BERLIN Sonnabend 11. Oktober 1930 10 Pf. Nr. 478 B 236 42. Jahrgang Srfch«i»ttä«lich a»ßer Sonatags. Zugleich Abendausgabe des.DornZri«'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf.»rv Woche, Z,serden. Nicht nur für den Kommunalpolitiker sollte es ein stän- diger Begleiter sein, es müßte Allgemeingut für jeden Berliner werden, weil es zugleich ein schlagender Rechenschaftsbericht ist für alles, was die Stadt leistet und auf den einzelnen Gebieten des öffentlichen Lebens neu geschaffen hat. And dieses Rechenschaftsberichts brauchen mir uns nicht zu schämen, er bestätigt die Folge- richligkeit unserer kommvnalpolilischen Arbeit, die mil ernster ver- anlwortlichkeil für die Allgemeinheit am Aufbau des neuen Berkins aeleistet worden ist und auch in Zukunft aller„taktischen Negation" zum Trotz von unseren Vertretern geleistet werden wird. G eschäste mit Madame Iustitia Man kann gute und schlechte Geschäfte mit ihr machen... Der Bäckermeister Friedrich zum Beispiel macht ein utes Geschäft: aber er hat auch ein gutes Geschäft, er beschäftigt a seiner Bäckerei drei Gesellen und zwei Lehrlinge; besonders die idhrlinge beschäftigt er ausgiebig— und darum steht er auch heute hier vor dem Einzelrichter. Denn der Vormund eines Lehr- ings hat ihn ai»gezeigt, weil sein Mündel ihm meldete, daß er iglich von 6 Uhr und 15 Minuten früh bis um 18. ja, manch» lal bis um 20 Uhr bcfchäftigt wurde. Da bekam Herr Friedrich nen Strafbefehl über 150 M.; der Schreck fuhr ihm ins Gebein: er lief zu einem Rechtsanwalt und erhob Einspruch gegen . en Ctrafbefehl. Das war ja wohj gar nicht möglich, daß man um son dummen Jungen solche Unannehmlichkeiten haben sollte! Der Herr Rechtsanwall riet ihm freilich, den Einspruch lediglich auf die höhe der Strafe zu beschränken: denn schließlich war ja der frühere Lehrling als Zeug« benannt, und gegen die tatsächlichen Angaben würde ja wohl nichts zu machen sein. Also tat der Herr Bückemeister das Klügste: Er gab den Tatbestand zu und erreichte dadurch, daß auf die Vernehmung d«s Zeugen verzichtet wurde. Nun tonnte«r in bewährter' Konditorkunst die harten Tat- fachen verzuckern. Na za, der Lehrling habe in d«r Backstube essen müssen: Aber doch nur aus Raummangel, und wcnn das mit dem Essen manchmal unregelmäßig gewesen sei, denn sei das Mädchen dran Schuld. fD'-e Anklage behauplcl. daß der Lehrling l in« richtige Essenspause habe machen dürfen.) Und daran, daß er bis um fünf Uhr hätte arbeiten müsseu. sei der Lehrling ganz allein« Schuld gewesen, der wäre eben so langsam! Noch länger— na, er enisinn« sich nicht, der Lehrling habe denn wohl in der Backstube Zeitung gelesen, ab«r manchmal, das müsse er ja zugeben, so am Sonnabend und Freitag, da wäre es spät ge- worden, bis 19 und 20 Uhr— aber dafür wäre der Junge ja auch i zur Fortbildungsschule gegangen, das störe doch auch! Und hundertfünfzig Mark könne er nicht bezahlen, nein, ganz unmög- lich, vom Geschäft bliebe nichts übrig... Wovon er denn lebe? fragt der Staatsanwalt. Na ja, vom Geschäft, aber sonst bleibe nichts drüber. Er verdien« nichts, rein nichts, er habe sogar noch Schulden! Was er denn Steuer zahle? Der Herr Bäcker- meister hat ein miserabel schlechtes Gedächtnis Es sst beinahe ein Kreuzverhör notwendig, um ihm das Geständnis zu entreißen, daß er 6000 M. Einkommen oersteuert. Antrag des Staatsanwalts: In Anbetracht der Tat- fach«, daß der Angeklagte noch nicht wegen eines gleichen Deliktes] vorbestraft sei und seine Handlungsweise, wenn schon nicht richtig. doch keine allzugrobe Ausnutzung(!) der Kraft des Lehrlings wäre. dsantrag« er, die Geldstraf« auf 100 Mark herabzusetzen. Diese Geldstrafe würde den Angeklagten wohl hart genug treffen und ihn vor ähnlichen Handlungen warnen. Urteil: Die Geldstrafe wird auf vierzig Mark herabgesetzt— ersatzweise vier Tage Gefängnis. Der Herr Bäckermeister wird nicht tn das Gefängnis gehen. Und damit er die Kleinigkeit ohne jede Ueberftürzung regeln kann, handell ihm fein Anwoll' noch Zahlung in zwei Raten aus. Die reelle Bezahlung all der im Laufe von drei Jahre» geleisteten Ueberstunden wäre wahrschein. lich teurer gewesen— der hetr Bäckermeister hat ein gutes Geschäft mit Madame Iuftitia gemacht. Nicht immer aeht es so.gut'' ab. Der nächste Fall! Der Angeklagte Rabe hat kein gutes Geschäft: man muß überhaupt sagen, daß seine Geschäfte wohl manchmal anrüchiger Natur gewesen sein mögen: denn er hat schon sieben Strafen hinter sich und ist auch schon einschlägig vor. b e st r a f t— wegen schweren Diebstahls. Das sst schlimm: Denn auf schweren Rückfalldiebstahl stehen zwei Jahr Zuchthaus... ganz gleich, wie groß der entstandene materielle Schaden ist. „Und Sie können mir glauben, Herr Richter, es is diesmal wirklich blas n« Zufallssache gewesen! Ick wer doch nich meine Papiere einstecken, weim ick wot vorhabe! So dumm bin ich doch nich mal früher jewefen!" Mit den Papieren war das ja nun auch ein besonderes Pech. Also Paul Rab« ging eines Tages durch die Brüderstraße und betrat den Flur eines Hauses durchaus nicht in der Absichl, da was wegzunehmen— im Gegenteil: Denn«er behauptet, daß er bloß ein Klosett suchen wollte,„well mir so komisch im Bauch war". Auf dem Hausflur war auch eine Kabuse. und als er die Tür aufmachte(sie war nur angelehnt), sah er, daß sich ihm hier geradezu ein..Gelegenheitskauf' geboten wurde, denn die Kabufe war der Lagerraum des Obsthändlers Kiebitz. Gerade als er, einen Sack Feigen auf der Schulter, den Hausflur verlassen wollte, kam der Obsthändler die Treppe runter, kriegte ihn am Kragen und schüttelle ihn durch. Aus war der Traum— und nun bat er flehentlich, ihn loszulassen, er wolle es nie und nie wieder tun... und trug schließlich dem Obsthändler sogar selbst den Sack Feigen wieder in die Kabuse. Aber dabei hatte er das Pech, seine Papiere zu verlieren, und als der erboste Händler merkte, daß ihm aus der Kammer noch zwei Kisten Aepfel fchllen, üb«rgab ex di« Papier« der Polizei und zeigte ihren In- Haber an. Wegen schweren Diebstahls: Denn anderthalb Stunden vorher hatte er sich ja noch überzeugt, daß die Kammer verschlossen gewesen war. Herr Rabe war davongeflattert; er hatte den Ber- lust der Paplere auch bemerkt und ahnte, was seiner wartete, darum gab er seine Wohnung auf, meldete sich nicht an und ver- stand es, anderthalb Jahr« unauffindbar zu fein. Er fand ein Mädel, fand sogar eine Wohnung— das gelingt anderen Leuten mit Haren Papieren nicht mal— und ernährte sich brav und ehrlich als Maler, denn er, der Tausendsassa, fand sogar Arbell! Dann aber wurde er bei irgendeiner dummen Prügelei geschnappt, identifiziert und gleich in Untersuchungshaft behalten— jetzt sitzt er an sechs Wochen und nun drohen ihm zwei Hahr Zucht. hau»— wegeu eines Sacks voll Feigeu, Wert 14 bis 15 Mark— und obendrein bekam der Eigentümer sofort sein Gut.zurück, ein Schaden sst nicht entstanden. Das erscheint selbst dem Staats»' anwalt zu grob, so plädiert er selbst aus mildernd« Umstände: Der Angeklagte sei ja damals in Rot gewesen und habe sich seitdem ehrlich ernährt. Aber über die Mindeststrase müsse doch erheblich hinausgegangen werden: denn er habe sich in raffinierter Weise anderthalb Jahr lang dem Zugriff der Polizei entzogen. Als» beantrage er zwei Jahre Gefängnis.-, ! Der Angeklagte stöhnt laut auf. Cr hat das letzte Wort. „Aber ick bitte Lhn'n, ick bitte Jhn'n—'ck Hab« allens wieder zurick jejeben, ick habe nischt von jchabt, und seit ick det Mädel habe, war ick ehrlich un habe jcarbell, in die Dillen, wo so oille rumlach, sie kenn meiite Meisters fragen, alle Malers, mit die ick jearbeitet habe, et is nie nich wat vorjskomm— ick wollte ja nu ehrlich bleim... zwee Jahre, nee, nee, jcm Se mir nich zwee Jahre!" Der Einzclrichter zieht sich mit dem Gcrichtsschreiber zurück. Der Angeklagte stützt den Kopf in die Hönde,' er steht nicht mal nach seinem Mädel, das im Zuhörerraum sitzt. Dann erscheint der Richter wieder und verkündet das Urteil— im Namen des Volkes: Der Angeklagte ist wegen einfachen Rücksolldiebstahls zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Bei der relativ langen Zeit, die seit der letzten Kontrolle der Tür verstrichen war, ist es nicht un- möglich, daß sie von anderen Tätern erbrochen worden iei.. Man habe ja auch kein« Spur cher Ware in der Wohnung des Angeklag:«n gefunden, und man habe ihm auch sonst nicht beweisen können, daß er mit diesem Diebstahl in irgend einer Verbindung stehe. Also habe das Gericht noch einmal einfachen Diebstahl angenommen, es wolle dem Angeklagten auch die erlittene Untersuchungshaft in vollem Umfange anrechnen— es könne aber keine Haftentlassung und keinen Strafaufschub gewähren... Der Angeklagte ist billig weggekommen—„billig", wenn man hier nur mit den Paragraphen-rechnen will... und man muß es sich in Moabit ja langsam abgewöhnen, mit dem gesunden Menschenverstand zu rechnen, der freilich auch diese„billige" Strafe für einen beinah ensstandenen Schaden von vierzehn Mark viel zu teuer findet. Rehfisch:„Brest-Litowsk". Theater des Westens. Trotzki: Frieden muß mit den räuberischen Ludendorfs-Dcutschen geschlossen werden, obwohl sie imperialistische Hyänen sind. Denn die Sowjetsache braucht Frieden, damit sie den Krieg gegen den Weltkapitalismus vorbereitet. Trotzki geht zu Lenin. General hoff- mann: Nicht den Feind im Westen schlagen, sondern das alle große Volk der Russen mit allen deutschen Divisionen vor der Bolfchewi- sierung retten, damit das Reich und die ganze Welt durch Deutschland sür den Segen der bürgerlichen Kulwrordnung aufbewahrt werden. hoff mann beschwört Wilhelm II., diesen Feldzug zu befehlen. Das Stück hat also zwei Tendenzen: die bolschewistische und die bürgerliche. Die bürgerliche wird dadurch noch betont, daß Deutsch- lands arbeitendes Volk an dem Rettungswert als meistbegünstigtes Element mitarbellen und so durch kaiserlichen Entschluß mit legitimen Cxistenzrcchtcn beglückt werden soll. Diese Doppelstirnigkeit des historischen Schauspiels mißfällt nicht. Sie bringt im Gegenteil Beifall für Trotzki und Beifall für hoffmann. Es kann im Parkett und auf den Rängen kein Streit der Meinungen entstehen. Schon auf der Bühne wird jede Meinung befriedigt. Zur Entfachung von Skandalen ist das Stück deshalb wenig geeignet. Iud und Christ, Alldeutscher und sowietistsscher Ver- schwörer— niemand wird enttäuscht, Ca ist ein Stück, gegen das