Morgenausgabe Nr. 459 A 231 47.Ichrgang Wöchentlich 85 Pf, monatkch 5, SO VL im ooraus zahlbar. Postbezug M. einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs» und 72Pfg.Postbestellgebühren.Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat. * Der w23orn)Srt»* erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Frauenstimme". Technik".„Blick in die BücherweU".„Iugend-Vorwärts und»Stadlbeiloge". Nsrliner Sowsvlatt Mittwoch 1. Oktober 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf, Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Reklame�eile 5,— Reichsmark.„Meine Anzeigen' das lettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da* erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» Lindenftraße 3. Geschäft wochentöglich von 8»/, bis 17 Uhr. Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönboss S92— 297 Telegramm-Adi� Sonaldemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: BcrIinZ7S3K.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. KZ. Dt.B.u.Tisc.-Ges., Dkpositcnkasse.JcruIalcmcrSlr.Kö/bK. Quittung für den 14. September Das Programm der Regierung. Die Reichsregierung hat einen Wirtschafts- und Finanz- pian veröffentlicht, der die Unterschrift des Reichskanzlers Brüning trägt. Man hätte erwarten können, daß die Reichsregicrung Maßnahmen ins Auge faßt, die zur Uebcr- Windung der unmittelbaren Not dienen und die deshalb in den erstell Wochen getroffen werden müssen, um die Wirt- schaft zu beleben und die Not zu lindern. Statt dessen legt sie eine Fülle von Richtlinien vor, die neben ungeheuer drückenden Maßnahmen gegen Arbeiter, Beamte und Angestellte eine Reihe von Plänen umfassen, die auf viele Jahre hindurch oerteilt sind und sich im einzelnen noch kaum übersehen lassen. Herr Brüning hat im Wahlkampf sich gerühmt, den Etat ins Gleichgewicht gebracht zu haben. Jetzt erfährt man, daß für das laufende Haushaltsjahr mit einem Defizit von 900 Millionen Mark gerechnet werden muß. Herr Dietrich hat vor der Wahl erklärt, der Reichstag werde viele Monate Zeit haben, sich mit dem Programm der Re- gierung zu befassen, da der Etat im Gleichgewicht fei. Jetzt ist das neue Defizit da und jetzt muß wieder alles Hals über Kopf gehen. Das Programm der Regierung spricht davon, daß jede neue Belastung der Produktion vermieden werden soll, daß vielmehr die Entlastung der produktiven Stände zu fördern sei. Zu den produktiven Ständen zählt das Programm die arbeitenden Klassen offen» bar njcht. Für die Läter dieses Programms ist der arbeitend« Teil der Bevölkerung lediglich eine Belastung der Produktion, und ganz in diesem Sinne stellt das Programm die Behauptung auf, daß der zur Behebung der Wirtschasts- krise notwendigen Preissenkung die Höhe der von Gehalt und Löhnen, von Steuern und Soziallasten bedingten Gestehungskosten hemmend im Wege stehe. Keine neue Belastung der Produktion— ab e r stärkste Belastung der arbeitenden Klassen durch den Abbau von Gehältern und Löhnen und sozialpolitischen Leistungen, das ist der soziale Sn»n des Planes. Die Lage des Neichshaushalts. Der Plan berechnet den Fehlbetrag für das Haushalts- jähr 1930 auf rund 900 Millionen. Dieser Fehlbetrag soll auf die folgenden drei Haushaltsjahre verteilt werden. Es läßt sich erkennen, daß bereits für die letzten Monate ein Ucbcrbrückungskredit notwendig sein wird. Ob die Berechnung der jetzigen Regierung über die Höhe des Defizits zuverlässig sind und ob sie den notwendigen Ueberbrückungs- kredit finden wird, steht dahin. Für das Haushaltsjahr 1931 soll der Ausgleich durch eine Reihe von Maßnahmen herbeigeführt werden, deren wesentlichste Gehaltskürzung der Beamten, Kürzungen der Länderüberweisungen, Loslösung der Arbeitslosenversiche- rung vom Reichsetat, Abstriche im Reichshaushalt und Er- höhung der Tabaksteuer sind. Die Kürzung der Veamtengehälter. Vom 1. April 1931 ab sollen alle Dienstbezüge der �cichsbeamten. sowie die Bezüge der Wartegeldempfänger und Nuhegeldempfänger um 6 Proz. auf die Dauer von drei Jahren gekürzt werden. Nur Beamte, die bis zu 1300 M. jährlich verdienen, werden von der Kürzung ausgenommen. Eine Abgabe der Beamten in Notzeiten ist grundsätzlich richtig. Die Beamten besitzen eine gesicherte Existenz. Aber die grundsätzliche Billigung schließt noch nicht die Zustimmung zu dem Plan der Reichsregierung ein. Die Freigrenze ist nach unten oerschoben worden von 2000 M. auf 1500 M. Es ist keinerlei gerechter Ausgleich nach oben geschaffen worden, kein gerechter sozialer Ausgleich durch Be- lastung der besetzenden Schichten steht dieser ausschließlichen schweren Belastung der Beamtenschaft gegen- über! Oie Arbeitslosenversicherung. Der Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Inanspruchnahme des Reichshaushalls sichergestellt werden. Die Reichs- regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor, der die Darlehnspflicht des Reiches gegen» über der Reichsanstalt für Arbeitslosenver- sicher ung aufhebt. Diese Maßnahmen der Reichsregierung widersprechen diametral dem Standpunkt, den alle Arbeiterorganisationen vertreten und den eben erst wieder das Organ der christlichen Gewerkschaft mit oller Schärfe betont hat. Der Standpunkt Mir veröffentlichen in der 3. Beilage den Finanz- und Wirtschaftsplan der Reichsregieruna der Arbeiterorganisationen ist es, daß die Allgemeinheit sich nicht der Pflicht entziehen könne, Opfer zu bringen, um den Erwerbslosen zu helfen. Die Reichsregierung gibt sich damit zufrieden, daß im kommenden Jahre ein sehr wesentlicher Teil der Lasten für die Erwerbslosen nicht von der Reichsanftalt, sondern von den Gemeinden getragen werden muß. Das bedeutet die Verlagerung der Lasten vom Reich auf die Gemeinden. Die Gemeinden sind die Objekte der Wirtschaftspolitik. Sie leiden selber auf das schwerste und sie sollen künftighin ohne jede Hilfe die gewältigen Lasten für die Wohlfahrtserwerbs- losen auf sich nehmen. Die Erhöhung des Beitrages zur Arbeitslosenversiche- rung von i'A zu 6K Proz. ist von der Reichsanstalt für Ar- beitslosenversicherung abgelehnt worden. Die Regierung will diese Erhöhung und damit eine sehr wesentliche Neubelastung der Arbeiterschaft dennoch vornehmen. Sie will ferner die Leistungen in der K r i s e n f ü r- sorge beträchtlich herabsetzen. Die Bedürftigkeits» Prüfung soll erheblich verschärft und die Sätze im wesent- iichen denen der Wohlfahrtsfürsorge angeglichen werden. Für den Fall, daß die Berechnungen der Regierung über das Anwachsen der Arbeitslosigkeit sich als irrig herausstellen und der Etat der Reichsanstalt dadurch ins Schwanken gerä:. sind keinerlei Maßnahmen vorgesehen. Für diesen Fall wird die Regierung ausdrücklich feststellen, daß keine Reichs- Hilfe gewährt werden soll. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als Bersackungspolitik gegenüber der Arbeits- losenversicherung! Abstriche im Neichshauöhalt. Für das Haushaltsjahr 1931 sollen im Reichsetat 300 Millionen eingespart werden. Der Plan der Regicrukig führt eine Reihe von Verwaltungen an. bei denen diese Ein- sparungen speziell erfolgen sollen.-Der Etotskcnncr weiß, daß bei reinen Verwaltungsausgaben unmöglich 300 Millionen Mark eingespart werden können. Man wird also ein end- gültiges Urteil erst abgebeil können, wenn man im einzelnen sehen wird, an weichen Positionen Einsparungen erfolgen sollen. Die Veröffentlichung der Reichsregierung enthält je- doch das Zugeständnis, daß„an einzelnen schmerzhaften Offener Metallkonflikt! Verhandlungen gescheitert.— ltnternehmer bestehen auf-15 Prozent Lohnabbau als Vorbild für ganz Deutschland. Die Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohntarifvertrages für die Berliner Metallindustrie gulti.....-" ust allgemeinen Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit find gestern endgültig gescheitert. Die Berliner Melallindustriellen lehnen es ab. der Frage der von 48 auf 40 Stunden näherzutreten. Sie bestehen kategorisch darauf, sämtliche Tariflöhne um 15 Proz. zu kürzen. Zum dritten Mal« hatten sich gestern in der Potsdamer Straße die Vertreter von rund 150 000 Berliner Metallarbeitern und-arbeit«. rinnen mit den Metallindustriellen an den Tisch gesetzt, um eine Verständigung in dem Lohnstreit herbeizuführen, der schon seit vier Wochen in der Berliner Metallindustrie schwebt und die gesamte Oeffenllichkeit in Spannung hält. Man verhandelte gestern nicht im Plenum, sondern in einer sogenannten kleinen Kommission. Das Ergebnis der Verhandlungen ist deswegen aber kein anderes ge- worden, als wenn man in größerem Kreise debattiert hätte. Es ist nur schneller Klarheit geschaffen worden. Da dieser Lohnkonflikt zurzeit der bedeutungsvollste in Deutschland ist und von seinem Ausgang viel, wenn nicht gor alles für die Lohn- und Tarifpolltik abhängt, die In Deutsch- land in nächster Zeit getrieben werden wird, ist es notwendig, sein« Entstehung und seinen bisherigen Verlauf noch einmal zu skizzieren. Wenige Minuten vor dem Berstreichen der Kündigungsfrist wurde dem Deutschen Metallarbeiter-Verband am 30. August die Tarifkündigung vom Verband Berliner Metall- industrieller übermittelt. Gründe wurden zunächst nicht angegeben. Auch auf wiederholt« Mahnungen blieben die Metallindustriellen stumm. Sorgfältig hütete» sie ihr Geheimnis bis nach den Wahlen. Erst zu Beginn der ersten Parteiverhandlung kamen sie mit chrer Forderung nach einer ISprozentigen Lohnkürzung heraus. Der Vorschlag des Vorsitzenden des Beriner Ortsausschusses des ADGB., zur Behebung der ungeheuren Not der Arbeitslosen die Arbeitszeit auf 40 Stunden zu verkürzen, war. wie es schien, den Unternehmern nicht ohne weiteres unannehmbar. Sie erklärten sich bereit, diesen Vorschlag zu prüfen und auf seiner Grundlage nochmals zu verhandeln. Gestern nun haben die Metall- industriellen das Ergebnis dieser„Prüfung" bekanntgegeben. Nach chrer Aufsossung sei«in« generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden für ihre Betriebe wirtschaftlich nicht trogbar. Abgesehen davon betrachten sie aber auch die Arbeitszeitverkürzung nicht als das Mittel, das geeignet ist, die Arbeitslosigkeit einzudämmen und dadurch die Kaufkraft der breiten Massen zu steigern. Für sie kommt als einziger Ausweg aus der Wirtschaftskrise nur die Senkung der Tariflöhne um 15 Proz. in Frage, die— und das wurde gestern nochmals betont— nicht nur die Berliner Metallindustrie erfassen müsse, sondern olle Lohn- und Gehalisempsänger in Deutschland, auch die Beamten. Man machte schließlich noch den Versuch, die Verhandlungen noch- mals zu verschleppen und den Lohntarif um vier Wochen zu ver- längern. Dos wurde von den Gewerkschaftsvertretern entschieden abgelehnt. Sie verlangten entweder eine Ver- längcrung des Lohnabkommens»um ein halbes Jahr oder den Ab- bruch der Verhandlungen, um bis zum Ablauf des Tarife? am Sonnabend Klarheit zu hoben. Das Metallkortell wird sich heute darüber schlüssig werden, welche Schritte nunmehr zu unternehmen sind. Die Unternehmer sind die Angreiser. Nach ihrer Taktik muß und wird sich auch die der Gewerkschaften richten. Das Statut des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes schreibt vor, daß vor dem Eintritt in einen Kanipf alle Verständigungsmöglichkeiten erschöpft, d. h. auch die Schlich» tungsinstanzen angerufen werden müssen. Für diesen Fall muß verlangt werden, daß der Schlichtungsausschuß noch in dieser Woche zusammentritt und eine Entscheidung fällt. Am Sonnabend läuft der Lohntarisoertrag für die Berliner Metall- industrie ob: bis dahin muß die Situation völlig geklärt sein. Ganz gleich, welche Schritte die Gewerkschaften jetzt unternehmen werden, so gilt es für die Berliner Metallarbeiter, sich für eine» Abwehr- kämpf vorzubereiten, der bestimmt nicht leicht zu Gestehen sein wird. Jedes uneinheitliche und unbesonnene Vorgehen würde zu eincm Aktivposten der Unternehmer werden. Die Berliner Metall- arbeiter müssen jetzt der Worte eingedenk sein, die die Ortsverwal» tung des Metallarbeiter-Verbandes in der letzten Wochenbeilage der „Metallarbeiterzeitung" an sie richtete: „wenn die Unternehmer Berlins den Kampf haben wollen, wie werde» antworten.— Metallarbeiter Berlins! Schallet alle Spol» tungs- und Berwirrungsparolen von vornherein aus. Stellt euch geschlossen hinler die Ortsoerwallung. Einheitlicher Kampf verbürgt den Sieg." A l) st r i ch e n selbst bei den sozialen und kulturellen Aufgaben nicht vorbeigegangen werden konnte". Trotz aller dieser Maßnahmen aber ist der Ausgleich im Haushaltsjahr 1931 noch immer nicht erreicht. Er soll durch st ä r k e r e B e l a.st ung des Tabaks herbeigeführt werden. Im übrigen sollen Ledigensteuer und der fünf- prozentige Zuschlag zur Einkommensteuer aufrechterhalten bleiben. Angesichts der starken Kürzung der Beamtengehälter und der Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bedeutet die Fixierung des Einkommensteuerzuschlaqes auf 5 Proz. eine ganz offensichtliche Schonung der besitzenden Schichten! Einschränkung des Wohnungsbaues. Der Wohnungsbau mit öffentlichen Mitteln soll stark ge- drosselt und allmählich abgebaut werden. Die Reichsregie- rung sieht vor, daß nur noch kleinste Wohnungen„unter Wahrung der gesundheitlichen und sozialen Mindest- sorderungcn" gebaut werden sollen. Wahrung der Mindest- fordcrungen— das bedeutet nicht etwa eine Grenze nach unten, sondern es ist eine Grenze nach oben, es bedeutet, daß' künftig nur noch Kleinstwohnungen gebaut werden sotten, vor- nehmlich Einzimmerwohnungen ohne Bad. Im Haushaltsjahr 1931 sollen rund 100 000 W o h- »unigen weniger gebaut werden. Von den 800 bis 850 Millionen Mark, die bisher aus Hauszinssteuer Mitteln für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt wurden, sollen nur noch 400 Millionen Mark zum Wohnungs- bau veHvendet werden, weitere 400 Millionen Mark sollen durch Einzelbeleihung oder Anleihen aufgebracht werden. Die Finanzierung auf dem Anleihewesen ist ein durchaus un sicherer Faktor. Die Drosselung der Mittel für den Woh nungsbau eröffnet deshalb trü beAussichten fürden B a u ni a r k t. An diesem Punkte tritt der reaktioii8re Einfluß der Wirtschaftspartei besonders stark hervor. Bis zum 1. April 193b soll die Verwendung ösfentlicher Mittel für den Woh- nungsbau vollständig abgebaut sein, gleichzeitig aber auch die gesamte Wohnungszwangswirtschaft. Nach diesem Fünfjahresplan für die Wohnungswirtschaft würde es am 1. April 1936 keine öffentlichen Mittel mehr für den Wohnungsbau und keinerlei Mieterschutz mehr geben! j�ealsteuersenkung. Von den rund 1600 Millionen Aufkommen aus der Hauszinssteuer würden nach dem Plane der Regierung rund 400 bis 450 Millionen frei werden. Dieser Betrag soll an die Realsteuerpflichtigen derart verteilt werden, daß die G e- werbe st euer generell um 20 Proz., die Grund st euer um 10 Proz. gesenkt werden. Es wird sich also als Folge- rung des Planes der Regierung ergeben, daß der Wohnungs- bau gedrosselt wird, daß dafür aber Gewerbetreibenden. Kapitalisten und Grundbesitzern ein steuerliche? Geschenk in der Höhe von 400 Millionen gemacht wird. Die Stellung von Ländern und Gemeinden. Die Gehälter der B e a m t e n sollen in Ländern und Gemeinden entsprechend der Gehaltskürzung im Reiche herabgesetzt werden. Diese Gehaltskürzung würde an sich den Ländern und Gemeinden eine finanzielle Erleichterung schassen. Aber diese Erleichterung wird wieder ausgehoben dadurch, daß einesteils die. Ueberweisungen des Reichs im Hinblick auf die Senkung der Beamtengehälter um etwa 100 Millionen gekürzt werden und daß außerdem durch den Rückgang der Reichseinnahmen eine Kürzung der Ueber- Weisungen um weitere 288 Millionen Mark eintreten wird. Die Lage von Ländern und Gemeinden ist somit um nichts verbessert. Der Plan der Regierung vertröstet sie auf eine künftige Regelung des Finanzausgleichs, die zum 1. April 1932 in Kraft treten soll— aber nur unter der Voraus- setzung, daß vorher das Steueroereinkjeitlichungs- g c s e tz oerabschiedet ist. Danach sollen die Länder für sich und ihre Gemeinden das gesamte Aufkommen aus Bier- und Branntwein st euer erhalten, serner die Gemein- den das freie Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer� Nach diesem Finanzausgleich soll allerdings die Ein- kominensteuer in den Gemeinden mit den Realsteuern im be- stimmten Verhältnis verknüpft werden und ferner die Ueber- schreitung eines bestimmten Zuschlagsatzes von der Erhebung einer Kopfsteuer abhängig gemacht werden. Das würde be- deuten, daß die Gemeindeparlamente in der Verteilung der Gemeinde st euerla st en unter sozialen Gesichtspunkten vollständig ent- machtet werden. Aber dieser Finanzausgleich ist nur ein Zukunftswechsel und noch dazu ein vollständig unsicherer. Sicher ist nur eins, die Gemeinden haben mit Sicherheit für die nächste Zeit da- mit zu rechnen, daß ihre Einnahmen zurückgehen, daß die Lasten aber, die sie für die W o h l f a h r t s e r w e r b s- l o s e n zu tragen haben, gewaltig anschwellen werden. Keiner- >ei Hilfe winkt ihnen. Sie gehören zu den Leidtragenden dieses Programms. Oer Ausgabenplafonös. Die Etats von Reich, Ländern und Gemeinden für das Jahr 1931 werden in jedem Falle ausgesprochene Notetats sein. Der Plan der Regierung spricht davon, daß die Ausgaben unter dem Druck der Not auf ein Mindestmaß herabgesetzt sein werden. Dieses Mindestmaß von Ausgaben soll nach dem Plan der Regierung für die Dauer von drei Jahren keine Erhöhung erfahren dürfen. Was immer auch eintreten möge, welche wirtschaftlichen und sozialen Notwendigkeiten sich herausstellen mögen— keine Erhöhung der Ausgaben soll gestattet sein! Das ist der Geist des Privatkapitalismus, der dem Staate nicht geben will, was des Staates ist, der die öffentlichen Finanzen notleidend halten will, der den Krisen- und Not- etat eines Jahres zur Norm machen will. Lohnkürzung! Nach dem Willen der Reichsregierung soll die Kürzung der Beamtengehälter nicht nur zur Entlastung des Reichs- etats dienen. Unzweideutig heißt es am Schluß der Vcr- öffentlichung:' „Was durch die Kürzung der Gehälter für die ö f f e n t- I i ch c Wirtschaft angebahnt ist, muß innerhalb der p r i- na teu Wirljchaft weiter wirken zum Wohle des Ganzen." Das ist die Ausforderung an das Unternehmertum, mit Lohn- kürzungsaktioncn gegen die Arbeiterschaft vorzugehen, es ist zugleich auch die Anweisung an die Schlichtungsbehörden, an � die Seite der Unternehmer zu treten und für Lohnsenkungen zu wirken! Die Bilanz. Gehaltskürzung für alle Beamten in Reich, Ländern und Gemeinden um 6 Prozent. Herabdrückung der Arbeiterlöhne mit Hilfe des Staates! Versackungspolitik gegenüber der Arbeitslofenverfiche- rung, Kürzung der Leistungen in der Krisenfürsorge. Abbau von sozialen und kulturellen Aus- gaben des Reiches. Drosselung des Wohnungsbaues, Abbau des Mieterschutzes. Erhöhung der Tabaksteuer um rund 160 Millionen. Aber ein Steuererlaß von 400 Mil- lionen Mark an die Realsteuerpflichtigen. Das ist nicht ein Programm zur Belebung der Wirtschaft und zur Sanierung der Reichsfinanzen! Durch die Ein- schränkung des Wohnungsbaues und durch die unge- wisse Aussicht auf Aufbringung von Baugeldern auf dem privaten Kapitalmarkt wird die Krise auf dem Baumarkt ver- ewigt, eine der wesentlichsten Möglichkeiten zur Steigerung der Produktion oerschüttet. Dieselbe Wirkung muß die Schwächung der inneren Kaufkraft durch KB», zung der Gehälter und Löhne hervorrufen. Alle jene Maß-, nahmen, die der Wirtschaft in der Krise neue Antriebe gebeut könnte, sucht man in diesem Programm vergeblich. Abbai, der Lebensmittelpreise durch Aenderung der Zollpolitik, Um- stellung der Handelspolitik, zielbewußte Kartellpolitik. Das Ziel der endgültigen Sanierung der Reichsfinanzett wird auf diesem Wege nicht erreicht werden. Es ist ganz unbestimmt, ob die notwendigen Ueberbrückungskredite her- einkommen werden, und die Berechnungen dieser Regierung über die Etatslage find genau so leichtfertig, wie alle ihre Berechnungen bisher gewesen sind. Wahrlich ein Programm, ganz nach dem Herzen der Wirtschaftspartei und der Volkspartei. Am Schlusie heißt es: „Der Plan der Reichsregierung fordert von allen Teilen des deutschen Volkes Opfer." Ein Satz, der erst richtig wird durch die Ergänzung:„mit Ausnahme der Besitzenden." Der Plan der Reichsregierung fordert von allen Teilen des deutschen Volkes Opfer mit Ausnahme der Besitzenden. DasiftdieOuittungfürdenl 4. September. Eine Niederlage Schieles. Gefrierfleischersah im Lteberwachungsausschuß abgelehnt.— Altes zollfreies Kontingent verlangt. Der Ueberwachungsausschuß des Reichstags sollte gestern nach dem Willen der Regierung von der Neuregelung der Ge- s r i e r f l e i s ch f r a g e, d. h. von der Ausgabe von V e r b i l l i- gungsbons auf Frischfleisch Kenntnis nehmen und damit Schieles neue Maßnahmen gutheißen. Reichsernährungs- minister Schiele begründete die Maßnahme und legte dar, daß auch die beteiligten Verwaltungs- und Wirtschaftskreise sich gegen eine unmittelbare Belieferung der Bevölkerung mit verbilligtem Frischfleisch an Stelle von Gefrierfleisch ausgesprochen hätten, nachdem der Reichstag am 14. April die Aufhebung der zollfreien Ge- frierfleischeinfuhr beschlossen habe. Er gab dann die Grundzüge der Neuregelung bekannt, die die Ausgabe von Gutscheinen von 20 Pf. für das Pfund Frischfleisch vorsieht, wobei die im Reichs- haushalr für 1330 noch nicht vorgesehene Deckung aus den Mehr- einnahmen erfolgen soll, die die Erhöhung des Weizen- zolls bringen sollen. In der Aussprache wurde die mit dem Gutscheinsystem verbundene Rückkehr zu üblen Kriegsmethoden gebührend gekennzeichnet, mit den Durchstechereien, Schiebungen, unreeller Handel, Verteuerung und Verschlechte- rung des Fleisches verbunden seien. Für die Regicrungs- Parteien brachte der volksparteiliche Führer Dr. Scholz den Antrag ein, daß der Ausschuß von den Maßnahmen der Reichs- rcgierung Kenntnis nimmt und die Notwendigkeit der zunächst außerplanmäßigen Bereitstellung der erforderlichen Mittel bestätigt. Obwohl Schiel« de n Ausschuß beschwor, die Zu- stimmung nicht zu versagen, wurden von den Sozialdemokraten und Kommunisten Resolutionen eingebracht, die die W i e d e r e i n- f ü h r u n g des zollfreien Gefrierfleisches und der Fleischbeschau- crleichterungen bei der Eefriersleischeinsuhr im Gegensatz zu den Reichstagsbeschlüssen verlangen. Die Kommunisten forderten außer- dem, daß die 20 Millionen, die jetzt jährlich für die Bons verwendet werden sollen, als Dauernothilfe verwendet werden. Die Abstimmungen brachten ein überraschendes Ergebnis und wurden zu einer Niederlage für Schiele und die Regierung. Der kommunistische Antrag wurde abgelehnt und die aus Sozial- demokratcn und Kommuni st en bestehende Mehr- heit versagte der Reichsregierung die Zustimmung zu ihren Maßnahmen. Es wurde vielmehr ein Antrag von Dr. Paul Hertz angenommen, der im Gegensatz zu den Reichstags- befchlüsscn vom April wieder das zollfreie Gefrier- fleischkontingent, wie es früher bestand, fordert. Damit ist für die Reichsregierung ein« peinliche Loge geschaffen. Man wird zwar nicht erwarten können, daß diese Re- gierung, die ohne den Reichstag zu regieren sich angewöhnt hat, von der Durchführung der Maßnahmen absehen wird, ober der neue Reichstag wird ais erstes sich mit der im Ueberwachungsausschuß geschaffenen neuen Lag« befassen müssen und von neuem zu der Himmel- schreienden Ungerechtigkeit Stellung nehmen müssen, die durch die Beseitigung des Gesrierstleijchkvnlingents geschäsien wurde, die zudem der Landwirtschaft keinerlei Nutzen bringt. (Vergleiche auä) die Stellungnahme im WirischaftsteC) Gtarhemberg Innenminister. Die Heimwehrregierung Geipel— Vaugoin. Wien, 30. September.