Morgenausgabe Nr. 457 A 230 4?.Iahrgang Wöchentlich 80 Pf, monatlich 5,50 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitung», und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland». abonnement 6.— M. pro Monat. H- Der.DorwSrt»� erscheint wochentSg. vch zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Verlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend-, Illustrierte Beilagen„Voll und Zeit" und„Kinderfreund-. Ferner „Frauenstimme- Technik-„Blick in die Bücherwelt".„Iugend-vorwärt»- und»Stadtbeilage-. W Verttner Nottsblatt Dienstag 30. September 1950 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. le einspaltige Nonpareillezeile Pfennig. ReNamezeile S.— Reich». ort.„Kleine Anzeiaeu� das iettge. Die 80'.. wart.„5kleine Anzeigen' das jettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Ein Antrag auf Kürzung von 10 JJroz. wurde abgelehnt. Am Dienstagnachmittag wird der preußische Ainauz- m i n i st e r dem preußischen Kabinett ein umfangreiches Programm über Einsparungen am preußischen Etat usw. uoter- breiten. * Am Dienstag findet zwischen dem Reichskanzler B rSutag und dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun eine Unterredung über diepvlitische Lage statt. Vor Verhandlungen mit den Parteien. Köln. 29. Eeptember. Unter der Ueberschrift„Notwendiges" wird der, Kölnischen Bo�szeitung" von ihrem Berliner Vertreter zu den Verhandlungen mu den Purtesiichrern u. a. berichtet: Stach Abschluß der Äablnettsberawnge» wird der Reichskanzler r-im Dienstagvonngtag dem gegenwartig in Schorfheid« weilenden Reichspräsidenten üher den Jichalt des Refonnprogrgmms �«richten. Noch am gleichen Tage werden die Besprechungen über die Möglichkeiten der Mehrheitsbildung beginnen. Da der preußische Mini st erpräsident sich ebenfalls in Schorfhcide aufhält, liegt die Vermutung einer Unterredung zwischen Brüning und Otto Braun nahe. Der Reiehs- tanzler wird das Regierungsprogramm demnächst den im Kabinett vertretenen Parteien vorlegen. Dann folgen Verhandlungen s o- wohl mit der Rechten wie mit der Linken. Es sollte o-ger.tlich nicht schwer halten, die Regierungsparteien auf die Linie des Rcsormprogramms zu bringen. Die Rot der Zeit wird hoffentlich auch die Deutsche Volks- partei und die Wirtschaftspartei lehren, daß mit viel- artigen Resolutionen und kraftvoll klingenden, in Wahrheit aber leeren Sprüchen die Lage nicht gemeistert werden kann. Eins der größten Uebel fitzt in den Frattionszimmern gewisser Parteien, die trotz des Urteils vom 14. September mit ihren alten Methoden die neu« Aera eröffnen wollen und die immer noch glauben, die Welt höre an ihren Fraktionszimmern auf. Aber vielleicht dringt die harte Sprache der Rot auch an diese halbtauben Ohren, so daß wir die bescheidene Hoffnung der Einigung der Regieruno-parteien nach nicht ganz ausgeben müssen. Dann hätten wir wenigstens«inen 219 Abgeordnete umfassenden Block, der einen Stützpunkt in den weit schwierigeren Verhandlungen mit den Par> teien rechts und links bilden könnt«. Wir nehmen an, daß das Regierungsprogramm auch den Nationalsozialisten zur Aeußerung vorgelegt wird, nicht etwa deshalb, weil wir irgendeine Neigung zu diesen politischen Sldenteurern verspüren oder ein« ersprießliche Zusammenarbeit mit ihnen für möglich halten. Aber wenn der versuch einer pollttsche« Mehrheltsbilduag schon gemacht werden soll, kann man sich schwerlich gegenüber den Valionalsoziolisteu scheinlol stellen und so tun. al» existierten sie nicht. Eine Mehrheit mit ihnen ist weit und breit nicht zn leben und da, halten wir nicht für einen Jehler. eher für das '' Gegenteil. Aber auch nach der anderen Seite sehen die Dinge nicht rosig aus. Was di« Zozialdemokraten aus dem 14. September gelernt haben, wird sich bald zeigen. Wir fürchten, daß es nicht sehr viel ist. Zudem haben Deutsche Volkspartei und Wirt- ichaftspartei schon setzt überflüssig« Hemmnisse für die groß« Koalition ausgetürmt. Beide Parteien sind aber notwendig, wenn eine Arbeitsgemeinschaft mit der Sozial. demokratie zustande kommen soll. Der Reichskanzler handelt richtig, wenn«r jetzt den Weg zur parlamentarischen Mehrheitsbildung geht. Er muß und wird die Frag« prüfen, ob mit diesem Reichstag regiert werden kann. Die Hoffnung, daß das möglich sein wird, geben wir nicht auf. Aber man würde sich Illusionen hingeben, wenn man nicht er- kennen wollte, daß der Glaube an diesen Reichstag auf sehr schwachem Grunde ruht. Eine vorübergehende Ausschaltung des Reichstoggjft noch nicht das Ende des parlamentarischen Systems in Dcutichl.ii'd. Aber ouberordentliche Zeiten können außerordentlich« Maßnahmen n?t-vendiz machen, und wenn es mit dem Reichstag«NN einmal nicht gehl, muß der Versuch der Rettung Deutschland, aus anderem Wege uuler- nommea werden. Je ungestörter die Regierung die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten kann, um so rascher wird die Demokratie wieder in ihre Rechte«ingesetzt werden. Das viel mißbrauchte Wort von der Notwendigkeit einer starten Führung erhält diesmal eine ernste rcolpolitische Bedeutung. Diese wird auch weiterhin ihre Führerrolle beibehalten müssen. Diese oder eine erweiterte, sich auf staatstreu« Kräfte stützende Regierung wäre in der Lage, Ruhe und Ordnung in Deutschland zu garantieren, deren Störung das Unheil voll machen würde. Wir sehen also, daß diese Regierung unter allen Umständen das Heft in der Hand behalten und versuchen muß, dos zu tun, was im Interesse der deutschen Wirtschaft und der deutschen Zukunft unbedingt getan werden muß. Gerode die grundsätzlich parlamentarisch ein- gestellten Parteien sollten ihr kein« unnötigen Schwierigkeiten machen. Dann wird es am ersten gelingen, den zerstörenden Eleinenten die Straß« zu verlegen und geordnete Verhältnisse wieder herzustellen. Aber es scheint nicht überflüssig, die Parteien, di« jetzt mit vor- eiligen Entschließungen die Lage erschweren, daran zu erinnern, was geschehen muß, wenn sie keine politische Vernunft annehmen. Die Aufgabe, die die Regierung zu bewältigen hat. kann sie nur lösen, wenn sie sich aus eine sesle Mehrheit stützt, die gewillt und entschlossen ts». Experimente, wie Aushebung der Notverordnungen oder Mtßtrauensanträge entschlossen abzuwehreu. Dos nächste, Schicksal der parlamentarischen Demokratie in Deutschland ist noch einmal in die Hände der Parteien gelegt. Bei' den Berhandlungen, die der Kanzler jetzt mit den Parteioertretern zu führen gedenkt, werden sich die Umrisse der künftigen Mehrheit rasch abzeichnen müssen. Gelingt dieser Versuch nicht, dann sehen wir keinen Weg mehr. der parlamentarisch aus dieser Rossage herausführt. Der Aufsatz der„Köln. Volksztg." stellt sich offensichtlich einen Versuch dar, auf die Sozialdemokratie in dem Sinne einzuwirken, daß sie aus Sorge vor sonst eintretenden Eventualitäten bedingungslos in die Gefolgschaft der gegenwärtigen Regierung eintritt. Dieser Versuch wird nicht gelingen. Ein Abgleiten des Regierungskurses von dem Boden der Verfassung zu vermeiden, ist noch viel mehr die Aufgabe der Regierung selbst als die Aufgabe der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie hat sich nie geweigert, an der positiven Arbeit zur Rettung von Volk und Staat teil- zunehmen. Sie kann zu einer solchen Teilnahme aber nur dann bereit sein, wenn sie von der Zweckmäßigkeit der vor- geschlagenen Maßnahmen überzeugt ist. Nach ollem, was bisher von den Vorschlägen der Regierung bekannt ist, sind sie in entscheidenden Punkten den Auffassungen der Sozial- demokratischen Partei und der Gewerkschaften diametral ent- gegengesetzt. Was will die Mite von der Sozialdemokratie? Eines kann sie haben, das andere nicht. Verantwortungsbewußte gleichberechtigte Mitarbeit? Ja! Blinde Gefolgschaft? ReinI Lob der Hakenkreuzler. Wackere Schildknappen der Schwerindustrie. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung", die seinerzeit die Kommunisten als„Pfahl in dem Fleische der Sozialdemo- kratie" gelobt hat. ruft nach Verhandlungen der R e i ch s r« g i e r u n g m i t den Nationalsozia- listen. Sie lobt die Hakenkreuzler: „Zn praktischer hinficht hat dos thüringische Beispiel bewiesen, daß die RctionolsoziaNsten den Unterschied zwischen Oppositton und Verantwortung durchaus begreifen. Sic haben dort zugestimmt einer Kopfsteuer ohne Staffelung, der Erhöhung de» Schulgelde», erheblichen Ersparnissen im wohl- fahr», wesen«ad im Schuletat. Za der Irage der Unter. stützangderErwerbslosen. Kleinrentner und Sozial- renlaer haben sie ihre von der Sozialdemokratie wörtlich ausge- nommenen früheren Oppositionsanlräge mit den übrigen Rechts- Parteien zusammen niedergeslimmt. Zn Vraunschweig treten sie für eine zehaprozentlge Kürzung der Beamten- g e h S l t e r ein. Kurzum: die Hakentreuzler tu» alles, was die Sozial- I reaktionäre haben wollen und ytnt jehml Wo steht die Mehrheit? Oer Sinn der Wahlen. Genosse Paul Löbe veröffentlicht in einer partei- genSsstschen Korrespondenz zn der durch die Seplemberwahlea geschaffenen Lage den nachstehenden Artikel: So überraschend das Ergebnis der Wahlen des 14. Sep- tember in vielen Einzelheiten gewesen sein mag, eine Er- Wartung hat es in vollem Umfange bestätigt: Die Mehrheits- Verhältnisse des Deutschen Reichstages wurden so gründlich verändert, daß keine der alten Kombinationen mehr zurBildung einer tragfähigen Koalition aus- reicht. Weder die Weimarer noch die Große Koalition verfügen über diese Mehrheit. Auch nicht der„Bürgerblock": denn die Nationalsozialisten erheben heftigen Einspruch gegen ihre Zuzählung zu den„bürgerlichen" Parteien. Der Reichs- tag hat eine neue Abstimmungsmehrheit, die — darin liegt die besondere Schwierigkeit— keine A u s- führungsmehrheit in sich schließt. Die Abstimmungs- Mehrheit ist, wenn man die programmatischen Erklärungen der einzelnen Parteien zugrunde legen darf, eine sozialistische, oder sagen wir vorsichtiger: eine antikapitalistische. 143 Sozialdemokraten, 1V7 Nationalsozialisten und 77 Kam- munisten, also insgesamt 326 Abgeordnete von 577 können gemeinsam eine ganze Reihe antikapitalistischer Beschlüsse durchsetzen. Aber es fehlt die Regierung, die solche Beschlüsse in die Tat umzusetzen gewillt ist: denn so sicher die drei ge- nannten Parteien eine Abstimmungsmehrheit bilden, ebenso sicher ist es, daß sie eine gemeinsame Regierung nicht bilden können. Die Nationalsozialisten wollen ja die Diktatur von rechts, wollen die Sozialdemokra- ten und Kommunisten niederkämpfen, gegen sie herrschen, aber nicht mit ihnen zusammengehen. Die Kommunisten wollen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten umbringen und. eine Diktatur von links aufrichten. Die Sozial- demokraten wollen, daß weder von rechts, noch von links her Diktatur geübt, sondern eine gesetzliche Mehrheits- regierung durch eine Mehrheit der im Parlament Vorhände- nen Parteien gebildet wird. Die erste Feststellung unserer Untersuchung ist also die: Eine nach der Versicherung der einzelnen Parteien antikapitalistische Mehrheit ist nicht in der Lage, eine antikapitalistische Regie- rung in Tätigkeit zu setzen. Wie sieht es mit der demokratischen Mehrheit im neuen Reichstag aus? Auch hier müssen wir zunächst das programmatische Bekenntnis der Parteien zugrunde legen, um zu einer Feststellung zu kommen. Erklärte Gegner der Demokrat ie sind Kommunisten und Deutschnatio- nale, also 77 107+ 41, zusammen 225 Abgeordnete. Das ist an sich keine Mehrheit. Erklärte Anhänger der Demokratie— hier schon mit einigen Fragezeichen— sind Sozialdemokraten, Staatspartei, Zentrum, Bayerische Boltspartei und Bauernbündler, also 143-i- 20 4- 19 4- 6, zusammen 256 Abgeordnete, also auch keine einfache Mehr- heit von 576. Dazwischen stehen Wirtschaftspartei, Deutsche Volkspartei, Landvolk, Volkstonservative, Christlicher Volks- dienst und einige Splitter, zusammen 96 Abgeordnete. Sie finden sich mit der Demokratie ab, weil sie sich„auf den Boden der gegebenen Verhältnisse" stellen, sind aber mit mehr oder weniger Bereitschaft gewillt, diesen„Boden" zu ver- lassen, wenn eine andere Staatsform ihre wirtschaftlichen Interessen besser zu wahren verspricht. Aber auch wenn wir diese Gruppen zu den Anhängern der Diktatur rechnen wür- den, käme keine Ausführungsmehrheit dafür zustande: denn die Diktatur von links bedroht die von rechts mit erbitterter Feindschaft, ja sie ist zum Bürgerkriege gegen die andere bereit. Die Anhänger der Diktatur hindern sich gegenseitig an der Berwirklichung ihrer Ziele, eine Parallele zum Frank- reich der siebziger Jahre, wo die Monarchisten zwar die Mehrheit der Deputiertenkammer besahen, weil Bona- partisten und Orleanisten sich die Wage hielten. Nur daß bei uns im Augenblick auch zwifstzen den Anhängern der demokratischen Staatsform sehr starte Wirtschaft- liche Gegensätze bestehen, so daß ihre Einigung auf «ine gemeinschaftliche Regierung«ine schwer lösbare Aufgabe darstellt. Die Situation der Sozialdemokratie ist, wenn wir diese beiden Feststellungen machen, wahrlich nicht leicht. Die einen verlangen von ihr, sie solle mit den beiden Flügelparteien antikapitalistische Politik machen. Für sie ist keine Ausführungsmöglichkeit vorhanden. Für sie be- steht da» große Fragezeichen der Echtheit national„sozialisti- scher" Bestrebungen. Die anderen meinen, wir sollen Abbau bei den Kriegsopfern. Oer Erlaß des Reichsarbeiisministers. Nachdem durch die Notveropimung des Reichspräfidenten schon tief in die Recht« der Kriegsopfer eingegriffen wurde, Hot der Reichsarbcitsministcr jetzt weitere Einfchrän- k u n g e n angeordnet. Wir geben die Auswirkungen der letzten Er- lasse des Reichsarbeitsministers im folgenden wieder: Die Vorsorgungsämter wurden angewiesen, ollgemein die V e r- sorgungsakten der Empfänger von Elternoersorgunq, Witwen- iiirb Waifenbechilfe umgehend nachzuprüfen. Die Ermiti- lungen sind ohne Rücksicht auf das Lebensalter vorzunehmen, wenn sie voraussichtlich zu einer Aenderung der Versorgungsbezüg« führen werden. Auch geringfügige Veränderungen des Ein- kommcns sollen berücksichtigt und die Vcrsorgungsbezüge auch dann neu festgesetzt werden, wenn der zu zahlende Betrog sich um weniger als 1 M. ändert. Die Witwenbeihilfe soll künftig neben einem Witwengelds aus der Beomtenhinterbliebenenverforgung nicht mehr gewährt werden. Waisenbeihilfe darf nicht mehr gewährt werden neben einem Waisengelde aus der Beamtenhinterbliebenenversorgung, ferner dann nicht, wenn das Einkommen einer Waise den doppelten Betrag der Waisenrente übersteigt und schließlich auch nicht bei crwcrbs- fähigen Waisen, die-das 15. Lebensjahr vollendet haben und keiner Arbeit nachgehen. In«inent weiteren Erlaß macht der Reichsarbeitsminister noch darauf aufmerksam, daß die E l t e r n b e i h i l f« nach Z 45 Abs. 3 de- Reichsversorgungsgesetzcs ihrem Wesen nach die gekürzte Eltern- rente ist und demnach auch nach Ablauf der Frist nach Z 49 Abs. 1 RBG. die Elternrente in Elternbeihilfe oder die Eltcrnbeihilfc in Clternrentc umgewandelt werden kann. Auch ist noch vom Reichsarbeitsminister verfügt, daß die Zuschüsse, die an versorgungsberechtigte Offiziere usw. und ihre Witwen bei Be- dllrftigteit gezahlt werden, mit Wirkung vom l. Oktober 1939 bis auf weiteres um 19 Proz. des Zahlbetrages gekürzt werden. Diese Bestimmung findet auch aus ruhegehaltsberechtigte Kolonialbeamte, shemolig« Kolonialbeamte und ihre Witwen sinngemäß Anwendung. Die Zahlung von Bersorgunegsgebührnifsen, die auf Grund des 8 71 des Berfahrensgesctzes oder auf Grund von K o n n � Vorschriften oder im Wege des chärteausgleichs oder wif drunb von Berwaltungsvorschriften bewilligt werden, beginnt künftig nicht mohr, wie früher, mit dem 1. des Monats, in dem der Antrag gestellt wurde, sondern erst frül)estens mit dem 1. des Monats, indem die Bewilligung ausgesprochen wird. Kinderzulagen bei Berufsausbildung über daq 18. Lebensjahr hinaus können künftig nur an Kinder von Beschäm digten, die eine Rente von mindestens 59 Proz. beziehen, bewilligt wevden. Witwen- und Waisenbeihilfen werden künftig nue bewilligt, wenn der Berstorbene im Zeitpunkt des Todes eine Rent� von mindestens 50 Proz. bezogen hat. Witwen, die sich wieder oerheiratet haben und deren Ehq geschieden ist, können Witwenbeihilfe nicht mehr erhallen. Bisher hatten die Kriegsbeschädigten ein unbeschränktes Recht auf kostenlose Durchführuilg der Heilbehandlung ihrer Dienstbeschädi� gungsleiden. Der Reichsarbeitsminister hat im Anschluß an die Rot-! Verordnung nun neuerdings bestimmt, daß die Kriegsbeschädigten ebenfalls die Arzneischeingebühren uitd die Kosten, beteiligung beim Bezug von Arznei, Heil- und Stärkungs- Mitteln selbst tragen müssen. Lediglich für die nicht versicherten Kriegsbeschädigten, soweit sie Zufatzrentenempfänger sind, kann der Arznertostenzuschuß gestundet und die Anztscheingebühr von den Krankenkassen herabgesetzt werden. Dieser äußerst rigorose Abbau des bisher geltenden Rechts der Kriegsopfer hat unter den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinte» bilcbenen groß« Empörung ausgelöst. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten wird, nachdem der Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches den Antrag auf Aufhebung der Notverordnung aus formellen Gründen zurückgewiesen-hat, an den neuen Reichstag appellieren, um sowohl die Aufhobung der Notverordnung als auch! die der jetzt bekanntgegebenen neuen Erlasse des Reichsarbeits, Ministers zu erwirken. 82 Prozent Wahlbeteiligung. Endgültige Feststellungen des �eichsausfchustes. m't den Miltelparteien eine Fortführung der demokratischen Politik sicherstellen. Diese Bereitschaft aber muß mit w i r t- I ch a f t l i ch e n Zugeständnissen an die alten Par- teien erkauft werden. Das ist der Konflikt, in dem sich unsere Partei befindet. Drastisch ausgedrückt: die bürger- lichen Mittelparteien sind bereit, die demokra- tische Regierungsform mit der Sozialdemokratie zu verteidigen, wenn diese die wirtschaftlichen, nicht- sozialen Interessen der anderen schützen hilft. Das letztere kann nach unserem Programm, nach der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland nicht unsere Aufgabe sein. Gewiß, jeder Versuch, ein sozialistisches Ziel in Deutsch- land auf dem Wege bolschewistischer Politik zu erreichen, kann nur zum Bürgerkriege führen. Ebenso sicher muß das die Folge eines nationalsozialistischen Diktoturoersuches fein, wozu nach den Erklärungen Hitlers vor dem Reichsgericht ja noch die schwersten außenpolitischen Verwicklungen kämen, die unser Wirtschaftsleben vollends untergraben, soweit das nicht schon durch die Rodomontaden selbst geschieht. Aber trotzdem wäre es gefährlich, die Anzeichen zu verkennen, die dem Wahlergebnis seine Bedeutung geben. Auch aus den Ziffern der Nationalsozialisten spricht neben militaristischem Kraftmeiertum, nationalistischer Ueberhebung und kindlichen Illusionen ein gutes Stück Protest- stimmung gegen das kapitalistische System. Bürgerliche Schichten, Angestellte, deren Existenz bedroht ist, Mittelständler, deren Geschäfte nicht mehr florieren, In- tellektuelle, die keine Zukunft vor sich sehen, verzweifeln an der kapitalistischen Weltordnung, die nicht nur die Ar- beiter, sondern auch sie selbst bedroht. Bei dem Umfang und der Dauer der Weltwirtschaftskrise wäre es gefährlich, hier auf einen schnellen Stimmungswechsel zu hoffen. Rein, die gleichen Ursachen, die den Arbeiter ins sozialdemokratische und kommunistische Lager führen, treiben die Enterbten des Bürgertums zum Nationalsozialismus. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, je mehr der Rachtriegskapitalismus die Schäden dieses Systems auch den von der anderen Seite kommenden Volksschichten fühlbar macht. D i e s o z i a l i st i s ch e K r i t i k i st a u f d e m M a r s ch. So verfälscht und mit Atavismen vermengt die national- sozialistische Ausgabe auch sein mag, es kann nicht die 2luf- gäbe der Sozialdemokratie sein, unbelehrbare Anhänger des bestehenden Wirtschaftssystems vor den Folgen dieser Be- wegung zu bewahren, sondern es wird ihre Aufgabe fein, den alten kapitalistischen Mächten die sozialen Zugeständnisse abzutrotzen, die in der gegenwärtigen Zeit der Rot unabwendbar sind. Die alten bürger- lichen Parteien werden zermalmt, wenn sie sich diesen Zu- geständnissen verschließen. Auch in ihnen regt sich übrigens eine Spur der Erkenntnis, wie das im Jungdeutschen Orden und seiner Parole„Gegen die Plutokratie!" erkennbar wird. Von dem Grad, in welchem die alten Parteien dem Geiste des Sozialismus Zugeständnisse machen, wird es abhängen, ob für die Sozialdemokratie ein Zusammengehen möglich ist — nicht zum Schutze des alten Unrechtes, sondern zur Geburtshilfe für ein neues sozialistisches Recht. Protest aus dem �egierungslager. Gegen das! Absackenlassen der Arbeitslosenversicherung. Das Organ der Christlichen Gewerkschaften, der„Deutsch«", schrieb gestern abend: „Roch sind bei Niederschrift dieser Zeilen die Sanierungsplän« der Regierung in ihren Einzelheiten nicht mit Sicherheit bekannt. Heute taucht ein« Meldung auf, nach der vom Beginn des neuen Etatsjahrcs an, also dem 1. April 1931, die Zuschüsse des Reichs an die Arbeitslosenversicherung völlig in Wegfall kommen sollen. Eine derartige Maßnahme würde bedeuten, daß die Versicherung zu ihrer Aufrechterhaltung nurauf die Beiträge der Arbeitgeber angewiesen ist. Sollte dies« Regierung zu einem derartigen Beschluß kommen. und sollte sie sich aus diese Art von einer der wichtigsten Existenzsicherungen der Arbeitnehmer lösen, dann dürste auch die Lösung der Arbeitnehmer von dieser Regierung damit ihren Ansang nehmen. Die deutschen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bilden mit ihrer Arbeit keine Welt für sich. An dem Erfolg der wirtschaftlichen Arbeit nimmt das Reich, Länder und Gemeinden reichsten Anteil. Es ist daher rncht mehr wie recht und billig, wen» sie auch an eine», eventuellen Niedergang teilnehmen. Trägt die Arbeit das Reich mit all seinen Gliedern, dann hat auch das Reich die Vcr- pflichtung, dafür zu sorgen, daß im Falle der Not die Existenz- sicherung der Glieder der Arbeit vom Reich mit getragen wird. In einer Zeit, wo gegenüber der Landwirtschaft eine ntchr als wohlwollende Haltung eingenommen wird, kann man die wichtigste Versicherung der Arbeitnehmer nicht einer Ungewissen Zukunft ousiiesern, ohne unser Volt noch mehr zu zerreißen tmd in Bewegung zu bringen.' Diese Eocntualdrohung richtet sich in erster Linie gegen den Reichsarbeitsminister Stcgcrwald. Wir sind bisher nicht gc- wohnt, daß aus derartigen Drohungen Konsequenzen gezogen werden. Wir halten jedoch diese Ausführungen fest, weil sie von Wert bei der öffentlichen Beurteilimg des neuen Regierungs- Programms sind. Der Uebcrwachungsausschuß. Der Reichc'tagsausjchuß zur Wah- rung der Rechte der Volksvertretung ist für Dienstag 4 Uhr nach- mittags zu einer Sitzung einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die von der Rcichsregterung vorgeschlagene Verbilligung von Frischfleisch an Stelle des zollfreien Gefrierfleisches. Leipziger Ostertrawalle vor Gericht. Vor dem Schwurgericht in Leipzig Hot am Montagoormittog der Prozeß gegen elf junge Kommunisten begonnen, die beschuldigt sind, an den Ostervorgöngcn in Leipzig beteiligt zu sein, bei denen aus dem Zlugustusplatz der Polizcihauptmann Galle und der Oberwachimeistcr Karte tödlich verlegt wurden. Die Präger Krawalle gegen deutsche Tonfilme sollen nach sudetendeutschen Blättern von amerikanischem Tonfilm- kapital finanziell„angeregt" worden sein, dem die deutfchen Produkte immer lästigere Konkiirren,z machten!... Unter dem Vorsitz des Reichswahlleiters Geheimrat Wage- mann hielt am Montagmitlag der Reichswahlausschuß ein« Sitzung ab, um das endgültige Ergebnis der Reichstagswahlcn fest- zustellen. Als Beisitzer waren u. a. aivvesend die Abgg. Dittmonn (Soz.), Torgler(Komm.) und Laoerrenz(Dnai.). Nachdem die amtlichen Ergebnisse aus den Wahlkreisen vor- liegen, besteht die Aufgabe des Reichswahlausschusses nur noch darin, die Verrechnung der R e st st i m m c n für die Reichsliste vor- zunehmen. Die Verrechnung, deren Ergebnis im einzelnen der Oeffentlichkcit bekannt ist, wurde vom Reichswahlausschuß g c n« h- in i g t. Im übrigen ist aus dem amtlichen Zahlcnergebms noch festzustellen, daß die Wahlbeteiligung 82 Proz. betrug. Insgesamt wurden 34 956 723 gültige Stimmen abgegeben, ferner 267 74! ungültige. Der neue Reichstag wird, wie bereits bekannt, Gthamers Abschied von London. Ehrende Kommentare der englischen presse. London. 29. September.(Eigenbericht.) Im Alter von 73 Jahren oerläßt am 1. Oktober der deutsche Botschafter in London, Dr. S t h a in e r, den diplomatischen Dienst, um in seine Hamburger Heimat zurückzukehren. Dr. Sthamer war als erster Rachkriegsbotschafter nach London gekommen. In stiller Klugheit verstand es dieser mit seltener Vor- nehmheit ausgestattet« Mann, sich die Hochachtung und Wertschätzung der gesamten englischen Oesfcntlichkeit zu erringen. In allen Partei- lagern und in der Diplomatie wird das Scheiden Sthamers sehr bedauert. Wie sein Landsmann, unser leider so früh verstorbe- ner Dr. K S st e r, hat auch Sthamer den Begriff des„Fachmannes" gründlich widerlegt. In welcher Art der Scheidende seine Ausgabe erfüllt hat, beweist die englische Press«, aus deren Abschieds- a r t i k e l n wir den„Daily H c r a l d", das Blatt der Labour Party, zlticven, der u. ct. schreibt: „Bor zehn Jahren kam Sthamer als„ehemaliger feindlicher Ausländer" nach England, dessen Kriegswunden innner noch bluteten. Er kam, sah und siegte— der Sieg des Friedens. Daß er nach London geschickt wurde, war ein Meistergriff von großer historischer Bedeutung. Sthamer hat nickst nur sein« Pflichten für sein Vaterland erfüllt, sondern auch für die Menschheit." Eine gefällige Magenkrankheit. Goebbels drückt sich vor dem Gericht. Als kürzlich die Gcrichtsnerhondlung gegen Goebbels wegen Veleidigung des Ministers Grzesinski und des Polizei obersten Hei- monnsberg stattfinden sollte, übcrmittelic er dem Gericht ein ärzt- liches Attest, aus dem hervorging, daß er wegen eines schweren Magenleidens nicht vor Gericht erscheinen könne. Dann kamen die Wahlen, Goebbels war wieder gesund, und dieser Zustand dauerte bis vor wenigen Tagen an, als er sich gemeinsam mit seinem Freunde Hitler in Leipzig von seinen Anhängern umjubeln ließ. Und plötzlich ist er wieder magenkrank. Gestern sollte nämlich die seinerzeit vertagte Verhandlung«nd- lich durchgeführt werden. Doch weder Goebbels, noch sein Vcr- leidiger, Rechteanwalt von der Goltz, waren erschienen. Der letztere berief sich auf seine Unabkömmlichkeit im Altonoer Vombcaleger- prozeß und der erstcrc hatte dem Gericht«in Attest desselben prak- tischen Arztes, Dr. med. Conti, eingeschickt, der auch bei der vorigen Verhandlung das Magenleiden seines Patienten bescheinigt hatte: die im Juli und August unterbrochene Behandluitg des mysteriösen Magenleidens muß wieder aufgenommen werden. Dos Gericht vertagte die Verhandlung auf den 13. Oktober und beschloß, Dr. Goebbels zu dem neuen Termin vorführen zu lassen. Der Vorsitzende erklärle, da an diesem Tage 3 Uhr nachmittags die erste Sitzung des neuen Reichstages ftattfiitde. so dürste e, der Polizei wohl gelingen, Goebbels 9 Uhr morgens zum Gerichtstermin mirzu fuhren. Ein sehr optimistisches Gericht! aus 577 Abgeordneter, bestehen. In der Sitzung des Reichs-, Wahlausschusses wandten sich die Abgg. Dittmann(Soz.) unh Loverrenz(Dnat.) gegen die Art der Verteilung der Rest, stimmen bei dem gemeinsamen Wahlovrschlag der Konservative,� des Landvolks und der Hannoveraner. Diese Verrechnung e n t, spreche nicht dem Sinn und dem Geist de» Wahl« g« s e tz c s, das verlange, daß zunächst ein Mandat in einem Wahl« kicisverband erreicht merde, che ein weiteres auf die Rcichswohl« liste hinzutrete. PrästdeM Wagemann stellt« fest, daß hier eine Lücke ing Wahlgesetz vorlieg«, das kein direktes Verbot eines solchen Zu, sammengehens enthalte. Es wurde nach angekündigt, daß sich auch das Wahlprüfungsgericht mit dieser Frag« beschäftig«* werte. Reichsgericht und Gregor Giraßer Seine Revision hat Erfolg. Leipzig, 29. September. 1 Der Zweite Strafsenat des Reichsgerichts verhandelte heute bist Revision des nationalsozialistischen Reichs tagsobgeordnetei* Gregor Straßer, der vom Landgericht III Berlin am 24. Ja, nuar d. I. wegen Beleidigung in sieben Fällen, wegen übler Roch-, rede in einem Falle und fünf Vergehen gegen das Republikschutzgesetz zu insgesamt sechs Monaten Gefängnis und 639 M. Geldstrafe ver« urteilt worden war.- In zwei Fällen gelang es der Revision, den Nachweis zu er, bringen, daß die Strafkammer au f Grund falscher Boraus, s ctzu ng e n zu einer Verurteilung gelangt ist, weshalb in diesen* Umfange da» Urteil ausgehoben und die Sache zu ander, weiter Entscheidung a n die Vorinstanz zurückverwieseq werden nnißtc. Gchimpf-Fahne verurteilt. Gefängnis wegen Beleidigung Severings. Wegen fortgesetzter öffentlicher Beleidigung des frühere«! Reichsministers des Innern S e v« r i n g verurteilt« das Schössen, gericht Berlin-Mitte gestern den Redakteur Hampel und die Redakteurin Altmann zu einem bzw. zwei Monaten Gefängnis. In vielen Artikeln der„Roten Fahne" war dey Minister Severing als„Scharfrichter aus dem Ruhrgebiet",„Ar, beiterschlächter" und„Henker des mitteldeutschen Proletariats" be, zeichnet worden. Heiwwehr wünscht Bürgerblock. Aber Hoffnung vergeblich. Wien. 29. September. �Eigenbericht.) Am Montag haben die H c i m w e h r s ü h r e r bei den Groß, deutschen und Londbündicrn im Sinne eines Entritts indi« Regierung interveniert. Die Großdeutschen erklärten, es liege ein Beschluß gegen den Eintritt in die Regie- rung vor, an dem auch die Dienstagsitzung der Reich�parteilettung nichts ändern werde. Wie es neuerdings heißt, ist ein Teil der Landbündle r sür den Eintritt in die Regierung. Da aber selbst mit den Landbündlcrn eine Regierungsmehrheit nicht zu er- reichen ist, holt man in parlamentarischen Kreisen die Auflösunz des Parlaments noch wie vor für unvermeidlich. Tn Osigolizien geht es immer toller zu. Die ulrainischc Geheim- organisation führt grcen die Polen cirr» Guerillakrieg mit Soho- tageoklen und sogar Bembenwürsen. Di« Polen sperren täglich Dutzende von Ukrainern ein. Ietzi führen sogar die lllraincr unter s i ch Krieg: ukrainische Rationalisten zerstörten mit einer Bombe die ukrainifch-kommunistische Zeitung in Lemberg. Wie der Hochverrat zutage kam. Die Meldung des Oberleutnants Westhoff. Leipzig, Z9. September. Dann wurde in der Beweisaufnahme fortgefahren und als erster Zeuge der Leutnant Fiirfen vcm zweiten Artillerieregiment m Stettin aufgerufen. Leutnant Fiirfen schildert« eingangs die Unter- Haltung, die zwischen ihm, dem Angeklagten Ludien und Leutnant Lohr im Rheinoold in Berlin stattgefunden Hot. Man habe darüber gesprochen, daß der Geist der Wehrhaftigkeit immer mehr sinke. Bis 1S2Z war dieser Geist sehr straff. Man mar auch darüber einig, daß mit den TlaNonalsozio liste» selbst Fühlung genommen werden sollte. um sich zu informieren. Vors.: Haben Sie auch darüber gesprcchen, welch« Stellung die Reichswehr zu einzelnen Parteien einnehme? Zeuge: Auch darüber waren wir uns einig, es dürfe nicht dazu kommen, daß die national- Bewegung durch die Reichs- wehrer st rckt würde. Vors.: Wa» nennen Sie denn nationale Bewegung?— Zeuge: Revision der Grenzen, Beseitigung der Kciegsschuldlüge und Umänderung der Friedensvertroge. In uns lebte die Furcht, daß einmal eine pazifistisch eingestellte Regierung die Reichswehr gegen die national« Bewegung einsetzen würde. Vors.: Hat Ludien dos ausgesprochen?— Zeuge: Ich glaube kaum, ich kann heute nicht mehr sagen, wer das zuerst aus- gesprochen hat. Vors.: Vor dem Untersuchungsrichter haben Sie es noch ge- wuht, und Sie haben gesagt, datz Ludien den Vorschlag gemacht hat, Sie sollten«inen Vertreter der Nationalsozialistischen Partei empfangen und Verbindung mit der Münchener Zentrale aufnehmen. Zeuge: Das ist richtig, vcn der Zentrale in München ist ge- sprachen worden. Vors.: Wie stellten Sie sich denn 3�« Orientierung durch München vor? Zeuge: Wir dachten uns, daß ein Vertreter der National- sczialisten uns informieren würde. Vors.: Hat Ludien Sie auch ersucht, im ganzen Ossizierkorps für die Nationalsozialisten Stimmung zu machen und Ihre Käme- roden für die nationalsozialistische Bewegung zu werben?— Zeuge: Das stimmt. Vors.: Im Falle einer Auseinandersetzung zwischen der Re- gierung und den Nationalsozialisten sollt« sich also die Reichswehr nicht gegen die Nationalsozialisten«enden? Zeuge: Jawohl, es sollte verhütet werden, daß die letzte nationale Bewegung in Deutschland zugrunde gehe. Vors.: Hat Ludien nicht davon gesprochen, daß Sic Ihre Namen einer Zentrale in München angeben sollten? Zeuge: Es wurde davon gesprochen, daß über Ludien die Namen aller nationalgesinnten Ofsiziere nach München geleitet wer- den sollten. Vors.: An wen denn? Zeug«: Das weih ich nicht. vors, lfcharss: Tta hären Sie mal. da» wird doch mahl be. sprachen worden sein. Die vame» sollte« dach«icht an irgend. einen Dienstmana am Münchener hanptbohnhos gemeldet werden. Zeuge: Doch wohl an einen Mann nationaler Gesinnung in München. Vors.: Herr Zeuge, Sic haben vorhin ja selbst gesagt, daß Ihre Namen dort einer Zentrale gemeldet werden sollten. Zeuge: Auf den Ausdruck Zentrale möchte ich mich nicht festlegen. Im übrigen verweise ich auf mein erstes Protokoll. Vors.: Sie haben gesagt, daß Ludien» Unternehmen eine Sicherheitsmaßnahme aus lange Sicht sein sollte. Was verstehen Sie denn unter einer Sichcruvgsmaßnahmc? Zeuge:c sich»u Ihren Abteilungskommondeur ge- wandt hoben. Noch den Ausführungen des Zeugen erhebt sich der Sach- verständige Major Theisscn»nd gibt folgende Erklärung ob:„Nach der 9lu«soqe de» Zeugen kannte man es so ansehen, al» ob die Mehr- heit der Osfizierr der deutschen Reichswehr nicht naterländisch dächten. Dem widerspreche ich hier an Gerichtsstell« im Namen de» deutschen Ofsj�,xrskorps. Es ist selbstverständlich, daß die Reichswehr den Pazifismus im landläufigen Sinne oder einen P o- Atfismu», der Daterlondsverrat bedeutet, ablehnt, ebenso lehnt sie Internationalismus ab. Ich bekenne hier ausdrücklich, daß die deutsch« Wehrmacht national denken und fühlen muß und selbstverständlich auch denkt und fühlt Die deutsche Reichswehr ist in erster Linie zum Schuh der Grenzen bei Angriffen da. vei inneren Unruhen ist i« der ersten Linie die Polizei einzusehen, und nur im äutzerste» Rot- soll di« Reichswehr herangezogen werden." Auf die Zwischenfroge eines Verteidigers erklärt Major Theissen, daß an dem soldatischen Gehorsam nicht gerüttelt werden dürfe. In der Tatsache, daß jedoch Zweifel an den Anordnungen der höchsten Stellen entstehen, seh« er bereits die Ergebnisse von Zersetzungserscheinungen. Rechtsanwalt Dr. Sack: Herr Sachverständiger, war es i in Reichswehr mini st«rium bekannt, daß die jungen Ossi- ziere Gedankengänge hatten, wie sie jetzt hier zur Erörterung stehen? Sachoer st ändiger: Jawohl. Rechtsanwalt Dr. Sack: Was machte man denn dagegen? Sachverständiger: Man hat die Divisionskommandeure zu einer Konferenz zusammenberufen, deren Ergebnis war, daß in allen Truppenteilen jeder Zersetzung von rechts und links energisch entgegengewirkt werden sollte. Rechtsanwalt Dr. Sack: Zeuge Fiirfen, entsprechend der Berufs- Verpflichtung des Soldaten hat er Vaterland und Per. fassung zu schützen. Ist es nicht denkbar, daß di« Reichswehr bei einer Verfassungsänderung in innere Konfiikte kommen konnte? Reichsanwalt: Ich beanstande dies« Frage. Zeuge F ü r s e n: Unbedingt: Herr Rechtsanwalt. Zeug«: Ich kann mir denken, daß es einmal«ine Regierung geben könnte, die nicht vaterländisch eingestellt ist. Falls dies« Re- gierung dann einen Befelst gibt, der dem vaterländisch eingestellten Soldaten widerstrebt, so muß es nattirlich zu schweren Konflikten kommen. Reichsanwalt: Für Sie ist also das Vaterland mit einer bestimmten Parteirichtung, nämlich der nationalistische», ort- banden. Zeuge: Da» kann nicht sein, man kann doch hier nicht von Parteipolitik sprechen, denn Vaterland und Nationalgefühl sind dcch immer dasselbe. Damit war di« Vernehmung des Zeugen Leutnant Fürsen beendet und der Scnnat beschloß, Leutnant Fürsen zu be- e i d i g e n. Nach der Mittagspause wurde dann der Leutnant und Adjutant Adolf Wcsthoff vom Infanterieregiment Nr. 18 in Eisenach»er- nommen, der Scheringcr und Wcndt von der Kriegsschule her kannte. Der Zeug« erklärte, er habe die Verbindung mit Wendt abgebrochen, weil dieser sich in einem Lokal einmal in einer eines Offiziers unwürdigen Weise benommen habe. Von Scheringer habe er im November vorigen Jahre»«inen Brief be- kommen, in welcher der Angeklngte für den?. Dezember seine An- kunft in Eisenach anmeldete. Als Scheringer dann gekommen ft', habe man sich zunächst über ollgemeine Fragen unterhalten, und dann Hab« Scheringer allmählich erklärt, daß man der Entwicklung in Deutschland, die unhaltbar nach link» gehe, einen Riegel vor- schieben müsse. Ihn selbst wollte Scheringer al, Vertrauensmann sür Mitteldeutschland anwerben und betonte, daß er sür Berlin, Königsberg und Stettin schon Vertreter habe. Scheringer setzte auseinander, daß seiner Ansicht nach ein Konflikt zwischen Frankreich und Italien drohe, wobei die Reichswehr doch wahrscheinlich werde eingreifen müssen, und daß auch mit der Möglichkeit innerer Unruhen zu rechnen sei. Er habe Scheringer«rtlärt, datz seine Pläne ein Wahnsinn seien und datz er als junger Offizier sich niemals mit solchen Dingen beschäftigen dürfe. Vor s.: In der Vernehmung vor General Waenker haben Sie curdrücklich betont, daß Scheringer von einer Organisation ge- sprachen habe, die hinter ihm stände.— Zeug«: Wenn das im Protokoll drin steht,-so halte ich es auch ausrecht. Vors.: Hoben Sie Scheringcr gefragt, ob auch andere Organisationen mit ihm in Verbindung ständen? Zeug«: Jawohl, ich fragt« ausdrücklich, ob der Stahlhelm mitmache. Scheringer nannte jedoch den Namen des Herrn v. Pfeffer und meinte, datz man mit dem Stahlhelm ja doch nichts anfangen könne. Scheringer bestritt jedoch auf mein« Frage, ob er mit Por- teien arbeite, daß er mit den Nationalsozialisten etwas zu tun habe. hält« er mir gesagt, datz eine bestimmte Partei, z. v. di« Ralionalsozialisten, hinter ihm ständen, so hätte ich ihn aus der Stelle festgenommen. Erst hinterher kamen mir ernstere Bedenken, als ich darüber nach. dachte, daß Scheringcr doch niemals so große Reisen von seinem eigenen Geld« machen könnte. Da habe ich meinem Komman- dcur die Angelegenheit mitgeteilt. Vors.: Sie haben Scheringer auf seinen Borschlog auch gesagt, daß Sie seinen Plan sür Unsinn hielten, die Sache sei ein tot, geborenes Kind, und ohne Befehl von oben würden Sic per- sönlich nicht» machen. Die Sache könne allen Beteiligten den Kopf kosten. Zeuge«zDas ist richtig. Scheringer hat mich nämlich gebeten, mit einem Oberleutnant in Meiningen ebenfalls in Verbindung zu treten. Vors.: Hinterher sind Ihnen dann über den Plan Sche- rtngers doch Bedenken gekommen? Zeug«: Jawohl, am ersten Tage hielt ich die Sache noch für harmlos, am zweiten Tage wurde ich jedoch bedenklich, zumal ich mir überlegte, daß auch für mich die Sache von folgenschwerer Bedeutung sein könnte. Ich fragte deshalb einen älteren, mir bekannten Haupt- mann, wa, ich tun solle. Dieser riet mir, meinem Kommandeur Mitteilung zu machen. Mein Kommandeur war sehr ausgeregt und verlangte eine offizielle Meldung von mir. Ich wurde dann im Gruppenkommando von General Kayser vernommen. Da ich Scheringer gegenüber in einer sehr schwierigen Lage war, bat ich General v. Kayser, Scheringer offiziell abschreiben zu dürfen. Ich erhielt jedoch den Beseht, niemandem, nicht einmal meinem Kommandeur irgend etwas von der Sache zu sagen. Eine Woche später mußt« ich dann General Waenker nochmals offiziell Bericht erstatten, und darauf nahm dieser di« Haussuchung bei Leut- nant Scheringer vor. Rechtsanwalt Dr. Sack: Sind bei der Unterhaltung mit Sche- ringer nicht Namen genannt worden und welch«? Zeuge: Wenn Namen fielen, so waren es die der Herren der Heeresleitung. Rechtsanwalt Dr. Sack: Haben Sic nicht gerade gesagt, daß es die einzelnen Strömungen Schleicher. Stülpnagel und Hammersteln feien, die sich in der Armee rieben? Zeuge: Das ist möglich. Rechtsanwalt Dr. Sack: Und sollten Sie nach dem Willen von Scheringer nicht diese Ausfassung Ihrem Kommandeur mann- hast zum Ausdruck bringen? Zeuge: Ja, da» wollte Scheringcr.. Ich stehe ober auf dem Standpunkt, daß«in« Beeinflussung von Mannschaften oder Offizieren ohne Kenntnis der Vorgesetzten niemals er- folgen dürfe. Wäre Scheringer schon längere Zeit Offizier gewesen. so hätte er selbst gewußt, daß sein Unternehmen undurchführbar mar.