Morgenausgabe Tlr. 445* A 224"-�Hrgaug «sq-Mch 8555), mn«ffl4».««, Im Boraus zahlbar. Poslbizug ertlärnng. wonach jeder Versuch einer Störung der öffentlichen Ordnung leicht unterdrückt werden könnte, wenig glücklich formuliert sei, da daraus entnommen werden müsse, daß immerhin mit der Möglichkeit einer Störung der öffentlichen Ordnung gerechnet wer» den könne. '* Am Borabend der Reichstagswahlen, am 1l. Sep» t e m b e r. wurde die Houng-Anleihe in Amsterdam mit 82% notiert. (Siehe auch den Wirtschaftsteil der 2. Beilage,) England hat kein Vertrauen zu Brüning. eondon. 22. September.(Eigenbericht.) Deutsche Minister haben der ausländischen Presse beruhi- gende Jnterwiews über die Lag« in Deutschland gegeben. Bleiches geschieht durch die amtlichen Stellen in Eng» land und sogar ein Leitartikel des.Daily cherald* mahnt am Dienstag die mit Deutschland verflochtenen Wirtschasts» kreise zur Ruh e. Hill« sei eher ein Danlanger als ein Mussolini und da die Völkischen im Reichstag nur 20 Proz. der Stimmen be. säßen, sei die gegenwärtige Panik verfrüht. Menn die deutsche und preußische Regierung ihre Pflicht erkeune. sagt das Organ der Labour-Party, ist kein Zweifel, daß fle mit jedem Putsch, und Staats. strelchsoerfuch fertig werden können. Allerdings, fügt der„Daily Herald" hinzu, sollte d-r Sturz der deutschen Wertpapiere jenen deutschen Gentlemen eine Lehre sein, d!« die völkisch« Bewegung finanziert und dadurch ein Spiel getrieben haben, daß sie ein« Gefahr für diese Geldgeber selbst geworden ist. All-»>i«'« deutschen und englischen Beruhigungsversuche hob«n leider nur iris eine Beunruhigend«, daß sie tm Publikum nicht geglaubt werden. Der neue Sturz der deutschen Wertpapiere beweist es, und nicht einmal die englischen Zeitungen in ihrem poli�- tischen Teil glauben an die Beschwichtigungsoersuche. Die„T i m e s" mahnt ebenfalls in ihrem wirtschaftlichen Teil zur Besonnen. heit, im politischen Teil ist es jedoch anders zu lesen. Heute ist es in England so, daß die Erklärungen deutscher Minister abgetan URÖ kaum gehört werden. Hingegen füllt zum Beispiel am Montag die Rede eines Goebbels zwei- Spalten des „Daily Telegraph" und dies in einer Aufmachung, daß auch der letzte Leser erkennen muß, wie wichtig diese politische Bewegung in den amtlichen Kreisen Englands genommen wird, wie wenig Aulsrikät die gegenwärtige deutsche Regierung im Ausland besitzt, und wie schwach der Glaube an sie geworden ist. Gerade die wich- tigste englische Zeitung, die„Times", hat sich bisher am wenigsten aufgeregt gezeigt. Am heutigen Montag veröffentlicht sie aber einen spaltenlangen Bericht über Deutschland, der in Berlin zu denken Anlaß geben sollte. Immer noch nicht, heißt es in diesem Artikel. habe sich das über Deutschland lagernde Dunkel gelichtet, und mtt den negativen Versicherungen der deutschen Regierung und ihrer Minister sei nicht» getan und nichts anzufangen. Eine arbeits- fähig« Regierungsmehrheit sei nötig, aber die Mittel» Parteien hätten bis jetzt die Lehre des Wohlresultats nicht begriffen. Was bedeutet das zufrieden« Lächeln des Reichs- kanzlers, fragt der Artikel, und was oerbirgt er in seinem Rock- ärmel. Wird sich Hitler zufrieden geben, wenn sein« Ansprüche auf «inen Mimsterfitz fehlschlagen? Den beruhigenden ErNärungen stünden andere Beobachtungen entgegen, die a uf die Putschabsichten der Völkischen schließen lassen und im Zu» sammenhang damit oerweist die„Times" auf die nationalsozialistische Zellenbtldung innerhalb der Reichswehr. Berdiessr Gelegenheit muß auch einmal die, deutsche, Regierung an den in Deutschland herrschenden Antisemitismus er- innert wcrdcii. Das christliche England verabscheut diese Juden- Hetze nicht weniger, als es die angelsächsischen Juden tun. Täglich berichten und entsetzen sich die englischen Zeitungen aller Partelen über dies« Kulturschande, die dem Nomen und den Interessen Deutschlands in diesen Wochen außerordentlich Abbruch getan hat. Ein Blatt wie der„Daily H e r a l d", das Organ der Arbeiterpartei, sagt darüber in einem Leitartikel:„In Deutschland ist wieder ein« vergangen« Zeit lebendig geworden, die zu den oe r ä ch t l i ch st e n Zeiten der Weltgeschichte gehört. Wie groß auch die zivilisatorischen Fähigkeiten der Deutschen sind, e i n Teil ihrer Nation ist noch tief im Barbarismus ver» strickt". Was dos Ausland bei allen dies«n deutschen Zuständen am meisten beängstigt, ist nicht Deutschland ollein, die große Be- fürchtung ist. daß X in Zentraleuropa ein neuer Brandherd im Entstehen begriffen ist, der ganz Europa in Flammen setzen kann. Di« englischen Politiker sehen die Rückwirkungen der deutschen innerpolitischen Der- hältnisie auf Frankreich. Der Sturz Briands und die Rückkehr Poincarcs werden hier in sehr ernst zu nehmenden Kreisen bereits als Möglichkesten bewertet, mit denen zu rechnen sei. England, das nur den einen Wunsch hat: Frieden, sieht den Frieden bedroht und sieht sich dadurch wieder in die europäischen Händel gezogen, von denen es nichts mehr wissen will. Republik werde hart! Ein Aufruf des Reichsbanners. Magdeburg. 22. September.(Eigenbericht.) Di« Führung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold erläßt folgenden Aufruf nach den Wahlen: Wieder wie in den Jahren vor der Gründung des Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold sehen Möchte-Gern-Diktatoren ihr« Zeit für gekommen, weil die politisch Unmündigen und Unvernünftigen wähnen, es sei möglich, durch Schwenken der Fahne des Aufftandes wider die demokratische Republik die grau« Not der Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise aus Deutschlands Grenzen zu verscheuchen. Zertrümmerung der Staatsso rm von heute kann die wirtschaftliche Not nicht mildern, kann sie nur ins Ungewiss« steigern. Nicht Milderung, sondern Festigung der Staate» autorität ist das Gebot der Stunde. Die republikanisch» demokratischen Kräfte Deutschlands sind berufen, die Staats» gewalt zu bilden, die in planmäßiger Arbeit gegen die Wirtschasts» not ankämpft, von ollen Opferfähigen jene gewichtigen und über» zeugenden Opfer für den Staat erzwingt, die der Not und den Entbehrungen entsprechen, die in den Kriegs- un? Nachkriegsjahren von den breiten besitzlosen Massen des deutschen Volkes ertragen werden muhten. Wir fordern von den republikanisch-demokratischen Parteien, daß sie in kürzester Frist ein« Regierung bilden, die zur 'Sicherung des inneren und äußeren Friedens durch rücksichtslosen Einsatz aller Mochtmittel dem Staatswillen Geltung verschasst. eine Regierung, die entschlossen ist, gegen Aufruhrer und Aufwiegler muh die Hilf« und Unterstützung staatswilligcr Bürger aufzubieten. Wir wollen Deutschland nicht zum Experimentierfeld stir Staatsstreichlüsterne und Lürgerkriegszarden werden lassen. Auf di« Anklagebant als Staatsverbrecher gehören Abgeordnet« mm Reichs» und Länberpartamenten, gehör« die Beamten, die sich vom Staat bezahlen lassen, wn di« Staatsgewalt zu unterhöhlen und zum Zusammenbruch zu bringen. EI« Skaatsverbrecher, der die Staaksgewalk den Staalssctndeu in dl« Hönde spielt! Gegen die Staatsverächter und Staatsoerderber setzen wir unseren unbeugsamen Willen zum Staat von Weimar. Di« in Magdeburg versammelten Bundes, und Gauführer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold rufen allen Kameraden, allen Republikanern zu: Laßt fanatischen Staatswillen aufflammen in allen Gauen Deutschlands. Hinweg mtt allem, was vor und wäh- rend des Wahlkampses di« Republikaner getrennt hat. Hinweg mit den Fahnen des Aufruhrs und des Bürgerkrieges aus den Städten und den Dörfern. Roch einmal gilt es Tritt gefaßt und Bahn frei für die Fahne schwarzrotgold, die Flagge der Republik, die Fahne der Freiheit und des Friedens. Magdeburg, den 2l. September. Bundesrat und Bundesleitung des Reichsbanners „Schwarz-Rot-Gold". I.A.: Otto Hörsing. Kursstürze in Rew siork. Wieder ein schwarzer Tag/ 1 Milliarde Dollar Kursverluste An der New Pocker EfseNenbörfe gingen am Montag über ein- Milliarde Dollar durch wild- Verkäuse verloren. Die Kurse brachen in jeder Brauche vollständig zusammen und Tausende von Aktien wurden al» völlig werktos abgestoßen. Reichslogspräsident Löbe In verlin. Heute früh trifft Reichs- tagspräsidenl Genosse L ö b e, der in Bad Mergentheim zur Kur weist«, in Berlin ein, um notwendige Vorarbeiten für die kommend« Reichstages effion einzuleiten. Er wird am Mittwoch zur weiteren Durchführung seiner Kur wieder nach Wergentheim zurückkehren Oer Oes-Imperialismus. Streit um die Petroleumfelder. Haifa, im September.(Eigenbericht.) In der gleichen Zeit, in der Rußland die einer befferett Sache würdigen Anstrengungen macht, um im Mittleren Osten alle Teufel loszulassen, bleiben auch die Amokläufer auf der englischen Seite der Barrikade nicht müßig Die Kontrolle der Labourregierung legt den englischen Chauvinisten immer- hin eine gewisse Zurückhaltung auf, aber hinter den Kulissen sind sie von erstaunlicher Geschäftigkeit. Sie glauben, daß der Sturz der Arbeiterherrschast in Kürze bevorsteht und sie wollen für diesen Zeitpunkt gerüstet sein, um ihre Pläne so schnell als möglich zur Ausführung bereit zu haben. Der Ausgangspunkt stpd das Ziel der augenblicklich im Gange befindlichen Offensive der Kolonialtories ist das Petroleum von Mofsul. Die Oellager des Irak sind seit Kriegsende der Gegenstand eines ewigen Gezänks zwischen den Petroleumfürsten der Erde, ohne daß es bisher geglückt ist, den Streit auf einer vernünftigen Grundlage beizulegen. Es ist schwer, sich in diesem Labyrinth persönlicher Rivali- täten zurechtzufinden, in die sich noch ein gut Teil als wirt- schaftliche Notwendigkeiten etikettierte Spekulation hinein- mischt. Daher wechselt in diesen Auseinandersetzungen die Front der Freunde und der Gegner unaufhörlich, denn in der Petrolumpolitik gilt nur das Gesetz desgrößtenAugens dlicksvorteils, das das von Treu und Glauben ganz ausschaltet. Daher wird es verständlich, wenn in der Mosful- frage der Begriff der nationalen Belange keine Rolle spielt. Hier stehen sich als erbitterte Rivalen nämlich zwei »nglische Konzerne gegenüber: die Royal Dutch u. Shell und die«British Oil Development Company. In der Politik der beiden Gesellschaften spiegeln sich die Kräfte wider, die augenblicklich in. der englischen Wirtschaft um die Macht ringen. Hierbei repräsentiert die Royal Dutch den alten Typus englischer Geschäftsmethoden, die zwar einen Einfluß auf die Politik gelegentlich nicht verschmäht, deren Prinzipien in der Hauptsache aber durch kaufmännische Gesichtspunkte bestimmt werden. Die British Oil Development Company ist ein Produkt der Nachkriegszeit. In ihrer Leitung sitzen ehemalige Militärs und Staatsbeamte mit Industriellen und City- bankiers zusammen, deren Stern erst im Kriege aufgegangen ist. Ihr Denken bewegt sich noch völlig in der Ideologie des goldenen Zeitalters der Heereslieferanten und für sie ist eine Wirtschaft nur in Verbindung mit einer Militärverwaltung denkbar. Deshalb bildet die Notwendigkeit der kriegerischen Bereiffchaft Englands gegen Rußland im Mittleren Osten das ausschlaggebende Moment in den Kalkulationen der British Dil. In ihrem Aufsichtsrat sitzen nämlich als Bor- sitzender Wmiral Sir Henry Wemyß, der Vorsitzende des englisch-russischen Petroleum-Schiedsgerichts, Sir John Berry, der frühere Kommandant des zur Annexion der kaukasischen Oelfelder nach Baku entsandten britischen Erpeditionskorps neben Finanzleuten, Reedern und Industriellen mit ausge- prägt neo-imperialistischem Einschlag. Die Politik der Gesellschaft geht dahin, den Einfluß der die Shell vertretenden Irak Petroleum Company zurückzu- drängen. Als Argument für die Notwendigkeit ihrer Existenz hat sie auf ihr Programm möglichst raschen Beginn der Pro- duktion geschrieben, während die Irak Petroleum ihre iraki- schen Betriebe einzuschränken sucht. Sie begründet diese Taktik mit der augenblicklichen Uebersättigung des Welt- Marktes, während ein nicht weniger triftiger Grund darin besteht, daß die persischen Vorkommen bis zur Beendigung der Verträge möglichst ausgiebig ausgeschlachtet werden sollen. Als Beweis für ihre Theorie führt di« British Oil ins Treffen, daß nichts weniger als die Sicherheit des Empire von der sofortigen Erschließung Mossuls abhänge, da das P'ttostmm des Irak für die Veriotguna der englii.yen Mittelmeerflotte unbedingt erforderlich sei. Im Zusamyrenhanq da- mit wird der Gedanke der Pipeline nach Haifa und der Bahn- linie Haifa— Bassorah propagiert, denn die Väter dieser Idee spekulieren nicht allein auf das irakische Oel sondern auf die in letzter Zeit entdeckten Vorkommen an Gold. Blei, Asphalt und Zement. Reben der Unterstützung der bereits völlig auf die Not- wendigkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Ruß- land festgelegten Militärs erfreuen sich die Konkurrenten der offiziellen englischen Petroleumgesellschaft der Protektion König Faisals, dem angeblich nichts mehr am Herzen liegt als die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung seines Reiches. In Wirklichkeit ist Faisal ein würdiger Nachfahr der diplomatischen Schule Abdul Hamids, in der er auch groß geworden ist. Auch in diesem Falle laviert er geschickt zwischen den beiden Antagonisten mit dem wichtigsten Ziel, seine Privatkasie zu füllen und mit dem Abfall an„royalties", der Abgaben für die Konzessionserteilung, der Finanzklemme seines Staates abzuhelfen. In diesem Stellungskampf ist die British Oil auf einen genialen Trick gelommen. Sie hat den Versuch gemacht, eine Einheitsfront der Petroleum verbrauchen- d e n L ä nder zustande zu bringen, die sich der Abhängigkeit von Rußland wie derjenigen«der Vereinigten Staaten ent- ziehen wollen. Der Sinn des Manövers geht dahin, vor dem Völkerbund den Beweis zu erbringen, daß England im Irak den Grundsatz der offenen Tür einhalten will. In einem Fühler der englischen Presse läßt sie den Gedanken einer Art von Petroleum-Pan-Europa unter englischer Füh- «tng entwickeln. Da darin bereits Namen genannt werden, ist anzunehmen, daß die Vorverhandlungen bereits bis zu einem gewissen Punkte gediehen sind, aber es ist verfrüht, wie man es bereits in Deutschland getan hat, auf dieses Ver- sprechen hin das Fell des Bären zu oerkaufen. Schon der wichtigste Partner in diesem Bündnis, Italien, ist verdächtig, denn diese englisch-britische Freundschaft stammt aus der dunklen Sphäre der MusfolinUBewunderung Churchills und feiner hypertoristischen Gefolgschaft.' Während Italien durch das Versprechen der Hinzuziehung italienischer Arbeit geködert ist. soll Deutschland durch das Angebot von Lieferungen eingefangen werden. Es ist kaum ein Zufall, daß bei der Auswahl deutscher Firmen gerade auf diejenigen Wer� gelegt worden ist, die wie Krupp und Otto Wolfs einige Haare in ihrer russischen Suppe gefunden haben. Ganz tief im Hintergrunde versteckt lauert jedoch noch ein anderes Plänchen Wenn sich die englischen Brüder im Augenblick auch feindlich gegenüberstehen, sehen doch beide im amerikanischen Oelkapital den gemeinsamen Feind. Tat- sächlich befitzen Persönlichkeiten wie Lord Melcheti hüben wie drüben einen bestimmenden Einfluß und im endscheidenden Moment werden sich die Konkurrenten zur Durchsetzung des von den englischen Petroleuminteressenten seit, langem heiß ersehnten Ziels zusammenfinden: der Ausbootung, des amerikanischen Einflusses aus der Irak Petroleum Company. Das Ende dieses Doppelspiels wird wahrscheinlich darin bestehen, daß die Leute der Standard Oil aus heimlichen Förderern Sowjetruß lands. zu seinen offenen Verbündeten werden. Schiele verzichiet auf sein Mandat. Fachminister„von Ewigkeit zu Ewigkeit"? Der Reichsernährungsmimfter Schiel«, der als Spitzenkandidat der ,Landi>c>lr"-Liste in mehreren Wahlkreisen gleichzeitig gewählt ist, läßt setzt erklären, daß er überhaupt kein Mandat anzunehmen gedenke. Er begründet diese Ablehnung wie früher schon seine Mandatsniederlegu�g damit, daß er für seine Arbeit im Dienste der Landwirtschaft die Hände frei behalten müsse und sich durch keine Fraktionspolitik binden lassen könne. Die Gest« sieht sehr herrisch aus. Indessen liegen die Gründe wahrscheinlich auf einem ganz anderen Felde. Der Mandatsverzicht des Agrarierführers läßt daraus schließen, daß er die Absicht hat, als„F a ch m i n i st e r" in jedem Kabinett zu bleiben, das irgendwie gebildet werden könnte, daß er sich also als ebenso unentbehrlich ansieht wie der Reichswehrminister, dessen Amt seit Geßler bekanntlich eines„von Ewigkeit zu Ewigkeit" geworden ist. Da Schiele— neben Trevivanus— als besonderer Vertrauensmann des Reichspräsidenten gilt, so läßt sich aus dem Verzicht auch ichtießen, daß bereits s est«.A b m a ch un g« n nach dieser Richtung "geistosfen sind._ 1.' Btniige Krawalle in München. Sechs Schwerverletzte. München, 22. September. Am Sonntag früh 2 Uhr kam es in München zwischen National- sozialisten und Kommunisten zu einer Schlägerei. Vier Nationalsozia- listen wurden mit Schlagwafjen schwer verletzt, zwei Kommunisten erhielten Messerstiche und wurden von Genossen .in die Chirurgisch« Klinik eingeliefert. Bis jetzt sind drei Be- teil igte festgenommen. Nach den bisherigen Erhebungen soll die Schlägerei darauf zurückzuführen sein, daß sich die Kommu- nisten cm einem Genossen, der vor kurzer Zeit zu den National- sozialisten übergetreten ist, rächen wollten. Handgemenge im Bayreuther Stadtrat. Bayreuth. 22. September. In der Sitzung des Bayreuther Stadtrats, in der die neuen Gemeindesteuern beraten wurden, kam es am Montag nach erregten Auseinandersetzungen zu einer Schlägerei zwischen Ratio» nalsozi«listen und Sozialdemokraten. Als der Führer der Nationalsozialisten, Abgeordneter Schomm, «Märte, daß er die Bezeichnung„Rote Hunde", die er bei einer Rede auf dem Marktplatz gebraucht hatte, aufrecht erhalte, ging «in sozialdemokratisches Swdtratsmitglied auf ihn los und schlug ihn ms Geficht. Sofort war eine ganze Reihe von nationalsozio- listischen �und sozialdemokratischen Stadtratsmitgliedern in deu -Kampf verwickelt und schlug aufeinander los. Der natwnalsozia. liftifche Stadtrat Banmgärtel wurde durch einen Schlag mit eiüem Wasserglas am Kopf schwer verletzt und mußte in das Kran- kenhmrs gebmcht werden. Die Sitzung mußte sofort abge- brachen werden. Auch das Publikum drohte unter Gejohle in den Saal Anzubrechen und konnte nur mit Mühe von der Polizei hinaus- gedrängt werden.«_...... Schwedische provinzialtandiagswahten Großer Erfolg der Sozialdemokratie, schwere Niederlage der Kommunisten. S k o ck h o l m. 22. September.(Eigenbericht.) Die schwedischen Landtiag. Wahlen führten zn einem großen Erfolg der Sozialdemokratie und einer kala. slrophaleu Niederlage der Kommunisten. Die Sozial- demokratie gewann zu ihren bisherigen 30 Mandate und besitzt nunmehr insgesamt 470. Die Kommunisten verloren dagegen 40 Pro;. ihrer bisherigen Sitze. Auch die Freisinnige Partei büßte 40 von 156 Mandaten ein. während der Mandatsbesitz der Bauernpartei um 20 auf 18Z- stieg. De, schwedische Landtiag ist diejenige Körperschaft, die die Wahl der. Mitglieder zur E r st e n schwedischen Sammer vornimmt. ver Nachfolger für Genossin Kirschmann im Landtag. Für die bisherige Landtagsabgeordnete Frau K i r s ch m a n n(Köln-Aachen), die am Montag in Köln gestorben ist, kommt als Nachfolger der Lehrer Hans K a p p e r tz, Aachen, als Vertreter der Sozioldemo- kretischen Partei in Betracht. Der Befehlshaber des Reichs Wehrkreises I lOstpreußrn), Generalleutnant von Blomberg, ist aus zwei■• abkommandiert, um die lseeresernrichtungei, in den Verellijgtcri Staaten zu studieren. Krisenzeichen in Wien. Rückwirkungen des Sirafetla-Ltrteils. Wien, 22. September.