BERLIN Sonnabend 20.September 1930 10 Pf. flr. 442 B 220 47. Jahrgang Lrfch ei»t Kki ch außer Goantag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben ss Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; B«rlinSWSS,Lindenstr.S A«teig«v»reis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.svsze. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Auf dem Weg zur Bürgerfwnt Noch Linksopposiiion im Zentrum- Starker Rechtskurs der anderen Mittel- Parteien- Nazigautag in Berlin- �oungzerreißung wird von KPO. beantragt Bürgerlicher Mittagstisch während sich die Reichsregierung und der Reichskanzler selbst iu Schweigen darüber hüllen, wie sie eine IN e h r h e i l für die zurzeit in den Ressorl, bearbeiteten Finanz, und Steuer vorlagen finden sollen, sucht die Parteipressc oller Richtungen aus dem Wohlergebnis Folgerungen für eine künstige Regierungsbildung zu ziehen. Im Mittelpunkt steht dabei naturgemäß das Zentralproblem, ob die geschlagene bürgerliche Mitte noch einmal mit der Sozialdemokratie regieren soll oder ob die politische Entwicklung auf die M e h r. hcitsbildung mit deu Rationalsozialisteu hinausläuft. Die Stimme des besorgten demokratisch gesinnten Zentrums. Wählers kommt in der.Tremonia' unler dem Titel.Demaskierung' zum Wort. Hier heißt es: „Wer glauben sollte, das sogenannt« deutsche Bürgertum, das la dem heutigen dritten Auüaiz wird das Wahlergebnis untersucht in Bezug auf das Stärkeverhältnis der beiden proletarischen Parteien Das Wlnterproöramm des Berliner Rundfunks 1. Sehe Beilage 10 Jahre Spoiünfernatlonale.«. Sciie Beilage Lindcar'System und Verbrauchennassen, s. Seife Beilage sich in den Parteien und Parteichen der Rechten angesiedelt hol, würde auf Grund seiner patriotischen Gesinnung und weil es Ruhe, Ordnung und Wohlstand liebt, mit einem wahren Schrecken vor dem Wahlsieg der Nationalsozialisten stehen und nun auf Ab- Hilfe sinnen, der würde sich erheblich täuschen. Wir erleben das bemerkensweri« Schauspiel, daß die Parteien der Rechten, die zum Teil mit Gott für König und Vaterland zu streiten vorgeben, es als beinahe selbstverständlich empfinden, daß ein katholischer Demokrat wie Dr. Heinrich Brüning sich mit den Nazis an biedern und ihnen seine eigen« wie die übrigen bisherigen Regierungsparteien zuführen solle.... Wenn die„Kreuzzcitung' behauptet, die National- soziaiisten ständen auf dem Boden des Christentums und des Deutsch- tum, woraus zu folgern sei, daß das Zentrum sich mit ihnen, nicht aber mit den Sozialdemokraten zu verbünden habe, so wissen wir von einem solchen Bündnis„z u r Z e i t noch n i ch l s', aber mit den Nationalsozialisten werden wir uns bestimmt niemals an einen Tisch setzen, und zwar gerade darum, weil wir vom Christentum und vom Deutschtum eins gesund«, stichhaltige Ausfassung zu haben glauben. Die Wirtschastspartei„bestreuet nicht, daß ihr Führer Drewitz die Meinung geäußert hat, das Zentrum brauch« sich nur mit den Nazis zu verständigen und dann wäre alles„in schönster Ordnung'. Wir sind absolut anderer Meinung und darum werden wir uns nicht mit den Nazis verständigen. Auch dann nicht, wenn darüber unser« geschäftlichen Beziehungen zur Wirtschastspartei leiden oder gar in die Brüche gehen könnten. Da- für hat das Zentrum am Sontag nicht einen so schönen Sieg er- rungen, um dem reaktionären Spießertum Wasser auf feine Mühle zu liefern.' Die Betonung des demokratischen Standpunktes und der Un- Möglichkeit, mit den Nazis zu regieren, ist bei dem Zentrumsblatt so stark, daß man sich fragen muß, ob dahinter nicht auch d i e tattische Erwägung steht, die Verbindung mit der Sozial- demokratie soweit ausrecht zu halten, daß man ihr für den Eintritt oder zur Unterstützung der Regierung Bedingungen stellt. die bei dem Stärkeverhältnis zwischen Mitte und Sozialdemokratie selbstverständlich nicht in Frage kommen. Charakteristisch ist übrigens, daß das Berliner Zentrumsorgan sich niemals grund- sätzlich gegen ein« Mehrheitsbildung noch rechts hin ausgesprochen hat. sondern, wie Brüning schon in seiner Sportpalast-Rede vor der Wahl, sich alle taktischen Möglichkeiten offen hält. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung' sucht heute vor allem das Ausland zu beruhigen und erklärt in einem Londoner Bericht unter Bezugnahme auf eine Aeußerung des„Times', daß 6 Millionen Wähler nicht 6 Millionen Putschisten find:„Faschisten und Bolschewisten haben beim Marsch auf Rom oder bei der Revolution keine 100 000 Mann gehabt. Sechs Mil- lioncn legitime Wähler sind etwas ganz anderes, und, vom Stand- punkt Putsch betrachtet, sicher weniger gefährlich. Diese einfache Erwägung war für die ruhige und besonnen« Ausnahme des. Wahlergebnisses in England maßgebend. Die Versuche, jetzt alle diese sechs Millionen in den Augen der Welt zu Putschisten zu xarlameffionjchg genofrnfte, „Wir wollen ja alle gern Hunger leiden, wenn es ihm bloß gut geht!" Die Weltrevolution. Es war aber nur eine(Sicherung durchgebrannt. Für heute mittag, von 12 bis 12.10 Uhr, hatte die KPD. die Weltrevolution, wenigstens in den Berliner Betrieben an- gesogt. U eberall sollte die Arbeit st ill stehen. Da ja nach der Behauptung der großen Führer der großen Massenpartei die Berliner Arbeiterschaft samt und sonders hinter der Fahne mit dem Sowjetstern hermarschiert, konnte kein Zweifel darüber bestehen, daß dem Armeebefehl der obersten kommunistischen Heeresleitung auch restlos Folge geleistet würde. Wir haben, um uns davon zu überzeugen, eine Umfrage in den Berliner Großbetrieben gehalten. Meist verstanden die Betriebs- räte überhaupt nicht, wovon denn eigentlich die Rede war.„Still- legung der Arbeit? Bei uns? Wieso? Warum?' Wir mußten erst erklären, daß die KPD. doch die Parole ausgegeben habe, von 12 bis 12.10 Uhr die Arbeit ruhen zu lassen. Worauf wir gewöhnlich die Antwort erhielten:„Das ist ja Quatsch! Wer kümmert sich denn darum!' Schließlich hatten wir aber doch Glück. In einem Werk bei Siemens stand um die Mittagsstunde ein elektrischer Kran still. Es war aber nur die Sicherung durchgebrannt. Das war die ganze„Weltrevolution'. polen unter pilsudski- Terror Aus Polen erfahren wir: Die Methode der Verhaftung von 20 gewesenen Sejmabgeord- neten hatte u. a. den Zweck, den Verhafteten die Erteilung von Vollmachten an ihre Verteidiger unmöglich zu machen, damit die Anwälte nicht eingreisen köimten. L i e b e r m a n n hat in Vor- ahnung der Geschehnisse vorher einen Verteidiger bestellt, wie auch dem sozialistischen Parteivorstand eine Erklärung hinterlassen, daß er bereit sei, für den Fall seiner Wiederwahl ein Mandat anzu- nehmen. Ohne eine solch« Erklärung ist nämlich eine Kandidatur un- zulässig. Der Rest der Verhasteten hat mit Verhaftung nicht ge- rechnet, und so lange ste im M i l i t ä r g e f ä n g n i s gehalten werden, ist jeder Verkehr mit ihnen, somit auch die Erlangung einer Vollmacht oder einer Erklärung, ausgeschlossen. "Die Behandlung der Gefangenen ist sadistisch grausam. Die Frau des früheren Innenministers K j e r n i k, die aus der Festung Brzcsc nach Warschau zurückgekehrt ist, machte der Presse folgende Mitteilungen über die Lage der Gefangenen: Die Gefangenen sitzen in Einzelhast. Briefe, Zeitungen, Bücher werden nicht zugelassen. Die Ventilation ist ungenügend, die Fensterscheiben sind bemalt und lassen nur dürstig Licht durch. Die kost ist mangelhafter als normale Militärarreslanlenkoft. Der Korridor, in den die Türen münden, hat seit Einlicferung der Abgeordneten einen besonderen Kommandanten, den Obersten Bjcrnäzki! von ihm ist die Zulassung von Seife, Zahnbürste oder— Insektenpulver abhängig. Auf die Frage nach dem Befinden ihres Mannes, den zu sehen ihr nicht gestattet wurde, antwortete der Oberst:„Der Angeklagte Kjernik befindet sich aus- gezeichnet.' Tatsächlich ist von einer Anklag« noch lange keine Rede, ste würde in der Rechtslage der Verfolgten eine grund- legende Aenderung hervorrufen; die Verfolger werden sich hüten, das zu tun! Das Rauchen ist den Gefangenen verboten, ebenso verbot der Oberst die Zulassung von Leibwäsche. Die Tarnower Demonstration. Tornow ist seit jeher ein radikaler Winkel, dort haben die Bauern schon im Aufstand 1816 an der Schlachta(dem Grundadel) grausam Vergeltung genommen. Die Arbeiterschaft dieses Bezirkes hat in dem sozialistischen Abgeordneten E i o l k o s z einen sehr pjtichteisrigen Vertreter, an dem die Arbeiterschaft in treuer Anhäng- hängt, Mixend die Landb«Metm»g in ihrem aften Führer Witos, einem typischen Bauern des Bezirks, einen Vertreter hat. den auch das höchste Amt in der Republik, das Ministcrpräsidium. nicht seiner Schicht entfremdet hat. Er gehört wegen seines großen Einflusses zu den Bestgehaßten. Nun ist der Bezirk seiner Führer beraubt worden auf eine! selbst bei reger Phantasie nicht voraus- zusehenden Weis«. Man kann sich die Erregung denken! Die Leute gehen auf die Straße und demonstrieren. Da ihre Stimmung ihnen nicht gestattet, auf polizeiliche Aufforderung auseinanderzugehen, wird auf sie geschossen, und da sie unbewaffnet nicht mit gleichem antworten können, verfallen sie dem Lose ihrer Führer und kommen in den Kerker. So wurde der junge, allgemein beliebte Arbeiter Jwanjez verhaslek und am nächsten Tage im Gefängnis erhängt ausgefunden. Motive für einen Selbstmord konnten nicht gefunden werden. Die Familie des Verstorbenen ersuchte den Sozialistenführer S k i r u t, er möchte bei Gericht die Herausgabe des Leichnams erwirken. Als er im Gerichtsgebäude erschien, gab der Untersuchungsrichter der Polizei den Auftrag, auch Skirut zu o e r h a ft e n. Dieser hatte von dem Haftbefehl keine Ahnung und verließ das Gerichtsgebäude. Die Polizei oerfolgte ihn, gab auf den sich Entfernenden zwei Schüsse ab, ohne ihn zu treffen. Als die Polizisten Skirut er- reichten, warfen sie ihn zu Boden, drückton ihn mit den Knien nieder, schlugen ihn in Ketten und lieferten ihn so dem Unter- suchungsrichter ab! Landsberg-Neleidiger bestrast. Essen, 20. September.! Das erweiterte Schöffengericht verurleilte den national- sozialistischen Reichstagsabgeordneten Wagner wegen Beleidigung des früheren Gesandten in Brüssel, Recht-- anwalt Genosse Otto Landsberg und des Oberbürger- meisters von Bochum, Dr. Ruer, zu je 100 Mark Geld- strafe. In dem von Wagner verantwortlich gezeichneten Blatt„Die neue Front' waren über die beiden Genannten beleidigende Artikel erschienen, deren Bel)auptungen von Landsberg und Dr. Ruer unter Eid als unwahr bezeichnet wurden. Ein dritter Fall, in dem es sich um eine Beleidigung der jüdischen Religionsgemeinschaft han- delte, wurde, nachdem zwei Sachverständige sich in wissenschaftlichen Ausführungen über den Talmud und die jüdische Sittenlehre geäuße'.': hatte«, osttogt, Der Tod des Nazi-Dichters Wessel „Ali" und Genossen vor Gericht—„�ote Hilfe" begünstigt Verbrechen machen kann, die es nicht geradezu auf politischen Selbstmord an- gelegt hat." Da das Unternehmerblatt sich der Macht der Wirtschaft auch über die Nationalsozialisten bewußt ist, verösfentlichle es gestern einen Aufsatz des volksparteilichen Reichstagsabgeordneten f) i n tz m a n n, der sich„mit erfreulicher Deutlichkeit", wie die„Börsenzeitung" sogt —„gegen jedes irgendwie gcarlcte Zusammengehen mit der Sozial- demokratie öffentlich ausspricht". Hintzmann erkennt die Dissonanz zwischen der„unter dem Einfluß der Sozialdemokratie getriebenen Gesamtpolitik und der privatkapitalistisch-individua- listischcn Grundlage unseres Wirtschaftslebens". Hintzmann zitiert dabei völlig zu Unrecht die Weimarer Verfassung, deren soziale und sozialistische Elemente er nicht kennt, sagt aber mit erfreulicher Deutlichkeit: Das Wahlergebnis zwingt also, wenn man es sachlich und nicht unter irgendeiner Verörgerungspsgchose oder durch irgendwelche Paneibrillc betrachtet, dazu, entweder einen ausgesprochenen �bürgerlichen" oder einen misgesprociien„iozialistischen" Kurs zu steuern. Daß das Zentrum nach seiner Struliur imstande ist, sowohl den bürgerlichen wie den sozlalist'- schen Weg zu gehen, ist sicher. Die Kräfteverteilung im Reichstage ist aber nun weiter so, daß der Weg des Linkskurses, also eines klaren sozialistischen Kurses, nur gegangen werden kann, wenn die Deutsche Vc-lkspartei und die Wirtschaftspartc: bereit wären, ihn mitzugehen. ?ch halte dos für beide Parteien für ausgeschlossen. Jedenfalls sehe ich für die Deutsche Dolkspartci keine Möglichkeit. ihn mitzugehen; denn niemand hat am Frühjahr dieses Jahres eindeutiger als die Rcichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei und alle ent- scheidenden Parteinstanzen dieser Partei, diesen Weg als I r r w cg bezeichnet und dann im Wahlkampf diesen Standpunkt vertreten. Die Mitarbeit in einem Minderheitskabinctt, also z. B. in der gegenwärtigen Minderhcitsregierung Brüning, ist daher meines Erachtens nur dann für die Deutsche Volkspartei möglich, wenn der Kurs dieses Kabinetts ausgesprochen„b ll r o e r l i ch" ist. Der Aufsatz sagt dann, daß es die Pflicht des Zentrums und der anderen Regierungsparteien, ist, die ü b r i g e n Rechtsparteien teinschließlich der Nationalsozialisten) zu der Entscheidung darüber Llnsinnige Putschgerüchte. Schuh der Verfassung ausreichend gesichert. Seit einigen Tagen werden beunruhigende Gerüchte über einen drohenden hakenkreuzlerpulsch verbreitet, demgegenüber die slnal- lachcn Abwehrmittel angeblich nicht ausreichend wären, um die sofortixe Tl�ederschlagung zu sichern. Einige nach Sensation gierende Strotzcnverkaussblättcr machen diese Gerüchte täglich mit größeren Buchstaben auf und ergänzen sie durch allerhand alarmierende Einzelheiten über die angeblichen Vorbereitungen und Rüslnngen der pulschislen. Sowohl die preußische Slaalsregierung wie das Reich sinnenmini st erium lassen dazu erklären, daß gar kein Grund bestehe, diese Gerüchte e r n sl zu nehmen. Bian sei bei den zuständigen Behörden auf das genaueste über die Machtmittel und auch über die Absichten im Putschistcnlager unterrichtet. Die. Waffen dieser Leute bedeuten nach offiziösen Erklärungen gar nichts gegenüber dem staatlichen Machtapparat, der vollkommen zuverlässig ist und in jedem Augenblick zum Schulz der ver- sassung und der verfassungsmäßigen Einrichtungen in Bewegung ge- seht werden kann. Die halbamtliche Darstellung verurteilt entschieden die Scnsationsmache mit all diesen Putschgcrüchten, die nur die ll n- ruhe vermehrt, die deutsche Wirtschaftslage noch weiter verschlechtern kann und die Interessen des Reichs und feiner Länder zu schädigen geeignet ist. zu zwingen, ob sie„zur posilioen Arbeit bereit und fähig sind". Zusammengehalten mit den beiden Vorstößen der Wirtschnftspartei in; wächfi scheu und im Preußischen Landtag, die wir gestern ver- ösfentlichten, ergibt sich also aus diesen Stimmen, daß eine Große Koalition nur rechnerisch, aber nicht mehr politisch in stl r a g c komm t. Der„Tag" will übrigens wissen, daß einzelne Abgeordnete des Zentrums bcrcit