— Der Zeuge wurde hierauf vereidigt. Beweisaufnahme geschlossen.— Plädoyers am Mittwoch. Damit war die Beweisaufnahme erschöpft, und der Lorsitzende teilt« mit, daß der Senat beschlossen habe, di« Zeugen Hauptmann Jäger, v. Pseffer, Wagner und Weiß zu beeiden. Nach der Be- eidigung erklärte Senatspräsident Baumgarten, daß der heutige Dienstag zur Vorbereitung der Plädoyers verhandlungsfrei bleiben soll. Am Mittwoch morgen werdcn dann Reichsanwalt Nagel und Oberstaatsanwalt Wciersberg das Wort ergreifen. Anschließend merden di« Verteidiger und der militärische Anwalt sprechen. Der Borsitzende betonte dann noch, daß die Beratung des Senats über das Urteil voraussichtlich sehr lange dauern werde, und daß das Urteil keinesfalls vor Freitag, eventuell erst am Sonnabend l>cr- kündet werden könne. Sein neuestes Stadium. Hitler: werde von Tag zu Tag legaler und legaler/ Oer Baugewerksbund tagt. ASS 000 arbeitslose Bauarbeiter. Frankfurt a. M.. 29. September.(Eigenbericht.) großen Saal des Volksbildungsheims, der mit Schwarz- rotgold drapiert und mit roten Fahnen geschmückt ist, begann am Montag die Tagung des Deutschen Bougewertsbundes. Die Bruderorganisationen aus England, Ungarn, der Schweiz, Rumänien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Dänemark, Schweden, Finnland, Holland und Belgien haben Vertreter entsandt. Don anderen aus- ländischcn Organisationen liegen Begrüßungstelegromme vor. Der Bundesvorsitzende Bernhard wies in seiner Ansprache darauf hin, daß Deutschland frei von fremder Soldateska ist, aber innerhalb der schwarzrotgoldenen Grenzpfähle sei der Friede noch nicht eingekehrt. Die Sozialpolitik ist zurückgeschraubt worden, die Steuerlasten werden erhöhl, ungeheure Lasten werdcn dem Volke aufgebürdet, und die eigenen Volksschichten werden gegeneinander getrieben. Der I u st i z m i n i st e r sagt den Hausbesitzern, daß er ganz i h r Mann sei. Mit Hilse der Regierung werden die Löhn« abgebaut. Mit schuld an diesem Zustand sei-der Teil der Arbeiterschaft, der am 14. September gegen die eigenen Interessen gewählt hat. Der Vorsitzende gedachte dann der Toten des Ver- bandes, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Er würdigte vor allem die Verdienst« von Hermann Silber- ichmidt, Wichelm Brandmohr und Heinrich H ü t t ni a» n. Es folgten dann Begrüßungsansprachen von Behördenoertretern. In einem mehrstündigen Referat ging Bernhard dann auf die allgemeine Lage ein und jührte u. a. folgendes aus: Don der Kapitalnot der Wirtschaft ist die vauwirtfchaft am schwersten betroffen. . Die öffentliche Hand ist zum Sparen gezwungen, und si? beginne damit zuerst beim Bauen. Was hier Einschränkungen bedeuten, geht aus der Entwicklung der deutschen Bauwirtschast hervor. Im Jahr« 1882 betrug der Anteil des Baugewerbes an der Gesamtpersonenzahl in Industrie und Handwerk ein Zehntel, heute weit mehr als 18 Proz. der in der Industrie tätigen Personen. Nach der Statistik der baugewerklichen Bcrufsgcnossenschaft waren im vergangenen Jahre rund 1 870 l?lX> Personen in der vouwirtschast beschäftigt. Einschließlich der Familienmitglieder worden es etwa 10 Millionen Personen sein, die von der Bauwirtschaft ernährt werden. Der Wort der Bauprodultion wurde im Jahre 192< auf 3,44 Milliarden Reichsmark geschätzt, 1930 bereits auf 7 Milliarden. Di« Bautätigkeit der öffentlichen Wirtschaft betrug im Jahre 1912 08 Proz. der gesamten baugewerblichen Produktion. Heute haben die öffentlichen Körperschaften in der gesamten Bauwirtschast eine viel größere Bedeutung. Die öfsent- liche Hand finanziert heute etwa SO Proz. aller Bauarbcit: der öffentliche Bau macht heute ungefähr 30 Proz. der ganzen Bau- Produktion aus, und 90 Proz. aller Wohnungen könnten nicht gebaut werden, wenn die öffentlichen Beihilfen ausfielen. Für den Wohnungsbau sind in den Jahren der festen Wäh-unz etwa Milliarden Reichsmark öffentlicher Mittel ausgeworfen morden, wovon 4 Milliarden aus der Hauszinssteucr stammen. Mit Recht i önnon die Genossenschaften uiid gemeinnützigen Unternehmungen von sich behaupten, den Wohnungs- bau g e f ö r d e r t zu haben. Auch die B a u s p a r k a s s e n b e w e g u n g hat seit ihrem Be- stehen etwa 200 Millionen Reichsmark dein Wohnungsbau zugeführt. Den Bauarbeitern kann es nur recht fein, wenn die Baugeldcr aus sehr vielen Quellen fließen. Aber ich glaube, daß sich diese Kasten auf die Dauer nicht bewähren. Es ist sehr viel Ungesundes daran. Viel« Kassen brechen bereits zusammen. Für den Arbeiter ist es kaum möglich, die monatlichen Beiträge regelmäßig auszubringen, die notwendig sind, um einmal genügend Geld zu einem Eigen- heim zusammen zu haben. Der Sparer kann Gefahr laufen, bis zu 50 Iahren warten zu müssen, bis er zu seinem Eigenheim kommt. Schließlich weiß auch niemand, wie sich in späteren Jahren die Bau- kosten, Hypothekenzinsen usw. gestalten, so daß wir, weil die Risiken für den einzelnen Sparer ungeheuer groß sind, der Meinung sind, die Arbeiterschaft muh vor Illusionen gewarnt werden. Ganz besonders zu beurteilen ist das organisierte Sparen für den Wohnungsbau in den jahrzehntelang bewährten Wohnungsbau- gcsellschaften. Größte Sorge ist die Beschaffung des Kapitals für den Bau- markt. Wir haben die Forderung erhoben, dah die hauszinssteuer in ihrem ganzen Umsar.g dem Wohnungsbau zugeführt wird. Das ist ni« geschehen. Die gegenwärtige Regierung bereitet sogar einen Plan vor, der weitere 400 Millionen Mark an Hauszins- steueraufkommen für ander« Zwecke abzweigen will. Gegen solche Absichten erheben wir den entschiedensten P r o t e st. Ihre Verwirklichung würde die arbeitslosen Bauarbeiter der vollständigen Verelendung preisgeben und den Wohnungsbau vollends drosseln. Wie die Regierung mit einer solchen Maßnahme die Wirtschaft heben und die Arbeitslosigkeit beheben will, ist mir unverständlich. Ans fehlen mehr als eine Million Wohnungen, wenn man die ungesunden und abbruchsreifen mit einbezieht. Ein« jährliche Wohnungs- Produktion von 315 000 ist nötig. Es muß ober billig gebaut werden: denn die heutige Miete kann der Arbeiter nicht mehr be- zahlen. Furchtbar ist die Arbeitslosigkeit. Wir haben 389 000 arbeitslose Bauarbeiter. Die Mitglicderzahl unseres Bundes hatte eine halbe Million überschritten. Sie ist infolg« der wirtschaftlichen Lage natür- lich zurückgegangen, zählt ober immer noch 478 000 Mitglieder. Das zeugt von einer Organisationsdisziplin, die nicht olltäglich sst. Wir haben in drei Iahren 75 000 Mitglieder gewonnen. Der Redner beschöstigt sich dann mit den gegnerischen Bau- crbeiterorganisationen und den Unternehmerorganisationen und z'ticrt einen Ausspruch der Unternehmerorgamsation, des Deutschen Arbeitgeberbundcs, der seinerzeit schrieb: „Im Lohnkampf wird die Hauptschlacht geschlagen werden. Weder die Billigkeit noch das Recht werden hier entscheiden, sondern allein die Macht.� Di« Arbeiter sollten sich diesen Ausspruch des Deutschen Arbeit- geberbundes merken. Im September hotte die B u n d c s k a s s e ein Gesamtvermögen von 20 Millionen Mark.?m Jahre 1929 sind nahezu 13 Millionen Mark für Itnterslühungcn aukgeoebsn worden, im ersten Halbjahr 1930=- 9 194 042 Mark. Als Erwerbslosenunterstützung und bei Krankheiten wurden vom 1. Januar 1928 bis zum 30. Juli 1930 gleich 27 797 134 Mark gezahlt. Ueber das Schlichtungswesen sagte der Redner: Den selbst geschaffenen Schlichtungsinstanzen müssen wir den Vorzug geben, weim auch die Arbeit mit ihnen mehr Verontwortungsfreudigkeit der Vertragströger erfordert. Zur Zeit bestehen für unsere Mitglieder 9 7 Tarifverträge. In der Berichtszeit gelang«s auch, für die Reparationsarbeiten in Frankreich mit den ausführenden deutschen Unternehmern Verträge abzuschließen. Im Rahmen der Bauarbeiterinternationale sind mit den Bauarbeitervcrbänden in Oesterreich, Holland, Schweiz und der Tschechoslowakei Geoenscitigkeitsverträgc abgeschlossen worden, um die Zahluitg tzon Erwerbslösenunterstützung an die Mit- glieder der vertragschließenden Verbände sicherzustellen. Die Bauarbeiterinternationole arbeitet auch seit langen, daran, die Verbindungen mit Amerika aufzunehmen. * Dem Bundestag gingen die F a ch g r u p p e n ta g e der«W- zelnen Sparten vorauf. Die 5)auptgruppen des Bundes, die einen gemeinsamen Reichstarifoertrag haben, die Maurer, Betonarbeiter. Bauhilfs- und Tiefbauarbeiter befaßten sich vor allem mit d:!n Reichstarisvertrag und den sich daraus ergebenden arbeitsrechtlichen Fragen. Die 18 Bezirksverbönde des Baugewerksbundes haben schon vor Wochen ihr« bezirtlichen Fragen und die Aufgaben des Bundes- tagcs erörtert, um die Arbeiten des Bundestages zu erleichtern. AOB. und Veamiennotopfer. Gegen die geplante Erhöhung. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beamten- Hundes nahm in seiner Sitzung vom 29. September 1930 in einer Entschließung davon Kenntnis, dah die Reichsregierung beabsichtigt, durch Erhöhung der Rcichshilfe der Bcanüen von 2!� auf 5 Proz. und durch ihre Verläiigerimg über den 31. März 1931 hinaus der Beamtenschaft neue einseitige Opfer aufzuerlegen, ohne den Ver- such zu inachen, die zur Sanierung der Rcichsfinan.zcn erforderlichen Lasten den leistungsfähigen und besitzenden Schichten aufzuerlegen. Der Bundesvorstand wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Pläne, ine zudem jede soziale Gerechtigkeit vermissen lassen, da sie für die Beamten der unteren Gruppen eine ungleich größere Er- höhung ihrer Steuerlasten zur Folge haben als für die Beamten der höheren Gruppen. Ferner protestiert der Bimdesvorftand dagegen, daß die Reichsregierung, wie das schon bei dem Entwurf des Pensionskürzungsgafetzes geschehen ist, derartig schwerwiegende Vorschläge von weittragender beanrtenpolitischer Bedeutung unter- breitet, ohne im geringsten vorher mit den berufenen Vertretungen der Beamleafchaf«. den Spihenorganisationen. Fühlung genommen und ihnen Gelegenheit gegeben zu haben, ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Dieses Verhalten weicht offenkuiidig von dem Verfahren ab, das man gegenüber den sonstigen Kreisen der Wirt- schalt einschlägt, wenn es sich um Steuer- und Finanzsragen handelt, d,e für sie von Bedeutung sind. Angesichts der Angriffe, die von der thüringischen Regierung gegen das Koalilionsrecht der Beamten gerichtet werden, hält der Bundesvorstand diesen von der Reichsregierung emgeschlogenen Weg nicht für geeignet, um dos gerade in der gegenwärtigen politisch bewegten Zeit für die Staatsführunz im» erläßliche vertrauensvolle Verhältnis zwischen Regierung und Be- amtenschoft zu erhalten und zu stärken. Keine Entlassungen im Reichsbahnbetrieb. Arbeitszeitverkürzungen und Feierschichten. Nachdem auch am Montag wieder die Verhandlungen den ganzen Tag in Anspruch genommen haben, kam es in den späten Abendstunden zwischen der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft und den vertragschließenden Organisationen zu einer Verständi- g ung. Di« Abmachungen gehen dahin, daß sich die Haupt- oerwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellischaft ver- pflichtet, bis zum 31. März 1931 in der Bahnunter- Haltung und in den Reichsbahn« usbesferungs- werken planmäßige Enliaffungen im größeren Umfange zu vermeiden. Demgegenüber wird von den vertragschließenden Organisationen zugestanden: 1. für die Bahnunterhaltungsavbeiter für die Zeit vom 1. Ok- tober bis 31. Dezember 1930 eine Arbeitszeitverkürzung von 9 auf 8 Stunden pro Tag für den Monat Oktober und für den Monat November ein« Feierschicht von 8 Stunden. 2. Für die Arbeiter der Reichsbahnausbcsserungswerke wird für die Monate Oklober, November, Dezember die Arbeitszeit von 854 auf 8 Stunden pro Tag festgesetzt. Daneben sollen in diesen Monaten 5 Feierschichten mit 40 Arbeitsstunden möglichst auf oll« Arbeiter gleichmäßig verteilt ausfallen. Es ist zu begrüßen, daß durch einen solchen Soiidantätsakt viele Tausende von Arbeitnehmern vor der Arbeitslosigkeit bewahrt worden sind. Die Neamien in der Sozialversicherung So sieht der.aufgeblähte" Beamtenapparat aus. Die Gegner der Sozialversicherung behaupten vielfach in der O-ffentlichkcit, daß in den Verwaltungsstellen der Versicherungs- körper ein„aufgeblähter Bcamtenapparat" sich breit mache. Der A l l> gemeine Deutsche Beamtenbund zeigt in einer Auf- stellung, wie die Verhältnisse wirklich sind. In der Invalidenversicherung sind etwa 5000 Beamte tätig. Sic verteilen sich auf 29 Landesversicherungsanstalten, betreuen 18 Millionen Versicherte, ein Gesamtoermögen von etwa 114 Milliarden Mark und eine Iahreseinnahme an Beiträgen von etwa 1,1 Milliarden Mark. Die Angestelltenversicherung arbeitet mit nur 900 Beamten, die 3,4 Millionen Versichert« zu betreu«» haben.(Die personellen Kosten der Angestelltenversicherung betrogen nur 2,05 Proz. der Ein- nähme.) Die Krankenversicherung hat 2 2 000 Beamte, die rund 22 Millionen Versicherte bearbeiten. In einer mittleren Krankenkasse von 20 000 Mitgliedern haben etwa 20 Beamte jährlich 160 000 Perspne» abzufertigen. Für die Arbeitslosenversicherung stehen an Beamten und An» gestellten der Reichsanstalt nur rund 15 000 Personen zur Der- fügung, bei 17,5 Millionen Versicherten. Im Jahre 1929 gab es im Monatsdurchschnitt 2 Millionen Arbeitslos«, und insgesamt wurde« 7 Millionen Vermittlungen geleistet. Für die sozialen Versicherungen sind somit rund 50000 Be-i a m t e erforderlich. Schiedsspruch für die keramische Industrie. In der Porzellan- und Steingutindustrie wurde in den letzten Tagen über den Abschluß eines Reichstarifvertroges, eines Lohnvertroges und eines Arbcitszcitobkoinmens verhandelt. Es wurde unter Mitwirkung von drei unparteiischen Schlichtern ein Schiedsspruch gefällt, der die Löhne in der bisherigen H ö h e bis zum Mai 1931 festlegt. Eine Herabsetzung der bisherigen Arbeitszeit ist im Schiedsspruch nicht vorgesehen. Hinsichtlch der Mantclbcstimmungcn hatten die Unter- nchmer erhebliche Verschlechterungen gefordert, die im Schiedsspruch nur geringe Berücksichtigung fanden. Die Parteien müssen sich bis zum 7. Oktober über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs erklären. Transporiarbeiter-Znternaiionale. Abschluß des Londoner Kongresses. Der InternatioiialeTransportarbeiterkoiigrcß beendete am Sonnabend feine Arbeiten. Die in den Zlusfchüssen gc- faßten Beschlüsse zur sozialen sowie zur technischen Ausgestallung des internationalen Verkehrs wurden angenommen. Der aus 15 Mit- gliedern bestehende Generalrat wurde neu bzw. wiedergewählt: zu ihm gehören C r a m p und B e v i n, England, Döhring und I o ch a d e, Deutschland und B r a t s ch i für Oc st erreich und die Schweiz. Um die Verbindung mit den außeneuropäischen Irans- Portarbeitern enger zu gestalten, traten Daut, Indien und Hancada, Japan in den Generalrat.?luch die aus dem General- rat hervorgehende Exekutive des Verbandes wurde wiedergewählt, ebenso die Generalsekretäre Fimmen und Nathans, Holland. In den Schluß- und Dankesworten an die englischen Gastgeber sprach u. a,. S a r d e l l i für die italienischen Arbeiter und Gewerk- schaften, denen die Diktatur Mussolinis dos Erscheinen in London unmöglich machte. Sardelli hossi, daß die furchtbare Geißel des Faschismus bald In Italien verschwinden werde. Wirtschaftlich stehe das Land vor dem Bankrott. Die Staatsschulden und die Steuer- lasten wüchsen ins ungemessene, so daß bereits ein Teil der italieni- fchen Kapitalisten zur Steuerverweigcrung übergegangen wäre. Die Handelsziffern sänken stetig. Zahllos feien die Konkurse und immer größer werde die Verelendung der arbeitenden Massen. „Retlel die Blenschheit vor dem Faschismus und vor dem Krieg!" so lautet der flehentliche Appell, mit dem Sardelli die Tribüne verließ. Zum Schluß mahnte Fimmen die Delegierten, die nationalen Orgonisoticnen stark zu machen, damit der Verband inter- national seine Pflicht erfüllen könne. Wir werden eines Tages aufgerufen werden, und wir müssen siegen! Schlechtes Geschäft in Diamanten. Auch die Diamontarbeiter müssen hungern. Antwerpen, 28. September.(Eigenbericht.) Das Internationale Büro der Diamontarbeiter irat am Freitag hier zusammen. Es waren Delegierte aus Deutschland. Holland, Belgien und Frankreich erschienen. Festgestellt rourly, daß.zur Zeit 50 Proz. Diamontarbeiter in Deutschland, 75 Proz. in Holland, 50 Proz. in Belgien, 75 Pra.z. im Jura arbeitslos sind. Die Pariser Diamantindustri« ist ganz st i l l g e l e g t. Rergarbeiterabbau in England. London, 29. September. Alle Bergarbeiter der Kohlengruben von S e a h a m(Graf- schuft Durham), 2 60 0 an der Zahl, wurden benachrichtigt, daß sie wegen der Wirtschaftskrise in 14 Tagen entlassen wevdcn. Texiilarbeiierstreik in Virginia. Danville(Virginia), 29. September.(Eigenbericht.) 4000 organisierte Textilarbeiter in den Danriver Textilwerken beschlossen einstimmig, sofort in den Streik zu treten. Die Be- wegung ist gegen die offene gewerkfchaftsfeindliche Haltung der Unternehmer gerichtet und wird von dem amerikanischen Tcxtil- orbeitervcrband gebilligt. fftreie Gewerkschafts-Jugend Rerlin Heute, Dienstag, IS� Uk,r, tag"» die Erupven: Treptow: Sruppenheim Schule Wildenbruchstr. 53—54. Vortrag:„Pom Wetter".— Humboldt: Jugendheim Graun' Ecke Lortzingstraße. Die Mädels strengen stch an.— Grandau: Gruppenhcim Städt. Jugendheim Linbenufer l. Vortrag:„Erste Hilfe bei Unglücksfällen".— �rcnffttTtcr Alle«: Städt. Jugendheim Litauer Strosse 18. Wir lernen Kampflieder.— Landsberger Plass: Gruppenheim Diestelmeperstr. 5. Heimbcfprcchung.— Lichtenberg: Jugendheim Dosscstr. 2L. Luftiger Mvnatsaksschluss.— Röu'Lichtenberg: Jugendheim Gunterftr. 44. Volkstanssabend.— Pankow: Gruppenheim Pankow, gii'singenstr. 48. Vortrag: „Purfche und Mädel in der. Jugendbewegung". � Charlotten bnrg: Jugendheim Spree str. MI. Glassbrem, er-Abend.— Wir beteiligen uns an der Veranstaltung des Gesamtverbandes im..Saalbau Neukdlln", Bergstr. 147. @Iuaendaruppe desZentraiverbandeS ver Anaestellten H-Ute, Dicnetag, find folaend« tffranftalhjngen: SarfmwZI; guakntcheim Lehrti-r®,r. 18—19. Bunter Abend.— iichtrsberg: Zuacnbbrim Gunterftr.«4. Lust'a», Mnnot»>-nd-.— Sprech-»rb»ew«wlNK»ch«r: Uedung». obrnd pilnktlich 20 Uhr IN der Turnholle dkr Schule Borulher Str. 20. Stitunt Otto Polrmonn. Berliner Gewerkschaftsschule. vir Schul« beinnnt in dkr Wrch« vom 18. bi» 18. Oktodrr. Z!achft«h'nh rinio« wichtige Kurs«, drren Besuch fllr alle Gewkrkschafl»milgli»her und ffunl- tionare»u«mpfchlkn ist: Bu 1. Wo» mttft dfr 9Mtt«i.riU und der Geu>ertschoft»su»ktio»ör« vom Betrieb und von bc: Wiitschost roiffen? Lehrer: Richard Schulde- Deginn: Donnkrolaa, 18. Oktodcr, 18 Uhr. im Sitzungosoa! dr» Buchbind-rvrrbanhrs, Engel user 24— 2.>, Aufgang C, 3 Tr. Gew. 3. Einführung in gewertfchastlich« Grunb. und Gegenwort.fragen. Lehrer: fZrih Fricke. Beginn: Dien»tag. 14, Okiober, 19 Uhr, in bei GeroetI- schaftoschule, Engelufer 24--35, 2. chof. 1 Tr. 0 4. Die berufstätig» Fron im»ffentlichen Lebeu. Lehrerin: Maria Hodann. Beginn: Tlenotag, 14. Oktober, iszh Uhr. im Sonbien-LnzeuM. Weinmeifter- strafte 14—15. Bu.">. Bolkswirtfchaftliche Arbritogruppe für Aufänaer. Lehrer: Dipl- Bolkswirt Wilhelm Lftlsner. Beginn: Gienstog. 14. Oktober, jg Uhr, im Sihungslaal des Rnchbindernerbonbes. Engelufer 24- 25, Aulgang C, z Tr. 80. 7.»otrieb.wirtfchaftlich« Arbeits, ruppe fsinsübruugolurfu»). Lehrer: Direktor Paul Koske. Beginn: Freitag, 17. Oktober, 19 Uhr, im Leibniü-Evmna, sium, Mariannenpiab 27—28. 0 8.«rbeit.rcchtliche Gruppe für Ausäuger. Lehrer: Dr. ftrifc Schitnbeck. Beginn: Donnerstag. 1«. Oktober, 19 Uhr, im Saphirn-Lnzeum, Weinmeister. straß- 14— 1Z. v KSrergebsthr wr le 10 Abende 2 M,— Arbeitslose sind oorn Beitrag befreit. Anmeldungen bei sämtlichen Ortsverwaltungen oder, bei Beginn der Kurse oder in den Lehrberatungslprechftuudrn Montag und SZreita» von 16 bi» 19 Uhr oder schriftlich an die Berliner Gewerkschaftsschule, Berlin SO. 18, Engelufcr 24 23. 2. Stock, Limmer 25. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: G. Kliugelbcfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr, Etzlora: Feuilleton Dr. John Schikowsti: Lokales: und Sonftiaeo: Fri» ftarftibt: An, eigen: Tb Glocke: sämtlich tn Berlin. Verlag: Vorwärts-Lerlag G. m. b. H.. BerNn. Druck: Vorwärts-BuchdruckereZ und Verlaasanstalt Paul Sinaer u. Ea.. Berlin SD. 68, Lindenftraste 3. chierju t Beilagen. �r. 457* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 30. September 4930 Eröffnung der Museumsneubauten Am 1. Oktober werden anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Staatlichen Museen die Museumsbauten auf der Museumsinsel feierlich eröffnet Aus mächtigen Steinquadern zu- sammcngesetzt, steigen die M e s s e l- s ch e n B a u te n in starrer, antiker Größe in die Höhe-, durch die im- posanten Säulenfassaden der bis ans Wasser vorspringenden Flügel- bauten erhält der ganze Kupfer- graben einen Zug ins Museale. Zusammen mü dem Kaiser-Fried- rich-Museum, der Nationalgalerie, dem Alten und Neuen Museum ist hier ein antikisierendes Bauten- konglomerat entstanden, dessen Jnselhaftigkeit nur durch die Stadt- bahnlinie unterbrochen wird, die gerade zwischen Kaiser-Friedrich- Museum und dem„Deutschen Museum" hindurchsührt. Das „Deutsche Muscu m" ist der Nordfliigcl des Messel-Baues. Durch eine Brücke, die über die Stadtbahn führt, gelangt man vom Ober- geschoß des Kaiser-Friedrich-Mu° seums in das Treppenhaus und hinunter in das Hauptgeschoß des„Deutschen Museums". Es enthält Proben aus der Kunst der Aölterwanderungszeit, hauptsächlich Steindenkuräler aus den Teilen Italiens, die damals von germanischen Stämmen besiedelt wurden. Dann Denkmäler des frühen und des spülen Mittelalters. Neben Elsenveinarbeiten und Bronzen Holz- und Steitchildwerke des l-t. Jahrhunderts, Darunter„Glanzstücke" wie der„Engel am Grab" aus der romanischen und die Gnippc„Jesus und Johannes" aus der gotischen Zeit: große Fliigelaltäre, eine romanisch« Empore aus Groningen, endlich eine Sammlung von Abgüssen nach hervor- ragenden kirchlichen Bildwerken des Mittelalters. Das Ober- geschoß enthält die breite Entwicklung der Skulptur seit dem Be- ginn der Neuzeit. An Gemälden befinden sich jetzt im Neubau sämtliche deutschen Bilder, die niederländischen aus der Zeit vor 1350 sowie einige Tafeln französischen Ursprungs aus dem 13. Jahr- hundert, di? sich früher alle im Kaiser-Friedrich-Museum befanden. Zwischen den beiden Flügelbauten erstreckt sich der E h r e n h o s. Nach seiner Vollendung und nach dem Bau der Brücke wird der Zu- gang vom Kupfergraben aus erfolgen. 22 Jahre hat man an den Riesenbauten gearbeitet. Im Südflügel ist bekanntlich der Altar von Pergamon untergebracht.) Fundamentierimgsschwierigkeiten, Krieg, Inflation und ihre Folgen zogen die Fertigstellung so in die Länge, daß sie mm mit der Hundertjahrseier der Staatlichen Museen zusammenfällt. Töiung im Alkoholrausch. Streit an der Bar kostete ein Menschenleben. wegen Körperverletzung mit lodesavs. aang halte sich der Kaufmann w. vor dem Schwurgericht III unter vprsjtz von candgerichtsdirektor F r ied w a n a zu ,r.A. oeronlworleu. Am 28. Januar mar der Gutsbesitzer I. aus Lübbenwokd« in vollkommen' betrunkenem Zustande gegen Z Uhr nachts in eine Bar in der Joochimsthaler Straße ge- kommen und geriet mit der Bardame wegen der Zeche in Streit. Er gab ihr darauf eine Ohrfeige. Daraus kam der Angeklagte hinzu, der Beziehungen zu der Bardame hatte. Als er sie weinen sah und die Ursache davon crsuhr, stellt« er den Gutsbesitzer zur Rede, daß er eine Frau geschlagen habe. Dieser erwiderte mit Schimpfwort«» und nannte ihn einen„Lude n" der Fvou. Es wäre gleich zu Tätlichkeiten gekommen, wenn der Geschäfts- führer nicht hinzugetreten wäre. Als der betrunken« Gutsbesitzer noch Geschäftsschluß zu seiner Droschke wankte, trat ihm der An- pcklogtc entgegen und gab ihm eine kräftige Ohrfeig«. I. mochte darauf eine Armbcwegung imd traf den Angeklagten ins Gesicht. Ob das absichtlich geschehen war, konnte vom Gericht nicht sestgestellt werden. Der Angeklagte empfand es als einen Schlog und versetzte dem Gutsbesitzer eine zweite Ohrfeig«. Die Folge davon mar, daß der Gutsbesitzer mit dem Kopf gegen die Stoßstang« des Autos und dann auf das Pflaster aufschlug. Er ist nach drei Tagen im Kraickenhaus gestorben. Der Staatsanwalt beantragte gegen W. drei I o h r c G e- fä nqn i s. Der Verteidiger war der Meinung, daß der zweit« verhängnisvolle Schlag in Rdtwehr versetzt worden sei. Der Angeklagte habe sich in berechtigter Erregung befunden, und wen» das Gericht zur Verurteilung kommen sollte, sei größte Mild« an- gebracht. W. sei ein u n b e st rasier Mann, der sich bisher einwondfrei geführt habe. Das Schwurgericht verurteilte den An- geklagten zu drei Monaten Gefängnis. Der Aussichtsrat der BVG. beschloß gestern nach eingehender Aussprache, einen Ausschuß einzusetzen, der sich mit der Frage der Schützenwagen sowie mit den Vorwürfen befassen soll, die von einer Reihe von Berliner Zeitungen erhoben wurden, noch denen die Entlassungen bei der BVG. angeblich nach politischen Ge-, sichtspunkten erfolgt sind. Die Fonds des Herrn Boß. „Bitte abwarten, ob und wieviel die Firma spendet." Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages zur Prüfung der„Mißwirtschaft in der Berliner Sladtvenvaltung" verlas der Berichterstatter, Abgeordneter S o c n- necke eine Reihe von Beschlüssen des Generalstaatsanwalts zahl. reiche llnterfuchungsverfahren gegen den früheren Oberbnrger. meister Büß einzustellen. Es handelt sich zumeist um anonyme Anzeigen. Böß wurde unter anderem vorgeworfen, er habe dem Besitzer des Hotels Excelsior einen städtischen Kredit von acht Millionen verschafft. Diese Anschuldigung hat sich als unrichtig erwiesen. Dagegen ist festgestellt worden, daß der Tunnelbau des Hotels Excelsior gegen den Einspruch des zuständigen Bezirksamtes hinweg durch Böß ermöglicht worden ist. Der Besitzer des Hotels hat der Stadt wertvolle Teppich«, Bilder und andere Kunstwerke im Werte von mehreren 100 00V Mark, sowie größere Summen für den Sport- und Repräsentatitrns« sonds des Oberbürgermeisters gestiftet. In allen diesen Fällen ist jedoch Oberbürgermeister Böß nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keine strafrechtliche Verfehlung nachzuweisen. Im übrigen Hai es sich als zutreffend herausgestellt, daß Böß die Genehmigung für größere Bauvorhaben von Spenden für feiucn Sport- und Kunstfouds abhängig gemacht hat. In einem weitere» Cinstellungsbeschluß wird erklärt, daß Böß durch preiswerte Warenlieferung der Sklareks erhebliche Vorteil« gehabt hat. Es konnte ihm aber nicht nachgewiesen wer- den, daß die Vorteile für dienstliche Handlungen gewährt wurden. Die Firma Karstadt hat der Stadt Berlin in Verbindung mit ihrem Warenhausnmban in Neukölln eine größere Zuwendung gemacht, doch ist in diesem Falle nicht erwiesen, daß Böß die Zuwendungen gefordert habe. Ente große Anzahl werterer anonymer Zlnzeigen hat sich noch den ErmMlimgen der Staatsanwaltschaft als grundlos herausgestellt. Der Berichterstatter Koennecke ging dann im einzelnen auf die Fonds des Oberbürgermeisters Böß ein, die in der Hauptsache durch Spenden städt-ifcher Lieferanten gespeist worden seien. Als Gegenleistung sei von den Firmen Berücksichtigung bei Vergebung von Austrügen gefordert worden. In de» Akten des Oberbürgermeisters sei folgender Ver� merk gefunden worden:„Bitte abwarten, ob und wieviel die Firma spendet." Die Finna Bechst ein habe Böß den Ankauf eines Bildes für 1000 Mark zugesagt, in der Erwartung, daß sie von den Berliner Schulen beim Kauf von Musikinstnimenten berück- sichtigt werde. Eine solche Zusage sei daraufhin von Magistrat ge« macht worden. Borsig habe 3000 Mark zur„Hebung der Bolls- kraft" zur Verfügungg gestellt. Die Aschinger- Gesellschaft habe unter Hinweis auf schwere Stnierbelchtung eine Zuwendung abgelehrt, obwohl Böß auf s«ft««„besonderen Verdienste für das Gastftättengewerb« hinsichtlich der versöngcrung der polizeistnudc" hingewiesen habe. Eine weitere Firma habe ihre Verwunde- rung darüber ausgesprochen, daß sie bei städtischen Lieferungen nicht berücksichtigt werde und habe für die Aushebung dieser Maß- nähme eine Spende in Aussicht gestellt. Das Verbot set darauf» hin sofort ausgehoben worden. Die Belege über die Der- wendung der Gelder seien»nvollstäudig. An Frau Böß seien verschiedcollich Gelder für kvohlfahrts- zwecke ohne Ouillung gezahlt morden. Im Fonds für die Berliner Festspiel« seieit 169 000 Mark oereinmchnit worden, wovon nach Abzug der Aue- gaben etwa 96 000 Mark übriggeblieben seien. Obwohl dieser Fonds rfxMcid. HtsieA A llnSfred». Nachdruck»crbotrn. GuNa» gieprnlunicr Nrrlag A.�S., B«rtriek>»abt. 2. Biankgcweßtc ihufeisen unter den Absätzen seiner Stiefel quietschten über gefrorenen Schnee. Diese Schuhe, mitgenom- men im Tohuwabohu des Rückzuges und immer iür das schlimmste Wetter gehütet und gepflegt, waren ein Rest Er- innerung aus der Kricgszeit. Werlo liebte diese brauchbaren, lräftigcn Langschäfter: man muhte sich nur so verteufelt vor- sehen mit den Dingern aus glattem Boden. Langsam, fest auftretend, marschierte Berthold Werlo von der Straßenbahnhaltestelle Oranienburger Straße bis zum Häuserzug 47h. Im Hinterflügel, flankiert von Kehricht- rimeru, druckste das Gartenhaus, das seine Zweizimmer- mohnung enthielt. Er hätte den Weg im Finstern gerochen, auch dann noch, wenn die letzte der flackernden Gaslaternen nicht mehr durch den Torbogen geleuchtet hätte. Drei Häuser vor dem Durchgang war ein Riesenladen für Gefrierfleisch etabliert. Nachts blieben die Kellerluken zur Straße offen. Es stank nach Aas. Werla schimpfte mit allen Anwohnern der Gegend auf den Gestank— aber was wollte man tun? Das Fleisch war billig, es schmeckte nicht so schlecht, wie gar keins, der Schlächter war höflicher als andere Kanfleutc und immer dann noch zu pumpen bereit, wenn der Krämer schon kein Pfund Salz mehr auf Borg gab. weil es sich herum- gesprochm hatte, daß dieser oder jener schon wieder auf Wohl- fahrtsmarken Brikett» bezog— also„stempeln" ging. Der Arbeiter überrechnete das Geld in seiner Tasche- Ein Wochenlohn— er hatte unterwegs mit dem Werkmeister nur drei Glas Bier getrunken, dem er die Arbeit verdankte. Man muhte das«hen auf Geschäftsunkosten verbuchen. Die Betriebsversammlnng zog sich in die Länge,«he die Beleg- jcha�i ziemlich einmütig beschloß, bei der morgigen Urabftim- mung ihre Zettel zur Annahme des gefällten Schiedsspruches abzugeben.« Der Arbeiter Werla, vermeidbarem Aufruhr, leerer Brüllcrci abhold, war mit Margarine und Kohlsuppe zu- frieden, wenn er sein Glas Bier und Sonntags feine Gro-schen- zigarre ungestört genießen konnte. Im Sommer ersetzte sein Schrebergarten die Badereise vollauf und im Herbst war es eine Lust, eigene Kartoffeln zu ernten. Seit vierzehn Tagen arbeitete er nun in der Elektrofabrik. Es gab keinen hohen Lohn, gut, aber es gab am Freitag pünktlich die Geldtüte, und die Frau wallte und sollte doch nun ihr �ind haben. Teufel— das hatte er ganz verschwitzt! Hoffentlich war es heute, während er in der Kneipe saß, noch gut gegangen. Ehrlich gesagt) war ihm ein wenig mies. Teils, um schnellere Gewißheit zu erlangen, teils, weil dsr Fleischgeruch faulig in die von Schneeluft erfrischte Nase stieg, holte er eilig aus— schon bog er in den Torweg ein, als er ausglitt, mit den Armen in die Lust griff und sein Kopf heftig an die Kante der Hausmauer schlug. „Teufel", murmelte er,„das wird eine Beule, die sich gewaschen hat. Kassieren kann der Vize, aber eine Schub- lade Streusand hat er fsir seine Hintermietcr nicht übrig. Werd's ihm aber Sonntag beibringen, wenn ich ihn in der Bierquelle treffe. Vor allen Leuten soll der Kerl mit seiner dämlichen Schnauze sich blamieren!" Kein Fenster hell im zweiten Stock? War Anme doch ins Krankenhaus gegangen? Oder— lag sie vielleicht hilflos in der Wohnung, seit Stunden? Mit weniges Sprüngen nahm er die Treppen und blieb horchend an der Tür stehen. Unsinn— was er sich einredete! Sie stand bestimmt in der Küche! Grünkohl und Knackwurst hcktte sie ihm versprochen. Werla atmete hörbar, starrte in das Licht der Petroleum- lampe, die auf einem kleinen Brett in Mannshöhe stand. In diesen Sekunden spürt er das heiße Kreisen seines Blutes. Dann drückte er langsam die Klinke. Verschlossen. Er mußte sich zum Boden hinauftasten. Sie pflegten dort in einer finsteren Ecke des Treppenhauses den Schlüssel zu verstecken, wenn einer von ihnen in der Abwesenheit des anderen weggehen mußte. In einem Stück Papier lag das Bund bereit. Annies Schrift wurde beim Auswickeln unter der Lampe sichtbar, aber er bezwang seine Erregung. Drinnen kann ich ungestört lesen, sagte er sich und sä-'oß r-'if... Der Dunst seiner Zimmer schlug ihm entgegen. Die Küchentür stand offen, Streichhölzer lagen auf der Tischplatte, die Lampe stand bereit, Feuer glomm im Herd, Werla legte gedankenlos zwei Briketts nach, ehe er den Zettel ausein- anderfaltete: Lieber Mann,— schrieb Annie— es ist nun doch soweit. Ich bin um drei ins Krankenhaus gefahren. Hoffentlich komme ich noch hin, mein Rücken schmerzt. Kohl steht in der Kochkiste, die Kartoffeln sind zum Nachwärmen im Bett. Mach dir keine Sorgen, Feo, ich komme schon durch Wenn du willst, kannst du morgen bei Mutter essen. Im Krankenhaus geben Sie dir Auskunft, ob das Kind da ist. Gehe aber nicht zu spät, du mußt schlafen, sonst kannst du nicht arbeiten. Grüße Mutter und sei auch du vielmals gegrüßt von deiner Annie. Da hatte er nun die Geschichte! Komischer Gedanke— man kommt nach Hause, die Frau ist weg. Nachher bringt sie ein Kind mit ins Haus. Wie soll es eigentlich heißen? Ferdinand, wenn es«in Junge ist, erinnerte er, so hieß Annies Bater: ein Mädel könne Lieselott genannt werden, wie meine verstorbene Schwester, kam es ihm in den Sinn. Einer stirbt, der andere wird geboren— grübelte Werla weiter, einer ist reich, der andere arm. Seine Augen nehmen angewohnt jede Einzelheit der Umgebung auf und schoben das Bild dieser Küche neben ein anderes, das sie vorhin von der fahrenden Straßenbahn aus erhascht hatten— in jenem Augenblick, da Werla heute durch das Spiegelfenster eates Restaurants viele Leute vor hübsch servierten Speisen ge- sehen hatte, war ihm die Enge und Mühe seines Daseins bewußt geworden. Ein paar Kollegen brüllten Witze durch den Wagen. Man kann auch einfacher leben, wenn die Frau gut kocht, sagte sein Mund und sehr erstaunt' ncrnahm cr seine eigenen Worte, gab sich einen Klaps aus die Lippen und füllte das Essen auf den Teller. Annie hatte alles bedacht. Sie war eine gute Frcw, vernünftig, konnte arbeiten und wirtschaften wie keine zweite. Hübsch war sie nie gewesen, nein. Werla hatte wohl ge- legentlich Anwandlungen, eine andere richtiger und netter zu finden, er war ein wenig dem Tand und Glanz zugetan «nd an ihr wirkte vieles ein bißchen gleichgüllig. Sie war still in allem, man konnte nicht einmal misien, ob sie liebe— ja, auch ihre Sinne lebten dahin, ohne estvos zn fordern und manches Mal wehrte sie eine derbe Zärtlichkeit ob. Darum wunderte es ihn zuweilen, daß sie ein Kind haben werde.(Fortjeßung folgt.). i ■ oficnixir der Stadt gehöre. Hobe Boß erklärt, nur er bzw. seine Erben könnten darüber verfügen. Wegen dieser Dinge schwebe noch ein Ermittlungsverfahren gegen Oberbürgermeister Büß. Der Berichterstatter behielt sich die Ladung zahlreicher Zeugen vor. Am Dienstag will der Ausschuß einen Bericht über die Grund st ückskäufe der Berliner Verkehrs-Ge- �esfschaft entgegennehmen. Äoß vor Sem Disziplinargericht. Vor dem?. S c n a t des Obcrvcrwaltungsgerichts begarm am Montag die Berufungsoerhandlung gegen den Berliner Oberbürgcrincifter Bäh. Vorsigender dieses Senats ist Senatspräsidcnt Dr. G r ü ß n c r, der aber von den Berteidigern des Oberbürgermeisters wegen Befangenheit abgelehnt wurde. Für Grützner hat Oberverwaltuiigsoerichtsrat von S e i p i u s die Leitung der Verhandlung übernommen. In der ersten Instanz war auf D i c n st c n t l a s s u n g bei gleichzeitiger Kürzung der Pension gegen Oberbürgermeister Boß erkannt worden, wogegen Böß Ein- spruch erhoben hatte. Die Verhandlung findet, wie schon in der ersten Instanz, unter strengstem Ausschluß der O« f f e n t- lichkcit statt. Das Urteil ist heute im Lause des Tages zu erwarten. Visr Menschen in tiesem Elend. Ein proieiarierschicksol in Berlin 71. Der Arbeiter W. haust mit Frau und zwei kleinen Kindern in einer elenden M i e t st u b e in der Kolberg er Straße in Berlin N. Nach Ilbsähriger Arbeitslosigkeit bekam er für ein paar Monate Aushilfsarbeit und nun. ist auch diese Herrlichkeit wieder zu Ende. Wenig, fast gar keine Aussicht ist vorhanden, daß der Mann wieder ins Ver- dienen kommt. Da fitzen nun vier Menschen und sollen von wöchentlich 1? Mark ihr Leben fristen. Die Kinder, aufgewachsen in einer Atmosphäre der Not und des Mangels an allem Notwendigen, sind kränklich und schwach. Der Arzt verordnet ständig„gute Pflege". Das klingt wie ein Hohn in all dem Jammer! Denn es ist kein Geld für die notwendige Milch da. Die paar Möbel- ftülkc, die auf Abzahlung aiigcfchasst wurden, können nicht bezahlt werden. Das Wetter ist«schlecht, es ist kein Geld für ganzes Schuhwerk da und der Hauswirt präsentiert den Zahlungs- besohl für rückständig« Miete. Zu aller Not und allem Ungemach wird den Leuten das Leben im Hause mehr als un- erträglich gemacht. Nicht nur, daß vier Menschen in einem winzig -kleinen Raum essen, wohnen und schlafen müssen, sitzen sie oft tagelang ohne Wasser da, denn der Wohnungsinhaber, der die Küche bewohnt, wo sich die Wasserleitung befindet, pflegt sich erst gegen mittag, manchmal auch erst spät abends von feinem Lager zu erheben. Da kann oft weder Frühstück gekocht, noch' Badewasser für die Kinder besorgt werden. So verelenden und verkommen vier Menschen langsam aber sicher... Noch hält sich der Mann mühsam und mit äußerster Willenskraft aufrecht. Er will für feine Familie bis zur letzten Minute ein- stehen und kämpfen. Aber wie lange werden feine Kräfte noch vorhalten? Mii Gas vetgistet. Eine �iebköteagSSie aus Berlin W. U?eil einer ehelichen Verbindung unüber. windlichc Hindernisse enlgegenslanden. haben sich am Monlagmillag zwei Personen mit Gas vergislet und den Tod gefunden. Im Hause Stockhol mcrStraßc 4 wohnt« feit einiger Zeit die 49 Jahre alte von ihrem Mann getrenntlebende EmmaKrüsel tri!! dem 48 Jahre alten Chauffeur MaxKaspar zusammen. Frau Ärüsel halte sich von ihrem Manne getrennt und wollte sich auch von ihm scheiden lassen. Der Ehemann war aber mit einer Ehescheidung nicht einverstanden. Frau Kräsel sah nun keine Möglichkeit, den Ehauiseur zu heiraten. Si« nahm sich ihr Schicksal so sehr zu Herzen, daß sie mit K. übereinkam, zusammen aus dem Leben zu scheiden. Am Montogmittag oerspürten die Hausbewohner einen starken Gas- gcruch. Die benachrichtigte Feuerwehr drang gewaltsam in das ver- ' ich! offene Zimmer ein und fand beide leblos vor. Wicderbclcbungs- versuche rnaren vergeblich. 40 Arbeiterinnen verbrannt. Brandkaiastrophe in einer japanischen Tabakfabrik. Tokio, 2g. September. Nach einer Meldung aus Tsingtau sind bei einem Brand in einer Todatsabrik 4 0 Arbeiterinnen umgekommen. Mehrere hundert Arbeiterinnen wurden verletzt. Todesurteil gegen Gutmann rechtskräftig. Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts bestätigte durch Vcrwersuug der Revision das Urteil des Schwurgerichts Preuzlm vom 2-1 Juni d. IT, durch das der Zahnarzt Dr. G u t m a» n aus Schwedt wegen des am 26. November 1929 begangenen Gatten- mordcs zum Tode und wegen Urkundenfälschung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Gutmauu hatte iiz seiner Revision darzulegen versucht, daß das Schwurgericht zu Un echt einen psychologsich-natiirlichen Affekt bei Begehung der Tat ausgeschlossen habe, weil es sich ohne jede eigene Meinungsäußerung einiach dem Gutachten der Sachvcrstün- digen angeschlossen hätte, die eine psychologisch erfaßte Entschließung zu Zlfsekthandluugcn bei Gutmaun nicht hätten feststellen können. Der zweite Strafsenat hielt diese Revisionsrüge jedoch nicht für durchschlagend und erklärte, es ergebe jich aus de» gesamten Fest- stcllungen des Schwurgerichts, daß es sich sehr wohl selbständig mit der Frage des Vorliegens oder Nichtvorliegens eines natürlichen 'Assekles bei Begehung der Tat befaßt habe. Aus allen Umständen Schüsse auf die Muster. Tragödie eines unehelichen Knaben. Vor dem Schwurgericht I hatte sich der Lehrling Willi M. unter der Anklage des versuchten Toischloges zu verankworten. Ein l8jähriger unehelicher Zunge, innerlich zerrissen, hin- und hergeschleuderk zwischen S c h n s u ch l nach der vlutlcr und haß wegen ihrer Lieb- l o s i g k e i l. feuert auf sie mehrere Schüsse ob. Die Verletzungen sind zum Glück nicht tödlich. Der jung« Angeklagte schilderte dem Gericht, daß er durch seine unglückliche Jugend zu der unseligen Tat gekommen sei. Da seine Mutter vor einigen Jahren zum zweiten Male heiratete, wuchs er bei seinem Großvater auf, der zugleich sein Vormund war. Nachdem er die Schule absolviert hotte, verschaffte ihm sein Stiefvater in Berlin«ine Stellung als Hotelpag«. Das Geld, das er hier verdiente, mußte er zum größten Teil zu Hause abgeben, und er behauptete, daß er hierfür noch nicht einmal zu essen bekommen hätte, da sein Stiefvater jeden Pfennig verwettet hätte. Dadurch entstand häufiger Streit zwischen Mutter und Sohn. Als er eines Tages wieder sehr von ihr geschlagen wurde, schämte er sich, mit zerkratztem Gesicht ins Hotel zu gehen und gab feine Stellung auf und ging wieder zu seinem Großvater, der ihn zu einem Bäcker in die Lehre gab. Immer wieder klagte er dem Großvater sein Leid, daß die Mutter nichts von ihm wissen wolle. So entstand in ihm eine Übergroß« Empfindlichkeit. Hinzu kam die Krise der Entwicklungsjahre. Als er von feinem Lehrherrn wegen einer Klemigkeit eines Tages ausgeschimpft, vielleicht auch geschlagen wurde, erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Als dann kurze Zeit darauf die Bäckermeistersfrau Intimes aus seinem knabenhaften Geschlechts- leben klatschte, fuhr er kurzerhand mit einem anderen Lehrling nach Bayern. Wenige Tage später wurde er vom Jugendamt zu den Großeltern zurückgeschafft. Damals zählte er 16 Jahre. Einige Zeit darauf nahm ihn sein Onkel, ein Dentist, der mm sein Vormund wurde, nach Sachsen. Zwischen dein neuen Vor- rnund und dem Stiefvater entwickelte sich ein scharfer Briefwechsel. An seinem 18. Geburtstag schickten ihm seine Eltern Geld, aber gleichzeitig einen sehr unfreundlichen Brief, daß sie jetzt nicht mehr für ihn sorgen und ihm nichts weiter schicken würden. Darüber war er sehr unglücklich. Er packte seine Koffer, stahl seinem Ontel einen Revolver und wollte nach Berlin fahren, angeblich, um sich entweder mit seinen Eltern zu versöhnen oder sich selbst das Leben zu nehmen. Da er nicht genügend Reife- geld hatte, nahm er' in Dresden von der Straße ein Motorrad, fuhr nach Berlin und suchte gleich seine Mutter, die ein Friscurgeschäst leitete,, auf. Dort stieß er mit seinem Stiefvater zusammen. Nach- dem er die Nacht aus der Straße verbracht hatte, ging er am nächsten Morgen wieder zu seiner Mutter, um sich mit ihr aus- zusprechen. Sie rief sofort ihren Mann an und bat um Hilfe gegen ihren Sohn. Willi regte sich sehr darüber auf. Als dann feine Mutter auf die Strotze rannte, gab er mehrere Schlisse ab, van denen si- einige verletzten. Die Mutter verweigerte in der Ver- Handlung ihre" Aussage. Der Stiefvater schilderte sein Bemühen. mit dem Jungen in gute Freundschaft zu kommen. Da er sich jedoch zu seiner Mutter nie ordentlich benommen hätte, wäre das nie ge- lungcn. Der Großvater des'Angeklagten dagegen stellte dem jungen Menschen ein sehr gutes Zeugnis aus und behauptete, daß die Ellern niemals für ihn sorgen wollten. Der psychiatrische Sachverständige Dr. L e p p m o n n schilderte den Achtzehnjährigen als überempfindlichen Menschen, der stark unter hysterischen Anfällen leide. Es mag sein, daß er im Augenblick der Tat seiner Folgen nicht ganz bewußt gewesen wäre. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen versuchten Tot» schlages fallen, glaubte dem Achtzehnjährigen, daß er nicht die Zlb- ficht"gehabt hatte, seine Mutter zu töten und beantragte wegen gefährlicher Körperverletzung sechs Monate Gefängnis. Sechs Monate lautete auch das Urteil des Gerichts. Auf die Strafe erhielt der angeklagte Bewährungsfrist. Es ist bitter für einen jungen Menschen, zu wissen, daß er eine Mutter hat und auch wieder keine Mutter hat. vor und nach der Tat hätte es aber in freier richterlicher Beweis- Würdigung zunächst völlig unabhängig von den Sachverständigen- gutachten geschlossen, daß auch während der im Rahmen dieser Um- stände liegenden Tat vom'Angeklagten mit aller Ueber- I c g u n g gehandelt worden sei. Ein Rcchtsschler könne hcrin nicht erblickt werden.__ Gezinkte Karten, falsche Würfel. Oer„olle ehrliche Seemann" scheint wieder auferstanden. Vorkriegszeit erwacht! Der„olle ehrliche See- mann", der im Anfang des Zohrhunderts bei der Reilschule in Hannover zusammen mit geschaßten adligen Ossi- zieren den jungen Leutnants durch Falfchspiel das Geld abnahm, und Gras Wolss-Vletternich und Genossen sind, so möchte man sagen, aus der Versenkung wieder aufgetaucht. Denn vor einer Sonderabtcilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Marcard begann gestern der Falschspiel-Prozeß Blümcl und Genossen, für dessen Dauer mehrer« Wochen in Aussicht genommen sind. Angeklagt sind elf Personen. Die Hauptangeklagtcn sind der Kaufmann Wilhelm B l üm e l, der Kausmann Kurt Warncke und der Vermittler Willi Gold- s ch m i d t. Es bestanden zwei getrennte Falschspiclkolonncn, die Kolonne Blümcl-Warncke und die Kolonne Goldschmidt, beide aber trafen oft zusammen und arbeiteten auch bei der Einkassierung der durch Falschspiel ergaunerten Spielschulden Hand in Hand. Blümcl soll schon seit 26 Jahren das Falschspielgewerbe im Umher- ziehe» betreiben, und er war auch schon wiederholt, ebenso wie 'Warncke, i» Strafverfahren verwickelt. Bei einer Haussuchung wegen anderer Vergehen wurde in der Wohnung von Warncke ein Ledcrkosfer gefunden, in dem sich 19 Kartenspiele und gegen 50 Würfel befanden, sowie eine Feile und eine Kartenpresse, die �um Präparieren der Karten dienten. Die Würfel waren an den Ecken abgeschlissen, hatten ungerade Seiten und mehrere Zahlen doppelt. Auch die' Karten waren für das Faischspiel hergerichtet. Sie waren teilweise mit Fingernägeln gezeichnet oder am Rande befeill. Die präparierten Karten wurden aus den Umhüllungen sorgfältig herausgenommen, in die Presse gespannt, und die hoch- wertigen Karten wurden mit der Feile gezeichnet. Dann kamen sie wieder in die Pakete zurück, so doß der Anschein erweckt wurde, als kämen sie frisch aus der Fabrik. Die Angeklagten reisten seit Jahren im In- und Ausland herum. Sie bs- suchten die Bade- und Winterkurortc, waren aber auch in großen und kleineren Städten anzuttessen. Zmmcr wohnten sie in den besten Hotels, machten große Zechen und gaben sich als große Geschäftsleute aus. Wo sie abgestiegen waren, tauchten dann noch andere Persön- lichkciten aus, angeblich Großkaufleute, Großindustrielle, Großgrundbesitzer, Rittmeister und dergleichen. Die Angctlagten taten unter- einander, als ob sie sich nicht kennen, und stellten sich ein- ander vor. Mit Borliebe machten si« Gutsbesitzern Angebote von Grundstücken und suchten Notare wegen Uebertragung von Man« baten auf. In Verbindung damit ersolgte dann die Einladung zu einem Spielchen im Hotel. Zuerst wurde mit kleinen Ein- jätzen gespielt, bald aber wußten die'Angeklagten es so einzurichten, daß man zum Poker oder dem Würfelspiel„Lustige Siebe n" überging. Einem Rechtsanwalt und Notar, der dem Spiel leiden- schastlich oerfallen war, wurden in einer Nacht 38 600 Warf ab- gewonnen; dieser Betrag wurde aber vergleichsweise auf 17 066 Mark herabgesetzt. Einem anderen Mann wurden 22 666 Mar? abgenommen, ein dritter verlor 26 666 Mark. Einem Engländer wurden in Oberhof im Poker 16 666 Mark in einer Nacht abge« nommen. Zur Verhandlung sind über 46 Zeugen und eine Reihe von Sachverständigen geladen. Examen an der Tchnle für Arbeiterwohlfahrt. Am 27. September hatten die Schüler und Schülerinnen des ersten Lehrgangs der Wohlfahrtsschul« des Hauptansschusfes sür Arbeit erwohlfohrt ihre staatliche Prüfung nach zwei- jährigem«tudium abzulegen. Alle 42 Schüler haben ihr Examen bestanden, davon 8 mit sehr gut, 22 mit gut«ie haben jetzt noch ein Jabr'Arbeit in der praktischen Wohlfahrtspflege zu leisten, dann erhalten sie die staatliche Anerkennung als Wohltahrtsptteger oder-Pflegerin. Die staatlichen P r üft u n g? k o m m is sä r e äußerten, daß die Anforderungen der Arbeirerwohlfahrtsschule hoch und die Leistungen der Schuler sehr befrie.digend feien. Die nächste Prüfung hat der Jahrgang 1929/31 im September 1931 abzulegen. Ein weiterer Kursus beginnt am 14. Oktober 1936. - ✓' Handwerkskammer-Ausstellung. Am 1. Oktober 1936 wird in der Halle VI der Ausstellungshallen am Kaijerdamin in Charlotten- bürg nach zweijähriger Pause wiederum eine Ausstellung von L e h r l i n g s a r b e i t e n und G e s e l l« n st ü ck e n, die die Handelskammer veranstaltet, eröffnet. Di« Ausstellung zeigt aus 32 Handwerkszweigen Lehrlingsarbeiten aüs dem letzten Lehr- jähr und Gesellenstücke, die in Groß-Berliner Betrieben gefertigt wurden. %o wird Kaffee weife Strecken getragen.... von der Pflanzung bis zum nächsten Sammclplafj." Besonders die kostbaren. Hochgewächse werden oft unter großen Schwierigkeiten geerntet. Keine Mühe wird gescheut, um solche wertvollen Hod>g«wächsc au» über 4000 Fuß Höhe für Kaffee Hag, den eoffeinfreien Bohnenkaffee zu gewinnen. Diese auserlesenen Qualitäten bestimmen den hervorragenden Geschmack und das Aroma des Kaffee Hag/dlc sein großer Vorzug sind. Die andere bedeutsame Eigenschaft des Kaffee Hag ist sein V/crt für die Gesundheit: Er ist eoffeinfrei und verursacht keine Schlafstörungen� kein Herzklopfen, �.keine�nervöse� Erregung, keine Nierenreizung. Kaffee Hag ist vollkommen unschädlich. Mehr Genuß und gute Gesundheit durch Kaffee Hag. Auf zur Herbstfahrt! Nutzt die letzten schönen Tage aus! Die Wochen vor einer Wahl sind in der Sozialdemokratischen Partei die Zeit, in der von allen, die es ernst meinen, bedingungsloser Einsatz aller geistigen und körperlichen Kräfte jiir das«ine große Ziel erwartet wird. Aber nicht nur in den Partei- und Gewerkschaftso�gamsotionen herrscht Hochbetrieb, auch in den Neben, und Sonderoereinigungen wie den Frauen- und Jugend-, den Kultur- und Sportorganisationen ist alles auf die Wahl eingestellt. Alle anderen Wünsche müssen zeit- weilig zurücktreten. Es war ganz natürlich, daß aus diesen Gründen alle die Leser, die im„Vorwärts" Anregungen und Vor- schlüge über die Verwendung der Freizeit erwarten und zu finden gewohnt waren, ihre Wünsche zeitweilig weniger berücksichtigt sahen, lieber Urlaubs- und Ferienreisen und Wände- rungen, über Sonntagsausflüge und Wochenend- fahrten konnten wir wenig berichten. Nun aber liegt die Wahl hinter uns, und die persönlichen Wünsche treten wieder in den Vordergrund und sollen auch wieder berücksichtigt werden. perlen der deutschen Heimat. Zwar könnte es den Anschein erwecken, als ob dieser Sommer, der mit einem beispiellos heißen und ewig blauen Juni einen glänzenden Anfang nahm, in Regen, Sturm und Schmutz und i» Aerger, Mißmut und Verdrossenheit über soviel sehlgeschlagene Sommerhoffnungen erbärmlich zu Ende gehen sollt«. Und in der Tat, der Sommer 1930 wird in der Erinnerung aller Naturfreund« keine besondere Stelle einnehmen. Mit immer nur tageweisen Aus- nahmen herrschte vom Juli ab fast auf der ganzen Linie regnerisches Wetter. Nun aber hoffen wir auf den Herbst. Der Herbst kann in Deutschland von überwältigender Schönheit sein, und wer noch keinen Urlaub genommen hat oder wegen der Wahl nicht hat nehmen können, der soll, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben sind, überlegen, ob er nicht acht oder vierzehn Tag« dort verbringen kann, wo der Herbst in Deutschland am schönsten ist, an Rhein, Main oder Most'el, im We s e r b e r gl a n d, an den Ufern der W e r r a und der Fulda, an der Saale hellem Strande, an der oberen Elbe zwischen Meißen und der tschechischen Grenze. Grundverkehrt ist es auch, an die Ostseeküste nur um der kalten Seebäder zu fahren. Herbsttage an der Ost- s e e werden dem, der sie an geeigneten Orten verlebt hat, unvcr- geßlich sein. In den bekannten Ostseebädern gibt es selbstverstänölich auch Warmbäder. Die Luft an der Sc« ist von besonderer Reinheit. Ruhe ist jetzt gewährleistet. Der Herbstreisende soll nicht glauben, daß er dort in Einsamkeit verkommt, denn die Wirte, die im Hoch- sommcr alle Hände voll zu tun haben, sind selber froh, wenn sie mit dem jetzt gern gesehenen Gast abends ein gemütliches Schwätzchen machen können. Im flußdurchzogenen deutschen Mittelgebirge ober ist der Herbst in seiner Bereinigung von bunten, zu den Ufern herabstürzenden Laubwänden, den himmelblauen Flußbändern, den saftigen grünen Wiesen und den idylli- schen Siedlungen einzigartig. Die Schönheiten der Mark. Werden deutsche Ostseeküste und das Mittelgebirge gelobt, so sollen natürlich die Mark und die an sie grenzenden Landesteile nicht vergessen- werden. Schon deswegen nicht, weil sie als Sonn- • tggs- und Wochcncndziel den Verlinern vor der Nase liegen und bei der allgemekNen Wirtfchastsnot ohne große Fahrtkostcn auf- gesucht werden können. Es kann nicht oft genug daran erinnert werden, daß es in ganz Deutschland eine einzigartige Erscheinung ist, wenn ein städtischer Ausflügler für 25 bzw. 30 Pf. derartige Strecken durchfahren kann, wie mit den Verkehrsmitteln der Ber- liner Berkehrsgeselljchast. Wer im äußersten Neukölln in die U-Bahn klettert, steigt dort, wo sie im Norden endet, an der See- straße, wieder ans Tageslicht, hat dort aber nach 12.Kilometer Fahrt das Recht, auf derselben Fahrkarte bis nach Heiligensee noch- mals 12 Kilometer zu fahren, also insgesamt 24 Kilometer für 25 Pf. Das macht im Durchschnitt rund einen Pfennig pro Kilo- mcter. Da nun das 25- bzw. 30-Pf.-Reich der BVG. sich bis nach Herinsdorf', Lübars, Buch, Malchow, Hohenschönhausen, M a h l s d o rf, F r i e d r i chs h a g e n, Rahns- darf, Grünau, Schmöckwitz, Lichtenrade, Marien- selbe, Klein-Machnow, Zehlendorf und Spandau erstreckt, so können alle, die ihren Urlaub in Berlin verbringen müssen, dennoch für 50 oder 60 Pf. Fahrgeld täglich weit ins Land hinausfahren. Ein hübsch illustrierter und mit guten Karten ver- sehener Führer der BVG.(30 Pf.) gibt weiter« Auskunft. Sucht die Pracht der Laubwälder auf? Wer mehr Fahrgeld drangeben kann, hat natürlich eine noch größere Auswahl. Don Herbst soll man suchen, wo er sich bunt kleidet, also in den Laubwäldern. Die Wälder um Freien- walde bedeuten für die Mark immer noch«inen Gipfel an Natur- schönheit. Eine Wanderung das Brunnental aufwärts oder abwärts gehört mit zu den schönsten märkischen Naturgenüssen. Nicht minder schön ist es in und um Buckow, letzt auch von der Ostbahn bequem mit einer elektrischen Bahn zu erreichen. Gut sein ist in O d e r b e r g in der Mark, von wo man den geradezu berühmten Spaziergang durch den herrlichen Laubwald nach Klo st er Chorin machen kann. Nach Westen sind große Laub- wälder bei Bernau, Lank« und Wandlitz. Wenig begangene Waldreviere findet man in der fernen Mark, zwischen Landsberg an der Warthe und Berlinchen im Tal der Zanze. Will man diese Entfernung, etwa 140 Kilometer, wogen, dann kann man auch an den Besuch des großartigen Berglaubwaldgebietes. die Buch- Heide östlich von Stettin, denken, das man nicht nur über Stettin. sondern auch mit der Werneuchen er Bahn über Königs- bcrg in der Neu mark erreichen kann. In dem großen Gebiet im Norden Berlins zwischen Müritzsee, Reubranden- bürg, Prenzlau, T e m p l i n und Rheinsberg findet man neben dem landesüblichen Kiefernwald viele und große Laub- waldbestände. Herbsturlaubstage an dem durch Fontane berühmt gewordenen Stechlinfee lassen im Nu alle Berliner linrast vergessen. Im Süden Berlins soll man im Herbst vor ollen Dingen an den Unter- und Obcrsprecwald denken. An einem schönen sonnigen Herbsttag sich durch die stillen Fließe rudern zu lassen wird niemand gereuen. Wenn dann aber gegen Ende Oktober das letzte Laub von den Bäumen flattert, dann möge man daran denken, daß auch die märkischen Mittel- und sogar manche Kleinstädte einen Sonntags- besuch wert sind: Brandenburg, Rathenow, Lucken- walde, Lübbe», Lübbenau, Kottbus, Forst, Frankfurt an der Oder, Küstrin� Eberswalde, Prenzlau, Neuruppin. Brandenburg und Frankfurt z. B. haben weit und breit bekannte Gewerkschaftshäuser, in denen Wan- derer. Radler und Motoristen beste Unterkunst und Verpflegung finden. In Luckenwalde ist ein genossenschaftliches Restaurant der beliebte Sammelpunkt. Große Kundgebung gegen den 8 218. Im Rahmen einer öffentlichen Mitgliederversammlung veranstaltet der Arbeiterverein für Geburtenregelung(AsG.) am'Donnerstag, dem 2. Oktober, 20 Uhr, in den„Sophiensälen", Sophicnstraßc,«ine internationale Kundgebung gegen den 8 218 sowie gegen die Verschlcchterungs- entwürfe der'Sexualstrafgesetzgebung. Referenten sind: Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld, Berlin: Dr. Batkis, Moskau: Frau Dr. Jo Jacobfen, Kopenhagen: Dr. Spinner, Berlin. Männer und Frauen des werktätigen Volkes sind hierzu- eingeladen. Der Wert der Sonntagsveranitaltung„Dilettanten dichten" besteht darin, daß Gerhard Pohl versucht, die psycho- logischen und sozialen Voraussetzungen zu cutwickeln, aus denen diese Dilettantendichtungen entstehen. Der Vortrag liesert einen Beitrag zur Erkenntnis der seelischen Strebungen und noch mehr ZU? Erkenntnis der Wunfcherfüllung und Ideale. Auch Dr Gurt Boenheim gibt in den Ausführungen zu dem Thema„M c i n Kind ißt nicht" nicht nur allerlei mehr oder minder gute Rezepte, sondern er will auch die Aufmerksamkeit auf das Seelen- leben des Kindes richten. Er will ferner Reibungsmöglichkeiten zwischen Eltern und Kindern auf cm Mindestmaß herabdrücken, indem er in erster Linie die Eltern zu einer vernünftigen BeHand- lung der Kinder anhalten möchte. Das Programm bringt sonst viel Musik verschiedenen Charakters. Erwähnenswert das Abend- konzert aus der Philharmonie, das unier Leitung Prüwcrs gute, volkstümliche Orchcstcrmusik bietet. Am Montag spielt Siegfried Schneevogt Robert Schumanns „Phantasie Opus 17". Ihre Interpretation ist von starkem Ausdruckswillen getragen. Sie bevorzugt die leidenschaftliche Geste und weniger das lyrische Element. Das Spiel ist auf Betonung rhythmischer Gegensätze eingestellt.— Zwei Vorträge sodann, die in den Bereich der Reportage weisen. Ludwig Spitzer vermittelt „M o m e n t b il d e r vom Schnellgericht", die nicht mehr sein sollen als gut beobachtete und sprachlich treffend formulierte Skizzen. Alwin Steinitz gibt m seinen„W eltwundcrn a m Nil" neben dem Porträt einer exotischen Wirklichkeit auch Be- merkungen über die sozial« Struktur Aegyptens.— Leider hat Henry Ford sich geweigert, sich vor dem Berliner Radio interviewen zu lassen. Vielleicht fürchtete er, daß man an ihn Gewissenfragen über die Entwicklung der curo- päischen Wirtschaft, über Rationalisierung, Arbeitslosigkeit und andere einem Großindustriellen unangenehme Dinge stellen würde. An Stelle des Interviews spricht Dr. Kürt Heilmann über das Werk und über die Idee des amerikanischen Krösus.?. Leb. Revlflon der Skoalsanwalkschafk Im Wessel-Prozeß. Gegen das Urteil im Mordprozeß Wessel hat nunmehr auch die Staatsanwalt» schast Revision beim Reichsgericht angemeldet. Allgemeine Wetterlage. Unter dem Einfluß einer Zone hohen Druckes, die sich vom Nord« meer über die südliche Ostsee bis nach Südrußland hinein erstreckt, war am Montag das Wetter in Mittel- und Norddeutschland vielfach heiter. Die Temperaturen überschritten mittags allgemein 18 Grad Cels. Rur an der Nordsecküstc, im Rheingebicl und in Siiddeutschland war der Himmel stärker bewölkt: im Südwesten des Reiches begann es abends zu regnen.— Ucber dem südlichen Mitteleuropa liegt ein umsangrciches, slaches Tiefdruckgebiet. Druckfall über Deutschland läßt darauf schließen, daß wir allmählich in den Bereich des Tiefs kommen werden. Damit haben wir eine langsame Wetterverschlechterung zu erwarten. * Wetter für Verlin. Ueberwiegend bewölkt mit Neigung zu leichten Regenfällen.— Für Deutschland. Küstengebiete trocken und Ziemlich heiler, im übrigen Reiche meist stark wolkiges Wetter, stellenweise leichte Regenfälle.