BERLIN Dienstag 14. Oktober 1930 10 Pf. Nr. 482 B 240 4?. Jahrgang erscheint tS glich an««rS« an tag«. ff f /) t\/ ff/ �»«teigeageeis: Die einspaltige Nonpareilleicile Sugl-.ch Abendausgabe des.Vorn-Srls'. Be�spre.«. f[J- f f 4�'-ßJi 80 Pf.. Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. b-ch- Ausgaben 8SPf.pr°W-che.3MM. pro M-nac.>(X(ZÖ 99 wi/TJi/tLfrö»-» fch-- k 0 n t»: DorwürtS.Verlag G. m. b. H.. Redaktion und Expedition; Berlin SW6S,Lindenstr.»/ �" Berlin Nr.S7üZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2S7 Strasverfchmi gegen Siaalsmimster Der braunschtveigische Aazi-Minister Franzen wegen Begünstigung angeklagt Morgen Metallarbeitersireik Alle Vorbereitungen getroffen--140000 Arbeiter beteiligt Bei den gestrig«« Hakenkreu�lertrawallen am Pols- damcr Platz wurde ein Mann festgenommen, der sich mit dem Abgcordnetcnausweis für den national- sozialistischen Landtagsabgeordneten L o h se aus Schles- Wig-Holstein zu legitimieren suchte. Dem Beamten, dem er diese Legitimation vorzeigte, fiel sofort auf. dast die Photographie in der Ausweistarte nicht mit dem Aus- sehen deS Verhafteten übereinstimmte. In die Enge getrieben, ersuchte der Festgenommene nun. den ihm be- Aus dem Inhalt: Volkicrzieher des dritten Reiches... Zeile Z Oer Schatz Im Keller........ Seite Z Arbeitslosigkeit bei Bühnenkünstlern.. Seite 4 Drei Millionen Leprakranke..... Seite 5 Die Hetze gegen BVG........ Seite 8 kannten braunschweigischen«taatsminister Tr. Franzen. jetzt nationalsozialistisches Mitglied des Reichstags, herbeizurufen, damit er über ihn Auskunft gebe. Herr Franzen, der bis vor kurzem noch preu- stischer Amtsgerichtsrat in 5tiel gewesen, erschien auch und versicherte vor den Polizeibeamten hoch und heilig, der Festgenommene sei der Abgeordnete Lohse, den er persönlich kenne, und er ersuche, schon mit Rücksicht auf die Abgevrdnetenimmunität. den Verhafteten frei- zulassen. Angesichts eines so schwerwiegenden Zeugnisses konnte der Mann mit dem Lohse-Papier wirklich die Freiheit wiedergewinnen. Später stellte sich nun heraus. dasi der Verhaftete tatsächlich nicht der Abgeordnete Lohse. sondern ein Mann namens Euth aus Schleswig. Hol st ein sei. der mit dem Abgeordneten» ausweis wahrscheinlich eine Freifahrt nach Berlin gemacht und sich an dem Hakenkreuzrummel beteiligt hat. Der brau»schweigis che Staatsmini st er, Reichstagsabgeordneter Dr. Franzen. mutzte, zur Rede gestellt, zugeben, datz er die Polizei zu- gunsten seines Parteigenossen angeschwin- dclt habe. Daraufhin ist jetzt ein Strafverfahren gegen diesen Staatskerl von Staatsminister wegen B«- g ü n st i g u n g eingeleitet worden. Tie Moral des Tritten Reiches weist der bisherige preußische Amtsgerichtsrat offensichtlich stark voraus zu empfinden. Einem solchen Manne ist jetzt in Braun- schweig, dank der Unterstützung der Volkspartei und des Iungdomannes. die Möglichkeit gegeben, bewährte Beamte, die der Sozialdemokratie angehören, Zwangs- weise zu pensionieren, sie sofort vom Dienst zu entfernen und das Ganze mit einer hakenkrenzlerischen Moralsotze zu übergietzen! Die armen Verführten. Die Nazis wollen es nicht gewesen sein. (ks kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Demonstranten, hie mit„Deutschland erwache" und„Iuda verrecke" die Fenster- scheiden der Leipziger Straße eingeworfen haben, Nationalsozia- listen, und zwar größtenteils organisiert« Mitglieder der Sturmabteilungen gewesen sint� Für die mit den Nazis sympathisierende Hugenberg-Presse ist diese Tatsache scheußlich un- angenehm, da ihre kapitalistischen Auftraggeber mit einem solchen Verholten ihrer Schützlinge kaum einverstanden sein dürsten. Sie sucht deshalb in der Weise von den Tumulten abzurücken, daß sie die randalierenden Nazis als arm« Verführte hinstellt. Der„Lokal- Anzeiger" hat„kommunistische Lockspitzel" sestgeftellt. Die„Deutsch« Zeitung" hatte den„Eindruck", daß es sich bei dem Ruf«„Deutsch- land erwache" nicht inntzer um„echte Parolen" gehandelt habe. Die nationalsozialistischen Demonstranten seien„von anderer Seite syst«- matisch weitergetrieben und unter falscher Flagge zu Ausschreitungen angestlftet worden". Eine schöne Gefolgschast, die sich so willig von Gegnern niißchrauchen läßt! Eine besondere Feinheit hat die „Deutsche Zeitung" ausspintisiert: Daraus, daß das Warenhaus Wertheim, aber nicht das Warenhaus Tietz gelitten habe, Obwohl das Abstimmungsergebnis bis zur Stunde noch nicht vollständig vorliegt, besteht kein Zweifel mehr darüber, datz die Urabstimmung eine starke Drei- viertelmehrheit gegen den Lohnabbau- Schiedsspruch des Sonderschlichters ergibt und da- mit für den Streik. Der Beginn des Streiks ist deshalb bereits z u morgen früh festgesetzt und die notwendigen Bor- bereitungen zu seiner Durchführung getroffen worden. Ter Verband der Berliner Metallindustriellen tritt am Mittwoch in Berlin zusammen. » Tie Führer der Sozialdemokratie hatten am Montagabend mit dem Reichskanzler eine Unterredung über die eventuellen Auswirkungen des Kon- flikts in der Berliner Metallindustrie. Viesenpleite der Vevolutionäre. Sie konnten bis morgen nicht warten. Di« reoolutionäre Opposition, hie schon für den heutige» Dienstog versucht hat, die Berlmcr Metallbetriebe stillzulegen, hat ein« klägliche Niederlage erlitten. So veranstalteten die Kommunisten in der AEG.-Fabrik Brunnenstraße, wo 6000 Metallarbeiter beschäftigt sind, eine Betriebsversammlung, an der ganze 200 Mann teilnahmen. Darauf sind 50 Arbeiter heute in den Streik getreten. Auch in Hennigsdorf, bei der Lokonwtivfabrik der AEG., mochten die Kommunisten olle Anstrengungen, die Beleg- schast zum Streik zu bewegen. Hier Hot kein Arbeiter der kommu- nistischen Parole Folge geleistet. Ebenso arbeiten zur Stunde noch oll« Berliner Gießereibetriebe, auf die sich gleichfalls die Haupt- agitation der Kommunisten richtete. Lediglich bei vier von den 276 dem BBMJ. angeschlossenen Betrieben, nämlich bei Flohr, Frister, Druckemüller und Hasse u. Wredc sind vereinzelt« Arbeitsniederlegungen erfolgt. Die 276 Betriebe, die im Verbände der Berliner Metall- industriellen vereinigt sind, umsasicn etwa 1 000 Blelall- arbeiler und-orbeilerinnen. „Vevolutionäre" Wichtigtuerei. Schädlinge der Aerliner Metallarbeiler. Die kommunistischen Feinde der freien Gewerkschaften sind eifrig om Werke, um bei der den Berliner Metallarbeitern ausge- zwungenen schweren Auseinandersetzung mit dem Unternehmertum ihren Unfug zu treiben. Die KPD. läßt ihren„Zentralen Kampsausschuß" in der„Roten Fahne" ouftrumpfen, wo es leichter und bequemer ist als den: Unternehmertum gegenüber, sie fordert die Führung des Streiks auf der ersten Seite, während sie aus der vierten Seite die„Rationalisierung" bei den Botenfrauen ihrer Presse zu verteidigen suchl, weil die„Rate Fahne" viel« tausend Mark pro M o n ast dabei sparen will— und läßt ihre„Provisorische Streikleitung" aufmarschieren... Die KPD. stellt fest, daß das Unternehmertum i» der Berliner Metallindustrie einig und geschlossen dasteht und schürt im gleichen Federzuge die Uneinigkeit der Metall» arbeiter, sucht noch im letzten Augenblick nachzuholen, was sie etwa an Beschimpfung und Hcrunterreißung der Berliner Ortsver- waltung des Deutschen Metallarbeiteroerbandes versäumt hat. Die Parole: Für 20 Pf. Lohnerhöhung! mmmt sich furchtbar„revolutionär" aus in einem Augenblick, in dem es gilt, alles daranzusetzen, den drohenden Lohnabbau abzuwehren. Was kann die KPD. der Berliner Metallarbeiterschaft in ihrem Kampfe bieten? Phrasen und Verwirrung, die sich jetzt schädlicher denn je auswirken müssen. Und wenn die KPD. schreit:„Keinen Funken Vertrauen den Urich u. Co.", dann müssen wir den Ber- liner Metallarbeitern sogen: Run erst recht vertrauen den Urich u. Ea., nun erst recht vertrauen zur Organisation, Zusammenhalt, denn ohnedem wäre euer Kämpf schon halb verloren, beoar er noch richtig begonnen hat. Schiebt alles beiseite, was sich zwischen euch drängen will, um Geschäft« zu machen, die mit eurem Kampfe nichts zu tun haben und ihn nur schädigen können. Befolgt die Weisungen eurer Organisation. folgert sie:„Diese Tatsache spricht deutlich für kommunistische Täter." Warum Kommunisten bei Wertheim, aber nicht bei Tietz Scheiben einwerfen sollten, dafür mangelt uns jede Erktärmifl. Zum Unglück für die„Deutsche Zeitung" ist aber am Abend das Ber- säumte nachgeholt und auch Tietz demoliert worden. Also waren es wohl doch die Nazis I Die Haltung der Rechtspresse ofsenbart ihre grenzenlose Ber- legenheit, sie zeigt den Konflikt, der sich zwischen kapitalistischer Anfeuemng »Drauf los, Fuchs? Denk, du hättest eine Scheibe bei Dertheim vor dir!' Intercssentenpolitik und nationalsozialistischer Radautaktik heraus- stellt. Am schönsten inacht es die Nationalsozialistische Partei selber. Sie gibt eine Erklärung aus, daß sie mit den Plünderungen nichts zu tun habe, beim von den Verhafteten seien— höchsten» 6v P r o z.(!) organisierte Mitglieder der National- sozialistischen Partei gewesen. Sechzig Prozent organisierte National- sozialisten! In der Tat: Was hat die Nationalsozialistische Partei mit denen zu tun? Sozialdemokratische Fraktion. Neuwahl des Vorstandes. Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer heutigen Vormittagssitzung die bisherigen Vorsitzenden Dr. B r e i t s ch« i d. Hermann Müller- Franken, D i t t � mann und Wels wiedergewühlt. Weiter faßte die Fraktion einstimmig den Beschluß, den Genossen Paul Lobe wieder als Reichstagspräsidenten in Vorschlag zu bringen. Zentrum wählt Lobe. Die Zentrumsfraktivn des Reichstages hat einstimmig b«> schlosien, an der Praxis, daß die stärkste Partei den Präsidenten stellen soll, festzuhalten. Diesen Grundsatz wird die Fraktion auch bei der Wahl der Vize Präsidenten anerkennen unier der Voraussetzung, daß sich die Kandidaten zur G e s ch ä s t s o r d n u n g des Reichstages bekennen und die Parteien sich verpflichten, jür den Kandidaten des Zentrums im Präsidium zu stimmen. Als solcher wurde von der Fraktion einstimmig Abg. Esser vorgeschlagen. Wie bekannt wird, teilt diese Auffassung auch die Fraktion der Bayerische» Sottepartei. Stiller Landtagsbeginn. Oer Vorstoß der Oppositionsparteien gegen Otto Braun. Abgescl�n von dem st a r k« n Polizeiaufgebot in der Prinz-Albrecht-Straße vor dem L a n dt a g s g« b äu de unter- scheidet sich das äußere Bild des Preußenparlaments heut« kaum von den übliche» Sitzungen. Das Häuflein der Nationalsozialisten ist wie alle anderen in Zivilkleidung erschienen, und als der Präsident Bartels die Sitzung eröffnet, zu der allerdings zahlreiche Abge- ordnet« und Zuhörer erschienen sind, ertönt nicht der leiseste Zwischen- ruf. Nur die Mitteilung, daß der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. L c y infolge seiner Wahl in den Reichstag sein Preußen- niandat niedergelegt hat, wird mit dem ironischen Zuruf auf der Linken beantwortet:„Gott sei Dank, daß wir ihn los sind!