BERLIN Sonnabend t Oktober 193« 10 Pf. Nr. 466 B 232 42. Jahrgang Erscheint täglich außerSonntag«. Zuzlcich Abrndauegabe de«.VonrSrt«'. B«iug«»rei» beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche, 3,60M. xr» Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW6S,Liodenstr.S Sftalaatyaße xlei„Vrfutoiidb An,eisen»rei<: Die einspaltige NonpareiUejeile 80 Pf., Reklameteile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwSrts-Verlag G. m. b. H., ' Berlin Nr.37S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Dreimal 1 i Lahre Festung Das Urteil im Leipziger Offiziersprozeß- Demonstrationen in und vor dem Gericht Leipzig, 4. Oktober. In hcm Sochverratsprozen gegen die Ulmer Reichswehroffiziere verkündete der Vorsitzende des Strafsenats, Reichsgerichtsrat Tr. Baumgarten, heute vormittag folgendes Urteil: Tie Angeklagte« werden wegen gemeinschaftlicher Vortzerei- tung ein es hochverräterischen Unterneh» mens nach§ LS des Strafgesetzbuches je zu einer Festungshaft von 1 Jahr und K Monaten kostcupflichtig verurteilt. Auf die erkannten Strafen werden je v Monate und 3 Wochen für Untersuchung«» Haft angerechnet. Ter Angeklagte Scheringer wird von dee weiteren Anklage des Vergehens gegen if 9 2 des Militärstrafgesetzbuches wegen Veröffentlichung eines Artikels im „Völkischen Beobachter" freigesprochen. Wegen die Angeklagten Scheringer und Ludien wird aus Tienst» entlassung erkannt. Aazitundgebung gegen Reichsgericht. Am heutigen letzten Tage des großen Prozesses' gegen die Reichsroehroffiziere hatte man in Leipzig besondere Dorsichtsmah- nahmen getroffen, um zu verhindern, daß das Urteil, wie es auch ausfallen mochte, Anlaß zu größeren Demonstrationen geben könnte. Der große Platz vor dem Reichsgericht, auf dem heute morgen Autos aus allen Teilen des Reiches zu sehen waren, war von der Polizei in unauffälliger Weise abgeriegelt morden. In den Nebenstraßen und im Reichsgericht standen außer. dem mehrere Hundertschaften bereit, um eventuell sofort eingreifen zu tonnen. Das Reichsgericht selbst hatte«inen erhöhten Schutz erhalten und besonders vor dem Eingang zum Saal sowie auf der Treppe, die zum Zuhörerraum führt, waren auffällig viel Beam'c postiert, um Kundgebungen zu verhüten. Ueberdies erschien auch diesmal wieder vor Beginn der Verhandlung der dienstwende Oberleutnant der Schutzpolizei im Saal und teilte im Auftrage des Präsidenten mit, daß das Publikum sich während und nach dem Urteil jeder Kundgebungen enthalten solle, da im anderen FyU« Ruhestörer festgenommen werden würden. Die Angeklagten hatten bereits vor 10 Uhr. wie immer unter starker polizeilicher Bewachung, Platz genommen. Sie machten einen sichtlich nervösen, aber keineswegs niedergeschlagenen Eindruck. Ludien trug sogar e.ne Blume im Knopfloch. Nachdem der Vorsitzende das Urteil verkündet hatte, herrschte einige Minuten lautlose Stille. Dann jedoch sprang das Publikum auf und zahlreich« Frauen und Männer verließen laut murrend den Saal. Einige Freunde winkten den Angeklagten zu, Frauen und Mädchen warfen ihnen Kußhände zu. Die Angeklagten erwiderten durch lebhaftes Winten diese Grüß«. Vors.(sehr erregt)): Ich verbitte mir diese Demonstrationen, diese» -Zuwinken hier. Es entspricht nicht der Würde des Saales, in dem wir uns befinden, wenn dcks Publikum den Angeklagten Kußhände zuwirft. Ich lasse jeden verhaften, der sich hier nicht in einer dem Ort angemessenen Weis« benimmt. Inzwischen war durch die Personen, die den Saal verlasjen hatten, den auf dem Platz vor dem Reichsgericht wartenden An- gehörigen der NSDAP. Nachricht von der'Verurteilung der drei Offiziere gegeben worden. 5ofort erhob sich draußen ein ungeheurer Tumult. Pfeifen. Rufen und Schreien, sowie die Rufe eines Tprechchors drangen bis in d-n Tool. Die Schutzpolizei griff sofort ein und räumte abermals den Platz vor dem Reichsgericht, doch sammelten sich die Demonstranten immer wieder Schließlich, mußte eine Ab- teilunz berittener Polizei hinzugezogen werden, um die immer größer werdenden Mengen abzudrängen. Die llrteilsbegründung. Reichsgerichtsrat Dr. Bau in garten erklärte in der B«- g r ü n d u n g des Urteils folgendes:„Die AngeNogten, Leutnant Ludien und Scheringer, waren unzufrieden mit gewissen Verhält- inssen in der Reichswehr. Sie glaubten, daß der Kurs im Reichs- wehrininisterium zu scharf nach links gehe, und daß das Heer zu weich geleitet werde. Anstatt sich auf dem vorgeschriebenen Dienst- weg über diese Dinge, die ihrer Ansicht nach einen Schaden b«- deutete«, zu beschweren, juhrau Schexurgcr uad Ludi�r nach München und trugen dort den Leitern der Zlalionalsozialistischen Partei ihre Schmerzen vor. Der Zweck ihrer Reis« dient« einmal dazu, sich zu informieren, zweitens wollte man in Kameradenkrcisen für die Partei werben, mit der man in feste Verbindung zu kommen hofft«. Man erörterte in München sehr eingehend die Frage, ob die Nationalsozialistische Partei zur Verfügung steh«. Beide Angeklagten erklärten sich bereit, Verbindung mit der Ngtionolsozialistischrn Partei auszunehmen. Obwohl den An- peklagten in München gesagt wurde, daß ein« Bewegung der Partei nicht zu erwarten sei, und obgleich ihnen gesagt wurde, daß mit der Reichswehr kein« Berbindung bestehe, erklärten sich Scheringer und Ludien doch bereit, in den Kreisen ihrer Kameraden für die Nationalsozialisten zu werben und darüber nach München zu berichten. Dos bedeutet keine feste Bindung, aber doch eine Art B c r a b- r« d u n g. Nach Ulm zurückgekehrt begannen Scheringer und Ludien ihr« Propaganda durchzuführen. Sie hielten mit Offizieren in ver- schiedenen Garnisonen Besprechungen ab. Diese vesprechungen können nach Ansicht des Reichsgerichts nicht harmlos gewesen sein, das geht schon aus der Aussage de» Ober. leutiumt, Geist hervor, mit dem. die Angeklagten ihre Ziele besprachen. Schering« setzte sich dabei für die Bewegung von unten nach oben«in. Oberleutnant Geist lehnte diese Bestrebungen ab. Es wurde auch bejprochco, wie die Reichswehr sich bei einer Altion der nationalen Parteien verhalten sollte, und daß nicht aus die Recht-- Parteien geschossen werden solle. Weiter mar das Gespräch wichtig, welches die Angeklagten mit dem Hauptmann a. D. Gilbert hatte». Sie erklärten auch ihm, es müsse dahin kommen, daß die Reichswehr auf Angehörige der Rechtsparteien nicht schieße. Hauptmann a. D. Gilbert warnte die Angeklagten ausdrücklich vor solche» Ansichten und schrieb ihnen sogar, daß der Soldat auf Befehl des Vorgesetzten un- bedingt zu schießen habe. Dem Angeklagten Wolf gegenüber schlugen die Slngeklagten vor, als Gegenwirkung gegen die kommunistisch« Zsllenbildiing nationalsozialistische Zellen in der Reich-- wehr zu- bilden. Leutnant Wols hat die Angeklagten ebenfalls v o e solchen Plänen gewarnt. Endliä) hat Ludien im Juli 192') in Grascnwöhr dem Oberst Beck seine Sorgen und Schmerzen mil- geteilt. Der Oberst hat Ludien in gütlicher und väterlicher Weise aufgefordert, ihm zu schreiben. Ludien hat das jedoch nicht getan, offenbar auf Weisung der Nationalsozialistischen Partei. Ein Zwischenfall. Bei diesen Worten des Vorsitzenden gab es einen aufregenden Zwischenfall im Saal. Ein« junge Frau, die schon mährend der ganzzen Zeit laut vor sich hingeschluchzt hotte, schrie plötzlich. beide Fäuste gegen das Gericht reckend:„Zu welchen: Gericht sollen wir Deutsche denn noch Vertrauen haben-" Zwei Schupo- b e a m t e spränge» sofort hinzu und versuchten, die Aufgeregte aus dem Saal zu ziehen. Die völlig ekstatische Frau wehrte sich verzweifelt und schrie immer wieder gellend:„Zu diesem j Gericht haben Vix kein Vertrauen mehr, das jage ich » ii d. sage ich innner wieder!"' Endlich gelang es, die Frau aus dem Saal zu entfernen, doch hörte man ihr Schreien auf dem Korridor noch längere Zeit. Nach diesem Zwischenfall fuhr Reichsgerichlsral Dr. Baumgaden fort: Die Zeugen in der Hanpwcrhandlung haben ihre Aussagen gegenüber den Bekundungen in der Voruntersuchung zum Teil stark abgeschwächt. Der Senat ist nicht etwa der Ansicht, dag die Ulmer Offiziere etwa unter ihrem Eid die Unwahrheit gesagt haben. Davon kann keine Rede sein, besonders bei der klaren offenen Aussage des Oberst Beck. Wir haben sehr kritisch die Aussagen, wie sie in dem Vorverfahren abgegeben wurden, und die Aussagen aus der Hauptverhandlung gewürdigt. Die vorhandenen, zum Teil sehr starken Differenzen sind zu erklären aus der psychologischen Situation, in der die Zeugen in den verschiedenen Stadien dieses Oer Aufmarsch des Reichsbanners. Sonntag 16 Uhr im Lustgarten Zur Kundgebung des Berliner Reichsbanners marschieren die Orlsoereine aus allen Stadtteilen zum L u st g a r t e n. Die Züge werden dort gegen 16 Uhr eintreffen. 3m Lustgarten werden die Spielleute zu einem kurzen plahkonzert zusammengezogen. Gauoarsihender Johannes Stelling wird die Ansprache halten und Kamerad Reidhardt, der technische Führer des Gaues, wird die Reichsbannerkameraden ausrufen, alle Abwehrmasznahmen organl- salorisch vorzubereiten, um gegen putschgelüste gerüstet zu sein. Ein Konzerl schlicht die Kundgebung ab. Verfahrens ausgesagt haben. Im Vorverfahren ist die Erinnerung eines Zeugen zweifellos frischer als in der HaiiptverhaMung. Es sind hier schwere Vorwürfe gegen den Untersuchungsrichter Dr. Braune gerichtet worden. Diese Angriffe sind nicht begründet gewesen.(Murren Und lautes Lachen im Saal.) Der Untersuchungs- nchter kann Zeugen nicht innner mit Glacehandschuhen anfassen. Di« Abfassung der Prototolle liegt in dem pflichtgemäßen Ermesftn des Untersuchungsrichters. Dr. Braune ist den Angeklagten gegen- icher durchaus nicht nur ein kühler und strenger Richter gewesen, das bekunden die Angeklagten selbst nicht, und der Sachverständige Major Theißen hat uns erzählt, wie ergriffen der Untersuchungsrichter ivegen seiner Aufgabe war. Hier wurde im Saal ein minuten-langes ironisches H u st e n und Räuspern der Zuhörer bemerkbar, so daß sich der Vorsitzende zu der Bemerkung veranlaßt sah, daß Hals- kranke sich auf dem Korridor aushusten möchten. « Die drei Angeklagte nahmen das Urteil zwar gefaßt entgegen, doch war Schcringer und Ludicn, die bis jetzt noch aktive Offizier: waren, die große Erregung in steigendem Maße anzusehen. Nach der Derkündung des Urteils und der Begründung wurden sie von ihren Freunden und Verwandten noch cimnal begrüßt, wobei be- sonders Ludien Blumen überreicht wurden. Nach dem Urteil niußte die Polizei gegen sechs Ruhestörer, die sich unier den Zuhörern befanden, einschreiten und sie zur Feststellung ihrer Personalien vorübergehend festnehmen. Angriff auf Preußen. Oer Aeltestenrat seht de» Arbeitsplan fest. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags wird, wie bereits gemeldet, am Montag, dem 6. d. M., zusammentreten, um sich über die parlamentarische Behandlung des von den Koinmu- nisten eingebrachten Urantragcs schlüssig zu werden, der' dem preußischen Gesamtministerium das Vertrauen entziehen will. Es ist in Aussicht genommen, mit der Beratung dieses Antrages zu verbinden die Besprechung der Anträge der Wirtschaslspartei und der Kommunisten über die Auflösung des Landtags, der Deutsch- nationalen und der Kommunisten über die parteipolitische Betäli- gung der Beamten, des Urantragcs der Nationalsozialisten wegen des gegen die NSDAP, erlassenen Unifonnverbotes, sowie des kam- munist'.schen Antrages, der die Aufhebung der auf Grund der Per- ordnung des Reichspräsidenten ergangenen preußischen Erlasse fordert. Die Besprechung des Mißtrauensantrages muß so erfolgen, daß nach Maßgabe der Verfassung am 16. Oktober namentlich über ihn a b g e st i m m t wenden kann. Zm Blutrausch. Der Karower Mörder in Leobschüh verhostet. In seiner Heimat in L e o b s ch ll h ist der 34 Zahre alte Blaurer Paul Kunze festgenommen worden, der Alitte September den Mord an der 53 Jahre alten Witwe Margarete Mathiat in Karow verübt hat. Kunze hatte sich, wie damals berichtet wurde, am 16. September auf das Grundstück der Frau M. in der Frundsbergstraße geschlichen und war bis in das Wohnzimmer vorgedrungen. Durch vier Schüsse streckte er die Frau zu Boden, flüchtete und entkam. Seine Spur konnte zunächst bis zum Alexanderplatz verfolgt werden. Die Mordkommission ermittelt« dann, daß er weiter nach Neukölln und nach Spandau gegangen war, um dort Betankte aufzusuchen. Ee wurde ferner festgestellt, daß er noch einen zweiten Revolver gekaust hatte und auch äußerte, daß er jetzt sowohl an seiner Braut und deren Mutter in Bernau, wie an seiner Frau, die in Bayern lebt und an deren Verwandten Rache nehmen werde. Seinem Borleben nach, das inzwischen bekanntgeworden ist, konnte man ihm eine solche Tat wohl zutrauen. Seine Frau, die ihn buchstäblich aus Angst geheiratet hat, besaß früher in Läwitz bei Leobschütz ein Grundstück, das Kunze bei der Heirat zusiel. Bon Zeit zu Zelt befiel ihn ein Blukrausch. Mit einem Beil und einem Schiächtermesscr in den Händen raste er durch die Wirtschaft wie ein Ämokläufcr. Blindlings erschlug cr die Haustiere, die Schweine, die Ziegen, die Hühner, deckte das Dach ab und warf die Nähmaschine seiner Frau in den Brunnen. Wenn diesejlnfälle über ihn kamen, rettet- sich alles vom Gehöft und ließ den Tobenden ollein. Mit zwei Revolvern bewaffnet erschien Kunze auch einmal bei einer Hochzeitsgesellschaft und schoß ohne weiteres i» die Versammlung hinein, die entsetzt auseinandcrstob. Um dem unerträglichen Leben an seiner Seit« ein Ende zu machen, trennte sich seine Frau von ihm und zog nach Bayern. Im Verkaufe der Ermittlungen hat sich auch der Verdacht erhoben, daß der Maurer für den Mord an der Frau Marie Grosser am Kraftwerk Unierspree verantwortlich zu machen sei. Die Frau wurde bekanntlich am Pfingstsonnabend dieses Jahres, als sie vom Einkaufen heimging, übersallen und niedergeschossen. Echo eines Die presse über die Haltun Die Stellungnahnu: der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur politischen Lage hat, wie nicht anders zu erwarten, in politischen Kreisen