Morgenausgabe Nr. 421 A 237 -tl.Zahrgang Wichuilliq SS Pf. monatlich z.so M. «m voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeitungs» und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnemem 6.— M. pro Monat. * Der.Darwärts- erjchetal wochentög» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und tm Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustriert» Deilaoen.Volt und Zeit" und.Kinderfreuno". Ferner .Frauenstimme" Technik"...Blick in ine Vucherwelt".„Iugend-Vorwarts� und»SladtbeUage-. berliner Ssltsvlatt Mittwoch 8. Oktober 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das ettge- druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« WoN 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzergen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« geschäst Lindenstraße 3. wochentäglich von bV, bis 17 Uhr. Äentralorsan der Gozialdemokratische« Vaeiei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 irttnfmdicr: Tönbof» 292—297 Telearamm-Adr: Sozialdemokrat Berlin. Borwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Bcrlin37S3L.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angcstclltcn und Beamten, Wollstr. 63. Dt.B.u.Disc.-Gcs.,Depositcnkasse, JerusalemcrTti.KS/Kg. Macdonalds großer Tag. Glänzende Mchtferiigungsrede aus dem Parteitag der Labour Party Llandudno, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Wohl 3066 Menschen mögen dl« Holle gefüllt haben, als am Dienstagoormittag Macdonald und die Präsidentin des Kon- gresses der Labour Party, Susan Lawrence, dos Tagunzslokal betraten. Kaum war der Führer der Labour Party und der Arbeiter- rezierung gesichtet, als sich die Massen erhoben und ihn begeistert begrüßten. Zwei Minuten später stand Macdönold aus der Tribüne und ein zweites Mal erhoben sich die Delegierten zu einem neuen rauschenden Bcisall. Die Schlacht war entschieden noch ehe sie begonnen hotte. Mit umflorter und tiefbewegter Stimme bat Macdnnald zunächst um die Erlaubnis, die Parteiversammlung in«ine National- oersammlung verwandeln zu dürfen, um der Trauer um die Luslschifftragädie Ausdruck geben zu können. Zu gleicher Zeit dankte der Ministerpräsident dem französischen Volke für die erhebende Art, wie es sich bei dieser schmerzlichen Gelegenheit km die Seite Englands gestellt habe.„Menschen kommen und gehen," fuhr Macdonold fort,„und wer bleibt, hat seine Pflicht zu erfüllen und die Arbeit fortzusetzen. Die Pflichterfüllung hat mich hierhergetrieben. um Rechenschaft zu geben über die Täügkeit der Arbettekregierung." Macdonald tat dos in einer Red«, die eine M c i st e r l e i st u n g war und ihn auf der Höhe der oratorischen Kunst zeigte.„Nicht ich. nicht meine Kollegen, nicht die Arbeiter- regierung stehen heute aus der Anklagebank. Angeklagt ist das kopilalislische System. das S ch i s/f brück) gelitten hat, in England, in Europa, in Amerika, ckin System, das-zusammengebrachsn ist, weil es zusammenbrechen muhte. Gewiß, wir haben unsere Pflichten nicht alle erfüllt. Wex ober hat je gcglgübt, daß wir in diesen 16 Monaten und unter diesen Umständen hätten mehr tun können? Es gibt nur ein M i t t e l zur Rettung und Erlösung der Menschheit, dos ist der S o- z i o l i s m u s. Ihn ober mathematisch zu berechnen, ist nicht mög. lickv E s ist eine Evolution und eine Pilgerwanderung von Station zu Station, von Stufe zu Stufe. Dennoch, habe» wir etwa die Hände in den Schoß gelegt? War es nichts, was wir in der Außenpolitik geleistet haben, sind 706 Millionen Pfund Sterling nichts, die wir in 16 Monaten f ü r d i e Arbeitslosen ausgegeben und die wir von den Besitzenden genommen haben? Sind die Witwenpcnsionen nichts, da- Bergwerksgesetz, die Erhöhung des schulpflichtigen Alters? Macdonald zählt dann auf. was die Arbeiterregierung in tiefem Wollen je leisten konnte, gegen alle Widerstände einer bürgerlichen Mehrheit und gegen das Oberhaus. Es ist gering im Vergleich zu der Not und dem Ansteigen der Arbeitslosigkeit, die jede heute an- gestellten Berechnungen morgen bereits über den Hausen wirft. Aber wir hoben die Hände am Pflug zu halten und die Arbeit fort- zusetzen, innenpolitisch wie außenpolitisch, wenn der Welt der Fried« erhalten bleiben soll. Wir sind nicht nur aus außenpolitischen Gründen noch Gens gegangen, sondern auch aus den Gründen der Arbeitslosigkeit. Wir haben dem Wirtschaftskomitee unsere Pläne zur internationalen Bekämpfung der internationalen Arbeitslosigkeit vorgelegt. Das Ergebnis: die anderen hoben unsere Vor- schlüge abgelehnt. Das kann uns aber nicht von der Heber- zeugung abbringen, daß den Arbeitslosen geHolsen werden muh. Dazu brauchen wir Geld und Steuern von den Besitzenden. Sie hasten uns darum und klagen uns darum an. Wer schafft jedoch die Arbeitslosigkeit? Wer hat uns in den Krieg gestürzt, wer hat Versailles aus dem Gewissen? Jene, die es getan haben, besitzen nicht das Recht, uns zu schelten, die wir unermüdlich die Welt wieder in Ordnung zu bringen bemüht sind. Mr leben in einer Devolution, so groß und gewaltig wie jene zu Beginn der Industrialisierung Europa». Wir können die Wunden der gegenwärtigen Generation nicht mit den Mitteln vergangener Zeiten heilen. Was wir brauchen, ist Organisation, nicht Separation, ist Einigkeit In der Partei und Geschlossenheit, nicht Disziplin- losigkeit. Sozialismus ist keine Angelegenheit der Farbe. Organisatorisch, faktisch und systematisch. Schritt für Schritt, Tag sür Tag und Stunde für Stunde haben wir die Gesellschaft zu �trans- formieren, aus einer kapitalistischen zu einer sozialistischen." Da? waren die Hauptgedanken der Rede Macdonolds, für die ihm der gesamte Kongreß mit nicht endemvollendem Beifall dankte. So groß war der Eindruck, den diese Rede hinterlassen hatte, daß sie selbst von Maxtyn anerkannt wurde. Dem Führer der unabhängigen Arbeiterpartei bewilligte der Partenag«ine doppelte Redezeit und mir großer Anerkennung sprach Maxton von dem persönlichen Wollen und den Persönlichkeiten in der Zlrheiterregierung. In vornehmster Weis« legt« der Redner sein« Ansichten klar. Er sieht die Schwierigkeiten und die Grenzen der Mnderheitsregierung und den einzigen Ausweg, den er erblicken kann ist: sozialistische Forderungen vor das Parlament zu trogen und ün Fall« der Ablehnung vor das Dolk. So wenig Hot sich aber Maxton von Macdonald unterschieden, daß später der unabhängige Redner und Abg. W i s« dem Kongreß sagen mutz. Maxtvn stimm« selbstverständlich für das Mißtrauensvotum. Mise holt gründlich in der Kritik nach, was Maxton versäumte. Da bleibt kein ganzer Faden an der Arbeiterregierung. Dieses uferlose Herunterreißen verfehlt« jedoch vollkommen seinen Zweck. C l y n e s hat es leicht zu antworten, und als veerd und pevin im Auftrage der Gewerkschaften ihr unge- schwächtes Vertrauen zur Arbeiterregierung bekunden, ist der Tag entschieden und von allen Seiten ruft es „Abstimmung!",„Abstimmung!" Ml 1603 000 gegen 334 000 Stimmen wird dann der vlißtrauensaulrag der unabhängigen Arbeiterpartei abgelehnt. Im gleichen Verhältnis anerkennt der Parteitag die Bemühungen und Anstrengungen der Regierung zur Bekämpfllng der Arbeitslosigkeit. Dos Ende des Tages bildet dos Intermezzo Mösle y. 5onn»sg 2 Uhr Alle im Lustgarten! Ein Antrag liegt vor, der die wirtschaftlichen Grundsätze und Forde- rungen Mosleys der Arbeitersraktion zur ernsthaften Beachtung empfiehlt. Dos. gibt Mosley. Gelegenheit, die Tribüne zu besteigen. Er wird mit stürmischem Beifall empfangen und seine kurze Rede reißt den Parteitag wiederum. zu einer großen lang anhaltenden yvation hin! Zweifellos: Mosley ist ein Redner von außergewöhn- lichew Format. Seiner Kraft und seinem Feuer vermag sich niemand zu entziehen. Cr empfiehlt eine Art Rathenausche Wirtschaftspolitik, eine Reorganisation und Rekonstruktlon der eng- lischen Wirtschaft nicht unter der Kontrolle der Bank von Englands fondern unter der Aufsicht der Labour» Regierung. Für ihn ist die parlamentarische Maschine verrostet und bedarf der Ileberholung. Er will ein soziales England schaffen, das der Welt ein Beispiel neuer Zivilisation geben soll. Lands- b u r y erwidert ihm und Mosley unterliegt mit 1646 606 gegen 1226 666 Stimmen. Dennoch: nicht Maxton und die Unab- hängige Arbeiierpartei sind das Problem der englischen Labour Party. Die Abstimmung hat es bewiesen, das Problem kann eines Tages Mosley heißen._ Oer finnische Wahlfieg. Volles Fiasko der Kommunisten. Selsingforä, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Auf Grund deä vorläufigen Ergebnisses der sin- niscste« Reichstagswahl erhielten Stimmen: Sozial- demokraten.320 007(voriges Mal 2N0 234), Kommunisten 10200(128 164), Schwedcnpartei 111282 (108 886), Agrarpartei 206 661(248 762), Liberale Partei 55 527(53 301), Konservative(den Lappoleuten nahestehend) 176 846(138 008). Tie Kommunisten erhalten kein Mandat, die Sozial- demokraten 60 oder 70 gegen 50 im alten Reichstag. Tfchiangkaifchet wieder obenauf. Tschanglau erobert.— Ende des Bürgerkrieges? London, 7. Okiober.(Eigenbericht.) Der„Daily herald" berichtet aus S ch a a g h a i: Truppen der Zentralregierung unter Tschiangkoischek nahmen in der Rächt zum Dienstag T s ch« n g t a u ein. Die Zentrale des General» Feng pu Schiang, des Führers der Soaiilion der Lordgeneräle, und der Präsident Tschtangkaischek beriefen daraufhin sofort den vierten Kongreß des Kuomintang ein. Die Einnahme der Stadt wird al» gleichbedeutend mit dem Ende des Bürgerkrieges in Ehina(?) angesehen. Räch den früheren Ersahrungen muh man jedoch dieser Annahme gegenüber etwa» vorsichtig sein. Die Reichsregierung teilt mit, daß sie den Genfbericht und die Außenpolitik Eurtius' vollkommen gebilligt hat. wirtschaltspartel und wahlaller. Die Wirtfchastspartei Hot die thüringische Regierung durch einen Antrag im Thüringer Landtag aufgefordert, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß dos Wahlalter auf 24 Jahre heraufgesetzt wird. Balkankonferenz. Ein Auftakt zur Einheit SüdosieuropaS. Von Hsrizmrm Wendel. Wenn sich seit dem 14. September Herr Hitler auch als den Nabel der Welt betrachten mag, so gibt es doch in Europa noch andere Probleme als das Hakenkreuz, und eine Er- schelnnng wie die eben in Athen tagende Valkankonferen; wegen innerdeutscher Sorgen zu übersehen, wäre oerfehl:. Zwar handelt es sich nur um eins halboffizielle Zusammen- kunft sozusagen privater Vertreter Griechenlands, Rumäniens, Südslawiens, Bulgariens, Al- b a n i e n s und der Türkei, deren Einberufung oorIahres- frist auf dem Athener Kongreß der Internationalen Friedens- aesellschaft beschlossen wurde, aber daß das Internationale Friedensbüro die Tagung im griechischen Parlamentsgebäude eifrig gefördert hat, und daß ihr Delegierte des Völkerbundes, des Internationalen Arbeitsamts und der Interparlamentari- schen Union beiwohnen, zeugt von der Weltwichtigkeit dieser Konferenz. Wenn sie sich das Ziel gesteckt hat: Prüfung des Gc- ländes für eine Interessengemeinschaft der süd- osteuropäischen Staaten zunächst auf Wirtschaft- lichem und kulturellem Felde, und wenn demnach über ihre Beratungen die Losung leuchtet: Der Balkan den Balkan- Völkern!, scheint die Konferenz die Erbschaft des Balkansozialismus angetreten zu haben. In der Tat hat jederzeit, namentlich vor der Katastrophe von 1914, niemand so eindringlich und überzeugend dargetan, daß nur im engsten Zusammenschluß der Völker und Staaten des Balkans ihr Heil liege, wie die Sozialdemokratie; dem Weltkrieg vorauf gingen zwei interbalkanische Sozialisten- konferenzen. deren Parole: Bund der freien Balkanrepubliken! schon ein halbes Jahrhundert zuvor von einem der ersten balkanischen Sozialisten, dem genialen Swetosar Mar- k o w> t s ch, ausgegeben worden war.. Aber was die Athener Konferenz anstrebt, ist doch nur ein schwächlicher Ausguß der sozialistischen Balkaneinheits- idc«. Hinter der Tagung steht treibend die ungestüme Presserin, die Wirtschaftsnot. Auf alle Staaten des Südostens mit ihrer überwiegend agrarischen Struktur drückt die Krise in der Landwirtschaft, eine allgemeine Krise mit Massenarbeitslosigkeit erzeugend. Als eine der Hauptursachcn erkennen einsickjtigc Beobachter die Vereinzelung und Zer- splitterung dieser Staaten, die, zu einer ökonomischen Ein- heit zusammengerafft, ein ganz anderes Gewicht in die Waag- schale des Weltmarktes werfen könnten. Im Kielwasser� der Agrarkonferenzen von Bukarest zwischen Rumänien, Süd- slawien und Ungarn und Sinaja zwischen Südslawien und Rumänien wird deshalb die Besprechung von Athen einen Agrarblock der beteiligten Staaten ins Auge fassen: Ausschaltung der gegenseitigen Konkurrenz, Organi- sation der Ausfuhr, Getreidekartell, Zollunion, Ein- und Ausfuhrmonopole, gemeinsame Tarifpolitik— solche Fragen werden sich neben den Verkehrs- und Finanzproblemen in den Vordergrund drängen. Unter den Vertretern der Wirtschaft und Wissenschaft, aus denen sich hauptsächlich die Athener Konferenz zusammen- setzt, befinden sich aber nicht umsonst zum mindesten zwei hervorragende Sozialdemokraten: der Ge- neralsekretär der südslawischen Arbeiterlammern Dr. T o p a- lowitsch und der rumänische Abgeordnete Miresko. Denn auch um Ausbau, Ausgleich und Wechselseitigkeit der Arbeiterge'etzgebung in den verschiedenen Ballanstaaten werden sich die Verhandlungen drehen: vieles liegt hier noch im argen, derart, daß Albanien und Türkei nicht die Spur einer Arbeiterversicherung aufweisen, Griechenland über Gesetzentwürfe nicht hinausgelangt ist, und auch in Rumänien, Südnawien und Bulgarien vieles auf dem Papier stehen blieb. was Mittel- und Westeuropa in die Wirklichkeit übergeführt haben. In diesem Zusammenhang wird der Gedanke der Schaffung eines interbalkani schen Arbeitsamts erörtert werden. Aber die Athener Konferenz entbehrt durchaus nicht der politischen Bedeutung: Sie fühlt in der Richtung eines Balkan-Locarno vor und enthält im Keim den Ver- such, dem Paneuropa-Plan Briand s durch �Bildung regionaler Einheiten, hier durch Zusammenfassung des europäischen Südostens näherzukommen. Allerdings stoßen sich hart im Räume die Sachen. Zum Teil kleben die Balkan- völker noch an überlieferten Stammesvorurteilen und sind noch nicht emmal zum Gedanken der nationalen Einheit durchgedrungen, so daß die Losung einer übernationalen Ein- heit keineswegs allenthalben auf profundes Verständnis treffen wird. Zudem haben die von 1912 bis 1918 währenden Kriege Fragen Hinterlossen ohne deren Bereinigung der Zu- sammeinchluß der Balkanstaaten problematisch erscheint. Noch vor Zusammentritt der Konferenz versuchten die Bulgaren die makedonische Frage auf die Tagesordnung zu setzen. Als dieser Versuch, unzweifelhaftes Sprengpuloer in den Verhandlungssaal einzuschmuggeln, von den Einbcrufern abgewehrt wurde, zeigten die Bulgaren die kalte Schulter Das Ende der Gtaatspartei. Ausscheiden der Lungdeutschen.