� Rasch werden einige belanglose Punkte aus der Tagesordnung gefchäftsordnungsmäßig erledigt, dann beginnt der Vorstoß der verschiedenen Oppositionsparteien gegen die preußische Regierung mit einer Rede des kommunistischen jugendlichen Heldentenors Kasper, der die Verschlechterung der wirtlschaftlichen Lage der Arbeiters chajt selbstverständlich auf den Voung-Plan zurückführt. Di« Deutschnationalen hören sich seine Tiraden wohlwollend lächelnd an. Oiätenverzicht. Beschluß der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten. Di« sozialdemokratische Frakiion des Preußischen Landtags saßte im Hinblick aus den von der Neichstagsfraktion gestellten 'Antrag über Verminderung der Diäten folgenden Beschluß: Falls in Preußen(wo zur Zeit Nerhandlungen zwischen den Fraktionen schweben) bis zum 1. Nooenrber eine gesetzliche Diätenkürzling noch nicht eingetreten sein sollte, so werden die sozialdeniokratischcn Landtagsadgeordneten, die außer ihren Diäten noch über Einkommen verfügen, von diesem Zeitpunkt an freiwillig auf 2l> Proz. ihrer Diäten verzichten. Die Landsmannschaften sollen darüber bestimmen, welchen Stellen die auf diese Weise einkonimendcn Gelder zugesührt werden sollen. Die Diäten der sozialdemokratischen Abgeordneten unterliegen jetzt bereits«ineni Fraktionsabzug, der je nach Wohnort des betreffenden Abgeordneten 19 bis 20 Proz. beträgt. Bei dem obigen Beschluß sind die jetzt schon bestehenden Fraktionsbeiträg« nicht einbegriffen, so daß die beschlossenen 20 Proz. zu dem jetzigen Fraktionsbeitrag als völlig neuer'Abzug hinzutreten. Börse sieht nur Scheibensplitter. Keine größere Beunruhigung. Die heutige Börse hat aus der Talsache, daß nicht geplündert, sondern nur Fensterscheiben eingeworfen worden sind, den Schluß gezogen, daß eine große Beunruhigung nicht am Platze ist. Zu Be- ginn blieben die Anfangskurso gehalten, später wurde die Börse so- aar etwas freundlicher und die führenden Papiere ver- besserten ihre allerdings aus einem nicht mehr zu rechtfertigenden Tiefstand stehenden Kurse um 1 bis 2 Proz. Die Kursbesserung kann auch darauf zurückgeführt werden, daß möglicherweise die Banken Papiere aus dem Markt genommen haben, um einen neuen Einbruch zu verhüten. Der Geldmarkt war zuerst wieder angespannt, wurde dann aber etwas leichter. Haschee nach Goebbels. Die Weisen müssen jetzt ein Programm brauen. In der letzten Nummer des„Angriff" sucht Herr Dr. Goebbels feinen Lesern klarzumachen, wie das W i r t s ch a f t s p r o g r a m in der Nazis beschaffen ist. Da ist die Rede von einem„gerechte» sozialistischen Berhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern", von„S o z iwl i s i e r Ii ng bereits vergesellschafteter Großbetriebe", von„Gewinnbeteiligung" usw. Dann heißt es weiter: „Es darf sich niemand iinter uns darüber mehr im Unklaren fein, wie das in Zukiinft gemacht werden soll. Dorum ist es mehr denn je erforderlich, daß sich nunmehr, nachdem wir mit der Utah! am 14. September das Gröbste wieder einmal hinler uns gebracht haben, der Kreis von führenden Parteigenossen, die seit langem in ernsten und sleihigen Arbeiten diesen Fragenkomplex durchforscht haben, wieder zusammenfindet, um durch Aussprache und gegen- scitige Anregung die Probleme zu klären, die heut« noch zum Teil strittig oder noch unklar sind. Es wäre nichts verhängnisvoller, als wollte dieser Kreis nun, da die Sache uns allen unter den Nägeln brennt, sie übers knie brechen: dazu ist sie zu wichtig und folgenschwer. Aber ebenso wenig darf er allzulange mit der Arbeit zögern. Wir wissen sehr wohl, daß wir heiite schon ein gutes Stück weiter wären, hätten uns die Reichslagswahlen nicht einen vorläufigen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt aber ist es Zeit." Also: in der Reichstagswahl haben die Nazis„das Gröbste wieder mal hinter sich gebracht", dafür hat ihnen aber die Reichs- tagswahl— tückisch!—«inen„vorläufigen Strich durch die Rechnung gemacht", und deshalb darf die Sache,„die unter(!) den Nägeln brennt, nicht über das Knie gebrochen werden". Nun wissen die Nazis also genau Bescheid. Aber Herr Dr. Goebbels, der Geistesricje, sollte doch die„Katze nicht so mit dem beißen Brei an die Wand innlen". Sonst könnte man meinen, seine goldige Prosa sei einfach— Quatsch! pilsudskis Aiteniaishetze. Jede sozialistische Aeußerung wird unterdrückt. Warschau, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Die Regie ningspresse bringt Mitteilungen zu dem angeblichen 'Atteniatsplan gegen Pilfudski. Danach sollte der Bombeiwnschlag bereits am letzten Sonnabend ausgeführt werden, ist aber nicht erfolgt, obwohl die Verhaftung der„Verschwörer" erst am Montag vorgenommen wurde. Der Hauptbeschuldigtc sei der Sozialist Ä a g o d z i n s k i, der während der Revolution von IWg ein miß- glücktes Attentat auf den damaligen russischen Generalgouverneur von Warschau verübt hat. Er wurde seinerzeit zum Tode ver- urteilt, aber vom Gcneralgduverncur zu einer langjährigen Frei- heitsstrafo begnadigt, di« er in Sibirien verbüßte. Die übrigen initverhafteten Sozialisten hätte Jagodzinski diesmal gar nicht in seinen Plan eingeweiht: als sie erfuhren, was geschehen sollt«, hatten sie ihre weitere Mitwirkung verweigert. Die Angalien der Regierungspresse klingen überaus verworren und unglaubwürdig. Es ist bezeichnend, daß jede Aeußerung da, zu im sozialistische»„Robotnik" von der Zensur unterdrückt wird! Hflarfch ins„dritte ffieich" Di« Reichstagseröffnung mit den Hakenkreuzkrawallen hat ihre Spuren hinterlassen. Unsere Bilder zeigen die Demonstranten im Tiergarten (oben) und die Kulturtat der Ratio- nalsozialisten in der Leipziger Slraße(unten). Sämtliche Schau- senster eines Warenhauses sind. zertrümmert. Oer Feldzug der Krawallmacher Aachts und heute vormittag l�uhe in ganz Berlin Die von den Nationalsozialisten im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends inszenierten ftratvalle zogen sich bis gegen Mitternacht hin. Tie Nacht ver- lief völlig ruhig. Am Potsdamer Platz kam es noch gegen ÄS.llv Uhr zu Ansammlungen national- sozialistischer Halbwüchsiger. Die Polizei mußte den Porplatz am Bahnhof mehrmals unter Anwendung des Gummiknüppels räumen. Erst gegen 2 Uhr trat hier wieder Ruhe ein. Trotzdem war von der Polizei Vorsorge getroffen, um neuen Zusammenrottungen recht- zeitig zu begegnen. Polizcischnellwagcn und Radfahr- patronillcn durchstreiften unaufhörlich die Weitcrc Um- gebung dcS Potsdamer Platzes. Dabei wurden noch einige Urakecler gefaßt und der Politischen Polizei übergeben. Die gestrigen skandnlöscn, einer Weltstadt unwürdigen Vorfälle, haben zweifellos den Beweis erbracht, daß in dem Borgehen der Hakenkreuzler System liegt. Es ist sogar mit Sicherheit anzu- nehmen, daß die Scheibe ireinwerfcr nach vorher gegebenen Direktiven gearbeitet haben. Gestern war nun die Gelegenheit für ein sicheres Gelingen des Bubenstreiches besonders günstig. Die national- sczialistischen„Kuriere", di« bereits am Montag vormittag in förmlichen Radfahrerkarawanen die Innenstadt unsicher machten, hatten bald heraus, daß die Leipziger Straße nicht genügend durch Polizei geschützt war. Und daraus baute sich die ganze nationalsozialistische Aktion auf. Während am Reichstag die Polizeibeamien Mühe hatten, die nach Tausenden zählende Meng« in Schach zu halten, zogen zahlreiche kleine Trupps von Nationalsozialisten, die sich in der F r i e d r i ch- E b e r t- Straße zu einem etwa 400 Mann starken Zuge vereinigten, zum Potsdamer Platz. Die Lümmels führten die Wurfgeschosse bereits bei sich, ein Beweis mehr dafür, daß das Boinbardement von langer Hand vorbereitet war. Die Rechtspresse spricht natürlich von kommunistischen Provo- kateure». Mit diesen haltlosen Beschuldigungen dürft« sie jedoch wenig Glück haben, denn fast sämtliche Festgenommenen gehören der NSDAP, an oder stehen dieser Partei nahe. Bis um 1 Uhr nachts waren insgesamt etwa 110 Festnahmen ersolgk. Im Laufe der Abendstunden tonnten 77 Personen wieder entlassen werden. Unter den Entlasienen befinden sich acht Schüler, Oberrealschüler und Gymnasiasten, vier Studenten und ein Sludlenrat(!). Dies« Krawallmacher, von denen sich einige in der Leipziger Straße besonders hervortaten, sind zwar zunächst auf freien Fuß gesetzt worden: dos Strafverfahren geht jedoch be- schleunigt weiter und die jungen Sünder werden sich in nächster Zeit vor dem Jugendgericht zu verantworten hoben. 3 3 Erwachsene, die sich aus allen möglichen Beruse» rekrutieren, sind wegen schwerer Vergehen festgenommen worden. Mehrere von ihnen werden wegen Aufruhrs, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, Bannkreisüberschreitung, Beleidigung usw. vom Schnellrichter abgeurteilt werden. Polizeipräsidium durchkreuzt Goebbels Manöuer. Der Polizeipräsident teilt mit: Im Laufe der gestrigen Bor- kommnisse sind der politischen Polizei 106 Personen eingeliefert worden, davon 4? Mitglieder der NSDAP, und weilcre 63 mit der NSDZlP. Sympathisierende. Anhallepunktc dafür, daß kommunistische tockspißel kälig gewesen wären, wie ein Teil der Rlorgenpresse behauptet, sind in keiner Weise gegeben. Gegen die in Haft gebliebenen sowie gegen die bereits smgelassenen Personen sind Strafverfahren wegen der verschiedensten Straftaten (Landfriedensbruch, Wider st and gegen die Staats- gewalt, Sachbeschädigung, Beamtcnbeleidigung, Verstoß gegen das B a n n k r e i s g c j e tz) eingeleitet worden. Die Polizei ist bemüht, schnellrichterliche Erledigung herbeizu- führen. 14 Personen werden noch heute dem Schnellgericht in Moabit vorgeführt. Die amtliche Mitteilung bestätigt dann den Skandal F r a n tz e n- L o h s e- G u t h, wie wir ihn an anderer Stelle melden. Echnelljustiz gegen die Aazirowdys. 'Sie nationalsozialistischen Felrsterzertrümmercr von gestern werden bereits heute um 2 Uchr dem Schnell schöffengericht in Moabit vvrgeführt werden. Man kann die Schnelligkeit, mit der die Behörden in diesen: Falle gearbeitet haben, nur auf das lebhafteste begrüßen. Oer Auslanösspiegel. England und der Sckausenstersturm. London, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Tie Morgcnpressc berichtet ausführlich über die Aus- schreitungen in Berlin und fast alle Blätter äußern sich empört über diese Roheitsausbrüche, die die Folge syste- matischer Fudenhetze seien. Das Blatt des Hitlerfreundes Rothcrmcre freilich, die„Daily Mail", versucht auftrags- gemäß eine Entlastungsoffensive. „Daily Mail" meint, die Tatsache, daß Ausschreitungen in anderen Teilen Berlins nicht vorgekommen feien, bewHise, daß die von den Feinden-der Nationalsozialisten erhobene Be- haupwng von einem allgemeinen Angriff auf die Juden nicht begründet sei. Die Nationalsozialisten seien durch die Polizei ausgebracht worden und hätten ihren Gefühlen dadurch Ausdruck verliehen, daß sie dort Schoden anrichteten, wohin sie durch di« Polizei zurückgetrieben worden seien. Das Gesamtinteresse an den Vorgängen in Deutscfstand hat auf jeden Fall in England zugenommen. Dies geht auch aus einein Artikel der„Times" über die Stahlhelmbewegung hervor, von der es heißt, daß sie stärker und besser organisiert, a u s g e- r ü st e t und ausgebildet worden jpi als je zuvor. pariser Beurteilung. Paris, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Tie Berliner Ereignisse des Montags haben die Unruhe und Besorgnis in Paris aufs höchste gesteigert. Wenn schon die Reichstagssitzung, so schreibt„Petit Pansien", einen barbarischen Eindruck gemacht hat, der eines disziplinierten und kultivierten Volks unwürdig sei, so müsse es zu den größten Befürchtungen Anlaß geben, wenn man sehe, wie sich die Hiller-Zugcnd in wilden Slrahenpogcomen im Viirger- krieg übe. Dazu komme, ineint„Oeuvre", daß Brüning es nicht verstände.» habe, wenigstens den Berliner Metallarbeiter st reit zu vermeiden und so durch die Tat zu beweisen, daß er imstande sei, tatsächlich di« Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Erstarrung der' republikanischen Parteien im Reichstag, ebenso wie die willenlose Resignation des Berliner Publikums, schreibt das„Journal", zeuge davon, daß das demokratische Dculschland augenscheinlich nicht wisse, wohin es treibe. Hoffentlich ober häiten jetzt Schwerindustrie und Hoch. finanz, die freigebigen Geldgeber, eingesehen, meint der sozioli- stische„Populaire". welche Katastrophenpolitik sie gefördert hätten. Heute müßten sie erkennen, daß ihre Schützlinge auch nicht vor dem geheiligten Kasscnschrank der Bourgeoisie haltmachen. Hoffentlich hätten auch Brüning und Scholz eingesehen, daß sie mit ihrer egoistischen arbeiterfeindlichen Klassenpolitik eine neue Katastrophe heraufbeschwören müßten. Flotlenkürzung in USA. Im laufenden Rechnungsjahr werden durch Verminderung der Flottei/stärke und des Mannschaftsbestandes um 4890 Mann eine Ersparnis von 3 420 000 Dollar erzielt werden. In Uevereinstimmung mit dem Londoner Flotlenabkommen wird die Zahl der Zerstörer von 109 auf 92 und die Tonnage der U-Boote aus weniger als 62700 Tonnen herabgesetzt. „Volkserzieher" des dritten �Reiches Erbauliches über die Lehrer aus der Nazifraktion Die D ehr er vermitteln dem Volk nicht nur Bildung, sie sind nuch die Erzieher des Volkes. Ihnen sind große Möglichkeiten an die Hand gegeben. Die fugend heranbilden, in ihr die wahre Liebe zur Nation und zur Republik zu wecken, im Geiste der Völker- oersöhnung zu wirken, wie es die Verfassung von Weimar vor- schreibt,— eine große und herrliche Aufgabe! Es ist darum kein Äusall, daß die Pädagogen von allen ausbauenden Parteien um« worden werden. Aber auch die Machthungrigen, die von dem Geiste echter Liebe zum Volke nicht berührt sind, angeln nach dem Lehrerstand, denn sie wissen, wenn sie die Erzieher haben, dann haben sie auch die Jugend, und wer die Jugend hat, hat nach einem abgegrisfcnen Sprichwort die Autunst. Die Nazis haben die Lehrer besonders favorisiert, wie die List« ihrer Reichstagsabgeordneten zeigt. Zum„Lehrstand" rechnen nach ihrer Aussossung nicht mir die Lehrer an Volksschulen und höheren