(Eigenbericht.) Auf den Borschlag Vaugoins hat Bundespräsident Mitlas folgendes Kabinett ernannt und bereits auf die Verfassung vereidigt: Bundeskanzler und Heer: B a u g o i n AeußereS: Dr. Seipel Inneres: Ttarhembcrg Justiz: Dr. H ueber Finanz: Dr. I u ch Soziales und Vizetauzler: S c b« i b Unterricht: Czermat Handel: H e i n l Landwirtschaft: Thaller. Starhemberg ist der Bundesführer der Heimwehr. Dr. Hueber ihr Salzburger Landesführer. Die anderen Minister sind Ehristlichsoziale. Groftdeutfche und Landbund haben den Beitritt zu dieser Regierung trotz der Heimwehrdrohungen gegen„Sprenger der Antimarxiften- front" abgelehnt. Das.Kabinett ist eine Minderhcitsregierung; sie wagt es nicht, vor das Parlament zu treten, dieses soll viel- mehr morgen vom Bundespräsidenten aufgelöst werden. Wahltag dürfte der 0. November fein. Der Bundesführer der Heimwehr ist Innenminister der demokratisch-parlamentarischen Republik, aus deren Ver- fassung er soeben den Eid geleistet hat: ein junger Mann mit dem Namen des Verteidigers von Wien gegen die Türken. Der Herr„Fürst" besitzt in Oberösterreich viele Güter und Schlösser: er bezahlt seine Forstarbeiter tief unter dem Kollektivvertrag— aber er hat ein eigenes Jäger- b a t a i l l o n aufgestellt, ausgerüstet und bewaffnet. Iustizminister, Oberster aller Staatsanwälte und Herr über Beförderung von Richtern, ist ein anderer Heimwehr- führer: die übrigen Minister mit dem Prälaten Seipel an der Spitze haben den Zulassungsstempel der Faschistenleitung. Unter dieser Regierung soll das Parlament neu gewählt werden und höchstens drei Monate später, auch direkt vom Volk, der Bundespräsident. Das Volk wird zu entscheiden haben, ob Deutschösterreich ein Volksstaat oder eine Faschisten- filiale sein soll: vielleicht wird diese Entscheidung am gleichen Tage fallen wie in Polen. Aber selbst Pilsudski hat nicht die verfasstingsfeindlichen Führer illegaler Banden in seine Regierung ausgenommen. Das blieb dem christlichsozialen Bundespräsidenten in Wien vorbehalten. Mit einem Schlag ist Deutschöstercich ein Brennpunkt des Kampfes zwischen Demo- kratie und Faschismus geworden, der bald auch bei uns zur Entscheidung reifen kann. Oer Generalrät der Reichsbank. In den Generalrat der Beichsbank darf kein Arbeiter- Vertreter.— Man bleibt unter sich. Der Generalrat der Reichsbank hat die nach dem Ausscheiden der ausländischen Vertreter erforderliche Ergänzung der ver- bleibenden 7 auf 10 Mitglieder vorgenommen� Es wurden — aus eigener Machtvollkommenheit durch Kooptation— hinzugewählt der Vizepräsident der Reichsbank Dr. D r c y s e. Müller- Oerlinghausen von der Industrie und F l e m m i n g von der Landwirtschaftskammer Pommern. Di« Reichsbankerklärung meldet das Einverständnis der Reichsregierung. Der Generallot besteht jetzt aus 6 Vertretern der privaten Großbanken, dem Präsidenten u n d dem Vizcpräjidcnten der Rcichsbank, einem Industrie- und einem A g r a r v« r- treter. Keine Verstärkung des Reichseinslusses, keine Vertretung der öffentlichen Banken und Wirtjchast, kein Vertreter der Arbeiter und Verbraucher, das� aljo ist die letzte Weisheit bei der Lösung dieses lange so heftig umkänipsteu Probleins. Das ist eine Mißachtung der Demokratie, die nach der Wiederher- stellung der Reichssouveränität über das wichtigste deutsch« Wirt- schaftsinstrument nicht hätte vorkommen dürfen. Die Auflösung desRhein-Mnisiermms. Nach der Auflösung des Ministeriums für die besetzten Gebiete am l. Oktober wird Reichsministcr Treviranus, wie schon ge- mebdct, Minister ohne Geschöstsbcreich. Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwerth oonSi mm e r n, tritt infolge Ueberschreitung der Altersgrenze in den Ruhestand. Staatssekretär Schmid, Mi- nistcriatdirektor Miller uub Präsident Collag find mit dem 30. September in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Der Personalbestand des Ministeriums und der Außcnvcrwaitung ist im übrigen mil geringen Ausnahmen zu anderen Verwaltungen übergetreten. Beschluß der Funktionäre. »Es geht um das Wohl des arbeitenden Voltes." Vor den Funktionären der Berliner Sozialdemokratie sprach im überfüllten großen Saal der Germania-Festsäle in der Chaussee- straße Reichstagsabgeordneter Genosse Siegfried A u f h ä u s e r über „Reichstagsivohl und Sozialdemokratie". An den Vortrag schlössen sich kurze Ansprachen der ausländischen Genossen M a l o n e- Eng- land, L o n g u e t- Frankreich und ch" y s �°" s- Belgien, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Nach einer sehr leb- haften und ausgedehnten Diskussion wurde folgende Entschließung angenommen: „Angesichts der katastrophalen Wirtschaftskrise und der mit ihr verbundenen sozialen Verelendung, angesichts der wachsenden Be- drohung des Volksstaates durch den Faschismus hält es die All- gemeine Berliner Funktionärkonferenz für die geschichtliche Auf- gab- der Sozialdemokratie, höchste Aktivität zu entfalten, um in die nächsten politischen Entscheidungen vom Standort der Arbeiter- klaffe einzugreifen. Sfls stärkste Reichstagspartei kann sich die Sozialdemokratie die Gesetze ihres Handelns nicht vom Büvgerblock vorschreiben lassen. Die Funktionärversammlung fordert daher einen sichtbaren Kurswechsel der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Belastung der arbeitenden Massen durch die Notverordnung ist sofort aufzu- heben. Ebenso unerläßlich ist zur llebcrwindung der Masscnerwerbs- losigkeit«>n« sortfchrcitende Verkürzung der Arbeitszeit, vor allem der Kamps um die vom Internationalen Gewerkschoftsbund auf. gestellte Forderung nach der 44stündigen Arbeitswoche. Ein« baldige Entspannung der Wirtschastskrise, die soziale Hilf« für ihre Opfer und die Sanierung der öffentlichen Finanzen können nur auf der Grundlage des sozialdemokratischen Wahlprogramms erreicht wer- den. Eine Regierung, die dies« Bedingungen nicht anerkennt, ist mit allen Mitteln zu bekämpfen. Als die Partei der Arbeit bildet die Sozialdemokratie den stärksten Rückhalt der Demokratie. Die versammelten Funktionäre Groß-Bcrlins erwarten von Parteileitung und Reichstagsfraktion, daß sie sich mit aller Kraft für die Erhaltung des demokratischen Parlamentarismus einsetzen, die gewissenlose Zersetzungspolitik der Faschisten und ihrer Bundesgenossen rücksichtslos bekämpfen werden. Die sozialistische Arbeiterschaft hält sich aber auch bereit, Republik und Volk gegen ihre Feinde, wenn nötig im außerparlamentarischen Kampf, zu verteidigen. Es geht um das Leben des arbeitenden Voltes! Nur die ent- schloffen« Verteidigung dieses höchsten Gutes der Nation sichert den Bestand der Republik. Zur Schaffung einer einheitlichen Kampflinie verlangen die Funktionäre di« sofortige Einberufung eines außrr- ordentiichcn Parteitages." (Ausführlicher Bericht folgt.) Sympathie mit den Metallarbeitern. Die Groß-Serliner Funktionärversammlung faßte gestern folgenden Beschluß: Die am Zl>. September in den Germonia-Festsälen nersammelten Funktionäre der SPD. van Groß. Berlin sprechen den Berliner Melallarbeitern für ihre ausrechte Haltung im Kampf gegen den vom organisierten Unternehmertum geplanten Lohnabbau ihre wärmste Sympathie aus. Zn dem großen Ringen um die Verkürzung der Arbeitszeit tritt die Sozialdemokratie mit oller Entschiedenheit an die Seite der freien Gewerkschaften. Braunschweiger parlamentsauftaki. Sefchästsordnung wird über den Hausen geworfen. Braunschweig. 30. September.(Eigenbericht.) In der Dienstagsitzung des Braunschweigischen Landtages erklärte Minister Dr. I a s p a r den Rücktritt der brauiffchweigischen sozialdemokratischen Regierung. Die Wahl des Präsidiums begann mit einem Bruch der Ge- ichäfisordnung. Diese sieht ausdrücklich vor, daß die Fraktionen nackz ihrer Mitgliederzahl Anspruch aus das Präsidium haben. trotzdem wählten Völkische, Deutschnationale und Deutsche Volks- Partei einen Völkischen, den Kaufmann Zörner, zum Präsidenten. Die Sozialdemokratie protestiert« gegen diese„Auslegung" der Geschäftsordnung. Der Führer der Völkischen erklärte aber, daß das braunschweigischc Volk keine Marxisten im Präsidium mehr dulden wolle. Trotzdem wurde als erster Vizepräsident ein Mitglied der Sozialdemokratie gewählt, da die Völkischen vergessen hatten, im richtigen Augenblick einen anderen Vorschlag zu machen. Naiionalsozialisiische Abgeordneie. .30 Beamte in der neuen Beichstagsfraktion. Einen interessanten Veitrag zu dem Kapitel„Verfassungstreues Beamtentum" liefert die Zusammensetzung der neuen nationalsozia- listischen Rcichstagsfraktion. Diese Fraktion setzt sich folgendermaßen zusammen: 13 Dcrwaltungsbeamt«, 8 Mittelschullehrer, 7 Voltsschullehrer, 18 Handwerker, 14 Landwirte und Guisvcrwaltcr, 2 Landarbeiter, 7 ehemalige aktive Offizier« und der Fememörder Leutnant Heines. Die übrigen sind Kaufleute, Schriftsteller und Rechtsanwälte. Mehr als ein Drittel bezieht Einkommeit von der Re- publik. Von den übrigen 69 üben nur wenige den angegebenen Beruf aus. Weitaus die meisten sind schon seit Jahren als P a r t e i- angestellte Hitlers tätig. Straßcakamps aus Kuba. Bei einer Studentendemonstration in Havanna kam es zu einem Revolverkampf mit der Polizei. Sechs Personen wurden verletzt, zwei dürsten kaum n«t dem Leben davon- kommen. Die beia<,sfnet«n Studenten waren unter Rufen:„Nie- der mit Machobo!« in die Lust feuernd und Fahnen schwen- tend zum Präsidentenpgiajs marschiert. Polizei versuchte, die Stu- deuten zu entwaffnen. Als plötzlich jemand rief:„Es wird ge- schössen!" feuerten die Polizisten. Auch eine vom Balkon zusehende Frau wurde getroffen. Auch in anderen Stadtteilen hat es Zu. sommenstöße gegeben. Zahlreiche Studenten wurden verhaftet. Ein chinesisches Regimen« meute,«e in Fukschau, tötete den Regimentskommandeur und mehrere ander« Offiziere. Der Oberbefehlshaber in Futschau Mußte sämtliche Truppen mobilisieren, um die Meuterer zu entwottnev, Fünfzig Meuterer wur- den standrechtlich erjchossett.„ Goebbels hafs im Magen. „Furchtbar unverdauliches Zeug, diese ewigen Prozesse! Was Herr Goebbels?" Heute finnische Zieichstagswahl. Ministerpräsident a. O. Tanner über die Lappo-Bewegung. Heute Mittwoch und morgen Tonnerstag wählt das Volk Finnlands seinen neuen Reichstag. Aus diesem Anlaß gab der frühere Ministerpräsident Genosie T a n n e r einem unserer Mitarbeiter Ant- wort auf verschiedene Frage«. „Bestand in Finnland eine bolschewistische Gefahr, die den Ausbruch der Lappo-Bewegung rechtfertigen konnte?" lautete die erste Frag«. „Von einer bolschewistischen Gefahr wußten wir in Finnland nichts. Wenn man vor sechs Jahren van einer solchen Gefahr gesprochen hätte, so wäre dos einigermaßen begreiflich gewesen. Damals war die Kommunistische Partei Finnlands noch ziemlich stark, seitdem aber ist ihr Einfluß unaufhaltsam zurückgegangen. Die sozialdemokratische Aufklärungsarbeit zeitigte gute Resultate. Eine große Rolle spielten seinerzeit die Kommunisten in den Gewerkschasten. Die Gewerkschafts- zentrale war fast ganz in ihren Händen, sie bildete sozusagen die bolschewistische Festung. Die Sozialdemokratische Partei be- lampfte von Ansang an die bolschewistische Politik in den Gewerk- schasten, die Sozialdemokraten sind dann auch aus der Gewerkschafts- zentrale ausgetreten und haben eine eigene Gewerk- schaftsstellc gegründet. Zur Aufklärung der Massen gab man eine Gewcrkschaftszeitschrift heraus. Damit war der Vorherrschaft der Kommunisten in der Gewcrkschostsbewegimg ein Ende bereitet. Zugleich wurde innerhalb der kommunistischen Partei ein Spaltung», und Auf- lösungsprozcß bemerkbar. Je schwächer die bolschewistische Bewegung wurde, um so u n g«- b ä r d i g c r trat sie auf: der Lärm der Kommunsstcn stand in keinem Verhältnis zu ihrer Machtposition. Obgleich das bolischewistische Auftreten religiöse Leute leicht verletzen konnte, muß doch festgestellt werden, daß die Lappo-Bewegung für uns eine U e b e r- r a s ch u n g war. Die Unzufriedenheit der Bauern mit dem Er- scheinen der Bolschewisten in roten Blusen nach russischem Muster war mehr ein Ausdruck des nationalen Protestes gegen die Russen als gegen die Kommunistische Partei Finnlands. Welche programmatischen Forderungen stellt die Lappo-Bewc- gung aus? „Die Bauern selbst, die die Bewegung ins Rollen gebracht haben, behaupten wiederholt, daß sie ausschließlich den Bolschewismus bekämpfen wollen. Aber bereits von Ansang an haben sich der Bewegung rea.ktionäre Elemente des Bürgertums angeschlossen, welche die Lappo-Bewegung mit Freude begrüßten und ihr Bestes taten, sie in ein neues Fobrwasser zu leiten. Man veranstaltete Kundgebungen mit reaktionären Losungen. Ein Borschlag ging sogar dahin, das allgemeine Wahlrecht einzuschränken, mit dem Ziele, etwa 49 Prozent der Wählerschaft das Wahlrecht zu entziehen. Fernerhin gibt es auch Elemente, welche die Herstellung einer Diktatur erstreben. Alle Erscheinungen der letzten Zeit, namentlich die Wahlvorbcrei- tuiegcn, sind schlagend« Beweise dafür, daß man den Parka- in e n t a r i s in u s vernichten und einen gefügigen Reichstag bckonmien will." „Welche sozialen Kräfte unterstützen hauptsächlich die Lappo- bewegung?" „Ursprünglich waren es die wohlhabenden Bauern in Nord- ftnnland. Ihnen gesellten sich bald die Großindustriellen zu, welche hauptsächlich die Bewegung finanzieren. Auch ein großer Teil Intellektueller synipothissert mit der Lappo-Bewegung. Ihre politische Stütze hat die Lappo-Bewegung hauptsächlich in der finnischen so- genannten„S a m m l u n g s p a r t e i". In anderen bürgerlichen Parteien ist ein« abwartende Haltung bemerkbou. Aber aus Motiven der Massenpsychologie bekennen sich auch schon diese Par- teien immer mehr zu der Bewegung. Zumal wollen sie nicht als „antipatriotisch" oder schon gar als„bolschewistisch" gellen. Ist doch die Parole der Lappo-Leitung:„Wer nicht mit uns gegen die K o m in ii n i st e n i st, der i st für die K o m ni u niste n." Uebcrhaupt wird die Lappo-Bewegung eine Stätte für alle unzu- sriedenen Elemente." „Was können Sie über das Verhalten der Regierung So in hu so ud zu der Lappo-Bewegung sagen?" „Das ist eben das Traurige dabei, daß die Regierung dieser Be- wegung keinerlei Widerstand leistet. Sie verhandelt mit den Revolutionären von rechts und kommt ihnen entgegen. Die Gesetzesoorlagen gegen die Kommunisten und gegen die poli-- tischen Freiheiten, welch« die Regierung dem Reichstag unterbreitel hat, entsprachen den Forderungen der Lappo-Leitung. Auch der Reichspräsident hat der Bewegung gegenüber«in« wohlwollende Stellung eingenommen. Damit ist Finnland in«ine ganz u n h a l t. bare Lage versetzt worden: die Regierung, welche berufen ist, die Verfassung zu fchühen. arbeitet in solidarer Gemeinschaft mit den Umstürzlern. Als Beweis der Nachgiebigkeit und Passivität des Kabinett» kann. folgendes angeführt werden. Bisher ist noch fein einziger Täter für die Gewalthandlungen, deren man Hunderte zählt, bestraft worden, obgleich aller Well bekannt ist,«er die Schuldigen sind. Somit ist die ganz« finnische Bevölkerung der Gnade der bewaffneten Banden ausgeliefert. Nicht nur Kommunisten, sondern auch Sozialdemokraten und sogar bürgerlich« Politiker werden gewaltsam entführt. „W elche Ergebnisse erwarten Sic van den sinnischcn Reichstagswahlen und welche Bedeutung können sie für die innere Entwicklung Ihres Landes haben?" „Die bevorstehenden Reichstagswahlen sind von größter polt- tischer Tragweite für uns. Di« Lappo-Leute wollen einzig und allein ihre Anhänger in den Reichstag entsenden. Sie terra- r i s i e r e n die bürgerlichen Parteien und fordern die Aufstellung von Kandidaten, welch« ohne Bedenken für das Lappo-Pragramm sind. Der springende Punkt der Wahlen ist, ob sich im Reichstag eine Mehrheit von zwei Dritteln der Abgeordneten für die Lappo-Giffehe bilden wird. denn mit einem Drittel der Stimmen ist die Opposition in der Lage. die Annahme der Gesetzesvorlagen zü verhindern. Die Sozial- demokratische Partei Finnlands hofft allein ein Drittel der Mandate zu erringen, um imstande zu sein, der administrativen Willkür, welche in den Gesetzen vorgesehen ist, vorzubeugen. Aller- dings werden die Lappo-Leute, falls sie die Zweidrittelmehrheit nicht erhalten sollten, laut ihrer Erklärung die Herstellung der D i k t ä- t u r erstreben. Dies wird die Prüsiingsstund« sein. Ist Ihnen etwas über die Beziehungen der leitenden Lappo- Organe zu dem deutschen Stahlhelm bekannt? Bon diesen Beziehungen ist uns ziemlich viel durch die fsinnijch« Presse bekanntgeworden. Einige Personen, die sich der Bewegung angeschlossen haben und ihre besonderen Ziele verfolgen, erklären ganz offen, daß sie in Deutschland mit den Führern des Stahlhelms Fühlung hatten. Mit Begeisterung berichteten sie über die Organisation, Ausrüstung usw. des Stahlhelms. Welche Stellung nimmt die finnische Sozialdemokratie zu den Ereignissen ein? Die Sozialdemokratische Partei Finnlands ist gegenwärtig d i e einzige Partei des Landes, welche die Verfassung und die Gesetze schützt. Aus dem Loppo-Lager wird der Sozialdemokratie der Vorwurf gemacht, daß sie sich„für den Bolschewismus" einsetze. Diese Behauptung ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Eher ist das Gegenteil der Fall. In den letzten zehn Iahren hat die Sozial- dcmokratie zur Genüge bewiesen, daß sie die einzige Partei ist, welche konsequent di« Politik der Kommunisten bekämpft. Man hat auch die Behauptung lanciert, daß die Haltung der Sozialdemo. traten die Auflösung des Reichstages und die neuen Wahlen ver- ursacht habe. Diese Behauptung bedeutet die Wahrheit auf den Kopf zu stellen. Die Sozialdemokraten waren zu einem Kompromiß geneigt, sie waren bereit, für die Gesetzesoorlagen in einer Form zu stimmen, für die auch die Mehrheit der bürgerlichen Pyrteien hätte gewonnen werden können. Aber die Regierung forderte die An- nähme der Gesetzesvorlagen in der ursprünglichen Form ohne jegliche Aenderunq. Wie sich die nächste Zukunst gestalten wird, schloß Tanner seine Ausführungen, läßt sich.noch nicht übersehen. Ich, für meine Person, glaube immer nach optimistisch sein zu können und hoff«, daß der wahr« demokratische Geist der finnischen Nation die Aufrecht- erhaltung der demokratischen Verfassung sichern wird. Das Parlament Arankfurl a. Zll.. 30. September.(Eigenbericht.) Am Dienstag ergriff Eggert vom Allgemeinen Deutschen Ge- merkschaftsbund das Wort, um sich mit der Argumentation des Unternehmertums auseinanderzusetzen. Er bezeichnete es ats Schwindel, wenn gesagt wird, die Unternehmer können die sozialen Lasten nicht tragen. Die deutsche Wirtschaft leide nicht an einer Ueberproduktion, sondern an einem Unterver- brauch. Das deutsche Unternehmertum soll nur nicht glauben, daß sich die große Auseinandersetzung nur allein auf das Baugewerbe beschränke. Den Bericht für die Schristlcitung des„Grundstein" erstattete Schmidt. Rosenfeld-Tuttlingen gab den Bericht der Mandats- Prüfungskommission. Der Bundestag ist mit 314 Abgeordneten be- schickt, ferner sind anwesend 16 Mitglieder vom Bundesvorstand, 18 Bczirksleiter, 15 Sekretäre, 2 Mitglieder vom Bundesausschuß, L Behördenvcrtretcr und 30 aus- und inländische Gäste. Es folgte die Aussprache über den Vorstands- b e r i ch t und die zahlreichen Anträge. Es sprachen Delegierte aus ollen Teile» Deutschlands und einig waren olle in den Forderungen: Restlose Verwendung der hauszinssleuer sür den Wohnungsbau, Einführung der Krifenunterstühung für die VauarKeiter durch das Reich, Beibehaltung der Zwangswirkfchofl. da die Aufhebung eine ungeheure Verteuerung der Mieten herbei- führen würde, Verbesserung des Bauarbeilerschuhes, Einsührnng der 4t-Stunden.Arbeilswc>che. G u t s ch m i d t- Berlin wies auf die Kampfansage der Unter- nchmer, auf den Abbau der Löhne und die Maßnahmen der Re- gierung Brüning hin. Im ganzen Reich sollten die Gewerkschaften für die 44-Stunden-Woche und gegen den Lohnabbau de- »nonstrieren. Rufs- Reutlingen schilderte die trostlosen Verhältnisse In Württemberg, wo 70 Proz. der Facharbeiter arbeitslos sind. Die Schultheiße verweigern die Arbeitslosenunterstützung, wenn der Bau- orbcitcr nach eine Ziege im Stall hat. So herrsche größtes Elend. Thomas- Frankfurt a. M., Borsitzender des Dachdecker-Ber- bandes, erklärte sich gegen die Arbeitszeitverkürzung um eine halbe Stunde täglich und befürwortete eine Wochenarb'eit von 5 Tagen. Thomas kam auch auf das Anschwellen der national- sozialistischen Stimmen zu sprechen und betonte, daß man diese Tatsache nicht liberschätzen, ober auch nicht untenschätzen dürfe. Viel be- denklicher als die 6,5 Millionen nationalsozialistische Stimmen seien die Vorgänge in der Reichswehr, die der Leipziger Prozeß enthüllt habe. Es sei Tatsache, daß in alle Verwaltuirgszweige na- tionalsozialistischc Beamte eingedrungen sind. Die Stunde werde nicht fern sein, wo die Gewerkschasten die Republik wieder der Bauarbeiter. )v kapitalistischen Mißwirtschast! einmal retten müßten. Der Feind steht rechts? Das Gebot der Stunde laute: Sicherung der demokrakischeu Republik. Es wurde ein« Entschließung zur Wirtschasts- und Sozialpolitik angenommen, in der es u. a. heißt:„Es ist als sicher onzu- nehmen, daß auch nach lleberwintmitg der jetzigen Wirtschaftskrise sehr viel Arbeitskräfte in eine privatkapitalistisch be- tri ebene Wirtschaft nicht mehr eingeordnet werden können. Di« Ueberwindung dieser Wirtschaftsform und ihre Ablösung durch ein« sozialistische wird mehr und mehr zu einer unbedingten Notwendigkeit, um erträgliche Existenzbedingungen für olle Menschen zu sichern. Der Bundestag fordert deshalb olle Mitglieder des Deutschen Baugewerksbundes auf, im Verein mit der gesamten deutschen Arbeiterschaft alle Maßnahmen zu unterstiitzen, die der Ueberwindung des Kapitalismus und der Errichtung einer sozialistischen Wirtschaft dienen können. Insbesondere ist die Vorbereitung der dem Sozialismus dienenden gemeinwirtschaftlichen Einrichtungen aller Art mit allen Kräften zu fördern. Von der R e g i e r u n g bnd von den politischen Parteien fordert der Bundestag insbesondere, daß sie die vom Privatkapitalismus ge- fchaffene Herrschaft und Kontrollorganisationen Kartelle. Syndikate. Trusts. Monopole unter die Staalsgewall zwingen, damit sie nicht mehr ausschließlich dem Profitinteresse, fondern der Versorgung des Volkes mit den Gütern des Lebens ldienstbar gemacht werden können. Immer dringender und unabweis- barer wird ferner die Aufgabe, die Dauer des normalen Arbeits- tages durch weitere Verkürzung dem durch die Rationalisierung der Betriebe vielfältig gesteigerten Wirkungsgrad der menschlichen Ar- beitsleistung anzupassen. Der Lohn muß in viel höherem Maße als es bisher geschieht als Kaufkraft und Regulator der Güterverteilung gewcrtet werden. Der Bundestag fordert deshalb alle Mitglieder auf, lieber- stundenleistungen standhaft zu verweigern und ihre gewerkschaftliche Kraft bereitzuhalten, um in künftigen Tarifverträgen weitere Lohn- erhöhungen und Arbeitsze ilverkürzungen zu erzwingen. Bon den gesetzgebenden Körperschaften muß erwartet werden, daß sie diese Bestrebungen der Arbeiterschaft fördern und jede gejetzgebertsche Maßnahme vermeiden, die die durch die Gewerkschaften mühsam er- kämpft« Lebenshaltung der Arbeiterschaft in Gefahr bringt. Der Bundestag fordert von der Regierimg Maßnahmen zur Stabilisierung der Bauwirtschast. Erforderlich ist die Aufstellung eines mehrjährigen Bauprogramms, die Bereitstellung von Bau- kapital zu erschwinglichen Zinssätzen und volle Bewegungsfreiheit der Kommunen in der Baufinanzierung. Für die Bereitstellung von Baukapital ist besonders wichtig, daß die Hauszinssteuer sür die Dauer des aufzustellenden Wohnmigsbauprogramms gesichert und in ihrem vollen Ertrage für den Wohnungsbau verwendet wird." Morgen Verkehrssabotage? Kein Grund zu Befürchsungen. Wie aus einer Konferenz des Gesamtverbandes, der freigewerk- schastlichen Organisation der Berliner Berkehrsarbeiter, zu ersehen mar, besteht in Gewerkschaftskreisen keinerlei Befürchtung, daß die aberwitzige Parole der Kommumsten und Nationalsozialisten, wegen der Entlassungen bei der Berliner Verkehrsgesellschaft am 2. Oktober durch Streik und Sabotage den Verkehr stillzulegen, von der Beleg- jchast befolgt wird. Man ist der Uebcrzeugung, daß die im Betrieb tätigen Der- kehrsarbeiter ihre Existenz durch Besolgung der radikalen Parolen nicht gefährden werden. Das zeigt auch die Funktionärver- f a m m l u n g der am Tarisvertrag beteiligten freien Gewerkschaften, in der beinahe mit Einstimmigkeit die Tarifänderung gebilligt wurde, durch die eine Entlassung in größerem Aus- maß, als sie später tatsächlich zur Durchführung kam, vermieden wurde. Die Entlassung betraf übrigens nicht nur Kommunisten und Ratioiwlsozialisten, wie behauptet wird. Beim Gesamtverband allein haben sich heute bereits über hundert entlassene Arbeiter der BVG. gemeldet, und man oermutet, daß in der Zahl von rund 650 Entlassenen sich auch viele Unorganisierte und parteipolitisch Indifferente befinden. Wie wir von der Direktion der BVG. erfahren, besteht auch hier die Ueberzeugung, daß der törichten Parole der Ra- dikalen für den 2. Oktober aus den Kreisen der Angestellten nicht gefolgt wird. Die Bauschlosser sind kampfbereit. Sie lassen sich das Lohnabbaudiktat nicht gefallen. Mit dem herausfordernden Vorstoß des Schutzverbandes