— Kochs Kartenhaus zusammengebrochen. Die Deutsche Staats Partei ist auseinanderaefallen. Die Ehe Äoch-Mahraun, das einzige kümmerliche Ergebnis der bürgerlichen Sammlung, ist zerbrochen. Der Iungdcutsche Orden hat seinen Austritt erklärt. Die„weltanschaulichen Gründe", die für die Scheidung angeführt werden, können niemand überzeugen. Die Herrschaften kannten sich und ihre Weltanschauungen, als sie heirateten. Aber eines kannten sie nicht: das politische Vermögen des Partners. Es geht ihnen wie zwei Leuten, die sich nur deshalb heirateten, weil jeder beim andern Vermögen vermutete, und die am Tage nach der Hochzeit sich ihre Armut gestehen müssen. Zwanzig Mandate hat die Staatspartei erhalten, davon sind 14 mit Demokraten besetzt, 6 mit Jungdeutschen. Das be- deutet für die Demokraten Verlust, für die Jungdeutschen ent- täuschte Hoffnungen. Nun sagen sie sich höflich, aber frostig. Adieu, und jeder versucht wieder sein Glück auf eigene Faust. Die Todesanzeige. Der Hauptaklionsausschus; der Deutschen Staatsportei teilt mit: „3n der Sitzung des hauplaktionsaueschusses der Deutschen Staatspartei am Dienstag wurde der Antrag, angesichts der hervorgetretenen Schwierigkeiten der Zusammenarbeit, die verschiedenen politischen Gruppen in ihrer organisatorischen Selbständigkeit innerhalb der Staatspartei zunächst unberührt zu lassen, abgelehnt. Des weiteren wurde der Antrag, die Führung der Partei durch Ausschaltung bestimmter pers ön'l i ch k e l t e n zu ändern, abgelehnt. hiernach erklärten Herr Nahraun und die übrigen Mitglieder der volksnationolen Reichsvereinigung in dem Hauptaktionsausschutz ihren Austritt ans der Deutschen S t a a l s p a r t e i mit der Begründung, datz weltanschauliche Gegensätze ihnen das weitere verbleiben in der Deut- schen Staatspartei unmöglich mochten." Der Austritt der Bolksiiationalc» Reichsucreiniguirg aus der Deutschen Staatspartei ist mit weltanschaulichen Gegensätzen begrün- det worden. In diesem Zusammenhang« gab nach einer Sonder- tagunz der Nolksnaüonalen Roichsoeremigung der Abgeordnete Bornemonn im Hauptattionsausschuß der Deutschen Staats- Partei folgende Erklärung ab: „Von feiten des Herrn Minister Höpker-Aschoff ist mehrfach erklärt worden, daß er an der Stnatspartet niemals mitgearbeitet hätte, wenn er gewußt hätte, daß Christlich- Soziale daran beteiligt seien. Herr Staatssekretär Meyer hat erst am Dienstag noch erklärt, daß auch er sich nur unter der Bc- dingung an der Deutschen Stoatspartei beteilige, daß sie eine Linkspartei, d. fj. Partei der linken Mitte sein soll. Damit ist ein weltanschaulicher Gegensatz gegeben, denn die Gründer haben die Staatspartci als Partei der aktiven, sozialen und natio- nalen Mitte gewollt. Eine Möglichleit. zur weiteren verrrauens- vollen Zustmnnenarbeit sehen wir nur in dem Rücktritt der Exponenten dieser Ansicht von der Führung in Fraktion und Partei." Koch zieht Konsequenzen. Reichsminister o. D. Koch-Weser verösfentlicht im„Demokraii- schen Zeitungsdienst" nachstehende Erklärung: „Nachdem die Volksnationalen zu meiner tiefen Enttäuschung ihren Austritt aus der Deutschen Staatspartei vollzogen haben, lege ich mein Amt als Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei nieder. An dem Ziel einer Sammlung der Elemente der Mibe, die auf dem Baden des heutigen Staates und der heutigen Wirtschasts- ordmmg stehen und bereit sind, sie nach rechts ebenso wje nach links zu verteidigen, halle ich fest. Die Zeit ist für eine solche Sammlung reis, ja überreif. Möchten die Menschen dazu reif werden, ehe es zu spät ist." (Zine gemeinsame Z�eichstagöftaktion? Am kommenden Montag werden die als Abgeordnete der Deut- schen Staatspartci gewählten Reichstagsabgeordnetcn darüber Bc- schluß fassen, ob sür die Zukunft eine Reichstagsfraktion in Form einer Arbeitsgemcinjchajt aufrechterhalten bleiben soll. Aufruhranklage gegen Nazi-MdR. Anflöge gegen den nationalsozialistischen Michsiagsabgeordneten Paul Hinfler. tini erklärten, nicht mitmachen zu wollen, ein Beschluß, der im Zentralorgan der bulgarischen Sozialdemokratie heftige Kritik erfuhr. Wenn sich Bulgarien nachträglich den Kasus auch noch einmal überlegt zu haben scheint, so bildet doch die Verständigung zwischen Belgrad, Athen und Sofia das Gerippe eines Bolkanbundes, und diese Verständigung bleibt ahne eine alle Teile befriedigende Lösung der makedonischen Frage im Mond hängen. Die eigentliche Gefahr freilich liegt außerhalb des Balkans. Wie leicht find zu einem Zeitpunkt, da der bul- garische König eine Prinzessin aus dem Haufe Savoyen zu politischer Ehe heimführt, und bulgarische akademische Jugend in Rom begeistert Mussolini zujubelt, die Sosioter Chauvinisten geneigt, ihr Land, statt es in die Balkanfront einzufügen, zu einem Werkzeug Italiens gegen Athener Konferenz, Balkaneinigung und Balkanbund zu machen, zumal Albanien schon als. italienischer Trabant am Verhandlungstisch sitzt! Denn der Faschismus mit seiner gegen Osten gerichteten Ausdehnungspolitik sucht mit allen Mitteln den ihm gefährlichen Zusammenschluß der Balkanstaaten zu hintertreiben, der Faschismus wandelt auf der Hämushalbinsel in den bedenklichen Fußtapfen des russischen Zarismus und öfterreichisch-ungarischen Jmperialis- mus, der Faschismus ist der Feind der' Völkerverständigung und des Weltfriedens hier wie überall. Aber mag wegen der Mephistorolle Italiens einige Skepsis westen der Ergebnisie der Athener Zusammenkunst am Platze sein, die Konferenz verdient Aufmerksamkeit und Siimpathie als ein erster Versuch, im Südosten des Erdteils eine Einheit zu schaffen, ohne die die Einheit Europas undenkbar ist. Neues Gold nach Frankreich. Französische Kreditkündigungen dauern fort. Nisher 210 Millionen Gold geopfert. Das Währungsloch im Westen, ist noch immer nicht verstvpft. Die französischen Kreditkündigungei»— Ausdruck des tort dauernden Mißtrauens in die politische Stabili- tät Deutschlands— haben auch zu neuen Kündigungs- terminen sich ossenbar wieder gehäuft. Damit steigt die Nochsrage nach französischen Frankdevisen und zugleich der Frankenkurz gegen die Mark. Di« Reichsbank muß die Steigerung der ausländ!- schen Valutakurse, besonders des stanzäsischen Franken, abwehren und Franken kauscn. Das tut sie mit Gold, das sie— aus Fracht- crsparungsgründen— von Köln nach Paris versendet. Gestern ging eine neue Goldsendung im Wert von -15 Millionen Mark an die Bank von Frankreich. Die Gold- sendungen haben seit Anfang September die Summe von 210 M i l- l i o n e n Mark erreicht. Die Wirkung der französischen Kredit- 0 kiindigungen wird durch die Dcoisenansorderungen für die Ka pi- t a l s l u cht verstärkt. Die Reichsbank konnte bisher den Morklurs mit Leich- t i g k e i t verteidigen. Ihr« Reserven sind noch sehr beträchtlich. Als letztes absolut sicheres Mittel bleibt die Krediteinschränkung gegen Wcchselunterloge, d. h. der Zwang, Auslanbsdcvisen gegen bar bei der Reichsbank zu kaufen. Weiter Beamtenregierung in Sachsen. Ergebnislose MiuifierpräsiVentenwahI. Dresden. 7. Oktober.(Eigenbericht.) Inder Dienstagsitzung des Sächsischen Land- toges wurde wieder einmal der vergebliche Versuch gemacht, einen Ministerpräsidenten zu wählen. Auf den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten L i p i n s k i entfielen 32 Stimmen der Sozialdemokraten, auf den gegenwärtigen Innenminister Richter 5 Stimmen der Volksnationalen und Demokraten, auf den Komm»- nisten Renner 13 Stimmen seiner Fraktion und auf den Kandi- baten der Nationalsozialisten und der bürgerlichen Rechtsparteien, den früheren deutschnationaien Wirtscliastsministcr Krug von Nidda 46 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die in der sächsischen Verfassung vorgeschriebene absolute Mehrheit erhielt, ver- lief die Wahl ergebnislos. Infolgedessen bleibt das zur Zeit amtierende geschäftsführende Beamtenkabinett, an dessen Spitze der Ministerpräsident Schicck steht, weiter im Amt. Im Anschluß an die ergebnislose Ministerpräsidentenwahl stand ein A ü j lv s u n g sa n t r a g auf der Tagesordnung, der gleich- zeitig von den Kommunisten und de» Nationalsozialisten gestellt war. Der Antrag wurde mit 5 5 geg«n30 S t i m m e n a b g« l« h n t. Zehn Abgeordnete der Wirtschastspartei enthielten sich der Stimm«. Für den Auslösungsantrag stimmten nur die Kommunisten. Nationalsozialisten und vier Deutschnationale. Die Sozialdemokraten stimmten gegen den Auflösungsantrag. Sozialpolitik im Rundfunk. Eine Erklärung von Dr. Pohl. Auf unsere Notiz im Morgenblatt vom Donnerstag teilt uns Dr. Wolfgang Pohl, der Verfasser der„Sozialpolitischen llmschau" des Rundfunks solgendes mit: „In meinem Dortrage habe ich lediglich seststellen wollen, wie die Entwicklung der langandanernden Arbcitsmarktkrise immer mehr zu einer Schwergowichtsverschiebung von der Arbeitslosenversiche- rung zur Kriscnfürsorge und Wohlfahrtspflege geführt hat und noch weiter führen muß. Zur Erläuterung dieses auch finonzpoWisch sehr wichtigen Vorgangs habe ich ausgeführt, daß seinerzeit von den drei Millionen statistisch feststellboren Erwerbslosen etwa«in- einhalb Millionen auf die Versicherung, etwa eine halbe Million auf die Krisenfürsorge und der Rest auf die Wohlscchrlspslege ent- fallen. Ich gebe ohne weiteres zu, datz diese Ausgliederung nicht richtig ist, sofern man mit ihr beweisen wollte, daß von der Wohl- fahrtspslege eine Million Erwerbslose auch tatsächlich unter- stützt werden. Aus dem Zusammenhang meines Vortroges ergibt. sich aber, daß ich mit meinen Zahlenangaben nur die rechtlichen Zuständigkeitsbereiche der drei Unterstützungseinrichtungen abguzrenzen versucht habe, um«ine bestimmte Entwicklungstendenz klarzulegen. Die Vermutung, datz ich mit dem kritisierten Satz den Anschein erwccken wollte, als ob heute sämtliche Erwerbslose eine ötsentliche Unterstützung erhielten, trifft nicht Zu' Nünchenrr Nazi brüllten von der Rathousgolerie den Bcgteit- chor zu Essers Klage über das politische Parteiunisvrmvcrbot sür Teilnehmer an dem Begräbnis des Prinzen Leopold. Derartig« „Erklärungen" zur Krachanstiftung sollen künftig verhindert werden. Raumburg, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Arn 23. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet im Schwurgerichts- aebäud« vor dem Schöffengericht in Naumburg o. d. S. bi« Verhandlung in der Strassache wegen Ausruhr» gegen den Reichstagsabge- ordneten Lchrer i. R. Paul H i n k l e r ans Freyburg a. U. und Ge- nassen statt. Der Anklag« liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am Donners- tag, dem 10. April, hielt in Freyburg a. U, der Hochburg der Nazi«. dem Wohnort des jetzigen Reichstagsabgeordneten Gauleiter» Hinkler, die Sozialdemokratische. Partei. eine öffentliche Berjamnckung ab. Der Referent Artur Schweriner-Berlin sprach im überfüllten Schützenhausstial, der schon lange vor Beginn der Versammlung polizeilich gesperrt werden mutzte, über das Thema:„Das wahr« Gesicht des Nationalsozialismus." Den Schutz der Derfammlung hatte das Reichsbanner aus Naumburg übernommen. Ws der Referent nach fast zweistündigem Referat bereits zum Schluß kommen wollte— die Versammlung war bis dahin ruhig verlaufen—, erschien Hinkler, der trotz der polizeilichen Absperrung durch«inen Landjäger hineingelassen war, uni die Versammlung zu sprengen. Er beschimpfte den Redner mit den unflätigsten antisemi- tischen Redensarten. Als Hinkler der Aufforderung, die Btzrfamm» lung zu verlassen, nicht nachkam, wurden vier Landjäger, die sich bis dahin im Nebensaal ousgehallcn hotten, mit der Ausgabe betraut, den Zlusruhrerreger zu entfernen. Mit Stöcken und Bier- gläsern wurde nun von Nazis, unter Führung Hinklers, auf die Landgen dar m eri« c ingehauen. Den ersten Schlag ver- setzte einem Landgendarinen ein Domschüler aus Naumburg. Als das Reichsbanner der viel zu schwachen Polizei zu Hilfe eilte, kam es zu einer großen Schlägerei, bei der auch zwei Reichsbannerkame- radcn schwer verletzt wurden. Ob sich der Reichstagsobgeordnct« Hinkler in der Verhandlung am 23. Oktober auf das von der Universitätsklinik in Hall« im Jahr« 1926 ausgestellte Attest, das bei ihm Bekenntnis zur Volksbühne. Blamage und Niederlage der Opposition. Die Volksbühne hatte am Dienstag ihre Mitglieder in fünf Ver- sammlungen zur Wähl der Delegierten sür die Hauptoersammlung und. zur Entgegennahme des Berichts über die Entwicklung des Der- eins, den Spielplan und die Aussichten für die laufende Spielzeit zusammenberufen. Die Versammlungen waren überqll gut besucht und nahmen einen durchaus harmonischen Verlauf. Uebcrall be- kündete sich, auch in der Wahl der Delegierten, das unerschüttcrtiche Vertrauen der Mitglieder zu ihrer Leitung. Eine vom ausgeschlossenen Ausschuß der Son- derabteilungcn vorgelegt« Entschließung wurde in der Ver- sawmlung im Gcwerkschastshaus durch einstimmigen Ilebcrgang zur Tagesordnung erledigt. Mit großer Heiterkeit wurde dabei die Mitteilung entgegengenommen, daß von den 25„Promi- ncnten", die dies« Aktion der Sonderabteilungen wieder einmal mit ihrem Namen gedeckt hatten, 20 nicht Mitglieder der Volksbühne seien, 19 es nie gxwesen und 5 erst im Verlauf der letzten drei Tag« beigetreten waren. Die Herren Gaspara, Goldschmidt, Wolffenstein, Mühsam und von Zwehl hatten die Mitgliedschaft noch rasch erworben, um in der Der- sammtung der Sonderabteilungen Zutritt zu erhalten. Dies« V«r- sammlung, die in der Aula des Sophienlyzeums in d«r Weinmeister- straße stattfand, nahm im Gegensatz zu allen übrigen Versammlungen einen bewegten Verlaus. Das Ende war aber auch hier eine eklatante N'cderlage der Opposition Mit 312 gegen 207 Stimmen inirx in der Versammlung der Sonderabteilungen ein Mißtrauensootum gegen den Vorstand de? Volksbühne ab- gelehnt. Mit demselben Stimmenverhältnis wurden die Delegierten der sozialistischen Arbeiterjugend nnb der freien Gewerklchasts- fugend gewählt. eine„nachweisbare Beeinträchtigung der geistigen Bereitschaft und Sammlung" feststellt, beweisen wird, kann nicht gesagt werden. Theorie und Praxis. Naziführer beschäftigt ausländische Wanderarbeiter. Zu. den si'hrcnden Leuten im Nazstager gehört auch aer R i tt er gn t eb« s i tz.er von Cor�swant in Eimtzow bei-Iar« rncn i« Pommern. Am 14 September ist er im. Wahlkreis Pommern sogar in den Reichstag gewählt worden. Wie all« Nazis kann auch er nicht genug gegen die..Fremdstämmigen" wettern. Sie sind nach seiner Meinung ein Unglück für dos Deutschtum und für den Staat. Jetzt stellt sich heraus, daß der Nazimann von Corswant am wenigsten Veranlassung hat. sich gegen die Fremdstämmigea stark zu machen. Nach einer Auskunft, die dem Stettiner„Volksboten" zuteil wurde, beschäftigt der gute Mann in seinem Betriebe nicht weniger als 13 ausländische Wanderorbeiter! Man bedenke: Auf der einen Seite bekundet der Rittergutsbesitzer von Eorswant glühenden Haß gegen die Fremdstäinmigen, auf der anderen findet er nichts dabei, fremdstämmig« Landarbeiter in seinem eigenen Betriebe arbeiten zu lassen und ihnen den Vorzug vor deutschen Landarbeitern, das heißt: vor den eigenen Landsleuten, zu geben. Ein größeres Maß an Unaufrichtigkeit und Unehrlichkeit ist kaum denkbar. In einer Ertlärmig, die der Rittergutsbesitzer von Corswonk dem„Volksboten" zusandte, behauptet er, daß er„sehr bald bankrott gehen würde", wenn er keine ausländischen Arbeiter beschäftigte. Damit gesteht Corswant ein, daß er die polnischen Landarbeiter lediglich ihrer Billigkeit wegen beschäftigt. Die polni- schen Landarbeiter garantieren ihm einen größeren Profit, alz er ihn bei der Beschäftigung deutscher Landorbeiter zu erwarten hat. Das ist Nazi-Morall Oer Oan? des Vaterlandes. Llnd die Kriegerwitwen der Beichspofi. Man schreibt uns: „Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß", hieß es im Kriege. Wie sieht es heute damit aus? Die deutsche Reichspost hat bis fetzt an Witwen und Waisen von gefallenen Beamten, die noch nicht das pensionsfähige Dienst- alter(10 Dienstjahre) erreicht hatten, ein widerrufliches Witwen- und Woijcngeld gezahlt. Jetzt nsird den Witwen mitgeteilt, daß sie in Zukunft nicht mehr auf dies« Unterstützung rechnen können, da nach dein Erlaß des Reichsarbeitsministers diese Zahlungen fortfallen müsien. Zahlt die deutsche Reichspost dieses widerrustickic Witwen- und Woifengeld weiter, dann sind die F ü r s o r g e st e l l e n verpflichtet, ihre Zahlungen um den von der deutschen Rcichspost gezahlten Betrag zu kürzen. Also, eine Kürzung der Witwen- und Waiscnbezüg« tritt auf oll« Fälle ein. Was das für die Betroffenen ausmacht, kann sich wohl jeder vorstellen. Nicht zu hohe Gehälter! Sozialdemokratischer Antrag. Sraunschwetg, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Di« soziaQernakratische Fraktion des braunschweigischen Stich!» Parlaments wird an den Rat der Stadt den Dringlichkeitsantrog richten, umgehend mit der Landesregierung Verhandlungen über einen-Abbau der hohen Gehälter städtischer' Beamter oufzunchmkn. Der Abbau soll sich auch auf diejenigen Beamten erstrecken, die bei Gesellschaften tätig sind, auf. die der Rat der Stadt maßgebenden Einfluß besitzt. Dazu gehört u. a. hie Straßenbahn und das Elektrizitätswerk. Stahlhelm feiert das Laubhüttenfest (Ja Jronffurt fiüchieien BelanniliA von Kommunisten bedrängte Stahlhelmer in eme Synagoge. in der gerade das Laubhüttenfefi gefeiert wurde.) ,Es freut mich wirklich, Kinderchen daß Ihr mich auch mal besuchen kommt.'' Oiplomatenprotest in Wien Gegen(Starhembergs Mord- und Bürgerkriegsrede. pilsudskis Wahltricks. Regierung spaltet Bauernpartei. Warscha». 7. Ctiaber.(Eigenbericht.) Regierungsblätter behaupten, daß eine Berfammlnng der Bauernpartei deren antipllsndstischen Führer, wie den lehchin Überfallene» Sejmvizemarschall Dombski. de» eben verhafteten Dr. Wrona». a. m. ausgeschlossen habe und ins Regierungslager eingeschwenkt sei. Dazu crllart der gesamte Parteivorstand, das« nur er die Parteiversamnilnng einberufe» könnte, diese angebliche Bcrsammlnng aber ungültig sei. znmal sie insgesamt von SS Lenten besucht war, von denen einige schon früher aus der Partei ausgeschlossen wurden, zum Teil wegen ehrenrühriger Handlungen. Diese„Cppofttion" hat jedoch mit Unterstübung der Regierung das Parteilokal der Bauernpartei besetzt, sie soll die Einheitsfront der Bauern sprengen. Die Baucrnparteilcitung teilt mit. das, diese weiterhin im zentrolinken Block verbleibe. Diktatur und Arbeitsamt Genosse Z u l a w s l i, Vizemarschall des Sejm, dessen Ab- geordnetenmandat nicht erloschen ist, ersuchte das Auhcnministerium um Verlängerung seines ständigen Auslandspasses, den er als pol- nischer Delegierter zum Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitz- nmtes für die Reisen nach Genf hat. Diesmal ist die Iahrcstagung in Brüssel. Das Außenministenum hat die Verlängerung v e r- weigert und den Paß«inbehalten. Zulnwski teilte das Alb-rt Thomas mit und min erbot sich die Staroste! Warschau, dem Genossen Zularoski«inen der sehr teuren Privatpässe nach Brüssel zu erteilen, nicht aber nach Genf! Die Mordseuche. Stahlhelme? ersticht einen Kommunisten. Hindenburg. L.-S.. 7. Oktober. Tie Polizcipressestelle teilt mit! Am Tienstagmittag brachte der 25 Fahre alte Arbeiter und Stahlhelmmann Franz Kwiotek bei einer politischen Auseinandersetzung dem SSjahrigen Kommunisten Johann Kaffezyk in dessen Wohnung mit einen« Küchenmesser eine schwer« Stich Verletzung oberhalb der Halsgegend bei. kaffezyk stürzte hilscsuchcnd auf die Strasse, wo er in- folge grossen Blutverlustes zusammenbrach und kurz darauf verstarb. Kwiotek wurde in seiner Wohnung festgenommen und ins Polizeigefängnis eingeliefert. Beims gegen die Verleumdungen. Kein Schuh bei der Justiz. Magdeburg, 7. Ottober. Oberbürgermeister Beims übergibt der Presse folgende Mit- tetlung.