Morgenausgabe Nr. 463 A 233 47.Iahrgans WöchesÄch«SP,,«mmwch IM WL tm voraus zahlbar. Vostd«zug Verliner VolkSbla« Freitag Z. Oktober 1950 Groß-Verlin 1U Auswärts 15 pf. Sie elalydtlgi Ztonparelllezerr« to Pfennig. NeNnmeieil» 5,— Reich«. mort.„Zlletne Anzeigen' da« ettg». nr>» ok enr,*«..»:!. r rri- ort Wort 15 Hfennig. jede» wettere Wart 70 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupi. gefchäft Lindenslraße 3. wochentäglich von N/, bis 17 Uhr. Aentvawvsan der SozialdemoLvatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenslraße 3 Kernsvrerber: Döndos» SS2— LS? Telegramm-Adr.: Eviialdomokral Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Verlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallsti. KS. Dt.B.il.Dizc..IS-s.,DeposiI«nrasse, JeruialemerStr.KS/KK. Vaugoins pwgramm. Das Entstehen der Heimwehrregierung. Wie«, 2. Oktober. Bunbeskauzler Vaugoi« skizzierte i« einer U«ter» rebung mit einem Vertreter des..N. W. Journal" sein Programm dahin, da st er vor allem daran arbeite, alle vaterlaadsliebcnden Kreise im Kampf gegen de« Marxismus zu sammeln. Während des Wahlkampses werde die Regierung darauf achte«, daß die Ruhe und die Ordnung nirgends gestört und das Vertraue« des Auslandes zu Oesterreich bestärkt werde. Der Bundes- kanzler heiße jeden in seinem Kampfe willkommen«ud achte jeden, der in Glaubenstreue und Heimatliebe ihm znr Seite stehe. Der Tiroler Laudesführer der Heimwehr Dr. Steidle sagt in einem Aufruf, mit dem Eintritt der Heimwehr in die Regierung habe die Heimwehr zum erstenmal gemäß.ihrem Programm einen Teil der Staats- gewalt in ihre Hände gebracht. Ministerium der Heimwehren. Wien, 2. Oktober(Eigenbericht). Wenn man die Ernennung des Ministeriums Vaugoin und die Aufnahme der zwei Heimwehrführer in das christlich- soziale Minderheitskabinett perstehen will, muß man bi» aus den Rücktritt Seipels, zwei Tage nach Ostern 1S29. zurückgehen. Man verstand damals nicht, warum Seipel auf einmal hie Flinte ins Horn geworfen haben und; von der Politik geflohen sein sollte. In Wirklichkeit war er nur deshalb zurückgetreten, um seine Pläne leichter dann als Bundeskanzler betreiben zu können. Als er von der Mittelmeerreis« nach seinem Rücktritt zurückkam, sagte er selbst, er sei weggefahren, um„in seiner Abwesenheit sein politisches Konzept durch die Arbeit anderer vollenden zu lassen". Während die Heimwehrführer den„Marsch nach Wien", die Eroberung Wiens„mit der Waffe in der Faust" an- kündigten, intrigierten Seipels Beauftragte gegen die Lösung der Krise. Es dauerte einen vollen Monat, ehe man einen Bundeskanzler fand und weitere drei Wochen, ehe dieser seine Regierung fertig brachte. Der neue Bundeskanzler war der Großindustrielle Streeruwitz vom gemäßigten Flügel der Christlich-Sozialen. Die Seipel-Clique zwang ihm aber als Heeresminister Herrn V a u g o i n auf, den derzeitigen Kanzler� mit dem von der„Reichspost", dem christlich-sozialen Zentral- organ, offen ausgesprochenen Argument, daß„nur Vaugoins Wiederwahl der neuen Regierung das Vertrauen jener Kreise wiedergewinnen könne, deren Glaube an das Parlament und den Parlamentarismus, ja vielfach selbst an die Demo- kratie erschüttert sei. Hier haben wir also das Pro- gramm Vaugoins mit dem der Heimwehr offen identifiziert: Um diese Zeit klagte Seipel in einem Vortrag zu Tübingen 'liber die Uebel der„Parteiherrschaft" und darüber, daß die Abgeordneten„unter dem Einfluß der hinter ihnen stehenden Wähler bleiben". Es kam donn der Sommerder Heimwehrauf- Märsche, wobei sich Seipel immer offener an ihre Seite stellte. Dann kam der Zusammenbruch der Bodenkreditanstalt und dann die Regierung Schober, um die weiteren Zu- sammenbrüche aufzuhalten. Unter dem Eindruck dieses Krachs flaute die Heimwehrbewegung etwas ab. Aber im verflossenen Frühjal/r begannen die Aufmärsche wieder und am 18. Mai ließ Steidle, der Heimwehrführer und christlich-soziale Bundesrat, seine Mannen in Korneuburg das Ge- löbnis auf den Faschismus ablegen. Star- Hemberg war in Kronenburg nicht erschienen, aber er beeilte sich zu erklären, daß ihm das Vorgehen Steidles noch zu wenig radikal sei. Unter dem Einfluß Seipels beschließt die christlich-soziale Fraktion am 4. Juni, daß der Korneuburger Eid, den auch christlich-soziale Mandatsträger geleistet hotten, mit den Grundsätzen der ckzristlich-sozialen Partei vereinbart sei. Im April hatte Seipel, um die wiederstrebenden Elemente der Partei zum Gehorsam zurückzuführen, seine Obmannsstelle niedergelegt und war nach Deutschland abgereist. Sein Rück- tritt wurde zwar mit seiner geschwächten Gesundheit begründet. aber seine Getreuen oerraten, daß auch politische Gründe miti spielten. Einstimmig bittet ilpi der Klub, zurückzukehren. Wenige Stunden nach diesem Beschluß hält er in Elberfeld eine Rede, m der er es als Irrtum erklärt, Demokratie und Republik zu verwechseln oder gar Demokratie mit Parlamentarismus! Run überläßt er die Obmannsstelle seinem getreuen Knappen L a u g o i n, mit dem zusammen er den gemäßig ten Flügel seiner Partei immer mehr zurückdrängt, bis er es schließ- lich wagen kann, offen das Bündnis mit der" Heim- wehr zu oerkünden. Aber auch da sucht er sich ein Alibi, und während Vaugoin in seinepi Auftrag das Messer schärst, um Schober abzuschlachten, unternimmt er eine Vortragsreise nach Norwegenl Aber Vaugoin hat in der Abwesenheit des Meisters die Karten zu sehr aufgedeckt, so daß die Koalitions- genosjen nicht mehr mitkönnen. Vergeblich sucht Seipel nochmals mit der antimarxifiischen Parole die alte Front wieder herzustellen. Da ihm das nicht gelingt, muß er— v o r- zeitig— die Regierung mit der Heimwehr bilden. Immer hat er daraus hinZearbeitet und hat planmäßig die Stim- mung im Bürgertum in diesem Sinne beeinflußt. Die'anttmarjststische. Front aller bürgerlichen Parteien ein» schließlich der Heimwehren hat er in seinem letzten Inter- view auf der Fahrt nach Wien als sein Ziel hingestellt. Statt desse« hat er den Bürgerblock zerschlagen und muß mit den Heimwehrsührern allein eine Minderheitsregierung bilden, die es nicht einmal wagen kann, vor das Parlament zu treten, weil sie s o s o r t g e st ü r z t würde. Das ist der wahr« Grund, warum die Regierung das Parlament auflöst. Nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche ist diese antiparlamentarische Geste gemacht worden. Dabei scheint es, daß die Ausnahme der Heimwehr in das Kabinett ihm nicht einmal deren ganze Kraft zuführt, daß viel- mehr in der Heimwehr selbst der Wider st anddagegen, daß die Heim wehr aus einer Überpartei- lichen, alle reaktionären Kräfte' des Bür- gertums zusammenfassenden Organisation zu einer Parteigarde der Christlichsozialen gemacht werden soll, nicht nur gegen die Sozialdemokraten, sondern auch gegen die bürgerlichen, nicht minder anti- marxistischen, nicht minder antisozialistischen Parteien, die Kraft der Heimwehr und ihrer Verbündeten schwächen wird. Die Sozialdemokratie aber, die sich stark genug fühlte, es mit dem geeinigten Bürgerblock auszunehmen, geht um so zuversichtlicher in den Kampf gegen den einen Teil des Bürgerblocks, der sich überaus durch fein Bündnis mit den faschistischen Feinden der Demokratie kompro- mittiert hat! Strafella Generaldirektor der Bundesbahn. Wien, 2. Oktober. Die Ernennung Dr. Strafellas zum General- direktor der Bundesbahnen durch deren Prä- sidenten Dollfuß ist heute abend von der Regierung b e- (tätigt worden. Zugleich erfolgte die Besehung der am 30. September frcigcwordenen Tirektorenpostcn. Konfiszierter Heimwehrplan. Men. 2. Oktober.(Eigenbericht.) • Dir„Wiener Allgemeine Zeitung" ist heute konfisziert worden wegen Wiedergabe eines Berichts der„F r a n k f u r t e r Z ei t u ng", wonach im Fall eines sozialdemokratischen Wahlsieges ein Heimwehrdirektorium mit Diktaturgewalt dem Lande aufgezwungen werden würde. Landbund beantragt Mißtrauen. Dien, 2. Okiober.(Eigenbericht.) Heute ist der ständige Unterausschuß des Hauptausschusses zu- sanmeligettetenV um mit der Regierung zusammen den Wahltag zu bestimmen. � Die Regierungspartei?» beantragten, den S. November als Wahltag zu bestimmen. Der La n d b ü n d l e r Z a n g l bc- amragte, der Regierung das Mißtrauen auszusprechen, weil sie den Nationalrat aufgelöst hat, ohne ihm Gelegenheit zu geben, über ein Vertrauensvotum abzustimmen: nur mit diesem Vorbehalt solle man den ö. November als Wahltag bestimmen. Da der Präsident diesen Antrag nicht zur Abstimmung bringen will, beantragte Dr. Bauer jetzt, festzustellen, daß das Vorgehen der Regierung dem Geiste der Bundesverfassung widerspreche und den Bundes- Präsidenten zu ersuchen, die Regierung des Amtes zu ent- heben. Es entspann sich über dies« � Anträge eine lange Debatte. Schließlich erklärte der Präsident, daß er beide Anträge nicht zur Abstimmung bringe. Es wurde dann der Antrag, den Termin der Wahlen für den S. November festzusetzen, angenommen. Poinrore vor den Toren! Tardieu sott einverstanden sein. Paris, 2. Oktober.(Eigenbericht.) Lei dem„Verschwörer-Frühstück" zwischen Tardieu, Ma- g i n o t und Poineart In Bar-Le-Duc scheint, wie allmählich aus den offiziösen Kreisen durchsickert, der ehemalige Ministerpräsident P o i n c a r e seinen Wiedereintritt in die politisch« Arena und in die Regierung endgültig durchgesetzt zu haben. Man erinnert sich, daß im Frühjahr dieses Jahres, nach dem Sturz des kurzlebigen Linkskabinetts Chautemps, der Präsident ijer Republik bereits Poincare mit der Regierungsbildung beauftragen wollte. Poincarö hatte das mit Rücksicht auf seine noch nicht vollständige Genesung abgelehnt, hatte jedoch durchblicken lassen, daß er nur auf sein« Gesundung warte, um erneut die Zügel der Regie- rung zu«rgreifen. In allen politischen Kreisen Frankreichs ist man der Ansicht, daß poincare sofort nach der Wiedereröffnung des Parlament» seinen Slallhalter abzulösen gesonnen sei. Tardieu selbst, der sich nicht mehr allzu stark fühl/, dürste dieser Wunsch Poincarös nicht gerade unangenehm sein. Man behauptet, daß er sich ohne Schwierigkeiten gebeugt habe unter der Bedingung, daß ihm selbst die Leitung des Innenministeriums ver- bleibe. Man will sogar wissen, daß Tardieu gar nicht mehr den Zusammentritt des Parlainents abwarten wird, um zu demissio. nieren, sondern daß«r b«' irgendeiner erzwungenen Gelegenheit schon. vorher seinen Rücktrstt freiwillig ankündigen werde. Den Anlaß dazu könnte ihm vielleicht die Demission des Luftfahrt- minssters Laurent-Eynac bieten, der es entgegen seinen früheren Leistungen nicht verstanden hat, das französische Flugwesen wieder zu reorganisieren. Endlich glaubt man in politischen Kreisen sogar schon ankündigen zu können, daß Poincare eine Regie- rung der Großen Koalition mif Einschluß der Radikalen bilden will, daß er also versuchen werde, jene„Nationale Union" wieder herzustellen, wie sie eipst vor dem Kongreß von Angers be- standen hatte. Außenpolitischer Frontwechsel? Paris, 2. Oktober(Eigenbericht). Die scharfe Tonart, die B r i a n d bei seiner letzten Rede in Gens gegenüber Deutschland angeschlagen hat, scheint, wenn man gewissen Gerüchten in den französischen diplomatischen Kreisen Glauben schenken darf, eine bedeutungsvolle Schwenkung in der französischen Außenpolitik vorzubereiten. Frankreich soll danach nsthts Geringeres beab- sichtigen, als den durch den Hitlcr-Sieg in Deutschland erschwerten Reichsbanner marschiert Sonntagnachmittag 4 Uhr Im Lystgarten »eg der KevtsiS-franzSsrfch«»»erstAndigang aufzugeben, um dafür bei Italien Rückendeckung zu such«v Wie wir schon vor«inigen Tagen meldeten, sind trotz des Abbruchs der französisch-italienischen Flottenverhandlungen in Kens die in Paris geführten Besprechungen über die Aufnahme einer großen italienischen Anleihe in Frankreich in Gang geblieben. Auch die römischen Verhandlungen über die italienischen Rolonialforderungen sind fortgesetzt worden. Am Dannerstag tun- djgt der„P e t i t P a r i s i e n* in einer ofjensichtlich offiziös in- spirierten Auslassung an, daß alle diese getrennten Verhandlungen zu einer einzigen großen Aussprache vereinigt merden sollen. Gleichzeitig aber bereitet das Blatt die französische öffentliche Meinung schon auf die Auflegung einer italienischen Anleihe am Pariser Markte vor. Diese Operation, die nach den jahrelangen, manchmal recht hitzigen Polemiken, für den kleinen Mann in Frankreich einiger- maßen überraschend kommen muß, wird dadurch schmackhaft zu machen gesucht, daß man von der Möglichkeit einer intensiven wirt- schaftlichen und industriellen Zusammenarbeit zwischen den beiden„lateinischen Schwesternationen" in den Tönen der schönsten Propaganda spricht. Die beiden Länder könnten sich wirtschastlich aufs vortresslichste ergänzen, meint der„Petit Parisien", sowohl hinsichtlich des Rohstoffaustausches als auch hin- sichtlich gemeinsamer Exportkontors. So kann sich also Herr Hitler schmeicheln, mit seinen außen- politischen Ideen zunächst einmal die Geschäfte seines großen Vor- bildes Mussolini besorgt zu haben. Das deutsche Volk wird lange «arten können, bis Mussolini wieder von der„Revision der Friedensverträge" sprechen wind, sobald er seine fron- zösssche Anleihe in der Tasche und die geforderten Konzesssonen in Tunis in sicherer Aussicht hat. Eine Verhöhnung des Volkes. Oos(Sparprogramm der Kommunisten. Die Regierung Brüning hat ein Finanzprogramm auf- gestellt, das eine einseitige Belastung der arbeitenden Klassen bedeutet. Die Kommunistische Partei setzt dem ein eigenes Programm entgegen, und das sieht ,so aus: im Jahr« Sofortige Einstellung der Zahlungen des Joung- Planes............... 2000 Millionen Streichung der Ausgaben für die Reichswehr... 750 Millionen Streichung der Bürgerkriegsausgaben für die Polizei 600 Millionen Sonderftcuer auf Millionäre(20 Proz.)..... 1800 Millionen Besteuerung der Dividenden(20 Proz.)..... 320 Millionen Sondcrsteuer aus Auffichtsratstantiemen(20 Proz.) 200 Millionen Sondersteuer aus die großen Einkommen über 50 000 Mark(20 Proz.)........... 380 Millionen Streichung aller Subventionen........ 500 Millionen Einziehung aller hohen Gehälter der Beamten, An- gestellten in öffentlichen Stellen(über 8000 M) und der Riefenpensionen(über 6000 M.)... 200 Millionen Streichung der Ausgaben für dle Kirche, Zensur, Teno, Schlichtungswesen......... 300 Millionen Insgesamt: 7150 Millionen Dies Programm ist eine Schamlosigkeit. Es dokumentiert den Willen seiner Verfasser, der notleidenden Arbeiterschaft und den Erwerbslosen nicht zu helfen, es zeigt zugleich. daß die Verfasser die Leser ihrer Presse für politische Dumm- köpfe halten müssen. Warum nicht gleich das folgende Sparprogramm: da wir Gegner des Staates sind, beantragen wir Streichung des gesamten Etats und sparen 12 Milliarden? Sofortige Einstellung der Boung-Zahlungen würde dem deutschen Volke weit mehr kosten, als die sagenhasten 7,15 Milliarden, die dies glänzende Programm erspart. Den Reichswehrleuten und Polizeibeamten sollen glatt alle Einkünfte gestrichen werden— den Millionären aber bleiben 80 Proz. Welche Schonung für die Millionäre! Wie macht man es, die Leute von der bewaffneten Macht samt und sonders hinauszuwerfen? Aber wozu ins einzelne gehen! Ruth Fischer höhnte einst über die kommunistischen Funktionäre: und wenn wir die Parole„Regierung des Mondes" ausgeben würden, sie würden ihr folgen. Dies Sparprogramm der Kommunisten— e s i st das Programm der Regierung des Mondes! Brünings Besprechungen. Nur informatorischer Charakter. Reichskanzler Dr. Brüning empfing im Laufe de« Donnerstag- vormittags zunächst die Vertreter der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes Reichswinister Dr. B r edt und Reichstags« bgeorbneten Drewitz. Dem folgte eine Unterredung mit den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Reichstagsabgeordneten Wels und Müller. Anschließend daran empfing der Reichskanzler im Bei- fein des Reichsministers Schiel« die Abgeordneten Gr«? Westarp und v. Lindeiner-Wildau. Für die Landvolk- partei erschienen die Abgeordneten G« r e k e und der neu« Frok- tionsvorsitzeirde D ö b r i ch. für die Staatspartei die Abgeordneten Meyer und Weber. Gie Empfänge galten, wie alle übrigen und nachfolgenden, der Orientierung- der Parteiführer über das Regierungsprogramm, zu dem authentisch erst die Fraktionen werden Stellung nehmen können. Eine böswittige Verleumdung. Bürgerliche Erfindungen über Hilferding. Durch die bürgerliche Presse geht die Nachricht. Genosse Hilferding sei„sicherem Vernehmen nach kürzlich in den Auf. sichtsrot der Zigarettenfabrik Reemtsma G. m. b. H. berufen worden". Diese Behauptung ist unwahr. Genosse Hilferding ist weder in den Aussichtsrat der Reemtsma G. m. b. H. eingetreten, noch hat sein Eintritt in den Aussichtsrat dieser Firma jemals auch nur zur Diskusston gestanden. Der Genosse Hilferding ficht weder zu der Firma Reemtsma noch zu irgendeiner anderen Unternehmung der Zigarettenindustrie in Beziehung. Die Nachricht der bürgerlichen Presse ist daher eine böswillige Verleumdung. Oer bisherige deutsche Vosschafter Dr. Sthamer hat am Donnerstag London verlassen. Außenminister H« n d e r- ! a n sowie der englische König ließen sich an der Abfahrtstellc persönlich verabschieden. Industrie und Brüning-Programm Oer �eichsverband der deutschen Lnduflrie hat sein Wort dazu gesprochen Am 30. September wurde das Wirtschafts- und Finanz- Programm der Reichsregierung bekanntgegeben. Nicht long« vorher waren„Wirtschaftsführer" von den federführenden Mmiftern und vom Kanzler empfangen worden. Jetzt erfährt man, daß am 1 8. und 10. September der Reichsverband der beut- fchen Industrie Präsidial-, Vorstands- und Hauptaus fchuhfitzungen hatte und daß die dabei zum Ausdruck gebrachten— der Reichsregierung von den empfangenen Wirsschastsführern übermittelten— Anschauungen ganz überraschend viel mit den Tendenzen des Wirtfchafts- und Finanzprogromms der Reichsregierung gemein haben. Auf das schärfste wurde gegen die»euere Kartell- Politik der Reichsreglerung Stellung genommen. Die schon durch die Notverordnung gegen die Kartell« hervor- gerufene Rechtsunsicherheit und Untergrabung der Ber- bandsdifziplin seien durch die Ausführungsverordnung noch gesteigert weiden. Es wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Regierung kartellmäßige Preisbindungen systematisch verfolge, dagegen die Preisbindung für die Ware Arbeit fördere. Die Berichterstatter betonten, daß es bedauerlich wäre, wenn das Vorgehen gegen die Kartelle die Aufmerksamkeit und Kräfte von den tatsächlichen Ursachen unserer Wirtschaftsnot ablenken würde. Senkung der P r o d u k t i o n s k oft« n sei das zentrale Problem, das durch die Kartellverordnung verwischt zu werden drohe. Das Problem der Kostensenkung könne nur durch eine grundlegende Aenderung unserer Wirtschaft«-, Finanz- und Sozialpolitik gelöst werden. Das Regierungsprogromm hat dieser grundlegenden Aenderung der Wirtschafts-. Finanz- und Sozialpolitik so deutlichen Aus- druck gegeben, daß unter den Gerechten der deutschen Unter- nehmerwelt nur eitel Zustimmung laut wurde. Das konme angehen, denn dem Programm sieht man ohnehm an, daß es nur den Interessenten genehm sein will, d. h. den„produktiven Ständen", zu denen die Arbeiterschaft nicht zählt. Aber dieses Programm hat ein« Einleitung und«inen Schluß zur Begründung des Ganzen, und da heißt es über die Notwendigkeit weiterer Preis- senkung nicht, daß die Kartellnotoerordnung durch- geführt werden soll, um da» inländische Preisniveau weiter zu senken, sondern es heißt:„Sie Hgh« Gehalt und Löhnen, von Steuern und SoziaNaften bedingten Gestehungs- kosten steht heinmend im Wege." Darum also ist voa der Kartellaktion, einst— frei- lich vor den Wahlen— das Glanz- und Prunkstück der Regierung, in dem Wirtschafts- und Finanz- Programm mit keinem Sterbenswort die Rede. So hat also der Reichsverband der deutschen Industrie der Regierung— freilich n a ch den Wahlen— zu verbrennen geboten, was sie angebetet hat. Dieses Stückchen Programmgsschichte wird die Sympathien für das Programm kaum zu vermehren geeignet sein. Das Vegierungs-programm. Gozialdemokraiische Kritik.— Korderungen der Wirischastspartei.— Deutsch- nationale Ablehnung. Mainz, 2. Oktober. Auf der Tagung der Reichsgemeinschaft deutscher Kommunal- beamten in Mainz sprach am Donnerstag Reichsminister a. D. Severing zu dem Wirtschafts- und Finanzprogramm der Reichs- regienmg. Das Programm enthalte die allergrößten Feh- ler, die nur gemacht werden können. Es sei uugerechtsertigt. den Bearntea 6 Proz. ihre» Einkommen, abzuziehen, ohne eine Slasselung vorzunehmen. Wenn man darauf verzichte, weiter« Zuschläge zur Einkommen- steuer zu erheben und man gleichzeitig ankündige, daß mau die Der- mögenssteuer nur von Sätzen von 20 000 M. an erheben würde, so lägen darin sehr große psychologische Fehler, die Brüning, der sonst ein guter Psychologe sei, nicht hätte begehen dürfen. Es sei aber zu hoffen, daß die an den kommenden VerHand- lungen beteiligten Parteien diese schweren Mängel ausgleichen«ür- den. Weiter lehnte Severing die im Regierungsprog»mm vor- gesehenen Kontrollmaßnahmen für die Gemeinden ab, weil dadurch der Veamtenapparat vergrößert und keine Ersparnisse erzielt würden. Das Programm Brüning enthalt« einen Punkt nicht, der auch nach Ansicht einiger Mitglieder der Reichsregierung gerade jetzt vorwärts getrieben werden müsse: Die Reichsreform. Alle müßten sich doch darüber klar sein, daß die Länder fallen müßten. das sei Reichsreform. Zum Schluß fehle sich Severing noch m« der Industrie au,. einander, die Abbau der hohen Gehälter fordere, ober damit nicht im eigenen Hause begiun«. Di« Opf«r, die getragen«erden müßten, dürften aber nicht auf die Schultern aufgebürdet werden, di« bisher' schon Opfer genug ge- tragen hätten. Wirischastspartei will übertrumpfen! In einer Besprechung der Wlrtschaftspartei wurde im Beisein von Iustizminister Bredt«in Beschluß gesaßt, in dem es heißt: „Die Wirsschaftspartei stellt noch über das Regierungsprvgramm hinaus folgende Forderungen an die Reichsregierung: 1. Einleitung von Berhandlungen zur Herbeiführung«irres s»> fortigen Moratoriums fü r die Reparatrons- Zahlungen mtt dem Ziele der Revision d«, Houng- Planes. 