kein Bedenken vorzubringen ist. Di« Pfisfigkeit des Verfassers zeigt sich allenthalben. Der große zweite Akt, der sehr lang und nicht kurzwellig ist, bringt di« ganze Friedens» konferenj. Sie wird gesprengt, weil Trotzki und hoffmann gegen- einander reden, aber auch oneinander vorbeireden. Trotzdem sst interessant, was sie reden. Der drille Akt, in dem die Hauptszene Hoffmanns Gespräch mit Wilhelm II. bringt, vermeidet allzu große Albernheit. Wilhelm II. ist kein übermäßig karikierter Despot in Feldgrau, er ist sogar«in sympathtschcr Dummkopf. Was ihm an Gehirn mangelt, besitzt hoffmann und dazu noch Wärme des Herzens und einen ernsthaften Idealisimis. Während des letzten Aktes wälzt sich Trotzki im Gcwissenskampf, ob er sogleich fein« Rote Armee mobilisieren oder»ls Zauderer seine Zeit abwarten soll. Da er sich für das Zaudern entscheidet, macht er sich den gemähigten Revolutionären angenehm. Rehfifchs Dosierung der Meinungen für die rechte und sür die linke Partei ist dem Theatererfolg angepaßt. Man ist erstaunt, wieviel gute Thceterwirtung sich aus der Gesinnungshalbhelt herausschlagen läßt, man erinnert sich, wieviel theatralische Langweiligkeit bisher in anderen sogenannten Zeitstücken durch die Gesinnung»- energie produziert wurde. Also siegt der Theaterdekorateur, der Rollenschreiber, der Si» tuationegruppierer Rehfssch durch dos Handwerk, das er sich als fleißiger Mann aneignete. Der Einwand, daß er mit seinem Ianus- köpfchen weder Lionig noch Essig ist, daß die kräftigen Dichte'Ialente und erst recht di« ordentlichen Genies ganz klar für ihre Tendenz Stellung nehmen und daß die dramatische Bnlterroeidcheit leicht in den Verdacht einer Gesinnungrfchluderei gerät, ließe sich machen. Solcher Einwand geht jedoch nur gegen Werke der Ewigkeit, er darf aber nicht gegen Satsonwerke erhoben werden. Rehfisch ist durchaus Sasson. Es ist freilich möglich, daß seine Mode noch hübsch lange dauert. Richard W e i ch c r t, Frankfurts Intendant a. D.. jetzt Wander- rogijseur wie zahlreiche seiner besten Kollegen, inszeniert. Er hat nicht viel zu wn, weil Rehfisch mehr Regiewert als Kunstwert pro- duziert. Immerhin ist mancher gute Typ des Schauspielerif't'en anzuerkennen: Selbst Paul Bildt als Kaiser Wilhelm gibt noch immer einen Menschen und keinen Witzblattonkei Kayßlers General h o f f m a n n ist Biedermann im Generalsrock. Solomon ber Wesse mit himbeerftreifen. Graf Czernin(Leo Reuß) kommt allein bei Rehfssch sehr schlecht weg. Zuviel Troddelci des Oesterreichers wird zusammengetragen, damit sich die Galerie amüsiert. Entweder nn:ß irnrn lauter Clowns, wie Bernhard Shaw es macht, als historische Typen auf die Bühne stellen oder die Leute ganz ernst nehmen. Der Elowisspaß ist allerdings nur den Genies möglich, h o m o l k a als Trotzki: wirklich ein Weiser aus Verbitterung, salopper Redner. kurzsichtiger Neuropath, der nicht mit dem Säbel, sondern mit dem verbogenen Kneifer hantiert, Gcdankenimprovisator, schließlich immer der Erfinder der witzigsten Phrase. Trotzki ist mehr der Privatmann, gesehen durch den Kammerdiener Rehfssch, als der politische Typ. Während die Gegenspieler typisiert sind, ist Trotzki ganz realistisch beleuchtet. Vielleicht verbirgt sich unter dieser stilistsschen Ausschweifung Rehfifchs Subjektivität. Der Beifall überschütteie den Dramatiker und seine Künstler. Max Hoclidorf. Die Rundfunkberichkerstattung über die letzte Relchsbannerkund- gebuna. Der„Vorwärts" hatte kürzlich im Funkwinkel die Be, richterstattuna des Berliner Senders über die große Reichs anner- kundgebung im Lustzarten kritisiert. Der Nachrichtendienst hatte nämlich die Kundgebung der Republikaner nur mit einem er- wähnt, während am gleichen Abend ein sehr aaisführlich"' Bericht über den Koblenzer Stahlhelmtag gegeben worden war. W'' uns jetzt der Drahtlcse Dienst, der die Verantwortung für- diese Nach- richten trägt, nachweist, hat die Funkstunde durchaus korrekt ge- handelt. Es werden nämlich grundsätzlich von allen Parteien und Verbänden nur Reichs- oder Landestagungen be- rücksichtigt. Der Koblenzer Stahlhelmtog aber war die diesjährig« Reichstagung der Stahlhelmer. Der Volksentscheid gegen die AntoMen Hindenburg hat keine Anziehungskrast— Die Katholiken laufen dem Zentrum davon- Die Auflockerung für die Politik des demokratischen Sozialismus Wir haben gesel>en, daß die Deutschnotioinilen und die Nazis zusammen jetzt ungefähr gleich so stark sind, wie sie zusammen im Mai 1S24 waren, daß aber die beiden Parteien ihre Plätze sozu- sagen vertauscht haben. Die gegenwärtige Stärke der Nazis entspricht ungefähr der damaligen Stärk« der Deutschnationalen und umgekehrt. Nun sind die Deutschnationalen jetzt etwas anderes als sie 1924 waren. Damals war es nicht eine radikal nationalistische Partei, sie verstand es— vor ollem mit ihrer hemmungslosen Auswertungspropoganda— auch der sozialen lln- zufriodenhoit, ja ihrem Inholt nach reaktionären, aber ihrer Erscheinungssoim nach radikalen sozialen Bestrebungen politischen Ausdruck zu geben. Jetzt sind sie sozialreaktionär schlecht- h i n und bleiben radikal nur in ihrem Nationalsinus und ihrer Verneinung des demokratischen Staates. Während früher ihr« radikale Verneinung wenigsltms die Ansätze des Protestes auch gegen die vorhandenen kapitalistischen Besitzverhältnisse aufwies, sind sie jetzt dem Kapitalismus mit feiner Besitzvertcilung völlig verschrieben, chugenberg will ja der Führer im Komps des Besitzes gegen den Richtbesttz, er will der Retter der kapitalistischen Ordnung sein. Die radikale Demagogie war für die Deutschnationalen nur ein Sprungbrett, um im Reichstage eine starke Vertretung der grohagrarischen und großkapitalistischen Interessen zu schassen. Qis ist offenbar, daß die' n a t i o n a l i st i s ch e Bewegung in vieler Beziehung eine ganz ähnliche Rolle spielt. Schon die Geld- quellen der Bewegung zeugen davon, welche Ziele ihren Gründern und Gönnern vorschweben.?toch einmal«in Bersoch, breite Schichten der Unzufriedenen durch radikale Demagogie mobil und den Interessen der kapitalistischen Ordnung dienstbar zu machen. Nebst dieser Aehnlichkeit tritt jedoch jetzt ein großer Unterschied in Erscheinung. Früher waren es alte konservative Kräfte, deren Führung sich die Bauern auf dem Lande und verschiedene Mittelschichten, aber auch Teile des Proletariats fügten. Es wurde damals noch der alte Weg gegangen, die A u t o r i t ä t der alten herrschenden Schichten beherrschte immer noch das Bewußtsein dieser Massen. Jetzt stürmen sie auf das Neue und räumen aus das gründlichste mit den alten Autoritäten auf. Nicht nur die alten Autoritäten werden gestürzt; die Macht der Autorität und der Tradition als große gesellschaftliche Kräfte wird als solche bei denjenigen Schichten erschüttert, die, wie die Bauern oder Mittelstäirdler verschiedener Art, Gewerbetreibende, Beamte usw. immer am stärksten an das Ucberlieferte(Tradition) und an die Herrschaft höherer Möchte oder höherer Schichten(Autorität) gebunden waren. Diese Entwicklung ist jetzt zum Ausdruck gekommen: darin besteht meines Erochtcns die große Offenbarung vom 14. September. Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß dieser Ausbruch in erster Linie gegen den sozialen Ausstieg der Arbeiterschast gerichtet ist und eine große und akute Gefahr für die Demokratie darstellt. Um so mehr müssen wir die Größe der vollzogenen Umwälzung zu würdigen verstehen. Die kapitalistische Ordnung bleibt immer noch bestehen, sie wird aber nicht nur von dem sozialistischen Proletariat verneint und bekämpft, sondern ist auch für die breiten nicht- oder halbprolctarischcn Schichten kein Heiligtum mehr. In dem Bewußtsein eines großen Teiles dieser„Mittelschichten" liegt schon die alle Welt mit ihren Göttern und Götzen in Trümmern. Diese Götzendämmerung ist zum Teil Ergebnis der lai»gwierigen Cntwick- lung, die jahrzehntelang vor sich ging: in ihrer gegenwärtigen Form und ihrem heutigen Ausmaß ist sie/ vor allem Folge der großen Re v o l u t i o n, als welche uns jetzt der Krieg, der Zu- lammenheruch und der Uebergang Deutschlands zur Demokratie in ihrer Gesamtwirkung erscheinen müssen. Die immer fortschreitende Zuspitzung der Klassengegensätze im Laufe der kapitalistischen Ent- Wicklung und namentlich der Ausstieg der sozialistischen Arbeiter- bewegung haben eine weitgehende Auslockerung der überlieferten Bindungen bewirkt. Diesen Prozeß kann man am besten an der Abnahm« des kirchlichen Einflusses in der Politik verfolge». In der katholischen Kirche kommt die Macht der Autorität am stärksten zur Gellung, und die katholische Kirche bleibt bis jetzt eine große politische Macht. Und trotzdem... Die katholischen Parteien scheincn durch den„Bergrutsch" vom 14. September weniger getrosfen zu sein als die übrigen allen Parteien. Um so stärker tritt in Erscheinung ihre allgemeine, in ihrer Richtung völlig eindeutige Entwicklung, Die beiden Parteien, das Zentrum und die Bayerische Volkspartei, haben am 14. September zusammen 14,8 Proz. aller Stimmen erhallen. Nach der Volkszählung von 1923 gehören aber 32,6 Proz. der gesamten deutschen Bevölkerung zur katholischen Kirche. Möglich, daß der Anteil der Katholiken an der Gesamtzahl der Wahlbeteiligtcn etwa» geringer war. Demgegenüber muß man aber auch berücksichtigen, daß für die katholischen Parteien auch eine Anzahl von Nichtkatholiken stimmt. Un>d diesmal geschah das in größerem Maß als je früher. Es steht auf jeden Fall fest, daß höchstens die Hälfte der Katholiken, wahrscheinlich aber noch weniger, den katholischen Parteien treu bleibt, und daß die groß« Mehrheit dieser Wählerschaft aus Frauen besteht. Wenn wir nun noch einmal zu der Verschiebung zurückkehren, welche die Krisenwahlen vom 14. September im Vergleich mit den Maiwahlen von 1924 auszeichnet, so sehen wir darin den unmittelbaren Ausdruck der Umwälzung, die sich seit dem Kriege vollzogen hat. Man hat vor den Wahlen so viel von der sungen Generation gesprochen, sp viele Hoisnungen wurden auf die Jungwähler gesetzt. Es waren aber die Nationalsozialisten allein, deren Hofsmmgcn sich erfüllt haben. Am stärksten hat die Hoffnung auf eine jung« konservative Generation getäuscht, auf der insbesondere Herr Brüning seine Politik ausgebaut hat. Die Wahlen haben gezeigt, daß eine solche junge Generation gar nicht vor- Hunden ist. Es war eine Illusion, eichge nelle und gutgebildete