10 Pf. Nr. 464 B 231 47. Jahrgang BERLIN Freitag z. Oktober lSZV ErfchetsttigkichaaßerEonstag«. -ugleich Abendausgabe de«.VorwSrts'. BetugSrreiS beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S,«>M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWöS.Liudenstr.Z SjitUcuikgaße xlei AnteigenpreiS: Die einspaltig« Nonpareillejeile «o Pf., Reklameitile S M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.37SZ«. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 297 Die Fraktion berät Reichstag am-13. Oktober— Demonstrationen gegen Brian d Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion trat heute früh zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Nach einem Referat Hermann Müllers über die politische Gesamtsituation trat Aus dem Inholt: Prügelpädagoge vor Gericht..... Seite 1 Berliner Friedensakademie gegründet. Seite 2 60 Stunden Arbeit auf der Mole.... Seite 3 Mussolinis Sterndeuter....... Seite 3 Der Bauarbeiterkampf gegen die Unfälle Seite 4 Siurmfahrt im Schwarzen Meer.... Seite 3 Bilanz des Wassersportlers...... Seite 7 die Fraktion in eine Klussprache ein, die zur Stunde noch fortdauert. Die Wahl des Fraktionsvorstandes wurde auf eine spätere Sitzung vertagt. Reichstag am 13. Okiober. Einberufung Durch Präsident Lobe. Reichstage Präsident Loebc als Präsident des Reichs« tags der 4. Wahlperiode gibt bekannt: Auf Grund der Artikel 23 und 27 der Reichsberfafsung wird der neu- gewählte Reichstag berufen, am Montag, dem i 3. Oktober 1930, nachmittags 3 Uhr. zusammenzutreten. Dem Hakenkreuz die kalie Schütter. Keine Aussichten für eine Raziregicrung in(Sachsen. Dresden, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Auch die V o l k s n a t i o n a l e n, die durch zwei Abgeordnete im sächsischen Landtag vertreten sind, haben es abgelehnt, sich an einer Rechtsregierung zn beteiligen. Sie verweisen daraus, daß die Nationalsozialisten das Innenministerium fordern, um den Verwaltungsapparat von Partcibuchbcamten zu säubern und um die Polizei in die Hand zu bekommen. Die Polizei würde dann nicht mehr eine überparteiliche Schutztruppc des Staates sein und dafür könnten die Volksnationalcn die Verantwortung dem Staat« gegenüber nicht übernehmen. Krach bei der Gtaaispartei. Demokraten mißbilligen die Haliung ihres Abgeordneten. Vraanschwcig, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Der einzige Staatsparteiler des Braunschweigischen Landtages Hat die jetzt ins Amt gekommene Regierung zwar nicht mitgewählt, aber doch erklärt, die Toten der Regierung abwarten zu wollen, um nach ihnen seine Entscheidung einzurichten. lieber diese Hallung sind die Demokraten des Landes Braunschweig sehr unzufrieden. Die Demokraten erstreben die Große Koalition. Der Landesverband der Demokraten hat deshalb an alle Mitglieder des Landes ein Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt:„Wir Demokraten haben mit aller Entschiedenheit verlangt, daß der Abg. Schräder bei der Wahl der Regierung im Landtag erklärt, daß er diese Regierung bekämpfe. Sie stellt eine einseitige Rechtsherrschast dar und wider. spricht den großen Grundgedanken der Staotspartei, die deutsche Volksgemeinschaft zu schaffen. W'r halten auch Volk und Land für viel zu schade, sie nationalistischen Experimenten auszusetzen. Der Landesausschuh unserer Partei hat am vergangenen Sonntag sich einmütig aus diesen Standpunkt gestellt und die Reichs- führiing der Staatspartci, Höpker-Aschoff, MaHraun u. a. habe» den gleichen Stairdpunkt eingenommen. Leider hat dies den Abge- ordneten Schräder nicht zu bekehren vermocht. Er wird sich abwartend verhalten und die Regierung nach ihren Taten beurteilen. Wir billigen die Haltung des Abg. Schräder nicht. Sie widerspricht den Grundsätzen der Deutschen Staatspartei." Nach dieser Erklärung besitzt der staatspartcilickse Abgeordnete also nicht einmal das Vertrauen seiner demokratischen Parteifreunde. Reichsbanner- Aufmarsch. Das Reichsbanner Tchwarz-Rot-Gold, Gau Bcr- lin-Brandcnburg, ruft seine Mitglieder und alle Republikaner auf, an einer republikanischen Kundgebung teilzunehmen» die am Tonntag. 3. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lustgarten stattfindet und Zeugnis ablegen soll von dem Willen der republikanischen Bevölkerung, die demokratische Republik gegen alle faschistischen Gelüste zn vcr- teidigen. Deshalb gilt für Sonntag die Parole: Auf in den Lustgarten! Pfeifkonzert gegen Briand. Paris voller Plakate über die„deutsche Gefahr". :'' Paris, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Außenminister Briand, der am Donnerstagabend van Genf nach Paris zurückkehrte, ist von wütenden'Protestkundgebungen der französischen Ilebcrnationalisten ontpsangcn worden. Einige hundert Schreier der Aktion Frangäise hatten sich auf dem Bahnhof und den ihn umgebenden Straßen eingefunden. Ein kleiner Trupp war sogar auf der letzten Station vor Paris in den Schnellzug eingc- stiegen. Als Briand den Bahnsteig betrat ging ein wütendes P j e i s k o n z e r t los. Einer der Flegel stürzte auf den Minister los und schrie ihn, zu:„Elender, du bringst uns in einen neuen Krieg, du willst uns alle mit deutschen. Gas vergifte»." Die Polizei nahm über 30 Verhaftungen vor. Gleich, zeitig hat der Pariüm- und Zeitungsgcwallige Coty die Plakatsäulen von Paris mit riesigen Papieren bedeckt, aus denen auch er behauptet, daß Briand einen neuen Krieg Deutschlands gegen Frankreich heraufbeschwöre. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik findet heute im Elyfce«in Ministerrat statt, der in der Hauptsache der Bericht- erstattnng Briands und des Handelsministers Flandin über den Verlauf der Völkerbiindstagung gewidmet ist. Auch das Datum des Wiederzusammentritts des Parlaments soll endgültig festgelegt werden. Eigene Heimwehrkandidaien. Wien. 3. Oktober.(Eigenbericht.) Di« Bundessührung der Heimwehr erläßt einen Ausruf, in dem die Heimwchrorganisationen ausgesorderi werden, eigene Kan- didatcn auszustellen. In dem Aufruf heißt es u. a., daß sich die 5)einiwehr selbst durch eine„rote Mehrheit" das Steuer nicht mehr Hie gut Hitler allerwegen— aus der Hand nehmen lassen werde. Der Aufruf ist unterzeichnet von den, gegenwärtigen Innenminister Stärhemberg und dem Minister Pfricmer. Chauffeurmord im Gpeffart. Nächtliche Tragödie in Deutschlands einsamstem Wald- gebirge. Frankfurt a. ZN., Z. Oktober.(Eigenbericht.) In der Röhe von v a d O r b wurde am Donnerstag der Kraftwogenführer Nikolaus Kuhmünch ermordet. Er hotte in der Nacht Gäste in den Spessart gefahren, die sich das Orgeln der kämpsendeu Hirsche während der gegen- wärtigen Hirschbrunst anhören wollten, und war von der letzten Fahrt nicht mehr zurückgekehrt. Fahrten zur Hirschbrunst finden gegenwärtig jede Nacht statt. Kuhmünch war gegen drei Uhr zurückgekehrt, fuhr dann aber mit einem Mann, der bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte, noch einmal in den Wald. Als der Chaufseur von dieser Fahrt nicht zurückkehrt« begab sich der Autobesttzer auf die Suche und fand den Krastwag�n in der Nähe des Wnld-Eafes mit brennenden Lichtern und osfenen Türen vor. An einer Straßenbäschung lag die Leiche des Chauffeurs. Er hatte einen Schuß im die linke Schläfe erhalten, die seinen s o f o r t i g en Tod herbeigeführt hotte.. Die linke 5)and war ihm ans nächster Nähe durchschossen. Die Untersuchung ergab, daß der Chauffeur mit seinein Mörder einen verzweifelten Kampf bestanden und dabei die Pistole sest- gehalten hatte. Ueber die Straße lag ein Baumstamm. Die B r i e i- t a s ch e mit mehreren hundert Mark und die Uhr de s Ermordeten waren geraubt. Am Tatort lag die Pistole, dir der Töter gebraucht hotte. Scharfmacher! Oer Metallkonfltkt und der deutsche Kredit. Heute beginnen im Reickzsarbeitsministerium die Verhandlungen über den Berliner Metallkonfiiki. Das Berliner Organ der Scharfmacher, die„Deutsche Allgemeine Zeitung", fordert den Schlichter auf, den Lohnraub an der Arbeiterschaft zu vcr- wirklichen. Sic schreibt: „Die Regierung scheint entschlossen, sich aus ihrem Programm keine Kernstücke irgend jemand zuliebe oder zuleide herausbrechen zu lassen. Gs muß deshalb als selbstverständlich betrachtet werden, daß auch der Schlichter den Rotwendig- leiten der Stunde Rechnung tragt und die Lohn- herabsehung durchsetzt, die im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Metoll- ' industrie und der Milderung der Arbeitslosigkeit notwendig ist. Davon, daß eine solche Entscheidung bald fällt, hängt freilich noch wesentlich mehr ab. nämlich die weitere Festigung und Sicherung des Vertrauens der inländischen und ausländ!- schen Wirtschaft und F i n a n z w e l t, daß die Regierung mit Konsequenz die in ihrem Programm so klar aufgezeigte Linie zum Segen des deutschen Kredits, des deutschen Wohlstandes und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit durchhält." Das ist die erste Folge des Programms der Brüning-Regierung! Die Scharfmacher setzen es bereits in die Praxis um! Di« Berufung des Scharftnachcrorgans aus die Interessen des deutschen Kredits ist eine Dreistigkeit! Der deutsche Kredit wird nicht erschüttert, wenn die Arbeiterschaft ihre Lohnhöhe behauptet oder steigert—, ober er leidet, wenn das Scharfmochertum schwer« und lange krisenhafte Kämpfe provoziert. Die Behauptung, daß die Stärkung des deutschen Kredits im Ausland eine Lohnherabsetzung erfordere, ist Volkswirtschaft- sicher Unsinn. Man weiß im Ausland so gut wie die Schars- wacher selbst, daß Lohnherabsetzungen das denkbar ungeeignetste Mittel zur Belebung der Wirtschaftskrise sind. Der Versuch, für den brutalen Angriff des Uitzernehmeriums Sympathien mit der verlogenen Spekulation auf die deutsch« Wirt- schaftsnot zu erwecken, ist durchsichtig genug. Die Scharfmacher, die mit ihrem Angriff die wirtschaftliche und politische Krise verschärfen, sollten es unterlassen, vom deutsche» Kredit zft reden; denn sie sind seine gefährlichste» Feinde! Prügelpädagoge vor Gericht Ln(Struveshof scheint etwas faul zu fein- Die gestohlenen �50 Mark Geprügelt wird nach Oienstschluß ..-Und vor allen Dingen mochte ich betonen, daß ich dem Zeugen gar nicht als Erzieher gegenüber gestanden habe. Mein Dienst war schon seit sieben Uhr aus. Ich Hab« chn mir nur rufen lassen, weil ich von ihm privat erfahren wollte, ob er noch einen Komplicen bei dem Diebstahl gehabt hatte, ich wollte bloß als Mensch zu Mensch mit ihn: sprechen!" So verteidigt sich der Auge- klagte schon in seiner Schilderung der Tat, die ihn heute vor das Potsdamer Schöffengericht gebracht hat; denn die Aussprache von Mensch zu Mensch endete nämlich damit, daß cherr Wilhelm Rübe den heute als Nebenkläger zugelassenen Fursorgezögling so verbleute, daß dem die Nase blutete, er tagelang mit blauen Augen herumlief und ihm die ijose zerrissen war. Wer ist Herr Wilhelm Rübe? Herr Wilhelm Rübe ist Erzieher in Struveshof, und sein Werdegang ist folgender: Er erwarb sich die Obersekundareif« eines Realgymnasiums, besuchte eine Fach- schule für Maschinenbau, arbeitete ein Jahr praktisch, wurde abgc- baut, war eineinhalb Jahr arbeitslos und wurde dann Er- zieher in Struveshof. Von irgendeiner pädagogischen oder psych»- logischen Vorschulung war also bei diesem jungen Mann, der zur Zeit seiner Anstellung 23 Jahre zählte, nicht die Rede. Vier Jahre war er in Struveshof, dann ereignete sich der Vorfall, der ihn heute auf die Anklagebank gebracht hat. lind dies das Vorspiel dazu: Der Fürsorgezögllng S. halte ihm aus seiner Stube im September 150 Mark entwendet, dann war er aus der Anstalt entwichen. Bald hatte man K. wieder cingcfangen, drei Monate hatte er in Untersuchungshaft gesessen, war abgeurteilt worden und wurde dann Ende Januar wieder nach Struveshof eingeliefert. Zwei Tage danach ließ ihn Herr Rübe nach dem Abendbrot durch einen anderen Fürsorgezögling auffordern, zu ihm in sein Zimmer zu kommen. Als K. das Zimmer betreten hatte, wurde er von Rübe in schroffem Ton zur Rede gestellt und bald darauf ins Gesicht geschlagen: eine Flucht war dem Zögling nicht möglich: denn vorsorglicherweije hatte der Herr Erzieher den Vierkant, der die Tür öffnete, vorher abgezogen. Die Szene war nicht ohne Zeugen, denn Rübe hatte noch zwei Jungen seiner eigenen„Familie" zu dieser„Unterredung von Mensch'zu Mensch" zugezogen— vielleicht um Schutz, vieaeicht um Zeugen zu haben. Denn auch die beiden Jungen werden außer dem Nebenkläger heute hier vernommen. Nun ergeben sich bei der Schllderung der Prügelszcn« naturgemäß einige Differenzen, denn die beiden Jungen behaupten im Gegensatz zu dem Nebenkläger, der Angeklagt« habe nicht mit der geballten Faust, sondern„nur" mit der flachen Hand zugeschlagen. Aber selbst dem schärfsten Ausfragen des Staatsanwalts gelingt es nicht, aus ihnen eine Unterstützung der Angaben des Angeklagten herauszuziehen, der behauptet, der Nebenkläger habe ihn durch höhnisches und freches Benehmen gereizt. Alle Zöglinge, die im Zimmer und auf dem Korridor Zeugen der Szene wurden, wissen nichts anderes, als daß sich der Geprügelte in seinen Angaben einige Male widersprochen, daß er Wiedergutmachung des Scliadens angeboten und daß er um Erbarmen gebettelt hat... Aber über den Ersolg dieser„Aussprache" sagen zwei Erzieher gleichlautend aus, daß der Zögling so zugerichtet in seine eigene„Familie" ge- kommen sei, wie es oben beschrieben wurde. Und ein anderer Zögling, der von dem Erzieher dem Nebenkläger am gleichen Abend gegenübergestellt wurde, sagt aus, daß er auch„eine Backpfeife ab- gekriegt hat"— weil K. ihn in seiner Angst der Teilnahme an dem Diebstahl bezichtigt hatte. Ein Verteidiger war wirklich nicht nötig Soweit der Tatbestand: interessaiüer ober als der ist die Art, in der von dem Gericht dieser Fall angepackt wird. Der An- geklagte, der sich keinen Verteidiger nahm, hotte vollkommen recht. Hier war ein Verteidiger durchaus überflüssig, denn das Gericht tat sei» Bestes, um ihn zu verteidigen. Mit allen Mitteln wurde versucht, den Nebenkläger zu belasten: kranipfhaft versuchte der Staatsanwalt, einen Zeitunterschied herauszuschinden, der es mög- [ich erscheinen ließe, daß der Nebenkläger sich selbst einige der Verletzungen beigebracht haben kömite— es mißlingt- es läßt sich auch bei schärfstem Ausfragen der Zeugen nicht feststellen, daß der Nebenkläger den Angeklagten irgendwie gereizt hat. Er hatte ihn be stöhlen— aber vor Monaten-, er hatte chn flehentlich um Verzeihung gebeten und Wiedergutmachung angeboten, er hat sogar schon zehn Mark abgezahlt. Das Ge'richt hielt dem Angeklagten die Tatsache zugute, daß der Herr Erzieher, dem im Dienst das Schlagen verboten ist, gewissenhaft genug war, den Zögling erst um halb neun zu verpriigeln: um sieben wäre es noch»ine„Körperverletzung im Amte" gewesen, so aber stellt sogar der Staatsanwalt nur Antrag aus§ 223. einfache Korperverletzung. und das Gericht ermäßigt in seinem Urteil noch erheblich das von ihm beantragte Strafmaß: statt zu 2IX> Mark verurteilt es den Angeklagten nur zu IG) Mark Geldftrase! Verzweiflungstat einer Frau. Revolveranfchlog im Dienfizimmer. 