Lehranstalten, sondern auch ien« Leute, die sie als S chr i f ist e l l« r bezeichnen. Schauen wir inal nach, welche besondere Oualisikation der h i t l e r s ch e„Lehr- st a n d" für feinen Beruf und für die Erziehung der Jugend iin Sinne der Reichsversassung mitbringt. Daß Lügner und feige Verleumder sich gerade besonders gut für den Beruf de» Erziehers eignen, wird selbst der kühnste Phrcheur nicht behaupten wollen. Jedem wird einleuchten, daß der nun- mehrige Reichstagsabgeordnet«, Lehrer Dielrich-Soburg keine Zierde des Katheders ist. Hat er doch vor der Wahl«in von Unwahrheiten strotzendes Flugblatt gegen die SPD. herausgegeben, Unwahrheiten strotzendes Flugblatt gegen die Sozialdemokratie her- ausgegeben und, zur Rechenschaft gezogen, einfach abgeleugnet. Durch Vorlegung seine» handschriftlich hergestellten Flugblattent- wurfs hak man ihn der Zweisachen Lüge überführt. Das Gericht nennt in der Urteilsbegründung die Kampfesweise des Lehrers Dietrich niedrig, schmutzig, abstoßend, und bezeichnet die von ihm veröffentlichten Behauptungen als bewußt unwahr und verletzend. Eine Zierde des Lehrstanües, fürwahr! Iosef Bürckel aus der Pfalz wird zwar auch noch dein Lehrstand zugerechnet, ist aber in Wirklichkeit Gauleiter der NSDAP, der Pfalz und Besitzer einer nationalsozialistischen Wocheikzeitung. Gegen ihn wurden aus den Kreisen seiner Partei- genossen die schwersten Vorwürfe wegen Unterschlagung er- hoben und auch eine Untersuchung vorgenommen. Der außer- ordentlich belastende Befund dieser Untersuchung hat trotzdem nicht verhindern können, daß Bürckel ein Reichstagsmandat bekam. Ein Bericht über den Befund der Gautasse für 1927, 1928, 1929 stellt fest:„Die Kassensührung 1927 zeigt chaotisch« Zustände." Dte „Pfälzisch« Post". Ludwigshafcn, die den gesamten Revisimlsbericht veröffentlichte, stellt dazu fest:„Aus dem Bericht ist u. a. noch zu ersehen, daß Bürckel fich aus der Partcikasfe(Mitgliedsbeiträgen) seine Wechselprolongationen, feine gekauften Autoreifen, die Immer dazu gehörenden Gerichtsvollzieherkosten, die Araslfohr- zeugsteuer, die Auloverficherung für sein Privatauto bezahlen ließ. Daneben sind für die Partei gemachte Fahrten, Benzinverbrauch, Reiscspesen und Versammlungsgebühren noch extra bezahlt worden. Er hat ferner Beträge, die er für seine Zeitung„Eisen- Hammer" geliehen hatte, in Höhe von mehreren Hundert Mark aus der Parteiknsse sich zurückvergllten lassen. Bürckel hat also, um sein Privatunternehmen zu halten, sich an Parteigcldern vergriffen." Bürckel ist auch während der Separatistenzeit im Rheinland Inhaber einer Separatistenmitgliedskarte und einer grünweißroten S e- paratiften-Arm binde gewesen. Er hat dafür die Ausrede erfunden, er sei auf Veranlassung der offiziellen Separatisten» abwehrstcll« der bayerischen Regierung als geheimer Vertrauens- mann unter den Separatisten tätig gewesen. Im General-Zlnzeiger für Reustadt-Hardt vom 25. August 19.3Ö hat Ritter von Eherlcm, der ehenwlige Leiter der offiziellen Separatistenabwehrstelle, gesagt. daß weder er. noch ein anderer Herr der Abwehrslelle Herrn Bürckel kenne. Ebenso aus den Fingern gesogen wie die Berichte von dem Heldentum des Herrn Goebbels in den belgischen Gesängnissen. Wohl oder übel müssen wir uns auch mit Herrn Goebbels beschäftigen, der sich von seinen radikalen Freunden aus der Clique um Otto Straßer herum widerspruchslos„Lügner" titulieren läßt und seine Lügen, er hätte für Hindenburg in einem belgischen Gefängnis gesessen und wäre mit belgischen Reitpeitschen traktiert worden, weiterspinnt.„Reitpeitschen-Goebbels" ist genügend bekannt, man kann sich eigentlich sparen, ihn genauer zu charakteri- sieren. Immerhin oerdient in Erinnerung gerufen zu werden, wie dieser„Arbeiterführer" die Arbeiter«inschätzt. Sie sind für ihn Stimmvieh, und sollen bald Kanonenfutter werden. „Dr. Goebbels ist einer von denjenigen, die grundsätzlich be- haupten, daß die Arbeiter keine �ührereolle übernehmen bürsen, da diese nur den Akademikern zustehe." Das schreibt der ehemalige nationalsozialistische?lgitator F r i e d r i ch- Karlsruhe i» seiner Broschüre:„linier dem Haken- kreuz". � In letzter Minute Hut die NSDAP, den Lehrer Hinkler. Gauleiter für Halle-Merseburg. gezwungen, sein Reichstagsmandat niederzulegen. Das ist eigentlich schabe. Somit kommen wir um das Vergnügen, einen Volksvertreter kennenzulernen, der den Schutz des 8 ZI für sich in Anspruch nehmen kann. Hinkler wurde nämlich wegen Zurechnungsunfähigkeit aus dem Staatsdienst entlassen. Aber schon, daß man einen solchen Menschen als Bewerber für «in Reichstagsmandat präsentiert, charakterisiert«ine Bewegung und ihre Wähler. Der Schriftsteller Alfred Rosenberjj. Hauptschriftleiter des„Völkischen Beobachters", stammt au» dem Baltikum und lebte während des Krieges in Paris. Sicherlich wird er jetzt im Reichstag Gelegenheit finden, seinem Fraktionskollcgen Goehring die Frage zu beantworten, die der im„Nationalen Sozialisten" vom 19. August 1939 an ihn richtet«: „Der Kerl soll nur endlich sagen, was er während des Krieges in Pacis gemacht hat?" Herr Rosenberg will dem deutschen Volke wie sein Herr und Meister Hitler die allgemeine Wehrpflicht wieder-befcheren. Herr Rosenberg hat sich der Dienstpflicht in seinem Heimatland« entzogen, denn die jungdeutsche Monatsschrift„Der Meister" vom April 1939 teilt mit, daß Herr Rosenbcrg dreimal den Kriegsdienst verweigert habe. So sehen die Leute aus, die die andern als Dolchstößer lc- zeichnen. Herr Ruft ist auch ein großer Held und vertritt den Lehrstand als Studienrat. Während des Krieges drahtete dieser Recke an seinen drei- jährigen Sohn: „Heute unter dem Donner der Geschütze das Eiserne kreuz erhalten. Dein Heldcnvater." In Hannover haben ehemalige Kriegsunteroffiziere, die das Wirken Rusts aus der Etappe kennen, vor der Wahl ein Flugblatt ver- öfsenllicht. Darin wird erzählt:„Wie Ruft einen Kopsschuß erhielt." „Bald darauf wurde Ruft B a t a i l l o n s a dj u t a n t. Als er sich in der Schreibstube des Feldwebels Müller aushielt, nahmen ine Franzosen das Torf etwas unter Feuer. Nüsts Nase funktionierte wieder ausgezeichnet. Er wußte in der Nähe einen bombensicheren Unterstand, den das Wachkommando gebaut hatte. Wie ein wild- getvordener Terrier stürzte er zum Schreibstubenfenster hinaus, be- rechnete aber dabei nicht, welch langes Laster er war. Er sprang mit dem Kopf gerade gegen den Fensteryaken und verletzte sich lehr schwer. Man mußte ihn in die nächst« Vevbandsstelle schassen. Dem Bataillon wurde gemeldet, daß der Heldenpapa«inen Kopfschuß bikonnnen habe. Erst am Abend klärte unser Feldwebel Müller den Charakter her Verletzung aus. Wir lzatten alle schon Angst gehabt, daß Ruft wirklich etwas vom Feind gesehen habe." Herr Ruft wird im Reichstag sicher die Ertüchtigung und Wehr- haftmachung der Jugend fordern. Dr. Usadel. Studienrat, Jnsterburg, steht Herrn Ruft an Tapferkeit nicht nach. Er hat vor der Wahl dem Provinzialschul- kollegium die dienstliche Erklärung abgegeben, er sei nicht Mit- glied der NSDAP., er sei' auf deren Vorschlagsliste gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Jetzt wird, er Diäten einstecken und den Artikel der viel beschimpften Reichsoerfassung für sich in Anspruch nehmen, daß einem Beamten aus seiner parlamentarischen Betöti- gung keine Nachteile erwachsen dürfen. Man könnte die blumenreiche Liste des nationalsozialistischen Lehrstandcs noch sehr lange fortsetzen. Da ist noch der bayerische Lehrer Schemm, der in Geschichte%ie Zensur„ungenügend" bekommen muh, denn er schreibt in einem Wahlaufruf:„Ohne den Freiheits- kämpf 1813 wären die Steinschen Reformen unmöglich ge-> wesen." Die Steinschen Reformen wurden 1897/98 durchgeführt! Während des Krieges verband Schemin eine innige Freundschaft mit dem jüdischen Professor Dr. W a s s e r in a n n, der ihn vor dem „Frontcrlebnis" bewahrte. Schemm war nämlich im Laboratorium des Bayreuther Krankenhauses tätig und half die Kaninchen und Meerschweinchen impfen. Der Lehrer Brückner aber, Gauleiter der NSDAP, für Obcrschlesien, weih, daß 399 Ab- geordnete vom letzten Reichstag Landesverräter, Schieber und Lumpen sind, und er gibt unumwunden zu, daß, sobald die Nazis um das Volk ringen, sämtliche Eide, die sie schwören, nur Schein- cide sind. Die echte deutsche Treue. Auch der famose Pfarrer Alünchmeycr, von seinem Posten relegiert, gehört zum Lehrstand, und eigentlich gehört.auch der Handelsschüldircktor Fritz Reinhardt dazu, der sich als Volks- wirk bezeichnet und der Erfinder der Legende vom Sklavenexport junger Deutscher nach dem Noung-Plan ist. Wo immer wir dies« Leute aufs Korn nehmen, treffen wir auf Verlogenheit, Anmaßung und Ignoranz. Wirklich feine Re- Präsentanten des Lchrstandes und der Pädagogik! Die anständig gesinnten Persönlichkeiten unter ihren Wählern werden mit diesen Führern bald ihre Ueberraschungen erleben. Der Schah im Keller Oer Mann, der-12000 Mar? fand und die Krau, die es ausplauderte Etwas romanhast klingt die Geschichte vom V e r l u st und Fund einer Summe von 12 000 Mark. Das Schöffengericht Vcrlin-Wedding halte sich damit zu bejchästigen. Ein Holzhändler, der beauftragt war. einer Bewohnerin eines Hauses in der Afrikanischen Straße Holz in den Keller zu liefern, fand dort Anfang Juni, ein Paket in brau n.« s Packpapier gewickelt, das er neugierig an einer Seite öffnete. Als er sah, daß darin Geldscheine enthalten waren, nahm er es, in dem Glauben, daß es alt«? Jnslationspapiergeld wäre, für seine Kinder mit in die Wohnung. Zu seinem größten Erstaune» entdeckte er zu Hause, daß er gültige Geldscheine gesunden hatte. Das Paket, in dem Zehn, und Zwanzigmarkscheine zusammen- gebündelt waren, enthielt nicht weniger als eine Summe von 17 099 Mark. Der Holzhändlcr erzählte seiner Frau schnell ein Märchen, daß er dieses Geld von einem unbekannten Mann auf der Straße iür die Ausführung einer Besorgung erhalten hätte und kaufte sich von dem unerwarteten Vermögen für sein Geschäft ein neues Last- auto. Seine Frau besorgte neue Möbel und eine große Wäsche- ausstattung für sich und ihre vier Kinder. Aber sie konnte diesen Glücksfall nicht geheimhalten. Nach wenigen Tagen erzälsite sie Verwandten und Bekannten, die sich über die neuen Anschafsun- gen wunderten, zu wieviel Geld sie unerwartet gekommen seien. Es dauerte auch gar nicht lang«, bis aus diesem Kreise ein« ver- trauliche Anzeige an die Polizei erging, daß sich der Halzlzändlcr durch große Geldausgaben sehr verdächtig mache. Bei einer.Haus- suchung saird die Kriminalpolizei unter einer Matratze versteckt noch 8999 M., die beschlagnahmt wurden. Nur eineiig Zufall war es zu verdanken, daß der rechtmäßige Besitzer dieses Geldes aufgefunden werden konnte. Ein 75jähriger Znvälidenrenlner, der unker kümmerlichen Der. hältmjsen in der gleichen Gegend wohnte, hatte von seiner Frau, die schwer krank lag. 17 909 M. ausgehändigt erhallen. Er hatte das Geld zu sich gesteckt und mar damit auf einer Bier- reise verschwunden. Nach einigen Tagen kam er wieder nach Hause und mußte der Frau, die stündlich ihren Tod erwartete, gestehen, daß er das Paket mit dem Geldc nicht mehr bei sich lzatte. Daraus enterbte ihn seine Frau und beauftragte ihren Sohn, nach dem Geld zu fahnden. Dieser meldete den Verlust der Polizei. Aber Nachforschungen waren zuerst unmöglich, da der alte Mann keine Ahnung hatte, wo er sich in seiner Trunkenheit aufgehalten hatt«. Erst, als mau das Geld bei dein Ezolzhändler beschlagnahmte, zeigten sich Zusammenhänge, die dann erst durch die Vernehmung von Rtietern des Hauses in der Afrikanischen Straße bestätigt wurden. Das Geldpalet, das der betrunkene Rentner hatte liegen lassen, lag vier Wochen lang unberührt im Keller, bis der Holz, Händler es fand und es zu seinem eigenen Schaden nicht ablieferte. Denn wahrend er sonst einen sicherlich nicht geringen Finderlohn erhalten hätte, wurde ihm jetzt alles Bargeld und alle Waren ab- genommen und er selbst mit seiner Frau wegen Fundunter? s ch l a g u n g angeklagt. Beide waren in der Verhandlung vollauf geständig und nahmen das Urteil, das gegen den Mann wegen Unterschlagung auf vier Monate Gefängnis und gegen die Frau wegen Hehlerei auf einen Monat Gefängnis laiitete. c.n. Es wurde ihnen auch eine Bewährungsfrist zugebilligt. Der Ursprung der 12999 M. konnte aber auch in dieser Ber- Handlung nicht aufgeklärt werden. Denn niemand konnte sagen, wie die alte Rentnerin zu solcher für sie horrenden Summe gekommen sei. Ter alte Manu, der nur sehr unwillig über sein dummes Ver? halten ausgesagt hatte, weinte in der Beratungspaus« still vor sich hin, weil er den Antrag des Staatsanwalts aus sich selbst bezogen hatte.