BERLIN Nienstag 2Z.September 1930 Nr. 446 B 2 22 47. Jahrgang 10 Pf. erscheint täglich auSerSonntaz«. Zugleich Abendaufgabe de«.Vorwärts'. BezugSprei« beide Ausgaben 85 Pf.»ro Woche, 3,K0M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW6S,!iodeostr.» „IUmA!'| *« Der LottigenpreiC Die einspaltige Nonpareillezeil« Pf., Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheefkont«: VorwärtS-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. S7SZS. Fernsprecher: Dönhoff SSL bis sv? Reichswehr vor demReichsgencht Oer Prozeß gegen die Hakenkreuzzellen. Leipzig.?Z. Seplember. vor dem 4. Senat des Reichsgerichts in Leipzig begann heule morgen der Prozeß gegen die drei Reichswchrosfiziere. nämlich gegen den Leutnant Richard Scheringer, Leutnant Hans L u d i e n und Oberleutnant a. D. Hans lv e n d t, alle drei vom Artillerieregiment S in Alm. Die drei Offiziere stehen unter der Anklage des Hochverrats und des Versuchs, durch Ierfetzungsarbeit die Schlogfertigkeit der Armee zu untergraben. Den Vorsitz des 4. Strassenats fichrt Reichsgerichtsrat Baum- garten, während die Reichsgerichtsräte K l i in m« r, Schwarz, Sonntag und Landgerichtsdirektor G e r l a ch als Beisitzende fungieren. Die Anklag« wird von Reichsanwalt Dr. Nagel und Staatsamvalt Weiersberg vertreten. Auf den reservierten Plätzen sah man Oberhecresanwait Schräg vom Reichswehrministerium, als Sachverständige Major T h e i h e n vom Reichswehr- Ministerium, vom preutzifchen Innenministerium Assessor Schock. Die in Host befindlichen Angeklagten werden von den Berliner Rechtsanwälten Dr. Sack und Dr. Kamele, sowie van dem Rechtsberater Hitlers, dem Rechtsanwalt Dr. Fxank II- München verteidigt. Die Angeklagten. Der Angeklagte O b e r l e u t n a» t a. D. Mendt stammt aus einer Offiziersfamilie. Sein Vater, der während des Krieges Kom- mandeur eines Arlillerieregiments war, wurde 1920 als Generol- major verabschiedet und ist 1923 gestorben. Auch der zweite Angeklagte, Leutnant Scheringer, entstammt einer Ofsizierssamilie. Sein Vater siel im Kriege an der Westfront. Scheringer hat eine sehr bewegte Jugend hinter sich. Zkts Schüler eines Koblenzer Gym- nasiums beteiligte er sich bereits an den Kämpfen gegen die Se- paratisten und mußte vor der französischen Bejatzuugctiehörde im Jahre 1923 flüchten. Er wurde in Zlbwesenheit vom sranzösischen Kriegsgericht zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er trat 192S in die Reichswehr ein und wurde Ansang 1928 zum Offizier befördert. Der dritte Angeklagte, Leutnant L u d i« n, ent- stammt einer Prosessorensamilie aus Frciburg im Breisgau und ist seit Dezember 1927 Leutnant der Reichswehr. Oer Beginn des Prozesses. Die Verhandlung begann pünktlich um 9Y- Uhr, nachdem die Angeklagten, die seit länger als sechs Monaten in Umersuchungshast sitzen, unter fünffacher Bedeckung in das Reichsgericht über- gesührt worden sind. Die Bewachung des Reichsgerichts ist auch allgemein sehr stark. Insgesamt sind 2 00 Polizeibeamte auf- geboten worden, um gegen jede Ruhestörung unnachsichllich ein- schreiten zu können. Zu der Verhandlung sind 150 Zuhörerkarlen ausgegeben. Die Karteninhaber werden einer dreifachen Kontrolle unterzogen. Nach der Eröffnung der Verhandlung nahm Reichsgerichtsrat Baum garten>das Wort zu einer kurzen Erklärung, in der er salzendes ausführte: „Wie ich aus der Liste der Eintrittskarten ersehe, befinden sich im Zuhörerraum Angehörige der Kommunistischen und der Nationalsoziali st ischen Partei. Ich möchte aus diesem Grund« ausdrücklich vor Demonstrationen warnen oder gar vor Zu- sammenstöße, solange dieser Prozeß hier dauern wird. Die Ver- Handlung wird öffentlich gesührt werden, wenigstens liegen bisher keine zwingenden Gründe vor, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Dies« Verhandlung wird absolut ruhig und voll- ständig objektiv geführt werden. Ich bemerk« ausdrücklich, daß ich irgendwelche Kundgebungen nicht zulassen werde und daß ich als Inhaber der Sitzungspolizei es verhindern werde, daß dieser Saal, in dem Recht gesprochen wird, etwa zum Tummelplatz politischer Leidenschasten gemacht wird. Ich h»be Anweisung gegeben, daß bei etwaigen Zwijchensällen d'e Schupobeamten die Ruhestörer rücksichtslos je st zunehmen und mir zur Bestrafung vorzuführen hoben. Vor ein paar Wochen ist gelegentlich eines anderen Prozesses «in Pressevertreter beim Verlosten dieses Saales von gc< wissen Elementen angerempelt worden. Dos ist absolut unzulässig. Die Vertreter der Prest« erfüllen hier ihre Pflicht, und ich Hobe Vorsorge getrossen, daß sie unbehelligt bleiben. Wir. das-Gericht und die Verteidigung sind versammelt, um Recht zu finden und Recht zu sprechen. Jede irgendwie geartete Störung, die uns in unserer Arbeit hindern wird, werde ich unnochsichtlich b e st ro f« n." Nach dieser mit lautloser Stille aufgenommenen Er- klörung des Vorsitzenden, der sich veranlaßt gesehen Hot in dieser nicht gewöhnlichen Weise den Prozeß einzuleiten, weil er selbst schon tage- lang vorher Schmäh, und Drohbriese übelster Art erhalten hatte, begann dann die Verhandlung mit der Feststellung d«� Personalien der Angeklagten. Der Vorsitzende verliest sodann den Eröffnungsbeschluß. Auf Befragen antworten die Angeklagten I sämtlich, daß sie sich nicht schuldig im Sinne der Antloge fühlten. Heber die Gründe seiner Verabschiedung aus dem Heere i wollte sich der Angeklagte Oberleutnant a. D. Mendt nicht äußern. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß er später noch darauf eingehen und daß man hören werde, daß Mendt zum Vorgesetzten ungeeignet gewesen sei. Reichsgerichtsrat Baumgarten verlas dann die Anklage und hielt den drei Angeschuldigten die einzelnen Punkte besonders vor. Zujammensastend erklärte er:„Sie waren also aus mancherlei Gründen mit den bestehenden Einrichtungen, besonders mit der Politik des Reichswehrministeriums und der Reichs- regierung nicht zufrieden. Schildern Sie das bitte im einzelnen.' Angekl. Scheringer: Unser Vorgehen ist nicht einem nio- inentanen Mißvergnügen entsprungen, sondern wir handelten aus Grund einer Stimmung, die Jahre hindurch bei der ganzen Reichswehr bestanden hat und die uns schließlich zu unserem Vorgehen veranlaßt hat. Angekl. Ludien: Das ganze Heer war eigentlich in unserem Sinn« eingestellt und so drängte alles zu einer Tat. Wir Autobus stürzt um. Ein Fahrgast sofort tot.- Zehn Schwerverletzte. RI a d r i d, 23. September. In Salamanca ereignete sich am Montag ein schweres Autobusunglück. Ein vollbejetzler Autobus stürzte in einer Kurve in voller Fahrt um und ging in Trümmer. Ei,, Znsasse war sofort tot. zehn Insassen wurde» schwer verteht in das Krankenhaus übergeführt. An ihrem 2lufkommen wird gezweifelt. Förderseil geriffen! Sturz in den Abgrund.— 11 Arbeiter schwerverletzt. Paris, 23. Seplember. Ein folgenschweres Förderkorbunglück ereignete sich aus der Zeche E o i n c y bei Lrioude. Ein mit 19 Personen besetzter Fördcrkorb löste sich etwa 30 Meter vor der untersten Sohle von seinem Drahtseil und stürzte in die Tiefe. Cls Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt, die übrigen acht kamen mit leichleren Verletzungen davon. Sankt Ldiotus, der Schutzpatron der Nazis Ein Götze, der zertrümmert werden muß > wollten nicht eine Revolution anzetteln, sondern eine lang« seelische Entwicklung war die Triebseder unserer Handlungen. Vors.: Glaubten Sic denn, daß Sic als blutjunge Leutnants die Politik der Reichsregierung oder des Reichs- wehrministeriums in Ihrer Garnison bis in die letzten Einzelheiten hinein durchschauen konnten? S ch c r i n g e r: Wenn auch das nicht, so konnten wir doch klar erkennen, daß der Wille der Reichsregierung nicht der Wille Tic Frauen im neuen Reichstag Seite 3. Ter Ali-Höhlcr-Prozcst Seite 2. Selbsthilfe der Arbeitslosen Seite 5. Regatta der Freien Segler Seite 7. Versklavte Reparationsarbeiter Seite 8. des Voltes gewesen ist. Auch die Politik des Reichswehrminjiste- riums entsprach durchaus nicht der Volksftimmung. Das konnte man aus Gesprächen mit jungen Arbeitern und jungen Bauern entnehmen. Ludien: Gerade wir als junge Leutnants wollten ja unsere Stimmung nach obenhin zum Ausdruck bringen. Das lediglich de- absichiigten wir. Revolutionär« waren wir nicht. Vors.: Woher glaubten Sie denn, die Stimmung de» Volke» zu kennen? ' Ludien: Ich habe in der Eisenbahn oder bei meinen Sonn- tagsausflügen sehr viel mit Zlrbeitern und Bauern gesprochen. Dabei habe ich immer wieder gefunden, daß, wenn man ein« Weile mit den Leuten gesprochen hatte, dies« den Offizier durchaus nicht fk»r einen Schweinehund oder Reaktionär hielten, sondern daß sie auch erkannten, daß der Offizier letzten Endes zum Führer de- stimmt sei. Vors.: War Ihnen denn nicht klar, daß wir in einer Zeit der Gärung, in einer wirtschaftlich sehr schweren Zeit der Er- süllung leben? Ludien: Selbstverständlich lzabcn wir das nicht verkannt, aber unser« Absicht war es, die Voltsstimmung gegen die Miesmacher wieder in Schwung zu bringen, ins- besonders, da die Rcichsrcgierung mit ihrer Politik dem Volke gegenüber so völlig versagte. Vors.(scharf): So, Sie als blutjunger Offizier wollen also festgestellt haben, daß sich die Politik der Rcichsrcgierung gegen das Volk richtet? Ludien: Das gerade nicht, aber es muh doch einen Offizier schmerze», wenn er sieht, daß sogar die regierungstreuen Zeitungen auf die Armee schimpfen, daß man in Berlin in den Theater» an- dauernd Stücke bringt, in denen die Offiziere, die Armee und alles, was Krieg heißt, dauernd beschimpft wird. Vors.: Ich bin selbst alter Offizier aus der Vorkriegszeit. Ich weiß ganz genau, wie die Stimmung in der Armee ist, und ich weiß, daß auch von jeher der Soldat auf die bestehenden Einrichtungen geschimpft hat. Aber das Schimpfen hpt dort eine Grenz«, wo das Strafgesetz anfängt. Ludien: Wenn das Rcichswehrministerium sich für uns einsetzten wollte, wonim wendet es sich nicht gegen die Theaicr oder gegen die Presse? Vors.: Ja, glauben Sie denn wirklich, daß die Regierung so einfach Theater oder Zeitungen verbieten kann? Ludien: Dos kann sie.(Lachen im ganzen Saal.) Vors.: So, na dann. Ich habe Sie immerhin reden lassen, weil es für uns interessant ist, Ihr« Mentalität kennen zu lernen.— Leutnant Ludien schilderte dann weiter, daß das Osflzierkorps über den Rücktritt des Generals v. S« e ck t•ungeheuer aufgeregt und empört gewesen sei. Leutnant Schcringer: Die Verabschiedung des Herrn o. Sexckt stellt einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung der deutschen Reichswehr dar, die bis dahin unpolitisch gewesen war. Nach der Verabschiedung des Generals v. Seeckt ist die Reichs- wehr politisch geworden. Das können oll« älteren Ossiziere bestätigen. So wie wir gehandelt haben, so denkt die ganze deutsche Reichswehr. Vors.(sehr scharf): Sie scheinen an einer ungeheuren Selbstüberschätzung zu leiden, wenn ich dieses milde Wort gebrauchen will. Scheringcr: Ich bitte Sie nochmals, hier ältere Offizier« zu loben und st« über ihre Ansichten zu befragen. Vors.: Der General v. Seeckt ist zweifellos ein leuchtende» Vorbild für olle jungen Offiziere gewesen und ist es heute noch. Wissen Sie denn überhaupt die inneren, die politischen Gründe, auf Grund deren er gegangen ist? S ch e r i n g« r: Weil man die Reichswehr an den Zügel bringen wollte. Unter Herrn v. Seeckt ist sie nicht am Zügel ge» gangen. Ich habe persönlich das Vertrauen zu den Führern der alten Generation verloren und.so wie mir geht es der ganzen jungen Ali-Höhler gesteht Oie Sensation von Moabit- Wie der Aazi-Weffel erschossen wurde 3)le Verhandlung im Sciururgerichl fterlin ITloabH. 9m Jtinlergrund der Jlngeklagie JCöhler(1) und 3rau Salm(2) 3)er ermordete Ttational fosialifl'JCorfl ICeffel rycnernrion. Zum Beispiel als die Besatzung kam, waren wir nach Jlirtg«i>.5. Damals haben alle die Patentpatrioten, die uns erzogen haben, vor der Besatzung Kotau gemacht und sind zu Kreuze gc- krochen. Wir, die junge Generation, kriechen nicht zu Kreuze. Vor s.: Das sind, mohlgemerkt, Ihre persönlichen Ansichten. Sic lenncn doch wohl den Grlah des Generals v. Secckt aus dein No> venibcr 1923, in dem es so überaus treffend heißt:„Staatliche Not- wendigkeitcn zu erkennen, ist ollein Aufgab« der Regierung. Ich warne alle Ossiziere, sich mit Politik zu beschäftigen. Scheringcr: Den Erlaß kenne ich, imb ich möchte sagen: Ich war dei der Schwarzen Reichswehr in Kiislrm... Vors.(unterbrechend):„Das gehört hier gar nicht zur Sache. L u-d i e n, waren Ihnen die Griiude für die Verabschiedung des Herrn v. Secckt bekannt?"— L u d i e n:„Die Presse behauptete, daß er gehen mußte, weil er diesen unglückseligen Prinzen an einer 'Hebung teilnehmen ließ. Für die Armee war«s ein Stoß ins Herz, daß gerade dieser Mann von seinem Posten mußte. Die Armee hatte früher ein Konkretum:. Katzer, Reich und Vaterland. Heute haben wir nichts Konkretes mehr, wir sehen nur, daß die Regierung dauernd gegen das Heer arbeitet."— Vors.(erregt):„Dos ist doch, gelinde gesagt, eine mehr als jrrgendliche Auf- sassung. Können Sie denn die Gründe für die Amtsnieder- legung des Ministers Geßler beurteilen?"— Ludien: „Sein Weggang war meiner Ansicht nach auch falsch, ebenso war es unrichtig, daß Generaloberst Heye nach einer Hebung erklärt hat, jeder, der eine Beschwerde habe, solle sich an ihn wenden. Durch diese Aeuherung hat er das vertrauen des Mannes zum Ossizier und direkten Vorgesetzten untergraben."