Morgenausgabe Jlt. 479 A 241 47.If. Die e t n i p a l tt g e Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame�eile S.— Reichs» mark. ,,KIetne Anzeigen' dos ettge» druckte Won 23 Pfennig lzuläfsig zwei fettgedruckte Worte),«edes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Won 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Wone übe» 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8V, bis 17 Uhr. Jentralovsan der sozialdemokratische« Vartei Deutschtands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 tiernwrelber Dönbof« 292—297 Telegramm-Adr: So,lold«mokra» Serfin. Vorwärts-Verlag G m. b.H. PostschAkkonto: Bcrlm37 526.— Bankkonto: Bank d«r Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallst! 65. Dt.B.u.MSc..Ges., Depositenkasse, JerusalemerStr.65/66. Die Partei marschiert! Llm was es geht. Von Otto Braun. Der Demonstration unserer Berliner Parteigenossen am heutigen Tage kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie soll durch die Größe des Aufmarsches ruhiger, geschulter und ent- schlossener Menschen dem nervös gewordenen, politisch zer- rissenen und jeder Massensuggestion heute leicht zugänglichen Bürgertum von neuem den Beweis erbringen, daß die Sozial- demokratie auch nach dem Verlust einer Anzahl von Mit- läusern eine fest geschlossene Masse darstellt, die politisch ge- reift, opferwillig und mit einem starken Staatsgefühl für den republikanischen deutschen Staat begabt ist. Die Geschlossen- heit der deutschen Sozialdemokratie und die Bereitwilligkeit ihrer Massen, mit allen'Mitteln die deutsche Republtkzuschütz e n, ist heute zweifellos eine der wich- tigsten, wenn nicht vielleicht sogar der entscheidend wichtige Aktivposten in der deutschen Politik. Die deutsche Sozialdemokratie hat heute bei dem Wirr- warr der Parteien inmitten von politischen Gruppen, die zum größten Teil Neubildung?- oder gar Zersetzungsprozessen UrSerworfen sind— ausgenommen ist davon eigentlich nur eine Weltanschauungspartei wie das Zentrum—, die klaffen- und gesinnungsmäßig zu ihr gehörigen Menschen zusammenzuhalten und als einheitliche Masse mit unvermindert starker Stoßkraft für die Verteidigung und darüber chinaus für den Ausbau des demokratischen und sozialen Bolksstaates einzu- setzen Sie hat. in einer Zeit in der Demagogie und Unver- nunft, Großsprecherei und verantwortungsloses Phrasen- dreschen die Köpfe von Millionen Volksgenossen umnebeln und verwirren und jede Politik des ruhigen Denkens bewußt zunichte machen wollen, all diesenk Unfug, der uns in die Katastrophe hineinzutreiben droht, kühl und entschlossen die Parole der klaren Vernunft, des überlegten Denkens und des entschlossenen Wollens ent- gegenzusetzen. . Die deutsche Arbeiterschaft war bis zum Jahre 1918 nur Objekt, nur Gegenstand der Gesetzgebung und der Staats- kunft, und hier in Preußen, in dessen Hauptstadt wir heute demonstrieren, galt bei den Landtagswahlen eine Arbeiter- stimme oft nur den hundertsten Teil der Stimme, die ein Mann noch so zweifelhaften Gewerbes und mit noch so frag- würdigem Reichtumsursprung in der ersten Wählerklasse ab- geben konnte. Damals schaltete der Staat den Arbeiter mit Gewalt von der Mitarbeit am Staate und damit von der Mitverantwortung aus. Zähneknirschend und bis auf den leidenschaftlichen Protest seiner sozialdemokratischen Vertreter im Parlament ohnmächtig mußte der Arbeiter sich als Staatsbürger dritter Klasse, als Mensch winde- ren Rechtes fühlen. Die Republik hat diesem junkerlichen Regime der Ungerechtigkeit und der menschenunwürdigen Entrechtung des Arbeiters für alle Zeit ein Ende gemacht. Der deutsche Arbeiter hat heute die Möglichkeit des Mit- bestimmungsrechtes im Staate und im Reich, und er könnte von dieser verfassungsmäßigen Möglichkeit noch in ganz anderem Maße als bisher Gebrauch machen— und mit einer Wucht, die jede soziale Reaktion und jeden politi- schen Putschismus von vornherein zur Ohnmacht und zur lächerlichen Bedeutungslosigkeit verurteilen würde, wenn nicht die deutsche Arbeiterklasse heute durch die von Moskau kommenden Irrsinnslehren gespalten wäre. Das neue Mitbestimmungsrecht des deutschen Arbeiters belastet ihn aber auch mit einer großen Verantwortung Ich habe zu der sozialdemokratisch organisierten deut- schen Arbeiterschaft das Vertrauen, daß sie Ausmaß und Sinn hieser Verantwortung voll versteht, weit besser als große Teile des deutschen Bürgertums, die zur Genüge gezeigt haben, daß ihnen jeder große politische Gesichtspunkt fehlt, daß sie vornehmlich an ihre engsten wirt- schafllichen Interessen denken und jedem Maulhelden nach- laufen, der ihnen goldene Berge verspricht. Würde die sozial- demokratische deutsche Arbeiterschaft heute in einem ähnlichen Maße Stimmungs- und Jnteressenpolitik treiben, wie eine Reihe bürgerlicher Gruppen, so würde dies das Ende der Republik und den Zusammenbruch der Selbstregierung des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft bedeuten. Die deutsche Sozialdemo- kratie aber ist entschlossen, den Staat zu ver- teidigen, der ihr die politische G l e i ch b e re chti- g u n g der Arbeiterschaft— man denke auch an die Be- freiung der früher durch Koalitionsverbote geknebelten Land- arbeiterschaft— gebracht hat und der den Arbeitern das Recht gab. ihren Einfluß bei.her Gestaltung der Geschicke des Volkes gellend zu machen. Sie kämpft, wenn sie sich für diesen Staat einsetzt, auch für die menschenwürdige Zukunft und die Rechts ihrer Kinder, denen Aufstieg und freie Ent- wicklungsmäglichteiten erobert und gesichert werden müssen. Sie kämpft dagegen, daß auch nur der Versuch unter- nommen wird, Deutschland jemals wieder vom Ostsn her durch den brutalen preußischen Junker und seine neuen Helfershelfer.„Arbeiterparteien" genannt, regieren zu lassen. Sie steht nicht nur als größte parlamentarische Partei unter dem Zwang zur Mitverantwortung, sondern sie weiß, daß auch ihre L ebensinteressen hier mit den Pflichten gleichlaufen, auf die die Verantwortung. sie hinweist. Die augenblickliche Latze.ist verworren und sehr ernst. Millionen deutscher Volksgenossen haben, geblendet durch eine Aktivität, hinter der nichts als Hem- mungslosigkell und Hinwegsetzen über jede Vernunft steckt, ihre Stimmen einer Partei gegeben, die für eine ensthafte verantwortliche Politik überhaupt nicht in Frage kommt. Ich sprach schon am Tage nach den Wahlen in einer Unterredung mit dem Vertreter eines großen amerikanischen Nachrichten- büros davon, daß die Nationalsozialisten mit„auswechsel- baren Programmen" gearbeitet hoben, daß sie auf dem Lande die Bauern mit einem himmelstürmenden Agrar- Programm locken und die hungernden Massen in deg Städten mit einem radikalen eigentumsfeindlichen antikapitalistischen Konsumentenstandpunkt. Sie sagen jeder Bevölkerungs- Gegen MM und FMisms Für Mrntie und ArbeitmeA tncnilrint die Berliner SiMemknUie im SnnolU. dem 12. Lltnder Md. nnch- millW 2 W. im MMn. Ailmhe: SitildMiMlidenI Ken# Ml Lüde Programm: Sturm, Gesang der Völker, Tord Foleson, Gemeinsamer Gesang: Die Internationale Treffpuntte: 1. Kreis Mitte. Arkonaplatz 12.30 Uhr. 2. kreis Tiergarten und 7. Kreis Charlottenbnrg. Kleiner Tiergarten 13 Uhr. 3. KreiS Wedding. Brunnenplatz 1215 Uhr. 4. KreiS Prenzlauer Berg. Danziger Straße 64(Bezirksamt) 13.15 Uhr. 5. KreiS FriadrichShain. Küstriner Platz 13 Uhr. S. Kreis Krenzberg. Fontanepromenade 13 Uhr. 8. Kreis Spandau. Abfahrt noch Lehrter Bahnhof: Abteilung Staaken 12.23 Uhr Bahnhof Staaten; Abteilungen Altstadt. Neustadt und Wilh-lmstadt 12.33 Uhr Bahnhof Spandau-West; Abteilung Siemensstadt 12.42 Uhr Bahnhos Fürstenbrunn. Aufstellung des Zuges am WUHclmufer(westliche Seite des Lehrter Bahnhofs). Abmarsch 13 Uhr durch Wilhelmuser. Inoalidenstraße, hier Anschluß an 2. Kreis- S. KreiS. 10.. 11. und 12. Kreis Wilmersdorf. Zehlen- dorf, Schöneberg und Steglitz. Hausvogteiplatz 13.30 Uhr. 13. KreiS Tempelhof. Antreten 12 Uhr Ullsteinhaus. Marsch durch Berliner Straße bis U.-Bahnhos Tempelhof. Fahrt bis U.-Bahnhos Französische Straße. Antreten Gendarmenmarkt. Marsch durch Französische, Werderstrahe. An der Stechbahn, Schloßfreiheit, Lustgarten. 14. Kreis Neukölln. Reuterplatz 125-? Uhr 15. und 1«. KreiS Treptow und Köpenick. Am Köllnischen Park 13.30 Uhr. 17. KreiS Lichtenberg. Holleistraße(vor der Jugendbühne), 12.30 Uhr. 18. Kreis Weißensee. Lchderstraße, Ecke Berliner Allee 12.30 Uhr. >10. Kreis Pankow. Bornholmer Straße. Spitze Schönhauser Allee. 12.30 Uhr. 2V. KreiS Neinickendorf. Restdenzstraße Ecke Marktstraße in Reinickendorf-Ost, 12 Uhr., Die Sozialistische Arbeiterjugend trifft sich an den Sammel- Plätzen der Partei. All? Genossen haben die Pflicht, sich an den Sammelplätzen pünktlich einzufinden. Der Rückmarsch erfolgt durch die gletzhen Straßen, wlc beim Aufmorsch. gruppe das, was sie gerne hören will, weil ihnen nur am Stimmenfang liegt und well ihnen jedesBerantwort» lichkeitsgefühl für'- das Schicksal des denk- schen Voltes fehlt. Scharlatane, die die Reklame- trommeln rühren und die nach Art der Wunderdoktoren und bauernfängerischen Pillendreher auf den Märkten Mittel an- preisen, die universell gegen jede Krankheit helfen sollen! Die deutsche Sozialdemokratie ist kühler und skeptischer. Sie weiß, daß, wenn man eine Bombe in ein Haus wirft. das Haus zwar in ein oder zwei Minuten in sich zusammen- stürzt, aber das es nahezu ein Jahr währt, um es wieder aufzubauen. Sie weiß, daß ebenso vier Jahre Weltkrieg, in denen die Völker Europas nicht nur Millionen von Menschen geopfert, sondern auch ihre Volksvermögen nicht zu sinnvoller Produktion gebracht, vielmehr in Form von Granaten sinn- los in die Luft verschossen und für andere Menschenvernich- tungszwecke vertan haben, nicht in zwölf Iahren gutzumachen sind, sondern daß wahrscheinlich Jahrzehnte dazu gehören, um einen solchen grauenhaften und verbrecherischen Irrsinn wirt- schaftlich-kulturell— und in bezug auf die geopferten Menschenleben ist ja eine Wiedergutmachung überhaupt nicht möglich— auszugleichen. Darum gibt es keine Allerweltsrezepte und keine Sanierung durchPhrajenunddurchradikale Programme, londern nur zähe, vernünftige, Schritt um Schritt vorwärts- strebende Arbeit, wobei man aber niemals vergessen darf, daß diese Arbeit nur von politisch freien und sozial nicht gedrückten und bedrängten Menschen ge- leistet werden kann. Die deutsche Sozialdemokratie hat heute, nachdem die für den demokratischen Gedanken reifen Kreise des deutschen Bürgertums, anders als zur Zeit der Pauls- tirche mehr und mehr zusammengeschmolzen sind, die historische Aufgabe von gewaltiger Größe, aber auch von opferfordernder lastender Schwere, mit Einsatz aller Kräfte die deutsche Republik vor dem Absturz in fafchi- stische Diktaturzustände zu schützen und inmitten eines in Gärung befindlichen Europa als festesten Stütz- punkt aller sozialen Demokratien auszubauen. Um zu diesem Endzweck zu kommen, müssen wir heute und morgen die Zähne zusammenbeißen, müssen in voller Erkenntnis der aus dem Mitbestimmungsrecht stammenden Mitverantwortung auch den Mut haben, einmal eine Politik zck treiben, die nicht populär ist und nicht so verlockend wie die Wunschpolstik der Maulhelden. Eine Politik, die da- für aber allein die Aufrechterhaltung ver- fassungsmäßiger Zustände und unserer schwer genug errungenen und für den Aufstieg der Arbeiterklasse unentbehrlichen Demokratie gewährleistet! Demokratische Vernunft und Disziplin gegen die Per-' zweiflungsstimmung der hastlos von einer radikalen Gruppe zur anderen taumelnden Gegner! Sozialistisches Denken, sozialistische Schulung- im politischen Kampf, sozialistisches Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der heranwachsenden Generatwck und gegenüber unserm Volksstaat gegen die verbrecherische Verantwortungslosigkeit der großen Worte und leeren Programme! Seien wir gegenüber den Millionen Unreifer und Per- wirrter, für die die Demokratie zu früh gekommen und für die der von ihnen nie verstandene Sozialismus ein Schreck- gespenst ist, die nicht zu Beirrenden, Ruhigen und Reifen. Wir zwingen die Situation, wir meistern alle Schwierig- leiten, wir trotzen den Unheilstiftern von rechts und links, und wir retten den deutschen Volksstaat vor den Feinden, die ihm an die Gurgel springen und mit ihm zugleich auch die Freiheit und die sozialen Errungenschaften der deutschen Ar- beiterklasse abwürgen wollen, wenn wir unser kühles und klares Urteilsvermögen uns bewahren und zu einer Politik auch der Unpopularität, dafür aber der Verantwortlichkeit bereit sind. Wir können an unsere Menschen diese Anforderung stellen, weil die deutsche Sozialdemokratie nicht Träger einer nackten Interesienpolitik ist oder populären Augenblicks- stimmungen dient, sondern weil sie eine Welt» a n s ch a u u n g s p a r t e i ist. die den Blick aufs große Ganze, auf Menschheitsfragen und in die Zukunft richtet Wir wissen, daß Krisen wie die jetzige wohl zeitweilig uns zum Stillstand und zum Abwarten zwingen können, daß sie aber den Auf- stieg derer nicht hindern können, die gelernt haben, historisch zu denken und nicht Augenblickspolitik, sondern Politi' auf lange Sicht zu machen! Metallarbeiter und Regierung. Pilatus wäscht seine Hände. Die Reichsregierung läßt durch TU. folgende Meldung verbreiten: Im Zusammenhang mit dem Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie ist in der Presse behauptet worden, der Schlich» r« r habe für die Knidmig des Schiedsspruches durch.die R e ichs r c g i« r u»g Instruktionen erhalten. Wie von zuftimdiger Stelle mitgeteilt wird, ist Hirse Behauptung völlig unrichtig. Eine Einflußnahme der Reichs- regierung sei auch insofern unmöglich, als die Schlichter- kammer nach bcstcm Wissen und Gewissen und ohne Beeinflussung ihren Spruch zu fällen habe. Ohne Beeinflussung! Gewiß, eine direkte Beein- flussung des au Stelle des zuständigen Schlichters eingesetzten Sonderschlichters mag wohl nicht erfolgt sein. Sie wäre auch höchst überflüssig gewesen. Ist sie doch indirekt in so ausreichendem Maße betrieben worden, daß zu direkter Beeinflussung nichts mehr zu tun übrig blieb. Den Beweis dafür— falls es nach den Vorgängen seit der Verbindlich- kcitscrklärung des Oeynhausener Schiedsspruches durch deu Reichsarbeitsminister Stegerwald noch eines solchen be- dürfte— hat die Reichsregierung in ihrem Programm vollauf erbracht. Will die Reichsregierung dies uns gegenüber bestreiten, dann empfehlen wir ihr das an sie gerichtete Schreiben der christlichen Gewerkschaften, das mir schon gestern abend zitierten, zvenigstens in dem die Lohnfrage betreffenden Abschnitt recht genau zu studieren. Sollte ihr dies aber noch nicht genügen, müßten wir noch deutlicher werden. Oer Arbeiisplan des Dfcichsioges. Entscheidende Abstimmungen Ende der Woche. Am Montagnachmittag tritt der neue Reichstag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Am Dienstag wird � er sein Präsidium wählen, und am Mittwoch oder Donnerstag wird et eine Erklärung der Reichsregierung emgegennehmen, deren Richtlinien am gestrigen Tag in einer Ministerbesprechung festgelegt worden siird. Am Freitag oder Sonnabend dürfte die Äbstimniung über die gegen die Regierung«ingebrachten Mißtrauensanträgc und die Anträge auf Aufhebung der R o t v e r o r dnu l»g e n des Reichspräsidenten erfolgen. Der Reichskanzler hotte am Sonnabend mehreie Unter- icdnngen mit den maßgebenden bürgerlichen Politikern. Außerdem erörterte er mit dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun mehrere zwischen dem Reich und Prellßcn schwc- bevde Fragen. Schiele in Bedrängnis. Gtrüchte von einer Krise. In Politischen Kreisen wollen die Gerüchte nicht oer- stummen, die von großen Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts Brün! ng sprechen. Seine Basis, so schmal sie auch schon ist, droht auseinanderzubrechen, da der rechte Flügel unter den gegenwärtigen Umständen vielleicht nicht mit Unrecht eine Schwächung seines Einflusses befürchtet. Am schwierigsten ist die Stellung des Reichsernährungs- Ministers Schiele, der sich außerstande sieht, den sich über- schlagenden Radikalismus seiner Landbündler irgendwie zu befriedigen. Herr Schiele hat sich schon genötigt gesehen, den Borsitz im Landbund, den er seit Beginn seiner Ministerzeit nur noch formal innehatte, niederzulegen. Jetzt beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage, ob diesem Schritt nicht noch ein weiterer folgen und ob Herr Schiele überhaupt noch als Mitglied der Regierung Brüning vor dem Reichstag er- scheinen wird>... Harte Mffe für Ctariitis. Außenpolitische Anträge der Landvolkpartei. Die Fraktion„Deutsches Landvolk"(ChriMch-natio- nale Bauern- und Landvolkportei) hat im Reichstag einen Antrag Eingebracht, der die Rcichsregier-ung oeranlassen soll, die im Boung- Plan vorgesehenen Schutz- und Revisionsmöglich- keilen sofort z u ergreife» und darüber hinaus in Ver- Handbingen mit den beteiligten Mächten mit denr Ziele der v ö l l i- gen Beseitigung der nunmehr endgültig, als untragbar er- wiesenen Repar-ationslasten einzutreten., In einer Interpellation wird das„Deutsche Landvolk" die Reichsregierung um Auskunft über den Stand der Ab- rüstungsverhandlungen ersuchen. Wenn sich dabei her- ausstellen sollte, daß entgegen den Bestimmungen des Dersailler Vertrages die allgemeine Abrüstung der Rationen nicht zu erwarten ist, wird die Landvolkpartei beantragen, d ah>d i e Reichsregie- rung ausspricht, auch Deutschland fühle sich nicht wehr an die Abrüstungsbestimmungen des Per- failler Vertrages gebunden, wenn bis zu einem gc- wissen Zeitpunkt die Abrüstung der anderen Rationen nicht durch- geführt sei. Siaaisparieilicher Aufruf. Außerordentlicher Parteitag der Demokraten. Die demokratisch. staatsparteilichcn Führer, Reichssinanzminister Dietrich, preußischer Finanzminister Höpker-Aschofs, Handelsminister Dr. Schreiber, die Froktionssührer Dr. W e b e r und Iustizrat Falk verässenklichen einen Aufruf, der sich mit der» Mißerfolg der Deutschen Staatspartci besaßt. In ihm wird ein in Kürze cinzuberüsender außerordentlicher Reichsparteitag der Demo- kraten angekündigt. Die Unterzeichner bitten ihr« Freunde, in der Sammlung aller freiheitlichen und staotsbe- wußten Kräfte sortznsahren. Jetzt käme es erst recht darauf an, die Bestrebungen der Staatspartei auf Sammlung dieser Kräste mrtzusetzrn. Wie dieses„erst rrcht" praktisch verwirklicht werden soll, sagt der Ausrns freilich nicht. Zierden des„Dritten Reiches" Eine saubere Abgeordnetenkottektion Eine besonders große Rolle scheint im Dritten Reick) der so- genannte Mehr st and zu spielen. Cr stellt nämlich das Haupt- kontingent der frisch gekirnten Reichstagsnazis Woher die Sache und die Leute zu dein Namen Mehrstond Jornincn, bleibt nicht nur in seinen sprachlichen Hintergründeil unerläutert. Als Mehrcr werden die 43.Handwerker. Freiberufler und.Kaufleute bezeichnet, die im Zeichen des Hakenkreuzes in den Reichstag ziehen, weniger wohl in bezug auf die Bermehruiig des Volksverinögcns und des Wohlstandes der ganzen Nation, denn als Bermehrer ihres eigenen Wohlstandes. Es fällt gar nicht besonders schwer, diesen Vorwurf zu er- Irrten, denn der»alionalsozialistische Mehrstand des Reichstags hat besonders schöne Blüten an seinem Bauin sitzen. Wir werden einig« der duftcndsten brechen, um zu zeigen, daß aus ihnen nie und ninwisr anständige Früchte werden können. Auch bei ihnen ist die Berufs- bezeichnung Handwerker oder geistiger Arbeiter oder kausmännischcr Angestellter nur die Maskierung für ihren wahren Beruf, der des hochbezahlten Parteifunktionärs. Solche Existenzen werden dem zwischen den Klassen haltlos hm und her pendelnden Kleinbürgertum als Vertreter vorgesetzt, auf solche Köder beißen sie an. Da ist zum Beispiel Herr Peker Gmeinder, nach dem„Völkischen Beobachter" vom 1. Oktober Hilfsarbeiter, nach dein„Berliner Tageblatt" vom 1?. September Desraudant. Danach hat Herr Gmeinder die von einem nationalsozialistischen Jugendführer gesammelten Weihnachtsgelder firr sich verbraucht und bei Frankfurter Geschäftsleuten geschnorrte Gelder noch dazu in die eigene Tasche gesteckt. Der sammelnde Jugendsührer hat aus Protest die Reihen der Nazis verlassen, während Gmeinder ein Reichstagsmandat bekam. Bon dem Mehrer Herrn. Fritz Hamann aus Bieleseld hat die dortige„Volkswocht" schon am 17. September 1929 berichten können, auf welche Weise er mehrt: denn die„Volksmacht" mar in der Lage, den Brief eines völkischen Stadtverordneten zu veröffentlichen, der Herrn Hamann und anderen Führern der NSDAP, vorwirft� einen schwerbeschädigten Kriegskrüppel um den Erlös einer Sammlung geprellt zu haben. Der Bkies des Stadt- verordneten Meyer schließt mit den Worten: „An Hand dieses durch viele Zeugen zu beweisenden Tot- bestandes erhebe ich gegen die Führer der ZtSDAP.(in Bielefeld) die Anklage, gegen einen nationalsozialistischen schwerbeschädigten Kriegskrüppel ein hundsgemeines Verbrechen begangen zw haben, das strafrechtlich geahndet wird, und ich fordere Sie auf, durch Erhebung einer Klage gegen mich, den Borwurf zu ent- kräftcn." �, I Weder Hamann noch seine Kumpan« haben geklagt. Dafür ver- tritt Herr Fritz Hamann als Magazinverwalier Westfalen-Rord im Reichstag. Die Galerie schöner Männer ergänzt aufs trefflichste Herr Dr. Lcy. „Ehemiker", Köln, M. d. L. und M. d. R., der am 1. Oktober 1929 in Köln erklärte:„Man macht die Verbrecher de» 9. Rovsmber zu Staatssekretären, anstatt sie an den Laternen pfählen auszuhängen. In unserem zukünftigen Staate wird mau dos wahrscheinlich machen." Anscheinend hat Herr Dr. Ley seinen rüden Tcm ans einem Bordell bezogen, das er(noch der„Hainburger Dolkszeiwng" vom 18. Februar 1929Lbesttchtf, wobei er nicht einmal seine Zeche zahlen konnte, weil er mit'' 2,80 M. bei sich hatte. Als Herrn Ley mit der Polizei gedroht wurde, fürchtete er einen Skandal und bot seine mit einer Hakenkreuzbinde verzierte W i n ds a ck e zum Pfände. Das Pfand wurde als zu wenige Sicherheiten bietend abgelehnt und ein Parteigenosse mußte Herrn Ley auslösen. Weil der Parteigenosse sein Geld nicht wiederbekam, hielt er nicht dicht, und so wurde auch bekannt, daß es eine jüdische Schöne war, der der Vorkämpfer für Rassereinheit seinen Obulus schuldig bleiben wollte. Von einem gewissen Hermann Schmitz mußte Herr Dr. Ley sogar eine Züchti- gung mit der Hundepeitsche entgegennehmen, die Schmitz in einem Flugblatt der Oessenilichkeit bekanntgab. Trotzdem hat Herr Dr. Ley keine Klage wegen Körperverletzung erhoben. Schmitz weiß nämlich zuviel von Dr. Loy. Während Ley nach dem„Völkischen Beob- achter" Chemiker und Angehöriger des Mehrstandes ist, weist ihn das Kölner Handelsregister als Schriftsteller und geschäftlichen Kom- pagnon des der Hitlerpartei angehörenden Prinzen Christian zu Schauinburg-Lippe nach. Wirklich feine Mitglieder einer Arbeiter- Partei! So sehen sie aus, die stolz verkünden:„Wir vertreten das ar- bellende Volk!" Vertritt es vielleicht auch Herr Spitzensabrikani ZNutschmann. Plauen, oder sein Bentsskollege Spitzensabrikant Georg Lenk aus Plauen, beide nunmehr„Arbeitervertreter" im Reichstag? Herrn Mntschmanns Verhalten steht sicherlich im Widerspruch zu den pro- grammatischen Beteuerungen der NSDAP. Dieser sonderbare Gau- leiter der sonderbaren Arbeiterpartei hat. wie ein Prozeßbericht des „Sächsischen Volksblatts" von, 23. Februar 1930 ausweist, Arbeiter unter Tarif bezahlt und ein«. Arbeiterin gemaßregelt, weil sich ihr Ehemann abfällig über seinen Betrieb äußerte: er beutet Lücken im Tarifvertrag zu seinen Gunsten aus, läßl lZ Stunden arbeiten, bot einer Arbeiterin Ohrfeigen an und zahlt einem Zeichner für wöchentlich 60 bis 70 Stunden Arbeit einen Lohn von 20 bis 36 M. Wenn der Betrieb Mutschmann mustergültig für das Dritte Reich sein soll-- ein seiner Zustand! Was sagt eigentlich Herr Gregor Straßer dazu, Apoth.'ker und für den Posten des Reichsarbellsministers designiert? Er täte gut, erst mal den eigenen Stall auszumisten. Oder will er damit warten, bis die von ihm in den national- sozialistischen Briefen vom l. Oktober 1929 als einziger Ausweg ge- svrderte, Deutsche Revolution" auch in den Betrieben des Herrn Mutschmann Ordnung schafft? Aber dann wird ja die Arbeitsdienst- pslüht eingeführt siin„ die den'nationalsozialistischen Fabrikanten noch mehr Prosite sichern soll. Herr Straßer paßt übrigens auch als„Schrecken des Reichstags" der Wahlplakate gut in die Nazi- Heldengalerie. Mit seinem Apothekerberus ist es übrigens nicht so weit her, wenn man seinem ehemaligen Parteigenossen Dr/ Dinker glauben will� der Straßer als den„auf dem Umwege über ein Reichstagsmandat bezahlten Parteisekretär Hitlers" bezeichnet. Dinier zweifelt mich das Äriertimi Gregor Straßerz an, wenn rr in seiner Zeitschrift„Das Geistchristenknm" schreibt:„Der Name Straßer ist ein gut jüdischer Name... ei,, Blick in das Ponim des Herrn Gregor Straßer und feine charakteristischen Geschäfts- und I Kampfmethodan... bestätigt ohne weiteres diesen rnfstschen Zu- sammenhang." Ein« besonders fein« Marke ist auch der jetzt als Schlosser in den Reichstag von Ulm aus gewählte Wilhelm Dreher. Eine Zelllang gab er sich auch als Lokomotwführer aus. um auf den Beamtensang zu gehen. Die Gewerkschaft der Lokomotwführer hat damals in Pressenotizen diese» Schwindel zurückgewiesen. 