Morgenausgabe Nr 427.. �, A240 47.Iahrgang WöchenMch SSPf. monaMch S.SV M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs» und 72 Pfg. Poftbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat. * De?.Vorwärts' erscheint Wochentag« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit oem Titel.Der Abend". Jlluftnerle Beilagen.Volk und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Frauenstimme" Technik"..Blick in die Bücherwelt"..Iugend-Vorwarts� und»StadtbeUage*. ZSsviwee VolkSblatt Sonnabend 11. Oktober 1930 Groß-Äerlin TO Pf. Auswärts 15 J>f. Die eins p alttg» Nonpareillezeile bi) Pfennig. Retlame'eile S.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' das etig«» druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt ZeileLO Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von ÖV» bis 17 Uhr. Isntealorsau der Gozialdemotvattschen Vavtei DeuSsÄiandS Revaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernwrkcher Dänbol« 292—291 Telefframm-Adr Eonoldemokrai Berlin. Vonväris-Verlag G.m.b.H. Postschecklomo: Berlin 37 ö3ö.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, A ngestellten und Beamten, Wall str KS.Dt.B u.Disc.-Gcs.,D«Positenkasie,JerusalemerStr 6S/6K. Acht Prozent Lohnabbau! Spruch des SonderschNchters im Metallkonflikt.- Sonntag FunktionSrkönferenz. In später Abendstunde verkündete gester« der Sonderschlichtcr Dr. Völkers den mit Spannung er. ioarteten Schiedsspruch im Metallkonflikt. Im wesentlichen besagt der Spruch: Die bisherigen Tarismindestlöhne der über 18 Jahre alten Metallarbeiter werden mit Wirkung ab 3. November um 8 Prozent gekürzt, die Tarifmindestlöhne der Jugendlichen und der Arbeiterinnen um 6 Prozent. Die Akkordgrnnd» lagen soften im gleiche« Ausmaße gesenkt werden. Das neue Lohnabkommen mit den reduzierten Tarif- löhnen soll bis zu der Lohnwochc gelten, in die der 30. Juni 1931 fällt. Die Erklärungsfrist wurde auf Sonnabend, den 18. Lktobcr mittags 12 Uhr fest- gesetzt. Die Begründung. Gestern nachmittag tun Uhr wurden die Ber- Handlungen znr Schlichtung im Lohnkonflikt in der Ver- lincr Metallindustrie wieder aufgenommen. Ter Son- dcrschlichter hatte während der fünfeinhalbstündigen Ber- Handlungen fast nie die Beisitzer beider Parteien zu» sammeu. sondern verhandelte zumeist abwechselnd mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeisitzer«. Znr Begründung des S ch i e ds f b r n che s führte der Sonderschlichter Dr. Bölkers sinngemäß etwa folgendes aus: Die Schlichtungskammer ist davon überzeugt, daß ein Lohnabbau znr Senkung der Gestehungskosten der Wirtschaft u n be d i u g t erforderlich ist. Sie ist ferner der Auffassung, daß durch einen Lohnab- bau der Arbeitslosigkeit gesteuert werden kann. Tie Ichlichtungskammer halte es für sozial- politisch richtiger, die Löhne, die in Zeiten guter llon- junktnr festgesetzt worden sind, zu senken, als sie zu hal- trn und dadurch die Arbeitslosigkeit weiter zu steigern. Ten Anträgen der Unternehmer, die Löhne um IS Proz. abzubauen, konnte nicht entsprochen werden. In der Frage der Arbeitszeitverkürzung konnte die Schlichtuugskammer. so führte der Sonder- schlichter Dr. Pölkers ans, keine Entscheidung treffen, da die Arbeltszeit in dem noch geltenden Mantel- tarisvertrag geregelt ist und ein Eingriff in einen noch bestehenden Tarifvertrag gesetzlich unzulässig sei. Hinsichtlich der Wicdereinreihung von Arbeitslosen in den Produktwusprozeß auf dem Wege der Arbeits» zcitvertürzung empfahl der Sonderschlichter den Par- teien, in direkte Berhandlnugeu zu trete«. Im gleichen Atemzug« empfahl er jedoch den Parteien, bei etwa notwendig werdenden Arbeiterent- lassungen Verhandlungen aufzunehmen zur Streckung der Arbeit. Eine Begründung für diese widersprechende Empfehlung gab der Tonderschlichter nicht. Mit diesem Schiedsspruch beschäftigt sich am Sonn- tag, vormittag um 1y Uhr, im Saalbau Fricdrichshain eine Konferenz der Gewerkschaftsfunktio- n ä r e aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller. Ein Signal. Der Sonderschlichter im Berliner Metallkonflikt hat getan, was er sollte. Er hat die große Lohnabbau- offensive eröffnet. Er hat einen Spruch gefällt, der die Löhne der Berliner Metallarbeiter um 8 Prozent herabsetzt. Die Unternehmerforderung nach 15 Prozent Lohnabbau ist nicht ganz durchgedrungen— aber was besagt dies gegen- über der Tatsache, daß der Schlichter sich die Unternehmer- begründung für den Lohnabbau zu eigen gemacht hat. daß er die Lohnsenkung sanktioniert, daß er den Berliner Metall- arbeitern 8 Prozent ihres bisherigen Lohnes wegnimmt! Durch öie Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversiche- rung haben die Arbeiter vom 6. Oktober ab bereits 1 Prozent ihres Lohnes eingebüßt. Macht zusammen g Prozent. Acht Prozent Lohnabzug! Ein erheblicher Teil der Berliner Metallarbeiter leistet Kurzarbeit. Er arbeitet nur vier Tage in der Woche und verdient nur vier Tage. Bon dem kümmerlichen Lohn, der ihm verbleibt, nehmen die Unternehmer einen Zehnten— angeblich zur Rettung der Wirtschaft, in Wahrheit zur Stärkung ihrer Macht und ihres Reichtums! Dieser Schiedsspruch ist ein Signal. Was in Berlin begann, soll mtt HUfe der von der Reichsregierung instru- ierten Schlichter im ganzen Reiche fortgesetzt werden. Im nordwesttichen Industriegebiet besteht der gleiche Konflikt wie in Berlin. Dort wird am Ende des Monats die Entscheidung fallen. Die Berliner Entscheidung wird den Willen des Unternehmertums zum Angriff gegen die Arbeiterlöhne über- all stärken. Eine gewaltige Verschärfung der Klas- sengegensätze, schwere unmittelbare Klassenkämpfe stehen bevor. Der Berliner Schiedsspruch entspricht dem Programm der Regierung Brüning» insbesondere jenen An- sichten, die der Reichsarbeitsminister Stegerwald ver- treten hat. Der Reichsarbeitsminister Stegerwald hat voll- ständig vor den Anschauungen des Unternehmertums kapi- tuliert. Die Behauptung, daß nur durch Lohnabbau die Ar- beitslosigkett bekämpft werden könne, entspricht nicht wirt- GM IiktMr M MiMiis Für MMie und ArbeitenM demMerl die Minet SsMemlnitle mn SmulU. dein 12. Vltnder 1930, M- imllnoi 2 Ii. im Mgnrleii. Mnuhe: SielldsingZwIidenl taile Ml Lüde Treffpunkte: 1. Kreis Mitte. Arkonaplatz 12.30 Uhr. 2. Kreis Tiergarten und 7. Kreis Eharlotteubnrg. Kleiner Tiergarten 13 Uhr. 3. Kreis Wedding. Brunnenplatz 12.15 Uhr. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Danziger Straße 64(Bezirksamt) 13.15 Uhr. 5. Kreis Friedrichshain. Kustriner Platz 13 Uhr. 6. Kreis Krenzberg. Fantanepromenade 13 Uhr. 8. Kreis Spandan. Abfahrt nach Lehrter Bahnhof: Abteilung Staaken 12:23 Uhr Bahnhof Staaten; Abteilungen Mstadt, Neustadt und Wilhelmstadt 12.33 Uhr Bahnhos Spandau-West; Abteilung Siemensstadt 12.42 Uhr Bahnhof Fürstenbrunn. Aufstellung de, Zuges am Wtlhelmufer(westliche Seit« des Lehrter Bahnhofs). Abmarsch 13 Uhr durch Wilhelnmfer, Jnoalidenstraße, hier Anschluß an 2. Kreis 9. Kreis. 10.. 11. und 12. Kreis Wilmersdorf, Zehlen» dorf. Schöneberg und Steglitz. Hausvogteiplatz 13.30 Uhr. 13. Kreis Tempelhof. Slntreten 12 Uhr Ullsteinhaus. Marsch durch Berliner Straße bis U.-Bahnhof Tempelhos. Fahrt bis U.-Bahnhof Französische Straße. Antreten Gendarmenmarkt. Marsch durch Französische, Wcrdcrstrahe, An der Stechbahn, Schloßfreiheit. Lustgarten. 14. Kreis Neukölln. Reutcrplatz 12)4 Uhr 15. und IS. Kreis Treptow und Köpenick. Am Köllnischen Park 13.30 Uhr. 17. Kreis Lichtenberg, cholteistraße(vor der Jugendbühne), 12.30 Uhr. 18. Kreis Weistensee. Lehderstraße, Eike Berliner Allee 12.30 Uhr. 13. Lireis Pankow. Bornholmer Straße, Spitze Schönhauser Allee. 12.30 Uhr. 2V. Kreis Reinickendorf. Residenzstraße� Ecke Marktslraße in Reinickendorf-Öst. 12 Uhr. Die Sozialistische Arbeiterjugend trifft sich an den Gammel- Plätzen der Partei. schaftticher Einsicht, sie ist ein Ausfluß des brutalen Macht- willens des Unternehmertums. Hinter diesem brutalen Machtwillen sind alle Maßnahmen zurückgetreten, die wirklich und im Ernste zu einer Milderung der Krise hätten beitragen können: Arbeitsbeschaffung, Preissenkung. Sie sind bewußt zurückgestellt worden, weil zunächst und zuförderst das Unter- Xonferenr der Metallfunktionäre der VBMI.-Betrlebe Sonntag, den 12. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Saalbau Friedrichstaaln Tagesordnung: Der Schiedsspruch des sonderschüchters. nehmertum die Krise ausnutzen will, um die Arbeiterschaft auf die Knie zu zwingen. Der Sonderschlichter begründet seinen Spruch mit sozial- politischen Rücksichten. Er wiederholt die Behauptung, daß durch Lohnabbau Arbeit für die Arbeitslosen geschaffen werden könne. Das ist ein Trugschluß, nur dazu bestcmmi, nach Möglichkeit zu verhindern, daß die ganze Empörung der Oeffentlichkett sich gegen den brutalen Machtwillen des Unier- nehmertums wendet! Diese Behauptung kann nicht einmal in der Begründung des Spruches selbst durchgehattc.i werden. Der Sonderschlichter sieht selbst die Möglichkeit voraus, daß die Berliner Metallindustriellen weitere Arbeiter- entlassungen vornehmen werden. Lohnabbau, um Arbettslose in Arbeit zu bringen, ober verbunden mit der Vorbereitung auf weitere Entlassungen— das enthüllt, daß es sich bei diesem Spruch lediglich um eine Begünstigung der Unternehmeroffensive gegen die Arbeiterschaft handelt. Weniger Lohn, aber noch mehr Arbeits- lose— das ist die Perspektive, die dieser Spruch in Wahr- hett eröffnet. Würde es den Unternehmern gelingen, ihren Machtwillen den Berliner Metallarbeitern und danach der ganzen deutschen Arbetterschaft aufzuzwingen, wer glaubt dann noch, daß sie dann an Preissenkungen heran- gehen würden? Lohnabbau auf der ganzen Linie ist das sicherste Mittel, um das Unternehmertum vor Preissenkungen zu retten und um es davor zu bewahren, daß es seindn Anteil an der Krise auf sich nimmt. Der Ausgang des Berliner Metallkonflikts wird nicht nur für die Berliner Metallarbeiter, sondern für die gesamte deutsche Arbeiterschaft von der größten Bedeutung sein. Vom Ausgang dieser großen Entscheidung wird es abhängen, ob und auf welchem Wege eine Lösung der Krise möglich sein wird. Am Sonntag tritt die Konferenz der Gewerkschaftsfunktio- näre der Berliner Metallbetriebe zusammen, um ihre Eni- scheidung über den Schiedsspruch zu fällen. Dann haben die Arbeiter in den Betrieben das Wort! Kinanznot der Gemeinden. folgen der Arbeitslosiakeit im industriellen Westen. Bochum, 10. Oktober.(Eigenbericht.) Die Stadt Hamborn erklärt sich a u ß e r st a n d e, im Winter- Halbjahr die Mittel für die Wohlfahrtserwerbslosen aufzubringen, deren Zahl jetzt schon auf über 10 000 gestiegen ist. 8000 werden noch in den nächsten Wochen dazukommen. Man erwartet vom Reich und vom Staate die nötige Hilfe. Auch die Landkreise des Ruhrgebietes weisen durch die Wohlfahrtsau-gaben große Fehlbeträge auf. Der Lennep-Ruhr- Kreis verzeichnet einen Fehlbetrog von 1,7 Millionen Mark, dessen Tilgung ein« Nachbesteuerung von 70 Proz. der Realsteuergrund- beträg« nötig machen wird. In Düsseldorf-Mettmann müssen 550 000 Mark durch Nachtragsumlage aufgebracht werden, im Kreis« Wesel 508 000 Mark. 600-Mllionenkredit perfekt Heute Unterzeichnung der Verträge Was wird werden? Vor dem Zusammentritt des Reichstags. Wenn am Montag der Reichstag zusammentritt, so be- steht seine erste Aufgabe in der W a h l d e s P r ä s i d i u m s. In der Geschäftsordnung des Reichstags ist vorgesehen, daß das Präsidium nach der Stärke der Fraktionen zusammen- zusetzen ist, also die stärkste Fraktion den Anspruch auf den Präsidenten besitzt. Die Sozialdemokratie wird den bisherigen bewährten Präsidenten, den Abgeordneten L ö b e, vor- schlagen. Es ist anzunehmen, daß auch die Mittelparteien für seine Wiederwahl eintreten. Von den Nationalsozialisten und Kommunisten wird das gleiche kaum erwartet werden können. Anerkennen diese Fraktionen jedoch nicht das Recht der stärk- sten Fraktion auf die Besetzung des Präsidentenpostens, so können sie auch nicht erwarten, daß ihr Anspruch auf die Be- setzung des ersten bzw. zweiten Bizepräsidentenpostens von anderen Parteien anerkannt wird. Die Sozialdemokratie wird das jedenfalls nicht tun. Die Eröffnungsformalitäten und die Wahl des Präsi- diums wird sicherlich die ersten Tage der nächsten Woche be- anspruchen. Vermutlich wird der Dienstag sitzungsfrei bleiben und der Vorberatung der Präsidentenwahl dienen, die da- nach am Mittwoch vorzunehmen wäre. Dann beginnen die politischen Erörterungen. Man rechnet mit einer Erklärung der Reichsregierung über ihr Finanzprogramm, durch die eine allgemeine politische Aussprache eingeleitet werden soll. Da aber die angekündigten 30 Gesetzentwürfe, durch die dieses Pro- gramm verwirklicht werden soll, bisher nicht vorliegen, so wird diese Erörterung im Augenblick nur mehr oder weniger theoretischen Charakter haben. Das gilt jedoch nicht für den Gesetzentwurf, durch den die Reichsregierung die Er- mächtigung zur Annahme eines Kredits in Höhe von 525 Millionen Mark erbittet und der die Tilgung der Reichsschulden in Höhe von je 420 Millionen Mark in den Iahren 1931, 1932 und 1933 vorsieht. Unmittelbare prak- tische Bedeutung haben ferner die Anträge, durch die der Regierung oder einzelnen Ministern das Mißtrauen ausgesprochen werden soll und die Anträge über die Auf- Hebung der Notverordnungen vom 26. Juli. Die Sozialdemokratie hat bereits in ihrem Be- schluß vom 3. Oktober klar ausgesprochen, daß sie sich bei ihrer politischen Haltung lediglich leiten läßt von dem Willen, die parlamentarisch-demokratische Grundlage des Staates zu er- halten, um dadurch die Interessen des arbeitenden Volkes, die durch die Wirtschaftskrise auf das stärkste bedroht sind, zu wahren. In diesem Beschluß ist auch bereits angekündigt worden, daß die sozialdemokratische Fraktion entschlossen ist. auf dem Weg der ordentlichen Gesetzgebung die Beseitigung der für die breiten Massen des Volkes unerträglichen Bestim- münzen der Notverordnungen zu fordern. Damit, ist ganz deutlich ausgesprochen, daß die- Sozialdemokratie einem An- trag aus sofortige Aufhebung der Notverordnungen nicht zu- stimmen wird. Sie will zunächst den Versuch machen, auf dem Wegeder ordentlichen Gesetzgebungdie- jenigen Bestimmungen zu beseitigen, gegen die sich der Wider st and der Massen richtet. Diese Haltung der Sozialdemokratie bezweckt, den Ver- such von Kommunisten und Nationalsozialisten, ein wüstes Durcheinander zu schaffen und dadurch den Boden für die Diktatur zu bereiten, zu vereiteln. Nur so können die Inter- essen des werktätigen Volkes geschützt werden. Die Haltung von Kommunisten und Nationalsozialisten aber schädigt sie. Die re st lose Aufhebung der nun einmal seit Wochen in Kraft befindlichen Notverordnungen, ohne daß etwas anderes an ihre Stelle ge- fetzt wird, würde die schwerste Erschütte- rung der öffentlichen Finanzen bedeuten. Bei einer restlosen Aufhebung gäbe es keinen Reichsetat mehr, ollen öffentlichen Ausgaben würde die gesetzlich« Grundlage entzogen, sie könnten nicht mehr geleistet iverden. Di« Unter- stützung der Erwerbslosen hörte auf, soweit sie aus Mitteln des Reiches gezahlt werden. Und da durch die einfache Auf- Hebung der Notoerordnungen selbst die Erhöhung der Bei- träge der Arbeitslosenversicherung von 31/2 auf äfH Proz. tückgängig gemacht würde, so könnten aus den Beitragsein- nahmen der Versicherung nur noch wenige hunderttausend Arbeitslose unterstützt werden. Der radikalste Abbau der Leistungen der Erwerbslosenoersicherung wäre mit einem Schlage verwirklicht. Endlich hätten die Scharf- wacher ihr Ziel erreicht. Länder und Gemeinden würden durch die Einstellung der Ueberwcisungen in die schwerste Notlage geraten. Auch sie müßten ihre Ausgaben drosseln. Die Aufhebung der Notverordnungen würde aber zugleich zu einem Geschenk für die Besitzenden. Denn sie würde den Steuerzuschlag für die hohen Einkommen und die Aufsichtsratssteuer beseitigen. Durch alle diese Maß- nahmen würde aber nicht nur die Finanznot gewaltig ver- schärft werden, sondern auch die Wirtschaftsnot. Ein neuer Strom von Arbeitslosigkeit wäre die Folge. Die Sozialdemokratie wird sich deshalb dafür einsetzen, daß ein Weg beschritten wird, durch den den Notverordnungen die Giftzähne ausgebrochen werden, ohne daß solche Gefahren auftreten, wie sie durch eine restlose Aufhebung der Notver- Ordnungen entstehen müßten. Nach wie vor ist die Sozial- demokratie der Ansicht, daß die Notoerordnungen Bestimmun- gen enthalten, die unerträglich sind, weil sie die schärfsten sozialen Härten hervorrufen. Die Beseitigung dieser uner- träglichen Bestimmungen ist aber möglich, ohne daß die öffentlichen Finanzen gefährdet werden. Die Sozial- demokratie wird deshalb verlangen, daß diF Notverordnungen in einem Ausschuß des Reichstags. beraten werden, der in sachlicher Arbeit Abänderungen vorzunehmen hat. Gleichzeitig ist für die Verordnungen, die auf Grund des Artikels 48 erlassen worden sind, die erforderliche ver- fassungsmäßige Unterlage zu schaffen. Es ist der Sozialdemokratie in dieser ernsten Zeit zunächst lediglich darum zu tun, unbekümmert um das demagogische) Heute abend werden die Verträge über die Gewährung eines Ueberbrückungskredits in Höhe von 300 Millionen Mark an die deutsche Reichsregicrung unterzeichnet. « Der Sanicrungsplan der Regierung Brüning sieht aisgesschts eines wahrscheinlichen Defizits van 750 bis 900 Millionen Mark im Haushaltsjahr 1930 die Aufnahme eines Ueberbrückungs- kredits vor. Der Kredit soll im Laufe von drei Iahren aus einem besonderen Fonds zurückgezahlt werden. Die im Lause der nach- sten Woche dem Kabinett zugehenden Gesetzent- würfe bringen im Rahmen des Gesetzes über den Reichshaushalt für das Jahr 193l die Ermächtigung zur Aufnahme des oben erwähnten Ueberbrückungskredits. In einem zweiten Gesetz- cntwurf(Fondsgesctz) wjrd die Schuldentilgung geregelt. Die Durchführung der Kreditaktion ist durch den Wahlausfall nicht erlsichtert morden. Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir feststellen, daß sich der Zinssatz für den Ueberbrückungskredit infolge des Wahlausganges u m ein gutes Prozent erhöht hat. Die effektive Verzinsung beträgt Geschrei der Radikalen rechts und links die Interessen der arbeitenden Massen zu schützen. « Di« sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Breit- s ch c i d, M ü l l e r und Wels hatten am Freitagnachmittag mit dem Reichskanzler eine längere Unter- r e d u n g. Volkspariei lenkt ein. Kein Vorstoß gegen Eurtivs. Parteioffiziös wird mitgeteilt: Die Beratungen der Fraktion der Deutschen Votkspartei über das Regierungsprogramm wurden auf Montqg vertagt. Inzwischen sollen Verhandlungen, die mit anderen Parteien über das Programm eingeleitet worden sind, fortgeführt werden. Die Fraktion setzte einen Ausschuß ein. der Vorschläge zur Ausgestaltung des Programms ausarbeiten soll. Es wird ausdrücklich versichert, daß ein Antrag auf Abberufung des Rsichsaußenrninisters Dr. E u r- t i u s nicht vorgelegen habe. Es wird erzählt, Herr Scholz habe in der Fraktion er- klärt, eins„Distanzierung" vom Kabinett würde dessen Rück- tritt zu Folge haben. Im übrigen geht aus der parteioffiziösen Meldung her- vor, daß auch die in der Regierung vertretenen Parteien und Parteisplitter nicht daran denken, das Regierungsprogramm unbesehen anzunehmen. Daß die nach allen Seiten freie sozialdemokratische Reichstagsfraktion noch weniger daran denkt, ergibt sich von selbst. OieIungdo-Abgeordneien werden wild Sie verlassen die Reichstagsfraktion der Staatspartei. Die Abgeordneten Abel, Adolph, Baltrusch, Borne- m a n n und Hesse, die der Volksnationalen Reichs Vereinigung angehören, haben an den Vorsitzenden der Fraktion der Deutschen Staatspartei, Abg. Dr. Weber, folgenden Brief gerichtet: nach Mitteilungen des Finanzministeriums rund S Prozent. Di« Zlnietheoerhemdlungsn wurden für das Reichsministerium durch das amerikanische Bankhaus L e e- H i g g i n s 0 n Co. geführt. Es handelt sich um das Emissionshaus des Kreugcr-Konzcrns in Boston. Die Laufzeit der Anleihe betrögt zwei Jahr«. Dem Reich ist das Recht zugesichert, in halbjährlichen Terminen zurück- zuzahlen. Voraussetzung für den Kredit ist. daß der Reichstag das entsprechende Ennöchtiguirgsgesetz und das Fondsgcsetz an- nimmt. An der Aufbringung der Anleihe sind neben amerikanischen, englischen, französischen und holländischen auch deutsche Van- k« n— sie sollen 10 Proz. übernehmen— beteiligt. Es handelt sich bei dem deutschen Konsortium um die Reichsbank, die Reichs- Kredit-Gefellschoft und die D-Bankcn. Mit Aufnahme des Kredits ist Befriedigung des Reichsbedarfs bis über Iahresultimo hinaus sichergestellt. Außerdem dürfte der Reichsbank der Zuwachs an Devisen gerade in der jetzigen kritischen Zeit sehr gelegen kommen. „Nachdem seitens des Reichsaktionsausschusses der Deutschen Staatspartei unter Mitwirkung führender Mitglieder der Reichs- tagsfraktion unter Ihrem Vorsitz der Antrag der Bolksnationalen, die Partei auf föderativer Grundlage und damit die Reichstags- sraktion zu erhalten, abgelehnt worden ist und nachdem Herr Minister Dr. Höpker-Aschoff in einer Prejsekolsserenz erklärt hat, daß der jungdeutsche Orden durch seil« Mitwirkung in der Staatspartei sich nur mit Hilfe der demokratischen Organisation größeren Einfluß und größere Macht habe verschaffen wollen, sehen wir uns zu unserem Bedauern genötigt, unseren Austritt aus der Fraktion der Deutschen Staatsportei anzumelden. 5)err Kollege Prütz hat uns ermächtigt, vorstehende Erklärung auch in seinem Ramcn. abzugeben. Eine Teilnahme an der Fraktionssitzung am Montag, dem 13. Oktober, dürste sich unter diesen Umständen erübrigen, und wir bitten von einer Einladung Abstand zu nehmen." Die jungdcutschen Abgeordneten werden im Reichstag selbständig bleiben, sich also keiner anderen Fraktion anschließen.__ O»e Leuin anis auf Festung. Vach ver Ablehnung der Begnadigung. Die im Reichs weh rprazeß in Leipzig verurteilten Leutnants Schertnger und Mendt verbüßen als preußische.Staats- angehsrige ihre Strafen in der Festung Gollnvw, Leutnant 'Lud in. der bodischer Staat-angehöriger ist, in der Festung Rastatt.' Roben den Offiziers verbänden fyjtsich auch H u gen- berg beim Reichspräsidenten um ihre Begnadigung bemüht. Di« Ablehnung der Begnadigung durch den Reichspräsidenten wird in der Rechtspresse heftig kritisiert. ver Keichspräfideni hat. gestern seine» Besuch in Aachen mich gebolt. Im Aachener Rathaus fand ein Festakt statt, bei dem der Regierungspräsident und der Oberbürgermeister Begrüßungsreden hielten. Der Reichspräsident dankte in einer Ansprache. Die Be- völkerung nahm lebhaften Anteil. f I 9 Die„Gewerkschastszeitung Das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes, die„G e w e r k sch a ft sz e i t u n g". schreibt zum Programm der Reichsregierung: „Unzureichend ist die Vorlage der Regierung, soweit die Interessen der Arbeiterschaft in Frage kommen— ganz abgesehen von den bejondes zu behandelnden Fragen der Sozialpoliti k und des Wohnungswesens. Darf denn ein Programm, dos der Rot der Wirtschaft steuern will, an dem Gebiete größten Rot- standes stillschweigend vorübergehen? Hat es gar nichts über die Lage des Arbeitsmarktes und die Verschlechterungen, die ihm drohen, zu sagen? Wäre es nicht ai� der Zeit gewesen, das viel diskutierte Problem der Arbeitszeitverkürzung mich von Regicrungsseile anzuschneiden, statt verschämt auf die Notwendigkeit von Lohnsenkungen hinzu- weisen? Wäre nicht ein Wort angebracht gewesen über die Höhe der Preise, über ein««nerglschc Fortsetzung des von der Regie- rung nur zaghaft eingeleiteten Versuches der Preissenkung durch schärfere Kartellkontrolle? Zll es nicht ein Gebot der Stunde, die Frage einer Senkung der eebenshallungskasten zu erwähnen? In diesen Punkten bedürfte die Regierungsvorlage noch einer er- deblichen Erweiterung, falls sie den Bedürfnissen der übergroßen Volksmehrheit Rechnung tragen will. Das wäre um so dringlicher gewesen, als auf der anderen Seite eine Senkung her Real- und Kapitalsteuern in Aussicht gestellt wird. Die Regierung Hot ihr Programm dem Reichstag mit dem Bemerken vorgelegt, daß es einen„einheitlichen Plan" darstelle. Wir nehmen trotzdem an, dpß damit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. So wenig wir ein« Wiederholung der früheren Verhandlungen Dr. Brünings wünschen, bei denen jeder Koalitions- partner sich das für ihn passend« Stück herausschneiden wollte, ohne sich um die entstehenden Lücken zu kümmern, so wenig könnken wir uns damit abfinden, daß der Arbeiter- fchafk Lasteu aufgedrängt werden, ohne daß die übrigen Be- völkerungsschichtea entsprechend herangezogen werden. Die Gewertschosten werden es an Vorschlägen, um dieses Un- recht abzuwenden, nicht fehlen lassen." Das Organ des ADGB- weist auf die größten Fehler i Kritik. r zum Brüning-Programm. des Programms hin— es zeigt zugleich, welche positiven Verbesserungen notwendig sind. Die Stimme der Städte. Der Deutsche Städtetag hat zum Regierungsprogramm in fol- genden Darlegungen Stellung genommen: Die deutschen Städte sind bereit, an der Durchführung der notwendigen Reformen mitzuarbeiten. Sic haben ihrerseits aus eigener Initiative schon eine weitgehende Abdrosselung laufender Ausgaben eingeleitet und auch durch die Einrichtung der Kredit- ausfchüsse sschergestellt. Alle ihre Bemühungen, zu einer Senkung der Ausgaben zu kommen, sind durch die Entwicklung der Wohlfahrts lasten oergeblich geblieben. Ihre oringendste Sorge ist daher, daß in den, Finanz Programm der Reichsregierunn eine sofortige wirksame Hilst für die unerträglich angewachsenen Lasten der wohlsahrlserwerbslosen fehlt. Wie auch dem Reichsarbeitsnünistcr persönlich in einer Be- sprcchung am 9. Oktober nochmals aufs eindringlichste vorgetragen wurde, liegt hierin die Kernfrage für die Weiterentwicklung der kommunalen Finanzpolitik und gleichzeitig für dos Gelingen des ganzen Finonzprogramms im laufenden und im nächsten Jahr. Die Städte müssen mit allem Nachdruck hierbei auf ein« sofort,«« Abhilfe des gegenwärtigen Notstandes und auf. eine grundsätz- l ich« Neuregelung der.Krisenfürsorge und der Betreuung der Wohlfahrtserwerbslosen drä». gen. Sobald die wichtigsten, in Aussicht gestellten Gesetzentwürfe vorliegen, wird ssch der Vorstand des Deutschen Städtetages damit befassen. Dabei werden die Städte bemüht fein, ein« dem Reich und ihren Lebensbedürfnissen Rechnung tragende Gefamtlösung mit» zuschasfen. Industrie- und Handelstag für Lohnsenkung. Der Industrie- und Handelstag hat sich zum Wirtschafts- und Finanzprogromm der Reichsregierung zustimmend geäußert und wie der Reichsverbond der Industrie das Programm als einen Anfang begrüßt. Er steht ebenfalls auf dem Standpunkt, daß Preissenkimg erst nach Senkung der industriellen Produktionskosten, in erster Lim« also nach einer ollgemeinen Lohn- senkung durchzuführen sei. In einer Entschließung zur Handels- Politik wird im Interesse der Gesamtheit entschlossene Abwehr jeder Politik gefordert, die aus die Abschli« ßung der deutschen Wirtschast von der Weltwirtschaft hin». zielt. Linter Hitlerknaben. rX)en Gegnern die Köpfe abhauen ist vor allem viel bequemer, als sich den eigene« Kopf über ernste Kragen zu zerbrechen." » Das gerettete Kärnten. Zehnjahresfeier der Volksabstimmung. Gibt Mussolini Auswanderung frei? Eine Folge der wachsenden Arbeitslosigkeit. Paris. 10. CUohtr. lEigenvericht.) Wie der„P er t g M i d i" aas Nizza meldet, komme» seit einige» Tagen über die Grenzstation Bentimiglia zahlreche italienische Auswanderer nach Frank- reich, ohne daß ihnen von feiten der Grenzwache» die geringsten Schwierigkeiten bereitet werden. Während noch vor kurzer Zeit die politischen Flüchtlinge unter Lebensgefahr die schwierigsten Gebirgspässe über- steigen mußten, passieren sie jetzt den legalen Grenz- weg und warten in der französischen Quarantäne die Ausfertigung ihrer Arbeitsverträge ab. Man nimmt an. daß dieser plötzliche Wechsel in der Haltung der faschistischen Negieruug auf die schwere Wirtschaftskrise zurückzuführen ist. in der sich Italien befindet. Auch scheint man für de« kom- Menden Winter ein bedrohliches Anwachsen der Arbeits- lostgkeit zu befürchten und zieht eS offenbar vor. die Un- Zufriedenheit der Bevölkerung nicht auf den Höhepunkt zu treiben. Nicht ohne Einfluß auf die Entschlüsse der faschistischen Behörden dürften die in Paris schwebenden Finanzver Handlungen sein, auf Grund deren Italien eine größere Kredtthilfe durch die französischen Banken zu erhalten hofft. Herbert Morrison für Gozialisterung. Oer letzte Tag des Labour-parteitages. klandudno, 10. Oktober.(Eigenbericht.) Transporiminister Herbert Morrison, einer der jüngsten und sähigften Köps« der englischen Arbeiterbewegung, leitete den letzten Tag der Labaur-Konserenz mit einem großzügigen R» (erat ein, das das Regierungsprogramm zur De- kämpfung der Arbeitslosigkeit und zum ökonomischen Wiederaufbau nach der oerkehrstechnischen und kommunalpolitischen Zeite ergänzte. 75 Proz. aller von der Lobour-Regierung bisher zur produktiven Erwerbslosenfürsorg« ausgegebenen Summen sind durch die Hand des Transportministsrs gegangen. Elektrifizierung des Laiches und der Eisenbahnen war und bleibt einer der Haupt- progrommpunkte der Arbciterregierung. Eine endgültig« wirt- schostlich« Restauration ficht Morrison jedoch nur dann gegeben, wenn die großen industriellen Unternehmungen der Privat- Wirtschaft entzogen und aus dem Privatbesitz in die Staatsvccwaltmig zum besten der Allgemeinheit übergehen. Den Ansang inocht Morrison mit dem demnächst dem Unterhaus vorzulegenden Gesetz über die Zusammenfassung aller Londoner Verkehrsmittel, die zur Zeit noch größtenteils in Privat- besitz sind, und in kommunales Eigentum oerwandelt werden sollen. Zehn Millionen Menschen sind auf dies« Londoner Transportmittel angewiesen und es geht nicht mehr länger, daß die dringend notwendigen Derkchrs- und Preisreformen durch den Widerstand der Privatbesitzer verhindert werden. Äommunal- '?A'�!!"sches Wollen und Drängen atmet ebenfalls di« von Morrison ausgearbeitet« neue Berkehrsordnung, und was der Transportnrinister von den Städten und Kommunen an öffentlichen Arbeiten und produktiver Erwerbslosensürsorgs verlangt, ist beste jazialistischz Ausbauarbeit. Der gekamtc Kongreß dankte dem Referenten durch stürmischen Beifall. Die Delegierten weigerten sich darauf, die noch vor- liegenden politischen Anträge zu behandeln, die teils für, teils gegen di« Regierung geruhtet waren, teilweise aber auch gegen die Diszi- plinlosigkeit und die Berstöße der unabhängigen Arbeiterpartei. Der Varlettag ging über olle diese Entschließungen zur Tagesordnung über und eilte zum Schluß. Vorher feierte er nach die Präsidentin «ufanne Lawrence für ihre unparteiliche und norzüglimc iiührung. Mit dem begeisterten Gesang des englischen Sozialisten- morsches endete der Kongreß, der einen liefen Eindruck von der Geschlossenheit der Labour Partq hinterlassen hat, von ihrem Wollen, die Einheit der englischen Arbeiterbewegung aufrecht zu erhalten und nicht zuletzt von der Ucberzeugung und dem entschlossenen Prangen dieser Bewegung zum Sozialismus. Nicht nur die englische, sondern die gesamte europä- iiche und sozialistische Arbeiterbewegung kann diesen Kongreß auf di« besten Seiten ihrer Geschichte buchen. Iahresprösident Stanley Hirst. Llaaduduo. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Die neu gewählte Exekutive der Labour Party ernannte S t a n- lcy Hirst zu ihrem Vorsitzenden. Hirst war bisher Kassierer des Tronsportarbeiternerbandes. Er steht im 15. Lebensjahr und gehört seit vielen Jahren dem Vorstand der Arbeiterpartei an. Di« u n a b» häng ig« Arbeiterpartei wird in der Exekutive durch Jowett vertreten. Die Radikalen oppositionsmüde. Ihre Regierungsbereiffchast dürste Tordievs Glurz beschleunigen. Pari». 10. Oktober.(Eigenbericht.) Der am Donnerstag auf dem radikalen Parteitag in Grenoble gefaßte Beschluß, der den W« g z u r K o n z e n t r a t l o n der bürgerlichen Linken und der Mittelporteien eröffnet hat, hat die seit Monaten bestehend« schleichend« Krise des Kabinetts Tardicu akut werden lassen, Tardieus Autorität war schon in den letzten Wochen der Eommertagung des Parlament» so stark erschüttert, daß er sich dem drohenden Sturze des Kabinetts nur durch die Vertagung ent- ziehen konnte. Es dürfte angesichts der Zersetzung seiner Mehrheit und des Streites um die Außenpolitik den WiederzusammeiUrüt der Kammer kaum lange überleben. Der Parteibeschluß von Grenoble bietet jetzt die Möglichkeit zur Bildung einer breit en Regie» r i» ng»Mehrheit., die imstande erscheint, bis zu den Neumohlen bestehen zu können, denn sie würde mit Ausnahme der äußersten nationalistischen Rechten und der Sozialisten olle Parteien der Kammer umfassen. Nach einer zweijährigen Kur in der Opposition werden also di« Radikalen jetzt wieder in die Regierung eintreten. Es fragt sich aller. ding«, ob sie dann nicht wieder, wie«inst unter der nationalen Union Poincares, der Reaktion Borspa-nndienste leisten werden und die Kosten tragen müssen. Die So z i o l i st e n werden der neuen Entwicklung der Dinge in der französischen Innenpolitik jedenfalls>m i t R-u h e entgegensehen können Ihre Erfolge bei den letzten Teilwahlen zur Kammer haben bewiesen, daß sie weder von der Regierung Tardieu noch von ihren ehemaligen Kartell- zenoffen, den" Radikalen, irgend etwas zu befürchten haben. ftlagensurt, 10. Oktober.(Eigenbericht.) In ganz Kärnten wird Hie Erinnerung an die Volks- abstimmung feierlich begangen, die vor zehn Jahren über die staatliche Zugehörigkeit des Landes für Deutschösterreich entschied. Den Höhepunkt des heutigen Gedenktages bildet« ein« F e st s i tz u n g des Landtages,' bei der der Landtags Präsident Lukas eine politisch bedeutsame Rede hielt. Er gedachte der blutigen Kämpfe, die der Volksabstimmung vorangegangen waren. Arbeiter urrd Bauern hatten damals das Selbsthestimmungsrecht des Landes mit Waffengewalt gegen die südslawisch« Militärmacht ver- teidigt. Dadurch war es den österreichischen Friedensunterhandlern unter Führung Renners möglich, für das Land eine A b- st i m m u n g zu erreichen, die dann für Deutschösterreich erfolgreich ausging. Der Landtagspräsident erklärte im Namen des Landtages, daß er Grütze auch srnu-n entbiete, die damals für Zugestlawien gestimmt hatten. Er erkenne �sie Äs gleichberechtigte Landes- bürger an, und sei er bestrebt, ihre sprachliche Eigenart zu bewahren und ihnen' jede Fürsorge an gedeihen zu lassen, gleich den Deutschen. Bow gleichen Geist war hie Red« des Klagenfurter Bürger- meisters in der Festsitzung des Gemeinderats beseelt. Er stattete nicht nur Dank den deutschen Abstimmungskämpfern ob, sondern anerkannte auch das ritterlich« Verhalten des süd- slawischen O K e r st e n, der zur Zeit der Besetzung Klagenfurts die Verwaltung führte. Am heutigen Nachmittag erfolgt die feierliche Kranzniederlegung auf den Gröbern der im Abstimmungskampse gefallenen Kämpfern, von denen mehr als 80 Proz. der Sozial- demokratischen Partei angehörten. Am Sonntag findet ein Aufmarsch der Abstimmungskämpfer statt. Al« erste Gruppe marschiert die Volkswehr unter Führung de« Führer» des Repnblikanischen Schutzbundes. Die Heimwehr wurde von sämtlichen Parteien vom Aufmarsch ausgeschlossen, da sie zur Abstimmungszeit noch nicht existiert«. Kittttlottds endgültige Wahlziffern. Sozialdemokratie mehr als ein Drittel der Stimmen, nicht ganz ein Dhttel der Mandate. helsingsors. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Aus Grund de» jetzt vorliegenden endgültigen Ergebnisse» der finnischen Rcich»kag»woHlen erhält die Sozialdemokratie im neuen Reichstag 66(59) Sitze, die Agrarpartei 59(60), die Lqppogruppc 42(28), die Fortschritts- partei 11(7) und die Schwedenpartei 21(2Z) Sitze. Dt? Sommv- nisten, die im alten Reichstag 2Z Abgeordnete zählten, sind im neuen Reichstag nicht vertreten. Von insgesamt abgegebenen 1 122162 Stimmen konnte die Sozialdemokratie mehr al» ein Drittel, nämlich Z85 750 Stimmen aus sich vereinen. Die übrigen Partelen erhielten: Agcar- bund 305 029, Lappogrvppe 211 909, Schwedenparlei 113 309, Fort- schrittsportci 65 463. Kleinbauern 19 919 und Kommunisten 11513. Wie in Italien. helsingsors, 10. Oktober.(Eigenbericht.) In dem Aboer Hochoerratsprozetz gegen 17 an- gebliche Kommunisten hatte der schwedische Rechtsrnwott Dr. Branting» Stockholm, ein Sohn des verstorbenen schwedischen Sozialisten Hjalmar Branting. die B e r t e i d i g u n z der Angeklagten übernoininen. Schon vor seiner Abreise nach Abo erhielt er von den Lappo-Leiüen ein Schreiben mit der Ausfprderung. nicht noch Abo zu kommen, anderenfalls er sich irgendipelchs Folgen selbst zuschreiben müsse. Branting traf dennoch in Abo«in. Starker Pvüze'schutz war zu seiner Sicherhett aufgeboten. Dezgleichen war das Gebäude, in dem Branting wohnte, gegen etwaige Ueberfalle gesichert. Am Donnerstagabend veranstalteten die Loppo-Fafchisten, die teilweise in Kraftwagen von auswärts nach Abo gekommen waren,«in« Protest Versammlung und- verlangten die sofortige Rückreise von Branting. Daraufhin teilte die finnische Regierung dem schwedischen Gesandten mit, daß der Ausenthott Branttngs die vaterländischen Gefühle der Bevölke- r u n g verletze(!) und seine Rückreise angebracht seil Rechts- anwatt Branting begab sich am gleichen Abend an Bord des Stock- Holm-Dampfer». Am Hafen hatten sich etwa 3000 Menschen eingefunden, die seine Abreise mit Schmährufen begleiteten. Der fozialdemokratifche Exminister Helo wird die Heimwehs verhandelte mit Hitler. Doch die Nazis wollten nichts wissen. Wien, 10. Oktober.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zwischen den öfierreichisihea Rationalsozialisten und der Heim wehr über ein gemeinsame» vorgehen bei den Wahlen sind am Freitag ergebnl». los abgebrochen worden. Die Rotionalsazialisten erklärten, datz ihnen die heimwehr Bedingungen gestellt habe, die jede ver- cinbarung< mit dieser kapital» st isch. reaktionären Partei unmöglich gemacht hätten. Die Verhandlungen worden in Wien, zum Teil aber auch dircklmlthitlcrin Rlunckien geführt. Sturm im niederösterreichischen Landtag. Wien, 10. Oktober. Die Frettagsitzung des Wiener(niederösterreichlfchen) Landtags nahm einen sehr st ü r w i s che n Verlauf. Zu Beginn der Sitzung gedachte der Präsident des Jahrestages der Abstimmung in Kärnten. Seine Reh« wurde von der christlichsozialen Minderheit mtt Zwischen, rufen unterbrochen, in denen Kritik daran geübt wurde, daß man es nicht der Mühe wert gefunden habe, die Mitglieder des Landtags anläßlich des Gedenkens' an die Kärntener Abstimmungskämpfe zu ersuchen, in F e st k l e i d u n g zu erscheinen. Hierauf kam ein Brief des Außenministers Dr. Seipel zur Berlesung. in dem Bürgermeister S c i tz ersucht wurde, von der b«. absichtigten Aussprach« über die Beschlagnahme einiger Wiener Zeitungen, die den Artikel über Major Pabst veröffentlicht hatten, mit Rücksicht aus das Ausland abzusehen.(!) Vürgcnneisler Seih erklärte, daß er diesem Ersuchen nicht Rechnung tragen könne. Diese Stellungnahme des Bürgermeisters löste bei der Minderheit stürmischen Widerspruch aus, die Sitzung des Landtags ging schließlich in Lärm unter. Die Freigabe der be- kreffendeu Zeitung sarlikel wurde beschlossen. angeklagten ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten nunmehr allein verteidigen. Helo ist inzwischen von Loppo-Leuten ebenfalls„freundlich" aufgefordert worden, die„Verteidigung der Landesverräter" niederzulegen. Stockholm. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Rechtsanwalt Georg Branting, der Verteidiger der Ange- klagten im Aboer Hochoerratsprozeß, ist am Freitagnachmittag ans Helsingsors nach Stockholm zurückgekehrt. Branting er- klärte dem Stockholmer Vertreter des„Soz. Pressedienst", daß seine Abreise a�u f Wunjch der schwedischen Ge< sandtschaft in Helsingsors unter dem Druck von Lappo» Leuten erfolgt sei. Die fiimisck?« Regierung habe sich an die schwc- d'sche Gesandtschast mit der Forderung gervandt, seine Abreise zu veranlassen, damit„die guten Beziehungen zwischen Schweden und Finnland nicht gefährdet werden". Er selbst habe dieser polttischen Erwägung sofort«ittsprochen. Zlbgcsehen davon sei es unter den gegenwärtigen Rcchtsumständen in Finnland wahrscheinlich kein Unterschied, ob die Slngeklagten einen Verteidiger hätten oder nicht. Soweit als möglich werde er die Interessen seiner Klienten im Aboer Prozeß nunmehr von Stack- Holm aus»»ahrzunehmen versuchsn. »• Tragödie in der Gastwirtfchast. Die frühere Geliebte erschossen.- Selbstmord des Täters. 3a der Gastmlrtschasl im Hause Belle-Alliance. Skratzc 12 sptclle sich In den gestrigen späten Abendstunden eine Liebe». tragödie ab. Seil einigen Tagen ist in dem Restaurant die 24jährjge Ella 3äger aus der Tieckstratze 38 als Büfellfräulein angestellt. Gestern abend erschien dort der frühere verlobte des Mädchons, eln Zojöh. riger Heinrich Ruh aus Biesdorf, um eine Aussprache herbeizuführen. E» kam jedoch zu einer erregten Auseinandersetzung, in deren verlaus Ruh plötzlich eine Pistole hervorzog und auf seine frühere Braut einen Schutz abfeuerte. Die Kugel traf in den Kopf und führt« den sofortigen Tod des Mädchens herbe». Roch ehe es jemand verhindern konnte, richtete R. dann die Waffe gegen sich selbst und Krachte sich zwei lebensgefährliche Brustfchüsie bei. Der Täter fand im Arban-Krankenhau» Aufnahme. Hakenkreuzjustiz in Naumburg. Mildernde Ltmstände sür roheste Körperverletzung! Der 5 all Scharr hat seinerzeit in der ganzen Oesfentlichkelt Empörung hervorgerufen. Tatbestand: drei berüchtigte national- sozialistische Schläger, die Gebrüder Scharr in Zeitz, schlagen einem Saufmann den Schädel ein. Sie erhalten— Strasbesehle wegen ruhestörenden Lärms über je 20 ZN. Die Sache wird össentlich bekannt, well die Gebrüder Scharr frech genug sind. Einspruch zu er- heben. Sie werden vom Großen Schössengericht zu S. 5 und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Staatsanwalt und Angeklagte legen Berufung ein. Die Große Strafkammer Ikaumburg hat nun in der Verufungslnstanz entschieden: Die Berufung des Staats- anwalts wird verworfen, der Berufung der An- geklagten wird stattgegeben. Die Entwicklung des Kalls. Fritz Preußler, ein junger, völlig unpolitischer Kaufmann, und seine Braut werden ständig von Nationalsozialisten angepöbelt, well er für eine jüdische Firma reist. Aus dieser Stim- mung entsteht in einer Dezembernacht, als Preußler mit Braut und Schwager heimkehren, ein«. Auseinandersetzung mit der gegenüber wohnenden Nozisamili« Scharr. Die Braut des Preußler wird auf offener Straße als Juden hure, er selbst als Lude beschimpft. Natürlich verbitten er und sein Schwager sich diese frechen Beleiüi- gungen nicht gerade höflich. Daraus fallen die Scharrs mit Stöcken bewaffnet über die beiden her und schlagen dem Preußler mit einem Eicheuknüppel den Schädel ein. Durch einen glücklichen Aufall kommt Preußler nach monatelaygem Krankenlager mit dem Leben davon. Jedoch liegt auf einer.Fläche von 30 Liuadratzentimetcrn das Gehirn vollständig frei. Es besteht die Gefahr, daß im Laufe der Zeit die eventuell auf. retenden Narben- fpannungen zu krankhaften Gchirnreizungen führen. Für diese Tat erhalten die Scharrs Strasbesehle über zwanzig Mark wegen ruhestörendcn Lärms. Den Scharrs sind die viermal zwanzig Mark, die sie bezahlen sollen, zuviel. Sie beantragen gerichtliche Entscheidung. Die Sache kommt vor den E i n ze i r i ch t c r. Hier haben die Scharrs Pech. Sie geraten an einen jungen Assessor, der inst dem juristischen Begriff der schweren Körperverletzung nicht so einfach fertig wird. Er redet den Scharrs zunächst gut zu, sie sollten doch lieber ihr« 20 M. bezahlen, er wisse sonst nicht, wie er um den Raufhandeisparagraphen herumkommen solle. Aber die Scharrs bleiben fest. Dach noch immer oersucht der Herr Assessor die hart- nackigen Rechtspsleglinge weitgehend zu schonen. Er verzichtet auf jegliche Zeugenvernehmung und verurteilt drei Angeklagte auf Grund ihrer eigenen Angaben zu der gesetzlichen Mindcflstrafe von einem Monat Gefängnis. Den vierten spricht er frei. Sowohl die Scharrs als ahch die Staatsanwaltschaft legen Berufung ein. Die Kleine Strafkammer ver- handest mit einem umfangreichen Zeugenaufgebot einen ganzen Tag. Der Staalsanwast beantragt insgesamt 21 Monate Gefängnis. Das Gericht erklärt sich für unzuständig. Die Sache sei ein Ver- brechen und gehöre vor das Große Schöffengericht. Das Große Schösfeugericht verhandelt«inen ganzen Tag und verurteilt Walter Scharr zu S Monaten, Willi zu S Monaten und 3nr< Scharr zu 3 Monaten Gefängnis. Der alt« Max Scharr wird freigesprochen. Kleine Strafkammer und Schöffengericht, zwei Gerichte, bei denen das Laienelement aus- schlaggebend ist, gleichen also die Ungerechtigkeiten der ersten In- stanzen einigermaßen wieder aus. Well ihr das Strafmatz zu gering ist, legt die S t a a t s a n» waltschaft— well sie freigesprochen werden wollen, legen die Scharrs Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts«in, und so kam es denn zu dem fünften Akt der Tragikomödie vor der Großen Strafkammer in Naumburg. Hier entscheiden drei R i ch- ter, denen zwei Beisitzer aus dem Volke beigegeben sind. Große Strafkammer Naumburg. Trotzdem diesmal nur die wichtigsten Zeugen geladen sind, nimmt auch diesmal die Sache einen ganzen Tag in Anspruch. Die Beweis- aufnahm« ergibt keine neuen Gesichtspunkt«. Der einzige neue Schwindel, den die Scharrs vorbringen, ist, daß sie von einer Meute von 40 bis S0 Mann sprechen, gegen die sie zu kämpfen hatten' Aber das wixd durch ihre eigenen Entlastungszeugen widerlegt. Bemerkenswert ist, daß die Hausbewohner, die schon jahrelang mit den Scharrs zusammenwohnen, fest und bestimmt erklären, Willi sei der Schläger gewesen. Der ober ist wegen roher Gewalttätigkeiten schon mit insgesamt einem Jahr und neun Monaten Gefängnis vorbestraft. Er würde Zucht- Hans kriegen, wenn das Gericht der Aussage dieser Hausbewohner folgte. Deshalb legt Walter, der noch vor der Kleinen Strafkammer alles ableugnete, jetzt ebenso wie vor dem Schöffengericht ein„Geständnis" ab und nimmt den Schlag auf sich. Bei ihm, der noch nicht vorbestraft ist. wird die Sache billiger. Mit scharfen Worten geißelt der Staatsanwalt, Staatsanwalt- schaftsrat Hoffmeister, die Roheit der Gesinnung, die aus einer Theater des Westens. Nehfifch:„Brest-Litowsk*. Wilhelm II., General Hosmann, Tratzki und Stalin in geziemender Abstufung auf der Bühne. Als Ludendorff gemeldet wird, wird es dunkel. Viel Diskussion. Ein Erfolg, der den Dichter schon nach dem zweiten Akt vor die Rampe rief. M. H. solchen Tat spreche. Es handle sich nämlich nicht um einen im Gv> dränge gefallenen unglücklichen Treffer, sondern um einen mit voller Ueberlegung und ohne Not geführten fürchterlichen Schlag, bei dem der Eichenknüppel zersprungen sei. Für diese Tat aber seien die Strafen des Schöffengerichts viel zu niedrig und er beantrage für Walter und Willi je ein Jahr drei Monate, für Karl Scharr sechs Monate Gefängnis. Ueber eine Stunde braucht das Gericht zur Beratung. Dann verkündet der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Höpffner, das Urteil. Die Berufung der Siaatsanwallfchaft wird verworfen. Bei W a l t e r S ch a r r. der den fürchterlichen Schlag geführt haben will, erscheine die vom Schössengericht verhängte Strafe von acht Monaten Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit Raufhändel durchaus angemessen. Mildernde Umstände hätte man ihmnichtversagen können. Bei den anderen beiden habe das Gericht anerkannt, daß sie aus„Familien- gefühl" gehandelt hätten und deshalb die Strafen herabgesetzt, und zwar bei Kurt Scharr von drei Monaten auf die gesetzliche Mindest st rase von einem Monat Gefängnis(ein Sechstel des beantragten Strafmaßes!) und bei dem auf dem gleichen Gebiete vorbestraften Willi Scharr von fünf auf drei Monaten Gefängnis(ein Jahr weniger als der Staatsanwalt beantragte!). Oas Opfer soll angeklagt werden' In der Urteilsbegründung findet sich der Satz, daß auch P r e u ß l e r, das Opfer, wegen Raufhandels bestraft werden müsse, weil er sich an einer Schlägerei betelligt habe, in die er„n i ch t ohne eigene Schuld" verwickelt worden sei! Die Richter von Naumburg scheinen zu verlangen, daß man sich von Hakenkreuzlern wehrlos den Schädel einschlagen laste! Was geschieht? Blau deukl au deu Euvetler-prozeß. au die Hakenkreuzzellen in der Baumburger Justiz, mau denkt daran, daß die Baumburger Richter deu jetzigen hakenkreuzabgeorduelcu hiukler von der Anklage des Aufruhrs glatt freigefprocheu haben, obwohl er über. führt war— und man wundert sich nicht mehr. Auch nicht mehr darüber, daß Baumburger Richter den Satz aufstellen, daß es von Jamtliengefühl zeuge, wenn Brüder einträchtig dem Bruder helfen, einen anderen Halblot zu schlagen, und daraus mildernde Umstände herleiten. Alan wundert sich nur über eins: daß in Baumburg nicht endlich Ordnung geschaffen wird. Wenn nichts geschieht, wird sich die Oeffenklichkeit helfen wüsten mit der Feststellung: in Bauwburg wird nicht Recht gesprochen, dort gibt e, nur parteijustizi (Gewerkschaftliches stehe 1. Beilage.) Verantwortlich fite Volitit! Victor Schiff; ZSirtfchaft:®. SHinuflDöfet; Ecwcrkschaftodewezung: Fr. feilst«; Feuilleton Dr. Zoha Schikow-Ii; Lokales: und EonNiaes: Fril ttarltödt: An»eiaen: Sk.©lorfe: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärlo-Verlag cm jarbeit CT. 4«m Meter 0,25 0,35 0,55 Chinesische Kiöppeldeckchen Handarbeit,«v-« e ca. 30 cm 0. ä met ca. 14 cm 0.. StflcJ ittcköjSO Rein leine n-Handarbeits- spitzen und-einsätze für Decken, Bettwaichc, Gardinen utw. Br«»« ca. 4 cm_ ca. 4 cm CT. 10 cm Meter 0,65 0,95 1,50 Bubikragen(Abb. q. Cr6pe de Chine............... Cröpe Georgette-Passe ml! Spaickdapptlkalion(Abb. 6).......... Zu den Abbildungen- Cröpe de Chlne-Damen« CadieneZ(Abb.1),relneSelde,aparl« �__ neue Muster»»».».»»»».« Plkee-Weste(Abb. i).......... Tj75 Pikee'Schalkragen(Abb.n 1J10 Plkee-Bublkragen(Abb./) 1 10 2,50 1,25 Crepe Georgette-Kleider* paSSe mn aparter Spadrtebpllzc(Abh. 7) 3,25 Crdpe Georgette- Blende_-- (Abb. 8), gebogt, doppelt........... Meier Pikee-Weste Q- m» Reverskragen und PertmuflerknCpf« V,73 Pikee-Garnitur Bubbragen«m- zum Teil in Schluchten auf- und niedersteigend, aus Wiesenauen, Erlenbusch, Sumpf und Wasserflächen zusammen. Die in sein Gebiet eingesprengten Wohnstätten stören den großen Frie- den dieser bald idyllisch, bald melancholisch anmutenden Natur nicht. Einen guten Maßstab für den bewahrten ursprünglichen Charakter dieses Gebiets gewährt die Erklärung eines T«ils zum Natur- j ch u tz g« b i e t. Bequemen Abschluß findet die Wanderung in H c r m s d o r s, wohin wir über Glienicke kommen, dos rege Bautätigkeit auf- weist. Steigt man auf der Wanderung wieder einmal in das Fließ- tol hinunter, so sieht man über der Talmulde die Häuser von L ü- b a r s herübergrüßen, das seit längerem Autobusverbindung hat. Waffen in Kinderhand. ven Schulkameraden beim Spielen niedergeschossen. wieder einmal ist durch eine geladene Waffe in Kinder- Händen schweres Unheil angerichtet worden. Der elfjährig« Schüler Konrad S. weilte mit seinem zehnjährigen Klassenkameraden Gerhard Heinowski gestern allein in der Wohnung seiner Eltern am Sternplatz in Johannisthal. Der Jung« hatte gefehen, wo fein Bater die Pistole aufbewahrt. Er wußte auch, wo der Schlüssel zu dem Schränkchen, in dem sich die Waffe befand, lag. Um seinen' Spielkameraden die Pistole zu zeigen, nahm er sie aus dem Schränkchen heraus und hantierte damit herum. Dabei kam er dem Abzug zu nahe und der erst« Schuß ging los. Di« Kugel verletzte aber niemand, sondern drang in das B e t t g e st e l l. Um die Waffe zu entladen, nahm 'Konrad S. den Patronenrahmen heraus, dachte aber nicht daran, daß sich im Lagf noch«ine Patron« befand. Als er auf den Abzug drückte, um zu zeigen, daß nun kein« Gefahr mehr bestünde, ging plötzlich em weiterer Schuß los. Die Kugel traf den zehnjährigen Gerhard heinowski in den Unterleib. Blutüberströmt brach das un- glückliche Kind zusammen. Der Schwerverletzte, an dessen Auskommen gezweffelt werden muß, fand im Elffabeth-Hospital in Oberfchöneweide Aufnahm«. Die juristische Sprechstunde fällt heute aus. Mord im Arbeitsamt. Ehemaliger Kommunist niedergeschossen.