Morgenausgabe Nr. 447 A 225 47. Jahrgang Wich-nMch»»P>, monatlich S,M VI Im oorau, zahlbar. Poftbazug�ZZM. »Inlchneßlich SOPIg.Poftzeihmg»» und 72 Pfg. Postbestellgadiih»». Ausland». adonntmenl».— M. pro Monat. * ®«.Somärt«"«rschelnt wochrnlig. lich zmemlal. Sonntag, und Montag» einmal, die Abendausgaben fiir Berlm und im Handel mit dem liiel.Der Zlbend". Zlluftrterte Beilagen.Bolt und Zeit' und.Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme", T-chnit",.Blick in die Büchern? est"..Jugend» Vorn? arte" und.Stadtbeilage". � f Berliner Voltsblatt Mittwoch 24. September 4930 Groß-Äerlin HU pf. Auswatts 15 pf. 5>ie einspaltige Nonpareillezeile Ksenniß. Rek�mezeUe 5.— Reichs» mark.„5tteineAnzeigen� das ,ettge» druckte Wort W Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen fllr zwei Worte. Arbeitsmarkt i«lle 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile v Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt- geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von SVs bis 17 Uhr, Zentralovgan der GoziawemotvaMOen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönboll 2SS— 297 Telegramm-Adr,: Sozialdemokrat Berlin. Borwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 53K.— Bankkonto: BankderArbeiter.Angestelltcnund Beamten, Wallstr. KZ. Dt.B.u,DiSc..Ges., Depositenkasse, JerusalcmerStr.KS/KK. Die Flut steigt. !teber 400000 neue Arbeitsuchende im Reich. Nach dem Bericht der Reichsan stall für Arbeilslosenversicherung ist in der ersten September hälfle ein Au ström von lOZ lstZd neuen Zlrbeilfuchenden zu verzeichuen. Die Gesamtzahl der Er- werbslosen In Deutschland erreicht damit ZNitte September 2 983 000 Personen. Die Auswirkung aus die Versicherung wird erst in den folgenden Wochen festzustellen sein. Die zahlenmäßige Belastung der Arbeitslosenvers i che- rung hat für die Zeit vom 1. bis 15. September 1930 in der ersten Hälfte des September etwas abgenommen, die der Krisennnterstützung ist dagegen, übereinstimmend mit der allgemeinen Entwicklung am Arbeitsmarkt, weiter gestiegen. Mit rund 1 503 000 Köpfen bleibt die Zahl der Hauptunterstützungs- empfänger in der Versicherung nm etwa 3500 hinter dem Stande vom 31. August zurück. Zusammen mit den annähernd 459 000 Krisenunterstüstten hat die Belastung beider Unter st ützungs- einrichtungen eine Gesamtzahl von rund 1962 000 erreicht und ist damit um etwa 15 000 höher als Ende August. Aotruf der Gtädie. Sine Mahnung an Regierung und Reichstag. Der Geschäftssührende Vorstand des Reichsstädtebundes tagt« gestern unter Vorsitz des Bundespräsidenten, Oberbürgermeister Dr. Bolian, in Berlin. Er befaßt« sich in der Hauptsache mit der ungemein schwierigen Finanzlage der Gemeinden, die schnelle Maßnahmen zur Abhilfe erfordert. Der Vorstand stellte an Hand des ihm aus allen Teilen des Reiches vorliegenden Materials fest, daß die infolge der weiteren Ausbreitung der Arbeitslosigkeit ständig steigenden Aus- gaben für die Wohlfahrtserwerbslojen in zahlreichen Städten Verhältnisse geschaffen haben, die deutlich erkennen lassen, daß die Städte einer schweren Katastrophe zueilen, wenn ihnen nicht sofortig« und ausreichende Hilfe zuteil wird. Eine solche Hilfe kann angesichts der schweren Folgen, welche ein Zusammen- bruch zahlreicher Städte für Volk und Wirtschast unausbleiblich noch sich ziehen müßte, nur vom Reich kommen. Der Geschäfts- führende Vorstand bittet daher in einer Entschließung die Reichs- regierung noch einmal, in letzter Stunde, sich den im§ 101 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung fest» gelegten Verpflichtungen nicht länger zu ent- ziehen. Dieser Paragraph bestimmt, daß in Zeiten andauernd ungünstiger Arbeitsmorktlage der Reichsarbeitsminister nach An- hörung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung die Gewährung der Arbcitslosenunter- st ü tz u n g als Krisenunterstützung abweichend von den Normalbe st immungen festsetzen muß. Auf Grund dieser Bestimmung ist die Ausdehnung der Krisenfürsorge auf all« Berufe ohne zeitliche Beschränkung erforderlich, um die Gemeinden von den finanziellen Sorgen der Wohlfahrtserwerbslosigkeit zu befreien. An den neuen Reichstag richtet der Gefchöftsführende Vorstand die Bitte, das wichtigste Problem unserer Innenpolitik, die B e- schasfung ausreichender Arbeitsgelegenheiten, fafort mit aller Energie in Angriff zu nehmen, um so mehr, als das bisherige Arbeitsbefchoffungsprogramm der Regierung die erhoffte wefenlliche Verminderung der Wohlfahrtserwerbslofen nicht ge- bracht hat.,., Hindenburg gegen Putschgerüchte. Er Witt auf dem Boden der Verfassung bleiben. Der RelchsprSsidenl hak in seiner Unteehalkung mit dem Relchskanzler diesen ermächtigk, zu erklären, daß er die vom Reichs- kaazler am lehieu Sonnabend dem Berliner Verkreter eines amerika- nischen Rachrichtenbüros gegebene» Ausführungen vollinhaltlich kelle. Auch der Reichspräsident ist der Auffassung, daß eine Putsch. g e s a h r In irgendeinem Bezirk Dcukschlands in keiner weise vorliege. Uebrigens würden die vorhandenen Vollzugs- organe durchaus ausreichen, in kürzester Zeil Rohe und Ordnung wieder herzustellen. Der Reichspräsident hat serner die Absicht der Reichsrcgierung. alle Kräfte dafür einzusetzen, um die seit längerer Zeit in Angriss genommenen um fastenden Sanierungsmaßnahmcn zum besten der deukschea wirkschafk und des deutschen Volkes zu Ende zu führen. seine ausdrückliche Zustimmung erteilt. Er erwartet, daß trotz der ungewöhnlich schwierigen Inneren und außenpolitische» tage diese großen Ausgaben auf dem Boden der bestehenden ver- s a f s o n g gemeistert werden können. Landbund wieder auf dem plan. scheinen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Soldaten benennen dieses Gefängnis in Brest mit gutem Grund die..wanzerei". Das Lager besteht aus Priffche, Slrohfack ohne Polster und Decke. Die Nahrung besteht aus Buchweizengrütze(Koscha) zweiinal täglich. Alle Gefangenen wurden in leichten Kleidern eingebracht: alle Bitten der Familien, den Gefangenen warme Kleider, Bettzeug und Rah- vungsmillel zusenden zu dürfen, wurden abgeschlagen! Die Beliese- rung Dr. Liebermanns mit einer Wolljacke wurde untersagt.,» Erweiterung des Oppositionsblocks. Warschau, 23. September. Wie die Rezierungspresse meldet, haben sich der Zentrumslinks� block und die nationaldemokratischc Partei über einen gemeinsamen Wahlblock in O st g a l i z i« n geeinigt, für die Wahlbezirke Lemberg- Stadt, Lemberg-Bezirk, Stryj, Scnnbor, Stanislau, Tarnapol und Zlaczow. werden durch die Renkenbankkreditanftall verwaltet, die preußischen Kredit« durch die Landesrentenbonk. Der Minist« bezeichnete den Grundgedanken, alle öffentlichen Sicdlungskredll« in eine Hand zu vereinigen, als richtig. Der preußisch« Einfluß werde keine Schwächung erfahren. Bei der neuen Siedlungsbank seien zwar die Reichsgelder überwiegend, aber die Derwattung sei zwischen Preußen und Reich geteilt, und die Siedlung läge immer noch in den Händen preußisch« Kulturb«Hörden. An der Preußischen Landesrentenbank solle das Reich auch beteiligt werden. Dazu bedürfe es einer gesetzlichen Aenderung des Landesrentenbankgesetzes. Die Kosten der Organisation würden nicht allzu groß werden. Abg. Dr. Ponfick(Dt. Fr.) wandte sich lebhaft gegen die Verabschiedung der Vorlag« durch den Ständigen Ausschuß. Ein- einhalb Jahre habe man verhandelt, jetzt soll d« Ständige Ausschuß zwei Wochen vor dem Zusammentritt des Landtags die Sache übers Knie brechen. Die Deutsche Siedlungsbank, das Kind des H«rn Klepper, sei rein bürotratffch ausgezogen und werde nicht viel Liehe für die Landwirtschaft beweisen.— Abg. Dr. v. Winters eldt (Unat.) hielt die Umwandlung der Zwischenkredite in Dauerkredite und die Vereinheitlichung des Siedlungswesens für sehr erwünscht und zweckmäßig. Gegen die Verabschiedung der Borlage durch ein« Notverordnung seien ab« grundsätzliche Bedenken gegeben. Ein Notstand sei zweifellos nicht vorhatten. Eine Forderung d« Reichsvegierung, die zudem auf ein« Notoerordnung beruhe, d««n Genehmigung durch den neuen Reichstag noch höchst zweifelhaft fei, schaff« für Preußen noch keinen Not- stand. Die deictschnationale Fraktion lehn« die Vorlage entschieden ab. — Abg. Schulz- Neukölln(Komm.) sprach sich gleichfalls ent- jchreden gegen die Vorlag« aus. Abg. Stendel(D. Dp.) hielt ein« Notverordnung an sich nicht für notwendig. Nachdem die Frag« jedoch durch Abstimmung entschieden sei, stimme seine Partei aus sachlichen Gründen der Borlag« zu. Abg. H e i l m a n n(Soz.) wies auf die Unterschiede zwischen den Notverordnungen des Reiches und Preußens hin. An sich wäre die Einberufung des Landtages zur Verabschiedung der Borlogc erwünscht gewesen. Da der Landtag nicht versammelt sei, müsse man jetzt die Vorlage annehmen. Abg. Riedel(Dem.) hob hervor, daß der InHall der Borlag« vom alten Reichstag und auch vom Ostausschuß des Landtags ge> billigt worden s« und stimmte gleichfalls der Dorlag« zu. Hierauf wurde die Notoerordmmg mit den Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demo- traten sowie der Deutschen Volkspartei angenommen. Die englische Arbeilslosenziss« ist infolge der jüngsten Not- standsmaßnahmen der Regierung in der letzten Woche um 36158 Personen gesunken. Immerhin beträgt di« Zahl der englischen Erwerbslosen noch 2 103 413, was 955894 Beschäfligungs- lose mehr bedeutet als in der gleichen Zeit des vergangenen Jahres. Die Landtags wählen in Schweden haben— bis auf einen Wahlkreis, der noch nicht vollständig vorliegt— ergeben: Rechte 329 Sitz«(plus 3), Bauernbund 185(plus 21), Freisinnige 129 (minus 33), Liberole 13(minus 7), Sozialdemokraten 469 lplu» 28). und die beiden kommunistischen Parteien.zu- sommen 8(minus 6). Peking und Tieulstv worden am Dienstag kampflos von den nnudschori schen Teupzvn besetzt,> Offiziere als Hochverräter. Hitler soll als Zeuge seine„Gesetzlichkeit" beeiden. Im Verlauf do Pro-«si«K ließ dir Dyrsißeude zunächst den Sachverständigen Major Theißen vom Reichswehr. mmtfterium zu den Ausfuhrungen der Angeklagten Stellung nehmen. Major Theitzen erklärt«, es sei bei der Reichswehr Grundsatz, daß Offiziere und Mannschaften bei allen öffentlichen politischen Kund- gedungen nach Möglichkeit größte Zurückhaltung übten. Wenn bei einer Teilnahm« der Reichswehr an einer öfsentlichen Kundgebung eine politische Entgleisang stottsinde, so hätten die An- gehörigen der Reichswehr sich zu«ntsernen. Zu den Aussührungen der Angeklagten, die Sachoerständigen der Reichswehr hätten die Angeklagten in den Fememordprozessen im Stich gelassen, erklärte Major Theitzen, daß auch den Angeklagten das Wort des General- nberft von Seeckt bekannt gewesen sei:.Wer da glaubt, daß ich den Befehl zum Monden gegeben habe, ist«in Narr." Vorsitzender:.Angeklagter Scheringer. was verstehen Sie unter dem Begriff.Nationai« Verbände'?" Scheringer:„Nationale Verbände sind die Organisationen, die die Befreiung des Reichs und den Ausgleich der Spannungen zwischen den Parteien anstreben." Vorsitzender: galten Sie denn jeden Pazifisten für einen Baterlo ndsoerrUer V Scheringer:„Heutzutage ja,(sehr erregt) deshalb sitzen wir drei ja im Gefängnis, weil wir fanatisch« Nationalsozialisten sind. Nur die Nationalsozialisten können«ine Neuordnung der Dinge bringen und die Reichswehr ist dazu da...." Vorsitzender seinfallend, sehr scharf):»Die Reichswehr ist ledig. lich als Organ der Reichsregierung da." Scheringer(erregt, fast schreiend):.Wenn aber die Reichsregi«. rung einmal pozisistisch oder kommunistisch sein sollt«, so würde doch dos auch aus die Reichswehr abfärben." Vorsitzender:.3ch ersuche Sie ernstlich, Ihren Ton zu mähigen. ..In der Voruntersuchung haben Sie mitgeteilt, daß darüber ge- sprachen worden sei, was denn werden solle, wenn der Poung-Plan angenommen würde, daß Sie sich dafür einsetzen wollten, die höheren Offiziere der Nationalsozialistischen Partei zuzuführen, daß eine enge Verbindung zwischen vffizierkorps nnd Rationalsozialisten herrschen müsse. Die Reichswehr dürfe keineswegs, so sei jn den Besprechungen ausgesührt worden, auf die Stufe der Polizei sinken, sondern die Reichswehr müsse einzig allein die nationale Befreiung im Auge behalten. Wie dachten Sie sich denn überhaupt d i e national« Befreiung?" Scheringer:.Durch Waffengewalt, anders geht es nämlich nicht." Vorsitzender:.Herr Ludien, in der Voruntersuchung haben Sie gesagt, daß Sie in München mit den Herren von der NSDAP, über. eingekommen seien, in den Kreisen Ihrer Kameraden für die Partei zu werben." tu dien:.So stimmt das nicht. Wenn ich das früher gesagt habe, so muß ich mich falsch ausgedrückt haben." Vorsitzender:.Sie haben doch aber über all« Einzelheiten, z. P. mich über die Bildung der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, gesprochen." Dudten:.Ich gebe zu. Herr Lorsitzender, daß ich in München M Herrn von Pfeffer gesagt habe, ich würde versuchen, zu er- reichen, daß die Stimmung zwischen dem Ofsizierkörpz und den Nationalsozialisten im Laufe der Zeit wärmer würde." Vorsitzender:„Sie hoben auch z. B. vereinbart, daß die Ratio. nalsoziolistffche Partei von Ihnen Bericht über Ihr« Tätig. 5 e i t erhalten sollte." Scheringer:.Das ist nur so zu verstehen, daß Hauptmann Wagner, ein Freund meines Vaters, beim Abschied zu mir sagt«. ich solle mich doch mal wieder sehen lassen." Der Vorsitzende hielt den Angeklagten vor, sie hätten noch ihrer Rückkehr aus München die nakioaalsazialistischc Propaganda unter ihren Sameraden mit allen Mitteln betrieben. hätten in allen Garnisonen Vertrauensleute gesucht, die bei den Vorgesetzten Stimmung für die Nationalsozialisten machen sollten. Das letzte Ziel der Angeklagten sei offenbar gewesen, daß bei einem Umsturz nach rechts die jungen Offizier« Ge- wehr bei Fuß ständen. Nach diesen Aussührungen der Angeklagten nahm auf Leryn- lassung des Vorsitzenden der Sachverständige des Reichswehr- Ministeriums, Major Theißen, das Wort und gab folgende Erklärung ab: „Die deutsche Reichswehr ist«in Machtinstrument der Reichs- regisrung. Sie ist lediglich«inzusetzen zum Schutze unserer Grenzen. Die Einsetzung der Reichswehr erfolgt auf Befehl des Herrn Reichs- Präsidenten. Um dieses Ziel zu erreichen, muß die Reichswehr i h r Schwert scharf halten. Aber sie muß auch dafür sorgen, daß es nicht durch Unberufene stumpf gemocht wird. Soldaten sind lediglich an ihre Pflicht und ihren Dienst gebunden. Wenn der Reichswehrminister im Reichstag für einen gesunden Paziffsmus gesprochen hch, so lehnt er selbst- verständlich«inen Pazifismus ab, der Landesverrat betreibt. Es ist auch selbstverständlich, daß jung« Offizier« den Parteien sympathischer gegenüberstehen, d:« für die Wehrmacht eintreten und den Wehr- gedanken pflegen, als den Parteien, die den Wehrgedanken a b» lehnen. Aber diese Einstellung darf nicht so weit gehen, daß Ossizier« sich politisch betätigen. Eine Mißstimmung, wie die Angeklagten sie hier schildern, habe ich bei unserem Offizierkorps aichl entdecken können, obwohl ich noch bis vor wen igen Tagen onläßlich der Manöver mit den Offizieren aus dem ganzen Reich zusammen- gewesen bin." Auf Verlangen des Vorsitzenden schilderte der Anzeklaste Ludien dann, wie er nach der Zusammenkunft in München einig« Woche» später nach Hannover gefahren sei. um dort mit den ihm persönlich bekannten Leutnants Lorenz und Winter zu ver- handeln. Vors.: Sie wollten die Kameraden in Hannover zur Zellen. bildung zugunsten der Nationalsozialisten auffordern. Vors.: Sic haben doch beiden Hexren erzählt, daß in späterer Zell eine nationale Bewegung bevorstehe, allerding» habe man au« dem Hitler- und Kapp-Puffch gelernt. Angekl.: Dem Sinn nach habe ich das wohl gesagt. Vors.: Ist et richtig, daß Sie Leutnant Lorenz und Winter gejagt haben, Sie würden die beiden Herren mit einem National. soziolisten zusammenbringen, der ihnen noch alle» viel bester und genauer sägen könnt«, als Sie selbst? Angekl.: Jawohl, das ist richtig. Dann erfolgte die Vernehmung des Oberleutnants a.D. W« n d t. Er fei über die Münchener Unterredung von Scheringer und Ludien ins Bill» gesetzt worden und er habe damals die Auffassung ge- habt, daß die Ablehnung des Zoung.Plaves für die Regierung sehr leicht gewesen wäre(!t). wenn diese sich auf eine starte Wehrmacht hätte stützen können. Diese Ausfassung hätten er und sein Freund dem Reichswehr- Ministerium im Namen der jungen Offiziere auch mitteilen wollen. Vors.: Glauben Sie denn wirklich, daß das Reichswehrministe- rium auf ein paar junge Leutnants aus Ulm angebissen hätte? Angekl.: Sicherlich, denn dos Reichswehrministerium ist doch letzten Endes auf dir Stimmung des jungen Offizierkorps an- gewiesen. Es trat hierauf eine Mittagspause bis 4 Uhr ein. In der Nochmittogsoerhandlung wurde dann die Reise des Leutnants Ludien noch Berlin besprochen, wohin er Oberleutnant Lohr vom Iägerbcitaillon? bestellt hotte. Vors.: Sie sollen zu Leutnant Lohr wörtlich gesagt hoben: wenn nichts anderes Hilst, dann muß ein grwaitsamer Umsturz kommen. Angekl.: Es war doch so, daß man im ganzen deutschen Offizier- korps für die Zukunft eine gewisse Klärung schaffen wollte. Vors.: Sie können doch nicht immer von dem ganzen deutschen Offizierkorps sprechen oder wollen Si« etwa sagen, daß alle deutschen Offiziere so wie Sie g e g e n d e n S t a ch e l locken? Angekl.: Das glaube ich sagen zu können. Wir standen vor der Entscheidung, ob wir auch in Zukunft nur schimpfen oder ob wir eine Entscheidung herbeiführen sollten. Angekl.: Ich bin der Meinung, daß Lohr mich in vielen Punkten falsch oerstanden Hot. Vors.: Hoben Sie nicht auch die Worte gebraucht: Wenn es nicht gelingt, auf friedlichem Wege zu einer nationalen Regierung zu kommen, dann muß es eben auf dem Wege des Um- flu r ze s gehen?.. Angekl.: Das habe ich bestimmt nicht gesogt. Vors.: Sic sollen zu Lohr und Fürsen weiter gesagt haben, es schade nichts, wenn eine Diktatur komme, nur dürfe die Verfassung nicht geändert werden. Was dachten Sie sich eigentlich dabei? Angekl.: Ein gewaltsamer Umsturz der Regierung hätte auch einen Verfossungssturz bedeutet. Das. deutsch« Volk hängt jedoch in weiten Kreisen an der republikanischen Verfassung. Sie zu ändern hätte das Boll wohl kaum geduldet. Mir. persönlich war auch die Regierungssarm gleichgültig. 