Morgenausgabe Rr. 465 A 234 47.I obonnemenr 6.— M. pro Tin not ♦ Set„5onnäztfi* ertchetiu mochentäg» lich zweimal, Sonntags unb Montags einmal, bi» Abenbausgaben für Berlin unb im Stonbel mit bcm titel.Der abenb-, SlluttTten« Beilage».Volt unb 3oü" unb.Jlinberfreuno". Ferner .{jtaucnflimme" T-chnit",.Blick in die Südjermeü"..Bugenb-Sonpärt»* unb.StabtbrUage* W*/» Nerliner Vottsbla« Gonnabend 4. Oktober 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. 5lc etntpaltig« ÜlonparciflejciU 80 Pfennig. Reklame'eile 5.— Reichs- mark.„ZUetne Anzeigen� das ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte). iedes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanze'gen Zeile itOPfennio. Anzeigenannahme imHaupt- aefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8»/, bis 17 Uhr. Aentralovgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Revaktion und Berlog: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher Tönboli AZ— SS7 Telearmnm-Sdr: Soualdemokro» Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschccklonto: Berlin 37 S36.— Banllonto: Bank der Arberter, Angestellten und Beamten, Wallstr.kiS. Dt,B.u.Disc.-Ges., Depositenkasie, IerulalemerStr,eö/6K. Kür Republik und Arbeiterrecht! Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die aus den Wahlen vom 14. September hervorgegangene sozialdemokratische Fraktion des Reichs- tags trat am Freitagoormittag um 10 Uhr zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Die Beratungen, die ausschließlich der politischen Lage gewidmet waren und mehrere Stun- den in Anspruch nahmen, endeten mit der Annahme folgender Entschließung:"-,. „Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion sieht nach dem Ausgang der Reichstags- Wahlen in der Erhaltung der Demokratie, der Sicherung der Verfassung und dem Schutz des Parlamentarismus ihre erste Aufgabe. Tie Demokratie ist bedroht von allen sozial- reaktionären Kreisen, die die Wirtschaftskrise zum Abbau der Sozialpolitik und zur Senkung der Löhne aus- beuten wollen. Sie ist bedroht durch die faschistische Bewe» gung der Nationalsozialisten, die den Lpfern der kapitalistischen Wirtschaftskrise nach der Zertrümme» rang der Demokratie die sofortige Heilung aller Leiden und die Lösung aller sozialen Fragen vorgaukeln. Sie ist bedroht durch die Kommunistische Partei, die selbst in dieser gegenrevolutionärru Situa- tiön die Arbeiterklasse spaltet und den Kampf gegen Sozialreaktion und Faschismus erschwert. Die Sozialdemokratie kämpft für die Demokratie, nin die Sozialpolitik zu schützen und die Lebens- Haltung der Arbeiterschaft zu heben. Die Krise kann nicht gelöst werden durch Berminde- rung der Kaufkraft der Massen, sondern nur durch A r- beitsbeschaffung. Ebenso unerläßlich ist der Kampf der Fraktion im neuen Reichstag zur Herbeifüh- rung eines Notgesetzes über eine solche Herabsetzung der Arbeitszeit, die es ermöglicht, die Erwerbs» losen wieder in Arbeft zu bringen. Die politische Unsicherheit birgt die Ge» fahr ernster politischer Verwicklungen in s i ch. Sie hat die Flucht des deutschen Kapitals gesteigert und hindert den Iustrom ausländischen Kapitals. Sie verschärst die Wirtschaftskrise. Nur die Sicherung eines streng verfassungsmäßigen Regierens ermöglicht die not» wendige Arbeitsbeschaffung zur Milderung des Wirt- schastlichen Niedergangs. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird unter Wahrung der Lcbcnsintcressen der ar- beitendcn Massen für die Sicherung der parla- mentarischcn Grundlage und für die Lösung der dringendsten finanzpolitischen Aufgaben eintreten. Die Sozialdemokratie hält an den Grundsätzen der bisherigen Außenpolttik fest, die zur Befreiung des Nhelnlandes und zur Herabsetzung der Reparatwnslasten geführt hat. Sie lehnt alle außen» und handelspolitischen Experimente ab. die die wirtschaftlichen Beziehungen stören und zu einer neuen akuten Verschärfung der Krise führen wurden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, ent- schlössen, die Politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeiterschaft mit größter Energie zu verteidigen. wird aus dem Wege der ordentlichen Gesetz- gebung die Beseitigung der für die breiten Massen des Volkes unerträglichen Bestimmungen der Notverordnungen forder« und erwartet vou allen Arbeiterorgauisatioue« stärkste Aktivität für die schweren bevorstehenden Kämpfe und die Bereitschaft, ihren Kampf außerhalb des Parlaments mft allen geeigneten Mittel« zu unterstützen." « �» Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat gestern nach vielstündiger Beratung ihren politischen Willen in einer ansführllchen Entschließung niedergelegt. Diese Entschließung zeigt Freund und Feind, welche Ziele die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ins Auge faßt und welche Wege sie im neuen Reichstag einzuschlagen gedenkt. Die Entschließung ist zugleich ein ernster Appell an die Arbeiterschaft und ihre Organisationen, die sozialdemokratische Reichstags- fraktion in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion will nicht die Ausnutzung der Krise zu politischen Experimenten und Aben- teuern wie die Extremen von rechts und von links-, sie sucht vielmehr ernsthaft den A u s w e g a u s d e r K r i s e. Gi« will nicht spekulieren mit der Rot, sie will ihr abhelfen. Im Mittelpunkt ihrer polltilchen Erwägungen und ihrer Ent- schlüste stehen die Rot des arbeitenden Volkes und die Der- tretubg seiner Interessen. Die Lage, in der die Fraktion ihren Beschluß gefaßt hat, ist außerordentlich- ernst. Sie hat ihre erste Aufgabe darin erblickt, auszusprechen, was ist, die Gefahren aufzuzeigen, die der Demokratie und damit dem arbeitenden Volke drohen, und die Gegner zu kennzeichnen. Die wirtschaftliche Krise wird verschärft durch die poli- tische Krise und umgekehrt. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion will deshalb ihre Taktik darauf abstellen, eine Derichärfung der politischen Krise und der Unsicherheit zu vermeiden, um ein Weitertreiben der Wirtschaftskatastrophe von der politischen Seite her zu verhindern. Die Erhal- tung der parlamentarischen Demokratie und der Verfassung steht deshalb im Mittelpunkt ihres Strebens. Die Gegner der Demokratie sind zugleich die Gegner der Ar- beiterlchaft Sie wollen die Demokratie niederzwingen, um die Arbeiterschaft zu treffen. Sie wollen das Rad der Ge- schichte rückwärts drehen und die Arbeiterschaft politisch ent- rechten, um sie wirtschaftlich auf die Knie zwingen zu können. Im Praktischen will die Reichstagsfraktion für Ar- Jtad) fünfflündlgen Verhandlungen in der Schlichtungskammer. die durch Eiuzelbesprechungeu des Schiichlers mit verschiedeneu Parteloertretern mehrmals unterbrachen wurden, gab der Schlichter bekannt, daß die Verhandlungen bis spätestens S. Oktober verlagt werden. Der Schlichter will zusammen mit ben Beisitzern sich näher über die Auswirkung der Anträge der Parteien informieren. Er erklärte, allein von den Verhandlungen vor der Schlichlungskammer noch kein genaues Bild gewonnen zu haben. Die Vertagung sei um so mehr notwendig, als die Parteien Anträge gestellt haben, die nicht nur eine Auswirkung für die Berliner Vlelallindustrie. sondern wahrscheinlich s ü r das ganze Reich haben werden. Aus diesem Grunde will der Sondeischlichter unter hinzu- Ziehung von parleivertrelern und den gesetzlichen Belriebeverlretun- gen Betriebe des Verbandes Berliner Melallitidustrieller besichtigen, beitsbeschaffung wirken. Sie wendet sich g e g e n die im Regierungsprogramm vertretene These, daß durch Ein- schränkung der Lebenshaltung des Volkes der Arbeitslosigeit begegnet werden könnte. Die Produktion wird nicht an- geregt, wenn die Kaufkraft sinkt, vielmehr muß die Anregung von der Seite dss Verbrauchs her durch Erhöhung der Nach- frage erfolgen. Der Kampf gegen die Lohnabbau- a k t i o n e n gilt deshalb nicht nur unmittelbar der Erhaltung der Lebenshaltung der in Arbeit stehenden Schichten, er ist vielmehr zugleich ein Kampf gegen die Arbeitslosigkeit für die Schaffung von Vorbedingungen zur Ueberwindung der Krise. Als weitere wichtigste Aufgabe sieht die Fraktion die Lösung der dringendsten finanzpolitischen Fragen, die Behebung der Etatsschwierigkeiten an. Nur wenn der Haushalt geordnet ist, kann der unheilvollen Einwirkung der politischen Unsicherheit nach dem 14. September auf den deutschen Kredit begegnet werden. Zu beiden Aufgaben tritt als dringende, unmittelbare Aufgabe hinzu, durch Verkürzung der Arbeits- zeit Arbeit für die Erwerbslosen zu schaffen. Die Voraussetzung dafür aber, daß diese ernsten und notweitbigen Aufgaben erfolgreich vertreten werden können, ist die Behauptung der Demokratie, die Sicherung der Verfassung und damit die Herbeiführung politischer Beruhigung. Die Entschließung der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion ist die schärfste Ablehnung jener gewissen- losen und illusionären Versprechungen, die von Kommunisten und Nationalsozialisten in der Zeit der Not an verzweifelnde Massen herangetragen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion lehnt es auf das schärfste ab, eine Politik der gewissenlosen Abenteuer im Innern wie nach außen hin durch ihre Haltung auch nur indirekt zu begünstigen. Sie will den schweren und schmalen, aber einzig möglichen Weg gehen, der im Interesie der arbeitenden Massen und des ganzen Volkes nötig ist. Die Sozialdemokratische Partei ist der einzige große und ernsthafte Garant dafür, daß aus der Zeit der Wirtschaft- lichen Rot und der politischen Unsicherheit nicht eine politische und wirtschaftliche Katastrophe von größtem Ausmaß er- ____\_ um sich Über Eiuzelsragett, die für die Enkscheidung des Haupt» Problems ausschlaggebend sind, zu informieren. Cr richtete an die Parteien da, Ersuchen, bis zur Beendigung der Verhandlungen nvch nach dem alten Tarifvertrag zu verfahren. * Diese Vertagung war Überflüssig. Notwendig wurde sie lediglich deshalb, weil nicht dem zuständigen, mit den Verhalt- nisten in der Berliner' Metallindustrie oertrauten Schlichter die Schlichtung übertragen wurde, vielmehr einem Sonder- schlichter. Immerhin ist unter diesen Umständen anzuerkennen. daß der Sonderschlichter Dr. V ö l k e r s feine mangelnde Vertraut- heit mit den Berliner Verhältnissen offen eingesteht, anstatt trotzdem«ine sofortige Entscheidung zu fassen, hoffentlich gelingt es ihm, sich«in genaues Bild zu oerschaffen, denn von seiner Ent- scheidung hängt vieles ab. (Siehe auch 8. Seite.) Meialwerhandwngen vertagt. Bis spätestens 9. Oktober. Reichsbanner marschiert Saida und Hitler: Hochverraisanklage gegen 9S tschechische Faschisten. Prag. 3. Oktober.(Eigenbericht.) Gegen SK tschechische Faschisten ist eine Hochverratsanklage erhoben worden. Der Grund des Verfahrens ist darin zu suchen, dah die Leitung der tschechischen Faschistischen Partei mit reichsdeut» s ch e n Hitlerlcuten und italienischen Faschisten über die Frage verhandelt hat. was die ausländischen Faktoren tun würden, wenn in der Tschechoslowakei das faschistische Regime zur Herrschaft käme. Der ehemalige General G a i d a und seine Anhänger haben Reisen nach Deutschland und Italien unternommen. Ferner ünd Hakenkreuzler aus Teutschland und italienische Faschisten in Prag gewesen. Mitglieder der Faschistischen Partei haben der Staatsanwaltschaft von diesen Verhandlungen Mitteilung gemacht. * Di« tschechischen Faschisten haben sich erst in der vergangenen Woche als die rabiatesten und gewatütätigsten Deutschenhasser gezeigt. S i e haben den Sturm auf die Prager Kinos organisiert, in denen deutsche Tonfilme aufgeführt wurden. Das find also Hitlers Bundesgenossen in der Tschechoslowakei. Da kann man nur mit dem angeklagten nationalsozialistischen Oberleut- nant Mendt in Leipzig ausrufen:„So haben wir uns den deuiichen Befreiungskampf nicht vorgestellt!" Hitlers„völkische Schmach". MachieinenZudenzumArierundläßtsichvonihmlobhodeln. Hitler macht in seinem„Volkischen Beobachter" verzweifelte An- strengungen, die ihm peinliche Tatsache aus der Welt zu leugnen, daß sein neuester englischer Freund, Rother mere, jüdisches Blut in seinen Adern hat. Sein Hauptschriftleiter Alfred R o s e n b e r g behauptet fest und steif das Gegenteil. Er brachte sogar«in reichlich verschwommenes Bild Rorhermcres in der Nazizeitung, um dar- zutun, daß Rothermere nicht den geringsten jüdischen Aug ausweise. Dieser gleiche Rosenberg hat vor zehn Iahren genau das Gegenteil behauptet. Kein Geringerer als General Ludendorff Hai diese Entdeckung g«nacht und nüßt sie nun in seiner„Ludendorsfs Volkswartc" weidlich aus. Im Jahre 1920 gab, worauf Lirdendorff hinweist. Rosenberg im Deutschen Volks- verlag München«in Buch mit dem wundervollen Titel„Dia Spur der Juden im Wandel der Zeiten" heraus. Darin findet man folgende Stelle: „König Eduards Günstlinge und vertrauliche Ratgeber waren zwei Juden, Abraham«asfoon und der aus Deutsch- land eingewanderte Ernest Cassel. Heute heißen die Kulissen- schieber im Oberhaus Mnntaguc(Montag, ein�gewejencr Uhrmacher aus Galizien), Rothschild, Wandsworch(Stern), Burnhain (Levy Lawson), Herschel(Naphtali), Ludloy(Lewi), Wichelhain (Stern), Northcliss«(Harmsworth-Stern), Rothermere(dessen Bruder) und ander«. Fürwahr, die Sache der Juden liegt in guten Händen, und neben ihrer englischen Orientierung sind alle Juden allmählich einig geworden, ob sie Zionjsten oder Zlnti- zionisten sind: deshalb haben sie die Entente, befoiiders aber Eng- land in der Bekämpfung des Landes mit allen Mitteln unterstützt, das diesem Staat entgegenstand, des Deutschen Reiches." Mit grimmigem Hohn bemerkte Ludendorff dazu: „Blutiger ist noch nie eine antisemitische Bewegung in ihrer eigenen Zeitung verhöhnt worden. Ist es J>er antisemitischen NSDAP, und ihrem Leiter Httler keine Schande mehr, von jüdischen Weltleitern und Kriegs- Hetzern gegen Deutschland so(je lobt zu werden? Ja, ist es ihnen nicht eine um auslö schliche Schande, dieses Judenlob in dem Parteiblatk als Aufsatz wörtlich zu bringen und so zu kommentieren, ohne den Lesern gleichzeitig nntzutetten, daß dieser Rothermere der Jude Stern und bekannte Kriegshetzer und Dettschenverleurnder ist? Es ist eine völkische Schande und eine Schmach für eine sich antisemitisch nennende Bewegung, wie sie Juden nie auf sich luden." Das erste Lob, das Ludendorss den Juden spendet, ist, daß er sie moralisch höher einschätzt als den ontisenntisch-faschistischen Hitler! Die w.rschechteii Antisemiten in Hitlers Laden— die sechs Millionen Wähler wird er kaum selbst als waschecht ansehen— werden über Üudendorsss freundnachbarliche Hinweise kaum erbaut sein. Aber um ihres Adolfs willen dürsten sie sich mit der Berlegenheitsausrede begnügen:„Nu wenn schon!" Moratorium nicht beabsichtigt. Erklärung des Reichsfinanzm misters. mächst, m der den Interessen des werktätigen Volkes schwerster Abtrag erfolgen müßte. Die sozialdei?okratische Peichstags- fraktion ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der deutschen Arbeiterklasse, tief bewußt und hat ihre Beschlüsse aus dieser Verantwortlichkeit hezraus ge- faßt. Die ungeheuren Gefahren, mit denen eine Diktatur, gestützt auf die extreme Rechte, die Arbeiterschaft bedroht, dürfen nicht leicht gewogen und leichtherzig beiseite geschoben werden. Das demokratische Recht des Volkes, feine Organi- fationen, seine Presse, sein Mitbestimmungsrecht an der Ge- staltung des Staatswillens sind untrennbar verknüpft mit dem Aufstieg der Arbeiterklasse. Wer diese Rechte dem Zu- griff einer arbeiterfeindlichen Diltatur überlassen wollte, würde sich schwer an den Interessen der Arbeiterschaft oer- sündigen! Wohl würde die Kraft der Arbeiterklaffe auch aus einer derartigen Machtprobe am Ende siegreich hervorgehen— «wer das ganze Volk und vor allem sein arbeitender Teil müßte die Durchbrechung der Demokratie, den Raub der demokratischen Volksrechte, ein Regime der Willkür und der Unterdrückung bezahlen mit den Folgen eines Wirtschaft- lichen Chaos, gegen die die Notzustände von heute noch zurücktreten würden. Diese unheilvolle Entwicklung zu verhindern, den Auf- stieg aus der Krise anzubahnen, das ist es, was die sozialdemokratische Reichstagsfraktion erstrebt. Ihre Taktik ist nicht die der Katastrophe und der Abenteuer und der politischen Selbstausschaltung. Sie ist die der selbstbewußten und zielsicheren politischen Arbeit. Für die Interessen des arbeitenden Volkes, für die Sicherung der Demokratie, für den Aufftieg aus der Not— das sind die Gesichtspunkte, nach denen die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zu handeln gedenkt. Brünings Besprechungen gehen weiter Der Reichskanzler setzte am Freitag die Besprechungen m it de n Parteiführern fort. Empfangen wurden der Ab- geordnete Scholz von der Polkspartci und Vertreter der Christlich- sozialen. Die Nationalsozialisten und Deutschnationalen sind zu Sonnabend geladen. Ehe über Kreuz? Krise in der Slaatspartei.-Lungdo will zu TreviranuS.