BERLIN Dienstag zo.September 1930 10 Pf. Nr. 458 B 228 42. Jahrgang erscheint tiglich avßerSeuataz«. Zugleich Abendausgabe des.vorwärt«'. Bejugsxrei« beide Ausgaben 85Pf. pro Woche, ZM M. pro Monat. «edaktion und Expedition; Berlin SW 68,!indenstr.s Anjelgenprei«: Die einspaltige Nonparcillezeile 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff SS2 bi« 29? Arbeitspflicht der Arbeitslosen! Pläne der Regierung- Regieren ohne Parlament! Wie der ,. Sozialdemokratische Pressedienst" mitteilt, hat das Reichskabinctt im Verlauf der Beratungen der letzten Woche ein umfangreiches Arbeitsbeschaf» fungsprogramm beschlossen. Die Durchführung dieses Programms ist davon abhängig, ob das Kabinett die erforderlichen lteberbrückungskredite erhält. Ter Reichsbankpräfident Tr. Luther hat diese Kredite vorläufig zugesagt. TaS Arbeitsbeschaffungsprogramm wird in seinem Inhalt heute veröffentlicht werden. Mau spricht davon, das: in dem Programm u. a. die Verpflichtung der Arbeitslosen zur Dienstleistung enthalten ist. Brüning verhandelt nach beiden Seiten. Die Verhandlungen der Reichsregierung mit de« Parteiführern werden am Mittwoch beginnen. Die Reichsregierung beabsichtigt außer dem Führer der So» zialdemokratischen Partei, Dtto Wels, u. a. einen Ver- trcter der Nationalsozialistischen Partei zu empfangen. Dem Empfang des nationalsozialistischen Vertreters, der wahrscheinlich der Putschist und thüringische Innen» «ninister- De. A r iel s«in wirb, ist auf die Forderung des Ministers für die besetzten Gebiete. Treviranus, und des Reichscrnährungsministers zurückzuführen. Eine prak» tisch-politische Bedeutung für die künftige politische Konstellation mißt man, entgegen den anfänglichen Er» Wartungen, dem Empfang der Rationalsozialisten— in Regierungskreisen— nicht bei. Wie der„Pressedienst" hinzufügt, wird die Regierung versuchen, alle parlamentarischen Möglich» leiten zur Annahme ihres Arbeitsbeschaffungspro. gramms und ihrer sonstigen Pläne auszuschöpfen. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Regierung entschlossen ist, ohne und gegen das Parlament zu regieren. Minister ohne Ministerium. Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den Reichsminister Treviranus von seinem Amte als Reichsminister für die besetzten Gebiete entbunden und ihn zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt. Reichsminister Treviranus wird in dieser Eigenschaft die Oststelle bei der Reichstanzlei weiterführen. Die Oemokraien noch immer nicht tot. Die(Staatspartei ist deshalb sehr verstimmt. ' Die demokratische Fraktion des Preußi» s ch e n Landtags ist bis auf die beiden demokratischen Minister in Preußen, die Abgeordneten Höpker-Aschoff und Schreiber, gegen die Auflösung der Demokratischen Partei. Inzwischen hat sich auch der demokratische Partei- vorstand nochmals mit dein Verhältnis der Demokraten zur Staatspartei beschäftigt und beschlossen,„die V e r h a n d- l u n g e n" wegen der Konstituierung der Staatspartei fort- zusetzen. Im Lager des„Jungdo" hat dieser Beschluß stark verschnupft. So schreibt der„Iungdeutsche": „Der Wunsch des Parteioorstandes in allen Ehren— aber von Verhandlungen oder deren Fortsetzung zwischen der Staats» Partei und der Deutschen Demokratischen Partei ist uns bisher nichts bekannt gewesen. Da die Etaatsportei keine Fusion zwischen der Demokratischen Partei und anderen Aruppen ist, lag ja auch leine Veranlassung zu solchen VerHand- tun gen vor. Es ist darum befremdlich, daß der Parteivorstand anstatt den Parteitag zur Beschlußfassung über die Auflösung der Deutschen Demokratischen Partei einzuberufen, Verhandlungen wünscht, für die eine Basis gar nicht gegeben ist, und daß darüber hinaus der Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei nach dem Beschluß des Parteioorstandes einberufen werden soll zur Beschlußfassung, ob er dem Ergebnis dieser Verhandlungen zustimmen will oder nicht. Anders kann man doch wohl den Be- schluß des Parteioorstandes nicht auslegen, ein Beschluß, in dem nichts von Auflösung der Deutschen Demo- kratischen Partei steht... Wir können nur nochmals be- tonen, daß unsere Mitarbeit in der Deutschen Staatspartci nur unter der Voraussetzung denkbar ist, daß eine lebendige erneuerungswillige Staatsbürgerbewegung auf der Grundlage einer wcchpea Selbstverwallung geschaffen wird, die das Gegenteil von der Fusion alter Parteiapparatc und alter An- jchauungen ist." Der Ausgang der Wahlen hat beide Parteien des neuen Ehebundes stark ernüchtert, und die praktischen Fragen wie die Frage der Bezahlung der Wahlkosten tragen noch weiter zur Abkühlung bei. Es sieht ganz so aus, als ob man�schon wieder an Ehescheidung dächte, nachdem die Flitterwochen kaum vorbei sind.__ Drei Menschen ermordet (Zntsehliches Verbrechen entdeckt.- Schreckenstat eines Eifersüchtigen? Paris, 30. September. Ein furchtbares Verbrechen, dem drei Personen zum Opfer fielen und dessen nähere Umstände noch nicht ausgeklärt werden konnten, wurde gestern in der Nähe der bei Sentis Aus dem Inhalt: Pressekonzerne wurden geschlagen.. Herunter mit den kommunalen Riesen- gehSUera!........... Japanische Schauspielergilde in Berlin Ich will aber nicht schwören!..... Komik und Tragik vor dem Arbeitsgericht Der Lotse geht an Bord....... Argument Palästina: Juden arbeiten körperlich........... Geht Reithsbanner zum Arbeitersport?. Ermutigung muH in die Erziehung.. Seite 2 Seite Seite Seite Seite Seite Seite Seite Seite Ein neuer Oiktaturkandidat (Departement Ohe) gelegenen kleinen Ortschaft A c y entdeckt. Ein Bauer fand am Rande eines zu seinem Felde führenden Weges die Leiche einer Frau, die eine entsetzliche Kopfwunde aufwies. Als er querfeldein in das Dorf zurückkehren wollte, um die Gendarmerie zu verständigen, stieß er aus eine hinter Gestrüpp verborgene zweite Fraucnlciche. Auch dieser war der Kopf fast vollständig zerschmettert. Es handelt sich um eine vierzigjährige Dorfbewohnerin und ihre fünszchnjährige Tochter. Di« Gendarmen suchten die Mordstellc ab und entdeckten im dichten Unterholz einen 23jährigen Arbeiter, der einen Gewehrschuß durch die B r u st erhalten hatte und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Neben dem Schwerverletzten lag ein Jagdgewehr. Da der junge Arbeiter dos ermordete Mädchen seit längerer Zeit mit Liebesanträgcn verfolgte, neigt man zu der Annahme, daß er Mutter und Tochter erschossen und dann S c l b st m o r d begangen hat, doch hält man es auch für möglich, daß alle drei Personen Opfer eines Nebenbuhlers geworden sind. Vöß-Verhandlung geht weiter. Die Berufungsoerhandlung gegen Oberbürgermeister B ö ß vor dem 9. Senat des Oberverwaltun-zsgerichts nahm heute früh ihren Fortgang, ohne daß es bei der Anfahrt des Oberbürgermeisters zu irgendwelchen Zwischenfällen oder Kundgebungen gekommen ist. So viel man hört, soll es nach dem bisherigen Stand der Verhandlung noch nicht sicher sein, ob das U r t c i l noch heute zu erwarten ist. * Die Meldung einiger Berliner Blätter, wonach Polizeipräsident Z ö r g i e b e l die Absicht habe, seinen Posten zu verlassen, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Der Wirtschafisparieiler:.Der brave Mann denkt an sich selbst zuerst.* Zusammenstoß Traktor— Straßenbahn Verkehrsunfall in der Bismarckstraße in Eharlottenburg. heule vormittag ereignete sich in der Bismarckstraße in Chor- lottenburg ein schweres Verkehrsunglück. Ein Triebwagen der Straßenbahnlinie 58 raste mit einem Traktor zusammen. Zwei Personen wurden schwer verletzt. Das Unglück ereignete sich an der Kreuzung Bismarck- Ecke Grollmannstrahe. Ein Wagen der Linie 58 durchfuhr die Berliner Straße, als ein Traktor, der zwei Kohlenwagen zog, die Straße kreuzt«. Beide Fahrzeuge stießen so heftig zusammen, daß der Borderperron der Straßenbahn eingedrückt wurde. Der 27 Jahr« alte Straßenbahnfahrer Erich Koch aus der Pionierstraße 29 in Spandau erlitt schwere innere Verletzungen.. Der Mitfahrer des Kohlenwagens Richard Pechel aus der Putlitzstr. 15 wurde durch den Zusammenprall vom Wagen geschleudert und erlitt eine Gr- hirnerschütterung. Beide Verletzte fanden im Westendkrankenhaus Aufnahme. Durch den Zusammenstoß entstand eine halbstündige Berkehrsstockung. Nazi begeht Selbstmord. .Wenn so das dritte Reich aussieht..." Der Nationalsozialist helmulh G a n s e r t. ein junger 24jähriger Bäcker. Hot gestern abend Selbstmord begangen. nachdem er nach einer Unterredung in einem Nazilokal geäußert halte:„wenn so das Dritte Reich aussieht, schieße ich mir eine Kugel durch den Kopf!" Helmut G a n s e r t wohnt bei seinen Eltern in der herschrl- straße 4 a in Charlottenburg. Als ihn seine Mutter heute früh wecken wollte, fand sie ihn tot in seinem Bett. Irgendwelche Bcr- letzungen konnte sie zunächst nicht feststellen. Sie ging darum z> dem Verkehrslokal der Nationalsozialisten am Tegeler Weg und be nachrichtigte von dort die Gauleitung, die wieder die Polizei vei ständigte. Eine erste Untersuchung ergah. daß sich Gansert in da �TNund geschossen hatte. Die Kugel ist am halse wieder herausg- treten. Der Revolver und die Kugel wurden im Bett gefunden. Gansert hatte gestern abend einer Versammlung der Nation- sozialistcn in ihrem Verkehrslokal am Tegeler Weg beigewoüt und dort auch seinen Aerger über die rauflustigen SA.-Leut««d die verlogene Agitation der nationalsozialistischen Führig Luft gemacht. Was er in den letzten Wochen bei den Natiott- sozialisten gesehen hatte, veranlaßtc ihn zu der Aeußerung:„Htzn das dritte Reich so aussieht, dann schitzjze ich mir eine Kugel in'en Kops." Kurze Zeit danach hat er seine Worte wahr gemocht. Krach um die Gemeindesteuern. Kommunistische Flegel stören die Arbeit des Parlaments. Hamburg, 30. September. Am gesterigen Montag trat das Hamburgijche Stadtparlamsnt, di« Bürgerschaft, wieder zusammen. Sie beschäftigte sich mit der Senatsvorloge über die Notstandsmaßnahmen für den Winter 1930/31 und die Beschaffung der dafür erforderlichen Mittel. Haupt- fächlich handelt es sich dabei um die Einführung der Ge- meinde-Bicr- und der Gemeindegetränkestcuer, gegen die von den betroffenen Berusskreisen eine starke Protestaktion veranstaltet wird. Die Opposition versuchte, die Beratung dieses Hauptpunktes der Tagesordnung durch verschiedene Mittel zu verhindern, insbesondere dadurch, daß sie die Besprechung von Anfragen forderte. Im Laufe der Debatte kam es zu Kundgebungen der Kommunisten. Bei der Einzelberatung erteilte der Präsident den Kommunisten nicht das Wort, da sie sich zu spät gemeldet hatten. Darauf betrat der Kommu- nist Walter die Tribüne und sprach, ohne das Wort zu haben, zum Hause. Er forderte seine Genossen auf, die„ganze Bande" zum Teufel zu jagen. Der Präsident unterbrach die Sitzung und eröffnet« sie nach einer Pause wieder. Der kommunistische Abgeordnete Walter wurde durch Kriminalbeamte hinausgeführt und auf vier Wochen von den Sitzungen ausgeschlossen. Ebenso erging es dem Kommunisten Andrce. Weitere Kommunisten wurden aufgefordert, das Haus zu verlassen, und folgten dieser Aufforderung. Nach Schluß der Aussprache wurde die ganze Senats- vorläge angenommen, und zwar in namentlicher Abstimmung die Gemeinde-B iersteuer mit 81 gegen S3 Stimmen, die Gemeinde-Getränkesteuer ebenfalls mit 81 gegen 83 Stimmen und die Aenderung der Gewerbesteuer(auch für die freien Berufe) mit 83 gegen ZI Stimmen. Die Gesetze bedürfen nun noch der zweiten Lesung. Ablehnung in Oorimund. Dortmund, 30. September. In der Stadtvcrordnetensitzung am Montag wurde ein Magistratsantrag über die Einführung einer Bicr-undBürger- st c u c r vorgelegt. Der Finanzdezernent Dr. Kaiser wies auf die schwierige Lage der Stadt Dortmund hin und betonte, daß feit der Ablehnung des Haushalts ein Ausgleich von sieben Mil- lionen zu schaffen sei. Im nächsten Jahre seien Steuerrück- gänge von 20 bis 25 Proz. zu erwarten, wodurch sich die Einnahmen um 10 bis IS Millionen verringern würden. Durch die Bürger- und Biersteuer hoffe man einen Betrag von 1,8 Millionen Mark auf- zubringen. Nach vierstündiger Aussprache l e h n t en die Stadt- verordneten die Einführung der Biersteucr mit 46 gegen 29 Stimmen und die Einführung der Bürgersteuer mit 42 gegen 30 Stimmen ab. Auch Dresden lehnt ab. Dresden, 30. September. Die Stadtverordneten lehnten am Montag die vom Rate vor- geschlagenen Steuern, nämlich die Katzensteuer, die Hundesteuer, di« Bürgersteuer, die Musikinstrumentensteuer und die Getränkesteuer ab und erklärten sich nur mit der Gemeinde-Bicr- und der Schank- erlaubnisstcuer einverstanden. Da durch die Ablehnung der Steuern durch die Stadtverordneten eine Einigung nicht erzielt werden konnte, wird der Rat die Gemeindekainnrer anrufen. Hagen vor dem Finanzbanlerott. Hagen L W., 30. September. In der Stadtverocdnetensitzung am Montag legte Oberbürger- meister Dr. Raabe ausführlich di« Notlag« der Stadt dar. Er teilte dabei mit, daß er von sich aus die Entsendung eines Staatskommissars für die Stadt Hagen beantragt und in einer Ein- gäbe an die Staatsrcgierung zur Deckung des Fehlbetrages um einen Staatszuschuß von 2%, Millionen Mark mit dem Hinweis darauf ersucht habe, daß ohne fosortige Staatshilse der Finanz- bankrott der Stadt Hagen nicht aufzuhalten sei und die städtischen Kassen geschlossen werden müßte», llm di« zusätzliche Winterversorgung für die Klein- und Sozial- r e n t n e r und die Wohlfahrtserwcrbslosen wenigstens in diesem Jahr noch teilivcifc durchzuführen, erläßt der Obcrbürger- meister im Einverständnis mit der Beamten- und Angestelltenschaft der Stadtverwaltung einen Aufruf für ein freiwilliges N o t o p s c r sämtlicher Hagener Beamten und Festbesoldctcn. Fast die Hälfte arbeitslos! Wohnungsverbilligung fuhrt aus der Krise. J. St Frankfurt a. M.. 30. September.(Eigenbericht.) „Seit einem Jahr besteht unsere größte Sorge in der B e- schaffung von Arbeit," sagte Nikolaus Bernhard, der 1. Vorsitzende des Deutschen Baugewerksbundes, in seinem Bericht an den Bundestag. Dieser Satz, der kurz die Leitgedanken des Berichts zusammenfaßt, beleuchtet nicht nur unsere Wirtschaftslage, sondern auch die fundamentale Verschiebung, die in den letzten 20 Jahren in der Stellung der Arbeiterschaft und des Unternehmer- tums zur Gesamtwirtschaft eingetreten ist. Die Arbeiterbewegung ist heute nicht mehr ausschließlich ein Kampf um bessere Arbeits- bediiigungen, sondern immer mehr erfüllt von der In gang- Haltung der Wirtschaft. Die Unternehmer dagegen haben sich immer mehr von der Wirtschaft ins Geschäft, das heißt in die reine Profitmachcrei. zurückgezogen, und sie sind es, di« den größten Widerstand entgegen- setzen, wenn es gilt, wirtschaftliche Krisen zu überwinden. Das war so, als es sich darum drehte, unser« Währung zu stabilisieren, und das ist heute so, wo es sich darum dreht, die Inflation der Technik volkswirtschaftlich zu stabilisieren. Greift man aus der Fülle des Materials, das Bernhard vor- trug, nur einige Zahlen heraus, dann wird einem klar, wie es mit der B a u w i r t s ch a f t und damit notwendig mit der Gefamtwirt- schaft bestellt ist. Nckhezu ein Fünfte! der Arbeiter in Industrie ind Handwerk sind im Ba u g« we r b e und dessen Nebenindustrien beschäftigt. Von den fast S00 000 Mitgliedern des Bau- cwcrksbundes waren in diesem Jahre bis einschließlich August im durchschnitt 226 000 oder 46,7 Pro;, der Mitglieder arbeitslos, und Bfang September waren es 389 000. Wie«kann man hier noch van „erufs mäßigen Saisonarbeitslosen" sprechen?, Der Bericht zeigt deutlich, wo der Hebel angesetzt werden muß. 4< Milliarden Reichsmark find schätzungsweise von 1924 bis 1929 inder deutschen Wirtschast neu angelegt worden, und zwar in der Hcptsache aus innerdeutscher Kapitalbildung. 