BERLIN Nonnerstag s. Oktober 1SZ0 10 Pf, Nr. 474 B 236 47. Jahrgang erschetnttSslichauterSonst««». Zugleich Abendausgabe de«.Vonrirts'. DejugsPrei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, ZMM. pro Monat. Redaktion und Expedition; D«rlinSW68,LiudenKr.» /if Anteigeoprei«: Di« einspaltige Nonpareillezeil« «o Pf., Reklameitile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dvrwürtt-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr.S7Sse. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis s»? Braunschweig unterm Hakenkreuz Sozialdemokratische Beamte zwangspenfioniert- Gaalfchlacht in Dresden Braunschweig. 9. Oktober.(Eigenbericht.) Die Hokenkreuzregierung m Bnnmjchweig hat die fojkilhcmct kmtischen Kreisdirektoren Erdmann» Braunschweig, R i e k e- Blankenburg, S ch e l z- chalzininden und Rohloff-Gondersheim zum l. April 19Zl pensioniert. Man teilte die Pensionierung den Beamten auf einem Formular mit, auf dem jedesmal nur der Name eingesetzt zu werden brauchte. In dem Begleit- schreiben wurde den Beamten serner mitgeteilt, daß sie sich sofort aller Diensthandlungen zu enthalten hatten. Sie nriissen die Amtsräume sofort verlassen. Der Rachefeldzug des Hakenkreuzkabinetts gegen die wenigen sozialdemokratischen Beamten des Freistaates Brounschweig hat also begonnen. Kreisdirektor Erdmann-Braunschweig ist seit l. Oktober l92Z, also jetzt über sieben Jahre im Amt. In den Iahren von 192t bis 1927 verrichtete er seinen Dienst unter der Herrschast der valks- parteilich-deutschnatiotialen Regierung. Auch in dieser Regierung mar Minister Küchenthol Finanzininister, derselbe Minister, der heute die Pensionierungsverfügung mit unterzeichnet hat. Erdinann hat in den vergangenen sieben Jahren den Beweis seiner Fähig- ketten erbracht, sonst hätte ihn der deutschnotionale Finonzminister Küchenthol schon 192? bis 1927 in den Ruhestand versetzen müssen. Gegen die Dienstführung der übrigen Kreisdirektoren läßt sich ebenjolls nicht das geringst« einwenden. Im Freistaat Braunschweig gibt es nur sechs Kreisdirettoren. einer ist Demokrat und ein anderer deutschnational. Die vier Sozialdemokraten hat man jetzt ohne Verfahren(„im Interesse des Dienstes") an die Luft gesetzt. Organisierter Raubüberfall auf eine sozial- demokratische Versammlung Dresden, st. Qktobcr.(Eigenbericht.) In drei großen von der Sozialdemokratie einbe- rufenen Versammlungen wurden gestern abend kommu- nale Angelegenheiten besprochen. In einer dieser Ver- sammlungen unternahmen die Nationalsoziali st en einen organisierten Uebersall. Es kam zu einer regelrechten Saalschlacht. Reichsbanner und Polizeibeamte schafften die Ruhestörer hinaus. Schließlich mußte der Saal durch ein starkes Ueberfall- kommando geräumt werden. LS Personen wurden verhaftet» mehrere verletzt. Die bayerische Krise ungelöst. Oozialdemotratischepartei gibt denAuftrag zurRegierungs- bildung zurück. München, �8. Oktober. Di« sozialdemokratische Fraktion hat in ihrer Sitzung am Mitt- lvoch beschlossen, den ihr vom Landtagspräsidenten erteilten Aus- trag, die Bildung einer neuen Regierung in die Wege zu leiten, zurückzugeben. Eine Regierungsmehrheit mit den Oppositionsparteien zu bilden, die den Rücktritt der Regierung Held veranlaßten, war von vornherein ausgeschlossen, da die Sozialdemo- kratie die Verbindung mit den Nationalsozialisten aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnt. Die Bayerische Dolkspartei aber versagte sich dem ernsten Versuch der Sozialdemokraten, so daß eine Möglichkeit, die in der Bcrfassungsurknnd« vorgeschriebene Mehrheit sür die Wahl eines Ministerpräsidenten zu erreichen, überhaupt nicht gegeben war. Llnwetter über Westdeutschland Hochwasser im Saar-, Rhein- und Moselgebiet. Seit lagen herrscht in westdentschland Unwetter mit Regen und Sturm. Zufolge der zu Tal stürzenden Master führen alle Ge- birgsslüsse Hochwasser. Besonders gesahrdrvhend find die Zustände im Saargebiel geworden, hier lzat das Hochwasser kalastro- phale Ausmaße angenommen. Meilenweit stehen am Unter- lauf der Saar Miesen und Felder unter wqsser. da» in einzelnen Ortschaften bereit» in die Straßen eingedrungen ist und die unteren Bäume der Häuser überflutet. Die Bebenbäche der Saar flad ebenfalls stark angeschwollen. Zwischen mehre- ren Ortschaften ist jeglicher verkehr auf den User- straßen unterbunden. Die Feuerwehr war überall tätig, um die vom Hochwasser bedrohten Häuser zu räumen und Menschen «U» Vieh« Sicherheit zu bringen, ver durch Saarburg fließende Oeukboch, der am Markt einen sieben Meter hohen Massersall bildet, hat die angrenzenden Straßen überflutet und führt Geröll und Fässer mit sich, die mit lautem krachen gegen die Häuser flohen. Flußschiffahrt auf dem Rhein eingestellt. Der Wasserstand der Mosel in Trier, der am Milt- wach nachmittag um 4 Uhr noch 4,59 Meter betrug, ist bis um 24 Uhr auf 4,83 Meter gestiegen. Auch aus Metz wird bei einem Pegel-' stand von 4,79 langsam steigendes Master gemeldet. Infolge des Aus dem Inhalt: Vandcrvclde: Brief aas der Mandschurei Seife 2 Gespräche über die Einheit der deutschen Arbeiterklasse.. Seife s Akademiker ohne Sfaaisbürgerbildang. Seife 5 Nacht auf dem Flauer See...... Seife 7 Hochwassers hat die M 0 s e l- T a l b a h n den Betrieb zwischen Zeltingen und Bernkastel einstellen müssen. Auch die Mosel- schif fahrt und der Fährbetrieb ruht. Das Steigen des Wassers hält an. In Koblenz«rreichle» die Moselfluten in den Abendstunden de» Mittwoch nahezu den Rand der großen Moselwerft-Schuppen, so daß man- sich genötigt sah, die Keller dieser Schuppen zu räumen. Auch in-den. tiefer liegenden Häusern haben die Einwohner die nötigen Vorkehrungen getroffen, um die Keller schnell räumen zu können. Im Laufe des Vorniittags mußte die Schiffbrücke über denRhein auf beiden Seiten um«in betrachtliches Stück oerlängert werden. Am Nachmittag trat dos Verbot der Floßschiffahrt auf dem Rhein in Kraft. Der Rhein stand am Koblenzer Pegel um sechs Uhr abends 4,26. Er ist im Laufe des Tages um 59 Zentimeter gestiegen. Die stündliche Steigerung be- trug zuletzt 3 Zentimeter. Da der Regen zur Zeit nöch anhält, muß mit einem weiteren Steigen des Wassers gerechnet werden. Diskonterhöhung erfolgt. Von 4 Prozent auf 5 Prozent. Die Reichsbank hat mit Wirkung vom S. Lktobcr den Wechseldiskontsatz um 1 Prozent von 4 Prozent ans 5 Prozent unb den Lombardzinssuß von 3 Prozent auf K Prozent erhöht. Die Diskonterhöhung auf 5 Proz. ist da. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat sie mit der erschwerten Gold- und Deoisenlage der Reichsbank begründet: wir wissen', daß zum 7. Oktober eine u n e r- wünscht große Wechseleinreichung beider Reichs» b a n t stattgefunden hat, die wiederum auf neue Devisenbeschaffungen zurückzuführen>vor. Die Reichs dank erklärt ausdrücklich, daß die inländische Devisennachfrage gedrosselt werden muß und daß sie entschlossen ist, auch vor einer neuen Erhöhung des Diskonts und eventuell vor einer Kreditrestrittion nicht zurückzuschrecken. Wir hören aus Bankkreisen, daß zum 15. Oktober und zum 1. November neueKündigungenoon Auslande- geldern ersolgt sind, wenn von anderen Stellen des Auslandes auch gewisse Kredite wieder gewährt worden sind. Es wird als nicht unwahrscheinlich bezeichnet, daß auch die von Dr. Schacht von neuem genährte Moratoriumsdiskussion die Beunruhi- gung vergrößert hat und daß auch die brasilianische Revolution einen gewissen Einfluß, besonders airf amerikanische Kreise, ausübt. Die Diskonterhöhung um ein volles Prozent muß als W a r n u n g s- zeichen betrachtet werden, das auch gegen die Politik der Privat- danken aufgerichtet wird, die auf die Reichsbbank so wenig Rücksicht genommen haben. Auf der Berliner Börse war der Eindruck der Diskont- erhphung sehr stark; die Börse wurde sehr flau. I. G. Farben, Siemens, AEG. verloren bis zu fünf Punkten; Salzdetfurth gingen von 275(vorgestern) auf 263 Proz. zurück. Auch die Frank- f u r t e r Börse ist, wie wir hören, sofort sehr schwach geworden. I. G. Farben sanken von 134'A auf 131. Auf dem Berliner Geldmarkt trat keine wesentliche Veränderung ein, was deutlich beweist, daß keine inncrpolitischen Ursachen bei der Diskonterhöhung vorliegen. Obwohl die Bonken versuchten,' den tagesgsldsatz syfort herauszusetzen, blieb es bei der gestrigen Zinsnotiz. Im W i r t s ch a s t s l e b c n wird durch die Diskonterhöhung eine weitere Erschwerung der Lage«intreten. Die Krcditzinsen erhöhen sich automatisch um 1 Proz., und auch die Hypothekenzinscn werden wieder anziehen. Großfeuer in Hannover. Ein ganzes Wohnviertel zeitweise schwer gefährdet. Hannooer, 9. Oktober. Kurz vor 2 Uhr brach in der Lumpenfabrik Balfen in der Strang riebe«in Großfeuer aus, das in kurzer Zeit eine gewaltige Ausdehnung annahm. Innerhalb kurzer Zeit wurde auch die E i f e n f a b r i k Trust von den Flammen ergriffen. Die angrenzenden dichtbewohnten Straßen waren«ine Zeitlang schwer gefährdet. Die Polizei hatte alle benachbarten Wohnhäuser geräumt. Erst am Morgen konnte der Brand ein- gedämmt werden, so daß die schlimmste Geirhr für die Nachbarschaft beseitigt war. Das riesig« Rohproduktcnlager ist vollkommen ver- nichtet. Das benachbarte Eifenwerk Trust und mehrere Wohnhäuser sind schwer nntgenomnien worden. Die räumliche Ausdehnung des Brandes ist größer als bei dem Großfeuer auf dem Güterbahnhof am Weidendamm am 39. August. SoSEial ptoBäSii demokraliU'he Wahlkarikaiur Sin&la.kal der IVicner Partei, das ton links nach rechts seigl: tßundeshanxlcr Tangoin, Jnnenminifter Sürft Siar Hemberg, Jluftenminificr Prälat Seipcl Brief aus der Mandschurei Charbin, russische Giadt auf chinesischem Gebiet/ Von Emil Vandervelöe Tharbin, Anfang September. Unter allen vielen Reisen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, dürfte unsere Durchfahrt durch die Sowjetunion die einzige gewesen sein, bei der mich die Kommunisten mit ihren übrigens recht hannlosen Kundgebungen oerschont haben. Ob in Montevideo oder in Buenos Aires, in Tel-Avis. in Prag oder in Warschau, stets fanden sich kleine Ansammlungen von mehr oder minder aus- geregten Menschen, um mich mit den rituellen Beschimpfungen zu bedenken oder Flugblätter zu verteilen, in denen wir als„Sozial- Patrioten" oder als„Sozialverräter" entlarvt wurden. In Sowjet- rußland dagegen absolute Stille. In den acht Tagen, die wir in Moskau verbracht haben, ebenso wie während unserer langen Fahrt durch Sibirien zeigten alle die, mit denen wir zu tun hatten, mir das höflichste Enteegenkommen; und hätte ich nicht iin Moskauer Reoolutionsmuseum mein Bild in der Abteilung der„Sozialpatrioten" in der sehr ehrenvollen Gesellschaft von Plechanofs und Jules Guesde gesehen, hätte man mir nicht im M a r x- E n g e l s-I n st i t u t die vollständige Sammlung alles dessen selbstgefällig vorgelegt, was ich an Büchern, Broschüren, Zeitungsartikeln über den Marxismus seit bald 40 Jahren verfaßt habe, so hätte ich mich wirklich fragen können, ob man in den Kreisen der Sowjetregierung mit Ausnahme einiger Beamten von ineiner Anwesenheit, und sogar von meiner politischen Existenz überhaupt eine Ahnung hatte. Welch ein Unterschied zwischen diesem Inkognito und der Ankunft in Thorbin jenseits der Grenze der Sowjetunion! Charbin ist bekanntlich die erste wichtige Stadt am Ende der Transsibirischen und an der Ost- chinesischen Bahn. Dort ist im vergangenen Jahr eben wegen der gemeinsamen Berwaltung dieser chinesisch- russischen Bahn gekämpft worden. Heute ist der geineinsaine Bahnbetrieb wieder auf- genommen. Auf der Grenzstation von Mandschuli erblickt nran auf derselben roten Fahne den weißen Stern aus blauem Grunde des Kuomintang und das Hammer- und Sichel-Wahrzeichen der Sowjets. Dort wurden wir von Beamten der USSR., deren Tracht der britischen Marineossiziersuniform ähnelt, zum Zuge geleitet. Hingegen waren die chinesischen Berwalter vollzählig auf dem Bahnsteig in Charbin zu unserem Empfang �-anwesend. Aber sie sind bei weitem nicht allein. Neben ihnen stehen der japanische Konsul und der Vertreter der japanischen südmandschuri- schon Bahnverwaltung, da die Bahn im Süden auch durch japanisches Einflußgebiet führt; ferner die Konsuln Frankreichs und Belgiens; Z i o n i st e n— denn es gibt in Charbin 12 l) Juden, ehemalig« russische Staatsangehörige—, die mich dringend ersuchen, noch am selben Abend einen Vortrag über Palästina zu halten(!); endlich und vor allem Russen aller Schattierungen— weiße,„radieschenfarbige"(außen rot, innen weiß), Sozialrevolutionär«, Delegierte der Bauernjugend, Arbeiter der industriellen Werke, Vertreter aller denkbaren und undenkbaren politischen Gruppen, mit Ausnahm« natürlich der sowjetistischen Organisationen. Man liest und Kundgebungen vor, ersucht uns um Verabredungen— kurz und gut, von den 48 Stunden, die wir in Charbin verbringen, müssen wir mehr Zeit auf die Abweisung unbequemer Besucher verwenden als uizs für die Besichtigung der Stadt übrig blieb. Vom touristischen Standpunkt aus haben wir übrigens dabei nicht viel verloren. Charbin liegt zwar in China, aber ist nicht China; es ist noch Rußland, oder vielmehr es ist noch immer Rußland, das Rußland der v o r revolutionären Zeit, die einzige Stadt der Welt, in der man sich noch bis zu einem gewissen Grade einen Begriff davon machen kann, wie eine russische Stadl unter dem alten Regime ausgesehen haben mag. Es gibt nämlich hier, außer den Juden, etwa S0 000 Russen, von denen ungefähr die Hölst« Bürger der Sowjetunion sind, die noinentlich zu der Bahnvcrwaltung gehören, während die oirderen Flüchtlinge, Emigranten sind, oder zu sencr altrussischen Kolonie gehören, die Charbin— vormals nur ein Nägliches mongolisches Dorf— vor dreißig Jahren gegründet haben. Daneben gibt es natürlich Chinesen, sogar eine Mehr- heit von Chinesen und die gegenwärtige Verwaltung ist chinesisch: aber zweifellos sind die Russen, die alteingesessenen