starke Beachtung gefunden. Das spiegelt sich besonders in der Presse wider, die sehr ausführlich ihr«. Meinung sagt. Je nach dem politischen Lager ist die Auffassung natürlich ganz verschieden. Die agrarische„Deutsche Tageszeitung" versichert z. B., die Sprache der sozialdemokratischen Entschließung sei eine klare Sprache: Absage, entschiedene Absage an die Regierung Brüning, Drohung mit der proletarischen Faust! Wir würden es unter diesen Verhältnissen nicht oerstehen, wenn sich der Kanzler mit solchen Partnern in weitere Verhandlungen einließe. Auch die rechtsstehende„Berliner B ö r s e n z e i t u ng" ist dieser Meinung: Der ganze Sinn des Beschlusses ist letzten Endes der, daß die Sozialdemokratie zwar zunächst auf parlamentarischem Wege versuchen wird, das Finanzprogramm noch ihren Wünschen u m z u g e st a l t e n bzw. die Regierung Brüning dazu zu zwingen—, falls ihr das jedoch nicht gelingt, entschlossen ist, zu schärfster, nicht allein auf das Parlament beschränkter Opposition überzugehen. Ganz anderer Ansicht ist dagegen der demokratische„B ö r s« n- C o u r i c r", der u. a. schreibt: Zeichen einer gewissen Besinnung sind in der sozial- demokratischen Entschließung zu finden. Aber nicht nur die Ein- ficht in das Staats- und Wirtschaftsnotwendige, sondern vor allem der Wille, von dieser Erkenntnis Gebrauch zu machen, müßte sich noch erheblich verstärken, wenn Aussicht aus praktische Ergebnisse vorhanden sein soll. Friedrichstraße in Gefahr? Bisse zwischen Koch- und Zimmerstraße- polizeilich gesperrt Tie Friedrich st raste zwischen der Koch- und Z i m m e r st r a st e mustte heute mittag für den gesamten Fuhrvcrkehr gesperrt worden, da sich im Asphalt sehr starke Risse zeigten, die einen plöhlichen Einsturz befürchten liesten. Gegen s4l2 Uhr platzte der Asphallbelag an mehreren Stellen zur gleichen Zeil. Die Risse, die erhebliche Breite ausweisen, ziehen sich quer über den ganzen Fahrdamm. Zunächst wurde vermutet, daß durch einen unterirdischen Wasserrohrbruch die Sandmassen fortgespült und die Asphaltdecke, ihres Haltes beraubt, eingebrochen sei. Jedesmal wenn ein U.-Bahnzug im Tunnel die Einbruchstelle passierte, gab es eine sichtbare Erschütterung und die Risse nahmen immer bedrohlichere Fonnen an. Wie von der alarmierten Feuer- wehr festgestellt wurde, sind die Wasserrohre an der Gefahren- stelle völlig unversehrt und bis zur Stunde konnte die tassäch- liche Ursache noch nicht festgestellt werden. Bon der Polizei ist aus Sicherheitsgründen der gefährdete Straßenabschnitt zunächst einmal abgesperrt worden. Inzwischen ist das Städtische Tiefbauamt von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden und mehrere Beamte haben sich alsbald an die Unfallstelle begeben. Ob eine Gefahr für den U.-Bahntunnel bzw. fiir die in der Nähe der Einsturzstelle befindlichen Häuser besteht, kann erst die nähere. Untersuchung ergeben. Freitod des Nationalsozialisten. Oer Selbstmord GanzertS durch Obduktion festgestellt. Am 36. September wurde, wie berichtet, der 24 Jahre alte Bäckerlehrling und SA.-Mann Helmuth G a n zer t in der Herschelstraße 4a zu Charlottenburg in seinem Bett tot auf- gefunden. Er hatte eine S ch u ß v e r l e tz u n g in den Mund bekommen, die Kugel war am Genick wieder herausgetreten. Gerüchte wollten wissen, daß der junge Mann einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Von der Inspektion A. des Polizeipräsidiums wurde deshalb eine genaue Untevsuchung des Tatortes vor- genommen, außerdem von der Etaatsanwalsschaft die Leichen- öffnung beantragt. Die Sektion ergab, daß Ganzert sich ohne Zweifel selbst in den Mund geschossen hat. Der Lustdruck des Geschosses hat sogar einen kleinen Knochen im Rachen gesplittert.' ein Beweis dafür, daß die Masse im geöffneten Mund angesetzt worden ist. Der Befund wurde auch durch die Ermittelungen der Mord- inispektion ergänzt. Am Abend vor seinem Tode hatte G. eine Versammlung in einem Parteilekal besucht und sich etwas an- getrunken. Dafür erhielt er einen Verweis, den er sich sehr zu Herzen nahm. Zu Hause airgekommen, muß er dann den Entichluß gefaßt haben, aus dem Leben zu scheiden. Im August dieses Jahres lag G. im Hildezard-.Krankenhaus. Mit Kameraden, die ihn dort besuchten, sprach cr über die verschiedenen Arten des Selbst nordes. Einer der anderen erzählte vom Erhängen, Ganzert aber sagte, wenn er einmal„Schluß" mache, werde er sich direkt in de n' M u n d schießen. Das Grab im Hausgarten. Vatermord noch 10 Jahren aufgeklärt. Eine ländliche Tragödie, die in vielen Einzelheiten an die Ermordung des Bauern Deikerl aus Grunow bei Brossen erinnert, ist jetzt in Tleu-Reich walde im kreise Beeekow-Storkow von der Mordinspektion A aufgeklart worden. Wie im Falle Deikert, der mit seinen Angehörigen nicht im besten Einvernehmen lebte, so war auch in Reu-Reichwalde der 56 Jahre alt« Hofbesitzer Julius Schneider plötzlich v e r- sch wunden. Man oermißte ihn seit dem 15. Mai 1926. Die Familie erstattete eine Lermißtanzeige und gab bekannt, daß Schneider in Handelsgeschäften über Land gefahren und nicht zurück- gekehrt sei. An diese Darstellung schienen die Mitbewohner des Ortes nicht zu glauben, denn die Gerüchte, daß Sckzndder umgebracht worden fei, wollten nicht verstummen, verstärkten sich vielmehr von Jahr zu Jahr. Julius Schneider war als ein starr- köpfiger rechrhaberischer Mann bekannt, der mit seinen Angehörigen oft in Streit geriet. Bei den Nachprüfungen durch Berliner Kriminalbeamten ergab es sich, daß die Angaben der Famllie über die Reise nicht stimmen konnten. Jetzt gestand der Sohn des verschwundenen Schneider nach langem hartnäckigem Leuznem seinen Bater umgebracht zu haben. Der Sohn Paul war damals 20 Jahre Beschlusses ; unserer Neichstagsfrattion Die schwerindustrielle„DAZ." nennt den Beschluß eine Halbheit, die sich aus der gesamtpolitischen Situation erklärt: Es verrät wenig Verständnis für die wirtschaftliche Gesamtsituation, wenn ausgerechnet die Herabsetzung der Ar- ' b e i t s z e i t. die keine Mark für Mehrerporte und Absatzbelebung einbringt, als das geeignete Mittel tznr Verringerung der ' Erwerbslosigkeit angepriesen wird. Die sinnloseste For- derung ist die nach Beseitigung von Bestimmungen der längst zum Bestandreil praktischer Finanzsührung gewordenen Notverordnung. Die„G e r m a n ia*, das dem Kanzler Brüning nahestehende Zsntrumsblatt, sagt Hagegen: Sicht man von dem Propagandistischen ab, dann muß man feststellen, daß die Sozialdemokratie die Fehler vermieden hat, die sich in den v o l k s p o r t e i l i ch c n und w! r t s ch a f t s- parteilichen Beschlüssen finden. Die sozialdemokratische Kund- gebung ist maßvoll. Sie scheint uns dahin ausgelegt werden � zu müssen, daß nichts verbaut wind. Die Verhältnisse sind nach wie vor schwierig und schwer. Der sozialdemokratische Be- schloß aber hat sie wenigstens nicht schwieriger gemacht. Er läßt doch noch die Hoffnung zu, einen glatten Weg zu finden. Denn auch wir sind der Meinung, daß Demokratie und P a r l a- mentarismus geschützt und erhalten werden müssen. Wenn sich dazu die willigen Kräfte zusammenfinden, dann muß es gelingen, selbst die schwierigste Situation zu meistern. Aehnlich äußern sich auch die demokratischen Blätter, wobei die „Volkszeitung" hervorhebt, daß die Haltung der Sozialdemokratie „es der Regierung unmöglich macht, den Einftüfterungen derer nachzugeben,, die es ohne die Sozialdemokratie machen möchten". alt. An dem verhängnisvollen 15. Mai war es zwischen dem Bater und dem Sohn zu einem heftigen Zusammenstoß gekommen. Die Mutter mischte sich ein, und jetzt drang der Bauer auf die Frau ein und wollte sie verprügeln. Um das zu verhindern, rang der Sohn mit dem Vater, packte ihn an der Kehle und drückte ihn zu Boden. Dabei muß er ihn erwürgt haben, denn der Alte blieb regungslos liegen. Man getraute sich nicht, den Vorfall zu melden und beriet, was zu tun sei. Einige Tage behielt man die Leiche im Hause versteckt: dann wurde in einer dunklen Nacht im Haus- garten eine Grub« ausgehoben und der Tote be- graben. Der Sohn hat auch die Stelle angegeben, an der der Erschlagene verscharrt wurde. Die Leiche des Hofbesitzers wurde gestern im Garten seines 5)auses ausgegraben. Nachdem das Skelett rekonstruiert war, zeigten sich bei der Untersuchung Verletzungen an der linken Schädel- seit«, die von Hieben herrühren, wahrscheinlich von einem schweren Schraubenschlüssel oder einem Hammer. Frau Schneider und ihr Sohn. Paul, die ins Verhör genommen wurden, geben dazu folgend« Erklärung: Der Sohn sagt, daß jeine Mutter, als er den Dater an der Kehle gepackt hatte und würgte, ihm einen Gegenstand— was, weiß er nicht mehr— in die Hand drückte und daß cr damit auf den Vater einschlug. Di« Frau gibt dies« Möglichkeit ebenfalls zu. Irgendwelche Gemütserregung zeigt keiner von ihnen, sie blieben auch während der Ausgrabung der Leiche ganz unberührt. Die Per- hafteten sind dem Amtsgericht Frankfurt a. d. O. zugeführt worden. Oer Nacheplan an Wessels Grab. Zuchthausurteil gegen Nationalsozialisten. Das Schwurgericht III verurteilte die sechs nationalsozio- listischen Angeklagten, die den Arbeiter Roscher überfielen und so mißhandelt halten, daß er den Verletzungen erlag, wegen Körper- Verletzung mit Todeserfolg in Tateinheit mit Raushandel. Im einzelnen lautete das Urteil gegen Aschenbrenner auf sechs Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Staender vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Nimmert und Diez je zwei Jahre Gefängnis und gegen Wienicke und Zilinski aufjeeinJahrGesängnis. Den Ange- klagten wurden zwei bis drei Monate der Untersuchungshast ange- rechnet. Zehn Lahre„Kronprinzenpalais." Die Kunst als prophetische Deuterin des Zeitgeschehens. Auch die Nationalgalerie nimmt an den Museumsfeiern teil: in diesen Tagen jährt es sich zum zehnten Male, daß das Kran- prinzenpalois ihr angegliedert wurde. Die Gesellschaft der Freunde der Nationalgalerie(deren erstmaliges Hervortreten kürzlich bei Gelegenheit ihrer Stistungen vortrefflicher Kunstwerke aus der jüngsten Zeit rühmlich erwähnt wurde) lud am 3. OUober ihren Freundeskreis im weiteren Sinn zu einer kleinen Festlichkeit in das Kronprinzenpalais ein, und es kam eine ausgewählte Schar von Museumsleuten, Sammlern und Kritikern zusammen, d!� hier die Feierlichkeiten der Museumswoch« beschlossen. Baron von der Heydt, her Vorsitzende der gastgebenden Gesellschaft, begrüßte die Erschienenen und gab einen kurzen Ueber- blick über die Tätigkeit im ersten Jahr: und der Direktor der Frau!- furter Kunstschulen Dr. Fritz Wichert hielt einen überaus geisi- vollen und anregenden Vortrag über den Sinn der jüngsten Kunst seit 1966. Kunst ist prophetisch vorousweisende Deuterin des Zeitgeschehens, ist Interpretin des gewaltigen Ringens aus dem Ehaos der Gegenwart: das war der Kern feiner Rede. Als anschaulichen Beweis konnte er sich ständig auf die Bilder im Obcrgeichoß des Kronprinzenpalais berufen. Die so viel und so ungerecht angefein- dete Ankaufstätigkeit Ludwig Justis erfuhr durch diese glänzend« Beschreibung oder vielmehr Umschreibung der Kiinstiverte, die er der Oefsentiichkeit zugeführt hat, ihre ticfinnerste Rechtfertigung. Ja, es ist wahr, diese Werke, die noch oft auf Mißverständnis stoßen, sind der wahre Ausdruck unseres heutigen Empkindens, Ausdruck unserer Rai, unserer bitteren Kämpfe, unserer Hoffnung auf eine tröstlich« Zukunft: nicht aber Gegenwert einer inhaltlosen, historisch begriffenen„Schönheit", die ein längst abgestandener Begriff ist, weil unser Leben einfach keinen Raum mehr für sie hat. Hier sprach ein Mann, der zu überzeugen wußte, weil er selber überzeugt war, wall er selber schon vor Jahrzehnten in der Mannheimer Kunst- hall« ein« meisterhafte Sammlung lebender Kunst geschossen hat. Nur einem sa ausgezeichneten Redner wie Fritz Wichert könnte es gelingen, ein Publikum von lauter„Bcstcmpfängern", wie er selbst dt« Kunstoermittler nannte, sa vollkommen hinzureißen. Laul F. Schmidt. Leutnantspolitik gegen Reichswehr Nationalsozialistische Erschütterung der Disziplin— Offizierserziehung versagt Selten hat ein Prozeß die gesamte Oeffentlichkeit so ausgcwühlt wie die zehntägige Verhandlung vor dem höchsten Gerichtshof der deutschen Republik, und selten ist auch ein Urteil mit derartiger Spannung erwartet worden wie der Eerichtsspruch, den der vierte Strafsenat jetzt gegen die Ulmer Leutnants gefällt hat. Die Verhandlungen wurden von der ganzen Oeffentlichkeit darum mit so ungeheurem Jirteresfe verfolgt, weil sie eigentlich zum ersten- mal einen wirklichen Einblick in die Geistesverfassung des Offiziers- kcrps gestatteten. Da sind zunächst die Angeklagten. Junge Leute im Aller von 23 bis 28 Jahren, Nachkriegsgeneration, die bei Ausbruch des Krieges 9 bis 12 Jahre all war und bei Kriegsende gerade ton- firmiert wurde. Wie sich in diesen Köpfen die Umwell spiegelt, welche verschwommenen Vorstellungen da von einer gewallsamen Befreiung vom Versailler Vertrag, von einer„nationalen Tat" herumfputen, und wie brüchig die Auffassung von den Pflichten eines Offiziers der republikanischen Reichswehr, von dem Treueid auf die Verfassung ist, das mutet in der Tat ungeheuerlich an.