junge' Leute aus besseren Familien, die in Träumen von der fest- gefügten Ordnung und der Wiederbelebung des allen adligen Aührerideals die Rellung aus ihrer seelischen Verlassenheit suchten. als die Vertreter der ireuen Generation anzusehen. Dies« jungen Leute, für die übrigens Herr Treoiranus schon nicht vornehm genug war und die lieher einen Grafen Westarp oder einen Keudell an der Spitze der konservativen Erneuerung sehen mochten, haben eine größere Rolle nur in manchen iirtellekt'uellcn Kreisen gespielt, in welchen die Vertreter verschiedener Richtungen zusammenkamen, denen allen ihre Lebensfremdheit gemeinsam war. Die neue Generation, die in Masse» vorhanden ist, dachte nicht daran, sich wieder ihre Führer aus den konservativen Kreisen zu holen, sie hat vielmehr den Bruch mit den alten Autoritäten vollzogen. Erst jetzt stellt sich mit aller Deutlichkeit heraus, in welchem Maße die kontinuiläl der Entwicklung von Generation zu Generalion durch Krieg und Revolution unterbrochen, ja zerrissen wurde. Nicht«imnal der geradezu sprichwörtlich gewordene Ko»« seroatieinus der Bauern vermochte diesen Sturz der allen Auto- ritäten und des alten Auioritätsprinzips selbst zu überstehen. Gewiß liegt die politische Zukunft der jungen Vauenrschaft, die jetzt in Massen den Nazis folgt, noch im Dunklen. Eins steht aber nach der Niederlage der Deutschnationalen und des Landoolks auf dem Lande fest: Alle diese Reichslandbündler, die adligen Großagrarier und mit ihnen' verbündeten„Großbauern" sind für die neue Bauerngeneration keine„natürlichen" Führer mehr. Bezeich- »end ist auch das Schicksal eines Versuches, den Wahlausgang durch den monumentalen Druck der hohen Autorität zu beeinslusien. Die Parteien der Regierung Brüning wollten als ein Hindenburg- Block erscheine». Und Herr Brüning selbst hegte die Illusion, daß er sich und seiner Regierung ein« stark« Autorität verschasft, indem er betonte, daß hinter ihm Hindenburg steht. Mag die persönliche Hochachtung des Reichspräsidenten bei vielen Wählern so stark ge- wesen sein, es stellte sich trotzdem am 14. September heraus, daß die persönliche Autorität von Hindenburg gar keine politische Kraft ist. Seine Schützlinge, Treoiranus und Schiele, waren diejenigen, die am stärksten geschlagen wurden. „Es rettet uns kein höheres Wesen"—. diese Stimmung hat in hohem Maße den Wahlen voin 14. September ihr Gepräge gegeben. In diesem Sturz der allen Autoritäten, in diesem, gewiß in wilder Form zum Ausdruck gekommenen, Willen der breiten Schichten, aus eigener Kraft dos Leben zu gestalten, liegt eine Hoffnung auf die Entwick.lung des demo- kratischen Bewußtseins in breiten nuhtproletarifcheu, namentlich bäuerlichen Schichten. Freilich uirter der Voraussetzung, daß die Dcnwgogie der Nationalsozialisten zu überwinden es unserer demokratisch-sozialistischen Kritik gelingt.<3. veeker. Körperkultur und Maschinenzeitalter. Unser Maschinenzeitaller ist ein neuer Abschnitt der Welt- geschichte, betonte Professor Fritz G i e s e in einem Vortrag, den er in der Iutta-Klamt-Schule über„Körperkultur und Maschinen- Zeitalters" hielt. Der Mensch steht in einer maschinisierten Umwelt. der sich feine Arbeitsleistungen anpassen müssen. Arbeitsintensität ist wichtigst« Forderung. Statt des universalen Menschen wird der Spezialist gezüchtet. Für diese Entwicklung— der Vortragende ließ die Frage osien, ob er persönlich sie als Fortschritt oder als De- formotion ansieht— ist Körperkultur durch den Tanz notwendig: zur Körper- und Geistesschuiung wie als Körper- und Geistes- ausglcich. Nicht der geniale Tänzer, nicht der nach Persönlichkeits- ausdruck strebende Jugendliche in der Pubertätszeit sind für die Ve- deutung und Entwicklung dieser tänzerischen Körperkultur ausschlaggebend, sondern die Masse. Bei der Eröffnung dieses Abends hat.« Ivo Vifcher-Klamt betont, daß diese Vortragskurso das Verständnis für die Notwendigkeit tänzerischer Körperbildung in die Allgemein- heit tragen sollten. Professor Giescs fachliche Darlegungen, die sich bewußt von jeder ästhetisierenen Betrachtung fern hielten, waren ein— hoffentlich sehr erfolgreicher— Vorstoß in diesem Sinn. S z. Wellcr für Berlin. Etwas milder bei langsamer Erwörmunqz- zunähme mit leichten Winden aus östlicher Richtung.— Jüc Deutschland. Im Osten Fortdauer des beständigen Weckers. In Mittel- dcutschland Bewölkungszunahme, im Westen vielfach etwas Regen und milder. Bcrantivortl tllr dir Rktaktum: Wolsgxag Schwar». Berlin: Anzeigen: Ib.»locke, Berlin. Verlag: Vorniärts Verlag(5. tn. b. s.. Berlin. 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Das Geschäft war längst geschlossen, aber die Geschäftsräume atmeten nur um so intensiver die Atmosphäre der kleinen Geschehnisse aus, wie sse sich Tag um Tag hier abspielen: und die sind in Wirk- lichkeit aar nicht so klein und bedeutungslos, sondern reichen tief hinab bis an die Wurzel der menschlichen Tragikomödie. Thea hatte mir einen Sessel freigemacht, an der Wand, welche eine Scheidewand zwischen zwei Räumen, nein zwei Welten ist— da saß ich nun, des Inhabers harrend und blickte abwechselnd im Kundensalon umher, in dem alles holder Schein ist, und, durch «inen offenen Türspalt, in den Arbeitsraum, in dem alles zweckmäßige Wirklichkeit ist. Niemond, außer dem Meister, wird wohl tagsüber diese Tür öffnen, so daß sie gar kaum miteinander Berührung kommen: die müßigen M o d e d a m e n, die die Kleider bestellen und die emsigen Arbeiterinnen, die sie anfertigen. Di« Arbeiterinnen kennen nicht die Personen, nur ihre Maße (dies Stück ist für eine kleine Dicke, jenes für eine groß« Hagere)... aber sie arbeiten mit Lieb« und Hingabe an einer fremden Eleganz, an der sie kaum Anteil haben, denn ich sah sie schon, Frauen und Mädchen aus dem Volk, in alten Jacken und irgendwelchen Röcken auf die Straße treten. Und die vornehmen Kundinnen interessiert alles eher als die Arbeit, die 1000 feinen Stiche der Nadelnäherinnen, die plastische Modellierungskunst der Plätteisentünstlerinnen, passen muß das Stück und vor allem wirken, und sie fragen sich oft nicht einmal, ob ihre Person darin wirkt und ob es passend für sie sei, es zu tragen! Was ist der Herbst? Sie glauben wohl eine- Jahreszeit, aber das ist ein großer Irrtum. Jedes Bild, jedes Kleidungsstück, sowie die vielen im Kundensalon ausgelegten Musterkollektionen gaben einen über- ivältigenden Beweis, daß der Herbst eine Mode ist:„Herbst 1030": Zu hochwichtigen Modeinnovationen:„Kreationen" gibt die Jahres- zeit nur den unbedeutenden äußeren Anlaß. Daß die Blätter fallen, ist eine von wenigen übriggebliebenen Poeten besungene Neben- rrscheinung, aber daß jetzt Tweed modern ist, weiß jedes Kind — am Kurfürstendamm wenigstens. Tweed und Tweed: bunt, weißgesprenkelt, porös, aus England stammend(gemütsrohe Menschen behaupten, daß Tweed auch in Kollbus fabriziert wird, was einer Modedame die Freude am Tweed nimmt)... und Pariser S ch w a r z mit schönklingcnden Namen und ebenfalls unsicherer H/r- kunft: die reichen Herren mögen Sorge tragen, daß die Kleinig- leiten für ihre Damen beschaffbar sind(ach was, Wirtfchaflstrife!), nebst der Hauptsache, an die man schon jetzt denkt(Donnerwetter!) den P e l z! Der Schrei der Pelztiere! Mir war, als hörte ich ihn. Ich trat in den Arbeitsraum, wo auf einem riesenhaften Seziertisch das mitten entzwei geschnittene schwarzglänzende Fell eines armen Tieres lag. Eines? Welcher Irrtum, das bemerkte ich beim Umwenden an den Lcdernähten! Zwei, drei Dutzend— 36 persische M u t t e r s ch ä f e waren abgeschlachtet worden, damit eine Mcnschenmutter sich aus dem Fell der 36 Embryos einen besonders schön schillernden und eingekrausten Breitfchwanz-Pelz anfertigen lassen konnte, der wohl an die 10 000 Mark kostet und Gegenstand des Neides vieler weniger„glücklichen" Menschenmütter sein wird, die mit einem gewöhnlichen 2000 Mark Persianer herumlaufen müssen oder gar mit einem Sealskin, dem man es nicht ansehen kann, ob er ein„clectic seal" ist, von elektrisch geschorenen belgischen Kaninchensellen oder echt, und an dem eine Modedame also auch keine rechte Freude hat. Nerz-Nutrian— Fee— Bisani— Chinchulla: zittert ihr Tiere kalter Wälder und hoher Steinselder und Sümpf«— von Sibirien bis Bolivien stellt man euch nach und zieht euch die Haut ab, um aus eurer natürlichen Hülle die unnatürliche Umhüllung von„mon- dänen" Damen zu fertigen, der ihr geopfert werdet und die nicht selten ihren Anstand und ihre Ehre dafür preisgeben. Wodurch läßt sich dieses Morden von zumeist edlen, in einsamer Wildnis lebenden Tieren rechtfertigen— notwendiger Kältejchutz? Sind nicht sommerlich« Pelzverbrämimgen jetzt die große Mode, eben weil sie paradox sind, vernunftwidrig, und trögt mon nicht hoch oben im weißen Sil s-Marin und St. Moritz tags- über wollene W i n t e r s p o r t k o ft ü m c statt Pelz, weil es dit Mode da einmal verlangt, vernünftig zu stin? Warum ist Wolle in der Stadt unmodern? Rur weil sie zu„geinein" billig ist?! Ein Ch.inchilla-Pelz kostet 180 000 Mark. Daher ist es das Feinste vom Feinsten, dieses graumelierte, daunenmeich-warme Fell zu tragen. Eine Kundin(erzählte mir einmal der Meister) wollte unbedingt einen Chinchilla-Pelz haben, obwohl kein Stückchen Fell in ganz Deutschland aufzutreiben war— als sich aber nur das(falsche) Gerücht verbreitete, Bolivien gäbe die Chimhillojagd wieder frei, verzichtete sie sofort. Die Schäden der Wtodelnduatrie Wie kann man gegeze das größte unrationelle' Element» im Volksleben, genannt Mode, wirkungsvoll ankämpfen? Viele der edelsten Vogelgattungen Hat man nahezu ausgerottet und unzählige M-nschen haben aus Tropenjagden den.Tod gefunden— dann wurden plötzlich Federhüte als unmodern erklärt. Statt Pelz- oder Federschopf genügt heute ein(schiefgesetztes) kleines Haar- filzhütchen, so daß ein kleines eigenwilliges Köpfchen über einer Stadtmauer von Pelzkragen gerade noch knapp hervorragt. Wozu dann noch dieser Kragen und die teddybärartige Umhüllung (von der man oft nicht weiß, umschließt sie Großmutter, Mutter oder Kind)...? Well sie werwoll ist(das Wertvollste oft an «iner gemüt- und geistlosen Person)? Oder das einzige, was un- bedingt au» dem Konturs des Mannes zu retten ist: der Pelz der Frau?'» Man muß nicht so sehr gegen die Mode als gegen das kopita» ljstische Element in der Mode, die M o d e i n d u st r i e ankämpfen. Sie propagiert