(Eigenbericht.) ver Ausgang des Prozesses des Vizebürgermeisters von Graz Dr. S t r a f e l l a» gegen die„wiener Arbeiterzeitung" hat inzwischen zum Rücktritt de» Handelsministers Dr. Schuster geführt, der es entgegen den Wünschen de» Heeres-- Ministers Vangoin ablehnt. Strafella nun doch noch zum General- direktor der Bundesbahnen zu ernennen. Zn eingeweihten Kreisen verlautet serner. daß am Montagnachmittag auch Vangoin seine Demission eingereicht haben soll. Das Zentralorgan der Ehristtich- Sozialen, die„Reichspofi". erklärt, daß der Wille des Vizekanzlers als Vertreter der Christlich- Sozialen in der Regierung respektiert werden müsse. Das andere christlich-soziale Organ, das„N e u i g k e t t s- weltblatt", das den gemäßigten Flügel der Partei vertritt, stellt fest, daß ein schwerer Konflikt zwischen zwei Ministern bestehe z>nd damit auch für die Gesamtregierung die Gefahr einer ernsten Krise, wenn der Vizekanzler auf der Ernennung Strafellas beharre, so werde das nicht nur den Rücktritt de« Handels- Ministers zur Folge haben, sondern zweifellos auch die Stellung des Kabinetts überhaupt erschüttern. Zweifellos sei ein großer Teil der Christlich-Sozialen Partei nach wie vor gegen die Ernennung Strafellas. wenn, aber Vizekanzler Vaugoin auf seinem Standpunkt bestehe, so werde die Partei aus Gründen der Parteidisziplin sich hinter ihn stellen. Aber es liege auf der Hand, daß es in diesem Falle zu einer Regierungskrise bzw. zu einem Regierung». Wechsel kommen müsse. Die dem Bundeskanzler Schober nahe stehenden„w i e n e r „Neuesten Nachrichten" erNären, daß durch die Demission de» Handelsministers die Person des Bundeskanzlers vorläufig nicht berührt werde. Sollte es aber zu einer Krise im Kabinett kommen, die sich auch auf die Person des Bundeskanzler» ausdehne, so seien schwere finanzielle Somplikalioneu zu er- warten, vor ollem die Zurückziehung ausländischen Kapitals, da für das Ausland der Name Schober Ruhe und Ordnung verbürge. In diesem Falle sei auch die Stabilisierung der Währung in Gefahr. Diese Nummer der„Wiener Neuesten Nachrichten" wurde— obwohl es sich um das Organ Schobers handelt— ans Anordnung der Staotsanwollschaft wegen der Anspielung aus eine Gefahr für die Währung beschlagnahmt. Die Korruption der Bundesbahn. Wien, 22. September.(Eigenbericht.) » Das Urteil im Beleidigungsprozeß des Vizelbürgermeisters von Graz, Strafella, gegen die.Llrbeiter-Zeitung" war für den Kläger überaus ungünstig, zumal in seiner Begründung besonders die Häuserspekulationen, die Strafella während der Inflation in Deutsch- land vorgenommen hat. als inkorrekt und unsauber bezeichnet werden. Herr Strasella sollte auf Verlangen der Faschistenhäuptlinge als Mann der„starken Hand" die oberste Leitung der Bundes- bahnen übernehmen, um das Personal um seine Errungenschaften zu bringen. Der Weg dazu ist ihm durch diesen Prozeß mit seinen schwer belastenden Enthüllungen über Strafellas Geschäft« verlegt und im Interesse der inneren Ruhe unseres Bruderlandes ist der Bundesregierung nur dringend zu raten, nicht etwa einen anderen „starken Mann" szum Generaldirektor gegen die Eisenbahner ein- zusetzen. Neben der Aufdeckung der Geschäfte des Grazcr Vizebürger- meisters und vielfachen Lokalbahn-Aktionörs Strafella Hot der Prozeß die Deröjfentlichung des ministeriellen Untersuchungsberichtes über die sonderbaren Geheimfonds der Bundesbahnen gebracht und was da bereits feststeht oder zwangsläufig aus dem schon Zugegebenen geschlossen werden muß, ist wahrhaft er- schreckend. Die österreichischen Bundesbahnen sind durch die Sanierung?- aktion des Völkerbundes von 1922 zu einem selbständigen Wirt» schaftskärper gemacht worden, ähnlich wie durch den Dawes-Plan die Reichsbahn: aber beide unterstehen dock» noch einer starken staatlichen Mitbestimmung— durch Ernennung ihrer obersten Leitung, durch Tarifgenehmigimg, durch sozialpolitisch« Gesetz- gebung usw. In der parlamentarischen Demokratie dürfen aber Ge- Heimfonds staatlicher Verwaltungen und logischerweise auch staut- licher Mitbestimmung unterstehend« Betriebe nur»it Genehmi- gung der Volksvertretung bestehen, sonst konnten ja gefährliche „Staaten im Staate" die Folg« sein. Hier ober wußte weder der Nationali- und der Bundesrat noch die Regierung etwas von den Geheimfonds, deren Zahl bereits auf vier angestiegen ist. Gespeist werden die Geheimfonds durch Preisnachlässe der Industrie und der Kohlenlieferanten, die natürlich Gegenleistungen dafür forderten. Es ist ein Kapitel für sich, daß die Fakturen auf höhere Beträge lauteten, als dafür wirklich bezahlt wurden. Aus diesen Geheimfonds wurden nun sehr hohe Extrabeloh- n u n g e n an die höchsten Bahnbeamten, kostspielige Ehren- geschenke an ausscheidende Direktoren u. dgl. bezahlt, was olles vor der Oeft'cntlichkeit des verarmten, schwer notleidenden Landes und dem schlechtbezahlten Personal geheimgehalten werden sollte und alles auch verborgen geblieben ist! Aber es wurden 375 000 Schilling cm de« feudalen Iockeiklub gezahlt — was zur Förderung des Fremdenverkehrs geschehen sein soll. In Wirklichkeit aber schenkte man diese 220 000 Mk. dem Jockei klub für Pferderennen und Hasardspiel, weil der Präsident des Jndustriellenverbandes das gewünscht hatte. Und wenn ein solcher Herr wünscht, kann die Buitdesbahnleitung nicht umhinl Weitere Großbeträge sind einzelnen Bundesministerien für bc- stimmte Ressortoufgaben zugewendet worden, was an sich weniger verwerflich sein könnt«, aber ein sonderbares Licht«ms den ganzen Staatshaushalt wirst und jedenfalls dem Vudgetrecht der Volksvertretung eine Rase dreht. Hübsch-ist auch die Zahlung von 2000 Schilling an die Frau des chvistlichnationalen Ministers Schmitz für einen Wohltätigkeitstee. Aber das Tollste ist doch, daß man den ausländischen kohlenNefercmten zuliebe weitere Elektrifizierung der Bundesbahnen sabotierte. Deutschösterreich hat sehr wenig Steinkohle, aber große Braun- kahlculager in der Steiermark und in Obcrästermch. Die Bundesbahn kauft aber meist böhmisch« Braunkohle, weil die inländische angeblich ungeeignet ist. Dabei hat die Braunkohlentechnik im Krieg und seither längst gelernt, auch minderwertige Produkte zu ver- werten. Deuts chösterreich aber besitzt gewaltige Wasserkräste in den Alpen, deren Verwertung zum elektrischen Bahnbetrieb unser Genosse Dr. Ellenbogen zwar schon vor 30 Iahren ge- fordert hat, die aber erst in der Steinkohlennot nach dem Verlust der großen Reviere in den Sudetenländern(jetzt Tschechoslowakei) in Angriff genommen wurde. Bis heute aber ist erst ein geringer Teil der Bundesbahnen elektrisch, zumeist fährt man mit Dampf- lokomotioen. Der Kohlenverbrauch auf den vielfach gebirgigen, sehr stcigungsreichen Strecken ist enorm. Aber jeder, der schon in der Tschechoslowakei oder Deutschösterreich mit der Bahn gefahren ist. weiß, welcher Rußregen mit grobem, augengeföhrdendem Kohlen- Hagel dazwischen in die offenen Fenster fegt, begleitet von einem. gräulichen, stark schwefligen Rauch. In den vielen Tunnels erreicht dieses Vergnügen sein« Höhe. Will man sich aber waschen, so findet man im Waschraum zwar häufiger Wasser ober niemals Seife und Handtuch. Das wird nämlich, nach Aussoge hoher Eisenbohy-r. sofort gestohlen: ein Beweis sür die Massenarmut dieser Nach- barländer- Die Elektrifizierung aber, die den Gestank. Rauch. Kvhlenregen, Funkenflug abschafft, wird nicht fortgeführt, dem Kohlenbergbau zu Gefallen. Wenn dos noch in der Tschechoslowakei staatliches Interesse sein mag— in Deuts chösterreich dient es nur ausländischem Profit. Dcwei sind die Tarife der Bundesbahn sehr hoch, sie belosten di« Wirtschaft und den Verkehr und tragen zu der allgemeinen Deroute bei. Die Elektrifizierung schafft Arbeit, erspart Auslands- Zahlungen, würde billigere Tarife gestatten. Es ist ein verbrechen am Lande. sie nicht mit aller Kraft fortzuführen. Auch dieses Geheimfonds- kapftel ist ein Beweis dafür, wie nur das Licht der vollen Oeffent- lichkeit Fäulnisbakterien tötet und wie sie im Dunkel des Geheim- nisses gedeihen. Di« Sozialdemokratie und ihr Zcntralorgan lzaben sich durch die Aufdeckung �dieses Skandals wieder ein großes Ver- dienst um die junge Republik erworben. Widersprüche im Nombenprozeß. von Solomon schwer belastei.— Krau von Oerhen freigelassen. Altona. 22. September. Frau von Oertzen, die am Freitag verhastet wurde, ist am Sonnabend dem zuständigen Richter vorgeführt und von diesem wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der sür heute geplante Teil der Beweisaujnahm« soll zur Feststellung der den Angeklagten von Salomon und Weschk« zur Last gelegten wissent- lichen Faljcheide dienen. Amtsgerichtsrat Gerdcs hat vor etwa einem Jahr den Ange- klagten Weschie vor dem Amtsgericht in Itzehoe vernommen. Gegen- stand der Vernehmung war«in Teil des jetzigen Strafoersahrens, für den Weschke damals erst als Zeuge in Frage kam. und zwar um den Anschlag in Beide nfleth gegen das Haus des Amts- Vorstehers Ahlstedt. Di« Vernehmung ist nur ganz kurz gewesen. Weschke erklärt«, er wisse von der ganzen Sache überhaupt nichts. Er ist darauf hingewiesen worden, wie es allgemein vorgeschrieben ist, daß er im Falle eigener Strasjälligkeit zur Aussogeoerweigerung bcrechugt sei. Weschke hat den Umständen entsprechend noch ge- nügend Zeit gehabt, sich zu überlegen, ob er mit gutem Gewissen schwören könne oder nicht. Jedenfalls ist es nach Ansicht des Jeugen ausgeschlossen, daß er durch eine angebliche Plötzlichkeit, mit der ihm der Eid abverlangt wurde, überrascht worden wäre. Weschke hat im Gegenteil ganz sicher und bestimmt ausgesagt und nach Fertig- stellung des Protokolls seine Aussag« freiwillig be- schworen. Di« ganze Aussage besteht nur aus den Worten:„Ich weiß nicht, wer der Täter ist. Ich selbst bin es nicht gewesen." Die Zeugenvernehmung wird sodann fortgesetzt. Zeuge Wolters wohnt in demselben Hause in Itzehoe, wie Bruno von Salomon. Der Garten des Hauses stößt an den des Landrats- amtes. Nach der Explosion eilt« der Zeuge auf.den Balkon. Auch von Salomon sah aus seinem Fenster und fragte ihn:„Wo? ist las gewesen?" Bon Salomon schien genau so nxnig zu wissen wie der Zeuge. Sic begaben sich dann zusammen nach dem Londrats- ami und.untei hielten siih über das Atiental. Die Urheber suchten sie damals im kreise der Kommunisten. Von Salomon holte sich dann von dem inzwischen gleichfalls ein- getroffenen Bürgermeister genauere Informationen. Der Zeuge glaubt nicht, daß von Solomon damals die Zusammenhänge ge- könnt haben könnte, dazu erschien er ihm zu unbefangen. Redakteur Kühl ist seit dem 1. März 1320 bei der Landvolk- zeiwng in Itzehoe beschäftigt. Nebenbei ist er auch Versammlungs- redner. In der Landoolkbewegung herrschten nach seiner Dar- stellung auch Meinungsverschiedenheiten. Es gab eine.g«mäßigte und«in« radikalere Richtung. Kühl gehörte zu der crsteren, von Hamtens geführten, wahrend die Gruppe Heim ./aktiver" vorging. Di« Angesagten kennt der Zeuge fast olle. Don Salomon war gleichzeitig mit ihm in die Redaktion eingc- treten. Am Tag« der Explosion war der Zeuge als Berichterstatter in Husum. Er weiß von einer Beteiligung Solomons nichts, hält sie auch für ausgeschlossen. R.-A. Dr. Luetgebrune: Holten Sie es für möglich, daß von Salomon gerade wegen seiner Eigenschaft als Redakteur nicht ins Vertrauen gezogen wurde bei der Planung der Anschläge? Zeuge Kühl: Es wäre Irrsinn gewesen, ihn einzuweihen. Inzwischen ist bekannt geworden, daß die Verhaftung der Frau von Oertzen aus Betreiben ihres früheren Berliner Rechlsbcistavdes. des ebenfalls als Zeugen vernommenen Notars Dr. Conrad, erfolgt ist. Der Zeug« V rasch kennt von Salomon. Hamkens und Weschke. Bei dem Bauern prozeß von Itzehoe sollte Brasch Material für die in der Landvolkzeitung erhobenen Anschuldigungen gegen einen Staatsanwalt besorgen. Brasch hatte damals von Salomon in Hamburg kennengelernt. Bon den Bombenattentaten fei bxi dieser Zusammenkunft nicht gesprochen worden. Ander Unterhastimg waren damals etwa zwölf Personen beteiligt, u. a> Goebbels und feine Gladiatoren. Aufgepflanzt wie die Eichen stehen sie vor der Tribüne des Reichstages: Redner, mit allen Wassern gewaschen, Boxer, in allen Griffen des Ringkampfes zu Haufe.(Aus einem Mef von Goebbels an zrickj. Wie man Kriege verhüten kann. Deutsche Vorschläge im Genfer Abrüstungsausschuß. bor noch zu vernehmende Aeug« Der Aeuge hält es |ür ausgeschlossen, daß sich von Salomon, wie diesem vo» geworfen wird, daboi ausführlich über die Bomben- attentat« ausgelassen habe. Brasch ist später, ebenfalls im August 1929, mit Hamkens und von Salomon im Bahnhofshotel Itzehoe zusammengetroffen. Frau von Salomon soll bei dieser Jahre Poltsdlthne".— Spandau: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lindcnufcr l. Lustiger Abend.— frankfurter«ge«: Stadt. Iugendheim Litauer Straße 18. Dortrag:.Die Frau im Beruf und im Wirtschaftsleben".— Laubs» b«rg«r Platz: Gruppenh«im Di«stelmeuerstr. 5. Liederabend.— Licht«»d«rg: Jugendheim Dossestr. 22. �afemann dringt Lieder»ur Laut«."—»eu-Licht««- barg: Iugcndhlim Gunterstr. 44. Bunter Abend. Musik und Borlesungen.— Pankow: Grupp-nheim Pa»I»m. Aissingenstr. 48. Bartrag:.Der organisatorische Ausbau der FGZ."— SSdasteu: Gnverklchoftshau». Engeluf-r»4—26, Saal 11 des Fabrikorbeitcrocrdandc». Bunter Abend.— Charlatteudurg: Iugendheim Eprccstr. Z0. Bartrag:„BorkSmpfer der Arbeitrrbrwrgung". �uaendaruppe desZentralverbandes der Anqeffellten Heute. Dienstag, sind folgende Beranstaltuti«»n: ilurdwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Bortrag:.Grund»itge der Arbeitslosenversicherung". Referent Nurt Krause.— Lichtenberg: Iugendheim Gunterstr. 44. Vortrag: „Etwas über Graphologie". Referent Artur Rachow.— Sprech, uud Bewegung». chor: Ukbungsodend pünktlich 20 Uhr in de« Turnhalle der Schule Baruthee Straß« 20. Leitung Ltta Polemann. Verantwortlich istr Politik: Victor schiff: Kirtlchalt: tt. Nliugelhiler; Gewerkschaftsbewegung: fr. Stzkueu: feuilleton: N. H. Doicher: Lokale» und Sonsiiaes: fri»»arstädt: Anseiaen: Id. Glocke: samtlich in Berlin. Lerlag: Borwärts-Beriag G. m. d. L.. Berlin. Druck: Borwürts-Buchdruckeret und Ber.'agsanstalt Paul Sinaer u. St.. Berlin SD. 88, Lmhrnftraße 8, Hierzu Z Beil»»«». Nr. 445» 47. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Dienstag, 23. September 4920 „proletarische Abreibung." Vernehmung der Brüder Lambrowski im Höhler-Prozeß. Ver erste Tag des Tolschlagsprozesses A l i h ö h l c r und Genossen ist vorüber, aber nirgends dämmert auch nur eine Hoffnung aus, die die aus naheliegenden Gründen ausgestellte These der kommunistischen presse, der Totschlag an Wessel sei die inlerne Angelegenheit zweier Zuhälter, zu slühen vermöchte. Die verleidiger springen aus, stellen Fragen an die Angeklagten, womit sie mehr die Kommunistische Partei herauspauken möchten, als die Männer und Frauen aus der Anklagebank. Die Angeklaglen, die in die ganze Sache großenteils unüberlegt.hineingeschliddert" sind, begreisen das alles nur halb und machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube. So war es: Ein Zahr long hat man den Leuten aus den Sturmabteilungen vorgepredigt:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!" und als sich die erste Gelegenheit dazu bot, hat man zugeschlagen und— Wessel stand nicht mehr aus. Das Ganze ein Eisersuchlsdcama zweier Zuhälter? Nichts Hot bisher dieses im Karl-Liebknichl-Haus ausgeheckte Ablenkungsmanöver bestätigt. Die Partei Heinz Neumann wird den Ali höhler nicht so leicht los werdem vor allem wird höhler selbst ja noch sprechen. vielleicht„packt er aus". * Die Nachmittagssitzung begann mit einem VorftoßderVer- teidigung. Rechtsanwalt Apfel: Ich vermisse eine Ausdehnung der Anklage auf die Leute, die Frau Salm daran gehindert haben, den südischen Arzt zu holen. Wäre sofort ein Arzt geholt worden, hätte sich zweifelsohne bei Wessel keine Blutvergiftung eingestellt und wir brauchten heute nicht zu verhandeln. Staatsanwalt: Die ärztliche Hilfe wurde ohne ein schuldhaftes Versäumnis geholt. Es lag keine Veranlassung vor, die Anklage auszudehnen. Als nächster wird der 34 Jahre alte Arbeiter Max I a m- b r o w s k i vernommen, der mehrmals wegen Betruges und Unterschlagung vorbestraft ist. Max I. sagt aus: An dem betreffenden Tage nahm ich als Funktionär der KPD. an einer Funktionärsitzung teil. Als wir«ine halb« Stunde getagt hatten, kam Walter Joneck in das Sitzungszimmer und erzählt«, draußen sei eine Frau Salm, die von ihrem Untermieter Wessel be- droht werde und um Schutz bitte. Nach Beendigung unserer Debatte ging ich hinaus und traf Frau Salm. Sie erzählte mir von den Differenzen, die sie mit Wessel hatte. Ich fragt« Frau Salm: Warum kommen Sie denn gerade zu uns? Sie antwortete: Sie kenne mich von ihrem verstorbenen Mann her. Inzwischen war Walter Joneck wiedergekommen und hatte Ali h ö h l e r und Erwin Rückert mitgebracht. Frau Salm erzählte Ali höhler noch einmal alles. höhlcr und Rückert gingen nunmehr zur Großen Frankfurter Straße, Frau Salm und ich folgten. In die Wohnung bin ich nicht gegangen, ich traf Ali später am Alexanderplatz: er sagt«: Es ist schon allcserledigt. Vors.: 5)abcn Sie höhler und Rückert am gleichen Abend noch in der Gastwirtschast von Baer getrossen? Max I.: Nein, ist habe bei Baer nur noist Skat gespielt.: Vors.: haben Sie bei Baer gesagt:„Wer etwas verrät, kriegt eine Kugel durch den Kopf?" Max I: Wenn ich das gesagt hätte, wäre ich heute nicht mehr Mitglied der KPD. Vors.: Was waren Sie denn in der KPD.? Max I.: Ich war Kassierer der Sturmabteilung Mitte. Vors.: haben Sie das Geld, das Sie als Kassierer zu ver- walten hatten, für den Ankauf von Waffen ausgegeben? Max I.: Nein, wir haben keine Waffen R.-A. L ö w e n t h a l: Waren von den Angeklagten einige Mitglieder Ihrer Abteilung? Mar I.: Ja, Höhler und Rückert waren in meiner Abteilung. R.