Russen, ton- angebend. Und wenn man abends in den großen Geschäftsstraßen spazieren geht, begegnet man oft eleganten, oft auch sehr hübschen Frauen, oder Offizieren mit abgetragenen Unisormen und dem Kreliz des St. Georg— so daß man sich mühelos einreden kann, daß man, anstatt in Charbin, in den Straßen Petersburgs oder Moskaus um das Jahr 1914 lustwandelt. Wenn aber auch das Aeußerliche glänzt, so bleibt dennach die Wirklichkeit ziemlich trüb«. Die Lettelei. die man im Moskauer Stadtbild kaum mehr antrifft, breitet sich hier in den häßlichsten Formen aus. Die mehr oder weniger vergoldete Prostitution ist weitverbreitet. Die Emigranten müssen, um zu leben, jede Arbeit annehmen. Der reizende Fürst O., der uns heute abend mit der Großzügigkeit eines ehemaligen russischen Hochadligen in der Stadt, herumführt, lebt von feiner Tätigkeit als kleiner Redakteur eines offiziösen russisch-chmesischen Blattes:„Ick) kann mich darüber nicht beklagen", sagt er uns. „Wenn mich die russische Revolution meiner Güter nicht beraubt hätte, so hätte ich mein ganzes Leben lang ein« nichtstuende und überflüssige Existenz geführt. Heute kenne ich die Genugtuung, mein Brot s« l b st zu verdienen." Aber nicht olle verfügen über dies« philosophisch« Betrachtungsweise. Zwei Tage lang hört« ich ein wahres Konzert von bitteren Klagen all derer, die dem Borsitzenden der Sozialsstischen Arbeiterinternationale ihr Leid vortragen wollten. Schon aus dem Bahnhof in Charbin wünschten, unter vielen anderen, Delegierte jener deutschen Kolonisten, die kürzlich aus Rußland eingetroffen waren, der öffentlichen Meinung in Europa mitzuteilen, warum ihnen dos Leben in der Sowjetunion unmöglich gemacht worden war. Aber man kennt ja schon in Europa ihren Leidensweg durch die LandÄeute, die nach Polen und Deutschland gelangt sind. Es war auch ein besonders bewegender AMick, als zugleich mit bärtigen Arbeitern und Mufchkis aus den Vororten Charbins drei Bergarbeiter des Amur-Beckens eintrafen, die mehrere hundert Kilometer zurückgelegt hatten, um ein« Botschaft an die Sozialisten Europas zu übergeben. Ich höre noch, wi« ihr Wort- sührer in jener Hotelhalle, wo chinesssche Gemlemen ihre Kokmils schlürften, wo weißrussischc Emigranten ihre ewigen Zigaretten rauchten, mir vielleicht allzu pathetisch und doch eindruckvoll erklärte, welch elendes Leben sie führen mühten, weitab von dem Heimat- lichen Boden, wo sie 1917 geglaubt hatten, daß ihnen die Revolution die Freiheit bringen würde. Aber vom politischen Standpunkt aus gibt es unter all den mir übergebenen Dokumenten vor allem eines, über das ich versprochen habe, zu berichten und dessen Wortlaut ich der Sozialistischen Arbeiterinternationale übermitteln werde, denn es enthält hoch- bedeutsaxne Angaben über die Lage der Russischen Sozialrevolutionären Partei in der Mandschurei. Di« Sozialrevolutionär« beklagen sich wörtlich, daß sie zwischen der weitzen Reaktion und den Kommunisten„wie zwischen Hammer und Amboß" liegen. Man gewährt ihnen zwar in der Mandschurei Gastfreundschaft, jedoch mit der strengen Maß- gäbe, daß sie jede offene politische Aktion unterlassen, offenbar mit Rücksicht auf den gefährlichen Nachbarn im Westen. Sic besitzen sozusagen kein« Zeitung. Die einzigen zugelassenen Arbeiter- organisationen sind die paar Eisenbahneroerbände, die der Roten Gewerkschaftsinternational« angeschlossen sind. Unter den 50 000 russischen Arbeitern in der Mandschurei bleibt die sehr große Mehr- heit ohne Schutzorganisationen und man sieht für die nächste Zukunft kein« Möglichkeit der Besserung. Man sollt« übrigens nicht meinen, daß bei den Sozialrevolu- tionären von Charbin die Feindschaft gegen das Sowjetregim« gleich- bedeutend sei mit'dem Wunsche, den russischen Einfluß in der Mandschurei auszuschalten oder zu verringern. Sehr bezeichnend für ihr« Einstellung ist folgend« Stelle ihrer Botschaft an die Exekutive der SAJ.: „Kürzlich hat die Internationale eine Resolution bezüglich der chinesisch-russischen Beziehungen beschlossen. Diese Resolution sordert di« Beseitigung des gesamten russischen Einflusses auf die ostchinesischen Bahnen. Wir Russen, di« in der Mandschurei fast lOOOlXI Mann stark sind, kennen die örtlichen Lebensbedingun- gen genau, die schwer gefährdet sein würden, wenn«ine solche Resolution Wirklichkeit würde. Es genügt der Hiniveis, daß die Beseitigung des gesamten russischen Einflusses auf«ine Bahn, die mit russischem Gelde gebaut worden ist.«inen gefährlichen Otachteil für die historischen und politischen Belange in der Mandschurei und in ganz China bedeuten würde, zum ausschließlichen Dorteil der anderen Macht, deren Vorherrschaft noch viel schlimmer wäre." Genau vor 25 Jahren stießen di« russischen und die japanischen Heere auf den Kaoliangfeldern(Hirsefcldern) der Mandschurei zusammen. Die Gegensätze haben sich sicher nicht ver- ringert. Auf dem Rücken der Chinesen stehen sich die Russen und die Japaner hartnäckig, weim auch höflich, gegenüber. Es ist immer- hin bemerkenswert, daß trotz aller ihrer Klagen gegen das bolsche- wistische Regint« die Sozialrevolutionär« der Mandschurei immer noch den Einfluß der USSR. dem japanischen Einfluß vorziehen. Und was di« Chinesen betrifft, so dürfen wir noch oft Gelegenheit haben, zu erfahren, was sie darüber denken. Aber es ist schon jetzt nicht allzu schwer, ihre Meinung zu erraten. Bitte nicht klagen! Oeutschnationale wollen für Verleumdung straffrei bleiben. Wirst ein sozialdemokratischer Minister die täglichen Angrisse der Rechtspresse achselzuckend in den Papierkorb, so höhnen die Skandalblätter, er wage nicht zu klagen. Stellt er aber einmal Strafantrag, so beschwert sich eine tiefgekränkte Rechtspresse über „Empfindlichkeit". Jetzt niiftmt sie es dem Genossen Braun übel, daß er gegen die„Kasseler Post" und gegen den„Völkischen Beob- echter" Strafantrag gestellt hat.. Natürlich verschweigt die Rechts- presse, um welche Art Beleidigungen und Verleumdungen es sich handelt. Das ist ihr auch ganz gleichgültig, denn die persönliche Ehre beginnt für diese Kreise ja erst vom Junker und Leut- nant an aufwärts. Daß ein Sozialdemokrat es wagen könnte, auch ein Ehrgefühl zu besitzen, ist Blättern vom Schlage der„Deut- schen Tageszeitung" und des„Lokal-Anzeigers" völlig unfaßbar. So kann sich das Blatt des Landbundes sogar zu der Forderung versteigen, daß Genosse Braun— aus S p a r s a m k e i t s r ü ck- sichten di« Klagen hätte unterlassen sollen. Diese selben Leute reklamieren aber für ihre eigene Ehre ein Vorrecht, wonach jede Verletzung ihrer Ehre nur durch Blut abgewaschen werden könne! Es handelt sich beiläufig bei den Klagen, die. Braun nicht per- fönlich, sondern auf Beschluß des preußischen Staats- Ministeriums angestrengt hat, um sehr erhebliche Borwürfe politischer Art. In der„Kasseler Post" wurde Braun in einem vom Chefredakteur persönlich gezeichneten Artikel„Parteiischer Mißbrauch der Staatsgewalt" und„absichtliche Zuwiderhandlung gegen die Gesetze" vorgeworfen. Der„Völkische Beobachter" bezichtigte Genossen Braun u. a. einer „Erbärmlichkeit der Gesinnung, die auf jeden anstän- digen Menschen abstoßend wirke". Abstoßend auf jeden anständigen Menschen kann nur die Feig- heit der Burschen wirken, die erst das Maul mit Schimpfereien vollnehmen und dann dem Beschimpften einen Vorwurf daraus machen, daß er sich nicht alles gefallen läßt. Es ist sehr bezeichnend, daß nicht nur die Hugenberg-, sondern auch die Schiele- Presse durch diese Taktik allen reaktionären Verleumdern und Beleidigern Straffreiheit sichern möchte. Wenn sie es aber so darstellen, als ob Genosse Braun besonders eifrig mit Klagen sei, oder an„Uebcrempfindlichkeit" litte, so sei ihnen folgende Sta- tislik entgegengehalten: Der Heros dieser Rechtsblätter, Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, hat allein in den ersten eineinhalb Jahren des Kulturkampfes gegen 730(s i e b e n h u n d e r t d r« i ß i g) Zeitungen Strafanträge gestellt, von denen über 000 zur Verur- teilung führten! In den zirka 20 Jahren seiner Kanzlerschaft die entsprechende Zahl. Auf seinem Schreibtisch lag ständig«in Stoß gedruckter Formulare für Stellung von Strafanträgen. Ge- nosse Braun dagegen hat in 10 Jahren seiner Ministerpräsidensschaft insgesamt noch nicht einmal 100 Strafanträge gestellt, trotz der sicherlich unendlich gesteigerten Verlcumdertätigkeit und des rüden Pressetones der Rechtspresse. Atterspräfident Herold. Vor der Eröffnung des Reichstags. Die erste Sitzung des neugewählten Reichstags, die am Montag- nachmittag um drei Uhr eröffnet werden wird, wird von dem Zentrumsabgeordncten Herold als Alterspräsi- d e n t e n eröffnet werden. Das Präsidium wird am Dienstag ge- wählt. Am Mittwoch dürften dann der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister das Finanzprogramm der Regierung vor dem Reichstag erläutern. Auf der falschen Welle. Nichtssagendes Dementi der Reichs-Rundfunk-Gefellschast. Die Reichs-Rundfunkgesellschaft teilt mit:„Auf die seitens der Westdeutschen Rundsunkgesellschast zu Köln ausgesprochenen Kün- digungcn des gesamten Personals zwecks Vorbereitung von R a t'i o- n a l i s i e r u n g und Sparmaßnahmen hat der Betriebs- rat die gesetzlichen Schritte unternommen. Am Mittwoch fand zwischen dem Betriebsrat und dem Vor- stand der Gesellschaft eine Sitzung statt, der der Vorsitzende des Aussichtsratcs der Gesellschaft beiwohnte. Es wurde über die beider- jeits zu unternehmenden Schritte volles Einvernehmen erzielt. Unter voller Wahrung der gesetzlichen Pflichten und Rechte der Parteien offenbarte die Besprechung erneut die har- manische Zusanunenarbeit und Zusammengehörigkeit aller In- stanzen, aus denen sich der gesamte Betrieb, gegliedert in Personal, Vorstand und Aufsichtsrat, zusammensetzt. Durch diese Tatsache möchte allen wirren Kombinationen, die in der Presse laut wurden, endgültig der Boden entzogen werden." Dieses durch die Telegraphen-llnion verbreitete Dementi der Reichs-Rundfunkgesellschaft widerlegt und beweist nichts. Es werden darin viel« Worte gemacht, aber nicht eine einzige positive Angabe darüber, welche Sparmaßnahmen im Betriebe der Westdeutschen Rundfunk-Gesellschast durchgeführt werden solle» und welches Ein- vernehmen zwischen dem Betriebsrat und dem Vorstand der Sende- gesellschaft„über die beiderseits zu unternehmenden Schritte" er- zielt worden ist. Den„wirreu Kombinationen" der Presse ist durch dieses wort- reiche und tatsachcnarme Dementi, noch längst nicht der Boden entzogen worden. Wir fordern daher nach wie vor eine positive Er- klärung darüber, was bei der Westdeutschen Rundfunk-Gesellschast vorgeht. Wir verlangen weiter, daß sich das Reichspostministerium dieser Angelegenheit annimmt. Llm Berlins Oberhaupt. Noch keine Klarheit.— Keine neue Böh-Oebatte im Stadtparlament. In der Presse beginnt nun wieder das große Rätselraten um den neuen Berliner Oberbürgermeister. Der„Vorwärts" hat bereits betont, daß im Augenblick selbst die Kandidotenfrage noch gänzlich ungeklärt ist. Es werden sicher noch einige Wochen vergehen, ehe man in dieser schwierigen Frage klarer sehen kann. Die heutige Stadtverordnetensitzung wird di« Vorlage des Magistrats über die erfolgte Pensionierung des Oberbürger- nieisters noch nicht zur Kenntnisnahme zugehen. Die Vorlage nimmt ihren geschäftsordnungsmäßigen Gang und wird den Stadtverordneten erst am nächsten Donnerstag vorliegen. Erst in der nächsten Woche wird auch der Wahlausschuß, der für die Neuwahl des Stadtkämmerers eingesetzt worden ist, sich mit der Vorbereitung der Oberbürgermeisterwahl beschäftigen. Eine neue unfruchtbare Böh-Debatte dürste jedenfalls dem Stadt- Parlament erspart bleiben. Im Rathaus wurde heute vormittag davon gesprochen, daß Boß nunmehr die Absicht habe, die Reichshaupsstadt in kürzester Zeit zu verlassen und nach einem kleinen Ort in Hessen überzusiedeln. Der frühere Oberbürgermeister ist in Gießen geboren, wo er auch noch heute Verwandte hat._ Bluttat in Brandenburg. Zwei Berliner Schupowachtmeister niedergestochen. wie aus Brandenburg a. d. h. gemeldet wird, hat sich dort gestern abend vor einem Lokal in der Ritterstraße eine Bluttat abgespielt. Dl« beiden Schupowachtmeister S ch m e r s e und winkelmann von der Polizeiinspektion Berlin. Neukölln, die in Brandenburg ihren Urlaub ver- brachten, wurden im verlause eine» k)ondgemenge» von dem Schlächter Krüger, einem mehrfach vorbestraslen Mann, dcr in Brandenburg ansässig ist. niedergestochen. Schmttse starb aus dem Iransport zum Kraukenhaus. winkelmann liegt lebensgefährlich darnieder. Der Schupowachtmeiftcr Sch. hat in Brandenburg ein«n Brud«r, bei dem er mit seinem Kamerodcn sein« Ferien verbringen wollt«. Am Mittwoch abend suchte der Bruder des Schupvbeamten ein Lokal in der Ritterstraße auf, wo er mit Krüger in einen Streit geriet. Krüger bedrohte seinen Gegn«r mit einem Messer, daraufhin verlieh Schmers« das Lokal, eilte in seine Wohnung und teilte seinem Bruder, dem Schupowachtmeister und dem gleichfalls anwesenden Kameraden Winkelmonn den Borfall mit. Hierauf be- gaben sich alle drei nach dein Lokal, um Krüger zur Rede zu stellen. Die drei waren kaum vor der Gastwirsschaft erschienen, als Krüger plötzlich, mit einem langen Fleischermesser bewaffnet, auf die Straß« stürzte und auf die beiden Beamten einstach. Schupowachtmeister Schmerse wurde von einem Stich in den Ober- schenke! getroffen, der die Schlagader zerriß. Als er in dos Brandenburger Krankenhaus eingeliefert wurde, mar der Tod durch Verblutung bereits eingetreten. Winkelmar.n hat ebenfalls mehrere lebensgefährliche Stich« erlitten, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Täter wurde von der Polizei festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Von den Behörden ist in- zwischen«ine genaue Untersuchung eingeleitet worden. Das Geständnis des Karower Mörders. Heute vormittag ist es der Berliner