BERLIN Freitag 26.September 1930 Lrscheii»ttSslich«u ob nicht in nächster Zeit die nationalen verbände eine Aktion' unternehmen würden. Zeuge: Das stimmt. Ludien sagte mir, daß dos nicht der Fall sein würde, da diese Entwicklung sich über einen langen Zeitraum erstrecken würde. Vors.: Dabei hat Ludien auch gesagt, daß man aus dem Kapp-Putfch gelernt habe. Zeug«: Ich habe es so verstanden, daß Ludien meinte, es müsse diesmal ein Konflitt zwischen den nationalen Verbänden und der Reichswehr unter allen Umständen verhindert werden. Vors.: Hat Ludien Ihnen nicht auch gesagt, daß die National- sozial isten erst dann losschlagen würden, wenn sie der Reichswehr ganz' sicher wären? � Zeug«: Jawohl, das hat er gesogt. Ludien versprach mir dann im weiseren Verlauf der Unterredung, daß von der National, s o zi a lü st i s che n Pa r t e i ein Verbindungsmann z-p mir kommen würde, da er mit einigen nationalsozialistischen Führern gut bekannt sei. Ludien empfahl uns ferner, zu ermitteln, wer von unseren Kameraden besonders leidenschaftlich vaterländisch sei, und er empfahl uns des weiteren, daß wir in der Instruktionsstunde die Soldaten darauf hinweisen sollten, wozu eigentlich die Reichswehr da sei. Vors.: Sagen Sie, Herr Zeuge, was dachten Sie sich eigentlich bei dieser ganzen Unterredung? Zeuge: Ich dachte: Gott sei Dank, endlich finden sich Leute, die noch gegen die pazifistische, wehr- feindliche, internationale Einstellung gegenüber der Reichswehr etwas tun wollen. Vors.: Hielten Sie Ihren jungen Kameraden Ludien nun wirNich für die geeignete Persönlichkeit, etwas gegen die inter- nationale, pazifistische, wehrseindliche Einstellung gegenüber der Reichswehr zu unternehmen? Zeuge: Ich traute Ludien und Scheringer genügend Schwung zu, um die Sache in Fluß zu bringen. Abends brachte ich dann Ludien zum Bahnhof und dort trafen wir den Hauptmann Jäger und Oberleutnant Mendt, den ich noch nicht kannte. wir beschlossen in einer gemeinsamen Besprechung, daß wir im' Sinne Ludien» wirken wollten und daß wir uns von Zeit zu j Zeit verständigen wollten, allerdings unter Ausschaltung jeder' schriftlichen Korrespondenz. Es kracht in der„Rundschau". OaS Organ des Neichsbankpräsidenten. Seit«inigen Monaten erscheint in Berlin wieder«ine Zeitung unter dem Titel„Tägliche Rundschau'. Verleger ist ein gewisier Heinrich Lindner, als Chefredakteur fungierte der bei Hugenberg ausgeschiedene Dr. Schultze-Pfälzer. Um den Titel des Blattes hat es Prozesse gegeben, denn die Eigentümer des Verlages her früheren„Täglichen Rundschau', die Sttese- mann nahegestanden hatte, machten ihr Erstgeburtsrecht geltend und wollten der neuen Zeitung das Recht auf die Führung ihres Namens gerichtlich streitig machen. Fragt« man, wer als Geldgeber hinter der Neugründung stehe, so wurde zunächst geantwortet, der Reichsbankpräsi- dent Dr. Luther finanziere das Blatt, um es seinem„Bunde zur Erneuerung des Reiches' dienstbar zu machen. Gelegentlich wurde das jedoch abgestritten, besonders nachdem Luther offiziell der Nachfolger Schachts geworden war. Jetzt wird jedoch von einer Seite der Schleier gelüftet, von der man. es am wenigsten erwartet hatte. In dem Organ des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller veröffentlicht Schultze-Pfälzer eine Darstellung über Grün- dung und Weiterbestand des Blattes. Er schreibt wörtlich: Seit ihrem Bestehen wird sie ebenso, wie schon seit langem das journalistische Vüro des Herrn L i n d n« r, von dem jetzigen Reichsbankpräsidenten Herrn Dr. Luther subventioniert. Die unmittelbar« Abwicklung des Sab- ventionsaeschäfts erfolgt lauftnd durch Herrn Oberregieningsrat Dr. A d ö m e tz. dem Geschäftsführer des„llutherbundes zur Erneuerung des Reiches', und persönlichem Vertrauten des Reichsbankpräsibenten. Oberregierungsrat A d a m e tz war bereits bei den ersten Besprechungen über die Gründung der „Täglichen Rundschau' zugegen. Im Vertrauen auf die in der Person Dr. Luthers gegebene Basis übernahm der unterzeichnet« Dr. Schultz«- Pfälzer nach Rücksprache mit Herrn Dr. Luther die Ehefredaktion. Daraufhin arbeiteten auch die übrigen Redakteure und Mitarbeiter. Es zeigte sich sehr bald, daß die zur Verfügung gestellten Subventionen zu der halbwegs normalen Gestallung eines Zeitungsbetriebes nicht.ausreichten. Die Chefredattion erheb immer ernstere Beschwerden und wurde vertröstet. Die von Anfang an beabsiästigte Gründung einer besonderen Gesellschaft und der Abschuß von Verträgen sollten jeweils nahe bevorstehen. In der ersten Zeit wurden von Lindnec kleinere Teilbeträge zur späteren� Verrechnung bezahtt, dann wurde es immer weniger, und schtießtich sielen die meisten Mitarbeiter überhaupt au». Dr. Adametz leistete weitere Zu- s ch ü s s e, die offenbar durchaus nicht genügten, um die Zeitung- in Ordnung zu bringen. Außerdem wurden wohl auch die vor- handenen Gelder nicht immer sachgemäß ver« wendet. Zu der Zeit, als die Verhältnisse kritischer wurden, trat Dr. Luther eine längere Auslandsreise an und Dr. Adametz forderte zum Durchhalten auf. Schulge-Psäher oerrät, daß er schon vor einiger Zeit sein Amt niedergelegt und die Arbeit eingestellt habe. Als die Rück- kehr Dr. Luchers bevorstand, habe er in einem eingeschriebenen Brief die sofortige Liquidation des längst tatsächlich schon verkrachten Unternehmens verlangt. Trotzdem erscheine die Zeitung ungeachtet der wachsenden Schuldenlast weiter. Druckkosten und Honorare wurden nicht gezahlt. Auf die Namen Luther und Adametz hin wurde ohne Bezahlung geschrieben, revidiert und gedruckt. Zum Schluß sagt Schultze-Pfälzer:„Reichsbankpräsident Luther hat bei Gründung des Blattes ein mit ihm selbst verabredetes halbes und spätes Dementi erlassen. Wenn er jetzt versuche« sollte, durch ein Achselzucken sich aus der Affäre zu ziehen, so wir!» der Unterzeichner die Wahrheit dieser Mitteilunger» samt näheren Einzelheiten darüber vor Gericht erweisen.' Krestinski überreicht sein Abberufungsfchreiben. Der Reichspräsident hat heute den sowjetrussischen Botschafter Krestinsti empfangen, der sein Wberusungsschrerben überreichte. Anschließend wurde Krestinski zu einem Frühstück beim Reichspräsi- denteu empfangen. Toller Bandilenfireich. T'.nfworlcr überfallen.- Zwei Motorräder geraubt. Ki« richtiger toller Wildweststreich wurde in der vergangenen Nacht in einer Tankstelle in der Thomasstrahe 17 ju Neukölln verübt. Die Tankstelle liegt dort auf einein unbebauten(Zelöndc und wird nachts von einem Wärter FritzSchielke aus der Feld- strffße betreut. An die Tankstelle schließen sich noch große Garagen an. In der vergangenen Nacht gegen 2'/i Uhr war der Wärter Schielke allein auf dem Grundstück anwesend. Plötzlich erschienen zwei Männer, die eine Fünfliterkanne Benzin lausen wollten. Als der Wärter sie ihnen gefüllt hatte, folgten sie ihm ins Kontor, um zu bezahlen. Der«ine Mann trug die Benzinkann«, der andere hatte Geld in der Hand und klimperte damit. Als der Wärter die Quittung ausgeschrieben hatte, legte der vermeintliche Kund« 1,75 Mark auf den Tisch und rief im selben Augen- blick:„Hände hoch!" Der Ueberraschte sah, daß beide Männer Pistolen in den Händen hatten. Sie drohten, ihn sofort nieder- zuschießen, wenn e r u m H i l f e r u f e oder nach seiner eigenen Waffe greise. So war der Wärter wehrlos gemacht. Um voll- lommen sicher zu gehen, nahm der Kannenträgcr den Korken aus dem Benzinbehälter heraus, goß das Benzin in das Kontor und beide kündigten dem Wärter dann an, daß sie das Venzin an- zünden würden, wenn er Miene mache, sich zur wehr zu sehen. Wenn er nicht die Schuld an einer Explosion auf sich nehmen wollt«, mußte der Wärter sich fügen. Während der«ine der Räuber im MWM« D /•* -Leutnant« in der„Qrünen II Unna" 'i Die wegen Hochverrat und Zersetzung der Reichswehr angeklagten drei früheren Offi, ziere werden im grünen Wagen unter Schupobedeckung ins Reichsgericht transportiert. Kontor blieb und Schielke mit der Waffe im Schach hielt, nahm der andere von einem Brett ein Schlüsselbund und schloß mehrere Boxen auf. Durch die Tür konnte der Wärter sehen, daß noch vier weitere Männer de» Räubern zu Hilfe kamen. Nach- einander schoben sie sich drei Motorräder mit Beiwagen heraus und machten die Maschinen in aller Ruhe sahrfertig. Je zwei Männer schwangen sich auf zwei Räder und fuhren damit vom Hos. Der im Kontor Gebliebene hörte, daß seine Komplicen ihren Streich vollendet hatten und wollte nun ebenfalls gehen, sperrte den Wärter in dem Zimmer ein und begab sich zu seinem ijelfersheljer. Das dritte Rad konnte er aber nicht mehr mit wegnehmen, da er durch einen hinzukommenden Droschkenchauffeur gestört wurde, der den eingesperrten Wärter befreit« und gemeinsam init ihm di« leider er- solglos verlaufene Verfolgung der Räuber aufnahm. Geraubt sind ein DKW.-Rad mit der Nummer LA.. 15 960 und ein NSU.-Rad 1.>.28 712. Von dem dreisten Streich ist das Raubdezernat des Polizeipräsidiums in Kenntnis gesetzt worden. Familieniragödie in Berlin GW. Vater und zwei Kinder mit Gas vergiftet. Im Hause Teltower Straße 55 im Südwesten Berlins wurde heute vormittag der Chaufseur Otto Kreutz mit seinem achtjährigen Sohn Alfred und feiner vierjährigen Tochter 6(friede mit Gas vergiftet aufgefunden. Bei allen drei Personen waren Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Der Ehaufseur Kreutz ist seit Jahren schwer nerven- leidend. Cr war schon einmal deswegen in einer Heilanstalt. Cs trat aber nur eine vorübergehende Besserung seines Leidens ein Der Mann war sehr leicht erregbar, und so kam es zeitweise zu Familienstreitigkeiten. In den gestrigen Abeirdstunden hatte er wieder einen Streit mit seiner Frau und bedrohte sie schließ- lich mit einem Revolver. Die Frau verließ darauf die Wohnung und übernachtete bei Berwandten. Als sie morgens ihre Wohnung wieder aufsuchte, fand sie ihren Mann und beide Kinder t o t auf. Der Mann muß den furchtbaren Entschluß, mit seinen Kindern aus dem Leben zu gehen, in einem Zustand höchster Er- regung gesaßt haben. Bevor er sich schlafen legte, öffnete er den Gashahr, und nahm so seine Kinder mit in den Tod. Hitler schreibt in Hearst- Blättern. New Zork, 26. September. Die Hearst-Blätter, die Hitlers Ausführungen in Leipzig über eine Revolution und die Gründung des„Dritten Deutschen Reiches" sowie seine Drohung mit Reoolutionstribunalen zur Verurteilung und Enthauptung der„Verräter von 1318" in großer Arlsinachung aus der ersten Seite bringen, kündigen gleichzeitig an, daß sie am nächsten Sonntag einen Artikel Hitlers über sei» Programm bringen werden. Sowohl Europa wie Amerika feien an Hitler und tem v»n ihm geplanten Kuv» dringend interessiert. Die deutschen Städte tagen. 25 Lahre Deutscher Gtädtetag.- OieLubiläumstagung in Dresden.- Lim die Zukunft der Gelbstverwaltung. Brdl. Dresden, 26. September.(Eigenbericht.) Die große Zubiläumslagung des Deutschen Slädle- lage», der seht aus eine 25jährige Arbeit im Znlerejse der deutschen Selbstverwaltung zurückblicken kann, wurde heute vormittag im Songreßsaal der Dresdener Ausstellungshallen durch seinen Präsidenten Dr. M u l e r t feierlich eröfsnei. lieber 1000 Delegierte, unter ihnen zahlreiche führende sozialdemokratische Kommunalpolitiker aus dem ganzen Reiche. find hier in Dresden zusammengekommen, wo der Gedanke einer ständigen Vereinigung der deutschen Städte zum ersten Male erwachsen ist. Die schweren sozialen und finanziellen Probleme der deutschen Kommunen sollen einer Erklärung nähergesührt werden. Das Arbcilslosenproblem und das Problem des kam- munalen Kredites sind die beiden Themen der für die Zukunft der deutschen Selbstverwaltung überaus wichtigen Tagung. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsarbeitsminister Stegcrwald waren am Erscheinen verhindert. Für die preu- (zische Staatsregierung war Innenminister Dr. W a e n t i g erschienen. Auch der Reichsbankpräsident Dr. Luther wohnte den Verhandlungen bei. Die Reihe der Begrüßungsansprachen erössncte der sächstschc Ministerpräsident Dr. Schieck. Als danach der preußische Innenminister Dr. waenlig das wort zu seiner Begrüßungsansprache ergreift, wird er von den tomunistischen und nationalsozialistischen Delegierten mit einer Flut von Schimpsworten empfangen. Die übergroße Mehrheit der Tagungsteilnehmer beantwortete di« Flegeleien mit minutenlangem Händeklatschen für den Minister. Schließlich gelang es dem Präsidenten, die Ruhe wieder herzustellen. Der Minister würdigt« ausführlich die Arbeit des Deutschen Städtctages in den vergangenen 25 Jahren und erklärte zum Schluß: Wirkliches Verständnis für die Vedeulung und die Nolwendig- keii der Selbstverwaltung ist die Art innerer Verbundenheit, die Sie von mir erwarten dürfen und deren ich Sie hiermit ausdrücklich versichere. Wichtiger als se zuvor und die unerläßliche Voraussetzung für die Erfüllung unserer gemeinsamen Hoffnungen ist das Bewußtsein der Eingliederung der örtlichen Selbstverwaltung in den Verband von Staat und Reich, die Erkenntnis der engen Ver- bundenheit der kommunalen Interessen mit denen der All- gemeinheit und das Verantwortungsgefühl den Pflichten gegenüber, die diese Verbundenheit mit sich bringt. Nach Schluß der Red« versuchen die Vertreter der Radau- Parteien wieder zu lärmen. Ihr Geschrei geht jedoch sehr bald unter dem langanhaltenden Beifallssturm der Tagungsteilnehmer unter. In seiner Ansprach« 2 5 Jahre Deutscher Städtetag führte Präsident Dr. Mute rt etwa folgendes aus: Entstanden aus den Anregungen der Städtebauausstellung 1903, hat sich die Schicksalsgemeinschoft der in« Deutschen Städtetag vereinigten Städte immer mehr gefestigt und einen bedeutenden Aufschwung genommen. Der Ausgabentreis des Städtetages hat sich mit dem gewaltigen Anwachsen der wirtschaftlichen und sozialen Nöte ganz außerordent- lich erweitert. Aus den Iii Miigtiedstädten und 7 Städtedünden des Gründungsjahres mit einer Einwohnerzahl von 16,2 Millionen sind bis zur Gegenwart 273 uninittelbare Mitglieder mit 26,5 Mil- lionen Einwohnern geworden, zu denen noch 913 unmittelbar« Mit- glicder mit 5,4 Millionen hinzukommen. Der Deutsche Städtelag ersaßt demnach 32 Millionen Menschen. Die Stellung der Städte hat sich in den letzten 25 Jahren, ins- besondere aber in der Kriegs- und Nachkriegszeit, grundlez.'nd ge- wandelt. Immer stärker wird die gemeindliche Arbeit durch Reichs maßnahmen unmittelbar deeinflußt. Das Schicksal der Gemeindeil ist ein allgemein deutsches Problem geworden. Das Miß- oerhältnis zwischen»»atericllem Einfluß des Reichs und formaker Zustäildigkeit der Länder äußert seine ungünstige Auswirkung soft bei jedem die Geineinden berührenden wichtigen Reichsgesetz und ist die Ursache für viel« die Gemeinden einengenden Bindungen. Oer Kampf gegen die Massennoi. Tief eiiischneidende Aenderungen hat in diesen 2'.