„Der Trommler", die Hakenkreu-zzsitung für den Gau Magdeburg, neröiwntlicht feit einiger Zeit in der sform von Frage- ltellungen llügennachrichien u�er.Grldaeichait«, die'ch angeblich mit einem Herrn Elchleb, hartstemsabri?, Heyrothsberge, gemacht haben oll ksch ertlärs hierdurch, was ja für ehrliche Leute ohne weiteres 'clbstoerständlich ist, daß ich niemals und in keiner Form mit Herrn Elchleb irgendwel6)c geschäftlichen Beziehungen gehabt habe. Die über«ine ganz« Zeitungsseit« gedruckten Nachrichten über meine Person sind von Ansang bis zu End« glatt erfünden worden. Verantwortlich zeichnet sie der nationalsozia- listlsch« Reichstagsabgeordnet« Loeper-Desfou. Gegen ihn oder andere Nationalsozialisten vor Gericht zu klagen, muß ich auf Grund meiner Ersahrungen mir versagen. Herr Reichskanzler Marx hat dafür die Gründe genannt, alz er vor etwa drei fahren verfügte, daß Strafantroge wegen Beleidigung feiner Person nicht mehr gestellt werden sollen. Inzwischen find die Der- HSltnisse nochfchlimmer geworden. Monmuß.wcnnman in Deutschland«in össentiiches Amt bekleidet, zu den parteipolitischen Verleumdungen schweigen. Die daraus sich ergebenden Folgen sind eben der Nährboden der Agitationen der extremen Parteien, die erledigt fein werden in der Stunde, da die Wahrheit sich in Deutschland durchsetzen kann. Zur Reichsreform. Geseheslexte— aber wo bleibt die Reform? Die aus Pressen der Länderkonferenz unternommene Ueb«- tragung der Beschlüsse des Versassungsausschasses zur Reichsreform in Gesetzesfassung wird in der Fachzeitschrift„Reich und Länder* (I. Heß. Verlag Stuttgart-Berlin) nunmehr im vollen Wortlaut erscheinen. Es, handelt sich um die sogenannte differenzierende E n d l o s u n g � die besonders von Staatssekretär B r e d t stark ver- treten wird. Wir haben mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß wir darin kein« Verbesserung, sondern lediglich das Verbauen des Wegs Zu einer wirklichen Reichsreform erblicken, die auch vor der Mainlini« nicht halt im, cht. Dänisch« Sozialpolitik. Das Programm der Arbeiterregierong. Kopenhagen. 7. Oktober. Im dänischen Reichstag gab Ministerpräsident S t a u n i n g eine programmatische ErNärung ab, in der es u. a. heifji: Di« weltwirtschaftliche Depression hat Dänemark nicht so ich wer betroffen wie verschiedene ander« Länder. Di« Arbefts- lostgkeft ist jedoch großer als unter normalen Verhältmssen. Di« Bestrebungen zur Förderung der dänischen Produktion werden daher sorsgesetzt worden. Auch«ine Lösung der Bodenfrage, durch die die Errichtung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe gefördert wird, soll angestrebt werden. Ein« Reche sozialer Gesetze werden vorgelegt werden, u. a. über eine A r b e i t» lo s« nv e r s ich e- rung und ein Gesetz über Volksversicherung, das die Gesetz« über Krankenkassen, Invalidenversicherung und Altersver- sscherung zusammenfassen soll. Zur Deckung der Dersicherungs- ausgaben sollen die großen Vermögen in erhöhtem Maße herangezogen werden. Auch in bezug auf die Schulordnung in Südjütland(Nordschleswig) ist mit neuen Vorlagen zu rechnen. Diele Zeichen, so schloß der Ministerpräsideift, deuten daraus hin, daß die Weltkrise möglicherweise auch unser Land berühren wird, und ich fordere daher zur Zusammenarbeit auf. um der Bevölkerung den Weg durch die Verwicklungen und die Unnch« der Zeiten zu erleichtern. Wien. 7. Oktober. Tic Mitglieder des Diplomatische» Korps erschienen heute bei»» Bundesminister des Aenssere« Dr. Seipel. Im tikanfe der Unterhaltung brachte« sie die Sprache auf gewisse Vorkommnisse der letzte« Zeit und wiesen auf da« grosse Interesse hin. das die weitere inncrpolitische Entwicklung Oesterreichs im Auslände find«. Außenminister Dr. Seipel erklärt«, daß man rednerische Entgleisungen während einer Wahlbewegung, ob sie nun von der einen oder von der anderen Seite kämen, nicht allzu ernst nehmen müsse. Die Wahlen werde» in Ruhe vor sich gehen. Die ruhige Weiterentwicklung nach den Wahlen werde garantiert. »« Dieser aufsehenerregende diplomatische Schritt hängt offenkundig mit der unerhörten Rede zusammen, die der Innenminister Starhemberg am Sonntag gehalten und die eine freche Provokation zum Bürgerkrieg und zum Mord bedeutete. In dieser Rede sprach der Minister(!) davon, daß keine Besserung in Wien eintreten würde, solange nicht der K o p f des sozialdemokratischen Stadtrates Breit- nerindenSand rollen würde! Pflicht einer zivilisierten Regierung wäre es gewesen, den eigenen Minister wegen dieser glatten Aufforderung zum Mord sofort zu verhaften! Statt dessen entschuldigt der Prälat Seipel seinen Kollegen, indem er erklärt, ihn„nicht allzu ernst zu nehmen*. Indessen wird der gestrige Schritt der Faschisten- regierung gehörig in die Glieder gefahren sein. Er beweist, daß die Welt nicht gewillt ist, dem Ausbruch eines Bürger- krieges in Oesterreich tatenlos und gleichgültig zuzusehen." Heimwehrteile gegen Gtrafella-Regierung.. Wien, 7. Oktober.(Eigenberiftst.) Die„nationale Studententompagnie*. ebenso wie der Bund Oberland und die Deutsche Turnerschaft kürzlich aus der.Heimwehr ausgetreten, erläßt eine scharfe Kundgebung gegen die H-im- mehrführung und gegen die beiden Heiinwehrrmmster, in der es heißt, daß diese Minister durch die Zufiimmunq zu der Ernennung des Dr. Strafella zum Generaldirektor der Bundesbahn sich das Vertrauen der Heimwehr vevfcherzt haften. Die Studenten müßten aus einer Bewegung ausscheiden, die solche Führer an ihrer Spitz« buchet. Der W bener Hennatsch utz hat beschlossen, obn« jede Bindung selbständig in den Wahllampf zu ziehen. Nur«ine Minderheit marschiert mit den Christlichsozialen und erhält dafür zwei Stellen aus deren Kandidatenliste. Vortpiel zum 9. November. Wie». 7. Oktober.(Eigenbericht.) In der ganzen Republik wurden 159(055 Unterschriften für das Bolksbegehreu zugunsten der Arbeitslosenversicherung gezählt. Das sind 00000 wehr als bei der Nationalratswahl im April 1927 für die Sozialdemokraten Stimmen abgegeben wurde». Die Unterschristen mußten offen abgegeben werden, während die Parlamentswahl geheim ist. Welch gewaltige Parteiarbeit hier geleistet worden ist, ergibt die Ueberlegung, daß die Unterschriften in jeder einzelnen W o h n u ng gesammelt werden mußten. Revolution Folgen der Ka Rio de Janeiro. 7. Ottober.(Eigenbericht.) Im Süden Brasiliens ist seit Tage» eine Um» stnrzbewegung im Gange, gegen die sich alle militä» rischen und wirtschaftlichen Massnahmen der Regierung bisher als nutzlos erwiesen haben. Das bra- filianischc Kabinett hat sich deshalb am Dienstag ent- schlössen, die Einberufung der Reservisten der 1. und 2. Klasse bis zu ,20 Jahren anzuordnen. Ausser» de« wurde die Rationalisierung der Lebens- mittel beschlossen. Tatsächlich ist die N a h r u n g s- mittelbe rsorgnng infolge der nach dem Süden unterbrochenen Verbindungen und in Anbetracht der Preistreiberei skrupelloser Händler ernstlich bedroht. Ter von der Regierung ungeordnete Bormarsch aus Minus Eeraes macht nur langsame Fortschritte. Die Aufständische» habe» zahlreiche Brücken und Schienen- stränge zerstört. Angeblich befindet sich die Vorhut der aufständischen Truppe« seit Dienstag in der Näh« der Grenze des Bundesstates Sao Paulo. Hier find seit Tagen zahlreiche Regimenter der Bundcstrnppen zur Verteidigung des wichtige» Kaffeezentrums zu- sammengczogen worden. Die Vorgeschichte des Aufstandes. pari«, 7. Oktober. lieber die Ursachen der?lii fsi cmdsb ewequnq in Brnsikien schreibt„Temps", man müsse die- unmiftelbaren Ursachen in der Wahlkanzpogne vom verflangencn Iahxe suchen, die zur Wahl Junio Pro st es zum Präsidenten fuhrt«. Zwei Parteien hätten einander gegenübergestanden: diejenige des damaligen Präsidenten Washington Lviz und die Notionqldemokratftche Partei. Die ersterc habe als Kandidaten Junio Prestes, damals Präsident des in Brasilien. »..*' i Staates Sao Paolo, aufgestellt, die zweite den Präsidenten des Staates Rio Grande da Sul. Getulio Vargas. Preftes sei mit mehr als einer Million Stimmen gegen Vargas gewählt wor- den. der KW«ZW Stimmen, vor allem �aus den nunmehr ousständi- scheu Staaten, Rio Grande do Sul, Muias Geraes und Parohyba auf sich vereinigt Hobe. Noch der Wahl habe die Opposition gedroht. Preftes an der Uebernohme des Amtes, die auf den 15. November festgesetzt worden sei, zu verhindern. Seit dem l. März habe die Opposition nicht nachgelassen. Ein weiterer Grund der Aufstandsbewegung sei in der Unzufriedenheit über das Ueberwiegen von Politiker» aus dem State Sao Paolo in der Bundesverwaltung zu suchen. Desgleichen habe die durch die Baisse der Kaffee- preise verursachte Krise dazu beigetragen. Vielleicht noch mehr als iy den anderen südamerikanischen Republiken, die in den letzten Monaten fast alle eine Revo- lution durchgemacht haben, ist die tiefere Ursache des brasilia- nischen Aufstandcs wirtschaftlicher Natur, Die vom „Tcmps" erwähnten politischen Momente mögen durchaus zutreffen, aber letzten Endes handelt es sich doch um eine K a ffee- R e v o lnt i o n, wie übrigens auch am Schluß der obigen Meldung angedeutet wird. Die Weltwirtschaftskrise hat sich nämlich in Brasilien hauptsächlich in einer Ueberproduktion an Kaffee ausgewirkt mit entsprechendem Sturz der K a f f c e p r e i s e. Der Versuch, den Preis künstlich zu baltcn, ist mit ungeheuren Opsern auf Kosten der Allgemein- heit. verbunden worden. Brasilien ist dabei in die finanzielle Abhängigkeit des amerikanischen Finanzkapitals geraten, und das ganze Volk muß bluten im Interesse der Plantagenbesitzer, die wiederum einen entscheidenden Ein- fluß mif die jetzige Regierung ausüben. E—' 1»» �»»»� ler Lüh tsp tele usw jj Mittwoch. 8. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A-V. 33 20 Uhr riadame Bollerfiy Ende g. 221'? Uhr Staats-Oper km Plai: dir tepulük. 20 Uhr 1. Sinfonie- Itg. OttoRlimperer Ende 22 Uhr Mittwoch,». 10 staut, oper Bismarck stt Turnus III 18' 3 Uhr Walküre Ende n. 23 Uhi Staat). Sthausph. (am Oeadamanisarnl. 33. A-V. 20 Uhr Bürger Schippe! Ende g. 22>.3 U. Staat JctiüIer-TiieaiEt.Oiarltan 20 Uhr Ikir Doktor, haben Sie vi essen? Ende 22'/« Uhr 6B0SS.SCBADSPiELilAD(8 Nur noch 3 Wochen! Lustige Witwe Hesterberg:. Hansen» Arno, Schollaer, Janbnhn.Seliaefiers, Winkelstern» Ocsnl. REGTRt C ff A K F L R «.Uhr CASINO-THEATER 81" üh' Lotbrimter Strafe 37. Für unsere Leser: Cut schein 1—4 Personen. Fauteuil 1,25 M. Sessel 1.75 M. Parkett 0,75 M Rang 0,60 M Nor tob L bis 31. Oktober 1930 Der Schlager alierPosseni Hurrah, ein Junge! iiiiiiiimiMiMiiiiiiiiitiimiuimuuiiinuuii'inn'»1"!"»'"!!!« and ein erstkl. buntes Programm ! Jtene Jtiescfi I WV in cfer „Braut von Messina" im ROSE- Theater 1 OroOe Frankfurter Str.l 3 2! |(Bill«ttka«M:Ai«x 3422 u. 3494) Nur noch STagre! | Heute wie nÄchaten Sonntag 3 Vorstellungen, und rwar um[ 2.30 U. u. 9U.(IrencT riesch). um 8.45 U.(Qrete Nebelung). Wochentag:» 8.15 U.f Sonn- •bend» 7 Uhr(Trieech) und 10.15 Uhr(Nebelung). | Kassenpreiae von 50Pf. bi»3.-M. Garderobe u.Programm je25Pf. 1 IheaterfürdieKinder:| t Jeden Mittwoch 5 Uhr: .Häneel und Grete l" 1 Joden Sonnabend 4.15 U.:| », Oornröechen | Preise von 30 Pf. bi« 1.60 M. Btägiger Vorverkauf von 1 1 bis 1 U. vorm. u. 4— OU. abds. 1 8.15 Ohr— Randien ertaoDi Tiffany Twin». Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos S singen» deLadies. Brown u.LaHart usw. VoiKsbttline Theater am BDIowplatz. Täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staati.Sdiillef-lli. 8 Uhr Herr Doktor, haben Sie zu essen? ineatsr am schitlDauerdamm 8 Uhr Jud Süßl Lustspielhaus nir.; Hans LQpsdiOtz Täglich 8'/« Uhi meine Schurester und ich Musik von Benatzky Lory leux. Kurt vonMöllendorl Lessing-Tbeater Friidridhlürl-Ufir I Viidudagin 2791 a.OllS 8 Uhr Gasts. iPiscaMbiit 5 218 (Fr.acai in Not) von Crede Regie: Piscator. Theater des Westens Cbbg., Kantstr. 9. Steinpl. 0931 8 Uhr: Vagac das grein Crfclgas vailugart bis 9. Oktsbar Japanisches Theater ÜeMdiet iheater 8 Uhr Letta Siiffühiüngen! Oer Kaiser von AmeriKa von Bernard Shaw Titelnillt: Werner XiauS Regie; Hai Reinlrardl Donnerstag zum ersten Male Ein Sommernacfats- traum I Regia; Mai Reinhanit. Kammerspiete 8-/- Uhr Elga von Gerhart Hauptmann. Regie: Gustav Härtung. Die Komödie 8V- Uhr Oer Schwierige von Hugo von bofmannsthal, Regie: Mai Reinhardt. Deutsebes ISostler-Tbeal. Tel Barbarossa 3337 SV. Uhr Jim und Jiil Operette v. Tirian Ellis Preise von IM. aufwärts Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 9iJ» Uhr Die Wunder-Bar Revuestück LICHT Die Sehenswürdigkeit Berlins— Die führende Varietä• und Filmbühne Direktion: Luis Cutman Berlin-Gesundbrunnen Von Dienstag. 7. Okiober bis Montag, 13. Okiober Lichtburg-Orchester: Franko fagell Gastspiel Lalos Szendr Der Parodist am Flügel 20 MinuL echten Humors. ferner 4 Rugbys, der oeste Trampolin-Akt Rodielit. der lustige Bauchredner Billy Jackson£ Heddy Ronner in ihren neuesten Tänzen Der Ton- und Sprechfüm der Prominenten Die große Sehnsucht Achtung! Achtung! Sonntag, 19. Oktober, mitt>2 Uhr Einmaliges folkskonzirt UndreasWaissgerbei Dnhdibnds bester Caign-Virts«:. Voimk. ab aMl. Prei« dar Plltu:—.811. 1.—. 1.21). Ugri 1.50 R Wochentags: 4. S'/i, 81, Uhr Sonntags: 3, 5":, 8 Vi Uhr Eintn tspreise: RM. I,—, 1 ,20, 1,50 (Logen 2,—), Sonntags3UhrEinheits- prets RM. 1,— Vorverkauf ab 12 U. ununierhrochpn für 7 Tage im voran». Baniowsky- Bähtet Theater lo dei suesemannstr. Täglich 8V» Uhr IlWMiZ Ustspic! ns Sthwialarl Komödienhaua 8 Vi Täglich 8 Vi Konto X von Bemauar uod Oastarreidier Theater am Sdüllhauer flamm 8 Uhr Jud Süßl mit Emst Deutsch. Inszenierung: Leogaold JeHner. BETRIEB f KEMPINSKII Neues Tbeater w»an Zoo■ SmBabDh.Zw. StpL6554 Täglich 8Va Uhr Lommel in der Posse Paul uud Pauiine Rundfunkhörer halbe Preise. Urania Fraitag, den 10. Oktober abends tvi Uhr im Laogtubeik-iliniiov- HaiiLÜiisostr. 58-53 Vortrag von Dr. Mariin B1UI Ost-Atrika Dil Varfübuag»10 filar »ad litbtbiidam. Zimmer 1 Betf M.8.-b. 11 2Bett 14.-bis22. BadM.3. 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Staub kreiste, die Lederriemen schlapften, die Motoren ließen den Steinboden erzittern, große Brummer aus Eisen und Stahl, zehnmal stärker als ein Pserd. Und wenn er hineinhorchte in das Spellen und Kreisen, in das Rasen und Sausen um sich m die rufenden Stimmen der Zlrbeiter, die sich Weisungen weitergaben, dann sang es und drohte es, dann lachte es und schrie: Was soll daraus werden? An irgendeinem Nachmittag würde Annie von ihrer Wohnung Besitz ergreifen. Zimmer säubern. Essen kochen, die Zeitung an den bestimmten Platz legen und, wie sie es ge- wohnt war, abends am Fenster auf feine Heimkehr warten. Alles war richtig, oorftellbar und geordnet, nur konnte Werla sich nicht denken, welche Veränderungen, welche Erregungen, Freuden und Leidender Junge, dieses neue und fremde Wesen in den Umkreis ihrer beiden Leben bringen werde. Er redet« sich in eine Art Freude hinein— sicher war es gut. daß die Frau nicht immer allein sein, daß der Junge wachsen und lernen werde, und eines Tages, vielleicht durch die Hilfe und Bereitschaft seiner Eltern, etwas bedeuten möge—• ein Beamter in sorglosen Tagen, ein Geschäftsmann, der fein Geld verdient— oder man würde ihm Stipendien gewähren, es gab neuerdings eine Volkshochschule und für den einfachen Mann den Weg, sich die Wissenschaft zu erobern— zehnmal erschwert im Gegensatz zu den Werdegängen reicher Jungen, aber die Türen waren doch offen. Man lebte in einer neuen Zeit, die sich von seiner und Annies Jugend in vielfacher Hin- ficht unterschied. Was aber, so fragte er im Selbstgespräch weiter, soll ich mit dem Kleinen anfangen? Man kann ihn auf den Arm nehmen, ihn schaukeln, ihm Lieder vorbrummen, Spiel« zeigen, ehe Jahre vergangen waren? Hierauf fand er keine Antwort und an diesem Punkte begann auch seine Furcht, er werde soviel Falsches tun, sich dem Kind gegen- über so oerkehrt und täppisch betragen, daß Annie schon daran sein Treiben in diesen Tagen merken müsse. Der Bucklige wartete vor dem Waschraum auf Werla, der etwas später fertig war. Sie gingen nebeneinander, ohne zu reden— sie blieben, wie auf Verabredung, nicht bei der Straßenbahn stehen, sondern nahmen einen Seitenweg durch fußhohen Dreck«und erreichten gerade den Autobus. Als�ie auf das Verdeck kletterten, gewahrte Werla, wie helle Beine sich dem Wagen näherten, aufsprangen— unten war die Renners eingestiegen und fuhr, vielleicht gerade unter seinen Füßen, mit ihnen. Die Nebel hingen lose, seltsam kleine Tropfen. Sie dran- gen spitz und kühl in die Poren und erfrischten, die Gas- laternen schaukelten in weiten, gewundenen Abständen an ihnen vorbei, man sah in erleuchtete Fenster vor engen Zimmern, in denen Wäsche vor dem Kachelofen trocknete und Männer geduckt über Tellern und Zeitungen saßen. Motor- räder knatterten an ihnen vorbei, Autoscheinwerfer grelltcn um Kurven und schrien die Straße frei, eine Kolonne Schupos mit Gewehren über den Schultern radelten durch den Brei in die fernsten Vorstädte hinaus. In einer ziemlich düsteren Gegend am Alexanderplatz kletterten die herunter. Werla blickte sich nicht um, in der Furcht, die Reimers zu sehen und er folgte gehorsam den Irrwegen des Kollegen, bis sie bei einem seltsamen Bouillon- keller haltmachten. Die Treppe war ausgehölt von Gene- rationen von Säufern, Marktfrauen, die hier am Morgen ihren Schnaps als Stärkung fanden, von Hehlern, Dieben und Arbeitern und von Menschen, die oft alles in einer Person waren. In der leinen Gaststube saßen nur zwei Menschen in einer Ecke: während Werla an einem Tisch am Ofen Platz nahm, um sich durchzuwärmen, ging Köhn erst zu den