3ch dien« jeder Regierung, auch einer komwunifilschen Ich kämpfe üdiglich. jur eine Stork�yg. �g,' W.ehrgeoän.kens m Deutschland.. ,. �,....'s,-". Vors.: Sie haben dem Leutnant Fürsen mitgeteilt, daß cm Nationalsozialist zu ihnen kommen und ihnen weitere Austlärungen geben werde. Angekl.: Das mag schon sein. Vors.: Daraus geht doch klar hervor, daß Sie eine reg« l- rechte Organisation innerhalb des Heeres schaffen wollten. wie stehen Sic denn heute zu der Frage, was Sie tun müßten, wenn die Reichswehr in einem Putsch gegen Rechts. organisallonen eingesetzt würde? Angekl.: Das ist für jeden Offizier eine Gewissenssrage, denn die Wehrverbände wollen ja schließlich dasselbe wie wir, nämlich die Wehrhastmachung unseres Volkes. Vors.: Jetzt weichen Sie einmal nicht aus: Wenn es Ijgrt auf hart ging, würden Sie auf«inen Angehörigen der Rechtsoerbände schießen? Der Angeklagte schweigt. Vors.: Ihr Schweigen ist sehr beredt. Angekl.: Herr Vorsitzender, Sie müssen die Dinge nicht immer so sehen, als ob es sich hier nur um das Vorgehen einiger Offizier« handelt. Wir hotten vor allen Dingen auch im Auge, die Reichswehr selbst wehrhafter zu machen, denn es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die Mannschaften in der Reichswehr etwa oll« national gesinnt sind. Wir jungen Offiziere wisten am besten, daß das nicht der Fall ist. Deshalb muß die Reichswehr kriegerisch er.zogen werden, um st« für den Freiheitskampf in der Zukunft bereü zu machen. ZU» ich in die Reichsivehr als Zeitfreiwilliger«intrat, da wurde dos Ehrhardt-Lied gesungen und wir glaubten, daß bald dt« ollgemeine Wehrpflicht kommen würde, ober dann kam die Enttäuschung. Der Vorsitzende verlas sodann einen Brief des Angeklagten W c n d t an den Leutnant Bergmann, in dem es heißt: „Ra laß man. Franz. die Rangliste im dritten Reich machen wir. und dann Gnade Gott ollen Leisetretern." Der Angeklagte Mendt erklärte hierzu, daß er diesen Brief ge- schrieben Hobe aus Verärgerung über eine abfällige Aeußerung des Oberstleutnant Haas« über die Notionotsoziolistische Partei. Zum Schluß der Verhandlung erhob sich plötzlich Reckstscmvalt Frank-München und erklärte: Ich stelle hiermit den Beweis- ontrag. Adolf Hitler in München als Zeugen dafür zu laden, daß die Notionolsozialiftffche Partei niemals den Sturz der Der- faffung oder der Regierung angestrebt hat. Hinter dieser An. tlag« gegen die drei Reichswehroffizicre steht wie ein Gewitter die Drohung, daß die Nationalsozialisten den Sturz der Versosjung oder der Regierung von jeher anstreben, und daß die Angeklagten lediglich die Werkzeuge der Partei gewesen seien, die Reichswehr zu unterminieren. Die Frag«, ob die Nationalsozialisten die Verfassung auf illegalem Wege beseitigen wollen oder nicht, ist die Kernfrage dieses Prozesses. Vors.: Herr Verteidiger, wollen Sie Ihren Antrag vielleicht dahin erweitern, daß die Nationalsozialistische Deutsche Zlrbeiterpartei ihr Ziel immer aus legalem Wege verfolgt hat?" R.-A. Frank: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen Herr Vor- sitzender. Adolf Hitler wird jedoch bekunden, daß die National- sozialistische Partei ihr« Ziel« seit dem November 1923 ge- ändert hat. Vors.: Zunächst möchte ich einmal den Herrn Reichsanwalt frage», was er behauptet. Ob lediglich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei den Umsturz will oder ob er nur behauptet, daß die Angeklagten sich zu einer uinstürzlerijchen Bewegung zu- saimnengetuN haben. Reichsanwalt: Ich behaupte, das letztere. Die Reichsanwalt- schast ist sich darüber klar, daß in diesem Prozeß kein« Notwendig- keit besteht, die Frag« zu klären, ob die Nationalsozialisten den Un'sturz der Verfassung wollten oder nicht. Diese Frage ist s v r die Beurteilung der Schuld der Angeklagten meiner Ansicht nach u n e r h e b l i ch. Vors.: So viel ich weih, schwebt doch gegen maßgebende Föhrer der Rationolsozlolistischen Porlei, gegen Herrn Hitler und Herrn Goebbels ein Verfahren wegen Hochverrats. Reichsanwalt: Das ist an sich richtig. Di« Verfahren sind jedech noch nicht abgeschlossen. Ich kann mich dex-weyen dazu noch nicht Näher äuß-rn~'■ . pbrf.; Für da» Gericht" ist/ Äer ö'e tjfqze wichtig, ob such gegen Herrn Hitler«in Verfahren fchipebt. Da der Reichs- anwalt mit seiner. Antwort zögerte, erbob sich Rechtsanwalt Frank und erklärte mit lauter Stimme: Jawohl, Herr Reichsanwalt, ich bestätig« Ihnen, daß auch gegen Zldolf Hitler«in Dertahren wegen Hochverrates anhängig gemacht ist. Reichsanwalt: Soweit mir bekannt ist, hat die Reichswehr gegen Herrn Hitler Strafantrog gestellt. R.-A. Dr. Sack: Als Verteidiger des Angeklagten Scheringer sehe ich mich nicht in der Lag«, dem Beweisontrag meines Kollegen Dr. Frank beizutreten. Scheringer hat mit Lust und Lieb« seinen Berus als Soldat ausgeübt. Verbindung mit irgendeiner Partei hatte er jedoch nicht. Ich halte es für unerheblich, hier.Herrn Hitler über die Bestrebungen der Nationalsozialistischen Partei zu hören. R.-A. tameke schloß sich jedcch den Ausführungen Dr. Frank» on. R.-A. Dr. Frank bat noch einmal, Adolf Hitler zu laden, indem er sein« ersten Zkussührungen wiederholte. Das Gericht beschloß nach einer kurzen Beratung, Adolf Hitler, der sich gegenwärtig in Berchtesgaden zur Kur aufhält, für Donnerstogmorgen als Zeugen zu laden mit der Begrün- dung. daß seine Bekundungen für die Schuldsrag« der Angeklagten oielleicht doch von Wichtigkeit sein könnten. Darauf unirde die Verhandlung auf M i t t w o ch m o r g« n 9 Uhr vertagt. „S» gingen zu Laer und spielten unsere Partie Billard weiter." (Zeuge Dalier F. im Ali-Höhler-Rordprozeß.) .Wollt Ihr nicht wenigstens das Blut von Suren Händen waschen?"-„Wieso, fchemert Dir det etwa?"-„Das nicht! Aber das Billardtuch könnte dreckig werden!" Vom Llnkostenkonto aus. Die Verhandlungen in der Berliner Metallindustrie wiederum vertagt. Gestern ist in der Potsdamer Straße zum zweiten Male über den Neuabschluh des Lohntorifvertrages der Berliner Metall- arbeiter verstondelt worden. Zu einem Ergebnis haben aber auch diese Verhandlungen nicht geführt, obwohl man auf der Seite der Unternehmer das beste Pferd ins Rennen gebracht hatte, nämlich den Generaldirektor Dr. Köttgcn vom Siemens- S o n z e r n. Die Herren vom VBMJ. hatten sich die Sache wieder einmal anders überlegt. In der vorigen Verhandlung hatten sie bekannllich die Forderung erhoben, die larislöhue der Beniner Metallarbeiter um 15 Proz. abzubauen, um endlich der danieder- liegenden Wirtschaft wieder„neues Leben einzuflößen". Durch die scharfe Kampfansage der Gewerkschaftsvertreter anscheinend etwas ernüchtert, griffen sie schließlich den von den Unterhändlern der Metallarbeiter gemachten Dorschlog auf, der Lösung des Arbeits- markt, und Konfunkturproblems von der Arbeitszeitscite her näherzutreten. Man hatte sich darüber geeinigt, wegen der Forderung der Gewerkschaften nach eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 40 Stunden«ingehend zu verhandeln. Gestern aber drehten sich die Berliner Metollindustriellen wieder im Kreise. Ihr Berhand- lungsführer Direktor Kremmener meinte, die Verkürzung der Zlrbeitszeit und die damit bezwe«kte Einstellung von Arbeitslosen sei mit erhöhte« Aufwendungen für Sozialbeilrägc verbunden u. a. m. und führe zu keiner Senkung der Unkosten. Die Absicht der Unter- nehm«, das llnkostenkonto beträchtlich zu verringern, könne auf diesem Wege nicht»erwirklicht werden. Die Frag« der Arbeitszeit- Verkürzung zu erörtern seien sie zwar bereit, hätten aber seit der letzten Verhandlung am Freitag voriger Woche noch kein« Zeit gefunden, darüber in einem größeren Kreise sich zu besprechen. Schließlich müßten sich mit solchen grundsätzlichen Fragen außer dew Verband Berliner Metallindustrieller auch andere Körperschaften der Unternehmer befassen(l). Dos Streben der Berliner Metall- industriellen geh« dahin, unter Beibehaltung der<6stündigen Arbeit»- wache möglichst viel« Arbeitslose in die Betriebe aufnehmen zu können. Ganz richtig wurde den um den Kern der Sache herumredenden Metallindustriellen erwidert, daß sie anscheinend am llebsten in den Betrieben, wo es ihnen jetzt gerade paßt, die Arbeitszeit verkürzen und außerdem noch generell die Tariflöhne senken möchten. Generaldirektor K ö t t g e n, von dem man«ine Begründung der Vermutung erwartete, wie durch eine Lohnsenkung die Wirtschaft wieder belebt werden könne, wußte auch weiter nichts zu sagen, als daß die Löhne und Gehälter nicht nur in der Berliner Metall- industrie. sondern im ganzen Reich, vor ollem aber auch bei den Beamten abgebaut werden müßten. Das hatte Herr Kremmener, der nicht ein so großer Volkswirt ist als Herr Köttgen, berests in der vorigen Verhandlung und mit größerem Unternehmerschneid gesagt. Schließlich kam man überein. die Verhandlungen nochmal» zu vertagen und sie am nächsten Dienstag fortzusühren. Hoffentlich werden die Berliner Metollindustriellen sich bis dahin überlegen, daß die Fragen des Lahnes und der Arbeitszeit nicht einfach vom Un- kostenkonto aus entschieden werden können und endlich Farbe bekennen. Die Berllner Metallarbeiter jedenfalls haben keine Ursach«, die weitere Entwicklung der Situation optimistisch zu sehen. Sie müssen alle Kräfte zur Abwehr eines Unternshmerongriffes sammeln, der unter Umständen ganz unvermutet kommen tonn. Sie haben ober ebenso sehr die Pflicht, gewerkschaftliche Disziplin zu halten und den kommunistischen Lockvögeln, die die Lohnbewegung in der Berliner Metallindustrie für ihre dunklen Partcizwccke mißbrauchen wollen, die kolle Schulter zeigen. Gegen die Gchuhzolspoliiik. Protest des Verbandstages der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter. Hamburg, 23. September.(Eigenbericht.) Redakteur La n k e s ging in seinem Bericht über die Re- daktionstätigkeit unter anderem auf die Beschwerden ein, die von kommunistisch gesinnten Verbandsmitgliedern gegen die Propa- ganda für die Sozialdemokratische Partei erhoben wurden. Er erklärt, daß eine politisch« Neutralität in der Gewerkschastsbewe- gung nirgends mehr besteht. Die freien Gewerkschaften erkennen die SPD. al» ihre politische Znleressenverlrewng an. Folglich muh auch bei den Wahlen für sie geworben werden. Forderungen von Verbandsmitgliedern, für die KPD. Propaganda zu machen, mußte die Redaktion zurückweisen. Es ist unmöglich, daß für eine Partei Propaganda gemacht werden kann, die in der unflätigsten Art die Pcrbandsfunktionor« beschimpft.„So lange ich an dieser Stell« stehe," erklärte LankeZ,„werde ich niemals zulassen, daß für die KPD. Propaganda gemacht wird. Es ist«in weiterer Ausbau de» Unterholwngsteils der„Einigkeit" geplant." Den Bericht des Verbandsausschuffes gab der Bor» sitzend« desselben, W i t t i ch- Frankfurt a. M. Der Ausschuh hat in der Ausgestaltung de- Statuts und bei anderen Gelegenheiten mit dem Vorstand kollegial Hand in Hand gearbeitet. Recht lebhost wurde die Aussprach« über den Bor- standsbericht geführt, die citie wirklich hochstehend« Aus- einandersetzung mit den Aufgaben des Berbandes und den Pro- blemcn der Zeit bedeutete. Einen recht breiten Raum nahmen die Grenzstreiligkeiten des Verbandes ein. Di« Delegierten beschwerten sich über die jetzigen Derhällnisse. Der ADGB. wurde ausgerufen, sein entscheidendez Gewicht in die Wogschale zu werfen und die Abgrenzung der Intcr- eflengebiete vollständig zu machen. Da der Vundeovorstand des ADGB. in der Debatte wiederholt erwähnt wurde, nahm dessen Vertreter Genosse Eggert zu den ausgeworseuen Fragen Stellung: Der Bundesvorstand inuß einen großen Teil seiner Zeit aus die Grenzstreitigkeiten verwenden. Bei der schwierigen Abgrenzung der Orgonisationsgebiete möchte man manchmal ausrusen: Freunde, streitet euch nicht um ein paar Menschen. Der Bund hat jedenfalls immer versucht, ausgleichend zu wirken. Bezüglich der Erhöhung der Bier st euer erklärte Eggert, daß die Stellungnahme des Bundesvorstandes in der Steuerfrage vom Standpunkt der gesamten Arbeiterschaft diktiert sein müsse. In recht humorvoller Weis« beschäftigt« sich der Derbandsredak. tcur mit den Freunden und Kritikern des Berbandsblattes. Es fei «nreulich, daß die Tätigkeit der Redaktion eine so gute Beurteilung gesunden habe. Da gegen die Kassengeschäft« keine Einwände er- hoben wurden, konnte der Kassierer in feinem Schlußwort sich auf Richtigstellungen beschränken. Der Derbondsvorsitzende Bockert ging desto ausführlicher auf die Verhandllingen ein. Er verstehe durchaus, wenn die Kollegen mit den Kartellverträgen und den anderen Abmachungen mit den Gewerkschosten unzufrieden feien, doch müssen sich die Funktionäre bemühen, taktisch kluge Gewerkschafter und ehrliche Partner zu fein. Bockert entwickelte noch einmal den Standpunkt des Ver- bandes zur Frage der Gelränkefleuer. Der Verband könne jedenfalls feststellen, daß feine Bedenken sich vollauf erfüllt hätten. Dies belegte er mit folgenden Beweisen: Im April d. I. war das Steuer- auskommen bei der Reichsbierfieuer um ö Millionen höher als 1 9 Z g. Im Mai, als die neu« Steuer in Kraft getreten war und erheblich« Mehreingänge erhofft wurden, sind 400000 Mark weniger eingegangen. Das gleiche war in den folgenden Monaten der Fall. Daraus ist zu ersehen, daß alle Hoffnungen auf die Getränkefteuer zuschonden wurden. Beim Branntwein haben sich die Steuererhöhungen noch katastrophaler ausgewirkt. Dazu noch ein anderes: Die H a u s b r au« r e i e n. die bis Mai 1930 Steuerfreiheit hatten, haben sich in einem Umfange entwickelt, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. In Bayern soll es heute 32 000 Hausbrauereien geben. Bockert warnte, An- trägen zuzustimmen, die weitere Angliederungen an Gewerkfchafts. verbände zum Ziele haben. Solche Dinge sind für den Verband nicht spruchreif, Bei der Abstimmung wurde dem vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Es wurde ein Antrag angenommen, der den ADGB. auffordert, die Anerkennung der Satzungen und die end- gültige Abgrenzung des Organisationsgebiets vorzunehmen. In der über den verwendungszwong inländischer Agrar- erzeugnifse gefaßten Entschließung wird festgestellt, daß die Regierung eine neue Richtung landwirtfchasllichec Schukzpolitit mit dem verweudungszwang für Znlandweizen und Roggen in der Spirituswirtschofl eingeschlagen hat. Das ist nichts anderes als eine Ergänzung der übersteigerten Zollpolitik. Der Verbandst.ig erhebt Protest dagegen, daß der Reichscrnährungs- minister alle Bemühungen des Verbandsoorstandes, die fchädi- gcnden Wirkungen des Berwcndungszwanges inländischer Agrar- Produkte vorzutragen, ignorierte und nachgesuchte VerHand. lungen nicht zuließ. Der Derbondsvorstand wird auf- gefcrdert, sich dafür einzusetzen, daß der Verwendungszwong inlän- bischer Agrarerzeugnisse beseitigt wird. Oer Erfolg bei Or. Paul Meyer. 