1920 war Dreher noch Mitglied des Verbandes der Eisenbahner und Mit- glied der Sozialdemokratischen Partei— stimmte aber auf dem Berbandstog seiner Gewerkschaft mit der Opposition, well er Ver- bindung zu den Kommunisten ausnehmen wollte. Mit l ich nein Sprung landete er dann bei den Nazis und trat auch gleichzeitig vom Protestantismus zum Katholizismus über. Ja, Dreher gehört sogar zu den Leuten, deren Köpfe bei einer Hitler-Diktatur in den Sand rollen müssen. Er ist nämlich auch einer von den November Verbrechern: in einer Versammlung in Ulm sprang er, wie die„Münchener Post" belegen kann, mit dem Ruf« aus den Tisch: „wer hat die Revolution gemacht? Nur allem wir Matrosen!" Bis zu feinem ersten Eintritt in den Reichstag 1928 wurde Dreher von einem Nazi-Fabrikanten in Stullgart ausgehalten, der ihn häufig als Agitator aufs Land schickte. So hat er sich auch fein Mandat erworbell und nicht etwa als Schlosser des Mehr- standes. Dreher ist mitsamt seiner Berufsangabc auch wieder ein- mal ein schlagender Beweis für die agitatorische Verlogenheit der Nazis. Herr karwane, Hannover, ist auch ein sehr wandlungssähiger Herr, der bis 1923 eine Gastrolle in der Sozialdemokratischen Partei gab, dann, als deren Weizen in der Inflation blühte, flugs zur KPD. Istnüber- wechselte, bis 1929 für sie Stadtverordneter in Hannooer war, um jetzt als Phönix aus der nationalsozialistischen Asche, mit einem Reichstagsmandat tu der Tasche wieder aufzutauchen. Herr Karwaue scheint«ine außerordentliche Nase für Konjunkturen zu haben, aber jetzt hat er sich doch verspekuliert. Der„Völkische Bcobnchtcr" bezeichnet Herrn Franz Pillmeyer aus Aue in Sachsen als schlichten Graveur. Er ist immerhin Graoeurineister bei der Firma Hutschenreuter in Aue und—• fanatischer Gcwerkschastsgegncr., Nur so machte er nämlich feine Nazi-Karriere, die ihm aus dem Wege über die echten Arbeiter- Parteien und die Gewerkschaft nicht gelingen wollte. 1923 wurde Pillmeyer plötzlich Nazi-und trat o»s dem Metallarbeiter verband aus, als man ein Ansschlußversahren gegen ihn anhängig machte. Pillmeyer, der erst vor einigen Jahren in Deuts chlond eingebürgert wurde, hat während des Krieges in Oesterreich gedient. Da es ihm nicht gelang, seine Heldenbrust mit selbstverdiente» Ehren- zeichen.zu schmücken, kaufte er sich, als er ans dem Felde heimkehre, einen„Klempnerladen": so. hat er selbst im Betriebe August Wellner Söhne in Aue erzählt. Das sind einige hervorragende Bertreier des nätionalsoziaftsti- schen Mehrstandes. Keiner unter ihnen ist«in einwandfreier Arbeiter, keiner ütss den Beruf aus, unter dem er heute der Oessent lichkell präsentiert wlld. Wütende Feinde der Arbeiterbewegung sind es, Prinzensreunde, Bankrotteure der alten 2lqbeiterbewegnna. die ihre ehrgeizigen Pläne nicht in den Organisationen des Proletariats zu verwirklichen vermochten. Sie werden jetzt das Maul bis zu den Ohren ausreißen und sich als die Vertreter des werktätigen Volkes betuen. Dabei sind sie bestenfalls Hochstapler, die sich zu betrügerischen Zwecken Bernfc beilegen, die sie nicht' ausüben. Richt-Mehr-Arbeiterstand, dos wäre die richtige Berufs- bezeichnung für alle diese Betrüger. Eine Naziattraktion weniger. Der nationalsozialistische Reichstogsabgeordnete H o l tz ist z u i, r ü ck g et r« t e n. Nachgerückt ist Hauke-Oderberg. Dieser famose Herr Holtz, ReligionSlehrcr in Charlotten- bürg, war als Spitzenkandidat der Nazis im Wahlkreis Pols- dam T in den Reichstag gewählt worden. Erst wenige Tage vor der Wahl hatte ihn das Provinzialschulkollegium suspendiert, weil ein Strafverfahren wegen Erregung össenllichen Acrgerniijes gegen ihn eingeleitet worden war. Bisher gab er Vorstellungen nur auf dem Balkon seiner Charlottenburger Wohnung, nun sollte er sich auch noch im Reichstag produzieren. Dies scheint aber die Partei- lellung der Nazis verhindert zu haben. Warum denn eigentlich? An dem hinausgeworfenen Pastor Münch meyer, der seine Seel- sorgerpflichten so genau nahin. daß er sich von den Fortschritten der Vernarbung an einem werbliche» Unterleib persönlich überzeugen muhte, hat man bisher keinen Anstoß genommen. Oder gilt etwa der Fall des„Rorbensorschers" Münchmeyer, im Gegensatz zu der frischen Affäre Haitz als verjährt? Nazis gegen Lobe. Statt auf den pcäsidentensiuhl soll er ins Zuchthaus. Der„Völkische Beobachter" bringt zur bevorstehende, r Wohl des Reichstogspräsidiums clne Proklamation, die in den Ruf aus- klingt:„F o r t m i t L ö d e!" Nur im Novembcrdentschland sei rs möglich, daß ein Mann, der das gemeingefährlichste aller Verbrechen, die Sabotage de Landesverteidigung, begangen lzabe und eigentlich ins Jucht- haus gehör«, Präsident des Reichstags sein könne. Wo und wodurch Lobe das angebliche znchthauswürdige Verbrechen begangen haben soll, wird nicht genau ausgeführt Die Behauptung, daß er Präsident eines Bundes für Kriegsdienst- Verweigerung sei. trifft enttchieden nicht zu. Auch der Jnlzolt einer Red«, die er im Jahr« 1927 auf einem Friedenskongreß gehalten haben joll. wird nur ungenau wiedergegeben, und das wichtigste wird dabei verschwiegen. Löbe hat nämlich damals ein Gesetz verlangt, nach dem die- jemgcn, die zum Kriege gehetzt haben, als erst« in den Schützen- graben müßten. Seitdem find— obwohl er keine Namen genannt hat— die Herren Frick, Reventlow. KubV. Goebbels und andere Prominent« des Dritten Reiches auf ihn schrecklich böse. Wir nehmen an. daß Löbe diesen Haß ebenso gefaßt ertragen wird, wie d'e ganze Partei es tut. Im übrigen ist jetbslverständlich, daß keiner dieser Bursche,, mit sozialdemokratischen Stimmen zum Vizepräsidenten gewählt werden wird. Labour pariy mit PPG. solidarisch. Ein Sympathietelegramm des Labour-Parteitages. London, tl. Oktober.(Eigenberichts Zm Austrug des Labourkongrcsses sandte die Exekutive der englischen Arbeiterpartei nachfolgendes Telegramm an die sozialistische Partei Polen»: „Die Sonsercnz der Labour Party bekundet t i c s st e S y m p a- thie sür den Kamps der demokratischen Arbeiterklasse Polens zur Verhinderung einer soschislischen Diktatur. Der Kongreß sendet dem Präsidenten und Vizepräsidenten der sozialistischen Partei Polens, sowie ollen anderen in polnischen Gefängnissen schmachtenden Sozialisten und Gemerkschasilern seine kamcradschast- lichen Grüße. Der Kongreß erhofft sehnlichst den nahen Sieg der polnischen Demokratie über die fosäiistische Gefahr und die Wiederherstellung eine» freien Polens unter den freien Völkern Europas." �Humanität� unter pilsudfki. Warschau, 11. Oktober.(Eigenbericht.) Der in Trest-Litowsc internierte sozialistrsch« Abgeordnete und Führer der polnischen Arbeitersugend, Dubais, ist am Freitag noch Warschau gebracht worden, wo sein« Frau schwer kre». daniederliegt. Jnsolge der Aufregungen über die Verhaftungen und die Nachrichten über die schlechte Behandlung der Internierten hatte sie eine Totgeburt und geriet in Lebensgefahr. Dubois durfte trotzdem nur in Begleitung des Staatsanwalts einige A u g« n b l i ck e an das Krankenbett seiner Frau. Der Versuch der Pilsudski-Leut«, in die Reihen der o p p o- » sitionellcn Bauern Verwirrung zu tragen, indem sie durch einig« bezahlte Agenten einen neuen Bauernbund grün- deten und sür diesen direkt auch die Zeitung und Parteikasse des wirklichen Bauernbundes in Anspruch nahmen, dürste nur vorüber- geheirden Erfolg haben. Der Parteiausschuß des Bauernbundes beschloß am Freitag einmütig, die wenigen Mitglieder, die sich für die Neugründung erklärt haben, auszuschließen und den bisherigen Führern sowie der demokratischen Linken die Treu« zu halten. Verschickung staii Ltnierstutzung! Wie im SowjeiparadieS jeht mit den ArbeitSlostn um- gesprungen wird. In unserer Abendausgabe meldeten wir bereits die Ein- stellung der Arbeiisloscnunterstützung in Sowjet- rußland. Die deutschen Smvjetlakaien werden natürlich ihren An- hängern vorreden, dies geschehe, weil keine Arbeitslosen in Rußland mehr vorhanden seien. Aber ganz abgesehen davon, daß selbst die schöngefärbte So w j e t st o t i st i k jüngst noch 1 154 000 Arbeitslose in Rußland meldete, brauchte eine Regierung die Arbeitslosenunter- stützung am wenigsten dann ausdrücklich durch Dekret auszuheben, wenn sie sowieso niemand mehr in Anspruch nähme! Nim, die Aufhebung der Unterstützung geschieht vielmehr, um die Arbeitslosen »ngehiudert noch entlegenen und unwirtlichen Gegenden des Sowjetreiche« als Znxmgsarbciter deportieren zu können. Ganz deutlich spricht dies der zweite Teil der Mitteilung des Arbeitskommissars aus. In ihm wird nämlich angeordnet, daß die Arbeitslosen, dte oft mit Rücksicht auf ihre Familie oder ihre 2S n h u u luLchre.y<; im a t st a d t nicht perl a s se n wollt n oder Arbeitsmögkichkeit entsprechend ihrer her, Flicken Borbildung fordern, an Baustellen und Arbeitsplätze zu schassen find, wo Bedarf vorhanden ist. unabhängig von ihrem Beruf und ihrer sachliche« Eigaong. Wer sich weigert, dem Befehl zur Arbeit nochzukoyimen, wird von den Arbeitsbörsen gestrichen. Er verliert also damit dauernd die Recht« der Arbeiterklasse. Der einzige Absagegrund ist Krankheit, die jedoch durch besondere A« r z t e- tommissionen scstaestellt und bestätigt werden muß, Was das bedeutet, ist völlig klär. Der Arbeitslose wird �rutol von Frau und Kind getrennt, er muß seine Wohnung verlassen, um an einem vielleicht fünfhundert Kilometer entfernten Orte in einer verwanzten und überfüllten Baracke— man lese darüber in den Schriften Panait Istrotis das Nötige nach— zu hauten, aus irgend einer,Feldküchc ungenießbare Kost zu essen, eme Arbeit zu ver- richte», der er nicht gewachsen ist, kurz und gut: um das Leben eines Zuchthaus st räslings auf Auhcnarbcit zu führen, gleich dem er den ihm angewiesenen Ort unter keinen Umstünden verlassen darf. Dies uennt sich Arbeitsloscnfürsorge in dem angeblich„einzigen Arbeiterstaat" der Welt! Memelländische Landiagswahlen. Starke deutsche Mehrheit.- Erhebliche Gewinne der Sozialdemokratie. VIemel. 11. Oltober.(TU.) Von den Wahlen, zum Memelländische» Landtag vom 10. Oktober liege» a»s 112 Wahlbezirken von insgesamt 192 Ergebnisse vor. Danach ergibt sich folgendes Bild: Die Memel- ländische B ol k s p n r t e i erhielt hi-cher insgesamt 12966 Stimmen, davon in der Stadt Memel 7964, die verbundenen Listen der Landwirtschastsparteien erhielten 8876, die Sozioldcmo- traten 6020, die Wirtschastspartci 1203, die Arbeiterpartei (Kommunisten) 2454, der Verband der Landwirtschaft 79l, die G roß li t o ü i s ch c Liste insgesamt 7068 Stimmen. Demgegenüber stehen falgendo Zahlen der vorigen Landtags- wähl: Memelländische Bolkspartei 17755, die verbundenen Landwirt- ichaftsparieien 18355, Sozialdemolraten 5502, Kommunisten 3882, Verband der Landwirtschaft 1473. Groß-Litaucr 5914. Demnach steht es einwandfrei seit, daß der kommende Landtag im großen und ganzen d>« alte Zusammensetzung behalten und das Geschick des Memellandes auch weiterhin von den alten emgesessenen memel- ländischen Parteien geleitet werden wird. Aufiallend ist. daß die Sozialdemokraten«inen erheblichen Gewinn an Stimmen für sich buchen können und daher eventuell auf Kosten de r Kommunisten einen neue» Sitz erhalten werden. Brasilien. Schlechte?tachrichten sür die Ziegieruna. Bueno» Aires. 11. Oltober. Di« Zeitung„La nacion" berichtet aus Porto Alegre: Noch dort eiogetroffenen Meldungen hat die Bundcsgarnifon in Santa Eruz(Rio de Janeiro) gemeutert. Ei» Kreuzer, der die Landung von Buiidestrupprn in Imbituba duichjühren molllc. mußte noch längerem Kampf die Flucht ergreifen. Der Stab der Aufständischen nieldet, daß die Oss«nsn>c weitsr vorgetragen werde, er gibt seine Efsektivbeftändc mit 50 000 Mann an. von denen 30 900 Mann zu den Kampssornm- bjmkh gehören, Der nazifreundliche Unternehmer. August 1930: Ein nationaler Wahlsieg wird die September 1930:„107 Razis gewählt. Jehl gehen Wirtschaft ankurbeln. Verfügen Sie über meinen goldene Zeiten für die Wirtschaft an!" Geldschrank." Oktober 1930:„Waa— s? Börsenkrach aus Börsenkrach! Sollte ich mich verkalkuliert haben?" Und bald darauf:„Sicherheitshalber werde ich doch meine Kapitalien nach der Schweiz bringen." Faschismus«l-Nationatsozialismus Prof. Heller in der Freien Gozialisiischen Hochschule M. chochjchulc sprach>m überfüllten Plenarsaal des preußischen Staatsrates Genosse Professor Dr. ch e l- l e r- Berlin über„Faschismus als Nationalsozialismus". Er legte dar: � Während in Italien der, Faschismus seit acht Jahren regiert, während in Jugoslawien, Ungarn und Polen halbfaschistische Re- gierungcn am Ruder find, während in Finnland und Oesterreich die faschistische Bewegung nach der Macht greift, hat der deutsche Faschismus, der Nationalsozialismus, einen ungeheuren parlamen- tarischen Sieg errungen. Die Bewegung, van der nur die West- und Nordstaatcn Europas verschont sind, herabsetzen und unter- schätzen, heißt sich selbst schaden. Die Grundlagen der Bewegung sind eine weitgehende soziale Umschichtung, eine starke Schwächung der Arbeiterbewegung, man- gelnde politische Erziehung weiter Aollskreise. Versagen der par- lainentarische» Formen und ein Generationenwechsel besonderer 'Natur. Der Antisemitismus spielt nur eine untergeordnet« Rolle. Er dient der Propaganda und wird gegenüber dem zahlungsfähigen Judentum im gegebenen Augenblick sofort zurückgestellt werdxn. Gehört dach beispielsweise das„Neue Wiener Journal", Organ der Heimwchrcn, dem Juden Lippowitz! Die soziale Umschichtung hat den kleinbürgerlichen INitlelstand zu einer selbständigen politischen Größe gemocht. Er fühlt sich bedroht durch die Arbeiterbewegung und das organi- sierte Kapital. Geführt durch deklassierte Elemente der Bourgeoisie, frühere Ossizicre und nicht,versorgt« Akgdemikcr, ist er wirtschaftlich proletarisiert, innerlich aber aufs engst« mit dem Bürgertum ver- bundc». Politisch nnunterrichtet, betont der Kleinbürger sein Bürgertum, indem er dieses in der ruiticmalistische» Tonart noch übertrifft. In seiner Stellung vor der Arbeiterschaft ist-der Kamps gegen die Genossenschaften ihm besonders wichtig, weil er in ihnen den Konkurrenten sieht, weshalb km saschistischen Italien gerade die Genossenschaften zuerst zerstört wurden. Aus ähnlichen Ueberlegungen auch spielt dos Wareithaus in der imtionalsozia- listischen Propaganda eine so hervorragende Rolle. Die Universität erzieht di« Führer: 70 000 Studenten im reichen Deutschland vor dem Krieg stehen heute 120000 Studenten gegenüber, so daß wir bald mit 40 000 unversorgten Akademikern rechnen müssen. Nicht revolutionär, nicht reaktionär, sondern konservativ ist der National- sozialismus für das Großkapital Sturmbock gegen die Arbeiterschaft. Die oberitalicnische Industrie unterstützte Mussolini, der liberal« Giolitti gab ihm die Waffen. Koirservatio ist die Phrase vom Ständestaat, die der Erhaltung der Gcsellsehaftsordnung von heute dient. Die Schwäche der Arbeiterbewegung ist hervargerusen durch den Kampf zwischen Kommunisien und Sozioldemokratcn, der sich gegen die Arbeiterbewegung selbst richtet. In Italien för- derten Faschisten die Besetzung von Fabriken, um dam, über drohen- den Bolschewismus schreien zu können, unid in Oesterreich wurde „Fürst Igor". Ondenoper. Vierzig Jahre nach der Petersburger Uraufführung eine Neuheit für Berti»„Fürst Igor", Oper von A. Borödin. Di« verworrene.üandlung au? russischer Vorzeit vermag nicht zu inter- cssiercu: die Musik besticht durch ursprüngliche Kraft nor allem der volkstümlichen Szenen. Unter Blechs und chvrths Leitung ein« glänzend« Aufjührung in der Lindenope.r Biel Beifall, vor allem nach dem musikalischen Höhepunkt des zweiten Aktes. K. P. die Heimwehrbewegung groß durch das Anzünden, des Wiener IusttzpakasteS. Moskau fördert diese Dinge, nicht um der halb. begrabenen Weltrevolution willen, sondern um Europa in Unruhe zu holten. Wie. könnt? ohne die m a n g e l n d e politische Er- Ziehung der Unsinn voin Brechen der Zinsknechtschaft geglaubt, wie könnte von Studenten Hitlers Wort, daß einem Volke, das wirklich deutsch ist, Waffen aus den Fingernägeln quellen, bejubelt werden? In der'Arbeiterschaft andererseits wird die Demokratie zum Teil iinterschntzt. zum Teil aber werden Mandatszahl und Stimmzettel überschätzt. Der Stimmzettel hat nur Sinn, wenn man auch den Kopf hinhält. Weiterhin müssen auch wir Sozialdemokra- ten außenpolitisch stets betonen, daß wir die Reparationen mir zähneknirschend bezahlen. Do» versagen der parlamentarischen Formen diskrcdilierlc die Demokratie. In Italien gab es vor 1922 gleichfalls Kabinette, die nur dekretierten, und Parlament«, die versagten. Die Schwierigkeiten freilich, di« ein Parlament hat, das nur durch Bildung von Koalitionen arbeitsfähig ist, sind'nicht zu verkennen. Der Generationenwechsel hat durch Krieg und Nachkrieg in allen Teilen des Volkes eine Kluft zwischen Allen und Jungen ge- schaffen. Die Jugend von heute will die Aktivität um der Aktivität willen, will nicht Theorie und Verhandeln, sondern Praxis jmd Handeln. Sie überschätzt sich selbst, während aus der anderen Seite eine Verkalkung der alten Parteien nicht geleugnet wxrden kann. Jnlensivsle Sorge um die Zugcnd tut not. Lächeln wir nicht über den Führerkult um Mussolini, Lenin und Hitler, scherzen wir auch nicht über die Freude an llniformen und Abzeichen! Nicht ichne Grund heißt das Lied der Faschisten: Jugend, Jugend, Blume der Schönheit. Welche Mittel haben wir zur Bekämpfung des Faschismus? Eine andere Einschätzung der staatlichen Gewaltmittel tut not. Zftr sentimental berechtigte Widerwille der Arbeiter, 1919 und 1920 in die Wehrmacht einzutreten, wär politisch ein grober Fehler. Anderer- seits darf die Demokratie nicht mit dem Polizeikmippel allein regieren, sie muß den Minoritätenschutz wahre». Fiihrertum muß großgezogen werden, es darf nicht so Fein, wie einst Polmerston sagte: Ich bin ihr Führer, also muß ich ihnen folgen. Zurückgewinnung der kommunistischen Massen nicht durch radikale Reden, sondern durch ein klares sozialistisches Programm und ein Bündnis mit den christlick>en Gewerkschaften sind nötig. Wir müssen handeln noch dem Worte Freiligraths: Zum Kampfe denn, zum Kampfe jetzt! Der Kampf nur gibt dir Weihe! Gchiffsunglück im Nord-Ostsee-Kanal. Fünf Mann der Äesahung vermiht. Brunsbnkkqlkoog. 1l. Oktober. Am Sonnabend gegen ö Uhr wurde der Loksendampfer ..Pilo k" vor dem Einsahrlslor Neue Schleuse von dem in Oslo beheimateten Dampfer„Zeloe" gerammt...Mot" sank sofort. Mehrere Fahrzeuge begaben sich sofort zur Unsallstelle, um die im Master schwimmende Besatzung des Lolfendompsers und die Lotsen zu retten. Einem Lrunsbülletkoogcr Lotsen gelang es, schwimmend das Land zu erreichen. Ausgesischs wurden ein Heizer Hansen und ein Decksmann, letzterer- mit einer schweren Beinver- lehnng. vermißt werden der Schisser w i l k i n s. zwei Heizer, ein Decksmann und ein Hamburger Lotse. Thüringens herrliche Zeilen. Ernüchterung bei der Ehrnilcchnationalen Bauern- und Landvolk-Partei Im Reich drängen die Chrisrlichnationalen nach einem Zusam- mengeyen mit den Nationalsozialisten in gemeinschaftlicher Regierung. In Thüringen haben die gleichen Christlichnationolen bereits ein Haar in dieser Suppe gefunden. Boll sreundnachbarlicher Ironie drucken die„Dolkskonservatioen Stimmen", das Organ der Treoiranus-Gruppe, ein llägliches Lamento ab in das das Organ der Christlichnationalen Bauernpartei für Thüringen über die Fricksche Mißwirtschaft ausbricht. Wir zitieren hieraus einige Säge: Was wir bis jetzt �von den Ratioitolsozialisten sehen, das erbringt an keiner«stelle den Beweis fördernder 'praktischer Arbeit. Auch nicht in Thüringen... Die Einnahmen aus den Forsten blieben erheblich hinter der Schätzung zurück, die steuern fließen nicht, wie erwartet werden mußte, der Abbau ist'noch lange nicht beendet, man mird aufs neue ansangen müssen. Mit Demagogie ist es eben nicht zu machen. Die Wirklichkeiten sind viel ernster und härter. Dos Landoolkblatt beklagt sich dann weiter, daß fuderweise Lorbeerkränze für Frick gewunden würden, daß mit großem Geschick der Eindruck erweckt werde: hier ist der wahre Retter Thüringens, während in Wahrheit Frick die Erfolge seines Ministerkollegen Baum, des Landvolkparteilers, einfach für sich reklamiere. Schließ- lich wird den Nazis von ihren Koalitionspartnern folgendes bescheinigt: Die Kursstürze der letzten Wochen, die herausziehung sehr erheblicher Kapitalien aus der deutschen Wirtschast sind die Quittung auf die Wahl von 14. September 1930. Das ist sehr ergötzlich. Eine Partei, die sich mit den National- foziafisten in Regierungskoalition befindet, erklärt das Anschwellen der Nazistimmen als Ursache der Wirtschaftspanik. Di«„Bolks- konserv atmen Stimmen" bemerken dazu, daß danach die Aufforde- rirng des Landoolkführers D ö b r i ch, die Nationalsozialisten mäch-' ten das'Reichsfinanzministeriuni und das Außennnnisterium über- nehmen, wohl. nur ironisch gemeint sein könne! Professor B!u Denn mit Frankreich wollen wir gar keine guten Be- Ziehungen, es bleibt in alle Ewigkeit unser Erbfeind. (Heil!) Wir werden natürlich unser« Aufrüstung den Franzosen nicht auf die Nase binden, denn wir sind klug wie Scharnhorst und Gneiseuau. Die Stunde der Befreiung ist nahe. Wir wollen keine Mehrheit, wir brauchen Kämpfer, Männer, die zu allem bereit sind. Wir werden diesen verluderten Staat zerschlagen und unser Reich, das dritte Reich, aufrichten. Dazu helfe uns unser Herrgott im Himmel!