Kriminalpolizei endlich m- lungen. den 34jähng«n Maurer P a u l K u n z e. der unter dem Perdocht stand. Mitte September den Mord an der SSjährigeu Witwe Margarethe Mathiak In Karow verübt zu hoben zu einem Geständnis zu bewegen. Der Mörder gibt an, an' dem ver- hängnisvollen Tage auf nüchternem Magen eine Flasche Obstwein getrunken zu haben. Dadurch fei er so erregt wotden, daß er in völliger Sinnlosigkeit die ahnungslose Frau durch mehrer« Schüsse niederstreckte. Jede Raubabsicht bestreitet er Seinen Angaben wird zunächst wenig Glauben geschenkt und man nimmt an, daß Kunze noch im Laufe d«s Tage» sein Geständnis erweitern wird. Einheit der deutschen Arbeiterklasse Gespräche mit Arbeitern und Angestettten, Elwerbslosen, Gewerkschaftern und Freidenkern Das ist ein Thema, mit dem man sich heute angesichts der Zaschistenwelle überall beschäsligt, wo Arbeiter zusammen- kommen, aus dos hundert verschiedene Antworten gegeben werden, hier sollen aus zahlreichen Gesprächen mit Ar- bcitern verschiedenster Richtung, die einer unserer Mitarbeiter führte, die wichtigsten mitgekeilt werden, das heiht diejenigen, die nicht nur die Gedanken einzetner Personen wiedergeben,' sondern die zugleich typisch sind für das Denken breiterer Kreise innerhalb der Arbeiterschaft. Ein Kommunist sagt: „Für uns gibt es keine Einheit mit Sozialfaschisten und Renegaten. Wer die Einheit der deutschen Arbeiterklasse will, der sall in die Kommunistische Partei eintreten."' Frage: Soviel mir betannt ist, hat die KPD. etwa hundert- tausend Mitglieder in ganz Deutschland. Bei der Reichstagswahl erhielt sie rund viereinhalb Millionen Stimmen. Das ist doch nur ein kleiner Bruchteil der deutschen Arbeiterschaft. Antwort: Wir werden als Minderheit kämpfen und siegen. Wenn wir erst die proletarische Diktatur aufgerichtet haben, wird die Mehrheit der deutschen Arbeiterklasse zu uns stehen. Frage: Mir scheint, als ob nicht die Frag« der proletarischen Diktatur, sondern der Vormarsch der Faschisten aus der Tages- ordnung steht. Ist nicht die Spaltung der Arbeiterschaft«ine der Ursachen des Anwachsens der faschistischen Stimmenzahl? Er überlegt eine kleine Weil«. Man spürt direkt, wie der ge- sund« Klasseninstinkt sich wehrt gegen die ein- gepaukten Losungen seiner Partei. Aber die Losun- gen behalten die Oberhand. Antwort: Wir werden mit den Faschisten schon fertig werden. Der kommunistische Wahlsieg ist der beste Beweis dafür. Bald werden wir stark genug sein, um se l b st ä n d i g die kommende Streikbewegung organisieren uno führen zu können. Gegen soviel blinden Glauben können die stärksten Argument« nicht an. Di« Politik der Kommunistischen Partei ist planmüßig auf eine Vertiefung der Spaltung und eine weitere Schwächung der deutschen Arbeiterbewegung gerichtet. Das wird besonders beut- lich in dem Gespräch mit einem Gewerkschafier. Der Genosse h. R. kommt ebey von einer Betriebsversamm- lung. Er ist seit Jahrzehnten aktiver Gewerk jchafts- f u n k t i o n ä r. Auf die Stellung der Frage, wie er über die Einheit der deutschen Arbeiterklasse denkt, schaut er mich von der Seite an. „Du willst dich wohl über mich lustig machen?" „Nein, ich stell« diese Frage ganz ernsthaft an dich." „Nun dann, ganz ernsthast: Wir waren noch niemals in den letzten dreißig Jahren von der Einheit der deutschen Arbeiterklasse weiter entfernt wie gerade jetzt. Es ist einfach nicht mehr auszuhalten, diese Art der gegenseitigen Bekämpsung im Betrieb und in jeder Betriebsversamlung. Heut« sind wieder die wichtigsten Fragen glatt unter den Tisch gefallen, weil die Kommunisten von vornherein auf Befehl ihrer Zentrale mit ihren verrückten Demon- strationslosungcn kamen und eine Debatte darüber erzwingen wollten. Ein großer Teil unserer Kollegen kommt schon gar nicht mehr in die Betriebsversammlungen, das erleichtert natürlich den Schreiern das Spiel." „Aber die Kommunisten müßten doch jetzt, wo die Lage in der Berliner Metallindustrie so kritisch ist, einsehen, daß es besonders notwendig ist, durch geschlossenes Auftreten die Macht der Gewerkschaften zu stärken." ..Im Gegenteil. Für die sind wir doch alle n u r V c r r ä t e r. die mit den Metallindustriellen ein abgekartetes Spiel treiben. Denkst du, daß auch nur einer von ihnen die Tatsache berücksichtigt oder nur erwähnt, daß wir uns in einer schweren Wirtschaftskrise bcsinden, in der die Arbeiter und damit auch die Gewerkschaften von vornherein in die schlechte Position der Abwehr gedrängt sind? Darum brauchen sie sich nicht zu kümmern. Die wenigen vernllns- Ilgen Leute, die sie hatten, haben sie ja aus der Partei hinaus. gsworjen. Die Forderungen, die sie jetzt ausstellen, wären nicht einmal in der Hochkonjunktur durchzusetzen. Und dafür soll ge- streikt werden. Sie haben bereits einen eigenen Kampfausschuß eingesetzt, der den Streik proklamieren soll. Es wird natürlich ein« Pleite, aber die Kosten zahlt die gesamle Belegschaft." ..Und wie wirkt sich diese Spaltung im übrigen aus im Be- trieb?" „Dazu nur eine Tatsache: wir haben bereits einenational- sozialistische Zelle im Betrieb. Das wäre noch vor einigen Jahren unmöglich gewesen. Da gab es nur unter den Angestellten einige Faschisten, jetzt ist das ganze Büro verseucht und sie be- ginnen unter den Arbeitern Fuß zu fassen." .Wie beurteilst du die Aussichten?" »Pir gehen einer miesen Zeit entgegen. Nur eines freut mich, daß ein Teil unserer eigenen Genossen wieder aktiver wird. Der Wahlausfall hat sie aufgeweckt. Sie sehen die faschistische Gefahr. Biel wird allerdings von der Politik unserer eigenen Reichstags- fraktion im kommenden Reichstag abhängen." Ein Erwerbsloser sagt: „Ich seh« nichts von einer Einheit bei der Arbeiterschast. Wer im Betrieb drin ist, der ist zufrieden und kümmert sich einen Dreck um diejenigen, die auf der Straße liegen. Und politisch ist «s ebenso: jede Partei macht ihre Geschichte für sich allein, ihre eigenen Bersammlungen, ihre eigenen Demonstrationen, und da hört man immer nur. wie aus die anderen geschimpft wird, viel mehr als gegen das Bürgertum oder gegen die Faschisten. Wenn ich früher arbeitslos war, habe ich immer versucht, nachzuholen. Bücher und Broschüren zu lesen. Jetzt habe ich nicht für einen Pfennig Lust dazu. Alles wird einem verekelt durch diesen ewigen Bruderkampf." „Wie kann das aber abgeändert werden?" „Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Aber ich sehe keinen Weg dazu. Ich denke mir immer, daß nur die Führer aus beiden Seiten ein Interesse daran haben, daß die Spaltung weiter. dauert. Denn wenn es nur eine einzige Arbeitörpartei gäbe, da wäre doch kein so großer Apparat nötig und verschiedene von ihnen wären überflüssig" .Das ist doch aber zu primitiv? Ein wirklicher Führer in der Arbeiterbewegung, der auf Grund seiner Qualitäten zu dem g«- worden ist. was er heute darstellt, braucht doch diese Befürchtung nicht zu hoben-" „Wir reden hier auf der Stempelstelle manchmal darüber und was ich dir sag«, ist nicht nur meine persönliche Meinung. Es ist einfach kein Vertrauen mehr vorhanden. Ich bin doch keiner von den Jüngsten und kenne die Verhältnisse auch aus der Vorkriegszeit. Wenn mir srüher einer gesagt hätte, daß ich jähre- lang politisch unorganisiert herumlausen würde, dem hätte ich eine heruntergehauen. Und jetzt ist es doch so." „Du sympathisierst doch nicht etwa mit den Nazis?" „Nee, da bin ich nicht blöd genug dazu. Aber glaube mir, es gibt viele unter uns Erwerbslosen, die M i t dem Gedanken spielen, zu den Nazis zu gehen. Man hat soviel Zeit, man kraucht herum und weiß nicht, wozu man eigenilich aus der Welt ist. Man hört dauernd von Plänen, die Unterstützung noch weiter abzubauen, man sieht nichts Ernsthaftes, was dagegen unternommen wird...." „Was verstehst du unter etwas Ernsthaftem? Die Partei und die Gewerkschaften bieten doch alles auf, um die. Pläne zur Zer- schlagung der Sozialpolitik zunichte zu machen." „Man sieht und hört zu wenig davon. Ich bin keiner von denen, die glauben, daß die Aufstellung unsinniger Forderungen und das tägliche Herummarschieren, wie es die Kommunisten tun, etwas nützt. Deshalb bin ich auch kein Kommunist. Aber wenn ich daran denke, welcher Elan herrschte, als die Arbeiter gegen die Kappisten kämpften oder zur Zeit der Rathenau-Demonstration oder selbst noch beim Volksbegehren für Fürstenenteignung, dann weiß ich, was uns fehlt!" „Nun?" „Uns fehlt die Einheit der Arbeiter im Kamps gegen Faschismus und Reaktion!" Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt des Gesprächs angelangt. Mutter und Sohn. Es war in einer Freidenkeroersammlung in No- wawes. Im Referat war entwickelt worden, welche Fortschritte die Kulturreaktion macht und welche Pläne sie noch weiter im Schilde führt. Die Stimmung war einheitlich, geschloffen und kampffreudig. Dann kam die Diskussion. Sie ging nicht ein auf das, was im Referat gesagt worden war. Es war kurz nach den Wahlen und anstatt sich darüber aus- zusprechen, was jetzt zu tun war, um alle Kräfte mobil zu machen, wurden die alten Richtungsfragen wieder aufgewärmt und dieselben Argumente, die sicher schon in Dutzenden anderer Der- sammlungen vorgebracht worden waren, wiederholt. Und dann wundern sich die Organisationen noch über schlechten Dersamm- lungsbesuch. Kurz vor dem Schluß der Diskussion nahm auch ein� Frau das Wort. Sie jagte:„Nun wiederholt sich hier dasselbe Bild, das wir schon überall haben: im Betrieb, in der Gewerkschaft und auch zu Hause. Ich habe immer gerne in der Bewegung gearbeitet und arbeit« auch heute noch in der Partei mit.' Aber ich bin in der So- zialdemokratischen Partei. Mein Sohn ist vor einem Jahr einem Sportverein beigetreten und dadurch unier den Einfluß von Kommuni st en gekommen. Wir haben uns immer gut ver-. standen, aber damit ist es jetzt Schluß. In der Wahlzeit verging kein Tag ohne erregte Auseinandersetzungen, keine Mahlzeit konnte mehr ruhig zu Ende geführt werden, wir haben dauernd Zank und Streit im Haus und es ist bald nicht mehr auszuhalten. Do wer- den der Jugend einige Schlagworte eingebläut und dann denkt sie, jetzt hat sie es nicht mehr nötig, selbst nachzudenken und noch etwas zu lernen. Ich weiß nicht, wie dos anders werden soll, aber so geht es doch auch nicht mehr weiter. Wir sind dach olle Arbeiter und haben dieselben Interessen. Do müßten wir doch besser zu- sammenstehen und den Feind nicht im eigenen Lager suchen, sondern auf der anderen Seite." Diese Worte verfehlten ihren Eindruck auf die Versammlung nicht und das Schlußwort des Referenten, in dem er die Notwendig- keit der Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse betont«, fand starke Zustimmung. Unter Punkt„Verschiedenes" ging dann � der Richtungsstreit, diesmal mit mehr lokaler Färbung, weiter. parteisunkiionär voller Zuversicht. Zum Schluß wollen wir noch die Ansicht eines im Dienste der Arbeiterbewegung ergrauten Genossen wiedergeben. Er unterschied sich durch seinen Optimismus von den bisherigen Personen, die wohl das Problem, aber keine Lösung sehen. „Die deutsche Sozialdcinokratie hatte in hen vergangenen Jahren ein Maß von Verantwortung zu tragen, das ihr häufig nicht gestattete, Wege zu gehen, die für die Massen die verständ- lichsten sind. Deutschlands innerpolitische Situation in diesem Jahr- zehnt wurde in erster Linie von außenpolitischen Tatsachen bestimmt, die zu ändern nicht in unserer Macht stand. Das gab einer fast mir auf Agitation gestellten Gegenpartei, wie sie die Kommunistische Partei ist, immer wieder Angriffspunkte. Jetzt stehen wir an eineni Wendepunkt der Entwicklung. Die außenpolitische Stabilisierung gibt der Sozialdemokratie einen großen Teil der Kräfte frei, die sie im sozialen Ringen der Klassen einsetzen wird, sa einsetzen muß. Damit steigt die Werbekrast unserer Partei beim Proletariat wieder. Gleichzeitig weist ihr der Zusammenbruch des Liberalismus in seinen verschiedenen Formeil. den wir als Hauptergebnis der letzten Reichstagswahlen buchen müssen, die anderen gewaltigen Aufgaben einer demokratischen Volkspartei zu, Verteidigung und Ausbau der Deinokratie, die jetzt fast ausschließlich auf den Schultern der Sozialdemokratie liegen. Nur die Sozial- demokrati« ist der mächtige Block, der einer faschistischen Eni- Wicklung in Deutschland die Weg« versperren kann. Das werden die Massen bald erkennen. Die Einheit der deutschen Arbeiterklasse wird geschaffen werden durch die Stärkung der Sozial- demotratie und den Aufschwung der Gewerck- schaften, den die jetzige Wirtschaftskrise zwar hemmen, aber nicht verhindern kann. Man nniß die Dinge aus einer weiteren Perspektive sehen. Dos Proletariat ist die Klaffe, deren Ausstieg eine geschichtliche Not- wendigkeit ist. Wir allein haben alle Ursache, optimistisch zu sein." Gras von Arnim muß zahlen. Um 6 Pfennig Lohndifferenz vorm DReichsarbeitSgericht. Das Reichsarbeits Gericht verhandelte am 4. Oktober in einer Tarifstreitsache des Landarbeiterverbandes gegen den Ritter- gutsbesiger Graf von Arnim. Für das Arbeitsverhältnis der Kläger bei dem Beklagten kommt die Bestimmung des§ 33 des maßgebenden Tarifoertrages sür Land. arbciter in den Kreisen Teltow. Niederbarnim und Berlin in Frage: „In der Zeit vom 13. Juli bis 1. September erhalten die Arbeitnehmer, welche nicht im Akkord oder Prämienlohn arbeiten und nicht im Monatslohn stehen, eins Erntezulage von 2S Pf. je Tag. Wo bisher in dieser Zeit aus Grund beiondercr Äcreinbarnngen höher« Zulagen gewährt wurden, bleibt es dabei und tritt dies« Erntezulage nicht in Kraft." Der Streit dreht sich im wesentlichen darum, cb die Kläger, welche als Landarbeiter im Betriebe des Grasen von Arnim in den Jahren 1g27 und 1S2S eine ErntezulagevontäglichZ3Pf. erhalten haben, denen aber der Beklagte im Sommer 1929 eine solch« Zulage nur in Höhe von. täglich 2 5 Pf. gezahlt hat, auf Grund der fraglichen Tarisvertragsbestimmung den Unterschied von täglich 8 Pf. zu