wären, mit den Nationalsozialisten Verhandlungen auszunchnien, während ein« Mehrheit im Zentrum— noch— gegen eine Koalition mit den National- sozialisten sei. Wie es bei den Nationalsozialisten im Augenblick steht, ist schwer zu erkennen, da Hitler seiner Presse Acußrrungen über kommende Möglichkeiten verboten hat und auf dem besten Wegö ist, seinen Parteimitgliedern auch das Denken darüber zu unter- sagen: die großen Massen der nmionalsozialistischen Wähler werden sowieso nicht gefragt. Zu diesem Thema berichtet die„Rote Fahne" über einen vertraulichen Nazi gau tag, der am Montag im Viltoriagartcn in Wilmersdorf stattgefunden haben soll.. Goebbels soll dabei erklärt haben,„daß er nur auf 60 bis 80 Mandate gehofft habe und vom Wahlergebnis vollkoinnien überrascht gewesen sei. Der Wuhlersolg habe natürlich auch seine Schaltenfeiken. Uns bedrücke' alle die Arage, was nun?" Er erklärte, man dürfe die Errichtung des Dritte» Reiches nicht jetzt erwarten. Er hat sich dann bemüht, so zu tun, als ob die nationalsozialistischen Führer gegen ein Zusammengehen mit den anderen bürgerlichen Parteien seien— was sie ojfenbar, wie doch Thüringen zeigt, nicht find. Immerhin lzot Goebbels von einer Beteiligung an der Reichsrsgierung gesprochen, denn er er- klärte, daß die Nationalsozialiste» das Auswärtige Amt nicht besetzen würden. Das war von vornherein klar, daß die Nationalsozialisten sich auf keinen Posten begeben würden, an dem sie wegen ihrer großmäuligen Versprechungen gefaßt werden kannten. Im übrigen sind die Kommunisten dabei, ihnen diesen Wind völlig aus dem Segel zu nehmen. Denn, wi« die„Rote Fahne" heute morgen dreispaltig erklärt, hat das Zentralkomitee die kommunistische Reichstagsfroktion bc- auftragt, einen Antrag auf Einstellung der gesamten Dounz- Zahlungen einzubringen. Als Teilhaber einer gesamtbllrgerlichen Koalition würden die Nazis in eine verdammt üble Situation geraten und ihre Demagogie durch die kommunistische Gcgendemagogie sofort entlarvt werden. Die„Frankfurter Zeitung" richtet aus dieser Situation heraus einen Appell an den Reichskanzler,„sich endlich darüber klar zu werden,»v er irgendeine Form von Zusammengehen mit den �'Nationalsozialisten für möglich und richtig hält oder nicht". Er möchte doch das Spiel, das ihm vorschwebt, in aller Oessentlichkeit spielen. Die„Frankfurter Zeitung" erklärt, daß sie dies Zufainmci� gehen— offenbar der Staotspartei— mit den Nazis für un- diskutabel hält, fügt aber mit Recht hinzu, daß etwas derartiges, auch nicht das Ende der Welt bedueten würde. Am 23. September beginnt vor dem Landgericht I Berlin der Prozeß gegen Alfred höhler und Genossen wegen Tötung des Studenten Horst Wessel, ZNU- glied der Ralionalsozialistischen„Arbeiter"parlei. Es haben sich im ganzen tS Personen zu verantworten. Bei diesem„politischen" Kriminalfall versagen die üblichen Maß- städe. Hier wurde ein politischer Gegner nicht gleich hundert anderen auf der Straße gemeuchelt: Kommunisten, Rot-Front-Leu-c drangen in«in« Wohnung und töteten ihren Feind, den National- sozialisten. Und der die tödlich« Kugel abgeschossen, wurde wachen- lang von Mitgliedern der„Roten Hilfe" versteckt gehalten. Die Institution' zur materiellen und juristischen Hilfeleistung für die politischen Gefangenen der KPD. als Begünstigcrin blutiger Per- brechen! Was ihr im Fälle Ali Höhlcr nicht gelungen, gelang ihr um so besser in so und so vielen anderen Fällen. Das Bedeutsame dieses Prozesses ist, daß er einen Blick gestattet hinter die Kulissen der„Roten Hilf«". Eine besonders pikante Note erhält er aber durch die Tatsache, daß die kommunistische Press« in diescm Falle, wie bereits öfters,„Ali" von sieb abzuschütteln versuchte, sobald er gefaßt wurde! D«r Tod des Studenten Wessel am 14. Januar d. I. hat viel Aufsehen erregt.?ie Polizei wußte anfangs nicht, was von der Bluttat zu halten war. Man sprach von Zuhälter«; und wähnte den Täter in den Berbrecherkreiscn um den Alexanderplatz. Als es bereits feststand, daß ein gewisser„A l i" der Schütze geivesen, hieß es immer noch, es handle sich um eine Eifcrsuchtsange- l c g e n h e i t. Das war abgekartetes Spiel. Die Kommunisten hatten verabredet, die Spuren zu verwirren, um den Verdacht einer Tat aus politischer Leidenschaft zu verwischen und Li«besleiden schalt vorzuschi�>cn. Der Tod des Studenten Wessel war aber in Wirklichkeit nurH in Glied in der Kette d« r„politischen" Bluttatem Zwischen Nationalsozialisten und Kommunist«». Der Täter behauptete, der Tote habe den lüjährigcn Kominunisten Roß angeschossen und die National- sozialisten begingen nach dein 14. Januar eine Anzahl Heber- fälle auf Kommunisten mit dein Schlachtrus: Rache für Wessel! Des Studenten Horst Wessels Tod forderte blutige Ernte... Zu verantworten haben sich 18 Personen, darunter drei Frauen. Der größte Teil der Angeklagten sind Arbeiter, zwei bezeichnen sich als Kaufleute, einer ist R«isend«r, einer Parteisekretär— fast alleMitglreder der Ko m- in u n i st i s ch e n Partei. Drei der Angeklagten befinden sich noch in Ilntersuchuiigshoft. Die Anklage lautet gegen Alfred H ä h l e r, Erwin R ü ck e r t und K o n d ii l f k i genannt„P i p c l" auf Totschlag und Nötigung, gegen sechs Angeklagte auf Bei- Hilfe, gegen acht auf Begünstigung. Wie der lieberfall ausgeheckt wurde. Der äußer« Anlaß zu der Tat vom 14. Januar war recht be- langlos. Wessels Wirtin,- Elisabeth Salm aus der Großen Frank- furter Straß« 62, erschien an dieser» Tage i» Begleitung ihrer Schwiegermutter im f o m in u n i sti Ich« n Verkehrs lokal von B a c r in der Dragonerstraßs 48 und erbat beim Kommunisten Ioncck Schutz gegen ihren Untermieter Wessel: er sei Nationalsozialist, befinde sich in Besitz von Schußwaffen und bewahre bei sich Listen über Mitglieder des RFÄ. auf. Ein zweiter Kommunist, Max I n m b r o w s k i, den Ioncck aus dem 'Hinterzimmer des Lotals holte, wo gerade eine Zcllenversammlung der zweiten Bereitschaft der Sturmabteilung Berlin-Mitte tagt«, ließ sich noch einmal dc.r Sachverhalt erzählen und meinte: Ach, das ist ja der langgesiichte Wessel. Es wurde beschlossen, genieinsam zu Wessel zu gehen und ihm Waffen und Liften ob- zunehmen. Man holte sich aus dem kommunistischen Berkehrslokal Mulack- Ecke Gorniannstraße unter den dort anwesenden Mitgliedern der dritten Bereitschaft der Sturmabteilung Berlin-Mitte Höhler iini»'Rücke rt zu Hilfe, schickte, wie die Ankiage behauptet, Iambrowski zum Karl-Liebkuecht-Haus, um dort die Genehmi- g u n g der Partei zu dem Unternehmen gegen Wessel nachzusuchen, besprach im Hinterzimmer bei Innere Lage führte zum Radikalismus. Breitscheid: Hitler-Wahl bedeutet nicht gleich?ievanchekrieg. Paris, 20. September.(Eigenberichl.) Der sozialdemokralische Abgeordncle Dr. Breitscheid belonl in einem Interview im„Populalre" abermale, daß man den Sieg der Hitler-Leule nicht als einen Sieg des Ehauvinismus und der Revanche allein aufsasjen dürfe. Der Wohlkampf habe sich vielmehr in der Hauptsache aus innerpoliiischem Gebiet abgespielt. Diele Wähler hätten Hitler ihre Stimme nur aus verworrenen sozialen, wenn nicht gar aus sozialistischen Tendenzen heran» gegeben. Die besseren Elemente unter ihnen könnten sehr gut bei einiger Klärung der Lage und bei größerer politischer Einsicht richtige Sozialisten werden. Der Reichskanzler, fährt Breiischeid fort, scheine die Folgen seiner Wahlniederlage noch nicht erkannt zu haben, scheine auch die Notwendigkeit noch nicht einsehen zu wollen, daß er dieser Nieder- läge Rechnung tragen und daher offene, ehrlich- B erHand- l u>i g e n eröfsnen müsse. Bisher spreche er nur davon, im Amle bleiben zu wollen. Eine Koalition mit den Nationalsozialisten sehe er aber doch selbst als unmöglich an, doch glaub« er, daß ihn die SPD. ohne weiteres unterstützen werde, und zwar nur aus Furcht vor der Reaktion. Gewiß sei sich die SPD. der Gefahr bewußt und sie sei auch entschlossen, alles dagegen zu tun. Aber ihre Haltung werde bestimmt durch die B e d i n g u n g e n, die ihr die bürgerlichen Parteien sowohl hinsichtlich der Personen wie auch vor allem hinsichtlich der Prinzipien vorschlügen. Im übrigen, so schloß Breitscheid, darf man im Ausland der Wachsamkeit und dem Mut der arbeiten- den Massen in Deutschland das Vertrauen schenken, daß sie alles tun würden, um die Rechte des Volkes, den Sozialismus und den Frieden Europas zu verteidigen. Heyes Nachfolger ernannt. Ein Erlaß des Reichspräsidenten bestimmt den G-miralmaiar Freiherr von Hammerjtein-Equord zum Nachfolger des auf seinen Entschluß zum 80. November aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Generaloberst Hey e. General von Hainmerstein wird mit dem 1. Oktober unter gleichzeitiger Enthebung von der Stellung als Ehes des Ti-uppcmnnts zur besonderen Versügung des Ehcss der Heeresleitung gestellt. B a e r alle Einzelheiten des beabsichtigten Uebcrfalls und marschierte zur Wohnung der Frau Salm. Ein Teil der Kommunisten blieb auf der Straße. Höhler, Rückert und Kondulski begaben sich unter Führung der Arbeiterin Else Cohn in die Küche der Frau Salm. Die beiden ersteren luden und entsicherten ihre P i st o l e n. Höhler klopfte a» Wessels Tür. Kaum hatte dieser einen Türspait geöffnet, um zu sehen, wer zu ihm wolle, als Höhler ihm mit dcan Ruf:„H ä n d e hoch", die Pistole vors Gesicht hielt. Im nächsten Augenblick er- tönte ein Schuß und Wessel stürzte getrofsen zu Boden. Die drei drangen nun ins Zimmer. Höhler hielt hier mit seiner Waffe Wessels Braut und ein« zufällig anwesende Frau in Schach. Rückcrt und Kondulski durchsuchten das Spind. Bevor sie das Zimmer ver- ließen, sagte Höhler zu Wessel:„Du weißt ja, wofür du das bekommen hast." Im Berkehrslokal von Baer drohte Iambrowski seinen Parteigenossen:„Wer ein Wort von'der Sache verrät, der kriegt eine Kugel vor den Kops." Die„Note Hilfe� verHilst„Ali* zur Flucht.> Am nächsten Tage brachten sämtliche Berliner Zeitungen mit großen Schlagzeil«» Bericht« über den Ueberfall auf Wessel.„Ali' lief Gefahr, in die Kzänd« der Polizei zu fallen. Am 13. abends fand ein« Besprechung mit dem Führer der stürm- abteilung, Kupfer st ein, statt. Dieser brachte Höhlcr und Rückert zum Funktionär der„Roten Hilse" Schmidt. Gleichzeitig holte er sich Instruktionen im Karl-Liebkiiecht-Haus. Schmidts Tochter Käthe ersuchte ihren Ehef, den Kaufmann Will, Mitinhaber einer Jnscratenexpedition für Arbeiterzeitungen, um Hilfe. Will setzte sich mit seinein Kompagnon Sander in BerBindung. Im Landhausc des letzteren, in Glienicke, erhielten Höhlcr und Rückert Unterkunft. Hier blieben sie acht Tage. Will, der sich im Hause der„Roten Hilse" mit Schmidt in Verbindung gesetzt hatte, wurde bald darauf von einem Funktionär der„Roten Hilfe" ausgesucht, der Fluchtplan bis in alle Einzelheiten besprochen und vorbereitet. Es fand eine A b s cht« d s f« i e r statt, an der auch der Vorsitzende h«r„Roten Hilse", G e s ch k e, der mit„Anton" angeredet wurde, teilgenommen haben soll. Noch einmal besprach man den Fluchtplan und verabredete, daß im Falle der Festnahme eine Eisersuchtshandlung vorzutäuschen sei.„Ali" wurde neu eingekleidet und photographiert, da man für einen falschen tschechischen Paß eines Bildes bedurft«, und am nächsten Morgen von Will und Sender in deren Limousine zur t s ch e ch i- schen Grenze geleitet. Unterwegs nahm man den ständigen Kurier der KPD., Victor Drcwnitzki, auf, der den Flüchtling nach Prag brachte. Hier bemühte sich um ihn die tschechische„Rai« Hilfe". Alis Verhaftung. Höhler geriet bald in Geldverlegenheit, weil Drewnitzki die für ihn bestimmten Mittel für sich behalten haben soll. Also lehrte er nach Berlin zurück. In der Wohnung eines Parteigenossen wurde er verhaftet. Jetzt erlebte man das groteske Schauspiel: Während die„Rote Hilse" eben erst heroische Anstrengungen gemacht hatte, den an Wessels Tod Schuldigen dem Zugriff der Behörden zü enlzichen, bemühte sich nun die K P D.- P r e s s e ihren Heroen abzuschütteln. Hobler b e st r e i t« t, Wessel vorsätzlich getötet zu haben: er will gewissermaßen in ocrmeinilichcr Notwehr gehandelt lzaben. Wessel sollte nur«ine„proletarische Abreibung" erhallen und aus der Wohnung herausgeworfen we-den. Der Schuß fei gefallen, nachdem Wessel Ä n st a l t« n gemacht harte, aus der G c- säßtasche eine Waffe zu ziehen. Ein großer Teil der übrigen Angeklagten will überhaupt keine Kenntnis davon gehabr lxaben, daß Höhlcr mit dem Ueberfall auf Wessel in Per- bindung ftel)«. Wessel ist am 23. Februar an den Folgen der Verletzung ge- starben. Die Todesursache mar allgemeine Blutver- giftiing als Folg« der Schußnerletzung, die im Rachen und in der oberen Halswirbeisäulengegend zu schweren eitrigen Per- änderungen geführt hatte. Der Prozeß dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen. L. R. Achi Tage gefesselt in der Afrikasonne— und von Ungeziefer zerfressen.- Barbarei in der Fremdenlegion. p a r i s. 20. September.(Eigenbericht.) In einem ossenen Brief an den Kriegsminister Rl a g i n o t bc- richtet der sozialistische Abg. Paul 5 a u r e im„Populaire" von einer neuen barbarischen Strafverfügung in der Fremdenlegion. Ein tunesischer Legionär, der beschuldigt worden war. sein Gewehr an einen eingeborenen Händler vertäust zu haben, wurde, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen, sieben Tage lang mit gesejselle» Händen und �üßen in die pralle Sanne gelegt. Dazu be- schmierte man ihm das Gesicht mit Honig, um die Insekten anzuziehen. Als halbe Leiche mußte der Gemarlcrle endlich ins hospilal geschafft werden. Sein ganzer Körper war vom Ungeziefer zerfressen. Hände und Füße eiterten, außerdem schien er den verstand verloren zu haben. Der Vorfall sei unter den Augen zahlreicher höherer Osfiziere in dem marokkanischen Truppenlager Tadh a Raour erfolgt. Die Entschuldigung, daß es sich also um einen Mißgriff untergeordneter Instanzen handele, könne hier nicht gelten. Oer Welfenschaß wird noch nicht gezeigi. Staatsräume werden zur Ausstellung nicht hergegeben. Di« Slusstellung des Welsenschatzes in Berlin, die im staatlichen Schloßmuseum hatte' stattfinden sollen, ist vertagt worden. Das preußische Staatsministenum war, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, angesichts des politischen Hinter» gründe? der Frage des Pcrtmiss des Delfenschatz-s der Aus- sassung, daß die Ausstellung grundsätzlich nicht in Staats- räumen stattjindeu solle. Wie verlautet, sind Bemühungen im Gange, andere Räume für die Ausstellung zu gewinnen. Türkenmlnister in Moskau. Der türkische Außenminister Tewiik Ruchdy Bey traf in Begleitung des russischen Botschafters in Angara, Suritsch, in Stockholm ein und wird heute nach Moskau Weiterreisen. Die Wähler der proletarischen Parteien Die Stärke der Arbeiterschaft wächst mit der Sozialdemokratie Der kommunistische Stimmenzuwachs Wenn wir di« Wahlergebnisse nicht unter dem Gesichtspunkt, welche politischen Gruppierungen möglich sind, sondern nach der Richtung hin, in welcher sich die allgemeine Einstellung der Wähler entwickelt hat, betrachten, so können wir zunächst solgende drei Gruppen bilden: 1. radikale Negation(Kommunisten und National- sczialisten), 2. SPD., 3. die Parteien der bürgerlichen Ordnung(von den Demokraten bzw. der Staatspartei bis zu den Deutschnationalen). Dann bekommen wir folgendes Bild für die Entwicklung vom Mai 19?S bis September 1930: I n Prozent aller abgegebenen Stimmen Mai 1928 Sept. 1930 Radikale Negation......... 