— Vors.:„Dann haben Sie diesen Ausspruch des Generaloberst Heye, v o l l st ä n d i g m i ß v c r st a n d c n. Sie haben sich dann auch beschwert gefühlt über die Haltung des Sachverständigen des Reichswehrministeriums in den Fememordprozessen." Ludien:„Der Sachverständige der Reichswehr hätte die Angehörigen von der Schivarzen Reichswehr unbedingt decken müssen." Vors.:„Das ist ja ein ganz unglaublicher Stand- punkt selbst für einen 2.Zjährigen Offizier. Glauben Sie denn, daß der Sachverständige nur dazu da ist, Angeklagte zu decken? Der Sachverständige ist ein Gehilfe des Richters! Verstehen Sie inich?" Scheringer:„Die Angeklagten in den Fememordprozessen waren Reichswehrsoldaten, deswegen muhte die Reichswehr st« decken." Börse etwas ruhiger. Nur wegen der israelitischen Feiertage. Nachdem die Börse gestern noch schwere Schläge abbekommen hat, war die Entwicklung heut« etwas ruhiger. Das dürft« in erster Linie mit den, israelitischen N e u j a h r s s e st zusammen- hängen, dessen erster Tag heute überall in der Welt gefeiert wird. Dennoch liegt auf der ganzen Linie eher noch eine weitere Kurs- abschwächung als ein« Kursbesestiguug vor. I. G. Farben- Aktien haben noch weiter« drei Punkte verloren und auch bei Salz- detsurth liege» Kursrückgänge vor, Der Markt der festverzinslichen Staatsanleihen und Renten liegen ruhiger. . Auf dem G e l d»i a r k t ist ebenfalls eins Erleichterung ein- getreten. Di« Zinssätze sür Tagesgeld sind von ZM- bis 5>s auf 3 bis 5 Proz. leicht zurückgegangen. Auf eine Besserung der Geld- niarktoerhältnisse darf man daraus jedoch noch nicht schließen. Die Banken erleiden, wenn sie ihr Wechjelmaterial festhalten, nach der «ingetretenen Steigerung des Privatdiskonts Verlust«. Finanz- Wechsel werden auch deshalb auf den Markt geworfen, weil nian den Monatsfchluß vorbereiten muß. Die Deviscnkäufe, hauptsächlich zu Kapilalsluchlzwecken, scheinen noch fortzudauern. Man erwartet, daß die Reichsbank ein um mindestens 159 Millionen niedrigeres Devisenportefeuille zum 22. September ausweisen wird. Die Wechseleinreichungen der Banken dürsten ein Vielfaches davon ausmachen. In, ganzen ist zu sagen, daß wahrscheinlich nur infolge der jüdischen Feiertage die starken Verkäufe des Auslandes heute weniger in Erscheinung getreten sind, daß aber«ine Beruhigung der ausländischen Finanzmächte über die politische Entwicklung in Deutschland kaum schon eingetreten sein wird.'Aus der Schweiz hört man, daß für ausländisch« Bankeinlagen, wenn nicht eine mehrmonatige Festlegung erfolgt, teilweise übcrliaupt kein Zins mehr gezahlt wird. So kolossal ist der Geld- Überfluß in der Schweiz geworden. Zwischen den Banken wird tägliches Geld nur noch mit 1 Proz. und darunter gehandelt. Dreißig Fischer ertrunken! Opfer der Stürme. Paris, 23. September. Die Stürme der letzten Tage hoben nicht nur großen Schaden angerichtet, sondern auch viele Menschenleben gefordert. Die französischen Flschersamilien der verschiedenen Küstengegenden haben nach den bisher vorliegenden Rachrichten insgesamt 3 0 Tote zu beklagen. Auf der Viehkoppel ermordet. Ein Landwirt bestialisch umgebracht und ausgeplündert. Plön, ZZ. September. Auf einer viehkoppet in der Röhe des GeHöstes des Land- manns L u ck m a n n wurde die Deiche des Vaters de» Besitzer». de, 60 Zahre ollen Kaufmanns Duckmann aus Preetz ausgesunden. Der Tote hatte einen Schlag gegen den Hinterkops erhalten. Auch waren ihm einig« Zähne ausgeschlagen worden. Da sämtliche W e r l s o ch e n, eine Geldtasche und die goldene Uhr fehlten, dem Toten außerdem die Stiesel und die Hosen ausgezogen waren. liegt zweifellos ein Raubmord vor. Der Ermordete war gegen 14 Uhr mit seinem Sohn zum Nüssepflücken fortgegangen. Als er gegen 19 Uhr noch nickst zu- rückgetchrt war, b«gab man sich auf die Suche nach ihm, wobei er als Leiche aufgefunden wurde. Die Mordkommission aus Kiel uwr am Freitag und am heutigen Sannabend morgen an der Mord- stelle tätig. Infolge des starken Regens tonnten keine Spuren mehr festgestellt werden.___ MamonS nun endlich geschnappt. Rew Park, 23. September. Der aus Deutschland abgeschoben« amerikanische Verbrechcrkönig Jack Diamond ist b«i seiner Landung iu Philadelphia v«r- hastest ward«,,. Am zweiten Verhandlungstag im Wessel-Prozeß ist der Andrang des Publikums«her noch stärker als am eksten Tag. Vor Beginn der Verhandlung wird die Anklagebank um« gruppiert: Ali Höhler sitzt jetzt auf der äußersten Linken und sein Komplice Erwin Rückert auf der äußersten Rechten. Die für heute getadelten elf Zeugen werden gleich wieder entlassen, da vor Mittwoch an einen Beginn der Beweisaufnahme nicht zu denken ist. Vorerst bleibt die mit Spannung erwartete Vernehmung Ali Höhlers aus. Statt dessen wird noch einmal Frau Salm ausge- rufen, die ergänzende Aussagen über die Rolle Max I a m- b r o w s k i s machen soll. Eine Klärung kann jedoch nicht herbei- geführt werden. Dann nimmt Ali höhler das Wort zu feiner mehr als einstündigen Rede, die er fließend vorträgt. Er wendet sich zuerst an die zahlreich versammelten Pressevertreter und führt aus: Man hat mich in der Presse beschimpft und verunglimpft, ich konnte mich in meiner Untersuchungshaft nicht verteidigen, erklär« aber an dieser Stelle, daß ich kein Polizeispitzel bin. Am Abend der Tat befand ich mich in unserem Bcreitsckzafts- lokal. Draußen siel ein Schuß, wir stürzten auf die Straße und fanden unseren Genossen C a», i l l o Horn erschossen auf. Kurz danach kam«in Genosse in das Lokal, besprach sich mit Erwin Rückert, und diese beiden forderte» mich auf, sie in das Lokal von Baer zu begleiten. Wir gingen los, in der Schendelgasse trafen wir Joses K a n d u l s k i, der auch mitkam. In dem Lokal vpn Baer wiirden. wir van Mnj Iambrowski informiert, was los war: wir sollten Wessel an die frische Luft setzen. Ein kleiner Trupp hegstb sich züb Wohnung der Frau Satin in der Großen Frankfurter Straße. Wir fanden zuerst das Haus nicht und mußten uns zurecht fragen. Bei dieser Gelegenheit kam Else Eohn und sagte zu uns:„Wessel ist zu Hause, wir können raufkommen." Wir gingen zur Wohnung hinauf und fanden die Korridortür schon offen stehen und setzten uns in die Küche. Dort bat Frau Salm, die größte Lorsicht walten zu lassen, da Wessel wohl schießen würde. Ich erkundigte mich, ob Wessel einige seiner Parteigenosse» bei sich habe: das wurde von Frau Salm verneint. Ich entsicherte meine Pistole, lud sie und sicherte sie gleich wieder. Dann steckte ich die Pistole in lneinen Mantel. Nunmehr gingen ich, Rückert und Kandnlsti zu Wessels Zimmer. Wir tiopften: es wurde aber nicht geöfnnct. Das geschah erst ans ein Klingelzeichen der Frau Salm. Wessel öffnete die Tür, und es ist meine feste Ueberzeugung, daß er die Situation sofort überblickte. Ich rief„Hände hoch!": d«, faßt« Wessel in seine hinlere Hosentasche, ich selbst war sehr ausgeregt, riß meine Pistole heraus und schoß ohne jede» Ziel. Wessel fiel um, aus dem Zimmer schrie«ine Frau auf. Das war Erna Iänicke. Ich fragt« die Jaenicke:„Wo sind die Waffen?" Sie sagte:„Im Kleiderschrank." Darauf ging Josef Kandulski zu dem Schrank und nahm die Waffen heraus. Ich sagt« noch zur Jaenicke:„Holen Sie einen Arzt!" Dann ging ich in die Küche und rief:„Attas raus!" Auf der Straße trafen wir Max Iambrowski. Wir gingen in di« Restauration von Galski, Linien- Ecke Mulackstraße. Wir sprachen noch«twas über die Tat, feste Entschiiiss« faßten wir aber nicht.?l»i nächsten Morgen brachten die Zeitungen schon große Berichte. Ich ging zu Max Iambrowski, der mir aber auch nicht helfen konnte. Nur Ewin Rückert ging Hilf« holen. Er brachte mich mit dein Angeklagten Kupfer st« in zusammen, der uns wieder zur Frau Schmidt von der Roten Hilfe brachte. 5)ier muhten wir warten, da Herr Schmidt nicht zu Hause war. Wir baten Frau Schmidt, in ihrer Wohnung schlafen zu dürfen. Als wir am nächsten Morgen tzn der Küche Kaffee Iranken, wurde uns gemeldet, daß vor der Tür ein'Auto warte, in das mir einsteigen sollten. Es war das Auta Sanders. In dem Auto saß«,. Will und Sander. Ich mar mißtrauisch gegen die beiden und sehr schweigsam. Theo Will stieg bald aus. Ich komme jetzt zur Schilderung n, einer Flucht, lieber dieses Kapitel habe ich anfänglich jede Aussage verweigert. Nachdem aber die anderen Angeklagten alles qusgepiaudcrt halten, lag für mich keine Veranlassung mehr vor, zu schweigen. Wir fuhren nach Glienicke in die Villa von Sander. Hier wohnten wir acht Tage, wo wir Holz hockte�. Ich bat Sander, doch für unseren Abtransport zu sorgen. Darauf brachte Sander ungefähr fünf bis sechs Mann nach Glienicke. Diese Personen traf ich im Herrenzimmer der Villa, wo sie mir sagten:„Kopf hoch, Ali, morgen geht's nach Rußland." Es wurde mir„och eing«schärst, die Tat nie als ein« pslitlschc darzustellen, sondern ich sollte sagen: Wessels Braut war früher mein« Braut, Wessel habe sie mir abspenstig gemacht. Es sollte alles ein Eifer- suchhdrama sein. Dann gingen wir in ein anderes Zimmer, wa ich vier m a l g c l n i p st wurde. Wir oßcn noch Abendbroi und ich sprach sicißi-z dem Alkaho! z». Am nächsten Morgen gab mir Erwin Rück: i seine I Pistole und sagte:„Halte Augen und Ohren out, du kannst sie noch gebrauchen." Dazwischen spielte ein gewisser Otto ein« Rolle, der den ganzen Abtransport leitete und der zu meinem Freund Erwin Rückert gesagt hatte:„Höhler muß beseitigt werden." Schließlich fuhren wir ab: an einem Kreuzweg in Glienicke stieg Viktor D r c w- n i tz k i zu. Wir fuhren über Görlitz bis nach Ebersbach an die tschechische Grenze. Ich traute Drcwnitzki nicht, dieser war mir sehr unsympathisch. Es ivar späte Nacht, als wir in das Haus eines Arbeiters gingen. 5):«r wurde mir meine Barschaft von 29 Mark, die ich von Theo Will erhalten hatte, und meine 5 Mark eigenes Geld in tschechisches Geld umgewechselt. Noch in der Nacht ging ich über die Grenze: vom ersten tschechischen Dorf aus fuhren wir nach Prag. Wir warteten in einer Kneipe, trafen dort ei»«» Tschechen, mit dem wir uns in ein Kaffeehaus begaben. Hier bekam ich von Drewmtzki 299 tschechische Kronen. Dann wurde ich zu einer jiebenkäpfigen Familie geführt, deren Gespräche ich nicht verstand. Da ich mich selbst beköstigen mußte, hatte ich bald kein Geld mehr. Ich ging zur Prager „Roten Hilfe", wo man mir 29 Kronen gab, das sind nach deutschem Geld 2,59 Mark. Ich mußte in Prag betteln gehen. während Drewmtzki von dem Geld, das er mir nicht gegeben hatte, einen schöne» Tag lebte. Eine tschechische Genossin bezahlte mir die Rückfahrt nach Berlin. Hier angekommen, begab ich mich in die Wohnung des Kommunisten Holt, wo ich von sieben Kriminalbeamten oerhastet wurde. Vors.: Woher hatten Sie die Pistole? Ali: Die habe ich in der Münzstraße gekouit. Bor s." Haben Sie das Geld zu». An- schaisen der Pistelt aus der Bcreüschojistass« erhalten? 21 Ff: Ich war strllvertreksnder Vcrcilschaslsführer und auch Unter- kasjierer. Zch nahm von dem Geld 5 oder 10 M. sür den An- kauf der Pistole. Vors.: Als Sie zu Wessel gingen, war dabei von einer„prole- t a r i s ch e n A b r« i b u n g" die Rede? Ali: Wenn Wessel aus- sässig werden sollle, dann sollte er«ine'Abreibung bekommen. Vors.:.Kannten Sie die Erna Jaenicke?'Ali: Ja, unter den, Namen Erna. Ihren Zunamen kannte ich nicht. Sie war«ine Prostituierte. Ich erkannte sie iu der Wesseischen Wohnung wieder, als sie den Schrei ausstieß. Llm die Braunschweiger Regierung. Die Forderungen der Nationalsozialisten. Braunschweig, 23. September. Das heute festgestellte amtliche Ergebnis der braun- fchweigischen Landtagswahl bringt keine Aenderung in der bereits gemeldeten Verteilung der Sitze und nur geringfügige V«r- schiebungen in der Stimmenzahl der einzelnen Parteien. In der Frage der Regierungsbildung sind Fühlungnahmen zwischen den Parteien, die hinler der bürgerlichen Einheitsliste stehen, und den Nationalsozialisten i», Gange. Wie die Braun- schweizer„Neuesten Nachrichten" aus gut unterrichteicr Quelle er- fahren haben, fordern die Nationalsozialisten, daß es künftig nicht mehr drei, sondern mir noch zwei Minister geben soll, von denen einen die Notionalsozialisten und den anderen die bürgerliche Einheitsliste stellen joll. Volksnot- Städtenot. Wohlfahrtserverbslofe in den kleinen Städten. Nach de» vorläufigen Ergebnissen des monatlichen Schnell» dicnstes des Reichsstädtebundes wurden in 1981 Städten bis zu 25 999 Einwohnern, in denen rund 9.5 Millionen der Reichs- bevölkerung wohne», om 31. Zlugnst 62 309 W o h l i a h i t s- erwerbslose laufend unterstützt. Daneben wurden 4999 Für- sorgearbeiter von den Städten beschäftigt. Aus 1999 Einwohner wurden also rund 19 Person«,,(ohi:« ' 2lngchörig«> als Wohlfahrtserwerbslose von den Städten unter- stützt. Gegenüber Ende Juli ist eine weitere Steigerung von 10 Proz. zu verzeichnen. Die Bezieher der gesetzlichey Unterstützung ans der Erwerbslosenversicherung sind bei diesen Ziffer» nicht mi!» gezählt, da ihre Bezüge nicht aus dem Wohlfohrtsjonds, fönte n aus der Versicherung stammen. % Glückliches Frankreich! 904 Arbeitslose.— Weiterer Zustrom von Ausländern. Wie au» dem statistischen Bericht des Arbeitsministerium» her- vorgeht, betrogt die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Frankreich zur Zeit 9 9 4 gegenüber 928 in der vorigen Woche. Da die französische Industrie in dem gleichen Zeitraum 2792 aus- ländische Arbeiter, darunter 861 Italiener, 395 Porluzissen, 336 Polen und 35 Deutsche eingestellt habt, könne von einer Zlrbeits- losiH.nl in Frankreich p..k.isch üö:r)eupt nicht di: Rede sein. Nie Krauen im neuen Reichstag Kaff nur noch von proletarischen Parteien entsendet/ Das Männerideal der Nazis Unter den 575 Abgeordneten des neuen Rcichstogs sind 59 Frauen. Wenn man vergleicht, daß unter den 45 Millionen Wahl- berechtigten 53 Prozent Frauen sind, daß unter den 35 Millionen abgegebenen Stimmen 49 bis 59 Prozent Frauenstimmen gewesen sein mögen, dann erscheint die Zahl von 3g Vertreterinnen, knapp 7 Prozent aller Abgeordneten, als ein Mißverhältnis. Aber vielleicht ist eine solche Fragesiellung überhaupt unnötig und überflüssig? Kommt es denn, so läßt sich fragen, auf das Geschlecht an oder auf die Tüchtigkeit? Können denn nicht Männer ebensogut Interessen der Frauen vertreten— und gibt es denn überhaupt auch für die Arbeit des Reichstags eine solch: Unterscheidung von sjje�iellei,„Fraueninteressen"? Es wäre zumindest eine unwahrscheinliche Erklärung, daß man zu 93 Prozent für die Abgeordnetentätigkeit befähigte Männer, ober nur 7 Prozent befähigte Frauen finden konnte. Aber abge- sehen von solchen demokratischen Schönheitsfehlern wird die Frage nach speziellen Fraucngebieten für die unmittelbare Gegenwart entschieden bejaht werden müssen. Es gibt Gebiete/ die in besonderem Maße das Interesse und die Mitwirkung von Frauen beanspruchen, und es gibt auf diesen Gebieten Gesetze zu machen oder zu ändern, die der Mitarbeit der Frauen als der wirklichen einzigen„Sachverständigen" bedürfen. Das schöne Wunschbild der äk'r Roland von Brandenburg, das pittorreske Standbild aus Stein, das 1474 errichtet wurde, hat unter den Witterungseinflüssen und den Erschütterungen durch den Autoverkehr so gelitten, daß die Gefahr seines Ein- sturzes besteht. Kriegsjahre, daß es weiblichem Einfluß gelingen würde, künftige Kricgspolitit zu verhindern, sei hier ganz außer acht gelassen lob- wohl nicht vergessen werden soll, daß sich bei der Beratung über die Kriegserklärung Amerikas an Deutschland eine Stimme gegen den Krieg erklärte— die Stimme der einzigen Frau im ameri- konischen Parlament! Aber in eigenen Angelegenheiten— und es gibt eigene Angelegenheiten der Frauen, es seien hier nur Mutter- schütz, Kinderfürsorge, Ehe- und Familienrecht, Frauenarbeitsschutz hervorgehoben— haben die Frauen zu entscheiden und zu be- stimmen. Außerdem sind heute, besonders bei der wachsenden Frauenerwerbsarbeit, die Frauen auf allen Arbeitsgebieten des Reichstags„sachverständig". Der Anteil der weiblichen Abgeordneten bei den letzten vier Reichstagswahlen zeigt sich in folgendem Bild(nach den vorläufigen Fohlen für die Septemberwahl): Mai 1924 Dez. 1924 192« 1930 ins- davon ins», davon ins» davon ins» davon gesamt Frauen gesamt Frauen gesamt Frauen gesamt Frauen 100 11 131 16 153 20 143 16 0�1*.