90 Proz. der Woh- nugen können nur mit öffentlicher Hilse gebiut werden. Ein- '«inalb Millionen Wohnungen sind von 1924 bis 1929 gebaut worden. Abb während der Reichsbankdiskont von 7 auf 4 Proz. ermäßigt wu.e, sank der Zinssatz für Hypotheken nur um 1 Proz. Die Folg«: Dieieucn Wohnungen' sind zu teuer. Die leistungsfähigen Wohnungsuchenden haben heute ihre Safferibaeh generalfekretär des Sn- temationalen Qewerk [chaHshwtdes, Jlmfler- dam, und 8d. äSernflein auf dem in SS er litt ab- gehauenen Kongreß für ein arbeUendes&aläfiina Pressekonzerne wurden geschlagen Wer macht die öffentliche Meinung?- Goziologentag in Berlin Die diesjährige Herbsttagung der deutschen Gesellschaft für Soziologie nahm gestern in den Räumen der Handelshochschule ihren Anfang. Das Thema des ersten Verhandlungstages war: Presse und öffentliche Meinung. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Präsidenten Toennies nahm der preußische Unterrichtsminister Genosse Grimme das Wort. Die Soziologie, so führte er aus, ist eine junge Wissenschaft, die heute nicht mehr wegzulöcheln ist: sie ist eine synthetisierende Wissenschaft, deren Bind der Mensch ist. Der Mensch als ein lebendiges Ganzes ist einem Wir-Derband eingelegt. Eine aufs Gegenwärtige gerichtete soziologische Anthropologie fragt nach dem Sinn des menschlichen Seins und dem Wozu der mensch- lichen Gemeinschaft. Nach Grimme spricht der preußische Innen- ministtr Genosse W a e n t i g ebenfalls einige Worte der Be- grüßung. Ihn interessiert als Theoretiker und Praktiker der zu- gleich ursächliche Zusammenhang von öffentlicher Meinung und Press«. Nunmehr beginnen die eigentlichen Verhaichlungcn zur Sache. Prof. Brinckmann, Heidelberg, verliest ein eingehendes Referat, dessen Sprache ein wenig an Hegels Ilrteil über Hamann erinnert: sein Stil gleicht der geballten Faust. Presse und öffentliche Meinung sind für Brinckmann Gedantenprogramme des 19. Jahr- Hunderts. Das moderne Zeitungswesen ist nicht zu trennen von der Entwicklung der modernen Verkehrswirtschaft. Die Presse ist zu Pressemonopolbelrieben geworden, deren gigantische Größe in den sozialen Raum hinein- steht. Di« Absatzpolitik dieser Presse erfolgt nach strengen, betriebs- wissenschaftlichen Grundsätzen. Aber auch eine Bezugspolitik ist notwendig. Die Prefscmonopolbetriebe drohen, ein aristokratisches Schrifttum zu vernichten. Zur Chorakteristlk der Z«itungeltteratur verwendet Brinckmann die Bedeutungen Lebendigkeit und Ak- tualität. Er behauptet jedoch, daß diese Lebendigkeit das echt Geistige bedroht. Die Zeitung redet über alles und in diesem Gerede wird sie„unschöpferisch". Brinkmann ist der Auffassung, daß heute parteipolitische Programme für die Gestaltung der Presse unwesentlich sind. Läßt sich, so fragt er am Schlüsse mit sichtlicher pädagogischer Absicht, ein Reifen der Presse erzielen? Die Press« muß für die Höhen und Echtheit geistiger Werte Ver- ständnis gewinnen: nur so kann Presse und öffentlich« Meinung aus einem entwurzelten Lebcnsoerftändnis wieder zu echter Mensch- iichkeit vorstoßen. Das Ende der Vormittagsverhandlungcn bildet das Referat Professor von Eckarts, Heidelberg. Er warnt über den Presse- monopolbetricbcn, also der Großstadtpresse, die kleine Presse, deren Zahl er aus dreitausend beziffert, zu vergessen. Bon schätzungs- weife vierzig Millionen deutschen Zeitungslesern lesen doch nur drei Millionen die Großstadlpress«. Die Presse ist heute M a s s e n p r e s s e: sie ist als Mittel der Ein- Wirkung auf öffentliche Dinge zu fassen. Die Empfänglichkeit der Massen tritt erst dann verstärkt ein, wenn die Masse nichts zu ver- lieren hat als ihre Kettem Für den gesicherten Bürger wird die Presse enzyklopädisch. Die großen bürgerliche« Zeitungen müssen «in Bild der Welt geben. Freilich ist di? Presse politisch un- wirksam. Eine Presse, die wirk«» will, muß hämm«rn— und es wird gehämmert. Das Referat klingt tn der Forderung aus, ein Berufs«thos, vor allem der kleinen Presse, zu schaffen. Den heutigen Massen kann die Presse keine Arbeitssreüde geben, aber ihre Freizeit kann sie ihnen sinngemäß erfüllen, wenn sie sich ihrer hohen Aufgabe bewußt ist. I Don den Diskussionsreden waren bemerkenswrt di« Dar- kegungen des dem Stahlhelm unterstehenden Professors Carl Schmitt, Berlin. Meinung(opino) war im 17. Jahrhundert ein polemischer Begriff. Ihr stand das Dogma gegenüber. Heute stehe der Meinung oder den Meinungen die Aktion gegenüber. Der Redner unterließ di« nähere Auslegung dieses Begriffes. Presse, Radio t sind Professor Schmitt technische Mittel der Politik. Heute seien wir noch in einem Zwischenzustand. Aber es komm« alles darauf an, wer diese Mittel In die Hand bekommt. Der Ruf nach dem starken Mann ist ganz unverkeimbar. Als dritter Dis- kuffionsredner spricht auf Einladung der Gesellschaft der Chef- rodakteur des„Vorwärts", Friedrich Stampfer. Er präsentiert sich der Gesellschaft ironisch als konkretes De- m o n st r a t i o n s o b j e k t. Er führt etwa aus:„Ich spreche nicht als dilettierender Eozialog«, sondern rösonniere vor Ihn«n als pclitischer Publizist. Das Zeitalter des Bürgertums stand im Zeichen der Drei-Einheit: Freiheit der Wirtschaft, der Presse, der Wissenschast. Dieser Zusammenhang erfährt eine Auslösung, eine Gabelung mit dem Auftreten der Sozialdemokratie als Trägerin der geschichtsbildenden Kraft der organisierten Arbeiterschaft. Die Sojialdeinokratle bekämpsk den Wirtschaskslibcralismus der Bourgeoisie, aber sie ist liberal in allen geistigen Dingen. Das ist ihre große Leistung gegenüber der offiziellen Wissenschaft vor dem Kriege. Zwar entsandte die Arbeiterschaft keine Vertreter in die gelehrten Akademien, aber sie fchuf sich ihre eigene Presse. Der Weltkrieg, der nicht zuletzt ein Pressekrieg war, bringt ein« entscheidende Wandlung. Die Omnipotenz, die Allmacht des-Staates, stellt die Presse unter Zensur und nut der Staats- Umwälzung glitt diese Staatsall inacht in die Hände der Sozialdemo- krntie. Ihrer ganzen Geschichte nach konnte die Sozialdemokratie diese Omnipotenz nicht übernehmen. Die Zensur wurde aus- gehcben. Mit dem Aufkommen der kommunistischen Richtung in der deutschen Arbeiterbewegung stand die Pressefreiheit im Mittel- punkt der Kämpfe. In diesen Kämpfen haben wir die Freiheit der Presse verteidigt." Stampfer warnt ausdrücklich vor der Ueberschätzung der Machtmittel der Presse. Brinkmanns „giganlische" Pressekonzerne. Ullstein. ZNosse und hugenberg, seien am 14. September geschlagen worden. Politische Machtfaktorcn sind heute Parteien. Aushebung der Pressefreiheit dedeutet unweigerlich den Einpactelstaat. Im Schluß seiner Rede richtet Stampfer an die Versammlung die eindringiiche Mahnung: Es gibt keine Freiheit der Wissenschaft ohne Freiheit der Presse. Bcid« gehören zusammen und beide sollen Lehrer sein für das Volk. Wissenschaft und Presse müssen sich miteinander überlegen, wie es besser gemacht werden kann. Die Presse soll Dienerin der Nation sein, die nach dem Wort Jmanuel Kants der Herrin nicht die Schleppe nachträgt, sondern ihr mit dem Lichte vorangeht. Nachdem Herz-Hall«, Dovisat-Berlin und Toennies zu Worte gekommen waren, erhielten Eckart und Brinckmann das Schlußwcrt. Neue Momente ergaben sich hier nicht. Brinckmann grifk auf die Diskussionsrede Stampfers zurück, deren Präzision und Ernst er noch einmal unterstrich indem er die Erwartung aus- sprach, daß die Presse die akademische Lehrfreiheit verteidigen möge, eine Forderung, die für uns selbstverständlich ist. Am heutigen, zweiten Verhandlungstage werden Methoden- fragen der Soziologie und Probleme der Kunstsoziologie behandelt. J. P. M- Wohnung", sagt« Bernhard,„aber die Arbeiter können die Wielen für Neubauwohnungen einfach nicht erschwingen. Statt hier durch zugreifen, drosselt die Regierung den Wohnungsbau und treibt eine verderbliche Sparpolitik." Herr Stegerwald könnte viel lernen, wenn er der Tagung der größten Organisation, des Baugewerksbundes, beiwohnen würde. Erfolgreiche Verständigungsarbeii. Ein deuifch-sranzösisches Studententreffen in Mannheim. In aller Stille kamen in der Zeit vom 17. bis 21. d. M. 66 französische und deutsche Studentensührer in M a n n h e i ni zusammen, um gemeinsam über die Möglichkeiten einer praktischen Verständigung in ständiger Kleinarbeit zu beraten. Dies erste Studcntentreffe» seiner Art war vom Deut- schen Studentenocrband, der zentralen Zusammenfassung der beut- scheu republikanischen Studcntenorganisationen, vorbereitet worden. Aus Frankreich nahmen die entsprechenden Gruppen teil. Dazu kamen aus beiden Ländern eine Reihe von Gastdelegierten sympati- sierendcr Organisationen. Der Oberbürgermeister Mannheims, Genosse Dr. H e i m e r i ch, begrüßte die Arbeitswoche auf das herzlichste. Die Hauptarbeit wurde in der Borbcreitungskommission für einen ständigen Ausschuß geleistet, der gedacht war, die einmal geknüpften Verbindungen nicht abreißen zu lassen und eine sortlauscndc Zusammen- arbeit sicherzustellen. Damit war für diese Kommission das Ge- samtproblcm einer deutsch-französischen studcutischell Berständigungsarbeit aufgerollt. In einer Resolution heißt es:..... der Ausschuß hat Zugleich eine politisch« und eine technische Aufgabe. Seine politische Aufgabe ist es, sür die Annäherung der deutschen und französischen Demokratie zu arbeiten als ersten Schritt zur Verwirklichung der Vereinigung der europäi- schen Staaten." In einer weiteren einstimmig beschlossenen poli- tischen Resolution heißt es dann:„Obgleich der V e r s a i l l e r V c r- tragdasVersprecheneinerallgemeinenAbrüstung enthält, wurde diese noch nicht durchgeführt... Um die Sinnlosigkeit moderner Kriege zu vermeiden, fordern wir im Interesse einer zielbewußten Friedenspolttik die sofortige, vollständige und gleichzeitige Abrüstung der Völker." Schließlich wird die W i ch- tigkeit einer europäischen Staatenvereinigung betont, deren Durchführung aber nur möglich ist durch die Demo- kratie. So enthält diese Tagung ein klares Bekenntnis zur Völkerverständigung und Abrüstung, zur Demokratie und zu einem einheit- lichcn Europa. Neben der Arbeit in den Kommissionen stand das gesellige Beieinondersein. Hier knüpften sich die Beziehungen van Mensch zu Mensch. Die Fortsetzung der Arbeit ist gesichert. Dos Ergebnis dieser ersten Tagung ist besonder» erfreulich angesichts der Zerstörungsarbeit der sogenannten„Deutschen Studentenschaft". Rcvision im Aii-Höhler-Prozeff. Die Verurtellten im Prozeß gegen Ali H ö h l e r und Genossen haben durch ihre Verteidiger gegen das Urtell des Schwurgerichts I Revision beim Reichsgericht eingelegt. Herunter mit den Mesengehältem! Karl Litke: Die Gehälter der Stadt müssen erniedrigt werden.— Die Sonderpflichten der parteigenoffen.— Sie müssen an die Stadtwohlsahrt zahlen Zu den Debatten und Antrögen über die herabsehung> der von der Stadt Berlin und ihrer Gesellschaften gezahlten überhohen Spihengehälter macht uns der 2. Vorsitzende des Berliner Bezirk-verbandes, Genosse Karl Litke. Ausführungen, in denen er fordert, dah parleigenössische Stadtangestellte ihre hoch zu bcmessenden Zuwendungen für die sozial Ikolleidenden an die Stadl Berlin zu überweisen haben. Die Oeffentlichkcit ist in höchster Erregung, daß in einer Zeit grenzenloser Not die Direktoren der Berliner Verkehrs-Eesellschait ein Jahreseinkommen von über 72 M) Mark pro Äopf beziehen. Der Direktor Lüdtke erhält sogar 110 000 Mark Jahresgehalt. Diese Erregung ist nicht nur verständlich, sondern berechtigt. Wiederholt wurden auf den Berliner Verkehrsmitteln die Fahrpreise erhöht. Das mag betriebswirtschaftlich notwendig gewesen sein. Was sagt ober der Berliner? Für die Bevölkerung erhöhte Preiset Für die Direktoren:„Fette Gehälter." Die sozialdemokratische Fraktion des Rathauses hat vor längerer Zeit zwecks Herabsetzung der Gehälter die Kündigung der Direktorenverträge zum nächst zulässigen Termin beantragt. Es ist die größte Energie zu entwickeln, um dieses Ziel sofort in die Tat umzusetzen. Lassen wir uns dabei nicht irremachen durch nationalsozialistische oder kommunistische Anträge, wonach die Direktoren der Berliner Verkehrs-Gcsellschaft 300 respektive 1000 M. Monatsgehalt erhalten sollen. Der Magistrat wie der Aussichtsrat der Berliner Verkehrs-Gesellschaft können die Frage der Direklorengehälter nicht unter parteipolitischen. Gesichts- punkten entscheiden. Verantwortungsbewußt« Männer, die diesen Körperschastcn angehören, sind verpflichtet, den Direktoren ein solches Gehalt zu bewilligen, daß die Leitung der Berliner Ver- lehrs-Gesellschaft den besten Fachkräften anvertraut werden kann. Es wird behauptet, daß sich solche Kräfte unter 30 000 bis 30 000 Mark Jahresentschädigung nicht zur Ver- sügung stellen. Mir erscheint auch dieser Betrog zu hoch. Wir müssen aber mit den Tatsachen rechnen. Es wäre aber schon ein außerordentlicher Fortschritt, wenn es der sozialdeinokratischen Fraktion gelänge, die Riesengehälter der Direktoren aus den ge> nannten Betrog herabzudrücken. ES ist«ine andere Frage, ob die beiden sozialdemc- k r a t i s ch e n Direktoren diesen Betrag in Anspruch nehmen. In der Partei ist vielfach die Ansicht vertreten worden, daß die Ge- nassen, die sich in hochbezahlten Stellungen besinden, einen wesent- lichen Teil ihres Einkommens an die Partei oder an die Arbeiter-Wohlfahrt abführen sollen. Dem muß ich ent- schieden widersprechen. Warum? Die Partei wird in den Augen der Ocfsentlichkeit diskreditiert, wenn sie gegen Maßnahmen eines an sie Geldbeträge abführenden Direktors, die Unwillen hervorrufen, nichts unternimmt. Was sagt dann die Oeffentlichkeit?„Die Sozial- demotratie will und kann nichts tun, sonst setzt sie die Geldzuwen- düngen aufs Spiel." Dazu darf es nie kommen. Die Partei mutz dafür eintreten, daß die Genossen in so hochbezahlten Stellungen einen bestimmten Betrag an die Haupttasse der Stadt Berlin zur ausdrücklichen Verwendung für die Wohlsohrts-Unterstühungsempsänger und ausgesteuerten Erwerbslosen lausend zahlen. Es wäre ein leuchtendes Beispiel gewesen, wenn die sozialdemokra- tischen Direktoren die Hälfte ihres Einkommens an die Stadt für diele Zwecke abgeführt hätten. Es geht uns nichts an, wenn die bürgerlichen Direktoren ihr Gehalt in die Tasche stecken. Das kann uns nur recht sein. Es muß aber aufhören, daß die nicht zu unter- schätzende Unter st lltzungsbcreitschast unserer Partei- genossen sich in einzelnen Fällen und ohne Kenntnis der Oeffentlichkeit auswirkt. Es ist viel wirksamer, wenn vor den Augen der gesamten Bevölkerung die Tatsache Nor ist, daß die Sozialdemokraten in hoch- oder über- bezahlten Stellungen erhebliche Teile ihres Gehaltes wieder der Allgemeinheit zufließen lassen. Das gilt für alle. Nicht nur für die BVG.