Ä Jahrzehnten die soziale Arbeit der Gemeinden erfahren. Die Leistungen der gemeindlichen Kriegswohlfahrtspsleg« stehen gleich- werlig neben denen auf kriegswirtschaftlichem Gebier. Obwohl die organisatorischen Einrichtungen der Gemeinden aus die Behandlung des einzelnen Notfalles abgestellt waren, gelang die Um- stcllung auf die Bewältigung vorher nie geahnter Notstände von Menschenmassen. Die Zusammenfassung der gewaltigen Arbeit in der Hand der Gemeinde wurde jedoch durch die Reichsgesetzgebung nicht gewahrt. Die organisatorische Ueberwindung der schwierigsten Aufgabe der Gegenwart, des Problems der Arbeitslosigkeit, ist durch das Lostrennen aus dem engen Zusammenhang mit der gemeindlichen Arbeit wesentlich erschwert. Die stärkste E i n s ch r ä n k u n g der Selbstverwaltung liegt nach wie vor auf dem Gebiete der Finanzen. Hier zeigt sich die Schicksalsoerbundenheit von Reich. Ländern und Ge- meinden am deutlichsten. Jede neue Reichsregelung � wirkt sich bei der engen Verflechtung mit tief einschneidenden Folgen auch auf die Gemeindejinanzen aus. Die Gemeinden müssen wiederum die Fähigkeil erholten. Einnahmen und Ausgaben in eigener Veronl- worllichkeit in ein richtiges Verhältnis miteinander zu bringen. Cs handelt sich um ein gesamtdeutsches Problem, ohne dessen Lösung jede Reichsfinanzreform Stückwerk bleibt. Nach den Begrüßungsansprachen nahm Oberbürgermeister Dr. L u p pe- Nürnberg das Wort zu seinem Referat: „Arbeitslosenversicherung und Gemeindehaushalt." Luppe führte etwa folgendes aus: Die rapide und un- aufhörliche Zunahme der W o hl f a h r t s« r w« r b s l o s c n in den letzten Monaten hat die Haushaltspläne aller Gemeinden über den Haufen geworfen und droht sich zur F i n a n z k a t a st r o p h e auszuwachsen. Vor.dem Kriege waren deutsche Städte und Kam- munalverbände die Schöpser und Träger des öffentlichen Arbeits- nachweise?, den sie auch allein finanzierten. Als man sich im Jahre 1926 entschloß, die Arbeitslosenfürsorge in eine Arbeits- losenversicherung umzuwandeln, wurde von vielen Seiten bei der ungünstigen Wirtschaftslage der Uebergang für verfrüht erklärt. Der Slädtetog wies in einem Gegenentwurf zu der Regie- rungsvorlage auf die unlöslichen Zusammenhänge zwischen Arbeits- Nachweis, Arbeitslosenversicherung und gemeindlicher Wohlfahrls- pflege hin und erklärte sich bereit, auch weiterhin ein Drittel der Kosten des Arbeitsnachweises und ein Neuntel der Arbeitslosenfür- sorge auf die Gemeinden zu übernehmen, wenn sie in der Hand der Gemeinden belassen würden. All« Warnungen blieben vergeblich. Die meisten Gemeinden können in allernächster Zeit selbst mit kurzfristigen Krediten ihre Zahlungsfähigkeiten nicht mehr aufrechterhalten. Di« für die Wohlfahrtserwerbslosen in den Etats vorgesehenen Beträge sind jetzt bereits oerausgabt, für die nächsten Monate fehlen die Mittel, obwohl zahlreiche Städte bereits alle anderen Ausgaben rücksichtslos bis zur letzten Möglichkeit drosseln. Für die Zukunft entsteht die ernste Frage, ob die B e r s i ch e- rung in ihrer jetzigen Form aufrechterhalten werden kann. Die Hauptursachen der großen Arbeitslosigkeit, Wollwirtschaftskrisc und Ueberaltcrung der Bevölkerung werden sich in absehbarer" Zeit kaum wesentlich abschwächen. Ein« weiter«' H e r a b m i ii d e r u n g d e r U n t e r st ü tz u lig s s ä tz c erscheinT bei Auftechterhaltung des Bersicherungscharokters ousgeschlof- s e n: schreitet man ober zur Herabsetzung der Unterstützungsdauer auf 16 oder 13 Wochen, so bedeutet das nur eine neue Verschiebung der Last auf die Gemeinden. Die Versicherung fleht täglich mehr nur noch auf dem Papier. Nur die Hälfte der Arbeitslosen er- hält heute noch Unterstützung von der Nersicherung(rund 1,5 Millionen von 2,9 Millionen), 440 000 unterstützt die Krisenunterstützung, mindestens 650 000 die Wohlfahrtspflege, der Rest erhält wegen mangelnder Bedürftigkeit oder aus anderen Gründen kein« Unter- stützung. Aber selbst wenn man den Versicherung sgedankcn retten will, um schließlich nur noch ein Viertel der Arbeits- losen trotz unerträglicher Beitrogserhöhung zu erfassen, so muß doch die Versorgung der nicht von ihr Unterstützten einer völligen Neugestaltung unterzogen werden. Die Krisenfürsorge verliert ihren Sinn in dem Augenblick, wo eine Dauerkrise olle Wirtschaftszweig« ersaht. Die jetzige Dreiteilung(Arbeitslosen-, Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung) muß einer Zweiteilung Platz machen, da auch die Krisen- ebenso wie die Wohlsahrisunterstützung ganz aus Steuermitteln finanziert wird, und da es keinen Sinn hat, in beiden Fällen für die Bedürstigkeitsprüfung ganz oerschie- dene Grundsätze aufzustellen und die Arbeiispflicht nur bei der Wohlfahrtsunterstützung festzulegen. Giädiische Oper ohne Programm! Neueinstudierung der„Waltüre". Gegen das künstlerisch« Arbeitsprogramm der Städtischen Oper ist hier vor kurzem der Lorwurf der Programmlosigkeit erhoben worden: er wird durch den gestrigen Abend gewiß nicht widerlegt. Wagners„Nibelungen"— vom«R h e i n g o l d" bis zur „Götterdämmerung"— sind, wie man weiß, in der Linden- oper mit großem Aufwand herausgebracht worden. Auch die Slädti- sche Oper hatte früher, noch aus der Aera Hart mann, ihren „Nibelungenring": mit Recht hatte man ihn allmählich aus dem Spielplan oerschwinden lassen: nun aber, einzeln, aus dem Ganzen herausgerissen, in neuer Inszenierung, die„Walküre"? Einzeln nur dieser zweite von vier Teilen eines Werkes? Das war viel- leicht vor 50 Jahren möglich, und es mag auch heute an einer kleineren Provinzbühne möglich fein. Aber heute in Berlin? Welchen Platz weist die Städtische Oper sich im Berliner Opernleben an? Man muß freilich, nicht als Rechtfertigung, doch zur Erklärung, die Vorgeschichte dieser Aufführung kennen. Wik- Helm Furtwängler sollte sie leiten. Es sollte wieder einmal mit einer Reihe großer Namen ein Opernabend des Glanzes und der Plakatwirtung werden, und für den Operndirigenten Furt- wängler ein Abend des lange fälligen— und in der Tat des un- ausbleiblichsten Erfolges: der„Waltüre" unb_ ihrem Dirigenten kann es daran nicht fehlen. Aber dann hat es Schwierigkeiten und Hindernisse gegeben, man mußte endlich auf den berühmten Gast- dirigente» verzichten. Auch die zweite Sensation, die beabsichtigt war, bleibt aus. Ludwig Hofmann, der Baßstar des Hauses, sollte zum erstenmal als Wotan auf der Bühne erscheinen. Von seinem bevorstehenden Uebergang und Aufstieg ins Wotan-Fach hatte man schon allerlei gelesen. Es kam nicht dazu, der Sänger ist, wie man hört, mit der Partie, d. h. mit ihrem Studium nicht fertig geworden: an seiner Stelle muh ein Gast aus Homburg aushelfen. Auf der Bühne schöne Stimmen und bewährte Gestalten: M a- ria Müller.FriedaLeider(von der Lindenojjer), Sigrid Onegin, Alexander Kipnis, Martin Oehmann, dieser neu als Sigmund, ein« bedeutende, oersprechende Leistung. Reue Dekorationen von Gustav Vargo, dem eine malerisch schöne Lösung des„F e u e r z a u b e r»"' gelingt. Die Regie tut das Notwendige: stritte Nichtbefolgung eindeutiger Regieanweisun- gen ist aber wohl nur in einer Inszenierung zulässig, die durch die Kraft eigener neuer Ideen überzeugt. Davon kann bei dieser Ge- legenheitearbeit nicht die Rede sein. Stärkster Gewinn des Abends ist die Erneuerung im Orchestralen: mit dem ausgezeichneten Or- chester hat sie Dr. F r i tz S t i e d r y. der erste Musiker des Hauses. geleistet.'Als technisch und geistig überlegener Opernleiter und Wagner-Dirigent großen Stils gibt er der Ausführung Steigerung und innere Einheit, Nach den Aktschlüssen enihusiastischer Beifall: es ist wie an einem Furtwängler-Abend. Klaus Pringsheim. Nach-10 Jahren... Eine sensationelle Verhaftung wegen Mordes. Lchöningcn(vraunschwcig). 25. September. In Osfleben wurde der Arbeiter Herrnonn Schmidt unter dem dringenden Verdacht verhaftet, vor zehn Iahren den Betriebsleiter Lange von der Grube„Treue" ermordet zu haben. Schmidt, der die Tat bestreite», war bereits vor zwei Iahren unter den, gleichen verdacht verhaftet worden, mußte ober wieder freigelassen werden. Vei der Vernehmung vor dem Amtsgericht verdichteten sich die Verdachtsmomente gegen ihn imnzer mehr. Der verhaftete ist dem Smsgericht Brauuschweig zugeführt worden. Der Betriebsleiter Lange wurde damals auf dam Weg« durch den Tagebau der Grub«„Treue" hinterrücks erschossen. Di« Mappe mit achtzigtartfend Mark Lohngeldern, die er bei sich trug, wurde unberührt bei der Leiche gefunden. Friedrich wols» Schauspiel„Vte Matrosen»an Ca wir»" oelanat al» etile Vmttellung für die Sonderabtetlungen in der Hallt- bühne zur Uraujsühnmg. Zlogie: Günther Start. Thyssen-Millionen für Bilder Ein Zndustnebaron veranstaltet Preisausschreiben Aus Düss«ldors wird uns geschrieben: „In Düsseldorf erregt gegenwärtig die Mitteilung Sensation, daß die bedeutende Privatsammlung des Barons Hein- rtch von Thyssen-Bornemisze der Stadt als Leihgabe überlassen werden soll. Die große Sammlung von etwa 500 erlesenen Gemälden und Skulpturen ist gegenwärtig in der M ü n ch e- »er Pinakothek als Sammlung Schloß Rohoncz ausgestellt. Sie hat hier, wo sie das erstemal der Oesfentlichkeit überhaupt zugäng- lich gemacht wurde, großes Aufsehen in der Kunstwelt hervor- gerufen. Kenner bezeichneten sie al» die bedeutendste europäische Prioal- sammlung: ihr Wert wird auf über 20 Millionen Mark geschäht. Der Sammler,«in Sohn des vor einigen Iahren ver- starben«» rheinischen Großindustriellen August Thyssen, ist der Bruder von Fritz Thyssen, des Vorsitzenden und chauptaktionärs der Bereiniglen Stahlwerke A.-G. in Düsseldorj, des größten europäischen Montantrusts. Das Ueberraschendste an dieser Sammlung ist für die weiter« Lefsentlichkeit der Umstand, daß sie in wenigen Iahren nach dem Kriege in ganz Europa zusammengekauft wurde. Und wenn sich die Museumsleiter, Kunstgelehrten und Kunstbegeisterten heut« auch in Hymnen über die Tätigkeit des Sammlers ergehen, der werwolles Kulturgut für Deutschland und Europa gerettet habe, so ist sllr weite Kreise der Bevölkerung die Frage interessanter, wie es möglich war, daß im heutigen Deutschland eine Person. lichkeit in der Loge war. 20 Millionen Mark für den Ankauf von Kunstwerken auszugeben. Die Sammlung ist in München, wie schon erwähnt, unter dem Namen„Sammlung Schloß Rohoncz" ausgestellt worden. Es ist aber selbstverständlich, daß der Name des Sammlers dabei nicht verborgen bleiben konnte. Aber wenn der Sammler auch selbst die Absicht gehabt haben mag, persönlich mit dem Namen nicht hervor- zutreten, so ist der peinliche Beigeschmack einer so fürstlichen Sammlertätigkeit i m heutigen ver- armtcn Deutschland doch nicht zu übersehen. Auch im Aus- land dürft« die Sammlung einiges Aufsehen hervorrufen, ist sie doch zum erheblichen Teil dort zusannnengekauft worden. Baron Thyssen ist auch selbst Industrieller. Bei der Erbschaft fielen ihm u. a. auch einige Werke zu, die bei der Gründung der Vereinigten Stahlwerke außerhalb dieses Konzerns blieben. Es find u. a. die Preß- und Walzwerk« A.-G. Düsseldorf-Reisholz und die Thyssen-Gasgesellschaft in Hamborn, die bedeutende Fsrngaslieferungsoerträge besitzt. Als Industrieller hat Baron Thyssen schon vor«inigen Jahren in Düsseldorf Sensation hervorgerufen, als er dort im Mittelpunkt der Stadt ein großes Verwaltungshaus für seine Werte errichten wallte, das den Namen Auguft-Thyssen-Haus tragen sollte. Es wurde seiner Zeit zur Erlangung geeigneter Entwürfe ein Weit- bewerb unter elf bedeutenden deutschen Architekten ausgeschrieben. Jeder der Teilnehmer erhielt ein anständiges Honorar, die Preis- träger noch Sondervergütungen. Znsgesamt dürfte der Wettbewerb allein 100 000 Mark gekostet haben. Hamburgs poliiische Forderungen. Ein Mindestprogramm für Koalitionsregierung. Hamburg. 26. September.