••• KPD.. Demokraten> Staatspartei)' Zentrum-■ Bayr. Volksp. Ehristl. Soz.. DLP..-> DNBP..-> Nationalsoz.-— Alle übr. Part.— Insgesamt.. 62 28 65 16 45 105 45 32 69 33 51 109 54 25 61 45 75 76 20 68 19 14 29 41 107 58 13 1 4 1 1 1 2 29 493 : 6,2%- 34 490 ■6,9«/.- 32 575 ■6,5%- 39 =6,8% Es ist kein Zufall, daß die beiden sozialistischen Parteien bei allen Wahlen den" chauptonteil an den weiblichen Abgeordneten haben, sie schicken diesmal 29 von den 59 Frauen ins Parlament, 16 SPD.- und 13 KPD.-Dertreterinnen. Bei der KPD. die jetzt prozentual am stärksten durch Frauen vertreten ist(fast ein Sechstel weibliche Abgeordnete) sind allerdings 7 Frauen erst durch Nachrücken bei Doppel-Spitzcnkandidoturen gewählt. Das Christentum: Zentrum, Bayer. Volkspartei und die Christi. Sozialen entsenden zusammen 6 Frauen in den Reichstag, die restlichen 4 Frauenmgndate kommen von Stoateportei. Bolksportci und Deutschnationolen zusammen, all- übrigen Parteien, die zusammen 165 INandote besitzen, keine einzige Frau! Daß sich in diesem Zahlenoerhältnis nicht nur gewissermaßen ein Für und Wider gegen die Frau als gleichberechlizte Mitarbeiterin im'Staat(der Appell des bürgerlichen Bundes der deutschen Frauen- verein- an die Parteien um Frouenkandidaturen hat wenig Er- folg gehabt!), sondern«ine Bejahung und Ablehnung neuer Se- sellschastssormen spiegelt, scheint deutlich. Am offensten zeigen das die Nationalsozialisten, die überhaupt keine Frauen aus ihr« Piste gesetzt haben. Da unter den 6 Millionen Wählern, die am 14. September nationalsozialistisch gewöhlt haben, auch eine erheblich« Anzahl Frauen sind— nach den bisher veröffentlichten getrennten Abstimmungsergebnissen z. P. in Köln wie in Ratibor 45 Prozent!— so sieht man, wohin Jdco- logien und Wünsche dieser Frauen gehen. Wohin? Im„Vormarsch" sagt es eine von ihnen:„Die nationalistische Frau läßt den cigent- lichcu politischen Kampf dem Mann. Sie wünscht den Staat, in den ihre Kinder hineinwachsen werden, gesormt von Männern, die im Kriege wie im Nochkriegskampf bewiesen haben, daß sie fähig sind... die große Kampsfront zu formen, die schlagbcreit und sieghaft sein muß, wenn ihre Zeit gekommen sein wird. Die nationalistische Frau wünscht ZNänner an der Spitz« de» Dolke», nicht Waschlappen! Dies« Männer werden sich die Macht nicht mit Worten und Wahl- kämpfen erringen, sondern im Kampf kraft ihrer Persönlichkeit. Ihnen gehört jherz und Leben der deutschen Frau." Männer!! Man sieht ordentlich den verzückten Augenausschlag. Alle Aeuhe- rungen aus diesen Kreisen, die„die Derselbständigung der Frau als biologischen Unsinn",„die Parlament arierin als Verireung der Gleichberechtigung" usw. bezeichnen, haben unverkennbar die Tendenz, die Frau wieder aus ihre alte Sphäre zu beschränken. In diesem Zusammenhang mag daran erinnert werden, daß bereits in der Natiottalversammlung die kleine Mehrheit der bürger- lichen Parteien auf Konto des F a u e n st i m m r e ch l s zu buchen war. Diese Entwicklung ist in den zwölf Jahren des Frouenwahl- rechts und der politischen Betätigung der Frau offenbar weiter fortgeschritlen. Auch diesmal sind nach den bisherigen Meldungen die Frauen die stärksten Stützen des Z e n t r u m s und der Rechtsparteien gewesen. Was folgt daraus? Wer würde es wagen, etwa das Frauen- stimmrccht auszuheben, um damit den Rechtsparteien die chälfte ihres Bodens zu entziehen?!.hinter diesen reaktionären Frauen- stimmen verbirgt sich nur die Angst um den Traum, im Schutz des Hauses«in geborgenes Dasein zu führen. Aber dieser Traum ist gründlich ausgeträumt, auch für diejenigen Frauen, die heute noch seitab von Verantwortlichkeiten und Notwendigkeiten stehen wollen und können, und die den„politischen Kampf dem Manne überlassen wollen". Diesen 5)emmschuh überwinden zu Helsen, ist nicht nur ein« Aufgabe für die Frauen, sondern eine Aufgabe für die Por- tei. Ihre weiblichen Abgeordneten im Parlament sind die Pioniere für dos Frauenhecr der Zukunft! Lusanns Sulir. Alle Räder standen stitt Im Gehirn der KpO.- Generalstreikstrategen Am Freitag las man in der„Roten Fahne" folgenden\ Armeebefehl: „Die Einheitsfront des kämpfenden Proletariats ist unüber- windlich. Sie wird den Faschismus in Stücke reißen. Dement- striert ihre Kraft im zehnminütigen Proteststreik gegen faschistische und Polizei sozialistische Mörderbanden morgen, mittags, von 12 bis 12.10 Uhr, am Bcgräbnistag des Genossen 5)anert!" Am Sonnabend brachte der„Abend" als Ergebnis einer Umfrage nach der„Weltreoolution" in den Berliner Großbetrieben die Mitteilung, daß tatsächlich in einem Werk des Siemcns-Konzerns um die Mittagszeit ein Kran stillgestanden hatte, weil— die Sicherung durchgebrannt war. Am Sonntag sucht man in der„Roten Fahne" vergeblich nach den Siegesberichten der„Revolutionären Gcwerkschafts- opposition". Lediglich aus einem Betrieb des AEG.-Konzerns, der Firma Dr. Pa u l Meyer, mit etwa 600 Mann Belegschaft, wird in Ermangelung anderer„Siege" in großer Ausmachung über die Durchführung des 10-Minuten-Streiks berichtet, aber verschwiegen, daß sich daran nur etwa 100 Mann der Gesamtbeleg- schaft beteiligt haben. Wie es um den„Erfolg" der kommunistischen Proteststreik- parole überhaupt bestellt war, zeigt am drastischsten folgende Zuschrift, die wir von einem Gewerkschoftsfunktionär au» dem AEG- Konzern erhalten: „Bezugnehmend auf die in:„Abend" vom Eonnobend er- schienen« Notiz über die Durchführung des von der KPD. an- geordneten Proteststreiks für Sonnabend von 12 bis 12.10 Uhr kann ich im Gegensatz zu ihrer Veröffentlichung mitteilen, daß der Streik in den Betrieben der AEG. restlos durchgeführt worden ist. Selbst die kommunistischen Führer in unseren Bc- trieben haben sich entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit diesmal „mutig" an die Spitze der Bewegung gestellt. Sie haben den Streik sogar auf fünfzehn Minuten ausgedehnt, denn in sämtlichen Berliner Betrieben der AEG. ist, wie an allen Wochentagen, auch am Sonnabend von 12 bis 12.15 Uhr Mittags- pause." Die KPD. fordert seit Tagen die Berliner Metallarbeiter auf, zur Abwehr des Angriffs der Berliner Metollindustriellen auf die Tariflöhne, einen Streik unter ihrer Führung zu inszenieren und dadurch das„verbrecherische Spiel der DMV.-Bürokratie" zu durch- kreuzen. Das Beispiel vom Sonnabend dürfte die Berliner Metall- arbeiter gerade nicht ermutigen, den Bankrotteuren aus dem Karl- Liebknecht-Haus die Führung des Abwehrkampfes gegen den scharf- macherischen Verband Berliner Metallindustrieller zu überlassen. Neue Schule in Giemensstadt. Haueihaltsausschup hat die Mittel bewilligt. Der chaushaltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung be- willigt« das Projekt und die Freigabe der Mittel für den ersten Bauteil der neuen Volksschule in der Iungsernheide(Bezirk Charlottenburg). Ursprünglich waren sechs Barackenklassen im Ortsteil Siemens st adt vorgesehen und es waren 100 000 M. hierfür bewilligt. Das Bezirksamt Charlotten- bürg hat daraufhin vorgeschlagen, aus wirtschaftlichen Gründen von der Errichtung dieser Barackenklassen abzusehen und statt dessen die ersten sechs Klassen des Volksschulneubaues in der Iungsernheide zu errichten. Die Gesamtbaukosten für den Volksjchulneu- bau in der Iungsernheide belaufen sich aus etwa Millionen Mark, die Kosten für den ersten Bauteil(sechs Klassen) betragen 200 000 M., wovon das Bezirksamt Charlottenburg einen Betrog von 100 000 M. aus eigenen ersparten Vcrstärkung-mitteln über- nimmt. Die Schulraumverhältniss« in Siemensstadt machen die Fertigstellung der sechs neuen Schulräume spätestens bis zum 1. Aprli erforderlich. In der Zwischenzeit soll das Bezirksamt den Schlllerzuwachs anderweitig unterbringen.— Für die vorüber- gehende Unterbringung hat der M a g i st r a t 8300 M. von sich aus zur Versügung gestellt. Es gab kein Brot für ihn... Sich selbst und die Frau nach der Entlassung erschossen. Hamburg. 23. September.(Eigenbericht. Ein crfchütlerndcs Drama hat sich in einer in d«r Reuter. s! ratze gelegenen Wohnung abgespielt. Dort wohnte in Untermiete der 4?jähnge Schisssingenieur Otto Bade mit seiner Frau und seinen vier Kindern im Alter von 8 bis 17 Jahren. Das Ehepaar schlief von den Kindern getrennt. Als am Dienstag früh die l?jährige Tochter ihre schulpflichtigen G:- schwister bedient und zur Schule geschickt hatte, betrat sie, da sie sich bereits gewundert hatte, daß die Eltern noch nicht aufstanden, das elterliche Schlafzimmer. Zu ihrem Entsetzen sah sie Vater unv Mutter tot im Bette liegen. Die Polizei stellte sest, daß Bade seine Frau durch einen Schläfenschuß getötet und sich dann selbst einen tödlichen Schuß beigebracht hatte. Bade hatte bereits am Montagabend im Kreis« seiner Familie ein sehr bedrücktes Wesen gezeigt. Wie verlautet, soll ihm seine Stellung gestern gekündigt worden sein. � Deutschlands modernster Bahnhof. Verschiebebahnhof Osterfeld-Süd.— 25 Gleise nebkn- einander. Bon dem Bestreben geleitet, den in den letzten Iahren erhöhten Gütcrumschlogsverkehr für das rheinisch-westfälisch« In. d u st r i c g c b i t t zu zentralisieren und die Zuleitung der Sen- düngen auf einen möglichst knappen Zeilraum zu verteilen, hat die Reichsbahn neben dem bisher größten Sammelbahnhof Kamm als weiteren Verschiebebahnhof den Bahnhof Osterfeld-Süd ausgebaut. Die Inbetriebnahme ist für den 5. Oktober vor- gesehen.» Hinsichtlich seiner modernen Einrichtungen dürfte dieser Bahn- hos wohl den ersten Platz in Deutschland einnehmen. Er zählt an seiner breitesten Stelle 75 nebeneinonderliegende Gleise und übertrifft den zwar räumlich größeren Bahnhof Hamm noch um 10 Richtungsgleise. Sämtlich« Weichen werden elektrisch betrieben, die Befehlsübermittlung des Fahrdienstleiters geschieht durch L autspre cherxinlage«. Die Houptverteilung liegt dem so- genannten Ostberg ob, der nach den verschiedensten Richtungen hin 42 Richtungsgleise aufzuweisen hat. Durch Derbesserung der Aus- fahrtmöglichkeiten können nach endgültiger Fertigstellung gleichgeitig 4 Züge ausfahren. Nach der Inbetriebnahme des Sammelbahnhöfs Osterfeld wird der bisherig«, den Anforderungen nicht mehr ge- wachsen? Bahnhof Essen-Frintop nach und nach stillgelegt werden. Oberammergau in Berlin. Pafsionospiele im Sportpalast. Die Festspielgemcinde für christliche Volk». k u n st empfindet es als Mangel, daß es nur wenigen vergönnt ist, nach Oberammergou zu reisen und gibt daher den Berlinern Ae- legenheit, die berühmten Passionsspiele aus zweiter Hand zu ge- niehen. Sie hat es sich zur Ausgabe gemacht,„ein wirkliches Kunst- werk zur vollwertigen Darstellung zu bringen das fein abgewogen die veränderte Wirkung im geschlossenen Raum berücksichtigt und in der Hauptsache durch dos gesprochene Wort die ergriffenen Zuschauer in den Bann des erhabensten aller Geschehnisse zwingt. Unser Spiel soll dem furchtbaren Ernst und der wahren Größe der Erlösertot Christi Ausdruck geben. Die Wirkung soll ohne abschwächende Zu- tat aus den monumentalen Vorgängen selbst erzielt werden. Der Dichter hat sich darum streng an den Urtext gehalten, soweit die dramatische Form es gestattet." Der Sportpalast, sonst profaneren Zwecken dienstbor. ist zur Festspielhalle umgewandelt. Aus dem einen Rund des Riesen- ovals ist«in Podium mit großer Freitreppe errichtet, zu beiden Seiten öffnen sich große Tore, durch die die Massen— über 600 Mitwirkende— auf das Podium strömen. Die Verfasserin Helene Pohlidal hat ihr Werk ganz auf religiöse Erbauung gestellt. In 16 Bildern zeigt sie den Leidensweg Christi, wie wir ihn aus biblischen Lesebüchern kennen, seinen Ein- zug in Jerusalem bis zur Kreuzigung und Auferstehung. Sie ver- zichtet darauf, uns das Geschehen verstandesmäßig näherzubringen, sie gestaltet ein Mysterienspiel für gläubige Gemüter mit Orgelspiel«id Choralgesängen. Es entsteht der Eindnick eines grandios illustrierten Kindergottesdienstes. Oxr. Heitere Lieder aus alter und neuer Zeit. Konzert des Berliner Volkschors. Der Berliner Volks chor eröffnet die neue Konzertjaison. Mit einem Programm, das sich zur gegenwärtigen Stimmung und Situation der Arbeiterschaft in freundlichen Gegensatz stellt. Die Hörer sind dankbar für diese zwei Nachnnttogsstunden Heiterkeit und Sorglosigkeit, der große Saal der Staatlichen Hoch- schule für Musik ist dicht gefüllt.