„Man durfte uns nicht den Führer nehmen, an dem wir mit ganzer Seele hingen," fügt der Angeklagte Scheringer seelenruhig seiner Aubsage hin- zu, in der er behauptet, daß feit dem Weggange von S e e ck t s eine entschiedene Links richtung in der Reichswehr festzustellen sei. Allein dieser Ausspruch sagt genug. Daß die Reichswehr das Instrument der Reichsregierung ist, daß sie unter dein Ober- hefehl des vom Volke gewähllen Reichspräsidenten steht und unbedingten Gehorsam schuldig ist, diese Borstellung existiert bei den Scheringers und Lud ins nicht. Wird die Reichswehrleitung init Persönlichkeiten besetzt, die einen„Linkskurs steuern", die„Leisetreter" sind, dann hat die junge Generation der Offiziere, so folgern die Angeklagten, das Recht, sich dagegen aufzubäumen. So ver- breitet man Unzufriedenheit und propagiert schließlich in Kameraden- kreisen, das hat die Beweisaufnahme klar genug erwiesen, die glatte Gehorsamsverweigerung. Dies und nichts anderes ist„die Lösung von unten her", wie sie Scheringer oorfchivebte. Das sind die Angeklagten. Aber viele der jüngeren Zeugen sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Unter ihrem Zeugeneid haben sie bekundet, daß sie vollständig oder überwiegend mit den An- schauungen der Angeklagten übereinstimmten, hoben auch ganz klar die Konjlikte erörtert, die für sie eintreten würden, wenn sie etwa gegen Rechtsputschisten eingesetzt werden sollten. Ganz offen wurde zugegeben, daß Rechtsparteien und„vaterländisch" für sie e i n Be- griff seien und daß der innere Konflikt, für sie sich natürlich ver- schärfe, wenn von einer Linksregierung der Befehl käme, gegen einen Rechtsputsch loszugehen. Gewiß hat sich auch eine Anzahl der Offizierszeugen letztlich zu unbedingtem Gehorsam be- könnt. Aber es zeugt doch von einer ganz bedenklichen Lockerung der militärischen Disziplin, wenn Offiziere sich vor der Ausführuug von Befehlen erst die Frag« vorlegen, ob die vorgesetzten Stellen und die Regierung auch vaterländisch genug seien. Geradezu verblüffend ist die geschichtliche Unkenntnis dieser jungen Leutnants. Nicht einmal die neueste Histckrie, die Geschichte des Weltkrieges,!ennen sie, sonst würden sie wissen, wie in der fianzäsischen Armee, die m auch auf die Verfassung einer demo- lratifchen Republik vereidigt ist, die Generalität und das gesamte Ofüzicrskorps während des Krieges unter der eisernen Fuchtel der zivilen Regierung standen. Dann würde ihnen auch nicht un- bekannt sein, wie ein I o f f r e einem P ö t a i n und dieser wiederum einem Nivell« Platz machen mußte, obwohl jeder seine sanatischen Anhänger im Offizierkorps halle. Bei ganz geringer Geschichts- kenntnis würden sie auch wissen, daß der militärische Nationalheros Frankreichs Marschall F o ch sogar in der Glanzzeit seines Si«ges sich vom Ministerpräsidenten Clemenceau ganz energisch in die Schranken seiner militärischen Befugnisse zurückverweisen lassen mußte, obwohl Fochs Annexionspläne im Rheinland„vaterländisch" im Sinne der französischen Chauvinisten waren, während Clemen- ceau in ihren Augen zu. den„Leisetretern" und„Verrätern des Sieges" gehörte. Das sind aber offenbar alles unbekannte Dinge für die jungen republikanischen Reichewehroffiziere, d!« bereits selbst Führerverantwortung besitzen sollen, sich ab«r anmaßen, gegen die oberste Befehlsgewalt im Staate zu rebellieren. Daß der Nationalsozialismus, der weite Kreise der deutschen Jugend an sich gezogen hat, auch in dem Nachwuchs des Reichswehr- offizierkorps Wurzeln gefaßt hat, war seit langem bekannt. Man muß sich jedoch fragen, was das Reichswehrministerium in der Erziehung seines Offiziersnachwuchses eigentlich tut, wenn Offiziere, die immerhin seit sieben bis acht Jahren der Reichswehr angehören, mit völlig nebelhasten Vorstellungen über Volk, Verfassung und Staat widerstandslos der nationalsozialistischen Agitation unterliegen. Hier stimmt etwas nicht. Der junge Reichs- wehroffizier wird, das steht fest, bei weitem vielseitiger ausgebildet und geschult als der Offizier der alten kaiserlichen Armee. Die Abkommandierung zur Jnfanterieschule und zu anderen militärwisscn- schaftlichen Ausbildungsinstituten, die Teilnahme an Sonderkurfen und Spezialausbildung auf verschiedensten Gebieten, gibt dem heutigen Offizier ein ganz anderes Durchschnlltswisien als dem Offizier der Vorkriegszeit. Man stagt sich, wie bei einer so teuren und umfassenden Ausbildung die staatspolitische Schulung so vernachlässigt werden kann, daß man in breiten Kreisen des jungen Offizierskorps vergeblich nach den elementarsten Kenntnissen unseres politischen Lebens»sucht. Nach dem Bilde, das sich vor dem Forum des Reichsgerichts abgerollt hat, wäre es falsch, die Zersetzungserscheinungen im Offizierkorps der Reichswehr zu verallgemeinern. Dagegen spricht schon allein die Tatsache, daß die aktiven Zersetzungsversuche Scheringers und Ludins schon in ihren Anfängen daran scheiterten, daß verfassungstreue Offiziere pflichtgemäß Meldung über diese Umtriebe erstatteten. Auch bei den gereifteren Offizieren, die größtenteils schon den Krieg mitgemacht hoben, bleibt der Eindruck einer unbedingten Verfassungstreue vorherrschend. Daß allerdings Scheringers Abteilungskommandeur, Oberstleutnant R i b b e n- t r o p p, die selbstherrliche Instruktion des jungen Leutnants über die Aufgaben der Reichswehr bei seiner Mannschaft vor Gericht ausdrücklich deckt, ist vom Standpunkt der militärischen Disziplin ein glatter Skandal. Das Fazit dieses Prozesses ist jedenfalls, daß bei dem Nach- wuchs des Offizierkorps in der Reichswehr sehr kräftig gesiebt werden muß, um das Vertrauen der Oeffentlichkeit zur unbedingten Verfassungstreu« der republikanischen Reichswehr wieder herzu- stellen. Der jetzt aus dem Dienst scheidende Ehef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, hat vor dem Offizierkorps der Infanterie- schul« Dresden im vergangenen Jahr mit erfreulicher Offenheit er- klärt:„Bitte, meine Herren, wem es nicht patzt, die Tür fleht offen." Die Tür sollte sperrangelweit offen gehalten werden, nicht nur für die Abrückenden, sondern damit auch ein frischer Lust- z u g aus der Umwelt in die Reichswehr hincinwehen kann. beim Austrag einer Meinungsdifferenz von ihrem Gegner einen derartigen Tritt auf die Sitzfläche, daß sie für einige Zeit aktions- unfähig wird. Di« zwischen den Dramen ohne Zusammenhang nnt einer Handlung vorgeführten Tänze zeichnen sich durch sauberen und leichten Vortrog aus. Schön ist, wie bei allen asiatischen Tänzern, die Ausdrucksfähigkeit der Hände und Finger. Früchte einer sehr alten Kultur, die an die kapriziöse Grazie europäischer Rokokokunst erinnert. Seelische Werte vermittelten die Tänze, die uns gestern vorgeführt wurden, nicht. An die Leistungen der Javaner, namentlich Jodjanas, darf man nicht denken. lohn Schikowski. Em Unglück aus dem anderen. Die Opfer der pariser Zugkalastrophe: S Toie, 24 Verletzte. Paris, 4. Oktober. Tas Eisenbahnunglück, das sich, wie bereits gemeldet. in der Nähe des Bahnhoss St. Lazare ereignete, hat 5 Todesopfer und 24 Verletzte gefordert. Von den Verletzten schweben 7 in Lebensgefahr. Die Katastrophe spielte sich folgendermaßen ab: Ei» ans dem Vah»chof kommender Personenzug stieß mit einem rückwärts fahrenden Zug zusammen. Dabei sprang die Lokomotive aus den Schienen. Der Gepäckwagen und der erste Personenwagen wurden durch die Wucht des Anpralls vollkommen zertrümmert, wobei zwei Reisende den Tod fanden und zahlreich« andere verletzt wurden. In diesem Augenblick kam ein dritter Zug auf dem Nebengleis an und fuhr in die Trüm- mer des Personenzuges. Viele Reisende, die aus dem verunglückten Zuge ausgestiegen waren, um sich au der Bergung der noch unter den Trümmern liegenden Verletzten zu beteiligen, wurden überfahren. Zwei Personen sind dabei getötet und eine größere Anzahl verletzt worden. Das fünfte Opfer starb im Bahnhof selbst. Als dort die Nachricht von dem Unglück bekannt wurde, erlitt eine Frau einen Herzschlag und sank tot zu Boden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Melodien der Südsee. Weibe Schatten mit Geräuschen. Ms der Film„W e i ß e Schatten" in der stummen Fassung lief, wurde er für viele Menschen zum Erlebnis. Nun bringt das Ufa-Theater am Kurfür st endamm diesen Südseesilm als Tonfilm heraus. Wiederum ziehen die Landschaftsbiider von den Marquesainsein den Zuschauer unwiderstehlich in ihren Bann. Abermals werden die Aufnahmen von tauchenden Eingeborenen, die sich in den verschiedensten Meerestiefen wie Fische zwischen Korallen, Algen und Tang bewegen, zuin nachhaltigsten Eindruck. Ebenso bietet das Ein- holengehen in der freien Natur, bei dem die Inselbewohner mit affenartiger Gelenkigkeit und Geschwindigkeit hohe Bäume erklettern, für uns des Interessanten viel. Auch ist das Manuskript nicht oll- täglich; denn es erzählt von der Degeneration der glücklichen Insu- ! laner durch den Einfluß der Weißen. Jedoch ist es beim besten Willen nicht verständlich, warum dieser I Film nachträglich als Tdnsilm herausgepußt werden tniif. w* wird uns nicht die Sprache der Eingeborenen übermittelt, es reden niäst einmal die amerikanischen Darsteller, es wird nur bei etlichen Tanz- szenen Lärm geschlagen. Aber einen derartigen Lärm kann man in den Kneipen jeder Welthasenstadt hören. Der ganze Tcrnsilrn besteht also diesmal darin, daß ein Orchester durch Grammophonplatte!� musik ersetzr wurde. Dazu aber liegt weder die künstlerische noch die wirtschaftliche Berechtigung vor. e. b. Japanische Bühnenkunst Drama, Tanz und verwandte Gebiete im Theater des Westens Die japanischen Künstler spielen im Theaterdes Westens zwischen europäischen Kulissen. Dielleicht ist di«s«s und jenes Dekorationsstück, namentlich dl« Ausstattung für ein« Frühlingsszene im Frcudcnliaus, von Tokio mitgebracht. Wie dem auch sei, das Bild der Bühne, der bunte und plastische Rahmen, in den die Menschenbilder.gestellt werden sollen, stimmt nicht immer zu dein orientalischen Genuß. Dann ab«r treten die Komödianten selber auf. Sofort freut man sich an«inem besonderen Menschenschlag. Jo. die Künstler wurden sehr vollkommen für die Thcaterkunst ihres Landes erzogen, und diese Erziehung verrät die höchste Kultur. Die Komödianten verfügen über ihr Gefühl, über ihr« Stimme, über ledcs ihrer Glieder. Eine Technik wird beherrscht, die tief durchdacht ist. Und der Beherrscher bleibt immer der japanische Mensch, Mann oder Frau, die wir in der Vorstellung haben nach unserem Studium von Bildnissen und Geschichte. Unwillkürlich drängt sich der Ver- gleich mit all den russischen Schauspielern auf. die während der letzten Zeit zu uns kamen. Die Komödianten Meyerhold, die von Tairosl, auch die von der Habima hatten sich durch.Verkleisterung und Verschminkung ganz unwirklich gemacht. Sie waren vorzügliche Marionetten von manchmal genialer Absonderlichkeit geworden. doch umsonst suchten wir in ihnen die Seele. Jetzt sehen wir über- all. ob durch die aufgeführte Liebesgroteske/ ob durch das bäuerliche Sittcnstück, ob durch die politisch-kriegerische Szene, in das Innere dieser japanischen Menschen hinein. Das ist schließlich am wichtigsten. Wichtigstes Stück ist das Bauerndrama„Die schlum- mernde Vorsehung". Folgendes begibt sich: Dem schlichten Bauernburschen wird von dem Samurai, d. h. von dem feudalen Gutsherrn, die Braut geraubt. Der Samurai tötet dazu noch den Vater des Burschen. Blutrache soll geübt werden, doch uraltes Gesetz verbietet, daß sich der Feudaluntertan am Herren rächt. Da er e« trotzdem tut, wäre Selbstmord des Burschen Pflicht. Statt seiner bringt sich aber der symbolisch« Hüter der Ehrenl)oftigke!t um, der Waffenmeister, der Verwahrer des Schwerts, das auch der ge- bückt« Mann aus dem Volke tragen darf, um sein Recht zu nehmen, wenn es ihm verlagt wird. Dieser Schutzherr der Lolksehre vollzieht an sich das Harakiri, die Selbstentleibung mit dem Schwerr, mich- renk» die eriöften Geliebten dem aufopfernden Freund Beistand leisten. Das ist eine verzwickte Morolauffassung, die dem europäischen Verstand nicht ohne weiteres einleuchtet. Aber die ganz realistischer. Mittel, mit denen alles dargestellt wird, sind herrlich. Wir begreifen drei sehr bewegt« Dramenakt« vollständig, ohne ein Wort der Sprache zu verstehen. Wir verstehen, weil die Künstler so famose Mimtker sind. Das Klagen des Bauernsohnes an der Leiche des Vaters, das Schäk«rn zwischen Mädchen und Jüngling, schließlich die Enlleibungsszen« in all ihrem Grauen, großartig ist das alles, Da ist absoluter Naturalismus, der Sohn lädt sich die Leiche des Vaters auf den Buckel, um sie fortzutragen, und sein« entsetzten Augen starren auflas leblose Vaterhaupt. Soviel beredtsamer Aus- druck spannt die Nerven des Zuschauers ungeheuer an. Das Tee- Hausmädchen, die geraubte Braut, spielt die Verlegenheit, Verliebt- heit, die Zärtlichkeit, sie zwitschert Verzweiflung und Lust, und wir glauben an ein Urgefühl, das sich gleichmäßig aus der ganzen Erde entfaltet. Dann wird von Straßenräubern ein harmloser Reifender, ein einfältiger Kreis, mißhandelt. Der Greis wimmert und zittert. er bückt sich und zeigt alle Not und Niedrigkeit-und Lächerlichkeit des Hilflosen. Das ist zugleich tragisch und komisch. Nur mit höchster Anerkennung kann diese Kunst der Tragigroteske gelobt werden. Darsteller dieser Greisenrolle ist Koro Pamada. ein Cha- rakterspieler erster Ordnung. �Dann aber kommt das Rätselvolle: dieser Künstler spielt auch die keifende und schachernde Dienerin im Freudenhaus. Der Mann spielt also Mann und Frau, und er kann beides so echt, technisch so überlegen und täuschend, daß man in Trance vor soviel Können gerät. Wir sind sehr dankbar, daß uns diese japanischen Künstler mit ihrem Besuche ehrten. hlsx Hochdorf. « Die Darstellung des japanischen Theaters wird von zwei Spiel- arten beherrscht. Wie im Shakefpeare-Drama Szenen in Prosa und Versen, so wechseln hier naturalistisch« Aktion und rhythmischstreng geordnet« Körperbewegung. Eine Bewegung, die durchaus tanze- r i s ch e r A r t ist. Sobald die Handlung einen höheren Schwung nimmt, treten diese tänzerischen Elemente hervor. Die sprechenden Personen bewegen sich dann in rhythmischer Gliederung. Die ftum- mcn Personen erstarren und verharren in festen Attitüden und Tableaux. Hände und Füße, Arme und Beine sind gleichmäßig durchaeblldet und werden im Bülhnenspiel als gleichwertig benutzt. Im Streit und Kampf zeigt namentlich die Technik des Fußtritts eine beängstigend hochentwickelte Kultur. Und eine bemerkenswert unbefangen« Anwendung. Die tragische Liebhaberin erhält z. B. Theater der Woche. Bom 5. bis 13. Oktober. Volksbühne. Theater am Bälaaplag: Die Wcbcr. 5., 11 Vi Uhr: Tanzniatinee Sera Koro n«l. Skaaksthealer. ataolsopct Unter bta Linden: 5. Trojaner. 