beanspruchen hoben. Das Arbeitsgericht und auch das Landesarbeits- g e r i ch t in Berlin haben der Klage stattgegeben und den Beklagten oerurteilt, den Klägern die Disferenzbeträg« nachzuzahlen. Der Graf erklärte sich damit nicht einverstanden. Er und auch die anderen Großagrarier verlangen in dieser strittigen Frag« eine prinzipiell« Entscheidung und Abweisung der Klage. Das Reichsarbeitsgericht hat die Revision ver- warfen. Graf>vn Arnim muß die Kosten des Rechtsstreits zahlen und den Landarbeitern den Disferenzbeträg nachzahlen. Dieser Erfolg der Landarbeiter konnte aber nur durch das Eingreifen der Organisation, des Deutschen Land- arbeiterverbandes, erreicht werden. Deutsche Erdbebenherde. Das Erdbeben, das sich jetzt in Süddeutschland ereignete und so manche angstvollen Stunden hervorrief, gemahnt uns daran, daß solche Naturerscheinungen auch in Deutschland nicht fehlen, obschon wir im Vergleich zu anderen Ländern auf einem festen und sicheren Boden wohnen. Immerhin lzat es auch in der Geschichte der denk- scheu Erdbeben nicht an Katastrophen gefehlt, die den Einsturz zahlreicher Gebäude verursachten und sogar einzelne Menschenopfer forderten. Durchschnittlich gibt es in Deutschland jährlich 29 bis 39 Erdbeben, die in der Hauptsache aus die Mittelgebirgsländer in West-, Süd- und Mitteldeutschland beschränkt sind. Die Gebiete. die jetzt wieder von einem Beben heimgesucht wurden, gehören zu den wichtigsten deutschen Erdbebenherden, die einmal der her- vorragendste Kenner dieses Gebietes Profeffor August Sieberg zu- lammengestellt hat. Während in de» nördlichen Vorolpen nur Herde schwacher Lokalbeben entstehen und ebenso die Beben in dem vorgelagerten Schwemmlandbecken der Schwäbisch-Bayrischen Hochebene gering- fügig sind, findet man am Ostobhang de» Schwarzwaldes schon krästigere Beben, die am Südrand noch stärker auftreten. Eine solche schwere Katastrophe suchte am 18. Oktober 1356 die Stadt Basel.heim, die nebst 34 benachbarten Burgen und Dörfern fast völlig zerstört wurde. Ein weiterer Herd findet sich am Kaiser- st u h l. Di« Dberrheinisch« Ebene zwischen Basel und Mainz bildet «inen Grabenbruch, in dessen Innerem drei bemerkenswerte Herde sich befinden. Eine rege Tätigkeit entfaltet der Schwäbische Iura, einer der Hauptherde der deutschen Erdbeben, von dem das größte aus geschichtlicher Zeit bekannte deutsche Erdbeben, dos vom 16. November 1911> seinen Ausgang nahm. Dagegen tritt der Fränkische Jura erheblich zurück. Das mitteldeutsche Bergland ist bis auf wenige Erdbeben sehr ruhig. Die einzige Ausnahme macht dos Thüringer Becken, das den Ursprung des einzigen geschichtlich bekannten großen Bebens jener Gegend, desjenigen vom 6. März 1872, bildete. Lebhaftere Erdbewegungen zeigen sich aber bisweilen in den Sudeten und im schlesischen Hügelland. Kräftige und ausgedehnte Beben beunruhigen bisweilen die Bewohner des Rcuwieder Beckens, und das gleiche gilt in dem crlo�hencn Vulkangebict des Laacher Sees. Einen Haupthcrd finden wir wieder am Nordrand der Eissel und des Venn in der Kölner Bucht. Hier haben im Lause der geschichl- lichen Zeit am Häufigstep schwere Beben mit großen Schütter- gebieten stattgefunden. In dem Aachener Bruchfeld ereignete sich in der Zeit vom Dezember 1735 bis zum September 1757 eine große Erdbebenperiode, die die Gegend von Aachen bis Köln heim- suchte; dabei wurden viele hunderte Gebäude zerstört. Zill diese deutschen Erdbeben sind aber, trotzdem sie bisweilen von erloschenen Bulkanen ausgehen, tektonischer Notnr: vulkanische Erdbeben fehlen bei uns vollständig. B. > Ein„Reichsverband höherer Fochichuilehrer" wurde in Berlin gegründet. Sein Tätigkeitsgebiet umsaßt alle staatlich anerkannten höheren Fachschulen, für welch« der Reichsverband die Wirtschaft- liche Hilfsorganisation darstellt. Er umfaßt die Schülerschaften der Maschinenfachschulen, Baugewerkschulen, Kunstgewerbeschulen und höheren Spezialfachschulen. Der Reichoverband will parallel der studentischen Wirtschaftshilfe für üüne Mitglieder, d. h. die in noch viel größerem Maß« verarmten Schichten angehörenden Fachschüler wirtschaftliche Unterstützungen erwirken: Krankenkasse, Stipendien, Darlehnskasse, Freitischvermitllung,»chülerheim, Austauschdienst, Wirtschaftsämter u. o. sind Dinge, die für den Fachschüler ebenso große Notwendigkeiten darstellen wie sür den Akademiker. Nähere Auskunft gibt der Vorsitzende, W. Liefert, Berlin SW., Willibald- Alexis-Straße 14.____ Zm Lesslog-Illuseuin, Briiderstr. 1Z, hält am 9., 29 Uhr, Reichikuiisüvart Dr. Edwin Nedslob Dortrag über„Der Part von Weimar als Szenerie zu Goethes Leben und Schallen".Dazu Lichtbilder. Da» Lach-Orchesier. die Kammernmsikoereinigung des Deutschen Musiker- Verbandes Bertin, Dirigent Dr. Wolfgang Herbert, gibt leinen ersten Abend Alter Musil Freitag in der Singakademie. Zur Aujsllhrung gelangt u. a. daS Flötcn.Haisenlonzert von Mozart, das Brandenburgiiche Konzerl Kr. Z in G für Orchester von Bach sowie ein Klavierkonzeit von Bach. Sonnlogssiihrurgen lu den neu erossnelen Museen beginnen am l2. Oktober. Sie sollen die Besucher zunächst mit dem Hause und dem«inn der Gesamt- ausstellung betanntmachen. Sie werden geleitet von Direitor Demmler, Dr. Bange. Dr. Irene Kunze, Dr. DerreZ, Pros. Ncugebauer, Dr. von Massow und anderen. Am 7. November beginnen WochentagSvorsllbrungen, Freitag» U Uhr und Sonnabends ii'l. Uhr. Hier sprachen u. a Behcimrat Fried- ländcr über altmederländische Malerei, Pros. Boß über Dürer und Attdorser, Dr. Bange über dcutlchc Kunst des lö. Jahrhunderts, Direktor Demmler über deutsche Nciiaissanccbildhaucr. Die Volksbühne hat das neue dramatische Werk von Stefan Grotzmau» „Die beiden Adler' zur Uraufführunz angenommen. Zm Dertive» Thealer finden jeden Sonntagnachmittag Bolksvar» st e I l u n g c n zu billigen Preisen statt, al» erste an? 12., nachm. 4 Uhr- die Operette:.Der Vetter au» Dingsda'. Ernst Toller» Vorlesung anS eigenen Werken ist aus Sonntag vormittag. Wl, Uhr im Theater am Schifsbaucrdamm sestgeietzt. Da» Programm enthält u. a. ein« Daistellunz des Kieler Matroscnaujstande» und Stücke aus Toller» neuem Buch.Querdurch'. Musik im Konzert Musikrundschau vo Klemperer und Furtwängler. Mit einem Bccthovcn-Abend h Klaus pringsheim wir; und vielleicht auch noch ein Publikum, das solche Kostbarkeiten zu würdigen versteht. Die Gipfel unseres Musiklebens find in Ordnung: es fehlt unserer Musik am Fundament, je weiter sie sich im Aufstieg zu den Gipfel» von ihm entfernt hat. Wir cnnessen es am Beispiel eines Zustandes, der dem unseren entgegengesetzt ist: wir ermessen es an der Musik des Tonfilms„Hallelujah", der zur Zeit im Mozartsaal zu sehen und zu hären ist. Negermusik, das war für uns nichts Neues: wir kennen nicht nur ihre Ver- fälschungen und schlechten Nachahmungen, wir haben oft genug Regersänger, Negerchör« gehört. Wir sind weder überrascht, wie schön, wie rein und rührend innig diese Dixie Jnbilee Singers auf der Leinwand oder hinter der Leinwand singen und wir wußten, wie mittelmäßig zum großen Teil ihre Lieder und Gesänge sind, europäische Musik, verwässert, manches billig aufgemacht und nur ein Untertan und Untergrund von Negerrasse. Alle Zutoten beziehen sie aus unseren Restbeständen. Wenn Negerhochzeit gemacht wird, setzt oder stellt sich ein schwarzes Wesen ans Hornwnium und spielt den Brautchor aus.Lohengrin", immer wieder die acht Anfangstakte und obendrein herzlich falsch harmonisiert. Aber dos mögen mittelmäßige Lieder, unoriginelle Kompost- tionen fein, Musik aus zweiter Hand, linkisch zurechtgemacht—: wenn sie musizieren und singen, bei der Arbeit, aus dem Marsch, in der Kneipe, zum Tanz, zum Trost, in der religiösen Ergriffen- heit, dann ist das nicht Musik, die gemacht wird— gar, für Zuhörer gemacht—, sondern die Musik ist Leben, die dringt aus dem Leben, und es ist gesteigertes Leben, das sich in ihr verkündet. Diese Neger mühen sich, von uns zu lernen: zur Zeit halten sie beim Brautchor aus Lahengrin. Wir könnten von diesen Negern lernen, was unserer Musik am dringendsten nottut: von diesem Negersilm. Dieser Film ist nicht Atelierarbeit, sondern gefilmtes Leben. Aber freilich ist's zügleid) auch Film: und wie edst und natürlich Musik und Gesang, menschliche Stimmeii, den Aufschrei der Masse, Menschenlaut und Naturlaut— wie echt und iwtürlich dies olles der Tonfilm wiederzugeben vermag, auch das konnten wir von diesem amerikanischen Film lernen: denn unsere landläufigen Erzeugnisse lassen davon wenig ahnen. Deutsche Kunstgememschast. Herbstschau. Wenn man die Liste der Künstler durchmustert, die aus de: jetzigen Ausstellung der.Kunstgemeinschaft vertreten sind, so kann man der Vorrede von Staatssekretär Schulz in der Tot und in einem tieferen Sinne recht geben, wenn sie von einer„Herbstschau" spricht. Es ist eine große Reihe der Künstler, und sie ist oft in der Qualität vertreten, wie man sie in den Herbstausstellungen der Akademie und der Sezession früher zu sehen gewohnt war. Leider beginnen diese vortrefflichen Herbstveranstaltungen auszufallen, und dce Kunst- gemeinfchaft tritt auf recht willkommene Weise in die entstehende Lücke. Die Künstler müssen wohl so ähnlich enipjinden, sie zeigen sich dankbar und haben fast lauter gute und erstmalig der Oesfent- lichkeit gezeigt« Werke hergegeben. Am interessantesten ist eine Kollektion von 14 Gemälden und Aquarellen Th. Th. Heines, zum Teft aus sehr srüher Zeit. Die Landschaften des Anfängers, die ihn schon in beträchtlicher Reise und Beherrschung der Mittel zeigen, sind bezaubernd in ihrer frllhlingshasten Frische und phrasenlosen Klarheit: sie sind frei so- wohl vom Sentiment wie von Ironie oder Satire setner späteren Kunst, klein« Ausschnitte aus der Natur, bei aller Sachlichkeit der Beobachtung und Technik voll naiver Anmut— zweifellos eine Bereicherung des Bildes, das wir uns von diesem großen und viel- festigen Künstler zu machen haben. Daneben erfreuen gut« Landschaften der Berliner«ezessionistent Krauskopf, Hecken darf, Heitmüller, Röhricht, W. Wagner haben sehr gute neue Arbeiten geschickt: ebenso Max Lieb crmann und die jüngeren, hier anzuschließenden Hamburger R o d e w a l d(mit schars durchgeführten Bildern aus Tunis) und Stegemann, eine starke malerische Begabung(„Kornfeld"). Birkle, Jäckel, Fritsch zeigen sich von ihrer besten Seite. Die Münchener sind weicher in der Einpsindung und gefälliger in ihren Mitteln: die naturwüchsig« Biedermeierlichkeit von S ch r i m p f ist dafür ebenso bezeichnend wie das grüblerisch« stille Genre von ll n o l d und die kurvige Gespanntheit in Geigenbergers Landschaften. Auf den äußersten Flügeln stehen sich die symbolisdze Farbcnvitalität von Schmidt-Rottlusf(pradstvoll sein„Cafe" und„Blumcnstilleben" und die Linienabstraktion von Franz iL F u h r und Rerlinger gegenüber. Fuhr geht nicht ohne Originali- tät zum Figürlichen über: und die Geometrie in Nerlingers Bildern paart sich mit einer großen und glühenden Empfindung des Soualen. Seins sehr straff konzentrierte Kunst des knappsten Ausdrucks von Linien und abstrakten Farbflöchen hebt Rerlinger immer stärker hervor unter denen, die auf kühne Wesse das sozial Notwendige zu sogen wissen:«in Revolutionär von Format. p. k. scb. Das Ephraimfche Haus unier Siaatsfchuh. Die Sorge um das künftige Geschick des Ephraimschen Hauses an, Mühlcndamm hat die Bevölkerung der Reichshauptadt schon wiederholt beschästigl. Sie ist in den letzten Tagen aufs neue brennend geworden im Zusammenhang mit einer Entschließung, die der Magistrat Berlin der Stadtverordnetenversammlung zur An- nahm« empfohlen hat. Wie uns zuverlässig berichtet wird, bedarf die Stadiverwaltung, falls sie wirklich daran denken sollte, das Ephraimsche Haus wescnt- liss) zu verändern oder gar niederzulegen, hierzu der staatlichen Ge- nehmizung auf Grund des Gesetzes über Bildung einer Stodtge- meinde Berlin vom 27. April und der Etödteordnnng vom 30. Mai 1553. Die zuständigen amtlichen Stellen sind sich darin einig, daß nichts unversucht gelassen werden darf, was geeignet ist, der Reichs- houpsstadt diesen neuen Verlust eines ihrer wenigen Baudenkmäler zu ersparen. Man beabsichtigt, die vorliegenden Pläne der Stadt unter Mitwirkung aller sachkundigen Stellen auf das eingehendste zu prüfen mit dem Ziel, die unberührte Erhaltung des Ephraim. schen Hauses und der in seiner näheren und weiteren Umgebung sonst vorhandenen dcnkmalwerten Gebäude sicherzustellen. wieberbegian der Amtlichen INvseumssährvnqen. Die ZffenMchen Mus cumSiühru»gen durch wissenschasttichc Beamte, �di- seit einigen Jnhien wäbrcnd der ZSintermonatc regelmäßig m einigen Sammlungen stattfinden, beginnen am 12.10 Uhr. Es werden sprechen: Im Kaiscr-Friedrich- Museum Frl. Tr..«un,e über holländische Malerei(neue Ausstevung). im Reuen Museum Dr. Zippcrt über Ansänge ägyptischer Kultur und im Museum sür Völkerkuude II um 11.30 Dr. William Cobn über ältere Schulen japanischer Malerei. Programme und Zulax- karten in den genannten Museen. Ren eingesührt sind die Führungen sür Werktätige an den Sonnabendnochmitiagen, ans die besonders hin- gewiesen wird. ___________________ Verantworte für die Redaktion: Wolsgang zchwar,. Berlin: Anzrigen: Th. Berlin. Vcrlag: Vorwärts Verlag K. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin£28 68, Lindenstraße Z, Hierzu 1 Beilage. (> Ilieatei-, Lichtspiele usw. SCAlA Tägl. 5 u. 8'lt Uhr. It 5 BaW. 8256 Rr. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise. CROCK fiBOSS.SCHADtPIELDADSS Nu r noch 3 Woc i eo! Lustige Witwe Urstcrbcrg:. Han-cn. Aruo. Scliollwor, Jaukubn.ScIiacflers. Winkelstern, Oesni. REt-iF. I C II A It E L I, 8.15 Uhr— Eaaditn eriaoiii Tiffany Twin«. Dora Kasan u. Master. Prof. Pallos 8 sinoon- deLadlss. Brown u. La Hart usw. Alex. E 4 8066-68 TAa;!. B, Sonn«., 3, B, 8« Die schönste Frau, die gegenwärtig die V«riet&- bühnen zweier Weltteile beherrscht, in ihren Demonstrationen: f. Wie behalte ich die ewige Jugend? L . Wie bleibe ich fung, Kblenk und claatiachT z. Tanzschöpfungen. Außerdem; 4 POPPESCUS Sensationen am siebenfachen Reck DE BUSSE Accordeon- Virtuose EUDONS-TRIO Exzentrische Equilibristep. Trotz des sensationellen Programm« keinerlei Preiserhöhung. Benutzen Sie den Vorverkauf! Plätze stets für die laufende Woche einschließlich Sonntag im Voraus. Rose. Theater Er.FtankIortsiSlr.