(Eigenbericht.) In einer überfüllten Versammlung der Delegierten und Betriebsvertrauenslcute der Hamburger Sozialdemokratie wurde am Donnerstagabend zur politischen Situation Stellung genommen, und nach einem Rejerat des Parteioorfitzcnden M« i t m a n n nach einer «ingehenden Aussprache mit überwältigender Mehrheit solgcnde Entschließung angenommen: Die Delegiertenversammlung der Landesorganisation Hamburg beschließt: Die deutsche Wählerschaft hat der versassungswidrigen und unsozialen Politik des Bllrgerblocks«ine so starke Absage er- teilt, so daß die Absicht des Kanzlers Brüning, dessen Politik wo- möglich unter Ausschaltung des Parlaments unverändert fortzu- setze», verhindert werden muß. Jeder derartige Versuch muß den schärfsten Widerstand der Sozialdemokratie finden. Es ist die vordringlichste Aufgabe der SPD., die Wieder- Herstellung normaler verfassungsmäßiger Zu- st ä n d e zu erzwingen und unter einer der Stärke der SPD. entsprechenden Regierungsbeteiligung eine Politik cinzu- leiten, die an jolgenden Maßnahmen orientiert sein muß: 1. Sicher st ell u ng d e r F i n a n z w i r t s ch a f t des Reiches durch gerechie Lastenoertcilung; 2. Arbeitsdeschafsung und Verkürzung der Arbeitszeit: 3. Umstellung der von Scbiele eingeleiteten Agrar- und Zollpolitik zur Wiederherstellung normaler Handelsbeziehungen: 4. Zusätzliche Besteuerung der Ein- kommen an Stelle der unsozialen»ürgerabgabe: 5. Ersparniswirt- fchait durch beschleunigte Durchführung der Rcichsresorm und Herab- setzmig der Ausgaben für Militärzwecke. der höheren Pensionen und hohen Gehälter, insbesondere des auswärtigen Dienstes; 6. Schutz der Sozialpolitik: 7. Aufhebung der Konsumvereinssteuer; 8. Verbot der Angehörigkeit und Betätigung der Beamten in Parteien und Vereinigungen, die die gewaltsame Aenderung der Stoatsoersassung anstreben: 9. Rückhaltlose Anwendung der Macht- mittel des Staates gegen alle Diktaturbestrebungen und Gewalt- lätigkeiten. Zur Durchführung dieser Maßnahmen, besonders aber zum Schutze der Interessen des werktätigen Volkes und der Demotroi!« vor dem. gewatttättoen Zugriff de» Faschismus unker der Maske des Nationalsozialismus muß die SPD. ihre ganze Krafi einsetzen. Eine kampflose lleberlassung der Machtstellung der Werktätigen in Reich und Staat an die Diktaturanhänger kann und darf die Sozialdemokratie niemals zulassen. « Die Berliner Parteiorganisation wird am Dienstagabend in einer Funktionärkonferenz ihrerseits Stellung zu dem Problem nehmen, wi« die Arbeiterschost am wirksamsten Diktatur und Faschismus bekämpft. wekter sür Berlin. Ziemlich trübe und zeitweise nebelig bei wenig osränderten Temperaturen.— Für Deutschland. In den meisten Teilen des Reiches trübe» Wetter, jedoch keine erheblichen Niederschläge. Im Osten verbreitete Morgennebel. Aber dem Bauherrn gefiel keiner der Entwürse. Cr wollte etwas Repräsentativeres- So wurde einfach ein neuer Architekt bcauf- tragt,«inen Entwurf auszuarbeiten. Der Grundbesitz wurde inzwischen noch erheblich erweitert durch Zulauf verschiedener Häuser, die in so bevorzugter Lage natürlich ganz erhebliches Geld gekostet haben werden. Jni Eiltempo wurden die Häuser von den Mietern freigemacht, was natürlich auch wieder Geld kostete, und als alles so weit war, da wurden die Planungen ein- gestellt, und nun klafft seit zwei Jahren in Düsseldorf im Zentrum der Stadtein« riesig« Baulücke, ist dort ein halbes Dutzend guter Häuser unbewohnt. Was aus dem Bauplan werden soll, weiß in der Stadt mit Aus- nähme weniger Leute kein Mensch. Dem Konzern soll das Bauen jetzt„zu teuer" sein, ein Umstand, der in diesem Augenblick in Düssel- dorf Ueberraschung hervorrufen muß. Nicht ohne Befremden wird man dort bemerken, daß die 3 bis 4 Millionen Mark, die der Bau des Verwoltungshauses gekostet haben würde, weitaus nützlicher für die Bevölkerung gewirkt haben würden als das Zusammenbringen der großen Sammlung. Ein erheblicher Teil der 20 Millionen Mark ist in» Ausland geflossen. In der deutschen Wirtschast hätte das Geld großen Segen stiften können, hätte es manchem Erwerbslosen Arbeit verschaffen können: so floß es in die Hand englischer Aristokraten, deutscher, holländischer und anderer Gcldleute, Händler und Fürsten." Zn Moskau wurde der ehemalige Militär- und Marineattachu der Sowjetgefandtschast in Schweden, der sich 1191 Dollar Staats- gelber angeeignet und die Rückkehr verweigert hatte, wegen Hoch- verrats für außerhalb des Gesetzes stehend erklärt und die Einziehung seines gesamten Eigentums angeordnet. Kommunistische Geheimfitzung. Tagung des„?soten Frontkämpferbundes" aufgehoben. Beamte der Abteilung I'A drangen in der letzten Rocht in«in« in dem Lokal von Buggert in der Paulstraß« 69 abgehaltene kommunistische Versammlung ein und nahmen sämtliche 29 Teilnehmer fest. Der Verdacht, daß es sich um eine Geheim sltzung einer Unterabteilung des verbotenen Rotfronlkämpferbundes handelt. wurde nach den Mitteilungen der Polizei durch das bei den Be» teiligtcn beschlagnahmt« Material bestätigt, und zwar hat es sich allem Anschein nach um Besprechungen über«ine weitere Betäti- gung der verbotenen Organisation, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem für den kommenden Sonntag im Ver- liner Lustgarten geplanten kommunistischen Aufniarsch gehandelt. Di« Teilnehmer waren sämtlichMitgliederdes früheren Rotfrontkänipferbundes bzw. der„Roten Jung- s r o n t". Sie haben ein Strafverfahren wegen Fortsetzung des ver- botenen Bundes zu erwarten. Nach Feststellung ihrer Personalien wurden die Kommunisten bis auf zwei wieder entlassen, und zwar handelt es sich um den Leiter der Geheimsitzung und ein anderes der Polizei bekanntes angesehenes Mitglied dieser Bewegung, die im Lause des Vormittags noch einem längeren Verhör auf dem Polizei. Präsidium unterzogen wurden, am heutigen Tage ober ebenfalls wieder auf freien Fuß gefetzt werden dürsten. Bruno Franks Komödie„Skurm im Wasserglas" fand bei der Münchener Ersiaufsührung an den Kammerspiclen un- gewöhnlich lebhasie Zustimmung. Aus Grund einer belanglasen Hundeaffäre kommt es zu großen Gerichtsverhandlungen— der Kandidat für den Bürgermeisterposten fällt herein, während die arm« Biumenoerkäuferin, die Hundcbcsitzerin, alle Sympathien der Mitspielenden und auch der Zuschauer gewinnt. Dieses heitere Spiel verdichtet sich allmählich zu einer sehr ernhaft fundierten Komödie, deren Qualität vom Verfasser noch Ersprießliches erwarten läßt. Die Aufführung unter Spielleitung von Josef Glücks- mann und mit Therese Giehse als Münchner Blumen- Verkäuferin hatte künstlerisches Niveau. �Ikrcck dlaz-er. &reifl&chen-9>avillon- Schule Die Friedrich-Ebcrt-Schule in Frankfurt am Main, von dem fetzt nach der Sowjetunion als Baw meifter gehenden Stadtbaurat May erbaut. Statt der bisher üblichen Kasernierung sind diese Schulen in nach Osten zu gelegenen Pavillons mit gläserner Vorderseite unter- gebracht, die ganz zu öffnen ist. Im werten ilmkreis um diese Schulen bleibt die Grünstäche un- bebaut. Die Prügelknaben unserer Laune Schaffner, Verkäufer und Fräulein vom Amt Jede Gemütsexpansion bedarf ihres Ventils, um nach voll- zogener Entladung in das Normalstadium einer gemäßigten Emp- sindungszone zurückzufinden. Hier ist es der Ehepartner, dort «in Angestellter, der die Wogen menschlicher Erregung über sich ergehen lassen muß, der jeweilige Grad seiner Zuneigung oder Abhängigkeit zu dem Wüierisch diktiert, im Verein mit seinem eigenen Temperament, sein Verhalten. Schließlich wird aber einer gegen den anderen immerhin leichter fertig, als, wer gegen ein« recht erhebkichc Majorität von Wutschnaubenden sein Recht ver- tcidigen und vor allem sein« Ruhe bewahren soll. Zeit nehmen, Einsicht haben und höflich sein, sind drei Eigenschaften, die der moderne Mensch längst als überflüssigen Ballast über Bord geworsen hat.„Kurz, nervös und grob" ist die Devise unserer Tage! Wer da ständig Prellbock zu spielen hat, der lasse sich beizeiten ein dickes Fell wachsen! Das Fräulein vom Amt. Da ist erst einmal das bedauernswerte Fräulein vom Amt! Hand aufs Herz, wer hätte sie nicht schon des öfteren in höchst unsanfter Weise opostrophiert, ihr Schwerhörigkeit, Temperamcntlosigkeit und Boshafiigkeit in ihre ach so viel- geplagten Ohren trompetet! Wir allesamt verstehen unter dem Fräulein vom Amt eine stets tadellos funktionierende hellhörige P r ä z i s i o n s m a s ch i n e, die im Eilzugstempo arbeitet, die von uns gewünschte Verbindung möglichst schon, bevor wir noch über- Haupt die Nummer nannten, hergestellt hat. Dabei ist sie doch auch nur ein Mensch mit zwei Händen und bloß zwei Ohren, die unentwegt und unermüdlich stöpseln und hören muß, deren Nervensystem ganz besonders stark in Anspruch genommen wird und die größte Rücksichtnahme, statt heftiger Ungeduld, ver- diente! Oer Schaffner. Neben dem Fräulein vom Amt ist der Schaffner der öffentlichen Bcrkehrsvehikel oftmals«in recht bedauernswertes Opfer entfesselter Bolkswut. Er leidet unter den verschiedensten psychischen„Krankheitserscheinungen" seiner Fahrgäste. Einmal unter der allerneincn„Z e i t l o s i g k c i t" der ungeduldigen Mensch- heit, dann unter der stark hypochondrischen Ader älterer weiblicher Jahrgänge, die immer und überoll.Luglust" wittern, vor jeden, geöffneten Fenster einen kleinen Anfall kriegen und im kategorischen Imperativ die Schließung fordern. Das Gegenstück zu ihnen stich die Menschen mit stark erhöhtem Blutdruck, meist männlichen Ge- schlecht?, die wiederum ständig nach Lust japsen und dorob mit ihrer luftscheuen Gegenparte! in hestigsten Streit geraten, in dessen Mittelpunkt, teils als Prügelknabe, teils als Schlich- t u n g s r a t, wiederum der Schasfner steht. Dann gibt es noch die höchst unliebsame Kategorie jener Nörgler und Besser- w i s s e r, die mit wahrer Wollust in einem aufgestapelten Wust von Argumenten-wühlen, womit sie den bedauernswerten Uniformierten bei jeder Gelegenheit löchern. S i e kennen das Dienstreglement in bezug auf den Umsteigeoerkchr natürlich weit besser als der Berkehrsbeamte, s i« konstatieren und registrieren alle jene Fälle, in denen sich der Schaffner— ihrer Ansicht nach— nicht richtig verhält: sei es wegen des Abläuten», wegen der Anzahl der aufzunehmenden Fahrgäste, sei es vor ollem ober der„gesell. jchastlichen Umgangssprache" mit dem Publikum. Im Laufe der Begebenheiten eignet sich der Schasfner ja gatt- lob jenen psychologischen Weitblick an, mit dem er der cholerischen Veranlagung der Luftschcucii und Lufthungrigen, sowohl der neroenzcnnürbenden Q u e r u l a n t c n p s y ch e mit der nötigen Ruhe entgegensieht und so ihnen allen keine rechte Entfaftungs« Möglichkeit bietet: Er öffnet und schließt die Fenster genau nach Borschnft und versucht, jeder daraus entstehenden Konversation möglichst aus dem Wege zu gehen. Vom Perron aus oder im Vor» übergehen fängt«r wohl diesen oder jenen Gesprächssetzen auf, ver. hält sich aber dazu völlig passiv und schwerhörig. Ebenso verweist er die aufklärend und erzieherisch wirken wollenden Besserwisser auf die Einhaltung seiner Dienstpflicht und zieht sich im übrigen in die kühle Reserve der Neutralität zurück. Wie sollte beispielsweise ein Schaffner an einem schönen, heißen Sommer- soimtag anders seinen klaren Kopf behalten? Gibt es etwa auch nur einen Ausflügler, der, an der überfüllten Haltestelle wartend, angesichts des noch mehr überfüllten Wagens sich geduldig und schimpslos in sein Schicksal ergeben würde? Genau wie der draußen, verhalten sich die drinnen. Da wird geschimpft und gedrängelt, die schlechte Lust und der wenige Platz beanstandet: und was kann für all dies Ungemach der arme Schasfner, der sich noch dazu aal- gleich durch die dichtgedrängte Menge hindurchzuzwängen. Aus- künfie zu erteilen und allzu erregte Gemüter zu beruhigen hat? Oer Verkäufer. Zum Schluß ist es der Berkäufer, dem auch der Dienst am Kunden manchmal recht sauer wird. Di« Käuserpsyche ist wiederum ein Buch mit vielen Kapiteln: die kompliziertere ist im- streitig die weibliche. Die Käuferin ist meist nervös und daher ungeduldig, sie wird durch das Chaos der verlangten und ihr vor- gelegten Ware leicht verwirrt und weiß.zum Schluß überhaupt nicht mehr recht, was sie eigentlich will. Der Verkäufer schleppt in, Schweiße seines Angesichts immer neue Stoffballen her- an, sie zupft und zerrt, liebäugelt und besühlt immer wieder was anderes, und wenn sie dann beide, Käufer und Verkäufer, am Ende ihrer Kräfte angelangt sind, dann verschwindet die Dame mit einen, schnippischen„w c r d m i r s n o ch ü b e r l e g e n". Da hat sich der Verkäufer den Mund fusselig geredet, seine Arm- und Beinniusteln einer Höchststropaze ausgesetzt und noch nicht einmal etwas verkauft. Gottlob sind ja nicht alle von dieser Sorte, aber leider sehr viele. Zur Ehre der edlen Männlichkeit sei's verraten, daß dies« als Käufer ein weit beliebteres Objekt sind. Der Mann weiß stets im voraus, was er kaufen will, läßt sich daher auch nicht hundert andere Sachen vorlegen, wählt und wühlt nicht lang« und macht so sich und dem Verkäufer nicht unnütz das Leben schwer. Schließlich ist der Angestellte, der leider vielfach vom Publikum als dessen Untergebener betrachtet wird, genau so ein Wesen wie wir. mit Temperament, Stimmung und Launen: und es ist um so anerkennenswerter, wenn all diese Menschen im Interesi" ihrer Arbeitgeber und im Kampf um ihre Existenz ihr eigenes Ich völlig in den Hintergrund stellen. Denkt daran, und ihr werdet einsichtiger sein? Die Arbeitszeit im Ruhrbergbau Das Mehrarbeitszeitabkommen gekündigt Essen, 26. September.