6. Intermrzzo. 7. Tcv Siebes- trank. 8. Madame Buttersin. S. Othello. 1». La Traviata. 11.?llr!t Igor. 12: Die Meistersinger. 18. Tlgaros Sochgelt. Staatsoper am Platze der Siepnblil: 5. Nigotetto. 8. Iphigenie auf Tauris. 7. Die verlauste Braut. 8. Crstes Einsonle-Kon�ert. 8. und IS. Der Barbier von Sevilla. Ig. Neues vom Tage. 11. Die srlebermaus. 18. Der ssreiscklltz. Städtische Oper: ö. Der Prophet. 6. ssibeNo. 7. Tie Entftibrung aus dem Serail. 8. Di« Waltüre. V. Carmen. 10. Ein Maskenball. 11. Lahengrin. 12. Aida. 18. Mianon. Staatliches Echau'pirlhans am Gendarmcnmarlt: ö., 8.. 10. und 12. Bürger Schippol. 6. und 9. Liebe aus dem Lande. 30 Minuten in Erüncberg. 7. Weh' dem, der lügt. ll. Prin, griedrich von Homburg. 18. Liebes Laib und Lust. Schiller-Thraier: ö., 8. und 18. Herr Doktor, haben Sie ,u egen? 8. und 12. Florian Teuer. 7. Ccherg, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. 8. Der Mann mit dem Klepper. 11. Der Traum, ein Leben. Theaker mit festem Spielplan: Theater am Schifsbaurrbamm: Bis 5. Geschlossen. Ab 6. Iub Lüh.— Di« Komödie: Der Schwierige.— Somodienhau,: Das Konto 9£.— Trotzes Schauspiel. daus: Die lustige Wilme.— Lessiug- Theater: Frauen in Not§ 218.— Komische Oper: Das Mädel am Steuer.— Deutsches«Üustler-Theater: Jim und Zill.— Neuaissaaee-Theater: Die Wunder-Bar.— Lnstspielbaus: Meine Schwester und ich.— Theater in der Behrenstratz«- 18— 84: Das hätzliche Mädchen.— Zentral- Theater: Eine Freund!» so goldig wie Du.— Metropol-Theatee: Biltoria und ihr Susae.— Berliner Theater: Der Idiot.— Neues Theater am Zoo: Paul und Pauline.— Die Tribüne: Mister P!m will nicht stören.— Walhalla-Theater: Das Land des Lächelns.— Nose-Theater: Die Braut von Mesftna.— Castno-lheatert Hurra— ein Zunge.— Theater i« der Klosterstratze: Schlotz Wetterstein. Schlotzpark- Theater Steglitz: Das Musilantenmädel.— Theater im Ädmirats- palast: Czardasfürstin.— Wintergarten, Plaza. Srala: Internationales Variete.— Reichshallen-Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottbnster Tor: Elite- Sänger. Theaker mik wechselndem Spielplan: Deutsches Theater: Bis 8. Der Kaiser von Amerika. Ab 10. Ein Sommer- nachtstraum.— K-mmerspiele: Bis 6. Die Schule der Frauen. Ab 8. Elga.— Theater in der stresemannftratzr: Bis 8. Marguerite: 8. Ab 0. Sturm im Wasser» glas.— Theater des Westens: 8. bis 8. Gastspiel des Japanischen Theaters. Ab 9. Brest-Litowfl. vachmittagsoeranstaltungen:>. Bollsbühne. Theater am Bülowplatz: 8. Die Weder"— Die Komüdie: Der Diener zweier Serren.— Komische Oper: S.. 12. Die Frau ahne Sutz— »euaiffanee-Theater: 5. Die Wunder-Bar.— Zentral-Theater: 5.. 12. Hänsel und Gretel. 8. Rotkäppchen.— Metropol-Theater: S.. 12., WH Uhr: Das Land des Lächelns. 17 Uhr: Friederike.— Walhalla-Theater: 5., UM Uhr: Hansel und Gretel. 17 Uhr: Das Land de« Lächelns. 12.. UM Uhr: Rotkäppcheu. 17 Uhr: Das Land des Lächelns.— Role-Theater: 8. Hänsel und Gretel. 11. Dornröschen. 12.. 1414 Uhr und 17Vi Uhr: Die Braut von Mesfina.— Theater i» der Kloster. strotze: ö.. 12.. 17 Ubr: Die Büchse der Bandor,., 4., 8.. 18 Uhr und 1i> Ul,r: Notkäppchen. 11., 16 Uhr und 12. 15 Uhr: Hänsel und Gretel— Schlotzpark-. Theater Steglitz: 4., 5. Karl Blay-Winnetou.— Bwtsrgarten: 5., u., 12. Zntcr- nationales Variete.— Plaza, Seala: Internationales Variet«.— Sieichsh-jlea, Theater: 8.. 12. Stettiner Sänger.— Theater am Satt düster Tor: 5,, 12. Elite. Sänger. Erstaufführungen der Woche: llllptttoa. Theaters m Schiffbauerdamm: Zud Süß.— Dienstag. Kamm erspiele: Elga.— Tonuerotag. Deutsches Theater: Sommernachsttaum.— Ti, eaterinderStresemannstrage: Sturm im Wasserglas.— Kleines Theater: Ter Mustergatte.— Theater de« Beste»«: Brojt-Litowsk.— SoMiabeift. Lindenoper: Mist Zger. MS.-Kute unterschlagen Verbandsgelder Die Hilfsarbeiter der Kriedrichstadtdruckerei betrogen Uns wird geschrieben: „Im Betriebe der„P e u o a g". Abteilung Friedrichstcidtdruckerei, sind die gesamten Hilfsarbeiter durch betrügerische Manipulationen der NGO.-Leute um ihre Rechte gekommen, die sie sich durch jähre- und jahrzehntelange Bciiragszahlung im Verband der graphischen Hilfs- arbeiter erworben haben. Der Betriebskassierer der graphischen Hilfsarbeiter in der„Peuoag", Ballschmiedcr, hat schon seit neun Wochen nicht mehr die von ihm einkassierten Verbands- beitrage der Belegschaft an die Kasse der Ortsoerwaltung des Verbandes der graphischen Hilfsarbeiter abgeführt. Durch diese Unterschlagung haben alle freigewerkschaftlich organisierten Hilfs- arbeiter der„Peuvag" ihre Rechts an die Organisation verwirkt, da sie sich, allerdings unbewußt, durch die Nichtabführung ihrer Bei- träge automatisch außerhalb der Organisation gestellt haben. Ganz alte Verbandsmitglicder, die 2ä und mehr Jahre der Organisation angehörten, sind dadurch ihres Anspruches auf den Jnvalidenfonds ihrer Organisation verlustig gegangen. Bielen Hilfsarbeitern dürfte dieser schamlos« Betrug noch gar nicht bekannt sein. Sicherlich haben außer dem Betriebskassierer Ball- schmieder die Spitzenfunktionäre der RGO. im graphischen Gewerbe, Mahlo und Bathke, davon Kenntnis. Die schwer geschädigten Hilfsarbeiter der Peuvag richten gerade an diese beiden Vertrauens- leutc der KPD. die Frage, wie sie sich zu diesen Vorfällen stellen. Als Mitglieder des Deutschen Buchdruckerverbandes werden sie wohl nicht behaupten wollen, die„Verbandsbürokratic* hätte diese Mitglieder bewußt aus der Organisation ausgeschlossen. Ihnen wird wohl bekannt sein, wie die statutarischen Bestimmungen einer Organi- sation hinsichtlich der Beitragszahlung lauten. Oder wollen sie etwa behaupten,' die Verbandsbciträge feien nicht unterschlagen worden, sondern sollen dem Aufbau des kommu- nistifchen Gewerkschaftsladens dienen? Wenn man diese Absicht hat, dann soll man es wenigstens incht heimlich tun, sondern die Mitglieder fragen, ob sie mit der Verwendung ihrer Ver- bandsbeiträge in diesem Sinne einverstanden sind. Sollten etwa mit den unterschlagenen Verbandsgeldern das Wohlflugblatt des graphischen Blocks und die Autopropagandafahrten der RGO. während des Wahlkampfes bezahlt worden sein? An den bisherigen Betriebsrat in diesem kommunistischen „Musterbetrchbe" Nowacki richten die betrogenen Hilfsarbeiter in diesem Zusammenhang auch die Frag«: Wie steht es mit den Rückständen bei der Sozialversicherung. desgleichen auch bei der Ortskrankcnkasse des Buchdruckgcwerbes und warum sind der Fri�drichstadtdruckerei die Krankenscheins entzogen worden? Den gesamten Arbeitern der„Peuvag" rufen wir geprellten Hilfsarbeiter zu:.Legt«vre Parteibrille einmal beiseite und betrachtet die RGO. mit dem bloßen Aug«. So wie es uns Hilfsarbeitern ergangen ist, kann es den Angehörigen der übrigen Berufe ebenfalls ergehen. Kontrolliert eure Verbandsbüchcr, um euch vor Schäden zu bewahren, wie sie uns zugefügt worden sind. Genau so, wie nicht alles Gold ist, was glänzt, ist auch nicht alles revolutionär, was sich so nennt." Diese Zuschrift, deren Richtigkeit wir nachgeprüft haben, spricht so eindeutig für sich, daß wir ihr nichts mehr hinzuzufügen haben. Sie bestätigt nur wieder, daß man den„Berufsrevolutionären" nicht nur aufs Maul, sondern auch auf die Finger sehen muß. Erziehung zum Helden. Amerika paradiert mit Flugzeugen. Hin und wieder fühlt sich die amerikanische Filmindustrie ver- pflichtet, für die Wehrmacht ihres Staates Propaganda zu machen, die von den höheren Militärressorts sicherlich auch finanziell unter- stützt wird. Früher galt der Flotte das Hauptinteresse, jetzt sind die Flugzeuge dran. Immer wird gezeigt, wie prächtig das Sol- daien-, insonderheit das Offiziersleben ist, wie es den jungen Menschen zum Helden erzieht. Den Helden spielt in diesem Falle, in dem Film„Die fliegende Flotte", der augenblicklich im Universum läuft, Ramon Nooarro. Die Handlung ist gleichgültig. Sie zeigt die typischen Züge des amerikanischen Unterhaltungsfilms, dieselben Witze und dieselben Rührungen, sie ist nur dazu vorhanden, um die Vorführungen der Luftflotte interessanter zu machen und zu motivieren und um einen jungen Mann zum Helden zu stempeln. Der Film präsentiert sich als«ine durchaus militärische Anlegenheit. Allerdings sind die Aufnahmen der Flugzeuge und ihrer Ma- növer rein photographisch von großem künstlerischem Reiz, ober man muß folgendes bedenken: diese Flugzeuge, die in der Luit lustige Kapriolen machen und sich recht harmlos ausnehmen, können Städte m kürzester Zeit vergasen oder mit Bomben belegen. Sie bleiben«in sehr gefährliches Spielzeug. Der Film ist synchronisiert. Er gibt nur Geräusche und eine wenig erfreulich« Musik. Die Texte zeichnen sich durch witzig« Poin- tierung aus.— t. Welterbcrichk für Berlin: Meist wolkig, mit etwas Regen und weiterem Temperaturanstieg.— 5ür Deutschland: Auch in der süd- rstlichen Hälfte Wetterverschlechterung. V«rantwortl. kllr die Redaktion: Bolsgan« Schwarz, Dellin: Anzeigen: Zb- Stocke. Berlin. Berlag: Borwärlo Verlag E. m. b. H., Berlin. Drnck: Vorwärts Buch- druckerri und Brrlagsanstalt Paul Singer 6- Co.. Berlin SW K8. Lindenftra�e 3. Hierzu 1 Beilage. 4 Z O lÄ" ba uns du�KqrfuM-. heule kßmbVrzise. si(2.-nuf bVvuiuyu� /vmi: dm.(iLLCLßi�dieit. gLoS widichzfoiid qebeia. betten. onOKren 2,\vciK£jCasen�ße5 uucIl lOtjdL Sie v�erdjej�fc.sW . dass den Praid- abbojit bat uns 5u/fät-- sachje. qc�arolcun Is-h- A KAU P HAUS BEß.LIN-SCHÖNEBERfiBHAUPTSTß.163 Iltealce, Lidtlspiele usto. *?-■ B.IS Uhr- Rauchen erieudi Tiffany Twin*. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos 9 singende Girls. Brown u. La Kart usw. Sennabend u. Sonntag)a 3Var., Uhr; 30 PL-3.- M«. Sonii!ags3Vorst.:21|2.5u.8,|2Ü. InteratL Clrcun- u.Vartetd-Prosramm 14(1. besten Schlager d. Saison!! Besnchen St« spedtll vibrenl der| Perlen mit Ihm Kindern die beliebten NaAmittatnonteltaiieeii. | Iran« Trlesch alslaaballa| „Qehet hm und zt= hauet euch! Das JmUUuuh utae qe* haHHt, qelesaeU, eeqütfeH, aufge* uüiMi.Jieqeisteetec ßeifail." So urteilt Jnlln« Knopf in d«r„Börsenetg." über die iraoHooHesia" in nnserm Theater.— Lad-* ■wl«: Sternanx im �Xokal- Anzcigcr" echrieb; ,3in seltener Abend, ein schönster Abend, der-wunderTolI mit- reißt.* Wochentafrs 8� Uhr u. 6bd. um 7 TThr und um 19« Uhr: ..vis Braut von Manlna". KtesenprelM von 50 Pf. bli 3 M. (Garderobe u. Prortmm Je 25 Pf.) Theater für d. Kinder; Jed. Mittwoch nachm. 5 U.; Hinsei u. Oretnl. 3 cd. Sonnabd. nachm. 4» ü.: Domrtschsn. (Preise r. 30 Pt bis 1.50 M.) ROSE THEATER Gr.Frankf iirterStr.132 BUIttUlSK: Ales. 3422 u. 3404 Deotsdiss Tbeaier 8 Uhr Utiti Kuffährangen! Der Kaiser von Amerika von Bernard Shaw rrtelrolle; Werner tat Big«: Max Reinhardt. Hamraerspiele 8>.t Uhr lehlt BuffQhniogeo! Die Schule der Frauen von Moliere. Regie; HansDeppe. Die Komödie S'.a Uhr Der Schwierige rca Kiji tob Bofmonnitlu!. Regie: Hai BeinM. Baroowsky-BDIifleo Tliealef In der Sirescmaansir. Täglich üVt Uhr :3 Lofhpiel tob Sdivlstrd Komädienhaus SVi Täglich 8 Vi Konto X von Eernauer und Oesierreidiet Neues flieater • am Zoo w | SmBahnh.Zoo. Stpl. 6554 Täglich»>/. Uhr lommel in der PosiC Paul and Pauline Rundfunkhörer llftwo Preise. rtieateri.d.Behrenstr. 53-54 Direktion; Ralph Arthur Roberts 8v« Das haonche msdehen Englisch— Radons— Riemann. Reichshallen-Theater föl u. Sanntag nachm.| 3»?| Stettiner Singeir Das neue Oktober-Programm! Als Extra-Einlage: LaBBlamen spredien" Riiim. iiside Brei»! Id. 11! 63. vSnkiofk- kretli: Variete» Tanx Kapelle Hans Sixtus. Kleines Tbeat. Merkur 1624 Täglich SV, Uhr Max Adalbert in Hasenklein kann nichts dafflr Ründlunkiwrer halb« Pr, eeeeeeeeee Rose- 1 beater 6r.FninllInrterSlr.i32 Tel.Alex.3422u.3494 8.15 Uhn Braut T. Messina mit Ireae Triesdi als Isabella. eeeeeeeeee metropoi-Ttieater Täglich 8'/. Uhr Sensationeller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Komiscne Oper 81,3 Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Lustspielhaus Dir.; Hans ISpsiMti Täglich 8l.'i Uh i meine Schwester und ich Musikvon Benatrky Lory leux, KartTOnhlbUendori Theatir am Bottb. Tar Kottbusscr Str. 6 Tg. lorlhii. 168 17, Tägl.«>« U., Sonnt aucB 3Vz Uhr Elite- sanöer Präsident Zunkel 6'. Truntjirl- birlttks Sthorslö BoseUi auch I Volhsbiilme E.v"J I I Auf die am 7. Oktober 1930 stattfindenden Mitgliederversammlungen wird hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Tagesordnung und Ort der Versammlungen siehe „514tter der Volksbühne", September-Okloberhelt 1930. III. Auslosung von Mark m 45000 CproienflgeTellschuld- H K der verschreibungen Serie Volksbühne E.V. Ein Nummernverzeichnis der am 30. Mai ausgelosten Stücke ist kostenlos zu hab.n in der Geschfiitssfelle der Volksbühne E.V., Berlin C 25, y�ünlenstrabe 227. I I uMMM« W5MM R&stauituit NvMlM BETRIEB 3 KEMPINSKI« Zmmer 1 Bett Mk. 7,-bis 11,- ZBettenlS.