„Heitere Lieder aus alter und neuer Zeit"— das stiificher aufgebaute Pro- gramm führt uns durch drei Jahrhundert« des deutschen Volk». licdcs und volkstümlichen Kunstliedes. Di« Bearbeitungen sind größtenteils aus den Ehorfammlungen des DAS., einige auch aus dem stoatliclfen Volksliederbuch genommen. Mit dem Volks» chor, der sich unter seinem Führer, Dr. Zander, in bester Stimmung und stimmlich in bester Verfassung zeigt, wechsett der ihm angegliedert« Kinderchor. Es ist«ine besondere Freud«, mit welchem Eifer, mit wieviel Aufmerksamkeit und Spannung, da- bei wie vergnügt, sie alle, die Kleinsten nicht anders als die Aelteren. bei der Sache sind: aber auch, wie musikalisch sicher sie schwierigere Aufgaben, etwa einen v i e r st i m m i g e n Kanon von Mozart, bewältigen. Man spürt das liebevolle Verständnis des Dirigenten Walter Häneb» man spürt, wie eingehend und sorgfältig mit diesen Kindern gearbeitet wird. Den heiteren Grundton des Pro- gramms nimmt Emil Kühne auf, dessen Solovorträge, Lieder zur Laute, herzlichen Beifall auslösen. �. P. Wir bilden die Welt Sozialistische Kulturarbeit in Breslau Der storke K�ilturwille der Breslau«r Ardeiterschaft, der im Reich nicht zuletzt durch die oorbildlickze Volksbühnen- Kcwcgung der jchlesifchcn Hauptstadt bekannt ist, findet in diesen Tagen einen neuen lebendigen Ausdruck. Acht Tage nach dem Wahl- kämpf eröffnet der Arbeiter-Bildungs-Ausschuß, die gemeinsame Bildungsorganisation der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften Breslaus, eine grohe Arbeiter-Kullur-Anssiellung und in Verbinimirg damit eine Arbeiter-Kultur woche mit zahlreichen wertvollen Einzelveranstaltungen. Wieviel hat sich doch in Deutschland wahrend der letzten Jahr- zehnte'geändert! Bon der Polizei verfolgt, verachtet und verkannt von den Schichten, die das Kulturgikt des deutschen Volkes als privilegierten Besitz verwalteten, waren die Arbeiterbildungsvereine der 60er Jahre, als ein A u g u st Bebel in ihren Reihen wirkte. Heut« ist die Arbeiterkultnrbcwegung neben Partei, Gewerkschaft, Genossenschaften und den großen Sportorganisationen einer der imposantesten Träger der gesamten Arbeiterbewegung überhaupt. In breiter Front dringt die sozialistische Gedankenwelt in alle Zweige des modernen kulturellen Lebens ein. Wer mit der geistigen Arbeit der Nation vertraut sein will, kann an dem Bildungs st reden des Proletariats nicht mehr vorbeigehen.. Viele unter den Breslaucr Arbeitern werden sich nach der Zeit erinnern, da die Kultur, und Erziehungsarbeit der Arbeiterklosse in kleinen Zirkeln, in verräucherten Kneipen ohne Beachtung von seiien der Oefsentlichkeit erfolgte. Heute veranstaltet die Breslauer Ar- beitekschaft die Schau über ihre kulturelle Leistungen unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße der Stadt im ehemaligen General- kommando. Auch darin inanifestiert sich der gewaltig« Ausstieg der deutschen Arbeiterklasse, die sich nicht mehr zu verstecken noch ihres Könnens zu schämen braucht. Im Gegenteil, die organisierte Arbeiterschaft ist die vorkämpserin der Bildungssreiheit geworden, sie steht in vorder st er Reihe aller derjenigen, die sich gegen geistigen Rückschritt, gegen Muckertum und gegen die Barbarei des Faschismus wehren. Deshalb gebührt ihrem Werk ein Platz, an dem ihm die Ausmerk- scmikeit der gesamten Einwohnerschaft einer Stadt sicher ist. 3Z Organisationen sind an der Ausstellung beteiligt. Reichhaltig ist'das Material, das gezeigt wird. Um jede Unübersichtlichkeit zu vermeiden, ist ein Aufteilungsprinzip angewandt worden, das sich für andere Orte gleichfalls empfehlen dürste. Vier große Abtei- lungen— jede besteht aus etwa einem Dutzend Räumen— bieten sich dem Besucher dar: sie umfassen die Gebiet«: geistige, sozial«, künstlerische und allgömeine Lebenskultur. Bei strengster Zusammen- faffung beweist demnach die Ausstellung den Charakter der Viel- geftaltigkeit, der ja tatsächlich die Arbeiterkulturbcwegung auszeichnet. In der Erössnungsfeier, die von den Sendern Breslau und Gleiwitz übertragen wurde, betonte Oberpräsidcnt Gen. Lüdemonn, «ine Ausstellung für Arbeitcrkultur in dieser Zeit, insbesondere jedoch im verarmten Schlesien, sei«ine Tat. Das verdient unier- strichen zu werden, denn Breslau ist die deutsche Groß- st a d t mit der größten A r b e i t s l o s e n z i f f« r. Breslaus Industrie liegt danieder, feine Handelsbeziehungen nach dem Osten,' die Grundlage feiner wirtschaftlichen Blüte, sind unterbrochen. Nichtsdestoweniger lcbl in der Arbeiterschaft dieser Stadt ein kultureller Schosfcns- und Entsaltungsdrang. den bittere Not zivar zeitweilig zu hemmen, doch nicht mehr zu brechen vermag. Die sozialistischee Kulturarbeit besitzt in der schle- fischen Monopole bereits ein« Tradition. Immer hat die Leitung des Arbeitcr-Bildungs-Ausschufses der Partei und Gewerkschaften Breslaus in bewährten Händen gelegen. Paul Löbe schuf ihn, und dann waren es Seibold, Rüsfort, Immanuel B i r n- bäum und Albert Kronold, die ihn leiteten. Ihrer Tätigkeit ist es zu danken, daß die Arbeiterschaft selbst in Zeiten größten Massenelends das Wagnis einer so großangelegten Ausstellung unternehmen durste. Zeitlich parallel mit der Ausstellung läuft ein« Arbeiter- K u l t u r- W ö ch e. In ihr Programm sind Veranstaltungen ver- schiedenartigsten Charakters aufgenommen, so eine Kundgebung gegen den Alkohol, Masscnchöre der Arbcitersänger, Filinabendc des Brcslauer Arbeiterkinos, ein Tanzabend mit der proletarischen Tanzgruppe Otto Zimmermann-Leipz.g, eine Aufführung der IX. Sym- phonie Beethovens, Vortrüge der Arbeiterwohlfahrt, sowie ein Referat des künstlerischen Leiters der Ausstellung, den Gen. Archi- tekten Lange- Breslau, über„Proletarische Forderungen an den Städtebau". Den Abschluß sowohl der Arbeiterkulturwoche als auch der Ausstellung bildet«ine mittelschlesische Bezirksbildungs- konferenz, auf der u. a. der Vorsitzende des bekannten Arbeiter- Kultur-Kartclls in Deutschland, Genosse B r o ß w i tz aus Frankfurt a. M. referieren wird. Albert Kranold und Conrad Broßwig werden während der Ausstellunasdauer vor dem Mikrophon Themen sozialistischen Kulturschaisens behandeln und damit für den Gedanken systematischer proletarischer Kulturarbeit ebenfalls unter den Massen der schlesischen Hörer werben. Mit der Breslauer Arbeiter-Kultur-Ausstellung und der Arbeiter-Kiümr-Wochc stellt sich die sozialistische Kulturbewegung Deutschlands aufs neue der öffentlichen Kritik. Die Breslaucr Arbeiterschaft hat ihr Bestes getan, und das Urteil dürfte wieder günstig ausfallen, zumindest bei allen denen, die gegenüber der deutschen Arbeiterklasse guten Willens sind. I\ L. Heimkehr kommunistischerBeiriebsräie. Werkzeuge der KpS. wollen sie nicht sein. Die„Revolutionäre Gewerkschastsopposition" ist wieder einmal um zwei„Renegaten" reicher geworden. Die kommunistischen Mit- glieder des Betriebsrats der Charit«, Müller und M i r e k, begannen bald nach ihrer Wahl im Frühjahr d. I. einzusehen, daß den Interessen der Belegschaft mit den blöden Parolen der KPD. nicht gedient ist, sondern daß es dazu sachlicher, den gewerks chaft- lichen Grundsätzen entsprchender Arbeit bedarf. Wegen dieser Erkenntnis mußten sie in der kommunistischen Betriebszellenzeitung„Bozille" hanebüchene Verleumdungen über sich ergehen lassen, die sie schließlich vor einigen Tagen mit folgender Erklärung au den Vorsitzenden des Betriebsrates der Charit« quittierten, die auf chren Wunsch der gesamten Beleg- schaft zur KeniNnis gebracht wurde: „Hiermit erklären wir, daß wir für den Rest des Wahljahres unsere Tätigkoit als Mitglieder des Betriebs- und Arbeiterrates der Anstalt im Sinne unserer gewerkschaftlichen Richtlinien ausüben werden., Grund: Als wir im März d. I. uns der gewerkschaftlichen Opposition als Kandidaten zur Verfügung stellten, hatten wir die innerste Ucberzeugung, auf Grund des von dieser herausgegebenen Programms im Interesse unserer Kollegen wirken zu können. Bald aber mußten wir die Erfahrung machen, daß wir unter diesem Deck- mantel nur als Werkzeuge der Somunistifchen Partei mißbraucht werden sollten, um die sachliche Tätigkeit der Betriebsvertretung im Interesse der Kollegenschaft zu sabotieren. Wir haben uns dagegen in vielen Zusammenkünften der kommu- nistischen Betriebszelle gewehrr und haben auch dort schon kund- getan, daß wir die Schreibweise der Bctriebszellenzei.ung„Bazillc" und deren persönliche Angriffe unsachlicher Art gegen unsere führenden Kollegen in der Betriebsvertretung aus das schärfste mißbilligen. Nachdem man uns in derselben noch den Vorwurf macht, daß wir zu dem äußerst sachlichen und inhaltsreichen Referat des Kollegen Lewi in der Betriebsversammlung vom ll). September 1930 geschwiegen haben, sind wir nun endgültig zu der lieber- zeugung gekommen, daß wir nur Mittel zum Zweck für die Kommunistischen Partei sein sollten, um deren politische Geschäfte unter Hintanstellung der Interessen der Kollegenschast zu betreiben. Hierzu haben wir aber kein Verlangen und sind wir daher zu der eingangs unserer Erklärung abgegebenen Willensäußerung gekommen. gez. Fritz Müller, gez. Franz Mirek." Wieviel„rote" Betriebsräte mögen ebenso denken wie diese beiden und nur nicht den Mut ausbringen, sich ebenso konsequent loszusagen von den kommunistischen Bankrotteuren und Drahtziehern. Verhandlungen mit dem VBML. Die Unternehmer müssen Farbe bekennen. Heute nachmittag werden in der Potsdamer Straße die Verhandlungen über den Reuabschluh des Lohntarifes der Berliner Metallarbeiter fortgesetzt, die am Freitag voriger Woche vertagt wurden. Fünfzehn Prozent Lohnabbau hatten die Metall- industriellen zuerst gefordert und erklärt, daß sie diese Forderung hauptsächlich deshalb erheben, weil sie sich von einem durch- greifenden Lohnabbau eine Belcbungdes Arbeitsmarkles versprechen. Die Entvölkerung der Arbeitsnachweis« läge ihnen angeblich so sehr am herzen. Von den Gewerkschaften wurde den Unternehmern der vor- schlag oemacht, der Lösung des Arbeitslosenproblems von der Arbcilszeitseile näher zu»relen und die Arbeitszeit aus 40 Stunden je Woche zu senken. Die Unternehmer gingen auf diesen Vorschlag ein und wollen heute darüber verhandeln. Es wird sich zeigen, ob die Berliner Metallindustriellen wirklich ein so brennendes Interesse an der Behebung der Arbeitslosigkeit haben, oder ob sie sich dem Vorschlag nur dcstjalb nicht abgeneigt zeigten. um Zeit zu gewinnen. Attentat gegen Lehrer. In der Nacht vom 2l. zum 21. September wurde von einem unbekannten Täter eine Granate in die Wohnung des polnischen Lehrers Suchanet in Sulcnki sWojewod- schaft Posen) geworfen. Die Granate explodierte, zerschlug die Scheiben der Wohnung und riß eine Wand ein. Die Polizei hat mit Polizeihunden die Suche nach dem Täter ausgenommen, hatte jedoch bisher noch keinen Erfolg. Man vermutet, daß das Attentat politische Hintergründe hat. Frelgeislige Woche in Vraunsäiiveig. Die ReichSarbeitZgemeinschast steige, iügcr Verbände«RAG., bält vom ÜK.— 30. September ihre Tagung. die gleichzeitig als freigcisligc Woche nutgizo gen i(t. m Brauiischwcig ab tTagungölotal»Sächsischer Hos"). Tie RÜG. ist die Dachorganisation aller sübrenden steigcistigen Organisationen Deutschland«: in den ibr angeborigen Verbänden(Voiksbund für Geistessreiheit. Deutscher Moniiienbund, Bund sozialistischer llreidenker) sind über 700 000 deutiche streidcnkcr znlammengesaht. Angesichts der gegenwärtigen kulturpolitischen und politischen Lage sind die Verhandlungen und Vortrage der Tagung von besonderem Interesse. weller für Berlin: Teils wolkig, teils heiter mit wemg Tein- peraturänderunq und meist schwacher Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Norden und Osten sowie in Mitteldeutschland zeitweise nebeliges, sonst leicht wolkiges Wetter, im Süden stärker bewölkt und vereinzelt noch etwas Regen. Verantwortl Mr d!c Redaktion: Wolsgang Schwär,. V-rlin:«njeigen: Tb- Slock«. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b.£,.. Berlin. Erntf: Sorfflarts Buch. druckerci und Perlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SB 68, Liad-nstrobe 3. Hierzu 1 Beilage. Die Hilfe gegen Gicht und Rheumatismus. Sic wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister? Einreibung m, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet: aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sic die folgenden Briefe: Seit mehreren Jahren habe ich mit Rheuma- tisnius zu tun gehabt, so daß mir das Laufer» vor Schmerzen sehr erschwert wurde. Daher kann ich jetzt mit Freuden bekunden, daß mir die von mir eingeschlagene Kur mit Gichtosint-Tabletten äußerst gutgctan hat und ich von meinen heftigen Schinerzen gänzlich befreit bin. Jedem Rheumatismustrankcn kann ich diese Kur nur empfehlen. Hochachtungsvoll A. R. in M. Ich spreche Ihnen heute meinen besten Dank für Ihre vorzüglich wirkenden Gichtosint-Tabletten aus. Nach 14tägigem Gebrauch spürte ich schon MD' in. Nach Dienstag, 23 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 23 20 Uhr Der LieoestranH Ende 22 Uhr Dienstag, 23. 9. Stadt. Oper Bismarckstr� Turnus I 19'is Uhr Die Ende n. 22-- U. Staats-Oper In Piah dir Repntilik. Vorst 141 20 Uhr Die stumme von Portici Oaffentl. Hartenverkanf Ende n. 22 � U. Staatl. SctiaDsph. (in Cndirnnmaitl). A.-V. 20 20 Uhr Liebe au! dem Lande. 33 Minuten In ßrUnebero Ende n. ZZVt Uhr Wi.WIet-IIiM.cilMg. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 22iU Uhr Tägi. 5 u.8l|s Uhr. ü 5 Bart). 6250 Pr. t— 8 M.~ Nachm. halbe Preise. Hur nenige tage? Zum ersten 171a Ic auf dem JConlineM! Sem- Sprech- Sehen, teievMon und das auserlesene TarieM- 3>rogr. Theater Ld.Belirenslr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Robert* sv. Das häDiiche madchen VolHsbtltine Tlxal« in Btlovplalz. täglich 8 Uhr Die Weber v. G, Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staatl. Sdiiiler-Th. 8 Uhr Der Mann mit dem Klepper Englisch— Roberts— Riemann, Theater am SChlttbauerdamm 8V. Uhr Feuer aus den Kessein Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Die Stumme von Portlcl 8Vj Uhr 8'/« Uhr von MoliSre. itgli: BsosDwe. Gebrauch der ersten Sendung war ich wie von neuem geboren. Nochmals besten Dank. Hochachtungsvoll P. Sch. in N. Ich will Ihnen hiermit van dem überraschenden Erfolg Ihrer Gichtosint-Tabletten berichten und dankbor sein. Ick) habe 1Ü Jahre mit Rheumatismus zu tun gehabt, so daß ich vor Schmerzen bald nicht mehr gehen konnte, hauptsächlich im Winter. Jetzt kann ich mit Freuden berichten, daß ich keine Schmerzen mehr lzabe. Nochmals meinen besten Dank. Hochachtungsvoll Frau M. H. in O. Solche Brief« besitze ich Tausend«, und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheüinatisnius können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Eni- giftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene Harnsäure«alze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warm- halten nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure dient das G i ch t o s i n t. Sie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dajür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Post- karte sofort mit und adressieren Sic diese an: Generaldepot der Viktoria-Apothekc. 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Frankfurter Str. 132 Billett katse: Alex 3422 u.3404 Lokal-Anzeiger: Ein seltener Abend I Welt am Abend: Der Beifall toollu kein Ende nehmen. Der Tag: Das Haus war mit- 9 Uhr- Abendblatt: Herzlicher Beifall eines ergriffenen Publikums. BdrsetuCowier: Das volle Haus sollte der Bemühung Achtung und Beifall. Volkszeitung: Das Publikum rief die Darsteller immer wieder vor den Verhäng. Nachtausgabe: Ein Ehrenahend für das Volksthtaur in der Gr. Frankfurter Straße. Morgent>ost: Eine Aufführung, die allen Respekt verdient. Sannabtnd om 7� v(asil fcne Trittdi) und Ndi 1(FU. Imit Grrt« Htbtians) Wochentags»» UI»-. Kassenpr. von 50 Pf. bis 3 M. (Garderobe u.Progr. je 2SPi) Nächst. Sonnabd. 