(Heil. heil, heil!) Und so etwas ist Staatsbeamter und wird als Erzieher auf junge Leute losgelassen! Düsierbera muß zahlen. Wegen Beleidigung von Reicksbannerfübrern verurteilt. Magdeburg, 11. Oktober(Eigenbericht.) Die Kleine Strafkammer Magdeburg verurteilte am Freitag den zweiten Bundesvorsitzenden des Stahlhelms Düsterberg wegen Beleidigung mehrerer Reichsbannerführer zu 2 0 0 Mark Geldstrafe. Düsterberg hatte den betreffenden Personen Cha- rakterlosigkeit und ähnliche Dinge vorgeworfen. Das Urteil der ersten Instanz gegen ihn lautete auf 100 Mark Geldstrafe. Gowjeirusfischer Schwindel. Urkundlich widerlegt. Die in Odessa erscheinenden„We t s che r n y j a Iswesti- j a* vom 9. September 1930 bringen unter der Ueberschrift„Opfer der Kulakcnagitation" folgende aus Berlin datierte Notiz: „Die durch die Kulakenagitation betroffenen deutschen Kolonisten, die vor einem Jahre aus der Sowjetunion nach Deutschland gereist sind, sind in s ch r e ck l i ch e r N o t. Die deutschen Behörden verhindern sie jedoch in jeder Weise an der Rückkehr in die Sowjetunion. Einer dieser Bauern, Giesebrechl, bemüht sich einige Monate v e r g e b l i ch um die Genehmigung, aus Deutsch- land zurückzureisen. Giesebrecht wird als Gefangener im Konzentrationslager gehalten. Seine Brief« unterliegen der Zensur." Hierzu wird der Telegraphen-Union von zuständiger Stell« mit- geteilt: Unter den 6000 Flüchtlingen, die aus Rußland nach Deutschland gekommen sind, um nach Uebersee weiterbefördert zu werden, be- fanden sich nur zwei, die nach Monaten den Wunsch äußerten, nach Rußland zurückzukehren. Ms Grund gaben sie an, daß die russische Regierung ihren zurückgebliebenen Angehörigen die Ausreise nicht gestatte, und um wieder mft ihren Familien zusammen zu sein, wollten sie nach Rußland zurück. Reichskommissar Stücklen wandte sich daraufhin so- fort an die Berliner Sowjetvertretung mft dem Ersuchen, ihm mft. zuteilen, wie dieser Wunsch erfüllt werden könne. Auf dieses Schrei- den erhieft er von der russischen Sowjctvcxtretung in Berlin folgend« Antwort: „Urschriftlich zurück mft dem Bemerken, daß dem Ankrag der Herren Giesebrecht und wiebe vm Einreise. genehmigung in die UdSSR, nicht entsprochen werden kann. da die Genannten, wie ersichtlich, kein« bestimmte Staats- angehörigteit besitzen. Staatenlosen ist die Einreise nach der UdSSR, nicht gestattet." Berlin, den 29. August 1930. stonsular- Abteilung der Botschaft der UdSSR, in Deutschland. Unterschnst unleserlich. Es liegt also an der russischen Regierung selbst, wenn die Möglichkeit einer Rückkehr nach Rußland ausgeschlossen ist. Was die übrigen Angaben über die Behandlung des G i e s e- brecht angeht, so muß betont werden, daß«r ebensowenig wie dl« übrigen Emigranten jemals als Gefangener gelten konme. Als sein« Einreise nach Rußland sich als unmöglich erwies, äußerte er den Wunsch, aus dem Loger entlassen zu werden, und diesem Wunsche wurde sofort Folge gegeben. Wieb« ist auf seine Bitte im Lager b e l a s s«n worden, weil er nach Brasilien auswandern will. Die Meldung des russischen Blattes ist sonach von A bis Z erlogen. « Eine Aeußerung der Sowjetbotschaft zu diesem skandalösen Presseschwindel erscheint dringend erforderlich. Sonst müßt« man den Verdacht aussprechen, daß sie den Bericht des Odessaer Blattes selbst veranlaßt hat. Schober-Block gegründet. Auch er will den„Marxismus" löten. Wien. II. Oktober. Nach langwierigen Verhandlungen ist am Sonnabend nachmft- tag jene Wahlgemeinschast gegründet worden, an deren Spitze Dr. Schober steht. Die Wahlgemeinschast besteht aus den Großdeutschen, dem Landbund, dem Städtebund. dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Reichsorgonisation der ösfent- lichen Angestellten, der llde-Partei und einigen anderen kleineren Parteien. Die Verhandlungen, die mft der D e m o t r a t i s ch e n Mittelpartei wegen eines Beftrills zu dieser Wahlgemeinschast ge- führt wurden, haften kein Ergebnis. Die neue Wahlgemeinschast, die sich„Nationaler Wirtschafts- block und Landbund, Führung Dr. Johannes Schober" nennt, hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt, daß das Ministe- rium Schober mutwillig gestürzt und die Arbeft am Wiederaufbau der Wirtschaft durch politische Quertreibereien gestört worden sei. Staat und Wirtschast seien in Gefahr, und in diesem Augenblick der Not habe Dr. Schober dem Ruf der Wirtschaft selbst- los Folge geleistet. Der unter der Fichrung Schobers stehende Block werde dafür kämpfen, vor allem die Wirtschaft im Staat« wieder erträgnismöglich zu machen. Die Wahlgemeinschaft seh« ihre Haupt- aufgab« im Kamps gegen alle volkszersetzenden Bestrebungen, wozu in erster Linie der Marxismus(!)zu zählen sei. Wik d«m Besuch von Trier fand gestern nachmittag die zweite Rheinlandreise des Reichspräsidenten von Hindenburg ihren Ab- schluß. Ein« starke Abordnung aus dem Saargebist nahm in Trier an den Besreiungsseiern teil. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich tllr Politik! Viru» Schill: kSirtichatt: s.»lioaelhöter: Eewerkichaitobewraung: Fr.»»kor«: sseuillrton Dr. John Schilowoki: Lokales: und Sonltiaee?rih llarstädt: Anreisen: 14 Stock«: lämtiich in Berlin. Verla«: VorrdSrts.VerIaa®. m b. S Verlin Druck: SorwSrts.Vuchdruckerci und Vcrlaasanstalt Paul Linaer u Do. Berlin SW. SS. Lindcnliraä» 3 . Kierzu 3 Beilagen. Nachttischlampe Dmelcrchalter, Schirm � 90 I Speisezimmerkrone (Messing, blank, mit Seidenschirm, 05575 3- und l-flammig ZmSJmm Holztischlampe 'farbig lackler», mit Faltschirm O 45 und Zuleitung Steppdecke bmrKeld. Oberteile, Sattiv.> Rüdctelte, gewaschene 1 E75 Ftlleng, 150/200 cm I Daunendecke Oberseite kunstseidener Damass6# SotlnrGdcseite, C gute Daunenfüilung, 150/200 JEDEN MIHWOCH: SONDERANGEBOTE ZUM N*J-ICuuMaQ BERLIN C2• SPANDAUER STRASSE• KONIGSTRASSE• GEGR0N0EI IBIS Nr. 479» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 42. Ottober 49Z0 Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist der Weg in irgendein„Amt" nicht gerade beliebt. Wir müssen dem Mann hinter der Barriere erst einmal unsere Seele hinüberreichen, dann wird er sie einordnen, vergleichen, abmessen, um uns schließlich zu fragen:„Haben Sie eine Bescheinigung darüber?" Wir versuchen zu lächeln und sagen„Nein!". nehmen unsere Seele als nicht ordnungsgemäß wieder in Empfang and gehen los: von Pontius zu Pilatus. Haben Sie schon einmal einen Toten begraben? Sind Sie schon einmal com Sterbebett zum Totenarzt, vom Arzt zum Standesamt, vom Standesamt zur Polizei, von der Polizei zum Friedhof, vom Sargfritzen zum Kutschenverleiher, vom Kulschenver- leiher halb irrsinnig wieder in das Sterbezimmer gekommen und hatten sich noch keinen schwarzen Schlips gekauft, noch keine Traueranzeigen verschickt, noch nicht mit der Krankenkasse oder Versicherung gesprochen? Haben Sie wirklich schon einmal versucht, in Berlin„eine Leiche unter die Erde zu kriegen?" Wer diese dreitägige Hetzjagd lebend überstanden hat, der hat seine Feuertaufe schon erlitten, der weiß, was wir meinen: von Pontius zu Pilatus. Wenn man arbeitsunfähig wirb. Das h«ißt, einen Toten begraben, dauert drei Tage, um jedoch «in paar Mark Rente zu erhalten, kann man unter Umständen drei Jahr« lang von Pontius zu Pilatus rennen. Um dann immer noch nicht seine Rente zu haben. So kommt an einem Dezembertag des wahres t9?6 die damals SZjährig« Frau K. in das Büro des Zentral- Verbandes der Invaliden und Witwen Deutschlands und bittet, einen Antrag an das zuständige Landesversicherungsamt aus Gewährung von Invalidenrente zu richten. Gesagt, getan, die Reichspost trägt den Antrag zum Köllnischen Part und nun geht das los: das lose Paragraphengestrüpp der ersten Monate wird zum Paragraphen- dickicht nach jetzt dreiunddreiviertel Iahren, um den Fall der Frau 6. haben sich wie Polypenarme die 1253 bis 1722 der Reichsversiche- rungsordnung geschlungen. Karten werden geschrieben, Briefe ge- wechselt, Untersuchungen gemacht, Gutachten abgegeben, VerHand- lungen angesetzt, Berufungen eingelegt, Aktenstücke vollgeschrieben, bis sie platzen, Wechnachten dieses Jahres werden vier Jahre vec- gangen sein, seit Frau K. ihren Antrag stellte, wir wollen hoffen und wünschen, daß bis dahin die arm« Frau K. im Besitz ihrer Rente sein wird. Bei dieser Frau stellte man 1926 neun Leiden fest, nach den üblichen zwei Monaten bekam sie den Bescheid, ihr Antrag aus Zahlung von Invalidenrente wäre abgelehnt, sie sei noch in der Lage, sich ein Drittel des ortsüblichen Tagelohns zu verdienen. Uebrigens bekommen diesen Bescheid von der Landesverstcherungs- anstalt 66% Proz. aller Antragsteller. Frau K. legt Berufung ein, schleppt neu« Gutachten herbei, kommt acht Tage lang ins Kranken- Haus zur Beobachtung, dann wartet Frau K. und wieder sagt man nein. Die Frau k. könne noch Tällgteilen im Sitzen ver- richten, sie könne ja in einem Restaurant Kartoffeln schälen oder Ge- müse putzen, sie könne auch irgendwo Kinder beaufsichtigen. Frau K. rennt weiter von Pontius zu Pilatus, legt Revision beim Reichsver- sicherungsamt ein, es wird geprüft, es wird untersucht, es wird»er- Handell, schließlich weist das Reichsversicherungsamt die Angelegen- heit zur nochmaligen Beratung an das Oberversicherungsamt zurück. Frau K. muß sich operieren lassen, trotzdem sagt das Obcrverfiche- rungsamt wieder nein. Inzwischen sind die Aktenstück« zu dicken Wälzern angewachsen, verstaubt und vergilbt sind schon die„einver- leibten" Dokumente, aber da Frau K. organisiert ist,, erhebt der Zcntralverband der Invaliden und Witwen noch einmal Einspruch, zum dritten Male wandert Frau K. ins Krankenhaus zur Beobach- tung und erzielt ein Gutachten, nach dem ihr vom 18. Februar ab eine 7<1prozentige Invalidität bescheinigt wird. Jetzt werden noch einige Wochen bis zur mündlichen Verhandlung vergehen und vielleicht hat Frau K. zu Weihnachten ihre Rente auf den Tisch. Denn in all den vier Jahren konnte die Frau K. nicht mehr arbeiten, gelebt hat sie von der Vermietung ihrer beiden Zimmer und von dem geringen Monatslohn, den ihre Tochter nach Haus« brachte. Aber seit einigen Monaten stehen auch diese beiden Zimmer le�r und Frau K. und ihr« Tochter leben von 126 M. im Monat. Frau K. und allen ihre» Schicksalsgenossen, die um irgendeine Rente einkommen, wissen, was es heißt: von Pontius zu Pilatus rennen. Bitter ist das. Wenn man arbeitslos wird. Etwas anderes: Sofern wir Proletarier und vom Besitz der Produktionsmittel ausgeschlossen sind, bedroht uns beständig das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Wen es trifft, der mutz eine Woche lang Spießruten laufen. Niederschmetternd ist dieser Moment, wenn Familtenväter den„blauen Brief" überreicht erhalten, dann sind noch ein paar Wochen leiser Hoffnung da, wo die Jnscratenplantagen durchgeblättert und Bewerbungen hinausgesandt werden: heute kommt darauf keine Antwort mehr. Dann kommt der letzte Tag, man packt seinen Kram«in, am nächsten Morgen ist die Welt ganz leer. Man gibt sich einen Ruck, fährt zum Nachweis, ja, da stehen an den Tagen nach dem Ultimo die„Neuen" Schlange. Man wartet, kommt auch eimnal an die Reih«, sagt sein Sprüchlein her und der Mann hinter der Barriere antwortet:„Heute ist es schon zu spät, kommen Sie doch morgen wieder!" Man schiebt wieder ab, tritt am nächsten Morgen noch einmal an und wenn man dann nachweisen kann, daß man zehn Jahre lang das Leben eines Normalbllrgers geführt hat, dann bekommt man seine Stempelkarte. Aber man darf nicht zum falschen Nachweis gelaufen sein, man darf nicht ein Doku- mentchen vergessen haben, sonst fängt das schon hier an, dieses von- Pontius-zu-Pilatus-Schicken. Mit der neuen, noch so ungeknissten so mattglänzenden Stempellart«— wie sieht das Papier aus, wenn es erst Krisengeld gibt!— geht es zur Expedition des zuständigen Arbeitsamtes.„Heute nehmen wir keine Anträge mehr an, kommen Sie morgen bis halb elf" schallt es einem schon entgegen und man trollt sich wieder. Am nächsten Tage ist man zum entscheidenden Vorstoß in aller Herrgottsfrühe auf dem Arbeitsamt, packt seine Stempelkarte in die Zigarrenkiste, warum haben wohl so vieie Arbeitsämter nur Zigarrenkisten zum Einwerfen der Stempelkarten, man wird aufgerufen und gefragt:„Na, haben Sie alles bei- fammen?", natürlich denkt man, breitet die ganze» Karten auf den Tisch, worauf der Mann vom Arbeitsamt nur sagt:„Hier haben Sie ein« Bescheinigung, daraus muß ihr Arbeitgeber ausfüllen, was Sie bei Ihm verdient haben, vo» da gehen Sie zur Krankenkasse und lassen sich bescheinigen, daß ihr Arbeitgeber auch die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung abgeführt hat und dann gehen Sie zur Polizei und lassen sich dort eine Bescheinigung geben, daß Sie in der Wohnung, die Sie hier angeben, auch polizeilich gemeldet sind. Dann kommen Sie wieder." Bums, steht man wieder auf der Straß«. Für heute ist alles schon zu spät, bei Pontius war man ja schon, nun geht es zu Pilatus. Fährt zum Arbeitgeber, fährt zur Krankenkasse, schön ist das, wenn man am Wedding wohnt, in Neukölln gearbeitet hat und am Spittelmarkt versichert ist, na, imn noch schnell zum Polizei- revicr, redet man sich gut zm Inzwischen ist der zweite Stempeltog herbeigekommen, hin zum Nachweis,„ach Kolleje, laß ma doch rasch vor, ick muß noch nach de Expeditzjohn", und keuchend kommt man kurz vor Toresschluß auf dieser Expedllion seines Arbeitsamtes an. Bald sind wir bei Pilatus. Der Mann füllt das Antragsformular aus, wir sind ganz klein geworden und sagen alles, was der Mann wissen will. Als er die Tinte abtrocknet, atmen wir auf, aber der Mann sagt nur:„Nehmen Sie wieder Platz, Herr Schulze!" Dann nimmt man wieder Platz, wenn welcher da ist und wartet. Für Ab- wechslung sorgen ein paar„dufte Jungs", die mucken inzwischen auf:„Seit halb neun» sitzen wa schon hier und jetzt is et Mittach!", und von den Beamtentischen echot es zurück:„Erlauben Sie mal, was wollen Sie denn, Sie haben doch Zeit genug, Sie kriegen doch vom Staat für das Warten bezahlt!" Dann tönt es aus der Ecke: „Herr Emil Schulz«! und richtig, da sitzt der Pilatus,„Unterschreiben Sie hier!" meint noch der Vorsteher und schließlich spricht er das erlösend« Wort:„Ihr Zahltag ist Freitags, in der Turnhalle der xten Gemeindeschule an Kasse fünf." Man trocknet sich den Schweiß von der Stirn. Was wir hier geschildert hoben, ist der einfache, normale Weg jedes Erwerbslosen bis zum Unterstützungsbezug. Aber wehe, wenn irgendwo«in Zettelchcn fehlt oder wer selbst die Arbeit aufgegeben hat, weil er es nicht mehr aushalten konnte, der bekommt erst einmal seine acht Wochen Karenzzeit aufgeknallt und wenn er glaubt, in- zwischen verhungern zu müssen, dann muß er«ine Eingab« an den Spruchausschuß des Arbeitsamtes machen und dann ist Pilatus noch weit. Aber reden wir nicht immer von diesen traurigen Dingen. Da wollen zwei junge Menschen heiraten. Fragen Sie die einmal, wie sie von Pontius zu Pilatus gerannt sind, eh« sie sich an den Hochzeitstijch setzen konnten. Frau und Kind erschlagen. Die Verzweiflungstat eines unheilbar Kranken. Eine erschütternde Tragödie hak sich in der Mainzer Straße 2 4 in Lichtenberg abgespielt. In seiner Wohnung wurde der ZZjährige Obermonteur Wilhelm Richter erhängt ausgesunden. Sein« um zwei Jahre jüngere Frau und sein achtjähriger Sohn Lierbert lagen mit zertrümmerten Schädeln tot in den Betten.«Die furchtbar« Tat. die gestern nachmittag entdeckt wurde, ist ossenbar schon in den späten Abendstunden des Freitags geschehen. Richter hatte mit seiner Familie im 4. Stockwerk des Vorder- Hauses eine aus Stube und Küche bestehend« Wohnung. Er war bei der Firma Bergmann angestellt, in derem Auftrage er wieder- holt auf Montagereisen ins Ausland gesandt wurde. Vor einiger Zeit wurde das Familienglück durch ein plötzlich auftretendes Magenleiden des Mannes getrübt. Das Leiden nahm bald so schlimme Formen an, daß R. in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Fast acht Wochen verbrachte Richter in der Krankenanstalt, bis ihm vor etwa 14 Tagen die traurige Mitteilung gemacht werden mußte, daß er an Magenkrebs leide und seine Krankheit nicht mehr heilbar sei. Richter kehrt« darauf in sein« Wohnung zurück. Der früher heitere und zufriedene Mann war wie umgewandelt, und er trug ein niedergedrücktes Wesen zur Schau. Am Sonnabend siel es einer Hausbewohnerin, die auf demselben Flur wohnt, auf, daß sich von der Familie Richter niemand sehen ließ. Die Frau ging gegen 14 Uhr hinüber und wollt« die Küchentür aufklinken. Die Tür gab aber nur schwer nach, und als die Frau die Küche betrat, sah sie zu ihrem Entsetzen, daß sich Richter an der Türklinke erhängt hatte. Die Polizei wurde benachrichtigt und als die Beamten in vas verschlosiene Schlafzimmer eindrangen, fanden sie Frau R. und ihr Kind erschlagen aus. Mit einem schweren Hammer, der neben den Leichen gefunden wurde, hatte Richter die tödlichen Hieb« ge- führt; beiden war die Schädeldecke zertrümmert. Der Grund zu der Tragödie dürfte zweifellos in dem Leiden des Mannes zu suchen fein. Da Richter nichts hinterlassen hat, wird angenommen, daß er nachts, als Frau und Kind bereits schliefen, ganz plötzlich den furcht- baren Plan gefaßt hat, aus dem Leben zu scheiden und seine Familie mit rn den Tod zu nehmen. Kaufen Ste T6V vßten Spcziat- Bcittvarenhciu& Bettfedern Fertige Betten Steppdecke Daunendecke 6raue Federn p. Pfd. 75 Pf. Weiße Federn, 1.75 Halbdaunen.„ 4.20 Schleißfedern, 1.90 Daunen.... 5.75 Oberbetten 6�5 9.65 1 2.65 14.65 Unterbetten 5.�5 7,öo 10.65 12.15 Kissen... 2�5 3.60 3.95 4�5 ---------------—■ 1 poitor kuottf.ie.nir Darai.t- Obimlt«. DOcksatt* S« 1 1 n, 11-75 150X200....... Il./O kunslskidenar Dtmtst-Ob.r- • alte, varachiadana Farba», prima Oauaaa, A.Q c.n 150X200.....*r53.00 Pettfedern D_ Gustav Prinzen-Str. Icke Scbastion-Straa»« filmcrsdorfer-Str.lM , der ftiamarck- Siros»« FrankfuitepAllee304 i Der kleine Bauchschnill. Die Gchemoperation am Gesunden, um Krankenkassen zu betrügen. Im Beirugsprozeh gegen Dr. Aischeder und Heszky wegen krankenkassenbelruges durch Scheinoperallonen wurde der Angeklagte Dt. med. Aischeder durch den zweiten Angeklagte» heszky wieder auf das schwerste belastet. h. behauptete, daß er ganz unter dem Einfluß von Dr. Fischedcr gestanden hätte. Sie seien eng befreundet gewesen und hätten sich nur mit Du angeredet. Er habe bei den Operationen Fischeders als Assistent mitgeholfen, da er bei seiner Firma gekündigt war und ein« Nierenreizung spure, habe er sich krank gemeldet. In dem Attest habe Dr. Fischedcr zum Spaß und aus reinem Uebermut, um der Krankheit«inen wichtigen Anstrich zu geben, Tumor ange- geben. Da seine Firma ihn zu einem Vertrauensarzt schicken wollte, habe Dr. Fischedcr zum Schein einen kleinen Bauch schnitt gemacht. Als er am 5. Februar in Karlshorst, wo er wohnte, einen Unfall hatte, habe Dr. Fischedcr gesagt:„Das wollen wir aus- nutzen." Landgerichtsdirektor R ü ck e r: Sie hatten sich im Januar bei drei Krankenkassen als Mitglied einschreiben lassen? Angekl. Heszky: Das geschah auf Vorschlag von Dr. Fischedcr. Das Geld für die Beiträg« habe ich von ihm und seinem Bater erhalten. Ich hatte nichts. Vors.: Hatten Sie irgendeinen Unfall. Ihre Angaben darüber gehen sehr auseinander? Angekl.: Jawohl, ich bin ge- stürzt und hatte«ine Quetschung am Bauch, die mir große Schmerzen machte, äußerlich war nichts zu sehen. Den Kranken- kassen habe ich alles mögliche angegeben. Ich war zu der Wohnung nieiner Schwester, die etwa 2 Kilometer ab von der Unfallstelle ent- fernt wohnte, gegangen und hatte Dr. Fischedcr aus der Schönhauser Allee kommen lassen. Es ist nicht wahr, daß Dr. Fescheder dort an dem Abend eine Oesfnung der Bauchdecke vorgenommen hat, wie er nach seiner Liquidation behauptet. Er hat nichts gemacht, kam aber jeden Tag. Einmal bracht« er seinen Assistenzarzt Dr. M o r r e l mit, der nichts finden konnte. Er bestellte mich in seine Praxis und hat mir dort den Bauch aufgeschnitten. Mir ist es heute schleierhaft, wie ich mich dazu hergeben konnte, denn es waren viele Patienten da, die husteten und es hätte doch ein« Infektion entstehen können. R.-A. WalterBahn: Was hat denn angeblich Dr. Fischedcr von dem ganzen Raubzug abbekommen? Angekl.: Ich habe die Beträge stets an Dr. Fischeder abgeliefert. Als ich etwas mehr haben wollte, sagte er:„Du hast ja dein tägliches Krankengeld." Der Angeklagte Dr Fischeder bestritt sämtliche Angaben Hesztys und berief sich mehrfach auf die Aussagen des in- zwischen verstorbenen Dr Goldmann-Morrel. Staatsanwaltschafts- rat Dr. Conrad: Dr. Morrel hat wenige Tage vor seinem Tode einen Brief an das Polizeipräsidium geschrieben, in welchem er sagt, daß er unter dem Einfluß von Dr. Fischeder g«° st a n d e n habe. Dieser Hab« seine Morphiumsucht ausgenutzt und ihn zu seinem Werkzeug gemacht. Er habe falsche Aus- sagen gemacht, sowohl in dem Abtreibungsprozeß gegen Dr. Fischeder als auch in dem jetzigen Prozeß. Angekl. Heszky: Dr. Fischeder hat bei der Operation in meiner Wohnung die Zuziehung eines zweiten Arztes liquidiert. Bisher hat er nicht angegeben, wer dieser zweite Arzt war. Angekl. Dr. Fischeder: Wer soll es sonst ge- wesen sein als Morrel. Vors.: Dieser hat aber ausgesagt, daß er bei keiner Operation mitgewirkt habe. Angekl. Dr. Fischeder: Ach, Dr. Morrel war ein Morphinist und wollte mit der Sache nichts zu tun haben, er hat ja ganz pflaumenweiche Aussagen gemacht. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Straßmann bekundete, daß sich aus dem objektiven Befund nicht mit Bestimmtheit erkennen ließe, ob der Arzt an seinem Patienten eine Scheinoperation vorge- nommen habe oder nicht. Allerdings wäre der ganze Verlauf des Eingriffs sehr seltsam und er halt« es für unangemessen, bei solch einer Darmverletzung ein« Oefsnung der Bauchhöhle in einer Wohnung unter primitiven Berhältnisien vorzunehmen. Professor G o r b a n d stellte fest, daß es in diesem Fall nicht darauf ankäme. ob Dr. Fischeder medizinische Fehler gemacht habe, sondern daß es sich um die Frage handele, ob er nach bestem Wisien gehandelt habe. Beweisen ließe es sich nicht, ob die Operation notwendig oder über- flüssig gewesen war. Nach einer langen Diskussion zwischen dem Angeklagten und dem Sachverständigen über die Verschiedenheiten medizinischer Ansichten wurde die Verhandlung auf Montag vertagt. Wo ist der Rechisanwalt? Äin Äerfchtvinden unter meriwürdigen Umständen. Seit einigen Tagen ist der Rechtsanwalt Ernst Ober- winter aus Berlin-Tempelhof unter Umständen, die sehr seltsam anmuten, verschwunden. Im Februar dieses Jahres wunde ein Fräulein Nelli G. wegen Erbschaftsschwindels festgenommen. Die G. hatte erzählt, daß sie einem Herrn, dessen Bekanntschaft sie auf dem Potsdamer Platz gemacht haben wollte, wertvolle Akten aufbewahrt habe und zum Dank dafür mit einer großen Erbschaft bedacht worden sei. Auf diese zu erwartende Erbschaft hin hatte sie verschiedene Leute angeborgt. Als der Schwindel ans Licht kam, wurde die G. festgenommen. Ihr Verteidiger, der Rechtsanwalt Ernst Oberwinter ist nun in den Verdacht geraten, wissentlich oder fahrlässig die Schwindlerin u n t e r st ü tz t zu haben. Auf An- fragen, die von Leuten, bei denen die G. Kredite aufnehmen wollte, an ihn gerichtet wurden, bestätigte er, daß sie eine Erbschaft in Höhe von 180 WX) Mark zu erwarten habe. Daraufhin erst gaben die Leute das Geld her. Oberwinter wird ferner beschuldigt, einem Weinstubenbesitzer aus der Breiten Straße unter allerlei Vor- fpiegelungen ein« größere Summe für eine angebliche Kaution eines Klienten abgenommen zu haben. Nelli G. hatte noch eine Rcststrafe von 7 Monaten zu oerbüßen. Als der Rechtsanwalt wegen der gegen ihn geäußerten Beschuldigungen jetzt befragt werden sollte, ergab es sich, daß er sowie die G. unauf- findbar waren. Seine Wohnung in der Wilhelm-Haufs- Straße hat Oberwinter nicht mehr aufgesucht, seine Vürogemein- schaft mit einem anderen Anwalt in Tempechos ist seit dem 2. Oktober gelöst. Wohin er sich gewandt hak und ob die G. sich in seiner Begleitung befindet, steht noch nicht sest. Zur Wahr- nehmung der Interessen der Klienten des Oberwinter, der seine Praxis seit dem Jahre 1924 betreibt, ist«in anderer Anwalt als Pfleger bestellt worden. Die Nazi-prügeleien auf der U-Bahn. Der„Vorwärts" gab in feiner Ausgabe vom Ist. Oktober die Zuschrift eines Fahrgastes wieder, die sich mit den Nazirllpeleien auf der U-Bahn beschäftigte. In der Zuschrift wurde gegen die Bahnbeamten der Vorwurf erhoben, daß sie das Treiben der Halenkrenzler duldetm oder sogar begünstigten. Hierzu teilt die Pressestelle der BVG. folgendes mit: Die Unter- fuchung des Vorfalles hat ergeben, daß sich die geschilderten Zu- sammenstöße nicht auf dem Bahnsteig abgespielt haben, sondern wahrscheinlich während der Fahrt zwischen Noll«»- dorfplatz und Wittenbergplatz. Auf dem Bahnhof Wittenbergplatz wurde lediglich beobachtet, daß«in Fahrgast, der sich ein Auge zuhielt, schnell den Zug verließ und nach dem Ausgang eilte. Das Bahnsteigpersonal ist von niemanden aufgefordert worden, irgendwie einzugreisen. Lärmszenen sind auf dem Bahnhof Wittenberqplatz auch nicht beobachtet worden. Das Personal selbst gab bei seiner Vernehmung an, daß es über diese Vorkommnisfe erst durch die Zeitung erfahren habe. Selbstverständlich sind die Bahnhofs- veamten verpflichtet, bei Tätlichkeiten einzu- schreiten und apch Feststellungen vorzunehmen, wenn das Er- suchen gestellt und der Grund dazu angegeben wird. Der Bahn- oufseher war zur fraglichen Zeit auf einer Revisionsfahrt nach den Bahnhöfen Uhlandstraße, Zoologischer Garten und am Knie, bei seiner Rückkehr um st,S2 Uhr ist ihm keine Meldung über den Vorfall gemacht worden._ Brauerauto überfährt drei Arbeiter. Auf der Kreuzung Breitenbach- und Eichbornstraße in Witten- au wurden am Sonnab«ndnachmittag drei Arbeiter, die sich mit ihren Fahrrädern auf dem Heimweg befanden, von einem Brauerauto überfahren. Die Verunglückten, der 24jährige Schlosser Franz B e h r e n d aus der Liebenwalder Str. 16, der 26jährige Schlosser Max S t e d k e aus der Kameruner Straß« und der 29jährige Monteur Theodor R a ß aus Ploewen bei Stettin wurden mit Brüchen und inneren Verletzungen in das Krankenhaus gebracht. In der Bahnhofstraße in Lichtenrade geriet der 14jährige Richard Mulls aus der Rohrbachstr. 