3n seinem Dienstzimmer im Gebäude der preußischen Vau- und Jinonzditeflion in der Znvalidenslraße 51/52 wurde gestern ein Revolveranschlag aus den Vizepräsidenten Kähn verübt. Der Täterin, einer 35 Jahre alten Frau Mari« Laake, wurde die Waffe aus der Hand geschlagen, bevor sie einen Schuß abgeben konnte. Der Architekt Albert Vaake, der in der Passauer Straße 39 wohnt, war bei der Baudirektion beschäftigt. Er ist Kriegsteilnehmer gewesen und hat durch eine Schußverletzung eine Schwächung des Gehörs zurückbehalten. Als sein Leiden sich immer mehr bemerkbar machte, wurde er im März 1923 abgebaut. Er erhielt eine Ab- findung von 1300 M. W>e die Frau später angab, plante sie, sich von diesem Gelde ein kleines Geschäft einzurichten. Dagegen sträubte sich der Mann, der es nicht ertragen konnte, sich von seiner Frau ernähren zu lassen. Er richtete vielmehr ein selbständiges Bau- gcschäft ein, hatte damit aber nicht den gewünschten Erfolg, obwohl er nach Kräften arbeitete. Mehr und mehr geriet das Ehepaar in schwere wirtschaftliche Bedrängnis. In Briefen und Eingaben an die Finanzdirektion bat der Architekt, daß man ihn bei der Der- gebung von Aufträgen berücksichtigen möge. Als man ihm keine Beschäftigung zuteilte, wurde der Ton seiner Briefe beleidigend, und es kam sogar zu Prozessen. Di« Frau faßte schließlich einen ver- zweifelten Entschluß. Am Donnerstag vormittag verabschiedete sie sich von ihrem Manne und sagte ihm, daß sie nach der Invaliden- straße gehen und noch einmal vcrsucheu wolle, Hilfe zu bringen. In den ersten Nachmittagsstunden erschien Frau B. im Dienstzimmer des Vizepräsidenten Er war nicht anwesend. Sie ging nun die Treppe hinunter, um Erkundigungen einzuziehen und traf dabei den Präsidenten, der in Begleitung eines Polizeioberftcn a. D. war. Sie folgte beiden auf dem Fuße und betrat gleich nach ihnen das Dienst- zimmer wieder. Der Präsident, der die Mißhelligkeiten kannte, forderte Frau B. auf, das Zimmer zu verlassen. Statt dessen faßte die Frau in die Manteltasche, zog einen Revolver hervor und legte auf den Präsidenten an. Der Oberst sprang hinzu, schlug der Frau den Arm hoch und entriß chr den Revolver, ehe sie abdrücken tonnte. Die Polizei des 27. Reooiers wurde benachrichtigt und Ftyru B. festgenommen. Leim verhör gab die Frau an, daß sie in äußerster Verzweiflung zur Waffe gegriffen habe. In der wachsenden Not, in der. sie und ihr Mann sich befanden, verkauften sie Einrichtungsstücke, um sich wieder eine Weile über Wasser zu halten. In den letzten Tagen sei es so schlimm gewesen, daß sie nichts mehr zu essen litten. Den letzten Bittbrief an die Finanzdirektion hatte sie am 27. August ge- schrieben, aber kein« Antwort erhalten. Die Behörde hatte weitere Erörterungen wegen der schwebenden Beleidigungsprozesse abgelehnt. Der Architekt B., der von der Tat in Kenntnis gesetzt wurde, erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde van Bekannten in Obhut genommen. Friedensakademie in Berlin. Als Stresemann-Gedächtnis-Stifinng. Am Borabend von Stresemanns erstem Todestag wurde der Grundstein zu einer„Stresemann-Stiftung" in der Form einer griedensakademie gelegt, die ein Ausschuß von Persönlichkeiten der Wisienschaft, Wirtschaft und Politik konstituierte. Der Plan einer Friedensakademie wurde noch von Stresemann selbst, dem er kurz vor seinem Tode vorgetragen wurde, gebilligt und von feinem Amtsnachfolger Dr. Curtius übernommen, der bereits im Frühsommer in seiner Radiorede an das amerikanische Volk diese Friedensakademie als„Strcsemann-Gedächtnis-Stiftung" ankündigte. Seitdem haben die deutschen wie die amerikanischen Vorbcrcitun- gen zur Einsetzung von Ausschüssen geführt. Dem amerikanischen Komitee gehören neben Nicholas Murray Butler und dem Präsidenten der Germanistischen Gesellschaft in New Port der amc- rikonischc Botschafter in Berlin sowie die früheren Botschafter und alle Außenminister der Nachkriegszeit an. Die Friedensakademie wird in Berlin eingerichtet und wird in anderen Staaten national« Komitees sowie die großen Völkerrechtler als korrespondierende Mit- glieder haben. Ihre Aufgabe ist, als Forschungsinstitut alle Fragen und Zustände wissenschastlich zu klären und zu be- arbeiten, die den Frieden gefährden, und ebenso alle Mittel, die ihn sichern, und das so gewonnene Material der Politik und der Pädagogik zur Verfügung zu stellen. Das konstituierende Komitee hat die bisherigen Vorbereitungen genehmigt, einen Ausschuß zur Prüfung der vorgelegten Statuten einer Stresemann-Stiftung und der Friedensakademie eingesetzt und mit der Führung der weiteren Verhandlungen Prof. Dr. Iäckh beauftragt, der auch die Vorbereitungen eingeleitet hat. Die nächste Sitzung wird entsprechend dem Statut die Wahlen vornehmen. Ein Denkmal für Stresemann. Heute mittag um 12 Uhr fand aus dem Luisensiädtischen Friedhof in der Bergmannstruhe die feierliche Enthüllung des von Pro- fessor Lederer geschaffenen Denkmals für Gustav Strese- mann im Beisein der Mitglieder der Reichs- und Staatsregierunz und zahlreicher anderer Persönlichkeiten statt. Der Friedhos war für die Feier von 11 Uhr vcrinittags an abgesperrt, da es unmöglich schien, einen großen Kreis von Gästen in der Nähe der letzten Ruhestätte Stresemanns unter, zu- bringen. Trotzdem hatte sich«ine große Menschenmenge vor dem Friedhof eingefunden. Kurz vor 12 Uhr erschienen die Mitglieder der Reichsregierung unter Führung des Kanzlers, die Mitglieder der preußischen Regierung mit dem Ministerpräsidenten, Staats- fekretär Dr. Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten, zahlreiche Msiglieder des Reichstages, besonders der Deutschen Volkspartei, ferner die Geschäftsträger Frankreichs, Englands. Italiens und zahl- reiche andere Diplomaten. Dos Denkmal Professor Lederers ist eine Säule mit einer schweren Sandsteinwand dahinter, im Vordergrund steht«in niedriger Sarkophag, umgeben von Rasen, der eingefriedet asird vcn einem Eisenband, das auf Sandsteinkugeln ruht. Das Grabmal trägt mir die Worte„Gustav Stresemann". Im Namen des Reiches übergab Reichsinnenminister Wirth dem Pastor Augar feierlich das Denkmal, das in die Obhut der Luisen- städtischen Gemeinde gestellt wurde. Dr. Wirth hielt eine Erdenk. rede, in der er die Verdienste Stresemanns als Staatsmann würdigte., Gemeindewahlen in Oldenburg. Im Gebiet des Freistaates Oldenburg wird am 9. November, dem Revolution stog, die Neuwahler, der Stadt- und Gemaindevertretun- g c n durchgeführt werden. Die sozialdemokratischen Parteiinstonzen I>aben bereits olle Vorbereitungen getroffen, um cin Vordringen der nationalsozialistischen Seuche wirksam abzuwenden. Rache für die„Alte Töhle". Sechs Nationalsozialisten treffen sich an Wessels Grab. Unter der Anklage der gemeinschastlichen Körperverletzung mit Todesausgang haben sich heute sechs Rationalsoziali st en vor dem Schwurgericht III unter Vorsitz von Landgerichlsdirektor Dr. Friedmann zu verantworten. Obwohl die Angeklagten der Nationalsozialistischen Arbeiter- parte! angehören und der Plan zu dem Ueberfall, der mit dem Tode des Laubenkolanisten Franz Ras che k endete, am Grabe Horst Wessels besprochen worden ist, hat der Fäll nach außen— rein äußerlich— keinen pclitischen Hintergrund. Es handelt sich wohl um«inen Streit zwischen Laubenkolonisten. An- geklagt sind der Bäckergeselle Otto Aschenbrenner, der Ar- beiter Bruno Sta ender, der Bauarbeiter Erich Nimmert, der Kutscher Leonhard Diez, der Maler Edwin Win icke und der Transportarbeiter Gustav Ziebach, die sich sämtlich in Unter- sikchungshaft befinden. Der Schwiegervater Aschen brenners besitzt eine Laube in der Kolonie„Daheim" in Berlin-Nordend an der Blankenfelder Chaussee. Er war mit seinem Nachbarn Raschek verfeindet, und es war mehrfach zwischen ihnen zu Streitigkeiten gekommen. Aschen- brenncr wollte seinen Schwiegervater rächen und auch seine Frau, die Rascher beleidigt haben soll, indem er sie„alte Töhle" nannte. Da er sich aber nicht allein an Raschek heranwagte, suchte er Hilfe und sprach mit Staender, der sofort beresi war, mitzumachen und auch versprach, einige Parteifreunde mitzubringen. Auch Aschen- brenncr holte noch einige Freunde heran. Am 27. Juli trafen sich die sechs Angeklagten am Grabe vcn Horst Wessel und besprachen die Aussührung des Ueberfalls, der am nächsten Abend stattfinden sollte und zwar nach Schluß einer Kolonistenoersammlung. Bevor Ascheabrenner sich zu dem verabredeten Treffpunkt begab, zeigte er dem Angeklagten Nimmert ein feststehendes Meiser und gab ihm «inen Schlagring. Als Raschek mit seiner Frau aus dem Versammlungslokal herauskam, schlug ihm Staender mit der Faust ins Gesicht und Aschenbrenner und Nimmert stürzten sich auf ihn. Frau Raschek, die um Hilfe rief, wurde zurückgestoßen. Als dann Leute auf die Hilferufe herbeinahien, flohesi die Täter. Sie wurden aber bald festgenommen. Raschek lzatte eine Stichwunde im Rücken und ist an innerer Berblutung gestorben. Die An- klage nimmt an, daß Aschenbrenner gestochen hat. was er bestreitet. Er wird aber von anderen Angeklagten schwer belastet. Potsdamer Geheimprozeß geht weiter. Antrag auf Pressezulassung erneut abgelehnt. In der Verhandlung des Frenzel-Prozesses vor dem Potsdamer Landgericht wurde von der Verteidigung erneut der Antrag gestellt, nunmehr die Oeffentlichkeit zuzulassen, da ja Land- gerichtsdirektor Dr. H e l l w i g durch fein Abstcht,«inen amtlichen Bericht hierüber zu geben, anerkannt habe, daß die Oeffentlichkeit über diesen Prozeß unterrichtet werden müsse. Nach einer längere» Debatte, die sich hierüber entspann, erNärte Landgerichtsdireklor Dr. Hellwig, daß alle Angriffe, die in der Presse gegen ihn gerichtet worden seien, anihmabprallten. Das Gericht zog sich sodann zur Beratung zurück und kam wiederum zu einer Ablehnung des Antrages, so daß die presse für die gesamte Dauer des Prozesses ausgeschlossen bleibt. Es wurde sodann die Zeugenvernehmuno fortgesetzt, und zwar, wie wir hören, eine Reihe von Zeugen gehört, die aussagten, daß man durch das Fenster des Frenzelschen Hauses gesehen habe, daß sich der Angeklagte in mangelhaft bekleidetem Zustand« seinen Töchtern genährt habe und daß diese seine Annäherungsoersuche ob- gewehrt hätten. Die Nachbarsleute erklärten jedoch, daß man gar nicht von dem Nachbarhause in die Frenzelschen Wohnung sehen könne.— Dann wurde eine Reihe von Zeugen über die von den Gegnern Frenzels verbreiteten Gerüchte gehört. daß Frau Frenze! von den angeblichen Verschlungen ihres Mann?? gewußt habe. Die konkrete Aussage hierüber war aber nicht zu. erhalten, da die Zeugen das immer nur von anderen Personen gehört hatten. Voraussichtlich soll heute ein Lokcl- tennin in dem Frenzelschen Hause in Bornim statisinden, das in der Zwischenzeit verkauft worden ist. Vorkriegsstil. Die„EzardaSfürstin" im Admiralspalast. Ein« Operette für die bemitleidenswert Dummen und Berächt- lichen, die sich gehoben fühlen, wenn sie im Personenoerzeichnis«in paar hochadlige Namen lesen. Eine Aufführung für Leute, die Zeit haben, bis tief in den nächsten Morgen im Amüsiertheater zu sitzen. So lange dauert es, bis die Frag« geklärt ist, ob der Fürst Edwin Ronald von und zu Lippert-Weylersheim und seine Ezardasfürstin, der Reouestar Sylva Barescu,«in Paar w.'rden. Er heiratet— heiratet nicht— heiratet— heiratet nicht, so geht es 4/4 Stunden hin und her: die Problematik des Konfliktes zwischen Liebe und Standeschre wird gründlich ausgeschöpst. Mit einem Wart, eine Operette der schlimmsten Vorknegssarte, mit der lächerlichen Tragik, dem verlogenen Pathos und der unglückseligen Vorliebe für taktlose Situationen. Wobei zuzugeben ist, daß der Komponist Emmerich K a l m a n, sein Handwerk sicher beherrscht und gewissenhast be- trcut; ein Musiker, der Einfälle hat— er hätte wohl nicht nötig, die Wirkung eines Tanzsinales, unter dem Vorwand, ihn scherzhaft zu zitieren, mit dem Hochzeitsmarsch aus dem„Sommernachtstraum" zu bestreiten. Das Stlldurcheinandcr der Gattung wird noch vermehrt durch den Versuch, die alt« Sache reouemäßig zu modernisieren. Rita Georg, mit schönen Mitteln begabt, findet immerhin und hält den Stil ihrer Persönlichkeit. Aber es ist ein bißchen peinlich, wie der witzige Kabaresi- und Iargonkomiker Max Ehrlich gezwungen wird, Drama zu spielen und Oper zu singen. Von Hans Heinz B o l l m a n n ist nur eine hübsche Tenorstimme zu bemerken, Hans Albers tut mit seiner intensiven Lustigkeit viel, um die Lange- weil« zu bannen, die immer mehr um sich greift. Das Beste sind die revuemäßigen Zutaten. Da ist die Direktion Haller in ihrem Element, und sie hat in Ludwig Kainer einen künstlerischen Mitarbeiter von Phantasie und Geschmack. Ein paar ausländische Tanzattraktionen verfehlen nicht ihre Wirkung. Und Edith La- r a n d mit ihrem Orchester tut, ohne ihr Niveau zu verleugnen, das ihre, den Abend zu verlängern. Der Theaterzettel ist in drei Sprachen— deutsch, englisch, französisch— abgefaßt: man rechnet auf das feinste Berliner Publikum. Kein Zweifel, der Admirals- palast wird es sindcn. Jedes Publikum hat das Theater, das es »erdient.