260 Arbeite? in einen wilden Streik gehetzt. Entsprechend der Porole der KPD., in den Betrieden am vcr- gangenen Sonnabend in einen zshnminutigen Proteststreik einzutreten, versammelten sich zur festgesetzten Zeit etwa 100 Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Dr. Paul Meyer unter Führung des „revolutionären" Betriebsratsooi sitzenden und Obmanns der RGO. F r i t j ch auf dem Fabrik Hof. In der Borau-sicht, daß es den revolutionären Drahtziehern nicht gelungen wäre, unter Angabe des wirklichen Protestgrundes die„Massen" zu mobilisieren, versuchte man in den Werkstätten unter der Parole,„gegen den ISprojentigci, Lohnroub des VBMJ" Stimmung für diese Aktion zu machen Dein Betriebsleiter gegenüber, der Fritfch auf die eventuellen Folgen für feine Person als Betriebsrat aufmerksam machte, recht- fertigte sich der„mutige Sprecher" damit, daß diese Protestaktion lediglich dem angedrohten Lohnabbau gelten sollte. Trotzdem schreibt die„Rote Fahn" von, Sonntag bereits, daß der rote Betriebsrot Fritsch von der Dr.-Poul-Meyer-A.-G. unter dem brausenden Beifall der zu Tausenden Dersammelten erNärte, daß die Belegschaft der Firma«As Protest gegen seine fristlose Eni- l a s s u n g in den Streik treten würde. In Wirklichkeit ist die Eni- lostung des Fritsch erst am Dienstag erfolgt. Lb0 Mann der rund 600 Personen starken Belegschift sind wegen der Entlastung des kommunistischen Betriebsratsvorsitzenden gestern in den Streik getreten Das ist der wahre Sachoerhalt über die Vorgänge bei der Dr.-Paul-Meyer-A.-G., entgegen den vollständig entstellenden und unwahren Berichten m der„Roten Fahne". Zu bedauern ist nur, daß wieder einmal der unverantwortlichen Wühlarbeit„revolutio- närer Arbeitervertveter" eine Anzahl Unschuldiger zum Opfer gefallen ist, denn wie immer bei solchen„revolutionären" Streiks wird der„Erfolg" der fein, daß das Heer der Arbeitslosen um einige irregeführte Arbeiter und Arbeiterinnen vergrößert wird. Maniuie Brüssel, den Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbuiü» Gc» nosic G r a ß m a n n. Der Kongreß wird in tschechisch:! und deutscher Sprache geführt. Er wird vier Tage dauern und sich insbesondere mit Fragen der Wirtschaftskrise und Rationalisierung befassen. Kampf gegen die Neakiion! Mahnruf der Transportarbeiter-Jnternationale. London. 23. September.(Eigenbericht.) „Wir sind die große und wachsende, mehr als 2� Millionen Menschen umfassende Ration der internationalen Transportarbeiter", mit diesen Worten eröffnete am Montag der Vorsitzende C r a m p den Kongreß der Internationalen Tronsportarbeitersöderation. Zum erstenmal seit dem Kriege sind ihre Delegierten aus 33 Ländern der Erde in London zusammengetreten. Es gebe Staatsmänner, sagte Cramp, die dos Wort Nation mißbrauchen. Sie holten die Arbeiterklast« zurück, an ihr« eigenen Interessen zu denken und stürzen dadurch Völker in den Krieg. Aber diese mit dem Blut der Massen gewonnenen Krieg« seien niemals ein Vorteil für die Arbeitermasten und ihr« Emanzipation. D:e heutigen wirtschaftlichen Zustände in ollen Ländern seien der beste Beweis, daß sich die Arbeiterklasse aller Länder frei mach« von ollem Nationalismus und sich für die große ökonomische Eni- scheidungsschlacht vorbereite. Di« ReoSion erhebe wieder einmal ringsum dos Haupt. Die jüngsten Beispiele seien Polen, Finnland und Deutschland. Dieser Reaktion gelte es mit allen Mitteln entgegenzutreten. Die gesamte internationale Arbeiterschaft müsse im Interesse der Arbcitcrbewe- gung jedes einzelnen Landes zu diesen Kiimpien bereit sein. In gleichem Sinne sprachen unter stürmischem Beifall E i t r i n e im Namen des Internationalen Gewerkschaslsbüros, Tom Show für den Internationalen Textilorbeiterverband und H i ck s für die englischen Gewerkschaften, serner Middleton im Austrog der englischen Arbeiterpartei. Arbeiterabbau in Holland. In der niederländischen Industrie wurden wegen Arbeitsmangel große Arbeiterentlassungen vorgenommen. Bei der Schiffswerft und Maschinenfabrik Wilton in Rotterdam wurden 730 Arbeiter entlassen, so daß das Personal in wenigen Monaten von 6000 auf 270V Mann verringert wurde. Di« Mar. garinesabrik Rijswijt und die Betriebe der Marga- rineunion in Rotterdam entließe» die Hälft« ihrer Beleg- schasten. Die Rotterdamer Fabrik des Kunstseidekonzerns kündigle am Sonnabend abermals 100 Arbeiterinnen. Das Personal dieses Betriebes ist jetzt von 1300 auf 400 Personen abgebaut. Proteststreik französischer Bergarbeiter. Paris, 23. September.(Eigenbericht.) ver 24stündige Proteststreik der Bergarbeiter von C a r m a u x ist am Montag mit großem Erfolg und ohne Zwischenfall durchgeführt worden. Die Gewerkschaften beschlosten einstimmig. soll» ihre Lohnsorderung bi» zum 6. Oktober nicht bewilligt sein sollte, erneut über die Rotwendizkell einer Streikaktion zu beraten. In Bombay 42000 Textilarbeiter arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit in den Spinnereien von Bombay nimmt noch offiziellen Angaben immer größeren Umfang an. Zur Zeit sind bereits 42 000 Arbeiter der Spinnereien beschäftigungslos und die Not unter ihnen ist katastrophal. In erster Linie wird die schlechte Lage der Spinnereien auf die Folgen der verschärften Boykottbewegung der Kongreßanhänger zurückgcsührt. Freie Gewerkfchafts-Jugend Berlin Unter« Iugentderatuna.Itell« ist jeden Mittwoch von tfIVs— 20 Uhr im Zimmer 26. Gewerkschoitshaus, Engeluier H—2i, z Zt., flcbffncl.— Hcnte. Mittwoch. 1»U Uhr, tagen die Truppen: Baumichnlenweg: Ingenddeim Srnststr. 1«:. Liederabend.— vchönbansce Ta«: Jugendheim Zendcniiter Str. dt— 2S. Werbeabend.— Renlcltn: Gruppenheim Bergstr. 99. feof. Vortrag:.Au» der Fremdenlegion".— Süden, Südwest«»: Städt. Jugend- heim Zlorckstr. tl sFabritgebSud.j. jtarl-Trtlmger.Zldend.— Flughasen: Jugendheim ZteutBlln. IZluglnrfensir. 6». Heiterer Abend mit Hosemann.— Adlersh-t: Truppenheim Adlersliat. Biemarckstr. 1. Vortrag:„Die Verwaltung der Stadt Berlin".— Werheose«: Jugendheim Partstr. Z6.„Aus dem Leben Kael Mar«'".— Starbtina; Jugendheim Sonnenburger Str. 20.„Schnurren und Scherge".— Schöne borg: Jugendheim Sauplsir. lö. Vortrag:„Der neue ZIeich»- tag und wir".— Am Sonntag. 6. Ottober, um 1.6 Uhr. IugendvorstlUung d-r BoUzdithne im Theater am Blllowplotz. Zur Ausführung gelangt„Tie Weber". Sdxmspiel von Terhart Hauptmann. Karten»um Preis« von SO Pf. lind in der Iugendzentrale, Sewerkschaftshaus, Engelufer 24—25, Zimmer 36. erhältlich. �uaendaruppe des Zentralverbandes der Anaestellten Ö?» Heute, Mittwoch, find folgende Dcranstaltungen: Gesundbrunnen: � Jugendheim Orthfir. 10, pari. Abend eigener Ausqcfialtung:„Moderne Dichter".— SIeinIckendors! Jugendhelm Lindauer Str. 2 lVarackel. Bortrag: „Zweck und Ziele des ZdA."— ckharlottendnrg: Jugendheim Bnfinenstr. 4. Vorttog:„Unsere Arbeitcrdichter und ihre Werte". Sieferentin Fridcl Hall.— Schönhauser Borftadt: Jugendheim der Schuir Kastanienollee 81. Heute ist Ncichstagsfitzung. außerdem jede» Montag Arbeitsgemeenschast in Einheit». Neno�raphie. jeden Sonnabend Singegemeinschaft nan 18—20 Uhr und Arbeit». gemainschott Soualismus von 20—22 Uhr.— Oberspre«: Jugendheim der Schute Berliner Str. 31.„Heut find wir lustig."— Rordaft: Jugrndhcim Dan, ige« Straße KZ sDaracke 3). Ausspracheabend:„Das Mädel jn der Juaendbcwcgung". — Stralau: Jugendheim der Schule Tofilerstr. 61. Vortrag:..Pancuropa und BSllcrdnnd". Referent Hein, Mann.— Rentölla: Jugendheim Böhmische Straße 1—4. Ecke Kanner Straße. Bortrag:„Regierungs'ormen: Diktatur". Referent Artur Rachow.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Vortrag: „Was ich im Gefängnis sah". Referent Wilhelm Lewinsli.— Spandau: Jugend- beim Lindenufer l. Lichtbildervortrag:„Zugcndwandern und Jugendherbergen". Referent Kurt Mencr.— Patsdam-Zlowawes: Jugendherberge in Ziowawes, Priesterstraße. Bortrag:„Die Bildung des Iunggewerkschaftlers". Referent Gertrud Ellert. Verantwortlich Nlr Politik: Oirtoe Schist: Wirtschaft:®.»lingrlhöter! Dewertschattsbewegung: Fr. Cfttorn; Feuilleton: K K. Döscher: Lokale» und Sonstiges Friß Narstäd«: An, eigen: Td Glocke: lämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärto-Perlag G. m b. S.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin SB. 68. Linde nstraße 6. Hierzu 2 Beilagen. Für die GesundheitI Fieliinger Versandslelle, Berlin SV tl SchOncbertcr Str. Ida. Irl. Lüttow Ö260-61 Nr. 447» 47. Jahrgang Mittwoch, 24. September i9Z0 Berlin errichtet Bausparkaffe. Beschluß der Gtadiverordneten.- Aeue Anirage gegen BVG. Die Stadtverordneten haben gestern in einer wegen des Städtetages aus den Dienstag einberufenen langdauernden Sitzung einen großen Teil der Tagesordnung aufgearbeitet. Wie dabei die Deutfchnationalcn in Gsmeinschaft mit den Kam» munisten und den Nazis den Interessen der Stadt zuwiderhandelten, zeigte sich bei der Beratung einer Vorlage wegen der u e b e r- nähme einer Bürgschaft zum Zwecke des Wohnungsbaus. Alte Verpflichtungen der früheren privaten chochl'ahn-Gefellfchaft muß die jetzig« Berliner Verkehrs-Gef ellschaft er- sülien, wohingegen bei der Uebcrnahm« der Biirgjchast durch die Stadt die BVG. entlastet worden wäre.— Die Nationalsozialisten, die am letzten Donnerstag erklärt Ixitten, sich an den Beratungen der Stadtverordneten nicht mehr zu beteiligen und dann demon- strativ den Saal verließen, waren gestern wieder fromm und bieder auf ihren Plätzen. Was ihr Redner— fi« schickten immer denselben vor— mitzuraten hatte, blieb allen ein Rätsel: der Mann erregte stürmische Heiterkeit. « Zu Beginn der Sitzung gab es zunächst wieder den üblichen Strauß kommun ist, scher und nationalfozialisti- scher Dringlichkeitsanträge. Beide Fraktionen hatten sich die Berliner D e r k e h r s- A.- G. vorgenoinmen; so pro- testierten die Nazis gegen die Entlassungen, weil sie„nach politischen Gesichtspunkten" vorgenommen seien. Die sofortige Zurücknahme wurde gefordert. In dem kommunistischen Antrag wird die Auf- bebung der BVG. als Aktiengesellschaft und die Fortführung als Kämmereibetrieb der Stadt verlangt. Man forderte weiter, alle „arbeiterfeindlichen" Arbeiter, Angestellten und Direktoren zu ent- lassen, den Siebenstundentag mit vollem Lohnausgleich einzuführen und ein« Revidierung der Tarife mit dein Ziele der 5>erabsetzung der Fahrpreise vorzunehmen. Für einen großen Teil der Berliner Beuälkeruiig wurde außerdem freie Fahrt auf allen Verkehrsmitteln verlangt.— Diese Anträge und die bereits auf der Tagesordnung stehenden, die sich ebenfalls mit der BVG. befassen, wurden olle ohne Debatte einem Ausschuß überwiesen. In einem Antrag, in dem die Nationalsozialisten g-gen dos Borgehen der Preußenregierung gegen Beamte, die staatsfeindlichen Parteien angehören, Protest erhoben, st e l l t e n die Nazis fest, daß sie eine Aendenrng der Staatsverfassung nur auf verfassungsmäßigem Wege erstrebten. Die Mehrheit der Versammlung nahm das entsprechend zur Kenntnis. Eine sehr lange Debatte gab es über die Errichtung einer Deufparkasse bei der Sladlbank. Stadt». Weinberg(Soz.) betonte, daß die sozialdemokratische Fraktion der Berlage durchaus skeptisch gegenüberstände, da nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung, der sich in sehr fester Stellung mit entsprechendem Einkommen befinden müßte, an solcher Bau- sparkasse inieresstert wäre. Jährlich etwa lOÜlZ Mark bis -ur Auszahlung der Garantiesumme zu sparen und schließlich nach der Errichtung eines Eigenheims weiter jährlich 1400 Mark auszubringen. sei mär sehr wenigen möglich. Aus diesen Gründen hätten "seinerzeit—". auch die freien Gewerkschaften die Errichtung solcher Lau- sparkassen abgelehnt. Wenn die sozialdemokratische Fraktion trotzdem der Vorlage zu- stimme, so nur aus dem Grund«, um das Publikum abzulzalten, ihre sauererwarbcnen Gelder bei de» vielen privaten Bau' sparkassen, die gegenwärtig ohne jede behördliche Kontrolle arbeiteten, anzulegen. Die privaten Kassen nehmen bedenkenlos jeden als Sparer an, auch wenn er nach leiner ganzen materiellen Lage nie in den Genuß eines Eigenheims kommen kann. Ein großer Zusammenbruch, wie wir ihn in der letzten Zeit bei vielen privaten Bankinstituten erlebt haben, fei durchaus nicht unmöglich. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Stadto. Tresserl(Z.) lehnte die Vorlage ab, ebenso die Kommunisten und die Na-is.?n der Abstimmung wurde der E r r i ch t u n g einer st ä.d t i s ch e n B a u' spar lasse mit der Maßgabe zugestimmt, daß sie nicht der Stadtbank, sondern der Städtischen Sparkasse ange- gliedert wird. Abgelehnt wurde eine Vorlage des Magistrats, die der Reichs- nnstolt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleintindersterblichkeit in Charlottcnburg eine Beihilfe gewähren wollte. Stadtv. Dr. käte Jrankenthal lSoz.) lehnte die Vorlage deswegen ab, weil, an der Reichsanstolt in erheblichem Umfange medizinische Erperiment an Säuglingen und Kindern vorgenommen würden und weil die Leitung der Anstalt gegenüber dem Haupt- gesirndheitsarnt nicht das crscrderlichc Maß von Loyalität aus- gebracht habe. Die Rednerin bemerkte, daß es merkwürdig sei, daß der k o m m u n i st i s ch c S t a d t a r- t Dr. S ch m i n k e in Neu- kölln im Ausschuß für die Vorlage eingetreten sei, daß aber die kommunistische Stadtverordnetenfraltion im Plenum umfalle. Auf einen kommunistischen Zuruf hin: Sie sind ja immer gegen Dr. Schminke, das haben wir bei den Diphtheritisunterstichamaen in Neukölln gemerkt, erklärte Genossin Frankenthal, daß sie sich gegen diese und ähnliche lügenhasten Behauptungen an der dafür geeigneten Stolle zur Wehr setzen werde. Für den Wohnungsbau an der neugebcukcn Dahlemer Unker- grundbahnst recke hatte die frühere 5z o ch b a h n- G e s e l l s ch a f t für eine Häuserbaufirma eine Bürgschaft in 5?öhe von vier Millionen Mark übernommen. Die Berliner Verkehrs-A.-G. hat den Vertrag übernehmen müssen und jetzt forderte die Reichs- Versicherungsanstalt für die Hergabe des Baugeldes die Bürzschaftübernahme durch die Stadt als einer öst'cntlich-rechtlichen Körperschaft. Eine entsprechende Vorlage des Magistrats wurde nach heftigen„Interessenten"-Rede des deutschnationalen Bauunternehmers Zedier mit den Stimmen der Deutschnationalsn, der Nazis und der Kommunisten abgelehnt. Der Erfolg wird sein, daß das Geld seht aus dem privaten Kap talmarki zu einem wesentlich höheren Zinssatz beschafft werden wird und daß die BVG. die volle Büraschaft für vier Millionen Mari übernehmen muß, während die Stadt nur für 3'A Millionen eintreten sollte. Eine ganze Reihe von Borlogen wurde ohne Debatte vor- abschiedet. Bei einer Vorlage, die Mittel für die Instandsetzung des jetzt geschlossenen Ratskellers zum Zwecks der Wiederoerpachtung forderte, verlangten die Kommunisten, daß der Ratskeller durch die Stadt betrieben und daß Sveissn und Getränke zu Selbstkostenpreisen abgegeben würden. Die Vorlage wurde nach den Wünschen des Magistrats angenommen. Die Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wegen eines Reichsoerichtsurteils in einer Grundstücksanzeleger.heit brachte zur vorgerückten Stunde noch eine sehr lange Debatte, in der nach juristi- schen Ausführungen vieler Stadtverordneter auch Stadtbaurat Dr. Wagner(Soz.) mehrmals sprach. Einem Grundstücksbesitzer in Wannsee war durch die Festlegung des Fluchtlinienplones der Wert feines Grundstückes sehr stark beschnitten worden und er hatte»in obsiegendes.Reichsgerichtsurteil nach der Richtung erzielt, daß die Stadt shfli zu enlfchädigen habe. Sladtverordneter Weinbera lSoz.) behandelte die Frage grundsätzlich, und er stellte schließlich sest, daß solch« Reichsgerichtsurteile einfach unhaltbar wären. Die Stadt laufe Gefahr, Hunderte von Millionen für Ent- schädigungen bezahlen-ju müssen. Rur eine rcichsgesctzliche Notverordnung könne hier helfen. Stadtbaurat Wagner meinte, die juristisch« Konstruktion des Urteils im Gegensatz zu den Erforder- nissen schlechthin stände.____ Obst- und Gemüseousslellung in Biesdorf. In Berlin-Biesdars veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein anläßlich' seines ZSjährigen Bestehens am Sonntag, dem 28. und Montag, dem 20. Sep.ember d. I.