— politischer Racheakt? Hannover, 10. Okiober. Als am Freitagnachmittag der stellungslose kausman« Erich Schmidt das Arbeitsamt am Königswerther Platz verlassen wollte, wurde er von einem jungen Mann niedergeschossen. Die Kugel drang ihm durch das Sinn in den Mund und scheint dann die Haisschlagader getroffen zu hoben. Erich Schmidt wurde als Leiche in das Arbeitsamt getragen. Der Täter entkam durch die Flucht. Schmidt gehörte früher der Kommunistischen Partei an, wurde aber vor längerer Zeit ausgeschlossen. Der Beweggrund der Tat ist noch in Dunkel gehüllt, es scheint sich um einen Racheakt zu handeln. „Columbia" glücklich gelandet. London, 10. Oktober. Das Flugzeug„Columbia" landete nach glücklich vollendeter Ueberqnerung des Atlantischen Ozeans aus Tresco, einer Znsel der Scilly-Gruppe in der Grafschaft Cornwoll. Können wir die Sorge überwinden? Genosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Sonntag, 12. Oktober, 18 Uhr, im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatiskirche, Charloitenburg, Karl-Auguft-Platz, über dieses Thema. Hausrecht wird geschützt. Auch kommunistische Gernegroße haben es zu achten! Das Erweiterte Schöffengericht in Neukölln hatte sich gestern mit der prinzipiellen Frage zu beschastigen, ob ein Bezirks- verordneter dem hausrecht in einer öffentlichen Anstalt unterworfen sei oder nicht. Der Verhandlung lag folgender Vorfall zugrunde: Am 14. Januar erschien der kommunistische Bezirksverordnete Martin Weise in einem Tagesheim für Erwerbslose in Neukölln, um ihm von den Erwerbslosen vorgetragene Mißstände in dem Heim nachzuprüfen. Er legitimierte sich als Bezirksverordneter und Mitglied der Wohl- fohrtsdeputation und forderte von dem Heimleiter eine Aussprach«, die im besonderen auf die Beseitigung einiger in dem Heim an- gebrachter schwarzrotgoldener Schleifen gerichtet war, die von Kränzen verstorbener Reichsbannerleute herrührten. Das Lokal, in dem sich das Heim befindet, ist nämlich ein Reichsbanner- lokal. Der Heimleiter erklärte jedoch sehr richtig dem Bezirtsver- ordneten, daß er mit ihm nichts zu tun hätte und wies ihn aus dem Raum. Dieser Aufforderung kam Weise jedoch nicht nach, sondern hielt an die Erwerbslosen eine Rede, in der er auch den Heim- leiter selbst beschimpfte. Wegen dieses Vorfalls wurde gegen den Bezirksverordneten Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Weife meinte in der gestrigen Berhandlung, daß er als Bezirksverordneter das Recht habe, allen ihm bekanntwerdenden Mißständen nachzugehen und deshalb nicht wegen Hausfriedensbruch belangt werden könne. Schwarzrotgoldene Schleifen zu Ehren verstorbener Prolekorier in einem Erwerbsiofenheim ist für den Kommunist weise sicher- lich ein ungeheuerlicher.Mißstand". Zu der prinzipiellen Frage wurde der sozialdemokratische Siadtrt? Schneiher- Neukölln als Sachverständiger gehört. E'' führte aus, daß die Städteordnung einem einzelnen Bezirksverord' neten ohne besonderen Auftrag das Kontrollrecht öffentlicher Ein- richtungen nicht gebe, daß es aber innerhalb Berlins eine Hebung (Gewohnheitsrecht) sei. Dennoch stehe das H a u s r e ch t höher als das Selbstverwaltungsrechi, wenn dadurch der Dienst gestört werde. Da diese Voraussetzung bei Weise vorlag, der mit einer stattlichen Zahl von Erwerbslosen in das Heiin gekommen sei, verurteilte das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Guhrauer ihn zu 200 M. Geldstrafe. Bluibad in einer Kirche. Achtzig Kirchgänger von Banditen umgebracht. Wie aus wexiko-Stadt gemeldet wird, sollen mexikanische Banditen in der Stadt San Carlos im Staate Tabasco ein« katholische Kirche während der Frühmesse in Brand gesteckt haben. Die Banditen sollen sämtliche Eingänge verbarrikadiert und alle Männer, Frauen und Kinder, die durch die Fenster ins Freie zu flüchten versuchten, kaltblütig niedergeschossen haben. Insgesamt sollen S0 Menschen dabei in den Flammen umgekommen oder unter den Kugeln der Banditen gefallen sein. Fünf Matrosen umgekommen. Stnrmfahrt einer Hamburger Bark. Emden, 10. Oktober. Die von ihrer Südamerikafahri zurückkehrende Hamburger Bark „Padua" wurde Freitag früh nach Delfzijl eingeschleppt, um dort ihre Salpeteriadung zu löschen. Auf der Ueberfahrt hat die Bark fünf Mann der Besatzung verloren, und zwar wurden bei Kap 5)orn bei einem Sturm vier Mann über Bord gespült, während ein Fünfter bei der Heimreffe mit einer gebrochenen Stenge aus den Wanten tot auf Deck stürzte. Lnberecht. Nachtruck verboten. Gustav Kiepenhauer Verlag A.-G., Vertriebsabt. Keiner der Zwischenfälle, die Werla immer ein wenig fürchtete, trat ein. Sie sahen noch ein paar Stunden zu- fammen, es gab viel zu erzählen, und es wurde später, als gut war. Das Zimmer— sie waren eben schlafen gegangen und hatten das Licht schon gelöscht— lag wie eine dunkle Mas'e um sie. Der Frau fielen schon die Augen zu, als sie noch einmal für Minuten wieder wach und nachdenklich wurde. Neben ihr sagte Werla wie unter einem Druck: „Ich bin so froh, daß du wieder da bist— so froh!" 8. Geduckt und fröstelnd ohne Mut dem neuen und frischen Tag gegenüber sah Verchold Werla in der Straßenbahn zwischen dem Büropersonal, dessen Dienst eine Stunde später als der Tag der Arbeiter beginnt. Müde brannte sein Gesicht, kurz vor der Haltestelle rieb er mit dem Finger die Augenlider, bis sie schmerzten, die, ihre halbe, verschleierte Wirklichkeit der Dinge wollte ihn absperren von der Welt. Schön— da war man nun. Am Gemäuer der Fabrik tropfte schmutzig tauender Schnee, der halbe Weg blieb an den Stiefeln kleben. Auf der Straße vor dem Tor vernahm er schon das Schütteln des Werkes. Der Schlot schoß Qualm gegen Wolkenwände, hinten dröhnte das Metall der Brücke unter dem Güterzug, der die neuen Tabaksendungen brachte. Alles zu spät, sagte er sich, da hat man nun die Nacht zer- grübelt, ist erst in der Frühe eingeschlafen und hat doch nichts gewonnen. Aber— man muß sich doch nun zurechtfinden. Es ist, als soll das Leben nochmal anfangen... Der Schließmeister gab ihm seine Blechmarke, die allein auf einem Wandbrett baumelte. „Kollege, paß auf— dreimal Verspätung heißt Ent- lassung! Vor acht Tagen bist du schon einmal mit zehn Minuten eingetragen." „Wird jetzt vorbei sein, denke ich," sagte Werla gleich- gültig,„meine Frau hat ein Kind bekommen." Der Alte nickte und ließ unter der vorgehaltenen Hand am Schalterfenster die Pfeife aufflammen: „Hauptsache, daß alles gut gegangen ist, wie? Gratuliere! Wenn man die Zeiten nicht so mieß wären, möchte mancher noch Kinder haben." Der Maschinensaal ratterte und quietschte, surrte und klang, alle Mann standen an ihren Posten. Beim Durchgehen streifte er die Rücken der Arbeiter. Niemand blickte auf. Der Maschinenmeister sah ihn böse am Durch das gläserne Hallendach sickerte verstaubtes Tageslicht. Mit drei Handgriffen wurde er auch wieder ein Teil des ganzen, ein- gefügt in das Räderwerk und Riemensurren der Arbeit. Auch der Tag ging zu Ende. Reihenweise tappte man in die Waschräume. Werla zog seine Jacke über und ließ sich mit der Kolonne den gewohnten Weg nach der Straßenbahn treiben— stampfend und redend, ein schwarzgrauer Strom aus Arbeitskleidern, zwischen Fabrikgebäuden, schob sich die Masse vorwärts, eingeklemmt am Tor, Taschen, Brust und Hintern von der Kontrolle betastet, draußen breiter und breiter werdend und in einzelne Gruppen und Paare zer- fließend. Pfeifen wurden in Brand gesetzt, Zigaretten räucherten ihm übers Gesicht, einige Männer trafen Verabredungen zu Skat und Bier. Kam eines der kurzberockten Kontormädels vorbei, die Aktentasche unterm Arm, das Gesicht voll Würde und Kehheit. prasselten Witze hinter ihr drein. Die Rothaarige kam auch. Achtlos überholte sie ihn, fremd... Er wußte ihren Namen, er kannte jedes Stückchen ihrer Haut, ihren Dust, ihre Zärtlichkeit— und doch war es schwer, sich das alles jetzt vorzustellen, wie sie stolz da ging, neben sich einen dicklichen Mann aus ihrem Büro. Offenbar interessierte es sie was der zu erzählen hatte. Sie lachte, kniff die Augen zusammen und streifte den Arbeiter im Bor- beifchlendern fast am Arm. Jetzt hatte die Reimers es wohl mit dem angefangen, wie mit ihm vor vierzehn Tagen. Un- bekümmert, Hefter und bereft, sich hinzugeben. Das hatte ihm, Werla, egal zu sein, Teufel nochmal! Zu Hause saß seine Frau, zu der gehörte er und konnte wahrhaftig ein Freuden- fest feiern, daß er jene so leichten Kaufs losgeworden war— dennoch, er mußte merken, wie sie sich mit dem Onkel da in Szene setzte, spielte und sich tut. Wäre sie jetzt in dieser Minute wieder zu ihm gekommen... Warum, fragte sich Werla— er wartete in einiger Ent- fernung des Paares auf die Bahn—, warum könnte ich diesen Mann mit dem steifen Hut ohrfeigen? Ich will nichts von ihr wissen, sie ist gemein genug, schon am nächsten Nach- mittag einem anderen ihren Körper anzubieten. Ich kann hier stehen und mir das ansehen. Für diese Person ist nichts Wichtiges geschehen... Diese Selbstqual begleitete ihn während der ganzen Fahrt. Fräulein Reimers verließ den Wagen zwei Halte- stellen vorher und ging mit dem Dicken auf eine Konditorei zu, wie er im Fahren sehen konnte. So etwas hätte er dem Mädel natürlich nicht bieten können, und sie liebte ein Leben voller Annehmlichkeiten, sie trank zuweilen Sekt, besuchte Kabaretts.... Nach inancherlei Pausen seines kurzen Weges stand er vor der Wohnungstür, die Klinke gab nach— ein schüttern- des Geräusch kam von der vorgelegten Kette. Im halbdunklen Flur standen sie sich gegenüber, die breite knöcherne Frau und der Mann. Die Erschöpfung preßte sich auf seinem Rücken. In der Küche weinte das Kind. „Guten Abend, Annie, heute bin ich pünktlicher..." brachte er mit belegter Stimme heraus. Sie nahm ihm die Mütze aus der Hand und legte ihren Arm leicht auf feine Schulter. „Tag, Bert, heute ist es wieder kalt, wie? Ich habe ordentlich eingeheizt. Wir müssen langsam wieder ins Gc- leise kommen..." Ins Geleise kommen, sagte sie— das war das rechte Wort. In all diesen Wochen, besonders in der letzten, ging es kreuz und quer, man hetzte sich selber davon. Nun sollte alles ins Geleise kommen. Natürlich, sie meinte nur den Haushalt, sein Frühstück, die ordentliche Küche, den Sonntagsbraten— ihre Worte paßten auch auf das andere. Auf alles, was er vergessen mußte. In der Küche setzte er sich burschikos und freimütig auf den ersten Stuhl, der ihm in den Weg kam. „Und da liegt er im Wäschekorb, das ist also mein Sohn.. Erstaunt lachte Annie vor sich hin— so redselig kannte sie ihren Mann ja gar nicht. Gleich darauf verfolgte sie sein Vorhaben gespannt— weshalb bl'ckte er in alle Ecken, als suche oder fürchte er etwas? Hatte er ihre Anwesenheit ver- gessen? Er sprach doch ununterbrochen mit ihr, hatte ihr auf dem Flur einen Kuß gegeben, und nicht einmal nach Bier gerochen. (Fortsetzung folgt.) DavIiNA» IIa I lf dt I AMftftmutt deute. Zonnsdeaö. FCSHOS UaS hDGiIIIIci VOIKSDian MVervreUMS Kommen Magistrat im Recht. Die Bcsdilfisse der siädllsdien KörpersdiaMen über die Pensfonleran�. Durch die Pensionierung des ehemaligen Oberbürgermeisters Döst, die der Magistrat nach der unumstößlichen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes und aus Grund ärztlicher Zlllesle zwangsläusig versügt hat. ist unter einer Epoche wüstester hehe gegen das neue Berlin ein gewisser Schlußstrich gesehl worden. Das paßt den stadtfeindlichen Radaupartelen durchaus nicht in den Kram. Die Hetze ist zusammengebrochen, aber ihre Treiber versuchen krampshasl, sie immer wieder neu ausleben zu lassen. Am nächsten Donnerstag wollen die Nationalsozia- listen, die Deutschnationalen und Kommunisten im Stadtparlament gegen die erfolgte Pensionierung des Oberbürger- meistere durch den Magistrat„Verwahrung"' einlegen. Sie machen dem Magistrat den Vorwurf, daß er das Stadtparlament ausgeschaltet habe. In Wirklichkeit aber handelt es sich nur um einen neuen Versuch, den verhaßten Magistrat, dessen Aufbau- arbeit in schwerster Zeit nun einmal nicht aus der Welt zu schaffen ist, bei der Oeffentlichteit zu diskreditieren. Denn auch dem famosen Dreibund der Nazis, Deutschnationalen und Kom- munisten ist bekannt, daß die städtischen Körperschaften besondere Beschlüsse gefaßt haben, nach denen bei Pensionierungen der Magistrat allein zu entscheiden hat. In dem§ 13 des Orts- g e s e tz e s der Stadt Berlin über die Versetzung in den Ruhestand und die hinterbliebenenoersorgung heißt es wörtlich.' „Die noch diesem Ortsgesetz zu zahlenden Bezüge werden für die Beamten und sscstangeslellten der Bezirke einschließlich der Bezirksamlsmitglieder durch die Bezirksämter, bei der Z e n t r a l- Verwaltung einschließlich der Magistratsmitglieder durch den M a g i st r a t festgesetzt." Die hier zugrunde liegenden Beschlüsse der städtischen Körper- schaften sind am 3. November 1927, am 13. Februar und am 7. März 1928 unter Zustimmung der Deutschnationalen gefaßt wor- den. Aus dem Wortlaut des Ortsgesetzes geht also klar hervor, daß der Magistrat bei seiner Entscheidung durchaus im Recht wor. U-BaHn in der Krankfurier Allee. Oie neue Sirecke Alexanderplah- Jrantsurter Ailee— Lichtenberg vor der Eröffnung. Durch die Anfang des Jahres angeordneten Sparmaßnahmen ist auch eine Verzögerung im Bau der Untergrundbahn Alexanderplatz— Frankfurter Allee— Lichtenberg eingetreten. Wie der„V o r w ä r t»" erfährt, konnten in letzter Zeit auf entschiedenes Betreiben des Bezirksamtes Friedrichshain die Arbeiten jedoch soweit gefördert werden, daß die Bahn voraussichtlich Ende November dem Verkehr übergeben werden kann. Die eisernen Umrahmungen an den Ein- und Ausgängen der Bahnhöfe gelangen bereits zur Auf- stellung und die innere Fertigstellung der Bahnhöfe ist im vollen Gange. Daneben macht die Neueinteilung und der Ausbau der Frankfurter Allee, die Verlegung der Straßenbahngleise in die Straßenmitt«, sichtbare Fortschritte. Die Befestigung der Fahr- dämme mit geräuschlosem Pflaster sowie d°e Verbreiterung der Bürgersteige kann, da es an Mitteln mangelt, erst im nächsten Jahre in Aussicht genommen werden. Der vorgesehen«, direkte Umsteigeverkehr vom Stadtbahn- hos Alexanderplatz zur Untergrundbahn wird leider erst später zur Verwirklichung gelangen können. Ermordet und verscharrt.... Gräßliche Tai eines Ehepaares.— Erfolgreiche Arbeit der Berliner Polizei. Zn der Ortfchafl Aerchesar bei Rathenow wurde am Freitag. wie bereits kurz im„Abend" berichtet, in einer Grube der seit dem 25. Haimar d. 3. vermißte, STMrige Allbesiher und kriegsvcleran Wilhelm w i ch m a n n aufgefunden. Die Leiche war bereits stark in Verwesung übergegangen. Ueberraschend schnell ist es der Berliner Polizei gelungen, den Täler zu ermitteln. Es ist der SSjährige Schäfer Friedrich kage, der vor sieben Jahren das Gehöft von Wichmann erworben hatte. Der Täter ist in vollem Umfange geständig. Seine Frau, die bei der Beseitigung der Leiche mitgeholfen hatte, wurde gleichfalls verhastet. Wichmann verschwand im Januar plötzlich ganz spurlos. Da er Verwandte in Berlin hatte und auch über etwas Geld verfügte, nahni man zunächst an, daß er nach Berlin gefahren und unter- wegs vielleicht verunglückt sei. Außerdem meldeten sich Leute, denen Wichmann einmal erzählt hatte, daß er beabsichtige, nach Amerika zu fahren, um sich dort Land und Leute anzusehen. Alle Nach- sorschungen sowohl bei den Verwandten wie in Krankenhäusern und bei den Hafenbehörden blieben jedoch erfolglos und man konnte über den Verbleib des alten Mannes nichts feststellen. Unter den Dorfbewohnern ging nun seit Wochen das Gerede, daß Wichmann das Dorf gar nicht verlassen habe, und daß er umgebracht worden sei. Schließlich sah sich das Berliner Polizeipräsidium veranlaßt, Kriminalkommissar D r a e g e r nach Ferchesar zur Untersuchung zu entsenden. Die Nachforschungen des Berliner Kriminalisten führten schon nach wenigen Tagen zu einem Erfolg. Der alte Wichmann hatte sich beim Verkauf seiner Wirtschaft ausbedungen, daß er bis an sein Lebensende auf dem Hofe wohnen bleiben würde, und daß der neue Besitzer für seinen Unterhalt zu sorgen habe. Der neue Besitzer Kage gestand nun, daß er Wichmann, dessen Ausenthalt er schon immer als l ä st i g empfunden habe, ermordet und mit Hilfe seiner Frau auf eintr wiese, die an sein Grundstück angrenzt, verscharrt habe. Die Tat wurde am Abend des 4. Januar ausgeführt. Dem Toten zogen Kage und seine Frau den schwarzen Gehrock an und trugen den Leichnam in der Nacht unbemerkt zur Wiese. „Falke"- Llrieil revidiert. Kapitän Zipplitt erhält sein Patent wieder. 