Morgenausgabe Donnerstag Wöchentlich 8SLf� monatlich 2,60 N. W l W H H H W Wf � � Auswärts 4Z vs tm nnr-tuezahlo� Postbezug<�ZM.>W I> KW W W W // W RI! W W W W �Uvwlllw �2 j�s. einfchllehlich 60 Pfg.Postzeiliutg»' und �WW f�UW N» W WI HM) WW»W UD f C DD ZSPfg�Postbestellgebühr, It. Ausland».(ßBmgt krSO Hl �D DM|H|B WM Mi DD �D HM) W W I>7 Sie einlpalttgt Nonpareillezelle -donnemem 0.— M. pro Monat. SDAgl Ii WM �9 WJ WM>M �W DM MM �W—S MD fH! mL 80 Pfennig. ReNametell« ö.— Reich,» ««a-e..�..-■ SB ML MLMLH MlBl B B WM'/ Det.vorwörts erschel« wochenlaz» HÖ} DM hBI. BWl DD settaedruckte Worte), ledes weilere Wort undMantag»» WD WW�> JHL,>/ 9 12 PsenntL. Stellengelllch. da. erste etnmol. die Adendausgaben wr Berltn �MX �>7 WD Wort lS Pfennig, f-de- a-enere Wart ""d im Äandel nu, dem Tttel.Der 10 Pfennig. Warle über lS Buchstaben Abend. Sll�tttert« Beilagen Volk zahlen für zwei Warte. Arbeilsmartt sssMM AeeUnev VoWsvlatt szMM Jenivalorsan der sozialdemokratischen Oaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbosf 292—291 Telegramm.Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Wien. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Der Wahlaufruf der Sozialdemokratischei« Partei Deutsch- Oesterreichs beginnt mit einer scharfen Kritik an dem„antimarxisti- schen" System, das zu immer schwereren Erschütterungen führe und schliehlich im Bürgerkrieg zu enden drohe. ..Diese furchtbaren Gcsahreii", so heißt es weiter,„müssen über- wunden werden. Die demokratische Vcrjassung muß' gegen faschi- stisches Abenteurertum und monarchistische Intrigen gesichert werden. Faschisten dürfen nicht über den Staat verfügen. Die Arbeiter klasse kann und wird nicht einseitig abrüsten, so- lange sich die Faschisten gegen die Republik bewaffnen. Wenn wir Sozialdemokraten aus diesen Wahlen so stark hervor. gehen, daß wir die Führung der Regierung übernehmen können, dann werden wir all« ehrlichen Demokraten dazu einladen, mit uns gemeinsam die v o l l k o m men« innere A b r ü st u n g unter gegenseitiger Kontrolle durchzuführen; alle Selbstschutzverbände auf beiden Seiten werden dann gleich- zeitig aufgelöst, alle militärischen Aufmärsche dieser Forma- tionen, die immer wieder Beunruhigung erzeugen, verboten, alle Wassen eingezogen und vernichtet werden. Wenn so der Frieden im Land« gesichert ist. so wird die von den Sozialdemokraten ge- führt« Regierung alle Kröst« aus die Bekämpfung der Wirtschasts- krise und der Arbeitslosigkeit konzentrieren. Wenn erst der antimarxtftisckie Kurs besiegt ist. werden Gewrrk- ichaffen und llnkernehmerverbändc aus der Grundlage vollkom- mener Glclchberechkigung und der Unonlastbarkeit der sozialen Errungenschastaa zur Bekämpfung der Wirtschaslskrise und der - Arbeitslosigkeit zusammenwirken können. Auch Arbeiter und Bguern, die der Antimarxismuz gegen- einander verhetzt, werden sich dann über die Wirtschaftspolitik ver- ständigen können.4* Giarhemberg dementiert alles. Llnz, 8. Oktober. Minister Starhemberg hielt in einer cheiinwehrversainrnlung eine Rede, in der er u. o, ausführte: Ich erkläre hier ausdrücklich, als der verantwortliche Führer der Heimwehrbewegung, daß wir es grundsätzlich ablehnen, den Versuch zu machen, unsere Aiele mit Gewalt zu erreichen, da wir uns voll bewußt sind, daß wir dies in Anbetracht unserer Wirtschaftslage nicht ver- antworten können. Im Gegenteil: wir wollen heute unser« Kraft in den Dienst des friedlichen Ausbaus unseres Staates und unserer Volkswirtschaft stellen. Wir lehnen auch deshalb jede Gewaltpolitik ab, weil wir uns verantwortlich fühlen, nicht nur für Blut und Ge- sundheit unserer eigenen Kameraden, sondern auch für das Wohl und Wehe aller Volksgenossen. Wir streben keines- w e g s eine Staatssorm an, die die Entrechtung und Vergewaltigung breiter Kreise unseres Volkes bedeuten würde, sondern wir sind gewillt, einen unüberwindlichen Damm gegen den B o l s ch e w i s- Der Zeutralausfchuß der Reichsbank ist für heule varmMag 11 Uhr einberufen worden, wie WTV.'handelsdlenst aus Bank. kreisen ersährk, dürste e» flch um die Frage ewer Diskont- erhöhnng um 1 aus 5 Proz. handeln. * Wir haben keinen Anlaß, an der Wahrscheinlichkeit einer Dis- konterhöhung zu zweifeln. Die ausländischen, besonders die fron- zösischen Kreditkündigungen haben nicht aufgehört. Die Reichsbank mußte zur Devisenbeschaffung vorgestern wieder für 3 5 Millionen Mark Gold von Köln nach Paris versenden. womit sich ihre Goldverlust« in wenigen Wochen auf 210 Millionen erhöht haben. Vorgestern war der Stichtag für den Reichs bankausweis; der Geldmarkt ist angespannt ge- blieben, und offenbar war der Abbau des Milliardenkredits gering, den die Reichsbank zum 1. Oktober hatte gewähren müssen. In der Wirtschaft und aus der Börse wird die Nachricht von der bevorstehenden Diskonterhöhung wie eine Bombe einschlagen. Ein« Borwäris-Verlag G.m.b.H. mns aufzurichten und nach Ausscheidung volksfremder, ver- antwortungsloser bolschewistischer Agitatoren den friedlichen Aufbau unseres Volksstaotes durchzuführen. » Dieser Starhemberg hat nach dem Ministereid auf die demokratisch-parlamentarische Verfassung öffentlich erklärt. daß er an dem Korneuburger Eid auf f a s ch i st i s ch e Ge- waltergreifung und Mächtausübung unverbrüchlich festhalte; er hat in einem Aufruf gesagt, daß die Heimwehr sich darin auch durch eine rote Mehrheit des Nationalrats nicht irre- machen lassen werde und er hat schließlich— in der Faschistenuniform— empfohlen, den Kopf des so erfolg- reichen Wiener Finanzreferenten Breitner in den Sand rollen zu lassen. Vaugoin hat das abzustreiten versucht, aber selbst ein Wiener Heimwehrblatt hat diese Aeußerung Starhembergs gemeldet. Wenn dieser unbeschreibliche Minister jetzt das Gegenteil von dem sagt, was er jahraus, jahrein gepredigt hat, so weiß jedermann, was davon zu halten ist— ebenso wie von der Pogromhetze des Schlußsatzes dieser Linzer Minister- rede! lleberall Heimwehrlisten. Wien, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Die Bundesführung der Hcimwehr Hot beschlossen, den Wahl- kämpf selbständig z» sichren und überall eigen« Kandidaten auf. zustellen. Dieser Beschluß hat im Lager der bürgerlichen Parteien außerordentlich überrascht, besonders die Chrsstlichsozialen befürchten hiervon einen noch größeren Stimmenverlust, als ihnen sowieso von der Dolksempörung über den Strafella-Skandal, � die Verfassungsbrüche und die Ernennung des ISfachen Schloßbesitzers, „Fürsten4* und Mordbrandhetzers Storhcmberg schon droht, ihnen überdies durch den Riesenerfolg des sozialdemokratischen Volksbegehrens bereits urschriftlich versichert sst. Lappo dentt gleich Starhemberg. 9 Drohung gegen den AeichStaa. Hclsingfors, 8. Oktober. sEigenbericht.) Unlängst hat der Vertreter einer norwegischen Zeitung einen Führer der Lappofaschisten gefragt, wie er über die Reichstagswahl denke. Die Antwort war: „Wie die Wahl ausfallt, kümmert die Lappoleute wenig. im Oktober tritt der Reichstag zusammen, im November wird man sehen, was los ist und im Dezember ist alles in Ordnung.44 * Die finnische Reichstagswahl hat den Sozialdemokraten 1 bis 2 Mandate über das ein Drittel der Gesamtzahl von 200 gegeben. Die Sozialdemokratie kann also die Annahme der verfassungsändernden Ausnahmegesetze verhindern; durch die Drohung mit Gewaltanwendung gegen«inen unbot- mäßigen Reichstag soll er zum Gehorsam gezwungen werden. so schnelle und scharf« Abwehr, wie eine Diskonterhöhung um«in volles Prozent, nachdem eben erst Hypothekenbanken wegen der Ausgabe von achtprozentigev Pfandbriefen zur Ordnung gerufen wurden, hat kaum jemand erwartet. Daher wird die Dis- konterhöhung auch nicht in erster Linie aus wirsschoitlichen, sondern aus Geldmarkt- und Devisengründcn erfolgen. Die Reichs bonk muß sich gegen die leichtfertige Politik der Privatbonken zur Wehr setzen, sie muß ihren Kredit für die privaten Banken ver- teuern, die rein aus Profitgründen, ohne jede Rücksicht auf eine immerhin möglich« plötzliche Erschütterung de, internationalen Ver- trauens gegenüber Deutschland, sich mit den billigeren ausländischen Devisenkrediten vollgesogen hotten, die jetzt gekündigt werden. Die Reichsbank, die ebensogut den Banken die Kredite hätte geben können, muß jetzt außer der Finanzierung der Kapitalflucht auch noch den Kündigungssturm der Auslandskredtte aushalten. Für die deutsche Wirtschast bedeutet die Kreditverteuerung mitten in der schwersten Wirtschaftskrise eine neue außerordentlich ernste Belastung. Postscheckkonto: Bkrlin37S3k.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr.SS. Dt.B.u.Disc.-Ves., Depositenkasse, JcrusalemerStr.IL/Kö. Brigade pilsudfli. Zum Großwahlschwindel aufmarschiert. Am 12. Mai 1926 rückte der damalige Generalinspektor der polnischen Armee, Atorschall Joseph Pilsudski, mit einer Heeresmacht in Warschau ein, verjagte die gesetzmäßige Regierung und übernahm das Kriegsministerium. Seit jenem Tage ist Pilsudski der wirkliche Leiter der polnischen Staatsverwaltung, neuerdings auch formell, da er mm auch Ministerpräsident ist. Jener Putsch wurde von den Arbeitern und Bauern Polens mit Jubel begrüßt; die Arbeitermiliz marschierte zur Unterstützung des Unternehmens auf, die Eisenbahner verhinderten die Heranschaffung von Truppen, die gegen den Putsch eingqsetzt werden sollten. Die Massen glaubten das Ende von Wirtschastsnot und Korruption ge- kommen', auch die Mindeicheitsvölker atmeten auf, auch'sie sahen in PUsudski den Schützer der Demokratie und der Ge- rechtigkeit. Es dauerte nicht lange, und der Nimbus, der Pilsudski als mehrfachen Befreier Polens umgab, war verflogen. Re- oolutionärer Kämpfer gegen den Zarismus, Führer der Sozialistenpartei, Gründer der Legionen im Weltkrieg, Sieger in der Riissenschlacht von 1920 vor Warschau— als Nationalheld hatte Pilsudski bis dahin gegolten. Wer mehr und mehr kehrte er den Militärdiktator heraus. Er umgab sich mit seinen alten Legionsfreunden unter Fern- hallung seiner sozialistischen Mitkämpfer von anno dazumal. Sein ordinärer Jargon, bis dahin nur engerem Freundes- kreis bekannt, drang in der charakteristischen Irrsinns- form der Koprolalie durch Zeitungsartikel und Interviews immer häufiger in die Oeffentlichreit. Diese Aeußerungen des Marschalls wimmeln von ungeheuerlich gemeinen Zlus- drücken gegen die Verfassung, die Demokratie und ihren Träger, das Parlament. Massenhaft wurden Offiziere, die für Pilsudskis Zwecke ungeeignet erschienen, pensioniert. Die Unabsetzbarkeit der Richter wurde durch Verordung beseitigt, die Presse geknebelt, die Krankenkassen den Arbeitern ent- rissen, ihre Beamten hinausgeworfen und durch Offiziere oder sonstige PUsudski-Leute ersetzt. Alls Abtrünnigen der Sozialistenpartei wurde eine regelrechte Faschisten- Horde organisiert, die durch Ueberfälle und bewaffnete Drohung die werktätigen Massen in Schrecken setzen soll. Der Sejm wurde nur noch zum äußersten gesetzlichen Termin einberufen, so daß er seine Arbeiten nicht erledigen konnte. Das gab wieder den Grund, ihn zu vertagen und' sich sogar den Etat.durch Verordnung selbst zu bewilligen. Der Sejm hob zwar die verschiedenen Knebelungsverordnun- gen auf, aber sie wurden nach seiner Vertagung sofort wieder in Kraft gesetzt. Vor dem Staatsgerichtshof, den das Parlament gegen den früheren Finanzminister Czecho- wicz wegen gewaltiger Etatsüberschreitungen angerufen Halle, erging sich Pilsudski als Zeuge in unerhörten Schmäh- reden. Schließlich löste er dos Parlament auf, setzte aber immerhin die Neuwahl auf den 16. November dieses Jahres an. Schon bei der vorigen Parlamentswahl waren üble Manöver zugunsten der Regierungspartei(Sanacya- Sanierungspartei) verübt worden, doch war sie gegenüber der nationaldemokratischen Rechten, den Sozialisten und Bauernparteien der Linken und des Zentrums in der Minder- hell geblieben; auch die bald enttäuschten nationalen Minder- heitsparteien stimmten meistens mit der Opposnwn. Gegen- über dem zu erwartenden Regierungsdruck auf die Wähler hatten die Sozialisten und die Bauernparteien sowie andere Linksgruppen noch vor der Sejmauflösung einen Wahl- block(Centrolew-Zentrum-Linke) geschlossen. Da wurden unmittelbar nach der Sejmauflösung und dem Erlöschen der Immunität eine große Anzahl führender und aktwer Oppositionspolitiker verhaftet und in die entlegene Festung Brest-Litowsk gebrocht, wo sie als kriminelle M i l i- tärhäftlinge ohne Charge behandelt werde», per- schärft durch die sadistische Grausamkeit des berüchtigten Oberst B j e r n a z k i, der als Kommandant des Abge- ordnetenkerkers eingesetzt wurde. Die Verhaftungen der Opposllionsführer gehen ununterbrochen weiter. Anklage ist bisher nicht erhoben, der Staatsanwalt, oer Untersuchung?- richte? und die Regierungspresse verbreiten gegen die Vor- hasteten die wahnwitzigsten Beschuldigungen, für die nicht ein Schatten von Beweis jemals wird erbracht wer- den können. Der Zweck ist klar: die Wahlaussichten der Opposition sollen durch den Raub ihrer Führer verschlechtert werden. Haussuchungen bei Oppositionellen ü, ganz Polen. Entwaffnung zur Wehrlosmachung gegenüber den Faschisten, ungehemmte Verfolgung der Oppo- sitionspresse. direkte Wahlschwindelaufträge an die Vermal- tungsbehörden— das sind die Begleiterscheinungen zur Ver- Haftung und Mißhandlung der Oppositionsführer. Das Ziel all dieser Verfolgungen und Rechtsbrüche schlimmster Art ist längst offen ausgesprochen worden: im neuen Sejm soll die Regierung Pilsudski 3 00 von den insgesamt 440 Mandaten haben! Die Opposition soll als ohnmächtige Minderheit nicht mehr Wahlkampf gegen den Faschismus. Aufruf der österreichischen Sozialdemokratie. Diskonterhöhung der Reichsbank. Notwehr gegen die Politik der Privatbanken.— Ein neues Sturmzeichen. Drei Millionen Arbeitslose. Dos Gegenwartsproblem der Erwerbslosigkeit. imftcmde sein, irgendwskche Wünsche«nb Dorlagen der Ne- gierung zu durchkreuzen, abzulehnen, ihre Durchführung zu hindern. Es soll ein Parlament sein, das zu allem, was die Regierung vorschlägt. Ja und Amen sagt, ein Parlament, das zu einer Bewilligungsmaschine heruntergewürdigt ist, nichts anderes tun darf, als bewilligen und doch dem Ausland als legale Vollksvertretung vorgeführt werden kann. Polen hat in den legten 15 Jahren viermal seine Wäh- rung'Svdern müssen, dreimal ist alles Geld vollkommen wert- los gewsrden, die vierte Währung, der auf Dollar stabilisierte Zloty, hat fast die Hälfte seiraes Wertes verloren. Die Kapitalannut, die gewaltigen Rüstungen, die schlechte Lage der Landwirtschaft, der Barlust des großen russischen Abiatzmarktes für die polnische Industrie— längst nicht ausgeglichen durch ihre Fördermrg infolge des 5iandelstrieges mit Deutschland—, das alles macht für Polen wieder einmal . die Erlangung einer großen Ausländsanleihe unent- behrlich. Die Geldmächte des Westens aber trauen diktato- rifchen Regierungen nur, wenn sie von ihrer Festigkeit absolut überzeugt sind: sonst wollen sie die Garantie des ganzen Volkes, erteilt dirrch eine gesetzmäßige Volksvertretung, haben. Gegen die polnische Finanzkraft zumal besteht ein solches Mißtrauen, daß auf diese Garantie schon gar nicht verzichtet wird. Run hat der Krakauer!>p positionskon greß� ! den die frühere Regierung nicht zu verhindern wagte, in feierlichem Beschluß erklärt, daß diu dort offiziell vertretenen Parteien der damaligen Sejmmehrcheit nie und nimmer im Parlament ungesetzlichen, widerrechtlich ohne Genehmi- gung der Volksvertretung vorgenommenen Regierungshand- lungen die nachträgliche Billigung erteilen werden. Vor allem deshalb fürchtet die Regierung einen Sejm mit einer oppositionellen Mehrheit. Die Krakauer Kongreßbeschlüsse sind aller Welt bekannt— auch den Kapitalisten der West- länder. Nun soll mit äußerster Brutalität der Wille der Völker eines Reiches von 39 Millionen gefälscht werden. Das ist der Zweck all dieser Maßnahmen! All diese Vorbe- reitungen wird sich die Welt vor Augen halten müssen, wenn der 16. November einen„Sieg" der Regierung Pilsudskis aus den Wahlurnen springen lassen sollte. Oranger nach rechts. Der ganze Aufzug des Kabinetts genügt ihnen nicht. Westaxp, Schiele und Treviranus sollten dem Reichskanzler Brüning helfen, bei den Wahlen eine Mehr- heit nach rechts zustande zu bringan. Wie dieses Abenteuer geendet hat, weiß jedermann. Die Herren haben alle Hoff- nungcn enttäuscht, die man auf sie gesetzt hatte, aber be- scheidener sind sie dadurch nicht gcmorden. Im Gegenteil, je mehr sie von ihrer Rechnung schuldig geblieben sind, desto anspruchsvollere Gäste sind sie gemorden. Als Gegengewicht gegen Hugenberg sollten sie wirkem: heute identifizieren sie sich nicht nur mit ihm, fondern auch mit Hitler und fordern namens der„nationalen Rechten" die Unterwerfung Brünings und des Zentrums.— So schreibt jetzt die dem Grafen Westarp ergebene„Kreuzzeitung": „Dem Kabinett ist wohl bekannt,. daß eine einschneidend« A.end.erung der offiziellen deutschen Einstellung -,um Versailler Dikteu, zum H ou ng- Plan, zur Wieder- Herstellung unserer vollen Souveränität einschließlich der Wehr- Hoheit zu den Vorbedingungen gehört, unter denen ein« Unter- stützung der Reichsregieniug durch die national« Rechte überhaupt nur diskutiert werden kann." Die„Deutsche Tageszeitung" aber, deren intimste Be- Ziehungen zu Schiele bekannt sind, ist noch gar nicht zufrieden, wenn E u r t i u s odex W i r t h über Bord geworfen werden. ..... uns genügt vielmehr angesichts der jetzig« n Situation, angesichts insbesondere der Notwendigkeit praktisch durchgreifenden , Handelns im Rahmen der großen Grundlinien des Regierungs- Programms der ganze Aufzug dieses Kabinetts nicht." Die„Deutsche Tageszeitung" verlangt ein« Regierung, die,„nur ihrem eigenen Verantwortungsbewußtsein unter- worfen" ist und die auch dem Reichstag kum Trotz dasjenige tut, was der. Reichslandbund will. Mit drohend erhobenem .. Finger fährt sie fort: „Eine solchcrinaßen zusammengesetzte Reichsregierung wird ganz anders gegen die Versuchung gefeit sein, parlamentarische Schaukelpolitit zu treiben, als es ojfenbar die jetzige ist. Und wenn Herr Dr. Brüning wirklich, wie es den Anschein hat, der Meinung sein sollte, man könne in der gegenwärtigen Situation noch nach dem Rezept verfahren: Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht naß! dann ist unseres Erachtens die erste und dringlichste Aufgabe des neuen Reichstages, ibm darüber eine unmißverständlich« Be- lehrung zu erteilen." So sprechen die Leute, für die Herr Brüning so viel ge- ran hat, daß ihm zu tun bald nichts mehr übrig bleibt. Ihnen hat er seine Reputation als Staatsmann geopfert; zum Dank dafür setzen sie ihm den Fuß auf den Nacken. Das Drängen nach einer offenen Rechtsdiktatur wird mit jedem Tage unverschämter. Ernsten Willen zum Widerstand sieht man außerhalb der Sozialdemokratischen Partei fast nirgends. Wahlen in Bremen am SO. Tlovember. Eine interessante Wahl. Bremen. 