-Direktoren. Auch für die Minister und nicht nur dann, wenn sie im Amte sind, sondern auch wenn sie nach ihrem Aus- scheiden bei scnst gesicherter Position hohe Pensionen zu- gewiesen erhalten Das gilt auch für porteigenössifchc Oberbürgermeister, die infolge ihres Gehaltes oder durch die ihnen zufließenden Pensionen für einen Arbeiter unvorstellbare Kapitalien ansammeln können. Darum ist die Parole der Stund«:„Herunter mit den Riesen- gehältern und-Pensionen!" nach dieser Idee charakterisierten sie jede Europäerin als ein klini- sches Monstrum. Die Japanerinnen, die Berlin sehen wird, haben dieses Experiment noch nicht gewagt. Sie gehören noch ganz ihrer Heimat und nichts anderes. Sie gehorchen dem Winke ihres Zucht- meisters und erheben sich von den Sitzen, und das nämliche tun die japanischen Herren. Dann hält der Zuchtmeister eine Rede, deren Sinn etwa der ist, daß sie alle mit Bairgen und Bescheidenheit die Berliner Bühne(es ist das Theater des Westens) betreten werden. Sie erbitten Wohlwollen und bezeugen es, indem sie die Handflächen aneinanderlegen und sich sehr tief vor ihren deutschen Freunden verneigen. Max Hochdorf. Arbeitergesang. Ein neues Preisausschreiben des Sozialistischen Kulturbundes. Nachdem der Sozialistisch« Kulturbund mit seinem ersten Preis- ausschreiben zur Erlangung von Arbeitermusikwerken in ollen in Betracht kommenden Kreisen einen regen Widerhall fand, erläßt er jetzt ein neues Preisausschreiben, das der Gewinnung von einfachen, leicht verständlichen, mitreißenden Gesängen dienen soll, die bei Ilmzügen, Versammlungen, Festen und Feiern von den Massen gesungen werden können. Der Preis für das best« Lied beträgt 500 M. Als weitere Press« werden ausgesetzt: 2. Preis= 300 M., 3. Preis � 200 M. Letzter Termin für die Einreichung der Arbeiten ist der 1. Januar 1931. Die Prüfung der Manuskripte «rsolgt durch einen vom Sozialistischen Kulturbund hiersllr bestimmten Prüfungsausschuß. Die ösfentliche Erstausführung der preisgekrönten Arbeiten soll sobald wie möglich nach der Veröffentlichung des Ergeb- nisses stattfinden. Außerdem sollen sie allen in Betracht kommenden 'Arbeiterorganisationen empfohlen werden. Die näheren Bedin. gungen sind durch den Sozialistischen Kulturbund, Berlin SW. 6?, Lindenstr. 3, unentgeltlich zu erhalten. Oer Krach bei Reinhardt. Die Vielseitigkeit der Beschoftigimg Max Reinhardt» hat in seinen Berliner Thcaterbetrieben Zustände auskommen lassen, die jetzt unterstützt durch die augenblickliche schlechte Theaterkonjunktur zu einer Explosion geführt haben. Der geschäftliche Hauptleiter der Reinhardt-Bühnen, Adametz, ist von seinem Posten zurückgetreten. Den verschiedenen Bewerbern um die Stellung des ersten Drama- turgen, die noch der Entlassung Dr. Rothes frcigeworden war, ist jetzt mitgeteilt worden, daß Prof. Reinhardt die Dramaturgie vorderhand nicht besetzen wird. Der engere Mitarbeiter Reinhardts, Dr. Horch, den Reinhardt im Vorjahr aus Wien mitgebracht hat, wird gleichfalls vi« Reinhardt-Bühnen oerlassen. Gold fliegt durch die Lust. Flugzeuge für die Goldbergwerke von Reu-Guineo. Dessau, 29. September. Aus dem Flugplatz in Dessau lzat die erste der drei für Reu- Guinea bestimmten dreimotorigen Junkers-G 31 ihr« Uebernahme« slügc durchgeführt und dabei die garantierlen Leistungen weit ü b e r t r o f f e». Bei einem Rüstgewicht von 4750 Kilogramm und einem Flug- gewicht von 8500 Kilogramm waren für Start und Landung kaum 200 Meter notwendig: ein Beweis, daß dieses Flugzeug oollbelostet auch in schwierigstem Gelände noch Start- und Landemöglichkeiten findet. Mit nur zwei Motoren war es möglich, trotz des hohen Fluggewichts in ungefähr 1000 Meter Höhe nicht nur die Höhe zi halten, sondern»och zu steigen Di« Serie G 31 ist für den Tran Pport großer Maschinen für die G o l d b e r g w e r k e im 5)ochlan> von Reu-Guinea und für den Rücktransport des Goldes zum Haf Salamoa bestimmt. Di« ursprünglich zur Ermöglichung t Maschinen- und Goldtransporte vorgesehen« Straße hätte eine ine jährige Bauzeit erfordert und ungefähr das Zehnfache des f fchaffungspreifes der Flugzeuge gekostet. Knacker im poisSamer Versorgungsami In den frühen Morgenstunden haben heute Diebe einen"'' l-ntd) in das Potsdamer Versorgungsamt in der Garde-du-G�' Straße verübt und«inen Geldschrank älteren Systems auK' brachen. Dabei sind den Dieben etwa 800 M.», verschi Münzsorten in die Hände gefallen. Die Potsdamer KriminofhSci ist mit der Aufklärung des Emdruchs beschäftigt. „Lck will aber«ich schwören!.. Schwur mitHinderniffen./ Schwierige Situation, Gerichtshof kommt in Schweiß „Also Frau Zeugin— treten Sie vor und sprechen Sie mir die Worte des Eides nach:„Ich schwöre..."„Ree, nee— ick kann nich anders sagen..." Der Borsitzende sieht verwundert aus, nanu— da zerbricht sich noch einer über seinen Eid den Kopf... merkwürdig— merkwürdig... aber ja, richtig, es ist ja ein« alte Frau! Also schaltet er von goschästsmäßig aus warm und väterlich- überlegen um. „Aber Sie sollen ja auch vorläufig gar nichts sagen, Sie sollen erst mal schwören! Also.. „Hä?"„Einen E i d sollen Sie leisten, Sie wissen doch, was ein Eid ist?! Schwören sollen Sie!"„Ree, nee, ick will nich schwören! Ick bin nu all so alt geworden, zweeunachzig, und ick habe mein Lebtag noch nichs mit's Iericht zu tun gehabt!"„Aber Sie sind doch hier Zeugin, da müssen Sie schwören, daß Sie die rein« WohrhaU{«0»« aaelUnl" ,Lck funn ooch man blas di« reine Wahrheit sagen, deK der junge Mann..."„Aber Sie müssen vorher schwören! Sie können den Eid in religiöser Form oder cchnc Anrufung Gottes schwören, wie Sie wollen."„R a denn is ejal!" Dem Vorsitzenden tritt langsam der Schweiß auf die Stirn. Herrgott— wie soll man der das nur klar machen! Er nimmt ver- zweifelt einen neuen Anlauf.„Rein, das ist nicht egal— Sie müssen sich entscheiden: Wollen Sie den Eid mit oder ohne An- rufung Gottes schwören?"„Hä?— Ick versteh nich?!" Der junge Beisitzer fühlt sich genötigt, dem Vorsitzenden Hilf-- stellung zu leisten. Er wird es mal mit List versuchen:„Also Frau Hahn, Sic müssen uns sagen, ab Sie noch einer Kirche an- gehören. Sic gehen doch in die Kirche?" „Ja, manchmal. Aber man bloß selten. Hören kann ick nich mehr recht und singen kann ick ooch nich...!" Der Engel der Heiterkeit geht langsam durch den grauen Moabiter Saal. Und vor den trüben Fenstern steigt ein« rata morgana auf, ein sernes, verlorenes Land, es geistert ein Humor herum, den wir Menschen von heut« nur noch in alten Büchern finden... Aber es ist nur ein Augenblick. Die Derhandlung muß ja weitergehen. Hallelujah, dan ist doch nun ein Stück weiter- gekommen. Und der Vorsitzende fällt wieder in seinen Geschäflston. „Erheben Sie die rechte.Hand und sprechen Sie mir also di« Worte nach:„Ich schwöre.. „Ich schwöre..•" „Bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden..." Und dann geht, zwar stockend und noch manchmal unterbrochen, die Eidesleistung endlich vor sich� Als die Vernehmung beendet ist, wischt sich der ganze Gerichtshof den Schweiß von der Stirn. So ein Eid passiert selbst in Moabit nicht all« Tag«! Oer schwere Zunge kennt seine Richter. Rein, er passiert nicht all« Tag«: aber das ist eigentlich schade— ohne damit den Herren Richtern, Schöffen und Staatsanwälten etwas Böses zu wünschen. Denn es ist jetzt leider bei vielen Vorsitzenden eingerissen, die Belehrung über die Möglichkeit, den Eid auch in bürgerlicher Form ohne Anrufung Gottes zu leisten,«tivos summarisch gleich bei dem Zeugcnaufruf vorzunehmen. Gewöhnlich fügt dann der Richter hinzu:„Sollte mir nichts anderes gesagt werden, so nehme ich an, datz Sie den Eid in religiöser Form leisten wollen." Und wenn dann die Zeugen zur Beweis- aufnähme hereingerufen werden, geht es gleich mit dem dritten Gang los:„Treten Sie an den Tisch, erheben Sie die rechte Hand und sprechen mir die Worte des Eides nach: Ich schwüre bei Galt..." Die wenigsten iZeugen habe» dann den Mut und die Geistes- gegenwart, in diesem Moment noch daraus hinzuweisen, daß sie den Eid eigentlich in weltlicher Form ablegen wollten— denn die meisten der ehrlichen Menschen benehmen sich vor Gericht recht ungeschickt und unzweckmäßig. Richtig benimmt sich eigentlich nur der Berussverbrecher, der weiß, ,.wat der Richter ferne hören will" und hält es durchaus nicht für Zcitverfchwendung,„feinen" Richter einige Zeit lang vom Zuhörerraum aus zu studieren. Der würde im Bedarfsfall nicht nyr bei einem, sondern bei allen Göttern schwören, wenn er merkt, daß der oder jener Richter regelmäßig die Be- lehr�ng über di« Möglichkeit, in weltlicher Form zu schwören, unter- läßt!' Denn wenn er die Psychopathologie des Alltagslobens auch nicht in der Theorie von Freud studiert hat, aus der Pranxis kennt er sie ganz genau und weiß, was er von diesem Vergessen zu halten hat. Japaner auf Berliner Bühne Eine Gchauspielergilde stellt sich der Berliner Kunstwelt vor Am Ende dieser Woche werden japanische Schauspieler, Männer und Frauen, in Berlin zu sehen sein. In Los Angeles, der Film- Hauptstadt der Welt, begannen sie ihr Gastspiel, lieber London, Paris und Brüssel lainen sie nach Berlin. Di« Gilde der Schauspieler setzte sich in Japan seit jeher aus Kindern alter Komödiantcngeschlechter zusammen. Der Vater oererbt« auf den Sohn die Technik seines Berufs.' Wer in diese Familie ausgenommen sein wollte, ohne mit dem jeweiligen Meisler des Fachs blutverwandt zu sein, der mußte schon frühzeitig ein hervor- ragendes Genie offenbart und dadurch das Rechi erworben haben, von der Zunft als Lehrling und Geselle adoptiert zu werden. Trotz- dem galten die Schauspieler nicht als ebenbürtige Vertreter bllrger- licher oder gar aristokratischer Gesellschafi. Selbst heut« noch sind die Berühmtheiten des Standes nicht in dem Adressenbuch der japa. Nischen Honoratioren verzeichnet. In Tokio spielen heute viele Gesellschaften. Die interessantesten dieser Künstler wählte Herr T o k u j i r o T s u t s u i, der Führer der Truppe, aus. Bunt zusamcmngejctzt wie der Trupp ist auch der Spielplan. Cr wird ein« Art japanischer Revue bringen, Drama- letts sentimentalen Inhalts, von Fechtern und Mimikern dargestellte Kampffz�nen, die Leben und Heldentum legendärer Persönlichketten symbolksiercn, schließlich historische Einakter, an denen man sich in Japan deshalb ergötzt, weil sie ein Nachhall mythischer und ge- schichtlicher Größe sind. Gestern stellten sich die japanischen Künstler der Berliner Kunst- welt vor. Gekleidet in die zeremoniösen Kimonos ihres Landes, empfingen sie di« europäischen Gäste. Zierlich, behende ünd mit jenem Lächeln, das Verlegenheit und Liebenswürdigkeit und auch Verschlagenheit der Koketterie bedeuten kann, verbeugten sich di« Damen. Sie sind alle noch sehr jugendlich. Di« Dame, die als Star gerühmt wird, Fräulein T i g u r a, zählt erst 18 Jahre. Die Man- ner haben Gelehrtengesichter, sie bewegen sich mit Nachdenklichkeit, als wäre» sie zu einer Akademiesitzung erschienen. Sie wollen nicht durch flotte Bewegungen, nicht durch Zigeunertum oder per- sönlichen Glanz wirken. Keiner will durch sich selber imponieren, und jeder ist beflissen, leise unij unauffällig durch den Saal zu gehen. Nun sollen sie aber doch auf der Bühne heroische Kraft ünd Mär- lyrertum und Glaubensinbrunst und poetisches Feuer und oben- teuerliche Verwegenheit darstellen. Und man fragt sich, wo in ihnen di« Leidenschast wohnt. Werden sie sich in Wildheit austoben, weil es in ihnen brennt und weil sie willens sind, sich jeden Abend seelisch zu erschöpfen? Oder werden sie uns zeigen, bis zu welcher Vollendung technisch« Erziehung, die a» uralt« Regeln gebunden ist, den im Alltagsleben sanften und zurückhaltenden Künstler in den Beherrscher jeder Leidenschaft verwandelt? Ein japanischer Graf, dessen Namen ich augenblicklich nicht wiederfinde, schrieb mir vor etlichen Iahren, daß er in Tokio ein Theater der Nationen einrichtete. Dort sollten japanilche Schau- spicler alle Dramen der europäischen Literatur aufführen. Der Theatcrgraf plante, ein internationales Dramaturgen- und Regie- kollektiv, zu dessen Beschickung er deutsche, französische und eng. lisch« Fachleute ausforderte. Es heißt, daß er viel Geld und Mühe für seinen Plan vertan hat. Run berichten Freund»! die Auffühnm- gen des Welltheaters von Tokio besuchten, daß besonder- die Dar- stellerinnen der Frauenrollen entsetzlich übertrieben. Sie dachten, eine moderne Europäerin wäre stets eine perfekte Hysterikerin und Komik und Tragik vom Arbeiisgericht. Rachspiel zu den Wahlen.— Kampf mit dem Gewissen. Vor dem Berliner Arbeiisgericht hatten dieser Tage die letzten Reichstagswahlen ein bewegtes Nachspiel. Der größte chemische Konzern Deutschlands, die Farben, wollte in seinem Agsa- Werk in Verlin-Treptow keine kommunistische Propaganda dulden. Trotzdem hatte ein Kommunist einen Stapel Flugblatter, und zwar die neueste Programmerklärung der KPD., in den Betrieb geschmuggelt und sie im Speisesaal verteilt. Dabei ließ sich der Mann von einem Aufseher«rwisehen, er wurde gemeldet, gekündigt und entlassen. Das Recht zu dieser Maßnahme nahm die Firma aus ihrer verschärften Arbeitsordnung, die jegliches Austeilen von Flugblättern mit politischem Znhalt verbietet. Vor dem Arbeitsgericht sahen sich die Parteien wieder, den entlassenen Arbeiter vertrat sein Parteigenosse, der konnnunistijche Arbeiterratsvorsitzende Kube. Der Vorsitzende bemüht sich nm einen Vergleich, die I. G. Farben lehnen strikte ab.„Nun", Hilst der Richter weiter,„wenn Sie nachweisen können, daß auch andere Parteien im Werk Wahlpropaganda getrieben haben, dann bestehen einige Aussichten für Sie."«Herr Kube winkt ab, nein, das möchte er nicht, aber wie wäre es mit einer Verwarnung, meint er, es ist doch der erste Fall dieser Art, wo ein Arbeiter wegen poli- tischer Propaganda entlasten wird. Man muß sich dos einmal vor- stellen, wie der Kommunistenführer Kube dastand und darum bat, die Berliner Leitung von I. G. Farben möchte feinen Parteigenosten wegen des Verteilens der kommunistischen Programmerklärung verwarnen! Die Vertreter des Aafa-Betriebes ließen sich aber auch auf keine Verwarnung ein, und jetzt platzte Herr Kube heraus:„Na, und die Nazis, haben die nicht etwa während der Arbeitszeit in den Werksräumen Versammlungen abgehalten?" Der Firmenvertreter lächelt:„Daran ist doch nichts Wahres!"