«ine Ju b i l ä u m s- Obst- und Gemiifeaus- stellung in sämtlichen Sälen von Biesdors-Nord. Die Ausstellung ist an beiden Tagen von 13 bis 20 Uhr geöffnet. S/fiJOAlR LEWIS a tätamm mwE 4. Drei Stunden nachdem Una in New Nork angekommen war, rief sie den Gegenstand ihrer heimlichen kommerziellen Neigung, den nichtsahnenden Herrn Robert Sidney im Büro der White-Line Hotels an. Sie war so aufgeregt, daß sie zehn Winten brauchte, um sich zu beruhigen, ehe sie im- stände war, zu telephonieren. So oft sie den Hörer abhob, hing sie ihn wieder an und bat im Geiste das Telephon- fräulein um Entschuldigung. Doch als sie endlich mit dem Büro verbunden war und Herrn Bob Sidncys heisere Stimme rufen hörte:„Iaa? Hier Robert Sidney", war Una wider ganz ruhig. „Hier Ftzau Schwirtz, Vertreterin von Truax u. �Fein. Ich habe chen Pennsylvanien beretst und bin in Ihren White-Line-Hotels abgestiegen. Natürlich bin ich, was Unter- kunst anbelangt, in mancher Beziehung Fachmann, und da Hab' ich mir einiges über Ihre Hotels notiert— einige Vorschläge, die vielleicht für Sie von Interesse wären. Wenn Sie wollen, könnten wir morgen zusammen Mittag essen, vnd ich erzähl' Ihnen die Dinge bei dieser Gelegenheit." „Ja, hm— ja.. „Ich bin natürlich sehr beschäftigt mit unserem neuen Long Island-Projekt', wenn Sie also morgen keine Zeit baden, so mußten wir die Sache aufschieben, aber ich dachte, e? wäre doch besser, wenn Sie die Vorschläge hören, solange mir die Sache noch gut in Erinnerung tst. Aber vielleicht können mir für übernächste Woche etwas verabreden, wenn..." „Nein, nein, lasten wir es bei morgen." „Gut also. Wollen Sie mich bitte hier abholen— Truar u. Fein, Zodiacgebäude?" Una stand am nächsten Tag um sechs Uhr dreißig auf. um sich für die Rolle der großen Geschäftsfrau anzukleiden, Md eh« sie ins Büro ging, ließ sie sich das Haar wellen. Herr Bob Sidney holte sie ab. Er war ein schlichter, energischer Mensch, den Hut tief hinten im Nacken, ver- gnügt, glattrasiert, mit breitem Kinn und schallender Stimme, und er drehte schnell und ununterbrochen eine ab- gekaute Zigarre zwischen den Fingern. Sic, die durchaus Alltägliche, schien im Vergleich zu Herrn Sidney hochentwickelt, und es lag nichts Nervöses in ihrem Gehaben, als sie in einem Zwanzig-Dollar-5)ut aus dem Hause schritt und gleichgültig bemerkte:„Gehen wir vielleicht ins Waldorf— es ist ganz nett dort und gar nicht schlecht." Auf dem Wege dahin massierte sich Herr Sidney gerade- zu den Kopf mit seinem Hut— bald drückte er ihn über das eine Auge nieder, dann schob er ihn wieder zurück auf den Scheitel—, mährend er sich herauszufinden bemühte, wer und was und warum Frau Una Schwirtz sei. Er hörte nicht auf, sie abzuschätzen. Es war klar, daß er ausfindig machen wollte, ob dieser geheimnisvolle telephonische Anruf von einer heiratslustige Witwe stainme, die von seinen Reizen gehört hatte. Zum Schluß stolperte er noch über da. niedere Gilter vor dem Waldors-Restaurant, rannte in den Wagen- rufer hinein und ließ seine ausgegangene Zigarre fallen. Doch die ganze Zeit über hörte Uno nicht auf, Konversation zu machen über die Schönheit des Frühlings in Pennfyl- vanien. Dank dem Gesichtspuder und der Pracht eines neuen Hutes sah sie völlig kühl und gleichmütig aus. Doch sie mußte immerfort denken:„Niemals könnte ich diese Beatrice-Ioline- Pose Herrn Fein oder Herrn Roß gegenüber ausrecht- erhalten. Arme Una, bei denen würdest du glatt heraus-' platzen, daß du eine Stelle hoben willst!" Sie segelte auf einen Ecktisch beim Fenster zu. Der Kellner reichte Herrn Sidney die Speisekarte, doch sie streckte ihre Hand danach aus.„Dieses Mittagesten ist meine Ange- legenheit. Ich bin nicht«mfach eine Frau, sondern«ine Gesckästssrau," sagte sie zu Herrn Sidney und bestellte schnell ein Mittagesten, das frech einem Esten nachgeahmt war, das Herrn Fein einmal für sie bestellt hatte. „Hübsch heiß für einen ApriUag, nicht?" meinte Herr Sidney. �„ „Ja... sind Sie zufrieden mit der White-Lmc? „Tja! Das Geschäft geht nicht schlecht!" „Sie haben Zlerger gehabt mit Ihrem Tagesportier in Brockenfelt, wie ich hörte." „Ja, woher wissen Sie das?" Die Voruntersuchung gegen Küricn. 'tö Mordsälle werden untersucht. Düsselbors, 23. Septem G-r. Zur Richtigstellung der in der Presse verbreltelcn, aber öom„Vorwärts" nicht veröffentlichten Nachrichten über den Stand der Voruntersuchung in der Word- fache Kürlen wird milgcleil», daß die vorunkcrsuchung in den Zöllen des vollendeten Mordes an der Hahn, Lenzen. Hamacher. Reuter. Dörrier. Alber- mann und des versuchten Mordes an der Schulte, Soldhausen, Mantel, karnblum, M e u r e r s und W a nd e r s vorbehaltlich des noch ausstehenden Gut- achtens der Irrenärzte abgeschlossen ist. Die Untersuchung wegen des versuchten Mordes an der Aran Sühn und des vollendeten Mordes an dem Invaliden Scheer, der kleinen Ohlinger und der E h r i st i n a klein in Mülheim cm Rheiy ist im Gange. Zwischendurch wurden und werden zahlreiche Fälle des ver- suchten Mordes und der Brandstiftung geprüft, um ein möglichst klares Bild von der Persönlichkeit des Angeschuldigten zu gewinnen. Es ist jedoch nicht beabsichtigt, auch dies- Fälle zur Anklageerhebung vorzubereiten, weil sie gegenüber den oben namentlich erwähnten Derbrechen von minderer Bedeutung sind (8 134). Ueber den Zeitpunkt des Schlusses der Vor- Untersuchung kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden, weil die im hiesigen Gefängnis begonnene vorläufige Unter- suchung des Angeschuldigten auf seinen Geisteszustand, der sich eine längerdauernd« Beobachtung in einer Irrenanstalt an- schließen soll, noch nicht beendet ist. Es wird jedoch mit einem Ab- schluß der gerichtlichen Voruntersuchung im Dezember d. I. gerechnet. Ueber Zeit und Ort der 5>aupto?rhandlung ist noch nichts bekannt. Llm die Neuköllner Großhandelsgefellschafi. Boiqs zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Betrügereien bei der Neuköllner Groß- handelsgesellschasi waren Gegenstand eines Pro- zesses, der vor dem Neuköllner Schöffengericht g-gen den Geschäftsführer Siadtoberinfpektor a. D. B o i g s durchgeführt wurde.' Bereits im Dezember vorigen Jahres waren di« Leiter dieses aufgelösten Kommunalbetriebes von dem Gericht verurteilt worden, weil-sie bei der Festsetzung der Tantiemen und Auf- wandsentschädigungen Betrug verübt hatten. Bei diesem Prozeß ergab es sich, daß der jetzt angeklagte Geschästsführer Bürgschaften für die Gesellschaft besorgt hotte und sich dafür über- mäßig hohe Provisionen a-uszahlle. Di« Neuköllner Groß- Handelsgesellschaft war im Jahre 1019 zu dem Zweck gegründet worden, die aus dem Krieg stammenden Lebensmittel zu verwerten und abzusetzen. Di« Gesellschaft hatte zunächst einen recht guten Geschästsstand und schloß am 1. Januar 1924 ihre erste Goldmorl- bilanz mit einem Kapitalbestand von 250 000 Mark ab. Infolge der Senkung der Lebcnsmitte'prcise im Frühjahr 1024 und durch das Verschulden der Leitung dieser Gesellschaft war der Betrieb bis zum Ende des gleichen Jahres zu einem Defizit- betriebe heruntergewirtschaftet und wurde im Februar 1025 ausgelöst. Der Geschäftsführer Boigs besorgt« mehr- sach für die Gesellschaft Geld, und zwar mit Bürgschaften ver- schiedener Banken und berechnet« sich außer erheblichen Zinsen noch VA Proz. Provision pro Monat. Bei der Zeugenvernehmung gab der Bücherrevisor L a ch in a n n an, daß er bei der Nachprüfung der Bücher fest- gestellt habe, daß kleinere Beträge auch an Bürgermeister Scholz und Stadtrat Radke ausgezahlt worden feien. Bürgermeister Scholz erklärt« uns auf Anfrag«, da� er nie Beträge entnommen habe, ohne berechtigt gewesen zu sein, und daß es sich auch höchstens „Ach—" Sie lächelte bloß. „Na, der Kerl ist ein Hochstapler. Er ist vom Neu- Willard zu uns gekommen, und wenn'man ihn reden hört, glaubt man, daß er das ganze Willard regiert hat. Aber er ist nur ein Eindrucksschinder, sonst nichts. Ich muß immer denken— nein, das vergess' ich nie— wie ich einmal in Boston war, bin ich mit einem Nigger-Portier zusammen- gekommen, und der hat mir erzählt, daß er ein Freund des Präsidenten der Pullmann-Gesellschaft sei und ihn dazu be- wogen habe, Stahlwaggons einzuführen. Ich wette meinen Kopf, er hat es selbst geglaubt. So sind diese Leute. Der muß den Laufpaß bekommen... Ra, ich hoffe, Sie sind nicht befreundet mit ihm?" Una erwiderte:> „Keine Spur. Er soll nur fliegen. Er wies mir ein Zimmer an, als wäre er Oberaufseher eines Obdach- lofenasyls."' „Aber es ist so schwer, gutgeschultes Personal zu be- kommen, daß ich es mir sogar überlege, di e s e n Menschen wegzuschicken. Nur um Ihnen zu erklären, wie die Dinge stehen: wissen Sie. gerade in dem Augenblick, wo ich damit beschäftigt mar, für ein neues Hotel abzuschließen, mußte ich die Verhandlungen abbrechen und mich hinstellen, um in Sandsonville selber ein paar Stubenmädchen abzurichten. Sie wären vor Lachen gestorben, wenn Sie gesehen hätten, wie ich selber die Betten gemacht und diesen Gänsen gezeigt habe, wie man— mit Verlaub zu sagen— einen Spucknapf reinigt: das war wirklich«in Theater, zum Teufel! Ich weiß, daß so«in Geschäftsreisender Wert darauf legt, daß die Bettdecke am Fußende ordentlich ins Leintuch ein- geschlagen ist! Ja, es ist eine schwere Sache. Die Gäste schimpfen, wenn man sie schlecht bedient, und das Personal schimpft, wenn man ordentliche Bedienung verlangt. u�> zum Schluß geht's auf den Hotelier aus, der von beiden Seiten alles hinunterschlucken muß." � „Nun, ich will Ihnen sagen, wie wie sich geschultes Ver- sonal verschaffen können, und wie Sie es anstellen müssen, um Ihre Hotels über das durchschnittlich« Niveau zu heben. Ihre Hotels sind im allgemeinen recht gut, und Sie geben den Leuten wirklich guten Kaffee und gute Betten und ge- wissen Kredit, so wie Sie- versprechen, aber sonst sind ihre Hotels nicht mehr als durchschnittlich. Ich werde Ihnen sagen, wie Sie's machen müssen, um das zu erreichen." (Fortsetzung folgt.) um kleinere Beträge als Erstattung von Unkosten handeln könnte. Das Gericht oerurteilte den Angeklagten Boigs zu einer Gefängnis- strafe von sechs Monaten. Ein InvaU'pe schreibt... Früher kamen Invaliden ins Gefängnis und Arbeitshaus Zur Reichstagswahl sind der Redaktion aus allen Berufsständen und Beoölkerungsgruppen so viele Aufforderungen an die engeren Berufsangehörigen zur Wahlbeteiligung zugegangen, daß es un- möglich war, allen Raum zu gewähren. Bei der Durchsicht finden wir auch das Schreiben eines Kriegs- und Arbeits- invaliden, das in seiner schlichten natürlichen Ehrlichkeit so ergreifend ist, daß es über die Wahl hinaus Bedeutung behält. Eindringlich schildert es in wenigen Worten die erbärmlichen Verhält- nisse des kaiserlichen Deutschland. Der Invalide schreibt: Ihr Arbeitsinvaliden, ehe es eine Sozialversicherung gab, waren unsere Leidensgenossen aus die Armenunlerstützung an- gewiesen. Durch deren Bezug wurden sie a l fe r p o l i t i s ch e n Rechte beraubt. Kein Wahlrecht durften sie ausüben. Er- wischte man sie beim Vetteln, dann trat eine„Fürsorge" in Kraft, durch die sie ins Gefängnis, Arbeits- oder Armen- haus�g est eckt und dadurch auch der Freiheit beraubt wurden. Wer gab diesen Opsern die Freiheit wieder? Wer machte sie zum gleichberechtigten Bürger? Wer sorgte dafür, daß auch alle Wohlfahrtsempfänger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen können? Einzig und allein die Sozialdemokratie. Ihr Kriegsinvaliden denkt an die schönen Versprechungen die euch vom alten Regime gemacht wurden! Die Prosen vom„Dank des Vaterlandes" und von der„ausreichenden Versorgung" habt ihr oft bitter durchkosten müssen. Ist es da nicht erstaunlich, daß trotz der schweren Wunden, die der Weltkrieg hinterlassen hat, verbreche- rische Menschen zu neuem, noch schlimmerem Unglück rüsten. Ihr aber wollt:„Nie wieder Krieg!" und tretet mit der Sozial- demokratie für Völkerverständigung und Völkerfrieden ein. Sie ist die Partei, die in zähem Kampf Schritt für Schritt für eure Forderungen im Parlament eintrat und alle Kräfte einsetzt, um das zu erreichen, was nur irgend unter den obwaltenden Umständen zu erreichen möglich war. Die Sozialdemokratie ist und bleibt die Partei, die volles Verständnis für die wirtschaftlich Schwachen hat und dafür eintritt, daß alle ein menschenwürdiges Dasein führen können. Die Arbeitsinvaliden ins Arbeitshaus, die Kriegsinvaliden mit dem Leierkasten auf die Straße, ihre Söhne zur Zwangsarbeit auf die Güter und in die Industriehöhlen, ihre Töchter der Prostitution überantwortet, das wäre die Folge, wenn die Nazis ans Ruder kämen. Zweimal die gleichen Girls. Feindliche Brüder vor Gericht. Der nüchterne Saal dev Landgerichts I, in dem die Arheberrechtskammer tagt, wurde gestern durch die Tanzbeine von 18 Jackson- Girls anmutig belebt, die gekommen waren, um mit ihrem Tanzmeister Alfred Jackson gegen die Nachahmung ihrer Tänze durch die Truppe des Bruders Herbert Jackson zu protestieren. Velde Balletts gastieren bekannllich augenblicklich in Berlin, die einen in der S c a l a, die anderen zm Zirkus Busch. Alfred hatte gegen seinen Bruder Herbert eine einstweilige Verfügung erwirkt, die diesem bei einer Buße von 10 000 M. untersagte, durch seine Truppe die von Alfred erfundenen Tänze aufführen zu lassen. In der mündlichen Verhandlung, die gestern auf Antrag von Herbert Jackson stattfand, ging es recht lebhaft zu, weil die Alfred-Iackfon-Girls von ihren Zungen so ausgiebigen Gebrauch machten, wie abends auf der Bühne von ihren Beinen, so daß sich Landgerichtsdirektor Weigert energisch Ruhe ausbitten mußte. Die Kammer hob schließlich die einstweilige Verfügung gegen Herbert Jackson wieder auf, da der Vorwurf, es handele sich um eine genaue Nachahmung der Tänze des Alfred-Jackfon-Ballets, nicht genügend glaubhaft g« macht werden konnte. Schwierigkeiten öes Verufsschulunterrichts. Zum Todesfall in der S. Berufsschule. Wir berichteten kürzlich in einem Beitrag:„Ein Opfer der Rekordsucht" über den Tod des Friseurlehrlings Johannes Spiachalski. Bekanntlich kam Sp. während des Turnunterrichts in der 6. Berufsschule ums Leben. Nachträglich erfahren wir noch einen merkwürdigen Umstand. Während Spiachalski die für ihn verhängnisvollen Klimmzüge macht«, zer- splittert« das Hornplättchen seines Kragenknopfes und die Metall- spitze des Knopfes drang ihm in die Gurgel. Dieser unglückliche Umstand dürfte zusammen mit einer Herzschwäche den Tod des Lehrlings herbeigeführt haben. Der junge Spiachalski wird uns von seinen Lehrern als ein lebenslustiger, lebendiger Bursche geschildert, dessen Vater allerdings mit 36 Jahren auch schon einem Herzschlag erlegen war. Weiter wird von den Lehrern darauf hingewiesen, daß in dieser Berufsschule, in der Friseure, Schneider und Kürschner unterrichtet werden, der Turnunterricht oft- mals nur mit Schwierigkeiten durchzuführen ist. Schneider» und Friiseurlehrling« sini) nicht gerade von dem kräftigsten Körperbau und so kommt es, daß zum Beispiel Lauf- Übungen fast nicht durchzuführen sind, weil ein Teil der Schüler erklärt, dies nicht auszuhalten. Uebrigens werden viele Lehrlinge m ihrer Abneigung gegen den Turnunterricht von ihren Meistern unterstützt, die betonen, zum Frisieren oder Schneidern brauch« man nicht turnen zu können. Die Friseure und Schneider müssen eine leichte Hand haben. Die Turnlehrer haben also einen schweren Stand, ihr vorgeschriebenes Pensum durchzuführen. Es scheint ober auch uns abwegig zu fein, von schwächlichen Schneider- und Friseurlehrlingen dieselben turnerischen Leistungen verlangen zu wollen wie von kräftigen Schmiede- oder Maurerlehrlingen. Hinzu kommt, daß die politischen Ereignisse an den im Berufsleben stehenden jungen Menschen durchaus nicht spurlos vorübergehen. „Schülerzeitungen" der radikalen Parteien sorgen weiter für eine erhebliche Erregung der im Pubertätsalter stehenden Lehrlinge, wodurch sich die Disziplin lockert. So mußte der Direktor der Schule an'einem Tage nicht weniger als dreimal das Ueberfallkommando alarmieren s!), weil die Schüler aufsässig wurden. Sie hatten während der Pause das Schulze bau de verlasien und hielten sich, teils rauchend, auf der Straße auf. Als sie anfgesordert wurden, wieder in die Schule zu kommen, holten sie sich aus einem kommunistischen Parteilokal Verstärkung,, drangen zusammen mit den Erwachsenen in die Schule«in und begannen die Bücher aus den Fenstern zu werfen. Ein andernml wollten aufgehetzte Schüler die Mädchen, die abends als Frisiermodelle in die Schule kommen, verpriigeln.�so daß sich die Modelle weigerten, in der „Ali" und die andere«. Zwischenbilanz zum Wessel-Prozeß. mit der Vernehmung des Hauplangeklagken Alb recht fAli) h ö h l e r hat der Wessel-Prozeß seinen Höhepunkt überschritten. Gleichzeitig steht die Tal in ihren Grundzügen fest. Von der im Karl-Liebknecht-Haus ausgebrüteten Ente mit dem„Eifersuchtsdrama zweier Zuhälter" spricht kein Mensch mehr. Das heißt, über ihre Beziehungen zu Horst Wessel wird sich Fräulein Erna Zaenicke erst noch äußern müssen. Aber Ali H ö h l e r? Wenn er wirklich der„Immertreu"- Mann wäre und er hätte mit Horst Wessel etwas auszumachen gehabt, brauchte er dazu etwa zwei Bereitschaften der Sturm- abteilung Mitte des verbotenen Roten Frontkämpfer-Bundes in Bewegung setzen? Er hätte es allein oder in Gesellschaft seines Freundes Erwin Rückert auch zuwege gebracht. Ins Rollen kam der Stein vielmehr durch den verhängnisvollen Weg der Frau Salm zu dem Kommunistenlokal von Baer. Man nahm hier nur nicht an, daß die„proletarische Abreibung", die man dem Wessel zugedacht hatte, mit einem Verfahren wegen Totschlags vor dem Moabiter Schwurgericht enden würde. Sicher weiß der An- geklagte Josef Kandulski heute noch nicht, wie er zu der ganzen Sache kam, ebensowenig Frau Schmidt und ihre jugendliche Tochter. Di« Angeklagten sind nicht unsere Freunde. Was sie im Gerichtssaal, allen voran Herr Kupferstein, an Schmutzkübeln über den„Vorwärts" ausgießen konnten, haben sie getan. Wir nehmen es leicht. Trotzdem bleibt das eine: H ö h l e r wie Rückert der letztere hat seit seiner Schulentlassung mehr Für- sorg«, Gefängnis und Zuchthaus gesehen als Freiheit— stehen zur Kommunistischen Partei, deren Funktionäre sie waren, obwohl sie die kommunistische Presse als Strolche abschütteln wollte. Obwohl Höhler und Rückert zusehen mußten, wie der Rote-Hilfe-Schmidt, zu dem sie geflüchtet waren, früh- morgens um 4 Uhr betrunken nach Hause kam, ohne sich um die beiden zu kümmern. Sie stehen zu ihrer Partei, trotzdem man Höhler in Prag betteln ließ, oder ihn gar beseitigen wollt«! Trotzdem man zu Rückert sagte, als er die Apparatschiks flehentlich um Hilfe bat:„Ich weiß gar nicht, was Sie wollen, Sie können doch ruhig in Ihre Wohnung gehen!" Bleibt der Herr Kupfer stein, der politische Kanonier der KPD. im Wessel-Prozeß, zur Zeit der Tat Führer des Sturmtrupps Mitte.