die Irrationale, da» Unvernünftige, was für sie rational, d. h. gewinnbringend ist. Trage das Teuerste(für die Madeinduftrie profitabelste) und du bist modern. Nein!!! Es muß heißen: trage das Z w e ck m ä h i g st e und du bist gut gekleidet. Eine frische Leinenbluse wirkt schöner in der prallen Sommersonne als die teuerste Seide. Da» Pelztragen ist ein Ueberreft von Barbarei. Ueber dem«ine Atmosphäre von protzenhaftem Kokettentum schwebt. Wir verfallen wieder in rückständige Modetorheiten aller Art, nachdem die Emanzipation der Frau schon ihr äußeres Gepräge gefunden hatte. Eine ungeheure Welle sinnbetörsnden Luxus- bedürfniffes schlägt über der Frauenwelt vom Norden her bis nach Jnnerafrika, bis nach Hinteraustralien zusammen. Weil m a n' s nicht hat(weil die Wirtschaftskrise universell ist) will man justa- ment gerade zeigen(in gewissen Kreisen), daß man es d e n n o ch h a t. Die Frau kleidet sich nicht mehr: sie wird gekleidet. Sie tut, rvas immer dekretiert, kreiert wird. Weder fromme Predigten noch Streitschriften können gegen die Modediktatur etwas ausrichten— die einzige Waffe, der sie weicht, ist die Lächerlichkeit, mit der man solche Auswüchse überhäufen müßte. Wenn wir zu lachen anfingen, würden dies« Mode- exzesse bald verschwinden. Aber gerade wjr Deutsche stehen und gaffen bewundernd. vor grelle und der hleine Mann Frisch und einfach gekleidet, frisch von Thüringen gekommen und erfrischend auf die Modepuppen wirkend,— tritt die Stütze Thea ein, ein Teebrett in der Hand, und hinter ihr steht, o Himmel, der Herr-des Hauses: Klein-Poiret. Er hotte sich noch zu später Stunde Geld besorgen müssen, denn sie zahlen nicht, gerode die onspruchvollsten von diesen Modedamen. Das letzte, womit sie sich befassen, ist der Preis und das allerletzte die Begleichung der Rechnung. Es ist eine Wonne, in einem Arbeitsraum einen Imbiß zu nehmen, wo alles Zweck ist, wo wie in einem anderen Märchen alle Gegenstände reden und die interessantesten Geschichten erzählen, die verstreuten Nadeln und Schnipseln, die Spulenschachteln und Papier- schnitte an der kahlen Wand, die Kleiderstühlchen und Kleiderstückchen. Aber der Meister findet keine Ruhe. Er wirft einen erst gestern telegraphisch bestellten, soeben per Luftpost eingetroffenen englischen Stoff, den ich mich kaum zu berühren getraue, mit Wucht auf den Tisch und schneidet mit der großen Schere— ritsch ratsch— den Rücken einer hochwohlgeborenen Gnädigen heraus. Ich sehe ihn an, den kleinen, eleganten Herrn vom Stammtisch, jetzt wächst er vor meinen Augen, er streift den Herrn ab und wird Handwerker. Er streift den Handwerker ob und wird K ü n ft, l e r. Klein-Poiret wächst über mich hinauz, zur Decke, zum Himmel empor: kann ich ihn da eigentlich noch bitten, mein« stark ramponierte Hose mit einer neuen Bügelsalte zu versehen, was der ursprüngliche Zweck meines Besuches war? Unmöglich! Heinrich Hemmer. Buch Eine Berliner Entdeckungsreise Man kennt den Namen dieses Groß-Berliner Vororts von de» Vcrsorgungsmfftalten her, die der Stadtbaurat Hoffmann dort errichtet hat, und von einem Irrenhaus. Orte, die eine Irrenanstalt beherbergen, haben immer einen unangenehmen Beigeschmack: ivenn man erzählt, man wolle einen Ausflug nach Buch machen, wird nian in den meisten Fällen ausgelacht.„Wenn sie dich nur nicht dort behalten", bekommt man zu hören, oder:„Na, da paßt du ja hin." Aber der Fall ist gar nicht lächerlich. Wie so manches ehe- malige Dorf an der Peripherie der preußischen Hauptstadt— wie etwa Tegel oder Friedrichsfelde oder Köpenick—, hat Buch seine eigene interessante Geschichte und als deren lebendige Ueberbleibfel Schloß und Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Die Anlage des Dorfes-selbst, mit einstöckigen Häusern und Scheunen, die aus Fachwerk bestehen und mit Stroh gedeckt sind, gruppiert um eine einzige Gasse, die sich in der Mitte zu dem mit Linden bestandenen Dorfanger erweitert, einem Mittelding zwischen Straße und Platz, bat vsich samt dem ebenfalls einstöckigen, im Empirestil gehaltenen Dorfkrug oder„Schloßkrug" leidlich erhalten. Die K a r o w e r Chaussee, die vom nördlichen Berlin herkommt und ebenfalls mit schönen alten Bäumen bepflanzt ist, mündet auf das einfache, aber hübsch geschweifte Portal zum Schloßgarten. Dahinter lugt aus Bäumen hervor das Herrenhaus, daneben steht, durch einen schmalen Friedhof von der Straße getrennt und etwas crhölst, die Kirche. Das Schloß selbst bietet wenig Bemerkenswertes. Es muß durch Umbau im 10. Jahrhundert, der das gemütliche Mansardendach und die vorspringenden Flügel entfernt Hot, ge- litten Haben. Es sieht niätz mehr schlicht aus, wie die nteisten märkischen Güter, sondern kahl und nüchtern. Die Stadt Berlin, die es dein früheren Besitzer von V o h abgekauft hat, gibt jedermann den Eintritt in den Park frei. Dieser Park aber ist im Gegensatz zum Schloß ausgezeichnet erhalten. Es stehen wahre Prachtexemplare von alten Eichen, Linden und Buchen darin, und ein stiller Weiher mit Schwänen belebt ihn. Das ist der eng- l i f ch e Teil des Gartens, dem eine Art Wafferschlößchen, eine spielerische Ritterburg aus rotem Backstein, die roniaMische Note gibt. Dieses pseudogotische schlößchen indessen ist nur ein, freilich recht unorganisches Anhängsel an den Barockbau einer bescheidenen Orangerie am Rande eines mit kugelförmig beschnittenen Bäilmchcn und gestutzten Hecken streng architektonisch geformten viereckigen Vorplätzchcns. Mit ihm betreten wir den inneren Bezirk, der, in näherer Umgebung des Herrenhauses, französisch stili- siert ist. Hier gibt es noch gerade Alleen und genau abgezirkelte Plätze mit Sandsleingöttern am Rande. Die schönste von diesen Alleen, so dicht bewachsen, daß kaum ein Sonnenstrahl Hindurch- dringt, sührt unmittelbar vor dem Schloß auf die Kirche zu: das Barockrezept der streng betonten Achse, der Symmetrie auch in der scheinbar wilinvachsenden Natur. Diese Kirche aber ist ein höchst merkwürdiges, ein fast llber- barockes Bauwerk. An ihr ist das Streben nach Symmetrie aus die Spitze getrieben. Die Ansicht von der Parkseite entspricht genau der von der Straße. Vergeblich sucht man das Langhaus, das man stets auf der anderen Seite vermutet. Dieses Langhaus gibt es nicht: die Kirche besteht eigentlich nur aus einem Turm. Ein achteckige» Kuppelraum mit dem griechischen, d. h. gleichschenk- ligen Kreuz als Grundriß wird von einer Pyramide bekrönt. Mon ist überrascht, in einem so bescheidenen Dörfchen eine reiche, soft! theatralische Architektur zu sinden. Reich geschmückle Säulen und Pilaster dienen als Träger, auf dem linterbau stehen als Be° krönung die wildgeschwungenen Statuen der vier Evangelisten, auf, jeder Seite zwei, zwischen Urnen. Die architektonische Wirkung\ wird gehoben durch d.en kräftig roten Farbentoi». Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man den frommen Schwindel: unter der toten Tünche steckt gewöhnlicher Bäck st ein, und die Turmpyramide, die an den schönsten Kirchturm Berlins, den der Parochialkirche in der Klosterstroß«, erinnert, ist gar nur aus Holz.» Für den Mangel an Materialechtheit entschädigt die Innen- o u s st a t t u n g. Gerade hier ist die Materialbchandlung Muster- gültig. An den Wänden ziehen sich Stuckaturen hinauf von der etwas schmersölligsn Formensprach« des älteren Barockstils; die Kuppel selber setzt sich von dem quadratischen Raum mit den ab- gerundeten Ecken deutlich ab durch ein stark vorspringendes Gesims— ein beliebtes Mittel, um die Höhenwirkung zu steigern. Aber das beste sind die � Holzschnitzereien an Kanzel, Altartisch, Herrschaftsloge und Orgelbrüstung. Es dürften zwei verschiedene Hände daran gearbeitet haben: die kühn, fast wild ausladenden Profil« der Kanzel und des Altars heben sich deullich ab von den zarten Reliefs der Füllungen unterhalb der schmucken alten Orgel und an jener mit Glas verkleideten Empore, die sich wie eine Theaterloge vorwölbt. Diese Eichcnholzschmtzcreicn haben etwas von der Grazie der vertäfelten Zimmer, die man in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der„Rcgence"-Zcit für die Pariser Adelspaläste anfertigte. Neben dem Altar und der Kanzel darüber führen Stufen zu einem erhöhten Raum, in dessen Hintergrund ein überaus prunk- volles und doch zierliches Grabmal an die Wand gelehnt ist. Man hat es sich etwas kosten lassen: die Jnschristtafel mit der lateinischen Grabschrift besteht ans schwarzein und weißem Marmor. Reicher figürlicher Schmuck umgibt diese Tafel, die das Brustbild des Verewigten, eines Freiherrn von Viereck, eines Staats- Ministers unter Friedrich Wilhelm I., krönt. Da find zwei Putten, «ine weinende und eine, die mit einem Palmwedel herangeflogen kommt und mit diesem Sinnbild des Ruhms den mühjain herauf- kletternden Sensenmann, Vater Chronos, wcgscheucht. Auf der anderen Seite steht, schon mit einem Anflug klassizistischer Strenge. eine weiblich« Gestalt: die Wahrheit, die mit einer Laterne in dos Dunkel leuchtet und die abgerissene Maske in der Hand hält, das Symbol der Verstellung. Der beste Berliner Bildhauer jener Zeit, der sich an Knobelsdorffs Marstall in Potsdam verewigt hat, Glum«, ist der Schöpfer dieses Denkmals gewesen. Die Kirche selbst hat Adam von Viereck in den Jahren 1731 bis 1736 durch Friedrich Wilhelm Dietrich erbauen lassen, Bauinfpektor der Kurmark, der die Böhnnsche Kirche in der Maucrstraße und das Ephraimfche Palais ain Molkemnarkt errichtet hat. Dietrichs, ein geborener Hannoveraner, hat auch in Sanssouci unter Knobele- dorff gearbeitet. Die Gruft, die unter der Erhöhung des Fußbodens liegt, ist älter als diese Kirche. Fan tone hat sie besucht und die Mumien darin„weiß, wenig eingedörrl" und von einer„gewissen Elasti- zttät von.Haut und Fleisch" gefunden. In einer Kanuner ruhen 14 Angehörige der Familie Viereck. 