„Aber das hat doch in der„Roten Fahne" gestanden!" Jetzt lacht man sogar, ausgerechnet die„Rote Fahne" als Beweismittel heranziehen zu wollen. Ja, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und um die Sache zu beenden, erklärt sich Herr Kube bereit, die Nazis zum solgenden Kammertermin zu benennen, die er eben noch als„ehrenwerte Gegner" bezeichnete! * Die hohe Politik vor den Schranken der Chemiekammer des Arbeitsgerichts ist abgetreten, es folgt der graue Alltag. Auf den Zuhörerbänken sitzen sechs alte Chemiearbeiter, die liegen unbilliger Härte gegen ihre Entlastung kämpfen. Sie haben bei Kubier u. Co. in Reinickendorf zehn, zwölf, fünfzehn Iahre lang gearbeitet, jetzt sind sie mit dem großen Schub, wo ZZ Mann auf das Pflaster gefetzt wurden, entlassen worden. In dieser Woche sollen ihnen noch zehn weitere Kollegen folge». Der Unternehmervertreter, ein Herr vom Arbeitgeberverband, spricht von schweren Zeiten und meint, es wäre überdies nach gor nicht heraus, ob nicht in absehbarer Zeit der gan.ze Betrieb still- gelegt werden wird. Der Arbeiterrat, der die Entlassenen vertritt, fällt ein:„Sie sind falsch informiert, Herr Doktor, unsere Direktion denkt nicht daran, das Werk stillzulegen. Sie will lediglich durch die Entlastungen bei der Lohnhöhe eine Basis erreichen, durch die sie wieder konkurrenzfähig werde» soll." Das also ist des Pudels Kern, aber den Vorsitzenden interessiert das nicht weiter, um jeden einzelnen geht das Gefecht, aber der sonst sehr sorsche Herr vom Arbeitgeberverbond erweist sich als völlig u n o r i e n t:„Ich kann doch nicht jeden Arbeiter von Kübler u. Co. kennen!" braust er auf. Schließlich wird dem Arbeiterrat auf- gegeben, sechs wirtschaftlich stärkere Arbeiter zu benennen, die an Stelle der sechs Entlassenen das ungewiüe Schicksal der Arbeitslosigkeit treffen soll. Es liegt eine gewisse Tragik in diesen von Arbeiterräten ge- führten Masten klagen auf unbillige 5)ärte: den ursprünglich Entlassenen gebietet die Direktion Feierabend, ober die Austauschleute, die muß sich der Arbeiterrat heraussuchen, zum Kadi mit ihnen laufen und dann mit dem Finger auf sie zeigen:„Herr Richter, lieber den hier!" Natürlich betrachten sich diese wirtschaftlich stär- keren Austauschleute letzten Endes nicht von der Direktion ent- lassen, sondern von der Betnebsoertrehing. Undankbar sind solche Klogen! Der Lotse geht an Bord Der Kapitän und sein erster Osfizier fühlen stch am wohlften auf freier See. Regelmäßige Messungen mit Logg, Sextant, Lot und Funkpeiler geben den Standort ihres Schisfes an, und un- behindert zieht es auf freier See seine Bahn. Lediglich der N e b e l, noch immer der größte Feind der Schiffahrt, zwingt bisweilen dazu, die Maschine auf„L a n g s a m" oder„Halbe Kraft" zu stoppen. Je näher das Schiff der Küste kommt, desto größere Aufmerksamkeit ist nötig. Hier handelt es stch oftmals um wenige hundert Meter, die über die Gefahx. der Strandung entscheiden. Zwar sind die be- lebten Fahrwasserstraßen der Seehäsen, besonders der Elb- und Wcfermündung, mit ihrem riesigen Schisfahrtsverkehr mit Feuer- schiffen, Leuchttürmen, Seetonnen, Unterwasserschallsignalen als Wegweiser ausgerüstet, aber es ist nicht leicht, unter den Dutzende» von Feuern und Tonnen hier, wo schnelles Handeln geboten ist. sofort die richtigen ausfindig zu machen, und außerdem versagen die mechanischen Wegweiser bei unsichtigem Wetter. Daher muß jedes Seeschiff, daß die Elb- oder Weser- mündung ansteuert, einen Lotsen nehmen, der es sicher in den Hasen bringt, denn auch der Staat hat ein Interesse daran, daß die schmale Fahrrinn« nicht durch kollidierende oder aus Grund geratene Schiff« versperrt wird. Lei jedem Weiler, oft unler Lebensgefahr, verfeheu die Lotsen ihren verantwortungsvollen Dienst. Weit draußen auf hoher See, zwischen Helgoland und dem Feuerschiff„Elbe I", kreuzt der Elblotjendampfer, dessen schneeweißer Rumpf mit der riesigen Aufschrift„Elbe" ss ch o n von weitem sichtbar ist. Durch Funkentelegraphie und drahtlose Telephonie steht er mit seiner Dienststell« an Land, dem Schisfahrts- amt Cuxhaven, in ständiger Verbindung, aber auch von See kommend« Schiffe können sich rechtzeitig beim Lotsendan�ifer melden und ihn bitten, etwas entgegenzukommen. Die neuen Lotsendampfer sind moderne Schiff« mit hohem Bug und starker Maschine, die jedem Wetter gewachsen sein miisten, denn gerade bei fchrvecenv Sturm kommen viel« Schiffe, die sich in den rettenden Hafen oder Ankerplatz flüchten wollen, und die Gefahr des Strandens ist bei hoher See und schwerer Brandung doppelt groß. An Bord des Lotsendampfers haben die Lotsen bequeme und behagliche Räume, in denen sie die Zeit mit Schlafen, Lesen oder nochmals Schlafen verbringen, bis sie„an der Reihe" sind, denn das„Versetzen" an Bord eines Schiffes, das«inen Lotsen wünscht, geschieht nach ganz bestimmter Reihenfolge. Ständig be- findet sich eine größer« Anzahl Lotsen„aus Station", und ihre Zahl wird je nach Bedarf ein- oder mehreremal täglich ergänzt durch ein schnelles Motorschiff, das den Verkehr zwischen Lotjendampser und dem Heimathasen Cuxhaven vermittelt. Sobald ein Schiff sich der Elbmündung nähert, zeigt es die internationale Lotsenftagge, zum Zeichen, daß es einen Lotsen wünscht. Der Lotsendompser fährt so nahe wie möglich heran, der Lots« steigt in ein kleines Motorboot, das rasch zu Wasser gleitet und ihn an Bord des einkommenden Dampfers bringt. Der Lotfendampfer kann nicht selbst längsseits des anderen Schiffes gehen, weil in der ständigen Dämmerung oder.im Seegang beide Schisse schwer beschädigt werden würden. Das flinke Motorboot läuft im Schutze des Lotfendompfers an das einkommende Schiff heran, der Lasse, im Oelzeug und seine Ledertasche am Riemen über dem Rücken, ergreift das Fallreep und klettert an Deck, während das Boot zum Lotsendompser zurückkehrt. Bis vor wenigen Jahren, aushilfsweise sogar noch bis vor wenigen Monaten, wurden die Lossen von Schonern mit Ruderbooten oersetzt, aber auch der Uebergang vom Motorboot aus den Dampfer ist trotz aller Uebung nicht ungefährlich. Die großen Amerikapassagierdampser lassen sich durch Lotsen in Southhampton abholen. Von See bringt der Lotse sein Schiff, vorbei an den vier Feuer- schiffen, durch die Fahrrinne der Elb« zwischen den berüchtigten Sandbänken von Schorhörn und K r o ß v o g e l s a n d, vorbei ander Kugelbake und Cuxhaven bis Brunsbüttel- k o o g oder bis H a m b u r g. Bei ausfahrenden Schiffen wird der Lotse in der Elbmllndung vom Feuerschi sf„Elbe III" aus- geholt. Zu beiden Seiten zeigen hei klarem Wetter und Tag Seetonnen verschiedener Größe' und Farbe den Weg, und manche, die an besonders gefährlichen Stellen liegen, machen sich auch bei Nacht und Nebel durch B l i n.k l i ch t e r, Klingelzeichen oder schauerliche Heultöne bemerkbar. Nachts zeigen die Leucht- feuer von Helgoland den Feuerschiffen und den Leuchttürmen an Land die Richtung, ober oft genug muß bei unsichtigem Wetter die Fahrwasserkenntnis des Lossen entscheiden, llnauf- hörlich und schneller als die Korten berichtigt werden können, wandern die Sände der Flußmündungen durch den mächtigen Ebbe- und Flutstrom, der mit einer Geschwindigkeit von bis zu sieben Stundenkilometer riesige Mengen von Mahlsand mit sich führt. Genaue Kenntnis der ständig wechselnden Strömungsverhältnisse ist erforderlich, um die riesigen Kolosse der tiefbeladenen Ueberseeschisse sicher durch dos gewundene Fahrwasser der Elbe zu geleiten und entgegenkommenden Schissen auch an schmalen und ge- sährlichen Stellen ausweichen zu können. � 3n Cuxhaven zeigt ein Semaphor, weithin sichtbar, den vorüber» fahrenden Schissen, welche» Zvetter von Helgoland und Borkum gemeldet wird, Windstärke, Windrichtung und Sturmwarnung. In eineni riesigen Tonncnloger werden die Seezeichen oller Größen repariert, neu gestrichen und von besonderen Tonnenlegern bei Bedarf ausgewechselt. So sorgt die Erfahrung des Lotsen und die Ueberwachung und Pflege der Seezeichen dafür, daß die Schisse auch in gefährlichen Wasserstraßen sicher ihren Weg finden. Welter für Berlin: Wieder abnehmende Bewölkung ohne er- hebliche Niederschläge bei westlichen Winden, ziemlich kühl.— Für Deutschland: Im Nordosten veränderlich mit Abkühlung, in den übrigen Teilen des Reiches wieder einsetzende Besserung. Pcrantwortl. für t>ie Rcdattion: Wolsgaug Schwarz, Berlin! Anzeigen: Th.»loil«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druck««! und Veriagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 6S, Lindengrake 3. Hierzu X Beilage. Theater, � Lichtspiele usw. Dienstag, 30 9. Siaals-Oper Unter d. Linden A.-V. 30 20 Uhr Cav&Ilerla rn«ticana. Bajazzl Ende t!eg.22"aU. Staats-Oper (■ Pill: dir Rcpubük. Vorst 146 IS'/e Uhr Der FreisdiQtz Oiffintl. Ririeonrlsil Endeg. 220» Uhr Dienstag, 30. 9. Stadt. Oper Bisrnarckstr. Turnus II 19V2 Uhr Pique Dame Endegeg.23Uhr Staat). Schauspii. (an Ciidimmnarld). A.-V. 25 20 Uhr Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in GrQneüero Ende 22-, Uhr M.Itlilller-Tlieater.üiarltiig. 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende gegen 220« Uhr VolKsbtthne Theater em BOlowplatz. Täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. StaatLSdnlier-Th. 8 Uhr Der mann mit dem Klepper Theater am Schiithauerflamm 8>.« Uhr Feuer aus den Kessein Staatsoper Am PI. d. Republik 7% Uhr Oer Freisöfi 'Uteri. d.Behrenstr. 53-54 ektion: Ralph Aribor Roberts "Das häQliche blädciien glisch— Roberts— Riemann. Lustsplelhaus Dir.; Bans Lapsdiütz Täglich 8>,.<>bi meine Schmester und leti Musik von Benatzky Lory Leu». Kurt von Möllendorf Tag u S1;. Uhr. V S Barl). 0258 Pr- 6 M.— Nachm. halbe Preise. *0 letaler tef.' 2uin crslen ele auf dem MonllnenH Scrnpreth- Sehen,«eierieion ""ck*«ueerleeewe TarleU-Progr. Lessing-Tbeater Weideidtnm 2797 a.OltC 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne §218 (Frauen In Noi) von Credö Regie: Piscator. Oeatsdiet Iheater 8 Uhr Der Kaiser von Amerika von Bernard Shaw Tittlnlle; Wenn RmiB Regie: Mai Reintertt. Kammerspiele SV, Uhr Die Schule derFrauen von Moli6re. Hfie: Bans Dense. Die Komödie 8'/i Uhr Der Schwierige laitsp, T.Hugo T.Hiftnoooilktl Regie; Max Reiohanit. Deutsches lOnstler-Tbeal. Tel. Barbarnssa 3931 SVi Uhr Jim und Jiil Operette v.(man Ellis Preise von IM.rjfvirts Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9Vi Uhr Oie Wunder-Bar RevucstQck Rletropoi-Ttieater Täglich 8'U Uhr Sencafioneller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undlkrHusar WM M | Irene Trlesch als Isabella| „Qehei hin und hauet zuch! Das Juhlikum mac hannt, /gefesselt, eeqütfen, aufae-- uuihlt. JieqeisUeiec !Beifall." So urteilt Jnllnn Knopf in der„Börsenztg." über die .MviUna" in unserm Theater.— Imd- wlg: St«rnaax im„Lokal- Anzeiger" schrieb:„Ein seltener Abend, ein schönster Abend, der wundervoll mitreißt." Wochentag» 8« Uhr u. Sbd. um 7 Uhr und um 10« Uhr: ..01« vr»ut von Mattlna". Kassenprtise von 50 Pf. bl« 3 M. (Garderobe u. Proframm je 25 Pf.) Theater für d. Kinder: Jed. Mittwoch nachm. 5 U.; Hönsel u. Gretel. Jed.Sonn&bd. nachm. 4w ü.: Dornröschen. (Preise v. 30 Pf bis 1.50 M.) ROSE THEATER Gr. Frankfurt er Str. 132 BillettUsMi Al«x. 3422 a 3484 8.15 Uhr— Räumen erlsabt Hans Koliscfaer* Argentino Liitlc Esther tanzt n. singt u. s. •v« uhr CÄSINO-THEATEH Lothringer Strafe 37. Nur noch bis 30. September Der selige Hollschinsky WüNNItnilMllintlllHIIIIIIIIIIIIItllllHIIIMIIIIIItlllllllllHIIIllMI Am 1. Oktober zum 1. Male Hurrah, ein Junge! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise Parkett 75, Rang 60 Pfg. Laß Blumen sprechen! und dss neue Programm der flettinepläitgw Reichshallen- Theater allabendlich 8 Uhr und Sonntag nachmittag 3Vz Uhr(nachm. zu halben Pr.) DOnhon• Brettl: Variitt- Konzert» Tanz. BUSCH die schönste und modernste Vergnügungsstätte Berlins) Heute zum letxten Male die weitberü.-.mten H, iackson-Girls! und das übrige September- Weltstadt- Programm I Ab 1. Oktober volbtändig neues Progr. mit ,1-1. UxbcrrasdniRg.I u. a.„Cubanos"---T7 Thealer am Sdiitfhauerdamm 8>/. Uhr letzte Vorstellung Feuer aus denKeCfeln Vinn 1.— 5. gesdilossH. Ab 6. Oktober Jud Süß! Tg.: D.I. Hord.OZBl 1.5813 GROSS. SrilAUSPIELUAl'S S Lustige Witwe Hesterberg:, Hausen, Arno, Schollwcr, Janknhn.SchaelVers, Winkelstern, JDesni. REGIE: CHAREEE Komische oper 8-/- Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Saniowsky-BnhDeD Tbgai« In Ccr siresemannslr. Täglich SV» Uhr «WM: 3 Ushpitl n» Sthwitfirt Komödisnhau, SV» Täglich 8Vi Konto X von Bemoutr und Oesterreidier Rose- Theater 6r. Franklnrtersu.132 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhn Braut r. Hessina mit Irene Triadi «1t tob«»«. Tbeater am Kottb. Toi Kottbusser Str. 6 Td. Korihi!. 160 71, Tägl.BViU., Sonnt. aneii 3 Vi Uhr Elite' .sanier i Präsident Zunkel Gr. Tmnupitl- borlnke SdiorxdiRuselli Vorher; Herbst und Liebe am Rhein. Sennakcnd 31': Uhr Riadirmlrchdtivorslell'jng: „Oer gestiefelte RateT". Philtiarmonle 8 Uhr liDloDie-Koozert d.Philharmon.Orcb. Dir. Prof. J. Prüwer Brandenb. Konzert D-dur-Bach, Cello- Konz D-dur-Haydn, Sinf. E-moll-Rach- manineff Eintritt I M. Neues Theater am Zoo ii'■ tm Babnh. Zoo. StpLESSl Täglich 8V. Uhr LommeS in der Posse Paul und Pauline Rundfunkhörer atlH Preise. Mittwoch, 1. Oktober naebmittagy 5 Uhr Zimmer 16ett Mk-V.-bis 11- 2 betten Ib.-bisZZr BodiMk i- MlonZQr 6$. »erlin HOTEleAnnW EXCELSIOR I Der gute Kapitän- | KaulabaKiÄ:,Ä, (J. Röcker. Berlin iLlditcniienier situBc 22. Königs'. 3861 Original- Befema Patentmatratzen/ Ruhebetten mit Betema-Federung Paieni'Drchbeit(D.R-P.) ein Griff— ein Beti, sowie das neue Holzbett mit Befema-Federung sind vollkommen geräasefalos!— Kein Einliegen. Für Khwcrsfe Belastung. Ueberau erhältl. 20 Jahre Garantie. Berl.Fetfermatratz.-FabrtK. Koppenstr.29 Herameiderlaiirili Gegründet 1 895 gibt AiiKUtcP, ClatPr. Paietotn usw. ab, soweit nicht am Lager Extraanfertigung ohn« Prelsnuf schlag, Bitte Überzeugen Sie sieh! j.coiieMiaiser-uiiiheiiD-sir.24 äSeifage Dienstag, 30. September 1930 SprÄbmd SjuUaaigdße Ja Argument Palästina Juden arbeiten körperlich— lässt man sie nur! 5n Berlin tagt soeben der Kongreß, den die Palästina- Gewerkschaft Histadouth veranstaltet hat, um die jüdischen Massen anderer Länder über den Ausbau in Palästina zu unterrichten. Stolz tragen die Schmarotzer in den Schleimnergegenden der Großstädte ihr Hakenkreuz an der Brust. Nach der Sicgesscier im Sportpalast zwangen Nazis einen Autobus zum Hallen und oerlangten die Entsernung eines Juden. Der Schassner mußte kapitulieren. t Jüdisches Massenelend Die neue Welle des Antisemitismus ist ein« Verfallserscheinung der in Umwandlung begriffenen Gesellschaft. In dem Maße, wie die bürgerliche Welt unfähiger wird, die Existenz ihrer Angehörigen ■''fimmst i SW Jugend baut Mäufer zu sichern, verschärft sich der Kamps des einen gegen den anderen. Das ist der Ausdruck der gesellschaftlichen Auf- l ö s u n g. Zweifellos ist der Mittelstand von der Entwicklung hart betroffen, Konzentration und Zentralisation des Kapitals reiben ihn immer mehr auf. Politisch findet dieser Entwicklungsprozeß seinen Ausdruck im Charakter der Mittelparteien. In dieser Situation ist eine fremde Rasse willkommenes Objekt, die Erbitterung der Massen aus das Judentum abzuwälzen. Das Versahren ist nicht neu. Unter dem Eindruck der Judenverfolgung gegen Hauptmann Dreyfus hat der fast assimilierte Jude Theodor Hcrzl sich seines Judentums besonnen und durch den„Iudenstaat" für ein« jüdische Heimstätte' geworben.„Der Jude Dreyfus ist schuld", rief der sranzösijche Gcneralstob.„Die Juden sind schuld", rufi das. ausweglose Biitger- tum van heute. Jinmer»»leber schrie Dreyfus:„Ich bin unschuldig, ich bin unschuldig!" Die Mass« wollte ihn lynchen. Das jüdische Volk bringt seinen Unschuldsbeweis in Palästina und in anderen Ländern, wo«s ihm nicht verboten ist, auf dem Feld und in der Fabrik zu arbeiten. Palästina klagt durch die Tot den Antisemitismus an. Ader Palästina ist weit von uns. Es dauert lange, che die Wahrheit uns erreicht. Aber st« wird uns erreichen, wie sie im Fall Dreyfus Frankreich erreichte. Als der Kapitalismus im Aufstieg war, haben Könige und Herrscher die jüdischen Kausleirte privilegiert. Jetzt ist er im Abstieg und die Juden werden getreten. Und doch haben die Juden längst aufgehört, ein Volk von Bankiers zu sein. Wer mit offenen Augen durch die Welt wandert, entdeckt die 2Ir mu t des jüdischen Mittel- standcs in allen Städten. In Berlin kann er sie im Scheunenviertel studieren, in London im East-End, in New Dork-Bronx, in Amsterdam im Ghetto, in Wien, in Warschau, in Budapest, in Bukarest... Aus allen Städten und Städtchen, besonders des Ostens und des Balkans, schreit uns die jüdische Armut entgegen. Dem jüdischen Mittelstand geht es nicht weniger traurig als dem chriftlich-gerinanifchen Mittelstand. Das jüdische"Volk hat fast kein gestern Im Qhefio- bettle auf Feldarbeit! ündustrieproletariat. Es ist ihm unmöglich gemacht worden, in die Industrie und die Landwirtschaft der Länder einzudringen, in denen Luden leben. Darum wandern die Juden in Massen aus. Die Not treibt sie von Land zu Land. In solchen Massen würde kein Volk wandern, wenn es nur aus Rothschilds b e st ü n d«. Die Jugend will für ihr Volk arbeiten Ig Palästina versuchen Frauen und Männer, Jungen ui» Mädchen, Arbeiter und Bauern zu werden. Mancher hat Umschichtung mit seiner Gesundheit, ja, selbst mit dem Lebe» bezahlt. Selbst von der Schulbank des Gymnasiums und der Unmersität, ja, aus zum Teil noch gut gestellten Familien strömt die t�dische Jugend nach Palästina, erst recht aus den Elendsquartie-e"— arbeiten will sie, von hohem Kulturbewußtsein getragen Das jüdisch« Volk hatte seit Jahrtausenden nicht mehr GelD�lMhelt, normal zu leben. Ein Wunder, wenn es da selbst modernen, sonst vorurteilsfreien Arbeitern oft«jz anormales Volk erscheint'? Der Arbeiter im Latröb wundert sich nicht weniS' wenn ein Jude am Schraubstock steht. Cr