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr: Braut t. Hessina mit Irene Triesdb ab babeüa. nietropoi-Theater Täglich S'li Uhr Sciuationetter Operetteiurfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria andihrHusar 330 Uhr Senn). 12. Okt. DEUTSCHES KUNSTLERTHEATER Der iBttigite und griziflseste Operetten-Erfolg! Kerl. 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LniseiKtr. 58-59 Vortrag von Dr. Martin Rlkli Ost-Afrika ■it T.rlühmj«n Film- und UAtbildent. mmm %fpKiswette Irgnufun�- Resteurdnt Berlins [Einer sagt's dem Andern! Die l>llllgsin Preis»- Die Pesten Oarlilelüngen- DassctiönsteHaustlsl Wo?- jCircus Variete Busch.[ I T«|L4S»AS IL- T»l.ll»M»iUS4ol Theater l.d.Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberl« sv. Das haBiiche manchen Englisch— Roberts— Riemann. I Jwcscftl „Braut von Messlna" im ROSE- Theater Qrofle Prankfiirtcr8ir.l3 2 1(Billettkasse: Alex 3422 U.34S4) Nur noch STage! Heute wie n&ch.ten Sonnfeg 3 Vontellungen, und zwar um 2.30 U. u. 9U.(IreneTrieach). um B.45U.(Grete Nebelung). Wochentags 8.15 U., Sonn- Uhr(Ttt"ch) und 10.15 Uhr(Nebelung). Ke-eenpreleevonSOPf. bie3..M. Garderobe u.Progr«rmiJe25Pf.| Theater für die Kioder; Jeden Mittwoch B Uhr: nHAnael und Qretel1 Jeden Sonnabend 4.15 U.: d Dorn röec h en I von 30 Pf. bis 1.50 M. otägiger Vorverkauf von 1 1 bis 1 U. vorm. u. 4— 9 U. abds. Reichshallen-Theater PH a. Sonntag neebm. I l stettiner Sönger Das neue große Oklober-Progr. mit der Extra-Einlage: „LaB Blumen spremen" Radim. halbe Praial Ztr. 11263. _— �Dönhoff- Brettl: Varietd» Tanz. Kapelle Hans Sixtus. Berliner UlkTriO R S Sl I 78/7AJ (ßeilagc Donnerstag, 9. Oktober 1930 BffÄwel ShÄloulQaße Ae* hbivash Unsichtbare Feinde der Nepublik Don einem bei einer«taaisonnxzltsck�air Tchlcswig-Holsteins beschäftigten Referendar cchielt ich neulich einen Brief, in dem es hieß:„S) i c r i st alles nationalsozialistisch Ich bin es auch. Was kann in a n schon von der Republik erwarte».. usw. Dieses politische Bekenntnis I>at mir in maiicher Hinsicht zu denken gegeben. Wie soll ein Mensch, der von solchen Anschauungen beherrscht wird, später einmal das Akut eines Richters oder Staatsanwalts der Republik ausfüllen können? Und erklärt dieser Fall gleichzeitig nicht manches aus der Vergangenheit, wenn wir uns gewisser Strafprozesse entsinnen? Muh es uns nicht mit einer berechtigten Sorge um die Zukunft erfüllen, wenn man bedenkt, dah solche angehenden Beamten dereinst nicht nur einflußreiche Stellungen in der Justiz, sondern auch in den Zweigen unserer Verwaltung bekleiden werden, die über polizeiliche Machtmittel verfügen? Ist sich der Volksstaat in volle?» Maße der Gefahr bewußt, in die er sich begibt, wenn er einer geistigen Ober- schicht zu Einfluß und Macht oerhiift, die entschlossen ist, die Er- folge der Staatsuinwalzung durch eine langsam« Aushöhlung der heutigen staatlichen Ordnung zunichte zu machen, um auf ihren Trümmern dann das„Dritte Reich" errichten zu können? Wer meint, ich sähe zu schwarz, möge sich die Ergebnisse der Wahlen zu den studentischen Selb st vermalt ungs» körpern aus den letzten Jahren ins Gedächtnis zurückrufen, die ein beredtes Zeugnis für die politische Einstellung eines nicht un- beträchtlichen Teils unseres akademischen Nachwuchses sind. Fragen wir nach den Ursachen dieser beklagenswerten Er- schcinung, so wird man in erster Linie die Einflußnahme gewisser, von alldeutscher Seite unterhaltener imerkorporotiver Vereinigungen, vor allem des„H a ch f ch u l r i n g e s deutscher A r t", berück- sichtigen müssen. Auch die Macht der seit der Versagung ihrer staatlichen Anerkennung als„A llgemein« deutsche Studentenschaft" firmierenden organisatorischen Zusammen- fassung der studentischen Verbände ist nicht zu unterschätzen. Wes Geistes Kind diese„Studentenschaft" ist, erhellt schon die Tatsache, daß sie erst kürzlich noch Herrn Hugenberg huldigte. Schließlich hat man manchen Jmpfstätten reaktionären Geistes auch das wissen- schastliche Mäntelchen privater„politischer Kollegs" umge- istingt, um auf diese Weis« auch den guten Glauben der nicht- korporierten Studenten den verschwiegenen Interessen der indu- stricllen und grohagrorifchen Hochfinanz dienstbar zu machen. Durch solch«„staatspolitifche Ertüchtigung", die in Gestalt von Lehrgängen, Schulungswochen und Einzelvorträgen betrieben wird, erzieht man sich«in Geschlecht, das im Verhältnis zu der Mentalität alter nwnnrchrstischer Gcheimräte eine weit ernstere Gefahr für den Volksstaat darstellt. Denn während die Romantiker der„gisten, altem Zeit" schon mit Rücksicht auf ihr« bequemen Lcbensgewohir- heilen zur Entfaltung einer politischen Aktivität kaum noch fähig sind, entwickelt die junge Generation ein»»gewöhnliches Maß von Tatkraft und Fanatismus. Was tut dcnigcgenübcr die amtliche Hochschulpolitik für die Erziehung des akademischen-Nachwuchses zum Staat? Sic läßt gewähren und vertraut im übrigen dem Lernciier der Studenten. Sie sollen in die Vorlesungen gehen und sich dort ihr staatsbürgerliches Wissen holen. Bei dieser Gelegenheit erfahren sie dann von Kapazitäten eines Professor B o r n h a k, daß die Reichsverfassung unverbindlicher Gesetzestert sei oder(im Zu- sammenhang mit der rechtsphilosophischen Begründung des Merkantilismus), daß die Volksschullehrer iin alten Staat ihre freie Zeit mit Bienenzucht oertrieben, während sie heute in sozialdemokratische Versammlungen liefen. Oder der junge Rechtsbeslissene macht sich die bekannten Werturteil« eines anderen angesehenen Staatsrechts- lehrers über Republik uird Monarchie zu eigen mit dem Eriolg, daß er später pro korina den Beamteneid aus die Verfassung leistet, ohne aber von ihrem Geist und ihren Grundideen so durch- drungcn zu sein, wie man es von einem Diener des Staates sollte erwarten können. Rüstet der Rechisstudent dann zum Examen, so wird er es erleben können, daß er bei Unkenntiris des Zwölftasel- gefetzes aus 450 vorchristlicher Zeit unweigerlich durchrasselt, während er gefaßt sein inuß, daß ihm keine Gelegenheit gegeben wird, sein Wissen aus dem Gebiete des modernen Sozialrechts zu beweisen. Oder aber es hängt die Entscheidung darüber, ob er sich zum Beamten der Republik eignet, davon ab, daß er an diesem oder jenem Klausurentag« das„Problem" eines Zivilrechtsfalles, über das sich der praktische Richter normalerweise erst an Hand von Kommentaren oder Judikatur informiert, erkannt hat oder nicht. Womöglich wird es einem sonst befähigten jungen Juristen zum Verhängnis, daß er eine ausgefallene Lehrmeinung eines examinierenden-Professors nicht kennt, weil er in dein damals überfüllten Kolleg keine Neigung verspürte, sich zwei Stunden lang die Beine in den Leib zu stehen. Von solchen wie von tausend anderen Zufällen kann es abhängen, ob jemand die Anwartschaft zum Dienst am Staate erlangt. Wer E x a m e n s g l ü ck hat, wird Beamter der Republik und wenn er täglich im Rahmen einer„staatsbürgerlichen Freiheit" an ihrem Untergange arbeitet. Nichts oder zu wenig geschieht in der Richtung, daß der durch Examina qualifiziert« Beamte auch gelernt hat, sich den seelischen Grund st römiBngen des Volkes, dessen staatlich« und gesellschaftliche Fortentwicklung er in seinem späteren Berufe fördern soll, einzufühlen. Es konnte in- dieser Beziehung nur wenig geschehen, weil das Recht, dessen Aufgab« es ist, das Gemeinschaftsleben der im Staat« organisierten Menschen zu ordnen, vielerorts noch so g«lehrt wird, als ob sich in den Grund- anfchauungen d«r Menschen, um derentwillen es wie gesagt da ist, seit Jahr und Tag nichts geändert hätte. Wir sind auf dem W«ge zum fozialistifchen Staat, während die Lehre vielfach noch in den Kinderschuhen eines S p ä t i i b e r a l i s m u s steckt. Die zaghaften Versuche einer dynamischen Forschung aber werden von„System" und Dogma mit einem mitleidigen Lächeln abgetan. Das wirkt sich entsprechend auf die Lernenden aus. Nur in verschwindend wenigen Fällen verstehen es nachträglich beherzte Praktiker, d«m angehenden Veamt«n im Vorbereitungsdienst das beizubringeit, was «r bislang der Seele des Volkes nicht abzulauschen verstand. Ott ist es dann aber schon zu spät, weil entweder die Saat des einst 4km Vettrag zu« Bildungskrise enipfangenen Hasses gegen alles, was die nebe Ordnung schuf, bereits zu tiefe Wurzeln geschlagen hat oder— wie der eingangs erwähnte Fall lehrt— der politisch völlig ungeschult« Instinkt jugendlichen, revolutionären Wallens den getarnten Rittern eines „dritten", in Wirklichkeit vor nicht allzu longer Zeit dahin- geschwundenen, alten Reiches inzwischen ins Garn gelaufen ist. Eine wirksame Acnderung dieser gefahr- drohenden Zustände kann meines Erachtens nur dann eintreten, wenn eine ganz anders g«- artete, planmäßige staatsbürgerlichc Erziehung des akademischen Nachwuchses schon aus der Universität cinsetzt und wenn dieses Wissen in dieser oder jener Form mit zum Prüfung? st off erhoben wird. Dies Hot wiederum zur Voraussetzung, daß der Staat sich in weit höherein Maße als bislang seiner Aufgab« bewußt wird, d i« wissenschaftliche Lehre und Forschung zu fördern, die den jungen, nach Erkenntnis strebenden Menschen Grund- anfchauungen zuführt, von denen man objektiv sagen kann, daß sie dem staatlichen Fortschritt unseres Volkes wirklich dienen. Dann darf die' Habilitation junger Privaldozenten allerdings auch nicht nxhr in so hohem Maße eine Frage des Geldbeutels und des Verwandtschaftsgrades zur Prominenz d«r Wissenschaft sein— ebenso, wie das Studium selbst aufhören muß,«in Privilegium der durch eine„göttliche" Eigcntumsordnung Begünstigten zu sein. Die Republik ist bei dem heutigen Angebot wissenschastlich vorgebildeter Kräfte nicht mehr darauf angewiesen, ausgesprochen« Feinde in ihrem Staatsorganismus zu dulden. Der Will« des Volkes aber ist es, die Wahrung feiner Lebensinteressen in Zukunft nur noch solchen Stooisdienern anzuvertrauen, von denen es fest überzeugt fein kann, daß sie im Kampf um die Erfüllung feiner politischen Sendung die Schildträger sein werden. Dr. H. Krüger, Anslese Stuöcntcn Spaziergang öurch die Hochschuten Als Herr F r i ck den„Rassenforscher" Günther nach Jena berief, lehnte dos gesamte wisfcnschaflliche Deutschland unier Führung von Rektor und Professoren der Jenaer Universität diese Berufung ob. Die Mehrheit der Jenaer Studentenvertretung jedoch stellte sich hinter Herrn Frick und seinen„Anthropologen". Viel geredet wird in den Kreisen der rechten Studenten von der Ueberbrückung der Kluft zwischen Akademiker und den andern Volksschichten. Die Sozialistische Studenienfchaf! bemüht sich überall mit Erfolg, in möglichst engen Kontakt mit der Arbeitersck)ast, besonders der Jungarbcilerfchafl, zu kommen. So haben auch unsere Würzburger Genossen zu einer ihrer Versammlungen im Würzburger Studentenhaus Jung- fozialistcn und Junobanner eingeladen. Am Abend verhinderten uniformierte R a t i o n a l s o z i a I i st c n die jungen Arbeiter ain Betr«tcn des Studentcnhouses. Hinzugerufene Polizei war machtlos, der Direktor des Stud«ntcnhauses stellt« sich auf den Standpunkt der Nationalsozialisten, daß das Studentenhäus lediglich von Akademiker� betreten werden� dürfe. Den Ruhm, eine der reaktionärsten, vielleicht.die reaktionärste Universität Deutschlands zu sein, kann Gelangen für sich in Anspruch nehmen. Daß die Erlanger Studentenschaft für den„Numerus Clausus"(I u d e n s p c r r e) ciutrilt, ist selbst- verständlich. Ein republikanischer Student, Mitglied des„Afta", der in Bayern noch staatlich anerkannten Studentenvertrctung, erhält von einem Korporalionsstudenten eine Forderung, die er selbstverständ- lich ablehnt. Der„Asta" erklärt, daß ein Student, der Genug- tuung mit der Waffe ablehnt, unwürdig sei, der Studenten- Vertretung anzugehören. Also beschließt man, mit allen gegen eine Stimme seinen Ausschluß. In der gleichen Sitzung wird ein Antrag abgelehnt, der den„Asta" ersucht, von den ihin zur Verfügung stehenden Mitteln 500 M. für die S t u d c n t c n s p e i s u n g zu überivcisen. Begründung-. Der„Asta" habe in erster Linie„politische Aufgaben". Außerdem könne man für 500 M. das Esten in der Studentenküche höchstens um einen Pfennig verbilligen. Daß für 500 M. im Semester an 10 unbemittelte Studenten Freitisch gegeben werden kann, übersieht man wohlweislich. Dafür nimmt man in der gleichen Sitzung einen Antrag an, daß an der Universität A n- dachten abgehalten werden[ollen!. Csn München, wo ebenfalls noch eine staatlich anerkannt« Studentcnvertretung besteht, scheinen die politischen Ausgaben nicht im Vordergrund zu stehen. Die„Bayerische Hochschulzeitung", das offizielle Organ der Münchener Studentenmehrheit, gibt Auskunft, womit sich die Mllnchener Studentenvertretung beschäftigt.' Sie veröffentlicht in einer ihrer ersten Nummern dieses Jahres folgendes Kalendarium: Donnerstag, 23. Jaimar: Ball des„Afta" der Universität. Samstag, 25. Januar: Fest des Unioersitätsinstituts„Valenci". Samstag, 1. Februar: Großer Ball der Deutsch-Akademifchen Auslandsstelle. Samstag, 8. Februar: Großer Vall des„Asta". Donnerstag, 13. Februar: Vall der staatswissenschaftiichen Kachschaft der Universität. Samstag, 15. Februar: Boll des Allgemeinen Akademischen Sportvereins. Samstag, 22. Februar: Ball des„Asta"' der Universität. Montag, 24. Februar: Ball der M. C. E. Unitas. Dienstag, 25. Februar: Ball des„Hochland" urtd„Neudeutschland". Samstag, 1 März: Großer Ball des Vereins„Studenten- haus". Montag, 