2. Durchgreifende Berwallungsreform in Reich. Ländern und Gemeinden mtt dem Ziele der Beseitigung aller Partei- buchbeamten und überflüssigen Dienststellen. Freiwerdende Arntsstellen bleiben ausschließlich den berufsmäßig vor- gebildeten Beamten vorbehalten. 3. Sofortige Einführung der allgemeinen Arbeits dienftpf licht mtt dem Ziele der Behebung der Arbettslosigken und weitere entschieden« Reform des sozialen Vers ich«. ruugs wesens. 4. Wetterer planmäßiger Abbau der Ausgaben der öffentlichen Hand. Beseitigung der öffentlichen Regiebetriebe, Ueberführung des öffentlichen Wohnungsbauwesens in die freie Wirtschaft, wetterer Abbau der Reassteuern. Reform des Schlichtungswesens und Maßnahmen der Reichsregierung zwecks Senkung der kartellier ten Preise und der überspannten Zinssätze. Das Brüning-Programm ist der Wrtschaftsportei noch nicht einseitig und nicht reaktionär genug! Oeutfchnationale Ablehnung. Bon maßgebender deutschnationaler Sett« wird folgendermaßen zu dem soeben veröffentlichten Regierungsprogramm Stellung genommen: 1. Der Wirtschafts- und Finanzplan des Kabinetts Brüning geht an den Kernpunkten unserer Politik vorbei: an der Tributfrage und an der Außenhandelspoltttt. 2. Vereinfachungen im Steuersystem und Sparsamkett auf ollen Gebieten sind Selbstverstöndlichketten. 3. Die Zunahme der Beschäftigungslosigtett der Betrieb« und die Erwerbslosigkett stehen im engsten Zusammenhang mtt der Tribw- und Handelspolitik, die eine übermäßige Einfuhr fremder Waren begünstigt und die Ausfuhr deutscher Waren erschwert. 4. Jedes Opfer eines Berufsstandes oder jede Mehrbelastung der Wirtschast einschließlich der Arbeiterschaft durch Steuern oder soziale Abgaben ist nutzlos, solange nicht gleichzeitig eine wesentliche Erleichterung der Trrbutrate erreicht wird. 5. Die DRBP. wird gemäß ihrem Wahloersprechen den.Kamps gegen den Poung-Plan und gegen die bisherige Handelspolitik fort- setzen und demgemäß keine Regierung unterstützen, die an diesen Kernfragen vorübergeht, sondern sie auf das entschiedenst« bekämpfen. Kaschistenrüstung unter Anklage. In der Tschechoslowakei. Prag, 2. Oktober.(Eigenbericht.) »« Funktionäre ber tschechischen Faschistischen Partei. darunter auch ber bavongejngte Genernlstabschef G a s d a alS Hauptschuldiger, erhielten vom Gericht die Ber- stänbignng. daß gegen sie auf Grund des Repnblikschnb- gesetzes das Strafverfahren wegen Hochver- rat eingeleitet wurde. Es wird ihnen vorgeworfen, Anschläge gegen die Republik geplant, sich zu diesem Zwecke unerlaubt bewaffnet wud ftaatsfeind» liche Bereinigungen geschlossen zu haben. Die finnische Veichstagswahl. Starte Beteiligung. helsiugfors, 2. Oktober.(Eigenbericht.) An der stnninifchen Reichstagswahl haben sich am Mittwoch. dem ersten Wahltag, in Helsingfors rund 47 Proz, aller Stimm- berechtigten betelligt, in den Landorten durchschnittlich ebensoviel. Faschistische Störungen sind bisher nicht gemeldet worden, wenn auch in manchen Orten Beeinflussungsversuche an Arbeitern vorgekommen sein sollen. Es besteht Aussicht für di« Sozialdemokratisch« Partei, mindestens ein Drittel aller Mandate zu erobern, so daß sie Der- fassungsänderungen oerhindern könnte. Genf vor dem Abschluß. Evrtius nach Berlin abgereist. Gens, 2. Oktober.(Eigenbericht.) Die Dollverfammlung des Völkerbundes wird, nach einer Mitteilung des Präsidenten, am Sonnabend, dem 5. Oktober, in einer Vormittagssitzung geschlossen werden. Reichsaußenminister Dr. Curtiu» ist am Donnerstag nach- mittag um 6 Uhr in Begleitung verschiedener Berater und des Reichs- Pressechefs nach Berlin zurückgefahren. In der Ratstagung, di« am Freitag stattfindet, vertritt ihn Graf Bernstorff. In der Donnerstag-Rachmittagsitzung des Böller- bundsrats wurde nur«in Punkt behandelt: der Vertreter Schwedens, Unden, wurde zmn Schiedsrichter in dem bulgarisch- griechischen Streitfall wegen des Privatbesitzes griechischer Bürger auf bulgarischem Gebiet ernannt. Sein„Heeresbericht" vom Freuzel-Prozeß. Der Vorsitzende der Großen Strafkammer in Potsdam, Landgerichisdirektor Dr. Hell- w i g, hat seine Absicht,«inen amtlichen Bericht über den Verlaus der Verhandlung durch di« Iustizpressestelle verbreiten zu lassen, glück- licherweise nicht verwirklicht, und zwar weil ihm später Bedenken gekommen sind.» Der Reichsrat hielt am Donnerstag eine öffentliche Bollsitzung ab, in der in der Hauptfach« kleinere Vorlagen erledigt wurden. So wurde dem deutsch-luxemburgischen Schiedsgerichtsvertrag zugestimmt. serner einer Verordnung über die Aenderung des Gebietes de» Zoll- ausschlufles Hamburg-Freihafen. Schlußwort der Lllmer Offiziere Llrleilsverkülldung Sonnabend vormittag. xetpzlg. Z. Oktober. Nach der Dvplrt des Rechtsamvolts Dr. Sack erhielten die An- gellagtsn das letzte Wort. Zunächst sprach Oberleutnant o. D. Wen dt: Da der Sedanke, daß die deutsche Reichswehr einmal später die Befreiungsarmee werden soll, seit langem nerbloßt ist, haben wir uns zum Handeln entschlossen. Der Reichsanwalt sagt« hier, daß Deutschland seit zwölf Vahren im Befreiungstampf steht. Ich danke ihm für dies« Mitteilung, denn er hat mir die Erinnerung geweckt an einige Bilder, die ich im vorigen Herbst gesehen habe, als die deutsche Befreiungsarmee, nämlich unser« Unterhändler, mit den internationalen Hals» erb schneidern i m Haag beim Sektfrühstück saßen. So sieht nach dem Herrn Reichsanwoll die deutsche Befreiungsarmee aus. Die deutsch« Jugend stellt sich allerdings ihr« Befreiung anders vor. Mag diese» Urteil ausfallen, wie es will, durch diesen Vwseß ist doch viel Gutes getan worden, einmal für die Reichswehr. dann aber auch für die?laSonalso;ialistifche Partei; denn beiden Hai dieser Prozeß eine Brücke geschlagen. Das deutsche Dolk hat am 14. September das in die Tot umgesetzt, was unsere Motive waren:„Wir wollen frei fein, wie die Väter waren." Dann sprach der zweite Angeklagte, Leutnant L u d i« n: ..Geben Sie, meine Herren Richter, diesem Prozeß den schönen Sinn, den er haben kann, daß nämlich in der ganzen Reichswehr jeder Offizier um das Echos seines Berufes kämpft. Noch stehe ich als aktiver Offizier vor Ihnen, und deshalb erkläre ich Ihnen: Ich bin kein Rebell, ich bin kein Hochverräter! Wäre ich das, so würde ich es ehrlich bekennen. Wenn ich um meinen Freispruch bitte, so tue ich das nur, weil ich mich als«inen Teil der deutschen Jugend fühle, die zum Sinn ihres Lebens das Wort gemacht hat: Nichtswürdig nur ist die Nation, die nicht alles fetzt in ihre Ehre." Ms letzter der Angeklagten sprach dann Leutnant Scherin- g e r:„Unser Handeln ist so, daß ich es heute mit gutem Gewissen nochmals wiederholen würde. Wir haben versucht, Verständnis für unser Tun zu erwecken. Di« Aeuherungen des Herrn Reichsanwalts lassen es jedoch so erscheinen, als sei die Kluft zwischen den Gene- rationen unüberbrückbar. Unser Wollen war rein und edel. Es war niemals Hochverrat." Damit hatte die fast 14 Tage währende Verhandlung ihr End« gesunden. Der Vorsitzende betonte nochmals, daß die Urteilsver- kündung am Sonnabendoormittag um 10 Uhr stattfinden werde, daß jedoch bei längerer Dauer der Beratung das Urteil auch erst zu späterer Stunde verkündet werden könnte. Ltebergabe der Museumsneubauie«. Feier im pergamonsaal. Im Pergamonsaal der Messelschen Museumsbauten fand die feierliche Uebergabe der Neubauten statt. Generaldirektor Prof. Dr. Waetzoldt führt« aus:„Wir stehen im Herzen der Museumsbauten! Bon diesem architektonischen Zentralpunkt aus entwickelt sich ihre Trilogi«: hier— in drei gewaltigen Sälen— das Psrgamon-Museum, dort im Norden das Deutsche Museum, da im Süden das Vorderasiatisch« Museum. Jedes Haus ein Reich für sich— all« drei eine Welt!„Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen!" Indem diese Gebäude geplant, entworfen, vollendet wurden, hat der preußisch« Staat die Kultur» Verpflichtung eingelöst, die sein reicher Kunstbesitz ihm auferlegt. Nun gehören die seit einem Menschenalter aufgespeicherten und zum T«I im Dunkel der Keller und Kisten versteckten Schatz« allen. Der Altar, an dessen Stufen wir stehen, ist vor 2000 Iahren als ein Dankesmonument errichtet worden. Wir legen heut« auf ihn nieder die Kränze der Dankbarkeit. Long ist der Zug der Toten, deren. Hände einst zusammengetragen hoben, was in diesen Gebäuden aufgestellt worden ist, deren Köpfe das Ganz« und seine Teil« durch- dacht haben. Di« Namen Humann, Conze und Schöne leuchten aus. Besonders schmerzlich empfinden wir es, daß weder Alfred Messel noch Wilhelm von Bode heute der Bollendung nah« stehen, was sie oerlassen mußten, als es noch im Werden war. Wenn wir nach einer Inschrift für diese Neubauten suchen würden, wo fände sich eine schönere, als die von Tieck für das Wt« Museum vorgeschlagene:„Den Werken Bildender Künste— ein Denkmal des Friedens." Der Minister für Wiffenschast, Kunst und Voltsbitdung Grimme dankt« der Finanzoerwaltung. der Bauverwoltung. der Museumsoerwaltung und ihrem Generaldirektor und der Hllse der Presse:„Wenn wir lauschen, dann hören wir aus all diesen neuen Bauten dieselben Stimmen: Wir künstlerischen Werte sind dem Tagestamps entrückt und stehen jenseits aller Not des Alltags, und doch, o Mensch, wenn du auf uns hörst, wirst du finden, daß wir «s sind, die deinem Alltag erst Sinn vsrleihen und deinem Tages- kämpf erst Ziel und Richtung weisen, und daß um unsertwlllen der Kampf sich erst verlohnt und erst das Leben wert, gelebt zu werden, wird. Denn wir sind eine Quelle der Freude, und die Freude ist der Wert, der ,ch!e Mutter aller Tugend" ist. Ich übergebe Ihnen die Neubauten mit dem Wunsch, daß den Menschen, die zu dieser Stund« künstlerischer und wissenschaftlicher Andacht kommen, diese Welt der Wert« ein innerer Besitz wird und damit ein« Quell« der Freude, die. mag der Alltag licht oder dunkel sein, nie versiegt." Generaldiretwr Waetzoldt übernahm die Neubauten mit Worten des Dankes und des Gelöbnisses. 2tn die Uebergabe schloß sich«in« Führung. Reichsiagsumbau im Gang. S« wird Platz geschaffen. Im Reichstagsgebimde herrscht jetzt bereits reges Leben. Zahl. reich« neue Abgeordnet« sind schon in Berlin eingetroffen, um sich die Stätte ihres künftigen Wirkens anzusehen. Ferner hat die Der- teilung der Arbeitszimmer für die Abgeordnet«, begonnen, die die Anwesenheit führender Frattionsmllglleder notwendig macht. Im Plenorsitzungssaal schreiten die Umbauten fort. Es sind nicht nur neue Sitzreihen aufzustellen, sondern insolg« der Neueinteilung muß auch die ganz« Abstufung des Saalbodens ge- ändert werden. Die Umbauarbeiten sollen bi» zum 10. Oktober beendet sein. Die Präger Krawalle, die wieder aufgehört haben, konnten ihren Umfang nur erveichen, weil die Polizei tagelang un gewöhn- l-ch« Duldsamkeit übte. Der Polizeipräsident Dolejsch führt dos auf Nichtdurchführung seiner Befehle zurück. Die Gewerkschaft der höheren Polizeibeamten ist aufgelöst, ihr Vermögen beschlag- nahmt, ihr« Räum« sind versiegest worden.. � Pazifismus ist immer ungesund lttechtsanwalt Krank lm Leipziger LeuinantSpwgeß) \ u - aber Kriegführen ist auf alle Fälle gesund- politische Soziologie. Graue Theorie und frische Praxis auf dem Soziologentag. Am Dienstag verhandelte die Untergruppe für Methodologie des Sozialogentages die Proble. matik der Begriffsbildung in der Soziologie. Das erste Referat hiell Stoltenberg(Gießen), nachdem Prof. Eulen- bürg(Berlin) in Vertretung von S o m b o r t die Sitzung er» öffnet hatte. Eulenburg betonte einleitend die Neigung des deutschen Soziologen zu methodischer Besinnung im Gegensatz zur metliodischen Unbekümmertheit der amerikanischen und englischen Soziologie. Stostenbergs Referat entwickelt« eine mannigfaltig« Begriffs- apparotur, mit der wir unsere Leser nicht langweilen wollen, um so mehr man den Eindruck bekam, daß hier unnützerweis« Messer geschärft wurden, ohne die Absicht des Schneidens spürbar werden zu lassen. Auch das zweite Referat von Prof. Koigeu(Berlin) verblieb in rein theoretischer Programmatik. Inzwischen hatte sich auch Pros. S o m b a r t eingefunden und übernahm die Leitung der Diskussion. Einige der Diskussionsredner waren mit dieser oder jener Wendung der vorgeschlagenen Begriff« nicht einverstanden, sie schlugen andere vor. Immerhin muß zugegeben werden, daß auch einige dieser Redner dem deullichen Gefühl Ausdruck gaben, daß die drängende Gegenwart von der Soziologie anderesalssolche Begriff stün st«erheische. Sombart sah sich nicht genötigt, in die ziemlich unergiebige Debaste«inzio greifen; er schloß sang- und klanglos die Bormittagstogung. Ferner tagt« die Untergruppe für Soziologie der Kunst. Den Vorsitz führte von Wiese(Köln), der auch den einlestenden Vortrag hielt, m dem er die?lbsicht dieser neu. geschaffenen Untergruppe umriß. Nur an«ine vorläufige Ab- grenzung der Probleme und Möglichkeiten einer Kunstsoziologie sei gedacht. Von Wiese will die Soziologie der Kunst lediglich auf den Bereich beschränken, in dem sie oon Mensch zu Mensch Beziehungen schafft. Andererseits ist die Kunst als soziale» Gebilde zu betrachten, das auf andere sozial« Gebilde wie Staat und Kirch« Einfluß aus- übt uiid von ihnen beeinflußt wird. Das echte Kunstwerk ist harmonische Einheit von Form und InHoll, während unser all- tägliches, menschliches Leben sich immer in Disharmonie befind«. Nach oon Wies« erhielt das Wort Prof. Rothacker(Bonn), der die soziologische Fragestellung aus der Tatsache der Verschiedenheit der menschlichen Lebens-, Kultur- und Kunststile herleitet. Di« Kunstsoziologie fragt, inwiefern gesellschaftliche Faktoren an der Entstehung und Wandlung dieser Stile beteiligt sind, sie fragt auch, warum bestimmte gesellschaftliche Gruppen diesen und nicht einen anderen Stil pflegen. Leitend nicht nur für die Kunstsoziologie, sondern für alles kultursoziologische Forschen ist Rothacker die Marxsche These, daß es das gesellschaftliche Sein ist. welche» das Bewußtsein bestimmt. Der Redner legte ein reiches Material vor, aus dem die Unqbgeschloffenheit und Problematik dieser Disziplin deutlich wurde. Ms letzter Redner des zweiten Verhaudlungstages sprach Pros. Kurt Breysig(Berlin). Cr umriß das Problem des geistigen Schaffens als Gegenstand der Soziologie. Der zweite Vcrhandlungstag ließ überaus unbefriedigt. Jede «cht« Wissenschaft muß Theorie treiben, aber es hatte während der Verhandlungen des gestrigen Tages häufig den Anschein, als ob nur Theorie getrieben wurde. Theorie und Praxis gehören zu- sammen wie das Ein- und Ausatmen. Der letzte Derhandlungstag brachte am Vormittag ein Referat des Präsidenten Toennies über Soziographie. Unter Sogiographie versteht der Referent ein« selbständige Hilfswissenschaft der Soziologe, die dieser zeitlich vorauszuliegen habe. Sozio- graphische Forschung stellt ein« Verbindung dar zwischen der olleren Statistik des 17. und 18. Jahrhunderts und modernen statistischen Methoden. Die Soziographie gibt di« reine Beschreibung der viel- festigen Tatsachen des sozialen Lebens, die dann von der Sozio» logie in«inen allgemeinen Rahmen eingestellt werden müssen. Von den Diskussionsrednern wendet sich von Bortkiewiez in beachtenswerten Ausführungen gegen di« Ramengebung Soziographie. Er erklärt sich im großen und ganzen mit dem Zustand der heutigen wissenschaftlichen Statsstik einverstanden. Nach ihm ist die moderne Statistik«ne selbständige Wissenschast mst einer arteigenen Methode. Professor Eulenburg, Berlin, eröffnete die Untergruppe für politische Soziologie. Der Begriff politische Soziologie erscheint jedoch nicht glücklich gewählt. Die Untergruppe soll zunächst das Problem der deutschen Stämme erörtern. Der Lester der Sektion umreißt in Kürze di« Probleme: das Stammesproblem ist der Wissenschast erst neuerdings bewußt geworden. Welche Eigenschaften sind mst den Stämmen verbunden? Sind Politik. Lsteratur, Wirt- schaff spezifisch stammeshaff gefärbt? Sind es Abstammung und Blut oder Umwelt und Geschichte, die im Stamm verbunden sind? Bei all diesen Fragen muß eine ernste Soziologie zunächst jede politische Stellungnahme oermeiden. In Abwejenheit des verhinderten Professor H e ll p a ch, Heidsl- b«rg, wurde dessen Referat über die anthropologischen und psycho- logischen Grundlagen der Stammesforschung zur Aerlesung gebracht. Stämme sind nicht ursprünglich biologische Differenzierungen, ober in ihrer Differenzierung treten biologische Tatbestände zutage. Diese Tatbestände, Rasse, Konstitution und fortlaufenbc Einwirkung der Standörtlichkest(Wetter, Klima, Landschaft) bedingen«inen Teil des Stammescharakters. Der Königsbergs Literarhistoriker Nadler sprach dann über die lsterarhistorrschen Erkenntmsmistcl des Stauunesprobtems. Nadler, der aus diesem Gebiet umfangreiche empirische Forschungen angestellt hat, gab eine ebenso umsichtige wie glänzend vorgetragen« Darlegung seiner methodischen Absicht. Die Beoöllerung und die geistigen Vorgänge bestimmter Räum« sind nicht immer identisch. Goethe wirkte zwar die längste Zest seines Lebens in Weimar, aber seine Genealogie, seine Herkunst weist in den rhein-fräntischen Raum. Der Ursprungsraum und die Aerbr«itungsgebiete müssen bei gei» stigen Bewegungen sorgfältig geschieden werden. Besondere Räum« und besondere Zeiten haben ihre eigenen Ideen. Ms letzter Referent sprach Professor A u b i n, Breslau. Seme Darlegungen behandelten di« geschichtlichen Grundlagen der deutschen Stämme. Die de>stschen Stämme sind in ver» schiedenen geschichtlichen Perioden entstanden. Sowest die Geschichte zurückblickt, l)at Stammesbildung stattgefunden. Sie ist auch heute noch am Werte. Es gibt keine reinen Stämme. Stets ist Per- Mischung nachweisbar. Am Anfang der deutschen Stamm« sentwick- lung stehen die Germanen. Bei ihnen können nicht unbeheul-nde Fremdelement« nachgewiesen werden, die bei der Konstitution der Germauen mitgewirkt haben. Uebereinstimmend warnen die meisten Redner vor vorschnelken politischen und wertenden Schlüssen. Ms Gesrnnteindnick ist festzuhalten, daß die«rfahrungswiffev- schaftliche Frische der Referenten gegenüber der gelegentlich auf der Tagung hervorgetretenen Tendenz zur begrifflichen Tüftelei außen- ordentlich wohltuend wirkte. In einem kurzen Schlußwort schloß Toennies die öffentlichen Verhandlungen des 7. deutschen Sozio- togentages. J. p. M. Siahlhelmaufregung in Bayern. Er will ein Vorzugsrecht. Alüucheu. 2. Oktober.(Eigenbericht.) Infolge des in Bayern immer noch bestehenden Verbote« des Aufmarsches uniformierter Berbände politischen Charakters wurde dem Stahlhelm di» Beteiligung an der Leichenparade des ver- storbenen Prinzen Leopold untersagt. In wütenden Protesten fällt deshalb die deutschnational« Partestoitung als die Schirmherrin des Stahlhelms über den Innenminister Stütze! her und lehnt für ihre Partei jede politische Verantwortung für die Hand- lungen der derzeitigen Geschäftsregierung ab. Der Stahlhelm hat unterdessen an Hindenburg telegraphiert, der am Freitag ja an der Veerdigungsfeier, die unter rein militärischem Gepräge vor sich geht, teilnimmt. Im Hinblick auf das Verhalten Hindenburg» gegen di« preußische Regierung anläßlich der Rheinkandbeffeiungsseiern erhc fsen die nationalistischen Schreier, unter denen sich die Nationalsozialisten besonders hervortun, ein Eingreifen des Reichs- Präsidenten bei der bayerischen Regierung zu- gunsten des Stahlhelms. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz ss. Sottnahend, mowett(VoeetMt hillige Hehensmittel fische, Obst u. Gemüse werden nicht sugesandt fleisch Rinderkamm und Brut« 0.90 Suppenfleisdi. Pfund 0.88 Schmorfleisch 1.14�1.30 Roastbeef mit Knech, pid. 1.14 Hammel•Vorderflelsdi 1.08 Kalbskamm u. Brust 0.94 Kalbsnierenbraten 0.96 Kalbskeule gfAVuÄ k.05 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 Gehackfes.. Pfund 0.80 frische DorSCh.. Pfund von an 0.1 2 Bratschollen 3 Pfd. v. an 0.45 Grüne Heringe 3 Tan 0.60 Schellfisch Pfund von an 0.26 Rotbars ÄSÄJKSS 0.32 Seelachs 0.33 Kabeljau FUA�0Äd.9"Jg 0.38 Fischfilet.. Pfund von an 0.55 Zander g.fror.n, Pfd. V. an 0.60 Liesen 0.80 Gulasdi 1.00 Kaller mild za»al».n, Pfund 0.98 Schweinerucken b�. 0.96 Schweinesdiinken 4 A_ und Kamm, mit Bailag.» Rüdsenfetf bratt*rtlg,Pfd. 0.86 Fr. Bratwurst Spoi,Ä1.18 Frische Rlnderzunge�1.20 Nierentalg""9""f.'.'und 0.55 Rinderkamm"gt'�I'en 0.86 Stauthemvacen Fettbücklinge Pfd. v. an 0.32 Kieler Bücklinge v"1; 0.45 Flundern Pfund von an 0.42 Schellfisch Pfund von an 0.48 Makrelen Pfund von an 0.48 Seelachs, Rotbars"an 0.52 Aale TS* 0.28 vp,fn 2.20 LachS I. SfOdcan, Pfd. von an 1»25 Olsardinen.. 4 o°-«n 0.95 SColontalufacen Olympia-Mehl f;6pa'-B;o 1.40 Rauhreif-Mehl'illt 1.60 Sultaninen Pfd.•.»,°.;° 0.32 Korinthen.. Pfund».« 0.50 Mandeln p�nd im,».a» 1»�0 Zitronat...... Pfund 1,40 Bruchreis.....Pfund 0.18 Tafelreis... 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Gemüse mittaifein 0.98 Kaiserschoten..... 1.48 Junge Erbsen..... 0.70 Bruchspargel ohnaKBpfa 1.65 Bruchspargel nuttai.. 2.05 Stangenspargel 3.40 !tangenspargei extra 2.70 Gewürzgurken... 0.76 Pflaumen 0.60 0.75 Kirschen sauraO.90 f�l. 20 Pflr$iehak4B,0ÄucR.r 1.05 Erdbeeren«o 0.82 1.45 Preiselbeeren 4 Pfund 0.90 Rot«, Weih- kow'�'pfJad 0.03 Möhren gawaidien JPfd. 0.20 Zwiebeln..... 4 ptd. 0.20 Senfgurken■ Pfund«.n 0.07 Rote Rüben... 4Pfd. 0.20 MSrk. Rübchen Pfd.«.s« 0.07 Blumenkohl ffspf van an 0,10 Sellerie Kspfa, ptd, 0.14 Kartoffeln.-■ lOPfd. 0.22 (tüursttMjgcen Blut u Leberwurst"� 0.68 Dampf- u. Rotwurst 0.98 Sülz- u. Fleisch wurst 0.98 Schinkenpolnische 1.18 Landleberwurst Pfund 1.20 Mettwurst 125 Kümmel« u. Blerwunt 1.45 Sardellenleberwurst 1.50 Feine Leberwurst pw- 1.50 Filet- u. Teewurst Pfd. 1.65 Zervelatu. Salami Pfd. 1.65 Speck v! an 0.95 magar 1.35 Nuhschinkenid�war.'phL 1 85 Gekochter Schinken n.a onn. Schwarte, gasdinltt.,l>Pid. W.