Berliner Schlossereien beschäftigte sich am Montag in den Sophiensälen eine überfüllte Versammlung der freigewertschaftlich organisierten Bauschlosser und Hilfsarbeiter in den B a u s ch l o s s e- r e i e n. Der Schutzverband hat, wie am Sonnabend im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, den Berliner Bauschlossern den Lohntarif zum 1 Oktober gekündigt, um die Löhne und Akkorde um 30 bis 40 Proz. abzubauen. Obendrein wollten sie eine ganze Reihe weiterer Ber- fchlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen vornehmen. Die Parteiverhandlungen scheiterten, da die Unternehmer olle Abbau- forderungen aufrechterhielten und sich lediglich bereit erklärten, die Löhne und Akkorde„nur" um 20 proz. anstatt um 30 bis 40 Proz. abzubauen. Genosse Fuchs vom Metallarbeiter-Vcrband, der über den Derauf der Tarifverhandlungen berichlete, brachte unzweideutig zum Ausdruck, daß die Gewerkschaften auf keinen Fall sich dem Diktat des Schutzverbondes fügen werden. Sie werden vielmehr die organi- sicrten Bauschlosser mit allen zur Bersügung stehenden Kräften bei der Abwehr dieses Unlernehmervorstohes unterstützen. Die Versammlung, die von einem einheitlichen Kampfwillen beseelt war, lehnte es ab, über die Abbauvorschläge der Unternehmer zu diskutieren. Einmütig wurde zum Ausdruck gebracht, daß jeder Versuch der Unternehmer, ihre Absichten in die Tat umzusetzen, mit der Arbeitsniederlegung beantwortet werden würde. Der von der Branchenleitung und den BetrauenKleuten der straff organisierten Bauschlosserbranche gefaßte Beschluß, vor der Eröffnung des Ab- Mehrkampfes noch entsprechend den statutarischen Bestimmungen den Schlichlungsausschuß anzurufen, wurde auch von der Bersammlung. an der über 1000 Branchenangehörige teilnahmen, gegen etwa 20 Stimmen gutgeheißen. » Wie wir erfahren, ist bereits in einigen lPetrieben des Schutz- Verbandes Berliner Schlossereien den Betriebsräten angekündigt worden, daß die Unternehmer ihre Arbeiter ab heute, Mittwoch, einfach zu niedrigeren Löhnen beschäftigen wollen. Das Borgehen der Unternehmer ist genau so wenig einheitlich wie es ihre Forde- rungen waren, die sie in den Parteiverhandlungen vorbrachten. In einigen Betrieben wollen sie einen Lohnabbau um 25 Pf. je Stunde diktieren, in anderen Betrieben wieder einen Abbau der Löhne und Akkorde um 10 Prozent. U. a. ist dieses Ansinnen an die Beleg- schaften der Betriebe Ade-Arnheim in Reinickendorf, Benti- latorenfabrik Turbo n in Reinickendorf und Kuppler in Weißensee gestellt worden. Die Arbeiter dieser Betriebe werden sich darauf nicht einlassen, sondern im Einoernehmen mit dem Metall- arbciter-Berband den Kampf gegen die abbauwütigen Unternehmer aufnehmen. Da die Unternehmer jetzt auch in einzelnen Be- trieben verhandeln wollen, dürfen die Arbeiter sich darauf nicht einlassen. Verhandelt wird mir von Organisation zu Organisation. Cin Gewerkfchafisjubilar. Heute kann der Branchenleiter der Herrenmaßbranche Rein- hold Faustmann im Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verband, Filiale Berlin, auf eine 25jährige Tätigkeit als Angestellter der Organisation zurückblicken. Wo es bisher galt, für die Interessen der Kollegenschaft einzu- treten, war Reinhold Fanstmann stets zu finden. Das große Ziel der Arbeiterbewegung hat ihn bei seiner Tätigkeit stets geleitet, daneben fand er ober auch noch Zelt, sich den Parteiarbeiten zu widmen, so daß auch die Partei ihn stets auf dem Posten fand. Möge es dem 58jährigen Jubilar noch recht lange vergönnt sein, im Interesse des Bckleidungsarbeiter-Verbandes'sowie der Partei zu wirken. Drohender Gireik im Kuhrgewerbe. Die Scharfmacher auf dem Holzweg. Heute fällt beim Schlichtungsaus schütz die Entscheidung darüber, ob es am Sonnabend im Berliner Schwerfuhrgewerb« zu einem Streik kommt oder nicht. Die Fuhrherren hatten bekanntlich den Lohntarrfvertrag für das Berliner Schwerfuhrgewerbe zum 1. Oktober gekündigt. Sie sind jeder Verhandlung über den Reu- abschluß des Vertrages ausgewichen. Die Fuhvherrninnung bzw. der Innungsvorstand hat seine Mitglieder einfach angewiesen, in den Betrieben Anschläge herauszubringen, wonach für die Lohnwoche vom 27. September bis 3. Oktober ein im Durchschnitt u m 11,50 M. je Woche niedrigerer Lohn als bisher diktiert wird. Diese Anschläge, die inzwischen schon erfolgt sind, haben in den Kreisen der Arbeiter des Berliner Schwerfuhrgewerbes hellste Em- pörung hervorgerufen. In einzelnen Betrieben war dieArbeitschonamSonn- ab e nd eingestellt worden. Sie wurde auf Anweisung der Organisationsleitung jedoch vorläufig wieder aufgenom- wen, um das Ergebnis der heutigen Schlichtungsverhandlungen abzuwarten. Soviel kann heute schon mit aller Bestimmtheit gesagt werden, daß am Sonnabend der Streik im Berliner Schwersuhr- ge werbe in vollem Gange ist, wenn die Unternehmer am Freitag den Lohn auch nur um einen Pfennig kürzen oder der Schlichtungs- ausschuß den Unternehmern etwa entgegenkommt. Der Gesamt- Verband hat bereits alle Vorbereitungen für den Streik getroffen und ist fest entschlossen, ihn mit aller Schärfe durchzuführen. Beim Vorsitzenden des Berliner Schlichtungsausschusses liegt nunmehr die Verantwortung für den Arbeitsfrieden im Berliner Schwerfuhrgewerbe. Daß die Fuhrherren den Konflikt o b- sichtlich herausbeschworen haben, beweist allein die Tat- fache, daß auf Betreiben der Scharfmacher unter ihnen bei der letzten Innungswahl die liberalen Elemente ausgeschifft wurden. Die Scharfmacher unter Führung des Obermeisters Tilg neb haben jetzt das Heft in der Hand. Sie haben schon vor Iahren angekündigt, daß die Löhne trn Schwerfuhrgewerbe radikal abgebaut weiden würden, wenn ihnen einmal die Führung der Innung anvertraut wird. Die Funktionäre der Branche der rund 2500 Arbeiter des Schwerfuhrgewerbe« nehmen heute. Mittmoch, um 1914 Uhr im Sitzungssaal der Ortsverwaltung des Gesamt-Verbandcs, Johannesstr. 14/15, zu der kritischen Situation Stellung. Aoch eine revolutionäre Sireikpleite. Die RGO.„siegt" sich tot. Nachdem die Revolutionäre Gewerkschofts-Opposition den bei Dr. Paul Meyer angezettelten Streik verloren hat und 16 irre- geführte Arbeiter auf der Straße geblieben sind, mußte sie auch den Streik bei L. Lehmann, Teppich-, Plüsch- und Möbelstosswebcrei Rummelsburg, den sie in unverantwortlicher Weise ausgezogen hatte, resultatlos abbrechen. Bei dieser Firma wurde schon lange verkürzt gearbeitet und da die Firma sich auch noch in Zahlungsschwierigkeiten befand und den Betrieb schließen wollte, schien es der RGO. die richtige Zeit zu einem revolutionären Streik. Die Firma hatte wenig Arbeit und die Arbeiter hatten Zeit genug zum Streiken. Der revolutionären Streik- leitung, in der die Betriebsfremden das große Wort halten, ging es ganz gegen den Strich, daß die Gewerkschaft ihre Mitglieder, die nicht den Lorwurf des Strcikbruches aus sich nehmen wallten und deshalb auch mit hinausgingen, von Ansang an unter- stützte, ohne den Streik gutzuheißen und daran beteiligt zu sein. Trotzdem mußte die„Rote Fahne" die Lüge verbreiten, die Gewerk- schaft unterstützt ihre Leute nicht. Die RGO. wollte sogar die Gewerkschaftsmitglieder mit Sammellisten zum Betteln in die Betrieb« schicken. Als von ihren Anhängern in der fünften Woche 20 Leute als Streikbrecher wieder in den Betrieb gingen und sich diese Zahl in der achten Woche aus 30 erhöhte, freuten sich die„Revolutionäre". als von den Gewerkschaftsmitgliedern in der achten Woche eine Kollegin und ein Kollege dem„vorbildlichen" Beispiel der oppo- sitionell Eingestellten folgten und ebenfalls in den Betrieb gingen. Freudestrahlend verkündeten sie in dem sagenannten Arbeiterblatt: Der reformistische Textilarbeiter-Berband hat seine Mitglieder zum Streikbruch veranlaßt. Sie konnten weiter lügen, daß nun nach mehreren Wochen Unklarheit feststehe, daß die Firma den Betrieb einige Monate stillegen will und deshalb der Streik.siegreich" abgebrochen werden muß. Die Wahrheit ist, daß schon im Anschluß an frühere Verhandlungen am 23. August 1930 über den Stillegungsontrag der Firma vor dem Gewerbeaussichtsamt ver- handelt wurde. Der revolutionäre Betriebsrotsvorsitzende erschien wohlweislich erst am Schluß der Verhandlung und verlas eine bom- bastische Erklärung, die ohne jeden Eindruck blieb. Da die den Unorganisierten vor Ausbruch des Streiks versprochene Unterstützung nur ein paarmal ge- zahlt wurde und dann ausblieb, mußt« der Streik von der RGO. natürlich abgeblasen werden, da sonst der Betrieb von den rcvo lutionären Arbeitslustigen überlaufen wäre, die nicht mehr mit- machen wollten. Sieht die Arbeiterschaft immer nach nicht ein, daß die RGO. gar kein Interesse an der Verbesserung ihrer wirtschastichen Loge hat, sondern sie nur zu ihren politischen Zwecken mißbrauchen will und sie zuletzt auf der Straße liegen läßt? Sieht die Arbeiterschaft nicht endlich ein, daß nur die freien Gewerkschaften ihre Rechte gewissenhast vertreten? Wenn ja, dann muß sie den Maul- Helden der RGO. die Gefolgschaft versagen und zu ihren Gewert- schalten zurückkehren, die jederzeit für die berechtigten Forderungen ihrer Mitglieder eintreten. 4S-(Siunden-Woche im Leunawerk. 700 Arbeiter vor Entlassung bewahrt. halle, 30. September. Die Ammoniakwerke Merseburg, G. m. b. H.(Leunawerk), gehen in den durchlaufenden Wechselschichtbetrieben von der 56- Stundcn-Woche auf die 48-Stunden-Woche über. Dadurch können rund 700 Arbeiter, die seither mit Notstandsarbeiten beschäftigt waren, wieder in den regulären Produktionsbetrieb eingegliedert und somit vor Entlassungen bewahrt werben. Diese Maßnahme ist vorüber- gehend bis zum Eintritt besserer wirtschaftlicher Verhältnisse vor- gesehen. » Die wahnwitzige Wirtschaft des Unternehmertums bringt es mit sich, daß auch nur die vorübergehende Beseitigung der 56 stündigen Arbeitswoche, die vorübergehende Einführung der technisch überholten 48-Stunden-Woche als ein Zeichen endlich. beginnender Einsicht begrüßt weöden muß. Ueberlange Arbeitszeit ist unter den heutigen Verhältnissen ein Verbrechenan derArbeiterschast. das— nicht nur im Leunawerk— gutgemacht werden muß. Textilarbeiterinnen streiken in Tokio. In einer Fabrik in Tokio sind am Montag wegen Lohndiffe- renzen 2000 Textilarbeiterinnen in den Ausstand ge- treten. 200 Polizisten sollten die vor den Fabriktoren demon- strierenden Frauen auseinandertreiben. Sie wehrten sich jedoch und nahmen sechs Polizisten gefangen. Polizeilichen Verstärkungen ge- lang es später, die Festgehallenen zu befreien. �reieGewerkschafts-IuaenöVerli Süeismitgieden-erlalirml»»« de» SLdtreis«, im Jugendheim des©fiom: verdautes, Sngelirfer 34—25.— Senfe, Miftmoch, 1914 UZr. tagen 5i< Grupven: Baumfchulenweg: Iugendteim Ernstkir. 1«. SeimbelprechunS — Schöuhauser Tar: Jugendheim Zehdenicker Str. 34—25. Seimbesprcchuna. Adlershof: Gruppenheim Atlershol. Biinnarckftr. 1. Heimdetvrechung.— Weiken- (m: Jugendheim Parlstr. 36. Sermbesprechuug.— R»rt»ri»g: Iugenddcim Sannenturger Str. 20. Seimicsprcchung. Verbandsbuh und Seimauswcis mu. bringen.— Am(Bonntag, dem 6. Cttobn 1939, um 15 Ilhr, ist im Theater am Biilomvlah die Iugendvorstcllung. Zur Ausfsthrung gelangt:„Die Weber". Schausviel von Kerhart Sauptmann. Eintrittspreis 90 Pfennig. Karten und>» der Iugcndzentralc, Gemcrkfchaftshaus, Sngelufcr 24— 3S, Zimmer 36, iu hoben. 0Huaendaruppe des?enule Eoßlerstr. Sl. Vortrag i„Moderne Kuiist". Rescrcnt: ?r. Bcrgcr.— Rculölln: Jugendheim Böhmische Str. l— 4, Ecke Kanner S raße Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirls.— Südost: Iugcndhc.m Wrangelstr. 129. Lichtbildervortrag:„Seinrich Zille, ein Künstler de» arbeitenden Bolle,". Referent: Dcorg Seilbrunn.— Spandau: Jugendheim Lmdenufer l. Wir besuchen die Versammlung des Werbcbezirkes.— Potodam-Rolraires! Jugendherberge Rowaraes, Priesterstraße. Vortrag:„Aus der weschichtr der freien Sowcrlschaftsbewegung". Referent: Serbert Dewald. Verantwortlich fllr Politik:«ietor Schiff! Wirtschaft: S. Kli-igelhöte-! Gewerkschaftsbowegung: Fr. Etzkor»! Fenillelon Dr. Job» Schlkowski! Lakates: und Sonftiacs: Fritz»arstädt: An«l->en: Di.»loch«: sömtlich in Berlin. Verlag: Vorwärls-Berlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwarto.Vuchdruck.-rc, und Berlaosaostalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68 L�iii.■ Hierzu z Beilagen. Rr. 459» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 4. Oktober 4930 Leidenschasien des Stadtsekretärs. Drei Lahre Gefängnis wegen verunireuier 6V 000 Mark. Das Schöffengerichl Serlin- Mitte verurteilt« t-en Stadtsekrelör Wolf wegen sortgesehten velrogs in Tateinheit mit schwerer Urkundens Slschung und wegen Amlsunterschlagung zu hrei Zahren Ge- s ä n g n i s und fünf Zahren ehrverlusl. ®or etwa drei Jahren entdeckte der Berliner Stadtsekretor Wolf, zu dessen Obliegenheiten � a die Auszahlung von Gehältern ge- hörte, in seiner Kasse ein M a n k o von nicht allzu großem Ausmaße. Um c- zu decken, kam er aus die unglückliche Idee, zu wetten. Das iStanko aber wurde größer. Der Stadtsekretor -bettete weiter— mit dem gleichen negativen Erfolg. Um nun trotz- ' dem zu Geld 5" kommen, wandte er eine Methode an, die ihm derart sicher/chien, daß er dos Geld bald auch zu anderen Zwecken als zur Deckung des Fehlbetrages benutzte. Er schaffte sich ein Auto an. bcfuchkc Tanzdielen, machte Damenbekanntschaften und hi,« sich Berhältnisie. Soz war aber in den städtischen Beamten, der Jahrzehnte hin- durch ohne Tadel seine Pflichten erfüllt hatte, plötzlich gefahren? Der Sachverständige stellt« be, ihm zwar eine schwere erbliche Belastung fest, bestritt jedoch, daß etwa eine Lues, die sich der mit der ehelichen Treue es nicht besonders ernst nehmende Gatte im Jahre ISZZ zugezogen hatte, die Ursache der plötzlichen Eharakter- önderustg war. Sprach nicht auch das Rofsinement, mit der der Stadtsekretär seine Betrügereien drei Jahre hindurch betrieb, gegen eine geistige Erkrankung? Die Urteilsbegründung brachte jedenfalls diese Ansicht zum Ausdruck. W. ließ eine nicht cxistiereirde Firma Chr. O. Schmidt, Dresdener Str. 6Z, entstchen, verfertigte Rechnungen über nicht ausgeführte Lieferungen, bescheinigt« die Richtig- keit der Rechnungen, fälschte Jnvcntarisierungsvennert« der Schul- lciter, stellte aus die Firma Ehr. O. Schmidt lautende Kassen- anweisungen aus und legte sie seinem Direktor zur Unterschrift vor. Manchmal unterschrieb er sie auch an dessen Stelle. Roch raffinierter verfuhr der Stadtsekrctör, um zu dem Beide zu gelangen. Er suchte eine alte Bekannte aus, erzählte ihr, er lebe in Scheidung und bat sie, seine Briese an ihre Adresse kommen lassen zu dürfen. Darauf befestigte er an ihrer Wohnung ein Schild, brach!« einen Briefkasten an und konnte so unbehindert von der Bank, bei der er ein Konto eingerichtet hatte, die erforderlichen Ps'tteilungen cr. halten. Die Sache kam zum Klappen, ats während feines Aufenthalts in Ahlbeck, wohin er mit seiner Frau in seinen, gleichsalls auf fremden Namen gekauften Auto gefahren war, die Rechnungen von der Firma Chr. O. Schmidt plötzlich aufhörten. Daß W. sein« Betrügereien, die ihm im Laufe von drei Jahren 5« 000 Mark brachten— 2600 Mark hatte er an einkassierten Schulgeldern unterschlagen—, so lange fortsetzen konnte, mag dem Umstand« zuzuschreiben sein, daß er ein Doppelleben führte. Seinen Dienst versah er bis zum kehlen Augenblick mii größter pslichlkreue. Der Zuschnitt seines chausl)olts ließ in keiner Weife vermuten, daß so große Summen durch sein« Hände gingen. Was er außerhalb des Hauses trieb, davon ahnte seine Frau nur das eine: daß cr es mit der ehelichen Treue nicht besonders ernst nahm. Der Ueberfluß an Tränen hals dem Angeklagten vor Gericht nichts, Dem Antrag des Staatsanwalts aus drei Jahre Gefängnis entsprach das Gericht ohne weiteres. Es versagte dem Stadtsekretär trotz allem nicht mildernde Umstände; sonst hätte das Urteil auf Zuchthaus lauten müssen. Das unselige Rennwetten hat mit W. einen Men- schen mehr auf dem Gewissen. Die neue Stadibibliochek. Heute Wiedereröffnung- Die neuen Ztfutne im Marfiall. Die S i a d t b i b l i o t h e k. die wegen der Verlegung der Räume in den Spreeslügel des worstalls mehrere Monate geschlossen bleiben mußte, wird noch vollendetem Umzug heute, Mittwoch. dem l. Oktober, wieder der OefsenMchkeil zugänglich sein. Der Umzug der Sladtbibliothek war bekanntlich dadurch notwendig geworden, daß der preußische Fisku, der Stadt die bisherigen Räume im Marstall gekündig» hatte, weil dort das Tbero-Amerikanische Institut untergebracht wird, lleber die Notwendigkeit dieser„Aktion" gingen die Meinungen bekanntlich sehr auseinander und der„V o r- m S rl s" hat in einem Artikel„Mo früher Milhclm« Djkrdc scharr- tm" sStadibeilage vom S. August>gZ0> nachgewiesen, daß mit einsackieren Mitteln und mit ein wenig gesundem Menschenverstand leicht ein besseres Ergebnis hätte erreicht werden können. Die neuen Räun� find äußerst zweckmäßig hergerichtet. Ausleih«, großer Lesesaol und Aeitungslesesaal liegen in einer Korridorslucht, und die beiden letzteren Säle sind außerdem erheblich größer als die bisherigen. In der Ausleihe steht dem Leser ein alphabetischer Zettelkatalag zur Bersügung, der schon setzt fast den gesaiWez, Bestand der Bibliothek nachweist. Die Bibliothek, die unter dcri großen wissenschaftlichen Büchereien der Reichshauptstodt eine hervorragende Stellung einnimmt, ist besonders nach ihrer Reorganisation in den letzten Jahren in stetig sich steigernder Frequenz von Lesern aus allen geistig arbeitenden Schichten der Bevölkerung denutzt worden. Einige Zahlen, die der Leiter der Bibliothek, Prosessor Dr. Fritz, bei der heutigen Besichbigung anführte, lassen das erkennen. Im Jahre 1929 wurden rund 178 000 Bände verliehen, den großen Lesesaal besuchten 94 000 Personen, den Zeitungslesesaal über 120 000. Die Stadtbibliothek enthält neben ihren Bücherbeständen eine große Reihe von Sanmi- lungen wertooller älterer Literatur, sowie von Handschristen, die in Zukunft in Form von Ausstellungen breiteren Kreisen der Be- vältenmg zugänglich gemocht werden sollen. Besonders zu nennen ist die Göritz-Lübeck-Stistung, eine überaus kostbare Bibliothek deutscher Literatur in Drucken vom 16. bis zum 19. Jahrhundert und mit Schriften zur Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg. Der Leiter der Bibliothek sprach die Hoffnung aus. daß, wenn die Stadtbibliothek auch vorläufig im Marstallgebäude recht gut untergebracht ist, doch noch der schon lavoe geplante Neubau der Bibliothek»erwirllicht werden kann, allein schon mit Rücksicht aus die starte jährliche Bermehrung des Püch«rdestant>ks. Die Bibliothek ist werktäglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Gesamtbestand beträgt 230 000 Bände, rund 900 Zeitschriften und 230 abonnierte Zeitungen. 7000 Bände sind als wissenschaftliche Handbibliothek im Lesesaal aufgestellt. Zörgiebel bleibt in Berlin. Trotz des bereits veröffentlichten amtlichen Dementis wird er- neut von einem Berliner Abendblatt die Meldung gebracht, der Berliner Polizeipräsident Zörgiebel würde zum Regierung?- vräsidenten von Wiesbaden ernannt werden. Bgii diesem Blatt« ist behauptet worden, Zörgiebel weile zur Kur in Wiesbaden und würde nicht auf seinem Posten zurückkehren. Wie von maß- gebender Stelle ausdrücklich erklärr wird, sind diese Meldungen unzutreffend. Zörgiebel weilt mich gar nicht in Wiesbaden. Schutz den Mietern! Vorstoß der sozialdemokratischen Rathausfroktion für die Pförtnerwohnungen. Die sozialdemokratische Stadtvercrdnetenfraktion bringt in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag folgenden Dringlichteitsantrag ein: Der preußische Minister für Volkswohlfahrt hat durch eine Vcr. ordnung vom 10. September 1930 den Mieter schuh für Portierwohnungen beseitigt, hierdurch sind allein in Berlin etwa 100 000 Familien jeden Mieserschuhcs vom 1. April 1931 ab beraubt. Die Unterbringung dieser Mieter stellt die Stadt Berlin vor unlösbare Ausgaben. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrot, bei den zuständigen Stellen die Aushebung dieser Verordnung zu beantragen. politische Schießerei in Berlin O. Schwer bewaffneter Nazi schießt Gegner über den Haufen. Eine pdlitische Auseinandersetzung zwischen Rational- s o z i a l i st c n und Kommunisten endete gestern abend wieder einmal mit einer Schießerei. Der Rational- sozialist Herbert p a c tz e l schoß aus den Kommunisten Erich Slcinhauer und verletzte ihn durch Bruststeckschuß und Snieschuß schwer. Der 20 jährige Tilschlcr Herbert Paetzel aus der Normannenstraße wurde in der Frankfurter Slllee von einem Kommunisten erkannt und sofort in eine erregt geführte Debatte verwickelt. Es hatte sich auch bald eine größere Menschenmenge um die Kampfhähne versammelt und der 23jährige Kommunist Erich Steinhauer aus der Friedrich-Karl-Straße ging besonders temperamentvoll gegen den Nationalsozialisten an. Lange kämpften die beiden jungen Leute, aber nicht mit geistigen Waffen, sondern gingen kurzer Hand zu Tätlichkeiten über. Der Kommunist glaubte in dem Zuschauerkreis besonders viel politische Freunde zu haben und wollte den National- sozialisten niedeischlagen. Dieser wehrte sich zunächst kräftig, griff dann aber, ohne daß chu jemand hindern konnte, in sein« Tasche, zog«inen Revolver hervor und gab zwei Schüsse ab, die beide den Kommunisten Steinhauer verletzten. Die Meng« nahm den Täter fest. Die herbeigerufene Polizei brachte den Verletzten nach dem Krankenhaus Friedrichshniu, wo festgestellt wurde, daß Steüchauek einen Brust st eckschuß und am Knie«inen Durchschuß davongetragen hat. Die zweite Kugel, die das Knie glatt durch- schlagen hotte, zertrümmerte noch eine Fensterscheibe einer, Straßen- bahn. Ein Straßenpassant wurde durch die umherfliegende n Glossplitter leichtverletzt. Bei seiner ersten Vernehmung behauptete der Nationalsoziaiist, in Notwehr geschossen zu haben. Da sich genügend Zeugen ge- meldet haben, wird sich sicher feststellen lasten, ob dies« Angaben zutreffen. Auf all« Fälle steht fest, daß ein Nationalsozialist wieder einmal eine scharf geladene Waffe bei sich hatte. D�e Nationalsozialisten bilden nach wie vor die größte G e-- fahr für den Bestand der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Halsmann begnadigt. Bundespräsident Miklas läßt Gnade vor Nccht ergehen. Wien. 30. September. Bei den olljährüchen Begnadigungen unterzeichnete der Bundespräsident W i k l a» heute u. a. die B e g o a d i g« n g des Studenten Philipp Halsmann, der aus Grund eines Indizienbeweise» wegen Totschlags an seinem Vater vom Inns brucker Schwurgericht zu vier Iahren schweren Kerkers verurteilt worden war. Der junge Mensch. Kesten Prozeß seinerzeit die Oeffentlichteit in Atem hielt, wird nunmehr Gelegenheit haben, unbehindert und in voller Freiheit die von Ann ersehnte und erwünschte Rehabrlitie- rung zu betreiben. I WaMvtA.HbtsitA 9 llnbki-cht. Na-ttruck verboten. Gustav giepenhauer Verlag Ä..E., V-rtriebtabt. 