8. Oklober. Die Besprechungen über die Frage, ob es angebracht sei, die verfassungsmäßig in diesem Jahre oorzunehmeniden Wahlen zu v e r- schieben und die Legislaturperiode der Bremer Bürgerschaft automatisch um ein Jahr zu verlängern, haben zu keinem Erfolg geführt, da man zu der Ueberzeugung kani, daß die gegenwärtigen .. Mitglieder der Bürgerschaft nicht von sich aus ihr« eigene Amts- douer verlängern können. Infolgedessen gilt der 3». Na- .» e m b e r als Termin für die Neuwahlen. Mleterprotest gegen Regierungsprogramm. Der Gesamworftond des Reichsbundes Deutscher Mieter proiastiert in einer Entschließung gegen die Absicht, dem Wohnungsbau 40Y Millionen Mark zu entziehen und weiterhin gegen die Absicht, den Mieterschutz im Lause oon 5 Jahren völlig abzubauen. Dos Reichs tags Handbuch inr die 5. Wahlperiode 10.» wird demnächst im Verlag der Reichsdruckerei zum Preis von H Mark erscheinen. Die neue rumänische Regierung sich« unter der Leitung des Auß-'nminlsters Mironescu und ist nicht wesentlich verändert. Zu der zweiten Hälfte bes September hat die Arbeitslosigkeit lnsolgc vaa Saisonelasiüsien in geringerem Tempo zugenommen als in dem vorhergehende,, Rlaual. Die Belastung der Arbeits. lafeaversichcrung Hot sogar einen letchle« Rückgang um 10 000 Personen auszuweisen, jedoch steht dieser Entlastung eine Zunahme von 14 000 krisenunlerflützten gegenüber, so daß die Gesamtbelastung beider llnterstühungseinrichtungrn mit 1 9SS 000 Personen Ende September doch um 4000 höher liegt als um die Rlitlc des vorigen Rlonals. Die Gesamtzahl der vcrsügboren Arbeitsuchenden Hai sich am 30. September aus rund 3088000 gestellt. Die Zu- nähme>n der zweiten Seplembcrhälste betöuft sich damit aus 47 000 Personen, während in der ersten September hälslc ein Zustrom von 103 000 neuen Erwerbslosen zu verzeichnen war. Obwohl die Zunahme von Arbeitslosen in den beiden lchten Septemberwochcn sich um weit mehr als die Hälfte verringert Hot, lassen sich hieraus keinerlei Schlüsse ans eine Wendung der Konjunktur ziehen, da der Arbeilsmarki>n den lehtcn Wochen unter Saisoneinflüssen stand. * lieber die„Arbeitslosigkeit als Kegemvartsprablein" sprach gestern im Berliner Rundfunk Professor Robert W it b ra n d t von der Universität Tübingen. Professor Wiibrandt wies einleitend daxauf hin, daß die jetzt herrschende Weliwirtschastskrise ganz zweifellos die Arbeitslosigkeit in fast allen Ländern aus die Spitze getrieben habe, daß jedoch die eigentlichen Wurzeln des U c b e l s in einer tiefgehenden Strukturveränderung der West- Wirtschaft zu suchen seien. Man kann, so führ der Redner fort, das Arbeitslofenproblem ■rncht nur durch die Brille der Konjunkturpolitik ansehen. In Eng- land ist die Albeitslosigkeit in der Nachkriegszeit im Durchschnitt dreimal so hoch wie in den vorhergehe udcu Jahrzehnten. Das hefte Vergleichs, naterial gegenüber der Vorkriegszeit liefert für deutsche Verhältnisse die Statistik der Gewerkschaften. Danach ist seit 1924 auch in den besten Ko nj u nk tu rja h ren die Zahl der Paris. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Zlm Donnerstag tritt die Radikale Partei Frankreichs in Grenobl« zu ihrem diesjährigen Parteitag zusammen. Die Tagung verspricht oon außergewöhnlicher Bedeutung zu werden, da sich die Radikale Partei abermals vor die Notwendig- keit gestellt sieht, die große Entscheidung zu treffen, ob sie sich nach rechts im Sinn« der vor zwei Jahren von ihr selbst ge- sprengten nationalen Union Poincares oder noch links in der Ruf>> tung der Kartellpolitik orientieren will. Um es gleich vorwegzusagen: die Gefahr einer Rechksorientieruug der Partei ist anßerordent. lich groß. Der Abg. Chautemps, der im Frühjahr dieses Jahres nachdem Sturz des Kabinetts Tardieu-Ehcron vergeblich ein Links« kabinelt auf die Beine zu stellen trachtete, und der diesmal in Grenoble als Berichterstatter für die allgemeine Politik austreten wird, hat seinen Bericht in der Hauptsache auf eine Polemik gegen die Soziali st en eingestellt, die er der Feindseligkeit gegenüber den Radikalen, der Untreue an dem ungeschriebenen »olidaritätsbündnis des ehemaligen Linkskartells und der zynischen Zusammenarbeit mit den Klerikalen und der Reaktion beschuldigt. Er geht zwar noch nicht so weit, offen den Wiedereintritt der Radikalen in eine Mittel- und Rechtsregierung zu fordern, ober dies« Folge- rung werden schon seine Freunde, die Brüder Sarraut, Cail- l o u x und überhaupt die gesamte Senatsfraktion der Partei aus dem Bericht zu ziehen wissen. Dazu kommt, daß die Radikale Partei sich nach dem katasttopha- len Aussall der Reichstagswahlen verpflichtet glaubte, ihrer außenpolitischen Einstellung eine„nationalere" Färbung zu geben. In zahllosen Reden und Artikeln hat beispielsweise H« r r i o t immer wieder die Pflicht zur Landesverteidigung und die Notwendig- keit einer unverletzbaren militärischen Sicherheitsorganisation betont. Im Lager der französischen Rechten hat man mit sichtlichem Ver- gnügen die patriotische Beunruhigung Herriots wahrgenommen und versucht, ihn noch mehr für die nationale Sache zu gewinnen. Einige Rechtsblätter haben sogar schon den Gedanken in die Öffentlichkeit lanciert, daß H e r r i o t vielleicht B r i a n d in der Leitung des Quai d'Orsay ablösen könnte. jj1 Der linke Flügel der Radikalen Partei unter Daladier hat unzweifelhaft durch die Entfremdung gegenüber den Sozialisten und durch die nationalistische Welle in Deutschland stark an Einfluß verloren. Trotzdem hofft man, daß es ihm gelingen wird, ein Abgleiten der Partei ins Lager der Rechten zu verhindern, dessen Folgen fiir die französische Innenpolitik und für die Kammerneuwahlen im Jahre 1932 nicht abzusehen wären. Der Parteitag wird durch eine Rede des Vorsitzenden Data- d i c r eröffnet werden. Der erste Kongrcßtag wird der ollgemeinen Politik und der Berichterstattung. Chautemps gewidmet sein. Am Freitag folgt die Debatte über die Steuerpolitik und die Außen- Politik. Der Sonnabend gill der Diskussion über die Finanzpolitik und der Reform des Staates, sowie einigen innerparteilichen Fragen. Am Sonntag endlich wird die grundsätzliche Parteierilärung be- schloffen und verkündet werden. Eine Neuwahl des Borstandes findet diesmal nicht statt, da Daladier im letzten Jahr« in Reims für zwei Jahre wiedergewählt worden ist. Widersprüche in den Referaten. Paris. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Als Austakt zum. Kongreß in Grenoble sind die ersten Be- richte der Referenten neröfsentlicht worden. Sie zeigen bereits, wie scharf die Gegensätze aufeinanderzuprallen drohen. Herriots Referat über die Außenpolitik liegt noch nicht vor. Aber in zahllosen Reden upd Artikeln bat Herrtot derart patriotischen llebcreifcr entwickelt, und sich um die Sicherheit Frankreichs angesichts des HiNer-Sieg«s und der Stahl-! Helmparaden so besorgt gezeigt, daß ihn die Rechtspresse mit der organisiert«» Erwerbslosen immer noch weit über dem Hächststan.o der Arbeitztoien in der Vorkriegszeit geblieben In«in«? ganzen Anzahl oon Berufsgruppcn Hot sich die Arbeitskasigkert bis um das Zehnfache gesteigert. Spielen auch die Wirkungen des Krieges bei der heutigen Desorganisation der Weltwirrschaft durch Berarmung ganzer Bölk-r und«norm hohe Besteuerung auch in den Siegerländern eine große Roll«, so liegt hier nicht der entscheidende Punkt. Der ungeheure Aufschwung der europäischen Industrieländer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der eine ständige Nachsnxg« nach n«uen Arbeitskräften mit sich brachte, war durch di« Erschließung der überseeischen Länder, ganz besonders der Der- «inigten Staaten oon Amerika, bedingt. Auch bei dem riesigen nffsifchen Reich kann man von einer k o l n n i sa t a r i f 6>e n Erschließung durch die westeuropäisch« Technik sprechen. Diese Zeiten sind vorbei. Verschärft wird diese Entwicklung in Uebersee für die großen europäischen Industrieländer durch die Gründung einer Anzahl kleiner und kleinster Nationalstaaten in Europa, di« bemüht sind, ihre winzigen Absatzmärkte durch un über steigbare Zoll mauern von der Umwelt abzusperren. In Deutschland hat sich gezeigt, daß die Ratio nali- s i c r u n g trotz der damit verbundenen Exportsteigerung d i e Quelle einer Dauerarbeitslosigkeit ist. Jede weitere Forcierung des Exportes hat eine verstärkte Mechanisierung der Betrieb« und damit neue Freisetzung von Arbeitskräften zur Vor- oussetzung, so daß nach den bisherigen Erfahrungen ein« Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Exportsteigerung allein nicht möglich ist. Dagegen ergeben sich große Möglichkeiten für di« Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit im Inlande selbst. Die Ueber- i n d u st r i a l i s i e r u n g in der Welt zwingt den Blick zur Er- schließung des Jnlandmarktes zurück. Will man die hier vorhandenen Möglichkeiten zur Beköinpfting der Arbeitslosigkeit alier wirklich mit Erfolg ausmitzen, so ist die erste Bedingung eine ganz gründliche Revision der Preispolitik der Monopol«, die bisher verhindert haben, daß der allgemeine Preissturz in der Welt auch der Lebenshaltung des deutschen Volkes zugute gekommen ist. Nachfolge Briands beauftragen will. Chautemps, gemrß kein Revolutionär, äußerst sich in seinem Bericht über die allgemeine Politik viel ruhiger und sachlicher. Er betont zwar, daß gegenüber der naNonalislischcn Welle in Deutschland und den Drohungen des ttalienlschen Faschismus erhöhte Wachsamkeit geboten sei. will aber trotzdem unerschütterlich die Politik der B erst Sndi. g u n g der Völker fortsetzen. Das Chaos in Europa sei m der Hauptsache auf die U e b e r p r ö d u k t i on und den Wrrtschafts- egoismus der verarmten Böller zurückzuführen. Durch fach- liche, oon oller Demagogie frei« Politik, wirtschaftlich« Einigung und sozialen Fortschritt könnten die republikanischen Parteien den. entschiedensten Schritt zur Sicherung des Friedens tun. Cot, der Berichterstatter über die Abrüstung, betont i» diametralem Gegensatz zu Herriot, daß Frankreich durch den Versailler Vertrag und den Völkerbund zur Abrüstung ver- pflichtet sei. Frankreich könne sich keinen größeren Gefahren aussetzen, als wenn es die Abrüstung sabotierte. In volllormnenem Gegensatz zu der offiziellen Regierungsthese:„Erst Sicherheit, dann Abrüstung" erklärt Eot, daß die Abrüstung ein bedeutsamer Faktor der Sicherheit sei. Es gebe kein befieres Büttel, um die internationale Sicherheit zu erhöhen. als die allgemeine Abrüstung. Bei dem augenblicklichen Stand der Verträge könne Frankreich ohne sein« Sicherheit zu gefährden, abrüsten; es könne nicht seine augenblickliche militärische Ueberlegcnheit ewig beizubehalten suchen, sondern müsse di« unnützen und gefährlichen Rüstungslasten möglichst schnell abwerfen. Zum Schluß fordert Eot, daß die Port« für die sofortige Einberufung der Abrüstungs- konferenz des Lölkerbundes eintrete. Dreißig Gesetze. Oer plan ist feriig, aber die Gesetze nicht. Der Demokratisch« Zeitungsdienst teilt mit: Zur Durchführung des Wirtschofts- und Fiiranzplanes der Rcichsregierung ist die Aus- arbeitung und parlamentarische Verabschiedung von dreißig G e- setzen erforderlich. An dieser Ausarbeitung der Gesetze wird gegenwärtig gearbeitet, die dann, bevor sie dem Reichs- r a t und dem Reichstag zugehen, noch das Kabinett passieren müssen. Es kam: natürlich keine Rede davon sein, daß diese außer- gewöhnlich hohe Zahl von Gesetzen in der kurzen Zeit von der grundlegenden Festsetzung des Finanz- und Wirtschoftsprogramms bis zum Zusammemritt des Reichstags ausgearbeitet und vom Kabinett verabschiedet wird. Die Prüfung der Oflpreußenhilfe. OieSozioldemotratiefordert Deröffenilichung der Gerüchte. Im Preußischen Landtag ist folgender Urantrog der sozioldemo. kratischen Fraktion eingegangen: Ueber die Tätigkeit der'Ost- preußenhilfe während der Jahr« 1927 bis 1929 kursieren in der Oeffentlichkeit di« widersprechendsten Gerüchte. U o. taucht immer wieder die Behauptung auf, daß einzelneGroßgrund. besitz er auf dem Weg« über die Ostpreußcnhilfe sich Bor teile oerschosst hoben sollen, die völlig ungerechtfertigt sinä Da inzwischen die Rechnungsprüfung über die Ostpreuhenhilse erfolgt sein dürste, mär« es leicht, die umlaufenden Gcrüchle auf die tatsächlichen Vorgänge zurückzuführen. Das Staatsministerinm wird ersucht, die Prüfung de« Rechnungshofes dem Land, tag bekanntzugeben. Rechtsabmarsch der Radikalen? Zum Parteitag der sranzöfischen Radikalen in Grenoble. Parole Lohnabbau! Sie ist für den Iieichsverband der deutschen Industrie im Aegierungsprogramm das Wichtigste. Eine außerordentlich« Prasidialfitzung des Reichsver- dandes der deutschen Industrie Hot zu dem Wirtschasts- und Finanzplan der Reichsregierung Stellung genommen und ihn als einen ernsten Schritt auch zur Abkehr von den„verfehlten Maßnahmen der Vergangenheit" begrüßt. In der Stellung- nähme heißt es über Wirtschaftskrise, Arbeits- losigkeit sowie Lohn- und Preispolitik: .Die Wiederemsiigung der Arbeitslos«« in den Arbeits- prazeh ist nur rnnglich, rvenn die Hohe der Bsfemlichen Ausgaben und oller Bestandteile der Produktionskosten nicht mehr hemmend im Weg steht. Nur so kann auch der Preisabbau der Asrbrauchjgütcr und Produktionsmittel vermirklicht werdcn. Neben der Einschränkung der Personalausgoben der öffentlichen Verwaltung ist dabei eine der Lage des jeweiligen Wirt- ichaftszmciges angepaßte Herabsetzung der Löhne und Bezüge aller in der Privatwirtschaft Tätigen wichtigst« Voraussetzung. Wenn es gelingt, auf diesem Wege die produktions- losten zu verniindern und den Preisabbau zu sichern, dann bedeutet die Herabsetzung von Lahn und Gehalt kein« Verminderung der Kaufkraft und keine Beeinträchti- gung der LcbcnshaltuiKj. Vielmehr bewirkt die dadurch(!) er- möglichte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in das Erwerbs- leben«ine Erhöhung der Gesamtkraft und der des einzelnen." Lohnabbau per Kaff«, Preisabbau per Termin.— Das ist die Parole der Unternehmer. Lächer- lich und katastrophal zugleich, davon die Heilung der Wirt- schaftskrise, die Einstellung von Arbeitslosen zu erwarten. Will der Reichsoerband nicht nachweisen, wie eine Kaufkrafts- steigerung und Mehrbeschästigung möglich werden soll, wenn kein Preisabbau die Drosselung der Kaufkraft durch Lohn- senkung einzuholen vermag? Im übrigen warten wir auf die Herabsetzung der„Bezüge" der Generaldirektoren, die auch zu den„in der Privatwirtschaft Tätigen" gehören. Groener wehri sich. Ein Brief de« Wehrmimster« zum Reichswehrprozeß. Die Verurteilung der Ulmer Offiziere hat auf der Rechten heftige Angriffe gegen das Reichswehrministerium hervor- gerufen. Der Reichswehrminister antwortet auf diese An- griffe summarisch. Er hat an den Vorsitzenden der sogenann- ten Vereinigten Vaterländischen Verbände, den General- major a. D. von der Goltz,«inen Brief gerichtet und den Brief veröffentlichen lassen. In dem Briefe heißt es: Ti« werfen zunächst ine Frage aus, ob die Verfehlungen dieser jungen Offiziere nicht disziplinar hätten erledigt werden können. Hierzu ist folgendes zu sagen: Nach der ersten Mitteilung, welche der Oberleutnant Westhoff pflichtgemäß nach der Unterredung mit dem Leutnant Scheringer seinem Kommandeur mochte, ist eine disziplinare llnlerstichung durch einen General,«inen Major and einen Heeresonwalt veranlaßt morden. Ha.Sch« ri n g«.r damals feine Bestrebungen als durchaus Hann- los hinzustellen wußte und da er insbesondere durch dos Zeugnis des damals noch nicht beschuldigten Leutnants L u d i e n völlig«nt> lastet wurde, habe ich geglaubt, den offenen Aussagen der beiden jungen Ossiziere Glauben schenken zu könrien. Die An- gelegenhest lallte durch eine eindringlich« kameradschaftliche Belehrung durch den Herrn Chef der Heeresleitung und ein« Disziplinar- straf« gegen Scheringer als erledigt gelten. Zwei Monate später ging jedoch ein« Meldung eines anderen Offiziers ein, die besagte. daß der Leutnant L u di e n an dem gleichen Tage, an dem Leutnant Scheringer in Eisenach war, in Berlin eine Besprechung abgeholten hotte, in welcher dieselben Bestrebungen, die schon Ober- leutnant Westhosf gemeldet hatte, in noch schärfere Form zum Ausdruck gekommen waren. Insbesondere war von einer„Zentrale in München" die Red« gewesen. Durch dies« schwere Belastung des Leutnants Lirdicn, der bisher der wesentlichste Entlastungszeuge für Schersttgcr gewesen war, war die linglaubwürdigkeil der beiden Offiziere bewiesen worden. Die Mittel des Reichswehrnnnistcriums reichten nicht aus, um den Tatbestand aufzuklären, da die Ausammenhänge über die Neichswehr hinaus wiesen und auch der ebenfalls beschuldigte Oberleutnant Mendt der Reichswehr nicht mehr angehörte. Eine disziplinare Erledigung wäre vielleicht dann möglich gewesen, wenn die beiden Offiziere bei ihrer ersten Vernehmung im Dezember, bei welcher sie ausdrücklich auf ihre Pflicht zur Wahrhaftigkeit hingewiesen worden waren, die volle Wahrheit gesagt hätten. Jetzt zwangen Gesetz und Recht da» Reichswehrministcrium dazu, eine g« r i ch t- liche Untersuchung herbeizuführen. Daß sie notwendig war, beweist di« Verurteilung der Angeklagten durch da» höchste deutsche Gericht. Man ersieht aus diesen Darlegungen, daß das Ministe- rium nur zögernd den Weg zum Oberreiäzsanwalt gegangen ist, und daß'die Möglichkeit bestanden hat. daß die national- sozialistischen Offiziere weiter Heeresangehörige geblieben wären! Der Wehrminister hält ferner Herrn von der Goltz entgegen, daß auch vor dem Kriege kein Kommandeur di« Ausführung eines Hastbefehls des Reichsanwalts hätte ver- hindern können. Er schließt: Sie schreiben endlich, die Stimmung in der Reichswehr sei bc> denklich. Es müsse„Wandel im System geschaffen werden, damit unsere Reichswehr wieder ihrem großen Beruf als Verteidigerin des Baterlandes und oller Volksteile zurückgegeben" werde. Sie wstfen als aller Soldat, daß die Grundlage der Wehrmacht bedingungsloser and vorbehaltloser Gehorsam tsl. Eine Wehrmacht ohne einen solchen Gehorsam ist wertkos. Sie werden mich gut genug kennen, um zu wissen, daß ich mit Ihnen in der Auffassung einig bin. daß die Verteidigung des Baterlandes und aller Dolksteike der Beruf der Reichswehr sei. Gerade diese Auffassung verlangt es, daß nicht Parteiprogramm« oder tönend« Schlagworte darüber entscheiden, aus wesche Art die Reichswehr dem Vaterland dient, sondern der Wille des Reichs- Präsidenten und der von ihm ernannten obersten Führer. Sie allein sind in der Lage, die staatlichen Noiwcndig- keiien und Möglichkeiten zu übersehen. Wer ihre Autorität unter- gräbt, oergeht sich an der Wehrmacht und am Vaterland. Herr Groener setzt sich gegen den Ansturm von rechts zur Wehr— er wird darüber hinaus aber in der Reichswehr noch sehr energisch nach dem Rechten sehen müssen! Ehescheidung „Was- eben erst getraut, wollen Sie bereits wieder geschieden sein! Haben Sie denn einen Scheidungsgrund „Jawohl: Unüberwindliche beiderseitige Abneigung, dem anderen Teil den standesgemäßen Unterhalt zu gewähren.' Jndienpolitik der Arbeiterpartei. Oer dritte Tag des Kongresses. Llandudno, 8. Ottober.