�ö Könlgstr., Resenthalar Str., Morltiplatj; Sülze 0.50 Spedcwunl 0.85 Berliner Mettwurst 1.00 SCase«. yct* Camembert ÄÄ 0.23 Harzerkäse SpÄ0.52 Limburger 0.48�0.90 Tilsiter volHelt, Ptd.vonan 0.78 Edamer.. vsiifatt, Pfund 0.84 Dän. Schweizer*> f«» 0.84 Steinbusdiervoiifatf.Pfd. 9.88 Holländer voiifetf, Pfund 0.90 Schweizer VtSTd�""»" 1-15 Margarine Pfund 0.48 0.58 Molkereibutter Pfund 1.32 Tafelbutter Pfuna 1.42 1.56 Dän. Butter... Pfund 1.76 (Wein Preise fQr*i» Flascne, ohne Glai 1/29 Wölliteiner TUchwain 0.S0 Tarragona Rot.. 0.95 1920 Senheimor Kirchberg. spritziger Mosel 100 1920 Siefenheim. Sandbg.... iiablichsr Rholnhess« 1«00 1920 San Justo Span. Rotwein 1.35 1920 Niersteiner...... 135 1920 Schlo�bödcelhelmer vollblumig 1.50 Halb&Halbu.Weinbranda* 3.70 4 ampfahlaiuwarta Tafelwelaai 1920 Oberemmel. Rorenb. Saarwein 2.00 1927 Dflrfch. Fuchsmantel. 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Zeugen, dle zu odendezelchnetem Borgang Angabe» machen können, werden höflichst ge» belen um eine baldig« Adressenangabe. lir.kosten werde» dem Zeugcn vergütet. Frau Martha Gruncnberg. Charlotten. bürg. Sirmensdamm,. Kolonie Bleib» Li 38. Rr. 463* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 3. Oktober 4930 Arbeitssitmiig Im Rathaus. Debatte über den Konfilkt in der Metallindustrie. iieftr von im Zu einer?lnzal>l Dringlichkeitsantrögen in berlan»riaatc Fuhrunternehmer Aufträge in Höhe -' 1,----- jT"" von S.S Millionen Mark. Für die Sozialdemokrnten sprach Stadtverordneter Riese tSoz.): Genau wie jedes große Privotimternehmen seinen eigenen Fuhr- park hat, so auch die Stadl Berlin. Die Wiriscl>aftsparteiler be- urteilten natürlich die ganze Angelegenheit nach ihrem Standpunkt, der städtische Park hak aber stet» alz Preloregulalor gewirkt. Zu bedenken ist ferner, daß bei einer Auflösung die investierten Kapitalien verloren wären, man würde also städtische Gelder vri- vaten Interessen opfern. Der Antrag wurde einem Ausschuß über- wiesen.— Einen Antrag der sozialdemokratischen Frak- tion wegen des Todes einer Patientin in der Provinziolirrenansialt Teupih durch Verbrühung durch eine Pflegerin((der„Vorwärts" hat darüber ausführlich berichtet) begründete Stadtverordnete Zrau Dr. Frankenlhal(Soz.): igen Stadlverordnetensißung gehörte auch der der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte, .Vorwärts" vom Mittwoch veröffentlichte Antrag, der sich gegen die Aushebung der Dohnnngszwangswirtschaft für Portierwohnungen wendet. ?iur zwei Magistratsvorlagen standen auf der Tagesordnung, die übrigen 72 Punkte waren Anfragen, Anträge— davon allein 52— und Vorlagen„Zur Kenntnisnahme". Die Verpflich- tungserkläruna der Stadt über ihre Beteiligung am Umbau der Mühlen dämm schleuse wurde ohne Debatte dem chavs- Haltsausschuß überwiesen. Für die Errichtung einer S ch u l b a- racke in Lübars wurden 33 3<)l1 Mark bewilligt. Dann wandte sich die Versammlung der Beratung der Anfragen zu. Die Nazis und die Kommunisten wandten sich gegen die B e r' anstaltung vonFe st essen durch die Stadt und städtische Gesellschaften. Bei dieser Gelegenheit darf daran erinnert werden, daß bei der diesjährigen Etatberatung die Sozialdemokraten den Antrag stellten, die für Zwecke von festlichen Veranstaltungen be- reitzestellten Mittel im Etat so zu plaeieren, daß ein.Ausschuß bei Arrangierung von Festessen usw. stets mitberaten und beschließen konnte. Die bürgerlichen Parteien haben seinerzeit diesen Antrag abgelehnt— auch die Nazis! Gestern nahm die Linke des chaufes einen Antrag der Sozialdemokraten folgenden Wortlauts an: Der Alagistra, wird— in Erinnerung an einen früheren Beschluß der Stadtverordnetenversammlung in gleicher Sache— ersucht. bei Empfängen, die in besonderen Fällen nach vorhergegangener Stellungnahme der Stadtverordnetenversammlung als notwendig erkannt werden, den auch in anderen großen Städten üblichen Rahmen zu wählen, der die Darreichung von Speijeu und Getränken ausschließt. Ob der Magistrat bald einen BerichtüberdieAmerika- reise der Magistratsmitglieder im vorigen Jahre herausbringen wolle, fragten die Nationalsozialisten und gaben mit dieser rein agitatorischen Anfrage dem Kommunisten Lange Gelegenheit, seine saitsam bekannten Mätzchen anzubringen. Er nannte das Urteil des Bcrwaltungszerichts gegen Oberbürgermeister B ö ß eine Pro- vokation der werktätigen'Bevölkerung. Bürgermeister Scholz be- tonte, die Amerikarqise sei keine Vergnügungstour ge- wesen, sie diente vielmehr ernsten Studien. Ein Bericht werde der Stadtverordnetenversammlung alsbald vorgelegt werden.— Die sozialdemokratische Fraktion hatte vor einiger Zeit fest- aestellt, daß im Brückenbauamt der Stadt ein Ingenieur fremder Nationalität eingestellt worden war. Stadtverordneter Robinson(Soz.) begründete«in« dahingehende Anfr/ig«. In der Zeit, wo Tausende von deutschen und Berliner Ingeniglren erwerbslos sind, müsse es befremden, daß ausländische Kräfte eingestellt werden. Die Sozialdemokralen wüßten sich frei von jedem Rationalitätenhaß. aber in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sollt« man bei der Stadt, zuerst daraus achten, daß nur Deutschs und. Berliner beschäftigt werlSen. SfeRHboucof Hahn erklärte, e«. sei etn Brückenbauinginleue, der-bei seiner frühere!? Firma die Konstruktion der Brückenbmiten an der Iannowitzbrücke ausgearbeitet kchtte und nun von der Stadt als be- sondern Sachverständiger übernommen worden war. Er werde aber am Ende de» Jahres ausscheiden. Debatte um den Gtadtfuhrpart. Die Mirtschaftsparte! Halle es wieder einmal mit der ongeb. lichen Konkurrenz städtischer Betriebe gegenüber den Privatunter- nehmern. Diesmal war der Stadtfuhrpark daran, der dem Berliner FuHrgewcrbe die Aufträge sortnähme. Stadtbaurat Adler: Der Stadtfuhrpark muß erhalten bleiben, er ist dringend nötig. Von einer Konkurrenz könne keine Rede sein: während z. B 1929 der städtisch« Fuhrpark für die Stadt Arbeit im Betrage von 3,2 Millionen Mark leistete, vergab der Part Eine Pflegerin hat einer Patientin ein Bad bereitet, das Wasser lief zu heiß in die Wanne und die Badende starb an den Ber- brühungswunden. Das Personal i st überlastet, des Nachts mußte die Pslegenn 5 Stationen mit 75 Patienten betreuen. Gerode im Beginn des Wassereinlassens mußte die Pflegerin eine Kontrolluhr bedienen— offenbar die.Hauptsache bei ihrer Arbeit. sagte Frau Frankenthal— so geschah das Unglück. Es sei bedauer- lich, daß die Stadt die Anstalt noch unterstütze. Das Urteil gegen die Pflegerin— zwei Monate Gefängnis— sei eine Berurteilung der Anstaltsleitung. Stadtmedizinalrat Pros. Dr. v. Drigalski ver- teidigie die Anstalt, ihre Einrichtungen und Leitung. ttrich über den Metallarbeiterkampf. Den in der Berliner Metallindustrie ausgebrvchenen Kampf um die Herabsetzung der Löhne nahmen die Kommunisten zum Anlaß, wieder einmal einen ihrer Agitationsanträge zu stellen. Sie forderten die Stadtverordnetenversammlung auf, de» schärfsten Protest gegen die Lobicherabsetzung zu erheben. Bon der Stadt wurde verlangt, die für den Kampf erforderlichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Für die sozialdemokratisch«.' Stadt- verordnetensraktiop nahm alsbald Stadtverordneter U r i ch, der Bevollmächtigt« der Berliner Ortsvcrwaltung der Berliner Metall- arimter das Wort. Er erklärte mit allem Nachdruck, daß die Stadt- verordneterwersannnlnng nicht berufen sei, die Geschäfte des Deutschen Metallnrbeiterverbandes zu führen und zu prüfen: das fei vielmehr Sache der Mitglieder des Verbandes. Der Redner besprach dann kurz den Konflikt in der Berliner Metallindusteie. Er schildert«, wie ein qualisi.z>ert«r Arbeiter mit vierjähriger Lohr- zell heute einen Einstellungslohu von 48,76 Mark hätte und daß ein hilfsarbeller mit 34,08 Mark nach Haufe gehen müsse.(Zuruf bei den Kommunisten: Daran seid Ihr schuld!) Gewiß, sagte Genosse Uvich,- der Deutsche Metallarbeiter-Verband hol dM«..Tarife ahge-. schlössen, aber wer auch nur einen Funken von gcwertfchastlichm' Verständnis hat, muß zugeben, daß ohne die Tarife der Lohn in der Berliner Älclallindustrle von den Unternehmern weit unter diese» Maß herabgedrückl worden wäre. Im übrigen eine Frage an die Gewerkschaft sstrategcn der Kommunisten: Wie steht e» denn mit dem Stretkbeglnn in der Berliner Metallindustrie am 6. Oktober. der nüt so viel Geschrei von der„Roten Fahne" verkündet wurde.(Gebrüll bei den Kommunisten.) Allerdings, wenn sick) die Berliner Metallarbeiter aus kommunistische HIlse verlassen hätten, wären sie von allen verlassen. Urich schilderte dann, wie die Ber- liner Metallindustriellen den 15prozentigen Lohnabzug durchführen wollen. Demgegenüber hätten die organisierten Metallarbeiter eine Lohnerhöhung und eine Verkürzimg der Arbeitszeit bei gleich- zeitigem Lohnausgleich gefordert, um auf diese Werse die Erwerbs- losen wieder in die Betriebe zu bringen. Das ist von den linier- nehmern abgelehnt worden, lieber die ganze Angelegenheit ent- scheidet aber nicht die Stadwerordnetenversammlung, sondern die organisierte Metallarbeitcrschast-(Lärm bei den .Kommunisten.) Die sozialdemokratische Fraktion lehnt desHall' auch den kommunistischen Agitationsantrag bis auf den Protest gegen die beabsichtigte Lobnherabsetzung ab. Die Sozialdemokralen' könnkeu nicht zugeben, daß sich die Gewerkschaften ihre Politik von der Sladkvccordncicnvcrsammlung vorschreiben lassen.(Erneuter Lärm bei den Kominunlsten.) Nach Ausführungen des Stadto. Pieck(Komm.) lehnte die Versa mmli mg dann den kommunistischen Antrag bis auf den erwähnten Passus ob.__ Boß will sofort gehen. Verzicht auf die Karenzzeit mit vollem Gehalt.—' Neuwahl am 4. November? Oberbürgermeister B ö h hat nunmehr wegen Dienstonsähigketl seine B ersehung in den Ruhesland zum i. November d. 3. beantragt. Falls diesem Antrag entsprochen wird, wird der Oberbürgermeister nicht, wie es an sich den geschlichen Bestimmungen entspricht, noch bis zum 3t. 3anuar 19Zl. sondern nur noch bis zum Zl. Oktober 1930 Gehalt, von da ab Ruhegehalt beziehen. Wie der„Aorwärts" aus dem Rathaus erfährt, hat der Oberbürgermeister ersucht, seine Pensionierung bereits zum 1. November auszusprechen. Wie wir mitteilten, ist eigentlich vom Gesetz eine Karenzzeit von drei Monaten bei jeder Pensionierung vorgesehen. Der§ 24 des Pensionierungsgesetzes. läßt eine Aus- nähme zu, wenn der Antragsteller mm sich aus eine sofortige Pensionierung erbittet. Das bedeutet, daß er sosort auf Ruhe« gehalt gesetzt wird, während ihm sonst noch drei Monate lang volles Gehalt gezahlt worden wäre. Entscheidet der Magistrat, was anzunehmen ist, im Sinne der Bitte des Oberbürgermeisters, so taim die Wahl des neuen Oberbürgermeisters bereits am l. No- v e m b e r erfolgen. Eklarek-Ausschuß am Ende. Auflösung beantragt.— Wo bleibt das Geschrei über die Mißwirtschast? 3n nichtössentlicher Sitzung des Untersuchungsausschusses de» Preußischen Landtags gegen die„Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung" beantragte Abg. Dr. Graßchte Sie nicht, weil. Sie arbeiten und Ihr Geld verdienen nüffen! Ja. wenn Sie flegelhaft und grob wären, wie Ihre >olternden Kollegen..."* Auf der anderen Seit« der fchneeperhängten Straße vandte sie sich noch einmal um und winkte lächelnd, flüchtig urück, um gleich darauf im Dunkel zu verschwinden. Nachher, in seiner kalten Küche der feuchte Kamin »ereitetc ihm Aerger, die Kartoffeln schmorten langsam in »er Pfanne— kam die Sache ihm wieder in den Sinn. Das Sild des Bürofräuleins, Meta Reimers hieß, sie übrigens, !r wußte es zufällig, war seltsam deutlich in seinem Ge- lächtnis, Das Mädel liegte große Sorgfalt suf ihr Aeußeres, saß immer in einer hellen Bluse oder einem Pullover im Büro, machte unter ihrem gut riechenden Haar stets ein liebenswürdiges Gesicht und verstand es, sich einzuschmeicheln. Ihre Augen sind rehbraun, fiel ihm unvermittelt ein, und nun sah er auch das übertriebene Blond ihrer Haare, be- sonders hübsch und ein wenig ausreizend. Essend, schalt er halblaut mit sich selbst. Ein paar chin- geworfene Worte perdrehten ihm den Kops? Es gab wahr- haftig genüg zu bedenken, er mußte sich selbst hinsetzen und ' Knöpfe an seine Unterwäsche nähen, Geschirr spülen, Tee aufbrühen. Und eigentlich mußte er das Wohnzimmer säubern— einmal richtig heizen würde auch nichts schaden. Eine erstaunliche Lust, die Wohnung herzurichten, befiel ihn — natürlich— er betonte das sehr in seinem wortlosen Selbstgespräch— nur für seine eigene Gemütlichkeit, und Annie durfte, wenn sie nun bald käme, keine große Arbeit vorfinden! Am Sonntag besuchte er sie wieder im Krankenhaus, ihr Befinden näherte sich langsam der Genesung. In der letzten Woche hatte sie noch etwas Blut verloren, doch das Fieber blieb seit drei Tagen bei einer abfallenden Kurve. Der Kleine erbrach sich nicht mehr— vielleicht, meinte der Arzt, sei nur ihre Milch zu fett gewesen.— Heimkommen? Nun, in zwei bis drei Wochen. Ihr Kopf blieb während der ganzen Besuchszeit, ihm �zugewandt, auf dem Kissen liegen. Seine Hand spürte die Dünne der Finger, auf denen der Trauring hin und her fiel, wenn sie die Hand bewegte— alles an ihr war müde und ergeben und wohl auch trostlos,.. Sie gab ihm recht, daß er der Mutter nicht zu viel Ar- beit machen solle und war glücklich, über einen klappernden Zelluloidball, den er für den Jungen brachte. 5. Licht flammte, Leben schrie Lust in den frühen Abend. Straßenbalinen, Autobusse sausten vollbesetzt über Asphalt, Menschen schoben sich lustig vorbei, Autos lagen pfeilschnell im Strom der Bewegung unter Bogenlampen. Niemand beachtete den Mann, der unentschlossen, vorbei an Kaffee- Häusern, an Luxusläden, seinen Weg ging, kreuz und quer. ziellos und ohne Zweck, schwankend auch ein wenig unter dem Druck der Leere, einen Weg quer durch die Verlassenheit inmitten dieser Stadt des Lebens. Cr mar unendlich traurig und sehr allein. Nochmals sollten Wochen bis zu Annies Rückkehr vergehen- Ein Tag, und einer und noch einer, immer neue Tage: nicht abzusehen war, wann sie endeten. Seine Einsamkeit blieb nicht weit entfernt von Wut, in diesen Stunden haßte er sich selbst. Nachher, spät, als die Straßen schon leer gegen Mitternacht gähnten, vor der Petroleum- lampe am Küchcntisch, legte er den Kopf auf die Arme. Er wußte nicht, daß er weinte... Nein, Berthold Werla wußte nichts von der Geschichte, die rund um ihn im Entstehen war. Er glaubte, ergeben und ganz still auf seine Frau zu warten und auf das Kind. Nichts weiter konnte, sollte geschehen. Die Tage waren zum Verprügeln, die Nächte zu wirr und hart. Die Lohnzahlung brachte den Anfang eines Romans, auf den Werla in gar keiner Hinsicht vorbereitet, ein Geschick.-fitc das er nicht gerüstet war... In lange» Reihen schoben sich die Arbeiter an die Puste der Angestellten heran.. Ein paar zeitraubende Zufälle brachten Werla ganz an das Ende des Zuges. Fräulein Reimers kramte, als er vor ihr stand, in umherliegende Lohntüten. Er hatte seinen Namen lange auf elnem der Umschlüge erblickt, scheute sich aber, das zu erwähnen. „So", meinte das Fräulein, aufblickend,„Ihre Frau liegt im Krankenhaus? Ich hörte, wie Sie mit Kröger darüber sprachen. Ein Lunge ist es geworden? Allerhand Achtung— ich gratuliere!" Sie hielt ihm ihre Hand hinüber, er mochte mit seiner fettigen Rechten kaum zufassen. Herausfordernd blickten ihre braunen Augen in sein Gesicht, jetzt beugte sie sich vor, im Ausschnitt ihres Kleides leuchtete eine billige Spitz«. Weiter geschah eigentlich nichts, er empfing als letzter icinc Lohntüte— und mußte schon auf dem Wege zur Bahn gegeir seinen Willen an das Frauenzimmer, die Reimers, denken� wie sie die Reizende spielte und mehr von sich sehen ließ, als anständig war. Zur Straßenbahn kam sie außer Atem, als der Wagen schon hielt. Werla ließ ihr natürlich den Vortritt. So ent» hüllte ihm eine Sekunde unter dein mittellastgen Rock ein volles, gerades, gut geprägtes Frauenbcin bis hinauf über die Kniekehle. Der Wagen war leer, sie setzten sich nebeneinander, zwei gute alte Bekannte nun, durch mancherlei Gespräche, beinahe Erlebnisse, miteinander vertraut. Nachdem sich der Schaffner auf den Perron zurückgezogen hatte, blieb Zelt und Muße zu ungestörtem Sprechen. Dies und jenes konnte man er» örtern. ein Flugzeugunglück, den abgewandten Streik— und dann kamen die Augen der Reimers wieder ganz naht, spöttisch, fragend-..(Fortsetzung folgt.) Ein unwürdiger Pflegevater. Vielfach vorbestraft, quälte er das ihm anvertraute Kind. 3n welche Hände eine arme Schnikierin ihr uneheliches Kind gibt, um ungehindert ihrer Arbeit nachgehen zu können, erlebte man in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Lerlin-Mitte. Man stelle sid> vor: Ein Siebzigjähriger mit 23 Vorstrafen als Pflegevatercincs dreijährigen Knaben! Ein Mann, der nicht bloß wegen Diebstahls im Rückfall und wegen Hehlerei, sondern wiederholt wegen gefährlicher Körpcrocrleßung und Wider- stand?, Sachbeschädigung und lltötigung vor den Gerichten gestanden hat! Ein gewalttätiger Säufer, der zwei Monate lang den Kleinen aus jedem noch so geringen Anlaß mißhandelte, mit dem Lederriemen seinen Kopf, mit einer Holzlatte seinen Rücken derart be- arbeitete, daß dos Körperchsn zahllose blutunterlaufene Striemen aufwies. Wie war aber das Kind in die Hände dieses greisenhaften Peinigers gekommen? Eines Tages fuhr er aufs Land, um Blumen zu holen, lernte hier eine Schnitterin kennen, bat sie, ihm das Kind in Pflege zu geben, es würde es bei ihm gut haben, und sie gab es ihm auch wir�ich hin, ohne danach zu fragen, wer er sei und was er mit dem Kind vorhabe. Er brauchte ober den Kleinen gewissermaßen als Attraktion beim Betteln. Die Mutter besuchte ihren Zungen, sah, wie es um ihn stand, sie weinte und wollte ihn wieder zu sich nehmen, ihr Bräutigam meinte aber, das Kind habe es gar nicht sa schlecht bei dem Alten und so blieb der Zunge da. Vor Gericht bestreitet der Alte, den Dreijährigen überhaupt nur mit dem Finger angerührt zu haben. Die blutunterlaufenen Striemen seien nichts anderes als Flechten.„Sagen Sie lieber die Wahrheit/ ermahnte ihn der Richter,„sonst vertagen wir noch die Verhandlung und laden wegen der blutunterlaufenen Striemen die Polizeibeamtin. Da kann Ihnen Shr Leugne» noch leid tun/ „M i r t u t n i s cht le i d/ meinte der Alte. Der eigen« Sohn hatte ihn zur Anzeig« gebracht. Vor Gericht verweigerte er zuerst die Aussage, besann sich aber dann und legte los. Der Vater saufe, auch seine Frau— es ist die zweite, also nicht die Mutter des Zeu- gen— tränke womöglich noch mehr als der Vater. Ist sie aber st o ck b e s o f j e n, so tut der ZZater alles, was sie will. Und sie wollte, daß er das Kind schlag«! Sie tat es auch selber.„Alles Lüge/ jagte der Alte. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate Gefängnis und stellte dem Gericht anHeim, ein« Bewährungsfrist zuzubilligen.„Was meinen Sic dazu?" fragte der Borsitzende,„der Staatsanwalt hat 5 Monate Gefängnis beantragt." Der Alte empört:„Für wat, Herr Vorsitzender? Weil ich dem Kleinen zu Fressen gegeben habe, j deshalb soll ich auf 5 Monate ins Kit chen? Nee, meine Herren, das kann ich nicht mitmachen" Das Gericht verurteilte den Mann zu vier Monaten Gefängnis und lehnte eine Bewährungs- frist ab.„Danke schön," meinte der Alle, nahm seine Frau am Arm und ging davon. Das Kind befindet sich augenblicklich im Waisenhaus. Das Elend der Schnitterinnen, die nicht wissen, wohin mit ihren unchelichen Kindern, fand aber in der Gerichtsverhandlung eine grauen- hafte Illu st ratio» mehr. Mit ihrem Kind in den Tod. Janulientragödle in Charlottendurg. Räch einer ehelichen Auseinandersetzung öffnete gestern abend die 32 Jahre alle Cornelia B. aus der Saiser-A riedrich- S kratze in Charloltenburg den Gas- Hahn und tötete sich und ihre 2 Zahre alte Tochter Gerda. Di« Frau war schwer neroenleidend und geriet am gestrigen Tage mit ihrem Manne in Streck. Schließlich verließ der Ehemann die Wohnung und ging in ein Warenhaus, weil er glaubte, feine Frau würde sich allein schneller beruhigen. Als er abends feine Wohnung wieder betrat, fand er feine Frau in der Küche tot auf. Sie hatte den Gashahn aufgedreht und den Gasschlauch in den Mund genommen AufihremSchoßehieltsieihrKind, das durch die ausslr-ömenden Gase gleichfalls getötet worden war. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Prügelheld Lange. Er spielt den(Schwergekräntten und Verfolgten. Cs war ein seltsames Blld, das am Donnerstag vor dem Erweiterten Schöffengericht in Moabit der kommunistische Stadtverordnete Lange bot, und man war versucht, das alte Dichlerworl abzuwandeln und zu sagen:„Wer kann einen Schimpfbold erlragen, der sich will über ein Schimpfwort beklagen?" Dies der Tatbestand der Verhandlung: In der Sitzung der Neuköllner Bezirks verordneten hatte Lange dein Genossen Gärtner ins Gesicht geschlagen, weil er ihn angeblich einen erbärmlichen notorischen Feigling genannt hatte. Der Zuruf Gärtners war in seltener Einmütigkeit nur von den Mitgliedern der kominunistischen Fraktion in dieser Form gehört worden, während olle anderen, darunicr auch bürgerliche Zeugen, den Zuruf so verstanden hatten, daß die Kommunisten anderen nicht Feigheit vorwerfen können, weil sie selbst zu feige zur Acrontwortung wären. Danach hatte es sich also um eine Antwort auf kränkende Zwischenrufe der Kommunisten, wie sie ja an der Tagesordnung find, gehandelt. Die erste Instanz hatte Lange Beleidigung und Körperverletzung aus§§ 185 und 223 zu 3.