— Demokraten zur Voltspartel. Der Streit, der zwischen den Demokraten und der Volks- nationalen Bereinigung wegen der Staatspartei entbrannt ist, hat nunmehr auch Herrn Mahraun vcm„Jungdentschen Orden" auf den Plan gerufen. Er schreibt in dem Blatt seiner Organisation: „Die jungdeutsch-oolksnationale Bewegung. kann sehr wohl neue politische Kampfbündnisse eingehen,, sie ist sich aber auch ihrer Verantwortung bewußt, keineswegs leichlfenig , etwa überständig gewordene Bündnisse iZbor Bord zu werfen. Sollt« es dennoch notwendig werden, so ist es lelbswerständlich, daß notwendige Kündigungen und Lösungen in ritterlichster Form durchgeführt werden." Diese offene Drohung, die kaum 8 Wochen während« Eh« Mit den Demokraten zu kündigen, bestätigt daß die Staatzpartei längst nicht genes geschlossene Gebikd« ist, als das es ihre. Agitatoren immer wieber hinzustellen belieben. Tatsächlich geht durch die Staats» Partei seit ihrer Gründung«in Riß, der angesichts der Meinungsverschiedenheiten wirtschaftlicher und politischer Art zwischen den Demokraten und den Dolksnationalen wohl niemalz überbrückt werden dürfte. Deshalb haben die„Voltsnationalen" Fühler zu den Ehristlichsozialen und den Konservativen ausgestreckt, mährend man in demokratischen Kreisen wieder eifrig dabei ist, mit der Vclkspartej unter einen Hut zu kommen. Das Programm des Mondes. Tkationale Befreiung mit der bloßen Lamäng.— Kommu- nistifche Sparkünste. Wie wir hören, hat in kommunistischen Kreisen eine lebhaste Erörterung des von uns schon charakterisierten„tommunisti- fchen Sparprogramms" eingesetzt. 2luch koimnunistische Arbeiter sollen bereits ihr Erstaunen dar- über geäußert haben, daß man zwar den Reichs wehrleuten und Polizeibeamten das ganze Gehalt streichen, den Millionären aber 80 Proz. ihres bisherigen Nettoeinkommens belassen will. Auch koinmimistisch« Juristen sollen schon bemerkt haben, daß Rcichsbeanite ein klagbares Recht auf Gehalt oder Penston bcsigcn und daß man durch«infachcn Reichstogsbeschluß ihre Bezüge gor nicht einsparen kann. Auch kommunistische Revolutionsstrategen sollen sich schon Ge- danken darüber machen, welche praktische Folgen es hätte, wenn man denen das Brot wegnähme, in deren Händen die Flinten sind. Und was sagen die kommunistischen M i l i t ä r p o l i t i k e r? In dein kommunistischen Programm zur nationalen und so- zialen Befreiung der deutschen Völker ist angekündigt worden, daß die KPD. den Vertrag von �Versailles zerreißen und die v« rlorenen Gebiete, soweit ihre Bevölkerung den Wunsch danach hat, zu Deutschland zurückbringen werde. Jetzt wird der An- sang mit dieser„nationalen Besreiungspolitik" gemacht, indem man die gesamt« Wehrmacht beseitigtl Die KPD. macht das alles mit der bloßen Lamäng! Vielleicht noch schlimmer jedoch ist dies: Ein kommunistischer Wirtschaftsgelehrtcr hat die Entdeckung gemacht, daß die Zahlungen aus dem Doung-Plan im kommenden Rechnungsjahr 168Z+ 23 Millionen Mark gleich 17ll) Millionen Mark betragen werden; dös kommunistische Spargrogramm setzt aber die Ersparnisse aus der Verweigerung der Aoung-Zahlungen mit 2000 Millionen an, also 290 Millionen Mark mehr, als überhaupt zu zahlen sind! Es ist zuzugeben, daß bei der bekannten kommunistischen Groß- zügigkeit ein Betrag von 290 Millionen eine verhältnismäßig geringe Rolle spielt. Immerhin jedoch, Adam Riese ist Adam Riese. Wie man gleich um 200 M. reicher werden kann, in dem man eine Schneiderrechnung von 171 M. unbezahtt läßt, bleibt«in Ge- heimnis der rein bolschewistischen Mathematik.. Gestern ist hier an das Wort der Ruth Fischer erinnert worden, die kommunistische Zlnhängerschast würde jede Forderung schlucken, die von oben ausgegeben würde, z. B. auch die nach einer „Regierung des Mondes". Wir werden darauf aufmerksam gemacbt, daß diesmal das Schlucken bei der kommunistischen Reichs- lagsfraktion zu beginnen hat, die vor der Veröffentlichung des i-molen Sparprogramms nicht einmal nach ihrer Meinung gefragt rtürde. Es wird jedoch versichert, daß die kommunistische Reichs- In einer Unterhaltung mit den Berliner Vertretern der aus- ländischen Presse wurde Reichssinanzminister Dietrich unter an- derem auch gefragt, ob es richtig sei, daß die Reichsregierung«in Moratorium(Zahlungsaufschub) für die Zahlungen aus dem Poung. Plan anzuregen beabsichtige. Dietrich autorisierte die ausländischen Journalisten ausdrücklich, zu.erklären, daß er selbst nie daran gedacht habe,, die Frage des Moratoriums anzuschneiden. Herr Schacht habe zwar vor seiner Reise nach Amerika eine Unterredung mit ihm gehabt, bei der auch diese Frage gestreist wurde, aber im Reichskabinett sei offiziell von einem Moratorium nicht die Rede gewesen. Schacht für Moratorium. New Jork. 3. Oktober. Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht hielt auf einem Festessen, das die deutsch-amerikanische Handelskammer und das tagsfrattion auf alle Fälle alles schlucken wird, denn eben an dem Schlucken erkennt man die Mamelucken. Immerhin sst es ein Fortschritt, wenn man hie und da schon in kommunistischen Kreisen zu erkennen beginnt, daß die Speku- lation auf die Allerdümmsten das Gegenteil von revolutionärer Politik ist. Rußland weist den Weg— ins Elend. Charkow, 3. Oktober.(Ost-Expreß.) Mc gejponnl die Finanzlage des Sowjetstaates ist. zeigk unter anderem die Tatsache, daß Löhne und Gehälter mit großer Verspätung ausgezahlt werden. 3n Charkow haben Gelehrte. Aerzte, Lehrer und andere Kopfarbeiter bis Ende Sep- tember noch nicht einmal ihr Gehalt s ü r August bekommen. Aber auch Arbeiter großer Sowjelfabriken hoben im September noch keinen Lohn erhalten. Da der Bauer in der Stadt buchstäblich nichts kaufen kann, ist kein Geld im Umlauf. Als Folge der schwierigen Finanzlage werden alle Steuern. Mieten usw. ri- goros eingetrieben. Das Verschwinde» des Silber- nnd Kupfergeldes aus dem Verkehr im Zusammenhang mit der zunehmenden Inflation hat die Behörden veranlaßt, Bons herauszugeben. Es gibt solche zu 3 Rubel; sie sind per- soriert und in kleine Streifen zu 20, 15. 10 und 5 Kopeken ein- geteilt. Die Bons werden jedoch nur in den zentralen Arbeiter- genossenschaften in Zahlung g�iommeu; lehlerc haben aber keine waren! Aus der Straßenbahn bekommt man beim Geldwechseln wiederum anderes Notgeld ausgezahlt. Die Lebeusmitlelpreise sind unerschwinglich hoch. Noch Sarkofseln, die in Charkow eine große Seltenheit sind, stehen die Leute stundenlang an. Karlosseln kosten im„freien Handel", je noch der Zufuhr, 25— 60 Kopeken das Pfund. Da» Obst ist schlecht und sehr teuer. „Sch lagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!" Bolschewistische Theorie und praxi««. Wi? aus Moskau gemeldet wird, ist der Oberste Kriegs, und Revolutivnsrat der sowjetrussischen Mariiiekommissioil unter Führung des Admirals Sivkoro in Italien eingetroffen, um dem iialie- nijchen Marineministerium eine Einladungzur Entsendung einer Marin ekommijs ion zum Studium der rKssischen See- streitkräfte zu übermitteln. Di« Kommission soll Ende Oktober in Moskau eintreffen und die russischen Flotten in der Ostsee und im Schwarzen Meer besichtigen.• Institut für internationale Erziehung zu. seinen Ehren veranstalteten, eine Rede über das Rsparationsproblem und dessen Wiickung auf den Ausgang der Reichstagswahlen. Schacht sagte u. a., der Kardinalfehler der sozialistischen Politik sei es gewesen, der Welt und der deutschen Arbetterschatt vorzumachen, daß das Reich in der Lage fei, die Reparation-. .Zahlungen zu, leiste». Die gegenwartige Lage in Deutschland gebe dem Reichskanzler Brüning unzweiselhast das Recht, ein Moratorium zu oerlangen. Der Reichskanzler schreck« aber vor diejem Mittel zurück. um die Well nicht zu beunruhigen. Aber der Antrag auf ein Moratorium werde eine? Tages bestimmt kommen. Sem« persönliche Ansicht sei, daß Brüning jetzt eine Atempause einlegen wolle durch eine neue Anleihe. Brüning«olle der Well Gelegenheit geben, die Reparationsfrag« für ein« endgültige und tragbare Lösung noch einmal in gemeinsamer sachlicher Arbeit zu überprüfen. OasReichswehrministen'um wehrt sich. Disziplinarische Maßnahmen gegen Osfizierszeugen. Wie verlautet, wird nach dem Abschluß de» Reichswehr« Prozesses vom Reichswehrministerium geprüft werden, ob gegen ein« Reihe von Reichswehrzeug«» auf Grund ihrer Aussagen vor dem Reichsgericht mit di szi pl i ua r i l ch c n Maßnahmen vorgegangen werden muß. Heute llrteil im Reichswehrprozeß. Das Urteil im Hochverratsprozcß gegen die Ulmer Ofstzier« wird heut« vormittag 10 Uhr erwartet. Es ist jedoch durchaus möglich, daß die Verhandlung sich auf ein« später« Stunde hinauszögert, da die Beratungen des Senats sehr schwierig sind. Ein Kommunist verurteilt. Leipzig. Z. Ottober. Der vierte Straffenat des Reichsgerichts hat am Freitag unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Lorenz denBergmannCmil Jobst wegen Vorbereitung des Hochverrats und Der- gehen gegen das Republikschutzgesetz gemäß dem Antrag des Reichs- anwalls zu einem Jahr und sechs Monaten Festungs- Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Jobst ist in Herne in der Nacht vom 7. zum 8. Mai dieses Jahres festge- nonntien worden, als er in der Nähe der Polizeikaserne Zersetzung�- flugblätter wie„Der rote Schutzpolizist" und andere bei sich trug. Er mußte auch zugeben, daß er solche zersetzende Schriften bereits zur Verteilung gebracht hatte, behauptete aber, den Inhalt dieser Schriften nicht gekannt zu haben. Diese Behauptung wurde ihm nicht geglaubt. Er war Kassierer der KPD., und ein Funktionär dieses Grades müßte von dem Inhalt der ihm von der Partei übergebcnen Flugblätter Kenntnis haben. Wirth und Frick. Schulgebete nicht zurückgenommen. weimgr, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Auf«in« Anfrag« des R e i ch s i n n« n m in ist er s Dr. Wirth an die Thüringer Regierung, was Thüringen zur Aus- fühtung des Urteils des Staatsgerichishofes wegen der Schulgebete veranlaßt.habe, Hot die Thüringer Regierung jetzt geantwortet, daß sie den enlscheidenden Teil de» Urteils im Amtsblatt veröffenilicht habe. Dazu ist zu bemerken, daß von einer Zurücknahme der beanstandeten Schulgebet« in der Bekanntmachung jedoch«i cht die Rede ist. Der Kampf um Briand. Zusammenstoß mit Tardieo im Kabiuett. Pari», Z. Ollober.(Eigenbericht.) Heber den Verlach des am Freitag im Elch« abgehaltenen großen Ministerrats, dem ersten nach den Reichstags- wählen, der Völterbundstagung und dem Frühstück in Var-Le-Duc, ist, wie immer in derart wichtigen Fällen, nur ein knappes recht nichtssagendes Kommunique ausgegeben worden. Es heißt darin lediglich, daß B r i a n d und Handelsminister Flandin über die Genfer Tagung Bericht erstattet haben, und daß ihnen„für die glückliche Art, wie sie die französische These verteidigt haben, der Ministerrat gedankt hat"' Dies« trocken« Formel läßt.vermuten, daß der Dank nicht gerade heiß gewesen ist. Sie läßt außerdem die sonst üblich« Betonung der E i n st i m m i g k e i t der Dankesbezeugung vermisien und aus gut unterrichteten Kreisen erfahrt man, daß es tatsächlich zu recht heftiger» Zusammenstößen zwischen Briand und Tardieu gekommen sei. Briand habe sich aufs entschiedenste dagegen verwahrt, daß das nationalistisckie Kesseltreiben gegen seine Poli- tik durch das Vsrschwörerfrühstück von Bar-Le-Duc begünstigt und ermutigt worden sei. Auch soll Briand keinen Zweifel darüber ge- lassen haben, daß er entschlossen sei, sich dar dem Parlament und den» Lande bisaufsäußerstezur Wehr zu setzen, falls man ihn wirtlich zum Kampf zwingen sollte. Die große Frage ist nur, oh Briand noch die Möglichkeit erhalten wird, an das Parlamem zu appellieren. Gerade um ihr auszuweichen haben die Verschwörer von Bar-Le-Duc den Plan geschmiedet, Tardieu noch vor dem Wiederznsammentritt des Parlamentes freiwillig demissio- nieren zu lassen. So will man verhindern, daß Briand sich abermals ein Vertrauensvotum des Parlaments verschcrsst, wie es ihm in all den Jahren seit dem Abschluß des Locorno-Dertrages trotz aller Quertreibereien immer wieder gelungen ist. * Die Entwicklung, die die französische Politik in den nächsten Wochen nehmen wird, verdient die stärkste Aufmerk- samkeit des deutschen Volkes. Briand kämpft um feine Stellung und um feine Politik. Der Ausgang der deutschen Wahlen hat beides auf das stärkste erschüttert. Für die französischen Nationalisten ist es ein naheliegendes, bequemes"Nd nicht leicht widerlegbares Argument, daß in der deuPien Bevölkerung die Befür- worter des Reoanchekrieges erst dann einen mächtigen Auf- schwung erhallen haben, als die französischen Truppen aus dem Rheinland zurückgezogen wurden. Vor zwei Jahren schien Poincarö bereit, wenn auch innerlich widerstrebend, sich auf den Boden der Politik von Locarna zu stellen. Die Entwicklung der letzten Monate hat ihm den gewünschten Borwand geliefert, um einen Frontwechsel vorzunehmen Immer deutlicher kommt der Poincarö dos Ruhrkampfes wieder zum Vorschein. Briand, für den die deutschen Wahlen ein besonders schwerer Schlag gewesen sind, versucht nun, seine erschütterte Stellung zu behaupten- Schon in früheren Iahren hat er durchblicken lassen, daß er auch anders kann. Seine letzte Genfer Rede ist m Deutschland viel.zu wenig beachtet worden. In Erwiderung aus Dr. Curtius, der sein Bedauern darüber aussprach, daß die Resolution der Abrüstungskommission den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz im Jahre 1931 nicht ausdrücklich festlege, erklärte'er: „Ich kann doch nicht vergessen, daß. wahrend aus meinem Münde Worte der Versöhnung und der Zusemmenarbeit sielen, als Ankmorl daraus«in Schrei de, Hasses und de» Tode» aus den Wahlurnen emporgestiegen ist.' Das bedeutet, daß zunächst auf dem Gebiete der Ab- r ü ft u n g Frankreich jedes Entgegenkommen ablehnen wird. Mit dieser Rede hat Briand seine Stellung zunächst wieder befestigt. Es ist zu befürchten, daß er sich auf die Dauer nur durch andere, ähnliche Konzessionen an hie Nationalisten Frankreichs wird halten können— wenn überhaupt. P o i n c g r p hat jedenfalls zur Zeit alle Trümpfe in seinem Spiel, um den Außenminister der Versöhnungspolitik zu stürzen. Der 14. September 1S3Ü hat uns außenpolitisch u m mindestens sechs Jahre zurückgeworfen, Deutschland und die Finanzhilfe im Kriegsfalle. Genf. 3. Oktober.(Eigenbericht.) In zweitägiger Aussprach« hat die Vollversammlung des Völker- bundes den Bericht und die Entschließung der Wirtschaft?- k o m m i s s i o n angenommen. Di« Entschließung bezieht sich in den Hauptpunkten auf die Aufnahme der Untersuchung der schwebenden Präferenzfrag« an die Wirtschaftskommrssion Europos, die Behandlung der Meistbcgünstigungstlausel durch die kommende Regienmgskonserenz und die Einleitung eines gemein- samen Vorgehens gegen jede Art von Dumping. Die in den Kom- mijstonsdebättcn laut gewordenen entgegengesetzten Aeußerungen wurden nochmals ausdrücklich als Vorbehalte formuliert. Di« feierliche Paraphicrung des stonveutionsentwurfs über Finanzhilfe im öriegsjallc oder bei Kriegsgefahr bracht« sofort die Unterschriften von 28 Staaten. Deutschland hat nicht unterzeichnet, angeblich, weil der Außen- minister« r ft dem Kabinett berichten mülse»nd weil die ge- wrderic Garantie von 8 Millionen Goldsranken angesichts der Finanzschwierigkeiten des Reichs abgelehnt werden müsse. Nach einer so aktiven Mitarbeit und angesichts der Unabhängigkell der ÄotiveiUllm von einer vorherigen A b r ü st u ng ist dies« challung, die nur erneut ein Mißtrauen gegen da? heutige Deutsch- land unterstützt, nichtzuverstehen. Kein Auswärtiger Ausschuß. Scheidemann lehnt die deytschvationale Forderung ab. Der deutschnatronale Reichstagsabgeordnet« von Freytagh- Loringhoven hatte den Abgeordneten Scheidemann uin die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses«r- sucht Scheidemann Hot es abgelehnt, diesem Ersuchen zu ent- sprechen, w.?!l für den Fall der Einberufung„mit dem Protest aller ichrigen bislBr im Auswärtigen Ausschuß vertreten gewesenen Par- teien gerechnet werden muß, außerdem auch der neu« Reichstag Einspruch erheben würde, wenn unmittelbar vor seinem Zusammen- tritt noch ein« Kommission der bisbertgen Parlamentarier aktiv werden wollte'. Dreimal deutfchnational „Um Himmels willen, der wirtfchaflsparteiler will jetzt auch noch den Landtag auflösen!" .Aha. der Volksparleiler ist dagegen!" .Run aber nix wie dafür!" Vor dem Sonderschlichter. Oer Kampf im Zta'chsarbeitsminisienum. Im Reichsarbeitsministerium herrschte gestern Hochspannung. Zur Entscheidung stand der Lohntonflikt in der Berliner Metall- Industrie, dessen Beilegung der Reichsarbeiisminister nicht den amtlichen Berliner Schlichtungsstellcn überlasten, sondern durch die Einsetzung des Sonderschlichters Dr. B ö l k e r s an sich gezogen hat. Sowohl die Auswahl der Unterhändler auf der Unter- nehmerseite als auch der Verlauf der Vorverhandlungen zeigte, daß sich die Tanfparieien darüber klar waren, daß voa dem Ausgang dieser Verhandlungen nicht nur die zukünftige Entlohnung der 150 000 Berliner Zstekallarbester abhängt. sondern damit zugleich die von Hunderttausenden Metall- und anderen Arbeitern in ganz Deutschland. Neben den ständigen Ilnierhöndlern der Unternehmer waren auch der Vorsitzende des Verbandes Berliner Motallindustrieller, Herr Borsig, erschienen, zugleich Vorsitzender des Gesamtverbande? Deutscher Metall- industrieller und der Bereinigung deutscher Arbeitgebe rverbändo; Generaldirektor Dr. Kö tt ge n vorn Siemens- Konzern und der als Scharfmacher bekannte Syndikus des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller, Dr. Lutz. Die Vorverhandlungen wurden durch den Syndikus des BMBJ.,. Rechtsanwalt Oppenheimer, eröffnet, dem ats Wort- sichrer der Metallindustriellen auftrat. Oppenheimer wiederHoll« im allgemeinen noch einmal