BERLIN Dienstag 2. Oktober 1930 erscheinttigkichauberGonntas». Zugleich Abendausgabe de«.Voririrtt'. Bezugspreis beide Ausgaben 85Pf. pro Woche, S.SOM. pro Monat. Redaktion und Lppedition; Berlin SW 68, ZiodenKr.» 10 Pf, Nr. 470 B 234 41. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« «o Ps., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. »ostscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 275ZS. Fernsprecher: Dönhoff sss bis W7 Oer Seekadett macht Politik Cin Treviranus-Interview: Ausschaltung des Reichstags- Oeffentliche Arbeitspflicht!- Amtlich wird zurückgepfiffen! Der R-iehsminist« Treoiranus hat der„United Preij" ein Interview gewährt, dessen Inhalt aber so merkwürdig ist, daß man kaum glauben möchte, ein deutscher Reichsminister könnte so wenig von den deutschen Gesetzen wissen, wie es Herr Treviranu« bei dieser Gelegenheit bezeugt. Er sagt«, di« Regierung beabsichtige, den Reichstag bo» Mitte November bis Mitte Mär, in die Ferien z» schicke», um während dieser Zeit ohne Parlament zu regieren. Nun kann ober im Gegensatz zur Katserzeit der Reichstag der Deutschen Repu- blik sich nur selber vertagen, die Regierung hat gor kein Recht dazu, ihre Bertagungsordre war« unwirksam, sie kann ledig- lich den Reichstag auslösen. Das mühte eigentlich auch einem lang- jahrigen Rcichstagsmitglied und jetzigen Reichsminister bekannt sein! Weiter erzählte Treoiranus, das Kabinett habe in der ver- xangenen Woche beschlossen, zur Minderung der Arbeitslosigkeit die Arbeitspflicht einzufsihren, und zwar fsir die öffentlichen Betriebe, nicht aber für Privatunter. nehmungen.• Selbstverständlich kann ein rechtsbürgerlicher Politiker nicht daran denken, den Fabrik?, und Bergwcrksherren einen Zwang zur B«- schästigung von Arbeitern aufzuerlegen! In den öffentlichen Betrieben sollen die Zwangsorbeiter 100 Mark Monats» lohn erhalten, also ungefähr ebenso viel wie die Arbeitslosen- unteistützung betrog«. Ewig einverstanden! Zu dem von der„United Prch' veröffentlichten Interview mit Reichsminister Treoiranus loht der Minister folgendes er- klären: „Ich habe in einer Unterredung, die Mr. Kuh von mir erbat, verschiedene in der deutschen Oessentlichkcit diskutiert« Möglichkeiten über die innenpolitische Entwicklung Deutschlands erwähnt. In der Wiedergabc stnd einige dieser Möglichkeiten irrtümlich als Pläne der Rcichsregierung bezeichnet." 47 Opfer eines JilmbrandeS Das Todestino von Astrachan. Astrachan, 7. Lktober. Bei einer Filmaufführung hier brach Feuer aus. 17 Personen, darunter mehrere Rinder. kamen um, 14 trugen schwere Brandwunden davon. Solidarität. (Sozialdemokratischer Oberbürgermeister und Erwerbslose. Magdeburg. 7. Oktober.(Eigenbericht.) Der Magdeburger Oberbürgermeister Beims,«in alter Sozialdemokrät, hat angesichts der großen Not aus seinen privaten Mitteln dem städtischen Wohlfahrtsamt monatliche Beiträge in Höhe vonjeSOOMark für die Speisung der Magdeburger Erwerbslosen überwiesen. Stahlhelm flieht in Synagoge. Auch ein Nachspiel zum Stahlhelmtag. Frankfurt a. M., 7. Oktober.(Eigenbericht.) In Frankfurt flüchteten am Montagabend Stahlhelm- l e u t e, die von Kommunisten verfolgt wurden, i n d i« Sy n a. zog« und baten die Juden, die zum Gottesdienst oersammelt waren, um Schutz, der ihnen auch gewährt wurde. Eine Gruppe von 40 Stahlhclmleuten aus Schleswig-Holstein, die am Koblenzer Stahlhelmiag teilgenommen hatten, und auf der Rückfahrt in einer Frankfurter Apfelweinwirtschaft ausreichend ein- gekehrt war, wurde, als sie dos Lokal verlieh, von etwa 100 Kommunisten verfolgt. Es kam zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlauf zwei Stahlhelm«! verletzt wurden. ii' k in Aus dem Inhalt: Komniunitiüche Streiksfa-aiegie..... Seile 2 Wie wählten die Berlinerinnen? Seite 3 Sireith&mer und Zanks h-afjcn..... Seile 3 Epilog zum Bezirkstag........ Seite 4 Gefahren der Buchungsmaschine.... Seite 5 Ein Teil der Stahlhclmer slüchtete in die Synagoge. Es entstand dort zunächst große Unruhe? als man aber den Sachverhalt hörte, wurden die Stahlhclmer von den, Pförtner in einen Saiten- räum geführt und dort versteckt. Schließlich eist« das Ueberfall- kommondo mit. zwei Autos herbei und befreite die Stohlhelmer. Ein Kommunist wurde oerhastet. Nazitreiben auf der v-Bahn. Den Nationalsozialisten ist der Sieg, den sie bei den letzten Wahlen erringen konnten, in den Kops gestiegen. Täglich lausen auf unserer Redaktion Meldungen über Schlägereien ein, a» denen Hitler-Anhänger hervorragend beteiligt sind. Neuerdings verlegen die Herrschaften den Schauplatz ihrer Tätigkeit auch iu die Untergrundbahn. Wie uns gemeldet wird, griffen die Rowdys gestern etwa gegen 11 Uhr ziidisch aussehend« Fahrgäste tätlich an. So wurde in dem Hochbahnzuge zwischen Gleisdreieck und Bülowstrahe ein Drogist Erich Zander nieder- geschlagen, so daß er auf dem Bahnhos Bülowstrahe verbunden werden mußte. Die Hitler-Leute entzogen sich wie üblich durch schnelle Flucht der Verantwortung. Der Niedergeschlagene trug erhebliche Verletzungen im Gesicht davon. Ein ähnlicher Fall hatte sich etwa ein« Viertelstunde vorher aus dem Bahnhos 5? alles che« Tor ereignet, wo«in angcbliästr Kommunist niedergeschlagen wurde. Die Hakenkrcuzler ver- prügelten ihr Opfer und warfen es die Treppe hinunter. Sic hinderten außerdem noch das herbeieilende Bahnpersonäl, dem tleber- fallenen beizustehen und erklärten, daß sie ihn niedergeschlagen hätten, weil er: Hoch Moskau! gerufen hätte. Nachdem bekannt wurde, daß Polizei alarmiert sei, konnten die Täter auch hier flüchten. Gehattsabbau auf Welle 473 Oer Westdeutsche Rundfunk als Scharfmacher Wie heut« im„Vorwärts" bereits kurz mitgeteilt, sind s ä m t- tiche Angestellten, des Westdeutschen Rundfunks, vom Inten- danten bis zur Putzfrau, gekündigt worden, um ihre Gehälter abzubauen. Die soziotdemokratifch«„Rheinische Zeitung" vom 6. Oktober beschäftigt sich mit diesem skandalösen Vorgehen des Auf- sichtsratsvorsttzenden Generaldirektor Baurat T o r m i n in Münster und schreibt dazu: „Ueber die tieferen Gründe des diktatorischen Verfahrens werden alle möglichen Gerüchte weitergetragen. Bon den einen wird vermutet, daß es sich um einen vorbereitenden Das kranke Europa BrignJ- v.Hi' .Seii 1914 habe ich mich nicht so schlecht gefühlt/ Schritt zur Durchführung eines rücksichtslosen Gehaltsabbaues handle. Andere wiederum sind der Auffassung, daß Herr Baurat Tormin einen seit längerer Zeit schwebenden Streit mit der Reichsrnndfunk- gesellschast jetzt aus dem Rücken der Angestellten austragen wolle. Die Reichsnmdfunkgesellschaft weiß nämlich gar nichts von dem Schritt des Herrn Tormin. Aber man weiß, daß sie Einspruch erhob gegen den von Herrn Tormin in Angriff genomcnen Neubau eines großen Senderaumes in Münster, der denjenigen der Kölner Zentrale an Ueppigkeil weit übcrtrejfcn sollte. Die„Rheinische Zeitung" verlangt dann' auf folgende Fragen eine unzweideutige Antwort: „1. Wie kommt es, daß nicht die verankwortliche Sendeleitung, sondern der dem Betriebe ganz fernstehende Lorsigende des Auf- sichtsrats eine derartige Generalkündigung anbefiehlt? Wir ver- langen die Beantwortung dieser Frage, weil uns im Wirtsch-afls- leben ein derartiges Vorgehen bisher niemals bekannt geworden ist. 2. Hat der gesamte Anssichtsrat den Vorsitzenden mit einer solchen Vollmacht versehen? 3. Ist sich der Zlussichtsratsvorsitzend« darüber klar, daß seine Maßnahme zu einer schweren Erschütterung der'Arbeit des We st deutschen Rundfunks führen muß, der eine cmpfiMiche kulturelle und künstlerische Apparatur darstellt und nichr auf eine Stufe gestellt werden kann mit irgendeiner Branchenkiindi- gung in der Jndusttie? 4. Wie stellen sich die Vertreter der Mehrheit des Aktienkapitals des Westdeutschen Rundfunks, der ein gemischtwirtschaftliches Unter- nehmen mit einer Mehrheit des Staatskapitals ist, also die Reichs- funkgesellschaft, zu diesen Maßnahmen? Handelt es sich doch um den zweitgrößten deutschen Sender, dessen innerer Betrieb die Reichs- funkgesAlschaft unmittelbar angeht. 5. Wie stellt' sich der K u l t u r b c i r a t d e s Westdeutschen Rundfunks zu dieser Masjenkündigung? Da sie dos gesamie Personal, einschließlich des Iytendanten betrifst, so wird dadurch die Programmgestaltung gefährdet. Was gedenken vor ollem die Ver- treter des Reiches und Preußens im Kulturbeirat zu tun?" Die Gewerksckzasten haben sich bereits der Rundfunkaiegestellton angenommen. Die Hörer des Westdeutschen Rundsunks, vor ollem die Arbeiterhörer, die mit ihren Rundstinkgebühren das Unternehmen stützen, sind mit Recht über dieses unsoziale Borgchen empört. Es muß verlangt werden, daß die R e i ch s r u n d s u n k g e s e l l s ch a f t. die in der Westdeutschen Rundfunk-A.-G. ausschlaggebend ist, und das R e i ch s p o st m i n i st e r i u m. dos wiederum mit Mehrheit in der Rcichsrundfunkgesellschast vertreten ist, umgehend in diese» Konstikt eingreifen und den Generaldirektor Tormin. wenn er den Konflikt heraufbeschworen hat, gehörig in die Schranken weisen. ä)as glugsEeug tBerlin-lVien das aus noch unaufgeklärten Qriinden über dem äOresdenerZhigplalz abftiirale Kommunistische Gireikstrategie Die Metallarbeiter sollen aus den Betrieben geprügelt werden Etwa vier Seiten widnvt die„Rote Fahne" heute dem Lohn- konfllkt In der Berliner Metallindustrie. Und was ist der Anlaß dazu? Am Sonntag ist in einem Kino im Norden Berlins eine „Metalldelegierten-Konferenz der Revolutionären Gewerschasteoppo- sition gewesen, die sich mit der Borbereitung des Streiks In der Berliner Metallindustrie durch die KPD. beschäftigte. In einem Kino tagte man: die ganze Veranstaltung wurde eine„revolutionäre" Kinovorstellung. 407 Delegierte haben noch dem Bericht der„Roten Fahne" daran teilgenommen, wovon SO Vertreter der Stempelstellen waren und die Betriebsdelegierten 120 von den 280 VBMJ.- Be- trieben„vertraten", d. h. nicht die Gesamtbelegschaften dieser 120 Betriebe, sondern den Anhang der revolutionären Gewertschasts- bewegung daraus. 266 Delegierte sollen sogar gewerkschostlich or. ganisiert gewesen sein. Was ist nun von diesen„Delegierten" auf Befehl der KPD. beschlossen worden? Am Tage des Lohnabbaues sollen die Ber- liner Metallarbeiter unter der Fiihrung der KPD. geschlossen in den Streik treten. So ganz sicher war man sich aber darüber noch nicht, ob das Gros der Berliner Metallarbeiter, vor allem aber die freigewerkschaftlich organisierten, die Arbeit niederlegen, wenn es gerade der KPJL in den Kram paßt. Aber auch für diesen Fall ist Vorsorge getroffen worden. Zunächst wer- den einmal betriebliche„Kampfausschüsse" gebildet. Im gegebenen Augenblick rusen die„roten Betriebsräte und Vertrauensleute" Be- triebsoersammlungen auf dem Fabrighof ein, in denen sofort über den Streit abgestimmt wird, natürlich nur durch chandauf- heben. Ziveidrittel- oder Dreiviertelmehrheiten, wie sie die Ge- werkschaftsstatuten für einen Streikbeschluß vorsehen, gibt es selbst. verständlich nicht. Wo die Sache mit den Betriebsversammlungen und anschließen- den Arbeitsniederlegungen nicht klappen sollte, ziehen die streik- willigen Belegschaften einzelner Abteilungen durch das ganze Werk, um die noch nicht„streikreifen" Arbeiter zum Anschluß an die Be- wegung zu gewinnen, was wohl richtiger heißen soll: zum Anschluß an die Bewegung zu prügeln. Zu Verhandlungen mit den Betriebsleitungen ist natürlich nur die kommunistische Streikleitung„autorisiert". Ganz besonderer Wert ist auf die„Mithilfe" der Er, werbslosen gelegt. Sie sollen vor den Betrieben, in denen noch gearbeitet wird,„Spalier bilden, um die Kollegen zur Ein- reihung in die Streikfront zu bewegen". Bei dem wilden Streit bei Dr. Paul Meyer oersuchte man, die Nichtstreikenden auch durch Erwerbslose zu gewinnen, indem man ihnen nachstieg und sie hinterhältig überfiel. S p r e ch ch S r e vor den Betrieben, IAch.- Suppen und vor allem Sayimellisten sind ebenfalls vorge- sehen. Das ist nur ein kleiner Strauß von Blumen aus dem tommu- Nistischen Streikstrategiegarten. Ernst zu nehmen ist dieses Wortge- bimmel nicht. Es lst möglich, daß die KPD. versuchen will, mit den Berliner Meiallarbeitern ein solches Dobanquespiel zu treiben. Die Berliner Metallarbeiter haben aber so viel gesunden Menschenverstand, den unterverontwortlichen kommumstischen Ratten- sängern nicht zu folgen, die mit ihren wahnsinnigen Parolen schon Tausend« von Arbeitern in, Elend gestürzt und dadurch die Front der Unternehmer nur gestärkt haben. Di» Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern und der gesamten Arbeiterschaft verantwortlich sind, werden gemeinsam mit der organisierten Arbeiterschaft sich von diesen revolutionären Mätzchen nicht beirren lassen, sondern den Weg gehen, den sie im Interesse der gesamten Meiallarbeiter und-arbeitcrinnrn für den richtigen holten. Dunkel um die Lustschiffkatastrophe 46 Leichen geborgen— Lleberführung nach England Raubmord an der Geliebten? Sensationsprozeß Bauer in Wien. Wien. 7. Ottober. Unter großer Anteilnahme des Publikums begann heule der Prozeß gegen den Kaufmann Gustav Bauer wegen Mordes an seiner Gellebten. In, Juli 1928 fand man im Lainzer Tiergarten die Leiche e i n e r F r a ii. Die Polizei stellte fest, daß die Frau einen tödlichen Schuß erholten und der Marder den Versuch gemocht hatte, sein Opfer durch Verbrennung unkenntlich zu machen. Ferner deutete der Umstand, daß bei der Toten nur ein Annband gefunden wurde, auf R a"u b m o r d hin. Erst nach einem Jahre wurde die Leiche als eine Frau F c l l n e r, geb. Schäftner, fest- aestellt. Daraufhin wurde im Juli 1929 ihr geschiedener Gatte in Abazzia in Italien verhastet. Er konnte aber nachweisen, daß er am Tage des Mordes von einem Arzt in vderzo behandelt worden war. Die weitere Untersuchung ergab, daß sich die Ermordet« mit einen« Füllfederagenten Bauer getroffen Hobe. Bauer wurde in Berlin verhaftet und gab nach längerein Leugnen die Zusammenkunft mit Katharina Fellner am Mordtag« zu, jedoch be- müht« er sich, für den Zeitpunkt der Tat ein Alibi zu bringen. Aus dem Berliner Polizeigefönonis versuchte er Kassiber an seine Wiener Angehörigen hinauszuschmuggcln, in denen er um die Konstruktion eines solchen Alibis bat. Bauer hatte ferner nach dem Morde verschiedentlich Gold verkauft und auch Schmuckstücke verschenkt, die einwandfrei als Eigentum der Ermordeten erkannt wurden. Auch einen der' Ernwrdcten gehörigen Nerzmantel hat er durch seine neue Geliebte verkaufen lassen. Die Gutachten der Psychiater bezeichnen de» Angeklagten als äußerst intelligent und geistig normal und lehnen eine Sinnesverwirrung zum Zeitpunkt der Tat ab. Der Zlngeklagte Bauer wurde aus der Untersuchungshaft vor- geführt. Nachdem der Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrat Dr. Wil- Helm, die Verhandlung eröffnet hatte, entspann sich eine Aus- cinandersetzung zwischen dem Verteidiger und dem Staatsanwolt Ober die Zulassung des Mannes der Ermordeten, Andreas Fellncr, nls Privatbeteiligten, der mit