-ti 0 Mark Geldstrafe verurteilt. Lange hatte B e- ru f u n g eingelegt, die jetzt zur Verhandlung stand. In lamentablen Tönen schilderte Lange, wie böse ihn gerode die Svziäldcmotratcn behandeln. Sie haben ihm schon Feigheit vorgeworfen: sie haben ihm ei neu Spitznamen aus seiner Seminar» zeit zugerufen, ach, sie haben ihn immer gekränkt und oerhetzt und gequält, den armen, bescheidenen und so gesitteten Stadtverordneten Länge. Dies Kind, kein Engel ist so rei»! Demgegenüber wies der Vertreter des Nebenklägers Gärtner, Genosse Dr. Siegfried Wein- be r g., daraus hin, daß' Herr Lange nach dem Bezirksverordneten- Vorsteher Ä r n d't- Neukölln mit der Präsidcntenglocke geworfen hat, daß er gegen die Stadträtin Weyl ein Tintenfaß schleuderte und daß bei ihm Schnnpsworte gegen die Sozialdemokratie, wie„Lumpen, Betrüger, Zuhälter, Verräter, Gesindel und Pack" an der Tagesordnung sind. Das Gericht kam zu einer Verwerfung der Berufung, setzte aber das.Strafmaß auf 10(1 M. herab. In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Lai�igerichtsdirektor Sachs, aus, daß dem Angeklagten zugute gehalten werden müßte, daß seine Behauptung, vrm Nebenkläger beleidigt worden zu sein, zwar nicht erwiese», aber auch nicht widerlegt werden konnte. Zudem liehe» die oer- riVgerten Eintommensverhältnisse des Angeklagten Milde am Platze erscheinen. Mit Recht hatte der Staatsanwalt in seine»! Plädoyer darauf hingewiesen, daß unter keinen Umständen geduldet iverden tömx, parlamentärische Versammlungen durch Radaubrüder zu Kasperle- theatern herabzuwürdigen, in denen der Watscherlhanserl die Hauptrolle spielt. Ein„harmloses Vergehen". Obgleich Auto zertrümmert und Fahrer schwer verletzt wurde. Vor dem V e r t e h r s s ch ö f f e n g e r ich t B e r l i n- M i t t« hatte sich am Donnerstag der Drofchkenchaufseur Gregor zu ver- antworten, der im Frühjahr dieses Jahres in der Bismarck- st r a ß c in Eharlottenburg mit dem Bojrmeister Paul Samson- Körner, der seinen Privatwagen steuerte, einen derart schweren Zi�ammenstoß hatte, daß Körners. Wagen vollkommen zertrümmert wurde, während Körner selber eine s cht» e r e Gehirnerschütterung erlitt, an deren Folgen, er noch heute leidet. In der Verhandlung behauptete Gregor zunächst, daß Samson- Körner angetrunken gewesen sei. Schließlich ließ der Chauffeur die Beschuldigung fallen und gab zu, daß er durch Mitteilungen von Zeugen zu dieser Behauptung gekommen sei. Der Prozeß endete mit der Verurteilung des angeklagten Chauffeurs zu läOMarkGeld- strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Nebenkläger Sam- lon-Korner schob die Schuld an dem schweren Zusammenstoß am Sophie-Charlolte-Plotz dem Angeklagten zu, da er selbst vorschrists- mäßig gefahren sei. Das Gericht stellte noch fest, daß den Boxer kein Verschulden an dem schweren Unglück traf. Der An- geklagte habe insofern fohrlässig gehandelt, als er beim Ileberholcn eines dritten Wagens auf die link« Seite des Dammes herüber- gekommen und dadurch den Zusammenprall verursacht habe. Da sein Vergehen aber kein grobes war, wurde nur auf Geldstrafe erkannt. Merkwürdiges Verkehrsschösiengericht! Ein großer Wagen geht in Trümmer, sein Besitzer erleidet eine schwere Gehirnerschütterung, aber das Vergehen des Schuldigen war trotzdem kein grobes. Was müssen Richter und Schöffen dieses Gerichts für gute Nerven haben! •10 Millionen Darlehen. Weiterer Erfolg auf dem Wege zur Konsolidierung der städtischen Finanzen. Die Finanz, und SlcucrdcpulatUm des Alagistrats stimmte in ihrer Sitzung vom 2. Oktober der Ausnahme eines U m- schuidungsdarlehens bei der Deutschen Girozentrale in höhe von nom. 10 000 000 Mark zu folgenden Bedingungen zu: Zinssatz 7 Proz., Tilgung 1 Proz. in rund 30 Jahren, Proz. Berwaltungskostenbeitrag voin jeweiligen Schuldrest. Die Stadt tonn das Darlehen nach fünf Jahren ganz odex teilweise zurück- 'zahlen. Dör �SzählutigäNträ� beträgt 90 Proz., also 9 000 000 M. Der Erlös soll uerwendet werden in Höhe von' 4870050 Mark für G l e i s e r w e i t e r u n g e n bei der Straßenbahn, die 1927 m einem Anleihe betrage von 25 000000 Mark beschlossen waren, und mit dem Rest von 4 129 950 Mark zur teilwcisen Abdeckung der Kalten für llntergrundbahnwagen, deren Beschaffung 1928 für die neuen Schnellbahnlinien beschlossen war. Betrunken vor Gericht. In oollkonimen betrunkenem Zustande erschien gestern der Krastdroschcnsührer Hubert Gienis vor dem Schösfcngericht Charlottenburg, um sich wegen versuchter Gefangenen- besrciung zu verantworten. Die Anklage hatte er sich ebenfalls in der Trunkenheit zugezogen. Die Tat war am l. Mai geschehen, hatte ober nichts mit der Maifeier zu tun. Der An- geklagte ist am 1. Mai geboren und hatte seinen Geburtstag mit feinem Freunde, einem anderen Droschkensührer, in ausgiebiger ■ i T-■ Welse gefeiert. Der Freund hatte mit seinem Wagen in der Augusta- straße einen Zusammenstoß mit einer Straßenbahn gehabt und die Polizeibeamten wollten ihn zur Wach« bringen, um durch den Polizeiarzt seine ofsenkmidige Trunkenheit feststellen zu lassen. Der Angeklagte hatte nun oersucht, den Festgenommenen den Beamten zu entreißen, und ihm zugerufen, er solle sich.auf die Erde werfen. Landgerichtsdircktor Rambke versuchte zunächst in Güte und Ruhe mit dem Angeklagten zu verhandeln. Dieser brüllte aber und unterbrach die Zeugen, so daß eine Verhandlung unmöglich war. Kurz entschlossen verhängte der Vorsitzende über den Angetlagten eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von> zwei Tagen Haft, nach deren Ablauf, wenn der Angeklagte seinen Rausch ausgeschlafen hat, die Verhandlung gegen ihn fort- gerührt werden wird. G. war anfangs etwas verdutzt, ging dann aber ruhig in seine Zell«. Schweres Grubenunglück m England. 14 Bergarbeiter getötet. London, den 2. Oktober. Einem schweren Unglück auf dem Groneberg werk in v rownhills(Grasschafk Stafford) fielen 1-4 Bergarbeiter zum Opfer. Die Explosion ereignete sich in einer Tiefe von etwa 2000 Meter. Die Ursache des Unglücks ist noch voll- j ständig unbekannt. Zn der Grube sind lOOOMannbeschöfligt. Der Bcrgwcrksinspektor und eine Reihe von Beamten des Berg- wcrts begaben sich sofort in die Grube. Die Stollen waren voll von Kohlenoxydgas. Aus den benachbarten Rettungs- stationcn wurden Mannschaften mit Reckungsopparaten noch der Unglücksstelle entsandt. Da die Schochtanlagen jedoch zum großen Teil eingestürzt sind, gestalteten sich die Reckungs- arbeiten außerordentlich schwierig. Erst nach 13 Stunden konn!en die ersten fünf Leichen geborgen werden. B t SS Eft ES S VN• WEN I GER D A F ü R A U S GEB E N DUR C H K AR ST AD T- L E B E N S M ITTEL OBST UND GEMUSE KONSERVEN KONFITÜREN KOLONIALWAREN WURSTWAREN Goldwein x>.,»---. av, neu. br. 1.00 Goldwein....... Pfd. 0.30 Beurro Blankblrreapfd. 0.55 Kochbirnen..... 3 pfd. 0.40 Musäpfel....... 2 Pfd. 0.45 Ananas......... Pfd. 1.10 Tiroler Tafeläpfel 2 Pfd. 0.58 Prelßelbeeren... 4 Pfd. 0.90 Maronen....... 2 Pfd. 0.62 Rübchen märkische 2 Pfd. 0.25 Blumenkohl... an Kopf 0.25 Rot- U.Wirsingkohl Pfd. 0.03 Sellerie gr. Knollen 3 Pfd. 0.40 Spinat......... 3 Pfd. 0.25 Kartoffeln..... 10 Pfd. 0.22 Brechspargel 2.35 Erbsen mittelfein 0,83 Junge Erbsen...>/, d». 0.70 Koroi+en... gewürfelt d«. 0,45 Brech-jSchnittbohn. d«. 0.45 Spinat......... Vi o». 0.48 Apfel-Himb-Marm.2Pfd.E. 1.20 Apfel-Erdb/-Marm.2Pfd.E. 1.20 Apfel-Marmel.ca.iPfd.Gi. 0.50 ErdbvHimb.-GeiieipfdGi. 0.88 i',1' � S• s Rhein. Spekulatius Pfd. 0.58 Kokosmakronen. Pfd. 1.00 Herrenkringel.. Pfd. 1.00 Vollm.-Bruch-Schok Pfd. 1.00 Rekord-Pral.-Mischg.Pfd. 0.98 Malzbonbon... Pfd. 0.50 Billiges Schweinefleisch Schinken, Schulter, Kamm, jf| ftQ .. an Pfund SjpitSÖ Kaßler Gelbe Erbsen... Pfd. 0.80 Weifie Bohnen an Pfd. 0.25 Eierbandnudeln. Pfd. 0.48 Eier-Figuren... Pfd. 0.55 Weizenmehl(ZOO. Pfd. 0.23 Wien.Ausz.-Mehl 5 Pfd. 1.35 Mandeln süß... Pfd. 1.80 Sultaninen.. an Pfd. 0.32 Aprikosen..... Pfd 0.72 Kaffee..... an Pfd. 1.90 .... k A-Lv'.'S* KARSTADT-LEBENSMITTEL >-rNwr j? ,>.',■.>>.•"; v Blut- o.Leberw./sädu. Pfd. 0.74 Landleberwurstpfd.1.10, 0.95 Feine Leberwurst. Pfd. 1.28 Speckwurst...... Pfd. 0.88 Fleischwurst..... Pfd. 0 98 Berliner Mettwurst Pfd. 0.96 Streichmettwurst. Pfd. 1.20 Schinkenpolnische Pfd. 1.18 Teewurst grob o.fein Pfd. 1.65 Zerveiat u. Salami Pfd. 1.65 Schinkenspeck... Pfd. 1.75 Nußschinken..... Pfd. 1.85 Gek. Schinken.. v« Pfd. 0.45 Aufschnitt... an Pfd. 1.00 Dampfwurst. Pfd. 0.98, 0.78 GEFLÜGEL UND WILD DELIKATESSE N WEINEU.SPIRITUOSEN FISCHE, RÄUCHERW. BUTTER UND KÄSE Wolga-Hühner. an Pfd. 0.98 Suppenhühner. an Pfd. 0.90 Brathähnchen.. an Pfd. 1.10 Gänse funge.... an Pfd. 0.95 Gänse StUckenfleisch Pfd. 1.00 Gänsebrust i. Ganz. Pfd. 1.40 Gänsekeulen..... Pfd. 1.50 Suppentauben. an Stck. 0.65 Fasanenhennen,. Stck. 2.85 Junge Enten... an Pfd. 0.98 Hirschblatt...... Pfd. 0.90 Hirschkeule...... pfd. 1.40 Wildragout f..... Pfd. 0>68 Olsardinen. an 5 Oos. 0.98 Sproten i. Oel. 2 Dos. 0.85 Brieslinge<• o�u.tom.Doi« 0,50 Krabben. Ds. 1.10, 0.68, 0.38 Mayonnaise Gl.1.00, 0.85, 0.50 Feftheringei.Tom.,Ds.0.75, 0.55 Bismarckheringe Utr.Ds. 0.85 Ochsenfl, i. eig. Saft Os. 1.10 Würstchen, 5-Paar-Dose 0.88 Salm..... Dose 1.60 0.80 Frkf.Apfelw. 10 itr.sjo, iti. 0.46 Bowlenwein loitr.us.ur. 0.80 Wintringer. 10ur.9jo.itr. 1.00 Niersteiner, loitr. 12.00, Ur. 1.25 Johannisbw. io ur. tjo, iir. 0.75 Tarragona.iour.iojo,ur. 1.10 Lamas... iour.ii.oo.ur. 1.20 Malaga.".10ur.12jo.ur. 1.30 Reiner Welnbr. Ltr.m.Fl. 4.80 Alter Korn... Ltr.m.Fl, 3.80 Schellfisch o. Kopf Pfd. 0.26 Kabeljau o K. i Gz. Pfd. 0.38 Seelachs o. K. i. Gz. Pfd. 0.33 Grüne Heringe. 3 Pfd. 0.60 Muscheln.... 3 Pfd 0.35 Lebend. Karpfen an Pfd. 0.98 Fettbücklinge. an Pfd. 0.30 Fleckheringe... Pfd. 0.55 Bundaale... an Bund 0.30 Stückenlachs. an Pfd 1.25 Molkcroibutter... pfd. 1.32 Tafelbutter... Pfd. 1.68, 1.42 Dänische Butter... pfd. 1.76 Margarine Pflanzenf. Pfd. 0.48 Bratenschmalz... pfd. 0.78 Edamer 20° Pfd. 0.60 Dajos BeSa und Jenö Fesea spielen auf dem Dachgarten —————-—— /o••••• rru. v. w Edamer vollfett____ Pfd. 0.84 Dänisch. Schweizer Pfd. 0.84 Geheimratskäse.. Pfd. 1.20 Harzer Käse..... Pfd. 0.35 SchlemmerBioekk. 40% Pfd. 1.10 Gorgonzola...... Pfd. 1.30 Holländer 40*/,.... Pfd. 0.90 BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH K A R S T A D T- L E B E N S M I T T E L Der zweite Kampf um die Republik Nach 12 Jahren sozialistischer Ausbauarbeit Au? d�r Soffoä"1, ioB de? Ziemlich weit auseina!i!>e?>,ezokiene 1 it. Äreis Kehle ndors jjhcr eine vcrhäl>ni»mäßia geringe Mit- gliederzahl verfügt und infolgedessen im Leben der Berliner Partei meniger in die Ersckicinung tritt, glaubt die Ncdatiion dos Recht her- leiten zu ditrfen. ausnahmsmeile einmal Uber eine Kreismitgliedsr- Versammlung, die außerordentlich eindrittfsstarf verlief, ausfuhrliche: su berichte», als es im allgemeinen möglich ist, In einer außerordenllich gut besuchten, von dem Kreisvorsitzen- den Genossen Schneider geleiteten Kre!sm!tgl!«derversammlung nahmen die Parleigenossen des 1 l). Kreises(Z e h! e n- dorf-Dahlem- Wannsee) Stellung zu der aus den Wahlen sich ergebenden politischen Situation. Reichstogsabgeoichnetcr Genosse Äufhäuser zeichnete mit allem Ernst und aller Eindring- lichteil die gefahrvolle Situation, in der wir uns befinden. Klar und scharf arbeitete et jene sozialen und ökonomischen Triebkräfte I eraus, die den Nntloiralsozialisien zu einem, wie auch er glaubt, nur vorübergehenden Erfolg verHolsen haben. Dennoch warnt er sehr ernsthast, die n a t l o n a l s o z i a l i st i s ch e G e- 'ahr geringzuschätzen. Er charakterisiert die 6!- Millionen nationalsozialistischen Wähler als eine Masse verzweifelter Menschen, die mit den im hochkapitalistischen Deutschland herrschenden Zn- Händen tief unzufrieden sind, die nicht wissen, wie sich diese Zustände ändern lassen, aber davon uberzeugt sind, daß es so nicht weitergehen 'ann. wenn man überhaupt noch in dieser tollen kapitalistischen Wirtschaft den Menschen als solchen werten und schätzen will. Eni- scheidend ist, daß sie mit allen Mitteln versuchen wollen, aus diesen Zuständen herauszukommen. Wenn auch diese 6'A Millionen Wähler den Kapitalismus noch nicht als ihren schärfsten Feind erkannt haben, so haben sie dennoch gegen ihn gewählt. Die Frage der inneren Lastenverteilung hat zur Auslösung des Reichstags geführt und bildete sodann den Inhalt de- Wahlkampfes. Im Mittelpunkt der kommenden politischen Enlschcidungen wird die Arbeitslosenversicherung' stehen, deren Zerstörung und Fall das Kapital nnftrebt, weil sich dann die verhungernden und verzweifelnden Massen um jeden Preis anbieten werden. Das Kapital will den Staat, der sich mit seiner Schutzgesetzgebung zwischen Kapital und Arbeit eingeschaltet hat, wieder ausschalten. Aufhäuser läßt seine Ausführungen gipfeln in er Forderung: Innere Festigung der Partei!.llach außen stärkste Aktivität voni Standpunkt des arbeitenden Menschen! In der Diskussion sprach zunächst Genosse Dr..K r o n e r: Es l'ti keinen Zweck, auf die Parteiinstanzen, das Parlament und die Presse zu schimpfen. Auf dem außerordentlichen Parteitag müssen ganz bestimmte Vorschläge gemacht werden. Der Kontakt mit der Masse muß wiedergewonnen werden. Die Parteiführung muß eng an die Mitglieder heranrücken. Es nmß weiterhin alles aufgeboten '«erden, um zu verhindern, daß uns die imernießliche Schar der ilrbeitslosen entgleitet und verloren geht.— Genosse E r k e l e n z, den die Empörung von den Demokraten ins Lager des Sozialisnt�s trieb, sprach vom Standpunkt dessen, der ,, viele Jahre hindurch die Dinge von draußen angesehen hat". Die Masse der Mitglieder darf nicht vergessen, was die Partei in zwölf Jahren seit 1918 für die deutschen Arbeiter, was sie aber auch für Deutschland geleistet hat. Zwölf Jahr« stand die Partei unier dem fortwährenden ungeheuren und zermürbenden Druck der Aerantwortunz. Da kann wohl mal die Spannkraft nochlassen. Die Tatsache, daß 1918 die scheinbar unerschütterlichen deutschen Monarchien wie Blätter iin Sturm fortgeweht wurden, ist in ihrer revolutionären Bedeutung noch immer nicht klar erkannt worden. Man nimmt das vielfach als einfache Tatsache hin. Wie so oft in der Weltgeschichte zeigt es sich jetzt aber auch bei uns: Das Volk muh um das Errungene uud io sicherem Besitz Gewähnte zum zweitenmal kämpfen. Frankreich hat seine Republik sogar dreimal umgebildet. In dieser zweiten inneren Eroberung der deutschen Republik wird die Sozial- demokratie die Führung haben."Genosse Wolfgang Schwarz polemisierte zunächst gegen die Riese neinko in men der Generaldirektoren und Aufsichtsräte. Im Gegensatz zu diesen Einkommen, die die Ausbeutung der Massen vor- aussetzen, wird man überall, wo die Wirtschaft gebunden ist, vornehmlich in den Kommunen, zu scharf begrenzten Höchstgehällern kommen müssen. Der Young-Plan sieht eine Belastung Deutsch- lands durch jährlich« Zahlungen von fast zw«' Milliarden auf die Dauer von 58 Jahren vor. Das bedeutet, daß das arbeitend« deutsche Volk durch die Schuld des alten Systems auf zwei Generationen gezwungen ist zu zahlen. Wenn uns das Ausland sagt, das deutsche Volk habe, da es den Krieg angefangen hat, eine moralische Per- pflichtung zu diesen Zahlungen, so müssen wir erklären, daß wir die moralische Grundlage dieser Zahlungen nicht anerkennen. Wir müssen dem Ausland sagen, daß unsere ökononiischen Grundlagen schwer evschüttert sind. Die Kapitalflucht au- Deutschland hat einen alle Maße übersteigende» Umfang angenommen. Entweder erfaßt also das Ausland' die aus Deutschland geflüchteten Gelder der deutschen kapitalistische»„Patrioten", oder wir verlangen ent- sprechend dem Schwinden unserer ökonoinischen Basis eine Ermäßigung der Reparationszahlungen. Unter dem lauten Beifall der Anwesenden faßte Äufhäuser zun, Schluß alles, was gesagt wurde, in folgender Formel zusammen: Gleichviel ob unsere Partei sich für Koalition oder für positive Arbeit in der Opposition entscheidet, die anderen sollen wissen, daß die Sozialdemokratische Partei niemals ein An- bängfel ist, sondern in jeder politischen Kombination eine be- stimmte Machtposition darstellt. Explosionsunglück bei Homberg. Sechs Arbeiier schwer verieht. Homberg, 2. Oktober. Auf den Kattberg-Schächten ereignete sich an, Donners- ttgnachmittag ein schweres Unglück, bei dem sechs Arbeiter schwer verletzt wurden. Bei Ausführung von Arbeiten im unterirdischen Betrieb er- eigneten sich zwei Explosionen. Während die erste ohne jegliche Wirkung blieb, war die zweite sehr schwer. Durch Stichflam- men wurden die an dieser Stelle arbeitenden Arbeiter schwer verletzt. Einigen Bergleuten wurden die Kleider in Brand ge- ictzt. Obgleich sofort Hilfe zur Stelle war, wurden sechs Bergleute so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. -Zungsozialisten zur politischen Lage. In einer stark besuchten Gclamtv«omnstaltung nohnien die Ber- Ii»er Jung sozial! st«»p und die S o z i a l w i s s c n j ch a s t- l> che Bereinigung im hockeschen Hof zur politischen Lage Stellung. Genosse Fritz Bieligk, Leipzig, sprach über die„Fa- i ch i st i s ch e Gefahr". Di« Gegner der Sozialdemokratie ar- leiteten mit allen Mitteln der Demagogie. Die gefährliche Politik des Bürgertums hat die faschistische Gefahr akut werden lassen. Aber auch die Parteiführung der Sozialdemokratie sei nicht glücklich gewesen. Proletarische und halbproletarische Wähler seien am 14.Scp- tember zu den Nationalsozialisten gestoßen, weil sie den Glauben an dos kapitalistische System zwar verloren aber den Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapitalismus noch nicht erkannt haben. Es erfolgte aber auch ein Einbruch in die sozialistisch-proletarische ihoni. hunoertlausende von Wählern verloren das Vertrauen zur Partei, und das sei sehr ernst zu werten. Zudem gehe es fetzt den Nationalsozialisten weniger um die Regierungsbeteiligung als um lieber eine wichtige soziale und wirtschaftliche Frage Deutsch- lands, nämlich über„Das Problem der Ostjiedlung" spricht Paul Liebig. Nach einem historischen Rückblick über die Bismarckschen Rentensiedlungcn in den Provinzen Posen und West preußen mit allen ihren ökonomischen Fehlern kommt Liebig aus das Wesentliche. Es handelt sich darum, nur auf gutem Boden und intensiv zu wirtschaften. Schlechte Böden müssen amgesorstct worden. Dann aber gilt es, neben der Roggen- Produktion den Hauptakzent auf die B i e h z« ch t zu legen. Nicht Schutzzölle, sondern Siedlungen können die mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft beheben.— Den Kamps mit einer unwirtlichen Natur, den Heroismus der Forscher, ihr Leiden und ihren Unter- ang schildert Otto Kag in seinem Bortrag„Tragödien im 1 o I a r k r e i s". Kotz zeichnet nur dic Porgänge, ohne sie zu kommenticrcn und wirkt gerade durch diese Sachlichkeit, denn der Stoff ist an sich tragisch und groß genug.— Der Abend bringt Verdis„Rigoletto" als©endooper in sehr guter Aufführung. Rudolf hindemith dirigiert. Er behandelt das Orchester mit vorbild- licher Delikatesse, selbst gleichgültigere Passagen erhalten em ausgeprägtes Gesicht, besonders in rhythmischer Hinsicht. In der Rolle des Rigoletto«meist sich Karl Kammann als ausdrucksstarker Gestalter und Sänger. Schmidt singt mst strahlendem Tenor den Herzog und Sabine Mayen ist eine gute Gilda. F. Seh. das Eindringen in die Betriebe. Ucberall würden jetzt Zellen- bildungen angestrebt, hier liege die wirkliche Gefahr, in der plan- mäßigen Zersetzung de»- Arbeiterbewegung. Da kann nur eine geschickte Taktik der Sozialdemokratie Helsen. Bestrebungen ans positive. AnteilnahMc an der Regierungsbildung öder Tolerierung der Regierung Brüning seien unter allen Umständen abzulehnen. SchneNzug rammi Moiorwalze. Schwerer Llnfall auf einer Bahnstrecke. Bei der Durchfahrt des Schnellzuges Friedrichs- Hafen— Stuttgart durch die Bahnstation Ummendörf er- eignete sich am Nachmittag ein schweres Unglück. Bahnarbeiter, die auf der Strecke an einer Motorwalze beschäftigt waren, ließen diese beim herannahen des Schnellzuges stehen. Da die Walze zu weit in das Gleise hinüderragte, wurde sie gerammt und beiseite geschleudert, hierbei wurden zwei Arbeiter tödlich und zwei weitere schwer verletzt. Die Schnellzugsloto- motive wurde beschädigt. Von Biberach wurde sofort«ine hilfs- lokomotive entsandt. Razzia gegen„Massagcsalons". Die Kölner Kriminalpolizei hat bei oiner Unter? suchung der etwa 59 Kölner„Massagebetriebe" festgestellt, daß die Mehrzahl dieser Institute in Wirklichkest sehr ein- deutigen Prostitutionszwecken dient. Das vorhandene weibliche Personal wird meist für ganz bestimmte Zwecke an- geworben. In einem Fall gab eine weibliche Angestellt« bei dem Verhör zu, täglich mindestens dreimal von männlichen Besuchern mißbraucht worden' zu sein. Mehrere„Massage« betriebe" wurden sogleich geschlossen, andere werden folgen. Und wie steht es mit den privoaten Badeanstalten, Schönheits» instiütten und Massagesalons in Berlin? Billige Fischvertäuse. Zur Zeit werden am Fischmarkt lebend« Karpfen und lebende Aale reichlich an- geboten. Dementsprechend sind die Preise gesunken. Lebend« Karpfen werden pro Pfund mit 1,29 M. und lebende Aaale pro Pfund mst 1,59 M. in der für die Berliner Bevölkerung gewünschten Größe an die Verbraucher abgegeben. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Allgemeine Wetterlage. 2.(M«0,sdÄs. woikcmlos.O hsiiar.a halbhedecki 3 wolkig,©bedecki-ffegeuAßrtupeln �w5HM�Gewrt3-— SS-— M 29.» tedtn&udthetf Gertraudtensiraße 5—9. Mn der Peirnürcße W. von Mebra: Xudtrig Thomas Sreund In Vord«rstaißcn wald l«bt der siebzig Jahre alte penstonierre Otierförster Josef Siferlinger. Cr fährt dreimal die Woche im Ülirtobus nack) Staißenberg, seinen dort lebenden Sohn zu besuchein Cmes Tageo fitze ich im Auwbus neben Sifcrltnger. Uns gegenüber sitzt ein fremder Mann. Er ist blond, klau- äugig. schlaue, gesund und kräftig. Siferlinger fragt ihn: „San sö nct a Verwandter vom Th o ma?" „Vom Thoma Ludwig?" „Ja, vo insernem Dichter Thoma." „Na. daoo weoß i nix." „So sehgn eam aber gar a so ähnlich." „Gibts dös a?" „Ganz furchtbar ähnlich sans. Pfeilgrad a fa fchauns aus, als o wia er asgfchaut had in«anerem Alter, der Thonw, da könnens fei stolz drauf fei, auf diehc Aehnlichkest." ,J)öä glaabst." ,�5 moon no immo, datz fö da m!d eam verwandt fan, midm Thoma." „Na, n«I. Daoo häd i do was z chaus ghört, bal mir midm Thoma verwandt warn." „Dös häd i mir nia net denka kenn», daß fö midm Thoma net oerwandt fan, woas eam a gar so ähnlich fan. Ueber a Aehw- lichkest mldm Thoma, da hob i a Urteil, a guats Urteil l>ob i da, zweng dem, daß i«an kennt Hab, den Thoma." „Sö ham«an selbst kennt, den Thoma?" „Guat Hab i«an kennt, den Thama. Sehr guat Hab i ean kennt." „Den Thoma, den inscrnen Dichter?" „Und wia gual i«an kennt Hab, den Thoma! Ja mei! Wissens, als a wia i i no Förster bin gwcst, Wissens, im Staatsdienst bin i gwest, und da war> vüll zsamm midm Thoma. Sehr v'ill bin i dmid«am gwest. Er had mi gern ghabt, der Thoma. Sehr gern had er mi ghabt. Bai i ins Wirthaus temma bin, wo er san Stammtisch ghabd had, der Thoma, in Tegernsee, da had«r glei grufn, der Thoma: ,da kimmt er ja, mein Freind, der Siferlinger!' Oft had er.Freind' zmir gsagt, oft. Und tarrockn Hab i den, mid «am, midm Thoma." Bis zur Ankunft in Swißeuberg erzählt Siferlinger unentwegt von seinen Erlebnissen mit Ludwig Thoma. Liebe und Bewund«- rung sind sichtbar, noch sichtbarer aber der große, mächtige Stolz auf die Freundschaft mit dem berühmten Dichter. ★ Nach zwei Wochen sitz« ich im Autobus neben Siferlinger. Uns gegenüber sitzt wieder ein fremder Mann. Dieser ist brünett, braunäugig, dick. Siferliirger fragt ihn: „San sö net a Verwandter vom Ludwig Thoma?" „Na davo weah I nix." „So seghn eam aber gar a so ähnlich.' „Gibts dös a?" „Ganz furchtbar ähnlich sans. Pfeilgrad a so fchauns au», als wia er ausgfchaut had in eanerem Alter, der Thoma Da könnens fei stolz drauf sei, auf di«se Aehnllchkeit." � Und auch die weitere Führung d«s Gesprächs zeschiehr genau. fo�roie öeim'«rsten Male! �•> ..