(Der Satz ist umkehrbar.) Klaus Pringsheirn. Gewitterwolken am Rhein. Mit dieser Ueberschrift brachte der ..Abend" am 1. Oktober einen Artikel, in dem das Mitglied der Rheinkommission, der Gewerkschoftssekretär B a l l e n g- Berlin als vom Gesamtverband delegiert bezeichnet wurde. Demgegenüber ist richtigzustellen, daß Balleng als Mitglied des Zentralvcr- bandcs der Maschinisten und Heizer seine Tätigkeit in der Rheinkommission ausübte, während B i r ck- Duisburg vom Gesamtoerband delegiert war. Wie uns derZentralverbandderMaschinistcnund Heizer weber berichtigend mitteilt, ist der von ihm abgeschlosiene Tarifvertrag für das Maschinen, und Heizpersonal nicht gekündigt worden. Die Regie«, ng von Ecuador zurückgelreteo. Wie aus Buenos Aires gerüchtweise oerlautet, ist die Regierung von Ecuador zurück- getreten. 60 Stunden Arbeit auf der Mole Deutsche Bauarbeiter in Dünkirchen Vei den Erweiterungsarbeiten im Ollsen von D u n k i r ch e n »erben u. a. auch eiwa 30 bis 40 deutsche-Facharbeiter beschäftigt. Die Lebenshaltungskosten sind in Dünkirchen nur wenig niedriger als in Deutschland, aber die Lohne reichen nicht im entferntesten an die heran, die in Deutschland für gleiche oder ähnliche Arbeiten gezahlt werden. So bekommt ein deutscher Zimmermann in Dünkirchen 5 Franken= 80 Pfennig Stundenlohn, während der Tariflohn für Zünmerer z. B. in Berlin 1,53 Mark die Stunde ist. Die Arbeitszeit beträgt 60 Stunden pro Woche. Die tägliche Arbeitszeit ist zehn Stunden ausschließlich Zs� Stunden für Pausen. Mit welchen Schwierigkeiten die Arbeiten verknüpft sind, ver- anschaulicht unser Bild. Auf der niedrigen Wand rechts neben der turmartigen Ramme arbeiten die Rammer. Genau so wie die etwa 5 Meter höhere linke Wand überflutet wird, werden' auch die Rammer, die auf der niedrigeren Wand arbeiten, vom Wasser oft überspült und total durchnäßt. Nur bei Springflut, die mit heftigen Stürmen verbunden ist. werden die Arbeiten vorübergehend eingestellt. Anfang September entgingen zwei Rammer nur mit knapper Mühe und Not dem Tode des Ertrinkens. Sie arbeiteten am äußersten Ende des Flutgebietes, wo die Flut so heftig war, daß die Ramme unterspült und umgeworfen wurde. Die beiden Rammer hielten sich zwei Stunden lang krampfhaft an der umgestürzten Ramme fest, die noch etwa einen Meter aus dem Wasserspiegel herousragte. Ein ihnen zu Hilfe kommendes französisches Rettungs- ( b o o t kenterte bei dem Versuch, die Leute an Land zu holen. ' So muhten die beiden Rammer in ihrer oerzweifelten Lage so lange ■ ausharren, bis die Flut wieder zurücktrat und ihnen den Weg zurück ans Land frei gab. Wir bringen dieses Beispiel lediglich deswegen, um zu zeigen, unter wie schwierigen Verhältnissen deutsche Arbeiter, um dem Schicksal der Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat zu entgehen, im Auslande ihr Brot verdienen. Und da sage noch jemand, ein großer Teil der deutschen Arbeiter gehe lieber stempeln, als sich Arbeit zu suchen. Zupiter und Sat»m retteten die Monarchie Mussolinis Sterndeuter sagt den Llntergang der Hitler-Partei voraus In der Umgebung Mussolinis ist eö längst kein Geheimnis mehr, daß der italienische lDiktator vor entscheidenden Staatsaktionen so gut einen A st r o l o g e» zu Rate zieht, wie einst der Unglück- liche Feldherr Walleustein seinen Seni. Der Seni Mussolinis ist ein Mailänder imineiis Roscoli, eine geheimnisvolle Persönlichkeit, von der man.sich erzählt, daß er wie der Diktator selbst aus dem Lehrerberuf hervorgegangen sei. Er soll den Duce schon gekannt haben, als Mussolini noch von der italienischen Polizei wegen seiner anarchistischen Umtriebe verfolgt wurde. Roscoli hat dem jetzigen Diktator während seines Züricher Exils wertvolle Freundschaftsdienste erwiesen: dort wußte sich Mussolini unter dem Decknamen Toni der Züricher Polizei eine Zeitlang zu entziehen— es ist dies eine wenig bekannte Episode aus der tumultuösen Vergangenheit des Duce, die noch grotesker annnuet, wenn man ersährt, daß sich Mussolini fast täglich in der Gesellschaft Erich Mühsam s befand, der damals seine anarchistische Prioatschule für einige Zeit von München nach Zürich verlegt Halle. Aber während Mussolini anarchistischen Verschwörungen und Umtrieben nachhing oder den Doktrinen Mühsams lauschte und das Leben eines Gehetzten führte, befaßte sich fein Landsmann Roscoli mit höherer Mathematik und mit A st r o l o g i e. Ob er schon da> »nals die Cäsarenlaufbahn des mir aller Well zerfallenen Freundes voraussah, ob er etwa gar den Bersehmten aus trübster Gegenwart einen Blick in die grandiose Zukunft tun ließ und so etwa in Mussolini die Wandlung'und Karriere mit herbeiführte, ist nicht bekannt geworden. Tatsache aber und ein offenes Geheimnis ist, daß dieser mit modernem, mit wissenschaftlichem Rüstzeug aus- gestattete Seni im Oktober 1922 vom Himmel ablesen muhte, ob der Marsch auf Rom Erfolg verspräche. Und erst als Roscoli erkundet hatte, daß Mars und Venus nicht in Opposition stehen, konnten sich die Schwarzhemden in Be- wegung setzen. In Rom gab es gleich eine peinliche Disferenz mit Seiner kleinen Majestät Vittoria Emanuele III, auszugleichen; denn der Duce. der da kam. sah und siegte, war sich durchaus nicht im klaren darüber, ob er seine ehemalige Sentenz:„Zwei fluchwürdige Worte gibt es in dem Vokabular aller Sprachen, das Wort Vaterland und das Wort König!" in ihrem zweiten Teil in die Praxis überführen oder aus dem Gedächtnis streichen sollte. Weder aus den Schivarz- hemden, noch aus dem Rutenbündel war die plötzlich so unaufschiebbar gewordene Entscheidung herauszupressen, aber in den>2 t e r n e n war die Alternative bereits entschieden: Roscoli brauchte nur fest- zustellen, daß ?uptier und Saturn mit den hespcriden in Einklang stehen und — die Monarchie war gerettet. Einmal an der Macht hatte der Duce noch manchen Strauß mit mächtigen Herren zu bestehen. Diese Herren saßen im Parlament und, nicht gewohnt, viel Federlesens zu machen, fragte der Diktator, der sich vom Schicksal so abhängig sühllc, wie einst Zeus von, Fatui», wie er die Frage Sein oder Nichtsein des Parlaments läsen sollte. Damals hielten sich Venus, Uranus, Saturn, Mars und Jupiter die Waagc und diese harmoiüsche Konstellation lieh es nicht ratsam erscheinen, mit der Parlamentsherrschaft radikal Schwß zu machen. Mussofrm gehorchte den Sternen, der zum Ersten in Rom Gewordene gehorchte dem kleinen Mailänder Roscoli und dem Parlament wurde ein Scheindasein gewährt. Es war Mussolini schon bald heschiedc», mit mächtigeren Herren als es die Deputierten Amcndola, Don Sturzo, Turati usw. waren, aneinander zu geraten. Bei Korfu lzaitc seine Flotte olles andere als Lorbeeren gcerntet— nach einer sechsstündigen Kanonade waren zwei Dutzend Kinder erschossen, die Insel kapitulierte und wurde besetzt. Da erschienen grollend Lloyd George und Poincarä auf dem Plan und der Duce wäre mit seinem diploma- tischen Latein am End« gewesen, wäre die Rettung nicht abermals von den Sternen gekommen. Seni-Ro?coli wies kriegerischen Abenteuern wenig günstige Aspekte nach, Mors war verdeckt von Bega, dem sanftesten aller Sterne, und somit Mussolinis größte Stund«: die Errichtung des erträumten Imperium Romanum noch nicht gekommen.— Der Duce steckte das Schwert ein, der Korfioter Zwischenfall war erledigt. Viele Sorger» belasteten das Haupt des Diktators, die quälendste aber war der alte Streit mit dem Vatikan. Hier, so sagte sich der Realpolitiker Mussolini von allem Ansang an. übersteigen die Schwierigkelleu allen Menscheuwitz und alle Staatskunst. Dennoch wagte er sich auch an diese Aufgabe, ermuntert von dem günstigen Horoskop feines Mailänder Freundes und Sehers. Und siehe, so einträchtig wie die Sterne am Ende des Korfioter Konflikts gestanden, so einträchtig standen sie wieder zusammen! Da wurden im Palazzo Chigi die Lateranverträge gebaut und einige Monate später Halle der Diktator den bösen Fehler von 1870 ausgetilgt. Da Mussolini einen fast leidenschaftlichen An- teil am Geschick und an der Geschichte Deutschlands nimmt, ist es kein Wunder, daß Roscoli auch bezüglich Deutschlands schon oft die Sterne befragen mußt« und mehrere Horoskope auf- gestellt hat. Das letzte nun— vor ungefähr einem halben Jahr er- stellt— soll Mussolini geradezu bestürzt habe». Es ist auch be- stimmend geworden für die in letzter Zeit geübte Zurückhaltung gegenüber der faschistischen Bewegung in Deutschland, die Mussolini — im Gegensatz zu den jüngst bekanntgegebenen Beteuerungen— durchaus wohlwollend oerfolgt und der er größte Chancen von dem Augenblick un gegeben hatte, als sie sich von General Ludendorff trennte. Und auch das wird durchaus nicht als Geheimnis behütet, daß der Duce für den ehemaligen Frontsoldaten Adolf Hitler Sympathien empfindet, ja: in ihm seinen deutschen Doppel- gänger sah. Und es ist nicht uninteressant, daß Mussolini seine In- formationen über Hitler und sein Sotdatentum aus einer Quelle bezog, die weitest links in Deutschland zu suchen ist, und die sich nie anders als voller Anerkennung für seine Bravour im Kriege äußerte. Auch Hitlers organisatorische Fähigkeiten weiß Mussolini zu schätzen, so kritisch er sonst auch der 5)itlerschei, politischen Linien- führung gegenübersteht. Wie auch bekannt ist. daß Mussolini den Antisemitismus schroff verurteilt. Wieder ist es Roscoli, der die Haltung Mussolinis Ijiller gegenüber bestimmt: seine Prognosen, die er Deutschland, dem sogenanntes dritten Reich, der von Hitler angestrebten Revolution stellt, sind von düsterstem Pessimismus erfüllt. Mar» sieht Roscoli in Opposition zur Venus. Saturn in Opposition zu Jupiter.— während die deutschen Rationalisten glauben, ihr Ziel zu erkämpsen! Aber Roscoli begnügt sich durchaus nicht mit der bloßen Fixierung dieser Gcstirnskonstellation, er verbindet damit ein« fast ins Detail gehende Schilderung vom Ablauf des Verhängnisses, das anfangs 1331 unblutig beginnt, aber ein Ende mit Schrecken nimmt. Di« ehemaligen deutschen Dynastien spielen dabei so gut wie keine Rolle, mit Ausnahme der Wittelsbacher, die ihr Land vor den Greueln des Bürgerkrieges zu bewahren wüßten, der dagegen im Westen mit allen Schrecken wüten werde. Hitler werde von Rivalen aus dem militärischen Lager um all« Früchte gebracht, diese selbst aber wären uneins unter sich und nicht imstande, anfangs errungene Teilerfolge festzuhalten. Deutschlands Zerfall(im Sinne des drillen Reichs) sei dos Ende, die Einmischung ehemaliger Feinde unvermeidlich! So Roscoli, der astrologische Berater Mussolinis. auf den der Duce schwört und der wie keiner seiner politischen Ge- treuen und Berater das Ohr des Mannes hat, der ein Vierzig- Millionenvolk nach seinen, nach faschistischen Maximen unumschränkt regiert. Oer erste Frost. Die Regenmassen, die im September heruntergehen, haben die — fast immer eintretende— üble Folge, daß eine starke Ab- kilhlung eintritt, die sich bis zum ersten Nachtfrost steigert. Wer mit Laube oder Scholle im Umkreise von Berlin begnadet ist, wird wiederholt die Beobachtung gemacht haben, daß Ende September, Anfang Oktober, solche Fröste auftreten— mal schon am 26. Sep- tembcr— mal, wie diesmal, in den ersten Oktobernächien. Gurken, Bohnen, Tomaten, dann Dahlien und Astern sind die Opfer dieser Kältewellen. In der Tat kann man von„Wellen" sprechen— ein Teil des Landes, der offen liegt, wird in Mitleidenschaft gezogen, ein anderer, dem eine Mauer oder Hecke Schutz gewährt, bleibt ver- schont. Hin ist hin— so seufzt der durch den Frost Geschädigte. Was nützt es ihm, daß nach der kurzen kalten Zeit nod) oft Wochen angenehmer Hcrbstwärme sich einstellen. In der letzten Nacht waren Behäller mit Wasser von dünner Eisschicht überzogen — der beste Beweis, daß das Weiß des Grases, des Holzes und Glases, an dem das Auge sich am frühen Mergen entzücken kann. nicht auf..R e i f" zurückzuführen ist. Der Nachtfrost ist glücklicher. weis« nicht stark genug, um Kartoffeln und die anderen Hockfrüch-e zu gefährden— ober es ist ein Signal, daß das Land von den Früchten zu entleeren ist. Eine Kontrollkommission? Ein schwachsinniger Aenchierstalter der„Noten Fahne". Das kommunistische Organ bringt heute wieder einen üblichen Spitzclbericht über die Funktionärkonferenz der Sozialdemokratie. Sie überschreibt ihn dreispaltig:„Kontrollkommission für Bezirksvor- stand" und behauptet, daß ein dahingehender Vorschlag gemacht worden sei. Wie jeder Teilnehmer der Versammlung weiß, ist k e i n solcher Vor- schlag gemacht worden, vielmehr hat Genosse P a l m e r nur die An- regung gemacht,«ine Kommission zur Reorganisation des Bezirks- Vorstandes einzusetzen. Die Redaktion der„Roten Fahne" kann die Richtigkeit ihrer Behauptung ebenso wenig beweisen, wie Pieck vor Gericht hie Richtig- keit des ihm zugesteckten Materials beweisen konnte. Man muß vielmehr annehmen, daß ein Schwachsinniger sich hier zwar nicht als Polizei-, sondern als„Rote-Fahnc"-Spitzel betätigt hat. Neger in Ekstase. Ein schwarzer Prophet christianisiert. King B i d 0 r, einen Regisseur von Weltruf, drängte sein eigenes Wellen, die Arbeit seines Lebens zu schaffen. Er drehte den Negerfilm„H a l l e l u s a h", der im Mozart-Saal seine deutsche Uraufführung erlebte. Ueber etliche der angestaunten Werke King Bibors geht höchstwahrscheinlich die Zeit hinweg, diese Ton- silmreportoge aber wird wichtigstes Zeitdokument bleibem Der Held des Films, wirr gemacht durch eine Dirne, verspielt im Hafenviertel den Erlös der Baumwollernte. Doch büßt er nicht nur das Geld cin. für das seine ganze Familie monatelang schwer arbeitete, er verliert bei der folgenden wüsten Schlägerei auch seinen Bruder. Ueberwältigt von Schmerz und Reue wird er Wander- predigen Das Volk strömt ihm zu. er ist«in berühmter Prophet, bis die kleine Dirne wieder auf der Bildfläche erscheint. Er heiratet sie, sie betrügt ihn. er tötet sie und seinen Nebenbuhler. Heimgekehrt aus dem Zuchthaus, findet er endlich Frieden im Schoß seiner Familie. Die Welt ist anders, als wir sie wünschen und fremde Völker sind schwerer zu verstehen, als mir sllr gewöhnlich glauben. Gerade dieser religiöse Taumel, in den die Neger verfallen, ist uns mesens- fremd. Sie beten und geraten in derartige Berzückunge», daß sie nur ein Kübel Wasser wieder in die Gegenwart zurückrufen kann. Hin und wieder wird ein gestelltes Bild benutzt, aber King Vidor, der seine Jugend unter Negern verbrachte, läßt immer den Neger selbst zu uns sprechen. So stehen die Neger vor uns, frcmm und selbstgerecht, groß in der Liebe, starr und rachsüchtig im 5>nß. hemmungslos in mannigfacher Leidenschast. Diese primitiven Menschen werden vor unseren Augen zu Ungeheuern der Gefühls- stärke. Und wie die Neger tanzen! Ein klein wenig anders, als das Zkurfürftendammpublikum nach Negermusik strampelt. Beim Neger ist der Tanz der Ausdruck seines explosiven Temperaments, er gebraucht die lärmende Musik nicht als Anreiz, um die eigene Blasiert- heit zu durchbrechen. Die Schauspieler Daniel Haynes und Nina Mae M.1 c K i n n e y vollbringen ganz große Leistungen. Wunderbar ist Fanny Belle De K night als Mammy. Wenn sie, Im Schaukelstuhl sitzend, ihre Kinder in den Schlaf singt, wird ihre Darstellung zum Lob aller Mütterlichkeit. Eine prächtige Gestalt ist Harry Gray als Bater Johnson und nicht minder wirkungsvoll ist die Misiy Rose der B i c t 0 r i a S p i v e y, die mit seltsam schönen Augen alle Vorgänge beobachtet und dos Unheil vor- ausahnt.