zweieinhalb Jahren Kerker vorbestrast ist. Der Gerichtshof beschloß, Andreas Fellner als Privatbeteiligten zur Verhondstmg zuzulassen. Darauf begann die Verlesung der umfangreichen Anklageschrift. Gegen den Lohnabbau. Entscheidung der oberschlesischen Bergarbeiter. L e u t h e n. 7. Oktober. Eine Revierkonsercnz de» Verbandes der Vergbauindustrie- arbeiler Deutschlands nahm zu dem Schiedsspruch für den ober- schlesischen Steinkohlenbergbau und Erzbergbau vom Z. Oktober Stellung. Der Schiedsspruch für den Steinkohlenbergbau, der die Beibehaltung der bisherigen Lohntaseln bis 31. Januar 1931 unkündbar vorsieht, wurde einstimmig angenommen, während der in der gleichen Sitzung vom Z. Oktober vom Regierung,. rat Pros. Dr. Brahn gefällte Schiedsspruch für den Erz. bergbau. der im wesentlichen die bisherigen Löhne vorsieht und nur für zwei, unter ganz besonder» ungünstigen Bedingungen leidende Erzgruben, abgesehen von den geringst bezahlten Arbeit- nehmern. eine Ermäßigung von 4 proz. feststeht, ebenfalls ein. stimmig abgelehnt wurde. Giahlhelmecho in Paris. Zurückziehung der Kredite angedroht. Paris, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Die Stahl Helm parade in Koblenz hat ein wütendes Kesseltreiben gegen die Aerständigungspolitlk zur Folge gelabt. Die französischen Nationalisten begnügen sich heute nicht mehr damit, den 51 o p f Brtands zu verlangen und nach neuen Rüstungen zu schreien. Mehrere Blätter fordern die Regierung auf, allen französischen Banken die sofortige Zurückziehung der nach Deutschland gegebenen Kredite zur Pflicht zu machen. Es sei glatter Paterlandsverrat, schreibt Leon Daudet in der„Actio» Franeaise", daß die fron- zösische» Banken es wagten, mit ihren Depositengeldern die Kriegs- Vorbereitungen in Deutschland zu finanzieren. Die Ursache dieser mit verdoppelter 5)estigkeit geführten Kampagne dürste In gewissen Gerüchten zu suchen sein, wonach der Ab- schluß einer großen französischen Kreditoperation zugunsten des Reiches in Paris zur Verhandlung steht. So berichtet z. B. der„Paris Midi" am Montag, daß eine Aussprache, die am Freitag zwischen Tardieu, Briänd, dem Finanzminister Reynaud mch dem Direktorium dir Bank von Frankreich stattgesunden hat, Projekten der angegebenen Art gegolten habe. Man habe daran gedacht, einen kurzfristigen, gegen politischen Besserungsschein immer wieder zu erneuernd?» Kredit bei den französische» Privatbanken nuszunehmen, uud ihn durch die Aermittlung der BIZ. dem Reich zuzuführen. Schon bei der Genfer Völkerbundstagung fei es zwischen Briand, Handelsnnnister F l a n d i n und dem Reichs- nußenminister Curtius zu Verhandlungen darüber gekommen, auf die Eurtius in seiner" Rede am Tag« nach der Reichstagswaht unzweideutig angespielt habe. Bluiige Spanienunruhen. Kommunisten suchen Gewerkschafishaus zu stürmen. pari«, 7. Ottober. Wie aus Spanien gemeldet wird, kam es am Montag in Bit- b a o zu blutigen Aufruhrszenen. Eine Abteilung Kommunisten hatte ein Waffengeschäft überfallen und daraus sämtliche Giiwehre geraubt. Die bewaffnete» Demonstranten versuchten sich in einem Vorort zu verschanz»» und die Arbeiterschaft durch die Proklamation des Generalstreiks zu mobilisieren. Als die sozialistischen Gewerkschaften gegen diese ivtaßnahme Stellung nahmen, wollten die Kommunisten einen Sturm auf das sozialistische G e w« r t- s ch q f t s h a u s unternehmen. Die Polizei trat ihnen jedoch ent- gegen. Es kam zu einer mehrstündigen Schießerei, �in deren Ber- lauf«in Kommunist getötet, vier andere schwer und zahlreiche leichter verletzt wurden. 17 bewaffnete Kommunisten wurden ver- hostet. Mehrere Häuser, aus denen auf die Polizei geschossen wor- den war, sind militärisch besetzt worden. Verlobung Sosio-Rom. Amtlich verlautbart, daß die Verlobung Konig Boris mit der italienischen Prinzessin Givvanna vollzogen wurde. Die angeblich in Kürze bevorstehende Heirat ist ein Sinn- bild dafür, daß Bulgarien völlig ins saschistijche Kielwasser geraten ist. j Paris, 7. Okiober. Die englischen und französischen Sachverständigen sind immer noch mit der Untersuchung der Katastrophe von „E 101" beschäftigt. Ihr Bericht soll in etwa zwei Tagen herauskommen, aber jetzt schon ist die Mehrzahl der Sachverständigen darüber einig, daß die wahre Ursache des Un- glück» in einem Bruch des Tiefen st euers gelegen habe. Durch den starken Regen sei das Lnstschiff noch beson- Urs beschwert gewesen, so daß es in einem bestimmten Augenblick dem Jührer nicht mehr möglich gewesen sei. die erforderliche Höhe zu erreichen. Am Montag spät abends empfing der Leiter der englischen Untersuchungskommission, Major Holt, in Beauvais Mitglieder der Presse, um über den Fortgang der Nachforschungen zum Un- glück des Luftschiffes„R 101" Auskunft zu geben. Er beziffert die Zahl der geborgenen Leichen aus 46. nicht, wie erst angegeben war. aus 47. Der Irrtum ist nach Major Holls Zlngaben daraus zurückzuführen, daß man eine Leiche, die durch den Brand in zwei Teile zersallen war, in zwei Särge legte statt in einen. Durch die Aufklärung wird die Annahme hinfällig, daß an Bord de? Lustschi fses«in blinder Passagier war. Major Holt gab die Namen der fünf neu identifizierten Leichen bekannt, und zwar handelt es sich um Black, King, Statt, Rudd und Sergeant Potter. Der Versuch, auch die noch übrigen Leichen zu identifizieren, wird in London wiederholt werden. Die Särge werden heute auf Lafetten aufgebohrt und vom Rathaus in Beauvais nach dem Bahnhof übergeführt werden, wo ein Sonderzug bereit steht. Ministerpräsident Tardieu wird an dem Trauerzuge vom Rathause bis zum Bahnhof teilnehmen. Die militärischen Ehren werden durch Truppen der Garnisonen Beauvais, Compiögnes und Senlis erwiesen. Um 12 Uhr wird der Sonderzug den Bahnhos mit Bestimmung Boulogne-sur-Mcr oerlassen, geleitet von'einem französischen Flug- zeuggeschwader von 40 Apparaten. Di« Ueberlebenden der Kala- strophe, die nicht im Hospital bleiben müssen— das sind W h a t, Wing und Bell— werden denselben Zug benutzen. Nach An- kunst des Zuges in Boulogne um 4 Uhr nachrnitags werden die Särge an Bord der englischen Torpedobootszerstörer„Tempest" unh„Cedule" übergeführt und nach England gebracht. Aus die Frage nach den Ergebnissen der technischen Untersuchung weigerte sich INajor holt zu antworten. Er erklärte nur, daß die Arbeiten sehr langsam und schwierig sein werden. Aufhebung des Heliumausfuhrverbots? New park, 7. Oktober. Wie aus Washington gemeldet wird, hat Britten, der Vor- sitzende des Manneausschusses des Repräsentantenhauses, den Vor- schlag des Konteradmirals Moffett befürwortet, der, wie gemeldet, angeregt hat, im Hinblick auf die Katastrophe der„R 101" Im Interesse der Sicherheit der Luftfahrt das Ausfuhrverbot für Helium gas aufzuheben. Schwere Zusammenstöße in Lissabon. London. 7. Oktober. Ein aus Lissabon hier eingegangenes zensiertes Telegramm besagt, daß es in der portugiesischen Hauptstadt gestern am Jahres- tage der Ausrufung der Republik zu schweren Zusammenstößen im Verlauf zahlreicher Demonstrationen gekommen sei. Ueber 50 Per. son?n seien verletzt worden, 24 davon schwer. Di« Polizei habe eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen. Parteigenossen! Volksbühnenmitglieder! heule Rlitgliederversammlungen besuchen. Wahlvorschlag Dauberl— Böhme unterstützen. krach nach einer hiller-Versammlung. In Frankfurt am Main tam es nach einer Hitlcr-Versammlung in der Frankfurter Festhalle zu einer schweren Schlägerei zwischen Notionatzozialisten und Kam- nmnisten. Die Polizei wurde von den Kommunisten mit Siemen beworfen und machte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch. Die Menge wurde mit Gewalt auseinandergetrieben. Ein Mitglied der Nationalsozialistischen Partei wurde verhastet, weil man in seinem Besitz eine Armeepistole vorfand. Deutscher Arbeiler-Sänger-Bund, Gau Berlin. Die Arbeiter- sängcr, die am Sonntag, dem 12. Oktober, an der K u n d g e b u ng der Sozialdemokratie teilnehmen,. treffen sich am Sonnt« g, pünktlich 1354 Uhr(l'/i Uhr), an der S ch l o ß t e r r a s s« i m L u st- garten. Es wird gesungen: Sturm, Gesang der Völker, Tord Foleson. Zahlreich« Beteiligung wird erwartet. CIchwalde. Mitgliederversammlung Mittwoch, 8. Oktober, 20,30 Uhr, im Lokal Lindner, Bahnhafstroße. Thema: Welch« Folge- rungen ziehen wir aus der Reichstagswahl. Referent: Genosse Anton Reißner, M. d. R. Der Vorstand. Wetter für Berlin: Zeitweise aufklarend und ziemlich kühl, keine erheblichen Niederschläge. Abslauende Winde aus westlicher Richtung.— Für Deutschland: Ueberall kühles und noch vorHerr- schenö wolkiges Wetter. Im Nordosten noch einzelne Regenschauer. Wie wählten die Berlinerinnen? Jedenfalls besser als die Männer!— Bei den extremen Parteien am wenigsten Frauen- Geringere Krauenverluste der Sozialdemokratie Die lehle Reichxlagsnmhl hat durch die Art der Ab- siimmung und höhe der vcleiligung der Wähler viele Uebec- raschunge» gebracht. Wie weil die weibliche Mehrheit der Wählerschaft zu den Ueberraschungen der Wahl bei- getragen, die politischen Tendenzen der Wählerschaft im all. gemeinen verffärtt oder ihnen entgegengewirkt hat, läjzt sich seht einigermaßen an Hand einiger Wahlergebnisse van Slädken beantworten, in denen nach Geschlechtern gelrennt abgestimmt wurde. Di« Untersuchung der für die Parteien abgegebenen weiblichen Stimmen zeigt, daß der Einfluß der Kirche auch jetzt noch ?ine große Rolle spielt. Der Einfluß der katholischen Kirche wirkt sich beim Zentrum und der Einfluß der protestantische» Kirche hauptsächlich hei den Deutschnationalen in einem stärkeren Uebergowicht der Frauenstimmen aus. Dies wird besonders deutlich bei einem Vergleich des Berliner Wahlergebnisses mit dem Frankfurts und Kölns. Im katholischen Köln ist der Anteil der weidkchen Stimmen beim Zentrum am stärksten. Im protestantischen Berlin nehmen die Deutschnationalen diesen Platz ein. Prozentsatz der weiblichen, für jede Partei abgegebenen Stimmen. Zentrum...... Deutschnationale.,.. SPD........ NSDAP....... KPD........ Im ganzen sind aus den Reihen der früheren Nichtwähler dies- i»al in erster Linie di« weiblichen aktiviert worden. Während sich die Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen bei den Männern gegenüber der Reichstagswahl von 1928 nur leicht, von 83,? Proz. auf 83,8 Proz. der Stimmberechtigten hob, ist im gleichen Zeitraum bei den weiblichen Wählern eine Zunahme von 75.1 auf 78, S proz. zu verzeichnen. Aber es haben von der stärkeren Beteiligung der weiblichen Stimm- berechtigten in erster Linie die Nationalsozialisten profitiert. Während sich ihre männlichen Wähler knapp perachtsachten. haben sich Ihr« weibltchen Wähler mehr als v c r z e h n f a ch t Di- Verschiebung der Stimmen in B e r l i n ist aus der folgenden Tabelle zu ersehen: -f Zunahme und— Abnahme der Stimmen September 1339 gegenüber der Reichstagswahl 19Z8 in Proz. bei den männ- bei den njeib- ltchen Wöhlern lichen Wählein 1- Nationalsozialisten... 793,9+1060,2 2 Kommunisten.....+ 21,0+ 20,9 3 Zentrum....."..+ 17,4+ 20,1 4. Wirtschaftspartei....~ 2,4+ 1,6 5 Sozialdemokratie....— 11,4— 7,3 6. Deutschnationale....— 24,6 17,1 7, Dtsch Staatspartei(Dcmok)— 24,5— 23.1 8. Deutsche Dolkspartei... 43,6—. 33,3 Bei der Sozialdemokratie hoben also di« weiblichen Wähler- stimmen nicht in dem gleichen Umfang« abgenommen wi« die mann- lichen. Im Gegensatz dazu ist bei den Kommunisten die prozentual« Steigerung ihrer weiblichen Wähler ebenso hoch wie die ihrer männlichen Wähler. Gemessen an dem Anteil her Parteien an ab, gegebenen gültigen weiblichen Stimmen steht chie Sozialdemokratie niit 399 200(27,6 Proz.) jedoch noch anerster Stelle, die Kom- munisten nehmen hier mit 346 845 weiblichen Stimmen(24 Proz.) die zweite Stell« ein. Bei den bürgerlichen Mittelparteien ist ähnlich wie bei der Sozialdemokratie, der Schwund der weiblichen Stimmen geringer als der männlichen: Von 100 in Berlin abgegebenen Stimmen waren weiblich: Skichslagsmahl Aommunalwahl Reichstae�wahl 193i) 1929 1923 . 1. Zentrum...... 61,5 62,1 63,0 2. Deutschnotionale... 61,0 59,5 58.8 3. Deutsche Bolkspartei.. 58,8 56,3 54,8 4 Sozialdemokrale»... 54.1 52.5 53.1 5. Staatspartei(Demokrat.) 53,1 52,1 52,6 6. Nationalsozialisten.. 51,6 46,9 45,1 7 Kommunisten.... 46,9 45,6 46,9 Die extremen Parteien haben noch immer am wenigsten Frauenstimmen, am meisten die bürgerlichen Mittelparteien ein- schließlich der Deutschnationalen. So sind die Wählerinnen die stärkst« Stütze der reaktionären Parteien. Eine groß« Aufklärungsarbeit ist noch von uns zu leisten, um die breit« Mass« der Frauen davon zu überzeugen, daß es nichts nutzt, ander« Zustände nur herbeizusehnen. Gerechtere sozial« und wirlschastliche Zustände müssen erkämpft werden. Es gilt, der Front der Kapitalisten in der Sozialdemokratie ein« gefchlosien« Front der Arbeiterschaft entgegenzustellen, die für ein besseres Diesseits kämpft und sich nicht aus ein Jenseits vertrösten läßt. Käthe Kern. Terror von Glaskartellen. Die deutschen preise hoch, hoch, hoch! Wir lesen im„Montag Morgen": „Im Zeichen des von der Regierung Brüning proklamierten Preisabbaus sandte der.Verband des deutschen Flachglas- Großhandels' an seine Mitglieder folgendes Schreiben: „Es wird uns berichtet, doh bei einem Spiegelglasobje't über 6 Stück 280 mal 200 Zentimeter, 6 Stück 279 mal 198 Zentimeter des Kaufhauses Maß in Bad Driburg(Malermeister Josef Zahn, Bad Driburg) die Listenpreise erheblich unterboten worden sein sollen. Wir sperren hiermit das Objekt! Für den Fall, daß Ihnen die Lieferung tiefes Objekts übertragen worden ist, sehen wir Ihrer umgehenden Mitteilung entgegen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Nichtmeldung der chercinnahm« des Auftrages und die eventuelle Lieferung nach Eingang dieser Mitteilung als Kontravention besonders scharf geahndet werden wird." Ist es ein Wunder, daß bei solchem Terror der Kartelle die Preise in Deutschland nicht sinken? chcrr Brüning hat nichtsdcsto. weniger in seinem großen Programm mit keinem Worte verlauten lassen, was er gegen die Kartelldiktatoren und ihre Parole.D i« deutschen Preise hoch, hoch. Höcht' zu unternehmen ge- denkt." Weibsteufel in Böhmen. Den Mann im Schlaf mit der Axt erschlagen. In B o d i s ch bei Braunau in Böhmen wurde der 52iä?rise Landwirt Josef D e u s e, ein angesehener Mann, im Bette er- mordet ausgefunden. Der Kopf war nur eine unkenntliche Mass« und mit einer Axt so zugerichtet. Aus einem Schranke fehlte wert- volle Wäsche, so daß man an Rauh dacht«. Zunächst wurde der esohu als der Täter oerhaftet. Inzwischen aber hat di« nachträglich verhastete Gattin des Deuse ein Geständnis abgelegt. oic hat den Mann im Einvernehmen mit der Tochter selbst ini Schlafe mit d c r Ll x t erschlagen, um sein Geld zu erholten. Sic hatte eben wieder einem Sohne 4000 Kronen zugesteckt, worüber rs Streit gab, da der Mann die Wirtschaft schuldenfrei gemacht hatte. Die Wäsche wurde am Boden versteckt gesunden. Die Mär- derin, Philomena Deuse, war