7 der von Boß, als letzter der reaktionäre Ministerpräsident Karl Friedrich von Boß, der 1823 gestorben ist, und in der zweiten Kammer für sich der Geheime Kriegsrat, Generalwachtnieister und Oberstallmeister von Poll- Nitz, der Großvater jenes berüchtigten Abenteurers, der am Hase Friedrichs des Großen Zeremonienmeistcr gewesen ist:„ein infamer Kerl, dem man' nicht trauen muß; divertissant beim Essen— hernach einsperren!". Diesen alten Pöllnitz rissen die Franzosen im Jahre 1806, noch der Schlacht bei Jena, aus seinem Grab und stellten ihn in seinem mit Silberschuppen benähten Domino aufrecht an die Wand. Er siel um und brach im Tode noch das Nasenbein. In der Nachbar- schast. in Campehl, soll ihnen dieser kriegerische Scherz schlecht bekommen sein. Der Freiherr von Kalbutz. den sie aus der Gruft zerrten, versetzte, weil sein Arm in Schwingung geriet, einem der scherzhaft aufgelegten Herren eine gewaltige Ohrfeige, an der dieser vor Schreck gestorben sein soll. Abseits von ihren Familienangehörigen, unter der Kuppel der Kirche, hat man Julie von Boß beigesetzt, die als„Gräfin Jngenherm" im Jahre 1787 dem dicken und ewig liebebedürfttgen Friedrich Wilhelm 11. durch Johann Friedrich Zöllner, Diakonus von St. Morien,.zur linken Hand" angetraut worden war— ein pikanter Fall von kirchlich gesegneter Bigamie!— und zwei Jahre später, erst dreiundzwanzigjährig, an der Geburt eines Sohnes gestorben ist. Julie von Voß hat an einer schönen Stelle im Schloßpark«in ergreifendes Denkmal bekommen,' das sie in lateinischer Sprache„die beste Schwester" und.chie Freundin des Vaterlandes" nennt, ohne ihren Namen zu verraten. Der Dienst, den sie dem„Vaterland«" erwies, bestand darin, daß sie die berüch- tigte Rietz, Gräfin Lichtenau, verdrängen sollte und zu triesem Zweck von ihrem eigenen Bruder an den König verkuppelt wurde. So gibt selbst diese» kleine, wenig beachtete Luch wertvolle historische Aufschlüsse... Hermann Ilieber. VO WUMOOLF Copyright 1930 by„Der BSAerktei« G. m. b. H.", Berlin SW 61. (5. Fortsetzung.) z. Kapitel. Silindu ging nach Kamburupitiya uni» kam mit dem Waffen- Ichein und etwas Korn zurück. Deimoch wurde fein Leben immer fchwerer. Unmerklich und in tausend Kleinigkeiten arbeitete die Feindschaft des Dorfältesten gegen ihn. Silindu suchte niemals bei seiner Umgebung nach Motiven und Absichten, und Babehami hatte immer eine Ausrede bei der Hand, wenn er ein Darlehen verweigern oder auf einer Zahlung bestehen wollte. Er merkte gar nicht, datz Babehami ihn nicht leiden tonnte und datz darauf viele Schwierig- testen in seinem Leben zurückzuführen waren. Ein gutes Beispiel dafür, wie der Dorfälteste gegen ihn vor- ging, bot die Einziehung der Kopfsteuer. Jeder Dörfler mußte«ine Kopfsteuer von drei Schilling bezahlen oder Dienste beim Wegebau leisten, eine Arbeit, die für ihn als die größte aller Plagen galt. Es war immer üblich gewesen, daß Babehami die Kopfsteuer für das ganze Dorf bezahlte und sich dann zur Ernte die Auslagen, natürlich mit schweren Zinsen, zurückerstatten ließ. Nach Dingihamis Tode fand Silindu aber jedesmal, wenn die Zeit, die Kopfsteuer zu bezahlen, herankam, daß Babehami? Kasse leer war, und da er selbst nie Geld hatte, mußte er auf der Landstraße arbeiten. Mit den Jahren wurde er immer verdrosiener, schweigsamer und träger. Er fühlte, daß eine unsichtbare, rätselhafte Macht ihm dauernd im Wege war. Um ihr auszuweichen oder um sie wenigstens zu vergessen, lief er davon. Für viel« Tage verschwand er dann im Djungel, wo er von wilden Früchten, Wurzeln und der Zufalls- beute lebte, die vor seiner Flinte fiel. Er sprach nur noch mit Punchi Menika und Hinnihami. Für sie hatte er nie ein hartes Wort, und er kehrte selten in die Hütte zurück, ohne ihnen eine Djungelfrucht oder eine Wabe wilden Honigs mitzubringen. Mit der Zeit schien es den Dörflern, als lagere ein Schatten über der Hütte der„Veddahs", wie sie im Scherze genannt wurden. Silindus Eigenheiten und die Feindschaft des Dorfältesten er- schwerten den Umgang mst ihm, und so wuchsen Hinnihami und Punchi Menika ganz abseits vom täglichen Leben des Dorfes auf. Die Seltsamkest und Wildheit des Vaters hing auch ihnen an; sie wurden, wie die anderen Frauen sagten, im Djungel und nicht im Dorfe groß. Aber zu diesen Zügen gesellte sich ein« Geradhest der Gesinnung und der Sprache, die auf mancherlei Weis«, am stärksten in ihrer Lieb« zu Silindu und zueinander zum Ausdruck kam. Ihr Leben war noch härter als das der anderen.Frauen im Dorf. Mit den Jahren wurden sie immer häufiger von der Furcht vor dem Hunger heimgesucht. Wenn Silindu unterwegs war, mußten sie oft von Früchten, Wurzeln und Kräutern leben, die sie sich im Djungel suchten. Während der Chenazeit arbeiteten sie wie die Männer und Burschen in den Feldern. Sie schlugen dos Gestrüpp nieder und oerbrannten es; sie reinigten den Boden und streuten die Saat aus: sie lagen die Nächte hindurch in den einsamen Wach- Hütten, um die Hirsche und Wildschweine zu verjagen, die in die Felder einbrachen. Als sie fünfzehn Jahre alt waren, zog Babun Appu, der Bruder Nanchohamis, in das Haus seines Schwagers, des Dorfästesten. Er hatte vorher mit seinem Vater, einem zahn- und hirnlosen Greis«, zusammen gewohnt. Als der alte Mann starb, gab er die Hülle auf, und damit fiel die Zahl der Feuerstellen im Dorfe auf acht. Babün war damals einundzwanzig Jahre all. Für einen Singalesen war er groß, brestschultrig und derbknochig. Sein« Haut- färb« war tiefbraun, sein Gesicht oval mit zierlicher Nase und vollen sinnlichen Lippen. Cr hellte ausnehmend männlich« und offene Züge, denen aber doch gelegentlich die braunen, mandel- förmigen Augen etwas Träumerisches und Weibliches gaben. Die Mischung von Männlichem und Weiblichem wurde noch durch das lange Haar betont, das er, wie die anderen Dörfler, im Nacken zu einem Knoten geschlungen trug. Er war bekannt für seine Stärke, seine Energie und seine Gutmütigkeit. Die Denkweise der meisten Dörfler ist gewunden und mißtrauisch, Babun aber war für seine Geradheit bekannt. Man sagt« im Dorfe von ihm.„Babun könnt« kein Kind betrügen, aber ein unmündiges Kind könnte Babuü hinters Licht führend Zwei Jahre hatte Babun als Silindus Stachbar gelebt, ohne mehr als hier und da ein paar Worte mit Punchi Menika zu wechseln. Allmählich begann aber ihre Gegenwart ihn seltsam zu bewegen. Seine Lippen öffneten sich, und er atmete tiefer und schneller, wenn er sie im Hof« beobachtete. Seine Augen hingen an den schwellenden Brüsten und an der goldbraunen Haut, die sich an den Hüften in sanfte Falten legte, wenn sie sich bückte, um etwas aufzuheben. Eines Nachts hatte Punchi Menika auf der Cheno ihres Vaters gewacht, die einsam drei Meilen vom Dorf im Djungel lag. Als es hell wurde, machte sie sich auf den Heimweg. Es hotte in der Nacht geregnet, und im Djungel war es kühl und grün: auf allein lag die Frische, welche die Regen für eine, ach, so kurze Zeit bringen. Der Djungel stand golden im Schmuck der großen Blütenirauben der Kassia, an vielen Sträuchern prangten die weißen Sterne der Karambublllte, und überall lagen große Färb- fiecke von wechem und lila Kettan. Kreischend schwangen sich graue Affen von Ast zu Ast: der Djungel war erfüllt von dem Krähen der wilden Hähne und dem Geschrei der Pfauen. 2lus der Ferne kam das Trompeten einer Elefantcnherde. Als Punchi Menika an einem Gebüsch vorbeikam, hörte sie, wie Geweibe laut aufeinanderprallten. Sie späht« vorstchtig durch die Zweige Do standen zwei Hirsch«, die Stange»/ geoene'nander ge- stemmt und aus und nieder, vorwärts und rückwärts, schnaubend, 'euckcnd kämpften sie um dos Schmalticr. das ruhig äsend m der iiäde stand Punchi Menika schlich vorsichtig näher, bis das Schmal- 'ter unnibig wurde und scharf nach dem Strauche äugte, hinter � dem da? Mädchen kauert« Es näherte sich langsam dem Gebüsch: •�on Zell zu Zeit siompste es ärgerlich auf und stieß einen Warnungsruf aus. Aber die Hirsche hörten nichts: kreuz und quer ging der Kamps über die Lichtung. Punchi Menika lachte, als sie sich zum Gehen wandte.„Fürchte dich nicht. Schwester," sagte sie, „es ist kein Leopard, der auf dich lauert. Kämpft weiter, Brüder, der Preis ist lockend genug." Punchi Menika ging langsam den Pfad hinab. Geweckt durch das brausende Leben um sie her, kreiste das Blut schneller in ihren Adern. Durch den Djungel dröhnte das Mren eines Samburhirsches, «in furchtbarer Schrei der Begierde. Das Mädchen, das ihn schon Hunderte von Malen gehört hatte, ohne je etwas dabei zu emp- finden, fuhr zusammen. Ein Gefühl der Unsicherheit beschlich sie. Plötzlich blieb sie stehen: dreißig Schritte vor ihr bewegte sich etwas neben dem Pfade im Gebüsch. Sie züterte, als Babun aus dem Djungel trat und auf sie zu- ging. Er hatte sehr blanke Augen, die Zähne leuchteten weiß zwischen den geöffneten Lippen: die langen schwarzen Haare auf seiner Brust glitzerten von Schweiß. Cr blieb vor ihr stehen. „Punchi Menika," sagte er,„ich wollte zu dir." „Aiyoh," antwortete sie,„wie du mich erschreckt hast. Ich hiest dich für«inen Teufel, der hinter dem Strauche auf mich lauerte. Als wir noch ganz kleiniwaren, warnte mein Vater uns schon vor den Teufeln, die aus dem Gebüsch über uns herfallen könnten." „Ich wollte zu dir. Komm von dem Pfade fort in dos Dickicht. Ich konnte die Nacht nicht schlafen, weil ich immer an dich denken mußte. Deshalb bin ich ganz früh herausgekommen, um dich auf dem Heimwege zu treffen. Ich schlafe nicht mehr, Punchi Menika, weil ich an dich denken muß. Ich sehe dich ja immer im Hofe und am Teiche,— deine schöne Haut und deine kleinen Brüste. Fürchte dich nicht, ich tue dir nichts, Punchi Menika: aber komm, komm schnell aus dem Pfad.'' Freude und Angst, ein neues Gefühl der Erregung erfaßten das Mädchen, als Babun sich vorwärtsbeugt«, um ihre Hand zu fassen. Sie hatte ein großes Verlangen, vor ihm zu fliehen, und zu gleicher Zell, von ihm gefangen zu werden. Sie stand mll nieder- geschlagenen Augen da, bis feine Finger ihre Haut berührten, dann wandte sie sich mit einem leisen Schrei um und rannte den Pfad hinab. Im Laufe hörte sie ihn ganz dicht hinter sich keuchen, und als sie einmal einen Blick über die Schulter warf, fühlte sie seinen Atem auf ihrem Gesicht, sah sie die glänzenden Augen und die weißen Zähne zwischen den vollen Lippen. Noch ein Augenblick, und sie fühlte, wie seine starken Arme sie umschlossen. Er hiest beide Handgelenke umspannt und preßte sie an sich. „Warum läufst du fort, warum hast du Angst, Punchi Menika? Ich tue dir nichts." Sie ließ sich von ihm in das Dickicht ziehen, aber sie kämpfte und zitterte vor Angst und Lust, als sie seine Hände auf ihrer Brust fühlte. Dann schlug Glück und Verlangen, Abwehr und Schmerz über ihr zusammen. „Aiyoh! Aiyoh!" ch Ka p it« l. In den Städten und größeren Ortschaften werden bei Heiraten, besonders von den Familien der höheren Kosten, viele strenge Vorschriften und Gebräuche beobachtet. Es ist