BERLIN Zreitag 19. September 1930 eeschelsttäsNchavßere-rutas«. Auzleich Abendausgabe des.Vorwärts". Betugspreis beide Ausgaben SS Pf. proWoche, s,60M. pro Monat. Kedaktivo und Expedition; DerliuSWes,Lindenßr.s nMtfWtMö* 10 Pf. Nr. 440 B 219 42. Jahrgang »«teigenpreis: Die einspaltige Nonpareillejeile so Pf., Reklamejeile 5 M. Ermäßigungen uach Tarif. PoKscheckkvnto: Dorwürts�Zerlag G. m. b. H., Berlin Nr.S7Sse. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Wirtschasispartei will Aazi-Koalition Gleichzeitig Auflösungsantrag gegen Preußenkoalition Dresden. 19. September.(Eigenbericht.) Die Lnndtagsiraktion der Wirtschoftspartei hat an sämtliche bürgerlichen Parteien des Sächsischen Landtags, ein- schließlich der Nationalsozialisten, ein Schreiben gerichtet, in dem gesagt wird, der Ausgang der Reichstagswahlen habe die von der Wirtschasispartei eingeleiteten Verhandlungen zur Bildung einer„nationalen" Regierung durchaus bestätigt. Die Fraktionen werden gebeten mitzuteilen, ob sie bereit sind, an der Bildung einer solchen nationalen Regierung sich zu beteiligen oder«in« solche Regierung zu ermöglichen. Es wird u.n baldige Antwort gebeten, damit vor dem Zusammentreten des Land- tagcs Klärung geschaffen werden kann. Ladendorff will neue Wahl. Antrag auf Landtagsauflösung. Abg. Ladendorff hat für die Fraktion der Wirtschaftspartei im Preußischen Landtag einen Antrag eingebrocht, wonach der Land- tag mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden soll. Die Wirtschaftspartei ist die Nächste dazu, wie die Fru Pastore bei Reuter sagt. Sie hat im ganzen Reichstag genau ihre Mandats- zahl behalten, nämlich 23— in Worten dreiundzwanzig!—, in Wirklichkeit hat sie bei der gesteigerten Wahlbeteiligung sich ver- ringert. Das mächte si« schnell noch mal erleben! Hausagrarierlogit! Hitler sagt Hugenberg ab— aber auf wie lange? Unter der Ueberschrift„Unnütze Kombinationen" gesteht der „Völkische Beobachter": „Die Red« Adolf Hillers hat viele Neugierige„enttäuscht". Sie waren zur Versammlung gekommen, offenbar in der lindlichen Annahme, Hiller würde in einer Massenversammlung alle Wege aufzeigen, die er einzuschlagen beabsichtige. Nun, daraus ist nichts geworden, und wir hoben auch jetzt keine Ursache, eine sich vor- drängende Neugier zu befriedigen. Der Nationalsozialismus kann au 6) schweigsam sein; daß aber die Voraussetzungen aller seiner Maßnahmen heute schärfere sein werden als vor VA Monaten, werden sich ja auch die anderen sagen können." Zu den Blättern gewendet, die zu erzählen wissen, daß deutsch- national« Führer Hitlers„ruhige Rede" kritisiert hätten, wird gesogt. „daß, wenn die DNVP. sich noch verhältnismäßig gut gehalten hat, dies durch das Vertrauen vieler Wähler auf die Kraft des National- sozialismus geschehen ist. Die Herren sollen jetzt nur nicht den wilden Mann spielen wollen: etliche tun ja bereits, als feien sie die Sieger. Ander« sprechen von einer„Fraktionsgeineinschaft mit der NSDAP.". Da ist es denn erneut am Platze, hier wieder die not- wendige D i st a n z herzustellen. Wir sind eine sozial r e v ü l u t i a- n ä r e, die DNVP. eine sozialreaktionärc Partei, und dieser Unterschied bleibt— neben andern— unverrückbar bestehen. Deshalb ist eine Fraltionsgemeinschaft absolut undiskutabel." Eine Fraktion mit den Deutschnationalen, um mit zusammen 148 Mann den Anspruch auf das Reichstagspräsidiuni erheben zu können, wird also vorläufig nicht gebildet werden— bis Hitler etwas anderes beschließt. Da in Thüringen in Koalition gemacht wird, und ohne daß sie den Wahlerfolg dort beeinträchtigte, und da in der rechten Halste der geschlagenen Mittelparteien die Sehnsucht nach dem Faschismus wächst, so ist mit dieser parteiamtlichen Verlaut- barung die Koalition der großen Rechten im Reiche nicht ein für ollemal erledigt. Mussolini, an den der König die parlamentarische Verfassung verriet, begann bekanntlich mit einer Art von Koalitions- kabinetr zu regieren. Inzwischen erlaubt Klein-Mussolini seinen Ahängern zwar per- s ö n l i ch e Ansicktcn über die Lage, verbietet aber seiner Partei- presse, dazu Stellung zu nehmen. Das ist seine zäsarische Demo- lrati«. Gegen den skandinavischen Faschismus. Stockholm. 19. September.(Eigenbericht.) Im Stockholmer Konzcrthaus fand eine eindrucksvolle Kund- gebung der Stockholmer Ärbeiterkommune und gewerkschaftlichen Zentralorgonisation gegen die finnische Lappobewegung statt. Als Hauptredner sprachen der schwedische Advokat Georg Branting und der sinnische sozialdemokratisch- Parteisekretär Karl Wiik. Die stark besuchte Versammlung nahm eine Entschließung gegen die Lappo- bewegung an, die eine faschistische Gefahr für ganz Skandinavien bedeutet. Jakobiner gegen Girondisten. „Die Jakobiner der deutschen Revolution"— die unter Otto fihMfrr g�-fsich reoolilüonüren Nvgls—- oerfm bat Girondisten— der Hitler-Partei— Verrat an allen revolutionären Grundsätzen vor, weil „man in der verzweifelten Lage sich befindet, seine Anhänger mit revolutionärer Zielsetzung gesammelt, mit revolutionären Redensarten gehalten zu haben— um dann mit vollen Segeln in den Hafen der L c g a li t ä t einzulaufen, die Weimarer Ver- f a s f u n g zu beschwören und durch Neger st euer besonders eifrige Erfüllungspolitik zu betreiben." Als besonders hübsches Beispiel dieser„Legalität" wird an- geführt und nachgewiesen, daß vor dem Sturm der SA. auf das Gaubüro „die Gaugeschäftsführung des Herrn Dr. Goebbels schon vorher die Polizei des Herrn Dr. Weiß für den Schutz des Gaubüros vor dem erwarteten Angriff der SA. ousersehen hatte. Ausdrück- lich erhielt die SS.-Wach«, nach vorheriger Beratung zwischen dem Vertrauensmann von Goebbels, Herrn Wille, und dem obersten SS.-Führer Wege, den Befehl,„dos Ueberfallkom. mando zum Eingreifen herbeizurufen, falls die SA. mit in die Geschästsstellc eindrang." „Fürwahr, das ist«in Bild für Götter," fügt der„Nationale Sozialist" hinzu:„Dr. Goebbels, auf dem Pulverfaß der reool- lierenden SA. sitzend, bittet seinen„Freund" Dr. Weiß Hände- ringend um Schutz."_ Die eine Bande bedroht mit dem Tode— die andere übernimmt gegen bar den Schuh. Ehikago, 19. September. Der von dem Richter Lyl« eingeleitete Vernichtungsseidzug gegen die Banditen hat am Donnerstag mit Razzien der Polizei in zehn Erpresserquartieren begonnen. Diese Banditen arbeiteten in der weise, daß die Gewerkschaftsführer durch Mitglieder der Bande Al Capones mit Ermordung bedroht wurden und daß dann der Bandensührer B a r k e r. selbstverständlich im Einvernehmen mit seinem Kollegen Al Eaponc, gegen Zahlung entsprechender Summen den Schuh dieser Todeskandidaten bzw. der Gewerkschoftssührer übernahm. Die ständig« Kommission für Verbrechen, die von der Stadt- Verwaltung unterhalten wird, hat berechnet, daß die Bandenführer und ihre rund 590 Anhänger wöchentlich 300 000 bis 500 000 Dollar erpressen. Der Säuberungsfeldzug schein! im übrigen kein allzu großes Ergebnis gezeitigt zu haben, da von den 26 Bandenführern, gegen die der Richter Lyle Haftbefehl erlassen Abgesehnt „Willst du nicht auch in unsere siegreiche(Sturmabteilung eintreten?" tXda, dafür bin ich nicht mehr halbwüchsig genug!" hat, bisher nur ein einziger gefaßt werden konnte. Gleichzeitig geht die Polizei scharf gegen die Wafsenhändler vor, die bisher die Banditen mit ihren modernsten Erzeugnissen versorgren. Wehrlose niedergeschoffen. Oer Täter unerkannt entkommen. Tn dem Berliner Vorort Karow an der Bahnstrecke Berlin— Bernau wurde heule vormittag die Witwe des Reichsbahnbeamten M a t h i a t von einem bisher unbekannten jungen Mann über- fallen und mit einem Schuß niedergestreckt. Frau Mathiak besitzt in Karow«in Häuschen, wo sie in den Sommermonaten einige Zimmer vermietet. Ihre Lebensmittel bezog die Frau von Händlern, die ihr die Ware ins Haus brachten. Heute morgen kam der Schlächter und nahm von der Frau Bc- stellungen entgegen. Als er das Grundstück wieder verlassen halte, hörte er plötzlich einen Schuß. Zurückgeeilt fand er die Frau mit einer Schußwunde vor der Eingangstür in einer Blutlache auf. Nach einiger Zeit erholt« sich die Ueberfallene und gab folgende Dar- stellung: Ein junger Bursche, der unerkannt entkommen ist, hatte bei ihr geklingelt und um Obst und dann um Arbeit gebeten. Di« Frau hatte keine Beschäftigung für den Mann und wollte in ihr Haus zurückgehen. In diesem Augenblick soll der Fremde auf die Wehrlose geschossen haben. Glücklicherweise scheint die Schußvcr- lctzung nicht lebensgefährlich zu sein. poliiischer Gelbstmord? Ein Unbekannter erschoß sich auf Helgoland. Eine geheimnisvolle Persönlichkeit scheint ein Mann Gewesen zu sein, der sich kürzlich in einem holet auf Helgoland eine Schußwunde beibrachte, an deren Folgen er zwei Tage später im Krankenhaus verstarb. In das Fremdenbuch hatte sich der Mann al- Sandor Hegessy eingetragen, im Krankenhaus gab er aber an, daß er ein 19 Jahre alter Emmerich Grün, der Sohn eines vermögenden Geteidchänd- lers aus Budapest sei. Auch diese Angabe dürfle kaum zutreffen, denn der Mann sah wesentlich älter aus. Cr war 1,80 Meter groß und hatte gebräunten Teint. Nach Aeußerungcn, die er Bade- bekanntschaften gegenüber tat, war er ein ideal gesinnter K o m m u n i st. Wegen seiner Ppvpaganda für diese Partei war er, wie er sagte, in Rumänien zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden, aber geflüchtet. Auch in Ungarn habe er nichr bleiben können, weil seine Angehörigen sich von ihm lossagten. In einem in unbeholfenem Deutsch abgefaßten Abschiedsbrief ver- machte er alles, was er bei sich führte, seiner Qpartierwirtin, damit sie so seine Logisschuld in Höhe von 18 M. decken könne. Ob seine Erklärungen zutreffen, ist noch nichr festgestellt. Per- sonen, die über Sandor Hegessy(Emmerich Grün) etwas mitteilen können, werden gebeten, sich an die Vcrmißtenzentrale des Polizei- Präsidiums zu wenden._ Altwohnungen bleiben leer! Die hohen Mieten können nicht hezahlt werden. Daß Reubauwohnungen wegen der zu hohen Miele monatelang leer stehen, ist man bereits gewohnt. Doch tritt bereits der gleiche Zustand bei gewissen Altbauwohnungen in die Erscheinung, nicht etwa nur bei Luxuswohnungen von 8 bis 10 Zimmern, sondern in der meistbegehrten Klasse der 2�- und 3'/ö-Zimmer-Wohnungen. Dabei Handell es sich um Wohnungen, deren Mieten„ordnungsmäßig" nach den bestehenden höchstmiclen- beflimmungen errechne», aber gleichwohl für die Wohnungfuchenden nicht mehr erschwinglich sind. Auf dem Tempelhofer Feld befinden sich eine Anzahl Boubtocks mit Hochhäusern, die unmittelbar vor Kriegsausbruch er- richtet wurden. Infolgedessen sind die Friodcnsmieten— nach dem Stande der Jahre 1913/14— mit die relativ höchsten in Berlin. Im Gegensatz zu früher, wo in diesen Häusern freiwerdende 2- und 3-Zimmer-Wohnu.ngcn im Handumdrehen wieder vergeben waren, stehen jetzt solche Wohnungen wochen-, ja monatelang leer, nicht, weil es an Mietlustigen fehlt, fanden, weil alle wieder umkehren müssen, sobald sie die Mieten erfahren. Zwei Beispiele: Eine 2i4-Zimmer-Wohnung wurde Mitte Juli durch Todesfall plötzlich frei. Obwohl vom letzten Inhaber kurz vor seinem Tod« auf eigene Kosten renoviert, fand die Wohnung erst Mitte August Mieter, da die monatlich« Miete von 93 M. fast alle Mietlusligen abschreckte. Ferner: Eine am 1. September durch Umzug frcigewordene 3!�-Zimmer- Wohnung steht noch jetzt lrer. Es kommen zwar alle Tage Mietlustige, die sie besichtige», aber Deutschland und die Minderheiten programmatische Rede Koch-Wesers in der Genfer politischen Kommission niemand kann eine Monatsmiete von 135 M. für diese Wohnung aufbringen. Dabei ist die Wohnung verwahrlost und der Housbcsiger verlangt trotz des„herrschostlichen" Mietzinses, daß der Neumieter sie aus eigene Kosten Herrichten lasse! Solche Fälle zeigen, daß von der berühmten„Annäherung der Mieten an die Neubaumieten" nicht weiter die Red« sein kann. Viele sagen bei eincin solchen Preis sür Altwohnungcn jetzt schon: für das Geld bekomme ich eine Neubauwohnung, die wenigstens sauber und anständig ist. Di« Herren Hausbesitzer aber sollten dar- aus lernen, daß ihr Traum von einer endlosen Erhöhung der Mieten, in die Praxis umgefetzt, sehr schnell ausgeträumt fein würde, da schon die jetzige begrenzte Miethöhe zu leerstehenden Wohnungen trotz W o h n u n g s m a n g e l führt.(Es gibt nämlich auch hier eine Grenze: die Zahlungsfähigkeit des Mieters, lieber diese Grenze Hilst kein noch so dringender Ivohnungsbedarf hinweg. Reklame mit Budgetkürzung. Tardieus neuer Voranschlag. Paris, 19. September.(Eigenbericht.) Tardieus Pudgctvorschlag für 1931, der bei einer Ausgaben- Ziffer von insgesamt 50 Milliarden Franken(16 Franken= 1 Mk.) eine Parade-Ersparnis von 3 Millionen bringt, wird von der offi- ziöscn Presse mit endlosem Jubel als die Eröffnung eines neuen Zeitalters gepriesen. Das Schlagwort Tardieus von der Politik der £uflahrobal Schindler bei einer seiner tolllühnen Luftvorstellungen. Als er gestern von einem Flugzeug auf das andere umsteigen wollte, stießen beide Flugzeuge zusammen und stürzten ab. Er und drei Piloten fanden den Tod. Prosperität, das angesichts der Teuerung, der Produktionsstockung, de» Ausfuhrrückgangs und der Börsenpleite vergessen worden war, ist wieder in Mode gekommen. Der„Petit Parisien" geht sogar so weit, Tardieus Werk der„Budget-Dcflation" neben die Franken- Rettung Poincares zu stellen. Die Linkspresse läßt sich nicht blenden. Der sozialistische„Populaire" protestiert vor allem gegen die neue Erhöhung der R tt st u ng s a u s g a b e n, die die Friedensreden Briands. in Gettf zu einer Komödie stempelten. Außerdem trage der Entwurf deutlich den Charakter eines Klassenbudgets. Nichts sei ge- schehen, um wenigstens die schädlichsten Steuern abzuschaffen und di« Ueberbclastung gerade der kleinen Steuerzahler zu mildern. Auch für die Beamten, Arbeiter und Pensionäre sei nichts vorgesehen. Nicht minder kritisch äußert sich der„CMotidien". Eine Ersparnis von gerade 399 Millionen bei einem derartigen Riesenbudget s t i lächerlich, gerade gut genug, um der Regierung als Reklame zu dienen. Dazu sei diese- Ersparnis eine Illusion, denn das Budget sehe weder die nötigen Ausgaben für das Projekt ztir Hebung der Wirtschaft vor, noch enthalte es die so oft angekündigte Reform und Vereinfachung der Steuergesetzgebung. Macdonalö und Lloyd George. London, 19. September. Der Parlamentskorrespondent des„Daily Herald" schreibt: Nicht nur die Arbeitslosigkeit und die Loge der Landwirtschost, sondern die gesamte politische Lage wurden in der gestrigen Konserenz zwischen dem Premierminister, dem Sclzatzkanzler und Lloyd George erörtert. Die Reichskonfercnz, Jirdien und der.Völker- bund wurden offen zwischen Macdonald und dem Führer der libe- ralen Oppositivi, besprochen. Die Beratungen werden in der nächsten Woche sortgesetzt werden. Das Milchgefeh. Stufenweise Inkrafisehung geplant. Wi« das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mitteilt, sind dort die Borarbeiten sür die Aussührungsbestimmungen zum M i l ch g e s e tz soweit gediehen, daß die aufgestellten Eni- würfe bereits in nächster. Zeit mit den in Betracht kommenden Wirt- schastskreisen erörtert werden können. Bei diesen Vorarbeiten hat es sich als notrvendig und ziveck- mäßig herausgestellt, das M i l ch g e j« tz st u f e n w e i je in Kraft .zu setzen. Auf diese Weise wird es möglich sein, den wichtigsten TeX der Vorschriften des Milchgesetzes schon zu einem früheren Zeit- punkt in Kraft treten zu lasse». Für die erste Stufe der Inkraftsetzung kommen insbesondere in Frage die Vorschriften über den B« a r b e i t u n g s z wa n g für Milch(§ 12), über die K o n z e s s i o n i e r u n g der Unternehmen zur Abgabe von Milch(■§§ 14 bis 19), das Verbot des N a ch m a ch e n s von Milch und Milcherzeugnissen zur Verwendung alz Lebensmittel, insbesondere das Kunst- sahneoerbot(8 3b) und die gesamten Vorschriften über de- sonder« Maßnahmen zur planmäßigen Ordnung der Milchwirt- Ichast(§§37 bis 42), vor allein also die S t a n d a r d i s i e r u n g s- bestimmungen. Es wird dann möglich sein, das Gesetz zur Regelung des Verkehrs mit Milch vom 23. Dezember 1926 zu dem gleichen Zeit- punkt aufzuheben. Deutscher Dampfer gestrandet. Stockholm. 