(Eigenbericht.) j)ic Bergarbeiterverbände haben das ZNehrarbeits;eit-Ztb- kommen, durch das sur den Untcrtage-Vetrieb eine Zlchtstunden- Schichtzeil festgelegt ist, zum 30. Aovember gekündigt. Der tief unter der Erde arbeitende Bergmann— unter T ag e— wie der sachtechnische Ausdruck lautet— hat in erster Linie Anspruch aus eine möglichst kurze Arbeitszeit. Die Arbeitszeit im Bergbau— unter Tage— ist daher aus sieben Stunden läglich beschränkt worden. -In einer Zeit, in der es an Kohlen mangelte und für die ge° samt« Wirtschast es daraus ankam, möglichst große Kohlenmengen zu fördern, ließen sich die Bergarbeiter breitschlagen, durch ein befristetes Abkommen, das sogenannte Mehrarbeitszeitabkommen, acht Stunden zu arbeiten, anstatt sieben Stunden. Dieses Abkommen sollte keinen Dauerzustand, sondern einen vor- übergehenden Ausnahmezustand herbeiführen. Seitdem aber schleppen die Bergarbeiter dieses Mehrarbeitszeit- abkommen wie einen Klotz am Bein mit sich herum. Nichts hat sich in Deutschland dauerhafter erwiesen als das Vorläufige. Die längere Arbeitszeit im Bergbau unter Tage war einmal not- wendig. Di« Bergarbeiter sahen dies ein und brachten der All- gemeinheit das Opfer des Mehrarbeitszeitabkommens. Ihre Einsicht nxirdc ihnen schlecht gelohnt. Es blieb bis jetzt bei der achtstündigen Arbeitszeit unter Tage. trotz erheblich gesteigerter Förderlei st ungen, trotz der Stillegung einer ganzen Reihe von Zechen, trotz dem Abbau von Zehnlausenden von Bergarbeitern, trotz der Unzahl von Feierschichten, trotzdem also die längere Arbeitszeit längst nicht mehr notwendig ist und nur zur Vermehrung der Arbeitslosigkeit unter den Berg- arbeitern beiträgt. Das Mehrarbeitszeitabkommcn wurde von den Unternehmern als Kompensationsobjekt in der Lohnfrag« behandelt. Die Löhne sind unverändert geblieben, das Lohnabkommen durch Schiedsspruch verlängert worden. Das Mehrarbeitszeitabkommen ist heute nicht nur über- flüssig, es ist schädlich. Schädlich für die unter allen mög- lichen Gefahren arbeitenden Bergleute, schädlich für die a r b e i t s- losen Bergarbeiter. Die Arbeitszeitverordnung besagt„salomonisch": „Im Steinkohlenbergbau gilt als regelmäßig« tägliche Arbeits- zeit die Schichtzeit: sie wird gerechnet vom Beginne der Seilfahrt bei der Einfahrt bis zum Wiederbeginne bei der Ausfahrt oder vom Eintritt des einzelnen Arbeiters in das Stollenmundloch bis zu seinem Wiederaustritt." Für Betriebspunkte mit einer Wärme von über 28 Grad E e l s i u s kann durch Tarifvertrag eine Verkürzung der Arbeitszeit vereinbart werden. Wenn eine Vereinbarung dar- über nicht zustande kommt, dann kann die zuständige Bergbehörde die Verkürzung anordnen. Immerhin steht die Arbeitszeitoerordnung der Zurückführung der Arbeitszeit im Steinkohlenbergbau auf ihr früheres Maß von sieben Stunden nicht im Wege. Im Wege steht ihr lediglich das schwerindustrielle Unternehmertum. Wenn das Schlichtungswesen seinen Sinn nicht ganz ver- kicren und zu einem besonderen Schutz der Unternehmer werden soll, anstatt zu einer gewissen Sicherung der schutzbedllrftigen Arbeiter, dann muß mit diesem längst überflüssig und schädlich gewordenen Mehroibeitszeitabkommen endlich einmal Schluß gemacht werden. Das Mehrarbeitszeitabkommcn muß einen Monat zuvor ge- kündigt und die Absicht der Kündigung 14 Tage vor dem Kündi- gungstermin bekanntgegeben werden. Der Bergbauindustriearbeiterverband, die frei- gewerkschaftliche Organisation, hat bereits am 5. September seine cJn VteldenpoSe MUIler hSU bei feiner JJusjage vor dem Slraffenal des Steichagerichis die Arme fo, tele es auf tlapoleonbildern au sehen ist Absicht der Kündigung ausgesprochen und dl« übrigen Bergarbeiter- verbände haben sich seinem Vorhaben angeschlossen. Am 13. September wurde die Absicht der Kündigung von allen Bergarbeiter- verbänden mitgeteilt und nunmehr die offizielle Kündigung des Mehrarbeitszeitabkommens zu Ende November den Unternehmern zugestellt. Fort mit dieser hinfällig gewordenen Arbeitszeitverlängerung, Wiedereinführung der siebenstündigen Schichtzeit! Lohnabbaudikiat der Kuhrherren. Llm 11 Mark 50 Pf. sollen die Wochenlöhne herunter. Weil die Berliner Metallindustriellen von ihren Arbeitern ver- langen, sie sollen„im Interesse der notleidenden Wirtschast" auf 15 Proz. ihrer Tariflöhne verzichten, glauben die Berliner Fuhr- Herren, mit demselben„Recht" von ihren Arbeitern das gleiche zu fordern. Die Berliner Metallindustriellen verlangen z. B. von den hochqualifizierten Facharbeitern, sie sollen aus etwa 8 Mark ihres tariflichen Wochenlohnes verzichten. Die Fuhrherren sind nicht so „bescheiden", sie stellen gleich eine um etwa 50 Proz. höhere Lohn- abbaufordcrung. Verhandlungen darüber Häven sie für gänzlich überflüssig. Der Lohntarif für dos Berliner Schwersuhr- gewerbe war zum 26. September sowohl von der Fuhrherrninnung als vom Gesamtverband gekündigt worden. Die Arbeiter des Schwerfuhrgewerbes verlangten eine zehnprozentige Lohn- erhöhung, während die Fuhrherren ihnen eine noch nicht präzisierte Forderung auf Herabsetzung der Löhne unterbreiteten. Den vom Gesamtverband mehrfach beantragten Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohntarifes sind die Unternehmer aus dem Wege gegangen. Gestern hat die Fuhrherrninnung der Organisation einfach telephonisch mitgeteilt, daß sie i h rc Mitglieder an- gewiesen habe, am 3. Oktober für die Lohnwoche vom 27. Sep- tember bis 3. Oktober einen im Durchschnitt um 11,50 Mark niedrigeren Lohn auszuzahlen als bisher. Tarifver- Handlungen werden von der Innung glatt abgelehnt. Der Airffassung, daß die verhältnismäßig gut organisierten Arbeiter des Berliner Schwerfuhrgewerbes ein solches Diktat kämpf- los hinnehmen werden, dürften auch die Fuhrherren nicht sein. Sie haben es offenbar auf einen Konflikt mit ihren Arbeitern angelegt in der Erwartung, daß ihnen die augenblicklich schlechte Wirtschasts- läge auch im Fuhrgewerbe ein guter Helfer sein wird. Der Gesamtoerband hat sofort den Schlichtungs- ausschuß angerufen und ihn ersucht, noch vor dem 3. Oktober einen Verhandlungstermin anzusetzen. Gelingt es dem Schlichtungs- ausschuß nicht, die Fuhrherren zur Zurücknahme ihres Lohnabbau- diktats zu bewegen, oder greift er nicht rechtzeitig ein, dann ist am Sonnabend, dem 4. Oktober, der Kampf im Berliner Schwersuhrgcwerb« im vollen Gange, den der Gesamt- verband natürlich mit ollen Kräften unterstützen wird. Di« Funk- tionäre der Branche kommen am 1. Oktober um 1914 Uhr im Sitzungssaal der Ortsverwaltung des Gesamtverbandes zu- sammen, um zur Situation Stellung zu nehmen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß sie die Mitglieder der Branche zur s ch ä r s st e n Abwehr des Unternehmervorstohes aufrufen und sich zusammen mit der Organisationsleitung an die Spitze der Abwehrbewezung stellen werden. Das Barometer im Berliner Schwerfichrgewerbe zeigt jedenfalls auf Sturm. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. freltag, 26. September. Berlin. 15.20 Deutsch« Seefischerei.(Reff.-Rat Willi rinzeL) Gemüseernte und-Überwinterung. Zeitstück außerhalb Berlins.(Dr. Burger, Frankfurt». Mj Horst Gebhard! spielt Chopin. Danach: Lautenlieder von Philipp Hafner(Einleitungsvortrag Dr. Erich Fortoer). 17.20 Jugendstunde.(Die Eiszeit.) Heinz Monzel spricht über Das neue Buch von Dcwey-Hylla:„Demokratie und Erziehung". Vortrag: Dr. Alfred Adler, Wien über den Berliner Kongreß für Indivi- dualpsychologie. Populäres Orchesterkonzert' Die Erzählung der Woche.(Stefan Großmann.) asAX 'itfirl 15.40 16.05 16.30 17.40 17.50 19.30 20.20 20.50 20.00 Wenig bekannte Meisterwerke für Orchester, Chor und Sopran, Deutschlandsender, Münchener Oktoberfest aus dem Löwenbräu. Seronttportl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: TH. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerel und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße Z. Hierzu 1 Beilage. Freitag, 26 9. Staats-Opsr Unter d. Linden A.-V. 26 19'* Uhr Boris Godunoff Ende R.Zi'lt U. staats-Oper km Platt dir RejubüL Vorst. Ht 20 Uhr Ml WW Oiffantl. Kartenverkauf Ende n. 22 � U. Freitag, 26. 9. Städt. Gpcr Bismarckstr. Turnus l 19''- Uhr Aida Ende 23 Uhr Staatl. Sciiausph. (in Cndirnunnurkt). A.-V. 23 20 Uhr Liehe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg Ende 22J.i Uhr Staati.Stfiiüer-Mer.Diarltlig. 23 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende 22'i- Uhr -S- m; Laß Blumen sprechen! und das neue Programm der HeltincBlängei im Reichshallen-Theater allabendlich 8 Uhr und Sonntag nachmittag 3�2 Uhr(nachm. zu halben Pr.) Dönll'lt- Brett; Vsrieti* Konzert• Im. »•/.uhr CASllSfl-THEATEB 8�ul" _ Lothringer Strafe 57. Nur noch bis 30. September Der selige Hollschinsky llllillllllltlllllllJIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIftlllllllllllllllllllllllllllllill Am 1. Okiober zum 1« Male Hurrah, ein Junge! Gutschein 1—« Pers. Fautenil 1.25 M-, Seisei 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75, Rang 50 Pfg. 8» Uhr.— Zentrum 2819.— Rauchen erlaubt. Beifallsstürme bei Little Esther Lachen ohne Ende bei Hans Kolischer usw. Sonnab. u. Senntags ja 2 Vorstallungen 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise. Das führende Variete voiUsbUhne Itiealer an Büloviilafr täglich 8 Uhr Die Weber v. Q. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Theater am schiithauerdamm 8'/« Uhr Feuer aus den Kesseln Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Hans Helling Denlsdtes Tüeater 8 Uhr Der Kaisar von AmariHa von Bernard Shaw TltelrolU; Werner KrauS Nie: Hai RenlnniL Theater am Sdtifibaaerdamm Tägl. 8'/- Uhr Feuer aus denKeffeln von Ernst Toller. TiL: D.I. Htrd. 0211 tu 5113 Kanunerspleie 8'/« Uhr Die Schule derFrauen von Moliire. Regie: KansDepoe. Die Komödie 8'/- Uhr Der Schwierige Lgthp. t.Hujd r Jiofmiiistiial Regie; M» Reinhardt. Bamowsky- Bohnen Theaitr In Per Sircsennuilr. Täglich 8'/« Uhr Haiguentc; Z Intspiel no Sdwiefirt Komödienhaus 8'/i Täglich 8'/« Konto X von Bereauer und Oesterreidier Lustspielbaus Dir.: Haus Upsiatz Täglich S'U Uhi meine Setiuiester und ich Musikvon Benatzky Lory Leux. Kurt ron Möllenhof. Sonnlaj>-Z und 5 Uhr Meine smwester uditn Deutsehes Rönsller-Theat. Tel Baitarossa 3931 8'/. Uhr Jim und iili Operette». Vivian Ell« Preise von IM. aufwärts Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestück Zimmer IBett Mk.7,-bist1.- 2Betten ll-biiZZr BodiMk.i- 6olon;1Qr rt�>/ »•rltn HOTELoAnhM EXCELSIOR xuteilt die JUesse über Die!Bcaut von Messina mit Jxeae Jxiesch ROSE-TKEATER Gr. Frankfurter Str. 132 Billettkaste: Alex 3422 U.34S4 Lokal-Anzeiger: Ein seltener Abend! Weh am Abend: Der Beifall tco Ute kein Ende nehmen, Der Tag: Das Haus war mit- 9 Uhr- Abendblatt t Herzlicher Beifall eines ergriffenen Publikums. Börsen-Courier: Das volle Haus moUu der Bemühung Achtung und Beifall. Volkszeitung: Das Publikum rief die Darsteller immer wieder vor den Vorhang. Nachtausgabe: Ein Ehrenabend für das Volkstheater in der Gr. Frankfurter Straße. Morgenpost: Eine Aufführung, die allen Respekt verdient. Sonnakod um 700 U.(mit Iran« Triesth) und au» 10" v. tail Grefe Hedelngj Wochentags 8 Sonntag 2», zum 25. Male. u 5« u. 9 Uhr Kassenpr. von 50 Pf. bis 3 M. (Garderobe u. 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Es gab in ganz Württemberg keinen Mißstand, für den man diesen Ratgeber des Herzogs nicht als bösen Geist des Regenten verantwortlich mochte. Das war der Mann, der neue Steuern ausheckte, Korruption züchtete, bei jeder Gelegenheit in feine große Tasche wirtschaftete. Der Herzog war tot! jetzt wollte man den landfremden Juden baumeln sehen. Josef Süß, 1685 geboren, entstammte der weitverzweigten Familie der Oppenheimer. Er sollte Rabbiner werden, hatte ober nicht die geringste Neigung dafür. Den Ghettojüngltng lockte der Glanz der Barockzeit, lockte die ferne und fremde Welt. Er strebte nach Macht! dazu ober mußte er Geld besitzen. Nach Lehr- und Wanderjahren in Wien, Prag und Amsterdam kehrte er nach Deutschland zurück, eröffnete in Frankfurt am Main und Mannheim Wechselgeschäfte und trieb einen bedeutenden Warenhandel,©eine sorgfällig geführten Geschäftsbücher zeigen, daß er mit allen möglichen Dingen handelte. Er verkaufte Matratzen, Degen, Kaffeeschalen, Strümpfe, Juwelen. Er verlieh Geld an Großkaufleute, Staats- beamte, Aerzte und Offiziere. Durch fein weltmännisches, elegantes Auftreten, durch die Macht feines ständig wachsenden Bennögens knüpfte er überall wertvolle Beziehungen an. 1732 trat Süß, der inzwischen Privatbankier des Landgrafen von Hesien-Dannstadt geworden war, mit dem kaiserlichen Generalseldmarschall und General- gouverneur von Serbien. Prinz Karl Alexander von Württem- berg, in Verbindung. Der Prinz, den die württembergischen Land- stände sehr kurz hielten, brauchte Geld, seine Gemahlin, Maria Augusta von Thurn und Taxis, ebenso. Süß streckte vor, wurde zum Hof-, Kriegsfoktor und Schatullenverwalter ernannt und zum Agenten der Prinzessin. Nun reist er im Auftrage seiner Gebieter überall umher. Er vermittelt Nachrichten, er liefert Munition und Getreide. Er ist immer unterwegs, innner in Unruhe. Er hört tausend Geheimnisse und weiß sie wohl zu wahren. Mehrung der Fürstenmacht Am 31. Oktober 1733 stirbt Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg. Prinz Karl Alexander, der„Achill", der„neue Sieg- fried", Sieger in hundert Schlachten, wird Nachfolger. Wie jeder Landesvater verspricht er beim Regierungsantritt Reformen, Frei- heiten. In Wirklichkeit aber wollte er die Verfassung de- fettigen, wollte er in diesem stockprotestantischen Lande den Katholizismus gleichberechtigt machen. Dazu brauchte er vor allem ein starkes, stehendes Heer. Das kostet Geld. Süß-Oppenheimer wurde wenige Wochen nach Alexanders Regierungsantritt zum herzoglichen Residenten ernannt. Im Juli übertrug man ihm die Münze, der Herzog sowohl wie sein Münzdirektor machten ein glänzendes Geschäft. Süß wurde des Herzogs Ratgeber in allen Dingen, wollte in Württemberg den harten Polizei- und Machtstaat des„aufgeklärten Absolutismus" errichten. Süß gründete das Konferenzministerium, um die alten Minister zu beseitigen, er ver- staatlichte die Steuern und die Akzise, er befestigte durch Monopole die fürstliche Macht. Das Volk wurde durch neue Steuern auf die gemeinste Art und Weise ausgeplündert. Der Raum fehlt uns, alle die Raubzüge auszuzählen, die der Herzog gegen sein Volk unter- nahm. Der Zorn des Landes ober richtete