3. März: Ball des Unioersitätsinstituts„Valenci". Das Volk, das mit seinen Steuern die Hochschulen erhält, dürfte wenig Verständnis dafür hoben, daß angesichts der Notlage weitester Bevölkerunzsschichten, die„künftigen Führer der Nation" keine anderen Sorgen haben, als das Arrangement von Bällen. Auch an den größeren Universitäten sieht e? nicht viel bester aus, wenn auch hier der stärkere Einfluß der linken Studenten und nicht zuletzt der Oeffentlichkeit manche Entgleisungen verhindert. Doch ob nun die Studenten die Bannmeile durchbrechen und zum Kultusministerium Ziehen, oder ob sie im juristischen Hörsaal Beifall klatfchen, wenn der Professor rein referierend feststellt, daß im Mittelalter die Juden rechtlos waren— überall äußert sich d«r gleiche wirklichkeitsfremde„Geist", der die Mehrheit unserer zukünftigen Beamten, Richter, Aerzte und Lehrer beherrscht. Neuerdings scheint es, als ob auch die Hamburger Studenten, der Ruhm ihrer Erlanger und Jenaer Freunde nicht ruhen läßt. In einer Sitzung des Hamburger Asta— auch in Hamburg besteht noch eine staatlich anerkannte Studentenvertrctung— wird eine Entschließung gegen den Doung-Plan angenommen. Auf dem Heimweg nach dieser Heldentat bekamen die Herren Angst vor der eigenen Courage. Bei der Zusammensetzung des Hamburger Senats konnte kein Zweifel bestehen, daß die Ueberschreitung der Kompetenzen des Asta nicht ungestraft bleiben würde. Also wurden die Führer der Hamburger Studentenschaft rcalpolitisch. Man er- klärte, der Asta sei nicht ordnungsgemäß einberufen worden, die Sitzung habe somit nicht stattgefunden... In der nächsten Sitzung kam dann der Antrag gegen den Doung-Plan, für Deutschlands Befreiung, gar nicht inchr! Konnte man die nationale Begeisterung nicht bei dieser Gelegenheit an den Mann bringen, so versuchte man es jetzt bei der V e r f a s s u n g s f e i e r. Wohl um den„nalionalen" Hamburger Studenten entgegenzukommen, planten die Universiiäts- behörden die diesjährige Berfastungsfeier mit der Befreiungsfeier für das Rheinland zu verbinden. Der Hamburger Asta hat dieses „Iunctim" abgelehnt, nicht etwa, weil man eine eigene Berfastungs- seicr haben wollte, sondern weil eine Bersassungsfeier von der Uninersität überhaupt nicht stattfinden sollte. Leider muß man feststellen, daß die Furcht vor Berfastungs- feiern nicht nur auf die rechten Studenten beschränkt ist. Im vorigen Jahr beteiligten sich in Berlin auch einige freiheitlich« Korporationen am Aufmorsch zum Ber- sassungslag im Stadion. Bei einer Besprechung im Reichsinnen- Ministerium, die der Organisation des Aufmarsches diente, fiel auch das Wort„R e i ch s b a n n e r". Hier erklärten die Korporations- Vertreter, daß sie keineswegs mit dem Reichsbanner zusammen im Stadion aufmarschieren würden. An Hand eines Planes vom Stadion versuchte man die Herren zu beruhigen, erstens sei das Reichsbanner viel früher im Stadion, zweitens stände es auch ganz woanders. Vergeblich! Es mußte ein.Lokaltermin" im Stadion stattfinden, Ivo sich dann die Korporationen davon überzeugen kannten, daß sie wirklich nicht zu dicht an die im Reichsbanner organisierten Republikaner herankämen. Dos waren, wie gesagt, freiheitliche Korporationen, die sich zu«iner Bejahung der Republik und zur Teilnahme an der Vcrfastungsseier schon aufgeschwungen hatten. So sieht also Deutschlands akademischer Nachwuchs aus. Mit diesen Kräften soll an den Ausbau der Republik zum sozialen Volks- staat gegangen werden! Und zweifellos wird die Entwicklung in nächster Zeit zu einer weiteren Radikalisierung der Studentenschaft führen. Zwar darf man nicht vergessen, daß auch auf den Hoch- schulen eine starke republikanische Minderheit am Werke ist, daß insbesondere die sozialistischen Studenten seit dem Kriegsend« einen beispiellosen organisatorischen Aufschwung genominen haben, so daß die„Sozialistische Studentens cha-ft Deutschlands und Oesterreichs" mit ihren 4300 Mitgliedern die größte politische Studentenorganisation ist. Aber es wäre vollkommen falsch, auf diese Zahlen zu verweisen und sich dabei zu beruhigen. Alle anderen Studenten, die sich heute in Korporationen vor der Wirk- lichkeit verschließen oder den Parolen der Hitler, Straßer und ihrer studentischen Ableger folgen, machen ihre Examina und erhalten das Anrecht später in Staatsstellungen als öffentliche Funktionäre tälig zu werden. Solange nicht die Zahl der Arbeiterstudenten auf den Hochschulen sich vergrößert hat, werden Deutschlands Univer. sitäten das gleiche unerfreuliche Bild bieten wie heute. �lartin Böttcher Leugmffe gegen Steuergmttung In Rumänien hat das Finanzministerium angeordnet, daß keine Schule des Landes den Schülern Zeugnisse aushändigen darf, wenn nicht zuvor das Steuerbüchlein der Eltern der Schul« vorgelegen hat und für die letzten sechs Moitate Steuern bezahlt waren. Uin eine doppelte Kontrolle auszuüben, muß die Nummer des Steuerbuches auf den Zeugnissen vermerkt werden. Man will so den in Ru- niänien recht erheblichen Steuerhinterziehungen ein klein wenig bcikommen. Die Anordnung hat zum Teil lebhasten Unwillen aus- gelöst. Die Eltern stehen auf dein Standpunkt, daß dadurch die obligatorische unentgeltliche Erteilung des Unterrichts gefährdet sei. J.mOLF Copyright 1930 by„Der BUiertreis G. m. b. H.". Berlin SW 6!. (3. Sottjetyinfl.) Punchi Menika und Hinnihami waren auch äußerlich ganz anders als di« übrigen Dorfkinder. Sie bekamen, wie Silindu, nie- mals Fieber, und selbst in den Zeiten größten Mangels hatte Karlinahami dafür gesorgt, daß sie zu essen hatten. Karlinahami gab sich auch viel mehr Mühe, sie sauber zu halten, als di« anderen Mütteri sie pflegte zu sagen:„Schmutz ist schlimm, und Kinder sind eine Plage, aber ein schmutziges Kind ist die schlimmst« Plage."" Sie hatten auch dcshaib nie Parangi oder geschwollene Bäuche oder die blasse Farbe des Fiebers. Ihre Haut war glatt und blühend und schimmerte golden wie das Fell eines chirschkalbes, wenn die Son'ne darauf scheint. Die Augen waren groß und ernst: wie die Augen Buddhas in der Lataka�), waren sie„wie zwei Fenster aus strahlenden Saphiren, die in einem goldenen Palastc leuchten". Sie hatten schlanke und kräftige Glieder, denn ihr« Fahrten mit Silindu hatten die Muskeln sest wie die eines Mannes gemacht, nicht weich wie bei den Frauen, die den ganzen Tag kochend, schwätzend.und schlafend im chof« umhersitzen. Unter den Frauen herrschte deshalb gegen Karlinahami große Eifersucht und Verstimmung, als sie sahen, wie ihre Pflegekinder gediehen. Als diese zehn oder elf Jahre alt waren, macht« sich der Unmut häufig in ärgerlichen Ausbrüchen Luft. „O Karlinahami!" sagte eines Tages Ranchohami, die Frau des Dorfältesten,„du wirst alt und bleibst kinderlos! Aber du hast viel für deines Bruders Kinder getan. Schamlos sind sie, daß sie dich das Wasser vom Teiche holen lassen und dir nicht helfen. Das ist jetzt der viert« Krug voll, den du heute holst. Ich habe es wohl ge sehen. Ach, wie hart ist das Los einer kinderlosen Frau. Sieh, wie weine Kleine mit ihren acht Jahren mir schon Hilst." „Nanchohami. deine Zunge ist noch immer scharf wie Pfeffer. Punchi Menika ist mit meinem Bruder fort und �innihami hat im chause zu tun." „Punchi Menika fehlen nur drei Dinge, um sie zu einem Manne zu machen. Du tust mir leid, Korlinahami, daß du im chaus« eines Verrückten leben und seine Kinder zu schamlosen Dirnen aufziehen mußt. Denn es sind Vcddahkinder°) und werden Veddahweibcr werden, die wie Männer im Djungel umherstreisen." Die anderen Frauen lochten, und Angohami, ein schmutziges, verhutzeltes liPeib mit vertrockneten Brüsten, schrie mit keifender Stimme: „Wie kommen wir dazu, diese Beddahs im Dorfe wohnen zu lassen. Ihr chof stinkt von ihrem Mist und dem verfaulten Fleisch, von dem sie leben. Ich habe sechs Kinder geboren, und das letzte ist gestern gestorben. Morgens war es noch gesund. Dann kam Silindu mit seinem bösen Blick an unserer chiitte vorbei und abends war es tot. Sie verderben unsere Kinder, damit ihre eigenen gedeihen." „Du lügst," sagte Karlinahami, für den Augenblick durch diese Beschimpfung aufgebracht:„du lügst, Mutter des Drecks. Gestern sah ich um diese Zeit deinen Podi Sinho hier im Teiche stehen, und bleich und vom Fieber geschüttelt, wi« er war, übergoß er sich mit dem kalten Wasser. Wie kmm denn solch eiiie Mutter ihre Kinder behalten? Jedermann weiß, daß du sechs Kinder gehabt hast und daß alle tot sind. Was hast du ihnen jemals anderes gegeben als schmutzige Scheltwörter?" „Geh und leg dich zu deinem Bruder, dem Narren, dem Deddah, dem Paria", geiferte Angohami, als Karlinahami sich zum Gehen wandte.„Geh zu deinem Bruder mit dem bösen Blick! Du Kinder- verderberin, du Unratfresserin, du chure! Geh zu ihm mit dem bösen Blick: geh zu deinem Bruder! Aiyoh! Aiyoh!"') Mein kleiner Podi Sinho! Ich bin nur eine Mutter von Toten, eine Mutter von sechs toten Kindern. Seht meine Brüste, vertrocknet und ohne Milch. Ich sag« zu dem Dater meiner Kinder'):„Vater Podi Sinhos," jage ich.„es ist kein Kurakkon im Hause, keine Hirse, kein Kürbis, nicht einmal eine Handvoll Salz. Drei Tage habe ich jetzt nichts gegessen ols Blätter aus dem Djungel. Ich habe keine Milch mehr in der Brust für den Kleinen." Dann bekomme ich Schelte und Schläge. „Kommt der Regen im August?" sagte er.„kann ich den Kurakkan im Juli blühen machen? Halt den Mund du Närrin! Der August ist der Monat, in dem die Kinder sterben. Was kann ich machen?" Dann komnit dos Fieber und Silindu mit seinem bösen Blick, der Teufel hole ihn. und die Kleinen sterben. Aiyoh! Aiyoh!" „Dein Mann hat recht", sagte Nanchohami.„Dies ist der Monat, in dem die Kinder sterben. Im vorigen Jahre begrub ich und auch meine Schwägerin in diesem Monat ein Kind. Es kommen keine guten Regen mehr, und immer herrscht Hunger und Fieber. Die Alten sterben und mit ihnen die Kleinen. Der Bater meines Kindes hat jetzt neun Häuser unter sich und bekommt fünf Schilling im Jahre als Dorfältester. Sein Großvater, der hier vor ihm Aeltester war, hatte dreißig Häuser und bekam von der Regierung jährlich zwanzig Schilling') ausbezahlt außer vierundzwanzig Kurunis Podi') von den Feldern unter den Staudamm. Ich habe dies« fünf Jahre keinen Reis gesehen. Der Aelteste gibt jetzt nur und bekommt nichts." Hier lachte eine von den Frauen.„Du hast put lachen, Podi Nona", fuhr sse fort.„Hot er nicht deinem Manne im vorigen Jahr« zwanzig Kurunis Kurakkan geliehen, und ist ein Korn ins Hans zurückgekommen? Silindu schuldet auch noch dreißig und kam gestern um mehr. Und Angohami da, die um ihren Podi Sinho jammert, ihr Mann hat fünfundzwanzig Kurunis seit der letzten Ernte gehabt." Nanchohamis Worte trafen. Eine Bewegung ging durch das Häuflein Frauen, als das Wort Schulden fiel; Tücher wurden auf- pesteckt, die vollen Krüge auf die Köpfe genommen, und man trachtete, sich vor der scharfen Zunge der Frau des Aellesten in Sicherheit zu bringen. Doch als sie den schmalen Pfad vom Teich zu den Häusern hinaufgingen, tuschelten sie untereinander, wie Nanchohami wohl vergessen habe, daß sie für jedes Kuruni Kurakkan, das sie borgten, zwei zurückzugeben hätten. Nanchohami hatte an die Feder gerührt, die das Leben des Dorfes im Gange hielt— Schulden. Die Dörfler lebten von Schulden und redeten kaum von etwas anderem ols von ihren Schulden. Eine gute Kurakkancrntc von zwei bis vier Acker Chena genügt, um eine Familie«in ganzes Jahr zu erhalten. Ader niemand, selbst der Aelteste nicht, behielt die Ernte, die er einbrachte. Um die Erntezeit kam, dreißig Meilen weit aus dem Städtchen Kambur- upitiya, ein« Horde von Fremden ins Dorf. Mohamadu Lebbe Ahamadu, der mohrische") Händler, hatte Kleidung geliefert, zu bezahlen in Korn nebst hundert Prozent Zinsen zur Erntezeit: unter den gleichen Bedingungen hatte der dicke singalesischc?Nudalali") Koditarage Allis Appu Korn und Gewürze vorgeschossen. Da war unter anderem ein pfiffig aussehender Mann, der sich Achiyc Don Andris nannte(sein wahrer Name Andrissa würde seine niedrige Kaste verraten haben), in schmutzigen weißen Europäerhosen und einem Rock; er war der Agent des Taverncnwirtes in Kambur- upitiya, von dem die Dörfler auf Borg für ihre Hochzeiten den einheimischen Schnaps entnommen hatten, der aus dem Saft der Kokospalme gebrannt wird. Die Dörfler erwarteten und fanden bei dieser Bande kein Erbarmen. Die schmierigen Bücher mit den un- leserlichen Notizen und Zahlen in der Hand, fielen sie über die Ehenas her: noch stundenlangem Rechnen, Feilschen und Schimpfen wurde ein Strich durch die Rechnungen gemacht, und die Fremden verließen das Dorf, ihre Karren hoch bepackt mit Kürbissen, korn- gefüllten Säcken und manchmal auch mit den Stengeln des indischen Hanfes, dessen Anbau die Regierung verbietet, weil die Leute, die ihn rauchen, wahnsinnig werden. Wenn die Fremden fort waren, begann die Abrechnung mit dem Acltesten: dieser lieh nämlich unter den gleichen Bedingungen, wenn auch in geringerem Umfange, Korn aus, wenn nichts mehr zu essen da war oder wenn Saatkorn für die Ehenas gebraucht wurde. Wenn alles vorüber war, trug der Dörfler nur wenig Korn von der Chena in seine Hütt«. Sehr bald nach der Ernte stand er wieder an der Tür des Aeltesten und bettelte um ein wenig Kurakkan— rückzahlbar bei der nächsten Ernte—, oder er lief die dreißig Meilen noch Kamburupitiya und lungerte in dem Basar umher, bis der Mudalali gnädig genug war, seinen Namen wieder in das fettige Notizbuch einzutragen. Wenn man bei den Händlern in Kamburupitiya borgte, so war das eine rein geschäftliche Angelegenheit: mußte man aber zum Aeltesten gehen, bedeutete es weitaus mehr. Für Babehami, den Dorfältesten, war es sehr angenehm zu wissen, daß Silindu ihm viele Kurunis Kurakkan schuldete, die er nicht zurückgeben tonnte. Wenn Babehami jemanden nötig hatte, um eine Chena zu reinigen, forderte er Silindu dazu auf, und Silindu dacht« an seine Schulden und wagte nicht„nein" zu sagen. Wenn Silindu einen Hirsch geschossen hatte— wofür ihn der Arachi eigentlich vor das Polizeigericht in Kamburupitiya hätte bringen müssen—, dachte er an seine Schulden und brachte als erstes das beste Stück des Wildbrets dem Aeltesten als Geschenk ins Haus. Und Babehami war ein ruhiger und verschlagener Mensch: er droht« nie und sprach selten zu seinen Schuldnern von den Außenständen, ober es gab kaum jemand im Dorfe, der ihm quer zu kommen wagte und der nicht die Macht des kleinen Mannes über sich fühlte. Diese Macht war auch durchaus keine Einbildung: sie konnte dem Manne, der dem Aeltesten zu nahe trat, das Leben unerträglich machen. Nicht allein durch seine Vorschüsse hielt Babehami die Dörfler in der Hand: er konnte, wie er wollt«, ihr tägliches Leben bei jeder Gelegenheit erleichtern oder verbittern.