__ Tragödie einer Mutter. Mit dem Kind in den Tod gegangen. In der vergangenen Rächt wurde die ZZjährige Frau Hedwig I n r o w mit ihrer dreijährigen Tochter Helga in der Küche ihrer Wohnung in der Z n n st r a h e 3? in R e u k ö l l n durch Gas per. giftet leblos ausgesunden. Die Rettungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. FamUienzwistlgkeilen waren da» TNotio zur Tot. Landtagsauflösung abgelehnt. Antwort der anhaltischen GtaatSregierung. Dessau, 14. Oktober. Das anhaltisch« Staatsministerium hat aus eine national- sozialistische Anfrage, ob dag Staötsmimstorhim bereit sei, den gegebenen Verhältnissen Rechnung zu tragen, und die A U f l ö s li n g des Landtages zum Entscheid zu bringen, folgende Antwort erteilt: Das Stantsministeriuin jst nicht bereit, die Frage der Auslösung des Landtags zum Aolks«ntsä)«id ZU bringen. Den Grundsätzen der Dem okratt« entspricht es, die ver- sassuugsmäßige Wahlperiode, für di« der Landrag vom Volke ge- wählt ist, nicht ohne zwingenden Anlaß abzukürzen. Als solcher können vorübergehende Wahlerfolge einzelner Parteien bei anderen Wahlen, zumal ivenn sie durch besondere Verhältnisse bedingt sind, nicht angesehen werden. Keine Arbeite losen mehr? potemlin ist toi, sein Geist lebendig. Die Zählung und die Behandlung der Arbeitslosen in Sowjet- rußland ist ein Kapitel für sich. Es wurde durch die Einstellung der Erwerbslosenunterstützung radikal„abgeschlossen", doch damit nur neu aufgerollt. Wäre die Behauptung richtig, daß«s in Ruß- land keine Arbeitslosen mehr gibt, dann war der Beschluß auf Ein- stellung der Erwerbslosenunterstützung überflüssig. Es ist ein einfaches Verfahren, die Arbeitslosigkeit zu„liqui- dieren" und dann zu erklären:„Es gibt keine Arbeitslosen mehr," Nach einer Meldung der Jswestija sind bei den Arbeits- börfen der Sowjetunion gegenwärtig etwa«99099 Arbeits» lose registriert. Wieviele nicht registriert werden und wieviele sich aus gewissen Gründen nicht registrieren lassen, das steht auf einem anderen Blatt. Doch selbst von den „registrierten� Arbeitslosen wird behauptet, daß es sich bei den 699 999 zum überwiegenden Teil um Leute handelt, die die ihnen gebotene Beschäftigung nicht annehmen wollen. Warum und weshalb diese Leute angebotene Beschäftigung nicht annehmen wollen, wird nicht gesagt, doch scheint es denn doch mit an der Art dieser Beschäftigung und den Arbeitsbedingungen zu liegen. Eine Konferenz bei der Gcwerkschaftszentrale— aus der Tomski ausgeschifft wurde— hat beschlossen, Personen, die sich weigern, die ihnen von Arbeitsbörsen gebotene Arbeit anzunehmen, oder sich für anderen Beruf um, zustellen, unverzüglich die Unter- stützung zu entziehen. Die Unterstützung wird auch Personen ent- zogen, die ihre Arbeit ohne Genehmigung der Wirt- schaftsorgan« und des(staatlichen) G«werkjchaftsoerbandes eigenmächtig niedergelegt haben oder wegen Disziplinvcrgchen entlassen worden sind. Arbeitslose, die ihre Arbeit mit Genehmigung dieser Organ? auf eigenen Wunsch niedergelegt haben, erhalten drei Monate nach ihrer Entlassung Unterstützung. Arbeitslose Hausangestellte erhalten Unterstützung in Höhe von einem Viertel ihres Lohndurchschuitts nur in den, Falle, wenn in der betreffenden Gegend keine Nachfrage nach unqualisi- zierten Arbeitskräften besteht. Personen, denen ihrer Invalidität beziehungsweise ihres Alters wegen keine Arbeit zugewiesen werden kann, erhalten statt Arbeitslosenunterstützung. Penston. Die„Rote Fahne", die sich reichlich übereifrig bei dieser Liqrn- dierung der Arbeitslosigkeit gebärdet, behauptet ganz im Stile des honetten deutschen Bürgertums der Vorkriegszeit:„Wer heute noch. arbeitslos ist, will nicht arbeiten, ist ein Schädling und Sabotei"' de» Sowjetregimeuts..," Elend im Rampenlicht. Steigende Arbeitslosigkeit auch bei den Bühnenkünstlern. Zu einer Unterredung nahm der frühere Präsident der Bühnengenossenschast. Gustav R i ck e l t. zu dem Problem der Arbeitslosigkeit der Bühnenangehörigen Stellung. Cr führte aus: Auch das deutsche Theater hat in allen Schichten schiver unter der Not der Zeit zu leiden. Die ganz wenigen, auf die infolge einer großzügigen Reklame dauernd der Blick des Publikums gerichtet ift, können und dürfen die Tatsachen nicht verschleiern, daß es ungezählten unseres Standes herzlich schlecht geht, daß Taufende bittere Not leiden, weil sie kein Unterkommen und damit kein Brot finden können. Wie viele in städtischer Regie befindliche �jßühnen haben im Laufe dieses Jahres ihren Betrieb einschränke» müssen, um ihn überhaupt aufrecht halten zu können! Zahlreich sind dabei die Fälle, wo die Entscheidungen über den Weiterbetrieb hinausgezögert werden, so daß die Bühnenkünstler zu einer Zeit ihr Engagement verloren, wo ein Unterkonimen für die kommende Spielzeit so gut wie aus- geschlossen war. Da sitzen nun die Schauspieler auf der Straß«, lausen sich die Hacken bei Agenten ab, immer in der Hoffnung, doch noch irgendwie unterschlüpfen zu können. Da werden oft von begabten Schau- spielcrn Wanderbühnen zusammengestellt, die nach Ausmachung und nach Abeirdkässe oft genug an den lieben alten Begriff der Schmiere «rinnern. Mancher muß noch froh sein, wenn er an 10 van 30 Tagen des Monats je 5 Mark verdienen kann. nur um dos Allernotwendigste bestreiten zu können. Und die übrigen 20 Tage muß dann gestempelt werden, der letzt« Rettungs- ankcr aller Arbeitslosen! Wie schlimm ist es, wenn man so sehen muß, wieviel künstlerische Kraft nutzlos brach liegt und wenn man gleichzeitig weiß, daß vorläufig beim Theater b e st i m m t nicht durchgreifend geholfen werden kann! Und doch Hot das Wort„Theater" auch in unserer heutigen. nüchternen Zeit seine Zugkraft noch nicht eingebüßt. Ewig wird dieser Begriff von Romantik und Bohcmeidcalen umwittert sein. Darum macht sich auch die heranwachsende Jugend die übertriebensten Vorstellungen von dem Glanz und der Pracht, die in diesem Ntärchenrcichc eingeschlossen sein soll. Wir, die wir mitten drin stehen, wissen es freilich besser. Wir wissen, daß dieser Berus «inen dauernden Kamps bedeutet und daß die Lor- beeren des Erfolges— des wirklichen Erfolges— nur dünn gesät sind. Gewiß, es gibt in unseren Reihen Kinder des Glücks, die scheinbar mühelos strahlende Gipfel erklimmen, die mit Geld und Ehren überschüttet werden. Aber selbst hier darf man sich nicht von der Außenseite täuschen lassen. Wie so vieles bei der Bühne, ist auch hier manches nur Schein, dahinter aber steht harte Arbeit und oft heroische Selbstausgabe des eigenen Ichs. Also im Grunde ein Beruf, der, genau wie jeder andere, dem einzelnen reich« Bc- friedigung gewähren kann, aber ebenso wie jeder andere— nein, mehr als jeder andere— intensivste Arbeit und ständigen Einsatz letzter Nervenenergien erfordert. Wer sich freilich einmal an diesem Beruf scstgebissen hat, der koinmt nur in den allerseltenstcn Fällen wieder von ihm los. Jahrelanges Elend und bitterste Not wird oft mit unglaublicher Geduld getragen in der Hoffnung, daß einmal doch die Stund« schlagen muß, wo das„Genie" die Anerkennung findet, die es— m den eigenen Augen des Betreffenden wenigstens— verdient. Das Hebel bei der heutigen Lage des Bühnenkünstleilieriifss beruht vor allem darin, daß der Nachwuchs zahlenmäßig den Bedarf bei weitem übersteigt. Einem alljährlichen Abgang durch Tod und einem Ausscheiden wegen Alters und aus sonstigen Gründen von 15 P r o z., st e h t ein Nachwuchs von 60 P r o z. gegenüber. Daß dieses lleberangebot die Arbeitslosigkeit erheblich steigern muß, ist selbstverständlich. Es gibk heule ungefähr 5000 stellungslose Bühnenkünstler in Deutschland. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß auch in besseren Zeiten der Durchschnitt der engagementslosen Kräfte 2(XX1 bis 2500 betrug. Aber der dauernde Nachwuchs junger Kräfte wird diese Zahl stetig � weiter in die Höhe treiben. Und noch immer schwillt dieser Zu- ström an. Das ist zum großen Teil auf die zahllosen„Theater- schulen" zurückzusühren, von denen es in Wien allein 400(!) geben soll. Aber auch in allen anderen Großstädten blühen derartige Unternehmungen üppig. Durch den Glanz, der von der Bühne herabstrahlt und der doch nur in ganz seltenen Fällen Wirklichkeit wird, lasten sich junge Menschen verleiten, diesen Weg einzuschlagen. Bezeichnende Studien lassen sich in den Büros der Theater- agenlen machen. Der Strom der hoffenden und immer wieder hoffenden Bewerber nimmt kein Ende. Dabei ist es für einen Theaterleiter in der Tat ein« Riesenarbeit, sich in den Agenturen das benötigte Künstler- Material zusammenzusuchen. Trotz der hohen Zahl der Bewerber ist die das Mittelmaß künstlerischen Können- überragende Zahl nur dünn gesät. Mit dem Ende dieses Jahres werden bekanntlich dieAgenten ihre Tätigkeit einstellen, da ihre Funktionen dann an den staatlichen Stellennachweisen über- gehen. In manchen Fällen wird dos zu begrüßen sein, da die Klagen über Favoritenwirtschaft nicht selten sind. Die Arbeitslosigkeit unter den Bühnenkünstlern wird auch der verstaatlichte Nachweis nicht vermindern. Die Bühnengenossenschast an sich kann bei dem Problem der Arbeitslosigkeit nur schwer etwas tun, zumal auch ihre Ziele nach anderen Richtungen gehen(juristische Beratung und wirt- schaftlich« Förderung des Standes). Die Arbeitslosigkeit des Bühnenkünstlertunis könnte nur von innen heraus durch die Ein- schränkung des Nachwuchses behoben werden. Da aber gerade auf diesen« Gebiete Warnungen sehr wenig fruchten, ist«ine grund- legende Aenderung auf absehbare Zeit nicht zu erhoffen. „Liebling der Göiter." Gloria-palast. Der Liebling der Götter ist natürlich ein Tenor und die Stadt seiner Triumphe ist Wien. Dargestellt ober wird er von Eniil I a n n i n g s, dem Liebling des Publikums. Jannings kann hier so recht aus dem Vollen schöpsen, denn sein Tenor ist ein Lebens- kllnstlcr, der sich allen guten Dingen des Lebens voll hingibt. Er erlebt wirtlich die Poesie des Bechers und läßt sich die Schwärmerei seiner vielen Verehrerinnen vergnüglich gefallen. So sehen wir ihn beim Heurigen, so sind wir Zeuge seiner Lebensführung in der Garderobe, wo er als Kammersänger im Stile Wedekinds nicht Räume genug hat, um all seine Besucherinnen voreinander zu ver- stecken. Umsonst warnt ihn seine Frau, den Bogen zu überspannen, und rät sie ihm, dos Idyll seiner ländlichen Villa am schönen Wolf- gangsee zu genießen. Im Vollgefühl seiner Kräfte tritt er eine Tournee noch Südamerika an, aber in dem heißen Klima versagt er. Ein anderer muß für ihn einspringen. Die Tragödie des Sängers bricht über ihn herein: er hat feine Stimme verloren. Resigniert kehrt er nach Hause zurück, wird aber jubelnd empfangen, und niemand begreift, warum er nicht mehr auftreten will. Schließ- lich enthüllt er seiner Frau sein Geheimnis und verspricht, bei ihr zu bleiben. Aber als er durch einen Zufall seine Stimm« wieder entdeckt, hält ihn nichts mehr, er kehrt nach Wien zurück,' zum 501. Male den Lohengrin zu singen. Jannings ist wie innner vollsaftig und steckt init seiner Lebens- freude an. Er macht aus dem sonst leicht lächerlichen Tenor einen ganzen Kerl, und singen kann er auch. Sein Schlager„Ich bin ja so vergnügt", Musik von Karl May, schlägt wirklich ein. Die Regie von Hanns Schwarz begnügt sich damit, Jannings sich richtig ausspielen zu lasten und ihm ein gutes Ensemble zu bereiten. Renate Müller ist eine zärtlich besorgte Frau, Olga Tschechow« eine entzückende Liebhaberin, Willi Proger als Opernimpresario und Siegfried B e r i s ch als sein Faktotum sind famos gesehene Typen. Auch sonst gibt es allerlei charakteristische Nebenfiguren: Max Gülstorfs, Truus van Aalten u. a. Die Technik der Wiedergab« ist noch lange nicht vollendet, die Tonfilmmusik ist keineswegs ein Ersatz für dos frühere gute Orchester des Gloria-Palaftes. r. Die Aobelpreis-Kandidaiuren. Deutschlands Zurückhaltung. Jedes Jahr kann man Immer wieder die gleiche Beobachtung machen, daß von de» einzelnen Ländern für die Nobelpreise Kan- didaten vorgeschlagen werden, zum Teil von Universitäten und wissenschaftlichen und literarischen Körperschaften und Vereinigungen, zum Teil in Beiträgen führender Persönlichkeiten an sichtbarer Stelle, jedenfalls in einer Weise, daß die Diskussion über die Ve- «ufung