-bisZZr BodrMk.i- iolonilQ: Berlin HOTELoAnivM EXCELSIOR Sonntag, 5. Oktober naebnittags 3 Uhr AelUige Sonnabend« 4. Oktober 1950 SprÄbniS SknJnaUaB» jht lifväsA Glück undEnde des Diktators Kahrbayerische Erinnerungen Das Gerede von einer möglichen DMaturperiode im Deuischen Reich läßt die nachstehenden Erinnerungen be- sonderes Interesse gewinnen. Nach dem Zusammenbruch des„Ruhraufstondcs" gegen die Fran,zosen ernannte die bayerische Regierung ihren ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Ka hr zum„Generolstoatskommissar", um die tollgewordenen Nationalisten, die in ihm einen Gesinnungssreund vermuteten, von der Entfesselung des Bürgerkrieges und des Staatsstreiches zurückzuhalten. Herr Doktor Gustav Kahr war so auf„legalem" Wege zur Diktatur gekommen. Er war der einzig« Diktator, den Deutschland in der nachabsolutistischen Zeit gehabt hat. Die Münchener„Räterepublik" vom Frühjahr 1919 hatte überhaupt kein Herrschaftssystem politischer oder juristischer Kategorie hervorgebracht sie war ein Gebllde ohne Gliederung und ohne«rken», baren Kompetcnzenbereich, so dah die Geschichte kein Unrecht begehen wird, wenn sie ihr«in kurzes Kapitel unter dem Titel„Schwabinger Schlawinerregiment" widmet. . Kahr ober war, j u r i st i s ch gesehen, wirklich ein Diktator, ein Diktator nicht nur nach Rechtshertunst— durch Regierungs- dekret—. sondern nach dem Umfang der Rechtsgewalt. Dieser Gen« ralstaatskommissar konnte Gesetze schaffen und Gesetze antzer Kurs bringen und beides Hot er ziemlich reichlich getan. Auf sein« Verfügung hörte dos Republikschutzgesetz auf für Bayern zu bestehen, wurde das bayerische Kontingent der Reichswehr in Landesdienst ge- nommen. Kahr führte g«gen Reichsrecht die Todes- straf- für Landesverrat ein und erliest zum Gaudium aller Spiehbürger«in volkswirtschaftlich überaus törichtes �„Schlemmer- gefetz", das„ärgerniserregende Verschwender" mit Arbeitshaus auf lang« Zest zu bestrafen gestattet«. Aahr-Rechl brach Reichsrecht und tandesrecht. wie es in der Fachsprache hciht. Nach juristischem Kompetenzen- bcreich war er ein« Allmacht. Uird politisch? Cr wollt« sein« Gewalt aus Popularität gründen. Die erste Mastnahm« oder eine seiner crst«n Mahnohmen war die sogenannte„Kahrspende". In den Städten stand man, wie in lestt«n Kriegszeiten, vor jedem Lebensmittelgeschäft Schlangen. Fleisch, Brot rationalisiert und olles kaum zu bekommen, wenn man nicht in wertbeständigem(Beide zahlen konnte. Da hatte Kohr mit Bauern und Gutsbesitzern eine gröhere Getreides pepde für die Stadt«, besonders für München, abgemacht. Seine Presse sang einen schwungvollen Iubelhymnus auf Kohr und suchte die als „Mammonsknecht«" viel gelästerten Bauer,, moralisch herauszu- pauken. Der Bauer hat noch«in„bayerisches Herz", er ist besser als sein Ruf. Di« Bürger von München sahen schon in der Phon- taste eine ganze Karawane von Lastwagen mit Weizen und Korn auf den Landstrasten heranziehen, wie einst die Bürger des be- lagerten Florenz, nachdem Monna Vjinna„nur mit einem Mantel bekleidet" im Zelt des Condattiere Cejar« Borgia erschienen war. Unglücklicherweise hatte damals die Tschechoslowakei ein« schlechte Ernte gehabt und dringenden Bedarf. Die Tschechoslowakei konnte mit wertbeständigen Kronen zahlen und die schätzte der bayerische Landwirt doch höher ein als Kahrs Popularitätswunsch und Kohrs Diktatorenmacht. So ging die Spende in die Brüche. Kahr-Recht brach Landes- und Reichsrecht, aber tschechische Kronen brachen Kahr-Recht! Der Versuch, Diktaturgewalt auf Volkstümlichkeit zu stützen, war erstmalig mistlungen. Nun muhten die Bierbrauer heran. Keine Spende mehr, aber gutes Bier bei niedrigen Preis«» sollten di« Bayern haben. In einer Konferenz mit den Unternehmern wurde die Sache gedeichselt. Am nächsten Tage tonnte Kohr die Bierpreiseimästigung durch Plakate bekanntgeben und da es außerdem noch Okioberfest war/ stimm!« München mit gehobenen Mahkrügen den Festgesang an aus Kohr den Retter. Das Oktober- fest dauert nicht ewig, jedes Bierquantum geht, wenn es so fleißig konsumiert wird wie in Bayern, einmal zu Ende. Und nun folgte der dissonierende Paukenschlag: die Brauereibesitzer und-direktoren erschienen vor dem Staatsgeneralissimus, erklärten, daß Rohstoff« und Hilfsstoff« gekauft werden mühten, daß die Löhne erheblich gestiegen seien und daß sie die Biererzeugung nur bei ganz fundamentaler U in g« st a l t u n g der Preise fortsetzen könnten. Kahr schlug mit der Faust aus. den Tisch. Er erhob Protest unter Drohungen und Flüchen. So wild er.sich, gebürdete, so ruhig waren die Brauer. Mit traditionell bayerischer Gelassen- heil eröffneten sie ihm den Vorschlag,'die Betriebe' inst Soldaten oder init den Angehörigen feiner„Vaterländischen Verbände" zu besetzen und das Bier so billig zu verkauf«», wie es ihn, beliebte. Gewillerl hat es in ihm noch weiter, tzewettert hat er fort, aber was l>alf schon ein Gewitter, das keine Bierwolken zur Entladung brachte? Am nächsten Tage wurde nichts plakatiert, dafür meldeten die amtlichen Zeitungen, daß der Herr Generalstaats- kommissar nach längeren Verhandlungen seine Zustimmung zur Erhöhung der Bierpreis« erteilt habe. Und an den Stammtischen grollte es lod: „Der Kohr ls a Schwindler: der kahr is a Sanpreitz: der Kohr is a Zud." Eigentlich war Kohr zum Generalstoatskommissar bestellt worden, um Hitler zu erledigen. Es log ihm an diesem piychopathischen Bajazzo der Politik nicht viel. Kahr betrachtete sich als Wegberester der Wittelsbachischen Monarchie und je mehr Hitler Republikaner auf sein« Fasson wurde, desto leichter fiel Kohr der Entschluß, mit Adolf völlig zu brechen. Kohr wollte, als Hitler seine Anl�nger zwang, aus den Vaterländisch«» Verbänden, deren Ehrenpräjident Kahr war, auszutreten, mit einem Verbot gegen die Nationolsozialistische Partei vorgehen. Dafür waren aber sein« eigenen Vaterländischen Verbände nicht zu haben, und nun zeigte sich o b« r m a l s die Ohnmacht des„Diktalors". Paklicrei, mußt««r mit dem Manne, den er als politischen Macht- saktor ausschalten sollte. Es ist bekannt, in welch kläglicher Weise zunächst ein fauler Friede zwischen ihm und Adolf geschlossen wurde. Der Leipziger Prozeß gegen die Ulmer Offiziere hat diesen Vorfall gestreift. Der bayerische Innenminister Schweyer hat— natürlich im Einvernehmen mit Kahr— Hitler das Ehrenwort ab- genommen, einen Putsch zu unterlassen. Die Szene muß richtig ver standen werden. Hitler kam, nicht gerufen, nicht beordert, sondern eingeladeNI Er liest mit sich reden, man hat ihn gebeten, unter Appell an seine Ehre förmlich beschworen, doch ja Abstand von Gewaltaktionen zu nehmen, die in der Richtung seiner Politik und Agitation lagen. Der Rebell triumphierte, der Diktator war ganz klein. Es war im Grunde ein Cassonagang Kohrs, auch wenn Hitler auf seinen Wunsch kam. In logischer Fortsetzung sang Hitler das Ende vom Liede. Er pfiff auf den Diktator, den«r längst schon nicht mehr ernst nahm In deutschen Gauen Eine Zuschrift In dem Artikel„In deutschen Gauen" vom 19. September 19M schildert eine Leserin ihr Erstaunen darüber, daß man noch heut« zu Fuß von Gasthaus zu Gasthaus, und womöglich noch von Dorf zu Dorf geht und bettelt um ein Nachtquartier, obwohl man es be- zahlen will. Heute, in einer Zeit, schreibt st«, wo an vielen größeren Orten Gewerkschaftshäuser sind und in noch mehr Orten Jugendherbergen, wo jeder übernachten kann, der Mitglied des Iugendherbergsverbandes ist. Da kann jeder Mitglied werden, pro Jahr.? M. Beitrag und man kann in jeder Jugendherberge über- nacht«» und das kostet für Jugendliche unter 29 Jahren 29 bis.19 Pf., für Aeltere 19 bis 99 Pf. Wir, mein Mann und ich sind schon mehrere Jahr« Mitglieder. Ehe wir Ferien haben, arbeiten wir eine schöne Tour aus, sehen im Iugendherbelgsverzeichnis, wo in dieser 1f nfer neuer 3toman L S. Woolf, der'Autor unseres neuen Romans/- hielt sich lange' Zeit in Indien auf. Cr' hatte Gelegenheit, die Problematik Indiens und die Tragödie seiner Ureinwohner aus unmittelbarer Anschauung zu studieren. Keine Phantasmagorien sind es, die er uns in seinem vom„Biicherkrets" verlegten Werk „Ein'Dorf im 3)fchungel" schildert, es ist die bittere Wahrheit. Ein Leben des Elends, ein Leben der Armut und Not, ein Stück geknechteten Jammcrdaseins tritt uns hier aus dem düsteren Hintergrund des indischen Dschungels und«ines Dorfes entgegen, das den Dschungel umklammert hält und verschlingt. Wie die Urwoldpslanzen des Dschungels langen auch die Ungerechtigkeiten eines rücksichtslos grausamen Ausbeutesystems nach diesem Dorf. Und so wird es verständlich, wenn die armselige Kreatur sich inmitten dieses Dschungellebcns auflehnt gegen die Gewalten, die sie zu verschlingen drohen, um in dem kataraktartigen Ablauf eines tragischen Geschehens dennoch von ihnen verschlungen zu werden. Gegend eine Jugendherberge ist und bestellen uns Quartier. Sollte wider Erwarten alles besetzt sein, so bekommt man sicher, noch einen Slrohsack oder ein Strohlager, welches immer sauberer ist als manches Bett in einem Gasthof. Auch kann man immer zum Trinken etwas bekommen, natürlich kein Bier, meistens Milch oder Kaffee für wenig Geld. Wir waren schon in Herbergen, wo es warmes Mittag- und Abendessen gab, auch sehr preiswert. In allen Jugend- Herbergen ist auch Kochgelegenheit, meistens Gasautomaten, da sind Topf«, Pfannen, Kaffeegeschirr, und interessant geht«s oft in diesen Küchen zu, wenn die Jugend beiderlei Geschlechts da Herumwirt- (chattet; man wird selbst wieder jung! So kann man wandern ohne daß es viel Geld kostet und ohne betteln zu müssen um ein Nacht- lagcr. Wenn man au einem Ort mehrere Tage bleiben will, kann man die ganze Umgebung durchwandern und abends wieder zurück- kommen, oder man kann Tagestourcn machen und jeden Tag in einer anderen Jugendherberge schlafen. Natürlich müssen wir älter«» Wanderer auf die Betten verzichten, wenn noch Jugendliche da sind ohne Bett; aber«in Strohlager in der Scheune, mit Schlafsack und Decke ist auch schön. So haben wir vor drei Jahren Mecklenburg mit den Rödern durchfahren von Berlin bis Neubrandenburg und. zu- rück in acht Tagen, haben uns die schönen alten Städte angesehen, jeden Tag in einer anderen Jugendherberge übernachtet. Oft und gern gedenken wir der schönen Stunden, die wir erlebten: gekocht haben wir selbst. Voriges Jahr machten wir ein« Fahrt durch Süd- deutschland, von Mannheim noch Heidelberg, Würzburg und zurück durch das Sooletal. Auch das waren herrliche drei Wochen. Wir schliefen in Jugendherbergen, tranken dort Kasse« und aßen im Ge- werkschastshaus sehr billig. Wir trafen auf dieser Fahrt Hewerk- schaftsgenossen, die in Hotels und Gasthäusern schliefen, di« hatten in acht Tagen mehr bezahlt für Schlafen und Essen, als wir in drei Wochen dafür in Jugendherbergen gebraucht hatten. Di«ses Jahr waren wir im Taunus, Offenbach, Frankfurt a. M., Soden, von hier aus wanderten wir jeden Tag eine andere Richtung und kehrt«» abends zur Jugendherberge zurück. Es kann eine Jugendherberge noch so einfach und schlicht lein, sauber ist es überall, und überall sind gute, freundliche Menschen als Herbergseltern und man muß sich überall wohlfühlen. Wir r und brach fein ehrenwörllich abgegebenes Versprechen. Mit der Pistole dem Diktator vor der Nase herumfuchtelnd, zeigt« der Putschist, wer Herr der Situation war. Alles hat hier symbolischen Wert, der Beginn und der Schluß. Mit der Kohr- Spende haben di« Bauern ihn heimgeschickt, Hiller hat ihm mit dem Schießeisen zu guter Letzt noch Zusagen erpreßt. Dazwischen und darüber hinaus hat die Geschichte seinen monarchistischen Wieder- ausrichtungswunsch erledigt. Eine Diktatur ohne Macht! Aus der Epifade Boyern unter dem Generalstoatskommissor läßt sich etwas lernen. Dieses:«in Diktator von Gesamtdeutschland wäre«ine noch kläglichere Figur in den Händen der Machtgruppen, auf die er sich stützt. Er sollt« doch mal versuchen, aus Sparsomkeitsrücksichten Abstriche am Reichswehretat vor- zunehmen, wenn die Reichswehr das Instrument seiner Diktatur ist, Er würde es erfahren, daß selbst ein vergewalttgtes Parlament immer noch mehr Autorität besitzt als er, der Träger einer bluffeirden Scheingewalt. Dr. B. Altniann. freuen uns von einem Jahr oufszondere, auf frohe Fahrten zu billigen Preisen. Würden doch recht viele von der Einrichtung dieses Jugendherbergswcrkes Gebrauch machen! Wie vielen würde es nützen, wenn sie auch nur ein paar Tage Urlaub haben, aus ihrem Tageseinerlei herauszukommen. Auch in der Nähe Berlins gibt es schöne Jugendherbergen. Auskunst kann man bei jedem Jugendamt einholen. Nun frohe Fahrt und nicht durchnäßt von einem Gasthaus zum anderen! �lartba Elgert. Blutung und Blutstillung Wenn an einer Wasserleitung«ine Röhr« platzt, so strömt dos Wasser so lange unaufhaltsam aus, bis der Schaden entdeckt und repariert wird. Geschieht der gleich« Borgang an einer Röhren- leitung, in der dos Blut durch den menschlichen Körper fließt, d. h. blutet es aus einer verletzten Ader, so tritt nach kurzer Zeit etwas Merkwürdiges ein: die Blutung hört auf und das ausgetretene Blut erstarrt zu einer festen Masse, es gerinnt. Diese Selbststillung der. Blutung ist eine sinnreiche Einrichtung der Natur, öie aus ver- schieden«» Ursachen beruht. Einmal verschließen sich di« verletzten Adern von selbst dadurch, däß sie sich zusamnienziehen, etwa wie ein gedehnter Guinmischlanch, wenn er losgelasien wird. Unter- stützt wird dieser Verschluß durch die Masse des ousget>>«:encn Blutes, das, soweit es nicht abfließen kann, sich staut und das Blut- gesäß von außen zujainmendrückt. Dazu kommt die schon er- wähnte Gerinnung des Blutes, die ein sehr verwickelter chemischer Vorgang ist und daraus beruht, daß ein Eiweiß, das im Blut ent- halten ist, in ähnlicher Weise erstarrt wi« das Eiweiß des Hühnereis beim Kochen. Unbedingt nötig ist dazu die Anwesenheit von Kalk- salzen. Entfernt man diese aus dem Blute, so kann man das Blut beliebig lange außerhalb des Körpers aufbewahren, ohne daß es gerinnt. Außerdem spielen mehrere andere Stoffe eine Rolle beim Zustandekommen der Gerinnung; eine Reihe chemischer Vor- gänge geht ihr voraus. Bei manchen Krankheiten tritt die Blutstillung nicht oder erst nach größeren Blutverlusten von selbst ein. Vor allem ist hier die sogenannte Bluterkrankheit zu nennen, eine merkwürdige Krankheit, bei der sich die Kranken nach den geringfügigsten Ver- wundungen verbluten können, weil die oben geschilderten Vorgong« nicht eintreten und es so unaufhaltsam weiterblutet. Ein kleiner Schnitt beim Rasieren, das Ziehen eines Zahnes kann bereits ge- nügen, um den Verblutungstod herbeizuführen. Di« Krankheit ist auch insofern sehr eigenartig, als sie sich vererbt, und zwar nur auf Männer. Frauen werden selbst nie krank, können aber trotzdem die Krankheit weiter vererben. Erst in jüngster Zeit scheint es gelungen zu sein, ein Heilmittel gegen dieses unheimlich« Leiden zu finden. Der Vcrolutungstod tritt im allgemeinen«in, wenn der Blut- verlust etwa«in Zwanzigstel des Körpergewichts beträgt, lind zwar ist es weniger der Verlust der Blutkörperchen, die der Atmung dienen, der zum Verblutungstode führt. Das hatte man früher