F840 912 Nr. 95. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. = Vorwärts 13. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Die Verordnung über den Bäckereiarbeiterschuk vor dem Reichstage. = Donnerstag, den 23. April 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. dieser ihr auferlegten auferlegten Verpflichtung Politische Ueberlicht. genügen. der rückhaltslos ausgiebigen Schutz für die Arbeiter in den Am 1. Juni 1891 wurde die Gewerbe- Ordnung publizirt Bäckereien forderte und diese Forderung mit erdrückendem und nach fünf Jahren soll die erste Verordnung auf grund Material begründete. dieser Gesetzesbestimmung in traft treten und zwar im Bäcker- Die bürgerlichen Parteien haben in dieser Debatte begewerbe, in dieser aussaugendsten, Menschen zerstörenden wiesen, daß all die Betheuerungen ihrer Arbeiterfreundlichkeit Einen Prüfstein für die Arbeiterfreundlichkeit der Industrie. Ein Maximalarbeitstag von 132 Stunden, leerer Schall sind, daß die Arbeiter recht haben, wenn sie Parteien bildete die konservative Interpellation, welche die durchbrochen von zahllosen Ausnahmebestimmungen, wurde in ihnen allen nichts anderes als Vertreter der Unternehmerverbündeten Regierungen zur Zurückziehung ihrer schwäch- gewährt; und hierüber erhebt sich ein Sturm der Erregung Interessen sehen, denen nur eine festorganisirte, einig zulichen Verordnung zum Schuße der Bäckerei- Arbeiter ver- und Entrüstung, die Regierung wird von der Partei, die sammenstehende Arbeiterklasse Zugeständnisse abtrotzen wird. anlassen sollte. Die Debatte ist besonders bemerkens- den Kampf gegen das Manchesterthum und die Verwerthung werth, wenn man sich die Entstehungsgeschichte des der Klagen über die Noth der Landwirthschaft in Generals § 120e der Gewerbe Ordnung ins Gedächtniß ruft, entreprise genommen hat, wegen dieses Eingriffes in die der den Bundesrath befugt, Verordnungen wie die zum Ausbeutungsfreiheit der Bäckermeister interpellirt und der Berlin, 22. April. Schuße der Bäckerei- Arbeiter zu erlassen. Reichstag verhandelt mehr als eine volle Sigung über die Der Reichstag verhandelte heute die konservative Die kaiserlichen Botschaften vom 4. Februar 1890 ver- schwächliche That des Bundesrathes, um ihm Vorwürfe zu Interpellation über den Arbeiterschutz in den Bäckereien. pflichteten den Reichskanzler, eine Arbeiterschutz- Vorlage ein- machen, daß er so kolossale Zugeständnisse den Arbeitern Herr v. Bötticher vertheidigte diesen lau, Herr v. Berlepsch zubringen, in der auch die Arbeitszeit der erwachsenen Ar macht. Dabei wundern sich die bürgerlichen Parteien des energischer. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Dann beiter gefeßlich geregelt werden sollte. Bekanntlich entsprach Reichstages und ihre Presse darüber, daß die Arbeiter nur sollen trotz des Widerstrebens der beiden konservativen die Gewerbenovelle, die dem gleich nach Erlaß der kaiser in der Sozialdemokratie ihr Heil suchen, daß sie zu der Fraktionen die Wahlprüfungen endlich erledigt werden. lichen Botschaften erwählten Reichstage vorgelegt wurde, nicht Arbeiterfreundlichkeit der bürgerlichen Partei jedes Zutrauen Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Mitte den Erwartungen derer, die in den feierlichen Erklärungen verloren haben. woch zunächst in erster und zweiter Berathung den Gesetzentwurf des Kaisers eine gebundene Marschroute für die Die deutsch- konservativen und freikonservativen Redner betr. die Ergänzung der Städte- Ordnung für West. Sozialpolitik der verbündeten Regierungen sahen. Aber machten der Regierung entschiedene Vorwürfe, daß sie au falen und die Rheinproving und trat sodann in die eine Erörterung der Frage des Marimalarbeitstages wurde die Erfüllung der ihr im§ 120 e der Gewerbe Ordnung dritte Berathung des Lehrerbesoldungs- Geseze 3. In dem Reichstage nicht erspart. Eine Reihe von Anträgen auferlegten Verpflichtung gegangen ist. Sie gestanden der Generaldebatte erklärte Abg. Rintelen( 3.), dem fich zu der Vorlage zwangen alle Parteien, ihre Stellungnahme also selbst ein, daß es eitel Spiegelfechterei war, wenn Abg. Sad( f.) anschloß, die Staatszuschüsse an die Gemeinden zur Frage des Normalarbeitstages festzustellen. Das Er- ihre Parteigenossen in der Session von 1890/91 für diese für verfassungswidrig, da sie dem Wortlaut des Artikels 25 der gebnis der Debatte war, daß für eine Maximal- Bestimmung gestimmt haben. Wenn man von dem Fraktions- baltungspflicht zu leiften und der Staat nur helfend einzutreten habe. Verfassung widersprechen, wonach die Gemeinden die SchulunterArbeitszeit für alle erwachsenen Arbeiter sich keine genoffen des Herrn v. Stumm auch keine andere Haltung Die Debatte bot im übrigen nur eine Wiederholung der bereits Majorität im Reichstage fand, obgleich drei Parteien des erwarten konnte und zu seinen gunsten angeführt werden in der ersten und zweiten Lesung geltend gemachten Momente. Parlamentes, die Deutsch- Konservativen, das Zentrum und fann, daß er schon daß er schon in der Reichskommission gegen Geschlossen traten für die Vorlage nur die Freikonservativen Die Sozialdemokraten vorher für die Einführung des den Entwurf eines Bäckerschutz- Gesetzes gestimmt hat, unter Führung des Frhrn. v. Bedlig ein; sowohl im Zentrum Normalarbeitstages bindende Erklärungen abgegeben hatten. so ist das Verhalten des Redners der National als bei den Konservativen fand sich eine fleine Minderheit Aber Zentrum und Deutsch- Konservative bewiesen gerade liberalen, des Herrn Siegle, um uns parlamentarisch suchte besonders Abg. v. Eynern( natl.) noch in letter Stunde gegen das Gesetz. Von den Parteien der Linken ver bei der Debatte über die Gewerbenovelle, daß sie nur dann auszudrücken, unverständlich. In der Reichskommission, auf die Gefahren hinzuweisen, die dem Volksschulwesen in großen träftig für Arbeiterschuß Forderungen eintreten, wenn erkannte er die Mißstände im Bäckergewerbe rückhaltlos an, Städten durch die Vorlage drohen. So werden der Stadt Berlin fie ganz sicher find, daß ihre Anträge auf stimmte auch für den in wesentlichen Punkten weiter allein 900 000 m. Unterstützungen entzogen, worunter natürlich teine Majorität im Reichstage oder auf eine Ablehnung gehenden Entwurf der Kommission, und im Reichstage die Entwicklung der Volksschule leiden muß. Aber alles Reden seitens des Bundesrathes bestimmt rechnen konnten. So wendet er sich gegen die Bundesrathsverordnung und half nichts, in der Spezialdiskussion wurde der von neuem einblieben die Sozialdemokraten allein ihrem Programm erklärt, daß ihm kein Gewerbe so ungeeignet für gebrachte Antrag Sattler, der den großen Städten wenigstens getreu und der allgemeine Maximalarbeitstag wurde nicht die Durchführung der Maximal Arbeitszeit erscheine ihre bisherigen Buschüsse lassen will, abgelehnt. Die Konser verwirklicht. wie das Bäckergewerbe. Mit einer Reihe von Wenn und vativen, die den großen Städten nun einmal nichts gönnen, Den gewichtigen Gründen für denselben konnte sich Aber und mit Bitten für Durchführung der Wünsche der stimmten nicht nur gegen diesen Antrag, sondern auch aber keine Partei des Reichstages ganz entziehen, man er- Innungsfreunde erklärte sich der Zentrumsredner Hiße für Fall der Gingemeindung von Orten mindestens der Betrag Antrag Porsch, welcher bestimmt, daß im klärte, daß in den Gewerben, wo durch übermäßig lange die Vorlage. Der Manchestermann Pachnicke forderte gezahlt werden muß, den die einzelnen Gemeinden vorher be Dauer der täglichen Arbeitszeit die Gesundheit des eine Normal Arbeitszeitwoche statt eines Normal- kommen haben. Wenn es nach den Junkern gegangen wäre, fo Arbeiters gefährdet werde, das Bedürfniß zu obrigkeit Arbeitstages, um die Umgebung im großen Stile zu ermög- wäre auch dieser Antrag gefallen; da aber alle Parteien des licher Festsetzung der Arbeitszeit vorliege und daß lichen und die Verordnung ganz werthlos zu machen. Saufes dafür waren und auch der Finanzminister Dr. Miquel für diese Fälle der Bundesrath Dauer, Beginn und Ende Ein Vertreter der freisinnigen Volkspartei wird erst morgen nichts dagegen einzuwenden hatte, so wurde der Antrag Porsch der zulässigen täglichen Arbeitszeit und der zu gewährenden zum Worte kommen. Was er gegen die Verordnung fagen angenommen. Da das Haus die vom Präsidenten gestellte Pausen vorschreiben und die zur Durchführung dieser Vor- wird, weiß man schon aus den Leitartikeln der Frei Frage, ob eine Verfassungsänderung vorliege, verneinte, so fand die Gesammtabstimmung über den Gefeßentwurf sofort statt. schriften erforderlichen Anordnungen erlassen solle(§ 120e finnigen Zeitung" über die Bäckerenquete und die Bundes- Außer dem Zentrum und den beiden tonfervativen Parteien al, 3 d. Gew.- Ordn.). raths- Verordnung. stimmten jetzt auch das Gros der Nationalliberalen für das Gefeß, nur wenige, unter ihnen Dr. Sattler und v. Eynern, 10 10 Die verbündeten Regierungen haben sich nicht beeilt, Tene. ( Nachdruck verboten.) gegen einen Unser Reduer, Genosse Molkenbuhr, war der einzige, wickelung aufgehalten; als wär ihr ein Knoten auf- modische Fleisch, das ganz zerkoche, und von dem nicht ein. gefahren, schoß sie jetzt in die Höhe. Ihr Magen mal ein Stückchen Schwarte übrig bleibe. Roman von Nicolaus Krauß. schrie ordentlich nach Speise, und im Schlafe träumte Nach der Suppe trant dann Lene mit der Lehrerfie von nichts als vom Essen und Trinken. Trotzdem tam Familie die braune trübe Brühe, die man Kaffee nannte, Auch die Kinder waren betrübt, als sie erfuhren, daß sie nicht einmal zur Tante, um sie um ein Stückchen Brot das Brot sparte sie sich für später auf. Für den Mittag diesmal die Ernte nicht besonders gut ausgefallen, aber sie zu bitten, sie wartete stets, bis man sie rief. Aber sie hatte sie sich wieder ein ganz anderes Handelsgeschäft auswaren bald wieder getröstet. Kaspar hatte sich schon auf suchte sich auf andere Weise zu helfen. Die alte Rosel aß gedacht. Zwei, dreimal in der Woche machte die Lehrerin dem Heimwege davon gemacht, um in der Auschel- Lohe früh immer schon sehr zeitig, und jeden Tag Pfeffer- Gößen", geriebene, zu einem steifen Brei gequirlte Kartoffel, nach vergessenen Haselnüssen und hängen gebliebenen Holzbirnen suppe, obgleich ihr das scharfe Gewürz stets die die in einer Blechpfanne gebacken wurden. Er wurde ganz zu spähen, Margareth, die Aelteste, dachte an das Graduale, Thränen in die Augen und den Husten in die Kehle heiß gegessen, und den Bauernmädchen aus den entdas sie am nächsten Sonntag in der Kirche spielen sollte. trieb.„ Aber das macht nichts," sagte sie jedesmal, feruteren Dörfern lief nach ihm das Wasser im Um so schärfer hatte die unglücksbotschaft die Lene ge- wenn man sie zur Rede stellte, weshalb sie denn das scharfe Munde zusammen. Das hatte Lene gar bald heraustroffen. Schon am ersten Tage nach ihrer Ankunft war Beug effe, der Pfeffer ist halt gar so viel g'sund". Das gebracht. Und nun begann der Tauschhandel. Sie das Gefühl in ihr erwacht, daß sie in dem Hause ihres erste Mal, als Lene mit einem Löffel kam und aus ihrer gab ihre beiden Stückchen Gößen" und erhielt dafür ein Onkels eigentlich nichts sei, als ein überflüssiger Esser. Schüssel miteffen wollte, machte sie zwar große Augen, aber großes Trumm Brot. In der Mitte war ein rundes Loch Die Pächtersleute in Leibitsch hatten es ihr ja ins Gesicht schon im nächsten Augenblick schob sie ihr die runde Mulde geschnitten und in dieses Butter hineingedrückt. Der herausgeschrieen, daß sie sie noch arm fressen würde. Und die nickend zu. Sie wußte, wie es that, ohne Vater und geschnittene Brottegel lag auf der Butter als Stöpsel. bekamen doch das Essen bezahlt. Ihr Bruder, der May, Mutter in der Welt zu stehen. Hatte doch auch ihr ein Reines der Kinder aß diesen Stöpsel; sie wurden auf das hatte es ihr gesagt, als er einmal gekommen, langes, ödes und einsames Leben nichts gebracht als Mühe Fensterbrett gelegt, gelegt, das fich hinter der der großen um nachzuschauen, wie wie es ihr gehe. Aber der und Plage. Schultafel befand. Um diese Stöpsel führten die Onkel und die Tante? Sie hatte nichts vom Geld reden Bei dem Suppenessen war Lene bald im Vortheil. Lene und die Rosel, welche welche die Brotreste ihren hören, noch nicht einmal. Und sie waren doch nicht reich! Gleichmäßig hob sie einen Löffel nach dem anderen zum Kühen zuwenden wollte, schon nach kurzer Zeit einen Das hatte fie gleich auf den ersten Blick gesehen. Ganz Munde; der Rosel aber kam mit jedem Schluck der Pfeffer erbitterten Krieg, in dem alle Mittel galten. Die Alte fnapp wurde gekocht, gerade daß es hinausging; die ganze in Kehle und Nase, und dann mußte sie husten oft minuten kannte wohl den Widerwillen, den die Kinder gegen die Woche gab's feinen Bissen Fleisch, nur für den Sonntag lang, und dann wieder schimpfen über den vermaledeiten Stöpsel hatten, und deshalb hatte sie einige Taglöhnerwurde ein Pfund Schweinernes gekauft, und das war Beißer, von dem sie doch nicht lassen konnte. Und auf frauen, welche öfter in das Schulhaus tamen, im Verdacht, weiter nichts als ein Fettbrocken. Selbst mit dem Brote einmal war die Schüssel leer. Aber nie erhielt das Kind sie würden die Brocken mitnehmen, um sie ihren Hühnern mußte gespart werden, und es wurde den Kindern ein böses Wort von der Alten. zu verfüttern. Immer wieder legte sie sich auf die Lauer, zugeschnitten erst nach langem Auszirkeln. Und wie Am besten schmeckte Lene die Suppe immer am Montag. um die Malefizdiebe abzufassen, die dann barbarisch ge oft tlagte die Tante, daß schon wieder kein Stäubchen Rosel aß am Sonntag nie das Fleisch, das ihr zugetheilt straft werden mußten, aber während sie unten wartete und Mehl mehr in der" Alma" sei und fein Löffel voll mehr wurde. Sie zerschnitt es in ganz kleine Stückchen und setzte wartete, war das Brot oben längst verschwunden, daß kein in dem Fetttopfe. es Montag früh ihrer Suppe zu. Wenn sie nun husten Brösel mehr zu sehen war. Als die Rosel mit ihrem AufJeder Bissen quoll Lene im Munde, weil sie sah, wie mußte und nicht hinsehen konnte, fuhr Lene schnell mit passen gar teinen Erfolg hatte, räsonnirte sie sich in eine schwer es ihren Verwandten ankam, ihn zu beschaffen. Und ihrem Löffel nach einem der Bröckchen und schob es in den immer größer werdende Wuth hinein. Zuletzt warf sie doch hatte sie jezt den ganzen Tag Hunger. Die färg- Mund. Seit dieser Zeit flagte die alte Magd zu jedem, ihren ganzen Haß auf die Baueru. I, diese Geizteufel und liche Nahrung in Leibitsch hatte ihre körperliche Ent- den sie ihres Vertrauens für würdig hielt, über das neu- Lausschinder waren auch das im stande. Die gaben die machten diese pltitzliche Schwenkung nicht mit. Eigentlich knitte jetzt die Sitzung geschlossen werden können, aber die Kommission hatte noch ein übriges gethan und eine Resolution ein- gebracht, in welcher die Regierung aufgefordert wird, dem Landtage baldigst ein allgemeines, auf christlicher und konfessioneller Grundlage beruhendes Volksschulgesetz vorzulegen. So mußte denn das Haus noch mehrere Stunden alles das mit anhören, was bei der Debatie über den Kultuselat und bei der ersten Lesung des Lehrerbesoldungs-Gesetzes schon die Zuhörer gelangweilt hatte. Der Kultusminister erklärte auch heute wieder, daß er die Zeit für die Einbringung eines solchen Gesetzes nicht für geeignet halte, aber trotzdem hielt die konservaliv-klerikale Mebrheit an ihrer Resolution fest, die schließlich in namentlicher Abstimmung mit 2<-)9 gegen 43 Stimmen angenommen wurde. Die Parteien der Linken verließen vor der Abstimmung geschlossen den Saal, um Beschlußunfähigkeit des HanseS herbeizuführen, weil die Mehr- heil sie wieder einmal vergewaltigt hatte. Doch hatte diese Taktik keinen Erfolg.— Am Donnerstag wird die Kreditvorlage weiter berathen. Herr v. Hammerstein ist, wie ans dem Gerichts- dericht hervorgeht, nach unerwartet kurzer Verhandlung zu drei Iah reu Zuchthaus verurtheilt worden. Damit hat der einstmals muthige Führer der Junkerpartei als Privatmann für die Oeffentlichkeit abgeschlossen mit dem Leben. Obgleich nun aber der Gerichtspräsident sich bemüht hat, deni Prozeß selbst einen gänzlich unpolitischen Stempel auszudrücken, wird die Affäre Hammerstein doch als Element zur Beurtheilung unseres politischen und gesellschaftlichen Lebens ihren Werth behalten. Sie läßt sich nicht ignoriren, sie läßt sich nicht ausmerzen, auch nicht durch richterliche Privatgutachten. Und so wird sich die Oeffentlichkeit nicht nur mit der prozessualischen, sondern auch mit der politi- scheu Seite des Hammerstein-Prozesses zu beschäftigen haben. Denn es g i e b t noch eine Oeffentlichkeit.— Das neueste vom ambulanten Gerichtsstand. In Magdeburg hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben gegen die Genossen Vahle in Magdeburg, Ko- k o s k y in Berlin und K a s ch in H a r b u r g wegen angeblichen Vergehens gegen KZ 130, 41, 47 des Straf- gesetzbuches, sowie gegen Z 20 des Reichsgesetzes über die Presse. Jnkriminirt ist der Schluß einer Novelle, be- titelt:„Ter neue Lazarus", welche in der s. Z. von Kokoskp redigirten„Neuen Welt" im November v. I. abgedruckt war und deren angeblicher Verfasser der Genosse K a s ch ist. Vahle zeichnete verantwortlich die Nummer der„Magde- burger Volksstimme", welcher die„Neue Welt" beigelegt war.(!) Das Vergehen wird hauptsächlich in dem Abdruck des Herwegh'schen Arbeiter- Bundesliedes erblickt. Hier haben wir es mit einer wahrhaft mustergiltigen Anwendung des ambulanten Gerichtsstandes zn thnn. Der Verfasser und der Drucker wohnen in Hani- bürg, der Redakteur in Berlin:— an beiden Orten findet kein Staatsanwalt etwas Verfängliches in der betreffenden Novelle, welche, nebenbei bemerkt, eine rein dichterische Schilderung der Hamburger Choleraperiode bildet,— aber der Staatsanwalt in Magdeburg, wo wie an vielen anderen Orten die„Neue Welt" dem lokalen Parteiblatt beiliegt, der fühlt sich verpflichtet, einzuschreiten. Genosse K a s ch hat es in der Voruntersuchung abgelehnt, irgend welche Aussage zu machen mit der Begründung, daß er die Magdeburger Staatsanwaltschaft für inkompetent halte, in dieser Angelegenheit überhaupt vorzugehen. Unseres Er- achtens überschreitet allerdings nach der bisherigen Praxis unserer Gerichte die MagdeburgerZStaatsamvaltschaft n i ch t ihre Befugnisse, wenn sie wegen der fraglichen Artikel in Magdeburg Anklage erhebt, da ja die„Neue Welt" auch in Magdeburg zur Ausgabe gelangte. Bei Anerkennung des ambulanten Gerichtsstandes läßt sich also dagegen prinzipiell nichts einwenden. Wohl aber erscheint uns die Anklage gegen den Genossen Vahle in Magdeburg durch- ans unhaltbar, da für die als Beilage der„Volksstimmc" verausgabte„Neue Welt" ein besonderer verantwortlicher Redakteur ausdrücklich angegeben ist. Jedenfalls aber liefert dieser Prozeß wieder einmal einen Beweis, zn welchen ungeheuerlichen Konsequenzen die Rechtsgiltigkeit des ambulanten Gerichtsstandes führt.— Das Ministerium Bourgeois hat, nachdem der Senat gestern die Alittel für die Truppen in Madagaskar verweigcrr hat, dem Präsidenten F a u r e mitgcrheill, daß es unter solchen Umständen die Regierung nicht fortführen könne. Da sich aber ein Regierungs- Wechsel nicht in Abwesenheit der Kammer vollziehen könne, Stöpsel den Kindern gar nicht mit, nur, damit die Lehrers- kühe keine Milch geben sollten. Und wenn sie darauf die Lehrerin auslachte, wie sie sich denn über so eine Dummheit gar so ereisern könne, brach sie erst recht los:„Was? dumm? Wer dumm? Ich dumm? Oha! Das können höchstens andere Lent sein. Mir lernt ka Mensch d' Bauern kenna. Fünfzig Jahr Hab i unter ihna dient, i kenn' sie und iveiß, daß es kein nothigers Glumpert giebt im Himmel und auf Erden..." Auch sonst noch fiel für die Lene manches ab; ein Stückchen Butterbrot, ab und zu ein Apfel, ein Schmalz- küchel, ein Streifen Kuchen. Wenn sie mit einer Kameradin in deren Haus ging, sagte manche Bäuerin, nachdem sie ihre Tochter betheilt:„Gieb' auch der Lene etwas davon; weißt ja, daß sie keine Mutter mehr hat." Im allgemeinen hielt sich Lene mehr zu den Buben als zu den Mädchen. Sie konnte und wollte nicht soviel schwätzen und plaudern, umsonst und wider nichts. Selbst mit den Mädchen ihrer Tante stand sie nicht auf be- sonders vertrautem Fuße. Margarcth war einige Jahre älter und hatte fast gar keine Zeit für sie übrig; jetzt mußte sie Noten schreiben, dann dem Vater Rechnungen für die Feuersteuer zusammenstellen, sie übte aus dem alten Spinett, das droben im Paterstübel stand, und lernte das Orgelspiel. Mit der Life ivar noch weniger anzufangen. Wenn die nicht in der Schule war, mußte man sie in der Kirche suchen. Sie betete alle Gebet- bücher, die im Hause waren, der Reihe nach durch, kannte alle Rosenkränze in der Gemeinde, schmatzte die kleinen papierenen Heiligenbildchen ab, fuhr nnt dein Flederivisch über die großeil Holzheiligen und scheuerte die Treppen, die zu den Altären führten. Wie oft sagte ihre Mutter: „O wenn doch unsre Liesel ein Bub' worden wär'! Dann hätten wir doch auch einen Pater in der Verwandtschaft." So fromm war Lene nicht. Sic kannte, so lange sie in Leibitsch war, die Kirche fast nur vom Hörensagen; des- halb fehlte ihr auch das mystische Element, welches alle die uniwölkt, die im Schatten eines Kirchlhnrms aufwachsen. (Fortsetzung folgt.) so habe es beschlossen, die Kammer für den morgigen Tag— Tonnerstag— tclcgraphisch znsammenzubernsen. Der Präsident nahm hiervon Kenntniß; und die Kammer, die bis in den Mai beurlaubt war, ist telegraphisch auf morgen einberufen. Durch die Aktion des Senats und den Entschluß des Kabinets ist eine eigenthümliche Lage geschaffen. Hat das Ministerium auch formell seine Ent- lassung eingereicht, so hat es doch thatsächlich der Kammer die Entscheidung übertragen. Die Ra- dikalen und Sozialisten werden nun an das Ministerium die Aufforderung richten, das Votum des Senates zu ignoriren und im Amte zu bleiben. Findet sich hierfür eine Majorität, so haben wir den fertigen Konflikt. Läßt die Majorität Bourgeois im Stich, so haben wir die Vertagung des Konflikts. Der Kampf gegen den Senat dauert unter allen Um- ständen fort. Die Sozialisten und Radikalen haben in ganz Frankreich die Bewegung gegen den Senat in Fluß gebracht; am dritten Mai— dem ersten Sonntag im Mai, wo die französischen Gemeindcwahleu alljährlich vor sich gehen— wird der Wahlkampf durch die Stellung der Parteien zur Verfassungsrevision bestimmt werden; und fallen die Maiwahlen so aus, wie es nach der allgemein zu tage tretenden Stimmung der Massen zu er- warten ist, so wird das Ministerium Bourgeois sehr bald zurückkehren als K o n f l i k t s m i n i st e r i n m. Mit einem Wort: wir stehen jetzt in Frankreich nicht am Ende eines politischen Kampfes, sondern nur am Ab- schluß des Vorspiels.— Ans Paris liegen folgende Depeschen vor: Wie versichert wird, habe Präsident Faure das Ent- l a s s n n g s g e s n ch des Kabinets genehmigt. Die Entlassung solle erst»ach der Sitzung der Deputirtenkannner offiziell"bekannt gegeben werde». Man glaubt. Faure werde versuchen, ein Vcrsöhnungs- und 5konzentralions- Ministerium zu bilden. In den Wandelgängen der Kammer werde» als geeignet für die Umgestaltung des Kabincls genannt Peytral, Bieline oder Bourgeois, letzterer für den Fall, daß die Teputirteukaunner ihm ein Vertrauensvolnm ertheilen sollte. Ministerpräsident Bourgeois hat den auf Mitt- woch angesetzte» Wochenempfang des diplomatischen Korps ab- gesagt. Bourgeois arbeilet an der Erklärung, welche er morgen in der Kammer verlesen will, nachdem er sie vorher seinen Kollegen unterbreitet haben wird. Die republikanischen und konservativen Blätter beglückwünschen den Senat, daß er dem Kabinet die Verpflichtung auferlege, zu demissioniren, und sprechen den Argwohn aus, daß Bourgeois durch die Einberufung der Kammer einen Konflikt zwischen Senat und Kammer hervorrufen wolle. Die radikalen und sozialistischen Blätter tadeln den Rückzug des Kabinets, den sie als Kapitulation hinstellen. Sie sehen für ein zukünftiges Kabinct eine schwierige, wenn nicht unmögliche Stellung voraus. Man verspricht sich für morgen in der Kammersitzung eine lebhafte Debatte; die Radikalen werden einen Antrag einbringen, in welchem das Kabinet aufgefordert wird, im Amte zu bleiben. Chronik der MajestätSbeleidigUiigs- Prozesse. In Salle stand am 20. April vor der Strafkammer nur eine ache, Majestätsbeleidigung betreffend, zur VerHand- lnng, und zwar unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Frau Emilie B r i e st geb. Rösccke aus Burg b. M.. Gattin eines Maurers, war vom Landgericht Magdeburg wegen Majestäts- beleidignng zu 4 Monaten Gefängnis! verurtheilt worden, ivo- gegen sie beim Reichsgericht Revision eingelegt halte. Das Reichsgericht verwies die Sache an das Landgericht Halle zurück. Die Verhandlung gestaltete sich sehr umfangreich, denn eine große Anzahl Zeugen war geladen worden. Sie endete mit Frei- s p r e ch u n g, da, wie es in der Urtheilsbegründung hieß. Aussage gegen Aussage stand und die Sache nicht genügend auf- geklärt erscheine. Gegen verschiedene bayerische Blätter war wegen Abdrucks der Aeußerungeu Dr. Q u i d d e' s, welche zu dessen Verurtheilung zu drei Monaten Gesängniß wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u» g führten, das Strafverfahren ein- geleilet worden. Dieses Verfahren wurde nunmehr ein- gestellt, aber den betreffenden Redaktionen eine„Verwarnung" ertheilt, sie möchten bei Ausnahme derartiger Berichte mit Vor- ficht zu Werke gehen, da in dem Abdrucke nach einem reichs- gerichtlichen Urtheil eine Aneiguug der strafbaren Aeußerung er- blickt werden k a n n. Es wäre sehr zu wünschen, daß im ganzen Deutschen Reiche die Gerichte bald zu der Einsicht kämen, es sei ralhsamer, wahr- heitsgetreue Berichte auch über Majestätsbeleidigungs-Prozesse überhaupt nicht strafbar zu machen.�— Deutsches Reich. — Die Stichwahl im Reichstags-Wahlkrerse Osnabrück-Iburg hat den Sieg des nationalliberalen Gutsbesitzers W am Hof mit 14 040 Stimmen ergeben, während auf seinen weifischen Mitbewerber v. Scheie 13 425 Stimmen gefallen sind; gegenüber dem ersten Wablgange hat der National- liberale einen Gewinn von 4369, der Welse einen solchen von 1612 Stimmen erhallen. Ter beträchtliche Zuwachs der für Waurhof abgegebenen Stimmen erklärt sich wohl hauptsächlich durch den verstärkten Druck, den die Partei des Großunter- nehmerthums im Verein mit der Beamtenschaft ausgeübt hat, so daß aus den neutralen Parteien Tausende an die Urne getrieben wurden, um für Wamhof ihre Stimme abzugeben.— — Zur Mandats niederlegung des A b g> Köhler wird der„Deutschen Tageszeitung" aus Gießen. 21. April, geschrieben: Reichstags-Älbgeorbneter Köhler(deutsche Reformpartei) erklärt in einer hiesigen Blättern zugegangenen Berichtigung, daß er vom l. Mai d. I. ab die durch den Tod seines Vaters erledigte Kaiserliche Postagentur in Langsdorf übernehmen und von diesem Tage an seine Wahl zum Reichstage ungiltig werde.