7 mit seinem Fahrrad unter ein P f e r he g e s p a n n. Die Räder gingen so unglücklich über den Jungen hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Opfer der Miliiärfliegerei. Beim Looping auf das Dach einer Kaserne gestürzt. Prag. 11. Oktober. Am Sonnabendnachmillag ereignete sich aus dem Prager Mililörslugplah in Gbell ein furchtbares Fliegerunglück. Per Militärflieger Stabskapitän knazikovskij war mit dem Flug- zeug„B 21/132" ausgestiegen, als plötzlich bei einem Looping in einer höhe von ungefähr 400 Metern beide Tragflächen abbrachen. Die herabstürzende Maschine explodierte, fiel aus das Dach einer Kaserne und verbrannte. Der Flieger brach sich bei dem Sturz das Genick und war auf der Stelle l o t. Der Brand griff auf das Dach der Kaserne über, konnte jedoch bald gelöscht werden. Ein Soldat wurde aus dem Kasernenhos durch die herabstürzenden Teile des Flugzeuges schwer verletzt. Der ums Leb«n gekommene Flieger war der russische Graf B a z i ck y- K n a z i k o o s t i j, der in die tschechoslowakische Armee chs einziger Russe der zaristischen Armee übernommen wurde. Stabstapitän Knazikovfkij ist das 18. Opfer, das die tschechische Militärfliegerei im Laus« dieses Jahres fordert«. Atlantitflieger in Croyöon gelandet. London, 11. Oktober. Das Flugzeug„Columbia", das, wie gemeldet, nach Ueber- querung des Atlantik gestern abend aus den S c i l l y. 3 n f e l n glatt gelandet war, kam heute um 16 Uhr im Flughafen in Croydon an. Unter den zu dem Empfang erschienenen Personen befand sich' auch der Amerikaner L e v i n e, der Besitzer des Flugzeugs „Columbia", der den beiden Fliegern das Flugzeug, das vor zwei Iahren nach dem geglückten ersten Ozeanflug in Berlin ge» landet war, zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Ozean- flieger erklärten den auf dem Flugplatz anwesenden Presievertretern. sie hätten den Flug absichtlich im Oktober unternommen, um zu beweisen, daß die Uebersliegung des Ozeans zu jeder Zeit mög- lich sei._ Geschlossene Türen und Zriesvorhänge. Der Winter beginnt bei der BVG. Dom 15. Oktoberab werden auf allen Straßenbahnen wieber die Türen zu den vorderen Plattformen geschlossen. Mit dieser Maßnahme beginnen die Winter- Vorbereitungen im Berliner Berkehr. 3m Anschluß hieran werden auch die Friesvorhänge an den Türen und Fenstern wieder angebracht. Beim Eintreten der kälteren Jahreszeit wird auch die H e i z u n g derFahrzeugewieder in Betrieb gesetzt. Bei den Trieb- wagen der Straßenbahn wird der Brems- und Anfahrtsstrom zur Heizung ausgenutzt, wichrend die Heizung der Anhänger durch Frisch- ström aus der Oberleitung besorgt wird. Der Strom wird in beiden Fällen durch elektrische Heizwiderstände geschickt, die unter den Bänken angebracht sind. In ähnlicher Weife erfolgt auch die Heizung bei den Wagen der Hoch- und Untergrundbahn. Die Omnibusse werden durch Frischluft geheizt, die durch die Abwärme der Motoren auf eine höhere Temperatur gebracht wird.. llnberccht. Nachtruck vcrdotrn. Gustav Siepcnhautr Berlag A.-G., Vertriebsabt. Das Kind hatte die Augen zugekniffen, es trank lange, hörbare Schlucke aus seiner Flasche. Auf dem runden Kopf zeigte sich bereits Haar und die Haut war nicht mehr so verrunzelt, wie im Anfang. Es wurde schon ein richtiger kleiner Mensch! Auch jetzt hatten sie eigentlich nicht viel miteinander zu sprechen. Die Küche war behaglich warm und nichts darin oerändert. Oder— ja, Annies Figur zeigte leichtere, schlankere Linien— in den ersten Jahren ihrer Ehe war sie mit so beschwingten Schritten gegangen. Ueber ihren Köpfen trampsten im nächsten Stockwerk Füße, nebenan schrie ein Mann, heulte eine. Frau— im Unsichtbaren hinter den Mauern der Wohnung klappten Türen, hörte man das durch- dringende Pfeifen eines Gassenhauers. Die Mutter nahm vo.rsichtig. mit einem Lächeln, die leere Flasche aus den Händen des Kindes und legte die Decke noch einmal gut um den kleinen Körper. Der Junge schlief. Wenn man leise sprach, konnte man seine Atemzüge hören. So fängt das Leben an, dachte Werlo. Nahrung und Schlaf. Von uns weiß der kleine Kerl nichts, lange �eit werden ihm unsere Sorgen um sein Eröherwerden gleichgültig und un- begreiflich bleiben. Der dampfende Tops stand vor ihm auf dem Holzbrett in der. Mitte des Küchentisches. Annie gegenüber nahm er Plcktz und ließ sich den Teller mit Bohnensuppe hinschieben, das Metall der Löffel klapperte die dünne Beglsitinufik der Mahlzeit. S. Sie hatte Wochen nichts gewußt von diesen Räumen, deren Tapeten staubig und dunkel, deren Möbel zusammen- gekauft in Trödclläden. unschön waren und deren Fenster das Licht der Hinterhöfe, ein Surrogat von Tageslicht, schluckten. Dennoch— alle diese Dinge grüßten Annie als gute Bekannte— gealtert ein wenig und entfremdet durch fern- verlebte Wochen, aber hierher gehörte sie doch— die Einordnung in Krankheit und Geschehenlassen war vorüber. Jene Macht, die alles sicher und richtig tat, unter deren Ein- fluß aus Schmerzen Kinder werden und aus Kranken Ge- sunde, trat zurück in den Hintergrund, oerschwand. Schon als sie mit dem Kind zur Straßenbahn ging, forderte jede Kleinigkeit von ihr wieder Denken, Handeln, Geben, Sorgen.. Unter dem Küchenfenfter lagerte ein vergesfener Rest Schnee. Der Blick erreichte nur einen langgestreckten Streifen Erde zwischen Hausmauern. Di» Kraftwagen einer Möbel- fabrik, deren Führer zuweilen aus der schweißtriefenden Be- schäftigung zu ihr hinaufwinkten, rollten an und ab, und selbst bis in die vorderen Räume verfolgte sie der Lärm. „Achtung— offenes Feuer— Explosion!" mit einem blutroten, flammenschießenden Totenkopf über den Worten, und „Besser langsam fahren, als Leben vernichten!" erklärten Warnungsschilder. Die waren neu— auch sonst gab es kleine Veränderungen, das Tor der Garage war blau angestrichen, ein Auto kannte sie noch nicht. Grüßte nirgend ein Lächeln? In den langweiligen Tagen im Krankenhaus hatte sie oft an das lustige Gesicht eines Mannes gedacht, der jedesmal, bevor er durch den Torbogen auf die Straße rasselte, eine Hand am' Steücr, heraufwinkte. Es war Annie gewiß nie eingefallen, seinem Frohsinn Bedeutung zuzumessen. Einem Gespräch, zum Beispiel, wäre sie immer ausgewichen — nun fehlte er in dem Treiben des Lagerhofes. Von den neuen Leuten kümmerte sich niemand um sie. Man kannte sich ja auch nicht.„Ich bin hier fremd geworden..." sagte Annie und wurde traurig. Und wenn es nur das gewesen wäre! Gleich am Morgen, als Bert übernächtig zur Arbeit hinausgetappt war— er hatte nicht gut geschlafen, viermal des Nachts war das Kind aufgewacht— fand sie beim Reinigen zwischen den Sofapolstern einige rotblonde Haare. Sollte sie vier Jahre die Rückenlehne nicht richtig ausgestaubt haben? Sie quälte sich lange mit dieser Frage, eine Er- klärung fand sie nicht. Werla war immer ein ordentlicher Mann gewesen— hatte er sich jetzt mit einem Frauenzimmer abgegeben? Annie grübelte, holte das Photoalbum und suchte eine Bekonite mit rotem Haar, überlegte alle Möglich- keiten— und fand keine Erklärung- Lächerlich, um so einen Unsinn zu weinen! Sie setzte sich mit ihrem Kleinen ans Fenster. Der Jung« horchte auf die Ruf« der Kinder, auf die Musik einer Dreh« orgel, mit der ein Blinder und Krüppel an das Herz ihrer Nächsten zu rühren versuchte. Ein Lumpensammler leierte sein« Preistabelle. Die Spätsonne warf Streifen Gelb durch die Gardine an die Zimmerwände. Und jeder, selbst der kleinste Vorgang erzeugte in dem Jungen Freude, Sehnsucht, Behagen und Neugier. Seine Hände und leine Augen griffen zugleich nach den Dingen— er war so klein, ein paar Dutzend Zentimeter groß und rings um ihn toste die riesige Welt— Schutz, Ruhe und Frieden konnten nur ihre Arme ihm ge» währen. In dieser Stunde begriff sie ganz das Glück, das ein Kind gibt. Reizlos blickten die Rückwände der Vorder- Häuser in ihr Leben, spiegelten sich die Reflexe der Scheiben jenseits des Hofes in den Blicken des Kindes. Die Küchen- geräusche der unerreichbaren Welt großer Vorderhäuser Häuser spielten die traumhafte Begleitmusik. Einsam? Nein, in der Wohnung lebte und atmete ein Mensch mehr, verlangte Nahrung und Sauberkeit, Mühe brachte er der Mutter mit seinen vielen Ansprüchen. Selbst bei ihren Einkäufen trennte sie sich nur von dem Jungen, weim es das Wetter gebot— sie fuhr den alten Korbwagen vor sich her, zum Fleischer, zum Bäcker, zum Grünhändler und stand Qualen aus, wollte jemand das Kind betrachten, seine roten Backen bewundern, es gar betasten, schmerzver- zehrten Herzens, unfähig aus Schüchternheit, Einspruch zu erheben, gequält durch jedes Interesse Fremder. Es war ein Teil ihres Lebens, ihres Leibes, alle Regungen des Jungen spürte sie noch jetzt mit und niemand sollte daran teilhaben niemand, außer Bert, vielleicht...» Und dieses war es, was das Schicksal sich wenige Tage später, am Vormittag, als Anlaß suchte, ihre Empfindlichkeit in allen Dingen, die mit dem Kind zusammenhingen. Annie schloß das Gelaß unter der Treppe ab und wollte eilig und fröstelnd die Trepcpn zur Wohnung hinaufgehen, als Frau Guhlmann, die Verwasterfrau. durch die Haustür rief: „Guten Morgen, Frau Werlo! Ich habe schon gehört. daß Sie im Hause sind, aber man sieht sie ja gar nicht! Herz- lichen Glückwunsch— ein Junge, wie? Ist auch viel richtiger als die Mädel! Ein Mann tut vielleicht was Unrechtes, Mädel aber schleppen anderer Leute Kinder in der Eltern Betten, wenn man nicht aufpaßt. Wem sieht er denn ähnlich, ihm oder Ihnen? Natürlich der Mutter, wie? Na, ich weiß doch, was Sie gern hören!" Nervös nahm Zinnie die Hand, dankte für die Nach- frage und wäre am liebsten davongelaufen. Der Junge war doch oben allein... (Fortsetzung folgt.) Schuh der Demokratie! Die Gillndiorderung Erhauung des Parlamentarismus. Die wilmersdorfer Sozialdemokraken hallen vor kurzem eine Milgliederversammlung nach dem viktoriagarlen einberufen. die einen guten Befuch aufwies und sich durch ein eingehende» Referat des parteivorsihenden Arthur Erispien und eine fach- lich werlvolle Diskussion auszeichnete. Der Referent verlangte ein« eingehendere kulturelle und wirt- schaftspolitische Schulungsarbeit der Partei und die stärkere Lzeraus- arbeitung der Zielsetzung der sozialistischen Ideen. Die Partei werde jetzt mit Massenaufmärschen erneut den Beweis ihrer Geschlossenheit und Stärke zeigen. Di« Erhaltung des parlamentarischen Systems sei heute die Grundforderung. Außerdem habe aber die Sozialdemokratie in dem Beschluß der Reichstagsfraktion ausdrücklich festgestellt, daß auf«in« Mit- arbeit der Partei nur zu rechnen sei, wenn das neue Programm der Regierung so weit umgewandelt wird, daß die Härten gegen die minderbemittelten Schichten verschwinden. Brünings Plan war es erst, vor den Reichstag zu treten, dort sein Progr/imm aufzuzeigen und abzuwarten, ob er eine Mehrheit finden würde. Er hat seine Absicht geändert und doch schon Verhandlungen mit den Parteien aufgenommen. In der Partei sei die Frage diskutiert worden, ob es nicht richtig wäre, die Nationalsozialisten in die Regierung zu lassen, um dann zeigen zu können, wie reaktionär und arbeiter« feindlich ihre Politik in Wahrheit ist. Die Situation sei aber für ein solches Experiment zu ernst. Denn die Nationalsozialisten würden, erst einmal in die Regierung gelangt, sofort nach berühmten Muster mit Ausnahmezustand, mit der Aufhebung der Versammlungs. und Pressefreiheit arbeiten. Und dann würde die ganz« polstisch« Arbeit der Sozialdemokratie aus die Wiedererrichtung der Demo- kratie gelegt werden müssen. Die Sozialdemokratie habe es sich ober zur Pflicht gemacht, das Arbeitslosenproblem mit größter Energie anzupacken. Und um diese Aufgaben erfüllen zu können, müssen wir uns zunächst einmal das parlamentarische System erhalten. Oer Abschied des Adrian Weitach. Es war einmal ein Hauslehrer in der Schweiz, der Adrian Wettach hieß, außerordentlich musikalisch war und eines Tages den Beruf zum Clown in sich spürte. Seit dem Tage nannte er sich G r o ck und unter diesem Namen kennt ihn die ganze Welt. Clown G r o ck hat Weltruhm erlangt Nun aber will er sich ins Privat» leben zurückziehen und die Berliner können ihn im Oktober in der Scala zum letzenmal sehen und belachen. Ueber Grock sind tief- sinnig« ästhetische und philosophische Abhandlungen geschrieben war- den. Er ist aber nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein großer Zauberer. Dreiviertel Stunden lang schlurft er über die Bühne und in dieser Zeit vergißt man in der Tat alles, was Nerven und Seele peinigt und bedrückt. Man nimmt den Eindruck mit, daß Grock auch heut« noch gern auf der Bühne steht und daß er uns, sein dankbares Publikum, eines Tages ebenso vernriffen wird wie wir ihn. Weiterhin weist das Oktoberprogramm der Skala eine Anzahl bedeutender Nummern auf. Der weiblich« Partner in dem mit Tempo und Schmiß gegebenen amerikanischen Tanzakt Duf- f i n- D r a p e r scheint keine Knochen im Leibe zu haben; die Go- lenkigkeit ist unbegreiflich und gestattet ihm geradezu groteske Der- renkungen. Dasselbe gilt von Mary Lee, die mit seltsam sich dehnenden Armen und Beinen wie ein Fabelwesen anzuschauen ist. Der Trapezakt L o h se und Sterling zeichnet sich durch einen halsbrecherischen Gleichgewichtsakt auf frei schwebendem Trapez aus. Max und Morris sind übermütige Exzentriker mit bemerkens- werten Leistungen. Erstklassig auch die Equilibristik der drei Uessem». Lamberty gewinnt der bekannten Xylophonnum- mer erfolgreich neue Seiten ab. Wintrrqarte». Im Mittelpunkt des vktoberprogramms stehen diesmal die mondänen Tänze des Tanzpaares Kasan-Nester. Dora Kasan trat bereits vor Iahren im Ballett Eric Eharells auf, ging nach Südamerika und fand dort ihren Partner Nester. E- ist ein erlesener Genuß, das schöne Paar tanzen zu sehen. Weiterhin sieht man die fabelhaft gesteppten Tricktänze der Zwillingsschwestern T i f s a n y mit besonderer Freude. Di« Pierrotts-Parterreakrobaten de Lilette zeichnen sich durch absolut sicher« und ruhige Arbeit im Takt der Musik aus. Eine herrliche, wenn auch hier nicht mehr unbekannte Barietönummer ist der Rollschuhakt Brown und La Hart, der mit unerhörter Kühnheit ausgesührt wird. Eigen- artig kompliziert und gefährlich ist die Zahnathletik der zwei Wil- los. Der männliche Partner hängt an einer Stange und hält mit den Zähnen eine zweit« Stange, an der die Partnerin herumge- schleudert wird. Unter den Leiterequilibristen B e d i n i> T a s a n i zeichnet sich ein junges Kerlchen durch besonderes Können aus. Er läßt sich im einarmigen Handstatid über eine Leiter tragen. Die singenden Fünf, aus denen ihr Meister Pallas die weiblichen Revellers machen möchte, halten nicht ganz, was man von ihnen erwartet. Aber sie werden sich schon machen. Man hört und sieht sie heute schon mit Vergnügen. Areie Sozialiftische Hochschule. Am 20. Oktober beginnen, wie bereits angekündigt, die Seminare der„Freien Sozialistischen Hochschule", die für fort- geschrittene Hörer der Arbeiterbildunqskurse bestimmt sind. Es sind 'm kommenden Winterhalbjahr folgende Seminare vorgesehen: Montags: Friß Naphtali„Wirtschaftskrise u n d W i r t- s ch a s t s p o l i t i k". Beginn 20. Oktober. Dienstage: Profesior I. Den-cke„Politische Probleme der deutschen De- m o k r a t i e". Beginn 21. Oktober. Freitags: Dr Karl Schröder „Die deutsche Dichtung der letzten 20 Jahre", Bsainn 24. Oktober. Sämtliche Seminare werden in der Zeit von bis 21 Vj Uhr im Lehrraum der freien Sozialistischen j)Ofh» s schule. Lindenstraße 3, 1. Hof links, 2 Treppen, abgehalten. Die Teilnehmergebühr für das gon�e Winterhalbjahr(etwa 20 Abende) beträgt sür jedes Seminar 10 M., die in zwei Raten zahlbar sind. Arbeitslosen, die sich ausweisen können, wird die Teil- nehmcrgebühr erlassen.— Schriftlich? Anmeldungen sind zu richten an den Reilchsausschuß für sozialistische Bildunqsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Aussührliche Lehrpläne sind dort ebenfalls anzusordern, Volkslieder Konzert. Der„Bolks-Chor Harmonie" Charlotten- bürg gibt am Sonntag, 12. Oktober, WA Uhr, im Konzertsaal der Hochschule kür Musik. Hardenbergstraße, mit seinen Kinder-, Jugend-, Frauen-, Männer- und gemischten Abteilungen ein Volkslieder- Konzert. Eintritr IM. Erwerbslose zahlen gegen Ausweis an der Kasse nur 0,30 M. Erholungsheim der Berliner Feuerwehr E. v. Der im vorigen Jahre gebildete Derein„Erholungsheim der Berliner Feuerwehr E. V" hat es sich zur Pflicht gemacht für unsere wackeren Feuer- wehrleute. die in Ausopserung ihres gefahrvollen Berufes Schaden an ihrer Gesundheit genommen haben, Ercholungimöglichkeiten zu schassen. Auskunft über die Erwerbung der Mitgliedschaft er» teilt die Geschäftsstelle, Berlin SW 19, Lindenstraße 40/4!(Haupt- seuerwoche), die auch Spenden in jeder Höh« dankbar entgegen- nimmt. r~ 2/jfe hdsfouzstti Vi -,n. tms levreUen,- vn,.�h� Jn. jeder Sekunde etDL(Ser _ am 1,05 rn, Jn,jeder SUi/vucte Iau|t ätc Rolle kaixcltx* i'mne n. Gga,retten>" Rxplers Ö�xtl Jeder Stande kem�euJinet �cr in. Staltl ejes lockerte KurTTuxrk-Stempel 54 OOOirial; �So entstelum-tixgeurL—tagcuis in unser gleiclimixsstgfer Bro�cstorisarkeeL Hunderte von. STlilixonen, j Kumuirk" Oxyaretten..: jj"\ WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz (MJelt Um%Mode ((tCrnftUdtn-J�/ia�axin) Nr. 10 ist erschienen(Preis Freie Zusendung nach Eingang von 35 PI. Jßycn-Schnhltnustc* S'JÜ (Pf. Handarbeils- Ausstellung moderner Technik in Weiß- u. Buntstickerei, sowie in Stickerei u. Häkelei, in Wolle u. Leide. Neue Modelle in Kreuz- u. Spannstich, Decken u. Kissen- Vorführung von Smyrna-Arbeit, Filet-Häkelei u. a. Quadrat Kreuz- od. Sfilstich, zum Zu- weifj, vorgezeichnet, • OK sammensetzen von Decken,»| Pf Sröhe 32X32 cm � 1'• Halbleinen, Quadrat HaiÄ vorgezeichnet, Gr. 35X35 cm Stracninkissen AClot gemalt■ rt. 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Die Einäscherung erfolgt am Diene- tag. dem li. Oktober, nachmittags S'.i Uhr. im Krematorium Gsrichtfirahe. Allgemeine Ortskranfenlafie Neelin- Lichterfelde Der 2 Nachtrag zur Satzung ist vom Oberverstcherungeamt genehmigt und tritt mit Ausnahme des§ 48 am i. September 1980 in Kraft, loweit einzelne Be» ftimmungen nicht bereits sriiher aui Grund der Notverordnung vom 28. Juli 1930 in Krast geirelen sind ß 48 tritt aui 1 November 1930 in Kraft. DruckitUcke der Aenderung sind ad 20. Oktober 1920 im Kassenlokai erhältlich. Oer Vorstand Brandenburger Michel Borsitzender. Schristsührer. «ketten isä Kinderb., Poleter, ChaiseL, an Jeden. TeU* Katalog frei EUeninöbelfabrlk Suhl(Thtln) eisu:r- senrnerz und leid sind nun vortisi Am 9. Oktober. e>8 Uhr. entriK UN? der Tod nach kurzem, aber schwerem Leiden, meinen Heden Mann, unfern guten Dater, Bruder, Schwager, Onkel. Schwiegervater und lieben Opa, de» Giasermeister »ans Brüll im 58. Lebensjahre. Die» zeigen tiesbetrsibt an Airna Bröll verw. Voigt geb. Kallies Max Voigt n. Frao geb. Trischkc Irmgard Voigt Hermann Brüll, Hans Brüll als Brüder. Berlin-Neukälln.Thomasstr. 2. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem>4. Ottsber, nachm. 3 Uhr. von der Halle des neuen Zatobi-Friedhofes Ncutölln.Hcrmonnflr 99-100. au« statt. Allgemeine YMltrsiikenIts�e öerllN'VHmei'Mrs. IlalseraUee 473 a. Die Vertreter der Arbeitgeber und Ber» sicherten im Ausschuß werden hiermit ge» maß§ 95. Absatz I der Satzung zu einer anfterordenllldieii ADSSClUlft-SUZIlIlÖ am Mitiwoch, dem 22. Ottober>930, abends 8 Uhr im Restaurant„Tübinger Hai'. Berlin-Wilmersdori. Kaiierpiatz 19. mit der B»te. pllnktllch zu erscheinen, ergebensi eingeladen. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. Katz über das Thema: Meine Reiseeindrücke in Rußland im allgemeinen und aus sozialen Gebieten. 2. Aenderung de» K 48(Beitragssatz), 5. Nachtrag zur Kasiensatzung. 3. Verschiedenes. Berlin-Wlimersdorf, den 10. Oktober 1930. R. E ng e lh a r dt, F. Wiemann, Porsitzender. 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Oktober 1930 Wirtfchastsbilanz»�Hitler-Wahlen Kapitalflucht/ Kreditteuerung/ Reue Arbeitslosigkeit/ Verstärkte Vertrauenskrise Di« Frage, in welchem Maße die Politik„der Wirt- s ch a f t" der letzten beiden Jahre zu dem Wahlsieg der National- sozialisten beigetragen hat, wird noch ernsthaft untersucht werden müssen. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Kapital- bildungspsychose der deutschen UnternehmerNasse und die auf ihrem Hintergrunde entstanden« Politik des Steuerabbaues, der ein Steueraufbau und Defizite von Milliarden folgten und die Politik der Drosselung der öffentlichen Ausgaben sowie der systema- tischen Anteihedrosselung für alle öffentlichen Körperschaften, der die schwerste Erschütterung des Arbeitsmarktes folgte, sehr stark zu diesen Erfolgen der Nationalsozialisten beigetragen haben. Heute wollen wir mir stichwortartig aufzeigen, was die Hitler-Wahlen bis heute die deutsche Volkswirt scho st gekostet haben. Das sichtbarste Zeichen dafür war in den letzten Tagen die Diskonterhöhung von 4 auf 5 P r o z. Wir haben schon gesagt, daß mit großer Wahrscheinlichkeit eine neue Diskonterhöhung zu erwarten ist. Die Kreditkündigungen des Auslands haben nicht aufgehört, die Kapitalflucht ebensowenig, damit werden immer wieder neue Devisen verlangt, und die Ver- Haltnisse auf dem inländischen Geldmarkt haben sich weiter ver- schärst. So ist eine neue Diskonterhöhung wahrscheinlich, die sicher wieder 1 Proz. betragen wird, denn in der kapitalpolitischen Ab- wehr muß die Reichsbank mit starken Mitteln arbeiten. Das be- Vuict für die Volkswirtschaft in der Zeit der schwersten Krise eine kreditverkeuerung um mindestens 2 Proz.. also um 50 Proz. gegenüber dem früheren Diskontstayd, das be- deutet für die Gesamtwirtschaft ein« neue und außerordentlich gefährliche Verteuerung der Produktionskosten. Der zweite wichtige Posten sind die Kursverluste an der Börse. Sie hängen, wie die Diskonterhöhung mit den aus- ländischen Kreditkündigungen und mit der Kapitalflucht zusammen. Wer sein Kapital aus Deutschland fortbringt, tut es auch in der Form des Aktien-, Pfandbrief- und Rentenverkaufs. Auch von den Banken hört man, daß sie neuerdings zur Devisenbeschaffung, d. h. zur Rückzahlung von ausländischen Krediten und zur Finanzierung der Kapitalflucht ebenfalls Aktien verkaufen, um bei der Reichsbank nicht mit neuen Wechseleinreichungen einen schlechten Eindruck zu machen. Vom 1. Januar bis Ende August hat das Bankhaus Gebrüder Arnold di« Kursverluste an der Berliner Börse auf 2 Milliarden Mark geschätzt. Seit den Wahlen ist ein weiterer Kurssturz um vielleicht ein Viertel des damaligen Standes eingetreten. Die Kursverluste seit den Wahlen wird mau auf dreiviertel bis eine Milliarde schätzen dürfen. Um so viel ist der deutsche Kapital- und Geldmarkt seitdem ge- schwächt. Auch das muß zur Zmserhöhung und zur Erschwerung der Wirtschaftslage beitragen. Der dritte wichtige Posten ist die Kapitalflucht selbst. Große und klein« Kapitalisten haben Angst vor der weiteren Eni- wicklung der politischen Verhältnisse, sie bringen Bankkonten und Sparguthaben ins Ausland, verkaufen deutsche Werte, kaufen aus- ländische Werte, verzichten auf die höhere Verzinsung in Deutsch- land, tauschen«ine niedrigere Verzinsung ein und außerdem die Gefahr erheblicher späterer Kursverluste. Ein Teil dieser Kapital- flucht ist auch Steuerflucht. Von Januar bis August hat die „Frankfurter Zeitung"«ine Kapitalflucht im Betrag« von 1,2 Milliarden errechnet. Die Reichsbmik hat allein im September Devisen- und Goldoerluste von über 800 Millionen Mark erlitten. Die unterste Grenze für die neue Kapitalflucht im September sind dies« 800 Millionen. Man wird nicht zu hoch schätzen, wenn man seit September eine neue Kapitalflucht im Bekrage von rund einer Milliarde annimmt. Diese Milliarde bringt selbstverständlich auch Steuerausfäll«, selbst wenn nicht alle Kapitalflucht auch Steuerflucht ist. Sie bringt geringere Zinseinnahmen als in Deutschland und die Gefahr späterer Verluste. Also auch hier liegt eine sehr ernste Schädigung wirtschaftlicher Gesamtinteressen vor. Der vierte wichtige Posten ist di« Erhöhung des Preises, den wir für neues, vom Ausland zu borgendes Kapital nach der Ver- trauenserschütterung durch die Hitfcr-Wahlen zu zahlen haben. Leihdollars haben am 11. September, also kurz vor den Wahlen 3'/, bis SM Proz. gekostet, sie kosteten am 11. Oktober 4 bis AVi Proz. Das sind 7la bis 1% Proz. mehr. Um so viel verteuern sich die neuen Devisenkredite, di« die privaten Banken jetzt an Stelle der gekündigten Auslandskredite jetzt hereinnehmen, wenn sie über- Haupt neue Kredite bekommen. Die jetzt in Ttem Dork aufgenommene Reichsanleihe hat mindestens din volles Prozent mehr gekostet als sie vor der politischen Erschütterung durch die Hitler-Wahlen gekostet- haben würde. Aber auch jede ander« Anleihe, di« Deutsch- land jetzt oder in der nächsten Zukunft ausnehmen wird, sei es für privat- oder öffentlich-wirtschaftliche Zwecke, ist entsprechend ver- teuert worden. Das sind nur die allerwichtigsten, sofort ins Auge springenden Nachteile und Verlust«, die die deutsche Gesamtwirtschaft für die Hitler-Wahlen zu ertragen hat. Di« Auswirkungen dieser Verluste sind verheerend, denn wir haben nicht nur eine neu« finanziell« Vertrauenskrise im Ausland, sondern auch eine neue wirtschaftlich« Vertrauenskrise im In- land. Die Auswirkungen sind nicht nur gefährlich für die deutsche Privatwirtschaft, die mit so viel Freude und Geld den National- sozialismus gefördert hat, sondern auch gefährlich für das gesamte arbeitende Volk. Die Subvention der Nationalsozialisten durch deutsches Unternehmergeld hat die Gefamtwirtfchaft bis jetzt schon Milliarden gekostet. Das Bata-projekt gescheitert. Der Schuhkönig will anderswo in Deutschland bauen. Die Firma Bata hat durch ihre Rechtsbcistände der Oefsentlich- keit mitteilen lassen, daß sie von dem Grundstuckskauf in Ober- schlcsicn absehen will. Das Grundstück sei für ihre Zwecke nicht geeignet, insbesondere wegen einer Kanalführung, die durch das Grundstück erfolgen sollte. Herr Bata werde an anderer Stelle i» Deutschland seine Schuhproduktion aufnehmen. Wie wir hören, stimmen diese Angaben der Firma Vota mit der Wahrheit nicht überein. Nicht die Kanalführung, sondern die scharfen sozialpolitischen Bedingungen haben Herrn Bata nicht gepaßt, die von den preußischen Stellen für die Errichtung der Batnfabrik zur Voraussetzring gemacht worden sind. Wir denken, daß sie an anderen Orten in Deutschland kaum leichter sein werden. Gegen die Kopitalflucht. E,ne erste Warnung von privaten Banken. Von der Kapitalflucht haben die privaten Banken bisher nur profitiert. Sie haben sich ihre Mithilfe teuer bezahlen lassen. All- mählich wird ihnen aber selber Angst davor. Der erste Warnruf gegen die Kapitalslucht kommt jetzt von der Commerz- und Privatbank. Die Meldung darüber lautet: Die Commerz- und Privatbank wendet sich an die deutsche Oeffentlichkeit und ermahnt sie, vor dem Erwerb ausländischer Rentenwerte zu bedenken, daß 1. die Reichsmark gut fundiert und absolut gesichert ist, 2. die G o l d p f a n d b r i e s e unserer Hypo- thekenbanken eine erstklassige Anlag« sind, da sie durch erststellige Hypotheken gedeckt sind, 3. auch die landwirtschaftlichen Goldpfand- briefe ihre Deckungen in erststclligen Hypotheken auf Güter und Landwirtschaft haben, 4. die Mehrzahl der Obligationen unserer führenden Industriegesellschaften durch hypothekarische Eintragung sichergestellt ist und daß all« diese Wert««inen Zinsgenuß von mindestens 8 Proz. bringen. Andererseits soll nicht vergessen werden, daß 1. die Anlagen im Auslande(Schweiz, Holland, Schweden, Amerika) im Durchschnitt 4 Proz. Rente erbringen, 2. die Kurse dieser Anlagen vorwiegend über pari stehen, so daß bei einer Kündigung oder Auslosung Kurs- Verluste eintreten, 3. aber auch den Käufern schärferer Kursverlust mit v/anmen siuttep Nasse, kalte Tage! schützen sie Ihre Gesundheit; wechseln Sie abends die Schuhe, tragen Sie leichte, warme Hausschuhe, die Ihren ermüdeten Füssen Erholung bringen. Jetzt neue billigere Preise. M« k• tt- Wüichpantotf el mit diek.r Fllz.ohl., � TS 43— 46 2,23, 38- 42 I Kamelhaarartise Klndar- Schnallensttefel mit Leder. spitzkappe, Gr. 31-33 3,25, Gr. 25-30 2,75..... Gr. 18-24» Leder- Hausschuhe braun, warm gefüttert durchgenäht �30 für Herren 3,90� für Damee w Kamelhaarardsa Laschen- schuhe mit Filz- und Leder-*•» sohl«, für Herren 2,28, 40-42 I lieber- schuhe droht, wenn in diesen Ländern die Geldsätze anziehen und größere Posten dieser Anlagen realisiert werden. Die Comerz- und Privatbank weist ferner darauf hin, daß die 4prozentige Schweizer Rundesanleihe 1920 etwa 65 Proz., 1928 88 Proz. und jetzt Ivllä. Proz. notiert, daß die 4prozentig« Nieder- ländische Staatsanleihe, die 1924 mit 90 Proz. bewettet wurde, sich heute auf 102V-! stellt. Auch die übrigen ausländischen Renten zeigen ähnliche Entwicklungen. 