-!:.» S'- rn• o.' Räch weiteren zwei Wochen sitz« ich' im Autohus wieder neben Siferlinger. Uns gegenüber sitzt wieder ein uns fremder Mann. Disser ist schwarzhaarig, dürr, kränklich. Siferlinger fragt ihn: „San sä net a Verwandter vom Ludwig Thonw?" „Daoo weiß i nix." „Sö seghn eam aber gar a so ähnlich." Und das Gespräch geht genau so weiter wie die anderen Male. * In fast allen Menschen ist der Wunsch lebendig, von jenen Ereigntlsen, die ihnen die gewichtigsten ihres Lebens erscheinen, oft und misführlich erzählen zu können, und hierfür ein williges und teilnehmendes Publikum zu gewiimen. Dieser Wunsch aber, soll er gute Ersüllung finden, stellt die Menschen vor schwierige Ausgaben: das Gespräch richtig einzuleiten, es in die gewollte Richtung hinzuführen, und den Partner so an- zupacken, daß feine Eigenlieb« nicht verletzt, sondern gestreichelt, daß er nicht ein widerwilliger, sondern ein wohlgesinnter Zuhörer ist. Siferlinger hat alle dies« Problem« glänzend gelöst, auf feine besondere, ebenso einfache wie geschickte Weise. Johann WtossHach: Weil' M|l Augenkrankheiten nehmen ab Infolge des zunehmenden Gebrauchs von Augengläsern dürfen wir nach den Ausführungen eines Augenarztes auf dem internatio. nalen Optlkerkongreh in Cambridge damit rechnen, doß die Seh- schärfe der zukünftigen Generation eine wesentliche Verbesserung«r- fahren wird.„Viele Leute", erklärte der Arzt,„die heute Augen» gläser tragen, würden praktisch zur Blindheit oerurtellt gewesen sein, wenn sie ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätten. Es ist eine charakteristische Tatsach«, daß Im Jahre 189» in Mittel- und West» europa auf IstlKiv Einwohner im Durchschnitt noch annähernd 8 Blinde entfielen. 15 Jahre später war diese Zisser bereits auf annähernd S Blinde auf je 10V00 Personen zurückgegangen..Da heut« auch die letzten Reste des unvernünftigen und unwissenschaft» lichen Vorurteils, das gegen den Gebrauch von Augengläsern be- stand, im Schwinden begriffen sind, unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß die Zahl der Augenglasträger stetig weiter wachsen wird. Die unvermeidlich« Folge dürste sein, daß die Augen der zukünftigen Generation schärjer sein werden. Augenkronthsiten werden eine Minderung erfahren, die Fähigkeit, gut zu sehen, wird für eine längere Lebensdauer erhalten bleiben, und die visuelle Leistungsfähigkeit wird im allgemeinen eine Stärkung erfahren." aber elektrische&lu$ Iii der lstähe»an Lausanne ereignete sich dieser Tag« ein merkwürdiger Unstlü'ksiall. Em vmad. der von dem Akiijer des Flusses trank, fiel wt zu Boden. Die Befitzerin des Hundes und ein von ihr herbeigeholter Gendarm erhielten, als sie die Todesursache unter- suchen wollten, von dem Körper des Hundes einen elektrischen Schlag. Es stellte sich heraus, daß der Fluß durch den elektrijchen Strom einer nolgigelegenen Fabrik geladen mar, deren Kabelanschluß unter Wasser deiekt geworden mar. Di« Behörde veranlatzte, doß der Strom ausgeschaltet wurde und ist j.'tzt mit einer Uniersuchnug der Angelegenheit beschäftigt,_ v Winter in der bittersten Zeit nach dem Krieg. Neben den Bettlern und Gewerbsleuten der Straße verkaust «>»« Frau au einer Haltestelle der Trambahn die Zeitungen des Tages. Das hätte Paul ehemals, als er noch nicht so tief in Not ge- kommen war, gerührt. Denn doß Frauen in aller l�ausamkcit des Wetters an einer Straßenecke ausharren müssen, uw ihr Brat zu verdienen, hatte er in jenen besseren Zelle»', als er noch im Büro einer Fabrik als Mann von Intelligenz beschäftigt und bezahlt war, wohl als häßlichste Härte des nicht eben weichen großstädtischen Lebens empfunden. Aber nun hatten sich seine Empfindungen ge- wissermaßen geändert, denn nun trabt« er selbst, länger als ein Jahr schon, auf durchgescheuerten Schuhen nach Arbeit und Brot; auch sein Hemd war längst nicht mehr so sauber, wie man es gerne sieht, sa er war. wenn man bei der Wahrheit bleiben wollte, ein abgc rissen« und verhungerter Kerl. Sein Weg führte ihn einen Tag wie den anderen aus seinem elenden Borstadtquartier über die Brücke, die den großen innerstädti- schen Kanal übersetzt, in das Geschäftsviertel der Stadl. Und am stadtseiiigen Ende der Brücke, dicht nebe» der Irambahnhallestcllc, hatte die Frau ihren Stand. Er sah sie morgens, wenn er stadtmärts ging, und abends auf dem Heimweg. Sie stand neben ihrem schmalen, an den Haltepfahl der Trambahn gelehnten Brett, das in etlichen verstaubten, über- einander angebrachten Metallklammern die Zeitungen trug. Sie war hochgewachsen und breit, ein gesundes und fleischiges Weib mit vollen Brüsten und Hüften, eine Bäuerin vielleicht, die von Viehstall und Acker bis zu diesem armseligen, auf offener Straße hingepflanzten Zeitungsbrett sich verirrt hatte. Ihr Gesicht war rund, vom Wetter gebräunt, sie hatte blaue, sehr helle Augen. Ihr Haar konnte man nicht sehen, denn sie trug ein Kopstuch. Vielleicht paßte sie nicht recht zu diesem Geschäft aus der Straße, sie.trieb es durchaus nicht mit der bangenden Hast, die dazu gshöri, doch sie schien, vielleicht eben deshalb, dabei zu gc- dcihen. Sie stand schwer und breit neben ihrem Brelt, bisweilen machte sie ein paar Schritte noch links und rechts hin, klimperte mit den Geldstücken in der Tasche ihres weiten, von einer bunten Schürze verdeckten Rockes, dann stand sie wieder still. Ermüdung schien sie nicht zu kennen, an den Holtepfahl der Trambahn lehnte sie sich nicht, sie hielt sich stets srei und mit einer gewissen Größe aufgerichtet, bisweilen auch den- Arm in die Hüfte gestemmi, auf den» harten Pflaster der Straße. In ihren helle» Augen gab es nichts von dem Flimmern und Zittern, das die Menschen ringsum In ihren Blicken hatten, sie sah freundlich und furchtlos in das Zappeln und Toben der Straße, es schien ihr ein wenig fremd, doch nicht feindlich und gefährlich zu sein, hier gehörte es wohl zum Leben, nicht wahr?, und man konnte es immerhin meistern, denn es tat nur so groß und mochte in Wahrheit viel kleiner sein. Cr sah sie so täglich, doch er beachtete sie kaum. Nur wenn er an ihr vorbeiging, sprach er mechanisch die Namen der Bläitex mit, die sie mit voller,«in wenig dunkler Stimme. laut zwar, doch nicht schreiend und ganz ahn« Härte ausrief. So belanglos ihm dieser Ruf im Grunde sein mochte, so hörte er ihn dennoch gern. Ihm schien, er sei ein schmeichelnder Wohllaut inmitten des kalten Tosens der Straße: er hatte«ine angenehme Empsindung davon. Und er dachte dabei, ohne des Gedankens sich recht bewußt zu werden, ungefähr so, wie«r die Namen der Zeitungen mitsprach, daß die Frau gewiß keine Einheimische sei, fremd nicht nur nach dem«armen, gleichsam seelenvollen Klang ihrer Stimme, sondern mehr noch nach der breiten und ein wenig mühseligen Art, in der sie die Worte formte Er beachieie sie so lange nicht, bis«s an einem lauen Abend- zu Ende des Winters dazu kam. daß er. blitzschnell allerdings und durchaus verschämt, knapp vor ihrem Zeitungsstand sich bückre, um den Rest einer Zigarette vom Pslaster auszulesen. Er hatte zwar• vorher sichernd vi» sich geblickt und die Frau abgewendet dastehen gesehe». Aber dann hatte sie sich plötzlich umgedreht und ihn mitten. in seiner hastigen Bewegung überrascht Er sah es und wurde rot.. Aber sie nickte ihm lächelnd und gleichsam ermunternd zu. Nach-. her, als er schon weitergehen wollte, stellte sie sich ihm in den Weg. Sie langte-mit der Hand unter die Schürze. Dann hielt sie ihm,. nach immer lächelnd, auf der Fläche threr Hand eine Lage Ziga- rette» hin, ganze und richtige Zigaretten, ein wenig zerknüllt zwar, do sie lose in der Tasche des weiten Rockes gelegen haben mochten, doch unversehrt genug, daß man sie zwischen die Lippen stecken und rauchen konnte. Er war verwirrt und mqchte einen kleinen Schritt rückwärts. Aber sie hielt ihm noch immer wortlos die Hand hin, legte nun auch den Kopf freundlich zur Seite und kam ihm einen Schritt näher. Das bedrängte ihn. er sah sich gewissermaßen ge- zwungen, zuzugreifen. Und nun tat er es auch. Dann, nachdem er eine Zigarette genommen und hastig in die Tasche hatte gleiten lassen, griff er an den Hut und ging. Erst am jenseitigen End« der Drücke fiel ihm ein, daß er kein Wort gesprochen, ja, daß er nicht einmal gedankt halte. In den folgenden Tagen mochte er einen Umweg, um die Brücke nicht zu passieren. Er betrot sie erst nach etwa einer Woche wieder. Jetzt waren seine Sorgen bösartiger und beschwerlicher als je, es ging nun um das pure Brot und um das Quartier: die Hilfsquellen, auch die zugänglichsten und ergiebigsten, waren er- schöpsl. Am Zeitungsstand angelangt, grußic er. Die Frau erkannte ihn. Sie sah, daß er verlegen war. Also fragte sie, ob er krank gewesen sei.„Ja, ein wenig", sagte er. Und auch jetzt sei es noch nicht ganz gut..Er sagte: „Hier, im Magen.. aller nun brach er plötzlich ab. als habe er sich verrate». Sie schwieg und sah ihn an, nachdenklich vielleicht oder prüfend. Nachher hielt sie ihm wieder ein« Handvoll Zigaretten hin:„Wollen Sie rauchen?" Er nahm und dankte und ging. Dan» fand er sich jeden Abend bei ihr ein. Es war eine Zeit gekommen, in der nun auch das Brot.zu Ende mar, zu Ende zwar noch nicht ganz und gar, doch immerhin so, daß der Schmerz im Magen größer und größer wurde. Ueberdies war' die Frist zur Bezahlung des Quartiers schon bedenklich kurz geworden. Eine Zigarette am Abend und nachher vielleicht nach eine und wieder eine— denn jetzt nahm er schon mehr— taten nun gut; sie lln- Herten vor ollem diese Art Krampf in der Magengrube und sie ließen die Welt wohl auch im ganzen ein wenig freundlicher er« scheinen. Wenn die Frau jetzt noch seiner Gesundheit fragte, sagte cr ohne Bedenken:„Schlecht. Und es kann immer nur noch schlimmer werden." Das machte sie wieder nachdenklich, sie schüttelte den Kopf und einmal klimperte sie dazu auch mit den Münzen in der Tasche ihres weiten Rockes. Sie ließ es aber gleich wieder sein» als sie sah, daß er es nicht gerne hörte.(Schluß folgt.) mnamt omm ry norbeH3MVues:�ieMneMche�alche Ha melius ging langsam in den Umergrundbahnhoj hinab. Es eilt« ihm nicht, denn seine Frau Hot'.- telephomert, daß sie eine Freundin besuchte. Ihm erwartete also eine leere Wohnung. Als er vom Beamten seine durchlocht« Fahrkarte zurückbekam, sah er einen Angestellten der Untergrundbahn wie eine Erscheinung aus der dimklen Röhre des Zugkanals herausklettern. Der Mann kam näher. Hamelius sah ihn an und bemerkte plötzlich, daß der Mann etwas in der Hand hielt. Das Merkwürdige war, doß dies blaue Etwas Hamelius bekannt war. Der Angestellte lvgann zu laufen. Dadurch kam es, daß Hamelms, ohne es zu wollen, ihm den Weg vertrat. In diesem Augenblick erkonnte Hamelius den Gegenstand, den der Beamte in der Hand trug. Es war die Hand- tasche seiner Frau. Er«rfchral. Er trat rasch auf den Beamten zu und faßte ihn an» Arm. Er konnte sich nicht irren. Die Handlasche war mit einer ungelvöhnlichen chinesischen Stickerei geziert: ein gald«i»«r Löwe zwischen goldenen Wolken auf blauer Seide. Er hatte d>e Stickerei selb« aus Ehina mitgebracht. Er sagte dem Beamten gutmütig und lächelnd:„Verzeihen Sie. dos ist ein komischer Zufall. Das ist die Handtasche meiner Frau. Der Beamte zuckte zurück, sah ihn erschrocken an und stammelte etwa?. Dann machte er Anstalten, sich ellig zu entfernen. Hamcliue, der sich nickst bewußt war, was los war, griff erregt nach der Tasche. Der?lng«stellte ließ sie los, und Hamelius sah, doß Blut an der Tasche klebte, und als er fast tn demselben'Augenblick heftig er- schrocken dem sonderbaren Beamten nachschaute, der den Perron hinauftief, bemerkte Sr, daß um«ine»» der Pavillons auf dem Steig eine Menge»um Menschen wie In ängstlicher Erstarrung zusammen- gedrängt stand. Da war ihm auf einmal, als ob der niedrige, Bozen des Gewölbes über seinen Schädel niederbräche. Sein Herz stach schmerzhast. Er begann zu lause» und hatte dabei das Gejühl, als brächen feine Beine ab. Er stürmte in den Haufen hinein und brüllte mit rauher, erstickender Stinrme:„Ist sie tot? Ist sie tot?" Aber der Beamte war vor ihn» zum Pavillon gekommen. Er hatte rasch gc-sagt:„Ihr Mann kommt!" Der Haiftcn der Zuschauer war in Schauer und Mitleid gcratei». Alle Herzen schlugen erregt dem Unglücklichen entgegen. Sie glaubten, er ertrüge den surchtbaren Anblick nickst. Sie warfen sich ihm entgegen. Er drängte in die Meng« hi»»ein. Eine Frau hing sich in seinen Arm. Er brüllte chr ins Gesicht:„Ist sie tot?" Das fremde Frauengssicht war in einem ftumjN bejahend:»» Schmerz gefaltet. Hamelius keuchte und schüttelte die Frauen ob. Männer stellten sich vor ihm auf und griffen nach»hm. Er hob die Faust hoch, in der noch.-.usamniengodruckt der chinejijche Beutel lag, und schlug gegen sie und schrie dazwischen:„Ist sie tot?" Und die Männer krallten sich a» den Verzweiselten, der um den Blick eines Mutende» Haufens von Menschenileisch kämpfte, während sich Frauen wie eine Barriere an die Türe stellten, hinter der das ent» jegliche Geheimnis lag. Hamelius tobt« in den Armen der Manner, hie ihn festhielten. Ein Zug fuhr«in. Reisirnde strömten aus de» Wage». Die helle» Löcher der Fenster uqd Türen schaute»» wie groß- gierige und brutal« Augen. Di« Redenden stellten sich um die Gruppe auj. Man erzählte ihnen raich und aufgeregt. Einige Arme haften den Männern; man führte Hamelius»nit Gervalt auf eine nahe Bank, preßte ihn dort nieder und hielt ihn fest. Da brachen Kraft und Widerstand in ihm. und er begann dtn Schmerzgefühlen zu; lairschen, die wie eine Maschine sein Inneres zerfetzten. Er konnex nicht, weinen Seine Augen waren Hort geworden wie Granit. Sein Bewußtsein war»o»» plötzlichen E»lt- setzen dumpf gelähmt. Der Schmerz schrie und braust« in seinem Herzen und er konnte weiter nichts tu»», als lautlos in feine Zer- setzrmz hineinm-urmeln;„Nina ist tot! Nina ist tot!" So saß tt do, während eine jung« Frau auf dem Perron daherkam. Ihre Fesseln schauten unter den» Saum ihres Kleides heraus, dünn und springend, wie seine elastische Wesen. Sie ging mit einer zarte»? Gestalt tänzelnd dahin,»nd die Frühlingsseiden umflossen blühend ihre schmale Schlankheit. Man schaute ihr nach. Die Frau sah die Menschen. Sie schmiegte sich tn den Rand des Haufens hinein, hob ihr kleines, düm»es Naschen, u,n zwischen den Schultern der anderen hindurchsehim zu körmen, worum die Aufregung der Menschen ging. Da erblickte sie auf der Bank einen bloßen Kopf mit wirrem Haar in zwei Hände gesunken, sah im Schatten zwischen den zwei Händen verwischt den Tell eines Gesichts, stutzte utid sprang auf einmal wie ein« Katze in den Haufen der Menschen hiirein, stieß sie beiseite, schlug sich d»irch,«rzrisf die zwei Hände und beugte sich»»»«der und riß den Männerkapf an den Haaren hoch. Hamelius schaute müde und bewußtlos aus. Was machte man mit ihm? Seine Blick« waren trüb non innerlichcr Erhitzung. Aber uws er zuerst verwischt und dann blinzelnd sah, war«in seit- senner Schrecken, war ein schauriges Märchen von Unwahrscheinlich keit und Geheimnis. Er richtete sich hoch. Er riß die Augen ganz auf. Aber schon spürte er da? Frauengesicht an seiner Wange und weich« Hände betastete»» streichelnd sein Gesicht. Da erkannte er. Er sprang auf. Er wollte ihren Name»» brüllen:„Nina!" Aber es war»hm, als ob ftine Stimm« jäh erstickt würde. Er drückte sich verloren an die kleine zarte Frau an. Die Mev'cken rundum bkickten�psmvrri Nicmand begriff, was geschah. Nina sah dos blaue Täschchen. Wie hast du es wieder- bekomme»»?" fragte sie heftig erstaunt. Hamelius zuckte mit den Schultern. Da erzählte die Frau, sie habe, sich oben auf eine Bank gesetzt, um ein weiiig auszuruhen, und habe die Tasche neben sich gelegt. Als sie weitergehen wollte, sei die Tasche ocrschimind.'» gewesen, und sie habe nur eine Frau lzastig aus den Untergrundbahnhos zueilen sehen. Sie selber sc» sehr erschrocken über den Verlust gewesen und Hab» sich gedacht, daß die davonlaufende Frau die Diebin sei, aber sie habe»»-icht den Mut gehabt, ihr zu folgen. Saiiitätsbeamte ichritten mit einer Bahre über den Bahnhof und trugen die Frau davon, der die kleine chinesische Handtasche das Leben gekostet hatte. Um dem Gefaßt werden zu entgehen,»var sie in die Ui»tergrui»dbahi»stotioi, hinabgelauien, in d«i» in» Abfahren begrijfenen Zug gesprung«»», und der Wagen hatte sie niedergerissen, unter sich geschleudert und zermaftnt. I 7tr. 463» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kreitag. 3. Oktober 4936 Aweckgrönde im Brüning-Programm. Die wirschastlichen Tatsachen in Widerspruch mit der Begründung. Der neue.Wirtschafts- und Finanzplan' der Regierung Brüning sagt in seiner Einleitung:.... Der Zusammenbruch oller Preise der Rohstofse wie der landwirtschaftlichen Produkte aus dem Weltmarkt hat gezeigt, daß die wirtschaftlichen A n s ch a u- u n g c n der Nachkriegszeit, welche davon ausgingen, daß die Völker unter wesemlich höheren Preisen leben würden, also die Kauf- rrast des Goldes eine verringerte sein werde, einer Revision bedarf. Zwar ist die Rückwirkung jener Umwälzung noch nicht bis zu allen Bedarfsartikeln unseres Volkes durchgedrungen. Die höhe der von Gehalt und Löhnen, von Steuern und Soziallaflen bedingten Gestehungsloslen steht hemmend im Wege.. Am Schluß heißt es:.Deutschland muß aber rechtzeitig Anschluß an die Entwicklung in der großen Stunde der Weltwirtschaft finden, die durch die Senkung des Preisniveaus gekennzeichnet ist.. Aus diesen Warten spricht die Sorge, daß die deutschen Er- Zeugnisse auf dem Weltmarkt infolge der.hohen" Löhne und der schweren Steuerbelastung nicht mehr konkurrenzfähig sind und daß Löhne und Steuern gesenkt werden müssen, um die deutschen Waren auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu machen. lieber die schwere Steuerbelastung soll hier nichts gesagt wer- den; wenn es möglich ist, die Steuern zu senken, so ist es gut. Das mii den..hohen" Löhnen stimmt aber nicht. Denn die deutschen Löhn« gehören mindestens jetzt zu den niedrig- ften Real löhnen der Welt. Deshalb ist ein Sinken der deut- scheu Ausfuhr nicht wie in anderen Ländern zu beobachten. In ollen großen Industrieländern ist der Export seit Eintreten der Wellwirtschaftskrisis ganz bedeutend stärker gesunken als in Deutsch- land. Wenn also die Ziffern der deutschen Ausfuhr ollein aus- schlaggebeird wären, so müßte die Wirtschaftslage Deutschlands sehr gut fein. Wenn ober tatsächlich das Gegenteil her Fall ist, so liegt das an der katastrophalen Lage des Innenmarktes, der ja in sedem Lande gegenüber dem Außenmarkt die größere Rolle spielt. Die Herabsetzung der Löhne und Gehälter ist also volkswirtschaftlich das verkehrteste, was getan werden kann, denn so wird die Kaufkraft des inneren Marktes noch mehr geschwächt und der Ab- satz im Inlande muß noch mehr sinken. Diesem Nachteil gegen- über spielt ein etwaiges Steigen der Ausfuhr, verursacht durch eine .Herabsetzung der Löhne und Gehälter, keine entscheidend« Rolle, da der Inlandsmarkt immer ausschlaggebend>st und bleiben wird. Die Rcichsregierung spricht in ihrem Wirtschaftsprogromm von dem Zusammenbruch der Preise für Rohstoff« und für l a n d w i r t- s ch a f t l i ch e Produkte auf dem Weltmarkt und daß dieser Preisherabsetzung auch«ine Verbillizung der Industriewaren folgen müsie. Diese selbe Reichsregierung tut aber durch ihre Zoll. Politik alles, um die Verbilligung der landwirtschaftlichen Pro- du�tc in Deutschland nicht zu.Auswirkung kommen zu lassen. Auf der einen Seite soll den Arb.eitchM. Jfa gestCttfcg Kid VeMften�ö«» Einkommen gekürzt werden, aus der anderen Seite sollen sie ober an der Verbilligung der Lebensmittel auf dem Weltmarkt nicht An- teil haben! Daß dieser doppelte Angriff auf das Niveau des deutschen Reallohns und auf die Kaufkraft des deutschen Innenmarktes eine noch katastrophalere Auswirkung auf die deutsche Wirtschaft haben muß, ist den Wirtschoftspolitikerri in der Reichs- rezierung anscheinend nicht klar! Warum wartet man zunächst nicht die preisermäßigende Wirkung der Herabsenkung der Weltrohstofspreise ab, ehe man an eine Senkung der Löhne und Gehälter herangeht? Durch Vcrbilli- gung der Rohstoffe sollte doch naturgemäß auch eine Verbilligung der Fertigprodukte eintreten, da doch die R o h st o f stp r e i s e bei der Produktion mindestens eine ebenso bedeutende Rolle wie die Löhne spielen. Daß bisher diese naturgemäße Wirkung nicht eingetreten ist, muß doch seinen Grund wo anders als in den angeblich zu„hohen" Löhnen und Gehältern haben. Diese h e m- »n e n d« Wi r k u n g wird durch die Preispolitik der Kartelle verursacht, wofür ja das künstliche hochhalten der Preise der Fertigprodukte(Reifen usw.) durch den Gummitrust trotz kolos- falen Sinkens der Gummiwcltpreis« ein klassische- Beispiel gibt. Warum fetzt die preissenkcnde Politik der Reichsregierung nicht in diesem Punkte ein? Ein Anlauf in dieser Richtung wurde gemacht, aber nicht durchgeführt. Don der hartellpreisattion stehi kein Wort im Regierungs- Programm! Nur vorangehe»de Derbilligungen auf dem Innenmartt können ein Sinken der Nominallöhne rechtfertigen. Nicht umgekehrt eine Senkung der Nominallöhne auch eine Senkung der Preise verursachen! Den Vorteil der beabsichtigten Wirtschaftspolitik der Rsichsregierung haben nur gewisse Kreise in der Landwirtschast und in der Industrie, da durch das künslliche hochhalten der Lebensmittelpreise, durch die Kürzung der Löhne und durch die eventuell« steigende Ausfuhr di« Unternchmergewinne hochgehalten werden. Ob aber dos Steigen oder die hochhaltung des Einkommens der Unternehmerschichten zu einer Belebung des Innenmarktes führen werden, ist mehr als fraglich. Bestenfalls werden di« volkswirtschaftlich unbedeutenden Luxusindustrien etwas weniger unter der Krise leiden. Die soziale Cesamtloge dürfte durch diese Wirtschosts- Politik der Reichsregierung in dem vor uns liegenden Winter nur eine Verschärfung erfahren, was zu einer weiteren Kapitalflucht führen würde. Also nicht einmal eine Stärkung des deutschen Betriebskapitals im Inlande kann durch die Wirtschaft?