>'<* Es gehört Mut dazu, einen sclchen Film herauszubringen. Dieses Mutes müssen wir uns hier unbedingt freuen. e. l>. Reichswehrsperre gegen Filme. Die Firma Path6 wieder zugelassen. Der amerikanischen Firma P a t h e, International Corporation, New Port, ist der Nachweis gelungen, daß sie für die Herstellung des antideutschen Films„Abenteuer im Schützengraben" (Shell Socket) nicht verantwortlich ist. Der beanstandete Film, der in Prag aufgeführt wurde, ist nicht von Pathe, wie in der Zensur- karte angegeben, sondern von der amerikanischen Firma Ehristie Comcldies, New Port, hergestellt. Der Reichswehrminister hat deshalb die Ausschließung der Filmwochenschau Pathe News von der Berichterstattung über die Reichswehr aufgehoben. Tagung der sozialistischen Lehrer. Die Arbeitsge in einschastsozialdemokrati scher Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands veranstaltet am Sonnabend, dem 11. Oktober. 10 Uhr, in Braun schweig im Wilhelmsgaiten, Wilhelmstraße, die Reichsausschußtagung, die sich sowohl mit der schulpolttischen Lage als auch mit organi- satorischen Fragen zu beschäftigen lzaben wird Am 12. Oktober, 10 Uhr, finoet die E r z i e h« r t a g u n g, ebenfalls in Braunschweig im Wilhelmsgarten, Wilhelmstraße, statt, die satzungegemäß alle zwei Jahre veranstaltet wird, und auf der der Reichsvorsitzende der Arbeitsgemcinschast, Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. Kurt Löwenstein, das Referat über:„Die sozialistische Erziehung als gesellschaftliche For- derung der Gegenwart halten wird. Zu dieser Tagung sind alle porteigenösssschen Lehrer und Erzieher eingeladen. Die Verunglimpsungen, die die neuen braun- ichwoigischen Regierungsparteien(Deutschnationale und Rational- sozialistin) gegen die marxistische Kultur verbreiten, werden am besten und positiv durch die Braunschweiger Erziehertagung wider- legt werden. Die Beteiligung an der Erziehertagung ist un- entgeltlich. Auch interessiene Parteigenossen sowie Sympa- thiesierende sind zu d>eser Tagung zugelassen. Wegen Beschassunq von Quartieren wendet man sich an: Herrn Lchrcr Heina Brandes, Braunschweig, Wittckindstraße 4. Empfang im Schiaß. Das Hundertjahrjubiläum der Berliner Museen wurde gestern abend durö»«inen Empfang geschlossen, den die preußische Staoizregierung im Berliner Schloß veranstaltete. Ungefähr alles, ivas in Berlin für Kunst und Kunstsammlungen Interesse hat, war geladen und erschienen. Gegen 1000 Gäste bc- wegtcn sich im Weißen Saal und tafelten in den anliegenden Räumen des Schloßmuseums. Musikaufführungen von Mitgliedern des Sinfonieorchesters der Berliner Schutzpolizei unter Leitung des Polizeimeisters Hermann Richter belebten die Stimnrung. Ansprachen wurden nicht gehallen. Das Ganze erinnerte in seiner zwanglosen Form und im Charakter der Geladenen an jene unver- gcßlichen Abende, die zu Ebcxts Zeiten in den Räumen des Reichs- präsidialpa/ais regelmäßig stattfanden. Amerikanische Stiftung für die deutsche Dergo mon-Forschunq. Aus Anlaß der Eröfjnuug des neuen Pergamon-Museums find von einam ungenannten Deutsch. Amerikaner 50 000 M für die weitere Erforschung und Erhaltung der Altertümer zu Pergomon gestiftet worden. Vie Ivelsenschatz-Ausslellung ul de-. Deutschen Eejcltschatt IStl, Echadow- ftratzc 7, muh am 4. anstatt um 19 Uhr bereits um 18 Uhr geschlo'icn werden. Vom S. an ist sie wieder von 10 bi» 19 Uhr geöffnet. Kampf dem Llnfallteufel Kritik des Baugewerksbundes am Arbeitsgerichtsgefeh Z�rankfuri a. M., 2. Oktober.(Eigenbericht.) eier Generalversammlung des Baugewerksbundcs übte Se< fn.ur Peter Rosenzweig-Berlin in einem Referat über Arbeitsrecht scharte Kritik an dem Arbeitsgerichtsgesetz. Der Grundgedanke des Gesetzes, die Versahren zu beschleunigen, sei bisher ungenügend erfüllt. Der Referent gab eine Uebersicht über die Rechts- schutztätigkeit des Verbandes und wandte sich gegen die Versuche des Reichsarbeitsgerichts, Arbeitnehmer für das Betriebsrisiko mit ver- antwortlich zu machen. Wie richtig der Referent Rosenzweig die Schäden aufzeigte, bewies die Diskussion. Es wurden sehr viele klagen über die soziale Rechtsprechung laut. Der Bundesvorsitzende Bernhard unterstrich die Bedeutung des Arbeiterrechts für die Bauarbeiter. Für die gewerkschaftliche Alltagsarbeit hätten die tariflichen Instanzen grohc Wichtigkeit. Wenn wir mit der Schlichtungskommission unzufrieden seien, so deshalb, weil dort auf der Unternehmerseite der berühmte Syndikus sein Un- wesen treibt. Vertragstreue fei notwendig: aber wenn es sich um einen Angriff auf den Menschen im Arbeiter handle, werden wir mit allen gewerkschaftlichen Mitteln das Recht des Menschen verteidigen. Es gelangte eine C n t s ch li e ß u n g zur Annahme, die folgenden Wortlaut hat: „Der Bundestag stellt mit Bedauern fest, daß die Rechtsprechung sich mehr und mehr von den in der Reichsverfassunz und in den arbeitsrechtlichcn Gesetzen niedergelegten Grundsätzen entfernt. Das Rcichsorbeitsgericht hat bedauerlicherweise unter Annahme einer in der kapitalistischen Wirtschaftsform nicht vorhandenen Be- Iriebsverbundcnheit das Betriebsrisiko vom Unternehmer auf den rechtsuchenden Arbeiter abgewälzt. Damit hat die höchste arbcitsgerichtliche Instanz dem Abbau der Tariflöhne die Weg« geebnet. Einzelne Entscheidungen über den Geltungsbereich der baugewerblichen Tarife wirken sich aus als unberechtigte Einbrüche in das autonome Tarifrecht der bau- gewerbliche» Vertragsparteien. Der Bundestag erwartet, daß man sich in der Rechtsprechung wieder darauf besinnt, daß das Ziel des Arbeitsrechts die Forderung der sozialen Freiheit des arbeilenden Menschen ist. Der Bundestag stellt fest, daß diz Durchsllhrung eines Prozesses vor dem Arbeitsgerichtbiszum Reichsarbeitsgericht regelmäßig mehr als ein Jahr in Anspruch nimmt. Er ersucht die Reichsregierung, auf eine Beschleunigung des Verfahrens vor den arbeitsgerichtlichcn Instanzen hinzuwirken. Nach amtlichen Feststellungen haben im Jahre l9A von insgesamt 527 Arbeitsgerichten 100, im Jahre 1928= 108 weniger als 50 Streitfälle erledigt. Die Herabsetzung der Zahl der Arbeits- g c r i ch t e, namentlich in Süddeutschland, hält der Bundes- tag für dringend erforderlich, weil dadurch die Einheit- lichkeit der Rechtsprechung gefördert und der Gang des Verfahrens beschleunigt würde." Zur Gesetzgebung wurde eine Entschließung angenommen, worin es heißt: „Der Bundestag erwartet, daß das künftige Berufsousbildungsgefeh den Normen des Reichs- und Landesrechts entspricht. Der§ III des Arbeitsgerichtsgefetzes, der den rechtsuchenden Lehrling an einen bei der Innung zu errichtenden Ausschuß verweist, bedeutet einen prozessualen Ausnahmezustand. Die Aushebung des 8 III hall der Bundestag für dringend er- forderlich. Angesichts der Tatsache, daß den Bauarbeitern jährlich Hunderttausende von Mark an Lohn verloren gehen, ersucht der Bundestag die Reichsregierung um beschleunigte gesetzgeberische Maß- nahmen zur Sicherung der Bauarbeiterlöhne bei zahlungsfähigen Unternehmern. Eine Aenderung des Z 77 des Gerichtskostengesetzes dahingehend, daß in Arbeitsgerichtsprozessen obsiegende Arbeitnehmer als Zweilfchuldner von der Tragung der Gerichtskosten befreit werden, hält der Bundestag für dringend erforderlich. Den Vauarbeiterfchuh behandelt« W ü st- Berlin. Er untersuchte zunächst die Ursachen der vielen Bauunfälle und sieht sie in der Ver- kürzung der Bauzeit, der Einführung der Maschinen im Baugewerbe und in der Akkordzeit. Die grundsätzlich« Forderung, die Kon- trolleure aus den Kreisen der Arbeiter zu ent- nehmen, werde nur wenig beachtet. Scharf wandte sich der Referent dagegen, daß Gerüste in Akkord ausgestellt werden, wie das besonders noch in Berlin geschieht. Hastig auf- gestellte Gerüste vergrößerten die Unfallgefahr. Die Parole für jeden Bauarbeiter müsse in erster Linie Sicherheit sein. Der interessante Vortrag wurde durch zahlreiche Lichtbilder ergänzt, in denen un mangelhaften Gerüsten gezeigt wurde, wie durch sie Un- fälle hcroorgcrusen, an modernen Gerüsten aber nachgewiesen wurde, wie Bauunfällen vorgebeugt werden kann. Vorsitzender Bernhard gab dann noch Kenntnis von einem Schreiben des Reichsarbeitsministeriums, das vom 29. September datiert und der Bundesleiturig von Berlin nach Frank- furt nachgeschickt wurde. Das Ministerium dankt für die Einladung, bedauert aber, ihr nicht Folge leisten zu können. Es fei auch nicht möglich gewesen, einen Vertreter zu entsenden. Der Borsitzende be- merkt dazu, es sei ausfällig, daß das Ministerium erst am 29. September sich über eine Einladung schlüssig würde, die scho« wochenlang in seinen Händen sei. Auf den von den Unter» n e h m e r n einberufenen Tagungen sei das Reichsarbeitsministerium stets vertreten gewesen. Die Bauarbeiter würden sich aber auch mit dieser Brüskierung abfinden. * Genosse Th. Thomas bittet uns ergänzend mitzuteilen, daß er sich nicht etwa grundsätzlich gegen die Arbeitszeitverkürzung täglich um eine halbe Stunde ausgesprochen, sondern nur darauf hingewiesen habe, daß in der Regel bei täglicher Verkürzung genau soviel gearbeitet wird wie zuvor: wenn dagegen 40 Stun- den an sünf Tagen gearbeitet wird, rritt eine wirkliche Verringerung der Arbeitsleistung ein. Konsumbesicheigungen finden Anklang. SonniacSbesuch von ZOlM) Personen in der KGV. Während am ersten Sonntag an den Besichtigungen der konsumgenossenschaftlichen Zentrolanlagen in Lichtenberg, Ritlergut- straße 16/30, 2000 Teilnehmer gezählt wurden, erhöht« sich die Besucherzahl am zweiten Sonntag(28. September) auf 3000 Personen, so daß innerhalb vier Stunden 50 Führungen durch die konsumgenlsssenschasilichen Eigenbetriebe sich notwendig machten. Für den dritten Sonntag(5. Oktober) sind in erster Linie die Verbraucher des Nordens und Nordostcns von Berlin sowie der Bezirke Birkenwerdcr, Blankenburg, Buchholz, Hermsdori, Lübars, NiedeNchönhausen, Oranienburg, Pankow, Reinickendorf, Rosenthal und Waidmannslust eingeladen. Auf zahlreiche Anfragen hin wird mitgeteilt, daß die Mitglieder von Vereinigungen jeder Art sich geschlossen an den Besichtigungen beteiligen können, auch wenn die Mitglieder der Vereinigung in verschiedenen Gegenden Groß- Berlins'wohnen, jedoch ist vorherige schriftliche Anmeldung im Sekretariat der Genossenschast, Berlin-Lichtenbera, Rittergutstraße, erwünscht. Die Führungen beginnen um 9 Uhr vor- mittags: letzte Führung: mittags 12 Uhr. Ohne Umsteigen nach Ruhleben. Die Gleisbau, und Bahnhofsanlagen am Unlergrundbohnhof Stadion gehen ihrem Ende entgegen. Es wird jetzt damit be- gönnen, das Stellwerk einzubauen. Man rechnet damit, die neuen Anlagen bis zum Ende des Jahres fertigzustellen, so daß vor- aussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres ein durchgehender Zugverkehr der Schnsllbahnzügc nach Ruhleben ein- gerichtet werden kann. Dadurch wird das umständliche und zeit- raubende Umsteigen auf Bahnhof Stadion beseitigt. Wetter für Berlin: Zunehmende Bewölkung, westerer Tempe- ralurenanstieg, westliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Süden Fortdauer des beständigen und heiteren Wetters, in Mitteldeutschland Bewölkungszunahme, im Nordosten beständig. VcrautwortI wr iie Redaktion: W-Itgang Schwor,. B-rlin:«n,cig-n: Xt. Gladt, Berlin. Verla«: Vorwärt- Verla«<8. m. b. s.. Berlin. Druck: VorwSrt, Buch. druckerei und Bcrlagsanstalt T°ul ein«cr& Co.. Berlin£23 68, Lmdenltra�e 3. Hierzu 1 Beilage. Reste, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche Verkaurssclt 8—9 Uhr, Sonnabends 8-2 Uhr Kleidersterfa aller Art Mechanische Feinweberei Ad'ershof A.-G. Genossen! Unterstützt Eure eigenen Betrlehel Deckt Euren Bedarf a. Urnen u. Grabdenkmälern nur in der Steinmetzhütte, arb1.»!,0�- scfaulenwest« Kle£holz#lr,, gegenüber d. Krematorium. Tel: F 3. Oberspree 1685 Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß-Beriin. Diltoaul die Firma adilen. Sonntags oefltlnet. Heu eröffnet! berliner JUmM GßrlHaer Slrajie SS. 