-A. Fuchs: Was verstehen Sie unter proletarischer Abwehr? Max I.: Wenn wir jemanden eine proletarische Abreibung geben, dann schlagen wir ihn so. daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden muß. (Große Bewegung im ganzen Saal.) Es solgt die Vernehmung Walter Jambrowskis. Er sagt aus: Ich traf Walter Joneck. Es war davon die Rede, Wessel aus der Wohnung zu setzen. Ich ging mit in die Wohnung der Frau Salm und setzte mich in die Küche. Frau Salm wollte uns noch Kaffes aufbrühen. Inzwischen ging Else Cohn weg und kam später mit höhler, Rückert und Kandulski wieder. Ich sah noch, wie Ali einen Revolver entsicherte und ihn wieder in die Tasche steckte. Dann hörte ich einen Schutz krachen und sagte: Nanu, der feige Lump(gemeint ist Wessel. Red.) schießt wohl noch durch die Tür? Nach zehn Minuten kam Ali und rief:„Alle raus!" Vors.: Wenn ein Schuß fällt, dann bleiben Sie doch nicht lO Minuten still sitzen. Walter I.: Ja, ich blieb still sitzen. Vors.: Wo blieben Sic nach der Tat? Walter I.: Wir gingen zu Baer und spielten unsere Parti« Billard weiter. Vors.: hat ihr Bruder Max gesagt-„Wer etwas verrät, kriegt eine Kugel durch den Kopf." Walter I.: Das habe ich nicht gehört. Vors.: Bei der Vernehmung aus der Polizei haben Sie aber aus- gesagt:„Wir wurden alle in das Hinterzimmer der Gastwirtschaft gerufen, dort wurde eine Ansprache gehalten und uns Schweige- Droht Einsturzgefahr? Auf Pfahlrosien im Sumpfgcbiet gebaut. Auf Antrag der Baupolizei hat der Polizeiprästdent die Prinz- Adalbert-Straße zwischen der Prinz- Wilhelm-Promenade und der R d d e l st r a h e sür jeden Fuhrwerksverkehr gesperrt, da sich an dem Hause Nr. 15 plöhtich st a r k c Risse zeigten und mit einer EZ n st u r z- gefahr sür dos Haus gerechnet werden mußte. An dem Hause weist die Außensassade breite Risse auf. und an den Ouermauerm zeigten sich starke Sprünge. Die Um- leitung des Verkehrs erfolgte, um zu verhindern, daß die starken Erschütterungen des Straßenverkehrs die Gefahr vergrößerten. Die Baupolizei stellte bei einer ersten Untersuchung der Fundamente des Hauses fest, daß dieses sehr alte Hans auf Pfahlrosten er- richtet wurde. Das Haus steht auf sumpfigem Boden, und zwar an der Stelle des ausgetrockneten Karlshorst er Sees. Das ganze Straßengchict-durchschneidet auch das alte Spreebett. Die Pfahlroste sind, in dem moorigen Boden weitergesackt, und die Fun- damente haben sich nach innen gesenkt. Eine Einsturzgesahr besteht nach der Auffassung der Baupolizei nicht. In dem zwei- stöckigen Hanse wohnen sechs Familien, die noch nicht zur Räumung aufgefordert worden sind, aber nicht mehr ihren Haupteingang, sondern nur den Eingang über den hos benutzen dürfen. . Zur Zeit werden statische Untersuchungen vorgenom- men. und erst nach Abschluß dieser Prüfungen wird es sich erweisen. ob das Haus abgerissen werde» muß oder durch weitere Pfähle und Fundanvente erholten werden kann. Pflicht geboten. Max I. sagt« noch, wer etwas verrät, kriegt eine Kugel durch den Kopf." Die Vernehmung des dritten der drei Angeklagten Gebrüder Jambrowski, Willi I., ergibt nichts Wesentliches zur Klärung der Tat. Er blieb vor der Tür stehen und ging später zurück zu Baer, von dort brachte er Else Cohn nach Hause, die dem Zusammen- bruch nahe war. Vors.: Sind Sie Mitglied der KPD.? Willi I.: Ja. seit Februar 1g30. Bor s.: Waren Sie vorher politisch organisiert? Willi I.: Ja, ich war von ISIS bis Ende 1923 Mlglied des Stahlhelms. Vors.: Bekleideten Sie eine Funktion? Willi I.: Ich war Kurier der Sturmabteilung Mitte.(Bewegung im ganzen Saal.) Als Letzte wird die Angeklagte Else Cohn vernommen: Ich bin mitgegangen, um Frau Salm zu helfen. Vors.: Was ging Sie denn Wessel an? Cohn: Frau Salm hatte mir von Wessel er- zählt. Vors.: Weswegen sind Sie wieder runtergegangen? Warum haben Sie die anderen Männer geholt? Cohn: Weil Wessel zur Rede gestellt werden sollte. Vors.: haben Sie die beiden Pistolen gesehen, die in der Küche entsichert wurden? Cohn: Nein. Vors.: Bei der Polizei haben Sie aber das Gegenteil ausgesagt. Darauf wurde die Verhandlung auf Dienstag früh um Iii 10 Uhr vertagt. Wehrlose niedergeschlagen. Lleberfall in der Bedürfnisanstalt. Das Opfer eines Raubübersalls wurde am ZNontag vormittag die Wärterin der Bedürfnisanstalt an der Nordseite des Großen Sterns im Tiergarten. Die Anstalt, die m der Nähe des Spreew.'ges liegt, wird von der 56 Jahre alten Frau Selma R o s k e aus der Stralfünder Straße 56 versehen. Gegen 9'A Uhr betrat ein Mann das Häuschen und übergab der Wärterin 10 Pf. Wie es die Gewohnheit der Wärterinnen ist, wollte sie die Toilette erst noch säubern und bückte sich. In dieser Stellung wurde sie plötzlich von wuchtigen Schlägen aus den Kopf getroffen und stieß mit der Stirn gegen die an der Seitenwand angebrachte metallene Zigacrenablage. Der Mann packte sie auch am halse und würgte sie. Obwohl die schwer oetrosfene Frau zu Boden sank, hatte sie noch die Kraft, laut um Hilfe zu rufen. Der Räuber, der seine Absichten vereitelt sah, flüchtete aus dem Häuschen und eilte nach dem Belleouepark zu. Frau Roske lief ihm unter Hilferufen nach und alarmierte die Verkchrsposten am Großen Stern und Passanten, die die Ver- solgung alsbald aufnahmen. Noch kurzer Jagd gelang es, den Räuber in dein Park zu fassen und nach der Wache zu bringen. hier stellte man ihn fest als einen 35 Jahre alten Fritz Schuster. Ausflugauto fährt auf Krankenauto. Betfimlm verursachen ein Autounglück. RIolchow, 22. September. An» Sonntagnachmittag ereignete sich auf der K a r o w e r Chaussee in der Nähe des Malchower Chausseehaufss ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Berliner Auto, dessen a cht Insassen betrunken roarcn, und einem Wis- marer Krankenauto. Der Zusammenprall»var so heftig. daß aus dem Berliner Kraftwagen drei Personen zehn Meter weit herausgeschleudert wurden. Ein Insasse des Berliner Autos erlitt eine schwere Gehirners chütte- rung, der andere schwere Kopfverletzungen. Die beiden Berliner ivurden dem Malchower Krankenhaus zugeführt. Während das Berliner Auto stark demoliert wurde, wurde das Wismarer Auto nur leicht- beschädigt. S/NCIAIR LEW/S 'ROMA/V Sie war nun vierunddreißig, doch gegen sechs Uhr nach- mittags hatte sie das Gefühl, vierzig zu sein. Jugend würde sie wieder finden— die Jugend, die in eines Kindes Lachen liegt— und den Frieden seines sanften Schlafes. Sie beriet sich mit Mamie Magen(die sofort den Ent- schluß faßte, auch ein Kind anzunehmen, und Una als Entdeckerin dieser herrlichen Idee pries) und mit ihrer guten Haushälterin in Großhampton Harbour. Sie wollte sehr vorsichtig zu Werke gehen. Sie wollte ein Dutzend ver- schiedener Waisenhäuser besuche»». Inzwischen bestand ihr zweites Geheimnis darin, sich das Leben durch vielerlei Interessen gehaltvoll zu gestalten. Sie wollte abermals ihre Stelle wechseln— zun» letztenmal, wie sie hoffte. Sie wollte wirklich selbständig etwas schaffen, ihr eigener Herr sein, nicht gehemmt von den Vorurteilen des Herrn Truax gegen selbständig arbeitende Frauen, und von der wachsenden Feindseligkeit der Frau Truax. � Unas Interesse an dem Gasthof in Croßhampton Har- bour, die Erfolge, die man mit vernünftigen, guten Mahl- zeiten und kleinen Kattunvorhängen erzielen konnte, sowie ihre Erinnerungen an die Familienpension, holten ihre Auf- merksamkeit auf die kaufmännischen Möglichkeiten des Hotel- gewerbes gelenkt. Sie war überzeugt, daß es keinen Geschäftsgeist gab.»n dem trotz allem Erfindilngsgeist und aller Sorgfalt, welche die Leiter der großen Stadthotels an den Tag legten, soviel phantasielose ui»d unordentliche Leute zu finden seien wie im Gastgewerbe Sie hatte bei Pemberton und bei Truax u. Fein oft gehört, wie sich die Geschäftsreisenden über den sauren Kaffee und die schlechten Betten der Klemstadthotels beklagten- über Messer und Gabeln, die man vor Gebrauch erst am Tischtuch abwischen mußte: über Wirte, die in Hemds- ärmeln in der Nähe der Spucknäpse herumlungerten, während ihre Frauen sich mühten, mit der Arbeit fertig zu werden. Sie fing an. Fachzeitschriften zu lesen, die„Hotelnach- richten" und den„Tagesbericht für Gastwirte", und sie be- suchte den Direktor eines Hoteleinrichtungsgeschäfts. Im„Tagesbericht" las sie von einem Bob Sidney, einem ehemaligen Handlungsreisenden, der zusammen mit einem klemen Kapitalisten ein Hotel-Syndikat gegründet hatte. Er annoncierte:„Die White-Linie Hotels. �Reisekameraden, wo immer Ihr das Schild der White-Line Hotels ausgehängt seht, dort könnt Ihr sicher sein, ein gutes Bett und einen guten Kaffee zu bekommen!" Diese Idee gefiel ihr. Sie konnte sich gut vorstellen, daß Geschäftsreisende von einem White-Line Hotel zum andern fuhren. Sie waren in einem Dutzend Städte längs der Pennsylvania-Eisenbahn errichtet worden, in Norristown, Reading, Williamsport und vielen anderen, und nun ver- sprach Bob Sydney, Ohio ui»d Indiana zu überfallen. Una. deren Phantasie in kommerzieller Richtung sich stark ent- wickelt hatte, sah das leuchtende Bai»ner der White-Line bereits über dem ganzen Kontinent flattern. Auch gefielen ihr manche Ideen des Herrn Sidney: die Hotels übernahmen es, für ihre Gäste telegraphisch Zimmer in den Schwester- Unternehmungen vorauszubestellen, und war jemand bei der Line bekannt, so bekam er, sobald er nur in die Liste der Stammgäste eingetragen war, Kredit in jedem der Hotels. Una nahm sich vor, Herrn Sidney zu gewinnen. Sie schmiedete Pläne. Im Frühjahr nahm sie einen geheimnisvollen Urlaub auf zwei Wochen und bereiste die Staaten New Park, Pennsylvania, Ohio und Indiana. Die Frau, die es noch vor kurzem als ein Abenteuer angesehen hatte, nach Brooklyn zu gehen, war nun von ihrer„großen Idee" so erfüllt, daß es ihr ganz natürlich vorkam, fremde Männer in der Eisen- bahn anzusprechen. Wenn die sich die Lippen leckten ui»d unverhohlen dachten:„Halloh! Das geht gut— hübsche kleine Person", dann lenkte sie das Gespräch auf das Thema „Hotel", fragte, was die Leute von einem Hotel verlangten und was sie nicht bekämen: welches ihre Lieblingshotels in Städten zwischen fünfzehnhundert und vierzigtausend Ein- wohnern seien, und worin deren besondere Vorzüge bestünden. Sie nahm täglich in zwei oder drei verschiedenen Hotels mindestens eine Mahlzeit ein—, Hotels in winzigen Städte,», deren Namen sie nie zuvor gehört hatte, und in größeren, die sich gerne für Großstädte ausgegeben hätten. Sie suchte alle Sommerfrischen auf, die zu so früher Jahreszeit schon eröffnet waren. Sie sprach mit männlichen und weiblichen Geschäftsreisenden, mit Chauffeuren und mit Kaufleuten, die die Hotels belieferten: mit Hotelbesitzern und ihren Frauen: mit dem gesamten Personal, den Büroangestellten, den Kellnerinnen, den Liftjungen und mit unbeachteten, stets aufmerksam beobachtenden Portiers. Sie las Zirkular« und Kataloge von Hotelmöbelfabrikanten. Schließlich besuchte sie jedes einzelne der White-Line Hotels des Herrn Bob Sidne»). Abgesehen von der Einrich- tung des„Zimmerbestellsns" und des Kredits, von der größeren Reinlichkeit, besseren Matratzen und echtem Bohnenkaffee fand sie gegenüber anderen Hotels wenig Vor- züge an ihnen. Die Reihen von Spucknäpfen, die schulter- hohen Schreibpulte, die kahlen Büros mit den Reklame- kalendern, und die Speisesäle, deren Wände mit Bildern zer- legier Enten geschmückt waren, glichen auf ein Haar denen aller anderen Hotels, die sie gesehen hatte. Auf der Heimfahrt nach New Pork legte sie sich ihre Vorschläge für neue Hotels zurecht: in diesem Entwurf hieß es mit ihren eigenen Worten folgendermaßen: 1. Das Schreibzimmer»nuß ein ordentlicher Raum sein— UB: Wohnzimmer in Grey Wolf Lodge. Schreibpult muß hinaus— Gästeeintragungen und Rechnungen bezahlen in kleinem Büroraum außerhalb des Schreibzimmers— Briefe auch dort aufheben. Kan ganz klein sein; unmöglich, mit so einem alten Schreibpult, das überall hervorsticht, einen Raum gemütlich zu machen. 2. Spucknäpfe hinauswerfen. Muß ein separates Zimmer geben, wo Geschäftsreisende Karten spielen, Witze erzählen und spucken können. Rauchen im Schreibzimmer erlauben, muß aber doch hübsch aussehen. NB: Kattunüberzogene Sessel und Schaukelstühle zu 3 Dollar das Stück. Kleine runde Tischchen mit Stehlampen. Wenn möglich, Kamin. 3. Bessere Nachspeisen und Suppen, auf Kaffee be- sonderes Augenmerk. Bei jeder Mahlzeit eine kleine Ueber- raschung— z. B. neue Zubereitung von Eiern, gute Salate oder Büchsenhummer. NB: Ueberall, wo ich hinkam, stets Schweinebraten, Bohnen, Büchsenfleisch, immer kalte Kar- toffeln. 4. Hübschere Eßzimmer. Insbesondere kleine Tische für zwei bis vier Personen. Mehr für ansässige Gäste sorgen, mit Menüs nach freier Wahl— keine langen, aber gute. 5. Weibliche Wirtschafterinnen, und sie gut bezahlen. 6. Hygienische Küchen, und Reklame mit ihnen mache». 7. Personal abrichten: NB.: wie Reisender mir erzählt hat, daß die Vereinigten Zigarrenhandlungen es tun. 8. Größere Bequemlichkeiten ifür Frauen: NB.: ver- schieden« Frauen von Geschäftsreisenden sagten mir, daß sie öfter mit ihren Männern auf die Tour gehen würden, wenn man in den kleinen Hotels nicht so schlecht untergebracht wäre. 9. Nicht N. P. 5)otels nachahmen. Nichts auf Ver- goldungen und Palmen und Marmor»»erwenden. Aber saubere und schmackhafte Kost, und man muß nicht Sachen wie diese Stehpulle haben, nur weil sie in den meisten Hotels zu finden find.(Fortsetzung folgt.) Soziale Justiz. j ankenswerle Verfügunq des preußischenLufiizministmums Meine idsonzeigen sind häufig darauf zurückzuführen, daß bei der Leistung des O f f« n b a r u n g s e t des der Schuldner fei» Vermögen nicht richtig und vollständig angegeben hat. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat daher der preu« ßische Iustizmlnister in einer Verfügung vom 11. September 1930 darauf hingewiesen, daß bei der Abnahme des vffenbarungs- eides ein besonders sorgfältiges Verfahren de» Vollstreckungsgerichts im Interesse des Schuldners und des Gläubigere wie auch im Interesse der Rechtspflege erforderlich sei. Um eine vollständig« Vermögensangabe durch den Schuldner zu er- reichen, fei darauf Bedacht zu nehmen, daß im Termin ausreichend Zeit bleibe, um«in« sorgfältige Nachprüfung des Vermögens. Verzeichnisses zu ermöglichen. Es müsse im Offenbarungseid. verfahren mit einer gewissen Erregung namentlich bei solchen Schuldnern gerechnet werden, denen das Auftreten vor Gericht ungewohnt sei. Hierauf sei in Verständnis» voller Weis« Rücksicht zu nehmen. Der Richter müsse «S als seine vornehmste Aufgab« betrachten, mit ungewandten Per- sonen von geringer»irtfchastlidzer Erfahrung das Vermögens- Verzeichnis vor der Cidesabnahme zu erörtern und auf Unvoll» ständizkeiten uich Ungenauigkeiten rechtzeitig hinzuweisen und fach- dienliche Belehrung zu erteilen. Ein sorgfältiges und Verständnis» volles Verhalten des Richters werde zur Vermeidung von Meineidsanzeigen und zur Einschränkung von An- t> ägen auf wiederholte Abnahme des Offenborungseides und damit auch zu einer Entlassung der Gericht« bei- tragen. Für diese von wirtlichem Verständnis für die Nöte der Zeit zeugenden Bestimmungen, deren liebevolle und lorgsällige Beachtung von den Richtern erwartet wird, verdient das preußische Justiz- Ministerium Dank und Anerkennung. Raubüberfall in Verlin W. Orei bewaffnete Einbrecher bevroben Ehepaar. Ein Einbruch, verbunden mit einem Raube, wie er in Berka glücklicherweise zu deu Selteaheileu gehört, wurde in der vergangenen Rächt im Hause Geisberg st r. 41 verübt. Dort bewohnt im dritten Stock des Vorderhauses der Holzgroß- taufmann Alfons Spitzer ein« ziemlich große Wohnung. In den Räumen sind drei verschiedene Telephonleitungen angelegt. In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr erwacht« das Ehepaar von einem Geräusch und sah, als es Licht gemacht hatte, daß im Schlafzimmer drei Männer mit Revolvern standen. Sie hatten ihr« Mützen und Hüte ttef ins Gesicht gezogen, um nicht erkannt zu werden, und zwangen den Kaufmann unter ständiger Drohung mit Erschießen, au» dem Bett aufzustehen und die Schlüssel zum Geldschrank herzugeben. Jeder Widerstand war zwecklos, und auch telephonisch konnte man keine Hilf« herbeirufen, da alle drei Leitungen durchschnitten waren. Die Einbrecher schloffen den Geldschrank auf und entnahmen ihm bares Geld und den Schmuck der Ehefrau. Was sie dabei in die Hände bekommen haben, steht zur Stund« noch nicht fest. Rückwärt» gehend entfernten sich die Einbrecher und oerschwanden durch den Dorderausgang. Wie sich später herausstellte, hatten sie die Hintertür mit einem Dietrich oder Nachschlüssel geöffnet, nachdem sie vermutlich über das Dach und den Boden herangekommen waren. Das Ehepaar alarmierte von einer Nachbarwohnung aus da« Heber- fallkommando, doch war bereits ein« so lange Zeit oerstrichen, daß von den Einbrechern keine Spur mehr gefunden wurde. Oer Lleberfall auf die Wohliaierm. Ein schweres Verbrechen wird gesühnt. Am 6. Februar d. 2. war die 4SjShrige Slavierlehreria Margarete Zimmer in der Steinmetzstraße, die wegen ihrer großen Mildtätigkeit allgemein bekannt and beliebt war. in ihrem Zimmer überfallen, geknebelt und beraubt worden. Als man in da, Zimmer der Lehrerin drang, lag sie«ol anf dem Bell. Merkwürdig ist, daß die Todesursache nicht zweiselsfrei festgestellt werden konnle. Die Täler, ein 27jähriger Alfred Gaaski und«in Zvjähriger Martin Opitz stellten sich selber der Polizei und hatten sich jetzt vor dem Landgericht II zn verantworten. Der Angeklagt« Ganski machte vor Gericht äußerlich einen ganz sympathischen Eindruck. Er hat als Waise eine traurige Jugend hinter sich. Schon als ganz junger Mensch ging er auf die Wander- schuft, geriet in retigiös« Kreis« und saht« den Plan, nach Jerusalem zu gehen. Dann geriet er in ein« christliche Arbeiter- kolonie, mußte Landarbeit verrichten, erhielt außer freiem Auf- «nchatt und freier Verpflegung täglich nur 80 Pf. bares Geld und rückt«, da er«in solches Leben auf die Dauer nicht aus- halten tonnt«, eines Tages au». Immer tiefer sank er und das Unglück wollte es, daß er in einem Asyl seinen alten Freund Opitz wieder traf, der ihm erzählte, er sei von dem Fräulein Zimmer, von der er Geld und Esfen erhalten hotte, gebeten worden, einen Koltegen zum Teppichktopfen mitzu- bringen. Auf die Möglichkeit, bei dieser Gelegenheit die wehrlos« Frau zu überfallen und zu berauben, dauten die beiden ihren fürchterlichen Plan, den sie am 6. Februar d. I. ausführten. Die Beute, Kleider und Wäsche, verkauften sie an den Mitangeklagten Ptoski. Bor Gericht bestritten sie energisch jede Tötungsabsicht. Räch zweistündiger Beratung wurde folgendes Urteil verkündet: Di« Angeklagten Alfred G a n» k i und Marttn Opitz werden wegen Raubes mit Todeserfolg zu je zwölf Iahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehrvertust verurteilt. Der Angeklagte P t o ck erhält wegen gewerbsmäßiger Hehlerei ein Jahr Zuchthaus. Tariflöhne— gehen uns nichts an! ErNärung eines kommunistischen Stadtrats. Im Verwaltungsbezirk Kreuzberg wurde gestern im Ausschuß der Haushalt 1931 beraten. Bei dem Kapitel„Straßen- reiniguirg" regten die Deutschnationalen an. statt des städtischen Fuhrparkes die Fuhrherren innung heranzuziehen. Dabei forderte Genosse L i t k e. daß keine Firma beschäftigt werden dürfe, die nicht die tariflich f e st g e l e g t e n Löhne an die Arbeiter zahll und Urlaub gewährt. Dieser Gedanke wurde auch von den bürger- lichen Parteien anerkannt. Rur der kommunistische Stadtrat G« h l m a n n wandt« sich unter allgemeiner Entrüstung des Aus- schusses dagegen mit der Erklärung, es ginge das Bezirks- amt nicht» an, ob die beauftragten Fuhrherren die tariflichen Bedingungen einhalten! Das sind die Ansichten eines patentierten Vertreters der Partei, die bei den letzten Wahlen in Berlin sich noch mit einem Zuwachs an Arbeiterstimmen brüsten konnte! Die Lugend Witt wandern! Es fehlt noch an Herbergen.