3n dem verfahren wegen der Fahrt des deutschen Dampfer» „Falke" wurde jetzt vom Reichsoberseeamt die Entscheidung verkündet. Der Spruch des Oberseeamles geht dahin, daß die Beschwerden de» Reichskommissars zurückgewiesen werden. Aus die Beschwerde des Kapitäns Zipplill wird der Spruch des Hamburger Seeamtes dahin abgeändert, daß ihm sein Schisserpaten» für große Fahrt(Kapilänspatent) belassen wird. In der Begründung dieses Spruches, durch den dem Kapitän Zipplitt das ihm durch die Entscheidung des Hamburger Seeamtes entzogene Patent wieder zuerkannt wird, führte der Borsitzende nach Erörterung rein seerechtlicher Fragen aus, daß sich das Reichsoberseeamt bei der Prüfung der Frage.Liegt«in S c e u n f a l l vor?" auf den Standpunkt gestellt habe, daß das nicht der Fall sei. Es sei zu der Auffassung gekommen, daß es sich bei der an- geblichen Beschlagnahme des„Falke" in Port of Spcnn durch die englische Regierung nicht um eine hoheitsmäßige Festnahme handele. Die Fahrt des Schiffes fei lediglich oerzögert worden, und die eng- tischen Behörden hätten nur zu der sicherlich schon von Anfang an feststehenden Entscheidung kommen wollen, daß es sich nicht um ein Piratenschiff handele. Adolf Engler. Zum Tode des Begründers des Botanischen Gartens. In der Nacht vom 9. zum 19. Oktober starb im 87. Lebens- jähr« der Geheime Obcrregierungsrat Prof. Dr. Adolf Engter, der Schöpser und langjährige Leiter des Botanischen Gartens und Museums in Dahlein, einer der größten Meister der botanischen Wissenschaft, als Forscher und Organisator in der ganzen Welt be- kannt und hochgeachtet. Englers schönstes und größtes Werk ist der Botanisch« Garten in Dahlem, dessen Anlage 1896 begonnen wurde, und der gang und gar seine eigen«, persönliche Schöpfung ist. Ganz anders als die meisten sonstigen botanischen Gärten ist dieser geworden, nicht bloß der Arbeit der Forscher und Studierenden sollte er dienen, fondern ein Volkspark sollt« er sein, Belehrung und Freude geben weitesten Kreisen, dem naturfreudigen und natur- liebenden Volke..Der Botanische Garten in Dahlem ist eine der bewundernswertesten Sehenswürdigkeiten Europas— aber wie es gewöhnlich geht, am wenigsten bekannt den Berlinern, die es am nächsten dazu hätten. Adolf Engler wurde am 2ö. März 1844 in Sagan in Schlesien geboren. Er studierte in Breslau und promovierte hier 1866 mit einer Arbeit über die Saxifragaccen(Steinbrech). Er wurde zuerst Gymnasiallehrer, dann 1871 Kustos am Botanischen Herbarium in München, schon 1878, erst 34 Jahre alt, ordentlicher Professor in Kisl, 1884 in Breslau. Seit 1889 war er in Verlin Professor und Direktor des Botanifkchen Gartens und Museums. Dieser Arbeits- slätte blieb er treu, auch nach seiner Pensionierung(1921) widmete er ihr seine Zeit, Arbeit und Liebe bis an fem Lebensende. Wn nngetrener Postschaffner. Gestern wurde der auf dem Postamt W. 15 beschäftigte Post- schaffner Karl P. dabei überrascht, als er mehrere Wert- b riefe.Öffnete und das Geld zu sich stecken wollt«. P. stand schon seit längerer Zeit unter dem Verdacht, wiederholt Wert- freie Sozialistische Hochschule Hciiic, 11. Oldober, IV'/, Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipslger Straße S Vortrag des Genossen Prof. Dr. Hermann Heller• Berlin Aber „Faschismus als llationaisoziallsmusH Karten zum Preise von 50 Pf.(einschl. Garderobe) sind nodh an der Abendkasse zu haben sendungen beraubt zu haben. Unter der Wucht der Beweis« gab P. sein anfängliches Leugnen schließlich auf und legte ein Ge- st ä n d n i» a b. Affenschicksal... Erst eingesperrt— dann totgeschossen. Gestern entsprang aus dem Laboratorium des Kaiserin-Aug-.ista- Viktöria-Hauses in Charlottenburg ein Hundsafs«, der dort für Versuchszwecke gehalten worden war. Das Tier lief nach dem Charlottenburger Schloßpark und nutzte seine Freiheit aüs, um von einem Baum auf den anderen zu springen. Da der Charlotten- burgcr Schloßpark an eine Verkehrsstraße angrenzt, sammelten sich bald zahlreiche Passanten an, die dem Spiel des Affen interessiert zusahen. Die alarmierte Feuerwehr und Beamte des Zoologischen Gartens oersuchten, den Assen«inzufangen. Trotz aller Bemühungen gelang es ihnen nicht. Da der Hundsaffe als ein bösartiges Tier gilt, wurde schließlich von dem Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus die Erlaubnis eingeholt, ihn zu töten. Schließlich wurde der arme Affe, dem die Freiheit nur so kurze Zeit oergönnt war, von einem Beamten der Parkverwaltung erschossen. „Olex" berichtigt. Zu unserer Notiz über die schwarzweißrote Beflaggung des Hauses Martin-Luthcr-Straße 61—66 am Gedurts- tage des Reichspräsidenten legt die Olex-A.-G. Wert darauf fest- zustellen, daß nicht sie die Besitzerin des Hauses ist und auch die Beflaggung nicht veranlaßt habe. Besitzerin des Hauses ist die Deutsche Erdöl-A.-G., die der im gleichen Haus« befind- lichen Olex-Gesellschaft nicht allzu fern stehen dürfte. Dem Groß- konzern der Deutschen Erdöl-A.-G. gehören noch weitere im Hause befindliche Tochtergesellschaften an, und eine von ihnen muß doch schließlich ihrer„treudeutschen" Gesinnung Ausdruck gegeben haben! „Ursachen und Bekämpfung der Aibeilslosigkeit", so lautet das Theina des Ausspracheabends, den der Deutsche R e p u b l i- kanische Reichsbund, Ortsgruppe Berlin, am Donnerstag, dem 16. Oktober, abends 8 Uhr, im Saal des Demokratischen Klubhauses, Viktoriastraße 24, veranstaltet. Referent ist Professor Dr. Bruno Rauecker. Unkostenbeitrag 59 Pfennig. Allgemeine Wetterlage. Ueber Mitteleuropa hat sich jetzt ein Hochdruckgebiet gebildet, das zu einer raschen Wetterbesserung bei uns geführt hat. Nur in Küstengebiet« war es am Freitag noch etwas unbeständig, dort kam es auch zu einzelnen Schauern. Im ganzen Binnenlande, mit Aus- nähme des Alpenvorlandes, war der Himmel vorwiegend heiter. Die Temperaturen stiegen aber trotz der kräftigen Sonnenstrahlung nur im Südwesten des Reiches über 15 Grad an. Da der Luftdruck- anstieg über einem großen Teile des Kontinents, besonders aber im Ostseegebiet noch steigt, ist mit einer weiteren Ausbildung des Hochs zu rechnen. Die neue nordwestlich der britischen Inseln aufgetreten« Depression wird voraussichtlich nicht weit genug nach Süden aus- greifen, um unser Wetter gefährden zu können. * Wetteraussichlen für Verlin: Ziemlich heiter, Temperaturen im ganzen wenig oerändert.— Für Deutschland: Im Nordosten Welter- besserung, im Nordwesten vorübergehend stärker bewölkt, im übrigen Reiche beständiges, nur mittags mildes Wetter. parieinachrichien für Groß-Vertin (infinbungtii(fit diese Rubrik find Ä Öt /| stets«n das Bezlrkssekret-rtai >,ett» SB«8, Lindenilratz» 3, i. Hof, S Trroven reibt», ,» richte» 7. tteei» Sharlottenbneg und Spandau. Juristisch« Sprechfiund« findet am Eonnabend, II. Ok ober. von 17— I« Uhr, im Jugendheim Rofinenstr. 4 statt.— Gelegenheit zum Kirchcnaustritt. I. Nreis Wilmersdorf. Banner und Fahnen zur Demonstration am Eonntag mitbringen. lZ. Sreis trepto«. Montag. 13. Oktober, 20 Uhr, in RiederschSneroeide, Berliner Str. 38, Nreisvorstandssttzung mit den Abteilungsleitern. II. firei»«openick. Abfahrt zur Demonstration vom Bhf. Köpenick 12.3« Uhr, ltriedrichahogen 12.33 Uhr, Grünau 12.10 Uhr, Evindlersfeld 12.89 Uhr. Rahnsdorf 12.18 Uhr. Abmarsch vom Köllnischen Park 13ZH Uhr. Banner und ssahncn sind mitzubringen. 1«. Kreis SBcitzcnt«. Antreten zur Demonstration 12>4 Uhr bei Gallas, Ber- liner Allee Ecke Lehderstratze. Wir marschieren mit Musik. II. Ätei» Panioi». Montag, 13. Oktober, isla Uhr, im Rathaus Pankow, gimmcr 17. Kreisvorstandssihung. Dit Mitglieder der Fraktion, soweit sie zum Kreisvorftand gehöre», müsten unbedingt vertreten sein. 21. Kreil Retu'ckevdorf. Montag, 13. Oktober, 19 Uhr, Sitzung des engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern. Jede Abteilung mutz»er. treten fein. heule. Sonnabend, lt. Oktober. 27. Abt. 29 Uhr Scebstveegnfiaev In den Schfiubauser gestsölea, Schöahaaser Alle« 129. Srössnnng II Uhr. Rege Beteiligung wird erwartet. Gast« willkommen. «1.«dt. Heute 18 Uhr islugblattverbreitung von den bekannten Zahlabend. lokalen. 43. Abt. stllr die Gruppenführer liegen die- islugbliltter im Lokal Ionekert ab 17 Ubr zur Abholung bereit. 71. Abt. Wilmersdorf. Flugblattverbreitung IS— 18 Uhr bei Belger, Holste!- nifche Str. 9... 71. Abt. Wannse«. Die Abtellungewersammlung findet erst am Sonnabend, 18. vltober, statt. Rähercs wird in der nächsten Woche im.Vorwärts" bekanntgegeben. 128. Abt. Pankow-Sfid. Heute 18 Uhr sslugblaltausgab« in folgenden Lokalen: Gruppcl: Roack, Kaiser. ffricdr/ch. El rohe. Gruppe 2: Lehmann, Mühlen,. strafte. Gruppe 2a: Kober, Ptinz-Hcinrich�traftc. Gruppe 3: Bader, Kissingenstrafte. Die lZlugblättcr miisscn Sonnabend ausgetragen werden, da sie die Einladung zur Demonstration am Sonntag enthalten. 139. Abt. Tegel. Achtung, Bezirtssiibrer! Bon 17—19 Uhr Flugblätter abholen vom Jugendheim Vahnhofstr. 15. Morgen, Sonntag, 12. Oktober. 8. Abt. Die Genossen treffen sich pünktlich 13lb Uhr am Hausoogteiplatz und schlieften sich den Schönebcrger und Steglitzer Genossen an. 9. Abt. Treffpunkt 12 Uhr bei Hübncr. Wilsnacker Str. 34. 14. Abt. 12 Uhr Treffpunkt bei Dottschalk, Putdusser Str. 24. 22. Abt. 11 Vj Uhr bei Senkel, Utreckter Str. 10, Marsch mit Musik. 39. und 39a. Abt. Zahlabend»rd Zahlmorgen. Treffpunkt l2i4 Uhr Linden. strafte 3. Ebendort heute, Sonnabend, 17 Uhr. Flugblaltverbrcitung. 82. Abt. Steglitz. Treffpunkt 12'A Uhr Rathausplatz und 13'v Uhr Hausvogt, i- platz fU-Bahn). 84. Abt. Laatwitz. Treffpunkt 13 Uhr Bhf. Lankwitz. 93. Abt. Neukölln. Treffpunkt pünktlich 12 Uhr Hcrtzbergplatz. Die von den Bezirksführern ausgegebenen Kontrollkarten müssen mitgebracht wird:». 199. Abt. Rubow. Um 13 Uhr GemeinfchafUsest im Lolal Wedler, Bendaftrafte. Eintritt 59 Pf. Wie bitte» NM die Unterftugung der Rrutollner»«Nossen. 129. Abt. stri«driä:ssclde. Gemeinsame lfahrt 12 Uhr von Schwarz, Eapriviallce. 149. Abt. Barsigwald«. Abfahrt UV4 Uhr vom Borfigwcrk. Abmarsch 12 Uhr vom Seebad, Reinickendorf-Ost. 143. Abt. Waidmann-lus«. Abfahrt 11.19 Uhr Endhaltestelle Etraftenbahn«8. 149. Abt. Reick sdruckerei. 13 Vi Uhr Treffpunkt an der Petiilirche, Ecke Brüder strotze. Sozialistische Sludentenschafk, Ortsgruppe Berlin. Antrete» znr Demonstration 12% Uhr Artonaplatz. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Achtnng, Helserl Der Neigungsiursus Musik beginnt am fZreitag, 17. Okto- ber, in der Schule Neukölln, Kaiker-ssriedrich-Str. 4 fam Hermannplatz). Alle Sänger und Musiker finden sich pünktlich um 29 Ubr ein. Kreis Friedrichshoin: Sonntag, 12. Oktober, Kreisvcranstaltung für Rote Falken. Treffen zur Lustgartendemonstralio» der Partei 12% Uhr Kiistriner Platz(Roemaluhr). Kleidung: ffalkcntracht. Fahnen und Wimpel mitbringen. Montag, 13. Oltober, Kreisturnabend für Nestlatken, Turnhalle Schule Koppen- strafte. Dienstag, 14. Oltober, Kreishelfersttzung, Jugendheim Diestelmeyer. strafte 5-9, von 20-22 Uhr. Mitgliedsbücher, SAI. oder Partei, vorzeigen. Mittwoch, 15. Oktober, 18-19% Uhr, Kreismuflkaruppe im Jugendheim Ebertg. strafte 12. Donnerstag. 19. Oktober, Kreisturnabc:: d für Rote und Iungfalken, Turnhalle Schule Koppenstrafte.— Srnppe Landsberger Platz: Montag: Basteln. Dienstag: Basteln. Mittwoch: Lichtbildervortrag. Donnerstag: Brettspiele. Zreilag: Bunter Abend. Tiergarten, Gruppe Angust Bebel, Rote Saiten: Sonntag. 12. Oktober, fällt die angesetzte Fahrt wegen der Demonstration aus. Dienstag, 14. Otto» der, ist von 17%— 19% Uhr wieder Gruppenabend im Seim Woldenferstraftc.— Zungfallen: Dienstag ebenda Liederabend. Liederbücher nicht vergessen.— Nestfalten: Mittwoch, 15. Oltober. von 17% Uhr ad Heimabend. Kreis Schöneberg: Alle Iungfalken lLindenhof. Friedenau, Schöncbcrg) treffen sich Sonntag um 12% Uhr am Kaifer-Wilhelm-Platz. Eltern sind mit.,::» bringen.— Aste Falte» Scköncberg: Dienstag. 14. Oliodsr. von 17— Ii! Ahr Lichtbildervortrag.— Zuugfalke» S>dö»cb«tg: Mittwoch, 15. Oktober, von 17 bis 19 Uhr Filmabend.— Nefffalkcn Schöneberg: Dienstag, 14. Oktober, von 17 bis 19 Uhr: Wir bauen unsere Stadl.— Juagfallen Lindenhos: Dienstag und Freitag im Jugendheim Lindcnhof.— Restfalkcn Lindenhof: Dienstag und Freitag im Jugendheim Lindenhof.— Rot« Falken Friedenau: Dienstag und Freilag von 17—19 Uhr im Jugendheim Friedenau. Geburtstage. Jubiläen usw. 7. Abt. lluferem liebe» Genossen Hermann Bück, Schlcgelstr. 23, zu« 25jährigeu Bavteijubiläum die herzlichsten Glückwünsche. >2. Abt. Unserem Genossen Otto»ecke«, S.ckingenstr. 7, zum 25jähri. gen Parteijubilänm dir herzlichsten Glückwünsche. 54. Ab«. GharlsUenbnrg. Unserer liebe» Mutter Bunge, Rossnenftr. 4, zu» 25jährigen Parteijubiläum die herzlichsten SUickwtrusch«, 93. Abt. Neukölln. Unserem Genossen«nto» Weadler zu seine« Sjährizea Parteijubilänm die besten Glückwünsche. 119. Abt. Lichtenberg. Unserem liebe» Parlciqenosse» und stellvertretenbeu Abteilungsleiter Herman» Fifchbach sowie feiner lieben Sattiu zu ihr«, Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche.— Die Abteilnngslcitnng. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 89. Abt. Renkälla. Unser Genossi August Schwarz, Hobrechtftr. 8l, ist vrrstordcn. Ehre seinem Andenken! Becrdiguna am Sonnabend, ll. Oktober. 15 Uhr, von der Halle des Alten Thomas-Friedhof, Neukölln, Hermannstratzc. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold'. s- k Sl s' t s n->" � S'crlin S EkboNianNr S7-Z« So' z. St � Sonnabcnd, 11. CHobct. Mitt«! 18% ltf)r 6. Kameradschaft Saal- schütz, rhcmaligeo Hrrrenliauo, Lripziger Str. 4. Wcddiag: 20 Uhr tzcmlltlichcs Bcisammenseiil �um Empfang der Halberstädtrr Eportlcr im Lokal Soppr. Sccstr. 1. Wassttsportabtrilung, Zng Trgrl: IS Uhr Abpaddeln Boots- Hans Tegel. Anschließend gemlltliches Beisammensein im Bootshaus. i4ahl- rcick)es Erscheinen erwartet. Zug Oberspree: Herbstvergnllgcn im Bootshaus Köpc- nick, Wendenschloßstr. 122. Eintritt 40 Bf. Kameraden aus den Ortsvereinen eingeladen.— Sonntag, 12. ONober.«reis Westen: Zur Kundgebung im Lustgarten treten die Kameraden der Ortsvcreine Tiergarten und Charlotten- bürg in Bannerklcidung um 12 Uhr im„Kleinen Tiergarten" ohne ssahncn an, Musillapelle Charlottenburg, Tambourkorps Tiergarten. Mitte: Antreten IS Uhr in Dundcskleidung ohne Fahnen Arkonaplatz. Tiergarten, Kamerad- schoft Moabit: Antreten 12V4 Uhr Kleiner Tiergarten. Kameradschaft Westen: 12 Uhr bei Rickcrt, Steinmctzstr. SSa, in Banncrllcidung ohne Fahnen. Webding lOrtsverein): Alle aktiven Kameraden um 12 Uhr bei Sorgotz, llferstr. 12, zum Schutz des SPD-Umzuges. Handbollspiele: Salberstadt qcgen Wedding. Beginn ISlr Uhr: 2. Mannschaft: 15 Uhr: 1. Monnschast. Friedrichshaiu: 12% Uhr Antrcten auf de» Sammelplätzen der Kameradschaften in Bannerkleidung ohne Fahnen. Abmarsch 1Z Uhr Kit striner Platz Pflichtveranstaltung. Srcuzberg fOrtsverein): IS Uhr Antreten Fontanepromenadc mit Tambourkorps ohne Fahnen. Erscheinen aller Kameraden ist Pflicht Schöneberg. Friedenau: 13% Uhr Antrcten zum Schutz der SPD.-Kundgrbung Sausvogteiplatz in Bundrsklcidung. Steglitz fOrtsverein): Antreten 12% Uhr Dllppclplatz in Bannerklcidung ohne Fahnen. Erscheinen Pflicht. Treptow fOrtsverein): An- treten 13 Uhr Köllnischen Park zum Schutz der SPD.-Demonstration. Banner. kle'dung ohne Fahnen. Lichtenberg fOrtsverein): An'reten 12% Uhr Jugend- bilhne Solteiftraße mit Tambourkorps ohne Fahnen. Pilichtantreten. Sleiuicken- d:„ 11. 10. staats-Oper Unter d. Linden A.-V 41 19 Uhr ErstaalfDIinug! ffirsllfior Ende 23 Uhr Staats-Oper 4m Plih dir RepnMik. 154. V B. 20 Uhr Die Mms Otfinfl. Rartnnitigt Ende 23 Uhr Sonnab., II 10 Stadt. Oper Bismarckstr Turnus III 19 Uhr Ende 2Z>m Uhr ScbaDsph. äarmcnmarict). Staat). lim Gendarmramart 36. A-V. 20 Uhr Prinz Friadridi Ende 22»f. Uhr Staati.lthMater.Qiarltlig 20 Uhr Der Traam ein Leben Ende nach 22lm Uhr PLAZA Tifl L u.«'S Sonnt 2, 5 u. I' Alu. E 4 S0C8 Bella Siris die nordische Schönheit in ihren Demonstrationen „Wie bleibe Ich Jansr, schlank und elastlncli T�utw. Iiagi.� Vorst— TstWtidondamiiis** Sonnig. 3 Vorst.: 2,L5ö. a'liUtir nachm. 4Vj Uhr: 30 Ms.— 1.50 Mk. Atz, abends Stz,(Ihn «#.-1 30 PI*— 3.— Mk Bei dlcson Preisen: rD e ganze Familie"� in dan Circusü Das phänomenale Oktober-Pregr. 14 der besten | Clrcus- n.Variet4schlag Jcetie Jxiesch I In dar „Braut von Messina" ROSE- Theater 1 Große FranlrfurtarStr.139 (Billettkasse: Alex 3422 u. 3494) Nur noch STagei 1 Heutb wie nicheten Sonntag 3 Vorstellungen, und zwar um 2.30U.u.9U.(lreneTrIcsch), um 8.45 U.(Grete Nebelung). | Wochentage 8.15 U.. Sonn- abend» 7 Uhr(Trlesch) und 10.15 Uhr(Nebelung). 1 Kas»enpr»lsevon50Pf. bl»3.-M. | Garderobe u.Protranf*nJe26Pf. 1 Theater für die Kinder: Jeden Mittwoch» Uhr; „HAnaol und Qpotel1 Jeden Sonnabend 4.15 U.; „Oornröschen". 1 Preise von 30 Pf. bis 1.50 M. Stäglger Vorverkauf von 11 bis 1 U. vorm. u. 4—9 U. abds. Winter ★ Gemen* 8.1 S nur— Baomen er anbi TlHany Twlns. Dora Kaaan u. Nester. Prof. Pallas B singen* deLadies. Brown u.LsHsrt usw. Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Er. LandesbuiH der Rbeinprovinz Müllers zentrale in DOsseiderl- Filialen in Aachen, Essen. Köln. Trier Nenes Theater — am Zoo»» im Bahsh-Itio. StpKSSl Täglich»>/. Uhr Lommel in der Posse Paul and Paullne Rundfunkhfirci halbe Preise VoiKsütthne Tbeatir an BOInfplati. Täglich 8 Uhr Die Weber v. G Hauptmann Regie: K. H. Martin. Itaatl.ldiillii-Tli. 8 Uhr DerTranm ein Leben Deotsdiet Iteat» 7i/a Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachistraum Regie; Mai ReinM. Kammerspiele 8% Uhr Elga tob Mail Hauptmann. Regie: Duslav Härtung. Die KomDdie 8Va Uhr Der Schwierige m Hugo im Hefmnnilkil. Regie; Max Reinharit Barooiskii- BdliieR Theater in der Slreseraannslr. läglich»'/« Uhl Sturm im Wasserglas Komödie von Fraali. Komödionhaus 8V< Täglich SV. Konto X von Bemauer und Oeiterreidier noen Dealer Dönh 625,626. Täglich 8 Uhr Alexander Moissi „Der Idiot" ▼. Dootofcwikif. Sonntag nadim. 