(?) Das Mandat zum hessische» Landtage erlischt hierdurch nicht." — Reue Ausnahmen vom Verbote der Sonn- t a g s- A r b e i t im Gewerbebetrieb hat der Bundes- r a l h am 20. April bekannt gegeben und sofort in kraft treten lasse». Es handelt sich um ö, cheniische Wäscherei und Schönfärberei für Kleidungsstücke. Zugelassen wird der Betrieb an sechs Sonn- oder Festtagen im Jahre bis 12 Uhr mittags. Diese Ausnahme findet auf das Weihnachts-, Neujahrs-, Oster-, Himmelfahrts- und Pfiugst- 'est keine Anwendung.— Tie Sonn- und F e st t a g e, an denen die Beschäftigung gestattet ist, können von der Orts- Polizeibehörde festgesetzt werden. Wo dies nicht geschehe» ist, muß die Beschäftigung vor dem Beginn der Ortspolizeibehörde angezeigt werden.— — König S t u m m' s Prahlereien pflegen nicht gut auszuschlagen. Der Generalgewaltige des Saarreviers hatte in seiner jüngsten Rede sich gerühmt:„Als die Eisenbahn- Direktion zwischen Trier und St. Johann schwankte, da war ich es, der es durchsetzte, daß sie nach St. Johann verlegt wurde. Und als es jetzt wieder hieß. durch Ankauf der Ludwigsbahn solle die Direktion nach Mainz verlegt werden, war ich sofort bei der Hand, mich mit dem Minister in Verbindung zu setzen. Ich habe die Sache ins Klare gebracht, die Direktion bleibt in St. Johann. und nun wagen die Leute zu sage», bei all' diesen Sachen stehe mein Interesse im Gegensatz zu dem öffentlichen Interesse." Daraus wird nun der„Könischen Volkszeitung" erwidert: „Für Eingeweihte hat diese Erklärung zwar nichts Neues ge- bracht, es ist aber für unsere heutigen öffentlichen Zustände höchst bezeichnend, daß ein Privatmann sich eines derartige» Einflusses auf die Entschließungen höchster Staatsbehörden öffent- lich rühmen kann. Um die Machtstellung des Schloßherrn v. Hal- berg in ihrer volle» Bedeutung würdigen zu können, wäre es von Wichtigkeit, zu wissen, ob der Herr Minister Thielen von den zuständigen Behörden über die abnormen Theuerungs- Verhältnisse in den genannten Städten uuterrichtel worden war zur Zeit, als die Wahl zwischen Trier und Saarbrücken schwankte." Eine Antwort des Herrn Ministers Thielen wäre aller- diugs seh: erwünscht.— — General-Lieutenant von Spitz, ein noch sehr rüstiger Mann, der als Abtheilungschef im Kriegsministerium im Reichstage öfters zum Worte kam. soll seinen Abschied er- hallen haben und durch den General Viebahn ersetzt worden sein. So mehren sich unausgesetzt die pensionirten Generale; man weiß nicht, warum. Zur Erklärung der auffälligen Dienstenthebung des Generals v. Spitz deutet die„Voss. Ztg." darauf hin, daß nach Maßgabe der neuen Organisation unserer obersten Heeresverwaltung zu dem Geschäftsbereich seines Departements vor allem das gesammte Militärjustizwesen, einschließlich der ehrengerichtlichen Sachen gehört. Der Entwurf zu einer neuen Militärstrafprozeß- ordnung liegt in den Händen dieses Departements, und sein bisheriger Direktor war nächst dem Kriegsminister der berufene Träger und Vertreter der geplanten, aber immer wieder zurück- gehaltenen Neuordnung. General v. Spitz befand sich mit seinem Ressortchef in vollster Uebereinstimmung, er war bis ins einzelne genau unterrichtet und würde die neuen Grundsätze der Oeffentlichkeit, Mündlichkeit, verbunden mit erweiterte» Ver- theidigungsrcchten und Berufungsinstanzen mit vollster lieber- zeugung auch vor den gesetzgebenden Körperschaften vertreten haben. Ei» eigenthümliches Zusammentreffen der Thatsachen darf nicht unerwähnt bleiben: auch der Oberstlieutenant Fleck, Chef derjenigen Abtheilung in dem Departement für das Invaliden- wesen, in deren Geschäftsbereich die Einzelbearbeitung des Militär-Justiz, vesens fällt, ist durch dieselbe Kabinetsordre unter Stellung zur Disposition zum Kommandeur des Land- wehr-Bezirks Hannover ernannt und so seiner bisherigen Thätig- kcit auf dem viel umstrittenen Gebiete enthoben worden. Das Blatt kommt dann zu dem Schluß:„Fast darf man den Eindruck gewinnen, als würde grundsätzlich mit allen denjenigen Personen aufgeräumt, die eine» Einfluß auf die Weiterentwickelung der schwebenden Militärjustizsrage hätten demnächst einmal ausüben können." Da auch für den Rücktritt des Generals v. Blume in Straß- bürg die nämlichen Gründe angegeben wurden, ist diese Vermuthung nicht ohne Anlaß. Auch dem Kriegsminister wird im Zusammenhang damit der Rücktritt in Aussicht gestellt und er ist doch sonst ein so schneidiger Kämpe für Ordnung, Sitte und Religion.— Aus Obcrschlesien. Vor dem polnisch-katholische» Blatt „Katholik", dem das Zentrum die Hauptschuld an seinen Wahlniederlagen in Oberschlesien beimißt, wird in vielen Kirchen von der Kanzel herab gewarnt. Jetzt hat die Zentrums-Geistlich- keil eine» größeren Trumpf ausgespielt. Kardinal Kopp bat der Redaktion eröffnet, der Papst sei unangenehm davon berührt, daß katholische Blätter den ihnen früher ertheilten apostolischen Segen auch später»och an der Spitze jeder Nummer erwähnten. Im Einvernehmen mit dem päpstlichen Staatssekretariate fordere er daher die Redaktion auf, des früher ertheilten apostolischen Segens in der bisher beliebten Weise nicht mehr Erwähnung zu thun. Nun wird es sich ja zeigen, ob mit dem päpstlichen Segen auch der Abonncntenkreis des Blattes unter der Bauern- und Arbeiterbevölkeruug dahin schwinden wird. Wir glauben Kardinal Kopp hat falsch gerechnet.— Würzburg, IS. April. In der„Augsb. Postztg." wird daran erinnert, daß der K r i e g s m i n i st e r in der Abgeordnetenkammer als Aufgabe der Offiziers- Ehrengerichte bezeichnete, das Duell zu verhüten. Nun kam es vor einiger Zeit dahier vor, daß ein Philister einer katholischen Studentenverbindung in Uniform als Reserveoffizier von einem bezechten Korpsstudenten in einem Cafe angerempelt wurde. Er machte vorschriftsmäßig beim Ehrengericht Anzeige und dieses erkannte, daß er mit dem Korpsstudenten auf Schläger„loszugehen" habe. Der Reserveoffizier mußte selbstverständlich, um nicht kassirt zu werden, aus der katholischen Studentenverbindung austreten und paukte sich ein. Das Duell fand in einem Räume des Bezirkskommandogebäudes statt und der beleidigte Reserveoffizier— erhielt den Kopf verhauen..»Nun fragen wir— ineint das Blatt— in welcher Weise ist das Ehrengericht nach den Worten des Kriegsministers dazu dage- wesen, ein Duell zu vermeiden, was gerade hier sehr nahe lag?" — Die Frage erscheint sehr berechtigt und die ultramontanen Herren mögen sie nur im Landtag stellen. An sie selber aber darf man die Frage adressiren: wo bleibt denn da der Einfluß der katholischen S t u d e n t e n v e r e i n e. wenn deren Mitglieder sich zur höheren Ehre des Militarismus„den Kopf verhauen" lassen.— München, 21. April.(Eig. Bericht.) Die Verhandlungen der bayerischen Abgeordnetenkammer haben heute„auf un- bestimmte Zeit" unterbrochen werden müssen, weil— die Aus- schüsse keinen Beralhungsstoff vorbereitet haben. Mitte nächster Woche hofft der hochmögende Finanzausschuß wieder einige Arbeit für das Plenum fertig zu haben. Diese unfreiwillige Vakanz, welche dem Lande ungefähr 30 000 Mark Mehrkosten verursacht, ist einestheils herbeigesührt durch den Umstand, daß infolge einer gänzlich veralteten Geschäftsordnung der Schwer» punkl der parlamentarischen Arbeit in die Ausschüsse verlegt ist. So muß z. B. jeder einzelne Etat zuerst im Finanzausschuß durch- berathen werden, ehe das Plenum sich damit befassen darf. Anderentheils tragen die unzulänglichen Dispositionen des Präsidenten die Schuld an dem sonderbaren Ereigniß. Herr von Walter läßt die Landboten bis zur Erschöpfung tagen, so daß die Ausschußmitglieder keine Zeit für ihre Spezialarbeit finden. Diese Hätz, welche einen früheren Schluß der Session herbeiführen soll, hat nun, wie man sieht, den Erfolg einer etwa I4tägigen Verlängerung. Vor Milte Juni wird daher an einen Schluß der jetzigen Tagung nicht gedacht werden köunen. Sozialdemokratischer Kandidat für die Neichstags-Ersatzwahl in Ansbach- Schwabach ist Genosse Ferd. Baumeister. Schreiner in Spalt. Baumeister gehört zur alten be- währten Garde der Partei. Er ist Vorsitzender des Gemeinde- kollegiums in Spalt. Um gleichzeitig für die dortige Wahl agitatorisch wirken zu könne», soll, wie wir hören, der bayerische Bauernbund seine diesjährige Generalversammlung in Ansbach abhalten. Diese Generalversammlung hat auch die Neuwahl des Bundes- Vorstandes vorzunehmen, welche ausschlaggebend sein wird für die Einigung der vberbayerischeu Sondergruppe mit dem Bund.— München, 22. April. Freiherr v. Zoller, der Lehnsherr von Fuchsniühl, wird, wie bestimmt feststehen soll, nach einer Mel- dung des Bureaus Herold, demnächst zum Ober-Landesgerichts- rath befördert werde». Mülhausen i. Elf., 22. April. Ein Privattelegramm meldet uns die Veruriyeilung unserer Genossen Martin- Mülhausen und K e h l e r- M a n n h e i m zu 1 Jahr beziv. 6 Monaten Gesängniß wegen Beleidigung zweier Nachtwächter, begangen durch eine» Artikel in der„Mannh. Vollsst.". Der Inhalt Italien. richtig! rechts.) Bei der Zusammensehung des Hauses konnte er wissen, daß seine Angriffe das Gegentheil von dem bewirken mußten, was er bezweckte. Gin Zusammengehen aller Parteien in dieser Frage sei umfomehr zu wünschen, als weitere größere Biele anzuftreben bleiben.( Beifall.) Abg. Frhr. v. 3edlitz( ft.) theilt die Verfassungsbedenken Jenes Artikels war furz folgender: Mitten in der Nacht ertönen| Berichterstattung mundet das so wenig, daß der opportunistische auf offener Straße laute Rufe wie: Vive la france!" und der Abgeordnete Descules einen freilich ganz aussichtslosen Antrag gleichen. An die Fenster eilende Anwohner sahen als Urheber plant, den„ General- Anzeiger" ganz abzuschaffen. der Rufe einen feingekleideten, den besseren Kreisen angehörenden Herrn gefolgt von einem anderen, der ihn zu beruhigen versucht. Dies Beginnen ist resultatlos, die Rufe werden MajestätsGegen Crispi aus der Schule geschwat beleidigungen. Die Nachtwächter erscheinen. Der Begleiter hat sein früherer Kollege, der Erkriegsminister Mocenni. des Abg. Rinteln nicht; daß die Mehrheit des Hauses dem Anparlamentirt leise mit ihnen und die Beamten verschwinden, ohne Dieser Herr hielt am Sonntag in Siena vor seinen Wählern trage des Dr. Sattler sich entgegenstellte, lag hauptsächlich an gegen den Rufer einzuschreiten. Dieses Verhalten ist um so auf eine Rede zu seiner und seiner Minister- Kollegen Bertheidigung. Der Begründung durch die Antragsteller. Seine Freunde werden fälliger und unerklärlicher, als diese Beamtenkategorie in Mül- Alle Schuld für die Niederlage von Adua suchte er auf den un der Vorlage zustimmen. hausen sonst sehr leicht zu Verhaftungen schreitet. Beugen glücklichen Baratieri zu wälzen. In seiner Mohrenwäscherei Abg. v. Pappenheim( t.): Ein Theil meiner Freunde wollten bemerkt haben, daß der begleitende Herr erst in die ging Herr Mocenni aber ein wenig zu weit und erzählte, daß stimmt gegen die Vorlage, weil durch dieselbe das Zustande Tasche gelangt und dann gegen den einen Nachtwächter eine Be- mit bezug auf die afrikanische Expedition eine wahre tommen eines Boltsschulgesetzes hinausgeschoben wird. wegung gemacht habe, als ob er ihm etwas in die Hand drücke. Anarchie im Ministerium geherrscht und daß kein Mensch Abg. Plek( 3) hält die Bemessung der Staatsunterstützung Daraus deduzirte der Artikelschreiber, Genosse Martin, daß die einen Begriff von der wirklichen Lage gehabt habe. Noch nach für größere Städte, wie die Vorlage sie vorschlägt, für ungerecht. von Amba Aladfchi habe das Die Steuerreform habe keineswegs den Städten so große Vortheile Nachtwächter ein Geschenk angenommen hätten. Welche Erdem verlustreichen Treffen flärung die Sache vor Gericht erhalten hat, ist uns noch unbekannt. Ministerium den von ihm, Mocenni, erlassenen Befehl auf Ent: gebracht, daß fie den Staatszuschuß entbehren könnten. Wird dies Wir werden natürlich auf dieselbe zurückommen. Genoffe sendung von 6 Bataillonen Verstärkung, ohne ihm etwas Gesez angenommen, so bleibt das Zustandekommen eines VolksReßler erhielt seine Strafe als der verantwortliche Redakteur der u sagen, rückgängig gemacht, so daß er nur mit Mühe schulgesetzes ausgeschlossen; der Streit über dieses sängt erst da Volksstimme". Genosse Steßler soll erst gegen Bahlung einer die Entfendung einiger Verstärkungen noch schließlich durchsetzen an, wo die tonfeffionellen Bedenken aufhören. Raution von 6000 M. auf freien Fuß gesetzt werden. konnte. Ferner erfahren wir, daß Varatieri's Absetzung schon 3 Wochen vor der Schlacht von Adua beschlossen, aber aus dem einem oder anderen Grunde nicht zur Ausführung gebracht und im nicht mitgetheilt wurde. der Abg. Dr. Dittrich( 3.) spricht für die Vorlage. Abg. v. Ehnern( natl.) hat die anfänglich gehegten Verfassungsbedenken aufgegeben. Den Antrag wegen des Staats. beitrages für Großstädte haben seine Freunde wieder eingebracht; Von den Crispi'schen Telegrammen, die Baratieri zur Gründe der Gerechtigkeit sprechen für denselben, selbst wenn bei Schlacht zwangen, erzählte Mocenni nichts, aber was er erzählte, dessen früherer Begründung ein hartes Wort gefallen sein sollte. genügt, um zu beweisen, daß im Ministerium Crispi nicht blos Mit diesem Gesetz lassen Sie einen Stachel bei den großen Städten die größte Korruption und die gewaltthätigste Brutalität ge zurück und beeinflussen nachtheilig deren Boltsschulwesen. Nehmen herrscht hat, sondern auch eine wahrhaft unglaubliche Lotter- Sie den Antrag Sattler an, ich bin überzeugt, daß der Finanzwirthschaft.minister die Borlage an den 11/2 Millionen Mehraufwendungen, die der Antrag Sattler bedingt, nicht scheitern lassen wird. England. In Saarburg wurde, wie die Frankf. 3tg." mit theilt, ein zweiter Polizeibeamter namiens Grau unter dem Verdachte verhaftet, den im Polizeiarrest vor Hunger gestorbenen Musikanten Stick eingesperrt und tagelang ohne Nahrung gelassen zu haben. Der französische Staatsangehörige J. Roncard, der Kollekteur des Metzer Gesellen vereins, wurde ohne Angabe von Gründen aus den Reichslanden ausgewiesen. Die der Schulkommission württem bergischen Abgeordnetenkammer beschäftigte sich London, 21. April. Im englischen Unterhause( Bravo! links.) 5 Tage lang mit den Petitionen der Volksschullehrer, in welchen erklärte Herr Chamberlain, es feien jüngst so viele Minister Dr. Boffe: Wäre der Antrag Sattler von Anfang diefelben zur Organisation des Volksschulwesens, der Lehrer- Fälle vorgekommen, in denen selbst amtliche Mittheilungen an ruhig und fachlich diskutirt, so hätte sich eine Verständigung bildung und der ökonomischen Verhältnisse der Lehrer 2c. Stellung in Südafrika in übertriebener oder entstellter Form wohl finden lassen.( Sehr richtig!) Ein Unrecht gegen die nehmen und ihre Wünsche vortrugen. Die Kommission beschloß verbreitet wurden, daß es die Regierung für zweck: Städte liegt in der Vorlage nicht. Hätte sich die Mehrheit des Abgeordnetenkammer zu empfehlen: Einführung der mäßig gehalten habe, um Mißverständnisse zu verhindern, Hauses für eine günstige Stellung der Großstädte entschieden, so fachmännischen Bezirksschulaufsicht, Uebertragung der in Kapstadt den Charakter der britischen Verwäre die Regierung wegen einiger hunderttausend Mart dem Oberaufsicht über die evangelischen Boltsschulen it är tungsbewegungen genau bekannt zu geben und Beschlusse nicht entgegengetreten. Wie die Dinge beute liegen, an eine selbständige Oberschulbehörde, die gleichzeitig den Präsidenten Krüger von den Absichten Englands muß die Regierung an den Beschlüssen zweiter Lesung festdem Konsistorium abzuzweigen ist, Befreiung der zu unterrichten. Der Staatssekretär erklärte sodann, seine halten. Lehrer von der Verpflichtung zum Meßnerdienst Aufmerksamkeit sei auf die Einfuhr von Kriegsmunition nach der ( Küsterdienst.). E3 wäre somit, falls diese falls diese Vorschläge Südafrikanischen Republik gelenkt worden, eine Einmischung erin der Kammer angenommen würden, ein kleiner Schritt zu der scheine aber nicht gerechtfertigt, wenn man nicht beweise, daß diese Forderung: Trennung von Schule und Kirche gemacht. Weiter Vorbereitungen anderen Zwecken als denen der Defensive dienen wird der Kammer zur Berücksichtigung empfohlen, die Schüler sollten. Der Generalfonsul der Südafrikanischen Republik habe zahl einer Klasse auf 70, bei Abtheilungsunterricht auf 90 fest- positiv versichert, daß seine Regierung feine ausländischen Solzusetzen, auch soll der finanziellen Befferstellung der Lehrer näher oaten in das Land ziehe. Es kämen, fuhr der Staatssekretär getreten werden. Bei vielen Fragen ließ sich die Kommission fort, viele fremde Einwanderer nach Transvaal, zweifellos von der ungünstigen finanziellen Lage des Staates Leute, die unter dem Konskriptionssystem militärisch ausgebildet leiten, es wäre aber endlich einmal an der Zeit, wenn der Volks- feien. Von dem Präsidenten Krüger habe er teine neue Mit schule mehr Beachtung als seither geschenkt würde und das Spar- theilung hinsichtlich der Einladung, nach England zu kommen, system an anderen Stellen in Erwägung käme. empfangen.Don Desterreich. Schweden. Abg. v. Knapp( natl.) verhält sich ablehnend gegen die Vorlage wegen der Echädigung der Großstädte; er wünscht, daß der Antrag Sattler noch in dritter Lesung Annahme findet, damit auch seine Freunde dem Gefeße zustimmen können. Abg. Knörcke( fr. Vp.) erklärt, daß er und seine Freunde gegen die Vorlage stimmen werden, weil deren gute Bestimmungen weit überwogen werden durch das Unrecht gegen die Großstädte. neuen Abg. Dr. Sattler( natl.): Aus dem Vorwurfe gegen mein Auftreten tönnte man folgern, daß die konservative Partei ihre Entschließungen nicht nach sachlichen Erwägungen faßt, sondern nach augenblicklichen Empfindungen. Gegen solchen Borwurf nehme ich die tonservative Partei energisch Stockholm, 22. April. Bei der gemeinsamen Abstimmung in Schutz.( Heiterkeit.) Redner empfiehlt seinen Wien, 21. April. Abgeordnetenhaus.( Fort- der beiden Kammern nahm der Reichstag heute mit 207 gegen gegen den früheren ermäßigten Antrag zur Beitragsleistung für fegung der Wahlreformdebatte.) Nachdem Kramacz 168 Stimmen die Regierungsvorlage, betreffend die Bewilligung die Großstädte zur Annahme. ( Jungczeche) die Einführung des allgemeinen von 11 780 000 Stronen für das neue Flotten material Abg. Ehlers( frs. Vg.) bittet mindestens den Antrag Sattler Wahlrechts befürwortet hatte, führte Minister an; von dieser Summe werden 5440 000 kronen für das nächste anzunehmen; die Regierung würde gewiß die Vorlage wegen Rittner in längerer Rede aus, daß das Ministerium das Jahr verlangt. Von den 207 für die Vorlage Stimmenden ge- der geringen Mehrausgabe von 14 Millionen nicht scheitern gegenwärtige System der Interessenvertretung bören 141 der ersten, 66 der zweiten Rammer an. Gegen die lassen. in Desterreich für reform bedürftig erachte, daß die Vorlage stimmten 8 Mitglieder der ersten und 160 Mitglieder Damit schließt die Generaldebatte. Reform jedoch zur Zeit undurchführbar fei. Der zweiten Kammer. Daher bleibe nichts anderes übrig, als die Interessenvertretung unberührt zu lassen und das Wahlrecht nach Spanien. Möglichkeit zu verallgemeinern. Die Regierung Madrid, 22. April. Der„ Nacional", ein Regierungsorgan, ertiäre sich jedoch unbedingt gegen die Beschreibt, die tubanischen Aufständischen würden die feitigung der Interessenvertretung und gegen Waffen, selbst wenn die Autonomie von Kuba zugestanden würde, die Einführung des allgemeinen Wahlrechte 3. nicht niederlegen. Das einzige Mittel, den Aufstand zu beenden, Nach längerer Debatte wurde alsdann die Verhandlung ab. sei daher Waffengewalt. gebrochen. Afrika. Präsident v. Köller spricht seine Meinung dahin aus, daß er eine Verfassungsänderung zwar nicht als vorliegend erachte, nach Feststellung des Gesetzes jedoch eine AbStimmung über diese Frage herbeiführen werde. In der Spezialberathung werden die§§ 1 bis 10 der Vorlage angenommen mit einigen von den Antragstellern als lediglich redaktionell bezeichneten Anträgen Jauer Dpfergelt. Der§ 11( Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen) ge langt in einer neuen, von Jauer- Opfergelt beantragten Fassung zur Annahme, welche ebenfalls von den Antragstellern als redaktionelle Berbesserung bezeichnet wird. Die§§ 12 bis 26 bleiben im wesentlichen unverändert. Zu 27( Leistungen des Staates) liegt der Antrag Jm weiteren Verlaufe der Sigung wurde die Dringlichkeit Massanah, 21. April.( Agenzia Stefani".) Zwei Landleute des Antrages des Ruthenen Romanczut ab überbrachten heute dem General Baldiffera ein Schreiben Menelik's gelehnt, durch den die Regierung aufgefordert wird, die und ein solches von Ras Mangascha. Der Negus schreibt, da Verwaltungsbehörden anzuweisen, die Aus die von ihm dem Major Salsa vorgeschlagenen Präliminarien übung des Vereins- und Versammlungsrechtes nicht angenommen worden seien, ersuche er um die Rück- Dr. Sattler( natl.) vor. Danach soll bei Bemessung des zu ermöglichen und zu dessen Begründung der Abgeordnete sendung der beiden darauf bezüglichen Briefe. Inzwischen Staatszuschusses nicht, wie nach den Beschlüssen zweiter Lesung, Romanczuk auf die Praxis der Behörden in Galizien hinwies, werde er den Major Salsa als Geisel zurück- die Steuerfraft der Gemeinden in betracht gezogen werden, welche den Ruthenen die Abhaltung von Versamm behalten und verspreche, ihn wieder frei zu lassen, sobald die sondern den Gemeinden, 100 die älteren StaatsIungen unmöglich mache. Als im Verlaufe der Debatte Schreiben zurückgegeben worden seien. Ta General Baldiffera beiträge höher sind, als die nach diesem Gesez, die älteren der Abg. Pernerstorfer erklärt hatte, wenn es ein fein Interesse daran hatte, die erwähnten Schriftstücke zurück- Beiträge weiter gezahlt werden. Land gäbe, wo das Bolt ein Recht habe, sich zu zubehalten, so sandte er sie alsbald zurück. In seinem Schreiben Von dem Abg. Porsch( 3) ist beantragt, in Fällen von erheben, so sei dies das Volk der Ruthenen in versicherte Ras Mangascha, daß der Negus ihm aufgetragen Gemeinde Ginverleibungen den vollen an die Galizien, bezeichnete Abg. Eczepanowski diese Aeußerung als babe, er solle mit General Baldissera Freundschaft schließen. Einzelgemeinden bisher gezahlten Staatsbeitrag weiter au eine unerhörte Provokation und Aufreizung zu Mord und Brand. Ras Mangascha fügt in seinem eigenen Namen hinzu, daß er zahlen. Der Abg. Pernerstorfer wurde zur Ordnung gerufen. den Frieden liebe und suche. General Baldissera erwiderte, auch Nach längerer Debatte wird der Antrag Dr. Sattler ab= General Baldissera betrachtet indessen gelehnt, der Antrag Porsch dagegen angenommen die Verhandlungen als abgebrochen. und mit dieser Alenderung der§ 27.§ 28 wird genehmigt Bern, 21. April.( Köln. 3tg.") Der Bundesrath genehmigte die Verfügung des Militärdepartements, durch welche Südafrikanisches. Bei der„ Bechuanaland Er- und sodann das ganze Gesetz, unter Verzicht auf DruckBeschlüsse dritter Lesung genehmigt. Eine zwei Brigade- und sieben Regimentskommandanten der Kavallerie, ploration Company" ist heute Vormittag folgende Depesche ein- legung welche in einer Eingabe Stellung gegen ihren neuen Waffenchef, gegangen: Buluwayo, 21. April, nachmittags 4 Uhr. Die Lage große Mehrheit des Hauses erklärt sich gegen eine noch Oberst Markwalder, genommen hatten, die ersteren mit zwölf, ist ernst. Die Matabili haben sich in einer Stärke von ungefährmalige Abstimmung nach 21 Tagen, verneint also das Vorletztere mit zehn Tagen Arrest bestraft werden. 14 000 Mann der Stadt bis auf drei Meilen genähert, 1150 be- liegen einer Verfassungsänderung. freundete Eingeborene sind in der Stadt angekommen." Es wird sodann die Resolution der Kommission disFrankreich. Am 20. April früh rückten über 200 Mann von Buluwayo futirt: Die Regierung wolle dem Landtage baldigit ein allParis, 20. April.( Eig. Ver.) Die gestrige Ergänzungsaus, um die Matabili vor der Stadt anzugreifen. Sie trafen gemeines auf christlicher Grundlage ruhendes Volksschulgeset vorwahl zum Senat im Departement Seine- et- Marne bedeutet den Feind in großer Stärke 5 englische Meilen nordöstlich von legen. wiederum, wie die Ergänzungswahl des vorigen Sonntags im der Stadt an und zogen fich, nachdem einige Schüsse abgegeben Seinedepartement, eine wirkungsvolle Kundgebung für das demo- waren, in die Stadt zurück. Schweiz. er liebe den Frieden. Abgeordnetenhaus. fratische Minifterium. Der Anhänger des Ministeriums, Wie dem„ Daily Telegraph" aus Pretoria gemeldet wird, Bastide( sozialistischer Rabikaler), siegte über seinen opportu. ftellt Präsident Krüger in Abrede, daß von der Chartered nistischen Gegner, Droz. Damit verlieren die Opportunisten einen Company bereits eine Entschädigung verlangt sei. Sig. Zugleich zeigt Bastide's Wahl, was von den Protesten der Generalräthe gegen die Steuerreform zu halten ist. Der Generalrath von Seine- et- Marne, zu dessen Mitgliedern die beiden Kandidaten zählen, hatte sich nämlich mit 16 gegen 6 Stimmen gegen die Reform ausgesprochen. Dabei stimmte der in den Senat ge= 57. Sigung vom 22. April 1896. 11 Uhr. wählte Bastide mit der Minderheit, der unterlegene Droz mit Am Ministertische Dr. Bosse, Dr. Miquel und der Mehrheit. miffarien. Ein heftiger Streit zwischen dem Vorsitzenden der Budget- Das Haus genehmigt in erster und zweiter Lesung die Nofommission, Tochery, und dem Minister des Innern, velle zur rheinischen und westfälischen Städte Sarrien, hat zur Verblüffung der Ordnungspartei mit einem Ordnung.( Nach der Vorlage sollen die Fristbestimmungen Gewinn für die Sozialisten geendet. Cochery war in für die Feststellung der Wählerlisten, die jetzt festgelegt sind, sittliche Entrüstung gerathen darüber, daß der offizielle Gemeinde- fünftig durch Ortsstatut geändert werden können.) Anzeiger( Bulletin des Communes") aus der Einkommensteuer- Es folgt die dritte Lesung des Lehrerbesoldungs: Debatte nur die Rede des Finanzministers Doumer gebracht hatte. Gefetes. Hierzu liegt vor ein Antrag Dr. Arendt ut. Gen.( ft.): hinter Grundlage zu setzen: unter Abstandnahme von den zur Erreichung dieses Bieles nicht erforderlichen mit der Staatshoheit unvereinbarlichen Vorschlägen des Entwurfs von 1892. Abg. Hobrecht( natl.) empfiehlt den Antrag Arendt zur Annahme. Abg. Bartels( t.) bittet den Abg. Arendt, seinen Begriff von der konfessionellen Schule darzulegen und lediglich der Resolution der Rommission zuzustimmen. Minister Dr. Boffe will in eine Debatte über ein BoltsKom- schulgesetz nicht eintreten. Unsere Volksschule sei verfassungsmäßig eine christliche und konfessionelle. Aber augenblicklich lasse sich nicht sagen, daß der Zeitpunkt zur Einbringung solcher Vorlage schon gekommen sei; er tann sehr bald fominen, er kann sich auch verzögern.( Heiterfeit.) Sobald die Regierung den Zeitpunkt für getommen erachtet, wird die ( Unruhe, Regierung die Vorlage einbringen. Beifall und vereinzeltes Zischen.) Ein Vertagungsantrag des Abg. v. Eynern wird ab. gelebnt. Abg. Rickert( frs. Vg.): Nach der Beseitigung des Zedlih'schen Entwurfs glaubt man in der Bevölkerung, daß eine längere Zeit der Ruhe eintreten werde. Anträge, wie diefe Resolution, wird man sich im Lande merken. Die Verwaltung wird im Zedlig'schen Geiste geführt. Was wollen Sie denn? Glauben Sie Kultur und Fortschritt hemmen zu können?