seelenruhig, fütterte ihr Vieh und zuckte aus die Frage nach dem Mörder nur mit den Achseln, was den ersten Verdacht gegen sie wachrief. Die epidemische Wondelenkzündung. die Im Strafgesäng- nis Tegel kürzlich ausgebrochen war, ist erloschen. Die Sperre für Besuche und Neueinlieferungen von Gefangenen wird mit dem heutigen 7. Oktober ausgehoben. Sämtliche Erkrankungen sind gutartig verlaufen. Rettet das Gphraim-palais. Bei dem beabsichtigten Neubau der Mühlendamm-Schleuse soll auch das Ephraim-Palais an der Poststraße zerstört werden, und dies war« ein« so unerhörte und zudem völlig oermeidbare Barbarei, daß Mogistrat imd Stadtverordneten«in ernsthaftes Wort des Be- denkens zugerufen werden muß. Wir wollen ruhig annehmen, daß die Schleusenerweiterung not- wendig ist, um die 1000-Tonncn-Schisfe Berlin passieren zu lassen. Diese Schleuse scheint, l,ach den vorliegenden Berechnungen, allein die Stadt Verlin mindestens auf 11 Millionen zu kommen. Immer- hin: es kommt Geld und Arbeit unter die Leute und das haben di« Beteiligten all« sehr nötig, auch die Erd- und Wasserbauorbeiter, die dabei beschäftigt werden sollen. Ein« einzige Frag« aber wird von der Vorlage des Magistrats mit Stillschweigen übergangen: warum die neu« Mühlendamm- brücke ein« so alles Maß überschreitende Breite erhatten muß, wie es die Planzeichnung des Wasierbauomtes(Im„Vorwärts" Beilag« Nr. 461 vom 2. Oktober) vorsteht, und warum dies« Kolosialbrück« gegen den Molkenmartt zu just die linke Straßenseite und damit das Ephraim-Palais abrasieren muß und nicht die rechte, wie es der natürliche Verlauf des Strahenzuges hier für jeden mit Augen begabten verlangt. � Diese Frage hat deshalb besonder« Berechtigung, weil Stadt» baurat Wagner, dem dieser Aandalismu» de» Wasierbauomtes doch zu bedenklich wurde, einen Gegenentwurf gemocht hat, der die Erweiterung tatsächlich aus die rechte(östliche) Seite des Mühlen- doiiimes verlegt und dort den Kröge! opfert. Dieser sehr«infachen Totjache gegenüber sind die Rechenkunst- stücke der Magistrotsvorlage, die bei Erhaltung des Ephraim- Palais eine Mehrausgab« von 3,5 bis 8,9 Millionen Mark herausdestillieren, gänzlich gegenstandslos. Man braucht hoffentlich dem einsichtigen Leser nicht noch ein- mal klarzulegen, welch ein kostbare» Gut das Ephraimsche Hau» darstellt und wie minderwertig daran gemessen der Kröge! ist. Wir haben von Privatbauten aus dem 18. Jahrhundert kaum etwas ander«? in Berlin, das jenem an die Seite zu stellen wäre, Schlüters Log« Royal Park in der Dorotheenstraße und ein oder zwei Palais der Wilhelmstraße ausgenommen. Waz uns Kunstfreunde, die wir das wahrhast Gut« im alten Berlin nicht sinnlos geopfert sehen möchten, an diesem Fall so er. bittert. ist die kalte' Nichtachtung, mit der di« Vorschläge unsere» Stadtbaurates gegenüber der Herostratischen Geometrie des Wasser« bauamtes im Magistrat behandelt werden. Noch ist es Zeit, sich zu entscheiden. Berlin hat nicht mehr viel alte Bauwerte zu verlieren. Das Ephraim-Palais zu retten, ist Sache nicht der Liebhaberei, sondern der sachlichen Vernunft. p. s. seh. Rumänischer Regierungswechsel. Rücktritt des Kabinetts Maniu. Bukarest, 6. Oktober.(Eigenbericht.) Die Regierung Maniu ist zurückgetreten. Ursach« des Rücktritts sind Meinungsverschiedenheiten zwischen König Earol und Maniu, nicht zuletzt die Schwierigkeiten, di« Maniu bei den schwebenden Anleiheverhandlvngen mit auslärchischen Geldgebern entgegenstehen. Der Fünfjahresplan im Volkswitz. Den chymnen. welch« die Sowjetpresi« dem Fünfjahrcsplan der Sowjetregierung immer wieder singt, hat der volkswltz folgenden bissigen Scherz entgegengestellt:„Was wird vom Fünfjahresplan übrigbleiben?"—„Von Lenin ein Porträt, von Stalin«in D,tret und vom Bauern«in Skelett." Gtreithäufer und Zankstraßen Da streiten sich die Leut herum...! � Kleine Tragödien kleiner Leute Selten sitzt einmal ein Berichterstatter in diesen„Privat- klagen", in denen di« Beleidigungeprozess« erledigt werden. Selbst der Zuhörcrraum hat hier ein anderes Gepräg« �al» in den anderen Sälen: An Stelle der berufsmäßigen Kriminalstudenten tritt hier die Verwandtschast und Bekanntschaft der streitenden Parteien, die nur an einem Spezialfall Interesse hat. Selbst der Richter hat zu- meist schon den Spaß an der Sache verloren— es gibt ja auch nichts Einförmigeres als diese Beleidigungsklagen, die ihm sozusagen am laufenden Band zurollen. Selbst in ihren Schimpfereien sind diese Leute arm und phantasielos: Immer wieder dieselben Schimps- warte, dieselben Verdächtigungen-.. Es ist eine jedem Beleidigungsrichter bekannt« Tatsache, daß«s „S t r e i t h ä u s c r" und„Z a n k st r a h e n" gibt, deren Nummer und deren Straßen in seinen Akten immer wiederkehren. Da, sind die grauen Straßen, die aussätzigen chäuser, in denen drei und vier Wohnungstüren auf einen Treppenabsatz münden, drei bis vier Parteien sich dieselbe Wohnung, denselben Korridor, dieselbe Wasser- leitung teilen müssen. Und vielleicht kann nur ein Veleidigungs- richtsr ermessen, was durch Wohnungsnot und Baujpekulotion nicht nur an der körperlichen, sondern auch an der seelischen und geistigen Gesundheit dieser und der kommenden Generation gesündigt worden ist... Sie tollsten KampfhShne: Geschiedene Eheleute. „0 o k i s ch gegen Sc ki sch! Parteien und Zeugen ein- treten!" Schon horcht man aus: Denn nie wird hier erbitterter und zäher gekämpft als dann, wenn die Parteien denselben Namen tragen— und noch dazu, wenn e» sich, wie hier, um geschiedene Eheleute handelt. Ja, sie sind seit zwei Iahren geschieden, aus beiderseitigem Verschulden, und weil es das bürgerliche Recht so bestimmt, wurden die beiden Kinder dem Vater zur Erziehung über- geben, denn es waren zwei Knaben. Der Mann zog zu seinen Eltern und brachte da auch den ältesten Jungen unter: den jüngeren gab er auswärts in Pflege, damit die Mutter es nur nicht zu bequem haben sollte, das Kind zu sehen. Nun wurde der Aeltest« von ihm und seinen Eltern„erzogen". Was das für eine Erziehung stin konnte, erhellt am besten daraus, daß di« geschieden« Ehefrau schon zwei Beleidigungsprozesse gegen die Schwiegerimitter an- strengen muhte, die beide durch den üblichen Vergleich beendet wnrden. In einem der Vergleich« mußt« die beklagte Schwieger- inutter sogar zugeben, daß sie d>« Beleidigungen aus„reiner Bös- Willigkeit" ausgesprochen hotte! In Gegenwart der Kinder schimpfte die Schwiegermutter in gemeinster Weis« auf die junge Frau«in— und schließlich wurde das neunjährige Kind sogar abgerichtet, bei den Somitagsbesuchen der Mutter zu bestellen:„Bater ließe ihr tagen, sie solle sich anständig ernähren!" Dies« Erziehung trug Frucht: Nun ist der Knabe elf Jahre alt: er grüßt seine Mutter nicht und sästmpft aus der Straße hinter ihr her und sie sieht das Kind all« Tage, denn sie wohnt ja in derselben Straße. Ein Umzug lostet ja Geld, und sie muß froh sein, daß sie die frühere ehelickz« Wohnung behalten durste u«d nun vermieten kann... Immer wieder säuft die junge Frau zum Jugendamt: Man solle doch wenigstens dafür sorgen, vaß sich der Junge auf der Straße anständig zu ihr benehmen müsse..- und die Fürsorgerin geht hin zu den Eltern de. Mann«? und gibt dem Kinde auf. zu der Mutter zu gehen und um Ve r z e r h u n g zu bitten. Aber der Junge geht nicht hin, grüßt seine Mutter höchstens durch Grimassen und erklärt seinen Schulkameraden, zu„der" ging« er nicht, da, käme gor nkcht in Frag« und täglich steht di« junge Frau für alle Klatsch. m ä u l« r der Straße am Pranger. Da läßt sie sich zu»iner Hand- lung hinreißen, die sicher pädagogisch unklug und b»i>au«rn»wert, aber schr, sehr verständlich ist. Sie haut dem Jungen, her sie auf der Straße wieder beschimpft, eine Ohrfeige. Der wirst ihr seine Mappe vor die Füße und rennt nach Hau? sie geht weinend m:t der Mappe zum Jugendamt. Kaum ist sie da eingetreten, so reißt auch schon ihr geschiedener Mann die Tür des Amtszimmers aus und überschüttet sie mit Be- schimpfungen. Er ist in Begleitung des Kindes...Wagen Sie nicht noch mal, mein Kind zu schlagen! Ernähren Sie �ich lieber an- ständig!" brüllt er sie an, tritt drohend auf sie zu und schlägt sie aus die zur Abwehr erhobenen Hände... und nun stehen sie wegen dieser Szene vor dem Richter, denn„mangels öffentlichen Jnter» esses muhte sie natürlich auf den Weg der Privatkloge verwiese» werden. Hier wird der Fall' behandelt wie all« anderen. Und aste Wege führen hier zum Vergleich. Und der Richter redet der jungen Frau gut zu: sie solle doch auf einen Vergleich eingehen, wenn der geschiedene Ehemann sein Bedauern ausspräche, eine Buße zahle und di« Gerichts- und Anwaltskosten übernähn'«~ es käme für sie doch aus das gleiche heraus, wie bei einem Urteil: und merk, würdigerweise widerspricht der Anwalt der Klägerin nicht, trotzdem er wissen muß, wie wichtig für seine Maichantin im Kamps x um die weitere Erziehung der Kinder hier«in obsiegendes Urteil fein kann. Erst als es sich um sein Honorar handelt, wird er selir munter und empfindlich. Der Vergleich wird also geschlossen, der Mann zahlt zwanzig Mark Buße und kriegt einen Wutanjall, als er hört. er müsse sogar fiir diesen„Armenamvalt"(so sagt er) siebzig lNart Kosten zahlen— er ist überhaupt reckt aggressiv und drohte noch in der Verhandlung, der Klägerin die Zähne«inzufchlogen. Die 23er. Handlung ist erledigt. Seelenmord an Kindern. Für uns sollten aber noch einig« Fragen nicht erledigt sein. Seit zwei Jahren.unterstehen diese Kinder der Aufsicht de» I u g« n d» a m t e s. Selbst wenn die Fürsorgerin nicht von selbst gewerkt haben sollte, welch eigenartige Erziehungsprinzipien die Großeltern und der Bater der Kinder haben, seit drei Vierteljahren ist da» Jugendamt durch die. wiederholten Klagen der Mutter, die Prozesse und Vergleiche durchaus darüber aufgeklärt. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die beiden Kinder in dieser„Erziehung" seelisch auf das schwerste geschädigt wurden. Hält da» Jugendamt Tier» garten eine„Abbitte" wirklich für das Mittel, das diese Erziehungs» schaden heilen kann? Oder was hat es bisher getan, um diesen Kindern den Rest ihrer Jugend und seelischen Gesundheil zu retten? Blas gedenkt es zu tun? Die zweite Frage aber, an deren Beantwortung die Oesfentlichkeit Interesse hätte, wäre die: Wie lange soll dieser gesctz- lich sanktionierte Sc c l e n m o r d an den Kindern aus geschiedenen Ehen noch weitergehen? Wir brauchen ein Geseß, das Kindern. über deren Erziehung die geschiedenen Eltern zu keinem gütlichen Eiiwerständnis kommen, eine gesund» und frohe Jugend in einem Heim sichert, in dem ihnen die Gemeinschaft der Jugend da« ersetzt, was ihnen ihr« Eltern nicht geben konnten. Heinrich Alles Ruhestätte. Der Magistrat hat in seiner ätzten Sitzung beschlasien, die Gräber von Heinrich Zille und seiner Frau auf städtrscho Kosten in dauernde Pfleg« zu nehmen. Das Grobdentmol für Heinrich Zille, dessen Ausführung Professor Krau» übertragen worden ist, und da« einen Findling mit einer Platett« darstell!. dürfte ooraussichtklch noch in diesem Monat Aufstellung finden. Epilog zum Linter der Korm der Republik d< Ll�hcr ist es nodi jebcm Wohlkcrnipf üblich gewesen, Meinungen auszutauschen,' Erfahrungen auszuwerten und Kritik zu üben. Des- halb hat auch der außerordentliche Bezirkspartsitag von Berlin zu her durch den Wahlausfall geschaffene» und durchaus noch ungeklärten politischen Liiuation Stellung genominen. Nach Rudolf Hilserdings Referat, nach einer teilweise leiden- schoftlichen Diskussion fand die Meinung der höchsten Berliner Partcikörpcrschaft ihren Niederschlag>n einer Willenskundgebung, die in dem entscheidenden Salz die selbstverständliche Forderung cnt- lstilt, daß die Partei nur eine Politik treiben kann, die i h rech alt»ng während des Wahlkampfes recht- fertigt. Sie schiebt die Berantwc rtung vor dem Volke für jede Verschärfung der bedenklich zugespitzten innerpolitischen Situation bewußt denjenigen Parteien zu, die der Partei«ine choltung zumuten, die eine Preisgabe des Leoensinteresses der arbeitenden Bcvölkcumg bedeuten würde. chilferdings tiefgründig« historisch- wirtschaftipolitische Zlnalyjc hat keinen Widenfpruch gefunden. Anders war es mit seinen Schlußfolgerungen. Er stellt in den Vordergrund die durch eine ontiparlamcntarische Mehrheit des Reichstags unmittelbar be- drohte Demokratie und das aufs äußerste gefährdete parlam«nta- rische System. Auf die letzte Formel gebrocht, läßt sich seine De- duktion in drei Sägen zusammenfassen: 1. Die Demokratie ist u n- mittelbar bedroht. 2. Ohne Demokratie keine Sozial- Politik, keine Wahrung der Lebensinteressen der Arbeiterschaft, kein« Möglichkeit wirtschaftlichen und lultm'ellen Aufstiegs der Ar- beiterklasie. Zllso Stützung der Denickratie und des parlamen- larifchen Systems, auch unter Opfern, wobei es allerdings auch für ihn eine Grenze gibt. Er sieht in dieser Zielsetzung keine Preisgabe von Grundsätzen, sondern ein« taktische Haltung, die uns durch die gegenwärtig« Si- tuotion aufgezwungen wird. Er erblickt darin für die Partei die einzige Möglichkeit, ihre und der Arbeiterklasse Zukunft zu sichern. Keiner der kritisierenden Diskussionsredner, so war es wenigstens Irin« Meinung im Schlußwort, habe einen anderen Weg zeigen können. Zieht man aber die Ausfiihnmgen sämtlicher Diskussionsredner zusammen, zieht man, soweit sie sich kritisch äußerten, Temperament und Leidenschaft ab, so lassen sie sich all« auf einen Nenner bringen: Weniger die Koalitionspolitik an sich, sondern w i e Koalitionen gemocht werden, fordert zur Kritik heraus. Die bürgerlichen Koalitionspartner haben dabei je länger je mehr die Nachgiebigkeit der Sozialdemokratie in ihre politischen Berechnungen einbezogen. Die Belastung mit der Verantwortung für den kapitalistischen Inl>alt der formalen Demokratie hat uns das Vertrauen weiter Schichten gekostet, die der Kapitalismus entwurzelt hat. Die Demckratie des parlamentarischen Systems findet aber als Grmchlagc einer sozialistischen Zukunft ihre wirkungsvollste Stütze nur in der Sozialdenwkratie. Rückeroberung des Vertrauens und die Verankerung der Partei in den Massen heißt deshalb nicht nur Stärkung der Partei, sondern Sicherung des parlamentarisch regierten Staates. Es ist mit Würde, Selbstl'ewnßt- sein und Zielsetzung einer sozialistische» Partei unvereinbar, um den Preis- der Änfrechtcrlialtung einer Staatsfonn mehr und mehr den Inhalt abzubauen. Deshalb Sichtbannachen unserer sozialistischen Ziele gerade jetzt, deshalb!»ie Forderung, als Sozialdemokraten die Betonung weit mehr auf den ersten als auf den zweiten Teil des Wortes zu legen. Bezirkstag r Kampf für den sozialen Znhali Dies« Genossen scheu also eine unmittelbore Gesohr für die Partei, wenn auf dein bisherigen Wege fcrtgefahecn wird. Sie meinen, daß die geforderte Rücksicht auf eine überaus gefährliche Massenstimmung leine Phrase ist, die»lan heute mit dem über- legenen Lächeln staatspolitischer Weisheit abtun kann. Sie halten Hilferdings Mahnuirg,„nicht nur auf die Wände des Parlaments zu stieren", für durchaus beachtenswert, sie erklären, daß uns in dieser Situation eine fühlbare Opposition zu dem kapitalistischen System in der erregten Bevölkerung die Plattform gibt, aus der wir den Parlamentarismus sichern können. Eben weil die Partei nicht Selbstzweck ist, weil sie einzig und allein die Dcmokraotie sichert, sehen wir in dieser„negativen Kritik" etwas Positives. Deshalb rücken sie bewußt nicht die Demokratie in den Vordergrund, wie es Hilferding tut, sie wallen, daß die verzweifelten Massen in erster Linie erfahren, daß die Sozialdemokratie unbeugsam daran festhält, die Lebcnsinlercssen der arbeitenden Bevölkerung zu sichern. Darauf kommt es an. Hilferdings prachtvoller Satz über die„Würde der Demokratie" war ollen aus dem Herzen gesprochen. Aber: ?m hungrigen Magen Eingang finden Rur Supcnlogik mit Knödclgrnnden. In diesem Vers Heinrich Heines sieht die Berliner Partei die Ichärfste realpolitischc Begründung ihrer Haltung. Die Stellungnahme der Berliner Organisation war— das fei ausdrücklich hervorgehoben— keine Kritik an Einzelpersonen oder an Instanzen. Und selbst wenn- sie das wäre: ein Parteitag Kt lein Töchterpensionot, kein« Andachtsübung. Für die Demagogen der kommunistischen Partei wäre die öisentliche Besprechung einer solchen Tagung allerdings unerträglich. Eine Unifornne- rung des Geistes und des Denkens wie bei den Kommunisten und den Natianalsozialisten— soweit man bei diesen Parteien überhaupt van Geist»nd Denken sprechen kann— ist in der Sozialdemokratie unmöglich. Das ist unsere Stärke. Wir scheuen nicht das Licht der Oeffcntlichkcit. Die tintcpiiikclnden Jünglinge kommunistischer Redaktionen fühlen sich in ihrem Größenwahn als Erben der Sozialdemokratie der Vorkriegszeit. Sie hoben nicht«inen Hauch ihres Geistes gespürt. Sic haben das Verabscheuungswindigste. das Gemeinste zum iprinzig erhoben: die Spionage, das Spitzel- und Lockspitzeltuni. Sic mögen auf solche Erbärmlichkeiten stolz sein. Der Rubel rolli. Es wäre besser, sie würden das Sündengeld für die Bezahlung notorischer L u m p e n. die sie in unser? Reihen schicken, zur Speisung hun- gernder Kinder in Sowjetrußland verwenden.