13,2 SPD.............. 29,8 Parteien der bürgerlichen Ordnung.. 53,8 Zersplittert........... 3,2 100,0 Da di« zersplitterten Stimmen in der übergroßen Mehrheit den Wählern, die auf der Seite der bürgerlichen Ordnung stehen, gehören, so darf man sagen, daß die Parteien der bürgerlichen Ordnung im Mai 1928 rund 57 Proz., dagegen aber am 14. September nur 44 Proz. aller Stimmen erhalten haben. Gewiß ist diese Derschie- bung noch keine endgültig«, und vor ollem werden viele national- sozialistische Wähler sich als treue Stütze der bürgerlichen Ordnung entpuppen. Diese bürgerliche Ordnung hat aber die sesk gesicherte politische Grundlage schon verloren. Ihre Rettung besteht darin, daß die in Opposition zu ihr stehenden Kräfte kein« einheitlich«, in sich geschlossene Masse mit dem gemein- samen Ziel und dem gemeinsamen Weg darstellen. Wir haben die Entwicklung der Parteien der bürgerlichen Ord- nung in großen Zügen geschildert und wenden uns nun zu den Parteien, die außerhalb dieser Gruppe stehen. Die Truppe der radikalen Negation als Ganzes bedarf keiner besonderen Betrachtung, nachdem wir früher festgestellt haben, daß sich di« Entwicklung in der Richtung von der Mitte zu den Extremen vollzogen hat. Dos ist ein Vorgang, den man als Radikal!- lierung zu bezeichnen pflegt. Im folgenden sollen deshalb die beiden Bestandteile dieser Gruppe getrennt behandelt werden. Die Kommunisten bilden außerdem zusammen mit uns eine besondere Gruppe, nämlich die Gruppe der ausgesprochen proletarischen Par- tcien, di« nicht bloß dem Namen, sondern auch der tatsächlichen Auf- fassung nach sozialistisch sind. Das sind die beiden Zweige der gespaltenen sozialistischen Arbeiterbewegung. Leider gleicht die Ge- samtmocht der Arbeiterbewegung der Su mm e dieser beiden Zweige nicht! Es ist sehr lehrreich, die Entwicklung der beiden Parteien seit Mai 1924 zu verfolgen: Die Maiwahlcn 1924 warcn'der erste hohe Punkt für die KPD., aber der tiefe Punkt für die Gesamtsumme der beiden Par- teien. Im Dezember 1924 hat sich trotz der starken Abnahme der kommunistischen Stimmen die Gesamtsumm« absolut wie relativ be> trächilich erhöht. Die Maiwahlen 1928 stellen vorläufig den Höhepunkt der Entwicklung dar. Am 14. September haben wir an Stimmen verloren, die Gesamtsumme Hot absolut zwar zugenommen, der prozentuale Anteil der beiden Parteien ging aber beträchtlich zurück. Es steht fest, daß der sozialdemokratische Aufstieg immer die Zunahme des Anteil« der Gesamtsumme der Stimmen bedeutet, auch wenn die Kommunisten gleichzeitig verlieren. Dagegen bedeutet der Rückschlag der Sozial de mokratie die Herabsetzung dieses Anteil», auch wenn die Kommunisten sehr stark gewinnen. Die Stärke der sozialistischen Arbcitcrschast wird nach der Stärke der Sozialdemokratie gemessen. Das ist eine Tatsache von außerordentlicher Tragweite, weil sie erkennen läßt, daß die Sache der Kommunisten auch von ihrem eigenen Standpunkt aussichtslos ist. Ihre Erfolge werden von einer Verstärkung der Reaktion und einer Verschiebung der Machtverhältnisse stark zuungunsten der Arbeiter- s ch a s« begleitet. Die Zahl der kommunistischen Stimmen ist jetzt bedeutend größer als im Mai 1924. Es gibt aber jetzt auch bedeutend mehr Wahl- berechtigte, und die Wahlbeteiligung war stärker. Es sind am 14. September rund 5,7 Millionen Stimmen mehr abgegeben worden als im Mai 1924. Der prozentuale Anteil der kommunistischen Stimmen ist jetzt etwas höher(13,1 Proz. gegen 12,8 Proz. im Mai 1924). Nun erkannte man auf Grund der Wahlergebnisse bei manchen Landtags- und Gemeindewahlen in den ersten Monaten 1924(Sachsen, Thüringen, Mecklenburg), daß di« Kommunisten im Nlai schon nicht mehr gaizz so stark waren als drei bis vier Monate früher. Man darf annehmen, daß der gegenwärtige Stand der KPD. ungefähr dem von Februar-März 1924 entspricht. Die Kommunisten haben jetzt wiederum etwa die Stärke erreicht- die sie an dem bis jetzt höchsten Punkt ihrer Entwicklung hatten. Diele Tatsack)« müssen wir festhalten und dürfen st: nicht auf die leichte Achsel nehmen. Die Entwicklung in den Einzelkreisen. Zlußerordcntlich interessante Ergebnisse zeigt der Vergleich mit den Moiwahlen 1924 nach den einzelnen Wahlkreisen. Man kann die Porstellung von der weitgehenden Gesetzmäßigkeit der Entwick- lrmg nicht kos werden. Die Berechnungen der Prozentzahlen, die ich auf Grund der vorläufigen Ergebnisse selbst machen mußte, werden vielleicht noch einiger Korrekturen bedürfen, die ober nur ganz unerheblich sein können. Das Bild, welches wir jetzt gewinnen, kann sich nicht mehr anders gestakten. 3n 17 van insgesamt 35 Wahlkreisen bewegen sich die Prozentzahlen für die Wahlen vom 14. September ungefähr aus der gleichen höhe wie im ZNai 1SZ4. In 10 Fällen ist di« Annäherung geradezu erstaunlich, nämlich: in Ostpreußen(11,9 Proz. gegen 11,7 Proz. im Mai 1924), Pommern (8,8 gegen 8,7), Liegnitz(6,1 gegen 6,0), Magdeburg(10,0 gegen 10,1), Merseburg(25,0 gegen 25,7), Thüringen(15,2 gegen 15,6), Schleswig-Holstein(10,6 gegen 10,2), Köln-Aachen(14,5 gegen 14,2) und Hamburg(18,0 gegen 18,3). In Hessen-Nassau(10,0 gegen 9,2), Koblenz-Trier(6,6 gegen 6,1), Düsseldorf-Ost(25,9 gegen 24,9) und namentlich in Leipzig(17,2 gegen 15,7) läßt sich eine etwas stärkere Abweichung nach oben und in Ost-Hannover(7,5 gegen 7,9), Baden(9,6 gegen 10,1) und Chemnitz-Zwickau(18,5 gegen 19,8) eine stärkere Abweichung nach unten feststellen. In 7 K r e i s e n ist der prozentual« Anteil der KPD. jetzt bedeutend stärker als im Mai 1�4. nämlich: in Berlin(33,0 gegen 20,6), Potsdam II(19,8 gegen 13,1), Potsdam I(20,0 gegen 14,9), Frankfurt a, d. O.(9,3 gegen 6,8). Breslau(7,8 gegen 6,3), Dresden(12,4 gegen 8,4) und Hessen-Darmstadt(11,3 gegen 9.3). In 11 Kreisen ist er bedeutend schwächer, nämlich in Oberschlesien(16,6 gegen 22,9), Süd- hannover-Braunschweig(5,5 gegen 8,2), Westfalen(in beiden Kreisen zusammen 14,2 gegen 16,3), Württemberg(9,4 gegen 11,3), Mecklenburg(8,6 gegen 10,9) und in allen bayerischen Kreisen: in Oberbayern-Schwaben<6,1 gegen 8,6), Niederbayern(4,7 geg-m 7,0), Franken(4,8 gegen 6,1) und Pfalz(10,5 gegen 13,5). Die Verschiedenheit der Entwicklung in den verschiedenen Kreisen, soweit eine solche vorhanden ist, kann nur durch die Untersuchung der Verhältnisse in jedem einzelnen Wahlkreis ausreichende Erklä- rung sinden. Das ist meines Erachtens eine außerordentlich wich- tige Ausgabe, die die einzelnen Bezirksverbände unserer Partei zu erfüllen haben. Die Entwicklung unserer Partei und der KPD. sind fast immer, wie wir das noch|el)?,r werden, zwei Seiten der gleichen Entwicklung. Es wird aber schon bei der Be- trachtung der angeführten Zahlen klar, daß diese Entwicklung nicht nur durch die Gestaltung der Wirtschaftslage, sondern auch durch die Zustände auf dem Gebiet« der ländlichen und kommunalen Politik, durch das Maß der Energie, die die Kommunisten in einzelnen Kreisen konzentrieren, da sie nicht überall mit gleichem Nachdruck wirken, sondern einige für sie besonders wichtige Zentren auswählen, und in sehr starke»! Maße durch die Qualität unserer Organisationen be-' stimmt wird. Für heute müssen wir uns auf eine Beobachtung von grund. sätzlicher Bedeutung beschränken. Ganz gewaltig ist die Zunahme der Kommunisten in allen Wahlkreisen, zu denen die verschiedenen Teil« Berlins gehören(wir werden das noch einmal auf Grund der Entwicklung in Groß-Ber!in feststellen), und auch iehr wesentlich in Dresden. In Halle-Merfcburg, in den beiden Düsseldorfer Kreisen, in Leipzig und Chemnitz-Zwickau und auch in Westfalen haben die Kommunisten die hohen Prozentzahlen vom Mai 1921 erreicht, sie etwas überschritten oder sich ihnen wesentlich genähert. In 11 Kreisen haben sie mehr als 15, davon in 3 zwischen 20 und 30 und in einem(Berlin!) über 30 Proz. aller Stimmen crlzalten. Das sind alles Wahlkreise mit einem be- sonders starken Anteil der Arbeiterschast an der Gesamtdevölkeeung. Wenn diese kommunistischen Stimmen nicht zum größten Teil prole- tarische Stimmen sind, so ist es überhaupt absolut unerfindlich, wo die proletarischen Stimmen geblieben sind. Dadurch erweist sich die vor einiger Zeit ausgetauchte Theorie, daß s i 6) die KPD. angeblich zur Partei des Lumpenproletariats entwickelt, als unhaltbar. Diese Theorie ist eine Selbsttäuschung, und zwar eine gefährliche Selbsttäuschung, da unter ihr unsere Arbeit stark leidet. Gewiß bleibt die Tatsache bestehen, daß die KPD. in den sogenannten Sittcnvierteln der Hafenstädte und den Scheunenvierteln Berlins und anderer Großstädte außerordentlich stark ist. Das beweist nur, daß sie eine lumpen proletarische Peripherie hat, die aber in der Gesamtsumme ihrer Stimmen nicht schwer ins Gewicht fällt. Di« Behauptung, die KPD. fei eine Partei des Lumpen- Proletariats, ist genau so falsch wie die kommunistische Behauptung, daß wir die Partei der Kleinbürger und Beamten sind. Beide Parteien haben in ihrer Mitgliedschaft sowie in ihrer Wählerschast ihr Schwergewicht in der 2l r b e i t e r s ch a s t, und "die Wahlstatistik beweist uns leider, daß die KPD. in der Arbeiter- schoft vieler stark industrialisierter Gebiete nicht weniger stark oder sogar stärker(in 6 Wahlkreisen) als wir ist. Man muß den Mut haben, diese unangenehme Wahrheit ohne jede Verschönerung zu sehen und mit allem Nachdruck zu versuchen, die Methoden unserer organisatorischen und propagandistischen Arbeit, erst recht aber unsere Politik so zu gestalten, daß wir uns bessere Chancen für die Eroberung des uns nicht gehörenden Teiles der Ardeiteriehast verschaffen. Georg Dcckcr. SEur Snlernalionalen Xederfchau in Sierlin zeigen w>r eine Tafel über jährlichen Schuh- verbrauch. Den Rekord hält Amerika mit einem jährlichen Aerbrcmchs- durchschnitt von 2k- Schuhen pro Einwoh- ner. Daß Deutschland noch über Frankreich steht, liegt wohl an der viel stärkeren Industri- alisierung. Die halb- barbarische Sowjet- unio» nimmt den letzten Platz ein, dort kann sich jeder Einwohner nur alle vier Jahre ein neues Paar leisten. Kommunistische Gchulstreithetze. Man stellt dem Kultusminister ein„Ultimatum". Auf Grund des Erlasses des preußischen Staatsministeriums, der den Beamten die Mitarbeit in der kommunistischen und nationalsoziali st ischen Partei verbietet, ist in Berlin-Reinickendorf der Schulamtsbewerber V c y e s von seinem Dienst entlassen worden. Die Kommunisten versuchten zu- nächst, di« Elternschaft der 5. Gemeindeschule, an der Beyes unterrichtete, in einen Schulstreik zu Hetzen. Als das nicht gelang und die Eltern am Freitag restlos ihre Kinder in die Schule schickten, beriefen die Kommunisten zum Freitag eine Versammlung ein. In dieser wurde ein„Ultimatum" an den preußischen Kultusmini st er beschlossen, in dem man dem Minister mitteilt, daß man den Schulstreik auch auf andere Schulen ausdehnen werde, wenn Beyes nicht wieder eingestellt wird. Vor allem soll versucht werden, die 9. weltliche Schult, die im gleichen Gebäude wie die 5. Gemeindeschule untergebracht ist und in der die Kommu- nisten eine stärkere Anhängerschast haben sollen, in den Streik zu Hetzen. Doch wird es auch hier den besonnenen Eltern gelingen, die kommunistischen Absichten unmöglich zu machen. Im übrigen weisen wir noch darauf hin, daß Beyes nicht— wie die Kommunisten zuerst behaupteten— von dem Bezirksamt entlassen worden ist. Das P r o v j n z i a l s ch ul k o l l e g i u m hat die Entlassung ausgesprochen. Der Erlaß ist auch nicht vom Kultusminister, gegen den das Ultimatum gerichtet ist, sondern vom Staatsministe- rium herausgegeben worden. Ooppelies Gesicht der„Revolutionäre". Der kommunistische Kramladen für Metallarbeiter hat sich ein Statut gegeben, dos dem Statut des Deutschen Metallarbeiter. Verbandes gleicht wie ein Ei dem anderen. Um aber der„revolu- tionären" Gefolgschaft zu zeigen, daß man sich von dem „reformistischen" Deutschen Metallarbeiterverband„grundsätzlich" unterscheide, hat man dem Statut einen Satz«ingefügt, der besagt. daß die Organisation auf dcni Boden des revolutionären Klassen- kampfes stehe. Das ist das eine, für die Mitläufer bestimmte Gesicht. Wenn man aber als Prozeßvcrtreter am Arbeits- gericht austreten will, dann läßt man die revolutionäre Löwen- haut zu Hause, kleidet sich in Zivil und zeigt das andere Gesicht, das»um dem des„reformistischen" Gewerkschafters möglichst ähnlich zu machen sucht. Um als Prozeßvertreter zugelassen zu werden, irnih man Vertreter einer w i r t s ch a s t l i ch e n Organisation sein. Da nun da» statutarische Bekenntnis auf eine politisch« Or- ganisation schließen läßt, so versichern die Vertreter der„reoolutio- nären Gewerkschastsopposition", ihre Organisation sei trotz dieses Bekenntnisses eine w i r t-f ch a f t l i che Organisation, die auch bereit sei, Tarife mit den Unternehmern abzu- schließen.(Aorausaesetzt, die Unternehmer tun mit.) Die„revo- lutionären" Grundsätze werden hier atso hinter„reformistischen" Versicherungen sorgfältig versteckt. Kürzlich war nun ein Vertreter der„revolutionären Gewerk- schastsopposition", der vor dem Zlrbeitegericht austreten wollte, auo- nahmsweise so ehrlich— oder war es nur eine Unüberlegtheit?