__ Vortrage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Eeschäktsstellk: Berlin S. 14. E-baManlir. 37—38. Kol 2. 5t. eouootftanb. Dennrr-tag, 2. Oktober. ZukontmcnlunO der Teil- ncfinift an der Landa-iitntion nach Snmtmünve in LandrC» Weiß- bictffiibcn, Ztlestcrstr. 76.—»reis Nori>-n. Iungbanncr: Donnerstag, Ä) Utir. Ärcisiug-ndmitglicdrrvcrsammlnnq i» der Löincnbraucrei. Hoch- Eckc Bad? Cnc. Thema: �Zungbazimr vor dir Sront". Rrtcrrnt Kam. Dr. Saubach. Boll- jühligcs Ersche-n-n Pflicht.— Prenzlauer Berg: Dannerstag. 2. Oktoo-r. er. writrric Vorstgndslihung bei Bttg.»am-radschaftsncrkaminlungrn Donnerstag, •> Oltobtr 20 Uhr: Rom Äordkap bei Goldschmidt, Ctolpische Sit. 36: t'gm. Balkan bei Biberstein. Danziaer Str. 4«�—«aniow(OrtsoeteitO: Die für Dienstag.:Z0. September. ange>ehte BolloersammliMg muh uuf Freitag. 3. Lkto- ber, 20'Uhr, in,„Turtischen Zelt", Breite Strohe, uerlegt werden.— Pre»,. lauer Bcrg. Kameradschatt Worther Plate: Kamerab Loren, ist pliitrtich ner- starben Einäscherung Mittwoch, l. Oktober. 16 Uhr, im Äreinatorium Gericht- straße. Rege Beteiligung ist Pflicht.— Kreuzberg: Miigliederoersammlungen am Mittwoch. 1. Oktober, 20 Uhr:.Zug 2 bei Krepp, Plonufer 75—76; Zug 7 im Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147: Zug 8 bei Adam, Lllbbrner Straße CO. Erscheinen Pflicht.— Lichtenberg, Kameradschaft Gustav Tempel: Mittwoch, 1. Oktober. Zunktionärpersammlung bei Rodegast, Rormannenstr. 3i. Abrechnung der Marken._ Rcichobnud der Kriegsbeschildigten. Krieq«tr!lnehmrr und Kriegerh!-''er, blirbenen, Ortsgruppe Süden. Versammlung am Mittwoch. 1. Oktober. 20 Uhr. bei Gliefing. Wassertorstr. 68. Referat des Kam. Litte:„Dcr neue Reichstag". Ring, uab Schufcveeband geschädigter Au-land-beutschrr. Kolonioldrut! der und Verdrängter, e. V. Monatsversammlung am Mittwoch. 1. Oktober, 2g Uhr, im Schnbrrt-Eaal, Berkiti W., BiUawstr. IM. Berliner Zither. Klub, gegr. 1858, Übt jeden Dienstag. 20i4 Uhr, im Klub- haus. Ohmstr. 2. lonxtailov Englisd Dcbating Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus Bülow- straBe 104, Guttmannsaal; Mary Crowley:„Bernhard ShaVs„St. Joan"—. Commentary and Reading" Die Bereinigung Preußischer Lotteric.Eiuuehmer von Geoß-Drrlin. r. P.. weist durch Inserat in der heutigen Ausgabe darauf hin. daß bei allen Staat. Iid>en Lotterie- Einnehmern in Eroß-Berlin zur neuen Lotterie, mit dem wefent- lich verbefferten Gewinnplan. Ziehung beginnend am 34. Oktober, Lose in aditel, viertel, halbe» usw. Mschnitten ,u haben stnb. Es liegt im Interesse nller Latteriefpieler, std> bei der jetzt einsetzenden lebbaften Rachfrage red):. zeitig noch ein Anteil zu sichern. Philharmonie. Heute, Dienstag, 20 Uhr, Eilrfonie-Kouzert des Phllharmo» nifchen Orchesters. Dirigent Prof. I. Prllwer, Brandenburg. Konzert Rr. 5— Baeh�Sol. Toomas llflSte). Konzertmeister Holst tViolure), Prof. I. Prllwer fKlavier). Cello-Konzert V-Dur-Haydn tBettermund), Sinfomo L-Moll-R«ch- ananinoff. / KäZ"?,d M- ,-6« Edamer Vollfett'nntscher*4 ScM®IWürst' feine Pfd W n' Bekocht"' Pfd' ' eeworsf, grob J' V. H'rschblatf.. 0d- fe"» Pfd. dl*6®' Seröstet 19oan'Jpeku'otius''anPfd- 1 i928erZeHer"üs**• Pfd. 0 Gfldwein|. Kürbis..#............ **----------- "i- f.'.eViV .MWj: u-bahnhof herman n p l atz• o e r k a r s t a d t- s f Sargidjan: Schach beim Mm&iirSien ■T In der Stadt von Timurs— des sagenhaften T a m e r la n— Ruhm, wohin er hie Beute seiner Kriegsziige brachte, wohin unter Lebensgefahr der Venetianer Marco Polo kam, um den großen Khan zu sehen, in der Stadt seiner Liebe und seines Glücks, errichtete Tamerlan sich ein Mausoleum. Noch marschierten seine Heere siegreich durch die fernsten Welt- teile, noch pulste heißes Blut in seinem Herzen— ober schon stand das Mausoleum und erinnerte an Dergänglichkeit, an Unabänder- liches, an die Eitelkeit des Ruhms und der Eroberungen. Leuchtende Reste vergangener Pracht. Bis auf den heutigen Tag glänzen himmelblau die wunder- baren Zierornamcnte der Maufolcumskuppel, bis heute haben sich die schweigsamen Koranvcrse nicht verwischt, die in den Marmor der Wände eingegraben sind. Immer noch liegen die Platten, über die der wißbegierig« Benetiancr schritt, über die man den toten Körper Tamerlans trug. Sein Ruhm überdauerte die Jahrhunderte, und der alte Scheich Abu D> a l i l bewacht noch lzeute die Stille der Gruft, pflanzt Blumen am Eingang, und führt mit der Laterne in der Hand Europäer an die Grabstätte und zeigt ihnen die Platte, auf der die Großtaten Timurs und seiner Vorfahren ausge, zeichnet sind.. Hier in dem Mausoleum versammeln sich jeden Freitag morgen auf Teppichen die Freund« des Scheichs ringsum das Schach- b r c t t. Timur liebte diese Geistestämpfe mehr noch als die Kämpfe der Schlacht, und jetzt versammeln sich die Schachspieler an bc- stimmten Tagen, wie ihm zu Ehren. Denn es ist schon fast völlig vergessen, daß dieser Brauch von dem Scheich erst in seiner Jugend, vor vierzig Jähren, eingeführt wurde. Im Bann der 64 Jeider. Europa kennt seine Schachmatadoren. Sie holten prunkvolle Weltmeisterschaften ob. Asien liebt keinen Lärm. Es verehrt seine Geisteshelden auf ein andere Art. Dichter, Sterndeuter, Schachspieler — ihre Namen kennt man durch Jahrhunderte, aber weder zu Leb- zeiten noch nach ihrem Tode wird Lärm um sie geinacht. Man ver- beugt sich schweigend und mit Ehrfurcht vor ihnen, man lernt und singt ihre Lieder, man deutet Schicksale nach ihren Stcrnbüchern und verfolgt aufmerksam mit Spannung ihre Schachpartien. Bei diesen Schachpartien spotten die Spieler selbst über ungeschickte Züge ihres Gegners, freuen sich, wenn ihnen ein guter Zug gelungen ist. Di« Umgebung mischt sich in das Spiel hinein, man regt sich auf, nimmt Partei. Ein Teil berät« den einen Spieler, ein zweiter den anderen, ein Massenspiel entwickelt sich, und diese ganze Gesell- schaft von langsamen, ehrwürdigen Männern, denen von alten Weisen Gleichmut eingeimpft wurde, verliert die Selbstbeherrschung vor dem hölzernen Schlachtfeld. Bis jetzt besitzt der Orient keific Schachbüchsr, die Spieler kennen keine Theorie, und wenn sie trotzdem die Europäer besiegen, die sich mit ihnen in Kampf einlassen, so geschieht es aus zwei Gründen: dem Listenreichtum und der Begeisterung. Hier verhält sich jeder zum Schachspiel wie zu einer Lebensphilosophie. Man spielt schnell, neckt einander während des Spiels, spottet. Jede Stadt hat einen Spieler, auf den sie stolz ist, und hierher, in das Mausoleum kommen die besten Spieler aus den umliegenden Städten. Im Winter, wenn der Aufenthalt hier ungemütlich wird, spielt man abwechselnd in der Wohnung jedes Teilnehmers die Nächte durch. Dos Leben hat keine Eile. Der Boden ist mit Matten und Teppichen bedeckt, Süßigkeiten, Marmelade, Halwa, Nüsse und Tee stehen vor den Spielern; um Mitternacht wird Suppe und Plow (ein Gericht aus Reis und Hammelfleisch) gereicht, die Spieler stärken sich und setzen sich wieder vor die Bretter. Manche legen sich, müde geworden, hin, der Hauswirt bedeckt sie sorgfältig mit einer Decke, und nach einen, Nickerchen setzen sie das Spiel fort. Das ist die Nacht von Donnerstag aus Freitag. Das tönende Brett. Vom europäischen Standpunkt ist das Schachspiel Gehirn- gymnastik, ein Mittel gegen Gehirnversettung. Hier ist Schach— ein Reiterspiel, Kamps. Kein Mittel gegen verdorbenen Magen, sondern etwas vom Leben Unzertrennliches, ein Teil des Lebens. Die alten Schachbretter, in persischem Stil ausgemalt, haben keine zwei- farbigen Quadrate—„ein guter Spieler irrt sich nicht. Dafür sind sie mit einer besondereii Vorrichtung versehen: wenn man einen Zug macht— und hier werden die Figuren hart aufgestellt—, so gibt es einen musikalischen Klang. Und so wird jeder Turmzug, jedes Schach dem König von Musik begleitet. Mit Morgengrauen, wenn die Tore der Moscheen zun, Gebet sich öffnen, trennen sich die Spieler. Mit Laternen und kleinen Bündeln mit Schachfiguren in der Hand und mit Süßigkeiten für die Kinder in den Taschen, verlassen die Spieler die Schachnacht. Und am Morgen kennt schon die ganze Stadt die Ergebnisse der Partien, bespricht die einzelnen Phasen des Spisjls, und fällt ihr Urteil über alternde Meister und spricht ihre Anerkennung neuen Siegern aus. tUcbcrtragrn von Ä. Chnrol.) 3>eier{Polier: Vom frommen Soidaten Eines Abends brachte die. Feldküche ein paar Kilo fromme Troktätchen, und die'Essenholer mußten sie nach vorn in die Gräben mitnehmen. Bei uns jlogen sie fürs erste in«ine Ecke, um gelegentlich oerbraucht zu werden. Es war gerode ruhige Zeit im Abschnitt, und das Leben war mitunter etwas langweilig. Das heißt, unseretwegen hätte es ja bis-m die.- Ewigkeit so chleiben fönn-m, aber manchlmL wußte man ebey gijcht,.«cht, was anfangen. So griff ich. wir gefegentfich mal eine Handvoll von den. Blätterchen� ,um.. clni hißchen darin zu schmökern. Der Inhcht war der übliche und wenig ausregend. Bleich- süchtige � Gedichte, salbungsvolle Betrachtungen, moralische Geschichten für kleine Kinder und solche, die es werden wollten, und für uns Grabenjchweinc wohlwollend« Aufmunterungen, wie süß und ehrenvoll es doch fei, sich für Thriyi und Altar die Knochen kaputjchießen zu lassen. Schon wollte ich den ganzen Krempel, wieder in die Eck« zurück- Wersen, da siel mein Blick auf einen Artikel:„W underb ares Erlebnis in, Schützengraben.' Von einem Front- kämpfer. „Hallo", dachte ich,.chas- ist etwas für uns!" Und begann zu Elidieren. Der Artikel fing folgendermaßen an:„Don einem treuen Mit- gOed unserer Gemeinde, das die letzten Kämpfe an der Westfront mitgemacht hat, wird uns geschrieben: Es mar an einem glutheißen Iulitag«. Die Sonne brannte unbarmherzig herab. Seit Tagen lagen wir im heftigsten Geschüßfeuer. Weder Verstärkungen, noch Lebensmittel konnten zu uns heran. Wir standen im wahren Sinne des Wortes einzig und allein in Gottes Hand!" Nun, dos passiert« öfter und war nichts Besonderes. Auch war es ja die unangenehmst« Begleiterscheinung des Krieges, daß man sich eben all zu sehr in Gottes Hand befand. Eine größere Möglichkeit des Selbstschutzes wäre uns weit lieber gewesen. Aber nun weiter: „Jedoch über die ununterbrochen« Lebensgesahr und den Mangel an Nahrungsmitteln hätte ich mich noch hinweggesetzt. Weit sc�immer war der entsetzliche Durst, der und peinigte. Kein Tröpflein Wasser war im Graben auszutreiben. Di« Zunge klebte uns wie verdorrt am Gaumen. Fast verschmachtet waren wir, und keine Aussicht war vorhanden, daß unsere Qualen gelindert wurden! Mit Schmerz und Trauer muß. ich nun sagen, daß mein« Kameraden in dieser Lage sehr wenig Gottesvertrauen zeigten. Sie fluchten und lästerten, statt im Gebet Erquickung zu suche,,, wie ich es tot. Aber mit Schrecken fühlte auch ich, wie das Fleisch immer stärker in mir wurde, und in höchster Not'sank ich mitten im Graben auf die Knie und begann mit lauter Stimme den Allmächtigen um Milderung unserer Leiden oder um Erlösung an, zustehen. Spott und Hohn prasselte von allen Seiten aus mich herab. Man beschimpft« mich wegen meiner„Frömmelei", man warf mich mit Erde und lästerte in dqn gottlosesten Ausdrücken. Da— plötzlich— ein furchtbarer Krach— ein F c u e r st r a h l—«ine Rauchwolke! Und wie von einer Riesensaust wurde ich er- griffen und gegen die Grobenwand geschleudert! Als ich wieder zu mir kam, sah ich etwas Furchtbares. Eine Granate war in unserem Abschnitt«ingejchlagen und hatte ein tiefes Loch in die Erde gerissen. Ich selbst war unverletzt geblieben,' aber die anderen, die Spötter und Löst«rer, lagen teils tot, teils entsetzlich verstümmelt umher! Unzweifelhaft war es Gottes Zorn, der sie unmittelbar nach ihrem Verbrechen getroffen hatte!" Soweit der fromme Soldat. Was nun.ober weiter kam, war doch etwas starker Tobak! „Aber Gott straft nicht nur, die ihn verleugnet, sondern er Hilst auch denen, die unverbrüchlich an ihn glauben! Ich glastdte meinen Augen nicht zu trauen, aber als ich in den Granattrichter hineinblickte, sah ich in der Tiefe eine Quell« klaren und reinen Wassers aus der Erde sprudeln! Jauchzend rief ich alle die halb Verdursteten, wies ihnen das Wunder, und wir erlabten uns dankbar an dem köstlichen Naß, das uns nun bis zum Ende der Schlacht nicht mehr mangelte. So hilft der Herr den Seinen!" Dies schrieb der fromme Soldat im„Stuttgarter evangelischen Milsionsblott" vom September lsslä. Ich war bast. Ich war einfach sprachlos! Ich trommelte die ganze Horde zusammen und las ihnen die Geschichte vor. „Bist du blödsinnig?" frvgke der-Heinepitt.„Oder willst du un» vertöhlest?�■----- Sie wurde ck"so' wttlMiiv daß••fit" rocht■ einmal- darüber lachen konnten. „Mensch, denen schreiben wir einen saugroben Brief!" rief der Schmitz, der immer für radikales Vorgehen mar.„Wir sitzen doch nicht hier in der Schweinerei, um uns veräppeln zu lassen!" „Nein, das macht man anders", belehrte ich ihn.„Wir fragen sehr höflich bei der Redaktion an, ob. sie uns nicht milteilen will, wann und wo die Geschichte passiert ist, und wer der jromme Mann ist, der die Sache erlebt l>aben will. Das unterschreiben wir olle und dann wollen wir mal sehen, was sie antworten." Der Brief nach Stuttgart wurde geschrieben, von lsi) Mann uMerzeichnct— der Leutnant wollt« leider nicht mit heran— und abgeschickt. Und dann warteten wir aus Antwort. Aber natürlich haben wir van den Stuttgarter Missionaren nje etwas gehört. Der geistliche Herr, der das Blättchcn herausgab, hatte sicher keine Zeit zum Antworten. Er war scheinbar zu sehr damit beschäftigt, neue Wundermärchen von der Front auszudenken, die er feinen gläubigen Schäfchen vorsetzen konnte. Als ich später im Stuttgarter Lazarett lag. da habe ich ihn mir mal vorgeknöpft. Da war er erst sehr betrübt über den schrecklichen Unglauben, der aus meiner Frage sprach, und dann wollte er mich melden, weil ich--- na ja! Er Hot es ober doch lieber unterlassen. Uatferofh: SOOOTIieier unter Wafl er Vis zum Jahre 1860 wußle man noch nichts von der Existenz der Tiesseesische und kam infolgedessen zu der Verallgemeinerung, daß der Druck der großen Wassertiesen, kein« lebenden Wesen zu- ließe. Als man Tiere gefunden hatte, die sich in einer Tiefe von mehr als lüssü Meter aufhalten, wurden diese Tatsachen äußerst skep- tisch aufgenommen. Erst 1865 kam man zu einer anderen Meinung. In diesem Jahre brach das Kabel, das durchlas Miltelländische Meer zwischen Sardinien und Algier gelegt war, in einer Tiese von ZOOO Meter entzwei. Als es herausgehoben wurde, zeigte es sich von einer Masse von Korallen und Muscheln umgeben, die einen Gürtel um das Kabel gebildet Kotten, der doppelt so dick wie das Kabel selbst war. Der sranzösischc Naturforscher MilneEdivards sand, daß diese Muschel, und Schneckenorten dieselben seien, die man auch in geringeren Tiefen findet. Aber außerdem entdeckt« er am Kabel noch zwei Polypen, die mit den Arten aus der Tertiärzeit identisch waren und die man längst ausgestorben glaubte. Da die in der Tiefe lebenden Tiere nur tot zu uns an die Oberfläche gelangen können, versuchte man, das Geheimnis der Tieisee- fische und Tiefseemu schein dadurch z» ergründen, daß man die an den Küsten lebenden Wqsserliere- künstlich einem hohen Druck aud-� setzte. Die Resultate, welche Regnard und Fontaine vom natur- wissenschaftlichen Institut in Paris kürzlich dabei erhielten, klären allerdings nicht über das Wesen der TiesseWsche oui, aber sie lassen erkennen, weshalb es den uns bekapntcn Lebewesen unmöglich ist, in größere Tiefen hinabzusteigen. Der nötige Druck zu der Aussübning der Experimente wurde durch eine hydraulische Presse hergestellt, die" ein« Belastung der BeHölter, in welchen sich die Fische befanden, mit mehreren hundert Atmosphären in wenigen Minuten möglich macht. Di« ersten Versuche zeigten, daß die Mikroben und Spaltpilz? einen Druck von beinahe 500 Atmosphären aushalten. Rur fallen sie dabei in eine Art Lethargie, bei der sie ihr« gewöhnliche Tätigkeit einstelle».. Ein Stück Fleisch bleibt tn solchem unter hohen Druck gesetzten Gefäß wochenlang frisch. Ist aber der normal« Druck wieder hergestellt� so wachen die Mikroben wieder auf und bringen dos Fleisch zur Fäulnis. Sodann wurden Versuche angestellt mit kleinen Schalenticrchen, die normalerweise etwa einen Meter tief an den Küsten leben. Bis zu einem Druck von 100 Atmosphären, der einer Wasscrtiese von 1000 Meter entspricht, schienen sie sich ganz wohl zu fühlen und schwammen friedlich hin und her.. Darüber hinaus wurden sie. von konvulsivischen Zuckungen erfaßt und schließlich fielen sie langsam aus den Boden des Gefäßes nieder. Lediglich einige Bewegungen der Fühler waren zu beobachten, lieber 4000 Meter hinaus blieben sie völlig leblos. Wurden sie nicht allzulange unter hohem Druck gehalten, so erholten sie sich und nahmen ihre normalen Lebens- funktionen wieder auf. Aehnlich verhält es sich mit anderen Wassertieren, die je noch ihrer Art eine verschiedene Widerstandskrast zeigen. Durchschnittlich hielten die Tiere einen Druck von 500 Atmosphären ein« halbe Stunde long aus. Mit den Fischen hatte man erhebliche Schwierigkeiten. Die Mehrzahl aller Fische ist bekanntlich mit einer Schwiminblasc, die mit Luft gefüllt ist, ausgestattet. Während der Kompression geht die Luft in das Blut über und ruft, wenn der Druck wieder nachläßt, Schlaganfällc hervor, die den sofortigen Tod des Fisches zur Folg« haben. Die Versuche zeigen, daß es für sämtliche an der Oberfläche lebenden Tiere eine große Gefahr bedeutet, sich tieier als 2000 Meter unter den Meeresspiegel zu begeben. Ob es eine Tiefe gibt, in welcher übrhaupt die Existenz von Lebewesen unmöglich wird, ist noch nicht erforscht. Jedoch scheinen kürzlich gemachte biologische Experiment« zu beweisen, daß bei einem Druck von 700 Atmosphären eine kritische Zone beginnt, wo nicht nur jede Muskel aufhört zu arbeiten, sondern wo auch nach einiger Zeit jede lebende Zelle zer- stört wird. An. jtari xauck: ä)er gäHifche Mahn Wohl kein Tiersymbol einer Großmacht hat soviele wechselnde Schicksale erlebt, wie der gallisch- Höh n. Zuerst erschien der Hahn in der Ocfsenllichkeil während der großen französischen Revolution auf den sogenannten„Assignaten", den, in kurzer Zeit wertlos gewordenen Papiergeld Frankreichs in jener Zeit. Mit dem Emporsteigen Napoleons 1. oer'chwand auch„der dos Licht und den Morgen einer besseren Zeit verkündende Hohn", denn der Kaiser erklärte, er wünsche als Symbol Frankreichs und in dessen Wappen kein Tier, das auf dem Mist lebe und vom Fuchs gefressen werde. Da er»Iii, die bourbon ischcn Lilien, das Symbol des altfranzösischen Königtums nicht wählen konnte, so nahm er den Adler der römischen Cäsaren als Sinnbild Frankreichs an. Nach seinem Sturz im Jahre 1813 wurden durch Ludwig XVIII. die Lilien in Frankreich wieder eingeführt, und sie blieben das Symbol des Landes, bis die Iulirevolution vor 100 Jahren den Thron Ka rl s X., des letzten Bourbanen umstieß. Das auf Karl X. solgcndc Königtum Ludwig Philipps mußte wieder auf die Suche nach einem neuen Symbol gehe«, denn die Lilien waren vom Bolk abgetan worden und der Adler Napoleons weckte zu selbstherrliche Erinnerungen, als daß der„Bürger- könig" ihn hätte annehmen dürfen. So griff er dem, wieder auf den.Hahn der alten Assignaten zurück, und bis zum Iabre 1852 krähte dieser wieder über den Geschicken Frankreichs. Vor dem Adler Napoleons III. mußte der Hahn weichen. Aber nach dem Tage von Sedon im Jahre 1870 wurde mit dem Kaiser auch lein Adler des Landes oerwiesen und Sie..or.i.i.t« R e p u b l i k wählt? wieder den Hohn, dos Sywhrh zbrex.'großep Vorgängerin aus dem Jahr« 1780, zum Sinnbild" Frantr--'ch« Uebrigens geht dir Hahn als Sinn d«lo oes alten Galliens, des heutigen Frankreich, weit in die Jahrtausende zurück, und das lateinische Wort„g»»,!