13. September. Bei Lulea e in Nordschwcden ist am Donnerstag der deutsche Dai�pstr„Alme" gestrandet. Zu Hilfe geeilt« Lotsen konnten erst nach großer Schwierigkeit di« Besatzung aus ihrer bedrohlichen Lage r»tten. Das Schiff wird wahrscheinlich v e r l o r c n gehen. Gens, 19. September.(Eigenbericht.) In der politischen Kommission legte heute morgen Koch- Weser den deutschen Standpunkt in der Minderheitenfrage dar. Jetzt handelt es sich nur darum, ob der Völkerbund alles getan habe, um den Minderheitcnbejchwerden gerecht zu werden. Es seien schon praktische Teilergebnisse erzielt worden. Nach dem Jahresbericht könnt« es scheinen, als ob das Minderlzeitenproblem nur ein« untergeordnete Rolle spielt. Nur eine Beschwerde sei berührt worden, das Problem müsse aber eine seiner Tragweite entsprechende Beachtung im Jahresbericht finden. Auch die auf Grund der Mitgliederbeschllljse verfertigte S t a t i st i k habe keine Erwähnung gefunden, ebenso wenig die Tätigkeit der Dreier- komitecs. Die Anwendung des in Madrid beschlossenen Be- schwcrdeversahrcns müsse noch wesentlich verbessert werden. Don 759 veröfsentlichtcn Petitionen waren 26 als unannehmbar bezeichnet worden. Man begehe«inen großen Fehler, wenn man Minderheiten- beschwerden als verhältnismäßig belanglose Sachen ansehen wollte. Die Ausschüsse müßten ihre Sitzungen nicht nur wahrend der drei jährlichen Ratstagungen, sondern auch zwischendurch abhalten. Von dieser Ermächtigung durch die Mitgliederbeschlüsse sei bisher kein Gebrauch gemocht worden. Dabei könnte die Dreier-Konimission um zwei Mitglieder ergänzt werden. Die Arbeiten müßten ver- öfscntlicht werden. Bisher sei das nur in 5 von 29 abgc- schlössen«» Fällen geschehen. Das gleiche gelte von den Jnjor- m a t i o n s b r i e f«» der Komitees an die Ratsmiiglieder. Di« Minderheitensrage sei ein allgemein europäisches Problem. Man müsse den Minderheiten den Schutz ihrer Menschenrechte aus Wahrung ihres Volkstums, ihrer Muttersprache, ihrer Kultur, ihrer Religion im Rahmen des Staates, in dem sie leben, nicht nur rechtlich verbriefen, sondern auch praktisch verwirklichen, wobei«ine Synthese gefunden werden müsse zwischen den bercch- (igten Interessen des Staates und den Belangen der Minderheiten. Der Abg. Koch schloß seine Rede mit folgenden Worten, di« stärkste Beachtung fanden: Niemand denkt hierbei daran, die vollberechtigten Znteressen des Staates zu übersehen. Ich glaube nicht an eine Gefahr des Minderheitenproblems für die innere Festigung eines Staates. Die Befriedung und Annäherung Europas geht nicht nur über die gefallenen Zollgrenzen, sondern sie geht in erster Linie über befriedigte Minderheiten. Der Völker- bund, der als wichtiger Faktor für die Erhaltung des Weltfriedens weitgehend schon mehrfach für eine groß« friedensfördernde Idee eingetreten ist, wird auch hier die Z e i ch e n der Zeit erkennen und darüber wachen müssen, daß ihm di« Zügöl der fortschreitenden Entwicklung nicht entgleiten. Calonder soll bleiben. Beschluß des Völterbundrats. Genf, 18. September..(Eigenbericht.) Das Schauspiel des l i t a u i s ch- p o l n i s che n Streites wiederholte sich diesmal nicht mehr vor dem Völkerbundsrat. da beide Parteien in der Donnerstagsstzung sich ohne weitere Aus- führungen einverstanden erklärten, die vom Rat vorgeschlagenen direkten Verhandlungen über Grenzstreitigkciten und Vcrkehrsfragcn bald beizulegen und dem Rat darüber im Januar Bericht zu erstatten. Einstimmig wurde dann dem gemeinsamen Wunsch Deutschlands und Polens entsprochen, den zurückgetretenen Präsidenten der gemischten oberschlesischen Schiedskommission, C a- l o n d e r, zur Fortsetzung seiner Tätigkeit bis zum Ablauf des deutsch-polnischen Vertrages aufzufordern. Kanada, Euba und Finnland, die drei aus dem Rat ausscheidenden Mächte, wur- den ausgesordert, an der Abrllstungskommission weiter mitzn- arbeiten. Für die Begrenzung der Fabrikation von Rausch- giften wird in London sobald als möglich eine Konferenz der Herstellungsländer von Rauschgiften stattfinden. Finanzhilfe für angegriffene Staaten. Genf, 18. September.(Eigenbericht.) Die Abrü st ungskom Mission des Völkerbundes bat am Donnerstag die entscheidenden Anfangsbestimmungen der Konvention über die Unterstützung des Angegriffenen im Kriegsfalle angenommen. Danach erhält ein Staat, der trotz aller Verständigungsbemühungen des Rates bei eigenem Friedens- willen angegriffen wird, sinanzielle Unterstützung in Form von Anleihen mit internationaler Garantie, für die die Garanten jeweils bis zur Höchstsumnie von 199 Millionen Gold- sranken haften. Di« Debatte ging hauptsächlich um Abänderungsvorschläge, deren Sinn es war, die in die Hand des Rates gelegte Macht zur Gewährung der Finanzhilfe so genau als möglich festzulegen. Deutschlands Vertreter G ö p p e r t schloß sich einem holländischen Vorschlag an, in dem gesagt ist, daß der Rat zur Hilfe erst greifen darf, wenn er glaubt, daß der Frieden auf andere Weise nicht ge- rettet werden könne. Diesem Vorschlag pflichteten auch di« meisten anderen Staaten bei, so daß schließlich Einstimmigkeit nicht nur für diese Bestimmung, sondern für den größten Teil des Der- tragsentrburscs überhaupt erreicht wurde. Cuba als Hüter der internationalen Moral. Gens, 18. September.(Eigenbericht.) In der Rechtekommission des Völkerbundes kam es am Donnerstag zu heftigen Auftritten, als über die Jnkraft- setzung des Reoisionsstaluts des Internationalen Gerichtshofes ver- handelt wurde. Euba hat als einziger Staat das Inkrofttretcn durch seinen Einspruch verhindert, nachdem sast sämtliche Mitgliedsstaaten ratifiziert oder keine Einwcnduiuzcn erhoben hatten. P o l i t i s- Griechenland warf den Cubanern vor, daß ein einzelner Staat nicht das Recht habe, eine fast einstimmig gewünschte Rechts- ordnung zu durchkreuzen, worauf der Cubaner auffuhr und mit Selbstbestinimungsrecht und Moral austrumpfen wollte. Der Grieche ließ demgegenüber durchblicken, daß Euba gar nicht so moralisch sei. Sofort kam der Cubaner mit der Erklärung, daß man sich doch noch aus die Revision ver ständigen könne. Die Anspielung von Politis ist insofern berechtigt, als der ehe- malige albanische Richter Bustament« das Selbstbestinimungsrecht seines Staates einstand, um im Falle seiner Wiederwahl seine im Revisionkstatut verbotene Rcchtsanivaltstätigkeit mit dem Köm- p r om i ß geholfen, bereits diesmal 13 Richter nach dem alten Statut auf neun Jahre zu wählen. Die größte Berufsinternationale 2H Millionen Transporiarbeiter in derLTZ. Am Montag beginnt in London der 7. Kongreß der Internationalen Transportarbeiter-Födera- t i o n. Wie aus dem anläßlich dieser Tagung herausgegebenen Geschäftsbericht für die Jahre 1928/1929 hervorgeht, hat die Transportarbeiter-Jnternationale in den letzten beiden Iahren trotz der internationalen Wirtschaftskrise einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen. Das trifst sowohl hinsichtlich der Ge- winnung von neuen Mitgliedern, als auch der Erweite- rung ihres Einflußgcbietes zu. Am 1. Januar 1928 waren der JTF. in 33 Ländern 77 Organi- satwnen angeschlossen mit 2924 697 Mitgliedern, am 1. Januar 1939 dagegen in 35 Ländern 93 Organisationen mit Z 275 336 Mitgliedern. Der Auftrieb hat auch in dem außerhalb der Berichtszeit sollenden. Jahr 1939 nicht nochgelassen: zur Zeit sind der JTF. in 37 Ländern 98 Organisationen angeschlossen. Der Gewinn von mehr als 259999 Mitgliedern ist nicht allein auf R e u e i n t r i t t e von Organisationen zurückzuführen— durch Neueintritte erhöhte sich der Bestand nur um rund 142 999 Mit- glieder—, sondern auf den M i l g l i« de r z u w a ch s der bereits angeschlossenen Organisationen. Besonders erfreulich ist das weitere Eindringen der JTF. in außereuropäische Länder. Ansang 1928 gehörten zur JTF. 19 außereuropäische Verbände: heute sind es bereits 22. Vertreten sind in ihr Argentinien, Brasilien, Kanada. Australien, Indien, Palästina, China, Euba, Japan, Trinidad und Salvador. In Europa unisaht di« JTF. alle Staaten mit Ausnahme von Sowjetrußland und Lettland. Mit den antifaschistischen Eisen- und Straßenbahnern Italiens ist die Verbindung auch wieder hergestellt worden, während die Verbindung mit den Hafen- arbeitern der Vereinigten Staaten wieder zerrissen ist. Die Organ:- sation der Hafenarbeiter in den Vereinigten Staaten hat nach der Neuwahl ihres Vorstandes ohne Angabe von Gründen den Austritt aus der JTF. erklärt und alle Anfragen unbeantwortet gelassen. Von den angeschlossenen Ländern sind zahlenmäßig am stärksten Deutschland mit 617 000 Mitgliedern und Großbritannien mit 565 999 Mitgliedern. Unter den Derussgruppen nehmen die Eisenbahner mit 1 272 399 Mit- gliedern den ersten Platz«in: ihnen folgen die Iransportarbeiter mit 894 586 Mitgliedern und als letzte kommt die der Seeleute mit 198 459 Mitgliedern. In dem Bericht wird die Erwartung aus- gesprochen, daß in der nächsten Zeit auch die englisch« Seeleute- organisation, die der JTF. leider noch nicht beigetreten ist, ihren Anschluß vollziehen wird. Der Geschäftsbericht enthält weiter interessante Abschnitte üb«r die Arbeiten der JTF. zur Verbesserung der internationalen Arbeits- schutzbestimmungen, der Bekämpfung der Kriegsgesahr und der Gewährung internationaler Hilf« bei großen Kämpsen, besonders der Seeleute und Hafenarbeiter. Der Londoner Kongreß der JTF. kann jedenfalls mit Genugtuung auf die Tätigkeit zurückblicken, die von seinen Exekulio- und Verwaltungsorganen in den letzten beiden Jahren entfaltet worden ist. Das Lager Andrees. Die wissenschaftliche Untersuchung abgeschlossen. T r o m s ö, 19. September. Die wissenschaftliche Kommission hat heute abend eine Mitteilung verössenllicht. in der erklärt wird, daß die Unter- suchung der von der 3 s b j ö r n- E x p e d i l i o n gefundenen Gegenstände jehl abgeschlossen ist. Die Skelettreste des dritten Expeditionsmitgliedcs F r a e n l c l sind mit zurückgebracht und das Skelett A n d r e e s ist ergänzt wor- den. Die neuen Funde geben eine vortreffliche Ergänzung des bis- herigen Bildes über das Andree-Lager. Das gefundene Material umsaht 499 Gegenstände. Reu gesunden wurden die Fortsetzung des Observationsbuches. dessen erster Teil im Segeltuch- boot entdeckt wurde, ein meteorologisches Journal und zwei K�ar- t e n, die Strindberg gezeichnet hat, weiter zwei Kalender von 1896 und 1897 mit Notizen und schließlich Prioatbriefe und Photo- graphien. Die Leichenteile sind jetzt eingesargt und die gefundenen Sache» an Bord der Svensksund gebracht worden. Die Vernehmung der Jsbjorn-Mannschajt hat den ganzen Tag gedauert und wird s o r t g e s e g t werden. Genosse Friß Kunert schreibt dem„vorwärts": Aus Anlaß der 8 9. Wiederkehr iiicines Geburtstages ist mir aus allen Teilen des Reiches eine so groß« Anzahl herzlicher Glück- »iiiifchc und jreundlicher Aufmerlsamkeite» gespendet worden, daß ich ganz außerstande bin, sie ini einzelnen zu beantworten und ihrem wertvollen Inhalt gemäß brieslich aussührlich zu würdigen. So bin ich dringend genötigt, durch den„Vorwäris" hierniit ollen Genossen und Freunden, di« meiner am 15. September gut iamerod- ichoftlich gedacht hoben, meinen innigen, ti�st gefühlten Dank zum Ausdruck zu bringen. Möge die in ihren Grundsesten uncrschütterte Sozialdemokratie, nachdem sie am 14. September di« Parteijpreu von sich abgeschüttelt, nachdem die indisierenien srüheren Nichtwähler tatsächlich ihren traurigen politischen Beitrag geleistet haben, nun bald wieder zu neuem, doppelt schnellem imd unauiholticimcm Aus- stieg gelangen. Hemmungen jeder Art oerpslichteii«in« lsbenssähige Partei zu verdoppelter Könzentration und Krastleistung. Wetter für verlin: Trocken und zeitweise heiter, am Tage mäßig warm, südliche Winde.— Für Deutschland: Im größeren Teil des Reiches ziemlich heiler und etwas wärmeres Wetter, im Nordsee- gebiet windig und leicht veränderlich. Die„Obersten Vierhundert" Generaldirektorengehälter und Maffeneinkommen/ Die Klust zwischen den Klassen Die im Verlag Diederichs erscheinende Monalsschrisl..Die Tal", die seit längerer Zeit in eine politisch-wirtschastliche Zeitschrist umgewandelt worden ist. verössentlicht eine Analnse der Einkommen sschichtung in Deutschland. Der Verfasser nennt sich Ferdinand Fried. Er, wie die meisten Mitarbeiter der Zcitschrisl, schreibt aus der Ideologie und der Znleresscn- läge der von den grohen kapitalsmächten abhängig gewor- denen vlittelstandsschicht, die weniger und weniger von den Miktelparteien Besreiung von sozialem Druck erwarten, aber den weg zur Sozialdemokratie noch nicht gesunden haben, sondern zwischen Sozialismus und Faschismus eine selbständige Stellung zu bewahren suchen. Die Untersuchung, die bei dem Mangel an Sleuerofsenhcit in Deutschland natürlich nur einen versuch darstellt, stammt jedoch von einer Stelle, die guten Einblick in die anonymen Kapitolsmächte besihl. Als in Berlin der Schreckschuß der Angestellten-Entiassungen in der Metallindustrie losging, lief— kaum beachtet— ein« Nachricht durch die Presse, daß ein Borftordsmitglied van Siemens-Schuckert sich bereit erklärt Hobe, auf 10 Proz. seiner Bezüge verzichten zu wollen, wenn dafür die Kündigungen in seiner Abteilung zurück- genommen werden würden. Herr von Siemens soll das schroff abgelehnt haben, weil ja in einer Aktion kühler und berechnerrder Geschäftspolitit eine Insel von Menschlichkeit gewaltig stören würde. Der in Frage stehende Direktor hat nach unserer Kenntnis ein Jahreseinkommen von 33!) 