(Eigenbericht.) Der Kongreß der Arbeit«rpartei beriet heut« über die Wirt- fchastslage. Minister Dr. Addison sprach übre die L a n d w i r t- schaftskrise und erläuterte das von der Arbeitcrregierung dem Parlament vorgelegt« neu« Agrargesetz, das die schlimmsten Schäden d«r Krise für Dauern und Landarbeiter beseitigen soll. Staallichc Auskaujstellcn, genossenschaftliche Sclbsthilse. Milchzentralen, Ver- edelung der Produkte, aber auch Preisschutz für den städti- schon Verbraucher sind einig« Paragraphen. Für den Land- arbeiter ist ein Minimallohn vorgesehen und ihr Lebens- standard soll so gehoben werden, daß er dem der Jndustri«arbeitsr nicht nachsteht. Damit will die Regierung zugleich der Landflucht Einholt gebieten und einer Rückwanderung städtischer Arbeitsloser die Weg« ebnen. Antauf von Siedlun. gsland für Er- w« r b s l o s« und Errichtung st a a t l i ch e r M u st« r g ü t« r sind d'« weiteren Mittel zu den gleichen Zielen. Zusotzanträg« einiger Organisationen wurden angenommen. Beinn nächsten Punkt: Rat i on a ltsi e rang und andere soziale Fragen legten die Gewerkschaftler die Beschlüsse de» Ge- werkschaftskongresses und ihr« Motive dar: Keine Bationalisiorung. di« nicht zugleich Schuh und Ruhen für die Arbcilerschasl bedeulcl, das sind die Grundgedanken der Erörterung und aller Anträge, di« der Kongreß gutheißt und der Regierung vorlegen wird. Der Rest der Mittwochsitzung galt Indien. Die unabhängige Arbeiterpartei schickt Fenn er Brockway vor: sehr gemäßigt begründet er die Opposition gegen di« Jndienpolitik der Regierung. Frau O l d h o m unterstützt ihren Parteifreund. 5)crron M a r t l c w von der Sozialdemokratischen Föderation verteidigt di« Regierung, die jetzt versuche, die Berstöndigiing mit Indien zu erreichen. K c n n w o r t h y, ein guter Kenner Indiens, bekundet, daß nie- mand anders als Gandhi und die im Gefängnis sitzenden kongreßsührcr ihm persönlich erklärt haben, eine Preisgabe Zndiens durch England wäre heute da, größte Unglück für Indien selbst, das weder sozial noch national, weder religiös noch ökonomisch eine Einheit bilde. Rotmendig sei vorerst Selbstbestimmungsrecht und Gleichheit für dos indische Dolk, Emonzipierung der Volksmassen: das allein könne der Wunlch der europäischen Arbeiterbewegung sein und di« Politik einer englischen Arbeiterregierung. Beides fei nur durch ausrichtig« Aerständigung zwischen dem engliichen und dem indischen Volk wog- sich: dem soll die kommende englisch-indisch« Konferenz dienen. Die Arbeiterregierung müsse in der Konferenz dahin wirken, daß Indien vor dem Chaos bewahrt werde und so der Weltsrieden erhallen bleibt. Der Kongreß werde der Regierung in diesen aufrichtigen Bemühungen keinen Stein in den Weg werfen. Mit überwältigender Mehrheit schloß sich der Parteitag diesen Darlegungen an und ging über die oppositionellen Entschließungen zur Tagesordnung über. Kommunisten werden diszipliniert. Wegen Aufforderung zum Steuerstreit. halle, 8. Oktober. Der Regierungspräsident in Merseburg Hot di« k o m m u> n istischcn Mogistrotsmitglieder Klaus, H o e r t e l und Stauch aus Halle und Rybarczik aus Wittenberg norläuflg ihres Amtes enthoben und gegen sie ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der endgültigen Amtsenthebung eiu-gelciiet. Begründet wird diese Maßnahme mit der Zugehörigkeit der Betreffenden zur Kommunistischen Partei und damit, daß sie zur Steuervcrweigerung. zum Steuer. streik und zur Steuersabotag« aufgefordert haben. Des weiteren hat der Regierungspräsident den k o m m u- nistischon Stadtrat Lehnert aus Merseburg aus denselben Gründen vorläufig vom Amte suspendiert: auch gegen diesen Beamten ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Abgeordnetendiäten. Abbauanträge im Hauptausschuß des Landtags. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beschäftigt« sich am Mittwoch mit der Frage einer anderen Regelung der Aufwands- entschädigungen für die Abgeordneten. Der Beratung zugrunde lag ein Antrag der Wirtschastspartei, für Ausschußsitzungen an plenor- sttzungsfreicn Tagen keine besonderen Entschädigungen zn zahlen. Di« Diätenonträge wurden schließlich einem Unterausschuß über- wiesen. Dort einigt« man sich daraus, im Hauptausschuß die Vor- schiebung der Beratung vorzujit�agen. bis das Plenum. des Landtags sämtliche Diätenanträg« dem Ausschuß zur Erledigung überwiesen habe, um dann di« Diätenfrag« im ganzen einer Reform unterziehen zu können. Brasilianischer Bürgerkrieg. Erfolge der Aufständischen. Rio de Janeiro. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Die brasilianisch«. Aufstandsbewegung nimmt von Stund« zu Stunde an Umfang.zu.. In der Nacht zum Mittwoch besetzten die Aufständischen nach 24stündigem blutigem Kampf P er.no mb u c o: auch Bahia soll bereits im Besitz der Aiefftändffchen fem. In Pernambuco wurde» sämtliche Häuser und Besitzungen der flüchtigen Regieruvgsbcomtcn von einez stark erregten Meng« z e r- st ft r t und verbrannt. Der Monder des in dem vergangenen Wahlkompf erschossenen Oppositionsführers Ioad Pesioa wurde in der Nacht zum Mittwoch zu Tode gemartert. Russische Zustände. Die Sündenböcke sind erschossen/ Schlamperei geht weiter. Achtundnierzig„konterrevolutionäre" Sowjetbcamte sind als „Schädlinge" auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung erschossen worden. Man sollte glauben, daß nun die„Loddcrwirtschaft" auf- gehört hat. Was liest man in der„Roten Zeitung"(Nr. 2ZH? In Leningrad sind 20000 Lämmer eingetroffen. Kein bißchen Heu. Die Lämmer gingen in den Waggons zugrunde. 40 Proz. davon waren ganz junge Tiere mit einem Gewicht von 12 bis 16 Kilo. Mit den Viehtransporten kommen trächtige Kühe als Schlachtvieh an. Die„Rote Zeitung" fordert— entscheidende Maßnahmen gegen die Schädlinge. Wie viele sollen noch erschossen werden? Eine andere Notiz in derselben Nummer der Zeitung besaßt sich mit den Mißständen in der Lcningrader Wurstfabrik. 7000 Kilo Wurst sind durch Nachlässigkeit versoult. Das ist nicht ein Einzel- fo.llj es kommt immer wieder vor— sagt das Blatt. Wieso— die„Schädlinge" sind doch erschossen? Wieder einer, der nicht heim will. Di«„Iswestija" vom 5. Oktober berichten über ein neues Urteil des Obersten Gericht-hoss gegen einen hphen Sowjet- b e a m t e n, der sich geweigert hat, nach Rußland z u r ü ck z u- kehren. Es ist dies das Mitglied der Russischen Kommunistischen Partei, Na glowski, der seit 1917 hohe Posten in den Bolkskom- missqriaten für Verkehrswesen und für Handel eingenommen hat und seit 1924 als erster Ingenieur der Schifssabtellung der Der» tiner Handelsvertretung tätig war. Laut Gerichtsurteil ist er„für außerhalb des Gesetzes stehend" erklärt worden, dos heißt, daß er erschossen wird, sobald er nach Rußland zurückkehrt. Leipziger Stadwerordnctcnwaht für gültig erklärt. Das Ober. Verwaltung»gericht Hot am Mittwoch die Anfechtungsklage der Sozialdemokratischen Partei, die die Ungültigkeit der Leipziger Stadtverordnetenwahlen anstrebten, kostenpflichtig zurückge» wiesen. Zurückgetreten ist der litauische Außennünister Z nullius. E« ist nicht unwahrscheinlich, daß er geht, weil er di» in Genf ver» einbarte Herstellung des Rechisznstarrdez im Memelland nicht durchsetzen kann. Die türkische Opposilion hat bei den GemeindvwaKIen in mehreren der größten Städte die Mehrheit erlangt: auf dem Land« erlag sie dem Terror des Regimes. Eia Sowjetlusiballon ist an der Grenze aus polnischem Gebiet niedergegangen. Die Besatzung flüchtete über die Grenze zurück. Der Ballon wurde von den Polen beschlagnahmt. Theater, Lichtspiele usw. Donnerst. 9. 10. Slaats-Oper Unter d. Linden A.-V. 39 20 Uhr Donnerst, 9 10 staut, oper Bismarckstr Turnus III I9Vj Uhr Othello Carmen Ende 23 Uhr Ende n. 22-/, U. Staats-Oper Ära Pill; der Repollil. V-B. 20 Uhr OerBarbn Sevilla Otffnil. Kirtnnrkjjf Ende 22'h Uhr Staat). (in GsodamsiniHdl 34. A-V. 20 Uhr liebe auf dem Lande. 93 Minuten In 6rttnebero Ende 22-/, Uhr Mi.Sthillet'Mer.Mg 20 Uhr Der Mann mit dem Klepper Ende nach 221/, LUr Tägl. 5 u.S'f, Uhr. U S aard. 9236 Pr. 1—6 M.— Nachm halbe Preise. CROCK Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 Direktion.' Ralph Arthur Rodert» r, Das haBiiche midcnen Englisch— Robans— Riemann. Jtene J�äesch I in der „Braut von Messina" im ROSE* Theater OroO« Franlcfurter»tr.132 1 (Billettkas*«: Alex 3422 u.3494) Nur noch STage! Heute wie nächsten Sonntag 3 Vorstellungen, und xwar um i 2.30U. u. 9U.(IreneTriesch), um 6.45 U.(Grete Nebelung). Wochentag:««.16 U.. Sonn- I abends 7 Uhr(Trietch) und 1 10.15 Uhr(Nebetung). Kassenpreise von 50 Pf. bisS.-M. Garderobe u.Programm je26Pf. Theaterflir die Kinder:| Jeden Mittwoch 5 Uhr: (;Häneal undOret«l(l Jeden Sonnabend 4.15 U.: I v, Pornröechen I Preise von 30 Pf. bis 1.50 M. j fitägiger Vorverkauf von 1 1 bis 1 U. vorm. u. 4— SU. abds. 8.15 Uhr— Raadien ertanbi Tiffany Twins. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos 9 singen- deLadies. Brown u.LaHart usw. | Einer sagt's dem Andern.) Die bllllosUn Preise- Die besten Darbletinigen Das schönste Haus!!!| Wo?- jCircus Variete Busch.) I TtlMVi'■*% u.- T>I.Held«nd4M0| Alex. E4 8066-68 Tttffl. S,« Sonnt., S, 5, 8" Die schönste Frau, die gegenwärtig die Variet�- bühnen zweier Weltteile beherrscht, in ihren Demonstrationen: X. Wie behalte ich die ewige Jugend? 2. Wie bleibe Ich lontf> scblenk und clasiUcb? z. Tanzschöpfungen- Außerdem: 4 POPPESCUS Sensationen am siebenfachen Reck DE BESSE Accordeon-Virtuosc EEDONS-TRIO Exzentrische Equilibristen. Trotz des sensationelien Programm» keinerlei Preiserhöhung. 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SfpL 6554 Täglich 8'/, Uhr Lommel in der Posse Paa! und Panline Ru nd fun khöre i Halle Preise. Lustspielhaus Dir.; Baas LöpsdilStz Täglich 8', Uhr meine Schuiester und ich Musik von Benatzky Lory Leux. Kurt voo Möllendori Sarnovskr-BDIiBeii Thealer ia der sireseroannsrr. Heute Tb Uhr ErstanflUhrung Sturm im Wasserglas Komödie von Frank. Komödienhaus 8 i/e Täglich 81/4 Konto X von Beroaier mid Ossterreidier Belli» tati Dönh 625,626. Täglich 8 Uhr Alexander Moissi „Der Idiot" V. Doriofcw.ki). Zimmer 1 Bett M.8.-b. 11. 2Bett 14.- bis 22. BadM.3. Salon 10 .�eTöl »ertln HOTtLaAr.MW EXCELSIOR Lessing- -Theaier ftiolriÄ-KarHKir 1 Wticndmm 219?■.Otts 8 Uhr GastsM.PbtalorbilbDi §218 (Frauen In Not) von Credd Regie; Piscator. Tbuter des Westens Chhg, Kaalstr. 9. Stcinpl. 0931 8U. litdi 7irsWlgng! Japanisches Theater Freitag 7"« Uhr Premlnrn Brest Litowsk von Hans J. Rshüsdi Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8-/4 Uhr Müllers mit Max Adalbert fiB0S(.SCHaUSPIBlHADS8 Nur noch 3 Woca en! 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Die endlosen Wiesen/lachen zwischen Paretz und Brandenburg haben für dieses regenreiche Jahr so ziemlich das letzte hergeben müssen. Der Rest steht halb im Wasser des sumpfigen Bodens, der an vielen Stellen bei jedem Schrift nachgibt und das Wasser hervortreten läßt. Das Heu wird von Ufer zu Ufer oder von den kleinen Inseln im Havellaaf auf Fähren be-"**—----- fördert, die die Last mehrerer großer Heuwagen mit Schnittern und Pferden aufnehmen können. Die Fähren mit den Heuwagen darauf bilden in dieser Jahreszeit ein Merkmal für die märkische Flußlandschaft. Nebelf euchte und Regen leiten hier bald in den Winter über. Der Nebel liegt morgens bis tief in den Vormittag hinein über den feuchten Wiesen, aus denen das Weiden- und Erlengebüsch sich wie kleine Inseln hervorhebt. Dann bricht sich mühsam die Sonne Bahn oder es kommt zu jenen anhaltenden Regenfällen, an denen der Herbst bei ans so reich ist. Ein schwermütig stimmendes Bild, diese Havelniederung im Regen. Toieuehrung in London. Llebeffühmng der Opfer der Lustschiffkatastrophe. London, S. Oktober. Die Helmkehr der 4? Opfer der Katastrophe des Luftschiffs.R 10t' vollzog sich nicht ohne Hindernis. Einer der beiden ausgesandten Zerstörer beschädigte im Hasen von Voulogne eine seiner Schrauben und mußte die Särge ans sein Schwefterschiss „Tempest' überführen, das dann den Hafen unbegleitet verließ und durch Rächt und Sturm nach Dover dampfte.„ Die Zeremonie im Hafen von Dover war einfach und würdig. Der Bürgermeister in seiner Amtskleidung, der Sohn des Premierministers Macdonald als Venreter seines Daters, Soldaten, Seeleute und Flieger huldigten schweigend den Toten, während die blumengeschmückten Särge mit Hilfe eines Kranes gelandet und von je acht Fliegersoldaten in den bereitstehenden, mit rotem Tuch aus- geschlagenen Sonderzug getragen wurden. Als alle- zu Ende war, ertönte«in Trompetensrgnal und der Zug, dessen Lokomotive vorn einen großen Lorbeerkranz trug, rollte langsam davon. Vor der Victoria- Station in London hatte sich schon zwei Stunden vor Ein- treffen des Zuges eine nach TausendenzählendeMenschen- menge angesammelt, die trotz des einsetzenden Regens immer mehr anschwoll. Auf dem Bahnsteig stand eine Ehrenwache der Flieger- truppe, auf deren linken Flügel sich acht Reservemannschaften des verunglückten Luftschiffs befanden. Unter den zahlreichen offiziellen Persönlichkeiten waren viele Offizier« und Beamte, auch der Premierminister mit seiner Tochter, erschienen. Um 1.2S Uhr fuhr der Zug mit seiner Last von Toten langsam in die große Halle ein. Rur der erste Wagen, in dem sich drei U e b e r l« b e n d e der Katastrophe befanden, war erleuchtet. Während die Wache die Ehrenbezeugung leistete, wurden die 47 mit der Nationalflagge be- deckten Särge auf 24 Moiortendern niedergesetzt. Dann bewegte sich der lange Zug zum Bahnhof hinaus durch die spalierbildenden Menschenmasfcn nach der in«ine Kapelle verwandelten Leichenhalle, wo sie vorläufig ausgebohrt wurden, um später in die Westminster- Halle übergeführt zu werden. Berlins älteste Badeanstalt. Der Gemeinnützige verein der Wasserfreunde hat sein Bad Slresemannstraße 123 eröffnet: damit ist Berlins älteste Badeanstalt noch SOjährigem Dornröschenschlaf wieder- ec wacht. In einer geistvoll-launigen Ansprache erzählte der Ehren- vorsitzend« des Vereins und Senior der Berliner Press«, Dr. C a st a n, von den Gründersahren des Vereins, die in«ine Zeit fallen, wo Berlin noch wenig oder gar nichts von der Heilkraft und Not- wendigkeit einer Badekultur wußte. Als Prießnitz, der Pionier des Badewesens, im Anfang des 19. Jahrhunderts den Verein der Wasserfreunde schuf, da begegnete er bei den höheren Staatsober- Häuptern, die hinter jeder Bereinigung einen verkappten Jakobi- nismus witterten, allerhand Widerständen: dies war zur Zeit des glorreichen Ministers Herzog Karl von Mecklenburg, der Niebuhr, Gneifenau und Stein verdächtigt« und den Turnvater Jahn zwang, seinen Turnplatz auf der Hasenheide wieder zu schließen. Erst als 18Z7 der Verein ein großes Grundstück in der Kommandanten- straße für seine Zwecke erhielt, wurde der eigentliche Grundstock gelegt. Als dann später Grund und Boden im Zentrum Berlins rar und äußerst begehrt wurde, siedelte der Verein der Wasser- sreunde nach seinem heutigen Sitz über. Der Kriegszeit und der damit verbundenen Kohlenknappheit fielen die Heilbäder zum Opser und im Jahre 19lZ wurde die Anstalt stillgelegt. Erst jetzt war der Verein wieder so kapitalkräftig geworden, den Badebetrieb, der hauptsächlich in der Verabreichung von russisch- romischen Bädern mit Massage und anderen medizinischen Bädern besteht, wieder aufzu- nehmen. Auf dem Gebiet« des Dampfbades wurde ein« Neuanlage, das sogenannte Naholgabad geschaffen: ein Volldampfbod, in dem gasförmige Hellstoff« enthalten sind, die während der Verabfolgung aus Nadelholz frisch erzeugt werden und für rheumatische und Erkälwngserfcheinungen außerordentlich heilsam sein sollen. Jnhala- torien nach Professor Spieß, Höhensonne, Massage usw. vervollständigen«ine mit allen hygienischen und modernen Anlagen ver- sehen« Badeanstalt. GroHfeuer in der pallasfiraße. Eckhausdachstuhl Gleditschstraße völlig ausgebrannt. Durch ein stundenlang mik großer heftigkeil andauerndes Grohfeuer wurde gestern nachmittag der Dach flu hl des Eckhauses Pallas st raße 17 und Gleditschstraße völlig zerstört. Gegen 15 Uhr schlugen aus den Bodenluken nach der Front der Pallasstraße plötzlich meterlange Flammen empor. Als die ersten Züge der alarmierten Feuerwehr an der Brandstelle erschienen, war der obere Tell des Gebäudes derart in Rauch gehüllt, daß der Umfang des Brandherdes überhaupt nicht zu erkennen war. Der Regen drückte immer neue Rauchinaffen nieder, so daß wegen der großen Gefahr nacheinander sechs Löschzüge unter Leitung des Branddirektors Wagner hinzugezogen werden muhten. Als von der Pallas- und Gleditschstraße fünf mechanische Leitern hoch- gewunden wurden, hatte das Feuer bereits den ganzen Dachstuhl in einer Länge von etwa 5l> bis 60 Metern erfaßt. Aus zehn Schlauchleitungen wurden von allen Seiten ungeheure Waffenneugen in das Feuermeer geschleudert. Nur unter großen Anstrengungen gelang es, die angrenzendeir Dachstühle der Seiten- flügel vor der Vernichtung zu retten. Drei Löschzüge waren«och bis in die späten Abendstunden hinein mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Von der Kriminalpolizei ist eine Untersuchung über die Entstehungsursach« eingeleitet worden. Der Schoden ist außer- ordentlich hoch. Neues Heim für die Neuköllner Kinder. Es tut dringend not!— Alle Horte überfüllt. Die Gemeinnützige Laugesellschast Berlin-Ost m. b. h. hat sich bereit erklärt, in ihrer zur Zeit in der Ausführung begriffenen ivohnungsbauaalage in Neukölln, Steinmetzstraße. ein besonderes Gebäude für eiu Kindertagesheim— Lauskrippe und Kindergarten— zu errichten. In der dicht bevölkerten Gegend längs der chermonnstraße, die gerade von ärmeren Volksschichten bewohnt wird, ist bisher keine derartig« städtische Einrichtung vorhanden. Die beiden dort vor- handcnen privaten Anstalten mit zusammen 90 Plätzen sind über- füllt. Mit dem Kindergarten soll eine Laufkrippe für ein- bis drei- jährige Kinder verbunden werden. Di« Unterbringungsmöglichkeit von Kleinkindern ist im Bezirk Neukölln ganz unzulänglich. Die zu errichtende Anstalt soll im Kindergarten 30 Plätze und in der Lauf- kripp« 25 Plätze enthalten. Die Gesamtkoste.i, die von der Hochbaudeputation als angemessen bezeichnet sind, betragen 75 000 M., die aus Hypotheken und aus Haushaltsmitteln für 1930 besckzafft werden. Der Magistrat bittet die Stadtverordnetenversammlung in einer Vorlage, der Errichtung des Kindertagesheims in Neukölln zuzustimmen. Die Annahme der Vorlage, für die sich besonders die Sozial- demokraten einsetzen, darf als sicher bezeichnet werden. llnberrcht. Kachliruck verboten. Gustav Aiepenhauer Tcrlag A.-G., Pertriebeabt. „Herr, Entschuldigung, das Glas müssen Sie aber be- zahlen..." Der Wirt mit dem breiten Gesicht packte seine Pranke auf Werlas aufgeregt umherfuchtelnde Hand. „Quatsch", schrie Köhn.