sich weniger gegen den Regenten als gegen Süß-Oppenheimer. Und der Herzog war klug genug, in allen Dingen den Juden vorzuschieben. Während das Volk darbte, führte Süß ein luxuriöses Leben. Sein Außeres hatte keine semitischen Rasseinerkmale, er sah aus wie der Sproß einer alten Adelsfamilie. Er war der verschwende- rijchste Gastgeber, ober auch der nüchternste und sparsamste Rechner, der pedantischste und genauest« Kontrolleur seiner Ausgaben und Verdienste. Er verschenkte Brillanten und Perlen an seine Geliebte, aber er verzeichne'« auch genau sein Soll und Haben Tag für Tag. Der Adel haßte und verachtete den landfremden Juden, der nach dem Herzog der Mächtigste im Staate war. Man haßte und verachtete ihn und war dennoch glücklich, eine Einladung zum Diner von ihm zu erhalten. Wenn sich Frauen dem Residenten gefällig erzeigten, konnten sie stets auf feine Protektion rechnen. Im Anfang 1737 trat eine Entfremdung zwischen dem Herzog und seinem Schatttllenoerwalter ein. Karl Alexander, der den ent- scheidenden Schlag gegen die Landftände führen wollte, geriet stark unter den Einfluß seiner militärischen ud klerikalen Ratgeber. Süß- Oppenheimer fühlie, daß sein Stern im Sinken war. Obgleich ihm der Herzog für alle seine Dienste Entlastung erteilt hatte, traute der Hosjude dem Frieden nicht mehr. Er setzte daher die Land- stände von dem drohenden Staatsstreich in Kenntnis. Alles war vorbereitet, die Truppen lagen in Bereitschaft— da raffte ein Schlaganfall den Herzog hinweg. In der gleichen Nacht wurde Süß-Oppenheimer verhaftet. Der Prozeß Nun folgte Schlag auf Schlag. Das Testament des Herzogs wurde für ungültig erklärt. Die beim Herzog in Ungnade ge- fallenen Beamten kehrten auf ihre Posten zurück und hatten selbst- verständlich das Bedürfnis, sich zu rächen. Dos Vermögen des Süß. Oppenheimer wurde beschlagnahmt, jeder der dienstlich oder außer- dienstlich mit ihm in Verbmdung gestanden hatte, wurde einem eingehenden Verhör unterzogen. Am 2«. März fand aus dem Hohenneusfen die erste provisorische Vernehmung statt. Süß's Verteidigung beschränkte sich auf die Behauptung, daß er stets nur auf Befehl des Herzogs gehandelt und die Verantwortung für die amtlichen Maßnahmen nicht zu trogen habe, außerdem fei er durch das herzogliche Abfolutorium geschützt. Er glaubte nicht daran, daß man die Anklage wegen Hochverrats, Münzvergehens und Derfasjungssturzes aufrechterhalten werde. Er war sich über das Verhängnisvolle seiner Lage gar nicht im klaren. Erst als man il>n nach den Hohenasperg brachte, als man ihn dort Unmensch- lich behandelte und folterte, als er sah, daß alle Leute, tzf« die Untersuchung führten. s haben Abitur! der eingeprägte Stoff nicht zu verwenden ist. Beweisen läßt sich dos schwer, aber möglich ist es schon, daß Abiturienten, die mit der An- eignung des Wissensstoffes viel Schwierigkeiten hatten, behindert sind, sich nun ihr berufliches Fachwissen in allen Einzelheiten anzueignen. Sozial sind die Nachteile des übertriebenen Berechttgungswesens ebenfalls groß. Bis zum 18. und 19. Jahre fällt der Berufskandidot, soll er Abitur machen, seinem Vater zur Last, und die Lehrzeit im Beruf verursacht meistenteils abermals Kosten. Das ist furchtbar, das ist unerträglich in einer Epoche, die so mit Wirtschastsforgen geladen ist wie unsere Gegenwart. Dann ober entsteht eine weitere Krisensituation. Der Sohn oder die Tochter stehen kurz vor dem Abitur und sie haben gute Aus- sichten, das Reifezeugnis zu erhalten, Ihre Eltern haben sie so lange durchgehalten, weil sie für die ursprünglich gewählten Berufe er- folgreich abgeschlossenes Studium einer höheren Schule brauchen. Nun sehen sie, wie ihre Mitschüler sich anschicken, zur Universität zu gehen und Mediziner, Juristen usw. zu werden. Sie merken aus dutzenden Momenten und bei Hunderten Gelegenheiten, wie hoch die „Gesellschaft" die Berufsausübung eines staatlich geprüften und mit Titeln geschmückten Akademikers bewertet, sie merken, welcher Ab- stand in der öffentlichen Schätzung zwischen Leuten mit„bloßen" Abiturientenzeugnis und Personen mit akademischer„Vollbildung" liegt. Fängt der Mensch neuzeitlichen Datums beim Abiturienten an, so scheint der höhere Mensch erst beim Träger eines von Universität oder Technischer Hochschule verliehenen Titels zu be- ginnen. Diesen Suggestionen kann so leicht kein Jüngling, kein Mädchen wiederstehen und die Eltern sind gewöhnlich auch nickst die Unmenschen, um ihren Kindern Berufswllnsche zu versagen. Den Sohn, die Tochter unter die„höhere" Gesellschaft einmal eingereiht zu wissen, welchem Tater, welcher Mutter wäre das gleichgültig? So entsteht ein Ansturm auf die Universitäten von Leuten, die ihnen ursprünglich fernbleiben wollten. Ohnedies waren Universitäten und technische Hochschulen schon überfüllt, seit Iahren haben die Fakul- täten durch das Kultusministerium vor der Ergreifung ihrer Spezial- studien gewarnt. Umsonst. Der Massenandrang verstärkte sich, wir haben seit längerem den Unsegen einer zahlreichen Studentenschaft in unterproletarischen Verhältnissen und jenseits des akademischen Studiums eine Schicht von Gelehrten aller Fakultäten, die nicht leben und nicht sterben kann und immer auf bessere Tage hofft. Sozial hat sich das übertriebene Berechtigungswefen also höchst nachteilig ausgewirkt. Or. B. Altmann. Goldsuche in Australien Wie aus Adelaide in Australien berichtet wird, marschieren im Auftrag und mit Unterstützting der australischen Regierung seit kurzer Zeit zwet Expeditionen vor ins innere Australien, um nach einer Höhle zu suchen, die den Ausgangspunkt zu ausgedehnten Goldfeldern bilden soll. Die eine dieser Expeditionen ist von Sydney aufgebrochen und wird von Flugzeugen begleitet, die reich- lich Wasser und Nahrungsmittel mitführen, um, falls die Goldsucher sich zu weit in den australischen Busch verlieren sollten, den Bedarf abwerfen zu können: die andere, mit Vorräten für 12 Monate ver- sehen, hat von Adelaide aus die mühsame Reise angetreten. Das Gerücht von dieser 5)öhlc, die in der Südwestecke von Nordauftralien, etwa 259 bis 399 Meilen von den Alicequellen liegen soll, geht auf den Bericht eines Forschers Carle zurück, der vor 39 Jahren von dort zurückkehrte und einen Quarzklumpen mitbrachte, der von Goldadern reich durchzogen war. Schon dreimal find seitdem Ex- peditionen auf der Suche nach jener Höhle gewesen, manche brach- ten auch Ouarzklumpen mit. aber ohne Gold. Die Schwierigkeiten des Suchens werden nicht nur dadurch erhöht, daß die Zeichnung Earles von der Lage dieser Höhle viel zu oberflächlich ist, als daß sie einen sicheren Anhaltspunkt bieten könnte, sondern auch durch die Abneigung der Eingeborenen, denen die Höhle genau bekannt ist, den Forschern zu helfen. Sie fürchten nämlich, daß bei der ungeheuren Trockenheit, unter der jene Gegenden oft Jahre hin- durch zu leiden haben, solche Expeditionen mit ihren Mauttieren und Kamelen den geringen Wasservorrat aufzehren könnten. Der beste Kenner Jnneraiistraliens, Dr. Basedow, der 1926 an einer solchen Expedition teilnahm, ist von dem Goldvorkommen in diesem Teile Australiens überzeugt, aber auch ebenso überzeugt, daß ohne die Beihilfe der Eingeborenen die Höhle kaum jemals gesund-" werden dürfte. Copyrlsht 19JO by rickelreiter-Verlat G. m. b. H., Hamburg-Bersedorf (34. Fortsetzung.) Ich denke an den Schwur, den wir in Berlin nach Langers Tod vor dem Gewehrftander unserer Korporalschast mit einem 5iandschlag bekräftigten... wir wollten doch Rache nehmen... wir wollten unseren Kameraden rächen... hat es etwas mit dieser Frage zu tun? „Mein Vater ist Arbeiter, Karl— er arbeitet aus der Werft von Alohm u. Voh in Hamburg." Da neigt Kilb sich ganz zu meinem Ohr hin und flüstert:„So so— hm— Arbeiter halt' es mir immer so gedacht... Na, dann is' gut.— Dann werde ich dir mal was zeigen, wenn wir Zeit haben. In meinem Tornister Hab« ich so allerhand, was dich interessieren wird, und woraus du vor allem lernen kannst. Die Hefte, die du vorhin meintest, sind auch dabei... Sag' mir mal Bescheid, wenn Gelegenheit ist.. Er überströmt mich mit Zärtlichkeit, die sich in seiner Stimme, in dem Blick, in dem leisen Druck feiner 5?and, die plötzlich die mein« berührt,— ausdrückt. Er ist mir mit einem Male noch näher als sonst gerückt. Ich werde mir plötzlich darüber Nor, was dieser Kamerad überhaupt für uns bedeutet, nicht nur für mich,— für die ganze Kompagnie. Immer ist er der wahrhaft helfende Kamerad, immer schützt cr Angefallene oor ihren Peinigern, er ist die strasende, ausgleichend« Gerechtigkeit in der tobenden Flut der Niederträchtig- keilen und Leiden... er ist In Wahrheit der Tapferste der jünftcn Kompagnie. Und jetzt, in diesem Augenblick, suhlte ich sein Wesen ganz in mich hineinströmen, als er mich fragt«:„Was ist dein Vater?", und ich ihm sagte, daß mein Dater Arbeiter ist.— Wir sind unlöslich miteinander verbunden nach diesen Worten, das fühle ich. Es ist da» Blut unserer Klasse, das uns zu Brüdern macht,-- »ir sind Blutsbrüder... Dann endlich zählen wir ab. Unsere Stimmen sind rauh und fremd.— Wir sollen nach Berlin marschier«»!--- Es ist ein furchtbarer Marsch. Wir rutschen dauernd auf der mit Glatteis bedeckten Chaussee aus. Mancher fällt klatschend und fluchend hin. Wir sollen singen und niemand singt. Wir werden zurückgejagt, ab«r wir lachen darüber und machen nur einige langsame Schritte rückwärts, um dann wieder umzudrehen und weiter zu marschieren. Es wird nicht gewagt, den Beseht zum Singen zu wiederholen. Vielleicht hat man uns schon von der Liste der Lebenden gestrichen, weil wir in«inigen Tagen an die Front abgehen. Man behandelt uns wie Delinquenten... In der Nähe von Spandau, einige Kilometer vor der Stadt, wird auf der kalten Landstraße Rast gemacht. Wir stehen vor den Gewehrpyramiden, die bei der Glätte dauernd auseinanderfallen, und schlagen uns die Arm« um die Rippen... Der Bursche des Leutnants, unseres Döberitzer Kampagnie- sührers, der uns zurückbringt, führt das Pferd am Zügel herum. Plötzlich fängt es an zu springen, es sieht aus, als wolle es durch- brennen. Da sehe ich Kilb auf den Gaul zuspringen. Alles geht schnell und sachlich. Er nimmt dem Burschen das Pferd aus der Hand, wird einig« Male auf der glatten Straße hin- und her- geworfen, und fängt es schließlich mit der Kraft seiner geübten Kutscherarm« auf. Der Leutnant, der schweigend zwischen den Gruppen der Kam- pagni« hin- und herging—«r ist nicht viel älter als wir und wir haben nicht» weiter als die notwendigen Kommando« von ihm ge- hört— hat den Vorgang gesehen und geht auf Kilb zu, der dem völlig verdutzten Burschen das Pferd zurückgibt. Er will Kilb etwas jagen, er öffnet schon den Mimd,— aber Kilb dreht sich schnell um und ist, ehe der Leutnant sprechen kann, wieder bei uns. Aber der Leutnant Hagar— er ist«in Student der Altertumsforschung, wie wir von seinem Burschen gehört haben,— kommt nach und steht jetzt vor uns. Wir nehmen Haltung an. „Wie heißen Sie, Grenadier?", fragt er und sieht Kilb leutselig an. Kilb jagt feinen Namen und zieht unwillig die Stirn in Falten. Der Leutnant macht eine Bewegung mit der Hand zu uns hin: „Rühren, rühren.. und zu Kilb wieder geweiidet:„Sagen Sie'mal, wollen Sie mein Bursche werden? Ich sehe, Sie ver- stehen, mit Pferden umzugehen." Kilb sieht an ihm vorbei, der Leutnant kommt noch einen Schritt näher.„Nein, Herr Leutnant", preßt Kilb dann heraus,„Ich habe kein Talent dazu."„Soso", fährt der Leutnant fort und legt Kilb sogar die Hand auf die Schult«r.„Sie sind ja ein eigenartiger Mensch. Warum sehen Sie mich denn so böse an?" Eigentlich sieht er ganz vernünftig aus, denke ich. Mb schweigt. „Wollen Sie mir nicht sagen, warum Sie mich so böse ansehen, Grenadier Kilb? Habe ich Ihnen etwas getan?" Ter Leutnant versucht, Kilb in die abgewandten Augen zu sehen. Da strafft sich die Gestalt unseres Kameraden, und er wirst dem Leutnant di« Worte entgegen:„Nein! Gegen Sie habe ich gar nichts. Ich weiß, daß Sie ein guter Vorgesetzter sind..." Er zeigt auf mich und seine Stimm« wird lauter: ,-Ich habe gesehen und gehört, wie Sie den Unteroffizier auf dem Rühbruch in Döberitz angesahren haben, als der meinen Kameraden halbtot geschunden halte." Der Leutnant sieht nachdenklich noch ob«n und nickt dann. „Das war sehr anständig von Ihnen! Zlber was geschieht alles, wenn Si« nicht da sind! Davon haben Sie kein« Ahnung! Nein, Si« sind noch etwa» menschlich gegen uns, aber..."---„Na, was aber?.. d«r Leutnant klopft Kilb wieder auf die Schulter, „sind Sie denn nicht gerne Soldat?"... Kilbs Nasenspitze wird wieder weiß, es ist das bedrohlich« Zeichen...:„Nein!", zischt«r heraus,„in dieser Arnwc nicht, in der ssd«r Schweinehund uns wi« das Vieh behandeln kann für nichts und wieder nichts... der Teufel soll die ganze Sippschaft holen!"... Das Gesicht des Leutnants oerdunkelt sich, er weiß anscheinend aus dieser ungeheuerlichen Situation nichts zu machen. Er sah groß- zügig darüber hinweg, daß Kilb ihn nicht wie vorgeschrieben in der dritten Person anredete, dos ist schon allerhond. Er stotterte noch einige Worte heraus: wie kommt«r mir klein und schwach gegen unseren Mb vor:„Wer— wer gehört denn zum Beispiel zu diesen Schweinehunden«,, Und dann stößt Kilb zwei Namen heroor, die uns wieder an die Stätten erinnern, die für uns die Jnbegrisfe aller Leiden und Gemeinheiten sind:„Zum Beispiel? Zum Beispiel— wollen Sie wissen, Herr Leutnant? Sie sollen es wissen, weil Sie danach fragen: Fcldwebelleutnant Schwarzbach und der Sergeant Schön- selb! Das sind die größten Schweinehunde der preußischen Armee!" Wir sind viel gewohnt, aber jeder denkt jetzt an das Schlimmste. Wir wissen längst, daß man uns kurz vor dem Ausrücken etwas mehr Freiheit läßt; es ist wie«in geheimer Befehl, wie eine leise Scheu vor dem Tode, dem wir cntgegenmarschicren sollen,— aber nach diesen Worten bilden sich Gruppen um die beiden, schüchtern nur,— getrieben von dem Gedanken: Was wird Kilb jetzt ge- schehen?... Das ist doch nicht möglich! Wenn das einer noch vor einigen Wochen gesagt hätte... Aber Kilb geschieht wieder nichts,— wie ihm nie etwas ge- schehen ist. Es ist unbegreiflich, daß er überhaupt noch unter uns ist... Der Leutnant sieht Kitb mit einem unenträtselbaren Blick an. Ich gäbe etwas darum, wenn ich fein« Gedanken erfahren könnte. Er.zuckt die Schultern, er weiß nicht, was er sagen soll... er ist schließlich auch erst höchstens zwanzig Jahr« alt.