richtig, daß die Frauen nicht mehr in Abgeschlossenheit leben: die jungen Mädchen sollen jedoch, wenn sie erwacissen sind, im Hause gehalten werden und nur mit ihren nächsten männlichen Verwandten zusammen- kommen. Eine Heirat wird auf sehr förmliche Weise in die Wege � zÄefteift von den Eltern des Mannes wird eine feierliche Werfamg bei den Ellern des Mädchens vorgebracht. Meistens findet zwischen beiden Familie» ein langes Verhandeln und Schachern über die Mllgift statt. Wenn dann endlich diese Vorverträge geregell sind und der Tag der Hochzeit da ist, so ist das eine sehr feierliche und förmliche Begebenheit. Auf beiden Seiten werden alle Mitglieder der Familie eingeladen: der Bräutigam geht mit seinen Freunden und Verwandten zuin Hause der Braut und führt sie dann in scier- lichem Aufzuge, gefolgt von den Gästen, in sein eigenes Heim. Für Bewirtung, neue Kleider und Geschenke wird sehr viel Geld ausgegeben. In Dörfern wie Beddegama hingegen spielen diese Sitten und Förmlichkeiten meistens keine Rolle. Die jungen Mädchen bleiben nicht im Hause: sie müssen arbeiten. Die jungen Männer sind mit ihnen bekannt und treffen selbst ihre Wahl. Es gibt keine Ver- Handlungen zwischen den Familien und feierliche Heiratsanträge: die Dörfler sind zu arm, als daß eine Mitgift in Frage kommen könnte. Und doch unterscheidet der Dörfler scharf zwischen einer Ehe und dem, was er Konkubinat nennt. Im ersten Falle wird die Frau von seiner und von chrer Familie als Gattin anerkannt: fast immer findet eine seierliche Einholung und eine Bewirtung der Teilnehmer statt: im zweiten Falle wird die'Frau niemals öjfentlich anerkannt, und wenn auch im gewöhnlichen Dorfleben die nicht anerkannte Gattin ebenso häufig, wenn nicht häufiger als die anerkannte ist und von jedermann wie eine solch« behandell wird, besteht cm Unterschied und tritt bei feierlichen Gelegenheiten zutage. Eine Frau, die mll einem Manne in einer derartigen minderen Ehe lebt, darf z. B. nicht an der Hochzeit chrer Schwester teilnehmen. Immer ober sind der Mann und die Frau von derselben Kaste: die Ver- wandten wüpden einen sehr lebhaften Einspruch erheben, wenn der andere Teil von einer Familie käme, die ihnen nicht als respektabel gälle. (Fortsetzung solgl.) zBuck Die Familie gefährde?*) Dieses schmal« Heft ist als erste Forschungsarbeit aus der Sammelforschung über:„Bestand und Erschütterung der Familie in der Gegenwart", erschienen. Die positive Einstellung zur Bedeutung der Familie für das soziale Leben ist der innere Anlaß zur Gcsanllforschung. In der vorliegenden Schrift gill es. Material zu liefern für und gegen die Existenzfähigkell der Famllic. Sie will nur ein skizzenhaftes Bild von den Zuständen in den heutigen Famllien geben, und kann das auch nur auf Grund der vorausgegangenen Forschungsmechode: nämlich man hat versucht, durch Umfrag« bei verschiedenen Kripp->u. Kindergärten und Horten die häuslichen Verhältnisse der Kinder in den genannten Heimen auszudecken. Das gewonnen« Material(teils Produkt statistischer Arbeit) erhellt, wie genau man vorgegangen ist. Man hat möglichst ver- schiedenartige Berhällnisse vom geographischen(verschieden« Reichs- teile, Stadt und Land, andersartige Stadtteil«) und vom Wirtschaft- lichen Gesichtspunkt(Industriezentren und landwirtschasttiche Zentren) berücksichtigt, um so ein Urteil über die Familie in mannigfaltigen Milieus zu gewinnen. Innerhalb des Familienkreises beleuchtet man den Zusammenhang je nach sozialer Stellung und Persönlichkeit der Mutter und des Vaters. Besonders das Thema„Mutter" wird intensiv behandell aus dem berechtigten Grunde, weil von chrer- Persönlichkeit Sein oder Nichtsein der Familie abhängt. Das Ergebnis lautet dahin, daß der Familienzusammenhang sehr gelockert ist. Den Grund sucht man in der Arbellslosigkeit, Wohnungsnot und in der Berufstätigkeit der Frau. Jedoch glaubt die Verfasserin, daß auch heute noch die inneren Voraussetzungen für ihre Existenz- und Leistungsfähigkeit gegeben ssnd. Marxa Quadc. *) Die Familienverhältnisse von Kindern in Krippen. Kinder- gärten, horten. Bearbeuet von Dr. Erna Corte, herausgegeben von Alice Solomon. mimmimiunmimilliuillllimommlin»» Rätsel* Ecke des„Abend a= Gilben-Kreuzwortraisel Waagerecht: 3. Sozialist: 6. lyrisches Gedicht: 10. Glllcks- piel: 13. Inlett; 15. Salzwert: 19. Himmelskörper: 22. stamme: 24. empfindliche Pflanze: Himmelskörper: 22. germanisch« t-, 20. Körperteil: 28. jüdischer ldt in Westfalen: 32. Behälter; Frauenname: 29.» Münze; 31. Stadt 33. Elitetruppe.— S e n k l e cht: 1. Kartenwerk; 2. Wurm: 4. Düngemittel: 5. Ausdruck bei Pferderennen: 7. Meereseinschnltt: Ist. Mädchenname; 11. Stadt in Sachsen: 14. Staatsbeamter: 16. Insekt: 17. Himmelskörper; 18. Gewebe; 20. Land in Britisch- Indien; 21. Ort bei Rom; 22. norhijcher Gott; 23. Stadt in der Lombardei: 25 Zeiterscheinung: 27. Gattin Samsons; 28. fromme Erzählung: 29. Farbe; 30 Gespräch: 31. Frqu von Abraham. LlSA.-Rätsel Aus den Buchstabengruppen aadlninry— aahk4m oo— aabetnrs— eeeennsst— aoaablm— aadenv— a a a k n r s s sind die Namen von sieben amerika- nischen Bundesstaaten zu bilden. Die Anfangsbuchstaben der richtig gefundenen Wörter nennen einen weiteren nor'-nnr-seanischm Bundesstaat. b. Giibenffreichrätse! Aus nachstehmde» Worten ist je eine Silbe zu streichen Diese ergeben zusammen ein bekanntes Sprichwort.— Engel, Degen, Eilgut, Zlllar, Vorlesung. Gutschrift. Viererlei Bei Sturm bin ich dein Schutz und sich' Bor„reise", ,/ll". vor„cheu" und„weh". eür. (Auflösung der Räilei nächsten Mittwoch.) Auflösung der Räisel aus voriger Nummer Kreu-worträ'sel Waagerecht: 1. Barlaus: 5. Nicaragua: 8. Zeil: 9 Bem: 10. Nerz: 12. Eros; 14. Ufa- 16. Roon; 17 Ball; 18. Anam: 19 Clan: 20. Kur: 22. Tell: 23 Sieg: 25. Ala: 27. Len-N 28. Neusilber. 22. Zciland.— Senkrecht: 1 Beil: 2. Raab; 3. Adam: 4. Faun: n. Nikobaren; 6. Ress: 7 Aerometer; 8. Siemens; 11 Zanella: 13. Sa»: 14. Ulk; 13. Aar; 16. Rai: 21. Ulli: 24. Geiz; 25. AM: 26. Alba: 27 Leid Zahlenrätsel: Karlsruhe: Arras; Ruhr: Leer;.Suhl; Ruhla; Uslar: Halle: Chi« Kammrätsel: 1. Honnefs: 2. Reiher; 3. Mantua: 4. Neubau; 5. Sennes; 6, Dacapo; 7. Rettor: 8. Abhang; 9. Nomade.—. Hermann Sudermann.— Frau Sorge. Nr. 478 WM iBT'W H|«« SB Wm��L Sonnabend 47. Jahrgang GH aW mm H WM H Bf�Hk 11. Oktober 1930 war das Luitschin aneriastet?- versagte die Fflhrung? zur Katastroohe des..R 101 ü R 101, dessen trauriges Gnbe die ganze zivilisierte Welt er» fttjütterte, mar das neueste englische Luftschiss. ds war das größte der Welt mit rund 200 Meter Länge. Es war in Wirklichkeit ein unglückliches Produkt englischer Jngemeurkunst, wi« die ganze Gc» schichte des Luftschissbaues in England von Ansang an von mehr oder minder großen Fehlschlägen begleitet war. Von jenem„N u l I i Scfunöus-I" des Obersten Eody, des früheren Busfallo Bill. der einer der tatkräftigsten und fähigsten Pioniere der Luftfahrt war, bis zum„Nulli Sekundus des Jahres 1908 und weiter bis zum Weltkrieg haben die Engländer keine Erfolge im Bau von Luftschiffen erzielen können. Cr liegt ihnen nicht und man hat das wohl auch später selber eingesehen und hat sich mehr auf den Bau von Flugmotoren gelegt. Aus diesem Gebiet wurde Enz- land führend. Es baut ferner große Flugzeuge, von denen die neuesten Erzeugnisse 50 Personen außer der Betsaßung und mehr befördern können. Der einzige von uns uxuig beachtete Erfolg Englands im Luftschiffbau fällt in das Jahr 1919. als Major Scott mit einem bedeutend kleineren Starrluftschift als dem verunglückten zweimal den Atlantik nach Kanada überflog. Hierdurch und wohl durch die sensationellen Erfolge der Zeppelinschtfse haben sich die Engländer veranlaßt gesehen, den, Luftschiffbau wieder mehr Be- achtuug zu schenken und schritten zum Bau ihres Luftschiffes R 100, dem Borgänger von R 101. Trotzdem die öffentlich« Meinung sowie die offiziellen Körperschaften im Gegensatz zu Deutschland dein Lustschiff nicht günstig gegenüberstand, was irnm nach den Mißerfolgen der früheren Jahre verstehen kann. R 101, der verbesserte und vergrößerte R 100, war ein Starrluftschiff, das in vielem dem Typ des Zeppelin ähnelte, der ihm auch sicher in manchem als Borbild gedient hat. Das Luftschiff war mit den neuen Diesel- lustschiff motoren von je 630 PS ausgerüstet, die jeder 8 Zylinder in Reihen mit 210X303 Hub besitzen und zu ihrem Betrieb Schweröl benutzen. Die Motorenfabrik Beardmore. die die>ten Typ speziell im Auftrage der englischen Regierung seit etwa 10 Iahren entwickelt hat, ist eine altangesehene Motorenfabrik. Das Gewicht des verwendeten Motors, der eine verstellbare Me- tallschraube von fast 5 Meter Durchmesser antreibt, beträgt 1600 Kilo- gramm. Die Schwierigkeiten des Fabrikates lagen einesteils in der Neuartigkeit des beschrittenen Weges(schnelllaufender, starkmatariger Schwerölmotar leichten Gewichts) und m Siesonanzerscheinungen der Kurbelwelle bei kritischen Drehzahlen(930— 930 U/Min.). Häufiger Motorenaussall war daher nicht verwunderlich. Beim Darsliegen im diesjährigen englischen Luftmanöver z. B. vor der englischen Re- gierung usw. stand der vordere linke Motor während des ganzen Fluges außer Betrieb. Das hat jedoch, auch wenn sich Motoren- defekt bei dem letzten unglücklichen Flug von R 101 eingestellt haben sollte, was nicht anzunehmen ist, nicht viel zu sagen, da das Schiff seinen Flug mit den noch im Gang befindlichen Motoren fortsetzen kann. Selbst beim allerungünstigsten Fall, dem gleichzeitigen Ver- sagen.aller Motoren, ist das Luftschiff bei einigermaßen erträglichem Wetter nicht verloren, da es während des Treibens vorm Wind ver» suchen kann, die Motoren wieder in Gang zu bringen. Das Un- glück, das sich wie die stehengebliebenen Uhren beweisen, 2,38 Uhr nachts ereignet hat. muß demnach andere Ursachen gelabt haben. Es fällt dem objektiven Beobachter auf. daß R 101 zur Bewältigung der für Luftschiffe geringen Entfernung von 350 Kilometern über 7 Stunden gebraucht hat. Es hat sich also nur mit einer Stunden- geschwindigkeit von knapp 50 Kilometern vorwärts bewegt. Ver- gleicht man hiermit die Ziffern, die„Graf �Zeppelin" bei feiner Südamerikafahri erzielt hat. so gibt einem das zu denken. Das Zeppelinschiff hat auf diesem Flug 29 752 Kilometer zurückgelegt. Es hatte abwechselnd schönes und sehr schlechtes Wetter, sein« rein« Flugzeit betrug 298 Stunden 32 Minuten, fo daß sich also ein Stundendurchschnitt von 99 Kilometern ergibt, also fast doppelt soviel wie R 100. Das Luftschiff R 100 war also wahr- scheinlich überbelastet. Dies« U e b e r b el a st u n g war die eigentliche Ursache der späteren Kata- strophe. Wundern muh man sich, daß so erfahren« Luftschiffer wie Major Scott den furchtbaren Ernst der Lage nicht bei Zeiten erkannt haben. Der schwerfällige Flug, der nicht allein dem Gegen- wind zuzuschreiben ist, hätte doch zu denken geben müssen! Der niedergegangene und bis zuletzt fast niedergehende Regen hat das Schiff noch mehr belastet und In seiner Steigfähigkeit und Mo« növrierfähigteit noch weiter beeinträchtigt. Tin Schiff mit einer Stundengeschwindigkeit von 30 Kilometern ist sehr schwer manövrier- fähig, wenn es bis zum letzten Spantenniet belastet ist. Daß der A'ffprall auf dem Boden, der aus viel geringerer Höhe als 100 Meter erfolgt sein muh, katastrophale Folgen haben mußte. lag bei der Füllung des Luftschiffes mit Wasserstoff aus der Hand. Wasserstoff wurde 1766 vom Engländer Cavendish entdeckt. 