( Heiterkeit rechts und Bravo). Wollen Sie das Gefez berathen, so thun Sie es furz vor den Neuwahlen. Bringen Sie( rechts) doch selbst ein Gesetz ein; wir werden dann auf dem Posten sein. In einer heftigen Epistel an den Minister des Innern ver- In der Generaldebatte erörtert langte er im Namen der Budgetkommission eine nachträgliche Abg. Rintelen( 3.) zunächst die Verfassungsfrage. Art. 25 Richtigstellung" im Gemeinde- Anzeiger. Es stellte sich indeß der Verfassung gestatte nur aushilfsweises Gintreten des heraus, daß die Redakteure des Anzeigers lediglich in Gemäßheit Staates mit feinen Leistungen für die Volksschule und Art. 26 der unter den opportunistischen Ministerien geübten Praxis, ohne verlange ein einheitliches Gefeß, welches das Schulwesen regeln jede Einmischung seitens der Regierung gehandelt hatten. soll, während die Vorlage nur einen Theil des VolksschulEs müssen deshalb diejenigen Förmlichkeiten Sarrien setzte sich daher über die Zumuthung hinweg. Einen wesens regelt. zweiten, noch heftigeren Protest Cochery's beantwortete er mit beobachtet werden, die für eine Verfassungsänderung vor einer aftenmäßigen Aufzählung aller wichtigeren Fälle, wo die geschrieben sind und Redner behält sich vor, einen dahingehenden Re der jeweiligen opportunistischen Minister allein ab: Antrag zu stellen. wurden, gedruckt ohne daß Cochery damals, als seine Minister Dr. Boffe: Die Verfassungsfrage ist in der politischen Freunde am Ruder waren", daran etwas auszusehen Kommission eingehend erörtert worden und dort, in Uebereingehabt hätte. Schließlich wurde im letzten Rabinetsrath stimmung mit der Regierung ist eine Verfassungsänderung in beschlossen, fortan im Gemeinde- Anzeiger den von den Kammer- den Bestimmungen der Vorlage nicht gefunden worden. redakteuren verfaßten, abgekürzten Bericht über die Parlaments- Abg. v. Heydebrand( f.): Wir werden eine Alenderung des debatten zu veröffentlichen. Dieser Beschluß kommt nun in erster§ 11( Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen) herbeizuführen Linie den Sozialisten zu gute. Bei der qualitativ und quantitativ fuchen und dann für das ganze Gesetz stimmen. Wir verwahren hervorragenden Betheiligung unserer französischen Genossen an uns gegen die nationalliberalen Vorwürfe einer Beraubung der den Kammerdebatten wird der„ Gemeinde- Anzeiger", der in ganz Großstädte; die Vortheile aus der Vorlage hat nicht das platte Frankreich am Eingang der Gemeinderathshäuser angeschlagen Land, sondern die Lehrerschaft. Herr Dr. Sattler hat mit seiner Abg. Jrhr. v. 3edlik( t.): Der Ausfall der 1893er Wahlen wird, ein vorzügliches Propagandamittel des Sozialismus ab wenig geschickten Tattit sich nicht um das Zustandekommen der hing nicht von der Schulfrage, sondern mehr von der Militärgeben. Den ordnungsparteilichen Rämpen für unparteiische" Borlage im Sinne seiner Partei verdient gemacht.( Sehr vorlage und von der agrarischen Bewegung ab.( Beifall.) Das Ein nochmaliger Antrag v. Eynern auf Vertagung wird wiederum abgelehnt. Abg. Porsch( 3) erklärt sich für die Kommissionsresolution. Die Wahlen vom Jahre 1893 waren die Antwort auf das Zedlig'sche Schulgesetz.( Lebhafter Beifall.) Uns könnte die Regierung keinen größeren Gefallen thun, als das Abgeordneten haus wegen dieses Gesezes aufzulösen.( Lebhafter Beifall rechts.) Ein dritter Bertagungsantrag des Abg. v. Ehnern wird wiederum abgelehnt. Zustandekommen der Zeblitz'schen Vorlage war erschwert durch| Resultat entgegennehmen soll, bas die in den Werkstätten vor- geständnisse gemacht; da sie aber nicht den verlangten Minimallohn das Verhalten der Kommission, die jedes Entgegenkommen genommene Abstimmung über die Frage des Eintritts in eine ablehnte.( Sehr richtig!) Nehmen Sie den Antrag Arendt Lohnbewegung für den 1896er Tarif ergeben hat. Der Veran, dann dürfte die Regierung den Zeitpunkt zur Einbringung trauensmann. eines neuen Gesetzes für gekommen erachten. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Der Antrag Arendt wird abgelehnt und die Kommissionsresolution in namentlicher Abstimmung mit 209 gegen 43 Stimmen ange. Morgen 11 Uhr: Sekundärbahnen und Kornsilos. Schluß 54 Uhr. nommen. Soziale Meberlichk. Das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichte wird die Erhebungen in der Herren- und Knaben tonfektion, die durch die Tagung der Reichskommission für Arbeiterstatistit auf furze Zeit unterbrochen waren, von heute, Donnerstag, an fortfehen. Die Vernehmungen sollen sich jetzt vorwiegend auf die Feststellung der Verhältnisse der Arbeiter erstrecken, die mit der Anfertigung großer Stücke( Röcke, Baletots u. s. w.) beschäftigt sind und solange fortgesetzt werden, bis das gesammte Material genügt, um die reelle Grundlage eines zu schaffenden Minimallohn- Tarifes festzustellen. Au die Gewerbe- Inspektion Berlin( Potsdam) ist seit 1. April der Gewerbe- Juspektor Jaeger versetzt, der bis dahin den Inspektionsbezirk Lüneburg verwaltete. Den letzteren Posten hat der Gewerbe- Inspektor Claußen erhalten. Bei den Gewerbegerichts Wahlen in Duisburg sind nach einer Mittheilung der Köln. Volkszeitung" sämmtliche ,, chriftliche" Kandidaten gewählt worden. Oeffentliche Sprechstunden hält der Fabrik- und GewerbeInspektor für Oberfranten an den ersten drei Sonntagen jedes Monats in der Zeit von 10 Uhr früh bis mittags 1/21 Uhr in seinem Bureau in Bayreuth ab. ,, Die Berichte über die Zukunft der Textilindustrie im Toggenburg", schreibt die Neue Züricher Zeitung", lauten wenig ermuthigend. Die Spinnereien in Nefer, Brunnadern und Lichtensteig sind eingegangen. Glarner, Zürcher und Zuger. Fabrikanten bauten im Ausland große Fabriken, und machen der einheimischen Exportindustrie schärffte Konkurrenz. Unter diesen Umständen geht die Ausfuhr von Textilwaaren aus dem Toggen burg beständig zurück und die schlecht entlohnte und schlecht genährte Arbeiterschaft sinkt immer tiefer ins Elend." Die Nothwendigkeit internationaler Verbindung der Arbeiter, um der Raubwirthschaft des Unternehmerthums zu steuern, er giebt sich danach von selbst. Gewerkschaftliches. von 25 Pf. pro Stunde bewilligen will, dauert der Ausstand fort. Wie das Hamburger Echo" meldet, gehen fortwährend in Arbeit verbliebene Kaffeeverleferinnen zu den Streifenden über. Legte Woche waren 460 zu unterstützen. Davon sind 196 verheirathet Zur Aussperrung der Klaviatur- Arbeiter wird uns ge- und 264 unverheirathet. Die Zahl der in betracht kommenden schrieben: Die rigorose Aussperrung der Berliner Klaviatur Kinder der Streikenden beträgt 292. Im ganzen wurden am Arbeiter von seiten 9 hiesiger Klaviatur- Fabrikanten beleuchtet letzten Zahlungstage 4167 M. Unterstützungen verabsolgt. In wieder einmal mit aller Deutlichkeit die gegenwärtigen Arbeit bei Stucken u. Andresen stehen nur 76 Arbeiterinnen, Produktionsverhältnisse der Instrumentenbranche und das widerspruchsvolle Verhalten der genannten Unternehmerkategorie hin- kampiren in der Wagenremise und erhalten außer Koft und Logis sichtlich ihrer Theorie und ihrer Praxis. Noch in der vorletzten täglich 80 Pf. Nach den Leistungen derselben könnte, wie mitNummer der„ Instrumenten- Beitung", dem Fabrikantenorgan dieser getheilt wird, den geschulten Arbeiterinnen mehr als der ges forderte Minimallohn bewilligt werden. Nach einer Depesche des Berliner Lokal- Anzeigers" soll der Streit der Kaffeeverleserinnen auf der Basis günstigerer Atfordbedingungen beendet sein. Branche, finden wir einen Hymnus auf den überaus flotten, noch Der nie dageweſenen günstigen Geschäftsgang, der in vielen Betrieben zu Geschäftserweiterungen Veranlassung gegeben habe. Berliner Export an Instrumenten habe sich von 17 675 000 m. im Jahre 1894 auf 21 067 000 m. im Jahre 1895, also um Es seien in den Monaten 1/2 Millionen Mart gesteigert. Januar und Februar an Klavieren, Pianos, Flügeln und Harmoniums im Jahre: 1895 27 800 kg 14 000 4.900 " Nach dem Kaplande Britisch Ostindien Niederl. Ostindien Argentinien Chile " 07 " Merito 1896 35 000 kg 15600 7 600 " " " 〃 15 800 28 800 " " 14 300 25 400 " " 20 700 " 21 500 234 600 " H " " Britisch Australien 136 700 exportirt worden. " In Wandsbek waren sämmtliche Arbeiterinnen der Heil'schen Lederfabrit, 14 an der Zahl, ausgesperrt worden, weil sie einen nach ihrer Meinung ungerechtfertigten Lohnabzug zurückgefordert hatten. Die in der Fabrik beschäftigten 39 Arbeiter forderten die Wiedereinstellung der Frauen und ver langten weiter einen Anfangslohn von 21 M. für gelernte Arbeiter( Gerber), 18 M. für nicht gelernte und 10 M. für Frauen, sowie Fortfall der Strafgelder, welche für einen Arbeiter bis zu 10 M. die Woche betrugen, und bessere Behandlung. Der Unternehmer wies nun auch die Arbeiter aus der Fabrit. Infolge dessen sind insgesammt 53 Arbeiter und Arbeiterinnen aus, gesperrt, darunter 19 Verheirathete. Aus Dortmund. Die Zimmerer haben gleichfalls die Im ganzen haben sich die Ausfuhr( von 1188760 kg) in Arbeit niedergelegt. Am Montag betrug die Zahl der den beiden ersten Monaten 1895 auf 1525 200 kg im Jahre 1896 Streifenden 82. Bewilligt haben 6 Meister mit 25 Gesellen. gesteigert. Aber auch in Europa sei der Absah ein ungestört Ueber den Tischlerstreit ist zu berichten, daß nach Abreise günstiger, denn die Ausfuhr sei gestiegen der übrigen die Zahl der am Orte Streifenden noch 80 beträgt; davon sind 40 verheirathet. nach Belgien lichen voll 1895 21 700 kg auf 1896 36 200 kg Großbritannien 51 200 " " " " Niederlande 78 100 648 860 95 200 " " " # " " Defterreich- Ungarn 27 500 35 700 " " " " " " Rußland Schweiz 70 800 " " " 19 600 89 500 32.900 " " " " In Wesseling in der Rheinproving haben die Holzbildhauer der Firma B. Volkmuth wegen Entlassung eines Kameraden gekündigt und ersuchen die auswärtigen Berufsgenossen um solidarisches Verhalten. Herr Volkmuth drohte, falls es zum Streit käme, würde er seine Arbeiten( Möbelartikel) wieder im Gefängniß anfertigen lassen. " Durch die Berliner Gewerbe- Ausstellung erwarten die glückUnternehmer weitere Zunahme von Aufträgen. Die Kehrseite der Medaille bietet jedoch ein weiterer Artikel, der die Zur Buchdruckerbewegung. Die Buchdruckergehilfen Bildung eines Fabrikantenvereins anzeigt, welcher die Streit- eipzig 3 haben sich über die Abmachungen des Tarifsausschusses fragen zwischen Kapital und Arbeit ohne Voreingenommenheit mit allen gegen 1 Stimme in derselben Weise ausgesprochen, entscheiden will", zum Wohle der Industrie", und die Streits, wie die Bauvorstände und die Leitung des Verbandes, deren die jetzt in der Pianoforte- Industrie geplant zu sein scheinen, mit Resolution im Vorwärts" schon veröffentlicht worden ist. Die dem ganzen Gewicht seines Einflusses zurückweisen wolle. Die Maschinenmeister und Drucker protestirten gegen die AusnahmeGegenfäße will dieses Osterkind, wie der Verein von dem Ver- stellung, die ihnen bei der Verkürzung der Arbeitszeit durch die faffer genannt wird, mildern und verföhnen! Wie paßt zu diesem Abmachungen zugewiesen ist, fügten fich aber gleichfalls den BeVersprechen die brutale Aussperrung der Klaviatur- Arbeiter? schlüssen des Tarifausschusses. Bu gegebener Beit wollen fie eine Welche Schritte wird der Verein thun, um hier die Gegensäge enderung herbeizuführen suchen. In Leipzig sind also die Abmachungen des Tarifausschusses angenommen. zu mildern? Für die Unternehmer höheren Umsay, größeren Gewinn! Dem Arbeiter aber, der bei der günstigen vorsteher- Resolution und damit den Leipziger Abmachungen zu. Nur Die Buchdrücker Stuttgarts stimmten ebenfalls der Gau Geschäftslage ein paar geringfügige Forderungen stellt, die Aus- vorsteher- Resolution und damit den Leipziger Abmachungen zu. Nur sperrung, die Hungerpeitsche! Die Fabrikantenvereinigung mit Stuttgarter Prinzipale von den zu§ 31 des Tarifs betreffs der sprach die betreffende Versammlung die Erwartung aus, daß die dem Januskopf versteht es offenbar trefflich, sich ins Unrecht zu Maschinenmeister beschlossenen Ausnahmebestimmungen feinen feßen. Gebrauch machen, sondern die verkürzte Arbeitszeit für Seger und Maschinenmeister einheitlich einführen werden. In einer Ver sammlung soll den Maschinen Hilfsarbeitern Gelegenheit gegeben werden, zur Frage der Arbeitszeit und sonstigen gemeinschaftlichen Angelegenheiten Stellung zu nehmen. In den Berliner Pianofortefabriken ist folgende Kundmachung angeschlagen worden: An unsere Arbeiter! Arbeiter, Genossen! Nach nunmehr neunwöchentlichem schweren Kampfe ist es gelungen, einen annehmbaren Vergleich mit der Fabrikanten- Vereinigung abzuschließen. In den letzten Tagen gaben die Fabrikanten die vom„ Borwärts" schon veröffentlichten Zusicherungen. In den einzelnen Fabriken sind den Arbeitern noch weitere Zugeständnisse gemacht worden. Sind somit zwar nicht alle Forderungen erreicht worden, so tann man aber feineswegs von einer Niederlage sprechen: Es ist ein ehrlicher Vergleich. Beide Gegner haben sich gegenseitig Achtung abgerungen, allerdings in schwerem Kampfe, die Opfer sind auf beiden Seiten bedeutend. Von seiten der Arbeiter, welche bis zum letzten Den in Berlin domizilirten Pianofabrikanten und verwandten Augenblicke musterhafte Ruhe und Einigkeit bewahrt haben, ent- Berufsgenossen ist die verbürgte Mittheilung geworden, daß die schieden sich durch geheime Abstimmung ca. zwei Drittel für in ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter das Verlangen gestellt Aufnahme der Arbeit unter den bereits mitgetheilten Bedingungen. haben, es solle der 1. Mai als Weltfest der Arbeiter frei Eine Anzahl der besten und tüchtigsten Genossen wird freilich auf gegeben werden. der Strecke" bleiben. Diese zu unterstützen ist Pflicht jedes Es ist diese Forderung ein Prüfstein, ob die den Arbeit Einzelnen. Das Streitkomitee hat des weiteren noch viele gebern mit recht zustehende Machtfrage auch für die Zukunft petuniäre Verpflichtungen zu erfüllen. Die Mittel der Rottbuser aufrecht erhalten werden fann. Ju Straßburg i. E. ist am 1. April der Neunstundentag einschließlich der Pausen in fraft getreten. Die elfäffische Hauptstadt ist nun im Buchdruckgewerbe Deutschlands der Ort mit der fürzesten Arbeitszeit. Erreicht wurde dieser Erfolg da durch, daß die Gehilfenschaft Straßburgs selbständig vorging. In den anderen Orten Elsaß- Lothringens wurde jedoch, soviel wir wissen, durch das selbständige Vorgehen nichts erreicht. Arbeiterschaft sind durch diesen langwierigen Stampf aber voll- Die Arbeitgeber sind nicht gewillt, in dieser Beziehung ständig erschöpft. Indem wir allen Arbeitern des In- und Aus- irgend welche Äenderung eintreten zu lassen, sie halten sich In Leipzig streiten über 100 Schuhmacher. Fünf der landes für ihre so glänzend bewährte Opferwilligkeit unseren für verpflichtet, gerade dieser Forderung gegenüber zu dokumen- größten Geschäfte sind von dem Ausstand betroffen. Gegen wärmsten Dank aussprechen, bitten wir, wo es irgend angängig, tiren, aß fie nach wie vor Herr in ihrem Hause sind und dies 20 Meister mit ca. 50 Gehilfen haben bewilligt. 40 Maler die Unterstüßung noch eine zeitlang zu gewähren, um zu bleiben gedenken. Dieselben haben sich deshalb zu einer Ver- und Lackirer legten die Arbeit ebenfalls nieder. Wie bei den wenigstens die blutigsten Wunden dieses so ungleichen Kampfes einigung zusammengethan, deren hauptsächlichste Aufgabe es ist, Schuhmachern sind es auch hier die Jnnungsmeister, die sich alt heilen. Bor allem bitten wir den Zuzug nach allen auf Herabsehung der Machtbefugnisse und Autorität der gegen die Bewilligung der Forderungen sträuben. Rottbus dringend fernzuhalten, um allzugroßen Maßregelungen Arbeitgeber gerichteten Bestrebungen energisch entgegenzutreten. 3immerer, die gleichfalls in der Bewegung stehen, lagen der am Streit betheiligten Arbeiter seitens der Fabrikanten vorzubeugen. " Die Aus dieser Aufgabe folgt selbstverständlich die Entschließung, über starken Zuzug. Die Schmiede stehen mit den einzelnen der mehrgedachten Forderung auf das Ent: Unternehmern um Anerkennung eines neuen Tarifs in Unter Gelder sowie sonstige Zuschristen sind wie bisher zu richten schiedenste entgegen zu treten und jeden, der handlung. Die Tischler haben troz des Innungsbeschlusses, an C. Ullrich, Kaiser Wilhelmsplay 48. Betreffs der endgiltigen Abrechnung bemerken wir, daß es unmöglich sein wird, lassen. nichts destoweniger am 1. Maifeiert, zu entstatt des geforderten Aufschlages von 10 und 20 pet. nur 8 und 15 pCt. Aufschlag zu gewähren, ihre Forderungen von einer jeden einzelnen Posten anzuführen. Wir haben deshalb bisher In Hinsicht auf das gute Verhältniß, großen Anzahl Junungsmeistern gegen 50 bewilligt ber auf jeden einzelnen Betrag Spezialquittung ertheilt und werden welches seither zwischen Arbeitgebern und kommen. daher nach erfolgter Abrechnung die größeren Summen und Arbeitnehmern bestanden hat, richten wir an die Die Schmiede Dresdens stehen im Kampfe um folgende einzelnen Orte anführen. Mit dankbarem, solidarischen Gruß legteren die Warnung, sich den vorbedachten Forderungen: Zehnstundentag, 30 Pf. Mindest- Stundenlohn und Das Gewerkschaftstartell zu Rottbus. Konsequenzen auszusetzen. Diese Warnung richtet sich, vor. 25 pCt. Aufschlag für Ueberstunden. Sie ersuchen die Kollegen Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck des nehmlich, da die Bestrebungen der Agitatoren bereitwilligst bei schaft ganz Deutschlands um finanzielle und moralische UnterVorstehenden gebeten. den jüngeren Arbeitern Eingang gefunden haben, an die Adresse stügung. Zuschristen sind zu richten an Reinhold Voigt, Auf dem Ausstellung@ terrain in Treptow haben die am der älteren Arbeiter. Es ist die ernste Mahnung, der Jakobsgasse 15; Geldsendungen an Ostar Frische, FriedrichBau des Kaiserschiffs Lloyd"( amerikanischer Ozean- Konsequenzen eingedent zu sein, die sich für sie selbst, namentlich straße 33, 3 Tr. dampfer) beschäftigten 90 organisirten Zimmerleute für diejenigen ihrer Mitarbeiter ergeben, die, obwohl in ihrer wegen Differenzen mit den vier nichtorganisirten die Arbeit ein- Erwerbsfähigkeit herabgesetzt, durch die Liberalität der Arbeitgeber die Arbeiter Sachsens ihre beruflichen Intereffen wahrnehmen Für die unglaublich troftlosen Verhältnisse, unter denen gestellt. Sie hatten die Entlassung der legteren verlangt. Da in Lohn und Brot behalten sind und die bei einer Arbeits- müffen, zeugt ein weiteres Vorkommniß. In einer Bergarbeiter der Unternehmer, Zimmermeister Radicke, das Gesuch ab- einstellung völlig ohne Subsistenzmittel dastehen würden. schlug und sich auf feinerlei Vereinbarung einlassen wollte, ver- Ausfluß des den Arbeitern seither bewiesenen Wohlwollens Bersammlung im Plauenschen Grunde bei Dresden fam Sachse, ließen die organisirten Zimmerer Mann für Mann die Arbeit. ist es, welches uns zu dieser Warnung an die Arbeiter in Hin im Schluß zu seinem Referat über" Die Lage der Bergarbeiter der frühere Vorfizende des aufgelösten Bergarbeiter- Verbandes, Achtung, Maurer Berlins! Heute, Donnerstag, abends sicht auf den oft bewiesenen gesunden Sinn derselben ver- und wie kann dieselbe gebessert werden?" auf das Bergarbeiter7 Uhr, wird im großen Saal bei Bolg, Alte Jakobstr. 75, eine Organ Glückauf"! zu sprechen. Dabei entzog ihm der überEs hätte nicht erst dieses Utases der Herren Pianoforte: wachende Beamte das Wort, weil das nicht zur Tagesordnung öffentliche Versammlung aller Maurer der Bau- Fabrikanten bedurft, um die Arbeiter zu überzeugen, daß selbst gehöre. firmen Held u. Franke, Gdert u. Dannenberg, diesmal, wo wegen der Eröffnung der Ausstellung in Treptow In Herstal in Belgien hat die Direktion der Waffenfabrit Straus'sche Attien- Gesellschaft und Bumplum viele Firmen schließen werden, ihr Gesuch um Freigabe des durch Anschlag bekannt gegeben, daß die Arbeiter, welche die 1. Mai abgelehnt werden würde. Gerade in der Musikabgehalten. Tagesordnung: Wie verhalten sich die Kollegen auf den instrumenten- Fabrikation Berlins ruhen die wirthschaftlichen Arbeit nicht wieder aufgenommen hatten, als entlassen betrachtet Bauten vorgenannter Firmen, wo die Forderung der Berliner Maurer Kämpfe zwischen Kapital und Arbeit fast keinen Augenblick. Es werden. Die Fabrik wird bis auf weiteres geschlossen bleiben. bewilligt sind, gegenüber den Bauten, wo nicht bewilligt ist deshalb mehr als naiv, wenn in dem Ukas behauptet wird, Die Personale der Kammgarnspinnereien in Möllers. ist? Wir machen die Kollegen besonders auf die Versammlung bisher habe ein gutes Verhältniß zwischen Prinzipal und Ardorf und Vöslau bei Wien haben durch ihren Streit, dessen aufmerksam, denn es wird von dem Verhalten der arbeitenden beiter geherrscht. Die häufigen Streits in den Pianoforte günstiges Ende schon mitgetheilt wurde, folgendes erreicht: Fabriken beweisen das Gegentheil. Wie schlecht das Verhältniß 1. eine 10 prozentige Lohnerhöhung; 2. an Sonnabenden sowie Kollegen abhängen, ob auf den fraglichen Bauten der vor zwischen Prinzipal und Arbeiter in den Pianoforte Fabriten ist, an Feiertagen um eine Stunde früher Feierabend; 3. wenn an genannten Geschäfte die Bewilligung ebenfalls erfolgt. Die Lohn- dafür ist der Utas lediglich ein weiterer Beweis. Ein wohl Feiertagen gearbeitet wird, einen Lohnzuschlag in der Höhe eines tommission der Maurer Berlins und Umgegend. J. A.: wollender Unternehmer weigert sich nicht, seinem Personal einmal Bierteltaglohns; 4. alle am Streit betheiligten Arbeiter werden im Jahre einen Tag freizugeben. wieder aufgenommen. Die Abmachungen find zwischen der Fr. Kater, Lübeckerstr. 36. Direktion der beiden Fabriken und den Vertretern der Arbeiter, Ueber den Stand des Berliner Tabafarbeiterstreiks anlaßt hat." Für den internationalen Bergarbeiterkongreß, der zu ist zu berichten, daß bis jetzt 86 Firmen, die ein Personal von Pfingsten in Aachen abgehalten werden soll, ist nach der den Parteigenossen Dr. Berft! und C. Cerny, dem Sekretär 287 Arbeitern und 269 Arbeiterinnen beschäftigen, sämmt Rheinischen Beitung" folgende Tagesordnung vorgesehen: des Textilarbeiter- Verbandes, schriftlich abgeschlossen worden. sämmt=" Rheinischen 1. Achtstundentag, 2. Frauenarbeit, 3. Versöhnungskommission liche Forderungen bewilligt haben. Noch nicht bewilligt haben 34 Firmen mit 182 Arbeitern und Arbeiterinnen. waltungen vermitteln soll) und Arbeitslohn, 4. Ueberproduktion, Depeschen und lehte Nachrichten. ( Die bei Konflikten zwischen den Arbeitern und den Grubenver= Diese Personale stehen im Streit. Bei den übrigen Firmen, die durchweg nur wenig Arbeiter, sondern meist Arbeiterinnen be- 5. Invaliden, Pensions- und Krankenkassen, 6. Inspektion der schäftigen, sind die Forderungen noch nicht gestellt; darunter Gruben, 7. Bergesellschaftlichung der Bergwerke, 8. Haftbarkeit befindet sich die Firma Martiensen, die 97 Arbeiterinnen der Unternehmer, 9. Berfassungs- und Geschäftspunkte. Bis zur und 3 Arbeiter beschäftigt. Heute Donnerstag ist bei Nieft, den vorläufigen Vorsiz führen. Weberstr. 17, eine öffentliche Versammlung, wo über den Stand des Streits weiter berichtet werden wird. Wien, 22. April.( W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In der heute fortgesetzten Generaldebatte über die Wahlreformvorlage Sprachen alle Redner mit Ausnahme des Abgeordneten Basaty, ahl des Bureaus wird das englische Parlamentsmitglied Burt welcher erklärte, in allen Lesungen gegen dieselbe stimmen zu wollen, für den Regierungsentwurf, als einen Fortschritt zum allgemeinen Wahlrechte. Morgen wird die Berathung fortgesetzt. Paris, 22. April.( W. T. B.) Der Stadtrath nahm nach lebhafter Debatte mit 38 Stimmen einen Beschluß an, in welchem dem Bedauern über den Rücktritt des Kabinets Bourgeois Ausdruck gegeben und eine Revision der Verfassung verlangt wird, um das allgemeine Stimmrecht gegen den Senat zu schüßen. Paris, 22. April.( W. T. B.) In den Wandelgängen der Deputirtenfammer verlautet, das Kabinet werde seine Demission aufrecht erhalten, auch wenn die Kammer ihm morgen ihr Ver Achtung, Schriftgießer! In der Ersten Ungarischen Schriftgießerei- Attien- Gesellschaft in Budapest sind zwischen Der Streit in der Kistenfabrik von Liebheim in Geschäftsleitung und Personal Differenzen ausgebrochen. Zuzug Berlin, Ritterstr. 75, dauert unverändert fort. Alle Arbeiter, auch der Zuschneider, befinden sich im Ausstand. Streitbrecher ist zu unterlassen. find nicht zu verzeichnen. Die Kommission der Berliner Kistenmacher. Sämmtliche Korbmacher des Korbmachermeisters F. Boldt in Stettin haben wegen Entlassung eines Kollegen die Arbeit Die Mechaniker und verwandten Berufsgenossen eingestellt und ersuchen die auswärtigen Berufsgenossen um Berlins werden ersucht, Mann für Mann in der öffent- solidarisches Verhalten. lichen Versammlung zu erscheinen, die heute Abend In Altona hat die Firma Stucken u. Andresen den trauen votiren werde; denn durch dies Votum würde die Lage 1/28 Uhr, bei Martens, Friedrichstr. 286, beginnt und das streitenden Raffeeverleserinnen zwar einige Buslin nichts geändert werden. Berantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 144 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 95. Reichstag. 74. Sigung vom 22. April 1896. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths; v. Bötticher, v. Ber Lepsch und Kommissare. Auf der Tagesordnung steht die Verlesung der Interpellation der Abg. v. Manteuffel und Genossen: " Nachdem Staatssekretär v. Bötticher sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit ertlärt hat, wird dieselbe begründet von dem = Donnerstag, den 23. April 1896. 13. Jahrg. überall bei Kräftigung. Es bestehen geradezu haarsträubende kommen, beim Bäckereigewerbe anzufangen, weil dieses HandZustände. Ein Lehrling hatte eine Ruhezeit von werk das einzige ist mit Nachtarbeit. In Fabriken drei Stunden nachmittags und eine Stunde am haben wir Nachtarbeit, aber mit Wechsel der Schichten. Abend. Die Untersuchungen haben zahlreiche ähnliche Dinge Allerdings treffen die Bestimmungen den kleinen Betrieb ergeben. Ich bin nicht geneigt, daraus eine Haupt- und stärker als den Großbetrieb. Das Staatsaktion zu machen. Eine harte Jugend verbürgt Arbeiterschutzbestimmungen so; aber die kleinen Bäckereien haben eine bessere Erziehung. Aber wvenn die ermittelten meist eine fürzere Arbeitszeit als die großen. Die letzteren werden Thatsachen richtig sind, dann muß hier Wandel also entweder mehr Gesellen einstellen oder einen Theil ihrer geschaffen werden. Arbeit auf die kleineren Betriebe abgeben müssen. Die InterDer Bundesrath hat unter dem 4. März d. J. auf grund des§ 120 e der Gewerbe- Ordnung Bestimmungen, betreffend den Der Vorredner hat die Gesundheitsgefährlichkeit pellation ist ja an sich harmlos; sie verlangt nur Aufklärung. Betrieb von Bäckereien und Konditoreien erlassen, welche bestritten unter Hinweis auf die Krankenstatistik. Wenn im Ich nehme aber an, daß alle Parteien die Einschränkung überDer Herr Reichskanzler gemäß der Vorschrift des§ 120 e Bäckergewerbe nur 5,4 bis 5,7 Erkrankungstage auf die Bäcker mäßiger Arbeitszeit billigen, denn sie haben dem hygienischen Abfah 4 der Gewerbe- Ordnung unter dem 9. März d. J. tommen, so ist das verhältnißmäßig günstig. Diese Statistit ist Maximalarbeitstag, wie er in§ 120e niedergelegt ist, zugestimmt. dem Reichstage zur Kenntnißnahme mitgetheilt hat. Die Unter- aber nicht beweisend; sie stimmt nicht überein mit anderweitigen Diejenigen, die für den Meister einen Schutz verlangen durch den zeichneten haben Bedenken, ob die thatsächlichen Voraussetzungen, Beobachtungen. Die Statistit einer Krantenanstalt für Lehrlinge Befähigungsnachweis, sollen sich nicht wundern, daß wir auch unter welchen durch Beschluß des Bundesraths für einzelne Ge- wies auf 85 Bäckerlehrlinge bei 733 erkrankten Lehrlingen aus einen Schuß für die Lehrlinge und Gesellen verlangen. Gerade werbe auf grund des§ 120e Absatz 3 der Gewerbe- Ordnung 47 verschiedenen Berufen. Die Arbeiter melden leichte Er- die Konservativen sollten erkennen, daß wir die nicht organisirten Dauer, Beginn und Ende der zulässigen täglichen Arbeitszeit und frankungen gar nicht an, weil sie ihre Stelle zu verlieren Gesellen ebenso schützen müssen, wie die organisirten Meister. der zu gewährenden Pausen vorgeschrieben und die zur Durch- fürchten. 