„Plötzlich ersaßt ihn,— seiner theoretischen Bildung nach ist er sehr schwach, in kleiner Ambition aber etwas stark—, ber Schwindel. Er will sich auf Kosten der Kommunisten als der große Mann gerieren. Er will nicht nur platterdings freikommen, sondern auch die Lorbeeren des Prozesses persönlich ausbeuten." Diese Worte wurden 18S2 geschrieben, kurz nach dem Kölner Kommunisten- prozeß, geschrieben hat sie K a rl M a rx an Weydemeyer, gemünzt waren sie auf den„roten Becker", und aus Herrn Kupferftein passen sie vortrefflich. Das ist eben der kapitale Fehler, in dem sich Herr Kupferstein befindet: er verwechselt die Mulackstratze mit dem um seine Befreiung ringenden Proletariat. Heute beginnen die Zeugenvernehmungen. Schule zu bleiben. Unter diesen Umständen erklärt die Lehrer- schast, auf gelegentliche, auch schärfere Strafen nicht verzichten zu können. Das Hauptübel sind die maßlos hetzenden „Schülerzeitungen" der radikalen Parteien. Es ist sofort an der gelockerten Disziplin der Schüler zu beobachten, wann wieder eine Auflage dieser Hetzblätter oerteilt wurde. Wir werden noch gebeten, darauf hinzuweisen, daß bei dem Turnlehrer Althaus der Todesfall nicht vorgekommen ist, sondern bei einem anderen Lehrer. Herr Althaus hatte zu der betreffenden Stunde gar keinen Dienst. Wir bedauern, in seinem Fall falsch informiert worden zu sein. Das Sch ulgebäude selbst befindet sich leider, wie wir schon berichteten, in einem außerordentlich schlechten Zustand. Es ist zu hosten, daß die Schule demnächst in ein würdiges Gebäude übersiedelt. Zigeuner üben Lynchjustiz. Verbrennen einen Hirtenknaben auf Scheiterhaufen. Madrid, 23. September. In der spanischen Provinz A l m e r i a überfielen zwei Zigeuner einen vierzehnjährigen Hirten, fesselten ihn und warfen ihn auf einen schnell errichteten Scheiterhaufen. Der Knabe verbranntebei lebendigem Leibe. Der Grund zu dieser abscheulichen Tat hat darin bestanden, daß der Hirten- knabe die Zigeuner beim Vogelfangen gestört hat. Abschied von Robert Wengels. Das, was an Robert Wengels vergänglich ist, wurde gestern, an dem Tage, an dem unser alter Kampfgenosse 7 9 Jahre a l t geworden wäre, auf dem Zentralfriedhof von Friedrichsfelde beigesetzt. Die Asche des toten Streiters ruht in der Reihe jener historischen Gräber, die uns die Namen seiner Freunde, unserer großen Vorkämpfer, Paul Singer, Wilhelm Liebknecht, Ignaz Auer, die Namen von M o l t e n b u h r, Luise Z ie tz, Paul Ha ose und Fritz Z ub eil zeigen. Die rote Fahne der Sozialdemokratie schwarzbehängt, rote Nelken, rote Rosen in der Hand, gingen die Verwandten, die Freunde des Toten hinter dkr Urne, alte Parteiveteranen zumeist, die um so stärker die Wirkung der schönen Abschiedsworte spürten, die Genosse Otto Büchner sprach. Hatten doch diese Frauen und Männer selbst noch die schwere Zeit des Kampfes miterlebt, da unter dem Sozialistengesetz Robert Wengels der Vertrauensmann der Berliner Genossen war!„Damals war es schwer," sagte Genosse Büchner,„sich zur Sozialdemokratie zu bekennen. Noch schwerer aber war es, ein Werber für die Sozialdemokratie in den Zeiten der Verfolgung zu sein. Ein warmes, schlagendes, mit- fühlendes, die Nöte der anderen voll erfassendes Herz schlug unserm Robert Wengels unter einer rauhen Schale. Das war das Schön« an ihm, daß er sein Leben lang nur eins kannte, nur eins sich zum Ziel gesetzt hatte: Den Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse. Jetzt ruhen seine Reste neben seinen Freunden! Die deutsche und vornehmlich aber die Berliner Sozial- demokratie wird unseren Robert Wengels nie vergessen." Für die Jüngeren, die der Urne folgten, war die schlichte Feier ein Erlebnis, eine Stunde der Besinnung und des Gelöbnisses. Die Generation von heute und die Generation von morgen werden das Erbe derer, die in Friedrichsfelde schlummern, wahren, schirmen und ausbauen!_ Bergrutsch begräbt Arbeiter. Bei Chambon(Ostfronkreich) wurde eine Arbeiterkolonn« von einem Bergrutsch überrascht und unter den Felsmossen begroben. Keiner von den Verunglückten konnte sich retten. Bisher gelang es, einen Toten und drei Schwerverletzte zu bergen. „Tänze für die ältere Jugend" bracht« das Abend- Programm. Die Jugend von heute kann zwar mit dieser Tanzmusik nicht mehr recht etwas anfangen, aber es dürfte genug Funkhörcr geben, die daran ehrliche Freude fanden und die vielleicht vergnügt ein halboergessenes Tänzchen wieder probierten. Also war das Abendprogramm für diesen Teil der Hörerschaft gut und deshalb auch berechtigt, zumal die Kapelle Kermbach flott spielte und Karl Schnog außerordentlich nmüsont konferierte. Alexander Fleßburgs Refraingesang wurde als Rosinen über diesen musikalischen Hans- macherkucyen gestreut.— Der Ozeanflieger von Gronau erzählte im Programm der aktuellen Abteilung sehr anschaulich von seinem Flug. Man ahnt« die überwältigende Fülle von Eindrücken, die die nördliche Landschaft und das Meer, der Blick auf Küsten- strecken und schwimmend« Eisberge und das dämmernde Dahin- gleiten inr Nebel-den�Ftiegern gaben, Tes. Zeppelin in Verlin. Das Luftschiff„Graf Zeppelin", das am Dienstag- nachmittag in Friedrichshafen zu einer zweitägigen Ostfeefahrt auf. gestiegen war, erschien Dienstagabend um lOM Uhr über Berlin und landete glatt auf den Flugplatz Staaken. Nach 11 Uhr erfolgte der Weiterflug in östlicher Richtung. Feuer im russischen Kin». Woskau, 23. September. In dem unweit Minsk gelegenen Dorf Chitino brach im Kinotheater während einer Schülervorstellung ein Brand aus. 27 Personen wurden schwer oerletzt, 43 erlitten leichtere Verletzungen._ Selbstmord einer ganzen Familie. In Köln hat ein Lauf- mann seine Frau, seine 14jährige Tochter und sich selbst durch Gas oergiftet. Schwer« gefchäftliche Röte sollen die Ursache der Tragödie gewesen sein. Sprechchor für Proletarische Feierstunden Donnerstag, den 25. September, 19% Uhr. Uebungsftunde im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstraß« 16— 17. parieinachrichien fürGroß-Berlin stet,»n da» Bezirtisekretaria» Z. Hos, 2 Treppe» recht», zu richte» liuseuduoaeu für dies« RudpU sind », r l i» S««. Ltndrustraße 3. Die Kreisbildungsobleute werben gebeten, die Plane für die Arbeiterbildungsschule vom Büro abzuholen. * l. ftrei» Ritte. Sonnerstog, 25. September, W* Nbr. Eiscuna t-s engeren Vorstandes mit den Abteilungsleitern bei Dobrohlam, Eminemiinder Str. 11. ------ yp 2. ftrei» Tiergarten. Mittmoch. Si. Eepiember. 1« Ubr, Bezirisver- sammlun» des VerwoUunqsbezirts Tiergarten in der Aula des Friedrich. Werder�Spmnastums. Bochumer Str. 8o. Wichtige Tagesordnung. Alle Tenossen und Deiiossinncii werden ersucht, die Bersammlung ,u besuchen. Voranzeige! Achtung! Freitag, 2». September, Uhr. ftremmit. gliedernersaimnlong in den Armininshalle», Bremer Str.. 73. Refrrent Otto Weier, M. b. 2.:.Die Zieichstagswahi»nd dir T-zialdemptratie". WZW 4. ftre!» Prrn, Inner Berg. Freie Schnlgemeind«! Donnerstag. 25. September. 1SV. Uhr, Schule Danziger Str. 23, Mitgliederversammlung. Vortrag be» Soziologen Genossen Prof. Dr. Abramowiisch über„ftultur und ftlassc". AusspraÄ. Schulapgclcgenhciten. Das Erscheinen aller Mtglicdcr ist sehr dringend.— Der Vorstand............ I». ftrei» Pankow. Freitag. 2S. September, pünktlich IS Uhr, ftreisporstands- l!gu»g im grohen SiiiungSsaal des Rathauses Pankow. Pünktlich 20 Ubr ftreisdelegiertinversammlung mit der Fraktion im gleichen Raum. Wicht!« Tagesordnung. Erscheinen dringend notwendig. heule, Mittwoch, 24. September. 3. Abt ISsh Uhr im Nationalhof. Slülowstr. 37, MitgNedrrversammlung. Vortrag:.Die politische Lage nach der Wahl". Referent wird in der«er- sammlunq bekannlgegebcn. 78. Abt. Schölle berg. Die Bczirksführer wrrden gebeten, Sammellisten um- gehend beim Genossen Franke abzurechnen. 83. Abt. Lichterfcld«. 20 Uhr Mitgliederversammlung IN den Lichtcrselder Fest. sälen, Fehlendorfer Str. 5. Vortrag:.Die politische Lage nach ber Wahl. Referent Georg Müller..., 1». Abt. Lichtenberg. 19'/, Uhr Gruppenzahlabcnd im Lokal Landsberger Chaussee 11. Morgen. Donnerstag. 25. September. 31. Abt. 19% Uhr Ritgliederpersanimlung in der Schulaula SchönNicher Straße 7. Vortrag:.Rrichstogswahl und Soziaideinoiratie". Resercnt ftarl Lilie. M. d. R..„ »7. Abt. Reni-lln. Festausschuß trifft ssch 19% Uhr de! ftrllger. Emscr Straße. Rijatgental-Zrpernick. 20 Uhr Mitgliedcrpersammlung bei Mcisel, Bahnhofftraße. Referent Genosse Erich Gierkc:»Was lehrt uns die Rrichsiagswahl". Z rauenveranftaltungen. 5. ftrei» Frirdrichshain. Donnerstag, 25. September, 20 Uhr, bei Krnschel, Memeler Str. 13. F»nktioiii!rinneii(ißunq. 107.«dt. Fallende rg.«l«.GI>-»ila0e|uraiJxiIIcn. werben, axjtf�onx Seewege j unserem. SpejicJsSpcickcm. 5uge|ukrt. �orl reifen, sw hajnn, Jahrelang unter sachrershinhigcr ßeJkcun�IiLngf hieran, kostl/iJim. Gcmiss ai hea KlU'incirft�Varetten�� iimduj; mxjjceAtnii.icfa Sreis MM«: Seute, MMooch. Rotc-ssalken.PollvcrsammIung d«s Zejirk, u» 17� Ulir im Scim Waisciislr. IS.— Gruppe PappclplaK: Eltcrnversannnlung beute vou 18—20 Uhr im beim Elisubethtirchstr. 19. Besprechung der Herbstsahrt. Prenzlau«r Berg: Alle Helfer lommen am Donnerstag, 20 Uhr,»ur ilrcicn Schulgemcinte. Dan/iiger Etr. 2Z(Aula). Portrag:„Kultur und Klasse" von Abramowitfch.— Gruppe Vilto« Adler: Morgen Tanzabend oon 18—20 Uhr Danziger Str. 82. Geburtslage, Jubiläen usw. Da» Ehepaar Bowatscheck, Wilhelm-Stol»e-Str. 8. begeht am heutige» Tage da» Fes» der goldene« Hochzeit. Beide find seit Bestehen de».Vorwärt»" Abonnent und heute noch rührige Parteigenossen. Wir wllusche» ihnen alle» Gute. 54. Abt. Sharlottcnburg. Unserem alten Kämpser und treuen Genosse» Ernst Tost, Helmholgstr. 12, zu seinem heutigen 80. Geburtstage die herzlich» stc» Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation 21. Abt. Unser Genosse Hugo Biermann. Gcrichtstr. 40, ist am 20. September im Alter von 55 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Donnerstag, 25. September, lg'.b Uhr, im Krema- torium Gcrichtstrafie statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 108. Abt. Johannisthal. Unser Genosse Paul klamm. Seinrich.Mirbach» Etrafie 2. ist am 10. September verstorben. Ehre seinem Andenicnl Einäsche» rung Mittwoch, 24. September, 18'/» Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin ' N' l/SS Itnirndunaen für diese Bude» nur an da» Iogendsetretartot * 1\ JM GM«. tiinben grabe J ,Baldur"-Fahrt nach kehin am Sonnabend, 4. Oktober, 10 Uhr, ab Spandau. Teilnehmergebühr Z M.(inkl. zweimal Kaffee, Mittagessen und Uebernachtung. Teilnehmerkarten find noch erhältlich. Einzelkarten sür die Iugendoorstcllnnq in der Volksbühne am 5. Oktober zu »0 Pf. find noch im Sekretariat erhältlich. Gespielt wird»Die Weber", von Eerhart Hauptmann. Strei-borltester Groh-Berliu: Heute lehte Probe für die Jugendweihe um 19% Uhr im Jugendheim See- Ecke Turiner Strohe. heule, ZNillwoch, 19� Uhr. Gesundbru/nnen II: Heim Ehristianiastr. 88:„Faschismus, Kommunismus und Sozialismus".— Norden: Heim Lorhing- Ecke Draunstrahe:„Rundfunk den Werktätigen".— Wedding: Heim Turiner Ecke Seestrahe:„Tagespolitik".— Hohenschönhausen: Schule Dingelstädtcr Str. 50:„Die Entwicklung der städtischen Betriebe und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft".— Franks» et er Biertel: Keim Frankfurter Allee Z07:„Die Ergebnisse der Reichstagswahl".— Petersburger Biertel: Heim Ebcrtnstr. 12:„Bursche und Mädel in der Gemeinschaft". — Reichenberger Biertel: Heim Briher Str. 27—30:»Die Machtposition der Kirche".— Lindenhof: Jugendheim in der Siedlung:»Sexuelle Fragen".— Eharlottenburg: Heim Rofinenstr. 4: Funktionärfihung.— Eharlottenburg-Rord: Heim Olbersstrahe:»Tagespolitik".— Lankwih: Gcmeindeschnle Echulstrahe: »Von Weimar nach Stambul".— Wannsee: Schule Eharlottenstrahe:»Die Wahl". — Lichtenrade: Heim Roonstrahe: Leiterer Abend.— Tempelhos: Heim GÖH- strafic:„Der neue Reichstag".— Brig: Arbeitsgemeinschaft mit Anna Hartoch, 20 Uhr, im„Hufeisen".— Falkenberg: Heim auf dem Gutshof:„Arbeiterfugend und Nacktkultur".— Friedrichshagcn: Seim Friedrichstr. 87:„Warum Gewerk. fckaften?"— Friedrichs selbe: Heim Guntcrstr. 44:„Einführung in die Wirt. schaftslehre".—«aulsdorf: Schule Adolkstr. 25:„Borkämpfe des Sozialismus".— Lichtcnberg-Mitte: Leim Scharnwederstr. 20:„Der Fllnffahresplan".— Ren- Lichtenberg: Heim Hauffstrahe(Sportplati):„KZI. und SAI."— Lichtenberg. Rorh: Heim Gunterstr. 44:„Einstein und feine Theorie".— Lichtenberg-Rord- rvest: Rathausstrahe, Baracke V; Mitgliederversammlung.— Rnhlsdors: Seim der Siedlung Melanchthonstrahe:.Heinrich Jille"(Lichtbilder).— Lnisenftabt: Heim Wassertorstr. 0:„Der Jugendliche im Etrafrecht". SLG. Renkölln: Heim Dergstr. 20:„Proletarische Dichtung". Werbebeziri Prenzlauer Berg(Tambourkapelle): Besprechung der Danzig. fahrt. Treffpunkt 19% Uhr Danziger Ecke Greifswalber Strasse. Genossen, die mitfahren wollen, können fich noch melden. Unkosten 14,50 M.— Die Rot« Rotte übt im Heim Sonnenburger Str. 20.— Die Wanderleiter müssen bis spätestens Freitag die Fahl der Genossen für die Treffahrt nach Brieselang beim Genossen Krummnow, Gleimstr. 81, melden.— Freitag, 20 Uhr, W.-B.-Bor- sissendenkonferenz. Werbebezirk Revkölln: lleben des Sprechchors im grossen Saal Keim kanner Strasse zur Iubilarfeier der 92. Abt. Alle Genossen müssen erscheinen. Ab- rechnungen aller Art sind in der Fett zwischen 18 und IS Uhr im Parteibüro vorzunehmen._ Doriräge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". »ef»S»t«st«lI»:«erlin S 14. Sebastiauftr«?-«. Ho! S.«r. Tempelhof, Kameradschaft Mariendorf: Mittwoch, 24. September, 20 Uhr, kameradschaftsfissung bei Ma-Li, Ehausscestrasse.— Wilmer». dors(Ortsvercin): Donnerstag, 25. September, 20 Uhr, Kameradschaitsabend bei kulka. Lauenburger Str. 21.— Tempelhok, Kameradschaft Lichtenrade: Freitag, 28. September, 20 Uhr. Eihung bei Rohrmanei.— Sermodorf(Kamerad. schvft): Freitag, 26. September, 20 Uhr, Borstandsfissunq bei Okrent. Berliner Ecke Bahnhofstrasse.— Weddingt Donnerstag. 25. September, erweiterte Bor. standsfissung bei Reusscr. See. Ecke Malplaguetstr-ssc.— Prenzlauer Berg, Jung. banner und Sportler: Mittwoch. 24. September, 20 Uhr, llebungsabend in der Turnhalle Dreifenhagener Strosse._ Arbeiter. Samariker-Vund, Kolonne Berlin. Scfchäftsstcllc: R. 24. Gr. Kamburger Str. 2g. Tel.: v 1 Norden 834«. Am Dienstag, 30. September, Jugcntversammlung in der Ge. schäfts stelle, Beginn 20 Uhr. Allgemeine Wetterlage. lieber MiiteKurofW hat sich i«tzt ei» Hochdruckgebiet«ingestellt, das sich von Spanien bis nach Noodtvestrusiland erstreckt. In der östlichen HAfte Deutschlands ist das Wetter bedeutend besser g«- worden. Vielfach herrscht am Dienstag abend hier heiterer Himmel. Die Temperaturen tonnten infolge dessen bis auf lg Grad steigen. Im Westen war es vielfach trübe, Di« starke Bewölkung wurde oon warnien Lustniasien hervorgerufen, die am Dienstag bereits dos Wetter in Westeuropa beherrschten. In den nächsten Tagen dürften bei uns südlich« Winde Erwärmung bringen. » wetleraussichken sür Verlin: Noch zeitweise heiter, ain Tage weitere Erwärmung.— Jür Deutschland: In Ostdeutschland vielfach heiter, am Tage wärmer, im übrigen Reiche wolkig, strichweise Regen, ansteigend« Temperatur. 3€enny Schumacher: Wenn der 9ians nicht wäre!" ff Hans ist neun Jahr« alt. Aber so klein und schmächtig wie«in Sechsjähriger. Aus seinem blassen Gesichtlein schauen die Augen fragend�ernst in die Welt. Wenn er der Mutter beim Abwaschen helfen will, muß er erst auf eine Fußbank steigen, und das geht lang- sam. Da kommts dann vor, daß Mutter sagt:„Ach, laß nur, ich mach es schon alleine, das geht schneller.