das. was er in den dreimaligen direkten Verhandlungen bereits vorgetragen hat. Seine Hauptarguments waren wieder die gegenüber der Provinz viel zu„hohen' Bertiner TNetallarbelterlöhne und die angebliche Konkurrenzunfähigkeit der Berliner Metallindustrie mit dem Ausland. Er stellte vor allem die llebereinstimmung der Berliner Bletallind-ustriellen mit dem wirlschaslsprogramm der Reichsregierung in den Vordergrund. das sich auch fiir eine ollgemeine Lahm eillung„zum Wohle des Ganzen' ausspreche. Die Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse der Behebung der Arbeitslosigkeit und damit auch im Interesse der Wiederbelebung der Wirtschaft wurde natürlich als kein geeignete» INIltel der Konjunkturbelebung abgelehnt. Auf die Gegenforderungen der Gewerkschaften nach Lohnerhöhung einzugehen, lehnten die Metall- industriellen überhaupt ab. Bon den Vertretern der Gewerkschaften wurde den Unter- nehmern an stichholligem Material, das zum größten Teil aus dem Unternehmerlager stammt«, nachgewiesen, welches Doppelspiel sie der OesseulllchkeU gegenüber treiben. Aus der einen Seite schildern sie die Lag« ihrer Betriebe grau in grau, wenn es sich aber, wie in dem bekannten Fall« Siemens, darum Händelt, Geld vom Auslande zu bekommen, werde it Bilanzen aufgestellt, in denen von der Not der Metallindustriellen nichts mehr zu er- kennen ist. Die Leistungssteigerung der Arbeiterschaft berechtige die Ge- wcrkschaften zu der Forderung, auch den Arbeitern endlich den An- teil zu geivähren, der ihnen an der Rationalisierung zusteht. Die Lohnkürzung um 1? Proz. würde für einen nicht geringen Teil der Berliner Metallarbeiter, die schon seit langer Zeit ver- kürzt arbeiten, bedeuten, daß sie hart an die Grenze des Existenzminimums gedrängt werden. Auf die Metalliudustriellen, die«in« feste Marschroute hallen, machten jedoch diese un- widerlegllchen Ausführungen offenbar keinen Eindruck. Sie ließen die Beredsamkeit ihres Syndikus spielen und sahen nur das eine Ziel vor Augem herunter mit den Lohnen um 15 Proz.I 51ach zweieinhalbstündigen Vorverhandlungen setzte der Eonderschlichter eine Kammer ein, die auf der Gewerkschaftsselle aus den Genossen Bredow, Urich und O r t m a n n bestand und aus der Unternehmerseite aus den Generaldirektoren Dr. Köttgen, Kremmerer und dem Syndikus Dr. Lutz besteht. Die Ausschaltung WtffeUs. VerlegenheitsauSreden des„Deutschen". „Der Deutschs", dem die Ausschallunz des jozialdemakratiichen. Schlichters Wissest im Konflikt der Berliner Metallindustrie peinlich ist, behauptet in seiner Nummer 232 vom 3. Ottober 1930, Wistell habe die Ausschaltung selb st herbeigeführt, indem er vor- her Urlaub genommen Hobe. Das l)obe er getan, obwohl er den Konflikt in der Metallindustrie vorausgesehen Hab«. Diese Behauptung ist unrichtig. Wissell hatte bcrslls am 12. September einen Urlaub vom 13. September bis 11. Oktober erbeten. Da? geschah, weil er sich in der Wahlbeivegung ein Leiden zugefügt hatte, das lange ärztliche Behandlung erforderte. Daß bei dem Urlaubsgesuch von Wistell der Gedanken an eine etwaige Schlichter- tätigkeit im Konflikt der Berliner Metallindustrie keine Rolle spielen konnte, geht am besten aus der Tatsache hervor, daß zu der da- maligen Zeit niemand voraussehen konnte, daß«ine Anrufung der Schlichtungsinstanzen überhaupt notwendig sei. Die Verhandlungen zwischen den Parteien sind erst am 30. September gescheitert. Erst an diesem Tage war es also deutlich geworden, daß die Schlichtungs- instanzen in Funktion treten würden. Es kann also kein« Rebe davon sein, daß Wissell sich selbst ausgeschaltet hat, es bleibt dabei, daß er ausgeschaltet worden ist. Ehintschuk ernannt. Als Botfchaster der HS©*, in Berlin. Moskau, 3. Oktober. Das Präsidium des Zentralexelutivlomüees der USSR. Hot nacb Erteilung der Agrements durch die Reichsregierung Leo Chin» tschuk zum Botschafter der Sowjetunion in Berlin ernannt. Der Beschluß wurde heut« veröffentlicht. * Ehintschuk war ursprünglich Mitglied der mcnjchewisti- s ch e n Partei. Nach der Qktoberreyolution war er in ipirtjchaitlichen Organisationen tätig und trat zu den Kommunisten über. Er war Vorsitzender des Zentrosojus(der zentralen Vereinigung der Äon- sumgenastenschasten). Politisch ist Ehintschuk nicht hervorgetreten. er war in der letzten Zeit mit Handelsmissionen betraut. Stresemanns Todesiag. Ein Telegramm Brionds. Während am gestrigen ersten Jahrestag de« Tode? Sstestmonns ein Grabmal auf dem Luisenstädtischen Friedhof enthüllt wurde. fand in der Genfer Bölkerbundsversammlung eine Kundgebung des Gedenkens statt. Der Präsident unterbrach die Der- Handlungen, um«ine kurze Rcd« zu Ehren des verstorbenen Reichs- außenministers zu halten/ die von den Anwesenden stebend angehört wurde. Im Namen der deutschen Abordnung dankte Graf Bernswrsf. Unter den zahlreichen Sympathiekundgebungen, die an die Witwe Stresemanns gerichtet wurden, sei neben einem Schreiben Otto Brauns im Namen der preußischen Regierung auch«in be- sonders herzlich gehaltenes Telegramm Briands erwähnt. ©tarhemberg dementiert sich. Der„mißverstandene" Faschistenaufruf. Wien. 3. Oktober. Die Bundesführung der Heimmehr hat einen auch von dem Innenminister Starhemberg unterschriebenen Auf- r u f erlassen, in dem angekündigt wird, daß die Heimwehr unter dem Namen eines Heimatblocks unabhängig von jeder politischen Partei in ollen Bundesländern in den Wahlkampf ziehen werde und sie sich auch durch eine„rote Mehrheit" das Steuer des Staates nicht werde entwinden lassen. Am Freitag erklärte Slarhcmbcrg ouu. daß der Aufruf mißverslauden worden sei. Durch die Gründung des Heimatblocks sei in keiner Weise die Taktik jür die Wahlen festgelegt und es sei lächerlich und falsch, darin einen Schlag gegen die Ehristlichsoztale Partei zu sehen. Ebenso bestreitet er. daß in dem Aufruf Putschabsichten geäußert würben. Dcmegegenüber sind dem christtichsoziqlen„Neuigkeitsweltblatl' Mitteilungen aus Heimwshr- kreisen zu,zegang«n, nach denen die Interpretation des Ministers Stqrhemberg unrichtig ist. Der Republikanische Schutzbund erläßt«inen Auf» r u s. in dem erklärt wird, daß die Arbeiterklaste die Verfastung und die Rechtsordnung verteidigen werde. Sie werde stark genug sein um zu verhindern, daß saschistischc Narren st reiche das Volk in ein neues unermeßliches Unglück stürzten.„Wer es wagt, so heißt es zum Schluß des Aufrufs, das österreichisch« Volk in seiner demokratischen Selbstbestimmung zu hindern, der wird auf!■ � Widerstand der Schutzbündler stoßen." Kür die Republik! Bekenntnis und Mahnung des Baugewerks-Bundesiages. Kranksurl a. 21t, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Der Bundestag des Deutschen Baugewerksbundcs faßte am Freitag folgende Entschließung: „Während der Beratungen des Bundestages ist die Reichsregierung mit ihrem politischen Programm an die Oeffentlichkeit ge- treten. Der Irchalt dieses Programms steht in schärsstem Gegensatz zu den vom Bundestag bereits angenommenen Entschließungen. Statt einer Zlnerkennung der Verpflichtung des Reiches, die Lebensmöglich- ketten für die Arbeitslosen zu sichern, will die Reichsregierung die Arbeitslosenversicherung und damit die Arbeitslosen selbst chrem Schicksal überlassen. Statt der dringend notwendigen Förderung des Wohnungsbaus will die Regierung weitere 40« Millionen aus der hrniszinsfleuer dem Wohnungsbau entziehen und auf dem Umwege über eine Realsteuerscnkung dem Grundbesi� und der Großlandwirtschaft zugute kommen lassen. Diese Maßnahm« bedeutet eine Einschränkung des Wohnungsbaus auf die Hälfte der bisherigen Wohnungsbautätigkeit. Gleichzeitig wird die endgültig« Einstellung der Bauförderungspolitik und die Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft für einen nahen Aeitpunkt vorbereitet. Schon diese beiden Beispiele zeigen offenkundig, daß der soziale Inhalt der Republik in Gefahr ist. Die Arbeiterschaft wird jede Regierung bekämpfen, die so wie die Regierung Brüning bereit ist, die Interessen des werktätigen Volkes denen des Besitz- bürgertums zu opfern. Mit welchen verfassungsrechtlichen Mitteln die Regierung Brü- ning ihre Pläne verwirklichen will, ist vollständig ungeklärt. Es besteht die große Gefahr, daß sie unter Zlußerachtlasfung der demo- krgtischen Grundsätze mit Hilfe der Diktatur durchgesetzt werden. Eine erfolgreiche Arbeit der Gewerkschaften zun) Wohle der werktätigen Bevölkerung ist in einem diktatorisch regierten Staats- wesen nicht möglich. Die Erhaltung des demokratischen Balksstaates ist deshalb für die Arbeiterschaft eine unabweisbare Notwendigkeit. Der Bundestag fordert deshalb die Mitglieder des Deutschen Bau- gewerksbuirdes auf, sich mit aller straft für den Bestand der Demokratie einzusehen. Stärkt die Gewerkschaften, stärkt die Sozialdemokratie, stampf allen Keindeu der demokratischen Republik. Der Bundesvorstand, der Bundesausschuß und die Bundes- reoisomi wurden gemäß den Wahloorfchlägen gewählt. Vorsitzender Bernhard widmete den ausscheidenden Funktio- nären und Bezirksvorsitzenden herzlich« Worte des Dankes, nament- lich dem langjährigen Hauptkassierer Kober, den er mit den Worten ehrt«: Wir konnten aus Kober bauen wie auf einen Fels. In seinem Schlußwort führte Bernhard folgendes aus: Die in Frankfurt geleistete Arbeit kann sich sehen lassen. National und mternational wollen wer weiterarbeiten. Es gilt, Lohnbeffe- rungeu und Arbeitsbefferungen zu erzielen. Der Tarifvertrag muß verbessert werden. Nachdem die Form geschaffen ist, muh der Inhalt ausgebaut werden. Es kann eine schwere Zeit kommen. Wir werden uns ober nicht entmutigen lassen. Gerade jetzt hat das Reichsarbeitsministerium einen Antrag des Holz- arbeiterverbandes, die bisherigen Löhne für verbindlich zu erklären, abgelehnt(Pfui-Rufe). Die Bildungsarbeit mutz gestärkt wer- den. Es gilt nicht nur gewerkschaftlich tötig zu sein, sondern wir müssen auch für die polltische Partei arbeiten, für die Sozialdemokratische Partei.(Lebhorter Beifall.) , Der Führer des Reichsoerbandes der deutschen Industrie, Ge- hcimrat Dulsberg, hat gesagt, die Vertreter der Wirtschast müßten aus ihrer Zurückhaltung hervortreten und müßten sich aktiv an der Politck beteiligen. Das gleiche muß auf unserer Söst« geschehen. In der Partei und im Reichsbanner, der Schutzorganisation der Republik, müsien wir tätig sein. Schuht die Republik durch eure Mitarbeit in der Sozialdewa. kralischen Partei! Die imposante Tagung wurde mit einem Hoch auf die deutsche und internationale Arbeiterbewegung und den Deutschen Vau- gewerksbund geschloffen, das stürmisch Widerhall fand. Erneuter Abbau im Bankgewerbe. Eine vom Allgemeinen Verband der Deutschen Bankangellten anläßlich des erneuten Abbaues im Bank- gewerbe einberufene Konferenz der f r e i g e w e r ts cha f t- lichen Betriebsräte des Bankgewerbes nahm zu den Fragen des Abbaues und der Rationalisierung im Bankgewerbe Stellung. Die Aussprache ergab die einstimmige Annahm« der nach- stehenden Resolution: Die freigewerkschaftlichen Betriebsräte im Dankgcwerbc stellen mit Entrüstung fest, daß trotz der verzweifelten Loge des Arbeits- Marktes die Bankleitungen wiederum.zahlreichen älteren Bank- angestellten die Kündigung zugestellt lzaben. Erfpanisie ungleich höherer Art würden durch Abbau des nach wie vor übersetzten Leitungsapparates, durch Pen- Zionierung überalt e ter Direktoren und. Pro« kuristen und nicht zuletzt durch Kürzung der in die Hundert- taufende gehenden Bezüge und Tantiemen der Voll- direktoren zu erzielen fein. Rationalisierung und Mechanisierung aber haben«in« derartige Inanspruchnahine aller körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Angestellten gezeitigt, daß auch eine tägliche achtstündige Arbeitszeit sich mit den gesundheitlichen Erfordernissen nicht mehr in Einklang bringen läßt. Di« Betriebsräte werden daher«ine verschärfte Kon- trolle der Arbeitszeit in den Betrieben vornehmen und erwarten von den Belegschaften, daß diese ihrerseits gegen jede Zuknutung, Uebe rar bebt bei gleichzeitigem Personalabbau zu leisten, energisch ablehnen und ihre Bctriebsvertrctung von derartigem Ansinnen sofort verständigend Golidaniät bei den Buchdruckern— Revolutionäre— dagegen? Auch die Buchdrucker find von der großen Krise nicht verschont geblieben. Die Zahl der Arbeitslosen hat eine Höhe erreiche die nur einmal im Winter 1923/24 nach der Markstabilisierung über- schritten wurde. Wem: jetzt 3500 arbeitslose Buchdrucker in Berlin zu verzeichnen sind, so bedeutet das, daß über 20 Prozent, jeder fünfte Buchdrucker, unfreiwillig feiern muß. Diesen Opfern der verkehrten Wirtschaftsordnung zu helfen steht die in Arbeit stehende Kollegenschaft als ihre heiligste Pflicht an, und der Geist der Kollegialität und Solidarität, aus jahrzehntelanger lieber- lieferung stammend, greift hier helfend ein. In Berlin wurden im Laufe eines Jahres(September 1929 bis September 1939) aus der G a u k ä s s e für Unterstützungen 340 000 M. gezahlt, wovon allein 203 000 Rl. an Ausgesteuerte (monatlich 25 M.) gezahlt wurden. Dazu kommen die Unrerstützungen aus der B« r b a n d s k a s s e, die für Berlin 605 000 M. betragen. Auch in dieser Summe sind 100 000 W. nur Notstandsunterstützung für Ausgesteuerte enthalten. Im Gau Berlin wurden also in einem Jahr nahezu eine Million Mark Anlerstuhungsgelder gezahlt. Daß derartig« Ausgaben eine Beitragserhöhung notwendig machten, sieht jeder ein. der noch Sinn für Soiidarilät hat. Der gesunde Geist ist bei den Buchdrucker» vorhanden, wie die jüngsten Bezirksversammlungen bewiesen haben. In allen Versammlungen wurde die Beitragserhöhung fast einstimmig gut- geheißen, nur 170 Unentwegte(aus allen Bezirken zusammen) hatten keinen Sinn für praktische Solidarität. Daß diese 170 Stimmen von der„rrrevolutionären" Gewerkschastsoppo- sition kamen, kennzeichnet den Charakter dieser Heiden am besten. Die Arbeitslosen müsscü sich diese Handlungsweise sür später merken. Ein halbes Lahr„�oier" Betriebsrat. Im Hospjtal Buch(Ost). Entgegen dem Gewerkschaftsbeschluß, zu den Betriebsrätewohlen eine einheitliche freizewerkschaslliche Liste aufzustellen, folgten die „revoluiionären" Gewerkschaftsmitglieder der Moskauer Zersplitte- rungsparole. Sie hatten den Wahlvorstand besetzt und konnten daher die Gewerkschafisliste einiger Formfehler wegen zurückweise». Damit hatten sie sich s e l b e r g e w a h l t. Das Arbeitgericht erklärte zwar die Zurückweisung der Liste für oerfehlt und damit die„Wahl" sür ungültig, allein auch ihm unterlief hierbei ein Formfehler, weshalb sein Urteil vom Landesarbeitsgericht aufgehoben wurde. Run hätte der Vorsitzende des Betriebsrats, Damerow, die beste Gelegenheit gehabt, durch sein Verhalten die Belegschaft mit der Existenz eines„roten Betriebsrotes" auszusöhnen und zu zeigen, wie rührig, energisch und sachkundig die„Revolutionäre" im Gegen- satz zu den„Resorwisten" sind. Do Damerow aber einen Teil der Belegschaft in die unangenehmsten Situationen brachte, wurde eine Betriebsversammlung gefordert, um dem guten Manne nahezulegen, von seinem Posten zurückzutreten. In der Bersammlung wurden gegen Damerow die schwersten Vorwürfe erhoben. In einer Entschließung wurde festgestellt, daß er kein Dertrauen mehr hat und von ihm gefordert, sofort sein Mandat niederzulegen. Da Damerow den Braten vorher roch, hatle er sich als Rausreißer den kommunistischen Stadtverordneten Solzsreder verschrieben. Doch als Damerow diesem ungebetenen Gast das Wort erteilte, war die Geduld der Dersainttielten'zu Ende. Sie verließen geschlossen den Saal und überließen den beiden„Revolutionären" das leere Feld. Bei der kommenden Betriebsratswahl erfolgt die Abrech- nung._ Richimeisteriagung. Die Reichsfachgruppe der Richtmeister im Deutschen Werkmeister oerband, Sitz Düsseldorf, hielt kürzlich in Hannover ihre diesjährige Tagung ob. Aus fast allen Orten des Reiches, an denen Richtmeister seßhaft sind, waren Delegierte er- schienen. Geschäftssührer H o n na cke r, Düsseldorf, erstattet« den Geschästsberichl, woraus das Anwachsen der Mitgliedschaft in der Berichtszeit hervorging, wie der gesunde Stand der Bewegung überhaupt. Die Richtmeister fordern insonderheit die Einbeziehung in das Angestelltenverhältnis gemäß den arbeits. und sozialrechtlichen Bestimmungen. Beschwerde wurde darüber geführt, daß zahlreiche Firmen die rechtliche Stellung des Richtmeisters ver- kennen und verlangt, daß der DWB. hier unter Anwendung aller zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel auf Abänderung drängt. tllllllllllllllllllllllilllli III II) Hl II III III III 111111114411�1 M Hqg.-z ti6.* 957�. safa.i Das Elend im �uhrbergbau. Entlassungen, Feierschichten und— Mehrarbeit. Nach den letzten Feststellungen sind im Ruhrbergbap vom 1. Januar bis 1. September 65 038 Bergarbeiter entlassen worden. Gleichzeitig wurden nicht weniger als 6 947 000 Jeier. schichten eingelegt. Rechnet man die Schicht mit einem Durchschnitts- lohn von S M., so ist allein durch die Feierschichten ein Lohnaussall AlmaKme der Arbeiter in den devitscben Betrieben _ �989' Textilindustrie Maschinen.PaKrx etile ltahininls� llenu 7 7.; Baugewerbe ,1"" miiiiiiHiiimiiiuillllim Ti.a rl et allwar ert»Mt/imaW«« o 1. 1 Ind. d. Steine u-ErdenfiBBiiHi�l V o..,.