— dem Gericht sein„revolutionäres" Gesicht in einem Schriftsatz zu zeigen mit den Worten: „Die Organisation steht im Gegensatz zu den Verbänden, welche ivirtschaftsfriedliche Ziele zu erreichen suchen, auf dem Babcn des revolutionären Klassentampses. Das bedeutet, daß der Klassenkampf zur Durchsetzung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Belange der Arbeiterklasse nicht mit den gesetzlich zulässigen lUiktdn auf dem Boden der heutigen Gesellfchastsordmmg ausgetragen werden soll, sondern aus revolutionärem iffiege, das heißt durch den Umsturz der politischen und gesellschastlichcn Ordnung." Nachdem der Mann so das Gesicht des„Revolutionärs" gewahrt hat, fällt ihm ein, daß in diesem Falle ja nur das andere Gesicht die beabsichtigte Wirkung erzielen kann. Deshalb fährt er im un- mittelbaren Anschluß an die„revolutionäre" Programmerklärung fort:„Das ist jedoch kein Grund, die T a r i f f ä h i g k e i t der Organisation ju bezweifeln." Der„Revolutionär" wurde als Prozeßvertreter zurück. gewiesen, denn— sagte der Richter— es ist doch nicht Ausgabe einer wirtschaftlichen Organisation, den Ilmsturz der politischen Ord- nung zu betreiben. Dem Gericht— einer staatlichen Behörde— kann nicht zugemutet werden, einen Vertreter zuzulassen, der die Ordnung des Staates umstürzen will. „Oer keusche Josef." Atrium. Damit der Rittmeister a. D. Iuccundus von Müller sein« reiche Kusine heiraten kann, muß er erst mehrere Liebschaften gewaltsam loswerden. Au diesem Zweck werden alle alten Schwankmotiv« und jeder alte Ladenhüter aufgebraucht. Die Autoren sind so„cinfalls- reich", daß sie sogar durch einen Heuschnupfen andauernd neue Situationen schassen. Ueberdics verhöhnen Friedrich Raff und Julius Kurgiß auf das geschmackloseste die Komparseric und erlauben sich„Wige" wie folgt: Wird da ein zu einer Hochzeits- seierlichkeit ausgeliehenes altes Mütterchen gefragt:„Warum haben Sie heute kein anderes Kleid angezogen?" Antwort:„Weil ich keins habe." Und darüber soll das Publikum lachen und— lacht auch. Um dem Tonfilm gerecht zu werden, singt man sich gegenseitig sehr viel an und wenn man allein ist, singt man desgleichen, sogar in der Badewanne. Der Regisseur Georg Jacoby ist krampf- hast bemüht, ein Provinzgejchnft mit Harry Licdtk« zu machen. Der wirkt, was Spiel und Sprache anbelangen, bedenklich schlecht. Paul Heidcmann, sein Freund, wirkt entschieden besser. Ganz vorzüglich ist Paul West er meier als Bursche. Grete Natzler fällt durch ihre gute Singstimme angenehm auf. Henry Bender und Felix Bressart zwingen wohl die Lacher auf ihre Seite, aber diese Darsteller verdienen bessere Rollen. Wenn das mit''den Tonfilmpossen so weiter geht, sind die deutschen Filmleut« mit ihrem Können zu Ende, bevor sie über- Haupt begonnen haben, irgendeine Leistung zu zeigen. e. b. Relson-�evue. „Quick." Marcellus Schiffer und Friedrich Holländer dichten für den erprobten und von vielen Fachleuten beglaubigten Komponisten und Theoterdirektor Rudolf Nelson, der jetzt auch noch den soliden Erwerb des Rcstaurateurs betreibt, Reoueschlager. Sie möchten an die Aktualität, die uns foppt und malträtiert, also an Hakenkreuz und Dalles, an Nofrctete, Autowahnsinn, Sex Appeal, Boxerscntimentalität, rumänische Königsbcttgeheimnisse und ähnlich« Kursürstendammsorgen heran. Sie kitzeln spitzmäulig, kaltblütig, kaltschnäuzig und keß ihr Publikum und dessen bescheidene Ansprüche. Sie sind pfisfigc Witzemacher, obwohl, sie schon etwas verbraucht sind. Aber sie haben Glück, da am Premierenabend die liebens- würdigsten Freunde und Gönner das Dichterpaar und den Komps- nisten mit Beifall und Blumen überschütten. Im Künstertrupp spielen einige Damen, deren entzückende Kostüme und netter Schmiß dos Ansehen lohnen: Elisabeth Lennartz, die �Elegante, am Kursürstendamm die Mondäne ge- nannt, Ursula von Diemen, die Dämonische, genannt am Kursürstendamm das Rasseweib, Margo Lion, in ihrer Ge- meinde bekannt als die Vertreterin der modernen Linie. Da' ist unter den Herren K u r t G e r r o n, der ein Couplet auf den Ber- liner Gelegenheitsarbeiter und Gelegenheitsmacher � schmettert uyd damit die an seinem Theater erlaubten sozialen Bedürfnisse voll- ständig befriedigt. Da ist endlich Felix Bressart, der Komiker der Schlemihle, der als Filmdouble auftritt. Der Filmdouble ist der Mann, der alle faulen und gefährlichen Geschäfte für die Stars besorgt und dafür am Hungertuch nagen darf. Der Filmdouble wird zum Lebensdouble. Er nippt Fusel und wird geneppt, wo die anderen Sekt trinken und Coupons schneiden. Weil das Couponschnciden heute auch am Kurfürstendamm aus der Made kommt, finden die ansehnlichen Herren von der Berliner Gesellschoftskreme und die Damen, deren Hüsten und Brust sich allmählich wieder runden, diese Zeitkritit kühn, geistreich und ganz so, wie es ihr schwaches Herz verträgt. Max Hochdorf. „Die Tat des Genossen Rafael Winiewfti". Sin Zeitstück von Friedrich Wendel. Das Mitglied der GPU., Rafael Winiewski, hat ein Giftgas von fürchterlicher Wirkung erfunden. Es wird erprobt bei der Voll- streckung des Todesurteils an Weißgardisten in einem Konzentrations- lager. Das entsetzliche Geschehen zwingt den Erfinder, zu ergründsr, ob es wirtschaftlich und moralisch, ob es vor allem einem Sozialisten erlaubt fei, in Kriege nach innen und nach außen zur Vergasung, dos heißt zur Vernichtung einer Unzahl von Menschen, zur Zcr- störung einer Unzahl von Produktionsstätten zu schreiten. Er bc- antwortet die Frage mit einem Nein und Abt das Mittel, die Wirkung des russischen Gases zu neutralisieren, der Welt preis. Seine Tat wird entdeckt, aber auch im Gefängnis noch bekennt er sich aus dem Gewissen heraus dazu, gerade durch den Verrat als Sozialist seine Pflicht erfüllt zu haben. Dies ist die Fabel des Zeitstückes„Die Tat des Genossen Rafael Winiewski", das Friedrich Wendel schrieb und das durch den rührigen Berliner Bezirksausschuß für sozial! st ische Bildungsarbcit im Städtischen Saalbau von Neukölln zur Uraufführung gebracht wurde. Wendel hat kein Theaterstück schreiben, er hat propagieren und gegen drohende Greuel protestieren wollen. Er zeigte durch das Beispiel des Gases, durch das Einzelschicksal Winiewskis den Widersinn des Bolschewismus, den Gegensatz zu echtem Sozialismus auf. Der Monolog Winiewskis, der sich durch drei Akte hinzieht, ist ohne Leidenschaft und Wänne. Der Marxist theoretisiert und doziert. Nicht das Gefühl, sondern Erkenntnis und Verstand bestimnren seine Hand- lungen. Aber gerade dadurch— und vielleicht mit Recht— glaubt Wendel die stärkste Wirkung zu erzielen. Menschlich am stärksten packend und ergreifend ist sicher die Ermordung der Weißgardisten im ersten Akt,"den zu sehen dem Berichterstatter dienstliche Abhaltung und Verkehrsstörung leider unmöglich machten! Der große Nutzen der„Tat des Genossen Rafael Winiewski" ist die in ihrer Steigerung von Satz zu Satz überaus wirkungsvolle Verurteilung der bolsche- wistischen Methoden, die nicht aus dem Gesichtswinkel des Sozial- demokraten, sondern dem des überzeugten Bolschewiken heraus er- folgt. Wird diese Arbeit Mendels, weniger vielleicht als Theaterstück denn als Vortrag oder in Buchform ausgenutzt, so kann sie der Propaganda gegen die kommunistische Verkennung des Sozialismus werwolle Dienste leisten. Theo Maret gab unter starkem Beifall sein Letztes, die Ge- statt Winiewskis lebendig zu machen. Henning Duderstadt. �Va banque." Ufa— Kursürstendamm. Niemand wird aufrichtigen Herzens behaupten können, daß der durchschnittliche Detektivfilm aufreizend interessant ist. Man arbeitet da nach altbewährtem Schema mit dem geistvollen Detektiv und dem vertrottelten Polizeichef und legt wenigstens darauf Wert, daß der 'Zuschauer nicht schon nach den ersten Bildern die drohende Auf- lösung des Knotens ahnt. Außerdem sd>witzt man unter den An- strengungen, die Handlung möglichst schnell ablausen zu lassen. Hier in„Va banque" ist dagegen alles ganz anders. Der größte Optimist kann kaum von Spannung sprechen. Noch ein paar«inleitenden Szenen weiß jeder, wer der edle, anonyme Dieb Va banque ist, und um die Handlung auf ein für den Kassen- rapport günstiges Maß zu dehnen� werden nun unentwegt Dialoge fabriziert, die mit uralten Witzen aufwarten können. Sellen ist «in Manuskript so saftlos gewesen und so ungeschickt gemacht worden. W a s ch n e ck s Regie tritt nirgends hervor, was keineswegs gegen den Regisseur spricht, denn selbst ein begnadetes Genie mußte an diesem Stoff scheitern. Ein eigenes Gesicht zeigt Gustaf G r ü n d g c n s. Er ist der Privatdetektiv, der den Knoten mit eleganter 5) an dbewe gyn g auslöst. Hier ist allerdings kein Knoten aufzudröseln. Gründgens streift das .Iunkerhafte, er ist anmaßend und überlegen und von einer, Eleganz, die selbstverständlich und nicht betont wirkt. Lil Dagover bleibt leider in ihrer Manirierthett stecken. Sie kann jedoch viel mehr als diese Schablone. Jedenfalls haben wir genug von dieser Art der Tonfilm- Produktion. Vielleicht fällt den leitenden Herrschaften auch zur Abwechslung einmal«in diskutierbarer Stoff ein, sonst könnten sie bald die Pleitegeier über sich rauschen hören. F. Sch. Alfred Helberger eröffnet am 21. im KünstlerhauZ, Belevuestr. 3, seine Ausstellung.ChristuSreihe", eine Gemäldesolge. SA?. Groß- Berlin, Werbebezirk revmvkaaal. Dampsernachtfahrk zum u r l e i f e e. Abfahrt heute, Sonnabend, 19 Uhr, ob Michael- kirchbrücke(bei der Jannawitzbrücke). Nachzügler können um 20.15 Uhr in Grünau, Gesellschastshous(Friedrichstroße), zusteigen. Karten zu 2 Mark, Erwerbslose 1 Mark, an den Zlbsahrtstellen. Decken mitbringen. Genossen aus anderen Gruppen können teilnehmen. Zehnte Abstimmungsgedenkseicr der Ostpreußen. Der Berliner Bund heimattrcucr Ostpreußen veranstaltet— gemeinsam mit seinen 22 Ortsgruppen— am Sonnabend, dem 20. September, um 8 Uhr abends im großen Saale der„Neuen Welt", Hascnheide 108— 114, sein 10. Stistur.gsscst unter dem Zeichen der Erinnerung an die Volksabstimmung in Ostpreußen vor zehn Iahren am 11. Juli 1920. Die Festrede hall der Bundesvorjitzcnde Oberregicrung-rat Hofs- mann. Wetter für Berlin: Unbeständiges, windiges und etwas kühleres Wetter mit wiederHollen Schauern.— Für Deutschland: Ueberall unbeständiges Wetter mit rasch ostwärts fortschreitender Abkühlung. Theater der Woche. Dom 2-1. bis 29. September. Volksbühne. Theater am Billewplah: Die Weder. Slaalslheaker. Ttaatgoper Unter den Linden: 21. Siegfried. 22. Die Rackff de» Echicklats. 23. Der Liobcstrank. 34. Tannhäufrr. 35. Mona Lisa. 26, Boris Godunoff. 27. S-dwanda, der Dudeifackpfeitcr. 28.©öttcriämmcnmg. 29. La Traviaia. Sta-t-oper am Plag der Reimbli!: 21. Drr fliegende Holländer. 22. Hoff- manns Erzählungen. 23. Die Slnmme von Portici. 24. Dir verkaufte Braut. 23. Di- zauberflötc. 26. und 28. Der Barbier von Sevilla. 27. Carmen. 29. Der ssrerschütz. Städtische Oper«harlottcnbvr«: A. Doge und Dogareffa. 22. Bigoletfo. 23. Die Zauberflotr. 2t. Mastenball. 25. Die Walküre. 26. Aida. 27. gidelio. 28. Lohenarin. 29. Die luftigen Weiber von Windfor. Schauspielhaus am Gcndarmcnmartt: 21., 23.. 26., 28. und 20. EteBc auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg. 22., 21. und 27. Bürger Echippel. 25. Nathan ber Weise. Schiller-Theater: 21. und 28. Florian Sener. 22.. 24., 27. und 20. Herr Doktor, haben Sie zu essen? 23. und 26. Der Mann vtit dem ALepper. 25. Scherz, Satirc, Ironie und tiefere Bedeutung. Thealer mik festem Spielplan: Theater am Schiffbau-rdamm! gcucr aus drn Ärsscln.— Drutschc» Thratrr: Der Kaiser von Amerika.— Sammerfpiclr: Die Schule der grauen.— Die Ztomödie: Der Schmierige.— Komödicnhau»! Das Konto T.— Srahe« Schauspielhaus! Die lustige«itwe.— Theater de» Westen«: Hasenklein kann nichts da-llr.— Lcssing-Theatee: Des Kaisers Kuli.— Komische Oper: Das Mädel am Steuer.— Deutsches Ztünftler-Tbcater: Jim und Iill.— Lnstfpielhau»: Mein- Schwester und ich.— Theater in der Bchrenftr. 33—54: Das hähliche Mädch-n.— Zcntral-Thcater: Eine gremidm so goldig wie du.— Metropol-Theatcr: Viktoria und ihr Husar.— Berliner Theater: Schluck und Iau.— Neue« Theater am Zoo: Paul und Paulinc.— Die Tribüne: Mister Pim will niäit ftärgn.— Renaistance-Theater: Die Wundcr-Bar.— Walhall». Theater: Das Land des Lächelns.— Bofe-Theater: Die Braut von Messina.— Kasino. Theater: Der selige Hollschinskn.— Schloßpark-Theater Steglitz: Der Kongrch von Lugano.— Wintergarten, Plaza, Scale; Internationales Variete.— Reichshallen-Theater: Stcttincr Sänger.— Theater am Kottbusier Tor: Elitc. Sänger., Thcaler mit wechselndem Spielplan: Theater in der Stresemannstrohe: 21. Wie es euch gefällt. Ab 22. Mar» gucrite: 3.— Theater in der»lofterstrah«: Bis 23. Büchse der Pandori. 24. Jüdisches Dastspiel. Ab 25. Schloß Wctterstein. Aachmikkagsveranftalkungen: Dolksbühne, Theater am Bülowplaß: 21.. 28. Der fröhliche Weinberg.— Die Komitdie: 21., 28. Der Diener zweier Herren.— Theater de» Westen»: 21., 14l� Uhr: Die gledermaus: 17 Uhr: Das Land des Lächelns.— Komische Oper: 21., 28. Dir grau ohne Kuß.— Lustspielhav»: 21.. 14'.z und 17 Uhr: Meine Schwester und ich.— Zentral. Theater: 21.. 28. Hansel und airetel.— Metropol-Theatcr: 21., 14 tz Uhr: Das Land des Lächelns: 17 Uhr: Friederike.— Wolhalla-Theatcr: 21., 28.. 17 Uhr: Dos Land des Lächelns. 28., 15 Uhr: lliottäppchen und der Wölk.— Rose-Theater: 24. Honsel und(Sittel. 27. Dorn, u- röschen. 28., 1417 und 171i Uhr: Die Brau: von Messina.— Theater in der Klosterstraße: 21.. 24., 28. Rotkäppchen.— Schloßpart-Thrater Stegliß: 27.. 28." Karl Man-Winncloii.— Wintergarten: 21., 27., 28. Internationales Beriete.- Klosterstraßc: 21., 24., 27. Rotkäppchen.— Schloßparl-Theater Stegliß: 27., 28. Etcttincr Sänger.— Theater am Kott busser Tor: 21., 28. Elitc�änger. Erstaufführungen der Woche: Mittwoch. Theater in der Klosterstraße: Jüdisches Theafer.— Donnerstag. Städtische Over: Die Walfüre.— Freitag. Republik. Oper: Drr Barbier von Sevilla.— Theater ig der Kloster» st r a ß e: Schloß Wcttrrstcin. Bcrantwortl. für die Redaktion: Wolsgaag Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Borwärt, Verlag<8. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärt, Buch- druckrrei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin EW 68, Lindenslraße 8. Hierzu 1 Beilage. Sormadend�O 9. staats-oper Unter d. Linden A.-V. 20 20 Uhr Ende geg. 23 Uhr Staats-Oper tu Plih dir Rigublik. R.-S. 73 20 Uhr Erwartung. Dir arme Matrose. Sdiwatter Aogeliqua. Orflintl. Iirtumkaef Ende 22>l» Uhr Sonnabend, 20 9.| Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 191/4 Uhr Die Hodizeii des Figaro Enden 22'hVhr 1 Staat). Sdiauspli. (am Cndirnainarttj. A.-V. 18 20 Uhr Liebes Leid und Lusl Enden. 22'/3 Uhr M.Miller-Wir.Oiarltlig. 20 Uhr Herr Doktor, haben Sie zn essen? _ Ende 22'!, Uhr fcSSS Tägl. 5 u.S'/t Uhr. b 5 Bart). 8250 Pr. 1— b M.— Nachm. halbe Preise. ttur wettige Vage? Zum ersten Vlale auf dem JionHnettll Pern-Spredi- Sehen, veierfsion und das auserlesene Tarielö- ZProgr. Winter ★ Cjairen* 8.15 Uhr— Baumen eriaubi Hans KollMher» Argcnttno Lltllc Esther tsnxt o. singt n.«. Sonnabend u. Sonntag je 2 Varstallungon 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Pr. CASINfl-THEATER»v.ub, Lothringer Strafe 37. Nur noch bis 30. September Der selige Hollschinsky iiiaiiiiiiimmiiiitmiiTii m■iiiiiwiiiiinmiiii iiiiii m iiiai iimiIiii Am I. Oktober zum 1. Male Hurrah, ein junge! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonntags- Preise Parkett 75, Rang 60 Pfg. PLAZA Tägl. S u. 9" Sonnt. 2. So. 8 15 Aiex. E 4, 8066 Weintraube Syncopaiors i Frakson, Krerao u. Karliao osw. Reichshallen-Theater Abends|_8j Sonntag nadim.| i'v| stetliner Sänger Das gr. September-Progr. mit „LaB Blumen spremeo" Hato. halb« Preise! Zentr. 11263. �Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Varietd iffiw» I Heute letztes Kinderfest der Saison. Alle Kinder haben fr«Ion Eintritt Frei-Attraktions-Stunde.• Feuerwerk. Rassahund-Aussteliung 1 am 11. und 12. Oktober im Lunapark. I Qeschättssf.: Q. Ulitzka, RCatgental Bon.■ ritt■ erk.[ VolKsbUluie Hinter an Bölowplah. üb Sonntag, 21. Siptb. täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. StaaiSdiiller-Tli. 8 Uhr Herr Doktor, haben Sie 2u essen? Deotsdies meater 8V« Uhr 1914 ion Georg Wilbolra Müllei Regie; Custav üründgens. Kammersplele 8V« Uhr Die Schule derFrauen von Moliire. Regie: BaosBeppe. Die Komödie 7Vt Uhr Der Schwierige Uishi. T.