„oller Dussel. Ich habe gesagt. ich bezahle, oerstanden? Los, Meister Knupp, zwei Aquavit und noch einen für dich!" Es wurde ruhig. Alle zehn Minuten bestellte der Buck- lige Aquavit, Bier, Aquavit, Bier— man hörte, wie das Aier in die Gläser rann, wie die Zeitung auf dem Schank- tisch raschelte, die beiden 5)ehler waren längst gegangen und um zwölf, als Werla müde, zum Erbrechen müde war, er- klärte Meister Knupp„Feierabend,, meine Herren! Um vier Uhr früh können Sie weitersaufen..." Köhn duldete nicht, daß Werla auch nur eine Mark zahlte. Er nahm ihn an den Arm, quälte sich mit ihm die Kellertreppe hoch, torkelte vier, fünf Schritte und erbrach sich an einem Laternenpfahl. „Siehst du.. sagte er. immer noch rülsisend,„siehst du, Kamerad, dahin haben mich die Weiber getrieben. Wenn du sagst, deine Frau ist anders— ich könnte weinen darum, aber glauben— glauben kann ich das nicht mehr. Verzeih mir, Kamerad, siehst du, so saufe ich jeden Abend. Und wenn ich kein Geld Hab', klau ich mir im Durchgang ein paar hundert Zigaretten. Ich muß jetzt saufen. Es geht nicht mehr sonst... Verzeih..." und bog, mit einem Male laufend, in eine Seitenstraße und verschwand. Das Dunkel schloß sich um Berthold Werla wie eine runde Wand, über deren Kanten gelbe, dünne und ferne Eitreifen Lichtes stachen— wohin, in welche Richtung sollte et gehen? Er lief und lief, und endlich sah«r einen Autobus in einer fremden Straße, der in seine Richtung fuhr. Mit Lebensgefahr sprang er auf das rumpelnd sausende Gefährt der Aboag, wurde vom Schaffner wie in einem Netz ge- fangen und mit halbschlafenden Augen schließlich richtig ab- gesetzt... ... und dann stand sie da. Hatte gewartet, sechs, sieben Stunden. War auf und ab gegangen, auf und ab, die Augen suchend umhergerichtet— die Reimers. Sollte er da— ja, sollte er zuschlagen, wie er es eigentlich wollte, grob werden und gemein, sie anschreien? Unter dem Torweg sagte er leise zu ihr..aber, wissen mußt du es: meine Frau ist gut. Und sie ist trank und eigent- lich bin ich gemein. Heute, ich kann nichts dafür, habe ich getrunken. Ich weiß aber alles und du darfst nicht denken, daß ich dich später behalten kann..." „Ach, wer hat denn davon geredet", sagte sie nur, fast flüsternd und blickte weg.„Ich wollte nur, daß du ein wenig gut zu mir bist..." Fräulein Reimers, das leichtfertige Bürofräulein, brachte ihn ins Bett, er schnarchte sofort, dann kochte sie noch Kaffee, strich Brot für den Morgen, stellte seinen Wecker, räumte ein wenig zurecht und ging auf Zehenspitzen hinaus. Sen Schlüssel warf sie durch den Briefkastenschlitz auf den Flur. Jetzt ging es nicht mehr anders, sie fuhr nun Abend für Abend mit ihm, und es endete nie anders, als am ersten Tage— sie behielt ihre sorglose- Keckheit und schien sich nicht eitlen Gedanken über die Zukunft zu machen. Nein, niemals versuchte sie, ihn zu einer Tollheit, einem Unsinn zu bewegen — sie tat eigentlich nichts, um ihn zu erschüttern oder in eine verzweifeUe Situation zu bringen. Der Zustand, in dem er dahinlebte und ihren Körper begehrte, war unhaltbar durch die Tatsachen allein. Annie war trank und hatte einen Jungen, bald mußte er sich die Reimers fernhalten— diese drei Dinge waren unentwirrbar miteinander verschlungen. Eine Katastrophe mußte eintreten, wenn es ihm nicht gelang, hier Ordnung zu schufen. An jedem Morge'n nahm er sich vor, die Geschichte endlich zum Schluß zu bringen durch ein paar vernünftige offene Worte. Man mußte überlegen, wie sie sich zu dem'unver- ineidlichen Bruch stellen würde. Ihre. Zärtlichkeiten— so hatte er noch keine erfahren— rissen ihn Nächte an sie— würde Fräulein Reimers ihn entbehren können? Und plötz- lich ärgerte es ihn, daß er sie noch immer m feine« Gedanken mit Fräulein anredete— er spuckte verstohlen aus und nahm sich vor, am Abend nicht mit ihr zu reden. Tatsächlich«ing er einfach ins Kino, ohne an der Bahn eine Minute»n warten... 7. Sie. nahm die Entlassungspapicre lächelnd in Empfang und trug sie auch noch in der freien Hand, als sie mit dem Kind im Arm durch das hohe Tor hinaustrat auf die Straße- Es war ein sehr zaghafter April dieses Jahr, sein bißchen Sonne war nicht schneller hochgekommen als Annie— aber nun hatte er's doch scheinbar geschafft. Man spürte in den paar Berliner Straßenbäumen, in den kleinen Rasenflächen neben den Radfahrwegen, man spürte es auch in den Men- schen, daß es nun doch wohl etwas auf sich habe, mit den dünnen Sonneblättchen, die über Dächer und Mauern riesei- ten und auf diesem und jenem Gesicht einfach liegen blieben. Ein Daumen ist die köstlichste Sache der Welt— und vermutlich würde der Mensch sich viel länger mit dieser Kost- barkeit die Zeit vertreiben, wenn nicht ein gewisses Vorurteil rechtzeitig für Scham sorgte— Kinder geben ihn jedenfalls erst so spät wie möglich und sehr ungern auf. Ferdinand Werla konnte es sich erlauben, an diesem Apriltag. wohl- verpackt in ein Eilpe und ein paar Windeln, im Angesicht der Sonne bei seinem Daumen zu bleiben. Seine Augen wanderten flink umher, faßten einen vorübergleitenden Laternenpfahl, einen direkt über seine Nase wegsteuernden Spatzen, ein paar bewegliche Wolken. Köpfe und Hüte von Menschen, hoch übereinandcrklebende Fensterscheiben und ge- legentliche Bäume, seine Blicke wanderten, so weit es ging— dann mußte er, da die Stirn sonst schmerzte, wieder ckon vorn beginnen und sich ein anderes Ding weggleiten lassen: so stellte sich ihm der erste Weg in die Welt dar, das Schreiten seiner Mutter, der Frau Annie Werla,' geboren zu Berlin, wie er, der angetrauten Frau des Arbeiters gleichen Namens. seines Vaters... Wenn auch Ferdinand der Sprache nicht mächtig war und zweifellos schon aus diesem Grunde keine klaren Ge- danken formulieren konnte, so erschien ihm zweifellos dieses weiche, wiegende Davongetragenwerden als � eine herrliche Sache. Er sagte nicht einen Ton. sprach seinem Daumen mit außerordentlichem Behagen zu und ließ die Welt, wie alle zufriedenen Menschen, machen, was sie wollte... (Fortsetzung folgt.) Das„Berliner voihsbiatt ii ist erschienen. Vef&raltungs Freitag unci Soanabenci von den bekannten Stellen aus! Reklame-Effer. Ein Geschäft der Friedrichstadt preist Güte tind Billigkeit eines Kochtopfes an, in dem man im Zeitraum von drei bis fünf Minuten jedes beliebig« Gericht eßfertig herstellen kann. Zur lebendigeren Demonstration der praktischen Neuheit wird das vor- übergehende Publikum zu einer Probemahlzeit eingeladen. Da liegen im Schaufenster rosigschimmernde Schweinekoteletten, ganz frisches, sauber geputztes Gemüse und kleine, in Reih und Glied aufgestellt« Desserttellerchen verraten, daß es sogar auch noch einen Nachtisch gibt. Drinnen im Laden hantiert die Retlameköchin fix und geschickt am improvisierten Kochherd mit dem Schmurgeltopf, dem allerhand verlockend-schöne Düste entströmen. Für das gaumen- kritische Auditorium sind ein paar Stuhlreihen aufgestellt. Aber merkwürdigerweise, trotzdem es gerade Mittagszeit ist und die be- lebte Straße von Passanten wimmelt und vor dem Schaufenster sich immer°mehr Neugierige ansammeln, es geht kaum einer hinein. Immer wieder kommt der Reklamechef vor die Türe und versichert, daß es wirklich nichts kostet und er redet der schüchternen Menschheit mit einer Inbrunst zu, als gälte es, durch geschickte Ueberredungskunst einen Verkauf zu tätigen. Einer inter- essiert scheinenden Hausfrau klopf er immer und immer wieder er- munternd auf die Schulter, um sie zu einem Kosthäppchen zu animieren. Alles umsonst. Aus den ganzen zwei Frauen, die den Schritt gewagt haben, werden und werden nicht mehr. Ein paar Schritte weiter steht eine abgehärmte junge Person, dürftigst ge- kleidet, mit einem Kind an der chand. Wie hypnotisiert starrt sie auf das rosige Fleisch, auf das zarte Gemüse und auf den brodelnden Kochtopf. Ihr traurig-erstaunter Blick scheint längst Vergessenes wieder aufnehmen zu wollen, sie mustert all die appetitlichen Dinge, wie ein Kind Spielzeug bewundert: sie steht mitten im Wege, die Vorübergehenden rempeln sie an und brummen über ihre Unauf- merksamkert.' Sig. scheint von all dem nichts zu sehen und zu hören, immer bloß starrt sie nach der Nahrhaften Szenerie... Das kleine Wesen an ihrer Hand plappert etwas auf sie«in, auch das über- hört sie. Das Selbstverständliche ward für sie zum großen Ereignis, weil das Banalste, das Essen, für den Hungrigen stets eine Feier ist. Wie gern« hätte ich ihr das mir angebotene Mahl überlassen? Sicherlich aber hätte man sie nicht dazu aufgefordert, ganz einfach aus dem Grunde, weil man in ihr niemals eine Reflektantin auf be- sagten Kochtopf erblickt haben würde. Und das ist doch schließlich der Zweck der Uebung./_ Versicherungsautomaien. Oer Oaumenabdrock als Ldeniitätsnachveis. Auf den deutschen Bahnhöfen soll demnächst eine aufsehen. erregende Neuerung durchgeführt werden. Man beabsichtigt, die Aufstellung vcn Automaten zuzulassen, die gegen Einwurf eines Betrages von!0 Pf. aufwärts eine fertige Gepackoersicherungs- Police mit einer Gültigkeitsdauer von 24 Stunden liefern. Ein Mißbrauch der Police soll dadurch unmöglich gemacht werden, daß der sich versichernde zugleich mit dem Einwurf der Geldmünze auf einem besonders imprägnierten Papisrstrcifen seinen Daumen- a b d r u ck abgeben muß, durch den die Identität des Policen- � inhabers eindeutig festgelegt wird. 30 Lahre Lichtbilökunst. Anläßlich seines Ivjährigen Bestehens veranstaltet der Verein „Freunde der Lichtbildkunst" in Neukölln in der Mädchen, Mittelschule, Donaustraße 120— 126, eine Ausstellung, die sich weit über den Rahmen der üblichen Photowettbewerbe und Ausstellungen heraushebt. Fast jedes der ausgestellten Bilder ist ein kleines Kabinettstück und spricht ebenso für den guten Geschmack der Mit- glieder wie für das gut durchgebildete technische Können. Es sind einige führende Mitglieder in diesem Verein, die aus dem Gebiet« d�s Photoamateursports als Favoriten anzusprechen sind. Ernst Holzlöhner, der mit dem ersten Preis bedacht wurde, hat eine Gi�pe von Städteaufnahmen„Dos Gesicht der Städte" zusammen- gestellt. Famos ist sein Stilleben„Taste mit Silber". Der zweite Preisträger E. Ther stoppen zeigt einen sitzenden Alten. Der ebenfalls prämierte Dahlmann sucht die Wirkung mit dem Auge des geschulten Malers; fem Bild.Kreisbogen", eine Hand, die mit dem Zirkel einen Kreis schlägt, ebenso das Motiv.Kneifzange", eine Zange, die einen schweren Sechszollnagel aus dem Holz zieht, sind neu« Erkenntnisse für optisches Sehen. Das junge Mitglied Pagets zeigt eine gutgelungene Ausnahme von Aluminiumtöpsen, die den bleigrauen Ton des Metalls zum Greifen nahe bringen. A. P e l tz bringt hübsche Ausnahmen. seines zweijährigen Töchterchens. G i e s e ck e zeigt scharfgezeichnete Porträts und G o e r k e ist als Meister der bewegten Landschaft anzusprechen. In einer Sonderschau „Alt-Neukölln" haben sich besonders Goerke und Dahlmann im Festhalten alter malerischer Winkel Neuköllns und guter Architekturen heroorgetan. Konzerte für Arveiter. Im Orpheum, Hastnheide, veranstaltete dos Berliner Sil»- fonie-Orchester unter seinem feinsinnigen Führer, Generalmusik- direktor Dr. Ernst Kunwa ld, auf Einladung des Volks b il- dungsamtes Kreuzberg ein Werbekonzert. Bis auf das letzte Plätzchen war der Riesensaal gefüllt, und mit starkem Interesse, das sich in brausendem, nicht endenwollendem Beifall löste, folgte das Arbeiterpublikum den prächtigen musikalischen Darbietungen. Wagners Tannhäuser-Ouvertüre leitete den Abend ein, dann folgte das Mendelsfohnfche Violinkonzert L-Moll, opus 64, in dem der Holist des Abends, Konzertmeister Alfred Indig, Proben einer edlen, gereiften Kunst bot: wie jubilierte die Geige im.Allegiro vivace, wie sanft und schmelzend-weich klangen die Töne des Anckantc. Der zweite Programmteil brachte die Supiterfinfonie von Mozart und Beethovens Leonoren-Ouvertüre III be- schloß den genußreichen Abend. Eine verdienstvolle Tat des Volksbildungsamtes ist es, der großen Moste die wertvollen Kultur- güter in glänzender Interpretation zu vermitteln. * Im Iohannisstift, Spandau, fanden sich die Vertreter ver- schiedener Tanzbünde von Berlin und aus dem Reich zusammen, um Fragen der Interessengemeinschaft und der künstlerischen Neu. gestaltung im Sinne eines weiteren Ausbaues der Tanzbewegung zu erörtern. Verbunden mit der Verbandstagung war«ine aufschluß- reiche Ausstellung über Bolkstanzschrifttum. Volkstanz und Musik und über Volkstanzorganisationen, die einen interestanten Heberblick über das Werden und stetige Anwachsen der Volkstänze- „Kommst du mit?" Tötung auf Verlangen.— Tragödie zweier junger Menschen. Das Schöffengericht Neukölln verurteilte am 12. September d. 3. den 20jährigen Hans W. wegen Tötung auf verlangen zur Mindeststrafe von drei Jahren Gefängnis. Gegen dieses Urteil hatte der verleidiger, Rechtsanwalt Becker, Berufung eingelegt. Er behauptete, es liege Totschlag vor, bei dem die Mindeststrafe von sechs Monaten Gefängnis zulässig ist. so daß die Sache vor das„Schwurgericht" gehöre. Die Strafkammer verwarf die Berufung des Angeklagten und belieh es beim ersten Urteil. Es ist mm einmal so: Mögen die Gesetze noch so fehlerhaft sein, die Richter sind verpflichtet, sie anzuwenden. Man stelle sich vor: Ein junger Mensch tötet im Aftekt seine ahnungslose Freundin und richtet darauf ohne Erfolg die Waffe gegen sich. Die Strafe wird unter Umständen nicht höher als sechs Monate Gefängnis sein. Beschließen jedoch zwei junge Leute, gemeinschaftlich Selbstmord zu begehen, tötet also der junge Mensch seine Selbstmordpartnerin mit ihrem Einverständnis, und wohl gar auf ihr dringendes Verlangen, und bleibt hinterher aus irgendwelchen Gründen am Leben, so beträgt die Mindeststraf« drei Jahre Ge- fängnis. Der§ 216 StGB.— Tötung auf Verlangen— kennt keine mildernden Umstände. Diese unbegreifliche Härte des Gesetzes traf den unglückseligen Handlungsgehilfen Hans B. Im Mai vorigen Jahres befreundete sich der junge Mensch mit seiner Arbeitskollegin, der 18jährigen Herta C. Die Eltern der beiden waren gegen diese Freundschaft. Der Vater des jungen Mannes züchtigt« seinen Sohn sogar einmal, um ihn von dem Mädchen loszubekommen. Auch Herta hatte zu Hause mit den Eltern viel Schwierigkeiten. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Vater am 12. Januar erklärte Hans am nächsten Morgen seiner Freundin, daß er„Schluß" machen wolle. „Kommst du mit?" fragte er sie bedeutungsvoll. Sie war ein- verstanden. Beide beschlossen, bis zur nächsten Gehaltszahlung zu warten, um sich noch einmal amüsieren zu können. Am 25. Januar, zwei Tage vor der Gehaltsauszahlung, trat aber«in unerwartetes Ereignis ein: Hans wurde dabei ertappt, wie er ein Stück Seide abschnitt. Nun war es ihm unmöglich, dem Vater vor Augen zu treten. Er erzählte seiner Freundin, was geschehen. Der Entschluß, aus dem Leben zu scheiden, sollte nun unverzüglich verwirklicht werden. Hans fälsch!« einen Zahlungsbefehl, erhielt aus der Kaste seiner Firma 125 Mark und kaufte bei zwei jungen Burschen für 40 Mark einen Desching, der nicht mehr als 50 Pf. wert war. Beide sahen sich noch„Die drei Musketiere" an und begaben sich dann nach Neukölln zum Landwehrkanal, um sich dort zu er- schießen. Es entstand aber Streit, Herta wollte ins Master, während Hans die Kugel vorzog... Die Liebenden beschlosten, noch 24 Stunden zu leben. Sie irrten in der Nacht in Berlin umher, schrieben am nächsten Morgen bei Tietz einen Abschiedsbricf an die Eltern und fuhren schließlich nach Erkner hinaus. Im Walde ver- suchte Hans noch einmal, Herta von ihrer Absicht, mit ihm gemeinsam aus dem Leben zu scheiden abzubringen. Als er im letz.en Augenblick zögerte, die Waffe abzudrücken, nannte sie ihn Feigling. Jetzt schoß er sie wirklich nieder, lud den Tesching, schoß ein zweites Mal auf sie, und als sie immer noch lebte, würgte er sie mit den Händen. Sein Versuch, den Tesching ein drittes Mol zu laden, uni sich zu erschießen, war vergeblich, da die Hülse von der zweiten Patrone nicht herauszubekommen war. Er versucht«, sich zweimal vor die Lokomotive zu werfen, wurde daran gehindert, dann versuchte er. ins Wasser zu springen, wurde aber im letzten Augenblick zurückgerissen. Aus dem Gefängnis schrieb er an seine Eltern: Ihr schreibt mir, ich sei zu feige gewesen, um mir selbst das Leben zu nehmen. Ich werde mein Versprechen hallen und aus dem Leben scheiden. Ich bin wohnsinnig vor Schmerz, daß ich noch lebe. Wenn mir auch hier jede Gelegenheit genommen ist, mich zu töten, so wird es mir einmal doch gelingen. Dank für das wenige Gute, das Ihr an mir getan habt. Hans' Versuch, die Sache in der Berufungsoerhandlung so dar- zustellen, als habe er die Tötung nicht auf Verlangen der Herta vorgenommen, sondern aus eigenem Entschluß, hatte keinen Erfolg. Es btieb bei den 3 Jahren Gefängnis. tischen Bewegung vermittelte. Di« Dolkstanzbewegung, die sich die Pflege überlieferter Volkstänze, Neugestallung von Ge- meinfchaftstänzen, Bewegungschören und Laienspielen zur Aufgabe gemacht hat, zählt immer weitere Kreise der Bevölkerung zu ihren Freunden und Anhängern und bei dem Abschlupfest der Tagung konnte man wieder mit Freude feststellen, wieviel gesunde lebcns- bejahende Fröhlichkeit unter all den jungen Menschen herrscht, die sich"hier zu zwangloser Geselligkeit im Tanz zusammenfinden. Börsenzeiiungs-Gchwindel. Genosse Harnifch-Aeukölln berichtigt. Genosse Harnisch hat der„Berliner Börsenzeitung" folgende Berichtigung zugehen lassen: � Der in Nr. 448 der„Berliner Börsenzeitung" enthaltene Artikel mit der Ueberschrift„Das entschleierte Bild der sozialdemokratischen Pläne. Eine Geheimsitzung!" enthält eine Reihe Unrichtigkeiten. Es ist. nicht wahr, daß die Versammlung der Zungsozialisten Neuköllns, in welcher ich gesprochen habe, eine Geheimsitzung gewesen ist. Die Versammlung war vorher öffentlich im„Vor- wärt?" angekündigt und ich war in dieser Ankündigung ö s f e n t- l i ch als Referent angezeigt. Es ist nicht wahr, daß ich davon gesprochen habe, daß die Parteileitung„verkalkt" sei. Es ist ferner nicht wahr, daß ich auf die Waffenfrage zu sprechen gekommen bin und plötzlich mit der Bemerkung abgebrochen.habe, daß man diese Frag« nicht so auf offenem Markt erörtern könne. In der fraglichen Versammlung ist von Waffen überhaupt nicht gesprochen worden._ 30 Jahre Verband der Hausarzt-Bereine. Das 30jährige Bestehen feiert« kürzlich der Verband der Hausarztvereine in den Germaniajälen. Der Einladung waren viele Mitglieder und Gäste gefolgt, so daß der große Saal bald überfüllt war. Genosse Willy Schönherr begrüßt« all« Mit- glieder und Freunde, darunter die Herren Dr. Conrad und Dr. Liersch. Er gab einen kurzen Rückblick über das Werden und Wachsen der Organisation in den 30 Jahren ihres Bestehens. Aus kleinen Ansängen heraus, dank der Unterstützung der Genosten Dr. Julius Moses und Dr. Magnus H i r f ch f e l d, hat sich der Verband der Hausarztvereine zu einem beachttichen Faktor in der Krankenversicherung entwickelt. Während der Kriegsjahre und der nachfolgenden Inflation hat die Organisation der leidenden Be- »ölkerung Groß-Berlins dadurch groß« Dienste erwiesen, daß die ärztliche Versorgung und Medizinleistung in vollem Umfange aufrechterhalten wurde. Genosse Dr. Schönherr dankte weiter dem 1. Vorsitzenden, Genossen Dr. Jacoby, für seine 23jährige ununterbrochene Geschäftsführung. Sein Idealismus hat befruchtend auf die Organisation gewirkt. Genosse Dr. Jacoby dankt« für das ihm bisher entgegengebracht« Vertrauen. Ein ausgezeichnetes Tanzorchester hielt all« Erschienenen bis in die frühen Morgen- stunden beisammen._ Eine Kundgebung gegen die Kirche veranstalten die Jugend- gruppcn im Deutschen Freidenkerverband, die Sozialistische Zlrbeiter- fügend und das Kartell für Arbeitersport und Körperpfleg« im Bezirk Neukölln gemeinsair� am Freitag, dem 10. Oktober 1930, pünktlich um 20 Uhr, im großen Saal von Ktiems Festsälen, Berlin, Hafenheide 13— 15. Aus dem Programm: Musik, Gesang, Rezita- tionen, Sprechchorszenen, Darbietungen der Sportler, dramatische Aufführungen. Ansprache des Bezirksvorsitzenden von Groß-Berlin, Genossen F r i tz S ch m i d t. Die Jugendgenosien werden gebeten, die Veranstaltung in Massen zu besuchen und Geschwister, Freunde und interessierte Genossen mitzubringen. Gerhari Hauptmann spricht im Rundfunk. 