BERLIN Sonnabend 2?.Septeniber 1930 10 Pf. Nr. 454 B 226 42. Jahrgang ErscheinttSslich außerGonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 ff. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWss.Lindenstr.s SjuUautyoße de* fMrtrtwffa Anzetgenpreis: Die einspaltige Nvnpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwürtS-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 3753«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Revolte gegen das Reichsgericht Oiktaiur-Verfchwörung gegen den Llntersuchungsrichier Die Verhandlung vor dem Ztrafsenat des Reichs- gerichts wegen des Hochverrats der Reichswehroffizicre wächst sich nachgerade zu einem öffentlichen Skandal auS. Nicht nur, dag die Mehrzahl der als Zeugen vernommenen Lffiziere unter Eid offen bc- künden, sie wären mit der national soziali st i» schen Gesinnung der Angeklagten durchaus Aus dem Inhalt: Mussolini vor dem Brüsseler Gericht Die Not der Städte....... Besuch beim Heiratsvermittler.. Zörgiebels Brief an Berliner Jungen. Gemeinschaftsemptang im Radio.. Besuch bei Geldverleihem.... Astronomische Technik...•• Training auf der Avus...... Seite 1 Seite 3 Seite 3 Seite 4 Seife 5 Seite 5 Seile 7 Seife 8 einverstanden und diese nationalsozialistische revo» lutionäre Stimmung sei die der Mehrzahl samt- l i ch c r R e i ch s w e h r o f s i z i e r c. es hat sich seht auch noch so etwas wie eine Qffiziersverschwörung gegen den beauftragten Untersuchungsrichter des Reichs- gerichts herausgestellt. Schon die gestrige Verhandlung zeigte eine Ein- heitsfront zwischen Verteidigern, Angeklagten und einer Reihe von Reichswehrzeugen gegen den Land- gerichtsdirektor Braune, der auftragsgemäst die Unter- suchung zu führen und die Verhaftung der Beschuldigten vorzunehmen hatte. Heute war im Reichsgericht sogar daS Gerücht verbreitet, die drei Verteidiger hätten gegen den Landgerichtsdircktor eine Strafanzeige wegen Meineides erstattet. DaS wurde zwar von den Verteidigern dementiert, aber es wurde zugegeben, dag ein„sehr jugendlicher Zeuge", also augenscheinlich einer der vernommenen Lffizicre, sich an die Anwälte mit der Anregung gewandt hätte, diese An- zeige zu erstatten: Schon diese Tatsache beleuchtet die Atmosphäre, in der im ReichsgerichtSsaal gegenwärtig noch„Recht gesucht" wird. Erst auf Veranlassung des RcichSanwaltS konnte der Untersuchungsrichter heute noch einmal eine Erklärung über seine Vernchmungs- Methoden abgeben, nachdem vorher eine halbe Stunde lang hinter verschlossenen Türen mit dem Senat darüber verhandelt wurde. Die Szene im Sirafsenat. Der Untersuchungsrichter Braune sagte bei seiner neuen Ver- nehmung: Ich möchte hier noch einmal ergänzend auf mein« bis- herigcn Auesagen eingehen, und ich erkläre ausdrücklich, daß das, loas ich heute sage, aus meinen Zeugen cid geht. Man hat nur hier im Saal vorgeworfen, daß ich den Zeugen bestimmt« Worte in den Mund gelegt, daß ich ihnen gewissermahen den B e- griff von der nationalsozialistischen Zellenbildung a u s o k t r o g- i e r t habe. 3ch erkläre auf das bestimmieste, dah ich niemandem eins Aussage in den Mund gelegt habe. Für mich war der Rahmen dieser Untersuchung gegeben durch das Verfahren der Reichsonwalt- fchaft. Außerdem hatte mir der Angeklagte Ludien gleich bei feiner ersten Vernehmung erklärt, er Hab« Verbindung mit der Na- tionalsozialistischen Partei ausgenommen, er habe sich verpflich. te:, für diese zu arbeiten, und«r habe Fühlung genommen mit einer Anzahl Kameraden, um für die Partei zu werben. Ich habe eine Reihe von Offizieren alz Zeugen danach fragen müssen, ob.sie für die Nationalsazialistifche Partei gewcrbsn werden sollten. Ich hgh« meiner bestimmten Erinnerung nach das Wort von der Z? l l e n b i l d u n g in der Reichswehr nicht zuerst gebraucht. Wenn hier die Zeugen das Gegenteil behaupten-, so ver- wechseln sie dos entweder oder sie haben damals dieses Wort aus der Presse entnommen, die ja lange Zeit ausführlich sich mit dem ganzen Fall defchöstigt hat. Rcichsanwalt: Der Herr Untersuchungsrichter muhte ja poch Lage der Dinge annehmen, daß hier ein« nationalsozialistische Oer Weg zur Hitter-Negierung. Das Zentrum zwischen rechts und links. Das Tauziehen in der Witte geht weiter. Die„Germania" wendet sich sehr ärgerlich gegen die Wirtschaftspartki, die mit ihren Beschlüssen dem Zentrum jede Wiederannäherung an die Sozial- demokratie unmöglich machen will: Entscheidend für die politische Auffassung der Wirtschaftspartei ist der Satz,„sie werde sich an keiner Regierung, weder aktiv noch duldend, beteiligen, auf welche die Sozialdemokratie direkten oder indirekten Einfluß nehme". Damit ist«ingetreten, was wir erwartet haben: die Mehrheitsbildung auf dem Weg« einer Großen Koalition wird verbaut. Denn ohne die Wirtschaftspartei hat dieses Gebilde kein« Mehrheit. Der Beschluß der Wirtschoftspartei ist negativ. Sic sagt nur, was sie nicht will. Was will sie denn in positiver Richtung? D!« Parteien, die sich schon heute festlegen, und die nicht einmal das Rcgierungsprogramni abwarten, sollen uns doch endlich einmal sagen, wie sie sich die Zukunft eigentlich denken. Uns scheint, daß die Gedanken derer, die unter keinen Umständen mit der Sozialdemokratie gehen wollen, nicht schwer zu erraten sind. Sic wollen eben unter allen Umständen mit den National- s o z i a l i st e n gehen. Können Volkspartei und Wirtschoftspartei ein Regieren mit den Sozialdemokraten verhindern, weil es ohne sie keine Mehrheit gibt, so kann das Zentrum ebensogut ein Regieren mit den Nationalsozia- listen verhindern, denn ohne das Zentrum gibt es keine Mehrheit nach rechts. Bis jetzt hat kein Zentrumspalitiker die Möglichkeit angedeutet, daß es zur Bildung einer parlamentarischen Regierung von Goebbels bis Brüning kommen könnte. Das schließt natür- lich nicht aus, daß solche Gedanken in der Stille erwogen werden. Laut und offen hat sich bisher nur e i n dem Zentrum nahe- stehender Politiker für eine Hitler-Regierung ausgesprochen, und das ist der ehemalig« Bundeskanzler und kommende Außenminister Oesterreichs, Prälat Sei pel. Er hat in Kopenhagen einem Ver treter von„Aftonbladet" folgendes auseinandergesetzt: Außerdem, meine ich, daß die alten Parteien in Deutschland jetzt versuchen sollten, wirklich zu beweisen, daß sie demokratisch sind und sich vor dem V o l k s w i l l e n beugen. Es ist un- demokratisch zu jagen, daß niän nicht mit einer Partei zusammen- arbeiten wolle, die durch die Wahlen gewonnen hat. Ebenso- wenig glaube ich, daß eine Partei, die über 100 Mandate gewonnen hat, weiter als eine antiparlamentarischc Partei liezeichnet werden kann. Es sollte deshalb für ander« Partsien möglich sein, mir ihr zusammenzugehen, damit auch die Ratio nalsozia- l i st e n das Mögliche vom Unmöglichen unterscheiden lernen. Ich empfind« es als ein gutes Zeichen, daß seitens der Nationalsozia- listen gesagt worden ist, daß sie keinen Einfluß auf die Außen- Politik ausüben wollen, sondern nur auf die Innenpolitik. Herr Seipel, der, als er dem Zentrum diese guten Ratschläge gab, über die Sachlage offenbar nur sehr notdürftig unterrichtet war, ist ja bekannt alz Apostel jener„echten" oder„gesunden" Demo- krati«, die sich auch durch die Lupe nur sehr schwer von Heimwehr- diktatur und Faschismus unterscheiden läßt. Er ist ein Spezialist in der Kunst, mit demokratisch klingenden Gründen die Demokratie umzubringen. Sein Austreten ist symptomatisch von hoher Bs- dcutung. Wenn das Zeirtrum v c r j e i p e l t, wird Deutschland sehr bald verhitlert sein! Rechtskoalition ist logisch. Paris, 27. September. fEigenbericht.) Die bevorstehenden Verhandlungen des Reichskanzlers Brüning mit den Parteien werden in Paris mit großer Spannung erwartet, zumal am Freitag hier schon infolge einer Falschmeldung das Gerücht verbreitet war, daß Brüning sich mit Hitler geeinigt habe. Gewiß müsse Brüning, so erklärt heule der„Petit Parisien". allein schon ans taktischen Gründen mit den Rationalsozialisten in Verhandlungen eintreten, damit diese nicht behaupten könnten, sie seien trotz ihrer Fraktionsstärke nicht gefragt worden. Außerdem läge eine Rechtskoalition in der Logik der Dinge, und ein Experiment einer Hitler-Regiernng würde sicherlich das deutsche Volk mit Geschwindigkeit vom saschistischen Wahnsinn heilen. Curiius bleibt, Henöerfon fährt. Genf, 27. September.' Reichsaußenminister Dr. Eurtius wird nicht, wie Ursprung- lich vorgesehen, am Sonnabend nach Baden reisen, sondern bis zur Beendigung der Bölkerbündsversammlung in Gens bleiben. Der britische Außenminister H e n d e r s o n ist heut« abend ab- gereist, um rechtzeitig zu der letzten Vorbereitung der Reichs» konferenz in London einzutreffen. Henderson hatte im Laufe des Nachmittags mit dem deuischen Außenminister Dr. Eurtius eine Unterredung, in der von aktuellen Dölkerbundsfragen, u-. o. auch die Frag« der Reorganisation des Bölkerbundssekretariats besprochen wurde.. Iustizminifier gegen Justiz, Nredt verhinderte Zweigert gegen Hitler auszusagen. Der„Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt: Als der 4. Strafsenat des Reichsgerichts dieser Tage die Unge- schicklichkeit beging, Hitler ohne jede innere Berechtigung als Zeugen zu laden, betrachteten gewisse Stellen der Reichsregierung aus all- gemein politischen Gründen auch die Entsendung eines Vertreters der Reickzsregierung für unbedingt erforderlich. Man war sich insbesondere im Rcichsinnenministerium klar darüber, daß Hitler sich in Leipzig indieReichsregierung„hineinschwören", alle Schandtaten der Vergangenheit und früher« Aeußerungen über illegale Absichten ableugnen würde. Es war demgegenüber die unbedingte Pflicht der Reichsregierung, in Leipzig auf die Ver- gangenheit des Herrn Hitler, seine bisherigen Bestrebungen und das über die illegalen Absichten seiner Bewegung vorliegende Material hinweisen zu lassen. Also entschied man sich im Reichswehrministerium zu der Entsendung des Staatssekretärs Dr. Z w e i g e r t und machte den Mitgliedern der Regierung wegen der eventuellen politischen Auswirkung seiner Erklärungen vor dem Leipziger Gericht«nt- sprechende Mitteilung. Vredl, der Tuskizminister des Reiches, pro- kestierle gegen die Reise Zweigerls nach Leipzig, drohte mit seinem Rücktritt und gab sich schließlich mit der Entsendung nur unter der Voraussetzung zufrieden, daß Zweigert über b«- stimmt« Erklärungen nicht hinausgehe. Mit g c- bundener Marschroute trat Zweigert dann seine Reise an. Man stelle sich vor: Das Reichsinnenministerium ist im Besitz bestimmter Materialien über illegale Absichten Hi.lcrs. Es fühlt sich aus politischen und verfassungsrecht- lichen Gründen verpflichtet, in Leipzig Hitler in die Schranken verweisen und seinen Erklärungen gegenüber bestimmtes Material bekanntgeben zu lassen. Noch eh« es soweit ist, fällt ihm der Hüter unserer Justiz, Herr Bredt, in den Arm und tritt an die Seite Hitlers in der bewußten Absicht, die von der Wirlschaftspartei erstrebte Ehe mit Herrn Hitler nicht irgendwie beeinträchtigen zu lassen!___ Montanschiedsspruch in Oberschlesien. Lohn- und Arbeiiszeiischiedsspsuch für die oberfchlesischen Hütten. Gleiwih, 27. September. Unter Vorsitz des Schlichters für Schlesien. Oberpräsident Philipp, wurden gestern Schlichtungsverhandlungen im Tarisstreit zwischen dem Arbeitgeberverband für die oberschlesische Montanindustrie und den Gewerkschaften über ein neues Lohn- und Arbeilszeilabkommen für die oberschlesischen Eisenhütten geführt. Räch ergebnislosen Vorverhandlungen wurde eine Schlich- tungskammer gebildet, die gegen abend einen Schiedsspruch fällte. wonach die bisherigen Abkommen im wesentlichen bis Ende September 1331 verlängert werden. Bokschafter Dr. Sthamer verabschiedet« sich nach zehnjähriger Votschafttttätigkeit in London von dem Deutschen Verein Londons. Der katalanische Unabhängigkeitssührer Oberst Macina, der einst mit einer Handvoll Freiwilligen von Perpignan aus zum Kampf gegen Primo de Rioera aufbrechen wollte, ist aus seinem Brüsseler Exil heimlich nach Barcelona zurückgekehrt. Er wurde bald ent- >ckt und verhastet. Roch einer kurzen Vernehmung wurde er im Automobil nach einer bisher unbekannt gebliebenen Bestimmung weitergeschafft. Heiliges Nußland „— werden wir jetzt mehr zu essen haben-?" Gericht über Mussolini Italienische Sozialisten klagen den Verräter der Demokratie an Zellcnbildung vorgenommen werden sollt«. Ihm war selbstverständ- Iich dieser Begriff geläufig durch die Komniunistenprozesse, die in- zwischen bereits stattgefunden hatten... Vers.: Herr Reichsanwalt, Ihre Worte stellen bereits ein Plädoyer dar. Ich muß Sie bitten, nur Fragen an den Zeugen zu richten. Lnndgerichtsdirektor Braune: Nach meiner festen Erinne- rung habe ich bei allen Vernehniungen nur danach gefragt, ob die Zeugen Verbindung mit den Nationalsozialisten aufgenommen haben ot>er nicht. Es hat sich hier auch ein Zeuge beschwert, daß er bei seiner Aussage wie ein Verbrecher behandelt worden sei. Leutnant Bergmann, der davon sprach, daß er sich wie ein Verbrecher behandelt gesuhlt habe, ist während der Voruntersuchung zu mir in» Hotel an meinen Tisch gekommen und hat sich mit mir über verschiedenes unterhalten. Das tut man nicht, wenn man sich von einem anderen Menschen tödlich beleidigt sühlt. Vors.: Herr Leutnant Bergmann, ist das richtig? Sind Sie im Hotel an den Tisch des Untersuchungsrichters gekommen? Zeuge: Jawohl. Vors.: Wie kommt es dann, daß Sie sich mit dem Untersuchungsrichter an einen Tisch setzen und unterhalten, wenn er Sie angeblich wie einen Verbrecher behandelt hat? Zeuge: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Jedenfalls möchte ich nochmals feststellen, daß, als ich zur ersten Vernehmung ins Zimmer des Untersuchungsrichters kam und ich mich vorstellte, er die Vorstellung nicht erwidert hat. Vors.: Herr Zeuge, ein Untersuchungsrichter kann nicht alle Personen, die er zu vernehmen hat, mit Glacehandschuhen anfassen. Nach dem Gesetz ist der Untersuchungsrichter nicht verpflichtet, sich einer amtlich geladenen Person vorzustellen. Er hat lediglich das Recht, fest- zustellen, wer der Vorgeladene ist. Wenn Sie sich durch die Behandlung des Herrn Untersuchungsrichters damals be- fchwert fühlten, so hätten Sie ja den Beschwerdeweg gehen können. Zeuge: Wenn jemand meine Vorstellung nicht erwidert, so ist das Geschmacks- und Erziehungssache, deswegen bc- schwere ich mich nicht bei einer Amtsstelle. Rechtsanwalt Dr. S a ck: Ich habe bisher meinem Mandanten geraten, nicht über Dinge der Voruntersuchung auszusagen. Jetzt muß ich aber doch den Angeklagten Scheringer ersuchen, sich über seine Ersah- rungen selbst zu äußern, da seine Mitteilungen durch meinen Mund vielleicht etwas zu objektiv gefärbt würden. Scheringer: Ich hatte nicht das Gefühl, daß der Herr Untersuchungsrichter mich als einen Verbrecher behan- dclt, im Gegenteil, Herr Direktor Braune war stark beeindruckt, daß er nns'Offiziere in dieses Verfahren überhaupt hineinziehen mußte. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, daß er stark vor- eingenommen mar gegen die Nationalsozialistische Partei. E» sah immer so aus, als bedauere er uns als arme Opfer von Leuten, gegen die man eigentlich vorgehen mühle. Ich bitte doch, daß Herr Braune hierzu vernommen wird. Reichsanwalt(erregt aufspringend): Jetzt bitte ich aber um einen Gerichtsbeschluß. Die Dinge haben sich in diesem Saal wohl ganz und gar verschoben. hier haben sich die Angeklagten zu verantworten, aber nicht der Anlersuchungsrichlcr. Wer ist denn hier eigentlich der An- geklagte? Rechtsanwalt Dr. Frank: In der Oeffentlichkeit hat es so den Anschein, als ob der Herr Untersuchungsrichter der Angeklagte in diesem Versahren ist und ich muß auch sagen, es liegt schon etwas Wahrheit in dem alten Sprichwort:„Wer sich verteidigt, klagt sich an." Scheringer: Nach dem Einwand des Herrn Reichsanwalts verzichte ich auf Beantwortung meiner Frage durch den Unter- juchungsrichter. Ich mächt« aber bitten, Herrn Braune zu fragen, ob folgendes wahr ist: Gelegentlich einer Vernehmung sagte mir der Untersuchungsrichter:„Aber lieber Scheringer, Sie brauchen sich doch nicht jetzt vor die Nationalsozialisten zu stellen und sie zu decken." Untersuchungsrichter Braune: Das halte ich nicht für möglich. Ich habe den Angeklagten sicherlich nur ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Vors.: Das scheint mir aber doch etwas anderes zu sein, wie diese Behauptung des Angeklagten hier. Der Angeklagte Scheringer behauptet weiter, der Unter- suchungsrichter habe ihm auf seinen Antrag, die vier Münchener Nationalsozialisten als Zeugen zu laden, lächelnd gesagt:„Aber dabei kommt doch nichts heraus, was die Herren sagen werden, das weiß ich jetzt schon." Der Nazi- Pfeffer springt darauf von der Zeugenbank auf, gestikuliert lebhaft und ruft:„Das ist ja unerhört, ein unglaubliches Benehmen." Schließlich erklärt der Vorsitzende: Ich glaub«, wir kommen ganz von unserem Thema ab. Für die Verhandlung sind ja alle diese Ding« nicht erheblich. Das gibt wieder dein Rechtsanwalt Dr. Sack Veranlassung zu der Erklärung, nach seiner Meinung seien diese Ding« für das Schicksal des Angeklagten Scheringer sehr erheblich. Denn der Untersuchungsrichter habe vom ersten Tag« an erklärt, daß er d e m Angeklagten Ludien mehr glaube, während er der Ueberzeugung sei, Scheringer suche sich auf Kosten seines Kameraden herauszureden. Dann wurde Leutnant Lohr über die Reife des Leutnants � Ludien von Ulm nach Berlin vernommen, wo Ludien sich zuerst mit L Lohr und später mit Leutnant Färsen verabredet hatte. Leutnant Löhr schilderte, daß Ludien nach Berlin gekommen sei und ihin ziemlich ausgeregt und niit einem ungeheuren Fanatismus und hohem Schwung sein« Ziele vorgetragen habe. Ludien habe dabei absolut überzeugend, aber auch so erregt gewirkt, daß der Zeuge über Ludien, den er bis dahin nur sehr flüchtig kannke, geradezu erschrocken gewesen sei. Vors.: In der Voruntersuchung haben Sie gesagt, Ludien habe Sie gefragt, ob Si« auf Ihre Jllterboger Kameraden einwirken wollten, daß bei einem etwaigen Konflikt die Reichswehr nicht auf nationale verbände oder auf die Nationalsozialisten schieße. Zeuge: Ludien hat sehr viel erzählt. Ich habe ihm aber bald merken lassen, daß ich für überstürzt« Sachen nicht zu haben sei. Ich glaube aber nicht, daß Ludien gerade diese Frage an mich gerichtet hat. Nach meiner Erinnerung kann ich heute nur sagen, daß Ludien im wesentlichen feststellen wollte, welche national eingestellten Offiziere auf ihre Kameraden in nationalem Sinne ein- zuwirken bereit feien. Vors.: Was verstehen Sie unter dem Begriff national? Neues Türkenkabiaett. Ismet Pascha hat auf Drängen Kemal -Paschas die Bildung des neuen Kabinetts übernommen. Mit Aus- nähme des Wirtschafts-, Arbeits-, Unterrichte- und Justiz- Ministeriums wird es sich aus Mitgliedern des alten Kabinetts zu- jammensetzen. Brüssel, 26. September.(Eigenbericht.) Der zweite Verhandlungstag im Prozeß de Rosa gestaltet sich noch dramatischer als der erste. Der Zulauf war noch stärker. Man hatte das Gefühl, daß nicht de Rosa auf der Anklagebank saß, sondern Mussolini, der König und der Kronprinz von Italien. Es war ein schlimmer Tag für das fafchiftiichc Regime. Die lange Reih« von Zeugen hinterließ den Eindruck eines tiefunglücklichen Volkes, das seiner Freiheiten völlig beraubt ist und dessen Ehre und Würde von einer Band« bewaffneter Abenteurer mit Füßen getreten wird, so daß einem freihcitliebenden Menschen nichts anderes übrig bleibt als die Flucht und die Ver- schwörung. Der erste Zeuge war Nitti, zweimal Ministerpräsident von Italien, als dieses Land noch frei war. Er konnte de Rosa, der auf ihn-den denkbar besten Eindruck macht«, ebenso wie auf all«, die ihn kannten. Nitti ist der Ansicht, daß de Rosa überhaupt nicht die Absicht gehabt hat, den Kran- Prinzen zu töten, obschon er selbst das Gegenteil behaupte. Er glaubt, de Rosa wünschte verurteilt zu werden in der Ueberzeugung, daß das der Freiheit seines Landes nützlich sein werde. Nitti beschreibt dann die furchtbare Unterdrückung, unter der das italienische Volk leidet. Dies« Unterdrückung habe auch die denkbar schlimmste Wir- kung auf die wirtschaftliche Lage des Landes. In Italien fei die Zahl der Bankrotte dreimal so hoch als in England und Frankreich zusammen. Diese Tatsachen erklärten, daß die jungen Leute in diesem Lande in einem Zustand ständiger Aufregung leben und daß sie dies« Aufregung auch ins Ausland tragen. Der zweite Zeuge ist Frau Carlo Rosselll, die Frau eines italienischen Profesiors, der gegenwärtig in Paris lebt. Sie ist Engländerin von Geburt. Ihre Aussage macht einen sehr tiefen Eindruck. Sie beschreibt die Schrecken des Blutbades von Florenz im Oktober 1925, dessen Augen- zeugin sie war. Sie erzählt dann, wie ihr Mann oerhastet und nach Lipari oerschickt wurde. Damals folgte sie ihrem Mann dorthin und sah dort die Leiden, die die unglücklichen Deportierten zu er- tragen hatten. Als es ihrem Mann gelang, auszubrechen, wurde s i e verhaftet und mehrere Wochen in Einzelhast gehalten. Sie wurde nur deslzalb wieder freigelassen, weil verschiedene englische Zeitungen sich ihres Falles annahmen. » Turati, der italienische Sozialistenführer, schitdert, wie der Faschismus alles zerstört, was die organisierte Arbeiterklasse Italiens in Generationen aufgebaut hat, und wie dieser Faschismus Italien in den Z u st a n d der Barbarei zurückgeworfen hat. Es folgt die Vernehmung eines hervorragenden konservativen italienischen Journalisten, des früheren Chefredakteurs des „EorricredcllaSera". Er zeigt die v e r s ö n l i ch e Ver- antwortung des Königs von Italien sowie des Kroirprinzen insofern, als sie entgegen ihrem Eid auf die Verfassung das faschistische Regime geduldet und ermutigt haben. Ferrari, ein italienischer Rechtsanwalt und gegenwärtig Professor an der katho- lische» Universität von Löwen, schildert, wie der Faschismus alle bürgerlichen Freiheiten des italienischen Volkes«ine nach der anderen zerstört hat. Die Pressefreiheit, die Freiheit der Versammlungen und des Wortes, die Freiheit der Lehre sowohl in der Schule als auch in der Universität seien zerstört worden. Auch die Unab- hängigkeit der Richter und der Justiz bestehe nicht inehr, denn selbst Richter könnten von der faschistischen Partei ab- gesetzt werden. Auch das Begnadigungsrecht des Königs sei auf- gehoben worden. Hier fragte einer der Verteidiger, was da von der königlichen Autorität noch übrig bleib«? Ferrari antwortete: „Nichts, der König ist heute einfach der Kanzler des Diktators." Prof. Sa l v e mi n i, früher Professor der Geschichte an der Univer- sität von Florenz, schildert das furchtbare Blutbad von Turin im Jahre 1922, das einen so tiefen Eindruck auf de Rosa gemacht habe, und zwar zu einer Zeit, als er noch fast ein Kind gewesen sei. Salvcmini verließ Italien, weil das faschistische Regime es ihm unmöglich machte, die Geschichte unabhängig und seinem Gewissen gemäß zu lehren. Rosetti. ein früherer Marineoffizier, der sich im Kriege als Kommandant eines U-Bootes besonders ausgezeichnet hat, schildert, wie er dazu gekommen ist, sein Baterland zu verlassen. Er hatte das Gefühl, daß, wenn er noch länger dieses schamlose Treiben mit ansehen müßte, er unweigerlich dazu gelrieben werde, eine ähnliche Tat zu begehen wie die, für die de Rosa sich heule zu verantworten hat; da er dieses vermeiden wollt«, verließ er Italien. Ein hervorragen- der belgischer katholischer Journalist Pasfelecq ist der nächste Zeuge. Er hat besondere Studien über das faschistische Regime gc- macht und ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß dieses R e- gime alle Freiheiten mit Füßen tritt, die dem belgischen Volk am teuersten sind. Er müsse ferner den unglückseligen Einfluß beklagen, den die italienischen faschistischen Gewaltmethoden auf die Jugend anderer Länder ausüben. Als letzter Zeuge für die Verteidigung kam der belgische sozialistische Senator de Brouckcre zu Wort. Er zeigte, wie der italienische Faschismus ein« dauernde Gefahr für den Frieden Europas darstelle. Es folgte die Anklagerede des Staatsanwalts, aus der hervorzuheben ist, daß der Staatsanwalt nicht ein einziges Wort zur Verteidigung des faschistischen Regimes fand. Er stellte sich einfach auf den Standpunkt, daß die Uebel oder die Wohltaten des Faschismus nicht zum Prozeß gehören und daß das Gericht nicht kompetent fei, den Faschismus zu beurteilen. Auf alle Fälle könne es nicht geduldet werden, daß Ausländer nach Belgien kommen und durch verbrecherische Methoden ihre politischen Streitigkeiten regeln--- wolle». Er schloß mit der Forderung einer strengen B«--' st r a f u n g des Angeklagten. Es folgte die erste- Verteidigungsrede des Rechtsanwalts de Bock, der die Freisprechung de Rosas verlangte, nichr nur deshalb, weil er unter einem unwiderstehlichen Zwang gehandelt habe, sondern weil die Ilmstände der Tat bewiesen, daß er im ent- scheidenden Augenblick n i ch t d i e Absicht gehabt hat, den Prinzen zu töten, sondern nur die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Leiden seines Landes zu richten.— Die Verhandlung wird a-w Sonnabend fortgesetzt.. Zugendherbergen und Zugendwandern. Was man amEonntag in der�eichswerbewoche sehen kann. Als letzter und bedeutsamster Reichswerbetag des Reichs- verbandes für deutsche Jugendherbergen ist der morgig« Sonntag ausersehen. Auf die Bedeutung der groß- zügigen Werbung zur Schaffung von Jugendherbergen haben wir im Lause der Wache in einem ausführlichen Artikel hingewiesen. Die schlechte Wirtschaftslage von Reich und Länder», von Provinzen und Kommunen kann trog bestem Willen nicht in dem not- wendigen Ausmaße helfen. Selbsthilfe soll die Mittel schassen, die im Dienste der gejainten Jugend und zur Hebung der Volks- gesundheit benöligt werden. In Berlin finden morgen nicht weniger als vier große Veranstaltungen statt. Der Norden trifft sich im Volk spart Rehberge um 15 Uhr, die Sport- und Jugendvereine, der Arbeitersängerbund und das Berliner Tonkünstlerorchester werden mitwirken. Nach Massenchören, Volkstänzen und Sportvorführungen wird ein Fackelzug nach dem Leopoldplatz die Kundgebung schließen. Der Süd«» bietet in d«r großen Kampfbahn des Sportparks Neukölln ein großes Volkstanzfest, das gleichfalls um 15 Uhr beginnt. Um ITA Uhr schließt sich«in« Kundgebung unter dem Motto„12 Jahre märkisches Jugendherbergswerk" an. Am Vormittag werden Platzkonzerte in den Bezirken Neukölln und Kreuzberg abgehalten. Im Concordia-Palaft in der Andreas- ftraße vereinigt sich der Bezirk Osten um 11 Uhr. Auf dem Sportplatz Friedrichshain werden in reicher Abwechslung sportliche und musikalische lDarbietungen und Volkstänze- um 14 Uhr vor- geführt. Um 15 Uhr sammeln sich die Karl»Hörster Turner zu einer Werbeoeranstaltung im S e e p a r k. Der W e st e n wirbt bereits heute abend durch eine groß« Veranstaltung unter Fackel- beleuchtung auf dem Sportplatz Tiergarten. Der Beginn ist auf 18 Uhr festgesetzt. Sonntag um 19A Uhr findet im Fr«ih«rr-vom-Stein-Lyzeum in der Weim arischen Straße ein bunter Abend mit Darbietungen aller Art statt. Zugend. heraus aus der dumpfen Luft der Fobrikhöfe und Kontore, hinaus in die freie Nalurt Das ist der Grundgedanke der Werbewoche, und dieser Grundgedanke ist so schön und verheißungsvoll. daß jeder, der es irgend kann, zum Gelingen der Rcichswcrbewoche beitragen sollte. Feuer in der(Schuttheißbrauerei. In der Schultheiß. Patzenhofer-Brauerei in der Landsberger Allee brach heut« mittag um m Uhr ein Feuer aus. Im Dachgeschoß des Hauses ist die Böttcherei unter- gebracht, deren Holzbestände aus bisher ungeklärter Ursache in Brand gerieten. Die Feuerwehr griff mit sieben Rohrleitungen an und hatte breits nach einstündiger Arbeit das Feuer bezwungen. S)ie Abgeordnelen rücken enger sufammen In Deutschland gibt es keine sest« Anzahl von Abgeordneten. Das Äerhaltnisivahlvecht ist vielmehr so ausgestaltet, dah mit der Zahl der abgegebenen Stimmen auch die Zahl der Abgeordneten sich ändern. Diesmal haben über 5 Millionen Wähler und Wähle- rinnen mehr an der Wahl teil- genommen als 1928. Infolgedessen ziehen 83 Ahgeordnctc in den Reichstag mehr ein als vor zwei Jahren: 376 statt 491. Im Plenarsaal des Reichstags sind sür sie Sitzplätze nur dadurch zu schaffen, daß die meisten Abge- "ordneten— von der 5. Reihe an— auf ihre Schreibpulte ver- ziehten und eng nebcneinander, wie in einem Kino, sitzen. Das Bild zeigt den Ausbau. Die Städte in Gefahr Gen. Brauer auf dem preußischen Gtadieiag in Dresden- Endlich Auslands- kredite oder Entkommunalisierung! Lräl. Dresden, 27. September.