4U Ubr: MDornrÖ8Chen(< Gr. AoMtit» one»mirchen f. Kinder. Komm. Mittwoch um 5 Uhr In völliger Neueinstudierung: „HAnael u. Qretel'< {Beilage Dienstag, 23. September 1930 IprMimV Sjtnlnnlgnße Ju{�iWoxA Kleine Existenzen Der Mut der Arbeitslosen zu besebeidener Selbsthilfe Die Wirtichaftskrise in Deutschland, die die wirtschaftlich Schwachen, Arbeiter und Angestellten, auf das schwerste belastet, hat unzählig« Eristen.zen an den Vettelstob gebrocht. Bei vielen mag die Hoffnung noch bestanden haben, dah es ihnen gelingen werde, durch Rüstigkeit, Geschicklichkeit und mit einigen Spargroschen einen neuen Erwerb zu finden. Denn die meisten Erwerbslosen fühlen sich deklassiert, wenn sie Erwerbslosenunierstützung beziehen müssen, obwohl dieses Gefühl in ganz falschen Bahnen laust. Der Staat erfüllt nur eine Selbstverständlichkeit, wenn er die schuldlos aus dem Wirtschastsprozeh Ausgeschiedenen unterstützt. Außerdem hoben ja alle Arbeitenden ihr« Versicherungsbeiträge gezahlt. Trotzdem ist der Weg zur Stempelstelle das Bitterste und NiederdrückcNdst«, das einem gesunden Menschen passieren kann. Zaghaste Kleinstkaufleute. Viele suchen dem großen Massenelend dadurch zu entgehen, daß sie einen kleinen Handel beginnen. Alle Kauffeute hoben, so heißt es, einmal klein angefangen, warum also solle nicht auch glücken. Die Anfänger sehen Kleingewerbetreibende aus Rummel- Plätzen, Märkten oder auf der Straße im Umherziehen Geld vec- Ein angeblicher Fremdenlegionär, der seine Erlebnisse, gedruckt und broschiert, in den Straßen Berlins verkauft dienen. Mancher von den Ausrufern fährt in einer Droschke an einer Straßenecke vor, hat oft ein großes, eigenes Gespann oder gar ein Auto. Es wird aber vergessen, daß diese Händler schon Jahr- zehnte lang ihr Geschäft betreiben und es mit entsprechenden Aufwendungen, Ersahrungen und Kniffen ausgestaltet haben, so daß ein Neuling gar nicht mit kann. Auch ist der gute Verdienst nur scheinbar: er wird durch hohe Steuerabgaben, Platzinieten usw. wieder wettgeinachl. Dann ist es auch nicht jedermanns oachc, von ganz klein an anzusaugen, etwa hausieren zu gehen und in den Straßen seines Wohnbezirks, wo jedermann ihn kennt, zu handeln. Dieser Rest von Stolz und Scham mutz überwunden werden, denn die Zaghasten besitzen das schlechteste Talent zu ihrem neuen Berus. Was den geborenen Straße-nhänLler ausmacht: un- verwüstiicher Optimismus, Ausdauer, Humor und die Fähigkeit, sich in jeder Situation zurechtzusinden, das fehlt vor allem den An- fängern. Wenn einer unsicher iit bleiben Kunden nicht bei ihm stehen. Der Verkäufer hat das Gefühl, den jalschen Artikel gegriffen zu hoben. So sieht man die kleinen Existenzen, die gestern aus den Märkten mit Glasperlen handelten, heute mit einem neuen Putzmittel stehen. Voll Neid schielen sie auf den Mann am Nebenstand, der vielleicht Mit Ansteckblumen besser« Geschäfte macht. Aber das viele Probieren macht es auch nicht. Man ver- säumt Zeit, oermindert den Umsatz, wird unlustig und hoffnungslos. Zuletzt sinkt das Gros der kleinen Händler wieder ins Elend zurück. Krisens llr sorg« und Wohlfahrtsamt müssen doch wieder ihres Amtes walten. Woher kommen die Händler? W>« schiecht es dem Strahenhandel heutzutage geht, hört man aus den Klagen der alten Händler, die jahraus, jahrein dasselbe Geschäst betreiben, mit großen Schaubuden und im Wohnwagen von einer Stadt in die andere reisen und manchen Puff des Schicksals vertragen können. Sie haben Energie und Arbeitskraft in ihr Ge- schüft hineingebracht, was wichtiger ist als bares Geld. Auch jo ein richtiger Berliner Strahenhöndler am Obstwagen darf mit der Zeit nichi rechnen: sein Arbeitstag fängt gewöhnlich um 3 Uhr morgens an, wo er mit dem Wagen zur Halle zum Einkauf zieht." Es wird dann manchmal 10 Uhr abends, bis er sein Pferd im Stall versorgt hat. Einschränkende� Bestimmungen der Strahenpolizei verhindern ihn, sich dort Auszustellen, wo sein Artikel vielleicht den besten Absatz hat. Vor dem Kriege waren es in Berlin 170 Straßen, in denen das Ausstellen verboten war, zur Zeit sind es doch immerhin 475 Straßen. Aber dos Schlimmste am heutigen Geschäft ist der Geldmangel im Publikum. Man rechnet im ambulanten Gewerbe mit etwa 7 0 P r o z. neuhinzugekommener Händlerschaft, von denen freilich auch ein großer Teil schon einige Jahre im Fach tätig ist. Aber die täglich Neuhinzukommenden sind, wie schon erwähnt, die aus der Erwerbslosenversicherung Ausgesteuerten. Wenn es beinahe schon ein« Plage genannt werden darf, daß ein Hausierer an der Tür dem anderen die Klink« gibt, so sollte man nie vergessen, daß nur äußerst« Not diese Armen treppauf, treppab treibt. Am schlimmsten sind wohl jene Hausierer dran, die als Vertreter irgend- eines großen Absatzartikels wie Staudsauger, Gassparherd«, Schnell- kocher, Sprech- oder Radioapparate reisen. Sic sind auf die Kund- schast dressiert, und da sie den wenigsten Absatz vorzuweisen haben, fallen sie durch ihre krampfhaften Bemühungen am lästigsten. Die Hausfrauen-mach«, jfäott gar nicht mehr ach. Groß in die Zahl der Kleinhändler,>di« sich aus Mangel an Geld für die hohen Ladenmieten auf die Straße gestellt haben. Nicht nur an lebhast begangenen Straßen findet man ihre Berhaufsstände auf Wagen oder in schilderhausähnlichen rollbarcn Buden. Neben den bekannten Verhaufsartikeln wi« Zigarren und Z i g o- retten, Obst und Gemüse, Blumen, Zeitungen und Zeitschriften sieht man bereits Waren, die sonst nie im Stratzenhandel ausgestellt wurden wie Seifen und Par- fümerien, Bürsten, Korbwaren und Schuhmacher- artikel. Manchmal sind es ganz ausgefallene Ding«, di« demenffprechend auch eine große Käuferfchar anlocken, so z. B. ganze Wagen voll Damenhüte und Kopfformen. Be- sonders in den Neubaugegenden, wo ein Ladenmangel besteht, sind diese kleinen Verkaufsstände wie Pilze aus der Erde geschossen. Die meisten halten es freilich nicht lange aus, es geht ihnen nach einem Berliner Ausdruck„die Puste aus"! Das Bargeld wird von Tag zu Tag weniger, dos bißchen Tageskasse wird mir aufgegessen und es ist dann kein Geld zum-neuen Einkauf mehr da. Wie schwer dies« Existenzen zu ringen haben und aus welchem Lager diese mutigen kleinen Geschäftsleute kommen, ersieht man deutlich daran, daß die ganz« Familie, Frau und Kinder, den Verkaufsstand umlagern. Sie sind alle der Erwerbslosen- und Krisen- unter st ützung entflohen. In den Häuserblocks, die mit den billigen 5) a u s- Durch die Tergowska Uliza(Marktstraße), die sich wie ein Wurm durch das winklig« Basarviertel hinzieht, weht entsetzlich heiße Luft. Die Sonne meint es mit P h i l i p p o p c l fast zu gut. Zu bckiden Seiten der Tergowska schnarchen die Händler auf ihren Waren liegend. Einer hockt auf einem Schemel, die Ellbogen auf einen Berg von Lammfelljacken gestützt und schnarcht, daß es weithin hörbar durch die stille Gasse hallt. Auf seiner Lammfellhaube sonnt sich ein Fliegenheer. Wie eine winzige Spinne kriecht von der M a r i tz a eine Frau herauf. Barfuß, den geschmeidigen Körper lose in geflickte Tücher gehüllt, mit funkelnden Augen, die im grellen Licht der Mittagssonne zeitweilig grünlich schimmern. Sie kriecht lautlos durch die Reihen der schlummernden Händler. Hin und wider sieht sie scheu zurück. Da,— als das Weib plötzlich ihre Schritte beschleunigt, gellt es markerschütternd durch die Gasse: „Verflucht, bei Gott, das Schwein hat mich bestohlen. Sie hat mich bestooohlen, ihr Freunde, haltet sie! Verdammt, so haltet sie doch." Im Nu sind alle Händler wach. Die Hände tasten noch schlaf- trunken über die Warenberge hinweg. Am oberen Ende der Gasse verschwindet die Frau. Es währt nicht lange und sie kommt wieder zurück, die Arme in klobige Männerfäuste geschraubt. Aus ihren Augen spricht tödliche Angst. „He, du Kröte!" sagt der Schnarcher von vorhin,„du sollst deine Strafe haben. Bei Gott, du sollst sie haben." Die umstehenden Händler kichern verständig. Das junge Weib beginnt zu wanken. Ihr Mund bewegt sich tonlos. Die Männer drängen die Frau durch ein niederes Tor in einen kleinen Hof. Einer hält den ihr abgenommenen Leinenballen in der Hand, ein anderer reißt der Diebin die Lumpen vom Leibe, bis sie völlig nackt dasteht. Plötzlich fällt sie durch die Wucht eines Trittes der Länge nach auf die Erde. Zwei Männer reißen sie lachend wieder hoch und speien ihr abwechselnd in das Gesicht. Dann bringt einer mehrere Riemen. Vier Männer schlagen zu. Die rehbraune Haut der wimmernden Zigeuerin färbt sich vorerst rosa, dann rötlich. Hautietzen hängen bald herab. Die vier Männer gehen im Kreise um ihr Opfer und schlagen im Takte auf das Fleisch, bis das Weib wie ein Sack von selbst umfällt. Die Lumpen liegen neben ihr auf der Erde. Etwas später sitzen die Händler wieder auf ihren Waren. Ei» Teil verfällt wieder in tiefes Schnarchen. Der Mann mit der Lamm- fcllmütze wischt sich den Schweiß von der Stirnc und gröhlt, tief Atem schöpfend vor sich hin: „Bei Gott... der Teufel fresse die Hitze... so ein kleines Spielchen ist zuweilen nicht übel... bei Gott, wirklich nicht übel..." * Auf dem Marktplatze in Kasanlik, einem kleine» Land- slädtchen, den: Zentrum der bulgarischen Rosenälgewinnung, kauern die Bauern im Schatten der Fuhrwerke auf der Erde und dösen vor sich hin. Manche schmatzen im Schlafe von Zeit zu Zeit an ihre» kalten Pfeifen, andere liege» platt aus dem Rücken, die Bärte wi« magere Grasbüschel nach oben gerichtet. Bei einem Wagen sitzen drei Bauern. Die beiden Jüngeren lauschen den Worten des Dritten. Der hat nachweisbar hundert Jahre auf dem Buckel. Es sind ihrer sogar mehr, wie oft aber der Schnee noch in das Land kam und der Schafpelz im Preise stieg, als die Balalaikaspieler ihm zu seinem hundertsten Geburtstage auf- gespielt hatten, weiß er nur dunkel anzugeben. Sein Gesicht gleicht strohgelbem Leder, das von einer scharfen Schneide kreuz uiid quer beschnitten wurde. Das weiße Haar um seinen Mund ist steif wie Glas. „Grämt euch nicht, C h l i b und S ch i l o, ich sage euch, grämt euch meinetwegen nicht", murmelt der Alte mit einer Stimme, die aus einem tiefen Keller zu kommen pflegt. Er beachtete nicht, daß die beiden anderen einander erstaunt ansehen und anscheinend nicht wissen, wofür sie sich grämen sollen. „Seht doch", sagte der Alte,„heute hocke ich hier neben Mais- säcken und gestern noch sührte ich mit dem H e t m a n st a b eine Schar wilder Kosaken und wirbelte mit ihnen wie ein Sturmwind über Land. Und meine Leute liebten und achteten mich und nun — verdammt— habe ich sie alle überlebt." Der Alte sieht träumend vor sich hin und achtet nicht auf seine Gesellschaft. Er steht vor seinen Augen stolze Kosakengestaiten und zinssteuergeldern erbaut wurden und darum kein« Läden führen, haben existenzlosc Mieter aus der Not eine Tugend gemacht. Da hat bald ein jeder Mieter ein Verkaufsgeschäft nebenbei. Der eine handelt mit Kaffee oder besorgt den Nachbarn im Haus« frische F l u n- der», die er direkt von der Ostsee erhält. Ein anderer handelt mit„prima frischen Landeiern", die er von einem Grossisten aus der großen Kiste bezieht, sie daheim sein säuberlich wäscht und mit einein Gummistempel versieht. Wer noch neben seinen koufmänmschcn Talenten einen guten Anzug besitzt, geht als Braunbier- oder Weißbieragent von Tür zu Tür. Die Frau, die frisches Speiseöl anbietet, hat auch einen schweren Stand, denn man kann es der vorsichtigen Hausfrau nicht verübeln, eine solche empfindliche Ware nicht gleich in Kilodosen zu kaufen. Ein Butterhändler glaubt mit seinen zwei Dutzend Kunden, denen er die wirklich frisch« Molkereibutter aus Holstein frei ins Haus bringt, schon eine sichere Existenz zu haben. Wi« aber, wenn der Butterpreis plötzlich um 10 Pf. hinaufspringt? Im Handumdrehen ist er dann sein« Kunden los! Es sind alles nur Gelegenheitsgefchäfte und Notbehelfe. In einem Häuserblock im Westen, der nur von Künstlern und Schauspielern be- wohnt wird, ist dieser Handel untereinander zu einer ständigen Ein- richtuug geworden. Alle die kleinen Sonderwünsche der Kunden finden ihre Befriedigung. knedricli Natteroth. seine Ohren hören das wilde Schnaufen feuriger Mustangs, er sieht ober nicht, wie die beiden anderen einige Münzen vor ihn hin- legen und sich lautlos entfernen. Er sah nie die Münzen, der Alte, wenn er sein« Erzählung be- endet hatte und die Augen schloß, und doch brauchte er die runden Dinger, um am anderen Tag« neuerlich seine Geschicht« erzählen zu können. Die Maissäcke, Neben denen er sitzt, gehören einem anderen, er besitzt nichts als seine ungeschriebenen Memoiren, die ihm das Dasein ermöglichen. ch Ein halbe Gehstunde von Kjustendil entfernt, in der Rich- tung der alten byzantinischen Festungsmauern, stehen im freien Gelände einige Zelte, auch ein alter Leiterwagen steht da. Die Lust ist von Schwefel, der den ostwärts liegenden heißen Quellen ent- strömt, geschwängert. Aus einem Zelt krächzt eine heiser« Weiberstimme. Irgendwo röstet Lammfleisch am offenen Feuer. In, schütteren Grase sitzen einige Männer und rauchen au? langen Holzpfeifcn. Di« Kinder kauern um einen Stein, auf dem ein älterer Jung« mit einem Stäbchen Stechfliegen zerquetscht. An einem Wagen lehnt ein älterer Zigeuner und weint auf seiner Violine. Zwei Weiber sitzen zu seinen Beinen und singen leise mit. Di« eine flicht ihr langes Haar mit mageren Fingern zu einem festen Strick, während die aiidcre wie abwesend an ihren Fingernägeln kaut. „Jassy, hallo Jajsy. Bei allen Heiligen, ich bringe dich um. du Mistkäfer," hallt es plätzlich aus einem Zelt und gleich daraus stürzt die Schreierin, eine steinalt« Zigeunerin, auf den freien Platz, die Arm« wild um sich schlagend, das Gesicht rot wie eine Kirsche. Auf dem breiten Mund steht weißer Schaum. „Was ist nun schon wieder los," brummt einer der Männer ohne Aufregung,„gebt doch endlich Ruh'." „Waaas?", schreit die Alte hysterisch,„gebt Ruh'?", heult sie höhnisch,„seht doch einer de» Affen an." Ihre Augen junkeln wie blank geputzte Messingknöpfe.