3. Werlo, dieser untersetzte Mann mit einem richtigen Schnauzbart— den er gern zur Seite strich— saß allein in der Küche, neben sich die Petroleumlampe und das Partei- biatt, vor sich den Topf mit Grünkohl und Knackwurst. Immer wieder ließ er die Gabel sinken, oft starrten seine Augen für ganze Minuten in das Glas der Lampe und er merkte nicht einmal, daß die Mütze noch immer auf dem Kopfe faß und die dicke Baumwolljoppe sich über dem Rücken spannte, wie «r doch sonst liebte, sich zu den Mahlzeiten ein wenig um- stündlich und prustend zu waschen. Wie er hereingetreten war und den Brief gelesen hatte, so saß cr am Tisch. ..Lor' mal. der Betriebsrat..." Gleich lachte er kurz vor sich hin— Mensch, sagte cr. nun aber schweigend, nur für sich, sie liegt im Krankenhaus! Äicueicht, ja wahrscheinlich unter Schmerzen, die ein Manm nie begreift... So wird ein Mensch geboren— liegt es solange zurück, daß man als junger Kerl über jede schwangere Frau unflätig lacht, daß diese ganze Geschichte eher ein Straßenwitz als schwierige Angelegenheit war? Einmal schleppte er mit ein«� Kameraden in Flandern eine kreischende Bäuerin zum Feldlazarett. Die brachte zwischen Verwündeten und Sterbenden einen Jungen zur Welt. Mau erschoß Menschen, man verstümmelte alles' Leben ringsum— und Frauen mußten schreien und bluten, damit wieder Menchsen leben würden. Mit dem Gedanken wurde«r vernünftig— in mancher Art und Weise— und der Gedanke gab dem Krieg der�Rest, auch bei ihm. Der Lampendocht blakte. We»la wollte die Petroleum- kanne suchen— plötzlich blieb er mitten in der Küche stehen. cklönntc er nicht längst aus dem Wege zum Krankenhaus sein? Oder war es zu früh, würde man ihn auslachen? Man darf ßch glaafriv MigehLjell mh Maulesjchwetterv geZeuüüep nie eine Schwäche anmerken lassen, war eine seiner Lebens- regeln und sie hat mancherlei für sich. Die leere Wohnung hatte«in Gesicht. In die Stuben mochte er gar nicht sehen, jeder Stuhl, das Bett erinnerte ihn an Annie. Auf dem kleinen Flur, kaum drei Menschen konnten da nebeneinander stehen, blies er die Lampe aus, stopfte er das frische Tabakpaket in die Tasche und verschloß umständlich die Tür. Dann blickte er eine Weile vor dem Torbogen über die Straße und nahm sich vor, den Weg zur Entbindungsanstalt nicht zu fahren, um nicht zu guter Letzt doch vorzeitig dort zu sein... Eine Stunde später stand der Arbeiter, Ehemann und Vater Werla mit verschmitztem Gesicht aus dem Perron einer Straßenbahn und summte nach der Melodie eines be- kannten Schlagers, unhörbar für Schaffner und Fahrgäste, in sich hinein:' Ein Junge, ein ganzer, ein richtiger Junge! Kurz vor seiner Wohnung machte er kehrt: Annies Mutter mußte schließlich Bescheid haben. Dort blieb cr auch die Nacht. Sonntag.. Zwei Stunden, von zwei bis vier Uhr, durfte man Annie besuchen. Berthold Werla bügelte seine Sonntagshose, quälte sich zehn Minuten mit einem weißen Kragen, knotete mit akrobati- schen Finessen den grünen Schlips, bis der endlich ungefähr foß, wie er sollte. Nachdem suchte er zusammen, was er für die Frau besorgt halte: Eier, Butter Keks, eine Tafel Schoko- lade. Vor dem Eingang zum Krankenhaus täliftc er Tulpen, die sich eisig anfühlten, und dann marschierte er wichtig durch die langen Gänge. Stimmengewirr, Krankengeruch. Weiße Betten im Zimmer. Eine Pflegerin. Seltsames dünnes Kiudergeschrel An einem Bett saß ein Mann wie er, und sprach leise und ganz natürlich mit einer Frau. Werla dachte, man müsse hier den Hut abnehmen, war sehr nervös und blickte mit seinen erstaunlich schwarzen großen Augen in die Runde. Nein, dieses war nicht das richtige Zimmer. Er wandte sich zum Gehen. Ha— da lag sie ja, gleich neben der Tür, Annie! Und wie nett sie aussah! Ihr Bett hatte er nicht gesehen— vor Freude hätte cr sich am liebsten Ohrfeigen gegeben! Sie lächelte. Verwandelt, klüger, reifer erschien die Frau. So hatte er sie nicht im Gedächtnis, und so war sie auch nicht gegangen. Gewiß nicht, man konnte so sehr Aetvvuin.Kglichleb�oepM�. Wir müssen uns erst wieder kennenlernen, erklärte er ssch. Die Verwunderung hinderte ihn, ihr gleich die Hand zu geben. Seine Pakete und die Blumen baute er auf die Bettdecke und sah sich lange ihr Gesicht, diese Fläche aus Güte und Ruhe an. Annie lächelte noch immer. „Guten Tag Bert, kommt Mutter auch? Bist du in diesen Tagen zurechtgekommen?" Sie stützte sich auf den Arm und hielt ihm nochmals ihre Hand hin, die in wenigen Tagen, ungewohnt des Nichtstuns, dünn und gelb geworden war. Ging das denn so— auf die einfache Art, zn sprechen, als sei nichts geschehen inzwischen? „Ja, Mutter will kommen, etwas später. Sie hat in ihrer Wohnung viel Arbeit.. Ich soll dich grüßen. Du legst dich wohl besser wieder, Annie. Kräftig siehst du nicht aus." Werla setzte sich unten aufs Bett, beschäftigte sich mit dem Auspacken der Pakete, legte alles auf dem Nachtschrank zurecht und sagte beim Aufräumen, ohne vom Buntdruck der Schokaladenpackung auszublicken:„Und— und ich gratulier dir. Bist'n fixes Mädel— wo ist denn eigentlich der Rocker?". Jetzt strahlte Annie. Der Mann mutzte aus dem schmalen Gang zwischen den Betten hinaustreten. Am Fußgestänge des Bettes hing ein Drahtkorb und darin, wahlverpackt, lag puppenwinzig, rötliche Hände gegen den Kopf gepreßt, der Junge. Er schlief— wie ein kleiner Affe, dachte Berthold, aber das durfte man wohl nicht aussprechen... „Kann man ihn anfassen?" fragte er vorsichtshalber. Man darf Säuglinge in den Arm nehmen— der vorsichtige Papa packte das Bündel, schob es mit breiten Händen über seine Muskeln und Iah sich das kleine Wesen ohne eigentliches Gesicht eine Weile aus der Nähe an. Das Baby ließ sich im Schlaf nicht stören, er schob es in sein Hängelager zurück wie ein Postpaket mit der Ausschrist„Vorsicht, zer« brechlich!" ..War es schlimm?" Die kantigen Züge der Frau mit den leicht hervortreten» den Backenknochen wirkten jetzt jünger, wenn sie sprach, ihre Haut gewann etwas Farbe. „Es dauerte keine Stunde, Bert, geschrien habe ich doch, obgleich ich es nicht wollte. Man kann nicht immer die Zähne zusammenbeißen, wenn man tief Luft holt— man hat es sich schlimmer gedacht. Sett gestern ist mir recht wohl, nur blute ich noch stärk, und das findet der Arzt bedenklich. Der Kleine wicZt bcincche �cbcn. Pluod." KMetzWg�alM 1 Rundfunk ohne Störung? Arbeiier-Radiobund hat den Wed gczeldf /Wird endildi Enttdieidendes Sektheben? Es gibt keinen Rundfunkteilnehmer, der nichi unter den leidigen Störungen des Empfanges zu leideu hätte. Ron atmofphärifchen Rebengeräuschen abgesehen/ werden sie durch Straßenbahnen, heil- gerätc, bei Benuhung elektrischer Wirtjchosksgcgenstände usw. her- vorgerufen. Alle im Rundfunk beteiligten Kreise, die Hörer selbst. Post, Reichs-Rundfunk-Gesellschast. Industrie, sowie die Elcktrizitäts-, Gas- und Wasserwerke, sind mehr oder weniger bemüht, die Schäden zu beheben. Von feiten des Arbciter-Radiobu'ndeg wurde durch die Wilgliedschast und durch sein Organ„A r b c i t c r s u n k" seit üahr und Tag um Abhilfe gekämpft. Es ist stark kritisiert worden, daß weder Reichspost noch Reichs-Rundsunk-Gescllschost Reizung verspürten, entscheidende Maßnahmen gegen die Störungen zu treffen. Man wendet sich auch heute noch gegen die behördliche Auffassung, die es verabsäumt, genügende finanzielle Mittel für Ab- Hilfe bereitzustellen. Immerhin ist es gelungen, einen der Reichs- Rundsunk-Gefcllfchaft beigeordneten„Ausschuß für Rund- funkstörungcn cinzurick>ten. dem bezirklichc Störungsausschüsse innerhalb der Scndebezirke angegliedert sind. Von ollen Hörern wird die Tätigkeit der Aunkhilse und ihrer heiser begrüßt. Weich die Entstörungsversuchc der Rcichs-Rundfunk-Gescllschait trotzdem keine absolute Zustimimmg finden, muß bedacht werden, daß das Arbeitsgebiet neu ist und daß sie vor allem von scitcn der ElektrizitätS-, Gas- und Wasserwerke nicht ausreichend unterstützt «vivd. Diese Aachgruppc hatte zu einer Pressekonserenz eingeladen, , auf der Vertreter der„Vereinigung der Elektrizitätswerke" vor einem angeblich einseitigen Interesscnstandpunkt des Rundfunks und ' feiner Hörer warnten. Der Inhalt beider Referate erweckte durchaus den Eindruck, als ob privatwirtschaftliche Interessen eine Anzahl Verpflichtungen auf staatliche Finanzen abwählen wollen. Won der Rundfunkindustrie wurde gleichzeitig eine Verbesserung der Entstörungsvorrichtungen verlangt, an deren Vervollkommnung ohnehin schon seit langer Zeit und dauernd gearbeitet wird. Positive Vorschläge dieser Vereinigung erfolgen nur derart, daß die Rund- funkbehövden ersucht wurden, stärkere Sender zu bauen', während Energie die Störungen übertönen sollte. Die Referenten stellten sich ferner aus den Standpunkt, schärfere Benutzungsvorschriftcn sür die Hörer zu verlangen. Sie verurteilte Gerichtsentscheidungen, die den Hörern recht geben und denen sie übrigens einen guten Empfang nur� durch den Bezirksfender zu- sprachen. Das ganze Gebiet fei nach nicht reif für eine rechtliche Regelung sowot)l durch die Rechtsprechung als auch durch polizeiliche Verordnungen ihrer Städte. Angriffe wurden gegen Rundfunk- kommissär Dr. Bredow gerichtet, der in seinem wohlerwogenen Bericht zur Weltkraftkonferenz nicht darauf verzichten konnte, an die Starkstromerzeugung gewisse Anforderungen sür die Störungsbesrciung zu stellen. Diese Bredowfchen Vorschläge wurden von den Referenten als„Verruf alles dessen angesehen, was Stark- ström geschaffen hat". Der Verband ist leicht zu beleidigen, wenn er an seine eigenen Verpflichtungen erinnert wird, von denen übrigens wenig oder fast gar nicht gesprochen wurde. Wie nichts- sagend erscheint die Konferenz also schon deshalb. Die Redner ge- sielen sich darin, nur zu versichern, daß die Storkstromerzeugung dem Rundfunk freundlich gegenüberstände. Einnahmen, die der Rundfunk bringt, wurden vergessen anzugeben. Die Diskussion brachte eine fast einmütige Ablehnung des Standpunktes der Referenten zum Ausdruck. Schorf kritisiert wurde, daß weder Rundsunkpresfe noch Vertreter des Slörungs- ansfchustes, in dem verlreter der Ministerien und der großen verbände sowie die Slarkstromcrzcugung selbst vertreten sind, auf- gefordert wurden, zu erscheinen, um zu den Reseratcn Stellung zu nehmen. Diese„V e r gc ß l i ch k e i t" des Verbandes hat zur Folge, daß die anwesenden Berichterstatter, also auch die Oeffcntlichkeit, völlig einseitig orientiert wird. Nur diese Feststellung macht es notwendig, die Konferenz der „Fachgruppe der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke des Reichs- verbände? der deutschen Industrie" zu erwähnen. Sie muß zur Folge haben, daß sowohl Reichspost als auch Reichs-Rundfunk-Ge- sellschaft Veranlassung nehmen, den Kampf gegen Rundfunkstörungen im Interesse des Rundfunks überhaupt und im besonderen im Inter- esse der Hörer immer intensiver zu führen. F. Se. Heute Ltrteil im Böß-Verfahren. Die Grundstückverkäufe vor dem Untersuchungsausschuß. Die gestrige Verhandlung des Disziplinarverfahrens ' gegen O b e rb u r g e r m e i ft c r Boß vor dem 9. Senat des Ober- verwaltungsgerichts zog sich ebenfalls wieder bis in die späten Abend- stunhen hin, da eine Reihe von Zeugen zu den einzelnen Anschuldi- gungspunkten gehört wurde. Das Urteil wird voraussichtlich erst am heutigen Mittwoch in einem besonderen Verkündungs- tcrmin gefällt werden. �* In nichtöffentlicher Sitzung beschloß der Unter- s u ch u n g s a u s s ch u ß des Preußischen Landtags, gegen die Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung am Mittwoch zu den letzten Referaten des Berichterstatters Zeugen zu vernehmen. Zur Angelegenheit der Sonderfonds des Oberbürgermeisters Boß sollen dabei gehört werden Herr B ö ß f e l b st, sein Büro- dircktor, Magistratsdirektor Schulz, sowie Intendant Eger, der Letter der Festspiele Für die G r u n d st ii ck s« i n k ä u f e der BVG. find als Zeugen zunächst vorgesehen Magistratsrat Grund- frücksdezernent Z a n g e in e i st e r, Rechtsanwalt L a ck n e r und ein Vertreter der Berolina-Gescllschaft. Am Dienstag nahm der Untersuchungsausschuh den Bericht des Äbg. K o e n n e ck e.(Dnat.) über die Grund st ücksankäufe der BVG. entgegen. Der Bericht bezog sich auf die Käufe Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln. Zunächst wurde referiert über die Häuser Kottbusser Damm 39 und 4 0/4:1. Die Häuser wiesen Einheiissteuerwerte auf von ISO 000, 102 000 und 117 780 Mark und erzielten Kaufpreise von 372 841, 194 868 und 323 624 Mark. Sodann wurden die Ankäufe der Grundstücke Alexander- straße 1 lLoeser u. Wolfs), Alexanderplatz 3(Theseusgesell- schaft), A le x a n d e r pU-a tz 1— 2(Aschinger-Gesellschaft) und Alexanderstrahe 71(Spicgelglasgesellschaft) behandelt, bei deren Ankauf der Abg. heilmann als Schlichter für die Mietsstreitig- leiten tätig war, während für die Häuser am Kottbusser Damm der frühere Minister Siering Schlichter war. Für das Grundstück in der A l e x a n d e r st r. 1, so führte der Abg. Kocn necke aus, wurde ein Kaufpreis von 8 7S0000 Mark gezahlt. Auffällig ist der Unterschied zu dem Grundver- mögcnswert in höhe von 2,4 Millionen und zu dem Einheitswert von 2,6 Millionen.— Bei Ankauf des Grundstückes Alexander- platz 3, das die Schncllbahngesellschaft von der Theseusgesellschaft erworben hat, ist gleichfalls auffällig die Differenz zwischen Kaufpreis und Grundsteuer bzw. Einheitswert. Der Kaufpreis betrug 2 493 750 Mark, der Grundvermögenssteuerwert 900 000 Mark, der EiNheitswert 891 000 Mark. Für das A s ch i n g e r- G r u n d st ü\k Alexanderplatz 1— 2 betrug"der Kaufpreis 10 Millionen, der Grundoermögensstcuerwert 2 77S 000 Mark, der Einheitswsrt 2 789 000 Mark. Auffällig erscheint hier«in Betrag von 3,4 Millio- ncn als Entschädigung auf Grund bestehender Mietverträge. Für das sogenannte Stahlhaus(Alexanderstraße 71, Dircksenstraße) wurden 4 400 000 Mark als Kaufpreis gezahlt. Der Grundsteuerwert betrug 2 800 000 Mark, �er Einheitsinert 1862 000 Mark. Eigen- tümerin war die Bsrolina, Spiegelglas A.-G., die ihre Täligteit als Spiegelglasgesellschaft nie ausgeübt hat. Der Berichterstatter schil- derte den heftigen Kampf der Nordsüdbahn A.-G. um Herabsetzung der Wertzuwachssteucr und um eine Provision, die von der Bank für Kommunal- und Grundkredit A.-G. gefordert wurde. In einer nichtöffentlichen Sitzung wurde über den weiteren Gang der Be- ratung verhandelt. Zeugenvernehmung im Krenzel-prozeß. Verhandlungen über Zulassung der presse. Im Verlauf der gestrigen Verhandlung regte» die Rechts- onwälte Dr. Brandt und Blumenhein bei dem Gericht an, die Oeffentlichkeit in diesem Prozeß durch Zulassung von Pressevertretern wenigstens in beschränktem Umfange wieder herzustellen, um auf diese Weise zu vermeiden, daß unooll- ständige Berichte in die Oeffentlichkeit gelangen. Der Vor- sitzende hellwig' erklärte demgegenüber, daß die V c r n e h- mung'dcr hauptbelastungszeugcn, insbesondere der« beiden Töchter Frenzels, Gertrud und Hildegard, unter allen Umständen unter völligem Ausschluß der Oeffent- ltchkeit stattfinden müsse, im übrigen verhielte er sich ober diesem Vorschlag gegenüber nicht unbedingt ablehnend. Die Verteidigung vezirltfaasHliuS für sozialislisdie Bildunflsarüelt Berlin Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Veranstalfnngen der aktuellen Kleinkunstbühne durch die Kreisausschüssc: 12. Kreit Sledlilz und 11. Kreis SdiSnebertf, Sonntag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr, großer BUrgersaal im Rathaus Friedenau, am Lauterplatz. Eintritt 75 Pf. 3. Kreit Wedding, Dienstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr. großer Saal Hochschulbrauerei, Amrumcr Ecke Seestraße. Eintritt 60 Pf, 5. Kreit Friedridithain, Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, Andreasfestsäle. Andreasstr. 21, Eintritt 60 Pf. 14. Kreit Neukölln, Freitag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, Neue Welt, Hasenheide, Neuer Saal. Eintritt 60 Pf 120, Ablcilvng Friedrichtfelde, Sonnabend, den 18. Oktober, abends VtS Uhr, Tempels Festsäle, Prinzenallee 45. PROGRAMM Selait laer T»tummant«auf T Ein Querschnitt durch unser heutiges Leben. Zeittheater-Kurzstücke. Schauspiel, Tänze, Musik. «Songs"................. Texte von Erich Kästner Bergmannstied Fritz Droop Rekord...................... Erich Weinen Der kleine Roman, eine Gartenlaubengeschichte. Des Kaisers neue Kleider(nach dem Märchen von Andersen). Barlala, eine Moritat nach dem alten Volkslied. Der zurückgekehrte Ehemann, eine exzentrische Szene. Aus Deutschlands Leierkasten. „Nie wieder Krieg".....,............ Tucholsky MITWIRKENDE: Die aktuelle Kleinkunstbühne(Künstiergcmeinschaft Gelsenkirchen-Recklinghausen). Darsteller: Mali Blanck, Elka Haedrich, Oret Schnirer, Julius Klee, Otto Lutz. Günther Ruschin, Fritz Hagen. Regie! Otto Lutz. Tanzregie: Elka Haedrich. Bühnenbild: Julius Klee. Musikalische Begleitung; Leonhard Heinrich. Eintrittskarten sind bei den Funktionären und an der Abendkasse zu haben. übernahm es, sich hinsichtlich der Frage einer beschränkten Zulassung der Berichterstatter mit den Vertretern der Presse in Verbindung zu setzen, um dem Gericht geeignete Vorschläge unterbreiten zu können. Im übrigen wurde in der gestrigen Verhandlung mit der Zeugen- Vernehmung begonnen, die sich jedoch zunächst lediglich um Vorfragen drehte. Frenzels Ehefrau, seine frühere Sekretärin Frau Bell, und sein Bruder wurden vernommen, deren Aussagen fast in keiner Weise von denen in der ersten Instanz abwichen. Frenzcl habe da- mals ehrenwörtlich versichert, daß er schuldlos sei, was er ihni auch geglaubt habe. Die Zeugenvernehmung wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt. _ V Absturz englischer Armeeflugzeuge. Zwei Piloten getötet. London, 39. September. Ein schweres Flugzeugunglück ereignete sich in der Nähe der Ortschaft A r u n d e l in S u s s e x, als drei dicht zusammen fliegende Flugzeuge der englischen Armee bei dichtem Nebel in ein« auf einem Hügel stxhende Baumgruppe hineinflogen. Alle drei Apparate würden schwer beschädigt. Bon den Piloten wurde einer ans der Stelle getötet, ein zweiter erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Krankenhaus starb, und ein dritter kam uvie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde iindet in dieser Woche tun Freitag, 1914 Uhr im Gesangsfaal der Sophienschute, Weimueislerftr. 16/17, statt. Es wird zur Novembe»- feier geprobt, darum müssen alle bestimmt und pünktlich erscheinen. Das Hörspiel nach Alfred � ö b l i n s Buch„B e'r l i n- A l e x a n d e r p I a tz" leidet aus nicht genau bekannten Ursachen an chronischer Vertagung. Nachdem es jetzt bereits im Abend- Programm angekündigt war, verschwand es wieder in der Versenkung; sang- und klanglos kann man allerdings nicht gut sagen, da als Ersatz«in« Uebertragung aus der Lindcnoper gebracht wurde:„Cavalleria rusticana" und„Bajazzi", die ihre vielseitig« Verwendbarkeit schon oft bewährt haben. Wer sich für das Hörspiel einschalten wollte, kam mitten in die Mascagni- Oper herein. Eine Erklärung für die Programmänderung wäre nach Schluß dieser Oper doch mindestens am Platz gewesen: leidrr kam sie nicht./ Tes. 1 z-Freie Sozialistische Hochschule.� Der erste Vortrag im kommenden Wintersemester 1939/31 findet am Sonnabends dem 11. Oktober, IP'g' Uhr. im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, statt. Genosse Prof. Dr. Hermann Heller- Berlin spricht über das Thema„Faschismus als Rationalsozialismus". Eintrittskarten zum Preise von 59 Pf. sind an folgenden Verkaufsstellen zu haben: Frauenbüro der SPD., Linde»- strgße 2, 2. Hof, links 2 Treppen.— Arbcitcrwohlfahrt. Linden- straße 3, 2. Hot, links 2 Treppen.— Bezirksbildungsausschuß, Liydenstrahe 3, 2. Hof, links 2 Treppen.— Buchhandlung I. h. SS, Pietz Nachj., Lindenstraße 2.- Touristenvcrcin „Die'Naturfreunde", Johannisftraße 15.— Deutscher holzarbeiterverband, Am Köllmschen Park 2 und Rungestraße 39. Verlags- gesellschast des ADGB, Abteilung Sortiment, Jnselstraße ga— Zentralverband der'Angestellten, hedemamistraße 12.— Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstraß« g_ Ziaarrengefchöfb horsch. Engeluser 24/25.— Verband der graphische,, Hilfsarbeiter, Ritterstraße, Ecke Luisenufer.— Bank der Arbeiter Angestellten und Beamten, Wallstraße 65. Allgemeine Weiterlage. In einem großen Teile Deutschlands kam es am Dienstag zu weitverbreiteten Regenfällen. Die größten Regenmengen— bis gi 16 Millimeter— sielen in Mitteldeutschland. Rur im Donaug:bie: blieb es trocken: an der Ostseeküste war der Himmel oictsach heiler. Das flache Tief, das uns die Regensälle brachte, zieht jetzt langsam nach Osten ab. Zugleich strömen auf d?r Rückfeite eines nord- russischen Tiefs küchle Luffgiassen Wer KkapstfnMen südwärts, in deren Bereich wir kommen werden. * Wekteraussichten für Berlin: Uebergcmg zu kühlerem und wechselnd bewölktem Wetter mit vereinzelten leichten Schauern.— Für Deutschland: lieberall wechselnd bewölktes Wetter mit einzel- nen Schauern und weiterer Abkühlung. Kfltll Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu Das fj H cBnfenbungtn fOr 6Icfe TtnbrtI mir-W das Zugendfefrztod«. Sorflo«3B 68..Cindcnftrttfa 3 „Bafbur".Zahrt nach Hcfciit am 4. und 5. Oktober. Abfahrt am Sonnobcnb. bern 4. Oftober, UM 19 Ubr, ab Spandau. Teilnehmergebühr.7 M. infl. 2 mal Kaffee, Mittagessen und Uebernachtnng. Teilnehmerkarten sind noch crhälttich. Alle Iugcndgenossinnon und-genossen, die �bisher noch an keine„Baldnr". Sahrt teilgenommen haben, sollten nid)t ucriaumen. die letito ssahrt in diesem Jahre mitzumachen. »inzellartcn siir die Jngendoorstellnag in der Volksbühne am o. Oktober (pro Karte 80 Pf.) sind itod> erhfiltlich.... Str-ich-.chcster S roh. Berlin. Heute, Uhr, Pflichtprobe UN Hs-M Cc°. Ecke Turiner Straße. Abkeilungsmiigliederversammlungen, heuie, 1S� Uhr: Gesundbrunnen Hz Heim Christianwstr. 38.— Wedding: Heim Turin er Straße.— Hohenschönhausen: Heim Dingelstedter Straße.— Frantsurtcr Viertel: Heim frankfurter Allee 307(GewerkschasthMitgliedsbuch'Kontrolle).— Petersburger Viertel: Heim Ebertpstr. 12.— Reichenberger Viertel: Heim Briher Str. 27—30.— Eharlotteuburg.Rord: Heim Olbersstraße.— Lindeuhof: Heim der Siedlung.— Spandau Heim Lindenufer.— Laukvij»: Ge. meinbeschulc, Sckulstraße.— Wannsee: Schule Charlottenstraße.— Friedrich«. Hägen: Friedrichstr. 87.— Friedrichsfelde: Heim in Lichtenberg, Gunterstr. U. — Kaulsdorf: Schule Adolfstr. 25.— Lichtenberg. Mitte: Heim Scharnweber. straße 29.— Neu. Lichtenberg: Heim Hanffstraße.— Mahlsdorf: Heim Me- lanchthonsttaße,— Tcmpelhof: Heim Götzstraße. ic Arnimplaß: Treffpunkt sur Wcrbebezir?smitgliederr>ersammlung lOV«(ifjc „Sozialisten. Ecke".— Norden: Heim Lortzing- Ecke Graunstraße.„Hnternatio. naler Zugendtag".— Luisenstadt: Heim Wassertorstr. 9. Valitisch-satirischcr Abend.— Britz: Funktionärsitzung im„Hufeisen".— LiHtenberq.Rordwcst: Heim Rathausstraße, Baracke 5. Heimabend. Werbebezirk Prenzlauer Berg: 20 Uhr Mitgliederversammlung un Heim Danziger Str. 62. Vortrag:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik"... � Webe bezirk Reinickendorf: Funktionarsißung im Heim:n Tegel, Bahnvor» straße 15. Mitgliedsbuch mitbringen.. �, Werbebezirk Tiergarten: Sprechchor. Wichtige Probe, Schule WaWuier» straße 21, 19'-_> Uhr. All/? müssen erscheinen.. Werbebezirk Neukölln: Sprechckorvvdbe im Heim Kanner Straße. Alle nrnipn erscheinen. Außerdem wichtige Werbeausschußsitzung im Parteibüro. Ausgabe von Werbcmaterial und Adressen. Alle Gruppen müssen vertreten fein. Werbe bezirk Penzberg: 20 Uhr Iüngerenkursus im Heim Britzer Str. 27 30. Sport. Rennen zu hoppegarien om Dienstag, dem 30- September. 1. Rennen, t. Fathin(h. Schmidt/ 2. Bravo, 3 Parzenländrr. Tuto:!6: 10. Matz: 11,14,12:10. Ferner licscii: Antonius, Busl-N d, Mtidlina, Limpurg._. 2. R c n ii e n. 1 Palsteh(O.■tchrnidt). 2. Wiener Blut, 3. Ina. Toto: 16:10. Platz: 11. 14:10. Ferner licieiN! Osmuuda.. 3. R e ii n e u. 1. Lamdo(M. Schmidt). L. Priester, 2, Kavalleriit. Toto: 35:10. Platz: 16, 13: 10. Ferner liefen: Feiet, Dionp-b, Parro. 4. R c II n e u. 1. Erika iRastenbergeri, 2. Mafalda, 8. Narzitz--roto: 29:10. Platz: 17, 16: 10. Ferner liefen: Sicranium, Faro.... 5. NenNe it. 1. Lebnsberr(Printen), 2. Ansfar, 3. Lichtenstrabl ET. Toto: 157:10. Platz: 43, 26.53:10. Ferner liefen: Cai'or. fturrnärker, (Salvimi, FlaviuS, Favorit, Falir, Musketier, Tcutonc, Teddii. Conturrent, Mackvoran.~.. 6. Rennen. I. Britta(Huguenln), 2. Ich will. 3. Makrele. ao!o: 30: 10. Platz: 24, 42: 10. Ferner Uesen: Peler, Fragola, Wasserquelle, 7. Rennen. 1. Gassenjunge(tzugnentn), 2. Mongole, 3. StcStscld. 4. Serner. Toto: 45:10. Platz: 14,24,17.19:10. Ferner liefen: Quo» nto. Roderich, Togmatiker, Khcdipe, Gilgamesch, Wydear, Kasbek, Historia, Ftaniclla. BERLIN HAMBURG ALTONA KÖLN ESSEN DÜSSELDORF HANNOVER DORTMUND DUISBURG MAGDEBURG FRANKFURT Vm WUPPERTAL BREMEN 3alss�a3ä$ 1950 de-wicLmei allen FzeuxidLen imseres!E£a.uses nxid. denen, die es"werden-wollen. Copyright bu Kurt Lisser Reklama 1930_ Nachdruck„ypn Wort und Bild verboten! ITiaxxoaftcif 33! Welcher Kaufmann hätte nicht �eine Freude, wenn er einen Brief bekommt, der so anhebt: i5' m'r ein Vergnügen, Ihnen mitteilen zu können, daß sich der vor längerer Zeit bei Ihnen gekaufte An, sug bis heute tadellos getragen hat." Wenn es dann in dem Brief des Herrn F...t weiter heißt: » .Die Bedenken, die Ware könne wegen ihrer Billigkeit nichts taugen, sind bei uns verschwunden, weil wir uns eben durch den Kauf eines Anzuges von der Güte desselben überzeugen konnten." so freut einen natürlich die Anerkennung und die Nettigkeit, sie uns schriftlich mitzuteilen. Aber sie wundert uns nicht. Denn wer sollte unsere Ware kennen- wer ihre Qualitäten, wenn nicht wir! Und wo nähmen wir den Mut her, ein Vermögen für unsere Reklame auszugeben, wüßten wir nicht, daß was immer bei uns gekauft wird- auch das billigste.