- Politik der Regierung eintreten, sondern dos reine Gegenteil. Die wirtschaftliche» Tatsachen stehen also mit der von der Regierung gegebenen Begründung im Wider- s p r u ch. Di« Regierung Hot Zweckgrün�de gesucht und ge- funden, um politischen Zwangsläufigkeiten, d. h. den Forderungen der Interesientenmächte, denen das Programm angepaßt ist, den Schein der wirtschaftlichen Notwendigkeit zu geben. Oie Lokomotivaufträge der Reichsbahn. iii Lokomotiven für 1931 vergeben. Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn hat, wi« wir bereits mitteilten, auf seiner Tagung am 23. September die Beschaffung von 300 Lokomotiven für die nächsten drei Jahre genehmigt. Di« für das kommende Jahr bestimmten Lokomotiven find von der Reichsbahn jetzt bereits der Industrie in Auftrag ge- geben woiden, und zwar handelt es sich um 101 Dampflokomotiven und 10 elektrische Maschinen. Von den darunter befindlichen S9 Schnellzugslokomotiven erhalten die Berliner Fabriken Schwartzkopff und Borsig sowie Krupp-Essen je 12 Maschinen, henschel und Sohn in Kassel 14 und die ha n o m a g in Hannooer S Maschinen in Auftrag. Bon den 37 Tenderlokoinotiven sind 12 Maschinen an Schichau-Elbing, je 7 an henschel und Krupp, 5 an Orenstein und Koppel in Berlin-Drewitz und weitere 6 Maschinen an die Fabrik K r a u ß in München gegangen. Djc h a- n o m a g in Hannover erhielt außerdem noch einen Sonderauftrag auf 5 Nebenbahnlokomotioen. Die 10 elektrischen Lokomotiven werden von Siemens�chuckert und der AEG. sowie von Bergmann und Maffai-Schwartzkopfs und. Brown Boveri in Mannheim gebaut. Der Gesamtwert der jetzt vergebenen Lokomoiivausträge der Reichsbahn dürfte sich auf über 10 Millionen Mark belaufen. Kords Hammerfchläge in Köln. Die Grundsteinlegung zur neuen Ford-�abrik. Am Donnerstag wnrb« in Köln unter dem Beiseln von Henry Ford und Oberbürgermeister Adenauer die Grundsteinlegung zur. Krasiwagensabrik Ford im Kölner Jndustrichasen vollzogen. Die Urkunde zur Grundsteinlegung hat folgenden Wortlaut:„Der Gründer der welwmspannenden Ford-Werke, Henry Ford, legte den Grundstein zu diesem Werk, das in friedlichem Wettbewerb helfen soll. Brücken zu schlagen von Land zu Land. Köln, den 2. Oktober 1030." Bei seinen drei Hammerschlägen sagte Henry Ford, er hoff«, daß dieses Werk dem deutschen Volke zum heile gereichen möge. Der deutschen Auiomobilindustrie werden dies« hammcrschläge wenig freudevoll erscheinen. Krise drosselt(Stromverbrauch. Bei dem Großkraftwerk Mannheim, das für das am 31. März abgeschlossen« Geschäftsjahr 1920/30 wieder eine 7prozentige Dividende verteilt, haben die Folgen der Wirtschaftskrise zu einem erheblichen Rückgang des Stromverbrauches im Laufe dieses Jahres geführt. Wie die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht ausführt, ist der seit Iahren ununterbrochen ansteigende Stromverbrauch— im letzten Jahr konnte di« Stromabgabe um 7 Proz. erhöht, werden— seit dem Beginn dieses Lahres erstmalig gesunken. Die Krisenwirkungen trafen das Unternehmen umso schwerer, weil die in den letzten Iahren er- richteten neuen Anlogen aus«ine Erweiterung der Produktion und allgemeinen Ausbau des Betriebes eingestellt waren. » Weit besser als das Mannheimer Großkraftwerk ist di« h a m- burger Elektrizitätswerte A.-G. bisher durch di« Krise hindurchgekommen. Auf der gestrigen Generalversammlung tonnte die Verwaltung sogar die bemerkenswert« Erklärung abgeben, daß der Stromverbrauch bei den Unternehmen in den letzten drei Mo- naten noch eine leichte Steigerung erfahren hat. Die Sräfleverleilung in der woggoniudustrie. Die vielfachen Zusammenschlüsse in der W a g g o n i n d u st r i« haben zu einer starken Kräfteverschiebung gefiihrt. Nack) der Neurege- lung der Quotenanteile im Waggoukoriell entfällt auf den Ost, deutschen Waagontrust. die Linke-Hofmann-Busch A.-G. in Breslau, für das Reichsbahngeschäft ein« Quote von 2(5 5 Prozent, auf das zweitstärjste Unternehmen, die Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken A.-G. in Düsseldors, eine Quote vön 20,3 Prozent und aus die G ö r l i g e r Wag- gonfabrik eine Quote von rund 7 Prozent. In' diesen drei Unternehmungen sind jetzt nach dem vorläufigen Abschluß der Kon- zentrationsbewegung rund 64 Prozent der gesamten beut» schen Waggonindustrie vereinigt. Noch starke Reichsbank. Fast eine Milliarde Reichsbavktrediie zum Monatsschluß. £■: Der mit Spckmiung erwartet« Reichsbankausweis zum 3 0. September liegt vor. Zu berücksichtigen ist, daß es sich um einen Vierteljahrsausweis handelt, der an sich eine stärker« Inanspruchnahme der Rcichsbank durch den Geldmarkt, das heißt die Banken bringt, daß wir aber andererseits in der stärksten Wirt- schaftskrise uns befinden, wa die Banken mit den im Geldmarkt greisbaren Geldern, atso auch ohne Reichsbank, großenteils aus- kommen müßten. Es ist auch von einem herbst, oder Wsihnachts- geschäst, das größere Kredite verlangt, wohl kaum die Rede. Unter diesen Gesichtspunkien ist die Inanspruchnahme der Reichsbonk zum Septemberschluß sehr stark zu nennen. Die Ursachen sind wesentlich außerwirtschaftlicher Natur: sie liegen in der Verwendung der flüssigen Bankeng�lder für Devisenkäuse und teil- weise auch für Börsenstützungszwecke. Die Wechselbe st ände der Reichsbank sind in der letzten Septemberwoche um 744.8 auf 2090,0 Will., die Lombarddarlehen um 234 3 auf 290,3 Will, gestiegen: Reichsschatzwechsel würden für 0,2 Millionen ausgenommen. Das ist eine Ultimobelastung von 985,3 Millionen oder fast einer Milliarde. Die gleiche Woche brachte in den Konjunkturjahren 1929 und 1928 eine Zunahme nm nur 555 bzw. 008 Millionen Mark. Die Aus- leihungen an die Banken dürften aber eine Milliarde noch über- schritten haben, denn die Reichsbank hat große Beträge ihres Wechsel» bcstairdes, der auf ausländisch« Valuta lautet, abgegeben, so daß die Bankeinreichungen größer sein müssen. Di« unverzinslichen Gelder auf Girokonto haben um 28,8 auf 472,1 Millionen zugenommen. Die Ausgabe von neuen Noten bleibt hinter der Gewährung neuer Kredite zurück. Zum Teil hängt das mit der Zu- nahm« der Girogelder zusammen. Der Noteruimlaus erhöht« sich um 71l.? auf 4744 5 Mill., der an Rentenbankscheinen um 49,3 auf 442,5 Millionen Mark. Zur gleichen Zeit 1929 und 1928 betrug der rein« Notenumlauf 4914 bzw. 4830 Millionen, lag also trotz der damals geringeren Inanspruchnahme durch neue Kredite noch etwas höher als jetzt. Der jetzige niedrigere Notenumlauf ist trotzdem relativ sehr hoch, wenn man die jetzige gewaltige Ver- schlechterling der Wirtschaftslage berücksichtigt. Die Deckung der Zioten durch Geld und Devisen hat sich nicht nur infolge des größeren Notenumlaufs, sondern auch durch neue Gold- und Devisenabgaben verringert. Die Gold- bestände sanken um 104,8 auf 2478,8 Millionen, die' Bestände an deckungssähigcn Devisen um 52£ auf 170,9 Millionen.(Der I letzte Gnldtransport von 35 Millionen ist noch nicht darin enthalten.) Vom 30. Juni bis zum 30. September 1930 hat die Reichsbank. soweit offen ausgewiesen, 430 Millionen an Gold und Devisen abgeben müssen(ohne di« letzten 35 Goldmillionen), davon den haupttcil feit dem 15. September. Dennoch ist die Reichsbonk sehr stark geblieben. Gold- und Devisenbestände zusammen waren am 30. September 1930 mit 2050 Millionen noch um 103 bzw. 74 Millionen h ö he r als zum gleichen Zeitpunkt 1929 und 1928. Auch das Deckungsverhältnis ist vergleichsweise noch besser: die umlausenden Noten waren durch Gold und Devisen am 30. Sep- tember mit 55,8 gegen 51,8 bzw. 53,3 Prozent in den beiden Vor- jähren gedeckt. Der Rückgang gegen die Vorwoche um 13,8 Prozent oder iast genau«in Fünftel ist allerdings beträchtlich. Man meldete gestern, daß der französisch« Franken, der durch frgnzösische Kreditabruse die Mark bedrängt«, im Kurs gewichen und die Mark gegen den Franken wieder gestärkt wurde. Da ist das erste Zeichen, daß die Gold- und Devisenabgaben der Reichsbank vielleicht jetzt aufhören können. Kommt der amerikanisch« Reichskredit(400—500 Mill. Mark) zustande, dann ist das Aufhören .wahrscheinlich. Trotz der währungsmäßigen Stärke der Reichsbonk ist die Kreditentwicklung nicht gesund. Das neue Reichsbonk- gcld wurde nicht hauptsächlich für Wirtschaftszwecke, sondern für un- erkreuliche wirtschaftliche Folgen politischer Vorgänge gebraucht, um nämlich Devisen zur Kapitolslucht zu beschossen, um ausländische Kreditrückziehungen zu finanzieren. Dabei haben die Banken sich ihren Aufgaben nicht gewochsen gezeigt; sie haben di« volle Last auf die Reichsbank abgewälzt und sich viel mehr um ihre Kapitalfbichtprozente als eine vernünftige Geldeindeckung und Zins-' Politik gekümmert. Das Zinsniveau ist viel stärker hinaufgetrieben worden, als es nötig gewesen wäre. An der Kapitalflucht zu profi- tierey, ließ den privaten Banken zu einer zweckmäßigen Gcldpolitik keine Zeit. ß b-5-4 rM lfil BIT-« n b m m m mm. m m � � m.m KAISER'S JU SIL WU MS- SCAF FEE-SORTEN OIE PREISWERTESTEN UNO QUALITÄTSREICHSTEN Mk. 2.tO 3.00 3.60 H.OO dPfel. KAISER'S TEE keine aromatische Ccylon-Jubiläums-Mischung 50 gr Paket Mk. 0.75 Kaiser's Jubiläums-Pralinen hodileln 250 gr Padc. 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Der Konflikt ist entstanden, well die Unternehmer den im Jahre 1928 zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und dem Deutschen Metall- arbeiter-Verband abgeschlossenen Tarifvertrag zun: 1. Oktober 1939 -gekündigt haben. In den Verhandlungen haben sie die bereits bc- kannte Forderung aufgestellt, die Löhne um 1ö Proz. zu senken, d. h. sie wollen dem hochqualifizierten Fach- arbeiter in der Berliner Metallindustrie in Zukunft nicht mehr «inen Mindesteinstellungslohn von 1,12 M.. sondern nur noch von 96 Pf. zahlen und dem Hilfsarbeiter nur noch 71 Pf. pro Swnfc«. Die Vertreter der Arbeiter haben in der Verhandlung zum Ausdruck gebracht, daß sie eine Senkung des Mindestsahes nicht zulassen würden. Sie haben gegenüber dem Argument der Unternehmer, daß durch die Lohnsenkung die Wirtschaft wieder angekurbelt wer- den soll, verlangt, daß nicht der Lohn gesenkt, sondern zur Milde- rung der Arbeitslosigkeit die Arbeitszeit verkürzt werde. Die Wirtschaft wird heute fast vollständig vom i n t e r n a t i o- nalen Kapital beherrscht. Das internationale Großkapital beteiligt sich an ollen großen Entlassungen in allen Erdtellen. Dos Bankkapitol kontrolliert und beeinflußt nicht nur die Industrie vom bescheidenen Industriebetrieb bis zur Äktiengesellschast, Trust und Kartell, sondern ebensosehr die Gemeinden und den Staat. Es ist schwierig, sich einigermaßen eine Vorstellung über den Produktionsausfall, verursacht durch die Entlassungen und Betriebs- einschränkungen, zu machen. Trotz der fürchterlichen Arbeitslosig- keit wurde 1925 mit der sogenannten Rationalisierung begonnen. In einem raschen Tempo wurde eine Anzahl Betrieb« rationalisiert, d. h. tethmfch und organisatorisch neu organisiert. In Verbindung mit der technischen Neuinstallierung und Herstellung von neuen Maschinen, Apparaten und Werkzeugen wurde dadurch die Arbeits- losigtest zwar während einiger Jahre gemildert und zum Teil gänzlich bessitigt. Allein, bereits im Jahre 1929, als die Krise in den größten Industrieländern mit aller Macht hereinbrach, wurden Hunderttaufende und Millionen von Menschen arbeitslos gemacht. Die Zahl der Arbeitslosen wird gegenwärtig in Europa und Amerika auf 12 Millionen Menschen geschätzt, darunter befinden sich viel« Metallarbeiter. Die gegenwärtige Krise kann mit früheren Krisen nicht ohne weiteres verglichen werden. Heute handelt es sich säst ausschließlich um«ine Krise der Ueberproduktion. In allen Industriezweigen der Stahl-, Eisen- und Maschinenindustrie und fast in allen Ländern ist die Produktion bei gleichzeitig stärker rem Rückgang des Personals gestiegen, wobei der erneute Produk- tianKapparat meistens noch gar nicht voll ausgenutzt wurde. Die Leistungsfähigkeit des heutigen Produktionsapparates ist so groß, daß ohne eine gewaltige Steigerung der kaufkrast bei der heutigen Arbeitszeit nicht die Möglichkeit besteht, die Arbeitslosen wieder zu beschäftigen.. Hie technische Entwicklung wird auch in den nächsten Iahren sozusagen zwangsläufig weitere große Fortschritte machen. Ich darf hier vielleicht zwei Beispiele anführen: Der Direktor Hall er vom Eiemens-Konzern beziffert die Steigerung des Produktlonswartes der deutschen Elektroindu- strie von 1925 auf 1928 auf 39 Proz., ein« Steigerung, die bei einer gleichzeitigen Belegschaftsverminderung von 16 Proz. ein- getreten ist, die also einer Steigerung von über 54 Proz. pro Kopf der Belegschaft entspricht. Zweitens: Die O s r a m- G« f e l l- f ch a f t hat ihre Arbeiterrzahl vom Januar 1929 bis zum Januar 1929 von 13 484 auf 9993, d. h. um 33/1 Proz. osrmindert, gleichzeitig aber ihre Lampenproduktion von 5 992 427 auf 19 341 841, d. h. um über 199 Proz. gesteigert: die Leistung hat sich mithin pro Kopf der Belegschaft über 299 Proz. gesteigert. Di« Forderung, die von uns bei den VerhanWungen erhoben wurde, nlchk Senkung des Lohnes, sonder« Erhöhung des Mindest- lohnes und Herabsetznag der Arbeikszeil aus 40 Stunden. um dadurch die Möglichkeit zu schaffen, Tausende von Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß zurückzubringen, ist lebhaft dis- kutiert worden. Wir sind uns bei Aufstellung dieser Forderung be- Eisenbahner! Festsälen, Brückenstraße 2, eine Versammlung aller im Einheitsverband organisierten Parteigenossen. Tagesordnung; „Die politische Lage und die Eisenbahner im neuen Reichstag". Referent: Genosse Emil Barth. In Anbetracht der gegenwärtigen Lage ist es Pflicht, recht zahlreich zu erscheinen und die größte Propaganda für diese Versammlung zu entfalten. Der WerbeausschuB der SPD.-Eisenbahner. mußt gewesen, daß innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsord- nung immer nur eine Teillösung in Frage kommen kann. Das Arbeitslosenproblem kann von den Gewerkschaften allein nicht gelöst werden. Gesetzlich« Maßnahmen sind unerläßlich und dazu ist auch notwendig, daß unser politischer Einfluß ge° st ä r t t wird. Gewerkschaftlich und politisch müssen wir daher mit aller Energie und Aufbietung aller Kräfte und mit unbeugsamer, zäher Ausdauer einen Ausgleich zwischen Produktion und Kaufkraft fordern. Um Ihn zu erreichen, gibt es für uns nur die Möglichkeit: Verkürzung der Arbeitszeit und Festsetzung eines den Lebensbsdürf- nisien entsprechenden Lohnes. Wie mir nicht anders erwartet haben, sind wir auf den heftig- sie» Widerstand der Unternehmer gestoßen. Die Unter- nehmer, und namenllich die Berliner Unternehmer, haben nichts gelernt und viel vergessen. Obwohl heut« ein« mächtig« Ueber- Produktion für jeden sichtbar ist, der sehen will, verlangen die Unter- nehmer genau wie in früheren Zeiten Lohnsenkung, lange Arbeitszeit und vermehrte Ausbeutung der Ar- beiterschaft. Es scheint, daß die Scharfmacher heute wiederum ton- angebend sind. Das kann uns nur in unserem Kampfe anspornen. Es geht um die Existenz von Millionen arbeitsamen Proletariern mit ihren Familien. Solidarität darf den Arbeitslosen gegen- über kein leerer Scholl bleiben. Es darf nicht sein, daß in Zeiten, in denen Kulturgüter, Waren, Lebensmittel aller Art in Ueber- f l u ß vorhanden sind, die arbeitenden Massen in größter Rot darben müssen. Europa leidet nicht«inen Mangel an Waren. Wo wir hinsehen, bestehen große Lagerbestände. Da gibt es nur eine Parole: Di« Kaufkraft mit der Praduktionskopozität im Einklang bringen! Soll das Arbeitsloienproblem gelöst werden, so kann dos nicht mit den Mitteln des Lohnabbaus geschehen, sondern nur durch Vorkürzung der Arbeitszeit Trotz der Verkürzung der Arbeitszeit muß ein Lohn festgesetzt werden, der den Lebensbedürfnissen der Arbeiterklasse in Deutschland entspricht. Das sind die Auffassungen, die die Verhandlungskommission im Arbeitsministerium heute vertreten wird. Die Holzindustrie tariflos. ZieichSarbeitsminifier gegen Holzarbeiter. Der Arbestgeberoerbond des Deutschen Holzgewerbes verkündet seinen Sieg, den er beim Reichsarbeitsminister Stegerwald gegen die Verbände der Holzarbeiter erreicht hat. durch folgende Botschaft: „Die seitens der Arbeitgeber des Holzgewerbes aus Wirtschaft- lichen Gründen abgelehnten Schiedssprüche des Lohn- amtes, die ein« Wiederinkraftsetzung sämtlicher bisherigen Löhne vorsahen, wqren seitens der Gewerkschaften zur Vcr- bindlichteitserklärung angemeldet. Der Reichsarbeitsminister hat nach vorausgehenden Vsvhandlunoen mft den Vertretern der Vertragsparteien die Der- bindlichkeitserklärung abgelehnt. Der tariflvfe Zu- stand im Holzgewerbe bleibt demnach." Herr Stegerwald kann zwar die Preise nicht herabsetzen, um so eifriger ist er bemüht, die Löhn« herunterzudrücken. Der Anerkennung des Unternehmertums darf sich der.Herr Reichsarbeitsminister versichert halten. Teilstreit im Bauschlossergewerbe. Die Vauschlosser wehren sich gegen Lohnabbau. Während in den meisten Betrieben des Schutzverbandes Berliner Schlossereien noch nicht versucht worden ist. die Löhne abzubauen, sondern anscheinend das Ergebnis der Schlich- tungsv er Handlunge n abgewartet wird, ist es gestern in einigen Firmen bgreits zum offenen Konflikt gekommen. In der Geldschrankfabrik von Fuhrmann in der Kopsnick« Straße wurde der Versuch, den Arbeitern den Lohnobbau einfach zu diktieren, gestern mit der Arbeitseinstellung der gesamten Belegschaft beantwortet. In den bekannten Geldschrankfabriken und Bauschlossereien Ade- Automaten in Reinickendorf und Ade-Arnheim, Dadstraße, wird heute die Arbeit niedergelegt wegen der gleichen Ankündigung der Firmenleitungen. Die Arbeiter der Bauschlosserei Oskqr Fritz in Reinickendorf treten heut« aus demselben Grund« ehen- falls in den Streik. In diesen vier Betrieben sind etwa 359 bis 369 Arbeiter beschäftigt Ob es bis zum Montag, wo wsgen des Lohnstreites in den Berliner Schlossereien und Geldschrankfabriken die Verhandlungen vor dem SchEchdungsausschuß ausgenommen werden, noch zu roeiteren Arbeitsniederlegungen kommt, hängt von dem Verhalten der einzelnen Unternehmer ab. Massenkündigungen bei der NAG. Im Zeichen der Sanierung. In den letzten Tagen ging durch die gesamte Presse die Nach- rieht, daß die NAG. vorzugsweise durch die AEG. saniert worden ist, d. h. bestehen bleibt. Trotz dieser Nachricht hat es die Direktion fertiggebracht, von den 339 Angestellten 150 Angestellten, und zwar den an Dienst- und Lebensjahren ältesten An- gestellten(darunter befinden sich solche mit einer Beschäftigungs- dauer bis zu 27 Dien st jähren) angeblich vorsorglich zum nächstzulässtgen Termin den EinzÄarbeitsvertrag aufzukündigen. Unter den Gekündigten befinden sich auch drei Betriebs. bzw. Angestelltenratsmttglieder, trotzdem eindeutig feststeht, daß der Betrieb weitergeführt wird, so daß wohl dieser Massenobbau nur dazu dienen soll, die alleren Angestellten zwecks Umgehung der gesetzlichen Schutzbestimmungen los zu werden, da die langjährigen Vertrage der leitenden An- gestellten, die nach bis Ende 1931 laufen, nicht ge- kündigt sind. Krankreichs(Sozialversicherung. Ihre Leistungen werden jetzt wirksam. Paris, 2. Oktober.(Eigenbericht.) Am L Oktober trat in Frankreich das neue Sozial. Versicherungsgesetz voll in Kraft, d. h. die Versicherung be- ginnt nun auch an die Versicherten regelmäßig in Krankheits- fällen die gesetzlich festgesetzten Beiträge und Unterstützungen zu zahlen. Danach hat jeder Arbeiter, der 69 Tage lang den Versiche- rungsbeitrag gezahll Hätz das Recht, im Krankheitsfälle zu einem Arzt seiner Wahl zu gehen, wobei ihm ausgelegt« Betträg« im günstigsten Falle bis zu 85 Proz. rückvergütet werden. Das gleich« gilt für Medikamente. Wöchnerinnen haben Anspruch auf Unterstützimgen sechs Bochen vor und sechs Wochen nach der Geburt Bei Selbsternährung des Kindes haben sie weitere neun Monat« Anspruch auf Zusatzleistungen von durchschnittlich 199 Franken. Di« Wohllat einer obligatorischen Versicherung wird den fron- zösischen Arbeitern nun bald klar werden. TS-Giunden-Woche in drei Schichieu! Amerikanische Forderungen gegen Arbeitslosigkeit. New Po«k. 2. Oktober.