(Eigenbericht.) Im Anschluß an den Deutschen Städtctog träten heute vor- mittag die Vertreter der preußischen Städte in Dresden zu ihrer Hauptversammlung zusammen. Nach Eröffnung des Präsi- dcnten Mulert erhielt das Wort der sozialdemokratische Oberbürger- meistcr von Altono, Genosse Brauer. Seine grundlegenden Ausführungen sollten«in Alarmrus für olle vciantwortlichen Stellen sein, endlich alles zu tun, um den drohenden finanziellen Zusammenbruch der Städte abzuwenden. Cr führte aus: Heute wohnen 65 Proz. der deutschen Bevölkerung in der Stadt. So ist das Schicksal der deutschen Stadt geradezu das Schicksal Deutschlands geworden. Der gewaltig« Menschenübcrsluß des flachen Landes wäre in den letzten 60 Iahren in das Ausland abgeströmt, wcim nicht die deutsche Stadt die unzähligen Millionen Menschen aufgcnomnien und ihnen eine neue Lebens- Möglichkeit gegeben hätte. Gleichzeitig ist die Stadt einer der wichtigsten Träger unserer Volkswirtschaft, sei es als Arbeit- geberin, sei es als Eigentümerin kommunaler Betriebe, sei es als A u f t r a g g e b e r i n der deutschen Privatindustrie. Die städtischen Austräge bezisfern sich auf rund 5 Milliarden Mark jährlich. Finanzielle Drosselung? Dieser Bedeutung der Städte und ihrem gewaltigen Aufgaben- kreis entspricht keineswegs ihre finanzielle Stellung. Der Anteil des Reiches am deutschen Gesamtsteuerauskommen stieg von 1913/14 bis 1927/28 von 40,3 auf 46,9 Proz., der Länder- a n te i l von 19,3 auf 20,3 Proz. Dagegen sank der Gemeinde- a n t e i l von 37,2 auf 30,2 Proz. Der inländische Kapitalmarkt ist verarmt. Die Städte konnten ihren angestauten Bedarf nur aus Ausländsanleihen befriedigen. Auslandsgeld war überdies stets billiger als das Inlandsgeld. In seinen weiteren Ausführungen weist der Redner die ver- hängnisvolle Rolle der Beratungsstelle für Auslands- kredite nach und erklärt: Di« Ablehnung zahlreicher Kommunal- onleihcn legte vielfach die gemeindlich« Auftrageerteilung still und verstärkte die Wirtschaftskrise. An die Stelle der ?lnlcihen mußten erhöhte Realsteuern und erhöhte Wcrktarisc treten. Es ist charakteristisch, daß neue Knebelungsvorschriften ausgearbeitet worden sind, ohne daß man es für notwendig erachtete, die zentralen Organisationen der Gemeinden zur Beratung heranzuziehen. Eine Begründung für ein neues Ausnahmegesetz gegen die Gemeinden ist nicht erkennbar. Die geplanten Richt- Knien würden der Beginn einer Entkommunal'sierungsaktion sein. Die Forderung der Städte. Die Städte verlangen die Aufhebung der bisherigen Bs- ratungzstellc sür Auslandskrcdite und die Gleichberechtigung der kammutialen Wirtschaft mit ihren privaten Konkurrenz betrieben. Die Kommunen haben durch stärkste Einschränkungen in ihren finanziellen Anforderungen und durch ihr U m s ch u l d u n g s- Programm ihr ernstes Bestreben gezeigt, aus der kurzfristigen Verschuldung herauszukommen und ihre Finanzen auf gesund« und feste Grundlagen zu stellen. Beratungsstelle muß verschwinden! Nach der Diskussion, über die wir noch berichten werden, wurde eine Emschließung angenommen, in der es heißt: Bei der auf dem Inlandsmarkt obwaltenden Kapitolknappheit und dem Mißverhältnis zwischen Kapitalangebot und Nachfrage haben die Gemeinden zur Deckung ihres dringendsten Kreditbedarfs auch den Auslandsmarkt in Anspruch nehmen müssen. Di« Drojselungspolitik des Reiches und der Rcichsbank hat den Ge- meinden die Befriedigung ihrer Kreditbedürfnisse erschwert und da- mit das Anwachsen der überhohen kurzfristigen Verschuldung ver- ursacht. Die Städte müssen verlangen, daß Reich und Land den Lebens- bedürfnissen der kommunalen Wirtschaft und der Bedeutung der großen Aufgaben der Städte sür das Voltsganze auch auf dem Gebiete der Kreditwirtschaft Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die kommunale Wirtschaft darf auch auf diesem Gebiet keine Zurück- sctzung gegenüber der privaten Wirischast erfahren. Die Fort- sührung der Beratungsstelle für Auslandskrcdite ist deshalb abzu- lehnen. Vor allem aber ist die geplant« Ausdehnung ihrer Zu- ständigkeit auf Inlandsanleihen und auf Anleihung der Versorgungsbetriebe als ebenso schädlich wie überflüssig schärf- stcns zu bekämpfen., Sr möchte eine Mionärstochter heiraten und iut dabei einen Blick in ein Heiratsvermittlungsbüro Ich suche für Kommerzienratstochter. 21 Jahre alt. sehr hübsch, elegant. sportliebend und musikalisch, geeigneten Lebensgefährten in nur guter Position. Der Vater der jungen Dame ist ein sehr angesehener Herr, das Gesamtvermögen beträgt etwa 7 Millionen Mark. Ausführliche Zuschriften erbeten. Besuch täglich 2 bis 6 Uhr, außer Sonntag. Auf Wunsch Abholung mit n, einem Auto. Eines Tages liest man dieses Inserat in ein paar Zeitungen, denen neben der Jnseratenplantage auch etwas Text beigegeben wird. Vor dem Namen der Frau, die dieses dringende Gesuch, diesen Notschrei nach dem Manne unterzeichnet hat, steht das tieine Wörtchen„v o n". Wir befinden uns also in der besten Gesellschaft. Sollte hier das Glück winken--, die groß« Charne--, die einmalige Gelegenheit, die soziale Frag« so ganz sür mich privat zu lösen? Aber— befinde ich mich auch in„nur guter Position"?_ Nun, wenn mich diese sehr hübsche, elegante, sportlicbende und musikalische, sieben Millionen schwere Kominer- zienratstochter zum Lebensgefährten wählt,— dann wird meine Position wähl„nur gut" genug sein. Auf die„Abholung mit meinem Auto" wird ver- zichtct. Den Sonntognochmittagauxgehanzug gut ausgebürstet, steige ich die tcppichbelegten Stufen in einem der sogenannten eleganten Häuser in der Nähe der Gedächtniskirchc empor. Ein sehr auf „Dame" zurechtgemachtes Empfangssräulein össnet. Der Blick gleitel etwa» zweifelnd über mich. Ich bemühe mich, so weltmännisch aufzutreten, wie man es heut« in jedem guten Kino lernen kann.„Ja, Frau von I. ist verreist--, aber vielleicht sprechen Sie mit Herrn von V?" „Gut, ich würde auch mit Herrn von P. sprechen." Einstweilen läßt man mich in der langgestreckten Empfangsdiele warten. Zwei Kleiderablagen, links und rechts weiße Türen, aus denen oft jemand herauskommt oder hineingeht. Die Herauskommenden werden von einer der Empfangsdamen verabschiedet, halblautes Geflüster.„So? Aha! Ja natürlich, nein gewiß, wir werden elwas anderes arrangieren?. Neue Gäste kommen, müssen warten oder werden in eins der Zimmer geführt. Ich beginne allmählich zu merken: hier wird nicht nur für eine Millionärstochter ein Lebensgefährte gesucht. Es scheinen sich noch mehr„Millionärs- töchter" in ähnlicher Lage zu befinden. Diese elegante, moderne und sicherlich durchaus geschäftstüchtige Heiratsoermittlung blüht! Leicht angeknickte ältere Herren erscheinen, altmodische, sehr provinzielle i„Kavaliere", die sicher auch eine Chance suchen, Glucksritler. Damen, denen man die„Millionen" nicht ansieht, jüngere, ältere, gut bürgerlich angezogene, elegante.—— Ein älteres Mädchen wird ungeduldig, sie scheint hier schon sehr ver- traut zu sein.„Ist er denn noch nicht da? Ich kann nur bis sieben Uhr hierbleiben." Beschwichtigungsversuche. Sie geht un- ruhig auf und ab. Wartet sie auf einen Millionär? Sie selbst sieht so gar nicht nach Millionen aus, eher nach einer kleinen ge- drückten Hausdame, dem„Fräulein" für die Kinder, mit Familien- anschluß. Die beiden Empfangsdamen flüstern.„Ins blaue--" Nein, um Gotteswillc:� da ist doch-- Das Geschäft scheint zu gehen, und man muß sich vor Komplikationen hüten. Endlich bin ich an der Reihe. Ich werde in ein größeres Zimmer geführt. Rosa Rokokomöbel, rosa Tapete, in der Ecke eine badende Nymphe. Herr von D., ein pausbäckiger jüngerer Herr, verbindlicher Geschäftsmann.„Die Millicmärstochter? Ja natürlich, wir haben mehrere Mllionärstöchter. Oh, reizende, junge Damen." Aber erst werden meine Perjon allen auf- genommen. Meine wünsch«, ob die Zukünstig« braun, schwarz oder bland fein soll, groß oder klein? Eventuell eine jung« Witwe— oder eine geschiedene Frau? Wieviel Vermögen vorhanden sein soll? Ich bin ganz in der Rolle.'Einheirat? Nein, das kommt gar nicht in Frage! Bar- gcld, selbstverständlich, und josort vcrsügbar.„Da haben wir hier eine entzückende junge Dame aus Zürich, 500 000 M." Mit überzeugender Beredsamkeit werden mir noch mehrere„Millionärs- töchter" angepriesen.„Jawohl, wir haben überall Beziehungen. Wir vermitteln nach jeder Stadt."—„Vielleicht noch Frankfurt? Da hätte ich ein paar entzückende, ganz reizende junge Damen." Wahrlich, die Entscheidung fällt mir schwer. Ich beginne diesen Mann zu lieben. Er sorgt sich um mich. Mit allen Mitteln der Beredsamkeit will er mir eine seiner„Millionärstöchter" auf- drängen. Sollt« er so rein aus Menschenliebe um mein Glück besorgt sein? Durchaus nicht! „Zwei Prozent vom vermögen der Frau am hochzcilskage." „So, so, aber das sind ja ganz kulante Bedingungen."„Za, und— 300 M. bei Auflragscrlcilung." Ah— so, ich mache ein gleichgültiges Gesicht, aber ich bin er- schlagen. Meine freundlich lächelnde Millionärstochter verschwindet hinter einer drohenden Wolke von dreihundert Mark, die ich zahlen soll und nicht natürlich nicht habe.„Aber dafür arbeiten wir, bis Sie verheiratet sind." Für dreihundert Mark bin ich diesem srcund- lichen Herrn rettungslos ausgeliefert. Er wird mir täglich „Millionär-töchter" vorstellen, alte, junge, mit kleimm Fehlern, leicht beschädigt.--„Wir vermitteln die Bekanntschaft hier, Sic treffen sich dann vielleicht nochmals diskret an einem dritten Ort." Ich werde sichtlich schwankend, mit einer großartigen, aber nach- lässigen Gebärde müßte ich jetzt meine Brieftasche ziehen.— Aber nein, ich pflege ja nicht dreihundert Mark mit mir herumzutragen, „Selbst ich pflege dreihundert Mark überhaupt nicht zu be- sitzen---. Selbstverständlich, werde wieder mit vorbei- kommen, die Sache nochmal prüfen, eine kurze Uebrlcgung, werde mit Auftragserteilung sicher nicht zurückhalten." Dreihundert Mark! Ob man Butter, Schmierseife, Bücher oder„Millionärstöchter" vermittelt, bleibt sich gleich.„Wir osfe- riercn freibleibend und liefern ab hier und jedemts gegen vorherige Kasse.--* R- J— c. Stürme von gestern. Wedetinds„Schloß Wetterstein" in der Klosterstraße. Die Entwicklung dieses kleinen„Theaters in de? Kl o sie r st ra ße" ist erstaunlich. Um es gleich zu sogen: Die Bühne ist schlecht beleuchtet, die Dekoration— o sprechen wir nicht von ihr, die Regie Friedr. Wilhelm Kaisers: Durch- fchnittsarbcit. Aber die Auswahl der darstellerischen Kräfte ist gut und hinter der ganzen Gestaltung schwebt«in spürbarer Hauch ehrlichen Willens und ernster Arbeit. „Schloß Wetterstein", das Stück, ein Vorstoß Wede- k i n d s in eine Welt freiheitsdurstiger Erotik, von etwas"faden- fcheinigcr Mystik vermag uns immer noch zu packen. Freilich ist es jo, daß die Stirnen der heutigen Jugend bereits anderen, wieder geheimnisvollen und wieder uncrgründeten Stürmen aus- gesetzt sind. Aber unsere Herzen schlagen noch für die Wedckindsche Jugend und sür den ehrlichen Kampf um das Gesicht der Wirk- lichkeit. Es ist sehr schön, heut« von einem kleinen Theater sagen zu dürfen, daß es sich aus der Fülle leider unbefchäftiger, brotloser Talente seine Darsteller geholt hat: die beste ist Fritta Baad, die wohlbekannte, aber auch die junge Mea Häuser Leistet tiefempfundene Arbeit. Friedr. Wilhelm Kaiser, Franz Son- dinge r, Ernst Weh lau und Georg Kruse, sie alle verdienen ehrliches Lob. Es soll hier doch nicht verschwiegen werden, daß es junge, brotlose Bühnenbildner gibt, die mit einfachen Mitteln ganz andere Dekorationen zustande brachten wie der Anstreichermeister, der hier am Werke war. Alexander von Sachcr-Masoch. „Bockbiersest." Atrium. Das ist alles bekannt. Der reiche Proviuzfabrikant, angeblich cingcjchworcner Antialkoholiker, kommt nach Berlin und offenbart feine Lieb« für den Alkohol. Außerdem gefdzehcn auf dem Bock- bicrfcst in der Hasenheide die üblichen Berwechslungsgeschichien, die man als eisernen Bestandteil der Situationslustspiele der Firma Blumenthal und Kodelburg ansehen kann. Dem Toirsilmschwank fällt nichic anderes ein, als jetzt die ver- staubten Bühncnrequisiten für den Film neu anzupiirseln, und die einzelnen Typen tragen nur moderne Kleider, sonst sind sie der Charaklcrkomiker, der Bonvivant, die Naive und die komische Alte, über die unsere Großeltern einmal lachten. Selbst die Handlung hat ihre Vorbilder— etwa in den„Logenbrüdern" oder in„Groß- stadtluft"— und die Chansons klingen ebenfalls nicht besonders originell. Carl B o e s e inszeniert nach bewährten Mustern diese? Gattung, dt« Darsteller spielen, wie man es gewöhnt ist. Nur Ida Wüst gibt mehr als das beliebte Schema. Als alternd« Kabarettistin ist sie liebende und besorgt« Mutter, eine Frau, die sich und ihre Tochter bürgerlich rangieren möchte. Die Wüst zeichnet völlig unausdringlich, mitten in dem Cancan üblicher Witze und Typen steht hier ein Mensch, der die Tragik seiner Existenz ahnen läßt. R. Ldi. Verbitiigier Tonfilm? In der Aula des Klei st-Lyzeums veranstaltete vor Vertretern der Press« und vor Jnteressemen die Deutsche Hochbild-Gesellschaft München«ine Vorführung ihrer N a d e l t o n s i I m- Apparatur. Es handelt sich dabei um einen Apparat, der die kostspielige Tonsilmanlage ersetzen soll und es dadurch den kleinsten Kinothcatcrn ermöglichen würde, Tonfilm« zu spielen. Die Anlage besteht aus einem sog.„Synchronwerk", aus Schalldose, Tonarm und Tonführung mit Schallstrahler. Der An- schluß erfolgt mittels biegsamer Welle direkt am Schwungrad der Vorführungsmaschine und sichert dadurch absolute Synchronität zwischen Bild und Ton. Um dabei den Ton auf seiner natürlichen Höhe zu halten, muß die genormte Frequenz von 24 Bildern pro Sekunde«ingehalten werden. Der Preis beläust sich bei kleiner Apparatur nur auf einige hundert Mark. Zur Vorführung gelangten zwei Akt« des Dupont-Films „?l t l a n t i k". Es waren dies die Akte, die dem Schisssuntergang vorausgehen. Die Reproduktion war gut. Besonders kam Kortners Stimme zu starker Wirkung. Es scheint also, daß hier tatsächlich «ine Erfindung vorliegt, die ein« Berbilligung der Tonsilm- wiedergab«, ohne daß die Qualität der Vorführung sinkt, ermöglicht.— t. Der„Berliner Lendvai-Thor vcranstallet am Sonnabend, den 27. Setz- tember. in Anwesendeil bei Komponisten Erwin Ucndvai, ein Konzert in der Philharmonie, Vernburger Straße. Zum Vortrag kommen nur von ihm oertonte Männerchöre, größtenteils Erstaussührungen, Außerdem die f, ins Sonette der!1 u t z e L a b ö. gesungen von Margarete Roll, rntev Vealettimg de? KommeroichesterS der Philharmoniker. Beginn 8 Uhr, Eii.lrillöprciS M. l.25. Zörgiebel schreibt an berliner Zungen Weil er an Schupos statt die Verkehrsampel bediente Ein aufgeweckter Schüler hat am Donnerstagabend bewiesen, daß er im Notfalle auch mal die Funktionen eines Verkehrspolizisten ausüben kaim. An der Ecke Leibniz- und Bismarckstraße fuhr ein Privatkraftwogen mit einem Motorrod zusammen und der dort postierte Verkehrsbeamte mußte, um weiteres Unglück zu ver- hindern, feinen Platz verlassen. Der eine der beiden Ehausfeure war nämlich angetrunken und es bestand die Gefahr, daß er, wenn er seine Fahrt fortsetzte, weiteres Unheil anrichten würde. Der Verkehrspolizist mußte wohl oder übel den Chauffeur erst zur Wache bringen, hatte sich aber sofort Vertretung zu seiner Verkehrs- ampel bestellt. Der Sekundaner K u ck u l i e s, der diesem Vorfall beiwohnte, hatte aber die Geistesgegenwart, sich an die inzwischen unbesetzte Verkehrsampel zu stellen. Nach wenigen Minuten hatte er den Schwung raus und ließ die verwunderten Chauffeure in Ordnung an sich vorübersausen. Die Ablösung des Verkehrspolizei- beamten wollte zwar zunächst nicht an das gute Werk des Studenten glauben, mußte sich aber auf Zurufe aus dem Publikum von den guten Absichten des jungen Mannes überzeugen lassen. Der Berliner Polizeipräsident hat dem Schüler in dem nachstehenden launigen Brief seine Anerkennung ausgesprochen. Herrn Hellmuth Kuckukier Charlottcnburg Goethestraß« 82 Mit Vergnügen habe ich gehört, wie Sie als scher Berliner Junge unseren Verkehrsreglcr in der Bismarckstraße bedient haben. Dos war einmal etwas Neues, neu für eine Behörde, wie die Polizei nun einmal eine ist, neu auch für die Kraftfahrer und Passanten, die immerhin schöne Augen gemacht haben mögen. Haben Sie eimnal daran gedacht, welch Unheil hätte entstehen können, wenn Ihnen ein Fehler unterlaufen wäre, als Sie kurz entschlossen vom Rade sprangen, um den vereinsamten Verkehrs- regier zu bedienen? Nein! Sie haben vielleicht selbst nicht g«° dacht, welch schwere Aufgabe Sie da aus sich genommen haben, denn nun mußten Sic ja in Ehren eine Konkurrenz mit unseren Verkehrsbeamtcn bestehen, die anerkanntermaßen die bestgefchulten und fähigsten Fachleute aus diesem Gebiete sein sollen. Sie haben aber, wie es scheint, diese Konkurrenz bestanden und haben oben- drein die Lacher auf Ihrer Seite gehabt, was in diesen ernsten Zeiten viel wert ist. Und zu den Lochern, die aus Ihrer Seite standen, gehöre auch ich und darum wünsche ich Ihnen, daß Sic niemals in Ihrem Leben die frische Entschlossenheit verlernen mögen, die Sie gestern gezeigt haben. Mit freundlichem Gruß Zörgiebel. 