000 Mark. Er ist ein Vorstandsmitglied, das nach außen wenig in Erscheinung tritt. Er zählt nicht zu den glänzenden Namen uird großen Kanonen, deren Einkommen wefent- lich höher liegen werden. Der Generaldirektor von Siemens- Schuckert, Herr K ö t t g« n, und der Allgewaltige des Siemens- Konzerns, Herr Haller, werden wohl ihr« wertvolle Arbeitstraft kaum unter einer Million dein Siemens-Konzern zur Verfügung stellen. Wenn man diese Einkommen �als Anhaltspunkte nimmt, so darf man annehmen, daß die 25 Direktoren, die im Siemens- Konzern ein strenges Regiment führen, zusammen im Jahre un- geführ 12)4 Millionen Mark verdienen. Dem stehen die nmd zehn- taufend Angestellte gegenüber, die durchschnittlich im Monat vielleicht ein Gehalt von etwas über 200 M. hoben, also setzen wir«in Jahresgehalt von 2500 M. Das macht jährlich 25 Millionen Mark. Zehntausend Leute verdienen nur doppelt soviel wie 2b Leute. Das ist die Situation. Und während von den zehntausend jetzt tausend aus die Straß« gesetzt werden, um 2'A Millionen jährlich zu sparen, läßt sich der Generaldirektor Kotigen, also einer von den 25, auf seinem Grundstück einen großen Teich ausschachten, weil er nicht einsieht, warum er nicht auch seinen eigenen privaten See haben soll— wie andere Leute. Herr Werner von Siemens, der„schöngeistige Verwandte", den wir nicht zu den 23 gezählt haben, hat nicht genug an seinem Musik-Povillon, wo er gegen angemessenes Honorar das Philharmonische Orchester dirigieren, Furtwängler spielen darf, sondern muß sich in seiner neuen Villa noch ein großes luxuriöses Schwimmbad einrichten lassen. So ist die Situation.— Ja, so ist die Situation in ganz Deutschland. Die 25 Direktoren bei Sienrens— und die zehntausend vor der Kündigung bangenden Angestellten— und die hunderttausend Arbeiter, die ihres Ler- dienstes ebenso ungewiß sind: hier haben wir einmal ein plastisches, deutliches und typisches Bild von der Einkommenschichtung, van den gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland, wie es so schreiend und kraß(weil es lebendig ist) nienials an den toten Ziffern der Statistik erkannt werden kann. Und dennoch: we»n wir— eingedenk dieses einen lebendigen Ausschnittes aus dem Sieniens- Konzern— die Zahlen der Statistik sprechen lassen, wenn wir ver- suchen, sie lo lebendig wie möglich zu machen— dann reden sie überall, überall in Deutschland dieselbe Sprache. In verwirrender Füll« liegen die Zahlen überall hermn— ober tot und unbeachtet, weil die Begriffe zu abstrakt sind. Nicht die Ziffern sprechen zu uns als Menschen, sondern die Tausende von Angestellten, die jetzt ihre Kündigungsbrief« erhalten und aller Voraussicht nach stellung?- los bleiben. Es tut sich im deutsche» Volk eine Klust aus zwischen arm und reich, zwischen Besitz und Zlichtbesih, die überhaupt nicht mehr zu überbrücken scheint, weil sie zu groß geworden ist. weil sie von Iahr zu Uahr stärker auseinanderklafft. gewiß: ann und reich, Besitz und Nichtbesih— diese Gegensätze hat es schon immer gegeben, ober man kann sagen: während diese Gegensätze srllhcr konträr waren, sind sie jetzt fast kontradiktorisch geworden. Früher gab es zwischen arm und reich nach zahlreich« Zwischenstufen, Ueberqönge— heute aber gehört man entweder zu den Besitzenden oder zu den Nichtbcsitzenden. Dos schafft die Kluft. Sic mar früher noch vom Mittelstand ausgesülU, vom Rentner, lleinen, mittleren Gewerbetreibenden oder Händler, vom Bauern, von freien Berufen. Was aber ist heut«„Mittelstand"? Außer den paar Händlern und Gewerbetreibenden, die gerade jetzt den Schmachtriemen enger um den Leib schnallen, sind es gehobene An- gestellte und Beamte, die 1000 oder 2000 M. im Monat dafür ver- dienen, daß sie die Interessen der Reickzen, des Besitzes vertreten. Sie bilden also keine„Brücke", keinen mildernden Uebergang, son- dni oft verschärfen sie sogar noch die Gegensätze, weil sie päpstlicher sein wollen als der Papst, weil niemand gegenüber dem Arbeiter oder Angestellten„schärfer" ist als der aus deren eigenen Reihen Herausgehobene. Die jreigelosscnen Sklaven sind die besten Sklaoenausseher. Die Kluft gähnt nicht nur in den Zahlen, nicht nur im Geldwert— sj« klafft sinnfällig im täglichen Leben, und das ist schlimmer! Während die Masse der Arbeiter und Angestellten sich zusammen- drängt von ftüh bis spät: in den überfüllten Stadtbahn- oder Unter- arundbahnzügen. wenn es»ur Arbeit geht, in den großen Sälen und Werkstätten der Betriebe selbst, in den großen öffentlichen Schwimmanstalten, in den Mistkasernen vder Puppensiedlungen. während sie Sonntag« zu Tausenden in die Freibäder, in die dürren Wälder, auf die wimmelnden Seen fluten, immer einer dicht am anderen— rücken die Reichen. Besitzenden gewollt immer höher in die Isolierung. Hier will möglichst j�er seinen eigenen großen Park, seinen eigenen See, seinen eigenen Musiksaol f)aben: jede Berührung mit dem Nichtbesig, mit der Masse wird ihnen widerwärtig.'Als oer alte Dr. Arthur Salomonsohn von der Discontogesellschaft kürzlich starb, berichtete bei der Trauerfeier ein Redner etwas rührend, wie der Verstorbene als junger Mann oft ein« größere Strecke gelaufen sei. um den Sechser für den Omnibus zu sparen. Der junge Salnmon- söhn hätte sich damals schon eine Kutsche leisten können, aber man fuhr eben in jener Zeit noch im Sechser-Omnibus: man hatte noch einen ganz anderen Lebens-Stil, man hatte Kontakt mit dem Volk. Das wird heute als rührende Geschichte aufgetischt und erweckt einen leisen menschlichen, sozialen Eindruck— aber niemand wird sich bewußt, daß das ein halbes Jahrhundert her ist! Schon die gehobenen Angestellten des Besitzes haben selbstverständlich ihr eigenes Auto, schlimmstenjalls fahren sie nur in der Taxe, aber das ist eigentlich schon sbocking. Man klettert in immer höhere Höhen hinauf, wo die Luft immer dünner wird— und sieht das Tal gleichsam nur nach als Landkart« klntcr sich: das Land mit den arbeitenden, lebenden Menschen daraus wird jenen Höhenmenschen zum bloßen Begriff. Di« beiden Lebens- 5in oftpreußtfcheg€,berl-3>enkmal in gWlau eingeweiht kreise: Besitz und Nichtdesitz heben sich immer mehr auseinander, verkapseln und isolieren sich gegenseitig ooneinander und entwickeln sich so sehr als selbständige, in sich geschlossene Gebilde, daß einer des anderen Sprache schon nicht mehr versteht. Infolgedessen herrscht in den Kreisen des Besitzes ein« völlig« verständnislosigkeit für die Sorgen und vedürsnisse des Bichl- besitze», die derart verrannte und unpsychologisch« Moßnalimen hervorbringt wie die kürzlichen Entlassungen in der Berliner vletallinduslrie. Hier liegt eine tiefe, tiefe Kluft im Polt«— und über ein« derartige Kluft, über so kontmdittatorische Gegensätze kann heute das schönste Parteiprogramm, auch das der Staotspartei, kein« Brücken schlagen! Die Schichtung der Einkommen. Bon den 65 Millionen Deutschen ist sast genau die Holste erwerbstätig. Don diesen 32A Millionen Erwerbstätigen verdienen 29 Millionen, also 90 Proz.. weniger als 2�00 M. jährlich oder 200 M. im Monat. ZZ4 Millionen Erwerbstätig«(oder rund ein Zehntel) verdienen.zwischen 200 M. und 3000 M. im Monat, bilden als» die bunt schillernde Uebergangsschicht zum Reichtum. Mehr als 3000 M. im Monat, bis herauf zu den Millionencinkommen, verdienen in Deutschland ganz« 3 0000 Leute. Zum Vergleich: in England gibt es 20'A Millionen Erwerbstätige, also auch etwa die Hälft« der Bevölkerung. Hiervon verdienen nur 75 Proz.(gegen 90 Proz. in Deutschland) weniger als 200 M. monatlich, und 25 Proz.(gegen 10 Proz. in Deutschland) kann man dem sogenannten Mittelstand zurechnen. Dies« Uebergangsschicht zwischen arm und reich ist also in England zweieinhalb- mal so stark wie in Deutschland! Und die Zahl der Reichen, die sich in Deutschland prozentual nicht mehr ausdrücken läßt, beträgt in England'A Proz. der erwerbstätigen Bevölkerung— rund 100 000 Leute. Vom gesamten Volkseinkommen entfällt in Deutschland aus die Armen(90 Proz. der Erwerbstätigen!) nur rund 70 Proz., auf die Mittelschichten rund 26 Proz. und aus die prbzentual nicht mehr auszudrückenden Reichen(30 000 Leute) fast 4 Proz. Das bedeutet 291- Millionen Leute verdienen in Deutschland monatlich im Durchschnilt 130 bis 140 M., 3A Millionen Cgite verdienen durchschnittlich 450 M. im Monat und 30 000 Leute verdienen 12 000 bis 13 000 M. monatlich im Durchschnitt. Daz ist aber erst die grobe Zergliederung: bei feiner Durchorbeit werden die Unterschiede noch krasser. Nehmen wir uns zunächst die 2914 Millionen Leute vor, die weniger alz 200 M. oder durchschnittlich 140 M. im Monat ver- dienen. Hiervon tragen nämlich 16 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte, weniger als 100 M. im Monat nach Hause, 6 Millionen Menschen zwischen 100 und 125 M. und 754 Millionen zwischen 125 und 200 M. monatlich. Das bedeutet also weiter: die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland hat noch nicht einmal dos amtlich anerkannte Existenzminimum. Die in Deutschland an sich schon dünne Mittelschicht(mit 200 bis 3000 M. Monatsgehalt schon sehr weit gefaßt) verliert noch an oerbindender Bedeutung, wenn man ihre Schichtung genauer aufteilt. Es handelt sich hier um 354 Millionen Erwerbstätige. Bon diesen verdienen allein über 254 Millionen, also rund 70 Proz. zwischen 200 und 500 M. monatlich, mehr alz 54 Million Leute verdienen dann noch zwischen 500 und 1500 M. im Monat. Hier müßte man eigenllich schon aufhören— denn es bleiben im ganzen nur 77 000 Leute übrig, die zwischen 1500 und 3000 M. Monatseinkommen haben. Schlagt man sie zu den erwähnten 30000 reichen Leuten, so kommt man auf 100 000 Leute in Deutschland, die wirklich ohne Sorgen, auskömmlich und gut leben können. Aber es ist doch notwendig, sich die 30 000 reichen Leute noch genauer anzusehen. Greisen wir erst diejenigen heraus, die ein Monatscinkomemn zwischen 3000 und 6000 M. haben— damit sind wir immer noch nicht bei den höchsten Regionen der großen Direktoren, Vorstandsmitglieder und Besitzenden angelangt, sondern haben vielleicht die letzte Grenze der hochbcsoldeten, aber beauftragten Hüter des Besitzes und seiner Interessen erreicht— so ergeben sich II 000 Leute. Die Reihen lichten sich— es bleiben nur 9000 übrig— aber das Geld lichtet sich nicht: es wird dichter und dichter: wir sind bei den oberen Zehntausend angelangt, die jährlich im Durchschnitt 130 000 M. zu verzehren haben.• Wir haben aber noch nicht die höchsten Gipfel erstiegen! Nein, man schalte von den upper tcn(oberen Zehn) wieder die Hälfte aus, die sogenannte zweit« Garnitur der Bankdirektoren und ähnlicher Bcainter, die nicht ganz first class(erste Klasse) sind— dann behalten mir 5000 Leute übrig, von denen jeder im Durchschnitt 200 0S0 IN. jährlich als Einkommen bezieht. Diese 5000 Älenjchen verdienen zusammen jährlich ebensoviel wie 154 Millionen Arme! Die oberen Zehntausend zusammen oerdienen jährlich ebensoviel wie 254 Millionen Arme— das ist die Sikuation. Es ist nun mühsam, aber interessant, innerhalb der letzten, reichsten Schicht von 5000 Leuten noch weiter hinaufzusteigen in dos Schweigen des Eises. Hier müssen wir«ine andere Statistik.zu Hilfe nehmen, die allerdings noch um zwei weitere Jahre zurückliegt als die bisher benutzte, und zwar bis 1925: die also gewiß schon etwas überholt sein wird. Wenn sich nämlich aus dieser Statistik ergibt. daß damals 889 Menschen in Deutschland ein Einkommen von über 200 000 M., und zwar durchschnittlich von 380 000 M. bezagen, dann dürfen wir heute fast die Zahl der Leute auf 1000 abrunden, die Summe des Durchschnittseinkommens auf 400 000 M. Um aber in den Aufbau, in die Verteilung dieser obersten Einkommensschicht hineinzukommen, müssen wir uns schon an die niedrigeren Ziffern der Statistik halten. Lzier ergibt sich nach der Quelle der Spitzen- einkommen folgende Schichtung: Zahl Einkomme» aus: Gesamteinkommen Durchschnittseinkommen 25 Landw-rtschaft... 12.2 Will. Mark 500 000 Marl 523 Gewerbebetrieb.. 206,8„„ 400 000, 341 Sonstigem.... 120,5„, 350 000, Schon diese Uebersicht zeigt, wie in dieser oberen Schicht(über 200 000 M.) die hohen Einkommen sich häusen, so daß schon außer- gewöhnlich große Durchschmttseinkommen zu verzeichnen sind. Will man aber aus diesen Spitzeneinkommen noch die„Gipseleinkommen",. wenn man so sagen darf, aussondern, so leiht uns die amtliche Statistik ihre Hilfe nur bei einer Austeiluirg der Spitzeneinkommen linker die deutschen Groß- und Mittelstädte. Die Aufstellung dieser deutschen Spitzeneinkommen unter die verschiedenen Städte, die wir hier gesondert veröffentlichen, befindet sich natürlich nicht in dieser Gestalt in der Statistik, da sie in vielen Fällen ein« Verletzung des Steuergeheimnisses darstellt. Wir sind zu unseren Ergebnissen viel- mehr nur dadurch gekommen, daß wir ganz verschiedene Zusammen- stellungen der amtlichen Statistik sorgfältig auseinander abgestimmt und nur in seltenen Fällen durch Schätzung ergänzt haben. Di« Er- gebniss« sprechen für sich selbst. Bei einigen Orten ergab sich nun die Zahl der Gipfel- einkommen über 54 Million Mark jährlich von selbst: wir ver- weisen besonders auf Kassel, Wiesbaden, Kaiserslautern, Zwickau: bei den anderen mußte die vermutliche Zahl dieser Gipfefcinkommen Mit Hilse der Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgesondert werden: wir haben sie für jeden Ort aber zu vorsichtig angegeben. Nach dem Gesamtergebnis für die Groß- und Mittelstädte haben wir bann die Zahl der Gipseleinkommen für die Kleinstädte und das Land etwas roher geschätzt. Danach rundet sich das Bild folgendermaßen: Unter den 1000 Leuten, die durchschnittlich 400 000 M. jährlich verdienen, befinden sich al, letzter kern des krasse» Reichkums 340 Leute in Deutschland (also ein Drittel, die ein Einkommen von über 54 Million Mark haben! Das sind also die„Oberen Dierhundcrt". Oer Richter schuppt Zische. Ein sonderbarer Fall im Gerichissaal. weil sie aus dem Potsdamer Zischmarkt in ärgerniserregender Weise Tiere grausam gequält, nämlich Fische geschuppt haben soll, ohne sie vorher getötet zu haben, ist eine Fischhändlerin vor dem Potsdamer Amtsgericht angeklagt. Zahlreiche Mitglieder der Innung und viele Fischhändlerinnen sind als Zeugen geladen, und Händlerinnen, die kein Zeugnis ab- legen brauchten, sitzen im Zuhörerraum. Schon seit längerer Zeit liefen bei dem Borsitzenden des Potsdamer Tierschutzvereins, Oberst- leutiwnt o. D. von Herrwarth, Klagen darüber ein, daß die Potsdamer Fischhändlerinncn auf dem Markt Fische in lebendem Zustand schuppen. Es fanden Konferenzen beim Polizei- Präsidenten statt. Am 21. Juni will nun der Oberstleutnant selber gesehen haben, daß die Angeklagte einen kleinen Fisch schuppte, der mit dem Schwanz hin und her schlug. Kaum hatte man der Angeklagten diesen Vorgang vorgehalten, als sie zur allgemeinen Ueberraschung des Gerichts eine Portion Fische auf den Richtertisch legte. Ein Messer herausholen und Fische schuppen, war eins, und siehe da, durch die eigenartige Gewandtheit der An- geklagten, die schon zehn Jahre aus dem Markt sitzt, konnte man genau erkennen, daß auch bei bereits geschlachteten Fischen beim Schuppen der Schwanz hin- und herschlug.„Das liegt am Fischgriff, das verstehen die Hausirauen nicht," rief die Angeklagte, und nun ergriff der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat H e y n a tz, Messer und einen Fisch und schuppte diesen ab. Auch hier schlägt das Fischschwänzchen beim Schuppen hin und her.