— so beschaffen ist, dah der Käufer damit so zufrieden sein kann, dah er wiederkommt, defi er uns weiter empfiehlt. Der Amerikaner-- Meister auf dem diffizilen Instrument der Reklame— sagt: man kann alle Leute einmal übers Ohr hauen, manche Leute immer— aber man kann nicht alle Leute immer zum besten halten. Annähernd 20 Jahre sind's her, daß wir uns in Deutschland niedergelassen haben. Ein Geschäft nach dem anderen wurde seitdem eröffnet(heute sind's 15)- immer gewaltiger wächst derUmsatz, v/eil die alten Kunden bleiben und jeden Tag neue hinzukommen. Kann man bei einer solchen Firma kaufen? Muß man nicht? Bedauernswert, wer abseits steht ausVorurteil oderUnkenntnis�denn er gibt wesentliche Vorteile aus der Hand, die er haben könnte. Klug ist, wer prüft und vergleicht - wer dte Vorteile, die wir jedem bieten, für sich ausnutzt— und wer unserer Aufforderung folgt: Lxahne/ Großmutter/ Mutter unö Kinü--- Der Zeichnung gleich war wohl unser oller Vorstellung, als wir in der Schule dieses Echwabsch« Gedicht lernten. Wie anders heute, wo man. wenn auch viel» leicht mit ein wenig galanter Uebcrtreibung, das Gedicht so variieren könnte: Urahne, Großmutter, Mutter und Kind* Kaum noch voneinander zu unterscheiden find. Der Versfuß holpert ein bisserl, das ist wahr! Aber die Hauptsache stimmb doch, daß heute jede Frau, ob jung oder alt, groß oder klein, stark oder schmächtig, sich nach der neuesten Mode kleiden will, und daß jede sich bemüht, so schön auszusehen wie nur möglich. Und wie leicht wird's der Frau heute gemacht, das zu erreichen, nock, dazu zu Preisen, an die man sicherlich, � als das Schwabsche Gedicht ent» stand, nie gedacht hatte. So gibt's z. B. bei uns � Für die Urahne Diesen eleganten Frau» �en-Mantel au« schönem Ripsstosf, ganz auf kunstseidencm Duchcsse gefüttert, mit großem Krage» und Stulpen au» Ejare-Pelz, in schö- ner, moderner Verarbeitung. Der Mantel ist in alle« Größe« bi» Gr. 52 erhältlich und kostet«�100 nur Für die Großmutter Den nebcnstehenden hocheleganten Mantel au« gutem, dunklem Phanta- sie-Vclour«, ganz auf schönem Kunstseiden-Du- chesse-Futter. Er wirkt mit seinen tiefe«, ein- gelegten Scitenfalteu und dem großen, wert- vollen Oposium-Kragen sowie Manschetten äußerst vornehm und ist sehr preiswert"t? jS) CO für Für die Mutter Den hübschen Mantel, den die nebenstehende Abbildung zeigt, mit Pelzgarnierung an Kra- gen, Acrmcl und Saum, ganz gefüttert und mit der modernen Biesen- und Steppverzierung im Rücken. Er ist in schö- nen Modefarben vor- rätig zu dem fabelhaften Preise«�££00 von Mme.Terfren Laila, die indische Seherin ist jetzt nach Deutschland berufen worden, und man erwartet mit Spannung ihre Prophe- zeiungen über die Zukunft Deutschlands. Wenn's geht, den Vorhang, der die Zukunft verhüllt, etwas zu Heden, das ist ja ein Wunsch, der von altersher allen Menschen gleich ge- meinsam war und ist. So werden wir ja nun bald ganz genau wissen, wie es uns allen in Zukunft gehen wird, und hoffentlich wird es uns dann nicht leid hm, gefragt zu haben. Aber vielleicht sagt uns Mme. Laila auch eine bessere Zukunft voraus. Der Anfang dazu ist ja schon gemacht mit dem Preisabbau, der eingesetzt hat und der immer weitere Kreise zieht. Wir z. B., die wir uns ja stets bemüht haben, die Preise für Herren-KIeidung auf ein denkbor niedriges Niveau zu bringen, arbeiten ständig weiter daran, beste Ware zu kleinsten Preisen zu bringen. Und die immer stärker werdende An- frage noch unserer Kleidung ist wohlein deutlicher Beweis dafür, wie sehr wir, mit unserem Preis- abbau den Wünschen der Herrenwelt ent- gegengekommen sind. Auch Sie werden e» kaum für möglich hol- te», einen Mantel wie den hier abgebildeten hochmodernen Winter- Ulster an» sehr trag- fähigem Cheviot, mit schöner karierter Ab- seit«, ans Kunstseide gefüttert, mit knnst- seidenem Aermelsut- ter sein Mantel glei- «her Qualität kostet« vorm Jahr« 79.50 M.) seht für 4»-oo nur VA kaufen z« könne». Wer da» Ist u«r e I« Beispiel. Kommen Sie einmal z« uns. An vielen taufende« Anzügen ««d Mäntel« können Sie sehe«, wie rücksichtslos wir bei unserem Preisabbau vorgegangen sind. Und Sie werden mit uns einer Meinung sein, daß die Aussichten auf wirtsäsaftliche Besserung durchaus begründet sind— einerlei, was Mme. Terfren Laila dazu sagen mag. � t s r>i Der Rand ist schön geschwungen,/ Die Form famos gelungen,/ Die Farbe ist modern, I Die Frauen haben's gern. I Das Ganze ist ent- zückend, l Die Kleidsamkeit berückend, I Der Preis ist nur sehr klein! I Was mag das sein? Auflösung: lpj>,jr>i -uvhct"»T ireiutvä Jjuitpiguvqschie»| .jojj qun»upissDO® Db-giDlumt uty) -gnh lim-qoui in joiHjii ■wa Jjaiq>ji sz> Das Familien-Album« ...... und das hier ist meine Kusine Inge. Hübsch, nicht wahr? Ja, und sie geht im» i mer riesig elegant und snach der neuesten Mode �angezogen, trotzdem sie bei ihrem bescheidenen Einkommen sicherlich auch rechnen muß. Wie sie das macht, ist mir unklar, aber in dem Kleid auf dem Bild sieht sie doch wieder direkt süß aus, nicht wahr? Wie leicht ist des Rätsels Lösung! Inge ist ein junges, modernes Mädel, die mit beiden Füßen fest auf der y Erde steht und längst erkannt hat, daß es . für ihren Wunsch: immer hübsch aus- zusehen und immer modern gekleidet zu sein, nichts besseres gibt, als bei uns zu kaufen. Und da rührt auch dieses entzückende Kleid her, in dem Inge.so süß" aus- sieht. Es ist aus vem mo- kernen Flamingo; die große, sehr schicke Tu- nika mit eleganter Snopsgarnierung, da- zu reizende Georgette- garuitur und zarter Blumentufs, und kostet M un* nur£*& Tun Sie's Inge gleich! Auch Sie könne» immer reizvoll und modisch gekleidet sein, und es braucht Sie doch«nr g o» z wenig Geld zu kosten! Em neuer Auszakl-Vers Bricke—» brocke— drei— Der Fritz ist nicht dabei; Der Fritze ging mit der Wamel Zum Kindertag zu C. äi A. Ganz neue Sachen kriegt er da. Den» billig ist's bei E. ö- A. Bricke— brocke— brock— Mtüssch ist KwöeNtag Kennen 8ie Jen? Die kleine Ursel bekommt von ihrem Onkel 20 Pf. geschenkt. Freut sich), aber sagt nichts. „Weißt Du denn nicht, was man zu sagen hat?" sagt die Mutter.„Wie sage ich immer, wenn ich vom Vater Geld bekomme?" „Ach so!" sagt Ursel--„So wenig?» C> All« In dieser Seite enthaltene« Angebote stehen Ihnen ab Witt- woch früh bei uns zur Ver- fügung. Schriftliche Bestellunzen können nicht berücksichtigt werdeni Herren, bzv.&ud>ca-KlcidoDC f» dco bdden aadiiftm! Kgatertr./ Oranienrtr.40 Am Oranlcnplat« Chauneeftr.11 3 Königjtraße 33 Belm Slcitlntr vehnhoi Amft*nnhofA<«(Wtfeisiaa persil wird billiger! Mit dem heutigen Tage treten für Persil folgende neue Verkaufspreise in Kraft: für das Normalpaket 40 Pfg. für das Doppelpaket 75 Pfg. Diese Preisermäßigung ist vor allem möglich geworden durch die immer mehr steigende Beliebtheit, der sich dieses einzigartige Waschmittel in der gesamten deutschen Hausfrauenschaft erfreut. Die überragende Güte, die von jeher sein hervorstechendstesMerkmaiwar,wirdesimVereinmitdem neuen verbilligten Preis noch mehr zum Liebling der Hausfrau und ihrem unentbehrlichen Helfer machen! Henkel& Cie. A.G. Düsseldorf Persil wird niemals lose, sondern nur in der bekannten Originalpackung verkauft. Quittangs-.Rabatt- ii. Reklamemarken ßegen Nachahmung gesetzl. gesch. 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Rege Beteiligung erwartet vi« OrtocmalluDg 200 Hark Belohnung zahlt für Herbeischaffen der auf dem Neubau Albionstr gestohlenen FuBboden-und Emaillelacke Schwarz, Neukölln 5598. Vor Ankaut wird gewarnt! Wenn Menschen auseinandergehen, Heitst weinend es:„Auf Wiedersehen!'"* Wer Hühneraugen hat, jedoch Sagt„Lebewohl"• und lächelt noch. *) Gemeint ist natörlicb das beröhmte. von vielen Aerzten empfohlene HOhnerowicii-Lcbcwohl und Lebe wohl-Ilallcn«cfaelben, Blechdose Pflaster) 75 Pf-, Lebrwohf-Fo�bad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) SO Pf-, erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erl�n wollen, verlangen Sie ausdrücklich das ediic Lebewohl m Bledüdosen und weisen andere, angeblich„cbensogute Mittel zurück- Rr. 459• 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 4. Oktober 49Z0 Oer unmögliche Gefrierfleischersah Oer Reichstag muß sich gegen die Bonswirtschast aussprechen Im Aeberwachungsoussch'-fl des Reichstags wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, das zollfreie Ge- friersleifchtontingent wieder einzuführen, wir geben im sol. genden ein Bild der Entwicklung: Am 14 April b. S- gab der Reichstag— mit sehr geringer Mehrheit— den. Verlangen der Regierung Vriining-Schiele noch, das zollfreie Gejrierfleischk->">"gent von 50 000 Tonnen aufzuheben um im vermeintlichen Jmerefse der Sonbmirtfchaft den Absatz des deutschen?leisct)es zu heben. Der Minister Schiele ver- sprach bei dieser Selcgcnheit, um das Zentrum seinen Wünschen gefügig zu machen, den minderbemittelten Bevölkerungsschichten den bisherigen Flei/chgknuß anstatt durch das billige Gesriersleisch durch verbilligtes frisches I n l a n d s f l e i s ch zu ermöglichen. Es fehlten ober die Mittel für diese Berbilligungsaktion. Die Rechniin» daß die Einfuhr voll zollpflichtigem Gefrierfleisch die Ge/der bringt, hatte einen Haken. Es wurde zunächst gleichzeitig mit kxr Aushebung des Gesrierfleischkontingents der 8 12 des A/rschbeschougesetzes wieder eingeführt. Nach diesem Paragraphen darf geschlachtetes Vieh nur in Verbindung mit den dazu gehörenden Lnnenteilen eingeführt werden. Somit war überhaupt die Eintuhr von Gefrierfleisch unterbunden, so daß auch Zolleinnahmen aus der Gefrierfkeischeinsuhr gar nicht mehr in Frage kommen. Der famose Plan mil dem Rennlierfle�sch. Ilm die Forderung mehrerer Großstädte, vor allem Berlins. nach Bolieferung der Arbeitslosen und Wohlsahrtsunterstützten mit billigem Fleisch zu beschwichtigen, versuchte man im Reichsernäh- lungsministerium die empört« öffentliche Mehrung auf den neuen deutsch-finnischen Handelsvertrag hinzuweisen, der«ine Herabsetzung der Zölle für Renntieril«iich vorsieht. Nach Ansicht des Herrn Schiele sollt« nun Renntierfleisch als Ersatz des Gcsrierslcisches an die arme Bevölkerung zur Verteilung gelangen. Dieser Vorschlag wirkte geradezu wie Hohn. Die Einfuhr von geschlachteten Renntieren betrug in der Vorkriegszeit weniger als l 0 00 S t ii ck, nach dem Kriege war die Einfuhr absolut unvedeutend, dagegen umfaßte das ausgehobene Gesriersleischkontingcnt ungefähr 200 000 Rinder! Dazu wird die Renntiererhaltung immer mehr eingeschränkt. Außerdem kostet selbst unverzolltes Rcnntier- fleisch erheblich mehr als deutsches Rotwildfleisch, dem es in der Qualität sehr ähnlich ist. Renntierfleisch konnte also höchstens in den Küchen der Hotels eine Rolle spielen, nie aber im Kochtopf des Arbeits- losen. Mit dem heutigen Tage ist nun auch das letzte zollfrei« Gefnerfleifchkontingent von 12 500 Tonnen erschöpft, das dem Ge° srlerfleifchhandel nachträglich noch zugestanden wurde, weil es vor der Aufhebung des S0000-Tonnen-Kontingents schon gekaust war. Minister Schiele mußt« jetzt wohl oder übel seinem Versprechen, Ersatz für das billige Gefrierfleisch zu schassen, nachkommen. Der alle SJorfrijiag wurde wieder hervorgeholt, an die Minderbcmikkelken �fcisrfibons zu verteilen, die vom Fleischer beim Einkauf von Frischfleisch in Zahlung ge- nommen werden. Vor einigen Tagen ist bekannt geworden, daß sür die„Fleisch- uerbilligungsaktion" vorläufig bis zum 1. April 10 Millionen Mark zur Verfügung gestellt sind, die aus den Einnahnien des erhöhten Weizenzolles genommen werden sollen. wie wir erfahren, sollen öurch die Landesregierungen die Ge- meinden, die bisher zum zollfreien Gefrierfleischbezug zugelassen lvaren, veranlaßt werden, den Kreis der tatsächlichen Minderbemii- telien durch die Fürsorge, und wohlfahrlsämter listenmäßig festzustellen. Aus Grund dieser Liste soll dann die Abgabe von Fleischmarken zu je 10?f. sür ein halbes Pfund frisches Fleisch erfolgen. Dagegen sind von dem Bezug durch Fleischmarken sämtliche anderen in Fleischerläden erhältlichen waren wie Speck, Schmalz. Würste und dergleichen ausgenommen. Di« für die Dcrbilligungsaktion bereitgestellten Mittel— jährlich 20 Millionen Mark— find völlig unzureichend, da die Ersparnis der Fleifchkonfumenten durch den Verbrauch von Gefrier- jlcisch ungefähr 50 bis 60 Millionen jährlich gegenüber dem Frijchsleischverbrauch betrug. Die Verbilligung ist nur«in sehr magerer Erjag für das Gefrierfleisch: Im Großizandel kostet Ochsen- fleisch je Zentner 94 bis 99 Mark, Gefrierfleisch dagegen nur 5 2 M a r k, so daß Gesriersleisch 45 Proz. billiger ist als Frifchsleisch. Die verbilligung durch einen Fleischbon von 20 Pf. je Pfund kann aber bei den jetzige» Kleinhandelspreisen von l Mark bis 1.20 Mark für billiges Rindfleisch und 1,30 Mark sür Schweinesleisch nicht mehr als IS Proz. oder höchstens 20 Proz. betragen. Außerdem wird durch dieses kriegsmäßige Vezugsscheinsystem wieder Schiebereien Tür und Tor geöffnet und ein schwunghafter Handel mit den F l e i s ch b o n s vorbereitet. Ter Fleischverbrauch wird teurer und viele werden aus Not Fleischbons verkaufen, um sich noch lebenswichtigere Nohrungs- mittel beschaffen zu können. Dann werden Leute, die sowieso Fleisch taufen können, ihr Fleisch durch die Bons einfach billiger erhalten. Der Konsum an inländischem Frischfleisch wird also dadurch nicht er- höht werden und auch die Landwirtschaft hat keinen Nutzen. Die Frage des Gefriersleischersatzes ist also völlig un- zureichend gelöst. D i e trau rige sozial« Lag« erfordert aber drin- gcnd auch eine Verbilligung der Ernährung. Die Reichsregierung muß daher von dem neuen Reichstag gezwungen werden, für all« minderbemittelten Vevölkeningsschichten das notwendige Fleisch zu erschwingbaren Preisen zur Versügung zu stellen. Don einfachsten weg, die Wiedereinführung des zollfreien Gesrierfleischkontingents. Hot der Ileberwachungsaiisschuß jetzt gewiesen. Damit würde sich auch das Reich unnötige kosten ersparen, denn bekanntlich hat der Gefrierfleischhandel einen Prozeß aus Schadenersatz von vielen Millionen, der am 12. Oktober ver- handelt wird, gegen das Reich angestrengr. Dieser Prozeß wird wahrscheinlich vom Reich verloren werden, da gesetzlich festgelegt war, daß die Gesrierfleischeinfuhr bis Ende 1933 nicht durch gesetz- liche Bestimmungen behindert werden darf. Auch der Landwirtschaft entsteht durch die Wiedereinführung des Kontingents kein Schade», denn die 50 000 Tonnen Gesriersleisch machen nur 2 Proz. unserer gesamten FleisäMersorgung aus, so daß das Gefrierfleisch gar kein Konkurrent für das deutsche Frischfleisch ist. Gchwerverdiener an der Ruhr. Gute-HoffnungS-Hütte erhöht Dividende von 7 auf 40 Prozent- und macht scharf! Die GuteHossnungsHütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb, Nürnberg, wild, wie jetzt bekanntgegeben wird, auf ihr 80-Millionen-Kapital für das Geschäftsjahr 1929/30(1. Juli bis 30. Juni) eine von 7 auf l0 Prozent erhöhte Divi- den de l!) zur Ausschüttung bringen. Diese Erhöhung ist möglich vor allein deshalb, weil der Reingewinn der fchwerindu- seriellen Oberhousener Werke von 3,94 auf 5 M i l- lionen Mark gestiegen ist. Es wird hinzugefügt, daß diese G e w i n n q u o t e, auf ein« produzierte Tonn« umgerechnet, den Durchschnittsgewinn der Montanindustrie entsprechen dürfte. Ein ausgesprochenes Krisenjahr, ein starker Rückgang der Produktion. und eine solch« Gcwinnsleigerung— und dabei ist es die Schwerindustrie, die jetzt die rücksichtslose Lohnsenkung fördert und die Preissenkung sabotiert. Und eine solche Preis- und Lohnpolitik wird von dem neuen Regierungsprogramm gefördert. �ebenshaltungsindex September il46,9 proz. Das Statistische Reichsamt teilt mit: Die Reichsindex- Ziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats September auf 146,0 gegenüber 148,8 im Vormonat. Ausschlaggebend war die Senkung der Ernährungsausgaben. Hier haben vor allem die Preise für Kartoffeln und Gemüse erheblich nachgegeben. Die Preise für Beklcidungsgegcnstände haben ihren Rückgang verstärkt sortgcsetzt. Die 5losten der Heizung haben sich infolge Abbaues der «ommerrabatte, die Ausgaben für de» sonstigen Bedarf besonders durch die Heraussetzung der Personeniarife der Reichsbahn erhöht. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14— 100) für Ernährung 141,7, für Wohnung 130,5, für Heizung und Beleuchtung 152.4. für Bekleidung 160.8, für den fon- ftigen Bedarf einschließlich Verkehr 105,5. Oer Preisabbau für Reifen. Eo unwirksam wie nur möglich. Kaum ein Rohstoff hat bei der allgemeinen Preisrcvolution in der Weltwirtschaft derartige Preiseinbrüche zu verzeichnen gehabt, wie der Rohkautschnk. Bei einem Rekordtiefstand van 32 Pfennig je engl. Pfund war der Knntschukpreis auf weniger als ein Sechstel der Preise von 1925 gesunken. Trotzdem sind die Gummireifenpreise in Deutschland mit Hilfe einer rigorosen Kartellpolitik auf dem Stande von 1925 gehalten worden, obwohl auch ein anderer wich- tiger Rohstoff, die Baumwolle, die Gestehungskosten sür Gummi- reifen durch ständiges Sinken der Banmwollpreise erheblich ver- billigt hat. Bor den Wahlen hieß es, daß eine 30prozentige Sen- kung der Reifenpreise in Deutschland eintreten sollte, ober wie das gesamte Preissenkungsprogramm der Regierung, war auch diese Ankündigung eine fette Wahlente. Jetzt endlich hat sich das Reifenkartell, der Verein deutscher Gummireifen- Fabriken, unter dem wachsenden Druck der Krise zu einer Senkung der Preise entschlossen, und zwar sollen die Preise für Personenwagenreifen um 5 Proz. und sür Lastwagenreifen u m 10 Proz. herabgesetzt werden. Dieser Preisabbau ist im Hinblick auf die Verbilligung der Rohstoffe gänzlich ungenügend, da der Kautschuk sich im Laufe der letzten vier Jahre um 8 5 Proz. und die Baumwalle allein in den letzten neun Monaten sich um f a st 6 0 Proz. ver- billigt haben. Außerdem hätten schon die Rationalisier ungs- g e w i n n e, die in der Reifenindustrie durch scharfe Konzentrations- maßnahmen besonders groß sind, allein schon genügt, um einen stärkeren Preisabbau zu rechtfertigen. Das Reifenkartell wird im Ernst selbst nicht daran glauben, daß diese geringe Preissenkung irgendwie anregend auf die Lastwagen- und Autoinduftric einwirken wird. Züricher Elekirobank. Sie verstärkt ihre deutsche Interessen. Die Züricher Elektrobant(Bank für elektrische Unternehmungen in Zürich), die trotz der allgemeinen Krise ihre Dividende für das Jahr 1929 von 10 auf 12 Proz. hat steigern können, hat ihre Beteiligungen erheblich erweitert. Insgesamt haben sich die Beteiligungen und Kontokorrentvorschüsse an Tochtergcsell- schalten von 75,6 aus 115.9 Millionen Schweizer Franken ver- größert. Die Beteiligungen an deutschen. Gesell- schasten waren 1928 von 18,8 aus 14,6 Mill. M. zurückgegangen, da die Elektrobank einen Teil ihrer Beteiligungen an einige zu- sammen mit belgischen und italienischen Gruppen gegründete Doch- gesellschaften weitergegeben hatte. Die verminderte Beteiligung der Elektrobank bedeutete also nicht etwa einen verringerten ans- ländischen Einfluß aus deutsche Elektrizitätsunternehmungen. Nunmehr wird(für den 30. Juni 1930) ein neues An- steigen der deutschen Beteiligungen von 14,6 aus 16,3 Mill. M. verzeichnet, wozu noch erhebliche Vorschüsse kommen. ,Es ist noch nicht bekannt, ob zu den früheren deutschen Beteili- gungen(Lech-Elektrizitäts-werke, Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft, Rhcinfelden usw.) noch neue getreten oder ob kurzfristige Kredite in Aktienbesitz umgewandelt morden sind. Die erst vor einigen Monaten beschlossene K o p i t a l e r h ö h u n g von 75 auf 100 Mil- lioneu Franken, die einen Kapitalzufluß von etwa 150 Mill. M. bedeutete, läßt oermuten, daß die Elektrobank ihre Ex- pansion in der deutschen Elektrizitätswirtschast fortzusetzen beabsichtigt. Kupferpreis weiter gefallen. Aber die Produktion ist im August gestiegen? Da die bisherigen Preisherabsetzungen nirgend; in der Welt weder den Konsum noch den Handel zu größeren Käufen veranlaßt haben, hat das K u p f e r e x p o r t k a r te l l den Preis für ein englisches Pfund Kupfer a u f 10,30 Cents herabsetzen müssen. Neben den steigenden Vorräten drücken die amerika- Vom Preise hängt es ab ob Sie sieh zum Kauf entschließen. In allen unseren Preislagen ist der Schuh, den Sie kaufen, die höchste Gegenleistung an Qualität, Verarbeitung und Haltbarkeit. Unsere Riesenproduktion zwingt uns sehr scharf zu kalkulieren nach dem Prinzip: Großer Umsatz— kleiner Nutzen. Darum kaufen Sie stets preiswert bei SALAMAHDE mschm Lohnhütt«« mit ihrer Unterbi«tuny«palitik dauernd auf den Preis. Das Erstaunliche dabei ist nun, daß die Augustproduk- t i o n an Kupfer höher als in den beiden Vormonaten ist: die .Hüttenproduktion der ganzen Welt betrug im August 1 S6 900 Tonnen gegen 132 500 Tonnen im Juli und 135 000 Tonnen im Juni. Davon entfielen auf Amerika 101 000 Tonnen(gegen 97 KOO bzw. 89 500 Tonne») und auf Deutschland 5200 Tonnen (gegen 4200 bzw. 3800 Tonnen). Auch ein Zeichen für das„gute" Arbeiten des kapitalistischen Marktmechamsmus! Preissturz für Kork. Linoleumpreise können weiter gesenkt werden. Kork, bekanntlich neben Leinöl und Jute der wichtigste Rohstoff der Linoleumindustrie, hat in den letzten Monaten gleich anderen Rohstoffen starke Preisrückgänge erfahren: geringwertige Korkrinde i st u m etwa 15 Proz. und Korkabfälle find sogar u m 3 0 b i s 40Proz. billiger geworden. Da- gegen soll bei arideren Korksorten ein Preisrückgang bisher nicht zu berzcichnen fein. Insbesondere die Stockung im Bauwesen und die daraus entspringende Verminderung des Bedarfs an Linoleum und Jfoliermaterialien hat grohe Vorräte entstehen lassen. Der europäische Korkbedarf wird in der Hauptsache von dem früher belgischen, jetzt s p a n i s che ir K o r k t r u st(Compania Gene- rale del Corcho, Barcelona) gedeckt, der in Spanien, Portugal und Rordasrikn über ausgedehnte Eichenwälder verfügt und in fast allen Industrieländern Europas grohe verarbeitende Unternehmungen bc- herrscht. In Deutschland wird von ihm die Vereinigte Kork- industrie A.-G.(12,5 Millionen Mark Aktienkapital), eine Dach- gesellschaft für die hauptsächlichsten deutschen Kork-lZesellschasten, kontrolliert. Der.Hauptkonkurrent dieses Korktrusts, der bisher in Eitropa eine fast lückenlose Monopolstellung innehatte, ist die ameri- tanische Armstrong Cork Co., die ebenfalls in Spanien und Portugal Wälder und Einkaufsorganifationen beherrscht. Weniger die Konkurrenz der europäischen und der amerikanischen Gruppe hat den Preissall veranlaßt als das Mißverhältnis zwischen Produktion und Slblsatz infolge der allgemeinen Krise. Die Regierung von Spanien hat einein weiteren Preissturz insofern vorgebeugt, als sie verboten hat,«ine Eiche mehr als einmal innerhalb von 10 Jahren zu schälen. Ob die nun zu erwartende Produktionseinschränkung ausreichen wird, um den jetzigen Preis- stand zu halten, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall bietet sich durch dies« Verbilligung eines wichtigen Rohstoffes dem Linoleumtrust eine neue Ge- legenheit, die L i n o leu m p re ise weiter herabzu- setzen. Llugeschmäterte Elekirogewinne. Die E l e k t r i z i t ä t s- A.- G. v o r m. W. L a h m e y e r u. Co., Fr an kfurt o. M., ist einer der bedeutendsten deutschen Elektro konzcrne, nicht so sehr wegen der Fabrikation elektrotechnischer Maschinen, Apparate und Anlagen, sondern wogen seines großen Machtbereichs innerhalb der deutschen Energiewirtschaft dank der zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen. Das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 1929/30 ergab fast den gleichen hohen II e b« r s chu ß von 2,45 Will. M. wie das Vorjahr (2,44 Mill.). Davon wird auf das Stammkapital von 18 Mill. wieder die h o h e Dividend« vonl2Prazent verteilt, während die Vorzugsaktien(10 000 M.) die satzungsgemäße Dividende von 6 Proz. erhalten. Dividenden für Gardinen. plauener Gardiuenfabnk 6 Prozent. Die Gardinenfabrik Plauen A.