(Fortsetzung folgt.) 'zBuch ") Die Scoblfcrunfl Deylon, scbt sich in der Hauptsache au« zw«! Rassen zusammen, der sinaalessschen und der tamulischen. Die Eingalcs?» sind Arier und bekennen sich ,i,m Duddchismu«. Die Tamulen zehdren ,u den Drapidos, den Ureinwohnern Südindiens, und find Hindu».— Mährisch: die„Cenlon» Mohren" sind eine Mischrasse au» arabischen und ssngalesischen oder tamu» lischen Elementen. Mudalali: Bezeichnung für einen reichen Händler. Uluiler oder Embryo?*) Die klein« Broschüre(AI Seiten) gibt ein« kurze Zusammen. fafsung von Vorträgen, die Vcrsasser vor breiterer Oefsentlichkcit, u. a. auf der„Deutschen Welle" in Kontroverse mit dem Theologen Muckermann, gehalten hat. Alle bekannten Argumente s ü r und gegen Z 218 werden noch einmal— in dieser knappen Form äußerst wirkungsvoll— gegenübergestellt und abgewogen. Prof. Wolf bringt feine Stellungnahme in einem Antrag zum Aus- druck, der bisher im Strofrecht-ausschuß noch keine Mehrheit gc- simdcn hat. Zu b- st r a f e n sei jode unbefugie Unterbrechung der Schwangerschajt(öesonders durch Psuscher) und jedwede Beihilfe dazu. Erlaubt jci jeder Abort auf Antrag der Schwangeren innerhalb der ersten drei Monate a) bei medizinischer und b) bei sozialer Indikation, und zwar mir in staatlich konzessionierten und kontrollierten Kliniken. Die Widerlegung der Argumente gegen eine Aenderung der heutigen Fassung des§ 218 wirkt überzeugend und ist fast lückenlos. Und an einer Stell« fehlt etwas bei der s e x u a l p ä d a g a g i- scheu Betrachtung. Verfasser stellt sest. daß sich im Sexiiallelwi der Jugend di« Entwicklung in der Richtung der Enthaltsamkeit und eines sreien Liebesverkchrs gabele, der sich dann in der Regel der Prävention bedient und nicht des Aborts. Hier wird scheinbar vergessen, daß die Schwierigkeiten, die sich zuweilen noch bei reife» Menschen dem Gebrauch von Präoentivmilteln entgegenstellen(was Verfasser auch erwähnt), zumindest im selben wenn nicht höheren Maße für jene Jugendlichen gelten. Das vorgeschlagen« Gesetz soll ja auch dies«, wenn die Umstände es verlangen, vor Elend und Siechtum schützen. Würde man hier die Jugend ssch selbst über-- lassen wollen, so gäbe das einen günstigen Boden für moralisierende Schlachtruf« des Gegners. Das muß von vornherein vermieden werden. Es wäre darauf hinzuweisen, daß hier Aerzte und Jugend- bemter vor der großen Aufgabe stehen, durch Aufklärungz- und Erziehungsarbeit übermäßig sich entwickelndes, ober noch unreifes Triebleben in gesunde Bahnen zu lenken. Dem„Soll"-Charakler des Gesetzes muß auch an dieser Stelle der Begründung Ausdruck gegeben werden. Sollt« entgegengehalten werden, daß der beste Arzt und Iupendberater nicht alle Fälle auffangen kann, und daß die Zahl der Besten nicht ausreichen wird, so ist darauf hinzuweisen, daß es gilt, von zwei Uebein dos kleinere zu wählen, und nicht durch überspannte Derboteschranken im Gemeinschaftsleben viel größeres Unheil zu stssten. Dieser Gedanke ist in der kleinen Schrift von Prof. Wolf packend herausgearbeitet. Wenn noch manches zu sagen bleibt, so liegt das am Zweck einer Broschüre, kurz zu sein und desto mehr gelesen zu werden: das ist ihr zu wünschen. Hein�äam. •) Dr. Julius Wolf, Prof. der Staatswissenschasten, Mutter oder Embryo, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1930. •• «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■Ninui]iiiiiMiiiuiiuiuiiiiuiuiiiiiuuuuiuiiiniiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiwiiiiii:iiiiiiiiuiuiiiuimiiuiiuimnwuiiiiiuiiiniiiiiiiuiuiiuii:iinuiuuiiiiniiiiiiiuuiiinituuiiiiiiiniMiiiiiiiininiimii>iuiiiiiniiu Zatoka: bubMjtftifiif S/aenbenfammTnra '1 SBrbbat): fest au?druck durch den höheren Preis, der für guten Samen zu.zahlen ist. Aber auch für den, der seinen eigenen Samen zieht, gibt ibige Erwägung eine» wichtigen Fingerzeig: es ist völlig verkehrt, die Zuerst erscheinenden Früchte, z. B. von Erbsen. Bohne.». Tomaten, zu verspeisen und die aus späteren Blüten stam- wenden Früchte als Saatgut zu benutzen— denn gerade aus den ersten Blüten einer Pflanze stammen die gehallreichsten Samen. Daß auch die Aufbewahrung des Saatgutes eine ivichtige Rolle spielt, ist selbstverständlich: muffiger Geruch zeigt stets Beeinträchtigung der Güte durch feuchte Lagerung an. Der Samen muß völlig trocken fein, wenn man ihn an einem trockenen Platze in Tüten oder Beuteln aufheben will. Unkraut und Bodenbeschaffenheit Unkraut wächst überall— ein nur zu wahres Wort, aber aus dem Vorkommen gewisser Unkräuter kann man sichere Schlüsse auf die Beschaffenheit des Bodens ziehen, auf dem sie stehen. So ist das Vorkoinmen der Vogelmiere ein Zeiche», daß der Acker stickstoffhaltig ist. Auf talihaltigem Boden ist der Acker- gauchheil zu finden. Den Kalk geh alt des Zkckcrs zeigen mehrer..- Unkräuter an, so das Gänsefingerkraut, der gemeine Huslattich und der Ackerfchachtelhalm. Mangel an Kalk wirti durch den kleinen Sauerampfer offenbart. Salche Winke der Natur haben doch praktische Bedeutung: es gibt eine Reihe von Pflanzen, die nur wenig Kalk lieben: vor allem die Rhododendron und die Heidekräuter(Erikaarten), aber auch ein so wichtiges Nahrung?- mittel wie die Kartoffel zeigt keine Vorliebe für allzu kalkhaltigen Boden— sse wind in ihm schorfig. Pflanzen der Beerenobststraucher Stachel- und Johannisbeersträucher sind am besten im Herbst zu pflanzen— ftn Oktober in die Erde gebracht, wurzeln sie noch gut an, während bei Märzpflanzung die ersten milden Lüfte schon ein Austreiben hervorgerufen haben und die Pflanzung bei berests stark vorgeschrittener Laubentwicklung erfolgen muß. Diese Beerenolsststräucher nehmen mit jedem Gortenboden vorlieb— sie gedeihen gut in einem etwas sandigen Lehmboden. Allerdings will man bei den Stachelbeeren beobachtet haben, daß die weißsnichtigen Sorten in einem schweren Boden am besten sc-rt- tommen— die rotfrüchtigen Sorten dagegen in einem leichteren. Die grün- und gelbfriichtigen Sorten stellen keine besonderen Ansprüche. Bei der Wahl des Standortes ist zu veachten. daß die Büsche nicht zu starker Sonne ausgesetzt sein wollen. Man wird also am besten einen halbschottigcn Platz wählen. Man lockere den Boden gut und gebe nach Bedarf Konipost od.-r Mist, mit der Erde gut vermischt, hinzu. Will man eine geschlossene Pslonzung anlegen, so pflanze man in Reihen von 2 Meter Entsernung und in der Reihe 1,5 Meter Abstand. Di« Verzweigung zur Vuschform soll in 30 bis 40 Zentimeter Höh« erfolgen. Rund um Arbcüersportlidies 2er Ruderverein.Vorwärts" nimmt noch männliche und weib- lichc Mitglieder aus. Die Ausbildung im Rudern erfolgt in der eigenen Ruderanlage des Vereins; der neue Kursus beginnt Ende Okrober. Neben dem Rudern werden Turnen, Gymnastik und SchwimmaberSe sowie Handball- und Eishockeyspiele veranstaltet, so daß jedes Mitglied auf feine Rechnung kommt. Meldungen an (B. Rücker, Berlin-Weißensee, Rennbahnstraße 25. Der Artislenverein.Einigkeil".Reutolln. Mitglied des Arbeiter- Athietenbundes, begeht am 12. Oktober in der„Neuen Welt" fein 42. Niftungsfest. Wie gewohnt, wird der Berein durch ein gutes und reichhaltiges Larieteprogramm mit nur allerbesten Kräften auf- warten. Eintritt inkl. Tanz und Steuer 1 Mark im Vorverkauf. Wim sicgk im Stemmen und Ringen über Graz. Der zweite Städtckampf der Arbeitcrathletcn von Wien und Graz brachte den unbezwingbaren Gegnern aus Oesterreich wieder einen hohen Sieg Die Grazer stellten anerkannt tüchtige Kräfte ins Treffen, dennoch mußten sie fick) geschlagen bekennen. Die Wiener Ringer siegten mit 16: 8 Punkten. Noch größer als im Ringen war die Ileberlcgenheit der Wiener im Stemmen. Sie brachten es auf 1841 Kilogramm und erzielten ein« Mehrleistung von 206 Kilogramm. Beim erstenmal betrug das Plus nur 54,75 Kilogramm. Boxen und Ringm bei„All-Weddinq ISSZ". Der Verein, der den, Arbeiterathlctenbund angeschlossen ist, macht alle parteigenössi- schen Anhänger des Athletiksports auf die neuen Kurse im Ringen, Boxen und Heben aufmerksam. Anmeldung in den Uebungsstunden in, Winterhalbjahr jaden Dienstag, Donnerstag und Freitag, 1fM4 Uhr, jeden Sonirtagvormittrig von 9', Uhr, Turnhalle Utrechter Straße Zl.'32. Die.Freie Turne rschafl Groß-Berlin, Z. Fußballbezirk cichlen- berg, sucht.zur Vervollständigung ihrer Spielmannschaften neue Mitglieder. Auskunft täglich im Vereinslokal Schade, Ächtenberg. Nor- mannenstraße Ecke Nufchestraße; Tel. 12.5 Lichtenberg 3111. Sitzung: Jugend Donnerstags 20 Uhr, Männer Freitags 2QVj Uhr. handballwetlfpiel de? Reichsbannersportler Halbcrsladl gegen Verlin-Wedding. Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr, findet im Stadion Volkspark Rehberge ein Treffen der Reichsbanner-Handballspieler Halberstiidt I gegen Berlin-Weddinq I statt. Halberstadts Harz- meister im Arbeiter-Turn- und Sportbund und Wedding als Berliner Meister vom Reichsbanner werden guten Sport zeigen. Vorher werden Spiele von.zwei anderen Mannschaften ausgetragen. Benitssport Jan Sempen hat viel vor. Wenn der Uebergang von den Freiluft- zu den Hallenradrennen stattgefunden, beginnt das große Ge- fchäft für den„Sechstagekaiser" Piet van Kempen. Auch in diesem Winter hat sich der.fliegende 5zolländer" viel vorgenommen. Er soll bereits Verträge für fünf Sechstagerennen in Deutschland unter- schrieben haben. In Köln wird er mit seinem jüngeren Bruder Jan, in Dortmund mit Göbel und in Frankfurt a. M. mit Schön fahren. Auch in den beiden Berliner Sechstagerennen wird„Piet" nicht fehlen. Mit Stuttgart und Breslau steht er auch noch in Verhand- lungen. Aus den Boxringen. Zu dem Boxgroßkampftag, den Hans Brsitensträter im Berliner Sportpalast am 31. Oktober auf» zieht und bei dem sein Schützling Ernst Pistullaj den Sport wahrscheinlich mit dem Engländer Harry Croßley in den Ring steigen wird, steht«ine weitere sehr interessante Paarung� fest. Der ehemalige deutsche Wolter- �ewichtsmcister Hans �eifried bekommt das tschechische Boxwunder Frank Nefolny als Partner vorgesetzt, gegen den Seifried keinen leichten stand haben wird. Netolny schlug jüngst den Belgier Raphael, den anertannlcn Zlnwärter aus die Curopamcisterschast. — Am Freitag kommen im Berliner Spichern-Ring die leichteren Gewichtsklassen zu Wort. Im Hauptkap, ps trifft der gute Kölner Federgewichtler. Franz Dübbcrs aui den Hamburger Herbert Ulrich. Der famose belgische Federgewichtler Lemajeur wurde mit dem Hannoveraner Schiller gepaart, im Weltergewicht begegnen sich Fritz Kühn-Hirschberg und Kostrewski-Berlin, ferner kämpfen Hein Buchbaum-Berlin gegen Adolf Bruchhäuser-Gladbeck und Wolter Litz-Bcrlin gegen Heinz Kern-Berlin. Kuzorro und Ezepan bei„vienna"? Wie verlautet, haben die beiden zu Berufsspielern erklärten westdeutschen Fußlwll-Jnter- narionalen Ernst Kuzorra und Fritz Czcpan ob 1. November in Wien eine Anstellung bei„Vienna" gefunden. In den bereits ab- geschlossenen Verträgen soll sich eine Klausel befinden, nach der die Schalker im Falle einer Begnadigung durch den DFB. von dem Vertrag zurücktrete» können. Verschiedenes Deutsche Polizeimeislerschaften in der Schwerathletik und im Ringen. Die von dem Reichsministerinm des Innern ausgeschrie- bencn Deutschen Polizeimeisterschasten in der Schmerathletik und im Ringen worden am 14. und 15. Oktober in Berlin-Spandau in der Preußischen Polizeischule für Leibesübungen durchgeführt. Autorennstraße In Ostpreußen. Aus dem 15 Kilometer langen Dreieckkurs Seenesten— Kerstinowen— Rudwangen in Ostpreußen soll in nächster Zeit in engster Zusammenarbeit mit dem Landrat und dem AD'AE. eine Autorennstraße nach dem Muster des Nürburg- ringes entstehen. Die Arbeiten für die„Ostpreußenring" benannte Autorennstraße sollen so beschleunigt werden, daß mit der Fertig- stellung im Herbst 1931 zu rechnen' ist. 8208 Meter höhe mit 1000 Kilogramm Ruhlast erreichte der Russe Boris Sergieosly auf einem Seeslugzeug„Sikovsky" L. 38, das mit zwei Pratt u. Whitney-Motoren von je 400 ausgerüstet war, zu Bridgeport in USA. Sikorsky, ein Russe, der nach dem Krieg resp. der russischen Revolution nach Anierika kam, war de- kanntlich der erste Flugzeugkonstrukteur der Welt, der mehrmotorige Riesenflugzeuge schon vor dem Kriege im zaristischen Rußland baute und auch verhältnismäßig gute Flugresultat« damit erzielt«. Ski-Trockenkurse. Das Bezirksamt Reinickendorf veranstaltet unter Leitung des Sportlehrers Fritz Haupt einen Ski-Trockenkurfus. Uebungsstunden Dienstag, 14., 21. und 28. Oktober, und 4. Novem- der, von 1914 bis ZiMs Uhr in der Turnhalle, Reinickendorf, Lindauer Straße. Der Kursus findet seinen Abschluß durch«inen Film- oder Lichtbildervortrag am 11. November. Teiliiehmergebühren für Erwachsene 4 M., für Schüler, Studenten und Jugendliche bis 18 Jahre 2 M. find am Eröflnungsabend des Kursus zu zahlen. Uebungs- stier kostenlos. Zur praktischen Endausbildung besteht die Möglich- keit zur Teilnahme an einer Wintersportfahrt. Anmeldungen tele- phonisch oder schriftlich an Aas Bezirk sanit Reinickendorf— Abt. Leibesübungen—. Berlin-Reinickendorf, 5?ouptstr. 