* Dann fliegt ein Schotten über Hansens Gesicht— er kommt sich überflüssig vor. Und dabei hat Mutter es so nötig, daß ihr geholfen wird. Denn Mutter ist krank. Immer hustet sie. Besonders nachts. Dann wacht Hans auf.„Soll ich dir Wasser holen?* fragt er mit seinem dünnen Stimmchen.„Danke, mein Junge: och nein, das hilft ja doch nichts. „Mutti,* fragt Hans nach einer Weil«,„was hilft denn?* Die Mutter stöhnt:„Mir hilft nichts mehr— laß nur.* Sie sagt es mit einer so trostlosen Stimme, daß Hans weinen muß. Aber er will nicht weinen, sonst wird Mutter noch trauriger. Er steckt seinen Kopf tief ins Kiffen und preßt die Lippen fest aufeinander. Und ein Schluchzen geht durch seinen Körper. „Still, Kind,* mahnt die Mutter,„wir wecken den Soter auf. Und Vater muß früh auf Arbeit, du weißt ja.* Hans schluckt und schluckt. Und nun ist er gang still. Mutter denkt, Hans schläft. Nein, Hans schläft nicht. Er liegt mit offenen Augen da und denkt angestrengt nach. Wie war das doch neulich? Da hat Mutter zu Vater gesagt:„Ja, wenn der Hans nicht wär'! Der Lohn langt nicht hin und nicht her. Ein Paar neu« Schuhe muß er auch haben. Und fünf Jahre dauerts noch, bis er selbst verdient!* Hans wollte gerade zur Stube hineinkommen, und so hat er die Worte gehört. Und da hat er die Türklinke wieder fahren lasten und ist auf die Straße gegangen und hat sich an ein Ladenfenster gestellt und getan, als sähe er sich die Auslage an. Und hat doch immer nur denken müssen:„Ja, wenn der Hans nicht wär'l* So liegt er auch jetzt und grübelt: Wenn ich nicht mehr da war', brauchte die Mutler sich nicht so viel zu sorgen, und sie könnt« Milch trinken und Butter essen, wie der Arzt gesagt hat. Er rechnet aus: Für ein Paar Iungenschuhe kriegt man 15, nein, 20 Liter Milch oder 4 Pfund Butter... Und wie er mitten im Rechnen ist schläft er ein... Am anderen Tag hat Hans sein« Not vergesten. Denn in der Ngcht ist Schnee gefallen. Als Hans aus dem kleinen Stubenfenster in den sonst grauen Hof blickt, sieht er große weiß« Flocken schwer zur Erde sinken., Lunge!* ruft er in erwachender Kinderfreud«, „heut' kriegen wir Spatz, heut' machen wir'nen Schneemann!* Er sieht nicht, daß die Mutter noch bekümmerter ist als sonst. Nach der Schule kommt Hans nach Haus gestürmt. Und dann geht's ohne Schulranzen in den Hof, wo der Nachbarsfritz schon auf ihn wartet. Und nun pressen sie den Schnee zusammen und rollen ihn zu einer Kugel, die immer größer wird... Und in die schmalen, blast«« Kindergesichter dringt eine fein« Röte. Nachmittags muß Hans wieder zur Schule. Immer noch fallen die Schneeflocken. Es sieht aus, als komme der grau« Himmel auf die Erde herunter und wolle sie erdrücken. Einen Augenblick fühlt Hans eine Last auf seinen Schultern. Er atmet schwer. Dann ist's vorbei. Und als der Lehrer in der letzten Stunde Märchen erzählt— denn zum Schreiben ist es zu dunkel—, da ist Hans glücklich und meint, bei Frau 5)olle im Himmel zu fein.und er ist es, der die Federbetten schüttelt, daß die Flocken auf der Erde tanzen. Seine Augen glänzen, denn jetzt wird die fleißige Goldmari« unter das Tor geführt, und ein goldener Regen fällt auf sie herab.„Und nun ist sie reich, und alle Not hat ein Ende!* Alle Not hat«in Ende? Hans jährt zusammen— er spürt, wie die Wirklichkeit herangekrochen kommt, eine graue Wand schiebt sich vor, angstvoll weiten sich seine Augen... Zu Haus« steht die Mutter am Waschfaß und müht sich ab, und große Schweißtropfen glänzen auf ihrer Stirn. „Ihr müßt nun fleißig sein,* hat der Lehrer gesagt,„wer fleißig ist, kommt auch im Leben vorwärts.* Hans schüttelt den Kopf— warum kommen denn sein« Eltern niemals vorwärts? Der Vater ist schon da, sie haben um drei Uhr am Bau aufhören mästen.„Wenn's Wetter so fortmacht, gibt's morgen gar keine Arbeit mehr!* Der Vater sagt's bitter. Und die Mutter ist ganz verstört. Hans fühlt etwas Dunkles, Unheimliches, das legt sich auf Brust und Stirn und ist wie ein eisernes Band, das nimmer weggeht. In der Nacht wird Hans wach. Da steht er leise auf und schleicht zum Fenster und sieht mit Entsetzen, daß noch innner die Schnee- flocken schwer und dicht zur Erde sinken. Und dann liegt er wach im Bett und denkt an den morgigen Tag und sieht den Neubau vor sich, an dem der Vater arbeitet, und auf den Ziegelsteinen und auf dem Mörtel liegt der Schnee, und er will ihn mit seinen Händen wegtragen— aber je mehr er sich müht, desto dichter fällt der Schnee, bis er selbst von ihm zugedeckt wird, daß er meint, ersticken zu müssen— da wacht er auf und merkt, daß er alles geträumt hat. Doch daß der Schnee immer weiter vom Himmel fällt, dos hat Hans nicht geträumt. Di« Erde ist weiß. Weiß liegt's auf den Dächern und auf- jedem Fenstersims, und die Schornsteine tragen weiße Kappen. Und was sonst des Jungen Seligkeit war, ist nun fein Herzeleid. Der Vater ist schon fort. Aber zu Mittag sitzt er am Tisch und stiert vor sich hin. Und die Mutter weint leise. Und so ist es nun Tag für Tag. Der Schnee liegt fest. Di« Schlitten fahren mit Schellengeläute durch die Straßen, daß es hell und luftig klingt. Hans hat keine Freude dran. Ihm ist so bang. Und er hat doch nichts Schlechtes getan. Und Dater und Mutter sind freundlich zu ihm. So in ihrer Art. Ohne viele Worte. Und ohne Streicheln. Nur: das Leben ist jo hart! Hans sieht es wohl: alle paar Tage verschwindet ein Stück der Einrichtung, und dann hat Muller etwas Geld in der Hand und geht einkaufen. Aber Hans tut, als jähe er nichts. Nur einmal, als er nach Haus« kommt und sein Fischglas mit den zwei Goldfischen nicht mehr sindet, geht er still beiseite und weint in sich hinein. Täglich geht der Vater zum Arbellsnachweis. Er stellt sich an die Fenster der Zeitungsdruckereien und will der erst« sein, der die freie Stelle liest. Doch da sind Hunderte von Menschen, die ebenso gedacht und gewollt hoben wie er. Und«in Drängen beginnt und ein Stoßen, und dann geht es im Trab durch die Straßen zum Sohlenplatz und zum Kontor, und überall heißt es: Stelle besetzt! Hans fühlt, wie demütigend das sein muß. Daß ein Mensch arbellen will und hoch nicht kann! Und daß viele Menschen Geld haben und doch nicht arbeiten! Nein, das kann Hans nicht b«? greifen. Nur zu Hause— da sind seine Augen hellseherisch ge. worden: er sieht, es geht immer mehr bergab. Di« Mutter wird kränker. Der Husten kommt tiefer aus der Brust und Ningt hohl. Wenn sie nur Mäch haben könnt«, dann würde es wohl bester werden, denkt Hans. Aber die Arbeitslosenunterstützung reicht nur zu Brot und Kartoffeln— Hans hat es mit vieler Mühe ousge- rechnet. Auch die Miete ist man im letzten Monat schuldig geblieben. Der Hauswirt droht mit Heraussetzung.„Nur das nicht!* hat die Mutter gefeuszt. Sonst hat es sich Hans mittags gut schmecken losten. Eines Tages aber bemerkt er, wie ängstlich Mutter die Kortoffelschüssel auf den Tisch setzt. Er zählt rasch: acht Kartoffeln sind darin, und vier davon ißt Vater. Da nimmt er nur«ine, und als die Mutter ihn ansieht, sagt er so ganz obenhin:„Danke, Mutter, ich Hab' heut' keinen Hunger.* Einen Augenblick stutzt Mutter und blickt forschend zu ihrem Jungen hinüber. Aber da kommt ihr in den Sinn, daß morgen letzter Auslösetag für die Kommode im Pfandhaus ist. Und es ist kein Geld da! Und Hansens Schuhe sind jetzt ganz hin, der arm« Junge kommt täglich mit nassen Füßen noch Hguse. Und die Wogen des Lommerns und der Sorgen schlagen über der Mutter zusammen. Es kommt nun öfters vor, daß Hans„keinen Hunger hat". Der Vater geht darüber hinweg:„Ach. dos gibt sich schon wieder!* Und dann will«r— wie in vergangenen besseren Zeiten— einen Witz machen, nur daß er ihn, nach seiner schweren Art und mit den vielen Sorgen im Gemüt, ganz ernst herausbringt: ,La, Mutter, nicht wahr, der Hans ißt uns noch die Haar« vvin Kopf! Wenn der nicht wär', dann könnten wir jeden Tag Braten und Küche» effen.0 Vab Mutter, die den Bater versteht, nickt dazu und möchte lächeln lmd kann's doch nicht. Da hat Hans ganz still gesessen, und danach ist er aufgestanbe» und zur Tür hinausgestandcn— so als wolle er zur Schule gehen— und hat nicht rechts geschaut und nicht link« Und von seinem Kopf ist auf einmal das eiserne Band weggewesen, und jetzt weiß er klar, daß da nur e i n Weg ist, den er zu gehen hat. Und ihn wird«r gehen! Und das Wort, das ihn in dieser Zeit nie verlassen hat, nun spricht er es deutlich vor sich hin:„Ja, wenn der Hans nicht wär'!" und er weiß: wenn ich nicht mehr bin, dann wird es bester zu Haus! So geht Hans, der Neunjährige, seinen Weg. Und die Menschen, die an ihm vorbeieilen, die sehen den schmächtigen, stillen Jungen, der nie ein Wesens von sich gemacht hat, nicht an, und so schauen sie auch nichl den festen Mund und die wissenden, zielsicheren Augen... Und sie fühlen nicht, daß hier in einer Kindesseele etwas ganz Großes vor sich geht... Aber als man ihn, der nun noch stiller geworden ist, aus dem Wasser zieht, da machen sie viel Gerede um ihn. Und sie wisten ganz sicher, daß er aus dem Leben gegangen ist, weil er das Hungern nicht mehr hat ertragen können. Vater und Mutter sind stumm. Ihre Worte, die sie gesagt, lind die so entscheidend gewesen sind, haben sie lang« vergessen. Und so wissen sie auch nicht, daß der Tod ihres Kindes ein Opfertod gewesen ist. Sie fühlen nur den Jammer ihres Lebens--- und der ist unermeßlich. om mmier-main: Jtngewwndle&Sychotogie Es gibt zwei voneinander verschiedene Verfahren, die Ergebnisse der modernen Psychologie praktisch auszuwerten. Sie sind ihrem Wesen nach dafür geeignet, einander zu ergänzen. Man kann sie— schlagwortarttg— Charakterquerschnitt und Charakterlängsschnitt nennen. Auf die Ermittlung des Charakterquerschnitts laufen im weseni- lichen jene Methoden hinaus, die in der Psychotechnik angewandt werden. Ihre Entwicklung wurde entscheidend gefördert durch die Aufgaben, die der industrielle Betriebsleiter dem Psychologen stellt: Mit einfachen, leicht zu handhabenden Untersuchungen(Test, Erperi- nient) soll geprüft werden, welche Fähigkeiten und Neigungen der Bewerber um«ine Stellung heut« hät, oder ob Umgruppierungen innerhalb einer vorhandenen Belegschaft ratsach sind. Die fortlousen- den technischen und organisatorischen Veränderungen, die im in- duftriellsn Betrieb« an der Tagesordnung sind, hoben zur Folg«, daß jener Teil der angewandten Psychologie, der„Gegenwarts- bilanzen* liefert, im Vordergrund« des Interesses steht. Eine Art Charakterlängsschnitt führen jene psychologischen Der- fahren, die auf die Frpge eingestellt sind, auf welche Weise ein de- stimmter Mensch seine Fähigkeiten und Neigungen erworben hat, und welchen Gebrauch er von ihnen zu machen pflegt. Auch sie haben eine gewiste Bedeutung für den industriellen Betriebsleiter, besonders wenn er Lehrlinge ausbilden und«mf diesem Wege den Nachwuchs an Facharbeitern sichern will. Dies aber kommt für den Industriellen erst in zweiter Linie in Betracht, solange er hoffen kann, aus einer reichlichen Reserve von Stellungsuchenden mit Hilfe einer geeigneten Auslesemethode Leute zu gewinnen, die bereits hin- reichend geschult.und geübt sind. Es ist daher zu erwarten, daß die Anwendung der Psychologie zür Ermittlung der Ehäräkterlängs. schnitte besonders in solchen Berufszweigen gepslegt wird, die länger« Z«it hindurch wirtende Ernflußnahme auf den Einzelmenschen zum Gegenstand haben. Solche Beruf« sind beispielsweise die des Arztes, des Lehrers, des Fürsorgebeamten. Der Kranke, der es unterläßt, den Ratschlägen des Arztes zu folgen, oder der Schüler, der sich für die vorgeschriebenen Formali- täten nicht beachtet und deshalb seinen Unterstützungsanspruch v«r- liert— sie alle sind persönlich Gegenstand von Mahnahmen, die gerade für sie getroffen werden. Der Arzt, der Lehrer, die Für- forgerin kann sich nicht einfach ans Arbeitsamt wenden mit der Bitte: Schickt mir an Stelle des vorigen«inen zum Geheiltwerden(Unter- richtet-, Befürsorgtwerdcn) geeigneteren Kranken(Schüler, Rot- leidenden), möglichst mtt Zeugnis der Berufseignungs-Prüfungs- kommission! Im Gegenteil: Es müßt« erreicht werden, daß der resignierte Krank«(Schüler, Unterstützungsempfänger) wieder Mut gewinnt, um die Aufgaben, die er zu lösen hat, zu bejahen. Was in diesen drei Fällen vorliegt, ist irriges Bewußt- fein, und die Aufgabe ist gegeben, es zu verändern. Ber- ändern kann es nur der Träger des Bewußtseins selbst, nicht der Außenstehende. Dem 5)elser ab'er fällt die Aufgab« zu, sich zu über- legen, unter welchen Bedingungen der Verzagt« vielleicht berett wäre, sein Berhalten zu ändern. Zu dieser Ueberlegung braucht er Einblick in den historischen Werdegang des Bcrzagten. Findet«r heraus, unter welchen Umständen her Resignierte seinen eigentümlichen Lebensstil herausgebildet hat, so läßt sich auch ermessen, unter welchen veränderten Bedingungen er wieder Mut fassen wird. Wer in dieser Weise forscht, wendet die Methode des Charakterlängsschnitts an: und wer es übernimmt, eine geeignete Technik der Ermutigung zu entwickeln, ist: Erzieher. Aufgaben der Erziehung ergeben sich in allen Altersstufen und in fast allen Berufen. Aber wer B. Konstruktionsingenieur im Dampfturbinenbau ist, hat in der Reoel keine Zeit übrig, um zur Lösung seiner organisatorischen Aufgaben auch noch Spezialist im Erziehungsfach zu werden. Aehnlich ergeht es dem Lehrer, der sein« Schüler auf ein Examen vorbereiten soll, und vielen anderen Spezia- listen ebenfalls. Mehr und mehr übernehmen es. die E r-z i e h u n g s° f a chl e u t«, notwendig« Bewußtseinsumstellungen an Angehörigen verschiedenster Altersklassen und Berus« vorzunehmen. Immerhin bleibt noch vieles. M. tun..ützrig, wofür picht,.immer erst, ein Er. ziehüngsfachmann herangezogen werden kann. Um die Problem« der Bewußtseinsveränderung aufzuzeigen, die in der Praxis der Medizin, des Unterrichts und der Für- sorge«ine wesentliche Rolle spielen, hat der Fünfte Internationale Kongreß für Individualpsychologi«, der vom 26. bis 28. September in Berlin tagen wird, fein Arbeitsprogramm nach diesen drei Ge- bieten gegliedert. Die Fragen der Theorie werden gegenüber den praktischen Aufgaben der Verwirklichung etwas in den Hintergrund treten. Damit dürft« dieser Kongreß eine besondere Bedeutung für die Allgmeinheit gewinnen. 3)08 ällefle abendländische Krankenhaus Wir wissen, daß das alle Irland in sehr früher Zeit schon eine hohe Kultur hatte, aber es wirkt doch überraschend zu hören, daß dieses Land das erste öffentlich« Krankenhaus im Abendlande befaß (in China entstand etwa gleichzeitig dieselbe Einrichtung): uinj>as Jahr 300 ♦. Chr. errichtete die Fürstin Mach« das„Heiin der Für- sorge* als Spttal für jedermann, während bis dahin solche Einrich- tungen nur für Stammitglieder bestanden hatten. Das reich fun- dierte Institut bestand lange Zeit. Die ärzttiche Kunst der keltischen Medizinmänner war nicht gering. Der Stand der Aerzte, deren Tättgtett sich aus den eigenen Elan beschränkte, war sehr geachtet, und anfänglich erblich. Der sehr alt« Brehon Code enthält Regeln über gesetzliche und ungesetzliche Maßnahmen, regelt die Honorare, die sich nach dem Stande des Pattenten abstufen— am höchsten stand später der Bischof mit vier Kühen—, und die Verpflegung von Aerzten und deren Schülern durch d>« Gemeinde. Di« Aexzte hatte» Prioatklinlken, Häuser in der Nähe des Wasiers, in jeder Wand ein« Tür, von denen imm«r«ine dem Wind« zu offen stehen sollt«: die unter« Halbtür blieb geschlossen, um Tieren den Eintritt zu wehren:„Hunden, Narren und Weibern* war der Zutritt nicht gestattet. In der Näh« befand sich ein Schwitz- haus. Zu den oft und mtt gutem Erfolg ausgeführten Operationen dieser. Aerzte gehörten auch Trepanation und Kaiserschnitt. Die Medizinen waren recht sonderbar, beruhten wohl meist auf sympa- thischer Grundlage: so verordnet« der Arzt gegen Kahlköpfig- k e i t: Man tu« Mäuse in«in Gefäß, verschließe es dicht mit Lehm und lasse es ein Jahr lang in der Näh« des Feuers stehen, dann nehme man heraus, was sich noch vorfindet, und reibe damit die Glatze ein— man soll aber dabei Handschuh« tragen, sonst wachsen einem Haare an den Fingern. Roch dem Aufkommen des Mönchtums starb die all« volkstüm- liche Medizin aus. In den Klosterschulen lehrte man nach den römischen Vorbilder» wie in allen europäischen Ländern das ganze Mittelatter hindurch._ 3)08 Sielelkauen Die Betelnuß ist die gerbstoffholttge Frucht der Betelpalme, die i» Scheiben geschnitten, in«in.mtt Kalk bestrichenes Blatt des Bstelpfeffers gewickelt und so gekaut wird. Rund 200 Millionen Menschen kauen Betel: von den großen Sundainseln über dos Malaienland, Hinter- und Borderindien bis zum Indus gibt«s kein Volt, das nicht mit Leidenschaft dem Betelgenuß ergeben wäre. Männer und Weiber jeden Atters, jeden Standes, jeder Rosse, jeden Bekenntmsses huldigen den» Betelgenuß: und dies gewöhnlich mtt solcher Hingabe, daß