1898 erzeugte De ward zum erstenmal flüssigen Wasserstoff. Es ist«in geruchloses Gas, dessen spe.z. Gewicht 0,069 beträgt und das unter hohem Druck bei sehr niedriger Temperatur(— 240 Grad) flüssig wird Seine Erplosionzsähigkeit mit Sauerstoff ist»nge- heuerlich, ebenso die überaus hohe Verbrennungstemperatur. Beim Aufprall des Luftschisfes auf den Boden sind die Ballonetts. die im Innern der Hülle lagern, durch die zerbrechenden Aluminiumtelle des Gerüstes zerrissen worden. Das hierdurch ausströmende Gas in Verbindung mit dem Sauerstoff entzündet« sich an den aller Wahrscheinlichkeit im Gang befindlichen A u s p u f f- F l a m m e n der Motoren und führte die endgültige Katastrophe herbei. Daß das Lustschiff nach dem Ausprall auf dem Boden, der mit ungeheurer Wucht erfolgt sein muß, nicht mehr steuerbar war. liegt auf der Hand: da diesem Aufprall die Steuerungsleitungen sicherlich sofort zum Opfer gefallen sind. Vom Aufprall bis zum Aufgehen in Flammen ist das Wert einer Sekunde. Wer wie ich gesehen hat, wie das Marineluftschiff L. Z. 18 am 18. Oktober 1913 mit 23 Mann Besatzung kurz nach Verlassen des Flugplatzes Berlin- Johannisthal einige hundert Meter van mir entfernt einer brennenden Riesenfackel gleich aus etwa 150 Meter Höhe zugrunde- ging, wird ermessen können, daß Rettungsarbeiten in solchen Fällen unmöglich sind. Das einzige Mittel, derartige Katastrophen zu verhindern, besteht dariir, statt des Wasserstoffes Helium zu ver- wenden. Helium ist ein sehr schwer kondensierbares Gas, das als Element in der Atnwfphäre, auf der Sonne, in Mineralwässern iowie in Uran- und Thormineralien vorkommt. Es siedet flüssig bei— 268,5 Grad. Sein größter Darzug ist seine Nichtbrenn- b a r k« i t, also seine absolute Feuerungefährlichkeit. Sein großer Nachteil ist seine nur durch kastfpieltges Arbeitsverfahren zu beweristclligende Erzeugung. Ein Nachteil, der sich auf die Wirtschaftlichkeit lähmend auswirkt, fall aber die Luft- fchifffahrt nicht versacken, unbedingt beHaben werden muß. Aus dem Unglück auf unsere Verhältnisse irgendwelche Schlüsse zu ziehen, ist immer eine undankbare Sache, ich glaube aber dach behaupten zu können, daß es unter Führung unserer bewährten Lufffchifführer nicht zu der Katastrophe hätte kommen können. Denn gerade beim Lusffchiff spielt die nur in jahrelanger praktischer Flug- rrfahnmg zu sannnelnde Erkenntnis für die Erfordernisse jeder Lage eine unweit wichtigere Rolle als im Flugwesen. Es hätte unbe- dingt auffallen müssen, daß das Schiff bei feiner geringen Auftriebskraft überlastet war, wenn nicht beim Start, fa doch während des schleppenden Fluges. Daß die Leitung von R l01 dies nicht erkannt hat, ist das Resultat ihrer ge- ringen Lustschiffersahrung, die sie trotzdem(aus Prestigegründen?) nicht davon abhielt, mit dem unausprabierten Schiff(zwei Probeflüge genügen nicht) die schwierige Reise zu wagen, die unter wirtlich fachmännisch geschulter Leitung einen anderen Zlusgang genommen hätte. Die Rückwirkung dieser Katastrophe auf die Oeffentlichkeit der ganzen Welt wird nicht ausbleiben. Das durch di« großen Erfolge unseres Zeppelin wachgewordene Vertrauen auf di« Benutzung der Luftschiffe hat einen argen Stoß erlitten. Aber Fortschritte laffen sich nur mit Opfern erkämpfen, wenn diese Opfer auch wie in diesem Fall« durchaus vermeidbar waren. Trotz vieler Cifenbahnkata- straphen, trotz vieler Schiffsunglücke haben sich diese beiden Ver- kehrsmittel doch durchgesetzt. Der Luftverkehr, angefeindet wie sie. wird feinen Weg machen als modernstes Mittel zur Verständigung der Völker. W. Hanuschke, Luftfahrtsachverständiger. Garagenheizung mit Gas Der vor der Türe stehende Winter hat für viele Besitzer van Kraftfahrzeugen, insbesondere solchen, die ihr« Kraftwagen m Emzelgaragen untergebracht haben, die Frag« einer zweckmäßigen Garagenbeheizung, die bisher immer ein sehr schwieriges Problem gewesen ist, in den Vordergrund gerückt. Es ist daher van Inter- esse, sich einmal etwas näher mit dieser Frage zu befassen. Man wird sich noch gut der mehrfachen Unfälle im letzten Winter erinnern, die dadurch hervorgerufen wurden, daß bei ge- schlassener Garagentür der Motor„nur für einen Augenblick" angelassen wurde. Die Folge davon waren Kahlenaxydgas- Vergiftungen mehr oder wenijftr schwerer Art. Die heute vielfach im Gebrauch beftndlichen Heizapparat«, die meist unter der Motorhaube aufgestellt werden, kommen de» An- farderungen, die die Automabilfahrer an sie stellen müssen, nicht nach. Einmal ist die Heizwirkung außerordentlich unzuverlässig, und dann schließen sie eine Explasiansgefahr keineswegs aus. Da ferner die Bersicherungsgefellschaften für einen Brandschaden, der durch Benutzung ungeeigneter Garagen-Heizeinrichtungen entsteht, meist jede Entschädigung ablehnen, so ist das Risiko für den Garagen- besitzer mithin außerordentlich groß.— Eine den Anforderungen der Baupolizei genügende Garagenheizung war bisher nur durch den Einbau vanZentralheizung möglich, di« aber wegen der hohen Anschaffungstasten meist wiederum nur für Sommel- garagen Verwendung gefunden hat. Für die Einzelgaragen war eine allen Ansprüchen genügende Einrichtung bisher wohl nicht vor- Händen. Es wird'daher sehr zu begrüßen sein, daß die Neukonstruktion eines Garagcn-Heizofens bekannt wird, der nicht nur den Anforde- rungen, die die Automabilfahrer an eine solche Einrichtung stellen. genügt, sondern vor allem auch den Bestimmungen der Baupolizei entspricht. Der Automabilfahrer legt bei der Garagenheizung Wert auf bequeme Bedienungsart, weitgehende Regulierbarkeit und rasche Anheizwirkung, damit er mühelas und schnell imstande ist, den Garagenraum zu erwärmen. Dieser jetzt auf dem Markt erscheinende Ofen ist ein Gas- Heizofen, der von der Berliner Baupolizei eingehend geprüft, als einwandfrei befunden und daher für den Einbau in Garagen genehmigt worden ist. Neben der Zulassung durch die Berliner städtische Baupolizei sind nach zahlreiche andere vorhanden, so vom Sächsischen M i n i st c r r u m des Innern, vom Preußischen Ministerium für Valkswahl fahrt, vom Rat der Stadt Dresden, dem Thüringer Gewerbe- Aufsichtsrat und schließlich auch von ausländischen Behörden. Der Ofen besteht aus gußeisernen Teilen, die unter Beilage von Dichtlingsmaterial durch starke Ankerschrauben zusammen- gehalten werden. AU« Vorrichtungen, die das Innere des Ofens zugängig machen, sind sorgfältig verschraubt und ebenfalls adge- Richtet. Sowohl die Verbindung mit dem Frtschluftrohr, welches die awtwendige Verbrennungsluft aus dem Freien oder aus einem Nebenraum herbeiführt, als auch diejenige mit dem Abgasrohr. welches di« Verbrenmingsprodukte in den Schornstein oder frei über das Dach führt, erfolgt durch besonders abgedichtete Flanschen. Auch di« Gaszuleitung, die einen autamatifchen Tempcratur-Regler enthält, ist bei dem Eintritt in den Ofenraum sorgfältig abgedichtet. Durch diese Einrichtungen wird erreicht, daß der Verbrennungsraum vom Eintritt des Leuchtgases an bis zur Abführung der Ver- brennungsprodukie in den Schornstein von der Raumluft der Garage völlig gelremit ist, wodurch«in Eintreten der in der Garage möglicherweise vorhandenen explosiven Benzindämpf« in den Ofen ausgeschlossen wird. Um sowohl bri der Ingangsetzung des Ofens als auch während des Betriebes jedes Gefahrenmoment auszu- schließen, ist«ine besondere gußeisern« Hahnkammer am Ofen an- gebracht, welche durch die Mauer nach außen geführt ist und dort durch eine kleine gußeiserne Tür verschlossen wird. Dies« Hahn- kanuner enthält den Hahn für die Bedienung der Zündflamm« und auch den Haupthahn, welcher nach Anbrennen der Zllndflo.mme ge- öffnet wird und so den vollen Gasdurchlaß freigibt. Die Benzindämpfe, welche schwerer sind als Luft, lagern sich meist unten am Baden und ziehen aus der geschlossenen Garage nicht ab. Um nun den Ofen nicht im Bereich dieser Dämpfe auf- stellen zu müssen, wird er mit Hilfe van Wandkanfalen in etwa 114 Meter Höhe über dem Erdbaden angebracht. Der niedrige Preis des Ofens, die außerordentlich ein- fache Jnstallattansmöglichkeit, der geringe Platzbedarf sowie die eingangs geschilderten Vorzüge in der Bedienung und Temperaturregelung geben ihm gegenüber den bisher vorhandenen Fabrikaten einen sehr erheblichen Vorsprung. Wenn man serner noch berücksichtigt, daß der Ofen nur bei Bedarf zu brennen braucht, so wird auch die Wirffchaftlichicit seines Betriebes gewährleistet. Alle Gaswerk« geben-cm Interessenten jederzeit weitere Auskünfte. Heue Sücher In der Fachschrift„Die Bäutechnik" erschien kürzlich«In Aufsatz„Berechnung, bauliche DurchsüHrung und Ausführung geschweißter Eisenbahnbrücken" von Dr.