95 pet. der Bäckergehilfen leben im Haufe des Meisters.( Buruf Bebel's: Wenn die Konservativen so flug wären wie führung dieser Vorschriften erforderlichen Anordnungen erlassen Daher weniger Simulation und mehr Hilfe im Hause ohne Sie! Heiterkeit.) Die beste Regelung wäre die durch die Be werden können, für die Gewerbe der Bäcker und der Konditoren Inanspruchnahme der Krankenkassen. Die Bäckergesellen geben theiligten selbst; die Organisation der Handwerker wird vorhanden sind, und bitten daher die verbündeten Regierungen um vielfach in jungen Jahren den Beruf auf und wenden sich anderen dahin führen, daß die Ordnung der Arbeitszeit den Innungen Auskunft hierüber." Berufen zu. Nach der Berufsstatistik ist bei den Bäckern die übertragen wird. Es ist bedauerlich, daß die betreffende Vorlage Zahl der Arbeiter unter 30 Jahren geringer als bei anderen noch nicht eingebracht ist. Ich bitte die Regierung, sie möglichst Berufen.( Buruf rechts: Die Gesellen werden Meister!) Wenn bald vorzulegen. Die Bäckermeister haben in ihrer Aufregung die Bäckermeister gesund sind, so ist das erklärlich, denn mit dem sogar mit einem Streit gedroht. Sie sollten sich lieber einigen Abg. v. Buchka: Der Abg. Bachem hat in der Kom- Augenblicke, wo der Bäcker Meister wird, ändern sich seine zur Abschaffung der Nachtarbeit, damit werden sie die Anmission für das Bürgerliche Gesetzbuch im Borbeigehen die Be- Arbeitsbedingungen sehr erheblich( Sehr richtig! bei den Sozial- erkennung des Publikums und der Gesellen erreichen. Im ganzen merkung gemacht, daß er die Verordnung für harmlo 3 demokraten.) Den Punkt der Reinlichkeit will ich nicht be- und großen muß ich meine Freude aussprechen über die Ver halte und den Widerspruch der Bäckermeister da rühren; sie wird auch durch die Dauer der Arbeitszeit start ordnung. Ob sie im einzelnen richtig ist, wird die Erfahrung gegen nicht begreife. Meine Freunde sind anderer Meinung. beeinflußt. lehren.( Beifall im Zentrum.) Die verbündeten Regierungen haben zum ersten Male Gebrauch Der Vorredner hat besonders die Nr. 5 der Verordnung be- Abg. Merbach( Rp.): Die Bäcker werden erst dann die gemacht von den Befugnissen des§ 120 e und wir sind mängelt. Ich kann seiner Rechtsauffassung nicht beitreten. Nachtarbeit abschaffen können, wenn die deutsche Nation sich der Meinung, daß sie dabei weit über das nöthige Wenn der Bundesrath befugt ist, an Wochentagen die Arbeitszeit gewöhnt hat, altbackene Semmeln zum ersten Frühstück zu essen. Maß hinausgegangen sind, ja weit über einzuschränken, so bezieht sich diese Befugniß mangels einer Darauf werden wir lange warten können; vorläufig werden die das Maß, welches die Gewerbe- Ordnung zuläßt. Die Kommission anderweitigen Bestimmung auch auf die Arbeitszeit an Sonn- Gewerbetreibenden sich nach den Wünschen des Publikums richten für Arbeiterstatistik hatte die Aufgabe, Erhebungen anzustellen tagen. Daß die Bäcker zuerst herankommen würden, war müssen. Daß die Bäckerwerkstätten vielfach ungenügend find, über die Verhältnisse im Bäckergewerbe. Sie hat sogleich einen nicht zweifelhaft nach den Erklärungen der Regierung. daß die Lehrlinge vielfach übermäßig ausgenügt werden, dagegen Gesezentwurf vorgelegt, der großen Widerspruch gefunden hat, Die Presse aller Parteien hat fich mit Der Ver- hilft diese Verordnung nichts. Die lange Arbeitszeit kommt auch nicht blos bei den betheiligten Bäckermeistern, sondern bei allen ordnung einverstanden erklärt; selbst die„ Kreuz- Zeitung" in anderen Gewerben vor; aber der Nachweis ist von der Handwerkern, weil sie fürchten, daß für sie ähnliche Ver- und die" Post" find für sind für die Verordnung eingetreten. Kommission für Arbeiterstatistit nicht erbracht ordnungen erlassen werden könnten. Seitens der Bäcker ist Danach sollte man sich beruhigen und darauf vertrauen, daß, worden, daß durch Iange Arbeitszeit mir mitgetheilt worden, daß sie, wenn einmal die Ver- wenn eine gefährliche Wirkung eintreten sollte, der Bundesrath der Bäder die Gesundheit geschädigt wird. ordnung bestehen bleiben sollte, statt des 12 stündigen Arbeits- bereit sein wird, die Verordnung zu ändern.( Beifall bei den Deshalb war die Einführung des Marimalarbeitstages für er tages eine 84 ftündige Arbeitszeit für die Woche vorziehen würden. Sozialdemokraten und im Zentrum.) wachsene Arbeiter nicht berechtigt. Für Kinder und Der Bundesrath ist befugt, solche Verordnungen zu erlassen, Abg. Siegle( natl.): Die Verordnung schädigt die be- Frauen sind wir stets zu haben( Heiterkeit), die wenn die Arbeitszeit in den betreffenden Betrieben eine über- rechtigten Intereffen des Bäckergewerbes. Kaum ein Gewerbe wollen wir schüßen, auf diesem Wege aber mäßige Dauer hat und dadurch die Gesundheit der Arbeiter ge- erscheint so ungeeignet für die Durchführung einer Mayimal- tönnen wir der Regierung nicht folgen. Als die fährdet ist. Ob diese Voraussetzungen für die Bäckereien vor- arbeitszeit wie das Bäckergewerbe, welches von dem Gährungs-, zu schützenden Schwachen betrachten wir nicht diejenigen, welche liegen, wurde schon bei der Berathung der Kommission von dem Witterungs- und sonstigen unvorhergesehenen Verhältnissen ab- für den Weltfeiertag schwärmen und bei jedem Aufschwung damaligen Unterstaatssekretär von Rottenburg bezweifelt. Die hängig ist. Der Versuch, die Arbeitszeit gleichmäßig zu firiren, der Industrie Streits organisiren, wir rechnen dazu in Statistit ergab, daß der allerdings ziemlich ausgedehnten Arbeits- wird entweder zu großen Ungleichheiten in der Wirkung erster Linie die kleinen Arbeitgeber. zeit auch lange Pausen gegenüberstehen. Redner verweist ein- führen oder diese einzelne Verordnung muß schon von Hause Die Beunruhigung, welche das ganze deutsche Reich ergriffen gehend auf die Ermittelungen der Kommission und behauptet, daß aus so viele Einschränkungen enthalten, daß sie als eine hat wegen des Laden schlusses am Abend, geht weit die Krankenkassen- Statistit feinen Beweis bringe für die Gesund Art Ausnahmegesetz für gewisse Betriebsformen innerhalb des hinaus über die Aufregung der Bäcker. Von diesem Ladenschluß heitsschädlichkeit der Arbeit. Es liegt also fein hinreichender betreffenden Gewerbes erscheinen muß. Im vorliegenden Falle werden auch die kleinen Gewerbetreibenden besonders getroffen. Grund vor für die ganze Verordnung, die zudem in einem trifft das letztere zu. Die sogenannten Alleinbetriebe, welche nur Diese Regelung hat unsern Beifall nicht. Wäre ein Gesetz an Punkte der bestehenden Gesetzgebung widerspricht. Während die mit Meistern arbeiten, bilden in der Bäckerei, und namentlich in den Reichstag gekommen, so hätten die Bäcker ihre Wünsche in Gewerbe Ordnung nämlich den Landespolizeibehörden die Be- den fleinen Städten, einen beträchtlichen Prozentsatz, ca. ein einer Petition geltend machen können. Besser wäre es jedenfalls fugniß giebt, Ausnahmen von den Vorschriften über die Sonntags Drittel. Sie werden vom Gesetz nicht berührt; ebenso sollen alle gewesen, eine bestimmte Arbeitszeit für die ruhe zuzulassen, ist dies durch Nummer 5 der Verordnung aus- Bäckereien befreit bleiben, welche nicht mehr als dreimal in der Woche festzusehen, weil die Bäckerei sich nach den geschlossen. Das enthält eine Aenderung der Gefeß- Woche Nachts backen. Nun giebt es aber, z. B. in Stuttgart, Gewohnheiten des Publikums richten muß. Die Schablone gebung, welche der Bundesrath nicht allein vornehmen 27 Bäckereien, in welchen Söhne mitarbeiten bezw. das Geschäft erregt daher überall Unzufriedenheit. Der Großbetrieb wirb dazu wäre ein Gesetz nothwendig gewesen. Die für die Mutter als Besizerin führen. Das sind 10 pet. der sich auf die Verordnung einrichten können. Agitation der Bäckerei- Arbeiter fängt ja mit anderen Dingen Bäckereien. Will man diesen Söhnen verbieten, in dem Betrieb des Er wird entschädigt dadurch, daß die klein an; aber weil man bezüglich der anderen Dinge nicht recht ein- Waters und sofort länger als 12 oder 13 Stunden zu arbeiten? betriebe zu seinen gunsten zugrunde gerichtet greifen tonnte, wandte man sich gegen die Arbeitszeit, weil be- Kann nicht in solchen Betrieben eine zeitweise, außerordentliche werden. Ob die Arbeiter dadurch befriedigt werden, danach züglich dieser die Gewerbe- Ordnung Bestimmungen enthält. Die Anstrengung aller Familienglieder geradezu zur Pflicht werden, richten wir unsere Entscheidung nicht. Die kleinen Unternehmer Bäckerei wird durch die Verordnung vollständig unter Polizei- um das Geschäft der Familie zu erhalten? In tausenden ähn werden unzufrieden gemacht. Dieser Vorgang zeigt wieder, wie aufsicht gestellt. Ob der Schuster oder Tischler mit seiner Arbeit lichen Fällen können kleine Geschäfte nur durch die Energie und nothwendig die Organisation der Handwerker heute oder morgen fertig wird, darauf kommt es nicht an. Aber größere Anspannung der Arbeitskraft einige Zeit über Wasser ist, damit sie in solchen Fällen ihre Interessen geltend machen der Bäcker muß mit seiner Arbeit zur bestimmten Stunde fertig gehalten und konkurrenzfähig erhalten werden. Die Lehr- können. Dadurch würde es gelingen, den immer mehr anwachsenden sein, sonst bleiben ihm seine Kunden weg. Der Bäckerlinge möchte auch ich mit dem Bundesrath gegen Strom der Unzufriedenheit einzudämmen; das ist für die Leute, hängt mehr wie jeder andere Gewerbetreibende von dem eine allzu große ueberanstrengung schüßen; für welche der Grundsatz gilt:" Deutschland, Deutschland über guten Willen und von der Geschicklichkeit seiner Arbeiter ab. Sie insofern stimme ich der Verordnung voll alles!" die Hauptfache.( Beifall.) können ihm durch Nachlässigkeit die Waare verderben. Die ständig zu, und da eine Reihe von Bäckereien nur mit Lehr- Abg. Pachnicke( frs. Bg.): Durch die Schaffung von großen Bäckereien der Städte können mit zwei Schichten von lingen arbeitet, so wäre für diese schon ein großer Uebelstand Handwerkerkammern wird die Unzufriedenheit, welche aus wirth Arbeitern arbeitern, aber der kleine Betrieb, namentlich in den erledigt. Die Marimalarbeitszeit eignet sich für das schaftlichen Gründen entstanden ist, nicht beseitigt werden. Uebertleineren Städten, tann das nicht, er muß mit einer Schicht Bäckergewerbe um fo weniger, ats hier die Arbeit rascht sind die Bäckermeister durch die Verordnung nicht, sie lag Arbeiter fertig werden. feine eigentlich eigentlich maschinenmäßige iſt. Die Gesundheits- lange in der Luft. Aber bedeutsam ist sie, weil sie der erste Die Stimmung der Handwerker ist ohnehin keine rosige. Sie verhältnisse find in diesem Beruf nach der Statistik Schritt zum Maximalarbeitstag für erwachsene Arbeiter ist. Gin haben Zwangsinnungen verlangt und man hat ihnen nur Hand- verhältnißmäßig günstiger als im Durchschnitt der anderen Be- Fehler ist gemacht worden, weil das Gewerbe sich nicht besonders werkerkammern geboten; die anderen Vorlagen tommen nicht. rufe. Allerdings hat auch er gewisse Fährlichkeiten, aber faum eignet für den Maximalarbeitstag. Die Hefe ist noch Und nun tommt auch noch diese neue Verordnung! solche, welche das Eingreifen des Gesetzgebers nothwendig machen. nicht so polizeifromm, daß sie auf die Stunde funt. Die allerhöchste Botschaft Wilhelms I. hat aber eine Anders liegt die Frage, ob nicht gegenüber dem besonders zahl- tionirt, der Ofen brennt einmal schneller oder lang= Förderung der kooperativen Genossenschaften versprochen. reichen Auftreten von ekelhaften Hautkrankheiten famer, die persönlichen Qualitäten der Gesellen sind ebenFür die Arbeiter ist gesorgt worden; aber wir vom Standpunkte der Nahrungsmittel falls verschieden u. f. w. Das Hauptbedenten ist, können den Arbeitgebern nicht zu große Lasten Hygiene ein Einschreiten gerechtfertigt oder daß die kleinen Betriebe in Nachtheil gesezt auflegen. Heute liegen die Sachen so, daß ein Arbeiter, der gar nothwendig erscheinen möchte. Diese Frage werden gegenüber dem Großbetriebe, der sich jetzt das seinige zusammenhält, beffer leben kann als ein Meister und möchte zu bejahen sein. Oldenberg führt in seinem Buche an, auf genossenschaftlichem Wege herausbildet. Gine wöchent besser als der Landwirth.( Sehr wahr! rechts und im daß nach einem Bericht der Wiener Jnnungskasse pro 1891 im liche Arbeitszeit würde es möglich machen, den Betrieb Zentrum.) Unter solchen Verhältnissen muß man doppelt vor- franken Bustande 268 Bäcker fortarbeiteten, von denen 18 an den örtlichen Verhältnissen anzupassen. Dagegen hätten fichtig sein, ehe man eine Verordnung erläßt, welche schwere Tuberkulose, 92 an Geschlechtskrankheiten, 58 an näffender sich die betheiligten Handwerksmeister in ihrer Lasten auf die Gewerbetreibenden legt und Flechte, al Kräze 8 an und 50 an Verlegungen litten. Mehrheit nicht aufgelehnt. Die Gesellen sollten bedenken, fie abhängig macht von dem guten Willen Es ist Sache des Arztes, zu beurtheilen, ob ein mit Hautkrant- daß sie leicht Meister werden können( Widerspruch bei den Sozialihrer Arbeiter. Wir haben die Interpellation nicht ein- heiten behafteter Arbeiter vom Backen und Hantiren mit Back demokraten) und dann würden sie die Polizeibeschränkungen treffen. gebracht aus Lust am Standal, das überlassen wir anderen waaren auszuschließen ist, oder nur dann, wenn Hände und Sie( die Sozialdemokraten) vertreten lediglich die Interessen der Leuten. Wir wollen eine Erklärung haben und es würde mich Arme von der Krankheit befallen find. Was nüßen alle Ver- Arbeiter, wir wollen auch die der Unternehmer vertreten und freuen, wenn die verbündeten Regierungen Aufklärung und Be ordnungen, welche dem Publikum die üble Gewohnheit des Be- beide Interessen möglichst zu versöhnen suchen. Es ist leicht, den ruhigung bringen könnten.( Beifall rechts.) tastens der Backwaaren verbieten, wenn die letzteren von vorn: Maximalarbeitstag in ein Programm aufzunehmen; schon bein Staatssekretär v. Bötticher: Der letzten Verwahrung hätte herein Infektionsstoffe an sich tragen. Auch die Backräume selbst ersten Schritt stößt man auf Schwierigkeiten.( Widerspruch bei es wohl nicht bedurft; diejenigen, deren Namen unter der Inter- bedürfen einer hygienischen Kontrolle. In England besteht den Sozialdemokraten.) Wie schwierig würde erst der achtpellation stehen, bürgen dafür, daß es sich nicht um eine Lust am für Bäckereien in Städten von über 5000 Einwohnern durch stündige Normalarbeitstag sein. Die Diskussion soll Standal, sondern um ein wichtiges wirthschaftliches Interesse handelt. Gesetz vom 6. Juli 1895 die Vorschrift, daß Wände, Decken, wohl nur den 3wed haben, die Regierung aba Ohne auf die sozialpolitischen Abschweifungen einzugehen, be- Flure, Treppenräume getüncht, lackirt oder mit Delfarbe gestrichen zu halten, für andere Gewerbe ähnlich vorzu schränke ich mich auf die Verordnung des Bundesraths. Der werden; Dele und Lack ist dreifach aufzutragen, zweimal im gehen. Borredner hat nicht bestritten, daß für Betriebe, deren lange Jahre mit heißem Wasser und Seife zu waschen, alle 7 Jahre zu Preußischer Handelsminister Berlepsch: Wenn der§ 120e Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet, der Bundes- erneuern, die Tünche zweimal im Jahr. Ein zur Bäckerei ge- hier nicht zutrifft, dann würde es sich um den ersten Schritt zur rath die Dauer des Betriebes vorschreiben könne. Die Beschlüsse höriger Raum in demselben Stockwerk darf nur dann Einführung des Marimalarbeitstages handeln; dann hätte aber des Bundesrathes beruhen auf einem preußischen Antrage. Im ats Schlafraum benutzt werden, wenn er durch eine voll- der Bundesrath eine gegen das Gesetz verstoßende Maßregel ge preußischen Staatsministerium ist auch die Frage er ständige Wand abgetrennt ist, ein Fenster nach außen hat, und troffen. Der Bundesrath nimmt aber an, daß die Voraussetzungen örtert worden, ob der Weg der Bundesraths- Ver- den vorgeschriebenen Größenverhältnissen entspricht. In Berlin des§ 120 e zutreffen, daß er deshalb verpflichtet ist, ibn ordnung oder der der Gesetzgebung beschritten werden fommt es sogar vor, daß die Gesellen sich auf den Tisch, anzuwenden.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Des solle. Man hat sich gesagt, weil es sich gerade um auf dem gebacken wird, zum Schlafen nieder§ 120 e hat die ausdrückliche Zustimmung aller Parteien gefunden, den ersten Fall handelt, würde es falsch sein, ein legen. Es ist nun wohl möglich, daß die Befugnisse der weil man den allgemeinen Maximal Arbeitstag Gesetz zu machen, welches schwer wieder zu ändern ist, wenn ein Polizei vielfach weitgehend genug sind, um ohne besonderes nicht wollte, für den sich außer dem Redner des Zen= Fehler gemacht worden ist, während der Bundesrath Gesetz ein Einschreiten zu ermöglichen. Aber da doch eine ein- trums auch der Redner der Konservativen aus. jeben Zagfeine Verordnung ändern kann. Man heitliche Regelung im Reiche wünschenswerth ist, so dürfte hier sprach.( Abg. Hüpeden( chriftl.- soz.): Hört, hört! Heiterkeit.) hat sich für die Bundesrathsverordnung entschieden und die Be- ein gefeßliches Eingreifen angezeigt erscheinen. Ich hoffe, daß Man sollte sogar die Sache nicht dem Bundesrath überlassen, rechtigung dazu wird nicht bestritten werden können. Daß die die gegebene Anregung den Bundesrath veranlassen wird, auf sondern ins Gesetz bringen. Es handelt sich gar nicht um Arbeitszeit in den Bäckereien eine außer anderem Wege als auf dem in der Verordnung beschrittenen eine große politische Frage, sie ist entschieden ordentlich große Ausdehnung in den meisten für eine Besserung der Verhältnisse in den Bäckereien Sorge zu beim§ 120 e der Gewerbe- Ordnung. Fällen hat, steht fest. Die Arbeitsdauer von 12 bis tragen.( Beifall.) Mit der Frage, ob die Verhältnisse im Bädergewerbe 14 Stunden ist die Regel, aber sehr viele Bäckereien Abg. Hike( 3.): Der Vorredner hat die gesetzliche Be- so sind, daß§ 120e zutrifft, steht und fällt die ganze Sache, haben Arbeitszeiten von 14, 16, 18 und mehr Stunden. rechtigung der Verordnung bestritten, aber ihre praktische Be- Man fragt, warum gerade zuerst das Bäcker= Die Pausen zusammengerechnet bedeuten zwar eine genügende rechtigung zugegeben. Kein Gewerbe bedarf so sehr gewerbe und nicht ein anderes mit langer Ruhezeit, aber in ihrer Vereinzelung bieten sie nicht ge der Regelung, wie gerade die Bäckerei.( Sehr Arbeitszeit. In der Bäckerei findet sich eine nügende Gelegenheit zum Ausruhen und zur richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb sind wir dazu ge- übermäßig lange Arbeitszeit mit der Nacht thäten, fagte er:„ Sie müssen Butterteig machen." Dieses, Abg. Singer( Soz.): Gerade die bestrittenen Wahlen müssen in erster Linie zur Erledigung gebracht werden; die Herren können ja Ihre Frattionsgenossen telegraphisch hierher berufen. Die Bestimmungen des Börsengesetzes, des Margarinegefehes 2c. find doch auch so wichtig, daß sie ein beschlußfähiges Haus wünschenswerth machen. Abg. Gamp: Wir haben schon mehrfach unsere Mitglieder wegen der Wahlprüfungen berufen; nachdem aber diese mehrfach nicht berathen worden sind, würde eine telegraphische Berufung teinen Erfolg haben.( Heiterkeit.) Parlamentarisches. er:" Nein", und als wir fragten, was sie denn Die Kommiffion für das Bürgerliche Gesetzbuch beendete am Mittwoch ihre Berathungen über das dritte Buch Holzzerkleinern und andere dergleichen Dinge sind nur Nebens Am Freitag beginnt die Berathung über das Familienrecht, ftücke in der Zimmerstraße gewährleistete nicht entfernt arbeit zusammen. Wann soll denn der§ 120 e daß sie beim Brotaustragen wenigstens eine Stunde| Fulda aus der Kommission nicht gebessert. Rettet man die anders angewendet werden, wenn nicht bei einem Gewerbe, in die frische Luft kommen. Wenn man der Verordnung Prämie für ein neues Jahr, so meint man schon viel erreicht zu wo in mehr als 50 Prozent der Betriebe mehr als des Bundesraths einen Vorwurf machen haben. Sicher ist die Annahme der Gewerbenovelle. Aber man zwölf Stunden in heißen Räumen zur Nacht- tönnte, so wäre es der, daß sie nicht weit darf erwarten, daß nicht allein die Bestimmungen über die zeit gearbeitet wird.( Sehr richtig! im Zentrum und genug geht. Detailreisenden geändert werden, auch die Sämereien, Pflanzen bei den Sozialdemokraten). Verordnungen für ein großes Reich Moral und Sittlichkeit der Bäckergesellen stehen und Gesträuche werden für den Hausirhandel gerettet werden. müffen etwas schablonenmäßig ausfallen; aber die Bestimmungen nach alle dem auf einer niedrigen Stufe. In ihrer Die Kollegen der Gönninger aus Bardoviek bei Lüneburg, die der Verordnung können von allen Betrieben befolgt werden. geringen freien Zeit fuchen fie das Versäumte fie das Versäumte durch auch hier vorstellig geworden sind, haben sowohl bei den Parteien Acht Stunden des Tages sind der Ruhe vorbehalten; von fonzentrirten Genuß nachzuholen, daher die vielen Ge- wie bei der Regierung eine sehr günstige Aufnahme gefunden. 16 Stunden können regelmäßig bei einer Stunde Ruhepause fchlechtstrantheiten. Man wirft uns mit unrecht Man hat ihnen förmlich bindende Zusagen gemacht. Und so 181/2 Stunden auf die Arbeit verwendet werden und an vor, daß wir die Ehe zerstören wollen. Das thun darf man wohl erwarten, daß dieser Jahrhunderte alte Handel 40 Tagen alle 16 Stunden. Da tönnte man eher Gie vielmehr, wenn Sie die Zustände im Bäckerei- gerettet wird." fragen, ob nicht zu wenig geschehen sei. gewerbe aufrecht erhalten. Wie kann bei einem Bäckergesellen ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß die von einer geordneten Ehe die Rede sein. Thatsächlich verr Bäcker damit nicht auskommen könnten, das glaube ich nicht. heirathet sich denn auch fast kein Bäckergeselle. Die Bäckermeistes Prozek v. Hammerstein. Es geht hier wie bei allen Arbeiterschutz sollten geschädigt werden durch die Verordnung. Als ob da ( Schluß aus der zweiten Beilage.) Gefeßgebungen. Die Betroffenen sträuben sich Bublifum feine Semmeln beim Schuhmacher oder Goldschmied Angefl.: Die Situation in der Politit war da. zunächst mit Hand und Fuß dagegen; wenn man kaufen würde. Es wird darum nicht ein Brot weniger ge- mals eine sehr zugefpiste. Ich habe seit meinem Eintritt sich aber einmal eingewöhnt hat, dann geht geffen. in das politische Leben die feste Ueberzeugung gehabt, es ganz gut. Die wirthschaftliche Existenz der Die ausländische Konkurrenz ist nicht zu fürchten, daß die konservative Partei den Wirkungen Bäcker wird nicht gefährdet. Die kleinen Be- außerdem bestehen in fast allen außerdeutschen Ländern des allgemeinen gleichen Wahlrechts als triebe werden nicht davon betroffen, weil sie bereits Bäckergefeße, auch in Finnland; wir stehen also rein gouvernementale Partei auf die Dauer meist nur zwölfstündige Arbeitszeit haben. selbst hinter Rußland zurück. Da die Lehrlinge nach der Ver- nicht Stand halten könne, sondern im Volke Wenn der Reichstag dem Bundesrath eine Befugniß giebt, ordnung nicht so lange beschäftigt werden sollen, beschäftigt werden sollen, wie selbst feste Wurzel faffen müsse. Das fonnte sie nach eine Sache im Verordnungswege zu regeln, so würde die Gesellen, fo wird hoffentlich auch der Lehrlings meiner Meinung nur, wenn sie unter Umständen auch ein es doch etwas feltsam fein, wenn sich der Bundes- züchterei ein Damm entgegengesetzt werden, welche an dem fagen könne. Präs. Wir wollen uns auf das politische rath schen zurückzöge und einen Gefeßentwurf vorbringen würde. Bagabondenthum und dem Louisthum bei den Bäckern die Haupt- Gebiet nicht zu sehr verlieren. Es genügt, daß Sie behaupten, Ein solcher Standpunkt wäre nicht würdig des Bundesraths, schuld trägt. Der Hauptvorzug der Verordnung wird aber darin Ihr Verschwinden würde nicht nur für Sie selbst und Ihre nachdem er dem Reichstage selbst die betreffende Gefeß- bestehen, daß die Gewerbe- Inspektoren die Bäckereien kontrolliren Familie, sondern auch für Ihre Partei bedenklich geworden sein. bestimmung vorgeschlagen hat. werden. Vielleicht decken sie Zustände dort auf, welche zu Angefl.: Ich kann hinzusehen: auch für die Kreuz- 3tg.". Graf Jun- und Kuyphausen( k.) hält dafür, daß die weiteren Gesezen gegen die Bäcker veranlassen. Vielleicht Bräf.: Das genügt uns. Haben Sie nicht andere Wege versucht, Verordnung nicht eine solche ist, die der Reich 3 wird damit auch die Einführung des Maximalarbeitstages an- um aus Ihrer trüben Lage herauszukommen? Angeti: tag mit gutem Gewissen ohne weiteres gebahnt, worin uns andere Staaten, selbst Desterreich um Nasen- Mir standen dreierlei Wege zu Gebote: Ich hätte in uns atzeptiren tönne. Das Bäckergewerbe gehört längen voraus sind. Ein tüchtiger Arbeiterftamm anständiger Weise die Gelegenheit benutzen können, die mir der zu den gesundesten Gewerben, das zeigt sich auch bei wird mehr zur Hebung des Gewerbes beitragen Börsentheil des Blattes zum Gelderwerb bot. Das wollte ben militärischen Aushebungen. Eine wirkliche Sonntags- als der Befähigungsnachweis und sonstiger ich nicht. Der zweite Weg, der mir damals sehr nahe trat, war, ruhe für das Bäckergewerbe Bäckergewerbe ist nothwendig, aber Firlefanz.