-G., P l a u e n i. Vogtl., weist für das am 30. Juni beendigte Geschäftsjahr 1929/30 einen Rückgang des Bruttogewinns von 0,74 auf 0,65 Mill., des Reingewinns von 0,23 auf 0,17 Mill. aus, weshalb die Dividende auf das Kapital von 1,9 Mill. von 10 auf 6 Proz. herabgesetzt wird. Die mit der steigenden Arbeitslosigkeit immer stärker s ch w i n- dende Kaufkraft hat zu einem Wechsel in der Nachfrage nach Gardinen von den Hesseren zu den schlechteren Ouali- täten geführt, so daß die Maschinen für geringere Qualitäten voll beschäftigt waren. Während das Exportgeschäft sich auf der Höhe des Nor- jahres hielt, ist der Absatz von Dekorationsstosfen sehr schiecht geworden. Nachfrag« besteht nur nach allerbillig st en M u st« r n, um die noch ein scharfer Konkurrenzkamps ge- führt wird. Da man mit einer Besserung in absehbarer Zeit nicht rechnet, soll der Betrieb in Auma i. Thür, stillgelegt werden. Das neue statistische Jahrbuch für lSZO(793 und 52 Seiten, Preis 6,80 M.) ist soeben im Verlag von Reimar Hobbing erschienen. Das Material wird in der gleichen Form wie früher geboren, ist aber wesentlich vermehrt worden. So sind in diesem Sammelband die Ergebnisse der Betriebszählung und der gewerblichen Produktionserhebungen, der L o h n sta t i st i k. der Untersuchungen über die Reichs-, Länder- und Gemeinde- finanzen und anderes mehr aufgenommen worden. Zluch der Teil mit den internationalen Uebersichten wurde erweitert, so zum Beispiel durch Uebersichten über dos internationale Finanz- und Schuldenwesen und über die industrielle Produktion. Vergleichszahlen für frühere Jahre, graphische Dar- stellungen und ein eingehendes Sachregister erleichtern den Gebrauch dieses unentbehrlichen Bandes. «iuseodm»«» für diele Rubrik find v« r l i» TW«», Lindenftraße 3. parieinachn'chien�M fürGroß-Berlin s*!*" da» B,,irk»s«kr«tari-, . Hof, 2 Treppen recht», zu richte». 5. Srei» gri«dr>ch«boin. Donneretoo,». vktober, 20 Uhr. in de» Zlnbrea», Aeftfälc». Bndrco-str. 21. Berauftultung der Preletarische» fileininnst. finhne. Zuhält: Sin Querschnitt durch unser 2-cheu Zeitthenter. Hnti. f'iitf«. Schauspiel. Tänze. Rusil. 7 Mitwirkende. Eintritt 5« Ps Wir bitten bi« Eenoflr», fich diese»«beod unbedingt freizuhalten und„ffl. zählig zn erscheinen. Aorten find bei den finuktinnären zn hoben. g. Srei» Wilwereborf. Donnerstag. 2. Oktober. 20 Uhr. bei Ihlenfech. Uhlatib- Ecke(Öünticlfttafjr. Sitzung des Arcisnorstandcs mit oli-n Abi teilungsleitcrn. 10. ftret« gehlen darf. Heute. 18Vi Uhr.«rri«r>orstoud»fitzuug im S Lokol Lindeilpork. Um 20 Uhr»reismitgliebeincrsommluog ebenbort, l- Themo:.Di« politische Loge". Referent: Siegsried»nfhäuser, R. d. R.£=| 13. Ätei« Tempelhof. Heute. 18� Uhr, Bezirk»versommlung im Lyzeum Oer. mnniastrotze. ltz. Stets RenkiM». Die Abteilungsleiter holen Donnerslog. 2. Oktober, d.t Mitteilungen vom Porteibüro ob. Dorstondssltzunq findet nicht statt. 20. Srei» Reinickendorf,«reisbildungsouslckuß. Donnerstog. 2. Oklob-r. 20 Uhr, im Volksl>oits. Reinickendorf.West. Scharnweberstr. Ul. wichlige Sitzung. Jeder Abteilungsbildungsousschutz mutz vertreten sein. ifrei» Weitzensee. Donnerstag. 2. Oktober, 20 Uhr, Sreishelferfihung bei Genossen Schulz, Hohenschönhausen. Verlängerte Hedmigfir. Z. heule. Mittwoch, 1. Oktober: 7. Abt. gähnen und Transparente von der Reichstagswahl lind abzulirfern beint Genossen Lehmann. Ackerstr, 174. Bormürts.Spedition, 24. Abt. ssur die Mitglieder de« Wohnblock» Earl Legieu siadet«in o»her. ordentlicher g-hlabend im. Lokal Schulz, Earmen.Sulna.Str. 3», um 2« Uh-, statt. Vortrag:„Die politische Loge noch der Bohl". Reserrut: Geuoss« (&ftlOClT. 67. Abt. Gniuewald. 20 Uhr bei Wur�bachn: VorstQndspchung mit den �unk- tionären.--. 77. Abt. Schöncberg. 20 Uhr b-t Jürgens, Barbarossastr. 5o, Vorstands- fitzmig mit den Bezirksfiihrern. � � �. 81. Ädt. Friedenau. 20 Uhr bei Slabc, Handiernstr.«»— tzl. Dildungsgrupp« iüngcrer Parteigenosse», Besprechuilg über Winterarbeitsplan. 83. Abt. Lichterfclde. Achtung! Di- ordentliche Funkttonäisstzung findet ni-bt am Mittwoch, dem l. Oktober, sondern am Donnerstag, dem 2. Oktober, 20 Uhr, bei Quandt, Moltkestr, 31. Ecke Sindenburgdamm. statt, III. Abt. Bohnsdorf. Heule, 20% Uhr. ist die Parteibibltothek im Lokal von Paul Heimann, Waltersi>orfer Str. 100. qcöffnet. Partelmitglieder können qegen Vorlegung des Parteibuches Bücher entleihen. 128,/13Ö. Abt. Paulow. 20 Uhr im Lokal Sängerhetm, Floraftr.!K. Tl«...... versammlunq der 1. Mädchenschule, Schönholzer Straße. Referent: Wir- Helm Miethke. Morgen. Donnerstag. 2. Oktober: 4. Abt. is'.r Uhr bei Brandis. Stralauer Str. 10, Funktionorsstzung. 33. Abt. 19% Uhr Funkionärsstzunq bei Layak. Beymestr. 8. 38. Abt. mö Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 27. Funktionärfitzung. 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei Natho, Prinz-Georg�Str. 10, Funk.tonSr. sibung. »2. Abt. Reukölln. 19% Uhr allgemeine Mitgliederversammlung in der Aula der Sarl-Marr-schule. Kaiser-Friedrich�Str. 208. Reserent: Ministcrial- rat Tejcssy. Aussvrackx über die politische Lage.... 1«. Abt. Johannisthal. 20 Uhr bei Blockwitz, Park. Ecke Hcrrcnhansstratze, Funitionärsstzung, Florian Geyer Ende geetn 22'i. Uhr L Winter ★ Qarren* 8.13 unr— Banom criaom Heute Premterc. Theater am smuiliauerdBiRin l.~5.0ktoli. gesdilom Mimtag, 6. Okübet 8 Uhr: U raoff ühruBg: Jud Süß! Inszenierung: Leopold Jc�ner. Rose- Theater 8r.FTaiikl«rt«rUr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Bmt v. Messina mit Irene Triescfa aU Uebefla. Neues Theater v am Zoo-- loBahnliZaa. StpL 6554 Täglich 8V» Uhr Lommel in der Posse Paul und Pauline ftundfunkhöre r halbe Preise. VolKsbimne Mir an Büllwplati. Täglich 8 Uhr Die Weher v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staatl.Sdiiller-Th- 8 Uhr Florian Geyer Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der fliegende Holländer Lustsnlemaas Dir.: Bans lOpsdilttz Täglich S'/i Uhi meine Schwester und ich Musik von Benatiky Lory leux. Kurt von MBlIendorf BUSCH Lessing-Tbeater wiidmöinB 2791 i.oaie 8 Uhr Gastspiel der Piscatorbühne §218 (Fronrn in Not) von Credd Regie: Piscator. CIRCUS VARIETE | TZbI. t Verst.- Tel. tzVoldendamm M4 Ab Heute |• voHsttwHg neoes Prograomrl 14 jirternationale Höchstleistungen! n.». 3 Sloters CorrS Lydia Waltarstein. Uterstein, die oleg. I Senstetube, smeiik. Reiteria tmm BERLIN C2• SPAN DAUER STRASSE• KÖNIGSTRASSE DONNERSTAG, 2. OKTOBER BLEIBT DAS KAUFHAUS GESCHLOSSEN Bosannys Cubanos Sprang ans der Circusknppel auf ein Trapez. »aaiders Minis tsroirous. Preise: 1 nachm. 4'l, 30 Pf-1.50 HL| abends S'- U.: 30 Pf-3.- N. Till. 5 U. I'ti Uhr— BS Barb. 9236 TMI. 1—6*1— Wachm. halb« Pf«In Ab heute; Abschieds- Gastspiel Tagt. 2 X Der die schönste Oms ist mddensstft und waltort InUrnol. Atfrtktlonen Alox. E 4 8066.68 TBsI. a. 8«. Sannt., s, 5,»>» HEPTE PREIWTRRE: Bella SIrls die berühmte nordische TfcnceHn 4 Poppescus mm sicbexzfscbea Reck Z Spyras f. thror Sxcne»»Dienstmaim Nr. IT** und waltart Intsrnatlpn. Attraktionen Theater I. d. Behrenstr. 53-54 Direktion; Ralph Aribnr Roberte «v. Das MMiche möflehen l Englicch— Rohtrl«— Riemairn. | Irena Trlemch als Isabslla „Qchei hin und zt* hauet euch! Das Juhlikum joac w hauut, gefesselt, eegeiffen, xutfger uuiMt.Jiegeisteetec Obifali: So urteilt«Tiilla« Knopf in der�pBöreenztg:.*' über die .WlMle»" in unserm Theater.— Lud- wlgr Sfernanx im.Xoksl' Anzeiger" schrieb:„Ein»eltener Abend, ein schönster Abend, der wundervoll mit- reiBt." Wochentags•«Uhr u. Bbd. um 7 Uhr und um 10«ühr: ..Dia Braut von ResTina'. Kassanpralsa von 50 Pf. bis 3 M, lOirderohe u. Frofrarnnj je 25 Pf.) Theater für d. Kinder: Jod. MittwocIjnachm.SU.: Hinsel u. Brstsl. J ed. Soaoabd. nachm. 4» ü.: Dornrflschsn. (Preise t. 30 Pf bis I.SO M.) ROSE THEATER Gr.FrAiikfTirter8tr.lB2 Blllsttkuae: Alex. 3422 n. 343» Vergnflgimgsstatte Berlins! 1 Kommen Sie In den Schutferien j mit Ihren Klndem zu unsl— Sie| werden Immer wieder kommen 1 1 8 Uhr Der Kaiser von Amerika von Bernanl Shaw Tilelrallt: Werner»raull Kegi«: Mix»eialartt. Kammersplele 8'/. Uhr Die Schule derFrauen von Moliäre. Regie: HaesDemic. Die Komödie 8',i Uhr Oer Schwierige Lnshp. T.Hugo rHofmanostbal Regie; Mai Reiohanlt. Komische Oper S'A Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Deolselies IHnsller-Theal. Tel. Sarbanssa 1937 8'/« Uhr Jim und Jiii Operette e. YivUa Ellis PreiMnn1M.ag{virts Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9'/. Uhr Die Vunder-Bar Revuestflck metropoi-Theater Täglich SV« Uhr SeosalioneUer Operetteneriolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Zirn frier; IBett Mk.7,-bi5 11" 2B€tten13.-bi52i; BadiMk.i- SolooilOr Deril MOTELoAntieM EXCELSIOR Hl«« �pniswefte /�yniMM R�faurant Berlins BETRIEB*"\ KEMPIMSKlV? Baniowsky-BDbDen Tbuler In dnr Sirasenannstr. Täglich 8V« Uhr IßlRMiteiZ UshpiEl tob Uiwiifirt Komödienhauo 8'/, Täglich 8>/. Konto X von Bernauer und Ootmeiilier Hieater am Hottti. Tor Kottbusser Str. 6 Til.llsritiel.tUin. lüg!.«'/. U., Sonnt Buch 3Vj Uhr EUle- sanaer Präsident Zunkel Hr. Tnimspitl- bfiktki Söiorsdi Ruselii Berliner nikTrio N• U k S 1 1■. w Labnstr. 74/70.1 f 9 UUUlUliail gnrrergcscti. erhält!. C. Röcker, Berlin Sl.id]tenD,2 Uhr. an h-t Silmrxranftaltnns>m Ranj-rthaus �indn-r, ,» StA>tob'.r is Uhr, in hft®oheonftett 59än»aTiftt«Se 39' l�i�V'SSb Bab?ab°-n".'Tr-f�n.t R-U-- Schnhmmhah. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. ■>»..i. T�rnartfn Mitiw-"!,. 1. Pitrter, 14% Uhr. B-ll»iia»nx he» MUt�Tr-Nvunkt(barlcnftr, s. vor dem?ad, Taran anschk'-henh 5»«-�,,anna �»L-hrlinaoh-im-s, Luis-nftr. ZS. All-igen Paeteijubilän« hie Herzlichsten Glückwünsche. j Sterbetafel der Groß- Berliner Partei> Organisation" ..*2'.Abi. 1.90. Bezirk. Unsere lonpsöbriqe Genossin ÄonstixnAe??is«ber, Grimm- ck»»' 1 V* Sonntal, früh, dem 28. September, nach kurzer, schwerer 5ranrh«rt im Aver von 67 Iahren acstorben. Ehre ihrem Andenken. Die Elnascheruna findet am Donnerstag, dem 2. Oklober. 1« Uhr. im«rema. tarium Baumschulenweg statt. Unser Genosse Alfred Mertens, Stralauer Allee 23, ist im Alter non VT Zähren verstorben. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem ?. Oktober. 16U Uhr. im Krematorium Baumschulenweg flott. Um rege B«. Heiligung wird gebeten._ Der Vorstand. Vortrage, Bereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschästastelle! Neriin S. 14. Cehgstignstr. 37—88. Hol 2. te. Gauparstant. Donnersjgg, 2. Oktober. Zusammenkunft der Main». . und Sminemllnde.Fahrec in Landrä', Weistdierstuben.«loster. straße 78.— Mittmach, 1. Ottober. Mitte. 3. SameraMchatt. 20 Uhr Per. famrnrung hei Brandis. Stralau,-r Str. 10. Friedrichshain,«ameradschxft Frankfurt. 20 Uhr«ameradschaftsoersammlung bei Draudner, Daigtstr. HZ. Prenzlauer Peeg. Äameradschalt Wörther Plast,«amerad Latenz ist plöstlich p-rstarben. Einäscherung um 16 Uhr im«rematarium Serichtlttaste. Reae Be. teilizung Pflicht,«renzberg. Ritgliedemerlammlungen um 20 Uhr:.Zug N hei«renn, Planufer 73—76. Zug Vll im Neiäwnberger Hof. Neichenberger Etraste ,47. Zug l'l'I bei Adam. Lübbener Str. 30. Erscheinen Pflicht. lichten. he«g.«amerabschast Gustav Tempel. Funktionärpersammlung bei Nodeaast, llcormaniienste. 38. Abrechnung der Marken.- Donnerstag. 2. vktaber. Fried. züchahain.«amerabfchast Stralau. Unser«amerab Alfred Merten» ist plöstlich verstorben. Einäscherung Donnerstag. l6>ü Ubr. im«rematorium Baumschulen» weg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Peenzlanet Berg. Die erweiterte Boestandssistung und die«amergdschaltsnersammlung der«ameradfchaft Bat- kau am Dannerstag sgllen aus. Weitere Nachrichten folgen. Steglist lOrt». verein). 20 IlHr Funktionärsistung bei Nalenthal. Lichlerfelde, Hgnbelplast 2. Prenzlauer Berg. Zungbanner. 20 Ilbr«reismitglieberoerfammlung in her köwenbrauerei. Hoch, Ecke Badsttaste. Erscheinen aller Fungiameraben ist Pflicht. «renzberg(Orfsnrtcin). Lestter Termin zum Ausstellen der Badekarten Don. verstag. 2..»nd 9. Oktober. Nuderriege«erlin. 19 bis 2l Uhr«ostenrubern bei Sanb. am Babnlwl Tiergarten, Stabtbabnbogen. Beginn eines Anfänger- rnrtus bortfelbst.— Pankow lOrlsnerein). Freitag, 3. Oktober. 20 Uhr. Boll. Versammlung im„Dvriischen Zrlt", Breite Strohe Arbeiler-Somariler-Bund, Kolonne Berlin. Geschättsftelle: 3t. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: V) Norden 334«. Achtung. Abteklungsleiter! Ausschuhsistung gm 1. Oktober 1030. Selbsthilfe bnnd bei«örperbehindertcn lNeichshunb Deutscher«rüppel e.V.). bastdesverbanb Berlin-Brandenburg. Geschäftsstelle: SO. 16, Schmibstr. 8». Es kinben folgende Versammlungen statt: Mite: 13. Otlober im Vereinsbaus »oztb*(t", Michaelkirch. Ecke Wusterhaulener Straße. Beginn 8 Ubr.— Tier. garlcn; 20, Oltober im.fileinen Gesellschaftshaus", Stramstr. 28. Beginn «Uhr. Wedblng: 2, Oktober im Lokal Erbmann. Schönwalder Str. M. 7, �h1'— Prenzlauer Berg: 2. Oltober in ben.Berosina.Festsjjlen". (iv. i01'1 Üh" 28. Beain» 8 Ubr.— Friedrichshain: 1. Oltober im..Dil. .lk.?°""'shaus". Tilsiter Str. 64. Beginn 8 Ubr.- Gbarlottenburg: 18. Ol. im e,»..«lai Nörich, Schloßltr. 40. Beginn 8 Uhr.— Spandau: 25. Oktober ii e>»,,."b rann er, Faltenhagener Str. 50. Beginn IVi Uhr.— Schöneberg: o ort»»."r1 Lokal Vorhergltr. 11. Beginn 8 Uhr.— Treptow.Söpenick: « Uhr Lokal Streubel. Baumschulen. Ecke Scheihlerstraße. Beginn »-'-""H'-'-vherg: 28. Oktober im Lokal Aungstr. 10. Beginn 8 Uhr. «Gäm-nstr a?!»'» b«r Schleswig. Holsteiner zu Berlin. Geschäftsstelle S. 14. F-.e. zz fr Do�ers-gg. 2. Oktoher. 20 Ubr. Im Dreshener Garten. Dresdener 5.!,� iratf B».«�9.HoIfteinischer Loeimatabend— Hoch im Platt— für Gesang. Geschältliche». Berichte. Ausnahme neuer Mit. Ürnn r mÄlfe'n.-"'""««'s'iv. Landsleu-e.«ist.- Damen und ___»rutsch, ans,«, Ortsgruppe Groß, Berlin. Unter. «ruppe Pre z ,7»/—Donnerstag. s. Okloher. im Lolal von«Iva, Dan» ?nftenr�«a�nnlt und Labend Für Partei, und Gewerkschafts-nitgsieder roftenlofe V"b in allen Nundfunkangelegenheiten. spez Störungen. Gölte lederzeit willkommen. stestenlaser Unterricht in und rhnthmisch tänzerischer Gumnesti« Z rTi.<"»'">1**' wird IM Nahmen der«ünftaernesn. ftfmft � pffberr) b araula MGlund g rrifji,;fxf„ Mi, wock im ftädt �,.o-nd. ur fl'Tlhfr 0 �aksr, und Iuaendsitd« «ufi'Jhm r'>,* nh�e Id'""ö fiit«Jtwadisenc ab 201, Uhr. Aufnahme cderzeil(auch ohne Vorbildungs altern unterüüät unsere ne„. «egründete Arbtitrr.Sinder.Sing. unb B-Wegungsschu!«. Aast ein Ijieriellahrhunderi A«» neue mufeum wird eröffnet jlacf) zweiundzwanzigjähriger Bauzeit ist das Museumsgebäude am Kupfergraben fertig geworden. Nicht vollständig: es fehlen die Zugangsteile, also die Spreebriicke, die abschließende Säulenhalle, der Portalvorbau— man muß, um überhaupt Hineinzugelangen, das Kaiser-Fricdrich-Museum oder das Neue Museum durchschreiten und die Ueberbrüctungen in einem der Flügelbauten benutzen. Außerdem ist in, Innern das Vorderasiatische Museum nur zu einem kleinen Teil fertig geworden. Kein ganz wür- diger Zu st and also: er gibt ein deutliches Bild der deutschen Situation: ein in der Kaiserzeit über Gebühr imposant ausge- zogcncs Unternehmen hat die Republik als Erbe übernehmen und mit ihren beschränkten Mitteln zu Ende führen müssen. Die Voll- cndung des Fehlenden bleibt den nächsten zwei Jahren überlassen; die staatlichen Aufwendungen müssen eben oerteilt werden. Es wäre aber nicht zweckmäßig gewesen, die Welt noch länger auf die Eröffnung dieser Sammlungen warten zu lassen. Die Hundert- jahrfcier der Berliner Museen gab den richtigen Zeitpunkt an, und die halb provisorische Eröffnungsfeier am 1. und 2. Oktober ent- spricht sehr gut der Aufrichtigkeit, mit der das arm gewordene Deutschland seine Leistungsgrenzen und feine großen kulturellen Verpflichtungen in einem Atem bekennt. Die Heimat und das Ausland, die in gleicher Spanming diesen Augenblick erwartet haben, werden die glückliche Ausgleichung widerstrebender Kräfte zu schätzen wissen. Llebergewaltige Dimensionen. Messel ist über seinen Plänen hinweggestorben, ohne auch nur die Fundamentierung seines Museums erlebt zu haben. L u d- wi g Ho ff mann übernahm die Durchführung dieses Werkes. Im ganzen kann man Hoffmann die notwendige Pietät gegen den größeren Freund zubilligen: das Museum macht in seinem Aeußern ganz jenen Eindruck vornehmer Klassizität, die Messels beste Werk« auszeichnet. Fügen wir hinzu, daß diese Art gebildeter Architektur in ihrer akademischen Kühle uns heute nicht mehr.zeitgemäß er- scheint, daß das großartige Pathos ihrer Riesenfassaden uns allzu sehr an den verschollenen Imperialismus erinnert und eher Aus- druck einer übermenschlichen Distanzierung scheint, als Hülle für dte edelsten Güter einer Kontinent« und Jahrtausende umspan- rienden Menschheit— so ist das doch nur entsagend vor der voll- endeten Tatsache dieses schönen Baues gemeint, den eine uns schon fernliegende Gesinnung allzu gewaltig begann. Alle Einwände gegen Einzelheiten des Aeußern wie Innern nerblassen in dieser Resignation: das Erstaunen vor den über- gewaltigen Dimensionen der Antiken- und Ba- dylonsäle, die selbst amerikanische Verhältnisse übertrumpfen, das Befremden gegenüber dem linterfangen, ganze Gebäude aus dem Bereich antiker Mittel in eerkultur unter Glasdecken in nordischen Jnnenräurnen aufzu- stellen: die Empfindlichkeit gegenüber der Nüchternheit, mit der lm Innern ein unsichtbarer Sparkommissar gewirtschastet und alle Möglichkeiten wärmerer Stimmung vereitelt hat. Man erinnert sich der Kosten, die allein die Fundamentierung des ungeheuren Steinbaues über dem berüchtigten„Kolk� verschlirngen hat. Diesem gefräßigen Ungeheuer sind die Summen geopfert worden, mit denen man den liebenswürdigen Geist der Messeischen Raumgestaltung hätte materialisieren können. Haus ohne Namen? Wie soll man den Messelbau i» Zukunft nennen?„Deut- s ch e s M u f e u m" bezeichnet nur das eine Drittel, den linken Flügel an der Stadtbahn; die drei Säle mit hellenistisch-römischer Architektur, deren Haupt st ück in der Mitte der Perga- m o n a l t a r bildet, werden zwar die stärkste Anziehung aus Deutsche und Amerikaner ausüben, können aber dem Ganzen auch nicht ihren Stempel ausdrücken. Am wenigsten aber wird die Vorderasiatische Abteilung im rechten Flügel namen- bestimmende Kraft entfalten. D>e Weise» und die Laien stehen ratlos vor der Nainensfrage, die sich weder an den Erbauer Messel noch an den geistigen Urheber Wilhelm Bode wenden kann. Ueber die Unmöglichkeit der Aufstellung spotantiker Bau- fragmente in 20'Meter hohen Museumssälen ist schon genug ge- äußert worden. Es muß sich jeder Besucher unbefangen mit dieser Frage auseinandersetzen: vom 3. Oktober l2 Uhr an sind die neuen Sammlungen für die Allgemeinheit geössnet. Im Mitteljaal sind die Ueberreste des großen Altars aufgebaut, den Eumenes II. um 170 v. Chr. auf der Burg zu P e r g a m o n weihte, um dem entscheidenden Sieg über die Gallierstämme ein Monument zu errichten. Der wichtichste Teil dieses Werks ist der gewaltige Relief- streifen, der sich um den ganzen Unterbau zieht: fein« nur cht volle und hinreißende Darstellung des mythischen Kampfes zwischen den Griechengöttern und den Giganten, die den Himmel stürmen wollen, ist als Symbol sür den Sieg über die barbarischen Galater zu deuten. Heute empfinden mir den geistigen Gehalt dieser stürmischen Szenen wohl anders, und selbst die Künstler haben ihr« Partei- nahm« für die Besiegten nicht ganz, wenn auch wohl unbewußt, verbergen können. Das grdßartige Pathos dieses airtiken Barock hat in den uns erhaltenen Teilen den Ausdruck des Leidens bei den Unterlegenen bisweilen erschütternd hervorgehoben. So gleichgültig uns die klassischen Namen der Götter und Giganten sind, so schmerzlich empfinden wir die Tatsache, daß die der Reliefs und ihr Bau auseinandergerissen wurden. Die Reliefs sind nämlich an die Wände des Saales versetzt worden, weil sie dort besseres Licht erhalten. Von dem Altarbau selber ist nur das vordere Drittel mit der mächtigen Frei- treppe wieder aufgebaut. Es wäre wohl das Richtigste gewesen, überhaupt mir die allein wichtigen Reliefs zu zeigen, den Altar aber in einem genügend großen Modell. Die wilhelminische Epoche hat den Gedanken einer naturgroßen Rekonstruktion in einem Museumssaal aufgenommen: dann aber bekam nton Angst nnd hat nur ein Drittel ausgebaut. Damit ist nun eigentlich niemand gedient. Der ganze Fragenkomplex rührt an alle Tiefe» unserer geistigen Existenz und ist so einfach nicht zu erledigen. Es kommt letzten Endes darauf an, ob man Kunst als ein« Angelegen- heil der Bildung, der Repräsentation, des sogen. Prestiges ansieht, oder aber sie der echten Empsindung und dem Herzensbedürfnis des einzelnen überlassen will. In dem'Pergamonmuseum kommt das persönlich« Kunst- empfinden leicht zu kurz. Di« beiden Säle rechts und links, in den Ausmaßeiz nicht viel geringer, enthalten Bruch st ücke von Tempeln, Markthallen und dergl. aus Magnesia, P e r g a m o n, M i l e t. Sie sind zum größten Teil in Steinguß rekonstruiert, in Lebensgröße, aber nicht alz ganze Bau- werke, sondern nur in Einzelteilen, z. B. eine oder ein paar Säulen mit ihrem zugehörigen Gebälk: in dem günstigsten Fall vollständig: in dem des Markttores von Miiet aus dem 2. Jahrhundert «. Ehr. Es ist nicht ganz klar, für wen diese Mschung aus alten Bautrümmern und Gipsergänzungen aufgeführt sind, für wessen Geist diese Kolossalsäle mit den Resten einer späten Kultur angesüllt wurden. Denn das darf nicht streng genug hervorgehoben werden: wenn die Antik« uns noch etwas bedeutet, so kann das nur die griechische sein aus der klassischen Zeit des 6. und 5. Jahrhunderts (Athen, Pästum, Sizilien). Späthellenische und römisch« Architektur aus der Kaiserzeit, wie sie hier ausgerichtet ist, hat heute nur noch Wert für Archäologen. Nebukadnezars Palast. Der Teil der vorderasiatischen Abteilung, den man schon be- sichtigen kann, ist die sogenannt« Prozessions st raße und das Ischtar-Tor, die von Koldcwey und der Deutschen Orientgesell- schaft im alten Babylon ausgegraben sind. Sie stammen von dem ungeheuren Palast, den sich Nebuchodonossor II.