„Oh, Jassy, wenn ich dich nur erst bei den Haaren habe," und zu den anderen gewendet,„dieses Drcckkind hat schon wieder gestohlen. Es hat nicht andere, fremde Menschen bestohlen, oh, dieser Hund hat mich, seine eigen« Groß- mutier bestohlen." Die anderen hören sichtbar gelangweilt zu. Die Alte lauft brüllend umher. Im Wagen, unter Lammfelldecken, jindet sich endlich Jassy. Der Kleine bebt am ganzen Körper. „Ha, du Hundsfott, habe ich dich nun," jammert die Alt« und schleppt Jassy an den Haaren auf den freien Platz. Plötzlich wird ihre Stimme weich.„Sag, Kind, wo hast du das Geld?" Jassy lveiß, Prügel gibt es auf alle Fälle. Natürlich hatte er gestohlen, schon vor wenigen Stunden, und das Geld hatte er in der Stadt mit anderen durchgebracht. Nun schüttelt er nur stumm seinen kleinen Kopf. „Waaas, du sagst es also nicht?" Die Stimme der Alten über- schlägt sich. Sie schleift den mächtig heulenden Kleinen zu einem Pflock, wo sonst das schon ins Jenseits gewanderte einzige Lamm der Familie festgebunden war. Mit einem Riemen, den sie Jassy umgürtet, bindet sie den zappelnden 5iörpcr fest. Dann holt sie aus dem Zelt eine lange Gerte und stellt sich breiffpurig vor ihrem Opser auf. Sie krempelt bedächtig die Aermel ihrer Jacke hoch und schlägt mit eisiger Ruhe auf den Kleinen los. Jassy versucht, sich loszureißen, knickt ober später ein, wie ein Schilf, das von einem Stock gestreift wurde. Ganz still wird der Kleine und die Alte schlägt ruhig und gleich», äßig weiter. „Gib doch schon Ruh«, du alte H«xe," ruft einer der Männer herüber, aber di« Alte schlägt unbeirrt weiter, immer einen Schlag nach dem anderen, genau berechnend, und der Mann mit der Geige spielt«in wildes Lied, um das Klatschen der Hiebe abzuschwächen. Endlich hört die Alte aus. Mit triumphierendem Blick schaut sie auf ihr regloses Opfer und schlurft zufrieden in das Zelt zurück. Einer der Männer geht zum Pflock, bindet Jassy los und läßt den Körper auf der Erde liegen. Dann trollt er sich wieder zu den anderen und raucht, stier vor sich hinsehend, weiter. Der Fliegen- töter und seine Zuschauer verkriechen sich in den Zelten. Der Spieler hat ein neues Lied begonnen, ein weiches, senti- mentales Lied, und die Weiber zu seinen Füßen singen mit klagen- der Stimme mit.,.. Jopn. Auf dem wilden Beiken Bilder aus Südbulgarien (31. Fonschung.) W»amczik bleibt sitz««. Cur Hot bestimmt nicht die Wort« ver> stanben und ist so abseits mit seinen Gedanken, daß er vergitzt, die Ehrenbe�«ugu»g zu machen. Der Unteroffizier, der wohl ansanglich eine kleine Prioatiinterhaltung zur Auffrischung seiner Phan- tasie wollte, besinnt sich plötzlich bei dem Benehmen des Kleinen, der nicht auf diesen Ton eingeht.„Willst du Kerl nicht ausstehn, wenn dein Borgesetzter mit dir spricht", brüllt er ihn an und seine Nasenflügel zucken bedrohlich. Kilb und ich wollen gerade raus- treten. Am Ausgong hören wir noch die drol>enden Worte. Kilb bleibt stehen, hält mich fest und sieht mich bedeutsam an. Wir gehen beide zurück. „Ich— ich habe chcrrn Unteroffizier nicht nerstanden", Adam- czik beißt sich aus die Unterlippe und macht die(finger an der Hosennaht lang. Seine Augen gehen erregt hin und her. Kilb und ich stehen jetzt ganz in der Nähe, aber der Magdeburger sieht im» nicht. Adame, stl aber hat uns zurückkommen sehen und zwinkert uns fast unauffällig mit einem Auge zu. Kilb stößt mich wieder an. „Was? Nicht«erstanden, Rekrut?" Der Jähzorn des Magd«- burgcrs ist auf das Acußerfte entfacht; wir sehen, wie sein Ge- nick wie mit Blut übergössen ist. Seine Finger machen die be- kannte Bewegung: sie öffnen und schließen sich, als wollten sie den Hals des Opfers umklammern. Kilb tritt einen großen Schritt vor. immer noch nicht von dem Unteroffizier bemerkt. Jetzt steht er dicht hinter ihm. Das flößt dem Kleinen immer mehr Mut ein. „Was wollen Sie von mir?" fragt er und fein Gesicht wird mit einem Male ganz hell und durchsichtig. „Was ich will, du Rindvieh? Du Stück Mist...? Was ich will, fragst du deinen Unteroffizier?„Sie", sogt der Kerl! Bist du vcr- rückt geworden?,.. Du Schweinigel, hä...? Deine Fase anbussen, das kannst du, hä...? Und denn noch Urlaub!... Ich werde dir was anderes besorgen! Keinen Urlaub wirst du kriegen, dafür sorge ich. verschtann? 5)ahahahahaha!!", er bricht in ein wieherndes Gelächter aus. Adamczik ist bei dem Wort„Fase" kreidebleich ge- worden, ich>ch« deutlich, wie er etwas schwankt. Hilfesuchend irren seine Augen zu uns hin... Und schon stehen Kilb und ich neben dem Kleinen. Un» ist alles egal. Eine unsichtbare Macht hat uns vorgestoßen. Wir müssen dem kleinen Kameraden Helsen,— das dürfen wir nicht auf ihm fitzen lassen.„Fofe" hm dieser Schuft zu der Braut unseres Kameraden gesagt... Ich seh« die kleine Paula mit dem billigen Sommerkleid, wie sie bei unserem Ausmarsch aus Berlin neben Adamczik geht und ihm mit ihrer lieben, klingenden Stimme von seiner Mutter erzählt. Paula ist Näherin in einem großen Kriegsbetrieb,«in arnies Mädchen unseres Standes...„Fase?!"... Der Magdeburger prallt zurück. Er sieht sich kurz um: Ja, du Feigling, wir sind allein, denke ich triumphierend, kein« Hilfe ist für dich da... nun man los! Wir vier find tatsächlich die einzigen in der Baracke: in der plötzlichen Still« höre ich, wie die anderen Kameraden vor der Baracke beim Ausstellen scharre». Und wenn sie auch wirklich noch hier drinnen wären,— dos hätte wohl so leicht keiner aus unserem kleinen Schützling sitzen lassen.„Ihr steht ihm doch immer bei?!", ich höre deutlich die ängstlichen Worte der dürstigen Frau mit dem Umschlagetuch: Adamcziks Mutter, die ihr Markcnbrot unter uns verteilte,— ich sehe Kilb, wie er die kleine Mutter hochhebt... unser« Mutter,— wie er sie küßt, mitten auf der Straße, mitten auf dem Marsch... „Einmal noch!", brüllt da Kilb,„verfluchter Preußenknecht! Einmal noch sagst du dieses Wort!" Wir werden mitgerissen, Adamezik löst sich aus feiner Starre, in einer Reihe bringen wir auf den Verhaßten«in... es geht alles sehr schnell. Der wird gelb vor Angst, Speichel läuft ihm aus dem Munde, der noch eine große Narbe von Kllbs Sckstag trägt... oh! er kennt ja Kilb! „Zurücknehmen!", brüllt Kilb. In die äußerst« Ecke der Barocke haben wir den Magdeburger gedrückt. Er öffnet ein paarmal den Mund, als wolle er schreien, aber vor Angst und Feigheit kommt er nicht dazu. Kurz vor der Barackenwand fällt er über«inen Schemel,— blitzartig springt er wieder hoch und will den Schemel ergreifen. Aber vorspringend bin ich bei ihm und stoße den Schemel zur Seite. Der Magdeburger stolpert, mit dem Kops schlägt er gegen die Kante eines Feldbette«. Er fällt wieder um... über ihm steht Kilb, wir an den Seiten. Und:.Lnrücknchmen! Alles zurücknehmen!!", brüllen setzt wir drei. Der Magdeburger verdreht die Augen: dicht bei seinem Gesicht stehen unsere eisenbcschlagenen, schweren Schaslstiesel.„W— w— was wollt-- ihr-- von mir?",— kläglich dringt die Stimm« zu uns hoch, abgebrochen, hilstos,„n— n—nicht— so— gemeint.. „Los, Adamezik!", Kilb zieht den Kleinen zu dem Unterossizier herunter,„los! Wir haben nicht viel Zeit: was hat er zu deiner Braut gesagl?" Der Magdeburger will aufspringen, Kilb setzt ihm sofort den Fuß aus die Brust.„Fose" hat er zu meiner Paula gesogt", zischt Adamczik. Drohend sieht Kilb den Liegenden an und schwingt die Fäuste:„Du sprichst jetzt noch, was Adamczik dir vor- sagt!". Und dann zu Adamczik gewandt:„Los Kamerad! Keine Angst! Du sollst deine Genugtuung haben!" Tief atmet Adamczik auf. Ich seh« ihn an: sein Gesicht ist ein einziges Leuchten. „Grenadier Adomczit",... spricht er langsam und bewegt dabei den Zeigosinger der Re6>tc>, aus und ab.„Mjchsprechen, los", knurrt Kilb und setzt den Fuß fester aus die Brust des Magde- burgers.— und Wort für Wort, schluckend, zischcni», ächzend spricht der Elend«, dem dabei vor Angst die Zähne klappern, nach: „Grenadier Adamczik... ich bitte— um— Verzeihung... Ihr«— Braut— ist das— anständigste Mädchen— der Welt... Ihre— Braut— ist— keine...",„wiederholen!" befiehlt Kilb,— der Magdeburger schließt die Augen und Schweißtropfen stehen ihm auf der Stirn,„ist— keine— Fose,— sie ist— die— Braut — des Radfahrboten— Fritz Adamczik...".„Alles?", sragi Kilb und ein wunderschöne- Lächeln erheitert seine Züge,„alles. Fritze?" „Js sut", antwortet Fritz,„lass'n mau wieder uff die Peene.. Ausstehen!", kommandiert Kilb und nimmt langsam und beob- achtend den Fuß weg. Wir drei passen schars aus: denn wir wissen, daß der Kerl, wenn wir ihn wieder srei lassen, zu ollem sähig ist. Schwer steht der Gedemütigte auf, er taumelt hin und her... es sieht aus, als wolle er wieder zusammensacken... er muß eine furchtbare Angst gehabt haben. Er sagt keinen Ton. sein Kops hängt schief herunter, noch immer klappern ihm die Zähne, er klopft sich den Staub von der Uniform, hustet einig« Male und sieht uns der Reihe nach mit schiefem Blick an: seine Rase erscheint mir in diesem Augenblick noch verbogener als sonst. Und dann geschieht etwas Unerwartetes: Dicht tritt er an Kilb heran. Wir achten aus jede seiner Bc- wegungen... zum ersten Male aber Hot das Verbrcchergesicht clwas Menschliches an sich.„Radsahrbote, Rad— fahr— bo— te?", murmelt er.„Ich bin— auch nur— Packer von Berus", sagt er dann gepreßt,„wir sind doch eigentlich olle Proleten,.. hier!", wahrhastig! er reicht Kilb die Hand hin, aber Kilb nimmt sie nicht an. Kilb verschränkl abwehrend und gleichgültig die Arme über der Brust.„Na, denn nicht'", fährt der Magdeburger fort, nimmt seine herunlcrgesallene Dienstmütze vom Boden, klopft sie ab, setzt sie mit zitternden Fingern aus und bringt die Kokard« in eine Linie mit der lrunimcn Rase. Das sieht ulkig aus: die Rase... die schiefe Nase läßt auch die Mütze immer schief sitzen. Er sieht über uns hinweg:„Bon mir aus soll die Sache erledigt sei»: ich werde euch in Ruhe lassen..." „Dein eigenes Glück!", Kilb locht aus,„denn wenn du einen Ton sagst, dann sagen wir dir ein Seitengewehr durch die Rippen, alter Freund! Soviel Zeit werden wir immer noch hoben... Hau ab!!" Wir stehen wieder in der Kompagnie... wir werden wieder in Züge eingeteilt... alles wie sonst!„Abzähl'n zu Vier'n! Mit Gr— r— r— Uppen rrrrecht«— schwenkt— maarrrrsch!" Alles wie immer: an unserer Seite geht der Magdeburger. Es regnet Plötz- lich... ein Wolkenbruch.. der Sturm jährt durch unsere Reihen. aber in uns dreien ist Sonne... uns ist, als zögen wir zum ersten- mal in den Kampf um unsere Befreiung...„Marschordnung!..." Und dann sangen wir plötzlich an zu singen,— wir haben noch nicht einmal in Döberitz gesungen. Ich sang« an... Adamczik sollt ein... dann brummt auch Kilb neben mir mit... der Regen prasselt dabei auf unfer« Helme und Gewehre... schnell ist der- Boden durchweicht... aber wir singen: .„..einen Offizier, den mag ich nicht, «inen Untroffzi— i— ier schon lange nicht, ein Grenadi— ier der— soll es sein, soll es sein... nur dem schenk' ich mein Herz allein!" „Unsere Paulo, sie lebe hoch!" Uebermütig brülle ich es her- au»,— und zwanzig, dreißig Mann falle» ein:„Hoch! Hoch! Hoch!"... „Waaas l>aabt ihr denn öijenttich?" Minulla dreht sich um. Sein breites Lächeln macht mich noch übermütiger. Kilb ficht mich von der Seite an, er scheint meine Gedanken zu ahnen: ,.Ham» burger!", sagt er bedeutungsvoll, und stoß: mich mit dem Ellen- bogen an,„wenn du die Schnauze nicht Istilist.. Wir sehen uns an... wir lächeln uns zu... wir haben heute irauzösische Stahlhelme aus. Kilbs Helm sitzt so tief, daß ich nur halb seine brennen- den Augen selzen kann, aber es genügt!...„Karl, ich werde das Maul schon halten"... tFonietzung folgt.) 'ßJSEdiik Aus der Well de« Bieres Prof. Dr. Sostian Schmid:„Aus der Welt des Tieres".(Vcr- lag Otto Salle, Berlin W. 57. Leinenband 12 M.) Peof. Dr. Bastian Schmid erfaßt die Welt des Tieres in rein feellfchem Sinne. Er beobachtet das Tier von seiner Kindheit an. Wir werden Zeugen, wie das Tier lernt und Erfahrungen sammelt, wie es sich sprachlich äußert und wie sich sein Geinütsleben entfaltet. Um die Brücke vom Menschen zum Tier zu schlagen, muß der Tier- Psychologe die Jungtiere studieren. Darum hat der Forscher Jung- tier« elternlos erzogen und sie beobachtet, der Mutter ein Kind bc- lassen und dieses studiert und der Mutter alle Kinder gelassen und an diesen seine Versuche gemacht. Und siehe da! Ein bemuttertes Eintagsküken zeigt ein ganz anderes Wesen als ein gleichaltriges Brutosenküken. Pros. Schmid führte ein peinlich genaues Tagebuch über die seelische Entwicklung von Katzen, Füchsen, Rallen- und Seidenreihern, Sichlern, Lösstern, Wildenten, Doch», Eichhörnchen und Buntspecht. Die Tiere konnten sich frei entfalten, damit der Beobachtend« nach Möglichkeit das ticrifche Berhalten unter natür- lichen Bedingungen hatte. Die Erforschung der Seele des Jung- tieres lehrt uns das Tier um vieles besser kennen. Ost sind die individuellen Abweichungen bei Tieren, die Nachkommen des gleichen Elternpaares sind, sehr stark. Beini gefangenen Jungsuchs sind wir Mi-beobochter seines Drängens zurück ins Heim. Er hat überhaupt keine Sehnsucht in die Ferne, die wir Menschen in diesem Falle Freiheit nennen würden. Beim Löfslcr ging die seelische und körper- lichc Entwicklung sehr langsam oonstatten. Seine Stimme reicht 200 Meter weit und mit dieser Behauptung gerät Schmid bewußt und betont in schärfsten Gegensatz zu Brehm und den beiden Hein- roths. Eine ganz andere Entwicklung als der Lösfter Hot der Seiden- rciher. Er setzt sich ohne weiteres mit seiner Umgebung auseinander, wobei seine Kampsessreude und seine Angriffslust oft deutlichst zum Ausdruck kommen. Vom Dachs, der in> Miinchener Helm des Ge- lehrten, je nachdem es sich gerade trifft, ein angenehmer oder un- angenehmer Hausgenosse ist, wird viel Wissenswertes erzählt, u. o. auch, daß ihm Musik unangenehm ist. Den Pferden wird nach- gesagt, sie reagieren stark aus Musik, was sreilich von anderen Ge- lehrten bestritten wird. Das Größte und zugleich Einzigartige in diesem Buch ist die Sichtbarmachung von Sprachlauten(Phonetik) der Tier«. Der Ver- sasser betont, die Tiere haben eine Sprache, doch ist sie nicht mit der unseren vergleichbar. Den meisten Tieren ist eine Lautsprache ver- sagt, sie ist nur bei den Vögeln und Säugern entsprechend ausgs- bildet. Beim Tiere spielt die Gebärdensprache eine Rolle: wie jeder selbst Prüfende am Hunde mit Leichtigkeit beobachten kann. Zwischen Lautsprache und Gebärde besteht die Verbindung von beiden, die