der vorgeschlagenen Persönlichkeiten iin internationalen Rahmen vor sich gehen kann. Lediglich von deutscher Seite aus er- folgen solche Vorschläge ängstlich hinter den Kulissen und die Oefsent- lichkeit hat meist überhaupt keine Ahnung davon, welche deutschen Persönlichkeiten vorgeschlagen worden sind. Die iinmer wieder ge- geben« Anregung, die deutschen Vorschläge auch öffentlich zu er- örtern, wird nach wie vor beiseite geschoben. Zu welch merkwürdiger Einstellung das schließlich führen muß, zeigt sich bei der jetzt dis- kutierten Kandidatenlist« für den Nobelpreis für Literatur. Ein Vorschlag aus Deutschland scheint dabei überhaupt nicht erfolgt zu sein. Dabei scheinen die dafür zuständigen Institutionen zu ver- gessen, daß ganz allgemein für das Ansehen der deutschen Literatur im Auslande es von Bedeutung ist, jedes Jahr Namen zu nennen und sich energisch dafür einzusetzen. Vielleicht nehmen sich diesmal unsere Literaten auch in dieser Sache an Frankreich ein Beispiel. Obwohl im Vorjahr erst Bergjon mit dem Preis ausgezeichnet worden ist, normalerweise also kaum Aussicht für eine Zuteilung des diesjährigen Preises an einen Franzosen besteht, kämpft das gesainte offizielle Frankreich bereits für zwei sranzösische Kandidaten, Paul Valery und Roger-Martin du Gard. Nach jeder Richtung hin sehr peinlich, dieses deutsche Schweigen. Llnfall und Geschlechtskrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Gcschlechtskrank- heilen hielt in« Volkswohlfahrtsministerium ihre diesjährige Mit- glicderversammlung ab. Im Anschluß an den geschäftlichen Teil hielt Professor Dr. 5)eller einen Vortrag über„Unfall und Geschlechtskrankheiten unter besonderer Berücksichtigung der Sozialversicherung". Er zeigte in seinen Ausführungen an Hand einiger Fälle, die zu gutachtlichen oder gerichtlichen Entscheidungen geführt haben, wie doch Beziehungen zwischen Unfall und Geschlechtskrankheiten be- ständen, obwohl inan gemeinhin der Ansicht sein könnte, daß die Beziehungen hier weniger enge«vären. Insbesondere sind Uebcr- tragungen der Syphilis in Fabrikbetrieben bei Glasbläsern durch die Eigenart der Fabrikationsmcthode seit langem bekannt. Anderer- scits sind sehr viel« Ansprüche, die seitens Versicherter erhoben werden, nicht zutreffend. Auch Unfälle können als verschlinyncri'd für Geschlechtskrankheiten in Frage kommen. „Seine Blajeflöt der Star." Zu unserer Notiz iin gestrigen „Abend" schreibt uns E r n st Toller:„Ich bedauere die Nach- lässigkeit des Theaters am Schiffbouerdamm sehr. Das Theater war am Sonnabend abend um Uhr davon uitterrichtet, daß mir wegen einer Kehlkopfentzündung ärztlich untersagt war, am Sonn- taa vorniittag in der Matinee zu sprechen. Tatsächlich wäre ich auch dazu nicht fähig gewesen. Aber das Theater hatte die Mög- lichkeit telephonisch vom Ausfall�der Matinee zu unterrichten und dadurch den Hörern unnötige Weg« zu ersparen. Ich begreif« den Unwillen des Einsenders der im„Abend" veröffentlichen Notiz." Am 3. November werden zugleich init dem Nationalrat eine ganze Reihe Landtag« in Deutschösterreich neugewählt werden. So- eben hat sich auch der K ä r t n e r Landtag ausgelöst, nachdem er zur Zehnjahrseicr der Volksabstiminung für das gemischtsprachige Gebiet in Kärnten eine ständige Kulttirftelle geschaffen und damit den festen Willen der deutschen Landesbewohner bekundet hat, das seiner- zeit gegebene Versprechen zu erfüllen, den slowenischen Mitbürgern ihre kulturelle Eigenart zu wahren. Wctker für Berlin: Beständiges Hcrbstwetter, am Tage n>ild. — Für Deutschland: Nur im Nordwesten Bewölkungszunahme, sonst Fortdauer des vorwiegend heiteren Wetters. Verbreitete Morgennebel. zu beteiligen. V-rentwortl titr die Rrdaktion: Wolfganq Schwär,. Berlin: Anzcigcn: Th. Slockr, Berlin. Verlaa: Vorwärts Verlag®. m. b. S.. Berlin. Bruck: Vorwärts Buch- druckerei und Tcrlagsanstalt Paul Einger& Co.. Berlin EW KS, Lindenstrage z. Hierzu 1 Beilage. Dienstag, 14. 10. staats-Oper Unter d. Lindan A.-V. 44 IB/s Uhr Fflrsl Igor Ende 23 Uhr Staats-Oper An Plitz der PipoUik. V-B. 20 Uhr neues uom Tage Qtffntl. Rartmirkagf Ende 22', 2 Uhr Dienstag, 14 10. staut, oper Bismarckstr. Turnus IV 19 Uhr Ende n. 2J Uhr Staat). (in ündinniraarlt). 39. A-V. 20 Uhr Weh' dem der«Igt Ende n. 22'/, U. Staat). Sthiüer-TtieaMarltlig. 20 Uhr Der Hann mit dem Rlepper Ende 22'/, Uhr scAta Tägl. 5 u. 8'/, Uhr.„ S Bart. 8250 1 | Pr. t— 6 M— Nkchm halbe Preise. Crock und wettere Attraktionen. TigL 5 u. 8 5! Sonnt. 2. 5 u. 8' J Alex. E 4 8068 Bella Siris die nordische Schönheit in ihren Demonstrationen ,,Wic bleibe Ich jangr, schlank nn«l elnat Isch?4,usw. Berliner Vglk'Tf iO N■ II k 0 1 1■. w Lehivtr. 7D7äJ I TSgileh 2 Voratell.. Tel. Weidend. 3S4S nachm. 4!.Ukr; 30 Pte.— I.SOMk. abends 8'- Uhr. SO Mg.— 8.- HU. Das phinonenale Oktohr-Prafr. 14 der besten | Clrcus-u.VarleldscMafl. ROSE -Theater Gr. FrsmMwrtcr Straft« ija HHbttksm: Alex 3422 u. 9484 Ab heute täglich 8.15 Uhr (Oownsh. T** Ii. 10* U.,fc«nn- tagu 3�, ft«■. W» Uhr) In der JohannUnncht MtnükAlitoh«« LocUpiel ▼on Robert und J«m Gilbet Regie: Hans Ros« Ausstattung. WaJtar Flscbar Orchester: Max SchmMt In den Hauptrollen; Traute. Harn und wtltt Rom, Hilda Hefor, Amanda Lindner, Dltters, Kanisch und Wild«. Theater f&r die Kinder; JednKteochTT�EieniTriuJ Jed. SoBBahd. 418 D.: Domröschen (Preise von 30 Pf. bis 1.5011) Vorwnncliirc» Ab 23. Oktober jeden Kontag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 5» Uhr: Famll 1 e n- Nach mit tat gre Zur Aufführung gelangt .■KnkTtH"mit Traute, Hans. �auTTmPÖTrni Rose. Amanda Llndner.Hofer, Kanisch u.Wilde. Preise von 30 Pf. bis 1.50 M. Gnrderobe u. Progr. je 1 0 Pf. 20 Minut. Kaffeepause; Kaffee und Kuchen 25 Pf. Kinder haben Zutritt. Der Vorverkauf Ist eröffnet VoiKsbtthne Theater am BOlowplati. Täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie K. H. Martin. Staat). Sdiilltr-Hi. 8 Uhr Der mann mit dem Klepper Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Heues vom Tage Theater am SciiitlDauardanim 8 Uhr Jud Süß! Die KomSdie 8'/t Uhr Der Schwierige >n ünjo v,n Hifniggsibtl. Regie: Mai Reiolianlt. Thea!. d.Westois 8'., Uhr Brest Lllowsk «od Bans J. Rehfisdi. Rayssler. Homolka, Bildt. Uns. Hart. Sagau, Reo» Lessing-Theat. Lrhti«ontilicngn I §218 Ab Freitag lapanifdies Thealer Dtatsdies(Dealer T'/j Uhr Neueinstudi erung Ein sommar- nachtstraom Regie: Hat ReieM. Kammerspieh 8'/a Uhi Elga «od Cerliail Bauptm. Regit: Gosta« Hartoog. Komische Oper S'.i Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Lusispiemaus Dir.: Bans LfipsdiOtz Täglich 8'M Uhi meine schuiester und ich MusikvonBenauky Lory Leu* Kurt von.Vollendori BETRIEB/ KEMPINSKI' Winker ★ Qarrem 8.15 Uhr— Raadien grlanöl Tlfffany Twin«. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos 5 singen- deLadies. Brown u.LaHart usw. riieateri.d.Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arlhnr Roberls »v. Das häBilcha madchen Englisch— Robens— Riemann. 6iI0SS.SCHAUSPiELHAUS8 Nur noch 2 Wochen! Lustige Witwe Hesterberg, Hansen, Arno, Sebollwer, Jajiknhn,SehaefTers, Winkelstern, JDesni. REtilE: O II A R K L Ts »/z Uhr Deulsdie OräulfObmoj! tatersDümng von Max Alsberg und O E. Hesse kleines Theal. Merkur 1624 Täglich 8'/, Uhr Max Adalbert in Müllers BETTFEDEIIII aus erster Hand Cnoi 0.90. 0.75, 0.00 Vtilt 5.., 4,-, 3.50, 1.90 Dm«,« 9____ 7.—, 4— Otnrfc« getollt 12... 9.50. 7.50. 6.90 Xiwogif.S.äi' ,3.50,2. 40 DaanPö-Oberbst)-; 31.30 und andere Sorten in großer Auswahl. Bampfreioipog für uasort Kuoden gratis. 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Lepra ist eine Erkrankung der Haut, der Schleimhaute und der äußeren Nerven, die durch einen bünbel- weise auftretenden Bazillus, den Leprabazillus, hervorgerufen wird, welcher 1872 von dein Norweger Annaur Hansen entdeckt wurde. Man unterscheidet zwei Arten der Lepra, die H a u t l e p r a, die mit knotigen Wucherungen der Haut auftritt, und die Nerve n- 1 e p r a, deren Hauptkennzeichen Gefühllosigkeit der Houtncrven und Geschwüre sind, die bisweilen mit weißen oder braunen Flecken auf der Haut vorkommen. Meist kommen dies« Formen miteinander vermischt vor. Die Geschwüre und Wucherungen, die vorwiegend die Anne und Bein« nnd dos Gesicht befallen, zerfressen allmählich das ganze Gewebe, bis die Gliedmaßen buchstäblich zerfallen. Dies« Krankheit, früher„Aussog" genannt, galt seit Jahr- taufenden und noch bis in unsere Tage hinein als unheilbor. Das Los der Aussätzigen in alter Zeit war furchtbar: Sie wurden aus der Gesellschaft ausgestoßen, nomadisierten im Lande umher und mußten bei ihrem Herannahen eine Klapper schwingen(Lazarus- klapper), bei deren Geräusch olle Gesunden davonliefen. Infolge mangelnder sozialer Fürsorge waren die Leprösen dem Hunger- und Kältctode überlassen, soweit sie nicht ihrem Leiden frühzeitig erlagen. 5)eute werden die Kranken meist in Heimen oder auf einsamen Inseln isoliert. Kein Wunder, daß die Wissenschaft sich in der modernen Zeit ganz besonders intensiv mit dem Lepraproblem beschäftigt hat. Es ist ihr auch tatsächlich gelungen, immer mehr Klarheit über das Wesen und die Heilungsmöglichkeit der Lepra zu gewinnen, und heute kann di« Lepra bereits als heilbar bezeichnet werden. Bon diesen Fortschritten wurde der Oeffentlichkeit in drei i n t e r- nationalen Leprakonferenzen Rechenschaft abgelegt, die 1897 in Berlin, 1909 in Bergen(Norwegen) und 1923 in Straß- bürg tagten. Auf dem Berliner Kongreß konnte klar bewiesen werden, daß die Lepra nicht, wie man zuweilen früher angenommen hatte, eine erblich erworbene Krankheit sei, sondern daß es sich hierbei um eine ansteckend« Krankheit handelt. Doch erfolgt die An- stcckung glücklicherweise nicht ganz so leicht, wie man es sich all- gemein vorstellt. So ist z. B. in dem deutschen Aussätzigenosyl bei Jerusalem, wo die nötigen Vorsichtsmaßregeln vom Personal beachtet werden, seit 1867 unter den Diakonissinnen noch kein Fall von Ansteckung vorgekommen. Trotzdem mußte die Erkenntnis der Anstcckungsmöglichkeit in Anbetracht der Schwer« der Krankheit zu gesetzlichen Vorbeugungsmaßnahmen führen, in Deutschland enthalten in dem„Gesetz, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten" vorn 30. Juni 1900 und in den dazugehörigen strengen Ausführungsbcstimmungcn. Die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Lepra- forschung wurde im Frühjahr 1928 wieder aufgenommen, als das Hygienekomitee des Völkerbundes eine vierköpfige Kommission mit der Aufstellung eines internationalen Lepraforschungsplans be- auftragte. Während die Lepra früher init Bädern, fchwermetallischen Medikamenten, Bestrahlung und elektrischer Durchwärmung b e- handelt wurde, verwendet man heutzutage vorwiegend Chaul- moograöl und Jodkali. Das Oel Chaulnwogra ist«in altes indisches Volksmittel, das aus den Fruchten ver- schiedener indischer Bäume gewonnen wird. Das indische Gesund- Heilsamt führte dieses Mittel bereits im Jahre 1854 ei». 1907 gelang es den deutschen Chemikern Fr. Hofmann und Taub, aus dem übelriechenden Oel die wirksamen Bestandteile in einem fast farblosen, nur schwach riechenden Präparat, dem A n t i- leprol, zu isolieren, das init sehr gutem Erfolge innerlich verabreicht wurde. Englisch« Aerzte(Dean, Rogers, M u i r) und Dr. Unna jun.