2lus Einladung der Funkstunde spricht Gerhart Hauptmann heu:«, Donnerstag, den 9. Oktober, abends 7.40 Uhr, kurz vor Antritt seiner Reis« nach Italien im Berliner Rundfunk. Der Dichter wird Theatereindrücke schildern, die er selbst bei der Inszenierung eitzener Bühnenwerte gewonnen hat. Die für dieselbe Zeit angekündigt« Reportage aus der Werkstall der tönenden Wochenschau wird aus Frellag, den 10. Oktober, 6 Uhr, verlegt. Noisandung Ses Mesenflugzeuges G 38. Bukarest. 8. Oktober. Das Riesenflugzeug„G 38", das heute morgen auf. gestiegen war, um über Constanza nach Warschau zu fliegen, mutzte um 11 Uhr bei Constanza«in« Notlandung vornehmen. Es ging auf dem Flugplatz, von Mamaya glall nieder. Wie festgestellt wunde, ist ein Motor«nzylinder geborsten. Radiotelegraphisch ist aus Dessau ein E rs a tz zy l i n d e r verlangt worden, der in einem Spezialflugzeug nach Constanza abgegangen ist. Auf die Nachricht" von der Notlandung des Riesenflugzeuges setzte eine wahre Völker- Wanderung von Constanza nach Mamaya ein. Die Volkshochschule Groß-Berlin beginnt am Montag, dem 13. Oktober, ihr elftes Lehrjahr mit 115 Abendkursen für Werk- tätige ohne höhere Schulbildung. Ein Lehrabschnitt von zehn Doppelstunden kostet 2,50 Mark, für Ehefrauen und Kurzarbeiter die Hälft«. Erwerbslose erhalten Freikarten. Den aus- führlichen Lehrplan erhält man kostenlos bei den städtischen Volksbildungsämtern, den städtischen Büchereien und deren Zweig- stellen und in den Büros der Gewerkschaften aller Rickstunzen. Lebte EckcIlikSre, extra fein....... Feinster Tafelaquavit, fuselfrei..... Extra prima Nordhäuser Branntwein.. Echter Weinbrand Verschnitt***.... Echter reiner Weinbrand.chlasue"... 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Oktober 1930, nachmittags 2 Uhr, im Lustgarten/ PROGRAMM: Sturm(Uthmann)/ Gesang der Völker(Guggenbühler)/ Ansprache: Reichstagspräsident Genosse Paul Löhe/ Tord Foleson(Uthmann)/ Gemeinsamer Gesang: Die Internationale 'heiter, Angesieiite, Beamte! Ersciieini zur Demonstration in Massen! irettpunm dersoziaiistisctien Artieiterlugend an den sammeipidtzen der Partei! 8. Okt. �930, abds Allgemeine Wetterlage. V O wolkenlos. O hsüer.O balbbedeckr » wolkig,•badedct'Regen�Graupeln ,7.Gewiit9f@Wndaille 3Som Atlantischen vvan so« eine Depression heran, die am Mttwochmittag über der Nordsee la« und sich am Zlbend vor der dänischen Küste befand. Die warmen südwesttichen Lustmassen auf ihrer Südseite sind fast nur noch in den oberen Luftschichten finden. Sie haben den Alpen bis fast 3000 Meter hinauf Tauwetter gebracht. Auf der Rückseite der Depression fliehen aber kühle Luft- mossen nach Süden. Sie haben Holland bereits erreicht und dürften . unier Wetter in den nächsten Tagen bestimmen. Später werden auch die kalten Luftmassen über Skarchinapien. wo verbreitet Schnee fällt, Gelegenheit haben, nach Süden oorMstohen. Wetteraussichten für Verlin: Unbeständig mit wiederholten Schauern, bei starken, zeitweise stürmischen West- bis Nordwest- winden wieder etwas kühler.— Zur Deutschland: Allgemein kühl, im Alpenvorland regnerisch, im übrigen Reiche unbeständig, verbreitet Schauet; namentlich im Küstengebiet starte bis stürmische Winde. parieinachrichten fürGroß-Berlin Ewsend»»,«» für diese RudrU find »» r l t»«O M, Ltndenstraß« 3, stet» an da» ScjirtcfclceUriu 2. Hos, 2 Treppe» recht», zn richten. Kreisobleute der Zeitungskommission Sroß-Berlin. Freitag. 10. Oktober, 19� Uhr, im Vorwärts' gebäude. Lindenstrahe 3, 1. Hof, 1 Treppe links, Sitzung. Jeder Kreis mutz vertreten sein. * 1. Neri, Pre», laxer See«. Frciiaq, 10. Oktober, 1» Uhr, kurze Besprcchunz der Abteilungsleiter mit der Nreisleitun« bei NIu«, Oanzigrr Str. 71. Um pünktliches Erscheinen wird aebeten. t. Arci, Areuzbcrg. Di« Senasiixnen xnd Senofien werde» gebet«», die am A rettag, 1«. vttober, 20 Uhr. in de« Renen«elt,«asenbeide. ftattsiadende Beranslaltung de, aitnelle» Aleinlnnstbüdn« ,u besxchen. Aarte» ,u« PI. an der Aaste. Jünger«»enostcn»erweise» wir ans die«Icichlall»»m Freitag stattfindend«» J»forniati>>n«>bende der Jungt», ialiften.«rnppe Süden im Zugendheim B-rchstr. 1t:.«»tfiebnng, Entwicklung»nd polt- tisch« Ausgaben der Zungsozialisten". Gruppe Südosten im Jugendheim Wrangelstr. izg, Lit-eatnrabend:.Ernst Tovcr". 7. Areis Edarlottenbneg. Pildnnqoausschub: Die Eistung fällt aus. Dafür treffen sich die Obleute am Dienstag, 14. Oktober, Vi Stunde vor Beginn der Versammlung....._ 14. Arei« Rcnköll». Freitag. 10. vltober, 2« Uhr, IM«o»,crtsaal der Renen Welt, Käse»Heid«, Saftspiel der AletnknnftbEhne»ell-nkirchen. Aorten ,n 00 Ps. find bei de» Funktionäre» und im Parteibüro noch z» habe». Morgen, Zreilaq, 10. Oktober. »7. Abt. RcukZll». 191,4 Ilbr Mltgliederpersammlung in Meisels Fcstsälen, Jonaaftraftc. Vortrag:„Die politische Lag« und die Aufgaben der Partei". Referent So!, lieb Reese. 124». Abt. Mahledorf Süd. 20 1>br bei Draber, tlblandfir. 1», Funktionär. fistung. 130». Abt. Frei« Scholle. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Schollenkrug. Vortrag:.Die Sozialdemokratie nach de« Wohl". Referent Ernst Heil- mann, R. d. R. Aussprache. All« Senosfinnen und Senossen müsten bestimmt nnd pünktlich ertcheinen. 143. Abt. Baidma nnslust. Alle Senosfinnen und Senosscn beteiligen fich an der Mitgliederversammlung der Abteilung Freie Scholl« um 2» Uhr im Lokal Schollenkrug. Vezlrksausschus; für Arbeilerwohlsahrl. 3. Bezirk Beddivg. Freitag, 10. Oktober. 19Vj Uhr, Sitzung der Fachgruppe Iugendwvhlfahrt im Ledigenheim, Schünstedtstr. 1, 8. Stock, Fimmer IS. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Aufbau und Aufgaben des Jugendamtes". Referent Ke. noss« Mendelsohn, leitender Fürsorger. 2. Aussprache. Z. Verschiedenes. Alle Keifer der Fachgruppe find im Interesse der Arbeit zur Teilnahm« verpflichtet. Gäste(nur Parteimitglieder) sind willkommen. Iungsozialisten.' Die Versammlung de» vrdnerdienste» der Iungsozialisten findet heute, Donnerstag, pünktlich Uhr, in der Süfulaula Aochstr. 13 statt. Futritt nur gegen Vorzeigung des Partei» oder SAI.. Ausweises. Die Arbeitsausschußmit- glieder kommen dereits um IS Uhr an derselben Stell« zusammen. Gruppe Lichtenberg: Wir beteiligen uns heute an der Gesamtveranstaltung in der Aula Aochstr. 13. _! i! Iii tkl U+ I TTr�� Weebebezirk Besten: Morgen, Freitag, veranstaltet die Gruppe P f-f Schöneberg im Jugendheim vaupistr. 15 einen Werbeabend, wo der fi) Genosse Lipinfki über„10 Jahre Iungsozialisten" sprechen wird. Die W IW Genossen de» W.-B. nehmen, soweit es geht, an dieser Beranstaltung dt W teil. Darüber hinaus find die SAI. und die lungen Parteigenossen ein» W sW geladen. Beginn I9l4 Uhr. »rvpp« Friedrich»haia: Gruppenabend fällt heute aus. Dir beteiligen uns geschlossen an der Veranstaltung des Bildungsausschusses in den Andreas-Fest» sälen. Der nächste Gruppenabend findet wieder am 16. Oktober im Jugendheim Tilstter Straste ftait. Der Keimwechsel ist zu beachten. Prenzlauer Berg: Gruppenabend fällt heute aus: wir beteiligen uns an der Gesamtveranstaltung. Iungordner: 10 Vi Uhr, Speisehalle Gleimstr. 3ö. Die OrdnevfunktionLre treffen fich vvrher um 18>» Uhr beim Genossen Schellenbcrg, Gleimstr. SO, vorn n. Arbeitsgemeinschcrfi der Sinderfreuude. Drei, Mitte: Falkenratsfistung des Areise« Sonnabend, lt. Oktober, inds Uhr, im Keim Landsderger Str. 50. Berichte Mr unsere Zeitung, die nicht spätestens zu dieser Sitzung abgegeben werden, können wir nicht mehr annehmen.— Achtung. Elternverteeter der Gruppe»: Montag, 13. vktobe«, 20 Uhr. mutz von jeder Gruppe«in Elternvertreter zur Kelfersitzung in der Elisabethstr. 10 er. scheinen. Diskussion über unser« Areiskass«.— Sonntag beteiligt fich der Areis geschlossen an der Demonstration der Partei. Achtet auf die Nachricht über den Treffpunkt an dieser Stell«. strexzbeeg: Zum Ausflug am Sonnabend treffen fich die südöstlichen Gruppen folgendermaßen: Gruppe Görlitzer Steast« um 8 Uhr am Görlitzer Bahnhof: Gruppen Aottbufler Tor»nd Wrangelftratze um 81, Uhr am Aottbusser Tor (Apotheke). Essen für den Tag, Trinkbecher und 30 Pf. Fahrgeld find mitzu» bringen. Arel« Friestrichahai»: Areisabend für Rote Falken Freitag, 10. Oktober. 20—22 Uhr, Etadtbad Sartenstratze. Treffpunkt 1015 Uhr Strausberger Platz. Aostrn: Eintritt und Fahrgeld 35 Pf. End« gegen 2215 Uhr. Pünktlich er. scheinen. Geburlskage. Jubiläen usw. 77. Abt. Uuserew lieben Genossen Pank Werner nnd seiner Gattin tt« herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 32. Abt. Steglitz. Unsere» liebe» Genossen Mnegaeet«»nd A r t v r Weber, PeschkeN«. ,3. zn ihrer heutig«» Silberhochzeit die herzlichsten Glück. wünsch«. Wir hoffen, beide»och recht long«»l» tüchtig« Mitstreiter in nnserem Areis« zn sehe«. Ueber das Thema„Tierbeobachtun<)en in der zentralamerika- nrschen Wildnis' hatte Max Vollmberq einen braven Aufsatz nieder- sieschrieben, den er wortgetreu vor dem Mikrophon ablas. Den Gindruck eigener Erlebnisse vermittelten diese papiernen Sätze nicht. Stärker packten die Notizen von einer„Weltsahrt"— einer For- schnnfisreise zum Himalaya. Dr. Hellmuth Richter brachte hier Stimnmngsbilder, von denen einifle sehr charakteristische Farben und Formen zeigten. Das„Interview der Woche", in dem der Zeichenlehrer Geist berichtet« über die Grundideen seines Unter- richts, der alle Kinder zum produktiven Schaffen und zur Freude daran erziehen will— und, wie eine Ausstelluuq seiner Schüler- arbeiten beweist, auch wirklich erzieht. Jeder mutzte von diesen Aus- sührungen gefesselt werden, obgfeich sie durchaus nicht von einem gewandten Redner gemacht wurden. Es stand ein Memch vor dein Mikrophon, der erfüllt ist von der Liebe zu einer Sache und von dein Wunich. Verständnis dafür zu werben, lieber den Vortrag von Professor Dr. Robert Wilbrandt„Die Arbeitslosigkeit als Gegenwartsproblem" wird an anderer Stelle berichtet werden. Es sei hier nur anerkannt, datz der Vortrag sich durch eine sehr klare und leicht verständliche Darstellung auszeichnete. Ein« hübsche und geschmackvolle Unterhaltung waren am Nachmittag die„Heiteren Lieder", die der Bassist Professor Ludwig Montier sang, begleitet. von Bruno Seidler-Wintler. Die musikalische Jugendstunde„Der Kanon" hätte zu einzelnen Werken, etwa dem Do— rc— mi von Ealdara oder den Spiegelkanons von Mozart Erläuterungen bringen müssen, die sich hier recht anschaulich hätten geben lassen. Tes. Sport. Rennen zn Grunewald am Millwoch. dem 8. Oktober. I.Rennen, l. Edcldame sRarr), 2. Waldi, 3. Tramonto. Toto» 42:10. Platz: 20, 25, 22: 10. Ferner liesen: Soravia, Lysander, FerreuS, Scrvatrix. Khebive, Futurist, Modeland, Loretta, Flunder. 2. R c n n e n. 1. Sterneck(Böhlle), 2. OOtnunda, 3, Geranium. Toto: 29:10. Platz: 18, 34:10. Ferner liefen: Altenburg, Putz. Favorit. 3. R c n n e n. 1. Braut(Kreuz), 2. Evelyn, 3. Feslkönigin, 4. Sanda. Toto: 189:10. Platz: 32, 17, 21, 14:10. Ferner liesen: Feuersunke, Jngwelde, Persiflage, Caliqueen. Scharade. Elvira, Berenice, Laxevill, Pelex. 4. Rennen. 1. Avanti(Munro), 2. Sllberstreis, 3. Verena. Tow: 12: 10. b. R c n n e n. 1. Palfrey(O. Schmidt), 2. HcrakleZ. Toto: 11: 10. ö. Rennen. 1. Priester(Sojdtt), 2. Pcrillo, 3. Kavallerist. Toto: 46:10. Platz: 16, 19, 32:10. Ferner liefen: Immerfort, Vierzeiler, Silber» suchS. Altai, Idylle, Talls. 7. Rennen. 1. Jlsenburg(Sauccland), 2. Mydear, 3. Eidora, 4. Monte Carlo. Toto: ll3:10. Platz: Ll, 15, 30. 25:10. Ferner liesen: Roderich, Rosenquarz, Malatesta, Donau, Eroica, Madonna d'Arezzo, La> wine, Jschiar, Meermädchen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlia Einfmdmigen für diese Tindri: nw a» da» Znaendsekeeiaeiar Berlin SW M. Twdenfiralie J An der Demonstratia« im L-stgarte» am Sonntag beteiligen sich all« G», nossinnen und Genossen. Die Werbebezirke treffen sich mit den jeweiligen Areise» der Partei. Heute, Donnerstag, 19 1/2 Uhr. Arnowalder Platz II: Helm Rastenburger Str. 16:„Die Jugend der 2. Zntew nationale".— Falkplatz I: Schule Sonnenburger Str. 20. Z. 3:„Unsere Wer- bung".— Nordosten U: Heim Danzigcr Str. 62, Baracke 3: Wir machen eine Tageszeitung.— Schönbauser Vorstadt: Schul« Sonnenburger Str. 20:„Sexuelle Fragen". 2. Teil.— Kasenheide: Heim Wassirrocstr. 9: Prob« zum Einführungs- abcnd.— ASpenickcr Viertel: Schule Wrangelstr. 128: Wcrbcgbend.— Aottbnssee Tor: Heim Britzer Etr. 27—30:. Aämpfcnbc Arbeiteriugend".— Südwest: Keim Lindenstr. 4:„Was ist Nationalsozialismus?"— Schiinrderg M: Heim Haupt- stratze 15:..Nalionalfozialismus".— Wittenau: Heim Rosentbaler Str. 15: Unser« Vorkämpfer:„August Bebel".— Pankow l, II und R. F.: Flugblatt» Verbreitung in Pankow-Süd. Treffpunkt 10 Uhr Markt. SSG. Lichtenberg: Heim Scharnwcberftr. 20. 20 Uhr:„Webeverbönbe". Werbebezirk Wedding, Tambourkapelle: All« au der Tambourkapclle b»> teiligten oder interessserten Genosse» treffen fich zu einer wichtigen Beschluß» fassung 20 Uhr im Keim Secstr. 34 lBarackenschule). Werbebezirk Neukölln: Ausaabc der Filmkarten zwischen 13 und 10 Uhr i« Parteibüro, Fuldastratze.— Morgen gemeinsame Aundgcbung mit den Frei» denkcrn im großen Saal Aliems FestlLlc. Eintritt frei. Beginn 20 Uhr.-- Airchenaustrittserklörunaen können auf dieser Veranstaltung vollzogen werden. Werbebezirt Teltowkanal: W.-B..Borstandsfitzung 20 Uhr in Steglitz, Heim Albrcchtstr. 47.__ Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G- f ch S f t» N- l I': Berlin S 14. Eebostianstr 37-38. Hot Z. Tr. Don»cr»tag. 0. Oktober. Prenzlauer Berg, Aaincradfchaft Balkan: 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Bieberstein, Danziger Str. 46. Friedrichshai», Aameradschatt Biisching: 19�) Uhr Aameradschaftsversammlung bei Blawert, Bcdcrstr. A.r., Wichtige Tagesordnung. Restloses Erscheinen Pflicht. Lichtenberg, Aamcradschaft Gustav Tempel: 20 Uhr ssunktionärver» samntiung. Abrechnung der Marlen. Weißensc«, 2. Aameradschaft: 20 Uhr Ber. sammlung bei Schiebe, Hohenschönhause», Berliner Str. 07. Erscheinen aller aktiven und passiven Aameradc» ist Pflicht. Rnderrieq«: 19—21 Uhr Aaste:'.- rudern, Sporlfchulc Sandt. Bhf. Tiergarten, Ctadtbahnbogcn.— Freitag, 10. Oltaber. Prenzlauer Berg: lOls. Uhr Mitgliederversammlung im Alters- beim. Danziger Sir. 62. Aamerad Dr. Laubach spricht über..Was nun?". Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Badeabend fällt an». Schöneberg. Friedenau, Aamcradschaft Rollendorf: 201v Uhr Aameradschaftsversammlung bei Jürgens. Barbarossastr. 5s. Thema:„Reichsbanner erwache! Referent Aam Ernst Earibcrgh.— Lichtenberg: Versammlungen um 2U Uhr. Aamcradschaft Traveplatz bei Scipke. Scharnwcberftr. 5. Aameradsckatt Gustav Tempel bei Rodegast. Normannenstr. 38. Treptow. Tambourtorps: 1014 Uhr Versammlung im„Allhlcn Grund". Wintersportabteilnng: 20 Uhr Jahres- Hauptversammlung in Schneiders Hotel, Aönigftr. 30. Erscheinen Pflicht. Freie Arbeiter. Esperanto, Vereinigung. Monatsvcrsammlung am Freitag, 10. Oktober, 1910 Uhr, im Metallarbciterverbandshaus. Linicnstr. 38—35, Portal I.— In Gruppe Osten, Am Oftbabnhof 17, hockpart.. rechtes Zimmer, spricht Aqm. Thimm über„Demokratio" am 0. Oltober. Dort auch Anmeldungen für den neue» Kursus.— Achtung! Sonntag, 12. Oktober. Fahrt zum Slonncii» fließ Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen sWandelgang). Berliner Gesellschaft für Indin'dunlpsnchologie deginnt am 0. Oktober in der Leibniz-Oberrealschulc, Eharlottenburg, um 20 Uhr ihre Herbsworträge mit Mancs Sperber:.„Zur gegenwärtige» Situation der Indivldualvfnchologie als Theorie und Bewegung". Di« N«ich»»erei«sg»»a ehem. Ariegsgefangene». e. v., Gruppe Berlin- Norden II, feiert om ll. Oktober in den Beroliiia-Feftsälcn ihr 11. Etiftungs- fest. Ehemalig« Ariegsgefangene und Gäste willkommen. Berliner Mandglinen-Vereinignng„Nordische Alling« 1905". Uebungsstund« fedcn Donnerstag 201� Uhr im Lolal Burmelster, Berlin R., Anklamer Str. 29. Blattspiclcr, auch Damen, willkommen. „Sturmoogel", Flugverband der Werktätigen, Bczirksgruppe ReukMn-Britz. Sitzung 15. Okiober, Restaurant Jabs, Neukölln, Allcrstr. 25, 20 Uhr. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. „finilisb Oonversaiianal Club foundcd 1878." Meetings every Friday 8 p. m. CaM Koenigslest, Potsdamer Stra6e 28 Lecturei; Miss Prohovnik on:"My trip to London". Gucsis, Ladies& Oenllemen, are welcome." ReIch,halle«.Th«»ter. Das Oktober-Programm der Skettiner Sänge, ist wieder«in überaus reichbairigcs und amüsantes. Paul Britton bringt in seinem Eolo die verschiedenen Tnpcn der Theaterbesucher. Das Schlußbild bildet die Menselsche Posse„Wir ollen Berliner". Auch das entzückend« Liederspiel „Laß Blumen sprechen" gelangt noch zur Aufführung. Freie Turnersdioft Gr. Berlin e.V. Todesanzeige Am 5. Oktober verschied nach langem, schwerem Leiden unser lieber Turngenosse Otto Dorn Ein guter Aamerad und treuer Bundesgenosse ging mit ihm dahin. Ehre seinem Andenken! Vozirk Süden. Die Beisetzung findet am Freitag. dem 10 Oktober, U'/j Uhr. oon der Aapelle des Friedhoss Baumschulen- weg. Alciholzstraße. au» s'aii. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann �uxust Lclmsr? »och langem, schwerem Leiden sanft »nUchioien ist. Im Namen der Hinterbiiebenen Gertrud Schwan Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem Ii. Oktober, nachm. 3 Uhr. von derHalle des Allen Thomas-Airch- bofc«, Neukölln, Hermannstraße. statt * «en»6� DAS WARENHAUS BERLINS IN ALLEN STADTTEILEN Hier ist ein neues Präparat, das zum ersten Male auf Grund präziser le» wissenschaltllcher Experimente u. BnlCfn Forschung aufgebaut, einen wirklichen Vcijüngungs- und Heilwert bei vorzeitigem Altern(sexuella Neurasthenie), nervösen Denres- sionszuständen usw. hat und sich sowohl im Tierexperiment wie bei Menschen in jahrelangen klinischen Prüfungen bewährt hat. Die Wirkungen der Sexualhormone sind bereit» bekannt— aber— bisher war es noch nicht gelungen, diese so zu gewinnen, daß sie in präparierter Form immer ihre Wirksamkeit behielten. Sie wurden entweder bei der Prä- paralion durch zu-große Hitze oder durch Chemikalien geschädigt Nach dem neuen Verfahren deslmtitals für ScxnalwUscnsdiaft zn Berlin Or.- Magnus-- Stiftung ist es jetzt ermögucht, das kostbare Hormon so zn Sewinnen. daß seine spezifische Wirkung ganz eralten bleibt. In den„Titus- Perlen" haben wir also zum erst» Male ein Präparat, welches nachweislich das bisher vergeblich erstrebte Vcrjktagangs- Hormon in ge- •idherler standardlsleTler Form enthält.„Titus- Perlen" wirken also meist auch da, wo andere Mittel versagten. Lassen Sie sich zunächst über die Funktionen der menschlichen Organe durch die zahlreichen farbigen Bilder der illustrierten, wissenschaftlichen Abhandlung unterrichten, die Sie sofort kostenlog(verschlossen-neutral) erhalten durch die Fnedr. Wilheimstädt Apoiheke, Berlin NW 193, Luisenstr. 