- Die Einheit und die Schlagkrast der Sozialdemokratie ist mit solchen verwerflichen Mitteln nicht zu zerstören. Das werden unsere Gegner, und beson- ders die Kommunisten, sehr bald zu spüren bekommen. Otto Meier. Anteilscheine für Berliner Blatt. Der Bericht über den Bezirksparteitag ist noch insofern zu er- ganzen, als folgender Antrag Steglitz zugunsten'der Schasfung eines Berliner Mattes ongeiwmmen wurde: „Der Bezirkstag möge beschließen, daß der Bezirksvorstand die Gründung eines Berliner parleiblatles durch Auslegung von Anteilscheinen in die Wege leitet." * Zu den Angriffen der„Roten Fahne" auf die Berliner Organi- saticn ist festzustellen, daß der Antrag Milkowski auf der Funktionärkanferenz ans Einsetzung einer Kommission zur Reorgonk- sation des Berliner Bezirks v e r b a n d c s fniä>t: Vorstandes) ohne Abstimmung abgelehnt wurde. Volk auf der Bühne. Das Thema„Volk auf der Bühne" ist höchst aktuell. Das Volk soll Träger der dramatischen Handlung werden— das ist eine Forde. rung, die wohl alle bewußt in der Gegenwart lebenden �.heotec- freunde stellen, wenn sie auch extrem und tunstnaiv genug sind, um zu fordern, daß das Volk immer, in jedem«tiick, Träger der Bühnsnhandlung sei. In einem Vortragsabend der Volksbühne im Bürgersaal des Rathauses zeigte Julius Lab, wie die Dramatiker der verschiedensten Zeiten das Volk auf die Bühne stellten: immer dem jeweiligen Bcgrifi gemäß, den die Epoche von dem„Volk" hatte, wenn auch künstlerisch vertieft und o?i dadurch schon zukunstweisend. Bei Shakespeare ist dos Volk noch die dumpfe, leicht beeinflußbare Masse; aber wenn er aus diesem ..Volk" den einzelnen hervortreten läßt, so wird dieser einzelne Vertreter der gesunden Welianschanunz, Gegensatz zu der verrotteten� Moral der Vornehmen. Das politische Drama, wenn es auch noch so stark den Helden zum Mittelpunkt hat, ist immer JDrama der Masse— denn ohne sie könnte der Held nicht sein. So bekommt Goethes„Egmont" als Mitspieler und Gegenspieler das Volk, ist als Teil dieses Volkes zu begreifen. In Schillers„T e l l" wird das Volk schon mit einzelnen Namen aufgeführt, als Gesamtheit von Individuen gezeigt. Hauptmann aber schui in den Webern das echte Massendrama, das Bühnenstück ohne.„Helden"— we l die Masse hier der Held ist, die Masse, die zwar scheitert, die aber nicht untergeht, weil das Volk nicht untergehen kann.— Ir. Debüt der aktuellen Kleinkunstbühne. Die Abteilungen Schöncberg-F'riedcnau und Steg? l i tz des Bezirksausschusses für sozialistische Vildungsarbeit gaben im Bürgersaal des Rathauses Friedenau zur Einleitung ihrer dies- jährigen Wintcrarbsit einen Geselligen Abend, dessen Ausgabe es sein sollte, wie der Obmann des Schöncberger Bildungsausschusscs, Genosse Friedlacndcr, in einer kurzen Ansprache hervorhob,„Scherz, Satire, Ironie und liefere Bedeutung" in«inen für die hcuiigc Zeit besonders noiwendigen Zusammenhang zu bringen. Di« Mit- wirkenden der„Aktuellen Kleinkunstbühne--Kiinst1.er- gcmeinschaft Gelsenkirchen-Recklinghausc n" Moli Blanck, Elka Haedrich, Gret Schnirer, Julius Klee, Otto Lutz, Günther Ruschin und Fritz Hagen suchten in lleine», amüsanten Zeittheaterstücken einen Querschnitt durch unser heuliges Leben zu geben. Im ersten Teil des reichhaltigen Pragramms fanden bc- sonders die Illustrationen des„Bergmonnsliedes" von Fritz Droop, sowie«ine„Gartenlaubengeschichte" im Kasperieton viel Anklang, während im zweiten Teil eine kleine Szene nach Änderst'«»„Des Kaisers neue Kleider", die„Moritat Burlola" und Tucholskys innner wieder packendes„Nie-Wicder-Krieg" starken Beifall der zahlreich erschienenen Besucher auslösten. I» unserer Zeit, in der olle Formen der künstlerischen Darstellung immer mehr zur Reportage drängen, ist es erfreulich, daß die Bemühungen»m ei» gutes Zeittheater in Parteikreisen auf wachsendes Interesse stoßen. Schönebcrg- Friedenau und Steglitz haben einen guten Anfang gemacht, und der Künsticrgcmeinschaft Gelsenkirchen- Rccklinghousen sind im Interesse ihrer künftige» Arbeit weitere Erfolge bei ihrem Berliner Besuche ausrichtig zu wünschen. Heute abcndS ll h r findet im Saale ddr Hochjchulbrauerci, Amruncr. Ecke Ssestraße, die zweite Aufführung des Programms der Kleinkunstbühne statt, veranstaltet vom X Kreis Wedding. Der Eintrittspreis beträgt Kl) Pf.; Karten an der Abendkasse. Veranlwortl. tiir die Redaktion: Bolsgang Sch»«», Berlin: Anzeigen: Th. Slock», Beeli». Verlag: Vorwärts Vertag S. m. d. So., Verlin. Bruck: Vorwärts Vucki- druckerci und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Sellin£33 68, Lindeullrake 3. Hierzu 1 Beilage. 9 Unserem werten Genoffen . Jareizke u. seiner lieben Sattin zur Silber- hock, zeit d. herzlichst Glückwünsche Nie kunüttsiiSce»er 30. tu»!». »SWSSS« 9 Theater, Lichtspiele usw. H sv sv SV ri Tfifll. 5 u.«Vi Uhr— B 5 Barb. 926« TKI.<—« M— Nachm. halb« Prtiss Abschieds- Gastspiel Tügl. 2 x ua«»aitae« iRlanuL AttrakHanm Alex.£4 8068-68 TKcl. 5, 8". Sonnt., 3, 5,»'» Die schönste Frau, die gegenwärtig die Varieti- bühnen zweier Weltteile beherrscht, in ihren Demonstrationen: I. Wie behalte Ich die ewige Jugend? [ 2. Wie bleibe Id» lang, and elnttUcb? z. Tanzachöpfungen. Außerdem: 4 POPPCSCVS Sensationen am siebenfachen Rede DE BUSSE Accordeon-Virtuosc CL D O NS~ TRIO Exzentrische Equilibristen. Trotz des sensationellen Programms keinerlei Preiserhöhung. Benutzen Sie den Vorverkauf i Plätze stets für die laufende Woche einschließlich Sonntag im Voraus. Berliner HlhTriO N• B k S 1 1 B, w Labsatr. 74/76J WWW ★ Qarreru 5.13 um— Ssadin erlaam Tlffany Twin«. Oora Kasan u. Nestor. Pro». Pallos S singende Ladies. Brown u.LaHart usw. VoiKsbübne Ttnatr an Btilowplalt. Täglich 8 ühr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staat). Sdiillsr-Tb. 8 Uhr Söierx, Satire, Ironie u. tiefere Bedeutuno Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Die verkaufte Braut Komische Oper 8'/i Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilberl metropoiiueater Täglich 6V< Uhr SensotioDcller Oper ctlencr folg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Kleines 1 heat. Merkur 1624 Täglich 8'A Uhr Mar Adalbert in Hatenklein kann aldtlt da für DeDtnkes MM 8 Uhr liüle•affStin.n?«!!! Der Kaiser von AmeriKa von Bernard Shaw rrttliolli: Werner IM 8e?ie: Hai Reinhardt. Donnerstag zum ersten Male Ein Sommernadiis- traum! Regit; Mai Reinhardt. Kammerspiele 8 Uhr Hofn zun inten Male: Elga. »an CirhgM Hauptmann. Regie: Costa» Rartang. Bühnenbilder: E rn s l Sch ü tte- Die Komödie 8',b Uhr Der Schwierige vn Bi|( tod Uiiaugillul. Regie; Mai Reinhardt. Theater im Kotfh. Tor Kottbusser Str. 6 To!. Morihpl. 16077. Tägl.>'/. v.. Sonnt aut!i 3>b Dbr Elite- Hnger Präsident Zunkel 6f. Tramp:«!- türlrui Saersdi Bnselli Bamowsky-BOhDeR Theater I« der Stresemaaasir. Täglich S'.i Uhr larwiile: 3 loshpiel von Schwicfirt Komödienhaus 8 Vi Täglich 8V« Konto X van Bnroauer und OKterreidter Neues Theater « am Zoo> linBabnh.Zne.Stpl.6S5t Täglich S'i. Uhr Lommel in der Posse Paul and Pauline Rundfunkhörei DfllD« Preise. Lessing-Theater . fnrifidi-K«rl-IHn 1 Wejdendimm 2191 d.OIII 8 Uhr Gaitjp.d.Pisi3torhabae §218 (Fraacn in Not) von Cred� Regie: Piscator. Itieat» des Westens Cbbg, Kantstr. 9. Stein pl 0931 8 Uhr; Wnn da graitd Eifdige Tirlkprt bis 9. Oltodir Japanisches Theaters Sannt. 2': Fledennans. SIL: Land d. Udielns. Deutsches KOnsller-Tbeil. Tel Bartarnssa 3937 «>/. Uhr Jim und Jill Opeietta v. Tivian Ellh Preise von) M.aafwärts Renaissance- Theater Steinpiat/. 6780. 9". Uhr Die Wunder-Bar RevuestUek Lustspteinaus Dir.: Hans Löpsdißfz Täglich 8'k Uhr meine Schwester und ich Musik von Benatzkj' Lor* Leux. Kurl TonMdllendor! H�l' EvurC! Th.l.Admirtlspalait S'/« Uhr: „Csardäs- fürstin" Albers, Georgr, Bollmann« Ehrlich Vorrerk. unanterbr. Theaieram SöiiHDäuer flamm Heute 3 Uhr: Uraufführung: Jud Süß! mit Ernst Deutsch. Inszenierung: LcopoM Jefforr. 9af preusu�eife! �YNUYIIIM Restöürcnt Berlins flBOSS.SCHADSPIELBAOSS Nur noch 3 Wocb en! Lustige Witwe Hesterberg:, Hansen, Arno,.Sch oll wer, Jankuhn.Setiaellcrs, Win belstern, Dcsnf. R B 6 V R s C fT A R K f, I Theaterl. d. ßehrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arlhar Roberts r,-. Das hSBiicüs madchen BETHIEB KEMPIHSKlW' Englisch— Roberts— Riemann. \J�efte!hiesch\ „Braut von MessinaH ROSE' Theater | Große Frankfurter Str.132 I |(Billettkasse: Alex 3422 u.34»4) Nur noch 8Tag:e! I Heute wie nächsten Sonntag| SVorsteiiungan.undzwarum[ 2.30U. u. 9U.(IreneTrlesch),' umG.45U.(Grete Nebelung). 1 { Wochentags 8.15 U., Sonn- ( ebenda 7 Uhr(THesch) und | 10.15 Uhr(Nebelung). Kassenpreisevon50Pf.bl83.-M. 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Bei oberflächlichr Betrachtung mag es schinen, daß das Wohnungsproblem nur in entferntem Zusammenhange mit der Gewerbehyziene stände. Daß dem nicht so ist, beweisen die Referate, die das Problem vom ärztlich- hygienischen Gesichtspunkt«(Prof. von Dri- g a l s k i), vom Standpunkte der Stadt pUanung und des Städtebaues(Ministerialrat Hermann) und der B e- iriebsgestaltung(Oberingenieur Richter) behandelten. Insbesondere das rednerisch und inhaltlich wertvolle Referat des Stadtmedizinalrats von Drigalski unterrichtet« über den Stand unserer medizinifchn Kenntnis auf dem Gebiet der Wohnungs- Hygiene. Gerade für K l« i n st w o hn u n g e n, die für den Arbeiter praktisch in Frage konmien, wird die bakterientätende und keim- hemmende Bedeutung des Sonnenlichtes nicht genügend gewürdigt. Von entschidender Bedeutung für die Hygiene der Wrhnung ist ihre Lage zur Arbeits st ättc. Ein kurzer Weg mag insbesondere bei sitzender Tätigkeit von Nutzen sein. Lange Wege aber, wie sie i» der Großstadt und auch bei Großbetrieben aus dem Lande üblich sind, stellen«ine zusätzliche Leistung uar und bedeuten eine Vermehrung der körperlichen Jnanspruch »ahme durch die Arbeit. Sie führen zu vorzeitigeni Verbrauch der gesundheitlichen Widerstandskraft und zehren am gesundheitlich» .Kapital des Arbeiters. Auch mit der Frage besonderer Wohnungen zu diesem Zwecke in Siedlungen für körperlich Behindert«(Krüppel, Blinde und Tuberkulosekranke) beschäftigte sich der Vortragende und kommt zu einer ablehnenden Beurteilung dieser Ein- richtungen, die sich auch in der Praxis nicht bewährt haben. 'Auch sür den Betrieb ist die Frage, wo und wie wohnt der Arbeitnehmer, sa führte der bctriebstcchnsche Referent aus, von immer zunehmender Bedeutung. Es bestehen Wechselbeziehungen zwischen dem Standort der Industrie und den Wohnungsvcrhältniisen. Die Ge- lnindenheit des Rchstoffs bewirkt oft erheblich Schwierigkeiten und bedeutet ein Behinderungsmoment bei Rationolisierungsmaß- »ahmen in Verbindung mit Betriebsvcrlcgungen. Die Lösung dieser Schwierigkeiten durch Werkwohnungen ist abzulehnen. An seine Stelle muß der Wohnungsbau durch die organisierte Selbsthilfe der Arbeiterschaft durch sozial« Baugenoiscnschoften, an der sich die Arbeitgeber ideell und materiell durch Hergäbe von Bau- darlchcn beteiligen müssen, treten. In der eingehenden Diskussion, die sich an die Haupt- rrferate anschloß,„ahmen nnShrere Gewerkschaftsvertreter das Wort und bezogen ihre Ausführungen insbesondere auf die schädlich sogenannte Pendelwanderung, die dazu sührt. daß in den Industriezentren Zehntausende von Arbeitern täglich stundenweit aneinander vorbeifahren müssen. Ein Vertreter des Bundesvorstandes des A D G B. wandt« sich gegen die vcm Reichsorbeitsminister beabsichtigten Zwergwohn ungen, die noch weit unter der in den Reichstagsrichtlinien zum Wohnungsbau vorgesehenen t 8- 2 u a- dratmctcr-Größe liegen. Der. zweite Derhandlungstag mar der Hygiene für die Angestelltenberufe gewidmet. Gewcrbcmedizinalrat Dr. Holstein, der das hygienische Hauptrefcrat hielt, hat!