der Betekbissen auch in den schwierigsten Augenblicken nicht aus dem Munde genommen wird. Ein Brauch, der feit zwei und einem halben Jahrtausend ununterbrochen geübt wird, muß doch wohl seine guten Seiten haben. Wirklich haben hervorragende Pharmakologen und Toxikologen festgestellt, daß der dauernde Genuß des Betels viel harmloser ist als etwa der ständige Gebrauch von Tabak und Alkohol, und daß das Betelkauen bei der eigenarttgen Ernährungsweise der ostasiatisch�n Völker sogar als gesundheitsförderlich bezeichnet werden muß. Jene Völker genießen in erster Linie stickstosfarme Nahrungsmittel, die leicht übermäßige sauere Verdauungsstoffe iin Magen anhäufen. Dem wirkt der kalkhaltige, alkalische Betelbissensast, der überdies den Atem wohl- riechend macht und die allgemeine Körperausdünftung herabsetzt, vorteilhaft entgegen, indem er die Säure bindet, die Magenschleim- haut kräftigt und so zugleich auch ein wertvolles Vorbeugungsmittel gegen gefährliche Magen- und Darmkrankheiten darstellt. Darüber hinaus übt das in der Arekanuß enthaltene ölartige Arekolin einen milden erregenden Einfluß auf das Zentralnervensystem aus, so daß der in vernünftigen Grenzen gehaltene Genuß des Betels frisches Allgemeinbefinden, heitere Stimmung und Wohlbehagen verursacht, vorausgesetzt freilich, daß man an den Gebrauch des Betels bereits gewöhnt ist._ 3)er Jnka�Schalss gefunden? Nach langem vergeblichen Suchen soll es einem Rechtsanw-ilt Torre, der aus Panama an der Spitze einer Schatzgräbertruppe nach Ekuador aufgebrochen war gelungen fein, den sagenhaf.en Inka-Schatz in der Nähe des Indianerdorfes N i z a k zu finden. Als die spanischen Eroberer unter Cottez in das damals mächtige Jnka-Reich drangen, erstaunten sie über die ungeheuren Reulstiimer an Goid und Smaragden, die das Jnko-Polk besaß. Ihr Sonnen- teinpcl war aus purem Gold«, ebenso die Tempelgeröte und der Palast des Jnka-Königs, und die Wohnungen der Adligen um- schlössen unschätzbare Vermögen. Die Inka gaben den Spaniern gerne von ihren Schätzen, aber die Habgier der Eroberer kannte keine Grenzen. Sie mordeten und plünderten, bis die Inka schließ- sich in ihrer Verzweiflung ihr« Goldschätze in tiefe Gebirgsseen warfen und in Höhlen oerborgen. Torre soll nun die Begräbnis- stätt« des letzten Jnka-Königs Atahualpa, die den eingeborenen Indianern als ein Heiligtum gatt, entdeckt haben und dort auf einen Schatz an Gold und Smaragden von vngeheurem Wert gestoßen fein. Torre hat seine Regierung in Panama ersucht, ihm Soldaten zum Schutz zu senden, da er Uebersälle der Indianer befürchte, die sich der Hebung des Goldschatzes widersetzen dürften. Auch über das Befitzrecht am Schatz« dürften Streitigkeiten ausbrechen, da noch direkte Nachkommen des letzten Jnka-Königs gänz- lich verarmt im Dorf« Paruquls leb««, und auch die Regie» rung von Ekuador Ansprüche stellen wird. flr. 447* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. September 1930 Enquete widerlegt Gchnapsbarone Reform des Branntweinmonopols- Konsequenzen für die Zinanzpolitik. Di« Berichte des zweiten Unterau sschutses der großen Wirtschaftscnquete bemühen sich in der Reg«l, Rechtfertigungen unserer amtlichen Agrarpolitik zu liefern oder eine weitere Aus» dehnung des deutschen Agrarprotektionismus zu fordern. Oft genug find sie mit mangelnder Sorgfalt gearbeitet. Für zahl- reiche, mit großer Sicherheit gefällte Urteils bleiben sie den Beweis lchuldig, und die Belegung des Berichtsinhalts durch Sachocr- ständigcnausfagen ist beinahe immer mehr als dürftig. Aus dem Rahmen dieser Arbeitsmethoden des agrarischen Aus- schusses fällt ein Bericht heraus, der soeben veröffentlich: worden ist und in dem— als zweiter Teil eines Gesamtberichts über die Verwertung der deutlchcn Kartoffelernte— die Kartoffel- f'ärkeindustrie und die Kartoffelbrenncrei be- bandelt werden. Sowohl bei der Stärkeindustrie wie bei der Brennerei wurden umfangreiche Enqueten veranstaltet. Besonderes Interesse verdient die Brennereierhebung. Mit dieser Erhebung wurde auf Veranlassung des Genassen Dr. Baade, der sich seit langem erfolgreich um die Aufdeckung des Mhbrauchs des staatlichen Branntweinmonopols durch die grohagrarifchen Interessenten bemüht, festzustellen versucht, ob die alte Behauptung der Nutznießer der gegenwärtigen deutschen Branntweinwirtschaft zu- trifft, daß ihr« Subvention'erung aus beiriebswirtschaftlichen Grün- den«in dringendes Erfordernis der Landeskultur iin allgemeinen, der Kartoffelwirtschaft insbesondere sei. Im weient- lachen besagt dies« Behauptung in ihrem ersten allgemeinen Teil, daß auf den leichten Böden des deutschen Ostens erst die Brennerei den Kartofselbau ermögliche, da die Kartoffeln anders nicht ver- wertet werden könnten. Ferner wird behauptet, daß das Abfall- Produkt der Brennerei, die Schlempe, als Futtermittel allein aus diesen Böden die Aufrechterhaltung eines ausreichenden Viehstandes und damit eine ausreichende Düngung des Bodens ermögliche, die ihrerseits wieder Voraussetzung sür den landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt sei. Ohne die Kortoffelbrennerei sei auf diesen Böden überhaupt keine landwirtschaftliche Nutzung möglich. Diese Behauptungen sind eii�e Legende. Daß diese Argumentation nicht lOOprozcntig zutreffen kann, ist seit langem bekannt nnd unbestritten. Denn es steht fest, daß erstens in Ostdeutschland im allgemeinen der Großbetrieb nichtdieschlechtestenBöden bewirtschaftet, sondern im allgc- meinen die Bauern aus sie abgedrängt hat. Dies war zum Beispiel ausgesprochen die Tendenz der Bauernbefreiung des 19. Jahrhunderts. Praktisch kommt zweitens das Recht, Branntwein herzustellen, fast ausschließlich Großbetrieben zugute. Die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betrieb« auf schlechtem Boden besteht also ohne Brennerei. Daß sie in erster Linie dem Großbetrieb znge- teilt ist, erweift der Enqueteausschuß mit größter Deutlichkeit. Durch seine Erhebung wurden in Ost- und Mitteldeutschland 1641 land- wirtschoslliche Großbetriebe ersaßl, die 81 Proz. des gesamten land- ivirtichaftlichen vrennrecht» dieser Bezirke besitzen. Bach Größen- nassen geordnet verteilen sie sich folgendermaßen: LcindwiTtschaftlich« Zahl htr Nußslache Brennere�Belriebt unter 199 st»............. 2 100— 200 ha............. 277 200- 300 ha............. 143 300- 400 ha............. 243 400- 500 ha............. 323 500— 600 ha............. 230 600- 700 ha.......... J.. 201 700— 800 ha............. 147 800— 900 ha............. 96 900-1000 ha............. 78 1000—2000 ha............ 140 über 2000 ha............. 11 Daß«in spezifisch großagrarisches Interesse an der gegenwärtigen Struktur der deutschen Branntweinwirtschaft'besteht, wird danach nicht mehr bestritten werden können. Der Ausschuß gliedert in seinem Bericht die Brennereibetriebe in 8 große Klassen, je nach der Dringlichkeit, mit der ihre Wirtschaft des Brennereibctriebes bedarf. Die Gruppen A und R umfassen Zuckerrübenwirts chasten, die über guten Boden und reich- liche wirtschaftseigene Futtennittel in den Rübenblättern und Rüben. schnitzeln verfügen. Die Gruppe L umfaßt Güter mit gutem Wiesen- Verhältnis und verhältnismäßig umfangreichem kieefähigen Boden, die ebenfalls«in« ausreichende Futterbasis aufweisen. Die Gruppe H umfaßt Güter mit geringem Boden und schlechtem Wiesenverhältnis. Di« Gruppen D— G umfassen Betriebe, die nach Bodenquolität und Wiesenoerhältnis zwischen C und H stehen. Träfe die übliche Theorie zu, daß die Brennerei auf den schlechten und leichten Böden Ostdeutschlands unbedingtes betriebswirtschaft- liches Erfordernis sei, so müßte das Schwergewicht der Brennerei in den Betrieben der Gruppe 14 der schlechten Böden liegen. Tatsächlich entfallen auf sie � Br«n»rsSN fccr (ifohtcn Detrikbe 1 in Ostpreußen.. �...... 2,4 Proz. „ Grenzmark......... 32,2. , Pommern und Mecklenburg... 6,8. . Brandenburg........ 16, „ Schlesien.......... 5,6, „ Mitteldeutschland....... 4,1, dagegen auf die zweifellos nicht brennereibedürftigen Gruppen A— D (bessere Böden mit reichlich Futterinitteln) Brennreckt der erka�trn Betriebe in Ostpreußen......... 48,4 Proz. „ Grenzmark......... HP, , Pommern und Mecklenburg... 42.5, . Brandenburg........ 23,6, , Schlesien.......... 46,4, . Mitteldeutschland....... 70,0, Im Freistaat Sachsen und in Süddeutschland liegen die betriebs- wirtschaftlichen Voraussetzungen in den Brennereibetrieben nach krasser als selbst in Mitteldeutschland. Im übrigen ergab die Enquete hinsichtlich der angeblichen wirt- schaftlichen Vorzugs der Brennereibetrieb« mit größter Schlüssigkeit nur, daß in ihnen der Kartoffelanbau größer ist als in vergleich- baren landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht mit einer Brennerei ausgestattet sind. Was die Kartosselverwertung betrifft, stellt sich heraus, daß die Brennerei zur Verwertung der Kartoffelernte wescnt- lich überhaupt nur in den lleberschiißpromnzen Grenzmark, Pommern, Brandenburg und Schlesien beitrögt— man kann die Entlastung des Kartoffeimarkts durch sie auf rund 600 000 Tonnen jährlich schätzen—, daß aber die Brennerei als verwerlungssaktor der Kartoffelernten in den letzten 50 Jahren immer wertloser wurde, da ihr die Anpassungsfähigkeit an den Ausfall der Kartoffeternte» geraubt und das Entstehen von Brennereien in den brennerei- bedürftigen Betrieben verhindert worden ist. Wer erwartete, daß der Enqueteausschuß aus seinen Fest- stclllmgen, die ein vernichtendes Urteil über die deutsche Bronntweinwirtschaft in sich schließen, die Konsequenz zöge, ihre Reform.zu fordern, würde aber irren. Dieser Ausschuß, der sich sonst an mangelhast begründeten agrarpolitischen Forderungen nicht genug tun kann, verzichtet auf jede Auswertung der Ergebnisse seiner Bremiereienquete. Er hat damit wenigstens erreicht, daß sie bisher in der Oeffentlichkeit bei weitem nicht die Zlufmerksamkeit gesunden hat, die sie verdient, wird aber auf die Dauer nicht verhindern können, daß die Refarmbedürstigkeit des Branntweinmonopols anerkannt und durch sein« Feststellung ols bewiesen gelten wird. 100 Millionen mehr fürs Reich. Di« Konsequenz für die deutsch« Finanz- Politik liegt auf der.fyind. Eine Verringerung des landwirt- fchastllchcn Brennrechts um über 40 Proz., wie si« nunmehr als zweijellos möglich gelten muß,«ine Senkung des Branntweinüber- »ahmepreises auf den Preis, der für die wirklich brennerei- bedürftigen Güter ausreichend ist und nicht mehr einen Sonder- nutzen auch für die Betriebe in sich schließt, die auch ohne Brennerei bei guter Bewirtschaftung«in gutes Auskommen finden können, die volle Ausnutzung der vorhandenen billigen Spirituserzeugungs- Möglichkeiten in der Industrie könne» insgesamt zu einer Jahres- mehreinnahme für dos Reich von 100 Mill. Mark führen, ohne daß ein« weitere Belastung des Trinkbranntweins notwendig wäre. Außerdem würden aber die Hemmungen für eine erhöhte Besteuerung des Schnapses fortfallen, die bewirkt haben, daß in Deutschland der Trinkbranntwcin mit einem Bruchteil der englischen Belastung be- steuert wird. Eine Finanzresorm, die an dieser großen Einnahme- Möglichkeit vorbeigeht, wäre Stümperwerk. Sie würd« dem Eigen- lob widersprechen, das sich seit etwa 9 Monaten die bürgerlicheck Reichsfinanzminister in so reichem Maße spenden. Lucher fährt nach New Uork. Beruhigung auf den Börsen fortgesetzt.- Kurs der �foung« Anleihe besser. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther will, wie gemeldet wird, innerhalb der nächsten acht Tage—«ine andere Meldung spricht von der zweiten Oktoberhälste— eine Reise nach New Pork antreten. Als Grund für die Reif« wird ein noch ausstehender Antrittsbesuch bei der Bundesreservebank in New Port angegeben; die New-Porker Bundesreservebank sei die letzte der großen Notenbanken, die der Reichsbankpräsident seit seinem Dienstantritt noch nicht besucht Hobe. Di« Bernwtung liegt nahe, daß es sich nicht nur um einen Höflichkeitsakt handelt, sondern auch um die Wahrnehmung und Förderung der Kapital- und Kreditinteressen des Reiches in bestimmter Richtung. Im gegenwärtigen Augenblick könnte ein solcher Besuch nützlich sein. Es ist zu hoffen, daß Dr. Luther bei dieser Gelegenheit auch die Kapitalbeschaffung beson- ders für öffentliche Betriebe fördert, die«ine der wichtigsten Borausfetzungen zur leichteren Ueberwindung der deut- schen Wirtschaftskrise ist. Die Lage auf der Berliner Börse ist gestern im weiteren Verlauf noch freundlicher geworden. Die in den ersten Stunden verzeichneten Kursabschläge verwandelten sich fast aus der ganzen Linie in Kursgewinne, die freilich in engen Grenzen blieben. Es sah so aus, als ob die ausländischen Verkaussantröge nachgelassen haben. Die Besserung der Lage hängt wahrscheinlich mit einer Beruhigung der Oeffentiichkeit in den wichtigsten inter- nationalen Börsenplätzen zusammen.' So sollen insbesondere die Rew-Porker Banken von ihren europäischen Vertretern und von deutschen Bankhäusern„beruhigend st e Bea-siche- rangen" erhalten haben. In London ist der Kurs der Poung. Anleihe wieder um VA auf 78'A Proz. gestiegen, nachdem vorgestern der Tiefpunkt von 77 gegenüber 83 Proz. bald nach den Wahlen erreicht worden war. Auch die Kurse der D a w e s- Anleihe und der 6prozentiqen Berliner Anleihe haben sich ge« bessert. Aus Rem Park wird gemeldet, daß trotz der schwachen Haltung der deutschen Anleihekurs« eine dreimonatliche Schatznot«»« anleihe d«s Freistaates Bremen im Betrage von einer Million Dollar überzeichnet worden ist. Die Iahresverzinsung von 9 Proz.(!) dürfte hier allerdings der Hauptreiz gewesen sein. Interessant ist die Frage, auf Grund welcher Informationen die deutschen Banken in>Ncw Park„bemhigenhfte Erklärungen" haben abgeben können. Es ist denkbar, daß den Banken vom Reichskanzler Erklärungen über die van der Reichs- regierung beabsichtigten Politik gegeben wurden, die der Deffept- lichkcit vorenthalten werden. Bemerkenswert ist eine neuerliche Verschärfung der Lage auf dem deutschen Geldmarkt. Der Privatdiskonl- satz ist gestern wieder um Vi auf 3% Proz. erhöht worden, was in wenigen Tagen ein« Erhöhung um ein halbes Prozent bedeutet. Der Reichsbankausweis vom 22. September, der wohl morgen ver- öffentlicht wird, und noch mehr der von Ende September, der über die llltimaspannung des Geldmarktes Zeugnis ablegt, wird- auch für die mögliche Diskonterhöhung die Dipge klarer erscheinen lassen. �5 RESULTAT UNSERER QUALITÄTSPOLITIK. Es ist interessant das Urteil neuer Raucher der MAKEDON-Zigaretten zu hören. Alle, die unsere hochwertigen Marken kennen gelernt haben, er« klären begeistert, so zufrieden damit zu sein, daß es ihnen unmöglich erscheint, jemals auf eine andere Marke zurückzukommen. Diese spontane Feststellung der neuen Raucher unserer Zigaretten ist die beste Empfehlung für unsere Marke: i Cori Sfldel- Bfim MW 6, Umowtroßo 30/ ToL P 2, Weldandamm 3354 Kreuzer bei Siemens. wie gemeldet wird, ist Zvar kreuger, der jetzt auch die ttritflon Telephon Gejelljchaj!. den größten nordischen Elektrokonzern be- herrscht, mit zwei Direktoren dieser Gesells«hast in Berlin eingetros. seo. um mit der Siemens u. Halste Zl.-G. über eine weitere Zusammenarbeit zu verhandeln, in die auch der amerikanisch« Western (Uectric Konzern einbezogen werden soll. Die Meldung hat einiges iür sich, da die schwedische Ericsson-GeZcllschast mit dem Siemen». Konzern in der letzten Zeit mehrfach bei der Konkurrenz um die Errichtung von lelephonämtern und die Erwerbung von Telephon. monopalen zusammengewirkt hat. Da, Zusammengehen von Sie. mens. Ericsson und Western Electric würde in inkernationatem Maßstäbe den Kamps um die Führung in der Schwach. ftrominduflrie verstärken. Reichsbahndirektion Magdeburg wird ausgehoben. Wie gemeldet wird, wird die Reichsbahndirektion Magdeburg im Lause des nächsten Jahres ausgelöst und mit den Direktionen Hannover und Halle vereinigt. Die Neichsbohn soll die Absicht haben, die b e- steh enden 3 0 Direktionen in 14 zufammen- zufassen. Gründung der Moin-Gaswerke A.-G. Frankfurter Gasbetriebe jetzt rein öffentlich. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. hat in seiner gestrigen Sitzung die geplante Zusammenfassung der gesamten Gasinteressen durch Gründung der Mam-Gaswerke A.-G. beschlossen. Cr hat dazu weiterhin die Stadtverordnetenver- sammlung zuzustimmen ersucht, die Option auf 10000 Aktien zu 1000 Mark der Frankfurter Gasgejellschast nonr Rheinisch-Wcsl- 'älischen Elektrizitätswerk auszuüben. Damit scheidet das Rheinisch- Westfälische ElektrizilätsWerk als einziger fremder Großaktionär aus: die sämtlichen Aktien der Frankfurter Gasbetriebe befinden sich dann in öffentlichem Besitz. Die Terca-Film A.-G. Berlin, deren Aktienmajorität vor einigen Monaten von der JG.•Sarben A.