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) daß ich die, Kreuz- Zeitung" in eine andere Richtung die Durchführung dieser Verordnung wird Jm 5/4 Uhr wird die Vertagung der Debatte beschlossen. Leitete; das widerstrebte meiner politischen 99 pt. aller kleinen Betriebe arg gefährden. Der Präsident setzt außer der Fortsetzung der Berathung auch Ueberzeugung. Endlich hätte ich mich nochmals an das Die Regierung legt den Nachdruck auf die lange Arbeitszeit, die zweite Lesung des Börsengesetzes auf die Tagesordnung. Komitee wenden können, was ich nicht für angängig hielt. So aber wir wollen den Maximal Arbeitstag Abg. Singer( Soz.) beantragt, statt dessen die Wahl habe ich denn den Schritt gethan, den ich jetzt verantworten nicht, den allerdings die Herren drüben( die Sozialdemo- prüfungen auf die Tagesordnung zu sehen, damit bei den muß. Präs.: Das genügt uns. Angefl.: Wenn traten) wünschen. Durch die Beschränkung der Arbeitszeit wird nächsten Verhandlungen alle Mitglieder des Hauses legitimirt sind. ich zusammenbrach, dann wurde auch den politischen der Lohn der Bäcker herabsinken. Das Bäckergewerbe wehrt sich Abg. Gamp( Rp.) will die Wahlprüfungen von einem be- Ideen, denen ich anhing, ein großer Schade zu deshalb mit recht dagegen, daß man in die Freiheit des Geschlußfähigen Hause erledigt sehen; einige Wahlen würden längere gefügt, ebenso wurde die Kreuz- Zeitung" aufs tiefste ge= werbes eingreift. An sich mögen die verbündeten Regierungen Debatten verursachen. schädigt, denn tein Blatt ist öffentlich mit seinem zur Verordnung berechtigt sein, aber für das Bäcker= Abg. Richter: Die bestrittenen Wahlen könnten ja aus Beiter so identifisirt, wie die Kreuz- Zeitung". Was gewerbe paßt sie nicht, deshalb lehnen wir sie ab. geschieden werden, damit die Wahlen erledigt werden, bei denen mich traf, traf auch die Kreuz- Zeitung Auf An Abg. Molkenbuhr( Soz.): Die heutigen Verhandlungen Beweiserhebungen verlangt werden. regung des Rechtsanwalts Dr. Schwindt sett Angeklagter zeigen wieder einmal, wie platonisch die Arbeiterfreundlichkeit eingehend auseinander, welche Projekte er hatte, um eine Der Herren ist. So lange die Vorschläge allgemein gehalten reparatio damni herbeizuführen. Dazu gehörte auch das Profind, hat man die schönsten Worte, wenn sie aber in die jekt des Erwerbes der sämmtlichen Grundstücke der Heinicke'schen Braris umgesetzt werden sollen, wenn sie auf ein Gewerbe anErben und der Uebernahme des Druckes für die„ Kreuz- Zeitung". gewendet werden sollen, kommt der Widerstand. Wenn man Präs. Sie haben im Jahre 1891 auch ein Haus in der Herrn Bachnicke und Herrn v. Buchta vergleicht, so erworben? Zimmerstraße Angeti.: Jawohl, für bewegen sie sich alle auf derselben Linie: etwas thun 730 000 m.- Präs.: Wieviel zahlten Sie an?- Angefl.: ist ganz schön, aber nur nicht in die Praxis übertragen, wenn 50 000 m. Präs.: Sie haben bisher immer gesagt, daß das Intereffe der Unternehmer, das doch immer das heiligste ist, Sie über die Herkunft dieser 50 000 M. Verschwiegenheit geschädigt werden könnte. Herr v. Buchka war von vornbeobachten wollten. Beharren Sie auch heute noch darauf? herein unzufrieden damit, daß man den zwölfftündigen Der Antrag Singer wird angenommen. Angetl.: Jawohl. Präs.: Es waren auf dem Hause ins Normal Arbeitstag genommen hatte und schlug einen Schluß 5/2 Uhr. Nächste Sigung Donnerstag 1 Uhr. gesammt 580 000 m. eingetragen, Sie hatten also noch 100 000 m. wöchentlich 84 stündigen Arbeitstag vor, indem er dem( Fortsehung der Besprechung der Interpellation Manteuffel und zu beschaffen, woher haben Sie diese genommen?-Angell: Die dritten Gebot zuwider auch den Sonntag als Arbeitstag Wahlprüfungen.) hat mir Graf Waldersee geliehen.-Ober- Staatsanwalt: mitrechnete. Da heißt es immer, die Bäcker hätten ZwischenHatte der Angeklagte die Absicht, das Haus Zimmerstraße für pausen. Ein Bäckermeister erzählte uns das auch in der Komdie„ Kreuz- Zeitung" oder für eigene Rechnung anzukaufen? mission für Arbeiterstatistik. Als wir ihn fragten, ob die Angel.: Ich wollte es der Kreuz- Zeitung" anbieten. Der Gesellen während der Pausen schlafen tönnten, erklärte Ankauf dieses Grundstücks geschah auf alle Fälle und zur Sicher beit, so lange ich das Projekt mit dem Heinicke'schen Grundstücke nicht effettuiren konnte. Das Geschäft mit dem Grunde aus dem Ankauf über das Verlöbniß und Sie wert ist ein schweres und die Schwächsten melden sich nicht, um des Heinicke'schen Grundstücks herausgerechnet hatte. Eheschließung. Die Entscheidungen über die Anträge über Bräs. Wir scheint, daß der Angeklagte sich so sehr mit der es zu erlernen. Die Bäckerinnungen haben in ihren Statuten werden erhebliche Beit in Vorschriften, nach welchen nur Gesunde genommen werden dürfen, Anspruch nehmen. Auf diesem Gebiet bewegen sich eine Reihe Kreuz- Zeitung" identifiziert hatte, daß er sich gar nicht genirte, und beim Ronkordiaverband werden die Knaben vor ihrer An und bein Konkordiaverband werden die Knaben vor ihrer An- von Anträgen, deren hauptsächlichste wir nachstehend hervor solche Geschäfte zu machen, indem er sich fagte:" Ich bin ber nahme einer ärztlichen Untersuchung unterworfen. Allmächtige, ich bin die Kreuz- Zeitung", meine Anordnungen Mit der Reinlichkeit ist es im Bäckergewerbe arg bestellt; heben. Das jetzt für ganz Deutschland giltige Bivilstandsgesetz werden ja schließlich doch santtionirt.- án getI.: Nun ja, so Mit der Reinlichkeit ist es im Bäckergewerbe arg bestellt sett die obligatorische Bivilehe fest, d. h. nur ist es ja doch auch, zumal ich ja der einzige Sachverständige war. die Bäcker sind häufig mit Krätze behaftet. Das zeigt sich bei die vor einem Standesbeamten geschlossene Ghe ist giltig. den Aushebungen. Der Vorsitzende einer Ersatzkommission fragte Der Entwurf giebt die Bestimmungen des Zivilstands- Bei einer großen Zeitung, deren Verleger nicht Sachverständiger Der Arzt erklärte: die Krähe, da sagte er: Da macht der gesetzes wieder, hält insbesondere an der obligatorischen Zivilehe ist und auswärts wohnt, muß naturgemäß der leitende Chefredakteur eine gewisse unbeschränkte Macht erhalten. feft, enthält aber eine Reihe reaktionärer Neuerungen. So Schweinigel am Ende mein Frühstücksbrot. Abg. Merbach ist ganz besonders für die Frauen zu haben. männliche Geschlecht hinauf, läßt keine Befreiung von dem Berbot zu, sein Interesse, betrifft, so behauptet der Angeklagte, daß er be Abg. Merbach ist ganz besonders für die Frauen zu haben. Schraubt er das Ehemündigkeitsalter von 20 auf 21 Jahre für das Aufwendungen für die Landwirthschaftliche Beitung", d. h. für Es würde viel gewonnen sein, wenn Vorschüsse man den Unterschied daß junge Leute unter 21 Jahren heirathen dürfen, verlangt, rechtigt gewesen sei, zwischen Mann und Frau nicht mehr machen würde. Das baß auch das Mädchen bis zum vollendeten 25.( statt jetzt 24.) der Streuz- Zeitung" für die„ Landwirthschaftliche Zeitung Bäckergewerbe wird immer so ungeeignet wie möglich Lebensjahr elterlicher Genehmigung bedarf. Die reaktionären zu verwenden und daß er andererseits wieder Borschüffe für eine gesetzliche Regelung hingestellt. Der Abg. Mer- Differenzen gegenüber dem bestehenden Zustand wollen freisinnige aus der letzteren an die Kasse der Kreuz- Zeitung" abgeliefert bach meint, es handle sich um ortsübliche Gewohnheiten. Anträge vermehren. So beantragt Abg. Rauffmann, daß babe. In diesem Falle sei nicht Malisch, sondern er selbst der Diese haben aber nicht verhindert, daß Mißstände hervorgetreten entgegen dem bestehenden Gesetz und entgegen dem Entwurf Rechnungsführer gewesen. find. Die Meister haben mehr Arbeit als Gesellen.( Sehr richtig! Mädchen erst von Vollendung des 18.( statt jetzt des 16.) Lebens- sigende fest, daß ein Haftbefehl unter dem 2. Oktober v. J. wegen Auf Antrag des Rechtsanwalts a ez e II stellt der Vorlints.) Wenn sie für 3 Gesellen Arbeit haben, jahres ab sollen heirathen dürfen. Ein Theil der Konservativen unter Urkundenfälschung und Betruges und ein anderer Haftbefehl unter müssen 2 ihre Gesundheit aufopfern. der Abgeordneten Himburg und Freiherr Pachnicke fie darstellt, man muß nur damit umzugehen tative Ehe einführen und deshalb sowohl eine in Form Die Hefe ist nicht so widerspenstig, wie der Abgeordnete. Meltern wollen statt der obligatorischen die fatul dem 30. November wegen Beihilfe zum Verbrechen wider keimendes Werth.: Die Ver Leben und Unterschlagung ergangen ist. verstehen. Namentlich berufen sich die Meister immer auf die Hefe als Hinderniß für eine Regelung. der kirchlichen Trauung" wie vor einem Standes: theidigung legt ganz besonderen Werth auf die Feststellung des Termins, wann die hiesigen Auslieferungs- Begehren den beamten geschlossene Ehe für giltig erklärt wissen. Für die Hefe nicht zog, griff man zum Backofen; die ungleich den Fall der Ablehnung dieses Antrages wollen die zuständigen italienischen Behörden zugestellt wurden. Präs.: mäßige Heizung, auf welche Wind und Wetter Einfluß haben Das vermag ich nicht. Oberstaatsanwalt Drescher: So Konservativen folgenden Antrag angenommen wissen: follen, sollten den Maximalarbeitstag nicht zulassen. Nicht blos Die firchlichen „ Die kirchlichen Verpflichtungen( weit ich mich besinne, habe ich im September oder Anfang Verpflichtungen() in Beziehung Oftober bei dem Untersuchungsrichter den Antrag gestellt, die Bäcker sind von der Heizung abhängig, sondern fast alle auf die Trauung werden durch die Bestimmungen diefes Titels als der Angeklagte sich von Tyrol nach Italien begeben Betriebe, auch die Eisenbahnbetriebe. Ebenso aber wie der hatte, Auslieferung in Dieden, Gröber, Letocha die obligatorische kirchliche Lokomotivführer bis auf die Minute die Heizung berechnen nicht berührt." Das Zentrum hat durch die Abgg. Dr. Bach em, auf diplomatischem Wege die mnß, um am Ziele anzukommen, so muß es auch der Bäckerdie Wege zu leiten. Darauf erfolgte der erste Haftgeselle gelernt haben so zu heizen, daß sie das Gebäck und will nur für solche, die die Ehe in den Formen einer Religions befehl, welchem noch ein zweiter folgte, d. b. zu einer rechtzeitig fertig stellen. Die Meister sträuben sich gegen die Polizei- Aufsicht", weil sie fürchten, daß die Gewerbe: gesellschaft nicht eingehen können, eine Ehe vor einem Standes- Zeit, wo Herr v. Hammerstein sich noch in Italien befand. beamten zulassen. Eventuell für den Fall der Ablehnung auch eine bestimmte Person gehört hatte, daß diese Person hier verDer Angeklagte ist erst aus Neapel weggegangen, als er durch Inspektoren hinter Dinge hinter Dinge tommen, welche gnädig des tonservativen Antrages beantragt das Bentrum folgende mit Nacht und Grauen bedeckt bleiben sollen. Die nommen worden sei. Der Vorsitzende stellt aus den Akten wunderliche Fassung für die Schließung einer Ehe: Die Ehe kleinen Meister werden durch diese Schutzbestimmungen nicht wird dadurch geschlossen, daß die Verlobten vor einem" Standes- fest, daß das erste Gesuch um Anbahnung der Auslieferung am tonkurrenzunfähig gemacht, im Gegentheil. Sie haben meist beamten persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, 3. Oktober, das zweite am 3. Dezember an das Auswärtige Amt weniger zu thun als die großen und darum eine fürzere Arbeits- die Ehe mit einander eingehen zu wollen. Auf Antrag Auswärtige Amt um Auskunft darüber angegangen werde, abgegeben ist. R.-A. Raezel legt Werth darauf. daß das zeit. Tritt also eine Verschiebung der Konkurrenzfähigkeit ein, so der Verlobten hat Der Standesbeamte diese Ergeschieht sie zu gunsten der kleinen Bäcker. Noch schlimmer klärung dadurch entgegen zu nehmen, daß er wann die beiden Auslieferungsbegehren abgegangen seien, er anwesend als die Gesellen sind die Lehrlinge daran.( Sehr richtig! ist, wenn die Verlobten bei der tirchlichen Trauung vor behaupte, daß v. Hammerstein den italienischen Boden bereits bei den Sozialdemokraten.) Die Bäckerei- Arbeiter haben es nicht leicht. Dem Geistlichen erklären, die Ehe mit einander eingehen verlassen hatte, bevor die Zustellung an die zuständigen italienischen Wenn Graf Inn- und Knyphausen meinte, an Arbeit sei noch Der Präsident wiederholt feine früher tein Mensch zu grunde gegangen, so sprach er nicht aus 3 wollen." Diesen reaktionären von den verschiedensten Seiten Behörden erfolgt sei. eigener Erfahrung. Ein evangelischer Pfarrer lebt doppelt gestellten Anträgen gegenüber haben unsere Genossen beantragt, abgegebene Bemerkung, daß der Gerichtshof nicht in der Lage Ein evangelischer Pfarrer lebt doppelt entweder kurzer Hand die Bestimmungen des Zivilstands: sei, darüber zu befinden, ob die italienische Regierung forrekt folange wie ein Bigarrenarbeiter und Schneider, und auch Gesetzes so wie sie sind, aufrecht zu erhalten oder ihre verfahren sei oder nicht, die Thatsache, daß der Angeklagte aus die Bäcker sind schlimm daran. Von 85 Hamburger Bäckerwerkstätten find 27 Räume mit 124 beschäftigten Eventualanträge, die auf Streichung aller Verbesserungen geliefert worden sei, lasse sich doch nicht umstoßen. Das Gericht werde über den neuen Antrag, der ja nur eine Wiederholung des Entwurfs und auf Bersonen noch nicht einmal 2 Meter hoch, 34 mit 195 Personen Eheschließung abzielen, anzunehmen. Die Nationalliberalen und des früheren sei, befinden. Der Präsident richtet dann noch 22 Meter, 6 mit 42 Personen 2,75 Meter. Sonderbare EinFreisinnigen sind durch die Anträge unserer Genossen gezwungen, und haben trotz dessen in Beziehungen zu Flora Gaß ges richtungen bestehen zum Erzeugen feuchter Hitze, um flar zu erklären, ob sie den bestehenden Zustand aufrecht erhalten standen und ihr auch Geldopfer gebracht? die Backwaaren schneller in die Höhe zu bringen: Be oder ob sie unter allerlei fulturpauterischen Tiraden das bestehende räs.: Wie viel Geld nahmen Sie mit, als Sie abreiften? Angefl.: Ja. gießen von heißen Steinen, Rohrleitungen aus dem Gesetz verbösern wollen. Dampflesjel, Klappe Schornstein. am So Anget I.( lächelnd): Aber das ist doch nicht strafbar? gleicht der Backraum einem Dampfbad, so daß die Arbeiter gezwungen Bertagung des Reichstages. Man schreibt dem Berliner Präf.: Nein gewiß nicht, Sie brauchen ja auch nicht zu antworten. Tageblatt": Angefl.: Etwa 4000 M. Präs.: Wo find, ganz oder halbnackt zu arbeiten. Die Arbeiter arbeiten nicht allein im Schweiße, sondern auch Als vor kurzem die Nachricht auftauchte, man beabsichtige, hatten Sie die her?- Anget!: Ich hatte eine Lebensmit dem Schweiße ihres Angesichts, und das Publikum den Seichstag bereits Mitte Mai zu vertagen und im Oktober versicherung aufgelöst. genießt ihn im Backwerk; daß bei 10 Ianger aufs neue zusammenzuberufen, wollte man das nicht recht ernst Die Zeugenvernehmung beginnt mit dem Papierhändler Flinsch. Arbeitszeit fein Hang zur Reinlichkeit nehmen. Wie wir erfahren, mit unrecht. Es besteht in der That Derselbe erklärt, daß sich bei Abschluß des Papierlieferungs- Versehr von oben herab gezeigt besteht, ist natürlich. Nach der Hamburger Enquete fehlt die Absicht, jest„ gar nichts fertig zu machen", außer der Ge- trages der Angeklagte ihm ftets das Gefühl gelassen habe, daß er es hier nicht nur an Badewannen, sondern auch an genügenden werbenovelle und einem neuen Zuckernothgesetz auf grund des Antrages und Waschvorrichtungen. Waschwasser wird auch zum Be- Staudy, alles übrige aber, Börsengeset, Margarinegesez u. f. w., bis ihm einen ganz besonderen Vorzug gewähre. Thatsächlich sprengen des Brotes verwendet( Hört! links), Mehlsäcke zum Herbst hinauszuschieben. Die Aussichten des Zuckersteuergesetzes wäre das Geschäft ein sehr glänzendes gewesen, wenn Abtrocknen. Die tönnen Lehrlinge froh sein, haben sich trot dem Austritt des Zentrums- Abgeordneten Mülles, der Papierverbrauch der Beitung so groß gewesen näre, den Arzt, zum als Als und zunächst zwar die Art der Erleichterungen Der " -OVO aus den Was die Beständen an wie Hammerstein fälschlich behauptet habe. Die 50 000 M. jdes Amtsvorstehers lege ich großes Gewicht, obwohl hier aus vative Partei dem Ruin verfallen wäre. feien der Köder gewesen, auf den er leider angebissen rechtlichen Gründen nicht Fälschung einer öffentlichen Urkunde Hätte ich damals ausscheiden müssen, so, behaupte ich, die auf selbständigen Füßen stehende tonfer habe. Sein Verlust beziffere sich auf nicht ganz 101 000.vorliegt, lediglich aus dem Grunde, weil die Ausstellung solcher wäre Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Der Zeuge ist bei dem ganzen Urkunden nicht zu den Amtsbefugnissen des Amtsvorstehers ge vative Partei, wie sie heute besteht, nicht zu stande ge Geschäft vielleicht nicht mit der genügenden Vorsicht zu Werke hört. Art, wie tommen. Gelang es mir nicht, mich aus der finanziellen Noth Besonders erschwerend ist ferner die gegangen, fo daß er vielleicht Don dem Vorwurfe der Angeklagte den Betrug und die Fälschungen aus zu befreien, so wäre eine politische Ratastrophe ersten einer gewissen Leichtfertigkeit nicht ganz freizusprechen geführt hat. Die Art, wie er mit Flinsch in Verbindung trat, Ranges eingetreten. So bin ich denn dazu gekommen. Ich habe ift. Zeuge bestreitet dies. Das Papierlieferungs- ist die eines gewiegten Hochstaplers und schließt jeden mildernden nie versucht, zu leugnen, was ich gethan. Hofprediger Stöcker Geschäft für Beitungen berube vielfach auf Kredit und Umstand aus. Dazu kommt die persönliche Stellung des An- hat neulich in einer Versammlung, allerdings ohne Nennung er habe natürlich in die Angaben eines solchen Mannes, wie geklagten. Es wurde ihm unbeschränktes Vertrauen geschenkt. meines Namens, Es ist ein Freund in gefagt: Er hat recht, das trifft des Freiherrn v. Hammerstein nicht das geringste Mißtrauen Dieses hat er in der schmählichsten und hinterlistigsten Weise den Abgrund gestürat." icar Ich gefeht. Auch die Anempfehlung der Geheimhaltung habe er gemißbraucht. Er hatte eine hervorragende Stellung im zu. in wirthschaftlicher wie politischer Beganz erklärlich gefunden. Die Beglaubigung der Unter- öffentlichen Leben, er stand der Spize eines ziehung namenlos exponirt. Ich bin dabei gestrauchelt in den Abgrund gestürzt. Man hat mir Feld= schrift des Grafen Finckenstein sei ihm nothwendig erschienen. hochangesehenen Blattes, welches Königstreue, und Geh. Ober- Regierungsrath Graf Georg v. Ranih giebt Sitte und Moral an der Spize trug. Als Leiter dieses stücke der Beschimpfung in großer Menge nachgeschleudert. So furz Auskunft über die Eigenthumsverhältnisse der Kreuz- Blattes hatte er eine hohe sittliche Mission zu erfüllen, spricht sich wohl der Parteihaß aus, aber wenn der Herr Beitung". Es habe sich niemand als Eigenthümer geriren können, er hat in diesem Sinne auch viel geredet und ge Oberstaatsanwalt sagt, ich sei ein Heuchler, so fühle ich mich ebenso habe niemand über die Fonds zu disponiren vermocht. s chrieben, aber er war Jahre hindurch ein Heuchler! dadurch besonders beschwert. Ich erinnere ihn an das Nach dem Statut von 1875 hatten sich sechs Personen zur Gerade weil er eine hohe fittliche Aufgabe zu erfüllen Paulinische Wort: Was ich will das Gute, das thue ich Fortsetzung der Kreuz- Zeitung" vereinigt und er müsse hatte, ist sein selbst verschuldeter Fall um so beklagenswerther. nicht und das Böse, was ich nicht will, daß thue ich." Ein Mann, zugeben, daß in jenem Statut die Nechte der einzelnen Aus allen diesen Gründen halte ich es nicht für an der wie ich im öffentlichen Leben gestanden und hinter die Gesellschafter an dem Eigenthum und dem Fonds der Gesell- gezeigt, dem Angeklagten mildernde Umstände zu be Ruliffen geschaut hat, würde wohl leicht Sachen zur schaft, allerdings mit großen Beschränkungen festgestellt worden willigen; ich beantrage gegen ihn eine Zuchthausstrafe Sprache bringen fönnen, welche meine Person in ein besseres feien. Damals lebteu noch die Gesellschafter v. Kleist- Rezow und von vier Jahren, 3000 M. Geldstrafe oder noch 400 Tage Licht stellen würde, als es der Herr Staatsanwalt gethan. Ich v. Gerlach und diese hätten sich immer so gerirt, als ob sie Zuchthaus sowie Ehrverlust auf fünf Jahre. verzichte aber darauf, denn es würden dabei Sachen zur Sprache disponiren könnten über die Fonds. Nach seiner Meinung Der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schwindt plädirt gebracht werden müssen, die den Gegnern willkommenen Dies schwebte die ganze Angelegenheit in der Luft. Präs.: Würden zuerst. Er hebt ebenfalls hervor, daß die Erwartungen einer Stoff zu großem Standal bieten würden. Sie denn die Konsequenzen ziehen, daß es sich hier um herren sensationslüsternen Menge durch die Verhandlung nicht erfüllt will ich nicht, ich will die in mich gesetzten Erwartungen loses Gut handelte, an dem man sich ohne gegen die worden seien, aber dies sei auch dem Angeklagten zu verdanken, auf Diskretion nicht täuschen. Ich weiß, daß ich gefehlt er habe es Strafgefeße zu verstoßen, vergreifen konnte? 3euge: Nein, denn von vornherein vermieden, Sachen habe. Aber ich vertraue auf Gottes Guade und so weit möchte ich nicht gehen, ich will nur sagen, daß ein das hineinzuziehen, welche nach außen wirken. Ein Mann, der sich Barmherzigkeit. Ich will tragen was tommt, ich habe Eigenthum repräsentirendes Individuum nicht vorhanden war. diese nach allen Richtungen hin wohlthätige Reserve auferlegt den Muth, zu denken an den Beginn eines neuen Lebens, so Der Angeklagte hatte außerordentlich weitgehende Vollmachten habe, dürfte sich doch der Sympathie des Gerichtshofes zu er Gott mir Zeit dazu giebt. Aber meine Herren Richter- hier ich bin ein alter ge und wurde in der vorher festgesezten Weise rechnerisch kon- freuen haben. Dem Antrage des Oberstaatsanwalts auf Frei- brach dem Angeklagten die Stimme trollirt. Die in den letzten Jahren häufig vorkommenden Etatssprechung wegen der Unterschlagung trete er natürlich bei. Was brochener Mann, ich bin 58 Jahre alt, was der Staatsanwalt überschreitungen wurden nachträglich bewilligt. den Betrug betreffe, so bestreite er, daß jemand da sei, der als gegen mich beantragt hat, tommt einer lebenslänglichen Strafe Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden erklärt der Eigenthümer der Kreuz- Zeitung" angefehen werden könne. Das gleich, Ich bitte, mich aus den Gesammtverhältniffen heraus zu Zeuge, daß ihm der hohe Papierpreis nicht aufgefallen sei und Eigenthum, welches dem Komitee- Mitgliede im Statut zugewiesen beurtheilen und mir mildernde Umstände nicht zu verfagen." daß, als dieser einmal zur Sprache gekommen, der Angeklagte sei, müsse man als ein völlig schatten- und schemenhaftes be- Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Berathung zurück, die nur den Preis mit der Güte des Papiers gerechtfertigt habe. Dies zeichnen. eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. sei am 7. Mai 1894 gewefen.- R.-A. Dr. Schwindt: Wen Es handelt sich hier um Verhältnisse, die in dem deutschen Das Gericht hat sich, wie der Vorsigende bei der Urtheils erachtet der Zeuge wohl für geschädigt durch die vom An- Privatrecht mit dem Worte„ Zweckvermögen" bezeichnet werden. verkündigung hervorhebt, im wesentlichen der Auffassung des Staatsgetlagten begangenen Veruntreuungen? 3euge: Ich kann Zweck ist die Bertretung der konservativen Partei, d. h. die Ber- anwalts angeschlossen und das Vorliegen der Unterschlagungen wirklich teine Person namhaft machen. Auf weiteres törperung von deren politischem Programm. Keins der Komitee verneint. Bezüglich des Betruges fehlt es nach Ansicht des Gerichts Befragen bestätigt der Zeuge, daß jest Grwägungen darüber mitglieder hat wohl Verpflichtungen für den Fall über nicht an einem Vermögensträger. Zum mindesten sei es die ftattgefunden haben, ob es möglich sei, tünstlich eine Person nehmen wollen, wenn das Zeitungsunternehmen nicht reusfirte. f. 3. gebildete Attiengesellschaft gewesen und der Gerichtshof als Eigenthümer zu schaffen, um Wiederholungen unmöglich Solche Ideen und Gedanken sind unabhängig von einem Wer habe keinen Anlaß zu der Annahme, daß gar keine Aktien mebr au machen. Beisiger Landrichter Opiz: Welche Folgen mögen, der konservative Gedante ist nichts Greifbares, deshalb vorhanden seien und an stelle der Aktienbefizer seien deren würde es für den Angeklagten gehabt haben, wenn er den kann man auch von Eigenthumsverhältnissen nicht sprechen. Erben getreten. Alle Thatmerkmale des Betruges seien gegeben, Vertrag mit Flinsch nicht geschlossen hätte? 