« mit den Unterlassungssünden der vcr- gangenheit zu kämpfen. Ausgiebiges statistijchs Material der Krankenkassen stand nicht zur Verfügung. Es wurde ein Ueberblick über die Gefundheitsverhällnissc vor allem des Büro- und des Laden- personal» gegeben. Wie nach früheren Erfahrungen zu erwarten, zeigt das Ladenpersonal in Häufung die Krankheiten der stehenden Berufe: Krampfadern, Plattfüße, Knickungen de: Gebärmutter und anderes nrehr, während das Büropersonal die Schäden der Schreibarbeit im Sitzen: Darmträgheit, Schreib- krampf und Sehnenschidenentzündungen statistisch aufweist. Beiden gemeinsam ist die aussällig hohe Zahl der nervösen Erkrankungen, die durch die moderne,, Buchungsmaschinen' mit ihrer intensiven Ans- Nutzung der Arbeitskraft noch eine Steigerung erfahren hat. Vergleicht man die Ernährungs- und Lebensver- h ä l t n i s s e der Familien kaufmännischer Angestellter mit dem Arbeiterhaushalt, so sieht man, daß bei gleichem Einkommen die Ausgaben für Nahrungsmittel im Interesse für Kultur- ausgaben zu kurz kommen. Die Forderungen, die das hygienische Referat sür den Gesund- hettsschutz stellt, decken sich mit denen des-weiten Referenten, Mi- nisterialrat Dr. K r e m e r, der vom betriebsorganisatorischen und technischen Standpunkt die Hygiene in Büro und in kaufmännischen Betrieben beleuchtet. Sowohl im Büro als auch im Kaufladen inuß für zweckmäßige Stühle und gute natürliche Beleuchtung und neuzeitliche Belüftung gesorgt werden. Fußkälte, Zugluft ist zu vermeiden. Urlaub, Arbeitszeit uiw Pausen sind zweckentsprechend zu regeln. Für die Pausen sollen Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen, die körperliche und geistige illusspanming ge- statten. Die gesetzlichen Bestimmungen aus dem Gebiete des Ange- stcllteirschutzez sind bisher dürftig, und ihre Durchführung ist Mangel- hast. Auch hier muß Wandel geschonen werden. I« der lebhaften anschließenden Ttatospon nahmen Set«. treter der Angestelltengewerkschaften aller drei Rich- tungen das Wort und unterstrichen die Ausführungen der Refe- renten.. Auf die Gefahren der Buchungsmaschinen wurde nachdrücklichst hingewiesen und betont, daß de» durch sie gegebenen Erleichterungen der Arbeit gegenüber dem Kopfrechne» andere schwerwiegende Bedenken gesundheitlicher Art entgegenstehen. Die Arbeitskonzcntration wird erhöht, die Arbeit selbst ist einseitiger und dadurch schädlicher geworden und beansprucht in dauernder Wiederkehr die gleichen Mustelgruppen. Bei dem allgemeinen Interesse, das dieses Thema der Ange- stelltenhygiene in der breiteren Oeffentlichkeit findet, wird ein« Drucklegung der Referate und der Diskussion stattfinden. Wie in früheren Jahren versammelte» sich auch diesmal die Gewerkschastsoertreter und die Versicherte n vertrete r der Krankenkassen am Borabend der Tagung zu einer Sonderbesprechung, in der unter Führung des Bundes- Vorstandes des A D G B. und des AfA- Bundes unser Ber- halten zur Deutschen Gesellschaft sür Gewcrbehygiene und unsere Stellnngnahm« zur Tagesordnung ausführlich besprochen wurde. Dr. Mcycr BroJuitz. Kleinstaaterei— gesundheitsgefährdend! Kleinstaaterei bedrohe die Volksgesundheit? Di« Behauptung ist gar nicht so paradox wie es im ersten Augenblick scheinen könnte Zwar läßt sich zwischen Dezentralisation und Hygiene ein ü n- mittelbarer Kmisalzusammenhang auch mit größter Mühe nicht konstruieren, aber die Gefährdung der allgemeinen Wohlfahrt ist vorhanden— wenn auch in negativer Weise. Kleinstaaterei macht ein systematisches, großzügig angelegtes Bekämpfnngswerk der Krankheiten, insbesondere der Insektionskrankheiten unmöglich! Und daß System und Organisation auch bei der Seuchenbekämpfung un- erläßlich sind, beweisen die großartigen Ersolg«, die eins der wenigen Reichsgssetze auf hygienischem Gebiet, das Reichsseuchen- g e s e tz von 1900, zu verzeichnen hat. Die sechs unter das Gesetz fallenden Seuchen(Aussatz, Cholera, Fleckfiet-er, Gelbfieber. Pest, Pocken) sind bei uns so gut wie ausgestorben. An Pocken, denen vor 1900 in Deutschland Taufende jährlich zum Opfer sielen, ist in den letzten Jahren überhaupt nienwnd mehr gestorben. Und daß 1915 an Fleckfieber 19 039 Menschen zugrunde gehen mußte», war eine der vielen Begleiterscheinungen des Krieges. Heute be- tragen die Todesfälle an Fleckfieber durchschnittlich 2 im Jahr. Leider umfaßt das Gesetz nicht alle ansteckenden Krankheiten, vielmehr sind die meisten landesrechtlich geregelt. Dabei er- geben sich nur zu oft tragikomische Widersprüche— auf Kosten der Volksgesundheit... Verdochtsfälke von Diphtherie, Scharlach, Genickstarre, Ruhr, spinaler Kinderlähmung, Typhus sind in einigen Ländern melde- pjlichtig, in anderen nickst, ohne Rücksicht darauf, ob die Länder benachbart sind. Ja, die Willkür der Territorien geht noch weiter: aus Grund irgendwelcher überalterter Vorschriften werden den«in- zelnen Ländern Rechte eingeräumt, die einer modernen Hygiene Hohn sprechen! Paratyphus— überall sonst im Reich unter Anzeigezmang— ist nur in S ch a u m b u r g- L i p p e und ein- zelnen Kreisen(!) von Hessen nicht behördlich geregelt. In ganz Deutschland sind Rückfallfieber und Trichinose melde- pilichtig— nur in Sachsen nicht. In ganz Deutschland besteht Anzeigepslicht für Tollimit— nur in Oldenburg nicht! Ja, gibt es demi eine besondere oldenburgische Tollwut? Warum müssen in Oldenburg und Mecklenburg-Strelitz Visie durch tolle Tiere nickst gemeldet werden? Vielleicht nimmt man an, daß die staatlichen Hohcitsrechte von Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin von der Tollwut genau so unterschiedlich respektiert werden wie vom Gesetz! Wie unzureichend, ja sinnlos diese Schutzbestimmungen heute geworden sind, mögen noch folgende Beispiele illustrieren: Melde- pflichtig sind Malaria im preußischen Regierungsbezirk Anrich, in Württemberg, Baden, beiden Mecklenburg, einem hessischen Kreis« und drei oldenburgischen Bezirken: Windpocken in acht hessischen Kreisen: Wurmkronkheit in Bayern, Württemberg, beiden Mecklen- bürg, Anhalt und Lippe. Die Gegensätze zwischen den einzelnen Ländern erstrecken sich auch aus das ä r z t l i ch e Hilfspersonal. Für Kiankenpfloge- rinnen und Säuglingsschwestern ist überall eine zweijährige Lern- zeit oorgeschcn— nur in Bayern, Württemberg, Mecklenburg und Bremen genügt eine einjährige Schulung. Die Ausbildungszeiten für Hebammen gar sind so verschieden geregelt, daß das Prü- fungszengnis eines Landes nicht ohne weiteres sür das übrige Reichsgebiet gilt. Die Ausbildungszeiten schwanken zwischen neun und achtzehn Monaten, sc unterschiedlich scheinen hierzulande Kinder ausgetragen zu werden. Von der Wiege bis zur Bahre treibt jedes deutsche Land seine Eigenbrötelei, selbst die Leichenschauen sind Rejervole der Länder! Teils werden sie von Aerzten, teils von Nichtärzten aus- geführt: die Landgemeinde» von Mecklenburg-Schwerin, Braunschweig, Oldenburg, Anhalt und Lipp« sind überhaupt ohne ein? Jwangsleichenschau! Auch ein Reichstuberkulosegesetz besieht bisher noch nicht, die Bekämpsung der großen Bolksseuche ist noch den einzelnen Ländern überlassen. Das hat zu unhaltbaren Zuttönden geführt: für all« deutschen Länder sind zur Zeit Todesfälle an Lungen- und Kehtkopstuöerkulose axizcigepflichiig— nur für Mecklenburg-Strelitz nickst. Darüber hinaus— Mecklenburg-Strelitz ist überhaupt noch ohne jede gesetzliche Tuberkulosebctämpfnng! Wenn inon sich vergegenwärtigt, daß im letzten Iqhrzchnt vor dem Weltkrieg jeder zehnte Verstorben« in Deutschland der'Tuber- kulose erlag, Zahlen, die in den Jnslationsjahren 192(1— 1924 wieder erreicht wurden, so ist das ein nnverantmortlicher Leichtsinn an der Volksgesundheit. Die Lungenheilstätten, deren Zlnzahl in 30 Jahren von 59 auf 193 gestiegen ist, hoben gewiß schon Fruchtbares für die Behandlung des einzelnen Kranken geleistet. Aber sie müßten gesetzlich angewiesen werden, mehr dazu überzugehen, an Stelle der leichtkranken geschlossenen Tnberkulosesällc die schwerer kranken an- stccknngsgefährlichen B a z i l l e n a u s st r e u e r auizimehlnen. Das Ziel der Tuberknlosebekümpsung wird immer auch ein negatives sein: die— ineist in unhygienischeii Verhältnissen lesenden— Kranken in den letzten Monaten vor dem Tode, also während der größten Ansteckungsgefahr, zu i s o l i e r e n. Wenn trotz uneinheitlicher Bekämpfung die Tuberkulofetadessälle in den deutschen Großstädten seit 1921 von 22 43« auf 10 222 zurück- gegangen sind, so ist dos der Arbeit der Beratungs- und Für- sorgestellen zu verdanken, und der Erkenntnis, die sich mehr und mehr in allen Volkskreisen durchsetzt, daß neben therapeutischen Mitteln wie spezifischer Tuberkulin- oder Strahlenbehandlung, Lust und Sanne die besten Heil- und Verhütungsfaktoren der Tuberkulose sind. Daß das Reich in diesem Sinne schleunigst ein einheitliches Gesetz schafft, ist seine Pflicht als oberste Gesundheitspolizei. Fiep. Kleine Notizen D a s V i l a in i n D(bekannt unter dem Nansen Vigantol) wird in steigendem Mäße zu Heilzwecken verwendet. Hohe Gaben(dreimal 20 Tropfen Vigantolöl) zeitigten in einer Lungenheilanstalt bedenk- liche Krankheitserscheinungen: Appetit- und Schlaflosigkeit. Mattig- kcit, Durstgefühl, Gewichtsabnahme(bis zu 2 Kilogramm pro Woche). Kranke ohne offene Tuberkulose zeigten keiner- lei Krankheitserscheinungen. Die angedeuteten Erfahrungen lehren, daß jede Kur auf eigene Faust unterlassen werden muß! 'Der bekannt« Univer.sitöts-Massagelehrer Dr. F. K i r ch b e r g hat sür die Behandlung von frischen Der- stauchungen neu« und erfolgreich« Wege gewiesen. Freilich kann der neu« Weg nur durch einen massekundigen Arzt beschritten werden. Nach dem jetzigen Stande g»ht die Heiidehandlung folgen- den Gang: 1. Kalt« Umschlag« bis zu dem Zeitpunkte, in dem die Schwel- lung„steht", also nicht mehr zunimmt. 2. Schutz der Haut vor der Kältewirkung durch Einfettung mit Vaseline. 3. Nunmehr warme Umschläge. 4. Am folgenden Tage Beginn der Massage mit dem Zwecke, die Blutaustritte in der Gelenkkapsel zum Aufsaugen zu bringen. Massage täglich möglichst zweimal. 5. Nach der Massage Gelenk in entsprechende Bündel legen. Der Erfolg ist geradezu erstaunlich. Heilung nach soviel Togen ibie sonst nach Wochen. Bisher nahm man an, daß dos Hormon(d. h. der Saft) des Vordcrtappens des Hirnanhanges(Hypophyse) erst beim Eintritt der Geschlechtsreife in die Blutbahn gehe bzw. im Organismus vorhanden sei. P. Haupt st ein von der Frauenklinik in Freiburg im Breisgau hat nun nachgewiesen, daß das Hormon des Hypo- physenvorderlappens schon viel früher im Körper nachweisbar ist. Wir sind also heute nicht in der Lage zu sagen, welches Hormon unter den vielen die Geschlechtsreife zuerst hennnt und sie zur ge- gebenen Zeit fördert. % Im September 1 930 tagte in Zürich der 7. Kongreß sür Geburtenregelung. Cr befaßte sich in der Hauptsache mit den Methoden der Empfängnisverhütung und war insgesamt mit 114 Fachleuten beschickt. Zugelassen waren als Sprachen Deutsch und Englisch. Gleichwohl stammten die Teilnehmer aus den ver- schiedensten Ländern, z. B. auch aus Japan, Dänemark und von den Philippinen. Japan holte übrigens einen Medizinal- beamten als ojsiziellen Vertreter geschickt. Der Kongreß sah in der Empfängnisverhütung eine Möglichkeit � zur Bekämpfung der Abtreibung. Die deutschen Teilnehmer betonten die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit, das Problem der Empsängnisverhüttkng in den Rahmen des Mutterschutzes einzugliedern. Bezüglich der Methoden herrschte Einstimmigkeit darüber, daß für die absolut« Wirkung die Verbindung eines mechanischen mit einem chemischen Mittel verlangt werden müsse. Es wurde auf dem Kongreß auch die Frage der Unfruchtbarmachung, also die der Sterilisierung,«in- gehend erörtert. Interessant ist die starke Inansvruchnahm« der Stellen, die in den einzelnen Ländern im Interesse der Geburten- regelung eingerichtet worden sind. Seit 1923 besteht in New Vork die stirib Ccntroll Clinic, die bei.Zwölf wöchentlichen Sprechstunden bisher 19 000 Frauen beroten hat. Es werden daselbst mir ver- heiratete Frauen zur Sprechstunde zugelassen. In England besteht eine ähnlich« Stell« in Walworth, seit 192l. Sie hat bei drei bis fünf wöchentlichen Sprechstunden bisher insgesamt 12 386 Pattentinnen beraten. Unter den deutschen Städten ist am meisten Leipzig in Anspruch genommen worden. Dr. O. S. J.WOOLF Copyright 1950 by„Der Bücbcrtrcis G. m. b. H."# Berlin SW 61. (1. gortfefeuiiff.) Wer den Djungel zuerst in der Regenzeit kennenlernt, be- kommt keinen unfreundlichen Eindruck m?n ihm. Die Ääunie sind grün, und das Gras wächst knietief auf den Lichtungen. Ueberall steht Wasser in Tümpeln; kein Tier Hot es nötig, des Nachts voll Angst zum Flusse oder Wasserloch zur Tränke zu schleichen. Hirsche und Wildschweine streifen umher und werden feist vom jungen Gras und von nahrhaften Knollen; der Elefant wandert fern von seinen? Standplatz an dem grossen Strome.— Aber diese guten Tage sind ball» vorüber. Der Nordostwind schläft ein, der Regen bleibt aus; einen Monat lang steht der Djungcl regungslos da; aus wolkenlosem Himmel schicht die Sonne ihre Strahlen herab; die Glut der Luft wird durch keinen Windhauch gemildert. Es ist Frühling im Djungel, ein kurzer, feuriger Frühling, der an einem Morgen die Bäume in Riesenfträuss« von gelben und weißen Blüten verzaubert, die schon abends welken und fallen. In der brennenden Sonne schwindet das Wasser in den Tümpeln; der Boden backt zusammen und wird hart wie Stein. Jetzt beginnt der Wind aus Südwesten zu wehen; es regnet noch einmal«in wenig, das lctztemal, el)« die lange Trockenzeit einsetzt. Der Heisse Wind fegt über die Wipfel dahin, Gräser und Kräuter verdorren; die Blätter der Sträuchcr werden schwarz und fallen ob. Schmaler und schmaler werden die grossen Ströme, bis zwischen den gewaltigen, weihen Sandbänken nur noch ein armseliges Rinnsal seinen Weg sucht. Die Wasserlöcher sind leer; nur hier und da, wo sie besonders tief zwischen den Felsen liegen, ist noch ein wenig lehmiges Wasser zu finden. Jetzt zeigt der Djungel sein wahres Gesicht. Weit und breit gibt es kein Wasser mehr für die Tiere. Di« Elefanten erinnern sich der fernen Ströme, deren Ufer sie bei Anbruch der Regenzeit verlassen hatten; sobald der Wind anfängt aus Südwesten zu wehen, streben sie zu ihnen zurück. Di« Hirsche und Wildschweine jedoch wissen nichts mehr von dem Strome. Das Wasser ist in den Löchern so tief gesunken, daß sie auf dem glatten Gestein nicht mehr herankommen können; Tag und Nacht umkreisen sie di� Löcher und recken die Hälse noch dem Wasser, ohne es berühren zu können. Biel« gehen an Durst und Schwäche bei den Wasserstellen zugrunde. Häufig gleitet ein Tier bei den Bersuchen, das Wasser zu erreichen, aus und stürzt auf den lehmigen Grund; abends findet dann der Leopard eine leicht« Beute. Grosse Rudel von Hirschen irren, von Durst gepeinigt, durch den ausgetrockneten Djungel. Sie wittern da» Wasser in dem Winde, der vom Meere her weht. Tag auf Tag ziehen sie weiter von den Strömen fort in den Wind hinein nach Süden, der Küste zu; von Jeit zu Zeit heben sie die Köpfe, um den Geruch des Wassers einzusaugen, der sie unwiderstehlich vor- wärtszieht. Wieder fallen viele Stücke an Durst und Schwäche; die Schakale folgen dem Rudel und'reißen am lallen Tage die Küldchen nieder, die ihre Mütter nicht mehr verteidigen können. Die Rudel aber wandern weiter, bis sie eines Tages an dem öden, salzigen Strande des Meeres stehen. So sieht der Djungel aus, in dem das Dorf Beddegama lag. Der Ort bestand aus zehn verstreut liegende» Häusern, armseligen Hütten mit Wänden aus Knüppeln, die mit Lehm beworfen waren. Ein einziges Haus— das des Dorfältesten Babehami— Halle ein Ziegeldach; die anderen waren mit den geflochtenen Blättern der Kokospalme gedeckt. Hinter den Häusern lag östlich vom Dorfe dos Staubecken, das in einer Bodensenke im Djungel angelegt war. Man lullte quer durch die Senke einen langen, schmalen Damm gebaut, hinter dem in der Regenzeit das Wasser