üusa i.tiof«mniihal Regit: Mai Reinhardt. BainpbiMir; Oikir Streit Banowsky- Bühnen icenier In der Stinscinauttr. Täglich 8V« Uhr :3 Lwhpiii to» Sdiiifirt Komödianhau» 8 V« Täglich SV: Konto X von Bernauer und flffforTfldKif Denlsebes IHnsUer-Theil. Tel Barbarossa 3937 8V* Uhr Jim und Jill Operette». fivian Eilis Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück Lustspleinaus Bit.: Hans LüpsdiQt: Täglich 8V« Uh: nieine Schuiester und ich Musik von Benatzky Lory Leux. Kurt von Möllenhof. Sonntag-/-Z und 5 Uhr Meine Sdivester und idi Lessing-Theater Wildmluin 2197 b.0846 Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne Des Kaisers Kulis von Th. Plivier. Regie; Ervin Pisatcr. Neues Theater —- am Zoo ImBabnlLZoo. StpLtSSI Täglich 8V. Uhr iommel in der Posse Paol nnd Paulinc Rundfunkhöre i dilti» Preise, Thealer am Sdiililiauerdamm Tägl. 8V« Uhr Feuer aus denHelfeln von Ernst Toller. Tel.: D.I. Nord. 0281 n. 5913 Rose- Theater Gr.FrankluilcrStr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Brant?. Messina mit Irene Triesdi als Uabclla. Komische Oper 8Vs Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Itietropol-Theater Täglich 8V« Uhr Sensationeller Operettencrfoltf! ITnterpers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Sonntag �3 Uhr Das Land des Lächelns 5 Uhr Friederike. Theater am Rottb. Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.• Uhr auch Sonnt. raehm. 3 IIb: Eine Sander Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Oie lieben Vervandten. Zum SchluS; Pinselheinrichs Himmelsklause! Plotfraizen mit obenstehender Schutzmarke sind, hygienisch einwandfrei, in allen besseren Betten- und Möbelgeschäften zu haben. 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September 1930 Vivhbnld StiähwXQaße Am Der Rundfunk Im Winter Das Programm des Berliner Intendanten Der Intendant des Berliner Rundfunks, Dr. Flefch, läßt der » Presse einen Entwurf des Okloberprogramnies zugehen, der in seinen Grundlinien den Arbeitsplan des kommenden Winters skizziert. Wo sind darin neuartige Momente oder Anregungen, die auf die Be- lebung eines Schemas hinweisen? Das Hörspiel Das traurigste Kapitel im Repertoire jedes Senders bleibt das Hörspiel, übrigens bisher«ine Idealvorstellung, die nirgends über tastende Versuch« herausgekommen ist. Im besten Fall stößt man auf. Experiment«, die mehr oder minder in die Zukunft weisen, aber noch lang« nicht als Erfüllungen angesprochen werden können. Billiger und ungesährlichcr ist es immer, Bearbeitungen von Theaterstücken für den Rundfunk zu bestellen, wenn der Sender mit einem guten Regisseur und Dramaturgen auswarten kann. Der Stoff verbirgt schon den Erfolg, der Name des Autors wird zu«ineun Fetisch. Auch die beste Be- arbeitung etwa eines„College. Crampton" von Gcrhart Hauptmann kann kein Ideal sein, da daz� Stück für das Theater geschrieben worden ist und jede Umdichtung für den Rundfunk eine Ver- gcwoltigung an dem Werk darstellt. Jedenfalls beweist Berlin Mut, daß es Alfred Döblins Roman„Alexc.nderplatz" als Hörspiel«in- richten will. Scheinbar ist Flesch nicht durch die Katastrophe, die Breslau niit dem Roman„Manhattan Transfer" des Amerikaners John das Passos erlebte, gewarnt. An zweiter Stelle im Pro- gramm steht die Bearbeitung der Dickensschen„Pickwickier", dieses wundervollen, weltweifen Romans, der Melancholie mit ver- sühnendem Humor verknüpft. Herr Wolsenstein wird für die Be- arveitung verantwortlich zeichnen. Man macht dem Film sehr oft den Vorwurf, er gehe jeden Zeitfragetr in weitem Bogen aus dem Wege. Dieser Vorwurf besteht mit Recht, aber liegen im Hörspiel die Dinge anders? Und hier ist das renitente Verhalten der Sender noch weniger verständlich, als das der Filmproduzenren, da ein Film größer« Kapitalien be- ansprucht als«in Hörspiel und da sich besonders die Einnahmen des Berliner Senders auf recht stattliche Zahlen belaufen. Shakespeares„Timon von Athen" in der Bearbeitung des Wieners Karl Kraus ist außerdem angekündigt. Gut, dieses Drama ist in weiten Volkskreiscn-unbekannt, aber die Volksbühne setzt es für die jetzige Spielzeit ebenfalls auf das Repertoire. Ist diese Dublette unbedingt notwendig? Außerdem sei noch erwähnt, daß „Timon" im Rahmen eines Ünterhaltungsabcnds aus Breslau auf Berlin übertragen wurde. Hier vermißt man den orga- nisoto.rijchcn Wille. n. Es ist also für Oktober kein Hörspie! vorgesehen, das allein aus den künstlerischen und technischen Bedingungen des Rundfunks ent- standen ist, und doch wäxe gerade Initiative auf diesem Gebiet am notwendigsten, da hier große, künstlerische Möglichkeiten liegen. Will der Rundsunk keine Hörspiele, oder findet er keine Autoren? Film und Tonfilm entschuldigen sich ebenfalls sehr fragwürdig damit, daß sich nur wenige Schriftsteller von Ruf bereit erklären, Manuskripte zu schreiben, aber niemand will an dies« Entschuldigung glauben. Es ist in formaler Beziehung beim Hörspiel ausreichend cxperimcn- tiert worden, doch es sehlen bis zum heutigen Tag die Inhalte. Warum stehen so selten soziale Themen zur Dis- k u s s i o n? Hat man Angst, an den Schlaf der Welt zu rühren? Der Berliner Sender versagt auf diesem Gebiet, und auch bei der Opernleitung gestalten sich die Angelegenheiten rücnig erfreulich. Die Seträeopei* Einmal wurde sehr viel verheißen. Die Sender wollten Aus- träge sür Rundfunkopern erteilen und die Produklion in jeder Weise stützen und heben. Es blieb bei dem schönen Vorsatz, und man besann sich auf die Reize von„Aida" oder„Lohengrin". Wenn nun die Berliner Funkstundc vor Jahren einen Wagncr-Zyklus ver- anstaltetc, so konnte sie nur Werke spielen, die zum eisernen Rc- pertoire jeder anständigen Opcxnbühne gehören, anders jedoch ver- hält es sich mit Verdi. Es wirkte bereits einigermaßen befremdend, als die Berliner Funkstunde«inen Querschnitt durch den in den weitesten Kreisen geschätzten„Troubadour" legte und ihn gewissermaßen musikwissen- schaftlich sezierte. Run, scheinbar hatte sie ihren Spaß daran. Aber mit dem einmaligen Vergnügen wäre es genug gewesen. Ganz unverständlich ist es darum, wenn jetzt im Verdi-Zyklus der„R i g o. l e t t o" angekündigt wird. Abgesehen davork, daß er sehr oft aus den Berliner Opernhäusern übertragen wurdc, gehört er derselben Stilepoch« an wie der„Troubadour" und ist im gleichen Maße be- kannt. Verdi hat aber eine Reihe von Opern geschrieben, die heute trotz der Verdi-Renaissance auf keinem deutschen Repertoire stehen. Es ist hier oft daraus hingewiesen worden, daß der Rundfunk eine Ergänzung der Opernbühne sein sollte, daß er Werke, die durch irgendeinen Zufall in der Versenkung verschwunden sind, ausführen müßte. ,sDie sizilianische Vesper" wies �i„ dies« Richtung, und der O s f e n b'a ch- Zy kl u s— für Oktober ist„Die Seuszerbrllcke" angekündigt,— folgt den vorgeschlagenen Bahnen. Warum wird dieses Prinzip nur in der Operette und nicht in der Oper ange- wendet? Berlin kennt noch nicht den„Macbeth",„Die Räuber", „Stifelio" oder den„Rebukadnezar". . Konzerte und Kabarett Gut ist dagegen die Anordnung der Konzerte. Die Funkstunde beabsichtigt, die neun Sinsonien Bruckners und die geistlichen Iugendwerke Mozarts zyklisch während des Winters auszuführen. Als Solisten sind unter anderen Hindemith und Prokos ieff für Orchesterkonzerte gewonnen. Weist Bruckner auf den Willen hin, dem Hörer das geschlossene Bild einer künstlerischen Persönlich. feit zu übermitteln, liegt hierin also ein Zeichen für systematisch« Arbeit, so findet man dasselbe Bemühen in der Veranstaltung „M u s i k a l i s ch e s M a g a z i n", dis bei Erweiterung und be- wüßtem Ausbau eine llebersicht über dos musikalisch«' Schaffen der Gegenwart bieten kann. Leiher sehiau ia bau Entwurf Eiwylheitftt über die Ausgestaltung des Kabaretteils, und gerade hier müßte eine diskutierbare Form gefunden werden. Die Nachahmung des wirk- lichcn Kabaretts mit dem Conferencier und anderen schönen Dingen ist wenig empfehlenswert und fördert vor allem fast ausnahmslos Banalitäten zutage. Besser macht sich die Funkrevu«, jeden- falls standen manche Versuche aus gutem Niveau, und hier scheint die dem Rundfunk gemäße Form zu liegen. Selbstverständlich sollen auch harmlose Sächelchen selbst aus Eroßoaterszeit im Kabarett der Funkstunde Aufnahme finden, unter allen Umständen bedeutet jedoch das Zeitkabarett eine dringende Notwendigkeit. Die Satire wird nicht genügend gc- pflegt oder richtet sich nur gegen Aeußerlichkeiten und gegen Ein- richtungen, die kaum wert sind, satirisch behandelt zu werden. Die Dummheiten der Gegenwart erscheinen in zu sanftem Licht, man zaust höchstens neckisch, hütet sich aber zuzustoßen. Das Kabarett, das heute noch immer mit denselben Formen wie früher aufwartet, könnte zu einem Spiegel werden, der die Mißstände der augenblicklichen Gesellschaftsordnung reflektiert. KeueinLulirungen Im Vortragsteil soll in vier Vorträgen das Arbeits- losenproblem behandelt werden, Es ist ein seltsames Ding, wenn der Rundfunk an aktuelle Fragen wirtschaftlicher oder sozialer Art herantritt. Vor einigen Tagen fand eine Diskussion über „Rationalisierung und Arbeitslosigkeit" statt, und sie zeigte, daß man den Arbeitgeber und nicht den Arbeitnehmer in den Vordergrund rückte. Es hat keinen Zweck, diese brennenden aktuellen Fragen von hoher Worte aus zu diskutieren, sie als Objekte Wissenschaft- licher Forschung zu betrachten und ihnen damit die Schärfe zu nehmen. Man darf kaum hoffen, daß das Arbeitslosenproblcm eine andere Behandlung erfahren wird. Hierhin gehören auch die beiden Vorträge, die in der I u g« n d- stunde über den Staat und über„das soziale Bild unserer Zeit" gehalten werden. Ist die Funkstundc geneigt, den jungen Hörern ein wirkliches Bild von den sozialen Miß- ständen der Wirklichkeit zu entwerfen? Schließlich hätte dies allein wirklichen Wert. Es wäre ein Verdienst des Rundfunks, wenn er dem jugendlichen bürgerlichen Hörer aus feinem Traum von Sport- enthufiasmus und Heldenvsrehrung reihen und ihm die ungeschminkte Wirklichkeit zeigen würde. Es kommt ja nicht darauf an, daß man allerlei Neuartiges ein-' führt, sondern entscheidend bleibt, von welchem Geist die Veranstaltungen getragen werden. Reportagen oder Vortröge sollen nicht nur die Oberfläche abtasten, sondern auch die wahre Struktur aufdecken. Wann geschieht dies? Wir leben in einer viel zu erregten und wirtschaftlich unglücklichen Zeit, um Muße für rein literarische Arbeiten zu finden. Auch diese können einmal erwähnt werden, aber Einrichtungen wie„Literarische Umschau" oder „Das neue Buch", um Beispiele zu nennen, sollten vor allen Dingen sich mit solchen Erscheinungen besassen, die lebendiger Ausdruck unserer Zeit, unserer Wünsche und unserer Nöte sind. Der Rundsunk darf nicht im politischen Tageskampf Stellung nehmen. Er darf aber offen über kulturelle, wirtschaftliche und soziale Dinge sprechen. Leider tut er das nur in den seltensten Fällen. Die Vorschau auf das Winterprvgramm bringt manches Erfreuliche. Solange jedoch der Rundfunk hauptsächlich in Wolken- kuckucksheimen residiert, solang« er nicht die wahren Triebfedern der Gegenwart bloßlegt, wächst er nicht über eine nette Unterhaltung hinaus. F. Seh. Vor vierzig Jahren Karl Wlldberger und die„Jungen fcfc Aus der Februarwahl des Jahres l89<1— also vor vierzig Jahren— war die deutsche Sozialdemokratie als die größte Partei Deutschlands hervorgegangen. Wir.lJungen" halten uns' in den Gedanken der bevorstehenden sozialen Revoluiion so eingelebt, daß wir grundsätzlich mit der Idee der staatlichen Soziälrcfornr gebrochen hatten. Die Sozialdemokratie die wehrhafteste Partei des intcr- nationalen S�ialismus und der eiserne Kanzler niedergeworfen: nun, da mußt« der revolunonäre Sozialismus sicher bald trium- phicren. Da- war die Stimmung, von der die„Jungen" in Berlin, Magdeburg, und Dresden ergriffen waren. Unter den„Jungen" ragt« nun«in Genosse mit weitem geistigen Horizont und fester, zupackender Energie hervor: Karl Wildberger. Ich halte seinen Namen zuerst gelesen, als der eiufrlltlclnde Ruf Dr. Bruno Wille, des Gründers einer Volksbühne, einer von den großen so- zialkritischen Gedanken der Zeit erfüllten Bühne, in das Land ging. Wildberger ist einer der erfolgreichsten Propagandisten des Volks- bllhncngedankcns gewesen: er war der erst« Kassierer der Berliner Volksbühne, der mit Rat und Tat diesem großzügigen Institut über all« Schwierigkeiten hinweghalf. Mir seinem tiefen Verständnis für die neue, erst ihre Existenzberechtigung ankündigende natura- liftische Dichtung verband er ein feines Taktgefühl, im persönlichen Umgang mir der jungen Schriftstellerwelt, und er infizierte manchen der jungen„Literaturrevolutionäre" mit einer.tüchtigen Dosis des gärenden Sozialismus. Ich nenne hier nur Otto Erich Hart- leben, de» er zeitweilig ganz zum revplulionärcn Sozialismus der„Jungen" bekehrt hotte. Ich glaube, auch den Stoff zum Hart- lcbcnschcn Drama:„Hanna Iagert" hat Karl Wildberges geliefert. Otro Erich— als Sprecher einer„Corpora" der„Jungen", das war ganz das Werk Wildbergers. Mitten in dem unterirdischen politischen Streit des sozialdemo- kratijchen Berlins stand Wildberger, dem die Genossen die Kandidatur des dritten Berliner Wahlkreises übertrage» hatten. Das glänzende Wahlresultat des dritten Berliner Wahlkreises am 2t). Fe- bruar 189» ist ohne die umsichtig« und die Genossen fortreißende Tätigkeit Wildbergers nicht denkbar. Gewiß, in diesem wetterleuch- ten schon die stark antiparlamentarischen Gedanken, die er nachher in dem heißen Kampf mit Bebel in dem Saal« der Brauerei Friedrichshain oerfocht, aber immerhin störten sie die prächtige, in der Partei herrschende Einigkeit nicht. Ja, dos waren noch glück- liche Jahr« eines einmütigen Zusammenarbeitens des sozialistischen Proletariats, die Jahre 1890 und 1891! Der Kommunismus niosko- witischer Prägung, der heute kläffend durch die deutsche Arbeiterschaft läuft, regte sich noch nicht. Di« deutsche Sozialdemo- kraiie, das war damals noch der deutsche Sozialismus. Der Feuergeist des Kommunistischen Manifests hatte in den „Jungen" wohl stark gezündet, und die Bemerkung Franz Meh- rxngs, daß die„Jungen" vielfach> dieses Manifest in zu einseitig- formalistischer Weis« auffaßten, ist nicht unrichtig, aber zu Sowjet- kommunisten waren die„Jungen" dadurch nicht geworden. Ein gewisser individualistischer, durch Henrik Ibsen genährter Zug ging durch die Bewegung der„Jungen", und dieser Zug hätte sie sicher zu Rebellen gegen das Staatskasernentum Moskaus gemacht. Im wesentlichen standen die„Jungen" gegen die sozialreformistischen Ideen der sozialdemokratischen Rcichstagssraktion auf— gegen dies« Ideen, über die ja die sich schon anmeldende„soziale Revolution" schnell hinll>eggehen würde. Die„Jungen" waren