8prozent!ge deutsch« Hypothekengold- pfandbriefe wurden 1924 mit 8V Proz. und heute mit 98 Proz. bewertet. Zievolte gegen die Eisenpreise. 'D.e Eisen-, Stahl- und Metallwaren-Lndustris wird aktiv. Vorstand und Ausschuß der Reichsgcmeinschast der Eisen-, Stahl- uns» Metallwarenindustrie sind ebenfalls in offene Rebellion gegen die überhöhen Kartellpreise der deutschen Eisen- und Stahlerzeuger beigetreten. Nachdrücklich wind festgestellt, daß die deutschen Eijenpreise für die weiterver- arbeitende Industrie in Deutschland untragbar geworden seien. Die Spanne zwischen den deutschen und den Weltmarkt- preisen sei z. B. in Bandeisen so groß geworden, daß die deutschen Verbraucher in zunehmendem Maße dazu übergehen,.ausländisches Bandeisen zu verarbeiten, und daß siie selbst für ihren Export auf die Rückvergütung verzichten, weil sie im ganzen bei dem Bezug aus dem Ausland billiger produzieren können. Es wurde beklagt, daß die weiteroerarbeitende Jndusttt« im Reichstage nicht die Ihrer Bedeutung zukommende Beachtung sind« und beschlossen, eine handelspolitische Denkschrift zu verfassen, die die Forderungen der Reichsgemeinschaft für die Zoll- und Handelspolitik begründen soll. Erst gestern haben wir von dem scharfen Angriff der im Eisen- und Stahlwaren-Jndustriebund organisierten lliisenverarbeiter in ihrer Septemberübersicht berichtet. Äetzt hat sich die zweite große Organisation dieser. Gruppe von Eisen- verarbeitern zum Worte gemeldet. Es hat lange gedauert, bis man dazu den Mut gefunden hat. Wir warten noch fetzt darauf, daß die deutsche Maschinenindustrie sich meldet. Freilich ist diesen Herr- schasten zunächst der Lohnabbau wichtiger. Deshalb ist diese Front der Cisenerzeuger und Eisenverarbeiter erst so spät gebrochen. Für die R e i ch s r e g i e r u n g ist diese Rebellion im Unter- nehmerlager gegen die monopolistischen Eisenpreise ein sehr schar- ser Borwuri. Sie hat offenbar einseitig vor den Kattellherren kapituliert, als sie auf die Fortführung der Kartellattion in ihrem Wirtschastsproramm verzichtete. Nas Reich Großaktionär der ,/Llse". Die„Btoß" haben 25 Prozent des Ilse-Bergbau-Kapitals erworben. Von der Jlse-Bergbau A.-G., der größten Braunkohlengesell- schaft des oftelbischen Braunkohlengebiets, sind mehralsLSProz. des umlaufenden Stammkapitals von 28 Millionen Mark auf die Vereinigte Industrie-Unternehmungen A.-G.(Viag), d. h., in den Besitz des Reiches übergegangen, außerdem 1,5 Millionen Mark Vorzugsaktien. Der Aktieitfurs der Ilse-Bergbau A.-G. stand gestern nach bei 207 Proz. Der Aktienkauf soll bereits vor mehreren Monaten erfolgt sein, und zwar, wie die„Frankfutter Zeitung" b» richtet, von her Braunkohlen- und Brikett-Jndustrie Berlin(Bubiag), von den Schaafsgotschen Werken und der Familie Kunheim. Als Preis soll nach der„DAZ." die Summe von 20 Millionen Mark gezahlt worden sein. Die beiden Großaktionäre der Ilse sind nun- mehr Jgnaz Petschek und das Deutsche Reich. , Der Zweck dieses Zlktienkaufs durch die Viag liegt in der engen Verbindung begründet, die zwischen der Reichselektro- werke A.- G. als Stromerzeuger und der Ilse- Bergbau A.-G. als Braunkohlenlieferant besteht. Das Kraftwerk Lauta arbeitet bisher ausschließlich, das Kraftwerk Trattendorf vorwiegend mit Jlsi-Rohbraunkohlen. Di« Erwerbung der Minoritätsherrschaft zugunsten der Reichselektrowerke soll der dauernden Sicherung der Kohleninteressen der Reichselektrowerke gegenüber der Jlse-Bergbau A.-G. dienen. Krise drosselt Butterverbrauch. Arbeitslosigkeit und Margarinekonjunktur. Der letzte Quartalsbericht der rheinischen Handels- kammern über die Konjunktur in den einzelnen Wirtschafts- zweigen stellt die allgemeine Wirtschaftslage im dortigen Bezirk in düstersten Farben dar. Ueberall Absatzstockung. Produktions- drossclung, Entlassungen! Nur eine Jndustr.ie macht eine Ausnahme: die Margarineindustrie. Nach einem Bericht der„Westdeutschen Wirtschaftszeitung", des am-tlichen Organs der rheinischen Handelskammern, ist die Kunst- butter- und Speisesettindustrie gut beschäftigt. In der Preis- gestaltung ist ein« rückläufige Tendenz festzustellen, zum Teil lagen die Durchschnittspreise nMer denen der Vorkriegszeit. Die Zahl der Angestellten und Arbeiter erfuhr eine leichte Steigerung. Zufolge der wirlschastslage und mit Rücksicht aus die niedrigen Preise wird für die nächsten 6 bis 8 ZNonote mit einem guten Absah gerechnet! Die Tatsache, daß für das kommende Dreioietteljahr mit einem guten Absatz an Margarine gerechnet wird, spricht für die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft Bände. Aber auch Margarinestullen gelten bei den Unternehmern offenbar noch als zu groß« Fettlebe der Arbeiterschaft und ste verlangen, daß der Riemen noch enger geschnallt werden müsse, als ob Lohnabbau und weiter« �Drosselung des Konsums den Wirtschaftstarren nicht völlig im Sumpf festfahren lassen. falls eine Kulmbacher Brauerei, läßt 131� Proz. ausschütten und das Berliner Kindl wird nach den bisherigen Mitteilungen an seinem Rekordsatz von 24 Proz. Dividende festhalte». So sehen in einer Zeit größter sozialer Not die„schweren Sorgen" des Braukapitals aus. Vrauuniernehmer vergießen Tränen. In schwerster Sorge um den Profit. Die Berliner Brauereiunternehmer stnd noch dem Septemberbericht der Industrie- und Handelskammer in schwerster Sorge um den Ertrag des letzten Geschäftsjahres 1929/30. Auch bei den Brauereien hat sich nämlich die schwer« Krise und wachsende Arbeitslosigkeit durch verringerten Bierkonsum bemerkbar gemacht. Das Braukapital, das auf eine ununterbrochene vierjährige G l a Ii z k o n j u n k t u r mit in der ganzen Wirtschaft nicht er- reichten Rekordprositen zurückblicken kann, hätte nun am allerwenig- sten Grund, bei dem ersten Rückgang des Bierkonsums zu jammern. Auch besteht nach den ersten bereits bekanntgewordenen Gewinn- abschlüssen durchaus kein Anlaß zu der Annahme, daß die Profit- raten in der Brauindustri« zugleich mit dem Umsatzrückgang«in- geschrumpft sind. So hat der R e i ch e l b r ä u in K u l m b a ch wieder 2 0 P r 0L. Dividende vetteilt, das Rizzibräu, gleich- - Preisgabe eines Texiilkarietls. In der deutschen Textilindüftrie spielt das Kartell der Per- edelungsan st alten für baumwollene Gewebe ein» sehr große Rolle. Es handelt sich um eins der st r a s s st e n Kartelle, das mit scharfen Druckmitteln die Einhaltung von Mindestpreisen für die Veredelung aller baumwollenen und kunstjeidenen Stückwaren bei seinen 74 Mitgliedern in ganz Deutschland durchführte. Der Ver- band hat jetzt einen großen Teil der bisherigen Listenpreise frei- gegeben. Er hat die Preise freigeben müssen, weil ihr« Einhaltung zum Zusammenbruch von einer Reihe von Firmen beigetragen hat. Man sieht also auch hier, wie die Kartellpolitik Ruin für die Unternehmer und neue Belastung für den A r- b e i t s m a r k t bringt. Die Verbandspreise seien vielfach unter- boten worden. Die K r i s e sprengt also auch die starken Textilkartelle. Auch hier wird deutlich, wi« unerhört stark der Druck der Schwerindustrie und des Reichsverbandes der deutschen Industie auf die Reichs- regierung gewesen sein muß, damit diese die Kartellation in ihr Wi rt s cha s t s p r o g r a in m aufzunehmen unterließ. Hypothekenbanken-Fusionen beschlossen. Gestern fanden die A u f s i ch t s r a t s s i tz u n g e n der acht Banken der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken, sowie der Preußischen Central-Bodenkredit- und Psandbriefbank A.-G. und der Frankfurter Hypothekenbank statt. Die bereits mitgeteilten Vorschläge über den Zusammenschluß dieser Banken wurhen ein- st im m ig genehmigt. Die Generaloersammlungen der Banken finden am 12. November statt. Gutes Benzingeschäft im Z. G. Farben-Konzern. Die D« u t s ch e Gasolin A.-G., B e r l i n- C h a r l o t t e n b u r g, deren Ko- pital von 11 Millionen sich zu mehr als 90 Proz. im Besitze der I. G. Farbe nindu st rie, zum Teil im Besitz der Sl. R i e b e ck- schen Montanwerke befindet, hat das Geschäftsjahr 1929/30 mit einem Gewinn von 0,2 Millionen abgeschlossen, nachdem noch das vorhergehende Jahr«inen V e r 1 u st von 0,25 Millionen gebracht hatte. Der Absatz von Betriebsstoffen— neben eigenen Produkten nkird das klopffreie Benzin„M o t a l i n." der I. G. Farben vettrieben— sei trotz der schlechten Konjunktur nicht schlecht gewesen. Ueber die Produktion von Kunstbenzin konnten mengenmäßige Angaben nicht gemacht werden. Die Aussuhr von heliumgas aus USA. Nach der englischen Lust- schiffkatastroph« ist die Frage der ausschließlichen Verwendung von Heliumgas, das allein in den Vereinigten Staaten hergestellt wird, wieder akut geworden. Bisher hieß es, daß die Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten verboten sei. Wie setzt aus Washington ge- meldet wird, dementierte Präsident Hoover die Gerüchie, daß die Regierung die Ausfuhr von Helium verboten habe. Die Heliumerzeuger seien vielmehr angewiesen worden, die Ausfuhr von Helium nach Möglichkeit zu fördern. Ausländische Kauf- auftrage fehlten jedoch bisher. 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Copyright by Kurt Lisser Reklame 1930_ Nachdruck von Wort und Bild verboten! Sin lllste» wo der Qualität diese» Ve- l«ttr»mantel» mit an- gewebtem Futter und breitem, kunstseidenem Sattel, der mit HSb- scher Bordüre verziert ist, kostet« im Borjahre 75 M. Jetzt könueu Sie ihn in dezenten Farben schon sür chSEOO bei uns haben «inen schlagende» Beweis für unsre so- belhast« Preiswürdig» keit bildet dieser vor- nehme blaue Anzug an» reinwollenem Lamm- garn mit seiner tadel- losen Paßform. Wenn Sie ihn sehe», werden Sic e» kaum glauben, daß er»nr MO SO kostet! ä® Ich bin von Kopf bis Fuß auf„Billig" eingestellt! ff!;f i fH Irl i «�»CHULS! Cfi q.l Ci'l: ..:.... t.:: J]|Tf. Iii i Die Schule ruft— die Ferien sind an»— Und endlich wird wieder Ruhe im Hau». Doch Mutter rechnet mit großem Bangen:. Reue Schnlkleidung— wird'» dazu langen? Bestimmt! Denn nicht» ij teuer Bei unsern«irklich ganz ungeheuer Niedrigen Preisen. Alles erschwingbar, Da» man auch kaufen mag. Versucht'» nur: BMVochKKmöertag� Sensationeller Konferenz-Verlauf n. Derlin, 12. Oktober. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß hören, sind die Verhandlungen, die im besten Gange waren, und die ein sehr günstiges Ergebnis erhoffen ließen. Plötz« lich abgebrochen worden. Alle Teilnehmer, ihr Vorsitzender Or. M. llmpitz voran, verließen beinahe fluchtartig die Der« Handlungsräume und eilten vor das Haus auf die Straße, wo sich große Menschenmassen angesammelt hatten. Die Llrsache dieser sensationellen Vorgänge bildete» AÄ '�T der Mann, der noch nicht wußte, daß e» bei c.<&.%• auch Herreu-Kleiduug gibt. Sin eigenartiges Begräbnis fand kürzlich In dem amerikanischen Staat Virginia statt. Dort waren einige Einwohner auf die echt amerikanische Idee gekommen, die geschäftliche Depresstan. die augenblicklich in den Vereinigten Staaten herrscht, symbolisch in aller Form zu Grabe zu tragen. Ein mit dem Namen..Kusine»» iZepres- sion"(Wirtschaftskrise) versehener und mit Blumen geschmückter Sarg wurde in die Erde versenkt unter Zeremonien, denen die Leid- tragenden mit ernsten Gesichtern beiwohnten. lieber den Dcri und den Geschmack solcher Methode, einer ernsten Krise zu begegnen, läßt sich streiten; wir haben es jedenfalls vor- gezogen, weniger theatralisch, dafür aber energischer und tatkräftiger gegen die deutsche Wirtschoftsdcpression vorzugehen. Unser Preisabbau hat mit einem Ruck die Kaufkraft gehoben und dadurch— wenigstens auf dem Gebiete der Kleidung— wesentlich günstiger» Lebensbedingungen geschaffen. Das sehen Sie schon aus den Beispielen oben links. Aber ein Blick in nnsre Schaufenster oder in unsre B«rkanf»räume wird Sie erst gar davon überzeugen, daß in bezog auf Ihre Kleidung tatsächlich bessere Zeiten gc- kommen sind. Kennen Sie Jen?. .Was wollen Sie denn Ihren Heinz werden lassen?" .Ach, das ist recht schwierig. Der Junge ist ja solch ein Idealist, er will nur einen Beruf ergreifen, in dem er allen Menschen Freude und Glück bringen kann.' .Na. dgnn lassen Sie ihn doch Geldbrief. träger werden!' Dieser elegant« Man- tel au» reinwollenem Fleur de lain» ist ganz gesütter» und mit gro- ßem Pel, tragen und reicher Pelzgarnierung am Saum versehen. Die Aermek sind— der neuen Mode«nt. sprechend— apart gar- nletl. Er ääqo tastet nur«99 Dieler vornehme Mantel an» Belour» in gntee Berarbeitnng, natürlich ganz gefüt- tert, ist mit einem schönen, großen Krage» und modernen, hohen Stulpen au» echtem Pelz, nämlich Statur- Bisamrücken, versehen. Dabei tostet er nur 09 4 Alle I» dieser Seite enthnltenen Angebot« stehen Ihne» ob Man- tag srüh bei un» zur Ver- füguug. Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden! Kleid ou» gutem K 5 p e r-V e l v e t. Des Halsausschnitt ziert eine doppelte Georgette- gornitur mit passender Blume. Heber den weiten Glockenrock fällt die moderne Tunita, die mit farbigen Knöpfen. verziert ist. äQso Sein Prei» M>tz? Hübsche» Nachmittag». kleid au» gutem Woll» Erepe-Eaid mit slot. ter doppelter Seat- gettegornitur. Oberteil und Aermel mit Biesen garniert, der weitfal- leude Rock hat vorn und hinten eingelegte Falten.<« S» kostet| 9 flU /l\/ Adieu Gereon! Die Pariser Kellner wollen nicht mehr Garyon gerufen werden— sie finden das ver- letzend— sie wollen in Zukunft mit ihrem Vornamen gerufen werden, also etwa:„Mon- sieur Aristide!' Da man ja nun unmöglich sämtliche Pariser Kellner mit dem Vornamen kennen kann, so steht nach nicht fest, wie sich die Acnderung durchführen läßt. Fest steht nur— und zwar bombenfest—. die Kellner haben es satt, Garyon genannt zu werden. Adieu Gewönne! Genau sa fest, wie es bei den Damen steht. daß sie nicht länger„Garyonne". sondern jetzt wieder nur Frau sein wollen. Und dazu hüllen sie sich in Kleider mit längeren Röcken. Vo- lants und duftigen Rüschen, und in Mäntel mit schwingender Glocke und weichen Pelz- besätzen, und— die Verwandlung ist geschehen. Da heißt's auch für Sie, gnädige Frau: rasch handeln und sich oerwandeln! Und wenn Sie nach kein Kleid mit Tunika oder einer zarten Crepe-Georgette-Garnierung haben. oder einen modernen Mantel mit feschen Biesen und einem Riesenpclzkragen, dann ist'» höchste Zeit, daß Sie uns einmal besuchen. Denn daß Sie darin bei uns viele tnt- zückende Formen finden— selbstverständlich zn unfern bekannt niedrigen Preise»»— müssen wir da» extra erwähnen? Osaniemts.40 »■ Or»»l«»piai* Chauneettr.11 3 Könisrtraße 33 »•Im SKtiincr»»hnhol A< 80 140 cm Mtr. M. ..7 Hl Nessel kräftige Gebrauchsware ca. 1 130 cm breit....... Pf. Köper Barchent. weiß, vollgebleicht ca. 80cm A ü breit............ Pf.-M-O .pe Samtglocke. weich gearbeitet mit Einfass. A und Bandgarnitur.... M.• 50 t der verstellbare Hut, passd. für jeden Kopf...... 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September, einen Tag nach den Wahlen, erhiejt der Gesamtverbond von der Firma Fritz K a f s i r e r u. Co., Berlin- Grunewald, Siemensstrahe 26, folgendes Schreiben: „Hierdurch teilen wir mit. dah wir ab 1. Oktober dieses Jahres den Vertrieb nachstehender Zeitungen übernommen haben:„Die Rote Fahne",„Welt am Abend" und„Berlin am Morgen". Die Zustellungen dieser Zeitungen an die Groh-Berliner Abonnenten erfolgt ab obigen Dalums durch unsere Firma. Um feste Abmachungen mit dem Austrägerpersonal-pj treffen, wird der Ab- schluh eines Tarifvertrages erforderlich fein. Wir ersuchen zu diesem Zweck um eine Unterredung, die möglichst in den aller- nächsten Tagen stattfinden soll." Am 22. September fand die vorgeschlagene Besprechung statt, und zwar in den Räumen der Druckerei Buckwa, deren Inhaber KasPrer ist. Der Vertreter des Gesamtoerbandes schlug vor, die bis- herigen Verträge zu übernehmen. Daraufhin erklärte Herr Kaffirer selbst, daß an eine Uebernohme der allen bestehenden Tarifverträge nicht zu denken sei. er aber als Grundlage zur Schaffung eines neuen Tarifvertrages den Tarifvertrag der bürgerlichen Verlage vor- schlage. Dieses Ansinnen lehnten die Vertreter des Gesamtverbandes einstimmig ab, denn es hätte bedeutet, daß die Botenfrauen statt wie bisher für zweimaliges Austrogen 34 pf. pro Monat und Exemplar und für einmaliges Austragen 64 Pf., nunmehr 56?i. bzw. 41 Pf. erhallen würden. Herr Kaffirer erwiderte, dag er Geschäftsmann märe und er in ein Geschäft nur dann Geld hineinstecken würde, wenn er dabei verdienen könnte. Auf die Konsequenzen seiner Ab- sichten hingewiesen, Erklärte er weiter, daß er in diesem Falle auf alles gesasst fei. Er kenne die Einstellung der hier in Frage kommen- den Arbeitnehmer auch auf politischem Gebiet und sei auf alles ge- saht, auch auf eine„proletarische Abreibung". Er ver- langte nun weiter, daß die Gewerkschaftsvertreter ihm einen Aus- weg aus dem Dilemma zeigen sollten. Es wurde ihm vorgeschlagen, als netter Arbeitgeber eine Versammlung für das gesamte Boten- personal einzuberufen, um seine Absichten bekanntzugeben. Dieses Ansinnen lehnte der Herr mit einem verständnisinnigen Lächeln ab i-nd schlug seinerseits vor, dah diese Versanunlling doch von den altem Arbeitgebern, also den Verlagen der„Roten Fahne" usw. einberufen werden mühte, da die Betreffenden doch ein besonderes Interesse daran hoben, die Dinge zu einer reibungslosen Zlbwicklnng kommen zu lassen. Im übrigen sei doch zu erwarten, dag die Parteidisziplin die zweckmähige Lösung herbeiführen würde. Er betonte, dah die Berlage bestimmt nicht aus einem gewissen Ucbcrnnit und aus Freude au einem Lohnabbau zu diesen Mahnahmen gezwungen wären.. Es würde jedenfalls die, Banken oder GMgeber dazu tveranlastüng' gegeben'haben." Herr"Rästiier"per. sprach, sich mit den Herren Pfeifer und Müller sofort ins Be- nehmen zu fetzen, damit diese eine Bersammlnng der geschilderten Art einberufen. Am gleichen Abend fand in der Alexandnnenstroße eine Fraktionssitzung-dex kommunistischen Funktionäre des Zl u s t ra ge p e r f o n a l s statt, zu der ein Organifationsvertreter geladen wurde. Seine Mitteilungen über die Absichten des Arbeit- gebers lösten einen E n t r ikst n n g s st u r m aus. Eine Ver- treterin der Organifotionsleitung der KPD. erklärte, dah man die Aussagen der„Sozialfaschisten"— nämlich der Gewerkschaftsvertreter!— ganz besonders vorsichtig entgegennehmen mühte. Sie sucht« die Haltung der kommimistlschen Berlage zu rechtfertigen, wußte ober vor dem ausbrechenden Entrüstungssturm den Saol verlassen. Die Funktionäre beschlossen darauf, bei der von dem Verlage einzu- berufenden Versomnllung den Vertreter der Organisation hinzuziehen. Falls die Versammlungsleitung es ablehnt, den Gewerkfchoftsver- treter hinzuzuziehen— so erklärten die Funktionäre—, würden sie das durchführen, was sie gelernt haben, und dies jetzt selbst gegen ihre eigenen Verlage anwende». Die kommunistischen Verlag« haben jedoch die Zusage, eine Ver- sammlung des gesamten Austragepersonals einzuberufen, nicht ge- halten. Dafür berief die Bezirksleitung der KPD. durch eine Be- kanntmachung in der„Roten Jahne" nur das in der KPD. organi- sierte Austrageperfonäl zu einer Versammlung am 23. September ein. An dieser Parteiversammlung, in der es sehr stürmisch her- ging, konnte der Vertreter des Gcsamtverbandes natürlich nicht teilnehmen. Die Parteidisziplin reichte aber nicht aus, um den Wider- stand des Austrogcperfonats zu brechen, sondern sie verlangten ein- deutig die Aufrechterhattung der bisherigen Verträge. In dieser kommunistischen Parteiversammlung wurde«ine linientreue Lohn- kommission gewählt, die den Auftrag bekam, die zum Freitag, dem 26. September, vom Gesaintverband angesetzte Versammlung unter allen Umständen zu sprengen. In dieser vom Gesomtverband einberufenen Versammlung waren etwa 356 Personen anwesend. Die Versammlnngsleitung muhte feststellen, dah die Saaleingänge von einer linientreuen SA.-Abteilnng aus Neukölln in der Stärke von 30 bis 40 Mann besetzt waren. Als der Gewerkschaftsvertreter seine Ausführungen über den von den kommunistischen verlogen vcranlaßten Lohnabbau machen wollte, wurde er alsbald non einem kommunistischen Sprechchor mit wüsten Zwischenrufen unterbrochen. In dieser Versammlung erklärte der RGO.