Lautgcbärde. Die Zahl der Sprachlaute steht mit der Intelligenz der Tiere in keinem bestimmten Zusammenhang. Das wird durch tiesgründigfte Forschungen belegt, ebenso wie die Behauptung, daß die Tier« ihre Sprache unter sich verstehen. Durch die Sichtbar- machung von Sprachlauten(dos Buch hat 15 Oszillogramme) sehen wir, daß die Tiere Vokale und Konsonanten in unserem menschlichen Sinne besitzen. Der ehrliche und überzeugte Beifall aller Tierfreunde aber ist dem Forscher schon darum gewiß, weil er zu allen seinen vielen und neuen Ergebnissen kam, ohne je«in Tier im geringsten zu quälen. Biel»? ist uns durch dieses Buch erschlossen: trotzdem bleibt manches Rätfelhaste bestehen, nicht nur für jetzt, sondern sür immer. Wird das Tier doch nie Mensch und ist nie Maschine, es bleibt eben stets der— beseelte Andere. Erna Büsing. WAS DER TAG BRINGT «iiiHuiifiimniiitiiuuuniiJiniiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimiiuiiiiiiu» zwei Tropfen Olivenöl verrieben und dann auf die Haut des Armes gebracht. Jetzt war zwar die Schwel- lung nur begreift, aber es entstand ein unerträgliches Jucken und viele klein« Bläschen. Ein billiger Abbruch Ein glänzendes Geschäft macht di« Firma, die mit dem Abbruch des berühmten Cectl-Hotels in London beauftragt ist. Sie verkauft die Stein- Stück für Stück zum Preise von Z. Pfund Sterling als „Erinnerungssteine" an Leute, die früher Gäste des Hotels gewesen sind. Steine mit bestimmtem Zimmernachweis werden bis zu 5 und 6 Pfund Sterling bezahlt. Kampf gegen die verheiratete Arbeiterin Die holländische Regierung veranstaltet zur Zeit eine Umfrage, über die Beichäftigung verheirateter werblicher Arbeitskräfte, um festzustellen, wie weit die Arbeitslosigkeit durch die sogenannten Doppelverdiener vermehrt wird. Man strebt in holländischen Kreisen danach, verheiratet« weibliche Zlrbcitskrästc allgemein von der Fa- brikationsarbeit auszuschalten, wobei man neben den wirtschaftlichen Sefichtspunkten darauf hinweist, daß die Moral der arbeitenden ver- heirateten Frau starker Gefährdung ausgesetzt sei. Regatten der Freien Segler Größte Beteiligung— Wcdisclndcs Wetter, wechselnde Sieger Die lehlen Ivcktsahrtcn. die in den Berliner Gruppen Ost und West des Freien Segler- verbau- de» 240 Boote an den Start brachten, bedeuten für den Zlrbeiler-Seglcrlport den größten Erfolg des Jahres. 140 Boote entfallen auf die Gruppe Ost. die am 20. und 21. September den Langen und Seddinfee befuhren. während die Gruppe West mit der höchstzohl von 100 Booten auf dem Tegeler See am 7. und 21. September zu den lehten Rennen startete. Infolge der großen Flaute am 7. hatte Gruppe Ost die erste Wettfahrt auf Sonnabend, den 20., verschoben, die nun aber wieder ein Opfer des unaufhörlichen Regens wurde. Der sportliche Wert litt demgemäß erheblich. An Wind mangelte es ebenfalls voll- ständig. Der Sonntag entschädigte dafür mit einer strammen Brise von 6 bis 8 Selm, aus WSW, der„Leben in die Bude" brachte. Es war eine Augenweide, den spannenden Kämpfen der Flossen und Jollen, von denen die letzteren schwer gegen Wind und Wellen zu arbeiten hotten, zuzusehen. Leider ging es nicht ganz ohne Materiolschaden ab, der besonder, die„Favoriten" zum Ausscheiden zwang. Qruppe 05t, I. und 2. Tag Strömender Regen und eine ganz leichte Brise au« SO de- gleiteten die ganze Wettfahrt. Bon den 140 gemeldeten Booten starteten nur ZK. Einzelne Klassen sielen ganz aus. Großer spart- licher Wert kann dieser Wettfahrt nicht beigemessen werden, da der Regen das Arbeiten der Mannschaften beeinträchtigte. Es wurde die verkürzte Bahn gefahren, die imnierhin die Zeit 1.31.24 in Anspruch nahm, die von„Orion", L 2, als schnellstem Boot be- nötigt wurde. Eine gute Leistung vollbrachte die IZ-gm-Wander- falle II 72, die für dieselbe Sirecke 1.31.40 brauchte, während die „Rakete", der schnellste Renn-Zwanziger, 1.31.53 segelte. Bei den Rennjollen war es L92, ein diesjähriger Neubau, der die beste Zeit herausholte! er lief die verkürzte Bahn in 1.00.04 ab. Sein schärfster Konkurrent der 10er Wanderjollcn-Klasse, K74, segelte 27 Sekunden länger. Schnellstes Boot der kleinen Bahn wurde „Sturmvogel". Alles in allem ein fast verlorener Tag. Der zweite Tag brachte dann das richtige Segelwetter. Bon 140 gemeldeten Booten starteten 130. Auf dem Seddinsee stand eine ganz beachtliche Welle, die besonders für die kleinen Boote eine naise Angelegenheit wurde! aber alle hielten tapfer durch bis auf einige, die durch Havarie ausscheiden mußten. Dos ganze Re- gattefeld wurde geführt von 1�25, der beständig seinen Vorsprung vergrößert«, bis ihn dos Schicksal ereilte und er durch Kollision den Mast brach. Der zunehmende Wind hatte 1.28 nach vorn gebracht, der sich um so molliger fühlte, je härter die Böen ein- kielen. Er übernahm die Stelle von L 25 und wurde schnellstes Boot der großen Bahn in der guten Zeit von 1.48.18. Auch bei den 20er Rennjollen mußte der in Führung liegende Tly? durch Bruch des Großbaumes ausscheiden. Z 88, bekannt als Schwer- wetterboot, wurde Sieger seiner Klasse. E 18 von den 2 0er Flossen, von dem man sich viel versprach, opferte schon vor Beginn der Regatta seinen Mast. E 16 wurde diesmal Sieger vor E 19. Ein schönes Rennen liefen die 13er Rennjollen. Auch hier mußte der Favorit durch Bruch des Vorstages das Rennen aufgeben und den Sieg an M 74 abgeben! zweiter wurde der Neu- bau 127. Beachtlich ist, daß dl 146, der der v-Klasse angehört, die.�-Klasse aussegelte. Bei den 15er Wandersollen war e» diesmal 1172, der H 50 den Rang ablaufen konnte: da» losten- lose Segel bei» 113 zeigte sich den Lattensegeln nicht gewachsen. II 5. noch nach den alten Borfchristen gebaut, segelte vorzüglich und konnte in der L-Klasse den ersten Platz«robern. Einen spon- enden Kampf lieferten wieder die 10er Renn- und Wander- sollen, die ewig danim ftreiten, ob die Renn- oder die Wandcr- solle schneller ist. Schließlich blieb C 60 doch Sieger. Er war eine Minute schneller als die Wanderjolle B74, die ihrer Klasse den Weg wies. Dos ganz neue, moderne Segel von B 62 tonnte wider Erwarten seinem Eigner nicht zum Siege verhelfen. Di« Ausgleichsboote. also Jollen und Flossen, waren In 8 Klassen eingeteilt. Im großen und ganzen sah man die alten Kämpen in Front. Die 13. Klasse, der die großen Flossen zugeteilt waren, hatten ihren Führer in E 35, während in der 14. Klasse IV 374 den Sieg für sich buchen konnte. Besonder» harte Be- dränger waren ihm„Ursus" und„Tonida".„Rumtreiber" von der 15. Klasse lieh keinen an sich herankommen und verwies„Goldelse" und das Iugendboot„Fratermtas" auf den 2. und 3. Platz. „Möwe" der 16. Klasse liefert« sich«inen harten Kampf mit„Ost-- lond II" und„Piefke", konnte sie aber doch abschütteln und knapper Sieger bleiben. Mit Längen voraus war„Sturmvogel" aus der 17. Klasse, der»in Rennen für sich lief. Einen originellen Bord- aN'Dord-Kampf lieferten sich während des zunehmenden Windes „Wildgans" und„Mein Stern". Di«„Wildgans" flog aber dach noch ganz knapp auf den 2. Platz. Der kleine'„Ahoi" der 18. Klass« schied durch Ruderbruch aus,„Norbert" fetzt« sich an die Spitz«»nd war nicht mehr einzuholen. In der 19. Klasse si«gte „Vorwärts" ganz überlegen mit 21 Minuten Vorsprung. Die „Möwe" von der 21. Klass« konnte den„Seeteufel" nicht abschütteln, lief aber kurz vor ihm als Erster durchs Ziel.„Blondchcn" der 21. Klasse konnte den kleinen Jollen durch seinen Sieg in der guten Zeit 1.11.23 alle Ehre machen. Schnellstes Boot d«r kleinen Bahn wurde die 10-gm-Rennjolle L60„Silberbob". Bei Gruppe West aut dem Tegeler See Die Gruppe West fuhr ihre Regatta aus dem Tegeler See aus. Der Wettergott stellte am«rsten R«gattatag wieder einmal die Windlieferung ein, dafür schickte er aber später einen recht anhaltend«» Landregen. In buntem Durcheinander lagen olle Boote und es hieß gut aufpassen, u,,, bei dieser kaum fühlbaren Briese nicht gegeneinander getrieben zu werden. Di« Häuserboje als erste Wendemarke sah das ganze Feld noch friedlich vereint, während sich bei der zweiten Wendemarke die Flautenschieber schon absonderten. Der Kreuzer B 2„Ai?gela" passierte hier etwa 150 Meter vor Z 44 und Z 46 führt« weiter das ganze Feld an, wurde dann schnellstes Boot d«r großen Bahn und blieb somit auch Sieger seiner Klasse. Die 20-Quodratmeter-Rennjolle Z 90„Husch- Husch" rückte an der zweiten Wendemarke von fünfter Stelle zur Spitze auf und behielt die Führung. Z 90 blieb nach hartem Kampf mit Z 46 und Z 44 Sieger der 20-Ouadratm«ter-Renn- jollen. In der 15-Ouadratmet«r-Wanderjollen. Klasse führte I1 108„Freiheit", dicht bedrängt von II 40„Rouchi" und II 80„Trabant".„Rouchi" gelang es. an der Förfter-Boje die Führung der ersten Runde zu überneiw'en. Nach hartem Kampf in der zweiten Rund« eroberte H 108 jedoch wieder die Spitze und siegte in dieser Klasse. Bei den 20-Quadratmeter- Jollenkreuzern bewies der Neubau(7 5„Traum", daß bei leichtem Wetter doch der erste Preis zu holen ist, auch wenn man in der ersten Runde nicht führend ist. Mit 3 Minuten mußt« sich <7, 13„Mus Rnh" mit dem zweiten Platz begnügen. In der Klasse der 15-Quadratmeter-Jollenkreuzer fuhr l) 2 „Tümmler" gut und errang die Siegespalm« vor O 11 und O 16. Bei den 15-Quadrat meter-Rennjollen führt« von An- fang an dl 67„Havelschwalbe" und lief mit 3 Minuten vor dl 32 „Satan" als erstes Boot der Klaffe ein. In der 10-Quadrat- meter-Rennjollen-Klafse lag L 37„Swift II" an der Spitze, mußte aber an E80„Froh-Fahrt III" die Führung abgeben. L 80 wurde auch schnellstes Boot der kleinen Bahn. Von den drei Ausgleichsklassen segelten III 385„Frohsinn" und IV 368„Cerb«rus" gut. Bei den Booten gelang es, begünstigt durch eine gut« Bries«, bis zur Wanderjollenklasse aufzulaufen. Oer 2. Tag Am zweiten W«ttfahrtage, dem 21. Sept«mb«r, starten bei herrlichem Segelwetter und einer Brise von 5 bis 6 Se- kundenkilometer fast alle gemeldeten Boote. Die Starts waren in fast allen Klassen als gut zu bezeichnen. In der 2 0.Quadrat- meter-Rennjollen-Klafse kam Z 90„Husch-Husch" nicht in Führung: sie mußte in der zweiten Runde ausscheiden, da nach einer schweren Haxarie mit einem Bundesboot die Jolle mit ge- brochenen Planken und aufgerissenem Deck abgeschleppt werden mußte. Z 55„Kühleborn II" führte in der Klasse und lief nach recht hartem Kampf mit Z 44„Frechdachs" und Z 29„Immi" als erstes Boot ein: den zweiten Platz belegte die alte Z 29. In der 20-Quadratmeter-Iollenkreuzer-Klasse siegte dieses Mal(3 15 vor G 8. Für den am ersten Wettfahrtag« erfolgreichen G 5 war der Wind wohl zu stark. In der Flosse n- kieler-Klasse behauptete wieder E 56„Libelle II" den«rst«n Platz. Bei den 15-Quadratmet«r-Jollenkreuzern starteten zwei Bote nicht? dem„Tümmler", Sieger in dieser Klasse, gelang es sogar, bis in die 15-Quadratmeter-Rennjollen-Klass« auf- zulaufen. Ein ganz besonderes Lob dem tüchtigen weiblichen Vor- schootmann von O 2. In der 15-Quadratmeter-Renn- jollen-Klasse war der sehr gut gesteuerte Neubau dl 161 „Hiavata" erfolgreich vor„Satan" und„Nieörd II". Eine Frage an dl 154: Wozu ist«in Rennstander da?? Recht gespannt« Kämpf« lieferten sich wieder die 13-Ouadrat Meter- Wanderj oll en. Hier übernahm H 40„Rouchi" sofort die Führung: nach recht wechselvollem Kampf mit II 80„Trabant" und II 90„Schnmnzel" lief„Rouchi" als erstes Bot ein. Der Sieger des Vortages konnte diesmal nur den vierten Platz belegen. II 107 „Ali IN" wurde distanziert. Der Eigner bracht« es fertig, iwn gekentertcn„Mephisto" noch zu überrennen. Recht gut fuhren die 10-Quadratmet«r-Rennj ollen. C 80„Froh Fahrt III", der Sieger des Vortages, behauptete sich wieder vor G 64„Maja". Bei den A u s g l« i ch- I o l l e n k r c u z e r n ersegelte der Spitz- gatt-Jollenkreuzer A 96„Acolus II* die beste Zeit, konnte aber durch Abgabe der Vergütung nur den zweiten Platz belegen. Die Auegleichjollen III 312, III 385 und IV 321 crfegeiten bessere Zeiten wie ein Teil der Wanderjollen. Ergebnisse vom Osten 1. Taa. fflelltufielet: Elawi 1:36,58,—»S.Quobtahnctet-Sationalf-Srmrrs Sri» 1:33,27.- zo.Quadratmetcr.Rtnnjachtk»: Otiou 1:31,24.— nationale Jollen: tzrrchdach» 1:31,19.— 20.Ouadratmct-x.Zicnnjoll-n. A-NIaffe: 1:31,55. H.fllajfc: Helios 1:A«�>«.- l.vQuabvatmetefSninioUen. A.ftlatfc. Echnulli 1:33,10.».«läge: Lieselchen 1:54,46.- IZ.Quadratmet.r.Halbr-nnioUen: ffrieda 1:38,1«.— 15.Qua5ratmitcr.Wandcrjall-». 4.«lage: Äare 1.31,40. »-«lasse: Nicht«estartet.— 20.Ouadratmctcr.»iclbaot-! Windspiel 1:46,1«. lO-Quadral meter-Rennjollen: Ischi-Capa 1:09,04.— lO-Quadratmeter-Wandcr- jollen: Annclin 1:00.31.— Au-gloichs.gielbootc: Sommerliebe U 1:89,06-- Ausal'ichsj-llrn. 13. Klasse: Eainm-rlteb- U 1:39,06. 14.«talfe; ISatmi 1:41.0,. 15. Klasse: Nixe 1:47,52. 16. Klasse: M«ve 0:53,47. 17.«lasse: eturmoonet 0:49,47. 18. Klasse: Ahoi 1:02,00. 19. Klasse: Rumtreiber 0:07,40. 20, Klass-. Seeteufel 0:03,56. 21. Klasse: Blondchen 0:52,06,__ 2. Tag. lllossenkieler: Slawi 1:52,27.- N.Ouadraweter.Nat,onaI- «truMt: Soinmerliebe 1:54,40.— üO-Luadratmeter-Renniachlen: CeichHjna 1:48,18.- Naiionalc Jollen: Nicht gestartet.- Ri.2imdratme,er.Rcnm°llc>>. .4:«lasse: Eazellc 1:49.22.»-«lasse: Bcubel 2:00,39.— lü-Quadratmeler. Nennjollen..r-KIasse: Lucifer 2:09,00.»-Klasse: Windspiel 2:02.10— lo-2ua. dralmeler-Saldrennjollen: Frieda 2:03,11.- 15.Ouadralmct°r.«anderiollen: A.Rtasfe: Aar- 1:58,42.».«lasse: Wanderbursch 2:01.42.— W-QuadraNnelcr. Kielboote: Windspiel 1:56,00.— Iollen-Kreuzer:<«erd II 2:17,21.— 10.Qiin. dralmetcr.Neiinjpllcn: Silbcrbod lOlJOB,- lO-Quadralmeter-WanHeriollen: Anncki» 1:12.02.— Ausglclchs-Kielboote: Hörstel 2:06,24.— Ausgle>chs..i0llen. 14 Klasse: Rudi 1:44,24. 15. Klasse: Rumtreiber 1:46,18. 16. Klasse: Mono 1:05,03. 17.«lasse: Lturmvogil 1:04,10. 18. Klasse: Norbert 1:24,52. 10.»laste: Vorwärts 1:15,23. 20. Klaffe; Mbve 1:00,06. 21. Klasse: Blandchen 1:11,23. Bei den Ausgleichs-Iollen ist die berechnete Feit' angezeden. ... un6 Libelle 3:37,20— A-Ouadralmetir-Iollenkreuzer:® 5 Traum 3:36,41. 50.Qiiabratmctcr.9Rf»iollcn: 3 90 Husch-Susch 3:1328.— Jollen: W 5 Pirat 3:32,11.— lö-Qnad almelcr.IollcnIreuzer: O 2 Tllmmler 3:40,58.— l.j.Qvi- dralmeier-Rennjollen: M 37 Havclschivalde 3:174)7.— l5-%Quabratmctcr. Wanderiallen: S 108 Freiheit IV 3:10,58.— lO-Quadralmeler-Rrnniollen: ,zgleich»kre»»er: A 140 Klabautermann 1:4220.— Flossentieler: g 56 Uibelle I:5>24.— 20.Quadrat»iel-r.Ialle»lreuirr: E 15 Wus-Ruh 1:41,55. — llO-Quadralineter-Rennjollen: 3 55 Ruhlrbarn II 1:38,12.