19..Originalpackung 100 Stück RM 9.80(für Frauen RM 10 80). JEu laabasn Am allem Az»oAla«EM»n Schadenersatzklage gegen DMV. Nie Nordwestlichen fordern zunächst lOOV Mark. Die Metallarbeiter im Bereich der rheinisch-westfAischen Eisen- jui>d Stahlindustrie haben sich die Herabsetzung ihrer Akkarde nach der Beseitigung der Severing-Klausel durch den Oeynhausener Schiedsspruch nicht widerstandslos gefallen lassen. Es kam in einer grötzeren Anzahl von Betrieben in verschiedenen Orten zur Ar- t> e i t s e i n st c l l u n g, als die Unternehmer von ihrer Belegschaft die Verschlechterung der Akkordbedingungen for- derten. Die Abwehr gegen die Herabsetzung der Verdienstmöglich- leiten fand die moralische und finanzielle Unterstützung des Deutschen Metallarbeiterverbandcs. Der Arbeitgeberverband der Nordwestlichen Gruppe erblickt in diesem Verhalten des Deutschen Mctallorbeiteroerbandes eine Verletzung seiner tarisoertraglichenPslichten und hat am Arbeitsgericht zu Berlin deswegen eine Schadenersatz- klage angestrengt. Er hat sich, wohl als erste Maßnahm«, der weitere folgen sollen, den Schadenersatzanspruch der Essener Eisenwerke Schnutenhaus u. Linn mann, Kommandit- gesellschaft, übertragen lassen, den diese durch die Aussperrung chrer Arbeiter gegen den Deutschen Metallarbeiteroerband zu haben glaubt. Die Nordwestgruppe stützt die Klag« auf 7000 M. Schadenersatz darauf, daß nach dem Tarifvertrag, wie er durch den Oeynhausen« �Schiedsspruch und dessen Verbindlichkeitserklärung gestaltet wurde, dem Arbeitgeberoerband das Recht zur einseitigen Festsetzung von Akkorden zusteh«, wenn es zu einer Verständigung über ihr« Acnderung nicht Sommc. Die in Frage kommende Bestimmung hat folgenden Wortlaut: , ,Lcde Aenderung oon Akkorden ist zu vereinbaren. Mangels einer Einigung kann die Aenderung mir unter Einhaltung der Kündigungsfrist erfolgen." Der Arbcitgeberverbond legt die Tarifbestim- »nung dahingehend aus, daß, wenn ein« Bereindoning üb« die Aenderung von Akkorden nicht erfolgt, nach Ablauf der Kündigungsfrist sie durch den Arbeitgeber einseitig festgesetzt werden können und der Arbeiter verpflichtet sei, zu diesen einseitig scstgesehten Akkorden zu arbeiten. Den von den Arbeitgebern herabgesetzten Akkorden müßten sich die Arbeit« um so mehr fügen und etwaigen Widerstand der Arbeiter dürfte der Deutsche Metollarbeiterverband um so weniger unter- stützen, als der Zweck des Oeynhausener Schiedsspruches ausdrücklich gewesen sei, dein Arbeitgeber die Herabsetzung der Akkorde zu er- möglichen. Der Deutsche ZNetollarbeiterverband sei verpflichtet gewesen, auf seine Mitglieder einzuwirken, daß sie sich den Akkordherab- setzungen unterwerfen. Der Deutsche Metallarbeitcrvcrband bestreitet die von der Nord- westgruppe beliebt« Auslegung des Tarifvertrages. Die jetzt gül- tige Fassung des Nordrvestvertrages ist im Jahre 1927 zwischen den Tarifparteien vereinbart worden, dann im Januar 1929 durch die Seoenng-Klausel ergänzt und nach deren Fortfall durch den Oeynhausener Schiedsspruch in der 1927 vereinbarten Form wieder hergestellt worden. Die 1927 vereinbarte Fassung hatte den ausgesprochenen Zweck, einseitige Festsetzungen von Akkorden durch die Arbeitgeber zu verhindern. Es ist seit 1927 weder von den einzelnen Werken, noch von den örttichen Verbänden der Nordwestgruppe, noch von dieser selbst je- mals bei Akkordstreitigkeiten behauptet worden, daß der Arbeit- geber mangels einer Einigung bei Herabsetzung bestehender Akkord- preise die Berechtigung zum Diktat derselben besitze. Wegen der Aenderung von Akkordpreisen wurde vor den Schlichtungsaus- schüssen verhaiZdelt, es haben sich deswegen Arbeitskämpfe abgefpiell, ohne daß eine solche Behmiptung von den Arbeitgeb«n jemals auf- gestellt worden ist. Sowohl die Vorgeschichte des Tarifvertrages wie mich dessen bisherig« praktische �Handhabung zwischen den Tarisbeteiligtcn sprechen gegen die von der Nordwestgruppe behauptete Auslegung, aber auch der Wortlaut des Tarifoertrages spricht dagegen. Es heißt im Tarifvertrag ausdrücklich, daß Akkorde und auch Lohnänderungen zu vereinbaren sind. Wenn es in(Ergänzung der legieren Bestimmung heißt, daß mangels einer Einigung die Aenderung nur unter Einhaltung der Kündigungsfrist erfolgen kann, so bedeutet das, daß dann der Arbeit- geber den Arbeitsvertrag kündigen und dein Arbeiter den Ab- fchlutz eines neuen Vertrages unter den oon ihn: gewünschten Be- dingui?g«n anbieten kann. Wollte man den Gedankengang der Nord- wcstgruppe fortführen, so würden die gouzen Tarisbestimmuugen üb« Vereinbarung von Akkorden hinfällig sein. Auch die Bestimmung, daß neue Akkorde zu vereinbaren sind, wäre dann fit» die Praxis gegenstandslos, da der Arbeitgeber nur der Akkordpreisforderung des Arbeiters zunächst nachzugeben brauchte, um wenige Tage später eine Aenderung zu verlangen, über die dann eine Verständigung nicht zustande käine, so daß«dos Recht zur einseitigen Festsetzung hätte. Schon diese Ileberlegung zeigt, daß die Tarifbestimmung nicht in der von Staatsanwalt Grauer t- als Syndikus der Nord- westgruppe behaupteten Weife ausgelegt werden kann. Das Arbeitsgericht Berlin hotte Termin zur Verhandlung des Streitsalles zunächst auf den 9. Oktober angesetzt. Auf Antrag der Arbeitgeber ist dieser sodann aufgehoben und auf den Zl). Oktober vertagt worden. Oer 9. Oktober. Noch kein Verhandlungstermin im Metallkonflitt. " Die Schlichtungsverhandlungen im Lohnkonflikt in der Berliner Metallindustrie sollten, wie der Sonderschlichl« Dr. Volkers bei der Bekanntgabe des Vertagungsbeschlusses am Freitag voriger Woche mitteilte, bis spätestens 9. Oktober— also heut«— wieder aufgenommen werden. In einem Schreiben an den Deut- scheu Metallarbeiteroerband hat nun der Sonderschlichter für heut«, Donnerstag, noch keine neuen Verhandlungen, sondern zunächst eine Besichtigung der Eisengießerei Otto Jachmann- Borsigwalde angesetzt. Am Freitag sollen die Betriebsbc- sichtigungen fortgesetzt werden, und zwar im Siemens- Konzern. An diesen Besichtigungen sollen außer dem Sondcrschsich- ter die Arbeitnehmer- und Arbeitgebcrbeisitzer der Schlichtungsram- mec teilnehme», zu denen in den Betrieben noch die gesetzlichen Betriebsvertretungen hinzugezogen werden. Ein Termin für die Aufnahme der neuen Verhandlungen in der Schlichtungskainmcr ist noch nicht bekannt. Di« Meldung eines Korrespondenzbüros, daß wahrscheinlich am Sonnabend die Schlich- tungsverhandlungen fortgesetzt werden, ist eine Kombination, die mindestens verfrüht ist. Der Metallarbeiterverband hat beim Sonderschlich- ter gegen die Verzögerung der Verhandlungen P r o t e st'erhoben, da er darin eine Verschleppung zugunsten der Unternehmer sieht. Die Gewerkschaften vertreten die Auffassung, daß es dem Sonder- schlichter möglich gewesen sein müßte, diese Betriebsbesichtigungen schon in den ersten Tagen dieser Woche vorzunehmen, um heute die Schlichtungsverhandlungen zum Abschluß zu bringen. Gkreikabstimmung der Bauschlosser. Gegen Lohnabbau und Verschleppung der Verhandlungen. Am Montag hat der Schlichtung sausschuß im Lohnkonflikt in den Berliner Bau- und Geldschrankschlossereien einen Schiedsspruch gefällt, wonach das ain 1. Oktober abge- laufene Lohnabkommen bis zum ZI. Oktober verlängert werden soll. Die gutorganisi«ten Berliner Bau- und Geldschrankschlosser haben gestern abend in einer überfüllten Versammlung beschlossen, diesen Ver- schlepp ungsschiedsspruch abzulehnen und heute, Donnerstag, eine Urabstimmung über Streik oder Arbeit in den Betrieben durchzuführen. In der von etwa 1999 Branchenangehörigen besuchten Versammlung berichtete der Branchenleiter Becker über die Dinge, wie sie sich seit Ablauf des Tarifvertrages am 1. Oktober entwickelt haben. Die Untenehiner versuchten sofort nach dem Tarifablaus, den von ihnen angekündigten Lohnabbau durch Diktat durch- zuführen. Das entschiedene Austreten der Arbeiter zwang die B«- triebsleitungen, diesen Versuch zunächst auszugeben Lediglich in den Betrieben Ade-Auttomatcn, Fuhrmann und Turbon bestanden die Betriebslettungcn auf � Lohnabbau, worauf die Ar- beitex geschlossen die Arbeit niederlegten und seitdem im Streik stehen. Becker forderte die Versammelten auf, so einmütig wie bisher in der Abwehr des Lohnabbaues zusammenzustehen. Genosse Fuchs vom Metallarbeiterverband schilderte im Anschluß daran den Verlauf der Schlichtungsverhandlungen am Montag. Die Unternehmer kamen außer den im„Vorwärts" berens mitgeteilten Forderungen mit neuen Abbauwünschen, über die in den Parteiverhandlungen nach kein Wort gesprochen worden war. So verlangten pe z. B. den Abschluß eines Sondertarifs für die Geldschrantindustrie mit bedeutend geringeren Löhnen und Akkorden als bisher Der Vorschlag des Vorsitzenden des Schlichtungsiusjchusses, den Tarif um 4 Wochen zu verlängern und in der Zwischenzeit nochmals nttt dem Schutzverband Berliner Schlossereien zu verhandeln, wurde von der Berhandlungskommijsion der Bau- und Geldschrankschloss« abgelehnt. Sie sah darin eine bewußte Ber schleppung der Verhandlungen, in Erwartung eines Lohnabbauschieds- spruches für die Berliner Metallindustrie. In dieser Auifassung wurde die Verhandlungskommission noch bestärkt durch die Er- klärnng der Unternehmer, daß sie selbst bei einer Verlängerung des Tarifvertroges nicht gewillt feien, die Maßnahmen in den drei Betrieben Adc-Äutomaten, Fuhrmann und Turbon rückgängig zu machen. Der Vorsitzende des Schlichtnngsausschusses erhob seinen Vorschlag, den Tarisoettrag bis zum 31. Oktober zu verlängern, trotz des Widerspruchs der Arbeitervertrcter zum Schiedsspruch. Die Bronchenkommission und die Vertrauensleute der Bau- und Geldschrankschlosser empfahlen der Branchenversaminlung die Ab- lehnung dieses Schiedsspruches. Einmütig trat die Brr.ncl)enr>ersammlung dieser Emz-sehlung ihrer Funktianär« bei. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die kampferprobte Brauck)« der Berliner Bau- und Geldichrankschlosser in der heutigen Urobstim- mung mit überwältigender Mehrheit den Streik beschließen wird. Das Ergebnis der Urabstimmung muß noch heute abend sofort nach Vetriebsschluß der Ortsnerwaltung des Metallarbeiter- Verbandes übermittelt werden, damit die Funktionäre der Branche, die um 19 Uhr im Nosenthal« Hof zusammenkommen, die nol- wendigen Beschlüsse fassen können. Schiedsspruch im Fuhrgewerbe. Der Streik vermieden. In dem Tarifstreit zwischen dem Gefamtverband der Arbeit- nehmer und der Fuhrherreninnung zu Berlin ist der Vergleichs- Vorschlag de- Schlichtungsausschuises, der einen Lohnabbau oon S M. wöchentlich für die Arbeitnehmer im Fuhrgewerbe vor- sah, von dem Gesamtverband abgelehnt worden. Der stellvertretende Schlichter, Dr. D o b b e r st e i n, hat die Parteien zu gestern um 13 Uhr nochmvls zu Verhandlungen geladen. Dabei ist eine Berständiguna zwischen den Parteien erreicht worden. Der Schlich- ter halte vorgeschlagen, eine Kammer, bestehend aus zwei Arbeit- geber- und zwei Arbeitnehmerbeisitzern, einzusetzen. Fälle diese Kammer einen einstimmigen Schiedsspruch, dann soll er für beide Parteien bindend sein. Mit diesem Vorschlag haben sich die Par- teien einverstanden erklärt. Nach längeren Beratungen hat der Schlichter folgenden Schiedsspruch verkündet: „In dem Lohnstreit zwischen dem Gesamtoerband der Arbeit- nehmer und der Fuhrherreninnung zu Berlin soll folgendes gelten: Das Lohnabkommen vom 39. März 1929 wird mit Wirkung ab 27. September 19Z9 wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgab«, daß es jeweils mit Monatsfrist zum Schluß eines jeden Kalendermonats kündbar ist. Dieser Schiedsspruch« langt mit seiner Berkündung Rechiskraft"» Durch diesen Schiedsspruch ist der Angriff der Fuhrhzrrcn auf Abbau der Löhne durch den Gefamtverband abgeschlagen. Die Fuhrherven haben ihre Absicht auf Lohnkürzung nicht durchsetzen können, obwohl st« mit allen Mitteln«in« Kürzung der Löhne ver- suchten. Die Arbeiter sind fest entschlosten, falls die Fuhrhsrren ihren Angriff wiederholen sollten, denselben zu parieren. Beide Parteien haben gestern Bersammlungen abgehalten, die dem Schiedsspruch z u st i m m t e n und das Lorgehen der Lohnkommiffion des Gesamt- Verbandes bWgten. Antwort an WTB. „Bon einer ernst zu nehmenden Seite.* Im„Borwärts" am Mittwoch wandten wir uns gegen die Be- hauptung des MTB., daß die Notverordnung vom 26. Zuli 1930 außer der angeblich günstigen Auswirkung durch Beitragsherab- setzungen keine schädlichen Folgen gehabt habe. Bisher seien solche von keiner ernst zu nehmenden Stelle dargetan worden. Am Mittwochabend berichtete die TU. u. a.: „Auf seiner diesjährigen Tagung in Bad Reichenhall faßte der 12. Bayerische Aerztetag eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die bayerische Aerzlefchoft erblickt in der Now«ordnung vom 26. Zuli 1930 eine bedauerliche Entwertung der krankenverficherung. ein Sparen am falschen Platze zum Schaden der Volksgesuadhcit. Die Aerzteschaft erhebt ihre warnende Stimme gegen die schäd- liehen Auswirkungen der Erschwerung der Inanspruchnahme ärzt- licher Hilfe. Die Gebühr für den Krankenschein und die Arznei wirkt wie ein« Kranken st euer. Das Kernstück der Krankenversicherung ist die Gewährung freier ärztlicher Hilfe und Arznei." Gelegentlich werden wir mich die Versicherten und die Kranken- kästen in dieser Frage zu Wort kommen lasten. Vernunft in Piesteritz. ArbeikSze'iwtrkürzung um Entlastungen zu vermeiden. Piesteritz svez. halle), S. Okitober. wie wir hören, sehen sich die Bayerischen S t I ck st o f s- werte veranlaßt, in einzelnen Teilen ihres Werkes Einschränkungen vorzunehmen. Am jedoch Arbeiterentlossungen zu vermeiden, soll bis aus weiteres die Arbeitszeit verkürzt werden, wobei jedoch die 40 stündige Arbeitswoche nicht unterschritten werden wird. Oie Zinkhütte Verzelius sperrt aus. Llnverschämte Lohndruckereil Auf der Zinkhütte in Bens borg bei Köln sind sämtliche Arbeiter, 389 an der Zahl ausgesperrt. Die Bermoltung des Werkes beabsichtigte, den Lohn, der bereits vor 8 Wochen herabgesetzt worden war, um weitere 19 Prozent und die Akkorde entsprechend herunterzusetzen. Eine solche Lohn- Herabsetzung bedeutet, daß der Lohn der Arbeit« um insgesamt 60 bis 70 Mark monatlich seit 8 Wochen„ermäßigt" würde. Die Arbeiter lehnten einstimmig den Lohnabzug ab und die Belegschaft beschloß den Streik. Als die Bciriebsoertretung der Firma den Beschluß der Derfanimlurg mitteilte und sie ersuchte, die Maßnahme zurückzunehmen und Ber- Handlungen mit den Gewerkschaften zu führen, erklärte die Werks- leitung:„Wer zu unseren Bedingungen nicht arbeiten will, ist ent- lassen." Sie hinderten die Arbeiter, die erschienen waren, am Be- ginn der Arbeit. In den der Aussperrung vorangegangenen Der- Handlungen mit den Gewerkschaftsvertretern ließ sich der Bertreter der Firma zu folgender ousreizender Be- merkung verleiten: „wenn die Hilfsarbeiter die Stunde 78 Pfennig bekommen, ja ist da» noch erheblich mehr, als die Erwerbslosen an Unter-. slützung erhalten. Die Erwerbslosen müsten mit ihrem Gelde auskommen, also müsten sich auch die Hilfsarbeiter den Lohnabzug gefallen lassen." Die Unternehmer fühlen sich und suchen aus der Not der Ar- bcitslosigkeit Extraprofite zu münzen. Urabstimmung bei den Kupferschmieden. � Unter dieser Ueberschrist brachte die„Rote Fahne" am Sonntag eine Notiz, in der die Mitglieder des Kupserschmicde-Berbandes auf- gefordert werden, gegen eine Verschmelzung mit dem Deutsche» Metallarbeiter-Verband zu stimmen. „Die RGO. fordert darum die Kupjerschmiede auf, die Ber- einigung mit der DMV.-Bürokratie bei der Urabstimmung abzu- lehnen und die Bereinigung mit den Metallarbeitern durch ihren Eintritt in die Betriebsgruppen der RGO. zu vollziehen. Kupferschmiede! Stimmt in der Zeit vom 4. bis 11. Oktober gegen die Bereinigung beider Bürokratien und schreibt zum Zeichen eures Willens, eine Klastengewertschaft der Metallarbeiter unter revolutionärer Führung zu schaffen, RGO. aus die Stimmzettel." Wir sehen uns veranlaßt, diese Einmischung der„Roten Fahne" in unsere ureigensten 2lngelegcnheiten aus das entschiedenste zurückzuweisen. Im übrigen warnen wir unser« Mitglieder, dieser Anregung Folge zu leisten und machen daraus aufmerksam, daß alle Stimmzettel, die unserer Anordnung zuwiderlaufen, oder die Bezeichnung„R G O." enthalten, für ungültig er- klärt werden. Verband d« Kupferschmiede Deutschlands. Der Zentralvorstand. sozialdemokratisch«» Slrbeituehmer der»eatrale» Lodl- sahrtooero-stalt-uscn. SZZD.-Mitolicdrrversammluni, unserer Verwaltiin-, morgen, ssreiiai!, ISHi Uhr, Restaurant Brandenburg, Stralauer Sir. Z7, Ecke Woisenstrastc. Genosse Stadtuerordneter Chr. Gutekunft spricht über„Die poli- tische dagc". Erscheinen aller Genossen erforderlich. MUaliedsbuch al» Aus- weis mitbringen. Siimpaihisicrcndc lGcwerlschaftsmilglicder) kiinnen eingeführt werden. t�reie Gewerkschafts-Lugend Berlin Heute, Canneretag. 1»� Uhr, tagen die Gruppen: yiipenill: Grupv'n- heim Grünauer Str. 5. Vortrag:„Warum fsreitdrperkultur?"— Ge. suodbruunea: Jugendheim Rote Schule, Gotemburger Str. T. Vortrag: ..7er Ausbau der 3GI."— Südosten: Sruppenhcim Reichenberger Str.»i l3cuerwchrhau»>. Vortrag:„Was uns die Wohl brachte�.— Tempelhos: Eruppenheim Lqzeum Germanioftr. 4— 6. Wahlerlebnisse.— Moabit: Ougcnt- hkim Lehrter Str. l«—'9 Krcismitgliedervcrsammlung. Vortrog:„Entstehung und Bedeutung der Zölle".— Rcu-Lichtenberg: Jugendheim Suntcrftr. 44. Vortrag:„Grohstadtseuchen".— Lichtenberg: Jugendheim Laufs, an der Lrssing» strafte.„Episoden aus den Sihungen des Arbeitsgerichts."— zroaklnrtcr Alle«: Jugendheim lZranksurter Allee 387 lWalter-Ratheneu-Zimmc r>. Die Gruppe trifft sich zur Agitation um Ig Uhr im Jugendheim Litauer Strafte. Material am Treffpunkt.— Landsberger Plag: Jugendheim Dicstelmenorstr. Z. Vortrag: „Unsere Berliner Volizei".— Schönhauser Tor: Jugendheim Tiechstr. 13(lZeuer- wehrhaus). Sutheit bringt don 2. Teil. jTk.�uoendsnwve 0e6?eittra'vert'anpes per Anaesteltten Heute. Donncrs'ag, sind folgende Veranstaltungen: Zugendsunktionäi- Versammlung um SV Uhr im großen Saal unseres Vcrbandshausrs. Hedemannstrafto 12.— Paulo w-Ziiederfchonhauseu: Jugendheim Görfchstr. 14 lgroftes Zimmer). Bortrag:„Ratio lm Uli erunq und Arbeitslostgk-it". Referenr pari Lehrer.— Treptow: Jugendheim der Schule Willdoddruchflr. 53 fgugaug non der Graeftstrafte in Treptow). Buntor Abend.