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Auf der schaukelnden flalltreppe des kleinen 4000-Toniien- Dampfers balancieren drei merkwürdige Gestalten in die chöhe� Jede von ihnen schleppt ein« riesige Zinnkiste auf dem Rücken, aus denen dick mit roter Farbe geschrieben steht: Excursion Brecht- Bergen. Die armen Kerle, in lächerlichen, an den Knien obge- schnittenen chosen und khakifarbigen Wollhcmden, verschwinden fast unter khrer Last. Doch kaum haben sie die Sachen oben abgestellt, so springen sie noch Zurücklassung einer Wache die Stufen wieder herunter und eilen aus eine großer« Gruppe zu. die ebenso komisch aussieht. Unter ihnen ist ein älterer Mann in einer Lederjacke, der einige Worte zu den Leuten sagt, worauf sie alle ein Bündel auf- setzen und ebenfalls aus das Zwischendeck des Dampfers steigen, der im Hafen von Konstantinopel zur Absohrt nach dem Schwarzen Meere bereit liegt. Diesen Eindruck müssen wir auf die staunenden Türken und Kleinasiaten gemacht haben, die unsere Eispickel und Gletscherseile mißtrauisch betrachteten und uns sicher für eine europäische Truppe mit ganz sonderbaren und geheimen Austrägen hielten. Dabei waren wir ganz harmlose Kerle, die eine Fahrt in das wllde Bergland Lasistan machen wollten und mindestens genau soviel Angst vor den berüchtigten Räubern und Blutrache nehmenden Eingeborenen hatten, wie diese vor uns. Borläufig waren wir ja noch unter dem Schutze der Zivilisation. Bor uns liegt ein gkoßer deutscher Dampser. der riesige Kisten mit Ford-Autos auslädt. Gegen nnttag verlassen wir Stonibul und fahren hinaus zum Bosporus, zur Pforte des„Pontus EuxinusT Uns war das Meer weniger günstig, als den Griechen, die ihm diesen schönen Namen gegeben haben, denn es regnete in vollen Strömen. In den Löchern des Zwischendecks war ein unbefchreib- lichcr Gestank. Frauen, Männer und Kinder lagen wild durch- einander. Wer Gepäck hatte, legte sich darauf, um es zu beschützen. Da konnten wir also kaum noch hinein. Doch auf Deck standen zwei Eisenbahnwagen, die zu einer neuen Strecke nach Angara geschafft werden sollten. Warum sollten wir darin nicht Platz nehmen. Wi� klettern also durch das Drohtgetaue hindurch, mit denen die Wagen verankert waren und schlüpften durchs Fenster einer nach dem anderen hinein. Den Protest eines Matrosen ignorierten wir einfach, indem wir uns stellten, als hätten wir keine Ahnung, was er von uns wollte. Im trüben Dunst des Regeirtages verschwanden die schlanken Minaretts und die breiten Kuppeln der Moscheen. Die sonnige Märchenstadt weint uns zum Abschied... An den Sommervillen der reichen Türken und den Befestigungs- werken dieser strategisch wichtigen Wasserstraße vorbei, schwimmt unser Kasten noch vollkommen ruhig durch die„Rinderfurt", durch die noch griechischem Mythus ein« Göttin als Kuh von Slfien nach Europa schwamm. Da meldet unser Ausguck die Brandung des Schwarzen Meeres. Mit dem Fernglas sehen wir die weiß« Gischt an den Felsen hoch- springen. Wie wird es uns in den engen Waggons ergehen? Dieselbe Befürchtung hatte wohl auch der Bootsmann, als er uns energisch aussorderte. die Eisenbahnwagen zu verlassen. Run, der Regen hatte ziemlich aufgehört und so placierten wir uns auf den Boden des Vorderdecks, den kommenden Stunden eines lebhaften Sturmes als ausgesprochene Landratten mit«orge ent- gogensehcnd. Doch es wurde nicht so schlimm. Die Bewegungsfreiheit und frische Luft an Deck hält uns lebendig. Wer nicht mehr anders kann. Ichm sich über die Reeling und opfert den Fischen... Da hilft nichts, auch nicht die Pillen gegen«eekrankhcit. die-m besonders Vorsichtiger genommen hatte. Selbst unseren eisernen Waggons schien dieses ewige Auf- und Absteigen zu viel zu werden, denn sie fingen an. verdächtig hin und her zu wackeln. Ein Glück daß wir nicht mehr darin saßen. Es wäre doch ein schmählicher Tod, aus- gerechnet m der Holzklasse elend im Meer zu versacken. Ganz so profan stell« ich mir meinen letzten Ruhetasten doch nicht vor. 9)ie SeeräuberfloUe Am nächsten Morgen liegen wir vor Jnepoli. strahlende Sonn« glüht über der Küste von Kleinasien. Dn ivaldige Berg- landjchasl mit zierlichen Holchäusern und großen Obst- und Gemüse- gärten entspricht durchaus nicht meine» Erwartungen�einer schreck- lichcn Wildnis. Ganz im Gegenteil überrascht uns die Sanftheit und Ausgcglichenheit des Bildes, das unserer Bergstraße ähnelt. Nur die Menschen, ihr Aussehen und ihre Kleidung«rinnern uns an dcn Orient. Jetzt kommt ein ganzes Geschwader kleiner Ruder- und Segel- boote auf uns zu. Es sind alte Kähne, breit gebaut, mit kurzen Enden, die in einer seltsamen Figur endigen.?cun kann man die Insassen erkennen: verwegen aussehende Kerle, die ihre ganze Kraft aufwenden müssen, um an uns heran zu kommen. Da legt sich das erste Boot an die Spitze unseres stolzen„Resid Pascha", ein verlumpter Gesell wirft ein Seil hinunter und flink klettern ein paar katzenartige Gestalten an Bord. Unter johlendem Geschrei rennen sie aus Deck herum, von allen Selten kommen jetzt noch ander« hinzu, und einer hat es eiliger als der andere. Scheinbar hat man es auf einen Ueberfall abgesehen: wir stellen uns in Kampsesstellung vor unsere Rucksäcke und Kisten. Richtig, stellt sich so em brauner, halbnackter Bursche in Position vor uns hin und deutet aus seinen Korb mit lebhaften Gebärden. Wir denken nichts anderes, als er will, daß wir unsere Sachen hineinlegen und sind uns noch nicht einig, was zu tun ist. Do hebt er den Deckel auf und kommt mit einer Melone und verschiedenen Obsttüten aus uns zu. Wir sehen uns dumm an und brechen in ein herzhaftes Gc- lichter aus, was er sehr übel nimmt und denkt, wir wollten ihn auslachen. Wir müssen ihn also durch einen großen Kauf wieder besänftigen und bald kaut jeder an einem 20 Zentimeter langen Stück der grünen Wassermelone. Das ganze Theater uird Gedränge war nur ein Kampf um die Kunden, dasselbe Lied in allen Landen... Erst jetzt wird die Treppe hinuntergelassen, die Passagiere drängen sich mit ihrem schweren Gepäck zu den Uebersetzbooten und diese wieder schlagen sich gegenseitig um den ersten Platz, denn niemand weiß, wieviel Leute hier aussteigen werden. Ich stehe staunend vor diesem Trubel und wundere mich, daß niemand dabei ins Wasser fällt. „2)ie Eile ist des Teufels", sagte unser Aga Bey in Konstanti- nopel. Das, was sich hier zeigt, ist die Parodie auf dieses türkische Sprichwort. Nie tdenvifche und der Nied Auf der Ladeluke, neben unserem improvisierten Nachtlager sitzen drei alte, ehrwürdige Derwische in Gebetsstellung und ver- neigen sich in rhythmischer Folge zwischen dem Murmeln ihrer Gebete. Hell leuchten die weißen Tücher um die dunklen Gesichter. Blutrot geht im Westen die Sonne unter. Das Meer färbt sich vom Grün des Tages in tiefes Blau, bis es schwarz wie Tinte wird. Wir legen uns auf die Planken, stellen rundherum das Gepäck auf und schauen in das Gewirr der Masten über unseren Köpfen. Wenn man den ganzen Tag aus Deck herumsitzt, so kommt in den lauen Sommernächten nur langsam der Schlaf. Zumal, wenn man in die glitzernde Sternenpracht einer Tropennacht sieht und ein Freund romantisch« Phantasien auf seiner Geige dazu spielt. Selbst der Offizier auf der Kommandobrücke ichaut aus uns Plebejer herab und hört sich das seltsame Abendkonzert an. Das Meer hat sich de- ruhigt. Wie durch traniges Oel gleitet unser Schiff geräuschlos durch das pechschwarze Wasser. Nur die Maschinen stampfen in ehernem Takt, Tag und Nacht. Bon meinem Beobachtungsplatz aus kann ich sehen, wie einer nach dem anderen von meinen Kameraden langsam einschläft, sich im Halbschlummer zudeckt und in die lebhaften Träume einer südlichen Nacht hinübersinkt. Jluf Wache Ich selbst muß noch zwei Stunden Wach« stehen, bis ich wieder abgelöst werde. Still in Gedanken versunken, starre ich in den dicken Rauch des Schornsteins, denke an die schwitzenden Trimmer an den Kohlenseuern und ein halbes Jahr zurück an die Zeit, als ich ebenso in der Glut des Maschinenraumes«in« Fahrt von New Port bis Hamburg schuftete. Plötzlich sehe ich, wie von der Kommandobrücke dos Borderdeck scharf beobachtet wird. Ich denke also, vielleicht hoben sie auf mich Verdacht und gehe rund um unser Lager auf und ab, um meine Wachtätigkeit zu demonstrieren. Neben uns schlafen schon lang« die sorglosen Derwische. Da schaltet sich von oben die helle Bcobachtungsläterne ein, ein Pfiff ertönt und den herbeieilenden Matrosen werden für mich un- verständliche Befehle gegeben. Sie gehen vorsichtig an das in großen Mengen heruinliegende Gepäck der anderen Passagier« heran und ziehen einen verlumpte» Soldaten darunter hervor. Es war einer der gefangenen Kurden, den ein Soldat in ein Gefängnis im Inneren des Landes überführen sollte. Wahrscheinlich hatte der Wachhabende den armen Kerl die Nacht über ohne Fesseln gelassen und dieser wollte die Gelegenheit benutzen, um sich vielleicht die Hilfsmittel für eine spätere Flucht zusammenzustehlen. Jetzt wurde er von den derben Matrosenhänden gepackt und daoongeschleift. Ganz verstört und verschlafen wankte der auf' passende Soldat mit aufgepflanztem Bajonett aus den unteren Räumen heran und hat wahrscheinlich einen derben Verweis für seine Gutmütigkeit einstecken müssen. Alles hotte sich ganz leise abgespielt, keiner hatte ein lautes Wort gesagt. Weiter zieht das Schiff seinen Weg durch die Nacht. Ich wecke meine Ablösung, erzähle ihm die Geschichte und liege noch lange wach in der Schwüle der seltsam erregten Nacht... Karl Möller. 8m verschollener und fein ftarockmärchen Weltbekannt sind die böhmischen Bäder Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Teplitz: völliger Vergessenheit anheimgesallen ist das Bad K u k u s in Ostböhmen, das um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert sestie glanzvollste Zeit erlebte. Prunkkarossen brachten Kurgäste aus oller Herren Länder. Nach dem Muster des fron- Zösischen Sonnenkönigs wußte Graf S p o r ck seinen Besitz mit kunst- vollen Gärten, Springbrunnen und Wasserkünsten aller Art nach dem damaligen Geschmack anziehend zu gestalten. Neben dem Bade- hau- stand das kleine stilvolle Schkoh. Eine breite Schloßtreppe, -!C 3>pr HiriflUHir SlreUer von kleinen Wasserfällen flankiert, führte zum Badeplatz herab. Standbilder der vier Jahreszeiten und ein steinerner Riese Poly- phem, der bei leisem Wmdhauch liebliche Musik zum Besten gab, zierten ihn. Ein Schauspielhaus für die italienische und die deutsche Oper wurde 1702 errichtet. Die Iogdkapellc, durch die das Waldhorn von Paris nach Deutschland eingeführt wurde, erlangte Weltnif. Der deutsche Dichter Christian Günther weilte hier mehrere Jahre und besang in endlosen Oden das„KutuSparadies". Ueber- haupt verstand Graf Svorck mit großem Geschick, hervorragende Baumeister, Bildhauer und Maler nach KukUs zu bringen. Bis zu ihrem Tode waren sie hier dai:«rnd beschäftigt, denw der Gras war von einer wahren B a u l e i d e n s ch a f t besessen. Theater, rauschende Feste, kostspielige Jagden, Vergnügungen aller Art bc- friedigten ihn aber auf die Dauer nicht. Seine tiefe Religiosität drängte ihn, große Büchereien anzulegen und eine eigene Druckerei zu errichten, aus der taufende Bücher religiösen und belehrenden Inhalts hervorgingen und unter die Bevölkerung verteilt wurden. Bald geriet er in Konflikt mit dcn Jesuiten, deren geschworener Feind er war. Hatte er doch als Erster dcn Freimaurerorden noch Böhmen gebracht. Jahrelange Rechtsstreitigkciten, in deren Verlauf Mtzlltz angeblich glaubensfeindliche Bücher beschlagnahmt und der Graf selbst in das Prager Gefängnis geschleppt wurde, endeten schließlich zu seinen Gunsten. Damals lieh er die gewaltige Statue des„Milcs Christianus"(des wahren christlichen Streiters), dessen gezücktes Schwert gegen das benachbarte Iesuitenklofter Schurz drohte, an der Grenze seines Besitze�, aufstellen. Dem Richter Neu- mann zum Spott errichtete er die Riesensigur des„Goliath". Dieser Goliath war niemand anderes als Neumann, der einen Rechtsstreit des Grafen ungebührlich lange hinausgezogen hatte. Als das Standbild entfernt werden sollte, ließ der Graf einen David mit der Schleuder daneben ausstellen und gab die Spottgestalt für dcn Goliath aus. Heute find die Badeanlagen samt Schloß und Garten längst verfallen. Aber die barocken Riesenfiguren sind stehen gcblicbcn und der Höhe gegenüber hat das edelste Werk des Grafen, die Stiftung Kukus, die Jahrhunderte überdauert. Noch heute ver- bringen hier hundert alte gebrechliche Leute des gräflichen Gebiets nach dem Willen des Stifters ihren Lebensabend. Breite, schwung- volle Steintreppen geleiten zur großen Terrasse, unter der die gc- wölbte Gruft den zierlichen barocken Steinbau der Kirche trägtz Hier, vor der Kirche und längs des Stiftsgebäudcs, schwingen und lächeln in barocker Grazie die zahlreichen Statuen, die der Tiroler Matthias Braun aus dem Stein gehauen hat. Selten ist der Geist des Barocks in einer solchen Fülle von belebten und bedeutungs- vollen Standbildern �n einem Ort vereinigt zu genießen! 84 Sta- tuen, links die„Tugenden", rechts die„Untugenden", in der Mitte die„Religion" und die„Acht Seligkeiten", endlich der„Engel des Lebens" und der„Engel des Todes" bringen graziöses Leben in diese Stiftung, deren Insassen in ihren plumpen Lodenjoppen steif und attoäterisch dagegen wirken. In der Kirche selbst fesseln die Altar- bildcr Peter Braudels, den der Graf aus Prag hierher berief. Zu den seltensten Ueberroschungen gehören die aus den ge- wachsen«» Felsen gehauenen Steinbilder in Neuwald«, ein« Stunde von Kukus.„Bethlehem" nannte der Graf diesen Aivdachtsort, zu dem er oft vo,, Kukus hinüberpilgert«. In die Felsenmauer sind Szenen aus der biblischen Geschichte cingomcihelt, wie die„An- kunst der heiligen drei Könige" und die„Jagd des heiligen Huber- tus". Aus dem Grün des Waldbodcns wächst da- barocke Rund des Iakobbrunncns, zwischen Fingerhut und Brombeerbüschen windet sich der verfolgte Emsiedler Garino über einem Totenkopf, Magdalena, weil über Lebensgröße, liegt büßend im Gras«. 1738 starb Gras Sporck. Sein Bater war ein Bauernjunge aus dem Westiälischcn, der von Hause weglies und in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zum Reichsgrafen und österreichischen Reitergeneral aufstieg. Vom Kaiser wurde er reich mit böhmischen Gütern beschenkt und sein Leben lang war das Kriegshandwerk seine liebste Beschäftigung. Noch heute leben die Nachkommen des Grafen Sporck in Kukus: sie zehren wie die anderen 100 Pfründner von der immerwährenden Stistting des ersten Freimaurers in Bäh- men, des Gasen Franz Anton von Sporck, dem Kukus feine glänz- vollsten Tage verdankt. DI. Krommer. -wyrizht 1930 by Frckelreiter-Verlag G. m. b. H., Haroburz-Berzedorl (40. Fortsetzung) Ich zittere wie im Schüttelfrost: ja, kommen wir denn überhaupt wieder? Und ahnen sie, die uns mit Blumen in die Schlacht schicken, daß— wir— nicht—wiederkommen werden? Kalte Schauer über. rieseln mich, und ich muß die Augen schließen.