„Der lebt ja noch." ruft eine hystensche Frau aus dem Zuhörerraum, aber dieser Fisch in der Hand des Richters war längst vorher geschlachtet. Die Angeklagte macht geltend, daß der Oberstleutnant an dem Tage den Fisch gar nicht in die Hand genommen habe. Demnach konnte er auch nicht feststellen, ob der Fisch geschlachtet war oder nicht. Di« Angeklagte wurde auf Staatskosten freigesprochei Andräes Nachlaß. Di« von der schwedischen Regierung zur Klärung der Eigentums- rechte an den Andree-Funden ernannte Iuristenkommifsion ist nach längeren Beratungen zu der Ansicht gelangt, daß die.Hinterbl-ebenen als rechtmäßig« Eigentümer zu betrachten sind. Hinsichtlich der Publizierungsrechie der gefundenen Auszeichnungen der Polar- forscher kommt das Autorenrecht zur G-ltting. Da die Verfasser r*r mehr als 30 Jahren gestorben sind, besteht kein Hindernis, daß d' Auszeichnungen von jedem veröffentlicht werden können. Berliner Kunstausstellungen Von Paul F. Schmidt Dreizehn Künstler bei den Zuryfreien. Um Irrtümern vorzubeugen: die 1Z Kunstler. deren Arbeiten derzeit die Räume der I u r y f r e i c n gegenüber dem Reichstag füllen, sind nicht von der Leitung aufgefordert worden, sondern daben größtenteils selber die Anregung gegeben, ihnen Raum zu Kolleltivausstellungen zu gewähren. Rur so erklärt sich die höchst ungleichmäßig« Kombination von allerhand echten und fragwürdigen Talenten, die von der bekannten großzügigen Gastlichkeit der Jury- freien Gebrauch machen. Zum Trost hängt im Treppenhaus jedenfalls auch einmal wieder die mächtige Dekoration, die Kandinfky 1919 auf schwarzen Rupfen gemalt Hot. erstmaliger Auftrag der Iuryfreicn; ein groß- ortiges Werk von symphonischer Bedeutsamkeit. Die Dreizehn teilen sich in Anhänger der Ittcnschen Theorien, was nicht zu ihrem Vorteil gereicht, nicht einmal bei dem unzweifel- Haft stark begabten G y u l a Pap, und in schlechthin realistische Darsteller, denen aber Talent in noch stärkerem Grade abgeht. Dazu haben sich Erik Richter und G. W. R ö ß n e r mit nicht sehr maßgeblichen Zeichnungen und Studien eingestellt. Die Skulpturen von Schwerdtfeger, der seit 192S an der Stettiner Kunst- gewerbeschule lehrt, verraten nicht viel von dem Borbildlichen seines Lehrers Schlemmer, mehr wieder von Jttens überspitzter Theoretik. Interessanter sind seine großen Federzeichnungen. Richard Hohly fällt durch dos starke Format seines male- tischen Wollens heraus. Die natürliche Begabung des Schwaben für das Element der Farbe und das gewaltige Beispiel Münchs wirken hier zu einer symphatischen und weitausgreifenden Art von Malerei zusammen, die bisweilen, wie in dem Pommerschen Guts- Haus, der Dame mit Bedienung und dem gelben Akt visionäre Höhe erreicht. Den vollkommensten und einen ganz reinen Eindruck machen die Skulpturen und Zeichnungen von Hermann Geibck. Seine nackten Frauen, seine ganz köstlichen Zeichnungen sind bis zum Rande gefüllt mit Anschaulichkeit, Leben und Sinnenfreude. Wie bei Scheibe oder Matarc bestimmt nichts weiter als das unmitte!» bore plastische Gefühl seiner Bilder, nirgends ist die Spur von Theorie und vorgefaßter Formidee zu entdecken. Diese immer lauter und herzhaft sprudelnde Quelle naturhafter Anschaulichkeit macht all seine Werke erquickend und bei vollendeter Bescheidenheit zu runden vollkommenen Kunstwerken. Heinrich v. Zügel. Am 22. Oktober wird Heinrich v. Zügel 80 Jahre alt. Der Berein Berliner Künstler(in der Bellevuestraße) veron- staltet eine schöne Ausstellung von mehr als zwei Dutzend seiner Werke, sehr bezeichnende und prominente Bilder. Zügel, der»m schwäbischen Murrhordt geboren wurde, seine künstlerische Existenz aber durchaus und stets auf München tanzen- triert«, ist der konsequenteste Impressionist der Münchener Kunst: noch heute. Er nimmt«ine ganz ähnlich« Stellung ein wie Max Liebermann in Berlin. Auch Zügel hat zuerst den dunkeltonigen noblen Realismus gepflegt, dessen stärkster Vertreter in Frankreich Covrbet, in Deutschland Leibl hieß: dann, in den 1889er Jahren, hoben sich beide zur Lichtmolerei des Impressionismus bekehrt. Beide nicht ganz zum Dorteil ihrer Kunst. Der Unterschied im Gegenständlichen scheint enorm. Während es für Liebermann eigentlich kein Gebiet gab, das er nicht kultiviert hqtte, hat Zügel sich Zeit seines Lebens auf Darstellung der Haustiere des Menschen beschränkt: anfangs waren es mehr die Schafe, später die Rinder. Der Umfang des Inhaltlichen ist aber nicht fo wichtig. Man kann auch mit Schilderung von Rind und Sehaf ein unsterblicher Meister werden, wie Paul Potter und Albert Cuyp bewiesen haben. Es gibt ihrer noch mehr, und es ist zweifellos, daß Heinrich v. Zügel zu ihrer Schar gerechnet werden wird. Man darf aber einen kleinen Unterschied machen, der innerhalt» seines Werkes verläuft. Zügels frühere Bilder, ganz gleich, ob liebevoll durchgeführte Kleinkunstwerke oder lebensgroße Leinwände von beträchtlicher Dimension, waren erfüllt von einer geistvollen und eindringlichen Lieb« zur Natur. Seine Hammelherden und weidenden Einzelschafe, in dem noblen bräunlichen Ton der siebziger Jahre, Beispiele des sehr sachlichen und zugleich romantischen Realis- mus der Leiblzeit, sind vollkommen gemalt und überdies bezaubernd durch das unbeschreibliche Fluidum eines Naturmythos, dessen Zeugen sie sind. Hier ist nicht bloß Naturwahrheit, sondern das Geheimnis des großen Pan: die Tiere, und mit ihnen ihre Hirten und ihre Landschaft leben ihr besonderes, unantastbares, heiliges Leben. Man kann diese Bilder lieben: sie atmen die Seele der Kreatur. Der Uebergang zur impressionistischen Auffassung geschah natür lich nicht mit einem Ruck, es gibt da vielerlei Uebergänge. In dem Maße aber, wie Zügel sich von der Pariser Luft- und Lichtmalerei und ihrer Doktrin überwältigen ließ, verlor er an künstlersscher Substanz. Man sieht es in dieser schönen und charakteristischen Aus- stellung: als er der impressionistische Maler der wildbewegten, im Helldunkel von Sonnenflecken aufgelösten Rinderexemplare wurde, schwand in dem gleichen Maße sein darstellerisches Vermögen. Er wurde ein blendender Virtuose in der Malerei von Sonnenlicht jeder Art auf dem schwarzweißen Fell von widerspenstigen Rindern. Hoffentlich versteht man den Unterschied. Damals suchte er die ganz« Welt in einer törichten Hammelherde: es war ihm ein Symbol für das Rätsel des Seins, er löste es, indem er es malerisch bejahte, das Animalische war ihm Inhalt und Religion. Die impressionistisch- Theorie zerstörte ihm die Einheit der Welt, es gab nun bloß noch das Technische von Darstellung zerstreuten Lichts, und das Geschöpf Gottes war herabgesunken zum Statisten eines experimentellen Dramas der Vernunft. Radierungen von Velsen. Zum 69. Geburtstag von Iacobus Belsen stellt die Buchhandlung Dietz, Lindenstraße 3, Radierungen von ihm aus, die in tiefsinniger Weise den Kampf des Menschen, vor ollem des Proletarier, mit Schicksal. Not und übermächtigen Gewalten schildern. Ein« zusammenfassende Ausstellung seines Werkes, vor allem auch seiner Gemälde, wird im Februar 1931 stattfinden. „Oer Schwierige." Komödie. Der Schwierige, Hugo von Hoffmannsthal Lustspiel- Held, ist ein Mensch, der im Lauf« der Jahrzehnte fast verschüttet wurde vom Trubel„leichter Konversation", von einer Noblesse, die zum Nichtstun verpflichtet, und von einer nomenlosen Angst vor der Wirklichkeit. Da erwacht er allmählich mitten im leichtlebigen, van Geist und Witz unbeschwertem Trubel der altösterreichischen Aristokratie zur Wirklichkeit und erblickt sich selbst im Spiegel der Menschen, mit denen er bisher gelebt hat. Und erkennt sich als hypochondrischen, krankhaft empfindsamen Menschen, der alles, was er denkt und fühlt, nur auf Umwegen denken und fühlen kann. Unter seiner Oberfläche ruht Tiefe, nur hat er nie gelernt, von ihr Gebrauch zu machen. Und so segeln die wohlerzogenen, schön bemalten Papierschisfchen jener Gefühle und Gedanken, die allein wert sind, von einem Aristokraten gefühlt und gedacht zu werden, über das dumpfe Meer seines Wesens. Weil er sich nicht so recht ausdrücken kann und unsicher geworden ist und weil ihn ein« tiefe Scheu packt überall, wo er auf echt« Empfindung zu stoßen glaubt, gilt er als exzentrisch. So gleitet er in Dämmerung dahin, wahrend andere in pechschwarzer Finstenüs leben, ohne daß er das Letzte, einen freien Blick in die Sonne, wagt. Er gilt als Lebemann und großer Frauenfrcund, dieser schwierige Mann, der sich immer auf Umwegen ausdrücken muß und deshalb so interessant ist. Die Damen laufen ihm nach, weil sie ihn, der sich selbst unbekannt ist, nicht ergründen können. Ein einfacher, unkomplizierter, aber verschütteter Mensch, der zur Sonne will. Er, Graf Bühl, soll für Stani, seinen Neffen, um die junge Helene Altenwyl werben. Und hier stößt. er auf eine Sphäre, die ihn erschüttert und verwirrt. Im Kreislauf komplizierter, ge- schraubter Gespräche verbirgt er sich so leidenschaftlich, daß es in Helene licht wird und sie, der einzige frische, lebendige Mensch in diesem Totentanz der Masken, erkennt, daß er sie liebt und, alle jungfräuliche Scheu überwindend, ihm selbst seine Liebe zu ihr er- klärt. So wird der Schwierige in sein natürliches Element, in die Wirklichkeit, versetzt und zum Menschen. Max Reinhardt versteht sein Lzandwerk. Er zeigt hier, wie unnatürlich Natur und wie natürlich Unnatur wirken können. In einem Kreis verknöcherter, überlebter Menschen, die sich alle wie losend natürlich gebärden, tostet sich ein einziger, der„Unnatürliche", unter ihnen zum Leben zurück. In der Besetzung führt Gustav Waldau als Schwieriger: bis in die kleinste Nuance der Bewegung eine unnachahmliche Leistung. Helene Thimig schenkt uns die spröde Süßigkeit der Liebenden, Else Eckersberg entfesselt einen Hexenkessel von Temperament, Herta Hagen wirkt als Typus der altöfter- reichifchen Aristokratin. Elma von Bulla übertreibt die Rolle der lebhaften Kammerjungfer. Glänzend ist Ferdinand Bonn als maßlos von sich eingenommener und gleichzeitig um die Gunst der Vornehmen buhlender„berühmter Mann", prachtvoll in seiner eckigen Geziertheit Hans D e p p e als Sekretär des Grafen Bühl. Günter Ha dank ist als Intrigant und Außenseiter zu durch- sichtig, Paul Hörbiger ist eine Fehlbefetzung. Hermann T h- m i g gestaltet den österreichischen Aristokratenjüngling hin- reißend komisch. ffo gab mächtigen Applaus. Di« Wände zitterten. Alexander von SacKer-MasocH. ib- poriierwohnungen ohne Mieierschuh. Eine Verordnung des Wohlfahrtsministers. Pom Gesamtvcrband wird uns geschrieben: Eine eigenartig« Verordnung hat der preußssche Wohlfahrts- minsster erlassen. Diese Verordnung hebt den Mieterschutz für woh. nungen der Portiers. Heizer und Hausreinigerinnen ab 1. April 1931 auf. Dies auf Drängen der Hausbesitzer. Das bedeutet, daß jeder Portier, der sich nicht unbedingt dem Willen des Hausbesitzers, besonders hinsichtlich der Bezahlung, der Arbeitszeit usw.. fügt, der sich vielleicht auf bestehende Tariso er. träge beruft, einfach fliegt. Bei der großen Wohnungsnot, die doch vor allem dem Wohl- fahrtsministerium bekannt ist, mutz diese Maßnahme als ungeheuer- lich bezeichnet werden. Wer die Einstellung der Hausbesitzer den Portiers gegenüber kennt, weiß, daß durch diese Verordnung T a u s e n d e von Berufs. angehörigen ihrer Wohnungen beraubt werden. Wer die Mittel kennen lernen will, welcher sich die Hausbesitzer in vielen Fällen be- dienen, um den Portier loszuwerden, gehe einmal nach der Fach- kammer des Arbeitsgerichts oder nach den Slmtsgerichten. Durch die Auswirkung dieser Verordnungen werden viele zur Verzweiflung getrieben. Wenn es dann zu Verzweiflungsakten kommt, tragen jene Stellen die Verantwortung, die einem Inter- essentenhaufen zuliebe dies« Verordnung erlassen haben. Die von der Maßnahme des Wohlfahrtsministers betroffenen Vecrufsangehörigen werden zu dieser arbeiterfeindlichen Verordnung in den nächsten Tagen in großen Versammlungen Stellung nehmen. ?reitgx. IS. September. L e r! i n. 15.20 Ehelosigkeit in der Zcitdichtunc. 15.40 Neue Beleuchtungstechnik. 16.05 Dr. Bcckcr-Ncw York:„Deutschlands Export nach USA." 16.30 Neue Musik. 17.30 Jugendstunde(Die Eiszeit). 18.00 Das neue Buch. 18.30 Major Mareks;..Die Herbstübungen des Reichsheeres." 16.30 Königsberger Konzert. 21.05 Hörspiel:„Der Admiral." Königswusterhiuscn. 16.30 Kammermusik aus Leipzig. 18.00 Staatseinnahmen und Konjunktur(Dr. Jostock). 18.30 Die Ursachen der Landflucht(Dr. Lemberg). 19.00 Festveranstaltung'anläßlich des Jubiläums der Berliner Volksbühne. 20.00 Der Rundfunkvortrag und sein Hörer(Prof. Schubotz.). 20.30 Schrammelkonzer: s München. 20.45 Aus der Göttlichen Komödie von Dante. 21.05 Sinfoniekonzert aus München. Ab heute btinßfit fflic laufend in unserer Rubrik �Äinotöfrl4' Dienstags und freitags abends auch das Programm her Eavoy.Lichtspiele, Martin» Luther-Str. 3; ssranziskankr, Gl'orgrnstraße(Ecke frriedrichstrafce): fonrie der Kant-Lichtspitle, Äantftr. 34, an der Wilmcrsdorfer Straße. Es grüßt derMst mit seinem bunten Gewand und mahnt Sie wieder, rechtzeitig für die richtige, schutzende und schmückende Herbst- und Winterkleidung zu sorgen. Nun, Leineweber ist bereit! 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September 1930 LprÄbmd l&fttdtA Im Reiche der türkischen Diktatur Besuch in der alten Hauptstadt Unser Mitarbeiter Karl Moeller hat mit der Exkursion Brecht-Bergen ein« Studienreise in noch unersorschte Gebiete des kleinasialischen Transkaukasus unternommen, worüber er fortlaufend berichten wird. Istanbul(Konstantinapel), Mitte August. Man spürt einen modernen, europäischen Zug in der größten Stadt des türkischen Reiches. Ganz im Gegensatz zum Mittelalter- lichcn Balkan. Nicht umsonst hat Kemal Pascha, der Diktator in Cut und Stehkragen, Fes und Vielweiberei verboten. Das junge Mädel geht nicht mehr in Schleier und lange schwarze Tücher gehüllt über die Straße, sondern in kurzen, vielleicht bald auch schon wieder langen Fähnchen. Sie gebraucht Puderquaste und Schminkstist, wie ihre Vorbilder aus Paris, sie geht ins Meer baden und treibt Sport, wie ein englisches Girl und bleibt trotzdem Mohammedanerin, bleib? Orientalin. Ich schreibe diese Zeilen im deutschen Klub in Pera: Durch das Fenster tönen die Grammophone aus den Musikgeschästen herein. Draußen in der Gasse vom Hafen aus zur großen Perastrahe ist großer Bosartrubel, orientalischer Redeschwall und doch Ruhe und Gemessenheit.»Die Eile ist des Teufels", sagt ein altes ottomanisches Sprichwort. <»ewimmel ums Grammophon Wenn der dicke Türke in dem Laden anatolische Lieder spielen läßt, dann staut sich die Menge und immer wieder muß er eine neue Platte auflegen. Vor Wut über die schreckliche Melodie, die wir nicht verstehen können, bin ich schon dreimal ausgesprungen und habe mir den Trubels angesehen. Prompt ertönt darauf aus dem brüllenden Trichter: ,Aes Sir. that is my baby", anscheinend hier der neuest« amerikanische Schlager. Offenbar durch das Jazz- gedudel von demselben Schrecken erfaßt, zerstreut sich die Menge fluchtartig in die umliegenden Cafes. Wie überall in den südlichen Ländern spielt sich hier ein wesent- lichcr Teil des öffentlichen Lebens im Freien ab. Man schwätzt, spielt und arbeitet, wenn möglich, unter freiem Himmel. In den dunklen Gassen der Arbeiterviertel säugen die Mütter ihre Kinder. Beherrschend aber erfaßt der Handel das Straßenbild. Früchte, Wasser, Milch, Brot, Kleider, alles kann man unter den vorgebauten Dächern an den Häuserreihen kaufen. Für den Orient besonders kennzeichnend sind die.lausenden Läden". Die Händler schleppen ihre gesamte Ware auf dem Rücken. Morgens, wenn wir hinuMer zum Bosporus gehen, kommen sie im