschen macht—" „Aber du lieber Himmel. Kind, die Unternehmer haben es doch genau so schwer! Sie sprechen da von Nerven! Nehmen Sie unseren Fall. Der Agent leistet die Missions- arbeit, aber der Unternehmer hat die ganze Sorgenlast auf sich. Nehmen Sie irgendein großes Geschäft, das dem An- schein nach perfett zu werden verspricht— und mit dem man in dem Augenblick, da man schon den Vertrag schreiben will und erleichtert ausatmet, durchfällt. Oder, sagen Sie man hat sogar ein Geschäft abgeschlossen, und jetzt muß man Miete und Gehälter bezahlen und kann die Provision nicht hereinbekommen, die nach Abschluß des Geschästs fällig geworden ist. Und die Angestellten bestürmten Sie und verlangen gerade dann, wenn Sie sich den Kops zerbrechen, wo Sie das Geld für die Gehaltsauszahlung auftreiben sollen, unter Androhung der Kündigung eine Zulage Das sind die Dinge, die den Unternehmer um sein« Nerven bringen- Er muß den Betrieb in Gang halten. Ich kann Ihnen sagen, es hat manchmal seine Vorteile, ein Lohn- sklave zu sein und mit Sicherheit auf seinen Lehn rechnen zu können..." „Aber, Herr Fein, wenn der Unternehmer es ebenso schwer hat wie der Angestellte, dann taugt eben das ganze System nichts." „Lieber Gott, natürlich taugt es nichts! Aber wissen Sie denn irgend etwas auf dieser Welt, das wirklich was taugt— das halbwegs vollkommen ist? Außer vielleicht die Fugen von Bach? Religion, Erziehung, Medizin, Krieg, Landwirtschaft, Kunst, Unterhaltungen, alles— jedes System ist infolge plumper, überholter Methoden und infolge unserer eigenen Unwissenheit un, zulänglich— die ganze Menschheit arbeitet und spielt mit etwa zehn Prozent der Leistungsfähigkeit. Den einzig möglichen gesunden Boden für einem optimistischen Glauben an die Menschheit, den ich erkennen kann, bildet die Tatsache, daß auf beinahe allen Gebieten Spezialisten an der Arbeit sind, die Unzuläng- lichkeiten ausdecken— die beweisen, daß Alkohol und Krieg schlecht ssind und Schwindsucht und Griechisch unnötig— und damit zumindest einen Anfang �machen. Sie sind ungerecht gegen die großen Büros und Fabriken, Una, wo man wirkliche Proben auf höchste Leistungsfähigkeit anstellt, und wo man, wenn ein Mensch auf einem Posten nichts taugt, ihn an einen anderen stellt." „Es wird wohl nicht achzuvicle dieser Betriebe geben. In allen Büros, die ich kennen gelernt habe, waren die Verdauungsstörungen des Chefs die einzige Probe für den Angestellten." „Ja. ja, ich weiß: aber darauf kommt es nicht an. Rur darauf kommt es an. daß man solche Versuche beginnt. Denken Sie zum Beispiel an die Schulen, in denen die künftigen Hausfrauen tatsächlich kochen und nähen lernen, genau so wie vorlesen. Aber natürlich gebe ich zu, gerade die Totsache, daß es solche Schulen und Büros geben kann und gibt, ist eine Anklage gegen die schlechten Schulen und launenhaft geführten Büros! die wir gewöhnlich haben. Aber wenn es Ihnen gelingen sollte, dieses ganze Geschästssystem. das darin besteht,' die Leute wie in ein Eefängn's zu sperren, bioßzustellen, dann tun E'e's bitte, meinen Segen heben Sie dazu."(Fortsetzung folgt.) Nat i o na i st« n ak» bi« �zwsWärkste Parwi m TW�e* utiiiv tot zu machen. Sie. die Nazis, hätten nicht die Absicht, mit den Kommunisten, in einen Wettstreit im Gebrauch des Murchmerks einzutreten(ichallendes Gelächter in der Versammlung)! sie fühlten sich durch die Handhabung der Geschäftsordnung in der Vertretimg ihrer Wähler beschränkt und deshalb würden sie sich an den Ver- Handlungen nicht mehr beteiligen! Tatsächlich verließen auch zehn Mann von�den dreizehn Nationalsozialisten unter großer Heiter- feit den Sitzungssaal, um sieb— im Vorraum in den Anwesenheitslisten zwecks Sicherung der Diäten einzuschreiben! Debatte um die SexualberaiungSstellen. Eine längere Debatte entspann sich über einen, s o z i a l d e m o- k ratischen Antrag, der die Einrichtung von Ehe- und Sexual- beratungsstellen in allen Bezirken verlangt. Nach dem Bericht der Stadtverordneten Dr. Käte.'srantenthal(Soz.) forderte Frau Marczinski(Dnat.) von den Beratungsärzten, daß sie sich„ihrer Berantworlung dem Deutschtum gegenüber" bewußt sein müßten. Aus einen Zuruf, ob die Aerzte deutschnational sein sollten, deji- nicrte sie ihre Forderung dahin, daß es vor allen Dingen�nicht Juden sein dürften. Die antisemitische Frau wurde vom Stadt- verordneten Bamberg(Dem.) recch treffend abgefertigt. Frau Dr. Frankenthalabe nicht die Absicht, sich auf eine weitere Verschleppung der Angelegenheit einzulassen. Gegenüber dem vorher zu Wort gekommenen Stadt- medizinalrat Dr. von Drigaljki hob die sozialdemokratische Rednerin hervor, daß es in der heutigen Zeit nicht darauf an- komme zu sraoen, warum in einer Ehe keine Kinder und keine Schwangerschaft gewünscht werden. Sitlcnrichlmi zu betreiben lehne die Soziaidemokralie ab. Der Antrag wurde mit unwesentlichen Aenderungen angenonimen. Bei der Beratung über die Nachprüfung der Besoldungsordnung für die städtischen Beamten wurde beschlossen, insbesondere für die technischen Beamten Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen. Eine ganze Reihe Anträge wurde ohne Debatte den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Darunter befand sich eine Vorlage, der dem Magistrat die Ermächtigung gibt, in bestimmten Fällen den Stadthaushaltplan zu überschreiten. * In einem Dringlichkeitsantrag forderten die Demokraten eine Aenderung der Geschäftsordnung dergestalt, daß dem Vorsteher Rechte übertragen werden, die bisher nur dem Plenum der Ver- sammlung zustanden. So soll in Zukunft der Vorsteher da» Recht haben, bei groben Verstößen gegen die Ordnung Mitglieder der Versammlung von der Teilnahme an der Sitzung auszuschließen. Bei wiederholten Verstößen soll der Ausschluß bis auf fünf Sitzun- gen ausgedehnt werden können. Daneben verlangt der Antrag die Entziehung der Freifahrtkarte und den Ausschluß des betreffenden Stadtverordneten auch von den Ausschußsitzungen. Da der Dringlichkeit des Antrages von den Kommunisten widersprochen wurde, wird er geschäftsordnungsmäßig behandelt werden. Lernt fremde Sprachen. Die Freunde der internationalen Kleinarbeit laden ein.' Englisch-, Französisch- und Esperanto-An- fängerkurse beginnen in Kürze für Gleichgesinnte, die sich für das Wirken der Vereinigung„Die Freunde der Internationalen Klemakbeit" interessieren, Nachdem die diesjährige Befuchstötigkeit zwischen Deutschland, England, Irland, Schottland, F r ö tt �r e i ch s Belgien, Holland und Schweden außer- ordentlich erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Tausende be- suchten die Veranstaltungen der Ortsgruppen in den einzelnen Län- dern. Hunderle von persönlichen Freundschaftsbündnissen konnten geschlossen und somit der gesamten Arbeiterbewegung ein unschätzbarer D i e n st erwiesen worden. Um den Kreis derer zu erweitern, die da mithelfen wollen, wirtlich praktische internationale Kleinarbeit zu leisten, werden Gc- sinnungsfreunde eingeladen, an den neuen und bestehenden Kursen sich rege zu beteiligen. Deutsch wird soweit als möglich oermieden. Ein illustriertes Lehrbuch und große Wandbilder gestalten den Unterricht interessant. Jeder Teilnehmer lernt in Verhältnis- mäßig kurzer Zeit frei sprechen, um sich im darausfolgenden Jahr� entweder in dem betreffenden Lande mit den Freunden unterhalten, otzer aber, um die«rnwrbenen Sprachkenntnissc auch hier praktisch anwenden zu können im Kreise unserer ausländischen Freunde, die sich allwöchentlich während der Sommermonate im Gewerkschafts- haus mit deutschen Fredika-Mitgliedern treffen. Die Nachinittazszirkel laufen von 18— 20 Uhr, die Abendklassen von 20— 22 Uhr im Zentrum der Stadt. Der Unterrichtsbeitrag bleibt unverändert.„Der Pionier" resp.„The Pionier", das zwei- sprachige Organ der Fredika, steht Interessenten zur Verfügung. Anmeldungen für Kurse und Korrespondenzaustausch werden unigehend erbeten an die Geschäftsstelle, Berlin SW. 19, Kurstr. 32, am Spittelmarkt(Genosse W. F l o e r k e). Telephon Merkur 2190. Allen Zlnfragcn sollte ein Frciumschlag beigefügt werden. Berlins modernste Post. Fünfstöckiger Tleubau in Etsarlottenburg, Berliner Straße. Im Rahinen ihres Bauprogramms wird die Oberpostdiretnon Berlin als einen der nächsten Neubauten das neue fünfstöckige Post Haus in Ehnrlottenburg, Berlin«- Ecke Kirchhof- straße, fertigstellen. Dieses Eckgebäude, das eine breit« Front in der Berliner Straße einnimmt, wird ausschließlich Postzwecken dienen. In den oberen Stockwerken werden zwei neue automatische Fernsprech- ä in l c r untergebracht, die als Selbstanschlußämter die Teilnehmer von„Wilhelm" und„Fraunhofer" übernehmen werden.«Der Schalterraum des Poftaintes wird nach den guten Erfahrungen, die man mit offenen Schaltern gemacht hat, 14 offene Schalter erhalten. Fernfprechautomaten werden in besonders großer An, zahl aufgestellt werden. Für die Rentenauszahlungen sind besonder« Zimnier eingerichtet. Die Bauarbeiten sind soweit fort- geschritten, daß mit der Fertigstellung des Gebäudes Ansang nächsten Jahres gerechnet werden kann. Das neue Postamt wird im Früh- jähr eröffnet werden, während einige Verwnltungsräume bereits im Januar bezogen werden sollen. Pilot Eberhard außer Gefahr. Der Sturmvogel-Pilot Fritz Eberhard, der am Mittwoch mit seiner Maschine S726 in der Heerstraße eine Notlan- d u n g vornehmen wollte und dabei a b st ü r z t e, scheint glücklicher- weise nicht ernstlich verletzt zu sein. Eberhard, der im Hildegard- Krankenhaus Aufnahme fand, war zwar in der Nacht be- siiiuungslas, erholte sich oder in den Morgenstunden des Donnerstag und kann auch schon wieder sprechen. Der Flieger hat keinerlei äußer« Verletzungen erlitten. Es wurde heute vormittag »ersucht, mit erner Röntgenaufnahme festzustellen, ob er inner« Ver- Ein schöner„Amazonenchor". Fünf Mädels vor dem Lugendgericht.