4 lldi Volksvorsicllaotf Oer vener aus Dingsda Optretti. PieUe 0.50-3.- Z immer 1 Bett M.8.-b. 11 2 Bett 14.- bis 22. BadM.3, Salon 10 ItnPn,. (•Hin HOTEL oa-asm EXCELS10R l Hestert, d. Betirenstr. 33-54 Oiiektion; Ralph Arthur Roberls ii. Das tiaancne waflenen Englisch— Robons— Riemann, 6B OSS.SC RAH IPIBL BADS 8 Nor noch 3 Wocaen! Lustige Witwe Hesterberg. Hansen, Arno. Sohollwer, Janknhn.Seliaefiers, WtnKelstern, DesnL REGIE: CHARELL "-Uhr CÄSINO-TBEATER""u... uolhrinitcr 5 trotz« 37 FOr unsere Leser: Gutschein 1—4 Personen. 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Tilgung mit 1% zuzüglich ersparter Zinsen, erstmals zum 1. April 1932. Verstärkte Tilgung und Gesamtkündigung frühestens 1. April 1935. Stückelung: RH. 10000.-, 5000.-, 2000.-, 1000.—, 500.-. Ausgabekurs: 94'U 0|o— Rückzahlunsskurs: 100 0io reichsmündelsicher— reichsbanklombardfähig(Antrag wird gestellt)— Börseneinführung vorgesehen— sichere Kapitalanlage— hohe Dauerverzinsung Auf Wunsch kostenlose Aufbewahrung und Verwaltung bei der Landesbank der Rbeinprovinz. n. Umtauschangebot. Den Besitzern der 70/n Goldpfandbriefe der Landesbani« der Rbeinprovinz, die zum 1 April 1931 mit 103 u/o fAilld werden, bieten wir an, diese Stücke schon jetzt zu 103% zur üblich Stflckzinsen vom I.Oktober 1930 ab bl* zum Abredtnangitage zu> Qckzonehmen, fallt dagegen der Gegenwert in obigen 7 oip Gold- Kommunal- Schuldverschreibungen der Landesbank der Rheinprovinz S.Ausgabe zum Karte von 94i|4 0|o wieder angelegt wird. III. Kauf' und Umtauschaufträge werden von uns, den Girozentralen, Landesbanken und rheinischen Sparkassen, allen sonstigen Banken, Bankiers, Sparkassen und Kreditgenossenschaften entgegengenommen Komiscne Oper 8'/- Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Theater des Westens Chbg.. Kanistr. 9. Stelnpl 0931 8>.-< Brest Litowsk toi Hau J. Rehfisdi. Sonntag 2>» Uhr Die fledermaDS 5 Uhr Land des Lädtelos Lessing- Theater Friiirid-lirl-Ohr 1 «tidntia. J1S1■.Mit 8 Uhr liuty.lPiiatorliilliDe §218 (Fr.oeii to Not) von Cred« Regle: Piscator. Täglich 8tz« Uhr SenoaHoBeller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undlhrHusar Sonntag Z'/j Uhr Das Land des Lächelns 5 Uhr FrlederlKe. Kleine Preise. mwm %Sf)re7sweite Kgnugungy R�tourant Berlins BETRIEB/ KEMPINSKP Theater an Kottb. Tor Kottbusser Str.. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl.»>/.' U, Sonnt auch Vh Uhr rille. Sänger Präsident Zunkel Cr. Trnni;lii- boilnt« Sdiorsd) Rnselll Rose- iheater Blumenspeniien fir.FraniilonerSir.i32 Tel. Alex 3422 u. 3494 8.15 Uhr Brant r. iessina mit Irene Trletdi als UabelU. Jeder Art liefert preiswert Paul Goiietz vormals Robort Mnyor Marlannanotr. 3 F8, Oberboum 1303 Reichshallen-Theater Abeado(T) Sonntag nachm. 13 ,1 stettiner senger Das wundervolle Oktober- Programm. Nachm. ermäBigte Preise! Tal. Zentmni 11263. Dönhoff- Brettl: Varie tä» Tanz Kapelle Hnn« Sixtus. ab Lager uieimiecii- und Stamnauten jeder Art Gebr.Adienbadi G.in.Ii.H., Weidenau Stee Eisen- und Wellblechwerko.- Postfach 38. DüDttdier Metallarbeiter-Verbaoii Vcrwaltunpssteile Berlin Todesanzeige Den SRitglirbecn zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Hugo Rosinski am 8. Okiober 1930 gestorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung stndet am Sonnabend. dem lt Ottober. nachmittags B1/» Uhr, von der Leichenhalle de» fSethsemanesricdhofes in Nordend au» statt. Rege Beteiligung wird crmartet. vle Ortgvcrwaltung. m üaillangs-.Rabatl- a. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 45}ahi als Spesiolltlt Conrad HOller LelDJlg- Schkeadl" Einheitsverhand d.ElsenDahner DeutSdUandS(orugrappe tenio) Nachruf Am 30 September verunglückte der Bahnunterhaltung» rbeiter Paul Noens von der 14 Bahnmeisterei tödlich durch Uederfahren. Ehre feine« Andenke»! Die Beerdigung hat bereits statt- gefunden. Die OHtverwolhmg. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere liebe Mutter Klara Zerler nach kurzem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen Albert Zarlar nebst Kindern. Neukölln, Weserstr.>61 Die Ernäscherung erfolgt am Sonn- abend, dem II. Ottober, nachm. 3 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Elegant und kleidsam Gute Qualität Grosses Farbsortiment TIETl Das Warenhaus Berlins in allen Stadtfellen i Arbeiisgericht gegen Reichsgerichtsrai. Für die arbeitslosen Bantangestellten. Ein interessanter Rechtsstreit wurde am Ii). Oktober vor der 1. Kammer des Arbeitsgerichts Berlin unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Dr. Aschner entschieden. Der Allge- meine Verband der Deutschen Bantange st«Ilten klagte gegen den Reichsverband der Banklei- jungen, die Arbeitgeberorganisation des Bankgewerbes. auf Auf- bebung eines Schiedsurteils, welches dos Reichstarifamt für dos Deutsche Bankgewerbe unier dem Borsitz des Reichsgerichtsrots Dr. Königsberger gefällt h it. Es handelt sich dabei um die Auslegung einer tarifvertraglichen Bestimmung des Reichstarifoertrages für das Deutsche Bankgewerbe über die Berechnung der Berufsjahre bei der Festsetzung der Tarisgehülter. Di« Arbeitgeber wollten bei der Verussjahrberechnung die Zeit nicht mit anrechnen, während der die Angestellten ohne ihr verschulden vorübergehend arbeitslos sind. Sie wollten also die stellungs- lesen Angestellten, denen durch die Entlassung ihr Gehalt genommen ist, noch obendrein schädigen, indem sie ihnen die Zeit der Arbeits- losigkeit bei der Berufsjahrberechnung zu streichen suchten. Das Arbeitsgericht Berlin hatte diese Stellungnahme der Bank- leitungen bereits in einem rechtskräftigen Urteil zurückgewiesen. Trotzdem strengten die Arbeitgeber vor dem Reichstarifamt für das Deutsche Bankgewerbe eine Klage dahingehend an, daß das Reichstarifamt ihre Methode über die Berufsjahrberech- nung für richtig erklären sollte und, was das Empörendste ist: Das Reichstorisamt unter dem Vorsitz des Reichsgerichtsrats Dr. Königs- berger gab den Arbeitgebern rocht. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten, die freigewerkschaftliche Organisation im Bankgewerbe, hat sich aber damit nicht beruhigt. Er hat bei dem Arbeitsgericht B«r- Itn beantragt, gemäß§ lOO des Arbeitsgerichtsgesetzes dieses Urteil des Rcichstarifamts für ungültig zu er- klären, weil es zwingende gesetzliche Bestimmungen außer acht läßt. Das Arbeitsgericht Berlin hat dieser Aufheb ungsklage stattgegeben. Das Urteil des Reichsiarifamts lasse wesentlich« formale Vorschriften außer acht. Die Arbeitgeber hatten sich nämlich zur Entscheidung dieser Frag« als Gegner nicht etwa alle am Tarif- vertrag beteiligten Gewerkschaften, sondern nur die freige- merkschaftlich« Organisation ausgesucht: die Gründe hierfür kann man sich ja denlen. Das?lrbeitsgericht Berlin hat dieses Verfahren für unzulässig erklärt. Es hat in der Begründung seines Urteils klar zum Ausdruck gebracht, daß es auch die materielle Eni- f ch e i d u n g des Reichstarifamts für falsch hält und hat auf erheblich« Widersprüche in der Entscheidung des Reichs- tarifamts ausdrücklich hingewiesen. Dieses Urteil, das rechtskräftig ist, bedeutet einen vollen Erfolg für dep Allgemeinen verband der Deutschen vankangestellteu in seinem Kampf für die Erhaltung der Rechte der arbeitslosen Kollegen. Es bedeutet aber zugleich«in vernichtendes Urteil über die Tätigkeit des Reichstarifamts, nicht zuletzt auch gegen dessen Vorsitzenden, durch deren Stellungnahme, die nun vom Arbestsgericht aufgehoben wurde, die Autorität des R«ichstarifamts nicht gestärkt worden ist. Stürmische Buchdruckerversammlung. Kommunisten demaskieren sich als Feinde der Arbeitslosen. Die außerordentlich schlechte Konjunktur im Buchdruckgewerbe falcuchtefc der Bericht des Gaubvrsitzenden B r a u. n über das dritte ßuartal 1930 in der stark besuchten G e ner a l v e r s a m m l u n g d>-r Berliner Buchdrucker ain Donnerstag im Gewcrkfchaftshaus. Die allgemeine Wirtschaftskrise und die politischen Wirren blieben nicht ohne Einwirkung auf die Arbeltsmarktlage im Buchdruck- gewerb«. Während im vorigen Quartal 16 141 Mitglieder gezählt wurden, ist die Zahl jetzt um 89 niedriger. Arbeitslos sind fast �300 Mitglieder. In vielen Betrieben wird kurz gearbeitet, teilweise sind Stillegungen erfolgt. Die Prinzipale halten die Zeit für gekommen, den Lohn abzubauen. Allen derartigen Ber- suchen tritt die Organisation aus das schärfst« entgegen. Von der Annahme einer Entschließung zur Kündigung des Lohntarifs wird aus taktischen Gründen abgeraten, weil darüber demnächst die Gauvorstände und der Berbandsvorstand beschließen. Um die Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß einzureihen, fordert der Buchdruckerverband seit, langem eine der Arbeitslosenzahl ent- sprechende allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit. In dieser Zeit schwerster Wirtschaftskrise und rücksichtsloser Ab- bauplän« der Unternehmer geht die sogenannt«„revolutionäre Ge- werkschaftsopposition" dazu über, gegnerische rote Be- triebsorganijationen zu gründen. Braun ermahnt- die Funttionüre, diesem verbrecherischen Spiel der Ko in- in u n i st e n überall mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Die Mitgliedschaft hat die Belastung der letzten Zeit glänzend über- standen und werde auch in den kommenden Kämpfen einig und geschlossen zusammenstehen. Die anschließende Aussprach« benutzten die Kommunisten dazu, in der unverantwortlichsten Weise gegen den Verband zu Hetzen. Der Leiter der REO. für das graphische Gewerbe Berlins, B a t h k e, verstieg sich sogar zu der an G r ö ß e n w a h n grenzenden Bemerkung, daß der Buctchruckeroerband im nächsten Jahre in den Händen der Kommunisten sein würde. Von unseren Redneri, mußten sich die Kommunisten manch bittere Wahr- heiten sagen lassen. Eine kommunistische Entschließung, die für die große Arbeitslosigkeit den Verband verantwortlich macht, wurde a b g e l e h n t. Bei der Beschlußfassung über die Erhöhung des Gaubcilrages zum Zwecke der Unterstützung der Arbeitslose» kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Kommunisten. Der Kassierer S ch l e f f l e r begründete die Notwendigkeit einer Erhöhung des Gaubeitrages damit, daß die bisher gezahlten Beiträge infolge des Anwachsens der Arbeitslosenzahl bei weitem nicht ausreichen, um die E x t r a- U n t e r st ü tz u i, g für die Arbeitslosen in der jetzigen Höhe ausrechtzuerhalten. Im letzten Jahre sind allein vom Gau Berlin 384 466 Mark an Extra-Unterstützung für Arbeitslos« gezahlt worden. Für die Kommunisten sprach Engelmeier unter den üblichen wüsten Schimpfereien gegen die Erhöhung des Gaubeitrages und damit auch gegen eine Unterstützung der Arbeitslosen. Extra- beitröge, und noch dazu vcrbandswidrige, forderte Engelmeier nur für die Maschinensetzer, deren Vorsitzender er unglücklicherweise ge- worden ist. Während der Ausführungen Engelmeiers gegen das Wohl der großen Mehrheit der Arbeitslosen ereignete sich ein b e- dauerlicher Zwischenfall. Der frühere konmiunistischc Arbeitslosenoertrcter Krause verschaffte sich mit einigen seiner Anhänger gewaltsam Zutritt zu der Tribüne, um von oben herab die B e rf a in in l u n g zu beschimpfen. Fast der ganzen Versammlung bemächtigte sich wegen des k o m m u- niftischen Ueberfalls eine ungeheure Empörung. Nachdem die Krakeeler entfernt waren,' wurde gegen etwa 2S Stimmen die Erhöhung des Beitrages um 30 Pf. beschlossen, wie es bereits in den letzten Bezirksversammlungen ebenfalls gegen die Stimnien der Konnnunisten geschehen war. postbeamie als Musiker. Das Reichspostministerium Hot angeordnet: „Ob die Beteiligung an Wohltätigkeitskonzerten von Beamten- Vereinigungen zugunsten ihrer Untcrstützungs- oder Sterbekassen oder zu ähnlichen Zwecken als entgeltliche Musikaus- Alfred Braun bemüht sich stets, der Programmvorschau Anschaulichkeit zu geben und sie damit einigennaß'en sinnooll zu machen. Diesmal war ober sein« Zeit so knapp ben>esse,i, und außerdem schien er zur eingehenden Verlesung der Waschzettel von anderen Ressorts verpflichtet worden zu sein, so daß dieser glänzende Funkreporter und-sprecher offensichtlich auch zum eigenen Mißfallen ziemlich leeres Stroh drosch.— Eine genußreiche und wertvolle Ber- anstaltung führte den Dichter Heinrich Manu vor das Mikrophon. Der Dichter sprach über sein neues Buch„Die große Sache", glitt von der Einführung in einen aufschlußreichen Ab- schluß des Buchtextes hinein und vermittelte im Ausschnitt einen Eindruck vom ganzen Werk.— Die Diskussion zwischen Pater Franziskus St rat mann und Dr. Kurt Hiller über das Thema„können Kriege vermieden werden" wurde auf Veilangen des Ileberwochuiigsausschusses vertagt— oder abgefetzt? Stattdessen mußten sich die Hörer mit einer Reportage„Die tönende Wochenschau" begnügen.— Vielseitige, ausnahmslos gute Musik zeichnete das Programm dieses Tages aus.'Lcs. Übung anzusehen ist, istvonFallzu Fallzu entscheiden. Di« 'Frage ist dann zu bejahen, wenn ein Eintrittsgeld er- hoben wird und der musizierende Beamte Mitglied der Ber- e i n i g u n g ist, also einen mittelbaren Bortell hat." Nach einer gleichfalls für alle Reichsverwaltungen maßgebenden Auslegung gilt diese Bestimmung auch dann, wenn bei Konzerten einer Beamtenvereinigung das Eintrittsgeld ohne Beschränkung der Zweckbestimmung der Bereinskass« zufließt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Vereinigung juristische Persönlichkeit besitzt oder nicht. Zum Vau- und Geldschrankschlosser- Streit. Was die Streitenden fordern. Der Streik der Bau- und Geldschrankschlosser ist gestern aus die Betriebe beschränkt geblieben, in denen bereits zum üblichen Be- triebsbeginn die Arbeit nicht ausgenommen wurde. Der Metall- arbeiterverband hat den Streik sanktioniert: es wird die Forderung an die Unternehmer gestellt, das Lohnabkomme» um mindestens sechs Monate zu verlängern und nich: nur bis zum 31. Oktober, wie der Schiedsspruch des Schlichtungsaus- schusies vorsieht. Von der Einstellung der Unternehmer wird es ab- hängen, ob der Kampf auf alle Betriebe übergreift. Oie polnischen Saisonarbeiter. 30 Millionen Mark jährlich kommen noch polen. Schneidemühl, 10. Oktober. Einer Aufstellung des„Geselligen" zufolge beschästigle Deutschland im vergangenen Jahr 106 000 polnische Sachscngänger, wovon 103300 auf die Landwirt- s ch a f t entfielen. Welche Lohnsummen dadurch verloren gehe», «riveift eine polnische Mitteilung, woraus hcrvargeft, daß die polnischen Saisonarbeiter jährlich rund 3 0 Mil- l i o n c n Mark nach Pole» überweisen. Die polnische Post- sparkassc hat zu diesem Zweck ein Mmidercs Konto beim Berlincr Postscheckamt angelegt. Durch die amtlichen polnischen Organe wird für die polnische Postsparkasse in Delitschlaud eine großzügige Reklame gemacht. Di« Bcdürsnislosigkeit des polnischen Arbeiters wirkt sich für Deutschland um so nachteiliger oiis, als die von Dcutfcklmrd gezahlten Lohnsummen der dcutschen Wirtschast vcr- loren gehe»._ t Freie Gewerkschafts-Lugend Berlin Morz-n, Sonntag.. Kroisspieltreffon des SöMwif«. in Prieselang. Kruppc Südwesten irisft sich Sonntag 7 Uhr am Schlestsche» Bahnhof.— Rordwestlrei«: Spiel und Sporttrcffen.— Die Gruppen treffen sich um U Uhr auf dem Iugendgelände in Brieselang. heule, Sonnabend. Arnowalder Platz I: Antzerordentlichr �unktionärsitznng 70 Uhr heim®r. Nossen Erle,. Chodowicckistr. 17.—»cichenberger Viertel: Gemeinsamer Abend mit der FTGB.— Pol, an: Tresfpunlt zur sflugblattnerbreitung ltz Uhr hn «tohler, Bhf. Weisicnsre.— Ära», furter Viertel: Treffpunkt zur sslughlattvrr. Kreiiung 18 Uhr im Lokal Schulz. Samarlterstr. 30.— Pen, all» I; Älnoblatt- Verbreitung. Treffpunkt 18 Uhr bei Arommct.— Pankow, Zt. F.: Nodfahrcr. propaaanda durch PaukowrStord. Triffpunkt. iT�.UHr Markt.— ltottbnficr Tor: Älugdlftftoerbreitung. Treffpunkt 18 Uhr Kottbusscr Tor.— Südwesten: 17 Uhr Jugendheim Flugblatt perbrcitnng.' Werdedezirk Reukölln. Tawdaurlapell»: Ausmarsch nach Sommerfeld. Treff- -Punkt l7,lZ Uhr Bhf. Neukölln, Abfahrt des Zuges 17.W Uhr ab Schlesischen Bahnhof. Werbebezirk Mitte: Wir treffen uns zur Flugblatwcrbreitung in den bekannten Lokalen. Treffpunkte zur Demonstration zum Lustgarten am Sonntag. Westen: 18 Uhr Hochbhf. Blllomstrahc.— Schönhauser Vorstadt: 12'� Uhr ,. Sozialisten-Ecke".— Ärankfnrter Biertel: 18 Uhr' Aitstriner Platz.— Ren- kölln XI: 12 Uhr Celchower Straßc.— Südwesten: 12>- Uhr Vorwärts.— Siemcnsstodt: 12'u Uhr Brunnenstrahe.— Balkan: 13 Uhr Konsum Legie n.Hof. —«ottbnsscr Tor: 12Vi Uhr gontanepromcnade.— Werbebezirk Mitte: 12U Uhr Arkonaplatz.— Werbebezirk Tiergartcu: 13 Uhr Kleiner Tiergarten.— Werbe. bezirk Prenzlauer Berg: 18 Uhr pünktlich vor dem Bczirlsamt.— Werbe. brzirl Osten und Tamdourkapele: 18 Uhr Mistriner Platz.— Werbebezirt Krenzberg: 17Vj Uhr Fontanepromenad«.— Werbe bezirk Schöncberg: 12?« Uhr Kaisrr-Wilhelm-PIatz. Nachzügler IS'-j Uhr Sausnogtciplatz.(IP-i Uhr Licht- bUdcrvortrag. Hauptstrahc.)