3)er Schupo gralulieri feinem freimilligen Terfreler Vorspiel zur Kunktionarkonferenz. Tiergarten fordert Härte gegenüber der Regierung Brüning und verlangt außerordentlichen Parteitag. In der gestrigen Mitgliederversammlung des Kreises Tiergarten in den Arminius-Festjälen referierte Genosse Otto Meier über die durch die Niederlage der Regierung Brüning geschaffene po- litische Lage. Er stellte die verschiedenen politischen Mög- l i ch k e i t e n dar, die durch die ausschlaggebende Stellung des Zentrums entstanden sind. Eine„Koalition der Vernünftigen" müsse die Wirtschaftspartei mit hineinziehen. Kräfte um den Reichspräsidenten seien gegen die Hereinnahme der Sozialdemo- iratic. Di« Sozialdemokratie habe in verantwortungsvoller Oppo- silion die Möglichkeit, Praktisches für die Arbeiterschaft her- auszuholen. Wenn die Sozialdemokratie kein Mißtrauensvotum gegen Brüning einbringt oder unterstützt, werde das Mißtrauen der Wählermassen und eine Vertrauenskrise innerhalb der Partei entstehen. In einen künftigen Kamps würde die Partei, belastet mit der Anerkennung der Regierung Brüning und ihren Notverordnungen, ziehen. Die bürgerlichen Parteien können zu sehr mit der Nachgiebigkeit der SPD- rechnen. Es sei b e s ch ä- in e n d, daß während des Wahlkampfes an Brüning die Frage gestellt werden konnte, ob man mithelfen dürfe. Wir habctz keinen Anlaß, unser Veranlwortungsgesühl für den kapitalistischen Staat immer wieder herauszustellen. Wir müssen aufhören, uns anzu- biedern und die Aufhebung der Notverordnungen fordern und Be- dingungen aufstellen. Sonst würde eine Vertrauenskrise in der Partei ausbrechen, im Vergleich zu der die Panzer- kreuzerkrife ein Kinderspiel gewesen wäre. Die Gegner seien zu sehr daran gewöhnt, uns nicht mehr zu fürchten. Bei der zu- nehmenden Abkehr der Massenstimmung von Republik, Demokratie und Sozialdemokratie müsse sich die Sozialdemokratie auf chre außerparlamentarischen Machtmöglichkeiten besinnen. In der Diskussion, in der u. a. Klotz, Bethg«, W. Schwarz und M. Wurm teilnahmen, kam die Meinung der Versammlung in der Richtung der U n t e r st r e i ch u n g der Ausführungen des Referenten zum Ausdruck. Auch wurde angesichts des Wahlergeb- nisies die Notwendigkeit der Schaffung eines Berliner Blattes von neuem hervorgehoben. Die darauf einstimmig angenommene Eni- schlicßung der Kreismitgliederversammlung Tiergarten besagt: „In" voller Würdigung der schwierigen politischen Situation und in dem Bewußtsein, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft der einzige Block ist, auf dem eine freie politisch« Fortentwicklung Deutschlands beruht, erklärt der 2. Kreis: Die Sozialdemokratische Partei kann aar eine Politik treiben. die ihre Haltung während des wahlkampfes rechtfertigt. Wer ihr eine andere Politik zumutet, trägt damit die Derantwor- tung für jede Verschärfung der innen- und außenpolitischen Lage Deutschlands, die mit zunehmender Wirtschaftskrise und Ar- beitslosigkeit zur Katastrophe treiben muß. Die Sozialdemokratie will die Ueberwindung der Krise und die Sicherung der politischen Demokratie. Aber sie ist äußersten Aalle» auch außerparlamentarisch stark genug, sich selbst und die Demokratie und damit die Zukunft Deutschlands zu verteidigen. Der 2. Kreis fordert außerdem die unverzügliche Einberufung eines außerordentlichen Parteitages." Breslau-Land fordert Parteitag. Breslau. 27. September.(Eigenbericht.) Der Parteivorstand wird ersucht, boldmöglichst einen Parteitag einzuberufen. Nur auf einem Parteitag wird sich ein zuverlässige Ueberblick über die Stimmung und die Stellungnahme der Par- tei zu den schwebenden wichtigen politischen Problemen gewinnen lasten. Die Funktionäre des Unterbezirks Breslau-Land-Neumark warnen ernstlich vor einer K o a l i t i o n s p o l i t i k, die auf Kosten des Parteiprestiges betrieben werden könnte und die die unerträgliche Belastung der breiten Massen durch die Notverord- nung sanktionieren würde. Warnung vor einem Schwindler. Dom Perbandfür Frei- denkcrtum und Feuerbestattung wird uns mitgeteilt, daß ein junger Mann Ansang der zwanziger Jahr« gestern ver- suchte, Mitgliedsbeiträge des Berbandes zu kassieren. Er sucht besonders alleinstehende Frauen auf. In einen» Fall« ist es ihn» leider gelungen, 3,75 Mark gegen Quittung zu erhalten. Die Marken Hot er angeblich vergessen. Der Verband macht besonders darauf aufmerksam, daß seine Kassierer einen von der Organisation gestempelten Ausweis mit Lichtbild haben und jeden Betrag durch Marken quittieren müssen. Der wonlagemeistcr Karl Braaß, langjähriger Mitarbeiter der Otis Auszugswerk« AG., ist heute, Sonnabend, den 27. September, 35 Jahre im Betrieb tätig. Der Gemischte Chor„polyhymnia" Tegel(M. d. DASB.) veranstaltet am Sonntag, dem 28. September,— 13 Uhr, in Tegel auf der Dorsaue ein Platzkonzert. Es kommen ältere und neuere Volkslieder zum Vortrag. Wetter für Berlin: Zeitweise etwas aufklarend, jedoch größten- teils bewölkt. Noch einzeln« leicht« Rcgenfälle. Ziemlich kühl mit meist schwachen Winden aus nördlichen Richtungen.— Aür Deutsch. land: Meist stärker bewölkt und ziemlich kühl, vielfach leichte Regen- fälle. Der Berliner Halte-Thor(Divig. Dr. Ernst Zander) veranstaltet in(Sc- meinschast mit seinem Kinderchor(Dirlg. Walter Hänel) am kommenden Sonntag, nachm. 4 Uhr, in der Hochlchule für Musik zu Eharlottcnburg ein Konzert mit heileren Gesängen, in dem Emil Kühne durch Vorträge und Lieder zur Laute mitwirkt. Einlaßkarten sür 75 Psg. an der Tageskasse. Vcranlwortl. für die Rkdottioa: Solfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Slacke, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. in. b. K., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer S: Co.. Berlin SW 68, Lindenh-ahe 3. Hierzu 1 Beilage. SonnaV., 27. 9. Staats-oper Unter d. Linden A.-V. 27 20 Uhr Sdiwanda, der Dudelsackpfeifer tnde 22V4 Uhr Sonnab, 27. 9. stidt. Oper Blsrnarckstr. Turnus I 20 Uhr Fldelio Enden. 22l/jUhr Staats-Oper lo Pili: dir RipiUiL R,-S. 75 19'/! Uhr Carmen Oifftotl. IrtemrkiDf Ende n. 22'h U. Staat!. Schausph. (an Gndanncnnurldj. A.-V. 24 20 Uhr Bürger Schippe! Ende 22-/. Uhr Staatt.Sdiüler-Tlnatür.Diarlftg. 20 Uhr Herr Doktor, haben Sie zu essen? Ende gegen 22'/, Uhr Tägl. S u. 8'/, Uhr. B 3 BarB. S236 Pr-'— 6 M.— Nachm. halbe Preise. Hur irentge*Cagr.f Zum rrslcn Wale au! dem.Wonlluenl! Sern Sprech Sehen, teierMnn und dam auarrletene Variete- 3>rogr. Tägl. S u. 813 Sohn). 2. so. B'5 Alex. E 4, 8066 1 Welntraubs Syncopators diu! das grolle interuatiaiuie Progtann! CAS1N0-THEATE8 _ uolhringcr Strafe 37. Nur noch bis 30. September Der selige Hollschlnsky aiiiiaiiiiiiiiMiiiMiniiiiii hihi im iiiiiiiii ii iiiiiiui im ii ti ii unnii Am 1. Okiober zum 1. Male Hurrah, ein Junge! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75, Rang 60 Pfg. K3WÜ 8.15 Dbr— Raoöen erlaabt Hans Kolischer* Argenlino Utile Esther tanzt n. singt u. a. Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 4 und 816 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. SSIBUSCH die sibdiute und modenute VefgodgungssUtte Berlins) Tlgl. 2 Vorst— Tel. Keldendamm 3340 nachm. 4'/. Uhr: 30 Flg.— 1.50 RM. abends»■;, Uhr; 30 Ptg__ 3.— RM. Sonnt. SVorst.itVS-o.S�Ulir »ersaumen Sie nicht das September- Uf eltstadtprogramai I 14 intern. Circ- 1. Varietdschlag.! An I.Oktob. rollst PrograDirawechs. GroBe Uebcrraschungen. Laß Blumen sprechen! und das neue Programm der $tetilneffänge3< im Reichshallen- Theater allabendlich 8 Uhr und Sonntag nachmittag SVz Uhr(nachm. zu halben Pr.) DdnhOll■ Brettl; Variett» Konzert» Tanz. GBUSS. SrilAl-SPIELUAUS S Lustige Witwe Hesterberg-, Hansen, Arno, Sehollwer, J an kuhn.Soliacfiers, Winkelstern, l>esnL. REGIEx CHARELL Iheaierl.d.Belirensir. 53-54 Direktion; Ralph Artbnr Roberts s'u Das häBiiche Biaacben Englisch— Roberts— Riemann. udeiit xlie JUesse über Die JScaut ww, Jiessiaa mit JtCHt Jxiesch ROSE-THEATER Gr. Frankfurter Str. 132 Biilettkasse: Alex 3422 u.3494 Lokal. Anzeiger: Ein seltener Abend l Welt am Abend: Der Beifall wollte kein Ende nehmen. Der Tag: Das Haus war mitgerissen. S U hr- Abendblatt: Herzlicher Beifall eines ergriffenen Publikums. Börsen-Courier: Das volle Haus zollte der Bemühung Achtung und Beifall. Volkszeitung: Das Publikum rief die Darsteller immer wieder vor den Vorhang. Nachtausgabe: Ein Ehrenabend für das Volkstheater in der Gr. Frankfurter Straße. Morgenpost: Eine Aufführung, die allen Respekt verdient. SooMbeod am 7°° U.(mit Irene Triesch) und auch 10" U,(mit Grete hebeiu.ig) Wochentags«15, Sonntag 230, zum 25. Male. u ü" u. 9 Uhr Kassenpr. von 50 Pf. bis 3 M. (Garderobe u.Progr. je 25 Pf) Heute, Sonnabd. 4U Uhr: „Dornröschen" Gr. AusßUttungsmärchcn f. Kinder. MWM E�stauiant ÄKMANN BETRIEB/ KEMPINSKn Zimmer 1 Bett Mk. 7,-bis 11," 26etten13,-bis22.- 6ad:Mk.3,- BatonilCr .voh' VolKsbtmne Tbtater am BOlowplalz. täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. StaatUdiiller-TI]. 8 Uhr Herr Doktor, habon Sie zu essen? Bsatstfiss mealer 8 Uhr Der Kaiser wen Amerika von Bernard Shaw Titelrolle; Werner KrauS Kegle: Mai Reinhardt. Kammerspiele 8-/. Uhr Heule zum 25. Male; Die Schule derFrauen von MoliEre. Kegle: UansDcpge. Neues Theater > am Zoo i limeahnh.Zoo.StpL 6554 Täglich S'U Uhr lommel in der Posse Paul und Pauline Rundfunkhörei tiaine Preise. Jlll»liailins«V«rlKaiir. te% Ermaoigung auf alle»reise H. Cherdron, schirmfabrik. Berlin F i Ii Berlin, Gro$e Frankfurfer Str. 125 Berlin, Frankfurter Allee 16 a 1 e Sieglitz, Schlo�str. 115 Charlottcnbartf, Berliner Str. 145 Theater am Xottb. Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 Uhr Eiue- Sänder Das Barwunderl Liederspiel u. die tolle Posse Dil liehen Verwandten. Zum Schluß: Pinselheinrichs Himmclsklause! Theater am SdUnhauerdamm Tägl. 8'/. Uhr Feuer aus denffelleln von Ernst Toller. Tel.: O.I.Nonl. 0231 n.5813 Berliner Hlk-TriO N e U k B 1 1 O. �Lahnstr. 71/7ä.l »erlln HOTELoAnMM EXCELSIOR Heute l EUERWEKK KONZERT TANZ| | Ehrenabend Kapellnist. Bf. Qilandnr Barnowsky-BOtioeo Theater In der Stresemannsir. Täglich S'l* Uhr tlawüite: 3 Lashpid von Sdiviefcrt Komödienhaus 8 V* Täglich 8 Vi Konto X von Bemauer und Oesterreither metroßoi-Theater Täglich 8 V. Uhr SenMHoneller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Sonntag V-Z Uhr Das Land des Lächelns 5 Uhr FrlederlHe. Kleine Preise. Rose- ilieater Gr.rni3klBttcrSir.i32 Tel. Alex 3422 u 3494 8.15 Uhr; Braut r. Messina mit Irene Triendi eis Isabella. Lustspioinaus Dir.; Kam LOpsdiOtz Täglich S'U Uht meine Sequester und ich Musik von Benatzky Lory Leux. Kurt vonMSIIendor/ Sonntag 5 Uhr Heine SAvester und KU Komische Oper S'h Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Deutsches KDnsller-Theal TiL Oarharosa 3337 8>/« Uhr Jim und Jill Operette v. kimn Ellis Preise»onlIK.mitwirts Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9 Uhr Die Wunder-Bar Revuestiick Lessiog-Theater Wtidfcdimm 2197 1.0141 Täglich 8 Uhr Nur noch 3 Vorstellungen Des Kaisers KUllS von Th. Plivicr Rog«: Ervin Piscator. Die Komödie S'h Uhr Der Schwierige LnhM'NerMnaunhil Regie: Maz Reinhardt. Pfadraizen mit obenstehender Schutzmarke sind, hygienisch einwandfrei, in allen besseren Betten- und Möbelgeschäften zu haben. Fordern sie ausdrücklich Matratzen „MarkeSiebttiischiarer" ffieifage Sonnabend, 27. September 1930 frrttntid ShnJoulQnßs A(�fWaWk Qemeinschatlsemptang fVeccep Weg im'Radio Das Rundfunkprogramm nxndct sich an Millionen Teilnehmer, ohne daß die Programmbearbeiter die Möglichkeit hätten, die Ein- drücke der Sendung in der Zuhörerschaft festzustellen. Die Presse kennt ihre Leser, an die sie sich wendet: Theater und Film erfahren durch Kundgebungen des Publikums sehr bald, ob es mit dem Inhalt einer Aus- oder Vorführung einverstanden ist. Der Rundsunkintcn- dant erfährt— und auch dann nur sehr selten— schließlich aus zweiter Hand, durch die Presse, die Beurteilung seines Programms. Den meistens subjektiv gehaltenen Kritiken folgen, ebenfalls sehr selten, Brief« der Hörer. Aver was würden selbst Zehntausende von Einsendungen bei einer ständig wachsenden Hörerschaft bedeuten? In einem kürzlich durch die Deutsche Welle verbreiteten Referat „Der Rundfunkvortrag und seine Hörer" fragt der Leiter des Deutsch- landsenders, Prof. S ch u b o tz:„Wer hört denn eigentlich Rund- funkvorträge mit einiger Regelmäßigkeit? Sind es wenige, sind es viele der jetzt etwa 3,3 Millionen zählenden Rundfunkteilnehmer? Sind es mehr Männer oder mehr Frauen und welchen sozialen Schichten gehören sie an? Werden Rundsunkvorträgc vorzugsweise von Kops- oder Handarbeitern empfangen und welche Stoffgebiet« interessieren die Hörer am meisten?" Schubotz meint mit Recht, daß jeder Rundfunkleiter, der von Woche zu Woche, von Monat zu Monat ein neues Programm festlegen muß, diese Fragen dringend beant- wartet hoben möchte. Aber der Rundfunk tappt im Dunkeln. Dos einzige, was darüber bekannt wurde, deutet darauf hin, daß die Hörerschaft eher Musik als Vorträg« wünscht, daß sie also weniger Belehrung als Unterhaltung erwartet. Fast alle Sendegesellschaften sind diesem Wunsche entgegengekommen. Es ist ein Verdienst des Reichskommissars Bredow, daß er nicht erst viel herumprobisrte, sondern mit dem Ausbau des Sendernetzes trotz schärferer Kritik erst dann begann, als die technische Vervoll- kommnung keine Senderverstärkung derart gestattete, daß nach abseh- barer Zeit auch der einfache Empfänger ander« Stationen als den Ortssender erreichen kann. Ein sicherlich nicht geringer Teil der Hörerschaft verlangt aber nicht nur Unterhaltung, sondern auch Belehrung durch Vor- träge. Dies« Aufgabe blieb in der Hauptsache dem Deutschlandsender überlasten, der im ganzen Reichsgebiet wahrnehmbar ist und auch im Ausland gehört wird. Selbstverständlich haben auch die Rund- funkgesellschaften ein Interesse, die Wirkung ihrer Darbietungen fest- zustellen. Da aber die Deutsche Welle hauptsächlich Bildungsarbeit leisten will, also Vorträge senden muß, bedeutet das Nichterkennen der Wirkung einer Sendung gerade für sie einen starken Verlust, trotzdem sie auf das lebhafteste bemüht ist, Verbindung mit dem Hörer anzustreben. Die Deutsch« Welle wendet sich im Gegensatz zu den Bezirks- fendcrn an die gesamte deutsche Hörerschaft, deren Schichten in jedem Landestcil andere Lebensbedingungen haben. Da die B e r u s s- umwelt die Menschen verschieden beeinflußt, setzt z. B. ein west- sälischer Industriearbeiter eine ganz andere Behandlung im Rund- funkprogramm voraus als der Landarbeiter in Pommern. Hinzu kommt, daß ein noch so exaktes Rundfunkprogramm niemals ab- schließend« Wissensbeceicherungen gibt, sondern den Hörer immer nur anregt, sich mit bestimmten geistigen Gebieten zu beschästigen. Wenn Prof. Schubotz in seinem Vortrag behauptet«, der Rundsunk sei geeignet, das in Bildungsinstituten erworbene Wissen zu c r- gänzen, so mag das für einen geringen Teil der Hörer zutreffen: bei einem sehr großen Teil der Hörerschaft ist keinerlei wesentliche Vorbildung vorhanden. Der Rundsunkintendant muß also immer damit rechnen, daß seine Hörer erst durch den Rundfunkvortrag ver- anlaßt werden, sich mit gewissen Wissensgebieten zu beschäftigen. Darauf muh gerade die Deutsche Welle größte Aufmerksamkeit legen. Schubotz fordert ja sehr richtig, daß danach gestrebt werden müsse, das Rundfunkprogramm sehr mannigsaltig zu gestalten und jedem seiner Einzelheiten eine besondere Nole zu geben. Hier kann der Hörer entgegenkommen, wenn er nicht alles hören will, wenn er sich im Programm ganz bestimmte, ihn inter- cssicrendc Vorträge aussucht, wie er ja auch nicht jedes Buch liest, und sich nicht jedes Bühnenstück ansieht. Wirkung, die nach der Lektüre eines Buches oder nach dem ftlczaris Svabsiäfie... Da nächstes Jahr Mozarts 175. Geburtstag und 140. Todestag gefeiert werden, beschäftigt man sich schon mit der Frage, was mit Mozarts arg verwahrlostem Grab geschehen soll. Es liegt auf einem der schönsten und stimmungsvollsten Friedhöfe Wiens, dem St.