— Durch Schmuck und bunten Taut verführt. Zn einer nichlössentlichen Sitzung, zu der nur die Dresse zugelassen war, bcfchäsligle sich dos Erweiterte Zngendgericht Neukölln unter Vorsitz von Landgerichts- ral L ü h r e s mit den Diebereien einer Neuköllner Lande, die aus fünf Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren bestand. Die-'Anklage legte dein sogenannten„ A m a z o n e n ch o r" fortgesetzten Bandendiebstahl zur Last. Bei der Ber- nehmung zur Person stellte sich heraus, daß sämtliche An- geklagten Halbwaisen sind. Die jugendlichen Diebinnen kannten sich bereits von der Schulzeit her und begingen ihre ersten Diebereien teilweise schon als Schulkiwdcr. Bei gewöhnlichen Spa- ziergängen durch die Warenhäuser oder Wochenmärkte machten sie Gelegenheitsdiebstähle, die schließlich zur Gewohnheit wurden und so ausarteten, daß sie seit fast zwei Jahren mehrmals wöchentlich ihre Diebeszüge unternahmen. In allen größeren Warenhäusern Berlins, auf Wochenmärkten und in Schulen machten sie ihr„Ge- schüft". Die beträchtliche Beute umfaßte alle nur denkbaren Ge- brauchsgegenständc. Kleider, Schuhe, einer Mundhar- monika, Silberlöffel, Perlenketten, Strümpfe und Arnibänder, Trenchcoats und Baskenmützen erbeutete die Band« in Schulen. Daß die Bande fast zwei Jahre hindurch ihr Treiben unbemerkt von den Bestohlenen und von den Eltern der Angeklagten ausführen konnte, ist dem großen Ge- schick der Mädchen zuzuschreiben. In kleineren Gruppen begingen sie ihre Diebstähle. Während eine die Beute ergrisf und in die Tasche steckte, stellte sich die andere so geschickt davor, daß nicinaiid etwas sehen konnte. Die Estern wußten von dem Treiben nichts, ahnte» auch nicht, daß die„Geschenke", die die Mädels ihnen und anderen Angehörigen machten, Diebesgut waren und glaubten ihnen, daß sie von dem schwer zusammengesparten Geld gekmist worden seien. Das Schicksal ereilte die Angeklagten am 1. Mai 1930, in einem Neuköllner Warenhaus. Der Staatsanwalt beantragte gegen vier der Angeklag- ten Gefängnis st rasen von sechs bis zehn Wochen. Außerdem beantragte er gegen alle Bewährungsfrist. Für eine der Angeklagten plädierte er auf Freisprechung wegen mangelnder Ein- sicht und empfahl für sämtliche fünf beschuldigten Mädchen Schutz- a u f s i ch t und Fürsorgeerziehung. Das Erweiterte Jugendgericht Neukölln verurteilte zwei der angeklagten Mädchen zu je einem Monat und eine weitere Angeklagte zu drei Wochen Gefängnis. Zei Mädchen wurden mangels Einsicht der strafbaren Handlung freigesprochen. Während gegen die letzteren die Einführung von Erziehungsmaßnahmen angeordnet wurde, billigte das Gericht den drei Verurteilten eine dreijährige Bewährungsfrist zu. vwaekiWiilchU Fast jeder dritte Berliner gab seine Stimme der Liste 1. Der Wähler muß zum Mitkämpfer werden! Werbt für die Partei der Arbeit! Der„Vorwärts" ist euch Helfer! lctzungen davongetragen hat. Das Ergebnis der Untersuchung wurde bis Redaktionsschluß nicht bekannt. Der Pilot Eberhard gilt als einer der befähigsten Flugzeugführer des Flugvcrbandes der Werk- tätigen und führte auch das Geschwader des Sturm- vogels während des Deutfchlandfluges für Liste 1. Wenn Nazi und Kozi sich zanken. Heinz Neumann auf der Anklagebank. Die Schägerei, die am 12. Januar d. I. im Stodttheater in Köpenick zwischen Kommunisten und Nationalsozia- listen stattfand, sand am Donnerstag vor dem Erweiterten S ch 8 f f e n g e ri ch t in Köpenick ihr Nachspiel. Da neben zwei jungen Kommunisten Walter und Meyer auch der kommunistische Reichstagsabgeordnete Heinz N« u m a n n auf der Anklagebank saß und sich vor dem Gerichts- gebäude eine große Anzahl von Kommunisten angesammelt hatten, wurde die Polizei herbeigerufen, die das Gerichtsgebäude absperrte. Die Anklage gegen die inei- Kommunisten lautete auf La n d f r i e- densbruch und Zlufreizung zum Klassenhaß. An d/m genannten Tage hatten die Rarionalsozialisten einen Vortrags- abend veranstaltet, bei dem eine Diskussion vorgesehen war. Zu der Aussprache meldete sich der komnimifftische Reichstagscrbge- ordnete Neumann. Die Frage der Nationalsozialisten, ob er sich zu dem Schlagwort:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" bekenne oder nicht, bejahte Neumann. In einer ausführlichen Begründung seiner Stellungnahme erblickten die Na- tionalsozialisten eine Aufreizung zu Gewalttaten und zum Klassen- haß. Es entstand sehr schnell eine wüste Schlägerei, in der sich be- fonders die beiden erstgenannten Kommunisten hervortaten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Walter und Meyer je 3 Monate Gefängnis und gegen Neumann 9 Mo- nate Gefängnis. Das Gericht kam zu einer Frei- sprechung sämtlicher Angeklagter. In der Begrün- durig führte der Vorsitzende ans, daß der Beweis nicht dafür er- bracht worden fei, daß der Abgeordnete direkt in diesem konkreten Fall zu Gewalttätigkeiten aufgefordert habe. Seine Ausführungen seien mehr allgemeiner Art gewesen. Anschließend an die Verhandlung kam es vor dem Gerichts- gebäude zu einem kleinen Zufamnicnstvß zwischen der Polizei und etwa 100 Kvmmunisten. Während die Polizei die Menge zu zer- streuen suchte, formierten sie sich zu einem Zuge und zogen, kom- mimistrschc Lieder singend, durch die Straßen Köpenicks. Man kann fernsehen. Ein geglückter Versuch Also dos Wunder ist tatsächlich gelungen. Es funktioniert noch nicht so tadellos wie etlva der Rundfunk oder der Fiw>, aber es ist Wirklichkeit geworden. Auf der Bühne der Scala steht eine schmale Glasscheibe, auf der erscheiueii die Köpfe der Leute, die in einem Büro.in der Friedrichstadt vor einem Ausnahnieapparat sprechen, singen oder agieren. Jede Bewegung, jede Mundstellung ist genau zu ertenne», und die Stiinme wird gleichfalls genau übertragen.'Allerdings ist das Bild verregnet wie es die ersten Filme vor dreißig Jahren wcrren, aber was schadet es? Das Prinzip des Fernsehens ist gefunden, und bald werden technische Berbesse- rungen eintreten, die diefe Mängel beheben und den ganzen Betrieb verbilligen. Der Erfinder ist der schottisch« Ingenieur � a i r d, und er bedient sich des sogenannten Fernselzabtasters. Das Prinzip beruht darauf, daß der fernzufelzend« Mensch vo» einem Lichtstrahl abge- tastet wird, den photoelektrische Zellen auffangen. Hier werden die Lichtschwankungen in Stromschwankungen umgesetzt, auf einen Verstärker übertragen und durch einen Telephonkabel zum Empfänger geleitet. Hinter der Glasscheibe dieses Empfängers befinden sich etwa 2100 kleine Glühbirnen, die, beeinflußt von der Sende- apparatur, in wechseluder Stärke aufleuchten und auf dies? Art das Bild erzeugen. Die Taiiiibertrngung ersosgt über ein normales Mikrophon über eine besondere Leitung auf die beiden vor dem Bild« befindtichen Lautsprecher. Die Uebertragung ist akso noch an eine Leihmg gebunden. Wird sie verbefsert und wird sie draht- l o s übertragen werden können, dann ist der Hauptwunsch dcS Radiohörers erfüllt. Die Fernsehexperimente in der Scala sind die ersten auf dem europäischen Kontinent. Sie werden in den nächsten Tagen m beiden Vorstellungen vorgeführt werden. Hilfe unseren Alten. Neueei städtisches Altersheim in Biesdorf. Das vom Bezirksamt Lichtenberg neu erbaut« Städtische Altersheim Biesdorf soll Zlnsang Oktober d. I. eröffnet wer- den. Das Heim liegt an der Köpenicker Straße in Biesdors-Süd, etwa zwei Kilometer vom Bahnhof Wuhlheide entfernt. Es ist ein zweigeschossiger Bau mit 24 ein- und 24 zweibettigen Zimmern lind geeignet zur Aufnahme von 72 Personen. Ausnahmeantkäge sind an das Wohlfahrtsamt Berlin-Lichtenbevg, Türrschmidtstr. 23, Zimmer 87, zu richten. Das Altersheim ist dazu bestimmt, Einwohnern der Stadtgemeinde Berlin in der Regel im Wege der öffentlichen Fürsorge Unterkommen und Verpflegung zu bieten. Aufgenommen werden nur älter« hilfsbedürftige Personen beiderlei Geschlechts, die körperlich rüstig sind und keiner fremden Wartung und Pslcge bc- dürfen. Es sollen nach Möglichkeit solche Personen berücksichlixt werden, die eine Altwohnung zur Verfügung stellen. Di« in das Altersheim aufgenommenen Personen erholten dort Unterkunft, Heizung, Beleuchtung und, soweit sie sich nicht selbst beköstigen, Verpflegung. Das Mitbringen und die Benutzung eigeirer. in reinlichem Zustand befindlicher Möbel lind Betten ist nach dci-.i Ermessen des Wohlfahrtsamtes gestattet. Gurauer nicht Sozialdemokrat. Die„Rote Fahne" hat in ihrem Bericht über den Prozeß gegen den kommunistischen Reichstagsabgeordneten G o h l k e vur dem Neuköllner Schöffengericht die Behauptung aui- gestellt, der Landgerichtsdirektor Gurauer sei Sozialderno- trat,„der unter loyalem Mantel reoolutionäre Arbeiter zu äußerst brutalen Strafen verurteilt hätte". Wie sehr die ,Fir>te Fahne" niit ihrem blinden Haß gegen die Sozialdemokratie wieder eininol danebengehauen Hobe, beweist eine„Bo r w ä rt s"- N o t i z voisi 20. April 1930. In dieser wurden unter der Ueberschrift„Er weis; nichts vom 1. Mai" Vorwürfe gegen Gurauer erhoben, weil er ausgerechnet zum 1. Mab mittags 1 Uhr— dein Zeitpunkt der sozialdemokratischen Maikundgebung— eine Besprechung mit den Schiedsmännern einberufen hatte. Herr Gurauer ist nicht Mit- glicd der Sozialdemokratischen Partei. Der Ozeanslieger Wolf v. Gronau wird am kommenden Sonn- tagnachmittog mit einem Dornier-Wal E» 142 2, mit dem er den Ozean überquerte, auf dem Templiner See in der Nähe des Patsdainer Luftschiffhasens landen und im Luftschisf- Hafen Potsdam an Land gehen. Von einer Landung auf den Ver- liiier Gewässern, die zuerst ebenfalls in Enoäguiig gezogen war, ist in Anbetracht des regen Sonntagswassersports Abstand genommen worden. Von Granau wird am Sonntag mittag in Hamburg starlen und dürfte gegen 4 Uhr im Potsdamer Luftschisshafen zu er- warten sein. Zeugen gesucht, die einen Zwischenfall vor der„V o r w ä.r t s"- Filiale Boxhagcner Straße 02 am Wahlsonntag zwischen 22.30 und 23 Uhr mitansahcn. Meldung an die„Vorwärts"-Filiale«rbetc». Aus der Partei. Solidaritätskundgebung der französischen Harte:. Der französische P a r t«! v o r st a n d hat an den deutschen Parteivorstand nachstehende Kundgebung gerichtet: „Wir beglückwünschen auf das herzlichste die deutsche Sozia!- demokratische Partei zu dem heißen Kampf, den sie geführt hat, und wir sind stolz, daß sie dank ihrer inneren Festigkeit und dem Opfermut ihrer Mitglieder dem gewaltigen Ansturm der kapitalistischen Bourgeoisie, der militaristischen Reaktion nnd des demagogischen Bolschewisinus zu widerstehen vermocht hat." gez. Leon Blum, Paul Faurc. uoübertrollenkei Rheuma Gicht f Kopfschmerzen Isdüas.Hexensehufi». Erkältungskrankheiten. I � j Entfernt d Harnsäure! 6000 Arzte�jutachten! I Vollkommen tmschädlich. Frag. Sie Ihr. Arzt I mr ÄRTS 55 Spreewald" an der Heerstraße Der„Vorroärts" berichtete ■'rstern in Bild und Schrift über 'r;i Arbeitslosen, der sich in dem 1 leinen Verbindungskanal zroi- : her, Hanel und Stößensee ein Sdiiffsmrack als Notwohnung in','- rieht et hat. Der kleine asserweg, der sich mit vielen Bindungen kreuz und quer curch die saftigen, feuchten Wiesen des Tief werders schlän- l'Ai, heißt im Volksmund der Snreewald" Spandaus. Dicht der Fabrikstadt, an seinem A fang grüßen die Kohlenberge des Spandauer Hafens und an seinem Ende donnern die Autos und Straßenbahnen der Stößen- sccbrüd.e, liegt hier oerborgen ein idyllisches Stückchen Eide. An den i fern des Baches, der von vielen zierlichen Holzbrücken überspannt roird, liegen— vom drün fast vollkommen versleckt — die Lauben Berliner Arbeiter und Angestellten, hin und rvieder abgelöst durch feudale Sommervillen oder Bootshäuser c'cr U assers portler. Buhig zieht der kleine Fluß, der vielen Schwänen liehe Heimat ist. vorüber. Es ist friedlich und still, wie im S preemald der sauren Gurken... Aus der Arbeit der Bezirke. Die Mehrzahl der Berliner Bezirksparlamente hat ihre Arbeit wieder aufgenotnmen. Leider ist der Auftakt für die neue Tagungsperiode alles andere denn erfreulich. !l iccler sind es die Kommunisten, die. in ihrem fanatischen Haß gegen die Sozialdemokratie die Interessen des ar- SA! enden Volkes mit.Füßen tretend, ihre Aufgabe in • k( Irrregendem Schimpfen und Lärmen erschöpft sehen. i m das Ansehen des Parlamentes zu wahren und die 'leltrheil vor dem Terror einer tobsüchtigen Minderheit u bewahren, mußte in mehreren Bezirks nersum m hin gen (•ewalt gegen Gewalt gesetzt werden. Oebaiie um den Oenifchen Dom. F. Bezirk— Mitte. Die Vezirksv�rsaimnlung Mitt« mußte sich in ihrer letzten Citz-mg ncichträglich noch fcif Wahlreden der Kommunisten an- K cn, die zu den üblichen kommunistischen Aciile.lionsanträgen ge- -'..alten wurden. Um ober alle fruchtlosen Debal'cn zu vermeiden. .au.'de zu den einzelnen Anträgen Uebergong zur Tagesordnung bc- h!