> niiruTiiiiiiiiiiiimmiu's 9 t> Papierindustrie MMaMMMitz,? � DehtrJftd�einm�Opt. fflMTTTinMIlIFz3 bV. V* � mOO Eisen-uJletallgewumllllllllllllllllllllllll��8«____ BeUeidun�|ewe,bemHffl*A08V5O � Chemische IndustriowWLM��.e Hok"u.Sc}iTutistoff|ew. SllSiSHffi\\sC)Vt6 Wasser.Gas, Elehtrh.it. HHio Gesam.t- Abnahme Leder tj.Linole um ind- Hfss.fc0 MhH.sTausend Arbiter MusSdastr., Spielwaren BPh?.'; 119�8 ■ l 929 von 62J5 Millionen Mark entstanden; auf den Kopf der Belegschaft umgerechnet macht das 200 M. aus. Dazu kommt noch der Lohn. aussall bei den 65 000 Entlasienen. Diese Zahlen beleuchten deutlich, wie sehr es der Ruhrbergbau verstanden hat, das Risiko der Wirt- schaflskrise auf d-ie Arbeiter abzuwälzen. Wie sehr sich ein solcher Lohnausfall im Herabsinken des Lebens- standards auswirken muß, ergibt sich daraus, daß selbst ein voller Verdienst im Monat nicht ausreicht, einen Bergarbeiterhaushalt schuldenfrei zu halten, ohne den Verbrauch an Lebensmitteln aufs empfindlichste einzuschränken. Es heißt ein gefährliches Spiel mit der Geduld der Bergarbeiter treiben, wenn der Zechenverband heute noch' daran denkt, die Löhne abzubauen und das Ar- beitszeitabkommen zu verlängern. Bergbau- Schiedsspruch für Oberfchlesien. Beibehaiiung der Löhne bis Ende Zanuar. Gleiwih, 3. Oktober. In der Lohnstreitsache im obsrschlesischen Siel»kohlen- und Erzbergbau wurde am 2. Oktober zwischen den Tarif- Parteien ergebnislos verhandelt Die Schlichterkammer unter dem Borsitz des Sonderschlichters Professor Dr. B r a h m sollte einen Schiedsspruch, der sür den oberschlesisckzen Stein kohle nbera- bau die Beibehaltung der bestehenden Lohntarise vorsteht. Die neue Lohnfestsetzung laust unkündbar bis zum 31. Januar 1931, die Erklärungsfrist der Parteien bis 13. Oktober. Auch beim oberschlcsischen Erzbergbau, über dessen Lohn- verhälwisie anschließend verhandelt wurde, ist es im wesentlichen tei den bisherigen Löhnen geblieben. Rur für ztvei Erzgruben, die unter ganz besonders ungünstigen Bedingungen arbeiten, ist. abac- sehen von den geringer bezahlten Arbeitnehmern, eine Lohnkürzung um 4 Proz. eingetreten. Dauer der neuen Regelung und Er- klärungssrist sind dieselben wie beim Steinkohlenbergbau. Kündigungen im Aachener Revier. Die Zechenbesiher wollen Vie Löhne kürzen. Aachen, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Im Aachener Steinkohlenbergbau hat der Arbeitgeberoerband das Lohnabkommen vom 27. Mai 1929 zum 30. November gekündigt. Darauf haben die Gewerkschaften, sowohl die christlichen als auch der freie Bergarbeüerverband, das Arbeits- zeitabkommen zum gleichen Termin gekündigt. Baias Plan gefcheiieri. Der preußische Staatsrat beschloß, die Verkaufsverhandlungen mit dem tschechischen Schuhkönig Vota über den Klodnitzer Wald einzustellen und das Gelände im Staatsbereich zu belasten. Die ungarische Schuhindustrie, die gegen die Errichtung Vatascher Betrieb« in Ungarn kämpft, hat sich an die Re- gierung mit dem Ersuchen gewandt, die üblichen Vergünstigungen für Einsuhr von Maischinen nach Ungarn im Falle Vota nicht in Kraft treten zu lasten. Man glaubt damit, die Errichtung von Bata- Fabriken zu verhindern. Gpalwng in Jugoslawien. Die Sozialistische Partei Jugoslawiens ist von dem gegen- wäriigen Regime o e r b vi en. Unmittelbar vor dem Derbote ihres Wirkens erlitt sie die Abspaltung einer Fraktion unter den Führern Dttomir Koraö und Nodeljko Divac, aus deren dringendes Berlangen zum Beitritt zur Bauern-Demotraten-Koalition die Mutterparlei nicht eingehen konnte. Besagte Fraktion trug in sich sämtliche Merk- male von Dorfrebellen, etwa nach der Marke der russischen Sozial- revolutonäre. Nunmohr legt diese Fraktion ihre Finger auch an die Gewerk- schaftsbewegung, und es gelang ihr, den„Allgemeinen Ar- beiteroerba nd Jugoslawiens" aus der Gesamtheit der Gewerkschaft herauszureißen. Das Organ dieses Verbandes, „R a d n i ö k i G l a s n i k", hat sich gegen die Gesamtheit der Be- wogung erklärt, und machte sich in der letzten Zeit vovllkommen solidarisch mit der Bewegung der gelben Syndikate, welche unlängst von der Belgrader Gewerbekantmer ins Leben gerufen wurden, unter reichlicher Unterstützung der jugoslawischen Unter- nehmer. Proteststreik im Kohlenrevier Earmaux. Paris, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Die Grubenarbeiter vom Kohlenrevier Earmaux, im Wahlkreis des sozialistischen Abgeordneten Paul B o n c o u r haben iür den nächsten Montag einen 24stündig«n Prot« st streik be- schlysten. Es handelt sich um die unerledigten Verhandlungen über eine der Teuerung entsprechende Aufbesserung der Löhn«. Außer- ordentliche Polizeimaßnahmen sind getroffen worden, um Unruhen zu vermeiden, da sich diesmal auch Kommunisten der Streitatiion anschließen werden. Streikwelle in Spanien. Die Streiklage in Bilbao und in einigen anderen Städten des Nordens nimmt ernste Formen an. Die Lebensmittel beginnen zu mangeln. Die Hafenarbeiter weigern sich, die Fische nach Madrid zu verladen. Man befürchtet den Ausbruch von Unruhen. l�reie Gewerkicbaitg-Iuqenö Berlin Di» Iuoendvorstrlluno der Vottsbllhne findet statt am Sonntag, dem ö. Oktober, im Zheatcr am Blllowoiost. EintriU-karten gum Preis, oon 80 Pf find in der Ingendrenteale. Sngelufcr 24— 2ö.?immer 26. ,u haben.— Leute. Sonna'.end. 19Vj Uhr. Zusammenkunft der Mädchenoertret'nnen dep Sitdkreiseo in der Zugendzekltrale. Sewerkschaftohau». Engoluier 24— 2a, Zimmer 26. Verantwortlich>ilr Politik: Victor Schiff! Wirtichatt: S. illinqeldöicr! Dewerklchattobcwegung: Fr. dsttorni Feuilleton Dr. John Schilowoti! Lokales: und Soirstiocs Frih Narstiidt: Anreraeu: Th chtoeke: sämtlich rn Lcriiu. Verlag: Porwärts-Veelag da keiner von beiden zahlen will, schlagen sie sich blutig, daß der eine auf dem Erdboden liegt und der andere heimlich entfleucht, als das Ueberfallkommando erscheint. Herr K l e m e n tz, Inhaber einer Drahtzaunfabrik, und Herr Timm, der früher einmal in die Firma als Teilhaber eintreten wallte, waren von einem Angestellten wegen Nichteinhaltung eines Anstellungsoortrages verklag! worden. Wer von den beiden war zur Erfüllung verpflichtet? Es ging um Geld. Heilige Gefühle waren entfacht, das Innerste der beiden Herren war aufgewühlt. Während der Verhandlung schon schrien sie aufeinander ein, und auf dem Gange packte Herr Timin Herrn Klementz und schlug auf ihn los, bis er blutend an, Boden lag. Schließlich konnte Klementz flüchten, Timm aber eilte ihm nach, und im Erdgeschoß des Arbeits- gerichtes kam es zu einer neuen wilden Prügelei. Immer hitziger wurde der Kampf, man stürmte ins Haus zurück, der eine von beiden riß die Tür eines Zimmers auf. in dem gerade ver- handelt wurde, im Gerichtssaal wurde der Raufhandel fortgesetzt: vergeblich versuchten die überraschten Parteien, oersuchten der Richter und seine Beisitzer, die unerwarteten, schimpfenden und schlagenden Besucher auseinanderzubringen Erst das Ueberfallkommando konnte die Kampshähne trennen. Aus vielen Wunden blutend, wurde Herr Klementz vorläufig in Haft genommen. Herr Timm ha te es vorgezogen, das Hasen- p a n i e r zu ergreifen und schnurstracks zu enteilen... Bombe im Postamt. Schwere Explosion.'- Die Beamten durch glücklichen Zukail gerettet London, 3. Ottober. Eine schwere Bombenexplosion ereignete sich heute nachmittag vor dem Londoner Hauptpostamt, während Post- beamte damit beschäftigt waren, ein Postauto zu beladen, explodierte plötzlich der Inhalt eines mit Postsendungen gefüllten Sacke». Die Sprengwirkung war außerordentlich stark. Samt» liche am Postwagen beschäftigten Angestellten wurden zur Erde geschleudert und verdankten lediglich einem glücklichen Zufall, daß sie nur mit Hautabschürfungen davon gekommen sind. Ueber den Ursprung der Bomben könnt« bisher nichts Genau«? festgestellt werden. Keine Arbeit in Berlin! Neue Warnung vor dem Zuzug Arbeitsuchender. Auf den Plakaten, die der Präsident des Landcsarbeits- omts Brandenburg wie bisher in allen Arbeitsämtern der Provinz Brandenburg und der Grenzmark Posen-Westpreußen anschlagen läßt, um durch die Veröffentlichung der Berliner Arbeitslvsenziffern abermals vor dem ungeregeltem Zuzug nach Verlin zu warnen, werden für den I. September 1930 folgende Zahlen angegeben: An diesem Tage gab es in Berlin im ganzen: 346 410 Arbeitslose. darunter 75 188 Metallarbeiter, 29 290 ungelernte Arbeiter, 35 607 kaufmännische Angestellte, 5707 Techniker. Am i. August hatte sich die Arbeitslosenzahl auf 347 882 gestellt, sie hat also in dem einen Monat nur um 1472 abgenommen. Ber- größer! hat sich die Arbeitslosenzahl unter bsn Metallarbeitern, und zwar um fast 3000, ebenso unter den ungelernten Arbeitern um ungefähr 2000; auch unter den kaufmännischen Angestellten um un- geföhr 1300, dagegen ist die Arbeitslosigkeit bei den Bau- a r b e i t e r n wieder etwas zurückgegangen. Verwirrung der Gefühle. Der Mann, der immer wieder auf seine Braut scho$. Besucht Berlins Museen Die Besuchsze-ten der neuen Häuser.— An drei Tagen freier Einiriti. Die Verwaltung der Berliner Staatlichen Museen gibt jetzt die allgemeinen Besichtigungszeiten der jetzt eröffneten neuen Museen auf der Museumsinsel bekannt. Das Deutsche Museum, das Pergamon-Mufeum und das Vorder» asiatische Museum sind an allen Wochentagen mit Aus- nahm« des Wontags von 9— 15 Uhr geöffnet. Am Sonn- tag, Mittwoch und Sonnabend ist der Eintritt frei, am Dienstag, Donnerstag und Freitag werden 50 Pf. Eintrittsgebühr erhaben. Oer neue Winterfahrplan für Berlin. In der Nacht vom 4. zum 3. Oktober tritt bei den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen ebenso wie im übrigen Reichs- bnhngcbiet der Winterfahrplan in Kraft. Gegenüber dem bis dahin geltenden Sommerfahrplan wird d«r Verkehr nahezu im unveränderten Umfange aufrechterhalten. Lediglich auf der Strecke nach Friedrichshagen kann infolge der wirtschaftlichen Ver- Hältnisse der bisherige Fünfminutenvcrkehr nur während der Zeit des Berufsverkehrs aufrechterhalten bleiben. Außerhalb des Be- rufsvcrkehrs ist auf dieser Strecke der im Vorortverkehr übliche Zohnminuteiwerkehr vorgesehen. Bei den Fahrkartenausgaben sind auch die neuen T a f ch e n f a h r p l ä n e für den Winterabfchmtt erhältlich. Neben dem sogenannten„Tafchenfahrplan", der 30 Pf. kostet und alle Pläne des gesamten Stadt-, Ring- und Aorortoer- kehrs sowie die Abfahrts- und Ankunftszeiten aller Berliner Fern- zöge enthält, find auch wieder die vier kleinen„Westentaschen- sahrpläne" herausgegeben worden, die nur 10 Pf. kosten und jeweils einen Teil des Stadt-, Ring- und Vororwerkehrs umfassen. Mii dem Reiseautobus zum Licpmtzsee. Am nächsten Sonntag fahren B V G.- R e i s e w a ge n ab Zoo um 11 und 13 Uhr zum herrlichen, von wundervollem Dauerwald umgebenen L i c p n i tz- s« e. sowie nach Fichtengrund und Fricdrichsthal an der Oberhavel Nach Buckow in der Märkischen Schweiz fahren Reisewagen ab 8,30 Uhr vom Palasthotei(Potsdamer Platz). Nähere Auekunst und Kartenvorverkauf bei der BVG-verkehr-abteilung KSthener Straße 17. Te'ephon: Lützow 9014. Apparat 117. ver nächste s-rii-ilwissenschastllche?rageabcnd. Im Institut für Serüalwissenlclvist findet der nächst« ferualwiffensämstlich« Frage- abend unter Leitung von Dr F Abraham am Montag, dem ö. Oktober. 20 Uhr. im Ernst-Haeckel-Saal. In den Zelten 9»(Ein- gang Gartennn-'-'N nmh Unkoitenbeitrag 0,20 Mark. Erwerbs- 'afe frei. Einen selkenen Fall von Gefühlsverwirrung erlebte man gestern im Gerichlssaal. Im Februar dieses Jahres verurteilte das Landgericht I den 23jährig«n Arbeiter R. wegen versuchten Totschlages an feiner Braut zu sechs Monaten Gefängnis. Die Kopfverletzung, die der junge Mensch unmittelbar nach der Tai sich selbst beigebracht hatte, kostet« ihm das recht« Auge. In der Gerichtsverhandlung verweigerte die Braut die Aussage: die jungen Leute Hatten sich bereits vor längerer Zeit ausgesöhnt. Im April erwarb R.— angeblich zum j Wiederverkauf— einen Revolver, zu dem die von der ersten Tat i zurückgebliebenen Patronen paßten: diese waren ihm von der Gefängnisoerwaltung bei seiner Entlassung ausge- händigt worden. Am 13 Mai erhielt der Verurteilt««in« Be- Währungsfrist zugebilligt. Vier Tage später feuert« er aus der neu erworbenen Waffe drei Kugeln ab: wie feine Braut be- hauptete, flogen zwei davon dicht über ihren Kopf hinweg. Die dritte jagte er sich in die Brust. Er war hinterher viele Wochen hindurch krank. Auch die zweite Anklag« lautete aus ver- suchten Totschlag. In der gestrigen Gerichtsverhandlung bestritt N., auf sein« Braut geschossen zu haben. Diesmal wollte das junge Mädchen nicht ihre Aussage ver- weigern: sie fühlte sich nicht mehr als die Braut des Angeklagten, sagt« sie. Er wieder erklärte, sie nicht wie in der ersten VerHand- lung schonen zu wollen. Und so entrollte der Angeklagte vor Gericht ein Bild unglaublicher Gefühlsoerwirrung. Im Jahre 1927 lernte der Angeklagte N. Ella B. kennen. Bald darauf gestand sie ihm, von ihrem früheren Freunde in anderen Umständen zu sein. Gegen den Willen ihres Freundes brachte sie die Frucht heimlich weg. Einige Monate später war sie wieder in anderen Umständen— diesmal von einem Kartoffel- großhändler. Sie zeigte ihrem Freund auch Geschenk«: 300 Mark und eine golden« Uhr. Di« Frucht brachte sie wieder weg. R. ergab sich vor Kummer wegen der Untreue seiner Freundin drei Monate lang dem Alkohol. Von dem Mädchen wollte er nichts mehr wissen. Sie aber sucht« ihn auf, versprach vernünftig zu werden: er beschimpfte sie und wies ihr die Tür. Sie kam wieder: er widerstand nicht, die Beziehungen wurden hergestellt, die langen Leute verlobten sich. Nach einiger Zeit wurde der Mann von seiner Braut infiziert. N. löst« die Verlobung. Drei Wochen später kam die B. erneut zu ihm. Er entfernte sie gewaltsam aus seiner Wohnung. Sie kam«in zweites Mal. Er liebte das Mäd- chen noch immer, gab klein bei und oerlobt« sich ein zweites Mal. Und wieder traf er sie mit einem fremden Mann auf der Straße, dem er auf der Stelle einige Ohrfeigen verfetzte. Er verzieh ihr wieder. Eines Nachts im Oktober feuerte er dann im Hotel gegen sie und auf sich zum erstenmal die Schüsse ab. Sie lagen gerade im Bett, als die Braut sagte:„In demselben Bett lag ich bereits einmal mit dem Kartoffelgroßhändler." Außer sich vor Wut und Eifersucht griff N. zur Waffe. Die Begründung des ersten Urteils hatte seinem Afsektzustand Rechnung getragen. «»Ein anderer Mann kriegt dich doch nicht.'' Der Angeklagte verfolgte seine Braut nach wie vor mit seiner Eifersucht, anscheinend nicht ohne Grund: sie reizte ihn immer wieder bewußt zu leidenschaftlichen Ausbrüchen, bei henen er sie stets mißhandelte. Eines Tages— es war der 17. Mai— erklärte sie ihm, sie wolle ihn verlassen, sie paßten nicht zu- einander. Gemeinsam mit der Schwägerin erschien sie in seiner Wohnung, um ihr Grammophon abzuholen. N. bat sie, doch bei chm zu bleiben, beteuerte seine Liebe: sie blieb dabei, von ihm gehen zu wollen. Der Mann wurde immer erregter, sagte plötzlich:„Ein anderer Mann kriegt dich doch nicht" und im nächsten Augenblick knallten die drei Schüsse. Das junge Mädchen blieb unversehrt. N. mußt« ins Krankenhaus gebracht werden. Das Gericht erachtete die Absicht, die Braut zu töten, für nicht erwiesen und sprach den Angeklagten von der Anklage des ver- fuchien Totschlags frei, wegen unbefugten Waffenbesitzes wurde er jedoch zu 6 Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewäh- rungsfrist verurteilt. Schule will Elternhaus ersetzen. Mustergültiges städiifches Mädchenheim.