--- Dann geht cr, noch einmal die Achseln zuckend, zu seinem Pferd zurück... In Plätzenfe« holt uns die Regimentsmusik ob, und wir wanken nach stundenlangem Marsch halbtot und fast verhungert in die Stadt des„obersten Kriegsherrn" hinein. Nachmittags gibt es eine Suppe, in der große Stücks dreckiger Steckrüben und langgejchnittene grüne Gurken schwimmen.--- D i e Besichtigung. Das große, schwere Pferd des Generals stampft vor unserer Front auf und ab. Ab und zu wiehert es vor Uebermut. Es ist kraftstrotzend; wenn es uns das Hinterteil zuwendet, sehen wir seine ganze Fülle und Massigkeit. Der Schweif hängt braun und schwer herunter; unten an den Füßen sind Büschel schwarzer Haare. Einmal, bei einer scharsen Wendung, bäumt es sich, wiehert wieder laut über das Feld hin, und ich sehe die Augen hervortreten, als es den gedrungenen Kopf schüttelt. Es hat den Bauch voll von gutem Hafer,— das Pferd des Generals merkt nicht die ungeheure Not des Krieges, unter deren Hungerqualen täglich Tausende von Menschen und Tieren zusammenbrechen. Ich habe Pferde in den Straßen Berlins gesehen, denen standen die Knochen heraus, als wollten sie im nächsten Augenblick den Leib durchstoßen. Si« wieherten nicht; ihre armen, zerschlagenen Köpfe hingen fast in Kniehöhe. Sie mußten schwer« Lasten ziehen und die Kutscher schlugen unbarmherzig auf sie«in. Aber dieses Pferd hier trägt ein« kostbar« Last, darum wird es mit dem besten, goldgelben Haser gefüttert: auf ihm sitzt der Herr General!!> i Der Herr General ist ebenfalls mafsig und schwer. Der Kopf ist vierkantig und rotglänzend. Die Uniform, prächtig mit Orden und Schnüren geziert, sitzt prall über dem Leib. Dos Lederzeug. ist spiegelblank und tiefschwarz. Der Herr General trägt«inen Helm mit einer goldenen Spitze; fein Rumpf ist von unten bis oben wie ein neuer, prachtvoller Kirchturm. Er trägt silbern« Sporen an den langen, glänzenden Reitstiefeln und hat eine dünn«, lange, gelbe Peitsche in der.Hand, die so gar nicht zu der wuchtigen Erscheinung passen will. Aber nie schlägt er das Pferd mit der Peitsche; er weiß, das Pferd ist ein Generalspfcrd: es ist aristokratisch, es ist ihm verwandt,— man schlägt es nicht! Di« Peitsche jaust nur manchmal kurz und schneidend durch die Luft, als schlag« si« un- sichtbare Feinde. Und manchmal habe ich das Gefühl, als schlage er uns damit. Der Herr General lächelt dauernd, und niemand weiß, weshalb. Es ist kein frohes, menfchliches Lächeln,— es ist das Lächeln der brutalen Macht, der unerschütterlichen Ucberlegenheit gegenüber diesen kleinen, verängstigten, zusammengetriebenen Rekrutentcibern. die cr mit einem Befehl dorthin jagen kann, wohin das System sie haben will. Der Herr General ist das System. Schneidend wie der Pfiff feiner Peitsche sind seine Kommandos,— als jage sie eine teuflische, übernatürliche Macht aus dem klumpigen Leibe heraus. Jetzt steift das Pferd einen Augenblick still, ganz still... Nicht einmal der Schweis bewegt sich. Bor uns find Pferd und General wie ein riesenhaftes Denkmal aufgebaut. Das weit« Feld ist toten- ruhig,— wir hären nur einen leisen Wind, der über unseren Helmen dahinzieht, als wolle er uns mahnen, daß es noch etwas anderes gibt als dieses Denkmal,-- er mahnt uns an Berg« und Meere, Wälder und Wiesen, er mahnt uns an stille, friedliche Dörfer, durch die der Duft blühender Linden zieht, er mahnt uns an Bäume- rauschen und Meeresbrausen, an jubilierende Vögel hoch im Blau des sonnigen Himmels---(Fortsetzung folgt.) eBuch 3>aul iPopenoe: Steg.Kindes f rbfchaH Aus dem Amerikanischen übersetzt von Dr. med. et jur. Felix Tietze. Deutsche Lcrlagsanstatt Stuttgart, Berlin und Leipzig 1930. Verfasier versucht in das schwierige Gebiet der Vererbungslehre auf amerikanische Weis« gemeinverständlich einzuführen: Alles soll einfach sein oder einfach gemacht werden, und die Darstellung ist auch einfach, trotzdem aber nicht immer klar und höchst unübersichl- lich. Deshalb gelingt es Popenae auch nicht, in di« Verwirrung auf diesem Gebiet Klarheit hineinzubringen. Zwar ist es richtig, daß die Vererbungslehre«in« statistische Wissenschaft ist, aber sie hängt dach mit einer ganzen Reihe nicht- statistischer Probleme sehr eng zusammen. Im Hindergrunde dieses Buches zeigt sich aber bisweilen ein« reichlich naive psychviechnischc Einstellung. Zweifellos verfügt P. über ein großes Spezial wissen, er bleibt jedoch einseitig, und es hätte nichts geschadet, wcnn er sich mit Psychologie und Soziologie eingehender beschäftigt hätle. Immerhin sind die eigentlich vererbungswissenschastlichen Aus- führungen nicht direkt falsch, und„Professor" Günther könnt« zum Beispiel davon lernen, daß die Juden keine Rasse sind, sondern „eine sozial-religiöse Gruppe, die aus verschiedenen Rassen zu- sammengesetzt ist". Aus dem einseitigen Standpunkt, den der Verfaffer einnimmt, ergibt sich bisweilen ein« maßlose Ueberschätzung des Dererbungs- saktvrs und Unterschätzung der sozialen und Erziehungseinslüsse. Außerdem existiert für P. nichts, was man nicht zählen, messen und wägen kann. Daher hält er es auch für einen„weitverbreiteten Abevglauben, daß di« äußere Erscheinung ewes Menschen einen Schlüssel zu seinen geistigen Eigenschaften und Fähigkeiten bildet". Und an anderer Stelle bestreitet er den Einfluß der Stimmung auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit. Sein«„Beweise" für der» artige Behauptungen stützt er auf die bekanntermaßen äußerst an- fechtbaren Jntelligenzprüsungen. Auch im übrigen wimmelt es van Oberflächlichkeiten. Sa lesen wir zum Beispiel:„Die Schauer eines Weltkrieges vermindern di« Anzahl van Geisteskrankheiten und Selbstmorden, anstatt sie zu vermehren; Krieg wirkt als ein Stär- kungsmittel, indem es die Aufmerksamkeit des einzelnen von sich selbst abzieht(!)." Das Beste an dem Buch sind nach die Jllustra» tionen, die für sich allein ein recht lehrreiches Bilderbuch darstellen. Solange Lindsey von den Amerikanern verfolgt wird und Popenoe für sie«ine wissenschaftliche Kanone ist, können wir Amerika kulturpolitisch nicht ernst nehmen. Ev,!d Böhm. WAS DER TAG BRINGT ■UHiiiniiiiniiiiiiirauuiiiuimimiittiinmmiinimtimimniiwiimitnnnmiiarainiuminiiiiBmiiniinnninmuimnnnRnuiiiuiimiiiiraniiiuiiuiiiiiiiiiuuüiiuumiiuuimimiuiuir Deutscher Kinderballon— eine Gefahr für Polen In der Näh« von Kfelce wurde ein grünweißer Ballon aufgefunden, der dort niedergegangen war. Die polnisch« Press« mißt diesem„geheimnisvollen" Fund große Bedeutung bei. Wie festgestellt wurde, trägt der Ballon di« Aufschrift„F e r i e n t a g" und stammt aus Kassel. Im Zusammenhang damit�reden polnisch« Blätter von einem Probeballon, der in Deutschland los» gelassen worden sei, um festzustellen, welche Strecke«in derartiger Ballon zu Kriegszeiten überstiegen könnte! Eine unmögliche Feststellung Bor einem Wiener Bezirksgericht hatte ein 71jährig«r Schlosser- Meister«inen Baumeister aus Beleidigung verklagt, weil ihn dieser einen alten Trottel geschimpft hatte. Aus die Frage des Richter», ob ein Vergleich möglich fei, erwidert« unser Schlossermeister:„Mi tiiteressiert überhaupt nur, ob i wirkli a alter Trottel bin. Ob der Herr Baumeister gestraft wird, is mir egal." Unter großer Heiterkeit des Gerichtes nahm cr dann, als der Richter ihm be- deutete, daß sich dies gcrichtlicherseits nicht feststellen lassen könne, die Klag« zurück. „Kreuzzug" nach Australien In Erinnerung an die vor 300 Iahren, im Sommer 1630, er- folgte Uebcrfahrt der ersten englischen Ansiedler nach Nordamerika, der sogenannten„Pilgerväter", hat jetzt in England eine Bewegung begonnen, um eine ähnliche„Pilgerfahrt" zur Besiedlung Nord- australiens ins Werk zu setzen. An der Spitze dieser Bewegung steht Henry Füller Morris, einst Bürgermeister der ärmlichen Lon» doner Dorstadt Bermandsey, der nach dem Vorbilde der Erschließung Nordamerikas nunmehr die weiten und menschenleeren Gebiete Nordaustraliens erschließen lassen will. Zu diesem Zweck sollen in den unendlichen Sandwüsten, aus denen der größte Test dieses Erd- teil» heute nach besteht, Farmen angelegt werden, Aufforstungen stattfinden und neben Pferde-, Vieh- und Geflügelzucht besonder» Ackerbau und Bergbau gepflegt werden. Morris verhehlt den An» jiedlern, die sich bereit, in großer Zahl gemeldet haben, dabei nicht, daß sie bei allen ihren Arbeiten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben würden, doch seien diese Schwierigkeiten leicht zu überwinden, wenn sie ihre Fahrt»och Australien, wie einst ihre Vorväter die Fahrt nach Amerika, als„Kreuzzug" auffaßten. Die Hauptgefahr der jetzt zu erschließenden Ssbiete, die nach der Ansicht aller Australienkcnner unendliche Bodenschätze besitzen, bestehen in der für Europäer so sehr schädlichen Tropentemperatur, aber Morris glaubt diese Befürchtungen durch den Hinweis auf die Kolonisierung Afrikas widerlegen zu können, wo die Weißen sich trotz ähnlich ge- lagerter Verhältnisse vollkommen eingelebt und dem Klima angepaßt hätten. Eine entsetzliche Mahnung In Teterow soll eine Autobus-Ringlinie ins Leben gerufen werden. Bei der Versammlung der Interessenten prägte einer der Herren folgenden Satz:„Das wichtigste der heutigen Versammlung aber muß doch sein, sich darüber einig zu werden, ob das Unter- nehmen gewünscht wird oder nicht. Das wichtigste der Linie aber muß sein, daß sie zum und vom Bahnhof geführt wird. Sonst geht es ihr wie jenem Kind, von dem einmal in Teterow behauptet wurde, daß es totgeboren sei, aber nicht leben und sterben könne und sich im Sande zu verlaufen drohe. Das Geheimnis des Magnetismus Wir wissen, was«in Magnet ist, der Techniker versteht es auch, ihn für feine Zweck« auszunutzen. Der Magnetismus soll nach neueren Forschungen dadurch zustand«komm«n, daß sich im Eisen winzig« Körperchen, die Elektronen, mit großer Geschwindigkeit um ihre Achse drehen. In dem Raum, in dem diese Untersuchungen an- gestellt worden sind, befand sich keinerlei Metall, das einen Magneten irgendwie hätte b««instusscn tonnen. Es wurde auch festgestellt, daß man Eise» durch Bestrahlung mit Licht magnetisch machen kann. wobei dieses offenbar di« Elektronen zwingt, sich rasch um sich selbst zu dr«hen. Eine Schreibmaschine mit tausend Tasten 3n Hartford in Englond stellt eine Schreibmaschinenfabril Spezialmaschinen fiir Japan her. Erst nach fünfjähriger Arbeit ist die brauchbare Konstruktion gelung«n. Die Beherrschung der Maschine setzt eine vierjährige Lehrzeit voraus, jedoch kann man bereits nach dreimonatigem Lernen eine gewisse Ge- schwindigkeit erreichen. Mit vier Umschaltungen und tausend Tasten(!?) können 4000 Wortbiwer geschrieben werden. Jener Teilhaber, dessen Gedanken und Empfindungen Max Barthel hier bedichtct, ist ein Schemen: wenn auch ein Typ der Zeit, Hot«r doch leine irdische Gestalt, weder In Berlin noch anderswo. Das für solche, die einen Teilhader kennen und etwa gar parmuten� bm je! zeiinemt. -'�ffyyrtundoJfiLel Lauf doch nicht immer nackt herum!" Eine Abfuhr der Sittlichkeitssdinüff ler Die„Arbeiter-Turnzeitung", das Hauptorgan des Zlrbeiter-Turn- und Sportbundes, bringt zwei- bis dreimal im Jahre in ihrer bildlichen Ausstattung auch N a ck t b i l d e r. Das be- sonders in der heißen Jahreszeit, wo alles stöhnt: Man möchte am liebsten nackend herumlausen! Da nimmt sie die Gelegenheit wahr, daran zu erinnern, daß es Arbeitersportler gibt, die ihren Körper von Lust und Sonn« srei umspült, auch schön zu gestalten wissen. Gewiß ist das«ine Angelegenheit von Menschen, die auf Nacktkultur eingestellt sind, sie von besonderen Gesichtspunkten aus betrachten und bewerten, vieles dabei zu beachten habe und mit abfälligen Be- urteilungen rechnen müssen. Warum ihrer also nicht Erwähnung tun? Wie bei allen ande- ren Dingen spricht auch hier das Bild die deutlichste Sprach«. Darum die Bilder in der„ATZ.", und wer die Körperkultur an- erkennt, muß ja wohl auch den Körper anerkennen. Das ist der eine Zweck. Der andere ist erzieherischer Art. Wer viel Nacktheit schaut, gewöhnt sich an sie als etwas Selbstverständliches, eignet sich die Aufassung an, daß Nacktheit in der Körperkultur Unbefangenheit und Reinheit bedeutet. Bon diesem Gesichtspunkt habe» sich auch einige Arbeitersportler in Ettlingen leiten lassen und sie hingen eine Nacktbildseite der„ATZ." Nr. 12 in ihrem Bereinskasten aus. Dos kaiholische Pfarramt nahm daran Anstoß und veranlaßte die Einleitung eines Strafverfahrens wegen— Sittlichkeitsvergehens. Aber der Wunsch mißlang, wie nachstehendes Schreiben der Staats- anwaltfchaft zeigt: Badischc Staatsanwaltschaft. Karlsruhe, den 13. August 1930. Abteilung 3a— 3 SA 2730/30. Anzeige gegen Franz Geiser und Gen. von Freiburg, wohnhast in Ettlingen, wegen Sittlichkeitsvergehens. Das auf der Anzeig« des katholischen Pfarramtes Ettlingen gegen die Beschuldigten wegen eines angeblichen Vergehens gegen § 184 Ziff. 1 RStGB. eingeleitete Strafverfahren wird mangels