(Hamburg) verwendeten nach dem Krieg« andere chemische Präparat« aus dem Chaulmoograöl(Alepol und D u r o t a n) zu Einspritzungen. Recht gute Erfolge zeitigt auch die Behandlung mit dem ebenfalls feit der Mitte des vorigen Jahrhunderts als Lepramittel bekannten I o d k a l i. Die Behandlung dauert je nach der Schwere und dem Alter der Erkrankung einige Monate bis Jahre. Die Heilungsmäg- licbkcit verringert sich mit der Dauer der Erkrankuno. Auf jeden Fall muß der Patient nach dem Verschwinden der äußerlich ficht- baren Syniptoni« noch etwa drei Jahre lang von Zeit zu Zeit (alle drei oder sechs Monat«) vom Arzt beobachtet werden. So unerfrculich di« Lepra bei ihrem ernsten Verlauf und ihrer langwierigen Behandlung auch heute noch ist, eines jedoch kann mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden: Lepra ist nicht mehr unheilbar. Was dieser Fortschritt der Medizin für die Menschheit bedeutet, wird man erst ermessen können, wenn man sich von der inuncr noch recht erheblichen Zahl der Leprakran ken in aller Welt ein Bild zu machen versucht. Natürlich ist die Verbreitung der Lepra außerhalb Europas bedeutend größer als bei uns. In ganz Europa gibt es zur Zeit etwa 6000 Leprakranke. Davon eut- fallen auf Deutschland nur»och 10(1920 noch 37: dann wurde das Lepraheim in Memel abgetreten), aus Norwegen(noch im vorigen Jahrhundert ein 5>auptherd der Lepra) 90, auf Frankreich(das keine amtliche Leprastatistik führt) etwa 700, auf Italien etwa 400. auf die europäische Türkei etwa 600, auf Spanien etwa 1500: der Rest verteilt sich in kleineren Ziffern auf die übrigen Staaten. Im nahen Orient(namentlich Irak, Persie», Zypern und Kreta) gibt es etwa 1200 Lcprakranke. Schon etwas schlimmer sieht es in A u st r a l i e n aus. In Australien und der Insulinde schätzt man die Zahl der Kranken auf etwa 17 500. Von Amerika ist der nördliche Teil ziemlich frei von Aussatz. Nordamerika zählt nur etwa 500 Leprakronke, in Mittelamerika find es aber schon etwa 4000(wovon je etwa die Hälft« auf Nikaragua und Kuba entfällt), und Südamerika(hier namentlich Brasilien!) hat die beträcht- . liche Zahl von etwa 60 000 Aussätzigen. Am furchtborsten ist jedoch die-Lepra in Rußland, in Afrika und im Fernen Osten verbreitet. Die Zahl der Kranken wird in Rußland auf 150 000 geschätzt, in Afrika auf 410 000(davon allein in Belgisch-Kongo 180 000 und in Nigeria 90 000), und im Fernen Osten haben wir die grauenhafte Zahl von 2 200 000 Leprakranken. In China allein (mit 420 Millionen Einwohnern) und ebenso in Britisch-Jndien sind je etwa 1 000 000 Leprasällc bekannt. Japan(mit Korea und Formosa) hat dagegen nur 127 000 Leprakronke. Nimmt man nach einige andere, kleinere Herde dazu, so dürste es nach den Schätzungen englischer Forscher in der ganzen Weit zur Zeit etwa 3 Millionen Leprakranke geben. E»aid Bobm, Krankheit und Arbeitswille Eine unzureichende Untersuchung Eine Untersuchung über den Einfluß sekundärer Faktoren auf den Krankenstand hat in dem Umfange des Werkes von Werner Linckc:„Krankenstand und Arbeitswille"(Otto Elsner Verlags G. m. b. H.) bisher gefehlt, trotzdem eine solche heute im Mittel- punkt des Interesses stehen müßte. Das hat nicht nur seinen Grund in Vorschriften der ZiVO-, die Dritten einen Einblick in das Karten- Material der Kassen erschweren, sondern vor allem im Mangel eines brauchbaren Karten Materials selbst. Hoffentlich macht die Notverordnung durch ihren Zusatz zum§ 368 RVO. diesem Zu- stand, den man geradezu als„vorkapitalistisch" bezeichnen muh, ein Ende. Trotz dieser Schwierigkeiten glaubt Verfasser, genügend«in- wandfreics Urmaterial gesammelt zu haben, und zwar von 62 Be- triebskrankenkafsen. Für ihn ist Krankenstand die Zahl, die„anzeigt, wie viele arbeitsunfähige Kranke im Wochen- oder Monatsdurchschnitt auf je hundert(Kassen-) Mitglieder entfallen. Um den Einfluß„sekundärer Faktoren", die der Willkür der Ver- sicherten Spielraum geben, nachweisen zu können, bezieht sich Ver- sasser auf eine möglichst klein« übersehbare organische Einheit(das Werk, den Betrieb), da nur von hier aus auf gleiche Wirkung gleicher Umstände geschlossen werden kann. Die den wechselnden Krankenstand darstellenden Kurven werden einer„Normal- kurve"(größerer Ortskrankenkasscn und statistischer Aemter) gegen- übergestellt, die durch das Gefetz der großen Zahl ausgeglichen und relativ regelmäßig verläuft. Der Verlauf dieser Normalkuroe soll zeigen,„wodurch der wirkliche Gssundheitszustand der Arbeitnehmer priinär, d. h. also ohne Zwischenschaltung eines willkürlichen Mo- mentes seitens der Arbeiter, hauptsächlich beeinflußt wird".(Pri- märe Faktoren.) Verfasser gibt selbst zu, daß primäre und sekundäre Faktoren„naturgemäß praktisch nicht scharf voneinander zu trennen" seien(S. 11). Diese Unsanberkeit hat aber ihren Grund anderswo. Verf. vergißt nämlich, den Arbeitswillen zu definieren. Der Zweck der Arbeit sollte doch sein, den Mißbrauch der Kranken- Versicherung in Zahlen darzustellen. Was nützt es aber, zu zeigen, daß sich der Krankenstand bei drohenden Streiks um soundsoviel Prozent erhöht, wenn ich nicht weiß, wieviel Versicherte davon eine bis dahin hinausgeschobene Behandlung ihrer Leiden jetzt erst beginnen und wie viele das Krankengeld als Streikgeld ausnutzen? Da helfen auch keine Statistiken über vcrtrauensärzt- lieh« Nachuntersuchungen: Verfasser macht selbst auf die Mängel dieser Kontrollmaßnahmen aufmerksam. In diesem Buch« soll der Leser dazu verführt werden, die TLillkür des Versicherten für den Zeitpunkt, wo er sich krank meldet, mit der Labilität des„Arbeits- willens" gleichzusetzen, von dem sich jeder seine eigene Vorstellung machen darf. Dann käme vielleicht noch jemand auf den Gedanken, die erhaltenen Krankenstandszohlen in Mark und Pfennig umzu- rechnen, und schon wäre ein neuer Bluff für das reaktionsfreudige Publikum geschaffen. Verfasser betont, er bemühe sich, objektiv zu sein. Zuerst heißt es aber, saubere Voraussetzungen und genau abgc- grenzte Behauptungen aufzustellen. Sonst beweist man schließlich ganz etwas anderes als man beweisen wollte. So geschieht es auch in dieser Arbeit. Sic hat nämlich ihren Wert, der aber ganz außerhalb des gestellten Themas liegt. Es ist der erste Versuch einer Ausstellung von Zahlenreihen, die eine nicht nur gesühls- mäßig«, sondern rechnerische Disposition im Kassen- Haushalt ermöglichen für den Fall, daß bei Eintritt bestimmter Umstände keine plötzliche Erhöhung des Krankenstandes zu erwarten ist. Das kann für kleiner« Kassen sehr wichtig sein. Verfasser hasft mit Recht, daß die gezeigten Zusammenhänge jeder Kasse als Anregung dienen werden, in Zukunft Zusammenstellungen ähnlicher 'Art vorzunehmen. Von dieser Seite gesehen, ist die Arbeit sauber und wird ihre Freunde finden. Im übrigen sieht die Objektivität folgendermaßen aus. S. 24: „Mit Ford, der die Arbeitswissenschaftler„Salonerperten" nennt, „die sich von der Körper- und seelenschädigendcn Wirkung der mo- notonen Arbeit ein Bild zurechtgemacht haben, das ihrer eigenen Empfindsamkeit entspricht", kann für den Durchschnitt der Arbeiterschaft wirklich ein mangelnder Wille zum Emporsteigen angenommen werden..., wenn durch eine vorausschauende Betriebsleitung Ma'z- nahmen getroffen werden, die dein Arbeiter ermöglichen oder ihn veranlassen, seine freie Zeit so zu verbringen, daß körperliche und seelische Gegengewichte gegen die Schädigungen der Monotonie ge- schaffen werden..." 3a, wenn—. die Wirklichkeit sieht airders aus! S. 26:„Eine Gefahr eines zu hohen Arbeitslohnes besteht aber darin, baß die Arbeiter leichter geneigt sind, sich dem Alkohol zuzuwenden.. Welch lebensfremde Auffassung dieser Freitagabenderscheinung! Und S. 54:„Es ist aber kaum anzunehmen, daß ein Arzt so gewissenlos fein wird, irgendein Kassenmitglied ohne irgendwelchen Krankheitsbesund krank zu schreiben." Mit dieser Behauptung scheint dem Verfasser an anderer Stelle selbst etwas zuviel gewagt. Im ganzen gesehen, ist der gedachte Zweck der Arbeit nicht nur nicht zu verkennen, sondern als verfehlt anzusehen. Ileinr Msm. Seetenbevrirtschaftung Voraussetzungen der Rationalisierung Die Unternehmer haben, um ihre Betriebe zu rationalisieren, ganz bewußt neuartige psychologische Methoden zur geistigen Be- einflussung der zu rationalisierenden Arbeiter und Zlugestellten angewandt, und sie sind drauf und dran, diese Methoden zu einer ständigen Einrichtung auszubauen. Der stiernackige, gradaus brutale Unternehnrertyp aus den Wirtfchaftskämpfen früherer Jahrzehnte ist jenem glatten Wirtschaftskapitän gewichen, der an die Einsicht der Arbeitenden appelliert, um die Ausgebeuteten„zum Wirtschaft- liche» Denken systematisch hinzuleiten". Wie schafft man Erfolge l)er? Wie erzielt man, ohne sich er- hcbliche Kosten zu machen, bei ausgepumpten, ausgepowerten Men- jchen, die man mit knapp vierzig Jahren auf die Straße werfen will, jene so profitable Wirtschaftsfnedlichkeit? Man muß sich die Methoden der modernen Bctriebspsychologie etwas näher ansehen, um auf diese Frage Antwort zu bekommen. Das Düsseldorfer Institut für technische Arbeits schulung, das D i n t a, hat«inen ziemlichen Anteil, jawohl an der theoretischen Fundie- rung, wie auch an der praktischen Durchführung jener Maßnahmen, die man die Schaffung der geistigen Voraussetzungen der Ratio- nalisierung nennen kann. Da ist als Erstes die i l l u st r i e r t e W e r k z e i t u n g. Eine gute Spekulation, um auf dem Wege des geduldige» Papiers jede Woche eine neit und appetitanregend servierte Portion„Werk- gemeinfchaft" in hiinderltausende proletarische Haushaltungen ein- zufchinuggeln. Ganz vulgäre Nnternehmermaximen, an dem Be- tiieb, in dem der Leser arbeitet, demonstriert, für sein Verständnis geschickt zurechtfrisiert,— wie könnt« der nicht gewerkschaftlich und politisch geschulte Arbeiter sich Weisheiten verschließen, die ihm so einleuchtend nahe gebracht werden? Merkt er nicht an seinem knur- rendcn Magen und an seinen� schmerzenden Rücken— auch wenn die zahllosen Arbeitslosen als drohende Mahnung nicht wären—, daß die Not der schweren Zeit straffere Arbeitsdisziplin und Steige- rung der Produktion erfordern? Die Werkzcitungcn tun dann noch das Ihre an süßlichen Verschleierungen und frommen Malinungen hinzu, und wer da glaubt, was er liest— und wieviele sind es, die nicht glauben, was sie gedruckt und immer wieder gedruckt zu lesen bekommen?—, der ist schon auf gutem Wege zu einer Verfassung, die ihn weich genug macht, um sich dem durch die Rationalisierung gesteigerten Arbeitstempo reibungslos einzupassen. Aber auch sonst noch versucht man auf mannigfache Weise seine Arbeiter und Angestellten einzufetten: ob man sie nun immer und inuncr wieder als Mstarbeiker anspricht, die sich als Glied des ganzen Werkes fühlen sollen, oder ob nmn mit feinem Takt die Titel der leitenden Herren abschafft, und so die Differenz der Monatsbezüge mit schlicht vertraulichem Ton kaschiert, es ist immer die gleich« Taktik: man erzeugt ohne große Kosten und ohne jedes reale Opfer bei den Werktätigen Illusionen, die in Arbeitsfreude ausgemünzt für den Unternehmer bares Geld bedeuten. Man scheut darum auch keine Mühe, diese so nützliche Jdco- logie der Werkfrisdlichkeit und Arbeitsgemeinschaft(bei sehr un- gleichen Arbeitserträgen) in die Arbeitcrmaffen hineinzutragen. In sämtlichen Lchilingswcrkstätten, Anlcrnwerkstätten, Betriebsschulen, Haushaftungsschulen. Bostel- und sonstigen Kursen, Betriebssport- .nenwii und was immer janp noch d« Unternehmer pir die Aus» biloung, Weiterbildung, für Erholung und Zerstreuung ihrer Ar- bester tun, steht die Erziehung zur wirtjchaftsfricd- l i ch e n Denkweise an allererster Stelle auf dem Lehrplan und auf dem Programm, auch dort,' wo sie nicht mit sichtbaren Lettern zu lesen ist. Kleinbürgerliches Geltungsstreben, sestgclegte Rang- rrdnungcn, Züchtung des Angestelltendünkcls, verschwommene Jdea- lismen und Philosophastereien sollen die Wecktätigen vom Klassen- kämpf ablenken, ihnen nach Möglichkeit die Tatsache des Klassen- kampfes verbergen. Wo immer«ine psychologische Einwirkung an- packen kann, dort versuchen die Unternehmer und die von ihnen angestellten„pädagogischen" Kräfte, den Ausgebeuteten die Mci- tiung einzuimpfen, daß es für einen Arbeiter gar keine besser« Ver- trctung seiner Interessen gibt, als die rückhaltlose Verwurzelung in„seinem" Betrieb, kein höheres Lebensziel als die Freude an der Lohnarbeit. Uebcrall, wo von Unternchinerfeite heutzutage für die Arbeiter und Angestellten geschrieben, gedruckt, gesprochen, gelehrt, gezeichnet, dargestellt wird, überall dort wird auch in die gleiche verlogene Trompete gestoßen. So etwa zum Beispiel der Gicßcncr Philo- soph Professor Dr. E. H o r n e f f e r, der dem Verein der deutschen Eisenhütlenleute den Schmus liefert, mit dem die Werktätigen dumm gemacht werden sollen: „Das menschliche Leben ist nun einmal in seinem ganzen Ausmaß Arbeit und immer wieder Arbeit. Deshalb findet der Mensch das Glück niemals, wenn er es außerhalb der Arbeit sucht..Er muß diese ihm von der Weltordnung aus- erlegte Arbeir in seinen eigenen Willen aufzuirehmen, muß frei- willig, freudig, init voller Eingabe die ihm vom Schicksal aiisgc- zwungene Arbeit verrichten. Andereufalls geht er des inenschlichcir Glückes verlustig!"