— OasLugendherbergswerk wirbt. Die Zugendherbergsverbäad« veranstalten vom 21. bis 28. September eine Reichswerbewoche. die in Berlin am 28. September mit einem Reichswerbeiag den Abschluß finbel. Die Zugendherbergen solle» durch diese Kundgebungen in den Brennpunkt des Znteresse» gestellt werden, es soll versucht werden, neue Anhänger zu werben, neue Zugendherbergen zu errichten und alle zu renovieren. Dieses Wert, das nach dem Krieg« einen schnellen Ausstieg nahm, muß weiter ausgebaut werden, an vielen Orten fehlen die Herbergen überhaupt noch, an anderen entsprechen sie nicht den Anforderungen, die an sie gestellt werden müssen. Gerade für die arbeitend« Jugend sind diese Jugendherbergen ungeheuer wichtig, es gibt kein« bessere Erholung als durch das Wandern, die Fahrpreise werden verbilligt, wenn die Fahrten gemeinsam mit Gesinnungsgenossen gemacht werden. Sonnabends geht es schon hinaus, die Uebernachtungs- gebühr ist mit 20 Pf. für den Jugendlichen erschwinglich, am Sonntag kann es dann in aller Frühe weitergehen. Die Jugend- Herbergen haben viel zur Verbreitung der Won- derungen beigetragen, die Uebernochtungszahlen in den Jugendherbergen sind von 1921 mit etwa 500 000 Uebernachtungen auf 3 700000 im vergangenen Jahre gestiegen, gleichzeittg stieg die Zahl der Herbergen von 1Z00 aus fast 2200. Das Geld, das in den Jugendherbergen angelegt wird, sst kein totes Kapitol, es wirkt sich bestimmt auf die Volksgesundheit au». Die Gewerkschaften haben In vorbildlicher Wesse erhebliche Summen für den Ausbau von Jugendherbergen zur Verfügung gestellt, die hieraus errichteten Herbergen sind wahr« Heim« der Jugend geworden, sie zählen mit zu den besten Heimen, die der Jugendherbergsverband überhaupt besitzt. Auch in«rziehersscher Hinsicht wirkt sich das Iugendherbergswerk aus; für uns sst es besonder« aussällig, daß der Drang nach mehr Freizeit, nach mehr Ferien durch diese Wochen- endwanderungen ungeheuer gefördert wird und daß dadurch auch eine politische Stellungnahme erfolgt, die nur organisatorisch zu er- fassen sst. Fast jeden Sonntag wird eine neu« Herberge eingeweiht, aber fast im gleichen Maße müssen ungeeignete geschlossen werden, so daß die absolute Zahl kaum steigt. Aber Heuböden und Stallräume find keine Zugendherbergen. st« fördern nicht die jugendlich« Gesundheit, ganz abgesehen von den primittoen hygiensschen Einrichtungen. Auch die Schulen sollten stärker als bisher die Jugendherbergen benutzen, denn gerade auf mehrtägigen Wanderungen entwickelt sich ein Kameradschaftsgeist, den es in der Klasse sonst nur selten gibt. Und das zu pflegen und zu fördern sollte Aufgabe der Schul« von heute sein. Vor allem können überaus billige Ferienwanderungen unternommen werden, denn von den Schutserien hat die Großstadtjugend im allgemeinen nicht viel. Di« weltlichen Schulen find auf diesem Gebiet« wegweisend geworden, ein Minimum an Kosten ermöglicht jedem da« Mitkommen. Auch der schulentlassene Lehrling muß«in Recht aus ausreichenden Urlaub haben: ihm drei Tage im Jahr zu geben, sst«in Verbrechen an dem Jugendlichen. Nach Erhebungen der Sozialistsschen Arbeiterjugend hat sogar«in Viertel aller werttättgeu Jugendlichen im Entwicklungsalter von 14 bi» 18 Zahrra nicht einen einzigen Urlaubslag. Das Jugendherbergswerk ist ein gemeinnützige» Werk, an dem all« mitarbeiten sollen. Der Reichswerbeiag soll dem Jugend- Herbergswerk neue Freunde und Förderer zuführen: zu wünschen ist, daß das Netz der Jugendherbergen sich weiter planvoll ausbreitet, und daß in schönen Wandergebieten— auch abseits der Ortschaften— Jugendheime entstehen, die den berechtigten Aissprüchen entsprechen. Das verwirklichen zu helfen sei auch unsere Aufgabel Lugendherbergen im Vild. Eine Ausstellung in Friedrichshagen. «Die Zugendherbergen", so heißt eine kleine Aussletluag, die der Gau Mark Brandenburg im Reichsverband deutscher Zugendherberge» gemeinsam mit dem Vezirksjugendamt in Berlin Friedrich». Hagen zeigt. Jugendwandern und Jugendherberge find zwei zusammen- gehörige Begriss«, eins sst die Voraussetzung des anderen, und der Ueberblick, der uns in vielen schönen Photos über da» Jugendherbergswerk gegeben wird, zeigt die Bedeutung, die dies« Be- wegung in Deutschland gewonnen hat. Die besten märkischen Her- bergen sind in Modellen aufgebaut, damit auch die Herbergs- unkundigen einmal Einblick in den Aufbau und die Inneneinrich- tung einer modernen Jugendherberge nehmen können. Etwa 3000 Zugendherbergen gibt es in Deutschland. Umgebaute alte Burgen und Schlösser, oft auch nur Ställe, waren die ersten Herbergen. Heute stellen viele Städte, besonders Kommunen, die unter s o- zialdemokratischem Einfluß stehen, moderne Zweck- bauten der wandernden Jugend zur Verfügung. Mehr und mehr scheint sich der Gedanke durchzusetzen, der auch in der Ausstellung sinnbildlich dargestellt ist:„Zede Schlafgelegenheit mehr ist eine Gefängniszelle weniger." Die Ausstellung, in der auch die„Naturfreunde" durch eine kleine Sonderschau vertreten sind und die der Presse mit ein- leitenden Worten des Pressereferenten Zimmermann in einer Vorbesichtigung gezeigt wurde, befindet sich am Bahnhof Friedrichshagen, Friedrichstraße 87. Sie sst vom 21. bis 28. September täglich von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Arbeiterbildiiiigsschiale Vel$eiiKe:.Die«oslalc SAlAhm« der Getfenwert-(Mexlmlllan Lange). Der politische Kampf der Gegenwart erfordert eine genaue Orientierung über die gesellschaftliche Kraft uhd die Bedeutung der zahlreichen politischen Parteien. Diese erlangen wir nur dann, wenn Wir die soziale Schichtung der Klassengesellschaft kennen.— Acht Abende. Beginn Montag, den 13. Oktober,!?>/- Uhr, Altes Lyzeum, ParkstraBe 15.— Hörgeld 2 Mark. In dem am Sonntag veröffentlichten Arbeitsplan der Schule muB es heißen; Der Zentrale Kursus.Die ordanlsaloriscfcew und programmaH-dirB Grundlagen der Partei'(Käthe Kern), beginnt Dlauta», den 31. Oktober, nicht Donnerstag, den 23. Oktober. Frledrtchshaln(6. Zeile);.Da* Proletariat im«teNnng, krieg'(nicht Siedlungskrieg) Pankow(I. Zeile):.SoziaHsUadie Lebensformen'(nicht Lehensreformen). Zcblendort beginnt der Kursus erst Freitag, den 31. Oktober, nicht Freitag, den 24 Oktober. Nazi-Mordtaten vor Gericht. Schüsse gegen die Fußballer. vor dem Schwurgericht beim Landgericht III begann heute der Prozeß gegen die Rationalsozialisten Edgar Meier, Heinz Pruste, Dömpte und Rauh sowie den Werkzeugmacher Bernsdorf. Dieser ist nicht Rationalsozialist, sondern Angehöriger des unpolitischen Fußballklub,„Germania". Meier. Kämpfe und Prüfte werden de» Totschlage» in Taleinheit mit Laadsriedensbruch und de« unbefugten Waffenbesitze» beschuldigt. Rauh der wissentllchen Beihilfe zum Tosschlag und Bernsdors des Landfriedensbruch». Die angeklagten Nationalsozialisten hatten im Mai in einer Schankwirsschaft im Nordosten Berlin» den Geburtstag eines Ka- meraden gefeiert. Auf dem Nachhausewege stießen sie in der Nau- garder Straße mit Mitgliedern des unpolitischen Fußballklubs.Ger. mania", die vom Skosspiel kamen, zusammen. Es kam zu einer Schießerei, bei der zwei Mitglieder des Fußballklubs so schwer ver- letzt wurden, daß sie an den Folgen starben. Der„Vorwärts" hat seinerzeit ausführlich darüber berichtet. Die drei angeklagten National- sozialisten wollten Glauben machen, sie hätten in Notwehr ge- handelt. Die Staatsanwaltschaft hält die Angaben der angeklagten Nationalsozialisten bereits jetzt für widerlegt. Kanalküfle verwüstet. Todesopfer des Sturmes.- Wottenbrüche und Gewitter. Pari», 22. September. Der Sturm im Aermelkanal und an der Atlantischen Ztllste fordert« weitere Menschenopfer an Leben und Schiffen. In Boulogne-sur-Mer ist ein Dampfer eingetrofien, der die beiden Ueberlebenden des Motorschiffes„F o x h o d" an Bord hatte, einen deusschen und einen holländischen Matrosen. Das Motorschiff, das holländischer Herkunft ist, sank in der Mündung der Themse. Der Kapitän, seine Frau und ein Kind sowie ein Matrose sind dabei ertrunken. Aus Le Ha vre wird der Tod von Zwei Seeleuten gemeldet. Der Küstenverkehr mußte vollkommen«ingestellt werden. Die Ein- und Ausschiffung der Lotsen gestaltet sich äußerst schwierig. In Cherbourg liefen Dutzende von Schissen, die sich in den letzten beiden Tagen in den Hafen geflüchtet haben. Bon der Atlantischen Küste, längs der Bretagne, werden ebenfalls schwere Berwisstungen und Opfer an Menschenleben gemeldet. Aus einem Fischerboot wurden zwei Fischer durch ein« Sturzwell« fortge- schwemmt. An der Küste des Mittelmeeres gingen schwere Wolkenbrüche nieder. Der Blitz schlug in zahlreiche Orte ein. Das Wasser steht teilweise 80 Zentimeter in den Kellern der Häuser. Au» den Saooyen werden dagegen starke Schneefälle gemeldet. Lm Flugzeug verbrannt. Reue Opfer der unsinnigen Lustakrovatit. Belgrad, 22. September. Don drei Militärflugzeugen, die den Zug begleileten, in dem der südslawische Ministerpräsident S i v t o v i ch van Susot nach Agram fuhr, stürzte eines bei der Vorführung von atrobati- scheu Kunststücken ab. Der Apparat geriet in Brand und die beiden Znsassen konnten von den Passagieren de» Zuges, der zum Stehe« gebracht wurde, nur noch als verkohllg Leichen geborgen werden. Oer Fallschirm versagt.- 400 Meter herabgestürzt. Brüssel. 22. September. Bei einem in Euere von dem Belgischen Aero-Elub veranstalteten Flugtag verunglückte der Fallschirmabspringer Stachevsky tödlich. Nach dem Programm sollt« Stachevsky mit drei verschiedenen Fallschirmen drei Absprünge vorführen. Die beiden ersten Absprünge glückten. Bei dem Absprung mit dem dritten Fallschirm versagte die Entfaltungsvorrichtung, und Stachevsky stürzte aus einer Höhe von 400 Metern zu Boden. Der Verunglückte war sofort tot. Zur Zeit der Kaffee-Ernte herrscht reges Leben auf den Plantagen. Bei hochwertigen Sorten legt man großen Wert darauf, nur gut ausgereifte Kaffeekirschen xu ernten. Je voller der Kaffee ausreift, um so besser ist er. Die Qualität eines Kaffees hängt außerdem ab von Sorte, Bodenbeschaffenheit, Klima, Witterung. Eine sehr große Rolle spielt die Höhenlage. Wollen Sic die Feinheiten eines Kaffees kennen lernen, der in etwa 4000 Fuß Höhe gewachsen ist, so probieren Sic Kaffee Hag, dessen Geschmack durch solche erlesenen Hochgewächse wesentlich bestimmt wird. Immer sind es die Rösiproduktc, die dem Kaffee seinen Wohlgeschmack und sein Aroma verleihen, niemals das Coffein. Auch dafür ist der eoffeinfreie Kaffee Hag der beste Beweis. Kaffee Hag ist völlig unschädlich. Auch in stärkstem AufguS und abends spät genossen, ruft er niemals Schlafstörungen hervor. Überzeugen Sie sich selbst, wie gut Kaffee Hag schmeckt und wie gut er Ihrer Gesundheit tut Die Liebe zum Kinde. Ein Prozeß mit vertauschten Sollen. Eine wenig erfreuliche Mutter, lochier und Schwester zugleich und ein brulaler Mann als Kläger, zwei Frauen als Angeklagte, die im ganzen Saale die Sympathie auf ihrer Seite hoben, ein gerechter, wohlwollender Richter und ein gerechter, wohlwollender Spruch. Das ist der Inhalt eines Prozesses, der das grosze Schöffengericht Wedding beschäftigte. Angeklagt sind zwei Frauen: Ein« würdig« Sechzigerin aus Thüringen und ihre Tochter, ein« ehrsame Schnerderin. Die andere Tochter, die Schwester, ist Schauspielerin. Sie zeugt«in uneheliches Kind, aber die oerzeihende Mutter zürnt nicht, im Gegenteil: Sie nimmt mit der kleinen Schneiderin, ihrer anderen Tochter, zusammen das arm« Wurm ins Haus und hegt und pflegt es liebevoll. Die Schauspielerin hat vor einem Jahre einen beschäftigungslosen Schauspieler geheiratet, und die beiden Pflegemütter kommen aus Erfurt mit dem Kinde zur Hochzeit nach Berlin. Das junge Paar hat keine Wohnung, und so muß die Großmutter das Kind wieder mit nach Haufe nehmen. Dann aber kommt ein Brief: Ich verlange mein Kind zurück! Die Groß- mutier gibt nach, aber wie ein Stich ins Herz trifft«s sie, als ihr kurz darauf die Tochter mitteilt, daß nicht sie selbst das Kleine großzöge, daß sie es vielmehr in ein katholisches Stift gegeben habe. Kummer nicht allein über die Entfernung des Kleinen von der Mutter, sondern auch religiöser Zwiespalt— das Kind ist evangelisch getauft und ist jetzt in einem katholi- schen Heim— treiben die alte Frau dazu, mit ihrer anderen Tochter, der Pflegemutter, nach Berlin zu fahren. Eine Notlüge: Di« Schneiderin gibt sich im Stift den Schwestern gegenüber als Mutter des Kindes aus.„Großmutting!" ruft der Kleine und fliegt der alten Frau und dann der Pflegemutter in die Arme. Heimlich verschwinden beide mit ihrem Liebling. Der Stiefvater, ein hochfahrender Mensch mit rauschendem Lockenkopf läßt das Kind durch die Polizei abholen und wieder ins Stift zurückbringen. Nun weint es und denkt an die schönen Zeiten bei Großmutter... Auch die beiden Frauen, wegen Kindesentführung angeklagt, weinen vor Gericht.„Wir haben doch nicht gewußt, daß wir uns strafbar machten. Wir waren doch die richtigen Erzieherinnen, wir hatten da» kleine doch so lieb." Im Klange rechter Herzenswärme sagt der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Doerendahl zu der natürlichen Mutter:„Nehmen Sie doch die Klage zurück, kämpfen Sie doch nicht gegen Ihre Mutter und Ihre Schwester, dann können wir das Verfahren wegen Geringfügigkeit einstellen!" Nein, sie. ganz ihrem Mann« gehorsam, sagt: „Darüber muß mein Gatt« entscheiden!" Der aber, hoch- fahrend und schroff, lehnt ob. Der Staatsanwalt beantragt in Anerkennung der edlen Motive je Ll> Mark Geldstrafe. Das Gericht bleibt unter dem Antrag und erkennt auf je 10 Mark Geldstrafe. Der Schauspieler erklärt mit Emphase:„Das Urteil erkenne ich nicht an!" Ein iragifches Geschick. Auf dem Wege zum schwerkranken Vater verunglückt. Gent, 22. September.(Eigenbericht.s Genosse Eduard Anseel«, der bekannte Vorkämpfer der belgischen Sozialisten, befindet sich In dem französischen Kurort vichy, wo er schwer krank daniederliegt. Der vierundsiebzigjährige, den die belgischen Genossen als den Vater der Arbeitergenossen- schasteu verehren, sollte am Montag von seinem jüngsten Sohn Artur besucht werden. Dieser trat in einem Kraftwagen von Gent die Reise noch vichy an. Zn Auxerres fuhr jedoch der wagen gegen einen Baum und überschlug sich. Während der Ehaujseur unverletzt blieb, wurde Artur Anseele schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Man zweifelt an seinem Auskommen. Zuwelendiebstahl in der Eiiy. Täter nach kurzer Verfolgung gefaßt. Ein verwegener Zuwelen-Diebstahl wurde in der Neuen König st raße verübt. Am Freitagabend gegen 10 Uhr klirrten plötzlich die großen Schaufensterscheiben des Juwelengeschäftes von Görisch in der Neuen Königstrahe 15. Es stellte sich heraus, daß zwei jung« Burschen die Scheiben mit großen Steinen ein- geschlagen hatten, sie hatten darauf einen Teil der Schmucksachen, die dort ausgestellt waren, ergriffen und waren geflüchtet. Straßen- passanten nahmen die Verfolgung der Einbrecher auf und konnten einen der Einbrecher einholen und der Polizei übergeben. Ein großer Teil der Beute wurde bei ihm gefunden. Seine Komplizen entkamen unerkannt. Der Wert der gestohlenen Sachen beträgt etwa 10 000 M. Der Festgenommene ist ein gewisser Sebastian Straff er aus Bayern. Die Polizei vermutet, daß allerlei dunkle Elemente das Loch im Schaufenster zu einem billigen Einbruch ausgenutzt haben. Verkehrsunfall in der Pankftraße. An der Ecke Pank- und Wiesen straß« kam es am Montag nachmittag gegen 5 Uhr zu einem Zusammenstoß zwischen einer Kraftdroschke, einem Motorrad und einem Radfahrer, bei dem drei Personen verletzt wurden. Die Kraftdroschke und das Motorrad kamen von der Vadstraße in normalem Tempo ange- fahren und lagen beide fast nebeneinander, als sie einen Radfahrer bemerkten, der die Straßenkreuzung im gleichen Augenblick wie sie erreichte. Beim Ausweichen oder Bremsen stießen alle drei Fahrzeuge mit heftigem Anprall zusammen. Der Motorfahrer und der Radfahrer wurden von ihren Fahrzeugen geschleudert und schlugen hart auf den Straßendamm aus. Der Rad- fahrer hatte nur Hautabschllrsungen erlitten. Der Motorradfahrer B. Olsch« wsk i aus der Garde-du-Corps-Straße 16 mußte mit schweren Kopfverletzungen ins Jüdische Krankenhaus gebracht werden. Der Führer der Kraftdroschke blieb unverletzt. Die Schuldfrage ist noch ungeNärt. Jugendweihen der Soiiallsien. Freidenker und Gcwerksdiaflen Berilni am Sonntag, dem 28. September In Pankow: Aula det Lyzeums, Pankow, Görschs trabe 41, vormittags 11 Uhr. Wel�ensee s Stadthalle Wetbensee, Plsforlusstrafee 13, vormittags 11 Uhr, Berlin:.Volksbühne", Theater am Bülowplatz, vormittags 91/» Uhr und 11 Uhr Es wirken mit in Pankow: Sprechchor-Oemeinschaft.Niederschönhausen"/ Liebermann- Cello-Trio/ Männergesangverein„Zukunft" Weltensee: Musikvereln Weitensee, vir. Mewes/ Minnerchor Weitensee, Dir Paas/ Sprechchor der Freien Gewerkschaftsjugend/ Weiheredner: Rektor Otto Faust Berlin; Arbeitsgemeinschaft„Prot. Kunst"/ Streichorchester der Sozialistischen Arbeiterlugend•/ Aufführung:„Das Tor des Lebens". Jugendweihespiel von Hans Otto Döpkc Eintrittskarten für die Jugendweihen in Pankow und WeiBensee sind am Tage der Weihen an den Kassen erhältlich Tieue Art von Wohnungsschwindel. In Verbindung mit Heiratsschwindel. Einer modernen Art von Heiratsschwindel siel eine junge Dame zum Opfer, die endlich eine eigene Wohnung haben wollte. Es wurde ihr mitgeteilt, daß sie das nur erreichen könne, wenn' sie heiraten würde und darauf inserierte sie nach einem Ehepartner. Mit einem der Bewerber, der ihr zusicherte, daß er ihr sehr schnell eine Wohnung verschaffen könne, verlobte sie sich. Darauf machte ihr Verlobter sie mit zwei Wohnungsvermittlern Spranger und Klingenberg bekannt, die einen Vorschuh von 100 M. verlangten, um einen Beamten beim Wohnungsamt zu b e st e ch e n. Kurze Zeit daraus wurde der Braut mitgeteilt, daß sie n o ch 2 0 0 M. für einen Wohnungsbercchtigungsschein zahlen müßte. Ihr Verlobter empfing das Geld und verschwand damit. Als die Vermittler nun auf die Zahlung des Geldes drangen, stellte die junge Dame fest, daß sie einem Heiratsschwindler zum Opfer gefallen war, gab aber den Vermittlern, die ihr eine feste Woh- nung in der Küstriner Straße versprachen, nochmals Geld. Sie erstattete dann Anzeige gegen die beiden Vermittler, die ihr natürlich keine Wohnung verschafft hatten und die vom Schöffengericht Mitte wegen Raumwuchers zu je 100 M. Geldstrafe verurteilt wurden. Der betrügerische Bräutigam war inzwischen gestorben. Diese Geldstrafe ist eine Lappalie für die beiden Gauner, die sich die Hände reiben und sagen werden: Wenn das Risiko nicht größer ist, kann man solch Geschäft öfter machen. Die staatliche Wohlsahrlsplakette für Klara Weyl. Der Minister für Volkswohlfahrt hat der Genossin Klara W e y h der Magistrats- dezernentin für Jugcndwohlfahrt, für ihre selbstlose und erfolgreidje Arbeit auf dem Gebiete der Jugendpflege, insbesondere auch der Leibesübungen, als Anerkennung die staatliche Plakette vr liehen. Bei Uebersendung von Plakette und Besitzzeugnis hat de. O b e r v r ä s i d e n t der Provinz Brandenburg und von B?zlin Frau Weyl zu dieser Auszeichnung beglllckwünschr und ihr auch seinen Dank für erfolgreiches Wirken im Dienst« der Jugendpflege ausgesprochen._ Dank Oer Stadt für Wahch»s. Mehr als 20 000 Äerliner haben mitqeho>°en Der Magistrat erläßt folgende Bekanntmachung: Mehr als 20 000 Berliner Bürgerinnen und Bürger haben sich am Sonn- tag, dem 14. September d. I., ehrenamtlich zur Verfügung gestellt, um durch mühevolle Tätigkeit im Abstimmungsvorstande als Abstimmungsvorsteher, Älbstimmungsvorsteher-Stellvertreter, Bei- sitzer und Schriftführer die Reichstagswahl zur Durchführung zu bringen. Wir sprechen hierfür allen beteiligten Damen und Herren unseren verbindlichsten Dank aus. Trauriges Los einer Fürsorgerin. Wenn ein armer Teufel arbeitsunfähig ist, dann fliegt er zum asten Eisen und rasch rückt einer der vielen nach Brot Schreienden an seine Stelle. Ein ganz besonders bedauernswerter Fall dieser Art ist der der Fürsorgerin P., die sich bei einem ihrer Hausbesuche durch Sturz auf der Kellertreppe eine Kniegelenk- entzündung zuzog, die sie lange ans Krankenhaus fesselt« und von der bis heute ein« starke Schwellung und Schwäche der Bein- muskeln zurückgeblieben ist. Nicht genug damit, fuhr kurze Zeit darauf ein Auto sie an und verletzte sie an dem andern Bein. Die Frau, die auch jetzt noch außerstande ist, ihre Beine richtig zu ge- brauchen, wurde unverständlicherweise von dem sie behandelnden Arzt sürarbeitsfähig erklärt; durch die lange Zeit ihrer Krank- heit ist sie inzwischen von derKrankentajseausgesteuert. Das ihr noch zustehende Gehalt— die Frau befindet sich in angekündigter Stellung— wurde bis zur Prüfung ihrer iinfallattsn gesperrt, und so sitzt die Aermst«, die ganz alleinstehend ist und keinerlei Schutz und Hilfe hat, ohne einen Pfennig Geld. Sie hat alle ihre paar Habseligkeiten verkauft, aber auch dieser geringe Erlös ist jetzt ausgezehrt. All die Laufereien, die ein armer Mensch unternehmen muß, wenn er die öffentliche Hilfe in Anspruch nimmt, kann sie infolge ihres Leidens nicht besorgen. Außerdem ist sie zu gewisienhaft, um als Angestellte, wenn auch vorläufig ohne jodwede Entlohnung, die Wohlfahrt in Anspruch zu nehmen. Die Frau würde gerne irgendeine sitzende Tätigkeit ausüben, um wieder Geld zum Leben zu erhalten. Wie uns vom Tarifvertragsamt mitgeteilt wird, sollen die Akten jetzt schleunigst der Erledigung zugeführt werden; vielleicht ließ« sich in solchen Fällen aber doch«in Modus finden, dem bürokratischen Schimmel ein wenig in die Weichen zu treten. Schwerhörige werben. Einmal in jedem Monat treffen sich die Mitglieder des Schutz- Verbandes der Schwerhörigen, Ortsgruppe Berlin, in ihrem Ver. «inslokal in der Dresdener Straße. Neben dem unterhaltenden Teil, der Filmvorführungen, Vorträge verschiedener Art und auch arti- stische Darbietungen umfaßt, werden auch Verbandsfragen erörtert, und da zeigte es sich gelegentlich des inieressanten Referats des Derbandssyndiku» Dr. Schub ort, daß der Schwerhörig« gcsetz- mäßig überhaupt noch nicht ersaßt w-rde. Es existieren keinerlei Vergünstigungen oder Schutzbestimmunoen für Menschen, die von diesem"Leiden bctrosfe7r sind7 und das hat, wie der Redner betonte, in gewissem Sinne auch wieder sein Gutes; der Schwerhörige ist dadurch nicht vom allgemeinen Gesellschaftskreis isoliert und olso auch vom allgemeinen Arbeitsgebiet nicht ausgeschlosien. Der Schutzvekband unterhält auch eine kostenlose Beratungsstelle fauch für Nichtmitglieder), die jeden Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends im Bereinslokal, Dresdener Str. 45, Sprechstunde hält, außerdem einen Jugendbund für Schulentlassene und bereits berufstätige Jugendliche. Zeppelin heute Nacht in Berlin. Wie Kapitän Flemmingin Friedrichshofen einem Pressevertreter mitteilte, wird die für heute, Dienstag, dem 23. Sep- tember, vorgesehene Ostseefahrt über Berlin, die Randstaaten der Ostsee, Finnland und Schweden, und zurück über Berlin nach Friedrichshasen bestimmt ausgeführt werden.