einer strafbaren Handlung eingestellt. Es handelt sich bei den mit der Anzeig« beanstandeten Ab- bildungen mehrerer nackten Frauengestalten nicht um un- züchtige Abbildungen oder Darstellungen im Sinne des § 184 RStGB., da nach der ständigen Rechtsprechung der Ober- gerichte, die Darstellung des nackten Körpers— für sich selbst, wenn dabei der Geschlechtsteil sichtbar wird— was übrigens bei den beanstandeten Bildern in keinem Falle zutrifft— noch nicht unzüchtig ist,„wobei insbesondere auch der Umstand, daß die Ab- bildung nackter Körper, zumal des Geschlechtsteils, bei gewissen Beschauern einen gewissen Reiz ausüben kann, namentlich auf die in der Geschlechtsentwicklung begriffenen Jugendlichen, das Bild nicht zu einem unzüchtigen macht, sofern nicht eben der dargestellte Lebensvorganq selbst auf geschlechtliche Beziehungen abzielt". Turn- und-Sportbundes soll am 26. Oktober in Erkner stattfinden. Eine ideale Laufstrecke wird allen Läusern Befriedigung bringen. An Strecken sind vorgesehen: Für Männer 5000-Meter- Einzellauf, 3000-Meter-Lauf mit Mannschaftswertung und San- derwertung für Turner, Schwimmer und andere Sparten. Die Sprinter gehen über 2000 Meter, über dieselbe Strecke gehen die älteren Sportler über 30 Jahre. Eine Neuerung soll versucht wer- den mit dem Laufen geschlossener Spielermannschaften über die gleiche Strecke. Hierbei sollen Handball-, Hockey- und Fußball- spielcr den Beweis erbringen, daß sie nilt Erfolg auch Ergän- zungssport pflegen. Die ältere Jugend geht über 2000, die jüngere über 1300 Meter, die Frauen sollen 1000 Meter absolvieren. Es wird mit einer Massenbeteiligung aller Bezirksvereine, besonders auch beim Propagandalauf, gerechnet. Meldungen zur Teilnahme gchrn bis zum 19. Oktober an den Bczirkssportwart Franz Heller. "ARBEiTEHTUSSBALL Spiele am 28. September. In der K r c is kl a s s e treffen sich am Sonntag Woltersdorf und Brandenburg in Woltersdorf bei Luckenwalde. Hertha 11 trifft auf Luckenwalde II, Trebbin auf Luckenwalde III. Im 1. Be- z i r k streiten um den dritten und vierten Platz Oberspre« und Eiche- Köpenick? das Spiel der Mannschaften findet auf dem Sportplatz in der Wuhlheide in Oberschöneweide statt. Union 28 und Minerva treffen sich im Bolkspark Tempelhof. Das Haupttreffen im 2. B e. z i r k findet Zwischen Eintracht und Saxonia statt(Sportplätze in der Reinickendorfer Straße). In Rathenow fällt die Entscheidung über die Führung im 3. Bezirk zwischen Rathenow und Spandau 23. Weitere Spiele: Lichtenberg I spielt gegen Hoppegarten auf den, städtischen Sportplatz in der Kynaftstraß« am Bahnhof Stralau-Rummelsbnrg um 13 Uhr. Borussia 28 gegen Neukölln- Britz. Herzfelde gegen Britz 88. Deutsch-Wusterhausen gegen Wacker-Storkow. Bocwärts-Wedding gegen Karow. Lychen gegen Pankow. Niedersinow gegen AU-Ranft. Oderberg gegen Eöthen. Schiffmühle gegen Freienwaldc. Schwedt gegen Neuenhagen. Werder gegen Butab. Nauen gegen Sokol. Potsdam gegen Wil- mcrsdorf. Brieselang gegen Cladow. Premnitz gegen Branden- bürg II. Alt-Bensdorf gegen Rathenow II. Perleberg gegen Pritz- walk. Kyritz gegen Havelberg. Wusterhausen gegen Wittstock. Teltow gegen Treuenbrietzen. Jüterbog gegen.Luckenwalde V. Ruhlsdorf gegen Schönebcrg. Niemegk gegen Luckenwalde I. Zweit« Mannschaften: Lichtenberg I gegen Hoppegarten (14,4 3 Uhr). Obersprce gegen Eiche-Köpenick. Herzfelde gegen Lichtenberg II. Kagel 1 gegen Minerva 28. Borussia gegen Neu- kölln-Britz. Vorwärts gegen Karow. Wansdorf gegen Saxonia 2. Templin gegep Pankow 2. Weißensee gegen Freie Scholle. Alt- Ranft gegen Eöthen. Oderberg gegen Alt-Glietzen 1. Rathenow gegen Spandau. Knoblauch 1 gegen Grebs 1. Drewitz 1 gegen Ketzin 1. Potsdam gegen Nowawes. Charlottenburg gegen Cladow. Wilmersdorf gegen Spandau 3. Werder gegen Butab. Caputh 1 gegen Ketzin 2. Nauen gegen Brieselang. Pritzwalk gegen Perle- berg. Warnsdorf 1 gegen Wittstock 2. Teltow gegen Treuenbrietzen. Jüterbog gegen Luckenwalde V. Kloster Zinna gegen Ruhlsdorf. Niemegk gegen Luckenwalde I. Woltersdorf gegen Löwendorf 1. Hertha gegen Luckenwalde II. Trebbin gegen Luckenwalde III. Klausdorf 1 gegen Luckenwalde V 1. Jugendmannjchaften: Freienwald« gegen Borwärts- Wedding. Oberspree gegen Britz 88. Minerva gegen Lichten- berg II. Wilmersdorf gegen Brandenburg. Werder gegen Nowa- wes. Caputh gegen Saxonia. Luckenwalde II 2 gegen Treuen- brietzen. Jüterbog gegen Luckenwälde III. Luckenwalde II 1 gegen Luckenwaide I. Beginn der Spiele: 1. Männermannschaften(soweit nicht anders mitgeteilt ist) 16 Uhr. 2. Männermannschaften 14,15 Uhr. Jugendmannschaften 11 Uhr. „Mas»eii"-Bemd» Armseliger Kommunistenspori Die kommunistischen Sportler und ihre Zeitungen erzählen die dicksten Märchen über den sowjetrussischcn Sport und über das Interesse der Bevölkerung an sportlichen Veranstaltungen — niemand kann es ja nachprüfen. Nun hat ihnen aber ihre„fixe" Bildberichterstattung einmal selbst«inen Streich gespielt und die Wahrheit an den Tag ge- bracht. In der letzten Ausgabe der AJZ. ist ein Bild zu sehen mit der Unterschrift:„Im Moskauer Stadion„Dynamo" spielten die Fußballmannschaften der Arbeitersportler Oe st erreich? und der Schwei z." Diese Unterschrist ist zwar von dem Münzenberg- Redakteur gefälscht, denn es handelt sich nicht um die Fußballver- treter der beiden Arbeitersportverbände, sondern um zusammen- gesuchte„oppositionelle" Mannschaften. Aber das ist nicht das Entscheidende an diesem Bild. Interessanter ist, daß die K o m- munisten damit selb st beweisen, zu diesem für sie doch außerordentlich wichtigen Spiel kaum mehr als 400 bis 500 Zuschauer auf die Beine gebracht zu haben. Das Bild zeigt im Vordergrund die beiden Mannschaften, im Hintergrund die große Haupttribüne mit dem Eingangstor, die noch nicht einmal zu einem Drittel besetzt ist! Alte Erfahrung, die auch für Rußland gilt, ist, daß die Plätze mit der besten Sicht auch die begehrtesten sind. Wenn diese also zu zwei Drittel nicht besetzt sind, dann kann sich jeder ausmalen, daß die Scitenplätze überhaupt leer geblieben waren. Wir fragen die KPD.-Sportler: Wie erklärt sich solch schlechter Besuch bei einem internationalen Fußballspiel zweier ausländischer Mannschaften in einer angeblich so sportbegeisterten Millionen- stadt wie Moskau? Wie erklärt sich ein solcher Mißerfolg, ob- wohl doch die ganze Moskauer Presse und der ganze sonstige Pro- pagondaapparat zur Verfügung standen? Sind die Sportbegeisterten> etwa fern geblieben, weil sie vor den Brotläden Schlange stehen mußten?___ Kleiner Sport von überall Bundeslreue Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer RIoabitst Dieser Tag« ist eine neue Abteilung des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bundes„Solidarität" in Moabit gegründet worden. Alle Sport- freunde, Rad- und Motorradfahrer werden gebeten, ihre Anmel- dung an den Abteilungsleiter Fritz Wolter, Berlin NW. 87, Waldstraße 27, oder in den Sitzungen, jeden Freitag nach dem 1. und 15. jeden Monats, 20 Uhr, im Lokal Schmidt, Wiclef- ftraße 17, abzugeben. Ein Tisch-Tennis- Saal im Europahaus! Im Cafe Europahaus, Strefemannstraße gegenüber dem Anhalter Bahnhof, wurde dieser Tage ein großer Tifch-Tennis-Saal mit 10 Bus-Turniertischen er- öffnet: heute finden Trainingskämpfe der verschiedenen Klubs statt, Die Rennen in RIariendorf beginnen am Mittwoch, 1. Oktober, um 16 Uhr. Xrattfienocceiu.Di« ÄohitfMunbt", genital« Wien. Jftcftc«, A. T«P- tember, AI Uhr. Abt. Tharlotlcnburq: Snrcestr. 30. llnletbaHnnasobcnii.(Sonn» las, 28. September. Blumenthal. Abfahrt MO Uhr Wriezcner Bahnhof Sonn- tagslarte Tiefenfee.— Humbolbttzain I: Pank- Elle Wiesen- strotze. Heitere Vorlesungen.— galtbootabteilung: Britzer Str. ZI. Erst« Hilfe, n.— Abt. Britz: Chausseeftr. 48. Portrag.— Abt. Treptow: Elsen- stratzc 3. garte und Kompatz.— Photogemeinschast. Abt. Osten: Kranlfurter Allee 307.— Abt. Siibost: Britzer Str. ZI. Dislussionsabend. Tagcopolitifchcs. — Sonntag, 28. September. Abt. Südost: lsahrt fallt aus. Wir beteiligen uns am Aufmarsch der proletarischen Iugeudorganilationen zum Zieichs- jugenbherbergstaa im Stabion Neulölln. Treffpunkt 14�4 Uhr Sicgfricdstratze, Sammelplatz 1. Prenzlauer Berg:?ahrt in den Krämer. Treffpunkt OÄ Uhr Lehrtet Bahnhof, ffahrkarte bis fsinkeukrug.— Montag, 20. September, 20 Uhr. Photogemeinschast: Iohannisstr. IS. Wettbewerb:..Das Motiv in roeitz�.(Bilder mitbringen.)— Malgemeinschaft: Wraugelstr. 128. Federzeichnungen.— Asperanto-Arbeitogemeinschaft: Tilsiter Str. 4.— Abt. Mitte: Abfahrt*u der am Sonnabend und Sonntag stattsindeudeu zahrt durä» die Schorsheid« 18.ttl und 0,2 Uhr ab Stettiner Vorortdahnhof mit NUcksahrkart« nach Grotz-Schönebeck. Beinlckendorf.Rosenthal umsteigen. Solidantat, Kraftfahrer. Touren fllr Sonntag, 28. September. Abt. Norden: Kloster Chorin. 7% Uhr Sparrstr. 3.— Abt. Pankow: Kloster Lchnin. 8 Uhr Bornholmcr Str. 88.— Abt. Nenlälln: Schnitzeljagd, 9 Uhr Kohenoollernplatz.— Abt. Krrnzberg: Nauen. 9 Uhr Hermannplatz Ecke Ber. lincr Stratze.— Abt. ssriedrichohain: Kloster Ehoriu. 7 Uhr Landsberger Platz.— Abt. vberschäneweide: Tiefenscc. 13 Uhr WifheUnincnhosslr. 64.— Abt. Wilmersdorf: Schnitzeljagd. 8 Uhr Hildegard- Ecke Schrammstratzc. Für Nachzügler 13 Uhr. Tressen in Dlindow bei Werder, Ncstaurant Albrccht.— Abt. Charlottenbnrg: Tiefenscc. 7 Uhr Wilmcrsdorfcr Str. 21. Blaue Woche bei Leineweber heißt: Wirklich niedrige Preise für unsere bekannte hochwertige blaue Kleidung, heißt unerschöpfliche Auswahl, also eine besonders günstige Kaufgelegenheit. WAHREN SIE IHREN VORTEIL! Herren- Anzug, dunkelblaues reinwoll. Kammgarn, in mod. ein- und zweireihigen Formen, unsere bewährte Verarbeitung.. M. 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Der Präsident der Weltliga, Dr. Magnus H i r s ch f c l d, legte in einer Begrüßungsrede ihre Aufgaben fest, und der sozialdemokratische Leiter des Wiener Wohlfahrtswesens, Prof. Dr. Tandler, breitete im ersten Kongreßvortrag vor den zahlreichen Zuhörern — Aerztcn, Sozialpolititern, Pädagogen und Juristen des In- und Auslandes— die entscheidenden Sexualproblcme der Neuzeit in ihrem ganzen Umfange aus.„W ohnungsnot und Sexual- reform" lautete das Thema. Ebensogut, sagte er, könnt« es heißen: Wohnungsreform und Sexualnot". Denn keine Linderung der Sexualnot ohne Linderung der Wohnungsnot! Das Obdach war es, das neben Werkzeug Kultur und Zivilisation er- möglicht hat, und der Mangel an menschenwürdigem Obdach hat die Sexualsitte in hohem Maße beeinflußt. Der Generalsekretär des Verbandes für Wohnungsreform, Dr. Ludwig Neumann, forderte die Schaffung von Lcdigen- ■ Helmen. lieber die Sexualnot in den Abnormen-Anstalten referierte ' Dr. L e u n b a ch- Kopenhagen. Er setzte sich für die Sterilisierung der Abnormen ein. Ein besonderes Teilgebiet des Kongresses hieß Sexualität und Seelenleben. � Das Hauptreferat hielt der Nervenarzt Dr. Paul Federn. � Seinem psychoanalytischem Standpunkt gemäß bezeichnet« er die > Sexualität als eine Kraftquelle von außerordentlicher Bedeutung > für die Seele des Menschen, eine Kraftquelle, die sich bereits in ' frühester Kindheit geltend macht und manches Motiv für menschliches Wollen und Handeln darbietet. Der Psychoanalytiker Eduard . H i t s ch m a n n widmete seinen Vortrag den Junggesellen und zeigte, wie die Bindung an die Mutter zur Ehehemmung wird. Eine Einleitung zu dem wichtigen Problem.Sexualität und Rechtsordnung, Geburtenregelung und Menschenökonomie"' und das Recht des Kindes bildete das Referat des bekannten Wiener Sozio- logen Dr. Rudolf Goldscheid über die Geschichte der Sexual. moral. Diese, führte er aus, stelle nur«ine Teilerscheinung der all- gemeinen Herrschaftsmoral der heutigen Gesellschaft dar. Sexual- moral und Sozialmoral hängen eng zusammen. Ohne generative Ausbeute kein« wirtschaftliche Ausbeute. Deshalb wurde der Frau beinahe die ganze Last dessen auferlegt, was als Sitte und Sittlich- keit vorgeschrieben war. War die Masse in Hörigkeit gebunden, so die Frau in doppelter Hörigkeit, in gesellschaftlicher und häuslicher, als Proletarierin und als Frau. Sie hatte für den Ueberschuß an Menschen zu sorgen. So kann die Gebärsklaverci nur durch Aushebung der wirtschafttichen Sklaverei verwirklicht werden. Die . Wandlung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse habe den modernen Menschen auch zu einem sexuell Sehenden gemacht, hob« ihn den Körper schätzen gelehrt und zum Kämpfer sür eine neue Sexwolmoral werden lassen. lieber den Entwurf des deutschen Strafgesetzbuches in bezug auf die Sexualfragen sprach Sanitätsrot Dr. Magnus H i r s ch s e i d. Der Entwurf enthält nicht weniger als Z9 Verschärfungen. Hirsch- feld fordert« an Stelle eines sexuellen Bevormundungs- rechtes dos sexuelle Selb st verfügungsrecht. Der Leiter der Arbeitsstätte für Sexualreform am Berliner Institut für Sexualwissenschaften, Wilhelm Kaufmann, zeigte auf, daß im Strafrechtsausschuß des neuen Reichstags die Zahl der Gegner einer modernen Reform des Sexualstrafrechts sich auf fünf erhöhen dürfte und im Plenum selbst auf 8S. Auf dem Gebiete der Eherechtsresorm setzte sich Regierungsrot Dr. Adolf B a ch r a ch- Wien für das Recht auf Ehclösung auch ohne Verschulden, einsach auf Grund des Tatbestandes der Ehezerrüttung, ein, und Geh. Rat Prof. Julius Wolfs-Berlin stellte in seinem Vortrag„Abtreibungsseuche und Ab- ireibungsnot* u. a. fest, daß die Zahl der Todesfälle bei Ab- treibung durch Kurpfuscher zehnmal so groß sei als bei ärztlichen Eingriffen. Gegen das Schlagwort vom Bankerott der Familie wandt« sich Dr. Paul K rief che, der sie auch für die Zukunft als Zelle der Gemeinschaft bewährt wissen wollte. Der Wiener