-Häuptliiig Schramm, dah die Kommunistische Partei in der Form eines Tourengeldes den Differenzbetrag zwischen dem alten und dem non der Firma Kas- sirer angebotenen niedrigeren Lohn tragen würde. Durch diesen Trick bekam er die Versammlungsteilnehmer auf seine Seite. Durch dos Auftreten der kommunistischen Sturmabteilnng wurden die Gewertschastsvertreter gezwungen, den Saal zu verlassen. Schließlich erschien in der Bersammlung ein an- scheinend nicht linientreuer Stoßtrupp von Rot-Front-Kämpfern aus dem BezirkPrenzlauer Berg, der aggressiv gegen die RGO. vorzugehen versuchte. Eine Prügelei wurde lediglich dadurch verhindert, dah ein Ueberfalltommando erschien. Mehrere kommunistische Mitglieder der gewerkschaftlichen Lohn. kommission wurden aus der KPD. ausgcschlosteu, weil sie sich gegen den Lohnabbau gewandt hatten, dem bei einer VerHand. lung im Karl.Liebknecht.Hons Vertreter der RGO. zugestimmt haben. Mit Zustimmung der RGO. erging an die Filialleiter die 2ln- Weisung, ab 1. Oktober den Lohn wie folgt herabzusetzen: van S4 Pf. auf 62 Pf für zweimal. Austragen s pro Exemplar „ 47„ � 45„„ einmal„'/ und Monat wer sich nicht unlerschristlich bereit erklärte, für die reduziert«» Löhne zu arbeiten, wurde entlassen. Wenn man bedenkt, daß eine Botenfrau bisher durchschnittlich 40 bis 45 Pf. pro Stunde verdiente, kann man ermeffen, für weichen elenden Lohn jetzt die Austrägerinnen ihre Arbeitskraft zur Verfügung stelle» müsjsn. � Im übrigen soll bei den' köiiünunistffchen' Jeitüngsuerlagcn' auf Kosten der AA�iter eine. RatiSlinlfflernng durchgetuhrl. wer, den, was man sonst in den kommunistischen Organen aufs schärfste bekämpft. Durch die Zusommenlegunz von ToureN, aus denen Hexr Kaffirer ein Geschäft machen will, wird eine nicht unerhebliche Zahl von Austrägerinnen der„Welt om Abend", der„Roten Fahne" und der Zeitung„Berliner Morgen" bro.los., 419000 Wohlfahrtserwerbslose. Ohne Familienmitglieder. Im Gegensatz zu den rückläufigen Unterstütztenzahlen der Arbeitslosenversicherung hat die Zahl der Mohlsahrlserwerbslosen im Monat September eine neue bedeutende Vermehrung erfahren. Nach der Erhebung des Deutschen Städtetoges wurden in den Städten über 25 000 Einwohner mit einer Gesamtbevölke- rung van 25 Millionen am 30. September 479 000 Wohlfahrtserwerbslose(ohne Familienmitglieder als Zuschlogsempsänger) gezählt. Don diesen werden 53 000 als Fürsorgearbeiter beschättigt. Gegenüber dem Ergebnis des Vormonats(445 000) ist für die genanmen Städte eine neue Belastung der gemeindlichen Wohl- fahrtspflege um weitere 7,6 Pro z., gegenüber dem 31. Dezember 1929 aber eine Verdoppelung der zu betreuenden Erwerbs- losen eingetreten. Sluherdem erhielten in den Städten über 23 000 Einwohner am 30. September 52 000 Empfänger von Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge lausende Zusatzunterstützungen. Aus der Herrenkonfektion. Oer Neichstarifvertrag besteht unverändert fort. Die Vertragsparteien des Reichstarifvertrages hatten sich dahin verständigt, über begrenzte Anträge zur Revision des Reichstarifes ohne Kündigung desselben zu verhandeln. TZie vom Arbeitgeber- verband gestellten Antrag« bewegten sich aber in einem sehr großen Ausmaße und waren von sehr einschneidender Bedeutung. Sie hätten eine starke tarifliche Verschlechterung bedeutet und einen erheblichen Lohnabbau zur Folg« gehabt. Die Arbeitnehmerverbände sahen sich deshalb gezwungen, im gleichen Ausmaß Gegenanträge zr stellen. Hierdurch war die Möglichkeit einer Verständigung notur gemäh sehr erschwert. Der Ausschuh des Arbeitgeberverbandes, der zusammengesetzt ist von Vertretern aus allen namhaften Konsektionsplätzen des Reiches, hat sich vor einiger Zeit mit' der dadurch entstandenen Situation beschäftigt und einen Beschluh dahingehend gefaßt, die 'Angelegenheit aus sich beruhen zu lassen. Das bedeutet, dah der Arbeitgeberverband auf die Behandlung feiner Anträge verzichtet und dah damit auch die Möglichkeit de� Behandlung der Arbeitnehmerantrage entfällt. Der Reichstorisvertrag besteht somit in allen seinen Teilen unver- ändert fort. Deutscher Bekleidungsarbeiterverhand. Zentralleitung. Achtung, Vau- und Geldschrankschlosser. Der Streik der Vau- und Geldschrankschlosser ist entgegen anderen Meldungen vom Hauptvorsland des Metallarbeiterverbandes voll sanktioniert, so daß es sich um keine wilde, sondern um eine slalularisch ordnungsmäßige Bewegung handcll. Morgen, Montag, um<8 Ahr. ist im„Märchenbrunnen" am Ariedrichsho'n eine Vollversammlung der orgauisierten Bau- und Geldschrank» schlosser. Restloses Erscheine» aller vrancheuo»gehörigen, auch der» jcnigen, die nicht im Kampf stehen. Hl unbedingt erforderlich. Verleumdungen ohne Ende. Protest der Eiemens-Angesteliten. Es ist rein technisch urnnöglich, all den Verleumdungen der KPD.-Press« und ihrer Betriebszeitungen aus den Grund zu gehen und sie zu ternizeichnen Die„Verantwortlichen" verschanzen sich hinter ihre Abgeordnetenimmunität und sind selten zu stellen. Um so ungenierter kann diese Presse ihre Lügen und Verleumdungen verbreiten. Es muh Sache der Zlrbeiter und Zlngestellten in den Betrieben sein, sich der gegen sie gerichteten Anwürfe zu erwehren, wie es die Siemens-Angestellten in vorliegendem Falle getan haben/ Der„Siemens-Lautsprecher", für den der kominunistische Ab- gordnete Wilhelm Hein verantwortlich zeichnet, brachte in feiner Septemberausgabq einen„Rotschrei der Siemens- Beamten aus dem Fräsenwerk", der von der„Roten Fahne" als„Skandal im Dtrek- tionsbüro" übernommen wurde. Da dieser„Notschrei" von A bis Z erstunken und erlogen ist, bemächtigte sich der Belegschcffl eine stärke' Erregung, l m t» n ng«»»» Be* t r i e b s r a t s v o r s i tz« n d e n» der SPD-Mann ist. Die Angestelltenschost saht« einmütig eine unterschriftliche E r- klärung, worin der Zubringer der ÄPD.-Presse als ein Intri- gant schlimmster Sorte bezeichnet wird, der niemals die Jmeressen der Angestellten wahrgenommen hat, sondern sich stets arbeiterseind- lich gezeigt und manches Arbeiterratsmitglied zu Fall gebracht Hot. Durch das Rackebedürsnis eines unfähigen Betriebsleiters, der sich nur durch Schiebung jahrelang gehalten hat und der weder einen Brief nach Bericht selbständig in korrektem Deutsch verfassen konnte(Beweise sind vorhanden), sollten völlig einwandfreie und anständige Kolleginnen ehrlos gemacht werden. Es handelt sich um zwei Kolleginnen,' die als Sekretärinnen, nicht, wi« so häufig, bei ihrer besonders gelagerten Tätigkeit die Berührung mit der Angc- stelltenschaft verloren haben. Leider können diese durch sensationelle Andeutungen verdächtigten Kolleginnen die'Verleumder nicht zur Rechenschast ziehen, da die„einzige Arbeiterpartei" sich hinter die Immunität des Herrn Hein versteckt. In der Erklärung heißt es: „Wir erklären, daß unser Betriebsrat Max Schindler sich stets in vorbildlicher Weis« für die Interessen der Arbeitenden und Entlassenen«ingesetzt Hai und unser uneingeschränktes Ver- trauen genießt. Der Anwurf,«r sei in den Augen der Angestell- ten nur ein Theaterclown, ist damit vollständig widerlegt. Di« Be- hauptung, er habe von der Firma ein nicht rückzahlbares Daxlehen in Höhe von 2000 M. erhalten ist aus der Luft gegriffen. Damit sind die übrigen Lügen, wie beispielsweise über angeb- liche Geburtstagsfeiern, gebührend gekennzeichnet. clss Sdmhes uircd imlratgen ecDtpbt - Sd-axKe beKcdien. ibu: -elßganies flaiSSehm.caitiKiiienn. sie noCn. so slaxk sixapazieii oueeden. In Berlin eigene Verkaufsstellen an allen Hauptverkehrspunkten. Werveakiion der KaHrikarbeiier! ,�ur Einkeijung einer bcjooberci: Werbeostinn in.hsn für dos ganifationsgebiet i-ct Berliner Fabrikarbeiter zuständigen Bs- l icben hotte die Ortsnerwoltung die Funktionäre nach dam großen �aal des Gcwcrkschaftshouses eingeladen. Der Referent, Genosse Ä ch l i m in e, sprach über das Thema„Die g e w e r k s 6) a f t- iichc Macht in Staat und Wirtschaft". In anderhalbstündigen Ausführungen, denen die Versammelten mit größter Aufmerksamkeit folgten, zeigte der Redner den Unter» ichiftb in der Stellung der Gewerkschaften in Staat und Wirtschaft n 0 r und n o 6) dem Kriege. Bor dem Kriege keine An- erkennung. weder dur�> Unternehmer noch Staat, heute dagegen gewährleistete Rechte aus Grund des§ lS5 der Rcichsooriafsung. Schlimme schilderte dann die große kulturelle Bedeutung der mit Hits« der Gcipcrlschastcn im Acroin mit der Sozialdemokratie ge- chassenen sozialen Gesetzgebung für die deutsche Arbeiterklasse. In aer Borkriegszeit konnten nur einige wenige Arbeitergruppen insolge ihres guten Orgonisotionsoerhältnisscs, Buchdrucker, cholz- arbeiter usw. Tarifverträge abschließen,'während zur Leit in Deutschland sür etwa 12 Millionen'Arbeiter und Angestellte die Lohn- und Arbeitsbedingungen tarisvertraglich geregelt sind. Der Bevollmächtigte. Genosse R ü ck e r, unterstrich zum Schluß die Darlegungen oon Schiimme und richtete einen nachhaltigen Appell an die Funktionäre, überall für die Ausbreitung und Stärkung der gewerkschaftlichen Organisationen zu ortieiten und jedem Spaltuiigsversuch, von welcher Seite er auch komme, energischen Widerstand enigcgenzusetzcn. Verkrekeeversammlung des AfA-Orkskarkells Berlin. äSargf«. SJonl«}. M? vb», i» Sa,t 5 de» Berliner Eernereschostnhnuse».. Engelnfee Z4— Z-. erscheinen«Iler Aollege» ist Pslicht. Berliner Gewerkschaftsschule. Au» dem Unterrichtsoerneichni» der Berliner ibewerlsckoftslchule verofstnt. Ii Ken wir nachsteljend einige ftnrfe. Jeder Sewerlschaftrfunttion-ir und Ke. lriebsrat, der ez mit der Erfüllung seiner Ausgaden ernst nimmt, kann nicht nachdrücklich genug.«ur Teilnahme an den Lehrgängen der chcwcrkschafts. schule aufgefordert werden. Sc». U. Die deutsch« und internationale Semcrlfchastnbewegwng. Lehrer: Hermann Schlimme. Beginn: Donnerntog. lk. Oktober. 19 llhr, im Leidni». gnmnasium. Morianncnnlati??— ZS. C. 1. Tie berufntäiige Zrn» im Sffcvtlichen Lehen. Lehrerin: Maria Sodann. Beginn: Dienstag, lt. Oktoder, 19's Uhr, im Sophien. Lnjeum, Weinmeisterstr. IS— 17. SO. T. Betriebnwirtscholtlich« A'beitngiuppc iEinftihrungskurfusl. Lehrer: Direktor Paul Koste. Beginn: greitog, 17. Ottoher. 19 Uhr, im Leibniz» Symnasium. Mariannenplek. r. II. A,tu>ualälov«mische, Seminar. Boltsmirtschaftlick»« Aussprachen und Uehungcn insbesondere über dg» Lohnproblem. Leitung: Mar Pottlitzer. Be. ginn:'Donnerstag, 16. Ottoher. 19 Uhr.ed»sratti»n Bezirksamt Lichtenberg. Mittwoch, lä. Ok'ober. t-Z l9'4 Udr. bei Tempel, Gudrunstr. 7, Versammlung der beim Bezirks, fü «mt Lichtenberg brschästiqten SPD.-Arbeiter..Angestellten und»Beant- i u ten. Ganosse Hans Plsttner spricht über.Die politische Lag« und die W Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe". Snmpathisterendc find ebcnsallz s-i herzlich eingeladen. Z sr,. Arbeitsgeweinlchaft sazialdemakra tisch« Zustiza»gehöriger sLand. � A gericht I und Amtsgcricht Mitte. Freitag. 17. Ok'ober. 16 Uhr, gleich lh Do nach Dienstschluh), in Landre» Weifibierswbcn. Klosterstr. 76. Fraktion», t-s Ks fihung. ELmoi'se Mar Heid-mann spricht über»Unser« Arbeit nach den � Äahsen". Erscheinen Pflicht.|| �reie Gewertschafts-IvgendAerlin Heute um Z9 Uhr Heimabend im Jugendheim Nast'nburger Straße.— Morgen. Mmrtaq. um Ifnh llb«. ist im Gewerkschaftsbou». Engel. ,. t»» cht OX 17' r} Um*. r.vfta I a V* X X» X t e.•» CTß m m X a•* f a« 4« v. uker 24— 25. Saal'3. der erst« Abend de, diesjährigen Wanderleiter. Bortrag:»Wie pack« ich meinen Rucksack?"— Am Sonnabend. Ii der. ist im Saalbou Reukölln, Bergstr. 147. ein Filmobenb. Für Bor führung gelangt der Film».... den schickt er in die weite Welt". Eintritts. preis 25 Pi. Anmeldungen für den Spiellelteikursu» am 2S. und 26. O'tpblr find umgehend in der tzugendzentrale abzugeben. Luaendaruppe des)entra>verbandes der Anaestellten Morgen, Montag, find folgende Jeranftaltungen: Webbingl?ug:nd. heim Turiner Ecke Seestrafie Lortrog:„Ein Tag im Parlament". Rr. kennt Erwin Bunzel.— Britz: Städtisches Fugendbeim(Rathaus). Bor'rog: »Der neue Reichstag trat heute zusammen". Referent Willi Derkow.— Urban: Fugcndheim Flughafenstr. 68. Fritze paukt un, neue Lieder ein.— Morgen um 30 Uhr ist im großen Sitzungssaal unseres Bcrbandshauscs eine Be- sprechung zur Bildung von Sanddallmannschaften.— Zur besonderen Beat» tung! Am Donnerstag. 16. Oktober, beteiligen fich unsere Iugendbezirkc gc- schlössen an der allgemeinen Mitglirdcrocrsammlung in der Hascnheidc. •»•• o tt �Parzellen imd. Wchmmgen ...'....5 MW Siedler! Priort-Döberitz Wohnparzalien, CSrtnerelan, Hühnerfarmen q?n von 0.90 Hark an Vor o r t v e r k e h r Bahnfahrt bl« Priort(Wustermark-Ost umsteigen) oder bis Wustermark-VerschlebebahnhMdann Pußwog durch Kolonie Elstal, Vork&ufer auf dem Qelände. 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Alt- Cölln umfaßte dos Residenzschloß und die Petritirche, war voll- ständig von der Spree umflossen und reicht« vom Weidendamm bis zur Fischerbrücke. Der schmale Streifen zwischen dem Spittelmarkt und der Waisenbrücke jenseits des Wassers, der die Wallstraße, die Neue Grünstraße, die Neue Roßstraße, die Gertraudtenkirche und den Salzhof umfaßte und in die Festungsanlagen des Großen Kur- fürsten 1681 mit einbezogen wurde, war das ehemalige„Neu-Cölln". Als Zweitälteste Stadt ist Berlin 1244 erstmals beurkundet. Es wurde vor 100 Iahren vollständig von der Spree umflossen und reichte von der Spandauer Brücke, der Herkulesbrücke und der Kunowskibrücke bis zur Königsbrücke, Waisen- und Fischerbrück«. Es umfaßte den Molkenmarkt mit der Stralauer Straße, die Nicolai- und Marienkirche, die Kloster- und Heiligegeistkirche, das alte und neue Posthaus und die angrenzenden Gassen. Als dritte Stadt wurde 1650 der Friedrichs- Werder angelegt, der von der Spittel- brücke bis zum alten Packhof reichte und zwischen den Bastionen 1, 2, 3 und 4 und Alt-Cölln lag. Dieser, in die ersten Festungsanlagen mit einbezogene Stadtteil erhielt das Münzgebäud«, die Werdersche Kirche, das Zeug- und Gicßhaus und das neue Königspalais. Seine hauptsächlichsten Straßen und Gassen waren die Schustergasse, die Kreutzgasse, die Kleine Jägerstraße, die Marktstrahe, die Rosenstraße, die Alte Leipziger Straße, die Adlerstraße, die Falkoniergasse, die Holzgartcnstraße. 1673 wurde die vierte, die Dorotheenstadt, auch Neustadt genannt, gegründet. Sie wurde im Süden begrenzt von der Behrenstraße, im Norden von der Spree zwischen Weiden- dämm und dem Unterbaum und umfaßte„Unter den Linden" ein- schließlich Brandenburger Tor und Opernhaus. Zu der Neustadt ge- hörten die Neustädtische Kirche, die Akademie, das Observatorium, die Universität und Bibliothek.— Die letzte der süns Städte, die Friedrich st adt, wurde 1688 begonnen. Die Friedrichstadt um- faßte die Hedwigskirche, die Jerusalem« Kirche, die Dreifaltigkeitskirche, die Böhmische Kirche, die Französische Kirche, die Neue Kirche, das Deutsche Ordcnepalais und das Schauspielhaus. Sie reichte vom Leipziger Platz zum Dönhosfplatz und vom Belle-Alliance-Platz (Rondell) bis zur Behrenstraße. Diesen fünf Städten reihten sich vier V o r st ä d t e an, die mit Ringniauern umzogen waren, und zwei weitere Dorstädte, die vor den Ringmauern lagen. Die vom Großen Kurfürsten an- gelegten Festungswerke sind von 1734 bis 1746 geschleift worden und seit dieser Zeit sind die fünf Städte und die vier Vorstädte mit einer 14 Fuß hohen steinernen Mauer umgeben. Allmählich erhielt dieses gemeinschaftliche Ganze den Namen Berlin. Innerhalb dieser Mauer lagen die K vigigst'trdi' oder ftönigs-Bcrstadt: die Spandauer B o r st a d t, die Sbralaucr Bor st adt und d-e L u i s e ii st a d t oder Cöllnische Borstadt. Uni die Mitte des 18. Jahrhunderts ent- stand nach und nach die Rosenthaler Borstadt und noch später die Oranienburger Borstadt. Dieses aus verschiedenen Jahrhunderten herausgewachsene Ganze gilt heute als Alt-Berlin. Die Namen sind für die meisten Berliner fast tote Begriffe und leben nur noch in der Stadtverwaltung und in Bezeichnungen von Telephonämtern, Kirchen, Friedhöfen, öffentlichen Straßen und Plätzen fort. Arbeiterbildungsschule. In der Woche vom 13. bis 18. Oktober beginnen jolgende Kreiskurse: Montag, 13. Oktober: 18. Kreis Weißensee, Lyzeum Parkftr.�15. Maximilian Lange:„Die soziale Schichtung in der Gegenwart."— 19. Kreis Pankow, Jugendheim Kisfingenstraße. Anna Hartoch: „Sozialistische Lebensgestaltung." Dienstag. 14. Oktober: 6. Kreis Krcuzberg, GesundHcitsHaus, Arn Urban 10/11. Dr. I. Schlesinger:„Wirtschaft und Staat." Donnerstag, 16. Oktober: 2. Kreis Tiergarten, Jugendheim Bremer Straße. Dora Fabian:„Einführung in den Marxismus." — 3. Kreis Weddinq. Schule Pank-, Ecke Wiesenstraße. I. P. Mayer: „Die Wirtschaftsgeschichte Europas von, Altertum bis zur Gegen- wart."— 4. Kreis Prenzlauer Berg, Danziger Str. 64. Dr. I. Schlesinger:„Bolschewismus und Faschismus."— 7. Kreis Chor- lottcnburg, Jugendheim Rosinenstr. 4. Fritz Lewy:„Krise und Arbeitsmarkt."— 9. Kreis Wilmersdorf, Viktoria-Lliise-Schule, Uhlandftr. 91/93. Dr. Gregor Bienstock:„Was wollen die Sozial- demotraten?"— 11. Kreis Schöneberg, bei Will. Martin-Luther- Straße 69. Ministerialrat Joachim:„Die deutsche Sozialgesetz- gebung."— 17. Kreis Lichtenberg. Cäcilien-Lyzeum, Rathausstraße. Studiendirektor Henniafen:„Kultur- und Sittengeschichte des Proletariats." Freitag. 17. Oktober: 12. Kreis Steglitz, Stadtbücherei, Grüne- wakdstr. 2. Dr. Karl Schröder:„Glaubest und Wissen." Dieser Kursus beginnt nicht am 17., sondern er st am 24. Oktober. — 13. Kreis Tempelhof, Bezirksamt Tempechof, Dorfstr. 4. Dr. Ostrowski:„Die Stadt Berlin als Wirtschafterin."— 16. Kreis Köpenick, Schloßstr. 27. Dr. Gregor Bienstock:„Die Arbeiter und der neue Staat."(Das Wesen des neuen Staates.) Beginn aller Kurse 1914 Uhr. Anmeldung bei Beginn der Kurse im Schullokal. Hörgebühr für 8 Abende 2 Mark. 5. Berliner Tierschuhiag. Von Berlin ging di« fruchtbar« Anregung aus, Tierfchutztog« zu veranstalten. Darum findet sich in der Hauptstadt des deutschen Reiches immer eine große Gemeinde zusammen, wenn es gilt, diesen Tag zu begehen. Er wurde diesmal im Festsaal der Gesellschaft der Freunde«bgelMten und viele Mitglieder und Freunde der ver- schiedenen Tierschutzvereine, die oft stark voneinander abweichend- Ansichten haben, die sonst mit Temperament und nicht ohne Schärfe ausgetragen werden— waren gekommen. Der reine Tierschutz- gedanke nämlich einigt sie immer wieder. Musikalische Darbietungen und Rezitationen, durch die Tiergeschichten bekannter Schriftsteller lebendige Werbung wurden, umrahmten die einzelnen Vorträge. Heinrich Zimmermann, der Hauptredner des Abends, be- handelte in seinem Vortrag„Tierschutz und Kultur" dos Verhältnis des Menschen zum Tier in der Antik«, dem Mittelalter und der Neuzeit. Der Tierschutz sei stets ein Merkmal der Kultur. Jeder Mensch müsse bedenken:„Das Tier ist nicht mehr als du, nicht weniger als du, es ist airders als du":„das Tier steht nicht über dir, nicht unter dir, sondern neben dir". Kabarett der Komiker. Allen voran diesmal der quicklebendige Gaston Palm er, der feine geschickten Ungeschicklichkeiten in omü- sanier Weise serviert: der Kampf mit der Tücke des Objektes ist allerbeste Jongleurarbeit. Dario P a i n i, der unerreichte Altmeister der Kartenmogelkunst, verblüfft wieder durch seine unerhörten Tricks. Die Jazzparodisten Degen-Körher- Behrens machen viel Stimmung mit fröhlichem musikalischem Kauderwelsch, während die Grotesktänzerin Frederique lustige Beinverrenkungen zeigt. Sehr gut Blondine E b i n g e r in ihrem Vortrag moderner— aller- modernster Chansons, ebenso das Tänzerpaar Nadafsy-Baum in porodistischen Tänzen. Der Einakter„Der verlorene Bater" von B r i s s a c wurde von Kurt Robitschek zur fröhlichen Travestie an- tiquierter„Salonstücke" übersetzt. Wodienprogrfgmm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 12. Oktober: 6.30: Funkgymnastik. 7; Aus Hamburg: Hafenkorizert. 7.50: Für den Landwirt. 8.30: Von der Nordschleife der Avus: Radrennen der deutschen Sportjournalisten. 8.50: Morgenfeier. Anschließend Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage. 11; Bach-Kantate. 11.30; Eltcrnstunde. 12: Aus Breslau: Orchesterkonzert. 14 Jugendstunde. 14.30: Solistenkonzert. 15.30: Eugen Isolani zum 70. Geburtstag. 16: Unterhaltungsmusik. Als Einlage Programm der Aktuellen Abteilung. 18.50: Funk-Porträt. 19.20: Sportnachrichten. 19.30: Aus dem Zoologischen Garten, Berlin:..Die Hirsche schreien." 20; Jacques-Offcnbach-Konzcrt. 22.30: Aus Köln: Ausschnitt aus dem Endkampf um die deutsche Schwergcwichtsmeisterschaft. Danach Tanzmusik. Montag, 13. Oktober: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Wege zum Erfolg im Gartenbau. 15.40: Vom Schlosscrgesellen zum Groß-Industriellen. 16.05: Das Wunder der Katalyse. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.45: Jugendstunde. 18.15: Der englische Parlamentarismus. 18.40: Strafrechtliche Tagesfragen. 19.05: Gitarre-Vorträge. 19.30: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.35: Programm der Aktuellen Abteilung. 20: Konzert. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Junge Dichter aller Länder: Amerika. Anschließend kurzer Ucbcrblick über die Literatur. Danach Zigcunemiusik. Dienstag, 14, Oktober: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12,30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Anna Grigorjewna, Dosto- cwskis Gattin. 15.40: Deutsch als Weltsprache. 16.05:. Technik und Menschengemeinschaft. 16.30: Ui�crhaltungsmusik. 17.30t Jugendstunde. 18: Verleger über das..Billige Buch". Anschließend Bücherstunde. 18.35: Kultur-Pioniere am Jordan. 19: Franz Baumann singt. 19.20: Interview der Woche. 19.40: Drei Minuten vom Arbcitsmarkt. 19.45: Das aktuelle Potpourri. 20.10: Konzert. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10:..Der Fall Pannickc", Hörspiel von Auditor. 22.15; Politische Zeitungsschau. Mittwoch, 15. Oktober:- 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frütikon�crn 12.30:»-Wettermeldungen� für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Durch Lapplands Gletscher- weit. 15.40: Jugendstunde. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Aus Königsberg: Orchesterkonzert. 18: Zur 2000jährigen Vergil-Fcier. 18.25: Musik aus dem 18. Jahrhundert auf dem Cembalo. 19: Der deutsche Arbeitsmarkt der Gegenwart. 19.25: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.30: Unterhaltungsmusik. 20.30; Die deutsche Landschaft in der Dichtung: Rheinlande. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Konzert. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 16. Oktober: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20; Die gestaltende Frau. 15.40: Zerstreuungen, die nichts kosten. 16.05: Deutsche ärztliche Auslandsarbeit. Als„Erzählung der Woche" wurde den Funkhörern dies- mal eine Darbietung zugemutet, die die furchtbare Katastrophe des englischen Luftschiffes sensationsgierig ausbeutete. Felix Hol- länder gab diesen Bericht, der wohl bei allen Hörern aus schärfste grundsätzliche Ablehnung gestoßen sein dürfte.— Landgerichtsdirektor Dr. Albert Hellwig sollte das Thema behandeln„Ein Skeptiker über Okkultismus und Spiritismus". Nachdem der Ber- liner Sender sehr ausgiebig zum Teil recht wemg kritischen An- hängern des Okkultismus Redefreiheit gewährt hat. wäre es durch- aus notwendig gewesen, einen Wissenschaftler sprechen zu lassen, der gegen die als okkulte Phänomene ausgegebenen Erscheinungen die Einwände der Wissenschast deutlich gemacht hätte Stattdessen teilte der Vortragende seine persönliche Einstellung zum Okkultismus mit. ohne sich die Mühe zu nehmen, irgendwelche kritischen Untersuchungen und Vergleiche anzustellen.— Eine ausgezeichnet- Reportage brachte wieder Alsted Braun. Man empfindet es jedesmal wieder mit neuer Freude, daß er es meisterlich versteht, die Atmosphäre eines Milieus einzufangen. Aus einer entlegenen Alt-Berliner Schankstube ver- mittelte er«in Bild ienes echten oft verkannten Berlinertums, das so seltsam gemischt ist aus Derbheit und Sentimentalität.— Freude bereiteten auch an diesem Tage wieder die guten musikalischen Dar- bietungen. Tes. U.30: Locwc-Balladcn. 16.M: Konzerl. 17.30: Jusendstunde. 17.55: Ucber die politische Bedeutune der Deutschen. 18.20: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 18.35: Zither-Vorträee..18.40; Kurzgeschichten vpu Andre Poltzer. 19: Aus Könissbers: Orchesterkonzert. 20.20: Wovon man spricht. 20.50: Taees- und Sportnachrichten.- 21: Kammermusik. Danach Tanzmusik. Freitag, 17. Oktober: 6.30:.Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Zeitwandlungen des Kavalierbegriffs. 15.40: Kosmetik in der Orthopädie.* 16.05: Die erste Konferenz der Baikaustaaten in Athen. 16,30: Blindenkonzen. 17.35: Sollallplatten. 17-45: Thesen-Diskussion: Kleinwohnung oder Kleinstwohnung. 18.20: Musikalische Jugendstunde. 18.40: Das neue Buch. 18.50: Programm der nkchslen Woche. 19.15: Utopie von gestern. Technik von heute. 19.45: Tanzabend, 21.30:„La Scrva Padrona'*(Die Magd als Herrin) von Giov, Batt. Pcrgolcsi. Danach Abendunterhaltung. Sonnabend, 18. Oktober: 6.30; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.45: Deutschland im internationalen Schwimmsport. 16.05: Forlbildungsmoglich- kcilen für Werktätige. 16.30: Aus Königsberg: Orchesterkonzert. 18: Die Cr- zählung der Woche. 18.30: Zehn Minuten Fiim. 18.49: Chorgesänge. 19: Programm der Aktuellen Abteilung. 