sogt, oder denkt zum mindesten:„Nanu, du bist doch Händler, was willst du denn in der Fabrik?" Aber jüdische Jugend wandert aus nach Palästina. Es kann gestritten werden, ob der Zionismus zu bejahen oder zu verneinen ist. Aber Zehn- tausende jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen widerlegen den„theoretischen" Antisemitismus durch die müh- sam« Tagesarbeit im primitiven Palästina. Weite Strecken kulti- vierten Landes, blühende Orangenanlagen, trockengelegte,«inst malariaverseuchte Gebiet« und vor allem ein« ganz modern« Stadt wie Tel- Aviv, mit über 40 000 Einwohnern, widerlegen die Lüge vom immer nur schachernden Juden. Jüdische Arbeiter haben die erste neujüdische Stadt erbaut, jüdische Arbeiter erholten die Stadt und Juden bewegen sie. Bei der Arbeit Wir sehen die jüdischen Arbeiter am Werk. In den Siedlungen, wo die Arbeiter und Arbeiterinnen kollektiv leben, schassen die fleißigen Hände freiwillig 10, 12 und auch 14 Stunden. Keine Knute peitscht sie, kein Aufseher, kein Verwalter. Die Juden kämpfen in Palästina gegen Seuchen und Krankheiten. Im ständigen Kampf gegen die Natur stehen sie, die heute noch sehr stark den Menschen beherrscht. Die Technik pocht erst leise an die Pforte des Orients. Jetzt regen sich die Hände am Jordan, um ein Kraftwerk in der Wüste zu bauen. In der Sonnenglut der Jordansenk« arbeiten 500 jüdische Arbeiter. Deutsche und schwedische Ingenieure loben die korrekte jüdische Arbeit. Das ist um so höher zu bewerten, als die Arbeiter meist nur ein« kurze Ausbildungszeit hatten. Am Toten Meer bergen jüdische Arbeiter die Schätze des Salzmeeres. Die grausame Hitze dieses tief st en Punktes der Erde macht die Arbeit zur Höllenqual— aber es wird weiter- geschafft. Di« Juden bauen Straßen. Männer und Mädchen klopfen Steine am Wege, tragen sie und bauen... und bauen. Kranken- häufer erstehen, Kultur kommt ins Land. Die Juden züchten Kühe und Hühner, Pflanzen und Bäume. Unterdrückt«, sinnlos gehaßte, verfolgt« Menschen opfern sich in ein« bessere Zukunft hinein. So hoffen sie wenigstens. Karg ist ihr Leben. In Zelten und Baracken wohnen noch immer die meisten Siedler. Nur langsam treten an die Stelle der Zelte und Baracken Steinhäuser. Die kollektiven Siedlungen Die Kinder in den Siedlungen kennen fast k e i n G« l d. In den kollektiven Siedlungen ist die Lohnarbeit beseitigt. Wxr Kleidung nötig hat, bekommt sie von der Gemeinschaft, vom Kollektiv: wer sonst Geld für Nötiges braucht, wendet sich an die Kasse der Gemeinschaft und bekommt die Mittel im Rahmen des Möglichen. Man kann streiten, ob das der Sozialismus der Zukunft fein wird, ob die Juden in Palästina so aus Idealismus oder aus btotwendigkeit verfahren. Ganz gleich, so sind die Tatsachen. Mit der„Turia"(hebräisch für Spaten) in der Hand, heißt durch Arbeit und gesellschaftliches Verständnis, versucht sich der jüdische Klein- bürger in die Zukunft zu retten. Damit gibt er sein Kleinbürgertum aus und wird Proletarier. Intellektuell« Bauern gibt es in Palästina. Das jüdische Kleinbürgertum hat die Geschichte vcr- standen, Hitler will sie vergewaltigen.— x Das kleine Land Palästina, das am Mittelmeer als schmaler Streifen der großen arabischen Halbinsel liegt, ist das größte Argument gegen den Antisemitismus. Palästina spricht f ü r Marx, gegen— Hitler. Palästina spricht für den wissen« schaftlichen Sozialismus. Denn Palästina beweist: Es ist nicht wahr, daß die Juden gleich als Bankiers geboren wurden, so wenig wie Hitler mit einer Sprengschnur statt einer Nabelschnur am Bauch zur Welt kam. Sowohl die Juden als auch Hitler sind Produkt ihres gesellschaftlichen Daseins. Nicht der Jude � Siftfter am See Xhterelh hat den Schacher, sondern der kapitalistische Schocher hat den Juden gemocht. Palästina beweist: die Menschen— und dazu gehören trotz Hitler auch die Juden— werden sich erneuern durch die Erneuerung der menschlichen Gesellschaft. Nicht der Jude, sondern die bürger- liche Gesellschaft ist zu überwinden. Die menschliche Gesellschaft wird nicht befreit, indem man die Volksnot zu Pogromen ausnutzen will, sie wird befreit nur durch die umwälzende Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. Im Falle der Juden beweist dos Palästina. Palästina richtet sich gegen Hitler, die Turia siegt über das Hakenkreuz. Kurt Lteebert. * Wer van der Aufbauarbeit in Palästina mehr erfahren will. dem sei das Buch„Schaffendes Palästina" von Emil Vander- velde empfohlen, 1930 bei Carl Reißner, Dresden, erschienen. Das von Kurt und Jenny Mendelsohn übersetzte Buch des Vor- sitzenden unserer Internationale ist mit acht Bildtafeln versehen. Oberst Kostek Sadist im Weltkrieg und... Das radikale polnische Bouernblatt„Plorzowka" schreibt: August 1914. In der Gegend von Kjelce erscheijren unbekannte Menschen. Graue Uniformen, junge Gesichter, Flammen in den Augen... Sie gehen— hingerissen durch lhre erste Jugendliebe. Sie gehen, um durch ihre Mühe, durch Opferung ihres Blutes Polen wieder zum Leben zu erwecken. Junge, opferfreudig« Enthusiasten!/ Auf einem Seitenwege rollen einige Bauernwogen dahin. Auf den Wagen ein« Gruppe Menschen— teils in Uniformen, teils in Zivil. Um die Schultern hängen Gewehre, an den Gürteln Browningpistolen. In den Gesichtern Verbissenheit, Grausamkeit, Haß Man fährt bis an den Hauseingang. Eine kurze Beratung. Man hört die flüsternde Stimme des Kom- Mandanten:„Das Haus umzingeln! Ich gehe mit zwei Mann hinein:' wir werden ihnen das Jahr 1905 heimzahlen." Nach einer Weile einig« Schüsse, Kindergeheui... Di« Abteilung entfernt sich— in den Wagen Scherze und Gelächter. Nur in den Augen eines Jungen in Schlltzenunisorm ist Entsetzen. Die Seid- gendarmerie des„Bürgers K o st e k" hat die blutige Abrechnung erledigt. Chenciny Die Schützenabteilungen besetzen, aus Kjelce zurück- geworfen, die Hügel. Die Wache bringt-'"en Mann, den sie auf der©fräße aufgehalten: vielleicht ein Spion, vielleicht ein un- schuldiger Wanderer. Der Feldgendarm nimmt den Mann in Empfang. Mit verachtendem sieht er die Schützen an: Herrchens Wozu Zeremonien mit irgendeinem„Aas". Sie ziehen ob. Nach einem Auge»�� ei»»chuß. Auf dem Gehweg liegt der Leichnam des Verhn�ien mit von hinten durchschossenen: Kopf. Eine kurze tiiünirf'chc Meldung:� Ein Verdächtiger, ich habe ihn „gemachl".-4<� Wort aus der Sprache der revolutionärm Kampf- organisal'»�) 'Gefängnis- zu Kjelce. in der Kanzlei amtiert der Chef der ,?-?dgendarmerie.„Bürger K o st e k". Sein Gesicht ist aus- gemergelt, kalt. Die Augen unbeweglich, farblos, wie gebleicht,— alles Menschlich« ist l ä n g sb in ihnen erloschen. Man bringe die Verhafteten. Politische Gegner von einst und jetzt. Welch«in Schicksal wartet ihrer? Unter den Schützen kreisen Vermutungen. Die Schügenkolonne hat sich beim Rückzug aus Kjelce in der Nähe eines Wäldchens aufgehalten. In den Reihen lief die Nach- richt, daß in dem nahen Wäldchen Urteil« vollstreckt wurden. Neugierige gingen hin, um das Werk der Gerechtigkeit anzuschauen.. Auf Aesten nahe der Erde hingen einige Leichen, auf dem Antlitz den Ausdruck de» Entsetzens und der Qual. Als die Kolonn« sich in Bewegung fetzt, erzählt man sich, daß man der Elle halber, die Verurteilten auf niedrige Aest« hängte und... sie dann an den Füßen herabzog... Die Feldgendarmeric des„Bürgers Kostek" hatte im Legions- Heere einen feststehenden Ruf. Heute Gefangenenvogt... Alle hier gemachten Angaben, wie auch die Tatsache, daß Oberst B j e r n o z k i, jetzt Wächter der in Brest-Litowsk eingekerkerten Oppositionsführer, während des Krieges dos Pseudonym„K o st� k" führte, sind allgemein bekannt. Ein Grauen ging durch die Oppo- sition, als man erfuhr, daß ihm das Kommando des Abgeordneten- gesängnisse, übergeben wurde. Ukrainischer Kleinkrieg Im alten Oesterreich war Galizien von der polnischen Schlachta (dem Grundadel) beherrscht und gegen die Polonisierung des weit überwiegend ukrainisch(und ostjüdisch) bevölkerten Ostgaliziens kämpften Dr. Iwan Franko und andere. Daneben ging die Auflehnung der„ruthenischen" Feldarbeiter gegen die ausbeutenden polnischen Großgrundbesitzer. Die gleichfalls polnischen Bezirkshaupt- männer und Statthalter nutzten die Staatsgewalt gegen die Feld- arbciter: es gab blutige'Zusammenstöße, sogar Gewehrsalven. Der polnische Sozialdeiitokrot Daszynski, selbst in Ostgalizien ge- boren, der heutig« Sejmmarschall, klagte in, Reichsrat zu Wien diese Wirtschaft in einer seiner geradezu unvergleichlichen Reden an. Ihm trat der Lembergcr Universitätsprofessor Dr. G l c m- Kinski entgegen, etwa so:„Was Daszynski über das angeblich« Elend der Feldorbeiter erzählt hat, ist haltlos« Dcniagogie, unwahr von 21 bis Z, das sage ich Ihnen als, Mann der Wissenschaft." Daszynski aber holte sich aus der Reiäfsratsbibliothek statistisches Regierungsmatcrial— der Bibliothekar Dr. Karl Renner wird ihm dabei wohl an die Hand gegangen sein— und widerlegte den Adelsanwalt Punkt für Punkt mit dem Kehrsatz:„So, das sage nicht ich, Herr Professor, das sagt ein amtliches Buch— Sie Mann der ostgali zischen Wissenschast!" Damals sprachen die Redner ncch vom Platz und wenn Daszynski redete, saßen und standen die meisten Abgeordneten um ihn herum. Schallendes Gelächter begleitete den schrittweisen Rück- gang Glombinskis bis zu feinem Platz auf der äußersten Rechten. Er sprach sobald nicht mehr. ribe. , Copyrit-ht 1930 by Fickelreitcr-VerUe G. m. b. H., Hamburc-Berifdorl (37. Fortfttzung.) Es kommen die furchtbarsten Nächte: wir wälzen uns stunden- lang auf unserem Lager, eS nützt nichts mehr, die Decke über die Augen zu ziehen. Die Stube ist erfüllt von£>cufzer.n. Nur wenige Fatalisten gibt es, die mit dem klaren Gedanken einschlafen: alles Grübeln ist zwecklos, eine einfache Feststellung: heute ist der erste Oktober, am 3. Oktober kommen wir an die Front! Fern sind schon die vergangenen Tag«-- der Tod Heini Langers, der Tod Hermann Lorenz— Döberitz... fern, fern... Es waren Täge, die wir wohl nach ihrem Inhalt in unser« Erinne- rung einfügen können, es waren Tag« der Exerzierplätze, der Ka- ferne, der Chausseen der Berliner Straßen,, Tage des Hungers, der Empörung: aber es waren alles Tage eines greifbaren, wirklichen, grausamen Lebens, Tage, die nach Schweiß, Staub und Blut rochen. Der Befehl an die Front aber hat uns zu unwirklichen Wesen gemacht. Wir sind jetzt in«inen Raum gedrängt, der zeitlos und unbestinimbar ist, wir sind in die Sphäre zwischen Tag und Nacht getreten, wir sind auf der Grenze zwischen Leben und Tod.... Ich kann Minulla nicht mehr ansehen. Ich möchte ihm eine Binde vor die Augen legen, um sie nicht mehr zu sehen. Es ist furchtbar, was alles darin liegt: es ist die dunkelste Verzweiflung eines Menschen. Es ist nicht die schreiende Verzweiflung, die die Augen weitet, wenn der Mund sich ausreißt zu einem gräßlichen Schrei. Nein, Minulla ist ganz still, er hat seit zwei Tagen mit niemandem mehr gesprochen. Und er sieht nicht nur mich so'dn, jeder muß diesen Blick erdulden: er frag mit diesen Augen: Was ist los, Kämerad? Was ist los?... Ost es nun wirtlich nicht mehr zu ändern? Auch die anderen Kameraden weichen ihm aus. Der klein« Petfch aus Lübben im Sprecwald, ein Kamerad aus der sechsten Korporalschaft, den ich früher noch nie gesprochen habe, hielt mich lzeute auf dem Hof an und fragte mich, ob ich weiß, was mit Minulla los fei. Er glaube, er fei— und dabei tippte er an die Stirn. Och wollt« ihm Antwort geben, denn ich weiß ja, was Minulla so furchtbar quält. Als ich dann aber Petfch in die Augen sah und gerade sprechen wallte, da brachte ich keinen Ton heraus, denn Petjch blickte mich plötzlich genau so an wie der, nach dem er fragte. Meine Gegenwart sucht Minulla am meisten. Heut« morgen saß er«ine Viertelstunde lang neben mir auf der Bettkante und schluckte und schluckte. Och konnte es nicht mehr aushalten; ich ging fort.... Das find die Kameraden, die in diesen Stunden, in denen sie sich endgültig vom Leben lossagen sollen, stumm ihre Qual herum- tragen und niemand kann ihnen helfen. Elf Uhr vormittag. Wir haben eben unser« neuen Aus- rüstungsgegenstände erhalten. Och filze am Tisch in der Korporal- schastsstübe und nähe mir kleine Lcinenlappen mit meinem Namen, die ich noch von Hause mitbekommen habe, in die einzelnen Stücke. Minulla sitzt wieder neben mir. Einmal seufzt er tief auf; ich sehe ihn von der Seite an: wieder dieser Blick wie der eines Kalbes, das vor der Schlachtbank steht und schon das Messer des Schlächters sieht. Nein, das kann ich nicht mehr aushalten, ich werde verrückt von diesem Blick. Och will ausfahren und ihn fortjagen, ich will ihn anschreien:„Menschenskind, was willst du denn von mir? Och kann es doch nicht ändern. Och habe keine Lust, dich zu trösten, ich kann dir doch nicht Helsen! Ach, ich habe ja genug mit mir zu tun."— Da rückt er Jiöch etwas näher, greift in die Onnentasche seines Rockes und reicht mir ein Stück Papier und«inen Bleistift hin. Dann preßt er heraus und mir ist, als sei seine Stimm« von inneren Tränen verbrannt:„Ach, bittee, schräib doch mal aan mäine— an müine Mutter, Kamerad Hamblr?ger. Wäiht du, ich— ich kann doch nicht jchräiben— säj mir nich bees—" Er kann nicht schrei- den oder, es reicht jedenfalls nicht für die ungeheure Spannung, es reicht nicht für die ungeheure Wucht defjen, was auf ihm lastet.— Och sage nichts mehr. Aber meine Hand zittert, als ich schreibe, daß wir heute nachmittag um drei Uhr zum Abmarsch antreten müssen. „Es geht ihm sehr gut," lüge ich,„er hat nur so viel noch zu tun mit dem Packen und deshalb schreibe ich für ihn. Wir werden wohl nicht an die Front kommen, wir sollen nur in«in Feldretxuten- depot zur weiteren Ausbildung. Sorgt euch nicht, es ist nicht ja schlimm." Och hasse die Lüge, aber hier gilt es.«ine Mutter zu trösten. Oa ich lüge: denn der General sprach von abgeschlossener Ausbildung. Und als ich schreibe inuß ich immerfort denken: er wird fallen, er wird fallen. Och beiße auf die Zunge ich kneife mich in die Schenkel, ich will den oerfluchten Gedanken, diese grausame Ahnung vertreiben, aber es hilft nichts. Och schreibe die Adresse: es ist ein kleines Nest mit der Endsilbe„kallen". Och sehe im Geiste wieder den Ententeich, auf dem Sonn« liegt, ich sehe die Kühe im fetten Grase wiederkäuen, ich sehe alle die Bilder aus Minullas Heimat, die ich immer seh«, wenn ich Minulla ansehe und ihn sprechen hör«. Och lese Minulla d/n Brief vor und gebe ihm dann das Schrei- den. Och kann ihn dabei nicht ansehen, er drückt mir die Hand, daß sie knackt. Dann wendet er sich von mir, um den Brief einzustecken, einen sinnenden Zug im Gesicht. An der Tür leckt er mit der Zunge den Gummirand an: dann zieht er noch einmal das Schreiben lyer- aus, liest es noch einmal.' Seine Lippen bewegen sich, d�ibei fallen ihm dicke Tränen ans den Augen heraus und auf das Papier. Dann steckt er den Brief wieder in den Umschlag, den Brief init seinen Tränen. Er wiegt schwer, dieser Brief mit den Tränen eines zum Tode Verurteilten. Aus einer der Nebenstuben hören wir«inen einzelnen Gesang, schwermütig, langgedehnt. Es ist eine fremd« Stimme, ich kann sie nicht erkennen. Sie irrt über den Flur zu uns herein:.... und muß A— a— abschied nehmen. D du Allerliebste hier, Scha— a— eiden das bringt Tränen. Hab sich ja so sehr geliebt— über alle Ma— aßen.. Da springt Kitb von seinem Schemel aus, er zog. gerade den grauen Streifen um seine Feldmütze, und knallt die Tür zu. Es ist, als wenn das Lied, zwischen die Tür geklemmt, ausschreit. Wir treten zum Esten an. Es ist das letztemal auf diesem ver- fluchten Kasernenhof. Schönfeld besichtigt unsere Picknäpse. Er betrachtet sie von innen und außen und grinst dabei. Er sucht nach Gründen, uns ein letztes Mal zu quälen, das Schwein, und er findet natürlich auch einen Grund. Orgendeiner hat den Napf nicht richtig ausgespült oder vielleicht etwas Rost ansetzen lassen. Wir können, da wir stillstehen, nicht sehen, wen er vor hat. Aber es muß einer im hinteren Glied ganz rechts sein, vielleicht einer von der ersten Korporalschaft.