Feuer und Flamm« für eine revolutionäre Massenbewegung, die sich der Lei- tung der Fraktion, dieser„offiziellen" Vertreterin der Partei nach innen und außen, entzog. Daher rannten sie auch gegen die Autori- tat der Fraktion an. Und dies« antifraktionelle, sich gegen die landläufige„Sozialresorm" auflehnende Stimmung brachte Wild- bcrgcr dann 1891 in einem revolutionären Manifest der„Jungen" klar zum Zlusdruck, das zum Bruch des: Partei mit der Berliner „Opposition" auf dem Erfurter Parteitag sühne. Viele Jahre gingen ins Land, und Wildberger prüfte wm streng I und gewissenhaft die Ansichten seines Manifest- nach. Er schloß sich wieder der Partei an und kämpfte in ihren Reihen. Voll Hoff- >nüng begrüßte er die Novemberrevolution des Jahres 1918.' Und heute,: am'2 1. September 1930, an dem er im Familien- und -Freundeskreise' seinen 7 3: Geburtstag in körperlicher Rüstig- kcit und geistiger Frische feiert, brennt in unveränderter Stärke die heiße Lieb« für die soziale Demokratie in seinem Herzen fort, die er schon im Frühling seines Lebens empfing. Er ist ein Führer der Bewegung der Jungen gewesen, die keine„Literatur- und Studcntenrcvolt e", sondern eine Bewegung dkr„i n- lernen", der geheimorganisierten Genossen war. Faul Xampikmez-er. Schutz ver Stechplage Es ist trotz aller Bemühungen bis heute nicht gelungen, die Natur des Bienengiftes zu erforschen. Jede Biene trägt nur eine winzige Menge Gift bei sich, nämlich 0,3 bis 0.4 Milligramm. Mg» nimmt an, daß im Gift freie Ameisensäure enthalten ist, außerdem eine Giftbase und andere Stofse. Interessant ist die Tat- sache, daß das Bienengift auf der unverletzten Haut kein« Wirkung ausübt, daß es aber stark reizend wirkt in Wunden und auf Schleim- häuten. Bei Tierversuchen wurde einem etwa 4 Kilogramm schweren Hunde Bienengift in 1/4prozentiger Lösung, und zwar in einer Menge von.k Kubikzentimeter, eingespritzt. Das Tier bekam sofort Vergiftungserschcinungen und starb an Atemlähmung. Die Wirkung der Bienen- und Wespenstiche auf den Menschen ist ganz verschieden. In manchen Fällen führte schon ein einziger Bienenstich zum Tode, während andererseits Hunderte von Bienen- stichen gut überstanden werden. Allgemein bekannt ist die Tatsache, daß Bienenzüchter selten von Rheumatismus befallen werden; deshalb ist man darauf gekommen, Bienengift- Präparate gegen Reißen fRheuma) anzuwenden. Wenn jemand das Unglück hat, von einer Biene oder einer Wespe gestochen zu werden, so wird allgemein Salmiakgeist als Linderungsmittel empfohlen. Vielfach greift man auch zu Um- schlügen mit feuchtem Ton oder verwendet Chlorkalk- l ö s u n g. Neuerdings behaupten Aerzte, daß Soda besser wirke als Salmiakgeist. Es gibt kleine dichtschließende Hartgummibüchschen dafür mit einem Schwämmchen darin: wer wandert, sollte das mit- führen, auch gegen Mückenstiche. Sonst nehme man Sodapulver mit. m Kaum ist die Regenperiode vorüber, so beschert uns der Spät- sommer die Plage der Mücken. Der andauernd« Regen hat das massenhafte Auftreten der Mücken sehr gefördert. Jede kleine Pfütze in den Gärten und Parks verwandelte sich zu einer Brutstätte, die Millionen der Plagegeister erzeugt. Wenn auch der deutschen Mücke seine besonder« Gefährlichkeit nachgesagt wird wie ihren Art- verwandten in den wärmeren Ländern, den Moskitos, die das gelbe Fieber und andere Krankheiten übertragen, jo ist ihr Auftreten doch durchaus lästig... Die Stiche der kleinen freßgicrigen Bestien sind schmerzhaft und können auch zu schweren Infektionen führen, wenn man sich auf solchem Mückenstich kratzt. Von den zahlreichen Mückenbekämpsungsmitteln will sick) keines recht bewähren, ebenfalls scheinen die Mittel zur Abwehr nicht recht zu wirken. Gewisie Sorten bevorzugen sogar Mückensalbe und Amoniak; in diesem Jahr sind sie so verhungert, daß sie sich auf den brennenden Zigarrenstummel setzen, mit dem man sie abwehren will. Eine kluge Hausfrau hilft sich gegen das Eindringen der Mücken in die Wohnräum« und besonders ins Schlafzimmer, indem sie nie Licht macht, wenn die Fenster offen stehen. Sind die Plagegeister dennoch eingedrungen, so lese man sie am Morgen, wenn sie gesättigt und oerschlasen sind, von der Decke oder den Gardinen ab, wobei ei Statchjavger die besten Dienste lotstet. Copyrisht 1930 by rjckelreltfr-Verlae 0. ro. b. H., Hamburt-Berredorl (29. Fortsetzung.) Ich pralle auf ihn— Adamczik auf mich— „Was ist denn los?" brummt Kilb... Bumann dreht sich zu uns hin:„Schnauze halten!"... Wir horchen:„Du, Fritz, hast du nicht deine Taschenlampe mit?"—„Ja!"— Adamczik ist schon vor mir. Plötzlich ist aller Schinerz aus meinem Knie verschwunden. Das sind wirklich Schritte, gleitend... es plätschert etwas, als wenn jemand in eine Pfütze tritt.— Dann leuchtet Adamcziks Lampe auf. In ihrem Lichtkegel erscheint spukhaft, bleich, verzerrt: das Gesicht des Einjährigen Sieocrs. Es verz>eht sich zu einem verständnisvollen Grinsen. Dann huscht es wieder fort... Aber Bumann und Kilb haben den Flüchtenden schon gefaßt. Wir schließen ihn in unseren Kreis ein... Kilb spricht:„Wenn du etwas erzählst, schlagen wir dir die Zähne aus." Und Bumann gepreßt:„Uns ist alles egal, merk' dir das. Wir kommen ja doch bald raus..." Sievers gurgelt etwas durch den Hals,— es ist wie ein verlegenes Lachen dazwischeli:„Laßt mich doch in Ruh'! Ich weiß von nichts... Hab' niemand gesehen." Er schiebt den Kleinen zur Seite und will aus unserem umklammernden Kreise heraus. Da hat Kilb ihn schon an der Brust gepackt.„Hierbleiben!", donnert er,„Kameraden! Denkt an Sadowa und an den„vaterlandslosen Gesellen...", der hier ist nicht echt! Er ist unser Feind! Morgen ist alles verpfiffen, denkt daran!" Die schwere Faust droht unter des Einjährigen Rase.„Kolonne zu einem!" befiehlt Kilb,„los, Leutnant, los! Mitkommen! Wenn schon, denn schon! Das könnte dir wohl so passen, du Verräter!" Bumann gelst wieder an die Spitze,— dann muß Sievers folgen. Neben ihm wie«in Begleitsoldat Kilb, der ihn am Handgelenk fest- hält,— dann ich und als letzter Adamczik. „Verfluchter Spion!", murmelt Kilb,„was treibst du dich hier mitten in der Nacht herum...?" Sicvers Stimme ist weinerlich: „Ich— ich war doch man bloß auf der Latrine!"—„Das kannst du deiner Urgroßmutter erzählen,— wenn wir dich nicht kennen würden..." Kilb zieht ihn unwiderstehlich mit:„Langschäjtig geht man nach der Latrine, hä? Haha... mit Stiefel und Sporen über' der Stange hängen, haha... überhaupt, du Halunke,— seit wann ist denn die Latrine hier in dieser Gegend? Die ist doch gerade am anderen Ende! Willst uns woht noch weismachen, daß du noch anschließend einen kleinen Spaziergang machen wolltest, du Schwindler? Für so dumm hältst du uns wirklich,—— Los, Leutngnt,'n bißchen schneller, verstanden...?" „Mitgefangen, mitgehanden!", spöttelt der Berliner,„fein, Karle! Fein gemacht! Immer jib ihm——", seine Lampe blinkt kurz auf.--- In dem Augenblick reißt Sccvers sich los und stürzl zurück, mich dabei umreißend, daß wieder ein stechender Schmerz mein Knie durchzuckt. Der Berliner und Bumann fangen ihn auf, und dann sind sie mit Kilb über ihn her: dumpf schlagen die Fäuste auf Sieocrs Körper. Ich muß nnch hinsetzen. Dunkel wälzt sich der Knäuel vor mir. Sieoers wimmert nur noch unter dem Sack, den sie ihm über den Kops gezogen haben:„Laßt... laßt mich— los... ich gehe ... doch— mit... au— ou..." „Aufstehn!" kommandiert Kilb. Sie ziehen ihn hoch, nur ich bleibe sitzen. „Ich kann nicht mehr, es geht nicht weiter", muß ich stöhnen. Sieoers ist direkt gegen mein Knie gesprungen.„Geht weiter,— ich warte hier, bis ihr zurückkommt..." „Ausgeschlossen, Hamburger! Bewegung ist besser als Ruhe, und— vergiß nicht: um zehn Uhr kommt der Posten' hier durch. Der darf dich doch nicht finden.— also komm!" Kilb hebt mich hoch: „Also, hopp! Bersuch's mal!" Ich gehe einige Schritt«. Es muß, es muß gehe»! Kilb stützt mich, aber ich könnte vor Schmerzen aufschreien.... „Sieoers, hierher! Brücke fassen!" kommandiert Kilb weiter. Cr umfaßt Sieoers Handgelenk, ich muh mich auf die ineinander geschlungenen Hände der beiden setzen. Rechts umfasse ich Kilbs Hals, linkp den von Sievers: der zuckt bei der Berührung zusammen und stiert mich aus geschwollenen Augen an. Es geht ganz gut so: ich werde«in langes Stück getragen. Allmählich verzieht sich der Schmerz, dann lasse ich mich absetze» und hunipele allein weiter, immer nur mit dem einen Gedanken: dort vorn sind Kartoffeln... ist ein Paradies für uns... weiter... weiter... Sieoers stöhnt. Aber er geht jetzt ohne Widerstand mit, weil er wohl einsieht, daß alles andere an Kilbs eisernem Willen zer- bricht... Es regnet wieder. Ringsum und in uns ist liefe Finsternis... „Jetzt vorsichtig!" flüstert Bumann,„wenn der Draht geladen ist, sind wir erledigt. Wartet, bis ich durch bin.. Und nun gräbt und schaufelt er mit den Händen wie ein Hund mit den Vorderpfoten. Wir knien hinter ihm, gespannt horchend, ob Posten in der Nähe. sind. Di« Stelle, die Bumann ausgräbt, ist die, die er schon mal als Durchgang benutzt hat. Die Erde ist hier locker und das Loch wird schnell tiefer. Der Dreck fliegt uns um die Ohren. In einigen Minuten ist Bumann schon durch. Dann legen wir uns auf den Bauch. Zuerst Sicvers. dann Kilb.— Adamczik und ich zum Schluß: so kriechen wir wie Raupen, Ellenbogen vor Ellenbogen, unter dem Stacheldraht hindurch. Einmal blicke ich scheu nach oben: wenn das geladen ist... eine kleine Berührung, ... dann brauchen wir nichts mehr gegen den Hunger... Bor mir kriechen sie schon weiter. Ich höre Adamcziks Atem stoßweise: er ist wie schwere Seufzer. Vielleicht denkt er in diesem Augenblick an seine Paula und an sein Kind... Niemand spricht Auf unsere Rücken prasselt der Regen: wir sind achtzehnjährige Rekruten, die um einige Pfund Kartoffeln und um ihr Leben kriechen,— in die Urzeit zurückgeschlcudertc Wesen, die nicht ausrecht gehen dürfen.--- Auf Nahrung ausziehende Tiere... Wir verschnaufen noch ein wenig in einem kleinen Kraben, der uns von dem Kartoffelfeld darüber trennt. Wir sehen über uns schon die ersten Stauden,— wir riechen sie förmlich... herbe und lockend... Sieocrs steht mit gesenktem Kopf gegen die Grabenwand ge- lehnt.„Laßt mich hier", bittet er,„ich schwöre euch, daß jch euch nie oerrate..." Er weint laut auf, so daß wir erschrocken zu- sammenfahren. Sosort ist Kilb bei ihm und schließt ihm mit der Hand den Mund.„Feigling", knurrt er,„weiter, Muttersöhnchen! Js gute Vorübung für draußen!" Da reißt sich Sicvers zusammen:„Hab' nur an meine Mutter gedacht: aber ein Feigling bin ich nicht!", er wischt sich mit der schmierigen Hand durchs Gesicht. „Aber verraten wolltest du uns, Bursche", sagt Bumann ge- preßt,„jetzt kannst du es nicht mehr. Bist mit bei der Partie. Allans! Los!" Bumann ist als erster oben und verschwindet zwischen den hohen Stauden. Kilb und Adamczik ziehen mich als letzten nach. Wir knien zwischen dem Kraut und bleiben vorne am Rande des Feldes, solange wir dort noch Kartoffeln finden. Aber unter den meisten Stauden finden wir nichts mehr. Die Kameraden vor- l�er haben das Kraut geschickt als Atrappen wieder eingesteckt, nach- dem sie die Kartoffeln darunter ausgebuddelt hatten... Wir müssen also tiefer ins Feld hinein. Wir bleiben dicht zu- sammcn: es ist, als hörten wir unseren gegenseitigen Herzschlag. Ab und zu lauschen wir gespannt,-- dann wühlen wir wieder. Die Säcke füllen sich,— Sieoers muß mir helfen. „Genug", sage ich und stopfe mir in jede Tasche noch eine dicke Kartoffel. Meine Leuchtuhr zeigt drei Minuten nach zehn: ich erschrecke: gleich muß die Ablösung kommen. Adamczik kniet neben mir:„Wir warten noch fünf Minuten,— dann zurück..."—— Sievcrs klappert andauernd mit den Zähnen.„Memme!" zischt Kilb und setzt sich ruhig auf seinen Kartoffelsack. Bumann»erteilt Band zum Zuschnüren der Säcke. Wir hocken und lauschen... ein Windstoß treibt durch das Kraut... Ich sehe wieder auf die Uhr: es fehlen noch drei Minuten. Jch sehn« mich nach Schlaf.„Aber heute nacht noch röste ich mir Kar- toffeln", denke ich im halbwachen Zustande,„Bumann... muß... mir..>. Holz geben.. Gerade will ich mich zu Bumann hinlehnen und ihn fragen, da —— kraucht es vom Graben aus an uns heran. Zuerst merkt es Adamczik Er stößt mich-hestig au:„Hörst du nicht auch? Am Graben... Tatsächlich kriechen Gestalten dunkel heran...„Soll ich blinken?" Adamczik flüstert erregt init Kilb.„Nein!" befiehlt Kilb ruhig.„Ihr'bleibt hier all« still liegen. Jch krieche vor,— will mal sehen..." Er schiebt sich an mir vorbei,— schwer schleift sein Kartofselbeutel nach... Wir anderen vier können vor Spannung kaum atmen. Kilbs Gestalt verwischt sich in der Dunkelheit,— jetzt sehen wir sie nicht mehr... Fest pressen wir die Säcke unter die Arme. Unaufhörlich klappern Sievers Zähne. Einmal will er schon aufspringen. Mit Mühe halten wir ihn zurück.„Wenn du schreist, kriegst du das Messer zwischen die Rippen", zischt Bumann ihn an und zeigt ihm das Meffcr, mit dem er eben das Band abschnAk, „entweder— oder!" Jch spähe nach Kilb aus. Endlich sehe ich über dem Krau! einen Arm wie einen dicken Pfahl winken... Und dann ist Kilb wieder bei uns und dicht hinter ihm drei andere. „Alexanderregiment", sagt Kilb nur. Sie kommen kriechend nälzer. Einer bleibt dicht neben mir hocken: sein Kopf ist in einem dicken Schal vergraben, ich kann das Gesicht nicht«rkeunen. Kilb ist plötzlich ganz erregt.„Hinlegen!" jagt er slllsternd. Acht Leiber pressen sich an die nasse Erde. Eine fremde Stimme flüstert hastig, abgerissen:„Sie suchen uns... find ganz in der Nähe... wie sind wir gerannt... gcad bei der Ablösung.., uns gesehen... am Graben verloren... da! scht!... hört!.., Aus der Finsternis, aus der Richtung des Grabens her hären wir eilige Tritte— jetzt näher,— wieder weiter fort— aber wir können nichts erkennen...„Aufspringen, Karl?" Jch presse seinen Arm... er antwortet nicht... angestrengt sucht er die Finsternis zu durchbohren... Wieder sind die Schritte näher... jetzt erreichen uns schon» Rufe... dazwischen fegt ein Windstoß... die Spannung wird unerträglich... aber Kilb rührt sich nicht... Da plötzlich schreit Sicvers auf!... Er hat die Nerven ver- loren, wir können ihn nicht mehr halten— es kam zu unvorbereitet er springt auf... gellend dringen seilte Schreie durch die Nacht.., die Schritte der Posten... schon sehen wir wehende Mäntel..« „Halt!"... Da springen auch wir sieben hoch und rennen wie gehetzt los. Ich falle— der Beutel entgleitet mir.., weiter, weiter!.., Halt!!"... „Auseinanderjchwärmen!" schreit Kilb vor mir. Ich bin der letzt«... ich humpele... ich will mich hinwerfen... Ein Dämon jagt uns! Niemand denkt daran, stehen zu bleiben. Dunkle Schotten... huschen wir im Zickzack weiter... Da knackt es hinter mir... das war ein Gewehrschloß-- lähmend steigt ob mir in die Herzgrub«.. Die Angst jagt mich weiter... schneller... unbarmherziger trotz der fürchterlichen Schmerzen... „Halt!!!" Wir rasen weiter... die schreckliche Bedeutung der Haltrufe steigt nicht ins Bewußtsein... nur ein Gedanke bleibt: weiter... weiter... vielleicht-- nein! Sie werden nicht— schießen.., oder— in— die— Luft?!... Da peitscht es hart und krachend durch die Nacht—— ich höre das Geschoß haarscharf an meinem linken Ohr varbeipseifen..