an- genommen. Es handelt sich jedoch, wi- man heut« weih, mehr darum, daß der Blutkreislauf gehemmt wird. Es wäre zwar für die Atmung noch genügend Blut vorhanden, aber das Herz wird nicht mehr gefüllt, kann daher das Blut nicht mehr in Bewegung hallen; es läuft gewissermaßen leer, wie ein unbe- lasteter Motor. Ganz das gleiche tritt ein, wenn sich das Blut in den enveilerten Blutgesäßen des Bauches ansammelt, wie das z. B. in leichlerer Form bei der Ohnmacht, in schwererer bei In- fektionskrankheiten und bei Bauchsellentzündungen der Fall ist. Auch hier strömt dem Herzen zu wenig Blut zu; es arbeitet leer, und der Blutkreislauf stockt, obwohl genügend Blut vorhanden ist. Di« Krankheitserscheinungen sind dann ganz die gleichen wie beim Ver- blutungstod«. Um eine Blutung zu stillen, genügt oft ein länger anhaltender Druck, der im Notfall einfach mit der Hand ausgeübt werden kann. Ist eine Schlagader verletzt— was daran zu erkennen ist, daß das Blut in den Abständen des Herzschlages aus der Wunde in einzelnen Stößen herausspritzt— so mutz man versuchen, die betreffend« Schlagader weiter oben bzw. weiter nach dem Herzen zusammen- zudrücken, sei es mit dem Finger, sei«s durch elastisch« Um- schnllrung des betreffenden Gliedes. Dafür eignen sich in Notfällen Gummihofenträger bzw. Gummigürtel, die am ersten zur Hand sind. Di« Chirurgie bedient sich zur Blutstillung mannigfacher chemischer und mechanischer Mittel. Besonders gut scheint sich da« „elektrische Operieren" zu bewähren, bei dem statt de» Messers der elektrische Strom zum Schneiden verwendet witd. Es kommt dabei kaum zu Blutungen, weil jede verletzte Ader durch den Schorf, der durch den elektrischen Stroin entsteht, sofort ge- schlössen wird. Dieses neue Verfahren ist schon an verschieden«» chirurgischen Kliniken eingeführt worden und scheint sich immer mehr durchzusetzen. H Cosyrii'ht 1030 by rickelreltcr-Verlaj 0. ra. d. H., Hambure-Bericdorl (41. Fortsetzung und Schluß.) Plötzlich erschrecke ich tiefl die Kleine ist ja säion viel zu weit mit uns abgekommen. Si« wird ja gar nicht wieder nack) Hause sinden. Darum nehm« ich Kilb das Kind aus den Armen. Er schaut mich erstaunt an.--„So, Lieselotte, nun geh recht schön nach Hause zu Mutti..." Das Kind sieht mich groß an. lächelt und lächelt... Ich setze es herüitter aus die Erde, drücke noch einmal die klein« Hand und mag sie gar nicht niehr lassen.„Auf Wiedersehn, Lieselott«... Das feine Stiinmchen antwortet:„Wiedersehn, Wiedersehn, lieber Soldat..." Ich blicke mich noch einmal um: das Kind steht am Straßenrand, läßt das Püppchen an einem Arm herunterbaumeln, winkt und winkt und hält das Köpfchen schief und lächelt... „Auf Wiedersehen, Lieselotte", rufe ich noch einmal hinüber. Dann schieben sich Menschen davor. Mir wird der Kragen so eng. der Tornister so schwer, so schwer. Eben habe ich doch das alles nicht gespürt. Ich mag Kilb nicht an- sehen, ich starre auf die Straße unter mir und fühle mich unendlich verlassen.„Auf Wiedersehen, Lieselotte", murmele ich,„auf Wieder- sehen"... Ich werde dich wohl nicht wiedersehen, Lieselotte!... Und wenn ich wiederkehre: wirst du mich wiedererkennen?... Parademarsch!!" Nichts bleibt uns erspart. Wir keuchen von dem langen Morsch auf den harten Steinen. Wir gehen schon gebückt unter der schweren Last und schwitzen. Aber kurz vor dem Bahnhof müssen wir noch einmal die müden Knochen zum Parademarsch zusammenreißen. -- Die Musik schwenkt nach rechts herum und spielt den Defilier- marsch. Die Muiikcr sehen uns gar nicht an. Es find Heimatkrieger, sie sind nur für diesen Zweck da. Sie haben Gesichter wie Mitglieder von Kriegerocreinen und Kegelklubs. Wir aber müssen unser Letztes hergeben. Wie Brandung schlägt der donnernd« Paradeschritt gegen die Wände des Bahnhofes... Kom— pagniiiie halt!" Wir taumeln in den Bahnhoseeingang hinein: ein großes, ichwarzes, gähnendes Loch läßt uns vor der Außenwelt verschwinden. Plötzlich war«ine Postenkette von der Seite gekommen imd hotte uns von den Zivilisten abgeriegelt.— Im Eingang sehe ich mich noch einmal um: Da sehe ich, wie Adamczik noch außerhalb der Postenkette bei seiner Mutter und seiner Frau steht. Sie haben ihn fest umschlungen: ein unentwirr- barer Knäuel obschiednehmender Menschen. Sie können sich nicht voneinander lösen.-- Eine Stimm« heult, schreit aus,— alles geschieht in wenigen Sekunden. Ich kann nicht unterscheiden, ob es die Mutter, Paula oder»Adamczik selbst ist. Und dann sehe ich ... und das Herz trampst sich mir zusammen...«inen Unteroffizier schnell zu der Gruppe gehen. Er fuchtelt mit den Armen und will die drei auseinanderbringen, flucht und hat ein aufgeregtes, rotes Gesicht. Jetzt, jetzt seh« ich die Mutter schwanken. Paula aber hängt noch immer am Halse ihres Kriegsgetrauten, und ihr Körper wird vom Schluchzen geschüttelt. Brutal reißt der Unter. ofjizier auch Paula los und schiebt Adamczik langsam durch die sich öjsnende Postenkette. Wieder schreit«ine Stimme, wieder weiß ich nicht, wer es ist: ober ich sehe, wie die Mutter auf der Erde liegt und sich herumwälzt. Und ist sehe weiter, wie Paula verzweifelt gegen die Postenkette anrennt, und wie sie immer wieder zurück- gestoßen wird. Mit schnellen Schritten geht Adamczik auf den Eingang zu: kurz davor aber dreht er sich wieder um und rennt zurück.» Aber der arme, kleine Kameras erreicht seine Frau nicht wieder: der Untcrossizier kommt ihm schon mit erhobenen Armen entgegen, fällt ihm in die Arme und stößt ihn zurück.— Immer wieder dreht der Klein« sick) um: schrecklich weit sind seine Augen geöffnet... Ich crinncro mich sekundenlang an ein« Szene im Schlachthof in Hamburg, bei der ich mich zuletzt schaudernd abwandte: aus einer Herde Rinder, die mit klatschenden Knüppelhieben in den Schlacht» räum getrieben wurden, brach plötzlich«in Tier mit rasendem Ge- brüll aus und lief zurück Es rannte einen Treiber um,— die Augen traten dick heraus in verzweifelter Todesangst. Es roch das Biut der bercits geschlachteten Tiere und wollte dem gleichen Schicksal entfliehen. Mit furchtbaren Hieben, unter denen es dauernd zusammenbrach. wurde es schließlich doch zurückgeschleift... Armer kleiner Adamczik! Riechst du das Blut deiner erschlage- nen Kameraden?.. Gellend ziehen die Klagcrufe Paulas uns in den Bahnhof nach: ..Frütz, Friiiiitz, oooch, ooooh, uuuuuuuiiuuuuchuuuu..." Ein« lange, lange Reihe Viehwagen ist aufgefohrcn. An«inigen Wagen steht mit Kreide geschrieben: 6 Pferde oder 48 Mann... lind immer mehr Kompagnien und Regimenter schickt der Kaiser in die schlacht. Sir rücken Hexan mit klingendem Spiel, mit Parade- marsch zum Schluß, und die Postenkette Hot viel zu tun... Frauen und Kinder schreien draußen. Dann kommt der neue Transport in den Bahnhof und stellt sich hinter oder neben unsere Kompagnie... Noch einmal müssen wir in Kompagniefront auf dem Bahnsteig antreten. Adolf will sich von uns verabschieden... Sein Gesicht ist verändert. Er hat sein Grinsen versteckt und bemüht sich, ein leutseliges Gesicht zu machen. Aber es gelingt lhm nicht, hinter der Maske lauert das G-sicht, das wir bis in den Tod Haffen werden... Er hustet einige Mal« wie in Verlegenheit, saßt sich an den Kragen, und dann hält er ein« klein« Ansprache:„Kameraden. da fangen schon einige in der Kompagnie an. sich zu räuspern, leider kann ich nicht, wie ich gern wollte, mit euch kommen..." Er schrickt zusammen; denn wir begiimen laut zu lachen. Er hat den Faden seiner einstudierten Rede verloren und stottert nur noch: „D— ddddie Pflicht g— g— gebietet, daß ich— daß ich hierbletbe..." Eine Stimme ruft von hinten:„Damit du weiter schinden kann..." Er zuckt wieder zusammen und wagt nicht, in die Richtung des Rufers zu blicken, wird bleich, und fein« Backenknochen zittern. Ich toste triumphierend diese tümmerliche Feigheit aus— noch nie habe ich diesen Schinder so erbärmlich gesehen. Er geht hastig auf uns zu. Einen Satz ächzt er noch hervor:„Ich— ich hoff«, daß ihr— daß ihr eur« Pflicht tut zum Wohle des Vaterlandes..." Nun aber ist«s ganz aus: wir scharren mit den eisenbeschlagenen Stieseln ..�einige pfeifen auf Fingern lange, kreischende Töne... und fast alle lachen laut auf. Die Lag« des Schinders ist unmöglich ge- worden. Da versucht er es auf«ine andere Art: er steckt ein süß- liches Lächeln auf,— es ist das Lächeln eines feilschenden Händlers. Dann windet er sich an uns heran und streckt seine großen Hände, diese widerlichen Verbrecherhände mit den langen Haaren auf der Oberseite, zu uns hin... Bei Bossin fängt er an:„Auf Wiedersehn, Grenadier Bossin..." Aber Bossin sieht ihn spöttisch von oben bis unten an und läßt ihn stehen. Dann kommt er zu Berberig: es geschieht das gleiche. Hier zeigen wir ihm, wie wir ihn hassen! Der Schinder wird immer kleiner, fein Lächeln immer süßlicher:„. Wiedersehn, Kamerad Zeiß... Kamerad... Kamerad..." Er schlängelt sich weiter an unserer Front entlang. Bevor«r mich erreicht, trete ich hinter die Linie des zweiten Gliedes, um gar nicht mit ihm in Berührung kommen zu müssen. Er sieht es, und ich grinse ihn sogar noch dabei an. Endlich gibt er sein« Abschiedsoersuche auf: denn nicht einer von den Kameraden hat ihm die Hand gegeben.--- Kurz vor dem Einsteigen kommt Leutnant Hagar, der uns da- mals von Döberitz nach Berlin führt«, zu uns. Wir hören, daß er mit uns raus kommt und freuen uns darüber; denn er ist ein an- ständiger Kerl. Er tritt an den Schinder heran, so daß dieser ihn ganz übertölpelt anstiert, und verabschiedet ihn mit kurzen Worten. ... Dann endlich, endlich geht der Schinder mit Stelzenschritten, ohne sich noch einmal umzusehen, über den Bahnsteig und von uns fort, neuen Opfern entgegen,„um sie zu Soldaten zu machen"!,.. Ein langer, trillernder Pfiff gibt das Zeichen zum Einsteigen. Im Innern des Viehwagens suchen wir unsere Löcher aus. Ich habe einen Platz am Eingang erwischt. Di« Tornister fliegen unter die Bänke, wir schnallen ab und atmen befreit auf.--- Adamczik sitzt neben mir: er hat den Kopf in die Hände ge- stützt, niemand mag ihn ansprechen. Manchmal stöhnt er schrecklich auf... Einige Minuten vor der Abfahrt läßt man die Angehörigen auf den Bahnsteig: sie stürzen in wilder Aufregung fast unter den Zug. Sie rennen an den Wagen enllang, renken sich die Hälse aus und schreien die Namen ihrer Liebsten. Die wenigsten aber haben Glück und sinden ihre Angehörigen wieder... Ein gräßlicher Pfiff, in dem all« anderen Geräusche untergehen, kreischend, aufreißend, zeigt endlich die Abfahrt des langen Zuges, in den nun auch die anderen Kompagnien und Regimenter gestopft sind. an. Langsam setzt er sich in Bewegung: tsch tsch tsch tsch... tsch tsch tsch tsch... tsch tsch tsch tsch... tsch tsch tsch sch... Die letzten Reserven rollen an dl« Front.,. gren*.,. rfcitS,., verhungert... achtzehnjährige Kinder... Aber draußen ertönt die Hymne: Deutschland... Deutschland... über a— alleS... Schreiend, gestikulierend, weinend— rennen die unglücklichen Angehörigen, die ihre Soldaten nicht mehr gesunden haben, am Zuge, an den rollenden Wagen entlang: Frauen, Kinder, einige ältere Männer... ein Kriegsbeschädigter darunter... hinkend auf einem Bein an Zwei Krücken. blutleer das Gesicht... das eine Hosenbein ist umgelegt und mit einer Nadel oben festgesteckt, ein humpelndes Gespenst des Krieges... Einige hatten Glück: sie um- schlingen mit beiden Händen die Hände des Gefundenen. Und eins Frau, ein« junge Frau steht auf dem Trittbrett und fährt ein Stück mit, immer wieder mit der freien Hand den Kopf ihres Liebsten an ihr Gesicht drückend, ihn küssend und dabei ausschluchzend... Ein Bahnbeamter rennt atemlos hinterher, zieht sie herunter und fängt sie auf... Di« Suchenden aber schreien die Namen am Zug entlang: „Paul! Peeter! Kaaarl! Haans! Herr— mann! WilliiuiÜ"..< Immer noch einmal, langgezogen, heulend:„Williiiiiii!!!"—— O, wie entsetzlich! Ich halle mir die Ohren zu. aber die Schreie dringen hindurch:„Artur! Eeemiiiil!!" Immer lauter werden die Schreie, immer schneller fährt der Zug, unbarmherzig, fauchend, zischend,... Dampf zieht rauschend unter den Wagen hindurch« zschiiiiii-- zischschiiiiiiii... O! Wenn doch das furchtbare Schreien aufhören wollte! Das ist ja ein fürchterlicher Abschied! Aber die Ruse verstummen immer noch nicht: mit letzter Lungenkraft schreien sie gegen das Donnern und Brausen des Zuges an: „Heiniiiii! Christian!! Wiilliiiiiiii!" Und aus dem Innern der Wagen brüllt es zurück:„Annaal Hier! Hier! Friedaaaü Hiiicr! Emmiiiii!! und ein Name immer wieder: es ist der letzte, den ich höre:„Anneliiiiiese!!! Anneliiiiiese!!!" Es ist wie das Schreien eines Wahnsinnigen... Adamczik hat sich nicht bemüht, seine Mutter und Paula noch einmal zu sehen. Er sitzt zusammengebrochen neben mir und stöhnt unaufhörlich... Ach, wenn er doch endlich weinen würde, das erlöst doch! Aber dieses Stöhnen ist nicht zu ertragen... Ich starre vor mich hin: Unter der Bank dicht bei mir liegt«in Strauß Blumen. Aber er ist zertreten... Ich kann keine Gedanken mehr fassen... ich starre nur immer auf den zertretenen Blumen- strauß... noch vor wenige» Minuten war er frisch und leuchtend... O Deutschland hoch in Ehren! Wie dies« Blumen zcrtrelen sind, so wird unsere Jugend zertreten! Ich frage dich. Menschheit:„Wer hat dis Recht, unsere acht- zehnjährig« Jugend zu töten?!"--- Adamcziks Tränen haben sich endlich gelöst: leise weint er, und seine Schultern zucken dabei. Er blickt nicht auf, seine Hände zittern um seinen kahlgeschorenen Kops... £ Buch Hugo XD tater:„Der deutsche Unterricht." 