-Marxer-Friedhof, der bereits seit 30 Jahren nicht mehr zu Be- erdigungen benutzt wird und seit 1000 vollständig geschlossen ist. Er wird heule nur denen geöffnet, die zur Besichtigung alter Gräber Einlaß begehren. Die Grabstätte Mozarts ist fast der Erde gleich und nur verblühte Disteln decken den Rasen. Ein kleines unscheinbares Denkmal,«in« abgebrochen« Säule und ein daneben trauernder Engel geben Kunde von dem großen Toten, der hier ruhen soll. Man darf berechtigte Zweifel daran hegen, daß hier wirklich die Grabstätte Mozarts ist, da genaue Aufzeichnungen darüber nicht existieren: seine Leiche wurde ja in ein Armen- Massengrob versenkt. Wenn es auch fraglich ist, ob es sich um die totsächliche letzt« Ruhestätte des großen Musikers und Kompo- nisten hangelt, so dürste dieser Platz doch der ganzen Welt«ine bleibende Stätte der Erinnerung sein, die ihr erhalten bleiben muß.— Ein schönes Mozort-Denkmal von Viktor Tilgner steht auf dem Op-rnplatz in Wien.__ Die Henne als— Säugetier Eine in einem Dorfe bei Malchin i. M. zugezogene Groß- städterin hatte sich eine Bruthenne gekauft, um«in paar Kücken aufziehen zu können. Es dauerte auch nicht lange und aus den Eiern schlüpften die kleinen Hühnchen, die jedoch zum 5himmcr der Hausfrau stets ein jämmerliches Geschrei vollführten. Die Nach- barn wurden um Rat gefragt und als dies« Nachschau hielten, fan- den sie die Kücken halbverhungert auf.„Ja, haben Sie diesen denn nichts zu Fressen gegeben?" erkundigten sich die Befragten.„Nein. sie brauchen doch nichts, die saugen doch an der Henne," meinte die jpichS-ry Zi"tcht»r»ji Erlebnis eines Theaterbesuches entsteht, erhöht sich, wenn man über den Inhalt mit anderen spricht, die gleichfalls über das Erlebnis nachdenken. Diesen Vorgang will Schubotz auf den Rundfunk- empfang übertragen. Er fordert, daß der sogenannte Gemeinschastsempfang. wie er w England starke Verbreitung gesunden hat. auch bei uns eingeführt wird: Rundfunkteilnehmer haben sich zu- sammengeschlossen, hören einen Vortrag ab und diskutieren seinen Inhalt. Schubotz vergaß nicht anzusühren, daß dieser Gemein- schastsempfang in vielen Ortsgruppen des Arbeiter-Radio- Bundes seit langem durchgeführt ist, daß also gerade dies« Organisation der Arbeiterschaft als erste dazu übergegangen ist. Vor- träge gemeinschaftlich zu empfangen und zu besprechen. Dem „Arbeiterfunk", dem Bundesorgan des Arbeiter-Radio-Bundes, der über die Resultat« jener Abhörabende von Zeit zu Zeit berichtet, ist zu entnehmen, daß ihr Erfolg größer ist, wenn während der Aus- spräche Fachreserenten anwesend waren. Dreierlei Notwendigkeiten, betont Schubotz, sind für den Ge- meinschaftsempfang erforderlich: Der Rundfunk muß die Programme frühzeitig festlegen, günstige Empsangszeiten auswählen und eine geschickt« Auswahl von Themata und Rednern vornehmen. Die Deutsche Welle will unter dem Stichwort„H o ch s ch u l« m p f a n g" schon vom Oktober ab Vorträge senden, die aus Gemeinschastsempfang zugeschnitten sind. Sicherlich dürfte eine Vortragsreihe von Prof. Reichenbach über„Das physikalisch« Weltbild der Gegenwart" interessieren. Wahrscheinlich würde eine weitere Vortragsreihe von dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts„Stand der Entwicklungslehre" Dis- kussionsmöglichkeiten schaffen. Eines steht aber fest, auf die Dauer wird man einen Zuhörerkreis, ganz gleich' wie er sich auch zusammen- setzt, durch derartige Vorträge nicht fesseln können. Dagegen sollten Vorträge, wie sie z. B. Prof. Müller-Freienfels über „Charakter und Schicksal" oder Lothar Erdmann über „Arbeiterbewegung und Nation" ankündigt, viel öfter abzuhören sein. Der heutig« Mensch interessiert sich für eine ander« Vortrags- reihe, für„Der Mensch vor hunderttausend Jahren", ohne Zweifel mehr, wenn die Primitivität des damaligen Menschen mit der Kompliziertheit des jetzigen o e r g l i ch e n wird. Der heutig« Mensch interessiert sich vor allem für Gegenwart und Zukunft. Hier sei als Beispiel das wirklich hervorragende Programm des Breslauer Senders erwähnt, der bestimmte Stoffgebiete eine Woche lang von verschiedenen Referenten behandeln läßt und am Schluß der Vortragsreihe ein Resümee des Gehörten zieht, wie es ähnlich auch die Deutsche Welle beabsichtigt. Ohne weiteres muß Schubotz ein großes Verdienst eingeräumt werden, wenn er die Idee des Rundfunks durch den Gemeinschafts- empfang vertieft. Es bleibt nur zu wünschen, daß sich Schubotz nicht nur nach den Hörern richtet, die bereits ein« Hochschule besucht haben, sondern an jene denkt, die durch Rundfunk, durch den Ge- meinschaftsempfang, angeregt werden sollen, sich erst die Grund- lagen moderner Bildung zu verschaffen. L. 5e. I>ez? Lichlsinn<2es fruges Unser Auge wird vom Spezialarzt auf die verschiedenste Weise untersucht. Ein« gründliche Augenuntersuchung berücksichtigt auch den Lichtsinn, nicht zu verwechseln mit dem Farbensinn. Es gibt Funktionsstörungen des Auges, die in einer Störung der Anpassung an herabgesetzte Beleuchtung bestehen. Wenn wir aus einem hellen Raum in einen weniger beleuchteten treten, so finden wir uns kaum oder gar nicht zurecht. Doch schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit werden die Gegenstände in dem dunkten Raum mehr oder minder deutlich erkennbar. Der Grund dieser auffallenden Er- scheinung liegt in der Taffache, daß sich im Dunkeln der S e h p u r- p u r der Augennetzhaut in seiner unsprünglichen Krast wieder her- stellt, während er vorher durch das helle Licht ausgeblichen war. Die Lichtempfindlichkeit steigt nun in dem Maße, wie sich der Seh- purpur in den Netzhautstäbchen anhäuft. Das Auge wird aus dies« Weise für geringe und geringste Helligkeit empfindlich. Genauere Forschungen haben ergeben, daß die Erregbar- k e i t des Auges innerhalb der ersten 10 Minuten nur wenig, in den folgenden 20 oder 30 Minuten aber sehr stark ansteigt. Wer aus hellem Tageslicht im Freien in ein dunkles Zimmer tritt, kann kaum eine weiß« Fläche erkennen, vor der ein« Normalkerze in einem Meter Entfernung ihr Licht spendet. Nach 10 Minuten wird die beleuchtete Fläche jedoch erkannt, selbst wenn das Licht auf ein Hunderfftel vermindert wird. Nach 30 Minuten wird die weiße Fläche noch erkannt, wenn die Lichtstärk« auf ein Hunderttauseno- stel, ja auf ein Zweihunderttqusendstel und mehr reduziert wird. Während somit die Empfindlichkeit zu Anfang des Versuchs 1 be- trägt, ist sie nach 10 Minuten 100, nach 20—30 Minuten 1000 bis 2000. Bei manchen Erkrankungen stellt sich eine Verlangsamung des geschilderten Vorganges ein. Di« Folg« ist, daß ein solcher Kranker bei eintretender Dämmerung sich nur mangelhast orien- tieren kann, nicht selten sogar völlig hilflos ist. Der Lichtsinn ist an diejenigen Sehzellen geknüpft, die Zop- f e n tragen. Im Gegensatz dazu sind die st ä b ch c n t r o g« n- den Sehzellen total sarbenblind. Die Zapfen der Netzhaut sind somit der Apparat für das farbentüchtige Tagessehen, während die Stäbchen dem Dämmerungssehen dienen. Fledermäuse, Igel, Nacht- eulen, Tiefseefische haben auf ihrer Netzhaut fast nur Stäbchen: dagegen besitzen ausgesprochen« Tagestiere, wie Schlangen und Eidechsen, fast nur Zapfen. Beide Netzhautelemente sind aber im Auge solcher Tiere vorhanden, die im hellen Tageslicht wie in der Dämmerung wach und lebhaft sind. Dr. Seeling. �eMverleilier.. Unheimliche"Besuchsveihe Allen möglichen Menschen, und gar erst einem schreibenden mag es heute passieren, daß er sich das nötige Geld für eine überfällige Mahlzeit von Bekannten ausleihen muß. Es ist auch verstäMich, daß ich mich zu diesem BeHufe an leichter zugängliche Finanzgrößen aus meiner Umgebung wandte: vorerst an einen Makler. Dieser Makler befaßt sich so ziemlich mit allem, was Gewinn bringt, ins- besondere aber mit dem Handel mit Kneipen. Sein Austreten als Stammgast bildet ein untrügliches Zeichen dafür, daß die betreffende Budike verkauft werden wird und sein nachsolgendcs Ausbleiben beweist, daß die Transattion glücklich beendet ist und die Prozent« eingeheimst sind... nind um Berlin taucht der Mann als Stamm- gast aus und verschwindet wie kein anderer mit vollgefüllter Börse... das bewog mich zum Besuch. „Ach, wenn's mir so gut ginge wie Ihnen", sagt« der Makler, mir einen pompösen Klubfessel hinschiebend und mir den Rauch einer Abschlußzigarre in den Mund blasend, der nur vor Staunen offen stehen geblieben war. Wo war ich hingeraten? In die Behausung eines Fuchses. So sah der Mann aus. So drehte und wandte er sich: die Verkörperung aller Schliche. „Ich möchte mir im Restaurant unten an der Ecke ein Esse» kaufen", begann ich... da fiel mir ein, daß der Fuchs mein Stamm- lokal, in dem der Bierumsatz durch Freiausschank künstlich gesteigert ivorden war, an einen neuen Wirt verkauft hatte, der jetzt drinnen zugrunde ging, während er den alten Wirt in ein anderes Lokal gesetzt hatte, das dieser ebenfalls gleich wieder verkaufen mußte. Denn es lag, wie sich herausstellte, 980 Meter vom alten und mußte kontraklich einen Kilometer weit abliegen. „Vati," rief jetzt ei» frisches kleines Mädchen, das zur Türe hereingesprungen kam:„Mutti fragt, ob Du Dir nicht fünf Minuten Zeit zum Essen nehmen willst." Bei Gott, dachte ich, der Fuchs gilt als Märtyrer seines Berufs in der Familie. Ich sprang be- schämt auf.„Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit, Herr Fuchs", stammelte ich und war zur Tür draußen. Von hinter einem ganz besonders kuriosen Kuriositätenmobiliar kam etwas schäbig Vogelhaftes heroorgeflattert mit langem nackten Geierhals und eckigem Kopf. Das ganze Nest, in dem der Geier haust, ist zu verkaufen, und wechselt Stück für Stück bis auf das eigene Lager... die ganze Herrlichkeit ist auf Ouartierbesuch, bis ein Käufer kommt, und den erwartete der Geier eben. Er reckte seinen dürren Hals, als er meiner ansichtig wurde und sein skelett- artiger Mund grinste mich gierig an. „Ach, weim ich's nur so gut hätte, wie Sie", ächzte der Geier... denn er ist ernstlich imstande, sich Nahrungssorgen zu machen, phantastisch beutegierig wie er ist. „Schade, daß ich kein« Zeit habe Sie zum Essen einzuladen", fuhr her Sei« jortc �Berläuje, das Ueinjo interessantes Thema.., und ein so schwerer Beruf. Man geht zu Leuten in die Wohnung, die sich vom liebsten Besitz trennen müssen: welch zarte Rücksichtnahme erfordert das." Eine Gänsehaut lief mir über den Rücken: schauerlich der Gedanke, von einem Aasgeier rücksichtsvoll aufgefressen zu werden. Der harte Ramscher, fuhr er fort, verpaßt oft das beste Geschäft.„Die Leute wollen wissen, daß ihre Sachen in gute Hände übergehen, lieber gibt man sie billig... sehen sie, die zwei Silber- leuchter gehörten einer zartfühlenden Frau(Professor): 800 Mark sind sie wert."„Und was haben Sie dafür gegeben, Herr Geier", fragt« ich.—„20 Mark." Jetzt läutete dos Restaurantfräulcin an und der Geier bestellt« Hummer und Hühner, Pasteten und Torten, ein Berkaufssestessen. „Guten Appetit", sagte ich, als daraus der Käufer klingelte und die Geierkrallen sogleich sich in Perserbrücken krollten...„und möge Ihnen das Mahl besonders schmackhaft werden durch das, was Sie vorher auf andere Weise einnehmen, Herr Geier.. Und ich stahl mich davon, mich der Ueberslüffigste der Ueberslüssigen dünkend. Im Restaurant an der Ecke aber sah ich durch die offene Türe ein Lebewesen, das der Hauptsache nach aus einer Lederjacke und einem unglaublich scharfen Kneifer bestand. Das scharfe Glas bohrt sich durch alles durch und an der Lederjacke rinnt alles ab. Ich trat ein: denn ich kenne dieses Geschöpf.„Sie sagen," sprach es zum Budiker,„wenn der Steuereinehmer zurückkommt, ich kann die reft- liehen 40 Mark nicht bezahlen, dann fragt er, ob Sie Außenstände liaben, und Sie geben den Hemmer an. Der Staat pfändet ihm kostenlos die schuldigen 100 Mark und zahlt ihnen 60 Mark heraus." „Ich habe keine Schulden." sagte ich, aber die Lederjacke lachte, als sei's ein Scherz und setzte mich durch ihre gesprächig« Aus- geräumtheit in ein wachsendes Gefühl zwischen Ekel und Entsetzen... „sichere Leute, die plötzlich ein paar Taufender mehr benötigen al» sie flüssig haben, bieten von selbst 10 Prozent pro Monat an: das ist kein Wucher... nur verlangen darf mans nicht." Wer sprach so. Ein Vampir. Ich hört« von einem Pferd, das der Vampir«inen armen Teufel auf offener Straße ausgespannt hotte, weil er die letzte Rate darauf nicht bezahlt hatte, von einem Warenlager, das er tiefer als alle anderen herabdrückte und doch be- kam und weit über den erwarteten Preis verkaufte... und dann... dann holte der Vampir eine dick angeschwollene Briestasche aus der Brust und öffnete sie protzig. Darin lag das Geld wie Grauen. Geld für finanzielle Operationen; Vivisektionen.