Dauerlauf vom Markt im Hafen über die neue Brücke. Auf einem Traggestell bewältigen sie unglaubliche Lasten. Hoch türmen sich die Melonen und Pfirsiche. In der einen Hand hält der braune, bunt gekleidete Gesell eine W a a g.e und unverständliche Laute schreiend zieht, er seines Meges. In rasendem Tempo sprudelt er eine Menge Worte heraus. Für unser Ohr etwa:„ravati-- talmania-- cavasti-- tschuug". lind das zu gleicher Zeit aus zwanzig oder dreißig trainierten Kehlen. Manchmal ist es zum Tollwerden. Aber je mehr unsere Ohren malträtiert werden, desto schöner ist das Bild für unser« Zsugen. Mit Blättern und Zweigen sind die herrlichen, ausgereisten Früchte geschmückt, die der Verkäufer in seiner Schale anbietet. In blank geputzten Messingkesseln trägt der Wasserhändler, mit den Gläsern Reklame trommelnd, sein kostbares Naß durch die engen Gassen. Ab und zu taucht auch ein Esel auf, der, mit großen Trag- körben bepackt, willig seinein Führer folgt. In den Häusern und aus dem schmalen Räume davor stehen Erfrischungsbuden und Kaffeestuben, in denen man sllr billiges Geld eine saure Milch,.Schiras", den sterilisierten Apfelsaft, und.Case turque" trinken kann. Hier sitzen auf den niedrigen Hockern noch die guten, alten Typen und rauchen ihre Wasserpfeife. Das Itegiine Kemal Pasdias Ein Dekret: Kein Mann darf länger einen Fes tragen. Erfolg: Nirgends ist die ehemals allgemeine. Kopfbedeckung mehr zu sehen. Die lateinischen Schriftzeichen wurden eingeführt. Heute finden sich nur noch in ganz verschwiegenen Ecken Tafeln mit den schwungvollen türkischen Zeichen. Ein Bekannter, der vor mehreren Iahren hier war, stellt seit- dem eine gewaltige Veränderung fest. Ist es schöpferischer Neubau oder nur Niederreißen des Alten? Das überall zu sehende Bild des Diktators ähnelt dem Musso- linis. Nicht ganz so pathetisch, etwas weicher, vielleicht auch be- ftimmter. Man will äußerlich Europa sein, das heißt hier fort- schrittlich: zieht sich aber zugleich aus nationalen Gründen nach Kieinasien zurück. Angora ist heute die Hauptstadt und nicht mehr Konstantinopel. Das hat sein« politische Bedeutung. Ein alter, gebildeter Türke zog den Vergleich mit Amerika: Konstantinopel wird das türkische New Park werden, das Verbin- dungsglied mit Europa. Angora aber ist unser Washington. Glaubensdiskussion Aga Bey, unser Dragoman. Dieser Mann war Aga Bey, unser Führer, der uns drei Tage long durch sämtliche Moscheen und Museen Stambuls schleifte. In jeder Moschee setzt er sich mit uns still in eine Ecke und fängt an, über das Glaubensbekenntnis zu diskutieren. Und ich muß sagen, die Christen in unserer Gesellschaft hatten eine schwere Verteidigung. Am schärfsten entbrannte der Streit in der Aja Sophia, dem allen .Tempel der Wei-hell". Von unserem Beobachtung-platz aus können wir die Frauen in der Mitte des Raumes beten sehen. Manche stecken noch in den altmodischen, schwarzen Tüchern, andere in bunten Konfektionskleidern. Sie sitzen ganz ruhig da. jede für sich, mit ihren eigenen Gedanken. Still verneigen sich die Häupter in wechselndem Rhythmus gen Osten. „Seht, wie unsere Frauen andächtig beten", sagt Aga Bey. .Wir Mohammedaner sind Monotheisten. Wir brauchen keine Altäre und Bilder, wie die Katholiken. Wir sind keine Bilderanbeter. Musik und Gemeinde singen gibt es nicht in unseren Moscheen. Uns genügt ein für Religion und Moral getrennter Predigerstuhl. Im übrigen ist jeder mit Gott allein, wir machen ihm keine Vorschriften." Damt bricht er ad. Er hält alles«edm JhchM aqfe Prügelstrafe für die einzig wirksame. Schweigend erheben wir uns von den orientalischen Sitzen auf dem herrlichen Teppich mit seinen einfachen Farben und geometrischen Figuren. In manchem steckt wohl doch ein Zweifel, durch den starken Eindruck dieser fremdartigen Feierlichkeit bestärkt: dieser Andacht ohne jede Zeremonie, ohne jeden Zwang. Man kann sich einfach hinsetzen und ausruhen, geistig und körperlich, ohne von Orgelgebraus, kreischenden Chören und endlosen Predigten gestört zu werden. Unser Führer ist ein ehemaliger Reitermajor, dann tanzender Derwisch und nun Kunstsammler und Photograph. Er beruhigt die Wärter in den Moscheen, daß unsere Apparate Meßinstrumente sind und wir können durch diesen Trick trotz Verbote unsere Aufnahmen machen. Aga Bey behauptet, daß die größten türkischen Baumeister Soldaten gewesen wären. So der Erbauer der Aja Sophia: Ignatius Magister, nach seiner Meinung der größte Architekt der Welt, der von den Christen als Teufelsanbeter angeklagt wurde, weil an einem Stück Marmor, das man heute noch sehen kann, die Aderung dem Mephistogesicht ähnlich sieht. Basarhandel Am letzten Nachmittag führt uns Aga Bey noch in den großen Basar, wo er sich als echter Orientale entpuppt, der um jeden Piaster stundenlang feilschen kann. Zweifellos haben wir dadurch eine Menge Geld gespart, denn bei manchen Sachen war der»er- langte Kaufpreis zuerst doppelt so hoch als wir später bezahllen. Dolche, Decken und Schmucksachen werden in dem halbdunklen Basar. gewölbe eingehandelt. Es ist wohl die letzte Gelegenheit zum Ein» kaufen, denn morgen früh geht unser Dampfer nach dem Schwarzen Meere ab, nach Kleinasien, wo wir die nächsten sechs Wochen in noch unerforschten Gebieten des wilden Berglandes. L a s i st a n umherirren werden. Um mich herum sitzen sie jetzt alle im Schreibzimmer und schicken die letzten Grüße ab, ehe wir in den abgeschlossenen Bergen, die keinerlei Verbindung mit der Außenwelt haben, verschwinden. /tas deutschen Gauen Was man in Anhalt erleben kann Ort der Handlung: Zwei Vummelzugstunden von Berlin. Wan- dernd überschreit« ich die Grenze zwischen Preußen und Anhall. Die freundlichen Preußen bleiben weit hinter mir, vor mir stehen anhaltischc Dörfler, zu Salzsäulen mll offenem Munde erstarrt und stieren mich an. Im Gasthof, der einem Ortsfremden gehört, wurde mir erzählt, daß es hier noch üblich ist, dem„Herrn" die Hand zu küssen. Der„Herr" ist ein überschuldeter Guts- besitzer, dem man zum Schutz der Gläubiger einen ftaallichen Ver- waller auf das Gut gesetzt hat. Der„Herr" lebt nun vom standes- gemäßen Deputat. Auf diese sorgenlose Art läßt es sich fein leben— das haben mehrere dieser Schlauköpfe in Deutschland entdeckt. Hier und da schaut ein Gesicht verstohlen zum Fenster heraus— du bist hier nicht willkommen, Fremdling, denn du siehst revolutionär aus mit kurzen Hosen und Rucksack. Sogar die Hunde bestätigen es dir. Also zieh weiter. Unterwegs fing es an zu regnen. Ich beschloß daher, im nächsten größeren Dorf zu übernachten. Das große Dorf sah wohlhabend aus. Schöne Gegend auch. Hier bleibst du. Im Gasthos wifjst mein Gruß nur murmelnd erwidert. Ich will ein Glas Bier.'„Bier? Wir ham goar keen Bier."„Na Nu, das ist dach ein Gasthaus?" ,Loa, das schon, aber Bier ham me keens." „Na", sage ich,„kann man denn zur Nacht hierbleiben?"„Näh", tönt es lieblich wie von einer Ziege.„Und warum nicht?"„Näh, me sind daruff garnich ingericht, gähn se mal nebenan. Da is ooch noch een Gasthofs." Nebenan war Bier ja da. Aber übernachten? „Näh."„Und warum nicht?"„Näh, ins Zimmer schlaft der Knecht." Teilhabers Zeitung Von Max B arihel. Teilhaber liest seine Zeitung und runzelt die Stirn. Der Leitartikel ist ihm zu pathetisch, Aber schon rasselt wie Bledi über einen steinernen Boden Artikelchen hin neben Artikel zum gestrigen Kehricht. Da liegt das Gerumpel! Ideale, wie neu. nur am Rande ein wenig beschädigt! Mannestreue, schmarzweißrote und hakendurdikreuzie! Kleine, unauffällige Tips für die Börse Und eine Hetze, gegen wem? Gegen die Arbeiter! Dort liegt eine Verleumdung, nicht totzuschweigen, Nidit totzutranipeln; das Biest ist unsterblich! Und alles bewahret in seinem Hirn unser Freund, Doktor Heinrich Augustin Teilhaber! Dann aber oersenkt er sich in- ein Kapitel Boxsport, Denn er ist auch für die Ertüchtigung des Leibes, Und liest, was so ein Boxer zum Frühstück verzehrt. Da springt er auf, alle vier Backen gerötet, Da ruft er die Dienslmagd Clara und spridit: ..Clara, zwo Eier, ganz frisdie, Sozusagen unter Aufsicht gelegte Eier, "Und diese gequirlt, oerstehste, in Portwein, Du kennst meine Sorte, den von Kempinski, Das bringe schnell zu mir her, Donna Clara!" Und Clara, sie lacht von wegen der: Donna Clara, Dann flügell sie hin ganz schnell zur Küche, Sie ßii gell zurück und Doktor Teilhaber sdilürft selig Zwi frisdie, sozusagen unter Aufsicht gelegte Und in Portwein gequirlte, Versteht sich deutsche Frischeier!- Dann sdiläft er ein, der Herr Teilhaber, Und auf dem Teppidi, da liegt seine Zeitung, Die Zeitung des ordnungsliebenden Deutschen, Der Generalanzeiger Mit Börsennachrichten und audi soliden Geschäften, Mit Massageanzeigen und Goethe-Zitaten, Mit Elcndsberiditen und Inseraten von Luxusbädern, Mit Diktatur gebrummel und einem Roman von der berühmten Hedwig. If as ist gener alisdi an diesem Anzeiger? Die seelische Oede, die polilisdie Dummheit, Der große Stillstand in den bewegenden Kräften der Gegenwart, Die versteinerte Andacht vor Altertümern, Die große, heroische Sdinauzc, mit der Deutschland Krieg oerloren bat! „Kann denn der nicht mal woanders schlafen?" Näh, das is nämlich mit die Knechte jetzt so, wenn mr een mieten duht, sroagt der gleich, wo er schlost. In Stall schlaft geener mehr."„Natürlich", sage ich. „im Stall ist es ungesund, da soll auch kein Mensch schlafen." Nun aber hatte ich was gesogt. Für die Frau, das sah ich an ihrem Blick, war ich ein roter Hetzer. Ganz verängstigt stand sie auf, ging nach hinten und gleich kam ihr Mann vor. Der hatte unser ganzes Gespräch aus sicherer Stelle belauscht. Ihm gegenüber erklärte ich dann, ich würde auch auf dem Heuboden schlafen. Ein sehr ent- rüstetes„Näh" war die Folge.„Warum nicht?" frage ich hart- näckig weiter.„Näh", sagte«r,„wegen dem Brenn."„Nanu, sehe ich denn wie ein Brandstifter aus?"„Näh, das gerade nich, aber der Radio warnt immer davor."„Haben Sie denn Radio?" Näh, mr ham keens, aber der Herr Pfarrer sagt et immer, dat die Wander- burschen so viel Unheil machen."„Aber ich bin kein Wanderbursche, sondern ich wandere zum Vergnügen und zur Erholung."„3 nee", sagt er da kopsschüttelnd und ungläubig.„I nee, das gann mr sich gaum denken— ohne Rad?".Ä», ohne Rad." Es nutzte nichts. ich mußte weiter, in Regk» und' Dreck.„Im Nächsten Orte js bs- stimmt een Gasthof, wo Se bleiben könn" waren seine Abschieds- worte. Als ich dort völlig naß, mit vor Wasser und Wut dampfender Seele im Gasthof,„wo man bestimmt bleiben kann", nach Quartier frage, sagt die gefühlvolle, gastfreundliche Wirtsseele:„Näh, daruff sin mr nich ingericht." Ich bin baff und erkläre, ich könnte in den, Regen nicht mehr weiter, außerdem käme die Dunkelheit und ich sei fremd hier. Sagt die freundlichste aller Wirtinnen:„Gähn Se ruhig bis Z.: weit is et ja nich mehr und naß sin Se im eens." Gut, daß ich schnell entschlossen wieder auf die Landstraße nach Z. lief, sonst wäre mein vor Wut überhitzter Kessel geplatzt. Es war eine schöne Fahrt und diese gastfreundliche Gegend fängt zwei Bahnstunden von Berlin an. Im Jahre 1930. Wilhelm Saum. Schlager der Saison Original-Bestattungsalbum DRP. Erfindungen in Hüll« und Fülle überschwemmen uns. und wenn morgen ein Maschinenmensch, ein Automat für alle Lebensbcdürf- nisse, ein selbsttätiger Kochtopf oder sonst eine neue Errungenschaft menschlichen Genies die Register des Reichspatentamts bereicherten, es würde uns kaum aus der Ruhe bringen. Ein Dr. H a i l o f f hat jedoch alle menschlichen Geistesprodukte derart an Geschäftstüchtig- keit übertrosfen, daß es sich wohl verlohnt, uns mit dieser„Erfin- dung" bekanntzumachen. Es ist ein„Bestattungsbuch", schwarz gebunden, mit einem Kreuz auf dem Umschlag und der Inschrift auf der ersten Seit«: Herzliches Beileid zu Ihrem Verlust gestatten sich auszu- sprechen der Herausgeber und die unterzeichnete Firma. Auf der zweiten Seite ist Platz zum Eintragen der Daten der Ver- storbencn, auf der dritten Seite für die Namen der Kondolierenden gelassen. Dann folgt der„literarische" Teil, in den Inserate eingestreut sind, von denen folgende am bemerkenswertesten sind: „Wollen Sie Ihrem Verstorbenen eine große Freude be- reiten? So kaufen Sie den Sarg nur im Sargmagazin Thermos und Phor. Unsere Parole: die Lage machts! sichert uns einen ständig wachsenden Kundenkreis. Särge in jeder Preislage und Ausstattung..." „Die beste Fahrt ist eine Fahrt mit Fuhrmanns Wagen! Gut geölte Traucrdroschken mit in Ernst geschultem Personal in jeder Auswahl, prompt und billig! Wagenpark Fuhrmann, Groß« Chaussee 12." „Brauchen Sic Trost? Dann rauchen Sie unsere würzige Zigarette„Veuve", rund und aromatisch wie ihr Name."(Veuoe französisch: � Witwe.) _.„Gelegeüheitsgedichtc, speziell Trauerverse voll tiefem Schmerz und herbem Leid, verfaßt jederzeit prompt und preis- wert Günther, Mitglied des Allgemeinen Schriftstellervereins Berlin." „Gesellschaftsreisen schassen Zerstreuung. Fahren Sie mtt uns in den sonnigen Süden. Unser Haus wird von Witwern und Witwen jeden Alters bevorzugt. Fließendes Wasser und die- kreier. Abschluß in allen Zimmern. Pension„Tränenglück" in Gardo." „Trauerspenden und Kränze von der Pslichtgabe bis zum wirklichen Bedauern und Mitleid. Unsere Kränze kosten die Hälft« von dem, was sie hermachen. Blumenbinderei Werder." Nun bestreit« noch einer, daß Deutschland das sortgeschrittenste Land der Welt ig! Krcorberg. Copyright 1930 by Fackelreiter-Verlag Q. m. b. H.. Hamburg-Bergedorf (28. Fortsetzung.) »Also punkt halb z«hn Uhr. Aber überleg' es dir. Jeder trägt die Verantwortung für sich selbst, wenn'» schief geht. Die chunde schießen scharf! Cs find alles Baucrnlümmel, die Posten gehen. Die kennen keinen Kohldampf, das weißt du ja auch. Denen kommt e» auf einen verhungerten Proleten gar nicht an, wenn er auch ihr Kamerad ist.. Je forscher sie sind, desto mehr Aussicht haben sie ja, hier zu bleiben und sich um den Graben zu drücken. Na, aber Hab' man keine Angst. Ich Hab' alles genau ausspioniert. War schon Zweimal nachts draußen, mit Bossin. Da haben die Brüder auch nichts gemerkt. Aber du mußt wie ein Indianer schleichen können." Er sieht mich erwartend an. Ich fühle plötzlich den Geschmack warmer, gerösteter Kartoffeln im Munde. Da kann ich mich nicht mehr wehren: „Ich mach' mit, Bumann! Vielleicht komnien Kilb und Adam- czik ja auch mit." Plötzlich bin ich ganz erfüllt von dem Plan und der Aussicht, mich eickmal ganz in dicken, weichen, warmen Kar- toffeln satt essen zu können. Und dieser Gedanke schwemmt alle Ueberlegung und Furcht fort. „Gut", sagt Bumann,„alfe um halb zehn Uhr. Um zehn Uhr wechseln die Posten der Maikäfer mit den unseren. Alte Sackstückc für die Knie beini Rutschen habe ich genug unter meiner Unterdecke, auch Bindfaden zum festbinden. Sonst kriegen wir den Dreck nicht wieder von den Lumpen ab." Wir vergleichen nochmals die Uhren. Es ist jetzt zehn Minuten nacht acht.„Also um halb zehn an meinem Feldbett, wer mit will. Und nicht vorher schlafen!"... Ich bin wieder allein.„Kartoffeln! Kartoffeln!", murmele ich. Dann übermannt mich die Schwäche wieder, und ich muß mich einen Augenblick lang machen.