„Graf Zeppelin" startet am Dienstag um 17 Uhr in Friedrichshasen und wird gegen 23 Uhr in Berlin landen. Nach kurzem Aufent- halt, bei dem Fluggäste und Post ausgewechselt werden, startet das Luftschiff sofort wieder zum Flug« nach Helsingfors. Auf der Rück- fahrt wird am Donnerstag, dem 25. Septencker, in den frühen Morgenstunden nochmals eine kurze Zwischenlandung in Berlin erfolgen. Die diesjährige Obst- und Gemüseausstellung des Haus- und Grundbesitzervereins Kaulsdorf- Nordost e.V. findet in der Zeit vom 27. bis 29. September im Schützenhaus K a u l s d o r f statt. -.. „Mit wenigen Mitteln haushalten— das ist heute eine schwierige, aber dankbare Aufgabe für die Hausfrau Verwende deshalb MAGGI5 Erzeugnisse; sie sind wahre Helfer für sparsames Wirtschaften ✓7 � 5 U f" Z© ,c�0n wenige Tropfen verbesserfi Suppen, ih-ßen» Gemüse! Salate usw. In Flaschchen vwi 20 Pfg. in Sorten bieten reiche AlrwOz rälli die Bertrouensmänner-Komerenz der Hihs» '■ö.Stf arbeiter am Donnerstag, dem 2ö. '.ember. au». öept» Korniscbe Dper 8 he Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Deotsebes Kfinsller-The«!. Tel Barhanma 3937 8V« Uhr Jim und Jill Opentle i. Titian Eilis Proisa»od IM.aMrts Renaissance- Theater Stein platz 6780 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück CASINO-TBEATEH Lothringer Strafe 37. Achtung, Arbeiterinnen! Die am Donnerstag, dem 2ö. Sev> iemder, einberuiene Konferenz der weib» lichen Bertrauensieuie finber wegen der am gleichen Tage staitfindenben VBMI.» Konferenz am Dienstag, dem 30 September, abends 7 Uhr. im Siigungsfanl des Verbands Hauses, Linlenfir. 63/85, 3. Portal, 2 Treppen, statt. vis OrtsverMtsIiung. Nur noch bis 30. September Der selige Hollschinsky imiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiuitimiiiiuiaiiiiiaiiuiiiiiiaiiii Am 1. Oktober zum 1, Male Hurrah, ein Junge! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonntags- Preise: Parkett 75, Rang 60 Pfg. meiropoi-Theater Täglich 8V, Uhr SensaiioDeller Operetienerf olg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Reichshallen-Theater Abend* Q Sonntag nacbm« I l'-e[ Stettiner Singer Das gr. September-Progr. mit j«.,LaDBliimeii spremen" Hadrei. ball» Preist I leatr. 11233. Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Variet6 Theater am SCiinhauerdamm Tägl. SV* Uhr Feuer aus dentteffeln von Ernst Toller. Til.; D.I. Bort Olli g.SBIl gut und billig T Nur eross- Berlin Alexandarplatz Theater am Kottb. Tor Kottbusser Str. 6 JA Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. OJffc nachm. 3 Uki W rille- |¥ Sänger Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Die lieben Terwamlteg. Zum Schluß: Pinselbeinrichs Himmelsklause! Barnowsky-BDhnen Thealer Ii der stresemannstr. Täglich 81/« Uhr ilaigDeiite; 3 luhpiil ron Sdnitferi Komödienhaus 8»/« Täglich SV« Konto X von Bernauer und Desterreidier Neues Theater am Zoo— taBabnb.Zcn. Stpl. 6554 Täglich 8V« Uhr Lommel in der Posse Paul und Pauline Rund tun khöre r halbe Preise. Lessing-Theater Weiden ilemm 2791».0816 Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne Des Kaisers KütlS von Th. PI i vier. Regie; Erwin Piscator. Zimmer l&ctt Mk.7,-bi5l1.- 2Betten 13,-bis22.- Bad;Mk.3f 5alon;1Qr eTloV MM «V W- deflin HOTELnAnlUH EXCEiSIOR «V "T— -*5- WMJ' Angebote, so preiswert, wie S i e sie von uns erwarten Satin-Uberty-Druck Seide mit Kunsl-Seide, neueste Druckmuster, vorwiegend marine und dunkelgrundig Meter t M. Visfra-Flamengo das modische Gewebe mit modernen Effekten. Große Auswahl, Extrapreis»».>«(« Meter M. Crepe-Marocaine elegante Kleiderqualität, reine Seide, in den neuesten Herbst-Farben, ca 100 cm breit, Mtr. M. Wasch-Samt-Druck neueste Dessins, Tweed• Geschmack, hervorragende Qualitäten Meter M. 1.95, M. Velour-Radiosa Kunst Seiden-Samt von besonderer Weichheit und Eleganz. Herrliche Druck-Muster. Meter M, Köper-Ve!vet florfester Kleiderquolität in neuesten Farben, Sonderpreis........... Meter M. 390 450 490 145 295 450 Tweed �_ moderne Ausmusterung, der beliebte ModestofF\D in reicher Auswahl Wollcrepe de Chine n „Unerreicht" bewährte Spezialqualität, in großem<' � Farbsortiment, reine Wolle, doppelt breit. c, M. W Tweed Spezialqualität, in großem*5* 'olle, doppelt breit, e. AA. W elegante Muster, auch für Complets, ca. 130 cm breit M. Mantelstoffe*1 95 ca. 140 cm breit im Tweedgesdimadc Meter.. M. I Mantel-Velour reine Wolle, ca. 140 cm Meter, •• I»» 9! S• � 90 Velour-Iong C90 caJ40 cm breit, nur in marine Farbtönen, Meter Pyjamaflaneil ca. 80 cm breit, hervorragende Qualität, neue, schöne Muster, Meter Meter Pt Z Barchentlaken 1 68 mit farbigen Kanten, gut gerauhte Ware Stück. M. I Schlafdecken 140x190, kamelhaarfarbig mit Kanten, schwere< Qualität, Stück.................».M,\J Dimiti-Garnituren bewährt im Gebrauch, 1 Deckbett ca. 130x200 cm 2 Kissen ca. 80x80 cm Garnitur M. KARSTADT U-Bahnhof Hermannplatz• Der Karstadt-Bahnhof Tätowierungen _ Muttermale, Leberflecke ötlffornf unter voller Garantie Cllllcllll kein Stechen, lein Schneiden. Cnssier, Elsasser Str. 78, I Treppe Nähe Rosenth. PI.. tägL 10-8, Sonnt. 10-1. H.m Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten!. Behanglmadinng. Die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1929 versetzten Pfänder sind versteigert worden. Ueberschüsse sind bis zum 23. Juni 1931 abzuheben. Staaflicfaes Leihamt. Momeepathl e Innere aal Nerven I Acpr Münzstr.» spez. dnan. Leiden LUSCI spr. 10-2, 4-7 Verbann der Budidlnöer und Paplerverarbeiter DeutsdUands Ortsverwallung Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Buchbinderei» arbeilerin Berta �renxet Tempelhof, Bittoriastr. 7, verstorben ist. Ehre ihrem Andeuten. Die Einäscherung findet am Mitt» woch, dem 24. September, 18>r» Uhr, im Krematorium Baumfchulcnweg. Kiefholzstratze statt. Rege Beteiligung erwartet Dte OrtiTrrwaliung Fllr die erwiesene Teilnahme an-. läßlich des Sinschcidens meines»eben! Mannes sage hiermit allen meinen I herzlichsten DanL krau Anna Tleplce. auchbis»1 g MONATSRATEN 3«lin,-iL ipiigeotr. 122123 Nr. 445» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 23. September 4930 Gesundbeien Hilst nichts! Das Ausland bleibt mißtrauisch, die Börse schlecht, weil Brüning hilflos ist. Ende voriger Woche Hot die Hilgenberg- und Hitler-Presse den elementaren Ausbruch des ausländischen Mißtrauens gegenüber den deutschen Verhältnissen ans dunkle Absichten der beut- schen.Linkspresse' zurückgeführt. Die preußische Regierung hat Herrn Brüning den Gefallen getan, offiziell zu erklären, daß eine Bedrohung der„Ordnung' nicht vorliegt. De- nunziationen und Beruhigungen haben nichts geholfen. Die politische Beunruhigung der Berliner Börse ist gestern noch nicht gewichen. Das Ausland setzt vielmehr seine Verkäufe von deutschen Aktien und Rentenpapieren fort. Der Börsenverlauf war dementsprechend sehr flau und auf der ganzen Linie ergaben sich Kursrückgänge der Aktien, die freilich in engeren Grenzen blieben, als am Freitag und am Samstag. Auch festverzinsliche Pa- piere waren angeboten. Bei den Bankaktien zeigte sich von neuem eine fühlbare Tendenz zur Schwäche. Die Anspannung auf dem Geldmarkt hat sich noch nicht verringert. Der Tagesgeldsatz liegt weiter zwischen und 5!4 Proz. Di« Wechselankäuf« der Banken gehen infolge höherer Zinsforderungen zurück, so daß eine starke direkte Inanspruchnahme der Reichsbank wahrscheinlich ist. Die Reichsbank wird im übrigen auch durch Devisenabgaben in Anspruch genommen. Seit dem 13. Sep- tember schätzt man die Devismabgabe der Reichsbank auf 120 bis 140 Millionen Mark. Für die Reichsbank selbst ist diese Entwicklung in gar keiner Weise gefährlich. Es'wäre aber denkbar, daß die Reichsbant, um angesichts der bestehenden Unruhe ihr« Stärke zu zeigen, ein« Diskonterhöhung in Erwägung zieht. Das liegt um so näher, als der sogenannte Privat- d i s t o n t gestern wieder um ein Achtel auf 3% Proz. hinaufgesprungen ist, d. h. daß die Banken und großen Firmen sich gegen- jeitig nur noch zu steigenden Zinssätzen Geld borgen. Wie zu er- warten war, sind Kreditkündigungen aus Frankreich, die wegen des meist indirekten Geschäftes über London, Zürich und Amsterdam erfolgen, am häufigsten gewesen. Die Nachfrag« nach Frankenüberweisungen war in Deutschland enorm, Franken waren kaum in ausreichendem Maße zu beschaffen, und die Reichsbank hat sich entschlossen, statt Devisen Gold nach Frankreich zu ver- schicken. Für die Reichsbank ist es gleichgültig, ob sie Devisen abgibt oder Gold. Wir haben schon vorgestern gesagt, daß für die deutsche Währung die Entwicklung noch immer gänzlich unbedenklich ist und haben oben auf die Möglichkeit einer Diskonterhöhung hin- gewiesen, durch die die Reichsbank in einem sehr weitgehenden Umfang zu große Kreditansprüche durch Verteuerung des Zins- sages abweisen kann. Daß in einer außerordentlich schweren Wirt- s ch a f t s k r i s e, wo das Geld sozusagen auf der Straße lag, und daß..»» der dritte» Monats woche. hie für.den.(Zeflmiaskt sonst die schwächste ist, derartige Anspannungen cintretin, hat ausschließlich politische, in gar keiner Hinsicht wirtschaftliche Gründe, außer dem im Ausland erschütterten Vertrauen in die ivinschoftliche Zukunft Deutschlands. Der Dertrauensverlust hat sich auch kapstalmägig außerordentlich fühlbar ausgewirkt. Seit den Wahlen sind die deutschen Aktienkurse auf beut- schen Börsen mindestens um 10 bis 13 Proz. zurückgegangen, die feftverzinstilhen Papiere sind um einige Prozent gesunken(Alt- befttzanleihe z. B. um 3 Proz., sechsprvzentige Badische Staats- anleihe um 4% Proz., fiebenprozentige Berliner Goldanleihe um über 3 Proz., sechsprvzentige Daimler-Benz-Obligationen uni 5 Proz.). Sehr stark sind die Kursrückgänge deutscher Anleihen auf ausländischen Börsen: In Lontzon ist die D o u n g- Anleihe weiter auf 77 bis 78 Proz. gegen noch 80� Proz. am letzten Sonnabend gesunken. In New Jork sind fiebenprozentige deutsch« Dollaranleihen in der vergangenen Woche im Durchschnitt um IV4. Proz., ßlbprozentige im Durchschnitt um über 4 Proz. zurückgegangen. Eine S�prozentig« Preußenanleihe sank in New Dork oon 92,23 auf 86,3 Proz., eine öi-bprozentige Bayernanleihe von 93,1 auf 89,1 Proz. Kursrückgänge von 3 bzw. 5 Proz. werden auch von den S>-prozentigen Berliner Bewag- und Hochbahnouleihen gemeldet. Interessant ist, daß die bürgerliche Koalition mit den Nationalsozialisten in Brounschweig die acht- prozentige Braunschweiger Staatsanleihe sofort um annähernd 3 Proz. zurückgeworfen hat. Während mitten in der schwersten Krise auf dies« Weise Kapital- Verluste und Geldteuerungen in Deutschland entstanden, meldet die Schweiz als Aolge der deutschen Sapilalfluchl ein« nicht mehr zu bewältigende Geldflüssigkeit. Für Bankakzepte und Handelswechsel weiden nur mehr 1s4 Proz. Diskont abgezogen, die Flüssigkeit ist so groß, daß die Sparkassenzinsen von 4 auf 33L Proz. und die Hypotheken zinsen oon 3ZL auf 5 Proz. ermäßigt werden mußten. Wie wir früher schon sagten, ist die Folg« dieser ganzen Entwicklung eine unabsehbare verschSrfte Wirtschaftskrise in Deutschland. Inzwischen spielt Herr Brüning weiter den Weisen. indem er schweigt und Stärke nchnt. Seine Fähigkeiten als Staatsmann hat er schon einmal durch ein« Politik bewiesen, die zwangsläufig zur Reichstagsauflösung führte. Das Ausland weiß. daß hochindustrialisiert« Staaten aus die Dauer keine sozial- reaktionäre Politik machen können. Es sieht min die Re- gierungszügel in Deutschland am Boden schleifen, weil Herr Brüning nicht die Entschlußkraft findet, den Regierungskurs gegen die Sozialreoktion zu wenden. Das sind die letzte» Gründe, weshalb trotz aller Beruhigungen über die „iri cht he droht« Ordnung' dos Mißtrauen des Auslandes nicht weicht und der deutsch« Kredit weiter schwer geschädigt wird. Fortdauernder Eisenwucher. Deutscher Eisenmarki voNständig isoliert.— 3 Prozent gegen 20 Prozent. Die französische Eisenindustrie hat soeben eine erneut« Preisherabsetzung fiir die wichtigsten Walzwerkserzeugnisse vorgenommen. Die Preisabschläge für den Jnlandsabsatz sind recht erheblich, sie betragen z. B. für Träger und Feinbleche mehr als 10 Proz. Seit Jahresfrist sind die französischen Inlandspreise für Stabcisen um insgesamt 23 M. pro Tonne oder etwa 20 Proz. herabgesetzt worden. Demgegenüber beträgt die seit Jahres- frift in Deutschland eingetretene Preisermäßigung fiir Stab- eisen nur 4 M. pro Tonn« oder noch nicht 3 Proz. der Vor- jahrspreis«. Obwohl sich Frankreich nicht wie Deutschland in einer schweren Wirtschaftskrise befindet, der Absotzrückgang der fran- z, fischen Eisenindustrie sich ferner in wesentlich engeren Grenzen hält als der deutsche, hat sich das inländische Preisniveau Frankreichs wenigstens einigermaßen den verbilligten Rohstofstosten und der veränderten Weltmarktlag« angepaßt, während die deutschen Preise hartnäckig auf einem weit überhöhten Preisniveau geHallen werden. In England mußten gleichsalls erhebliche Preisherabsetzungen vorgenommen werden, zum Teil unter dem Druck der Der- braucherschaft und des Handels, die sich mit billigerem belgischen und luxemburgischen Eisen eindeckten und somit die eng- lischen Eisenindustriellen zur Preisherabsetzung zwangen. Der Inlandspreis für englisches Roheisen ist seit Jahresfrist nm mehr alz 9 M. pro Tonne oder rund 121, Proz., die Inlandspreise für Eisenhalbzeug sind seit Jahresfrist um rund 14 M.. das such mehr als 10 Proz. herabgesetzt worden. Di« englische Eisenindustrie bat allo ihre Preise ungleich stärker senken müssen als die deutsche Industrie, ohne auch nurdaronzu denken, diese Anpassung ker Preise an verbilligte Rohstofftosten und d'e veräpderte wirt- schaftliche' Weltlage von einer Lohnsenkung abhängig zu machen. Bewegen sich so bie in den westlichen Eisenländern und in Eng- land«ingetretenen Preisermäßigungen zwischen 10 und 20 Proz., so mußten aus den Aussuhrmärkten noch wesentlich größere P re i s k o nz e s si o n e n gemacht werden. Durch den Zulammenbnich der Rohstahlgemeinschost und den starken Absaß- rückgang noch den Ausfuhrmärkten infolge der Weltkrise sind die Weltmarktpreise für die nicht international syndizierten Walzwerks- «Zeugnisse rapide und unaufhaltsam gesunken: Seil Zahresfrist hat sich der Wellmarktpreis für Slabeifen von 114 m. pro Tonne auf«5 M. pro Topne. also um fast 30 M. ermäßigt. Der deutsche Inlandspreis voa 13? M. liegt um mehr als 60 proz. über den gegenwärtigen weltmarktuotieruugeu. Auch die Exportpreise sür Roheisen haben«ine starke Senkung ersahr-n. Die' sranzöstsch-belgisch-luxemburgische Roheisenentente I at soeben eine erneute Senkung der Erportpreis' um 8 M. pro Tonne vorgenommen. Auch für Roheisen hat sich die Dirftrenz von deutschen Inlandspreisen und Weltmarktnotierungen weftechin ganz beträchtlich erhöht und zu steigenden Roheisenzufuhren«ms dem Ausland geführt. Das Preisniveau auf dem deutschen Eisenmorkt steht also heute vollkonimen isoliert von der Preisentwicklung der euro- päifchen Eisenländer und der Tendenz des internationalen Preis- Niveaus. Durch die bestehenden Gebietsschutzabkommen und Ausschließlichkeitsverträge mit den Händlern ist es den Eisensyndikaten bisher gelungen, die Zufuhren von Aus- landseifen, das heute plus Zoll wesentlich billiger als das Inlands- eisen zu beschaffen ist, fernzuhaften. Allmählich scheint jedoch auch dieser festgefügte Schutzpanzer durchbrochen zu werden. Einige belgische Außenseiterwerte sind in das Gebietsschutzabkommen nicht mit einbezogen, und von diesen Werken erfolgen in steigendem Umfange Lieferungen an deutsche Großverbraucher unter Ausschaltung des Handels. Die Syndikate haben sich so gezwungen gesehen, hie und da unter den Verbands- preisen abzugeben. Hieraus ziehen ab« naturgemäß nur wenige Großverbraucher Nutzen, während die mittlere und kleinere Industrie weiter zu den übersteigerten Inlandspreisen die Werkstoffe bezahlen muß. Slngesichts dieser volkswirtschaftlich schädlichen Situation mehren sich auch in der bürgerlichen Handels presse die Stimmen, die eine Anpassung der deutschen Inlandspreise ver- langen. Die offiziöse„Industrie- und Handelszeitung" schrieb z. B. vor einigen Tagen: „Es darf wohl als ausgeschlossen bezeichnet werden, daß man weiterhin an den hohen Eisenpreisen in Deutschland festhäft, die jetzt wieder einmal weit üb« den Weltmarktpreisen plus Zoll liegen.' Nun, in der deutschen Kartellpolitit ist, so lange die Regierung weiter wie bisher untätig bleibt, nichts ausgeschlossen. D« Stahl- werksverband hat auch seinerseits vor den Wahlen prompt die Erklärung abgegeben, daß ein« Preissenk um g sür ihn au?