-G. auf dos Curtis-Molnitz-Kon- sonium übergegangen ist— Prof. Mar Reinhardt hol seine Be- Ziehungen zu der neuen Gruppe gelöst— meldet eine befriedigende Entwicklung ihrer Geschäfte. Der deutsche Abschluß bestand auf die neue Produktion beträgt danach, über 4 Millionen Marl. Die Verleihungen im August sollen erheblich über denen des Vorjahres liegen. Deuksche Eonfineniol-Gosgesellschasl. Destau. Jm 1. Halbjahr 1930 ist der Abiatz der Deutschen Continentol-Gasgelellschoft an de:- trischcr Energie gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr um 17,53 Millionen Kilowattstunden gestiegen. Die Zunahme beträgt ö.84 Proz. Die Gasabgabe der Gasuntcrnehmunqcn der Gasgefell- fchaft hat eine Zunahme von 3,5 Proz. in dem abgelmifenen Halb- jähr aufzuweisen. Anträge ans Massenenilassungen im Kuhrgebicl. Beim Snll- lcgungzkoinmissor sind folgende neue Anträge auf Arbeitcrent- lastungeu im Bergbau eingegangen: Die Gute- H off nungs- lassen: die Vereinigten Stahlwerke werden auf der Zech? Germania 1483 Arbeiter, die Gewerkschait Friedrich Hütte, Oberhousen, will auf drei Zechen 1239 Arbeiter ent- der Große wird 960 Arbeiter zur Entlassung bringen. Vielfach sollen Kokereien und Nebenbetriebc stillgelegt werden, Erhöhung der kanadischen Zollsätze. Nach einer Mitteilung des kanadischen Außenministeriums hat die neue kanadische Regierung dem kanadischen Parlament in einer außerordentlichen Session vor der englischen Reichskonserenz einen Gesetzentwurs eingebracht, der d>e Zollfätze für 130 Posten erhöht. Dieser Gcktzentwun werde unverzüglich in Krait treten und betreffe vor allem W.-bw reu, Stahl, Haushaltungsgegenstäirdc und landwirtfchaflliche Crzeugnisie. ) Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 24 9. StMts-Opor Unter d. Linden A.-V. 24 19 Uhr Tanntiauser Ende geg. 22 Uhr Stuts-Opsr tu Pilh dir Repbijk. Vorst 142 20 Uhr DI« v«rkautt« Braut httiotl. Iirtriintlmt Ende n. 22 U. Mittwoch, 24. 9. stftdt. Oper Bisrnarckstr. Turnus 1 20 Uhr Ende n. 22'* U. Staatl. Schaospli. (n CiDdanuiinidt). A.-V. 21 20 Uhr Bttrgar Schippel Ende 2244 Uhr Staatl.StliiHater.ülantbg. 20 Uhr Bin Boktor, iudi» Sit zu«sen? Ende 22»/» Uhr PtAZA Tägl. S u.«13 Sognl.t. 5 b,«1* Alex. E 4. 8066 | Weintraube Syncopaters ml dn grah lirttruiioult Prograinm! Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralpb Arthur Robert« «m. Das hSBllcha msdehen Englisch— Roberts— Riemann. HAUER R E VU E I TW€prmj im ADMiMiSPAUtfT I oe&aloMi MphMAM Hanau 1 Ö.4MBÜCM HRLMANS WEJtßPOiCi Herman Haller 8 Uhr mp Kaiser uon AmeriKa ron Bemard Shaw Titilnlli: VirHf Bmn Rtgit! Nu Rtinterdt. Raas Alben. Rita Geoni Baas Heioz BollisanD, Mai Ebrtlfli bTä"" riges Iwi.brl MSer�att tlCmir und diu Musik- und Tanx-AMraklloauo |P R E M I E R E: Freitag, den 26. Sept., 7 Uhr Ab Sonnabend täglich Uhr Sonnfaat 2 Vorstellungen 3 Uhr u.»Ve Uhr. Nachm. die gonieVerttellg. zu halben Fr. Zur ft/L Beachtung/ Di»„HaUtr~ Rsvue" mm'st darauj hin, daß ti* keiner BiUstt-OrffonUaHon anpe- •ofctoaaow ist, sondern ihre Biutrinf preise bereits der Zeit entsprechend besondere billig ongemtMl M. Kein Besucher der �Malier- Resme" wird also seinem Nachbar gegenüber benachteiligt. Vorverkauf on der Theater- itaue ob 10 Uhr und on den 1 üblichen Vorverkoufssfellen. Telefon: Merkur 9874 u. 9877 CASINO-THEATEH _ Lothrtnaer S trage 37. Nur noch bis 30. September Der Selige Hollschlnsky »iffowurtiKWiiHuotfiiiMiHiiHniiimniMMniNiiMiftitiiMtint« Am l. Oktober com 1. Male Rurrah, ein Junge! Gutschein 1—4 Pees. Fauteuil 1.23 M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise; Parkett 75, Rang 60 Pfg. Reichshallen-Theater Abend«|X| Sonntag nadiin.|»'t[ stettsner sanger Das gr. Septemher-Progr. mit „laR Blumen spredien" Ibdim.InllwPnlu! Zintr. 11263. �Dönhoff- Brettl: Das beliebte Familien-Variete Winror * GoriGn* 8.15 UM- Bauocu trlHUI Hanl KotUcbrr» Argcntino Little Esther tanal o. alngt u. a. VoiKstiUtuie kW!« w BBImrpliti. taglich 8 Uhr Die Weher v. G. Hauptmann Regit: K. H. Martin. SlaatlStkiller-TI). 8 Uhr Herr Doktor, habet Sicza idealer am KhiirDauemaimn 8';« Uhr Feuer aus den Kessein Staatsoper Am PI. d, Republik. 8 Uhr Die verkaufte Braut Kammerspiele 8t;. Uhr Die Schule derFrauen von Möllere. Rigi«; RatsDetJt. Die Komödie 8>b Uhr Der Schwierige Inhp. rjq. Tjbtnmst W Rtgit: Mji Riiiturdl. Komisch« oper 8>.. Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Bantavskj-Bllliiito Theatar in «er stmtmanittr. Täglich 8'/. Uhr Xwrite: 3 Inthpiil Tun Sdiwitfrt Komddlanhaua 8 V. Täglich SV. Konto X mn Btnuimind OKtimidiir Lustspielhaus Dir.: Bzn LOpuMti Täglich 8V. Uhr meine Schwester und ick Musik von Benatik)' Lory Leux. Kurt von Möllenhol. Lessiag-Theater Wdtfndui» 1151».tili Täglich 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne dm Kaisers KttllS von Th. Plivier, Rtgit: km, Pitahir. Neues Theater --m Zoo-« JmBiltih.Iw. Sipl. 6564 Täglich SVa Uhr Lomme! in der Posse' Paul und Paiülne Rundtunkhörei Mit, Preise. Theoferara smiffhaucrdarara Tägl. 8 V. Uhr Feuer aus deuKetfeln von Ernst Toller. Td.: 8. t.i»ri.01lt».»13 ffletropol-TlHioter Täglich 8V. Uhr Scualioneller Opcrettencrtolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Deaisebes Kflnsdtr-TbetL Iii. ItitariKH 3937 SV« Uhr Jim und Jiii Optntti t. kstwi k»d PtilniMtM.BfwIrti Renaissance- Theater Steinplati 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar RevuestOck Rose-Theater Ir.rranklaitcrstr.t82 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr; Brait t. Messina mit treae Trte*d> ab babekla. «W.« �pitosu&fe Rpstourant Berlins Zimmer. ttzett Mit. 7,- bis tt" KKSWK e»4ln HOTILaAmtM EXCELSIOR Tkatcr in littb. Tor Kottbusser Str. 6 • Tägl. 8 Uhr «i. inelt Sonst. yifb raebm. 3 übt fln Eitle' |f sanper Das Barwunderl Uederspiel u. die tolle Posse Die Ikbn VimnBsta. Zum SchluS: Pinselhelnrtth! Himmelsklause! Am 21. September abends starb an den Folgen einer Operation, mit 42 Jahren, das Mitglied des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt Eiisaueih Kirsctimann-ROhi Sie war unermüdlich für die Arbeiterwohlfahrt tätig. IhrerArbeit verdanken wir den Aufbau des�Immenhofes". InderZusammenarbeit beglückten ihreAufopferungs- fähigkeit, Güte und Liebenswürdigkeit. Ihr Tod ist ein schmerzlicher Verlust. Berlin, den 24. September 1930. HauptaussctiuB für Arbelterwohifahrt. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 25. September, nachmittags 3 Uhr, auf dem Südfriedhof in Köln statt. N Wen Freund« und Part-izenossen >nr Nachricht, baß mein lieber Mann, ruber und Schwager Hugo Biermann im Aller van 55 Jahre» am 20. September. 15'', Uhr,»erstorben ist. RnnAm illnrmaim, geb.»rünhoff. Einäscherung am Donner« lag, dem 25. September, lS>b Uhr, im Zlrema» iorinm«bcrichlstraße. FOr W» beim Heimgang« liniere» lieb« Bater» Karl Riegel bewiesene Anteilnahme tage ich ollen flrennd« und Sen ästen sowie dem Metallarb.iier.verbanb, der 18. Abt. der SBD. und b-m Freidentervirband mein« h« reichsten Dank. 'Im Nam« der Hinterbliebenen bt ari a Üi agri. Ullis Mittwoch. 24. September nachmittags Z Uhr OEDtidw Metallartioiter-Kertianil Ventaltungistelle Berlin Todesanseige Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Ztollege. der Graveur Karl Bielixmaier geb. 10. März 1887, am 20. September gestorben ist. Die Beerdigung sindet am Donners» tag, dem 25. öhplemder, 15 Uhr. von der Leichenhalle des Atkm Banls- kirchhoses in der Seestc au» statt. .Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Monteur �Vilkelm Raspe am 20. September gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Donner». tag, dem 26. Sevremder. IS Uhr.»on der Leichenhalle de» tzeniralsriedhase« Zrredrichoielde an», statt. «hre ihrem«»denke,! Rege Beteiligung erwartet vi« OrlrvemaUuag Nel-rmknchen. nalurlafirrt. wtili. 180 s Zentimeter, reichc Inncnausstattunq. sämtliche Teile mit Linoleum. 840 Mark. Mdbelhou» Moritz Sirschowitz. Slldost'N. 1 Stalitzerftraße 25. Hochbahn Rottbuster Ü Tor.___• iliMBMn wette Kredit nutz bar Räbelbaear. aroke«»»watzl. Neiae Preise! Bcitviel, weise: Schlahunmer 455—, Sveiiezimmer öi7,—. Heirenzimmec 889.—, Spiegel» schränke 118.—, Di-Ienaarnitin: 88,—, Anrichtekstche 90.—. Nesstnabetistrll» 86.—. Rleiderschränke 48.—. Ehaise- lonauea 28.—. Meiallbeiistelle 18,—, Ausleaemalraße 18,—. Eonstiae Möbel «naemrstene Preise. Teil�ahluua aus- schlagtrei. ZSochet, raten. Monatsraten. Lastara bat! bis zehn Prozent, auch out Anzahlunqen. LIeine auch ohne Anchilt- luuaen, Sredite vi» zwei 3abre. Maß. Zins. Lataloa franko. Hauplaeschä't: Stealitz. Schloßftraße 107: 2. Geichatt: Neukölln. Hermannplaß 7: 8. Srsidakt: 1BeIIc.Allian.ee, Straße 95,—, Unierarund- bahn: 4. Geschäft: Loltbuster Straße 28, gegenüber Elitcsänger.' Musikinstrumente Lintpiano«, llberans»reiowert. Vian« fabrik Link, B run n enstra ße»5.__* Piano»— SHÜgel. Nieseniager. Beih- stein. Bwihnrr, SIeinwa», Sdnnrchien, Eolonpiano» 275,—, 390,—, 425,—, flf. brauchte. Abendroth, Poisdawerstr. 74. 200,—, 300,—, aebrauäste Pianos. Riesenanswabl preiawerter» Geleaen. heiiskäuie. Serer. Prinzenstraßc neunzig. Nsd,«» «naben, Neunziqer 4,40. Snnderter 4.90. Svarrohren 250. Apparate Teil. zohlung. SchSnleinftraße Z.* Fahrräder Gebrauchte Lahrräder 15,—, 20.—. 25.—. 80.—. 85.—. Machnow, ffietn, meifterstraße 14._ Dan! udeitt die JUesse Cber Die!Bcaul Ma MessUta mil June JeiestA ROSE-fHEATER Qr, Fraakfurtar Str. 182 ■Hfettkat» e: Akx 8422 u.8404 Lokal- Angreifer t Bin seltener Abend/ Weh am Abend f Der Beifall rvoUte kein Ende nehmen. Der Tagt Das Haus tear mit. gerissen, i Vhr- Abendblatts Hr� ehe her Beifall eine» ergriffenen Pu- hhkumt. Börsen-Courier t Das volle Haus sollte der Bemühung Achtung und Beifall. Volkseeitung Das Publikum rief die Darsteller immer ctie- der vor den Verhäng. Nachtausgaber Bin Bkrenahend für das Volkstheater m der Gr. Frankfurter Straße. Morgenpost: Eine Aufführung t die allen Respekt verdient tambn* in 7« D.(mit ims Irwch) oud lÖ�U.(mit finriK IWKtvr;i Wocheotagg 8« Sonntag Z*1, mm 25. Male« u. 6* u. 9 Uhr Kaasenpr. tob 50 Rf. blc? M. (Garderobe a.Progr« je Pf) N ich st. Sonnabde 4» Uhr: ,, Dornröschen" Gr. AuminaaiNBirthfli t Etadtr H e b t«, Mittwoch um 5 Uhr In vOlligar Nftua(n«tudi«rung: ,H&n*el u. Oretel" Für die un» anläßlich des Bdieden» unsere» lieben Pater» und Schwieg«. vater, August Pellmann erwiesen,«ntertnahme sogen wir allen Beteitigten hierdurch unseren herzlichsten Dank Beelin. den 21 September 1930. SO, Pitcklerftraße 14. Familie Fellmann Familie Ulbri Familie Ulbriee Schmidt Verkäufe «-oleum. Szillat, Sotoniestraße__ 9. Lesdvre. Berlin, WWW 158. Zah, Teppichha», Smit_ feit 1882 nur Oranienstraße lung,erlelcht«rung»hn« Aufschiag. Neuer Katalog tostenfrei.__________• Rachhcrbe, Gas. Sohle, Oseniüren, Oscnrohr, Daichkessel, Waschmaschinen, Abomschtische. Wäscherollen. Teilzahlung, Badewannen. Oese», eiserne, jeder Art und Groß». von 12,50 Mark. Amerikaner, irische Dauerbrand tauch stir Säle bis 5000 ftubilmtut), transportable Sache listen. Di« alte Spezialkobrik Semmler u. Blea- berg A..S.. Dresdenerstraß« 98—9«. iZedeedettk». Wegen Geldknappheit hochfeine 10.—, 15.—. Woinre. Daunenbetten 2g.—, 28,—. SU—, vaaest neu. Seine Lomdardware. So fvoii. billiq nur Leihhaus Brunnenftr. 173. Ecke Invalidenstraße. PZodet Boteptmairatzen..PrimiMma-. Me. tallbetten. Auilegewattalren. Ebaifelon. Kues. Walter. Siargarderstraße acht» zebr Sein Laden.» Zeiue.Schlat,iminnr direkt ab eigener Svezialaroßfabrik ohne jeden Zmischenhandel. Groß- Auswahl. Beste Qualitäten. Bequeme Teilzahluiiz. Besuchen Sie un«. es lohnt iico lstr t guao Keine. Möbelfabrik. Propeller. werk. Berlin O. 84, Waifchanerstr.?8. st-brikgebäude. It. Kos ikein Laden, Berkauf«acit 8-13 Uhr.__________ Mltel Samerlino, Sastanieoaveo M Herrenzimmer. Sooeli ngarnitittln, Slud« kifche, Arwlchnfestel. Riefenouswahst Spottpreis«. Bahlungoerleichterung.» Laiern«» 1.50. chobrradvecken 2.20. Schlauch« 1 20 Pedalen ZdO. Boeder» räder 350. Schönst'nstraße?.» Ksufgesucke Zahnaebifie. Plaiinabföll«, Lötzinn. Blei. Sueckstlber. Silberfchmelze. Gold. fchmelzerei Ehristwnat. Söpenicker» straße 83 l Haltestelle Adafbertstraßel-' Unterricht Sduullfiihccake Privatzirkel, Sur». fchrift, Maschinenschreiben. Buchbaltung. Viicherrevifor Aulich, Sepdelstraße 1. Sviftelmartt.- Techniiche Privaikchul« Dr. Werner. Rcgierungsbaumeister, Berlin. Reander» N raste 3. Maschinenbau. Elekirviechnik, Kachbau, Tiefbau. Eieinmetzschule. Hei» »unastechnik.______________* Sinovorfiihrcr. Ausbildung für Neu. brrnf. Berlin, lZrirdrichstraste 21. Dön. hosf_M4.__________ Immer»och keinen ZZührerschein? Ler. größern Sie Ihre Ehanee! Wir Hilde?! Sie in kurzer östii zum prrfekten Sraii. iahrzeugfübrer aus! Günstige Bedin- gung. Nalenweife Iablunq de» Kono» rars. Iordern Sie Anqebote! Auto» fahrfchule Bnrgqaller. Bismanckstraßk 84. Steinplatz 0647.________* Nackow, kaufmännische Prinaischulc, V. und Dr. A. Nackow. Wilbelmstrast« 40. nahe Leipzigerstraße: Tournßienstraste 1: Aiexanderplatz 50.— Oktober beainnrn Pierteljabre»., Koldjabre». und Iabres» Lehrgänge zur Ausbildung in Puchha!» «u»as-, Sorrefpondenz. b»» Eekrero- riatsarbeiten oder für allgemein« Büro- tätigkeit.— Wahlfreie Einzelfächer ihr Srwathfene. Besondere Abendlehrgänq!. — Deutsche und ausländische Sprach- lchrer.' Verschiecienes Malerarbeiten. Nenooierunq von Wohn» und Geschäftsräumen führt aller» tilligst au» Schmidt, Iennftraße 3. Postkarte erbeten. Wäschereien Säpcnickee Dampfwöscherei..6 bar. lottc". Grünauerstraße-An, Telephon F. 4. 0687, wäscht ahne Anwendung tcharsrr Mittel, trocknet im sZrricn. Billigste Preisherechnung. Abholung täglich. Vermietungen iEirnmer Große» mddliettes Simnrrr bei Gr- Nvsten ,u vermieten. Graßb-cren. straße 36 HI. Arbeitsmarkt � Stellenangebote Gesucht ein Lehrheizer für größeren Seffelbettied in Berlin, der enorgstch d.-. Bedienung der Sesfelanloge üherwaio. kann. Srnntniss« über Behandlung drr Sontrollapporate Bedingung. Bewerbung mit?«ugnisabschritten, Lebenslauf lowir. Angabe von Lohnanipriiiden unter G. 82 an die Ervedition dieser Zeitung'._* «rwer dabei chränkte mit Gleichstellung-- schein oder 50 Prozent Unfolltentc lBe. ru'sgenofTcnfchoft) zur Bedienpng einer Pikirrmaschine verlangen K. u. N. Jakob- lohn. Am. Söllnischen Park 4» Ladenlon» sektion. »inie!' Mmeor gesucht für elf XedmkUon der „MirrJIMgffien Taprrarhf, MuHqoH. In Stuttgart wird zum möglichst sofortigen Eintritt ein leitender Redakteur gesucht. Es kommt nur eine erste Kraft in Betracht, die politische and journalistische Fähigkeiten sowie eine vollkommene Beherrschung der modernen Zeitangstechnik nachweisen kann. Angebote mit Gehaltsangabe an den Landesvorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutsch. lands, Bezirk Württemberg- HohemOllern, Stuttgart, Friedrichstraße 13, erbeten. lefonden »irksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In derGeeamt- aullage de» ..Vorwirt»" und trotzdem ItbUltgD Arbeiter- Bildungs- Institut Leipzig In unserem Büro ist die Slelle de» Kassierers und geschäftlichen Leiters neu zu besetzen. Die Stelle kann nur ausgefüllt werden von einem in Kassenwesen und Buchhaltung wohlerfahrenen und aullerdem mit dem Theater- und Konzertwesen gut vertrauten Genossen. Die Arbeit verlang» eine besonders befähigte, arbeitsame Kraft mit groBem organisatorischen Geschick Anstellung nach den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse. Bewerber müssen in der SPD- und frei- gewerkschaftlich organisiert sein. Bewerbungen mn Angabe der Organisationszugehdrigkeit, der bisherigen Tätigkeit in der Arbeiterbewegung und der Oehaltsansprüche sind bis zum 15, Oktober zu richten an: iArhsIter- Biidungs» Institut Leipzig€ 1, Zcltxcr»Liehe 21 Ausschreibung 1 Die Stelle eines besoldeten Stadtrates der Stadl FranKfurt am Mein ist auf die Dauer von 12 Jahren(Wahlperiode) zu besetzen Gesucht wird eine allererste technische Kraft auf dem Gebiete des Stadterweiterungs-. Hochbau- und Siedlungswesens. die außerdem in der Lage ist, später das Tiefhan- wesen mit zu übernehmen. Mit der Stelle ist nach der ttädiischen Besoldungsordnung z. Zt.. wenn sie als Normalstelle(estgcse'zi wird das Gehalt der festen Ofhälte.r der neuen staatlichen Bcsoldungs- gtuppe Vis, wenn sie als qualifirierte Stelle bestimmt wird, das Gehalt der neuen staarlichen Besoldungsgruppe V verbunden. Persdollebe Vortte 11 trotz mpf••di erfolgter Anf- fortzemmg, Bewerbungen mit Lebenslaut und Ueberblick Uber die bisherige Tätigkeit und über städtebauliche Erfolge sind bis spätesten» t. biovember 1930 an den unterzeichneten Vorsitzenden der Stadtverordneten- Versammlung. Frankfurt a. M. Rathaus, einzureichen. Frankfurt a. Main, den 17. September iwo. »er vonttspüfle der StedtvRmntncten-VwsamjHii.'iä H e i ß w o 1 f.