— Wcrbebezirk Tcmpclhos: 12 Uhr Ullstein-Aaus.— Werbebezirt Neukölln: 121» Uhr Ncuterplatz.— Werbebezirt Lichtenbevg: 12>>4 Uhr vor der Iugendbllhnc Holteistrahc.— Berbcbezirk Obersprc«: 13 Uhr Köllnischcr Park. Fahnen, Wimpel und Zeauspareute nicht uergeffe»! 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Stnsevdunqen für diese Z�obri? nur m das IugendseZretaria� Serlw SD SS. finden strafe 9 Ktäne Anzeigen, wirkungsveli und billig Uberschriftswort 25 Pf., Texlwort 12 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5%, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. Annahme durch den Verlag, Lindenstr. 3(£9 bis 5 Uhr), und sämtliche Vorwärts Filialen u. Ausgabestellen ueritöule| Tapeten. Ezillat. Kolonie- strahe 8.' Kochherde. Gas, Kohle. Oicn. tliren, Ofenrohr, Waschkestel, Wasch- Maschinen, Abwasch- tische, Wäscherolle», Teilzahlung. Bade- wannen. 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Oktober wurde gemeldet, dah die Gutehofsnungshütte Aktienoeoein, Nürnberg sÄktienoerwalrungsgesellschaft der Fa- mlli« chaniel), ihr« Dividende für das(beschäftsjahr 1929/30 von sieben aus zehn Prozent erhöhen könne, weil der Reingewinn der Tochtergesellschaft in Oberhausen von 3.94 aus 5 Millionen Mark gestiegen sei. Diese Gewinnquote entspreche dem Durchschnitis- gewinn der Montanindustrie— wurde offiziell hinzugefügt! Was in Wirklichkeil bei der Gulehofsnungshülle vor sich geht, ist nur im Zusammenhang zu verstehen. Die Vorgeschichte der Gutehoffnungshütte beginnt um die MMe des 18. Jahrhunderts. Damals entstanden bei Oberhansen im Rheinland drei Hütten. Sie vereinigten sich im Jahre 1808 zur ftirma: Hiittengewerkschast und Handlung Jacobi, Haniel u. Huysen. Im 19. Jahrhundert wurde cms diesem Unternehmen ein bedeutender schmerindustrieller Konzern. Die Stammbetriebe jenes Konzerns, dessen Vermögen heute im zweiten Jahrhundert in der Familie Haniel liegt, wenn mich in bald hundert Teile zersplittert, sind die folgenden: Steinkohlenbergbau: 7 Zechen bei Oberhausen und Essen: Erzbergbau: Gruben im Lahn- und Sieggebiet und in Luxemburg; Hütten und Walzwerk«: Hochösen und Stahlwerke, Preß- und Hammerwerke in Oberhausen: Zementfabrik: Verfeinerung s betriebe: Wert Sterkrade, Fluß- schiffswerst in Walsum, Drahtwalzwerk in Düsseldorf, Haniel u. Lueg, Düsseldorf, Blechwalzioerk Altenhundem, Nietenwcrl Schwerte: Tochtergesellschaften und Beteiligungen: Deutsche Werst Hamburg A.-G., Hamburg, Osnabrückcr Kupfer- und Drahtwerkc, Osnabrück, Eisenbau Essen K. m. b. H.. Essen. Ma- ichlnensobrik Augsburg-Nürnberg A.-G., Zohnräderfabrik Augsburg vorm. Joh. Renk A.-G., Augsburg, Eisenwerk Nürnberg, vorm. I. Tafel u. Co., Nürnberg, Maschinenfabrik Eßlingen A.-G.. Eß- lingen, Schwäbische Hüttenwerke G. in. b. H., Wasseralfingen, Deggendorfer Werft- und Eisenbaugefellschaft in. b. H.. Deggendorf a. d. Donau. Dazu kommen eigene Handelsorganisation und Beteiligungen an den neuen großinduftriellen Gründungen wie Ruhrchemie A.-G., Ruhrgos A.-G., usw., Transportunternehmungen und sogar Be- :eiligungen an Zeibungen(Münchener Neuest« Nachrichtens. Der Besitz der Familie Haniel ist. wie schon gesagt, in einer Aktienverwaltungsgesellschost, der Gutehossnuiigshütt« Aktienvercin für Bergbau und Hüttenbetrieb, Nürnberg, zusammen- gefaßt. Den neuen Wächten des Slahlvereins und ihrer Freunde, wie Werner E a r p, Otto Wolsf und Mannesmann ist das industrielle Fideikommiß der längst geadelten und bis in die deutsche Diplomatie und in die Ministeria!- Verwaltungen eingedrungenen Familie Haniel mit ihrem General- direktor Reusch zu Oberhausen nicht sehr bequem. Bei den Der- Handlungen um das Kohlensyndikat, um die internationale Rohstahl- gemeinschast und um die deutschen schwerindustriellen Verbände hat sich das immer wieder bemerkbar gemacht. So fing man an. bei Erbteilungen und bei anderen Gelegenheiten freiwerdend« Aktienpakete der Gutehofsnungshütte zu kaufen. Werner Corp(Vorsitzender des Aufstchtsrats bei Phönix und auch sonst einer der Mächtigsten in Rheinland-West- falen) hat so schon«in ganz beachtliches Paket zusammengebracht. Jetzt antwortet Reusch und die Familie Haniel aus jene liebevolle Aufmerksamkeit damit, daß sie die Dividende der Gute- hofsnungshütte erhöhen. So steigt der Preis dieser Aktie! Wollen ,chie guten Freunde' jetzt weiter kaufen, dann müssen sie sehr viel Geld anlegen, wenn sie überhaupt noch Aktion bekommen, denn einzeln« Nutznießer des weitverzwoigten Haniel- Vermögens, die neuerdings Verkaufsliist gezeigt haben, werden das sich jetzt nach mal überlegen. Eine besonders feine Bosheit in diesem Kampfe um die Machtoerteilung in der deutschen Schwerindustrie ist. daß die Gute- hofsnungshütte mit der Erklärung der erhöhten Dividende zugleich bemerkt, daß die von ihr erzielt« Gewinnquote dem Durch- schnittsgewinn der Montanindustrie entspreche. Da ist für einen Augenblick der Schleier zerrissen! Der Arbeiter und Angestellte, der nichts anderes mehr von den Unternehmern l)ört als: Lohnabbaul Stillegung! er- drückende Steuern! tödliche Soziallasten l— er staunt. Sollt« da doch manches nicht stimmen? Er hat mit seinem Mißtrauen durch- aus recht! Eines Tages werden sich die Haniel, Reusch, Carp, Wolsf und Mannesmann doch noch einig werden. Dann werden die Bilanzen wieder sorgfältig zugedeckt und Übrig bleibt wieder der harmonische Chorgesang von der allgemeinen Unternehmerverelendung, die selbstverständlich nur dann behoben werden kann, wenn der verd..... Parlamentarismus unter gütiger Assistenz der subventionierten Nationalsozialisten mitsamt der Sozialgesetzgebung und der Sozialdemokratie beseitigt worden ist. lOirt Heinig. Gchlesische Textilsorgen. Millionenverluste in der Leinenindustrie. Die A.-G. für Sch lesische Leinenindustri«(vorm. E. G. Kramsta und Söhn«), F r e i b u r g i. S ch l., hat auch das am 3l. Dezember zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1929 mit einem Verlust, und zwar in Höhe von 1.29 Millionen abgeschlossen Dieser Verlust ist zwar um eine Million niedriger als im Vorjahr(2,29 Millionen), aber mit den früheren Vcrluftvorträgen erreicht der Gesamtverlust die Höhe von 4,18 Millionen, das sind mehr als 5 0 Proz. des Aktienkapitals von 7,78 M i l- i i o neu. Ob der Grund für dies« Entwicklung in diesem Falle allein in der schlechten Lage der Textilindustrie infolge der K a u f- traft Minderung der breiten Schichten zu stichcn ist, wie es im Geschäftsbericht heißt,»rächten wir doch bezweüeln. Zurückzuweisen üt die Behauptung, daß die„aufgezwungene Lohn- crhöhung wesentlich zur Verschlechterung beigetragen habe. Aber die sinnlose achtwöchige Aussperrung Hot zweifellos'zu großen 'Ausfällen geführt, wie der Geschäftsbericht andeutet. Und die im Gange befindliche Umstellung des Betriebes mit Teilstillegungen scheint noch nicht in wünschenswerter Weise Erfolg gehabt zu hoben: nrfolg« der Stillegung der Spinnereien ist nämlich der Umsatz anderer Abteilungen(Garnbleiche u. a.) zurückgegangen, so daß hier z u g e s e tzt wurde, was durch die Stillegungen gespart wurde. Die Ziisatnmenlegung der Weberei in den Balken- 1) a i n c r Betrieb soll nutzbringend gewesen sein Der Un, satz ist wertmäßig um 20 Proz. zurückgegangen. ist also mengenmäßig, da die Preise gefallen sind, noch stärker hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Der Preisrückgang hat dazu geführt, daß auf die Vorräte 0�15 Millionen nachträglich ob- geschrielveu imirden; mit Rücksicht auf den zu erwortenten weiteren Prcisfall wurden weitere 0,28 Millionen Sondorabschrei- b u n g e n eingesetzt. Neben diesen Posten haben zur Derfchlechte- rung des Ergebnisses die Zinslasten auf 6,82 Millionen Dank- schulden und Flachsbaukredite ganz wesentlich beigetragen, ohne daß sie besonders ausgewiesen wurden. Da der(verhältnismäßig billige) Flachsbaukredit des Reichs von der Leinenindustri« nur gerade zur Half e ausgenutzt ist, ist der Hauptposten dieser Schulden der teuere Bankkredit. Der gesamte Verlust wird mit 4,14 Mill. Mk. aus neue Jahresrechnung vorgetragen, 4,36 Mill.Verlust derSchlesifchen Textilverke A.?> Niü oang De Arbettsuch nd n In der zweilcn Seplemberhälfle sank nach dem Bericht de- Landcsarbeitramts Brandenburg(Berlin, Brandenburg und Grenzmark) die Zahl der Arbeitsuchenden um 13 384 aus 453 451 Personen. Diese Entlastung, die infolge des Einsehens der hacksruchlernle saisonmäßigen Eharakter trägt, ist bei dem riesigen Umfang der ArbeitsSosigkeit natürlich kaum spürbar. Die Gesamt- zahl der ll n t c r st ü h u n g v b e z i e h e r lag mit 291 587 noch um 186 41S Personen höher als Ende September vorigen Jahres. vor zwei Jahren betrug die Zahl der Unlerslühungsbezieher zur gleichen Zeit sogar nur 90 927 Personen. Im einzelnen waren in Berlin 354 075, in Branden- bürg 94 804 und in der Grenzmark 4772 Arbeitsuchende vor- Händen. Rund 224 000 Personen bezogen Ende Sepiember in Berlin Unterstützung durch die Arbeitslosenversicherung. Belebende Konjunkturmomente waren in der Industrie noch nicht sestzustelleu. Bei den S i« m« n s- W e r k e n haben Neueinstellungen stattgc- funden, die sich aber überwiegend auf weibliche Arbeitskräf« beschränkten. Im Gegensatz hierzu setzte infolge Beendigung von Neubauten bei den Arbeitsnachweisen der Bauarbeiter ein neuer Zustrom von Arbeitsuchenden ein. Im Spinnstoss- gc werbe war die Entwicklung durchaus ungleich. So standen in der T u ch i n d u st r i e Neueinstellungen bei einigen Betrieben Entlassungen in anderen Werken gegenüber. Im Bekleidung s< g« w« r b e und in der Schuhindustrie blieb der Beschäfti- gungsgrad ungünstig, dagegen hat sich in der Papierindustrie die Nachfrag« nach Arbeitskräften gehoben. Neues Gold ins Ausland. 35 Millionen noch Paris/ 17,5 Millionen nach Amsterdam. Die Reichsbank Hai wegen der ununterbrochen fortdauernde« Devisen nachfrage, die den französischen Franken- und den holländi- scheu Guldenkurs erHöhlen, wieder Gold versenden müsien. Vach Paris gingen gestern neue 35 Millionen, nach Amsterdam 17,5 Mit- lionen. Das Warnungszeichen der Diskonterhöhung, die den Kredit für die Deviseiranforderungen verteuert, hat also zunächst nochkeineWirkung gehabt. Di« Kapital fluchtunddie auslöndischen Kreditkündigungen, die die Ursache sowohl der letzten Diskonterhöhung, als der Kursstürze an der Börse, als auch der Gold- und Devisenverluste der Reichsbant sind, dauern also noch fort. Der Preis, der für die H i t l e r- W a h l« n gezahlt wird und der mit der Verteuerung des Kredits auch die Wirtschaftskrise noch sehr verschärst, wird immer höher. Die Reichs- dank wird bald vor der Frage stehen, ein« Kreditrestriktion vornehmen zu müssen. Wenn heute der 500-Millionen- Kredit des Reiches unterzeichnet wird, werden die Devisen- rcserven der Reichsbank allerdings wieder aufgefüllt. Eifenwucher erzeugt Arbeitslofigteii... ... und zerstört die Konlurrenzfähigkeit der Verarbeiier. Der Septemberbericht des Eisen- und Swhlwaren-Jndustriellen- bundes meldet ein« neu« Verschlechterung gegen den Monat 2lugust. In dem Bericht heißt es über die Auswirkung der hohen inländischen Eisenpreise: „Der hohe Inlandspreis für fast sämtliche Eisensorten und der außergewöhnlich niedrige Auslandspreis schwächt die inländische Eisensertigworeniaduslrie immer mehr in dem ohnehin schon außerordentlich starken Konkurrenzkampf mit den aus- ländischen verarbeitenden Werken.' Hier hat endlich eine Umernehmerorganisation den Mut. zu sagen, was ist. Ferner stellt der, Bericht fest, daß die Arbeitslosigkeit durch diese künstliche Hemmung in der Konkurrenzfähigkeit in den Hauptgebieten der Industrie(Hagen und Lennepe-Ruhrkreis) imister größer wird und jetzt, gemessen an der Bevölkerungszahl, d> e bö ch st« geworden ist. Die Stadt Hagen ist nicht mehr in der Lage, ans eigener Kraft da» durch die wohlsahrtslasten für die Er- iverbslosen entstandene Defizit zu decken. In anderen Gemeinden des Bezirks ist die Lag- ähnlich. Der Gummitrust baut aus. Die Continental Gummi- werke A.-G, in Hannooer, die in der deutschen Gummireisen- industrie fast eine monopolartige Herrschaft ausübt, muß von der Preiskris« auf den Rohgummimärkten mächtig profitiert haben, denn das Unternehmen will jetzt mit größter Beschleunigung einen Ausbau feiner Fabrikanlagen vornehmen. Allein die Kosten für den Grundstückserwerb und gewisse Vertragskosten an die Reichs- bahn belaufen sich auf rund 750 000 Mark. Die hohen Preise, die das Gummireifen. Kartell unter Führung der Eontinen» tal-Gejellfchaft der deutschen Autoindustrie aufzwang, müsien also bei den billigen Einkaufsmöglichkeiten der Gummiindustrie auf dein Weltmarkt die Profitrate ganz beträchtlich gesteigert haben. Bananen bringen weniger Gewinn. Der große Weltbananen- truft— United Fruit C o m p a n y— meldet für da« dritte Quartal IWO„nur' 1,55 Millionen Dollar Gewinne gegen 7,54 Millionen Dollar im dritten Quartal 1929. Die ersten drei Quartale brachten„nur' 11,65 Millionen Dollar Gewinn(rund 50 Millionen Mark!) gegen 16,88 Millionen Dollar in der gleichen Zeit des Vorjahres. 44,1 Millionen organisierte Arbeiter. Nach dem sechsten Jahr- buch des Internationalen Gewerkschaftsbundes beträgt die Zahl der organisierten Arbeiter auf der ganzen Erde 44,1 Millionen, wovon 35,3 Millionen auf Europa und 6,9 Millionen auf Amerika«nt- fallen, Freigemerkschaftlich sind 19,8 Millionen, kommunistisch 11,7 Millionen und tonfefsionell 2,1 Millionen Arbeiter organisiert, während 10,1 Millionen sich aus verschiedene Svlitierorgamsationen verteilen, Indischer Mlllionenaustrag für den Lokomotiobau. Die Solo- mvtivfabrik H« n s ch c l und Sohn Akt.- Ges. in Kassel hat in scharfem Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz von der indischen Staatsbahnoerwaltung«inen Auftrag auf 61 Lotomotivkesscl erhalten Da das Unternehmen dieser Tag« auch von der Reichsbahn 20 Lokomotiven in Bau erhalten hat Ist die Belegschaft der Kesselschmiede bi? etwa Februe voll beschäftigt Reue kommunal- Schuldverschreibungen. Di« Landesdonf der Rheinprovinz stellt einen Betrag von SU Milsione reichsmundetsicheren siebcnprozentigeu G o ldk om munals chu l dr.cr s ch U; bungen zum Kurs von 941» Proz. zum Berkaus, Einzelheiten üi die Zeichnungsbedingungen im Inseratenteil. SCeinridi Memmer: tjßßi Üßtl fJtlföltlßM Wir sind alle gleich geboren. „Schade, daß wir nicht alle gleich geboren sind/ fogie ich zu Sennie, und das waren herzlose Worte, denn Gennie war ein liebes, junges Mulattenmädchen, und ich hätte mich den Teufel scheren sollen um die öffentliche Meinung von USA. und die mißbilligenden Blicke der New-Zorker, jedesmal wenn wir zusammen ausgingen... Damals, damals, als ich und die Welt noch jünger waren. „Aber wir sind doch alle gleich geboren/ sagte Gennie und zog mich mit sich fort:„Komm, ich will es dir zeigen." Wir gingen durch Straßen, die keine Spur von Eigenart einer fremden Menschenrasse aufwiesen, kein Sonnensträylchen naiven afrikanischen Gemütes, kein leisestes Anzeichen von Schönheitssinn. wir gingen durch ein Großscadtproletariat in Schwarz, und in den Fensterhöhlen lagen dicke schwarze Weiber auf die Brust gestützt und glotzten oder wiesen mit dem Finger nach mir:„Es schneit, es schneit/ rief eine,„hier kommt der Schneemann/ Wir hielten vor dem Negerkrankenhaus: dort rollten rollschuh- rollende kleine Schwarze herum und Ringelreihespielende sangen: „Do ba— naco— la, ge— ne me, ge— ne me/ Das ist der einzige Sprachrest, der den Kleinen überliefert wird, und niemand hat eine Ahnung, was das bedeuten mag. „Sieh dich mal um/ sagte Gennie,„als wir in eine Wochenbett- stube traten. Da lagen sie, die kleinen Nigger, braun wie Schokolad«, in sauberen, schneeweißen Bettchen, wie Mohrenköpfe mit Schlag- sahn« in der Konditorei. Aber sie verkrochen sich vor meinem An- blick, so daß nur noch ein paar rabenschwarz« Lockenkringel oder ein festgeflochtenes Pechzöpfchen hervor guckisn... Gennie zog mich gleich weiter in einen zweiten Saal: und da sah ich zu meinem Staunen, daß sie recht hatte. Hier lagen die Neugeborenen. Ist es möglich: wahrhaftig, die Neger werden weiß geboren; genau so„weih" wie wir. Da lagen runzelige, kresbrote, kleine Häufchen Unglücks wie unsere eigenen Babys und lutschten an rosenroten Daumen. Alle Schattierungen sah ich, denn die kleinen Negerlein dunkeln Tag fiir Tag nach wie belichtetes Photapapier— erst nach drei Wochen haben sie die richtiggehende schokoladebraune Farbe erhallen. „Du Host recht," sagte ich zu Gennie.„Wir sind alle gleich geboren."— Aber die sich daraus ergebenden Schlüsie zog ich dennoch nicht... damals, damals, als ich und die Welt noch jünger waren. Wer braucht die Gouvernante am nötigsten? Auf dem Kinderspielplatz am Zoo sehe ich des öfteren«inen wirklich netten Knaben, den eine etwas überbcsorgte Gouvernante immer streng zurechtweist, wenn er im Eifer der modernen Spiele — welches da namentlich sind: das Pleite- und das Revolutions- spiel— über die Grenzen des Erlaubten, d. h. das von der Gou- vernante als zu erlaubten Betrachteten, geht.' Willy wird in einem fort dirigiert, gouocrniert, und es wird mit chm remonstriert, obwohl dieser Willy ein sehr selbständiger, sehr einsichtsvoller, durchaus ver- nünftigcr Junge ist, der niemals etwas tut, das ihm oder anderen schaden könnte. „Fräulein," sagte ich da einmal zu der Gouvernante(ich spreche oft viel zu viel)...