— Wir hören, wie der Sergeant rülpst und krächzt und dann klatscht er seinen Speichel in den Eßnapf des Rekruten. On der großen Stille hören wir es ganz deutlich. Unser Herzschlag setzt aus, Kilb bewegt sich, hinter mir scharren sie schon mit den Füßen, in den Reihen ist ein Murren, gleich wird es losbrechen. Aber der Sergeant konimt uns zuvor:„Alles durcheinander, marsch marsch, ihr Schweine! Halt! Hinlegen!" Fünf, sechs Mann werfen sich tatsächlich mit ihren Näpfen in den Dreck: aber der größte Teil der Kompagnie gehorcht nicht mehr diesem gemeinen Befehl. Wir stehen plötzlich eng um den Sergeanten herum, einige Re- kruten heben in ohnmächtiger Wut die Näpfe. Ganz dicht bei Schön- feld steht Kilb, er ist kalkweiß. Da wird dem Sergeanten unheimlich zumute,«r wagt nicht, den Befehl zu wiederholen. Er beißt sich auf die Lippen und sieht uns von unten auf mit schiefen Blicken an. Dann läßt er uns wieder In Front antreten. „Wir müßten den Halunken totschlagen!" höre ich hinter mir «ine Stimm«, verbissen:„O, wenn der Hund mit uns rauskäme.. Aber er wird nicht mit an die Front kommen, das weiß ich schoni der Kompagnieschuster hat es mir heute morgen gesagt. Und wie wir stehen: in ohnmächtigem Haß, da wankt der Grenadier Fischer von der ersten Korporalschaft an unserer Front entlang nach dem Brunnen hin. Er hält seinen Eßnapf im hochquellenden Ekel weit von sich. Und Schönfeld läßt ihn, die Fäuste in die Seiten gestemmt, an sich vorbeiziehen. Er grinst unaufhörlich. Es gibt dicke Nudeln mit Schweinefleisch. Seit vielen Wochen ist es das erste kräftige Essen. Viele können es nicht bei sich be- halten, weil der Magen es nach all den Rüben in Wasser, nach dem DSrrgemüse und dem klumpigen Brot nscht mehr annimmt. Wir dürfen uns sogar einen zweiten Zug holen. Heute Ist mit einem Male genug da, aus allen Stuben hört man das Kratzen in den Eß- näpfen. Es bleibt keine halbe Nudel übrig, wir sind zum Platzen voll und können uns nachher kaum noch rühren— es ist unferj Henkersmahlzelt.... Die Unruhe in der Kompagnie wird immer fieberhafter. Un- heimlich schnell ticken die Uhren. Es ist noch so viel zu tun, die Unteroffizier« jagen durch die Stuben und geben immer neue Be- fehle: Mäntel und Zeltbahnen rollen, Gasmasken auf- und ab- ' setzen. Eine halbe Stunde üben wir es wieder auf dem Hof. Dann werden wir in die Stuben gejagt; die Schneiden der Seitengewehre werden auf ihre Schärfe geprüft, die Unteroffiziere ziehen mit den Fingernägeln darüber hin» schneiden dünnes Papier damit durch. Das Blut stockt mir in den Adern, wenn ich es jehe. Dann wieder bin ich ganz ruhig und betrachte alles, als träumt« ich und gehörte gar nicht hierher.— Die Kaserne ist ein Arsenal von Mordwerk- zeugen, die auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Wir knien in den Stuben auf dem Fußboden, schwitzen und stöhnen beim Rollen der Mäntel und Decken. Ommer noch einmal ziehen wir die Riemen fest. Wir helfen uns gegenseitig, wir drücken unsere Knie auf die Tornister der Kameraden, damit der Packend« das letzte Riemenloch erreicht. Wir packen immer noch mal das Onner« der Tornister um, legen die Sachen von links nach rechts, von rechts noch links, aber wenn die Unteroffiziere kommen und nachsehen, haben wir es doch verkehrt gemacht: denn das Reglement schreibt jedem Teil seinen besonderen Platz zu, ob es praktisch ist oder nicht, und wir hatten die Sachen natürlich so gelegt, wie sie am prok- tischsten-logen.(Fortsetzung folgt.) Xemhard Kondor: Ungar iidie Agilalorenerlebniffe BernhordKondor: Ungarische Agitatoren erlebnisse.(Selbst. verlag des Autors, Budapest.) Ungarn hat seit den Tagen Ludwig Kossuths(18l8!) viele Ber- suche erlebt, radikale Volksbewegungen zu organisieren. Von fast allen diesen unterscheidet sich sehr günstig das unserer Zeit on- gehörende Werk der Sozialdemokratie, trotz der Hemmnisse, die ihr die Regierungen in den Weg legten. Wie es trotzdem gelang, eine arbeitsfähige Proletarierpartei aufzubauen, davon bietet ein sehr anschauliches Bild dieses eigen- biographische Buch. Bernhard Kondor hat im Auftrag der noch wenig bemittelten Partei so ziemlich das ganze große Altungarn als Agitator durchreist. Mit einer guten Gabe Mutterwitz aus- gestattet, hat er verstanden, die Bemühungen der Ortsgrößen, seinen Vorträgen Schranken zu ziehen, zu umgehen und den Hörern das zu sagen, was sie nach seiner Ueberzeugung vom Sozialdemokraten zu hören hatten, wobei es zu manchen erheiternden Zwischenfällen kam. Er schildert das init vielem Humor, so daß oberflächliche Leser meinen können, ihm läge nur daran, Heiterkeit zu erzeugen. Aber keinem, der etwas tiefer blickt, kann entgehen, daß, wie jeden, wahren Humor, so auch diesem ein sehr ernstes Empfinden zugrunde liegt. Ein packendes Gefchichtswerk wird dem Leser hier geboten, die Geschichte leidenschaftlicher Kämpf« der Arbeiterbewegung. Keiner wird es unbewegt hinlegen. Einen Fehler hat es allerdings: Die deutsche Satzbildung läßt wiederholt zu wünschen übrig. Ondes der deutsche Leser wird sich sehr bald hineinfinden. Eine gramina- tikalijch etwas ungeschickte Wendung kann die Wärme des Tons nicht abfchwäckyen. Das. Buch, das die Sozialisten Ungarns in hohem Grade befriedigt hat und von ihnen in größter Auflage verbreitet worden ist, kann auch den deutschen Genossen mit bestem Gewissen empfohlen werden. Säuarck Bernstein. WAS DER TAG BRINGT miiiimmunmRWBminmininminniiiHiiminmxmmramnn nuumuminmmimnuiminninniiaiwiiiiiuiMiiiiumiuniiiniiiiiuiiiiiumniiiiimiuiiiiiiiiiiir Der aussterbende Luchs Zu den gefürchtetsten Raubtieren der deutschen Wälder gehörte bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts der jetzt in Deutschland wohl gänzlich ausgerottete Luchs. Er stellte ein Mittelding zwischen Katze und Leopard dar und zeichnete sich durch merkwürdige Haar- büschel on den Ohren aus. Er wurde unter Umständen bis l,3 Meter lang und 73 Zentimeter hoch. Sein Fell gehört noch heute zu den geschätztesten Pelzwerken und sein Fleisch soll ein äußerst schmack- hafte? Wildgericht abgeben. 0m Mittelalter wurde es an den deutschen Höfen sehr oft serviert. Gezähmt ist der Luchs sehr an- hänglich und läßt sich gut für die Oagd abrichten. On Deutschland wird er noch hin und wider an der deutsch-österreichischen Grenze und in den ostpreußischen Grenzgebieten gesehen. Am frühesten wurde der Luchs in Deutschland in Westfalen ausgerottet: denn dort wurde der letzte Luchs bereits im Oahr« 1745 erlegt. On Württemberg wurde der letzte, 48 Pfund schwere Luchs im Oahre 1846 bei Wiesenstein abgeschossen, während in den ehemaligen russischen Ostseeprovinzen in der Zeit von 1900 bis 1911 noch 58 Luchse zum Schuß kamen. Erdgewicht und Menschheitsgewicht Sechs Oahre hat nach seinen eigenen Angaben ein Beamter des Statistischen Amts in Washington dazu gebraucht, um in mühsamer Berechnung das Gewicht der Erde festzustellen. Die Gesamtsumme der T o n n e n, die sich aus seiner Berechnung ergibt, ist eine schwer auszusprechende Zahl, da an die führenden Ziffern 6592 noch 18 Nulle» angehängt werden müssen. Dieser ersten Berechnung hat der zahlenfreudige Mann nun eine zweite folgen lassen, um heraus- zubekommen, wieviel das Gewicht der Menschen, ihrer Bauwerke und alles sonst von ihnen Geschaffene zu dem Gesamtgewicht der Erde beitrage. Er will dabei herausgefunden haben, daß im Falle eines plötzlichen Verschwindens aller Menschen und alles besten, was sich an Menschenwerk auf Erden befindet, die Erde noch nicht ein Millionstel ihres eigentlichen Gewichtes einbüßen würde. Die höchste Bank der Welt On.New Bork wurde das 71 Stockwerke zählende Gebäude der Manhattan Bant, das höchste Bankgebäude der Erde, mit einem Bankett eröffnet, zu welchem die Repräsentanten ungezählter Mil- lionen versammelt waren. Der riesige Stahlskelettbau, dessen Er- richtung mehr als 300 Millionen Dollar verschlungen hat, wurde in genau einem Oahre erbaut, in 12 weiteren Togen wurde die gesamte Onneneinrichtung fertiggestellt. Merkwürdige Kirchen Zu den merkwürdigsten christlichen Kirchen gehören außer der koptischen Kirche in Aegypten, die bekanntlich die Feier des Weih» nachtsfestes ablehnt, die judenchrisiliche abestinische Kirche, deren Religion ein Gemisch von christlichen und jüdischen Lehren ist; und die von sich behauptet, daß sie im Besitz der Bundeslade der alten Ofraeliten fei. Eine Zlbart von ihr dürste die judenchristliche Neger- kirche in dem Negerstadtteil New Borks sein, die von Negern abessinischer Herkunft gegründet wurde. Doch ist die judenchristliche Kirche New Borks vollkommen selbständig und von der obessinischen unabhängig. Der Ritus der beiden gleichnamigen Kirchen ist außerdem auch sehr oerschieden. Auch dürfen die judenchristlichen Neger in New Dort nicht mit den sogenannten Nogerjuden, die ganz orthodox nach den mosaischen Vorschriften leben und sich ganz als Ouden fühlen, verwechselt werden. Bei ihrem Gottesdienst geht es sehr sonderbar zu. Der Bischof predigt, die Chormädchen singen im Wechsel mit der Gemeinde und dann bricht plötzlich eine Tanz- wut unter den Versammelten aus. Oeder ergreift ein ihm gehöriges, nur für diesen Zweck bestimmtes Onstrument und bläst daraus so gut und laut er kann, während er tanzend im Raum umherwirbelt. Erst auf ein Zeichen des Bischofs verswmmt der ganze Lärm und die Gemeinde lauscht den, teils hebräisch gesprochenen Gebelen und Schlußworten des Priesters. Eine andere merkwürdige, reinchrist- liche Gemeinschaft bilden die am Westabhang des Libanon wohnen- den Marioniten. Ohre Zahl wird auf ungefähr 200 000 Menschen geschätzt und diese dürften außer den halbchristlichen syrischen Drusen— deren Religion halb christlich und halb mohammedanisch ist— die letzten Nachkommen des alten aramäischen Volkes sein, das in längst oerklungenen Zeiten Syrien und Mesopotamien be- wohnte und beherrschte. Am Libanon und in seinem weiteren Umkreis sind die Marioniten die einzigen Christen. Allerdings sind sie das auf ihre eigene Art. Sie zählen sich der römisch- latholischen Kirche zu, obwohl sie in vieler Beziehung von deren Gebräuchen abweichen. So lesen sie die Messe in syrischer Sprache, gestatten die Priesterehe, teilen das Abendmahl in beiderlei Gestalt aus und haben eigene religiöse Feste und Heilige. Ein bemerkenswerter Ort Die zum Palizeibezirk London gehörende Stadt Richmond besitzt einen Ortsteil Kew(spr. Ksuh). Dort befindet sich der reichhaltigste Botanische Garten der Welt, 110 Hektar groß, angelegt im Oahre 1760, seit 1840 staatlich. Großartige botanische Museen, das Onstitut der Pilzkunde, Spezialbiblivtheken, Herbarium, bota- nische Gemäldegalerie ergänzen die wistenschastliche Bedeutung des kleine» Ortes. Ganz in der Nähe liegen die Sternwarte und das astro- und geophysikalische Observatorium. Kew ist 13 Kilo- meter von der City Lyndons entfernt. Ein eigenartiger Sammler Bei dem größten Tronsporthaus Transvaals, der Firma Tomafelli in Oohannisburg, herrschte seit einiger Zeit ein unerklär- licher Mangel an Telephonbüchern. Durch einen Zufall wurde nun beobachtet, daß einer der Angestellten beim Verlassen des Hauses in einem Paket ein Telephonbuch davontrug. Eine sofort angestellte Haussuchung ergab ein verblüffendes Resultat: ei» Zinnner war als Bibliothek eingerichtet, enthielt aber nichts als Hunderte und aber Hunderte von Telephonbüchern aus den verschiedensten Städten und Oahrgängen. Der Sammler hatte sie teils durch Diebstahl. teils aber auch durch Kauf an sich gebracht. dfvsrtunolQJflUsi Geht das Refdisbanner zum Arbedersporf? Klärung im„Deuisdien Wasser sport verband" 3m republikanischen„Deutschen Wassersport- verband" ist endlich eine Klärung eingetreten. Die Wassersportabteilung des Reichsbanners, die über 500 Mitglieder zählt und mehrere Bootshäuser und wertvolles Bootsmaterial besihl. hat, wie uns mitgeteilt wird. in ihrer Generalversammlung am 26. Oktober beschlossen, aus dem Deutschen W a s s e r s p o r t v e r b a n d auszu- treten. Mehrere Gründe sind dafür der Anlaß� Seit Iahren bemüht sich der Verband von den Behörden als Spitzenoerband an- erkannt zu werden, jedoch konnte dies, trotzdem sich prominent« Vertreter politischer Parteien dafür einsetzten, nicht erreicht werden. Das rief eine Beunruhigung vieler Mitglieder hervor, da durch die Nichtanerkennung des Verbandes Vergünstigungen in Fortfall kommen, die den amtlich anerkannte» Verbänden gewährt werden. In der letzten Versammlung des Verbandes wurde nun vom Vorstand in Aussicht gestellt, daß die amtliche Anerkennung dennoch erreicht werden würde. Soweit wir die Ding« beurteilen können, besteht für den DWV. auch nicht die geringste Aussicht, daß er als Svitzenverband anerkannt werden kann. Im Reichsverkchrsministerium ist diese Frage am 29. April 1930 bereits geregelt worden. Nach dieser Regelung gelten für den Wassersport als amtlich anerkannte Spitzenverbände der Deutsch« Reichsausschuß für Leibesübungen, die 'Zcntralkom Mission für Arbeitersport und Körperpflege, sowie die in der Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßten Wassersportverbände Deutschlands. Da selbst der Deutschen Turnerschast, dem Deutschen Schwimmverband, der Deutschen Iugendkrast und dem Touristenverein„Die Natur- sreunde", die ansehnliche Wassersportabteilungen haben, die Aner- kennung oersagt wurde— sie gelten als Unterverbönd« des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen und der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege—, so kann u n m ö g l i ch d a s B e r- tehrs Ministerium noch irgendein« kleine Wasser- sp o r t o r g a n i sa t i o n als besonderen Spitzcnver- band anerkennen, da dies zu Berujungen führen könnte. Der DWV. könnte alio nur durch die Mitgliedschaft im bürgerlichen Deutschen Reichsausschuß, der Jentralkommission für Arbeitersport oder der Arbeitsgemeinschast der Wassersportverbänd« die amtlich« Anerkennung erreichen. Di« Arbeitsgemeinschaft nimmt kein« Ver- bände mehr auf, die Mitgliedschaft in die ZK. ist nur über den An- schluß an den Arbeiter-Turn- und Sportbund möglich, der«ine sehr starke Ruder- und Kanusparte mit mehr ais 10 000 Mitgliedern hat. Es bliebe nur übrig, daß der Wassersportverband Mitglied des bürgerlichen Deutschen Reichsausschusses werden würde. Zum Teil waren es diese Gründe, die die Wasiersportabteilung des Reichs- banners veranlaßte, aus dem Deutschen Wassersportverbänd auszu- treten, dann aber zeige» sich bei den Mitgliedern immer mehr die Bestrebungen nach Anschluß an den Arbeitersport. Der DWV. Hot nach ihrer Meinung keine Existenzberechtigung mehr, ob die Weitersührung der vielen städtischen und sonstigen Werksport- vereine, die dem DWV. angeschlossen sind, auf die Dauer möglich ist, ist sehr in Frage gestellt, der Werksportverein der Berliner Brenn- stosfgesellschaft befindet sich in Liquidation, man müsse heut« klar ent- scheiden zwischen den beiden Richtungen im Sport. Es ist den Reichs- bannermitgliedern bekannt, daß dem Arbeiter- Turn- und Sporlbund bereits Sporlabteilungen des Reichsbanners in genau fünfzig Städten angehören und daß der Anschluß weilerer Reichsbannerabteilungen noch lange nicht abgeschlossen ist, da die bisher hemmenden Gesichtspunkte für den Eintritt in die Arbcitersportbewegung durch das klare B e- kenntnis des Arbeitersports zur demokratischen Republik beseitigt sind. Die Mitglieder der Reichsbanner-Wassersportabteilung sind nun vor die Entscheidung gestellt, welcher Richtung im Sport sie sich anzuschließen haben. Daß sie nicht zum bürgerlichen Sport gehen, ist für jeden, der die Strultur der Wasiersportabteilung kennt, völlig klar. Wir hoffen, daß recht bald der Anschluß an den Arbeiter-Turn- und Sportbund vollzogen werden kann. Spori in Kürze Interessantes aus aller Welt Europäische Sechstagesahrer nach USA. Nöch stärker als sonst wird bei den dieswinterlichen amerikanifcken Sechstagerennen das europäische Kontingent ausfallen, treten doch zehn Fahrer End« Oktober die Reste noch dem Dollorlande an. Mit dem am AZ. Oktober abfahrenden Dampfer reisen Paul Buschenhagen, Richli, Guim- bretierc sowie die Belgier Charlier und Denees, ihnen folgen wenige Tag« spater die Italiener Binda, Belloni, Linari, Di Paco und Fossati. Zusammen mit den schon in Amerika befindlichen Düiberg, Petri, Giorgetti, Letourneur, Broccardo und G. Debaets werden also 16 Europäer an den„Fix days" in Chikago und Nrtv Park teilnehmen. Sechstagepaar krewer— Thollembeek. Der populäre Kölner Dauerfahrer Paul Krewcr, der auch an NM Weltmeisterschaften teilnahm, setzt seine Ansicht, an Sechstagerennen teilzunehmen, in die Tat um. Er hat sich als Partner beim 3. Kölner Sechstagerennen vom 23. November bis 4. Dezember den Belgier Emile Thollcmbeck auscrwählt. Neue Rekorde Rekordflug eines Deutschen in Amerika. Eine ausgezeichnete Leistung vollbrachte der in diesem Jahre nach Amerika übergesiedelte bekannt« Stuttgarter Segelflieger Wolfgang ch i r t h, indem er bei New �ork mit einer Zeit von 7 Stunden 7 Minuten einen neuen amerikanischen Dauerflugrekord im Segelflugzeug ausstellte. Der bisherige Rekord stand auf 6 Stunden 48 Minuten. Speerwurs-Trainingsleislung von 74,10 Meter! Finnlands de- rühmter Speerwurf-Weltrekordmann Matti I ä r v i n e n ist trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit eifrig bemüht, seinen an sich schon phantastischen Weltrekord von 72,96 Meter noch weiter zu verbessern. Bei seiner Heroorragenden Veranlagung wird ihm dies nicht allzu schwer fallen, brachte er doch jetzt im Training einen Wurf von 74. 