beiden Männern hinüber. Sie nahmen etwas von ihm in Empfang, das einigen Zigarettentästen durchaus ähnlich sah, gaben ihm Geld und behielten immer ihre Hüte im Nacken. Der Wirt. Meister Knupp wurde er gerufen, ein ausgedienter blauer Polizist, schob sein breites Gesicht noch mehr über den Schanktisch. „Zwei Essen und zwei Bier..." schrie Köhn. Sie löffelten in einer Knochenbrühe, zersägten ausge- laugtes Fleisch und stopften gedämpfte Kartoffeln in den Mund. Werlas neuer Freund schien die Angelegenheit als er- ledigt zu betrachten. Seine Redseligkeit war einer finsteren Stille gewichen. In halbsauberen Fingern drehte er immer- fort das Bierglas, immerfort, es stand nicht eine Sekunde still, und alle drei Sekunden nahm er einen kleinen Schluck. der seinen Wamsapfel unter den Bartstoppeln auf und nieder hüpfen ließ. „Also", begann schließlich Werla zögernd,„was, Köhn, soll ich nun tun?" Der legte seinen Kopf auf die Schulter, blinzelte, als sei er erstaunt, zu seinem Begleiter hinüber und gähnte. „Ein Bier— trink. Ich bezahle. Was du tun sollst? Mensch, bin ich ein Weiser oder ein Ratgeber in allen Ver- trauensfragen? Tu, was du willst, wozu du Lust hast. Die Weiber sind Biester, alle. Ich kenne keine anderen. Nimm sie, wenn sie sich dir an den Hals schmeißen. Du wirst auch mal alt. Und wenn du kannst, schlag zu, sobald sie dreist werden. Sie wollen betrügen oder vergiften, und wenn sie still und klein, dann ist auch das Berechnung. Immer bist du ihr Knecht. Deine Frau, sagst du, ist gut. ist ordentlich. sorgt für alles. Mag fein. Warum tut sie das. Du gibst ihr zu effen, einen besseren konnte sie nicht finden. Wäre einer gekommen, der nur tausend Mark hatte— du wärest vergessen gewesen und erledigt. Es kam keiner und ein Mann muß es sein..." „Nein", schrie Werla, seine Hand sauste auf den Tisch, daß ein Bierglas umsprang und in Scherben an die Erde stob,„nein, das ist ja nicht wahr! Mensch, Köhn, du bist verbittert, du hast keine Ahnung mehr von Liebe. Wie hat sie dagelegen, wie hat sie gefiebert, und es ist iknmer noch schlimmer geworden Sie hat stillgehalten, unter allen Schmerzen. Und wozu? Bloß um einen klernen Jungen von sieben Pfund, um ihn in die Welt zu setzen. Wir wissen ja gar nicht, was die Frauen auszuhalten haben. Für Esten und Trinken sagst du? Dafür kannst du das nicht kaufen, mein Lieber, und nicht für zehntausend Mark! Ich— ich bin ein Schuft, ein gemeiner Kerl— aber, das eine sage ich dir: was auch geschehen ist, Annie soll es nicht wissen, Annie soll nicht darunter leiden. Das Büromädel mag sich denken, was sie will— sie war da für eine Nacht, ich Hab' ihr keine Flausen vorgemacht, und wenn ein Mann Wochen ohne Frau ist..(Fortsetzung folgt.) OerMord im LainzerTiergarien Angeklagter Bauer kämpft um sein Alibi. w.len. 7. 0ttober.(TU.) In der Nachmiilagsverhandlung im Mordprozeß Dauer wurde das Verhör gegen den Angeklagten Bauer begonnen. Bauer gab zunächfk �eine Personalien an. Er habe mit seinem Schwager die Crayonwert« A--0. gegründet. Außerdem habe er aus eigene Rechnung Juwelen- g e s ch ä f t e getätigt. Sein Einkommen habe ungefähr 1500 bis 2500 Schilling monatlich betragen. Bezüglich der ihm zur Last gelegten Tat gibt Bauer an, daß er fünf Tag« vor der Mordtat einen Cxpreßbrief von der Fellner erhalten habe, in dein sie ihm ihre Ankunft in Wien ankündigt«. Er habe mit einem Telegramm geantwortet, daß er sie freudig erwarte. Am 17. Juli 1928 habe er die Fellner am Bahnhof erwartet und in sein« Wohnung gebracht. Gegen Mittag habe sie seine Wohnung verlassen, und er Hobe sie seither nicht mehr gesehen. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er sich nicht gemeldet habe, als die Bilder der Ermordeten veröffentlicht wurden, erwidert« er, er wäre vielleicht verhaftet worden und dann wäre auch die Frau Decken, zu der er in Beziehungen stand, in die Sache gezogen worden. Das habe er vermeiden wollen. Auch Hab« er nach den Photographien die Fellner nicht erkannt. Auf die Frage, ob ihm der Lainzer Tiergarten bekannt fei, erttärt« er. er sei wohl einig« Mate dort gewesen, habe sich ober gerade in dem T«ll, wo der Mord geschah, niemals aufgehalten. Di« strikte Frage des Vorsitzenden: „Waren Sie am 17. Zuli 1S2S mit Frau Fellner im Lainzer Tiergarten?" beantwortete der Angeklagte mit. einem entschiedenen„Nein". Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß sich der Droschkenchauffeur ge- meldet habe, der ihn zusammen mit Frau Fellner zum Lainzer Tiergarten gefahren und ihn dann allein zurückgefahren hob«, er- widert der Angeklagte, dies« Angaben seien erlogen, er werde es auch dem Zeugen ins Gesicht sagen. Der Angeklagte gibt weiter an, er sei, nachdem Frau Fellner aus seiner Wohnung fortgefahren sei, ins Büro gegangen, wo er mit seinen Gesellschaftern ein« Unter- redung gehabt Hobe. Di« beiden Gesellschafter bestreiten dies jedoch und behaupten, daß Bauer am 17. Juli überhaupt nicht im Büro gewesen sei. Auch aus den Korrespondenzen geht dies mit aller Deutlichkeit hervor. Nachmittags sei er nach seinen Angaben bei seinem Bruder im Spital gewesen, doch kann sein Bruder darüber keine genauen Bekundungen machen, während der zweite Zeuge, den Bauer an- führt, dies ausdrücklich bestreitet und erklärt, daß der Besuch am 14. Juli erfolgt sei. Da der Angeklagt« als Beweis für seinen Besuch den Umstand ins Treffen führt, daß sich an diesem Tage «in großer Sturm erhoben Hobe, gelangt ein« Zuschrift der Meteorologischen Zentralanstalt zu? Berlesung, in der diese Angaben bestätigt werden. Bezüglich des Benzin- fläschchens, dos bei der Leiche gefunden wurde und das nach Angaben feiner Hausangestellten aus seinem Besitz stamme, erttärt der Angeklagte, diese Angaben seien unrichtig und er werde«s nachweisen. Hierauf wurde die Verhandlung auf Mittwoch oertagt. Auto zwischen Straßenbahnen zerquetscht. Ehpufteur und Fahrgast schwer verletzt. In der Berliner Allee in W e i ß e n s« e wurde gestern abend ein P r i v a t a u t o von zwei sich kreuzenden Straßenbahnwagen der Linie 17 erfaßt und buchstäblich zerquetscht. Offenbar hatte der Führer des Autos, ein 28jähriger Paul R e m p u f z e w f t i aus der Berliner Str. 10 in Reinickendorf, beim Versuch, die Straßen- kreuzung noch vor den herannahenden Straßenbahnwagen zu über- queren, die Entfernung unterschätzt. Das Auto wurde vollständig zertrümmert, und es dauerte längere Zeit, ehe es der Feuerwehr gelang, den fchwerverletztenFahrer sowie den Insassen des Wagens, einen 63jährigen Inspektor Gustav Krüger aus der Straßburgcr Straße in Weißenfe«, aus den Trümmern zu befreien. In bedenklichem Zustand« wurden die beiden Schwerverletzten in das Weißenseer Krankenhaus gebracht. Auch einer der Straßenbahn- wagen wies schwere Beschädigungen auf. Die Plattform war völlig«ingedrückt worden. Wie durch«in Wunder kam der Führer mit geringfügigen Verletzungen davon. Durch den Borsall entstand«ine längere Verkehrsstörung. Auf dem Bahnhof Siemens st adt-Für st enbrunn warf sich am Dienstagnachmiltag ein etwa 30jährlg«r Mann vor die Räder eines einfahrenden Zuges. Der Lebensmüde, dessen Personalien noch nicht ermittelt werden konnten, wurde völlig zermalmt. So arbeiten Lehrlinge! 52 Handwerkszweige stellen aus. Die von der Handwerkskammer in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm veranstaltete Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und Gesellenstücken ist am gestrigen Sonntag geschlossen worden. Die Ausstellung wurde von rund 30 000 Personen besucht. Man konstatierte mit großer Befriedigung, daß heute wieder das Handwerk viel Erfreuliches zeigt, den Wunsch, durch Ouati» iätsleistung den Wen der Arbeit zu steigern, wie man«s sehr gut bei der umfangreichen Ausstellung von Lehrlings- arbeiten in Halle VI am Kalferdamm beobachten konnte. Man muß eigentlich den Begriff„Lehrlingsousstellung" umdeuten: in Wirklichkeit war es eine Ausstellung der Werkstätten, und beruf- licher Stolz verklärt die Meister, wenn eine Arbeit aus ihrem Be- trieb prämiiert wird. Die Ausstellung zeigte aus 52 Handwerks- zweigen Lehrlingsarbeiten aus dem letzten Lehrjahr und Gesellen- stücke. Allen Arbeiten wohnte außergewöhnlich« Leistung inn«: gleich, ob es sich um die Torte eines Konditors oder um das Werk- stück eines Fcinmechanikerlehrlings, eine Thomson- Meßbrücke handelte, die mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurde. Wenn man sieht, daß Tifchlerlehrlinge im 4. Lehrjahr schwere, mit Edelhölzern furnicrie Anrichten bauen oder ander«, wie die Spezialisten In de» Künsten der Malerei— speziell der Plakat- und Schildermalerei— oder der Metallbearbeitung sicher sind, dann„Hut abl" vor dieser Höhe der Berliner LehrlmgsausbWun«, die sich in den letzten Jahren unter der Kontrolle der Gewerkschaften und des vor- bildlichen Fachschulwesens so gehoben Hai. Wichtig für die sozialdemokralischcn Lehrer. Anläßlich des Preußischen Philologentages ladet Genossin Wegs ch eider die parteigenöfsischen Teilnehmer ein, am Mittwoch, dem 8. Oktober, 18 Uhr, zu einem Treffen im Landtag. Referat Dr. Schneider über für uns wichtige Gegenstände der Tagung: Referat Dr. Weg- scheide r über: Was lehren uns die Reichstagswahlen für unsere Arbeit? Am Freitag, dem 10. Oktober, 20 Uhr, im Rheingold, Ein- gang Potsdamer Straß«, Sozialistischer Erziehertag in Braun- schweig, am Sonntag, dem 12. Oktober, mit einem Vortrag des Ge- nassen Dr. Kurt Löwen st«in über: Die sozialistische Erziehung als gesellschaftliche Forderung der Gegenwart. Begrüßungsabend am Sonnabend. Gastkarten durch Genossen Paul Schmidt, Berlin- Steglitz, Bergstraße 20, G. 9 Albrecht 4181. Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend/ den 11. Okiober, 19�2 Ubr, im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Sirahe 3 Vortrag des Genossen Proi. Or. Hermann Heller- Berlin Ober „Faschismus als Nationalsozialismus" Karten zum Preise von 50 Pf.(einschl. Garderobe) sind an folgenden Stellen zu haben: Bflro des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr 3, Z. Hof links, 2 Treppen; Arbeiterjugend Groß-Berlin. Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Treppen; Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiter-Verband, Am Köllnischen Park 2 u. Rungestr 30; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. RitterstraBe Ecke Luisenufer; Zigarrengeschäft Horsch, Engeluter 24 25; Verlag des Blidungsverbandes der deutschen Buchdrucker Dreibundstr. 5; Zentralverband der Angestellten, HedemannstraBe 12; vetlagsgesellschaft des ADGB., Abteilung Sortiment, Inselstr. 5a; Frauensekretariat der SPD., Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Treppen; Bezirksausschuß für Arbeitenvohlfahrt, Lindenstr. 3, 2. Hol links, 2 Trepp.; Geschäftsstelle d. Touristenvereins„Naturfreunde", Johannisstr. 15, und an der Abendkasse. Lteberführung der Opfer des„R lOI/'. Beisetzung erfolgt im gemeinsamen Grab. Veauvais, 7. Oktober. Unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung von Beauvois hat die feierliche Ueberführung der Leichen der 48 ums Leben ge- kommenen englischen Luftschiffer stattgefunden. Den Wagen voran marschierte ein Bataillon Infanterie. Hinser den Wagen folgten drei Männer, vor denen jedermann der dicht gedrängten Menge sich verneigte. Es waren drei Ueberlebende der Katastrophe, deren leichte Verletzungen es ihnen erlaubten, dem Zuge zu folgen. Gegen 5 Uhr langte der Sonderzug im Hafen von Boulogne an und die beiden englischen Zerstörer„T e m p e st" und„Tribüne" nahmen die Opfer des 101" an Bord. Nach Mitternacht werden die Särge auf dem Victoria- Bahnhof in London eintreffen. Die Angehörigen der Ver- unglückten haben sich damit einverstanden erklärt, daß die Leichen in einem gemeinsamen Grabe bestattet werden. Die aufrichtige, durch das Miterleben des Unglücks verstärkte und durch militärische Ehrungen besonders zum Ausdruck gebrachte Anteilnahme der Franzosen wie auch diejenige von anderen Völkern wird von den Engländern dankbar empfunden. Der tragisch« Vorfall hat geradezu«ine größere Wärme in das französisch- englische Verhältnis gebracht. Ltnglücksflugzeug D 1930 freiaegeben. Llriache der Katastrophe: Höhere Gewalt. Im Verwaltungsgebäude der Lufthansa in Berlin tagten am Dienstag die Untersuchungskommissionen der Deutschen Versuchsanstalt für Lnstfahrt, der Flugpolizei und- der Lufthansa zu einem Gedankenaustausch über das Ergebnis der Untersuchungen des Dresdener Flugzeugunglücks. Alls den Zeugenaussagen und dem Bruchbefund wtrt> geschlossen, daß der Flugzeugführer wegen der besonderen Platzverhältniffe in Dresden mit einer sehr g e- ringen Geschwindigkeit landen wollte- Infolge dieser geringen Geschwindigkeit in der Kurve und wahrscheinlich auch infolge einer plötzlichen Bö ist das Flugzeug.n ein« seitliche Drehbewegung geraten. Da die Flughöhe in diesem Augenblick mir noch etwa 400 Meter betrug hatte der Pilot nicht mehr die Mög- lichkeit, das ins Trudeln geratene Flugzeug rechtzeitig abzufangen, und so kam es zu dem beklagenswerten Unglück. Nachdem die gerichtliche Untersuchung in Dresden ab- geschlossen ist, ist die Maschine„D 1930" von der Polizei frei- gegeben worden. Die Leichen der berunglücklen Insassen jedoch sind von der Forstverwaltung noch nicht freigegeben worden. Der„Sturmvogel" und die Jugend. Der„S t u r m v o g« l", der Fluqverband der Werktätigen, will die jetzt ruhige Zeit im Luftverkehr benutzen, den Schülern ver- schiedener Berliner Lehranstalten das Flugzeug erlebnismäßig näher ,zu bringe» Bei allen bisherigen Führungen hat sich gezeigt, daß die aus Sicherheitsgründen notwendig« Distanzierung vom Flugzeug bei den Jugendlichen mehr Enttäirschung als Begeisterung zu er- wecken vermochte. Eine neue Art der Führung tut daher not. denn Die Berliner Funkftunde zeigt sich feit einiger Zeit bemüht, Bildungs- und Kunstproblem«, die im Strudel der Zeitströmungen und Wirtschaftskrisen auftauchen in Vorträgen und Diskussionen behandeln zu lassen. Es ist dan-kbar zu begrüßen, daß sie die Notwendigkeit solcher Aktualität voll anerkennt, dankbarer noch, daß für diese Erörterungen säst ausnahmslos wirklich Redner gewonnen werden, die einem großen Publikum etwas zu jagen haben. Wenn sich diesmal der Jnteiidant des Städtischen Oper, T)r. Kurt Singer, und der Musikkritiker Dr. Alfred Einstein laut Programm über das Thema„Der Opern spielplan und seine Kritiker" unterhielten, so boten sie viel mehr als eine hochwissenschaftliche Auseinandersetzung. Es ging diesmal Haupt- sächlich um die Frage:„Gibt es eine Opernkunft der Gegenwart?"— ein Problem also, das jeden Musikfreund interessiert. Dr. Kurt Singer gab die Antwort daraus: Opernkunst— wenn man das Werk aus der Bichne darunter versteht, das Komposition und Auf- führung zusammonsaßt— gibt es in der Gegenwart so gut wie es sie in der Vergangenheit gab: aber diese Opernkunst muß immer wieder Konzessionen an den Geschmack des zahlungsträftioen Publikums machen, wenn sie überhaupt leben will. Und Dr. Alfred Einstein, der von der Mufikkritit mit Recht Der- ständnis für die' Werke der Vergangenheit und Derständnis für modernstes Scharfen fordert«, rührte an das Kernproblem aller deutschen Opernkrtsen. als er die Parallele zwischen der italienischen und der deutschen Opernkunst zog Di« italienische Oper stützt sich auf eine Opermradilion. die sich organisch entwickelte: die deutsche O-pcr stützt sich auf Höhepunkte, die kaum merklich miteiiiander zusammenhängen: daher die toten oder wenigstens scheinbar toten Stellen der deutschen Opernproduktion.— Sehr interessant, da sie Ausschluß über älteste Volkskunde geben, waren die Darlegungen des Direktors des irischen Volksmuseums zu Dublin, Dr. A. Mahr, über„Sitten und Gebräuche in Irland". Dieses keltische Volk� ist mit der Urgeschichl«� der Menschheit noch rief verbiinden. Sitten, Anschauungen und Sagen aus ältester Zeil haben sich hier noch bewahrt, wenn auch ver- stümmeit und bisweilen überhaupt nicht mehr verständlich les. es ist von größter Wichtigkeit, die Generation, die �einstmals dl« Lust beherrschen wird, so früh wie möglich mit dem Flugzeug ver- traut zu machen. Am Sonntag sollten die Schüler der weit- liche» 181. Volksschule die verschiedenen Flugzeugtypen des „Sturmvogels" besichtigen und an Rundflüqen teilnehmen. Inso-lg; des strömenden Regens mußte die Führung auf«inen der kommenden Sonntage verschoben werden. Berlin als Vorbild für London. Einheitliche Verkehrsmittelgefellschast. London, 7. Oktober.