Sozialhygieniker und Berussberater Dr. P e l l e r konnte auf Grund zweier Berechnungsmethoden nachweisen, daß der Ausfall der Geburten im letzten Jahrzehnt nur zu einem Biertel auf Fehlgeburten, d. h. auf Abtreibungen, und zu drei Vierteln auf Präventivmaßnahmen zurückzuführen sei. Er gelangt« daher zu dem Schluß, daß die Prävention die Abtreibungen in wachsendem Maße überflüssig mache. In Ergänzung dieses Stand- Punktes führte der Wiener Gynäkologe Dr. Steiner aus, daß jedes Abortivmittel den Körper schädige, indem es auf das inner- sekretorische System einwirke. Das letzte Tagungsthema behandelte das Rechtdes Kindes. Der Hauptreferent war Dr. F r i e d j u n g, der ausführte, die Ge- setze sagen zu viel über das Recht auf das Kind und achten zu wenig auf das Recht des Kindes. Di« nächste Tagung soll in Moskau stattfinden. Di« Sowjet- regierung verbürgt sämtlichen Teilnehmern, auch den sozialistischen, die frei« Einreise._ Oer 100. Voriragsabend. Franz Konrad Hoeffert im Meistersaal. Es ist ein Zeichen von Mut, wenn heute in wirtschaftlich und politisch unruhiger Zeit ein Rezitator einlädt, um einen Abend hin- durch sein Publikum mit dem Vortrag von Gedichten und Prosa nicht gerade aktueller Art zu unterhalten. Franz Konrad H o e f f e r t beweist diesen Mut im Meistersaal, und der warme Beifall kann ihm zeigen, daß er recht behalten hat. Das Programm ist sehr mannigfaltig, es rekcht vom 18. Jahr- himdert bis in die Gegenwart und es umfaßt Satiren, Prosa, lyrische Dichtungen und Balladen. Hoeffert bietet also«ine reich ausgezeichnete Speisenkarte, gewissermaßen einen kurzen Abriß seines Repertoires. Seine Vortragskunst ist nicht in allen Dingen gleichwertig. Hoeffert ist«in sehr kultivierter und verinnerlichter Sprecher. dem Pathos fern liegt. Darum muß er an Werfels Rhetorik in „Jesus und der Aejerweg" scheitern, darum trifft er auch nicht den Ton sür die Brcchtschc Moritat vom„Jakob Apfclböck". Aber wenn Hoeffert dann etwa die kleine Novelle„Gcstas" von Anatol« Franec vorliest mit stiller Unaufdringlichkeit, mit einer Stimm«, die die Menschen der Dichtung zart umreißt und charakterisiert, so steht«in Künstler auf dem Podium, der das Profil eines Werkes sicher noch- zeichnet und sein« Gesühlsmomentc klar hervorhebt. Der Vortragsabend im Meistcrsaal war der hundertste, den Hoessert im Lause von zehn Jahren veranstaltet hat. F. Seh. polenbomben gegen Llkrainerkloster. Oer Nationalitätenlrieg in Ostgalizien. Warschau, 26. September. In der Nähe von Lemberg wurde ein Bombenottental auf ein ukrainisches Klo st er unternommen. Die Explosion der Bombe war so stark, daß sie in ganz Lemberg gehört wurde. Nach Aussagen der Klosterinsassen hörten diese plötzlich eine Schießerei, die augenscheinlich im Garten des Klosters stattfand, und nachher eine furchtbare Explosion. Als es hell wurde, entdeckten sie im Garten, etwa 80 Schritt vom Wohngebäude entfernt, eine Grube, die augenscheinlich eine Granate von großer Durchschlagskrast hinter- lassen hatte. Die alarmierte Polizei fand im Garten des Klosters noch ein Paket vor, das sich als eine Höllenmaschine heraus- stellte, die glücklicherweise nicht explodiert war, trotzdem sie große Mengen von Sprengstoff enthielt. Das Versagen der Höllenmaschine wird auf eine feuchtgewordene Lunte zurückgeführt. Wie von ukrainischer Seite mitgeteilt wird, ist die Explosion in einer ukrainischen Schule, die vor einigen Tagen gemeldet wurde, nicht auf die zufällige Explosion eines Sprengstofflagers ukrainischer Revolutionäre zurückzuführen, vielmehr handele es sich um ein Bombenattentat unbekannter Täter. Zn ganz Ostgalizien wurden gestern wieder zahlreiche Brand- stiftungen verübt. denen eine Anzahl von Getreidelagern in den großen Gutshöfen zum Opfer fiel. In einem der Gutshöfe entwickelte sich zwischen den Brandstiftern und den Wächtern eine Schießerei. In der Nacht zum 23. September hatten unbekannt« Täter zwei Granaten des polnischen Militärtyps unter das Haus der ukrainischen Konsumgenossenschaft in Radolicz ge- legt. Glücklicherweise explodierten die Granaten nicht. Aus Lemberg wird gemeldet, daß in einer ukrainischen Schule in Stanislau eine Revision vorgenommen wurde, worauf die Schule geschlosien und dos Gebäude versiegelt worden ist. In Lemberg ist ein griechisch. katholischer Pfarrer verhaftet und wegen Beteiligung an den Sabotageakten unter Anklage gestellt worden. In Chodacz- kow in der Wojewodschaft Tarnapol hoben die Behörden den dortigen Pfarrer und 15 Bauern oerhaftet. ic i m o? k i. i" PROGRAMM für die Zeit vorn 26, bis 29. September OGRAM M für die Zeit vom bis 29. September lDOO Potsdamer Strafe 35 W. 5.7,9 Uhr Stg abSU. Richard Oswalds Dreyfu* m. Frtiz Korteer, Heinrich George Juijendliche haben Zutritt Rheinstratjc 14«i&ache) _ W. 5.15, 7.15, 9.15 Stg. ab 5.15 Prinzcuin Trolola mit Llllan Harvcy P«t und Paiadion auf de« Wege zu Kraft und Sdidnbctt Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Sir. 75 „ W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Skandal um Eva mit Hennj Porten Turm strafe 12 4 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab J Uhr Komm zu mir zom Rendezvous} mit R. A. Roberts, Lade Englisch« Pritz Scholz Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Stg-aöS U. Der große Gabbo mit firlcfa von Strobelm Jugendliche haben Zutritt i Westen j Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Uraulführung d. Tonfilm-Lustspiels; Bodcblertest mit Marg. Kopier Beiprogramm Täglich 3, 5, 7. 9 Uhr Artushof-Lichtspiclc Perleberger StraBe 29 Film- nnd Böhnemdiao Der Spion der Pompado nr mit Liane Haid Bühne: Revoe„Schöne Frauen dunkle Nachtgeiialten*_ SaVOy Beginn: 5, 6.30, 9.10 Uhr Martin-Luther-Straße 5(Neue Winterf) Tonfilm: 2mal Hochzeit m L. Haid, L.Englisch, R.A.Roberts > Fried rlchstadt M Franziskaner Georgenslraße(Ecke FriedrichstraBe) 11, t 5, 8, II Uhr Phantom nach d. Roman t. Gerh. Hauptmann 12, 3, 6, 9 Uhr Zarte Schult cm, Tragödie d. Liebe 1, 4,7. 10 Uhr Durchs Brandenburger Tor Wochenschau Die Kamera Unter den Linden 14 Drei-Komiker-Programms Harold Lloyd, der Pechvogel mit Charly Chaplin, Luplno Laue 7 u. 9 LI.: Orgelsolo:„Von der zom Jazz*, gesp. r. George' New York— lugendl. haben Moabit Welt-Kino Alt-Moabit 99 Tonposse: Komm zu mir zum Rendezvous mit Schulz, Morgan Beiprogramm �_ Charlottanbura fc Kant-Licfatspiele Kantslr. 54,(an derWilmersdorfer StrJ W. 5, 7, 9 05 Uhr Stg. 3, 5. 7. 9.05 Uhr Komm zu mir zum Rendezvous Tonfilm: mit Frliz Schulz/ Tön. Belprogr. Atrium Beba-Palasl �5,7,915 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Uraufführung; Der große Tonfilm: Bockbierfest mit Jnl. Falkenstein, Margar. Kupfer, K. Llllan, IdaWfUt Titania Hauptstraße 49 W 5. 7, 9 U. Stg. ZU. lOOproz. Tonfilm: Die Csikosbaroneg m. G.Thetmer, Ernst Verebcs— Letzte Tage I Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr lOOproz. Farbe— Ton— Revue! Clny— Tön. Beiprogramm V Nuukailn M Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang; Wchtgs. 6 45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U Tonfilm: Die groge Sehnsucht mit Camilla Horn nnd 36 Prominente Bühne: Senta SSncland Jugendliche haben Zutritt A Iii amflT*/! Wchtgs. 7 u. 9 Uhr /Vinamora Slgs. ab 3 Uhr hauptstr.30 100 proz. Tonfilm: Toniustspiel: Lampenball mit Fritz Kampe», Anna MdUer-Unke Beiprogramm G Priedunau""fc Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W.7,9, U. S.5,7,9 U Tonfilm: Mach mir die Welt zum Paradies mit Anita DorU, Gdcta Ekmannp R. van Goth Tön. Beiprogramm ■«tbfliit« W Titania-Palast NcNu Steglitz, Schioßstr.S, Ecke Cutsmuthsstr. Tonfilm; Die große Sehnsucht mit Camilla Horn u. 36 Prominente Jugendliche haben Zutritt d_____«adwuatün-"""b Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.5,7.9. S.3,5,7,9U. Mein Herz gehSrt dir m Cam. Horn D. keusche Sünderin m Coli. Moore FUm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W.5,7.9, Stg. ab 3 Uhr Tonlastspiel; Komm zu n Rendezvous mit Morgaa, Stielen Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanslr. 72/76 Wochen! 6.45, 9. Sonnt ab 3, 5, 7. 9U. Die lustige Tonfilmkomödie; Komm zu mir zum Rendezvous mit R. Roberls, Morgan, W. Rllla, Tr.Ueske, Luc. Enguseh Bühne: 5 Inging bahles, weibi. Jazzsänger ICssleul« Wochent. 6,45, 9 U. Sonntags 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Tonfilm I Tonschwank: Die zärtlichen Verwandten mit Charlotte Ander. W. Bcndow, A. Roberts Jugendliche haben Zutritt Wochent. 6.45, 9 U. CXCClSlOr Sonntags 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Beiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wohentags 6.45 u. 9, Sonntags 5, 7, 9 U. Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arn Belprogr: SOdosten Filmeck Skaiitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6M und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Tonfilmrevueoperette: Nur Du Große Bühnen schau Luisen-Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W; 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. Tonfilmrevueope rette Nur Du Bahne; vua Bvl Bva Stella-Palast Köpenicker StraBe 11—14 Beginn der Vorstellungen; Wochtgs.tL30.9v. Sonnt 3, 5, 7, 9 U. Die zlrtllchen Verwandten Bühne: Erstes Wied er auftreten des original SchmcHng-Balleit Jugendliche haben Zutritt Sternwarte— Treptow So. 27 Di. 30. 8 U. Stg. 28. 4, 6, 8 v.: „Tembi" Eine Geschichte aus der afrikanischen Wildnis dvrcvsswazr Film und Bühne asCriySlUm Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilm; Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Bühne: 10 Akkordeon- Virtuosen Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 630, Sonntags 5 Uhr. Der lustige Tonfilm: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Bühne; Weckend mit Lotte Werkmeister, Oskar Sabo Beiprogramm Luna-Filmpalast wf lu Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Der Andere mit Korteer Käthe v. Nagy, Heinrich George Bühne: Willy Rosen Schwarzer Adler Xn" w Woch. 5, 7. 8.45, Stg. 3. 5. 7, 8.45 U. lOOproz. Tonfilm: Skandal um Eva mit Henny Porten— Tönendes nnd stummes Beiprogramm Comenius-Liditspielc Memeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U Einmal um Mitternacht mit Gesang— Der Grenxfägcr Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab SU., Stg. ab 3 U. Tonfilmposse: Der Lumpenhall mit A. Müller-Linke, Fr, Kampers Bühne: Im Zickzack durch d. Well (Revue) mit Georg E. Schmidt Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Bühnenschau Woch. 5, ca 7. 8.45, Stg. 3, ca. 5, 7, 8.45 U. Tonfilm: Der blaue Engel mit E. Jannings, Marlene pketjrichj Allizamftpza Woch. ab 6 30 Uhr. AinainDra Sonnt. ab 4 uhr Koppenstraße 29 1 00 proz.T onfilm; Walzer im Schlaf. eoupt mit L. Englisch, Fr. Schulz Tonkurzfilm— Tön. Wochenschau Bühnenschau > Weu-Uchtenberg"k Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5, 7, 9 U., Stgs. 3, 5, 7, 9 U 100 proz.Tonfilm: Ein Tango für dich mit Willy Forst, Ernst Vercbes Tönendes Beiprogramm Kino Busch SWÄ1Ä Alt-Friedrichsfelde 3 Belpiogn Sei gegrüSLdn mein schön. Sorreni (m. Gesangseinlagen) mit A. Abel Oer Herr des Todes m. F. v. Alien WaiBen» — 1 Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 206—210 Stg. Vf3 Jgd.-V Tonfilm: Lompenball m. Kämpen, Harry Frank- In die Falle gelocki Gutes Beiprogramm c Nord•» Alhambra EcteTeestraße36, 100 proz. Tonfilm: Nor am Rhein mit Igo Sym— Mlcky Maos Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 W.5,7,9 U. Stg. ab3 U. Lustig. Tonfilm; Die Cslkosbaroneg m. Qrefl Thelmer- Belprogran— Jugendliche haben Zutritt_ Marga-Lichtspicle Schulstraße 29 Gr.Tonf.: Heute Nacht- eventuell mit J. Jngo, S. Arno Herzblut einer Mutter Prater-Liditspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5, Stgs. 3Vj U. Die Frau, nach der man sich sehnt m. MarL Dietrich— D. geh. Kurler Bühne: Wolsky-Trnppe, 12 Pers. Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Beginn 5 Uhr Tonfilm: Rivalen Im Weltrekord Bühne: 1 Stunde Kabaltrevae Tönender Sensalionsfiim Metro-Palast Ä" aSb 3'u Chausseestraße 30 100 proz. Tonfilm: Ein Walzer im Sdilafcoap6 m. L.Englisdi, F.Scholz Beiprogramm Casino-Liditspiele Brunnenstraße 154 Beginn 6.30 Uhr lOOproz. Tonfilm: AftSre Dreytus mit Kotteer, George, G Mosheim — Jugendliche Zutritt Mila-Liditspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.SMi, S,31'a Ja, Ja die Frao'n mit O. Oswalda Die Aiulernprinzewin Grobe BQhnenscfaaa Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3Vä U. Tonfilm: Lampenball m. Kampers Bühne: 50 Minuten Kabarett Colosscum r.rsib7uÄ Schönhauser Allee 132 100 proz. Tonfilm; Der Sohn der weisen Berge mit Lots Treu leer Beiprogramm— Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt ■ Panhow■ Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9. Stg. 5, 7. 9 U. Tonfilm; Der Korvettenkaplldn mit Harry Llcdlke Jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow N-vor� Berliner Straße 27 W.W, 9 U., Stg. ab 4 U. lOOproz. Tonfilm: Dreitus mit Körte er, George Mosheim— Bühnenschau Film-Palast 2hö!Si««. Blankenburger Str. 4 W.7, 9, Stg.5.7,9U. Tonfilmoperette; Ein Tango f. dich mit W. Forst, Fee Malleu Belprogra ThRhl Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U Jgd.-Vorsf. W- 6. Stg. 4>;c U. Tonfilm: Lampenball mit Anna Müller-Unke, Kampers, C. Lilien Tönendes Beiprogramm Auf Tobis-Apparatur »Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,30 Uhr Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larifari mit Max Hansen Phantome des Glücks Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6,8'kU. Stg. 2 U. Jugendvorst Stg. 4 Vc, 6V>. S'/c U. Moral am Mitternachi- Spree waldmSdel mrt Cläre Rom m er G Munnlazctorf M Filmpalast stg,