— Aber dann sehe ich wieder die Blumen: Astern, rote Astern und Georginen, des Jahres letzte Blumen. Ja, und wir? Sind wir nicht des Volkes letzte Blumen?... Vor mir, Hintsr mir schwanken die Blumen auf und ab an den Gewehrläusen, einig« fallen heraus und werden wieder aufgehoben, damit sie nicht zertreten werden. Die Helme sind mit Blumen umwunden, an den Brüsten zittern sie... Und immer muß ich an Adamczik denken, der hinter mir mar- schiert. Ich blicke mich wieder um. Er ist schneeweiß im Gesicht, rot, blutrot heben sich die Blumen davon ab. Er sagt nichts, nur ab und zu streichelt er mit der freien Hand die tränenüberströmten Gesichter seiner Mutter und seiner Frau. Sein Kind— man wird ihm er- zählen, wie sein Vater in den Krieg zog, achtzehnjährig... mit Blumen am Gewehr. Und wie ich beginne, aus dem Gesumm« der Stinnncn einzelne Worte zu unterscheiden, wie ich höre, daß Adamczik spricht, heiser vor Aufregung, abgehackt:„Na— nu Hab— dir man nicht so, Paula; det— dct kann doch nich—»ich mehr lang« dauern... ick schreib dir ooch jeden Tag— als ich im ungeheuren Durst nach den lltzten Wassern des Lebens alle Stimmen noch einmal in mich auf- nehmen will,-- da sind wir an der Ecke der Straße, die nach dem Bahnhos abzweigt, angekommen,... und in der Sonne sehe ich den Tambourstab blijzen... Brennender Haß steigt in mir hoch, ich greife nach den Patronentaschen... ich möchte inein Gewehr laden und auf die Musik da vorne schießen. Sie können uns nicht in Ruhe lassen, nicht einmal unseren letzten Weg lassen sie uns allein, stören sie uns.„Verflucht" brülle ich heraus, so daß Kalbfleisch vor mir sich erstaunt umsieht und Kilb meinen Ann preßt... Rasselnd und kreischend setzen die Trommeln und Pfeien ein... die Locke ertönt... und dann ichmettern und brüllen die Blech- instrumente los: Muß i denn, muß i denn zu— um Städtel« hinaus ... Städtele hinaus... u— und du mein Schatz bleibst hier.. wenn i komm, wenn i komm, wenn i wieder wieder komm, wieder wieder komm... kehr i ei», mein Schatz, bei dir... Unermüdlich schmettern, klingen, dröhnen und pfeifen sie vorne. Wir gehen wie auf einem Schulausslug... das Lieben bringt gro— oß Freud... da— as wissen olle Leut'... Lustig, Käme- raden, lustig! Warum singt ihr denn nicht auf diesem schönen Aus- flug?! Sie lassen uns nicht in Ruhe, sie lassen uns nicht in Ruh«... sie jagen die letzten Gedanken aus uns heraus... das ist ja schließlich auch der Sinn der Sache... nur nicht denken... Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,— lieb' Vaterland, magst ruhig sein... Fest steht und treu die Wacht, die Wascht am Rhei— ei— n. Ich fasse mich an den Kops... verflucht— wollen sie denn nicht endlich einmal aushören?... Nehmt doch wenigstens die Blumen aus den Gewehren heraus... Blumen gehören doch nicht in einen Gewehrlauf... Die Straße nach dem Bahnhof ist lang. Fenster öffnen sich... ein Äontorhaus ist da, aus dem winken Mädchen mit weihen Annen. Ach, macht doch die Fenster zu, ihr Gänse!... Ihr locht noch? Weil wir in den Tod marschieren?!... Aus anderen Fenstern ober blicken ernste, traurige Gesichter. Ich sehe sie wie durch einen Nebel. Si« nicken und sind erstarrt ihm Ausdruck... Haben sie früher wohl auch ausziehenden Männern und Söhnen zngelacht? Und dann sind vielleicht Briefe zurück- gekommen?:„Gefallen bei..." Und weiter marschieren wir: trumm trumm trumm trumni trumm trumm trumm... an Läden vorbei... davor stehen lange Schlangen von Frauen, Kindern und Kriegskrüppeln. Niemand von ihnen lacht: si« werden wohl den Hauch des Todes, der von unseren neuen Uniformen ausgeht, spüren, -- von unseren neuen Uniformen und den Blumen am Gewehr... Ganz dicht marschieren wir an solch einer Menschenschlangc vor- bei... da sehe ich, wie Taschentücher an die Augen geführt werden, sie weinen... alte Frauen nicken mit den Köpfen und sehen uns mit ihren wissenden Greisengesichtern nach... Wie all wir sind, Groß- mutier?... Achtzehn Jahre, Großmutter.---„Ach diese jungen, jungen Menschen, das sind ja alles noch die halben Kinder", höre ich eine Stimm« aus der Kette heraus... sie schneidet mitten durch mich hindurch... Und die Sonne scheint und das Pflaster glänzt... die roten Blumen leuchten... ich hole tiei Luft, ich rücke meinen Tornister hoch, nach einmal und noch einmal... verdammt schlver wird er schon... ich atme nach einmal tief aus, mit großen Augen blicke ich jetzt um mich. Ich will noch einmal alles in mich aufnehmen. Bald werden unsere Augen trübe und eingefallen sein von anderen Bildern. Ich will mal in den Himmel schauen. So... das beruhigt... Die Wolken segeln vorbei. Plötzlich habe ich un- geheure Sehnsucht, mitzufliegen. Ich schaue und schaue in die Wolken und höre nur mehr wie aus der Ferne die scheußliche Musik dort vorne... Und wie ich, losgelöst aus Sekunden»an unserem furchtbaren Schicksal, meine Sehnsucht schweben lasse, da fühl« ich etwas Weiches und Warmes in meiner linken Hand. Ich blicke nieder: da sehe ich in ein liebliches Kindergcsicht, in das Antlitz eines kleinen Mädchens. Es mag fünf Jahr« alt sein. Unbefangen, lächelnd schairt es zu mir herauf, zeigt seine Grübchen in den Wangen. Blonde Wuschelhaara umrahmen das Köpfchen. Und es drängt seine Händchen zwischen meine Finger und läßt si« nicht mehr los, trippelt«isrig neben mir her. plaudert und plaudert, und was es spricht, ich höre es kaum. Ich lausch« nur der Stimm«, die mir so unendlich wohltut: denn wie lange ist es her, daß ich eine Kinderstimme hörte, eine Stimme, die mich nicht anschrie und anbrüllte... Di« Stimm« klingt mir wie Musik... und ich weiß nicht, wie es kommt: ich muß plötzlich an meinen erschossenen Kameraden Hermann Lorenz und an sein sehn- süchtiges nächtliches Geigenspiel denken unter den Sternen von Döberitz... Wie eine silbern« Klingel schwingt das Stimmchen zu mir herauf. Und im linken Arm hält das Kind«ine Puppe,— und es erzählt mir von seiner Puppe: sie sei immer so sehr artig... Ach ja... und ihr Pap! sei auch im Krieg... ja, und er habe auch Läuse... Das Letztere sagt sie mit einem Unterton von Stolz,— ich blicke nieder und sehe, wie das Kind fröhlich dabei lächelt... ach, du liebes Kind: was weißt du von dieser schrecklichen Zeit, da man uns in die Schützengräben schickt... es lächelt weiter und streichelt seine Puppe dabei und erzählt und erzählt, klingend und mit lachendem Kindermund:... und morgen bekomine Mutti Rippen von der Freibank,— und dann könne Mutti sich mal wieder satt essen... Mutti weine immer, denn Papa habe so lange nicht geschrieben... Ja, lieber Soldat, und kommst du auch in den Krieg? Und schreibst du mir auch mal?--- Und dann fängt sie wieder von der Puppe an: sie heiß« Lieselotte,— es hört sich an, als sage sie:„Diese dotte"...„ja, und ich heiße auch Lieselotte, lieber Soldat..." Ich lausch« und lausche. Das Herz geht mir auf und Sonne flutet hinein. Fast vergesse ich, daß ich in den Krieg marschiere. Wie einen letzten Halt fasse ich die Kinderhand fester... ich möchte sie streicheln: aber es geht nicht: ich habe«in Gewehr in der anderen Hand. Das verfluchte Gewehr! Was soll es hier, wo ich eine klein«, warme Kinderhand liebkosen möchte?... Ich marschiere langsamer, die Kleine kann nicht mehr mit. Aber ich darf auch nicht zurückbleiben: denn mein Hintermann tritt mir schon auf die Hacken, weil ich den Marsch störe.-- Da nehme ich denn die Kleine auf den Arm, und Kilb nimmt mein Gewehr solange. Als ich ihn ansehe, hat er«in glückliches, verklärtes Lächeln in seinem harten Gesicht, er schiebt den.Helm etwas.zurück und sieht das Kind auf meinem Arm voll und seltsam an. Ja, lieber Kamerad: wir haben einen merkwürdigen Abschied!... Immer fühle ich die kleine zarte Kinderhand in meinen Fingern und nun kann ich sie auch streicheln. In letzter verzweifelter Sehn- sucht nach einer letzten Zärtlichkeit bringe ich mein Gesicht an die -Wangen des Kindes, und fühle dabei die seidenen Haare an meinen Augen... Wir wird so weh,— verflucht, nur nicht weinen jetzt. Die Kleine ist gar nicht bange: sie plaudert immer weiter und zeigt mir ihre Puppe genauer. Di« Puppe hat bewegliche Augen mit langen Wimpern, die senken sich über die blauen Glasaugen, wenn sie das Köpfchen zurücklegt: Ja, nun muß Püppchen schlafen.— Und die Kleine singt ein Wiegenliedchen:„Schlaf, mein Kindchen, schlaaaf.. O wie wild schlägt mein Herz gegen die Totenmarke, gegen die Totenmarke... Ich höre sck)on lang« nicht mehr die Musik dort vorne,— ich lausch« dem Kinderstimmchen, dem letzten Gruß der Menschlichkeit...„Eia popeia, was raschelt im Stroh... das sind die kleinen Entchcn, die haben keine Schuh.. Immer wieder streichle ich die kleine Hand und muß die aufquellenden Tränen niederschlucken.--- Plötzlich brummt Kilb neben mir, er räuspert sich dann. Ich seh« ihn an: er hat bittende Augen. Er sieht das Kind an und ich erkenne Kilbs Gesicht nicht wieder, dieses harte, stolze Rebellengesicht. Immer wieder schaut er das Kind an. Da nehm« ich ihm die Gewehre ab und gebe ihm das Kind in die Arme: „Hier, Karl, nimm es auch mal..." Ach, wie glücklich ist Kilbs Gesicht. Seine großen Hände fahren behutsam über das blonde Haar.(Fortsetzung folgt.) & Buch 3)ie junge Generation in Suropa Jung« Menschen haben über länder- und völkertrennende Grenzen hinaus Anschauungen und Ziele gemeinsam. Und da heure die Jugend mehr denn je das Schicksal Europas bestimmen wird. lohnt es, sich«ingehend mit ihr zu besaßen. Um den Eindruck zu vermeiden, daß es sich um ein bestimmtes Alter(vielmehr um eins neue Einstellung zu den Problemen von Gegenwart und Zukunft) handle, spricht Lic. Dr. 5) ans Hartmann allgemein von der jungen— hauptsächlich bürgerlichen— Generation in Europa(Der Neu« Geist Verlag Berlin 1930, HZ S.). Rußland schließt er als nicht eigentlich europäisch aus. Die Schrift zeigt die jeweils wesentlickzcn Züge der jungen Generation in den europäischen Ländern, versucht, si« zu deuten und mögliche Richtlinien zu geben. In Deutschand steht im Mittelpunkt der Weiterentwicklung bzw. ernst« Umwandlung der Jugendbewegung, der Kamps um den Sinn des bürgerlichen bündischen Gedankens, und die Politisierung der Jugend. In Frankreich, dem m. E. unverhältnismäßig viel Raum gewidmet ist, zeigen sich neu« Zielsetzungen bei der religiösen Jugend, den jungen Lehrern und der politischen Jugend. Während die erstgenannten sich immer mehr vom Chauvinismus fort links- demokratisch entwickeln, sind politisch die jungen Faschisten am besten organisiert. Die sozialistische Jugend ist zahlenmäßig gering(etwa «in Fünftel der deutschen SAI.), doch ist ihre Aktivität beachtens- wert, zumal eine hoffnungsvolle Völkerbundjugend neben ihr steht. Aehnliches gilt von der sozialistischen Jugend in England, die allmählich den traditionellen Konservatismus überwindet. Die eng« Verbindung von Mensch und Landschaft und die Belebung wert- vollen Volkstums zeigt deutliche Beziehungen zu den deutschen Neu- Pfadfindern(in England Rolf Gardiner). In den nordischen Län- dern, vor allem in Schweden, ist bei dem hohen Lebensstandard und der guten Volksbildung der Gegensatz zwischen alt und jung gering. Nur in Dänemark gibt es eine besonders rege sozialistische Jugend, die großen Einfluß auf die Partei hat. In Italien herrscht die staatlich organisierte Jugend in straffer Disziplin und deutlicher Vorzugsstellung im politischen Leben(nur durch die Iugendgruppcn kommt man in die allmächtige Partei). In einem Zwisch-'nkapitel werden kurz die Verhältnisse in Holland, der Schweiz, Oesterreich und Bulgarien erwähnt. Gemeinsam ist der europäischen Jugend ein« neu« Einstellung zum Denken, dem Diskutieren wird das Han- dein vorgezogen. Das bedingt in der Diskussion äußerste Sachlichkeit und damit größere Ausgeschlossenhcit und Achtung vor der Meinung des andere», auch des Gegners. Das Verhältnis zum Volkstum in weitestem Sinne ist verliest: Auf der einen Seite stehen hier die Richtungen, die mit H. G. Wells Europas Rettung nur nach Aer- schwinden der nationalen Ideologien für möglich halten, auf der anderen Seite der Faschismus. Sie sind, meint der Verfasser, im Grunde zwei Pole— der erneuernde und der konservative Ge- danke—, nicht absolut« Geoensätze, und so kann die Jugend-hier «ine grundsätzliche Verständigung herbeiführen. Das mag. wenn man an die Anrempeleien politisch extremer Jugend denkt, leicht utopisch erscheinen. Aber die so„aktiven" Jugendlichen gehören kaum zu den wertvollen Elementen der jungen Generation, und nur diese wird Hartmann meinen. Das Kriegs- und Friedensproblem, die koloniale und soziale Frage stehen, wie Tagungen zeigen, im Mittelpunkt, um wesentlich anders als früher gelöst zu werden. Daneben die kulturell ja wichtige Frage der Lebensgemeinschaft. Die lesenswerte Schrist zeichnet sich durch gründliche Kenntnis der Materie aus. Längen und Wiederholungen find nicht immer vermieden, und der Stil ist manchmal etwas philosophisch umstand- lich. Doch vergißt man die kleinen Mängel über dem InHoll. Be- achtenswert ist auch, daß bei aller Betonung des Verbindenden national individuelle Verschiedenheiten nicht übersehen werden, aus- gezeichnet die Gegenüberstellung deutschen und französischen- Denkens. Daß der Verfasser großes Interesse für religiöse Fragen hat, ist bei seiner Herkunft verständlich. vr. Joh. Jarislowsky. WAS DER TAG BRINGT auiiiuiiiiiumiiminmnmniuuiimiiniiiiinmiiinmiimniiwiiuiiHniiiiiimiiiitnuuiiuiuiaimnniniimimiuiiiiiiiniimiuiHiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiMiiiiuuiiiiiiuiiinniiiiiiiiiitiiiiiiKr Wie wird der Winter? Der Herbst dürfte kaum noch einmal«ine stärkere Erwärmung mit sich bringen. Bielmehr ist damit zu rechnen, daß er sehr rauh wird, im Ottober bereits die Witterung recht kalt werden und im November der Winter einsetzen wird. Nach den bisherigen Er- fahrungen ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß derselbe sehr streng sondern vielmehr ein regelrechter Regenwinter wird: denn nach der meteorologischen Statistik treten milde Winter immer gruppenweise auf, die dann von äußerst strengen, wie wir einen solchen vor zwei Jahren erlebten, abgelöst werden. Diese Voraussagen, die sich auf die bisherig« Gesetzmäßigkeit beziehen, werden noch unterstrichen durch die von dem der Franksurter Universität angegliederten Institut für langfristige Wettervorhersage mit Hilfe der Korrelations- rechnung aufgestellten Wetterprognosen, die ebenfalls einen snihen und rauhen Herbst ankündigen. Segelf lug mit Papierdrachen Der ISjnhrige Schlossergehilfe Hans Genfer aus Piesendorf bei Zell am See(Salzburg) hat mit seinem selbstgebauten Segel- slugzeug, 08 Kilogramm schwer, 5 Meter lang und 7 Meter Spann- weite, aus W e i ch h a l z zusammengenagelt und mit Packpapier überklebt, einen erfolgreichen Flugversuch unternominen. Er er- reichte eine Höh« von 250 Meter, eine Flugweite von 1500 Meter und ging im Gleitflug unbeschädigt nieder. Die Biber in Deutschland Der Biber, früher in Deutschland stark verbreitet und als Pelz- lieferant sehr geschätzt, ist in Deutschland nahezu aus- gestorben, und die wenigen Reste, die noch verblieben sind, stehen unter strengem Naturschutz. Die Zählnnp von 1929 ergab. daß in den Bibcrkotar.ien an der Elbe zwijchvn Schweidnitz und Mühlbcrg und an der M u l d e zwischen Dessau und Bitterseld 232 Altbiber und 31 Jung bi leer leben. Die geringe Vermehrung erklärt sick) durch die starke Inzucht. Jetzt versucht man. den Biber in Farmen aufzuzüchten, und aus der ersten derartigen Forin bei Dinnies in Mecklenburg sind im vergangenen Jahr bereits zwei Iungbiber geboren worden. Man rechnet in diesem Jahre mit einer weiteren Lernrchrung von zirka 40 Jringbibern. Ein internationales Hochschulsanatorium soll in der Schweiz mit einein einmaligen Bundesbeitrag von 500 000 Schweizer Franken errichtet und die anderen Staaten zur Unterstützung ausgefordert werden. Ein Ferienjahr tür Lehrer Auf dem diesjährigen Kongreß der englischen Lehrerorganisatio- nen teilte der Vorsitzende mit. daß die Regierung aus Antrag ver- schiedencr Lehrerverbände den Plan erwäge, den voin Staat angestellten Lehrern der öffentlichen Schulen jeweils nach einer zehn- jährigen Dienstzeit«in Ferienjahr zu gewähren. Das Ferienjahr soll der Lehrer hauptsächlich sür ausgedehnt« Reisen außerhalb des Landes benutzen, um seinen Bildungskreis zu erweitern. Deutsche Zeitungen in Rußland Nach einer Mitteilung des„Zeitunzsverlags" erscheinen gegen- wärtig in der Sowjetunion 5 deutsche Blätter, darunter eine Tages- Zeitung und 6 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage van 00 000. Die Moskauer„Arbeit" Hot 10 000 Abonnenten.„Das neue Dorf" erscheint in Charkow(Ukraine) und in Pokrowsk die„Nachrichien" die die deutsche Wolga-Rcpublik versorgen, in der Deutsch Amts- spräche ist. Immer mit der Ruhe In Russisch-Assen scheint das staatliche Telegraphenwesen dos moderne Tempo noch nicht zu kennen. Die Sowjetpresse beklagt sich darüber, daß jetzt in einem Zeitpunkt, wo die Sorge um die Getreide- bereitstrllungcn schnellste Nachrichtenübermittlung besonders not- wendig macht, in den Telegrophenämtcrn van Taschkent und S t a l i n a b a d dringende Depeschen tagelang liegen bleiben, um dann„in oller Ruhe" erledigt zu werden. Film gegen Prohibition Ein sehr gefährliches Unternehmen plant die amerikanische Universal- Filmgesellschaft, die einen Film gegen die amerikanische Prohibition drehen will. Der Titel des neuen Wertes lautet de- zeichnend:«Sieh, Amerika dürsteil" Rasenspiele am Sonntag Arbeiter'Fufjball- Handball— Hockey Der kommende Sonntag bringt in allen Fußballklassen und Bezirken Hochkonjunktur. Di» K r e i s k l a s s c ist allein mit vier Spielen beschäftigt. In Weißensee im Stadion am Faulens«« stehen sich der dortige Fußballklub und Trebbin gegenüber. Die Trebbiner haben erst am letzten Sonntag gezeigt, daß sie zu den spielstarksten Mannschaften der Kreisklasse gehören, trotzdem sollte Weißensee auf eigenem Platz den Sieger stellen. Außerdem treffen sich Woltersdorf und Hertha in Woltersdorf bei Luckenwald«, Brandenburg und Luckenwalde III in Brandenburg, Luckenwalde II und Luckenwalde I in der Hetzheide in Luckenwalde. Hoppegarten spiest gegen Obersprce in Alt-Landsbcrg. Eiche-Köpenick gegen Union 28 in Köpenick, Grünauer Straße am Kanal. Wacker-Storkow erhält den Besuch von Britz 88. Neukölln-Britz spielt gegen Herz- selde. Strausberg gegen Borussia. Im zweiten Bezirk hat der Meisterschaftsanwärter Karow gegen Eintracht in Reinickendorf, Scharnweberstraß«, einen schweren Stand. Saxonia erwartet in der Schönhauser Allee die Fußballer aus Lychen. Vorwärts-Wedding spielt gegen Freie Scholle, Schönow gegen Pankow, Ast-Ranft gegen Freienwalde, Schiffmühle gegen Öderberg, Käthen gegen Schwedt, Neuenhagen gegen Niederfinow, Wansdorf gegen Freie Scholle, Weißensee 2 gegen Templin, Vor- wäris-Wedding 2 gegen Pankow 2, Ali-Ranft 2 gegen Freienwalde 2, Käthen 2 gegen Oderberg 1, Ast-Glietzen 1 gegen Neuenhagcn 2. 3. B a z i r k: Butab gegen Potsdam, Nowawes gegen Rathenow 1, Nauen gegen Werder, Sokol gegen Spandau, Kladow gegen Wilmersdorf, Ieserich gegen Ketzin, Altbensdorf gegen Premnitz. 4. Bezirk: Ruhlsdorf gegen Friedenau, Luckenwalde 2 gegen Luckenwalde Schöneberg gegen Teltow, Treuenbrietzen gegen Nie- niegk, Jüterbog gegen Brück. 2. Mannschaften: Eiche gegen 5)«rzfelde, Lichtenberg 2 gegen Kagel 1, Hoppegarten gegen Oberspree, Schöneberg gegen Minerva 28, Wacker-Storkow gegen Britz 88, Neukölln-Britz gegen Osten, Spandau gegen Ketzin, Grebs gegen Charlottenburg, Kladow gegen Knoblauch, Nowawes gegen Rathenow 1, Potsdam gegen Drewitz, Butab gegen Wilmersdorf, Nauen gegen Werder, Ketzin gegen Spandau, Ieserich gegen Fohrde. Beginn der Spiele: 1. Männermannschaften 16 Uhr, 2. Männermannschaften 14.15 Uhr. Vormittags finden auf allen Plätzen Spiel« der Jugendmannschaften statt. VMLndUocxJUL' Der kommende Sonntag sieht in der A r b e i t e r- H a n d b a l l- bewegung den Beginn der serienspiele vor. Im vorigen Jahre spiellen die 8 Mannschaften der 1. Klasse in einer Gnippe. Durch die Hinzunahme der vier Bezirksmeister sind es jetzt 12 Mann- schasten, die die kommend« Serie in 2 Gruppen zu je 6 Mann- fchasten bestreiten. In der Abteilung A spielen FTGB.-Wedding 1, Eiche- Köpenick. FTGB.-Osten,' Freie Turnerschast-Vetten, Eintracht- Mahlsdorf und FTGB.-Nordnng-Turner. Die Abteilung B ist von folgenden Mannschaften besetzt: Freie Turnerschaft Hennigs- dcrf. Freie Sportvereinigung Schöneberg, FTGB.-Süden, FTGB.- Webding 2, FTGB.-Neukölln und Freie Turn- und Sportvereins gung Nowawes. Die neuhinzugekommenen Mannschaften find: Mal�sdarf. Nordring. Nowawes und Neukölln. Die Beteiligung hat sich gegenüber der Frühjahrsserie um die Hälfte vermehrt, es sind jetzt 160 aJIannfchaftcn gegen 102; sie verteilen sich auf 105 Männermannschaften. 28 Frauen- und 27 Jugendmannschasten. Erfreulich ist die starke Vermehrung der Provinzmannschasten. So konnte eine eigene Eber-walder Gruppe gebildet werden. Ardeiter-Hockey Am kommenden Sonntag, dem letzten freien Tag vor den Serienspielen, findet ein umfangreiches Gastspielprogramm der Hockeyvereine des 1. Kreises im Arbeiier-Turn. und Sportbund statt. Auswärtige Gäste und zwar die Leipziger Amateure sind beim Bezirk Neukölln-der freien Turnerschaft Groh-Berlin. Das Hauptspiel der 1. Mannschaften findet von 16 bis 17.30 Uhr im Neuköllner Stadion, Platz 7. statt. Borher die 2. und die Frauen- Mannschaften. Die Leipziger sind immer gern gesehene Gäste, die auch vom Spiel etwas verstehen. Der Bezirk Ostring und Marien- darf treffen sich in Mariendorf-Volkspark: 1. Mannschaften um 15.30 bis 17 Uhr, 2. und 3, Mannschaften vorher. Der Athletik- Sportklub spielt mit zwei Mannschaften gegen Nordring der Freien Turnerschaft Groh-Berlin um 15.30 bis 17 Uhr in der Schönhauser Alle«, untere Mannschaften vorher. Tennisrvt 1. und Pankow 1. der Freien Turnerschaft Groß-Berlin spielen um 13.30 bis 15 Uhr auf dem Platz in der Laskerstraße, vorher die Frauen beider Vereine, sowie Tennisrot 2. und Sportverein Moabit 2. Bilanz des Wassersportlers , Schön wars doch!' Bei diesem ewig grauen Himmel und dem täglich rieselnden Naß muß auch dem größten Optimisten die Erkenntnis kommen: Es ist vorbei mit dem Sommer. Ach, wie schön war doch früher solch ein Sommer! Und jetzt: Jahr für Jahr wird es schlimmer! Da hat man sich nun mit Hängen und Würgen so ein Wasservehikel angeschafft, hat sich jahrelang nicht das geringste Vergnügen gegönnt, läuft wochentags und auch Sonntags mit demselben Anzug herum und wo man nun des Sommers Freuden so richtig auskosten wollte, da war von einem Sommer nichts zu spüren. Was haben wir Wassersportler schon gehabt von diesem Sommer? Als der Weihnachtsbaum noch in der Stube stand, träumte man schon vom kommenden Frühling und Sommer. Oh, wie man genießen wollte! Das Programm war schon für das ganze Jahr festgelegt. Aber meistens kommt es ja anders!... Schon im Februar � ging die Arbeit am Boot los. Anstatt hinter dem warmen Ofen zu sitzen und«in gutes Buch zu lesen, schob man jeden Sonntag schon in aller Frühe hinaus zum Boots- Haus, bepackt mit einem riesigen Bündel. Beim„Farbenfritzen" wurde das gesparte Geld angelegt für Lack und Farbe, für Firnis und Terpentin, für Schleifkorken und Zieklingen, für Pinsel, Stahl- späne, Sandpapier und wer weiß was noch mehr. Jeden Sonn- tag wurde dann geschuftet von früh bis spät. Knapp daß man Zeit hatte, zu Mittag zu essen, das Mutter herausgebracht hatte. Es ist eine bittere Wahrheit: Den Wassersportlern geht es so wie den taubenkolonisten: Im Winter sind sie ganz allein auf sich angewiesen, aber im so- genannten Sommer, da merkt man erst, wie viele Freunde, Be- kannte und Verwandte man hat. Und wie sah man abends aus? Die Hände voller Schwielen oder Blasen, der Kittel, den man schon vorsichtigerweise angezogen hatte, sah aus, als ob ein Maler darin eine Vierzimmerwohnung renoviert hätte. Und, eigentümlich, daß gerade Lack, Farbe, Benzin, Terpentin und wie diese flecken- erzeugenden Dinge alle heißen, es immer auf Hemd und Hofe abgesehen hatten! Aber ohne Murren und Zagen wurde weiter geschliffen und gewienert, lackiert und wieder lackiert. Und dann: Mit der.verklärten Miene des Zufriedenen betrachtete man fein Werk. Jeder wollte doch in des Worte» wahrster Bedeutung mit \{f seinem Fahrzeug„glänzen". Schließlich wurde man gerade so so fertig. Dann kam das Anpaddeln,-rudern,-segeln oder-kurbeln, das zum Teil schon ins Wasser fiel. Dann etwas später, als die Sonne ab und zu einmal herauskam— war das ein Betrieb auf dem Wasser in diesem Jahre! Knapp, daß man sich glücklich hindurch- schlängeln konnte. Und was sollte man alles wissen, um„zünftig" zu sein, die Wasserstraßenpolizeiverordnung hat es wirklich in sich! Ein paar Sonntage im Juni waren herrlich. Da schlugen die Herzen der Sportler höher: das wird aber ein Sommer werden! Mittlerweile rückten die Ferien heran, die man natürlich auf eigenem Kiel verbrachte, die aber bei den meisten infolge des Regenwetters nur Aerger und Verdruß brachten. Na, und dann die Schleusen. Wer die Dinger bloß'erfunden hat. Da gab es so manche Schramme. Bei der Rückkehr in den Heimatlichen Hafen war von der ganzen Mühe im Frühjahr fast nicksts mehr zu sehen. Zu den Regatten wurde noch einmal gewienert, um Eindruck zu schinde». Glücklich handete man trotz allen Trainings unter „ferner liefen". Aber das schadet ja nichts. Wir treiben ja keine Rekordhascherei! Zu guter Letzt blieben noch ein paar Sonntage übrig, die entweder veregneten, oder, wenn sie ipal schön nwmi, die User unserer märkischen Flüsse und Seen in wahre Ameisen- Hausen verwandelten. Wenn män sich dann so den Sonntag über seine Art erholt hatte, mußte auch schon rechtzeitig an die Heimfahrt gedacht werden. Wer von den Wassersoprtlern kann davon- kein Lied singen? So ein Gedränge hätte kein Mensch für möglich gehalten. Da schimpfte der Paddler und Ruderer aus den Segler, der wieder auf die Ruderer und Paddler— alle drei Fakultäten sielen dann gemeinsam über die Motorkutscher her, die- mtt ihren Benzinkästen das Wasser aufwühlten. Im großen und ganzen waren sich aber doch alle einig in der Ansicht, daß Sonntags die Berufsschiffahrt ruhen müsse. Es ist tatsächlich ein Wunder, daß trotz des Riesenbetriebes nicht mehr Unfälle auf dem Wasier vor- gekommen sind. Aber schließlich haben ja auch die Wassersahrer ein bißchen Disziplin im Leibe— Von der eigentlichen„Ruhe" auf unseren märkischen Ge- «°----- v.rwc„ Z /C." I<ÖLLNISCHERi dunkelblJj',t®•' � N 2 U R "nierc be*ShruVe°!!fo!nmgarn' s P O ft r- � M '"odern«�* A NZu pen■ ur und Striß/zu, 8cfüttc"- *u'ragen M. f,schmarkt HERREN- ÜNG h -'WLMA! Linter 3U.S HiugnutJr-.VL ST er WauWndinthreJ? � C O 4 wässem und ihren verschwiegen«« llfern. merkten doch nur etwas die Faltbootfahrer, die sich mit ihren Booten in die entlegensten Winkel verkriechen konnten. Allerdings hatten die dafür des Abends bei der cheimfahrt in der Bahn um so größeren Aerger mit ihrem riesigen Gepäck. Ja, ja, wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten! So verlief Sonntag um Sonntag ohne wesentlichen Programm- Wechsel, und ehe man es sich versah, war der„schöne" Sommer vorbei.... Nun wird es bald Zeit, den Kahn in den Winterstand zu bringen, und dann wird wieder auf den nächsten Sommer ge- wagtet. Im frühesten Frühjahr sängt dasselbe Lied wieder von vorn an. und so geht es Iahr um Iahr! Das Wasser übt doch eine ungeheure Wirkung auf uns Menschenkinder aus. Wir begnügen uns nicht damit, von fern dem Spiel der Wellen zuzusehen, sondern wollen ihm möglichst nahe sein. Und wenn wir Wassersportler auch die wenigen Stunden, die uns zur Erholung bleiben, ziemlich teuer bezahlen müssen, so sagen wir trotz alledem: Schön war es doch! Schwerathletik Boxen und Ringen in Tegel* Di«„Freie Sportvereinigung Tegel 1899" veranstaltet heute abend im Strandschloß Tegel einen Ring- und Boxabend. Di« besten Berliner Arbeiterathleten gehen an den Start: im Reigen stellen die bundestreuen Bereine Sparta, Alt-Wedding, Tegel und Lichtenberg-Friedrichsfelde die stärksten Gegner zum Kam�s. Be° sonderes Interesse verdient die ausgezeichnete Paarung der Boxer. In langen Monaten haben sie große Fortschritt« gemacht: der heutige Elitetog verspricht ausgezeichneten Sport. Di« Kämpfe haben folgend« Zusammenstellung: Leichtgewicht: Pankk«(Tegel) gegen Gerbig(Saxonia), Leichtgewicht: Schröter(Tegel) gegen Zietlow(Saxonia), Weltergewicht: Hacker(Tegel) gegen Kwoczalla(Saxonia), Mittelgewicht: Lossang(Tegel) gegen Oesterreich(Alt-Wedding), Mittelgewicht: Jansen(Tegel) gegen Peters(Lichtenberg), Schwergewicht: Bierus(Tegel) gegen Reimers(Saxonia). Die Ringkämpfe beginnen um 20 Uhr, anschließend steigen die Boxer in den Ring. Jedem Anhänger der Schwerathletik wird hier «in ausgezeichnetes Programm geboten.» Der Mannschaftskompf im Ringen„S o p hia"- L ei p z i g gegen die„Freie Sportvereinigung Tegel" endete I mit einem Sieg der Leipziger 8:S. Di« Kämpfe km Bants m-, Fliegen-, Mittel- und Halbschwergewicht endeten in beiden Gängen mit einem Unentschieden. Im eMscheidenden Kampf der Schwer- gewichte, konnten die Tegler nur einen Ersatzmann stellen, der dem kampfstärkeren Leipziger die Punkte Überlossen mußte. Bis auf den letzten Platz war der große Saal des Leipziger Volkshauses an diesem Kanipfabend besetzt. * Der Endkampf um die Bundesmeisterschaft im Ge- wichtheben tragen am Sonntag, 12. Oktober, in Mannheim die beiden besten Mannschaften aus den Borkämpfen aus. Der mehrsache Meister.Lichtenberg-Friedrichsfelde 04" hat diesmal den Mannheimer Sportklub zum Gegner. Arheiic'äthadi! Bei der Freien Arbeiter-Schach-Dereinigung Groß-Berlin beginnen am S. Oktober die Mannschafts- t u r n i e r e. Es spielen: Gruppe A: Treptow— Neukölln bei Döhling, Elsenstr. 