— der„Nebukad- nezar" der Bibel, der die Juden in die babylonisch« Gefangenschaft führte— in der ersten Hälfte des(5. Jahrhunderts v. Chr. erbaut hat. Aus Hunderttausenden von Bruchstücken sind in dreißigjähriger Arbeit deutscher Gelehrter die mächtigen Mauerbekieidungen zusammengesetzt worden; die nachweisbaren Zwischenstücke wurden er- gänzt, damit ein einheitlicher Eindruck entsteht. Hier war die Er- gänzung möglich und sinnvoll, weil es sich nur um die Dekorierung glatter Wände mit farbig glasierten Ziegeln handelte und die Bor- bilder vorhanden, Abmessung und Form der Bauten nachweisbar waren. Man bekommt einen starken Eindruck von der ursprünglichen Mächtigkeit diese- babyloni- schen Königshaus, obwohl auch hier das Zusammengedrängte und Fragmentarische sich nicht verleugnet. Gewaltige Friese von gleichartig gebildeten Löwen, Stieren und Fabeltieren in Flach- relief begleiten die Wände der Prozessionsstraße des Gottes Marduk wie des äußeren Tores des Jschtar: der wesentliche Eindruck ist der einer fabelhaften Farbigkcit, die sich in Blau, Gelb, Weiß und Braun auf ungeheuren Flächen ausbreitet und heute noch fast mit der- selben Leuchtkraft wirkt wie vor 2500 Jahre». Oer vollkommenste Teil. In dem linken Flügel, mit dem Kaiscr-Fricdrich-Museum durch Ueberbrückung der Stadtbahn verbunden, sind die Schätze d e u t- scher«nh akknkeherrsndlscher Kunst untergcbrack� Jeder Besucher des Kaiser-Friedrich-Mufeums hat die Häufung der Kunstwerke dort bedauert. Jetzt ist dort Raum geschaffen worden; Geheimrat Friedländer hat bereits die holländischen und flämischen Biidcr in den freigewordenen Sälen nach dem Kupfer- graben zu gehängt, und man kann die lockere und geschmackvolle Neuordnung mit dankbarem Aufatmcp begrüßen. Noch viel intensiver i st die R a u m w e i t e in den neuen Sälen des Mef feldaus der deutschen Kunst zugute gc- kommen. In zivei Geschossen sind Gemälde, Skulpturen, Altäre und Kleinkunst deutscher Herkunft von der Völkerwanderung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eingeordnet. Das (etwas zu hohe) Erdgeschoß ist mit einheitlicher Holzdecke, aber deut- lich betonter Unterteilung der langobardischen. romanischen und gotischen Zeit bis etwa IZZg überlasse». Schon hier findet man vieles Neue und Unbekannte— vor allem Architekturkeile und ein- gemauerte Skulpturen—, und das aus dem Kaiser-Friedrich- Museum Bekamüe hat durch weiträumige Aufstellung und Beleuch- tung einen ganz neuen und lebendigen Akzent erhalten. Im Ober- geschah reihen sich Kabinette mit Seitenlicht und Säle mit Oberlicht in drei Reihen aneinander, enthaltend die Kunst der deutschen Blütezeit von 1430 bis zum Rokoko und die altniederländsiche Malerei(von van Eyck bis zu Breughel). die ihr völlig artverwandt ist. Di« Art der Aufstellung kommt nicht allen Kuusiwerken gleich- mäßig zugute. Mit Ausnahme der großen, wie Dürer, Holbein, Cranach, der Niederländer usw. sind Malerei und Skulptur gemischt, und man kann sagen, daß diese, im einzelnen glücklich, ja geistreich durchgeführte Kombination der Bildhauerei cht besser bekommt als der Malerei, und daß das Moment des Abwecksilungsreich-Unterhalt- samen wohl das Bestimmende hierbei war. Aber das ist, a n g e- sichts der Aufgabe der Museen, in er st er Reihe dem Volt und nicht den Gelehrten zu dienen. grundsätzlich als der rechte Weg zu bezeichnen. Man gewinnt hier einen wahrlzaft überwältigenden Eindruck»on der Fülle bildender Schöpferkraft im Deutschland des ausgehenden Mittel- alters, und die llntrennbarkeit und Verflochtenheit aller Kunst- Übungen jener Zeit ist wohl kaum aus bessere Art wiederzugeben als mit solcher Vermischung. Es kommt hinzu, daß die Qualität der Dinge in diesen Räumen und durch dies- Aufstellung durchaus ge- Wonnen hat, und daß die Fülle des bedeutenden Neuen in allen Teilen höchlich überrascht und beglückt: so daß wie das Deutsche Museum als den o o l l k o m m e n st e n Teil d e r neuen Sammlungen bezeichnen können. Uaui f. Schmidt. Qerdiand: dDic smdere Seite Die enge Gass« ist d«s Nachts erfüllt von einer seltsam fahlen Dunkelheit, von einer unheimlichen, gespenstischen Still«. Ein Jeder, der zu später Stunde die Gasse entianggeht. weiß es: hinter diesen schmierigen Fenstern mit den knallgelben oder blutroten Borhängen wohnt lichtscheues Gesindel, wohnen Lumpen und Berbrecher, ver- kaufen Dirnen letzte Liebeslust... Aus diesen Kellern dringt nur selten ein Laut, und die Stille in der Gaffe ist deshalb so be- ängstigend, weil man nur ahnt, nicht weiß... Das alles hier wirkt wie ein Tonfilm, vor dem man im Kino sitzt, und plötzlich versagt der Ton, plötzlich gestikulieren die Darsteller mit offenem Mund, aber»ran hört nichts. Tatsächlich, auch die Häuser der Gosse wirken wie die Dekoration, wie die Kulisse eines expressionistischen Films, so bizarr stieren die Giebel in den fahlen Nachthimmel, so merkwürdig gelb und hilflos schwelen die sunzelnden Gasflammen Himer den trüben Glasscheiben der uralten Kandelaber, so winkelig sind die Treppen, so krumm die Tore. Ja, das ist also die Kramergasse. Die Herrschosten, die immer und überall auch die„andere Seite" in Augenschein nehmen, die auf ihren Ausflügen um die Erde, in den Metropolen und Hafenstädten die„Unterwelt", die Toppkeller, die Chinesenviertel und die.Gesängniss« besichtigen, folgen de» Spanner», den Schleppern: sie gehen ein paar Schritt«, biegen in eine Querstraße ein, und befinden sich in dieser mittelclter- lichen, verrufenen Gasse mit ihrer unheimlichen.Still«, mit ihrer sinnebetrübenden Düsternis. Sie alle gehen wir auf der einen Seite der Gast«. Nur hier brennen die Laternen, nur hier gibt es hinter vebschlosienen Türen jene Attraktionen, die auf„Fremden- verkehr" und„Nervenkitzel", auf„Sensation" und„Rausch, Sünde, Erotik, Nacktheit, Izystcri« und Ekstase", aus„Unflat",„faustdicke Gemeinheit" und was weiß ich zurechtfrisielt sind. Aber die Herr- schaften sehen nur nachgemachte„Unterweitkönige", nur imitierte Sünde, nur Pseudohochstaplcr mit ihren Herzallerliebsten. Und die andere Seil« sehen sie nicht... Die andere Seite... Run, wenn die Gass« abgeschminkt, grau, unromontisch. baufällig sich beim unbarmherzigen Tageslicht präsentiert, sieht man den krassen Unterschied. Di« ander« Seite, die ander« Front der Gosse besteht aus großen Häusern; ganz sach- lich, ohne Schnörkel und Stuck, ohne Giebel und Zinnen ragen und wuchten sie empor. Wenn die Dämmerung über die Hafenstadt sinkt, dann begibt sich in der Krämergasse folgendes: Di« Portiers, die Minuten später in tressenübersäter, goldstrotzender Uniform die Schaukästen vor die Eingänge der Vergnügungspaläste hängen, die Bardamen, die ihre üppig wogenden Busenschön« Bein«, deren wippenden, nackten Brüste, deren Lächelmünder und Kitzellöckchen als Tonzeinlage zum Dessert ge- reicht werden, alle, die mit«incin krampsigen Lachen, mit einer feuchtfröhlichen Heiterkeit Minuten später die kristollen«, kalte, funkelnde Bergnügungsmaschmeri« ankurbeln werden, gehen dann in die Tore dieser anderen Seite hinein... Diese andere Seit« der Gass« besteht nämlich aus den Hintersrvnten der Amüsierlokale: hier liegen die Lieferanten- und Bühneneingänge der Luxus- restaurants. Ilm diese späte Nachmittagsstuiche trotten schon die ersten Liebe- frauen ihren Strich. Jetzt wird nicht nur in die Ballhänser das Menschentnaterial eingeliefert, jetzt rüstet sich auch die andere Seite der„Sensationen" für den Zustrom der Schaulustigen, schminkt sich wie eine alte Dirne, auf kindlich naiv oder sündhaft lockend. Und dieser Nachmittag ist so wie alle anderen in der Krämer- gaffe. Die klein-, ja: spießbürgerlichen Animiermenschen gehen durch die massiven Hintereingänge, und„drüben" frisieren sich ab- gebaute Kmnmis auf„Knüpptuchlude"... Es ist ein Nachmittag wie alle anderen hier. Vom Hafen her heulen die Schifsssirenen, und vom Hippodrom erklingt eine blecherne Musik... Aber die Girls, diese niedlichen, nüttlichen Mädchen kommen heute nach wenigen Minuten schon zurück aus dem Bühneneingang des Music- hall, die Figurantinnen, die als Staffage, nackter als nackt, dazu- stehen und auszusehen haben, kommen wieder. Entlassen! Nachts wird«ine Lücke in den hastenden Leuchtpropaganden entstehen, denn das Haus ist geschlossen. Bankrott, oder so etwas ähnliches... All dffej« Mädchen, denen dos„Rechtes Bein hoch, linkes Bew hoch�, das Brüstcwippen und Spagatmachen nichts anderes war als d e Arbeit etwa in einer Konseroenbüchsenfabrik, an der schreib- Maschine oder im Hauslzalt, sie oll« sind plötzlich brotlos geworden. So geht im Dämmcrjchein des Abends der traurige Zug der Mädchen durch die enge Gaffe. Matrosen und junge Burschen aus halbem Wege zum Bordell gehen vorbei: Branntweinatem, Blicke und Wort« umlauern die Mädchen. Aus der anderen Seite leuchten schon di« Laternen, hinter den knallgelben und blutroten Vorhängen wird schon Betrieb gemacht. Zuweilen löst sich ein Mädchen aus dem Zug und häng, sich bei einem Matrosen«in. Einige gehen aus die andere Seite und verschwinden in den Kellern: ohne Gruß, scheu und ergeben. Werden sie den vergnügungssüchtigen Fremden das DirnendoseU, nur vorgaukeln: auf der anderen Seit«! Bald wird es Nacht sein, dann ist die Gaffe erfüllt von eim r fahlen Dunkelheit, von einer unheimlichen, gespenstischen Stille. föeethoren ift nnproletarifch Das Moskauer Abendblatt„Wetscherrmja Moskwa, das amtlich- Organ des Moskauer Stadtsowjets brandmar«.» seiner Nummer vom 20. September die unpolitische Aufmachunz des musikalischen Teils der Moskauer Rundfunkprograwme, und zwar mit folgenden Worten: „Wie gewöhnlich beschwört und beteuert es der Ansager all- abendlich am Mikrophon, di« Musik Beethovens sei dem Prob- tariat durchaus„geistesverwandt"... Und dann ertönt ein Lied, in dessen Wortlaut wir es mit einer ganz klaren Ideologie zu tun haben, die keinesfalls willkürliche und subjektive Deutungen zu- läßt. Hier dürfen wir also erwarten, daß die harmonische Ueber- einstimmung des„fast proletarischen" Beethoven mit dem Pathos des Ausrufes unserer Zentralexekntioe garantiert sei! Hören wir die Antwort Funk-Beethooens auf den Aufruf der Zentralexekutive: In dieses Grabes Dunkel laß' enffchlnmmert mich sein!— Benetze weinend meine Asche nicht mit eitlem Schmerz!"„In dieses Grabes Dunkel" ist ein herrliches Lied; doch wie richten wir es ein, daß es uns wirklich stark und genial klingt, nicht aber— töricht und taktlos? Auf diesen Gedanken sind unser« Musikforscher noch nicht verfallen." Es bleibt zu hoffen, daß nach diesem Verweis des amtlichen Blattes die sowjetisierten Beethoven-Texte nicht mehr ionge aus sich warten laflen werden. Denn was wäre wohl leichter getan, als diesem Lied« etwa ein paar Schlagworte aus dem letzten Lei!» artikel der„Prawda" zugrundczulegen. 3)as StaSlei hlingenwunder Läßt man eine stumpf« Rasierklinge etwa vier Wochen unbenutzt. so regeneriert sie sich w'.eder— sie wird scharf und kann neuerdings benutzt werden. Legt man sich ein« Mappe von 31 Rasierklingen an, von denen man täglich je«in« benutzt und an seine Datumstell« wieder in die Mappe zurücklegt, so kann man die Klingen mehrere Monate lang benutzten, ohne sie neu schleisen zu müssen. Woraus beruht diese Erscheinung? Unterm Mikroskop zeigt die Rasierklinge eine nicht völlig grad- linige Form, auch wenn sie nicht gebraucht ist. Doch sind die Ei»- buchtungen klein. Eine gebrauchte Klings aber zeigt zahlceieys�Riff- vv» wechselnder Gestalt. Aus diesen Rissen heraus„wächst d«r Stahl durch einen Vorgang, den man mit dem K risiollwa chstu m vergleichen kann— der vielleicht auch letzten Endes ein Anwo si-U kleiner Eisenkristalls vorstellt—, die hinzuwachsendcn sehr dünnen Schichten stellen an sich eine neue schärfung vor, sie verdünnen zu- dem»och den Rand, von dem sie entsprungen sind. Dadurch wird die Klinge neuerdings schars. Aber dies- Schürf« ist stets etwas „kratzend", weil di« Schneid« uneben bleibt. Die oorlchistzenden Teilchen süllen nämlich di- durch- erit« Rasieren entstandenen Ein- buchtiingen keineswegs ganz aus, so daß die durch Liegen ichars ge- wordene Kling« nicht so gradlinig begrenzt ist wie eine neue. Immer- hin kann man auf solche Weis« die gleiche Kling« mehrmals benutzen und spart daher im Lause eines Jahres eine beträchtliche Summe, Nr. 459» 47. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Mittwoch, i. Oftober 1930 Wirtfchasts- und Imanzplan derRegiemng Oer Wortlaut des Regierungsprogramms. Wir veröffentliche« im folgenden den Wort- laut des Wirtschafts- und FinanzprogrammS der ikeichsregterung: Die Reichsreaierung hat ,u?esagt, dem neuen Reichstag ein« umfastendc Aorlog« �ur Sa-terung der Reiä)sfii«nzen und zur Kesundunq der deutschen Wirtschast zu machen. Dies«m Versprechen kommt sie nach. Sie mitv�citet ihre Vorschläge dem deutschen Volt. Die Maßnahmen stellen«! n c n e i n h e> t l i ch c n P l a n dar. Sie sind in erster Linie auf das gestellt, was im Augenblick snianzicll gebot«" und wirtschaftlich möglich ist. Der Plan gibt aber zugleich dgn Ausblick auf das. was in Weitersührung der vom Augenblick geforderten Maynalimen geschehen mufe. Die Vorschlögc sind geboren aus der Rot der Zeit. D�r Zusammenbruch aller Preise der Robstosf« wie der landwirtschastlichen Produkte auf dem Weltmarkt hat gezeigt, daß di« wirtschaftlichen Anschauung«" der Nachkriegszeit, welche davon ausgingen, daß die Völker wesentlich höheren Preisen leben würden, also die Kauf krall des Goldes eine verringerte sein werde, einer Revision bedarf. Zwar ist die Rückwirkung jener Umwälzung noch nicht bis ,u allen Bedarfsartikeln unseres Volkes durchgedrungen. Die .i)öhe der von Geholt und Löhnen, von steuern und Soziallasten be. dingten Gestehungskosten sieht hemmend im Wege. Wohl aber Hot eine starke Lähmung in der Aufwärtsentwicklung der Weltwirtschaft und der einzelnen Volks- wirtschaslcn Platz gegrifsen, die zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt hat. Deutschland schien außerdem die aus Krieg, Revolution und Jnslotion erwachsenen Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren steigend dadurch zu überwinden, daß es seine Wirtschaft mit gewaltigen Knpitalzufuhren aus dem Auslande, die in die Milliarden aehen, entwickelte. Diese Periode i st abgelaufen, und an die Stelle der Kapitaleinfuhr trat die Kapitalausfuhr, welche not- wendig war, die aufgenommenen Verpslichtnngen zu verzinsen und '» tilgen und die Lasten des verlorenen Krieges abzutragen. Die ffolge dieser Umkchrunq ist der Mangel an Kapital, sind di« hohen Zinsen, weiterhin die Unlust der Wirtsehast, irgendwelche Investierungen vorzunehmen, und die steigende Arbeitslosigkeit. Unnötig ncrschärst wurde die Lage dadurch, daß deutsche Staatsbürger in Sorge um die Zukunft in unverständiger und unverantwortlicher, die Nation und ihre Wirtschast schädigender Weise ihr Vermögen und Geld in das Ausland gesdiasst haben. Das Ergebnis der zurückgehenden Wirtschaft ist ständig sieigen- der Aufwand für die immer»och an Zahl wachsenden Arbeitslosen und hartnäckiger und andauernd erRückgangdcr Steuer» einnahmen. Die vor uns stehende Aufgabe ergibt sich aus diesen Tatsachen. Zunächst gilt es, einen geordneten und ausge- aiichenen Etat für das kommende Jahr aufzustellen, damit dos er- tchüttcrte Vertrauen in unsere Finanzwirtschast rmeder hergestellt und damit unserer Wirtschaft neuer Wille, sickz zu betätigen und Arbeit zu schaffen, gegeben wird. Di« Untersuchung der Arbeits- lasen ist ein?lotbcheif, sie behandelt nur die Folgen und beseitigt nicht die Ursachen. Es geht. dar» m� die Ursache, dos Daniederliegen der Wirtschaft zu bickäinpsen und über'den Tiespunkt, an dem wir stehen, hinwegzukoinmn. Sieht man die Ausgabe so an, dann oer- bietet sich gerade im Interesse der zur Zeit arbeitslosen, aber arbeits willigen Elemente jede neue Belastung der Produktion, vielleicht ist die Entlastung der produktiven Stände zu säldern nicht nur von unmittelbaren Ausgaben, sondern auch von unngstgem Schreibwerk und Acrger. Eine umfassende Verein- sachung— vor allem des Steuerwescns— ist eine Notwendigkeit. Nicht Höhere Steuern, sondern allein Sparmaßvahmen. Entlostuinz, die Wiederherstellung des Vcrtr«u«ns sind die Grundideen, die uns rühren müssen. Darauf sind unsere Vorschläge ausgebaut. Wir legen sie vor in dem vollen Ernst der Verantwortung, welch« die Regie- rung für das Schicksal Deutschlands trägt. Wir werde» sie lösen, indem wir darauf oertrauen, daß das deutsche Volk und seine Ver- treter sich entschließen, den Kamps der einzelnen Gruppen und Par- seien untereinander zurückzustellen, um mit vereinten und so per- stärkten Kräften den Kamps für den Wiederausstieg zu führen. I. Reichshaushali. lSZO. Für das.ftaushaltsjohr 1930 muß mit einem Fehlbetroge von 7511 bis ftON Millionen gerechnet werden. Hiervon entfallen elwa Millionen auf die kommenden Anforderungen der Fürsorge für die Arbeitslosen, etwa 450 bis 600 Millionen auf den Rückgang der Einnahmen infolge der weiteren Verschlechte- ning der WirtschastSlage. Die Abdeckung dieses Fehlbetrages wird n, den Haushalten der nächsten drei Jähre a», einem besonderen Fonds erfolgen. Durch ein sofort zu verabschiedendes Gesetz wird kü« Bildung dieses Fonds sichergestellt. Dadurch wird die Beschaffung eines Ucberbrückungskrcdits ermöglicht und seine Verzinsung und "�ckzahluna gewährleistet. ,9Zl. Durch die Gesamtheit der zu treffenden Maßnahmen wird d i e Ausga Kenseite des Reichshaushalts gegenüber dem Jahre 1030 um rund 1 Milliarde gesenkt. Dadurch werden die ' Isfahmenrückgängt, mit denen das Reich etwa in gleicher Höhe icchnen muß, aufgewogen. der Ausgabenienkung dienen die folgenden Maßnahmen: 1. Gehaltskürzung. Die Gehalisbezüge des Reichspräsidenten, des Reichs- .-"llzlcrz, sowie der Reichs mini st er und damit gleichzeitig i":'.0 i a f e n der Abgeordneten werden um 20 Pro ,z., die Dl« Ast bezöge der Rcichsbeaniten sowie die Versorgungs- bezuge der.Wartegeldempfänger und Ruhegeldsmpsänger um j 0 c s e n k t. Die wcnkung erfolgt vorn 1.'April 1931 ab io"'- Ucr DOn drei Jahren. Mit dein gleichen Zeitpunkt fällt die Reichsylfte fort Bon der Kürzung ausgenommen sind die Kinder- zulagcn.-ferfonen. bercn kürzungspflickstige Bezüge 1500 M. jähr. sich nicht""crftciflen, find von der Kürzung befreit. Durch die Senkung der Bezüge wftd für das Reich eine Ersparnis von 120 Millionen Mark erjjel,. Bei der Reichsbahn und der Reichsbank kommen entsprechende Kurzungen in Betracht. Di« Rcichsregierung hoff� daß die Beamtenschaft, die sich stets als Stütze des Staates bcwabrt Izat. auch in dieser schweren Zeit willig diese« vorubergebendc Öpf„ im Interesse der Allgemeinheit auf sich nehmen und dadurch die Maßnahmen unterstützen wird, die eine Senkung des gesamten Unkosten, und Preisstandes in Deutschland zum Ziel haben. 2. Kürzungen bcr Ueberwcisungcn Die Senkung der Beamlengehjjlsxr in gleichem Maß« "ei Landern und Gemeinden gestattet eine Kürzung der UeberweijmMn-nm etipa.100 Millionen. Durch den Rückgang der Einnahmen tritt voraussichtlich eine weitere Kürzung der Uebcrwcisungen für Länder und Gemeinden um rund 288 Millionen«in. 3. Arbeitslosenversicherung. Der Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslafen. versicherung soll künftig ohne Inanspruchnahme des Reichshaus- Halls sichergestellt werden. Der Ant»il des Reichs an dem Aufwand für die Krisenfllrsorge wird im Haushalt auf 4 2 0 M i l» lionen Mark begrenzt. So werden die Schwierigkeiten be- seitigt, die bisher stets dadurch entstanden sind, daß die Belastung des Haushalts für die Zwecke der Arbeitslosenversicherung und der Krisensürsorge nicht von vornherein bestimmt waren. Eine grundlegende Reform der Arbeitslosenversicherung wird vorbereitet./ 4. Abstriche tut Rcichshaushalt. Die Ausgabcnsätze bei den Einzeletats werden gegenüber dem Jahre 1030 um rund 300 Millionen vermindert. Die Zlbstriche sind bereits mit Zustimmung der beteiligten Rcichsministerien durchge- führt. Wenn auch an einzelnen schmerzhaften Abstrichen selbst bei den sozialen und tullurelle« Ausgaben nicht vorbeigegangen werden konnte, so liegt doch der Schwerpunkt der Einsparungen bei den reinen Verwaltungsausgaben. Die Be- seitigung von Behörden wie des Rcichsministeriums für die besetzten Gebiete,' der Rcichsvermögensoerwaltung, des Rheinland-Kommissars, des Reichsausgleichsanits und der Vertretung des Reichs in Bayern, die erheblichen Kürzungen des Aufwands für andere Behörden, wie der Zentrale für Heimatdienst auf die Hälfte und des Statistischen Reichsamts um ein Viertel, geben Zeugnis von diesem Bestreben. Der Ausgleich im Haushalt 1031 setzt voraus, daß Ledigen- st e u c r und der Sprozentige Zuschlag zur Einkom- m e n st e u e r aufrechterhalten' bleiben. Durch stärkere Belastung des Tabaks unter Schonung der deutschen Erzeugung soll ein Mehrbetrag an Zöllen und Steuern von 167 Millionen Mark ge- wonnen werden. Im übrigen werden neue Steuerbelastungen ver- mieden. Wenn trotzdem der Einnahmeausfall auf insgesamt 1 Milliarde angenommen wird, so wird durch diese vorsichtige Schätzung verhindert, daß der Haushalt wieder durch Stcuerausfälle erschüttert werden kann. II. Länder und Gemeinden. 1. Gehaltskürzung. Die Bezüge der Beamten und Abgeordneten werden wie beim Reich gekürzt. Soweit heut« noch Länder, Gemeinden und andere Körper- schaften des öffentlichen Rechts günstigere Bezüge als da» Reich gewähren, wird eine entsprechende Revision der Gehaltsregelung erfolgen. 2. Einheitliche Sparmaßnahmen. Ilm die Diirchstihrung einheitlicbcr Spargrundsätze in Reich und Ländern zu sichern, sollen mit jwn Ländern Nkreindarungen über eine Mitwirkung' des Reichs bcT der Hauzhastsäufstellung her Länder getroffen werden. 3. Verschärfte Haushaltskontrallen. Das Haushaltsrecht der Länder und Gemeinden soll den strengen Grundsätzen des Reichs angepaßt werden, soweit dies bisher nicht oeschchcn ist. Soweit die Gemeinden nicht bis zum Zt. März 1031 eine' von der Gemeindeverwaltung unabhängigc Rechnungsprüfung einge- führt haben, wird eine solche Prüfung durch rcichsgesctzlich« Vorschrift geschaffen werden. 4. Sparsamere Rechtspflege. Ein Gesetzentwurf über Ersparnismohnahmcn auf dem Gebiete der Reäftspflege wird vorbereitet. S. Verlr-altungsvereinfachung. Die Bestrebungen auf«ine Berminderung der lokalen B«r- maltungs- und Gerichtsbehörden in den Ländern unter Anpassung ihrer Bezirke an die modernen Derkehrsverhältnisie werden mit Nochdruck gemeinsam mit den Ländern betrieben werden. III. Vereinfachung des Gieuersystems. Die Rcichsfinanzverwaltung kostet über 500 Millionen Mark, der Unkostenkoesfizient beträgt mehr als 4X Prozent. Wenn wir uns auch mit England, wo der Ilnkostenkoefsizient unter 2 Pro- zent liegt, weaen seiner gon.V anders gearteten Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht vergleichen können, so müssen wir doch danach streben, zu einer wescntiichcn V erbillig ung der Fi- nanzvcrwaltung zu gelangen. Das erscheint auch deswegen erforderlich, weil erstens nicht mit Unrecht über die Kompliziert- hcit des deutschen Steuersystems geklagt wird, worunter die Steuer- milligkeit auch des loyalen Zcnsitcn aus die Dauer leiden muß, und weil zweitens sich die Steuerbehörden heute zuviel mit unlohnendcn und unproduktiven Ausgaben besossen und dadurch von denjenigen Arbeiten abgelenkt werden, die größeren finanziellen Erfolg ver- sprechen. Aus dielen Gedankengängen heraus wird ein Gefetzent- wurs zur Vereinfachung des Steuersystems vorgelegt, aus dem folgendes besonders hervorgehoben sei: 4. Vereinfachte Besteuerung der Lanbwirtschaft. Di« Laadwirtschaft hat heute Einkommensteuer, Reichsver- mögenssteucr und Grundvcrmögenssteuer zu zahlen. Die Reichs- Vermögenssteuer soll künstig sür Vermögen bis zu 20 000 M. all- gemein fortfallen.' Dadurch wird ein nicht unerheblicher Teil der Landwirtschaft reichsvermögenssteuersrei werden. Dle Ein- k o m m« n st e u e r, die die Landwirtsäfast zahlt, schwankt schon seit Jahren zwischen 70 und. 75 Millionen Mark. Die Beran- lo gungskosten sind außerordentlich h o ch und stehen in keinem Verhältnis zum Amkoniinen. Daher sollen künftig die Gkundver- mögenssteuer, die Reichsoeriiiögcnsfteucr und die ersten 1V Proz. der Einkommensteuer(also für die ersten 8000 M. des Einkommens) durch die Einheitsstcucr abgegolten sein. Zugrunde gelegt wird der Einheitswcrt im Sinne des Reichsbewertungsgesetzes, also ein Ertragswcrt. Dem Umstand daß die Vermögei»ssteucr künftig für kleine Vermögen(bis zu 20 000 M) fortfallen soll, und daß kleinere Landwirte wegen der Familienermäßigungen ufw. viel- fach heute tatsächlich einkommensteuerfrei sind, wird durch eine gc- wisse Degression Rechnung getragen. Da bei der Einkommensteuer und Reichsvermögenssteuer Schuldzinsen b.zw. Schulden abgezogen werden, nicht dagegen bei der Grundvermägenssteuer, soll künftig bei der Einhoitssteuer«in Teil der Schulden abgezogen werden können. Di« Höhe der Steuer, die in Tausendsteln des Einheits- wertes erhoben wird, sollen, wie das bereits heute bei der Grund- Vermögenssteuer der Fall ist, die Länder und Gemeinden bestimmen, denen diese Steuer ollein.zufallen soll. Dadurch wird ein alter Wunsch der Landwirtschast, daß ihre Steuern möglichst den lokalen Steuerglaubigern zufließen, crfüljt. Eine Erhöhung der l>eutig«n Gesomtsteuerlast der Landwirtschaft kommt ebensowenig in Frage wie eine progressioe Flächensteuer. Die ganze Maßnahme loll vielmehr lediglich der Vereinfachung und der gerechten Bchand» lung der Steuerzahler dienen. 2. Vereinfachte Bcstcncrnng der Kleingewerbe- treibenden. In ähnlicher Weise wie bei der Landwirtschaft ist auch bei den Kleingewerbetreibenden eine Vereinheitlichung ihrer Steuern in Aussicht genommen. Die Grundloge muß hier notnr- gemäß der Gewerbeertrag bilden. Durch di« Maßnahmen zu 1 und 2 wird es gelingen, die Zahl der zur Einkommensteuer zu veranlagenden Steuerzahler auf 1 Mii- tton zu beschränken und dadurch die Verwaltung erheblich zu ver-- billigen. 3. Einheitsbewertung und Vermiigensstener. Die Vermögens steuerfreigrenz« soll aus 20 000 M. erhöht werden. Dadurch wird sich die Zahl der Vermögenssteuer- Pflichtigen Personen von 1 708 000 um 854 000, also um mehr als die Halste ermäßigen.'Auch darin liegt für die Verwaltung eine bedeutende Ersparnis, die den zunächst rechnerisch eintretenden Aus- fall(etwa 16 Millionen Mark) auf die Dauer erheblich übersteigen wird. Für das landwirischaftsiche und forstwirtschaftliche Vermögcn und für das Grundvermögen soll die Einheitsbewertung lünitig nur in Zeitabständcn von sechs Iahren vorgenommen werden. Das hat sich als erforderlich erwiesen, weil die'sich über das ganze Reichsgebiet erstreckenden Beivcrtungs- und Pcronlagungsarbeiten inner- halb eines Zeitraums von drei Jahren nicht' mit der gebotenen Gründlichkeit vorgenommen werden können. Für das landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Vermögen sowie für dos Grundvermögen soll die Zustellung der Einheitswert» bescheide durch die Ofsenlcgung der Einfieitswerte ersetzt werden. Dadurch werden an Stelle von 10,6 Millionen Einheitswertbescheiden künftig nur noch 1,6 Millionen Bescheide zuzustellen sein. Die Neuseststellnugen des Vermögens sollen unter Erleichteruu-, gen ihrer Voraussetzungen künstig nur noch auf den Schluß eines Jahres vorgenommen werden. 