1. Band. 212 S.. Preis geh. 3,60 M., Leinenband 7 M. Berlag Ouell« u. Meyer, Leipzig 13Z0. Verfasser ist Schulrot in Mansfeld und ist der Ansicht, daß die Sckmtbewegung des letzten Jahrzehnts bereits zum Abschluß ge- kommen sei. In der vorliegenden Arbeit hat sich Bersasser die Auf- gäbe gestellt, den Absichten der„Richtlinien" und„Bestimmungen" nachzugehen, ihren knappen Inhalt auszudeuten und das Für und Wider zu erörtern. Der erste Band des Werkes stellt in den Mittel- punkt das deutsch« Bildungsgut, und zwar fein« Abgrenzung und die Wege zu ihm. Im zweiten Bande wird sich der Bersasser der Arbeit dem Bildungsgut zuwenden. Das Buch ist folgendermaßen gegliedert: 1. Abgrenzung des Bildungsguts: 2. Weg« zum Bil- dungsguk(Wegrichtung. Der Führer. Pfleg« des gesprochenen Wortes. Schriftliche Üebungen, Wort- und Satzlehre, Schrifttum). Es erscheint zweifelhaft ob der Schriftennachweis zum Kapitel „Pflege des gesprochenen Wortes" ausreichend ist. Das Buch im ganzen wird den Anfänger mehr befriedigen als den erfahrenen Praktiker. vr. Leelinx. Rätsel- Ecke des„Abend" Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Radiotechnische Anlage: 7 protestierender Ausruf: 8 franz König: 9. Umlaut: 10 franz Artikel: 12. Maß(abgekürzt): 13 Polflieger: 15. seemännischer Ausdruck für Flaggengrüßen: 1? Tongemälde: 19 Fluß in Italien: 2l. arabischer Artikel: 22. gebräuch- liche Abkürzung: das ist: 23. Süd- seeinsel: 25 Gewässer; 26. Bauer. — Senkrecht: 1. Gebirgssturm: 2 Nachtvogel: 3 Kursrichtung: 4. sehr alt: 5, brutal: 6. Jnnenorgan; 10 Gesichtsteil: 11. Federvieh: 13. Lebens...(gr): 14 Artikel; 16. Edelstein: 18. harzhalliges Holz: 20 kindlicher Ausdruck für Groß- vater; 22 deklinierter Artikel; 24. Präposition; 25. amtliches Kurz- mort für Sachsen. KSnigSzug. N.S. Oie fehlende Mittelsilbe Aus den Silben dank bat berg berg berg bra buvg en gor gu jagd kar klatsch»ex tno loch mot nest punkt rat rest ro spiel stück tan ttn tor wit sollen 14 dreisilbige Wörter gebildet werden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ad. Geographisches Rätsel ..4... �00? KT ...4-.. BEILNR ....4-. AKMOSU ..... 4. DLNNOO 4. � BDILNN Die Punkte und Kreuze in obiger Figur sind so durch die danebenstehenden Buchstaben zu ersetzen, daß die waogerechten Reihen europäische Hauptstädte nennen. Die auf ein Kreuz fallenden Buchstaben ergeben den Namen eines europäischen Staates. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Aummer Kreuzworträtsel, Waagerecht: 1. Aula; 3. Idee: 6. Tand: 7. Ende: 8. Ernst: 9. Bahn: 10. Elsa: 11. Loch: 12. Hose. Senkrecht: l. Automobil; 2. Landeshnt: 4. Donatello: 5. Eremitage. Silbenrätsel: 1. Degeneration: 2. indifferent: 3. Emulsion; 4. Zentrum: 6. Etui: 6. Irrsinn; 7. Theoretisch: 8. Imitation: 9. Sinclair! 10. theatrallsch; 11. wenden; 12. Erwiderung: 13. vietzgen: 14. Ebro: 15. Ratte: 16. Gehör: 17. Reichstag: 1«. Ornat: 19. Step- titer: 20. Saint Simon: 21. Rona; 22. Owen: 23. Ehanpinismus: 24. Kollektiv: 25 ciebknecht: 26. Einöd«: 27 inbearifie»: 28. Rietz'che: 29. Lerche: 30. Engels. Zahlenrätsel. 1. Hildegard: 2. Esperanto: 3. Infektion: 4. volmatien: 5. Enoerling: 6. Lindbergh; 7. Bulgarien; 8. Elber. seid: 9. Redakteur; 10. Gasometer.— Heidelberg. An agro mm e: 1. flog— Golf— 2. Neros— Rosen—. Fatale Sache: Faust. Magisches Quadrat: 1. Gabe; 2. aber; Z. Lein; 4. Smiij Nr. 466 47. Jahrgang Sonnabend 4. Oktober 1930 Neuer Mitteldruck'Schiffsmotor Arbeitszylinders. Die Schifssmotoren müssen.' soll deren Betriebshaltung nicht zu sehr verteuert werden, möglichst einfach und Übersichtlich gebaut sein, damit sie nicht zu große Ansprüche an das bedienende Personal stellen,' die dies« nicht immer im gleichen Maße erfüllen können. In dieser Richtung ist der neue Mitteldruck» S ch i f f s»i o t o r der AEK. als unbedingter Fortschritt zu buchen, denn bei ihm fällt die konsequente Einfachheit im ganzen Ausbau des Motors dem Beschauer auf. Sein Arbeitsgang ist ohne Be- emträchtigung der Betriebssicherheit derart vereinfacht, daß er auch von weniger geübten Arbeitskräften bedient werden kann. Hierzu trägt nicht wenig bei, daß er weder Ventile noch Ver- gafer noch elektrische Zündvorrichtung besitzt, die bei allen anderen Maschinen die Hauptquellen der Störungen bilden. Der Motor ist als Z w e i ta k t m a s ch i n e mit Kurbel- kammerspülung gebaut. Beim Aufwärtsgang saugt der Kolben frische Luft in das Kurbelgehäuse und verdichtet sie beim Abwärts- gong auf mehrere Zehntel Atmosphären Ueberdruck. Diese Luft dient zum Ausspülen und Laden des Zündung erfolgt bei jedem Abwärtsgang des in der oberen Totlage des Kolbens in den Zylinderkopf eingespritzten Treib- als. Mit Ausnahme von Steinkohlen- teeröl und ähnlichen Brennstoffen kann als Betriebsstoff Gasöl, Paraffinöl, Solaröl, Petroleum usw. benutzt werden. Durch die Grundplatte, die muldenartig ausgebildet ist, wird sicheres Lagern und Verschrauben des Motors mit dem Schiffskörper gewährleistet. Der Z y linder ist direkt auf die Grundplatte aufgesetzt und besteht mit dem Oberteil der Kurbelkammer aus einem Stück. Der Zylinder enthält die für die Steuerung des Arbeitsverfahrens nötigen sich gegen- überliegenden Spül- und Auspufffchlitze. An der Rückseite des Zylinders befindet sich der bei Einzylindennaschinen wahlweise stehend oder liegend befestigte Auspufftopf. Der mit Wasser- kühlung versehen« Zylinderdeckel bildet. den oberen Abschluß des wassergekühlten Zylinders, er enthält den K o m p r e s s i o n s- und Verbren- nungsraum und ist auf der der Brennstossdüse gegenüber, liegenden Seite mit einer eingelassenen kleinen Zündkugel ver> sehen. Die von außen zugängliche Zündtugel, durch einen an die Außenform des Zylinderdeckels sich anschließenden Klappdeckel ge- schützt, nimmt die Zündpatrone in sich auf. Das Kurbelkammer- oberteil enthält beiderseits ein Spülluftventil, dessen noch immer sich öffnende Luftklappen als Metallzungen ausgebildet sind. Da die Kurbelkammer während des Kolbenabwärtsganges unter Ueberdruck steht, muß der Wellendurchtritt durch die Kurbelkammer luftdicht abgeschlossen sein. Dieses wird durch zwei geteilte von außen an das Kurbel- gehäuse und gegen die Kurbelwell« federnd angedrückte Dichtungs- ringe erzielt. Di« aus bestem Siemens-Martin-Stahl geschmiedete Kurbelwelle ist bei Einzylindermaschinen in zwei, bei Zwei- zytindermaschinen in drei mit Weißmetall ausgegossenen Lager- schalen gelagert. Die unteren Lagerschalenhälsten können zwecks Kontrolle ohne Ausbau der Kurbelwelle herausgenommen werden. An der mit Gegengewichten versehenen Kurbel greift die im Gesenk geschmiedete S ch u b st a n g e an, sie ist mit dem Kolben im Kolbenboden gelenk'a verbunden. Fünf resp. sechs nach außen federnde gußeiserne Kolbenringe bewirken die Ab- dichtung zwischen Verbrennungsraum und Kolben. Das am vorderen Maschinenend« an- gebrachte Schwungrad ist mit zwei im Schwung- radkranz angebrachten Handgriffen versehen zum Anlassen der Maschine von Hand. Nach Los- lassen schnellen sie in den Schwungradkranz zurück. Die mit einer Zentrierung»ersehene Rabe des Schwungrades gestattet das Au- bringen einer Riemenscheibe zum An- trieb einer Netz wind« usw. D!« jeweils erforderliche Brcnnstofjmeng« wird dem Ver- brennungsraum durch die Brennstoff- pumpe.zugemessen, die unter Vermittlung eines Kegelrodpaares von einer kurzen senkrechten Welle aus durch geeignet ge- formte Pocken betätigt wird. Durch einen Filter fließt der Brennstoff unter geringem Ueberdruck der Pumpe zu, daher nmß der Boden, des Brcnnstoffbehälters ca. 200 Millimeter über Mitte der Brc. mstoffpumpe liegen. Die mit tegelsönnigem Saug- nnd Druckventil versehene Brennstoffpunipe fördert den Brennstoff nach Passieren des Filters durch eine Kupfcrleitung in die Brenn- ftoffdüfe, die derart am Zylinderdeckel angebracht ist, daß sie in weniqen Sekunden heraucocnommen und kontrolliert werden kann. Der Zlntrieb der Brennst'osfpumpc mittels Rocken unterliegt der Einwirkung eines Fliehkraftreglers, der am oberen Ende der eingangs erwähnten senkrechten Welle angebracht ist. Die für jede Fahrtgeschwindigkeit erforderliche Brennstoffmenge wird selbst- tätig dadurch geregelt, daß die Jündkugel bei allen Belastungen gerade nur so warin bleibt wie die sichere Zündung des ein- gespritzten Brennstoffs crfovdert. Daher ist ein Ueberhitzen der Zündkugcl ausgeschlossen. Sogar bei ausgekuppeltem Motor und herabgesetzter Drehzahl werden infolg« noch genügender Wärme der Zündkugel Zündungsaussctzer völlig vermieden. Durch Drehen des am Regler angebrachten Handrades(auch von Deck aus) kann die Drehzahl um 40 bis 50 Proz. herabgesetzt werden. Durch Um- setzen des auf der Kurbelwelle aufgekeilten, den Regler antreiben- den Kegelrades kann ohne Umbau ein andrer als der normale liitfsgängige Drehsinn erzielt werden. Kühl- und Lenzpumpe sind jede für sich getrennt auf der Grundplatte befestigt und unter- einander gleich. Ein mit der Kurbelwelle fest verbundener Exzenter besorgt den Antrieb der Pumpen. Pumpenkolben und-ventile sind in seewasierbeständiger Bronze gehalten derart angeordnet, daß die Ventile zwecks Kontroll« nach Lösen der Muttern leicht ausgebaut werden können. Durch einen vom Pumpenexzenter aus angetriebenen Bofchöler werden sämtliche Schmier- st eilen selb st tätig init Frischöl versorgt. Das aus den Lagerstellen stammende Lecköl wird restlos in der Grundplatt« gesammelt und kann nach Reinigung wieder verwendet werden. Die hintere Fläche des Kurbelgehäuses ist mit einem zum An- schluß des Umsteuerorgans geeigneten Flansch versehen, an den nach Wohl ein Umsteuerblock für eine Drehflügelschraube oder ein Wendegetriebe für einen festen Propeller ange- schlössen werden kann. Der Umsteuerblock wird mit der Rei- bungskupplung, die eine sogenannte Lamellenkupplung ist Miiteldrudc-Sdüffsmotor mit t Zylinder- und dem Druckloger in einer gemeinsamen Lagermulle unter- gebracht, die mit der Grundplatte fest vcrschraubt wird. Umsteuer- organ und Kupplung sind mit Deckübertragungen nach dem Führerstand versehen, das Wendegetriebe kann ebenfalls von Deck be- tätigt werden. Der bei Drehftügelschrauben erforderliche Umsteuerblock ist in völlig eingekapselten und mit Filzringen abgedichtete�, Kugellagern gelagert. Die ganze Wartung des Umsteuerblocks be- schränkt sich auf Erneuerung(ein bis zweimal jährlich) der Vaseline- Schmierung der Kugellager. Das von einer Spezialfirma gebaute Wendegetriebe ist ebenfalls mit der Grundplatte fest verfchraubt und außerdem im Bootskörper gelagert. Der Motor kann in kür- zester Zeit, mit Patrone in einer Minute ohne Vorwärmung, oder mittels Anheizlamp« in drei bis vier Minuten betriebsklar gemacht und angelassen werden. Die nicht allzu hohe Kompression erlaubt Anwerfen von Hand auch bei größeren Typen, die Schwierigkeiten, MWW-O MiUeldnuk-Sdiiffsmotor mit 2 Zylinder die sich bei sogenannten kompressorlosen Dieselmotoren bezüglich Anwerfens bei Preßlustmangels einstellen, fallen fort, da nur die größten Typen mit einer äußerst einfachen Druckluft-Ladc- und -Anlaßvorrichtung versehen sind. W. Ilanuschkc. SOS. Aus der Geschichte des Seereitungswesens Di« Verwendung, oder auch nur die Erfindung von Hilss- Mitteln zur Rettung aus Seenot für schiffbrüchige Seeleute ist, gemessen an dem schr hohen Alter der Schiffahrt selbst, eigentlich sehr jungen Datums. Diese an sich erstaunlich« Tatsache hat verschiedene Gründe. Zunächst einmal war der Seeverkehr lange Zeit hindurch vi�l zu schwach, um besondere Rettungsstationen als notwendig erscheinen zu lassen. Die einzigen Stellen, wo die Stärke des Schifisverkehrs hätte an solche denken lassen, waren die Einfahrten der großen Häfen und da waren sie überflüssig. Zweitens aber dachte man einfach nicht daran, Schiffbrüchigen zu helfen,—„frei ist der Strandgang"(das angetriebene Gut), heißt es in einem alten Lied«: und das Leben der Schiffbrüchigen, die der Einziehung des Strand- gutes etwa widersprochen hätten, war es so ziemlich auch. Auch das Gebot der Nächstenliebe im Christentum hatte hier nur«ine geringe Wirkung, es soll sogar vorgekommen sein, daß man in kleinen Fischerkirchen den lieben Gott um„guten Strandgong" anflehte. So kam es denn, daß der erste Rettungsapparat erst 1767 er- funden wurde, und zwar von dem Engländer John W i n n zu Shadwcll bei Middlesex. Seine Idee ist bis heute im Prinzip dic� gleiche geblieben, er wollte eine Leine zu dem ge- strandeten Schiff befördern und die verunglückte Mannschaft in an dieser Leine hängenden Säcken an Land ziehen. Um die Leine aber an das gestrandete Schiff zu bringen, hatte er noch keinen besonderen Apparat, er dachte an Rettungsboote oder Treibbojen. Der Kolberger Tuchmachermeister Ehrgott Friedrich Schäfer kam dann 1784 auf den Gedanken, die Leine einfach durch einen kleinen Mörser zum Schiff hinüberschießen zu lassen, die Offiziere Friedrichs II., denen diese Idee zur Begutachtung vorlag, hielte« jedoch„die Jnvention bey der Strandung derer Schiffe für gae nicht practicabel". Durchgeführt wurde Schäfers Idee dann in England, Ivo der Artillerieleutnant Cell dreizehn Jahre später dem Gewerbevereiii die gleiche Erfindung vorgelegt hatte. Der Konstrukteur des Leinen- wurjmörfers war der Militärinspettor M a n b y. Manby ließ sich die Idee eines Seerettungsapparates sehr nahe gehen, weil er wenig« Jahre vorher beim Untergang eines küstennahen Schiffes 67 Menschen hatte ertrinken sehen, ohne daß die am Ufer stehenden Männer ihnen Hilfe bringen konnten. Die Manbysche Konstruktion rettete dann auch in den Jahren 1807— 1823 am Strande von, Norfolk 332 Seeleuten das Leben Durch diese Erfolge wurde man auch in anderen Staaten aufmerksam, bereits 1816(genau am 5. September) fand in Pillau das erste Probeschießen statt und im Juli 1819 erlaubte bis Re- gierung in Königsberg offiziell das nach ihrer Ansicht„immerhtn gefährliche Mittel". Nun war England inzwischen aber auch noch in anderer Hin- ficht Vorbild der anderen europäischen Staaten geworden,— sein General William Congreoe hatte die„Kriegsrateten wieder als Waffe eingeführt u»d sehr vervollkommnet. Verschiedentlich tauchte da die Idee auf, daß eine solche Rakete doch viel geeigneter zum Hinübertragen der Leine sein müsse.als eine Kanonefikugel. Bereits 1807 sall ein Kapitän Treu grause derartige Versuche unteruynimen haben, sicher ist das von Kapitän Denn et auf der Insel W i g h t, dessen Versuche in das Jahr 1824 fallen. Allgemein eingeführt