199: Wedding— Weißensee bei Herms, Müller- straße 26: Friedrichshain— Prenzlauer Berg bei Albrecht, Straß- mannstr. 42: Kreuzberg— Westend bei Krepp, Planufer 76. All« Resultate sind sofort an Hans Gerstenberger, Berlin N. 58, Raumerstratz« 23, zu senden. Gäste herzlich willkommen. Die Abteilung Prenzlauer Berg hat ihren Spielabend von Montag auf Donnerstag, ab 29 Uhr, bei Prohst, Stargarder Str. 19, verlegt. An jedem Spielobend finden Lehrkurse und Vorträge am Demonstrations- brett statt. Ein neues Luftfahrtgerat Auf dem Flugplatz Johannistal fanden gestern Versuch« mit einer neuen Erfindung statt, die es ermöglichen soll, mittels Zuhilfe- nähme kleiner Tragflächen, die an Armen und Beinen befestigt sind, und eines Gasballons nach allen Richtungen durch die Luft zu gehen. Ballonfahrer Arthur Baumgart führte diese Versuchs mit einem Gasballon aus und wird in einigen Tagen dieses neue Luftfahrt- gerät der Oeffentlichkeit zeigen. 25 Stunden 55 Minuten flog eine Vertreterin des„schwachen" Geschlechts, die Französin Madame Maryfe Basti«, auf einem beut- schen Klemm-Eindccker, der mit einem nur 49 starken Salmson- Sternmotor, luftgekühlt, ausgerüstet, ein ideales Sport- und Touristenflugzeug darstellt. Auch die beiden letzten Flugleistungen wurden von der Föderation Aeronautegue Internationale als inter- national« Welthöchstleistungen anerkannt. Sr»ß.B«rli», t. B. Borliantslstuin« Montag, 6. Skiober, 10 Uhr.— �unk!ionarocrsamml»nq Dicnstag, 7. Oktober, 30 Uhr. Beide®f schaftsstelle.(Slfoffct öttofte.— Äbt. Charwtienburg: 9. Oktober. 20 Uhr. bei Koffkc, Kaiserin-Augusta-Allee 81.— Ab!. Jiapcmrf; 11. Oktober, 30 Uhr, Heid«. schlößchcn, Achenbachstr. 1.— Abt. ssriedrichsbain: 9. Oktober, 20 Uhr, bei Rost. W-rncuchencr Ecke Elbinger Strohe.— Abt. Pren»lauer Berg: 9. Oktober. 20 Uhr, Sportrestourant Cantionstraßc.— Abt. Weihenfee: 13. Oktober bei Peters. Lichtenbcrgcr Str. 12.— Abt. Gesundbrunnen: Ab 2. Oktober jeb-ir Donnerstag 19'4 Uhr Tischtcnnisadetkd. Schule Pank. Ecke Wiesenstrahe. Ab» teilungssttzung 13 Oktober,.„stur Linde", Ufer. Ecke Rtartin.Lpist.Steaßc. ATE. Freitag, 3. Oktober, Zahrcshauptocrsammlung bei Lehnig?. MLHlen. Ecke Brommnbrücke. 1. tkrci» Schwimmcrspart«. Alle Groß. Berliner Bereise«ntsipiden Niti- »och, 8. Oktober, ihre Schwimmer der«lasse»um Ausschwimmqn nach dem Stadtbad Mitte. Fllr den am 9. Rooembcr in Magdeburg stattfindenden Städtekampf»mischen Leipzig-Magdeburg-Berlin in Magdeburg mllssqn die besten Schwimmer in folgenden Lagen ermittelt werden: Männer: Brustschwimmen 30. 100. 200 Meter: S-iteschwimmcn 100 Meter: Rückenschwimmen 100 Meter: Erawlschwimmcn 50, 100. 150, 200 Meter. Frauen: Brustschwimmen 100 Meter: Crowtschwimmen 100 Meter. Einlast 2014 Uhr, Sportabteilnng Rordrinq, FTGB. Heute Gnmnastikahend für Männer und Jugend, Turnhalle Grcifenhagcner ötr. 58, 20 Uhr. Lauftraining Dienstag, 20 Uhr. Turnhalle Ibfcnstcaste. Gäste willkommen. Proles, Verein sür«örpcrkultnr. Geschäftsstelle: Karl«icnbagim, SO. 35, Raunnnftr. 0. Alcrander 2533, Sonnabend, 11. Oktober. 1914 Uhr, Vereins. Versammlung hei Wollschläger, Adalbertstr. 21. Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr, beteiligen sich die„Allen" am zusammen turnen der Altersriege 1.«reis. Lalle Prin»rnstraste. Anlchlicstend im Eewcrkschaftshaus. Sonntag, 2«. Oktober, Lercinsriegeuvartie. Touristenocrein„Sic Ratnrfreunde-', Zentrale Wie». Freitag. Z. Oktober, 20 Uhr. Abt. Eharlottcnburg: Svrcistr. 30— Iugcndgrubvc Humboldthain I: Abendwandsrung.— Fal'bootabteilung: Brister Str. 27.— Abt. Brist: Chaussee. straste 30. Mir spielen im Heim.— Abt. Südost: Brister Str. 27.„Freidenker und Ra'urfreund."— Abt. Treptow: Elsenstr. Z.„Astronomisches."— Foto gemeinschaft Abt. Osten: Frankfurter Allee 307.— Sonnabend» 1. vktobe- Gruppe Prenzlauer Berg: Hirschbrunstfahrt in die Schorshelde. Tieffpunkr 20', Uhr Siettiner Fernbahnhof.— Montag, 3. Oktober, 20 Uhr. Fotoqcmci». schaft: Iohannisstr. 15.— Malgemeinschaft: Wrangelstr. 128.— Esperanto. Arbeitsgemeinschaft: Tilstter Str. 4. „Solidarität". Touren der Radfahrer Sonnabend und Sonntag, 1. und 5. Oktober. 1. Abt.: 4. Oktober Nachttour noch Isinstcrwalde. Start ll'-i Utr BAowstr. 53. 5. Ok'obcr Haveltour, Endziel Rackwlst, Start 13 Uhr Bülow straste 55.— 2. Abt.: 4. Oktober Luckenwalde— Hoher Golm. Start 17 ub' Dicsftnbgchstr. 30. 5. Oktober Reu-Dabendorf, Start 13 Uhr Dicsseubackstr. S — 3. Abt.: 5. Oktober Streifzügc Blumcn'hql, 7 Uhr: Sirschgarten.«ellerwa't bürg, 13 Uhr. Start Mariannenplast sFeucrwehrdenkmals.— Abt. Friedrich Hain: 4. Oktober Finow. Start 17 Uhr Petersburger PIgst. 3. Oktober Hirsch. garten) Keller. Start 14 Uhr Petersburger Plast.— 0. Abt.: 5. Okwb-r Birken. werder, Waldschlästchen, S'art 8 Uhr Kopenhagener Str. 17.— 9. Abt.: Ziuud. fahrt durch die Dubrow 6 Uhr: Rudow, Lindenwirtin, 13 Uhr. Start Trift- straste 03.— Rennfohrerabt. Mitte: 3, Oktober Start 3 Uhr Königstor— Abt Schöneberg: Iagdfchlost Stern. Start 13 Uhr Stubenrauchstr, 3.— Abt. Stegl list-Lichterfeldc: Grunewald, Schmugglerfabrt. sPflichttour), Start 8 Uhr Birk. buichstr. 90.— Abt. Neukölln: Buckow W 5,7,9 U. Stg. 3 U. lOOproz.Tonfilm: Dreyhu mit Korlner, George, Bastcrmann, Kampen TAnendes Beiprogramm Alhambra Hauptstr. 30 Tonfilm; Die vom Rummelplalz mit Anny Ondra, Siegfried Arno Beiprogramm ���Frtddenhij�� Kronen-Lichtspiele Hheinstr. 65 W.7,9, U. S. 5,7,9 U. Operetlentonfilm: Nur dal mit Ch. Ander, Janssen TSn, Beiprogramm cmniiiiii* Titania-Palast s&tÄ' u Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke autsniuthssir Tonfilm-Uraufführung: O alle Barschen herrlich keil mltWernerFtttterer. Betty Amann, Betty Asior. Anna Mfluer-Llnke Jugendliche haben Zutritt W»ehlendorß-Milta> Tzsli Wochentags 7. 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg.i-30 Jug.-Vorst KrimlnaJ-Sprech-Tonnim; Der Tiger mit Harry Frank Beiprogramm ' Mm f i eiariendoncr Wochentg I 1«- Lei Udibpielc ab 7 Uhr Chausseestraße JOS lOOproz. Tonfilm; Oer Lampenball mit Anna MOIler-Llnke, Kampers Bühne:»So leben wir" Anna MtUler-Llnkc persönlich Tivoli Berliner Str. 97 Lustige Tonfilm-Operette: D. Caikosbaronech m Emst Vcrebes Südwesten Lichtspiele Südwest Blüchcrstr. 12 W.5,7.9. S.3,5,7,9U. Die große Tonfilmoperettc; Da« Rhcinlandmädel mit L. EnglUdip W. Fütter er Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Ffim-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9, Stg. ab 3 Uhr 100 pro?. Tonoperette: Die Ctikoa- barone� mit Ernft Vercbe« Beiprogramm ■ Sflden W Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochent. 6.45, 9. Sonnt ab 3, 5, 7, 9.1 5 U. Tonfilmopereue: Die Cstkosbaronech mit Grell Theimer, A. Panlig, Vercbe«, Falkenstein, Ida Wüst, F. Vtncenti BD.; 3 Antonios, Musical-Clowns, 3 Maring«, kom. Reckakt Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr. Stg. ab 4 Uhr 4 Tonfilme! Der Tiger mit H. Fraak Ole MeUterslfeger- Salon der Meerung ebener- Wir amcrlk. ans W WukBlln B Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jllgerstraße Anfang: Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U Revue-Operellcn-Tonfilnt: Nor da mit Charl. Ander Beiprogramm— Bühnen schau If..!»..!» Wochent. 6,45, 9 U. IlUKUK Sonntags 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm92 lOOproz.Tonfilm I Roscnmontag mit Lien Oey er*. Mathlas Wiemann Tonbeiprogramm F*rp«l«*br Wochent 6.45. 9 U. CXCClSlOr Sonntags 5, 7. 9 U. Kaiser-Fricdrich-Straße 19) Tonlustspiel: Ole zärtlichen Verwandten mit Ralph v. Roberts Toabrlprogramro Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstraße 49 Wohemags 6 45 u. 9, Sonntags 5. 7. 9 U. 100% Tonfilm! Rosenmontag mit Lien Deyer*, Mathias Wlcmann Tonbeiprogramm Filmcck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Tonfilm: Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W: 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. Lohnbuchhalier Kremke (Das Erlebnis eines Arbeitslosen) ein stummer Film mit Orchester- begleitung— Grochc Bohnenschau Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen; Wochtgs. 6.30, 9 v. Sonnt 3. 5.7.9U. Tonfilmrevue der Prominenten Groche Sehnsucht BOhoenschan Jugendliche haben Zutritt Sternwarte— Treptow So, 4. Okt., 8 U. Stg- 5. OkL 4. 6, SU. „Das groche welche Schwelget,' Stg. 5 U.:„Wir and die Sterne" > Flvcinm" �"m Nnd Bühne Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilmoperette: Ein Tango für dich Bühne: Jazzflebcr ■ 0't*H■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30, Sonntags 5 Uhr Der große Tonfilm: Unter den Dgdsern von Paris mit Albert PriJean Bühne: Gastspiel genta Süncland Achtung! Sonnabend. 11')» Uhr, Nachtvorstelliing i Die ungekürzte Operette: Schwan waldmadel Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, ca 7, 8.45, Stg. 3, ca 5, 7. 8.45 U. Tonoperelte: Liebeswalzer mit LH, Harvey, Willy Frlttd» Tonfilm-Beiprogramm Alhambra woch. ab 6 30 uhr Luna-Filmpalast wf su Gr. Frankfurter Str.>21 ReVue-Operettentonfilm; Nor da Bühne: 10 Akkardeon-HarmonUts Schwarzer Adler AFn«« Woch. 5, 7. 8.45, Stg. 3. 5. 7, 8.45 U. Aldint-Sensations-Tonfilm: Im Kampf mit der Unterwelt Betprogramm Comenius-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U 2 mal Lax mit Carl Auen Heut war ich bei der Frida Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U.. Stg. ab 3 U. 100 pro? Sprech-Tonfilm: Der Sohn der weihen Bergt mit Luis Trcnker Lohnbuchhalt er Kreoke Beipro gr RR jBgfndltcbf htfrfit Zutritt Sonnt, ab 4 Uhr. Koppenstraße 29 Groß-Tonfilm: Hokuspokus mit LH. Harvey, Willy Früsch Beiprogramm— Bflhnensdian D Neu-Uchtenberg Kosmos-Lidhispiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5, 7, 9 U., Stgs. 3, 5. 7, 9 U. lOOproz. Tonfilm: Affäre Dreyfas mit Korfner, George Micky Maas im Tlervariefe Jugendliche haben Zutritt W Frladrichsfeldq W Kino Busch �Ä&«ühfr Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Der blaue Engel(m. Gesangseini.) Jonntags, Marl. Dietrich, H. Albers Oer falsche Shcrlff(Wildwest) W Wainansea> Schloßpark Film. BQhnc Berliner Allee 206—210 Stg. VeS Jgd.-V. Der große internationale Tonfilm Unter den DSchern von Paris Betprogramm Alhambra Mü"e"tral!e'36- Ecke Seestraße Casino-Lichtspiele Brunnenstraße 154 Beginn 6.30 Uhr lOOproz.Tonfilm: Lampen ball mit Fritz Kampers Bühne: Gastspiel Vlvian Gibson Mila-Licfatspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.5V«, S. 3,x8 Der Hcrrgottschnliscr von Oberammergan— Die selige Exxellenz mit Olga Tsdtechowa Bühne: S gr. VarieiiattrakKonen. Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3Vj U. Tonfilm: Dreyfn« mit Kortncr, George Bü.: Bruno Kästner. Llesl TTersch Colosscum swtr�VS? Schönhauser Allee 132 Tonfilm: Komm zu mir zum Rendezvous! Bühne: Melody Math» Tönende Wochenschau Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9. Stg. S, 7, 9 U. lOOproz. Ton- Lustspiel: Zweimal Hodizeit mit Liane Haid Beiprogramm 100 proz. Tonfilm: Der Korvetten- kapi Beiprogramm iln mit Ltcdtkr, Kampers Pharus-Liditspiele Müllerstraße 142 VV. 5, 7, 9 U. Stg. ab 3 U lOOproz. Tonfilm: Drcylus mit KorteerpH. George« Grete Mosheim Tonbci oro ramm Marga-Liditspiele Schulstraße 29 lOOproz Tonfilm: Der blaue Engel mit Emil janntngs, Marl. Dietrich Die Insel der Gestrandeten Lästiges Beiprogramm Prater-Licbtspiel-Palost Kastanienalice 7-ö W. ab 5, Stgs 3'/, U- Der Feldhertnhfigel Ihr dunkler Punkt Revue: Auf Llcbesweilen Noack's Liditspiele Brunnenstraße 16 Beginn 12 Uhr lOOproz Tonfilm; Mach mir die Welt zum Paradies m Anita Dorrt, Bühne: Revue: Die Reise am die Well Metro-Palast so°n7'ah I'u Chausscestraße 30 lOOproz. Tonfilm; Oer Lumpenball mit A. Mftner44fikCa Fr« Kampcra Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. W. 9 U.. Stg. ab 4 U. 100 proz. Tonfilm: Ein Walzer Ina Scfalafconp« Bühne: Tanz auf dem Else W Hlodcrtctianhautan p Film-Palast Blankenburger Str. 4 Wöchig 6 30, 9 U, So. 4.30, 6.45, 9 U. Tonfilm: Der Korveftenkapllgn mit Harry Liedike Lustiges Beiprogramm Jugendliche haben Zutritl s Tht II Filmpalast Tegel Stgs. 2 U Jgd.- Vorst vV. 6. Stg. 4'>« U Tonfilm; Attdr« Dreyfus mit Kortner. George, Grete Mosheim Grobes T onfllmbeipr ogramm Jugendliche haben Zutrlit «Kosmos" FUmbGhne Hauptstraße o Beg. 6 Uhr,«�0 Uhr Das groche Filmprogramm Union-Theater Hauptstr.3 W 6.8t/, Stg. 2 Jgd.-V. Stg.t'/..6'h.8A