— vlten: Iugvdheim der Schul« Litauer Str. 18. Bortrag:„Einführung in die Wirtfchaftslunde". Referent Willi Derlow. Verantwortlich illr Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. itliagrldöser; Dcwcrtlchastadeweguiig:!?r. Efttorn; Feuilleton Dr. Zoh» Schilowoti: Lokales: und Sonftitics: Tri» Sarstädt: Aiueracn: Ii. GloAe: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlog s. m d. H.. Berlin Druck: Lorwärts-Buchdruckeret and Berlagsaaftalt Vau! Singer u. Co., Berlin SW. M, Liadenftraft« 1 »ierp, i«ei lagen»ad.Zrant, stimme". ?lr. 473* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 9. Oktober 4930 Währung, Politik und Kapitalflucht Die drei Währungsattacken 1924, 1929 und 1930. Dreimal feit ihrem Bestehen hat die jung« deutsche Währung sich e r n st e r Angriffe auf ihre Festigkeit zu erwehren gehabt. Im Frühjahr 1924, knapp«in halbes Jahr nach der Stabilisierung, machte sich zum ersten Male eine vorübergehende Unt«rbewertung der Mark im Verhältnis zu den Auslandsgoid- Währungen bemerkbar. Daß das Währungsgleichgewicht damals hatte ins Schwanken geraten können, lag ausschließlich an fal- scheu Maßnahmen der Reichsbankleitung. Das Noteninstitut hatte nämlich in falscher Einschätzung des notwendigen Zahlungsmittelbedarfes viel zu schnell eine große Meng« von Rentenmarkscheinen in den Verkehr gepumpt und dadurch eine stärkere Aufblähung des gesamten Aahlungsmittelumlaufes hervorgerufen, als dem damaligen Wirtschaftsstand« entsprochen hätte. Die Gefahr war schnell gebannt dadurch, daß die Reichsbank die wahre Ursache der Währungsschwäche bald erkannte und sofort ihre Kre- dite an die Wirtschaft und damit die Ausgabe von weiteren Zah- lungsmitteln in rücksichtsloser Weise einschränkt«. Bei dieser Sach- läge konnte man damals von einem eigentlichen Angriff auf die Reichsmark sonnt kaum sprechen, sofern man sich darunter den Versuch einer Unlerminierung des Wahrungsfundamenkes von auhen her vorstellt. Um einen zielbewußten Angriff gegen die Währung als solch« Handell es sich auch bei den beiden folgenden nachstehend zu be- sprechenden Attacken gegen die Reichsmark nicht. Um deren wahren Charakter im voraus zu kennzeichnen, so handelt es sich in beiden Fällen um Maßnahmen, die im wesentlichen egoistischen Interessen ausländischer und inländischer Kapi- talbesitzer entsprungen sind, freilich um Maßnahmen, die in ihrer Auswirkung das Währungsfundament, nämlich die Devisen- und Goldreserven der Reichsbank, stark angegriffen haben. Den zweiten ernsthaften Kampf um die Aufrecht- crhaltung der Währungsstabilität bzw. um die Behauptung ihrer Deckungsreserven hatte die Reichsbank im April und Mai 1929 zu führen. Es war die Zell der Pariser Repara- tionsoerhandlungen. Als diese eine kritische Wendung zu nehmen drohten, haben plötzlich die Pariser Großbanken— wie man annimmt auf einen Wink ihrer Regierung, um einen Druck auf die deutschen Unterhändler auszuüben— ihr« auf rund 1 Milliarde Mark geschätzten kurzfristigen Guthaben bei deutschen Banken gekündigt. Da die Rückzahlung von Auslandsguthaben nur in Auslandswährung möglich ist, stieg damals in Deutschland die Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln, das sind Devisen, in so starkem Matze, daß der Devisenbestand der Reichsbank bald nicht mehr genügte, um die Nochfrage zu befriedigen. Die Reichs- dank mutzte Gold an das Ausland verkaufen, um sich auf diese Weise die erforderlichen Devisen zu verschossen. Insgesamt beliefen sich die Abgaben an Gold und Devisen in den kritischen Wochen des Frühjahrs 1929 auf rund 1,S Milliarden Mark. Die Devisen- und Goldentziehungen überstiegen also ganz erheblich den Betrag der s r a n z ö s i- scheu Guthaben in Deutschland. Der Mehrbetrag ist auf das Schuldkonto der Ka pitalflucht inländischer Kreise zu setzen, die dadurch nicht nur direkt die Gefahr sür die Währung vermehrt, sondern durch ihre Angstkäufe auch das Vertrauen es übrigen Aus- landes ungunstig beeinflußt haben. Das Abwehrmittel der Reichsbank in dieser kritischen Situation bestar» wiederum— wie im Frühjahr 1924— in der gewaltsamen Einschränkung ihrer Kredite. Wenn früher die Banken sich die Mittel für ihr« Deoisenkäufe durch Wechseleinreichun- gen bei der Reichsbank hatten verschaffen können, so mußten sie nunmehr die angeforderten Devisen bar bezahlen. Das Mittel half. Die Nachfrage nach Devisen ging sofort zurück, und darüber hinaus kamen auf einmal große Mengen der eben erst gehamsterten, aus Angst- und Vorratskäufen herrührenden Devisen zum Angebot, so daß der Reichsmarkkurs sich überraschend schnell bessern konnte. Wenn man eine Lehre aus diesem und dem vorange- gangenen Angriff auf die Reichsmark und aus der Art und dem Erfolg der Verteidigung durch die Reichsbant ziehen kann, so ist es die, daß eine Währung unter allen Umständen gehalten werden kann, sobald die Notenbank ihre Pflicht tut. d. h. sobald sie den Notenumlauf entsprechend einschränkt und im Nlomenf der Gesahr Devisen nur noch gegen Barzahlung abgibt. Die weiter« Lehre ist die, daß hohe kurzfristige Aus- landsverfchuldung immer eine währungspoliti- sch« Gefahr darstellt wegen der Mödglichkeit plötzlicher und um- fangreicher Geldkündigungen. Es zeigt sich aber, daß auch diese Gefahr durch ein rechtzeitiges und entschlossenes Eingreifen des Währungsinstitutes erfolgreich bekämpft werden kann. Im beson- deren aber wird aus der zur Währungsverteidigung angewandten Krediteinschränkung und ihren schweren Nachteilen für die ganze Wirtschaft das eine klar, wie sehr jeder deutsche Ka- pitalflüchtige an der Verschlechterung feiner eigenen Wirtschaft aktiv mitarbeitet. wie die kurz vor und besonders nach den Wahlen vom 14. September wieder mächtig angeschwollene Kapitalsluchtbewegung be- weist, wäre es aber vergeblich, an die Beherzigung dieser Lehren zu erinnern. Auch diesmal, bei dem drillen, auch heute noch nicht ganz abgeebbten Ansturm gegen die Reichsmark Handell es sich um eine währungspolitifche Beunruhigm.g, die wiederum in der doppelten Erscheinungsform ausländischer Geldrück- Ziehungen und heimischer Kapitalflucht austritt. wiederum haben französische Geldkündigungen— vorgenommen au» politischen Gründen und Befürchtungen wegen des deutschen wahlergebuisses— zu einer Schwächung des Reichsmarkkurses geführt und wiederum haben— wie im Vorjahre— gleichzeitige vevlfenansorderungen für Kapllalfluchtzwecke die Wirkung der ausländischen Kreditkündigungen matzlos erhöht. Wie groß die franzöfischen Geldabziehungen tatsächlich gewesen sind, läßt sich schwer angeben. Ewen ungefähren AnHall bieten die zur Beschaffung von französischen Devisen notwendig gewordenen Goldabgaben der Reichsbant. Sie belaufen sich für die letzten dvsi Wochen insgesamt aus 210 Millionen Mark, so daß man unter Berücksichtigung der alten Devisenbestände und der gleich- D-vis-»"dg�ng» ßjj. Reparatllmszwecke auf einen Betrag von Über 300 Millionen Mark gekündigter Franzosenkredite kommt. Es ist dies ein Betrag, der schätzungsweise nur etwa 3 0 bis 40 Prozent der französischen Kurzfristkre- dite in Deutschland erfaßt. Der Rest der in Deutschland belassenen französischen Gelder war wegen längerfälliger Fristen teils noch nicht kündigungsreif, teils stehen die französischen Geldgeber sozu- sagen Gewehr bei Futz— sofort bereit, ihre restlichen Guthaben zurückzuziehen, wenn sie die Sicherheit dieser Guthaben bedroht glauben. Soviel geht jedenfalls wieder aus dem Gesamtbetrag der De- vifen- und Goldverluste der Reichsbank(über eine halbe Milliarde) in den letzten drei Wochen hervor— was auch so schon bekannt war— daß die deutschen Kapitalflüchtigen es teilweise noch eiliger halten als das Ausland, ihre realisierbaren Vermögenswert« ins Ausland zu verschieben. Die Kapitalflucht dürfte nach vorsichtiger Schätzung allein in den aller-, letzten Wochen mindestens 250 bis 300 Millionen Mark betragen, also ebensoviel wie die gleichzeitig abgerufenen französischen Kre- dite. Die unheilvolle Wirkung besteht für Deutschland in einer weiteren Erschwerung und Verteuerung der heimischen Ka- pitaloersorgung und damit in einer neuen Derschärfung unserer politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die R c i ch s b a n k war st a r k genug, um den gegen sie andrängenden Devisensturm ohne besondere Anstrengung abzu- wehren. Sie hat den Verlust von mehr als einer halben Milliarde an Gold und Devisen zu beklagen, aber sie verfügt noch immer über genügende Milliarden Reserven, um eventuell noch weiter ähnliche Stöße auszuhalten. Vor allem aber verfügt die Reichsbank im R o t s a l l e durch die Möglichkeit einer Diskonterhöhung oder Kreditrationierung über eine Abwehrwasfe, die ihre unbedingte Wirksamkeit bereits in den beiden erstbehandelten Fällen erwiesen hat. Es wäre schlimm, schlimm vor allem unter den gegen- wärtigen Konjunkturoerhältnisien, wenn dieses äußerste Mittel der Währungsverteidigung zum dritten Male angewandt werden müßte. F. O. Gefährliches Spiel. Llm die Düngemittelkredite— Manöver gegen Preußenkasse Durch die landwirtschaftliche Presse gehen Nachrichten, wonach die Rentenbankkreditanstalt ihre Personalkredite pro- longiert hat. Daran wird die Forderung geknüpft, daß die Preußenkasse ihre Düngemiltelkredite ebenfalls verlängere. Dem ganzen sucht man den Anschein zu geben, als handle es sich um eine durch die gegenwärtige Schwierigkeit ge- boten« Maßnahme. Bei der Deutschen Rentenbankkreditanstalt dürfte es sich um Erntefinanzierungskredite handeln, die festgefroren sind. Das ist kein Idealzustand. Aus der Rot will nun der Landbund«ine Tagend machen. Nach dem Gesetz müssen nämlich die Personal- kreditgeschäfte der Rentenbankkreditanstalt Ende 1930 aufhören. An sich stellt die Rentenbankkredilanstalt im Per- sonalkreditgeschäft eine Ueberorganisatwn dar. die sich nur aus der Entwicklung der letzten 6 Jahre erklärt. Wenn gewisse Kreise nun dafür eintreten, der Rentenbankkreditanstalt dos Recht zu geben, auch über das Jahr 1930 hinaus im Personalkreditgeschäft tätig zu sein, so will man durch die Verlängerung der Personalkrcdite eine vollzogene Tatsache schassen. Daran hat die A l l g«- meinheit kein Interesse. Sie hat aber Interesse daran, daß der Personalkredit der Landwirtschaft gesundet. Das ge- schieht nicht durch Ueberorganisation. Deshalb wäre es völlig ver- kehrt, der Rentenbankkreditanstalt auch noch weiterhin das Recht zu geben. Personalkreditgeschäfte zu betreiben. Dies« Geschäfte waren immer Aufgabe der Preußenkasse. Die Prenßenkaffe hat gezeigt, daß sie ihren Aufgaben gewachsen ist. Die Forderung an die Preußentasse, die Düngemittelkredit« zu prolongieren, wird so ziemlich in jedem Herbst gestellt. Durch unpünktliches Zurückfließen der Düngemittelkredite muß die Ge- sundungspoliti? der Preußenkasse gefährdet werden. Kredit- restriktionen, etwa wie sie im Jahre 1929 durchgeführt wurden, wer- den der Landwirtschaft drohen. Die Finanziernna der Dünge- mittelkampagn« wird überhaupt in Frage gestellt. Hier wird von den Agrariern ein gefährliches Spiel gespielt. Manöver gegen die Preußenkasse sind auch gefährlich für den landwirtschaft- lichen Kredit. Daran soll man rechtzeitig denken. Berliner Konsum im September. Troh drückendster Wirtschaffönot 10 pro, llmsahsteigerung. Die Konsumgenossenschaft Berlin, deren Mitgliedschaft sich zum weitaus größten Teil aus den Schichten der Arbeiter- und Ange- stelltenfchaft zusammensetzt, die den wirtschaftlichen Bedrängnissen am stärksten ausgesetzt sind, vermocht« im September trotz der als Folg« der wachsenden Arbeitslosigkeit um sich greifenden Kaufkraft- lähmung, trotz weichender Preise, ihren Septemberumsatz gegen- über dem Vorjahr um fast 10 Proz. zu erhöhen. Der Ge- s a m t n m s a tz stieg von 5 764 304,99 M. um 564 615,90 M. aus 6 328 920,89 M.— 9,8 Proz. Hervorragend beteiligt ist an der Umsatzocrmehrung die Gruppe der Fleischabgabestellen, bei der sich die Umsatzerhöhung auf 52 Proz. bclief. Der Durchschnittsumsatz je Mitglied weist eine mäßige Erhöhung, von 32,11 M. um 0,52 M. auf 32.63 M.. auf. Für die drei ersten Monate des 32. Geschäftsjahres zeigen die Umsätze folgendes Bild: Juli/ September 1930. Juli/ September 1929. Mehrumsatz im 1 Vierteljahr 1930 1 580 302,78 M-- 8.8 Proz. Der Mitgliederbestand nähert sich infolge fortgesetzt lebhaften Mitgliederzuflusses rasch dem zweiten Hunderttausend; im September wurden 2457 Aufnahmen vollzogen, wodurch sich der Mitgliederbestand auf 196 909 erhöhte. Im e r st e n V i« r t e l° s a h r des 32. Geschäftsjahres haben 8826 Haushaltungen ihren Anschluß an die Genossenschaft vollzogen. Di« konsumgenossenschastliche Sparkasse oermehrte ihr« Einlagen noch um 383 151 M.; der Spargeldbestand betrug Ende September 47 472 250 M. Das Abgabe stellennetz erfuhr eine Erweiterung durch Errichtung zweier Fleischabgabestellen in Hennickendorf, Kreis Niederbarnim, und Waidmannslust. . 19 504 341,76 M. . 17 924 028,98 Verdoppelter Ausfuhrüberschuß. Die ersten acht Monate 1930 zeigen eine glänzende Entwicklung des deutsch-französischen Außenhandels zugunsten Deulschlauds. Deutschland steht heute anersker Stelle im französischen Außen- Handel. Zm vergleich zur gleichen Zeil des Vorjahres ist die deutsche Ausfuhr nach Frankreich von 4.1» auf 5,33 Milliarden Frauke« gestlegen, die französisch« Einfuhr nach venlschland hat sich von 3.15 aus 2,90 Millionen Franke« verringert. Der deutsche Ausfuhrüberschuß ist In einem Zahre von 1.03 aus 2,43 Milliarden Franken mehr als verdoppelt worden. Soviel Nutzen bringt der Wirtschaflsfriede mit Frankreich. Aber wegen der französischen Wein, und Gemüseeinfuhr soll der Handel». vertrag mit Frankreich nach dem Hüllen des Landbundes gekündigt werden. Hände weg voa den Sandel, vertrSgen! Waggonbau erhält Arbeit. Für 52 Millionen Reichsbahnausträge vergeben. Die Bestellungen der Reichsbahn an die Waggonindw» st r i e sind jetzt, wie wir hören, offiziell vergeben worden. Der Wert der Aufträge beläuft sich auf rund 52 Millionen Mark, wobei zu berücksichtigen ist, daß gegenüber den letzten Preisen die Reichsbahn jetzt eine Berbiltigung um 10 Proz. durch. setzen konnte. Der Linke-Hofmann-Busch-Konzern in Breslau und Westsachsen erhält von dem Beschaffungsprogramm einen Anteil im Werte von 15 bis 16 Millionen zugewiasen. Der führende westdeutsche Konzern, die Bereinigte Westdeutsche Waggon- fabriten-A.-G. in Düsseldorf, erhält für 10,5 Millionen Aufträge, und der drittgrößte Quotenbesitzer, die Görlitzer Waggonfabrik, Aus. träge von 3,5 Millionen. Die Berliner Werke von Orenstein u. Koppel haben Bestellungen in Höhe von 4 Millionen erhalten. Die Aufträge lausen bis zum 30. Juni nächsten Jahres und er° fordern daher bei einigermaßen gleichmäßiger Beschäftigung er. hebliche Streckungsmoßnahmen bei verschiedenen Werken. Ein scharfer Protest. Baugenossenschaften gegen das Wirtschastsprogramm der Reichsregierung. Der Hauptverband Deutscher Baugenossenschaften, die Spitzen- organisation von etwa 30 00 gemeinnützigen Bauver- einen, erhebt nachdrücklichst Protest gegen die in der kürzlichen Verlautbarung der Reichsregierung mitgeteilten Pläne über die Fi- nanzierung der künftigen Neubautätigkeit. Cs ist mit Bedauern festzustellen, daß die von dem Herrn Reichsminister der Finanzen in einer Wohlrede aufgestellte For- derung auf Kürzung des Wohnungsbauanteils des Hauszinssteuer- aufkommens um 400 Millionen nun die Billigung der gesamten Reichsregierung gefunden zu haben scheint. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob das sachverständige und ver- antwortliche Wohnungsressort des Reiches bei diesem Programmpunkt der Rcichsregierung nicht genügend zur Geltung gekommen ist. Während Kreise der Bau- und Woh- nungswirtschaft aus guten Gründen eine Verstärkung der öffenl- lichen Wohnbaumittel fordern, wird jetzt an offizieller Stelle das Gegenteil geplant. Auf diese Weise entzieht man dem Wohnungsbau einen erheblichen Teil der bisherigen Mittel und verstärkt damit zwangsläufig die Arbeitslosigkeit in dieser Schlüsselindustrie, sowohl in den Kreisen der Arbeitnehmer wie der Unternehmer� und damit die eigentliche Quelle der Not der Reichsfinanzen. Noch vor kurzem lzat die Reichsregierung durch das zusätzliche Wohnungsbauprogramm die innigsten Zusammenhäng« zwischen Wohnungsbau und Arbeitslosigkeit ausdrücklich anerkannt. Warum verleugnet sie neuerdings ihr« frühere bester« Erkenntnis? Ein bedauerlicher Trugschluß ist es, zu glauben, daß durch die Senkung der Real steuern und Gewerbe- steuern dieser durch die Kürzung der Hauszinssteuermittel verursachte Arbeitsausfall wieder ausgeglichen wird. Es kann keine Rede da- von sein, daß die Realsteuersentung«ine Ankurbelung der Wirt- schaft hervorbringen kann, die doch lediglich durch Stärkung der Kaufkraft, also Beschaffung von Arbeitsmöglichkeit, belebt wird. Bekordarbeiislosigkeii in England. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich am 29. September auf 2 161 698, ein« Rekordzahl, die um 52 031 höher ist als in der vor- angegangenen Woche und um 979827höheralsim vorigen Jahr.__ Der Kaliabsatz bleibt günstig. Im September hat der Kali- abfatz, nach dem Bericht des Deutschen Kaliiyndikats, sich gegenüber dem August von 0,98 auf 1,27 Millionen Doppelzentner erhöht. Der Septemberabsatz des vergangenen Jahres wird damit um rund 42 000 Doppelzentner übertroffen. Vom Jahre 1928 abgesehen übertrifft der Zeptern berabsatz in diesem Jahr die Verladungen in den Vergleichsmoneten der vorhergehenden vier Jahr«. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden von den Kali-- werten insgesamt rund 11,5 gegen 11,38 Millionen Doppelzentner in der gleichen Zeit des Dorjahres abgesetzt. Engelhardts Viergewinne. Di« Engelhardt- Brauer ei A.- G., B e r l i n, kündigt an, daß sie für das Geschäftsjahr 1929 ßO voraussichtlich die gleiche Dividende wie im Vorjahr(13 Proz.) ver- teilen werde. Der Absatz sei zwar mit der Verschlechterung der Wirts chaftslaqe zurückgegangen, sei aber in den ersten Monaten des Geschäftsjahres verhältnismäßig gut gewesen. Der Aufsichtsrat wird in der nächsten Woche über die Dividende beschließen. Amerikanischer Millionenanstrag für die Kabelindustrie. Bei einer internationalen Konkurrenz m Buenos Aires, an der 24 Firmen teilnahmen, ist jetzt ein Kabelauftrag im Werte von über einer Million Mark an die Bereinigte deutsche Metollwerke A,-G. in Mannheim gegangen. Dieser Austrag gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, ihre Starkstromabteilung bis zum Mai 1931 voll zu beschäftigen, wodurch etwa 300 Arbeiter, deren Entlassung bevorstand, im Betriebe belassen werde« können. Muri Studolf Weuberl: Itach einem ffllm Wir hatten uns den Kriegsfilm angesehen. Wir gingen nun schweigend über die Treppen des grohen Filmpalastes, noch mitten unter hundert schwatzenden, ahnungslosen Menschen. Auf der Straße oersuchten wir erst einmal aufzuatmen. Wie aus einer anderen Welt herübcrgerissen, gingen wir durch die tosenden, grellen, flimmernden Straßen des Tauentzienoiertels, und es war uns, als trügen wir statt der leichten Hüte Stahlhelme, und unser Schritt klang schwer auf dem Pflaster. Wir fanden im Gespräch nicht gleich zueinander, wir waren noch mitten drkn im Schrecklichen des Krieges, der Atem war uns genommen, linsen Herz gelähmt, unser Hirn mit grauen- hasten Vorstellungen erfüllt. Ganz tief steckten wir noch, bis zum Halse, im Schlamm. Und mein Freund Paul blieb plötzlich auf der Straße stehen, strich sich mit der Hand über die Stirn, fragte:„Wann war das? Krieg?" Dann setzten wir unseren Weg wieder fort und nach einer Weile, wie aus tiefen Unterstanden der Erinnerung, fragt« er mich, beinahe drohend:„Warst du eigentlich auch draußen?"