— Fernab von der Großstadt. Das Zohannaheim in WerstpsuHl bei Werneuchen gehört zu jenen Stiftungen, die. in der Porkriegszeit von wohlhaben- den Privatleuten gegründet, in der Nachkriegszeit zusammenzubrechen drohten. Wo es irgend angängig war. hat in solchen Fällen im Interesse der volkswohlsahrt die Stadt Berlin schützend ein- gegriffen. Anerkennenswerte Verdienste hat sich in dieser Hinsicht die sozialdemokratische Stadlrälia Weyl erworben. Das Iohannaheim in Werftpfuhl bei Werneuchen gehört zu der Eduard- und Iohanna-Arnhold-Stiftung, die mit einem Kapital von 3 Millionen Mark von dem Kohlenindustriellen Geheim- rat Cduard A r n h o l d errichtet würde, um elternlose Mädchen vom 6. Lebensjahr ab bis zum 18. Lebensjahr« heran- und aus- zubilden. Da das Stiftungskapital infolge der Inflation zu- fammenschmolz und das Heim mit privaten Mitteln nicht mehr zu hallen war, wurde es der Stadt Berlin zum Kauf ange- boten und von dieser zum 1. April 1929 gekauft und am 1. Juli 1929 eröffnet. Das Heim gliedert sich in 3 Abteilungen: a) das Kleinkinder- heim; b) das Erholungsheim; c) die Haushaltungsfchule. Das Kinderheim nimmt 100 Kleinkinder im Alter von 2 bis 6 Iahren auf, deren Eltern entweder verstorben oder wegen wirt- schaftlicher und persönlicher Verhältniste nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu erhalten und zu erziehen, versucht wird, diesen Kindern da» fehlende Elternhaus zu ersetzen und sie durch geregelle Lebens- weise körperlich zu kräftigen und geistig und seelisch zu fördern. Um indwiduelle Arbeit leisten zu können, sind die Kinder in 9 Grup- pen eingeteilt, die von einer Kindergärtnerin oder Schwester be- tveut werden. In dem Erholungshelm finden 20 erholungsbedürftige Schulkinder Aufnahme, die für 4— 6 Wochen in der gefunden Luft und bei guter Ernährung und Betreuung sich kräftigen sollen. Ungefähr 50 junge Mädchen können nach Beendigung der Schulpflicht in die haushalkungesch-ule aufgenommen werden. Die Schülerinnen sollen soweit gefördert werden, daß sie später ihrem Beruf und ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter gerecht werden können. . Die einjährig« Ausbildung wird von sachlich ausgebildeten Lehrkräften geleitet. Ganz besonderer Wert wird auf eine m ö g- l i ch st praktische Ausbildung gelegt, die durch theoretischen Unter- richt ergänzt wird. Mit Literatur und Musik, Spiel, Sport, Tanz, Wandern und freier Beschäftigung wird die Freizeit ausgefüllt. Die ärztliche Betreuung ist durch einen praktischen Arzt aus Werneuchen sichergestellt, der täglich ins Haus kommt. Achtzehnjähriger, umTodeverurieitt Die Geliebte erwürgt— Oer Täter geist'g beschränkt Osnabrück, 3. Oktober. Vor dem Schwurgericht wurde der sensationelle I b u r g e r M o r d f a l l verhandelt, der vor wenigen Monaten ollgemeines Aufsehen erregte. Die, Anklage wirft dem kaum achtzehnjährigen Tischler Schulte aus München bei Iburg vor, die siebenundzwanzig- jährige Menstmagd W a l l m e i e r vorsätzlich durch Erwürgen und Erhängen ermordet zu haben. Der Angeklagte ist ein kleiner, schmächtiger, offenbar geistig beschränkter, stiller und verschlossener Junge. Er gibt an, er habe die Wallmeier auf einem Tanzvergnügen kennengelernt. Sie habe ihn dann, den gänzlich Unerfahrenen, zum Geschlechtsverkehr ver- führt. Später habe ihm die Wallmeicr mitgeteilt, sie bekäme ein Kind von ihm, er müsse sie nun heiraten. Sein Vater erfuhr von der Sache, und ließ ihm sagen, er würde zu Hause hrnousgeworfen, wenn das wahr wäre. Auch fein Onkel, bei dem er wohnte, wollte ihn auf die Straß« werfen, wenn das stimmte. Schließlich wurde er am 19. Juli arbeitslos. Jetzt wußte er überhaupt nicht, was er machen sollte. Am Sonntag vormittag, dem 20. Juli, ging er noch zur Kirche. Am Nachmittag wollte er sich in Glandorf nach Arbeit umsehen. Unterwegs fei ihm die ganze Geschichte im Kopf herumgegangen. Er war in völliger Verzweiflung und sah nur noch darin einen Ausweg, daß er oder sie sterben müsse. In diesem Zustand sei er dann mit dem Vorsatz umgefahren, das Mädchen um- zubringen. Er traf dann die Wallmeier, die ihn auf den Abend um 11 Uhr bestellte. Bei Bekannten besorgt« er sich Bindfaden. Als er zu dem Mädchen ging, kam chm dieses schon entgegen. Sie gingen in den hundert Meter cntfcrntliegenden Wald und unter- hielten sich erst. Dann habe er den Bindfaden aus der Tasche ge- zogen, eine Schlinge gemacht und vorgeschlagen, Pserdchen zu spielen. Dann habe er ihr die Schlinge um den Hals gelegt und ihr noch gesagt:„Was du für ein schönes Pferdchen bist." Plötzlich habe er die Schlinge mit aller Gewalt zugezogen Di« Wallmeier sei ohne einen Laut von sich zu geben tot umgesunken. Ms er die Leiche an einem Baum aufhängte, um Selbstmord vor- zutäuschen, sei die Schnur gerissen. Er habe dam, seine Schuhe mit den Turnschuhen des Mädchens vertauscht, uin die Fußspuren zu verwischen, und dann di« Leiche an dem Hoftor aufgehängt. Die Turnschuhe hat er dann in seinem Schrank versteckt und sich schlafen gelegt. Am anderen Morgen hat er sich dann auf dem F�lde be- schäftigt. Als der Landjäger kam, da erst habe er an die Folgen gedacht und an das, was er nun angerichtet hatte-, das war ihm vorher überhaupt nicht klargeworden. Er wurde dann verhaftet und gestand nach einigen Leugnungsvsrfuchen die Tat mit allen Einzelheiten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlichen und überlegten Mordes zur Todesstrafe und lebenslänglichem Berluft der bürgerlichen Ehrenrechte. Es hielt den Tatbestand des vorsätzlichen und überlegten Mordes erwiesen und sah sich nicht in der Lage, in der Jugend und der geistigen Beschränktheit des An- geNagten die Ueberlegung der Tat zu verneinen. Gelbstmordversuch oder Messerstecherei. Geheimnlevotte Verletzungen. Die Berliner Kriminalpolizei beschäftig, sich mit der Klärung eines mysteriösen Vorfalles. Am Freitag wurde der S3jährige Kaufmann Z r a w n y m seinem Laden in der Landsberger Straß« 3.5 unter verdächtigen Um- ständen ausgefunden. Der Laden wird zurzeit umgebaut. Als gestern der Maler dort erschien, um mit den Arbeiten zu beginnen, fand er zu seinem Schrecken, daß in einem Nebenraum der Geschäftsmann mit schweren Kopfverletzungen auf dem Erdboden lag. Di« Polizei, die sofort von dem Vorfall in Kenntnis gefetzt wurde, ließ Zrawny in das Krankenhaus am Friedrichshain bringen. Hier wurden ein Kopssteckschuß und mehrer« Berletzungen im Rücken, die offenbar von Messerstichen herzurühren schienen, fest- gestellt. Der Schwerverletzt«, der im Krankenhaus für kurze Zeit die Besinnung wieder erlangte, gab an, in de� Nachi zum Freitag in der Frankfurter Straß« mit mehreren ihm unbekannten Leuten in eine Schlägerei geraten zu sein. Dabei sei aus ihn gefeuert worden, und außerdem hätten seine Widersacher aus ihn mit Messern eingestochen Gr hätte sich noch bis zu seinem La- den schleppen können, wo er dann bewußtlos zusammenbrach. Die polizeilichen Ermittlungen dagegen lassen vermuten.- daß Zrawny di« Geschichte seines Ueberfalles erfunden hol und daß er in selbstmörderischer Absicht sich selbst die Schußverletztung bei- gebracht hat. Bei der Durchsuchung des Ladens wurde nämlich die Wofi««ntdecktz MS der der Schuß abgefeuert worden ist. Durch Sprengkörper verbrannt Lehrling fahrläisig getötet. Auf eine ganz eigenartige weise kam ein rAjShrlger Holzhändler zu einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Körperverlehung. Am 23. Mai wurde der 16jährige Lehrling Äurt W e n s k i mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, da er durch Explosion von Sprengkapseln gefährliche Verbrennungen davongetragen hatte, denen er schon am nächsten Tage erlag. Die sofort aufgenommenen polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß der Junge auf dem Boden seines elterlichen GeHöstes in Neuschulzen- dorf eine Unmenge von Sprengkapseln und Militär- geschossen aufbewahrt und schon häusig zur Entzündung ge- bracht hatte. Obwohl die Polizei wegen der dauernden Knallereien berests einmal eingeschritten war, experimentierte der Lehrling mit den versteckten Sprengkapseln weiter. Im Mai zog er sich dabei bereits durch einen Streifschuß eine Ve r l e tz u n g am Kinn zu, die ihm aber keine Lehre war, denn acht Tage später geschah auf dem Boden das schwere Unglück, bei dem er am ganzen Körper schwere Berletzungen erlitt, die dann seinen T o d zur Folge hatten. Die Gendarmerle stellte nach längeren Nachforschungen fest, daß der Lehrling den größten Teil der Sprengmitlel in einem Wasser- graben gefunden habe, der eine moorige wiese des holzhändlers Kirste in der Nähe von Neuschulzendorf durchzieht. Da weiter festgestellt wurde, daß der greise Holzhändler die Kapseln in den Graben versenkt hatte, erhob die Staatsanwaltschaft An- klage wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Vergehens gegen das Spreng st offgesetz. Be- sonders wurde die Schuld des Holzhändlers Kirste darin erblickt, daß er die gefährlichen Kapseln nicht mit genügender Sorg-� sali beseitigt habe. In der Verhandlung, die vor dem Schöffengericht in N e u k ö l l n stattfand, wurde erwiesen, daß der Angeklagte im Jahr« 1920 auf Antrag einen Sprengschein erhielt, der ihm zum Roden von Baumstubben zum Bezüge von Sprengkapseln für die Dauer eines halben Jahres berechtigte. Verschiedentlich oersuchte er, die Kapseln, die er nicht verwenden konnte, zu sprengen, nahm aber wegen der Gefährlichkeit aus Amaten wieder davon Abstand und grub schließlich in dem 80 Zentimeter tiefen Wassergraben serner Wiese ein etwa 30 Zentimeter tiefes Loch, in das er die Kapseln versenkte. Wie er angab, müssen jedoch die Sprengpatronen mit der Zeit wieder heraufgespült worden sein, so daß sie nur auf dem Grunde des Grabens logen, wo fle der Lehrling fand. Wik dem Staatsanwall kam das Gericht zu der lleberzeugung, daß der Angeklagte alles getan habe, um die Sprengkapseln unschädlich zu machen. Aus diesem Grunde wurde auf Freisprechung von der Anklage der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung erkannt. Lediglich wegen Vergehens gegen das Spreng st offgesetz wurde er zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis ver- urteilt, allerdings mit Bewährungsfrist. Das Gericht er- blickt das Vergehen dorm, daß der Angeklagte die Kapseln nicht sofort nach Ablauf des Sprengscheins wirksam vernichtet habe. Gin Notar zu Gefängnis verurteilt. Vor dem Schöffengericht Altona hatte sich der 42 Jahr« alte Rechtsanwalt und Notar Christian Börnsen aus Uetersen uzegen Unterschlagung im Amte zu verantworten. An- scheinend hat Börnsen, der großes Ansehen und Vertrauen genoß, seit langem nicht mehr die eigenen Gelder von den fremden Geldern, die durch seine Hand gingen, getrennt, so daß ihm allmählich die Uebersicht verloren ging. Di« Unterschlagungen sollen eine Summe von 40 000 Mark ausgemacht haben. Ein großer Teil dieser Summ« ist inzwischen zurückgezahlt worden. Nach ausführ- licher Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt, der in der Handlungsweise des Angeklagten«inen groben Vertrauensbruch er- blickte, wegen Amtsunterschlagung zwei Jahr« Gefängnis. Das Gericht verurteilte Börnsen, der den objektiven Sachverhalt im wesentlichen zugegeben hatte, wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung und fortgesetzter Untreue zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Von der Anklage des Betrugsversuches wurde er freigesprochen._ Aus der Partei. Sechs Jahre deutscher Politik. Der Parteivorstand gibt soeben einen Ergänzungsband der Sozialdemokratischen Parteikorrespondenz heraus; ein stattlicher Band von über 500 Seiten, der die Jahre von 1923 bis 1928 um- saßt. Die Jnslation habe Ende 1922 den Parteioorst«id gezwungen. das Weitererscheinen der Parteikorespondenz einzustellen. Erst zu Beginn des Jahres 1929 konnte dieses für feden Funktionär der Partei wichtige Orientierungsmittel wieder erscheinen. Der jeist ocrliegende Ergänzungsband umfaßt also die ent- icheidsnden Jahre deutschen politischen Lebens vom Ruhveinmarsch Ms zur rheinischen Metallarbeiteraussverrung von Ende 1923. Sechs Jahre deutscher Politik! Die jeweiligen Stationen, die uns der mit Material gedrängte Band vorführt, können hier nicht alle aus- aezählt werden. Jedem sind sie im aroßen und qunvm o>qenwärtig. Es zeigt sich die geschichtsbildende Kraft der deutschen Sozialdemo. kratie, wie sie Seit« an Seite mit ihren europäischen Bruderparteien ein»eues Deutschland in ein neues Europa hineinordnet. Ein schwerer und weitläufiger Kamps, den die Blätter des Buches dra- matisch Wiederaufleben lassen. Ereignisse, Situationen, Namen, Zahlen. Gestalten und Problem«, die unser rasch flutendes öffent- liches Leben ebenso schnell wieder verschwinden läßt, wie es sie 'mportricd.— der Chronist hält sie fest und stellt sie uns willig zur VerHiounq. Ein alphabetisch qerrdneies Jnbaltsoerzeichnis und ein ausführliches Sachregister erleichtern die Benutzung d-s Bandes außcrordenrüch. Der anonym bleibende Verfasser hätte alle Berech- ligung, sich dem interessierten Leser bekanntzugeben., Ein schwerer Wahlkampf liegt soeben hinter uns. Die Agitation der Partei darf nicht ruhen. Sie wird unentwegt weitergehen. Bei dieser Agitationsarbeit wird das vorliegende Werk vorzügliche Dienste leisten; jeder Redner und olle Agitationsleiter müssen dieses Buch zur Hand haben. Es ersetzt ein politisches Archiv, das sich nicht jeder herstellen kann. Sicherlich wird sich bald eine.zweite Auflag« als notwendig erweisen: dann sind gelegentliche stilistische Unebenheiten zu glätten, manche Zitate noch strenger zu belegen, endlich ist ein Abschnitt über die Parteitage einzufügen. Das Heidelberger Programm und der Kieler Parteitag sind zentrale Stationen in der ideologischen Entwicklung der Partei, die aus der politischen Geschichte der letzten sechs Jahre nicht wegzudenken sind. M, parieinachnchten fürGroß-Nerlin ClRfiBbung» für dtrf« StabcM flnb Berlin SB*8. Linbenltrahe 3. Irt»«n bu»rzirfrsekretarial . Hol, 2 StroBtn recht». richten 7. Sitte«h-rlottenbnra nnb apenban. Die Juristifch« Sprechstunde findet am Sonnabend, 4. Oktober, von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim, Rostnenftr. 4, statt,«elegenhcit zum»irchenaustritt. 11.«reis Schöneberg und 12.«reis Steglitz. Sonntag, S. Oktober, i Uhr. im Rathausiaal in Friedenau am Lanterplotz Veranstaltung der »l-inkunstbühne.«in Querschnitt durch unser heutige, Leben— Zeit. «h'-ter-«nrzstiicke- Schauspiel- Tanze- Mufik.«intritt»pr-i, 75 Pf.«arten an der Abendfaste. 3.«reis Wcddino. Dienstag, 7. Oktober, 20 Uhr, Im Saal« der .Lochschulbrauerel',«mrumer Ecke S-cst-ahc. Dieselbe V-ranstaltnn«. Preis»0 Pf. 17.«rei» Lichtenberg: sfraktionsstkunq der Bezirksoerordnelen und Bürger- D-puti-rien-m Montag,«. Oktober. 17 Uhr. im Rathaus, Lichtenbetg, tzramur 36. * Morgen. Sonnlag. 5. Oktober: 41. Abt. Eintrittskarten zum Unterhaltungsabend des«reisbildungoausfchustes am 7 Ottober in der-Sochschnlbraurrei" sind in der S-schäftsst-lle Utrrchter Straße 21 erhältlich. SJ1,®ie Gruppenführer werden gebeten, sofort neues Morkenmawriol«NN Abteilungskassterer in Empfang zu nehmen. ? 1 Heute, Sonntag,«onsumbestchtigung. Treffpunkt 10 Uhr Rittergut» strafje. 10. Abt. Heute, Sonntag, Besichtigung der Konsumanlagen in Lichtenberg, ... stdk vormittags. Treffpunkt 0 Uhr am Bahnhof Prenzlauer Allee. 117. Abt. Lichtenberg, ssllr die Motorbootfahrt am Sonntag stnd noch«arten bei den E nippenführern, den Genossinnen Bloch, Siewert und«lose(ab »Uhr Sauvtstraß«) zu haben. �?bi. M-nkenburg. beute. Sonntag, 10% Uhr. treffen sich die«enoste» aus ... dem Bahnhof Blankenburg zur Bestchtiauna des«onfum». 138. Abt. Sonntag, 5. Oktober, 11 Uhr, Besichtigung der Konsumanlage» in Lichtenberg. Abfahrt von Hermadorf 9.30 Uhr. Die Besichtigung findet für Mitglieder und deren Bekannte sowie Freunde statt. Iungsozialisien. Grnppr Reinickendorf. Sonntag. 5. Oktober. Treffpunkt zur ffahrt morgens 8 Uhr auf dem Babnsteig der U-Bahn-Haltestelle Reinickendorfer Straße. Grnppe Reukölln. Morgen. Sonntag, 5. Oktober. Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreuade. «rri» Renkölln. Montag, 6. Oktober, ist wieder Arbeitsstunde im Augend- Ganghoferstraße. 18 Uhr. Dir bitten um Abgabe der Fragebogen und Winter- ardeitspläne sowie Abrechnung der Bciiräge.— Mittwoch, 8. Oktober. 17'/� Uhr. im Jugendheim Ganghoferstrage wird zum erstenmal unser Eprechchor zur»gelt- logerreportoge" üben. Jung» und Rote Falken, die Lust für Sprechchar haben, bitten wir zu erscheinen. Gruppe Lichttämpser. Heute. Sonnabend, ist der Treffpuntt zur Fahrt um 18 Mir am Bahnhof Neukölln. Unkosten 1,10 Mk. Schlafsock und Decke nicht oergesten! All« Jung- und Rot« Falken stnd zur Stelle. «rei» Mitte. Gruppe«ruft Toller. Sonnohcnd keine Fahrt»ach Alt-Buch- korst, sondern Sonntag früh nach Seiligense«. Treffpunkt 8 Uhr früh tzehdenicker Straß« 24 ffrübcres Heim). 40 Bf. und Stullen mitbringen. Bezirk Mitte. Montag. 6. Ottober, 10% Uhr. im Heim Elisadethkirchstraße wichtige ktreishelferstßuna mit Elternvertretern. Bringt das fehlende Material für die«reiszeitung und Borschlägc für die Ausstellung mit. «reis Reukölln. Gruppe Funqvolk. Die Roten und Fnngfalkcn treffen sich um 10 Uhr am Rathau» zur Fahrt nach Selcliow. 30 Pf. mitbringen sowie Essen. «rei» Nenköll». Montag von. 18 bis 20 Mr Sprechstunde. Mittwoch Sprech» chorprobe von 17 bis 1» Uhr in der Baracke Ganghoferstraße. Alle müssen erscheinen. Geburtslage, Jubiläen usw. 7. Abt. Unserem Genosten Otto»eich«, Schröderstr. 13,»NM 2Sjäh eigen Partrljnbilünm die herzlichsten Siückwünsehe. 3«. Abt. Unserem lieben Senosten Richard F e ch n« r und leiner Sattin zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 42. Abt. Unserem Senosten Angnst« a I s e r und seiner Gattin znr Silber- Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. IIS. Abt. Lichtenberg. Unserem lieben Seuosten und lanqiährigen Schrift» führe, Alfred R e h a n s«» und seiner lieben Gattin Buggenh. genstraß«, zur Silberhochzeit dir best«» Glückwünsche. Dil Abteilungslritnng der III. Abteilung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 35. Abt. Unsere Genossin Margaret« Werner ist verstorben. Ehr« ihrem Andenken. Die Einäscherungsseier findet am Montag, 8. Oktober, ISVaUhr, im«rematorium Baumschulenweg statt. Wir bitten um rege Beteiligung. Wie lange ist es her, als„Der Pfiff um die Ecke" von Walter S e r n e r erschien. Diese psychologischen und grotesken Kriminal- Novellen gingen sang- und klanglos vorüber, während der Kitsch die große Auslage erzielte. Bor sechs Jahren kam das Buch herms. Hans T a s i e m k a zieht es aus der Vergangenheit hervor und gibt kurz und völlig sachlich einen Aufriß des Werkes, und dann liest der Schauspieler Erich P o n t o eine dieser Dichtungen. Im zweiten Teil seines Zyklus„Schöpferische Persönlichkeit" umreißt Gottsried Venn den physiologischen und psychologischen Ausbau des Menschen. Geschlissene, außerordentlich geistreiche Sätze, die den Extrakt neuester Forschung vermitteln wollen. Aber Sätze, die von einem Laien in ihrem ganzen Sinn oerstanden werden können. Für den Rundsunt liegt dieser Vortrag um einige Ebenen zu hoch und außerdem ist er Z" a b st r a k t gehalten. Dasselbe kann man von der Jugendstunde „luas soziale Biid unserer Zeit" feststellen. Soll der jugendliche Hörer wirklich an diesem Thema interessiert werden, dann müssen die Redner Prof. Woldt und Studienrat Monzel mit kon- kreterem Beispiel arbeiten. Dann müssen sie ihren weit überschauen- den Standpunkt ausgeben und vielleicht mit Beispielen aus der Gegenwart beginnen. Konsul Bernhard, der Freund S t r« s e. manns, spricht über die letzten Tage des Außenministers, der vor einem Jahre starb. Dann das Klingler-Juartett, das mit höchster Meisterschaft Negers v-Moll-Nuartett spielt. F- Sch. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefibäktsstell»: Berlin S 14. Sebastianstr 37—38 Hol 2. Tr. Die Treffpunkte zur Lustgarten-Kundgebung: gu dem am Sonntag, 5. vitober, 10 Ahr, im Lustgarten staltfindenden Aufmarsch stnd nur die Ortsvercinssahnen mitzusühren. Da» Zungbanner tritt in Bundeshcmd mit Windjacke an. Die vrtsoereine treten wie folgt an, Mitte: 14.30 Uhr«Ustriner Plah. Tiergarten: Kameradschaft Westen 1Z Uhr be! Richert, Steinmetzstr. 30s. - Kameradschaft Moabit 13.45 Uhr kleiner Tiergatten. Wedding: 14 Uhr Grenzallee sHumboldthain). Prenzlauer Berg: 14.15 Uhr Altersheim Danziger Straße. Friedrichshain: 14 Uhr auf den Eammelpläßen der Kamervdschaficn. Kreuz berg: 14.30 Uhr Fontane-Promenade. Eharlottenburg: IS Uhr Genbarmcnmorkt. Spandau: 15 Uhr Gcndarmcnmarkt. Wilmersdorf: 14 Uhr Altes Rathaus. tzehleudorf: 15 Uhr Gendarmenmorkt. Schöncberg.Friedri'au: 15 Uhr Gendarmenmarkt. Steglitz: 14 Uhr Dllppelplat). Tempelhof: 13.45 Uhr Bhf. Tempelhof. Nachzügler 14.90 Uhr Fontane- Promenade Neulölln-Britz: 14 Uhr Schönstedt-, Ecke Berliner Straße. Treptow: 14.30 Uhr Görlihcr Bhf. Abfahrt 14.18 Uhr ad Echöneweid«. Di« übrigen Kameradschaften entsprechend früher. Köpenick: Abfahrt Friedrichshagen 13.42 Uhr. Köpenick 13.48 Uhr, Spindlers» feld 13.39 Uhr, Grünau 13.40 Uhr, bis zum Schlessschen Bhf. Lichtenberg: 13.30 Uhr Bhf. Stralau-Rummelsburg. Weißensee: 14 Uhr Grenzallce sHumboldthain). Pankow: 14 Uhr Srenzallee sHumboldthain). Reinickendorf sOrtsverein): 14 Uhr Grenzaller sHumboldthain). Fricorichshain sIungbanncr): Die Dampferfahtt am Sonntag, 5. Oktober, fällt aus. Da, Iungdanner beteiligt sich restlos an der«eranstaltung IM Lustaarten Wintersport.Abt.: Am Sonntag, 5, Oktober, beteiligen sich sämtliche Kam«. roden an dem Aufmacsch bei ihren Ottsvereincn. Waerfpott-Abt. Fug Tegel: Sonnabend. 4. Ottober, 20 Uhr. stugverfamm- lung mit Lichtbildervottrag im Bootshaus Tegel, Uf-rstr. 1. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen.— Sonntag. 5. Oktober. 10 Uhr, Abfahtt zum Abpaddeln. Prcisvetteilung und gemeinsames Esten im Restaurant .Bürgerablage". Nachmittags gemütliche, Beisammensein im Bootshaus. Arbeiker-Samariler-Lund e. v.. Kolonne Verlin. Geschäftsstelle: R. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: v 1 Norde» 3340. Oktoberversammlungen: Montag, 6.: Bohnsdovf. bei Leimann. Wottersdorfer Straße. Dienstag, 7.: Treptow, Graetz- Ecke Wilden» bruchftr. Donnerstag, 9.: Wilmersdorf, bel Kraiß, Solsteinifchestr. Ablershof, Eanitätsbaracke, Hackenbergslr. Tiergarten, Lokal Klaute, Strom» straße 00. Eharlottenburg, Jugendheim, Rostnenftr. 4. Freitag, 10.: Kreuzberg. bei Krupp, Am Urban 20. Steglitz, bei Bohdr. Lichtettcldc-W., Roonftraße. Lichtenberg, bei Eeipke. Kronpttnzrnftr. 47. Montag, IS.: Schöneberg, bei Gehrke, Edersftroße 00. Köpenick, bei Hinze, Echönerlinder Straße 5. Wedding, bei Duwe. Echulstraße 109. Reukölln, bei Schreiter. Kirchhofstr. 41. Beißenj««, bei Stärke, Eharlottcnburger Straße. Dienstag, 14.: Friedrich». Hai«, bei Busch, Tilstter Straße 27. Mttt«. Schule, Gipsstr. 24«. Freitag. 17.: Reinickendorf, Lokal Matter. Eichbornstraß«»4. Dienstag. 28.: Kernndorf, Schule. Freiherr-pom-Stein-Straße._ Proletarischer Polkstanzkrel» Lichtenberg. Ab Montag, 8. Oktober, veran. stalten wir wieder einen Anfängettursus. Der Kursus findet In der Turnhalle Prinz-Albett-Straße statt. Reichskartell Republik. Kreis Weste». Das Schießen am Sonntag. 5. Okt.. du Schühenhaus?ehlendorf fällt aus. Freireligiöse«emrinde. Sonntag. 11 Uhr. Pappelallee 16, Bottrag de» Herrn Dr. A. Rofenberg: Historische Schlagworle und Phrasen. Harmonium: »Wie eiskalt Ist die» Händchen".(Puccini.) Gäste willkommen. Reichspereinigung ehem. Kriegsgefangener, Gruppe Norden II. Jeden ersten Sonnabend im Monat um 20 Uhr Sitzung bei Semperich, Bornholmer Eck« Molmöer Straße. Nächste Sitzung Sonnabend, 4. Okiober, 20 Uhr. Gäste, sowie ehem. Kriegsgeionqene willkommen. SfperantoASrnpp« Berlin-Mittr. Montag. 8. Oktober. 20 Uhr, Konditorei Windelbandt, Eendclstr. 31 sdicht am Spittelmarkl), Vortrag Uber:..Die sprach- lieben Grundlagen der Welthilfssprache Esperanto", verbunden mit Probelektion und interessanter Ausstellung. Eintritt frei und unverbindlich. Jeder Zntrr- csscnt willkommen.__ Allgemeine Wetterlage. Im größten Teil Deutschlands herrschte am Freitag heiteres Wetter. Die Temperaturen stiegen überall höher empor als am Vortag« und erreichten, namentlich im Westen, vielfach 15 Grad Celsius. Rur an der Ostseeküste nahm die Bewölkung unter dem Einfluß eines am Nordkap befindlichen Tiefs zu, und in Ostpreußen kamen sogar leicht« Schauer vor. Da der Luftdruck über Mittel- europa stark fällt, wird sich auch bei uns das Tief im Norden durch stärkere Bewölkung bemerkbar machen. * wckleraussichscn für Berlin. Zeitweise etwas wolkiger, Tem- peraturen wenig verändert.— Für Deutschland. In Mitteldeutsch- lartd Bewölkungszunahme, im Osten windig und unbeständig, im Westen und Süden noch ziemlich heiter bei weiterer Erwärmung. Qualilal über alles! Edelstes Material— sorgfaltigste Verarbeitung— elegante Formen... das sind Fless» Schuhe! Verlangen Sie den neuen interessanten Katalog. M.&L Hess Schuhfabrik A. G. Erfurt. */, c«/ IINHIITSPRIIS kllr Damaii UM 16.60• Verkaefssfellee lo allee Sta (huhe * OiW Theaier als Markihalle. Da« in der Weißgerberstratze in Königsberg gelegene ehemalig« Trianon-Theater ist zu einer Markthalle unigebaut und in diesen Tagen eröffnet worden. In dem ehemaligen Theater wurde eine große Anzahl von Verkaufsständen errichtet, die außerordentlich bequem und leicht übersichtlich angeordnet sind. Zu jeden, Stand gehört im Keller eine Kühlzelle. Die Fortschaffung der Abfälle besorg� ein Müllschlucker, von dem aus das Müll in einen Müll- Verbrennungsofen wandert. Auf der ehemaligen Empore des Theaters wurde ein Erfrischungsraum eingerichtet. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin «nsvidung-n für diese Rüde» nar aa doi Sugendfcfrctaftat Leelw SW M. thidenffraße 3 die ,9 a I b> i'• ff< 1 1 1, heute und moeqcn»ach Ketzi»,«ab»ach Natten für S,— Mk.(fSt Erwerbslose 1,— Ml.) erhältlich— auch am Dampsrr. Abfahrt ab Spandau 19 Uhr tu! ch t 18 Uhr). «rbeitsaem-iuschaft Abraham. Heute Arbcll-fahrt»ach Rlldersdors. Treff- Punkt 18 Uhr Bahnhof Warschauer Brücke tRachzilglcr morgen 8H Uhr Zuzend. Herberge.). Borfitzenden. Sonserenz. Montag, I. Oktober, 19)4 Uhr, im Sitzungssaal de» Bezirksamtes Kreuzberg, Aorckftr. II. All« Hruppeu müfieu vertreten sei». Heute. Sonnabend. 4. Oktober: Uruswalde« Platz I. 20 Uhr ffunktionärfitzung Stirn Se». Sri«, Schob»- wleckrstraße 17. 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Tagesordnung und Ort der Versammlungen siehe „Blatter der Volksbühne", September- Okfoberhert 1930. III Auslosung von Mark 45 003 ßprozentlgeTe lschuld- verschreibungen Serie K der Volksbühne E.V. Ein Nummemverzelchnls der am 30. Mal ausgelosten Stücke isi kosten'os ru hab n in der GeschSItsstelle der Volksbühne E. V., Berlin C 25, Linlenstrahe 227. Winter * Garten* 8.15 lltzr— Baadisn sriasbl Titfany Twlns. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos 6 singende Girls. Brown u. Le Herl usw. SonnabeBd u. Sonntag Je 2Vor>tanungu 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. VolKsbUhne Theater ai Bülowplatz. Täglich 8 Uhr Die Weber V. Q, Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staatl. Sdiiller-Tb. 8 Uhr Herr Doktor, haben Sie zu essen? Lustspielhaus Dir.; Bant LOpdiDb Täglich 8V, Uhi meine Schwester und ich MuslkvbnBenatzky Lory Leux, Kurt von Möllendorl flemsdus iDeaiei 8 Uhr Utile iiiiMillagea! Dar Kaisar von Amerma :on Bernard Shaw 'itelralle: Werntr Rrauß Regia: Wa» Rainhanlt. üümmerspiele «'/. Uhr Utzta AulfDhnmjnl von Moliire. Regie: Hans Pappe. Komö SVj Uhr Der Schwierige na Hcgi na Hotainailbtl.| Regie: Mai Rainhanlt. Oealsehes KOnslIer-Theat. Tal Earbamsa 3931 8/, Uhr Ola Wunder-Bar RevuestQck Neues Tlieater ■ am ZOO mmmm tili Bahnb. Zoo. SIpL 6554 Täglich S>l, Uhr lommeS in der Posse Paul und Pauline Rundfunkhörer haltze Preise. PREUSSISCHE LANDESPFANDBRIEFANSTALT Körperschaft des öffentlichen Rechts BERLIN WS Zwelgetellen In FRANKFURT/M., ESSEN und MÖNCHEN GM Zeichnungs- Einladung In der Zelt vom 6. bis 2ö. Oktober 1930 legen wir zur Zeichnung auf: 5 Miil. reichsmündelsichere 7% ige Goldmark-Pfandbriefe Reihe XXI zum Vorzugskurs von (Börsenkurs 97%) Qeumtkandlgung bis 1. Oktober 1936 ausgeschlossen April- Oktober- ZI nssehei ne 1. Zinsschein fällig am 1. April 1931 Börsennotferung In Berlin, Frankfurt a. M., Köln, Düsseldorf und Essen.— Einführung In München demnächst Stücke zu GM 1 00,—, 200.—, 500.—, 1 000.— und 5000— Zeichnung durch alle Banken, Banklers, Spar- und Glrokassan, Kreditgenossenschaften sowie durch die Anstalt selbst und deren Zweigstellen In Frankfurt a. M., Essen und München.— Höhe der Zuteilung und früherer ZelchnunguchluB vorbehalten GRUNDKAPITAL UND RESERVEN ÜBER 31 MILLIONEN REICHSMARK Tagt 2 Vorsu— Tel. Weideid. 3440. nachm.«>, Uhr: 30 Pt-TJt Kik. ade. ds S1/, Uhr: 30 Pt— 3.— M*. SonntagsSVorsL��So-S1�. Internat. Clrcus-■.VarleH-Prstramm. 14 d, besten Schlager d. Saison!! BeiDcben Sie speziell während der Ferien mit Ihren Kindern die he- liebten Natiunitiienonieliimeen. imstropoi-Ttieater j Täglich 8'/« Lhr SduationeUer Opercticacrfolg! Unter pars. Leitung j des Komponisten Viktoria undlhrHusar I KömisciielDpür j 8Vo Uhr Das Mädel am Steuer! Operette v. Citber | Irene Triesch als Isabella| „Qehet hm. und jus hauet euch!-Das. 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Oöntroft- B rettl: Varietä» Tanz Kapelle Hans Sixtus Für die liebevolle Anteilnahme an dem Ableben meiner inntgstgelirbien Zrau, unserer herzensguten Muller Krieg geb. Pfeiffer sowie sür die Beteiligung an der Be- erdtgung und die reichen Blumen- und Kranzspenden aller>eit» unsern herzlichsten Danl. krlf r Kr leg nebst Sohn und Schmtegertachter. Berlin-Lichlenderg. Z. Ottoder 1030 Nene Bahnhofttrane SO. Für die virlen Bewri e herz- Itcher Anteilnahme beim Heimgänge unserer Tochter sprechen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank aus. Familie Lieder. 100 fcl'Vll aaitiungs-.Ratalt- aReklamemarken gegen Nachahmung gesetxl. gesch. lertigt seit 45 Jahr als Spezialität Conrad Kaller Leipzig- Schkeuditz Sdmlihei�-Paizenhofcr Brauerei- Aktiengesellschaft Betr. Dmlansdi von oslwertte-AHlien. In den am 15. September 1950 stattgehabten Generalversammlungen unserer Gesellschaft und der Ostwerke A.-G. ist die Fusion der letzteren Gesellschaft mit der ersteren beschlossen-worden. Zur Durchführung der Fusion hat unsere Generalversammlung die Ausgabe von RM. 25.000.000 Stammaktien, Stück 22.000 über je KM. 1000 und Stück 30.000 über je RM. 100, mit Gewiunberechtigung ab 1. 9. 1929 beschlossen. Die Gcneralversammlungs- beschlüsse sind in das Handelsregister eingetragen worden. Wir fordern gemäß den 88 305 Abs. 3, 290 HGB. die Stammaktionäre der Ostwerke A.-G. auf, ihre Aktien zum Umtausch in Stammaktien unserer Gesellschaft nach Maßgabe der folgenden Bedingungen einzureichen: Die Einreichung der Ostwerke-Stammaktien hat bld zum 10. Janaar 1931(eintchlie�llch) zu erfolgen, und zwar bei der Deutschen Bank undDisconto-Gesellschaft, Berlin, „ Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Berlin, M p, Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien, Berlin, „», Dresdner Bank, Berlin, sowie bei den Niederlassungen dieser Banken in Breslau, Hamburg und München, bei der Berliner Handels-Gesellschaft, Berlin, M dem Banknausc Jacquier& Securius, Berlin, „„„ E. J. Meyer, Berlin, E. Heimann, Breslau, während der bei den Stellen üblichen Geschäftsstunden. Gegen je nom. RM. 5000 Ostwerke-Stammaktien werden nom. RM. 4000 unserer Stammaktien, gegen je nom. RM. 2500 Osiwerke-Stammaktien werden nom. RM. 2000 unserer Stammaktien ausgereicht. stellen werden bemüht bleiben ihnen verfügbaren Materials Die Aktien um tausch- nach Maßgabe des bei ___________ I_________ an Schultheifi-Patzcnhofer- Aktien auch kleinere als die vorbezeichneten Nennbeträge von Ostwerke- Aktien, soweit sie durch die Zahl 5 in volle Hunderter teilbar sind, im Verhältnis von 5: 4 umzutauschen. Ferner sind die Un�täusdi stellen bereit, den An- und Verkauf von Aktienspitzen zu vermitteln. Den zum Umtausch einzureichenden Ostwerke-Stammaktien sind die Bogen mit Gewinnanteilscheinen für 1929/30 u. ff. beizufügen, ferner ein doppelt ausgefertigtes, arithmetisch geordnetes Nummernverzeichnis, auf dem auch die gewünschte Stückelung für die auszureichenden Stammaktien anzugeben ist. Ein Stück des Nummern Verzeichnisses erhält der Einreicher mit dem Qnittnngsvcrmerk versehen zurück. Der Umtausch erfolgt provisionsfrei, sofern die Ostwerke-Stammaktien an den zuständigen Schaltern der obengenannten Stellen eingereicht werden; anaernialis wird die übliche Provision berechnet.. Die Aushändigung unserer Stammaktien mit GewuiB- anteilschcinen von 1929/50 u. ff. erfolgt sobald als möglich gegen Rückgabe der Empfangsbescheinigungen bei der- jenigen Stelle, ton der die Besdieimgungen ausgestellt worden sind, vie Besdiciaigungen sind nicht iwerttagbar. Die Stellen sind berechtigt, aber mAt verplllchtet. die Legitimation des Vorzeigers der Empfangsbesdieintgiuigen � diejenigen Ostwerke-Stammaktien, die nirbt spätestens bis zum 1«. Januar 1951 eingereiht sind, werden genta 8 I 29« HGB. für kraltlos erklärt werden. Die an Stelle der für kraftlos erklärten Oktwerkc-Staramaktiea tretenden Seammaktien unserer Gesellschaft worden zugunsten der Beteiligten nnd anf deren Kosten verwertet, Berlin, den 3. Oktober! 1936. Der. Verstand: Dr. V. Sobcrnheiim_ word Venia getragen» Millionärrn. Paoaliergarderod, aon MtllWnärrn, Aerzten, Anwälten ffadelhatt billige Dreis«. Tmpteh!« Taistenmäntel, Dasetot». Fracks, Sma- tings, Erhrockanzüge, Losen. Sport- Kehpelä», Delegenheitskaufe in neuer Sarderabe. Weitester Weg lohneud. Lothrtngvrstraste 56. I.Treppe,«äsen. «Haler glatt.____ Wenig getragen, teils auf Eeibe gearbeitet«.«rstklasfig« Iackettanzllge. Frack- auziige, Smokinganzüge, Sehrockanzlig Bauchanzüge, Wintermäntel und Dal:- toi«, für jede Figur passend und in jeder Form stets vorrätig: außerdem hochelegante neue Garderobe, von erst- klasfigen Schneidern gearbeitet, zu stau- nend billigen Preisen. GelegenheitZ- käufe in Herren, und Damenvelzen. 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Oktober hat in London die Britische Reichskonfc. rcnz begonnen. Sie findet in einer Zeit statt, in der sich auch die englische Wirtschaft in einer sehr schweren wirtschaftlichen Krise befindet.' Die Schwierigkeiten, il> denen sich die englische Wirtschaft b«� findet, sind kaum kleiner als die der deutschen. Schon heute zählt das kleiner« England mehr als 2 Millionen unterstützte(Erwerbs- lose, und auch der englische Wfnter wird ein weiteres Anschwellen bringen. Mehr als t7 Proz. der versicherten englischen Arbeiter sind erwerbslos. � Die gröhke Wirtschafissorge Englands ist die Entwicklung des Außenhandels: die Einfuhr ist erheblich stärker gestiegen als die Ausfuhr. Unter Berücksichtigung der Preisverschiebungen seit 1913 hat sich die Gesamtwareneinsuhr um etwa 15 Proz. er. höht, die Gesamtwarenausfuhr dagegen um mehr als 29 Proz. vermindert. Diese Entwicklung belastet die englische Zahlungsbilanz, vermindert die Möglichkeiten der eng- tischen Kapitalausfuhr und bedeutet eine doppelte Schädigung der englischen Industrie: erstens eine Vermehrung des ausländischen Wettbewerbs auf englischem Boden, zweitens«ine Verminderung des englischen Absatzes und eine entsprechend« Entwertung von Kapital und Freisetzung von Zlrbcitskräfien. Trotz der alten Freihandelstradition drängen weite Unter- i! e h m e r k r« j s e zu verstärkter Schutzzollpolitik. Für cinig» wichtige Schlüsselindustrien, so u. a. auch sür chemische Er- Zeugnisse, besteht bereits seit Jahren ein ausgesprochener Schutzzoll verlangt wird ein allgemeiner Zoll von 5 oder 19 Pro- zent des Wertes. Auch versprechen sich die Industriellen hieraus einen Finanzvorteil, denn im englischen Staatshauehalt, der in den ergangenen Jahren mehrfach Ueberschüss« erzielte, droht jetzt— in- falg« der Krise— ein gr o ß e s D e s i z i t. Als Hauptheilmittel wird aber nicht«in gleichmäßig hoher Schutzzoll gegen alle Welt empfohk»n,' sondern die seit Jahrzehnten propagierte Idee einer allbrikischen Zoll, und Mrischaflsunion scheint allmählich konkrete Gestalt annehmen zu sollen. Bor wenigen Tagen wurde ein I n d u st r i e r a t gegründet: Verringerung der Arbeitslosigkeit, stärkerer Schutz des britischen Marktes gegen fremde Wareneinfuhr, Entwicklung eines inter- imperialen Handels(Handels zwischen England, den britischen Kols- nien und Dominien untereinander) sind die Programmpunkte dieser Organisation. Unter ihren Gründern finden wir prominente Der- treter der britischen Industrie- und Finanzwelt. Wir nennen u. a.: Sir Hugo Cunliffe-Oven, Präsident der British-American Tabacco Co. Ltd., Henry D r e y f u s, Präsident der Celanef« Ltd. < Kunstseide), Sir Hugo H irst, Präsident der General Electricc Co. Ltd.