(Technische Rundschau vom O.April 1930.) Und wem noch immer nicht klar geworden ist, welch unerbill- lich zielbewußter Ausbeutcrwille hinter all den schönen Worten und arbcitcrfreundlichcn Institutionen und Einmischungen in die Sphäre des proletarissche» Privatlebens steckt, die sich Menfchcnbclwndlungs- technik nennen, der lese einmal, was der wissenschaftliche Lehrer der Rationalisierung, Prirratdozent Dr. F. G i e s e von der Technischen Hochschule in Stuttgart, über den Berufst od der meisten Ar- beitskräfte,„die über die Vierzig hinaus" sind, zu sagen hat: „Die Betriebsleitung kann aber darin c i n e i n f a ch e s b i o- logisches Gesetz erblicken, das heul« überall die Leistungs- fähigkest des Menschen im Konkurrenzkampf in früheren Jahren zum Abschluß kommen läßt. Das Färben der Haare ist in Amerika üblich: aber wir verkennen darin nicht eine, naturgemäße Ent« Wicklung, gegenüber der Mitleid und Geduld vielleicht die schlechtesten V e r f a h r en einer Mcnschenbehandlungstechnik im Betriede wären! 3edcr muß seinem Berufstod fest ins Auge sehen können____" So sieht der.Werlsriede aus, von der anderen Seite gesehen! „Die jungen wendige» Kräfte sollen erfaßt werden",„die Auslese ist die große Waffe gegen den Morris m u s", nicht die„or- ganisierte Masse", soll das Objekk psychologischer Vorstöße und An- griffe sein,„sondern die nicht organisierten Elemente sollen nutzbar, willig und dienstbar gemacht werden". Darum alle sanften Töne, darum alle Psychologie. Geots Schwarz j.uoolp Copyrifflit 1950 by».Oer Büdicrkrois G. w. b. H/4» Berlin SW 61. (7. Fortsehung.) Das laute Gerede der Männer mar zu den Frauen ins 5)aus . �.csrungen: sie traten l)eraus und standen zuhörend hinter den beiden. Bei den letzton Worten Vabuns fuhr Silindu, wie von einem Hiebe getroffen, zusammen: „Aiyohl Aiyoh! Sogar meine Tochter nimmt»na» mir. Ist Geld im Hause? Nein. Ist Reis im Hause? Nein. Ist Hirse da oder Chillies�) oder Jaggery"") oder Salz? Das Haus ist leer. Aber stlr Diebe findet sich immer etwas zu stehlen. Sie schleichen sich«in, wenn ich im Djungel bin: sie sehen die Kleinen, die ich gefüttert habe, die Kleinen, die lachten und„Appochi"") riefen, wenn ich aus dem Djungel kam und ihnen Früchte und Honigwaben mitbrachte. Sie schleichen sich ein wie die Schlangen und holen sie mir fort. Atyoh! Aiyohl Und lachend verlassen mich die Kleinen!" Pimchi Menita warf sich zu Silindus Füßen nieder, die sie in die Hände nahm und streichelte. Sie schlug mehrere Male mit der Stirn auf den Boden und schrie und jammerte: „Appochi! Appochil Willst du mich mit deinen Worten um- bringen? Niemals werde ich dich oder meine Schwester verlassen." Babun wandte sich zu ihr: „Gelten deine Worte im Djungel denn nidsts? Hast du gelogen, als du jagtest, du würdest In mein Haus kommen. Die haben also recht, die sagen, die sagen, daß alle Fraucnrede Lüge ist— morgens so und abends so. Habe ich dir nidst gesagt, daß ich ohne dich nicht sein kann? Aiyoh! Unter dem Kasslabaum hast du mir versprodien, In mein Haus zu kommen und meinen Reis zu kochen. Und abends stehe ich da, ohne Heim und ohne did). Ich gehe jetzt in den Djungel und hänge mich auf." Babun wandte sich zum Gehen, ober Karlinaham! faßte sein« Hand und zog Ihn zurück. Punchi Mcnika warf sid) wieder vor Silindu auf die Erde. „Appochi, es ist wahr, ich habe gesagt, ich würde zu ihm kommen. Töte inid) nicht mit bitteren Worten. Jd) muh gehen: ich kann ohne ihn nidit sein. Jd) habe mein Wort gegeben: was kann ich machen?" Pund)i Menika kauert« zu Silindus Füßen. Er saß ein« Weile ganz still: dann begann er mit leise klagender Stimme: „Habe ich euch nicht so ost von den Teufeln in den Bäumen erzählt, die am Wege auf euch lauern? Ich habe euch tagsüber gegen sie beschützt: ich habe euch in den Arni«n gehalten, wenn sie nachts draußen heulten. Ich habe euch gesagt, sie lauern im Schatten zwischen den Bäumen, und wer des Weges kommt, dem hängen sie einen Zauber an. Nun hat einer von ihnen dich gesangen, und lachend gehst du davon. Sic sitzen zwischen den grauen Assen in den Bäumen und spotten, wenn ich morgens vorbeigehe: si« sohlen unter den Sdiakalen, wenn ich abends zurückkomme. Sie nehmen mir alles, und das Haus ist leer." „Appochi! Die Teufel holen mich doch nicht. Ich werde dich nidzt verlassen: wenn du aus dem Djungel kommst, werde Ich immer hier bei meiner Schwester sein. Aber der Mann hat mich gerufen, und id) muß ihm folgen. Die Leopardenkatze bleibt nicht Immer beim iftater in der Höhle; einmal komnit die Zeit, daß sie den Gefährten in den Felsen ringsum rufen hört, dann verläßt sie des Voters Höhl« und folgt dem anderen. Aber Appochi, immer sdiaut sie nach dem alten Leoparden aus, wenn er heimkehrt, und sie bleibt ganz in seiner Nähe." „Aiyoh! Aiyoh! Das Haus wird leer sein." „Das Schmaltier bleibt nicht immer im Rudel: es hört den Ruf des Hirsches, und sie fliehen zusammen in den Djungel." „Das Haus ist leer." Jetzt konnte Karlinahami ihre Ungeduld nicht mehr bändigen und fiel ein: „Bist du verrückt, Bruder? Das Kind ist jetzt erwachsen, und es ist an der Zeit, sie einem Manne zu geben. Soll sie denn kinder- los sterben, weil sie einen Voter hat? Es ist ja gar nicht nötig, daß sie den Hof verläßt. Es ist Platz genug da, daß Babun sich hier ein Haus bauen kann." Babun griff die Anregung eifrig auf. Er erklärte Silindu, er Hab« nicht die Absicht, Pirndsi Mcnika vom Hof« fortzunehmen. Punchi Mcnika, die noch Immer zu den Füß«n ihres Vaters kauerte, versicherte ihm, daß sie ihn niemals verlassen werde. Man kam schließlich überein, daß Babun so lange in dem Hause wohnen sollte, bis er für sich und Puinhi Menika«in eigenes ge- baut haben würde. Aber Silindu nahm an der Unterredung keinen Anteil mehr. Als Karlinahami sich einmischt«, wurde er still; da war nichts mehr zu tun oder zu sagen, was ihm helfen konnte: es war eben ein neues Unglück, das unwiderstehlich über ihn tanl. Die Unterhaltung lief sich tot: die anderen gingen ins Haue, um das Nad)tmahl zu bereiten. Et saß unter dem Pjesferbvum und starrte zu den Umrissen der Bäume hinüber, di« sid) von dem stetnefunkeln- den Himmel abhoben. Das Schweigen des Djungel- senkte sich auf den Hos. Pundzi Mcnika brachte ihm dos Eisen. Sie versuchte ihn zu trösten und ihn.zu überreden, in das Haus zu kommen, aber dieses Mal vermocht« sie nichts über ihn. Cr saß die ganze Nacht hindurd) im Hofe, starrte in die Dunkelheit und seufzte von Zeit zu Zeit:„Aiyoh, das Haus ist leer!" 5. Kapitel. Babun baute eine neue Hütte in Silindus Hof, und drei Wochen nach dem Streit mit seinem Sd>wag«r zog er mit Punchi Menika ein. Für die Familie kamen damit Zeiten großen Wohlstandes. Babun war sehr fleißig: er bearbeitete und bewachte sein« Ehena mit großer Sorgfolt: sein« Ernta war stets dl« best« im Dorf« und wandert« zu- Iamm«n mit der Silindu» in die Scheuer, di« den Bedürfnissen des ganzen Ho�es diente. Si'ind» kam nie auf die Veränderung zu sprechen, die in seiner Famil c e noelrcten war Er schien Babuns Gegenwort im Hof« kaum zu''«Merken und richtet, sehr selten»in Wart an ihn. Eigent. lich sprach«r jetzt nur noch mit Hinnihami. Wenn er aus dem Djungel oder von der Ehena auf d«n Hof zurückkam, ging er niemals n die neue Hütt«, In der Punchi Menita lebte: er rief sie auch nicht Chillies: spanischcr Pk-lftr. Ioggcry: aus dem Eafle der tütulpaNtt« zcwvnacner Zuckcr. AppaSfl:»«»rch-n. mehr zu sich, wie er es früher zu tun pflegte. Wenn sie abends ins Freie kam und sich zu ihm setzte, um zu plaudern, beantwortet« er ihre Fragen: nie mehr aber schüttete er ihr sein Herz aus, wie er es bei Hinnihami noch immer tat. Es war, als brächte er es nicht fertig, sie mit einem anderen Menschen zu teilen. Punchi Menika wandelte sich. Sie liebte ihren Vater und die Schwester so hcrzlid) wie früher, aber diese Liebe ging unter in einer feurigen Hingebung an Babun. Sie sah die Kluft, die sich zwischen ihr und den beiden aufgetan hatte. Und als ihr Leben sich neu gestaltete, verlor sie viel von der Wildheit, die ihr eigen ge- wesen war. Sie lebte jetzt mehr wie die anderen Frauen im Dorfe. Sie ging nicht mehr auf die Ehena zur Arbeit: der Djungel hielt sie nicht mehr in seinem Bann. Von der Zeit an, als sie m die Jahre der Unterscheidung gekommen war, hatte sie die Erzählungen ihres Vaters angehört, und unmerklich hatten sich ihre Meinungen nach den seinen geformt: sie und er waren nicht anders als die zahl- losen Tiere, die ewig von Angst und Hunger verfolgt, durch den Djungel streifen. Jetzt wurde diese Lebensanschauung, die allerdings nie ganz klar eiitwickelt gewesen war, undeutlicher und blasser, je weniger si« von Ihrem Vater sah und je enger sie sid) an Buban an- schloß. Das Einfache in Babuns Charakter prägte sich ihr auf: sie wurde das Weib ihres Mannes, die Hüterin seines Herdes, die Schaifnerin seines Hauses, die Mutter seiner Kinder. Punchi Menika und Hinnihami waren sich in ihrem Wesen von scher sehr unähnlich gewesen. Hinnihami hatte recht wenig von der Sanftmut ihrer Schwester mitbekommen. Zu den wilden und selt- samen Zügen, die sie von ihren« Vater geerbt halle, kam eine Leide»- schaftlichkeit des Temperaments, von der selbst Silindu oft überrascht wurde. Man sah das ihren Augen an, aus denen früh die rätsel- volle Melancholie der Kindheit verschwunden war, die heiß und un- ruhig durch die langen, schwarzen Haarsträhnen glänzten, die un- vrdentlich in das schmale Gesicht fielen. Die Weiber des Dorfes, immer bereit nach Nandiohamis Beispiel Karlinahami und Pundzi Menika zu bespötteln, hatte» sehr bald gelernt, den leidenschaftlichen Zorn zu respektieren, der sd)ncll in Hinnihami entfacht war. Mit der glcidzen Leidenschaftlichkeit, mit der sie sidz gegen ihre Widersacher wandte, hing sie an Silindu und Punchi Menika. Die Weiber wußten, daß es ebenso gefährlich war, in ihrer Gegenwart über den Vater oder über die Schwester schlecht zu rede», wie eine Stichelei an dem Mädchen selbst zu wagen. Es war in dem Dorfe unvergessen, daß einstmals, als Angohami sich in Wut geredet und ihre Hand gegen Pundst Menika erhoben hatte, Hinnihami ein adst- jähriges Kind, der Frau das Baby von der Hüfte gerissen und es in das Wasser des Staubeckens geworfen hatte. Hinnihami war bei der Auseinandersetzung wegen Punchi Menikas Heirat nicht zugegen gewesen. Als nun Babun ihre Schwester in das neue Haus führte, wurde sie von einer starkeg ■ Abneigung gegen ihn erfaßt; sie fühlte sich von ihm beraubt. Ihr waren der Vater und die Schwester alles gewesen, denn für Karlina- hami hatte sie nie ein« tiefere Zuneigung empfunden. Sie konnte deshalb nicht verstehen, wie Punchi Menita es sertigbrachte, sich von ihnen diesem Manne zuzuwenden, den sie am Tage vorher kaum gekannt hatte. Enger und leidenschaftlicher als je schloß sie sich ihrem Vater an; sie gestattet« Karlinahami nicht mehr, das Essen für ihn zu kod)en: wenn er allein im Djungel war, saß sie stundenlang im Hof und blickte den Pfad hinab, auf dem er heimkehre» mußte, und stets begleitete sie ihn auf seinen Iagdsahrten, wenn er es ihr erlaubte. Die Verbindung Punchi Menikas mit Babun hatte im Dorfe das größte Aufsehen erregt. Der Aelteste und seine Frau konnten ihre Empörung nicht verbergen, und den ineisten Dörfler» war es gar nicht unangenehm zu wissen, daß ihm auch einmal etwas in die Quere gekommen war. Babun war auch beliebt und in mancher Hinsicht als vorbildlich geschätzt. Die Verachtung, mit der man den „Vcddahs" begegnet war, konnte nidzt einem Hose gegenüber auf- rcchterhalten werden, auf den er eingeheiratet hatte. Der Hof wurde nicht mehr gemieden: die Männer kamen, u», Babun zu sprechen, und die Frauen. fanden sid) zu einem Schwatz mit Pundst Menika ein.