aufgespeichert werden konnte. Unterhalb des Damines log eine Reihe von ebenen Feldern— in allem etwa dreißig Aecker—, die von dem Stau- decken aus bewässert werden konnten und von den Dörflern mit Reis bestellt wurden, wenn das Wasser dazu ausreichte. Wie«in« riesige, dichte Hecke uingab den Djungel,' die Reisfelder und das Staubecken; mit der kleinen Fläche� auf der die 5)üttcn in ihren Höfen standen, war dies in weitein Umkreise das einzige offen« Gelände. Die Bewohner des Dorfes gehörten alle der Goya-Kaste an, das ist die Kaste der Ackerbauer. Wenn>nan sie nach ihrer Be- schästigung gefragt hätte, würden sie gesagt hadern„Wir sind Reisbauer"; talsächlich pflanzten sie aber nur einmal in zehn Iahren Reis. Der Anbau von Reis erfordert sehr viel Wasser, denn er muß wochenlang darin stehen, während er heranwächst und reif wird. Er konnte nur dann gesät werden, wenn dos Staubecken überlief, und viel Regen mutzte fallen, bis das der Fall war. Wenn der Nordostmonsun im November reichlichen Regen bracht« und die Leute sich Saatkorn borgen konnten, waren die Reisfelder im Januar und Februar grün, und das Jahr brachte Kraft und Gesundheit ins Dorf, denn Reis ist bekömmlicher als irgendeine andere Nahrung. Aber das kam selten vor. Für gewöhnlich lebte das Dorf von der Chenokultur. Im August nahm jeder Mann sein Haumesser zur Hand und ging in den Djungel, um auf einem ein oder zwei Acker grossen Stück das Unterholz abzuschlagen. Dann kehrte er nach Haus« zurück. Im September ging er wieder hinaus und setzt« dos trockene Gestrüpp in Brand. Nachts war dann der Djungel ringsum meilenweit von den zerstreuten Feuern erhellt; weil der Boden so arm äst, daß eine Chcna nach einer Ernte sür zehn Jahre nicht wieder besät werden kann, müssen sich die Dörfler nämlich in jedem Jahre ein neues Stück Djungclland für die Brondkulluf suchen. Im Oktober wird der Boden vollends gc- reinigt und nach dem ersten Regen im November breitwürfig mit .P>irse, KurakkanH oder Mais besät; daneben wird Kürbis, spanischer Pfeffer und etwas Gemüse gepflanzt. Im Februar werden die Kornfrüchte geerntet, und davon mutz das Dorf bis zum nächsten Februar leben. Ein« ander« Besänftigung sür die Männer gibt es nicht, und niemand denkt daran, das Dorf zu vorlassen und ousser- halb Arbeit zu suchen. Aber selbst in einem guten Jahre reicht die Körnercrnte aus den Ehenas für die Dörfler nicht aus. Genau wie im Djungel Angst und Hunger mit jedem Tier kriechen, schleichen und lauern, so hingen Hunger und die Angst vor dem Hunger unaufhörlich um da, Dorf. In jedem Jahre kannten die Dörfler >) SfutaÖoa; eine Hirseart, Uemdne ocncaa*. nur für die ersten Monate nach der Ernte die Wohltat regelmäßiger Mahlzeiten. Dabei geben die Körnerfrüchte der Ehenas eine un- gesunde Nahrung ab, die das Blut erhitzt und Fieber und die ekel- haftest« aller Krankheiten, Parangi, mit sich bringt. In dem Dorfe waren nur wenige, deren Schenkel von den häßlichen Parangi- Schwären frei waren, die bis auf die Knochen gehen und immer schwarz von Fliegen sind. Die nackten Kinder krochen schon bald nach ihrer Geburt mit gelben, vom Fieber aufgetriebenen Bäuchen umher, ihre Gesichter waren wie von der Wassersucht gedunsen und die Arme und Beine wie dürre, krumme Stöckchen. Das Wesen des Djungels beherrscht das Dorf und seine Be- wohner. Es sind einfältige, finstere, schweigsam« Menschen, von deren Gesichtern man sogleich die Aengste und Vitterniss« ihres Daseins ablesen kann. Sie haben viel von den Tieren, die in dem Djungel ringsum leben. Wenn sie einen ansehen, ist eimnal die stumpfsinnig« Geduld des Büffels und gleich wieder die Ver- schlagenheit des Schakals in ihren Augen. Und dann steckt in ihnen die blinde Wut des Djungels, der Blutdurst des Leoparden und die schnell entfachte Kampflust des Bären. In Beddegama lebte mit seiner Frau Dingihami ein Mann, der Silindu hieß. Das Paar war eine von den zehn Familien, die das Dorf bildeten und alle mehr oder weniger eng verschwägert waren. Silindu war ein Vetter der Frau, des Dorfältesten Babe- hami, dessen Hof an den seinigen anstieß. Babehami war Aeltester geworden, weil er der einzige im Dorfe war, der seinen Namen schreiben konnte. Er war klein von Gestalt und wurde deshalb meist Punchi Arachi, das heißt der kleine Arachi'), genannt. Vor vielen Iahren hatte er als junger Man» eine Wallfahrt nach der Aihare�) von Medamahanuwara gemocht. Er war dort krank ge- worden, und in den ein oder zwei Monaten, die er in der Pansala,) des Priesters zubrachte, hatte er genügend Schriftzeichen gelernt, um seinen Namen schreiben zu können. Silindu war ein Bauer wie die anderen Dörfler. Man sagte, er sei„tiuü pissu", das heißt: etwas oerrückt. Einen fauleren Mann konnte man im Dorfe nicht finden, selbst wenn er in seiner eigenen Chena arbeitete. Sein« eigentliche Beschäftigung war die Jagd. Mit einem Vorderlader, dessen langer Laus einem Gasrohr glich, erlegte er Hirsche und Wildschweine, die er im Dickicht des Djungels beschlich, oder denen er des Nachts auflauerte, wenn sie zur Tränke kamen. Warum der kleine, schweigsame Man» mit dem verkniffenen Gesicht des grauen Affen und dem. langen, läutlosen Schritt als„etwas verrückt" galt, war nicht ohne weiteres klar. Auf den ersten Blick schieki er nur ein wenig schweigsamer und träger zu sein als die anderen Dörfler. Aber das Dorf hatte seine Gründe. Silindu schlief mit offenen Augen wie manche Tiere, und sehr oft jankte und zuckte er im Schlafe wie ein Hund. Er schlief so leicht wie ein Hirsch und hatte in demselben Augenblick, in dem er geweckt wurde, alle seine Simie beisammen. Wenn er nicht im Djungel war, hockte er den ganzen Tag im Schatten seiner Hütte und starrte vor sich hin; niemand konnte dann sagen, ob er wachte oder schlief. Oft mußte er angestoßen werden, ehe er sich um jemand kümmerte. Das merkwürdigst« an ihm war ober dieses: Obwohl er sich doch immer im Djungel umhertrieb und ihn besser kannte als irgendein Mensch» fürchtete er sich vor ihm. Niemals versuchte er, diese Angst zu leugnen oder zu erklären. Wenn andere Jäger ihn deshalb auslachten, jagte er nur:„Ich fürchte kein Tier des Djungels, nein, nicht eimnal den Bären oder den Elefanten, der einzeln geht und vor dem ihr alle Angst habt; aber ich habe Angst vor dem Djungel." Trotzdem hing er an Um. ohne es selbst zu wissen, wie der wilde Büffel an seiner Suhle und der Leopard an seiner Höhle in den Felsen. Schweigsam, träge und verdrossen arbeitete er in der Chena oder saß er in seinem Hose umher; wenn er aber in den Djungel ging, war er ein anderer Mensch. Die Knie leicht gebeugt, glitt er durch das dichte Gestrüpp mit einem langen, jedernden Schritt, in dem man zugleich ängstliche Borsicht und fröhlichen Eifer spürte. Wild und unberechenbar wie der Djungel konnte Silindu auch in seinem Tun und Begehren sein. Er war nicht leicht auszirbringen, er erkannte nicht so bald die Hand, die ihm unrecht tat. Wenn er ober gereizt war, saß er stunden- und tagelang regungslos in seinem Hofe; plötzlich erhob er sich dann, stellte den Gegner und siel über ihn her wie ein wildes Tier. Manchmal kam des Nachts ein langgezogener Schrei aus seiner Hütte. Dann lächelten die Dörfler und sagten:„Hört ihr, der Leopard ist bei seinem Weibchen", und am anderen Morgen mußte Dingihami, wenn sie am Staubecken Wasser holte, den Spott der Frauen hören. lFortsetzung folgt.) >) Arachi: Aclicstcr, Borllrhrr der kleinsten Bern>altung»«inhett, der lDorf-) Gemeinde. -) Bihtre: buddhistischer Tempel, der ein Bild de, Eotama Buddha enthält. •) Pansala: Priesterschulc, häufig mit einer Vihare verbunden. 'zBejch ftoberl Qraves: Strich drunter*) Graves ist Engländer, jetzt vielleicht 3S Jahre alt. Sein Buch ist eine Art von Selbstbiographie, eine Abrechnung, ein Sich-Frei- schreiben von der Sinnlosigkeit eines dremnddreißigjähngen Lebens. Die Hälfte davon verbringt er in englischen Schulen, dann drei Jahre Krieg und was dann noch übrigbleibt von dem Menschen Graves, das sind Nerven, die nicht mehr funktionieren und ein Körper, der gegen Krankheiten nicht mehr sehr widerstandsfähig ist. Schon in der Schule und im College ist er ein Außenseiter. Die Er- Ziehung zum Gentleman mißglückt an ihm. Er schreibt Berse und klettert in den Bergen umher. Kaum neunzehnjährig überrascht ihn der Krieg.„Ich dachte nie an die Möglichkeit, daß Zeitungen und Staatsmänner lügen könnten. Ich vergaß meinen Pazifismus — ich war bereit, von den Deutschen das Schlimmste zu glauben. — Ich schrieb ein Gedicht, das Rache für Löwen versprach." Dann wird auch sür Ujn der Krieg zur Wirklichkeit. Der erste Tole, den er sieht, ist ein Selbstmörder.„Er war mit beim letzten Vorstoß und das hat ihn etwas konfus gemacht, und dazu hatte er schlecht« Nachricht..." Sein Mädel schlief daheim mit einem anderen. Graves erzählt ohne Palhos vom Kriege. Sein Buch ist weder Anklage noch Rechtfertigung. Man merkt, wie die Menschen gleich- gültig werden gegen alles. Ein Soldat möchte gern einen Heimat- schuß abkriegen. Er streckt den Arm aus dem Graben und fuchtelt damit herum.„Fritz" schießt nicht. Schlafen denn die Kerle drüben? Er steckt den Kopf über den Grabenrand— bum— mitten in die Stirn. Das wird als ein kapitaler Witz belacht. Bei einem Sturm- angriff wird Graves ein« Lunge zerschossen. Er kommt heim. Bald darauf ist der Krieg vorüber. Aber Graves ist i m m e r noch im Kriege. Wenn ein Autoreifen platzt, sucht er Deckung. Er leidet an Zwangsvorstellungen. Als Schuljung« ist er in den Krieg ge- kommen, er ist noch nie ein Zwilist gewesen. Jetzt findet er sich im bürgerlichen Leben nicht zurccht. Er heiratet, kriegt Kinder, schreibt Verse. Aber es ist alles nichts Das Buch verrät es. Er schließt sich ab vom öffentlichen Leben,„nichts mehr von Politik, Religion, Gesprächen, Literatur usw." Leutnant Graves ist an einem Ende. Auch die K u l t u r. Und er glaubt nicht mehr an einen Anfang. Reichsminister T r e v i r a n u s hat das Buch übersetzt und ein Vorwort dazu geschrieben. Die Uebersetzung ist gelungen. Das Vorwort zeigt, daß der Minister Dinge- aus dem Buche herausliest, die gar nicht drin stehen.?. Leppcr. *) Transmare Verlag, München. Geheftet 7,60 M., geb. 10 M. WAS DER TAG BRINGT ■MinwiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiriiiniiiiiiiiiiiiiiiiiriiMiniliiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiMimww— iniiMiiiiiiiniiiimiuiiiiniiiiiiiiiiiiuiuMiiiiiiiiiiiiuiiiiiii>iiiiiiiiiiiiiiii" T Deutschenhaß? Ein« wichtige Besprechung zwingt mich, einem Bekannten aus der Schweiz nach Frankreich zu folgen. Eilig. Aber ich habe kein Visum für Frankreich. Man sagt mir, an der Grenze bekäme ich für fünf Tage einen Grenzschein. Der Schweizer Gendarm ist jedoch nicht auf dem Bahnhof der Grenzstation; der Zug droht abzufahren, kein französischer Beamter hat mich nach einem Paß gefragt. Also frech weiter, rein ins Franzosenland. Aus den be- absichtigten paar Tage» werden zwei Wochen! Herrliche Wochen, in einem Land der Höflichkeit, ja der Herzlichkeit, obwohl ich an meiner Seglerrnütz« die Farben unseres Reichsbanners beinahe demonstrativ trage; obwohl ich ehemaligen französischen Soldaten gegenüber absichtlich betone, gegen sie im Felde gestanden zu haben. Ich bin ihnen nur der freudig begrüßte„camaracle ali'ermricl". Endlich aber heißt es Abschied nehmen. Dos Gewissen schlägt, von wegen der Pahangelegenheit. Also über die italienische Grenze hinaus aus Frankreich. Da, kurz vor Modane:„I�es passeporU, s'il vous plait!" Eiweih, was kommt jetzt?— Kurze Erklärung des Sachverhalts, anschließende Vernehmung im Passbllro' des Bahnhofs von Modane und... tausend höfliche Entschuldigungen, daß man mich mit dieser leidigen„knrmaiilö" behelligen müsse. Und dann stempelt man mir«in Durchreisevisum nachträglich in den Paß. Kostenpunkt: 3 Franken.- 80 Reichspsennig!' (Bescheidene Frage: Was wäre mir wohl als Ausländer bei uns passiert, wem? man mich auf solch einem groben Passvergehen betroffen hätte?) G. T. M. Das Kino der Deputiertenkammer Seit einiger Zeit dasitzt die französisch« Deputiertenkammer ihr besonderes Kino, dos aber nur für private Ausführungen bestimmt und Ausscnstelienden unzugänglich ist. Der Apparat ist sehr einfach und der Vorführungsraum faßt kaum mehr als hundert Personen. Dorgeführt norden Filme, die einen belehrenden Inhalt hoben, oder solche, die mit einer Kammerdebotte in Zusammenhang stehen, etwa aus dem landwirtschaftlichen oder industriellen Leben g?- nommon sind. Mit besonderer Borliebe werden auch Bilder aus dem heutigen R u ss l a n d besichtigt. Dagegen lehnt die Kamm»» nach wie vor jede kinematographifche Zlufnobme ihrer selbst ob, so oft man dies auch unter Hinweis auf die historische Bedeutung eines solchen Films für spätere Zelten beantragt hat. Rur einmal war einem solchen Antrag aus bisher unbekannten Gründen vom Präsidenten stattgegeben worden. Als aber der Photograph erschien und die Kurbel drehen wollte, erhob sich unter den völlig über- raschten Deputierten ein solcher Slurm des Unwillens, daß der Photograph, ein so prächtiges Bild die erregte Kammer auch au; der Leinwand geboten hätte, eiligst seinen Apparat zustimmenpackie und die' ungastliche Stätte des Palais Burbon verließ. Technik und Kinder Das South-Kensurgton-Museuln beabsichtigt, eine besondere „Kindcrabtellung" einzurichten, die den Kindern die Entwicklung der Technik und der angewandte» Wissenschaften in einfacher und verständlicher Form vor Augen führen soll. Selbstverständlich benützt man hierzu ganz neue Methoden der Veranschaulichung, um bei den jugendlichen Besuchern keine Langeweile auskommen zu lassen. Es weichen besonders grosse Panoramen aufgebaut und mit Hilfe von Figuren, Menschen, Tieren und Maschinen will man so die Einzelheiten der Erfindungen zeigen. Gründung einer englischen Shakespeare-Schule Aus Anregung der Britischen Gesellsckjoft für Dichtkuisst ist eine besondere Shakespeare-Gilde gegründet worden, die beabsichtigt, einen nationalen Wettbewerb für den Vortrag von Shakespeare- Sonetten und das Spiel einzelner Szenen aus Shakespeare-Stücken zu veronstalien. Die Teilnehmer an dem Wettbewerb erhalten vorher längere Zeit einen Unterricht über Shakespeare und dramatische Sprechkunst. Die Teilnahme wird aus clwa 100 000 Personen geschätzt; mich den Ausschcidungswettkämpsen in den ein- zelnen engtische» Städten wird in London«in Endwettkamps der besten Teilnehmer stattfinden. Die lächelnde Sekte In Debreczin. dem Hauptsitz der ungarischen Protestanten, hat eine Arbeiterin eine neue Sekte gegründet. Sie meint, daß in der Bibel gar nicht ewige Buße gefordert wird, sondern das Christus den Grundsatz der Freude gepredigt habe. Deswegen tragen die An. Hänger der Sekte ein lächelndes Gesicht zur Schau, guch wenn sie wirklich keine Ursache haben, und bei ihren Gottesdiensten tänzeln sie im Zimmer umher und küssen von Zeit zu Zeit die Bibel. Vor- läufig hat die Polizei die polizeil'.che Aussicht über den neuen Klub von Heiligen angeordnet, ~X4l>-Meter-Crawlstaffel, die die Zuschauer gleich in die richtige Stimmung versetzte. Sieger blieb nach hartem Kampf Hellas vor Lichtenberg. Bei der Frauenpaddelstafette siegte die Union vor Hellas. Besonderes Interesse erweckte die Männercrawlstafette 6X100 Meter. Die Hellas-Mannschaft, die sich in großer Form befand, verwies die weiteren Mannschaften aus die Plätze. Beacht- liehe Leistungen zeigten auch die Kinder- und Iugendmannschasten der dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angeschlossenen Vereine. Gut gelungen und mit besonderem Beifall wurde der 16er K u n st- reigen der Frauen des festgebcnde» Bereins aufgenommen. Umrahmt wurde das Fest durch 3 Äasserballspiele, von denen besonders das Kinderspiel Lichtenberg gegen Union hervor- gehoben werden muß. Die Ballbehandlung der Lichtenberger war hervorragend. Das Männerspiel der Klasse A, Hellas gegen Union, endet« nach sehr hartem und körperlichem Kampfe mit 6: 4 Toren für Hellas. Resultat«: Rkwltatc: Miinnercrawlstassel 20X40 m: 1. Scllas 8,56 Min.. 2. Lichtend« r« 9,01 Min. Weibl. Zuaendcrnwlstnfetle: I. Lichtcnbeen 2,22 Min., 2. Reutölln 2,24 Min. Franenpoddclstafette 6X20,»: 1. Union S.Oö Min., 2. Hellas 3,0« Min. Mädchenbruslstafetlc 6X40 m: 1. Lichtcnbera 4,16 Mi»., 2. Neukölln 4,41 Min. SnobtncracnUlciffel 4X40 in: 1. Hellas 2,0:1 Min., 2. Union 2,04 Min. Männl. Iuaenderowlstafette: 1. Charlottcnbuea 4,05 Min., 2. Möwe 4,26 Mi». Lancn. stafkel kllr alic Herren: 1. Union I. Mannsch. 