(größter englischer Elektrckonzern), Sir Harry D. McGowan und Lord Melchett, die führenden Männer des britischen Ehemietmsts(Imperial Chemical Industries Ltd.). Einen anderen bemerkenswerten Schritt bedeutet« dir soeben vorgelegte gemeinsame Entschließung des Verbandes der britischen Industrie und des britischen Gewerkschaftsverbandes. •Sie«nthält die Ausforderung an die Regierung, die jetzige britische Reichskonferenz dazu zit benutzen, ein st ä n d i g« s R e t ch s- wirtschaftssekretariat zu schaffen, d. h. also eine wirt- schaftliche Zentrale für das gesamte britische Kolonial- und Dominial» reich, außerdem soll künftig jeder Reichskonf«renz eine spezielle Reichshandelskonferenz vorangehen. Diese Entschließung ipricht allerdings nicht, wie bestimmte Unternehmergruppen es tun, van einem Rsicheschutzzollblock, so daß die Frag«, welche ge- meinsamen Reichsw�rtschastsmaßnahmen nun im einzelnen getroffen werden sollen, zunächst osfen bleibt. Ein« interesiante Gründung anderer Natur war vor«inigen Monaten die Errichtung einer speziellen Gesellschaft zur Förderung der industriellen Rationalisierung (Bankers Jnduftrial Development Co.) mit einem Aktienkapital von 9 Millionen englischen Pfund(129 Millionen Mark): Finanzgruppen haben sich hi«r zusammengeschlossen, damit in der Industrie Ratio- nalisierungsmaßiiahmen'großen Stils finanziert werden können. Außerdem existiert schon längere Zeit ein Reichsmarktaus- schuh(Empire Marketing Board), der ein« Ratwnalisierung des Handelz zwischen England und den anderen Reichsteilen vor- bereiten soll. Spezielle Ursachen der englischen Wirkschafsnot. Welchen Nutzen diese und andere Organisationen im Laufe der Zeit haben werden, läßt sich noch nicht übersehen. Ein« stark forciert« Rationalisierung schafft größere Arbeitslosigkeit, wenn nicht das Kernproblem, die Vergrößerung des A b s a tz e s. z u g l« i ch ge- löst wird. Die jetzige Weltkrise hat die englische Arbcitslosenormee nur vergrößert: feit 1921 besteht in England eine Millionenarmee von Erwerbslosen. Hauptgrund dieser dauernden Massen- erwerbslosigkeit ist erstens die fortschreitende Jndustrialisie- rung, die früher von der englischen Industrie mit Waren versorgten Marktgebiete, zweitens der anhaltende Wettbewerb der Amerikaner. All« speziellen Handelsdelegationen nach den südamerika- „lschcn Ländern, nach China, Japan usw. haben bisher nur zu geringen greisbaren Ergebnissen geführt, und die verrin- gerte straft Englands, Kapital zu exportieren, hat die englischen Unternehmer von einer Rjeihe großer Bau- und Elektri- fizierungsvorhaben in Südamerika und auch in britischen Herr- schaftsgebieten(Indien, Kanada) mehr oder weniger ausgeschaltet. Ein verringerter Warenexport zugunsten der Vereinigten Staaten ist die Kehrseite dieser Entwicklung. Nur einige wenige Zahlen sollen diese Entwicklung ver- anschaulichen: Di« englische Warenausfuhr nach den südamerika- nischen Ländern ist von 1913 bis 1928 von 1.3 auf 1.27 Milliarden gestiegen, die amerikanische aber von 9.99 auf 1 99 Milliarden Mark. In etwa gleichem Verhältnis haben sich die Amerikaner auch im Ferklen Osten auf Kosten der englischen Ausfuhr breit gemacht. Selbst die Ausfuhr von England nach Indien ist nur wenig ge- stiegen(von 1,49 auf 1,79 Milliarden Mark), während sich die amerikanisch« Aussuhr nach Indien von 1913 bis 1928 etwa ver- fünffacht hat. Dazu kommt im Fernen Osten noch die stark« Kon- kurrenz der Japaner. Zu beachten ist aber folgendes: Die Ausfuhr englischer Waren nach europäischen Länder» und allen nichtenglifchen Ländern der übrigen Welt ist von 1913 bis 1929 von«twa 9,9 auf nur etwa 8,1 Milliarden(Preisverschiebungen nicht b«rücksichtigt) gestiegen, während die Aussuhr nach britischen Kolonien und Dominien sich von 3,9 auf SP Milliarden Mark, also relativ viel stärker vermehrte. Die Bedeukung des Handels mit den Gliedstaaten des britischen Reichs ist also sür England gewachsen, zugleich ist aber sür diese Gliedslaoten die Bedeutung des eigenen Handels mit England gesunken. Es folgt daraus, daß an der Schaffung einer irgendwie ge- arteten britischen R«lchswirtschafts- und Handelspolitik die K o l o- nien und Dominien ein erheblich geringeres Interesse haben als England selbst. Fassen wir zusammen: Eine verstärkte Schutzzollpolitkk kann die englische Waren«infuhr etwas beschränken, leitet aber«in« Abschließung Englands von der übrigen Welt«in, die gerade für«in so aus- gesprochenes Handels- und Schiffahrtsland von schwerwiegenden Folgen sein muß. Sie vermindert zudem die internationale Wettbewerbsfähigkeit der britischen Industrie. Eine Reichs zoll- Politik liegt viel mehr im Jnt«r«si« Englands als dem der britischen Dominien und dürste kaum ernstlich zur Diskussion gestellt werden. Einseitige Rationalisierung wird, wenn sie mit stärkerer Schutzzollpolitik verbunden wird, die Arbeitslosigkeit ver- mehren. Wahrscheinlich wird man versuchen, auf einigen Teil- gebieten England b« st i m m t e D o r r« ch t e im wirtschastlichen Verhältnis zu den Dominien und Kolonien zu sichern. Hierfür bietet dieauchhcutenochstarkefinanzielleAbhängigkeit der britischen Kolonien und Dominien von der Londoner Finanzwelt «ine gcwisie Unterlage. Aus Subventionen werden Geschenke. Wie(Stock Mokorpflug vom Reich gesund gemacht wird. Der Jahresabschluß d«r Stock Motorpflug liefert einen interessanten Beitrag zum Kapitel Reichssubventionen, deren Abbau das Programm der Regierung Brüning stark unter- streicht, dab«i aber nur fortsetzt, was die H«rmann- Müller-Regierung begonnen hat. Bei Stock Motor- pflüg ist man nun an den Abbau dieser Subventionen gegangen, leider wahrscheinlich auf Kosten des Reiches. Stock Motorpflug, die neben Motorrädern u. a. Schlepper für die Landwirtschafl fabriziert, ist noch nie auf den grünen Zweig ge- kommen, hat verschiedene Zusammenlegungen hinter sich und konnte sich nur mit starken Reichssuboentionen halten. Das Reichs- e r n ä h ru n g s m i n i?t« r l u m ist besonders stark jür das Unter- nehmen«ingetreten. Die Leitung des Unternehmens hat, das kann man ihr ohne weiteres bestätigen, völlig versagt. Auch für das Jahr 1929, für das jetzt Bericht erstattet ist, wäre«in größerer Verlust eingetreten, wenn man nicht auf Grund„Entgegen. kommen» be stimmte? Kreise' eine Bereinigung durch- geführt hätte. Dies« bestimmten Kreise sind das Reichsernährungs- Ministerium und der Reichsernährungsminister Schiele. Nachdem man die Abschreibungen heruntergesetzt hat, während sich ausfälliger- weise die Unkosten von 1,9 Millionen auf 2,8 Millionen Mark er- höhten, schließt die Ertragsrechnung für 1929 ohne Gewinn und Ver- lust ab. Das Reich hat also in seinen Forderungen nach- gelassen und soll nach Mitteilung der Generalversammlung da- durch entschädigt werden, daß es an U e b c r g e w i n n e n bei Grundstücksveräußerungen und an einem Lizenzvertrag beteiligt wird. Dazu hat das Reich noch Slktien übernommen.. Statt also Subventionen abzubauen, wird hier in aller Form auf. die zugeschossenen Millionen des Reiches verzichtet. Denn Stock Motor ist eine Angelegenheit, die sobald nicht mehr rentabel wird. So freilich hat sich die Sozialdemokratie den Abbau der Sub- ventionen nicht gedacht, daß man daraus Geschenke macht. Wir registrieren den Fall Stock Motorpslug, weil wir an- nehmen, daß sich die Oefsentlichkeit mit der Regelung innerhalb des Aussichtsrats der Stock Motor sicherlich nicht zufrieden geben wird. Wird Bata kommen? preußischer Staatsrat gegen- preußische Regierung für den Bata-Vertrag. Der preußische Saotsrat nahm am Freitag einen Antrag der Arb«itsg«meinschaft mit den Stimmen der An-ragstellcr und der Kommunisten an, wann das Staatsministerium ersucht wird, die Verhandlungen mit Bata einzustellen und das in Frage stehende Gelände dem Staatsbesitz zu erhalten. An dem Schicksal der Angelegenheit wird dieser Antrag aber höchstwahr- scheinlich nichts ändern, da ein Vertreter, des Staats- Ministeriums im Staatsrat die Erklärung abgab, daß die Staats- regierung entschlossen sei, den Vertrag mit Bata abz»- schließen. Während ursprünglich 19 Proz. ausländischer Arbeiter für das erste Jahr hätten zugelassen werden sollen, sei es der preußischen Regierung im weiteren Verlaus der Verhandlungen ge- lungen, den Vertragsentwurf in der Richtung zu ändern, daß aus- ländische Arbeiter überhaupt nicht und Ange- stellte nur im ersten Jahr, und zwar in sehr beschränkter Anzahl hereingelassen werden dürsten. Die Einhaltung der Der- tragsbestimmungen durch Bata rverde durch die Einsetzung eines Schiedsrichters gewährleistet, den man voraussichtlich in» der Person d«s Kammergerichtspräsidenten bestellen werde. Reue Wohnungsbaupfandbriefe der preußischen Landespsaud- brief-Anstall. Nachdem auf dem Psandbnesmarkt eine Beruhigung eingetreten ist, legt die Preußische Landespfandbries-Anstalt, die auch während der letzten Wochen die Kurse ihrer Wertpapiere unvcr- ändert gehalten' hat, in der Zeit vom 6. bis 25. Oktober 1930 5MillionenMork 7prozentige Goldmark-Pfandbriefe zum Vor- zugskurs von 99� Proz. zur öffentlichen Zeichnung auf. Vergleiche über die Bedingungen den Inseratenteil. Schichan baut Zischdampser sür Rußland. Die Schichau G. m. b. H. hat von der Sowjetregierung acht Fischdampfer von demselben Typ wie die zuletzt gebauten in Auftrag genommen, von denen der erste in sieben Monaten abgeliefert werden soll. Von einer süd- slawischen Reederoi erhielt die Werft einen kleinen Passagierdampfer in Auftrag, ebenso von der Masurischen Dampfschifs-Kompagnie in Lätzen: ferner hat das Wasserbauamt drei Moriorbarkassen bei Schichau in Auftrag gegeben. Durch diese Bestellungen ist die Be- schäftigung bei Schichau gesichert. Die Zukunft des Roggens. �oggenlogik von einer anderen Seite. Das Institut für Konjunkturforschung hat ein Sonderheft 29 über„Die Zukunft des Roggens' von N. I a s n y veröffentlicht, dessen sehr umfassende und sorgfältige Untersuchungen zu einem Ergebnis kommen, das Schielss Roggenpolitik negiert und Beachtung verlangt. In dem zusammenfassenden Ueberblick heißt es: „Der Roggen— einst die in Europa verbreitetste Getreideart—- wird von anderen Getreidearten mehr und mehr zurück- gedrängt. Diese Zurückdrängung ist darauf zurückzuführen, daß auf allen Berwendungsgebieten andere Getreidearten loder di« Kartoffel) dem Roggen immer mehr vorgezogen werden. Als am wenigsien widerstandsfähig erweist sich der Roggen in der Spiriwsfabrikation. Zu einer dauernden Zurückdrängung des Rcggens— insbesondere in der Stadt— sührt auch sein Kamps mit dem Weizen um die Verwendung als Nahrungsmittel. Am widerstandsfähigsten ist die Verwendung des Roggens als Futter- mittel, obwohl auch dics« gewisse Nachteile aufweist. Je geringer der Anteil der Rvggenvroduktwn wird, der zu Brotzwecken Verwendung findet, desto mehr verliert der Roggen den Anspruch darauf, als Brotgetreide bewertet zu werden. Fällt aber die Bewertung als Brotgetreide weg, so bildet sich bei den Roggenpreisen die Tendenz aus,— entsprechend oer geringeren Eignung des Roggens als Futter— unter die Preise anderer F u t t« r g e t r e id e a r t e n abzusinken. Der Roggenbrotoerbrauch hält sich am stärksten i n den rvggenbauenden Betrieben selbst. Auch seine Verfüiterung findet vernehmlich in diesen Betrieben ihre Stutze, denn auch zu Futterzwccken wird Roggen m:r ungern gekaust Die umgesetzten Roggenmengen sind daher— besonders im Außcnhandelsverkehr— verhältnikmüßig gering Da außerdem der Roggcnbrotverbrauch außerhalb der roggenhauenden Betriebe viel schneller zurück- geht als die Roggenproduttion. vermindern sich auch die umgesetzten Roggenmengen in schnellerein Tempo. In Deutschland konnten sich diese in der ganzen Welt wirksamen Tendenzen nicht voll miswirken, drf' di« durch das Zollsystem geschaffenen Preisvcrhältnisse den schon durch die Rawr stark be- günstigten Roggenbau kräftig antrieben. Der Roggenbrctverbrauch jawi« der Einfuhrbedarf der Zus.hußgebiete ist jedoch auch in Oentschlond. ähnlich wie in den anderen Ländern, rückläufig. Wenn vor dem Krieg die dem Roggen in Deutichland gewöhne Sonderstellung allein durch hche Roggenzölle in Verbindung mit dem Einfuhrscheinsystem eine Zeltlang gehalten werden tonnte, ist setzt zur Erreichung dieses Zwecks außerdem eine starke Ver- teuerung aller Futtermittel sowie aller Erzeugnisse der landwirt- schaftlichen Veredelungsind u st rie notwendig geworden. Wgesehen davon, daß ein geschlossener hoher Zollschutz für die ge- samt« Landwirtschaft mit der weltwirtschaftlichen Stellung Deutsch» lands unvereinbar ist, könnte mit diesem Mittel indes nur en Auf» schub, nicht die Lösung des Roggenproblenis herdeigeführt werden. Eine Lösung kann nur durch solche Aenderungen in den Preis- relationen erreicht werden, die die Roggenprodultion in Einklang mit dem Bedarf bringen, ohne die Lage der landwirtlchastlichcn Beredelungsinhustrie zu beeinträchtigen. Die früher oder später unvermeidliche Aenderung rn der Stellung des Roggens im deutschen Ackerbau wird durch die Welt- agrarkrisis noch besonders dringend gemacht Der Weltumstellungsprozeß trifft den auf Getreide- bau(Roggen und Hafer) mehr als notwendig abgestellten deutschen Zlckerbau besonders schwer. Schwer betrossen ist indessen auch d'e landwirtschaftliche Veredelungsindustrie Deutschlands, die bereits vor dem Krieg gerade wegen der einseitigen Einstellung der Landwirt- schaft auf den Roggen- und Haferbau gegenüber der Veredelungs- indüstrie der Nachbarländer im Rückstand aar und in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren noch weiter zurückblieb Der nicht ganz gesunde Aufbau der deutschen Land Wirtschaft ist heute gegen den Ansturm der rationalisierten Auslandskonkur« renz ohne Umstellung nicht mehr zuhalten. Soll Nicht die landwirtschaftliche Veredelungsindustrie preisgegeben werden. wird von der unbedingten Zlufrerhterhaltung der Roggenpreise ab» gesehen werden müssen. Auch bei Preisen, die die Verfütterung von Roggen ohne Beeinträchtigung der Konkurrenzfähigkeit der landwirtschast- lichen Deredelungsindustrie und ohne Steigerung der Lebens- Haltungskosten über das für die weltmirtschastliche Lage Deutschlands zulässige Maß ermöglichen, wird der Roggenbau, weil er sich aus geeignete Bodenverhältnisse stüA, vorderhand«inen kräftigen Stand behalten.. Di« grcße Enttvicklungsllnie wird indes in Ueber- einftimmung mit der in der ganzen Welt zu beobachtenden ver- laufen.' Eosinroggen yerbilligi. Der Preis für Eosinroggen, dessen Verfütterung zum Bezug von zolloerbilligter Gerste berechtigt, ist von 299 aus 179 Mark je Tonne ermäßigt worden. Gleichzeitig wurde entgegen der bisherigen Regelung die Wahl freigestellt, entweder aus 1 Zentner Gerste. 1 Zentner Roggen o d e r 1 Zentner Kartoffel. flocken zu versüttern oder nach der bisherigen Regel zu oerfahren. die 1 Zentner zollverbillig'er Gerste nur bei Verfütterung von % Zentner Roggen und 14 Zentner Flocken zuließ. Die nordwe st deutschen Schweinemäste? hatten gestern von Schiele noch ein Eerste-Roggen-Verhältnis von 2: 1 verlangt, wurden aber damit abgewiesen. Johann lUastliach: Ct}jCV blft(Iii? (Schluß.) an einem der folgenden Abend« kam er später als sonst. Als er an ihrem Stand halt machte, sagte sie, indem sie auf ein in Segelleinen geschlagenes Bündel deutete:„Wollen Sie mir das nach chause tragen helfen?" Es war nichts anderes als der Pack ihrer schon fertig verschnürten Zeitungen. Sie hatte also ihr Brett schon vorher abgeräumt; er oerstand, daß sie auf ihn gewartet hatte. Er bückte sich schweigend und nahm das Bündel auf. Im Weiter. gehen sah sie, daß er taumelte. Da faßte sie ihn unter und nahm ihm den Pack ab. Nachher, als ein feiner Regen zu fallen begann, breitete sie das große dunkle Tuch, daß sie um die Schultern trag, über ihn. schlug das eine Ende unter seinen Arm und zog sich das andere über den Kopf. Nun ging er, dicht an sie gelehnt, zwar nicht mehr taumelnd, doch auch nicht ganz aufrecht dahin und fühlte eine große Wärme von ihrem Leib her über feine Haut streichen. Er blieb die Nacht bei ihr. Erst aß er viel und gierig, dann schlief er in ihrem Bett an ihrer Seit«. Sie machte sich schmal, legte ihren Arm unter seinen Kopf und ließ ihn an ihrer Brust ruhen. Er schlief tief, ohne Traum. Nur einmal, kurz ehe der Morgen dämmerte, erwachte er und drängte sich an sie. Aber sie wehrte ihn sanft ab, etwa so, wie man mit einem Kinde verfährt, das krank ist und ruhen muß. und er sank rasch wieder, vom Schlaf überwältigt, zurück. Dabei hatte er die Empfindung, als neige sie sich über ihn, er fühlte auch ihre Lippen an seiner Schläfe, vielleicht küßte sie ihn. Nachher, ehe er einschlief, hörte er sie an seinem Ohr flüstern. Es war eine fremde Sprache, er entsann sich, mehr schlafend schon als wachend, dies« Laute irgendwo im Krieg gehört zu haben, vielleicht in Rußland oder auf dem Balkan, es waren jedenfalls slawisch« Worte und eines davon glaubte er nun auch zu verstehen:„Lieber." Dann hörte er nichts mehr und schlief ein. Er kam in der nächsten Nacht wieder. Ueber Tag hatte er sich bemüht, an die Frau nicht zu denken. Aber er fand nun wieder keine Arbeit und das machte einen ganz und gar brotlosen, einen verzweifelten Tag. der durch die Aussicht, zur Nacht kein Quartier zu haben, nicht besser wurde. Eine Art Hohn, den er in die Augen der Leute kommen sah, wenn er in verwahrlostem Gewand um Arbeit vorsprach und neben Namen und Alter auch seinen Beruf nannte, Ingenieur nämlich, machte ihn nicht ruhiger. Und am Abend war eben etwas wie Sehnsucht über ihn gekommen. Er hatte es zwar vermieden, seinen Weg über die Brücke zu nehmen und auch nachher, bis um Mitternacht etwa, konnte er sich nicht entscheiden. Dann aber, wieder und wieder über Umwege abirrend, war er dem Haus, wo sie wohnte, allmählich näher gekommen, hatte in der Straße, am Haustor, am Treppenabsatz und auch vor der Tür noch gezögert, war aber nun'doch, ein wenig verlegen zwar und erschöpft, bei ihr eingetreten. Sie schien ihn erwartet zu haben, denn er sah neben den Resten ihrer Mahlzeit einen zweiten Teller am Tisch. Sie sprach auch jetzt nur wenig, aber sie war heute um einen Schimmer wärmer und zärtlicher als gestern, vielleicht auch jünger und heiterer als er sie bisher gesehen, ein wenig aufgeschlossener, ein Mädchen mehr als ein Weib. Er faß mit gesenktem Kopf da und aß. k�r sah sie nicht an. Erst als er den leeren Teller beiseite schob und aufblickt«, sah er, daß sie im Hemd neben ihm sah, mit bloßen Armen und Beinen. Er glaubte sich zu erinnern, sie beim Eintreten angekleidet gesehen zu haben, und fühlt« nun eine klein« Spannung in der Brust. Sie lächelle und nahm seine Hand. Dann verlöschte sie das Licht und führte ihn zum Bett hin.