-" bedeutet zugleich-„Hahn" und. Gallier". Schon auf den alten Münzen Galliens ist der Hohn zu finden und im Stroßburgcr Museum befindet sich eine alt- römische Bronzesigur, die einen Hahn darstellt, der in ein Kriegs Horn bläst. Mil den Füßen packt er das Horn und mit dem Schnabel bläst er in das Mundstück. Da die weite Mündung des Horns senkrecht steht, so scheint die Statuette als Ker.zenhalter gedient zu haben und der Hahn mag dabei wohl als Künder des Lichtes gedachi worden sein, als den ihn auch, wie oben erwähnt, die große sranzösischc Revolution betrachtete. Hann hilft Xebertran? Roch vor wenigen Jahren galt der Lebertran nicht nur dem Laien, sondern auch dem Arzt als das einzig sichere Heil- und Schutzmittel gegen verschiedene Krankheiten, insbesondere zur Ver- hütung und Heilung der englischen Krankheit. Die Ursache der Lebertranwirkung ist erst vor wenigen Jahren ousgedeckt worden, ols es gelang, im Lebertran die beiden außerordentlich wichtigen Vitamine A und B nachzuweisen, Vitamine, deren Fehlen in der Nahrung Wachstun, sstörungen und Rachitis verursacht. Seitdem die chemisch-biologischc Forschung eine Gehalt- bestimmung des Lebertrans ermöglichte, konnte aber sestgestellt werden, daß im Lebertran st c t» wechselnde Vitamin- menge» vorkommen. Englische Forscher wiesen nach, daß der Geholt an beiden Vitaminen oft bis zum Achtfachen schwankt. Kein Wunder, daß die Heilerfolge sehr von der jeweiligen„Güte" des Lebertrans abhingen. Die Kliniker, die inzwischen die Forderung aufgestellt hatten, daß man zur Vermeidung von Gefahren nur ein genau eingestelltes Vitaminpräparat verwenden darf, waren daher nahe daran,«den Lebertran als überholt ganz fallen zu lassen. Schon vor Jahrzehni-n, ehe man überhaupt an Vitamine dachte, hotte man die Unzulänglich- keit des Lebertrans erkannt und war dazu übergegangen, den Leber- trau durch Phosphorzusatz zu„verbessern". Dieser Zusatz ist jedoch nach unserer heutigen AnsäKiuiing abzulehnen. Auch weitere Ver- suche, den Lebertran zu„verbessern", schlugen zunächst gänzlich fehl. Nach Untersuchungen der G ö t t i n g« r K i n d c r k li n i k garantiqst nicht einmal der standardisierte Lebertran mit genau eilige- st c l l t c m Vitamin Id- G e h o l t einen sicheren Schutz und schnelle Heilung der Rachitis. ider Schatten als Pförtner Ein« Schiebetür, die sich ohne jede bewußt« menschliche Anstrcn- gung öffnet und schließt, ist in den Laboratorien der omerikonischen General Electric Eompagny zu Schenectody hergestellt morden. Wenn jemand durch die Tür gehen will und sich bis zu einer gewissen Entfernung ihr genähert hat, dann öffnet sie sich von selbst, läßt ihn hindurch und schließt sich erst, wenn er hinein oder herausgegangen ist. Man scheint von einem unsichtbaren Geist bedient. Dieser hilfreiche Geilt ist eine photoeleklrische Zelle, die hinter der Tür angebracht ist und einen Lichtstrahl auesendet. Wird dieser Strahl durch' einen Körper unterbrochen, dann tritt«in hydraulichcr lürösfner in Tätigkeit. Es ist also der Schatten des Mensche», der diesen Mechanismus auslöst. Ein Hebel hält dann die Tür offen und zwar solange, bis die Unter- brechung verschwunden ist, woraus dann ein Mechanismus die Tür wieder schließt. Er. 457* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 30. September �930 Tolle Bauwirtschast. Oer Skandal Industriebau Held& Franke/ Von Kurt Heinig. Mit Ach und Krach ist die bekannte Finna Industriebau chcld u. Franckc A.-G., die einen ganzen Baukonzern darstellt, jetzt saniert worden. In der Handelspresse blitzt und donnert es noch etwas wie bei einem abziehenden Gewitter. Die direkt Beteiligten bemühen sich, die Ursachen des beispiellosen Zusammenbruches jenes Bankonzerns möglichst zu verhüllen, durch private Schiedsverfahren auszugleichen und auch sonst alles so darzustellen, daß sie selbst völlig unschuldig und die eigentlich Benachteiligten seien. In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt! Um den ganzen Skandal in seinem vollen Umfang richtig zu erkennen, muß das strittige Objekt umschrieben werden. Außerdem ver- dienen die handeli»den Hauptpersonen einige Bemerkungen. Die Industriebau Held u. Francke A.°G. gehörte bis vor wenigen Iahren zum Interessen- und Geschäflsgebict des größten deutschen Bier-Sprit-Konzerns, der Schultheiß-Patzenhofcr-Ost- werke, und zwar gehörte es zum engeren Geschäftsgebiet der von der Familie Katzenellenbogen beherrschten Ostwerke- macht. Die Ostwerke waren der Großaktionär bet der Industriebau Held u. Francke, sie setzten ihren mächtigsten Mann— Katzen- ellenbogen— als Vorsitzenden des Aufsichtsrats, aber mit direktoraler Besehlsgcwalt, in den Baukonzern. Der Baukonzern wurde dann in der Form der Abgab« eines großen Aktienpaketes an die A.- G. für Verkehrswesen ver- kauft. Dieses Unternehmen beherrscht in Deutschland nicht nur über 10(1 Eisenbahnen, und Straßenbahngesellschaften, son- dern auch verschiedene große Baukonzerne, wie Lenz u. Co. und Dyckcrhoff u. Widmann. Der Generaldirektar dieser riesen- haften Macht, die auch noch die Industriebau Held u. Francke über- nabin, ist Herr Lübbcrt. Dieser Herr Lübbert ist nicht der erste beste. Er hat noch im Frühjahr 1ll30 dem Stahlhelm ein aus- führliches Wirtschoftsprogramm geliefert unter dem Titel„D u r ch- bruch zur Wirtschaftsfrciheit". Der Kampf um die Sanierung der Industriebau Held u. Francke wurde für Herrn Lübbert so wohl auch eine antisemitische Angelegenheit. Das wichtigste bleibt aber, warum die Sanierung überhaupl notwendig geworden ist. Bei den verschiedenen Auseinandersetzungen ist eine tolle Wirtschaft in der Industriebau Held u. Francke festgestellt war- den. Das Unternehmen war mit„W irtschaftsführern* überreichlich gesegnet. Es besah nicht nur ein halbes Dutzend Direktoren, sondern zeitweise auch bis zu 2 5 A u f f i ch t s r ä t e n, die sich aus Vertretungen sämtlicher deutscher Großbanken zusammen- setzten. Der Führer war der oben erwähnte Katzenellenbogen von den Ostwcrken. Aeußerlich stand das Unternehmen bis vor kurzem aUvucnd. l�ütt-te es docb üpch. izn l�ahre 1928 über 1 Million Mark in der Form von l I V r o Dividende aus. Daneben wurden 1 20 lXX) Mark für Tantienien verbraucht. In Wirklich- keit hat zu jener Zeit das Unternehmen schon mit großen Ver- l u st c n gearbeitet. <5« war weder die schwierige Lage des Baumarkles noch der Lohn der Bauarbeiter, die diese Verluste erzeugten, sondern eine beispiellose Mihwirtschast. Unfähigkeit aus Ausbeulung des Betriebes durch die Betriebsleitung, die hohe Verluste erzeugten. Die Direktoren betrachteten den Baukonzern als ihren privaten Vorteil. Sie traten dem Unternehmen gegenüber als Holz- l i e s c r a n t e n auf, in airdcren Fällen verknüpften sie sich mit Terraingeschäften und mit Bauaufträgen, die sie als Direk- torcn ihrer eigenen Firma brachten. Dabei sielen erhebliche Beträge ab. Daneben wurden die lausenden Bezüge der Direktoren auf verschiedenen Konten und bei Tochtergesellschaften so verteilt, daß sie sich s u m m ie r t e n, ohne daß es dem Nichteingeweihten bekannt wurde. Man ließ sich in Bauaufträge ein, bei denen die Bauherren die Finanzierung selbst überhaupt nicht durchzuführen in der Lage waren. Man übernahm dann selbst die Baufinanzierung und ließ das Unternehmen verkrachen. Eine andere Tochtergesellschaft der Verkehrswesengrtippe erstand dann das Objekt entsprechend verbilligt aus dem Konkurs. DereinfacheMenschfaßtsichandenKopf und fragt, wie dos alles überhaupt buchungsmäßig möglich gemacht worden ist. Das Versahren ist viel einfacher als nian denkt. Es wurden die Vorräte und die halbfertigen Bauten mit hoher Bewertung in die Bilan.; eingesetzt, man ließ die Gewinne aus der Ausgabe junger Aktien nicht, wie es das Handelsgesetzbuch vorschreibt, in den Reservefonds fließen, sondern oerbuchte solche Einnahmen„zweck- mäßiger'. Daneben kaufte man aus Gefälligkeit einzelnen Großaktionären die Aktien der eigenen Gesellschaft ab. Als dann die Baukonjunktur schwieriger wurde, kam der Zusammenbruch und heute sind bei dem Unternehmen mir noch wenige Angestellte und Arbeiter und 150 Lehrlinge übrig und dazu die Masse kleiner Aktionäre als die Reingefallenen. Die beteiligten und mitschuldigen Großbanken haben sich ihre Forderungen, die heute noch 1l Millionen Mark betragen. gesichert. Durch diese Gefälligkeit kam es zur Einigung mit Herrn Lübbert von der Verkchrswesengruppe. Die Einigung zielt dahin, den ganzen Schmutz in einem privaten Schiedsverfahren solange „chemisch" zu behandeln, bis nichts mehr davon übrig ist. Dafür hat Herr Lübbert von den Großbanken in der Generalversammlung der „Industriebau" durch entsprechende Abstimmungen die Vollmacht er- halten, gegen Katzenellenbogen unbehindert vorgehen zu dürfen. Katzenellcnbogen hat zu dem Vorwurf, er habe Lübbcrt die„In- dustriebau" zu einem hohen Preise aufgeschwindelt, zwar erklären lassen, daß Lübbert über die inneren Zustände bei der„Industrie- bau" unicrrichtet war, als er deren Aktienmajorität von ihm kaufte. Das Argument hat aber nicht durchgeschlagen, weil eben die Groß» danken selbst den Mann von der Ostwerkegruppe im Stich ließen, wahrscheinlich aus der nüchternen Erwägung heraus, daß sie so ihrerseits am billigsten danmikäme. Für uns ist der ganze Vorgang nichts anderes als ein Bei- spiel dafür, was für II m st ä n d e mitunter fiir industrielle Zu- sammenbrüche maßgebend sind. Weiter zeigt sich in diesem Fall wieder einmal die so viel gepriesene Unternehmer- t ü ch t i g k e i t und wie solcher„Durchbruch zur Wirt- schaftsfreiheit" auesieht, wenn man einer bestimmten Sorte Direktoren und Bankiers große industrielle Unternehmungen zur freien Beherrschung überläßt. Zwei Milliarden Kursverluste. Das Bankhaus Gebr. Arnhold, Dresden-Bcrlin, gibt in seinem neuesten Wochenbericht eine Tabelle, aus der die Kurs- bewegung der am Berliner Terminmarkt gebändelten Wert« im laufenden Kalenderjahr zu ersehen ist. Die stärksten Rückgänge im Ausmaße von 40 bis 50 Wertprozenten des Standes vom Do- zember 1929 haben KunUerdenwerte, Maust eld und Verkehrs- wefen Aktien ersahven. Allgemein lagen die Gruppen der Auto- mobil-, Sprit- und Zellstosswerte besonders schwach. Fort- dauerndes Angebot hatte sich auch in den Aktien der Montanzcscll- schaften und seit einiger Zeit bei Aktien der Großbanken ergeben. Auf'Nn anderen Seite sind die Rückgänge in verschiedenen Fällen erheblich geringer gewesen und als Ausnahmefall sind Thüringer Gas-Aktien und Kaliwerte zu nennen, bei denen sich gegenüber dem Jahresbeginn eher noch kleine Kurserhöhungcn durchsetzen konnten. Im ganzen zeigt diese Zusammenstellung der Eiirzelwerte, welche Verwüst un gen die Kursrückgänge der letzten Zeit in dem schon nach den Abschwächungen des Jahres 19a) vielfach erschütterten Kursgebäude angerichtet haben. Die Kursverluste an den Aktie» der Berliner Börse betrogen 2 Mit- liardcn Mark gegenüber dem Stande vom Ende des Jahres 1929. Benzinpreise stärker herunter! Zur Auflösung der Benzin-Konvention. Durch den Austritt der amerikanischen Trustfirmen und d.'s deutschen Benzolverbandes aus der Benzinkonvention hat dieses Kartell, das durch Preishochholtung und rücksichtslose- Vorgehen g-'gen die Abnchmerschast den Typus eines volkswirtschaftlich schär- lichcn Kartells darstellte, vorläufig ihr Ende gesunden. Die Plötz- liche Sprengung dieses. machtvollen und allem Anschein nach fest, eingcjplcllen Benzitikarlclls zeigt erneut, daß dem Zwang der wirtschaftlichen Tatsachen schließlich auch eine straffe Monopolmacht weichen muß. Wie haben sich die Verhältnisse auf dem Treibstoffmarkt ent- wickelt? Ein« gewaltige Erdölüberproduktion, die man durch vergebliche Einschränkungsoersuche vermindern wollte,«in starte» ?lnwachsen der Benzinvorräte bei rückgängigem Absatz iniolg« der Weltkrise, haben in Amerika und den umstrittenen außer- europäischen Märkten einen starke» P r c i s f a l l des Benzins zur Folge gehabt. Di« Exportpreise wurden jedoch von dem amerikanischen Exportkartell zunächst nur in geringerem Umfange herabgesetzt. Trotz des Rückgangs der Exportpreise und trotz eines rapiden Fallen- der Tankschiff-Frachten wurden so zunächst aus den europäischen Märkten von den beiden beherrschenden Trusts die Benzinpreis« weiter hoch geHallen. Das immer stärkere Angebot durch Außenseiter, insbesondere von rumänischem Benzin, zwang schließlich die Trust- sirmen zu erheblichen Preisherabsetzungen außerhalb Deutschlands. In England führte man ein« Preisermäßigung für Zapfstellen- benzin um 4 Pf., in 5) o l l o n d um 3'A P f. öurch, in der Schweiz mußte man innerhalb kurzer Zeit in einem offenen Bcnzinkampf die Preise um mehr als 10 Pf. pro Liter senken. In Deutschland erklärte sich die Benzinkonvention großzügig in der vergangenen Woche zu einer Preisermäßigung u m 1 P f.(!) pro Liter bereit, nachdem durch Senkung der amerikanischen Aus- fuhrpreis« und der Schifsssrochten eine Verbilligung der Import- preise um insgesamt� etwa g Pf. vorausgegangen war. Die Benzinkonvention glaubte bisher die deutschen Preise dik- tieren zu können, da sie jedem Abnehmer die Bedingung auferlegte, auch markenfreies Benzin nicht unter dem Kon- ncntionspreis abzugeben. Selbst wenn es also einem Händler gc- long, sich freies Benzin zu beschaffen, so mußte er bei einem Der- kauf unter dem Zapsstcllenpreis den Boykott riskieren. In dieses System der Knebelung des Handels hat nun offenbar — ob bewußt oder unbewußt, das sei hier dahingestellt— die A u s- führungsverordnung der Kartellnotverordnung vom 30. August eine Bresche geschlagen. Dies« Verordnung erklärt nämlich Verträge für nichtig, in denen dem Abnehmer einer Ware für Waren anderer Herkunst Preisverflichtungen auferlegt werden. Die Aushebung dieser bisherigen rigorosen Bindung und die Rebellion einer Konventionssirma hat wohl erst di« stärkere Außenscitertätigkeit ermöglicht und die Benzinkonvention zunächst zur Kapitulation gezwungen. Freilich sind di« bisher bekanntgewordenen Preissenkungen der Trustfirmcn und des Benzolocrbandcs um 1— 2 Pf. pro Liter, gemessen an der Berbilligung der Einkaufspreise, noch völlig unzulänglich. Die Hamburger Jmportkreiscn nahe- stehende Zeitschrist„Der Wirtschaftsdicnst" hat jüngst in ausführ- licher Abhandlung dargestellt, daß die deutschen Benzin- preise um etwa 10 Pf. per Liter überhöht sind. Es wird also unverzüglich eine voll« Anpassung der Großhandelsprciie und Zapfstellenpreise an di« wesentlich verbilligten Weltmarktpreise und Frachten durchzuführen sein. S0 Prozent Weizenvermahlung. Oer Landbund hat sich durchgeweht. Die Bemühungen des Reichsernährungsministers Schiele, den inländischen Weizenpreis möglichst hoch hinaufzutreiben, haben auf Befehl des Reichslandbundes zu einer neuen Aktion ge- führt. Im„Rcichsanzeizer" wird eine Aerordnung bekanntgeinacht, nach der der Weizenvermahlungszwang in den Monaten Oktober und November 1930 auf 80 Proz. erhöht wird. Jede in Deutschland liegende Mühle, die ausländischen Weizen vermahlt, muß von der gesamten Mahlmeng« mindestens 80 Proz. Inlandweizen vermählen. Die bisherige Quote ini neuen Erntejahr betrug für September 60 Proz. Bom 1. Oktober 1929 bis zum 30. Juni 1930 gatt eine Oi'ot« von 50 Proz. Die Oktober-Novcmber-Ouote ist also um 33 bzw. 60 Proz. erhöht worden. Der Reichslandbund hat eine Ouatc von 90 Proz. verlangt. Er hat sich also schon jetzt fast hundertprozentig durchgesetzt. Graf von K a l ck r c u t h'hat eine„nahezu hundertprozentige" Wei.zenoermahlung verlangt. Der Landlnind hat also die Aussicht, nachdem nur bis Ende November jetzt verordnet worden ist, daß die Wünsche des Grast» Kalckreuth nnch noch erfüllt werden. Der Zweck der Maßnahmen ist klar. Was di« Weizenzollerhöhung noch nicht geleistet hat, das soll der Weizenvermahlungszwang sichern: das Angebot von ausländischem Weizen so stark im Jnlande verringern, daß die Nachfrage nach in- ländischem Weizen und damit di« Möglichkeiten zur Preiserhöhung sich vermehren. Ostelbisch« Patriotenpolitik ist wieder einmal Krisen- Politik für die Gesamtheit. Die Kohlenförderung im August. Die Gesamtförderung in den deutschen Pergbaubezirken ohne Saargebiet ist im August gegenüber dem August des vorigen Jahres stark zurückgeblieben, und zwar bei Steinkohle um 20 Proz., mit 11,47 gegen 14.47 Million«» Tonnen, bei Braun- kohle um 18 Proz., mit 12,28 gegen 15,02 Millionen Tonnen: die Koksproduktion ging gleichfalls um 20 Proz., von 3,36 auf 2,67 Millionen Tonnen zurück. Die Steinkohlcnsärdcrung ist auch hinter der vergleichbaren Ziffer des Jahres 1913(12,13 Millionen Tonnen) ein wenig zurückgeblieben. Gegenüber Juli dieses Jahres sst bei Steinkohle und Koks ein geringer Rückgang, bei Braunkohle eine geringe Zunahme feftzustellen. I» den e r st e n a ch t Mairaten dieses Jahres betrug die Stein- kohlenförderung 96,42 Millionen Tonnen: der Rückgang gegen 1929(107,31 Millionen) macht hier nur knapp 10 Proz. aus. Der gleiche Rückgang ergab sich bei der Koksprodukiwn. von 25,29 auf 22,86 Millionen Tonnen. Die Braunkohlenförderung ging van 114,53 auf 96,3 Millionen, also um 16 Proz. zurück. bIKUL GLANZLEISTUNGEN Y0N LOESER&WOLFF 'jf'-"iU'"if 2*.*» rV1£-r* «%.-"; y».•>..?...•'va.'rw-K„»*• • yy'&wf.? v{v--. vv.»;-., K' 1 Unsere neuen Zigarillos hefftens LOESERILLOS GROSS IQ* LOESERILLOS MITTEL&* LOESERILLOS KLEIN 6� ZIGARRENFABRIKEN S.000 Arb.lt.r«. Aafl.lt.llt. LOESERftWOLFF Probieren Sie bitte I ZENTRALE BERLIN W35 Pelf dant«r StroB« 24*25 Die Oes- und Margarineindustne. Zwei wichtige Bände Enqueiearbeii. Der Enquejeau�schuß hat wieder zwei Jndustriebö nde ner- disentlicht, und zwar über die Oelmühlcnindustrie und die War- <5arineindustrie, zwei nach ihrer Bedeutung aft sehr unter- schätzte Industrien. Der Produktionzwert der b>eiden In- dustrien beträgt nicht weniger als 1>2S bis 1,30 Miii.liarden Mark, der Wert der verarbeiteten Rohstaffe rund 300 Millionen Mark. Die Oelmiihlcnindustrie hat heute etwa 60 Betriebe und be- schäftigt rund 14 000 Personen. Die Margar'meindustrie Host 70 Bc- triebe mit etwa 16 500 Personen(1313 noch 110 Betriebe mit nur 7000 Beschäftigten). Es handelt sich um höchst kapitalintensive Industrien mit einem relativ geringen Lohnanteil und starker KonzentrationsZendenz. Von dem Gesamlerlös der Oelmühlenindustrie im Be- krage von 743 Millionen Mark entfallen auf Oelkuchen, der für die liandwirtschoft sehr wichtig ist, rund 32,5 Proz. Die Oel- luchenproduktion ist in Deutschland noch sehr aussichtsreich, denn je Suh werden in Deutschland S0 Silogramm Oelkuchen verbraucht gegenüber Dänemark mit bZb Kilogramm.sstchenden Geldmittel nur auf die für die o l l g e m e i n e Produktikmsförderung wichtigen Gebiete zu verteilen, werden einzelne Zweige der Landwirtschaft subventioniert, die früher vielleicht eine Unterstützung verdienten, aber jetzt im Rahmen der gesamten Landwirtschaft kaum noch ein« Bedeutung haben. Zur Förderung der Milchwirtschaft, deren Produktionswert ein Viertel des gesamten landwirtschaftlichen Pro- duktionswertes beträgt, werden bedeutend weniger Mittel aufgewandt, als für die Pferdezucht! Für den Weinbau sind mehrals doppelt j o v i c l Mittel ausgeworfen, als zur Förderung des gesamten Ackerbaues! Die vorliegende Enquetearbeit hat noch ein Verdienst. Die in der Landwirtschaft weit verbreitete Ansicht, daß der preußische Staat im Vergleich zur Vorkriegszeit nichts für die Landwirtschan tue, wird widerlegt. Das republikanische Preußen hak im Jahre 1326 mehr als doppelt soviel für die candwirlschoft aufgewandt, wie das königliche Preußen im Jahre 1313! Kod ik halbiert das Kapital. Die Sanierung der Kodak A.- G. Berlin, deren Kapital sich in den Händen der Kodak Ltd. London und— zu 7 Proz.— der Vereinigten Glanz st offwerke Elbcr- feld befindet, war schon im Mai fällig, wurde auf den 30. Sep- tember vertagt und ist nun— um der Vorteile des ablaufenden Stcn er Milderungsgesetzes willen— am 25. September erfolgt. Zur Tilgung des Verlustes von 5,3 Mill. wurde das Kapital von 10 aus 5 Mill. zusammengelegt und wieder auf 13 Mill. erhöht. Man scheint also weitgehende Expansion�. Pläne zu haben. Die neuen Aktionen sind von den bisherigen Aktionären übernommen worden. Auch in USA. wachsende Arbeitslosigkeit Nach den Feststellungen des amerikanischen Arbeits- a m t s, die einen großen Teil der amerikanischen Industrie er- fassen, ist im August die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter weiter gesunken, und zwar(1326_ 100 gesetzt) auf 79,9 Proz. gegen 81,6 Proz. im Juli und 98,6 Proz. im August vorigen Jahres. Danach hat die industrielle Arbeits- losigkeit i m Vergleich zum vorigen Jahre rund um 19 Proz. in den Vereinigten Staaten zuge- n o m m e n. Gegen unsolide Gründungen von Lausparkassen und Lausinon- zierungsgeschästen wandle man sich in der letzten Sitzung der Industrie- und Handelskammer Mainz. Man müsse bei der Durchsicht der Dahrlehnsbedingungen oft die Ueberzeuoung gewinnen, daß sie darauf zugeschnitlen seien, der großen Masse der Unerjahrenen das Geld aus der Tasche zu locken. Sie seien in manchen Fällen in geschickter Weise ver- klausuliert und erwecken den Anschein eines besonders günstigen An- gebotes, während sich in Wahrheit der Geldgeber völlig in die ftänd? der betreffenden Gesellschaft begebe. Das Publllüm sei dringend zur Lorsicht zu mahnen. Einschränkungen auch bei Schubert u. Salzer. Die Schubert u. Salzer Moschinensabnk A.