„Stecken Sie ihr Geld ein", rief ich dem Vampir zu, eine heftige Uebelkeit verspürend. Mein Magen verlangte nichts mehr aufzunehmen, sondern warf im.Gegenteil alles aus, was sich noch darin befand. Seltsam, dachte ich, im Freien aufatmend: diese Tiere verschlingen, was sie nur können, und unsereiner ist's, dem sich schließlich darüber der Magen umdreht, Heinrich Hemmer. Copyricht 1900 by Fickelreiter-Verlag G. m. b. H., HamburE-Bcracdorf (35.Fortsetzung) Aber er mahnt vergebens: nicht einer von uns denkt jetzt an diese zauberhaften Vitder. Wir starren auf das Denkmast und rocnn wir dem lockenden Wind und seiner Musik folgen würden, dann müßten wir unsere Sehnsucht und Menschlichkeit mit dem Leben bezahlen: Denn wir schreiben Neunzehnhundcrtsiebzehn und sind die Re- servcn der Westfront: wir sind die feldgraue, erstarrt« Mauer der unter toddrohcndcn Befehlen gehorchenden Mass« des Volkes der Arbeiter, Tagelöhner und Handlungsgehilfen... Das Denkmal, das wir wie hypnotisiert anstarren,— das Denkmal ist der preußische Militarismus. Alle Kompagnien des Regiments stehen vor dem General zur Besichtigung angetreten. Ich sehe zum ersten Mal« das ganze Re- gimcnt: ein Regiment des Jahrgangs 1899. Wir haben vier Stunden des schwersten Felddienstes hinter uns. Wir mußten Gräben vor einem„angreifenden Feind" aus- heben, wir mußten sechsmal zum Sturm antreten, wir mußten aus den Gräben heraus auf markierte Ziele scharfe Handgranate» werfen,— wir haben Granat- und Minenwerfer eingebaut, und das Feld hallte wider von den brüllenden Kommandos, von unseren dröhnenden Schritten, unserem hetzenden Lauf und Stürmen mit den aufgepflanzten, mattblinkenden Seitengewehren. Wir danipften von Schweiß, wir taumelten über- und durcheinander, wir verliefen uns in fremde Kompagnien, wir rissen unsere am abgejagten Leib« schlotternden Uniformen entzwei. Ich habe Tränen der Wut, des Schmerzes und der Verzweiflung hinuntergeschluckt: es war der letzte Schliff! Nichts blieb uns erspart: wir rannten dahin unter den fluchenden Befehlen Adolfs, der wieder bei uns ist. Er zeigte uns wieder sein Grinsen, das so große Aehnlichkeit hat mit dem brutalen, kalten Lächeln des Generals. Er schlug wieder mit seinem langen Degen auf uns ein, er trat nach uns und lief minutenlang hinter mir her wie ein großer Jagdhund hinter einem kranken Kaninchen: er lief hinter mir her, weil er gesehen hatte, daß ich noch einem Befehl:„Sprung auf marsch marsch!" mich nicht schnell genug erhob, weil mir vor Schwäche plötzlich wieder dunkel vor den Augen geworden war. Ich wußte, daß er nur darauf wartete, daß ich Sand in den Gewehrlaus bekam, wenn ich stolpern sollte. Und er hatte Erfolg: ich stieß in letzter, keuchender Anstrengung mit dem Bajonett an dem Ziel vorbei und in einen Sandhügcl hinein. Da entriß er mir das Gewehr, seine Kiefer mahlten, als habe er meinen Körper zwischen den Zähnen. Er sah durch den Lauf und grinste so scheußlich, wie ich es noch nie gesehen hatte. Dann schrieb er mich in sein Buch ein, in das Buch, in dem auch der Name meines toten Kameraden Heinrich Langer geschrieben steht. Wir wußten nicht, daß der General kommen sollte. Jetzt stehen wir zusammengesunken vor ihin. Ein Stab von jungen Offizieren ist um ihn. Sie tragen alle neue Uniformen, als wollten sie zu einem Ball, ihre Gesichter sind ausgeruht und frisch und einige von ihnen tragen Monokel, die blitzen manchmal sekundenlang aus, wenn sie sich etwas bewegen. Nicht einer von ihnen trägt ein Abzeichen, das darauf hindeutest daß er schon an der Front war. Sie sahen aus wie Prinzen, die sich Zinnsoldaten aufgestellt haben, mit denen sie ihr königliches Spiel treiben wollen. Es ist der Stab adliger Offizier«: sie sind die farbigen Bühnenattroppen des größten und grausigsten Theaters der Weltgeschichte. Sie sehen uns mit fremden, kalten Gesichtern an, sie wissen niästs von uns, sie kennen uns nicht. Sie empfinden vielleicht Widerwillen gegen unser« armen, stinkenden, abgehetzten Leiber. Wir sind nur das Regiment der soundsovielten Division, reif für die Front: wir sind das Schlachtvieh, das Kanonenfutter, dressiert für das Schlachtfeld. Der Herr General und sein Stab besichtigen: weiter ist nichts los! Sie haben schon viele Regimenter vor dem letzten Marsch besichtigt, es geht bei ihnen nach einem Programm. Sie blicken über uns hinweg und träumen von den Orden, die sie in den näch- sten Monaten aus den Kommandanturen und in der Etappc ver» dienen wollen. Dann gibt der Herr General einige Kommandos. Sie stellen ihre Träum« einige Minuten zurück und sehen sich einmal für Augenblicke das Volk, das da vor ihnen steht, an: denn schließ- lich ist es ja diese Masse, die ihnen ihr« Orden und ihre Karrieren erstürmt und erblutet. * ' Ein feiner Regen rieselt aus uns nieder. Die Sonne, di« uns den Vormittag noch mit plötzlich aufkommender Wörme gequält hatte, ist plötzlich verschwunden. Das Feld wird grauer und grauer. Sogar der Herr General und sein Stab büßen von ihrem Glanz ein, deshalb gibt der Herr General jetzt Befehle, die ihm etwas Ab- wcchjlung in diesem langweiligen, grauen Einerlei geben sollen. Wir haben etwa zehn Minuten unter den schwersten An- strengungen„Stillgestanden!", der Herr General ist hin- und her- geritten und hat wer weiß an wen gedacht. Vielleicht hatte er uns vergessen: denn er sah uns gar nicht an, während wir mit bitteren Flüchen in der Brust auf das„Rührt euch!" warteten, mit brennenden Sohlen, wankenden Beineck, zitternden fmnden. Stechen in der Lunge und im Herzen, mit leeren Mägen und vollen Blasen. Jetzt, da es ungemütlich wird, erinnert er sich unser: Das grausam lächelnde Monument sieht auf uns herab. Ihm mag es erscheinen, als wanke die Front des Regiments. Sein Lächeln wird noch eine Nuance brutaler, er stemmt ein« Faust in die runde, hervorquellende Hüft«. E, peitscht schneidend über das graue Feld, durch den rieselnden Regen: „Rrrrührtjmch!— Schtill schtann! Rrrrührt euch! Stillschtonn! Rrr't euch! Schtann! t'euch! Schtann! rrt euch! Schtannn!" Die Befehle zucken wie Blitz«, durchschneiden uns wie Mesi'ec, zehn-, zwanzig-, dreißigmal hallt es über die Ebene in uns hinein. Unjere Leiber bewegen sich mechanisch, zucken zusanunen, lösen sich wieder; es ist, als wenn Fäden unsere Bein« wie die von Mario- netten hm- und herziehen. Ick) schwanke bei den Bewegungen wie ein im Sturm geschüttel- tes Ried. Ich stoße dabei gegen Kilbs Körper. Ich kann sein Gc- ficht nicht sehen, ich muß geradeaus in die Ebene blicken, di« all- mählich vor meinen Augen verschwimmt. Und dann sehe ich wieder das Monument: eisig blickt es immer noch auf uns herab. Jetzt brüllt es wieder:„Schtill— g«— schtann!" Dann stampft das Denkmalpserd näher an uns heran. Die Peitsche des Generals saust durch die Luft, er schlägt das Regiment: aber er brüllt nicht mehr, läßt uns wieder stillsteche». Vor uns stehen die Kompagnieführer, kurz vor mir links Adolf. Sein fetter Nacken ist rot von den Befehlen des Generals. Ich sehe das grausame Profil und habe eine Sekunde lang das be- stimmte Gefühl, daß er und der General Brüder sein müssen. Und dann kann ich wieder nicht die Lust durchkriegen und ich denke in einem fort: du hast Sand in deinem Gewchrlauf... Sand im Gewehr... Sand im Gewehr--- und ich möchte mich auf diese verfluchte Ebene Hinwersen und verrecken, ich möchte nie wieder aufstehen und von allen Qualen«rlöst sein. Aber wie das kalte drohende Denkmal auf uns niederstarrt, wird plötzlich der Wind über unseren 5)elm«n stärker und stärker. Er wächst und schwillt an: er will sich räch«n dafür, daß wir nicht auf seine lockende Musik gehört haben, die uns zu uns selbst zurück- führen wollte,«r kommt brausend vom linken Flügel, pflanzt sich fort und fort, über dig Mitte der Rcgimentsfront hinweg, nach rechts anschwellend, dunkel, dumpf drohend, unaufhaltsam, in einem zer- tretenen Rekrutenherzen im letzten Aufbäumen verzweifelt geboren, besinnungslos, aus der Tiefe der Qual kommend:„5)unger! Huungsr! Huunngerr!" lind schon brumme ich mit, ich höre Kilbs Baß: „Huunnger! Huunngerrr!" Ja! Das Regiment brummt, murrt, meutert, empört sich, be- freit sich von seiner ungeheuren Oual, erlöst sich aus der Knecht- schaft: ja, es brummt nicht mehr, es murrt nicht mehr, es brüllt und schreit schon: „Huunngerr!" Das Gesicht, das rotglänzendc, seist«, lächelnde Gesicht des Denk- mals oerwandelt sich plötzlich, als habe ein« überirdische Hand dar- über hingewischt, es wird gelb, bloß, grünlich schimmernd... das Lächeln erstirbt... die Peitsche, eben noch frech geschwungen, sinkt schlaff herab, das Maul des Generals wird breiter und breiter und öffnet sich und bleibt so stehen. Der General blickt ratlos und ent- setzt sekundenlang auf uns, sieht sich dann nach seinem Stab um, der Stab, die„Herren Offiziere" stehen und sehen unser Regiment an, als sei es«in vorsintflutliches Ungeheuer, dos Pferd bäumt sich unter plötzlichen Sporenstichen, fast wäre der Herr General aus dem Sattel gefallen: „H u u u n n n g e r r r!" Aber dann ist es mit einem Mal«, wie einem ungehörten, ge- Heimen Befehl gehorchend, totenstill, so daß ich das Schnauben des Gauls in meiner Näh« höre. Her Herr General richtet sich au? seiner zusammengesunkenen Haltung auf, er ist immer das furchtbare Denkmal. Di« Fratze wird wieder rotglänzend, dicke Adern durch- ziehen das Gesicht: „Li« Kompagniii«jüher!" Si« stehen um ihn herum, sie krabbeln und kriechen wie di« Würmer und niemand weiß, wo er sich am unausfälligsten und am wenigsten sichtbar vor dem General ausbauen soll. Wir aber— und niemand hat es uns erlaubt als di« geheime Stimme— rühren, wir scharren mit den Stiesel, sehen uns an, lächeln uns an mit ab- geehrten, bleichen, eingefallenen Gesichtern, in denen die Augen tief und in dunklen Höhlen liegen, lächeln uns an wie Sterbende, die «inen letzten Wunsch erfüllt bekamen. Der Wind aber ist fort und über die Berg« und das Meer gezogen, und er braust den Gipfeln und Wellen zu, daß er Rekruten des Kaisers, daß er Soldatenticre aus Minuten zu Menschen aufgerüttelt hat. Die Stimme des Generals überschlägt sich, si« kreischt die Führer an: „Was ist das für«ine unerhörte Schweinerei!! Das— ist— Meuterei!! Das werde ich schwer be— stra— a— fen! Diese Diszi— pliiin— losigkcit! Diese— diiies«—!"— Er schnappt nach Luft, seine Peitsche zischt auf uns nieder. � Wir aber sind gar nicht mehr an diesem Schauspiel beteiligt. Wir lächeln uns noch immer an, und ich hör« Kilb neben mir: er fährt sich mit dem Rockärmel über das Gesicht, er pfeift durch di« Zähne, dos ist das bekannte Zeichen seiner Befriedigung und er sagt nur ein Wort:„Endlich!"(Fortsetzung folgt.) eBuch gefchichten aus Jlfrika Hans Grimm, Der Richter in der Karu und ander- Geschichten. Preis geheftet 3,50 M.. in Leinen gebunden 6 M. Verlag von Albert Langen in Münch«». Das ist ein köstliches Buch. Der afrikanische Busch lebt darin, der Busch mit dem Büffel, mit wilden Hunden. Schakalen, Leoparden, Schlangen und mit dem Elefanten, vor dessen Zorn die Hott«nlotten zittern. Eine farbige, geheimnisvoll« Welt ist es, di« uns Hans Grimm schildert, eine Welt, die die Seele und den Körper des weiße» Mannes frißt. In der ersten Erzählung reitet der englische Richter über die Karu, um Reckst zu sprechen über einen Weiß«», der seine Frau erstach, weil sie nicht teilhatte an seinem Leben. Leben aber heißt in der Karu: zäher, erbitterter Kampf mit denn spröden Boden. Und nachdem Se. Lordjchast einen Tag lang mit Ebene und Sonne gelebt und die singende Einsamkeit der Steppe erschütternde Er- kenntni» in ihm wachgerufen hatte, ging er in den Gerichtssaal, wo der Haß der Sippe ausflackerte, und stritt für die Se«le des Mörders, der zum Tode verurteilt wurde. Aber des Richters Beschuldigung war mehr Entjchuldigui»g: das Gesetz der Karu war größer, zwingen- der als das des vergilbten Strafbuches. In der„Wiederkehr des Elefanten", der bildhaftesten, ein- prägsamsten Erzählung des Buches sind wir mitten im Busch, in der heißen Insel des Getiers und einer Handvoll Menschen. Ein weißer Mann stirbt, und ein anderer Mann tritt an die Seite der Frau, und dieser andere, noch jung und geliebt, wird von einem Elesanten zertreten, der sich nach einem Jahr« auch noch den Pflege- söhn holt, als dieser sich ihm cMgcgenstellt, um geliebte Menschen zu schützen. Ganz zarte Töne unterschwingen in diesem Epos vom Werden und Vergehen im Busch, der mit satten Farben gemalt ist. Auch die drei anderen kleinen, wertvollen Erzählungen des Buches sind in einer kräftigen, knorrigen Sprache geschrieben. Weit dahinflutende Sätze werden mit kräftigem Griff gezügelt, nur Wesent- liches steht im Lichte da. Es sind stille Geschichten ohne Pathos. Sie sind wie die Erdverbundenen, die dort unten leben. Ein Buch, das uns Afrika näherbringt. H-rcky Worm. RätsehEcke des„Abend fliiuuuuiiuuiuiiiiiiiiiimnuuiiiiniiiioiijiiniiuiiiuiuiiiiuuuuuiiiiunuuuumiiuuuuiaBiiiuiiauiiuiiiujuiiumiimmuiuiuiiuiuiniimiuiiiiinniimiimiuniiiuuuiuimuuf Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Schrecken: 5. bibl. Figur: 6. körperliche Reinigung: 9. Spiel zu Pferde: 19. Südfrucht(Mehrzahl): ll. Wasserfahrzeug(unter Voransetzung von waagerecht Nr. 10: Fruchttransportmittel): 15. Wort für gleich: 17. wie Nr. 13 senk- recht: 18. männlicher Vorname: 21. Transportmittel.— Senkrecht: 1. Erdachse: 2. Präposition: 3. zweifelnder Ausruf: 4. Präposition: 6. Gutschein: 7. Bier: 8. spanischer Titel: 9. abgekürzter Elternname: 11. deklinierter Artikel: 12. abegkürzter Mädchenname: 13. europäische Insel: 14. gebräuchliche Abkürzung für Plus: 16. amerikanischer Schriftsteller st: 18. Hektar(abgekürzt): 19. Auer» ochs: 20. gebräuchliche Abkürzung für groß. Silbenrätsel A u s d e n S i l b e n: bar bcr breit cor che cher de deich die e eh el er sarn fe fel gon gly hie Hut in irr jas kraut le licht ina ma ini« min mung o pard phe ro ra ren rha ri ro rung so sei stein tat t« t« tem tie to un ur vas wald win zwei zo sind, 23 Wörter zu bilden, deren Anfangs, und 3. Buchstaben von oben nach unten gelesen, ein Zitat von Friedrich Rückert ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Unqchörigkeit: 2. gefährlich« Wasserstelle: 3. Wurm: 4. nicht ganz glaubend: 5. Naturerscheinung: 6. Grenzsestung in Portugal: 7. Raubtier: 8.�Wiesenpflanze: 9. Wald in den Tropen; 10. Kartenspiel: 11. altes Schristzeichen: 12. Seltenheit: 13. Heiden- golt: 14. Pflanze: 15. Mannername: 16. Wagenteil; 17. ehemalige deutsche Festung: 18. Kunstprodukt: 19. Stadt In der Niederlausitz: 20. Wissechchoft: 21. Berus; 22. Nutzpflanze; 23. Bereinigung Gc- wsrbetreibender. Rösselsprung si. Lagdabenteuer In Afrika schoß ich ein Tier. Drei Zeichen stahl man mir. Auf«ine Palm« sprang der Rest, Der sich nur schwer einsangen läßt. ekr. Worirätsel Aus deinen Kleidern hat das Wort ja weiter nichts zu sagen. Auf deiner Ehre hast an ihm du lebenslang zu tragen. Der Name einer deutschen Stadt vors Rätselwort geschrieben, Ergibt ein schmackhaftes Gericht, das viele Menschen lieben. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuz worträts«l. Waagerecht: 1- Opal; 5. Wal: 8. Posen; 10. No: 11. Eid: 13. Rot: 16. Lid: 18. Bar: 20. Sau: 23. Los; 25. le: 27. Media; 30. Tip: 31. Hans.— Senkrecht: 1. Oper; 2. Po: 3. As; 4. Lee: 6. an: 7. Lob; 9. Nil: 12. Dis; 14. Ob: 15. Tal; 17. da; 19. Rom: 21. Utas: 22. Alt: 24. Feh: 26. Ei; 28. da: 29. in. Visitenkart«nräts«l: Kompanistin. Seelenwanderung: Alba— Troß— Albatroß. Silbenrätsel: 1. Fasolt: Z.Rokoko: 3. Esel; 4. Ulan: 5. Nelli: 6. Dolde: 7. Eichendorfs: 8. Ilmenau; 9. Nehemia; 10. Dollart; 11. Eimer: 12. Rose: 13. Neumond: 14. Odin; 15. Timbuktu: 16. Gemach: 17. Erwin: 18. Hellebarde.— „Freunde in der Not. gehen hundert aus ein Lot!" Vier magische Quadrate. I. 1. Reh, 2. Emu, 3. Hut; IT I. Met, 2. Eva, 3. Tau; III. 1. Bar, 2. Ana, 3. Rad; Nr. 454 47. Jahrgang Sonnabend 27. September 1930 Asfronomisdie TediniH und ihre Instrumente Phoiographischer Doppel-Refraktor mit 650 mm Objektiv- Öffnung. Der Refraktor ist jetzt bereits in der Sternwarte Tokio aufgebaut und in Benutzung. Die Astronomie(griechisch: Sternkunde, chimmelskunde) ist eine der ältesten Wissenschaften der Menschheit. Sie gibt Kenntnis von den Erscheinungen der Gestirne am Himmel, von d«n Gesetzen ihrer scheinbaren und wahren Bewegungen, ihren Gröhen, Entfernungen und physischen Eigenschaften. Die Geschichte der Astronomie reicht in das höchste Altertum zurück. Die Chinesen, Inder, Aegppter, Griechen und besonders die Araber hatten grohc Astronomen, die das weite Gebiet des Himmels erforschten und für diesen Zweck eine Anzahl sein durchdachter Instrumente schufen. Der größte Astro- nom des Altertums ist H i p p a r ch o o n N i k ä a, der im 2. Jahr- hundert v. Chr. lebte. Er suchte die Länge des Jahres, die Schief« der Ekliptik, den Lauf des Mondes und der Sonne und die Stand- orte der Sterne festzustellen. Um 140 n. Chr. lebte der zweite große Astronom des Altertums, Klaudios Ptolemäos, der die Mondtheorie ausstellte und frühere Erkenntnisse über die Gestirn« richtig auslegte und wissenschaftlich begründete. Die arabischen Astronomen haben für ihre Wissenschaft Großes geleistet. Schon im Jahr« 754 n. Chr. errichtete der Kalif A l M a» m u m in Bagdad eine Sternwarte, und in den folgenden Jahr- Hunderten bauten arabische und pcrssschc Astronomen die Wissen» jchaft der Himmelskunde weiter aus. Im Abendland fand die Astronomie, anknüpfend an die Leistun- gen der Araber und Perser, viele Anhänger, wenn auch vielfach der Fanatismus ihrer Ausbreitung hindernd im Wege stand. Grund- legende astronomische Leistungen vollbrachten Nikolaus Köper- nitus, Tycho Brahe, Johannes Kepler, Galilei, Descartes, Newton, Halley, und in neuerer Zeit B r a d- l e y und M a s k e l y n e. Die astronomische Technik war zu allen Zeiten von dem ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarium abhängig. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erfand D o l l o n d die achromatischen Fern- gläser. William Hörschel baut« gegen Ende dieses Jahr- Hunderts seine berühmten Spiegelteleskope, die an optischer Kraft keine Rivalen besaßen. Fraunhofer lieferte Achromate, die Herschels Reflektoren überlegen waren, und heute liefert die in- strumentelle Optik für astronomische Zwecke Instrumente, die die Lehre von der Himmelskunde auf immer breitere Basis stellen. Carl Zeiß, Jena, liefert für die astronomische Wissenschaft der Welt Instrumente und Nebenapparate, die höchsten Anforderungen genügen und zu noch immer größeren Leistungen entwickelt werden. Einige dieser astronomischen Instrumente nebst den dazuge- hörigen Nebenapparatcn sollen näher betrachtet werden. Ein Meisterwerk astronomischer Technik ist der Astrograph (griechisch: Sternschreiber), ein Apparat zum mechanischen und schnellen Entwerfen von Sternkarten.� Der Astrograph besteht aus einem Planspiegel, der, auf einer Säule aufgestellt, sich in der Richtung der Gestirne um die durch seine Ebene gehende Weltachse dreht, so daß das Bild des Himmels ganz bewegungslos erscheint. Die Ausnahme der Gestirne erfolgt durch ein astro-photographisches Fernrohr, ihre Fixierung durch Astro-Kameras. Gleichfalls den Zwecken der Astro-Photographie dient e i n dreifacher photographischcr Refraktor, der in einen optischen und einen mechanischen Teil gegliedert ist. Das mitteiste Rohr ist das Lsitrohr, das zur Einstellung des Instrumentes dient. Es hat 500 Millimeter Objektioöffnung und 5 Meter Brennweite. Die photographifchen Fernrohre rechts und links des Leitrohres haben 360 Millimeter Oeftnunz und 4,5 Meter Brennweite. Ein riesiges Spiegelteleskop besitzt die Hamburger Sternwarte. Der parabolische Glasstlberfpiegel hat 1000 Millimeter Oeffnung und 3 Meter Brennweite. Das Lcitfernrohr mißt 200 Millimeter Oeffnung bei 3,5 Meter Brennweite. Dieses Objektiv stellt eine Höäistleistung astronomischer Technik dar. Sie wird noch übcrtroffen von einem neueren Spiegel- teles kop der Sternwarte Berlin-Babelsberg. Die Optik des para- holijchen Glassilberspiegels dieses Instrumentes mißt nicht weniger als 1250 Millimeter Oeffnung bei 8,4 Meter Brennweite mit Hilfs- spiegeln nach Newton, 24 Meter Brennweite mit Hilssspiegeln nach Cassegrain. Eine bemerkenswerte neuere Konstruktion ist der Res rat- tor mit Hebebühne. Die Hebebühne für größere astrono- mische Instrumente ist ein verstellbarer Fußboden, der dem Beob- ochter in jeder Beobachtungsrichtung den bequemsten Stand er- möglicht. Bei kleineren Hebebühnen(Plattformen) erfolgt die Höhen- Verstellung durch Handantrieb, größere Hebebühnen werden vom Okularende des Instrumentes aus mittels Druckknopftaster durch Motor« in Bewegung gesetzt. Die vertikale Bewegung der Hebe- bühne erfolgt durch gleichzeitigen Antrieb von 3 vertikalen Schrau- benspindeln, auf welchen die Hebebühne, gegen Eigengewicht und Belastung balanciert, ruht. Das Kennzeichen einer Sternwarte ist die Sternwartenkuppcl, deren Ausführung den örtlichen ül 200-mm- Astrograph für die Sonnenfinsternis-Expedition im Frühjahr 1929 für Astroph ysikalisdics Observatorium Potsdam, Prof. Dr. Freundlidi. 690-mm-Refraklor der Sternwarte Berlin-Babelsberg. und klimatischen Verhältnissen sowie besonderen Wünschen ange- paßt wird. Die Kuppelkonstruktion liegt also nicht fest. Die Grundform ist die einer Halbkugel mit einer geringen zylindrischen Ueberhöhung, über dem, vom Laufkranz bis etwas über den Zenith reichenden Spalt. In der Horizontalbewegung laufen die Kuppeln auf Stahltugcln, die zwischen einem unteren und einem oberen Laufkranz rollen. Di« Bewegung der Kuppeln erfolgt durch Handontrieb oder durch Elettromotore. Der vom Horizont bis zum Zenith«in- oder auch Das große Spiegelteleskop von 1,25 m Spiegeldurdimesser mit dem großen Spektrographen. Rediis unten im Bilde die bewegliche Beobadiiungs-Plattform. Diese kann auf dem Fußboden und in der Höhe durch Drudeknopftaster von der Plattform aus mittels Elektromotoren beliebig verstellt werden. Auf diese Weise ist es möglich, daß der Beobachter in jeder Stellung des Instrumentes den großen Spektrographen bequem bedienen kann.— Sternwarte Berlin-Babelsberg. zweiteilige Spaltoerfchfufc ist durch Zugvorrichtung seitlich bewegbar. Die Spaltbreite richtet sich nach der Art und O«ffnung des Re- fraktors; für ostro-photographffche Zwecke nimmt man sie mög- lichst groß. Die astronomische Wissenschaft ist wie kaum eine andere von wissenschaftlich konstruierten und gebauten Instrumenten abhängig. Alle Fortschritte der Astronomie sind von der Weiterentwicklung und der Vervollkommnung der Instrumentarien bedingt. Auch auf diesem Gebiete ist die Technik rastlos tätig und trägt unmittelbar dazu bei, daß unser Wissen vom Weltall immer weiter gespannt werden kann. Ing. Allreck Kauck. Die Fockc-Wulf-«Ente" Mit dem neu entwickelten„Enten"-Flugzeug der Fock«-Wulf Flugzeugbau A.-G. sind in letzter Zeit unter Führung des Chcs- Piloten Edzard weiter« eingehende Versuche durchgeführt worden mit dem Zweck, s«in« Flugeigenschaften mit denen der Flugzeuge bisheriger Bauart zu vergleichen. Di« Versuche hatten ein aus- gezeichnetes Ergebnis. Joachim von Köppen, der Leiter der Flugabteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Lustfahrt, der alle neuen deutschen Flugzeugmuster zu begutachten hat, konnte fest- stellen, daß die„Ente" sehr gute Flugeigenschaften besitzt und sich in allen Fluglagen leicht und sicher fliegen läßt. Die Konstruktion der„Ente" kann damit als voll gelungen be- zeichnet werden. Es hat sich gezeigt, daß das neu« Flugzeug die durch die Entenbauart sich ergebende Vergrößerung der Sicherheit mit den guten Eigenschaften der bisherigen Flugzeuge vereinigt. Hiermit ist durch die Focke-Wulf Flugzeugbau A.-G. wiederum«In Schritt vorwärts auf dem Weg« zur Erreichung der Sicherheit im Luftverkehr getan worden. Demnächst beabsichtigt die Firma Focke-Wulf, die„Ente" in Berlin-Iempelhof der Oeffentlichkeit vorzuführen. Lamicel, ein neuer Stoff. Lamicel ist ein aus aufeinander- folgenden Schichten von regenerierter Zellulose bestehendes Material. Die oberste und die unterste Lage werden von dem bekannten Cello- phan gebildet, zwischen denen sich eine Sehicht weißer oder gefärbter Fasern aus Kunstseide, Seide, Baumwolle o. ä. befindet. Wenn Lamicel auch kaum als ein Produkt aus Kunstseide betrachtet werden kann, so steht es diesem doch nahe. Nach dem Versahren wird ein dünnes Cellophanblatt mit einer Schicht von Fasern belegt und dann bisse losen Fasern mit einem.zweiten Cellophanblatt bedeckt. Lamicel, das von der Lamicel Products Inc. hergestellt wird, wird wie Cello- phan durch den Viskoseprozeß erzeugt und brennt nur schwierig. Da es bedruckt und gefärbt, wie auch durch die eingeschlossenen Fäden mit Fcrrbeffekten versehen werden kann, sind eine unzählige Menge Farben- und Transparentkombinationen möglich. Das neue Material kann auch aus mehr als zwei Schichten fabriziert werden, von denen i«de bedruckt und mit besonderen Farben und Mustern gefärbt werden kann, so daß äußerst farbenprächtige Effekte, falls gewünscht, erzeugt werden können. Lamicel kommt in Blatt- wie auch in Rollen- form— durchsichtig bzw. gefasert— in den Handel, und zwar in Bretten von 1 Millimeter vi» 18 Zoll auf Basis des Gewichts. Di« Verwendungsmöglichkeit ist vielseitig: für Modeartikel, Lampen- schirme. Zuckerwaren(Verpackungsmaterial vornehmlich), Bücher- einbän de u, a, m, Sport am Sonntag Der Arbeilersportverein Moabit beschließt am Tcmirtaz die Sommersaison mit einem Sportfest aus dein Tiergarten- Sportplatz, das um 12'A Uhr beginnt. Das Prograimn wird außer in deni Dreikampf für Männer, Frauen und Jugendliche Einzelkänrpfe in allen Sportarten und vor allem eine Anzahl Stafetten bringen, bei denen auch die Handballer und die Hockey- fpieler antreten. Die letzteren tragen außerdem gegen den Athletik- fportklub ein Gesellschaftsspiel ans, das den Beginn der kommenden Herbstserie darstellt. „Turnen und Gymnastik im Wandel der Zeil!" Unter diesem Motto steigt am Sonntag ab 16 Uhr in Kliems Festsälen, Hasen- hcide t3L, eine vielversprechende Veranstaltung des Arbeiter- fportvereins Neukölln. Ein 2'A Stunden währendes Programm wird die Entstehungsgeschichte des Arbeitersports beleuchten. Vor allem aber werden die Vorführungen in der modernen Gym- nastik wieder reichen Beifall finden. Die 35-Jahr-Feier verspricht «in Fest ersten Ranges zu werden und ist daher unter den Sonntags- Veranstaltungen an die erste Stelle zu setzen. Der Besuch kann den Freunden des Arbeitersports nur empfohlen werden. Arbeilerhandballer werben für Zugendherbergen. Morgen Sonntag, 14 Uhr, findet im Rahmen einer Jugendherbergsveran- stattung auch ein Handballwettspiel Finsterwalde gegenFTGB. BezirtOstenauf dem Sportplatz im Fried- r i ch s h a i n statt. Außerdem Konzert der Mustkchöre des Reichs- banners und der FTGB. Eintritt 20 Pf. Ab 10 Uhr Handballspiele der unteren Mannschaften. Abpaddeln der„Freien Faltbootfahrer Berlin". Noch einmal werden die„Freien Faltbootfahrer" am kommenden Sonntag ihre Riesenflottille auf eine Ausfahrt senden. Das Gebiet der Oberhovel wird diesmal beim Abpaddeln besucht. Der Aufbau der Boote er- folgt morgens 8 Uhr in Lehnitz(Dampferhaltestelle). Alle dem Arbeiter-Turn- und-Sportbund noch nicht angehörenden Faltboot- fahrer sind als Gäste gern gesehen. Ein Spieltreften mit den freien Wasserfahrern„Aufwärts" in Papenderge wird dieser Veranstaltung eine besondere Note geben. Meisterschaften der Athleten. In Nürnberg kommen die l e i ch t- athletischen Meisterschaften des Arbeiter-Athletenb-undes zum Austrag.— Hamburg und Kiel treffen sich zu einem Handball-St cidtewettkampf. * 3m bürgerlichen Fußballager beherrschen drei Ereignisse von Bedeutung die Lage: der Bundestag des Deutschen Fußball- bundes, der sich mit der Klärung der Frage Amateur- oder Berufs- spieler befassen soll, der Länderkampf Deutschland— Ungarn, der anläßlich des Bundestages in Dresden ausgetragen wird, und der 11. Städtekampf B e rli n— Mü nch en, der um 15 Uhr 30 auf dem Preußenplatz am Tempelhofer Feld steigt. Mit dem Großen preis von Karlshorst kommt das bedeutendste Ereignis im deutschen Hindernissport zum Austrag. Für die mit 33 000 Mark ausgestattete und über 6000 Meter führende Steeple- chose ist leider nur ein schivaches Feld zufammengekcmmen. Die Rennen beginnen um 14 Uhr. Pokalkämpfe im Freien Keglerbund. Am kommenden Sonntag finden in der Sporthalle Beelitzhof die ersten Entscheidungskämpfe statt. Für den Endkampf haben sich aus der Gruppe A im Gau I die Berechtigung fiir den Schlußkampf erworben: Borussia, Jsd., Harmonie 21 und Glatte Bahn. Im gleichen Keglerheim starten morgen die bis jetzt noch nicht ausgeschiedenen Klubs der Gruppe A im Gau II in einer Zwischenrunde. Noch einmal Rennen auf der Olympiabahn. Zum„allerletzten- mal" veranstaltet morgen die Olympia-Radrennbahn einen Renntag, den sie den Nachwuchssahrern gewidmet hat. Den Hmiptprogramm- Punkt bildet ein Swndenrennen in der Motorführung in zwei Läufen. Oer„Ständige Ring" Di« wiederum rech: stark besuchte 85. Veranstaltung im �.Ständigen Boxring" brachte im Hauptkampf den Franzosen Page und Helmuth Schulz- Königsberg zusammen. Letzterer, einer unserer besten Weltergewichtler, konnte gegen den Franzosen nicht viel ausrichten. Page beherrschte die Situation vermöge seiner stets schneller und genauer kommenden Treffer in jeder Runde und siegte klar nach Punkten. Ebenfalls nach Punkten wurde der deutsche Bantamgewichtsmeifter Georg Pfitzner in einem schnellen Gefecht von dem Belgier Lemajeur geschlagen. Alle übrigen Kämpf« gingen sehr schnell zu Ende. Der Düsseldorfer Peter D r e k o p f mußte auf ärztliches Anraten in der 5. Runde wegen einer Augen- Verletzung den Kampf gegen Hermann Nörtemann- Berlin aufgeben, A. L« id m a n n- München zwang den Kölner P ra wi t in der 4. Runde zur Aufgabe und im Mittelgewichts-Qualifikations- kämpf wurde der Berliner L i e tz schon in der 1. Runde mit dem Magdeburger H o l l st e i n fertig.