(Eigenbericht.) Die Labour-Regierung hat in diesen Tagen einen K a n s o l i- d i e r u n g s p l a n für die gesamten Verkehrsmittel der Stadl London verössentlicht, der den gesamten Londoner Ver- kehr vereinheitlichen und unter der Obhut einer st a a t l i ch beauftragten Gesellschas» zusammenschweißen soll. * Der Minister für öffentliche Arbeiten Herbert Morrisson, der diesen Plan entworfen hat, hat das Beispiel der Stadt Berlin als wegweisend erkannt. Er ist im vorigen Jahre per- sönlich nach Berlin gefahren, um die Verhältnisie in der Reichs- Hauptstadt zu studieren, ebenso sind wiederholt leitende Beamte seines Ressorts sowie Direktoren der großen privaten Verkehrsgesellschasten Londons hier gewesen, um die in Berlin gemachten Ersahrungen für die eigenen Reformpläne nutzbar zu machen. Uebereinstimmend bekundeten alle englischen Gäste, daß Berlin den einzig möglichen Weg gewiesen habe, um die Anarchie der privatkapitalistischen Verkehrsunternehmungen zu überwinden. Während aber die größte Stadt der Welt sich Berlin als Muster nimmt, darf jeder wirffchaftsparleiliche oder deuffchnalionale Kläffer die blödesten Witze über die BVG. reißen, um die Idee des Ge- meindesozialismus zu diskreditieren. Das unter der„roten Miß- Wirtschaft" Geleistete wird im Ausland als bahnbrechend anerkannt und nachgeahmt, hier aber ist der sozialistenfeindlichen Meute jedes Mittel recht, um die Bevölkerung gegen die Sozialdemokratie auf- zuHetzen. Ein unnatürlicher Vater. Postbeamter wegen Blutschande ver urteilt. Das Erweiterte Schöffengericht Neukölln verurteilte den 34jährlgen Postbeamten K. wegen fortgesetzter Blutschande und Sittlichkeitsverbcechens an einer seiner Erziehung anvertrauten Person unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnis- strafe von 1 Jahr 3 Monaten. Wegen der Höhe der Strafe und des damit begründeten Fluchtverdachtes wurde der Verurteilte sofort in Haft genommen. Der Angeklagte, der seit 16 Iahren als Beamter tätig war, heiratete eine Kriegcrwitwe, die 12 Jahre älter ist als er selbst und ein 15 jähr ig es Mädchen mit in die Ehe brachte. Etwa ein Jahr lang verging sich der Stiefvater an das Kind aufs Schwerste. Erst nach einiger Zeit offenbarte sich das Mädchen der Mutter, die sofort Anzeige gegen den Ehemann er- stattete. In der Derhandlung war der Angeklagte geständig und entschuldigte sich lediglich damit, daß er zu dem Kinde ein« zu große Liebe gehabt habe, die der Sachverständig« fast als ein Hörig- keitsverhältnis bezeichnete. Da der Angeklagt« als geistig minderwertig charakterisiert wuxd� billifitc ihm 5j£t»s@«richt mildernd Umstände zu. Der Vorverkauf der Karlen zum H'leasporlfest der Arbeiter- sporller am 2. November im Berliner Sportpalast hat begonnen. Die Berliner Vereine und die der näheren Umgebung werden ge- beten. Freitag, 10. Oktober, 13 Uhr, einen Beauftragten mit Aus- weis nach der Kreisgeschäftsstclle, Berlin N., Elsasser Str. 86/88, Aufgang A, IV, zum Empfang der Werbeplatate und Borverkaufs- karten zu entsenden. Schneller Verkauf der Karten sichert pte Plätze._ Allgemeine Wetterlage. Bei frischen westlichen Winden herrschte am Dienstag in ganz Deutschland unbeständiges Wetter. Vielfach kamen Regen- und Hagelschauer vor: vereinzelt gingen auch Gewitter nieder. Dabei war es überall recht kühl: nirgends stiegen die Temperaturen über 13 Grad.— Das Tiefdruckgebiet, das am Montagabend noch über der südlichen Ostsee lag, ist nach Rußland abgezogen. Stärkerer Druckanstieg über Müieleuropa hat zur Bildung einer Zone höheren Druckes geführt, die sich von Frankreich über Schweden nach Finn- land erstreckt. Unter ihrem Einfluß dürste bei uns dos Wetter nur vorübergehend freundlicher werden: denn bei Island ist ein« neue Depression erschienen: das mit ihr verbundene Schlechtwettergebiet dürft« longsam ostwärts vordringen. Weller für Berlin: Veränderliches, zeitweis« heiteres Wetter ohne erhebliche Niederschläge, ziemlich kühl.— Für Deutschland: Ucberall kühl und wechselnd wolkig, im Osten noch einzelne Schauer, im Westen später erneut Regenneigung, sonst ohne erhebliche Nieder- schlüge._ vortrage, Vereine unv Versammlungen. Reichsbanner„Schwar;-Rot-Gold". Sefdiitflstfrll':»erlip£ 14. LebaNt-nltz 87—35 Set 2. Tr Shmnezetufl, 9. Oltobe». StMiiemünbcfaim: Dir nngcftfctr Eifuina in Landr�s fficißbietftnbcn und die Ewinemilndefahrt fallen aus. WUmezadezs! 20 Uhr Ramttobrdwftsobtr.b im Pil»ri-aart-n. Wilhclms- aue 115 AufktUiruna drs fltieaobtamoa von cficriff:„Die anbei« 6cilc". Eintritt frei, griedrichäliain, flametabfttaft SUfdiina:'O'.b Udr Namrrab- fdiaftäotrlammluna bet Plawrrt, Skbetftt. 24a.®«ik«nfcn Esperanto.Lebrganacs. Teilnahme an der ersten Unierrichtostunde kosten- los»nt> unverbindlich gnteress-nfen willkommen. Esperanfo-Eesellschaft Ebarloftendura. Oonnerstaa. 9. Oktober. 20 Uhr, Raisar-griedrich-Echute. Rnesebedstr. 24(Saviannglak), Beginn«ine, neuen Unterrichtskursu» für Ansänger.<9 äst« milliommen. Verein �riebebera-Renmarl»rb Umgegend in Berlin. Stknng am Diens- tag. 14. Oktober. 20'' llbr. im Weißen Saat der llnion�üestsdle, Srcifswalder £frane 221—223. Denfiche Larbimannschakt der Vrovinz Bosen, e. B.. Eross-Veelin. Monat,* st düng am Tonnerefag. 9. Ltiodcr. 20!� Uhr, in bet Rindl.Braucrei, Neukölln, Hermannsfr. 214—219. Anschließend geselliges S?en«mmense!n. Das �esundhelts- wasseii Faehinger Vtrsandslelle, Barlin SV tl SchSneberger Sir. 16a. Tel. Lfltza* 8260-61 Parteinachrichten für Groß-Berlin Einsknd-ngen für dies» Rubrik sind stet,«n da»«ezirkisekretarlal V e r l i» SB 6». Lladenstraße 3, Z. Hos, STrevpen recht», zu rtchte» ». ikel, Aricdrichshain. Morqrn, Donnerstaa, 20 Uhr, Andreas�esssäl«, Andreasstr, 21. Aufsilhrung der ktleinkunstbUline:„Eeh! her! Staunt aufl� Ein Querschnitt durch unser heutiges Lcbcn, Zeitthcatcr, Kurzstllckc, Schau- spiel, Titnzc, Mufti. Eintrittspreis 60 Pf. Karten an der Abendkasse.— 12. und 13. Zahlgruppe der Freidenker: Versammlung aller SPD.-Frei- denkergenosscn am Freitag, 10. Oktober, ISsb Uhr, im Lokal Franksurler Kos, Frankfurter Allee. IL Ztrei» Reukclln. Die Fahlabendsleiter werden ersucht, auf die vom Bil» dungsausschuß veranstalteten Schulungskurse hinzuweisen. Die Programme befinden ftch in Hände» der Abteilungsleiter.— Deutscher Freidenker- Verband, e. V., llnterbezirk Reukölln: Fu der am Freitag, 10. Ok'obcr, nVa Uhr, in Klicms Fcstsälcn, Hascnhelde(Großer Saal), stattfindenden ltirchenaustritts-Kundgcbung der Jugend werden alle Genossen gebeten, ftch recht zahlreich zu beteiligen, itirchenaus'ritte werden dort gegen omt- lichen Ausweis vollzogen.— Der Arbeiteausschuh Reukölln. Mitgliederversammlungen und Zahlabende heule, ZNillwoch. 8. Oktober, in nachstehenden.Lokalen Thema In allen Versammlungen: „Sie poULsM Lage und die Aufgaben der Sozialdemokraiie!" 6. Abt. 19H Uhr bei Dartholomc, Schwcdtcr Str. 3Ha. Vortrag. Referent Genosse Ieremafchwilli. Blafzinski, Rastanienallee 64. Referent Genosse Priedel. Dobrohlaw, Swincmllndcr Str. 11. Dcblih, Echwedter Str. 227. Paper, Echwedter Str. 237. ?. Abt. 20 Uhr bei Richert. Eteinmehssr. Z6a. Referent Genosse Strath- mann. Seiler. Sternmedstr. 20. Referent Michael Kirschderg. Älemke, EIßholzstr. 10. Referent Genosse Lindstaedt. Plath, Llldowstr. 7. 26. Abt. loib Uhr. 2. Gruppe: Beinlich, Weißcnburgcr Str. 1. 3. Gruppe: Aofsmann, Echwedter Str. 23.— Achtung, 1. Gruppe! Fahlabend erst am Freitag, 10. Oktober, bei Heiles. Prenzlauer Allee 230. Bericht vom Bczirksparieitag. 53. Abt. Die Dczirksführer rechnen die Billetts zum Proletarischen Klein- knnstabend heute mit dem Kassierer ob bzw. morgen an der Abendkasse.— lOlh Uhr Fahlabende. Fahlabend Soffmann: Politische Aussprache Uber den Bezirkspartciwg...Neuerungen in der Sozialpolitik." Referent Ge- nosse Bormann.— Zahlabend Wertafta: Politisch!« Aussprache über den Bczirksparteitag.— Fahladend Haha: Politische Aussprach« Uber den Bezirke-Parteitag. 43. Abt. 20 Uhr Fahlabend« in den bekannten Lokalen. 46. Abt. 10 Uhr Fahlabende in den bekannten Lokalen.— Gruppe Hohlstein bei Sommer, Wiener Etr, 2«, 52. Abt. Eharlottenbnrg. 20 Uhr im Lokal Kos?!, Kaiserin-Augusta. Allee 81. Riferent Felix Fligg. 67, Abt. Grunewald. Fahlabcnd findet in dieser Woche nicht statt. 71. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr bei Lau, Hildegardstr. 14, Disiusssonsabent. Transparente und Fahnen sind bei Lau abzuliefern. 8>. Abt. Friedena». 20 Uhr. 1. bis 8. Bezirk:»labe, Handjerpstr. 60—61. Vortrag!„Meine Eindrücke in den Vereinigten Staaten von Amerika". Referent Paul Schcdke. 4. bis 6. Bezirk: Baginfki, Swbenrauch- Ecke Taunusstraße, Vortrag:»Die russische Wirtschaftslage". Referent Dr, Schwarz-Rußland. Renkolla. 8». Abt. 20 Uhr In der Kvitbusser Klause, Kottbusser Damm 90, Referent Dr. Kurt Löwenstein, M, d. R.— 97. Abt. Die Adteilungs- Versammlung findet erst Freitag, 10. Oktober, statt. Sieh« Donnerstag. Morgenausgabe des„Vorwäris". 102. Abt. Baumschulcnweg. 10>? Uhr hei Borgmann, Paumschulen. Ecke Kies. Holzstraße. Referent Kurt Aeinig, M. d. R. 11t. Abt. V>>h»»b«rs. 30 Uhr bei Seimann, Waltersdorfer Etr, ll>0, Referent Genosse Peine, R, d. R.— Die Parteibibliothek ist heute ebenfoll, bei liegen Diktatur und Faschismus Für Demokratie und Arbeiterrecht demonstriert die Berliner Sozialdemokratie am Sonntag, dem 12. Oktober 1930 nachmittags 2 Uhr, Im Lustgarten PROGRAMM: Sturm(Uthmann) /■ Gesang der Völker(GuggenbUhler)/ Ansprache: ReichstagsprSsident Genosse P. LSbe Tord Foleson(Uthmann)/ Gemeinsamer Gesang; Die Internationale Arbeiter, Angestellte, Beamte! Erscheint zu dieser Demonstration in Massen I Heimann geöffnet. Parteigenossen können gegen Vorzeigung des Partei- buche» Bücher entleihen. 139. Abt. Tegel. lOiH Uhr im Alten Krug, Hauptstr, 14, Refercntin Margarete Echenkalowstp. Morgen, Donnerstag. 9. Oktober. 37. Abt. 191, Uhr in den Bndrcos-Festsölen, Andreasstr. 21, Proletarische Kleinkunstbühne. 139. Abt. Tegel, Schulzendors, Heiliqcnsee, Siedlung am Bahnhof Heiligens«. 20 Uhr in der Kantine der AEG,- und Borssg-Eicdlung Mitgliedcrver- sammlung. Diskusssonsabend, eingeleitet vom Genossen Kollies. Bezirksausschuh für Arbeikenvohlfahrt. Die kreisleitersinnen) werden gebeten, möglichst umgehend der Geschäftsstelle die Zahl der benötigten Lose und Plakate anzugeben. damit bei der nächsten Sitzung die Plakate sprechend bereitgemacht werden können. und Ouiikungen euk- 1. ftrci» Mitte. Der Kursus der Arbeiterwohlfahrt beginnt am Donnerstag, 2S, Oktober. lOH Uhr, im Eihnngssoal de» Bezirksamtes Mitte, Klostcrstr, SS. Dir Lehrpläne werden den Abteilungsleitern und den Genossinnen noch zugehen. 7. Krel» Eharlottenbnrg. 3, Kursusabend Freitag, 10. Oktober, 20V, Uhr pünktlich, im Rothans Eharlottenburg, Fimmer 2..Soziale Gerichishilfe," 29. Kreis Reinlckendors. Z, Kursusabend Freiiaa, 10. Okwber, im Rai- Haus Reinickendorf-Ost, Hauptstr.«0..Das geltende Fllrsorgerecht." R-ferentin Genossin Lotte Lemke, Alle in der Wohlfahrtspflege stehenden Helfer und Helferinnen müssen daran teilnehmen. Zungsozialisiische Vereinigung. Gruppe Schöneberg: Di« Gruppe Echöneberg veranstaltet am Freitag, lsi. Okiober, 10% Uhr, im Jugendheim Hauptstr. 16, einen Wcrbcabend, Gc- Nossen Franz Lepinski spricht über„Geschichte und Aufgaben der Zungsozia- listen" au» Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Berliner Iungsozialisten Jüngere Parteigenossen und Aeltcre der SAI. stich herzlichst eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde. »«s» Schkneber«:»reissalkenratsbesprechung am Freitag. 10. Oktober, um 10 Uhr, in der Wohnung der Genossin Petersen, Schöneberg. Feuriftstr, 6«.— Rot« Falken, Lindenhof: Semeinschafisabcnd am Mittwoch von 18—20 Uhr im Jugendheim,— Iungfallen, Schöneberg: Gemeinschaftsabend Mittwoch im Jugendheim Hauptstr, 16. Kreis Neukölln, Gruppe Friß Reuter, Rote und IunglaNen: Donnerstag um 0 Uhr am Buschkrug Treffen zur Fahrt. 60 Pf, mitbringen. Geburtstage. Jubiläen usw. 33. Abt. Unserem Genossen und Funktionär Friedrich Schmidt, Koperuilnsstr. 7, zum heutigen 6«. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 0». Abt. Reukölln. Unserem alten Parteigenossen H e i n k e, Weichsel- straße 36, zu seinem 80. Gedurtage die herzlichsten Glückwünsche.— Unserem Genossen Wilhelm Kado«, Donaustr. 16, zum 2SjäHrigrn Parteijubiläum die herzlichsten Glückwünsche. 121. Abt. Karlshorst. Heute»ollendet unser lieber Genosse Otto Well seinen 60. Geburtstag. Wir gratulieren ihm herzlichst. Möge es ihm»ergönnt sein, noch recht lange für unsere Ideal« zu länipfcit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation j 2. Abt. Nach längerer Krankheit verstarb unser Genosse Hans Gerth Im 27, Lebcnsiahr«. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung hat bereits statt- gefunden, 6. Abt. Unfire Genossin Auguste Roschke, Fchrbellincr Str. 19, ist am Z. Oktober im Alter von 74 Jahren plößlich verstorben. Die Einäsche- rung findet am Mittwoch. 8, Oktober, im Kremawrium Gerichtstraße statt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu cktasendungen Ige diese Bube» nur an boö Zuoeadielretaelot Berlin GW 08. ZindensiraOe j SAZ.-Iungbuchdrucker: Freitag, 10. Oktober, 17 Uhr, wichtige Züsammen- kunft tm Heim Lindenstr. 4. heute. Mittwoch. 19� Ahr. Gesuiidbrniuien II: Heim Ehristianiastr. 38:„Arbeitersport und bürgerlicher Sport".— Norden: Heim Lorßing. Ecke Graunstraße: Mitgliederversamm- lung.— Wedding: Heim Turiner Ecke Seestraßc:„Fürsorgeerziehung".— Hohew- schönhausen: Schul« Dingelstädtcr Straße: Einfllhrungsadcnd.— Franlsurt« Viertel: Heim Frankfurter Allee 307:„Unsere Iugendinternat-onale",— Petersburger Viertel: Leim Ebertpftr. 12: Arbeitsgemeinschaft.— 9l«Ichenbeeg«r Viertel: Heim Brißer Etr. 27—30: Wrrbcabcnd,— Lindenhof: Heim der Eicd- lung:„Freikörperkultur", Spandau R. F.: Heim Lindcnufer 1:„Mädel und Gruppe".— Lantwi«: 15, Gcmeindeschulc. Echulstraße:„Rundfunk dem Wert- tätigen".— Wannsec: Schule Charlottcustraßc: Bunter Abenh.— Beiß: Treff- punkt zum Sprcchchor 10 Uhr Jahn- Ecke Rudowcr Straße.— Neukölln IX: FunkNonllrsißung im Heim Schierkcstr. 44 Eprechchor: Gruppen IV und IX 19H Uhr cbendort,— Frirdrichshagen: Seim Fricdrichstr, 87: Einfllhrungs- abend.— Lichtenberg-Mittc: Krim Scharnweberstr. 20:„Einführung in den Sozialismus".— Pankow HI R. F.: Heim Kissingenstr, 48; Mitgliedcrver. sammlung, anschließend Bunter Abend. Instrumente mitbringen. Wir tage» in Fukunft nur Mitwochs,— Lichtenberg-Nord: Beteiligung am Fahlabcnd der Partei, Trefspunkt 106h Uhr im Heim. Werbebeziri Renkölla: Sprechchorprobc für die Frcidenierkundgebnng Im Heim Konner Straße. Morgen sind die Filmkarten von 18—19 Uhr vom Parteibüro, Fuldastraß«, abzuholen. Werbebeziri Westen: Beginn der Arbeitsgemeinschaft(Bildungskursus) nickst heute, sondern Frcilog, 10, Oktober, in Eharlottenburg, Rosinenstr, 4 20 Uhr pünktlich. W-rbebezirk Kreuz berg: Sonntag Treffen zur Demonstration 12'/i Uhr Fontancpromenadc._ Sprechchor für Proletarische.Feierstunden. Uebimqsstunde Donnerstag, 9. Oktober, 19X Uhr, Schule Weinmeisterstroße 16/17. Alle Mitglieder müssen bestimmt und pünktlich erscl seinen. UMn Mefallarbeiter-YeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen-Schiosser Bruno Palm am 29. September 1930 gestorben ist, Die Beerdigung hat schon stattge- l'undcn._ Am 5. Oktober verstarb der Kollege, der Blechschneidcr Albert Hahn geb, 27. September 1882. Die Einäscherung findet am Frei- tag. dem 10. Oktvber. 1«-/. Uhr, t»> Krematorium Gerichlstraße statt, Ehre ihrem Andenken I Rege Beteiligung erwartet vi« Oistsveewaltiinx Danksagung. Fllr die vielen Beweise herzl, Teil- nahm« bei der Einäscherung meine« lieben Sohne«, Enleis und Neffen (ieorx Weimann sage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, sowie der Bclegschast des„Vorwärts", den Genossinnen und Genossen der 28 Abteilung, insde- londere dem Genossen Stampfer, dem Genossen R'chter vom Betriebsrat und dem Genossen Fächert für die troll- reichen Worte unfern herzlichsten Dank, Im Namen der Hinterbliebenen Ida Weimann. Danksagung. Für die herzltche Teilnahme Helm Ableben meiner lieben Frau spreche ich allen Betctliaten meinen herzlichen Dank aus, krlelMlli boaenllilo«, Eioheilsverband lEisenbalmcr Deutsdilands Ortsgruppe Berlin Der Mitgliedschaft teilen wir hier- durch mit, daß am 28, September un'er Kolleg« Franz Hartwig Bctriebsarbetter Bw, Rga., per- starben ist. Ehre scluem Andenken! Die Beerdigung hat bereits statt- gefunden, Ortoverwaltani*. Am Sonntag, dem 6, Oktober, ent- schlief nach langem schweren, mit Ge- duld ertraaenen Leiden, im 7s Ledens- jähr, unsere gute Mutler. Schwiegcr- mutier, Großmutter und Urgroß- mutier, Witwe Dorothea Dülfert geb. Sdißnow. In tiefer Trauer vle Hinterbliebenen, Die EinSicherung erfolgt am Freitag, dem>0 Ottoder»m 1302 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, gut wid biniiT Nur flros«- Bariin Alaxandarplatz Kein Braten und doch Bratensoße Welche Erleichtening, wenn Sic bei der Aufstellung Ihres Küchenzettels nicht nötig haben, nur solche Fleischgerichte zu berücksichtigen, die genügend Soße abgehen! Mit„Knorr- Bratensoße" können Sie jederzeit— auch wenn Sie gar kein Fleisch haben — eine pikante Soße zubereiten. Ein Würfel zu 15 Pfg. gibt soviel Soße wie 2 Pfund Braten. T&ncVt ßrafensoße Neubauwohnungen in Lankwitz Z und 2� Zimmer, mit Komfort Bahnhofsnähe, sofort beziehbar, preiswert zu vermieten. Kriegstellnehnner und Kriegsbeschädigte bevorzugt Schriftl. Anfragen erbeten an A. B. Or„ Atlat Bau- und Grundtt.-Get. m. b. H. Berlin SW 48, WilhelimtraBe 39 Danksagung Für die mir und meinen Kindern anläßlich de» Ableben» meine» Manne« bezeugte Teilnahme, danke Ich den Parteigenossen und Reichs- dannerkameroden aufs herzlichste. Ell«« Lorenz liiMeiWziMlÜel-wwS Donnerstag, den S. Oktober, abend» 7 Ahr, im Llhnngssnat de» Verbands Haufes, Cinienltr. 83,8611 Branchen-uersammiung der Hliisar&elter Lager-, Saal- v. Hofarbeiter, Packer, Packerinnen, Werkzeng- n. Zeidi- nungs-Ansgebcr, Anbinder, Elektro- wagen-, Kran- n. FahrstühKahrer, EUeDgiegereiarbelier Tagesordnung: I. Die Situation in der Berliner Metall- tnoullrie 2, Verbands- und Vranchenangelcgen- Helten Mitgliedsbuch des DMV legitimiert! Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die Orilvcrwaltnng. Ailgenieine Orttekeitee for denlferwaitungsliezirk Kl der Stallt ierlln Sdiöoetieig-Frieileaao Am Donne»tag, dem 16. Oktober 1930, abends 7 Uhr, findet im Bezirksoerord- nelen-Sißunassaal de« Reuen Schöne- berge« Rolhause», RudoU-Wilde-PIotz, ewe Ausschuhsiitzung statt, zu der die Ausschußmitglieder hier» mit eingeladen weroen.— Tagesorbnung: , Sabungsänderung auf Grund der Not- Verordnung, 2, Nachbewilligungen zum Saushaltsanschlag sllr das Jahr 1030. ? Voranschlag fiir das Geschäftsjahr>031. 4 Wahl der Pritfer der Iahresrechnung 1930, 5. Kaffenangelrgenheiten, Berlin-Schöneberg. den 8. Oktober 1030. Der vorstand A. Tchuldt, Vorsitzender. Mm III HU Mittwoch, den 8. Oktober nachmittags 2% Uhr Berliner nihTriO M e U k B 1 1 n. w Lahnatr. 74J75.I L-Juergens Alexanderplatz Neue Könlgslr, ADillangs-.RibsU- B.Reklamemarktn gegen Nachahmung gesetzl gesch. fertigt seit 4» Jahr als SpeaialUSI Conrad Müller Leipzig■ Schkeuditz ! zur Miete WSO.Ansbachcrstr.I Binmenspenden |eder Art liefert pretsweri k'aul Golleta vorm. 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Das schwerindustrielle Scharfmacherblatt, die„Deutsche i.ergwcrks-Zeitung", bringt unter der Ueberschrift„Stuf- gäbe der nationalsozialistischen Führung" folgenden Erguß, den sie den„Deutschen Führerbriefcn" entnimmt: „Die Führung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Hot die sehr schwere Aufgabe, zu verhüten, daß aus ihrem Siege ein Pyrrhussieg wird. Die von der Parteileitung zu leistende Arbeit ist sehr schwer: Zuerst die Umstellung von Volksversammlungsreden und-forde- rungen mit wirksamer agitatorischer Kraft aus sachliche und ernste. logische und schlüssige Darlegungen, nicht vor einer Hörerschaft zu 1, 2 und 3 vlark, sondern vor einer ganz anderen, kritischen und, was noch wichtiger ist, großen nationalen und internationalen Oeffentlich- kest, welche wörtliche und greifbare Ergebnisse parlamentarischer Arbeit verlangt." Es ist bekannt, daß das deutsche Unternehmertum, das die hitlcrbewegung auch materiell gefördert hat, von den Auswirkungen des hitlerschen Erfolges gerade nicht erbaut ist. Die Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft, wie wir sie in der legten Woche erlebten, haben diese Freund« Hitlers gerode nicht erwartet. Und so fegt langsam das Bestreben ein, den hitlerschen Anhang zu dem zu machen, wofür er schließlich bezahlt wird. In der„Deutschen Bergwcrks-Zeitung" wird im Anschluß an die deutschen Führcrbriefe gefragt,„ob ein Fünftel der national- sozialistischen Wähler überhaupt das nationalsozialistische Programm kenne? Die nationalsozialistischen Wähler wären der a n t i» marxistischen Parole gefolgt und so sei es jetzt Aufgabe der nationalsozialistischen Parteileitung, ein antimarxistisches Programm, insbesondere ein Wirtschafts-, Finanz- und Sozialprogramm, zu finden, das im Gegensatz zur zwölfjährigen Zerstörungsarbeit zum Aufbau der Wirtschaft und der Finanzen und damit zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit führe. Dos konfuse Wirtschaftsprogramm der Nationalsozialistischen Partei tue dos nicht. Es stehe dem Kollektivismus und dem Kommunismus sehr nah«. Die Führer der nationalsozialistischen Partei müßten jetzt darüber nachdenken, wie sie ein wirklich antimarxistisches Programm fänden. Und wenn dos Nachdenken sie zu dem Ergebnis führe, daß in dem Kapitalismus und in der k o p i t a- listischen Wirtschaft ungeheure, durch eine zwölfjährige sozialistische Regierungsmißwirtschaft verzerrte und unterdrückte wirtschaftliche, moralische und politische Kräfte stecken, daß alle die Unternehmergenerationen vor uns mit der priootwirtschaftlichen Förderung ihrer Unternehmungen den ungeheuren Aufstieg der deutschen Notion geschaffen haben, dann erst könnte die Partei regierungs- und koalitionsfähig werden. Die Leute von der Bergwerks-Zeitung haben von ihrem Stand- punkt aus recht, wenn sie verlangen, daß die vom Unternehmertum bezahlte hitlerparlei auch nach der pfeife der deutschen Scharfmacher tanzt. Konflikt in der Herrenkonfektion Trotz ungekündigtem Tarif. Unternehmer wie die Arbeiter, hatten darauf verzichtet, den zum 30. September 1930 kündbaren Reichstarifvertrag für die Herren- konfektion zu kündigen. Die Unternehmer äußerten lediglich den Wunsch, über einzelne Punkte gelegentlich mit dem Deutschen Be- kleidungsarbeiterverband zu verhandeln. Diese Aussprache fand statt, die Unternehmer versprachen, ihre Wünsche schriftlich fixieren zu wollen, während sich die Organisation ebenfalls zweckdienliche An- träge vorbehielt. Die Unternehmer gingen nun aufs Ganze. Ihre Anträge auf Aenderung der verschiedensten Tarifposstionen lösten die berechtigte Empörung oller im DBAV. organisierten herrenkonfektionsarbeiter aus, deren Branchenoerfammlung am Montagabend in den Residenz- fälen tagte. Genosse K u tz e b a ch berichtete über die bisherigen Maßnahmen der beiden Parteien zur Umgestaltung des Herrenkonfektionstarifs. Was die Unternehmer teilweise an Verschlechterung der Serienpositionen verlangen, ist geradezu unglaublich. So verlangen sie eine neue, siebente Serie, in der ein« Hose jetzt in 1 Stunde und 20 Minuten, eine Weste in 1 Stunde 15 Min., ein Ulster in 5 Srd. 15 Min. und ein Paletot in 6 Std. hergestellt werden soll! Mit Recht betonte der Berichterstotter, daß unter solchen Umständen bei verschiedenen Teilarbeiten von einem ordnungsgemäßen Annähen keine Rede mehr sein könne. In der Zeit, die die Unternehmer zugestehen wollen, könne man z. B.«inen Kragen allenfalls ankleben, aber nicht annähen. Andere Dinge kommen hinzu: örtliche Vergünstigungen(für Hamburg, Aachen, Stuttgart usw.) sollen wegfallen, den Maschinen- büglern will man 5 Pro;, vom Lohn abbauen, außerdem soll ein Sonderlohn für Jugendliche und Angelernte ge- schassen werden, der für letztere zwei Jahre lang 25 bis 60 Proz. derjenigen Gruppe bilden soll, in der sie beschäftigt werden. Also nicht mehr und nicht weniger als eine verkappte Lehr- zeit mit größtmöglich st er Ausbeutung. Schließlich verlangen die Unternehmer eine Nachprüfung aller redaktionellen Bestimmungen des Tarifvertrages, um angebliche„Zweideutigkeiten" zu vermeiden. Da die Unternehmer die ursprünglich gewünschte Aussprache derart aufgefaßt hatten, beantwortete der Deutsche Bekleidung-- arbeiter die Anträge der Unternehmer mit einer ganzen Reihe notwendiger Berbesserungsanträge. In deren Mittelpunkt steht die Forderung nach der 16-Stunden- Woche, um endlich einmal für die 4500 erwerbslosen Berliner herrenkoufek- tionsarbeiter etwas Luft zu schaffen. Genosse K u tz e b a ch betonte, daß man über ein wechselseitiges Entgegenkommen wohl hätte verhandeln können, daß aber an eine Zustimmung der Organisation zu den übertriebenen Forderungen der Fabrikanten nicht gedacht werden kann. Nach längerer, bis gegen Mitternacht dauernder Diskussion stimmte die gutbesuchte Ver- sammlung den Ausführungen des Referenten zu, nachdem man über «in paar oppositionelle Albernheiten einfach zur Tagesordnung übergegangen war. Tariswidriger Lohnabbau versucht. Oer plan der Buchdrnckereibesitzer vereitelt. Der vom Derein der Berliner Buchdruckereibesitzer im Juni unternommene Vorstoß zu einem allgemeinen Lohnabbau unterlag jetzt der Beurteilung durch das Arbeitsgericht. Der Sachverhalt ist folgender: Der zwischen den beidersestigen Zentratinstanzen obgeMossen« Tarifvertrag setzt einen gewissen Lohn für normale A r b e i t s l e i st u n g e n fest und stellt es den Mitgliedern der Vertragspartei frei, beim Abschluß von Arbeitsverträgen höhere Löhne zu vereinbaren. Im Lauf« der Jahre find die übertariflichen Löhne im ganzen Verbandsgebiet zur Regel geworden, denn nur eine Minderheit der Arbeitnehmer ist zu Tariflöhnen beschäftigt. Die übertarislichen Löhne wollte der verein der Berliner Buchdruckereibesihcr jetzt abbaue»». Er hat im Juni seine Mitglieder durch Rund- schreiben aufgefordert, bei Einstellungen von Arbeits- kräften den Stellungsuchenden die Ueberweisungskart« vom Arbeits- Nachweis abzunehmen, ihnen dann den Tariflohn anzu- bieten und wenn es nicht zu einer Verständigung über den Lohn kommt, dem Arbeitsamt Mitteilung zu machen(daher die Abnahm« der Ueberweisungskart«!), damit dem Betreffenden die Erwerbs- lofenunterftützung gesperrt wird. Nachdem der Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer ohne Erfolg versucht hatte, mit der Arbeitgeberorganisation über dies« Angelegenheit zu verhandeln, suchte er den Borstoß der Arbeitgeber durch ein« berechtigte Abwehrmaßnahme zu parieren. Er empfahl seinen arbeitsuchenden Mitgliedern, den in der be- treffenden Abteilung des Betriebes gezahlten Durchschnittslohn zu fordern und die Aeberweisungskarte erst dann abzugeben, nachdem eine Lohsvereinbaruug zustande gekommen ist. Die Arbeitgeber(Deutscher Buchdruckervevein und Verein der Berliner Vuchdruckereibesttzer) klag«»«un gegen de» Buchdruckeroerband und den Berein der Berliner Buchdrucker und S ch r i f t g i« ß« r. Sie fordern die Auf- Hebung des angeführten Beschlusses der Arbeitnehmerorgcmisotion, den sie als Verstoß gegen den Tarifvertrag bezeichnen. Außerdem machen sie geltend, der Beschluß der Arbeitnehmer sei eine nach Z 826 BGB. gegen die guten Sitten verstoßende und daher zum Schadenersatz verpflichtende Handlung. Die Schadenersatzklage wurde aus formalen Gründen abgetrennt. Sie soll später in einem besonderen Verfahren gegen den Verein der Berliner Buchdrucker und Schrift- gießer durchgefochten werden. In dem gegenwärtigen Prozeh, der sich um den angeblichen Vorstoß gegen den Tarifvertrag dreht, standen sich also nur die beiderseitigen Zentrolvorstände gegenüber. Daß die Arbeitgeber einen Abbau der übertarislichen Lötpto beabsichtigen, gab ihr Vertreter vor Gericht zu. Der Tarif— sagt« er— kenne nur einen Tariflohn und Leistungszulagen, die besonders leistungsfähigen Arbeitnehmern zu gewähren feien. Also: Einstellung zum Tariflohn und erst nach erwiesener besonderer Leistungsfähigkeit dementsprechend« Zulagen. Dagegen betonten die Vertreter der Arbeitnehmer, K r a u tz vom Zentral- rrnd Braun vom Gauvorstand, daß jetzt nur A u? h i l f s st e l l e n, meist nur für einige Tage, vermittelt würden, so daß die Möglichkeit, besondere Leistungsfähigkeit zu erweisen, gar nicht gegeben fei, der Tariflohn also zur Regel würde, was nicht dem Sinne des Tarifvertrages entspreche. Venn hier von einer Störung des Tariffriedens gesprochen werden könne, so hätten sich die Arbeilgeber der Friedensstörung schuldig gemacht, nicht aber die Arbeitnehmer, die den beabsichtigten Lohnabbau zu oerhindern suchen. Das am Dienstag verkündete Urteil des Gerichts geht dahin, daß sowohl das Rundschreiben der Buchdruckereibesitzer als auch die gegen dasselbe erlassenen Richtlinien des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schristgießer Zug um Zug zurückzuziehen sind. Die Begründung des Urteils geht davon aus, das das Rund- schreiben der Arbeitgeber gegen den Tarif verstößt. weil es so aufzufassen ist, daß Neueinstellungen nur zum Tariflohn vorgenommen werden sollen, während doch der Tarif die Berein- barung höherer Löhn- ausdrücklich zuläßt. Die Richtlinien der Ar- beitnehmer stellen«ine an sich berechtigte Abwehr des Borgehens der Arbeitgeber dar, aber sie gehen nach Ansicht des Gerichts insofern zu weit, als sie ganz ollgemein die Forderung der in den Betrieben gezahlten Durchschnittslöhne für die Ein- zustellenden verlangen, während nach dem Tarif höhere Löhn« für besondere Leistungen in jedem Einzelfall« vereinbart werden können. Durch das Urteil ist also der Zustand, wie er vor dem Konflikt bestand, wiederhergestellt. Attgestellie lehnen(Schiedsspruch ab. Oer Arbeitszeitstreit im mitteldeutschen Bergbau. halle a. d. Saale. 7. Oktober. Der im Arbeitszeitstreit am 29. September von dem Sonder. schlichter Dr. Hauschild gefällt« Schiedsspruch ist von.den am Mehr- hestszeitabkommen im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau bctei- legten Angestelltenverbänden abgelehnt worden. In der Begründung wird erklärt, daß die Ablehnung erfolge, weil die Arbeitszeit bereits eine erschöpfende Regelung in dem in Geltung befindlichen Angestelltentarif vom 19. Februar 1921 für die Braunkohlenbezirke Anhalt, Birterfeld, Borna, Halle, Magde- bürg und Merseburg-Rositz gesunden habe. Di« Unternehmer haben den Schiedsspruch angenommen und seine Verbindlichkeit beantragt. Arbeiiersolidarität. Sechsstundenschicht gegen Sntlaffungeo. Harburg- Wilhelmsburg. 7. Oktober. Zu einer Versammlung der freigewerkschaftllch organisierten Oelarbeiter berichtete der Reichstagsabgeordnete Zlowack über die vehebung der Wirtschaftskrise und die Einfügung der Erwerb«- losen in den Produktionsprozeß. Er teilte mit, daß der Großbetrieb Brinkmann u. Mergelt in harbnrg-wilhelmsbnrg im Früh- jähr 50 bis 80 Mann für Urlaubsvertretungen eingestellt habe, die jetzt wieder entlasten werden sollten. Zn Verhandlunge« mit dem Fabrikarbeiter. verband Hab« sich jedoch die Firma zur Vermeidung von Entlassungen bereit- erklärt, die Sechsstnndeuschicht einzuführen. Das Berliner Unternehmertum ist für solche Maßnahmen nicht zu haben. Massenabbau bei Krupp. 2500 Arbeiter des Gußstahlwerks sollen entlassen werden. Erst vor wenigen Tagen meldet«» wir, daß Krupp von den 1150 Beamten der Jnednch-Alfred-HüUe in Rheinhausen fast 30 Proz. gekündigt Hot. Diese Maßnohme ist jedoch erst ein Vorspiel zu dem jetzt beabsichtigten Massenabbau in dem Essener Gußstahlwerk gewesen. So hat die Kruppverwal- tuug dem Regierungspräsidenten in Esten die Rotwendigstoit der Entlassung von 2500 Arbeitern und Angestellten des Gußstahlwerks angezeigt. Begründet wird diese Maßnahme mit einer derartigen D«r- schärfung der Wirtschaftskrise, daß eine wertere Streckung der Arbeit, wie in den letzten Wochen, in den Stahlbetrieben nicht mehr möglich sei. Die Entlassungen sollen in vier Wochen bereits zur Ausführung kommen, wenn bis dahin keine Besserung im Auf- trogseingang zu verzeichnen ist. Abwarien! Llud die Aerzte befragen. Im Verfolg seiner Aktion gegen die Sozialversicherung im all- gemeinen und die gegen die Krankenkassen im besonderen, bringt das Unternehmertum eine lange Liste seiner Betriebskranten- kassen, in denen die Beiträg« um VA bis zu 5,4 Proz. herabgesetzt wurden. Die Telegraphenbüros beeilen sich, der Mitwelt dies« zweifel- haften Errungenschaften auf Grund der Notverordnung zu verkünden. MTB. leistet sich dazu folgenden Kommentar: „Daß außer dieser günstigen Auswirkung der Veitragsherob- setzung die Notverordnung vom 26. Juli 1930 in einzelnen Fällen auch schödliche Folgen gehabt hat. ist bisher von keiner ernst zu nehmenden Seite dargetan worden." Das bedeutet geradezu ein« Verhöhnung der gegen Krank- heit versicherten Arbeitnehmer. Wenn nicht bis jetzt, wird sich d'e Kehrseite dieser„Reform" bald zeigen. Amerikanischer Gewerkschastskongreß. O>e Notwendigkeit hoher Löhne. Rem Park. 7. Oktober.(Eigenbericht. Die Konvention des Amerikanischen Gewerkschaft s- bundes wurde am Montagnachmittag durch die— seit Iahren übliche— Einsegnung, die diesmal der Bostoner Kardinal O'Connel vornahm, eröffnet. Nach einführenden Worten des Gewerkschafts- Präsidenten Green hielt Präsident Hoover die erwartete Rede. Hovver, der Vater der nordamerikanischen Rationalisierung, betonte die Rotweudigkeit hoher Löhne und unterstrich auch(das ist«in Stück der Hooverschen Rutionalisierungsideologie) die Intcressen- genreinschaft zwischen Unternehmer und Proletarier. Er wandte sich dann scharf gegen die Arbeitslosenunterstützung und warf de:» System, Arbeitslosenunterstützung zu geben, vor, daß es. menschlicher Unabhängigkeit zuwider laufe.(!) In diesem Zusammenhang verwies Hoover auf den Riesen- umfang öffentlicher Arbeiten in der nordamerikanischen Union, wodurch praktisch ein System nationaler Arbeitslosenversiche- rung geschaffen werde. Außer Ausführungen über Fortschritte der Maschinentechnik usw. brachte die Hooverjche Rede nichts Neues. Der Präsident des Gcwertschaftsbundes, Green, unterstrich die Gegnerschaft gegen die Arbettslosenverficherung. Hauptproblem Amerikas sei die Stabilisierung der Beschäftigung. Di« Arbeiter- schast müsse zwischen Almosen und Lohnarbeit wählen.(?) Aus dem Geschäftsbericht des amerikanischen Gcwerkschastc- bundes geht hervor, daß sich die Mitgliedschaft um 30 000 Kopie erhöht hat. Damit beträgt die Gesamtzahl in 104 Verbänden und 29 266 Ortsgruppen 296109 6 Mitglieder. Die Zah< der Arbeitslosen in England hat sich seit dem 22. S-ptenibcr im Vergleich zur letzten Woche um 6245 a u f 2103658 erhöht. Deutscher Zlletallarbeiker-verband. Orlsoerwalwng Berlin. Bra»ch«n»ersa>mnlu»l» der Kilssorlxitrr, Laaer-, Saal- und Kufarbeit«, Packer, Packrriuac-, Werizeug. und Irichnuaa-a-asrb«,»ubiader, Elettr». wagen, Kran, und Fahrstuhl stihr«», Eileugieherriarbeiter«argen, Dannrratag, ». Oltabrr, 1» Uhr, im Tihungasaal de, Prrbandahans«», Lioienstr. SS—»Z II. Tageaardnnng: 1. Di« Sätiiatiaa in der Berliner Retallinduftrie. 2. Der band». und Branchenangelegenheite». Miigliedabuch de, DM«, legitimiert. Zahl- reich-n Besuch erwartet Di« vrt»«rw-lt»n». Achtung. kandn-Wahlsahrta-»nd Jugendamt mit Anstalten! Frei» tag, 10. Oktodrr, IS!, Uhr, Lcrsammlung aller SPD..Genossen bei Drandenhurg, Stralauer Sir. 37, Ecke Waisen strahe. Vortrag des Ge- Nossen Stadlvcrordncten Gutekunst:»Die politische Lage nach der Pohl". Dislussion. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Parteibuch alz Ausweis mitdringe». Genassen aus den Bezirksämtern sind eingeladen. Der Fraktion»»« rftand. Achtung, Sollegen der DVS. von sämtliche» Pah». NN» Signalmejste. reie» der U-Bahn! Morgen, Donnerstag, ISlb Uhr, im Lokal von Krüger, Tempelhvfer User, Versammlung aller SPD.-Genossen. Pich- tige Tagesordnung. Alle Genossen müssen erscheinen. Der Fraltianiaorstand. fSreieGewertschafts-LugendBerlin Unsere Iugendberatungsstelle ist jeden Mittwoch von ISH— 20 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engeluser IM— 2ö, Zimmer 26, geäffnet.— Heute, Mittwoch, um IS'b Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Jugend- heim Ernststr. 16. Vortrag:„Pas brachte uns die Veichsiagswahl?"— Schön- hanler Dar: Jugendheim Zehdenicker Str.->4— 2S. Vortrag:„40 Jahre Polls- bühne".— Reukälln: Gruppenheim Bergstr. 20, Hof. Heimbeiprechung. Kabarett auf Schallplatten.— Lüden, sataarstra: Städt. Jugendheim Porckstr. II sFabrik- gebäude). Vortrag:„Bursche und Mädel In der Gruppe".— Flughafen: Jugend- beim Reukälln, Flugbafenstr. 68. Heimbeiprechung.— Weißens«-: Jugendheim Parkstr. 36. Vortrag:„Dos internationale Arbeitsamt".— Rordring: Jugend. heim Sonncnburger Str. 20. Vortrag:„Sport früher und heute".— schoac- i-crg: Jugendheim Hauptstr. 13. Heimbeiprechung. Berbandsbuchkontrolle. Iuaendoroppe des?entralverbandes der Anqestellten Heute, Mittwoch, find folgende Veranstaltungen: Srfundbrunneu: Jugendheim Orthstr. 10, pari. Wir schalten um auf Welle Plumpe.— Reinickeudarf: Jugendheim Lindauer Etr. 2 sBoracke). Bunter Abend. Bor. tragende Martha Johii.— Eharlotteuburg: Jugendheim Roftnenstr. 4. Vortrag: „Erinnerungen aus der Zeit des Sozialistengesetzes". Refer-nt Dr. Ma? Schütte.— Lchönederg: Jugendheim Hauptstr. 15 iHofgebäude. Thüringen- zimmv). Ausspracheabend:„Iugcndwandern und Jugendherberge".— Schön- hauser Vorstadt: Jugendheim der Schul« Kastanienallee 8l.„Leben und Weben in der Natur" Referent Werner Decker. Ausserdem seben Sonnabend ron lS— 20 Uhr Singegemeinschast. von 20—22 Uhr Arbeitsgemeinschaft:„Sozialis- mus".— vd-rspre«: Niederschöneweide, Berliner Str. 31(SdmU). Wir besuchen d!« Versammlung des Werbcbezirks.— Nordost: Jugendheim Danzigcr Str. 62 iVaracke Z>. Ausspracheabend:»Die Republik und ihre Gegner".— Stralau: Jugendheim der Schule Gosslerstr. 6l.„Hermann üöns und seine Heide."— Neukölln: Iugsndbcim Böhmisch« Str. 1—4. Ecke kanncr Strasse. Wir Reu- köllner sind ein luftgrs Volt."— Südost: Jugendheim Wranqelstr. 12». Bunter Abend.— Spandau: Jugendheim Lindenufer l. Heimabend— Potsdam. Ramam«»: Jugendherberge R-wowes, Priesterftrossc. Spiel, und Tanzabend. »erantwortlich füt Politik:«ietae Schist: Girllch-st:®.»lingelhöler: Sewerkschaitsbewegung: Fr. Gtzkor»; F-nilleion Dr. John Schikow»li: Lokales: und Sonstioes Fritz Sarstäbt: Arrciaen: Th Glocke: lämtlich in Berlin Serlag: Vorwärt�Perla« G. m d. S Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verlaasanstalt Paul Singer o Ca. Berlin SD. 68. Lindrnstrasse 1 Hierzu 2 Beilagen. paetzungan von Mk.1.26*n; Wicboldar-Schokolade, der naturollo Wacholdar- Entrakt in Schokoiaden- Oberrug, die bequeme Tasohenpackunq MIc.—DO, in Apoth. und Drog, s«P6t 4ur«4i Otto KetcM. Pcrii» SO,'iff-l-ihriilr. 4 Ar. 471. 47. Jahrgang 2. Älitiwoch, S. Oktober 1930 Arbeitszeitverkürzung als Ausweg. Zu dem Arbeitskampf in der berliner Metallindustrie. Die Berliner Metallarbeiterschaft hat in dem jetzigen schweren Arbeitskampf aus gewerkschaftlicher Solidarität die Forderung er- hoben, die Wochenarbeitszeit auf 4» Stunden zu verkürzen und damit die Wiedercinstellung einer großen Zahl von arbeitslosen Metallarbeitern(schätzungsweise 20 000) zu ermöglichen. Daß die Arbeitszeimerkürzung angesichts der Katastrophe des Arbeitsmarktes einen rasch wirksamen Ausweg zur Behebung der Arbeits- lafigkeit darstellt, wird heute auch bereits von einsichtiger indu- st r i e l l e r S e i t e a n c r k a n n t. So ist es vielleicht kein Zufall, daß zu gleicher Zeit mit dem Vorstoß der Berliner Metallorbeiter- schaft von einem bekonnten Zndusiricllen Gülermann ein Vorschlag zur allgemeinen Arbeitszeitverkürzung auf 44 Stunden in die Diskussion geworfen wird. Wir wollen an dieser Stelle nicht in allen Einzelheiten zu dem Gütermannschen Vorschlag Stellung nehmen, der, wie zahlreiche Zuschriften aus dem Unternehmer- und aus dem Arbeitnchinerlager an die„Frankfurter Zeitung" zeigen, ein breites Echo gefunden hat. Zunächst ist sestzuhalten, daß auch von oerständiger Unternehmerseite grundsätzlich die Arbeits- zeitoerkürzung als unerläßlich anerkannt wird. Wir geben hier die markanteste Aeußmmg aus der Stellungnahme des Industriellen Gütermann wieder: ..Wie wurde in der Vergangenheit die logisch richtige und zweckentsprechende Verkürzung der Arbeitszeit erreicht? Nicht durch vernunftgemäßen Beschluß der maßgebenden Stellen, sondern durch den Druck der sozialistischen Gewerkschaften. Auch heute werden die„maßgebenden Stellen" für solche Maßnahmen nicht "i haben sein, und zwar aus genau den gleichen Gründen, die sie gegen jede frühere Kürzung anzuführen hatten. Ist es aber nicht Katastrophcnpolitik, wenn man bei der steigenden Arbehsloscnzahl mit den Händen in der Tasche daraus wartet, bis die wie früher logische und zweckentsprechende Maßnahme von dritter Seite erzwungen wird?" Die Arbeitszeitverkürzung scheint diesem praktischen Indu- striellen schon wegen der großen in der Rationalisierungsperiode erreichten Leistungssteigerung erforderlich und durchführbar. Diese Voraussetzungen treffen in weitestem Maße für die B e r l i n e r M e t a l l i n d u st r i e zu. Die Berliner Metallindustrie umfaßt in erster Reihe die großen Elektrokonzerne und Maschinenbauanstalten, und in diesen beiden Industriezweigen, in der Elektroindustrie und im Maschinenbau sind in den letzten Jahren unaufhörlich große Leistungssteiocrungen erzielt worden. Wir besitzen leider infolge der inangelhaften Publizität der großen Gesellschaften keine exakten Angaben für die Steigerung der Arbeitsleistung in der reprösen- tatioen Großbetrieben der Berliner Metallindustrie. Immerhin kann man aus den Angaben, die bei dieser und jener Gelegenheit von den beiden großen Elektrokonzernen gegeben wurden, schließen, daß pro Kopf der Gesamtbelegschaft, Arbeiter und Angestellte zusammengerechnet, beim Siemens- und AEG.-Konzern, die ihre hauptfächsichsten Produktionsstätten in Berlin haben, eine Leistungssteigerung von 2S bis 30 P r o z. im letzten Jahrfünft eingetreten ist. Für die Arbeiterschaft allein gerechnet dürfte die Leistungssteigerung sich in der Größenordnung von SO Proz. l)alten, in einzelnen Zweigen der elektrotechnischen Produktion— Glühlampenherstellung, Telephonapparate— dürfte die Leistungssteigerung noch wesentlich größere Ausmaße erreicht haben. Wenn uns auch von den einzelnen Be- trieben offizielle Angaben über die Rationalisierungsergebnisse vor- enthalten werden, und wir aus Gegenüberstellung gelegentlicher An- gaben angewiesen sind, so bestätigen doch die von idustrieller Seite gegebenen Gesamtschätzunoen über Produktion und Beschäftigungsümfang in der Elektroindustrie und im Maschinenbau— in denen der Hauptteil der Berliner Metallarbeiter- schaft beschäftigt ist— das hier schon skizzierte Bild. Für die Maschinenbauanstalten liegen Angaben des V D M A. vor. für die Elektroindustrie hat Direktor Holler vom Siemens-Konzern Zahlenangaben publiziert, die wir nachstehend wiedergeben: Mafchivenb ob �in�lSZ�n cohmR-p-r-wr. in Millcarden„„IstäN.n) 1925: 2,9 rund 790000 1928: 4,0 am 1.1.29 rb 600000 1929: 4,2 am 1 1.30 rb. 550000 SlektrolBdustrie Beschiif. tigte rund 336 000 ProduNionswert in Milliardcn 1925: 2.4 1928: 3.1 rund 390 000 1929: 3.4 rund 380000 Im Maschinenbau ist demnach eine fast SOprozentige Steigerung des Produktionswertes bei einer b c- trächtlichen Abnahme der Befchäftigtenzahl zu verzeichnen, in der Elektroindustrie ergibt sich nach diesen Zahlen eine mehr als 40prozentigc Steigerung des Produktionswcrtes bei einer Zunahme der Gesamtbelegschaft von nuretwalS Proz. In beiden Industriezweigen haben wir also eine sehr hohe Leistungssteigerung festzustellen, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß in diesen Betrieben die Zahl der Angestellten relativ ge- wachsen ist. So hat sich z. B. der Anteil der Arbeiterschaft an der Gesamtbelegschaft im Maschinenbau von 81,5 auf 79,5 Proz. verringert. Noch wesentlich stärker ist die Abnahme der Arbeiterschaft in der Zusammensetzung der Belegschaft der Elektroindustrie. Alle diese Zahlen zeigen, daß die große Produktivitätssteigerung im Verfolg der Rationalisierung eine Arbeitszeitoerkür- zung mit mindestens teilweisem Lohnausgleich ermöglicht und in Anbetracht der furchtbaren Arbeitslosigkeit auch durchgeführt werden muß. Automatisches Telephonwefen. Neuer internationaler Telepdonbaublock. In New Vor? wurde dieser Tage die General Telephone and Electric Corporation mit einem autorisierten Aktienkapital von 250 Millionen Dollar gegründet. Diese Gründung hat aus zwei Gründen eine groß« internationale Bedeu- tung: erstens bedeutet sie eine engere Zusammenfassung der Fabri- kations- und Betriebsgesellschaften, die die Automatisierung des Telephonbetriebs nach den Strowger-Patenten durch- führen, eine Zusammenfassung, die insbesondere gegen die beiden großen amerikanischen Trusts gerichtet ist, und zweitens ist diese Gründung dadurch interessant, daß an ihrer Finanzierung die Transamerica Corporation beteiligt ist. Die Automatisierung des Telephonweseus wird vorwiegend nach drei Systemen ausgeführt. Das erste System ist das R o t a r y- System, nach dem die Western Electric(Kanzern der American Telephone and Telegraph Co.) und ebenso die zahlreichen Tochter- acsellschaften der International Telephon« and Telegraph Corpa- ration arbeiten. Zu diesen Untergesclljchaften gehört auch die Standard Elektrizitäts-Gesellschaft in Deutschland, die mit der AEG. in Verbindung steht. Das zweite Verfahren ist das Strnwger-System. Dieses System wurde von der Automatic Electric Co. in Chicago ver- wendet. Seit 1909 arbeitet nach dem Strowger-System auch die Siemens u. Halte A.-G. Andere Gesellschaften, die die Strowger-Pateute anwenden, sind in England die Automatic Telephone Mauufacturing Co. in Liverpool und in B e l g i e n die New Antwerp Telephone and Electric Works in Zlntwerpen. Ab- gesehen vom Siemens-Konzern sind seit einiger Zeit die nach den Strowger-Patenten arbeitenden Gesellschaften in der Associated Telephone and Telegraph Co. zusammengefaßt. Zu dieser Gruppe gehören auch eine Reihe Betriebsgesellschaften in Mittel- und Südamerika. Ein drittes Verfahren ist von dem schwedischen Schwach- st r o m k o n z e r n Ericsson, der heute vom Krcuger-Trust beherrscht wird, ausgebildet worden. Bekanntlich hat Jvar Kreuger, der neue Herr von Ericsson, erst vor wenigen Tagen m i t Siemens in Verhandlungen gestanden, nachdem schon seit einigen Monaten eine Zusammenarbeit zwischen Siemens und Ericsson an- gebahnt worden war. Durch die neue Gründung werden die Kapitalmittel der amerika- nischen und englischen Strowger-Gesellschaften verstärkt und ihr« Wettbewerbskrast gegen die Western Electric und die Fabrikations- grupps der International Telephone and Telegraph Corporation vergrößert Der schon jetzt starte Konkurrenzkampf auf dem Gebiet der Automatisierung des Fern- sprechwesens wird hierdurch noch heftiger werden. Diese Konturrenzverschärfung ist teilweise darin begründet, daß in den wichtigsten Ländern heute der größere Teil des Fernsprechwesens bereits auf automatischen Betrieb umgestellt ist: die hauptsächlichsten Arbeitsgebiete liegen jetzt in solchen Lön- dern, in denen gleichzeitig die Finanzierung dieser Ilmstellung über- nommen werden muh. Die Transamerica-Corporation ist eine der größten Finan- Zierungsgesellschaften der Welt. Sie ist aus der G i a n n i n i- Gruppe hervorgegangen, die auch das bekannte amerikanische Bankhaus B l a i r u. Co. übernommen hat. Die Blair-Gruppe hat schon immer finanziell mit den genannten Strowger-Gesellschaften eng zusammengearbeitet. Daß diese sehr finanzstarke Gruppe sich an der Neugründung der General Telephone and Electric Corporation beteiligt, deutet darauf hin, daß in der Tat ein st ä r k e r e r Kampf gegen die anderen amerikanischen Kon- z e r n e beabsichtigt ist. Kohlenabsah wieder rückgängig. Das Rheinifch-Westfälische Kohlensyndikat teilt mit:„Der Absatz an Ruhrkohle hat sich im vergangenen Monat wieder verschlechtert, nachdem im August eine ganz geringe Steige- rung eingetreten war. Der für Rechnung des Syndikats erfolgt« Versand stellte sich im September nach den vorläufigen Ergebnissen auf arbeitstäglich 210 000 Tonnen gegenüber 216 000 Tonnen im August. Auf das unbestrittene Gebiet entfielen hiervon 102 000 Tonnen(107 000 Tonnen), auf das bestrittene Gebiet 108 000 Tonnen (109 000 Tonnen). Die Haldenbestände sind von 7 100 000 Tonnen Ende August auf 7 500 000 Tonnen Ende September ge- stiegen. Reiche Hacksruchiernie. Preußische Schätzungen ergeben im Staatsdurchschnitt s ii r Spätkartoffeln pro Hektar eine Ertragssteigerung gegen das Vorjahr von 144 auf 169,2 Doppelzentner(Gefamternte+ 15.7 Prozent), für Zuckerrüben eine Steigerung von 246,1 auf 285,3 Doppelzentner(4- 22,1 Proz.), für Futterrüben eine Steigerung von 352,2 auf 405,7 Doppelzentner(4- 16,7 Proz.). Bei Kohlrüben wird eine um 13,4, bei Mohrrüben eine um 12,9, bei Weißkohl eine um 14,4, bei Zwiebeln eine um 13,9 Proz. höhere Ernte erwartet als im Borjahr. Vrilifcher Kunstseidekonzern verdoppelt seine Gewinne. Der zweitstärksle englische Kunstseidekonzern, die B r i t i s h C« l a n e s e Company, bleibt zwar für das jetzt abgeschlossene Geschäfts« jähr 1929/30 wieder dividendenlos, doch hat dieser Konzern mit einem Reingewinn von rund 15,6 Millionen Mark seinen Ertrag gegenüber dem vorhergehenden Jahr um über 120 Proz. steigern können. Dieser Abschluß ist um so bemerkenswerter, als die Werke im letzten Betriebsjahr nur mit 40 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit arbeiteten. Die trotz dieser geringen Betriebsausnutzung eingetretene Umsatz- steigerung ist darauf zurückzuführen, daß die im vorhergehenden Jahre angestauten Lagervorräte zunächst geräumt wurden. Jeden- falls legt die entschieden« Besserung des Betriebsergebnisses bei diesem englischen.Krisenkonzern" den Gedanken nahe, daß die internationale Kunstseidenkrise ihren Tiefpunkt über- schritten hat.' Osnabrücker kupferwerke bleiben rentabel. Der Austichisrat der Osnabrückcr Kupfer, und Drahiwerke hat beschlossen, für das jetzt beendete Geschäftsjahr 1929/30 eine Dividende v o n 5 gegen 6 Prozent im Borjahre auszuschütten. Sonoralvortrotungi Carl Sudel, Berlin NW 6, Luisenstraße 30, Tel. D 2, Weidendamm 3354 J U JAS RESULTAT UNSE- v RER QUALITÄTSPOLITIK.\| Es ist interessant das Urteil neuer Raucher der§| MAKEDON-Zigaretten zu hören. Alle, die unsere| hochwertigen Marken kennen gelernt haben, er« I klären begeistert, so zufrieden damit zu sein, daB es ihnen unmöglich erscheint, jemals auf eine andere Marke zurückzukommen. Diese spontane Feststellung der neuen Raucher unserer Zigaretten ist die beste Empfehlung für unsere Marke: £ola Xandau: Arbeiisbienen der Technik SSlick in ein ftelephonamt u eberall an den Brennpunkten der Arbeit steht heute die Frau. Mitten im Wirbel geladener Energien, im Zusammenprall der Krastströme verrichten die weiblichen Arleitssoldaten ihre gleich- förmige und erniiidende Tätigkeit. In allen Betrieben sind die kleinen und flinken 5)ände in rastloser Bewegung, nicht zuletzt in den Zentralen der Fernsprechämter, die ausschließlich von Frauen bedient werden und wo die Verbkndungsfäden aus aller Welt in ihren Fingern zusammcnlausen. In der Askese der Mechanisterung. llionnen des technischen Jahrhunderts leisten sie der Gemeinschaft eine unentbehrliche Hilfe. Im Zentrilm der Großstadt gelegen, regelt das Telsphonamt den Verkehr von Banken und Kaufhäusern, von industriellen Org.ini- sationen und Anwaltbüros, Mittelpunkt des geschäftlichen Getriebes. Der erste Eindruck des Arbeitssaales wirkt phantastisch. Denn die Schränke, welche die väll« Länge des Raumes einnehmen, gleichen, durchsiebt von unzähligen kleinen Löchern, den Bienen- lvaben, und das l)alblaute unverständliche Gennirmel von Stimmen verstärkt die Illusion eines summenden Insektenstaates. Bor den Schränken aus hohen Stühlen sitzen die Frauen, in langen Reihen wie auf Schnüren regelmäßig aufgereiht, sie, die in der Tat die oufcpferlche Tätigkeit von Arbeitsbienen leisten, ebenso geduldig und unermüdlich, ebenso namenlos und unpersönlich und doch zu- gleich von ungeheurer Bedeutung für das Gemeinschaftsleben. Denn hinter jedem der Schupflöcher eines solchen Schranke? flackert ein menschliches Gesicht auf. In diesem Räume lebt eine unsichbare Stadt mit, deren Stimmen aus allen Winkeln von diesen Frauen aufgefangen und weltergeworfen werden. Wi« sonderbar starr die Haltung ihres Körpers istz sie machen nicht die leiseste Wendung nach links oder rechts, den Blick gerade- aus, angespannt auf das Brett gerichtet, wo unaufhörlich klein« Lampen aufzucken, Signa!