10 Meter zustande, dem allerdings die Anerkennung als Weltrekord»ersagt bleiben muß. weil die Leistung nicht unter offizieller Kontrolle erzielt wurde. Immerhin dürfte es nicht mehr lange dauern, daß auch die kaum erreichbar scheinende 7Z-Meter- Grenz« überwunden wird. Vom Boxen Rur noch 12 slalt 15 Runden. Die Abschaffung der IZ-Runden- Distanz für Meisterjchastskämpfe im Boxen war ein Erfordernis der Zeit. An chand vieler Beispiele ist festgestellt worden, wie unbeschreiblich langweilig die meisten aller Meisterschaftstrefsen verliefen, wenn sie über die volle Rundenzahl gingen. Schon wieder- holt ist darauf hinzewiesen worden, daß 12 Runden vollauf genügen müßten, uin die Qualität beider Kämpfer festzustellen. Die maßgebenden Stellen haben dann auch die Richtigkeit dieser Forderung eingesehen und so hat jetzt die Boxsportbehörde Deutsch- lands verfügt, dag alle Meisterschastskämpfe in Zukunft nur noch über?2 Runden auszutragen sind. Poris führt Reuerungen ein. Das Pariser Wintervelodrom ist cm 4. Oktober Schauplatz der B a n t a m g« w i cht s- W c l t- vi c i st e r s ch a s t zwischen dem Neger AI. Brown und dem Europa- meister Eugene chuat-Jranlreich. Bei dieser Gelegenheit werden die von dem Veranstalter Jeff Dickjon eingeführten Neuerungen erstmalig praktisch angewandt. Bei allen Veranstaltungen Dicksons wird nämlich jn Zukunft n u r n o ch e i n II n p a r t c i i s ch c r onstatt der bisherigen drei amtieren, außerdem sind die Kämpfer verpslichtet, den neuen amerikanischen T i e s s ch u tz zu tragen, der die Wirkungen eines verbotenen Schlages auf ein Minimum herabdrücken soll. Wellmeisler Max Schmeling wurde am 28. September 25 Jahre alt. Zw Berliner Spichern-Borring gibt der Amateur-Schwer- gewichtsmesttrr Horst H i n z m a n n am Freitag sein« Erslvorstellung al» Berussbox«� gegen, den Berliner Simon. Auch sonst ist das Pro. gromm recht versprechend. Der tschechische Schwergewichtsmeister Hampacher, der gegen"Öeusel so gut zu gefallen wußte, ist mit Emil Kosko-Gleiwitz gepaart s worden, der Münchener Al.bert Leidmann tämpjt mit dem L«!pzijj«r Wnlter Pönijch und Urban-Berlin wird sich mit dem starken Tschechen Novotny mesi«n. In einem Oualisi- kationskampf trifft der Berliner Prüfling Widardy auf Allmeroth- Kassel. Verschiedenes Reue Leichlalhielikabteilung in Reukölln. Der Arbeiter- Sportverein Neukölln hat ein« Leichtathletikobt«ilung«röffnet. Sie übt jeden Mittwoch, ab 20 Uhr, in der Walter-Rathcnau-Schule, Neukölln. Boddinstr. Leiter der Abteilung ist Leutlofs, Manteuffel- straße 46. Spreewaldheim des Deutschen Kanu- Verbandes. Vor kurzem hat der DKV. sein Spreewaldheim in Lübb«nau eingeweiht. Der Weihe voraus ging eine Wanderfahrt durch das Labyrinth d«r Spreewaldkanäl«, di« wi« kaum ein anderes Wasiersportgcbiet ein Eldorado für den Kanufahrer sind. Das Haus enthält Uebcrnach- tungsräum« für 12 Personen sowie einen Tage-raum. pädagogischer Lehrgang de» verein» für Leibesübungen der Verliver Lehrerschaft. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft des Vereins für Leibes- Übungen der Berliner Lehrerschaft E. V. in der Zeit vom 1. bis 14. Oktober d. I. an der Bodeschule in Klessengrund(Glatzer Ge- birge) einen Pädagogischen Lehrgang für Lehrer und Lehrerinnen, Turn- und Sportlehrkräste, Gymnastiklchrcr und-lehrerinnen. An- fragen sind zu richten an A. Landschulz, Berlin NO. 55, Marien- burger Straße 26a. Abend-Trabrennen zu Mariendors. Mit einer interessanten Zuchtprllfung, dem Christian-Schaurte-R«nn«n als Mittelpunkt, w«rd«n die Abend-Trabrenn«» zu Mariendorf Mittwoch, 1. Oktober, jortgej«tzt. Beginn 16 Uhr. Freu W üst-Mundenheim(Wttbg.) Die Mekieria de* AibeUcr-Tura- und Sportbundes im KugehtoSeB beim Training Hornberger Schieten auf dem Bundcs-Fufjballtag Aus dem Bundestag des Deutschen Fußball. b u n d c s ist in der Frage der Abänderung der Amateur. bestimmungen alles be'm allen geblieben. Die Einführung der Bcrufsspielermitglicdschasl wurde zwar abgelehnt. die Spescnsähe aber den„wirtschaftlichen Verhältnissen ent- sprechend" erhöht. Man ist einer klaren Entscheidung aus- gewichen. Wochenlang war zu den westdeutschen Anträgen auf Einführung des Berufsspielertums pro und contra Stellung genommen worden. In einer glänzenden Rede verteidigte der westdeutsche Vorsitzende Rechtsanwalt Jerfch seine Vorschläge, aber auch er verlangte schließlich nicht die sofortige Einführung des Berufssports, sondern wünschte nur, daß der DFB. sich rechtzeitig aus die Einführung einstellt. In der S p e se n s ra g e macht« man insofern einige Konzessionen, als nicht nur die bisherigen DFB.-Spesen für Reisen bestehen bleiben. Für Derstöß« gegen die Amateurbestimmung«n soll in jedem Landesverband ein besonderes Gericht eingesetzt werden. Gegen Entscheidungen dieses Gerichts ist Berufungs- und letzte Instanz das Bundesgericht. Bezüglich der Spesen wurde beschlossen, daß die D F B.- S ä tz e als Maximum zu gelten haben. Die Landesverbände können die Sätze er- mäßigen. Die Höchstsätze sind 15 M. sür einen Tag und 10 M. für eine Nacht auf Reisen, 7,50 M. für Spiele am Ort, zweimal 3 M. pro Woche für Trainingsarbeit, dazu Ersatz für Lohnausfall und für di« Kost«n von Trainer und Masseur. Gegen dies« Anträge der Kommission war zwar ein Teil der Westdeutschen, sie wurden aber doch mit 67: 27 Stimmen ange- nommen. Schließlich wurde noch die Verlängerung der Sommerpause auf sechs Wochen von Mitte Juni bis Ende Juli beschlossen. Die letzte Z�e�att» Da» Dauerfahren der Ruderer und Paddler Am Sonntag, 5. Oktober, findet das Dauerrudern und -paddeln der Fr«i«n Ruderer und Kanufahrer im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes' auf der altbewährten Streck« Bootshaus Vorwärts Baumschulenweg— Rohrwallinsel Köpenick— Bootshaus Vorwärts statt. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr. Gemeldet haben 81 Mannschasten, das sind 10 Mannschaften mehr als im Vorjahr, und zwar 55 der Kanufahrer und 26 der Ruderer. Beteiligt sind fast alle Groß-Berliner Verein« der Sparte sowi« Brandenburg und Spremberg. Di« Rennstrecke betrögt für Ruderer und Kanuvierer 17,5 Kilometer, für alle übrigen Kanu- fahrer 10 Kilometer. Erstere starten vorm Vorwärts-Bootshaus, letztere beim Seglerverein Fraternitas in Köpenick; gemeinsames Ziel ist das Bootshaus Vorwärts. Am stärksten ist das Kanuzweier- rennen fürIunioren Klasse 5 besetzt, nämlich mit 16 Booten. Die Faltbootr«nnen sind mit acht bis zehn Mannschaft«» belegt. Im Viererkajak starten fünf Boote und zwar als Fünfer(der Steuermann paddelt mit). Bei den Ruderern ist der Iuniorenricmenvierer mit acht Mannschaften am stärksten besetzt. Auch der I u n i vre nd o p p el v i« r« r verspricht mit den fünf gemeldeten Mannschaft«» einen harten Kampf. Der Leichte Vierer startet in diesem Jahre wieder in Alleingang.— Durch die Vergrößerung des Saales und den Neubau von Nebenräumen im Vorwärtsbootshaus wird allen Teilnehmern und Gästen der Auf- enthalt selbst auch bei ungünstigem Wetter angenehm sein. Der Eintrittspreis einschließlich Programmheft beträgt 2 5 Pf. Zu erreichen isk das Vorwärts-Bootshaus mit der Stadtbahn bis Bahnhof Baumschulenweg, oder mit den Straßenbahnlinien 87, 91, 95 bis Baumschulenstraße(dann Ueb«rsetzen zum Spreefchloß) oder mit Linie 13 bis Kraftwert Klingenberg(20 Minuten zu laufen). Anschließend an das Daucrrudern und-paddeln findet im Paradiesgarten, Alt-Tr«ptow 4/5, ein Gefelliger Abend mit Tanz statt. Beginn 18 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf.. Jugendliche und Arbeitslos« 30 Pf. Herbstrc�atta am Sonnlag auf dem Templiner See Die ADAC.-Herb st regatta, die am 5. Oktober auf dem Templiner See durchgeführt wird, hat ein für deutsche Verhält- nisse sensationelles Meldeergebnis gefunden, indem bereits jetzt 115 Meldungen vorliegen. Die Zahl der Meldungen dürfte sich aber noch weiter erhöhen. Bemerkenswert ist bei den Meldungen die große Zahl der A u t- bordrennboote, indem für die Klassen B, C und D zusammen 32 Meldungen abgegeben werden. Die Klassen C und D bringen mit 13 bzw. 14 Meldungen Autbordfelder an den Start, die die Zahlen der letzten Regatten wesentlich überschreiten. Di« für die Herbstregatta erstmalig ausgeschriebenen Rennen für Tourenboote mit Außenbordmotoren haben, wie aus den Meldungen hervorgeht, in den beteiligten Kreisen großes Interesse gesunden, so daß für diese Klassen zusammen 28 Meldungen vorliegen. Die übrigen Meldungen verteilen sich auf die Tourenbootklassen, wobei festzustellen ist, daß gerade die schnellen Klassen und die Klassen der Kajütboote besonders stark befetzt find. Der Gau Berlin-Brandenburg hat zum Besuch der Regatta eine Plakettenzielfahrt für Motorboote, Kraft- wagen und Krafträder auegeschrieben. Der erste Meldeschluß für die Zielfahrt ist der 1. Oktober 1930. Meldungen sind an die Geschäfts- stelle des Gaues 1 des ADAC., Berlin SW 48, Wilhelmstraße 11, zu richten. >lrb«it«r-Lichtb>ld-K»iid, Arbeittr-?»to-»il!>e. greitag, Z. Otlobfc, Srtif- »unlt Wi Uhr, not beut Osram-Haus(Bohithof Warschoucr LlraKc), Porirng uttb praltischcs Arbeiten. Apparate mitbrina-».— Arbeitrr.LiiiNdüdnrr Spandau: Moittao.«. Oktober, 20 Uhr. Iugrutheim Lindcitufer 1: Foto'rchni. scher Vartrag.— TB..Dir Ramrsrrundr-, Stanrmprupp«, Montag, S Oktober: zusamnienkuiift Iobonnioftr. r'>. 20 Uhr.— Faragrupp« ZUrdru: Touncroiag, 2. Oliobrr, 2» Uhr. Physilzimmsr der roeliliiltrn Schule, Pank- Ecke Wiesen- straße: Herbstaufnahmen.— gatopruppe Osten: ssreiiog. 8. Oktober. 20 Uhr, im Ooram-Hous: Portrag und praktische» Arbeiten. Apparate mitbringen.?:r beimadcnb in der Frankfurter Allee 807 fällt aus.— Foioaruppc Aeulilln: Freitag, 3. Oktober, 20 Uhr, Jugendheim Bergstr. 20: Arbeitsabcnd. Frei« Schwimmer«harlottenbnrg. Erweiterte Ftinltionärsttziing Donners- tag.?. Oklobrr. 20 Uhr, bei Kricitint, Naiser-Friedrich-Etr. 13. Alle Leipzig- Fabrrr und bei. dem Union-Zchwimmfest Etartrnde erscheinen. Ab Ronta», 0. Oktober, rcserviertrr Vadrabend, Montags 10 Uhr. Donnerstags 18!» Uhr, Lolksdad Krumme Etr. 10. Rudcrperri» S-llcgia. Mittwoch. 1. Oktober. 20 Uhr.(beschäftsstclle Slsäiser Strafte 80— 88, Fraucnprrsammimrg. Mitgliederortsammlung Freitag, 3. Okto- de«. 20 Uhr, bei Tbunok. FTSV., Kann-lv»»irt. Heute, Dienstag. 20 Uhr. Funktionärfchung im „Falckensteincr-, Falck-N steinstr. 10.— Bezirk Westrni Heute. Dienetag. nach dem Turnrn Funltionärststung. Turndetricd geht während der Herbflschulfcrien weiter. «rdeiter-Sportperein«euISn. Ftisiball<>bt«!lung tagt leben Freitag im Spotilerheiin SRichatdstr. 108, K 2. 2200. Fiir Fuhbollcr jeden Riliwoch Leicht- atblctiktraining in der Waltcr-Patberau-Cchtilr. Soddinstraße. Auskunst er- teilt Rudolf Epftrw. Böhmische Etr. 27. Wenn einer sich immerfort die Hände wäscht Technik der Erziehung— Ermutigung tut not! wir verössentlichen heule aus Anlaß des S. Kongresses die ans aus den Kreisen der Zndividualpsychologen selbst zu- gegangene Zuschrift über die Grundanschauungeu der In- dividualpsychologie. Einen Grundakkord hört man durch alle Einzelvorträge hin- durch: Ob es sich nun um Probleme der sozialen Fürsorge, der Heilkunde oder des Unterrichts handelt,— es ist das Moment des menschlichen Irrtums, das sich die Individualpsychologen zum Hauptgegenswnd ihrer Forschungen ausgewählt haben. Wenn jemand meint, er stehe unter dem Zwang, sich fortwährend die Hände waschen zu müssen(Waschzwang), irrt er sich in mehrfacher Hinsicht. Cr überschätzt die Wichtigkeit der— an sich sehr notwendigen— Reinlichkeit gegenüber den dringenden Auf- gaben, die wir im acht- bis neunstündigen Arbeitstag zu lösen haben. Er dünkt sich insgeheim besser, als alle anderen Menschen, die sich iveniger oft die Hände wasche», und irrt damit. Denn das Hände- waschen ist an sich noch keine sozial nützliche, produktive Leistung.— Oder wenn ein lieblos erzogenes Kind zu dem Vorurteil gelangte, alle Menschen wären seine Feinde, und nun in der Schule dauernd Obstruktionen treibt. Widerstände der anderen gegen sich wachruft und sich für den Unterricht nicht interessiert, so irrt es. Allerdings haben alle diese Irrtümer ihren„guten", d. h. historisch und sozial bedingten Grund. Vielleicht hat das Kind unseres Beispiels in den ersten Jachren seines Lebens, in seiner elterlichen Familie Zustände erlebt, die es nur in ständiger Abwehr ertragen konnte. Die An- griffslust ist ihm zur Gewohnheit geworden. Aber in dem Maße, wie es'in Kindergarten, Schule und geselligem Verkehr andere Situationen erlebt, erweist sich seine frühkindliche Lebenstechnik als unangebracht, unzulänglich und das Festhalten daran als irrig. Das Gleiche läßt sich bei den Erscheinungen der Verwahrlosung, des Verbrechens zeigen. Die Aufgabe der angewandten Psychologie besteht nun darin, die Eigenart der persönlichen Jrrtumssysteme zu erkennen und den psychisch Leidenden, den schwer Erziehbarcn zu ermutigen, seine Vorurteile aufzugeben, sich nützlicher zu betätigen, d. h. sich in die„Gemeinschaft" wieder einzuordnen. Es ist das besondere Verdienst dieses Kongreßes, daß er— am dritten Tage— den unklaren Begrisf der Gemeinschaft einer kritischen Betrachtung unterzog. Alfred Adler, der Begründer der Indioidualpsychologie, hat mit seinem Satze:„Alle Pro- bleme unseres Lebens sind soziale Probleme", selbst die Richtung angegeben, in der die Individualpsychologen weiter arbeiten müssen, um zu einer Klärung ihrer Begriffe zu gelangen. Innerhalb unserer in Klassen gespaltenen Gesellschaft wäre es ein Unding, verzagte oder trotzige Menschen zur Einordnung in die menschliche Gemeinschaft schlechthin erziehen zu wollen, ohne daß eine Klärung über die Grenzen vorangegangen wäre, die der Betätigung echten Gemeinschaftssinnes gesetzt sind. Di« Neurose(das Jrrtumssystem) ist der-Lebensstil des Menschen, der nicht mchir Bürger sein kann und noch nicht Proletarier ist. Der Zwiespalt des Einerseits— Andererseits, das „Sich-nicht-entschlicßen-können" und„Schließlich doch das falsch« tun' ist der persönliche Ausdruck des sozialen Umbruchs Vorgangs, der sich in unserem ganzen gesellschaftlichen Leben zeigt.