3,56 Min., 2. Union 2. Mannsch. 3,5? Min. Mannercrawlstafetle 6X100 m: 1. Hellas 7,31 Min., 2. Lichtenberg 7,52 Min. Mannt. Iugcndmannschastskamvf: 1. Cdarlottenburg 103 Punkte, 2. Union 100 Punkte. Weibl. Iugendlagenstaffel: 1. Lichtenberg � 2,53 Min., 2. Union 3.09 Min. ürauenbrustsiafettc: 1. Hellas 6,06 Min., 2. Union 6,16 Min. Moringen tllr Männer. Ulasle 0: l. Ziemer, Hella» 25 Punkte. 2. Sllbring 17 Punkte. Mäunerbruststasettc>0X100 m: 1. Hella» 15,07 Min., 2. Möwe 15,11 Min. Wasscrballspicle. Klasse 2: Hellas-Union 6:4(3:2). Wallerboll. spiele, Jugend Charlottenburg.Union 6:4(4:2). Wasserballspiele, Kinder Lichtende rg.Union 7:0: 0)._ Moiorbootrennen bei Potsdam Wasser von oben und unten Die Herb st-Motorbootregatta des ADAC, brachte am Sonntag auf dem Templiner See bei Potsdam noch einmal apes auf die Beine, was auf„eigenen Kiel" Anspruch erhebt. Ein fabel- Haftes Meldeergebniz brachte starke Felder, die besonders in den Rennen der Außenbordklasse interessante Kampfmoniente boten. Das Wetter war diesen kleinsten und billigsten der Rennboot- typen nicht gerade günstig: sie hatten sehr mit Wellen und Wind zu tun, aber es gab keine Aus'älle. Konstrukteur Fugmann konnte mit seiner„Donga III" die Preise sowohl der L- wie der O-Klasse erobern, die schnellste Runde des Tages fuhr Baotz in seiner„R VII", er erreichte 57,2 Stundenkilometer. Leider fiel in der Sonderklasse der Tourenboote über 40 Kilometer der„Bussard III" aus, weil er von dem Rennen in Nizza immer noch nicht die Grenze passieren konnte. So holte sich denn dos Boot„Dr. H o o s- W e r f t" mit feiner nur 16 Steuerpferde starken Maschine einen schönen Sieg über Boote mit viel stärkeren Maschinenanlagen. Ergebnisse: Aussenbsrbpennbäpte. Klallc N, 12 Zkilometcr: 1. Cl. Beatz(R'VZ 18:19; 2. Karlilch-Königsberg(ssrofch) 19:15.— Klxss« Cj 1. gugman»(Toago IM 313 Punkte: 2. Wurme((Eff«tt I) 221 Punkte.— Klasse D: 1. ffuomomi CiTonsa NI) 313 Punkte: 2, P. Pagss(21 III) 265 Punkte— Offen««oote, Klaffe Ii 1. SchBnftlb(Sein,) O.MI Punkte: 2. Gutfche(Pdria) 0.869 Punkte. — Klaff« II: 1. Lange(Odin) 0,937 Punkte: 2. Kanber(Anna) 1,014 Punkte.— KaiSt-Baate, Klaff« I: 1. Mai(Nuihmaus II) 0.609 Punkte: 2. Hagebarn (Treu) 0.825 Punkte.— Klaff» Ii! l.«sslaw(Sturmvagel) 1,520 Punkt«(Allein. gang).— raurenbaat«. Klaffe Ml 1. Lrbmann(Trott) 0.891 Punkte: 2. Namm i Santa IN) 0,985 Punkte.- Klaffe IV: I. Wendt(Sturmvagel III) l.139 Punkte: 2. ÄrOger lSeelöme 1!) 1.165 Punkte.— Sanbe-tlass«: 1.?r. Haas 1.130 Punkte: 2. Kriiger(Seelöwe III) 1.233 Punkte.— Tau«»ba»te mit Attßindardwobarr». Klaffe r: 1. Schneider(£): 2. tzieft lIobnionette),— Klaff« D: 1. Ivob?: 2. Boot 80. Ruder. verein Borwärt» 78:36,4: 3. Boot 81, Ruderverein Vorwärts 78:47,4.(Di». qualifizierte Mannschaft, Boot 78. Ruderverein Bulab 76:28,2.) Kanufahrer. Doppellajal, Klasse V, gemischt: 1. Boot 8, Klnzelfahrer: Elfe Seifert. Keora Biedermann 56:15,4: 2. Boot 15. ssreie Wasscrfohrcr Köpenick 57:43,4: 3. Boot 11. ssTGB, 58:0,3,— Aaltboot,«lasse IT: I. Boot 18. girsB.: Klinqenberä 61:24,4: 2. Boot 22, ssreie ssaltbootfahrer 61:55,4: 3. Boot 20, greie �altbootfahrer 64:21,4.— Doppeltaial, Klasse V, Junioren: 1. Boot 37, KTKB.: Conrad, Spielmann 53:13,0.: 2. Boot 96, ss?KB. 58:31,4; 3. Boot 32, Ruder, und Kanuvcrein 192, 54:0,0,— Doppel. lojok, Klasse IV: i. Boot 44, Rowawes: Mocllendorf, Schimmer 59:15,2: 2. Boot 45, ssrcic Kanuunion 60:54,4: 3. Boot.39, FTKB. 61:39,4— Doppel. Klasse v, Senioren: 1. Boot 46, Dchwcifstcrne: Gölte, Brllfch 53:42,0; 2. Boot 47, Steit Kanuunion 54:49,4; 3. Boot 48, lfteit Wasserfahrer-Auf. wärt» 54:59,4.— Faltboot, Klaffe X: 1. Boot 57, öchmcifftmu: HahncI, Wirrisch 54:524): 2. Boot 52, Epremberg 55:47,3; 3. Boot 56, Freie Faltboot. fahret 56:46,0.— Fünfer Kajat, Klasse VII: 1. Boot 67, Freie Kanuunion: Fehler, DIock, Kowalski, Spruna. Schönian 82:54,4: 2. Boot 68, FTKB. 16:31,9: 3. Boot 65, FTKB, 87:43,0. Kleiner Sport von überall Die Sporlobleilung Rordring der FTGB. hat jetzt ihren Winter- betrieb voll ausgenommen, und zwar sind die Gymnastikabende für Männer und Jugendliche jeden Donnerstag, 19� Uhr, in der Hall« Greifenhagener Straße S8 und die der Sportlerinnen j�hen Dienstag. 20 Uhr, ii? der Turnhalle Jbsenstraße 17. Das Lmiftraining im Freien findet sllr olle Mitglieder Dienstags von der Halle Ibsen- sirah« aus statt. Freitags, IM Uhr, reservierter Badea bend m der Badeanstalt Oderberger Straße. Auskunft erteilt: Egon Schlag, Berlin R. 113, Schivelbeiner Str. 22. Telephon: Humboldt Ä7S. Wer will rudern lernen? Mit dem Ende der Rudersaison be- ginnt in allen Vereinen die Ausbildung neuer Mitglieder, und so hat auch der Ruderbezirk der FTGB. seine Mitgliederliste für Jnter- essenten geöffnet. Es ist ratsam, schon jetzt mit der Ausbildung von Anfängern zu beginnen, da erstens durch die Ausbildung in einer ge- schlossenen Ruderanlag« eine gute �Technik erzielt wird, und zweitens im Frühjahr die ersten schönen Sonntage nicht durch Kastenrudern versäumt werden. Sitzungen finden jeden zweiten und letzten Donnerstag im Monat bei Schmidt, Berlin-Riederschöneweide, Ber- liner Straße 97/98, statt. Aieseler siegt in Mailand. Bei der großen Flugsport-Propa- gandaveranstalwng in Mailand trug der deutsche Kunstslugmeister Gerhard Fieseler einen großen Erfolg davon. Bor den Augen einer begeisterten Zuschauermengc führte er ein Programm mit atem- beraubenden Schwierigkeiten vor, das ihm keiner seiner Mitbe- werber nachzumachen imstande war. Unter großem Jubel wurde Fieseler der erste Preis zuerkannt vor dem Italiener de Bernardi und dem Leipziger Dr. Hans Gullmann. Auch die Darbietungen der deutschen Kuiistflugmeisterin Liefet Dach fanden ungeteilten Beifall. heros-Zubiläumskämps«. Heute Dienstag, 20 Uhr, veranstaltet der Boxsporttlub Heros im Äri«gerver«inshause. Chausseestr. 94, einen Kampfabend, dessen Programm sehr interessante Kämpfe er- warten läßt.____ RB,.«orwärl»". Die Turi.abende in bor Holteistraße beginne» am Dienstag, dem 21. Ottober. Donntag, 12. Ok:obcr, Abrudcrn: im Boolshaus Kommers Tavpjftevveveia»Die Raturtveuube", Zentrale Wien. Dienstag, 7. Oktober. 20 Uhr. Abt. Friedrich« Hain: Frantiurtcr Allee 307, Distnflionsabend:„Das Ardeitslofenprvdlem".— Abt. Friedenau: Offenbacher Sit. 5a. Mi!glicdrr° Versammlung.— Abt. Sorben; Eonnonburger Str. 30.„Unlcre Jugend bringt etwas."— Abt. Neukölln(Ingcndgrnppc). Flughafenftr. 6«. Hrimbefprechnng. — Abt. Wcdbing! SEvriner Ecke Seestrassr.„Klomauk."— Abt, Humbaldthain: Orthftr. 10.„Mod-rne Satire."- Abt. ELdosi(Ingendgruppc). Wrangcistr. 128. Kefchäftliche».— Mittwoch, 8. vltaber, 20 Uhr. Osten(Iugendgruppe). Kogler. ssrahc 6l Dernclle Fragen.— Phot»g«M«infch»ft, Abt. Mitte: Johannis- ftraße 15. Knmbalblhai» 11(kUigenbati ppf): Tnrinrr Ecke Eecssraftc. Tie». beobachtnngen.— Donnerstag, 9. Ottober, 29 Uhr. Abt. Kelundbrnnnen: Pank, Ecke Wi-fe»slrage. Unierhaltungsabend. Kefchäftliches.— Abt. Lichten. berg.- Kuntcrftr. 44. Reformklciduna.— Photeaemeinlchatt, Abt. Norden: Pank. Ecke Wiefenstraßc,— Naturkundliche Abteilung: Iolmnnisftr. 15. Ar» beitsabcnd.— Musslgemciufchast: Fohannisftr. 15.— Abt. Pren, lauer Brrg: Danziaer Str. 62. Heiterer Abend lLicderbllchcr mitbringen). � Abt. Südwest: Porckstr. 1l. Literarischer Abend.— Abt. Neukölln: Bergstr 29.»Warum Gewerkschaft?"—» M. Spanbau: Lindenufcr 1.— Abt. Tirrqart«»: Lehrtcc Straße 18—19.„Der Sinn„nfercr Natnrfclmdebcwrgung."— Abt. Wrißrnfcr.- Ptjtoriusftr. 24. Schwimmdezirl Krcuzberg. Morgen, Mittwoch, 20 Uhr. Alle Schwimmer, dir Interesse baden für das Netkimgsschwimmeu. treffen ssch im Jugendheim Walfertorftr. 9 Freitag, 17. Oklobcr. ZIach dem Baden Monatspeifainniluiig bei Krüger, Krimmstr. I. Freie Nubcrrr.Pcrrinigung 1913. Sitzung Freliag, 19. Oktober, 20 Uhr. im„Straudfchloß", Oberfchönewcide. In der Frauen., Ingenh» und Männer- abteilnng werden noch Mitglieder aufgenommen. Anschrift: Herm. Madfack, Berlin 3t. 31, Swinemllndcr Sit. 90. Freie Schwimmer Kroß-Berli» e. P. Tonnrxslag. 9. Oktober. 18 Uhr, Hauptoarssandssltzunq in der Kefchäftsstcllc, Anschließend um 20 Uhr Haupt- ausfchußfitzung. Freie Sportoerrinigung Tegel 1899 e, B. Mittwoch, 8. Oktober, 2l Uhr, Bcrsammluua der Männerlurnabteilung, Turnhalle Lyzeum Tegel, am Erorl- platz. Turnen beqinnt an d efern Tag»m 19 Ilbr. ACE., Hockey Abteilung. Sitzung 8. Oktober, 20 Uhr, bei Juschkat, Hohen- lohe. Ecke Koßlcrstraße. FTGB. Kroße Fraiicnaiisfchitßfttziinq morgen, Mittwoch. 1914 Uhr. in der Kreisgeschäftssteve, Elfässer Sit. 86—88.—«aunbezirk. Do nncrsfag, 9. Ol- lobet, Mitgliederperlommlung tut„Falkenfteiner", Fa-ckonsteinstr. 49.— Kinde, anofchuß. Sitzung Eonnabend. II. Okiober, l9b Uhr, in der Kreis- g-schäftsstelle.— Bezirk«esten. Mittwoch. 8. Oktober, 20 Uhr.»czirksviertel. jahresoersammlung bei A. Rickert. Eteinmetzstr. 36.,. Portragt„Erste Hilfe". Turnbetrieb beginnt 14. Oktober. Culmstraße.— Ruberbezirk. Am 9. Of- tohrr Sitzung im Bootshaus. Mitaliedcr werden wieder aufgenommen. Trainingsabende nur noch Sonnabends.— FT»«..BoI>eab«ad. Die kleine Halle des Stodtbades in dck Kerichlstraß« steht uns feden Dienstag oo» 19 bis 2014 Uhr zur Verfügung. Käste willkominc».— Reukölln-Britz. 2. Männcrabtciluna. Heiilr. Dicnslggabcnd. Ouarlalsverfgmmlung 19>.4 Uhr bei Becker. Britz, Cbausseeste. 97. Aebeiteefporlverein Rculöl«. Troiningszeitcn der Abteilungen i» der Walter-Rathenau-Echnle. Neukölln, Boddinftraße. Montggs non 20 bis 22 Uhr- Iugendobtellnn«. MiNwoch? von 30 bis 22 Uhr: Sportabteilung. Donners� tags von 20 bis 22 Uhr: Frauenabteifung, Freitags von 20 bis 21 Ilhr- Männerlurnabteilung. Die kürzlich eröffnete Kinderadteilnng übt jede» Mitt� woch und Freitag von 18 bis 29 Uhr. Im Ucbungsvian der Kleinen ist ebenfalls wie in den anderen Abftilungcn madcrne Knmnastif ngch Rliifik mit aufgenommen. Anschriften an Reinhold Hoppe..Neukölln, Olerstr kl bei Klopsch. und Kurt Hartmann. Neukölln, Schierkeftr. lll Jeden Eoniltag einden im Bolkspark Neukölln Waldläufe statt. Ablauf 10!', Uhr auf Platz II Umkleideräume ebenda." Frauenleiteelnuen. 1. Keeio.Wasserfporttpa«»«. Sonnabend. 11 Ok ober. KrcisaefchZftsstclle, Elfässer Str. 86-8«. 20 Uhr, Sitzung aller Frauen. lelterinnen. Fraucnhodccy Spielmomcnl aus dem Hockeyspiel der Sportlerinnen Amateure Leipzig 04 gegen Freie Turnerschaft Grofjbcrlin-Neu- kölln. Die Leipziger siegten 5: 0 Die Absperru Die Gefahren, die das Berechiigtingsweseu für Berufsfortfchrilt und für Valksfortschriit darstellt, behandelte Genossin Professor Anna S i e m s e n in einem Vortrag vor dem Mikrophon de» Deutschlandsenders. . Beweist die erlangte„Berechtigung", d. h. der Besitz des Zengniffes der mittleren Reife oder des Abiturs, die Eignung für einen bestimmten praktischen Beruf? Davon kann nicht die Rede sein. Es handelt sich immer nur um den Nachweis erlernter All- gemeinkenntnisse. Einen ollgemein anerkannten oder allgemein anerkennbaren Maßstab für allgemeine Bildung und sittliche Reise gibt es nicht. Die Vortragende stellte«in paar sehr einleuchtende Beispiele gegeneinander, als sie sagte: wer ist „gebildeter", wer ist„reifer", ein Gewerkschaftsführer und M i n i st e r, der nur das Abgangszeugnis einer Volksschule besitzt, oder«in Doktor aller vier Fakultäten, der die Fülle seines er- lernten Wissens zu keiner für die Allgemeinheit nützlichen Tätigkeit zu verwerten weiß? Wein will man den Vorrang geben, dem Reichspräsidenten von chindcnburg, der nach eigenem Geständnis seit seiner Jugend nur militärische Bücher gelesen hat, oder dem Musterschiiler, der sich über seine Kenntnisse mit einem glänzenden Abiwrientenzeugnis ausweisen kann?, Die Ueberwertung des Berechtigungsausweises ist unser Erbe von dem alten preußischen Beamtenstaot. In dem armen Land war gg der Berufe der Beamtenberuf die aussichtsreichste Versorgung. Der höhere Beamte brauchte Lateinkenntnisse, mn Gesetze lesen zu können. Für ihn wurde vor hundert Jahren das Abiturium als erste Stufe seiner Berusslausbahn geschaffen. Im Vorkriegsdeutschland galt noch die gesellschaftliche Staffelung: Adel, Militär, Jurist im Staatsdienst, Akademiker. Das Ein- jährigenzeugnis galt als Ausweis für den aus dem Pro- letariat herausragenden Bürger. Diese Gesellschastsschichluag hat der neue Staat zerstört; die Ueberschälzung des Berechtigungswesens und damit die Abgrenzung bestimmter Berufe für die Absolventen höherer Schulen ist gebliebea. Im Gegenteil: die Eingrenzung wird immer bedrohlicher. Für sehr viele praktische Berufe wird heute schon die mittlere Reife, für zahlreiche Angestellte das Abitur gefordert. Im Grunde ist das nur ein Ausdruck des allgemeinen Kampfes uni das Dasein. Man greift zu der Auswahl auf Grund der allgemeinen, durch Zeugnisse ausgewiesenen Bildung, um über- Haupt eine Auswahl treffen zu können— obwohl dies« Auswahl nicht nur sinnlos, sondern geradezu gefährlich ist. Denn die Vor- bereitung zum Gelehrtcnberuf, den die meisten höheren Schulen heute noch darstellen, ist sehr oft die a l l e r u n z w e ck in ä ß i g st« für einen praktischen Beruf. Gute Volksschulen und gute Fachschulen braucht die Zugend, die sich praktischer Arbeit zuwenden will. Oer neu frisierte Barbier. Republikoper. Rossinis„Barbier von Sevilla" in neuer Jnfzenie- mng— aus Betriebsgründen war es notwendig gewcrden, den Termin zu verschieben. An der Ausführung hat, entgegen gutem Brauch, ein Teil der Berliner Zeitungen, noch bevor sie herauskam, abfällige Kritik geübt, Kritik nur nach dem Hörensagen. Die bürger- liche Ocffentlichkeit