-!seu. Eine längere Ausspruche tnüpste sich an den Verzicht aus > Rechte der Stadt Berlin am Deutschen Dom. Der Kommunist Dr�ill. der mit Vorliebe zu Vorlagen spricht, von denen er nichts ' cht, begrüßte es, daß man oersucht habe, aus dieser„Kirche" i i Depot für die Straßenreinigung zu machen, wobei er stanz über-- sah, daß der Deutliche Dom nie als Kirche gedacht mar, sondern seit seinem Bestellen Verwaltungszwecken diente. Auf einen entsprechen- Vti Zuruf des Genossen Weinberg erwiderte er, daß die Kom- u. nisten auch die Synagogen noch in Schweineställe verwandeln "vrden! Diese Flegelei löste natürlich größte Erregung im Sitzungs- ch'.l und auf den Tribünen aus: die Sitzung konnte-rst snrtaefiihrt r-rde», nachdem der stellvertretende Vorsteher den Redner zurecht- -emieseu hatte.— In einem Antrag erhoben die Kommunisten tdiriste Vorwürfe� gegen die Verwaltung des Stadtbades Milte. 'enotze Stadtrat Friedländer legte die tatsächlichen Bei hältnisse dar und erklärte den Kommunisten, daß sie von ihren Gewährs- ntännern sämmerlich belogen worden sind. Ein Antrag, die kom- munistische Vorlage einem Ausschuß zu überweisen, wurde abgelehnt, !''N noch außen hin zu dokumentieren, daß auch nicht- der Schatten cines begründeten Verdachts vorhanden sei. Feuer Vezirksverordneienvorsteher. 6. Bezirk— Kreuzberq On der am Mittwoch stattgefundenen Bezirksoersammlung wurde lic Ersatzwahl für den von seinem Posten zurück- filretcrcn Vorsteher der Bezirksversammlung vore.enomnien. Ke- i.iil lc wurde init de» Slimnicii der Sozialdemokraten und dcti- Parteien der Milte der Genosse Paul R o b i n s o n. Die 12 Mit- alieder starke deutschuationale Fraktion hatte auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und für den Vorschlag der N a z i s gestimmt, von deren drei Mann überhaupt nur zwei anwesend ivciren. Diele „Selbstlosigkeit" der Deulschnationalen wurde von der Versamm- lung mit allgemeiner 5) e i t e r k«> t quittiert. Die Kommunisten stimmten in beiden Wahlgänge» kür ihren Kandidaten.— Der durch die Aentrale mit einer Frist zum l. Oktober angefordert« chpu-haltsvo ran schlag sür das Etatjahr 1930 wurde durch den Bürgermeister Genossen Dr. Herz mit einer lurze.i Be- gründung eingebracht. Er wies darauf hin, daß die Zahl der Wohlsahrtscrwcrbslosen lausgesteuerten Arbeitslosen) >u der Zeit voin 1. Januar bis 31. August 1930 im Bezirk Kreuzberg von 6779 ans 10 932 gestiegen sei, so daß zu erwarten ist, daß die für 1930 vorgesehenen Mittel sür die Betreuung dieser Kate- oorie Bedürftiger mln-dcslens verdoppelt worden müssen. Die' dubch die allgemeine' Krise angespannte Finanzlage lasse leider die Aussicht aus die Durchführung der notwendigen Krankenlzaus-, Ledigenheim- und Berufsschulbauten auch für das nächste Jahr sehr gering erscheinen. Nach kurzer Generaldebatte wurde die Bor- läge zu genauer Durchbcratung und Information dem Haushalts- ousschusz überwiesen, dessen Beratungen am kommenden Montag beginnen werden. In der Aussprache über einen kommunistischen Antrag, in d«m die KPD. Unterstützung der nicht bundestrcuen Sportorgani- s a t i o n« n verlangt, ging Genosse Barthelmann sehr scharf mit den Spaltern im Arbeitersport ins Gericht. Der Redner wies den Kommunisten nach, daß gerade sie es waren, die früher, als sie ihre Zellen in den zentralen Sportoraanisationeu hatten, immer den Standpunkt vertraten, daß nur die S p i tz e�i v e r b ä n d e aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden dürfen. Sie haben also jetzt kein Recht zur Beschwerde, nachdem sie teils freiwillig, teils iusolge ihres bundesschädigcnden Verhaltens durch Ausschluß aus- oeschieden sind. Der deutjchnationale Schulze unterstützte die Kommunisten aus Haß gegen den bundestreucn Arbestersport. »__ Pflastersteine gegen Bezirksverordneie. 12. Bezirk- Steglih. Die Tagesordnung der Bezirksversammlung wies nicht weniger als 30 Punkte auf. Einstimmig vorgeschlagen wurden 0 Bürger- deputierte(darunter Genosse Rt ä d g e>. sür die Bozirksdcputatiou für Kunst und Bildungswesen. Jper Entwurf für ein Rentner- heim in der Rü-kertstraßc in Steglitz wurde auch einstimmig gut- geheißen: ebenso bewilligt wurden die Kosten für den Ausbau in der 13. Volksschule in Lankwitz. Kenn nis nahm die Versammlung von der Absicht des Magistrats, 1931 die beantragte Erweite-, rung des Realgymnasiums in Lankwitz vorzunehmen. Einem früher von der Rechtsmehrheit der Versammlung gefaßten Beschluß, nach- dem Steglitz Waren durch die, AnschafsungsgeseUschafl nicht bc- 'lehen dnij, ist der Magistrat selbstverständlich»ich! beigstretsn. Ein Antrag, die Reinemachefrauen in den Schulen in das Tarifvcrhältnis zu bringen, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt.* Bei der Debatte über Vermehrung der Papierkörbe und B c- d ll r s n i s a n st a lt e n im Bezirk war die Einheitsfront der Ber- sammlung wieder hergestellt, ganz wie bei der Forderung nach einer Fahrverbindung zwischen Steglitz und Neukölln. Bei An- träge» an die Berliner Berlehrs-A.-G.. soweit es sich um dir Ein- führung neuer Linien adcr Verbesserung bestehender Verbindungen handelt, komme» in der Bezirksversamnilung immer cinstiinmige Beschlüsse zustande. Das wird sofort anders, so bald es heißt, wer zahlt die Kosten. Das Arbeitsamt Süd- West hat einen Autrag der Bezirks- Versammlung wegen Schutz der Erwerbslosen vor Ausschrei- t u n g e n politisch Andersdenkender an die zuständige Stelle weitergeleitet und dabei erwähnt, daß auch eine räumliche Aeude- rung im Arbeitsamt erwogen wird, die aber abhängig ist von der Bereitstellung der erforderlichen Mittel. In dem Schreiben ist auch gesagt, daß für polizeilichen Schutz gesorgt ist. An diesen Punkt schloß sich«ine Unterhaltung, in der sich die Nationalsozialisten reinigen wollten von dem Vorwurf der„schlagenden Beweise" bei Meinungsverschiedenheiten. Der sozialdemokratische Bezirksver- ordnete Skubisch strafte ihn durch Tatsachen Lügen. Der Redner legte auf den Tisch des Hauses einen P s l a st e r st e i n nieder, mit dem er bei der Heimkehr von einer Parteiversammlung beworfen und getroffen wurde. Herr Gchmincke und die Diphtheriefälle. 14. Bezirk— Neukölln. Die Neuköllner Bezirksversammlung trat am Mittwoch zmn ersten Maie nach den Sommerferien zusammen. Zu Beginn der Sitzung wurden zwei Vorlagen des Bezirksamts, die 16 000 Mark für die Wiederherstellung der Berieselungsrohre in Bedürsnisanstalten in den Schulen und 2000 Mark für' ein Schutzgeländer an der Schule in der Richardstraß« verlangten, angenommen. Dann wurde mit Zustimmung der Sozialdemokratie«in Antrag angenommen, der verlangt, daß die Kosten für Kranken- und Medizinscheine für Erwerbslose und Wohlfahrtsorbeiter das Be, zirksomt übernehmen solle. Kommunist Lange und der Deutsch- nationale Kloth benutzten die Gelegenheit, um alberne Agitation-- reden zu halten. Der Schreihals Lange gebürdete sich wie ein Wilder, gab aber in der gleichen Rede zu, daß in einem Sowjet-' deutschland selbswerständlich keine andersdenkenden Beamten ge- duldet würden. Für die sozialdemokratische Fraktion begründete E r n e r dann«inen Antrag, in dem Vorwürfe gegen den kommu- nisitischen Stadtrat Dr. S ch m i n ck e erhoben wurden. Exncr wies. nach, daß Schminckc«ine von den Elternbeiräten der Schulen in der Elbestraße, verlangte Untersuchung der Schulk-nder aus Diphtherie- bazillen unterlassen habe. Dadurch wären neue Krankheitsherde ausgebrochen. Stadtrat Schmincke schob dem Kreisarzt die Veram- wortung zu. mußte sich aber sogen lassen, daß sicher kein Kreisarzt gegen ein« Aktivität der Neuköllner Gxsundheitsbehörden etwas einzuwenden gehabt hätte. Auch die Behandlung dieser ernsten Frage der schulhygienischen Maßnahmen gegen Dipythcrieerkrankungen konnte Lange nicht abHalt«», von„öligem Schmalzstullentheater" zic reden. Die Eltern werden H«rrn Lange dankbar sein, daß er ihnen so brutal gezeigt hat, wie wenig Mitgefühl die Kommunisten süv die Kinder aufbringen, die von einer gefährlichen Epidemie bedroht sind. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der eine Ausgestaltung der Promenade in der Elbestratze verlangt, wurde der Deputation zur Beratung übergeben. Gustav-Gtresemann-�ealschule. IS. Bezirk— Treptow. Die Bezirksoersammlung nahm in ihrer letzten Sitzung davon Kenntnis, daß die Realschule in Adlershaf iortan den Namen ,d- und Forstwirtschaft: 1921 zählte man in der letzteren 8 951699 Berufs- tätige, in der Industrie dagegen nur 6 499 648. Von Bedeutung ist ferner, daß die französische Landwirtschaft in sehr geringem Umfang in die Weltwirtschaft ver- flochten ist. Sie exportiert für verhältnismäßig sehr gering« Be- träge und kann, abgesehen von Wein, Obst und Frühgemüse, durch die weltwirtschaftliche Konjunktur londwirrschastlicher Erzeugnisse kaum berührt werden, zumal ihr der Binnenmarkt durch, hohe Zölle und Aussuhrprämien, die zur Entlastung des Binnenmarktes bei reichlicher Ernte gewährt werden, gesichert ist. Dennoch müßte eine Weltwirtschaftskrise, wie wir sie heute in fast allen Ländern beobachteten, wenn sie Frankreich erfassen würde, einen erheblichen Teil der etwa 12 Millionen zählenden in Industrie und Handel beschäftigten Arbeitskräfte brachlegen. Wie kommt es nun, daß Frankreich nicht oder doch nur in sehr geringem Umfang von der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise berührt wird? Auch das erklärt sich aus der Tatsache, daß die französische Industrie ebenso wie die Landwirischasl in viel ge- ringerem Umfang auf den Export angewiesen ist als die Deutschlands, Englands, Belgiens u. a. L e d i g l i ch die Tcxtil-, Bekleidungsindustrie und die Kraftrvagensabrikation, nebst der Herstellung einiger Luxusartikel, sind in bedeutenderem Umfang auf Auslandsabsatz angewiesen. Die Textilindustrie nimmt in der Tat, was den Konjunkturoertaus während der Nachkriegszeit anbclangh...... eine A u s.ii ahme si e l l u. n g«in, die durch ihre stärkere iveltwirlschastliche Verflechtung bedingt ist. � Während der Piodukiionslndex aller anderen Industriezweige bereits im Jahre 1925 den Stand von 1913 überschritten hatte, waren die Textil- industrie, das Baugewerbe und die Papierfabrikation mit einem Index von 85(1913— 166), 86 und 83 erheblich unter dem Niveau von 1913 geblieben. Das Baugewerbe und die Papier- iabrikation haben aber in den letzten Jahren gleichfalls den Vor- kriegsstand überschritten. Rur die Textilindustrie weist auch noch im Laufe dieses Jahres mit einem Index von durchschnittlich 85 einen erheblichen Rück st and gegen 1913 auf. Die Depression in der Textilindustrie wäre noch erheblich größer, wenn nicht die jranzösischen Kolonialmärkte in den letzten Jahren seit 1925 eine gesteigerte Aufnahmefähigkeit sür fron- zösische Erzeugnisse, darunter vor allem sür Textilien aufweisen würden. Während der französische kolonial eExport im Durchschnitt für 1969/1913 nur 12,8 Proz. des gesamlen Exports erreichte, war er 1925 auf 14,6 Proz. und 1929 sogar auf 17,6 Proz. gestiegen. Ein weiterer Umstand, der für die französische wirtschaftliche Prosperität und damit sür den günstigen Stand des Arbeitsmarktes von Bedeutung ist, ist der für den Volkswohlstand relativ günstige Verlauf der sranzösischen Inflation. Während in Deutschland durch den Geldwertschrvund ein« völlige Vernichtung der Spargelder ersolgt ist, hat die französische Re- gierung die Inflation verhältnismäßig früh zum Stillstand gebracht, und die Stabilität des Franken auf einem Niveau gewährleistet, das eine nominelle Preissteigerung auf das Fünf- bis Sechsfache bedeutet. Zlllcrdings ist auch der französische Sparer dabei ge- schädigt worden, aber nicht annähernd in dem Umfang wie der deutsche. Als günstiges Moment kommt nach hinzu, daß die großen inneren Zlnleihen, die die Regierung in der Nachkriegszeit für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete emitiert Ijat, dem französischen Sparer Gelegenheit zu sehr vorteilhaften Anlagen geboten haben. Er hat infolgedessen den Wertschwund seines Geldes und die Ver- lustte an russischen Renten verhältnismäßig leicht verschmerzt. Mithin ist die Stetigkeit der industriellen Konjunktur auch mit- bedingt durch die völlige Unabhängigkeit Frankreichs von den ausländischen Kapitalmärkten. Frankreich fft in dieser Beziehung nicht nur unabhängig, sondern wieder in der Lage, dem Ausland erhebliche Summen Leihkapital zur Verfügung zu stellen. Der französische Kapitalexport hat in den letzten Jahren wieder erheblichen Umfang angenommen und für 1929 verbleiben bei Aufrechnung der Zinszahlungen zu Frankreichs Gunsten 5,5 Milliarden gegen 9,5 Milliarden für 1913(Uran?