„Fräulein... ich habe die größte Hochachtung für ihre Tätigkeit, die sicher zum Sogen gereichen würde..., wenn sie an richtiger Stelle, ich meine bei der Person angewandt würde, die ihrer am meisten bedarf. Für so einen„unreifen" Knaben wie Willy z. B. ist es ganz gut, wenn er ftühzellig seine eigenen Er- fohrungen mll dem Leben macht. Das Praktikum, das Leben, wird Ihn besser erziehen als Sie es zu tun vermögen. Dagegen gibt es Menschen im sogenannten reifen Aller, die sich nicht halb so gut vor den Gefahren des Lebens zu schützen vermögen, wie dieser Willy. Ich zum Beispiel, ich brauche dringend eine Gouvernante. Jemand Sanft-Wachsamen, der mich davon zurückhall, daß ich da oder dort hineintappe, die Grenzen des Erlaubten überschreite, jemand An- teilnehmender, der mir sagt, ob ich zu wenig oder zuviel gearbellet habe oder herumgelaufen bin. Jemand fteundlich Besorgten, der sieht, daß ich zur Zeit nach Hause komm«, nicht mehr esse und trinke, als mir zuträglich ist, nicht das eine über das andere vergesse, jemanden liebe, der mir eventuell das Halstuch umbindet oder den Rock auszieht... Lassen Sie den Willy in Ruhe, Fräulein, und passen Sie auf mich auf, dann geht's uns beiden bester." Zu einer Antwort kam das also angesprochene Fräulein nicht, denn es kam alsdann einer jener„armen" jungen Leute heran, die von jungen Damen ganz besonders kajoiicrt werden müssen, damit sie das Leben ertragen. Die Gouvernante machte dem jungen Mann Platz, erkundigte sich voll teilnehmender Liebe nach dem Befinden und allen den kleinen Erlebnissen des Herrchens seit dem gestrigen Tag... und ich und Willy verzogen uns gemeinsam: beide zugleich begreifend, wenn auch mit keinem Worte erwähnend, daß dieser Dritte die Gouvernante am nötigsten hatte. Das roie Licht. „Bor langer, langer Zeit, als ich so ein kleines Mäderl war wie du," sagte die etwas übertrieben aufgetakelte und-gepudert« Mutter und drückte ihr Kind wehmütig an die Brust, wie es eine Mutter tut, die ihr Kind nur immer für Stunden sieht und ihm dann alles sein, olles geben, alles kaufen möchte, die ganze Welt...,„als ich ein kleines Mäderl war, Hab ich auch immer so gerne ins rot« Licht geguckt wie du"—. Die Mutter sah auf ein« rote Laterne, am Hause gegenüber, die das Kind unverwandt betrachtete, und über dem es all die neugekauftcn Spielsachen vergaß. Und dann erzählte die Mutter dem Kinde eine kitschig-rührseligc, unwahrscheinlich klingende Geschichte... wie sie als junges Mädchen, in einem einsamen Bahnwärterhäuschen allein gelösten, das grüne Signallicht gegen ein rotes vertauscht hatte, weil die rote Scheibe ihr eine so unaus- fprechliche Freude machte, wie nickst s auf der Welt... dadurch hatte das Bahnwärterkind den Expreß zum Stehen gebracht und es be- kam Dresche wie noch nie. In der Folge stellte sich jedoch heraus. daß unweit von der Haltestelle die Schienen aufgerissen und der Bahnwärter geknebelt worden war... Und nun bekam dos kleine Mäderl viele, viele Geschenke, Golddukaten, Ketten, Ringe, und als sie erwachsen war, zog die Mutter mit dem Gelde in die Stadt. Und dann... dann...?„Das rote Licht und das rote Gold hoben mir kein Glück gebracht," schloß die Mutter,„darum will ich nicht, daß du in das rote Licht guckst,"" und sie zog ihren bunten Mantel schützend lyn das Kind. Bald darauf wurde das kleine Mädchen von einer älteren mürri- schen Person abgeholt. Die Mutter verschwand dann in dem Haus« gegenüber mit dem roten Licht. Ich blieb noch eine Weil« im Tasä sitzen. Als Ich auf dem Heimweg an dem Hause vorüberkam, sah ich, was das rote Licht bedeutete. Es war das Emblem für ein sehr feudal aussehendes„Freudenhaus". Man spielt wohl ungestraft mit dem Schicksal nur solang« man wirklich ein Kind ist. fflelbing ffiauei". Siexenterfolgungen in der Qegenrelormation „In den katholischen Stiften und Bistümern", schreibt O. Wächter,„fallen die meisten Verurteilungen in die Zeit der Gegen- reformation. Im Trierschen blieben unter dem Bischof Johann bei einem großen Hexenprozeß im Jahre 158.? in zwei Ortschaften nur zwei Personen am Leben, und es erlitten aus den 222 Dörfern in der Nachbarschaft von Trier von 1587 bis 1593 überhaupt 386 Per- sonen den Tod. Im Stift Paderborn wurde seit 1585 die Hexen- Verfolgung betrieben; die Stadt Lemgo erwarb sich von 1580 bis 167V durch ungemein viele Hexenprozesse den Beinamen„Das Hexen- nest". In dem Stiftsland Zuckmantel, dem Bischof von Breslau gehörig, wurden schon 1551 nicht weniger als 8 Henker gehalten. Im Bistum Bamberg begannen die Hsxenprozests im Jahre 1625. Hier wurden 600 Menschen als Hexen, Zauberer und Teufels- banner verbrannt; dies meldet«ine 1659 mit bischöflicher Genehmi- gung zu Bamberg gedruckte Schrift. Unter den Hingerichteten wer- den angeführt:„Der Cantzler und Doktor Horn, des Cantzlers Sohn, fein Weib und zwo Töchter, auch viele vornehme Herren und Ratspersonen, sonderlich etliche Personen, die mit dem Bischof an der Tafel gesessen... Es sind etliche Mägdelein von 7, 8, 9 und 10 Jahren unter diesen Zauberinnen gewesen; deren 22 sind hingerichtet und verbrannt worden, wie sie denn auch Zetter über ihre Mütter geschrieen, di« sie solche Teufelskunst gelehrt haben. Und hat die Zauberei so überhand genommen, daß auch die Kinder in den Schul«» und auf der Gassen einander gelehrt haben." Der letzte Satz zeigt zur Genüge, wie weit im 17. Jahrhundert, das man die klassische Zeit der Hexenverfolgungen nennen könnte, dieser Wahn- sinn gediehen war. In Hamburg wurde bereits 1440«ine mulier ckivinatnx(Weissagerin) und eine andere incantatrix(Zauberin) verbrannt. Auch aus dem Jahre 1458 wird die Verbrennung eines Weibes erwähnt. Die nächste Hinrichtung eines Zauberweibes fällt in das Jahr 1482. Später ist bis zum Jahre 1524 nur ein einziger Fall bekannt, bei dem statt d«s richtigen Prozeßverfahrens ein Willkürverfahr«» stattfand; es betrifft die Hinrichtung des ersten Märtyrers der Reformatton, Heinrich von Züpphen, der am 11. Dezember 1524 verbrannt wurde. Anders wurde es, als die Tortur in Hamburg ihren Einzug hielt. Sogleich begannen die Hexenverfolgungen und Hinrichtung«». Der erst« Fall, wo in der Elbestadt die Tortur zur Anwendung kam, war zugleich der erste Fall einer größeren Hexenverfolgung. Von 14 in Haft genommenen Hexen wurden 2 zu Tode gemartert. Vier wurden lebendig verbrannt, was später noch häufig vorkam. Aus Lübeck werden nur drei Fälle aus den Iahren 1551� 1681 und 1591 gemeldet. Besonders wütete der Hexenfchrecken im Elsaß. Am 15., 19. und 28. Oktober 1592 wurden in Strahburg nicht weniger als 134 Frauen verbrannt, und in dem Städtchen Thann allein von 1572 bis 1620 136 Frauen, darunter Greisinnen von 90 und 92 Iahren. Einzeln« Verurteilte wurden auf dem Wege zur Richt- stätte alle 100 oder 1000 Schritte mit glühenden Zangen gezwickt oder an dem Schweis junger Pferde zum Scheiterhaufen geschleift. Wie sich die Henkerarbeit hier mit der Zeit entwickelte, bekundet die Tatsache, daß von 1615 bis 1635 im Bistum Straßburg 5000 Hexen den Tod fanden. Ebenso ging es in Flandern zu, und überall wurden mittels der Tortur die Aussagen erpreßt. Mit besonderem Eifer wurde in der Schweiz die Hexenver- folgung betrieben, hauptfächlich in den romanischen Kantonen. Das von dem strengen Calvin am mächtigsten beeinflußte Genf nahm hierbei die erst« Stelle ein. Die nach Calvins Weifung«» aufge- stellten blutigen Gesetz« waren„kaum anwendbar auf fehlbare Menschen dieser Erde". Namentlich zu Anfang des Jahres 1546 häuften sich die Ver- Haftungen und Prozesse in erschreckendem Maße. Der Kerkermeister erklärte am 6. März dem Rate, daß jetzt alle Gefängnisse der Stadt überfüllt seien und er fernerhin Verhaftete nicht mehr unterzubringen wisse. Dabei war das gegen die Verhafteten angewandte Verfahren entsetzlich. Man zwickte si« mit glühenden Zangen, man mauert« sie ein und lieh sie verschmachten, wenn sie kein Geständnis ab- legten, und ersann zu diesem DeHufe alle möglichen anderen Tortur» mittel. Es ist vorgekommen, daß Angeklagte neunmal di« Marter der Eftrapads(Wippgalgen) ertragen mußten.„Wer welche P«in man ihnen auch antut", klagt das Ratsprotokoll einmal,„so wollten sie die Wahrheit doch nicht bekennen." Mehrere der Unglücklichen endeten während oder bald nach der Tortur unter Beteuerung ihrer Unschuld: andere gaben sich, um den furchtbaren Qualen der Kerker- Haft und der Tortur zu entgehen, aus Verzweiflung selbst den Tod, „auf Eingebung des Satans", wie oft hinzugesetzt wird. Der Arm des Henkers ermattete unter der Last der Arbeil, die, wie er am 18. Mai 1546 dem Rat erklärte, eines Mannes Kraft überstieg. Wurden doch in den wenigen Monaten vom 17. Februar bis 16. Mai 1545 einunddreißig jen«r Unglücklichen— und unter ihnen des Scharfrichters eigene Mutter— durch Schwert, Scheiterhaufen, Galgen und Vierteilung vom Leben zum Tod gebracht. Und dabei gingen der eigentlichen Exekution meist noch grausame Verstumme- lungen der Körpers voran. (Mit Erlaubnis des Berlages Dr. P. Langenscheidt, Berlin, dem Buch„Die Tortur" von Franz Helbing und Max Bauer im Aus- zug entnommen.)_ erfte„drahlloSe" Slraftenbeleuchliing Die Technik schreitet heut« ungeheuer schnell vorwärts. Was noch gestern«in unerhörtes Wunder war, das von der ganzen Welt mit Recht angestaunt wurde, wird heut bereits in den allgemeinen Dienst der Menschheit gestellt und dient der Bequemlichkeit und dem Verkehr. Man erinnert sich noch, welches ungeheur« Aufsehen vor mehreren Monaten der Versuch Morconis gemocht hat, auf draht- losem Wege von seiner Jacht aus eine elektrische Lichtleitung zu entzünden, die viele tausend Kilometer entfernt war. Der Versuch wurde damals als eine unerhörte Leistung betrachtet, wenn man. auch feststellte, daß die technischen Maßnahmen dazu die Möglich- keilen schon feit längerer Zeit boten. Es war nicht eine drahtlos- Uebertragung von En«rgi« auf so weite Strecken, sondern es wurde nur mit Hilfe von Radiowellen eine Vorkehrung ausgelöst, durch die die elektrische Lichtleitung in Tätigkeit gesetzt wurde. Trotzdem bedeutet« dieser Versuch Marconis«inen wichtigen Schritt auf dem Gebiete der Anwendung der Radiomellen. Jedenfalls hätte damals wohl kein Mensch vermutet, daß diese sensationelle Neuerung in kurzer Zeit zum alltäglichen Gebrauch bei der Straßenbeleuchtung einer Stadt verwendet werden würde. Die Stadt Berlin kann sich rühmen, die erst« elektrische Licht- leiwng zu besitzen, die täglich auf drahtlosem Wege in Betrieb gc- setzt wird. Um ein gleichzeitiges Aufflammen aller Laternen zu ermöglichen, wird in Boston seit einiger Zeit ein F«rnschollsystem angewendet, durch das ein« drahtlos« Bedienung d«r Lamp«n mög- lich ist. An joder Lampe befindet sich nämlich ein« klein« Empfangs- station für drahtlose Wellen von bestimmter Länge. Bei der Be- leuchtungszentral« der Stadt ist«in Sender angebracht, der Wellen von der entsprechenden Läng« aussendet. Sobald er nun in Tätig- keit tritt, werden an den Empfangsapparaten kleine Hebel in Tätigkeit gesetzt, durch di« das elektrisch« Licht«ingeschottet wird. Auf diese Weise werden überall in der Stadt di« Laternen in der- selben Äkünde mit Hilfe der drahtlos«» Wellen entzündet. Auch die Ausschaltung ded Lichtes bei Tagesanbruch erfolgt auf ebenso drahttose Weise, denn an den Empfangsapparaten befinden sich auch kleine Dortehrungen, durch die der«lektrische Stromkreis automatisch ausgeschaltet wird. Aehnliche Maßnahmen kann man übrigens auch bei Gasbeleuchtung treffen, so daß auch Gaslichtanlagen ganzer Städte mit Hilfe der drahtlosen Wellen ein- und ausgeschaltet werden. können. Bei diesen haben di« drahtlos«» Anlagen noch größer« wirtschaftliche Bedeutung, als bei der elektrischen Anlaftzi, die auch mit Hilf« von Drahtleitungen auf weit« Entfernung getätigt werden können. Man erkennt daraus, wie schnell di« sensationellsten Neuerungen der Technik in den allgemeinen Dienst der Menschheit gestellt werden. Dielleicht wird in kurzer Zeit die Anzündung von Laternen auf den Straßen der Städte auf d«m bisherigen Wege «ine lächerliche und altmodische Einrichtung s«in. was die Schönheil kostet. Auf dem Kongreß der amerikanischen Schönh«itsspezic.listen in New Port wurde die Summe, die die amerikanischen Frauen für Schönheitsniittel im Jahre ausgeben, aus insgesamt 40 Millionen Dollar geschützt. Dabei wurde festgestellt, daß trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Depression sich die Aus- gaben für Schönheitsmittel in diesem Jahr gegenüber dem Borjahr um 30 Proz. erhöht haben. ffilchard Qerlach: 3)er£aubengarienmaungafi Eine unmögliche Sache: di« Metkasernenbewohner in ihren Heimatersatzgefilden auch noch zu beneiden? Erstens: bttte, es gibt hochherrfchaftliche Laubengärten. An der Pforte«in lackierter Briefkasten und ein Messingschild. Ein feudales Wochenendhaus unübersehbar gebettet in Rhododendron und Olean- der.(Aber da kann ich mich auch irren.) Jedenfalls mit fahrbaren Liegestühlen und kostbaren Gardinen. Von einer kompletten Park- villa beinahe nicht zu unterscheiden. Zweitens: Besitz bleibt Besitz, und wenn dem Habenichts ver- wehrt fein soll, über den Zaun zu gucken, was soll er denn dann? Ich schätz« mich glücklich, zwischen Drahtgeflecht und Liguster- hecken spazieren zu gehen. Der gestampfte Koks zerknackt unter den Sohlen. Freilich habe ich stets ein schlechtes Gewissen, wenn ich in ein unbekanntes Laubenrevier eindringe. Denn man weiß nie, ob man eigentlich berechtigt ist oder nicht. Zumal wenn das Obst reift, durchbohrt«inen mancher mißtrauische Blick. Die alteingesessenen Kolonisten merken doch gleich: der gehört nicht dazu, der will bloß mal spionieren, ob meine Birnen schon reif sind... Daß man aus rein ästhetischen Motiven unter Knollen und Kohlstiünken wandelt, das liehe sich so leicht nieniand aufbinden. Die Argwöhnischen lassen sich zunächst nur nicht zu Tätlichkeiten hinreißen, weil sie vermuten, daß ich wahrscheinlich meine Tante besuchen jvolle. So rettet mich eine Tante, die ich gar nicht habe... Der'Laubengartenzaungast ist ein überlanges und haarsträuben- des Wort. Und was es bedeutet, ach, du lieber Gott. Aber nun meine Rechtfertigung: ich brauche nicht erst«in Ber- mögen für ein Beförderungsmittel auszugeben, ich atme in ziem- licher Nähe meiner Wohnung relativ wunderbar unverbraucht« Luft. Blumen blühen da, die alle illustrierten Katalog« von Erfurt und Haarlem übertrumpfen. Oben wird das Drahtgeflecht der Umzäunung gewöhnlich noch durch«inen besonders liebevollen Stach«ldraht umrankt. Ist auch den Händen und Hosenböden der Zutritt mißgönnt, lauern auch in den scheinbar harmlosesten Beeten tückisch« Fußangeln und mörd«. rische Selbstschüss«, so hindert doch keine rohe Hint«rlist die Augen, sich alles Schöne anzusehen. Ein 5)auptsatz der Aesthrtik oerlangt, um zum wahren Genuß zu gelang«», wunschloses Sichversenken. Ebenso satt, wie ich«in altes Oelgeniälde betrachten würde, fühle ich mich standhaft den safransarbenen Riesenkürbissen, den zart- bäckigen Pfirsichen, den Reinetten und Borsdorfern gegenüber. Hineinbeißen ist oerboten, lieber Freund. Aber schauen darfst du. Und doch ist d«r Neid nicht das einzige, was mich in die Lauben- gärten treibt. Auch nicht die Absscht, mich über den Herrn Regie- rungsinfpektor zu amüsieren, der in geknickter Haltung mit Jauche- gießen beschäftigt ist. Sondern dieser nett gehegte Krimskrams gefällt mir einsach. Die Massenansammlung von Himbeer- und Johannisbeerbllschen, von Kartoffeln und Georginen, von Lilien und Suppenkraut, von Levkojen und Petersilie, von Blumen und Agrikultur, dieses Gemisch vog Grohspurigkeit und Nützlichkeit, von Bienenfleiß und Feierabend,— das ist wohltuend fürs Gemüt. Auch läßt sich das Praktische mit dem Romantischen verbinden. Zuweilen verkauft«ine tüchtig« Frau die Tomaten um fünf Pfennig billiger das Pfund als in den Geschäften. Mitunter sind Pflaumen und Aepfei vorteilhast zu erwerben, Sonnenblumen»der gewaltige Asternbuketts. Wenn überhaupt, erstehe ich dies« Dinge nur wider- strebend, nur als sparsamer Hausvater, der rechnen muß. Nicht g«rn erniedrige ich die poetischen Jagdgründe zu Markthallen. Sonst müßte ich später beim Spazierengehen stets denken: hier sind dir einmal die steinharten Zwetschgen angedreht, dort drüben hat«in schlechtes Weib dir saure Kirschen ausgehängt, und von dahinten stammle der Blumenkohl mit den Maden... Ich streife lieber am Duft der Dinge vorbei, ich labe meine Augen am saftigen Grün des Rasens oder am Burgunderrot des wilden Weines. Wenn mir ein edler Gönner so«inen Laubengarten anböte und spräche:„Nimm ihn mit allem, was darinnen ist!"-- so würde ich schleunigst die Flucht vor diesem Geschenk ergreisen. Denn wenn ich den Garten dann besähe, müßt« ich hacken, jäten, graben, düngen, Kalk spritz«», Blattläuse ablesen und Wasser schleppen. Und die Früchte meines Schweißes würden schließlich doch unweigerlich geklaut oder die Spatzen und Raup«» fräß«n si«— ich danke. Unstet und flüchtig ist der M«nsch, und wo er es vermeide» kann, bückt er sich nicht gern. Ich spähe mit Wonne über Hunden fremde Drahtgitter, und ich habe gar keine Sehnsucht nach einem eigenen. Ein verwahrloster, unordenllicher Faulenzergarten würde die Nachbarn ja mit Recht ärgern und empören. Nein, ich bin für de» Frieden...