war neugierig gemacht: sie durfte sich von der Premiere ein wenig Sensation versprechen, Theaterkrach, neues An- klagematerial gegen die verrucht« Rcpublikoper. Doch welche Ent- täuschung! Nichts von alledeni, es ist ein Abend des künstlerischen Gelingens und des Erfolgs, des herzlichsten Beifall- geworden. Die Musik Rossinis hat ein arrogantes Premierenpublikum bei der Uraufführung in Rom, 1816, wütend niedergebrüllt; es war, wie berichtet wird, ein toller Theaterskandal. Aber schon bei der ersten Wiederholung, am nächsten Abend, setzte der Erfolg sich durch, und der ist dem Werk bis heute in aller Welt treu geblieben. Der „Barbier" ist die volkstümlichste aller italienischen Opern geworden. Diese Oper, sprühend von Leben und Laune, stofflich und musikalisch unbelastet von jeglicher Problematik, ist an keinen Zeitstil, an kein Zeitkostllm gebunden. Der Versuch, sie aus dem historischen Rokoko- milieur zu lösen, lag nahe; die Republikoper unternimmt ihn, und sie folgt damit dem Beispiel der Uraufführung: sie hat an diese„Mo- dernisierung" eine Fülle von Talent und gewissenhafter Arbeit ge- wandt. Der Dirigent Fritz Zweig, der Regisseur R a b e n a l, der Moler R e i n k i n g und olle Hauptdarsteller, an der Spitze Kandl und Göll and, alle haben Anteil am Gelingen dieses be- glückend harmonischen Opernereignisses. X. V. Dreimal Hochzeit. Es streiten sich die Lent' herum. Das Nolle ndorfplatz-Theater ist jetzt zu einem Ton- filmkino geworden. Eröffnet wurde es mit dem amerikanischen Film„D r e i m a l H 0 ch z e i t", der nach Anne Nichols Schauspiel „Abios Irish Rose", bekannt durch seine Aufführung im Berliner Theater, gearbeitet wurde'. Es ist kein Tonfilm mit gesprochenen Dialogen. Synchronisierte Musik und ein paar jüdische Gesänge sollen die Bezeichnung rechtfertigen. Doch der Film ist gu!. Die Fabel stellt kein« großen Anforderungen. Der Sohn eines streng rituellen Juden aus Bronx, der Iudenstadt New Jorks, heiratet eine irische Katholikin, die er im Kriege als Kranken- Pflegerin kennenlernte.' Daraus Verfluchung auf beiden Seiten und Wleßkich am Weihnachtsabend Ke groß« LersZhnung. Do» Zwillingspärchen führt die feindlichen Schwiegerväter zusammen. Dos Beste an diesem Film bleibt das Milieu. Wundervolle jüdische Typen geistern über die Leinwand, lebensecht in jeder Hol- tung und Gest«. Sie werden überragt von Jan Hers holt, der den Strenggläubigen mit eminenter Ausdruckskraft spielt. Und noch ein anderes Moment ist ausschlaggebend. Der Film wird von toleranter und humaner Gesinnung getragen etwa mit dem Motto „Warum streiten die Menschen?" Der Blödsinn des Antisemitismus erscheint in Großaufnahme. Wie gesagt ein guter Film. Etwas rührend, etwas kitschig, etwas humorig und echt in der Behandlung von Menschen und Milieu.— arna— Jubiläum Ludwig Hardts. Die Feier seines 25 jährigen Auftretens. Am Sonntagnachmittag beging Ludwig Hardt im R e- naissance-Theater die Feier seines 2Sjährigen Auftretens. Sein Programm bietet eine'Auslese, will zeigen, wie weit Hardts geniale Begabung spannt, und so spricht er Dichtungen, die man sonst von ihm selten härt, neben anderem, was zum eisernen Bestand seines Repertc irs rechnet. Heinrich Heine:„Die Wanderratten". Die Stimm« kreischt, schinettert, wird zur Fanfare, fetzt die Sätze heraus, ballt sie zu» fammen, glüht und peitscht auf. Der Rezitator, der geniale Gc- stalter wächst zum Ankläger empor. Di« Geste, eruptiv heraus- geschnellt, wird packend, zwingend, hypnotisch. Und dann Peter Altenberg. Diese kleinen Sachen, wundervoll formuliert, witzig zu- gespitzt, geraunzt oder wehmütig verplätschernd, Wellerkenntnisse eines Weisen und eines Bohemiens, werden bei Hardt zu unmittcl- baren Dokunienten eines lebenserfülllen Ausdruchswillens. Hardt enthüllt durch Geste und Sprach« ihren Sinn. Ist die Geste bei Hardt fortzudenken? Sie ist Teil seines Wesens, seiner Kunst, und sie ist notwendig, um die motorischen Kräfte der Dichtung zu enthüllen. Erst durch sie kommt Morgenstern zur ganzen Wirkung, erst sie verleiht Bürgers Münchhausen die letzte Vollendung. Hardt ein Sprecher der Dichtungen? Nein, ihr Ge- stalter, ihr Ansdeuter, ihr Verlebendiger! Ein Sucher nach ihrem Kern, den er freilegen möchte, ein Mann, der darum, je nach den Stimmungsmomenten der Dichtung, Ironie mit Pathcs vereinigt. Mathias Claudius und Reinhold Lenz. Ganz zart umtostet Hardt die Umrisse. Die naive Innigkeit des Claudins findet kaum «inen kongenialeren Interpreten. Hardts Programm ist reich, und es ist reich, weil Hardts Persönlichkeit es ist, weil Hardt dem Dichter dient und nicht sich selbst.?. Sali. Museumsjubiläum auch in München. Am 1. Oktober konnte auch München die Jahrhundertfeier eines seiner bedeutendsten Mu- seen begehen. An diesem Tage waren hundert Jahre verflossen, seit der von Leo von Klenze errichtete Bau der Glyptothek, der berühm- ten Sammlung antiker Skulpturen am Königsplatz, seiner Bestim- mung übergeben wurde. PROGRAMM für die Zeit vorn 7, bis 9. Oktober KINO-TAFEL I ©oa Potsdamer Strafe 36 W. 5. 7, 9 Uhr Stg ab 3 U, Rotenmoniag mit Liea Deyer», Malhiat Wieman Rheinsir a$e 14 W.5.15, 7.15, 9.15 Stg. ab 5.15 Song mit Anna May Woag, Hrinridh George Raaber der Unterwelt (Abenteuer in 5 Akten) Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5. 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Melodie des Herzens mit Diia Parlo, Willy F ritsch Das Geheimnis der Elsdiale Turmstratjc 12 W. 6,7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Verlängert: Ein Walzer im Schlafcoop� mit Lucie Englisch, Fritz Scholz, Trade Berliner Alexandcrstr. 39-40 (Pauatfe) Den ganzenTag geöffnet! Stg ab 3 U leb glaub' nie mehr an eine krau m Kammersänger Ridbard Tauber, Maria Solvey, Werner Fnetterer CHE est cn Primus-Palast KVilis Potsdamer Str. 19 Ecke Margarctenstr. Der große Tohfilmerfolg; Unter den Dlchern von Paris (Sous les toiis de Paris) D Friedrichstadt fr Franziskaner Oeorgenstraße(Ecke Friedrlchstraße) 3 Stunden Darbietung Ton und stumm 12 30, 3,30, 6 30, 9.30 Komm»n mir(am Rendexroa» (Tonfilmschlagcr) 12, 3, 6, 9 Uhr Nenede Knltni- und Woebcnacbau Hnil-Poxi II, 2. 5. 8 Uhr E> komm! alle Tage vor Die Kamera j."�'9 uw Unter den Linden 1« Narkose mit Alfred Abel. Jak Treror tes Beiprogramm Meabi r Artushot-Lichtspielc Perleberger Straße 29 Film- und Böhncnrcbaa Die Slra|e der rerlorcnen Seelen mit Pola Negrl Beiprogramm— VariefFtcban W. 6.45, 9.00. Ü W Cil-mno s u Stg. ab 4 45 U. Alt-Moabit 99 lOOproz. Tonfilm! Calkeabaroaet mit Grell Thelmer, Ernat Vcrebc« Mlcky-Man« CharlettewBura Kant-Lichtspiele Kamstr. 54,(an derWilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 05 Uhr Stg 3, 5. 7, 9.05 Uhr Tonfilm: Der KonreMenkapHSn mit Harry Liedlke Beiprogramm Schlütcr-Thcatcr Schlüterstr. 17 W. 5. 7. 9 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr(Jugendvorstellung) Tonfilm: Dreyfus mit H. George, Fr. Korlner, ßaxermann, Grefe Moihcim Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt > Wllmer«OerF M Atrium Beba-Palasf Wz. 7. 9.15 Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Tonfilm-Uraufführung: Das Lied ist ans mit Liane Haid, WUly Forst, Oifo Wallbarg, Ernst Vcrebcs. O. Sdrlegel Titania Sdiönebg. 5�3 Hauptstraße 49 lOOproz. Tonfilm: Ein Walzer im Schlatconpe mit Lucie Englisch, Fritz Scholz, Adele Sandrode Beiprogramm Alhambra ��'um hauptstr. 30 ICOproz. Tonfilm! Ein Walzer im SdilafconpF mit Lude Englisch, Friiz Schatz Beiprogramm € Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 5, 7,9. So. ab 3 Operettentonfilm: Nor dal mit Ch. Ander, Janssen Tön. Beiprogramm Steglitz Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. 100 proz Tonfilm! Die Lindenwirtin m. Küthe Dorsch, Hans Heinz Bollmann, Ida Wöst, Leo Schfitzendorf, O. Sabo Zeli Zehlendorf-HitteZ Wochentags 6 30, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg.2J0 Jug.-Vorst, Die roro Niederrhein mit W. Oielerlc, M. Christians Famillcnzn wachs g Mariendor?"- Martendorf er Wochentg ab 7 Uhr Ms» I{ Marlendor ria- JLl Lichtspiele Chausseestraße 305 lOOpror. Tonfilm: Wien, da Stadt der Lieder mit Max Hansen Beiprogramm— BQhnenschaa > Tempelhef B Tivoli Berliner Str. 97 100 proz. Tonfilm! Die große Sefansachl mit Camilla Horn und 36 Prominenten Beiprogramm JogendHeb« haben ZobM Südwesten Lichtspiele Südwest Bluchcrstr. 12 W.5,7.9. S.3,5,7,9U. Spiel am den Mann m Liane Haid D, Schrecken v. Piccadilly(Wallacc) Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9, Stg. ab 3 Uhr Die grobe Sehnsacbt IN. Camilla Horn u. 36 Prominenten Micky-Mans Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbansir, 72/76 Wochent 6.JS, 9. Sonnt ab 3, 5,7, 9.15 U Der große lustige Tonfilm: Der kensche Josef mit Harry Lledike, Elga Brink, Ossi Oswalds, Heidemann Bühne: Prot. Felix Roberl Mendelson mit seinen 10 Cello-Solisten Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Toniilm: Dellkaiessen mit Harry Liedlke, Ernst Verebes Schwester Maria m. W. PUtsdhan f W HeuRBiln j Mercedes- Palast Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang; Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3, 5, 7. 9 U Lohnbnchhaller Kremke mit Hermann Valien 11» Beiprogramm BfUmenschaa Kukuk WochenL 6,45, 9 U. Sonntags 5, 7, 9 U. KottbusserDamm92 lOOprox.TonifUm I lOOproz Tonf: D. grofe Sehnsucht m Camilla Horn u 36 Prominenten Jugendliche haben Zutritt Excelsior Wochent 5-45, 9 U Sonntags 5, 7, 9 U Kaiser-Friedrlch-Straße 191 - lOOproz. Toniilm: Oer Sohn der weihen Berge mit Luis Trenker Tonbeiprogramm_ Steril, Hennamutrahe 49 Wohentags 645 u. 9, Sonntags S, 7, 9 U. 100 proz Tonfilm: Mad» mir die Well som Paradies m Anita Dorris Tonbclprogramm Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6 30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Tonfilmdrama: Rasenmontag m. Den Deyers Luisen-Theater Reichcnberger Str. 34 A'nf. W: 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. Stammes Filmprogramm mit Orchesterbcglältung Der große Mädchcnhändlerfüm: Export in Blond BQhnenschaa Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 6.30, 9U. Sonnt 3, 5, 7, OU. Tonfilm-Promincntenrevue; Grohe Sehnsucht mit Camilla Horn u. 36 Filmstaren BQhnenschaa Jugendliche haben Zutritt I ft-A niÄ Töofllm Varleti urama w. 645, stg 3 u Wrangelstraße II(a.d. Köpenicker Str.) Ans dem Leben eines Unehelichen Am Tode vorbei Bü.;Rev: Berlin h.f Schmiß, 10 Bild. Sternwarte— Treptow Di., L Okt, 8 ü. Do.. 9. OkU 8 U Die Bremen M,d. Königin d. Meere Mi. 8 Okt9U.: Bericht an« d. nafar- wUsenzchafil. Abtlg/ der K rforraie f» erger c önigs- mmlg. I NataHorsCBerrersami Nordosten Cl-r.Ci.vn«' Film und Bühne „EriySlUm Prenzlauer Allee 56 W. 5-15, 7. 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 915 Uhr Tonfilmoperetie: Ein Tango für dich Bühne; El» GUgner Tönende Wochenschau » 0>t*w■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 30, Sonntags 5 Uhr. Der große Tonfilm: Unter den Dächern tob Paria (Sous les toits de Paris) mit Alberl PröJcan Das gute Beiprogramm Auf der Bühne; Paul Heidemann Luna-Filmpalast wfsu Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Dreytns m Kortser.George, Grete Mosheim Bühne; Marina Urslea, Johannes Müller Schwarzer Adler XiiS?« Woch. 5. 7. 8.45, Stg. 3, 5. 7. 8.45 Ü. Tonfilm: Ein Walzer Im Schlatconpö (Wenn zwei Hochzeit machen..) mit Lade Englisch Betprogramm_ Comenius-Lichtspiele Memelcr Straße 67 W. 6, 9, S ab 5 U Das rote Schwer! SOadcn vor der Ehe_ Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab5U.,Stg.ab3U. lOOproz. Sprech-Tonfilm: Der Sohn der Wethen Berge m it Luis Trenker Lohnbnchbalter Kremke Beiprogramm Jogendlkh« habe» ZaMtt Viktoria Liuthild Th. Frankfurier Allee 48 Woch. 5. ca 7. 8.45, Stß. 3. ca 5. 7. 8.45 U Kriminal-Tonfilm: Der Tiger Tonfilm'Bclprogramm A 11% Woch. ab 6 30 Uhr. AinamDra SonnL ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Groß-Tonfilm: Hokospokut mit LH. Harvey, Willy F ritsch Beiprogramm- Bühnensdbaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5. 7, 9 U-. Stgs. 3, 5. 7, 9 U 100 proz. Tonfilm: Affäre Dreytns mit Kortner, George Mlcky Maos im Tieryarieiö Jugendliche haben Zutritt Kino Busch M-'Ä; Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Karneval des Lebens mit Maria Jacobint Lockendes Grift m. P. Richter Schloßpark FUm- Bühne Berliner Allee 206—210 Stg.«/j3 Jgd.-V. Der große internationale Tonfilm Unter den Dächern von Paris Beiprogramm ailiAmfkrA Müllerstraße 136, AUldirmra Ecke Seesiraßc 100 proz. Tonfilm: Der Andere mit Fr. Kortner, Hdnr. George Beiprogramm Pharus-Liditspiele Müllers traße 142 W.5,7,9 U. Stg. ab3 U, 100 proz. Tonfilm: Sag es mit Liedern m. AI Jolson, Sonny Boy Jugendliche haben Zutritt Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 lOOproz Tonfilm: Der blaue Engel mit Emil Jannings, Marl. Dietrich Die Insel der Geslcandeten Lästiges Beiprogramm Prater-Lichtspiel-Palast Kastanienallec 7-8 W. ab 5, Stgs 31/, U. Sei gegrflht, da mein schönes Sorrcnt Der Kampf um die Goldfelder Bühne; Ernst Hof er Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Beginn 12 Uhr lOOproz. Tonfilm: Affäre Drcyfos mit Korfnerp George« Bassermann Beiprogramm— Pöhncn»chau Mclro-Palast ÄVb aV Chaasseestraße 30 lOOproz Tonfilm: Unter den Dächern von Paris mit Albert Prä Jean BclprogTOMi RROGRAM I für die Zeit vom 7. bis 9. Oktober Casino-Lidiispiele Brunnenstraße 154 Beginn 6,30 Uhr Zweimal ICO proz. Tonfilm: O, Isadell m Gös« Ekamaa m. S. Arno, G. Alexander So ein Gl&ck kannst da nur haben BQhnenschaa Mila-Lichispiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.S1/*, S. 3� Liebe and Leidenschaft Marco, der Ringer des Mikado BQhnenschaa Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. SVaU. Tonfilm: Die vom Rammelplafz mit Anny Andra, Siegfr. Arno -----• Kabarett Bühne: 50 Minuten Tönendes Beiprograi Colosseum Wtgs. 5,7 u.9Uhr Stgs. ab 3 Uhr Schönhauser Allee 132 Tonfilm: Komm za mir zam Rcndcz vom l Böhne: Melody Maibs Tönende Wochenschau Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6.30, 9. Stg 4,6.30, 9. Tonlustspicl: Die zärtlichen Verwandten Bühne:„Tocfilmflcher" mit Bruno Kästner, Luise Tirschl Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W.6J0.9U.. Stg. ab 4 U. 100 proz. Tonfilm: Ein Walzer im Scfalafconpö Bühne: Tanz auf dem Eise Film-Palast �hönhanten Blankenburger Str. 4 Wöchig 6 30, 9 U, So. 430,6.45, 9 U. Tonfilm: Holnupokns mit Llllan Harvcy, Willy Frlltch Beiprogramm « T*a*1» Filmpalast Tegel Äf Stgs. 2 U Jgd.-Vorst W. 6, Stg. 4',c U- Tonfilm: Affäre Dreyfni mit Kortner, George, Grete Mosheim Grones Tonfilmbclprogramm Jugendliche haben Zutritt «Kosmos" Fllmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8,30 Uhr Die Warschauer Zitadelle mit Viktor Varkonl Bühne: 1 Stunde Int. Varietö Union-Theater Hauptstr. 3 W Stg. 2 Jgd.-V. Stg.4i/c.6Va.8».cU. Banknotcntälsche'r m Anita Doris Wir halten fest nnd treu zusammen mit Siegfried Arno, C. Gerron Wnnlaäüorf h Filmpalast stg. wfflwtu!. Berliner Straße 59 Stg. 21). Jug.-Vorst.