« «in Aufschrei... unterdrückt... als wage er es nicht-- (Fortsetzung folgt.) eBuch Hans wolsgang Lehm:„Schöpfung des Menschen." Leipzig 1929. R. Voigtländers Verlag. 247 Seiten und 54 Abbildungen. Preis 8 Mark. Behm läuft Sturm gegen die Abstammungslehre. Ein umfang- reiches Material von Tatsachen, die mit der Entwicklungstheorie nicht in Einklang zu bringen sind, wird zusammengetragen. Das meiste stimmt auch, wenngleich manches recht ungenau wiedergegeben ist. Gewiß: die Abstammungslehre wackelt bedenklich. Von den Ge- danken Darwins und noch mehr von dem, was Haeckel aus ihnen gemacht hat, läßt sich vieles nicht mehr aufrechterhalten. Don einem wissenschaftlichen Beweise der Entwicklungstheorie kann heute nicht mehr die Rede sein.„Entwicklung oder nicht" ist jetzt«in« Frage der persönlichen Einstellung zum Leben und seinen Problemen, eine An- gelegenheit der Weltanschauung, des Glaubens! Wir müssen jedoch am Entwicklungsgedanken solange festhalten, bis wir etwas Besseres haben. Aber vorläufig wissen wir nichts Besseres Die „Wclteislehre" Hörbigens, für die Behin eintritt, ersüllt diese Forderung gewiß nicht. Sic ist noch viel schlechter begründet und deckt sich noch viel weniger mit den Tatsachen als die Abstommungs- lehre. Sehr störend sind in Bchms Buch die Ungenauigkeit des Aus- drucks und eine Anzahl direkter sprachlicher Fehler. K. L, Rätsel* Ecke des„Abend" iuüiipiuiin»iM«siiriiiiiiiiiiui»?iiniiii»uiiuniiiiuiHiniiiiiiniuiiimmi»iHumiiimiu]iiiiuinnimiuiuimuiHiiPiyniiiniuiuui»uiu»uuwiuuinnnnmüiifluumin«naniimiiii Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Klassiker: 7. Haustier: 8. Tonftusc: 10. Schmerzensruf: Il.Aus- ruf des Bedauerns: 12. Kurs: 14. Spielkarte: 15. franz Artikel: 16. arabischer Artikel; 17. gebräuchliche Firmen- abkürzung; 18 Doppel- vokal; 20. Fluß in Ruß- land:?1 Glanzllberzug: 23 Kleidungsstück.— Senkrecht: 1. Gewässer: 2 Anruf: 3. abgekürzt. Mädchenname: 4. dicht. Wort für Löwe; 5. Doppelkonsonant: ö. Wild: 9. allein: 11 europäische Hauptstadt: 13. Kurzwort für Sachsen; 14. Umlaut: 17. geographische Bezeich- nung: 18. Fisch; 19. altes ungarisches Wein maß: 2Öa. Zahlungsweise: 21 Doppelkonsonant; 22. im Kriege gebräuchlich gewesenes Kulß- wort fiir Krieg-vcrwcndungsfähig(kk— ck.)* Silbenrätsel Aus den Silben a ard bern dam de de de du e e«l fisch i irr kcr lc li mark mc mu mün nie no o pos rc ro rot sar schell sik stein tanz te ter tum ük wei sind 1-5 Wörter zu bilden, deren erste und vierte Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, ein Sprich- wort ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Dichtsorm: 2. Stadt in Holland: 3. Baum: J. Stadt in Bommern: 5. Organ: 6. Fisch: 7. Wendung beim Skisport: 8. Mädchenname: 9. Funkzubehör: 19. Shakejpcoresche Bühnenfigur: 11. Sozialist: 12. männlicher Vor- name: 13. Nebenfluß der Donau; 14. Rundfunkdarbietung: 15. Fehler. (Ue, sch— ein Buchstabe.) ak. Abzählrätsel Die Silben: tes schoß ein das denn was rät men wech rauh sel scheu sclnd was ist herz birgt mild es ist es was und al in nie kein ler sei drig wei Wim ner und ser der tie was löst gröh ten groß es sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen. Aneinondergefetzt ergeben sie dann«inen Spruch von Halm, ps, Magisches Zahlenquadrat Ordne die Zahlen 333333333333 3666699999999 derart in die Fel- der nebenstehender Figur, daß waagerecht und senkrecht die gleiche Summe(27) herauskommt. n. s. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Königszug.> Was ist es mit dem Leben doch füt'ne arge Not! Muß leiden und muß sterben zuletzt den bittern Tod. Kam ich doch aus die Erden ganz ohne Wunsch und Will'. jch weiß es nicht von wannen und kenn nicht Zweck und Ziel. Es tritt die bunten Auen nur einmal unser Fuß, für kurze Zeit nur lauschen wir Händedruck und Gruß. Und was uns auch von Freuden und Leiden zugewandt, das mehret und das mindert sich unter Menschenhand. Drum lastet uns in Freundschaft einander recht versteh» die kurze Strecke Weges, die wir zusammen gehn! Ludwig Anzen gruber. Silbenrätsel: 1. Wasserball: 2. Abend: 3. Ebene: 4. herkulanum: 5. Lotto: 6. Tabak: 7. Sodawasser: 8.' Osaka: 9. Zement: 19. Imme; 11. Ahnherren.— Wachst Sozialdemokraten! Der Beruf: 1. Hörster: 2. Lehrer: 3. Eintänzer: 4. Znten- dant: 5. Seiler: 6. Cellist: 7. Heizer: 8 Brauer: 9. Erdarbeiter: 19. Schiffer: 11. Ehausfeur: 12. Heilgehilse: 13. Artist: 14. Uhrmacher: 15. Eisengießer; 16. Redakteur.— Fleischbeschauer. Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Löbe: 4. Rad«: 7. Odeum: 8. Oste: 19. Nord: 12. Reer: 13. Eri«: 14. Esse: 17. Hose: 29. Deep: 21. Atem: 22. Gicht: 23. Amok: 24. Nora.— Senkrecht: 1. Lyon: 2. Bote: 3. Eder: 4. Rune: 5. Amor: 6. Erde; 9. Sense; 11. Ries«: 14. Edda; 15. Sega: 16. Epik; 17. Hahn; 18. Otto; 19. Emma. Besuchskarteurätsel:' Kaiserslautern Nr. 442 47. Jahrgang Sonnabend 20. September 1930 Das lindcar- Susiem Als die Gewerkschaften kurz nach der Inflation die Fahr- radfabrit von Lindcar in Berlin-Lichtcnrade übernahmen, wollten sie den Arbeitern, die in der Regel weite Wege zu ihren Arbeits- statten zurückzulegen haben, ein Oualitätsrad zu ange- meffenen Preisen zur Verfügung stellen. Nichts weiter! Daß sich aus diesem Versuch ein ganz bestimmtes System ent- wickeln würde, daran dachte damals wohl niemand. Heute spricht man von einem Lindcarsystem und die bürgerliche Handels- presse hat in ihren Erörterungen über die Krise� in der Fahrrad- CießcTci. industrit die fortschreitende günstige Entwicklung der Lindcarwerke eindeutig auf dieses System zurückgeführt. Das System ist heute dabei, auf immer weitere Gebiete überzugreifen. Worin besteht dieses Szstem? Es knüpst an den Mangel von Kaustrast in den breiten Massen der Bevölkerung und an Aus- wüchse in unserer Gütervcrteilung an. Di« breiten Massen können große Käufe, also Käufe von Möbeln, Fahrrädern, Oesen, Nähmaschinen usw. nicht sofort bezahlen. Sie sind auf das Abzahlungsgeschäft angewiesen. Das Abzahlungsgeschäst lag aber von jeher in unsoliden Händen. Die Mittellosigkeit der breiten Bevölkerung wurde ausgenutzt, um überhöhte Gewinne zu erzielen. Man gab schlechte Ware zu unerhärt teuren Preisen. ~ Die Kaustrast der breiten Bevölkerung wurde durch überhöhte Zwischengewinne weiter vermindert und so bestätigt sich die alt« Erfahrung, daß unter Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse gerade der Mittellose, wenn er kaust, zum größten Verschwender wird. Wollten die sich im Besitz der Gewerkschaften befindlichen Lindcarwerke ein Oualitätsrad zu angemessenem Preise liefern, so mußten sie den bisher üblichen Methoden im Abzahlungsgeschäft entgegentreten. Sie mußten die Handelsgewinne drücken, um so die Mittel zu erhalten, Qualitätsware zu soliden Preisen zu ver- kaufen. Das ist in den letzten Jahren gelungen. Das ist der K e r n des Lindcarsystems. Der Druck auf die Zwischcngewinne war nur möglich durch ein eigenes und einheitliches Verkaufs- fystem. Je billiger dieses arbeitet, desto geringer können die Gewinne gehalten werden: je mehr der Derkaufsapparat aus- gewitzt wird, desto rationeller arbeitet er. Daraus erklärt sich das Bestreben der Lindcarwerke, neue Artikel in ihr Ver- kaufsprogramm aufzunehmen. Der neueste Fortschritt ist der Verkauf einer Qualitätsnäh Maschine. Getreu ihrer Einstellung liefern die Lindcarwerke weit unter den üblichen Preisen ein« Oualitätsnähnraschin«. Die Nähmaschinen- industrie gehört zu denjenigen Industrien, die nach der Inflation eine geradezu beispiellos« Technisierung erfahren haben. Hier ist die Flieharbeit zu Hause. Gerade mit den neuen modernen Slrbeitsmethoden hat man nicht nur eine Ver- billigung der Gestehungskosten, sondern auch eine ganz beträchtliche Qualitätsoerbesserung erreicht. Wer kennt nicht jene Nähmaschine— sie steht so ziemlich in jedem Haus—, die den bekannten Fehler hat, dem die Hausjrau just immer auf die Spur kommt, wenn die Nähmaschine in Tätigkeit gesetzt werden soll. Die Tücken des Objektes sind bei der Lindcar- Nähmaschine so gut wie beseitigt. Gerade auf Grund der modernen Arbeitsverfahren hat man. die Arbeits gänge so ange- ordnet, daß jeder Arbeitsgang zwangsläufig ein« Gcnauigkeitskontrolle des vorhergehenden Ar- ' Bedienung einer Spezialmasdiine, die mit Sidierheit auf den ßriukteH eiges hundertstel MiUimeters arbeitet, beitsganges ist. Außerdem sind in großer Zahl Ko n t r o l l- st a t i o n e n eingerichtet, die eine Haupt- und Schluß- k o n t r o l l e vornehmen. Von dem Lärm der rollenden Wagen, von den Achtungsrufen der Fahrer, all dem Hasten und Jagen und Durcheinander der früheren Methoden weiß man in einer modernen Nähmaschinen- fabrik nichts mehr. Ueberall ist der Arbeitsplatz so angeordnet, daß jeder Arbeiter genügend Licht hat. Ueberall kreisen die Transport- bänder, fahren die Hängewagen an der Decke oder vermitteln Höhenförderer den Verkehr von Stockwerk zu Stockwerk. Die Gießerei der modernen Nähmaschinenfabrit den sandschaufelndcn Former. Dieser steht heut« an seinem Arbeitsplatz, durch einfache Handbewegungen läßt er den zum Formen notwendigen Sand dirett in seinen Formkasten rinnen. Eine zweite Handbcwcgung löst die hydraulische Hand- presse aus. Die Form wird dann auf die an den Arbeitenden vorbeirennenden Transportwogen gestellt, rollt zum Schmelzofen, wird gefüllt und läuft weiter in ununterbrochener Folge zur Ab- kühlung. Am Ende der Kühlstrecke werden die Formen dann ent- leert. Die Gußstücke wandern über Schüttelroste, Schrägförderer, Plattenbänder in die Gußputz erei: der freiwcrdende Formsand vollendet seinen Kreislauf, nach neuer Aufbereitung auf Transport- bändern, in den über den Formmaschinen hängenden Bunkern. Sandstrahlgebläse, Trommeln glätten die Gußstücke. An schnell rotierenden Scheiben werden von geübter Werkmannshand die kleinen Gratstücke abgeschliffen. Elektrokarrenzüge bringen die fer- tigen Stücke in die eigentlichen Nähmaschinenwerk- st ä t t e n. Die Fülle von S p e z i a l m a s ch i n e n, die es«rmög- lichen, Maschinenteile auf den Bruchteil eines Hundertstel Milli- meters zu schleifen, die es gestatten, Rundstücke, wie sie für die Nadelstangen, Stosfdrückerstangen, Führungsstangcn usw. Verwen- dung finden, so zu polieren, daß die Oberfläche fast die Feinheit des Spiegelglases(Läppverfahren) erreicht, die Fräs-, Schleis- und Hobelmaschinen, die Drehbänke, modernste Automaten, deren Ein- stellung nach dem Grenzlehrensystem besonders geschulte Arbeiter erfordert, geben als Endprodukt die Präzisionsteile, die für die Montage der Nähmaschine notwendig siird. Die Teile wandern teils auf Rutschen, teils auf El«ktrokarrcn, unendlichen Bändern durch die Zwischenkontrolle in die Montage. Jedes nicht allen Anforde- rungen auf Genauigkeit entsprechendes Teil wird ausgeschieden. Alle reibenden und glättenden Teile erhalten mittels besonderem Verfahren eine Tiefenhärtung, die ihre Abnützung bei späterem Gebrauch auf ein Minimum reduziert. In den Vernickelungswerkstätten erhalten die Einzelteile schweren Nickelüberzug: in riesigen Anlagen werden sie lackiert. Große Wanderofenanlagen, erstellt nach den neuesten Er- sahrungen der Trockentechnit, wette helle Säle, bei denen die Staubbildung durch Wasserberieselung soweit als inoglich aus- geschaltet wird, gewährleisten eine Lackierung, di« nach Durchlauf ihrer Arbettsgänge, mehrfaches Spachteln, Schleifen, Trocknen, Auf- Zrvisdienkonlrolle bei der Montage der Lindcar-Nähmasdiine. Jedes nicht den Anforderungen auf Genauigkeit entsprechende Teil wird ausgeschieden. Die Lindcar- Nähmaschine mird zusammengebaut. Das Förderband führt das Werkstück jerocils dem nächsten Arbeiter zu. legen der Verzierung den heutigen hochgestellten Anforderungen entspricht. Interessant sind für den Laien di« pistolenartigen Werl- zeuge, mit denen der Lack durch hohen Druck ausgespritzt wird. Auf Hängebahnen werden dann die Köpfe der eigentlichen Nähmaschinen zu den Montagesälen befördert. Di« Montage, durch ein System neuartiger Jubringer- transporte aus den Bearbeitungsiverkstäten mit den nötigen Einzelteilen versorgt, ist mit besonderen Facharbeitern besetzt. Zwischen ihnen sitzen die sogenannten ersten Kontrolleure, die die Maschinen nach einem bestimmten Fertigungsgrad auf das gc- naueste kontrollieren. Weiter werden die Oberteile nach ihrem künftigen Verwendungszweck„eingenäht" und„e i n g e st i ck t", erhalten S p ez ia la p p a r a te, deren genaue» Arbeiten eben- falls peinlich geprüft werden muß. Riesige Holzlager gewährleisten ein« vollkommene Lufttrocknung des zu verwendenden Holzes. Spezialisten wählen aus den zu Blättern geschnittenen Edelhölzern die feingemaserten Furniere. Sausende Fräser, Hobel- und Schleif- Maschinen, die verschiedenartigsten Formen von Sägen, besetzt mit geschulten Arbeitskräften, verarbeiten die Hölzer zu eleganten modernen Möbeln, die der Geschmacksrichtung des einzelnen an- gepaßt werden. Die gewaltige» Exhaustoren saugen Sägemehl, Staub und Hobelspäne in sich ein. Aber noch darf die Maschine nicht die Fabrik oerlassen. Noch- mals wird sie auf ihre Arbeitsweise genaue st cns gc- prüft. Erst dann läuft die Maschine auf einem Schienenstrang in die Packerei. Daß auch dem Packer das Packmaterial durch sinnvoll erdachte Vorrichtungen zugeführt wird, daß die Verpackung selbst den Anforderungen weiter Transportwege genügen muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Zum Schluß erhalten die einzelnen Kollis ihre Numerierung.... Die modernen Arbeit-svcrfahren. haben die G e- st e h u n g s k o st e n in der. Nähmaschinenproduktion ganz bc- deutend gesenkt. Diese Auswirkung technischen Fortschritts ist den Konsumenten bis jetzt nicht zugute gekommen. Sie blieb in, übersetzten Zwischenhandel stecken. Das Lindcar- s y st e m schlägt hier eine Bresche. Es stellt wirklich einen Schritt dar, die durch technischen Fort- schritt erzielten Verbilligungen den Berbrauchermassen zukommen zu lassen. Die sehende Maschine Die Deutsche R a u m s ch u tz A.- G. hatte vor kurzem zu einem Cxperimentalvortrag mit Lichtbildern eingeladen, zu dem Vertreter der Fachwelt, der Behörden und Presse erschienen waren. Nach einer Begrüßung des Senatspräsidenten des Ober- oerwaltungsgerichtes, Dr. Lindenau, wurde von P r o fe s s o r Dr. E. Korn, dem bekannten Forscher der Vildtelegraphie, seine in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Direktor der Raum- schütz A.