« eccmomigue 1929). In diesem Zusammenhang spielen die deutschen Reparaiionszahlungen, die Frankreich z. B. 1931/32 einschließlich der Sachliefcrungcn 838,4 Millionen Reichsmark zuführen werden, eine nicht unwesentliche Rolle. Sie verstärkten die Kapstalbildung, was um so mehr ins Gewicht fällt, als gleichzeitig die deutsche Wirtschaft hinsichtlich der Kapitalbildung in den nächsten Jahren mit an- nähernd 2 Milliarden Mark Reparationszahlungen vorbelastet ist. In der deutschen Wirtschaft„arbeitet" zur Zeit.auch eine recht erhebliche Summe französischen Kapitals. Roch einer Schätzung für 1929 erreichten die kurzfristigen sranzösischen Jnvestitutionen(Akzepte für deutsche Rechnung) 1 Milliarde Franken. Außerdem ist schätzungsweise die gleiche Summe als Depositen in deutschen Banken untergebracht.(L. Pornmery von der Ecole des Hautes Etudes Conunerciales.) Schließlich wird der französische?lrbcitsmarkt nach dadurch günstig beeinflußt, daß durch eine Volkseigentümtichkeit der Arbeitseifer und Erwerbseifcr geringer ist als beispiels- weife in Deutschland. Vor allem ziehen sich die Franzosen viel früher aus dem Erwerbsleben zurück als die Deutschen. Auch das ergibt ein: gewisse Entlastung des Arbeitsmarktes. Alle diese Momente gewähren Frankreich einen ziemlich starken Schutz gegen den Einbruch der Weltwirtschaftskrise und damit gegen die Ausbreitung der Arbeitslosigkeit. Rur in der Textilindustrie sind, wenn die internationale Kaufkraft weiter nachläßt, größere Betriebs- einschränkungen zu erwarten. Dadurch wird aber das Gesamchild tax wirtschaftlichen Lage Frankreichs verhältnismäßig wnnig beeinflnfit. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß auch die Erwerbslosigkeit sti den nächsten Jahren auf dem gleichen niedrigen Stand verharren wird, den sie heute hat. st. von Eugern-Zteniherg. Weiteres Absinken des Zementabfntzes. Die katastrophale Loge des Baumarktes bringt natürlich auch eine schlechte Beschästigung der Banstossindustrien mit sich. So ist im August der Zementabjatz wieder sehr beträchtlich zurückgegangen. Er betrug 512 666 Tonnen gegen 576 666 Tonnen im Juli. Im August v. I. wurde mit 787 666 Tonnen noch etwa um 56 Prozent mehr abgesetzt. TL HARKE! Fragt sich der Raucher jedesmal beim Kauf einer Zigarette, warum er gerade dieser den Vorzug gibt? 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Dieses Ergebnis ist die Folge einer durchgreifenden Rationalisierung, zugleich aber auch«in Zeichen, w!« wenig manche Unternehmen von her Krise berührt werden. Di«.Humboldt A.-G.(Kapital 12,73 Mill.) erhöhte die Ab- schreibungen von S7S 000 auf 1 034 000 RM. Der Reingewinn stieg von KW 000 auf 1 Mill. RM. Die D c u tz A.- G.(Kapital 12.75 Will.) steigerte die Abschreibungen von 1M3W0 auf 1 035 000 RM. und den Reingewinn von 393 W0 aus 606 000 RM. Beide Gesellschaften erhöhen die Dividende von 3 auf 5 Proz. Die Ober» ursel 21.-®.(Kapital 4,25 Mill.) verteilt bei Abschreibungen van 412000(388 000) RM. und einen Reingewinn von 705 WO(726 OW RM. die gleiche Dividende von 1 0 P r o z. wie im Borjahre. Di« gegenwärtig« Beschäftigung ist bei ollen Unternehmen gut: der Ä u f t ra g sb e st a n d reicht für mehrere Monate. Das Verhältnis zwischen den drei Gescllschajten war bisher so; Die Deutz A.-G. besitzt ein Viertel des Kapitals von Ober- ursel und ist mit diesem Unternehmen seit 1921 durch einen V c r- trag aus 50 Jahre verbunden, wonach Fabrikation und Betriebe vereinigt wurden. Mit der ch u in b o l d t A.-G. ist die Deutz A.-G. seit 1924 durch einen Jnteressengcmeinschastsoertrag verbunden, nach dem ein Austausch der beiderseitigen Erfahrungen in der Fabrikation(Maschinen, Lokomotiven) erfolgte, die Gewinne in einen gemeinsamen Tops getan und im ZZer- hältnis 60 zu 40 zugunsten von chumboldt verteilt wurden. Groß- aktionär und also 2lussichtsratsvorsitzender beider Gesellschaften ist der Schwerindustrielle Peter Klöckner, dessen Konzern vom Kapital der chumboldt A.-G. 81 Proz., vom Kapital der Deutz A.-G. 5 8 Proz. besitzt. Außerdem besitzt jede Gesellschaft Aktien der anderen in unbekannter chöhe. Sehr viel„freie" Aktien, d. h. also nicht von Klöckner oder die beiden Gesellschaften gebundene Aktien, sind demnach nicht vorhanden. Nachdem sich die Interessengemeinschaft gut bewährt hat, hat der 2$ussichtsrat jetzt die Vollfusion der drei Gesell- schasten beschlossen, worüber die Generalversammlungen im Oktober beschließen werden. Man erhofft sich liavon„weitere Ersparnisse auch von Steuern wie(weitere!) Gewinn- m ö g l i ch t e i t e was nur den Schluß auf Z u s a m m e n- l e g u n g der Produktionsftättcn mit nachfolgenden Lohnersparnis s c n zuläßt. Aufnehmende Gesellschaft wird die.Humboldt A.-G. sein; für eine Deutz-2lkti« wird ein« Humboldt-Aktie, für drei Ober- ursel-Aktien werden fünf Humboldt-Akticn gegeben werden. Die Oberursel-Aktionäre haben ober das Recht, ihre Aktien für 150 Proz. zu verkaufen, was nach den augenblicklichen K u r s v e r- Hältnissen für sie das günstigere ist. Humboldt wird dazu das Kapital auf 31. Mill. erhöhen und in Zukunst Humboldt- D e u tz m o t o r e n A.-G., Köln, firmieren. Durch den Umtausch werden aber nicht alle Aktien aus der Kapitalserhöhung aufgebraucht werden, so daß ein bedeutender Rest zur Verfügung der Ge- sellschaft(oder Klöckner) bleiben wird. Weiter« Anglicderungen sind danach wahrscheinlich. Es werden hier also neu« Vorrats- oder Verwal- tungsaktien geschaffen. Der neue Aktienrechtsentwurf sieht ihr Verbot vor. Peter Klöckner scheint an ein baldiges Jnkraft- treten des neuen Aktienrechts nicht zu glauben. Benzin um 1 Pfennig billiger. Seit Jahren geht der Kampf der B e t r i e b s st o f f- K o n- vention gegen die Außenseiter um Hochhaltung des Bcnzinpreifes. Die Konsunizunahme ist jetzt so langsam geworden, daß bei der seit Jahren steigenden Produktion die Vorräte sowohl in den Produktions-(Amerika!) wie in den Absatzländcrn immer stärker wachsen. Di« mit der letzten Zollerhöhung erfolgte Verteuerung in Deutschland hat ebenfalls absatzhemmend gewirkt, so daß sich die Betriebsstoff-Konvention jetzt zu einer Herabsetzung des Preises um«inen Pfennig auf den Liter entschließen mußte. Das ist wenig'genug, da das nur einer Ermäßigung um 3 bis 4 Pro,;, entspricht: einen Willen zur Aenderung der Preispolitik läßt dies« Maßnahme leider nicht erkennen. Gin Glekirokartell in Italien. Sine Organisation von internationaler Bedeutung. Wie die„'Frankfurter Zeitung" berichtet, hat eine Reihe italie- nischer Firmen beschlossen, für den Vertrieb großer elektrischer Maschinen ein gemeinsames Verkaufsbüro zu errichten. Durch die Art und Konzernzugehörigkeit der Begründer' kommt dieser Gründung internationale Bedeutung zu: es handelt sich um die zum Brown-Boveri-Kanzern gehörige Tecnomasio Brown Boveri-Gesellschast sowie um die Eompania Gene- rale di Elettricitä, die von der amerikanischen General Electric Company kontrolliert wird und auch der AEG. nahe« st e h t. Llußerdem sind füns italienische Firmen beteiligt. Eine solche Zusammenarbeit des B r ow n- B ov e r i- Konzerns, der in Europa über ein weitverzweigtes Netz von Fabrika- ttonsünternehmungen unterhält und auch in Deutschland(Mann- heim) eine große Tochtergesellschaft beherrscht, mit der General- Electric-AEG.- Gruppe tritt hier zum erstenmal in Erscheinung und ist um so wichtiger, als rammehr auch auf anderen Märkten eine entsprechende Kartellierung— in Italien scheint sie. vollkommen fyndikatsmäßig, mit festen Quotenanteilen der einzelnen Unternehmungen, aufgebaut zu sein— in den Bereich der Möglichkeit rückt. Deutsche Neichspost-1929. Höhere Gesamteinnahmen. �50 Milliarden postscheckumsah Dos Ergebnis des Rechnungsjahres 1929(l. April 1928 bis 31. März 1929) der Deutschen Reichspost war nicht unbeeinflußt von der Verschlechterung der Wirtschaftslage. Paket» und Telegrammverkehr find wie in den Vorjahren weiter zurückgegangen: im Jahre 1929 ging auch der gewöhnliche Briefverkehr um 1,4 Prozent zurück. In allen übrigen Zweigen ist eine, wenn auch gegen früher ver- langsamte Steiger um g eingetreten. Nach günstig abgelaufenen Versuchen im Jahre 1928 wurde im vergangenen Rechnungsjahr der L a n d p o ft d i« n st in größerem Umfange umgestellt. Eine stärkere Benutzung von Kraftwagen ermöglichte die Errichtung neuer Poststellen, so daß ein großer Teil der Landbevölkerung jetzt schneller von der Post versorgt wird. Ende März 1930 gingen von 300 Postämtern 540 Landkraftposten aus, die 1130 Postagenhircn und 7231 Poststellen bedienten. Der B e st a n d an Kraftfahrzeugen betrug Ende März 10 920 Kraftwagen, die auf 2266 Linien mit einer Streckenlänge von 43 815 Kilometer Güter und Personen beförderten. Der Postscheckoerkehr erreichte bei 975 OW Postscheckkonten einen Umsatz von 150,7 Milliarden Mark. Davon wurden 83 Prozent bargeldlos ausgeführt. Di« Mechanisierung des Fernsprechverkehrs wurde so gefördert, daß am Ende des Rechnungsjahres mehrals20Pro- z e n t, nämlich 1453 von 6666 Vermittlungsstellen auf selbsttätigen Betrieb umgestellt waren. An diese Automatenämter waren ober mehr als 50 Prozent aller Hauptanfchlüsse angeschlossen, weil di« Mechanisierung naturgemäß in den großen Städten am weitesten fortgeschritten ist. Die Rundfunkteilnehmer hatten die Zahl von drei Millionen überschritten. Trotz der rückläufigen Konjunktur war das Ergebnis des Ge- fchäftsjahres nicht ungünstig. Die Gesamteinnahmen stiegen von 2205 Millionen auf 2281 Millionen Mark. Der Heber. schuß betrug 222,7 Millionen Mark,(235,9 Millionen), von dem 151,5(gegen 120) Millionen an das Reich abgeführt wurden: der Rest wurde dem Vermögen zugerechnet. Größerer Aeichsbahnverkehr im August Im Juli 415 Millionen Sinnahmen. - Der Güterverkehr hat sich bei der Deutschen Reichs- bahn im August, trotz Einsetzung der Ernte- und Düngemittel- transporte, gegenüber dem Vormonat nur um 0,33 Proz. auf 128 195 Wagen arbeitstäglich gesteigert. Der Personenverkehr er- reichte nicht dieselbe Höhe wie im gleichen Monat des Vorjahres. Die Einnahmen werden mit 415,498 Millionen Mark angegeben, denen Ausgaben in Höhe von 416,084 Millionen Mark gegenüber- stehen. Der Gesamteinnahmeausfall bis Juli 1930 wird gegenüber dem Vorjahr mit 391 Millionen Mark angegeben. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings die starke Reservenbildung der Reichsbahn. Im übrigen zeigt sich wieder, daß die Politik der Tarijerhö- Hungen, die von der Reichsbahn hemmungslos verfolgt wird, nicht die erwarteten Erfolge gebrocht hat. Giahlerzeugung leicht gesteigert. Walzwerksproduktion noch rückgängig. Der Monat August hat zwar mengenmäßig noch einen leichten Rückgang gegenüber Juli gebracht, und zwar von 906 000 auf 896 000 Tonnen: da der August aber«inen Arbeitstag weniger hatte, er- gibt sich«ine arbeitstäglich« Steigerung der deutschen Stahlerzeugung von 33 563 auf 34 481 Tonnen. Diese Steigerung bedeutet nicht viel gegenüber dem Hochstand von 51921 Tonnen im August vorigen Jahres. Man wird abwarten müssen, ob die leichte Erhöhung der Stahlerzeugung zufällig war, mit dem Arbeitsbefchaffungsprogramm zusammenhängt oder Konjunktur- bedeutung hat. Im Gegensag dazu ist die Leistung der deutschen Walzwerke im August gegenüber Juli auch arbeitstäglich noch zurück- gegangen. Sie sank insgesamt von 664 OW auf 620 000 Tonnen gegenüber 1018000 Tonnen im Vorjahre. Arbeitstäglich ist die Erzeugung von 24 609 auf 23 841 Tonnen gesunken gegen 37 694 Tonnen im August vorigen Jahres. Eine Mitielernte. Die letzten Ernteschäßungen des Statistischen Reichsamts für Anfang September zeigen bei den meisten Getreidearten etwas bessere Ergebnisse als die Schätzungen von Anfang August b« denen die Witterungsoerhältnisfe etwas zu ungünstig angesetzt wurden. Man erwartet bei Winterroggen eine Ernte von 7,62 gegen 8,05 Millionen Tonnen im Vorjahr, bei Winterweizen 3,26 gegen 3,07 Millionen Tonnen, bei Sommergerste 2,24 gegen 2,80 Millionm Tonnen und bei Hafer 5,47 gegen 7,38 Millionen Tonnen. Bei Roggen ergibt sich also«in Rückgang um rund 5,4 Prozent, bei Hafer sogar ein Rück. gang von 25,9 Prozent. Im Vergleich der Durchschntttsergebniss« der letzte» sechs Jahre(1924 bis 1929) kagp die diesjährige Getreideernte als Mittelernte bezeichnet werden. Nur bei Sommergerste und Hofe» bleibt sie hinter dem sechsjährigen Durchschnitt um 200 OW bzw. 900 000 Tonnen zurück. Bei Winterroggen und Winterweizen da- gegen liegt die diesjährige Getreideernte noch je um rund 450 000 Tonnen über dem Sechsjahresdurchschnitt. Darnsn-Zti-ürnpss künstliche Waschseide, feinmaschig auch plattiert oder Mako und Flor Pf. 95 Damen-Strumpfe künstL Waschseide, mod. Färb. ed. Wolle, Sportstrümpfe engl. Melangen..», M. 1 25 Damen-Pullover 95 mit Kragen und Gürtel in verschiedenen Ausführungen,. M. 1 Damen-Westen und Pullover mit Kragen, Gürtel, in schöner Ausmusterung 490 Damen-Schlupfer Damen-Schlupfer Kunstseide, glatt gpm angerauht in. kunsts. oder gestreift, auch Mako oder Futterschlüpfer Pf. 95 Decke und Charmeuse oder feine Rundstuhl-Qual.. M. 1 45 Damen-Strumpfe künstl. Waschseide, auch Lemberg und Flor plattiert oder reine Wolle.,. M, l75 Damen-Strumpfe reine Seide unbe-.£• sehwert od.r.Wolle 1 4-0 schwere Qual, auch Wolle/Saide platt. 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Lest den Jorivifrts" Tie Konsumgenossenschast in Kampfstellung Abwehr ungerechter Gerichtsurteile /Körderung internationaler Zusammenarbeit In der am 15. September 1930 im Lchrervereinshmis Berlin, Alexanöerplatz abgehaltenen außerordentlichen Bertre- ter- Generalversammlung der Konsum» Genossenschaft Beylin und Umgegend erörterte zunächst Geschäftsfuihrer Paul L a» g e die in dem letzten Jahre gegen die Konsumgenossenschaft«» gerichteten Entscheidungen der Gerichte und besprach im besonderen die Urteile der 12. Zivilkanimer des Landg«ri6)Is l in Sachen der Konsum-Genossenschast Berlin und Umgegend. Die Konsumgenosscnschasten haben in der Gegenwart nicht nur Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art zu überwinden, die in der stark zurückgegangenen Kauskrast der arbeitenden Be- nölkerung ihre Ursache haben: sie befinden sich auch in einem scharfen Abwchrkampf gegen die Genossenschafts- gegner und die hinter ihnen stehenden Parteien, denen es ge- luqgen ist, durch Parlamentsbeschlusse den Konsumvereinen SoH.d er steuern auszubüvden. Dieselben Kreise, die vom Staat in reichlichster Weise mit Unterstützungen in verschiedener Form be- dacht werden, scheuen sich nicht, den Selbsthilseorganisationen der Verbraucher durch Ausnahmebesteuerung die Erträgnisse ihrer segens- reichen Arbeit zu schmälern. Dazu gesellen sich Gerichlscnlscheidungen, die deutlich den Stempel der Klasien- justiz tragen. So ist es den Konsumvereinen untersagt, durch Bekanntgab« ein- wandfreier Preisvcrgleiche der Oeffentlichkeit ihre Leistungsfähigkeit darzutlUr. Bei der Tagung des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine in Lübeck wurde in einer Ueberfülle von Bei- spielen die gegen die Konsumgenossenschaften gerichtete, nicht ob- jektive Spruchpraxis der Gerichte erwiesen. Die Berliner Genossenschaft ist bisher von gerichtlichen Aus- einandeksetzungen mit ihren natürlichen Gegnern verschont geblieben. Es hat sich aber eine Seite gesunden, von der die Gerichte in frivoler Weise gegen die Konsumgenossenschaft Berlin angerufen werden. Auf Veranlassung der Kommunistischen Partei haben kommu- nisksche Mitglieder der Konsumgenossenschasl Prozesse gegen die Geuossenfchost angestrengt und zum Teil obsiegende Urteile erzielt, wobei nickst ge- nügende Beachtung von Formalitäten als Begründung angeführt wird. In der letzten Streitsache stellte sich indes das Landgericht I auf den gerade entgegengesetzten Standpunkt, um die Genossenschaft verurteilen zu können. Weil die Genossen» schast bei den Wahlen zur Generalversammlung im Jahr« 1929 auss genaueste die Vorschriften der Satzungen beachtet hat, deshalb sollen die Wa h l c n ungültig sein und die neuen Satzungen außer Kraftgesetztwerden l Die genossenschastsgegnerische Einstel- lung der Richter zeigte sich weiter in dem Bemühen, der Genossen- schast die Berusungsmöglichkcit gegen das Urteil abzuschneiden, in- dem das ungerechte Urteil gegen Erlegung von 200 Mark als voll- streckbar erklärt wurde. Dieser Streit ist allerdings abgewehrt worden— das Kammergericht wird eine Nachprüfung vornehmen und sicher das unhaltbare, einen Rechtsbruch darstellende Urteil des Landgerichts beseitigen. In der Aussprache machten drei kommunistisch« Vertreter den Versuch, die Anrufung des von ihrer Seite sonst so verpönten Klasiengerichts gegen das eigene Unternehmen zu ent- schuldigen. Di« Generalversammlung kleidete, nach einem Schluß- wort des Referenten, ihre.Entrüstung über die kommunistischen Treibereien und das landgerichtliche Fehlurteil in solgende Ent- s ch l i e ß u n g, die gegen wenige Stimmen zur Annahme gelangte: „Die am 15. September 1930 stattfindende außerordentliche Generalversammlung der Konsumgenossenschast Berlin und Um- gegend erblickt in dem Urteil der 12. Zivilkammer des Land- gerichts I in Berlin vom 16. Juni 1930 keine Entscheidung, die der tatsächlichen Rechtslage entspricht. Die erwähnte Entscheidung, durch die bestimmte Vorschriften der rechtsgültigen Satzung ohne weiteres außer Kraft gesetzt werden sollen, ist ein r e i n e r W i l l- k ü r a k t. Auch in der Tatsache, daß die 12. Zivilkammer versucht hat, der Genossenschast den weiteren Rechtsmittelweg abzuschneiden, erblickt die Generalversammlung mangelnde Objektivität der Richter. Die Generalversammlung hofft, daß durch das künftige Urteil des Kammergerichts Recht und Gesetz wieder hergestellt werden/ Zum zweiten Punkt der Tagesordnung gab die Generalver- fammlung nach Begründung durch Vorstandsmitglied Lange ihre Zustimmung zum AnkaufvonunbebautenGrundstücken in Fredersdoerf, Buch und Teltow. Auf diesen Grund- stücken werden genossenschaftliche Gebäude errichtet, in denen konsumgenossenschaftliche Abgabestellen zur Eräfifnung gelan- gen. In Werneuchen erfährt der Grundbesitz durch Hinzukanf einer Parzelle«ine Abrundung, die eine bessere Ausnutzung gestattet. Anschließend verlas das Aussichtsratsmitglied Emil Buchholz den Bericht des Verbandsrevisors, dem zu entnehmen ist, daß die gesamte Geschäftsführung der Genoflenschaft zu irgend- welchen Bemängelungen keinen Anlaß gibt. Don der Tagung des Verbandes ostdeutscher Kon- sumvereine gab Generaloersammlungsoertreter Steponat einen kurzen Bericht. Geschäftsführer Paul Lange entwarf«in Bild der Verhandlungen des Internationalen Genossenschaftskon- gresses in Wien. Die russische Delegation hat die Tagungszeit im Heb ermaß in Anspruch genommen und mehrfach unberechtigte An- griffe gegen die deutschen Konsumvereine gerichtet. Bei künstigen Tagungen muß Vorsorge getroffen werden, daß«in derartiger Miß- brauch vermieden wird. Einen Kernpunkt der Verhandlungen haben die Beziehungen zwischen Berbrauchcrvercinigungcn und landwirtschaftlichen Genossenschaften gebildet. Allseitig ist der Will« zum Ausdruck gebracht worden, die Verbindungen zwischen Verbraucher und Erzeuger enger zu knüpfen. Um diese Bestrebungen zu unterstützen, wurde von der Generalversammlung nachstehende Entschließmrg einstimmig an- genommen:„Die am 15. September 1930 stattfindende außerordentliche Generalversammlung der Konsumgenossenschast Berlin und Um- gegend begrüßt den Standpunkt des Internationalen Genosfenschasts- kongresses, daß eine möglichst enge Verbindung zwischen i>en Ver- brauchern und landwirtschaftlichen Produzenten hergestellt werden soll. Die Generalocrsammlung ist bereit, die internationale Zu- sammenarbeit der Verbrauchergenossenschasten zu fördern und richtet an den Zentralvcrband deutscher Konsumvereine>das Ersuchen, mit dem Präsidenten des Internationalen Genossenschaftsbundes Ver- Handlungen herbeizuführen, durch die diese internationale Zusammen- arbeit auch in Zukunft gewährleistet wird/ Wieder Zackson-Girls in der Scala. Nach eineinhalbjähriger Abwesenheit gibt es wieder Jackson- Girls auf der Bühne der Scala zu sehen. 16 Mädchen in einem Tempo, 32 Beine und 32 Arme, die ein Rhytmus bewegt— das Vergnügen an soviel Exaktheit bewegt noch immer die Welt und der Drill triumphiert. Der Tanzakt B a l l i o l und Merton ist mit sehr viel Kühnheit und ebensoviel Grazie durchgeführt. Mit ge- machter Ungeschicklichkeit jongliert der liebenswürdige Gaston Palmer. Seine Löffel und Bälle wollen durchaus nicht so wie er will und wenn es ihn schließlich doch gelingt, all« Löffel in ihre Gläser zu bringen, herrscht eitel Freude. Dann sind da die zwei Musicol-Iooers-Cl o w n s. Franca Piper, der Banjo- könig, spielt seine Instrumente in allen möglichen und unmöglichen Lagen. Zuletzt drehen sich 20 Banjos und er, sie alle zu gleicher Zeit spielend, aus der Bühne. Die goldenen Athleten Brix und Partner stellen gute Bilder und die beiden P i e r r o t y s sind Akra- baten von außerordentlicher Gewandtheit und Vielseitigkeit. Zehn Minuten potenzierter Amcrikanismus könnte man das R o r m a n n- Thomas-Quintett nennen. Sie singen, tanzen, trommeln in einem Tempo, daß einem Hören und Sehen vergeht, jeder einzelne von ihnen ein Künstler ersten Ranges. Am IS. SeslfmSet, abends 8 Uhr, «erschieb nach kurzem, schwerem Leiben. mein lieber gutc: Mann, der Schrift- iezerinoalide Otto GSnnert im 68. Lebensjahre. Dies zeigt tief- betrübt an Marfh* CAnBert. geb. Drücke ZNn-Panko«, IS. Sept. 19301 DU Swilicherung findet am Montag. dem 22. September, nachm 2 Uhr, Im itrernatorwm Serichlitratze statt. original- eelema Patentmatratzen/ Ruhebetten mitBetema-Fefierung Pstenl-Drebbett(D.R.P.) ein Griff- ein Bett, sowie das neue Holrbett mit Eefema-Federnnit sind vollkommen derSnsdilo« I— Kein ElnUegen. FOr sdiwersle Belastung. Ueberau erhält!. 