4. Umsatzsteuer. llnternehmungen mit einem Gesomtumsatz von nicht mehr als 5000 M. sollen fortab der Ilmsatzsteuer nicht mehr unter- liegen. Auch dies liegt im Sirine der oben angedeuteten Tendenz. die Verwaltung von unlohnendcn Arbeften nach' Möglichkeit zu bc- freien. Da« Zwischenhandelsprivileg des 8 7 des Ilmsatzsteuergejetzes soll seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß aus den Großhandel beschränkt werden. 5. Das Ttenervereintzeitlichungsgesetz..f', und zwar dos GrunKsteuerrahmangesetz, do« Gewerbcstcüerrahmen- gesetz und das Steueranpassungsgesetz, sollen erneut vorgelegt-wer-« den. um die Lereinheitlichiing der Besteuerungsgrundlagen und damit auch die Voraussetzungen für eine organisch'« Regelung der Realsteuern bzw. eine Senkung der Rcalsteucrii zu schaffen. ti. Das Stcucrmilbcrungsgesctz läuft, soweit es steuerliche Erleichterungen für wirtschaftlich gebotene Betriebszusammenschlüss« betrifft, am 30. September 1030 ob. Eine allgemeine Verlängerung ist nicht in Aussicht genommen, weil es feine'Ausgabe im wesentlichen erfüllt hat. Würde es in seiner jetzigen Gestalt weiter gelten, so würde, da es mehr aus größere als auf die mittleren und Neineven Betriebe zugeschnitten ist und da-- durch die Zusammenballung großer Unternehmungen bevorzugt, auch die Gefahr volkswirtschaftlich unerwünschter Transaktiaiien nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Zur Erleichterung und Verbilligung der deutschen Krediwer- sorgung und zur Berhinderung von Gründungen im Ausland schlägt die Rcichsregierung jedoch aus Grund des Ermächtigung?- gesetzes vom 9. Juni 1930 eine Senkung der Verkehrssteuer derart vor, daß der Satz der Gesellschastssteuer allgemein 2 Prozent, bti Vollfusionen, Umwandlungen und Sanierungen 1 Proz., die Grund- erwerbssteiier bei Einbringung von Grundstücken in Betriebe zwei Prozent betragen und die Wertzuwachssteuer in solchen Fällen weg- fallen soll. Die Wertpapiersteucr soll künftig, gleichviel ob es sici» um Inlands- oder Auslandsanleihen handelt, einheitlich 1 Prozent betragen. Der Verordnuugsentwurs wird dem Reichsrat und dciir Stcuerausschuß des Reichstages zur Zustimmung vorgelegt werden. IV. Neuregelung der Wohnungswirifchast. Di« Rcichsregierung wird die Linie der Wohnungsbaupoiitit. die in ihrem zusätzlichen Bauprogramm des Jahres 1930 vorge- zcichnet ist, grundsätzlich weiterve rsolgen. Oessentlichc Mittel werden: nur noch da eingesetzt werden, wo ein wirklicher dringen der Bedarf vorhanden ist, und sie werden ausschließlich zizr. Beseitigung der Wohnungsnot und des Wohnungselcnds der be-' dürftigen Schichten unseres Volkes verwendet werden: Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Neubauwohnungen unter Wahrung der gesundheitlichen und sozialen Mindestforderungen deift allgemeinen Notstande unseres Volkes ongepoßt weridcn. Die Fi-- nanzierung muh weit stärker als bisher auf die Erzixlung t r a g.- barer Miete» abgestellt werden. Soweit dieses Ziel nicht durch Kapitalhergab«(Houszinssteuerhypotheken) allein erreicht wer» den kann, wird die Verbilligung der Mieten durch besondere Miels- und Zinszuschüssc erfolgen.»• Gleichzeitig wird sich die Reichsregierung die Erhaltung des Slltwohnraums in Stadt und Land durch Bereitstellung öffentlicher Mittel angelegen sein lassen. In Ausführimg dieser Grundsätze werden im Haushaltsjahr 1931 bis zu 215 000 Wohnungen erstellt werden, und zwar rnerden 165 000 Kleinwohnungen einfachster Art mit Hilf« von Hauszinssteiicrmitteln, und bis zu 50 000 Wohnungen ousschließ- lich aus dem Kapitalmarkt finanziert. Es soll dabei besonders die Aussiedlung aus den Großstädten, möglichst durch die Errichtung von Wirlschoftsheimstättcn in läiZdlichen und vorstädtischcn Gebieten angestrebt werden. Außerdem sollen, abgesehen von der Instandhaltung des Alt- Wohnraums, 40 000000 Mark für die Errichtung von Gebäuden in i der ländlichen Siedlung verwandt werden. Das Programm wird wie folgt finanziert: 1. 400 Millionen Mark«erden aus Hauszmssteueo- Mitteln zur Verfügung gestellt und ausschließlich in den Orten dringenden Bedarfs eingesetzt werden. 2. Weitere 400 Millionen Mark werden im Weg« � der Einzelbelechuvq oder durch Anleihen aufgebracht werden. Bei der Beschafften q wird dos Re�ch«rfordervchenfalls fÄn« Hilf« zur Acrfügunq flelicn. 3. Wohmingen werden mit diesen Mitteln nur in den Orten dringenden Bedarfs gebaut. 4- Der rechtzeitige Beginn und eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Bautätigkeit im Jahre 1931 werden durch aus- reichende Zwftschenkredite sichergestellt. 5. Zur Erzielung tragbarer Mieten für die bescnders bedürft tigen Volksschichten in den 1931 zu erstellenden Wohmmgen können aus den.ftauszinsstcuermitteln Zins- und Mietzins- zuschiiss« gewährt werden. 6. Die Mittel, die zur Finanzierung des Bauproqramms vom Reich ausgebracht werden müssen, werden auf die dem Wohnungsbau noch vorzubehaltenden chauszinsstcucrmittel der Länder um- gelegt. Die Reichsregierunq wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, daß die Ziele des Programms verwirklicht werden, und damit er- reichen, lchß die Wohnungssürsorge weit mehr als bisher besonders den Volksschichten zugute kommt, die seit Jahren am stärksten unter der Wohnungsnot und dem Wohnungselend gelitten haben. Die endgültige Verabschiedung des vom Reichskabinett bereits gebilligten Entwurfs eines Gesetzes über Maßnahmen zur Ver- billigung des mit öffentlichen Mitteln geförderten Klein- Wohnungsbaues wird ebenso wie die Verabschiedung des E»t- wurfs eines Gesetzes über die Gemeinnützigkeit von Wohnungsämter- nehmen unter Anpassung an vorstehende Grundsätze nachdrücklich ge- fördert werden. Die Verwendung öffentlicher Mittel für den Wohnungsbau soll im Rahmen des Gesamtplans bis zum 1. April 193S im wosentlichen abgebaut werden. Im engen Zusanmienhang damit sollen der ländlichen Siedlung öffentliche Mittel im steigenden Maße zugeführt wer- den, und zwar im Jahre 1932/33 75 Millionen Mark, 1933'34 100 Millionen Mark, 1934/35 125 Millionen Mark. Di« von der Reichsregierung gemeinsam mit der preußischen Staatsregierung geschaffene Deutsche Siedlungsbank wird gleichfalls die Förderung der ländlichen Siedlung dienen. Neben der ländlichen Siedlung und in enger Verbindung'mit ihr wird der Landarbeitcrwohnungsbau planmäßig fort- gesetzt werden. Die auf dem Gebiete des Wohnungsbaues und der Siedlung durchgeführten Maßnahmen gestatten es dann auch, die Wohnungszwangswirtfchoft weiter zu lockern und schließlich ganz aufzuheben. Das Reichs Mietengesetz ldie zwangeweife Festsetzung der Miete) und das Mieterschutz- g c s e tz(der Kündigungchchutz) sollen alsbald für solche Räume auf- gehoben werden, für die das W o h n u n g s m a n g c l g e s c tz(die Zwangsbeschlagnahme von Wohnungen) nicht mehr gilt,.hiervon sollen jedoch die bisherigen Mieter nicht betroffen werden: die Auf- Hebung soll nur erfolgen, soweit diese Räume frei und neu vermietet werden. Außerdem sind gewisse Lockerungen des Mieterschutzes vorgesehen insbesondere soll künftig die Berufung auf die gesetzliche Miete nach einmal getroffener Vereinbarung in bestimmten Fällen ausgeschlossen sein. Die endgültige Aufhebung des Woh- nungsmangelgofetzes soll am l.'Slpril 1934 erfolgen: das Reichs- Mietengesetz und das Mieterschutzgesetz sollen am 1. April 1936 e n d- gültig außer Kraft treten. Bis dahin wird eine Regelung getroffen werden, durch die im allgemeinen bürgerliche Mietsrechte die unter sozialen Gesichtspunkten berechtigten Ansprüche der Mieter gesichert werden. V. Realsteuersenkung. Durch die neuen Methoden der Finanzierung im Wohnungsbau wird aus dem bisher für den Wohnungsbau verwendeten Teil der .hauszinssteuer ein Betrag von etwa 400 Millionen Mark frei. Dieser Betrag soll für die Senkung von Realsteuern verwendet werden. Die Steuern hqben zwar allgemein die erträgliche Grenze vielfach überschritten. Bei den Realsteuern ist dies aber in ganz besonderem Maße der Fall. Während sie in der Borkriegs- zeit insgesamt 600 Millionen erbracht haben, ist das Aufkommen für 1930 mit über 2200 Millionen Mark anzunehmen. Sie sind also um mehr als das Dreieinhalbfache gestiegen. Dabei wirken gerade diese Steuern, weil sie unabhängig vom Ertrag erhoben werden, unter Umständen produktionshemmend und lohndrückend und för- dern insofern auch die Arbeitslosigkeit. Aus diesen Gründen müssen die Realsteuern vor ollen anderen Steuern gesenkt werden. Eine organische Senkung, die den mit Realsteuern am meisten belasteten Zensiten einerseits und den durch die Wohlfahrts- Erwerbslosenfürsorqe und andere Lasten besonders bedrängten Ge- meinden andererseits Rechnung trägt, ist vrr Verabschiedung des Steuervercinheitlichungsgesetzes, dessen Hauptziel die Schaffung einheitlicher Besteuerungsgrundlaqen ist, nicht möglich. Di« baldige Verabschiedung des Steucrvereinhestlichungsgeseßes wird jetzt erstrebt. Immerhin wird es auch noch seiner formellen Verabschiedung noch einer längeren Anlausszest bedürfen und daher technisch nicht vor dem 1. April 1932 funktionieren können Bis dahin mit der Senkung der Realsteuern zu warten, ließe sich bei der derzeitigen Wirtschaftslage indessen nicht verantworten. Daher scll die Senkung bereits zum 1. April 1931 eintreten. Unter den gegebenen Verhältnissen ist allerdings nur die fchematische Senkung, d. h. die Senkung um«inen bestimnsten Prozentsatz möglich. Für die Wirtschaft bedeutet diese Art der Senkung insofern einen sehr beachtlichen Vorteil, als jeder Vetriebsinhaber genau weiß, um wieviel sich seine Realsteuerbelastung senkt und er nicht von dem Ermessen des Landes oder der Gemeinde, in der er wohnt, abhängig ist. Demgegenüber werden die Nachteile dieser Methode nicht verkannt: sie können aber um so eher in Kauf genommen werden, als diese Regelung mir eine provisorische ist, d. h. nur bis zum Inkrafttreten des Steuervereinheitlichungs- gesetzes gilt und als ferner die besonders belasteten Gemeinden durch einen Ausgleichsfonds besonders berücksichtigt werden. Die Senkung soll nicht nur bei der Gewerbesteuer, sondern auch bei der Grundsteuer eintreten. Insbesondere ist auch die Senkung der landwirtschaftlichen Grund- steuer wegen des dauernden Absinkens der Weltpreis« für landwirt- schostliche Produkte erforderlich. Wenn man die Grundsteuer und die Gewerbesteuer miteinander vergleicht, so ergibt sich, daß die Gewerbesteuer in der letzten Zeit stärker angespannt worden ist als die Grundsteuer. Daher muß sie jetzt st ä r k e>r gesenkt werden. Vorgeschlagen wird eine Senkung um 2 0 P r o z e n t. Das macht eine Entlastung um 200 Millionen ans. Für die Gewerbebetriebe, die zum Teil schwer danieder liegen, bedeutet das ein« nicht unwesentliche Senkung ihrer Produktions- Unkosten.» Die G r u ndst eu e r soll um 10 Prozent gesenkt werden, und zwar sowohl bei laltdwirtschaftlichem Grundvermögen wie beim housbesitz. Die Länder sollen die Möglichkeit hoben, beim Haus- besitz an Stelle der Grundsteuer die hauszinssteuer entsprechend zu senken. Di« Senkung der hauszinssteuer erscheint auch um des- willen gerechtjertigt, weil die Aufwertungshypotheten vom 1. Januar 1932 ab höher zu verzinsen sind, und die Hausbesitzer, um die Per- längerüng ihrer hypothekenschulden bei ihren Gläubigern durchzu- setzen, diesen vielfach schon im Jahr« 1931 einen höheren Zins gewähren werden. Die oenkung der Grundsteuer um 10 Prozent macht den Betrag von 120 Millionen Mark aus. Somit kosten die Senkung von Gewerbesteuer und Grundsteuer zusammen etwa 320 Millionen Mark. Da 400 Millionen Mark zur Verfügung stehen, verbleibt noch ein Restbetrog von 80 Millionen. Dieser soll für«inen Ausgleichsfonds verwendet werden, aus dem die Länder in erster Linie diejenigen Gemeinden speisen'ollen, deren sinanziell« Lag« durch die Wohlsahrts-Erwerbstosenhilse oder andere Lasten besonders bedroht ist. Auf diese Weise kann auch bereits während der schematischen Senkung die besondere Notlage einzelner Gemeinden berücksichtigt werden. VL Fortführung und Ausbau der Agrargesetzgebung Das Osthilfegesetz wird in vollem Umfang in dem ur-, sprünglich�oorgesehenen Rahmen durchgeführt. Die Stan dar dis i e r u n g der" landwirtschaftlichen Erzeug- nisse wird gesetzlich geregelt. Weitere Gesetze sind vorbereitet, die deutschen landwirtschaftlichen Erzeugnissen in verstärktem Maße den Absatz sichern sollen. VN. Finanzausgleich. Der Gssundungsprozeß der öffentlichen Finanzen in Deutschland muß durch«ine endgültige Regelung che? Finanzausgleichs ob- geschlossen werden' Um'sie vorzubereiten, ist es schon heute erfarder- lich, die Grundsätze festzulegen, auf denen sich dieser endgültige Finan�usgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden ausbauen soll. Unter der Voraussetzung, daß das Steuervereinheitlichungs- gefetz alsbald verabschiedet wird, soll dieser endgültige Finanzausgleich zum 1. April 1932 in Kraft treten. Unter an- gemessener Verteilung der Ausgaben zwischen Reich, Ländern und Gemeinden soll den Ländern und Gemeinden das Auskommen aus der Belastung von Bier und Branntwein noch einem noch zu bestimmenden Schlüssel und dafür dem Reich in entsprechend veränderter Beteiligung dos Aufkommen aus Einkommen- und Kö�perschaftssteuer zufallen. Damit werden zugleich alle bisher bestehenden Sonderzuweisungen an einzelne Länder beseitigt. Die selbständige Verantwortung der Geineinden für ihre Aus- gahewirtschast soll weiter gesteigert werden. In Zukunft erhebt das Reich nur für sich und die Länder eine bestimmte, angemessen ge- senkte Einkommensteuer. Die Gemeinden bekommen das freie Zu- schagsrecht. Um aber eine Ueberspannung der Einkommensteuer zu verhindern, wird die Einkommensteuer nicht nur mit den Real- steuern in bestimmtem Verhältnis verknüpft, sondern auch die lieber- schrei tun« eines bestimmten Zuschlagssatzes davon abhängig gemocht werden, daß die Gemeinden zuvor jeweils eine allgemeine Belastung aller Bürger nach Maßgabe eines Reichsgesetzes"beschließen. Vitt. Höchstgrenze für die Ausgaben der öffentlichen Hand. t Durch ein besonderes Gesetz wird sichergestellt, daß die unter dem . s-Ua der Not auf ein Mindestmaß herabgesetzten Ausgaben für die Dauer dreier Jahre in Reich. Ländern und m« i n d e n feine(Erhöhung erfahren dürfen, sondern daß olle etwa durch Eingang höherer Einnahmen erzielten Uelier- Ichufse durch steuerliche Entlastung zu verwenden sind. Für da; Reich wird ein Spargesetz die Grundlage für weitere Haushalts- ersparmsfe bilden, denen zur Zeit gesetzliche Bindungen entgegen- iteh�n. ')cr �eichsregicrung fordert von allen Teilen des deutschen Volkes Opfer. Deutschland muß aber rechtzeitig Anschluß an die Entwicklung in der großen Stunde der Weltwirtschaft finden, die durch die wenkung des Preisniveaus gekennzeichnet ist. Was durch die Kürzung der Gehälter für die öfsentliche Mrt- schost angebahnt ist. muß innerhalb der privaten Virtscho st weiterwirken zum Wohle des Ganzen. Bezüge und Lebenshaltung aller Unternehmer- und Arbeitnehmer- schichten sowie der Preisstand dex deutschen Waren müssen uns oe- statten, im Wettbewerb der Welt zu bestellen. Nur so werden die Produktionsstätten wieder belebt, nur io die- Sorgen wachsender Arbeitslosigkeit von dem deutschen Volke genommen werden. Sorgen, die heute ernste Gefahren jür Staat'und Wirlschost de- deuten. Bewußt, daß es keine Rechtfertigung vor der Geschichte dafür gibt, in diesem Augenblick versagt zu' haben, wird die Reichs- regierung alles daran setzen, das Ziel.zu erreichen. Berlin, den 30. September 1930.. Die Reich-regierung. gez.: Brüning. Zum Massenmord in Nußland. Kingierte Gestandnisse.— Die Komödie der GM-Ltniernehmungen. Die Erschießung der 48 Sawjetbeamten als angebliche Mitglieder einer konterrevolutionären Schädlingsorganisation auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung, über die der„Vorwärts" vor einigen Tagen berichtet hat, ist nur das erste Glied in der Kette der in Vorbereitung befindlichen Massenerschießungen. Ein Blick in die Sowjetzeitungen genügt, um das zu erkennen. Die Tragödie der Massenerschießungen spielt sich nämlich nach ein für allemal s e st- gelegten Regeln ab. Zuerst schlagen die Sowjetblätter Alarm über unerhörte Mißstände aus irgendeinem Wirtschafts- gebiet, es folgen Appell auf Appell, Ordnung zu schaffen,„Sturm- brigaden" werden an die„Wirtschaftsfront" geschickt und dann— alles vergeblich. Das Chaos nimmt zu, die Unruhe in der Beoöl- kcrung wächst, die Ohnmacht der Sowjetregierung, ihre hoch- trabenden Wirtschaftspläne in Erfüllung zu bringen, ist allzu ckla- tant: man ist außerstande, sie zu vertuschen. Da entdeckt man plötzlich eine„konterrevolutionäre Organisation von Schädlingen", die es eben auf dieses Wirtschaftsgebiet abgesehen hatte. Es folgen Ver- Haftungen und Erschießungen. Und entweder vor oder nach den Erschießungen setzen dann die Resolutionen in den Be- trieben ein, die die Erschießung entweder fordern oder sie b e- grüßen. Nach diesem Reglement spielte sich' auch diesmal wie nach Noten alles ob. Die gleichen Nuwmefn der Zeitungen „Prawda" und„Iswestija", die jetzt solche' Resolutionen bringen, entholten aber gleichzeitig neue Alarmsignale über chaotische Zustände auf a ndercn Wirtschaftsgebieten als Vorbereitung der öffentlichen Meinung zu neuen Erschießungen. Dem festgelegten Reglement entspricht es auch, daß die Cr- schießungen ans Grund von„Geständnissen" der verhafteten vor sich gehen. Den Wert solcher Geständnisse kennt man vom Echachty- Prozeß her. Es gibt nirgends so viele geständnissreudige Konter- revolutionäre wie in Sowjetrußland: nirgends so viele kantcrrcvolu- tionäre Verräter, die stets ihre sämtlichen Komplizen dem Henker in die Hände spielen, um trotzdem hinterher selbst erschossen zu wer- den. Auf Grund eigener Geständnisse sind selbstverständlich auch diesmal die 48 Sowjetbeamten erschossen worden. Sieht man sich aber diese angeblichen Protokollniederschriften näher an, so fällt einem der Umstand auf, daß sie, obgleich von verschiedenen Untersuchungsrichtern aufgenommen, alle im gleichen Stil niedergeschrieben sind und daß sie all das enthalten, worüber die Sowjctzeitungen im Laufe von Monaten bittere Klage geführt haben. Für das Zustande- kommen dieser Geständnisse gibt es zwei Möglichkeiten: die eine. daß die noch bei Lebzeiten unterschriebenen angeblichen Geständnisse durch«ine Folter, deren Bestehen unzweifelhaft ist, abgepreßt sind, oder daß diese angeblichen Geständnisse erst nach der Er- schießung der 48 von deren Henkern verfaßt sind.- Da niemand von den verhasteten am Leben geblieben ist, so können ja die GPll.-Leute sicher sein, daß die Mitwelt über diese VratokoUfölschungen niemals etwas erfährt. Daß aber die Erschossenen aus freien Stücken nie derartige Geständnisse gemocht haben konnten, beweist deren Inhalt. So war z. B. ein Teil der Erschossenen geständig, absichtlich die Versorgung der Industriezentren mit Fleisch und Gemüse hintertrieben zu haben, indem sie zu wenig Waggons angefordert hätten. Die Sowjefblätter haben aber die ganze Zeit über die Schuld an der ungenügenden Versorgung der Zerrüttung des Transportwesens zu- geschrieben und auch ungezählte Beweise für die Richtigkeit dieser Ursache genannt. Die Zerrüttung des Transportwesens wurde aber auch als Ursache dafür angegeben, daß das Gemüse in den Lägern faule, anstatt der Arbeiterbevölkerung zur Verfügung gestellt zu werden. Die Erschossenen waren aber geständig, absichtlich die Ver- nichtung bewirkt zu haben. Ein anderes Beispiel: Die Sowjetblätter j schrien Alarm, daß die Bauern, um ihr Vieh nicht den Kollektiv- wirtschaften übergeben zu müssen, es zu Tausenden sinnlos dahin- schlachten: die Schuldigen wurden zu Hunderten ins Gefängnis ge- steckt. Die jetzt Erschossenen waren aber geständig, absichtlich die Viehzufuhr verhindert oder im Gegenteil eine Massen- lchlachtung veranlaßt zu haben— das letztere, um das Fleisch verfaulen zu lassen. Andere wieder gestanden, den Bau von neuen Kühlanlagen hintertrieben zu haben: in Wirklichkeit konnten sie nichts dasür, daß die hochtrabenden Pläne aus technischen Gründen nicht ausgeführt werden konnten. Wieder andere waren geständig, die Quoten des Fischfanges absichtlich zu niedrig gehalten zu haben: die Sowjetblätter berichteten aber wochenlang, daß dir verwirklichte Prozentsatz des vorgesehenen Fischfang-Planes unerhört niedrig sei. Also nicht die Beamten der zentralen Verwaltung, die den Fischfangplan aufgestellt hallen, sondern die Fischer, denen es unter gegebenen Wirtschaftsverhältnissen nicht lohnend erscheint, sich mit dem Fischsang zu beschäftigen, traf die Schuld. Das gleiche auf dem Gebiete der Zuckerrüben, bebauung. Die Erschossenen waren geständig, absichtlich die Anbaufläche eingeschränkt zu haben. Die Sowjetzeitungen haben sich aber immer wieder telegraphieren lassen, daß der vor- gesehene Anbauplan in keiner Weise eingehalten wird. Einer der Erschossenen war sogar geständig, absichtlich aus konterrevolutionären Gründen dafür gesorgt zu haben, daß bei der Herstellung van Fleisch- kcmserven auch sämtliche Viehabfälle, wie Haare, Zähne und wer weiß was noch alles, verarbeitet würden, die Konserven nicht lange genug hohen Temperaturen aussetzten oder in anderen Fällen das Fleisch nicht Zur erforderlichen Gefrierung gebracht wurde. Die Geständnisse erzählen auch, daß absichtlich zwecks Schaffung von Beunruhigung bei einzelnen Flcifchsorten unangebrachte Preise angesetzt wurden oder daß nicht dafür gesorgt wurde, daß genügende Anzahl van Ausgabestellen für Lebensmittel eingerichtet worden seien usw. usw. Mit anderen Worten: in den„Geständnissen" der Erschossenen spiegeln sich s ä m l- liche Mißstände aus dem Gebiete der Lebensmittelversor- gustg wider, die. verursacht durch das Wlrtschastssyslem der i''Kowjetregienmg,' in der Arbeiterbevöikerung eine ungeheure Unruhe bewirkn. Run sind die zu unrecht Beschuldigten unschuldig gerich. tet, die Mißstände sind bekannt. Die Sanierung kann veranlaßt werden— in Wirklichkeit werden die Dinge ober durch die Er. schießung der Spezialisten das Chaos auf dem Gebiete der Lebens- mittelverforgung nur noch Zunehmen— ganz wie nach Erschießung der Schatty-Ingenieure, die Kohlensörderuna im Donez- decken rapid abgenommen hat. Und schließlich: Stand nun«in- mal die Schuld der Erschossenen aus Gnind ibrer eigenen Ge- ständnisse ünd der gegenseitigen �Bezichtigungen so unerschütterlich fest, weshalb wurden sie nicht im ordentlichen Gerichtsverfahren abgeurteilt. Man durfte das nicht, weil sanft das g a n z s Lüge n- ge b äude der Anklage in nichts zusammengestürzt wäre und die Arbeiterbevölkerung als den wahren Schuldigen an ihrer Not die S o w j e t r« g ke r u n g erkannt hätte. VerschleppungstakiikimBombenprozeß. Endlose Anfrage der Verteidigung. Altona, 30. September. Der Bombenlegcrprozeß dauert jetzt bereits vier Wochen, ohne daß ein Ende der Zeugenvernehmungen abzusehen wäre. Die endlosen Anträge der Verteidigung lassen die Vermutung auftauchen, baß sie einzig und allein auf eine Verschleppung des Prozesses hinzielen. Die Staatsanwaltschaft ist natürlich gezwungen, die Anträge der Verteidiger mit Gegenanträgen zu parieren. So wurde an den letzten beiden Verhandlungstogen von der Verteidigung die Ladung von 17 Zeugen beantragt, dem das Gericht auch zustimmte. Die Zeugenvernehmung der letzten beiden Tage beschränkte sich auf Aussagen über die Verschuldung und Schwierigkeiten der holsteinischen Landwirtschaft. Auch mehrere chemische Sachverständige kamen noch zu Worte. Wenn das Gericht den Anträgen der Verteidigung im bisherigen Maße nachgibt, ist im Laufe dieser Woche mit einen, Schluß der Beweis- aufnähme noch nicht zu rechnen. Reichsbanner und Siudentenfchast. Deutscher Stuventenvervand reiht sich in die?ront ein. Nach einer Mitteilung des Deutschen Stuüentenoerbandes hat dieser Tage in Berlin eine Besprechung zwischen einein Vertreter des Bundesvorstandes des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold und dem Vorstand des Deutschen Studentenverbandes statt- gefunden. Es wurden die Richtlinien einer zentralen und örtlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen ausgestellt. Dabei herrschte Uebcreinstimmung. daß der Deutsche Studenten- verband als staatstreue Studentenschaft über seine hochschulpolitisch« Ausgabe hinaus staatspolitischc Aufgaben hat, die in g c m e i n* samerFrontmit dem Reichsbanner zu lösen sind. Damit ist dei, am vergangenen Sonntag vom Reichsbannerbundesrat gefaßte Beschluß aufAktioierungundZusammenfassung der republikanischen Ä röste durch die Eingliederung der republikanischen Studenten bereits einen großen Schritt vorwärts gekommen.