19.30: Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. 19.35:„Verleger gesucht." Ouer durch die jüngste Dichtung. 20.10: Konzert. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10: Kibaretl. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 12. Oktober: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 18: Der germanische Bauer. 18.30: Im Auto über den Jordan. 19: Gorch Focks Leben und Werk. 19.30; Ueber- tragung aus Berlin. 20: Deutschlandsendcr: Aus Köln: Volkskonzcrt. Au- scfiließend Uebertragung aus Berlin.' Montag, 13. Oktober: 16: FraücnBildüiig und Kultur. 16.30: Aus Berlin:-•N�chmitta�skoiircrt. 17.30: Rumänische Volksmusik.• 18: NahrungsmUleiprcis und Nahrungsmittel- wert. 18.30: Religion der Tat. 19: Englisch für Anfänge�. 19.30: Stunde des Landwirts. 20: Deutschlandsender: Aus Hamburg: Volkstümliche Opern; 21: Aus Hannover: Sophienfeier zum 300jährigen Geburtstag der Kurfürstin Sophie von Hannover. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 14. Oktober; 16; Klassenaustausch an der Dresdener Dürerschule. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30; Einführung in das Verständnis der neuen Musik. 18: Das Bismarckbild der Gegenwart. 18.30: Philosophie der Gegenwart". 19: Französisch für Anfänger. 19.30: Die deutsche Reichsverfassung. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsender: Uebertragung aus Berlin. 21: Aus Köln: Abendfeier des 50. Jahrestages der Vollendung des Kölner Do'ms. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 15. Oktober: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nacjimittagskonzcrt. 17,30: Rumänische Volksmusik. 15: Die Gemeinden als Auftraggeber. 18.30: Das physikalische Weltbild der Gegenwart. 19; Deutsch für Deutsche. 19.30; Rationelle Steucrvcrwaltung. 19.55: Wetterbericht für die Ländwirtschaft. 20: Deutschlandsender: Aus Hamburg: Italienischer Abend. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Donnerstag. 16. Oktober: 16: Die Nerven unserer Schuljugend. 16.30: Aus Berlin: Nachmittags- konzert. 17.30: Hausmusik. 18: Prozeß und Oeffentlichkeit. 18.30: Charakter und Schicksal. 19.30; Stunde des Landwirts. 20: Deutschlandsender: Uebertragung aus Berlin. 21; Aus Köln:„Ein Mann erklärt einer Fliege den Krieg." Hörbild von Schmidtbonn. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Freitag, 17. Oktober: 16.30: Aus Leipzte: NachmittaKSkonzert. 17.30: Der bevölkerte Sternhimmel. 18: Die ArbeifslosiKkeit in der Welt. 18.30; Frühmenschen und KulluranfanK. 19: CnElisch für FortEeschrittenc. 19,30: Wissenschaftlicher VortraE für Aerzte. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsender; Konzort. 20.30: Aus Breslau: Musik der Operette„Der lustiEe KrieE" von Johann Strauß. 21.45: Aus LeipzlE: Musik von Heute. Anschließend UebertraEunE aus Berlin. Sonnabend, 18. Oktober: 16; WechselbeziehunEen zwischen Innen- und Außenpolitik. 16.30: Aus HamburE: NachmlttaESkonzert. 17.30: Auf OroßtierlanE für HaEenbeck. 18: Französisch für FortEeschrittene. 18.30: SchwinEunsen und SchwingunES- forschunE- 19: Stunde des Arbeiters. 19.30; Stille. Stunde. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsender: Aus München: Im Funkexpreß ins Land der Heiterkeit. Anschließend UebertraEunE aus Berlin. li1 HiMw An&Ugeix� wtrkungsv&ii und btlltg Pf., Texfwor» 12 Pf./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5%, 20 mal oder 1 OOOWorteAbsehluß 1 0% 2000 3°� rschriftswort 15 Pf., Textwort TO Pf. Annahme durch den Verlag, Lindenstr. 3(«9 bis 5 Uhr), und samtliche Vorwärts Filiclen u. Ausgabestellen Uberschriftswort 25 Stellengesuche: Uberschriftswort Zwillinki»»>»acn Wenig getragene .«lappslühle billig Frackan�llgc, Eino ,u veikausen. Kehr, kingamllge, Weh Aarlshorst, Wundcl- roclanzllge, Iaeletb fiugcifitafie 19 II. D anziiqe, Lämmer Parteiliteratur v-l-tats. Trcnch. vielseitig, verkauft-->-tmant-l, für lebe Smoking, I Sebrauchte Möbel Tisldlcrmstr.isiiiner, f-hlankeMtttelfigur, preiswert abliugeben. Elfafferstr. S. Schöne billig. Aron, Noscn.! Riesenauswahl. Mö. Lck,lafilimmer von thalerstraftc K2. E bel. Magazin. 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Zwar wurde uns bei festlichen Gelegenheiten von unseren Befehlshabern in wrchlgesetzten Reden versichert, daß wir unter der französischen Trikolore der armen unwissenden Menschheit die Aufklärung brächten. Und so oft ich hier und dort den Körper eines erschossenen Arabers erblickte, begriff ich gleich, daß feine Seele nun wirklich aus dem Kerker dieser Welt befreit sei und er nunmehr jenes ewigen Lichts leilhaftig geworden war, das Mohammed allen rechtgläubigen Musel- männern in Aussicht gestellt hatte. Niemond aber erklärte uns, weshalb wir in diesem gottverlassenen Marokko außer den Qualen. mit denen uns die Natur reichlich segnet«, auch noch gemeine Schimpf- worte, Auspeiffchungen, einsame Kerkerzellen und phantastische Ge- nxiltmärsche erleiden mußten. Der Grieche war ein schlauer Bursche, aber ungebildet, wie meine Stiefelsohlen. Er war nicht imstande, auf einer Landkarte ein Gebirg« von einem Fettfleck zu unterscheiden. Die Idee der Flucht stammte also von ihm, aber die Sorge der Ausführung blieb mir überlassen. Die Flucht selbst war kein« große Aufgabe; wenn wir gerade an einem vorgerückten Posten Wache hatten, mußten wir nur ein wenig weitergehen, als der Tagesbefehl uns vorschrieb, dann waren wir so gut wie entflohen. Der schwierigere Teil der Aufgabe begann erst jetzt. Auf der Karte errechnete ich, daß wir etwa 300 Kilometer durch die Wüste zurücklegen mußten, um zu den Bergen der Riffs zu gelangen. Nun, ich überlegte mir, daß, wenn die Juden 40 Jahre lang in der Wüste existieren konnten, wir es auch auf irgendeine Weise eine Woche aus- halten würden. Das größte Problem war der Durst. Ich kümmerte mich also darum, daß alle Feldflaschen, die wir besaßen und uns ver- schaffen konnten, mit Wasser und Rum'gefüllt wurden, und wir gelobten uns mit einem kräftigen Eid nur tropfenweis« von diesen Flüssigkeiten zu genießen, bis wir die Berge erreicht hatten. Das war in der Theorie sehr schön, aber wir rechneten nicht mit der Vererbungslehre. Ich nämlich stammte aus dem Komitat So- inogy, und mein Urgroßvater fuhr noch als Pirat die Dalmatinische Küste entlang. Der Grieche hingegen war«in Grieche, dessen Ur- großvater schon vor 2000 Jahren ein degenerierter Lüstling war, in Athen vermutlich. Demzufolge vertilgten wir schon mn ersten Abend, den wir in der Wüst« verbrachten, zur Feier unserer geglückten Flucht den ganzen Rum, den wir besaßen. Wir wurden sehr guter Laune davon. Ick) lehrte dem Griechen.dieses Lied:„In der Lampe brennt der Kümmel, hui, der Kümmel...", und er sang mir das berühmte griechische Volkslied?„Kalipcsos eselos..." vor. Wir brüllten so, daß die Schakale in einem Umkreis von 10 Kilometern vor uns flüchteten. All dies hatte am nächsten Morgen zur bedauerlichen Folge, daß wir, als wir erwachten, ein Gefühl hatten, als trügen wir den ganzen heißen Sand der Sahara in unseren Bäuchen. Das war wahrhaftig ein ganz richtiger Katzenjammer, dessen Höllenqualm jeder ordenttiche Mensch kennt. Natürlich tranken wir daraufhin unseren ganzen Wasservorrat aus, dann stampften wir verwegen in die Wüst« hinein: Es komme, wie es kommt! Es war nicht schwer zu erraten, wie es kommen würde. Die Sache begann damit, daß sich, während wir plaudernd durch den körnigen Sand tippelten, der uns die Sttefel zerfraß wie Lauge, in unseren Gesprächen immer häusiger und hartnäckiger gewisse Motive bemerkbar machten. Beispielsweise begann der Grieche tief gerührt zu erzählen, daß in seiner Heimat aus den Marmorbrüchen sonderbare Quellen hervorsprudelten, die säuerlich schmeckten und so perlten wie Champagner. Darauf erzählle ich, daß im Komitot Somogy an den Wegrändern komische, kleine Schenken stünden, wo man zum leichten Säuerling brunnengekühlte Setter bekommen kann. Dann packte ich ohne jeden Uebergang eine Jugenderinnerung aus: In Budapest erschien an manchen Straßenecken oft ein ernster Be- amter und drehte den Hahn der Straßenleitung aus, so daß ein baumstammdicker Strahl hervorquoll, und die Kinder barfuß im jäh entstandenen Fluß herumplantschten. Ich erinnere mich, daß wir diese sinnlose Wasservergeudung damals absolut nicht begreifen konnten. Anfangs spielte der Durst nur mit uns, gleichsam tändelnd, wie eine Fata Morgana, deren Gaukelspiel der Wanderer zerstreut und und flüchtig betrachtet. Aber dann näherte sich uns allmählich die Wirklichkeit und begann uns gleich einer wilden Bestie zu zerfleischen. Am dritten Tage trug uns nur mehr die ohne Hoffnung und Ge- danken lebende Vis iucrtiae vorwärts. Zornig schnaufend und keuchend schleppten wir uns fort, und wäre einer von uns nieder- gesunken, dann würde der andere wohl gleich seinem Beispiel gefolgt sein. Wir sprachen nicht mehr, aber wir wußten, daß wir unrettbar verloren waren. Da kam das Wunder. Als wir einen der ununterbrochen aufeinanderfolgenden Sand- Hügel hinter uns hatten, erblickten wir tief dunkelgrüne, fleischige Kakteen. Aber solche Kakteen hatten wir in dieser Gegend noch nie- mals erlebt. Es waren nur drei Stück davon da, so groß wie Bier- fässer, und nur spärliche Stacheln ragten daraus hervor. Ich piekte zerstreut, so wie Kinder am Wegrande Disteln'zu köpfen pflegen, mein Seitengewehr in den einen, laut fluchend nattirlich. Aber im nächsten Augenblick röchelten wir beide, erlöst grinsend. Denn, stellt euch vor, durch das Loch spritzte aus dem Kaktus in dickem Strahl eine milchige Flüssigkeit hervor, und an den paar Tropfen, die auf meine Hand fielen, spürte ich. daß diese Flüssigkeit selbst hier in der Wüstenhitze so kühl war wie klares Ouellwasser. Der Grieche beugte sich bereits mit sinnloser Gier hinab, aber ich riß ihn im letzten Augenblick zurück. Ich hatte nicht mehr viel Kraft, aber zum Glück war auch der Grieche gründlich ermattet, so daß es mir gelang, ihn niederzuringen, und als ich auf seiner Brust kniete, seine beiden Arme nach hinten driickend, erklärte ich ihm wohl- wollend, daß es enorm blöde wäre, sich mit dieser verdächtigen Flüssigkeit so ohne weiteres den Bauch vollzuschlagen. Wer wußte denn, daß nicht auch dies ein ähnliches Naß war, wie die Milch des Löwenzahns, und dann mußten wir unter Höllenqualen verenden. Eine seltsam« Debatte entspann sich zwischen uns beiden. Der Grieche sagte, er würde nicht nur die Milch vom Löwenzahn, sondern auch die Milch von des Teufels Urgroßmutter trinken, es käme lediglich auf Flüssigkeit an. Ich hingegen versuchte ihm zu erklären, daß freilich auch der Durst tötet, aber nur langsam und immer noch ein' Atom Hoffnung übrig ließe, daß wir durch«in Wunder gerettet würden. Wenn wir uns jedoch mit dieser zweffelhaften Flüssigkeit vollfraßen, krepierten wir bestimmt davon und es gab kein Wunder, das uns erretten konnte. Ich schlug vor, die Entscheidung dem Schicksal zu überlassen. Einer möge sich opfern. Einer sollte von der Flüssigkeit trinken, da würde der andere bald genug erfahren, ob es sich um ein giftiges oder harmloses Naß handelte. Diesen Vorschlag nahm der Grieche an. Wir warfen„Kopf oder Schrift" mit einem Zwanzigfrankstück. Der Grieche bekam Kopf. Schreckliche Dinge geschahen.'Nachdem der Grieche sich stippe-. voll gesoffen hatte, brüllte er plötzlich auf wie ein geschlagenes Rind, das Weiße seiner Augen trat hervor, sein Gesicht verzerrte sich, Schaum trat ihm auf die Lippen. Erst begann er wie wahnsinnig im Kreis herumzulaufen, dann stürzte er in den Sand, in epileptischen Krämpfen zuckend, schnaufte und brüllte, dann ging sein Brüllen in Todesröcheln über, nur seine Zähne klappten noch und mitunter zuckte sein Körper leise auf. Ich lauschte auf sein immer stiller werdendes Keuchen, betrachtete sekn verzerrtes Gesicht und erblickte darin mit tiefer Niedergeschlagen- heit die Unsinnigkeit meines eigenen Lebens, meiner Hoffnungen und Kämpfe. Vom tödlichen Durst geplagt, mit wunden Füßen, ge- schwächten Sehnen, konnte ich da noch in dieser endlosen Wüste irgendwelche Hoffnung hegen? Ach was! Es war am besten, wenn auch ich allem«in Ende machte. Wir hatten es gemeinsam begonnen, mochten wir es auch gemeinsam beenden. Ich philosophierte nicht mehr lang«, sondern stach mit dem Seitengewehr in den zweiten Kaktus, todesmutig beugte ich mich zur Wunde nieder und trank in tiefen Zügen die hervorquellende Flüssigkeit. Gleich beim ersten Schluck durchrieselte mich unbeschreibliche, paradiesffche Glücksellgkeit. Diese Flüssigkeit schmeckte wie gezuckerte. eisgekühlte Mandelmilch. Sie floß so freundlich und liebevoll durch meine Kehle, wie die Muttermilch durch die Kehle des Säuglings. Ich trank mich voll und voll und wartete. Aber ich empfand nur süße Gestilltheit, sonst nichts. Und meine Nase war noch immer voll vom süßen Duft dieses göttlichen Getränkes, meine Zunge spürte noch seinen Geschmack. Erst dachte ich daran, daß dies vielleicht eine andere Kakttisart sei, wie die erste, die der unglückliche Grieche gekostet hatte. Ich kostete also vorsichtig auch vom ersten. Aber auch hier genau der gleiche Geschmack und Geruch. Wie war das möglich? Ich starrte den Griechen an und verstand mit einemmal, was los war. Dieser gemeine HerostratenstSnnnling spekuliert« darauf, mich zu alleiniger Weiterreffe zu bewegen. Ihm würden diese drei Kakteen für die paar Tage genügen, die er bis zu den Bergen brauchte. Was sollte ich mit ihm tun? Ich brauchte den Gauner noch eine Weile. Ich macht« also keine Affäre aus diesem Zwischenfall, schnitt den dritten Kakttis an der Wurzel ab, legte ihn in meinen Rucksack und knurrte den Griechen an: „Genug gefaulenzt! Los, werter!" Ohne Widerrede erhob er sich und tippelte hinter mir her, Unterwegs begann er mir stotternd zu erklären, daß er einen be- sonders zusammengesetzten Magen habe, daher schade ihm, was anderen wohltut. Ich ließ ihn meckern und grinste innerlich sehr, als er beim Anstich des dritten Kaktus beifeite trat und nicht wagte, feinen Teil zu fordern. (Hier endete Milosch Lokiffch seine Erzählung. Einer der An- wefenden bemerkte still:„Also hast du zwei Drittel der Flüfsi gleit vertilgt. Das scheint endlich einmal eine wahre Geschichte gewesen zu sein!") tllebrrfe�t von SachevMasoch.) leppi'ctis rn.�k.perzei'�. iOO von„/TIA I50-0"-fit n_ jOO'W.. 'rOÖll?■ Z jQ.' 350227. I Qu. Wia-'�IIR Meclianische Smyrna mod. 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Durch starken Lustdruckfall hat sich über Westdeutschland eine Teildepression gebildet, die am Sonnabend bereits im ganzen Gebiete östlich der Oder Regenfälle brachte. Das Teilties scheint sich ganz selbständig machen zu wollen. Es dürfte am Sonntag unser Wetter bestimmen. Die Regenfälle sind durch das Aufglsiten wärmerer Luft hervorgerufen, die jetzt das Oberrheingebiet erreicht hat. In der Höhe hat sie bereits der Zugspitze Tauwetter gebracht. Auch bei uns ist später mit Erwärmung zu rechnen. Wetter für Verlin: Zunächst stark wolkig bis trübe mit Regen- [allen, später Besserung und etwas wärmer.— Für Deutschland: Im Westen veränderlich und ziemlich mild, im Nordosten regnerisch und kühl, im übrigen Reiche nach Regenfällen Erwärmung. Die Staatliche Porzellan-Mannfaktur Berlin stellt bis U/ zum 18. Oktober einschl. in ihren Verkaufsräumen Wegely- I strafte 1 am Stadtbahnhos Tiergarten— werktäglich von 9 bis f 19 Uhr— eine große Anzahl von weißen und bemalten Porzellanen zum Verwuf, die kleiner Fabrikationsfehler � wegen mit Nachlaß abgegeben werden. Es befinden sich I hierbei Figuren, Vasen und Blumenflaschen, Dosen und Schalen, komplette Tafel-, Kaffee- und Teeseroice, auch Serviceteile wie Tassen, Teller, Schüsseln usw Die reiche Auswahl wird ständig aus den Lagerbeständen ergänzt Den zahlreichen Liebhabern von Berliner Porzellan wird reichlich Gelegenheit geboten, schöne Stücke zu äußerst günstigen Preisen erwerben zu können. Für den Junten Herrn den. praldisden Winter- möglichst dunkel, in der breiten Form. Oberstoff aus nur gutem Material! Aber wichtiger noeb ist der innere Aufbau der Leineweber- Kleidung. Er erst garantiert Formschönheit und lange Lebensdauer. 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Genosse Maier weist an Hand der einzelnen gesetz- liehen Bestimmungen die Auswirkung der Erstattungspflicht nach. Der darauf folgende Aufsah von Dr. Webler über„Das Blut- probeverfahren als Beweismittel im Vater- fchaftsprozesi" knüpft an die Entscheidung des Kammergerichts an und gibt die Stellung des Archivs deutscher Berufsvormünder zu dieser wichtigen Frage wieder. Ferner berichtet Genosse Schiffgens über„Die Ausführungsverordnungen der Reichs- r e g i e r u n g und der p r e u h i f ch e n Regierung zur Durchführung des Gaftftättengssetzes vom 2 8. April 193 0". Es. wird weiter über die„Rechtstellung der Wohlfahrtserwerbslosen" und noch einmal über die„Lohnzahlung in der Fürsorgeerziehung" gesprochen. Genossin Hesse berichtet über die Tagung der Berussorganisation der Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. Genosse Wiener, Prag, zeigt in einem kurzen Abriß „das neue Iugendstrofrecht der Tschechoslowakei" auf und geht auch auf die von Oesterreich übernommenen gefehlichen Bestimmungen vergleichsweise ein. Mitteilungen und Bücherschau folgen. parteinachnchten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB SS, Lindenstrnße 3. fürGroß-Berlin stet» an da» Bezirtesekretariai 2. Hof, 2 Treppe» rechts, zu richte» Achtung! Zur heutigen Kundgebung im Lustgarten sind alle roten Fahnen und Banner sowie Transparente mit- zubringen! Beim Eintreffen im Lustgarten muß die Musik mit dem Spielen aufhören. Die Kreisleiter melden an der Rednertribüne die Ankunft des Zuges. * 1. ftMl» Mittc. Dicuslaa, U. Oiiobcr, 19' 3 Uhr. im Hacke fchrn Hof, Rosen- thaler Etr. 40— U, Versammlung oller in der Bohlfahrt tätigen Genossin- »en und Genossen.— Elternbeiräte! Sissung am Mittwoch, 15. Oktober, 20 Uhr. bei Spiegel, Ackcrstr. 1. Vortrag!„Politik und Schule". Referent Seuosse Klcmcno. 4. itrei» Prenzlauer Berg. 20. uud 2S. Abt. Die ktinderfrenndegruppe lsried- rich Gbcrt tagt von ieht ab Dienotago uud freitags von 17—19 Uhr im Jugendheim Kassanicnallee 81— 82. 5. tlrei» griedrin shein. Bildungsansschiigsshung am Mittwoch, lö. Ottober, pllnktlich A Uhr. bei Ärugmann. Mcmelcr Str. 63. Erscheinen unbedingt erforderlich. Bei Verhinderung biltcn mir auf jeden ssall Vertretung zu senden. 0. Krci» Srenzberg. Dienstag. 14. Oktober, lv'/8 Uhr, beginnt im Lesesaal des Gesundheitshauses, Am Urban, der tiurfus D.r. Schlesinger:„Wirtschaft und Staat". Anmeldungen daselbst. 7. Kreis Eharlottcnburg. Dienstag, 14. Oktober, 49': Uhr, Krri». I i uiltglicderoersammluiig tu«hlcrt» Fcstsalcn. Berliner Str. 88. Vortrag! hl„Partei und Arbeiterbilduug", Rescrcnt: Dr. Karl Schröder. Austreten M der„Roten Mause". Mitgliedsbuch ist oorzuzeige». 9.«reis Wilmersdorf. Montag. 13. Oi-ober. Ä> Uhr. Sitzung des Krcisvor. st-ndes mit den Abteilungsleitern bei Ihlenfeld, UHIanb. Ecke Sllntzelstratze, 13. Kreis Tcmpclhaf. Abmarsch pllnktlich lZ>,z Uhr vom Ullstein-Haus, Sana!. 14. Kreis Neukölln. Montag, 19 Uhr. fsraktionssstzung im Rathau», Zimmer 137. 17. Kreis Licktcnbcrg. Bildungcausschutz: Donnerstag, 16. Ok'obcr, 19ii Uhr. Cäcilicn-Lnzeum, Rarhausstraß«, sseierstunde. Vortrag: Kultur und Sitten- gefchichte des Proletariats". Genosse Siudicndirettor Dr. Hennigsen. ö. lO-Molls Sinfonie Beethoven. Eintritt frei. 1».«reis W-ißc-see. Montag, 13. Oktober, 19'- Uhr, im Alten Lnzerim, Parkstr. 15. Kurlusbcginn. Genosse Rlarimllian Lange spricht, Uber..Die soziale Schichtung der Gegenwart".- Montag, 13. Oktober, 13',-! Uhr, --Lrattionc.sitzung im Rathaus. Zimmer 21. Albertinenstraße, 20. Kreis Reinlckcrdors. Montag, 13. Oktober. Ii, Uhr. Sitzung des engeren tirelsvorslandco mit den Ableilungslcitein. Jede Abteilung muß ver- treten sein, 53. und 54. Gemeindeschule. Alle parteigcnössischen Eltern müsseu zu der aw Montag um 20 Uhr stattfindenden Elteruoersammluag in der Karl-Marr. Schule.«aiscr-lsriedrich-Straße, erscheine». Wahl de» Borslandrs für die «ah! am 20. Oktober. Heute, Sonntag, 12. Oktober. 8. Abt Unsere Iunendabteilung bringt am Sonnabend, dem 18. Oktober, eine Revue zur Vorführung unter dein Titel:„Wir schalten um!" Lantapparatr, Lichtbild, Lstlinr, Musik, Tanz und Sprechchor greifen ineinander und zeigen das Leben der arbeitenden Jugend. Die Revue findet statt in der Aula der Körner-Schulr, Steglitzer Str. 8. Beginn 19'/, Uhr. Eintrittspreis 00 Pf, 50. Abt. Eharlottenburg.!?ri>h 8 Uhr sslicgblattverbreitung. 1. und 3. Gruppe: Llcrsch, Kantstr. 62. 2. Gruppe: Iuskowiack, Soltzendorffstr. 20. w. Abt. Britz-Buckow. Alle Mitglieder beteiligen sich heute restlos an der Kundgebung im Lustgarten. Treffpunkt 12'r Uhr Reuterplatz, Di« Bezirke der Großsiedlung 149, 150 und 151 treffen sich vorher um 12 Uhr im Busch- Irug, Rudowcr Str. 49. tl3. Abt. Lichtenberg, Voranzeige: Sonnabend. 13. Oktober, fiubet zur Ehr»»» uaserer Parteijubilare ein gesellige» Beisammensein der Mitglieder mit ihren Angehörigen bei Tempel, Gudrunstr. 7, statt, Beginn 20 Uhr. Konzert, Tanz. Eintritt frei! 124a. Abt. Mahlsdors-Süd. Wir fahren um 1194 Uhr von Senkler, Ecke Köpe- nicker Allee zur Demonstration ab. 132. Abt. Blankenburg. Abfahrt 12.30 Uhr vom Bahnhof Blankenburg zur Demonstratio», 133. Abt. Aermsdors. Treffpunkt 12 Uhr Reinickendorf-Ost, Seebad. Eichmalbe. Abfahrt 11.53 Uhr bis Eärlitzer Bahnhof. Von dort zum Reuter- platz, Anschluß an Neukölln. Morgen, Montag. 13. Oktober. 10. Abt. 20 Uhr ssunktionärsstzung bei Sandow. lflensburger Str. 3. 40. Abt. 20 Uhr bei Förster, Dreibundstr. II, Mitgliederversammlung, Vortrag:„Unsere Forderungen an den neuen Reichstag". Referent Gustav Eckliardt. 70. Abt, Wilmersdorf. 20 Uhr bei Knlka, Lauenburger Str. 21, Mitglieder- Versammlung. Vortrag:„Die politische Lage und die Aufgaben der SPD." Referent Dr. Kurt Rosenfeld, M. d. R. Dienstag. 14. Oktober. 24. Abt. 3. und 4. Gruppe: Zur Gründungsfeier der Arbeiteriugend-Gruppe „Balkan" um 20 Uhr im Jugendheim, Schule, Mandelstr. 2, sind alle Mit- giieder der Partei freundlichst eingeladen, 09. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr bei Kulko, Lauenburger Str. 21, Mitglieder- verfanimlung. Bortrag:„Dir politische Loge". Referent Dr. Hermann Schützinger. 90. Abt. Reukölln. 1984 Uhr bei Fiedler, Eaalestraßc Ecke Wippcrstroße. Ver- sammlung der SPD.-Konsummitglieder der 151. Lcrkaufsstellc. 117. Abt. Lichtenberg. 1984 Uhr Mitglicdcrversommlung in Korn» Festsälen, Türrschmidtstraße Ecke Eocthestraße, Vortrag:„Reichstagswahl und die Aufgaben der Sozialdemokratie". Referent Max Scndewitz, M. d. R. 137. Abt. Reinickendorf-West. Dienstag, 20 Uhr, Funktionärsttzung mit den Bc- zirksfllhrern im Vollshaus, Scharnweberstr. 114. Mittwoch, 15. Oktober, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Heese, Reinickendorf-West, Berliner Straße 73. Referent Genosse Kurt Keinig. 140a. Abt. Wittenau. Dienstag, 14. Oktober, 20 Uhr, findet im Etädt. Jugend- heim'» Reinickendorf-Ost, Lindenstraße lBaracke) ein Ausspracheabend der Iungsozialisten über:„Proletariat und Wchrhaftigkeit" statt. Referent Genosse Kreutlein: Korreferent Genosse Hans Seigewasser. Alle Partei- genossen, besonders die jüngeren Mitglieder, sind hierzu eingeladen. Mittwoch. 15. Oktober. 139, Abt. Tegclort. 20 Uhe Mitaliederversommlung im Lokal„Zum Schwan". Vortrag:„Die Reichstagswahlen und die Ausgaben der Sazialbemokratic". Referent Genossc Schänfelb. Frauenveranstaltungen. Am Mittwoch, dem IS. Oktober, 20 Uhr, spricht im Sitzungssaal des Eisenbahnerverbandshauses in Charlottenburg. Rankesir. 4, vom 4 Treppen, die Landlagsabgeordnete Luise Köhler über „Die poiiflsdien Auswirttangen der Wahlen vom H.September auf die Haosandeslelltor Eintritt frei! Alle inleressierken Hausangestellten sind hierzu eingeladen. Montag, 13. Oktober. 7. Kreis Eharlottenburg. 19 Uhr bei Godcnschwägcr, Wallstr. 90, Funktionä- rinnensttzung. 54. Abt. Eharlottruburg. Unser Frauenabend fällt im Oktober aus. Dafür beteiligen sich die Genossinnen an den anderen Veranstaltungen und an der Demonstration im Lustgarten restlos. 33. Abt, Lichterfclde. 20 Uhr b« Schmidt, Hindenburgdauim Ecke Roonstraße. „Wie sollen wir wohnen?" Refercnlin Natal» Iacobowicz. 124. Abt. Mahlsdorf. 1984 Uhr im„Nordstern", Hönower Straße, Buutcr Abend:„Tirol in Wort und Bild". Vortragender Genosse Hosemann. Dienstag, 14. Oktober. 14. Kreis Reukölln. 29 Uhr an bekannter Stelle, Funktionärinnensitzung. 9. Abt. 19', 4 Uhr bei Hübner. Witsnacker Str. 34:„Die Auswirkung des Lohnabbaues auf den Arbeiterhanshalt". Reserenfin Susanne Suhr. 128.130. Abt. Pankow. 