(Eigenbericht) Die in der nächsten Woche beginnende hochwichtlge Jahres- konvsntion des ataerlkanlschen Gewerkschaftsbund e s in Boston wirft ihren bedeutsamen schatten voraus. Die gesamte Nation sieht der angekündigten Rede des Präsidenten hoover am Eröffnungstage mit Spannung entgegen. Die Kon- ventionsberatungen werden ausschließlich von der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit beherrscht sein, wag bereits aus dem Jahresbericht der am Mittwoch begonnenen Vorkonvention des Metallarbeiterverbaades ersichtlich ist. der fünftägige Arbeitswoche, fünf stündigen Arbeitstag und Lohn- sieigerungen fordert Gleichzeitig sollen drei Arbeits- schichten pro Tag zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit ein- geführt werden. Die Forderungen werden mit den unheimliche« Fort-,, schritten der Maschinentechnik begründet, die taut Bundesstatistiken in naher-Zukunft weitere Millionen von Arbeitern brotlos machen werden. Die Schuld an der Wirtschaftskrise kragen die amerikauischeu Wirtschastssührer. die in der planmähigeu Regelung der Zndustrieiätigkell kläglich versagt haben. Das neuerschienene Buch Henry Fords„Movmg Forward" schlägt in dieselbe Kerbe und sagt innerhalb zweier Jahrzehnte eine neue Industrierevolutio« voraus, aus der die Arbeiterschaft mit einem täglichen Minlmallohn von 27 Dollar und 25stündiger Arbeitswoche als Amerikas Aristokratie hervorgehen werde. hohe Löhne seien der Schlüsselpnnkt zur modernen Wxltwirtschoft. Produktion und Verbrauch seien nur durch Rlesenlöhnc auszugleichen. Ford wendet sich gegen die Ein- schränknng der Produktion und fordert verbesserte Absatzmethoden. Achtung, Berliner Eisenbahner. Verlogenheit der.Gewerkschastsopposition«. Sämtlichen Eisenbahnern im Reich und auch in Groß-Berlin ist durch die Press« und insbesondere durch den„Vorwärts" am Dienstag bekanntgegeben worden, daß die geplanten Eni- lassungen bei der R e i ch s b a h n-H a u p t v e r w a l t u n g nicht eintreten. Trotzdem erdreistet sich der Bezirksausschuß der„Revolutionären Gewerkschasts-Opposition" Berlin-Branden- bürg, Jn-dilstrieg nippe Eisenbahn, die Eisenbahner haute zu einer öffentlichen Ersenbahneroersammlung zusammenzuberufen. Als Re- ferent will der Kommunist Bertz über„M afsenentlassun- gen bei der Eisenbahn" sprechen. Wir stellen fest: Die Tariforganisationen und inssbosondere der Einheits- verband der Eifenb ahner Deutschlands haben, gestützt ans das bei den Eisenbahnern immer mehr zur Geltung kommende Solidaritätsgefühl für die Arbeitslosen es verstanden, die von der Deutfdzcn Reichsbahn-Gesellschaft geplanten Eni- lassungcn von 5999 Werkstättenavbeitern und 7599 Bahnunter- Haltungsarbeitern zu verhindern, indem die ReichSbahnhaupt- Verwaltung zugestanden hat, daß bis zum 31. März 1931 planmäßige Entlassungen Überhaupt nicht vorgenommen werden. Wir ersuchen darum sämtliche Eisenbahner Grvß-Berlins. die Demagogen der RGO. samt Herrn Bertz unter sich zu lassen. Bertz ist kein Eissiibahner und mit den einschlägigen Fragen des Eisen bohnpersvnals nicht vertraut... Barum, Bahnunter Hai tu ngs arbeiter des E»"-. heits verband es der Eisenbahner Deutschlands der Ortsgruppe Berlin, sorgt dafür, da' kein freigewerkschastlich organisierter Eisen- bahn«: diese aus Lüge aufgebaute„Eisenbahnerversamrnlung" besücht. Reichs-/(Staats- und Gememdebeamte! Angesichts der von der Reichsregierung betamrtgeg ebenen Absicht aus Kürzung der Beamtengehäller, veranstallet der Bezirks- ousschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes a m Sonntag, dem 5. Oktober, vormittags 19 Uhr, im Zirkus Busch, eine öffentliche Kundgebung der Reichs-, Staats, und Gemeindsbeamten, in der gegen den beabsichtigt cn Gehaltsabbau Stellung genommen werden soll. Gewerkschafts«Jugend Berlin In Frankreich gibt es nach Schätzungen des französischen Arbeits- Ministers Laval augenblicklich ungefähr 25 999 Arbeits- lose. Unterstützt wurden aus den 28 vom Staat subventioniienen Kommunolkafsen in der letzten Woche nur 994 Arbeiter, während bei den offiziellen Arbeitsvermittlungsstellen in der gleichen Frist 2149 Arbeitsgesuche einliefen. Karten filc die Zugendvorstelluna der Bollsbildne am S. Oktober im Theater am Wilawolad lind in der Ilizend»«ntral«, Gewerkschattobau:-. Engelufer 34— 2S, 3imm-r 36,*u haben. Sur Auffiihrung gelang,: «Die Weber", Schauspiel von Gcrbart Hauptmann. Preis pro Karte 80 PI Die Iugcndzentral« ist bis 10 Uhr gebffnct.— Heute. tZreitag. 1016 llbr, tage» die Gruppen: Rorbring! Jugendheim, schule Sonnsnburger Str. 20. Vortrag: „Die 3>lsammensehung de? neuen Reichstages".— Hermannploh: Gruppen- heim Sanderftr. 11, Eck» Hobrechtfiraße. Heimbesprechung. Berdandsbuchkon. troll«.— Sllden. Südwesten: Gruppenheim Wassertorftr. 9. f. vt. Heimbk. tvrechung.— ckharlotteaburg: Jugendheim Svreestr. 30. Heimbcsprechung.— A-ppelinplah: Jugendheim Turiner Eck- SeestraKe l Eingang Turiuer Straße). Heimbesprechung und Berbondobuchkontrollc.— Weddlag: Gruppenheim, Schule Pank- Ecke Wiesenstroße. Heimbesprechung und Brettspielabend. Iuaendaruppe des Zentralverbandes ver Anaeffettten Heute. Zreltag. sind folgende Veranstaltungen: NSpenick: Jugendheim Dahlwihcr Sic, iö lGasanstalt am Bahnhof Nbpenick). Brettspicl» abend.— Südwest: Iugendbeim Porckstr. 11, II, Hos, Quergebäude 1 Treppe. {Zimmer Z. Vortrag:„Die Entstehung und Entwicklung der Angestellten. bewegung". Referent: Otto Lamm,— Norden: Jugendheim Lortzingstr. Ig, Wir beteiligen uns an der WerbebezirlsversamMlung. Ä"' unübertroffen bei Rheuma ✓ Gicht Kopfschmerzen i lschiasj-iexenschub u Erkältungskrankheiten. I l Entfernt d. HarnsäureI6000 Arzte-Gutachteal I | Vollkommen tmschädiich. Frag. Sie Ihr Arzt Schiltst Hers und Nerven Eurer Kinder i Gebt ihnen KAFFIE HAG ,p 1.(1.1»."jiyn1«. ip „Dessin 20* MiworzVekXjrSpanqcn eieqonre Locxaunaqe SCHUHHOF DAS SCHUMMAUS DEB ZUKUNFT LinksIrll�Imcrsdorfersfr.llT�Turmsfr�S fe öwJlersitMJa�Spqndgu.Breiteshrasse�' pariemachn'chten für Groß-Berlin tt»I«»duilz«n für diese Rubrik find ßjj stets cn da» SSejirfsfebetttrlot •«Clin s>««S, Lilldeuitr-ßk z. i. Hof, 2 Sreoptn recht«, zu richte» «. Stets SeeagSetg. Di« 1894 Uhr. not ient Straße 8, zu einer Heule. Freitag. Z. Oktober: 34.»bt. IS Uhr wichtige ffuttltioitätniiiitg bei Scidllß. Romintener Str. 7. «.«bt. 20 Uhr SuntToitärfifeuns bei Kkchhal?. Tnnrnstr. 23. -S. Abt. C Harle ttenbnrg. 20 Uhr bei Gsbenschweder. Wallstr. M, wichtige ftunltiortarfißintg.„,_„,_ 77. Abt.«cböncbctfl. 20 Uhr bei Jürgens. Borbarossastr. s», Funktionär. 120. AÄ.�giiebr?»»t«Ibe. 20 Uhr bei Schwarz. Canr,„1. Allee 1«. Funktionär. Übung. Besondere Einladung erfolgt nichts Morgen, Sonnabend. 4. Oktober: »5.«it.«etckäll». Bezirksführer holen von 17 bis 1« Uhr beftitnint von Seil, Vrinz-Handjero-Str. 38. wichtiges Material ab. Sämtliche Fahnen und Transparente können dort abgegeben werden. Sonntag. 5. Oktober: 38.«bt. 1« Uhr Befichtig-Ng der Sonsumanlageu in Lichtenberg. Tresfpunlt » Uhr Dahnhof Prauzlauer Allee. 128./1Z».«bt. Pankow,©tum 1, 2, 2-. Soasnmbeiichtignng. Tresfpnnkt KM Uhr Bornholmer Straße,©rnnpe 8. Ebensall» Soninmbefichtigung. Treffpunkt«94 Uhr«ar dem Berwaltnngsgetäude i« Lichtenberg. Zungsozialisten. istrnpp« SchSneierg. Heute, Freitag. 20 Uhr, im Jugendheim Schöneherg, Hauv'ftr 1Z, Schwabenlandzimmer. Ausspracheabend über den Artikel au» den jungsoziälisti'schen Blättern:„Wohin gehen wir?" Referenten: Anna Kartoch und Frih Leon. Junge Parteigenossen find herzlich dazu eingeladen. »«bebezirk Westen. Die Genossen des Werbebezirks werden auf Z die Veranstaltung der Schönehcrger Gruppe aufmerksam gemacht, wo W heute, 19Va Uhr, im Rahmen des Werbemonots die Genossen Fr!8 Wu Lenv und Anna Hartoch über das Thema:„Wohin gehen wir?" sprechen, W Die Deranstaltung findet im Jugendheim, Hauptstr. 1b, statt. Gruppe Süden. Heute, 20 Uhr, im Jugendheim Darckstr. 11, Jimmer 3, literarischer Abend. Junge Parteigenossen und SAI.Ier find herzlich eingeladen. Gruppe Mitte. Heute, Freitag, im städt. Jugendheim, Landsberger Str. SO, hinteres Zimmer, Thema:»Di« Arbeiterschaft und die Wirtschaftskrise". Re. fcrent: Genosse Friebmann. . Gruppe Südost. Jugendheim Wrangelstr. 128. Heute, Freitag, spricht G«. nossin Dora Fabian über:„Partei und jung« Generation". Alle jungen Par- teigenossen und SAJ.-Mitglieder sind zu diesem, jcßt besonders aktuellen Bor- trag und der anschließenden Diskusston eingeladen. Gruppe Wit»iug.S»snndbrunn«n. Heut-, Wh Uhr, im Jugendheim, weit- > lich« Schul«, Pank- Ecke Biesenstraße, Zimmer 12, tagcspolitische Rundschau. Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Sret« Sreuzberg. Sonnabend. 20 Uhr, treffen sich die interessierten Helfer mit Marten de Vries Im Jugendheim Parckstr. 11 zu Bewegungsspielen. ftteis«eukölln. Gruppe Fritz Reuter. Treffpunkt zur Fahrt 8 Uhr am Buschkrug. 40 Pf. Fahrgeld mitbringen. Am Freitag. W» Uhr, Baracken- schule, Parchimcr Allee. Geburtslage, Jubiläen usw. 18.«bt. Anserem Genossen Riibart, Hesner, Reinickendorjer Str. I». MM 48jährige- Parteijnbilänm die herzlichflen GlSSwünsch«.....,. 42.«bt llvserra lieben Seuofsea Margarete und Angvst 5ta,ser sonne Hermann PonseS und Frau die herzlichsten SlüSmünsche zur Silberhochzeit. -V w x sv r_______ m m. w r «3.«bt. Reniölln. Unserem lieben Genossen Wilhelm Schickgramm zu seine» hrigru Sebnrtstag« die hetzlichsteu Glückwünsche. 104.«bt. RiiderschS-eweid«. Unser« Genossen Otto und Berta Heiman» seiera heut« da» Fest der Silbernen Hochzeit. Wir grotnliere» nnseren alte» treuen Sämpsern ans, herzlichste. De« Porftanb. Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation 28.«bt. Unser Genosse Georg Weimann ist plötzlich verstorben. Ehre seinem Anbenkeu. Einäscherung Sonnabend, 4. Oktober. 17 Uhr. im Srema- torwm Gemchtstraße. Wir Hilten um rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu «lünsendmigen wr diese Brdrit»nr«nboo-Jno-odiet-etorlot Derlw GW«8. Alndenkk?�» 3 Achtung. Erwerbslose! Für die.Balbur".F-h-t nach Setztn am Sonnabend geben wir Teilnehmextetei}»n l Mark,(2 mal Raff«. Mittageste» nah liebet- nachtung) an unsere erwerbslose» Genossinnen und Genossen gegen Parzetgnng der Stewnelkarte an». Teilnebmerkarten ,n 3 M. find«benfall»«och erhältlich. Streichorchester Groß-Berlin. Leute, vünktrich lg Uhr. Treffen zur Teil- nahm« an der. Werbefeier in Hohenschönhausen, Schul» Roebcrnstr. 80 ------' ischafr«brah'~-..— . Jugendherberge Rstdrrsdl.„____________.... vutckt Lannabend, 18 Uhr, Bahnhof Warschauer Drstcke. Nachzügler Sonntag, «rbeitsgemeluschalt«brahnm: Arbeussahrt Sonnabend und Sonntag nach '—--——.......- ff; d«r Jugendherberge Rüdersdorf. Thema:.Dichtung und Proletariat". Trei vünkt Lonnabenb, 18 Uh 8� Uhr, Jugendherberge. Abkeilungsmikgliederversammlungen heule. Freitag. 19�- Uhr: «rkonaplntz: Schul« Elisabethkirchstr. 1«.— Röllnischer Park: Heim Waisenstr. 18.— vranienburger Tor: Heim Ti-ckstr. 1».— Hansa- Heim Bochumer Str. 8b.— Moabit II, Heim Lehrter Str. 18—10.— Moabit HI, Heim Lehrt« Str. 18—19.— A-drea-plotz: Heim Brommpstr. 1.— Balten- »latz: H«wr TUfiter Str. 4— a.— Feedrich-hain- Seim Diestelmenerstr.!l— 8.— Stralaner Viertel: Seim Goßlerstr. 8l.— Warfchaner B'«' Heim Litauer Str. 18.— Darjchaner Werte! fR.-F.l: Heim Litauer St. 18.— Schbaeberg I und Heim Hauptstr. 13.— Reukölla 7111: Rütli-Schule.—- Käpenick n. Heim Dahlwitzer Str. 13.—«anmschulenweg: Heim Ernststr. 18. — JghanniGhal: Rathaus.— Schäaeweid«: Schule Berliner Str. 3l.— Rieber- ichönhausen, Schule Blankenhurger Str. 70.— Pankow I und ll. Heim GSrsch. straße 14.— Lichtenberg-Rord- Heim Suntfrstr. 44. 4» Gewerkschastehan»: Heim Sdpeuicker Str.!>L. HumoriAfcher Abend.— Rasenthaler«orstadt- Hei« Elisabethkirchstr. l«.»Die Rinberfreunbebemegung." — Moabit I: Schule Walbenserstr. 20. Einfllbrunasabenb.— Aruimplatz: Beteiligung hi Hohenschönhausen.— Arnswalder Platz I: Treffpunkt Greifs- walder Eck» Elbinger Straße um 18 Uhr zur Beteiligung an der Feier in Hohenschönhausen.— Hohenschinhans-n: WerHeseier. Schnlapla, Rotedernstraße. — Weißeuse«: Beteiligung an der Feier in Hohenschönhausen. Tresfoünkt 18- Uhr Lichtenberger Straße.— Schonederg II: Heim Hauvtstr. Ii �Modernes Straf- recht."— Eharlottenburg: Heim Rostnenftr. 4. Arbeitsgemeinschaft.— Speudau fAeltere): Heim Lindenufer l.»Wirtschastsdem-üstatie."— Wilmersdorf (■«eifere): Heim Wilhelmsaue 123.»Ist eine sozialistische Lebenzgestaltung im Rahmen der kapitalistischen Wirtschaft möglich?"— Britz: Hufeisen. Arbeits- qemeinschaft. Morgen Treffpunkt zur Fahrt 18 Uhr Jahn. Ecke Rudower Straße.— Reukrlla ll: Heim Bergstr. 29.„Wie entstand der Weltkrieg?"— Neukölln 17 sR.-F.t: Heim Echierkestr. 44. Horbenabewd.— Söpenick I, Heim Grünauer Str. 5.„Das wilhelminische Zeitalter in der Rarikawr."— Tempel. hos: Heim Götzstraße. Heben zum Werdcabenb. Jeder muß ersäieinen.— Treptow: Seim Elsenstr. 3.„Mt-Bcrlin im Spiegel des Kumors." Lichtbilder. — Friedrichsscld«: Seim in Lichtenberg. Gunterstr. 44.»Sexuelle Fragen."— Rarlsdorst! Gymnasium Treskowallee.„August Bebel."— Sanlsdors: Schule Abolfstraß» 25. Jlnfet Wandern."— Ren-Lichtenberg: Keim Hauffsiraße. »Sextlell« Fragen."— Lichtenberg-Rordweft: Heim Rathausstraße, Baracke ä. Fahrtenrllckschau.— Hermedors: Heim Roonstraß«..Wohlkritik."— Pa»I»w iIi..F.): Heimabend fällt aus. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Beteiligung an der Werbcoeranstaltung in Hohenschönhausen. Treffpunkt 18to Uhr Danziger Ecke Greifswalder Straße. Tambourkapelle. Die Fahrt nach Danzig findet erst Sonnabenbfrüh statt. Treffpunkt Sonnabend, Kl-j Uhr. Stettiner Dahnhof(Normaluhr). Fallentracht. Werbebezirk Reinickendorf: Mitgliederversammlung in Tegel, Heim Schone- berger Straße. Mitgliedsbuch nicht vergessen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. £%% Reichsbanner..Schwarz-RoiGold". Geschäitsstelle: Berlin 6 14. Eebostianstr 37—38. Sof i. St ljflVo Freitag. 3. vktober. Lichtenberg. Rameradschastsversammlunge» um 20 Uhr: Sameradschaft Rummelsburg bei Brunn, Türrschmidt. straße 40. Sameradschaft Gustav Tempel bei Rodegast. Rormannenstr. 38. Weißensee(Dr'svcrein). 20 Uhr Mitglicderversamnilnna im»Berliner Hof". Vorstand 19 Uhr. Vortrag des Sameraden Neidhardt. Zahlreiches und pstnkt. lichcs Erscheinen wird erwartet. Reinickeadors-West(Sameradschast). 20 Uhr Sämeradschaftssitzung im Verkehrslokal. Referent: Samerad Süter:»Was nun?" — Sonntag, 5. Oktober. Mitte. 6. Ägmcradschaft. 0 Uhr Bersamm» lung Tlsässcr Str. 8«, bei Hundert.— Sam>»rsta-b. Sonntag, 5. Oktober. Pslichtantrctcn für olle Kameraden. Aus diesem Grunde falle» sämtliche für Sonnabend, 4. Oktober, und Sonntag, 3. Oktober, angesetzte» Ausmärsche«nd Ausflug« au». Rähere, folgt. Beachtet die nächste« Notizen.— Pankow. Di« fu: Freitag, 3. Oktober, angesetzte Pollversammiunq findet nicht im Türkischen Zelt, sondern im Sonzerthaus Linder statt.— Srei» Osten. Der Busmarsch nach Biesdorf am Sonnabend, dem 4. Oktober, fällt aus. Treffpunkte zur Lusigarlenkundgebung am 5. Oktober: Tiergarten(Ortsverein). Sameradschaft Westen. Antreten- 13 Uhr bei Rickert, Steinmetzstr. 3Ka. Sameradschaft Moabit. 1384 Uhr Sleiner Tiergarten. Pflichtveranstaltun« in Bannerlseibung. Iungbanner in Windjacke.— Stenz- berg(Ortsverein). Antreten\AVi Uhr mit Tambourkorps und Orisvereins- sahne Fontanepromenade.— Wilmersdorf(Ortsverein). Antreten 14 Uhr Altes Rathaus.— Treptow(Ortsverein). Abfahrt zum Aufmarsch im Lustgarten 14.18 Uhr ab Schöneweibe: die übrigen Samcradsihaften entsprechend früher, li'/i Uhr Görlitzer Bahnhof.__ Reichskartell Republik. Sonntag, 3. Oktober. Sportplatz Friedrichoselde. Ad 10 Uhr Stfftnngs, und Preisschießen auf dem Evorlplatz Friedrichofeldc. Die Verteilung der Preise findet nach 17 Uhr im Lokal von„Stepers Wald- schloß" statt. Anschließend bortseldst qemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt SO Pf. Srei» Westen. Ab 10 Uhr Schießen im Echlltzenhaus Zehlen- borf. Machnower Ehaussec. Vollzählige Beteiligung ist Pflicht.— Rcnlöll»- Britz. Montag, K. Oktober. 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Echafwikow, Weiänelstr. 5. Wichtige Tagesordnung. Deutscher Freidenkerperbanb 6.».(Verband für Freidenkertnm und Feuerbestattung). Zahlgrupve 14 und 17 ssriedrichshain. Freitag, 3. Oktober, 20 Uhr. in Schmidts Gescllschastshaus. Fruchtstr. SOo, Mitgliederversammlung. Lichtbildervortrag:„Die Sirche in der Sarikahir". Referentin: Frau Lisa Schneider. Verwalfiingsberichte. Eintritt frei. Sspernnto-Gesellschast Eharlottenburg. Montag, 8. Oktober, 20 Uhr, Saiser, Friedrich�pchule. Knesedeckstr. 24(Eavignyplatz). Werbevortrag, anschließend Anfängerkursus. Gäste willkomme». Freie Arbeiter-Esperanto-Pereinianng. Die Gruppen Osten und Neukölln eröffneten am Donnerstag, dem 2. Oktober, neue Esperantokurse im Jugend- beim. Am Ostbahnhof 17(Nähe Plaza), hpt. rechtes Zimmer, und in der Rütli-Echule, Neukölln, Rütlistraße. Die Gruppe.Zentrum nimmt noch neue Surststen auf für den neuzueröffn enden Sursus am Freitag, dem 3. Oktober. im Metallarbeiterverbandshaus. Linienstr. 83—86, Portal I, 3 Treppen. An. fang überall 20 Uhr. Sursusbeitrag 3 bis 4 M. Achtung! Eonnabend, 4. Ok- tober. großes Herbstfest in den Soph'enISlen. Sophienstraße. Alle Arbeiter- fportler sind eingeladen. Eintritt 1 M. Reichsbund ber Srieasbefchädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhiater- bliedene», Ortsgruppe Oberspree. Versammlung am Dienstag, dem 7. Ob, tober, um 20 Uhr, im Restaurant»Zum Srüger" Riederschöneweide, Berliner Str. 100, Ecke Fenustraße. Topographische» Orchester. Jeden Freiiag Uehnngsadend um 201, Uhr in Reukölln, Weichfelstr. 3(Jdealkastno). Dirigent: Kapellmeister Erich Gntzeit. Sonnt»? 10 Uhr. Mitwirkung bei den Basstven der„Tpvvgraphia" auf Tivoli. Sport. Renkten zu tzoppegarken am Donnerstag, dem 2. Oktober. 1. Rennen. I.Ute(Sauerland). 2. MnZketier, 3. Tcddh. Toto: 25:10. Platz: 13, 35, 30:10. Ferner liefen: Orenburg. ReuZ, Attila, Fa- vorit. Schwarzdorn, AuloZ, Berlram. Hella X, Bardenland. 2. Rennen. 1 Jmmerjort(IKrabsch). 2. Atrox. 3. Attache. Toto: 19:10. Platz: 11, 12, 17: 10. Ferner liefen: Blanlensteln, Fllrstenkind, Wanda, Reichenbach. 3. R e n n e n. 1. Feldjäger(Rastenbcrger), 2. Herome, 3. Linz. Toto: 56: 10. Platz: 20. 26, 17:10. Ferner liefen: St. Robert. Battie Cruifer. Altenhof. Pronto. 4. Rennen. 1. Markgras(Munro), 2. MelliwZ, 3. Walzertraum. Toto: 20: 10. Platz: 20,17,15:10. Ferner Uesen: DianthuS, Tentone, Winkelried, Boniburg. Reichsmark. 5. R e n n e n. 1. Thüringen(Huguenin), 2. Filmenalt, 3. Aria. Toto: 27:10. Platz: 13. 13. 27: 10. Ferner Uesen: Mystik. Allai.Vichh. Firlefanz, Echwarz-weiß-rot, Aurelian. 6. R e n n e n. 1. Guienberg(Rastenberger), 2. Loblied, 3. Morgenrot. Toto: 15: 10. Platz: 12, 17, 33: 10. Ferner liejen: Eminenz, Minneklang, Mellart, Scapos, Eleazar, Lebenskünftler, Borussia. 7. R e n n e n. 1. Eroica(M. Dreißig), 2. Kassenjunge, 3. Stoizenfelt, i. Peter Sonnenschein. Toto: 455:10. Platz: 43. 14. 14, 20:10. Ferner liefen: Bernhard, Fürstenrus, Faretra, Pellegrino, Harold, Chapeau, Triano«, Roxana, Fiametta, Jsola. ti-faki-ene �suzfi'susn braten mit cie«- ausgiebigen Rarna! Warum? Well der Braten mit Rama ohne großen Aufwand köstlich gerät. Gleich beim Anbraten merken Sie, wie ergiebig Rama ist und wie wunderschön sie bräunt. Und dann— sie spritzt gar nicht Infolge ihres außerordentlichen Fettreichtums. Mischen Sie Rama Margarine keine anderen Fette bei! Lassen Sie ihr das reine, frische Aroma, das den Braten so besondefS wohlschmeckend und lecker macht— so daß er Ihrer Kochkunst zur Ehre gereicht. „Vero* tochtedcrjpangenschur» destedke Zierstepperei »Form 38 bewährter QualifätsxtaJh t«oston!enbroune Force Mastenfen 0,98 Mastgänse Gänse SDgarische, Pfd. Ton 1,18 fri«ch....... PM. ton 0,95 Hühner fri«h pm. 0,90| StCCttye uttff tyuät �e&CHSmuteC-emJzua�e� Pr«i«e fi«r PraiUg u. 5o««»d-ad. Floiseh n. leiebtTerderbliche Waren tiad vom Ventnd«rtgtaaMoesen. Verkauf foweif Verrat. Uengenabsabe vorbehalfsn. Wildkochfieisch... P/d. von 0,40 Hirschbl älter Pfd. r 0,90 Tauben q gefroren.......... Stflok ▼onWj�xJ FRISCHES FLEISCH Schweincbaudt ohseBeilagr, Pfd. 0,88 Sdiweinesdiinkcn oder -Schulterblatt..... pm 0,96 Sdiweinekamm oder-sdiuft ohne Heiiace und.Schwarte...Ffil. 0,98 Sfhweinekotelett...... Pfd. von 0,98 Kassier mild........... Ptd. von 0,98 RQ(kcnfettl>raifert.,obn.Sehv..Pld 0�6 Eisbein mit Ppiiibeln, gi-oöboli. Pid. 0,74 Hackepeter mit Oewar*..... Pid t,08 Kalbskamm................. rtd. o,94 Kalbsroulade........... Pfd. von 1,58 Kalbsschnitzel......... Pfd. von 2,00 Kalbskotelett.......... Pfd. von 1,38 Hammelvordcrfleisdi Pfd. von 1,08 Hammelkeule.............. P.'d. ips Suppenfleisch........... Pfd. von 0/8 Gulasdl gemischt.............. Pfd. 1,00 SdimorfleisdlKeule,o.K(.,Pfd.von 1,30 Roulade..................... Pid. 1,44 Roastbeef ohne Knochen...'.Pfd. 1/3 Rindcrherzan.............. Pfd. 0,64 Rinderbacken obnnKnochfn.Ptd. 0/8 Rinderlungen.............. Pid. 0,44 Euter.......................... Ptd o/O Sdiweineköpfe mit Becke.. PM 0,48 Sdiweinenieren............ Pfd. 0,83 Suppenfleisch gtfrtnn..Pfd. von 0,68 Schmorfleisch ohne Knochen, gefroren..•»••..Pfd. Rinderleber jef/or«........ pm i/s Hammelvorderfielsdi Itfrcr««.................... PM. von 0/4 HammelrDdcen gtfroren..... Pfd 0,98 namm&eommtmmtmmmawBmaammmai WURSTWAREN KASE UND FETTE Rol- oder Leb?rwursf...... pm. 0.68 Harzer in c.iioph«......... kou. 0,1 5 Sülzwurst...................... pm. 0,78 Markisdie Leberwurst..... prd. 0,85 Speck(ntt................. PJd. von 0,88 Fleisdiwursf.................. pfd 0,95 Dampfwurst.................. m 0,98 ]agdwursf.................. pn 1,15 Mettwurst»dinMii*«. u...... pm. 1,20 Wiener........................ m 1,25 Speck nigov,•.»...............pm, 1,28 |f. Leberwurst................ pm, 1,30 Zervclat oder Salami....pm. 1,58 Schinkenspeck........... pm. 1,75 Nusssdiinken................ p«, 1,85 Gek. Schinken im swek m 0,45 Allg. Stangenkäse»V....H4 0.46 Dänischer Schweizer....... m. 0,84 Tilsiler oim, Rind«, au«;,....... pfj. 0,70 Emmenthaler Arl soi,...... pcj. 0,98 Edamer««,» pm. 0,60 co«/. ptd 0,84 Romadour 20%............ stuck 0,20 Schweizer hnyri.ch«..... PM. von 1,15 Camembert...............- stock 0,45 Münster u.Briekäse vonfett, pm. 0,98 j Brafenschmalz...............pm 0,76 Molkereibuller.............. pm. 1,32 Tafelbutter...................pm. 1.42 Dänisdie Butler............. Pfd. 1,76 Margarine............ pid. 0,48, 0,62 FISCHE *Schol!en.................„..pm. 0,15 'Schellfisch i. ganzen......„.Pfd. 0,26 'Seelachs im ceozen, 0. Kopf, Pfd. 0,33 'Qoldbars................... Pfd. 0,38 'Kabeljau!. ganzen, oimc Kopf, Pfd. 0,38 "Kabeljaufilet.............. pm. 0,55 •Grüne Heringe........ 3 pii 0,60 'Lebende Aale........ pfd. von 0,98 •Lebende Karpfen....pm. von 0,98 * In allen Nlnsern eoeeer kndroastiraese RÄUCHERWAREN Bücklinge.................... PM. 0,30 Schell|isdi..................... pfj. 0,48 Seelachs....................... pm. 0.52 Goldbars.................... pm. 0,52 Slückenflundern............. pid. 0,65 Sleinbcisser.................. ph 0,78 Seeaal........................ pm. 0,88 KOLONIALWAREN Bruchreis...................... pm. 0,18 Viktoria-Erbsen............ pm. 0,22 Linsen......................... pm. 0,22 Weisse Bohnen............. p«. 0,23 Bruchmakkaronl............ p/d. 0,46 Eierschniltnudeln............ prd. 0.48 Backobst....................... p/d. 0,52 Kalif. Aprikosen............-.pm. 0,72 Kalif. Pfirsiche..............pm. 0,72 Birnen......................... pm 0,68 Saure Kirschen neue Ernte...PM. 0,48 Kakao los«,....... p/d. von 0,58 Kaffee..................... pm. von 1,90 KONSERVEN Stangenspargel sehr stark 2,61| KonsumgcinOse.......... 0,48 Stangenspargel stark..... 2,52 Sellerie in scheih-n........... 0,78 Sfangenspargei m tteisik. 2,40 Apfelmus.................... 0,60 Siangenspargel Dt;»..... 2,17; Spanische Aprikosen Kalserschofen............. 1,48 i �r"ollt........................... 1'C5 junge Erbsen /ein.......... 1,22 j Erdbeeren.................. 1,45 junge Erbsenmitt«ucin.... 0,83 Süssklrschen mit steinen.... 0,90 Gemüse-Erbsen.......... 0,58 1 Mirabellen.................. 0,95 Gemischfes Gemüse fein 1,44 Heidelbeeren.............. 0,95 Leipziger Allerlei....... 0,78 Singapore-Ananas..... 0.98 KONRIÜRC Eimer ca. 2 Pfd. Pflaumen.. 0,50 Erdbeer.. 1,35 Aprikosen. 1,15 Kirsch---- 1/5 johannisb.. 1,15 Himbeer. 1/5 PREISSEL- BEEREN Eimvr cft. 2 Pfd. 0,95 OBST und GEMUSE TISCHWEINE Preise ohne Flasche Holländische Qraubirnen pm. 0,28 Kochbirnen grosse.........- pm 0,45 Ess- und Musäpfel.......- pm 0,45 Kalif. Tafeläpfel............ pm. 0,44 Meraner Kurlrauben....... ptd. 0,28 Holländischer Wein tun...pm. 0,65 Bananen...................... pm. 0,38 Preisseibeeren........... 4 p/4 0,90 Rot». Wirsing- od.Welsskohl pfd 0,03 Möhren gewaschen............. Pfd. 0,04 Schmorgurken............ 4 pm. 0,26 Senfgurken.................. Pfd. 0, 1 2 Sellerie........................ P/d. 0. 10 Märkische Rübchen...... 2 pfd. 0,25 Spinat....................... 3 pm. 0,25 Kartoffeln................... 10 pm. 0, 22 1929er Senheimer Lay........ 1'.'iH. 1929er Liebfraumilch......... Ii yf) 1928er Hadcenhelmer Klrthberg f.gp, 1929er Diirkh.Feuerbg.-Rolweln I njo 1927er SdiloiiBödcelhelmer Spjti 1'/iFL 1926er OejIrlcherHitz....... h CC 1927er Graodier Himmelreich..(' 1 927er Wehlener Nonnenberg.2>7� _'ii Fi. 10 H. 1 929er Oberh. fialitammerer 0.75 7,00 1929er Trclser Treppchen... 0.95 9.00 1929er Slefenh. Horn, Natur 1,25 12,00 1 926er Graves weiss. Bordeaux 1 ,85 1 7,50 loliarmlsbeeiweln..| Ller 5-ljf..Fl. Clder, süsser Apfel- /i-a y/- j cr\ wein............. fE),/-) JjJU Unsere SpezIalitäH Liier 4,60 Deul$cher"*Welnbrand, ab- A gelagerte Qualitä),'Z, Flasche ') Theater, Lichtspiele usw. Theater I. d. Behrenstr. 53-54 Rose- Theater Direktion; Rftlph Arthur Roberts sv. Das träOlicha mädchen Freitag, Z. 10. Stsafs-Oper Unter d. Linden A.-V 33 19 Uhr Palestrina Freitag, 3 10. staut. Oper Walküre Ende 22*, Uhr Ende y uhl Staats-Oper Ar Plzh fr FigdCiL V B 20 Ohr Fidello (hfleati. Inlnnrtiit Ende 22», Uhr Staat!. SdiaiEjh. in GnhreuRiittl. 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Damals lagen zwisdien dem Kern des heutigen Berlin und dem Dörfchen Pankow noch unübersehbare Felder. Eine Reise von Berlin nach Pankow mar ein Unternehmen, das man sich zweimal überlegte. Immerhin regte sich schon im 14. Jahrhundert der imperialistische Geist der Berliner: 1340 wurde Pankow ein Besitztum der curfstrsdcnden Stadt Berlin, und damit wurden die Pankower eigentlich schon damals Berliner, nachdem sie vorher Pom- mern gewesen waren: derat das Dort hatte früher den Pommer- jchen Fürsten gehört. Später bewiesen dann aber die Hohen- z o l l c r n, daß sie damals eine noch größere Cxpansionskrast be- saßen als die Berliner. Sie nahmen Pankow in Besitz, und noch heute zeigen der Schloßpark und das Schloß von Niederschön- hausen etwas von ihrer Wirksamkeit. Hier in diesem Schloß konnte die Gemahlin Friedrichs des Großen nach ihrer Fasson selig werden. Ihr hoher„Herr und Gebieter" war alles andere als ein liebe- voller Gatte. Im Lause der Jahrhunderte brauste über Pankow der Strom der Geschichte dahin: Pankow hat ebenso die Huss iten gesehen wie Bernau, die" Truppen Wallenstedts haben hier gehaust, und ihnen folgten 1760 die R u s s e n u nd O e st« r r e i ch e r. Die Nüssen zerstörten das Schloß, das dann nach ihrem Abzug im Stile Knobelsdorfs wieder aufgebaut wurde. Die pauke war nicht zu verachten. Nach den sogenannten FrelheHskriegen begannen die Bertmer wieder die Schönheit Pankows zu entdecken. Es wurde das Ziel mancher„Land pari ie", und wohlhabende Bürger erbauten sich hier ihre Sommerhauser, denen später ansthnlich« Villen folgten. Noch heut« stehen in der Breiten Straße die Bauten jener Tage, die für viele mit dem Glanz der„guten, alten Zeit" umkleidet sind. Aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt auch der Bürgerpark, dem die Gemeinde glücklicher» weise zur rechten Zeit von den Erben des Barons Killich von Horn erworben hat. Dieser Herr Baron ist übrigens� der Gründer der reaktionären„Börsen-Zeitung".- Hier, im heutigen" Bürgerpsrk, stand in den- fünfziger Jahren noch ein« Papiermühl«, und munter klapperten di« Röder am rauschenden Dach. Wir Berliner lächeln heute über die Panke, mache» unsere Witze über den„künstlichen" Wasserfall im Schloßpark von Nlederschonhausen. Wer, was heute klein ist, kann einst groß gewesen sein, und die Panke ist sicherlich kein zu verachtendes Wasser gewesen: d«mt ihre Hochflut zerstörte jene Papiermühl«, sie führt« Räder» und Mauerwerk mit sich fort. Was die Sozialdemokratie aus dem Dorf machte. Pattkow blieb bis zum Jahre 1921 ein Dorf trotz seiner großstädtischen baulichen Entwicklung und trotz seiner Einwohner- zahl von 60 000. Schon vor der Eingemeindung war das Dorf mü dem großen Berlin zusammengewachsen. Nur das aste Steuer- haus in der Berliner Straße erinnerte und erinnert noch daran, daß hier eine Grenze war. Heute tst der einstige Lorort eingespannt in den Rhythmus des neuen Berlin. Wie sehr der Pulsschlag der Weltstadt wirkte, das zeigte sich schon in d«n letzten Tagen der Selbständigkeit. Als 1919 di« letzte Gemeindevertretung, in der die Sozialdemokratie die Mehrheit hatte, ihr« Tätigkeit aus- nahm, konnte sie ihre Politik nur im Zusammenhang mit den Ge- Das Rathaus In Pankow sche�msjen in'Groß-DÄlin Kstteibeni llnttt Führung der Sozial- demokrati« wurde in den letzten Tagen der Selbständigkeit an dem Aufbau de» Ortes gearbeitet: Wohnungen entstanden, Straßen wur- den angelegt. Vielleicht erinnert man sich heute noch an den vor- sintflutlichen Zustand d«r Berliner und Damerow�Straße, der bis nach dem Kriege bestand. Die Wohlfahrts arbeit wurde ge- fördert. Trotz der allgemeinen Rot dieser Tage war es gelungen, gut« und vorbildliche Arbeit zum Wohl« der Bevölkerung zu leisten und vor ollem so zu wirken, daß das alte Großdorf dem nsuen Gebilde Berlin reibungslos eingesägt werden konnte. Geräde die nördlichen und östlichen Teile Berlins verdanken der emsigen Tätig. keit der nach dem Kriege gewählten sozialdemokratischen Cemeindeoertreter bzw. Bezirks- und Stadtverordneten einen früher für unmöglich gehaltenen Aufschwung, und trotz allem Geschrei unserer Gegner sollten alle» die diele Arbeit zu würdigen wissen, nicht aufhören, an diese Erfolge zu«rinnern. Zur Abwehr bereit! Ein Aufruf an alle freiheitlichen Studenten. Der Kreis Berlin des Deutschen Stud en te n v e rb a n» des erläßt folgenden Aufruf: Zu der gegenwärtigen politischen Situation, in der die Gegner der Republik sich zum Angriff gegen den Volksstoot rüsten, ist es pslicht aller Republikaner, zur Abwehr bereit zu sein. Die studierende Jugend darf bei diesen Auseinandersetzungen nicht abseits stehen. Sie hat vielmehr zu bekunden, daß sie gewillt ist, gemeinsam mit den republikanischen Organisalionen alle Angrisse gegen die Verfassung abzuwehren. Wir fordern deshalb die freiheitlichen Studenten Lertios aus, sich geschlossen am Aufmarsch des Reichsbanners am Sonntag, dem 5. Oktober, nach mittags 4 Uhr. im Lustgarten gegen alle Stnotssireichler und Putschisten zu beteiligen. Sie Stadt an die Reichsbahn. Modernisierung der Wasch- und Toilekterävme auf den Bahnhöfen gefordert. Di« städtische Deputation für das Berkehrswesen faßte in ihrer letzten Sitzung unter anderem den Beschluß, die Reichsbahndirektion Berlin aufzufordern, die Wasch- und Toiletteanlagen auf ver- schiedenen Berliner Fernbahnhöfen einer gründlichen Erneue- rung zu unterziehen. Als besonders dringlich wird vor allem die Instandsetzung der Einrichtungen auf dem Anhalter Bahnhof, dem Potsdamer Bahnhof, dem Bahnhof Charlottcnburg und dem Schlesi- schen Bahnhof bezeichnet. Damit wird einem im„B o r w ä r t s" bereits mehrfach geäußerten Wunfch endlich Rechnung getragen. Bei dieser Gelegenheit sollte man endlich aber auch an die Reduzierung der Benutzungsgebühr herangehen. Es ist auf die Dauer unhaltbar, daß man für die einmalige Benutzung der Wasch- und ToileUegetegenheiten Preise von 20 und 30 Ps. erhebt. Auch die Wartesäle der unteren' Wagenklassen auf den verschiedenen Bahn- Höfen— insbesondere auch auf dem S ch l e s i s ch c n Bahnhof— sollte man einmal einer genaueren Besichtigung unterziehen. Müde und abgespannte Menschen haben ein Anrecht auf einen sauberen und freundlichen Warteraum. Dem Schulkind Erholung! Die Tageskurstätte in Oberschöneweide diente in den letzten Wintern dazu, eine Reihe Schulmädchen auszunehmen, die kurz vor der Schulentlassung standen oder soeben entlassen waren> um sie cherufsfähig zu machen, und konnte für diesen Zweck nur relativ wenig Kinder, etwa vierzig bis fünfzig, betreuen. Mit Rücksicht auf di«'traurige wirtschäfikiche Lage'wird dl«>MgeSturstätt«:-'iin--£»w- wenden Winter ihren Zweck me*airtlich- erweitern Es ist ein Asttrag gestellt worden, diesen Kindern durch eine besondere Lehrkraft einen stark verkürzten Unterricht geben zu lassen, damit sie nicht zurückzubleiben brauchen und nach der Entlassung sofort wieder in ihre Klasse einrücken können. Es ist ferner ein ein- stündiger täglicher hsilgymnastischer Unterricht durch eine Gymnastin in Aussicht genommen als Ergänzung der schon bisher gegebenen Kurmittel: Liegekur, gehaltvolle Diät, Höhensonnenbestrahlung. Eine dauernde Beaufsichtigung durch eine Kinderärztin findet statt- Hiernach wird sich die-Tageskurstätte im kommenden Winter zum ersten Male dem Eharakter einer Waldschule in sozialhygienischem » Sinne nähern. Die Auswahl der Kinder geschieht durch die Schul- ä r z t e: Sonderanträge, auch von sesten anderer Bezirke, sind an das Bezirksamt Treptow. Rathaus, Neue-Krug-Allee 2—6, zu stellen. iE GROSSE MARKE! Prägt sieh der Raucher jedesmal beim Kauf einer/ Zigarette, warum er gerade dieser den Vorzug§ gibt? Wer wirklich von einer Zigarette das vorzügliche Aroma erwartet, das den köstlichen Genuß des Rauchens gewährt, sollte unsere hochwertigen Marken: tiij versuchen, die den Raucher durch ihren Duft und ihr lieb- liches Aroma fessein. MAKEDON. ZJGARETTENFABRI K G. M. ß. H., MAINZ A. RH. KONZERNFREi OeDeraivertretung: Carl Sudel« Berlin NW 6« Luisenstraße 30, Tel* v 2, Weidendamm 33S4 Aus der Arbe Hetzrede gegen den„Vorwäris". 5. Bezirk- Kriedrichshain. In einer Vorloge teitt« dos Bezirksamt der Bezirksversamm- lilng mit, daß in der dringenden Frage der Erneuerung der Eisen- bolinüberfllhrulig in der Landsberger Alle« zunächst ein« »rooisorische Wiederinstandsetzung erfolgt sei. Mit dem endgültigen Bau der Brücke ist bereits begonnen worden. Dagegen ist die pro- msorische Instandsetzung der Brücke in der Thaerstraße un- wirtschaftlich und unzweckmäßig. Von einer Reparatur der Brücke soll deshalb Abstand genommen und statt dessen die seit langem ge- plante eisern« Brücke gebaut werden. Die altersschwache und ver- fchrsunstchere Warschauer Brücke steht im Brückenbau- Programm für das Etatsjahr 1331 an erster Stelle. Mit dem Baubeginn kann im nächsten Jahre gerechnet werden. Die Vorlage wird von der Bersamnilung zur Kenntnis genommen. Die Schule in der Rüdersdorf«? Straße, deren muster- gültige Renovierung durch die Initiative der sozialdemokra- tischen Fraktion und des Bezirksamtes bei den Eltern und der Schülerschaft Dank und Anerkennung gesunden hat, war noch einmal Gegenstand einer ausgedehnten Debatte. Die Kommunisten, die wieder einmal mst Worten etwas für die Schule tun wollten, nachher oerweigern sie stets die Mistel, oerlangten die Bereitstellung von Mstteln für den Bau einer Turnhalle. In einer Vorlage gibt jedoch das Bezirksamt bereits bekonist, daß durch Beschluß des Magistrats uoin 23. Juli 183 000 M. freigegeben sind, und daß mit den Bauarbeiten bereits begonnen worden fei. Trotz des klaren Tatbestandes, daß das Bezirksamt mit der größten Beschleunigung für die Freigabe der Mistel und dem sofortigen Beginn des Baues gewirkt hat, hielt es ein Kommunist für notwendig, sich in unsachlichen Ausfällen gegen das Bezirksamt und gegen den„v o r w ä r t s". der die zielbewußte und konsequente kuilurelle Aufbauarbeit der sozioldemokralistheu Fraktion unterstrichen hatte, zu ergehen. Dem Bezirksamt glaubte er sogar den Vorwurf von Schiebungen mit Bausteinen zugunsten einer Firma machen zu können. Als Stadtrat Genosse Brückner erklärte, daß er als zuständiger Dezernent dem schwindelnden Kommunisten Gelegenhest geben werde, für seine Be- bauptungen an anderer Stelle den Beweis zu erbringen, da packte den tapferen KPD.-Mann die Angst; seine Ausführungen wären mißverstanden. Genosse Brückner wies weiter darauf hin, daß das Bezirksamt bereits im Juli die Mittel freibekommen habe, die Kommunisten ihren Antrag aber erst«inen vollen Monat später. gestellt haben. Als dann der Genosse M a r d u s mit der schein- helligen Methode der kommunistischen Fraktion abrechnete, glaubten die jugendlichen Kommunisten auf der Tribüne, auch wieder ein- mal ein Wörtchen mitreden zu dürfen. Der Vorsitzende, Genosse P o h l i n g, ließ jedoch kurzerhand die Störenfriede von der Tri- büne entfernen. Bei der Besprechung einer deutschnationalen Anfrage wegen eines Ueberfalls im Friedrichshain gaben Städtrat Gen. K l o d t und Bürgermeister Genosse M ielitz die Erklärung ab. daß das Bezirks. amt alles getan habe und auch in Zukunft stin werde, um die Sicherheit der erholungsuchenden Bürger zu gewährleisten. Für einen Teil der Tridünenbesucher war damit wieder der Zeitpunkt gekommen, einen Höllenspektakel zu vollführen. Genosse Pohling wies auch diese Radaubrüder von der Tribüpe. Als nach Wiedereröffnung der Sitzung neben Genossen K l i n g l e r auch Stadtrat Genosse K l o d t den Kommunisten bitter« Wahrheiten über die Art ihres Kampfes sagten, setzte der Spektakel wieder ein, so daß sich der Vorsitzende gezwungen iah, die Versammlung zu schließen. it der Bezirke. Oer Rezirkshaushalt für-1934. 6. Bezirk- Kreuzberg. Die beiden letzten Bezirksversannnlungen erledigten den größten Teil des Haushaltsvoranschlages für 1931, nachdem der Haus-, Hallsausschuß nur geringe Aenderuirgen an dem Entwurf des Be- zirksamts oorgenonunen Halle. Der die Einnahmen übersteigende Bedarf beträgt 37,3 Millionen, worin als Hauptposten eist- Hollen sind 2,4 Millionen der Bau Verwaltung(einschl. Straßen- beleuchtungs, 28 Millionen der Allgemeinen und Jugendwohlfahrt und 4 Millionen des Gesundheitswesens. Die weitaus meisten Aus- qabeposken sind für die Bedarfsanmeldung schlüsfelmäßiq errechnet, so daß Anträge auf Erhöhung dieser Basken kewerleil Aussicht auf Erfüllung haben, wenn nicht in der Zentrale die entsprechenden Schlüsselzahlen erhöhl werden. Die sozialdemokratischen Bertreter im Haushaltsausschuß haben daher nur Anträge gestellt, die auch Aussicht haben, bewilligt zu werden, unter anderem«ine bessere Ausgestaltung der Sauglingssürsorge stelle im Gesund- heitshaus Am Urban, und die Herrichtting von Liegehallen im Ur- ban-Krankenhous, der schemattschen Erhöhung von Ausgabeposten ohne Aenderung der Grundzahlen, wie sie die Kommunisten bean- tragten, konnten unsere Genossen nicht zustimmen. Die Deutschnationalen brachten als alten Ladenhüter wieder ihren Antrag auf Herausnahme der 3-Zimmer-Wohnungen aus der Zwangswirtschaft: sie blieben bei der Abstimmung natür- lich in der Minderheit. Mit der Haushalhmgsberatung wurde die Verabschiedung einer Dringlichkeitsvorlage des Bezirksamts verbunden, die eine Fertigstellung der Anlage im zugeschütteten Luisenstädtischen Kanal an der Waldemarbrücke bezweckt. Die Brück« soll erholten bleiben und aus Vorbehaltsmitteln der betei- ligten Bezirks Mitte und Kreuzberg der Raum unter derselben frei- gelegt werden, damit die Gartenanlagen zu beiden Seiten der Brücke eine Verbindung haben._ Ein Kinderfreunde-Verleumder. 14. Bezirk- Neukölln. In der letzten Neuköllner Bezirksversammlung wurden die Deratungen für den Bezirkshausholts Voranschlag für 1931 begonnen. Bezirksverordneter P o l e n s k« erstattet« den Bericht des Haushaltsausschusses. Der Voranschlag für 1931 zeigte auf der Ausgabenseit« 87,5 Millionen Mark auf, das bedeutet«ine Steigerung von 10,5 Millionen Mark gegenüber dem Borf.chre. Die einmaligen Ausgaben betrugen 14 Millionen Mark, der Wohl- fohrtsetat 18,7 Millionen Mark. In der Debatte lehnte der deutschnationale Bezirksoerordncte Langula den Voranschlag ab, dadurch wollt« er dem sozialdemokratisch beeinflußten Bezirksamt ein Miß- trauensvotum geben. Er sprach im besonderen noch gegen die modernen Schulunterrichtsmethoden, gegen den„angeschwolle- neu" Wohlfahrtsetat, kurzum gegen olle Ausgaben, mit denen die Not der arbeitenden Schichten gelindert werden soll. Er behauptete ferner, daß in der Kinderrepublit Namedy Bücher über die Prostitution ausgelegen hätten. Stadtrat L ö w en st e i n er. widerte sofort, daß die kindersreundebewegung seit langem aus die Gelegenheit warte, endlich einmal den Mann festzustellen, der diese Behauptung aufstelle und kündigte dne klage gegen den deutsch- nationalen Bezirksoerordneten an. Die sozialdemokratisch« Fraktion bewies ihre positwe Mitarbeit an der Gestaltung des Voranschlages durch eine Reihe fach- licher Anträge, die gleichfalls Polcnsk« begründete. So wurde ver- kangt, daß der Wohlfahrt--tat in Anbetracht der Arbeitslosigkekt verstärkt werde, ferner«in Ausbau der Krisenunterftützung und Aus» Hebung der gekürzten Richtsätze oerlangt. Die Mittel für das Iugendwandern mußten oerstärkt werden, beim Kapitel Schulpflege wurde der Neubau von drei Schulen verlangt und außer» dem eine energischer« Fürsorgetätigkeit bei der Bekämpfung von Epidemien. Auch soll die Schulgesundheitspslege aus Berufs» schulen ausgedehnt werden. Außerdem wurde gefordert, daß di« Sperrung für Schulamtsbewerber aufgehoben wird. Matten in den Ctatsberatungen wurde die Arbest der Bezirksversammlung durch eine kommunistische Kundgebung gestört, über die wir bereits be- richtet haben. Der kommunistische Antrag, wonach die kominue nistischen Sportlerorganisationen bei der Bergebung der Turnhallen genau die gleichen Sätze zahlen sollen wie die anderen Vereine, wurde mit Unterstützung der Sozialdemokraten angenom- men. Nach der Rede des Bezirksverordneten Polenske beantragte der Kommunist Lange Vertagung der Ctatsberatungen, um die anderen wichtigen Anträge noch erledigen zu können. Nach An»� nähme dieses Antrages wurde zunächst eine Dringtichkestsvorlage des Bezirksamts, die zur Wiederherstellung von Räumen im Schul- gebäude Elbestraße 1200 Mark verlangt, angenommen. Dann begrün. dete der deutschnationale Vezirksverordnete Langula seine Anfrage an den Bürgermeister Scholz und Stadtrat R a d t k e und ver- langte genaue Auskunft, ob und welchs Beträge von der Neu- köllner Groß Handelsgesellschaft an die beiden Ee- nannten gezahlt worden seien. Bürgermeister Scholz erklärte, daß, obwohl die Hauptprüfungsstelle des Magistrots monatelang die Bücher und Belege der Neuköllner Großhandelsgesellschaft geprüft habe, sie ihm gegenüber nichts beanstandet hätte. Der Sachver- ständige habe auch nichts unternommen, um diese Beitrage aufzuklären,«ine Befragung seinerseits habe nicht stattgefunden. Er habe weder für sich noch für andere Zwecke Gelder von der Neu- köllner Großhandel-qesellschail in Irgendeiner Form erhalten. Stadt- rat Radtke, so erklärte der Bürgermeister, habe von der Neuköllner Großhandelsgesellschait weder für sich persönlich noch für andere einen Betrag von 7009 Mark oder«inen anderen Betrag erhalten. Tegeler Friedhof wird erweitert. 20. Bezirk.— Reinickendorf. Wegen der geplanten Erweiterung des Tegeler Friedhofs setzte die Bezirksoeisammlung einen siebengliedrigen Aussäpiß ein. Längere Debatten gab es erst bei der Beratung einiger kom- munistischer Dringlichkeitsanträge. Wegen der Ueberfüllung der Schulen in Tegel müssen mehrere Kinder die Volksschule in Borsigwalde besuchen. Ein brauchbarer Weg dorthin ist nicht vor- Händen. Noch den Aussührungen des Dezernenten der Schul- Verwaltung ist die Durchführung des Weges bereits in den einmaligen Anforderungen vorgesehen. Leider sind noch nicht alle Grundstücke hierfür im Besitze der Stadt. Genosse W o l l s ch l ä g« r forderte deshalb beschleunigt� Verhandlungen mit den betresfenden Grundbesitzern. Dem Antrag wurde zugestimmt. Zu dem Antrag betreffs der Inneneinrichtung des Kinderheims cm der Schillerprome, nade wird demnächst der Bczirksversammlung eine Vorlage des Bezirksamts zugehen. Der Dringlichkeitsant'-ag wegen Uebernahme von Krankenkassenbeiträgen durch das Bezir' amt und der Be- Zahlung der 0,50 Mark für die Kranken- und Arznesscheine für die Erwerbslosen wurde einem dafür eingesetzten Ausschuß der Stadt- verordnetenversamnllung als Material überwiesen. Lcrantwortlich für Politik: Vi«to» Schiff! Wirtschait: S. tUi-aelböfer; Dcweriicholioocwezui'.g: Fr. vhtorn! Fciullrlon Dr. Zoh» Schilowoti; Lotalroi und Soniiiacs Fri» Aarftädt: Anreiorn: Tb. GloiZc: siimtUch in Arilin. Lerla«: Aorwärlo-Aerlaq D. m b. b. Berlin Druck: Borwärto-Buchdruckerct und Berlaaoanstalt Paul Sinner u. Co.. Berlin SW SS. LindniilrnK« 8. Hierzu 2 Beil-nen und.Stadtbeilagr-. 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