— Aber sofort stütze ich mich wieder auf. Rur nicht einschlafen,... nicht einschlafen. Kartoffeln! Kartoffeln! Mühsam komme ich auf den Boden. Ich muß ganz leise sein. Unter mir liegt Minulla. Er liegt zusammengekrümmt, als habe er sich vor dem Hunger verkrochen. Einen Augenblick kommt mir der Gedanke, ihn zu wecken: aber ich verwerfe ihn wieder: wir dürfen nicht zu viel« sein. Aber wenn unser« Hungerpatrouill« etwas nützt, werde ich ihm Kartoffeln abgeben, das nehme ich mir vor und freu« mich jetzt schon auf das breite Lächeln des kleinen Ostpreußen, wenn er die warmen Kartoffeln in der Hand hat. Ich sehe nochmal auf sein Lager: Rur die glattrasierte Schädeldecke sieht unter der Decke heraus. Minulla schnarcht und zuckt nervös mit dem Körper, als ich hinsehe. Ich ziehe mich leise an und übe einige Male unter Minullas „Kiste" das Kriechen: Bor und zurück, vor und ziirück... Ich will sehen, ob es mit dem verletzten Bein möglich ist. Es sollt mir furchtbar schwer. Die Gelenke knacken und incin Knie brennt wie Feuer. Kartoffeln, denk« ich dann aber nur, al» mich die Schwäche und der Schmerz übermannen wollen: das Wort ist stärker als alles andere. Es muh gehen! Ich m u h mich einmal wieder sattesten können! Ich bin gierig wi« ein Tier. Ich binde noch einen Lappen, den ich von dem unteren Teil meines Hemdes abgerissen habe, um das Knie und wickle den alten darüber: es muß gehen!--- Dann schleiche ich durch die Baracke. Kilb muß ich lange wecken. Er ist ganz verbi«stert, denn er hat fest geschlafen. Darum b«greist er zuerst schwer, was ich meine. Ich muß lang« und eindringlich mit ihm flüstern. Aber schließlich ist er ganz bei der Sache. Dann mache ich mich aus zu Adamczik den ich zuerst nicht finden kann: denn es ist inzwischen stockfinster geworden. Ich verlaufe inich dauernd und stoße einige Male an Schemel und Bettkanten. Adamczik sitzt aufrecht aus seinem Lager: er hält mit der linken Hand eine kleine Taschenlaterne, die«inen winzigen Schimmer wirst. Gr schreibt und schreibt und merkt nicht, daß ich bei ihm steh«. Ich könnte mich wieder leise fortschleichen, ohne ihn gestört zu haben. Da aber sehe ich mit schmerzlicher Deutlichkeit sein spitzes Kinn und die eingefallenen Backen, denke an sein« Mutter, die ihr einziges Brot unter un? verteilte, als wir zum ersten Male zum Scharfschießen marschierten. Ein übermächtiges Gefühl der Verbundenheit über- kommt mich. Nein, Adamczik gehört zu uns. Wir sind oluts- und klastenvsrwandt und nicht zu trennen. Wie gut werden auch ihm die Kartoffeln tun... Er schrickt heftig zusammen, als ich ihn anspreche. Sein Mund bleibt überrascht offen stehen,— da friert mich mit einem Male: Verdammt. Ich muß an Bumanns Traum denken, an den Traum vom Massengrab... an Adamcziks dicke, schwarze Jung«... Gleich daraus aber ersaßt mich wieder der Gedanke an die Kar- tasfeln. Ich entwickle dem Kleinen unseren Plan.--- Plötzlich steht Kilb schon angezogen neben mir. Er hat seine Stiefel in der Hand. Jetzt flüstern wir beide mit dem Kleinen, der uns ganz verloren ansieht. Cr will nicht: er hält es für zu gefährlich, und ich werde mit ein- mal auch schwankend, denn es gibt mir zu denken, wenn dieser immer tatkrästig« Berliner nicht mitmachen will. Da legt Kilb los. Sein Will« ist der stärkste. Er sieht mich einige Male verächtlich an, weil ich nicht mehr ganz für die Sache eintrete, bis auch ich wieder stark werde, und nun flüstern wir wieder beide auf Adamczik ein und beschreiben ihm die Locken in unerhörten Farben, bis er einwilligt. Es ist schon neun Uhr. Adamczik erzählt: ,.Det Jähr behält so und so keenen Vota", sagt er,„ick mache mit."— Kilb und ich sehen un» verständnislos an, denn wir willen natürlich nicht gleich, was Adamczik» Worte bedeuten sollen. Wir fragen ihn: aber er sagt nichts weiter, sondern reicht uns nur einen kleinen Brief und leuchtet uns. Kilb stellt erstaunt sein« Stiefel hin und wir lesen: Seine Paula schreibt ihm, daß sie seit einigen Wochen von ihm schwanger sei. Sie möchte noch gern- kriegsgetraut werden, bevor ihr Fritz an die Front kommt. Wir sind erschüttert und setzen uns erst einmal auf die Schemel. Inzwischen kriecht Adamczik von seiner Fall« und zieht sich schon an. Adamczik kriegsgetraut, denke ich und bemühe mich, mir vor- zustellen, was das bedeutet. „Ick bin also achtzehn, Kameraden, und meine Paula ist sieb- zehn. Da müssen wa wohl erst Erlaubnis vom Schtaat ham, was? — Ick weeß ja nich, aba ich weeß jenau, det ick die Paula als an- ständ'gcr Kerl heiraten du'.-- Kiek mir bloß nich so an, Ham- burger: du bist wohl noch Iungfa, waa?"— Kilb flüstert mit ernstem Gesicht dagegen:„Du brauchst dich nicht zu genieren: denn die meisten Kameraden bei uns sind tatsächlich noch unschuldig. Ich Hab' auch noch keine Zeit dazu gehabt." Ach, denke ich, wie ist dieses Leben furchtbar. Wenn wir fallen, wissen die meisten noch nicht, wie es ist: ein Mädchen im Arm zu haben und zu lieben... Und da ergreift mich zum ersten Male — aber nur auf Sekunden— das Begehren nach dem Weib«: hier bei dem kleinen Kameraden, der nun Vater werden soll... Es braust mir in den Schläfen... ich seufze ein-, zweiinal... dann ist es vorüber und ich denke wieder an die Kartoffeln... Kilb hat die Arme auf die Knie gestützt und blickt zu Boden Dann spricht er verbissen, impulsiv faßt er nach Adamcziks Händen und blickt ihn voll an:.Kamerad, das is'ne ernste Sache,— da mußt du sofort Urlaub einreichen. Wir können doch jeden Tag rauskommen, und dann ist es zu spät..."—„Und", fährt er fort, und sein Blick ist zwingend in Adamcziks Augen getaucht:„und wcnn's ein Junge ist...", seine Augen werden größer, er atmet schwer,„wenn— es— also ein Junge ist, Kamerad,— dann soll er uns eines Tages rächen an unseren Mördern da oben!" Er streckt wie schwörend eine Faust hoch:..Ein Revolutionär soll er werden, wie ihn die großen Führer wollen!!" Wieder fassen uns die Worte, die Energien des Rebellen, rühren unser Blut auf. machen uns unglücklich, fremd werden uns Kaiser und Armee. Slber nur für Augenblicke... Kilb richtet sich auf und ist mit einem Male wieder ruhig und sachlich mit unserem Plan beschäftigt.— Ich blicke auf meine Uhr: es ist so weit und wir gehen zu Bumann... Der veiteilt die Sackstücke und den Bindfaden, und wir um- wickeln unsere Knie.---- Einer nach dem anderen schleichen wir dann aus der Baracke hinaus in die Finsternis, dem ungewissen Schicksal entgegen, das durch die Nacht geistert... Vor mir schwankt Bumanns leerer Kartoffel- beutel. Ich humpele, und manchmal möchte ich auffchrcien in meinen Schmerzen--- aber viel mächtiger als alle Schmerzen ist der Hunger!... Kartoffeln!— Unsere nächsten Gedanken... unser höchstes Glück... unsere tiefste Sehnsucht: Kartoffeln! Nur vereinzelte Tropfen fallen noch. Es ist so dunkel, daß will uns kaum sehen können: wir müssen daher engst« Tuchfühlung nehmen. Ich muß an die sternenklare Nacht, in der ich den Bcrgmarm Hermann Lorenz aus der Neunten Sinfonie spielen hörte, denken. Mir wird traurig und elend zumute: denn unser Leben ist ausgefüllt von schwarzer Traurigkeit. Was sind wir mehr als Verstoßene, die in kalter nasser Nacht ausziehen, um das Gold und Glück ihres Hundelebens zu stehlen: Kartoffeln... „Wenn ick kernen Urlaub krieg', kratz ick aus", höre ich Adam- czik hinter mir. Und dann Kilb mit tiefem Baß:„Wir helfen dir, Fritz.�.." „Ssst", machte Bumann, der Führer, und bleibt stehen,„da kommt jemand..."(Fortsetzung folgt.) � Bu eh Jn einem ruWichen Saimlorinm Fjodor Gladtow,„M a r u ß j a stiftet Verwirrung". C. P. Tal u. Eo. Verlag. Irgendwo in Sowjetrußland, am Meer, steht ein Sanatorium, in das der Staatsapparat seine Erholunzs- bedürftigen schickt: Arbeiter, Angestellte, Jungkommunisten, hohe Funktionäre. Sie sind alle gute Bolschewiken, wehe wenn sie es nicht wären, aber sie sind alle auf verschiedene Weise Bolschewiken. Da ist Sosja Petrowna, alte, bewährte Genossin mit zwanzigjähriger revolutionärer Vergangenheit, jetzt ist sie enttäuscht über die Kultur- losigkeit, die sie allerorten antrifft. Da ist Tschaikina, brutales Draufgängcrweib, Männerhasserin, die die Revolution erst geglückt sähe, wenn die Weiber statt der Männer das Heft in der Hand hätten. Da ist Mordych, einfacher, derber Prolet, Zankbold, Intellek- tuellenfeind. Da ist Iascha Masin, Jungkommunist, ganz Feuer, ganz Glaube, Enthusiast der neuen Gesellschaft,„ein Revolutionär muß träumen können". Da sind ein« Handvoll ,F)uligans": Rauhbeine, Hefe, Lumpenproletariat, für die die neu« Freiheit Sichgehenlassen und Weiberoergcwaltigen bedeutet. Da ist Akatujcw. Man weiß nichts Genaues über ihn, aber sicher ist, daß er ein sehr hoher Funktionär ist. Mann ohne Phrase, eip kühler, nüchterner, zu- verlässiger Mathematiker des kommunistischen Aufbaues. Da ist Marußja, Iungkommunistin, siebenzehnjährig, bildhübsch, quellsrisch, urwüchsig, verspielt. Diese Marußja stiftet Verwirrung: Bei Iascha Masin, bei Akatujew, bei sich. Sie entslammt in Iascha und Akatujew Leidenschaften, über die die beiden sich eigentlich erhaben fühlen, und auch sie selbst fühlt sich hingezogen in jenen„Sumpf burgcoiser Romantik", der sich Liebe nennt. Die Sache endet nicht tragisch. Es kommt dem Dichter auch gar nicht so sehr auf die von Marußja gestiftete Verwirrung an. Er will den Widerstreit, den Zwiespalt, die Zerrissenheit in der Seele eines Volkes zeigen, das ein ungeheures Experiment gewagt hat und das innerlich noch nicht fertig geworden ist mit ihm, das mit ihm ringt, das an ihm leidet. Das alte Haus ist eingerissen. Aber über die Architektur des neuen Hauses ist man sich noch nicht einig. Etwas zu kurz kommt die Schilderung des stofflichen Milieus. Es ist wichtig, zu erfahren, welchen Stimmungen die durch den Zufall in einem russischen Sanatorium zusammengetrieben Menschen unterworfen sind, wie sie sprechen, wie sie zueinander stehen, wie sie sich anziehen und abstoßen, welchen Optimismus und welchen Pessimismus sie haben,- wie sie auf das Phänomen Liebe reagieren. Aber wir würden auch gern erfahren, wie das Sanatorium ein- gerichtet ist, welch« Rolle die Aerzte spielen, welche Bedingungen für Aufnahme gelten, welche Disziplinverhältnisse herrschen... Ein Schuß mehr Reportage wllrd« dem an sich erfreulichen und ossen» sichtlich wahrheitsbeflisfcnen Buche zum Vorteil gereicht haben. Hans Bauer. WAS DER TAQ BRINGT uiinimiiiiimiiiminunimniiiniiiiiiiiiiirainiininniinnunntiuminiininninimiiniiiiiiiiaiiunnmimmmDnmiiiiiiuttuiuuliiniiiiuiiiiiiiniiiiiiniiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiiiiiainuiiiiiinr Das Ende eines Inselvolkes In dem engen Kanal zwischen Schottland und Irland liegt die kleine Insel St. K i l d a, seit einem Jahrtausend von einer wenig zahlreichen und kümmerlich dahinlebenden Bevölkerung bewohnt. Es ist im Grunde ein trostloses Eiland ohne jeglichen Baumwuchs. die Felsen mit kümmerlichem Heidekraut übersponnrn. und sechst Tiere, die sonst nirgends fehlen, wie etwa Ratten und Kaninchen, sind in dieser Steinwüstc nicht zu finden. Vor 80 Jahren lebten dort noch 100 Menschen, jetzt waren cs nur noch 35. Um nun die wenig Ueberlebenden, die keinerlei Verbindung mit der Außenwelt hatten und haben wollten, aber zäh an den Sitten und Gebräuchen der Vergangenheit sesthieltcn, nicht völlig zugrunde gehen zu lassen, verfügte der Besitzer der Insel, daß die letzten Bewohner in der Nähe von Glasgow an der schottischen Küste angesiedelt werden sollten. Nicht ohne Widerstreben verließen die letzten KU» daner ihre Heimat, als sie in den letzten Augusttagen mit ihrer gesamten 5?abe auf einen Regierungsdapipfcr gebracht wurden. Die 590 Stück Vieh, die ihnen gehörten, Rinder und Schafe(Pferde gab es auf der Insel nicht), wurden bei dieser Uebersiedlung einfach ins Wasser getrieben und schwammen zu dem nicht weit entfernt liegenden Schiff, wo man sie an Bord zog. Etwa 100 Schafe, die sich der Ergreifung entzogen hatten, ließ man auf der Insel zurück, die sie nunmehr als ihr Eigentum betrachten können, denn die ärm- lichen Hütten, in denen die Bewohner hausten, sind dem Verfall preisgegeben und di« Insel selbst ist ihrem weiteren Schicksal über- lassen. Von der österreichischen Tabakregie Die 1784 gegründet« österreichische Tabakregie dehnt sich immer weiter aus und hat ein regelmäßiges, gut organisiertes Export- gefchäfl in folgenden Staaten: Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, Dänemark, Danzig Java, Sumatra. Argentinien, Uruguay. Es werden aber auch in steigendem Maße beliefert England, Afrika, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, ja auch Holland und Britisch-Jndi«n. Aus zolltechnischen Gründen läßt Oesterreich die Fabrikate für Deutschland wie für die Schweiz in diesen Ländern selbst herstellen, und zwar in München bzw. Dübendorf b. Zürich. Im letzten Jahre wurden insgesamt erzeugt: 210 Millionen Zigarren, 5 100 Mill. Zigaretten, 15 000 Meter- zentner Zigarettemabake, 31 000 Meterzentner Pseiscntabake, 4 209 Meterzentner Gespünste(gesponnene Tabake), 1 300 Meterzentner Schmipktabake und 1100 Meterzentner Tabakextrakt. Da» heutige Oesterreich bezieht den gesamten Tabak notgedrungen aus dem Auslände. Von den Produkten ist die Virginiazigarr« am be- rühmtesten geworden. Die Tabakblätter werden aus dem Staate Virginicn(Nordamerika) bezogen. Auch Tabakblätter aus Ken- tucky verwendet man für die Herstellung der Virginia. Diese Tabakblätter sind aber so stark, daß sie vor der Verarbeitung mit Wasser ausgelaugt werden müssen.'Die Lauge wird dann eingedickt und als Tabakextrakt verkauft: die Landwirtschaft verwendet ihn zur Schädlingsbekämpfung. Der österreichisch« Staat verdient durch die Tabakregie sehr gut. 1929 brachten die Erzeugnisse 347 Mit- lionen Schilling(ä 60 Pf.) ein, während die llnkoft«» alles in allem nur 200 Millionen Schilling betrugen. Der. Verkauf findet in den unter dem Namen Tabaktrafikstellen bekannten Läden statt, deren es— über ganz Oesterreich verteilt— rund 16 000 gibt. Auch in der Tabakregie verdrängt die Maschine den Menschen. Die Hochleistungsmaschinen erzengen in der Minute 1050 mundstück- los« Zigaretten. Handarbeit ist überwiegend nur noch innerhalb der Zigarrenerzeugung das Umwickeln der„Puppe" mit dem Deck- blatt. Für die Jahresproduktion von 19 Millionen Zigarren in der Fabrik in Hallein genügen 15 Angestellte und 400 Arbeiter. Frauen, die ihre haut verschenkten Es dürste nicht sehr bekannt sein, daß es schön« Frauen gegeben hat, die berühmten Männern, in welche sie verliebt waren, ihre eigene Haut in des Wortes wahrster Bedeutung zum Geschenk machten. So hinterließ die schöne Gräfin St. Ange dem berühmten Astronom Camille Flammarion, der u. a. auch die Pariser Stern- warte leitete, ihre Schulterhaut mit der Bitte, eins seiner Bücher darin' einbinden zu lassen. Falmmarion willfahrte ihrem Wunsch und ließ das seiner Meinung nach wertvollste Puch seiner Werke „Himmel und Erde" in die Haut der Gräfin binden. Auch der Dichter Eugen Eue mußte sich auf testamentarischen Wunsch einer in ihn verliebten Dame ein Exemplar seiner„Geheimnisse von Paris" in ihre Haut binden lassen. Der Geburtenrückgang im Weilkriege 1913/14 wurden in Deutschland 1 235 000 Kinder geboren, 1914/15 nur 1 171 000. 1915/16 siel die Zahl aus 766 000. 1916 17 auf 670 000. Tiefstand 1917/18 mit 611 000. 