„Nein, sagte ich, der Krieg hätte noch drei Jahre dauern müssen..." „Aber ich. du, ich war mitten drin. Im größten Schlamassel." Er schwieg gleich wieder. Und dann, wie zu sich selbst:„12 Jahre schon aus der Hölle? Daß ich hier nun gehe? Daß ich nicht dort liege irgendwo vor Berdun oder bei Ppern oder in den Karpathen.. „Würdest du," fragte ich plötzlich, von einer Idee getrieben. „würdest du noch einmal in den Krieg ziehen, wenn es darauf ankäme?" Er sah mich betroffen an. Sein Blick war wie«in Bosonett- stich. Daim sagte er langfani:„Junge, wenn die Menschheit nicht wahnsinnig wird, dann gibt es sobald keinen Krieg mehr." „Keinen Krieg mehr!" Mir klangen die Worte im Ohr. Mein Freund ging schweigend weiter. Ich glaubte, daß er noch mitten im Kriege ivar lind seine Knochen zusammensuchte auf den Schlachtfeldern bei Arras, aber auf einmal fuhr er aus seinen Ge- danken aus:„Sieh mal, wenn.." „Wenn..." Oos Wort blieb in der Luft stehen. Mit einem großen Frage- zeichen. Dann nickte mein Freund Paul mit dem Kopf. Es war das Lächeln einer Generation, von der Remarque sagte, daß sie vom Kriege zerstört wurde, auch weim sie seinen Granaten cntkani... „Wir wollen noch ein Glas Bier trinken", schlug ich vor. „Schlafen kannst du nach diesem Film doch noch nicht, und deine Frau wird schon wissen, daß wir irgendwo eingekehrt sind, es kommt ja bei dir so selten vor." „Meine Frau—" er blieb stehen, sah mich an.„meine Frau... ich denke eben, ich stelle mir vor, wie sie... wenn nun wieder Krieg wäre, wie sie auf mich warten müßte, ein Jahr, zwei Jahre... ich komme auf Urlaub, zehn Tage, fahre wieder fort.. „Es ist schlimm" sagte ich. Ich atmete auf: auf mich würde keine Frau warten. Ein paar Mädels... das ist noch nicht so schlimm... „Komm!" meinte da Paul„ich habe einen Brand." Wir gingen in ein kleines Ecklokal. Es war ziemlich leer in der Gast- stube, wir saßen ganz hinten, vor uns standen gleich zwei Mollen. Paul war ganz in Gedanken. Dann fing er an zu erzählen. Wie einer, der nach fünfzehn- jähriger Abwesenheit heimkehrt. Aber es war kein fließendes, oe- fammeltes Erzählen, seine Bilder, Worte, Erlebnisse platzten gleich- sam wie Minen im Trichterfeld, sie schleuderten Dreck, Menschen, Maschinen in die Luft, und man lag zugedeckt von Grauen und konnte nicht atmen. Krieg! Wir sahen hier in einer friedlichen Kneipe, wir hatten nur einen Film gesehen, wir würden gleich wieder nach Hause gehen, in unser Bett, morgen früh ins Büro, in das geordnete, zusammen- hängende Räderwerk eines großen Getriebes. Aber wir spürten visionär in dieser Stunde: ein Gewitter, das sich plötzlich ausziehen kann, eine Faust, die plötzlich in das geordnete Räderwerk des großen Getriebes niederschlagen kann, die uns zermalmt, fortstößt aus der Ordnung in das blutig« Chaos. „Paul!" rief ich meinen Freund an. Er saß blaß da und starrte ins Bierglas. Seine Hände lagen geballt auf dem Tisch, es sah aus, als würde er jeden Augenblick eine Bewegung machen, um die Gläser vom Tisch zu fegen. „Paul!" Wir standen jetzt auf, zahlten und gingen durch die Straßen nach Hause. Unterwegs gab es noch einen Zwischenfall. An einer Straßenecke hielt ein Lastauto, von dem Hakentreuzler gesprungen waren, um Passanten, die ihnen wohl etwas zugerufen hatten, zu oerprügeln. Wir liefen beide hinzu. Im Schein der Straßenlampen sahen wir die Gestalten am Boden, ineinander verkrampft, verbissen. „Paul!" sagte ich,„diese hier wissen nichts vom Krieg..." Ich sah ihn an, um die Wirkung meiner Worte zu ermessen, aber er hatte sein Gesicht im Schatten, das Weiße seiner Augen funkelte für einen Moment auf bei einer heftigen Bewegung des Kopfes, es schien, als würde er sich auf den Haufen der Berbissenen stürzen. Dann zog er mich unwillig fort. Später sagte er:„Die Jungens... von 14... die waren doch anders. Aber hier? Verrohung. Borniertheit. Politische Lümmelei. Ihr wüstes Von-sich-reden-machen zerstört den Gefun- dungsprozeß." Als wir vor Pauls Haus standen, sah ich sein Gesicht voll im Schein einer Straßenlampe, es sah müde aus, resigniert, er stand da wie einer, der immer noch nicht weiß, wofür er vier Jahre ge- kämpft hatte, wie einer der letzten und wenigen schien er mir, die den Jungen noch etwas zu sagen hätten, aber er schwieg bitter. Leise sagten wir uns Gute Nacht. Tolkmar dro: $)er falfche£eopard Mit zwanzig Jahren Tierbändiger in einein amerikanischen Wanderzirkus, dann Direktor eines Affentheaters, Gründer eine? Katzenfarm und schließlich Kameramann bei tropischen Filmexpedi- tionen— Henry Emerson hotte wilde Bestien und zahme Tiere vcn der Pike auf studiert! Nebenbei besaß er auch«ine kleine Schwäche für hübsche Mädchen, aber seine Bombenerfolge beim zarten Geschlecht nahmen seit jener verhängnisvollen Filmaufnahme, die ihm zwei Drittel feiner schönen Nase und sechs Zähne kostete, ein jähes Ende. Das war im französischen Kongo, etliche Tagemärsche von dem kleinen Nest Franceville. Emerson sollte für eine amerikanische Firma einen spannenden Naturfilm mit diversem Raubgetier, tanzenden Negern, Krokodilen und Schlangen drehen. In seinem Drehbuch war auch eine Leopardenjagd ausgearbeitet, denn man hatte auf einer Farm einen lahmen Leoparden ausgetrieben, der als junges Tier durch einen Schuß in den Schenkel verletzt wurde und seither als Liebling der Farmerskinder in einem Käfig das Dasein einer verwöhnten Tiergortenkatzc führte. Dieser zahme Leopard hieß Bobby und niemand ahnte, daß die fingierte Filmjagd aus den gutmütigen Bcbby zu einem aufregenden Abenteuer werden sollte. Da war an einem Regenmittag alles schon vorbereitet, das Licht wie bestellt, denn die Sonne stand hinter riesigen Haufen von Gewitterwolken und täusche eine unheiniliche Mondlandschaft vor. Man führte den Käfig mit Bobby auf einem Karren weit in den Camp hinaus und stellte ihn hinter einem dichen Gebüsch auf, ein Dorfhund sollte als Lockköder dienen tmd den freigelassenen Leoparden zum Sprung reizen. Dieser rohe Iagdbrauch ist bei der Leopardenjagd allgemein üblich, keiner von den Jägern kümmert sich um dag klägliche Geheul des Hundes, der, in seiner angeborenen Todesangst vcr den grohen Katzen durch sein Kewinsel den Urfeind anlocken soll. Emerson hatte die Hand an der Kurbel, gab das Zeichen und begann zu drehen: Sofort tauchte hinter einer Anhöhe ein Rudel von Oel triefender Neger auf, sie berieten sich eine Weile, schleppten dann den struppigen Hund zu den Büschen, banden ihn an einen Bauin und verschwanden. Da- Tier witterte sofort den Leoparden, zerrte ver- zweifelt an seinem Strick und l)eult«, daß man es auf drei Meilen hören konnte, Emerson dreht« eifrig und wartete gespannt auf Bobby, der in seinem Käfig wie ein böser Kater kmirrte und nach der langen Gesangenschaft endlich ein Jagdvergnügen witterte. Als Emerson den armen Hund genügend gekurbelt hatte, setzte er aus und horchte: Ein Knacken in den Zweigen, gleich darauf ein Schrei— ein gelber Kopf erschien auf der Palme über dem Hund, die grünen Lichter funkelten unheinitich, Emerscn hielt den Atem an und begann iofort zu drehen, ini nächsten Augenblick stürzten sein« vier Schwarzen entsetzt auf ihn zu, sie schnitten Grimassen, als ob ihnen der Tod im Nacken sähe, einer fiel in seinem Schrecken der Läng« nach vor der Kamera zu Boden, war in einer Sekunde hoch und rannte weiter, Emerson schrie„Exzellent", denn diese improvisierte Flucht, die in seinem Drehbuch gar nicht vorgesehen war, gab eine unerhört wirksame Szene! Er dachte keinen Augenblick nach, warum sich die schwarze Ge- sellschaft eigentlich diesen Spaß geleistet habe, scherte sich auch nicht um das Gezeter der Neger, die jetzt etliche hundert Meter hinter ih,n hall machten und einander überschrien, sondern drehte ruhig weiter, denn der Leopard ließ sich eben senkrecht von der Palme herunter- fallen, dicht neben den Hund, dessen Angstgefühl sofort in ein kläg- liches Winseln überging. Aber das Raubtier ließ den Hund winseln, saß reglos und starrte tückisch gegen die kurbelnde Hand Emersons hinüber, der jetzt zu seiner größten Verblüffung«inen zweiten Lee- pärden langsam aus den, Gebüsch kriechen sah. Bevor er die Situation noch begriff, setzte der Leopard neben dein Hund schon zum Sprung an, Emerson zog jetzt blitzschnell die Pistole, feuerte, streifte das Tier, erhielt im nächsten Augenblick cinen fürchterlichen Schlag ins Gesicht und flog samt seiner Kamera nach rückwärts.— So verlor Henry Emerson zwei Drittel seiner schönen Nase .und sechs Zähne und bekam statt eines Leoparden zwei auf den Film, er hatte dabei noch das Glück, daß der Prankenschlag zuerst die Kamera traf und dadurch abgeschwächt wurde. Der wilde Leopard, der mit dem zahmen Bobby ungebeten zur Aufnahme erschien, war in der ganzen Umgebung als der „verzauberte Räuber" gefürchtet, er holte sich seine Hunde und Ziegen mitten ans den Dörfern und hatte bei einer Treibjagd einen jungen Neger velltomrnen zerfleischt— kein Wunder, dah die vier flüchtenden Schwarzen dann auf der Leinwand ganz unglaublich echt wirkten! 3ttan Meilbui: SOKinlftfjSTVLllß Sonntagnachmittog. Draußen ist's warm Und das Mittag- essen war gut. Man legt sich auf's Sofa und schlummert. Ander« rauchen das Pfeifchen. Die jungen Leute, Studenten, lesen: einig« sitzen nur da und denken: die meisten sitzen am Fenster und denken nicht. Alles in allem: Die Straße rnht... Ganz aus der Ferne«in leise klingendes Klirren. Die ganze Straße, entsetzt, spitzt die Ohren. Was gibt es denn? Ist ein Ungewitter im Anzüge? Oder die Kriegsmusik vergangener Zeiten? Oder was gibt es sonst Entsetzliches, das eine ganze Straße erbleichen macht?— Die Fenster werden geschlossen, die Leser aus den Ballonen flüchten hinein, manchmal saust die Holzgardins herunter. Unterdessen ist das Klingen und Klirren näher gekommen. Es ist nun auch kein Klingen und Klirren mehr, jetzt ist es Gepolter. Und es poltert sehr langsam, sehr longsam heran. Irgendwo öffnet sich wieder ein Fenster. Ein bejahrt«: Mann in Hos« und Weste will etwas hinunterrufen, aber wie er die Lippen austut, verliert er den Mut. Er zieht sich zurück und schlicht das Fenster. Und das Poltern wird zum Getöse, wie die Donner Gottes rollt es und kracht es den einsamen Weg. Drinnen in chren Stuben liegen die Menschen und stöhnen. Es ist eine ungeheure Naturgewalt, die da ihrep Pfad zieht: ein kleiner Junge, der eine leere Konservenbüchse mit dem Fuß über's Pflaster treibt. Die Straße ist leer vor ihm geworden. Nur einige Kinder, die vor den Häusern spielen, nähern sich neidisch»nd sehen ihm zu, wie er fröhlich dahingeht. Da fragt ihn einer so nebenbei:„Willst du nicht mit uns Fußball spielen:"—„Ja", sagt der kleine Junge,„natürlich, habt ihr denn cinen Fußball?"—„I", sagt der Andere,„du hast ja cinen."—„Ach, richtig", sagte er,„da hast du recht." Und es wird still. Noch einige Kinderstimmen, die rufen. Die Holzgardinen heben sich wieder, die Fenster werden geöffnet, die Leser mit chren Büchern setzen sich auf die Balkone. Und alle denken: Ein mutiger Held hat sich der Naturmacht in den Weg geworfen, hat ihr das Donnerwerkzeug entrissen. Indessen liegt der Fußball schon inmitten der Straße. Einige an den Fenstern haben es nun auch bemerkt, sie schließen das doppelle Flügelpaar und ziehen sich bis zum Abend zurück— in die Küche.' Die Leser, die, sehr vertieft, nur Augen für ihre Seiten haben, heben plötzlich den Kopf und starren vor sich, als ob ein Familienunglück, ein Telegramm, sie bewegte. Und das Fußballspiel ist im Gange. Bis zum Abend dauert der Sport. Dann tritt eins Pause ein. Wenn das grüne Licht der Laterne über den Fahrweg scheint, rufen die Stiimnen zu neuem Kampf. Man ißt in der Küche das Abendbrot. Man holt dos Gram- mophon mit dem riesigen Trichter und stellt es zwischen die Kessel und Töpfe. So tröstet man sich und die Nachbarn— um die verdorbene Sonntagsruhe. Sin Skistseenb Wie C. 3). Friedrich das Aiefengebirge enidedile Caspar David Friedrich, der größte Landschaftsmaler der deut- scheu Romantik, ist der eigentliche Entdecker des Gebirges in unserer bildenden Kunst, denn er bot zum erstenmal statt der freundlichen Veduten und idyllischen Durchblicke die einsame Größe und urwelt- lich« Kraft, die noch im Charakter der Gebirgslandschaft erhalten ist. Daß er diese grandiosen Eindrücke, wie sie in seinen mächtig- sten Bildern enthalten sind, nicht aus der mehr lieblichen Harznatur gewinnen konnte, hat man schon früher erkannt, und in den Bio- graphien wurde auch«in« Riescngebirgsrcise erwähnt, die er mit seinem Freunde Kersting gemacht haben sollte. Aber unzweideutige Beweise für diese Fahrt waren bisher nicht erbracht: sie werden erst jetzt von Dr. Günther Grundinann in einem Aufsatz der„Schlesi- scheu Monatshefte" geliefert, in dem er die Zeichnungen und Aqua- relle zusammenstellt, die der Maler auf seiner Wanderung geschaffen und die sich in einem Skizzenbuch zusammenfügen. Da diese weit zerstreuten Blätter das gleiche Format aufweisen, so ist<- höchst wahrscheinlich, daß sie zu einem wirklichen Skizzenbuch Fried- richs gehörten. Der Berfasser gibt uns aber auch ein dokumentari- sches Zeugnis für diese Riesengebirgswanderung, denn obwohl die ollen Koppenbüger von 1801 bis 1810 fehlen, fand et doch einige in einem anderen Koppenbuch«ingeheftete Seiten, auf denen zwi- scheu mehr oder weniger gefühlvollen Versen die schlichten Zeilen stehen:„Friedrich, Landschaftsmaler aus Greifswald in Schwedisch- Pommern. George Kersting aus Güstrow in Mecklenburg-Schwerin, den 11. Juli 1810." Ueber den Berlauf der Reif« selbst, die von so großer Bedeutung für die Geschichte der deutschen Kunst werden sollt«, hat Grundmann die Skizzen aus der Zeit vom 2. bis zum 17. Juli 1810 zusammengestellt, zeitlich geordnet und durch eigen« Wanderungen die verschiedenen Oertlichkeiten festgestellt. Von Dresden aus marschierten die beiden Freunde durch die Vorlandschaft des Elbsandsteingebirges, rasteten bei den sagenum- wobenen Kirchenruinen des Oybin, die Friedrich in einer Skizze festhieit, wanderten dann über Barzdors nach Zittau, wo der Künst- ler die Ansicht der Finkenkoppe festhielt, und näherten sich so dein Jserkamm, der ebenfalls skizziert wurde. Dann ging es nach Schreiberhau und von dort über den Zackelfall zum Kamm. Am 10. und 11. Juli erfolgt« die Wanderung über den Kamm und die Besteigung der Schneekoppe. Dann blieben die Reisenden noch in Warmbrunn, dessen nähere Umgebung auf vier Zeichnungen dar- gestellt ist. Auch der Kynast wurde besucht, und am 17. Juli der Kochelfall, dessen riesigen Felsbiock Friedrich auf einer lasierten Zeichnung naturgetreu wiedergab. Dann wurde die Heimwande- nmg angetreten. Die Eindrücke, die der Maler hier erhielt, haben seine Gestaltung des Gebirges entscheidend beeinflußt. Ueberoll kehren in seinen Vergformen die Typen der Riesengebirgslandschait wieder, aber genau nachweisen läßt sich die Oertlichtell nur in dreien seiner Hauptwerte. Das in der Münchener Pinakothek befindliche Bild.Morgennebel im Riesengebirge" ist nach einer Skizze gemalt, die oberhalb der heutigen Elbfallbaud« auf dem Wege zur Schneegrubenbaude entstand. Die große Riesengebirgslandschast der Berliner Nationalgalerie zeigt die ganze Eigenart des Riesen- gebirgskamms und führt eine Ansicht vor, die ganz in der Nähe der Wiesenbaude gewonnen wurde. Das berühmte„Kreuz im Riefengebirge", das im Berliner Schloß hängt, zeigt zwar eine ins Visionäre gesteigerte Landschaftsform, ist aber auf«inen Eindruck zurückzuführen, den Friedrich aus der Höhe des Gebirges, an der Schneetoppe, den Schneegruben oder den Friesensteinen, empfing. „Hundertmal geahnt und doch nie bewiesen in ihrer Verbundenheit mll dem Riesengebirge," schließt der Berfasser,„ordnen sich nun diese drei Gebirgsbilder Friedrichs seinem Wanderweg und Wandererleben des Iulimonats 1810 ein. Aus einer Summe von kleinlicher Mühsamkeit auf dem Wege zur Selbstverständlichkeit des Beweises dürste sich das Wissen um das eine formen, das Caspar David Friedrich aus der Bedingtheit des Riesengebirgcs die Un- bedingtheit einer kosmischen Gcbirgswclt gestaltet hat." Spinntveben-Srule Die Jahreszeit ist jetzt wieder da. in der eine der merkwürdig- sten Ernten gehalten wird. Im Spätsommer»verden nämlich nicht nur die Früchte des Feldes und der Gärten in die Scheuern ge- fahren, sondern die Feinarbeiter, die zur Herstellung Wissenschaft- sicher Instrumente der Spinnenweben bedürfen, versorgen sich mit diesem wichtigen Stöfs. Di« fleißigen Weberinnen der Luft wer. den dann gefangen und in leere Streichholzschachteln gesetzt. Nach- dem das Tier 3 oder 4 Tage in der Gesangenschaft gehalten worden ist, wird die Schachtel geöffnet und der Spinne eine Leiter in Gestalt eines Bleistiftes dargeboten, an der sie eifrig in die Höhe klettert. Um sich nun auf den Boden herabzulassen, spinnt sie«inen ihrer feinen Seidensäden, und wenn sie dies tut, dann windet der Arbeiter rasch den Faden, um einen kleinen Drahtrahmen. Manch- mal genügt«ine einzige Spinne, um aus 20 solcher Rahmen Fäden aufzuwickeln, und sie liefert so etwa 100 Meter Gewebe, bevor sie zu spinnen aufhört. Dann wird sie in Freiheit gesetzt. Hat man etwa ein Dutzend Spinnen aus diese Weise gezwungen,, ihr« Fäden herzugeben, dann hat der Mechaniker gewöhnlich genug Material, um wieder ein ganzes Jahr lang damit zu reisen. Die Spinnen- weben sind deshalb für die Herstellung feinmechanischer Jnstru. ment«, wie von Mikroskopen, Fernrohren und Theodoliten, so wert- voll, weil jeder andere Stoff, mag er auch sonst noch so sein sein, sich unter der Einwirkung von Hitze, Kälte oder Dampf, oerändert, während das Gewebe der Spinne unter allen Umständen gleich bleibt und daher sich vorzüglich für feinste Messungen eignet. Äie It&rme im IVeipenncii Bemerkenswerte Beobachtungen' Uber die biologische Beden- tung der Wärme in Wespennestern berichtet A. Steiner. Seine Untersuchungen haben ergeben, daß in einem von der Sonne bc- strahlten Wespennest an sechs aiifeinandersolgenden Sonnentagen eine mittlere Nesttemperatnr von etwa 35 Grad herrschte, die auch nicht weiter anstieg, während ein leeres Kontrollnest Wärmen von über 45 Grad aufwies. Das Gleichhalten der Temperatur wird von den Wespen durch Wassereintragen und gruppenweises Fächeln erreicht, woran sich auch die Königin beteiligt. Es lieh sich fest- stellen, daß eine Königin in einer Stunde aus etwa 90 Flügen so viel Wasser eintrug, daß durch dessen Verdampfung die Nestlempe- ralur um über 10 Grad herabgesetzt wurde. Diese Fähigkeit der Wespen, wie auch anderer Insekten, die Wärme ihres Nestes zu regeln, wird ausschließlich für Zwecke der Brutpflege ausgenuist. Eine chittlere Nesttemperatur von etwa 35 Grad scheint der Eiit- w�cklung der Brut am günstigsten zu sein. Blaue Hummern. In den Hudson-Kanälen Brooklyns scheinen die früher zu den größten Seltenheiten gehöreirden blauen Hummern sich vermehrt.zu haben. Dem New-Aorker Aquarium sind dieser Tage vier über 30 Zentimeter große Hummern mit tiefblauer Farbe eingeliefert worden. Zwei dieser Exemplare werden im Aus- tausch an fremde Aquarien abgegeben werden. Bisher war über- Haupt nur der Wissenschaft ein Exemplar dieser seltenen Tiergattung bekannt, das vor einigen Jahrzehnten im New-Dorker Aquarium war und sich nur wenige Wochen am Leben gehalten hat.