20 Jahre Garantie. a«ri.FeiienMtratz.-f8ariK, Hopp0.wtr.ze Nach kurzer Ztranlheit verschied am Dienstag, dem 16. September, im Alter von 23 Iahren. mein lieber Bater, der Sicßeruieister Otto Martin Im Namen der Hinterbliebenen Otto Marita and Fraa. Trauerfeier am Sonnabend, dem 20. September. 13'/, Uhr, im Krema- torium Baumschulenweg. H»,» Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! Tätowierungen _ Muttermale, Leberslecke OtlKrnmt unter«aller D-rantic Cillsenu kein Stechen, lein Schneiden. CnSSler, Elsasecr Str. 78. I Treppe. Nähe Rosenth. PI., tägl. 10-6, Sonnt. iO-l. Schaumig beim Rühren. verlässlich beim Backen.. Rama lässt den Kuchen gelingen Mit Rama gibt es keine Backsorgen I Mühelos ISBt sie sich schaumig rühren! Bald wirft der Teig Blasen, bestimmt wird er gut gehen. Verwenden Sie Rama Margarine ohne jede Beimischung; sie enthält alle wertvollen Fettstoffe, die dem Kuchen Nährwert verleihen. Auch zum Ausschmieren der Form nur Rama! Dann löst sich der Kuchen leicht ab. Rama läßt ihn geraten, köstlich schmeckend, locker und zart. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin LWS«. Lindenstratze Z. G parieinachrichten�W�fürGroß-Verlin fiel, an da» Bezlrr»sekr«t»rwi Z.Hof, 2 Treppen recht», zu richte» ! H. Kreis Krcuzberp. Eijiung des Krclsvorstandcs mit de» Abtcilunsslciteru ! am Stoii'afl, ocm 22. September, um 19>4 Uhr. im Lokal Krepp, . Planufcr. Arbeitsgemeinschafl der Kindersreunde. Kursus für alkoholfreie Erziehung. Wir können noch zehn Teilnehmer für dielen Kursus stellen, der von ssreitag, 19. September, bis Sonnton, 23. Eep- tcuibcr, in einer Iuncndhcrbcrne des Spreewaldes stattfinden soll. Kosten entstehen den Teilnehmern nicht. Llbfahrt der bereits aemeldetcn Teilnehmer ist Freitag, I8,i>I Ilhr, oder Sonnabend, 14,32 Uhr, ans dem Sörliher Bahn- Hof. lhenossen, die noch daran teilnehmen walscn. werden nebcten, sofort telepbonisch Nachricht z» ncbeni F. o. Scrmannploh «reis Zircuzbern. Fahrt nach Nrieselana. Nlie Kruppen fahren Sonntan »nit dem Fnne b,l!4 l!hr ab Lehrter Bahnhof. Die Gruppenleiter melden dec Teilnahme ihrer Ki"dcr und Helfer unter acnaner'Zingabc des Alters um. ,'elixnd an Herbert Kiunic, Gitkchiner Str. 82. Sruppen Kottbuffer Tor, Sär. Ist, er Strohe und Wronaelstrahe. Am Sotintan beteiligen wir uns an der Lfarlciocranftallung in Brieselang. Wir trefsen uns um 7 Uhr vor dem Iuqcndhcjm Wrangelstr. 128. Muudvorrat und 70 Bf. stnd mitzubringen. Bei Ncgrnwctter betcil'gen wir uns nickt.— Generalprobe für unfern Elternabend Montag, 22. September. 18 Uhr. Belle. All-anee-Plaii 1.— Gruppe Bergmannftrahe. Alle Falfcn, welö'c mit nack Brieselang fahren, melden sich umgehend bei der Ecnofssn Christoph.?!oft hltr. 27.— Gruppe Wastcrtor- s rohe. Wir treffen uns am Sonn>an um 7 Uhr, nickt Sonnabend, Eitfckiner Ecke Briuzenstrahe, zur Fahrt noch Brieselang. 1 Bf. für Eisenbahn, Slrahen- ibahn»nd Getränke mitbringe», für Esfc» sorgt icder selbst. Gruppe Wilmersdorf. Treffen zur Wcrbeveranftaltung Wannfce Bahnhof Schmargendorf Sonntag. 21. September, 8 Uhr. Wannfrc. Am Sonntag besteht unfcrc Gruppe 2 Jahre. Wir veranstalten deshalb am Sonntag einen Werbetag. 9 Uhr Treffpunkt aller Gruppen am tBalinhok Wannfce. Abmarsch.»»n Echmugglerspicl in den Havclbergen, au- fckliehend Kasfretrii ke». lä Uhr Demonstration durch Wannsee. danach Spiel mnd Sport ini Walde bei AlsenbrUek. 17 Uhr Echluhfeier im kleinen Stadion, Abmarsch zum Bahnhof.. W.mpcl, Mufiiiustrumcntc. Fahnen und Trinkbecher gnitbringsn. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin FinsenSunaen für tiefe Rubrik nur an das SuaenMerretart«. Äerlw SW 68. tintenilrat* H Valdurfahrt nach Kejzin am 5. Oktober. Karten zu 3 M.(2 mal Kaffee, ."SJtiMafleffrn und Uebernachtung) sind noch im Sekretariat erhältlich. Kinzelkartcn für die Iugendvorstellunq in der Volksbühne am 3. Okober Zu 80 Pf. sind noch im Sekretariat erhältlich.(&esuielt wird:*„Die Weber". hcule, Jreifag, 19. September, 19'd Uhr. Erwortschaftshau«: Schule Köpeuickcr Str. 127. Tagespolitik.— Kölluifchrr Bark: Krim Waifenstr. 18.„zgahlcrgebniffe."— Hansa: Krim Bochumer iStrahe 81:.„Uusere Stellung zur Rrichswchr und zitr Bolizei."— Moabit l! Schule Waldenscrstr. 29.„Der neue Neiihstag."— Moabit II: Keim Lehrter fcteofte 18—19.„Das fafchistiläte Italien."— Moobit III: Keim Lehrter Straße 18—1?.„Elementare Fragen des Sozialismus und Marpismus."— Arnimplah: Schule Sonncnburgcr Str. 20.„Die Anfänge der SPD."— Arn». wafder Blatt I: Krim Nastenburgcr Str. lti.„Die Stellung der Jugend in Per hcntigr» Politik."— Falkplah II: Schule Souncnburger Slr. 20. Tages- Politik.— Hohonschönhaufen: Keim Freicuwalder Str. 0. Probe zur Werbe. ifeier.— Kumannplaji: Keim Schrreubcrgstr. 7.„Ausgang der Wahle»."— Rardasten 1: Keim Danziger Str. 82. I!. 3.„Pau-Europa."— Wolthcr Plag! Schule Kaflauicnallee 82.„Kameradschaft, Frcundselial!, Liebe."— Ar.drsas, pltth: Heim Brommnstr. 1.„Pau-Europn."— Baltenplah: beim Tilsttcr Straße 4-ä.„Die englische Arbeiterpartei."— Fraulfurtcr Biertcl: Seim Frankfurter Allee 307.„Seruelle Fragen", fll. Teil.— Petersbn rzptr Viertel: Krim Ebertpstr. 12...Grundwerke des wiffeufchaftlichc» Sozialismus."— Stralauer Biertcl: Krim Goßlerstr. 81.„Ausgang der Wahlen."— Barfchaver BIrrtel: Kein: Litaner Str. 18.„Die Frau und der Sozialismus."— War. fchaner Bicrtel Krim Kiffingenslr. 48. lO-Minuten-Referate. Werde bezirk Teltowkanal: Fwischcn 20 und 22 Uhr Karten für Feltlager und Dampferfahrt abrechnen im Heim Lichterfelde. Albrechtftr. 14a. Teil. nehmcr aus Gruppen anderer Bezirke müssen ihre Karte» dort abholen. Preis dcr Karte 2,25 M._ Vortrage, Vereine und Versammlungen. M Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts stell': Berlin S 14. Sebastianstr. 37—38. Soi 2. Tr Freitag, 19. September. Ticrgartcn. Iungbanner. 20'i Uhr Seim. abend bei Bessrl. Portrag des Kameraden Hamburger:„Alarm". Gingeführtr Gäste willkommen. Wintersportabteilung. 20 Uhr Monatsverfamm. Inng und Bortrag im Restaurant Engelhardt, Berlin.Ehorlottenbnrg. Kaiser. dämm 109«U.Bahn Saphic.Eharlotte.PIah. Gäste willkommen.— Wassersport. abteilung. Sonntag, 21. September. 13. Uhr.„Interne Regatta", Bootshaus Köpenick. Reichskavtell Republik. Sportplah Friedrichsseide. Sonnabend. 20. Eep. tcinber ob 15 Ubr. Arbeitsdienst für alle Kameraden. Sonntag. 21. September. ab 15 Uhr, Uehnngsschießcn Mr alle anqeschloiscnen Bcrcinc zum Preisschicßen am 5. Oktober. Erscheinen Pflicht.— Köpenick lOrtsvcrcsn). Sonntag. 21. Sep. Icmbrr, ab O'.i Uhr, Ucbungsschicßrn im„Wilhelmshos", I»h, Biilow, Nähe Bahnhof Kirschgarten....... Typographisches Orchester. Dirigent Erich Gntzcit. Ucbungsstunden ieden Freitag von 30' 5 bis 22Vj Uhr im„Idealkastno", Neukölln, Weiänelstr, 8. Bläser und Streicher willkommen, Stadt gibt kostenlos Rat und Hilfe. In weiton Kreiden der Bevälkcrun« ist die Meinung verbreitet, daß die Inanspruchnahme städtischer Fürsorgceinrichtungen abhängig ist von der Zahlung irgendwelcher Gebühren. Das ist nicht dcr Fall. Die städtischen Fürsorgcstellen erteilen Rat und Hilfe in jedem Falle kostenlos. Robert G r ö tz s ch aus Dresden behandelt das Thema„Kunst und Freiheit", Die Grundgedanken sind etwa diese: wahre große Kunst Hai nach nie auf leiten der Reaktion gestanden, scmdeni immer neue Wege zur Befreiung des Geistes gesucht und ge- funden. Der Bortroo hat gerade jetzt nach den Wahlen stärkste aktuelle Bedeutung. Italienische Bvlksüeder singt der Tenor Har- vedo F e l i c i o l i mit der ausgeprägten Neigung, sie ins Opern- haste zu stilisieren. Dadurch gehl das Urwüchsige verloren, und die Lieder verlieren ihren melodischen Rhythmus. Einen großen Ec- nuß bereitet dem Hörer der Friedrich-Hsgar-Chor mit seinem Di- rigenten Dr.<5 t r e l i tze r. Es ist ein schöner, gut ausgeglichener Ehor, der die Lnrik und Melodie der Volkslieder zu starkem Aus- druck bringt. Außerdem zwei ausgezeichnete Orchestertoiizert«. Königsberg sendet Kompositionen von Mendelssohn, Tschaikowsky, Grieg, Kompositionen also mit klassizistisch-romantischem Einschlag, die. volkstümlich und gehaltvoll sind. Das Königsberger Funk- orchefter spielt sie unter Leo Borchardt in weicher Tongebung, das melodische Element hervorhebend. Ganz anders das Abend- konzert. Hans P f i tz n e r sucht nicht den sinnlichen Klang der In- strumsnte, seine Leitung wie auch seine Kompositionen zeigen etwas Aszetifches, Herbes und Bcrschlos>fd.0<95 KONSERVEN x/t Dope Bredispargel«urk............ 2,40 Brechspargel mifui............ 2,26 Brechspargel dünn............. 1,83 ]unge Erbsen«kr k-w........ 1,40 junge Erbsen fei«............. 1,25 junge Erbsen................. 0,68 QemischlesQemflserauteifein 1,00 Kohlrabi In Scheiben, mit Grün.. 0,35 Span. Aprikosen'/«Fmcbt... 1,05 Sauerkirschen ohne stein...... 1,20 Rofe Rüben.................... 0,65 *i\abeliaUgroiM,ol»pt,iinKF!8th»,PH. 0,20 *Goldbars ohne K#pf........ Pfd. 0,22 'Grüne Heringe......... 3 Pfd. 0,45 'Fischfilet.................... Pfd. 0,52 'Spiegelkarpfen..... Pfd. von 1,05 Bücklinge............... Pfd. von 0,30 Schellfisch gerinchert.......»Pfd. 0,48 Seelachs gerlncheit.......... Pfd. 0,48 Goldbars xerü nohert........ Pfd. 0,48 Makrelen ger&nchert........ Pfd. 0,52 Stückenlachs........... Pfd. von 1,25 Oelsardinen Älorke.Hertie".. Dose 0,50, 0,65, 0,85 * In allen HiUitrn ausser Andreaastras:« ZUR KONFIRMATION WEINE Prdße ohne Flasche i/. FL 10 FL 1929 er WHItteioer Btudenbero, Hheinhcsse................ 0,85 8,00 1929 er Obermoselor, guter Bcwinr.*. 1,00 0,50 1 929 er Oaubickeiheimer Goidberg, Natnrgewächs: W. Becker 1,00 9,50 1929 er Llebfraumilch.......... 1,25 12, OO Feiner alter Tarragona...... 1,25 12,03 1929er Siefertbeimer liorn, Na- targewächs: Sclinsier...... 1,40 13,50 1928 er üeserer Uiederberg..... 1,60 15,00 1927 er Wintricher Sonnenseite.. 1,85 17, EO Weintrauben............. Pfd. 0,28 j Schweineschinken pfd.1,08 Schwein e-srfiuitcrbiatt ptd.OJ 98 Schweinekamm�?� 1,1 8 Schweinekolelett �1�24 Kassler mni........... Pfd. von 1,1 6 Eisbein«iüspHib«ui.Sep8k«it.pfd.0J70 Rückenfeif 0,80 Kaibskamm». Beiiag«, pid. 0,94 Kalbssdinitzel...pfd. von2,00 Kalbskotelett...Pfd. tob 1,38 Kalbsrouladen prd. von 1,48 Roastbeef ohn« Knoohen. Pfd. 1 ,68 Schmorfleisch 1j58 GulaSCh gemischt......... Pfd. 1 100 Suppenfleisch...Pfd. von 0,88 Hammel-Vorderfleisch � 1,12 Rinderleber........... Pfd 0,98 Schweineköpfe"11 BlpfS 0,46 Rinderbadcen 0 Knoc�0,58 ZurSowle: 10 Fl 1929er Oterhaardt.Matkammercr, 2 Fl. Hertio Gold(Froctitschaumw.'in),* 0,68 Hammel"Vordcl'tle pfu'von 0,84 Hammelrücken..... pm. 0,96 Hammelkeulen..... pm.1,04 MaBoamnal Schon heute möchten wir unsere verehrte darauf Aufmerksam machen, dass"unsere Kundschaft Häuser am Dienstag, den 23., u. Mittwoch, den 24. Sept., geschlossen bleiben. Wir bitten höflichst, dieses bei Ihren Einkäufen zu berücksichtigen ?Ir. 439» 4?. Jahrgang Freiiag, 19. September 1930 Heraus aus der Reserve! Kongreß des AOB. für Erhaliung des parlamentarischen Systems. Mönchen, 18. September.(Eigenbericht.) In München begann am Donnerstag ier 3. Kongreß b c s Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Unter den Gästen sah man auch den Rcichstagspräsidcntcn L ö b e. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Parte i hatte ein Be- grüßungstelegramm geschickt. Die Grüße der französischen Bruderorganisation überbrachte Laurent, der als vornehmst« Aufgabe der Beamtenintcrnationale die Bestrebung bezeichnete, Mißvcr- slandniss« zwischen den Böllern zu beseitigen und Kriege zu vcr- hindern. Der Redner beabsichtigt, für das kommende Jahr größere Reisen von französischen Beamten nach Deutsch- l a n d zu organisieren, damit die französischen Kollegen hier die sozialen und kulturellen Verhältnisse studieren könnten. Der Vorsitzende des Bundes, Genosse Falkenberg, führte zum Geschäftsbericht unter anderem folgendes aus: Die Organisationslage des ADV. Hot sich im Lause der Berichtszeit in niancherlei Beziehung gebessert. Das ergibt sich nicht nur aus dem stetigen Mitgliederzuwachs, sondern auch aus einer nicht unerheb- lichen Konzentration der Kräfte und einem gut fort- schreitenden Auf- und Ausbau der Landes-, Provinz- und Orts- ausjchüssc. Trotz des Vordringens der Reaktion auf politischem und verwaltungstechnischem Gebiet Hot sich die freie Beamten- bcwegung ihre Machtposition weiter verstärken können. Am 31. Dezember 1929 gehörten dem ADB. 24 Verbände mit über 177 900 Mitglieder an. Falkenbcrg verbreitete sich sodann über da» Verhältnis des ÄDGB zum Deutschen Bcamlcnbund und erklärte, daß von einer Verschmelzung der beiden Bünde keine Rede sein könne. Es komme höchstens eine gewisse Zusammen- arbeit in Betracht. Dazu sei aber notwendig, daß sich der Deutsche Bcaintenbund gewerkschaftlich völlig umstelle. Heftig polemisierte der Redner gegen das B e r e ch t i g u n g s u n w e f« n. Es sei ein Unfug, Leute aus dem Arbeiter- und Angcstclltenstand als nicht fähig zu erklären, Beamtendienst zu tun. Die hinter der Regierung Brüning stehenden Parteien hätten kein Interesse an einem freien Beamtenstand. Die organisierte Arbeiterschaft müsse den Beamten Vorbild sein. Der Beamte müsse sich klar sein, daß er nur Arbeitnehmer ist, daß er auch nichts cnderes zu verkaufen hat als seine Arbeitskraft. In diesem Zusammenhang verteidigte Falkcnberg mit allem Nachdruck die Haltung des Bundes gelegentlich der Reichstags- wählen. Er bestritt auf das entschiedenste, daß der Aufruf des ADV. zugunsten der Sozialdemokratie eine Verletzung der poltischen Neutralität darstelle. Für die Beamten habe es in diesem Falle keine andere Möglichkeit gegeben, ihr Ziel zu erreichen, als auf dem politischem Wege. Sie müßten aus ihrer Reserve herausgehen. Der Redner schloß mit einem begeisterten Bekenntnis zur freigewerkschaftlichen Idee. K o tz u r vom Bundesvorstand erstattete hiernach den Kassen- bericht. Der Bund habe in der Berichtszeit eine Einnahme von 1,122 Millionen und«ine Gesamtausgab« von 1,99 Millionen Mark gehabt, somit einen Ucberschuß von 32 999 Mark. Das Vermögen des Bundes sei auf 138 999 Mark angewachsen. Dabei sei zu be- rllcksichtigen, daß die Beitragsleistung hauptsächlich den Zweck habe, Reserven zu schassen für etwaige besondere Notfälle und Beteiligung an den Unternehmungen der dcutsthen Gewerkschaftsbewegung. Die Frag« der parteipolitischen Neutralität spielte in der Diskus s i o n ein« große Rolle. Ein sächsischer Delegierter sprach von Satzungeverletzung,«in Thüringer beklagte sich bitter darüber, daß der Minister Dr. Frick den Aufruf in der ADA.- Zeitung zugunsten der Soziaidemokratie zum willkommenen An- laß genommen habe, um den ADB. als politischen Verein zu erklären. Chefredakteur H ä n d c l e r von der Bundeszeitung be- tonte, daß es in diesem Augenblick für die freigcwcrkschastliche Beamtenschaft gar nicht anders möglich war, als sich für die Sozialdemokratie einzusetzen.„Wir mußten", so erklärte er,„durch unser politisches Eingreifen dafür sorgen, daß der beamtcnfeind- liche Brüning-Block gestürzt werde. Darüber hinaus war es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß da» parlameniarische System erhallen bleibt. Dem war ober nicht gedient durch die Unterstützung einer der extremen Flügelparteien. Somit war die Haltung zur Sozial- demokratie am 14. September zwangsläufig vorgeschrieben. Eine Verletzung der durch die Satzung festgelegten parteipolitischen Neu- lralität sei also keineswegs eingetreten. Auf die Mitglieder fei in parteipolitischer Hinsicht nicht der geringste Gewissens- zwang ausgeübt worden." Neuregelung bei der BVG. Zusahabkommen über Arbeitsstreckung. Bei der Berliner verkehrs-A-G. ist es jetzt zu einer Verständigung zwischen der Direktion und dem G e- jamtverdand gekommen, durch die verhindert wird, daß in einem solchen Umfange E n t l a s s u n ge n vorgenommen werden, wie c» durch den versonolübersluß infolge des vcrkehrsrückgange» zuerst notwendig erschien. Der Vorschlag der Direktion, zur Vermeidung von Entlassungen bis auf weiteres monatlich zwei Feierschichten ein- zulegen, war bekanntlich von der Belegschaft in einer Urabstim- inung abgelehnt worden. Die Direktiox sah sich deshalb ge- zum Ilgen, beim Oberpräsidenten dke Entlassung von 1399 Arbeitern zu beantragen, wovon 199 noch während der Sperrsrist, die die Stillegungsvcrordnung vorsieht, entlassen werden sollten. In den Stillegungsoerhandlunge» konnte erreicht werden, daß der Antrag der Direktion dahin abgeändert wurde, nur 1199 Ar- peitcr, und 250 davon in der Spcrrzeit, zu entlassen. Diesem An- trag hat der Oberpräsidcnt auch seine Zustimmung gegeben. Die Direktion mach!« aber von der Genehmigung zunächst noch keinen Gebrauch, sondern suchte nochmals Verhandlungen mit dem Gefamtverband nach, um eine Lösung zu finden, durch die weniger Arbeiter dem Ungewissen Schicksal der Arbeitslosigkeit überantwortet würden. Der Gesonrtvcrbond hat jckbswerständlich dieses Angebot nicht ausgeschlagen. Beide Berhondlungspartner waren sich darüber klar, daß es in einer Zeit katastrophaler Arbeits. losiqkcit nicht zu verantworten sei, auss neue 1199 Arbeiter, und dazu noch aus einem städtischen Betrieb, aus die Straße zu setzen. Es wurde schließlich zum 8 1 des Tarifvertrages für das Verkehrs- personal folgende Z u s a tz b- st I m m u n g vereinbart: Die Zlrbeitszeit kann vorübergehend, soweit es die betrieb- lichen" Verhältnisse bedingen, im monatlichen Durchschnitt aus 2 5 Tckgc mit 299 Arbeitsstunden herabgesetzt werden.(Im Tarifvertrag sind als normale Arbeitszeit 25 Ar- beitstage mit insgesamt 298 Arbeitsstunden im Monat oärgesehen. D. Red.) Die im Lohntarif vereinbarte Durchschnittsbezohlung vermin- dert sich bei Einführung des 299-Stunden-Monats entsprechend." Die Parteien haben sich weiter darüber geeinigt, daß vom Monat Oktober ab sür das Verkchrspersonal monatlich ein« Feierschicht eingelegt werden soll. Di« Arbeits- sireckung beim technischen Personal soll mit'den einzelnen Betriebsvertrctungcn geregelt werden. Da nach dem von der Belegschaft abgelehnten Vorschlag der Direktion bei zwei Feierschichten im Monat die Entlassungen gänzlich hätten vermieden werden können, müßten bei einer Feierschicht monatlich logischcrweise noch 799 Verkehrs- arbciter zuviel vorhanden sein. Wie wir vom Gesamtverbond erfahre», dürfte aber auch diese Zahl nicht mehr in Frage kommen, und zwar infolge des natürlichen Zlbganges von Personal durch Pensionierung usw. Immerhin müssen noch Entlassungen vorgenommen werden. Das ist gewiß bedauerlich..' N o ch bedauerlicher aber war die Stellungnahme der Mehrheit der Verkehrsarbeiter bei der Urabstimmung, die gerade nicht ein erhebendes Zeichen der Soli- dantät war, die sonst die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Privatbetrieben bei solchen Anlässen zu üben pslegen. Der Ge- samtoerband hat durch seine Abmachung mit der Berkehrs-A.-G. den gewerkschaftlichen Grundsatz in die Tat umgesetzt, daß die ge- samt« Belegschaft eines Betriebes verkürzt arbeiten müsse, wenn dadurch ein Teil der Belegfchast von der?lrbcitslosigkeit bewahrt werden kann. Anfrage an den 3fcichsarbeiisminister. Verhält sich Orenstein und Koppel sozial? Es qibt in der Berliner Metallindustrie kaum ein Unternehmen. wo die Finanzen so in Ordnung sind und wo der Beschästigungsgrad so Mriedigcnd wäre, wie bei der Firma Orenstein u. K/ppel- Um so bemerkenswerter'st deshalb der seit Monaten systemalisch durchgeführte brutale Abbau von dien st ölte st an An g« st c l l t e n Seit Mai d. I. dürsten aus diese Weise mehr als <>0 vorwiegend technische Angestellte zur Entlassung gekommen sein, die in der Mehrzahl 20 bis 30 Jahre im Dienst der Atrma standen. Es unterliegt keinem Zweifel, datz diese auch im vorgerückten Lebensalter stehenden Angestellten hoffnungslos dem«chick,al der Arbeitslosigkeit sür den Rest ihres Lebens preisgegeben sind- Än dem Kündigungsschreiben heißt es„gefühlvoll, daß diese Entlassungen„durch organisalorische Mahnahmen" beding, seien Auftragsmangel oder j i n a n z i c l l e Notlage wagt die Firma selbst nicht ins Feld zu führen. Dos dürfte auch angesichts der Gewinn- und Umjotzzissern des vergangenen Jahres niöst ganz einfach sein..,.,... Einer der deutschen Hnilptauitraggeber dieses Unternehmens in die R e i ch s b a h n, die im Rahmen des?l r b e i t s b e s ch a!- f n n g s p r o g r a in m s, das in der letzten Zeit in der Oefsentiich- leit eine sehr große Rolle spielt, sür das..notleidende" Unternehmen tut. was sie kann. Wäre hier sür den Reichsavbcitsminister Stegcrwald nicht einmal eine passende Gtltgcnli«,t geboten, das„soziale" Verholten der Firma Orenstein u. Koppel nach- zu prüfen und eine entsprechende Anweijung an dos zuständige Beschaffungsrcssort des Reiches zu geben? Di« Gesamtheit der Steuerzahler hat jedenfalls einiges dagegen einzuwenden, daß so gul fundierte Unternehmungen den Arbeitemarkt mit nicht mehr unterzubringenden Angestellten b e l a st e n, die mit absoluter Sicherheit sür den Rest ihre» Leben» Wohlsohrtsunterstützungscmpsänger bleiben und der Gesamtheit zur Last sollen. Streikerfolg der Staker. Cfin Aufruf des Äuugewerksbundes Nach siebenwöchiger Dauer ist gestern der Streik der Bestincr Staker um eine Lohnerhölzung von zehn Psennigen je Stunde e r- s o l g r c i ch beendet worden. Eine abschließende Versammlung der im Baunewerksbund organisierten Staker am Mittwoch nahm dazu solgenden A u f r u f an alle der Organisation noch sernstchendcn Staker an: „Der Kamps im Bcriincr Slakeroewerbe ist beendet, die erstrebte Lohnerhöhung ist erreicht. Der Versuch der Unternehmer, gefördert durch gewisse Dunkelmänner, sich den bisherigen Tarstbedingungen zu entziehen, ist gescheitert. Wie war der Verlaus des Kompses? Die Baugewerkschost Berlin des BGB., Fachgruppe der Stoler als Trägerin des Tarisvertragcs für das Slakergcwerbe hatte zur Erreichung besserer Lohnbedingungcn den Tarisv-ntrog gekündigt und noch dem Scheitern der Berhandlunge» Koinpfmoßyahv'en be- schlössen. Diese Maßnahmen hat der Industricvcrband lediglich zur Spaltung der Berliner Staker bewußt durchkreuzt. In der ersten Woche des Kampfes hat sich der I nd u st r i c o e r b a n d sogar als Streilbrecherorganisation zu den alten Lohn- und Arbeitsbedingungen den Unternehmern zur Verfügung gestellt. In der zweiten Streikwoche hat der„Industneverband,, Arbeitsberechtigung starten für die Stakerfirmen ausgegeben, die bei ihm unsere Lohnforderungen anerkannten. Der„Industrieverband" hat dann er- neut einen Teil der Firmen bestreikt, die bei ihm bewilligt hotten, einen anderen Teil der Firmen hat der„Industrieverbond" durch Unternehmer davon verständigt, daß er sie nicht bestreiken wird, wenn sie ihm bei Abschluß eines Tarifvertrages behilflich sind. Daraus geht klar und deutlich hervor, daß es dem„Industrie- verband" in diesem Kampf nicht auf eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Staker ankam, sondern darauf, für sich unter Mißbrauch der Kampsesfreudigkeit der Kollegen. einen Tarifabschluß zu erzwingen, der bereits für das Berliner Stakeraswerbe bestand und der vom„Industncoerband" bislang bekämpft wurde." Der Ausruf schließt mit einem brüderlichen Appell an alle Staker, dem Kaiser-Ladcn den Rücken zu kehren und im BGB. die Einheitsfront aller Staker zu bilden. �eichskonferenz im Gefamiverband. Di« erst« Reichskonscrc nz der Abteilung der Reichs- und Staatsbetriebe, der Mitropa, Theater, Varietes und Lichtspielhäuser des Gesamt Verbandes in München mchtu ein Referat des Ministerialrats im preußischen Wohlfahrtsministc rium Weck über die Sozialversicherung der Reichs- und Staatsarbeiter entgegen. An Hand umfangreichen Zahlenmaterials behandelte Weck das weitverzweigte Gebiet der Kranken- und Unfallversicherung und der Zusotzversorgung. Dabei beleuchtete er die ungeheuren Verschlechterungen der Sozialoersiche- rung durch die Brüningschc Notverordnung. Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende der Rcichsabtcilung David S t e t t e r. Im Reichs- und Staatsdienst sind, wie Stetter feststellte, 85 999 Arbeiter beschäftigt, von denen 46.3 Prozent freigewertschafllich organisiert sind. Trotz der im- günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten Iahren gelang es. die Löhn« um 17 Prozent zu erhöhen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird verlangt; Sofortige Einführung der achtstündigen Arbeits- zeit in allen dein Reich und den Ländern mittelbar und unmittel- bar unterstehenden Betrieben und Berivaltnngcn, Herbeiführung einer angemessenen Entlohnung zur Belebung des Kon- sums und Herabsetzung des zum Rcntcnbezug bcrcchligcndeii Lebens- alters auf 69 Jahre. In einer zweiten Entschließung erhebe» die Arbeiter der Varietes, Theater und Lichtspicl- Häuser Protest gegen die immer wiederkehrende Behauptung, daß die Finanznot der Theater auf die gegenüber der Vorkriegszeit er- höhten Löhne sür das technische Pcrsonnl zurückzuführen sei: sie erwarten von den in den Kommunal- und Länderpnrlomenten tätigen Arbcitervcrkrctcrn weitgehende Unterstützung im Kampf um die Erhaltung des deutschen Kulturlhcaters. Eine dritte Entschließung wenddt sich gegen die durch die Brüningschc Notverordnung herbeigeführten Verschlechterungen in der Arbeitslosen- und Kranken- Versicherung. Der Reichstag müsi» diese verfassungswidrigen Per- Ordnungen beseitigen. Achiung, Ilaschmensetzef! Die Wahl des Vorstandes am 21. September im BMV. ist darum von entscheidender Bedeutung, weil zum ersten Male zwei grundsätzlich verschiedene Anschauungen miteinander ringen. Viele Kollegen, die bisher oppositionell gewählt haben, waren der Meinung, den Interessen der Sparte zu dienen! Nach Aufstellung der jetzigen oppositionellen Vorschlagsliste ist es klar ersichtlich, daß die Liste Engelmeier— Kruscmark—Dankwnrt k o m m u n i st i s ch e Tendenzen verfolgt und auch den BMV. in dieses Fahrwasser leiten will. Schon jetzt hat sich die Tatsackic gezeigt, daß wir mit dieser„Opposition" j cg l i ch e n Ein- f l u ß und jegliches Ansehen bei linscren Gau- bzw. Verbands- instanzcn verloren hoben. Ohne unseren Verband aber sind wir machtlos! Daher kann es iür jeden Kollegen nur eins geben, vor allem aber für die Kollegen, die nicht zur Fahne Moskau schwören, de» Kollegen ihre Stimme zu geben, die sür eine Gcschlo'sejihcit der Organisation bürgen. Es muß im BMV. wieder ja wer- den, daß wir innerhalb und außerhalb der Organisation den Ein- f l u ß haben, der einer solchen großen und wichtigen Sparte im Verbände zu k o m in t. Aus diese» Gründen empsehlcn wir, folgenden Kollegen eure Stimm« zu geben: l. Vors.: Fritz Piritz(Scherl), 2. Vors: Otto Schulze(Georg Koenig), l. Schrifts.: Ernst Küchler(Vorwärts), 2. Schrifts.: Helmuth Irrgang(Moste), l. Kost.: Otto Henncmann (Biichdruckwerkstätte), 2. Kost.: Hugo Lüdecke(Mnsse), Expedient: Ernst Eullmann(H. S. Herrmann), Beisitzer: Carl Bllttgereit (Scherl), Willi Pseijser(12-Uhr-BlatI>. lind nun Kollegen aus zur Wahl! Wer verhindert ist, der Versammlung beizuwohnen, muß mindestens sein Wahlrecht ausüben. Die Wahl findet in„Kliems Fcstsälen", Has«n?)«idc, von 9 bis l2»hr, statt. Kollegen, Wohlrecht ist Wahlpflicht. Kollegen der Zlmstcrdamcr Richtung. .Reichsmanteltarif der Buchbinder verlängert. Zwischen dem Hauplvorstand des Buchbinderverbondes und dem Vorstand des Bundes Denlscher Bnchbinderinnungen ist vereinbart worden, den R c i ch s m a n t c l t a r i f für dos deutsche Buchbinder. gewerbe(Api-Vertrag) bis zum 15. Oktober 1939 zu verlängern. Der Vertrag lief bis zum 31. August. Kreis Gewerkschafts-Luqend Berlin Heut«, greUoA, IS1; tilit, lesrn die iStijjiwn:!Bortm;p. SugMbK'tn, Schul« Scmncnburiur Sir. 2fl.■porlrnp;..Marr�mu; und Zlationali«- »»,»".— Serma»»»la>i: Srupn-närim Snndrrstr. II. Sc?« KaSr'ch«sira»c. Ztretttpirl- und Lirdrrnbrnd. TÄdrn, Südivcstrn:(Srupp-ndriin Dalsrr'or- siraß« S. n.»t. Vortrag:„®ft Stainrf«m dir Sozialpolitik".— adorlottrnbura: ?ua«ndl>rim SO. Strarrifspietr.— zrppriiiiploti: gugrndlirim Turlnrr Eck««««ltraß«eim Dorckstr.!l IV. SM, Duergedgud- 1 Di'«:- Jiitrmft 5V. Di-lucstoneoden». Vörden: Jugenlcheim Sorstingftr. l-l. Vortra- „Was ich im Dr. Siegfried tleflriepke ßeneralfekrelär der SBerUner Volksbühne Jteinrich tieft gefchäfllicher•Direktor des Thealers am f/nilo'vplala Dienste der Arbeiterschaft tatkräftig bewährt haben. Solch Neben- einander, solch Brückenschlag, solch Hand-in-Hand mit der Ver- gangenheit hinein in die Zukunft war und blieb für die Volks- bühnenbewcgung zugleich Symbol und Prinzip. Genau so kennzeichnend aber ist»es, daß jene Gründungsoer- sammlung durch Abstimmung beschloß, eine Tcllertollekte zugunsten der Hamburger Bauarbeiter, die in schwerem Lohnkampf standen, vorzunehmen. Kennzeichnend ist es, daß vom ersten Tage an die Verleilung der Plätze durch die Ordner unter Anwendung des gleichmachenden Loses erfolgt ist, daß aber der Vorschlag eines bürgerlichen Literaten, die Wahl der Stück« durch die Deinckratle der Mitgliederversammlungen vorzunehmen, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt und vielmehr beschlossen wurde, dem Vorstand und einem Ausschuß die Entscheidung in allen literarischen und künstlerischen Fragen zu überlassen. Kennzeichnend war es, daß die Berliner Volksbühne die Säle ihrer Veranstaltungen und Feste mit dem kämpferischen Rot schmückte, daß sie den ersten Mai feierte, daß sie sich im Protest gegen die Polizei und die Gerichte freimütig dazu bekannte,„Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten" nehmen zu wollen, daß sie aber dennoch kein„politisches Theater". wie es dogmatisch und einseitig heute gemeint wird, sein wollte. Kennzeichnend war, wenn Conrad Schmidt schrieb, daß das Theater wohl am Befreiungswerk der Menschheit mitzuwirken habe, daß es aber auch Grenzen gäbe zwischen Kunst und Politik, n.d daß es Sache der Kunst sei,„Fühlen und Wollen zu adeln". Kenn- zeichnend war, daß der größte Erfolg, de» die Volksbühne in ihrcn Anfangsjahren errang, die Slufführung von Hauptmanns Revo- lutionsdrama„Die Weber" gewesen ist, daß aber zugleich, so vordem wie später, zwar nicht nach Possen, wohl aber nach heiteren Stücken immer wieder Ausschau gehalten wurde, und daß schon damals die Klage laut war über den Mangel deutscher Literatur an fröhlicher Unterhaltung und entspannender Freude. Kennzeichnen) war die Hingerissenheit, mit der die Mitglieder der Berliner Volksbühne vor Sudermaims„Ehre" saßen, diesem primitiven Plakat des Auf- standes, eine Hingerissenheit, die Henrik Ibsen, der solchem Schauspiel beiwohnte, zu dem Ausruf antrieb:„Das sind Hörerl das sind Hörer!" Kennzeichnend ober wir auch, daß schon 1892, noch vor dem Gipfelerfolg der„Weber", eine Spaltung der Berliner Volksbühne nicht vermieden werden konnte, eine Spaltung, von der Bruno Wille sagt, wohl ein wenig verbittert, aber kaum ganz irrend, daß sie,.nicht aus scch. lichen, sondern aus persönlichen, nicht aus künstlerischen, fendern aus politifchen Gründen erfolgt sei, nicht aus ruhiger Uebericgimg und Gerechtigkeit, sondern aus wüstem Fanatismus". Nach der Spaltung stand neben der Freien Volksbühne, Schnürboden des Theaters am ißtilonplatas Wiedervereinigung in sich. Zunächst aber maßen sich Freie und Neu« in geschwisterlichem Wettkampf; jede von ihnen und beide ge- meinsam mobilisierten im Laufe der Jahre und der Jahrzehnte die besten Köps« des deutschen Geisteslebens. Die Wiedervereinigung der beiden Kameraden erfolgte in Etappen. Nachdem zu Beginn des Krieges die Neue Freie Volks- bühne unter der Führung des unvergeßlichen Georg Springer auf der Grundlage von Arbeitergroschen sich dos glorreiche Haus am Bülowplatz,ein eigenes Theater des Volkes, errichtet hatte, konnte es unmöglich bei dem Nebeneinander bleiben; das stolze und leuchtende Haus lockte. Es kam zunächst zu einem Kartell und dann, im April 1920, zur endgültigen Wiedervereinigung. Im gleichen Jahre aber geschah noch die Zusammenfassung aller übrigen deutschen Volksbühnen im Verband der deut- schen Volksbühnenoereine. Mit gutem Recht sagt hierzu Brodbeck:„Wenn es eines Beweises für die historische Bedeutung der deutschen Volkbühnenbewegung bedarf, dann möge der Hinweis ouf die Tatsache genügen, daß ihre eigentliche Geburtsstunde in die Monate unerhörtester wirtschaftlicher und seelischer Not eines ganzen Volkes und namentlich seiner„untersten" Klassen fällt. Was damals, fast instinkthast und daher am tiefsten innerlich begründet, in die Wirklichkett gesetzt wurde, ist da aus einem Muß, aus einem Bedürfnis heraus, kann nicht mehr wegdiskutiert, nicht mehr aus- gelöscht werden. So entstand der Volksbühnengedanke, dreißig Jahre nach seinem ersten Aufflammen, zum zweitenmal auf brci- tester Grundlage neu und lebenswillig. Niemand hat ihn propa- giert; er war da. Jn�ganzen Reich war die Idee lebendig, in allen Ländern und Provinzen, vornehmlich dort, wo Massei, schwer arbei- tender Menschen sich zusammenballen." Wiederum zehn Jahre später, im Jahre 1939, umfaßt der Vebband der deutschen Volks- bühncnvcreine 305 Volksbühnengemeinden mit rund 599 999 Einzel- Mitgliedern. Diese gewallige Organisation des geistigen und des tünftlerifchen Dranges der arbeitenden Massen nimmt alljährlich von den deutschen Theatern fünf Millionen Plätze in Anspruch und zahlt dafür sieben bis acht Millionen Reichsmark. Diese gewaltige Orga- nisation unterhält fünf eigene Wandertheater, ist an drei gemein- nützigcn Wanderbühnen und an zehn ständigen Stadttheatern bc- teiligt; sie gibt an hundert Zeitschriften heraus und erstreckt ihr Tätigkeitsgebiet weit über das Theater hinaus auf die Musik, den Tanz, die-gelomte Literatur, die bildenden Künste, den Film und den Funk, wie überhaupt auf die geistige, die sittliche und die künst- lcrische Entwicklung der Erwachsenen und der Jugend. Wenn es wahr ist, und es ist wahr, daß im Ablauf der Ge- schichte, von Jahrhundort zu Jahrhundert, nur gine einzige, sich immer gleich bleibende Tendenz, nur eine einzige Konstante in allem Taumel des Wechsels lebendig ist: der Ausstieg der Masse, die Aus- Weitung derer, die an den Gütern der Kultur teilnehmen, wenn dies 3)ie 3tühne nährend des Umbaue» einer Szene wahr ist. und es ist wahr, dann hat die deutsche Volksbühne