- geschlossen sei! Indessen sind weitere Preissenkungen der west- europäischen Eisenländer und ein weiter« Fall der Weltmarktpreise eingetreten. Da die Eisenoerbände nicht selbst die Einsicht auf- bringen, sich zu einer Revision ihrer kr ise n v ersch ä rf e n de n und absatzmindernden Preispolitik zu ent- schließen, so solle die Regierung angesichts dieses unhalt- baren Zystandcs auf Grund ihrer Ermächtigung die notwendigen Schritte unverzüglich einleiten. Oeuische Giedlungsbank. Eine preußische Notverordnung über die Beteiligung. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags wird heute zusammentreten, um den Entwurf einer Notverordnung üb« die Beteiligung des preußischen Staates bei der Deutschen Siedlungs- dank zu beroten. Die Deutsch« Siedlungsbank, die am 1. Oktober ins Leben treten wird, sollvomReichunddem preußischen Staat mft einem Grundkapital von 30 Millionen und einer Rück- läge von gleichfalls SO Millionen Mark ausgestattet werden. Sie soll an Stell« der bisherigen vielen Zwischenkreditträger(Renten, bankkreditanstalt, Heim-Bank A,-G., Neuland A.-G., Preußische Staatsbank) der e i nzi g e' Z wi s ch c n k r e d i tt r ä g e r für die reichs- und preußischen Zwischenkrcditc werden und damit ein eim heitliches Vorgehen von Reich und Preußen in allen grundsätzlichen Fragen der landwirtschaftlichen Siedlung sichern. Der Weg der Not- Verordnung wird beschritten, da die sosortige Errichtung der Bank fiir die Entlastung der Reichsfinanzen und für die Sicherung der Osthilfe nötig erscheint, der 1. Oktober des Jahres den spätesten Termin sür die Arbeitsaujnahnie darstellt und ein« Gesetzesvorlage frühestens Ende November zur Annahme gelangen würde. Textilkarielle. Gentlemenkartelle viel gefährlicher als Offizielle. Soeben ist(bei E. S. Mittler u. Sohn, Berlin) eine weitere Untersuchung des Enquete-Ausschusses, und zwar der Arbeftsgruppe, die die„Wandlungen in den wirtschastlichen Organisationsformen" bearbeitet, erschienen. Ueber acht Kartelle der Textil- Industrie wird aufschlußreiches Material vorgelegt: das Ergebnis liegt in der Feststellung, daß die spekulative Unternehmertätigkeit durch die Kartelle erlahm«„Erstrebt wird die Ruhe des Marktes, gekämpft wird vielfach nur um einen höheren Rabatt.' Nun ist das spekulative Element in der Textilindustrie von Natur aus ziemlich groß, daderRohstosfanteil an den Gesamttosten hoch ist, der Preis dieser Rohstoffe aber von den (schwankenden) Welternten abhängig ist. Sich gegen diese Unsicher- heitsfaktoren zu schützen, begann die Textilindustrie schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts sich zu Verbänden zusammenzuschließen. Die Kriegswirtschaft und die immer stärker in Erscheinung tretende Ueberprodsuktion verstärkten die Tendenzen zur Kartellbildung. Dke Textilindustrie ist vor allem Veredlungsindustrie: vielfach bearbettet sie gegen Lohn Halbfabrikate, die im Eigentum des Auftraggebers sind. Diesen„VeredlitngSlohn' durch A b- sprachen über die Bedingungen zu fixieren(Kon- dttionenkartell) ist der Zweck eines Teils der Kartelle. Die Gefahr der wachsenden Konkurrenz infolge der Ueberproduktton zu bonneu. hat z. B. die Int««ssengemeinfchast deutscher Jute. Industrieller schon 1926 ein Verbot, den Maschinendestand zu erhöhen, erlassen. Ueberoll hat sich eine Kartellkonzentration durch- gesetzt: so umfaßte die Deutsche Tuchkonvention 1921 690 Betriebe mit 25 000 Webstühlen, mährertd ihr 1930 nur noch 476 Betriebe mit 26000 Wobstühlen angehörten. Die Betriebsgröße ist also stark gestiegen. Ueder die Politik der Kartelle konnte festgestellt werden, daß die Ziele weiter gesteckt werden konnten, je stärk« die Kartelle von wenigen Großunternehmen beherrscht wurden. Wo das ganze Kartell sich aus kapitalkräftigen Großbetrieben zu- sammenfetzte, wurden nur lose Abmachungen getroffen, die ebenso oder besser eingehalten wurden wie formell iestgelegt«'We schlüsse.„Gegen diese moralischen Bindungen können sich sowohl die. Abnehm« als auch die Behörden weit fchw«« durchsetzen als gegen juristisch uuk«bauke Vereinbarungen'— das Ist ein Feststellung. die bei jeder Diskussion üb« die staalliche karlellpolisik obenan stehen sollte. Sofern ein Textilunternehmen nicht mir auf Lohn arbeitet, wird die Verdiensffponne beim Verkauf von größter Bedeutung, da der Produkttonsgewinn bei den schwankenden Rohstoffpreisen oft ungewiß ist. Dann versucht man durch Rabattsysteme ver- schiedenst« Art(feste und bewegliche Rabattsätze, Treurabatte, Um- satzvergütungen) die Zlbnehmer in Abhängigkeit von den Kartellen bzw. ihren Syndikaten zu bringen. Ausbildung von Marken- artikeln und Bindung der Wied«verkaufspreise sind weitere Mfttel der Kartellpolitik. Durch Vermittlung d« Kartellvertreter werden sogar unter den Einzelhändlern Preisverein- barungen h«beigeführt. D« Großhandel wurde vielfach zurückgedrängt: 1926 wurden noch 73 Proz., 1929 nur 58 Proz. der Verkäufe der Iute-Industriellen durch den Großhandel getätigt. Im Kampf zwischen Kartellen und Abnehmern ist weitgehend entscheidend die Konjunkturlage, wie der Verlauf des Kampfes gegen die Deuffche Tuchkonventton zeigte. Unt« dem Druck der Markt- Verhältnisse hat diese ihren Abnehmern schließlich die gewünschten Zugeständnisse machen müssen. Wir werden auf diesen lehrreichen Band bei anderer Gelegen- heit noch zurückkommen. Keine Enquete über das Glühlampenkartelf. Wie im Vorwort des neuen Cnquete-Band-s(Textilindustrie) mitgeteilt wird, werden die Untersuchungen üb« das I n t« r n a t i o- nale Glühlampentartell, über die Organssation des Buchhändler-Börsenoereins und über die Schiff- fahrtskonferenzen nicht zu Ende geführt werden, und zwar infolge„Kündigung d« vom Reich zur Verfügung gestellten Mittel'. Diese Sparsamkeitspolittt wird den deutschen Glühlampen- Produzenten, insbesondere den Osram-Werken, hochwillkommen fein!_ Sabotage des Preisabbaus. Der„Deutsche Ausschuß für wirtschaftliches Bauen" veranstaltet demnächst seine 11. Tagung sür wirt- schaftliches Bauen in Köln. Man wird dort viele nützliche Vorträge von hervorragenden Fachleuten über Stahlskelettbau, Bctonskelett- bau, Holzskelettbau, Masstvdecken im Wohnungsbau, über die Möglichkeit und die Bedeutung der Winterarbeit im Baugewerbe und vieles andere zu hören bekommen. Nur über eine Frag« darf nicht gesprochen werden: die Bau st off- preise. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß olle technischen Verbesserungen und Verfeinerungen unvollkommen bleiben und die Krise in der Bauwirffchost nicht beseitigen werden, solange es nicht gelingt, die Presse der Baustoffe weitgehend zu revidieren. Alle Baustoff« sind nach sachkundigem Urteil zu teuer, Zement, Steine und Holz ebenso wi« Linoleum und and«« Stoffe. Die großen Kartelle und Syndikate subventionieren einen großen Teil der Organisationen, und niemand wird es daher wagen, aggressiv zu werden. Nur der Fachmann weiß, wie schwer es ist, sogar von unabhängigen Professoren heute ein Gutachten über Preisbildungen in der Bauwirtschast zu erhalten. Ein Dozent an einer technischen Hochschule zum Beispiel, der etwa von Zeit zu Zeit einige Ladungen Zement für Dersuchszwecke braucht, wird es kaum wogen, das Zementkartell zu brüskieren. Lugend am Werk. Di« sozialistischen Jugendorganisationen A r o e i t e r j u g e n d, Jung sozial! st«n und Kinderfr«unde veranstalt«n in der Orangerie des Körncrparks in Neukölln ein« Ausstellung, die das 'äußere sichtbare Bild der kulturpolitischen Arbeit der genannten Gruppen auszeichnen will. Den Hauptteil nimmt die Arbeit der Kinderfreunde ein. In den Nostabenden haben die Mnder reizend« Sachen und Sächelchen geboitelt, die das Auge des Be- schauers erfreuen. In einer anderen Auslage finden wir eine gute Zluswahl von Jugendliteratur, in der die schönen Bücher der„B ü che r g i l de" ebenso vertreten sind wie Bücher dos Arbeiterjugend-Berlags. Di« nächste Abteilung führt in die H e l f e r sch u lu n g ein; G e w e r k s cha ft s j u g e n d, Parte ijugend und Arbeiterwohlfahrt haben sich hier zu einer Reichsarbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Ein besonderer Stand der Arbeiterjugend zeigt deren organisato- rische Tätigkeit auf, ihre Antikriegsarbeit und ihre Werbeaktionen. Ergreifend find die Dokumente über die unwürdigen sozialen Ber- hälinisse, in denen die heutige Arbeiterjugend aufwachsen muß. Die Abteilung der I u n g s o z i a l i st e n bemüht sich, die Jugend geistig zu schulen und ihr die Grundsätze des Marxismus zu übermitteln. Ihr Mittelpunkt ist die Ehrenecke für Karl Marx. Sehr bewundert werden auch zwei Modell«, das eine, das ein Jungtischler von dem Friedrich-Ebert-Heim in Tännich in Thüringen geferligt hat, dem Reichsferienheim der TAI., und das andere, eine Zeltlager- st a d t vom Treffen der Arbeiterjugend in Bielefeld. Der organisatorische Wille und das Zielbewußtsein, die sich in dieser Ausstellung kund tun, zeigen, daß die Jugend aus dem besten Wege ist, die heranwachsende Generatio» im Kampf« für den Sozia- lismus weiterzuführen. Die Ausstellung erfreut sich eines lebhaften Zuspruchs auch von Augehörigen gegnerischer Jugendbünd«. Sie ist noch bis zum LL. September in der Zeit von lß bis 19 Uhr täglich bei freiem Eintritt geöffnet. Lederscha« ISS« ein großer Erfolg. Während die Modische Jahrcsschau.Leder und Mode" mit ihrer einzigartigen kulturhistorischenSonder- schau noch bis zum 5. Oktober in der Funkhalle am Kaiser- dämm geöffnet bleibt, hat der messemäßig« Teil der.Lnterng�ionalen ' Lederschau" mit der für«ine.Fachausstellung ungewöhnlichen Zahl von SZVlio Sonntagsbesuchern seinen Abschluß gefunden. Allgemeine Wetterlage. 22.SepM930,abds. Ov«lkenlas,C9 heirer.(J halbbedeckt ® wolkig,•bedeokt'Reger�ra'jpeln ineesNebri,HGewinet©Winiistille Deutschland stand am Montag unter dem Eibfluß eines flachen Tiefs, das über der südlichen Ostsee lag. Es kauten vielfach leichte Regeuschauer vor und bcd mäßigen nordwestlichen Winden stiegen die Temperaturen nirgends über 18 Grad. Das Oftfeetief zieht jetzt unter weiterer Aerjlachung langsam nach Osten ab. Sudwestlich von Island ist jedoch eine neue Depression erschienen, deren Aus- läufer bereits bis Frankreich vorgedrungen sind. Wir haben damit zu rechnen, daß die seichte Westströmung erhalten bleibt. Mrllcraussichten für Berlin: Meist bewössst init einzelnen leichten Regenfällen, Temperaturen im ganzen wenig verändert, westliche bis südwestliche Winde.— Für Deutschland: U eberall be- wölkt, im Nordwesten vielfach, im Südosten vereinzelt leicht» Regenfälle. BedrftsaiissdioB lflr sozlallsflsfliß BUdonosarlielt Bertfo Berlin SW 06, Lindensir. 3 Veraostaltnogen der aktuellen KieinKinsfliDhne durch die Kreisausschiisse: 12. Kreil Stelltiz and II. KreU Sditaeber*. Sonntag, den S. Oktober, abendi 8 t'nr, großer BQrgersaal Im Rathaus Friedenau, am Lauterplati. Eintritt 75 Pf. 3. Kreta Wedding, Dienstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, großer Saal Hochschulbrauerei, Amrumer Ecke SeestraBe. Eintritt 60 Pf, S. Kreta Friedridiiheia, Donnerstag, den 0. Oktober, abends 8 Uhr, Andreasfestsäle. Andreasstr. 81. Eintritt 60 Pf. 14. Kreta Nenkfilln, Freitag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, Neue Welt, Hasenheide, Neuer Saal. e PROGRAMM •«Bad Baer r Sdaund aaBT Ein Querschnitt durch unser heutiges Leben. Zeittheater-KunstOcke. Schauspiel, Tänze, Musik. „Songs"................. Texte von Erich Kästner Bergmannslied.................... Fritz Droop Rekord....................... Erich Weinert Oer kleine Roman, eine Gartenlaubengeschichte Des Kaisers neue Kleider(nach dem Märchen von Andersen). Barlala, eine Moritat nach dem alten Volkslied. Der zurückgekehrte Ehemann, eine exzentrische Szene. Aus Deutschlands Leierkasten. „Nie«ieder Krieg".................. Tucholsky MITWIRKENDE: Die aktuelle Kleinkunstbühne(Künstlergemeinschaft Gelsenklrchen-Reckilnghausen). Darsteller; Mali Blanck, Elka Haedrich, Oref Schnirer, Julius I tembet, IflVa Übe, im Lola! Senkel, utrechter Str. 10, Ecke Turiner Straße. Wichtig- Tagesordnung. 13. Beets Sctnpetbaf. Mittwoch, 14.«epteatber.»14 Übe. ba Lokal S S.Ra-Li".»aeieaboif, Eb-uffeestr. 305, JhciomlfllicbctDerfantmltuia. A @ vtrtrag:„aeichologsumW»od Sozi-Ibemoreatie". Referent Seanj Q ■ Jlfinftlft,». b. R. 14. Brei*»ealöBa. Heute. Dienstag. 19 Uhr. Sifum, bes enoeeen Breisvav, standes und der Abteilungsleiter im Parteibüro. 16. Breis BSpenick. Bildungsausichuß: Rrettag. 28. September, lOH OJX. Sitzung Schloßstr. 27.««eschlittzfaisung über Bleinkunstbübne. PQnttnchea Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. 17. Brei» Lichtenberg. Donnerstag, LS. September, 19% Uhr, Bretsnaeitenb«« fitzung bei Tempel. Gubrunstrage. 18. ftwis fflettzeBlec. Mittwoch. 24.®eptet..bet, 20 Uhe, ha Lokal tS r=i.gnm Ptertemortf, Schönste. 79—80, Beeismitglieberreefammlan«.«oe. m 'st ttca:.Reichstaaswahl nnb Sozia Idemakratie�. Referent Barl Lttle. r-J s M. d. R.— Mittwoch, 24. September, 19', z Ilhe, Breisoorftanbsfitznng H tm Lokal»Zum Pferdemarkt". Z 19. Beet« Pankow, ssreiteg, 36. September, pünktlich 10 Uhr. Breisnarflands- Ützung int großen Sitzungssaal des Ratbaufe» Pankow. Pünktlich 20 Ubr streiedelkgiertenrerfammlung mit Fraktion im selben Raum.— Sonntag, 25. September. II Ubr. Jugendweihe in der Lnzeumsaula. tsörschstratze. Mitwirkende: Sprcdichorgemcinschast NiederschSnhausen. Männeegefanaver« ein„znkunfi", Liebermaiin-Trio. Barten im Porrerkauf bei Bober, Prinz. Heinrich-, Ecke Berliner Straße. Heule, Dienstag. 23. September. 22. Ab!. 30 Ilhr Vorstandssitzung bei Senkel, Utrcchter Skr. W. 24. Abt. Achtnag!®i< heutige FnnltionSrsttzrng findet nicht h sondern bei Böhler, Sieifswalder Sie. 80b, statt. 43. Abt. 19 Übe ssunktionärsitzun« bei Sommer, Wiener Str. 26. Am kommenden ftreitag rechnen die Pezirksfllhrer ob. Karteikarten sind mit» zubringen. 46. Abt. 20 llhr bei Eichholz, Euvrnstr. 28, KunNwnZrsitznng. 74. Abt. Zehleadorf- Mitte. 20 Uhr im Lokal Schneider, Potsdamer Straße Mtgliedemersammlnng. Bortrag:„Die politische Sage nach der Wahl". Referent Kurt Bietzmann. «2. Abt. Neukölln. 30 llhr wichtige FunktionSesitzun« im Lokal Wolkf, Baiser. Friedrich- Nr. 178. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, Mittwoch, 24. September, in nachstehenden Lokalenj Thema in alle» versammlnngen: „vie politiscke nscii der WahL" 2. Abt. Bezirke Brümmel, Dollstein, Zimmermann ISfh Uhr be! Simon, Michaelkirchpiatz 19. i. Abi. 19V4 Uhr bei Brandis, Strolauee Straße 10.— Referent: Adolph Hoffmann, M. d. L.— 3. Abt. 1914 Uhr Hoffmann« FestfÄle, Schwedter Str. 28. Referent: Sott» lieb Reese. 7. Abt. 19'.h Uhr firiebrichstadt-Easino. E1>aulfeesrmße 128. Referent: Land, tagspriisident Friedrich Bartels.— Die Funktionäre werden gebeten, ein- zuladen.— 9. Abt. 1914 übt bei Lindner. Lehrter Str. 44. Zahl- mid Diskutierabend. — Referent: Werner Schmidt.— Achtung! Fahnen und Transparente sind zu Hübner, Wilsnacker Str. 84, zurückzubringen. 10. Abt. 20 Uhr, Moabiter Bierhallen, Birchstr. 18. Referent: Dr. Helmuth Klotz.— Sichtltanspotenle sind mitzubringen. 11. Abt. 19fz Uhr bei Berger, Leoetzowstr. 21, Ecke Iagowstratze. RefeeentZ üstax Hegdemann. 12. Abt. 20 Uhr bei Schmidt, Wirlefstr. 17, Funktionsirsitzung. 14. Abt. 19'/. Uhr, Smincmündct Sefellschaftshaus, Ewinemünder Str. 42, Referent: Redakteur Wolfgang Schwarz. 15. Abt. lgfh Uhr im Lokal Eduard Müsch(Engelhardt Ausschank), Brunnen» strage 140. Referent: Carl Mennicke, Direkior der Deutschen Hochschule für Politik: 17. Abt. 19'-) Uhr in der Aula der Katholischen Schule, Müllersir. 159, Ecke Triftslratze. Referent: Stadtrat Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 18. Abt. 19zh Uhr, Löwenbrauerei, Höchste. 2. Referent: Dr. �rnst Falck. 19. Abt. Iblb Uhr in der Schulaula, ffiotenbutger Str. 4. Referent: Robert Breuer. in 30 Monaten und ohne irgendwelche Reparaturen bis auf dreimaliges Einschieifen der Ventile ... aber in(Zrof�-Berlins ewigem Verkehrstrubel! Achtmal den Erdumfang bewältigt zwischen dem Auf und Ab der Signallampen, Verkehrsposten, Tag und Nacht! Fahren, bremsen, starten, weiterfahren, stoppen.... Und all dies nicht mit einem wohlvorbereiteten„Rekord- wagen"— sondern mit einer serienmäßigen Droschke MERCEDES-BENZ 8/38 PS 2 L Typ //Stuttgart 200" Eine Zerreißprobe aus dem Alltag —- beispiellos großartig— aber eine Selbstverständlichkeit selbst für die kleinste Type der Weltmarke Verkauftstallen> Bertin•Charlottenburfl/ Salxufer 2«3, Fernruf; Steinplatte 1. 5031.— Unter den linden 50-51, Fernruf: Zentrum A. 4. 12113.— Rudolf Carocciolo& Co., ßudapester Stratte 9, Fernruf» Barbarossa B. 5. 5777-78. Spittelmorkt 4 7, Fernruf: Merkur A. 6- 570. Vertretungen: Bvlin: Wertheim Automobil-Ges., W 9, Friedrich* Ebert-Str. 14, Fernruf: Zentrum A. 4. 5187 und 8541 42.— A. Hirte, Industrie- Abteilung, SW 58, Markgrofenstr. 76, Fernruf; Dönhoff A. 7. 946.— Für KroftdroKhken.„Autcmav" Auto- und Moidiinen-Vortrieb» G. m. b. K., BeHJn-Chortb., Kontitr. 141, Femrufi Steinplotz C 1. 7902-3.— Aoto-Vertrieb«. Foloet Theo Uedri, SW 68, Zimmer«tr. 13, Fernruf; Zentrum K 4. 7552. abt. I9'<; Uhr bei Wende, ftfltüaiestr, 147. Referent: Pastor Hans Francke. 2l. Abt. Wj Uhr, Schraderhau», Malploquetstraße IIIS. Referent: Dr. Thenvor Haubach. 22. Abt. ISH Uhr, Hochschulhraucrei, Seestraße, eck- Amruncrstr. Referent: Theodor stohur... 23. Abt 19>.. Uhr im..Steinacker", Seestr. Ecke MüHerstr. Referent: Siegfried Aurhituler. M. d. R. � 24. Abt. Ifl'h Uhr im Altersheim, Danziger Str.«2. Referent: Dr. Otto Friedlandcr. �.... �_, 25. Abt. l9Vi Uhr im Bordcrfaal des Saalbau Friedrlchshaln, Am Friedrichs- Hain lS 22. Referent: Dr. Friedrich Hertneck.— Mitgliedsbuch dient oI& Ausweis. 27. Abt. iS-i Uhr, Schönhauser F-stsäl-, Schönhauser Alle- 12?. Referent: Mar Westphal. 2i. Abt. ,»>3 Uhr, Berolina Festsöle, Schönhauser Allee 2«. Relercnt: Emil Barth. 29. Abt. 20 Ubr: gahlabende in folgenden Lokalen: Klug. Danziger Str. 71! Elauo, Preiizlauer'Allee 51: Riebe. Dunkerftr. 15; Richter. Echliemann- straße 2?: BnScholz, Prenzlauer Allee Eck- Etargarder Str.— Die Zahl- abenblciter treffen sich l Stunde vorher bei Burg, Prenzlauer Alleee 189. 29. Abt. ISN'. Uhr Casino. Festsöle, Pavpclallce 15. Referent: Bstrgcrmeistcr Dr. Oftrowsi!. 22. Abt. 1914 Uhr Schmidts G-Irllfchaftsh-us. Fruchtftr. 28». Referent: Otw Etrobel... 22. Abt. 19», Uhr Schulaula. Hohenlohestr. 10. Referentin: Clara Bohm-Echuch, M. d. R.— 18?- Uhr Funlttonörsthung bei Wertalla. Sohenlohestr. 2. 24. Abt. 19 ih Uhr Schulaula. Litauer Str. Referentin Paulo Kurgaß. 25. Abt. IlPH Uhr Frankfurter Hof, Frankfurter Allee 212, Kleiner Saal. Referent: Viktor Schifk.., �, 28. Abt. 19' Uhr Schulaula. Straßmannstr. 8. Referent: Earl Dressel. 27. Abt. IS'e Uhr im Paßcnhofcr. Landsberger Allee 24/27. Referent: Ernst Neu mann. 28. Abt. 90 Uhr Mltgltederverfammlung Fruchtstr. 28». I. O.: Di« kulturelle Bedeutung der Lolksbühne in der Arbeiterbewegung. Freie Auslvrache über das Dahlergebnis. Die Bezirksführer werden an die Abrechnung der vommelliften an diciein Tage erinnert. ' 39. Abt. 20 Uhr im Sitzungssaal des Baugcwcrksbundes, Eroßbeerenstr. 96. Refeient: Kurt Aietzmann.— Die SammeNiftcn müssen abgerechnet werden. 40. Abt. 20 Uhr bei Keufner. Hagclbcrger Str. 20a. Funktionärsttzung.— Samt. iichs Funktionäre müssen wegen wichtiger Tagesordnung bestimmt erscheinen. 