« des Anrufs. Kopf dicht neben Kopf, krause junge Haare neben schon ergrauten Scheiteln, alle aber uniformiert durch die umgeschnallten Kopfhörer, an decken zugleich vorne der Mundtricbter befestigt ist. Ihre Lippen bewegen stch lautlos fast wie bei Taubstummen, da sie durch lange Uebnng die Kunst der leisen und deutlichen Sprache erlernen muhten. Im Gegensatz zu der beinahe puppenhaften Unbeweglichkeit des Körpers Hirschen die Hände wie eigene lebende Wesen mit wilder Geschäftigkeit hin und her. Sceben ist«in Lämpchen aufgeflammt: sofort stößt die geschickte Hand einen der vielen-Stöpsel in die Leffnung, in der nächsten Sekunde schnellt ein zweiter Stöpsel in das abgegrenzte Feld des gewünschten Amtes. Die Verbindung ist hergestellt: aber inzwischen sind drei oder vier neue Lämpchen aufgeflackert, ungeduldige Anrufer, die warten. Mit wirbelnder Schnelligkeit fliegen mehrere Pfeile fast zugleich in die OeffNungen, vierstellige Rnnunern werden zielsicher durch die kleinen Goschosse getroffen, nach einem ausgeklügelten System der Zahlenanordnung, das aber erst durch angespannteste Uebung erlernt werden kann. Mitten In einem Gewirr von Schnüren, unter dem pausenlosen Aufblitzen der Lämpchen arbeiten die Frauen sieben bis acht Stunden mit kurzen Pausen, ohne sich vom Platz zu rühren, murmeln und hören nur Zahlen, hinter denen das wirkliche Leben braust. „Wie ist es möglich," fragte ich eine Beamtin außerhalb des Dienstes,„baß Sie so schnell und genau die Rümmer» treffen?" „Uebung," antlvortete sie.„Das klappt nachher bei uns genau so, als wenn Sie in einen Automaten einen Grvschen hineinstecken." Während des Dienstes schreiten Aufsichtsb-amtinnen prüfend und abhörend die Reihen der Telephonistinnen ab. Es ist den Tele- phcnistinnen streng verboten, während des Dienstes miteinander zu sprechen, um die Aufmerksamkeit nicht abzulenken. Auch wird sorgfältig darauf geachtet, ob die Antworten, welch« die Tele- phonistinnen den Teilnehmern geben, in dem vorgeschriebenen Wort- laut, der sogenannten Formel, erteilt werden, das bedeutet ein« fast klösterliche Absperrung der Beamtin von der Außenwelt. „Mir fällt es schwer, mich an die toten Formeln zu halten," erzählte mir eine junge Telephonlstin.„Irgendetwas in mir sträubt sich dagegen. Ich möchte oft in natürlicher, persönlicher Weise Aus- kunft geben, aber es darf nicht fein." „Dielleicht," warf ich cm,„würden dann oft die Teilnehmer persönlich anknüpfen." „Das geschieht auch so. Fräulein, Sie haben eine so hübsche Stimme. Fräulein, können wir uns nicht treffen? Das kcmmt oft vor." „Und die Antwort?" „Eine Formel natürlich: Wiederholen Sie die Nummer. Wer auch wenn der Teilnehmer grob wirb: Schlafen Sie viclleichr, Fräulein, dürfen wir nichts antworten. Nur eine Formel." „Ich begreife das System, das durch praktische Erfahrungen zur Automatisierung gezwungen ist. Aber wie wirkt dieses Starre auf den Menschen, auf. die Frau zurück?" Die Telephonistin lachte plötzlich auf.„Oft schnurren wir noch nach dem Dienst automatisch iveiter. Denken Sie, was mir neulich passiert ist. Ich gehe früh in ein Milchgeschäft und statt gut-m Morgen sage ich: sprechen Sie noch? Der Kaufmann sah mich wie eine Geistesgestörte an. Der Dienst wirkt erschöpfend, nervenaufreibend. Nach einigeil Stunden sind wir abgekämpft." Der wöchentliche Dienst beträgt 4fi'4 Stunden und beginnt, linregelmähig verteilt, ied«n Tag zu einer andcren Zeit. Jeder zweite Sonntag ist dienstpflichtig und nach einundzwanzig Tagen wird Nachtdienst von neun Stunden angesetzt." Man stelle sich einmal vcr, mau müßte sieben, bisweilen auch acht Stunden mit einer Pausenzeit von vierzig Minuten angeschraubt auf demselben Stuhl sitzen, dürfte nur Zahlen hören, nur Formein sprechen und niemals die.Nerven oerlieren. „Nur Frauen find dazu im Stande," sagte mir der Betriebs- leiter.„Denn nur Frauen besitzen die grenzenlose Geduld. Wir hatten vor Iahren versucht. Männer einzustellen, aber vergeblich. Sie hatten dauernd Zusammenstöße mit dem Publikum." Man kann es also beinahe als eine Wohltat begrüßen, wenn das Telephonamt allmählich den Menschen durch den wirklichen Automaten ersetzen wird, wie dies ja schon an einigen Ortsämtern geschehen ist. Ein gewisser Stand von Telephonistinnen wird aber trotzdem bleiben, und das Fernamt Berlin, das bereits fünfzehn- hundert Frauen beschäftigt, soll noch stark erweitert werden. Aller- dings bedeutet das Fernamt gegenüber den Ortsämtern einen gewal- tigen Fortschritt sozialer Hygiene. Das schöne hmnartige Haus ist ei» Arbeitspalast mit den mr- dernsten Einrichtungen. Eine Badeanstalt mit Brausen von kaltem und heißem fließenden Wasser steht unentgeltlich den Angestellten zur Verfügung. Blitzweiße Krankenräume unter Aufsicht einer Krankenschwester nehmen sofort die Pslegebedürftigen auf. In den Liegefalen finden sie Ruhe und Entspannung: ja es ist sogar möglich, daß die Telephonistinnen die Nacht dort verbringen, wenn ihre Dienstzeit ihnen den weiten Nachhauseweg boschwerlich macht. I,n Restaurant an kleinen hübsch gedeckten Tischen erhalten sie ein billiges und gutes Mittagesten. Oft gehen sie in den Pausen auf dem herrlichen Dachgarten spazieren, plötzlich wi« aus einem engen Schraubstock des ermüdenden Sitzes in eine helle beglückende Weite gehoben, tief unter sich die Dächer Berlins. Auch die Arbeitsräume find hoch und luftig: vor allem aber Ist das Arbeitssystem selber gebestert, weil die Telephonistinnen nicht mehr an Schränken mit Stöpseln, sondern an Tischen an einer über- sichtlichen Tastatur arbeiten. In diesen Sälen strömen die Stimmen von ganz Europa zusammen. An dieseni Tisch wird soeben mit Mailand gesprochen, daneben gehen acht Leitungen nach Paris. Halle, hier ist Budapest, gegenüber liegt die Verbindung mit den nordischen Staaten. Aus jener Ecke hat soeben London angerufen. „Wir sind das Herz Europas." sagte mit stolzem Lächeln eine Beamtin, die mich führte.„Denn alle Adern von Norden nach Süden, von Osten nach Westen begegnen sich hier. Will Rußland mit Frankreich oder vielleicht die Türkei mit England, will Schweden mit Italien sprechen, so müssen alle diese Gespräche das Fernamt Berlin durchkreuzen, ehe sie auf unsere Weisung weiterfließen können. Der Blutkreislauf Europas würde stocken chne dieses Tag und Nacht arbeitend« unermüdliche Herz." „Ja," dachte ich, hier ist wirttich ein Brennpunkt der Welt, und die Frauen, die an diesen stummen Klavieren die Tasten nieder- drücken, stimmen die Tasten einer großartigen internationalen Musik. „Bisweilen nachts," so erzählte mir eine Telephonistin,„in der lautlosen Einsamkeit des fast leeren Saales, vernehme ich Plötz- (ich die musikalische Stimme meiner Ualienischen unbekannten Freundin vom Fernamt Rom.„Buena sera!" Guten Abend, ruft sie mir zu, und einige Augenblicke— beim Nachtdienst ist die Ueber- wachung und das Sprechverbot nicht so streng— tauschen wir unsere Gedanken miteinander aus. In solchen Sekunden empfinde ich am stärksten dt« Derbundenheit mit der ganzen Welt und meine Arbeit, so erschöpfend und eintönig sie ist, enchüllt mir ihren wesentlichen Sinn, ihre unentbehrliche Sendung." Alexander ron Sacher Wlafoch: Bern aber leuchten die Sterne Als der klein« Knabe in seiner Wanderung bis hierher, zum Kürbisbeet gelangt war, blieb er stehen. Die Nachmittagssonne siel schräg durch die Blätterkronen des Maulbeerbaumes, vom Nachbarhos tönte das Rasseln der Brunnenkett« herüber und der Gesang der Magd, die den Eimer bediente. Das Haus— das Haus seiner Eitern— lag hinter ihm und war verdeckt vom großen Birnbaum und dem Strauchwerk, das den kleinen Knaben umfing und aus solcher Näh« den halben Himmel überschattete. Cr hielt ein Buch in der Hand, um die Mathematik- lektion für den nächsten Tag durchzunehmen, aber seine Finger hielten das Buch gespreizt und widerwillig und es war ihm anzu- merken, daß er eifrig bemüht war, den Grund zu finden, um das Lernen zu umgehen. Noch perlten die Worte des Baters in seinem Blut. Er empfand st« wie kleine Schreckkügelchen, die ihm über das Rückgrat lieien. „Bist du vorbereitet, Maximilian?" „Du kannst dich auf die Bank unter dem Maulbeerbaum setzen und dein« Lektion durchnehmen. Es ist schon fünf." Immer war es so gewesen. Er konnte dies und das tun, sollt« sich hier oder dort hinsetzen, zur bestimmten Stunde beginnen, zur festgesetzten aufhören.„Geh jetzt spielen, Maximilian." Oder: „Erzähl« mir, was ihr in der letzten Geschichtsstunde gelernt hobt, Maximilian."„Wie, du schweigst? Ihr müßt doch irgend etwas gelernt haben: Irgend etwasl"„Ist denn gar nichts in deinem Schädel hasten geblieben, Maximilian? Na, so etwas!" ... Nun ia, in der Geschichtsstunde. Petrus Lämmermayr, det Geschichtsprofessor, hatte wenig Haare auf dem Kopfe und schnäuzte sich oft, ausgiebig und geräuschvoll in ein feuerrotes Taschentuch. Sein« Stimme war einschläfernd wie das Sausen des Herbstwindes oder dos Geplätscher des Regens auf den Steinfliesen vor dem Hause der Eltern. Hinter i«mem' Rücken zeigte die groß«, schwarze Tafel noch Kreidespuren der vorangegangenen Mathematikstunde. Fritz Ulischer, der rekordbeflissene Primus, hatte die Tafel in der Pause mit einem großen, feuchten Schwamm gesäubert und jetzt trocknet« der Kreideschlamm allmählich und verschwommene, wunder- bare Arabesken kamen zum Borschein. Gebirge und Wolken, schattenhaft angedeutet, merkwürdige Gesichter und sremdartige Vögel tauchten aus und verschwanden, je nachdem, wie man den Kopf hielt. Man mußte sie nur sehen können und der Geist ging auf Reisen. Weit fort über Ströme und Meere fuhr der Nein« Knabe in einem schneeweihen Flugzeug, das er selbst steuerte. Magere, langgestreckt« und kleine, fette Wolken grüßten wie alte Bekannte im Borbcifliegen und die Feuerkugel der SonN« wechselte ab mit der matten Kupserscheibe des Mondes. Tag und Nacht war das. Ueber allem lag die Ahnung eines großen Und merkwürdigen Abenteuers, das er ersehnte. Und mitten hinein In die unendliche. geliebte Ferne tönt« die unerbittliche Stimme: „Und welches waren also die bemerkenswertesten Feldzüg« Karls V.. Maximilian?" Eine Sprungfeder, die irgendwo oerborgen war, schnellte den kleinen Knabenkörper hoch. Und das war unmöglich, aus seinem Abenteuer innerhalb eines Augenblicks durch die vielen Jahrhunderte zurückzufinden zu Karl V. Das Blut strömte und pochte, zerteilte sich und ballt« sich wieder zusammen, die Augen veFchleierten sich im Wirbel schvecÄicher Angst. Die Last vieler Strafen lähmte die Zunge. „Setze dich!"— Und das Knarren einer Feder im Klassenbuch. „-.. Erzähle mir. was ihr in der Geschichtsstunde gelernt habt, Maximilian." Die Magd hinter dem Zaun des Nachbargarten» sang ein Voltslied, während sie das Rad drehte und Eimer um Eimer in die Höhe zog. Der klein« Knabe hörte nur immer wieder die eine Zelle heraus, die eine Beteuerung an den Geliebten enthielt, daß sie ihn in ihrer Kammer erwarte, Nacht für Nacht. Durch die reglose Schwüle der Sommernacht kam ein Hauch als erster Vorbote des Abends. Der Maulbeerbaum rauschte Das Buch war Maximilians Fingern schon lange entglitten und er verfolgt« gerade eine lange, geheimnisvolle Godankenkette. Der breite, verwitterte Stamm des Maulbeerbaumes glich einem menschtichen Gesicht. Er war ein alter Kerl, der Maulbeerbaum. Wie alt.— 100 Jahr«? Und immer kündigte sein Rauschen an solchen Sommerabenden die Dämmerung an. Dos Haus stand vielleicht noch gar nicht, und das Dorf lag Noch drüben, hinter dem Türkenhügel versteckt. Hier war braches Feld, aber der Vach durchschäumte wohl auch damals das Geröll. Ein silberner Abend hing über der Landschaft, der Himmel wölble sich darüber, genau so unbegreiflich fern, wie jetzt und kein Grashalm oder Siein und kein Bogel und kein Mensch wußten davon, daß er einmal sein würde: Ein Knabe allein mit dem Maulbeerbaum, der so viel erlebt hatte, der alte Kerl. Ein saltiges, stummes Altmännergesicht sah ihn aus der zerschundenen Rinde an. Sein Herz klopfte heftig. Er duckt« sich auf der Bant und preßt« di« Ellbogen fest an den Leib. Wie ein feiner, grauer Regen kam die Dämmerung über die Nachbargärten herüber und hüllie alles ein. Jetzt erwachen die Fledermäuse, dacht« Maximilian und er wollte ausspringen und ins Haus laufen, denn nichts auf dieser Welt fürchtete er so sehr wie sie. Aber er konnte sich nicht vom Fleck rühren, wie ein schwerer, schwarzer Felsen log die Furcht auf seinen nicdergckrümmten Schultern. Er hörte sein Herz schlagen. „Maximilian! Ma-xi-mi-li-an!" Die Lampe brannte über dein Eßtisch und er starrte mit ge- senkten Augen auf seinen Teller. „Hast du gearbeitet?" „Ja", sagte er tonlos. Und dann hob er den Kopf und sah in zwei Augen, die so unendlich fern von ihm leuchteten, wie die unbekannten Stern«, di« zu begreifen seine Sehnsucht war. c's wird hall Von JiSUefinn und WäUepunMen, Qänfehaut und ZKälleSchauer In den ersten kalten Herbsttagen friert man oft mehr als mitten im Winter, weil man noch nicht winterlich gekleidet ist und auch di« Zimmer noch nicht geheizt werden. Beim Frieren und Frösteln merkt man aber bald, daß nicht alle Körperteile gleich emp- findlich gegen die Kälte sind. Wir frieren zum Beispiel am behaac- ten Kopf so gut wie gar Nicht, empfinden es aber als unbehaglich, wenn Brust»der Arm« der Kälte ausgesetzt werden. Die wech- selnde Kältewahrnehmung des Körpers beruht nun vor allem dar- auf, daß die Kälte einen T�il der Haut trifft, der für ihr« Einwir- kung besonders empfindlich ist Die Haut ist nämlich mit einem ausgesprochenen Kältesinn ausgestattet, d. h. mit sogenannten„Kälte- punkten", Stellen, an denen allein die Haut die Kälte empfindet. Nach einer Berechnung von Sommer schwankt die Zahl dieser Kälte- punkte auf einem Ouadrotzentimeter Haut zwischen(5 und 23; als Durchschnittszahl können 12 bis 13 Kältepunkte gelten, woraus folgt, daß die Haut des gesamten Körpers ungefähr 230 000 Kälte- punkte besitzt. Die größte Zahl der Kältepunkte findet sich' in der Haut der Körpermitte, serner an der Brust und den Kniekehlen so» wie an der Stirn und den äußeren Handflächen. Werden also diese Körperteil« von der Kälte berührt, so empfinden wir es stärker� als wenn etwa andere Teile des Körpers von einer Kälteein wirtting betroffen würden. Di« Kälteempfindüng hängt, wie Prof. Basler Mitteilt, natürlich auch mit der Größe der von der Kälte getroffenen Hautfläche zusammen, so daß beispielswels«, wenn man nur den Finger in kühles Master steckt, das Kältegefühl viel geringer ist, als wenn die ganz« Hand in Wasser gesteckt wird, das um zwei Grad wärmer ist. Sobald ein größerer Teil der Haut von der Kälte berührt wird, reagiert die Haut in«ine sehr charakteristischen Weis« darauf, indem sich die Muskeln, die mit den die Haut bedeckenden feinen Härchen in Verbindung stehen, zusammenziehen, wodurch die bekannte Gänsehaut entsteht. Zu diesem unbehagliche« Gefühl, das jeder kennt und an dem die Aerzte der alten Griechen sogar drei verschiedene Stadien unterschieden, kommt dann oft noch ein mehr oder weniger starkes Zittern, bis schließlich ein richtiger Kälteschauer daraus wird. Wie weit die Kälte in die Körpermuskeln selbst ein- tritt, haben seinerzeit die von Maclod und Taylor ausgeführten Versuche erwiesen, in denen festgestellt wurde, daß eine Kältequelle, die um 21 bis 23,5 Grad Celsius niedriger ist als die normale Haut- wärme, die Wärme der Muskeln in einer Tiefe von 1,1 bis 1,5 Zen- ttmeter um 3,9 bis 4,7 Grad sinken läßt. Die Haut besitzt aber auch die Fähigkeit, sich oeränderten Tem- peraturverhällnisten bis zu einem gewissen Grad anzupasten, und das ist denn auch di« Ursache, daß wir an Körperteilen, di« wir ent- weder ganz oder oft unbekleidet der Killte aussetzen, wi« zum Bei- spiel das Gesicht oder die Hände, auch bei Temperaturen, gegen die der übrige Körper schon sehr empfindlich wäre, nur wenig oder gar nicht frieren. Auch die Blutzirkulation ist in diesem Fall sür die Kälteempsindung maßgebend, weshalb Menschen mit Zir- kulationsstörungen oft auch mehr unter der Kälte leiden und sich leichter Gesicht und Hände erfrieren. Sobald jedoch di« unbekleideten Körperteil« stärkerer Killt« ausgesetzt bleiben, kann stch die Faul dieser Veränderung nicht mehr länger anpassen und es kommt in- folgedesten auch zu einem Kältegesühl im Gesicht wie auch an den Händen. f leldrifcli geheilter Moden In Norwegen, wo di« Elektrizität wegen der reichlich vor- handenen Wasterkraft verhältnismäßig sehr billig ist, sind die Gärtner>n der Nähe der Städte auf«inen eigenartigen Einfall gekommen: sie heizen nämiich ihre Beete mit elektrischem Strom. Unter die Humusschicht, in die die Pflanzen eingesetzt werden, ist verzinkter Eisendraht gelegt, der an das Stromnetz angeschlossen wird. Zunächst hüll« man den Draht in Tonrohr«, um ihn zu isolieren: jetzt aber bringt man ihn einfach in eine Sandschicht, die«ine Dick« von etwa 25 Zentimeter hat. Allerdings muß man sich dann beim Arbeiten in den Feldern sehr vorsehen, damit man keinen heftigen elekttischen Schlag bekommt, und bei größeren Ar- betten wird der Strom ausgeschaltet. Da der Boden die einmal aufgenommene Wärme länger« Zeit behält, so kann der billige Nachtstrom für die Bodenheizung ausgenutzt werden. Mit einer Kilowattstunde ist es bei einer Außentemperatur von 0 Grad möglich. einen Ouodrcttkilometer Boden einen ganzen Tag lang auf einer gleichmäßigen-Wärme von 25 Grad zu erhalten. Da wir über so niedrig« Strompreise wi« in Norwegen nicht verfügen, so dürfte sich diese Methode der Bodenerwärmung nur für die Gärt- nereien lohnen, die sich in der Näh« der größten Städte befinden. Wie in Reclams Universum mitgetellt wird, hat dos Stuttgarter Elektrizitätswerk in letzter Zeit Versuche dieser Art angestellt und dabei gute Ersolge erzielt.