-G. in Chemnitz war bisher wohl als die rentabelste deutsche Maschinensabrik anzusprechen. Sie hat jahrelang 16 Proz. Dividende verteilt und konnte außerdem große stilleyReserveri bilden. Wie in der Aufsichtsratssitzung mitgeteilt wurde, ist im Jahre 1930 aber auch mil verminderter Belegschaft und ver- kürzter Arbeitszeit gearbeitet worden und die Umsätze blieben hinter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre stark zurück. Durch Entwicklung neuer Maschinen, die als Fortschritte anerkannt und im Ausland patentiert sind, glaubt die Verwaltung die Vor- bedingungen für eine bessere Beschäftigung und die Ausnutzung der vollen Leistungsfähigkeit geschaffen zu haben, sobald wieder in der Weltwirtschaft eine'Wendung zum Besseren eintritt. Zucker nährt � und ist billig! Preußische Staats■Lotterie Millionen Reichsmark ftMllllOn Reichsmark Ziehung 1. Klasse 24. und 25. Oktober Im Ziehungssal der General- Lotterie-Direktion Berlin, Markgrafen Straße 39 Höchstgre- wlnn auf 1 Doppel- los (• S de. Pl.nw) Höehstgewinn auf ein ganzes Los 2 Prämien zu je Wesenllicn vemesserter Gewinnplan Verdrciiacftiiwg der Mifteläcwiiinc aeewinne io 348 OOO Gewinne auf 800000 Lose Ausspielung rund MilliOUGVt RM ■v Achtel-Lose 5 RH Viertel-lose 10 RH Ganze lose 40 RH Halbe lose 20 RH Doppel-lose 80 RN RM zu je 2 Gewinne zu je 2 Gewinne zu je RM 300000 RM RM AOOOOO. bei allen Staatlichen LoiterieEinnehmern von Groß verlin 12 Gewinne zu je Ctefcnbtmgcn fit dies« Rubrik sind B« 1 1 i u SS ig, Li-denstr-He 3, ® parieinachn'chien�M fürGroß-Berlin stets an das Stjirfsfclwtatial 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. 5. Kreis Zoedruhshain. II. isahlgruppe. Deutichet fftetbenletnertouSk Ritt. moii. 1. Oktober, ffunktionörzufonnnenfcjnft bei Stoff übe, Revaler Str. 10. Beginn l»tj Uhr. Wichtige Tagesordnung. Bortrag. 7. Zktei« Tharlottenburg. Sreismitgliedernerfanemlunq am D« toter,. tag, z. Oktober, iftti Uhr. in«HIert, Scftföltn,«barlattenbnrg. Bor. Itaer Str. SR. Togesotdr j:»Die Sozialdemokratie und die Wohntoig»- Politik in Chorlottenburg. Referent Senoffe Stadtrat Albert Karl ig. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Zahlreicher Besuch mit» erwartet. henke. Dienstag. 30. September: 23. Abt. Zürn Unterbaltungsabend de? Bildungsousfchuffez am 7. Oktober in der Lebrbrauere, sind noch Eintrittskarten beim Genoffen Griedel, Borfu». ftrofje 14, zu hoben. 34. Abt. Lanlwih. Achtung, Isunklionäre! Die ssunktionStoerfoumiIuna findet am Montag,«i. Oktober, bei Lehmann statt. Reulölln. gg.,»2. und 93. Abt. Die Genossen werden gebeten, an der heutigen ssrauenverfammlung in der Aula der Aarl-Marx-Schule. Staifer.ffriedrrch. (Strohe, teilzunebmen. da das Referat auch fiir die männlichen Genossen fehr interessant ist.— ZS. Abt. Die noch fehlenden frunktionärkorten sind nom Genoffen Aniget, Ptinz.Handicr»Ett. S4, heute von 17—18 Ilhr abzuholen. �. 117. Abt. Lichtenberg, ssüt die Molorbootfahrt am 5. Oktober sind noch einige Aorten bei den Grupoenstihrern. Genofsin Bloch. Eiewert und Afofr SU baden, ihahrpreis 1 M. Abfahrt 9 Uhr von Lirbetk. Kauptstr. l. 12g. Abt. Zfriedrichsfelde. Achtung. Bezirksführer! Ab 17 Uhr Material beim Abteilungsleiter abholen. Morgen. Mittwoch. 1. Oktober: 35. Abt. 20 Uhr hei Bartufch. ssriebenstr. 58, Eihung der BesirksMhrer unb Revisoren. Sämtliche Marken und Sammellisten ffnd absurechnen. Jeder Besirk muß unbedingt vertreten fein. Eharloitenhura. 52. Abt. Gruppe Eiemen-stad!! 2« Uhr, Restaurant Seideknig. Gruppensahfabend.— 58. Abt. 19', 4 Uhr im Berliner Aindl, Wstrsburger Straße 17. Borstand?. nnd ssunktionärffhung. 52. Abt. Stegtin. Zunktionärfißung 20 Uhr bei Schellhafe. Abornstr. 15a. 84. Abt LanÄmiß. 20 Ubr bei Lehmann, Koiler-Wilhelm-Sir. 20—31. Mit» «liederoerfammfuna. Vortrag:„Die politische Lage nach der Wahl". Referent Mar Brinißer. 101. Abt. Treptow. 1#V4 Uhr Botstanbsstßung in der BorwSris�peditiOn Graeßstr. 50. 108. Abt. Aopeniik. 20 Uhr bei Siippeiohl lInh. Hinh), Echänerlinder Str. 5, ssunktionärstßung.. � 127. Abt. Kohenfchöahaufen. 19U Uhr ssiinktionärsihuug bei Schiebe, Berliner Etroße 97. fsunktionäre missen unbedingt erscheinen. Blankenfelde. 2« Uhr im Lokal Müller. Schildower Str. 3. Mitgliedernerfanm». lang. Vortrag:„Die politische Lage nach der Wobl". Referent Hau» Plettner. Alle Genossinnen»nd Genoffen sind dazu eingeladen. Ebenfalls „VorwSrt»".Lefer und Sympathificrende. 134. Abt. Buch. Die Genossen werden gebeten, sich recht rege an dem fhrauen» abend bei Säpfert, am Bahnhof, um 20 Uhr zu beteiligen. l«ss. Abt.«arfigwalde. 20 Uhr hei Waitfchach. Ernststr. 1, Vorstands, nnd ffunktionärfißung. 14»-. Abt. Wittenau. 20 Uhr bei Heese. Berliner Slr. 73 in Reinickendorf-West, ssunktionätffßung. Zrauenveranstaltung. 8«. Abt. Marieudorf. Der ssrauenabeik» findet diesmal am 1. Oktober in einem größeren Lokal, und zwar bei Ma-Li, sshauffee. Ecke Eifenacher Straße, Qatt. Allgemeine Funktionärkonferenz heute, Dienstag, d. 30. September, IS'/, Ubr, In den Oermanla-Fcstsaien, Chausseestr. 110 Tagesordnung: Vortrag: Reichstagswahl und sozialdemoHratie Referent: Siegfried Aufhäuser, H. d. R. Aussprache. Zutritt nur gegen Vorzeigung der Funktionärkarte für das Jahr 1930 mit gleichlautendem Parteimitgliedsbuch. Der Besirksvorsland. Bezirksausschuß für Zlrbeiterwohlfahrt. 4.»rei» Brru, lauer Berg. Donnerstag. 2. Oktober. lOH Uhr, Danziger Straße, im Bezirksamt. Zimmer 29, Beriammlung sämtlicher Helfcrlinnen) brr Arbeiterwohlfahrt. Vortrag des Genoffen Dr. Rkincmann Uber„Soziafc Gcrichtshilfe". Dir Abteilungen werben gebeten, nollzählig zu erscheinen. Jungsozialifien. Zungsaziatisten Berlin»! Der Referentenkurfus finde! heute wegen der Bei- liner frunktionärkonferenz nicht statt, ffortfeßung am 7. Oktober. Gruppe Tempelhos-Rarieuborf: Unser Heimabend fällt heute mit Rücksicht aus die Funktionärkonscrenz der Partei aus. Zeder Genosse, der Parteifnnk- tionär ist. hat daher die Pflicht, an der Konferenz teilzunehmen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. kkrei» Friedrichshain. Mittwoch, 1. Oltober: Sporiplaßabenbc finden nicht mehr statt. Di» Kreismusikgruppc übt fegt Mittwochs 18—20 Uhr Jugendheim Ebertpstr. 12. Alle Spieler müssen erscheinen.— Achtung. ÄMi«f«l)»t! Sonn» obenb, 4. Oktober, bis Sonntag, 5. Oktober, Krcisfahrt noch Rauen. Kosten fir Rote unb Iungfalken 1,35 M.: für Nestsalken 80 Pf. Die Gruppen treffen sich 16 Uhr auf ihren Sammelpläßen: der Kreis 16)i Uhr Bahnhof Warschauer Brücke. Rachzigler treffen sich 18'h Uhr Bahnhof Warschauer Brücke. Wimpel unb Fahnen mitbringen. Kleidung: Falkentracht. Schlafsack nicht vergesse».— Donnerstag, 2. Oktober: Krcisturnabcnd für Rote und Iungfalken Schule Koppcnstraße. Jeder muß erscheinen.— Gruppe Landsberger Plag: Tagung?- ort Jugendheim Dieftclmcverstr. 5—6 von 18—20 Uhr. Dienstag: Basteln. Mittwoch: Bunter Abend für alle Falken. Donnerstag: Brettspiele für Rest- fallen. Freitag: Fahrtbefvrechung für alle. Kreis Mitte, Gruppe Ernst Toller: Heimabende von ießf ab im Jugendheim Elifabethkirchstr. 19, und zwar Mittwoch 17fh bis 19'/j Uhr Restfalkenabend, Donnerstog 17f4 bis 1914 Uhr Iungfalkengruppe und Rote�salken-Gruppe, Sonnabend 1714 bis 1914 Uhr gemeinsamer Spielabcnb.— Eonnabend, 4. Okto- der Nachtfahrt nach der schwimmenden Jugendherberge in Alt-Buchhorst. Geburtstage, Jubiläen nfw. 25. Abt. Unsere« treuen Genosse» Hermann Hoppe nnb seiner Sattin, Lippehner Str. 25, zne Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 31. Abt. Zne fitbernen Hochzeit unsere, Genossen Ernst Oppeemann und seiner Ehefrau die herzlichsten Glückwünsche. 139. Abt. Tegel. Unsere treue langjährige Genossin Breuer begeht heute ihren 65. Geburtstag. Geuofsiu Breuer ist feit laugen Jahren Frauenleiterin und auch sehe eifrig in d-r Arbeiterwohlfahrt täfig. Wir gratuliere» ihr her,- lichst und wünschen ihr alle. Gute. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation 12. Abt. Die Einäscherung unserer verstorbenen Genossin Lieder findet heute, Dienstag, ist- Uhr, im Krematorium Gerichtstraßc statt. Um rege Bc- teiligung wird gebeten. 15. Abt. Unser Genosse Otto Bchrend. Bankstr. 15, ist»ersiorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Mittwoch. 1. Oktober. 914 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof in Reinickendorf. Humdoldtstroße. Um rege Beteiligung wird gebeten. 118. Abt. Lichtenberg. Den Mitglieder» zur Kenntnis, daß unsere Genossin Bett» Krieg im Älter von 60 Jahren nach schwerem Krankenlager ver- ftorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, 1. Oktober, um 1514 Uhr, von der Leichenhallo hcs Parochial-Friedhofes. Bor» Hagener Str. 100, aus statt. Haltestelle der Straßcnbahnlinscn 13, 18, 78. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio Sinsendungen kür diese IRubrtt nur an das Zugendsekretaet«. Äeelw SD üS. �wdenstrake 5 ..Bs U>ur". Fahrt nach Rcfttn Sonnabend, Sonntag, 4.'5. Oktober. Abfahrt 4. Oktober ab 19 Ubr Spandau. Teilnehmergebühr 3 M.(zmeimal Kaffee, Mittagessen und Ilebernachtung). Teilnehmerkarten sind no6> erhältlich. Alle Iugendgenossinnen und.genossen, die bisher noch an keiner„Baldur".ssahrt: teilgenommen haben, sollten nicht versäumen, die letzte Tahrt in diesem Jahr mitzumachen. Sinzettarten für die Auqeudvorstclluug in der„Volksbühne" am 5. Oktober (pro Karte 80 Pf.) find noch erhältlich. heule, Dienslag, 30. September, 19!4 Uhr: Arkonaptaß: Schule Elifabethkirchstr. 10:„Somoserualiiät".— Gewerkschaft«. Hans: Schule Köpenicker Str. 125: Mitgliedcrpcrsammlung.— Olanienburgee Tor: Heim Tieckftr. 18:„Burschk und Mädel i» der Gemeinschaft".— Zentrum: Heim Landsberger Str. 50:„Unsere Werbearbeit".— Brunnenplag: Schule Wiesen. Ecke Panfstraße: Internationaler Abend.— Gesundbrunnen l: Schule Goiendurger Str. 20:„Die Roten Falken".— Humboldthain: Heim Putdusser Straße 3:..Arbeiterführer", 3. Teil.— Wevding.Rord: Heim Turiner Ecke See. straße: Schallplatten:„Arbeitcrdichter".— Wcdbiug, R. F.: Schule Lütticher Straße, 4:„Pädagogik".— Arnimplag: Schule Sonnenburger Str. 20:..Fahrton. erleb», sse".— Arnswalder Plag i: Heim Raitonburger Str. l6:„Ganbbi und die indische Beovegung".— Falkplaß II: Funktionärsigung bei Ärtur Sucker, Cantianstr. 19.— Hclmholgplag: Seim Danziger Str. 62:„Moderner Straf- Vollzug".— Rordosir» I: Heim Danziger Str. 62:„Ziele und Wege der EAI". — Borther Plag: Schule Kastanienallce 82:„Der Untergang Roms".— Halle. iches Tor: Heim Porckstr. 11, Z. 5: Glaßbrenner-Abend.— Schöneberg I: Heim Hauptstr. 15: Heimabend.— Schöneberg IV; Heim Hauptftr. 15:„Die Kirch« als Machtsaktor des Kapitalismus".— Wilmersdorf, R. F.: Heim Wilhelmsaue 128: „Wir und die anderen Iugendnerbände".— Beig: Heim Rathaus: Chaussee- straße 48:„Sozialistische Jugendorganisationen".— Neukölln I: Heim Sander- Ecke Hobrechtstraße:„Gewerkschastssragen".— Renkölln VI: Heim Treptower Straße 96:„Die Organisationen der Unternehmer".— Neukölln IX: Heim Mariendorfer Weg:„Die Stellung der englischen Regierung zum indischen Be- sreiunaskampf".— Reukäll» XI: Heim Flughafcnstr. 68:„Unsere Gegner".— Köpenick I: Heim Grünauer Str. 5: Mitgliederversammlung.— Schöneweide: Schule Berliner Str. 31: Einführung der Kindersreunde.—«gelshorst: Sumna- sium Treskowallee:„Gesellschaftstanz— Volkstanz".— Reinickendors-Ost: Heim Berbcbezirk Reinickendorf: Achlung! Mittwoch, I. Oktober, Funktionär- ssßung im Heim Tegel, Bahnhosstr. 15.— Freitag, 3. Oktober. W.-B.-Mjt. glieberversammlung snicht beutet, Tegel, Heim Schöneberger Straße. Linbauer Straße: Heimabend.— Pankow i und II: Heim Gärschstr. 14:„Italien und der Faschismus".— SSG. Pankow: Kifsingenstr. 48, 176, Uhr Bibelstunde. «erbobezirk Prenzlauer Berg(Tambouriapelle): Legier Meldetermin für Danzig. Donnerstag, Danziger Sir. 62 fAltersheim). Generalprobe.— Morgen 20 Uhr W.-B�Mftgliederoersammlnnq im Heim Danziger Etr. 02. Vortrag: .Die Aufgaben der Eozialdemofratie in der Republik". Ihr« Nsrven brauchen Baldrament, ein Pflanzenprodukf*on großer Heilwirkung gegen nervöse Störungen, Erregungen. Schlaflosigkeit, Schwindelanf&Ue. Beklemmungen. Fl. M 1.50 u. 2.50, in Drog. nnd Aooth.. sonst durch Otto Reichel, Berlin 43 SO, Eisenbahnstr. 4. Grenzenlos 2 wird Ihr Er stau- ? nen sein. Grenzenlos die Billigkeit. | Am rSk i 3, Oktober vormittags 9 Uhr beginnt mein Sie am 2. Oktober t � me/n /nserat in dieser J 'ssssssssssssssssssssssssssssssb Total Ausverkauf wegen vollständiger Geschäftsaufgabe Warten Sie, auf jeden Fall mit Ihren Einkäufen es lohnt sich Kaufhaus Liebermann Berlin N 54, Hackescher Rosentha/er Markt 1, l Etage ZZüAC/ Straße Min idMeltet-BM SoBBCtalag, den 2. Offober, abeBbo T Ahr. im SidBBgofaal des verboBdshQBfe», ClBiraftc. 83/8511 Branchen- Versammlung der Einrichter u. Revisoren Tagesordnung: 1. Vortrag Uber: Die Notoer Ordnung. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Berschl-denes. Ohne Zllitzliedilmch kein Zutrift. Zahlreicher Besuch Wied erwarte!. V»BBer»>og. d-B 2. Okiober, BoE,m. 8 Ahr, im SofoBlhaler Hof. »osrBkholer Strohe 11 12 Rrenchen-Uersemmiung aller in der ciururgiechen Branche beschält. Kolleginnen und Kollegen Dagesoednung: 1. Die Ursachen der Wirtschaftskrise. 2. Branchenangelkgevheften. 200»«Sri« SstDlinung rahlt für Herbeischalfen der auf dem Neuhau Alhionetr gestohlenen F u B b ode n ,ind Emaillelacke Smware, Neukölln 5595 Vor Ankauf wird gewarnt! 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen ist Pflicht. den 3. Oktober, 2 Ahr. im verbBBbohoB». . 83 88(Sitzungszimmer 4 IV) Stella nochrn. 2 A clnlenstr Versammlung aller arheltslosen Keiler und Rohrleger Tagesordnung: 1. Wie fleht es mit der Arbeitslosigkeit in unserer Branche aus! 2. Branchenangelegenheften. Ohne Mligliedsbuch und Arbeitslosen. Ausweis lein Zutritt. Zahlreicher Besuch wirb erwartet. Achtung. Betrlehsrätel Die Betriebsräte- Zeitschrift Nr. 19 ist erschienen unb kann gegen Borzeigung der Legittmationskarte des Betriebsrats-Od- manne» IN unserem Büro, Zimmer 5 iäqlich bis 4 Uhr, Freitag» bis 7 Uhr entgegengenommen werden. DI« Ortsverwaltung. Der gute Kapsln IL-»1,4-»in-nie ist i» seil iooisteokt- nautaiiiLiii g-'r«»,».»». ethim. Röcker. Berlin �imunberoer Sirafie 22. KSolgsi. älllli J DeDttdier Metallarlieiter-lfeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanxeigen Den Mitgliebern zur Nachricht, baß unser Kollege- der Klempner Julius Ostertag geb. am 3. Juni 1869, am 26. September gestorben Ist. Die Einäscherung findet am Mitt- woch, dem l. Oftober, IS Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kies- holzstraße, statt Am 27. September starb unser Kol- lege, der Einrichter Otto Behrend geb. am 30. September 1878. Sic Beerdigung fhrbet am Mitt- woch, dem 1. Oftober, vormittag» 9V2 Uhr. von der Leichenhalle de» Gemeindesriedhose, w Reinickendorf. Humbotdlstraße,»u» statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 18. September starb unser Kol- lege, der Schlosser Oevrx Gotisch geh am 20. Januar 1890 Sie Einäscherung hat bereits statt- gesunden. Ehre ihrem Andenke«! vie Ortsvcrwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme heim Heimgange meiner Frau und Mutter sprechen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank au«. Berlw-Rudvw, 30. September 1930. Hermann Radtke and Sohn. IßHßHO«« Unserem Genossen unb Bezirks- führet Johann Küdiel nebst Gattin, Schöneweider Str. 4, zur stattgeiunbenen Sllberhoch- je« herzlichsten Glückwunsch. Oer Abteilangsvorsland der 96. Abteilung »ASAiS� O» Rücksichtslos herab aeseßte Preise fttr Möbel oller Art. Möbelhaus Osten, Andreasstraß« 30, gegenüber Markthalle. Plöbel Tellxahlung Apeli A | % f i i ■.% i iiCH QTTUU IOU.ti UiMCi Hauptprelslagen: Winter-Ulster 29.- 36.-42-53.Z 65- 72- 84- 98- Sakko-Anzüge 27.-36.-45.-55- 65- 75- 85- 98- BAERSOHN! 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Schansph. hm CendannenmaHd). A.-V. 26 20 Uhr Liebe auf dem lande. 33 Minuten in GrOneberg Ende 22-', Uhr Mi.StiiilHalgr.Uisrlliig. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende gegen ZZ'u Uhr 8.15 ihr— Räumen erlaubt Hans Kollachcr* Argcntino Litile Esther tanzt u. singt u. a. scAi-a Täfll. 5 u.81/« Uhr. 8 5 Darb. 9258 Pr. 1— 6 M.— N�chm. halbe Preise. atrufe(etaler �ay! Sunt ersten tllale auf dem kontinent! Storn-Spredi- Sehen, teieristvn «md das auserlesene Tariett- Vrogr. O ROSS. SWUAUSPIELHAUS 8 Lustige Witwe Bosterbt-rg, Hansen, Arno, 8olio]lwer, Jankulin,Sohacfiersf Winkelstcra, OesnL REdlE: CHAREZdli Theater i. d. Behrenstr. 53-34 Direktion: Ralph Arthur Roberls 8% Das häBllche Mädchen Englisch— Roberls— Riemann, «BUSCH die schönste and aMdemste Vergnügungsstätte Berlins! Heute law letsten Mate die | welttieiiiEniten H. lacKson-6irisl und das Qbrige Septembor- I Weltstadt- Programml | Ab 1. Oktober vottfUndig neues | Progr, mit viel. 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Die Komödie 8 Vi Uhr Der Schwierige Lnhp. t Jogi rJofoiniittbi! Regie: Mai RtiihtriL Deatsehes IQnstler-Thetl. Tel Bariarossa 3931 8>k Uhr Jim and Jill Operette v. liviin ÜTb Preise inntM.aufwärh Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9'k Uhr Die Wunder-Bar RevuestOck Saniowsky-ateR Tkeater in 4«r sireiemanirttr. Täglich 8-f. Uhr Marsiiente; 3 Luhpitl m Sdiwiefert Komödienhaus 8'/, Täglich 8 V, Konto X vm Beraaner raid Oiste ritiriur ffieiropoi-Tiieatsr Täglich 8V, Uhr SeaMtioneller Opcreff cnerfaig I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar INeoes Theater —— am Zoe» IfflüaM.Zoo. StpLESÜt Täglich 81/, Uhr lommel in der Posse Paul und Pauline Rundfun khörci halbe Preise. Lessing-Tlieater Weifndamm 2797 1.094! 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne §218 fFranan In Not) von CredS Regie: Piscator. Rose- Theater Sr.FniiiklanerSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Brait r. Kessiaa mit Ireoe TrieKh aU Uabefla. Theater am Sdünbauerdamm 81/, Uhr letzte Vorstellung Feuer aus üenKeffeln Vom 1.— S. gesdilossm. .«d 6. Oktober Jud Süßi Td: B,l.lfenl. 0201».501 3 Homisciifl Oper 8'6 Uhr Das Nadel am Steuer Operette v. Gilben Lustspisthaus Dir.: Hans IQpsdiDtr Täglich 8'/, Uhi meine Sctnuester und Ich Musik von Bensteky Lory Leux. Kurt»on Möllen darf Zimmer: IRett Mk.7,-bis1fc- 26etten13-bisZt- Bad:Mk.3i- 6alon;)Ct- Verkäufe Berlin MOTELoAnhJW EXCELS10R | Iran« Trlasch als Isabella] „Qehet fÜK und£Cs Jüuiet Mich' Das JuUikam uxae 4er iüHHt, gefesselt, tegüffett, xtufqes ioäUt.!Begeisteetet JieifatL* So orioiH Kawyf in der �BCrtenKty." Aber dl« 41 in nn?erm Theater.— Ludwin: Ster»ans im.Lokal- Anaaigcr�»ehrieb: �Ein»ol- teoAr Abend, ein echöneter Abend, der wundervoll mitreißt." WochenUye f�UDr u. Bhd. am 7 Uhr irnd orn 10*übr: «Die Braut von Mwtlna". Kewonprelee von SO Pf. bis 3 M. (Garderobe». Frofrenm je 25 Ff.) Theater für d. Kinder: Jetl. Mittwoch uaobm. 5 U.; H(nwlu.Cr»taL Jed.Sonnabd ur. ehm. 4» X}.: DemrOKhen. (I'relze v. 30 Pf Ms 1.50 M.) ROSE THEATE R Or.B'ramkfBrtarStr JOS kam«: Alex.*4X2«.*4*4 iHüilZÜ Dienstag, 30. September Philharmonie 8 Uhr HDioDie-Keozert d.Philharmon.Orch. Dir. Prof. 1. PrBwtr Brandenb. Konzert D-dur-Bach, Cello- Konz D-dur-Haydn. SInf. E-motl-Rach- manineff Eintritt I M. Tkutor aa gutta. Tor Kottbusser Str. 6 TABtrö�l. 10077. rägi.BV, U., Sonnt auch J'/i öbr Elite' SBnger Präsident Zunkel Or. Trujmipttt- tarlniu ktendiRiiHlli Vorher: Herbst und Liebe im Rbeln. Imntnd l'.'i Diu Khanninlinnnttllni: Jegostiihlte Kater. Tapeten. SjiOat, StoIonieftraSc 9.• Bekleidungsstücke, Wüsche usw. veaia neicapenc RaoarieraarbetoB, oon SOrtQionänn, Beraten, Änwlilten. ffobelboft billige Preise. 5mpfe6!e TaillrnmSntel. Paletots. Fracks, Sma- ftngs, Debrockanallge, Hosen. Sport». Kedpelae. Gelegenheitskaufe in neuer Garberobe. Weitester Weg lohnend. Lotbrwavrstrahe 56, I Treppe. 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