41. Abt. 20 Ilhr Zahlabcilde IN den bekannten Lokalen. Um 1? Uhr Funktionär- Sitzung bei Lipfcrt, Mariendorfcr Sir. 6.— 5. und 6. Gruppe Referent Genosse Grobmann. 42. Abt. 19' 4 Uhr in den Blstchcrsälen, Blücherstr.«1. Referent: Ernst Heil. mann. R! d. R.— Gleichzeitig Abrechnung der Bezirksführrr. Alle Sammellisten sind mit abzurechnen.„ 42. Abt. IS' Uhr Raabes Festsöle. Fichtestr. TS. Referent: Sans Pl-ttner. 45. Abt. t9>4 Uhr Schulaula. Reichenbergcr Ecke Förster Etra»«. Referent: Stabtverordiietcr Paul Robinson.._ 48. Abt. 19'? Uhr bei Burghardt. Görlitzer Str. 52. Stellungnahmr der Ah» teilung zum Ausgang der Rclchstaaswohl..„_. 47. Abt. 19'.? Uhr Saal I des G-werllchaftshauf--, Engelufer 24/25. Referent: Albert Falicnberg.,_ «harloitenlmrg. 51. Abt. 1BH Uhr im Wohlfahrtsiaal. KönlglU-Eltfadrth.Str. 8. Referent: Dr. Kurt Rofenfeld. SSI. b. R.— 54. Abt. Der Abteiwngsabend am Mittwoch, dem 24., fällt aus. dafür im Lauf- de, Oltoher eine besondere Peranstaltunq in der Schulaula, Guericke 22. mit Film usw.— 5«._ Abt. lS'h Uhr Fuskowiack. Soltzcndorffftr. 20. Referent: Dr. von Unsern.Etern- derg.— 57. Abt. 20 Uhr bei Thunack. Wielandsir.4. Referent: Ernst Rüben. 88. Abt. Saleufe«: 20 Ubr. Sandmann. Wefifälische Sir. 42. Die Sozialdemo. kraien nach der Wahl. Fahnen und Transvarcnte stnd abzugeben beim Genossen Schüler... �~. Lchöneberg. 77. Abt. 19H bei Will. Mart-n-LutherüStr. 8g. Referent: Fritz Raphtali.— 78. Abt. 20 Uhr Lokal Thiele. Eh-rsstr. 18. Refrrentln: Margarete Schenkalowlkn....., �, n. Abt. Friedenau. is'.: Uhr im Ralsfeller Friedenau. Lautervlatz. Referent: Eduard Fächert. M. d. L. 82. Abt. Steglitz. ISdtz Uhr bei Kchellhof«, Ahornstr. 15». Referent: Dr. Fritz Soldschmidt. 82.«dt. Lichterfcld«. 20 Uhr in Licht-rf-Ider F-stfäle. Fehlendorfer Str. 5. Referent: Genosse Knöhner. Parteianaelegcnheiien. Reuköltn. 91. Abt. 19'4 Uhr bei Steffel'. Flughafenstr. 30. Funktionärsttzung.— 95. Abt. 20 Uhr bei So ose. Steinmetzltr. 78. wickiig« Sitzung des Vorstandes mit allen Funktionäre», Kommissionen und Betriebsvertrauensleutcn.— 90. Abt.,«9. Abt. Brttz-Buckow. 19' 4 Uhr in Beckers Festsälen. Britz. CKausseestr.»7. Referent: Otto Meier, M. d. L....... 1». Abt. Rudow. 20 Uhr im Cafe Loose, Endhaltestelle der Straßenbahn. linse 47. wichtige Mitgliederversamnimlung. 104. Abt. Riederlchöneweid«. 20 Uhr Porstandssttzung Mit allen Funltwnaren bei Tomalla. Berliner Str. 28.— Die zur Wahlprovaganta entliehenen Fahnen unb Transparente bitte beim Genossen Salowskn. Grünauer Str. 8. oder bestn Genossen Liedel. Brückenstr. 12 n. abzugeben. Sichtenfem. 115. Abt. Die Abrechnung findet nicht am 24. September, sondern erst am Naptag, 29. September. 19Vj Uhr. bei Seifert, Mllggcl. Ecke Travestraßc. statt. Die Transparent« und Fahnen bitte bei den Gruppen. leitsru abgeben.— 118. Abt. Die Bezirks» und Gruppenführer werden ersucht, umgehend bei dem Genossen Gufe, Neue Bahnhofstr. 8, die Eammel» listen und das 8. Quartal abzurechnen. 124. Abt. Wadlsdorf. 20 Uhr Funktionärsitzung im Lokal E. Anders am Bahnhof. 134. Abt. Buch. 20 Uhr Borstandssitzung mit sämtlichen Funktionären be! Söpsert. am Bahnhof. Abrechnung der Sammellisten und der Beitrags. marken. 187. Abt. ReiniSendorf.Wcst. 19% Uhr im Bolkshouo, Scharnweberstr. 114. Referent Paul Bernstein. 140,. Abt. Wittenau. 20 Uhr hei Hees-, Berliner Str. 72. an der»remm-n«r Brücke. Referent Genosse Georg Decker-spricht über..Die Reichstags-Ivahl und ihr« politische Bedeutung". Mitgliedsbuch mitbringen. Donnerstag, ZS. September. Zt. Abt. 19' 4 Uhr in der Schulaula Scböufließer Str. 7 3 luna. Portrag:„Relchstagswahl uud Sozialdemokratie Litte. R. d.R. Frauenveranstaltungen. 24. Abt. Alle Kenofsinnen beteiligen sich am Donnerstag. 25. September, an dein Ausflug ua» Buch. Tre'fpunkt 12 Uhr, Pren, lauer Promenade, an der Autobusbalteftelle der Linie 42. In Bith geineinsomes Kaffeekochen mit gemütlichem Beisammensein in der..Waldschänke", in 5 Minuten Fußweg zu erreichen. Gäste aus den anderen Abteilungen, vor ollem aus den Abteilungen Buch und Pankow, stnd herzlichst eingcladrn. 82. Abt. Giemensstadt. Mittwoch. 24. September. 20 Uhr, im Lokal»Heide» krug",..Berfaffungsfrageu." Referentin Rost Gractzer. 90. Abt. Britz. Donnerstag, 25. September. 20 Uhr. im Jugendheim Ehansse»' straße 48 kaltes Rathaus): Bunter Abend. Bortragende ssriedel Hall. Für die Alt-Britzor Genossinnen liegen bei der Genossin Sardincr Ein- lo düngen bereit. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Krei» Prenzlauer Berg. Domicrssog. 25. September. 19'; Uhr. findet im Bezirksamt. Danziger Straße, Eingang Diestcrwegslraße. Baracke 11. ein Bor- trag mit Lichtbiideru statt über»Bewegungsspiele und Gnmnalt'k mit Kindern. in der modernen Erziehung". Refercntin Jenny Eercz. Interessierte Genossen und Genossinnen sind dazu eingeladen. Jungsozialisten. 3IZ»rbeb«z>>k Rvrdcu: Heute, Dienstag, 20 Uhr. Iusammenkunft der l. und 2. Griippenleiter des Werbebczirls rcsn. deren Vertreter in der Abstinenten. Gast statte. Pankstr. 12. Notwendige organisatorische und politiiäie Aussprache. Gruppe Tempelhof. Martendorsi Im Iugendhrim Lyzeum Trmoelhof, Der- maniastr. 4— 6 tEingang von der Götzstraßc), heute um 20 Uhr. Vortrag: ..Reichs'agsivahl— was nun?" Referent Fritz Lcwy. Gäste willkommen. Am Mittwoch. 24. September, beteiligen wir uns geschlossen an der Krcismitgliedcr. Versammlung der Partei. Rote Reih-! Heute 20 Uhr Besprechung im Jugendheim Porckstr. 11. Rest. loses Erscheinen unbedingt notwendig. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. krei» kreuzbero. Gruppe Südwest trifst sich»m 18 Uhr an der Roten Eck- l'Boeck. Ecke Bclle-Alliaucc.S'raße).— Gruppe Gärlitzer Straße: All- Fallen Nnd beute. Dienstag. UM 19% Uhr, mit Eltern Förster Straße lSchuI«) out unserem Werb'eabenh. Die Genosstniien und löenosse» sowie Freunde unserer Bewegung stnd herzlichst eingetadkn. Eintritt frei. Die Programme werde» Mittwoch in der Gruppe abgerechnet. krei« Köpenick: Besichtigung.der Ausstellung„Sozialistische Iuqendaebeit" am Sonntag. 28. September, in Rcnkölln. Treffpunkt 12% Uhr avi Bahnhof Neukölln Änschließend Beteiligung an der Werbeveranstaltung des Deutsch:» Iugenbherbergsverbaiidcs.— Snlvpa Bohnsdorf! Heimabend für Rote und Iungfalkcn ieden Dienstag, für Reftfalken(8—10 Jahre) jeden Freitag von 17% bis 19% Uhr im Jugendheim Wachtelstr. 1. Wcbdtng: Donnerstag, 25. Septcmbee, Äreishelferverlammlung im Heim Utrechter Straße. Be'prechung über unsere Winterarbeit. Geburtstage. Jubiläen usw. 90. Abt. Reukölln. Upscrem Genossen Gustav Kannemann, Wiesen. User 2.»v seiner»jährig«, Parteizugehörigkeit herzlichen Glückwunsch. 128. Abt. R-wickendorfäZst. Ar, 23. September naycnde.s unser langjährig»« Genosse und Fuultionär Hermann Behl mit seiue« Gattin da, OO. Lebens- iaht. Wir wünsch«, dem Paare, daß«» diese, Tag nach recht oft im kreise dar Familie und der Parteiguuissea verleben möge. Mitglied erpersamm. Referent Karl Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 24. Abt. Di« Beisetzung der Aicheilrestc des Genossen RodertWeugels findet Dienstag. 28. Semember, 16'.; Uhr. in ffriedrichsfeld« statt. Rege Be- teiliguiig crwarlet die Abteilungslcitung. 128.130. Abt. Pankow. Unser langjähriger Genosse Ott« Gönnert, Sckiutzcstr. 7. ist im Alter von 88 Iahren gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Einöschcrung hat bereits stattgefünden. Sozialistische Ardeiterjugend Groß- Berlin asniendungen i!tr diese Jtchrif«or an da» Zogen dselretattal. Dettl» 63B 68.£inbtr.ilra6e 3 Streichorchester Groß-Berlin: Heute von 19— 21 Uhr Bcrständigungsprobc, Schule Pank» Ecke Wiescnstraße. zulammenkunit der Referenten und Zugendbeirät« am Montag, 29. Septem- her. 19'? Uhr. im Bortragssoal des P.-B.. SW. 88. Lindenstr. 2. 2. Hof. 2 Tr. links. Borirag des Genossen Erwin Marquardt über»Mr'hodik und Grund- lagen unserer Bildungsarbeit". heule, Dienstag.\9'A Ahr: Arkovaplatz: Schule Elisabelhkirchstr. 19:„Da» Wahlrcsultatck.—_ Sewcrl. schaktshaus: Schule ÄLpcnicker Str. 125: Einfllhrungsabend.— Oranienburger Tor: Keim Tieckstt. 8:„Sexuelle Fragen".— Rolenthaler Vorstadt: Schul« Elifabethkirchstr. 19:„Einführung in dt» sozialistisch« Gedankenwelt�.— Ientrnm: Heim Landsherger Str. 50:„Erziehungefragen".— Brunncnplatz: Schule Pank- Ecke Wiesenslraße:„Wahtausgang".— Gelvndbrnuuen I: Schule Gotenburger Str. 2;„Die Internationale und ihre internationalen Gegner".— Kumboldthain: Heim Putbusser Str. Z: Lustiger Abend.— Leopoldplatz: Schule Utrechter Ecke Turiner Straße:„Der kommende Reichstag".— Schillerpark: Schule Schömngsir. 17:„Sozialistische Iugcndinternationale".— Wedding. Rord: Heim Turiner Ecke Seestraßc:«Sozialismus und Kirche".— Weddiog, R. F.! Schule Lüittcher Str. 4, 19 Uhr:..Hat der Arbeiter ein Baterland?"— Arnim- platz: Heim Raltenburger Str. 18:„Der Aufstieg der SPD."— Helmhaltzplatz: Heim Danziger Str. 82:„Sozialismus".— Rorbostcu l: Heim Danziger Str. 62: „Die Bedeutung der Dahlen".— Wötthcr Platz: Schule Kastanicnolles 82: „Flegeljahrc".— Frankfurter Biertel: Heim Litauer Str. 18:„Tagespolitik".— Hasenheid«: Heim Wasseriorstr. 9: Tagespolitik".— Kottbusser Tor: Besuch der Werbeveranstaltung der Kinderfreunde in der Schulaula Forst« Straße.— Schöneberg I: Heim Hauvtstr. 15:„Rundfunk den Werltäiiaen".— Schöne. berg III; Heim Haupistr. 15:„Der Kampf Englands gegen Inbieitt'.— Schöneberg IV; Heim Haupistr. 15:„Was ist Sozialismus" iArbeiiogemeinschaft).— Schöneberg V: Heim Haupistr. 15: Heimabend.— Siomeaostadt: 11. Volks» ichlile, Schulstraße:..Gefängniswesen".— Charlottenburg-Südi Heim Goethe- siraße II:„Rote- Falken. Arbeit".— Westend(Aeltere): Sportplatz Westend: „Arbeitsiosenoerstcherung".— WllmeroSors, R. F.: Seim Wilhelmsauc 122: „Erste Hilfe bei Unglücksfällen".— Lichterfelde: Heim Lichtcrfelde-W., Aibrech'- straße 14-:„Disziplin i» der SAI."— Steglitz iAeliere): Heim Albrecht. straße 47:„Der neue Reichstag".— Marimdorf, R. F.: Alte Schule. Doriftr. 7: „Nationalsozialisten und Arbeiterpartei".— Britz! Rathaus. Chausseestr. 48: „Politische Satire".— Neukölln N: Heim Bergstr. 29: lO-Minuten-Referate.— Neukölln 15': Heim Kanner Straße:„Reichsbanner oder Schutzbund".— Zieu- kölla VI; Helm Treptower Str. 95: Fahrtenabend.— Neukölln VIII: Schul« Rütlistraße:„Die Welt der Arbeiterjugend".— Renkölln lX: Heim Schierke- Ecke Ilsestraße: Mitgliederversammlung.— Neukölln X: Heim Bergstr. 29. Raum III:„Feltlagcrerlebnisse und Kritiken darüber".— Neukölln XI: Heim Flughafenstr. 88:„Die politischen Parteien", 8. Teil.— Köpenick II: Heim Dahl. witzer Str. 15:„Freikörperkultur".— Karlshorst: Treslowallee(Gymnastum): Unser« Vorlämpfer:„Karl Marx".— Lichtenberg-Norbwest: Funktionärsttzung in den Baracken".— Retnickendors-vst: Seim Lindauer Straße< Baracken): „Berksport unb Arbeitersport".— Buchholz: Schule Berliner Str. 19:„Die Reichstagswahlcn". LSG. Lichtenberg: Mitgliedexpersammlung Heim Scharnweberstr. 29, Werbebezirl Prenzlauer Berg: Heim Rastendurger Str. 18: Gewerkfchaftz- ausschußsttzuna. ZSerbebezixk Schtrnberg: W.-B.öFunktionärpersammlung Heim Haufsstraße (Sportplatz).___ Vorträge, Vereine und Versammlungen. Ueeeiaigiiug ehemaliger Kriegogesangener Berlin-Süden. Donnerstag, 25. September, 201, Uhr, be! Krüger, Grimmstr. 1. lonetell»» Englisb Oebaiin? Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus Lütow. straße 104, Quttmannsaal: Mr. J. Bultnan Smith, M. A.:„Proverbial Philosophy." Einführungohalber hat das gentral-Theatcr. Alte Zakobstr. 20-22, zu dem Sensationserfolge der Operette„Eine Freundin so goldig wie Du!" für die Blatt---------------- j-.......... Leser unsere» Blattes die Preise ganz bedeutend herabgesetzt. die heutige Ausschncideanzcigc zu beachten. Wir bitten, Verkäufe �Tapeten. Szillat. Koloniestraße 9.___' Tatal-Ausverkaus, Teppiche, Läufer stosf«. Tisch-, Diwandccke», Gardinen zu jedem annehmbaren Preise wegen Geschäftsaufgabe. Teppiäihaus Aberbach, Fricdrichstraße 182. I, Ecke Behrcnstraße. Keicleiclungllstiietle, V/iiseste uz,». Wenig getragene Kavaliergarderobe von Millionären. Aerzten, Anwälten Fabelhaft billige Preise. Empsehl« Taillenmöntel. Paletot». Fracks. Smo. � king-, Dehrockanzllge. Hosen. Sport». S>chpelze. Gelegenheitsläufe ta neuer Garde rvd«. Weitester Weg lohnend. �' 58, l Trepp«. Rosen. » Lot! tbaler___ Bon Kavaliere» wenig getragene und neue Iackettanzllge, Smokinaailzitge.Frack, anzllge, Bauchanzügc. Ulster. Pgletots jcde Figur passend. Herrin- und Damen. pelze enorm hillig. Leihhaus Friedrich. straße 2. Hallefches Tor. Keine Lombard, wareW m Röbelkäuier merke Kredit und bar Möbelbazar. groß« Bnowabl, klein« Preiset Beispielsweile: Schlafzimmer 455.—. Sveilezimmer Sil.—, Herrenzimmer 889.—. Spiegel- schränke 118,—, Dielengarnilur 28,—. Anrichteküche 99.—. Wesstngbettstell» 88,—. Kl-iderschränk« 48,—. Chaise- longues'28,—. Metallbertstelle 18,—, Auflegematratze 12.—. Sonstige Möbel angemessene Preise. Teilzahlung aus» schlagsrei. Wochcnraten, Monatsraten. Kassarabatt bis zehn Prozent, anäi auf Anzahlung«». Kleine auch ohnr Anzad- lungcn. Kredite bis zwei Jahre. Mäß Jens. Katalog franko. Hauvtgeschäit: Steglitz. Schloßstraß- 107: 2. Geschäft: Reutölln. Herinannplatz 7: 2. Geschält: Belle-Alliance-Straße 95.—, Unterarund- bahn: 4. Geschärt: Kottbusser Straße 28, gegenüber Etttesänaer. 1' Patentmatratzrn„Primisstma", Me» tallbette». Auflegematratze». Cbaiselon- gues. Walter, Stargarderstraß« acht- zehn. Kein Laden. Hcine-Schlaf, immer direkt ob eigener Speziatgroßfabrlk ohne jeden Zwischenhandel. Große Auswahl. Beste Qualitäten. Bequeme Teilzahlung. Betuchcn Sie uns, es iod»'(Un iur n: Hugo Heine. Möbelfabrik, Propeller. werk. Berlin O. 34, Warschauerstr. 58, Fabrikgebäude. N. Hof(kein Laden) Verkaufszeit 8— 19 Uhr._ Schlafzimmer, Küchen in roh von 39.— an. lackiert und lästert bis zu 700,—. Max Berg u. Co.. t'iiifenuser 11, Fabrikgebäude II, Oranienstraße 128. Sotzkoipskystraße 23. E:' Alt-Rioabit Sicheren Kunde», weitgehendste Iah- lungserleichterung ohne Prcisvufschlag. Möbel-Kamcrliua. Kastanienalle« 58 Schlafzimmer, Rnhebette», Metallbettcn. Riesenauswayl. Spottpreise. Iahlungs- erleichterung.__ Wer will billig Möbel kaufen, der besuche sofort dao Ricscnlagcr vir Firma Möbelhaus Rehfeld. Badstr. 34 tGesundbrunnen). Extra-Angebotr nur kurze Feit. Schlaf-imnier, Eiche. Nußbaum, Birke! Speisezimmer, einfache und elegante: Ankleideschränke! Betlstellen: Sofas: Ruhebetten: weiße und lasierte Küchen: Tische: Stühle: Diplomaten- schretbtische zu noch nie dagewesenen Preisen: solange Borrat. Eventuell Teilzahlung. Lieferung auch außerhalb frei. Achten Sic aus Hausnummer Badstraß« 34.___ l_________ J Einzelmöbel. Büfetts. Bibliotheken, Schreibtische. Standuhren billigst. Mö belhau« Osten. Andrcasstraße 30, gegen über Markthalle. Liukpianos, überaus preiswert. Piano iabrik Link. Bruiinenstraß« 35.__' Piano,— Flügel Riesenlager. Bech- stein. Bllllhner. Steinway. Schwechteu, Salonpiairos 275,—. 390.—. 425,—, ge- brauchte. Abendroth, Votsdamerstr. 74. Ktuoiere. 175.—. 200.—, 375,-. 420,—. 450,—. gebrauchte, große Auswählt auch in neuen. Langjährige Garantie. Besichtigung lohnend. Teilzahlung ge» stattet. Herer. Drunnenstraße 191. 1 Treppe iRot-nthaler Platz)._• Hossmaun-Piaua,. gebrauchte. 300.— 850�, 400,-. 500,-, 880,-, 650/- Reu« 900�- an. Tonschön, bauerhaft Garantir, Teilzahlung. SW. 50. Leip- »tgerstraße 57 lTpittelkolonnaden).- iznzmaa Gebrauchte Fahrräder 15/—. 20.— 25.—. 30,—. 85.—. Machnow. Wein- meisterstraße 14. Iohngebisse. Platinabfälle. Lötzinn 2lr>. OncEklber.?'r?>rrschmel»«. Gold. , lchmeiz'rei Christ dnat. köpenicker- > straße 29(Haltestelle Adalbertstraße).' Ausnahme• Angebot In sämtlichen Lebensmittel- und Fleisch-Abgabestellen der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend erhältlich: Schlackwurst I)_____..._____. � Salamiwurst I I Dauerwurst Pfd. 2.20 Mk. Außerdem sämtliche Roh- und Kochwurstarten, Rollsthinken, Kochschinken, Lachsschinken und diverse Pasteten aus unserer vorbildlich eingerichteten Wurstfabrik zu niedrigsten Tagespreisen. in unseren Fleisch-Abgabestellen: FritchesSchweineffleiich Kotelett........ Pfd. 1.35 Mk. Kamm u. Schuft.... Pfd. 1.30 Mk. Schulterblatt...... Pfd. 1.15 Mk. Schinken m. B...... Pfd. 1.20 Mk. Bauoh ohne Beilage.. Pfd. 1,05 Mk. RUckenfott....... Pfd. 0.85 Mk. Liesen......... Pfd 0.80 Mk Geffrier-Rindffleisch Rouladen...... Schmorfleisch o.Kn. Fehlrippe...... Querrippe...... Pfd. 1.25 Mk. Pfd. 1.10 Mk. Pfd. 0.80 Mk. Pfd. 0.70 Mk. Frisches Rindflsisch, Hammelfleisch, Kalbfleisch nur* gute Qualitäten aus eigenerSchlachtungzu billigsten Preisen Geflügel: Hühner.. Pfd. 1.25 Mk Enten.. Pfd. 1.30 Mk. Oderbruchar Mastgänse.... Pfd. 1.20, 1.26 Mk. Die Abgabe der Waren erfolgt in der Konsam-fienossenscbaft Berlin nur an mitgileder Die Mitgliedschaft kann von jedermann erworben werden mitgiieder- Aufnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft vollzogen AufnaiimegeDQltr 50 Pf. Unterricht Berlitz School. Lclpztaerstraße 110 Knrsürstcndami» 28». Fremde Sprachen a-rtcl: 12 Teilnehmer, monatlich 12 M vierteljährlich SO M., zählbar tu Raten. Eintritt iederzeit Abituriu», Einjähriges. Direktor Dr. Fackelmann, Anstalt. Hohenzollern dämm>98.* Technische Prioatschul» Dr. yerner Regierungsdaumeister. Berlin. Reander. straße 3. Maschinenbau, Elektrotechnik Hochbau. Tiekbau. Eteinmeizschul«. Sei- zungstechnik.' Deutsch. Richtigspreisten. Richtigschrei» be», Kurzschrift. Maschinenschreiben usw. Kausmän njsche Prioatschul« Liest, Prinilenftraße 52. Schnelltirdernd« Privatzirkel, Kur» fchrift. Maschincnfchreiden. Buchhaltung Bücherrevisor Lulich Seydellttaße t. Spittclmarit.« Malerarbeiten. Renovierung von Wohn, und Geschäftsräumen führt qller- billigst aus Schmidt. Feniistrqße 8. Post- karte erdeten. Detektiubureau Stalche!. EKansse»» straße 77. Fernsprecher Weddina 7838. Beobachtungen. Ermittlungen. Aus- künkte allerorts.* Wäschereien Feingold der tlhrwachrr. Jede Uhren- reparatur ausnahmslos zwei Mark. Iwotjährigt schriftlich« Garantie. Ersatz. teile billigst. Imttral«: Gipsstraß« 18. Eck» Rosenthalerstraße. Annahmestellen in folgenden durch Plakat« gekcnn- zeichnete» Iigarrenläden: Ientrum: Spandauerbrücke ld: Norden: Acker. siraße 88: W-inbergsweg 8: Pankstr. 38: Trcsckowftroßc 80. Eck« Danztgcrstraße. Osten: Frankfurter Allee 285: Köpern,. knsstraße 5: Köpenickcrstraße l05: An, dreasstrnße 2t iAndreasplatz): Lands» bcrgerplatz 2 Reulölln: Urdanstr. 85 l Hermann platzt: Ztailer. Friedrich, Straße 188. Moabit: Beusselstraße 52: Strom- straße 48. Charlottend, irg: Dilmers. idorferstraße 158. Bch-ccewoiß wäscht Frau W«Iki, Köpenick. Pairisiusstraße 2. Telephon 1285. Damenhemden 15. Lettbezüge 30, Oberhcnchen 80, Garhinenspann-rei, trockn»! im Freien. Kein Vertauschen. Abholung Mittwoch. Donnerstag.* Vermietungen Möbliertes ij'mmer. renoviert,«lek. irische« sticht, billig zu vermieten. SW.. Lergmännftläß« Ä. vorn UI link». Schlafstelten Schlasstellep. Billige. Auch Tages. aufenthalt» Große Frankfurt«: str. 99. : An Zucke r sp a ren, grundverk ehrt! Der Körper braucht ihn .Z. u cken. tz 9£ans Friedrich Jtlunck: 3)CT Sll'Oilld* Der Gendarm zuckte ein wenig überlegen die Achseln, aber er ist ein gutmütiger Kerl und überläßt dem geistlichen Herrn schließ- lich den hageren dürren Landstreicher. Es ist abseits vom Dorf, sie stehen sich jetzt allein gegenüber nnd das ist gut.