46, Zimmer 74, 1 erbeten.(Telephon: D 9 Reinickendorf 0012, Apparat 127.) Das ist Erfolg! 1 1 000 neue Mitglieder in drei Monaten Das ist das Ergebnis der Bestandscrhebungen im Bundesgebiet des Arbeiter-Turn- und Sportbundes über die Mit- gliederbewegung vom 1. April bis 30. Juni dieses Jahres. Wenn im Vergleich dazu die schlechte Wirtschaftslage der Arbeiterschaft und der von der Kommunistischen Partei und ihren Beauftragten seit Jahren gegen den Bund geführte Zerstörungsfeldzug betrachtet wird, so ist unwiderlegbar festzustellen, daß der Arbeiter-Turn- und Sportbund in den jetzigen Zeiten schwerster Stürme gefestigter denn )s dasteht. Seine Idee setzt sich durch, das beweisen die genau 10 966 Gesamtzugänge im letzten Vierteljahr. Besonders erfreulich ist es, daß die Kreise, die der kommunisti- schen Spalterwut besonders stark ausgesetzt waren und zum Teil noch sind, Reinzunahnien an Mitgliedern zu verzeichnen haben. Sachsen ist mit 120 972 Mitgliedern, einschließlich einer Zunahme von 1272, der stärkste Kreis des Bundes. Auch im kreisgebiet Berlin-Brandenburg, dem kommunistischen Spalterbrandherd. ist mit einem Reinzugang von 1089 und dem Bestand von 22 92S Bundesmitglicdern ein guter Erfolg auszuweisen. Selbst die Bundcsboweguirg in Rheinland-Westfalen. der die kommunistischen Emissäre mit allen erdenklichen Mitteln das Lebenslicht auszublasen versuchten, hat um 652 zugenommen und 27 549 erreicht. Ebenso steht es in Thüringen, das trotz alledem mit 46 451 Mitgliedern, einschließlich 481 neuen Streitern, ein festes Bollwerk ist. Zu den Kreisen, die in ruhigerer Aufbauarbeit gute Erfolg« buchen, sind u. a. zu nennen der 11. Kreis(Weserstädte-Oldenburg) mit 43 975, Zunahme 1974; der 14. Kreis(Schlesien) mit 23112, Zunahme 1286; und der 13. Kreis(Kassel-Südhannover) mit 14086 und einer Zunahme von 911. All« drei Kreise unisassen vorwiegend ländliches Gebiet, in denen die Werbung für den Sport an und für sich be- sondere Schwierigkeiten macht und darum die Erfolge besonders erfreuen. Von den 17 deutschen Kreisen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes haben nur drei Kreis« Abgänge, und die sind gering- Es sind dies der 10. Kreis(Baden-Pfalz) 77. 12. Kreis(Ostpreußen) 48 und der 19. Kreis(Südbayern) 44. Mit vereinten Kräften werden wir auch in diesen Gebieten wieder zu Fortschritten kommen. Das Gesamtbild des Bundes ist unter den heutigen Verhält- nisten auf alle Fälle sehr gut und berechtigt zu den besten Hofs- nungen. Die teuren Suppenterrinen Sportpreise sind zu teuer Demnächst findet in Karlsruhe der 23. Rudertag de.- Deutschen Ruderverbandes, der Spitzenorganisation der bürgerlichen Ruderer, statt. Don den insgesamt 51 vorliegende» Antrügen bc- schäftigen sich 30 mit Angelegenheiten technischer Natur. Interessant sind ober die Anträge, die sich mit den bei den Re- galten zu vergebenden Ehrenpreisen beschäftigen; es wird allgemein eine Verbiltigung der Preise verlangt. Em Antragsteller sagt wörtlich bei Begründung seines Antrages:„Die Regattavereine werden durch die Beschaffung der Preise zu großen Ausgaben veranlaßt. Dies kam, in«iner Zeit, wo Sparsamkeit oberster Grundsatz ist, nicht oerantwortet werden." Wenn dann noch festgestellt wird, daß jährlich rund 100 000 Mark von den einzelnen Vereinen für Preis« ausgegeben werden müssen, dann kann man den Ruderern nur den einen Rat geben, die Preise ganz wegfallen zu lassen. 100 000 Mark können die Verein« wohl viel besser zum eigenen Wohl verwerten. Viel- leicht befürchtet der„Deutsch« Ruderverband", daß bei Wegfall der Preise für den Ruderer der nötige Anreiz fehlt, um bei den Re- galten mit Lust und Liebe bei der Sache zu sein? Als Vorbild empsehlen wir dem„Deutschen Ruderverband" die Wasserfahrer- sparte des Slrbeiter-Turn- und Sportbundes. Die Arbeiterruderer veranstalten sehr oft Regatten, aber noch nie hat der Sieger Preise erhalten und doch werden immer spannende Rennen geliefert. Die Arbeitersportler verzichten allgemein auf Preis«; sie haben eben ein anderes Sportethos. Werfiüf«� Als Abschluß der diesjährigen Ferienreisen und Wockzenend- fahrten«ranstaltet der Touristenoerein„Die Ratursreunde" Sonn- tag, 26. Oktober, ein gemütliches Beisammensein im Restaurant „Rübezahl" am Müggelsee. Beginn 16 flhr. Für all« diejenigen, die vorher an«iner Wanderung teilnehmen, sind folgende Tresspunkte festgesetzt: Bahnhof Rahnsdorf, 9 Uhr, Führer Zink; Bahn- Hof Rahnsdorf, 10 Uhr, Führer Rudolf und Blitz; Bahnhof Friedrichshagen, 9,30 Uhr, Führer Meier; Bahnhof Friedrichshagen, 14 Uhr, Führer Stiller; Bahnhof Grünau, 9,30 Uhr, Führer Mas- pfichl; Bahnhof Grünau, 10 Uhr, Führer Walter; Bahnhof Eich- walde-Schmöck>witz, 10 Uhr, Führer Gottfchar. Gäste herzlich will- kommen. Der Wintersport hat in den letzten Jahren auch unter der Arbeiterschaft eine immer größere Anhängerschaft gefunden. Mit Recht legen viele unserer Leser ihren Urlaub in die Winterzeit, um der gesündesten aller Sportarten huldigen zu können. Der Touristen. verein„Die Naturfreunde"— Reisebüro— veranstaltet in diesem Winter wiederum einige Gesellschaftsreisen in die win- terliche Gebirgswelt, und zwar führen dieselben nach Kitz- bühel vom 21. Dezember 1930 bis 3. Januar 1931(dem Skiparadies Tirols), ins Riesengebirgc(«ine Skifahrt vom 24. Dezember 1930 bis 1. Januar 1931 und ein« Gesellschaftsfahrt vom 24. Dezember bis 28. Dezember 1930) und in die Sächsisch-Böhmijche Schweiz vom 25. bis 28. Dezember 1930. Von Kitzbühel aus werden für fort- geschrittene Skiläufer Tagesfahrten in die herrliche Bergwelt Tirols unternommen. Für Anfänger ist«in Skikursus geplant. Die�S-ki- fahrt ins Riesengebirge führt hauptsächlich in den böhmischen Teil. Die Gesellschaftsfahrt führt zu den schönsten Punkten des Riesen- gebirgcs. Di« Fahrt in die Sächsisch-Böhmstche Schweiz führt nach Schmilka und von hier zu den Schrammsteinen, Prebischtor usw. Alles nähere ist aus dem demnächst erscheinenden Sonderprospekt ersichtlich, der auf Wunsch durch das Reisebüro des Touristen«reins „Die Naturfreunde", Berlin N24. Johannisstr. 14/15, zugesandt wird.(Rückporto beilegen.) ÄI®®..«ezirl ESd-it Trept»». Turnen fallt morgen, ffreltag, wr alle«b- icilungen au«, bastlr Bersammlrnig der Frauen INN 20 Uhr«rachstraße 2», der Miinner um 20 Uhr Srilnauer Str. R.— Vezirk Pankow. Sonnabend. 11. Ok- «ober. Bierteljahresversammlung bei Lehmann. Milhlen. Ecke Raximilianstraße, lS'4 Uhr. iUrtrtl stir Arbeitersport und ttirprrpslege, Li-dtenbcrg. Dir SartcNoereine treten am Sonntag um INt Uhr tur Demonstration an der Iugcndbsthne, Holtcistrah«. an. Fahnen und Simpel mitbringen. Senat,. Rot»roh.Berltn«. Abt. Stenkjwn. Mitglirdrrprrsantmlnng Tonne roiaz. 9. Oktober, 20 Uhr. Cot» Reinhardt. Halenheid« SU. Nacht auf de Ich weiß, daß ich ein lasterhafter Mensch bin, und will nichts beschönigen. Irl) gebe ohne Erröten zu, daß ich links vor der Mündung des Flusses, in den großen See den Klepper aufs Land zog und mich in ein Gebäude begab, das seiner ganzen Anlage nach und auf Grund klar verständlicher Reklameauffchriften es als fein« Daseinsausgabe betrachtete, durstigen Zeitgenossen zugunsten der Rentabilität von Brauereiaktien labende Getränke zu«rabreichen. Ein großer Hund begrüßte mich voller Freundlichkeit in der rhyth- mischen Gymnastik seiner Schwanzspitze, und auch der Kellner«r- barg ein gewisses Wohlwollen nicht mehr, nachdem ich ihm eine halbe Stunde lang zur Ausübung seiner Berufstätigkeit veranlaßt hatte. Die Sonn« stand tief und schien durch geballte schwarz« Wolken mit der milden Nachsicht, die sie vor dem Schlafengehen bisweilen an den späten Tag legt; der Frieden der Wiesen und Gebüsche wurde hin und wieder durch heftiges lllatfchen interpunktiert, wenn ciner der schnurrbärtigen Pfahlbürger am Nebentisch im Garten mit triumphierendem Grunzen ein« unwiderstehlich« Trumpskarte aus die Platte haut«. Dann kam das letzte Vergnügungsdampfcrchen oorbeigestöhnt und nahm den Rest der Naturgenießer mit, dem heimischen Gasherd entgegen. Der Kellner stellte Tische und Stühle schräg und warf sehnsüchtige Blicke nach seinem Fahrrad vor der Theke. Sa zahlte ich und ging ans Ufer. Eine Schar Gänse war am Heck meines Bootes versammelt, sie stillte ihren Hunger an der Steuerleine. Nur eine mit besonders dekadenter Geschmacksrichtung knabberte am Gummibelag des Vorderstevens und zog sich dadurch die Mißachtung ihrer Fach- kollegen zu. Meine bisherigen Ersahrungen auf zoologischem Gebiet enthielten nichts über diese neuartige Ernührungsart der Martins- vögel; immerhin glaubte ich ausrechnen zu können, daß alt« Hanf- leinen zur Gänsemast sich billiger stellen als Hafer und Stopfknödel. und ich stelle meine Entdeckung gegen zehn Prozent von der Umsatz- steigerung allen Geflügelzüchtern zur Verfügung. Ich richtete einige passend« Worte an di �geschwätzigen Vögel, die die Unterbrechung ihrer pikanten AbendnMlzeit, wie ich ihrer Slufgeregtheit entnahm. als feindlichen Akt betrachteten, balancierte ins Boot und paddelte m die sanfte Strömung hinaus. Die Sonne hatte sich geräuschlos empfohlen, es war dunkel. Rechts und links säumte Buschwerk die Ufer, dahinter dehnte sich weites, flaches Wiesengclände, erfüllt von den nächtlichen Gesängen der Frösche und Zikaden, diesem Ohren- labsal romantischer Gemüter. Mein Geist mar frei und leicht, nur die Ann« schienen mir seltsam schwer, und mein Paddel hatte sich offenbar in massives Eisen«rwondelt. E» roch nach Sumpf, die Luft lag schwül und drückend wie ein feuchtwarmer Umschlag auf der dumpfen Welt. Bisweilen kam ein Windstoß, den man schon von weitem in den fernen Wäldern jen- seit? der Eben« poltern hörte, und zaust« das Schilf, daß es raffelt« und klapperte. Bonge Stimmung einer Tropennacht lagerte über dem Wasser und der undurchdringlich scheinenden Begrenzung feiner Ufer; ich hätte mich nickst gewundert, wenn jetzt ein Kanu mit speer- tragenden Dinka um die Ecke gekommen wäre auf der Flucht vor Sklavenjägern, die Zähne gefleischt im dunklen Gesicht, mißtrauisch gegen den Fremdling in der Einsamkeit des Weißen Nils.— Ein Brachvogel schwang gespensterhaft und unsichtbar auf und nieder und schrie wie eine ruhelose Seele. Dann quakt« ein heiseres Grammophon dos Lied von der tieinen Konditorei und erinnerte m Flauer See mich trostreich an die Nähe geistig hochstehender und kunstfroher Repräsentanten europäischer Kultur. Noch eine Fluhbiegung, und vor mir drehte sich das Leucht- icuer auf der Mole, die an der Südseite der Flußmündung in den See hinaus springt. Der See lag ausgebreitet vor mir und war schwarz ohne Anfang und ohne Ende.... Nach dem Kompaß fuhr ich in der Richtung der Insel, wo ich mein Zelt aufschlagen wollte. Vorerst blieb ich ein paarmal hängen. Die weite Bucht südlich vom Leuchtfeuer war vertrautet, die Stengel der Sumpfrosen verfingen sich im Steuer. Als mir der Aerger mit diesen Wasser- makkaroni zu langweilig wurde, bog ich in den See hinaus ab. Die Insel kam und kam nicht. Eine leise Dünung gluckte und plätscherte am Bug, leuchtete matt; sonst war alles in Finsternis getaucht. Schon gedachte ich im Boot zu schlafen, da stand vor mir eine hohe Mauer auf, dos Schilf schwatzte, in Bäumen raschelte der Wind. Ich fuhr aufs Geratewohl ostwärts am Ufer entlang, bis sich eine breite Oeflnung im Schilf auftat. Aber das Paddel stieß überall auf modrigen Boden, da mochte ich nicht aussteigen. Endlich fühl« ich Sand, die Taschenlampe zeigt eine wenige Meter breite Landzunge. Jetzt steige ich aus, stecke die Bootstange in den Boden und hänge die Bergsteigerlaterne daran. In ihrem trüben Licht wird das Zelt aufgerichtet, der Schlafsack ausgebreitet, das Boot am Ufer befestigt und mit der Spritzdeck« geschlossen. Knäckebrot, norwegqche Fischkonserven und eine Zigarette beschließen den Tag. Im Einschlafen höre ich noch von ferne leises Donner- rollen. Dann versinke ich tn den gefunden Schlummer des Zelt- mann es und träume von meincn Freunden, den Lappen, bei denen ich voriges Jahr um diese Zeit zu Gaste war. Plötzlich knallt ein Schuß--- noch einer--- Hörner- signale gellen dazwischen, Kommandonefe schmettern durch die Luft. Ich fahre hoch, reiße den Zelteingang auf, fort sind die Wolken, hell strahlt die Morgensonne über den blinkenden See, am Festlands- ufer gegenüber fahren Boote mit Männern entlang. Auch die Männer freuen sich des schönen Tages, sie gröhlen und schießen und preisen die Ehre Gottes in der Natur durch fröhlichen Mord an der buntgefiederten Kreatur, die in«rzweifelter Angst von ihren Nestern flattert. Und stolz und froh fühle ich mich von neuem mit der Kultur unseres Zeitalters verbunden! C. B. Vandalismus als Einheitsrezept In Großdeuben bei Leipzig hoben die Leute vom kommunistischen Sportverband, genannt, Kamps- gemeinschast für rote Sporteinheit", ihren Willen zur Einheit im Arbeitersport praktisch bewiesen. In der Woche vor dem zehn- jährigen Iubiläumsfesttag der bundestreuen Großdeubener Fußball- obteilung find die„Einheits«rsechter" im Dunkel der Nacht zum Sportplatz geschlichen und haben die neuen Fußballtor« mit Hilfe von Metoll- und Holzsägen und Drahtscheren vernichtet. Die Holzpfosten und Metallrohre wurden fachmännisch zersägt, das Drahtgeflecht zerschnitten und alles zu Boden gerissen. Vandalen konnten nicht schlimmer hausen. Das ist die Einheitsfront der IG. in der Praxi«. � ßefchäfts-Jbtseiger t föezivfo Jtovden- Cfien F. Periing Heringsräucherei engros— endetail Berlin 0 17, Lange StraBe 51 Gaststätte Rosenthaler Platz Inhaber: Max Hundert N 24, ElsSsser SfraBe 86—88 Am Rosenthaler Platz Empfehle meine neu eingerichteten Räume Anerkannt vorzügjiche Küche Gutgepflegte Getränke berliner Kindl Molle 25 Pfennig MQndiener Psdiorrbrün PUsener Drqocll Behaglicher Aufenthalt__ Buller-Helnze Auto-Reparaturen sowie Reparaturen an Maschinen aller Art. Anfertigung von Ersatzteilen. M. 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