— Jollen: SB a Pirat 1:56,07.— lö-Ouadralmeler-Zollenkreiiter: 0 2 Tümmler 1:58,48.— lö-Quadratmeler-R-nniollrii: ärt 161 Hiawatha 1:36,37.— IS-Quadratmeter- Wanderiolle»: H 49 Ronchi>1 4:41,10.-- 10.O>:adralmeter.Ren»lollen: C 80 groh.ssahrt HI 1:14,49.— lO-Quadraimeter-Wand-riolle»: D 75 Wlot 1:22.01. ~ Kollentreuzer: A 54 Carmen 1:46/6.— Ausgleichoiollen. 12.»lasse: 1U 385 Frohsinn 1:23,48. 13. Klasse: IV 321 Tutti 1:31,12. 14. Klasse: II 103 Riwe 1:12,13. Kreiswettstreit der Athleten Ringen und Heben in Moabit Am Sonntag veranstaltete der 4. Kreis des Arbeiter- Athletenbundes im Moabiter Schützenhaus seinen großen K r e i s w e t t st e i t im Ringen und Heben. Die Veranstaltung erfreute sich eines guten Besuchs, der Wettstreit selbst wurde wieder zu einem starken Erfolg der bundestreuen Athleten. Berlin war durch seine guten und lampfzestärkten Vereine bestens vertrelen-, einige Gäste aus dem Reich nahmen ebenfalls an den Weit- kämpfen test. ir Am Vormittag trugen die Schüler und Jugendlichen ihr« Kämpfe aus. Die gute Technik der Jüngsten erzwang stärksten Applaus. Bei den Junioren, die bisher noch keine ersten Platz« belegt hatten, gab es nur flotte, technisch beachtenswerte Treffen. In der Leichtgewichtsklasse der Junioren war der Sieg des Lichtenbergcrs Beß eine Ueberraschung, besonders gule Gegner standen in dieser Klass« sich gegenüber: als schwerster Gegner erwies sich Kohlmann. War der Vormittag den Jugendlichen der Ringkunst gewidmet, so brachte der Nachmittag die ausgezeichneten Kämpfe der Senio- r e n. Die vielen Unentschieden zeugten von der Gleichwertigkeit der Gegner: alte routinierte Gegner trasen hier zusammen, ihre pausen- losen Angriffe und Paraden sowie die gute Abwehrkunst gab das bestens wieder. Die H e b e r wurden durch das kühle Wetter in ihren gewohnten Leistungen etwas beeinflußt. Die Bundesmeisterschaft im Gewichtheben„Lichtenberg-Friedrichsfelde 04" siegte mit achtbaren Leistungen auf allen Plätzen. Bundesmeister Kehr startete diesmal außer Konkurrenz mit gutem Erfolg. Der jugendliche Genter(Alt- Wedding) brachte in seiner Klasse ebenfalls ein gutes Ergebnis zu- stand«. Ncfultat« im N«ip««. Iupend bi» 199 Pfunbi 1. Fefk» lTegel)! Klasse bi» 110 Pfund: 1. Siepesmund(L.-F. 04); Klasse bis 120 Pfund: 1. Laren« IA3B.): Klasse bis 130 Pfund; 1. fl. Schmidt ITeael) und Mab(Luckenwalde) mit pleicher Punkt, ahl: Iuaend Uber 140 Pfund: 1. Babbe(Tearl).— Zunioren (Flilaengewicht): 1. Prüfer(Luckenwalde)! Bantamaewicht: 1. Millbredt ITepel): Federgewicht: 1. Rofimann(AW.): Leichtgewicht: 1 Best(L.F. 04); Mittelgewicht: P. Binder(L.-F. 04): Kalbschwer: Brücker lAIt-Wedding).— Semioren: Bantamgewicht: Epliestiister und Binder(bcido L.-F. 04): Leicht, gewicht: I. Hstffner(Sparta): Mittelgewicht: 1 Eckert(AD.): Halbschwer- gewicht: 1.»rellaweäwiq«Wang«l-.St>itung" zu, ebenfalls 1000 Mark sind für nollridende Journalisten und Presiezeichner bestimmt. Bei den Reu- wählen des Sportklubs wurden Dr. Meist zum ersten und Alfred Braun zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Arbeit« rfport-Keacltlub.vorwärts». Dienstag. 2« Uhr, Genrralvcrsamm- lung bei Zöllner. Kommandantenstr. 77—78.,. Freie Kanu-Union ffiroS.Brclm. 22. September: Regatlafunktisnarssssung um 29 Uhr im Bootshans Borroärts. 25. September: Bootshaus Wuhlheioe, 18 i j Uhr. Symnast.k, Waldlauf und Massageknrfus. Auistellung einer Sand. dallmannschaft.' All- Negatiaieilnehmer und Handballfpieler erscheinen. Tl. September: Lehlcs Training der Langstreckenteilnehmer um 174b Uhr. 30. September: Funktionärsshnng der Abteilung Lberspree im Bootshans Wuhlheide um 20 Uhr. 3. Olloder: Mitgliedernerlammlung der Abteilung vdrrlprre im Restaurant..Zur Eiche". Spsrtxerein Moabit. Erster Hallenabend der Sportler erst am 7. Oktober Folgende Abteilunge» turne» schon jetzt: Frauen itber 26 Jahre: Dienstag 20 Uhr Qnitzonsstr. 115: Männer und Jugend: Freilag WO Uhr Waldenser- st ratze; Kinderabteilnng: Dienstag und Freilag HZs Uhr Üurilballe Wäldentrr- strgße. Gäste in alle» Abteilunge» rvillkoinme». Freier»örperkuUnrkrei, Kreienberg. Im Stadibad Kreuzbcrg, Biirwald- ftratze«4, Badeabend jetzt Mittwochs um 201, Uhr. gutritt nur mit Lichtdil> ausweis. Sonnabend, 27. September, Fahrt in die Schorfheide. Meldungen auf dem Badeabend. Freie Ruderer und Kanusahrer. 1. Kreis. Mtiwäch, 34. September, Spartenausfchutzsstzung in der Gefehäftsstelle, Elsasser Etr. 86—88- 20 Uhr. Um 181- Uhr Spartenrorstandssstzung. Dienstasl. 23. September. Berlin. 15.20 Bulgarische Frauen. 15.40 Berlins ostasiatisebe Kunstsammlung:..» 16.05 Arbeiter in Nord- und Südeuropa(Dr. Hartmann-CIbcrf? Danach: Musik. 18.00 Sportjugendstunde. 18.30 Französisch für Anfänger. 19.00 Stunde mit Büchern(F. J. Niemann), 20.00 Tanzabend. 22.J0 Politische Zcitupisschau. Dtutichiandiendfr. Berliner Programm. •Der �Dichter unter feinen Webern in der Volksbühne Ton Unk» nach recht»: S. Himberg als Sfaumert J£erm. Speelmannx als Jäger Qer hart Hauptmann Carlheins fflarlin SUreklor der Tolk»bflhne Hang Peppler als Fabrikant dreißiger Jfans Jfinrirh als Jtilfe Versklavte Reparationsarbeiter Durch eine„echt deutsche" Zirma In Folschweiler bei St. Aoolb in Frankreich führt die „Gewerkschaft Karl-Alexander" Reparati ausarbeiten aus. Sie zahlt an die dort beschäftigten Tiefbauarbeiter 6 2 Pf. Stundenlohn. Bon ihrem Lohn werden den Arbeiiern 30 Proz. ausgezahlt� Davon werden die V e r p f l e g u n g s k o ft e n ab- gezogen: der Rest wird einer Bank in Zweibrücken zur Ueberweisung an die Familien überwiesen. Für Verpflegung und Unterkunft müssen die Arbeiter 9,80 Fran- ken(1,63 M.) pro Tag oder 11,41 M. pro Woche zahlen. Wird«in Arbeiter krank und er hat noch Schulden für Verpflegung und Unterkunft, so nimmt die Firma für sich das Recht in Anspruch, von dem dem Arbeiter zustehenden Krankengeld diese Schuld ab- zuziehen. Bemerkt sei ferner, daß die Arbeiter die Einreise- kosten selbst tragen müssen. Wie steht es nun mit den Lohn- und Arbcitsverhälinissen bei dieser Reparationsarbeit? Der Achtstundentag kommt dabei nicht in Frage. Es wird im Durchschnitt etwa 55 Stunden in der Woche gearbeitet. Der reine Verdienst des Arbeiters nach Abzug der so- zialen Beiträg« beträgt also etwa 32,50 M. Davon erhält der Ar» beiter 30 Proz., das sind 9,75 M.: der Rest von 22,75 M. wird an die Bank nach Deutschland überwiesen. Da der Arbeiter aber für 7 Tage 11,41 M. für Verpflegung und Unterkunft zahlen muß, so muß die Firma noch 1,66 M. von den 22,75 M. abziehen, so daß in Wirklichkeit die Familie 21,09 M. überwiesen bekommt. Damit hat aber der Arbeiter von seinem Arbeitsverdienst noch nicht einen einzigen Pfennig im Besitz. Er soll sich aber die Woche hindurch Brot und Wurst kaufen, er här schließlich auch mal ein Bedürfnis nach Tabak oder einem Glas Bier, er muß sich auch einmal«in Hemd waschen lassen und schließlich seiner Familie auch «inen Brief schreiben. Wenn wir diese Ausgaben aus 5 M. pro Woche festsetzen, so oerbleiben der Familie noch ganze 16,09 M. Kommt ober ein Regentag dazwischen, dann erhält die Familie wöchentlich 10 bis 12 M. Es ist geradezu ein nationaler Skandal. daß ein« deutsche Firma aus reiner Prositgier und unter skrupel- loser Ausnutzung der Arbeitslosigkeit in Deutschland Arbeiter in ein Arbeitsverhältnis preßt, das eines Kulturvolkes unwürdig ist. Diese echt deutsche Firma„Gewerkschaft Karl-Alexander" ist natürlich auch ein Feind jeglicher Arbeiterrechte. Sie entließ kürzlich einen Arbeiter, weil er von der Belegschaft al« Arbciterrat gewählt worden war! Da der gemaßregelt« Arbeiter das Vertrauen der 1.50 Mann starken Belegschaft hatte, war diese ob der Einlassung sehr erbitten: ste verlangte die W i e d« r e i n st c l l u n g des Gemaßregelten und die Airerkennung des aus 3 Mann bestehenden Arbeitcrrats. Beides wurde von der Verwaltung abgelehnt. Hierauf trat die Belegschaft in den Ausstand. Schließlich wurde die gesamte Belegschaft ent- lassen. Di« Firma weigerte sich aber, den fälligen Lohn zu zahlen, weshalb diese, da sie weder Fahrgeld noch etwas zu essen hatlen, den Heimweg nicht antreten kanten. Was tat nun diese echt deutsche Firma? Sie ließ zwei Autos mit französischem Militär kommen und die Leute ohne einen Pfennig Geld von der Baustelle jagen. Den Arbeiiern wurde gedroht, man werde ihnen Handschellen anlegen und auf sie schießen. Die Pässe wurden gesperrt, die Leute ausgewiesen. Ohne Geld und Essen mußten sie sich nunmehr nach Saarbrücken durchschlagen. Jetzt liegen sie auf dem Hauptbahnhof Saarbrücken und wissen nicht, wie sie fortkommen. Ein derartiger Skandal darf sich nicht wiederholen. Die Arbeits- ämter dürfen nichr mehr Leute an eine Firma vermitteln, die solcher Niedertracht fähig ist. Auch sonst müssen Garantien geschaffen wer- den, daß die Reparationsarbeiter unter menschlich ertrag» lichen Bedingungen beschäftigt werden. Leider sind die dort beschäftigten Arbeiter nicht organisiert. Die ersten Ansänge einer Organisation wurden von der organisa- tionsseindlichen Firma im Keime erstickt. Der von der Organi- sationsleitung bestimmte Kassierer in Folschweiler wurde sofort aus Ersuchen der Firma aus Frankreich ausgewiesen. Auch dies ist kennzeichnend für den Geist, der in dieser Firma herrscht! Kein deutscher Arbeiter sollte bei ihr trotz großer Not in Deutschland in Arbeit treten!_ Georg Kaisers„Mississippi". Zur llraufsührung am Münchner prinzregenienihealer. Die suggestive Wirkung des Dramas„Mississippi" von Georg Kaiser beruht aus der glaubhaften Gestaltung des Helden N o e l K e h o e, der als Haupt einer Sekte nichts Geringeres be- ichließt, als das gottlose amerikanische Sündenbabel New Orleans durch Dommanlogen vor der Stadt in den durch die Regenzeit gesammelten Fluten des aufwärtsströmenden Flusses zu ersäufen. Vereitelt wird Noels Plan durch seine seit 12 Jahren von ihm geschiedene Frau, die ihren Mann verrät und dem Staats- kommissor ausliefert. Noel verbirgt sich, wird entdeckt und er- schössen, und mit ihm stirbt die Frau in den heronmuschenden Mississippifluten. Nach den klar herausgearbeiteten Situationen der beiden ersten Akte fällt der Schluß, auch in der Eingebung des Sprachlichen, ab. Das Drama ist nicht mit Herzblut, aber mst viel Können und theatralischer Uebcrlcgenheit'geschrieben. Der Spielleiter Karl Hans Böhm hatte die Massenszenen der Sektierer gut herausgearbeitet. Zum Schlüsse war die beifällige Aufnahme des Stückes unbestritten. A. M.. PROGRAMM für die Zeit vom 23. bis 25. Seplember U i m O-T A F 1 L OlQ Potsdamer Strafe. 38 W. 5. 7, 9 Uhr Der Sohn der weisen Berge mit Louis Trenker Jugendliche haben Zutritt Rheinstrage 14 Ka(£.nÄ) Höhere Töchter m. Grete Mosheim Die Liebschaften der Hella v. Gilsa mit Lilian Harvcy, Otto GebOhr Odcon, Potsdamer Str, 75 Ton- und Sprechfilm: Westfront 1918 mit Fritz Kampers, Gustav Diegl Turmstrage 12 W. 5. 7, 9 Uhr Der Korvettenkaplt&n mit Harry Licdtke. Maria Pandler Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Ton-Sprechfilm: Westfront 1918 mit Fritz Kampers, Gustav Diegl« Claus Clansscn 1 Westen M Primus-Palast w � Potsdamer Str.]9 9)5 S.ab3.1S Ecke Margaretenstr. Sprechtonfilm; Drerf_. m. Fritz Kortner, Helnrlcfa George Jugendliche haben Zutritt SaVOy Beginn: 5. 630. 910 Uhr Martin-Luther-Su aBe 5(Neue Wintert) Fritz-Lang-Film: Frau im Mond mit G. Maurus« W. Fritscb Beiprogramm g""" Frledrichatadt D Franziskaner Oeorgenslraße(Ecke FriedrichstraBe) 11. 2, 5. R. 11 Uhr Oer Gaacfao m. Douglas Fairbank 12. 3, 6. 9 Uhr Wauer hat Balken mit Bluter Keaton 7. i, 7. 10 Uhr Eine Frau ron Formal mit Mady Cbridlanz Kultur und Wodiemchau Die Kamera 3, s�'ouhr L'.tcr den Linden 14 Drci-Komiker-Pi ogramm: Harold Lloyd, der PediTOgel mit Charly Chaplin, Lnptno Laue 7 u. 4 U.: Orgelsolo;.Von der Oper zum Jazz', gesp, v. George Laich, New Yoik— Jugend), haben ZotrHt Moabit Artushof-Lichtspiele Perleberger Straße 29 Film- und Bühnenschau Rhapsodie der Liebe m. V.Varconl Der Kriminalist v. Scottland Yard Welt-Kino Alt-Moabit 99 lOOproz. Tonfilm: Dreyfu« in. Fritz Kortner, Helnridi George Grete Mosheim Jugendliche haben Zutritt g TtSriottanburg M Kant-Lichtspiele Kantslr. 54,(an derWilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 05 Uhr Stg 3, 5. 7. 9.05 Uhr Komm zu mir zum Rendezvous Tonfilm(Fritz Schulz) Tönendes Beiprogramm Atrium Beba-Palasl �5.7,915 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Uraufführung; 100 proz. Tonfilm: Der keusche Joseph m. H. Licdtke, P. Heidemann, H. Bender, I. WOst Titania Hauptstraße 49 W 5. 7,9 U. Stg. 3 U. Die Csikosbaroncg m. G.Theimer, Ernst Vcrebes, Ida Wüst/ Beipr. 100 proz. Tonfilm: Alhambra Hauptstr. 30 100 proz. Tonfilm: Tonlustspiel: Lumpenball mit Fritz Kampers, Anna MQllcr-Linke Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W.7.9.U. S 5,7,9U Tonfilm; Mach mir die Well zum Paradies mit Anita Doris, COsta Eckmann, R. ran Golh TS». Beiprogramm >«tealit« j Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Tonfilm; Die gro$e Sehnsucht mit Camilla Horn u. 36 Prominente Jugendliche haben Zutritt ____ H Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. 7.9. 8.3,5, 7.9U. Die seltsame Vergangenheit der Carter— Atlantic City Thea_____........... Wochenschau— Ab Freitag Tonfilm Film-Palast Kammersale Teltower Str. l W. 5, 7. 9, Stg. ab 3 Uhr Tonlnstsplel: Komm zn mir Resdczrous mit Morgai Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochen! 6.45, 9. Sonnt ab 3, S, 7, 9U. Die lustige Tonfilmkomödie; Komm zn mir zum Rendezvous mit R. Roberls, Morgan, W.Rilla, Tr.Lleske, Luc. Englisch Bühne: Willy Rosen mit neuem Repertoir. Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra Tön. Beiprogramm: Bcnf. Gigli U NeuKaim j Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jagerstraße Anfang: Wchtgs. 6 45. 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U. Tonfilm: Die grogc Sehnsucht mit Camilla Horn und 36 Prominente Bühne; Senla Söneland Jugendliche haben Zutritt ICs.l-i.l»- Wochent 6,45, 9 U. rVUKUFs Sonntags 5, 7. 9 U Kottbusser Damm 92 lOOproz. Tonfilm: Ein Borschenlied aus Heidelberg mit Willy Forst Beiprogramm Pv-i U. Stg. 2 U. J ugendvorst Stg. 4 V«. 6V2. 84« U. Moral um Miltemacht- Spree» waldmSdel mit Clfire Rom m er D Hennigsdorf M Filmpalast,».!»« Berliner Straße 59 Stg. 2 U.(ug.-VorsL Mittw, Denn.: Moral n.Mttteniacfat SnreewaldmUel rht Rommcr