1984 Uhr im„Türkischen Zelt", Breite Straße,„Bunter Abend". Bortragende Friedet Hall. Mittwoch, 15. Oktober. 1. Abt. 17' 4 Uhr Führung durch das Stadtbad Mitte in der Gartenstroße. �„„Treffpunkt vor der Badeanstalt. Interessterte Mitglieder willkommen. Schoncberg. 77. Abt. 1984 Uhr 1. Kurfusabcnd über:„Der organisatorisch« Aufbau unserer Partei" im Lokal Jürgens, Barborossaftr. 5e. Referentin Käthe Kern.— 79. Abt. 1984 Uhr bei Reimann, Sedanftr. 17:«Die Bedeutung der öffentlichen Eheberatung für die Arbeiterfrau". Refercntin Etadtoerordncte Dr. Käte Frankenthal. 79-1. Schöneberg-Lindenhof. 20 Uhr bei Engel, Röplingstr. 19, Bunter Abend. Vortragende Friedel Hall. 31. Abt, Friedenau. 20 Uhr bei Ktobe, Hand fern str, OOGl:«Die Fvou? tn�Dirt- fchaft und Gesellschaft", Rcferentin Eise Michaelis. 35. Abt. Tempelhof. 20 Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 109:«Der organisatorische ÄukLon der Partei", Refcrentin Moria Iunlcr. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Hcimann, Waltersdorfer Str. 100:«Klassen- kämpfe um den Staat". Refeeenti» Stadtverordnete Minna Todenhagen. Sonntag. 19. Oktober, Besichtigung der Konsumgenossenschaft in Lichten- derg. Die Genossinnen der 73. und 188. Abgabestellcn treffen sich pünktlich um 8 Uhr morgens Bahnhof Grünau. 117. Abt. Lichtcuberg, 20 Uhr bei Brunn. Türrfchmidtstr. 40:«Die Frau als Staatsbürgerin". Referentin Hertha Gotthclf. Donnerstag, 16. Oktober. 53. Abt. Eharlottenburg. 20 Uhr bei Hampel, llfcnau- Ecke Sickingen Straße: „Die politischen Folgen der Wahl". Referent Mar Hendeman». 94. Abt. Neukölln. Die Genossinnen treffen sich zur Besichtigung der Wäscherei in der Siedlung Britz morgens 8 Uhr Hermann- Ecke Allerstraße. 110. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr bei Morr, Neu« Bahnhofstr. 28. Bunter Abend. Vortragende Friedel Hall.\ �' 130. Abt. Reinickendorf-Ost. 20 Uhr in der Liihbckcker Straße:„Sozialismus und Sexualreform". Referentin Maria Krische. Nach dem Frauenabcnd findet im gleichen Raum eine wichtige Helferinnenbesprechung statt. Freitag. 17. Oktober. 13. Krci» Zewpelhos, Mariendors. Marienfelde, Lichtenrade. Beginn des iturfus der Arbeitcrbildungsschule:„Die Stadt Berlin als Wirtschafterin". Referent Dr. Ostrowski. Nähcrc Auskunft bei den Funktionärinnen. Um rege Be- tciligung wird gebeten. 113. Abt. Grüna». 20 Uhr hei Werner. Köpenicker Str. 125:«Dringendste Auf. gaben des Reichstages". Referent Map Brinitzer. Bezirksausschus; für Arbeiterwohlfahrt. 4. ftteis. Freitag, 17. Oktober, 20 Uhr, Beginn des Kursus über moderne Erziehungsfragen. Referent Genossc Direktor Mennicke, im Bezirksamt Danziger Straße, Zimmer 29. Es ist Pflicht aller Helfer und Helferinnen duim au erscheinen. Die Abteilungsobleute werden gebeten, eine halbe Stunde früher Zwecks Aktenerledigung zu kommen. 6. Kreis Krcuzberg. Kreisausfchuß-Sitzung am Montag, 13. Oktober, 19% Uhr, bei Krüger, Grimmftr. 1. IS. Kreis Eöpeuick. Dienstag, 14. Oktober, Konferenz der Arbeiterwohlfahrt im Rathaus Cöpenick, Schloßstraße, Sitzungssaal um 19% Uhr. Der Genosse Regierungsrat Otto Krebs wird sprechen über:„Moderner Strafvollzug". Vereinigung der 3uugsozialisleu. Die Mitglieder des Iungordnerdiensies nehmen geschlossen an der Demo». stration der Iungordner vom Prenzlauer Berg tcil. Treffpunkt Danziger Straße Ecke Seucfeldcrstraße(Nähe Prenzlauer Allee) um 12.45 Uhr pünktlich. Abmarsch 13 Uhr zum Lustgarten. Am 15. Oktober spricht Engelbert Graf bei den Naturfreunden in der Aula, Weinmeistcrstr. 10.17. 20 Uhr, Uber„Soziologie des Wandern»". Die Mitglieder der Iungsozialistischen Vereinigung sind herzlichst dazu eingcladcn. lln- kostendeilrgg 20 Pf. Montag, 13. Oktober, müssen in der Zeit von 10 bis 1884 Uhr die Land- zcttel und der„Junge Kämpfer" in der Wohnung von Kurt Bartz, Berlin W 15, Meinekestr. 24, von allen Gruppen in Empfang genommen werden. Achtung! Die Iungordner in Eharlottenburg und Wilmersdorf treffen sich 12 Uhe U-Bahnhof. Wilhelmplotz. Morgen, Montag, treffen wir uns um 1894 Uhr am Wilhelmplatz zun. Besuch der Volksbühne. Wilmersdorf, Dienstag, 14. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Wilhelms- aue 124: Mathilde Wurm, M. d. R,:„Die SPD. im neuen Reichstag". Die jüngeren Parteigenossen und die älteren Genossen aus der Arbeiterjugend sind eingeladen. Pren, lauer Berg. Treffpunkt der Jungordner zur Demonstration 1284 Uhr, Göhrener Straße san der Scnefelder Straße). Bon dort Abmarsch zur Krci». demonstration der Partei. Gruppe Lichtenberg. Montag, 13. Oktober, um 20 Uhr Gruppenabend im Jugendheim, Gunterstr. 44, Wir sprechen mit Genossin Dora Fabian über: „Mariistische Betrachtungsweise politischer Ereignisse". SAJ., ältere und jüngere Parteigenossen werden um Beteiligung gebeten. Sonntag Treffpunkt zur Partei- demanstration 128» Uhr Iugendbühne, Holteistraßc. Gruppe Moabit: Gruppenabend diesmal Dienstag im Iugcndbeim Lehrter Straße 18—19. Zimmer.3, Thema:..Iungordnerschaft". Außerdem Gruppenangeleaenheilcn. Da wichtige Beschlüsse zu fassen sind, ist vollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. SAJ. und junge Parteigenossen find herz- lichst eingeladen. Gruppe Neukölln. Seilte. Eonntag, Demonstration. Treffpunkt 12 Uhr Fulda Eck- Kaiser-Friedrich-Straßc. Wir fahren zum Trrffpunkt der Gesamt- ocretnigung Prenzlauer Allee Ecke Danziger Straße. Gruppe Pankow. Sonntag. 12. Ot'ober, 12 Uhr, Bahnhof Pankaw�öchön- Hause». Treffpunkt oller Iungordner.— Montag. 13. Oktober, 20 Ubr, beginnt nunmehr endgültig unser Bildungskursus mit der Genossin Anna Hartoch. Thema:„Sozialistische Lebensformen." Dauer s Abende. Interessierte Parin- genossen sind hiermit eingeladen...... Gruppe Mohlsdorf. Nächste Zusammenkunft Dienstag. 14. Oktober, bei Schmidt, Marin, burger Str. 8. Politischer Jnfonnationsabend. Parteimit. giieder und EAI.-Eenossc» sind eingeladen. Bcrbebezirk Westen. Im Rahmen de».Werbemonats Oktober" ver. onftaltet die Gruppe Wilmersdorf Dienstag. 14. Ottober, im Jugendheim Wilhelmsaiie 124, einen Werbcobcnd. wo die Genossin M. Wurm. M. d. R.. über„SPD. und Reichstag" sprechen wirb. SAJ. und junge Parteigenosse» sind eingeladen. Für die Genossen der Gruppe Schöne- bcrg wird der Besuch dieser Veranstaltung zur Pflicht gemacht. Beginn 20 Uhr. 1 p N El «erbebezirk Norde». Dienstag. 14. Oktober, 20 Uhr. im Städtischen Iu- gendheim in Reinickendorf-Ost. Lindauer Straße. Baracken, Thema:„Proletariat und Wehrhaftiglcit". Referenten Genossen Kreutlein und Seigewasser. Sonn- tag, 12. Oktober, treffe» sich olle Iungordner des Norden» um 12.45 Uhr Göhrencr Straße Ecke Senefelder Straße,«,«> Reinickendors: Montag, 13. Oktober, Bollsbühnenvvrsscllv-a. Der Gruppen- abend fällt aus. M Dienstag, 14. vktsde». 2»«Hr. t« städtische» Zugeudheiw Rckutcken. H S dsrf-Ost. Lindauer Straße. Aussprach« über proletarische«ehrhaftigkeit. D- Wf Referent Senosie Kreutlei». Korreferent Genosse Seigewasser. Jüngere a M Parteigenossen, ältere der SAJ. find dazu eingelade». y Sozialistische Skudenlenschaft, Ortsgruppe LerNa. «»trete» zur DcmouftratlS» mit de» Kreis Tiergarten 1280 Uhr«rio-apl-tz, Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berliu. Geschäftsstelle! Der heutigen Demonstration wegen fallen alle Rachmittags. veranstaitnngcn der Gruppen aus. Die Kinder beteiligen sich nicht an der Demonstration.— Helftrbildnng! Die Fragebogen folgender Krcis« stehen noch aus: Wedding, Eharlottenburg, Zchlendorf, Steglitz und Reinickendorf. Wir bitten um sofortig« Einsendung. Kreis Prenzlauer Bcrg, Mittwoch. II. Oktober, 1» Uhr. Sonnenduvger Straße 20. Iungfalken- und Rotfalkenvertretersitzirng. Beratung der Kreis- treffahrt i Schmugglerfahrt).— Gruppe Freiheit. Montag, 17 bis 19 Uhr, im Heim Sonncnburger Str. 20 für Rote Falken Aussprach«:«ftinderfrmnde und Kirche". Für Iungfalken und Resffalkcn Bretffpielabcnd. Donnerstag, 10. Oktober, Gesamtgruppe, Aussprache über zukünftige Bastelarbeit. Frei- tag, 17 bis 19 Uhr, Turnen ebentort. Turn- bzw. Hallenschuh« nicht per- gessen.— Gruppe Friedrich Ebert. Die Gruppenabende finde» vom kommende,! Dienstag ab im Jugendheim. Kastanienallee 81—82, statt.(Dienstag und Freitag von 17 bis 19 Uhr.) Kreis Friedrichshaiu, Gruppe Robert Bin«»: Achtung, Restfalken! Wir treffen uns om Montag, 13. Oktober, um 1791 Uhr vor dem Zugendheioi Litauer Str. 18, um Turnen zu gehen, Eltern, schickt eure Kind« pünktlich zum Turnen. Vergeht nicht Turnzeug mitzugeben. Kreis Mitte: Heute beteiligen wir uns geschlossen mit Fahne» und Trans- vaiente an der Demonstration. Treffpunkt 13 Uhr Arkonaplatz. Die Grupp: i> treffe Ii sich norher am besten mit den betreffenden SAJ�bruppen.— Gruppe Lieblnecht: 1284 Uhr Büfchingplatz,— Helfer uud Eltern Vertreter der Gruppen: Am Montag Sitzung im Heim Elifabethstr. 19. Außerordentlich wichtige Tagesordnung. Seid möglichst pünktlich um 20 Uhr dort.— Gruppe Liebtuecht: Elternversammlung am Donnerstag, 10. Oktober, 20 Uhr, im Seim Waisen- straße 18. Die weitere Entwicklung unserer Gruppe steht zur Diskussion. Sw Sescfjmack der Berlinerin ist schwer zufriedenzustellen. Um es zu ermöglichen, halten wir eine OllCrniCfllldlC Hille mannigfachster Formen an unseren Lägern vorrätig, so daß jede Dame sich Herbst- und Winterkleidung ganz nach persönlichem Geschmack aussuchen kann. Die außerordentliche Billigkeit die unserem Hause seit jeher eigen ist, tritt in diesen Zeiten der Preissenkung ganz besonders hervor. Unsere Speziailtöt, für starke Figuren besonders zu sorgen, wird auch in Zukunft gepflegt werden. Unsere Modellabteiluog in ihrer nnflberschbaren Avewahl ie Modell-Kleidern und Mänteln f Qr alle gesellschaf tlichenZwecke ist eine SebenavrürdlKkelt «raten Rnnftee für moderne Dam�n; die Schöndelt dieser Gebilde wird noch dadurch gehoben, daß aie zu fiberraacbend nle- drigren Preisen zu haben sind. 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Kreis Charlottcnburg: Winterarbeit wie folgt: Nestsalle Ii: Dienstags und Donnerstags von lsi— 18 Uhr im Heim Rosinenstr. 4.— Ziote Falken: Mitt- wachs von 17>.— 19', 1 Uhr ebendaselbst.— Jungsalke» kommen am Mittwoch, 1Z. Oktober, um 17 Uhr zu einer Pollvcrsammlung ins Heim Rosinenstr. 4. Besprechung der Gruvpeucintcilung und-arbeit. Kreis Rculölln: Der Hclferkrcis beteiligt sich an der Demonstration der Partei. Treffpunkt um lZ� Uhr am Rcuterplah. hinter der TAI.— Arbeits- stunde am Montag um 18 Uhr in der Baracke lSanghoferstrasie. Alle Gruppen müssen unbedingt die Karten zur Zeltlagcrrcportage abholen. Ebenso die siiumi» gen Gruppen die»arten sitr die Fiimveranstaltung.— Jeltlagerteilnehmer kommen alle am Mi'twoch zum Einge» und Eprcchchor in der»arl-Marx- Schule von 17— 19>7 Uhr. Bildungsobleutc müssen unbedingt kommen.— All« Musikanten kommen pünktlich am Donnerstag zum Musizieren zur»ME. An- fänger von 17—18 Uhr, Fortgeschrittene von 18— 19 Vi Uhr. Hohenschönhausen: Montag, 13. Oktober, sind wir nicht in der DingelstZdtcr Stragc. Dienstag. 14. Oktober, von 18—20 Uhr, Turnen in der Rödern- st raste(FTGB.). Donnerstag. 16. Oktober, sind wir im Jugendheim Freien- waldcr Straße von 17—19 Uhr und Basteln. Geburtstage. Jubiläen usw. 19. Abt. Unserem lieben Geaossen IuliusTeenman», Lesfingstr. 4t, zu seinem 89. Geburtstage die herzlichsten Glückwunsch«. Troß seine» hohen Alter» versi-ht er immer noch seiuen Bezirkssührerposten. Möge er u»,»och recht lange erhalte» bleibe». 13. Abt. Unsercm langjährigen treuen Genossen und Funktionär Heinrich Um l a n f und seiner Gattin. Strömst,. 42, zur heutige» SilberhochgeU die herzlichsten Glückwünsche. 19. Abt. Unserem treuen»ampsgesährten, dem Geuosse» P a n l» ie» e�r. Brirzencr Str. 31, die herzlichsten Glückwünsche ,n»«9.«eburtstuoe. Wir hassen, ihn noch reckt lang« in unserer Mitte zu sehe», um sür da» Dahl der Arbeiterschaft zu wirken. 23. Abt. Unserem lieben Parteiaeuosseu Hermann Z» h» k e sowie seiaer lieben Gatti» zu ihrer Silberhochzeit die herzlichste» Glückwunsch«. 3». Abt. Unserem Genossen Georg ttutter und Fr»», Petersburger Straße 63, zur Silbcrhockzeit die herzlichsten Glückwünsche. 73. Abt. Die herzlichsten Glückwünsche dem Genossen Stadtrat G m«« l zu seiuem 69. Geburtstag. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 69, Abt. Unser aller Parteigenosse Heinrich Rotemann, Sieseier- straste 26, ist am Mittwoch, 82 Jahre alt, verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Dienstag. 14. Oktober, um 17 Uhr, im Krema, torium Bilmersdorf, Berliner Straß«, statt.' 96. Abt. Neukölln. Unser alter treuer Genosse Hans Brüll, Thomas. straße 2. ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Dienstag, 14. Oktober, lö Uhr, auf dem Zalobi-Friedhof, Hermannstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. A Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serli» Einsendungen illr dies« BudrtI am an da» Znaendietretaewt 7>eefln GW 68. Oindenstrag« J Soudervorstclluag der Volksbühne(für 14. bis isjährige): Sonntag, 9, Ro- vember, UV, Uhr,„Die Matrosen von Caiiarv�, Schauspiel von Fr. Wolf. Karten zu 80 Ps. find im Sekretariat zu haben. Treffpunkte zur Demonstratiou zum Lustgarten: Westen: 13 Uhr Sochbhf. Bülowstraße.— Schönhauser Vorstadt: 12H Uhr ..Sozialisten- Ecke".(19!,4 Uhr Heimabend Schönfließcr Str. 7.)— Arnimplaß: 12*6 Udr..Sozialisten, Ecke".— Balkan: 13 Uhr Konsum Legien-Hos,— Fvauk- furter Biertel: 13 Uhr»üstriner Plaß,— Kottdusser Tor: 12ib Uhr Fontane- Promenade.——..... MT~''■-—-• MMch im Iuacndhciv 12V, Uhr Arkonaplaß. zügler IZ'.b Uhr Sausvogteiplaß.(19*6 Uhr im Heim Sauotstr. 15 Lichtbilder. vorlrag: Mit dem Faltboot durch Ostpreußen".)— Werbebezirk Tempelhas: 72 Uhr llllstcln.Hauo tig Uhr Heimabend. Tempclbof. Götzftraße.)— Werbe- bezirk Neukölln: 12ib Uhr Reuterplaß.— Werbebezirk vderspre«! 13 Uhr Söll- nischer Park.— Werbebezirk Lichteuberg: 1274 Uhr vor der Iugrndbühne Koltei. slraße. * Reukälu IX; Flllgblattoerbreitung. Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Hermannstraß«. Pankow, R. F.: Nadfabrpropaganda durch Pankow. Treffpunkt 11 Uhr Marktplaß.— Stegliß: Ab 19 Uhr Heimabend, Albrech'str. 47.— Nordoste» I: Ab IS Uhr Leim D-nziaer Str. 62, Baracke 3.— Rordaften U: Ab 1« Uhr Tageckheim Inunannellirchftr. 23. Morgen, Montag, tg� Uhr. Moabit III; Heim Lehrter Str. 18—19: 16- Minuten. Ncfcrate.— Westen: Heim Hauptstr. 15: Besprechung der Serbstkeier,— Aruswaldrr Plaß II: Heim Rastsnburger Str. 16:„Die Organe der Staatsgewalt",— FaUplaß I: Schul? Hauswerk zur Fabrik", 2, Teil.— Schönhauser Vorstadt: Heim Sonnenburgcr Straße 20:„Kampfmittel der Arbeiterschaft".— Humaunplaß: Heim Scheren- bcrgstr. 7: Einfübrungsabcnd.— Nordoste» II: Danziger Str. 62, B. 3:„Vom Hauswerk zur Fabrik", 2. Teil.— Schonhouser Borstädt: Heim Sonnenburgcr Straße 20:„Unsere alten Wanderlieder".— Andreasplaß: Heim Brommpstr. 1: Uebungsobcnd.— Kallesches Tor: Heim Borckstr. ll: Mitgliederversammlung.— Gharlottenburg-Rord sAeltere): Heim Olbcrsstraße:..Stellung der SAI. zum Iungbanncr.— Neukölln I: Werbcausschußsißung Heim Sander- Ecke Hobrccht- straße. SSG. Reiuickendorf: 18 Uhr Heim Tegel, Bohnhafstr. 15:„Weshalb wandern wir?"_____ vortrage, Vereme und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-GoN»-. Gefchllktsstelle: Berlin 6 14. Sebastianstr 37—38 Hol 2. Tr Sonntag. 12. Oktober. Köpenick(Ortsverein). Abfahrtszeiten zum Schuß der SPD.-Kundgebung im Lustgarten: Friedrichshogcn 13,38 Uhr; Köpenick 12,33 Uhr: Spindlersfeld 12,39 Uhr: Grünau 12,40 Uhr bis Iannowißb rücke, Treffpunkt Köllnischer Park, Beißensee lOrlsvereint. 12*6 Uhr Antreten sämtlicher aktiver Kameraden bei Gallas, Lchdcr- Ecke' Berliner Straße. Ab 17 Uhr I. Ilonzcrtabend des Blasorchesters des Orts- verein» in der S'adthallc, Weißcnsee, Pistoriusstr, 23. Kameraden anderer Ortsvereine mit ihre» Angehörigen sind herzlich eingeladen. Eintritt 50 Pf. Tempelhos(Ortsverein). Pflichtantreten um 12 Uhr Ullstein-Saus ohne Fahnen mit Spiclmannszug. Neulillu-Priß lOrtsverein). Pflicht- antreten in Bundcskleidiing ohne Fahnen um 12*6 Uhr Rcutcrplatz.— Montag, 13. Oktober. Prenzlauer Berg lIungbonncr). 20 Uhr im Kinozimmcr der weltlichen schule, Eonnenburger Straße Lichtbildervortrag über die „Nazis". Nach 20>4 Uhr kein Einlaß. Gäste willkommen. Friedrichshain lIung- banner). We Jungbannerkameraden im Jugendheim Frankfurter Alle« 307, Fried- rich�bert-Fimmer. Referat. Schöneberg- Friedenau. Kameradschaft Friedenau. 20 Uhr im Restaurant«aß, Bornstr. 5, Kameradschaftsversammlung. Rcfc> rent: Kamerad Redakteur Philippsborn. Stegliß lOrtsverein). 20 Uhr Orls- vereinsversommlung bei Schulz, Birkbuschstr, 90. Referent: Kamerad Senats- Präsident Dr. Orgler.— Wedding. Dienstag, 14. Oktober, 20 Uhr, Mitglieder- Versammlung in der Hochschulbrauerci, Am rumor Str. 33. Referent: Kamerad Dr. Kalb:„Die Lehren des 14, September". Buchkvntrollc, 19 Uhr Borstands- sißung im gleichen Lokal,— Treptow lOrtsverein). Mittwoch, 15. Oktober, 20 Uhr. Borstandssißung mit sämtlichen Fug- und Gruppenführern in der BrückenIIause, Niedcrschöneweidc, Brücken- Ecke Spreestraße.— Marine. abteilung. Sonntags, ab 9 Uhr, und Mittwochs, ab 20 Uhr, Unterricht im Bootshaus Tegel, Uferstr, 1. Ncuanmeldungen werden hier cnigegcngcnomm?». Zieich»bu»d der«riegsdeschälssgte», Kriegsteilnehmer»od«riegerhinter- bliebe»««, Ortsgruppe Weste». Mpnatsversammlung am Mittwoch, dem 15. Ottober, im Schubert-Eaal, Bülowstr, lOi. Filmvortrag von.�athreincr" mit anschlicßcndcr Kaffecvrobe.— Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung am Dienstag, 14. September, um 20 Uhr, im Lokal Paßcnhofer, Chaussee- straße 64. irlcr-veeeiuigung Berlin E. P. Am Sonnabend, dem 25. Oktober, findet da» Stiftungsseft im großen Festsaal des Etablissements„In den Feiten 13'", statt. Festredner: Herr Justizrat Dr. Biltor ssraenkl. Hoch- wertige tünstlerische Darbietungen unter Leitung von Frau Jduna Walter- Ehoinanus. Bund Sozialdemokratischer Kopsarteiter lOrtsgrupp« Berlin des Deutsche» Bundes sozialdemokratischer Intellektueller. Montag, 20. Oktober, 2074 Uhr, in den Kammcrsälen lRo'cr Saal), Berlin EW. 61, Tcltvwer Str. 1—4 sU-Bahn Belle,AlIianceüZtraßc>, Monatspersammlung. Tagesordnung: 1. Br- richt über unsere Jahresversammlung in Sannooer. 2. Besprechung des Ausgangs der Reichstagswahl. 3 Aussprach« über das Problem:„Kunst, Künstler und der Sozialismus". Jnteressenperband der durch Automudil- und ander« Verkehrsuusälle Se- schädigten E. B. Geschäftsstelle: Berlin RW. 46. Rathenpwcr Str. 4 lam alten Kriminalgericht). Sprechstunden und kostenlose Auslunft Verteilung täglich von 17 bis 19 Uhr. Di« Königftädtilch« Oberrealschnle in der Pasteurstraßc feiert am 24. Oktober ihr 2Sjähriges Bestehen. Alle ehemaligen Schüler werden gebeten, zwecks weiterer Benachrichtigung ihre Anschrift bis zum 1. November an Herrn Studienrat Frcndel, RO. 5ö, Elbingcr Str. 58, einzusenden. Arbeiter-Radio Bund.«. V. Untergruppe Charlottcnburg: Lokal Lchmanti, Königsweg 8. Frei'og, 17. Oktober, Bauabcnd: Fertigstellung des Kraftvee- ftärters. FUr Partcl, und Gewerkschaftsmitglieder kostenlose Auskunft und Beratung in allen Rundfunkangelegcnheiten.— Untergruppe Prenzlauer Berg: Lokal Krug, Danziger Str. 71, Donnerstag, 16. Oktober, Bauabend.— Unter. Kupp« Friedrichshai»: Lokal Wertallcr, Hohenioheftr. 3, Donnerstag. 16. Okto- r, Vortragsabend:„Erfahrungen«ine» Funkhelfers".— Uutergrupp« Ren- lzllu: Lokal Schitora. Eibstr. 14, Freitag. t7. Oktober,„Fernsehen, theoretisch". — Beginn überall 20 Uhr. Gäste wMIommcn. Briefkastc n der Redaktion. e. K. 85. Bon Oktober ISA bis 24. Februar 1931. I Hand arbeiten bei lieft. Di« Firma Tieft bietet in diesen Tagen in ihren sämtlichen Filialen eine reichhaltige, wirklich interessante Schau verschiedenster Handarbeiten. Dem Rahmen der neuzeitlichen Wohn- weise, die eine glückliche Kombination des Praktischen und Geschmack- vollen darstellt, fügt sich auch der moderne Handarbeitostil ein. Die schönen Kissen, Decken, Läufer und was sonst zum iheimschmuck dieni, zeigen einfachstes Materia! und leichte Arbeit. Es herrscht der gute, alte Kreuzstiche, das Häkelfilet, Flachstich und Straminarbeit. Sehr hübsch sind die modernen Kissenplatten in großen leuchtenden Färb- mustern, daneben wieder Leinenkissen mit zarten, pastellfarbcnen Blumendessins, bunte, aus Vierecken zusammengesetzte Kaffeedecken in Blumen- und Phantasiemustern. Bei den feinen Wcißstickereien sieht man viel Wickel-Ajour und feine Tüllstickerei aus zartem Batist. Sehr schön und ganz eigenartig wirken Kissen mit Spannkreuzstich und tunesischem Häkelstich. Ueberall ist die Herstcllungsweise ganz einfach, auelf die übermäßige Anstrengung der Augen der fleißigen Arbeiterin wurde gottlob in Acht und Bann getan. Es wird heute mehr Anforderung an guten Geschmack und Phantasie gestellt. Eine Milchirinkstube in der Markgrafen- Ecke Zimmer- st r a ß« hat die Meierei C. Bolle A.-G. eröffnet. Der kleine nette Eckladen aus weißgrünem Opalglas mit Nickelbändern wirkt sauber und appetitlich; die üblichen Holzregale sind durch weiß« Alabaster- glasplallen ersetzt, die unmittslbar an den Wänden befestigt sind. Die Wandbekleidung ist aus einer neuartigen abwaschbaren rauhen Masse in matter Aprikosenfarbe hergestellt. An kleinen Tischchen werden die verschiedenen Milchprodukte, von der Rohmilch über Jag- hurt und K«fir bis zum Käse zu niedrigst gehaltenen Preisen verab- reicht. Hinter dem halbmondförmigen Ladentisch besigdet sich der Wirtschaftsraum, der Kühlschränke, Gaskocher, Spült rfche usw. ent- hält. Ein Wertmarkenautomat liefert den gewünschten Warenbon, den man am Ladentisch ohne Trinkgeldabgabe einlöst. Im Zeichen des glückbringenden Huseisen,. Dem Gewerbe ist der Gedanke, Berfaussräume und Schaufenster mit symbolischen Darstellungen aus dem eigenen Handwerk auszustatten, um auch damit die Kauffreudigkeit zu fördern, nichts Neues. Ießt bat. als erste in Eroß-Bcrlin. die Staatliche Loiterie-Ein- »ahme von Conrad Bosch, einen Schritt in dieser Richtung unternommen. Im Herzen von Berlin, Wilbcimstr. 14«, im Eckhaus gleich am Belle-Alliance-Plast (nahe dem U-Bahnausgang in Richtung Friedrichstraße), befindet sich der Loden des Lottcricgcschäftcs, das in den nächste» Tagen das Ziel vieler sein wird.— Der Münchencr Kunstmafer Rudolf Stark aus Starnberg hat im Auftrag des kunstverständigen Inhabers der Firma die Aufgabe übernommen und mit Se> schick und mustergültig durchgeführt, aus den Ladcnwänden und in den Echan- fcnstern sinnreich, höchst anschaulich interessante Augenblicke aus dem Leben der- jenigen wiederzugeben, die angenehme Beziehungen zur Fortuna des Glücks- radcs angeknüpft haben, und derer, die... es versäumten!! Farbenreiche Fresken, jedes Bild ein Kunstwerk für sich, dabei in der Zusammcnwirkung liormonisch, packend und von gesundem Geschmack. So muß wahre Kunst sick mit Humor vereinen, wie es dem Müncher Meister hier geglückt ist, wenn der Käufer auch aus seinem ästhetischen Empfinden Anregung für den Kauf schöpscn soll.— Man scheue den Weg nicht und sehe sich die Darstellung an! Da» war eine Tat— Pcesil bMigerl Eine Tat, die von sich reden macht: das große Doppclpaket Pcrsil kostet nur noch 75 Pf., das Normalpaket nur noch 49 Pf. An jedem Doppclpakct spart die Sausfrau van jeßt ab einen ganzen Groschen extra und an dem Normalpaket 5 Ps.I Und sparen tut heute not! Aber noch eins: doppelter Nutzen winkt der Sausfrau, die Persil so gebraucht. wie es die Borschrist will, d. h. 1 Paket llnf je 3 Eimer Wasser, ohne jeden verteuernden Zusatz von Seife und Seifenpulver. Nur einmaliges Kochen der Wäsche in kalt bercitetcr Persillauge— das ist das ganze Geheimnis. Im Einfache» liegt der Fortschritt, und Zeit- und Kohlenersparnis ist der Gewinn. Radikale Preissenkung de« Teppichhausc« Fischer». Wolfs im Ottober. Im Zeichen einer radikalen Preissenkung steht das Oktober-Angcbot des rcommier- ten Teppichhausts Fischer u. Wolsf, Spandaucr Str. 10, Ecke Kaiser, Wilhelm Straße. Sie finden hier eine reiche Auswahl oller Art von Teppiche» in Herr. lichen Perser- und modernen Mustern, von Tournay-, mechanisch Smyrna- und Boucie-Tcppichen, sowie Brücken und Borlegcrn. Die Preise sind sämtlich radikal herabgeicßt. In der Läuscrabteilung fallen namentlich die großen Lägcr in Boucleläufern, gestreist und gemustert, Tournan-Auslegoware usw.. ins Auge. Eine reiche Kollektion von Seidenmork-es, Scidennoppenripsen. in vielen Farben und in modernen Streifen, ebenso von Wollmoketts und Gobelin ftoffen weist die Abteilung Dekorations- und Möbelstoffe auf. Stuftlverstapfung. 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