-Ing. O. Komme reit, Direktor bei dem Reichszentralamt Berlin. Der Aussatz ist jetzt auch als Sonderdruck erschienen. Das elektrische Schweißen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht: aber während mir„Richttiirien für die Ausführungen ge- jchweißter Stahlbauten im Hochhaus' herausgekommen find, fehlen diese iür den Brückenbau bis jetzt nech vollkommen. Dies mag zum Teil daran liegen, daß man dem Schweißen von c-tahlkanstruk- tianen überhaupt, und dem van Eisenbahnbrücken im besonderen, wegen der vielen wechselnden Beanspruchung mißtrauisch gegenüber stand. Jedoch dürste aus Grund der inzwischen gesaminclicn Er- fahrungeil die bisherige ablehnende Haltung nicht mehr gerechtfertigt erscheinen. Der Persasser will mit seiner Arbeit, solange noch kein« offiziellen Berechmmgsvarfchristen vorliegen, diese Lücke ausfüllen. Seine Ausführungen beziehen sich alle auf Stahlbauten aus Stahl 8t. 37, und für das Schweißen ist Lichtbogenschweißung mittels Gleichstrom zugrunde gelegt. Den übersichtlichen Dar- ftellungen der verschiedenartigen Schweißnähte folgen Berechmingeu und Angaben über zulässig« Beanspruchungen derf«U>«n, die an Hand einer ganzen Reihe von Beispielen aus der Praxis erläutert werden. Wir finden wichtig« Angaben über die bauliche Durch- biidung mit besonderem Hinweis auf die verschiedenen Spannungs- arten, die gerade hierbei besonders beachtet werden müssen. Aus- führungzfkizzen vervollständigen dieses Kapitel. Der Verfasser zählt weiter noch di« Gesichtspunkte aus, die bei den Aussührungsarbciten berücksichtigt werden müssen und vergißt nicht zu erwähnen, daß die richtige Auswahl geeigneter, im Lichtbogenschweißen geprüfter Schweiher van Wichtigkeit ist. Wir glauben, daß die Arbeit des Berfassers dem Fachmann willkommen ist und daß sie angesichts der großen wirtschaftlichen Bedeutung, die dem elektrischen Schweißen zukommr, grundlegenden Charakter hat für den Ausschuß, den die Deutsche Reichsbahngesellfchaft zur Alisa ibeitung diesbezüglicher Richtlinien, bereits eingesetzt hat. E. Ilcff. Sport an Ärbeiter-Bczirksschwimmfcst in Schöncberg Morgen Sonntag veranstaltet der vierte Bezirk der Schwinnn- vereine des Arbeiter-Turn- und Sportbundes ini ersten Kreise ein S ch to i in in s e st,, zu dem alle Bezirksvereine gemeldet haben. Den Auftakt gibt die Cröfsnungsstasette über 12X2 Bahnlängen, die abwechselnd von je 2 Knaben, 2 Mädchen, 4 Jugendlichen, 2 Frauen uni» 2 Männern geschwommen wird, �ier starten unter anderem Schöneberg, Luckenwalde, Union, Mitte, Berlin Xll und Kreuzberg. Sehr stark stich die Einzelschwimmen belegt. Insgesamt starten 270 Schwimmerinnen und Schwimmer in den einzelnen Wett- kämpscn. Der Frauenreigcn wird von der Kreismannschast ge- ichwommen. Ini Wasserball der �.-Klasse trefsen Union und Berlin XII auseinander. Kreuzberg und Schöneberg sind die Gegner im Spiel der U-Klassc. Das Schwimmsest findet im neuen Stadt- b a d S ch ö n e b« r g in der Hauptstraße statl und beginnt um i* Uhr. Sportpalast beginnt! Die Eröffnungs-Radrennen am Sonntag Mit einer großen Besetzung eröffnet morgen der Sport- p a l a st seine kurze Winter-Radrennsaison, die bekanntlich mit dem 24. Berliner Sechstagerennen in der Zeit vom 7. bis 13. November ihren Abschluß findet Im Mittelpunkt des Abends wird das 3 l)- K i l o m e t« r- Mannschaftsrennen stehe», das von den ausländischen Mannschaften u. a. die Gebrüder Pict und Jan van Kempen am Start sieht, lieber die Qualitäten Piets braucht hier nichts Näheres gesägt zu werden, aber auch sein Bruder.und Partner wird die Berliner— wie die früheren Gastspiel« Jans bewiesen— nicht enttäuschen. Das zweite holländische Paar Pijnenburg-Braspenning bringt uns in den erstgenannten einen Bekannten wieder, der sich ebenfalls oft von einer sehr guten Seite zu zeigen vermochte. Braspenning ist hier Debütant. Die Belgier Duray-Depauw beschließen die ausländische Streitmaäit, der sieben detltsche Mannschaften, und zwar Rieger-Kroschel, Lehmann-Wissel, Ehmer-Tietz, Krüger-Funda, t Kilian-Pützfcld, 0. Rlltt-Nickel und Schön-Bernhardt entgegenstehen. Fast alles Namen, die für einen spannenden und jagdenreichen Berlauf der 50 Kilometer Gewähr bieten. Das Rahmenprogramm bringt ein Flieger-Hauptfahren mit vier Borläufen, die wie folgt eingeteilt sind: 1. Borlauf: Piet van Kempen, Braspenning, Duray: 2. Vorlauf: Jan van Kempen, Pijnenburg, Depauw: 3. Vorlauf: Ehmer, Lehmann, Krüger: 4. Vorlauf: Rieger, Rütt, Bernhardt. Das 1lX>-Runden-Punkte- fahren bestreiten neben den sechs Ausländern noch Ehmer, Tietz, Lehmann, Wissel, Rieger und Kroschel, während wir bei den 30 Runden die Gebrüder Wolke, Kantorowicz, Longardt und Car- piis finden. In einem Mannschafts-Verfolgungskampf treffen Krüger-Funda auf Kiiian-Pützfeld. Beginn 20.13 Uhr.( * Bei den Arbeiler-Fußball-, Handboll- und Hockeyspielern haben die Serien begonnen. Die einzelnen Spiele sind bereits angekündigt. Der kliichu,d«irperpslea«. Bezirk Wediiin-,. Alle Bereine beteiligen sich an der Dernenftration im Lustgarten. Treffpunkt Brunncnplag Ufic. ssahnen und Transparente mitbringen. N«B. 1924 E. B. Eonn'aa, 12. Oktober, Abrndern nach Cpree»e ist Erziehung zur sozialistischen Gestaltung. Darum forde«» wir mehr Luft und Sonne für unsere Arbeiterkinder. Keine Regierung der Welt hat das Recht, den Grund- charakier unserer Bewegung irgendwie zu bestimmen. Wir haben in Deutschland sogar das verfassungsmäßige Recht, für uns einen be- stimmten Lebensraum zu fordern. Jede Erziehung ist in bestimmte Machtverhältnisse hineingestellt. Wir werden die grundsätzliche Ein- stellung unserer Erziehungsarbeit selbst dann nicht verleugnen, wenn die Maßnahinen der bayerischen Regierung gegen die Kinder- freundebewegung noch weitere Kreise ziehen sollte. Aber wir hoben die ernst« Aufgab«, uns für diese Zeit zu rüsten. Ein« besondere Beachtung oerdient die H e l s« r s ch u l u n g. Wir benötigen für unser« Arbeit nicht nur Techniker, sondern Bekenner aus innerster Lebensbejahung. Sozialistische Erziehung ist eine große politische Ausgab« innerhalb der Arbeiterbewegung. Unsere Zeltlager haben soziale Begeisterung ausgelöst, aber auch eine starke Gegnerschaft hervorgerufen. Aber trotz schmutzigster Berleumdung wachsen unser« Kinderrepubliken und werden zu machtvollen Boll- werken sozialistischer Kultur- und Erziehungsarbeit." lieber die Nestfalkenarbeit sprach Lotte K n a u e r- Berlin. Ein« bei allen Tagungsthemen folgende lebhafte Aussprache gab Zeugnis von der geistigen Regiamkeit aller Bezirke. Konsumführungen am Sonntag. Den Besichtigungen der konsumgenossenschastlichen Zentralanlagcn in Lichtenberg oermochte das unfreund- liche Wetter am letzten Sonntag nicht den geringsten'Abbruch zu tun. Die Besucherzahl zeigte im Gegenteil am dritten Besichtigungs- sonirtag eine weitere Steigerung auf 3200 Personen: die Zahl der Führungen ging über 50 hinaus. Für den morgigen Sonntag(12. Oktober) sind in erster Linie eingeladen die Per- brauchersamilien der Bezirke des Berliner Ostens einschließlich Lichtenberg und Weißcnsee sowie die vorgelagerten Be- zirke Biesdorf, Hohenschönhausen. Kalkberge, K a u l s d o r f und M a h l s d o r f. Geäußerten Besorgnissen gegenüber wird darauf verwiesen, daß bei stärkerer Wettcninbill der große Speisesaal des Wohliahrtsgebäudes Hunderten von Besuchern schützende UMerkunft gewährt. Di« letzte Besichtigung findet um 12 Uhr mittags statt. Theater der Woche. Vom-12. bis 20. Oktober. Volksbühne. rtzeaicr am BÄiowplatz: Die Weber. IZ. HU Uhr. I.«anzert. Staaksthealer. Oper Uairr be» Linden: 12. Meislersinger. IZ. Figaros Hochzeit. 14. unb 18. Fürst Igor. 15. Das Sih-ingold. IB. Palestrina. 17. Schwandg, der Dudelsa-tpieifer. I». Aida. 20. Der Rasenkavalier. Oper om Platz der Rcpndlik: 12., IB. und IZ. Der Barbier von Sevilla. IZ. Der Freischütz. 14. Neues vorn Tage. 15. Haffmanns Erzählungen. 17. Der tliegende Holländer. 18. Rigalella. 20. Di- Erwartung. Der arm- Mairvfe. Angdliqu«. IZ. Mittagskanzcrt: Beetbaven-Matince. städtilche Oper: 12. Aida. 13. Hiigiian. 14. Der Prophet. 15. Der Tran- badanr. IB. Madame Butterflp. 17. Pique Dame. 18. Tanuhäufer. 19. Die Waltüre. 20. Die Hochzeit des Tigaro. Staaisihlater: 12. Bürger Schippci. 13. Liebesleid und-liisi. 14. Weh' dem. der lügt. 15. Nathan der Weife. 16. Liebe auf dem Lande. ZZ Minuten in Ibrüneberg. 17., 19. und 30. ßefchidile Gattfrirdens von Berlichingen mit der eiserne» Hand. 18. Prinz griedriäi van Homburg. Schiller- Theater: 12. Tlorian Genec. 13. Herr Dvkivr. haben Sie zu essen? 14. und 16. Der Mann mit dem«lcpper. 15., 17., IZ. und 20. Rara. 18. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Theater mit festem Spielplan: Theater am Schifibaneedamm: Iud Sütz. 13. und 19. 11!o Uhr. Ernst. Taller.Ratinee.— Deutsche» Theater: Ein Soinmeniachisiraum.—»anruver. spiele: Elga.— Di««omodie: Der Schwierige.— Theater in der St«fk. manastratze: Sturm im Wassergias.—«omibienhau«: Das Konto 3E.— »rohe, Schauipirlhau«: Die lustige Witwe.— Theater de. Beste»»: Brest Lüowik.— Leffina- Theater: Bis 16. h 318. Ab 17. ffiaftfpitl des Japanischen Theaters.—«omifchr Oper: Das Mädel am Steuer.— Rrgaiflaner-Theatcr: 12. und IZ. geschlossen Ao 14. Bornntersuchung.— Theater in der Behren. strafe« 53-54- Das häfeliche Mädchen.— Zenteal. Theater: Ein« Freundin sa goldig wie Du!— Metropvl-Theatrr: Bikioria und ihr Husar.—«erliaer Theater: Der Idiot.— Neue« Theater am Zoo: Paul und Pauline.— Di« IridSne: Bis 16. Miste: Pim will nichl stören. Ab 17. Etiennc.— «leine, Theater: Mllllrr.— Rvse-Theater: In der Iohvnnisnachl.— Eafi,»- Theater: Hnkra— ein Junge.- Schtefepark-Theater Steglitz: Bis 16. Das Bwfikanienmädel. Ab 17. Paler fein, dagegen sehr.- Wintergarte». Plaza, Skaia: Internationales Barietd.•— R eich, hallen-Theater: SIettiner Sänger. - Theater am«ottdusser Tor: EUte-eänger.— Dentscheo«iinstlertheatlr: Jim und IM. Nachmitlagsvcranstaltungen: Bolkohühnr. Theater am Bülowplatz: IZ. Die Weber.—«ammerspiele: 12., 18., 19. Die Schule der ffeaucn.— Dl««omödie: 12., 18., 19. Der Diener zweier Herren.— Theater in der Siresemannsirafer: 19. Winnetou.— «owid euhans: jg. Das Konto T.— Komisch» Ozer: 12. Die ssrau ohne Kufe. IZ. Das Mädrl am Steuer.— st-ntral-Thea'er! IT., 19. 15 Uhr. Hänfel und Gretel. 17>4 Uhr Eine greundln so golb-g wie Du!— Berliuer Theater: 12., 19. Der veiter ans Dingsda.— Nose-Theater: 15. Hänsel und Oiretel. 18. Dornräschen. 19. 14V4 und 171i Uhr. In der Iohannionacht- S�Iofe» park-Theater Steglitz: 12.. 19 Karl Man— Winnetou.— Wintergarten: 12.. 18.. 19. Internationales Variete.— Plaza, Slala: Internationale, Variete.— Reis ehallcn-Thratcr: 12.. 19. Etettiner Sänger.— Theater an «attbnffer Tor: 12., 19. Elite�änger. Erstaufführungen der Woche: Dienptag. Renaissanee-Theater: Boruntersuchung.— Witt. wach. Scki ll er-Th-- t er: Nora.— Irrktag. Schauspielhaus: Götz von Berlichingen.— Tribüne: Etlenne. ------------- lDis einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die--------- Kronlcen- und! 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