— Als er sich von ihr löste, faltete er feine Hände um ihr Gesicht und fragte: „Wie heißt du?" „Marja", sagte sie.„Und du?" „Paul." Sie blieben als Mann und Weib zusammen. Marja fragte nicht, wer er war und was er trieb, ja sie vermocht« dieses fremd- artige Wort Ingenieur, das ihr ein wenig spaßig vorkam, kaum auszusprechen. Sie gab ihm zu essen, sie nahm ihn des Nachts in die Wärme ihres Leibes auf und sie mühte sich, ihm Trost zuzu- sprechen, wenn er ganz ohne Hoffnung von seiner Suche nach Ar- beit heimkam. Und von sich selbst sprach sie nicht mehr als nottat. Er wußte nun, daß sie von irgendwoher aus dem Osten kam, vom Kriege vertrieben; sie hatte Eltern und Mann und Kind verloren und zog nun, ungebunden in einer schmerzlichen Art, durch die Welt. Sie arbeitete und hatte Männer, sie nahm einen anderen, wenn der eine sie verließ. Solches Leben war vielleicht nicht immer leicht, weiß Gott, aber Marja schien richtig angelegt zu sein zu aller Schwere des Daseins, sie tonnte darüber lächeln, des Lebens Un- bill spiegelte sich in ihren hellen Augen gewiß nur als Heiterkeit, ja das alles war am Ende nichts als scherzhafte Berwicklung, die immer und wieder, wenn man nur stillhielt, zum guten sich lösen mußte. Wenn Paul klagte, sagte Marja:„Wird wieder anders." Und Sonntags ging sie mit ihm vor die Stadt, setzte sich an den Rand des Flusses, ließ ihre runden Beine in das Wasser hängen, rauchte und sang Lieder. Dann nahm sie auch ihr Tuch vom Kopf und er sah ihr blondes Haar. Er liebte sie in diesen Stunden sehr. Als der Herbst gekommen war, hatte er Arbeit gefunden..Und als Marja es hörte, sagte sie: „Jetzt gehst du fort von mir." Er antwortete:„Wo denkst du hin", und blieb mürrisch an diesem Abend. Aber Marja meinte lächelnd, er möge sich nicht grämen.„Wird wieder anders", sagte sie. Jetzt wollte er, daß sie schweige, und wurde grob. Also schwieg sie. Aber sie nahm ihm solche Härte gewiß nicht übel, denn nach einer Weile ging sie nach unten in die Schankwirtschaft und brachte Wein. Sie tranken und rauchten und wurden heiter. Dana duldet« er es auch, daß sie ihm lachend Bescheid gab:„Wird wieder an- ders." Und nachher, im Dunkeln, war sie stürmisch, wie er sie noch nie gesehen hatte, wild bis zu Tränen. Gegen Morgen, als er erwachte, sah er, daß sie im Schlaf weinte. Dabei hatte sie ein Lächeln um den Mund. Er erschrak, richtete sich auf und sah verloren um sich. Dann neigte er sich über sie und flüsterte: „Wer bist du?" Davon erwachte sie. Sie mochte seine Worte gehört und wohl auch in ihrer Art verstanden haben, denn sie sagte, ein wenig ver- wundert allerdings:„Marja." Er verließ sie erst zu Beginn des Winters. Eines Abends kam er nicht wieder und in der folgenden Nacht sandte er einen Mann, die Wäschestück« und Kleider zu holen, die er sich von den ersten Monatsgehältern angeschafft hatte. Marja schnürte alles zu einem netten Bündel zusammen und packte zu innerst ein Fläschchen Schnaps dazu. Eine Summe Geldes, die der Mann ihr geben sollte, nahm sie an.— Ihr Geschäft auf der Straße hatte Marja nicht aufgegeben und nun stand sie mit ihren Zeitungen wieder an der Brück«, stand frei und mit einer gewissen Größe aufgerichtet da, sang mit ihrer vollen, wohllautenden Stimme die Namen der Blätter in die Luft und klimperte hin und wieder mit den Münzen in der Tasche ihres weiten Rockes. Ihre Augen waren hell wie je, es war nichts von dem Flimmern und Zittern in ihnen, das die Menschen ringsum in ihren Blicken hatten, sondern Ruhe und große Gelasienheit, eine Art Stärke vielleicht oder Sehnsucht, die stark macht. Paul sagt« bisweilen, wenn er beim Wein saß:„Ich Hab' sie nur im Traum wiedergesehen." Und er gestand, daß es in diesen Träumen stets so etwas wie eine Brücke gab, einen deutlich sicht- baren, in edlem Logen gewölbten Weg, der aus einem dunklen Raum, aus dem Nichts, wie Paul meinte, zu einer Stadt wies oder zu sonst einer Ansiedlung oder vielleicht nur zu einer Gruppe von hellen Häusern auf einer Anhöhe— es war jedenfalls der Weg zur anderen Seite hin, das glaubte Paul zu wissen, zur lichteren und besseren. Und Marja stand am Weg«. Was sie tat, wußte Paul nicht immer zu sagen, manchmal hatte er es am Morgen schon ganz und gar vergessen. Hin und wieder aber schien ihm, sie hätte ihn an der Hand gefaßt, in ihr Tuch gehüllt und hinüber- geführt. An den Tagen nach solchen Träumen fühlte er sich müde, ge- wissermaßen mutlos, ja es kam einmal dazu, daß er dachte, er be- dürfe nun. wiewohl sein Hemd wieder sauber und die Sohlen seiner Schuhe wieder ganz waren, Marjas Hilf« mehr denn je. Das war gegen Ende des Jahres, in einer kalten und nebligen Zeit. Ueber- dies, so überlegte er, könnte Marja jetzt wieder Geld brauchen. Erst wollte er selbst zu ihr hingehen, um ihr das Geld zu geben. Dann aber konnte er sich nicht dazu entschließen. Es vergingen einige Tag«; dann schrieb er und legte dem Schreiben etliche Geld- schein« bei., Doch der Brief konnte nicht bestellt werden. Er kam nach kurzer Zeit, ein wenig beschmutzt, mit dem Vermerk:„Adressat ins Ausland verzogen" wieder in feine Hand. (50 ITlillionen Xiler ffilul Der Herzmuskel, ein wunderbares Pumpwerk, das unermüdlich Tag und Nacht tätig ist, arbeitet im Verlaus eines Lebens von 70 Jahren mit insgesamt drei Milliarden Schlägen. Dieser Berechnung liegt zugrunde, daß beim Neugeborenen das Herz in der Minute 144inal, beim Erwachsenen 72 mal, wenn er ruht, und etwa lOOmal bei mäßiger körperlicher Arbeit schlägt. Da jeder Herzschlag etwa'/-» Liter Blut aus dem Herzen in die Schlagadern treibt, sc beträgt die Blutmenge, die im Laufe cines Menschenlebens dem Herzen entströmt, 150 Millionen Liter. Diese Menge würde einen kreisrunden See von 1 Meter Tiefe und einem Durchmesser von 220 Meter füllen. Eine Blutmeng«, deren Gewicht so groß ist wie das Gewicht des ganzen Menschen, fließt in 20 Minuten aus dem Herzen. Der Druck, gegen den die Herzpumpe arbeitet, beträgt'/» Atmo- fphäre. Ihre Leistung kann man sich durch einige Vergleiche ver- deullichen: in einem Tage leistet das Herz 18 000 Meterkilogramm. d. h. eine Arbeit, durch die 1000 Kilogramm 18 Meter hoch gehoben werden oder das Körpergewicht des Menschen(70 Kilogramm) 258 Meter hoch Die Arbeit des Herzens im Laufe des ganzen Lebens ist gleich 450 Millionen Meterkilogramm. Sie würde hin- reichen, um einen großen vvllbeladenen Schleppkahn vcn 000 Tonnen Gewicht 500 Meter emporzuheben. Jlrbeitslofe Wahrjager Die chinesische Regierung führt einen energischen Kampf zur Ausrottung der Wahrsager, die im öffentlichen Leben Chinas eine durch die Ueberliefenmg geheiligte Stellung einnehmen. Das Ministerium des Innern der Nanking-Regierung hat an die ihm unterstellten Behörden eine Verordnung erlassen, die besagt: Die'Kommissare für öffenttichen Schutz aller Provinzen und Städte lzaben dafür zu sorgen, daß innerhalb von drei Monaten alle Wahrsager ihres Bezirks sich eiiter anderen Beschästigung zu- wenden. Zu diesem Zweck soll«ine Versammlung der Wahrsager einbenisen und ihnen klargemacht werden, daß die Regierung ent- schlössen ist, allen Aberglauben auszurotten, und sie sich deshalb nach einer anderen Beschäftigung umsehen müssen. Falls die Wahrsager innerhalb vcn drei Monaten keine andere Beschäftigung finden, sollen ihnen die Behörden Gelegenheit bieten, einen Beruf zu er- lernen._ £and der allen brauen Brasilien darf sich rühmen, in gewissem Sinn« das Land der alten Frauen zu sein; denn wohl in keinen» anderen Lande der Erde hat die Frau soviel Aussicht, recht alt zu werden, wie dort. Die Kindersterblichkeit ist in Brasilien sehr groß; einige Städte haben den traurigen Vorzug, die größte Kindersterblichkeit der Welt auf- zuweisen. Wenn aber die kleinen Erdenbürger das erst« Lebensjahr hinter sich haben, dann scheint sich eine ganz besondere kötperliche Widerstandskraft einzustellen. Unter seinen 30 635 000 Einwohnern hatte Brasilien bei der Volkszählung von 1924, deren Resultate jetzt erst endgültig fest- gestellt worden sind, nicht weniger als 6724 Hunderjährtge. Auf je 100 000 Einwohner entfielen demnach in Brasilien 22 Hundert- jährige. Brasilien nimmt in der Zahl der Hundertjährigen unter allen Ländern die fünfte Stelle ein. Den Rekord hält allerdings ' Guatemala mit 34 Hundertjährigen auf je 100000 Einwchner. Ausfallend ist nun» daß, obgleich Brasilien weniger Frauen als Männer zählt, doch viel mehr Frauen als Männer das hohe Wer erreichen. Gegenüber 4127 Frauen mit 100 und mehr Jahren gab es 1924 nur 2579 Männer mit dieser Lebensdauer. Der Ausdruck „schwaches Geschlecht" scheint demnach wenigstens in Brasilien, was Lebenskraft anbelangt, nicht richtig zu fein. Daß es im allgemeinen mehr Frauen als Männer im Alter von 100 und mehr Iahren gibt. ist eine Beobachtung, die man nicht nur in Brasilien, sondern auch in anderen Ländern vorfindet. Iflflord auf der ffirücke Ueber die grüne, runzlige, mit Maulwurfshügeln bespickte Hochebene von B u g h e a torkelt Z o b i e. der Kropfige, der Dorf- trottet. Sein riesiger Kopf stützt sich auf einen Hals, der zwischen den Schultern versunken ist. Bein« und Arme schlenkern hin und her. Sein breites, mageres Gesicht verzieht sich bei jedem Schritr. Der Kropf, rot wie der Hals eines Truthahns, baumelt weich und dick. Das rechte Bein ist lahm. Seine oerfchlafenen Augen sagen nichts. Die Brust ist voll roter Haare, wie ein Fuchsfell. Zerfetzt, barfuß, ungekämmt, arm, idiotisch und ruhig schlendert Zobie dahin. Die Morgendämmerung entfaltet ihre gelben Farben. Am Fuße der Hocheben« schläft die Stadt. Zobie wird begleitet von einem achtjährigen, blondlockigen Jungen, der einen Kater mit rosigem Ohren trägt. M i r e a, ein voterloses Kind, kennt keine andere Zärtlichkeit als die„Onkel" Zobies. Sie verstehen einander, Zobie, Mirea und der Kater. „Onkel Zobie," sagt der Junge,„wie schön heute das Wetter ist! Wir werden gute Geschäfte machen beim Betteln."— „Aba— abul Aba— abu!" antwortet der Idiot und nickt mit dem Kopf. Er sieht Mirea an, sein Gesicht erhellt sich. Dann blickt er nach Osten. Der Hünmel strahlt in warmem Silberlicht. Zobie beginnt ein schauerliches Lied zu singen:„A la, la, la, lu, la, lu, la, lu..." Mirea jauchzt hell auf, er ist lustig und tanzt um den Kropfigen herum. Zobie singt sein Lied. Er zeigt mit dem Stock auf die Sonne, die die Gipfel der Berge überflammt. Als sie den Berg vor der Stadt erreichen, machen sie Rast. Die Händler eilen lärmend nach dem Markt. Kinder blasen auf Flöten. Wetteifernd krähen die Hähne an allen Enden der Stadt, die Mühlräder am Bach wimmern, als würden sie geprügelt. Der Kropfige nimmt den Knaben in die Arme, Mirea legt den Kater auf seine Brust, unter das bauschige Hemd. Und wie bei jeder Rast, sängt Zobie an, zu erzählen:„A ba, ba, aba, buaba..." So erzählt Zobie, was ihn bewegt. Seine mageren Hände ver- krampfen sich in dem Hemd des Jungen, der aufmerksam zuhört. „Und die Mutter des Waldes hat ihn verschlungen, nicht wahr, Onkel Zobie?" fragt Mirea.„Wu hu!" antwortet der Idiot, seine Augen strahlen vor Freude: E i n Mensch auf der Welt versteht ihn! Mehr will er gar nicht vom Leben. Nach einer Weile stehen beide auf und gehen weiter nach dem Markt. Wie sie in die ersten Straßen kommen, hetzen die Gassenjungen hinter Zobie her..„Hollo, Zobie! Der Mutter Schönster!— Auf ihn! Auf ihn!— Miau! Miau!—. Mißgeburt!" Einige schleudern Maiskolben, Kartoffeln, Stroh und Sand. Mezure, der Schlimmste unter ihnen, entwindet Zobie den Stock mit einem lauten Siegesgeschrei. Der Stock fällt auf das Pflaster. Zobie wankt, dann bückt er sich. Als er sich wieder ausrichtet, drohend, röchelnd wie ein verwundetes Tier, sind die Kinder fort. Zobie flucht:„Dla! abla! Na, na, abla!" Er knirscht mit den Zähnen, kaut und hebt die Hand zum Mund, als wolle er seine Feinde, die ihn jeden Morgen so quälen, verjchlingen. Er schüttelt, den Kopf, seine Zotteln fallen ihm ins Gesicht. Dan» nimmt er Mirea bei der Hand und geht weiter. Hinter ihm sammeln sich die Kinder wieder. Sie drohen, werfen.mit Erdklumpen, die Geschickteren wagen es, Zobies wattierten Bauernkittel zu fassen. Sie strengen alle Kräfte an. um den Idioten auf den Rücken zu werfen. Der dreht sich im Kreis, hebt den Knüttel und reißt den Mund weit auf. Er kann nicht mehr lallen, sein Kropf schwillt an. Gequält stöhnt er auf und geht dann weinend wetter. „Was wollen sie nur immer von uns, Onk�l Zobie?" sagt- Mirea und zittert vor Furcht. Die Trauer des Kropfigen mischt sich mit seiner Wut zu einer Art Grinsen, das um Mttleid, um Güte bettelt. Er sieht aus wie ein Hund, der im Schlaf bellt. Endlich erreichen sie den Markt. Die Händler lärmen und ordnen ihre Waren. Die Wagen sind beladen mtt Kattun, Bauern- kitteln, weißen Bauernhosen, künsllichen Blumen; Laden und Truhen werden rasch entladen. Einige erzählen van ihren Geschäften am Vortag. Zobie und Mirea werden von den Kaufleuten böse emp- fangen:„Müßt ihr euch schon bei Tagesgrauen hier herumtreiben, ihr Bettlerpack?!— Macht, daß ihr fortkommt, man kann sich ja nicht rühren vor dem Gesindel!" Ein Grieche, der Sensen und Aexte verkauft, stößt Zobie, daß er auf die Hände fällt. Brummend steht der auf, nimmt Mireas Hand und verläßt den Markt. Er will auf der Brücke warten, bis die Damen und Mädchen kommen, die schön stich und Mitleid haben mit den Armen. Auf einen Balken der Brücke gestützt, sieht er mit stumpfem Blick in den Fluß, der in silbernen Streifen bauchig« Steine umspült. Hier findet ihn die Horde Kinder wieder. In zwei Reihen setzen sie sich zu beiden Seiten her Brück« nieder und beginnen mit Steinchen zu werfen. Zobie schreit. Mirea versteckt sich bei ihm, mtt beiden Händen hält er die Oefinung seines. Kittels zu, hinter der sich der Kater ängstlich verbirgt. Plötzlich hört man die Äimme eines Jungen:„Sturm!"— und all« fallen über Zobie her. Sie zerren an seinem Kittel, schieben den Idioten hin und her und lachen über seine Angst. Einer reißt den Sack von seinen Schultern. Ein anderer stellt ihm ein Bein. Und einer schlägt ihrn� mit einer Rute übers Gesicht. Zobie heult auf und wirbelt den Stock über seinem. Kopf. Blutunterlaufen sind seine Augen, die Backen zittern, länger und länger wird seine Unterlippe. Mirea weiitt:„Laßt uns doch in Ruhe! Wir haben euch doch nichts getan!" Der Kropfige hat einige der Jungen mtt dem Stock getroffen. Der größte springt Zobie an, reißt ihn zu Boden. Mirea fällt neben ihm nieder. Die anderen stürzen sich über sie. Im Kittel Mireas schreit der Kater, ein Junge erwischt ihn beim Schwanz, wirbelt ihn einige Male durch die Luft und schleudert ihn in den Fluß. Zobie krümmt und windet sich. Sein Gesicht wird blau. Er versucht zu beißen. Als er sieht, daß einer von ihnen in den Fluß geschleudert wird, verliert er den Rest seines armen Verstandes. Er"schließt die Augen und krampst mit seinen Händen besinnungslos um sich. Sein Geheul erstickt im Lärm der Kinder, sein Atem ist nur ein Röcheln, das immer mehr verlischt. Plötzlich ertönt aus der Masse der Gassenjungen ein spitzer Schrei. Die Kinder lassen los und sind im Nu verschwunden. Der Idiot steht auf. Mit der rechten Hand drückt er aus Leibes- frästen den Hals Mireas zu. Der ist schon steif seine Zunge hängt herab, Blut läuft von der Nase zum gebauschten Hemd, die Augen sind verdreht. Als Zobie wieder zur Besinnung kommt, sieht er Mirea. Er beginnt zu zittern, fällt hin und wälzt sich verzweifelt auf den Bohlen der Brück«. Sein Hemd hängt in Fetzen. Die blutigen Finger steckt«r in den Mund und beißt zu. Die Polizei findet Zobie in einem Hohlweg. Er hat den toten Knaben mit Blumen geschmückt und sitzt trauernd»eben der Leiche, ohne«ine Träne zu weinen. Seine Totenklag« ist ein schwermütiger Gesang, voll Derrückthett und Liebe. Man muß ihn binden, um ihm den Knaben wegnehmen zu können. lZiach dem RumSinschen be» relaorimc« rn Hilde DSrner.)