1918/19 stieg die Zahl aus 672 000. Der Rückgang betrug in den einzelnen Iahren, bezogen auf die Geburtenzifscr von 1913/14: 5 Proz., 38 Proz., 46 Proz., 51 Proz. und 46 Proz. O. S. Auf der Reise Drei Hakenkreuzjünger stiegen in ein Reichsbahnabteil. Da sitzen schon zwei Leute und des einen Aussehen veranlaßt die drei, fortwährend»Heil Hitler!" zu schreien. Als sie ausgestiegen sind, weist der Jude mit dem Daumen über die Schulter nach ihnen und sagt zu seinem Nachbar:„Die glauben, ich bin der Hitler— und ich bin es doch gar nicht!" Die ränkevollen Kreuzottern In einem Mecklenburger Lokalblättchen erschien kürzlich ein Artikel über Kreuzottern, der folgenden Satz enthielt:„Die Kreuz- ottern scheinen sich in diesem Jahre besonder; bemerkbar zu machen. Ueberall vernimmt man von ihrem Auflreten und zum Teil sogar von ihrer Absicht, Menschen zu beißen." Ufior/l�cJfLLel Herbstfahrten des FSV. 240 Boote meldeten Die letzten großen sportlichen Veranstaltungen des Kreises Berlin im Freien Seglerverbande find die ijerbst- wettsahrten der Gruppe Ost und West am 20. und 21. Sep- tember. Noch einmal wird man sich zu einem ehrlichen Wettstreit einfinden� denn bald darauf findet das Absegeln statt und damit heißt es Abschied nehmen für einige Monate von dem schönen Segelsport. Wie groß gerade das Interesse für diese letzten Wettfahrten ist, zeigt die Zahl von 2 4 0 gemeldeten Booten, die sich auf di« Gruppe Ost mit 141 und aus die Gruppe West mit 39 Booten verteilen. Die Wettfahnbahn für die Truppe Ost ist wieder der Lange und Seddinsce mit dem Start und Ziel vor dem Bootsplatz der Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau, in Schmöckwitz, während die Gruppe West diesmal ihre Wettfahrten auf dem Tegeler See fährt, mit dem Start und Ziel vor. dem Bootsplatz der Tourensegleroereinigung Tegel, am Gänsewerder. Die Wettfahrten der Gruppe Ost beginnen Sonnabend, 23. Sep- tember, IS Uhr, und Sonntag, 21. September, 11 Uhr. Die Gruppe West startet Sonntag, 21. September, ebenfalls 11 Uhr. Die Spitze der Meldungen hält in der Gruppe Ost die Freie Vereinigung der Tourenscgler Grünau mit 33 Booten. Dann sol- gen Segelklub Fraternitas mit 13 und Wassersportverein 1921 mit 12 Meldungen. Erfreulich ist aber auch das Meldeergebnis der kleinere Vereine: so hat der Verein Berliner Jollensegler und der Segleroerein Rahnsdorf je 12, die Freien Segler Müggelsee und die Seglervereinigung Niederschöneweide je 19, die Tourensegler Zeuthen 9, der Wassersportoerein Ziegenhals 6 und der Wasser- sportvcrein Welle 5 Boote gemeldet. Eine schwächere Beteiligung zeigen di« Vereine Segelklub 1898 und Segelklub Wendenschloß mit je 4 und der Segelklub Zleolus mit einer Meldung. In der Gruppe West steht der gastgebend« Verein, die Tmirenseglervereinigung Tegel, mit 23 Meldungen an erster Stelle. Der Wasserspxrtverein Nordstern und der Verein Spandauer Iollenscgler haben je 14 und der Seglerverein Stöhensee 12 Mcl- düngen abgegeben. Rührig in der Abgabe der Meldungen waren auch die Freien Segler Iärsfelde mit 11 Meldungen: dann folgen Scgelklub Weinmeisterhorn mit 7, Freie Segler Saatwinkel mit 6, Wandersegler PicheUwerder mit 4 Meldungen. Aber auch von den Brandenburger Vereinen nehmen 4 Boot« an den Wetrsahrten teil. So haben die Freien Segler Brandenburg 3 Boote und der Segel- klub Nordwest 1 Boot gemeldet. Auch die Einzelmitgli.sd«r zeigen ihr Interesse durch Abgabe von 5 Meldungen in beiden Guppcn. Die größere Beteiligung mit Kielbooten ist in der Gruppe Ost zu verzeichnen: starten hier doch drei Ausgleichskreuzer, drei ZS-Ouadralmeter-Kreuzer, sechs 89-Ouadratmeter-Rennjachten und neun Boote der kleinen wiedcrauflebenden 29-Ouadratmeter.Kiel- bootklass«. Die Abwanderung in die 22-Quadratmeter nat. Jollen- klasse macht sich durch nur drei Meldungen in dieser Klasse stark bemerkbar. Die 29- und IS-Quadratmeter-Rennjollen starten mit 16 und 19 Booten in der und L-Klass«. Auch die 29-Ouadrat- meter-Wanderjollenklosse nimmt nicht den gewünschten Fortgang, da hier nur eine Meldung vorliegt. Dafür startet aber die IS-Quadratmeter-Wanderjollenklasse mit 17 Booten in der A- und L-Klasse. Für die 19-Ouadratmeter-Rennjollenklasse sind 4 und sür die 19-Quadratmeter-Wanderjoll«nklasse 5 Meldungen abgegeben worden, wo in der letzten Klasse„Seebär" durch seine neue Be- segelung diesmal d«n Sieg nach chause fahren will. In den Jollen- ausgl«ichsklassen haben sich 53 Boote gemeldet, die in 9 Klassen starten und wird auch hier ein guter Sport nicht ausbleiben. Eine besonders große Beteiligung weist in der Gruppe West die lö-Quadratmeter-Wanderjollenklass« mit 24 Meldungen auf und dort wird der alte Kämpe„Ronchi II" sein Bestes hergeben müssen, um vor den vielen und guten Neubauten die Führung zu behalten. Recht beliebt scheinen auch in der Gruppe West die Iollenkreuzer- klaffen geworden zu sein: denn die gute Beteiligung von fünf 29- und vier IS-Ouadratmeter-Booten in diesen Klassen zeugt da- sür. Ferner haben sich noch vier Ausgleichsjollenkreuzer gemeldet, während die Gruppe Ost nur mit 2 Jollenkreuzern in der Ausgleichsklasse auswarten wird. Besonders gespannt wird man aus di« Zeilen in der 15-Quadratmet«r-Jollenkreuzerklasj« sein, da diese Klasse allein 3 Neubauten ausweist. Die 29-, 15- und 19-Ouadratmeter-R«nnjoll«ntlasse bringt 11, 14 und 6 Boot« an den Start. Drei Boote stellt die 19-Ouadratmeter-Wanderjollenklasse. An Kielbooten sind 8 Boot« verschiedener Klassen oertreten. Den Schluß bilden 18 Boote der Ausgleichsjollen, die in drei Klassen starten, wobei den Booten„Murmelei",„Cerbcrus II" und„Mc- phisto" Beachtung zu schenken ist. Nach den regenschweren und kalten Wochen wäre zu wünschen, daß der Gott des Windes endlich ein Einsehen bekommt und für diese cherbstwektfahrten den richtigen gleichmäßigen Seglerwind schickt, da leider auch die Sommerwettsahrten des Verbandes, die «benfall« unter den ungünstigen Windverhältnissen zu leiden hatten, einwandsreie Resultate oft nicht zuließen. Sind diese Voraus- setzungen gegeben, dann wird sich dem Zuschauer ein selten ge- sehen«? Bild bieten und die Veranstaltung selbst vielen Sportge- nassen, die dem Arbeitersegelsport noch fernstehen, den Weg zu dem gerade in der letzten Zeit stetig wachsenden Freien Seglerverband zeigen. W. T. -ARBEITER. TUSSBALL Eichc-Kopcnick oder Minerva 25 Am kommenden Sonntag wird Eiche-Köpcnick die Gelegenheit wahrnehmen, um sür die in der Frühjahrsrunde erlittene Niederlage Vergeltung zu üben. Auf dem Eicheplatz in Köpenick, Grünauer Str. (unweit des Kanals) stehen sich beide Mannschaften im Retourspiel gegenüber. Wird den Köpenickern dieser Schlag gelingen?— Oberspree empfängt aus dem Sportplatz in der Wuhlhetde die Tenrpelhofer Union.— Saxonia und Vorwärts-Wcdding treffen sich in der Schön- hauser Allee. Auf den Sportplätzen in der Scharnweberstraße in Reinickendorf stehen sich Eintracht und Freie Scholle gegenüber. In Spandau, auf den städtischen Sportplätzen in der Scel'urger Straße, treffen sich»utab und Rochcnow I, sowie Spandau 25 und Sparta-Naucn. In beiden Spielen wird es harte Kämpfe um die Spitze in der Abteilung geben.— Sokol-Charlottenburg erwartet auf dem Sportplatz an der Olympia-Radrcnnbahn den Besuch van Potsdam. Auch hier wird es einen harten Kampf, wenn auch nicht um die Spitze, so doch um den Verbleib in der ersten Klasse geben. — Wilmersdorf erwartet am Kaiserplatz Werder 88. Weitere Spiele: Brandenburg gegen Hertha 11, Wolters- darf gegen Weißensee, Luckenwalde III gegen Lrickenwalde II, Hoppe- garten gegen Lichtenberg II, Herzfelde gegen Borussia 28, Wacker- Storkow gegen Strausberg, Pankow gegen Karow, Schönow gegen Lychen, Ält-Ranft gegen Neuenhagen, Frcienwaldc gegen Oderberg, Köthen gegen Schissmühle, Schivedt gegen Niederfienow, Nowawes gegen Brieselang, Brandenburg gegen Altbersdorf, Rathcpow II gegen Fohrde, Premnitz gegen Jeserig, Brück gegen Treuenbrietzen, Luckenwalde I gegen Schöneberg. Ruhlsdors gegen Jüterbog, Lucken- walde V gegen Niemegk. Zweite Mamrschasten: Eiche-Köpenick gegen Minerva 28, Ober- spree gegen Kogel 1, Hoppegarten gegen Lichtenberg II. Herzselde gegen Lichtenberg I, Wacker-Storkow gegen Borussia 28, Pankow gegen Karow, Saxonia gegen Borwärts-Wedding, Wansdorf 1 gegen Weißensee S, Freienwalde gegen Oderberg, Alt-Ranft gegen Alt- glitzen 1, Neuenhagen ggen Köthen, Nowawes gegen Charlottenburg, Ketzin l' gegen Rathenow I 2, Grebs gegen Drewitz, Potsdam gegen Knoblauch, Wilmersdorf gegen Kaputh. Bumb gegen Brieselang, Nauen gegen Ketzin, Spandau 3 gegen Werder, Kloster Zinna gegen Brück, Ruhlsdors gegen Jüterbog, Luckenwalde V gegen Niemegk, Teuenbrictzen gegen Belzig 1. Wollersdorf gegen Klausdorf 1, Luck-nwald« II gegen Luckenwalde III, Lowendorf 1 gegen Trebbin, Luckenwache V 3 gegen Dahme 1. Äugend Mannschaften: Lichtenberg II gegen Vorwärts- Wedding. Oberspree gegen Saxonia. Minerva 28 gegen Wansdorf. Eiche-Köpenick gegen Britz 88. Lichtenberg 1 gegen Freienwalde, Nowawes gegen Sporta-Nauen. Wilmersdorf gegen Kaputh. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 16 Uhr, zweit« Männermannschaften 14.15 Uhr. Jugendmonnschasten 19 bzw. 11 Uhr.___ Neue Serie im Wasserball Es ist noch nicht lange her. daß die letzten Ausscheidungen um die Kreismeisterschaft im Arbeiter- Wasserball zu End« gingen und schon ssnd die Berliner Wasserballer dabei, die neue Serie zu beginnen. Was Fußballern und den Handballspielern de» ersten Kreise« nicht gelang, die Bundesmeisterschaft zu gewinnen. gelang dem Berliner Wasscrballmeister„Freie Schwimmer Etzir- lottenburg", die in der Vorrunde ,.Frank«n".Nürnberg 6: 9 und im Endsxtel.Hannover' 2:9 schlagen konnten. Ein schöner Leweis von der Spielstarke Berliner Mannschaften. Charlottenburg hat die jüngste Wosserbollmannschaft unter den Mannschaften des Bundes. Am kommenden Sonnabend beginnt d«r Reigen der Wasser- ballspiele mit dem Spiel ASV. Hellas gegen SD. Möve in der A-Klasse. Wir werden über die Spiele berichten. Gleichzeitig bc- ginnt am Sonnabend das Anbadcn der Berliner Schwimmer im Lunabad Halensee. Kleiner Sport von überall Eine neue Fußballablciluug in Neukölln. Der Arbeitersport- verein Neukölln betreibt jetzt auch das Fußballspiel. Die Grün- dungsvcrjammlung der Fußballabteilung findet heute, Freitag, 29 Uhr, bei Berger, Neukölln, Richardstr. 118 statt. Zlnschriftcn an Hans Barsanti, Herzbergstr. 7/8, und Rudolf Apstein, Böhnüfche Straße 27, Telephon F'. 2. 2290. (freie Lehrersportvcreinigung. Wie wir kürzlich mitteilten, ist vor einigen Wochen eine Vereinigung sportfrcudiger sozialistischer Lehrer gegründet worden. Der Anschluß an den Arbeiter- Turn- und Sportbund ist vollzogen, der Uebungsbetricb ist bereits im vollen Gange. Zluch für die weiblichen Interessenten ist jetzt für auckreichcnde Betätigung gesorgt. Ab Dienstag, 23. September, wird der Schwimmbetrieb aufgenommen. Anmeldungen an den Uebungs- abenden. Uekungsal-end« sind: jeden Dienstag von 18 bis 29 Uhr, Turnhalle Lütticher Str. 4: jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr, Turn- Halle Dvrrziger Str. 23: Schwimmabend jeden Dienstag, 29�4 Uhr, Swdtbad Weddmg, große Halle. Tennis, nach vorheriger Anmel- dung, wöchentlich dreimal nachmittags im Bolkspark Rehberge. Die für Dienstag, 23. September, vorgesehene Mitgliederversammlung fällt aus. neuer Termin wird bekaimtgegebcn, Neuanmeldungen jederzeit bei Holze, Sansibarstr. 41. Arbeilertennis. Da FTGB. seine Mannschaften zurückgezogen hat, fallen die für dies« Mannschaften angesetzten Spiele aus. Dafür spielt Tennis-Rot-Lichtenbcrg II gegen Tennis-Rot-Wedding, 9 Uhr, Lolkspark Rehbcrg«. Nimzowilsch Sieger im Franksurler Schachturnier. Im Frank- furter Schachturnier wurde am Donnerstag die Schlußrunde gespielt. Nimzowitsch zwang Sämisch nach hartnäckigem Kampf im 57. Zuge zur Aufgabe. Kashdan schlug Przepiorka. Professor Mannheimer siegte gegen Orbach, Coll« unterlag Pirc, List siegte gegen Sir Thomas irnd Ahnes spielte gegen Mieses remis. Nimzowitsch- Dänemark ist somit Sieger im Frankfurter Schachturnier mit 9'/> P. Ihm folgt der junge Amerikaner Ikashdon mit 9 P. Ahues und List haben je 7, Coll« 61-, Przepiorka 6, Pirc 5'/-, Sämisch 5, Mieses 4, Sir Thomas 3, Professor Mannheimer 2 und Orbach 114>Punkte. Alba ist tot. Auf der Trainingsbahn in Hoppcgarten brach sich gestern vormittag der Dcrbysieger Alba ein Bein und mutzte er- schössen werden. Der Derbysieger hatte in diesem Jahre bereits 217 900 M. an Rennpreisen gewonnen, darunter so große Rennen wie das Henckel-Rcnncn, das Union-Rennen, das Deutsche Derby, den Großen Preis von Verlin, das Fürstenberg-Rennen und den Großen Preis von Baden. �rbeiterschach Heute, Freitag, 19. September, 20 Uhr, findet in der Abteilung Lichtenberg ein Wettkampf Friedrichshain gegen Lichtenberg an 29 Brettern statt: Spiellokal Flemming, Simplon- Ecke Gärmer- straße. Gäste willkommen. Am 5. Oktober beginnen die Mannschaftsturniere der Freien Arbeiterschach-Vereinigung Groß-Berlin. Anmeldungen an Hans Gerstenberger, Berlin N58, Raumerstraßc 23. Meldeschluß am 39. September. Das Meisterturnier der Einzelspieler beginnt Montag, 6. Oktober, in Ewalds Vereinshaus, Skalitzer Straße 126, 29 Uhr. Anmeldungen an Emil Scholz, Berlin N 113, Kugler- straße 13«. Die letzte Spielleitersitzung vor Beginn der Kämpse findet am 29. September bei Ewald, Skalitzer Straße 126, statt. Die S ch a ch a b t e i l u n g der Freien Sportler Johannisthal veranstaltet ab 21. September jeden Sonntag vormittag 1419 Uhr einen kostenlosen Schachlehrkursus sür Anfänger, geleitet vom Berliner Meisterspielcr Lichtcnstein, an acht hintereinandersolgenden Sonntagen im Restaurant Botta, Johannisthal, Stubenrauchstr. 12/13. Spielabend jeden Dienstag, 29 Uhr. Regatta der RWA. Die Reichsbanner Wassersport-Abteilung veranstaltet am Sonn- tag, 21. September, 13 Uhr, vor dem Bootshaus Köpenick ihre dies- jährige interne Regatta. Es starten 139 Ruderer und 69 Kamisahrer. Arbeiter. Rad- und«rastfthrrr.Bu»»„eoIituriUt*. Touren der Ziadfahrei: Eonntoo. 21. Eeptember. l.«bt. Schuibelingd nach ssalkentiorst bei Sciman». Walteredorfer Straße. Start 8 Uf)t Blllowstr. 55.- 2. Adt.: Schnißeljoad nach ffaltendorst dei Hermann. WaUcrodorter Straße, Start � Ut>r Dieffenbaui- jiraß« X.-3'. Abt.: Fuchsjaad nach ZaUenlnnlt. Start 7 Uhr Mariannenplaß. — 6. Abt.: Tiescnscc. Start 7 Uhr«opcnhagcner Str. 17.— 8. Abt.: tzreien. Wolde— Oderdera— Liepe—Sberswaldc 8 Uhr: Basdors. Stadlerheim, 8 Uhr. Start Triftstr. KZ.— Rennfahrerabteilunv Mitte: Mahlsdorf, vtart 5>7 Uhr Bhf. Zrankfurtcr Allee.— Adt. Ch-rlottcndura: Großes ffonstir. Start 8 Uhr Wilmersdorfer S-te ganalftraße.— Abt. Neukölln! Streisillae durch die Schort- Heide. Start IZ Uhr SoHenjoll-nipIaß.— Abt. Oberfchöncweidc: Ahrensfelde. Start 75 Uhr.— Adt. Wcißensce.Hcincrsdorf: Birkcnwcrder. Start l> Uhr Antonplaß... Freie Faltbootsabrer Berlin. Seulc, Tomierstag. 20 Uhr. Gencralver. fammliinj im Hockesthen Hof, Rosen lhalcr Straße. B-kantgabe der Eonntaas. ��Prole», Berein für Körperkultur. Abturnen Sonntaa. 2t. September, auf dem Sportplaß Elche in Köpenick ab tt Uhr. Trmpunit der Mithtiedcr mit Anoehötiaen 12 Uhr gaickenftein. Ecke Schlefifchc Straße, gahrt mit der Elet. trifche». Die..Prolcs-Mitteilunaen" Nr. k~.!