3euge: Redner entwickelt die juristischen und praktischen Gesichtspunkte, ebenso die der Urkundenfälschung, doch habe der Gerichtshof nur Es würde dem Komitee nicht mehr möglich gewesen sein, den die hierbei in Frage kommen, in eingehender Weise, um zu be- einen einheitlichen Entschluß und somit nur eine HandAngeklagten noch einmal zu arrangiren, vielmehr hätte es den weisen, daß aus juristischen Bedenken eine Verurtheilung lung angenommen. Die Frage nach mildernden Umständen Was die Urkunden- habe der Gerichtshof nach reiflichen Erwägungen verneint. Angeklagten dann wohl oder über fallen lassen müssen. wegen Betruges nicht möglich sei. Der folgende Beuge, Graf Find von Finckenstein, fälschung betrifft, so lägen wesentliche Milderungsgründe Er sei mit dem Staatsanwalt der Meinung, daß der Angeklagte wird ebenfalls über die Eigenthumsverhältnisse der Kreuz- vor. In den Abgrund, den er vor sich sah, mußte er nicht nur durch eigene Schuld in seine Nothlage gerathen ist. Wer mit Zeitung" und deren Fonds vernommen. Derfelbe erklärt sich und seine Familie, sondern auch andere mit hinabreißen. feinem Gute so abgewirthschaftet habe, daß er ohne einen Pfennig ebenso wie der Vorzeuge, daß er sich nur formell als Höhere Interessen verführten ihn, jenen bedauernswerthen Schritt hinausziehen muß, der sollte doch wirklich mit einem GinEigenthümer der Zeitung angesehen habe, weil nach§ 9 zu thun, der seiner ganzen Erziehung und sonstigen idealen fommen von mindestens 12000 m. außerordentlich gut auskommen der Statuten fein Mitglied das Komitee Eigenthnmsrecht Gesinnung nicht entsprach. Er wies alle Vortheile, tönnen. Ein solcher Mann habe doch alle Veranlassung, sich einund blieb der beanspruchen oder über den materiellen Werth verfügen solle. die ihm entgegenwinkten, zurück und Sache zuschränken. Von einem solchen Einkommen sollte der Angeklagte Das Vermögen solle bei der Auflösung nicht vertheilt, sondern getreu, wenn er auch dem sicheren Untergange ent- nichts haben erübrigen tönnen, um etwas von seinen Schulden einem wohlthätigen Zweck überwiesen werden. Die Kreuz gegenfah Er handelte dabei nicht wie ein Hochstapler, abzuzahlen? Der Angeklagte aber sagte einfach, er habe von Wer befinde sich denn in der Beitung" sei ursprünglich auf Aktien gegründet worden, die In- sondern hat ernstliche Projekte geschmiedet, um den Schaden 12 000 m. nicht leben können. haber seien aber sämmtlich verstorben. Zur Zeit sei der Syndikus wieder gut zu machen, den er infolge der auf ihn eindrängenden beneidenswerthen Lage, ein Einkommen von 12 000 M. zu be Eschenbach damit beschäftigt, neue Statuten auszuarbeiten, eine Noth angerichtet hatte. Er betrachtete die von ihm entnommene fizzen? Der Angeklagte babe in den Tag hinein gelebt und Aenderung in materieller Beziehung solle aber dadurch nicht Geldsumme als eine Art Zwangsdarlehen, von welchem nebenbei auch Geldausgaben zu Zwecken gemacht, die einem herbeigeführt werden. die betheiligten Personen nichts zu erfahren brauchten. Ehemanne schlecht anstehen. Er habe seine Ehre geopfert und Oberstaatsanwalt Drescher erklärt, feinerseits auf alle weiteren Mildernde Umstände liegen schon in diesen Thatsachen, ganz mache geltend, daß, wenn er in den Abgrund gestürzt wäre, er Zeugen zu verzichten. Er werde wenigstens den guten Willen abgesehen, daß eine Zuchthausstrafe für die Stellung die tonservative Partei mitgenommen hätte. Er habe nach Ansicht haben, sich in seinem Plaidoyer lediglich auf das zu beschränken, des Angeklagten und seine ganze Person eine außer des Gerichtes der konservativen Partei einen schlechten Dienst was unmittelbar zur Anklage gehöre. ordentlich schwere wäre. Der Angeklagte ist bei seinen Ver- geleistet, denn jede Partei wird wohl sagen: an der Spize haben!" brechen nicht von unlauteren Motiven geleitet worden und ver- fterben, als einen Verbrecher seine Wohl dient nicht den Namen eines gewiegten Hochstaplers, der ins Wer ein solches Vertrauen genießt, und welche ihn aus dem finanziellen Ruin und Blaue hinein zu eigenem Lebensgenuß gewirthschaftet hat. Der thäter, hatte Angeklagte eine zweifellos gewaltige Vollmacht, Sumpf herausgezogen hatten, in so schmählicher Weise hinteraber gerade diese verführte ihn zu den eigenmächtigen geht, verdient feine mildernden Umstände. Sein Geständniß hatte Nach einer viertelstündigen Pause ergreift das Wort Ober- Handlungen und mußte schließlich eine Maste vor wenig Werth. Vor dem Gesetz sind alle gleich, da ist der Freistaatsanwalt Drescher: legen, um seinen Fehltritt zu verbergen. Deshalb herr von Hammerstein nicht mehr wie der Steinklopfer, im Ich schicke voraus, daß ich, der Anregung des Herrn Vor- sei er aber feineswegs ein Heuchler gewesen, wenigftens nicht bis Gegentheil, seine Bildung und Erziehung falle erschwerend ins Das Urtheil lautet auf 3 Jahre Zuchthaus, fizenden gemäß, mich aller Ausführungen enthalten werde, welche zu dem Tage, wo er sich zu dem verbrecherischen Schritt ent- Gewicht. nicht in engster Beziehung zu den Strafthaten stehen, welche dem schloß. Eine Zuchthausstrafe würde ihn für immer aus der 1500 M. Geldstrafe oder noch 500 Tage 3uchthaus Angeklagten zur Laft gelegt werden. Diese Anregung entspricht menschlichen Gesellschaft ausschließen, diese Strafe würde ihn viel und 5 Jahre Ehrverlust. meiner Auffassung vollkommen, insbesondere meine ich, daß alle zu hart treffen; seine That ist nicht entschuldbar, aber doch ver- Der Angeklagte behält sich eine Erklärung über den Strafpolitischen Auseinandersetzungen zu vermeiden sind. Es handelt ständlich und eine mäßige Strafe würde für ihn, der jetzt schon antritt vor. fich um einen Fall, der wegen der Person des Angeklagten be- tief bereut, den Weg der Besserung offen lassen. Deshalb empfiehlt rechtigtes Aufsehen gemacht hat. Sonst liegt der Fall aber so sich eine angemessene Gefängnißstrafe. einfach, wie sie hier zu Duzenden vorkommen. Der An- Auch Rechtsanwalt Rae yell I. plädirt für mildernde Umgeflagte ift ausgeliefert wegen dreier strafbarer Hand- stände. Allerdings handle es sich um enorme Summen, damit Unser Parteigenosse Kurt Baake ist vorgestern nach lungen, ich nehme aber im Gegensatz zu der be- jei aber auch alles erschöpft, was als erschwerend heran: Plötzensee gegangen, um die drei Monate Gefängniß abzubüßen, schließenden Kammer an, daß in bezug auf Betrug und gezogen Die sonst vom Oberstaatsanwalt zu denen er am 7. Dezember v. J. von der Brausewetterkammer Urfundenfälschung nicht reale, sondern ideelle Konkurrenz vorliegt, hervorgehobenen Straffchärfungsgründe seien in da beide auf einem verbrecherischen Willen beruhen. Ebenso beit Milderungsgründe. Natürlich mußte er Herrn Flinsch verurtheilt worden ist. Einen Tag später, als Brausewetter vertrete ich zu gunsten des Angeklagten auch die Ansicht, daß die gegenüber eine Maske aufftecken, wenn sein verbrecherischer in der belanglosen Beleidigungsfache das außerordentlich beüberhaupt gelingen sollte. Auch Anklage wegen Unterschlagung der 11 483 m., welche der An- Plan die öffentliche fremdende Urtheil verkündet hatte, ging derselbe in die Irren anstalt! Der Hinweis des Rechtsanwalts Heine darauf, daß geklagte zum Betriebe der Landwirthschaftlichen Zeitung" ver- Stellung des Angeklagten als Redakteur und im öffent wendet hat, nicht aufrecht zu erhalten ist. Allerdings hat der lichen Leben überhaupt seien Milderungsgründe, denn bei ihm Brausewetter das Urtheil mit einer an Sicherheit grenzenden Angeklagte feinem Vertrage zuwider über diese Summe ftanden neben den Interessen seiner Familie auch die Inter Wahrscheinlichkeit im Wahnsinn gesprochen habe, wies das verfügt, aber ich nehme zu jeinen gunsten an, daß effen der von ihm vertretenen Partei in Reichsgericht bei der am 21. Februar erfolgten Revisionsverhandlung bekanntlich als unerheblich zurück. Brausewetter er nicht das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gehabt hat. Der Frage und waren mitbestimmend, die Straf ist nun auf ewig ein stiller Mann, während Baake hinter KerterBeweis, daß er in diesem Puntte mala fide gehandelt hat, ist that zu begeben. mauern fikt und über die heutigen Zustände, unter deren frassen nicht zu erbringen und muß ich deshalb in dieser Beziehung die Ober Staatsanwalt Drescher wendet sich gegen Freisprechung beantragen. Anders liegt die Sache bei der Ur- die Ausführung des Rechtsanwalts Dr. Schwindt, daß bei der Erscheinungen der Fall Brausewetter" noch lange nicht die be Tundenfälschung und dem Betruge. Die Vertheidigung regte besonders Strafabmessung auf die Persönlichkeit des Angeklagten Rücksicht langreichste ist, seine Betrachtungen auftellen wird. Hierbei wird Bedenken an bezüglich des Betruges, weil es an einem Eigen- genommen werden müsse. Es sei vor dem Gesetze ganz unseren Genossen Baake nur seine bisherige Ueberzeugung leiten, thümer" gefehlt habe. Es handelt sich aber um Summen, gleich giltig, ob ein Angeklagter aus niederem Stande daß die Dinge sich noch eine Weile weiter entwickeln werden, die im Eigenthum bestimmter Personen gewesen sind. Die Sedes oder zufällig ein Freiherr sei. Falsch sei es auch, daß die bis für die Sozialdemokratie der Tag gekommen ist, andere in welcher fich der Angeklagte zur zur Beit Bustände zu schaffen. materiae, nach welcher das Eigenthumsrecht an dem Fonds der Situation, Habe Gelegentlich der bevorstehenden Eröffnung der Gewerbe: Kreuz- Zeitung" zu beurtheilen ist, ist lediglich das Statut. Nach der That befand, mildernde Umstände erheischte. denn Angeklagte nicht geglaubt, daß er diefer soll das Komitee Eigenthümer sein, die einzelnen jeweiligen der das Ausstellung giebt die offiziöse Norddeutsche Allgem. Zeitung" Mitglieder, die in ihren Eigenthumsverhältnissen gewissen Be- durch, daß er sich zum Fälscher und Betrüger machte, sich auf ihre Weise redlich Mühe, die dort beschäftigten Arbeiter schränkungen unterworfen sind. Die Mitglieder des Komitees der konservativen Partei einen viel schwereren Schlag ver- nach Kräften zu beschimpfen und zu verunglimpfen. Im gestrigen als wenn erscheinen jedem dritten gegenüber nach außen hin als fette, seinen finanziellen Ruin offen Abendblatt brachte sie als angebliche Meldung eines Bericht. Eigenthümer des Fonds, deshalb tönnen feine recht- barte? Die Nothlage des Angeklagten gebe er zu, aber habe er erstatters folgende Geschichten: Zunächst verschwieg er dem Das gestern in der Gewerbe- Ausstellung verbreitete Gerücht, lichen Bedenken vorliegen, sonst käme man zu ganz undenkbaren sie denn nicht selbst verschuldet? Konsequenzen. Ebenso einfach und ohne Bedenken liegt die Komitee etwa 60 000 M. Schulden, er hat angeblich mit daß Pioniere zur Fertigstellung der Ausstellung kommandirt Frage der schweren Urkundenfälschung. Das Hauptgewicht der 12 000 M. nicht auskommen können, d. h. mit einem Gehalt, werden sollen, hat unter den Arbeitern große Erregung ganzen Verhandlung liegt in dem Strafmaße, welches zur An- welches nur wenig höchst gestellten Beamten beschieden ist. Es hervorgerufen. Die Stimmung der Arbeiter auf dem Ausstellungsivendung gebracht werden muß. Der Gerichtshof wird zu er hat dem Angeklagten nur an dem guten Willen gefehlt, ehrlich terrain ist überhaupt eine sehr erregte. Von Leuten, die die Berliner wägen haben, ob er sowohl bei Betrug wie Urkundenfälschung zu bleiben. Wer mit solchen Lebensanschauungen in eine Noth Verhältnisse seit Jahrzehnten genau fennen, wurde uns gestern mildernde Umstände annehmen solle. versichert, daß gleich unverschämt und unbotmäßig, wie Die Zuerkennung lage geräth, ist selbst Schuld daran. Die ausdrücken solcher würde bedeuten, daß der Gerichtshof Der Angeklagte hält selbst dann noch, häufig von Bewegung bier, sich noch nie Arbeiter benommen haben. will, daß er sowohl bezüglich der That selbst, als be- übermannt, folgende Vertheidigungsrede: Er bestreite, über seine Thatsache, daß die zumeist geradezu unerhörten Forderungen, züglich der Person des Angeklagten selbst glaubt, daß die That Berhältnisse gelebt zu haben. Mit einer großen Familie fei er die zuweilen oft aus reinem Uebermuth erhoben unter dem Durchschnitt der vom Gesetzgeber gedachten Ver- nach Berlin gekommen, seine Stellung habe ihm mancherlei Re- werden, in der Moth ohne weiteres bewilligt sind, und die Erhältnisse liegt. Nach meiner Meinung giebt es sowohl in der präsentationspflichten auferlegt. Seine Thätigkeit sei eine höchft fenntniß, daß die Arbeiter es allein in der Hand haben, zu That selbst als in der Person des Angeklagten viele Momente, die aufreibende gewesen, die es ihm unmöglich machte, bewirken, ob und wann die Ausstellung fertig wird, hat den Leuten mildernde Umstände völlig unmöglich machen. Ich will nicht ein sich um seine Privatverhältnisse genügend zu bekümmern. den Ramm ganz ungeheuerlich schwellen lassen. gehen auf Punkte sehr ehrenrühriger, schmutziger Art, die die Anklage Von Verschwendung, Spiel oder Lurus kann bei mir keine Rede Wir saben es gestern, wie auf einem großen Bau, der herangezogen hat, ohne daß sie Gegenstand der Verhandlung sein", betonte der Angeklagte, ich habe nur unverantwortlich noch sehr weit zurück ist, die Arbeiter ihren Polier einfach ver geworden sind, sondern ich will mich lediglich an die Ergebnisse leichtsinnig meine eigenen Privatverhältniffe vernachlässigt böhnten, als er es wagte, fie 20 Minuten nach der Besperpause Dadurch bin in höflichster Form daran zu erinnern, daß es jest wohl Zeit sei, dieser Verhandlung halten. Ich finde sowohl in der Sache wie gegenüber den öffentlichen Angelegenheiten. in der Person des Angeklagten erschwerende Momente. Da ist ich in die Nothlage gerathen, was nicht der Fall ge die doch so dringliche Arbeit wieder aufzunehmen. Anbere ich als bonus pater familias mich Arbeiter erklärten uns mit der größten Gemüthsruhe, bei dem zunächst der große Schaden, der durch den Angeklagten anwesen wäre, wenn gerichtet ist; es handelt sich um Hunderttausende, um mehr um meine eigenen Angelegenheiten bekümmert hätte. schönen Lohn dächten sie gar nicht daran, sich so anzuftrengen, schwere Schädigung der Kreuz- Zeitung" und des Kauf- Ich habe alle meine Kräfte auf den einen Gedanken konzentrirt, daß die Ausstellung bis zum 1. Mai fertig werde. Vor dem manns Flinsch. Weiter tommt in betracht die Häufung die politischen Anschauungen zu vertreten, die ich für 15. Mai sei an eine Vollendung der Arbeiten nicht zu denken." bei den Wir möchten einmal sehen, wie das offiziöse Blatt trafehlen der firafbaren Handlungen und Fälschungen die allein richtigen hielt. Ich habe mich nur deshalb die Art der Ausführung. Gerade auf die Fälschung des Siegels zu dem Schritt verstanden, weil sonst auch die tonier würde, wenn von den Unternehmern und Geschäftsleuten, welche Auch die Vertheidiger verzichten auf weitere Beweisaufnahme in der Voraussetzung, daß dem Angeklagten geglaubt wird, daß feine mißliche Finanzlage eine Folge der ungünstigen Verhältnisse feines Gutsbesizes, ungünstiger Familienverhältnisse und wucherischer Ausbeutung gewesen sei. " er werden fönne. er Wahr " Lokales. Lieber bet dem Bau der Ausstellung die Ronjunktur wahrzunehmen und gewiß Behntausende zu verdienen wußten, sozialdemo fratischerseits gefagt worden wäre, daß ihnen der Kamm geschwollen sei, daß sie aus reinem Uebermuth handelten, Witterungsübersicht vom 22. April 1896. Barometerstand in mm, reduzirt auf d. Meeressp. Windrichtung SM Windstärke NANOllol( Stala 1-12) Wetter wolfig halb bedeckt bedeckt wolfenlos wolkenlos Temperatur nach Celsius 8569498( 50.= 4° R.) 767 • 768 WSW 769 769 Still . 768 MO 769 Still 752 Still 765 MSM heiter bedeckt wolkenlos • 773 NW 2 Nebel 770 . 771 NA M 4 bedeckt 11 2 B • und daß sie sich unverschämt und unbotmäßig benommen hätten. Stationen. Die Arbeiter müßten nette Esel sein und sich ja vor ihrer Familie, die sie zu die sie zu ernähren verpflichtet sind, in Grund und Boden schämen, wenn sie nicht nach Kräften die Gelegenheit benutten, ant der Stelle Swinemünde durch ihrer Hände redliche Arbeit wöchentlich ein paar Hamburg Mart mehr als sonst zu verdienen, wo Unternehmer und Berlin Spekulanten reichlichen Gewinn einheimsen, ohne Wiesbaden daß sie besonders arg in Schweiß zu gerathen brauchen. München Auf bie Räubergeschichten im einzelnen näher ein Wien. zugehen, verlohnt sich der Mühe nicht; es fei aber Haparanda. gegenüber der fehr verdächtig flingenden Poliergeschichte Petersburg nur hervorgehoben, daß unseres Wissens ant Bauten Cort die ordnungsmäßige Arbeitspause eine halbe Stunde beträgt. Aberdeen. Die Arbeiter waren also vollständig im Recht, dem An- Paris. treiber plausibel zu machen, daß ihre Arbeitskraft noch früh genug im Dienste des Kapitals aufgezehrt werden könne. Das Gerücht, daß Pioniere kommandirt seien, die Arbeit fertig zu stellen, entbehrt übrigens, so weit unsere Wahrnehmung reicht, jeglicher Begründung. Eine derartige Repreffalie wäre auch das thörichste, was die Unternehmer ausüben könnten. = Bei der Stadtverordneten Ersatzwahl an stelle des verstorbenen freifinnigen Stadtv. Hütt wurde gestern im 6. Berliner Gemeindebezirk, 2. Abtheilung, der freifinnige Rentier Hugo Schöpfe mit 210 gegen 2 Stimmen gewählt. • B wolkenlos 6 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 23. April 1896. Etwas fühleres, zeitweise heiteres, vielfach woltiges Wetter mit Regenfällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Gerichts- Beitung. Idies ihnen überlassen bleiben müffe. Unter Ablehnung ver schiedener anderer Vorschläge erfärte die von etwa 700 per fonen besuchte Versammlung einstimmig, ihre Forderungen zu nächst im weitesten Sinne aufrecht zu erhalten, dies sofort und den noch versammelten Mitgliedern der Direktion Geschäftsleitung mittheilen zu laffen und 3/4 Stunden auf Antwort zu warten. Für den Fall, daß ein zufriedenstellender Bescheid nicht ertheilt werde, beschloß man, am Morgen des 22. April die Arbeit ruhen zu lassen. Folgender Bescheid wurde dann den Versammelten durch Schumann übermittelt: Bezüglich der Gehaltserhöhungen könne die Direktion nach ihrer Annahme nicht weiter gehen, auch habe sie den vorigen 5 Beschluß betreffs der freien halben und ganzen Tage aufrecht erhalten; jeder 8. Sonntag mindestens solle jedoch bestimmt frei sein. Dafür, daß die invaliden Schaffner, die der Außendienst herabgebracht habe, möglichst weiter beschäftigt würden, hätten die Direktoren ihr Ehrenwort verpfändet, wie sie auch ihr Ehrenwort gegeben hätten, daß niemand ge maßregelt werden solle. Hinsichtlich des Arbeitsvertrages habe man sich bereit erklärt, denselben durch das Einigungsamt des Gewerbegerichts einer Prüfung unterziehen zu lassen. Auch die Frage der Einsehung einer Beschwerdekommission wolle die Direktion durch das Einigungsamt erledigen laffen. Die Ver sammlung beschloß nunmehr gegen eine Stimme, das Be= willigte als Abschlagszahlung anzunehmen und das übrige dem Einigungsamte des Gewerbegerichts zu überlassen. Nach Bestimmung einiger Austunftspersonen wurde beschlossen, als Beisiger für die Ver Wegen Beleidigung des Kistenmacher 2., welcher seine handlungen dem Vorsitzenden die Genossen Arndt( Packer) und streitenden Kameraden erfeste, hatte das Schöffen Millarg vorzuschlagen. Mit einem donnernden Hoch auf die Die an den städtischen Fortbildungsschulen eingerichteten gericht vom Amtsgericht Il die Kistenmacher Wilhelm Voigt moderne Arbeiterbewegung trennte man sich gegen 2 Uhr. unentgeltlichen Kurse in der Gesetzes kunde finden in diesem und Dito Bort aus Rummelsburg, zwei junge Leute im Sommer in der Anstalt Fruchtstraße 38 Mittwochs von 7-9, Alter von 19 und 20 Jahren, zu je einem Monat Gefängniß Nachmittag bei Hente, um sich über die weiteren Schritte zu ver Die ausgesperrten Klaviaturarbeiter tagten am Dienstag sowie in der Anstalt Wasserthorstraße 31 Freitags von 7-9 Uhr verurtheilt. Die Angeklagten hatten gegen dieses Urtheil Beabends statt. Es wird namentlich das Recht des gewerblichen rufung eingelegt und erschienen gestern vor der 3. Straffammer ständigen, die zu thun feien, um den Prinzipalen eine angemeffene Arbeitsvertrages, auch der Gewerbeordnung, sowie die Arbeiter- vom Landgericht II. Die Beleidigung war erfolgt bei einem Aus- Antwort zu geben. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden versicherung besprochen werden. Anmeldungen haben bei den stand in der Kistenfabrik von Adolph in Rummelsburg und 2 der bekannten fragwürdigen Herren aus dem Saale gewiesen. Leitern der Schule zu erfolgen. richtete sich gegen den Kistmacher 2. Sie bestand im wesentlichen Klaviaturarbeiter Geiling rekapitulirt noch einmal die Ursachen und den Verlauf der Aussperrung und fügt hinzu, in der Drohung":" Warte man, Dich friegen wir noch!" Der Die Anonymität der Besucher wird vom Berliner erste Richter hatte die Strafe deshalb so hoch bemessen, weil er daß auch die Firma Leonhardt, Knesebeckstraße, auf Asylverein für Obdachlose streng der Drängen Klaviaturfabrikanten am gewahrt. der Ansicht war, daß der Terrorismus“ der Arbeiter ihren Dienstag zehn Dieser Grundsatz ist, wie im Jahresbericht hervorgehoben wird, Kameraden gegenüber durch strenge Bestrafungen gebrochen die größte Mühe aufgewendet, um die drei übrigen Firmen auch Arbeiter ausgesperrt habe. Von den Fabrikanten werde neuerdings Gegenstand heftiger Angriffe gewesen. Besonders werden müsse. In der gestrigen Hauptverhandlung nahm der wurde auf der Leipziger Jahresversammlung des deutschen Ver- Gerichtshof auf die Jugend und bisherige unbescholtenheit der noch zur Aussperrung ihrer Arbeiter zu bewegen. Immer offenzu tage, daß ein Streit der Klaviatur eins für Armenpflege und Wohlthätigkeit dieser Grundsay schroff Angeklagten Rücksicht, war aber andererseits auch der Uebersichtlicher trete zu tage, bekämpft, und die Versammlung erklärte fich prinzipiell zeugung, daß das Bergehen der Angeklagten grundsätzlich fabrikanten gegen die Klavierfabrikanten vorliege, deffen Kosten jezt der Vorstand des Berliner Vereins fein Verhalten. Würden demgemäß auf je eine Woche Gefängniß herabgesetzt. gegen die Vereine für Obdachlose. Dem gegenüber begründet mit Gefängnißstraße geahndet werden müsse! Die Strafe wurde die Arbeiter zu tragen haben. In der Debatte stellt sich heraus, daß bereits eine schwarze Liste der Ausgesperrten im Umlauf wir von dem Sage unserer Hausordnung, wonach von feinem sei. Kleinlein, Dreyer und Fischer treten energisch dafür ein, den Asylisten die Angabe des Namens und der sonstigen persönlichen Vor der Straffammer Halberstadt wurde gestern gegen Prinzipalen für die Zukunft ein derartiges Experiment zu verund Verhältnisse gefordert werden darf, abgehen, so würde der den Berliner Kriminalschuhmann Meinecke verhandelt, der an- leiden befürworteten die deshalb Charakter unserer Anstalt von Grund aus verändert werden. geklagt war, gelegentlich der Ueberführung einer Frau aus führung des Achtstundentages. Die nachfolgenden Redner Aus einem zum Schutze gegen die äußerste Noth gewährten Charlottenburg nach dem dortigen Gefängniß infolge Bestechung äußerten sich im gleichen Sinne. Jedoch wollte die VerZufluchtsort würde unser Asyl sich in eine Dependenz der Polizei feitens des früheren Rechtsanwalts Friedmann Pflichtwidrigkeiten fammlung verwandeln und das Gepräge einer nur vom Geiste der Humanität begangen zu haben. Der Staatsanwalt beantragte Bestrafung Keller stattfindenden Versammlung aller Juerfüllten Einrichtung verlieren. Das Prinzip der Anonymität nach§ 331 und 332 des Strafgesetzbuches; die Bertheidigung strumentenarbeiter nicht vorgreifen. betrachtet der Vorstand für ein unverbrüchliches, mit dem der führte Justizrath Munckel aus Berlin. Der Angeklagte wurde Berliner Asylverein für Obdachlose steht und fällt. In diesem nach zweistündiger Verhandlung freigesprochen. Sinne ist auch ein Ersuchen des Frankfurter Armenrathes um ein Gutachten beantwortet worden. " Auf der Wannseebahn will die Firma Siemens u. Halste einen elektrischen Bahnzug fahrplanmäßig einstellen. Mit der Eisenbahndirektion soll bereits ein entsprechendes Abkommen getroffen sein. Wie der ,, Gastronom" berichtet, protestirt der ArbeitsAusschuß der Kolonial- Ausstellung gegen die Anstellung der Frau Dr. Friedmann in einer auf dem Rolonialterrain befindlichen Bar. Warum so prüde? Auch ein Bild aus dem Militärstaat. Auf dem Döbe rizer Uebungsplatz sollten bis zum 1. Mai, um freies Terrain zu gewinnen, große Waldflächen abgeholzt werden; die Unternehmer haben ihre Verpflichtungen aber nicht innehalten können, weil sie für die Hölzer wegen des kostspieligen Transports feine Abnehmer gefunden haben. Jetzt ist ihnen von der Militärverwaltung die Erlaubniß ertheilt worden, die noch stehenge bliebenen Holzschläge zu verbrennen! Versammlungen. Eine Versammlung der Packetfahrt- Angestellten, welche den großen Saal der Ressource bis auf den legten Platz füllte, tagte in der Nacht vom 21. zum 22. April. Die Anwesenden erwarteten das Resultat der Verhandlungen, welche ihre Vertrauensmänner mit der Direktion und Betriebsleitung der Packet fahrt- Gesellschaft zwecks Erzielung einer Einigung über die bekannten Forderungen am Abend begonnen hatten. Gegen 11 Uhr erschienen ihre Vertreter und es kam das Protokoll zur Verlesung, welches über das Ergebniß der gemeinsamen Sigung aufgenommen worden war. Danach ist folgendes beschlossen worden. Die Direktion bewilligt: der ftrifte Durch a m Sonnabend Abend bei folgende Anträge zur Annahme: In sämmtlichen Werkstätten werden ungesäumt Werkstattversammlungen abgehalten, um darüber zu berathen, ob die Forderung des Achtstundentages nun= mehr als Antwort auf die Aussperrung geltend zu machen sei. Ein weiterer Beschluß verpflichtet die Berliner Ausgesperrten, morgens und nachmittags, die außerhalb Wohnenden jedoch nur einmal am Tage, bei Bäcker, Naunynftr. 78, zur Kontrolle zu erscheinen. Sämmtliche Ausgesperrte haben pünktlich 10 Uhr am Freitag Vormittag bei Hente in einer Versammlung der Branche anwesend zu sein. Arbeiter- Bildungsschule. Donnerstag Abend 9 Uhr bis 10% Uhr: Süd= Deutsch.( Literatur des neunzehnten oft schule, Waldemarstr. 14: Jahrhunderts. Auffazlehre.) Herr Heinrich Schulz. Nordschule, Müllerstr. 179 a: Geschichte.( Neuere Geschichte von der Reformation bis zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der Entwickelung des Sostalismus und der politischen Parteien Deutschlands.) Herr Dr. T. Pinn. Die Schulräume sind zur Benuzung der Bibliothek und des reichhaltigen Zeitschriftenmaterials schon von 8 Uhr an geöffnet. Berliner Naturheilversin 2. Heute, abends 8% Uhr, im Saale des Bereins junger Kaufleute, Beuthstr. 20: Bortrag des Herrn R. Buchholz über: töntgen's X- Strahlen und die Bedeutung für die Naturheilkunde.( Mit Experimenten.) Vermischtes. A. Für Briefträger: alle Woche einen halben freien Zag ( Nachmittag), für welchen kein Lohnabzug stattfindet.( Forderung: jeden vierten Tag einen halben frei.) Der freie Nachmittag beginnt nach Beendigung des zweiten Bestellganges. Zur schnellen Beendigung desselben wird dem Briefträger derjenige Reserveschaffner beigegeben, welcher die weiten Touren für ihn bestellt. Selbstmord auf der Stadtbahn verübte am Mittwoch An Tagen außerordentlichen Andranges steht es den BriefSie fuallen fich weiter nieder! Der Neue Görliger Morgen der Füsilier Bornemann von der 10., in Anger- trägern frei auf Wunsch des Vorstehers gegen Entgelt Anzeiger" berichtet: Im Jägerwäldchen wurden am Dienstag münde garnisonirenden Kompagnie des 64. Infanterie- Regiments. von 1,50 Mart auf den freien Nachmittag ver zwei Bistolenduelle ausgefochten, bei denen beiden ein Arzt aus Bornemann war zur Beaufsichtigung von Gefangenen nach zichten. Bezüglich der Sonntage ist die Direktion der hiesigen Gegend betheiligt gewesen sein soll. Das eine Duell Spandau tommandirt. Da ihm einige der ihm unterstellten bereit, Erleichterungen zu gewähren. Es müssen jedoch gewisse bei leichteren Bedingungen verlief unblutig; bei dem zweiten, Leute entlaufen waren, so fürchtete er, streng bestraft zu werden, technische Schwierigkeiten überwunden werden; die Direktion will welches unter schwereren Bedingungen stattfand, sant ein Gegner, und faßte daher den Entschluß, sich das Leben zu nehmen. dafür Sorge tragen, daß mindestens alle acht Wochen in den rechten Oberschenkel getroffen, zu Boden, der andere erSchon vorgestern war er, wie eine bei ihm vorgefundene Fahr-( Forderung: alle 4 Wochen ein Sonntag ganz frei gegeben hielt einen leichten Streifschuß. tarte zeigt, von Spandau weggefahren. Gestern früh stieg er wird. Bei Verzicht auf den freien Sonntag werden 2 M. ver Ein schweres Bauunglück hat sich, der Boff. Zeitung" in Uniform und Müge auf der Station Beuffelstraße in gütet. Die Brieffammler erhalten dieselben Vergünstigungen zufolge, in Bogotschütz( Schlesien) ereignet. Einige beim Bau einen nach Westend und Charlottenburg zu fahrenden Stadtbahn- in bezug auf das Vorstehende. zug ein und wählte zur Ausführung seiner selbstmörderischen Ab= B. Den Packetfahrern und Kutschern wird alle 14 Tage ein des dortigen Waisenhauses beschäftigte Maurer find infolge des ficht die Station Thiergarten, weil auf den anderen die Züge ganzer freier Tag gewährt, worunter auch Sonntag.( Forderung: herabgestürzt und unter den Balken des Gerüste begraben leichter von beiden Seiten übersehen werden können. Als der alle 4 Tage einen halben frei.) Bei starkem Verkehr steht es worden. Fünf der Leute sind schwer verwundet. An dem AufBug um 5/2 Uhr hielt, stieg der Füfilier auf der dem Bahnsteig den Schaffnern und Kutschern frei, auf Wunsch des betreffenden kommen des Poliers wird gezweifelt. abgewendeten Seite aus, legte sich vor die Räder und ließ sich Vorstehers Dienst zu thun, wofür per Zag 3 Mt. vergütet den Kopf vom Rumpfe trennen. Nachdem der Zug ausgefahren werden. war, fand man den Kopf dicht am Bahnsteig liegen, der Rumpf war noch eine Strecke weiter geschleift worden. Ein Unteroffizier rekognoszirte die Leiche, die von der Charlottenburger Polizei abgeholt wurde. Dás 18jährige Dienstmädchen Margarethe Reinhardt, das fich in einen 19jährigen Musiker verliebt und aus Eifersucht bei einem Vereinsballe im Königshof" in der Bülowstraße Gift genommen hatte, ist im Elisabeth- Krankenhause gestorben. Der Kreuzdamm der Linden- und Oranienstraße wird wegen Verlegung von Telegraphen- 2c. Leitungen bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Spurlos verschwunden ist der 17jährige Max Seidel, der bei seinem Vater, einem Fuhrherrn in der Neuen Schönhauserstraße in Stellung war. Man vermuthet ein Unglück. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde der Handels mann Sch. aus der Schönweiderstraße in Rixdorf verhaftet. Ein größeres Feuer fam in vorlegter Nacht gegen 12 Uhr in der Tischlerei von Vater, Zeughofstraße 9, zum Ausbruch. Als die Feuerwehr anrückte, stand der Dachstuhl schon in Flammen, und es bedurfte längere Zeit, um die Flammen zu dämpfen. Ein zweiter Mekpalast wird jetzt in der Louisenstadt errichtet werden. Im Gegensak zu dem Gebäude in der Alexanbrinenstraße sollen in dem„ Louisenhof" genannten neuen Meßpalast beständig Waaren ausgestellt werden. Ein Lehreridyll aus Oftelbien. Aus Krone a. Br.( Prov. C. Die Stallwache der Rutscher hört auf, es werden Stall- Posen) wird dem Graud. Ges." unterm 15. d. M. geschrieben: wächter angestellt. Die Direktion hat beschlossen, für alle Gestern Nacht ist in dem Garten des Lehrers H. in Lutschmin Betriebszweige durch erhebliche Verstärkungen des Personals für der Bienenstand( acht Völker) fast gänzlich vernichtet worden. Bestell- und Sammeltouren Erleichterungen und Verkürzungen Die Stöcke sind im ganzen Garten umbergeworfen worden, so der Dienstzeit herbeizuführen. daß die Waben herausgebrochen find. Was nicht brechen wollte, D. Bei Verzicht auf die bisher geleisteten Weihnachts- wurde mit dem Messer gewaltsam zerschnitten. Es scheint ein gratifitationen normirt die Direktion die Gehälter wie folgt: Rachealt vorzuliegen. Lehrer H. ist in der Gemeinde nicht auf Briefträger, Packetſchaffner und Kutscher bekommen an monatlichem Rosen gebettet. Die Schulverhältnisse von Lutschmin haben schon Gebalt das erste halbe Jahr 65 M., das zweite halbe Jahr wiederholt die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gezogen. 70 M., das 2. und 3. Jahr 80 M., das 4. und 5. Jahr 85 M., H. hat schon insofern kein leichtes Amt, als er die ganze Lutschdas 6. und 7. Jahr 90 M., das 8., 9. und 10. Jahr 95 M., miner Jugend in drei gesonderten Klassen allein unterrichten nach 10 Jahren 100 m. Briefsammler bekommen im muß, ein Fall, der wohl einzig dasteht. Dabei ist er gezwungen, 1. Jahr 55 M., im 2. und 3. Jahr 60 m., im 4. und 5. Jahr in dem baufälligen Schulhause zu wohnen, was nicht ohne Ge65 M., im 6. und 7. Jahr 70 Wt., im 8., 9. und 10. Jahr 75 m., fahr für ihn und seine Angehörigen ist. Rommentar übernach 10 Jahren 80 Wt. flüssig. Die vorstehenden Vergünstigungen treten am 4. Mai 1896 Baron Hirsch, der bekannte Millionär, ist in der Nacht in traft. Die Direktion ist bereit, im Dienstvertrage vom Montag zum Dienstag auf dem Gut Ogyalla bei Komorn gewiffe Härten zu mildern und die Strafgelder herabzusehen. an einem Herzschlag gestorben. In Börsenkreisen beziffert man Albrecht, der an den Verhandlungen theilgenommen hat, trat die Hinterlassenschaft des Finanzmannes auf 400 Millionen Mart. Durch Explosion einer Gasäther Lampe wurden am dann für die Annahme des Gebotenen ein, wobei er betonte, Bon Zeit zu Zeit machte er sich durch allerhand„ Wohlthaten" Dienstag in Rigdorf auf dem Grundstück Bergstr. 39 3 Personen, daß die Direktion sich auch bereit erklärt habe, Beschwerden gegen verdächtig, so durch die Gründung der berüchtigten argentinischen welche bei dem Schlächtermeister Boß in Arbeit stehen, erheblich Borsteher zc. fachlich zu prüfen. Schumann verwies auf die Judenkolonien. Sein folossales Bermögen hat der Baron burch verlegt. Der Lehrling Wilhelm Buste, welcher durch Un- Untlarheit des Passus, welcher den Dienstvertrag betrifft. Hier eine geniale Geschäftsoperation erworben. Er ließ sich, als er vorsichtigkeit die Explosion herbeigeführt, erlitt im Gesicht, im mit sei der positiven Forderung: Abschaffung des jetzigen Ver- die Eisenbahnbauten in der Türkei übernahm, für jede Meile, Nacken und an den Händen erhebliche Brandwunden, ebenso der trages und Einführung einer Arbeitsordnung", durchaus nicht die er ausführte, in Bausch und Bogen eine Million Franks Schlächtergeselle Neumann. genüge geschehen. Die Gehaltsnormirung ließe sich anerkennen, zufsichern. Doch wußte er es durch Bestechungen des Paschas immerhin sei aber zu bedauern, daß man von den minimalen einzurichten, daß nur die billig herzurichtenden Strecken bebaut Forderungen überhaupt noch gewisse Abstriche gemacht habe. wurden; alle Brückenbauten und Arbeiten in gebirgigen Gegenden Die zugeftandenen halben und ganzen freien Tage müßten unterblieben. Als der Finanzmann auf diese Weise die Türkei als solche auch genommen werden. Es sei dringend davon genügend abgegraft hatte, überließ er die schwierigen und fost abzurathen, die freie Zeit branzugeben und dafür Geld zu nehmen, spieligen Bauten denen, die sie auszuführen Luft hatten. Ihm denn sonst fönnte der freie Tag wieder verloren gehen. Nur im aber war durch den riesenhaften Betrug ein ungeheures Bere äußersten Nothfalle möge man es thun.( Zustimmung.) Was mögen in den Schooß gefallen. Diesen Mann verherrlicht die die Freigabe jedes 8. Sonntages betreffe, so könne man wohl liberale Presse jetzt in den rührsamsten Todtenklagen. erwarten, daß, wenn die angegebenen technischen Schwierigkeiten Bei der Einfahrt in den Bahnhof Ala entgleiste gestern Todt aufgefunden wurde in dem Hause Winterfeldtstr. 14 überwunden sein werden, alsbald aus dem 8. ein 4. werde. Die der von Verona kommende Eilzug. Drei Wagen wurden zerin Charlottenburg das Ehepaar Kienitz und Frau. Die beiden Ablehnung der verlangten Beschwerde Kommission, welche trümmert und zwei Beamte der italienischen Poftambulanz schwer über 60 Jahre alten und als begütert geltenden Leute waren u. a. auch über die Festsetzung bestimmter Strafen be- verlegt. feit etwa acht Tagen nicht mehr gesehen worden. Ein Ver- finden sollte, wäre ein wunder Punkt. Im Laufe der wandter von außerhalb, der zum Besuch gekommen war, ließ weiteren Debatte wurde festgestellt, daß Direktion und die verschlossene Thür durch einen Schloffer öffnen und fand Betriebsleitung zu dem Verlangen, die im Briefträgerdienst das Paar als Leichen auf dem Fußboden liegend vor. Soweit invalide gewordenen Angestellten nicht zu entlassen, sondern als 2. M. 3. Der Ruderklub Vorwärts" tagt im Restaurant bisher festgestellt werden konnte, liegt Selbstmord aus Lebens- Sammler zu beschäftigen oder ihnen eine andere leichtere Thätig Neues Klubhaus, Kommandantenstr. 72. Dafelbft erhalten Sie überdruß vor. feit im Innendienst zuzuweisen, sich dahin geäußert hätten, daß Auskunft über Aufnahmebedingungen. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, Briefkasten der Redaktion. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 95. b) in den Jahren 1890 bis Mitte 1895 burch dieselbe Hands Tung, um sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil zu verschaffen, das Vermögen der Kreuz- Beitung um 96 401 M. 91 Pf. dadurch geschädigt zu haben, daß er durch Vorspiegelung falscher und Unterdrückung wahrer Thatsachen einen Irrthum erregte und unterhielt; Il. im Jahre 1898 durch eine zweite selbständige Handlung ber Kreuz- Zeitung" gehörige, 11 483 M., welche er als ihm anvertraut im Besiz hatte, sich rechtswidrig zugeeignet zu haben, Verbrechen und Bergehen strafbar nach§§ 267, 268 I, 280, 263, 73, 246, 248, 74 Str.-G.-B. Donnerstag, den 23. April 1896. # 9 " 13. Jahrg. mindestens nur im Behinderungsfalle des Angeklagten war Malisch zu und dessen Mittheilungen riefen bei Stöder 3 weifel Prozek v. Hammerffein. selbständiger Bahlung ermächtigt. Nach den Aufstellungen des an der Ehrlichkeit des Angeklagten hervor. verstorbenen Bücherrevisors Töpfer ist die Rasse der Kreuz- Er verlangte brieflich nachdrücklichst Auskunft und AufDie Hauptverhandlung gegen den früheren Chefredakteur der Zeitung" durch die Zahlung dieser erhöhten Papierpreise um tlärung, der Angeklagte aber erwiderte in einem von Stöcker Neuen Preußischen( Kreuz-) Zeitung" Freiherrn v. Hammer- 96 401,91 m. geschädigt worden. Um mindestens dieselbe Summe zerrissenen Briefe Das Ganze fei Quatsch ft ein begann gestern vor der 2. Straftammer des hiesigen Land- ist auch Flinsch geschädigt, da nach der Einstellung der Papier- in Leipzig wohne derjenige, welcher Bescheib gerichts I. Vorgeschichte und Bedeutung dieses Prozesses find lieferungen auch die Amortisirung der Darlehnsschuld von wisse; dahin müsse er reisen und das Geld durch die vielen Erörterungen, die darüber in der Deffentlichkeit 200 000 m. eingestellt worden ist. holen!" Der Angeklagte hat sich von seinem Schwager in stattgefunden haben, zur genüge bekannt, so daß an dieser Stelle Was den zweiten Theil der Anklage betrifft, so bezieht er sich Innsbruck dann das erforderliche Geld geliehen und Herrn nicht noch einmal darauf hingewiesen zu werden braucht. auf folgende Thatsachen: Als Redakteur und Verleger hatte der An- Stöcker bald darauf die Summe von 10 400 m. als angeblichen Der seit dem 11. Februar d. J. in Untersuchungshaft sigende geklagte auch die gesammte finanzielle Leitung der Kreuz- 3tg." Rest des Fonds übersandt. Er bleibt dabei, daß der alte Güth. Angeklagte heißt mit Vornamen Wilhelm Joachim Auguft übertragen erhalten und besaß auch das Verfügungsrecht über lein ihm unter 4 Augen zugestanden habe, den Stöckerfonds ver Karl Alexander Emil. Er ist am 21. Februar 1888 in Regow die laufenden Einnahmen und baaren Bestände allerdings spekulirt zu haben und behauptet, daß er den obigen Vermerk bei Mirow in Mecklenburg Schwerin geboren, evangelischer nur für die Interessen der Kreuz- Zeitung". Vom 7. Januar bis nur deshalb in das Buch gesetzt habe, um einen alten verdienten Religion, Inhaber des russischen Stanislaus- Drdens 7. März 1893 erschien nun hier eine von Sievert herausgegebene Beamten an retten. Die Anklagebehörde will ihm dies angesichts II. Klasse. Er ist im Jahre 1859 wegen Betheiligung an einer Deutsche Landwirthschafts- 3eitung". Diese war seiner jämmerlichen Vermögenslage nicht recht glauben. Er Schlägerei mit drei Monaten Gefängniß( im Gnaden bald auf dem Aussterbe Etat und durch Vermittlung eines Re- hatte bekanntlich im Anfange des Jahres 1885 etwa 156 950 m. wege in sechs Wochen Festungshaft umgewandelt) be- dakteurs Leyn wurde ein Abkommen dahin getroffen, daß der Schulden, er brauchte anfangs 1890 200 000 m., nur um die ftraft, ferner viermal wegen Beleidigung mit 150 M. bezw. Angeklagte diese Zeitung ohne jedes Entgelt fortführen sollte. drückendsten Schulden zu decken und trotzdem hatte er nach einem 200 M. bezw. 50 m. bezw. 100 M. Geldstrafe, außerdem wegen Dieser gab sie auch wirklich vom 2. April bis 1. November 1893 von ihm selbst aufgestellten Verzeichniß am 11. Februar 1895 Bergebens gegen das Preßgefeß mit 10 M. Geldstrafe. unter dem Namen„ Landwirthschafts Zeitung" heraus. Er schon wieder 171 050 M. Schulden! Bei dieser Vermögenslage Der Angeklagte wird beschuldigt: zu Berlin ließ sie eigenmächtig auf Kosten der Kreuz Zeitung" in und angesichts der Thatsache, daß der Angeklagte stets die I. a) im Jahre 1890 in rechtswidriger Absicht vier Privat- deren Druckerei brucken und erließ die diesbezüglichen fälligen Zinsen des Stöckerfonds gezahlt hat, ist es die Ansicht urkunden, nämlich einen Papierlieferungs- Vertrag vom 29. Januar Anweisungen an den Rendanten Malisch, welcher ohne weiteres des Staatsanwalts, daß der Angeklagte den Stöcker. 1890, zwei Blanto- Atzepte über je 100 000 m. auf den Namen annahm, daß der Angeklagte die Genehmigung des Komitees fonds unterschlagen hat, umsomehr, als niemand dem des Grafen von Finckenstein und einen mit dem Amtssiegel hierzu befize. Insgesammt wurden 11483 M. Unkosten auf alten Güthlein eine solche Schurterei zutraut. Zur Anklage und der Unterschrift des Amtsvorstehers Badicke versehenen Ver- diese Weise aus der Kasse der Kreuz- Zeitung" gezahlt, obwohl konnte dieser Fall nicht kommen, weil er verjährt ist. mert zu einer Unterschrifts- Beglaubigung unter dem vorgenannten die Herausgabe der Landwirthschafts Zeitung" fein per- Welches Finanzgenie der Angeklagte war, hat die M Vertrage, verfälscht und von denselben zum Zwecke der Täuschung sönliches Unternehmen war, welches am 1. November klagebehörde an einer Reihe von Fällen illustrirt, die Gebrauch gemacht zu haben und zwar in der Absicht, sich einen wegen Abonnentenmangels einging. Das rechtswidrige Bewußt auch nur als Beiwerk dienen. Er hat nachgewiesenermaßen Vermögensvortheil zu verschaffen, sein des Angeklagten folgert die Anklage aus folgendem: Am vom Jahre 1885 an bis zum Februar 1895 1. Januar 1894 legte der Angeklagte eine sogenannte Haus: 528 000 M. Schulden gemacht und verstand es doch, viele Ge rechnung, die mit einem Guthaben von 11 888 Mart legenheiten beim Schopfe zu packen, um Bekannte, politische für ihn abschloß. In der darauf folgenden Komiteefizung Freunde und sogar seine Untergebenen anzuborgen. So find der vom 6. April 1894 soll der Angeklagte ausdrücklich an. Rendant Malisch und der Versicherungsdirektor Krüger, die ihm erkannt haben, der„ Kreuz- Zeitung" aus dem Unternehmen der Gefälligkeitsatzepte gegeben, aus einem solchen im Dezember 1895 Landwirthschafts- Beitung" noch 11 488 M. fchuldig zu sein und verklagt und zur Zahlung von 6500. verurtheilt worden. Als foll diese nachträglich noch mit seinem Guthaben verrechnet der Angeklagte im Dezember 1894 wieder 35 000 M. brauchte, haben. Erst hierdurch hat er nachträglich den der Kreuz- Zeitung" gaben ihm der Oberforstmeister v. Dergen zu Harbebeck, zugefügten Schaden gedeckt. Direktor Krüger und Landrath v. Manteuffel- Stroffen Dies die Grundlage der Anklage. Zur Charakteristit des ihr Gefälligkeits Giro. Der Wechsel wurde nicht eingelijst und Angeklagten und zum Beweise seiner mala fides hat die Anklage- Krüger und v. Manteuffel mußten je 17 500 M. bezahlen. Der Angeklagte, welcher zunächst Forstwissenschaft studirt behörde dann noch auf eine Reihe von Vorkommnissen hin- Krüger verklagte dann Herrn v. Derßen auf Bahlung der hatte, bewirthschaftete nach dem Tode seines Vaters das von gewiesen, die allerdings nicht strafrechtlich verfolgt werden Wechselsumme, erftritt ein Versäumnißurtheil und einigte fich diesem ererbte Gut Schwartrow bei Lauenburg in Pommern. fönnen. mit ihm dahin, daß v. Dergen bis zum 1. Juli dieses Jahres Am 28. November 1881 wurde er auf grund eines Sie schildert den Angeklagten, der eine mit außer- 20 000 m. zahlen soll. eine mit außer- 20 000. zahlen soll. Mit Herrn v. Derzen war der Andrei Zage zuvor geschloffenen Vertrages Chefredakteur ordentlichen Vollmachten versehene Vertrauensstellung inne geklagte befreundet und besuchte ihn auch auf seinem Gute. Bei der Kreuz- Zeitung". Die Gutsbewirthschaftung verwickelte den hatte, als einen sehr schroffen, terroristischen und einem solchen Besuch theilte ihm v. De. im Herbst 1893 einmal Angeklagten nach seiner Behauptung in eine derartige Schulden- eigenmächtigen Charakter, der niemandem ein Ein- mit, daß er eine Hypothet von 40 000 M. aufnehmen wolle. laft, daß das Gut Schwartrow etwa im Jahre 1885 zur 3wangs- misch en in die geschäftlichen Angelegen Der Angeklagte versprach, ihm das Geld au besorgen, ließ aber verfteigerung gestellt wurde. Ehe es hierzu fam, verkaufte der heiten gestattete felbst Herrn Prof. Dr. Kropati che c der Einfachheit wegen den Hypothekenbrief auf seinen- des Angeklagte das Gut an einen Hypothekengläuber, den Ritterguts- nicht. Seine Anordnungen waren für die Kassenbeamten Gesetz, Angeklagten Namen ausstellen. Wochen und Monate ver befizer von Schierstädt gegen Uebernahme der Hypotheken. und zwar in dem Maße, daß der Rendant Malisch nichts zu gingen, ohne daß der Angeklagte etwas von sich hören ließ Aus diesem Kaufe verblieb Herrn von Schierstädt noch ein Gut- fagen wagte, als ihm die hohen Papierpreise auffielen. Diese und am Ende aller Enden hat sich herausgestellt, daß der haben von 30 000 m. gegen den Angeklagten, deffen anderweite gewaltsame Eigenmächtigkeit bewies der Angeklagte auch, als er Angeklagte mit dem Hypothekenbriefe sehr tühne Transpersönliche Schulden sich auf 126 950 m. beliefen. Die im Frühjahr 1891 das Haus Zimmerstraße 92/93 auf eigene attionen vorgenommen hat, durch die Herr v. Derhen Deckung dieser Schulden aus den Mitteln der Kreuz- Rechnung für 730 000 M. antaufte. Das von ihm baar zu er- erheblich geschädigt sein soll. Uebrigens befaßten sich noch im Zeitung" übernahm bas Komitee derselben, legende Kaufgeld betrug 150,000 m. Er entlieb vom Grafen Februar 1895 der Regierungspräsident v. Golmar wohingegen dem Angeklagten auf sein Jahresgehalt als v. Walderfee 100.000 m., weiterhin aber ließ er sich ganz eigen- und Frhr. v. Manteuffel mit der Frage, ob eine aber Chefredakteur im Betrage von 24 000 Mart jährliche Ab- mächtig vom Rendanten Malisch drei der Kreuz- 8tg." gehörige malige Regulirung der Schulben des Angeklagten mög züge gemacht wurden. Insbesondere erhielt Herr v. Schier- Depotscheine im Gesammtbetrage von 71 600. aushändigen, die er lich sei. Ghrenwörtlich soll Hammerstein am 11. Februar 1895 städt auf seine Forderung jährlich 6000 m. abgezahlt. zum Rurswerthe von 69 214 m. bei der Kur- und Neumärkischen ein Schuldenverzeichniß, welches mit 171 050. abschloß, be. Der Angeklagte verbrauchte nach seiner eigenen Angabe für sich Ritterschaftsbank versilberte. Damit bezahlte er das Reft- träftigt, dabei aber sehr erhebliche Schulden verfchwiegen und seine Familie jährlich 18 000-20 000. und will durch taufgeld, Stempel und sonstigen Unkosten. Erst nachdem der haben, so z. B. die Schuld an Flinsch aus dem Lieferungsvertrage jene Abzüge immer mehr in Schulden gerathen sein, so daß er Haustauf perfekt geworden, hat der Angeklagte dem Komitee der und eine im Jahre 1893 bei Herrn Flinsch kontrahirte Darlehnsschuld Ende 1889 seinen wirthschaftlichen Untergang vor Kreuz- Zeitung" von der eigenartigen Verwendung der Depots von 60 000 m. Wo diese Riesensummen geblieben Augen sah. Er besaß selbst keinen Kredit und faßte deshalb Mittheilung gemacht und das Komitee hat in einer Sigung vom find, das hat auch die Anklagebehörde nicht aufden Entschluß, sich von dem Papierlieferanten der Kreuz- 6. April 1894 in der Erwartung, daß der Angeklagte das Haus zuklären vermocht. Sie vermag auch nur auf das be= Beitung", Herrn Flinsch, darlehnsweise Geld zu verschaffen. Bimmerftr. 92/93 als der Kreuz Beitung" gehörig mittels fannte mit der unverehelichten Flora Gaß seit dem Februar Durch Bermittelung des Direktors Ernst Krüger trat er im De- notarieller Verhandlung anerkenne, beschloffen, die betreffende 1894 unterhaltene Verhältniß des Angeklagten hinzuweisen, wobei zember 1889 mit Flinsch und dessen Prokuristen Flebbe in Unterhand- Hausrechnung des Angeklagten in der nächsten Komiteesizung zu bemerken ist, daß letterer seit 1864 verheirathet ist und ers lung. Unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit theilte vom 20. April 1894 zu dechargiren. Zu einer Aufwachsene Töchter befitt. Er will für Flora Gaß etwa er beiden mit, daß die Kreuz, 8tg." das Deutsche Tageblatt" laffung des Grundstücks an den Verleger der Kreuz- Zeitung" ift 2000-8000 m. verausgabt haben, das Mädchen selbst soll ans anzukaufen beabsichtige. Er fügte hinzu, daß die Kreuz- 8tg." es nie gekommen. Das Grundstück fam zur 3wangs- gegeben haben, daß sie dem Angeklagten etwa 10 000 Mark gedie Hypotheken, die sie befize, nicht sofort flüssig machen fönne versteigerung, wobei die hinter 580 000 m. eingetragene kostet habe. und deshalb zu jenem Ankaufe nicht genug eigene Mittel habe. v. Waldersee'sche Hypothet bis auf ca. 5000 M. ausfiel. Graf Troß aller Ankündigungen, daß die Theilnahme an der VerFlinsch entwarf darauf unter dem 29. Januar 1890 einen Ver- v. Walderfee ist dadurch vor Schaden bewahrt worden, daß handlung nur einer sehr kleinen Anzahl von Personen möglich trag, in welchem er sich verpflichtete, dem Verlage der Kreuz das Kreuz- Zeitungs"-Romitee durch Vertrag vom 16. September fein würde, ist der Zudrang zu dem kleinen Sigungszimmer schon Beitung" am 1. Februar und 1. März 1890 je 100 000 m. baar 1895 die Hypothekenschuld für den Angeklagten übernommen hat. von acht Uhr an ein ganz bedeutender. Der Angeklagte ist schon als Darlehn zu 5 pet. Zinsen auszuzahlen. Dagegen verpflichtete Eine Anflage konnte in diesem Falle nicht erhoben werden, um 3/48 Uhr aus dem Untersuchungsgefängniß in das kleine sich der Angeklagte vom 1. Februar 1890 ab bis 1. Februar weil nach Ansicht der Antlagebehörde der Einwand Zimmer der Angeschuldigten übergeführt worden. Ein leines 1900, alfo auf 10 Jahre sämmtliches Papier für die Kreuz- 8tg." des Angeklagten nicht zu widerlegen war, daß er die Aufgebot von Schußleuten unter Zeitung eines Polizeilieutenants von Flinsch zu entnehmen. Zur Tilgung des Darlehns sollte auf Einwilligung des Komitees zur Abhebung der Depots voraus- hält den Wandelgang frei. Der kleine Zuschauerraum ist, als im Thür geöffnet wird, Nu besetzt. den für jedes Kalenderjahr zu vereinbarenden Preis ein Aufseßen konnte. Als Zu schlag von 25 pet. hinzugezahlt und dem Flinsch eine Eine weitere grandiose Eigenmächtigkeit bewies der hörer wohnt Oberstaatsanwalt Wachler der Verhandlung bei. Provision von mindestens 50 000 m. dergestalt gewährt werden, Angeklagte, als er durch Vertrag vom 13. März 1891 das Der Angeklagte sieht gegen früher wenig verändert, aber daß an stelle des Darlehns von 200 000 mit. Die Samme von Deutsche Tageblatt" für 115 000. ankaufte. Der Verlags- sehr ernst und verkümmert aus. Neben ihm nimmt ein Ges 250 000 mt. an ihn zurückgezahlt werden sollten. Außerdem buchhändler Friedrich Thiel zu Charlottenburg, der dieses Ge- fangenen- Aufseher Platz. verlangte Flinsch, daß der damalige Verleger der Kreuz- 3tg.", schäft vermittelte, erhielt eine Provision von 13 000 M. Der Graf v. Finckenstein, Rittergutsbesitzer zu Trossin, sich durch Angeklagte verschaffte sich das Geld hierzu durch einen Gewalt seine Unterschrift unter dem Vertrage mit seinem gesammten streich, indem er einen für die Beamten der Kreuz- Zeitung" Bermögen für die Erfüllung des Vertrages verbürge und bei der Kur- und Neumärkischen Ritterschaftlichen Darlehnskasse Die Anklage vertritt Ober- Staatsanwalt Drescher unter Als Vertheidiger daß der Angeklagte für die Innehaltung der Vertragsbedingungen in Pfandbriefen niedergelegten Betrag von 124 600 m. in feine Assistenz des Staatsanwalts Dr. Fiedler. ein Blanto- Atzept hinterlege. Die Unterschrift des von Berlin Hände brachte. Den vom Rendanten Malisch bewahrten Depot find die Rechtsanwälte RaeBell I und Dr. Schwindt abwesenden Grafen v. Finckenstein sollte außerdem beglaubigt schein erhielt er auf sein Ma ch twort unschwer heraus, das zur Stelle. werden. Der Angeklagte ging hierauf ein und fälschte nothwendige Paßwort, Schwert" fannte er und so konnte Nach Eröffnung der Sigung nimmt Landgerichts- Direktor die Unterschrift des Grafen v. Findenstein, er die Pfandbriefe erheben. Er hat diesen Gewaltstreich Ried zu folgenden Bemerkungen das Wort: Die Straffache, dessen Namen er nur mit einem t an stelle des d durch ein Promemoria vom Januar 1895 vor dem Komitee der welche heute zur Verhandlung kommt, ist schon so vielfach in Die schrieb und machteunter dem Namen den Vermerk: Kreuz- Zeitung" zu rechtfertigen gesucht. Eine Anklage wegen der Presse behandelt worden, wie wohl selten eine andere StrafEigenhändigkeit beglaubigt. Der Amtsvorsteher Badicke". Unterschlagung fonnte nicht erhoben werden, weil der Angeklagte sache. Aus den Erörterungen war zu ersehen, daß vielfach die Auch ein Amtssiegel prangte bald neben diesem Vermerk; nach gewiesener Maßen die den Kaufpreis des D. Tageblattes" Erwartung lebendig ist, daß die heutige Verhandlung einen daffelbe enthielt in der Mitte den Reichsadler und die Umschrift überschreitende Summe die Pfandbriefe ergaben einen Erlös politischen Charakter tragen werde. Das ist ein gründlicher Amtsbezirk Sellin Kreis Königsberg N/ M." Auch diese von 119 928 m. nicht im eigenen Nußen verwendet, sondern Irrthum. Ich lehne es ab, hier an dieser Stelle Politit zu Beglaubigung war gefälscht. Zur Führung von Pro- davon Zinsen für die entnommenen Werthbeträge an den treiben; hier in diesem Saale giebt es nur eine Aufgabe: das seffen hatte ihm der Graf v. Findenstein Vollmachts. Pensionsfonds gezahlt hat. Wegen Untreue fonnte gegen Recht zu finden und zu entscheiden, ob eine That den Straf Formulare übergeben, auf denen seine Unterschrift durch ihn nicht vorgegangen werden, weil er wegen dieses gefeßen widerspricht. Ich erkläre hier ausdrücklich, daß ich den Amtsvorsteher Badicke unter Beidrückung des Bergebens nicht ausgeliefert worden ist. alles thun werde, um dieser Verhandlung jeden Beigeschmac Amtssiegels beglaubigt war. Nach diesen Siegel- Auch wegen des verschwundenen Stöckerfonds ist keine einer politischen Verhandlung zu nehmen, und habe das Abdrücken hatte sich der Angeklagte einen Gummistempel an- Anklage erhoben worden. Eine feit 1885 gesammelte Ehren- Vertrauen, daß alle Prozeßbetheiligten und alle als Zeugen fertigen laffen und diesen hatte er bei der Beglaubigungs- gabe für den Hofprediger Stöcker wurde von dem am 29. März ver- geladenen Personen sich bestreben werden, diese meine feste AbFälschung in Anwendung gebracht, aber Ort und Datum storbenen Rendanten der Kreuz- 3tg." Herrn Güthlein besonders ficht zu unterstützen. Da ich die Erwartung, daß hier Politik hinzuzufügen vergessen. Ebenso setzte Angeklagte gebucht. Das betr. Buch schließt etwa im August 1886 mit einer getrieben werden wird, gründlich täuschen muß, so habe ich mich unbefugterweise über Blanko Wechsel je Gesammteinnahme von 13 140,57 M. ab. Darunter hat der An- auch nicht veranlaßt gesehen, einen anderen Sigungssaal als den ohne Datum 100 000 m. in den Akzept- Vermerk G. Graf von Finckenstein". geklagte den Vermerk unterschrieben: Den mir amtlich zugewiesenen zu wählen. Ich habe niemand EinAuf seinem Redaktionszimmer lieferte er am 29. Januar 1890 Bestand von 13 140,57 M. habe ich zur Verwendung im Sinne trittstarten gewährt, so viele Gesuche auch an mich gelangt sind, diese Dokumente dem Flinsch aus. Er füllte das Datum des Fonds übernommen. Freiherr v. Hammerstein." Am ich habe auch nicht die Presse bevorzugt, aber auch die Deffents 29. Januar 1890 in des letzteren Gegenwart aus, fette darunter 9. November 1887 war ein nach einem vorhandenen Revisions- lichkeit nicht ausgeschlossen. Ich habe den am hiesigen Gericht ben Vermerk: Berlag der Neuen Preußischen Zeitung" Graf protokoll als von der Kreuz- Zeitung" völlig unabhängiges, ftändig thätigen Berichterstattern die Benutzung der ihnen Findenstein, in Vertretung Frhr. v. Hammerstein" und Flinsch ganz selbständiges Kapital noch in Höhe von 18 140,57 M. vor überwiesenen Pläße gewährt und sonst den anderen Personen vollzog den Vertrag auch durch seine Unterschrift. Der An- handen, während es im Revisionsprotokoll vom 15. Februar 1888 überlassen, ob sie Play finden oder nicht. Ich habe mich vergeklagte erhielt hierauf sofort 100 000 m. baar und den Rest nicht mehr aufgeführt und seitdem aus den Büchern spurlos ver- pflichtet gehalten, dies hier öffentlich mitzutheilen, da auch meine von 100 000 m. im Laufe des ersten Quartals 1890. Diese schwunden ist. Auf fortwährendes Drängen des Hofpredigers diesbezüglichen Anordnungen abfällig in der Presse beurtheilt 200 000. foll der Angeklagte zur Begleichung von Schulden Stöcker auf Auszahlung des Fonds deutete der Angeklagte diesem worden sind. verwendet haben. Flinsch lieferte vertragsmäßig vom ersten an, daß der inzwischen verstorbene Güthlein den Fonds Als Zeugen sind 25 Personen geladen, darunter Hofprediger Quartal 1890 ab bis Juli 1895 der Kreuz- Zeitung" sämmtliches unterschlagen habe und zahlte nach langem Hinhalten Stöcker, Papierhändler Flinsch, Graf Fink von Papier zu dem um 25 pet. erhöhten Preise für jedes Kilo. Zumeift etwa im Jahre 1894 2000 M. Da Herr Stöcker den Rest trotz& in censtein, Geh. Ober Regierungsrath Graf Kanig, wurden die Papierzahlungen auf seine Anweisungen hin durch den aller Versuche nicht erhalten tonnte, wandte er sich Ende Februar Prof. Dr. Kropatscheck, Landrath Frhr. Otto v. ManRendanten Malisch aus der Kaffe der Kreuz- Beitung" geleistet; oder Anfang März 1805 an den Redakteur Dr. Kropatsched teuffel, Ober- Forstmeister Anton v. Dergen. Mehrere auf zwei " $ " " " die Der Gerichtshof besteht aus dem Landgerichts- Direktor Ried ( Bors.) und den Landgerichtsräthen Diez, Haberstroh, Tackmann und Opiß. Zeugen fehlen, darunter der bekannte Kaufmann Pariser, der erkrankt»st. Als Sachverständiger ist Bücherrevisor Bierstädt an- tvesend. Der Angeklagte bestätigt die an ihn gerichteten Fragen in betreff seiner Personalien und seiner Vorstrafen. Bevor dann seine Vernehmung beginnt, erbittet sich das Wort der Vertheidiger Rechtsanwalt Raetzell. Er stellt den Antrag, daß die Vernehmung des Angeklagten sich zunächst auf die Borgänge erstrecken möge, welche den Ausenthalt des Angeklagten in Griechenland und Italien be- treffen. Er behaupte, daß ein Verstoß gegen das Völkerrecht begangen sei, dem, der Angeklagte sei zu unrecht von griechisches auf italienisches Gebiet gebracht worden. Er berufe sich hierüber auf das Zeugniß des Kriminal- kommissars Wolff.