„.Heilung" ist nur in der Weise möglich, daß man dem Irrenden aus seinem per- sönlichen Jrrtumssystem, seinen unfruchtbaren Persönlichkeitskämpfen heraushilft und ihn hineinstellt in jene sozialen Kämpfe, denen aus- zuweichen keinem uns vergönnt ist. Solche„Heilung" aber ist: Erziehung! Es bedeutet einen wichtigen Fortschritt, daß die Jndioidual- Psychologen sich nun über die soziale Bedingtheit und die gesell- schaftlichen Grenzen ihrer Arbeit klar werden. Denn auf diesem Wege eröffnet sich die Möglichkeit, zu einer klar umrissenen, ver- antwortbaren Technik der Erziehung zu gelangen. Wohl hat Adler schon in seinen zahlreichen Schriften die allgemeinen Gesichtspunkte aufgezeigt, die hierfür maßgebend sind: Man muß dem zu Erziehenden dazu oerhelfen, den historische» Werdegang seines Charakters als einen Sonderfall sozialen Geschehens zu verstehen, und man muß ihn in einen Lebensstil hineintrainieren, der seiner Situation entspricht. Aber wenn auch im engen Rahmen der Erziehungsgemeinschaft der Akt der Ermutigung des Verzagten oder Trotzigen(der nämlich auch verzagt, nur in anderer Weife) ge- lingt, so bringt doch der Existenzkampf im Berufsleben einem jeden fäst täglich harte Cntwertungserlebnisse. Der Rückfall in die kindliche Stimmung der Verzagtheit wäre dann unvermeidlich, wenn man nicht ein« soziale Maßnahme träfe, die von nun an unbedingt mit in den Bereich der Erziehung einbezogen werden muß: Die Mitarbeit jedes einzelnen an der Umwälzung unserer gesellschaftlichen Ordnung im Rahmen der politischen Organisation. Nur aus dieser Gemein- fchaftsarbeit sozial Zusammengehöriger können wir alle unsere täglich zu erneuende Ermutigung bezichen, die wir nötig hoben, um inner- halb unsere sozial kämpfenden Gesellschaft auch als einzeln« bestehen zu können. Es ist zu begrüßen, daß die Indioidualpsychologie in diesem Sinne begonnen hat, Sozialpsychologie zu werden. Und mit Recht haben unsere staatlichen und städtischen Behörden zu Bs- ginn dieses Kongreßes mit ihrer Begrüßung die Erwartung zum Ausdruck gebracht, daß die individualpsychologische Bewegung in nickst allzu ferner Zeit zu greifbaren Resultaten sühren wird. Otto hlüller-�Isin. Ein polnischer Ulm. Synchromfierung im deutschen Atelier. Die Warschauer Blocksilm-Gesellschast hat in ihren Ateliers in Polen soeben einen Film„I a n k o, der Musikant" nach einer Novelle des Henryk Sientiewicz fertiggestellt. Dieser Film wird jetzt in deutschen Ateliers synchronisiert. Bei einer Pressebesichtigung sah man den letzten Akt, der aber auf die Form und die Anlage des Ganzen berechtigte Schlüsse zuläßt. In erster Linie handelt es sich um einen stummen Film, der mit Liedelnlagen versehen ist. Wir kennen hier so gut wie kcTt* Film« der polnischen Produktion, und wir werden merkwürdig be» rührt durch den Stil der Darstellung, der sich mehr der Bühne nähert als der üblichen Form des stummen Films. Die Geste der Schau- fpielcr ist knapper, sie schwingt nicht so getragen und langsam, über.' Haupt wird stärker betont. Mit Texteinschaltungen ist sparsam um- gegangen worden, und die Regie O r d y ü f k i s sticht das Stimmungsmoment einer Landschaft oder eines Zimmers herauszu- arbeiten. Dieses Stimmungsmäßige zeigt auch die Musik Fitbcl» b e r g s, des Leiters der Warschauer Philharnionie. Die Musik ergeht sich höchst kultiviert und geschmackvoll in der Ausmalung lyrischer Stimmungen. Hin und wieder wird dies« Harmonik durch stärkere dramatische Akzente unterbrochen. Der Film„Ianko, der Musikant" bedeutet kein Neuland auf dem Gebiet der tonlichen Versuche. Er erinnert vielmehr an die Ansänge des amerikanischen und westeuropäischen Tonfilms, da man der Anlag« nach stumme Filme synchronisierte. F. Seh. Zlja Rjepttt gestorben. Nachdem Rjepin schon einige Male tot gesagt war, scheint die Meldung aus Helsingfors mal zu stimmen: er ist in dem finnischen Dorfe Knokkala gestorben, wohin er nach dem Umsturz aus Lenin- grad geflohen war. 1844 in Tschujew(Gouvernement Charkow) geboren, hat Rjepin als Maler den Realismus des 19. Jahrhunderts in Rußland zum Siege geführt. Neben seinen großen Historien- bildern wurden vor allem seine lebenswahren Schilderungen aus dem Leben des Volkes und der Soldaten berühmt: zu seinen er- greifendsten Werken gehören Bilder der Wolgaschiffcr. Cr fühlte sich stets zu seinen� russischen Volke hingezogen und hat seine Armut und sein Leiden mitempfindend in starken und eindrucksvollen Farben dargestellt. Zu seiner Gesinnung gehörte«s, daß er mit Tolstoi eng befreundet und von seinen Schriften beeinflußt war. Das Portrait Tolstois am Schreibtisch gehört zu seinen besten Bildnissen. Die„Moses-Mendelssohn- Stiftung zur Förderung der Geistes» Wissenschaften" stellt die folgende Prcisaufgabc: Di« Auf- klär ungsphilosop hie im geistigen Leben Berlins. Der Preis beträgt 5009 M. Außerdem sind 1000 M. ausgesetzt, die als Anerkennung für beachtliche Leistungen aufgewendet werden können. Nähere Bedingungen sind zu erfahren beim Vorsitzenden des Kuratoriums, Oberbürgermeister Hess« in Dessau. Der Voltschor..barmouie", Charloltenburg. Dirig. Max Echaarlchmidt, gibt lein diesjähriges Konzert am 12. Oktober. 13'/, Uhr. in der Hochschul« für Musik, Hardcnbcrgftraße, im Rahmen eines VsltsliederabcndS. Eintritt einschl. Liedcrtext« 1 Mark. Erwerbslose gegen kluSweiS 0.50 Mark. Skandinavisches Theater in Brtfin.?luS hiesigen, durch Film und Ton« aufnahmen an Berlin gebundenen skandinavischen Künstlern und sprach- kundigen Berliner Schauspielern ist dieser Tage eine ZlrbeitSgcmeinschast gebildet worden, die für die skandinavischen Kolonien und ihre Freunde skandinavisches Theater in den Ursprachen spielen wird. 3» der Kunsthandlung Titolin, Kursürstendamm 14. wird am Z. Oktober, mittags 12 Uhr, eine A u S st e l l u n g javanischer Blumen- anordnungcn eröffnet, die nur biS zum 11. Ollober dauert. Zu der Ilravla wird der Ozcanfliegcr 23. v. Gronau(einen elften öffentlichen Vortrag nach seiner Heimkehr unter dem Titel„Mein Flug nach Amerika" halten. Ter Vortrag findet am lt. Oktober, abendZ 20'/, Uhr, im Langenbeck-Virchow-Haus statt. L P R 3 Gl für die Zeit vorn 30. Sept. bis 2. Okt. KBNO-TAPEi OKI Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9 Uhr Stg ab 3 U. Richard Oswalds Drejrfn« ni. Fritz KoHncr, Hrlnrith George jueendliche haben Zutritt Rheinstra�e 14 W. 5.15, 7.15, 9.15 Stg. ab 5.15 Don Juan in der MSdcfaentdiule mit Rcinhold Schünzel Dornenweg einer Fürstin m. Mary Kid, Wladimir GalcUrow Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5, 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Der gro�e Gabbo mit Erleb von Sirohelm Jugendliche haben Zutritt Turmstra�c 12 W. 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilm: Komm zu mir zum Rendezvous 1 mit Lucie Englisch, R.A. Roberts Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Stg ab 3 U. E» gibckeioe Fraa, die dich niemals vergibt mit LH Dagover. Ivan Pcirovidi, Gasion Jaqnei Westen Primus-Palast Potsdamer Str. 19 9.15 S.ab3.15 Ecke Margaretenstr Uraufführung d.Tonfilm-Lnstspiels: Bockbiertest mit Marg. Kupfer W Frledrlchstadt W Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstrafie) 11, 2. 5, 8, 11 Uhr Frucfaibarkell (Das Problem der Mutterschaft) 12. 3, 6, 9 Uhr Die Peitsche des Gesetzes (Drama aus d kanadischen Wildern) 1, 4. 7. 10 Uhr Die Königin seines Herzens Wochenschau Die Kamera z."Ü�unr Unter den Linden 14 Drei-Komiker-Programmi Harold Llord. der Pechvogel rn i t Charly Chaplin, Lupino Lane Jugendliche haben Zutritt Moabit g Artushof-Liditspicle Perlebcrger Straße 29 f ilm- und Bflhnenschan Das Lied vom alten Markt Sohn das goldenen Westen mit Tont Mtz Welt-Kino Mt-Moabit 99 Tonfilm: Die grosie Sehnsodti m. Camilla Horn u. 36 Prominenten Jugendliche haben Zutritt Kant-Lichtspiele Kantstr. 54,(an derWilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 905 Uhr Stg 3, 5. 7. 9.05 Uhr Tonfifm; Walzer im Schlatconp« mit Lncic Englisch. Fritz Schulz Tönendes Beiprogramm G Wllmeractort""fc Atrium Beb.-p.i�**5.7,9:" Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Der große lustige Tonfilm: Bockbierfesi mit Jul. Falkenstein, Margar. Kupier, K. Lliian. IdaWösi W Schönetsnrg"k Titania Hauptstraße 49 W 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. lOOproz. Tonfilm: Rosenmonlag mit Lien Dcyers, Mathias Wiemann, Peter Vo$ Alhambra Hauptstr. 30 Tonfilm; Die vom Rnmmelpiaiz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Beiprogramm G Frlecfenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W.7.9.U. S.5,7,9U Opereltentonfilm: Nur dni mit Ch. Ander, Janssen Tön. Beiprogramm Steglitz Titania-Palast Steglitz. ScSiloßstr. 5. Ecke Gotsmuthsstr Tonfilm-Uraufführung: O alle Barschenherrllchkeil mitWernerFütierer. Betty Amann. Betty Astor, Anna Mfiller-Llnkc Jugendliche haben Zutritt D Zehlerdorf-Mctte— fc TT—li Wochentags 7, 9 Uhr A'Cll Sonntags 5. 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg.2.30 Jug.-Vorsl Tonfilm: Das Kabinett des Dr. Larifari mit Morgan, Jökcn, Hansen Südwesten Lichtspiele Südwest Biücherstr. 12 W.5,7,9. S. 3, 5,7,9 U. Zwei Qroßfilme: Tango der Liebe(Karriere) mit W. Rilla— im Schatten von Paris Füm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7, 9, Stg. ab 3 Uhr 100 proz. Tonoperette; Die Cstkos- barone| mit Ernst Verebes Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 WochcnL 6.45, 9. Sonnt ah 3, 6, 7, 9.15 U. Tonlilm-Öpcretten-Revuc; Nur dni mit Charlotte Ander, Marianne Winkelstern, Walter Janssen, Fritz Schulz, Paul Morgan Bühne: II Bratanns, Parterre-Luft- Akrobat Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Nfu(Die unverstandene Frau) mit Elisabeth Bergner, Jannlngs Wie einst im Mal mit Ellen Richter, Rilla W HeutcGIIn> Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U. 100 proz. Tonoperette: Die Csikosbaronek mit Ernst Verches— Bfihncnsdhau ICssSc-iile WochenL 6,45, 9 U. flUllUK Sonntags 5. 7. 9 U. KottbusserDamm92 lOOproz.Tonfiim I Abschied, Ernstes und Heiteres aus einer Familienpension— Beiprogr. Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 6.30, 9 U. Sonnt. 3, 5,7,9 U. Nur 3 Tage Die lustige Tonfilmkomödie: Imal Hochzeit mit Liane Haid, Ralph Arthur Roberts Grohe BQhnenschau Jugendliche haben Zutritt pTZ-eslcim- Wocheat 6 45. 9 U. ITAA,CISlUr sormtags 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße>91 100 proz. Tonfilm: Ein C-irscfaeBlIed aus Heidelberg— Tonbeiprogr. Stern, Hermanns hratzc 49 Wohentags 6.45 n. 9, Sonntags 5, 7, 9 U. Tonlustspiel: Die vom Rummelplatz mit Anny Ondra, Siegfried Arno— Beiprogramm Filmeck Skalitzcr Straße, am Cörlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Nur 3 Tage Tonfilmschwank: Die zSrUicben Verwandten mit Richard Oswalds Grobe Böhnenschau Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater Reichende tger Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U. Stg. 3. 5. 7. 9 U. Des gr. Erfolges wegen verlängert Die Operettentonlilmrevue: Nur du Aul der Böhne; PersöcsL Antlnii um M B«« Sternwarte— Treptow Dienstag, 30., 8 Uhr:„Tembl"' Eine Geschichte aus der afrikan. Wildnis Mittwoch, 1. und Donnerstag, Z. 8 Uhr: „Das grotze weihe Schwelgen" Todesfanrt Kapitän Scotts z Südpol Flz/csum— rilm uni Böhne „CiySlUm Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15,5, 7.15, 9 15 Uhr Der Riesenerfolg Tonfilm; Die vom Rammelplalz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Böhnenschau ■■ Germania-Palast Frankfurter Alice 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30, Sonntags 5 Uhr. Ein Walzertraam nach der gleichnamigen Operette von OskarS tranb mit Mady Cristlam, Willy Fritsdi Das gute Beiprogramm Auf der Bühne: Variet6sdiaa Luna-Filmpalast w.e su; Gr. f rankfurter Str. 121 Rev je-Operettentonfilm: Nur du BOhneXU* Akkordeon-Harmonisls Adler-Frankf Schwärze t �ses Al|te„ woch. 5. 7. Stg.i, 5. 7. 8.45 U. Die lagendgcllcbtev mit Elsa Brink, HanS Sfüwc Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt x Comenius-Lichtspicie Memeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U Aheniener im Nachiexprefc mit Harry Piel Monte Carlo, Paradies der Liehe Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U., Stg. ab 3 U. lOOproz Tonfilm; Der Lampenball mit A, Müller-Linke, Fr. Kampers Bühne: A. Müller-Linke persönlich in: So leben wir V i Woria-Li ditbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5. ca 7. S.4S, Stg. 3. ca. 5. 7. 8.45 U. Carlo Aldini Sensations-Tonfilm: Im Kampf mit der Unterwelt aiVksvMVM-n Woch. ab 6 30 Uhr. AinamDra Sonnt ab 4 Uhr Koppen Straße 29 Böhnenschau 1 00 proz Tonfii m: Walzer im Schiat- i��mit L. Englisch, Fr. Schulz conp Touk rztllm Tön. Wochenschau g__N«u-llchteBb«rsj_p Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5, 7. 9 U.f Stgs. 3. 5. 7, 9 U lOOproz.Tonfiim: Ein Tango für dich mit Willy Forst, Ernst Vcrebc« Tönendes Beiprogramm > FrtxirKtigfcItf"Tb Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Wolga- Wolga mit H, Ad. v. Schietiow D. Rache d. Verlassenen(Wildwest) W � WalBemeh Schloßpark Film.D&hne Berliner Allee 206— 210 Stg. V»3 Jgd--V. Richard-Tauher-Tonfilm; Das lockende Ziel Bühne: Revue: Das goldene Buch der Lieder- Beiprogramm Ä11iAmhi*n Möllerstraße 136, Ainamnra Ecke Seestraße 100 proz. Tonfilm: Der Korvetten- kapllSn mit Ltcdtke, Kampers Beiprogramm Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 1 42 W. 5. 7. 9 U. Stg. ab 3 U 100 proz. Ton-Operette: Die Cslkos- baroneb mit Ernst Verebes, Grell Theimer— Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt PROGRAMM für Zeit vom 30. Sept. bis 2. Okt. Müa-Lichtspicl-Palast Schönhauser Allee 130 W.S1/», S. 31>> Achtung, Autodiebe! mit H. Piel Frfihliugserwacben, Regie Richard Oswald- Grob« Söhnen» chan Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W..5, S. SV? U. Tonfilm: Lumpenball m. Karap�rs Bühne: 50 Minuten Kabarett Colosseum � 5ib V!A Schönhauser Allee 132 100 proz. Tonfilm: Der Sohn der weihen Berge mit Luis Trenker Böhnenschau Jugendliche haben Zutritt m P.ntcew n Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7. 9. Stg. 5. 7. 9 U. lOOpror Tonfilm: Die gr. iehnsuAt Camilla Horn und S6 Prominente Marge-Lichtspiele Schulstraße 29 Die HalbwOdisIgen. FrDhreile - Der 5.67, 9 U., Stg. ab 4 U. lOOproz. Toniilm: Dreyfn» mit Kortner. George, Moeheim Bühnensdian Jugendliche haben Zutritt Film-Palast idfönheneen Blankenbureer Str. 4 Wochtg 6 30, 9 U, So 4 30, 6 45. 9 U. Quo vadie mit Emil Jannlng* Lutllgo Beiprogramm Tesel Filmpalast Tegel faa"e°" Stgs. 2 U Jgd.- Vorst. tV.6, Stg. 4', U. Anna Stgs. 2 U jgd.- Tonfilm: Lumpenball mit Müller-Linke, Kamper», C. L Uen Tönendes Beiprogramm Auf Tob is- Apparatur' »Kosmos" FilmbüUne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr,*,30 Uhr Einbruch i. BankhansReldienbach Da» Liebe» Ideeblatt— Iftciprogr» Union-Theater Haupts er aße 3 fteg. WIZ-«."'■-•U- Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4'«.6'-.«• U. SelMame Vergangenheit der The« Carter- Zeugen gcsudit m E.Polo � HdnnSgs«i«ri/r B Filmpalast stg. Berliner Straße- 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst. Tonfilm: Nor am Rhein mit Ig* Sym, T. v. Allen Lustigen BetprograaMs f