> find erschienen, abzuholen von der Kcschästsstcllc und auf den Uebunaoabenden. Neioenfchwimmcrinncn 1. jtrei«. Zu der Sonntaa. 2>. Eepiember. ftatt- findenden Einwcihunasfeier de» tzriedrich-Ebert-Bade» i» Brandenbura(Savetz Treffen: Sonntar, Tit Uhr Potodamer tzernbohnhof. Rote Hofe, weißes Hemd ist m!tzubr!n» Uhr im Stadtbad Mit■. Einlritt für. Erwachsene 30 Pf., �unendliche 20 Pf.,«indcr 10 Pf. Eintritt gegen Mitgliedsbnch der Organtfationen. Piftoleni-bichen bei den«rbeit-rschüß-n. Auf Grund znhlreicher Antrag-» eröffnet die Zreie Sport- und Schllßenvereininunn B-rltn eine Abteilunn für Pislolenfchüßen. Adrclscn an Stefan BrumirsI!, EW. 18. Kommandantenstr. 77, Merkur 7752, rrbeten. ifreie Sport- und Sehüßenperriniguna Berlin. Sonntan, 21. Eeptcmber. « Uhr, treffen fich die nach«rünefeld fahrenden in Sportkleiduno auf dem Lehrter fscrnbahnhof. Liederbücher mitbringen. Rrcic Schwimmer Groß. Berlin. Große Isunktionarfißung am Sonnabend, 20. September. 18 Uhr, Gefchafisftclle. Alles, was fZunktloniir zu fein glaubt. muß erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlaß. Toutiftenperei«„Die Rahirfrennde", Gruppe Prenzlancr Berg, tzahrl Eon». tag. 21: September, nach Köniaswusterhausrn. Treffpunkt St: Uhr Aleramder. plaß. Stadtbohnbogen. Dienstag, 25. September, ssunklionärsißung bei Trist Plath, Kopenhagener Str. Internationale Naturtreundearbeit Aufstieg allerorten Die sommerliche Minder, und Reifezeit hat auch der Zlrbeiler-Ivandcrbewegung wieder einen prächligen 2Iufstteg gebracht. Iva» wir mehrfach aus der positiven Arbrik In Deutschland berichtelrn. läßl sich In gleich gllnstkgrr Weise aus anderen Ländern ergänzen. Tragen wir aus einzelnen deutschen Gauen noch den letzt» jährigen Hüttenbesuch nach, so ergeben sich in Nicdersachscn in 14 Häusern 23 999 Uebernachtungen, in Baden in 29 Häusern 79 999 und in Sachsen gar in 16 Häusern mcßr als{[9999. Auch die Tschechoslowakei gewinnt ständig an Ansehen. Ein besonderes Verdienst erwarb sich die Ortsgruppe Reichenbcrg im industriellen Nordböhmen mit der Eröffnung des wundervoll im Jsergebirg« gelegenen Heims Königshöhe. Rund 38«99 Besucher- zählte man bereits im ersten Jahre. Gleich wichtig ist im Südosten das neu« 5)cim der m ä h r i s ch- s ch l e s i s ch e n Naturfreunde aus Troppau und Umgegend in Karlsdorf am Fuße der„Hohen Heide" im Altvatergebirge. Es ist das Bindeglied zwischen Oester- reich, die südliche Tschechosiowalei und das deutsche Schlesien. In Oesterreich selbst kann vor allem die Ortsgruppe Wien mit ihren«9 999 Mitgliedern von einer vorzüglichen Eni- Wicklung ihrer Wassersportsektionen berichten. Dem einen bereüs bestehenden wurden jetzt zwei neue Bootshäuser mit 199 respektive 189 Bootsständen hinzugefügt. Auch der gut funk- tionierende Alpin« Rettungsausschuß gab jetzt seinen 34. Jahresbericht heraus. Seine insgesamt 277 Mitglieder um- fassenden Rettungsmannschaften wurden im letzten Jahre in 113, teils recht sthwierigeu Fällen zur HtlsAetstung herangeholt. Im sehr schwer zu bearbeitenden Polen ging die Natur- freundeltewegung in den letzten Jahren stark zurück: erst in letzter Zeit geht es wieder vorwärts. Zwei neu« entwicklungsfähig« Orts- gruppen entstanden in Nowy Bytom und Mikotöw.— Unter den reaktionären politischen VerhAlnissen litt bisher die Bewegung in Jugoslawien. Zwei Ortsgruppen hatten schwer zu kämpfen. Gegenwärtig ist jedoch ein bedeutender Aufstieg zu verzeichnen. 2599 Mitglieder in acht Ortsgruppen zählt jetzt die aufstrebende Be- wegung(früher wenige Hundert), davon Zagreb sAgram) allein 1599. Ein inlernationaies Trejfen österreichischer, ungarischer und jugoslawijckzer Naturfreunde auf dem Kahlkogel (Golica), 1836 Meter, in den Karawanken bei Rosenboch mit etwa 399 Teilnehniern gab der Arbeit guten Antrieb. Weilcrhin berichtet der Gau Holland sür 1929 von einer Mitgliedcrznnahme um 459, das sind 13 Proz..— In Amerika erweitert sich die Naturfreundebewegung vor allem jetzt auch im englisch sprechenden Teil der Bevölkerung. Die cngilschen Sektionen aller Ortsgruppen, liaben starken Zuwachs.— Am besten steht relativ di« s ro n zö fische Bewegung da, denn sie hat ihre Mit- gliederzahl in zwei Jahren verdoppelt. Den jech» bereits de- stehenden Heimen werden bald drei weitere im Lande befindliche hinzugefügt werden können. Bortrefflich entwickelt sich die rein französische Gruppe Nancy. Ein deutsch-französisches Ver- ftändigungstressen vor einigen Monaten, bei dem Esperanto die Grundlage bot. gab guten Rückhalt. Mit der jüngsten Ortsgruppen- gründung in Brüssel wurde endlich auch Belgien in den Krr der Natu rfrwinde-Internationale einbezogen. Reste, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche Verkaufszeit S— S Uhr, Sonnabends 8—2 Uhr Kleiderstoffe aller Art Mechanische Feinweberei Adlershof A.-G. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Robert« e* Das häBllche madchen Englisch— Roherls— Rlonsnn. Reichshallen-Theater Abends|jjJ Sonntag nadun.| J",| Stettiner Singer Das.gr. Scptember-Progr. mit „Laß Blumen sprediea" Um. halbe Preise I Zcotr. 11263. 1 Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Varietä Volksbühne Tbeater am BOlowplatz. »/, Uhr 1S14 10» eoofg Villiilm UIIIIoi Bezla: Gustav Mndgers. Kammerspiele «-/. Uhr Die Schule derFrauen von MoliOre. Htgie; HansDepii«. Die Komödie Tb Uhr Der Schwierige Lushp. t.Bbjj v JkfmannsthaJ Regia; Mai Reinhanlt. BMmnibiMw: Dito Sind TUealeram SAinbauerdamiu Tägi.S1/« Uhr Feuer aus denlieffeln von Emst Toller. Tri.: D.I.Hord.OZSI lS813 Komische Oper 8% Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Zimtner.„ IBett Mk.7,-bi9lt- 2 Betten 13.-bi522r Bad;Mk.3i- iwlonlCf Huthaus Heinze inb.: W. Panzer SO 10, KSoonioksr Strasse 138 Note, motzen, Herren- anixel In gut. 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Ferner ist es unbestritten, daß sich unser Bullrich-Salz auch heute noch als bestes Mittel bei Sodbrennen und vielfachen Magenbeschwerden immer wieder bewährt hat und sich deshalb in der ganzen Welt größter Beliebtheit erfreut. Nicht nur unsere Verbraucher— darunter selbst 80 bis 90jährige Personen— schildern uns immer wieder ihre guten Erfahrungen, die sie mit Bullrich-Salz lUttchien, sondern mich Aerzte bringen in ihren Zuschriften an uns zum Ausdruck, daß sie Bullrich-Salz nicht nur selbst seit Jahrzehnten nehmen, sondern chren Patienten bei den in unserer Gebrauchsanweisung ange- führten Beschwerden verordnen, ohne jemals irgendeine schädigende Wirkung festgestellt zu haben. Dagegen betrachten wir unser Bullrich- Salz selbst nicht als Allheilmittel, sondern raten unseren Verbrauchern in unserer Gebrauchs- anweisung wiederhalt in schwereren Fällen den Arzt in Anspruch zu mehmen. Wir legen auch größten Wert darauf, daß unser Produkt nicht mit sogenannten Lebens- oder Aufbausalzen verwechselt wird, die mit bombastischer Reklame gegen alle möglichen Leiden und Beschwerden angepriesen werden. Wir können deshalb nur annehmen, daß Herr Dr. Sp. nicht richtig unter- richtet war, als er unser Bullrich-Salz in frag- lichem Zusammenhange erwähnt«. A. W.& a. W. Aullrich, Berlin W 52 PROGRAMM für die Zeit vom 19. bk 22, September I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 19. bk 22. September ©Ol« Potsdamer Strafe 38 W. 5. 7. 9 Uhr Der Sohn der weifen Berge mit Lnnl.Trenker Jugendliche haben Zutritt Rheinsfratpe 14 Kil-elThe) Franennol— Frencnglfick • Ein Film v. d. Bcziehung zwischen Mann und Frau> Odeon, Potsdamer Sir. 75 We.ffronf 191« mit Frliz Kempers. Gosfev Dlegl, Clans Clenssen, Hans J, Mocbis Turm strafe 12 W. 5, 7, 9 Uhr Der KorvcttenkaplUn mit Harry Lledikc Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Westfronl 1918 mit Fritz Kampers, Gustav Dlehl, Clans Clanssen, Hans J. Mocbis Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Richard Oswald's Drcyhu Ein Tonfilm mit Frll* Kortner. Heinricfa George, Alb, B anermann Jugendliche haben Zotritt SaVOy Beginn: 5. 6 30, 9.10 Uhr Martm-Luther-Stiaße 5(Neue Winterf.J Das ansgezcidmele Filmprogramm 4 Friedrlehstadt Franziskaner Geocgensfraße(Ecke Friedrichstraße) Drei Leidensdialicn Am großen Strom ItunlnlUnialnulm II mit tiftM] Die Kamera 3. s�t'fuhr Unter den Linden 14 Verlängert: Der Florentiner Hot mit Alb.PräJean Bnfr'acte— Markt In Berlin j HoabU j Artushof-Lichtspiclc Perleberger Straße 29 Film- and btthnemchaa Das Wolgamäddien m. Evelyn Holt 1 Std. Bühne:„Revue-Premiere" Welt-Kino Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Drerfas m. Fritz Kortner, Heinrich George Grete Mosheim, F. Kampers W Chnriottenbcirg W Kant-Liditspiele Kanislr. 54,(an derWilmersdorter Str.) W. 5, 7, 9 05 Uhr Stg 3. 5. 7, 905 Uhr Krimi nal-Ton-Sprechfilm: Der Andere m. Kortner, K.V. Nagy Beiprogramm Montag; Komm zu mir zum Rendezvous Atrium Beba-Palasi sigg S, 7, 9.1 5 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Uraufführung: 100 proz. Tonfilm; Der keusthe Joseph m. H. Liedlke, P. Heidemann, H. Bender, I. Wüst ScHönabers Tltama(uf« Schöneberg) Hauptstraße 49 W 5, 7. 9 U. Stg. 3 U. Ton- und Sprechfilm: Der KorveilenkapUan mit Harry Liedike. Fr. Kampers Alhambra �R-Nu� Hauptstr. 30 100 proz. Tonfilm: Tonlustspiel: Lampenball mit Frliz Kampers, Anna Müller-Linke W Priüelüwu Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7. 9,11. S.5,7,9U. Tonfilm: Der Andere m Fritz Kortner, K&the v. Nagy, Heinrich George Tönendes Beiprogramm a Staging a Titania-P alast WMu Steglitz. Schioßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung; 100 proz. Tonfilm: Ein Walzer im Scfataiconpü mit Lade Englisch, Fritz Sdmlz, Trade BoliaRsAdde* Südwesten FUm-Palasi Kammersäle Teltower Str. 1 ZV. 5, 7, 9, Stg. ah 3 Uhr Toniustspiel: Die vom Rnmmel- plalz mit Anny Ondra Beiprogramm Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbansir. 72/76 WochenL 6.45, 9. Sonnt, ab 3. 5, 7, 9U. Der Großtonfilm: AHgre Drcyfos mit Fritz Kortner, Heinr. George, Grete Mosheim, Fr. Kampers, Alb. Bassermann Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Die vom Rammelplalz mit Anny Ondra Tön. Beiprogramm: Ben/. Glgll W NeukSlln> Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang; Wchtgs. 6 45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U 100 proz. Tonfilm: Dreyfns mit Heinr. George, Fritz Kortner Jugendliche haben Zutritt Kukuk WochenL 6,45, 9 U. Sonntags 5, 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra Fvr�lelnr Wochem 6.45, 9 u. EXCCISIOr Sonntags 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Sgaße 191 Tonfilmposse: Lampen ball mit Frliz Kampers T onfilmbeiprogramm Stern. Hermanns tra�e 49 Wohentags 6 45 u. 9, Sonntags 5, 7, 9 U. Kriminaltonfilm: Der Schub im TonlUmaleUer Toniii mbeiprogn Südosten Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 5 30. 7.15,9.15 U. Sonntags: 3, 5, 7, 9 U. Tonfilm: Der Korvettenkapitän mit Harry Liedike Jvtffirttfltf twt-fi Z— tit** Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W: 5 30, 7.1 5. 9.15. S.Z. 5. 7. 9 ü. Tonfilm: Die AKSre Dreyfns mit Fritz Kortner, Heinr. George, Alb. Bassermann, Grete Mosheim Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen; Wochtgs. 5.30, 7.15, 9.15, Sonnt 3, 5, 7. 9 U. Tonfilm: Die Attäre Dreyfns mit Frliz Kortner, Heinr. George, Alb. Basecrmann, Grete Mosheim Jugendliche haben Zutritt Sternwarte— Treptow Sonnabend-Sonntag 8 Uhr;„Mafia" Auf den Inseln der tausend Wunder Nordosten Flvcilim— F1,m nnd Bühne �JDiyMUm Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilm: Lampenball mit Anna Mftller-Linkep C. Lilien, Kämpen Bühne: Anna Müllcr-Llnke m Osten m Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30, Sonntags 5 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Die Affäre Dreyfns mit Fritz Kortner, Heinr. George, Alb. Bassermann, Grete Mosheim Tönendes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luna-Filmpalast w.giu: Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Kabinett des Dr. Larifari mit M. Hansen. C. Jöken, Morgan Bühne: Lotte Werkmeister Schwarzer Adler Woch. 5. 7. 8.45, Stg. 3. 5. 7. 8.45 U. Der gewalt Tonfilm:We«ifron4 1918 (Vier von der Infanterie) Beiprogramm Comenius-Lichtspiele Hemeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U. Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U� Stg. ab 3 U. Tonfilm: Die Affäre Drejfus mit F. Kortner, A. Bassermann, Heinrich George, Grete Mosheim Viktoria-Liditbild-Th. Frankfurter Allee 48 Bübnenschaa Woclj. 5, ca 7. 8.45, Stg. 3, ca. 5. 7. 8.45 U. Zigeanerrache m Dolores del Rio 3 Chapiin-Lnsispielc A 11, rs vw kl* D Woch. ab 6 30 Uhr /smamura Sonnt ab 4 Uhr. Koppenstraße 29 Kriminaltonfilm; Der Sdinft im Tonfllmaieller mit Gerda Maurus Betprogramm.— Bübnenschaa E Neu-tlehtenbera Kosmos-Liditspielc Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5. 7, 9 U, Stgs. 3, 5, 7. 9 U. Tonfilmpremiäre: Tonlustspiel: 2 mal Hochzeit mit Liane Haid Tönendes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt E Frlodrichsfetdo H Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Der Detektiv des Kaiser« mit Olga Tidrechowa, Jankermann, Geböhr Flieger in Flammen(Wild-West) E Wiansee E Schloßpark FUm- Bühne Berliner Allee 206-210 Stg."/jS Jgd.-V Tonfilm: Panzcrkrenzer Poiemkln Bühne Revue: Verbotne Küsse Tönendes Beiprogramm XHisimFtrA MOIlersfräße 136, Ainamora Ecke Seestraße Tonlustspiel; Der Lumjrcnbail mit A. Müller-Linke, Kampers Colosseum Schönhauser Allee 132 100 proz. Tonfilm: Pharus-Licfatspiele MQIIerstraße 142 W.5,7,9U. Ztg. ah 3 U. , Kriminal- Tonfilm; Ein Sdtn� Im TonfUmatelier mit Gerda Manrus Beiprogramm Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 Lustiges Beiprogramm Ein Spitzenprogramm: Kriminaltonfilm: Im Kampf mit der Unterwelt mit Carlo Aldini Du sollst nicht töten Prater-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ah 5, Stgs.3>/,U. Sfinsme aus d. Jenseits m. L. Brooks HAndänesf mit H. Licdthe mme- Rente- FTVe WadDd. Mila-Licfatspiel-Palasi Schönhauser Allee 130 W.5Jb, S. Frauennot— Franenglfick(Mit populär-ärztlichem Vortrag) Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3»/- U. Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larifari mit Max Hansen.— Varietö breffns mit Kortner, George Bühne: Gybs Kleinkanstbünne Tönende Wochensdian Pankow Palast-Theafer Breite Straße 21 a W. 7. 9. Stg. 5. 7. 9 U. 100 proz. Tonfilm: Der Andere m Fritz Kortner, Heinrich George Beiprogramm Tivoli, Pankow|&.v2r£ Berliner Straße 27 W. Vi7, 9 U., Stg. ab 4 U. 100 proz. Tonfilm: Der Sohn der weihen Berge mit Lais Trenker Bübnenschaa � Wlodortch&nhnuTen"� Film-Palast AÄ�usen Blankenburger Str. 4 W.7, 9, Stg. 5, 7, 9 U. Tonfilm; Westfront 1"* (Vier von der Infanterie) Beiprogr. E Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U Jgd.-VorsL W. 6, Stg. 4L, U. Ton-Sprech-rilm: Der Sonn der weißen Berge mit Luis Trenker Tönende« Beiprogramm Auf Tobis-Apparatur »Kosmos" Fflmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,30 Uhr Kriminaltonfilm: Der SchoH im TonfUmatelier mit Gerda Maaios Beiprogramm_ Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4�, 6»/-. 83/4 U. Wer bat Robby gesehen mit Carlo Aldini.— Pamir � HenT�gsäorf p Filmpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2U. Jug.-VorsL Totdilmz Ski Tango für dich mit