„Du bist es, Johannes?" fragt der Pastor langsam, er bemüht sich, herzlich zu fein. Des Landstreichers Augen schielen spöttisch über die Hakennase. „Ja, ich bin es, Bernhand, Hab' mich sogar zu bedanken, daß du mich dem Grünen aus den Fängen holtest." Der im dunklen Rock ist kein Rechthaberischer, der nur Schuld und Sühn« wägt. Er hat viel Mitleid mit dem einstigen Freund, noch gemengt mit Erstaunen, wie der auf die Landstraße kam. „Nun sag' mir doch— oder komm, du besuchst niichl Gewiß haben wir uns mancherlei zu erzählen." Wie weich er sprechen kann, der geistliche Herrl Der Landstreicher dreht den Slockgrifs zwischen den Fingern, dann streist sein Blick von unten her über das rund« freundliche Gesicht des anderen. „Wir kommen jetzt so gut auseinander, Bernhard", scherzt er.„Du hast mir einen Gefallen getan und bist stolz darauf, ich Hab« meine Freiheit wieder—" Der Stromer sieht drollig seufzend an seinem fransigen Rock herab.„Ich bin ein Heide, dem's vergolten wird, worum willst du dich mit mir streiten?" Sie find dabei ober doch ein Stück Wegs zum Dorf heim- gegangen.„Wir streiten uns doch nicht, Johannes!" Ein leichter Seufzer liegt auf dem Namen,„wir wollen uns. Lustiges von unserer Studentenzeit erzählen! Traurig gemxg, daß du's damals abbrachst. Hör", eifert der Freund,„host du zu Abend gegessen? In dem Rock kannst du doch nicht weitergehen?" Der Landstreicher zupft an den Lumpen und sieht mit einem schelmischen Blick an dem Nachbar vorbei:„Meine Jack« ist so schön warm, warum magst du sie nicht?" „Laß mich doch helfen", eifert der andere und muß in die ver- witterten Züge des Freundes hineinlochen. Er sieht nicht Leiden, nicht Unrast darin, er findet nur den alten Schalk und glüht vor Eifer und mitleidigem Belehren.„Du glaubst ja gar nicht, wie froh ich bin, daß wir uns trafen. Gewiß soll das so sein." „Das soll nicht so sein", sagt der Stromer mißtrauisch und ist stehengeblieben. Seine Stimme hat plötzlich den heiseren Ton wie damals, als er abtrünnig wurde und Bücher und Seminar verkieß. „Siehst du jetzt, daß wir uns streiten würden?" Du oerstehst mich falsch", besänftigte der Pastor rasch. Ihm schießt durch den Kopf, daß dieser noch eine Zeit fremd« Bekenntnisse unter den Menschen lehrte, eh« er der Landstraße verfiel. Es soll doch so sein, gibt er sich heimlich zu, ein uralter Entscheid zwischen Heid« und Christ scheint ihm ihrer beider Schicksal. In dem verwilderten struppigen Gesicht des Stromers ist«ine Entfremdung geblieben.„Du machst mir mst deiner Einladung keine Freude, Bernhard. Hör, ich komm« einmal im Winter vorbei." Er saugt den sahrenden Wind in die Zähne. Vorsommer ist's, der Himmel blau und die Felder silbergrün. Komm, komm, ich dank« dir noch einmal, nun laß mich gehen." Der Hager« hat sich wirklich kurz gewandt und stelzt steifbeinig, ein wenig hinkend, ohne Gruß weiter. Knapp und unhöflich ist seine Art, wo er herzlich zu danken hätte. Der im dunklen Rock seufzt enttäuscht, aber er ist auch erzürnt, das hat er um Johannes nicht verdient. Rascher, unter einem böigen Regen eilt er ins Dorf. Fast scheint es ihm Unrecht, daß er dem Hüter der Ordnung in die Arm« griff. Aber kaum ist er zu Haus, da schlägt sein Herz doch und er schilt sich, wie er den Freund nur ziehen lassen konnte. Ja, er schilt sich arg. Fröhliche Erinnerungen fallen ihm ein, Sorgen, was zur Nacht aus dem anderen werden niag, kommen hinzu. Da entschließt er sich, ihm noch einmal nachzugehen. Das Wetter ist voll von Regenschauern. Der Pastor zieht den Mantel an, ja, auch seinen alten Gartenrock nimmt er mit. Zehn- mal besser ist der als das Flickwams des Landstreichers. Und er eilt eifrig und voll guter Freuds dem Weg nach, den der andere .zuletzt gegangen ist. Aber der Landstreicher ist weit voraus. Sehr schnell und atenilos muß der junge Pastor wandern. Müde wird er, aber er legt sich's gern als Strafe dafür auf, daß er den anderen hat ziehen lassen. Bis tief ins große Moor folgt er dem Heerweg. Einsam und dämmerig wird es, aber er wird schon gute Menschen finden, die sie beide vor der Nacht heimbringen. Wie konnte der Freund doch wegen eines mahnenden Wortes von ihm gehen? Oder klang feine Stimm« wirklich hochmütig und erzürnt« jenen? Es tut ihm leid. Drüben am Seerand, der unter Erlen und Wacholder neben der Landstraße beginnt, scheint ein Mensch zu schreiten. Der Pastor läuft auf gut Glück darauf zu, fühlt so recht, diß es der Verlorene sein muß, den er sucht. Tapfer stapft er den Heidpfad zur Niederung, flink späht er nach vorn. Die Böen haben aufgehört, brandrot ist der Himmel unterm Dämmerungsgewölk, so recht ein Tag, um an diesem wilden Land und seinem Schöpser Freude zu haben. Aber der Fußpfad führt vorsichtig abseits des Ufers vorbei, er erreicht den Einsamen da drüben nicht. Der junge Pastor muß sich schon durch Platsch und Pfütze uwgen, um dem Fremden näher zu kommen. Dann sieht er, daß er ihn nickst mehr erreichen wird. Jener hat sick) auf Brakebäumen vom Ufer gelöst, bis auf«inen Sand- buckel im See hat er sich hinaustreiben lassen. Da steht er nun. fischend wie es scheint, zu weit, um ihn zu rufen, zu nah, um wieder umzukehren. Eifernd überlegt der Freund, was er tun soll. Da brennt die Sonne tiefer ins Moor, die Wildkiefern und der Eichbusch beginnen sich zu röten, ja, auch das Wasser um den ein-. samen Mann drüben färbt sich wie Blut. Dunkel sein Schotten davor, hoch, lang, spukhaft, wie aus einer anderen Welt aufgetaucht. Der Postor will's abwehren, da bückt der andere sich, reckt sich wieder und mit jeder Bewegung ist es, als wüchse er größer gegen die Dämmerung, unheimlich anzusehen. Unheimlich ist auch dos Land und sein Vorhaben, das merkt der Verfolger. Er wird müde, wenn er daran denkt, wie er diesen umstimmen soll, er hört schon den Streit aus seinem Innern noch- klingen. Ein großer Heide ist dieser und muß sein Schicksal tragen. Hat er recht, es ihm zu verwehren? Dunkel, wie jäh aus diesem Lande aufgebrochen, ragt der Schatten des Landstreichers aus dem See. Ach, Gott schuf oielerart Wesen. Der jung« Pastor gräbt fem Zweifeln nach. Vielleicht soll dieser nicht anders sein als er ist! Klein dünkt ihm sein Eifer, fern der Freund. Sein Los bleibt, zu den Friedsomen heimzukehren. jonuhniir. Similianifeher&rüMing Liebe Freunde verzeiht, daß ich heute nur von mir erzählen werde. Aber die Erinnerung hat mir den Kopf umnebelt, ich bin betrunken von dem Abglanz der Sonne, die doinols auf mich herab- schien, und es gelüftet mich danach, breit und behaglich von de» Dmgen zu sprechen, die mich zu jei»er Zeit erfüllten. Ich bin in Sizilien einmal über einen Hof gegangen und habe mich darüber gewundert, daß es auf diesem alten, staubigen, schniutzigen Hofe so wunderix�r duftete, obwohl ein nicht minder schmutziger Esel im Mauerwinkel mit lautem Geschrei den Schwanz hob und etwas fallen ließ, und fett«, halbausgezogene Weiber aus- dünstend an mir vorbeiwatschelten. Plötzlich sah ich, daß der ganze Hof mit einer zehn bis fünfzehn Zentimeter hohen Schicht von Rosinen bedeckt war, Tausenden, Millionen von Rosinen, die mn der glühenden Sonne trocknen sollten. Ich begriff, daß das Sizilien war! Und jede Rosine hatte einen köstlichen Duft. Ich bückte, mich lmd hob ein« Hand voll davon auf. Ich lachte laut, und»n- gewaschen steckte ich das braune Zeug in den Mund. Mir war, als wäre ich nicht mehr ich selbst, sondern ein gestorbener und wieder- auferstandener,'glücklicher, gereinigter, duftender, Rosinen essender, im Paradies« wandelnder Mensch. Meine Haut war mit Oel ein- gerieben, sie war glatt wie Samt. Ich mußte unter diesem Himmel und in dieser Sonne in einem fort lachen, und ich liebte jeden Menschen, der die Augen zu mir erhob, mit einer hingerissenen und wahrhaften Liebe. Wahrhaftig, ich erkannte alle Menschen in ihrer tiefften Wurzel. Mit Zärtlichkeit verneigte ich mich vor jedem Bettler. Alten Frauen, die mit Früchten aus dem Lande kamen, half ich die schweren Obstkörbe aufladen und wandte mich noch lange nach ihnen um, weil ich fühlte, daß sie mir nachsahen. Den Fuhr- leuten war ich besonders gut gesinnt und hielt mit beiden Händen die feder- und blumengeschmückten Köpfe der Pferde und Maultiere, wenn ihre heißen Nüstern und- ausgedörrten Lippen mit einem feuchten Schwamm gewaschen wurden. Selbst die glatzköpfigen und braunkuttigen Mönch? liebte ich, die auf rauhen Sandalen durch den Staub schrittcn und sich von den schönsten kleinen Knaben die Hände küssen ließen. Ich grüßte sie ehrerbietig, als wollt« ich' ihrer Frömmigkeit meine Achtung bezeugen, und sah einem jeden tief in die Augen. In Wirklichkeit war mein Gruß nichts als Heuchelei! ich war b's zum Bersten angefüllt mit dem übermütigen und ver- Nichten Wunsche, ihre Begierde nach mir und meinem braunen Haar, das sich in der Sonne blähte, anzufachen, denn ich verachtete ihre Enthaltsamkeit. In jenen Tagen hatte ich eine Abneigung gegen Fleisch und Alkohol. Selbst den sonnenwarmen Chianti trank ich mit Vorsicht. Am liebsten aß ich reife Früchte(in Messina gab es kindskopfgroße Apfelsinen), aber auch Spaghetti, Makkaroni, Risotto und Tomaten, dazu Fische, Krebse und Langusten. Es war angenehm, auf das Fleisch verzichten zu dürfen ohne Sehnsucht nach einem fetten Bissen Hammelfleisch oder einem gebratenen oder gekochten Stück Rind. Es war alles glücklich, und selbst das Unglück voller Entrücktheit. Einmal fand ich ein halbtotes Kätzchen in der weißen Staubstroße der Sarazenengräber. Getroffen von der Roheit, die das Tier dem Verdursten preisgab, bückte ich mich und hob es auf, aber«in brauner Schuster, der vor der Ladentür Sohlen zurechtschnitt, sprang auf und verwehrte es mir. Mißmutig ging ich heim. In der Frühe des anderen Tages fand ich einen Henkel- korb auf meiner Türschwelle und als ich den Deckel abnahm, lag auf dem Boden des Korbes zwischen den blauen Blütcntrauben der Glyzinien und verschwenderisch duftenden Rosen jenes Kätzchen, sauber gebürstet und gekräftigt zum Geschenk. Ich sing an, an die Kraft der Liebe und an die Güte der Menschen zu glauben, als rechneten Liebe und Güte zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Mein Uhrglas sprang«ntzei, ich trug es zu einem Uhrmacher. Er setzte«in Glas ein und schob mir lachend und kopfschüttelnd das Geld wieder zu, das ich ihm für die Arbeit reichte. Ich lernte mich zu verneigen, wenn man mich beschämte. So oft man meinen Stolz beugt«, fühlte ich ein Lächeln auf mein« Lippen treten. Bald war es nicht mehr nöttg, mich zu beschämen: ich lächelte aus Ueber- zeugung, daß die Natur gut und der Mensch, hervorgegangen aus der Natur, ebenfalls gut sei. Damals nahm ich vor, nie wieder in den Norden zurüzukehren. Verzeiht mir, daß ich euch nur Helleres erzähle, als gäbe es auf der Insel nicht Elend genug, um es der Welt zu klagen. Wo» soll ich tun, ich war glücklich, und olles, was unversöhnlich schien, verwandelte sich vor meinen Augen und lächelte versöhnt. Jede Nacht scholl der klagende Gesang der Fischer zu mir her- auf, wenn ich, halbträumcnd auf die Ellenbogen gestützt, durch die Gitterstäbe meines Balkons auf das Meer hinuntersah. Ihre kleinen Boote zogen im Schein der Buglaternen wie winzige Leuchtkäfer um die Felsen. Eines Morgens hatten Männer in der Nähe unserer Badestelle einen Grundhai gefangen. Das gab eine große Auf- regung auf dem Marktplatz von Taormina. Wir nahmen uns vor, nie mehr aus dem Bereich der Riff« hinouszuschwimmen. Als jedoch das Wasser in der engen Umklammerung der Halbinsel um die Mittagszeit zu kochen anfing, schwammen wir doch wieder ein Stück ins offene Meer, aber außer einer trunkenen Ziege, die bauch- oben an mir vorübertrieb, fand ich nichts, das mich sonderlich er- schreckt hätte. Laßt mich noch von den Nächten in den Gärten von Taormina erzählen. Ein Stern geht auf, er wirft eine Goldflut über das stille Meer, wie der aufgehende Mond: eine breite Bahn. Aber es ist nicht der Mond, es ist«in Stern, der später unter Millionen anderer Sterne am Himmel steht und sanft leuchtet. In den Gassen schließen sich die Bozare, die Stimmen der Ausrufer und Esellreiber verstummen. Die Frauen in ihren bunten Kleidern und herrlich ge- stickten Shawls verlassen die Balkon«. Bastmatten fallen über die Fenster und Türen. Es wird still. Hier und da gehen Jünglinge durch die Straßen, lehnen am Geländer des Marktplatzes, plaudern. Ihre Zigaretten glühen durch die Dunkelheit. Hinter den Vor- hängen der Kaffeehaustüren klimpern Mandolinen und Gitarren; süßer Dust schwelt aus den Gärten. Ich warte, bis alles im Hause schläft, dann öffne ich dos Fenster und springe hinaus, einen gewagten Sprung über eine Felsspalte und wirr wuchernde Kakteen. Ich pfeife leise und breche über die eingesunkene Mauer in fremde Gärten ein, die wie Mieder einer langen Kette ineinandergreifen und endlos sind, Tempel von Blüten. Die Sterne glänzen. Unter uns spannt sich das Meer wie dirnkle Seide, die hin und wieder bei einer Berührung des Nachtwindes aufrauscht. Wir stehen reglos aneinandergelehnt, lauschen und atmen. Sechs, sieben Nachtigallen schlagen in dem Rosenbusch zu unserer Rechten, ein Chor von Rochttgollen antwortet in den unteren Gärten. Jetzt ziehen die Laternen der Fischerboote um die Felsen,' eine Männerstimme singt langgezogen, wohltönend ein Lied, dos immer wieder abbricht. Stern« tropfen ins Meer. Es duftet bitter. süß mis den geschlossenen Blumenkelchen: manche sind in der Hitze des Tages verwelkt und hängen weit offen, bereit, in vielen, dunklen Blättern weich auseinanderzufollen wie überreife Früchte. Wir sehen uns an. Unsere Augen sind dunkel wie St�in. Wir lieben einander, solange ich durch die Gärten von Taormina gehen werde. Mein Herz schlägt hart vor Freude. Ich zerreibe«in Blumenblatt zwischen den Fmgern und streiche den Saft über die Lippen. Später sitze ich einsam auf der Lehmmauer eines Gartens, und immer, rnemr der Fischer dort unten das Lied abbricht, falle ich mit weicher, tiefer Stimme«in. Bei Gott, ich liebe es in diesen Nächten zu singen; langgezogen singe ich in einer unbekannten Sprache, glück» lich und einsam. Liebe Freunde, ich habe einmal vergessen, daß es Leid gibt und daß wir Menschen die Schuld unserer versäumten Liebe tragen. Ich sah in jedem Menschen meinen Bruder und meine Schwester, und das war der Unterschied zwischen der Liebe zu Kameraden hier im Norden: daß sie mühelos war. Sie quoll überreich und frei wie ein Ouell, vorbehaltlos. Nichts hemmte sie. Der Geist war gelöst und wußte nicht, was er zu fürchten hatte. Aus ihm wurde das Lächeln geboren, das alle anderen lächeln macht. Es war schuldlos« Liebe. Jetzt wandere ich in, Norden, und wenn ich lächle, ist dieses Lächeln meistens aus der Ueberwindung geboren. Selten weckt es einen Widerschein. John Sctiikoirski: 3)ie erfte öffentliche Aufführung der„Weber" Sine Jngenderinnerung In, Jahre 1883 erschien eine Schrift, die den Titel trug:„Blüte und Aerfall des Leinengewerbes in Schlesien". Der Verfasier hieß Dr. Alfred Zimmermann, war ein Schüler des Berliner Professors Schmoller und hatte von der preußischen Regierung die Erlaubnis erhalten, für feine Arbeit alles vorhandene amtliche Material zu benutzen. An der Zuverlässigkeit der tatsächlichen Angaben des Buches war also ebenso wenig zu zweifeln wie an der staatserhalten- den Gesinnung des Autors. Aus diesem streng wissenschaftlichen Werk, das auch die Billigung Schmollers gefunden hatte, nahm Gerhart Hauptmann den Stoff für fein.,Wsb«r"-Drama. Fast alle Einzelheiten der Fabel, einschließlich des„Blutgerichls" und der Demo- lierungsfzene am Ende des vierten Aktes, können aus Zimmermanns Buch als historisch getreu„belegt" werden. Trotzdem verbot die Berliner Polizei im März 1892 die öffentliche Ausführung, und dos Drama konnte mir im Verein Freie Bühne gegeb-rn werden. Nachdem dann das Oberverwaltungsgericht das Polizeiverbot aufgehoben hatte, fand om 2 5. September 1894 die erste öffentliche Ausführung statt. Im Deutschen Theater, dessen Direktion inzwischen Otto Brahm, der frühere Leiter der Freien Bühne, übernommen hatte. Von dieser Aufführung will ich erzählen. Das Theater war— zum ersten Mal unter der Direktion Brahm— bis auf den letzten Platz ausverkauft. Di« Premiere.,» tiger hofften auf einen Skandal. Es ging nämlich das Gerücht,„die Sozialdemokraten" wären in hellen Haufen herangezogen, um dem sozialistischen„Parteidichter Geehart.Hauptmann" ihr« Huldigungen darzubringen und ihn vor den Angriffen des empörten Bürger- Publikums zu schützen. Aber es fand nichts dergleichen statt. Im Parkett saßen Singer und der alte Liebknecht, die keine Ver. anlassung gefunden hätten, die angeblich herbeigerufenen fozialdemo. kratischen Hilfstruppen zur Attacke vorgehen zu lassen. Die Auf- führung entfesselte nämlich einen einstimmigen, gewaltigen, geradezu rasenden Beifall. Auch nicht an einer einzigen Stelle wurde die geringste Opposition laut. Unh das wollte damals bei der Premiere eines modern-naturalistifchen Dramas etwas bedeuten. Man sah: das Publikum hatte Fortschritte gemacht. Und die Mimen hatten ebenfalls zu- und umgelernt. Was allerdings notwendig war. Denn ste sahen sich hier einem Dichter gegenüber, der ihnen keine„Rollen" bot, sondern die Aufgabe stellte, handelnde und leidende Menschen zu verkörpern. Einem Dichter, der keine„Schauspieler" brauchen konnte, fondern Mcnschendarsteller oerlangte. Die meisten Künstler wußten sich in die neue Situation zu fügen. Ich erinnere mich, daß Rudolf R i t t n« r als Moritz Jäger, Rosa Bertens als Luise Hilfe, P a u l P a u l i als Bater Baumert ausgezeichnet waren, während K r a u ß n« ck als alter Hilf«, Hermann Müller als Anforge und P I t t f ch a u als Wittig sich noch zu wenig vo» der alten Äcmödiantenschablone zu befreien vermochten. Interesiant war die Leistung von Joses Kainz, der die neue seinem Stil eigentlich fernliegende Aufgabe brillant löste. Ich habe mir fahre- lang den„roten Bäcker" nicht anders als in Kainz' Gestalt vor- stellen können. Der Grundton der Aufführung war nach heutigen Begriffen wohl stark gedämpft.. In der großen Pause, vor dem vierten Akt mit der Demolierungsfzene, vertraute mir Conrad Alberti, ein als radauluftigcr Neider Hauptmanns bekannter Schrift- steller, an, dos langweilige Stück wirke auf ihn„wie eine Noch» mittagspredigt". Das Berliner Publikum und die Berliner Darsteller hatten in ihrem Verständnis für die damals moderne Bühnenkunst unverkenn- bar« Fortschritte gemacht. Wer nichts zugelernt hatte, war das Gros der Berliner Kritiker. Ein Blatt hatte die Schamlosigkeit, dem Dichter vorzuwerfen, daß er.ziller künstlerischen Bestrebungen bor", mit seinen„Webern" lediglich sozialdemokratische Propaganda bezwecke. Schauspieler, hieß es, die«s fertig brächten, derartige Scheußlichkeiten darzustellen, verdienten nicht, Künstler genannt zu werden usf. Selbst das Publikum bekam was weg und wurde in der„Post" wegen seines begeisterten Beifalls.Destruktiver Tendenzen" bezichtigt. Und noch Einen gab es, der grollend abseits stand. Das war W i l h e l m 1. ft. Er hatte zwar der Aufführung nicht beigewohnt, ließ aber gleich am Morgen danach aus dem Zuschauerraum des Deutschen Theaters die Abzeichen seiner Hsflogc entfernen. Er war mehr für„Charleys Tante", eine damals oft gegeben« Thielscher- Posse, die er in dieser Zeit, ich glaube, vier- oder fünfmal besucht und mit impulsiven Berfallsbezengungen beehrt hatte. Suurn euique.