wurde die Rakete an Stelle des Leinenwurfmärsers aber erst, nackzdem der preußische Major S t i e h l e r in Mcmel am 17. Oktober 1828 mit preußischen Raketen(die den englischen Kriegsrateten nachgeahmt waren) gelungene Probefchießen durch- führte. Es wurde dann bald die„Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" gegründet, die am 30. Dezember 1866 bei Bremen größere Versuche einem Interessen- tcnkrcise aus allen Berufsgruppen vorführte. Heber diese Vorführung wurde im„Polytechnischen Journal" des nächsten Jahres sehr eingehend berichtet, man merkt aus dem ganzen Tonfall deut- lich, wie neu das Ganze der Allgemeinheit noch gewesen sei» muß. Einige interessante Daten aus diesem Bericht seien kurz mitgeteilt, es ist jedoch'nötig, den Ausdruck„Achsenftabrokete", der in diesem Bericht vorkommt, noch zu erklären. Bei allen gewöhnlichen Feuer- wertsraketen ist der Lenkstab seitlich an der Hülse befestigt. Als man aber zu Kriegszwecken darauf ausging, die Treffsicherheit möglichst groß zu machen, zeigte sich, daß der seitliche Stab störte. Man brachte darum an dzr Hülse am hinteren Ende eine drei- teilige Gabel an, die den Stab hinter der AuspufMse genau in der Mittelachse hielt, was wohl die Flugweite etwas verminderte, die Treffsicherheit aber erhöhte. In dci» Bericht heißt es nun:„... Die Rakete... ist ein« drei- zöllige Achsenstabrakete, eine Modifikation der Kriegsrakete, welche a» einem Stabe eine dünne Kette trägt, an der die Schießleine be- festigt wird. Die Rakete, im kgl. preuß. Feuerwerksloboratoriuin zu Spandau gefertigt, hat einen konischen gußeisernen Kopf, dann in einer starten Eifenblechhülse 71�- Pfund festgepreßten Pulvers und an der Hülse eine gußeiserne Achse, in die der hölzerne Stab hineingeschoben wird: dies ganz« Geschoß wiegt 38f4 Pfiind, die geladene Rakete für sich 31 Pfund, der Kopf allein 16 Pfund: ein so bedeutendes Gewicht ist durchaus erforderlich, wenn die Rakete mit Aussicht daraus, daß selbst bei schwerem Wetter die Flugbahn dem Ziele entspreche, in die See hinausgeschossen werden soll. Die Kraft des Geschosses zeigte sich noch deutlicher bei einer späteren Probe, bei der es ohne Leine abgeschossen wurde und tfwa 3000 Fuß weit flog..." Unser heutiges Seerettungswesen unterscheidet sich von dem, das man vor achtzig Jahren hatte, eigentlich nur durch eine be- deutend vergrößerte und verbesserte Organisa- t i o n, die technischen Hilfsmitel haben sich nicht allzu stark ver- ändert, man ist bei Rettungsboot und Leinenrakete geblieben. In weiterem Sinne zur Sserettung beigetragen hat dann noch vor etwa 12 Jahren ein englischer Erfinder, der sich sonderbarer- welse auch' der Rakete bedient und damit in das Seewefen die fünste Raketensone eingeführt hat. Die anderen sind außer der Schiffsrettungsrakete die Oelrakete zur Wasserberuhigung, die Raketenharpune und die A n k« r r a ke t«, deren Seil kleine Boote durch die Brandung leite!«, alles Anwendungen, die praktisch nicht mehr im Gebrauch sind. � Der englische Erfinder, dessen Name nicht genannt wird, hat nur ein Gegenstück zur ge- wohnlichen Signalrakete erfunden, die H e u l r a k e t e, die durch einen besonderen Mechanismus beim Aufsteigen schauerliche, aber charakteristische Töne von sich gibt und so bei Nebel die Leuchtrakeie vertreten soll. Ob sie aber heute, in der Zeit der drahtlosen Telegraphi«, die das best« Seerettungsmittel darstellt, noch große Verwendung finden wird, kann man wohl bezweifeln. Willy; Lcy. Ufior/ändo/mel Sport am Sonntag Neben den Fußball- und Handballspielen der A r b e i t e r s p o r t l e r nimmt das Daucrfahren der srden Ruderer und Paddler dos größte Interesse in Anspruch. Di« Veranstaltung beginnt um 9 Uhr und führt über die altbewährte Strecke vom Bootshaus des Ruderklubs„Vorwärts"' in Baumschulcnweg bis zur Rohrwallinsel in Köpenick und wieder zurück. 81 Mannschaften, 10 mehr als im vorigen Jahre, beteiligen sich daran. Die Renn- strecke ist sür Ruderer und Kanuvierer 17,5 Kilometer lang, fcir die übrigen Kanufahrer 10 Kilometer. Anschließend findet ein geselliger Abend im Parodiesgarten in Treptow statt. Zuschauer finden beim Ruderverei»„Vorwärts" gute Beobachtungsniöglichkeilcn und Vcr- pflcgung. Di« Rennfahrer von„Solidarität" veranstalten morgen ihr letztes Straßenrennen mit dem Start in Blumberg um 6V2 Uhr. Samineistart ist um 5 Uhr am Königstor in Berlin. Das erste Arbeiter-Ivinler-Schwimmsest in Berlin veranstaltet morgen die„Berliner Schwimmunion" im Stadtbad an der Schillingsbrücke. Eine große Anzahl von Schwimm- und Sprung- koukurreiizen werden den derzeitigen Stand der Arbeiterschwimm- bewegung dartun. Fast aller Berliner Vereine sind am Start. Der Bezirk Neukölln der FTGB. veranstaltet heute, am Sonnabend, und morgen, Sonntag, ein werbespielsest für Jaust., Handball- und hockcyspiele im Stadion.Neukölln. Der Beginn der Veranstaltung ist auf 10 Uhr festgesetzt, sie wird sich bis gegen 16 Uhr hinziehen.— Der Wittenauer Bezirk der FTGB. be- ginnt fein internes Sportfest morgen um 13 Uhr mit einem Umzug durch Wittenau, der im Volkspark Wittenau endet. Dort sportliche Darbietungen aller Art.— Der Arbeitersportverein N e u- k ö l l umbringt morgen aus Platz 2 im Volkspark Neukölln bei einem internen herbstsportsest Spiele, Stafetten, Läufe und Gymnastik. Beginn Ii Uhr. * Auf wassersportlichem Gebiet beansprucht die Herbstmolorboot. regotta des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs auf dem Templiner See bei Potsdam das größte Interesse. Bei der Ver> azrstaltung, die gemeinsam mit dem neugegründeten Deutschen Auto- tlub durchgeführt wird, werden vierzehn Rennen ausgefahren. Der erste Start ist kurz vor 9 Uhr, die Regatta wird 17 Uhr zu Ende sein. Eintittsgeld wird nicht erhoben. Im Hypodrom im Tiergarten findet ein Reitturnier des Reichs- Verbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmblutes statt. Das Turnier beginnt am Sonnabend und am Sonntag um 1314 Uhr. Zur Feier seines Söjährigen Bestehens vereinigt der Berliner Hockeyklub Deutschlands beste Hockeyspieler zu einem Turnier auf seinem Grunewalder Platz. Tlloriendorf bringt am Sonntag in einem abwechslungsreichen Trabrennprogramm u. a. den„Großen Preis von Mariendorf". Die Rennen beginnen um 15 Uhr.— In Karlshorst kommt am Montag u. a. das große Hürdenrennen zum Austrag: Rennbeginn iz 11 hv In der Halle Scharnhorststraße 6/7 steigt am Montag, 20 Uhr, das Herbsterstlingsturnier des Brandenburgischen Boxvcrbandes. pokalkämpse des Freien Keglerbundes. Für die Zwischen- runden treten nunmehr die Gruppen C der beiden Berliner Gaue zum Start an. Die Kämpfe beginnen infolge starker Beteiligung bereits ani Sonnabend, 19 Uhr, und nehmen ihren Fortgang am Sonntag um 9 Uhr. Kampfstätte ist die Sporthalle„Viktoriagarten", Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114. V�xhicUocULV Die ersien Serienspiele/ Auswärtige Gäste in Berlin In der Arbeiter-Handball-Bewegung beginnen morgen die ersten Serienspiele. Die I.Klasse sieht in der Abteilung A folgende Spiele vor: FTGB.-Osten besucht um 15.10 Uhr Velten.' Die besten Aussichten hat hier Velten, aber Osten hat sein« Stütze im Torhüter. FTGB.-Nordring-Turner 1 wird wohl von Eintracht-Mahlsdorf die Punkte mit nach Hause nehmen. Die Mannschaften spielen um 15 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee. FTGB.-Wedding 1 hat um 16.10 Uhr im Volkspark Rchb«rge»Eich«-Köpenick als Gegner und ist hier als sicherer Sieger anzusprechen. In der Abteilung B spielt nur Wedding 2 gegen FTGB.-Sllden 1 um 15 Uhr aus dem- selben Platz. Die Gostmannschaft hat die Punkte sicher. In der 2. Klasse spielen im 1. Bezirk Gruppe A: Baumschulenweg gegen Erkner um 10% Uhr, Kaulsdorf gegen Köpenick 2 um 16 Uhr, Fürstenwalde gegen Adlershof um 15 Uhr. Gruppe B: Obersprce gegen ALE. um 16 Uhr, Wildau gegen Osten 2 um 15 Uhr, Strausberg gegen Stralau um 10� Uhr. Frauen: Gruppe A: Kaulsdorf gegen Köpenick um 15 Uhr, Mahlsdorf gegen Bohnsdorf. viruppe B: Rehfelde gegen Lichtenberg um 14 Uhr, Adlershof gegen Köpenick 2 um OV* Uhr. 2. Bezirk:.1. Gruppe: Rosenthal gegen Pankow um 11 Uhr, Reinickendorf-West gegen Nordost um 15 Uhr. 2. Gruppe: Norden 3 1 gegen Nordring-Turner 2 um 10 Uhr, Bernau gegen Tegel um 15 Uhr. Norden 1 I gegen Nordring- Sportler l.um 16 Uhr. Frauen: Moabit gegen Nordring um li'A Uhr. Tegel gegen Wedding 2 um 15 Uhr. 3. Bezirk: 2. Klasse: Bornstedt gegen Sokol um 16 Uhr, Sokol-Schöneberg gegen Wedding 3 um 10 Uhr. 4. Bezirk. 2. Klasse, 1. Gruppe: Wllmers-.. dorf gegen Süden 2 um 8J4 Uhr. Friedenau gegen Schöneberg 2 um 15.10 Uhr. 2.J3ruppe: Friedenau 2 gegen Teltow 1 um 14 Uhr. Berlin 12 gegen Schöneberg 3 um 16.25 Uhr, Trebbin gegen Zossen um 15 Uhr. Frauen, I. Gruppe: Lückenwald« 1. Abteilung gegen 2. Abteilung um 14 Uhr, Wedding gegen Süden um 9.40 Uhr. 2. Gruppe: Wilmersdorf gegen Süden 2 um 10.50 Uhr. Luckenwolde «portabteilung 1 gegen 1. Abteilung 2 um 13.10 Uhr. Zu Gesellschaftsspielen sind mehrere auswärtig« Mannschaften zu Gaste. Nowawes hat Frankfurt a! d. O. als Gegner in der Priesterstraße, es spielen die Iugendmannfchaften um 13 Uhr. die Frauen um 14.10 Uhr. die 2. Männermannschaften um 15 Uhr und die 1. Männermgnnschaften um 16.10 Uhr. Neukölln hat sich eine Reihe auswärtiger Mannschaften geladen. Auf dem Jnnplatz spielt die Iugendmonnschaft gegen Rote Falken Lands- b e r g a. d. W. Auf dem Platz 6 im Neuköllner Stadion spielen die 3. Männermannschaft gegen Chemnitz 1 um 13 Uhr, die 2. Männermannschaft gegen S t r ö b l i tz 1 um 14.10 Uhr, die gleichen 1. Frauenmannschaften um 15.20 Uhr und die 1. Männer- Mannschaft gegen T 0 r g a u 1 um 16.20 Uhr. RinE und Matte Großkampftag bei Arbeiterathleien Die bundestreuen Arbeiterathleten des 4. Kreises rüsten sich zu großen Kämpfen. In den Sparten Ringen, Boren, Jiu-Jitsu und im Gewichteheben beginnen jetzt die Serien-, Mann- schofts-, H e ra u sf 0 rd« ru n g s- und Klubkämpfe. Den Auftakt zur Winterarbeit gab gestern die überaus rührige „Freie Sportvereinigung Tegel 1899" mit einem Grohkampf- tagilnRingenundBoxen., In den interessanten Ringkämpfen wickelten sich recht harte, finessenreiche Kämpfe ab. Die startenden Vertreter der Berliner Städtemannschaft bewiesen erneut ihre gute Form Bei den Kämpfen d«r 2. Mannschaft behauptete sich bestens guler Nach- wuchs. Besonders die Schüler und Jugendlichen der Ring- und Boxkunst sind mit großem Eifer im Ring und aus der Motte die besten Lehrlinge. Der Boxsport ist heute wohl der von den Zuschauern am meisten geschätzt« Sport. Die Berliner Boxer hoben im stillen viel geschafft, am gelernten gefeilt und verbessert und so zeigten sie gestern eine vollendete Boxtunst. Die Papiergewichte erwiesen sich ebenso schlagkräftig wie die Vertreter der schweren Klassen. Der Federgewichtler Dräger(Saxonia) punktete den Tegeler Pmitke nach hartem Schlagwechsel aus. Der Heroorragende Leicht- gewichtler Schröder(Tegel) erreicht« gegen Gerbich(Saxonia)«inen haushohen Punktsieg. Das Treffen Hocker(Tegel) gegen Kwoczolla (Saxonia) wurde zugunsten von.Hacker gestoppt, ebenso dos Treffen Basiack(Tegel) gegen Oesterreich, ebenso Punktsieger wurde der Tegeler. Im letzten Treffen gewann Master(Lichtenberg) über Jansen(Tegel) durch Aufgabe des Tegelers. Bei den Herausforderungsringkämpfen siegte in der 1. Klasse der Jugendlichen Grask« über seinen Klubkameraden Dalge in 1.15 Minuten. Im Bantamgewicht war Hartmonn(Tegel) über Hoselei(Saxonia) in der dritten Minute erfolgreich. Schumann (Tegel) und.Hanneinann(Saxonia) rangen im Leichtgewicht un- entschieden. Burghardt(Lichtenberg) bezwang Schröder(Tegel) in 6.45 Minuten. Höhne(Tegel) rang im Mittelgewicht mit Bröcker »n ab 4. Ottober jeden«onnadcnd oon 20 di» 22 Uhr im Etädti» sche» Jugendheim, Lehrter Str. 18—!Z, Zimmer 2. Jugendliche sind herzlich will- kommt». � V»ll»t»»zleei» Prenzlauer Berg: Am Dienotag, 7. Oktober, l»>h Uhr, beginnen wir mit einem Auiitngerkursu» in der Turnhalle Eomarchstr. 18, nahe der Hu'-. landslrahc. Wir billen um rege Beteiligung. Bcz>rl,IaetrI>Z. Zre�aw. Nariellsijiunq Montag,>!. Oktober, bei Bamo, Riederschönewride, Hasselwerderftr. 12. 20 Uhr. greie Schwimmer«barlottendnrg 01. Ilcdungsabende Montag» Uhr, Donneroiag» Zill»— 22 Uhr im Bollsiad Nrnmmc Strohe. Milgliedsbllitler sind vorzuzeiaen. ZZck«.«ierteljahresablechnaag aller«alfierer aus Montag, 20. Okloder ver. legt. Dir 7. Nachmeldclistc ist schnellsten» einzusenden. Bis lä. Oktober gebi» alle Bezirke wegrn der Bclicserung mit der Bundesklndcrzeitung ihre» Bestand an Ziindermitglicder» an. Zreicr Spoeioerein ZlcinIckradors.Wlst. Sonn'ag, ä. vlioder. Sternfahrt nach Schijnwalde. Treffpunkte: Frauen, und Iungmadchenadteiluna 7 Uhr Bahnhof Eichbornftraßc. Inger dabteilung 7'h Uhr Bahnhof ornstrahe. Männerabtei. lung 8 Uhr Bahnhof Eichdornstraßc.— Tonnerdtag. 9. Oktober, l»u yj., gitiun« der Tcchn ker nrt den Borturnern und Krelsschnldcsnchern. «artelldczirk Schäneberg-K'iedenaii. Mon'ag, 8. Oktober. Zl> Ubr«tartrll. sihung bei kockigeschurh. Mllhlenftr. 9. T-»ai«.Zlot»rrß. Berlin, Bockevrdteiluag. Sonntag, 8. Oktober S-o-to'ab Ost. LaskerstroKe. Eesclltchaft»spi.l.: IZ Uhr: 1. ffrauenmannschas't u Uhr 1. Männermannschaft. 1414 Uhr: 3. Mannermannschaf!. Nicht eibaeteiN- Mi' glieber kommen um I.VZ Uhr. Mitgliedsbücher mit Photo mitbrinaeo' »!»!»rfr»»nd..Ualtb»aif»heer. Abpaddeln Sonntag. S. OTober»hnias. Wusterhausen—(Erkner. Aufbau>n Rene Mühle. Zahrieiten:"h I« Uhr ab Mr. litzer Bahnhof. 6j8 Uhr ab Rirdcrschöneweide. U0C aa®Är »»zlrtslartell Friedrich» Hai». Montag,«. Oktober l#u»br bei«out Boxhagener Str. 114.«artclllltzung. Lichtbildervortrags Sport und Dvmuast'- im Wandel der-leiten!" Gäste-rillkommen. � Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- und Sierbekasse für das Deutscfiae Reick Crsatzkassae Im Jahre 10S4 äetf rCSnde* die Versicnerungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet — oms�WCrwoMlS— g: PcrMi— W aMh OrwsienlSlM'glcr Str. und 300 Verwaltungsstellen im Reich 4