— Das Unentschieden, das der tschechische Schwergewichtsmeister Josef Hampachex vor kurzer Zeit gegen Walter Neufel erzielte, veranlaßt« den Unternehmer des „Ständigen Boxringes", ihn für den nächsten Kampftag im Spichernring, am Freitag, dem 3. Oktober, zu verpflichten. Als fein Gegner wurde Emil K o s ka bestimmt. Wieder Eishockeygäste aus Kanada Auch wahrend der bevorstehenden Eishockey-Spielzeit wird eine kanadische Eishockey n: annschaft in Europa auftreten. Es handelt sich um die Mannschaft der Universität M a n i t c b a, aus der der von seiner Tätigkeit beim Berliner Schlittschuhklub rühmlichst bekannte Blake Watson hervor- gegangen ist. Watson, der zur Zeit seinem Beruf als Frauenarzt in der Prager Universitätsklinik nachgeht, leitet die Vorbereitungen der Curopareise und wird nach Ankunft seiner Landsleute als Ka- pitän fungieren. Daneben besteht die Möglichkeit, daß Watson feine berufliche Tätigkeit nach Berlin verlegen wird, so daß die Eis- hockeyfreunde der Reichshauptstadt wiederholt Gelegenheit haben werden, die große Kunst des Kanadiers zu bewundern. Die Europa- tournee der Manitoba-Mannschaft soll sich auf alle großen Eissport- Plätze wie Berlin, Paris, London, Mailand, Stockholm. Wien, St. Moritz, Davos usw. erstrecken. Ferner ist eine Teilnahme an der Europameisterschaft in Krynica vorgesehen, die dadurch ebenso wie im Vorjahr zur Weltmeisterschaft avancieren würde. �XauUccUV Bundesmeisfersdiaft und letzte Gesellschaftsspiele In Hannover kommt morgen tue Handball- Meisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes zur Entscheidung. Gegenüber stehen sich der Titel- Verteidiger Wien- Otakring und der nordwestdeutsche Meister Hannover- hainholz. Das Spiel beginnt 14,40 Uhr und und wird von dieser Zeit ab von den Sendern Leipzig, Frank- surt a. M„ Stuttgart und Wien übertragen. FTGB.-Osten hat sich zum letzten Spiel vor der Serie die 1. Männermannschaft von Fürftenwalde(Lausitz) oerpflichtet. Das Spiel findet um 16 Uhr im Friedrichshain statt. Ilm 14,50 Uhr spielt die 2. Männermannschaft gegen Wilmersdorf. Zum Kartell- sportfest in Nauen spielen Nauen 2. Männer gegen Schwante 2 um 10 Uhr: Ketzin Frauen gegen Brieselang um 11 Uhr; Sparta-Nauen Frauen gegen Lichtenberg um 15 Uhr; Ketzin 1. Männer gegen Schwante um 16 Uhr und Nauen 1. Männer gegen Lichtenberg 1 um 17,10 Uhr. Schöneberg trifft sich mit Nowawes auf dem Domini- kusplatz: um 10 Uhr spielen die Frauen und die 2. Männermann- schaften und um 11,10 Uhr die 1. Männermannschaften, Klousdorf hat Teltow als Gegner, die 2. Männermannschaften spielen um 13� Uhr und die 1. Männermannschaften um HA Uhr. In Friedrichschal spielen Friedrichsthal 2. Männermannschaft gegen FTGB.-Norden um 14 Uhr und die 1. Männermannschaft gegen Fußballklub Oberspree um 15'/� Uhr. Freie Sportvereinigung Zehlen- dorf spielt mit der 1. Männermannschaft um 15 Uhr gegen FTGB.- Lankwitz und mit den Frauen um 16 Uhr gegen Wilmersdorf in Zehlendorf, Spandauer Straße. Reinickendorf-West hat in der Scharnweberftraße FTGB.-Stralau als Gegner: es spielen die 2. Mannschaften um 10 Uhr und die 1. Mannschaften um 11 Uhr. Velten hat Zossen als Gegner; es spielen die 2. Männermannschaften um 14,50 Uhr, die Frauen um 16 Uhr und die 1. Mannschaften um 17,10 Uhr. Hennigsdorf spielt in Hennigsdorf um 16 Uhr mit der 2. Männermannschast gegen Marwitz 2 und mit der 1. Männer- Mannschaft um 17 Uhr gegen FTGB.-Rosenthal 1. Training auf der Avus zum internationalen Motorradrennen Wer am gestrigen Freitag Gelegenheit hatte, dem offiziellen Training zu dem morgen Sonntag auf der Avus stattfindenden Internationalen Motorradrennen um den Großen Bäderpreis von Deutschland beizuwohnen, bekam bereits einen kleinen Vorgeschmack, daß das morgige Rennen des Deutschen Motorradfahrer-Verbandes zu einem großen Ereignis werden wird. Immer wieder drehten die Fahrer ihr« Runden, ließen sich auch durch den zeitweise niedergehenden Regen nicht davon abhalten: im Gegenteil, der war ganz gut, so konnte man sich auch mit der Avus bei Nässe vertraut machen. Nachdem die Avus in letzter Zeit einer Reihe von Verbesserungen unterzogen worden war, präsentiert sich die Fahrbahn in einem guten Zustand, über den sich die Fahrer durchweg sehr anerkennend aussprechen. Bullus, Wies«, Simcock, Richard, Graf Bismarck, Rllttchen, Ryll, Gehrung, Rowley u. a. waren eifrig beim Training und' leg- ten zum Teil«in unerhörtes Tempo vor. 150 und 160 Kilo- me te r pro Runde sollen keine Seltenheit g e w'e fe n sein, man kann sich also am Sonntag auf große Leistungen gefaßt machen, denn zumeist zeigen die Fahrer beim Training nicht das Letzte. Im Verlauf des Trainings ereignete sich ein kleiner Unfall. der indes keine ernsten Folgen hatte. Knees-Königsberg auf Ardie kam beim Uebergang aus der Nordschleif« in die Gerade zu sehr rechts heran und kam zu Fall. Später hatte es sich aber heraus- gestellt, daß sein Sturz für ihn keine ernsten Folgen hatte und daß er am Sonntag starten wird. Gewiß haben die großen Geschwindigkeiten, die hier erzielt werden, für die große Masse der Motorradfahrer nur wenig Zweck. Dennoch profitieren sie daraus. Denn ein solches Rennen über mehr als 300 Kilometer stellt außerordentliche Anforderungen an das Material, vor allen Dingen an den Motor. Die langen geraden Strecken reizen naturgemäß jeden Fahrer, aus seiner Maschine herauszuholen, was nur eben herauszuholen ist, und das nimmt die Motoren ärger mit als die schwierigsten Gebirgsstrecken. Die Motoren, die so durchhalten, geben damit den Beweis ihrer großen Vollkommenheit, und die Konstrukteure lernen daraus, um aus den Erfahrungen heraus stetig weiter zu verbessern. Auch die Seitenwagenrennen dürften großem Interesse begegnen. Gutes Zu- sammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer tritt hier außerordent- lich in den Vordergrund. Um Vzl Uhr nehmen die Rennen ihren Ansang, zunächst mit den Scitenwagenmoschinen, die etwas über 9 Kilometer zu absolvieren haben. Eine Stunde später senkt sich dann die Flagge zum Start des Haupkrennens. Voraus- sagen sind sehr schwer, denn das Gelingen eines Rennens ist von mannigfachen Faktoren abhängig und ohne etwas Glück und oft noch mehr Pech geht es da selten ab. Sicher ist aber, daß Bullus stNSU.), Simcock(Motosacoche), Handley(FN.), Hicks(AIS.), Binder-Saam(AIS.), Geiß, Friedrich und Müller(DKW.), Nazarro (Moto Guzzi), Wiese, Schoth, Huth und Brudes(BMW.) und so mancher ander« in ihren Klassen ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Das Ausland ist außerordentlich stark vertreten und die deutschen Fahrer und deutschen Maschinen, die lrotz der schweren Auf- gäbe, deren sie sich voll bewußt sind, zuversichtlich ins Rennen gehen. haben fraglos einen schweren Stand. Bleibt nur zu wünschen, daß Petrus auch einmal ein regenloses Avus-Rennen vom Stapel gehen läßt.__ F. W. Luckenwalder Boxer siegen in Stettin Für den ersten Boxabend der Saison 1930/31 hatte der Stettin« „Arbeiter-Box-Klub 27" den brandenburgischen Kreismeister im Boxen Luckenwalde verpflichtet. Die Kreismeister-Mannschaft de- hielt die Oberhand, sie siegte mit 10:8 über die Stettin« r. Luckenwalde bot nicht nur gute Einzelleistungen, sondern vollbrachte auch eine bessere Gesamtleistung, die Zuschauer wurden Zeuge guter scharfer Kämpfe. Mitbestimmend für die Niederlage der Stettiner war. daß mehrere jüngere Kräfte zum erstenmal zu derart schweren Kämpfen in den Ring traten. NB. Berlin. Mitglicdrrvkrsammlunq?onnrr»taq,?. Okiober, 20 Uhr. Vorstandsftüung Dienztog, 30. Scptcmdcr. Mitgiiedcr wcrdcn noch out« genommkn. Freie Schwimmer Sr»b-B«rli». grauonvkrtrcierinnevliiiuna?onncr»taa, 2. Sttober. aWi Uhr. Seschüftsstellr. Technisch»«usschuWifcung fttcita«, 3. Ol« jober. 30 Uhr. cheschäftsstklle.— Si nippe Renlöll»: Padeabrni» für weibliche rtuocnb unt grauen Oienslaa ab 20 Uhr im Etadtbab Neukölln, kleine Salle. Männliche Jugend und Männer am gleichen Tage, große Halle. Kinder- badeabend Montags ab 10 Ubr ebenda, große Salle.— chrnppa Lichtenberg! Badeabend Dienstag ad 20 Uhr fiir Männer und grauen getrennt im Stadtbad Lichtenberg. lZreitags gemeinsamer Abend ebenda.— chrnpp» Fried richeha in: Badeabend Montags für Kinder und Altersriege ab 20 Uhr im Stadtbod Friedrichshain. Freitags, große Halle, allgemeiner Uebung«bend. — Gruppe Mitte: Mittwochs ad 20'� Uhr im Stadtbad Mitte. Außerdem Kartellbadeabend Montags od 20' i Uhr.— Gruppe Köpenick: Badeabend Freitags ob 20 Uhr im Stadtdad Friedrichshain, kleine Halle.— Gruppe Vber» spre« ebenda. FTGB.. NeuköllU'Briß. An der IugendHerbergsveranNaltunq im Stadion Neukölln beteiligen sich alle freien Besirksmitglieder. Stodion-Kompfbahn IS Uhr. FTGB.-Fraueutresfen Sonntag, 2li. September. Alle Frauen- und Jung- mädchenabteilungen treffen sich 13 Uhr Sportplaß Eeeburger Straße in Spandau. Von Spandau-West mit Straßenbahn 7b. � Reukölln-Brrß: Sonnabend. 27. September. Arbeitsdienst filr alle Abteilungen auf dem Sonnen. plaß. Arbeitsgeräte(Spaten usw.l bringt jeder selbst mit. Sonntag. 2li. September. Herbstfahrt der Altersabteilunq. Treffpunkt 7'* Uhr Ringbahnhos Neukölln.— Mufikchor: Neues Uebungslokal: Ießt jeden Dienstag um lOVi Uhr im Restaurant„lhambrimus", Neukölln, Kaiser.Friedrich. Ecke Treptower Straße(Serßbergplaß).,_ Teaais-Rot Sroß-Berlin, Sockru-Abteilung. Sonntag. 23. September, Sportplaß Ost. Laskerstraße, 8 Uhr, Training der Männermannschaften. 10 Uhr. Training der Frauenmannschaften. Auch die nicht eingeteilten Mitglieder erscheinen. Mitgliedsbücher mit Photo mitbringen. Theater der Woche. 'Vom 28. September bis 6. Oktober. Volksbühne. «heatee am«Slomplaß: Die Weber. S. 11H Uhr. I. TanMiatinee: Beta Skoronel und Gruppe. Siaakslhealer. «per am Plaß der Republik: 2«. Salome. 2». Neue,«om Tage. ZV. Der FreischUß. I. Der ilirgende Holländer. 2, Die verkaufte Braut. 3. Fidelio. 4. Der Barbier von Äoilla. S. Rigoletto. 0. Iphigenie auf Tauris. Oper Unter den Linden: 38. Götterdämmerung. 29. Sa Tramato. 30. Cavalleria rusticana, Bajazzi. 1. Der Rosenkavalier. 2. Boheme. 3. Baleflrrna. 4. Schwand», der Dudelsackpfeifer. 5. Die Trojaner 0. Intermezzo. Städtisch« Oper Eharlottenburg: 28. Lohengrin. 29. Die lustigen Weiber von Windsor 30. Pique Dame. 1. Die Entführung aus dem Serail. 2. Die Hochzeit des Figaro. 3. Die Walküre. 4. Aida. 3. Der Prophet.«. Fidelw. Schiller. Theater: 28.. 29., 2.. 4. und 5. Herr Doktor, haben Sie zu essen? 30. und 3. Der Mann mit dem Klepper. 1. und 6. Florian Gener. «taatstheater: 28.. 29., 30., 2., 4. und 0. Lirbe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg. 1. und S. Bürger Schippel. 3. Prinz Friedrich von Homburg. Theater mit festem Spielplan: Zcheat«, am Schiffbauerdamm: Bis 30. Feuer aus den Sessel». 1. bis 5. geschlossen. Ab 6. Iud Süß.— Deutsche, Theater: Der Kaiser von Amerika.— Kommerspiele: Bi, s. Die Schule der Frauen. Ab 6. Elga.— Die Komidie: Der Schwierige.— Theater in der Stresemaunstraße: Margurrit«: 3.— K-mödienha»»: Dos Konto Z.— Große» Schauspielhaus: Die lustige Witwe — Theater des Westens: Bi» 2. Hasenklein kann nichts dafür. Ab 3. Gastsv-k' des Japanischen Theaters aus Tokio.— Lesfi-a-The-ter: Bis 29. De,«aiser- Kuli». Ab 30. 8 2ll8.— Komisch« Oper: Das Mädel am Steuer.— Deutschee «üustlertheater: Jim und Zill.— Nenaissanee-Theater: Die Wunder-Bar.- Theater in der Behrenstraß« 33—34: Das häßliche Mädchen.— Ieutral-Theatcr Eine Freundin so goldiq wie Du.— Metropol-Theater: Viktoria und ihr Husar — Berliner Theater: Bis 2. Schluck u»d Iau. 3. geschlossen. Ab 4. Der Idiot. — Rene, Theater am IZ»-! Paul und Pauline.— Di« Tribüne: Mister Pim will nicht stören.— Nase-Zheater: Die Braut von Messina.— Eastua-Theatei: Bis 30. Der selige Hollschinskn. Ab 1. Hurra— ein Junge.— Theater i» der Kloslerftraße- Schloß Wetterstein.— Schloßparl.Theatee»tegli«: 28. Der Weibsteufel. 29., 30. geschlossen. Ab 1. Dvs Mustkontenmädel.—«»tergarten. Plaza. Skala: Internationales Variete.— ReichshaAeu-Theater! Strttiner Sänger.— Theater am Kottdusser Tor: Elite-Sänger. Aachmikkagsveranstallungen: Ballsbühne. Theater am Bülomplaß: 28. Der fröhliche Weinberg. Z. D'e Weber.- Die Komödie: 28., 4., 3. Der Diener zweier Serrrn.— Komische Oper: 28., 5. Die Frau ohne Kuß.— Theater in der Behrrnftraß« 33- 34: 4., 5 Gastspiel des Englischen Theaters: The Romaniie BouNg Ladn.— Zentral- Theater: 28.. 5. 15 Uhr. Sänfrl»nd Gretes. 17>i Uhr. Eine Freundin so goldig wie Du.— Metropol-Theater: 28., 5. 14% Uhr. Das Land des Lächelns. l? Uhr. Friederike.— Roie-Theater: 1. Sänsel und Gretes. 4. Dornröschen. 5. 14'� und 1714 Uhr. Die Braut von Messtna.— Theater in der Klosterstraße: 28. ä' 17 Uhr. Büchse der Pandara. 13 Uhr. Rotkäppchen, l.. 4. l« Uhr. Rot. käppchen.— Schloßparl-Theater Stegliß: 29., 4.. 5. Karl Man— Winnetou.— Wintergarten: 28.. 4., 3. Internationales Variete.— Plaza, Skala: Inte» nationales Bariele.— Rrichahallen-Theater: 28., 5. Stettiner Sänger.— Theater am Kottdusser Tar: 28., 3. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche: Manta». Admiralspalast: CzardasMrstin.— Mittwa». Schloß- park. Theater: Das Musikantenmädel.— Eafina-Theater: Hurra— ein Junge.— Freitag. Theater de» Westens: Japanisches Theater.— Sannadend. Republikoper: Der Barbier von Sevilla.— Berliner Theater: Der Idiot. . i H Sonnabend. 27. September. —vr-e? Berlin. 13.70 Jutendstunde.(Wahre Geschichten von Hunden.) 15.40 Not der Enragementslosen.(Werner Bernhardt.) 16.05 Notwcnditkcit internationaler Sportberiehunten.(Mai Jaehner.) 16.30 Jack Hylton-Sc'oallplatten. 17.00 Szenen aus Gerhart Hauptmanns„Die Weber", cesplelt von der Volksbühne. 18.30 Virtuose Cellomusik. 19.00 Das neue Penamon-Muscunt.(Dir. Wiegand.) 19.30 Unterhaltungsmusik. 31.00 Joseph Plaut. Deutschlandsender. 20 00 Aus Köln; Lustiger Abend. Darwischen:„Der dreifach verheiratete Junggeselle". Sonnlas, 28. September. Berlin. $.20 Schädlingsbekämpfung im Herbst 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Bacb-Kanlatc. ,.Cä ist nichts Gesundes an meinem Leibe." 11.30 Elternstundc. Mein Kind illt nicht. 12.00 Konrert. 14.05 Jugendstunde. Till Eulenspiegel(Maria Jobn). 14.35 Fugen. Bach(Klavier). 15.00 Dilettanten dichten(Gerhart Pohl),. 15.30 Maodoiienkonrert.— Einlage: Motorradrennen auf der Avus. 17.40 Teemusik. 18.55 Leben in Briefen(Kleist). 19.25 Aktuelles. 20,00 Sportnacfanchten. Königs Wusterhausen. 18.30 H. K. Heiland: Erlebnisse in Kaschmir. 19.00 Max Marschalk: Opern- und Konzertvcrhältnisse in Berlin vor 109 Jahren 19.30 Dichterslunde.(Dr. Franz Rebicrek-Wien.) 20.10 Von Köln: Curanthe. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist di Kranken- und Sierbekasse fiir das Deufsdie • en falsre*»04 tfaetf rtlndc!*(■.•«•••erflelder CrmatzlEas«« Rn».latare 1894 a-«lnd«* die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet üauiMlverwaUunfl: Berlin M24. Oranienburger Sir. 69 und 300 Verwaltungsstellen im Reich Reidt