— Der zweite Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t, schloß sich dem Antrage an, indem er be- hauptete, daß auch seitens der italienischen Regierung in- korrekt verfahren worden sei. Nach italienischen Gesetzen müsse die Regierung einem Ausländer, der gegen seine Aus- liefernng protestire. auf dessen Verlangen einen Vertheidiger stellen. Der Angeklagte habe sich an den Kommandanten des KastellS, in welchem er gefangen gehalten wurde, mit dem An- trage gewendet, ihm einen Vertheidiger zu stellen. Dies sei nicht berücksichtigt worden. Sodann habe der An- geklagte sich beschwerdeführend an den Mimsterpräsidenten Trispi gewendet, aber ebenfalls erfolglos. Oberstaatsanwalt Drescher erwidert, daß seiner Ansicht nach der Gerichtshof keine Veranlassung habe, deS Näheren auf die Anträge der Vertheidigung einzugehen. Ter Gerichtshof habe sich einfach auf die vollendete Thatsache zu stützen, daß die Auslieferung auf grund des Beschlusses des Appellntionsgerichts zu Trami erfolgt sei und dieser Beschluß sei unumstößlich und nicht aus der Welt zu schaffen. Im Auslieferungsvertrage sei nur die Rede da- von, ob ein im Lande betroffener und von der Heimaths- Behörde verfolgter Mann wegen bestimmter Strasthaten auszuliefern se» oder nicht. Der Gerichtshof habe seiner Ansicht nach nur zu prüfen, ob die Voraussetzungen des Auslieferungsvertrages in materieller Forni zuträfen, das Verfahren, welches seitens der italienischen Regierung dabei beobachtet worden sei, komme nicht in betracht. Der Ver- th eidiger Dr. Raetzell habe behauptet, daß der Angeklagte zu Un- recht von griechisches aus italienisches Gebiet gebracht worden sei. Mit aller Entschiedenheit müsse die griechische iRegierung gegen den Borwurf in Schutz genommen werden, als habe sie den Angeklagten vergewaltigt. Die Frage sei im griechischen Parlament erörtert worden, die Regierung habe eingehend Auskunft erstattet und das Parlament habe den Maß- nahmen der Regierung seine Zustimmung gegeben. Auch die Angriffe des zweiten Vertheidigers, Dr. Schwindt, gegen die italienische Regierung seien unbegründet. Im Auslieserungs- vertrag«, der aus dem Jahre 1S72 stamme, sei ein bestimmtes Verfahren über die Art, wie die Auslieferung zu erfolgen habe, nicht fixirt. Die Gutachten der beiden Rechtslehrer, aus welche sich die Vertheidiger in ihrer Defensionalschrift beriefen, könnten den Beschluß des Appellationsgerichts zu Trami nicht umstoßen, ganz astgesehen davon, daß die seitens der Vertheidiger auf- gestellten Behauptungen vorläufig unkontrollirbar seien. Er bitte also den Gerichtshof, nur materiell auf die Frage einzu- gehen, ob die Auslieferung zu recht erfolgt sei oder nicht. Rechtsanwalt Raetzell: Unsere Beschwerde richtet sich gegen Verfehlungen der hiesigen Behörden, die einen unfreiwilligen Ausenthall des Angeklagten in Brindisi schufen und dann die italienische Regierung veranlaßten, den Angeklagten aus seinem ufnfreiwilligen Aufenthalt auszuliefern. Das widerspricht im eminentesten Sinne dem Völkerrecht und dem Grund- satze, daß ein Staat die Auslieferung eines Mannes ver« füge, der freiwillig ein Asyl dort nachgesucht habe. Am deutlichsten hat diesen völkerrechtlichen Grundsatz ein Franzose, Bernard, in einem Werke über Auslieferung nach dem Völkerrecht dargelegt und entwickelt. Unsere Strafvoll- ziehungs- Behörden haben thätig dabei mitgewirkt, daß der Angeklagte in der ganz inkorrekten Weise seines AsylrechtS verlustig gegangen und die Strafkammer hat durchaus die Pflicht, zu prüfen, ob der Angeklagte in jeder Be- ziehung in Gemäßheit der völkerrechtlichen Grundsätze behandelt worden ist. Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Daß letztere? nicht der Fall gewesen, darüber tritt die Vertheidigung den Beweis an, indem sie sich eventuell auf das Zeugniß des Sekretärs G u t s ch e, des Generalkonsuls Lüders und des Kriminal- kommissarS Wolff beruft. Dieselben werden folgendes bekunden: Als Herr von Hammerstein an dem kritischen Tage seiner Verhaftung in sein Quartier in Athen kam, wurde er von zwei Polizeibeamten aufgesucht, welche ihn fragten, ob er Legitimationspapiere habe. Als der Angeklagte dies verneinte, erklärte Generalkonsul Lüders:„Dann kann ich nichts für Sie thun!" und entfernte sich. Dann bemächtigten sich die Polizisten des Angeklagten und ihm wurde ausgegeben, mit dem nächstfälligen Dampfer von Pyräus nach Brindisi abzureisen. Der Angeklagte erhob hiergegen Protest und erklärte, daß er nicht nach Italien wolle. Er wurde wider Willen auf einen Wagen gebracht, an welchem er von dem Kriminalkommissar Wolff mit den Worten„Guten Tag, Herr Baron!' begrüßt wurde. Seine Sachen wurden auf den Dampfer gebracht, ebenso der An- geklagte, der auf dem Dampfer von Polizisten bewacht wurde. AlS der Dampfer auf der Zwischenstation Korfu ankam, kamen sofort griechische Polizei-Osfiziere auf das Schiff und erklärten ihm, daß er den Dampfer nicht verlassen dürfe. Polizisten wurden neben den Angeklagten gestellt und dieser in Brindisi sofort polizeilich in Empfang genommen. Daß der Angeklagte wider seinen Willen nach Italien befördert wurde,«rgiebt sich auch daraus, daß er keinen Pfennig für die Ueberfahrt verauZ- gabt hat. Oberstaatsanwalt Drescher widerspricht dem Antrage des Vorredners. Dessen Darstellung stimme vielfach nicht mit der in der griechischen Kammer gegebenen Darstellung überein. Aber selbst, wenn sie richtig wäre, träfe die griechische Regie- rung keinerlei Vorwurf. Keiner Regierung der Welt werde es angemessen erscheinen, daß ihr Land zum Hort für g e ni e i n e Verbrecher werde. Hier handelte es sich um einen solchen. Hatte die griechische Regierung das Recht, einen solchen Ver- brecher anszuweisen, so konnte sie ihn ausweisen, wie sie wollte. Die Art der Ausweisung unterliegt nicht der Prüfung des hiesigen Gerichts. Der Angriff des Rechtsanwalts Dr. Schwindt auf die Strafvollstreckungs-Behörde ist ganz neu. Früher lauteten die Vorwürfe dahin, daß diese Behörde zu wenig gethan habe, jetzt soll ste plötzlich wieder zu viel gethan haben! Sie hat eben das gethan, was sie thun mußte. Im übrigen ist die Annahme gründlich falsch, daß der Auslieserungs- antrag erst nach der Ankunft des Angeklagten in Brindisi ge- stellt worden sei. Er ist bereits gestellt worden, noch ehe die Strafvollstreckungs-Behörde Kenntniß von dem Aufenthall des Angeklagten in Griechenland hatte, schon Ende September oder Anfang Oktober, als der Angeklagte sich noch freiwillig in Italien aushielt. Der Angeklagte selbst betont, daß die von dem Rechts- anwalt Dr. Schwindt gegebene Darstellung der thatsächlichen Vorgänge durchaus der Wahrheit entspreche. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück, welche fast eine halbe Stunde dauert. Der Vorsitzende verkündet den Be- schluß dahin: daß die Anträge der Vertheidigung abzulehnen sei, da die behaupteten Thatsachen, selbst wenn sie wahr wären, nicht geeignet sind, eine Unzulässigkeil des Ver- sahrens zu begründen. Ob von der griechische» bezw. italienisckien Regierung inkorrekt verfahren ist. entzieht sich der Nachprüfung des hiesigen Gerichts, welches sich damit begnügen muß, daß thatsächlich ausgeliefert worden ist. Demnächst wird in die materielle Verhandlung eingetreten. Der Präsident verliest den Anklagebeschluß. Zunächst werden die Urkundenfälschungen in betreff der Unterschristen unter dem Papierlieserungs-Vertrag, der beiden Blanko-Akzeple des Grafen Finckenstein und der Beglaubigung des Amtsvorstehers Badicke erörtert. Der Angeklagte giebt auf Befragen des Präsidenten mit einem einfachen„Ja" zu. daß er diese Unterschriften ge- fälscht habe. Der Angeklagte giebt auf weiteres Vorhalten des Vosffitzenden die im Eingang dieses Bericht erwähnten Einzelheiten in bezug auf den mit Flinsch abgeschlossenen Papierlieferungsvertrag als richtig zu, ebenso die Anfertigung des Gummistempels, mit dessen Hilfe er das Amtssiegel des Amtsvorstehers Badicke nach- gebildet hat. Der Vorsitzende erklärt nach der Verlesung des Ver- träges, daß die vorgenomniene Fälschung eine sehr plumpe sei, da in demselben überall„Graf Finkenstein" anstatt„Finckenstein" ge- schrieben sei. Präs.: Wie sind Sie mit Herrn Flinsch zusammen ge- kommen?— Angekl.: Meiner Erinnerung nach durch einen Bekannten, der mich mit Flinsch bekannt machte.— Präs.: Sie haben nicht nur mit Flinsch, sondern auch mit dem Pro- kuristen Flebbe verhandelt?— Angekl.: Ja wohl!— Präs.: Die„Kreuz-Zeitung" war doch wohl gar nicht in der Lage, eines Kapitals von 200 000 M. zu bedürfen?— Angekl.: Nein, das habe ich nur vorgespiegelt.— Präs.: Sie sollen Herrn Flinsch gesagt haben, daß das ganze Geschäft unier dem Siegel der Verschwiegenheit abgewickelt werden müsse.— Angekl.: Das Verlangen nach Geheimhaltung war wohl gegenseitig. Ich denke, auch Herrn Flinsch konnte es angesichts der großen Vortheile, die ihm gewährt wurden, nicht angenehm sein, daß der Inhalt des Vertrages bekannt würde.— Präf.: Sie sollen dem Herrn Flinsch gegenüber recht großartig aufgetreten sein.— Angekl.: Ich wüßte nicht, wie ich dazu gekommen sein sollte.— Präs.: Nun, Sie hatten doch eine recht dominirende Stellung, ich werde noch später darauf zurückkommen. Ich werde den Brief verlesen, den Sie am 7. Januar 1830 an Herrn Flinsch gerichtet haben.— In diesem Schreiben macht der Angeklagte an dem Äorentwurfe einige Ausstellungen, er erwähnt, daß es sich um den Ankauf eines Blattes nebst Druckerei handle, und legt dem Adressaten strengste Geheim- Haltung auf.— Präs.: Der Vertrag kam dann also zu stände, wann erhielten Sie von Flinsch das Geld?— A n g e k l.: In zwei Raten, am l. Februar 100 000 Mk. und am 1. März die zweiten 100 000 Mk.— Präs.: Nun fingen also die Papier- lieferungen an. Wie erfolgten nun die Zahlungen an Flinfch?— Angekl.: Die Zinsen zahlte ich aus meiner Tasche, die von Flinsch einlaufenden Rechnungen wurden von mir angewiesen und vom Rendanten Malisch bezahlt.— Präs.: Fielen diesem denn nicht die gegen früher so erhöhten Preise auf?— Angekl.: Nein, mir ist wenigstens nichts davon zu Ohren gekomme».— Präs.: Meinen Sie denn nicht, daß Herr Malisch als alter treuer Beamter dem Vorstande Mittheilüng gemacht hätte, wenn er ge- wüßt hätte, daß die höheren Preise auf grund des von Ihne» gefälschten Vertrages entstanden waren? Sie haben also doch den Jrrthum in ihm erregt, daß der Vertrag vom Vorstand ab- geschlossen war? Angekl.: Malisch hatte allerdings von dem Vertrage nichts gewußt, er hatte aber auch gar nicht danach zu fragen. Es be- durfte gar keiner Jrrthumserregung, denn er hatte nur meinen Anordnungen zu folgen.— Präs.: Ja, glauben Sie nicht, daß Malisch, wenn er gewußt hätte, daß es sich hier um gefälschte Unterschrift handelte, sich verpflichtet gefühlt hätte, bei dem„Kreuz- eitungs'-Komitee anzufragen, ob er unter den obwaltenden erhältnissen Ihre Zahlungsanweisungen befolgen solle?— Angekl.: Wenn die Frage so gestellt wird, so würde ja gewiß Malisch, wenn er gewußt hätte, daß es sich um eine Fälschung handelte, Anzeige erstattet habe». Er hat mich aber nie danach gefragt.— Präf.: Nun kam aber doch wohl einmal etwas zu Ohren des Verlegers und Sie erhielten vom Grafen Kanitz den Auftrag, den Papierlieferungs-Vertrag mit Flinsch einzureichen. Wie haben Sie sich da geholfen?— A n g e k l.: Ich habe einen fingirten Vertrag eingereicht.— Letzterer wird verlesen; er enthält eine Bleistiftnotiz von der Hand des Angeklagten, nach welcher der Bertrag, der angeblich jeden Augenblick gekündigt werden konnte, thatsächlich vom Angeklagten gekündigt worden sein sollte.— Aus zwei Briefen des Angeklagten an den Grafen Kanitz geht hervor, daß Major Scheibert einen Verdacht geäußert hatte. Er erklärte in dem Briefe, daß es sich um ganz vage Denunziationen handle und er sich über- legen müsse, in welcher Weise er sich mit dem Major Sch. persönlich auseinandersetzen wolle. In dem Briefe wird es ferner als„unglaubliche Unkenntniß der thatsächlichen Verhältnisse" bezeichnet, wenn behauptet worden, daß er sich auf Kosten der„Kreuz-Zeitung" aus seinen finanziellen Nöthen retten wolle. Wenn er das gewollt hätte, so seien dazu reichliche Gelegenheiten vorhanden gewesen, denn es sei bekannt, wie viele Versuchungen seitens Börsenunternehmungen ec. an den Leiter einer großen Zeitung herantreten. Er wolle nur beispielsweise erwähnen, daß nach dem berühmten Stöcker- Prozeß ihm von jüdischer Seite aus Holland 80 000 M. angeboten seien, wenn er Stöcker fallen lasse und sich von ihm lossage. Es wäre ihm also ein leichtes gewesen, sich in seiner Position zu behaupten. In den Briefen wird ferner unter falscher Dar- stellung der thatsächlichen Verhätnisse der Abschluß des Papier- lieferungsvertrages vertheidigt.— Präs.: Wir wolle» jetzt mal Ihre Stellung zu der„Kreuz-Zeitung" erörtern. Wann sind Sie als Chef- redakteur derselben angestellt worden?— Angekl.: Am LS. November 1831.— Präs.: Sie waren früher Eigenthümer des Rillergutes Schwartow bei Lauenburg?— A.n gell.: Jawohl.— Präs.: Wann traten Sie die Bewirthschastung des Gutes an? — Angekl.: Im Herbst 1363.- Präs.: Sie waren also damals erst 25 Jahre alt?— Angekl.: Ja, ich mußte meine Studien in der Forstwissenschaft aufgeben und das Gut über- nehmen, weil mein Vater gestorben war.— Präs.: Haben Sie dort schon Aemter bekleidet?— Angekl.: Jawohl, ich war Amtsvorstehcr und wurde auch in den Kreistag gewählt.— Präs.: Im Jahre 1876 wurden Sie Landtags- Abgeordneter für de» Kreis Stolp-Lauenburg-Bütow?— Angekl.: Ja.— Präs.: Und Sie haben diesen Kreis auch vertreten, bis Sie aus Deutschland gingen?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wann wurden Sie in den Reichstag ge- wählt?— Angekl.: Im Jahre 1881 für denselben Kreis.— Präs.: Haben Sie dies Mandat ununter- krochen gehabt?— Angekl.: Nein, während der Jahre 1890 bis 1892 nicht, ich vertrat von da ab den Kreis Erfurt- Halle.— Präs.: Zu welcher Partei gehörten Sie?— An- geklagter: Zu der konservativen.— Präs.: Sie nahmen auch eine führende Stellung ein?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Sie hatten also die Prinzipien der konservativen Partei nicht nur von der Tribüne herab zu vertreten. sondern auch durch die„Kreuz-Zeitung"?— Angekl.: Ge- miß.— P r ä s.: Sie sind auch vom Herbst 1389 ab auf etwa 3 oder 4 Jahre Verleger der Zeitung gewesen?— Angekl.: Jawohl, ich habe aber den Verlag wegen meiner derangirten Verhältnisse abgegeben.— Präs.: Und wie sah es mit Ihrem Gute aus?— Angekl.: Es war eine sehr große Fläche, aber eine sehr junge Kultur und es gelang mir nicht, trotz des emsigsten Fleißes und der sorgfälligsten Be- wirthschafrung zurecht zu kommen. Der Angeklagte bestätigt dann auf Vorhalten des Präsidenten die schließliche Uebernahine des Gutes durch Herrn v. Schierstädt und die Abmachungen über die Tilgung der verbliebenen Schuld an Herrn v. Schierstädt in Höhe von 30 000 M. durch Gehaltsabzüge. Ihm seien 12000 M. Jahreseinkommen verblieben; Nebeneinnahmen außer seinen Diäten als Abgeordneter habe er nicht gehabt, wohl aber noch 50—60 000 M. Schulden, die er bei seiner Schulden- regulirung dem Komilee verschwieg, damit dasselbe seine Ge- neigtheit zum Arrangement nicht verlöre.— Präs.: Haben Sie für jene 60 000 M. Zinsen zahlen müssen?— Angekl.: Ich habe prolongiren und Wechsel reiten müssen.— Präs.: Sind Sie nun mit den Ihnen verbliebenen 12 000 M. ausgekommen?— Angekl.: Nicht annähernd. Ich habe etwa das doppelte verbraucht.— Präs.: Was Ihre Familien- Verhältnisse betrifft, so sind Sie der dritte Mann Ihrer Galtin? — Angekl.: Ja.— P r ä f.: Ihre Gattin ist 12 Jahre älter als Sie und hat eigenes Vermögen nicht gehabt?— Angekl.: Das ist richtig.— Präs.: Als Sie sich im Jahre 1864 verheiralhelen, haben Sie auch die Sorge für Stiefkinder übernommen. Inwiefern sind diese Sorgen besonders groß gewesen?— Angekl.: Insofern, als mein Stiefsohn sehr lungenleidend ist und se»t siebzehn Jahre» in Sizilien lebt.— Präs.: Wenn wir nun annehmen, daß Sie vom Jahre 1836 ab jährlich 8000 M. Schulden machen mußten, so kommt dabei nach 4 Jahren eine Summe von 32000 M. heraus, die mit den Zinsen auf 36 000 M. angelaufen sein mag. Dazu kommen»och die 60 000 M., welche Sie dem Komitee ver- schwiegen hatten und die Sie ebenfalls verzinsen mußten. Wie kommt denn nun aber die kolossale Summe heraus, die Sie schuldig sein sollen?— Angekl.: Ich bin wirklich außer stände, dies zu detailliren, ich kann nur versichern, daß ich alles Geld, welches ich von Flinsch erhielt, zur Tilgung meiner drückendsten Schulden verwandte. Bei Pariser hatte ich beispiels- weise erhebliche Wechselschulden.— Präs.: Sie erkennen also an, daß Ihre Vermögenslage Ende 1889 eine verzweifelte war und Sie wiederum vor dem finanziellen Ruin standen?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Hielten Sie es nun im Interesse Ihrer Partei liegend, daß Sre am Ruder blieben? (Schluß in der 1. Beilage.) VkrofkenHielumg. Der Abgeordnete Feliech hat in der Sitzung des Abgeordnetenhanses vom 14. April nnter Benntzng parlamentarischer Unverletz- lichkeit zwei Geschichten— zwar ohne Nennung eines Namens, aber mit deutlichem Hinweis auf unsere Firma— verbreitet, welche von Anfang bis zu Ende erfunden sind. Es ist erfunden, dass wir jemals von einer Fabrik, die nahe vor dem Konkurse stand, Hute gekauft haben. Es ist erfunden, dass wir ein grosses Quantum Notizbucher, deren Abnahme wir dem Lieferanten wegen angeblicher Mängel verweigert hätten, nachträglich zu einem geringeren Preise direkt oder indirekt erworben haben. Für Mittheilüng dieser letzteren Erzählung ist auf unseren Antrag ein Redakteur wegen verleumderischer Beleidigung vor längerer Zeit rechtskräftig verurtheilti lieber die Gerichtsverhandlung war in den grösseren Berliner Tageszeitungen ausführlich berichtet. Berlin, den 22. April 1896. Warenhaus A. Wertheim. .' v**- v/t/Vv/'--.'.-i/V:*'' H"-4 Urania Für den Inhalt der Juferate über Anstalt für volksthümliche nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung 21.08 Theater. Donnerstag, den 23. April Opernhaus. Robert der Teufel. Schauspielhaus. Othello. Deutsches Theater. Jugend. Leffing Theater. Das Glüd im Winkel. Berliner Theater. König Heinrich. 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Bur Deckung der Rosten Tellersammlung. 2/5 GB ist Pflicht der Genossen, nicht nur selbst zu erscheinen, sondern bafür au forgen, daß auch ihre weiblichen Angehörigen die Versammlung zahlreich befuchen. Die Einberuferin: Frau Frohmann. Hente, Donnerstag, den 23. April, abends 8 Uhr: Allgemeine Buchdrucker- Versammlung 35/15 in Louis Keller's Fettsälen, Koppen- Straße Nr. 29. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die Tarifberathung in Leipzig. 2. Diskussion. Sämmtliche Berliner Buchdrucker, Prinzipale wie Gehilfen, sind zu dieser Der Einberufer: Massini. Achtung! 2. Wahlkreis. Achtung! wichtigen Berſammlung hiermit eingeladen. Freitag, den 24. April, im Saale des Hrn. Goßmann, Kreuzbergftr. 48: Partei- Versammlung. 211| 16 Tages Ordnung: Oeffentl. Versammlung der Kupferschmiede 1. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Feit Bubeil über: Die am Donnerstag, den 23. April cr., abends 81/2 Uhr, Musikinstrumenten- Arbeiter. Freitag, den 24. April 1896, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Henke, Naunynstr. 27: indiretlen Steuern mit Berücksichtigung der Vorlagen im Reichstage." im„ Englischen Garten", Oeffentliche Verlammlung. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu dem Verhalten des Defonom der Berliner BockBrauerei der Arbeiterschaft gegenüber. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vertrauensmann. Achtung! Brauerei- Arbeiter. Achtung! Freitag, den 24. April, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Nieft, Weberstraße Nr. 17: Oeffentliche Versammlung aller in den Brauereien Berlins u. Umgegend besch. Arbeiter 68/7 als: Brauer, Böttcher, Hilfsarbeiter, Fahrer, Maschinisten etc. = Zages Ordnung: 1. Die Bedeutung des 1. Mai." Referent: Genoffe Adolph Hoffmann. 2. Berschiedenes. Im Interesse der Sache ist das Erscheinen aller Pflicht. Der Einberufer: Wiedemann. Achtung! Klempner. Achtung! Donnerstag, den 23. April, abends 81, Uhr: Oeffentliche Verlammlung im Louisenstädt. Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37. Tages- Ordnung: 1. Bortrag. Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Distusfion. 3. Der Streit bei Moosdorf& Hochhäusler. 4. Verschiedenes. In der Versammlung werden eingegangene Gelder von Listen Versammlung zu erscheinen. und Marken einkaffirt. Es ist Pflicht eines jeben Kollegen, in dieser 281/6 P. Zimmermann, Vertrauensmann der Berliner Klempner, Pücklerstr. 55. Achtung! Große öffentliche Versammlung der Brettschneider und Bretterträger Sonntag, den 26. April, vormittags 10 Uhr, in Keller's Festsälen, Koppenstraße Nr. 29. Tagesordnung und Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Im Intereffe unserer Bewegung ist es Pflicht der Kollegen, pünktlich Der Einberufer. und zahlreich zu erscheinen. 265/18 Adhtung! Schuhmacher. Achtung! Heute, Donnerstag, Abend 8% Uhr: Große öffentliche Versammlung 169/19 bei Joël, Andreasstraße 21. Tages Ordnung: = 1. Beschlußfassung über den neuen Lohntarif. 2. Stellungnahme zu dem bevorstehenden Streit. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Agitationskommission. Achtung! Achtung! Klempner! Donnerstag, den 23. April 1896 abends 8 Uhr, im ,, Coursenstädtischen Konzerthaus", Alte Jakobstr. 37: Oeffentliche Versammlung. Zages Ordnung: 281/9 1. Bortrag. Referent Reichstags- Abgeordneter Harm- Elberfeld. 2. Distuffion. 3. Der Streit bet Moosdorf u. Hochhäusler. 4. Verschiedenes. Dafelbft werden auch die eingegangenen Streifgelber und Listen tafsirt. Es ist die Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Der Vertrauensmann. F. Zimmermann, Pücklerstr. 55. Banhandwerker- Krankenkasse für Berlin und Umgegend.( G. H. Nr. 118.) Sonntag, den 26. April cr., vormittags 10 Uhr, bei W. Gründel, Brunnenstraße 188, nahe am Rosenthaler Thor: Mitglieder- Derlammlung. Zage3 Ordnung: 1. Abrechnung des Raffirers vom 1. Quartal 1896 und Revisionsbericht. 2. Wahl eines Hilfskassirers für den Westen. 3. Stellungnahme zum Aerzte- Vertrag. 4. Die Stellung des Dr. Heymann und des Vorwärts" unserer Raffe gegenüber. 5. Jnnere Raffenangelegenheiten. " Alexanderstr. 27c. Tages Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommission. 2. Bericht des Delegirten zur Gewertschafts- Kommission. 3. Wahl eines Rommissionsmitgliedes. 4. Stellungnahme zum 1. Mai. 5. Verschiedenes. Die Werkstatt- Delegirten werden dazu eingeladen und ersucht, die Fragebogen ausgefüllt mitzubringen. Sonnabend, den 25. April 1896, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Keller( großer Saal), Koppenstr. 29: Oeffentliche Versammlung Der Einberufer. für Arbeiter u. Arbeiterinnen aller Musikinstrumenten- Branchen Um zahlreichen Besuch bittet 1045b Oeffentliche Zages- Ordnung: Beschlußfassung über unsere Forderungen. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, sich zu dieser wichtigen Versammlung recht zahlreich einzufinden. 144/14 Die öffentliche Agitations- Kommission, Achtung! Maifeier! Die General- Versammlung vom 21. d3. Mts. der Freien Vereinig. d. Bivil- Berufsmukker Berlins und Umgegend Radfahrer Versammlung hat befchloffen, entgegen den Bestimmungen des Vorstandes, an den am Freitag, den 24. April 1896, abends 81/2 Uhr, im Reftaur. von Wilte, Andreasstr. 26. Tages Orbnung: tariflichen Lohnaufstellungen in mufitgeschäftlicher Beziehung festzuhalten. Freie Vereinigung d. Zivil- Berufsmusiker Berlins 2c. Der Vorstand. 279/5 Anträge und Wahl eines Delegirten Zentral- Krankenkasse der Maurer, Gipser( Weißbinder) zum Kongreß in Offenbach a. Main zu Pfingsten. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Teller fammlung. Der Vertrauensmann. Saal 500 Personen faffend und Stucateure Deutschlands. 264/ 12,, Grundstein zur Einigkeit." Oertliche Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 26. April 1896, vormittags 10 Uhr: Ordentliche Mitglieder- Versammlung mit großem Garten ist im Juni und Juli noch einige Sonnabende frei. 1036b Breuer's Salon, Frankfurterstraße 74. Auch ein großes Vereinszimmer ist noch zu haben. 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Um zahlreiches Erscheinen der Textilarbeiter und Arbeiterinnen ersucht Der Einberufer. Achtung! Charlottenburg. Achtung! Große öffentliche Metallarbeiter- Versammlung am Donnerstag, den 23. April, abends 8 Uhr, in der ,, Gambrinus- Brauerei", Wallstraße 94. Zages Ordnung: 1. Stellungnahme der Metallarbeiter zu dem Rundschreiben der Berliner Metallindustriellen. Referent: Reichstags- Abgeordneter Albin Gorisoh, 2. Diskussion. 3. Bericht des Delegirten vom Gewerkschaftskartell. 4. Verschiedenes. 285/5 Kollegen! Da es sich um die Ausdehnung der Arbeitszeit handelt, Weiß- u. Bairishbier- Lokal. erwartet abreichen Befuch Vereinszimmer für 30 Perfonen. Für gute Speisen u. Getränke ist gesorgt. Paul Joch, Restaurateur, Schönerlinderstr. 8. Empfehle allen Freunden und Be fannten mein nen eingerichtetes Weiß- und Bairischbier Lokal mit Vereinszimmer. Hermann Bobert, Usedomstraße 28. 7256 Empfehle allen Freunden und Befannten mein Weiß-, Bairisch Bier und gr. Speisegeschäft. Reichhalt. 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