-G., Ing. C. L e w i n, geschaffene Erfindung der Raum- schütz vorgeführt. Zunächst gab Prof. Dr. C. Korn einen kurzen Ueberblick über die in den letzten Jahren erfolgt« lebhafte Ent- Wicklung auf photoclektrischem Gebiete, die auch die vorgeführte Apparatur zur Grundlage hat. Sie besteht aus einem unfchein- baren Sendeapparat, von welchem unsichtbar«, ultrarot« Strahlen auf einen ebensolchen Empfänger(Selenzelle) gerichtet werden. Sobald nun jemand den Strahlenkegel passiert, tritt eine Ver- änderung In d«r Selenzelle ein, wodurch Siren«n oder Lichtsignal« ausgelöst werden. Ein großer Vorteil dieser Erfindung beruht darin, daß auch starke Rauchentwicklung bei Bränden genügt, um die Alarmvorrichtung in Tätigkeit treten zu lassen. Andererseits können kleine Tier«, wi« Maus« und Ratten, in Lagerhäusern den Lichtkegel ungehindert passieren, ohne daß ein« AuslSstmg der Signale ersolgt. Ebenso sind plötzliche Lichtveränderungen im Raum selbst ohne jeden Einfluß. So ist es möglich� sowohl helle wi« verdunkelte Räume unter dauernde il«berwachung zu stellen, so daß es möglich ist, große Kohlenplätze, Lagerplätze ebenso gut wie Warenhäuser, Banken und Museen unter dauernden Schutz zu stellen.— Zum Schluß sprach noch Ingenieur Nelken über die Entwicklung der elektrischen Sicherheitsanlage», die all« mehr oder weniger Lücken aufzeigten, die sich ein sindiger Kopf zunutze machen konnte. Die' Entwicklung, die das Einbrechcrtum in den letzten Jahrzehnten genommen hat, haben selbst unsere führenden Kriminalisten nicht vorausgesehen,— konnte man doch einem Bericht aus dem Jahre ISOO entnehmen, daß die tüchtigsten Ein- brecher dingfest gemacht seien und Nachwuchs nicht vorhanden wäre. Es ist leider ganz anders gekommen, so daß es zu be- grüßen ist, daß ein Raumschutz geschaffen wurde, der sich auch ui der Praxis dauernd bewährt hat und der sich wegen seiner«in- sachen Installation auch weiter schnell einbürgern wird. Ing. Ii. Holl. Bücher der Technik Technische Tabellen und Formeln. Von Prof. Dr. Ing. W. Müsler, Regierungsrat a. D., Berlin. Mit 10L Figuren. Dritt« verbesserte und erweiterte Auflage, 151 Seiten. Sammlung Göschen Bd. 573 Walter be Gruyter u. Co., Berlin W 13 und Leipzig. 1933. Preis in Leinen geb. 1,83 M. � Die Sammlung Göschen bringt nunmehr eine dritte er- ivctterte und verbesserte Auflage ihres Bündchens„Technische T a b e l l« n u n d F o r m e l n". Die Kapiteleinteilung in Wärme, Festigkeit, Maschinenelemente und Elektrotechnik ist m>ie in der vorherigen Ausgab« und kann nicht geändert werden. Der Stoff selbst aber ist nach den ncuesten Erkenntnissen der Techniker bearbeitet worden. Sehr zu begrüßen ist, daß alle Bezeichnungen und Formel. zeichen mit den Bestimmungen des deutschen Normcnausschusies in Einklang gebracht wurde». �Dadurch wird die Arbeit, die der Normenausschuß der deutschen Industrie leistet, in immer weiter« Kreise getragen. Neu ist eine Ergänzung mit d«n wichtigsten Maßen und Gewichten, die in Deutschland, in den V-renrigten Staaten und in England Gültigkett haben. Die Stostanordnung ist übersichtlich. Die Arbeit wird in den Fachkreisen sicherlich viet Anerkennung finden. 10 Jahre Arbeitersport-- Internationale Das Jubiläum einer Kulhirorganisation Die Sozialistische Zlrbeikersporiinlernalionale kann dieser Tage aus ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken, sie wurde im September l9?0 in Luzern von verlrekern des Arbeitersports aus Deutschland. England. Belgien. Finnland, Frankreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei ins Leben gerufen. Aus einer kleinen Zahl internationaler Arbeitersportler hat sich im Lause der Zeit die gewaltige Bewegung entwickelt, die gegenwärtig in l9 Ländern zwei Biillionen Mit- g l i e d e r zählt. Die Bestrebungen nach imernationalein Zusammenschluß des Arbeitersports gehen bis in, die Zeit vor 30 Jahren zurück. Da- nwils haben besonders die belgischen Arbeite» soprtler nach Mitteln und Wegen gesucht, die in den Ländern zusammenhanglos liegen- den Slrbeitersportvereine und Verbände zusammenzufassen, um auch auf dem Gebiete des Spans die Proletarier aus der Umwelt kapi- talistifchen Geistes zu lösen, um den Sport auch international der sozialistischen Idee dienstbar zu machen. Die Beziehungen des Ar- bcitcrsports von Land zu Land waren damals sehr los«: belgisch« Arbeitersportler nahmen an Festen des deutschen Arbeitersporis teil und umgekehrt. Mit Frankreich wurden Verbindungen hergestellt. Ausflüge, Feste, Zusammenkünste, Propagandareisen von Land zu Land, das waren die Ansänge des sich spater entwickelnden„Jnter- nationalen sozialistischen Verbandes für Leibesübungen". Es dürfte interessieren, daß das internationale sozialistische Büro am 11. August 1912 und am U. August desselben Jahres das Büro der sozialistischen Arbeiteroerbände Deutschlands, Oesterreichs, Eng- lands, Belgiens, Dänemarks, Hollands, Italiens und der Schweiz sich mit der Frage des internationalen Zusammenschlusses im Ar- beitersporl beschäftigte� Rückfragen über die Schaffung einer Ar- beitersportinternationale ergaben zustimmende Antworten nur von Deutschland, England, Oesterreich, Belgien und Frankreich; in den anderen Ländern war vom Arbeitersport so gut wie' nichts vorhan- den. Trotzdem konnte der Arbeitersport im Jahre 1912 in den er- faßten Ländern eine immerhin beträchtliche Zahl von Angehörigen ausweisen. Deutschland besaß damals 18Z 000 Arbeitersportler. In Oesterreich bestanden drei verschiedene Verbände, der Turnerbund mit IS 000 Mitgliedern, die Wiener mit 4000 und die Alpinisten in Trieft zählten 300 Mitglieder. In England umfaßte der Radfahrer- bund Clarion etwa IS 000 Mitglieder, Belgien besaß 3000 Arbeiter- sportlcr, in Frankreich waren etwa 6000 Mitglieder in den vcr- schiedenen Einzelorganisationen zusammengeschlossen. Von der Schweiz wurden 10 00« Mitglieder angegeben, die dem Touristenver- band„Die Naturfreunde" angehörten. Diese Bestanderhebung veranlaßte die belgischen Arbeitersport- lcr, im Jahre 1913 den ersten internationalen Kongreß der sozialistischen Arbcitersportler nach Gand in Belgien einzuberufen, an dem Vertreter au- Deutschland. England, Belgien und Frankreich teil. nahmen, auf dem ein Büro mit dem Sitz in Brüssel gewählt wurde. - Der Kongreß arbeitete Einheitsdirektiven aus und beschloß, den ! zweiten internationalen Kongreß in Frankfutt a. M. im Augüst 1914 abzuhalten. Durch den Kriegsausbruch würden jedoch alle Vorarbeiten zur Schaffung der Arbeilerfportinternationale zerstört. .' Nach Beendigung des Krieges nahmen die belgischen Sozial- ■ demokraten B r i d o u x und D e v l i e g e r die Fühlung wieder auf, sie riefen im Jahre 1919 einen internationalen Kongreß ein, der in Eeraing sur Mcus« Belgien stattfand. Deutschland und Oesterreich waren nicht«ingeladen, so daß dieser Kongreß, auf dem nur Eng- land, Belgien und Frankreich vertreten waren, auf einen Antrag von Finnland hin beschloß, sofort mit allen nationalen Sektionen des Arbeitersports in lßerbindung zu treten, um eine möglichst voll- ständige Darstellung der internationalen Arbeitersportorganisationen zu erlangen. Diese Beschlüsse wurden allen Arbeitersportverbänden zugesandt und nachdem die Beantwortung der Fragen durch die Landesverbände«inging, zeigte sich, daß in allen Ländern die Ar- bcitersportbewegung nach dem Kriege einen ganz gewaltigen Auf- jchwung genmnmen hat. Deutschland hatte 1919 annähernd Oesterreich......... Belgien.........» England rechnete mit'etwa... Frankreich und Elsah-Lothringen Schweiz.......... Tschechoslowakei-Prag etwa... Tschechoslowakei-Aussig,,.. 600 000 Mitglieder 63 000 4 000 10 000 11000 11000 200 000 38 000 y|T Mit diesen Angaben ausgerüstet, beschloß �dann die Exekutive, den internationalen Kongreß am 13. und 14. September 1920 nach Luzern einzuberufen, wo schließlich die„Sozialistische Arbeitersportinkernationale" gebildet werden konnte. Seit dieser Zeit hat die Arbeitersportiirternationale eine fast beispiel- lose Entwicklung angenommen. Die gewaltigen internationalen Arbeitersportfeste in Prag und in Leipzig zeigten ebenso die Größe, Kraft und di« innere Geschlossenheit wie die innige Verbundenheit der internationalen Arbeitersportler. Ganz besonders war es das erste internationale Arbeiter-Olympia im Jahre 1925— fast 100 000 deutsche und mehr als 10 000 ausländische Arbeiter- sportler waren in Frankfurt a. M.—, das die Welt aufhorchen und erkennen ließ, daß hier eine neue Großmacht aufmarschiert war. In fast allen Ländern wurden seit dieser Zeit gewaltige inter- nationale Arbeitersportfeste veranstaltet, hunderttausende Arbeiter- sportler nahmen daran teil. Das waren Feste, die Begeisterung aus- lösten, die den Geist der Brüderlichkeit trugen, der Verständigung, des gegenseitigen Kenncnlernens und Verstehens dienten. Das war der tiesere Sinn der internationalen Veranstaltungen. Das war es aber auch, was so ungemein zur Entwicklwig der Sozialistischen Arbeitersportintern ätionale beitrug: heute sind der„Safl" annähernd 2 Millionen Mitglieder angeschlossen. Amerika. Belgien, Deutschland, Dänemark, England, Estland, Litauen, Finnland, Frankreich, Holland, Jugoslawien, Lettland, Oesterreich, Palästina, Polen, Rumänien, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn haben ihre Verbände in der SASI. zusammengeschlossen. Dieser gewaltigen Entwicklung konnten die Moskauer Gewalt- machhaber nicht ruhig zusehen, es wurde deshalb«ine„Rote « p o r t i n te r na tt o na I e" ins Leben gerufen, mit dem Zweck, die sozialistischen, Arbeitersportler für die Ziele der bolschewistischen Politik cinznfangen. Die Sozialistische Sportinternational« hat es am guten Wllen nicht fehlen lassen, in ein Verhältnis zu den fqpröntoii cofaa Sportfcm m tomatn. im jpäter zu einer B-v. schmelzung beider Internationalen hätte führen können. Die fort- laufenden Beschimpfungen und Verleumdungen der Moskauer gegen die Sozialisten sührte jedoch im Laufe der Jahre zu dem Abbruch aller Beziehungen. Die SASI. steht heut« in ständiger Fühlung mit der Sozialist!- schen Arbeiter-Jnternationale in Zürich, dem Internationalen Ge- werkschaftsbund in Amsterdam, dem Internationalen Arbeitsamt in Genf, besonders aber mit der Jugendinternationale in Berlin und mit der Internationale für sozialistische Erziehung in Wien. Die Sozialistische Arbeiter-Jnternationale und die Amsterdamer Ge- werkschaftsinternationale erkennen prinzipiell die Sozialistische Arbeitersportinternationale als die Sportspitzenorganisation der Arbeiterschaft an, der sie nicht nur die moralische Unterstützung geben, sondern mit der sie auch in den einzelnen Ländern zusammen- arbeiten. Die SASI. hat eine gewaltige Arbeit übernommen, für deren organisatorisches und propagandistisches Gebiet drei besondere Sekretariate eingerichtet sind, und zwar für die germanischen, für die romanischen und für die baltischen und skandinavischen Länder. Außerdem besteht der Technische Hauptausschuß, der alle Fragen der Sporttechnik und der internationalen Wettkämpfe bearbeitet. Hierzu sind noch besondere Unterfachausschüsse gebildet. Dann besteht noch ein Ausschuß für die sozialistische Erziehung, der dem Kongreß in Prag 1928 ein Erziehungsprogramm vorlegte. Für die Propagierung des Arbeilersporls ist der lnkernalionale Pressedienst eingerichtet, der in deutscher und französischer Sprache an die Zeitungen der Länder gesandt wird. Bisher wurden in Deutschland 236 Zeitungen und in 19 anderen Ländern 64 Zeitungen mit dem Pressedienst beliefert. Gegenwärtig tagt in Luzern das Jnter- nationale Büro, aus den vorliegenden Berichten ist zu er- sehen, daß in allen erfaßten Ländern, trotz internationaler Wirt- schaftskatastrophe, die Arbeitersportbewegung vorwärts geht, daß die sportlichen Beziehungen der Länder zueinander die denkbar besten sind und daß alle Bemühungen Moskaus, in den Ländern Fuß zu fassen, an der klaren Vernunft der sozialistischen Arbcitersportler abgeprallt sind. Wenn in den Julitagen des nächsten Jahres die internationalen Arbeitersportler zur Arbeiter-Olympiade in Wien aufmarschiereu, dann wird ein Jubelru-f durch die Lande gehen und mst der Olympiade wird erneut der Beweis erbracht werden, daß die Sozialistische Arbeitersportinternationale die machtvollste Kultur- Organisation der Welt ist, die unablässig an der Schaffung eines ge- sunden Menschengeschlechts arbeitet, das im Sozialismus sein Ziel erblickt.>�ckalk Luck. Sport am Sonntag Die Spiele am Sonntag Zu einem groß angelegten Absporteln vereinigt die Frei« Turner- ichaft Groß-Berlin ihr« Mitglieder morgen, Sonntag, im Stadion Weißensee. Bei den Klägen des FTGB.-Musikkorps wird ein viel- seitiges Programm zur Erledigung kommen. Um IVA Uhr ist Beginn d«r Veranstaltung, der Eintritt ist jrei. Zu einem Stödtekamps im Tennis ladet die Freie Turnerschaft Groß-Berlin am morgigen Sonntag ins Stadion Rehberge«in. Um 14 Uhr wird sich der Tennisbezirk Wedding mit der Tennisabtei- lung des Sportvereins Eiche-Leipzig gegenüberstehen. Einen Werbespieltag hat der Freie Sportverein Reinickendorf- West für morgen angesetzt. Bereits am Vormittag um 10 Uhr finden Handballspiele statt; am Nachmittag werden das Hauptinteresse bean- spruchen ein Fußballspiel der ersten Männerabteilungen von„Freie Scholle" und„Eintracht" und«in Handballspiel einer Mannschatt aus Brandenburg a. d. H. gegen ein« solche des gastgebendcn Ver- eins. Der Eintrittspreis ist sehr gering. Der kreiswettstrett im Ringen und Heben des 4. Kreises im Arbeiter-Athletenbund beginnt morgen um 9 Uhr im Moabiter Schützenhaus in Plötzsnsee. Um 1� Uhr Beginn der Hauptkämpfe. Eintritt 50 Pfennig, für Erwerbslose 30 Pfennig. * Rennen aus der Grunewaldbahn. Die bedeutendste Herbstent- scheiduNg der Dretfährigen ist das deutsche- Saint Leger, das im Rahmen eines Moderenntages auf der Gruncwaldbahn zup Eni- icheidung kommt. Olympiabahn. Kurz vor Toresschluß herrscht noch einmal Hoch- betrieb im Radrennsport. Sofern das Wetter ein Einsehen hat, wird auf der Olympiabahn der Große Preis von Berlin über 100 Kilometer mit Paillard, Graistn, Sawall, Krcwer, Läuppi aus- gefahren werden. 3n der Leichtathletik gibt es ein Ereignis ersten Ranges, und zwar das international« Sportfest des Sport-Clubs Charlottenburg, das um 15.30 Uhr auf dem neuen Platz in Eichkamp vor sich gehen wird. Als Höhepunkt der Veranstaltung darf man den Lauf über 1500 Meter mit Peltzer, Ladoumegue, Wichmann und Krause, das Rennen über S00Y Meter mit Nurmi und das Speerwerfen mit Järvinen bezeichnen. &mnastik» und-Turn» abtcilung für sZrauen über 25 Jahre in der Turnhalle des Lyzeums am Sport- platz, Graf-Rödern-llorfo. Lonnsdciid. 20. September. Berlin. 15.�0 Jugendstunde(Vom Leben der Autos). 15.45 Vortrag über Joseph Kainz, 16.05 Konzert. 17.30 Jugendwandern. 17.35 Professor Atzler:„Hygiene der Arbeit'4 Dann Vorträge» Unterhaltungsmusik etc. Königswusterhausen. 16.00 Die sreistigen Grundlajrcn der Politik(Dr. Hildebert-Bochum). 16.30 Chansons aus Hamburg:. 18.00 Die Auswirkungen der Reichs tags wählen auf die Arbeiterschaft(Erich Alfrinzha u s). 18.30 GesellschaitswisscnschafUichc GegenwartsfraiCfl(fclix S(ieraer), 2030 hDm fchlcsfeche Jahr". Dialekt-Kantate von Ernst Sehe