(Fortsetzung folgt.) eBuch Zrstähler der älteren QeneraUon Zwei Neuerscheinungen von bekannten Erzähler» der älteren Generation liegen vor. Emil Strauß vrösfentlicht bei Georg Müller-München die Novellen„Der Schleier", und Jakob Schaffner den Roman„Die Iünglingszeit des Johan- N e s S ch a t t e n h 0 l d" in der Deutsd)en Lerlagsanftalt� Stuttgart. Hinter der ruhigen Haltung des arrivierten, bürgerlichen Menschen verbirgt sich«in Bruch, den man sich selbst nicht ein- gestchen will, ein Bruch, den ein«inschneidendes, persönliches Cr- lebnis hervorgerufen hat und der bis in das späteste Alter sühlbar bleibt. Die» ist das Thema der Strauß'sd)en Novellen, gleichgültig, wie sonst der Stoff beschaffen scheint, und gleichgültig, aus weldzer Gesellschaftsjchicht diese Menschen stammen. Selbstverständlich ist die Reaktion je nad) Veranlagung und Erziehung verschieden, aber sie trägt immer zersetzende!, Charakter. Dabei zeig«,, die Novellen nichts Psychologisierendes, Strauß erzählt nur, durch die Tatsache, durch ihre Gruppierung, enthüllt er einen seelischen Zustand. Schaffner schreibt einen Entwicklungsroman, allerdings nicht in der Art, daß der Mensch nach allerlei abenteuerlichen Irrfahrten seine Existenz in den Hafen des gesicherten Berufs reitet. Er bricht früher ab, er gibt nur die Anfänge dieses Lebens. Der junge Schattenhold, erzogen in einer muckerisch christlichen Armenschule und dann bei einem frommen Baseler Schuhmacher in die Lehre gesteckt, sühlt in sich das rebellierende, abenteuerliche Blut der Mutter und geht in die Welt. Nad) allerlei Kämpfen wird er seß- Haft werden, denn das Erbteil des ruhig in der Scholle wurzelnden Vaters ist bei ihm«benfalls stark vertreten. Strauß sowie Schaffner gestallen schwerblütige'Menschen, die mit resignierender Melancholie über die Problematik des Lebens grübeln. Sie stammen aus einer Zeit, die in einem ruhigeren Rhythmus dahinfloß und in der die Gegensätze nicht so hart auf- einanderstießen, Reste einer von Gott gewollten Ordnung waren nod) vorhanden, aus einer Zeit also, da die wirtschafllichei, und politischen Ereignisse noch nicht im Bewußtsein der Menschen an so dominierender Stelle standen wie jetzt. Johannes Schattcnhoid ist wohl das Opfer bestimmter wirtschaftlicher Derhälmisse, aber für ihn wird die Orientierung im Leben durch geistig« Dinge bestimmt. Die kulturellen Wert« stehen auf einem Podest, und sie sind für diese Autoren von ausschlaggebender Bedeutung. Alles andere bleibt mehr an der Peripherie. Wohl gibt Schaffner— der Roman spielt übrigens in den neunziger Jahren— einen kurzen Abriß von der wirtschaftlichen Situation, von einem niedergehenden Hand- wert und von der aufstrebenden Sozialdemokratie, doch er zeichnet nicht di>; Zusammenhänge zwischen dieser äußeren und der inneren Welt, ihre g«g«nseitige Beeinflussung und Durdchringung. Und von hier aus wird auch die Form bestimmt. Alles bezieht sid) aus die einzelne Persönlichkeit und erhält allein durch diese Be- ziehung Bedeutung. Das Werk ist egozentrisch, während der moderne Erzähler auf die Zeit und ihre Tendenz den Hauptakzent legt und das Individuum nur als Illustralion behandelt. Friedrich Gundolf sagt in„Shakespeare und der deutsche Geist":„Kein großer Dichter bekümmert sich eigens uin den besonderen Gehalt, um di« aktuellen Dinge seiner Zeit, die den Literaten und Geschastsmännern als das Leben vorkommen." In dieser Richtung arbeiten Strauß und Schaffner, womit si« weder recht noch unrecht haben, in dieser Richtung arbeiten auch die anderen deutschen Erzähler der älteren Generation. Sind sie unzeitgemäß? Jedenfalls oerfügen sie über die große Technik, über die Kultur der Sprache, über die Fähigkeit, Menschen scharf profiliert zu gestollen und durch das Spiel der Oberfläche hindurchzustohcn. In ästhetischer Beziehung sind sie die Ueberlegenen. k'elix Sidierret. WAS DER TAG BRINGT «iiiiiiiiniiiinillüraumiiiiniiniumimininuiiiiiiwiiinimmiRniiiiniimmuliiiiiuiiiuiitiniiiuiiinuimHiinmninmitiaiiluaiiimiiiniiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiimniiiniiiiiiiiiitiiiiir' Brasilianisches Wußten Sie schon?— daß es in Brasilien kaum eine altein- gcsesiene Familie gibt, in der nicht ein Tropfen von Nezerblut fließt und daß der brasilianische Neger völlig gleichberechtigt mit dem Weißen ist. Daß Rio den großartigsten Karneval aller Zeiten und Länder feiert, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt, durch Tage alle Geschäfte geschlossen sind und daß dieser in den Hochsommer fällt. Daß der Amazonas eine ganze Reihe von Nebenslüssen hat, die größer als der Rhein sind, und daß einer davon im Kreise sließt. Daß die größten unerforschten Gebiete der Welt in Brasilien liegen: am oberen Amazonas. Daß Brasilien, der drittgrößtc Staat der Erde, fast so groß wie Europa und zu mehr als zwei Dritteilen wenig bekannt ist. Daß etwa 80 Prozent der dunkelfarbigen Be- völkerung krank ist(zumeist an Syphilis und Malaria), ein großer Teil in hilflosem Elend lebt und kaum einen anderen Lebensgenuß als den Zuckerrohrschnaps kennt. Daß ganz Nordbrastlien kaum mehr als„Fassade" ist, ein paar mehr oder weniger kuttiviert aus- sehende Küstenstädte, dahinter endloses, kaum besiedeltes und be- wohnbares Land mit Stcimvüsten und Kakteen. Daß Tabak, Kaffee und Marmelade fast die einzigen Genußmittel sind, die man in Brasilien nicht sündhaft teuer bezahlt. Daß Brasilien keine nennens- werte nationale Industrie besitzt, alles von Europa oder Nord- amerika einführt, daß die Kursschwankungen auch zu„normalen" Zeiten groß sind und daß jede Ware(jeder Strumpf, jede Zigarre, jedes Handtuch) mit einer Stcuerbandcrole beklebt sein muh. Daß da« wichtigste Wort In Brasilien„paciencia" heißt: Geduld! Daß Rio nicht nur die„schönste", sondern auch lauteste Stadt der Welt ist und die berühmte�„Schönheit" nicht städtischer sondern landschaft. licher Art ist: viele Straßenzüge sind ohne jede Spur von Schönheit. Daß die meisten industriellen Unternehmungen sich in Händen von Ausländern befinden. Daß trotz des ungeheuren Holzreichtums Bau. holz und Zellulose aus Schweden bezogen werden Daß das Beste an den Durchschnittsmahlzeiten meist die Früchte und der Kaff-« sind. Daß in Brasilien nebst den härtesten Holzarten ein geradezu lächerlich weidzer Baum(der Käsbaum) wächst, dessen stärkste Aeste man mit der Hand zerbredzen faun und dessen Stammholz, an der Luft liegend, in papicrdünne Schichten zerfällt. Daß viele Bahnen (wegen tilomeierweijer Bezahlung der Unternehmer) in unsinnigen Schlangenwindungen laufen. Daß die von englischen Gcsellsdzasten ausgebeutete Goldmine von Morro oelho die tiesste der Erde ist (2l> bis V2Vj Uhr. Vorgcsehon sind: Turnen tauch Mullkturnrn), Tnmnastik, Tänze, Wandern, der Vortrag eines Arzirs usw. Auch lZraurn sind zugelassen. Eofortigc Mcldungrn an die Geschäflsstellr.— Bezirt Lichtcnbcrg: Hcnio lülH Uhr T«neralversammlung, Iahn-Rcalgomnastum. Musttkorps: Dienstag 20 Uhr Uebungsstunde im„Tambrinns", Neukölln, HniFtt-ssncMid)- Ecke Treptower Strohe.— Bezie» Pankow: Dienstag. 14. Oktober, 20 Uhr. Seimobeud im Jugendheim GBrschstr. 14. Auch ältere Vnndesgenossen sind hrrzlichst ei»- geladen. Sonntag. 19. Oltober, ssuchsiaad nach Summt. Treffpunkte: Männer 7 Uhr Pankow-Echönliansett, grauen 8 Uhr Panlow iNordbahn). Nachzügler 13 Uhr Summt,„Deutsches Hans". Kartell für»rboitersport und»orperpllege, Bezirke Steglih, Lankwitz, Lichte«. selbe. Hrutc. Dienstag. 20 llht, in der Ltchterfetder Sportzcntrale, Hinden» burgdamm 85-, Kartelldeleaiertcnsttzung. FZ»B., Sport bezirk„Ostring". Heute Wiederbeginn des Hallentrainings. Uebungsabend« jeden Dienstag und Donnerstag lüiö Uhr Turnhalle Real- «pninastum Darkon». Lichtenberg.— Bezirk Charlottenburg: Sonntag. 19. Olto- der, Tagestour Bernau— Liepnjtzsee. Treffpunkt Bahnhof Eharlpttenburg 0.90 Uhr. Anngfernbeib« 0.40 Uhr. Sesunddninnen 7.09 Uhr, für Nachzügirr 7chg Uhr. Däst« willkommen. Sonnabend. 35. Oktober. 20 Uhr, Mitnlieder- vcrsammlung bei tzamin, Sophlc�lharlotte.Str. 88.— kemcinsame Uroung». stunde der Flauen heute, 20 Uhr, Turnhalle Lichtenberg. Schrciberhauer Straf;-. «-rwalluug»-u»sihuhsttz-ag Donnerstag. 16. Oktober. lO'e Uhr, Kreisgefchäfts, stell«. Abrockuuug aller Kafflerei Montag. 20. Oktober. 19 Uhr, Tefchäftsstelle. Knunbezir«: ssreitag, 17. Oktober, Beteiligung beim Schwimmbezirk. Freier Körperkultur««,« Kreuzbrrg. Mittwoch. 15. Oktober. 20H Uhr. Bade- abend, Stadtbad Kremberg. Donnerstag. 18. Oktober, 30 Uhr, Mitglied« rver. sammlung. Schul» Manleuffelstr. 7. Sportoerein Moabit. Mittwoch. 15. Oktober. 20 Uhr, Eclellschaft-lmus, Stromstr. 28. Perein-vrrlanimlung.— Iungmädch«,iabtcili,»g turnt letzt fcd.'n Trcitog 20 Uhr Turnballe Quitzowstrastk. Nächster Badeabeud Donnerstag, 23. Oktober, 2051 Uhr. Stobtbah Tnrmstrakc. Ziel« Kanu-Union«drotz-verlin, e. V. Mittwoch, 15. Oftober, Bootshaus Sab»»». 1» Uhr,«..A.�itnng, 1> c Die Hetze gegen die BVG. Keine Entlassungen aus politischen Motiven Der Aufsichisral der BVG. hol sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage der Entlassungen bei der BVG. beschöstigt. Er nahm davon ücnntnis, doh der Untersuchungsausschutz in seiner Prüfung der Gründe der Entlassungen politische Momente nicht fest gestellt hat. ?n drei Fällen wird die Wiedereinstellung aus sozialen Grün- den erfolgen, obwohl auch hier nursachlicheGründefürdie Entlassungen matzgebend waren. -ü Wochenlang haben die Blätter aus dem Hause Hugenberg und der kommunistischen Partcizentrale die Entlassungen bei der Ber- lincr Berkehrsgesellschaft zum Anlah einer wüsten Hetze gegen eine angeblich„sozialdemokratische P e r s o n a l p o l i t i k" bc- nutzt. Was da alles geschrieben und gelogen wurde, ging aus keine Kuhhaut. Es erscheint daher notwendig, noch einmal aus die Unter- suchungen des vom Aussichtsrat der BVG. eingesetzten Untcrsuchungs- misschusses einzugehen. Von den 8 6 6 Entlassenen hatten 327 Einspruch erhoben. Davon 156 durch ihre Gewerkschaften, und zwar durch den Gesamlverband.......... 80 Ehrisllicher verband(Richtung Knalls.. 18 Oeutschnolionaler Verband(Budgereit)..10 Ehrisllich reaktionär( Stöcker)..... 48 157 Die N a t i o n a l s g z i a l i st e n hatten 36 ihrer Parteianhängcr benannt. Der Rest von 141 Protestierenden hatte sich auf die Aufforderungen der Zeitungen hin bei Kommunisten und Nationolsozia- listen gemeldet, die natürlich bedenkenlos und ohne Prüfung jede Beschwerde annahmen. Selbst bei- den 156 Gewerkschaftsmitgliedern waren eine Anzahl ledige und erst seit I62Ä eingestellte Verkehrs- orbcitcr dabei. Von allen diesen zur Nachprüfung empfohlenen Entlassungs- fällen blieben nach den eingehenden Untersuchungen des Ausschusses nur drei übrig, bei denen die Entlassung an sich wegen mangelnder beruflicher Qualifikation durchaus angebracht war. Trotzdem werden die drei Entlassenen aber wieder eingestellt, resp. gegen andere Ar- bcitcr ausgetauscht, da sie für eine große Familie zu sorgen haben. Es ist immerhin wichtig festzustellen, dah die Untersuchungen sowohl wie die Entscheidungen des Ausschusses im Einverständnis mit den meisten Ausschußmitgliedern erfolgten und daß insbesondere anerkannt wurde, daß die BVG. von deni Recht zu Entlassungen nicht im vollen Umfange Gebrauch gemacht hat, in dem er vom Oberpräsidenten genehmigt war. Obwohl f ü r 1 4 6 6 A n g e st e l l t e die Genehmigung vorlag, brauchten jedoch nur 863 entlassen zu werden, weil die van der Belegschaft in der Abstimmung zwar abgelehnte, von der Direktion aber dennoch vorgenommene A r b e i t s st r e ck u n g die Möglichkeit gab, über 500 Arbeiter in ihren Stellungen zu belassen. In der P r i v a t i n d u st r i e hätte man ein so weitgehendes Verständnis für die Lage der Arbeiter sicher nicht ausgebracht. Die Zahlen, die die Verbände angaben, beweisen, wie haltlos die Behauptungen der Gegner waren, nur Kommunisten und Nationalsozialisten seien entlassen worden. Bei der BVG. mußten aber die sich aus dringender wirtschaftlicher Not- wendigkeit ergebenden Bclegschaftsverminderungen zu den wider- lichsten Angriffen gegen die Personalpolitik dienen, die nun einmal von einem Sozialdemokraten gemacht wird. Man warf der Direktion parteipolitische Motive für ihr Vorgehen vor, nahm aber in den Blättern selbst nur von Partei- politischen Gesichtspunkten aus Stellung dazu. Es kam und kommt dem„Lokol-Anzeiger", der„Nachtausgabe", der„Roten Fahne", wie auch den nationalsozialistischen Zeitungen nicht etwa darauf an, durch eine sachliche Stellungnahme die Verhältnisse bei der BVG. klären zu helfen. Dos wäre positive Mitarbeit an einem Unterneh- wen der Stadt Berlin gewesen, die aber weder von Kommunisten wie von Nationalsozialisten zu erwarten ist. Oer Greis als Gattenmörder. Vier Tage mit der toten Gattin in einem Zimmer. Ein bbjähriger verantwortet sich vor dem Landgericht I wegen lotschlag» an seiner Frau, mit der er 36 Zahre zusammengelebt hat. Der Manu macht einen greisenhaften Eindruck— der Sachverständige bezeichnet ihn als senil— seine Antworten sind kurz und unwirsch: die an ihn gerichteten Fragen müssen öfters wieder- holt werden. Die Nachbarn schildern ihn als brutalen und rohen Menschen, der mit gröbsten Schimpfworten nicht geizte und mit Todesdrohungen um sich warf. Von Beruf Koppelknccht, später Markthelfer und Sozialrentner, chronischer Alkoholiker, leicht reizbar und hemmungslos, hotte er ständig Zank und Streit mit seiner Frau. Besonders schlimm wurde es. als diese vor zweieinhalb Jahren erblindete. Sie verlor ihren Verdienst als Reinemachefrau, die Sozialrente reichte weder zum Leben noch für den Alkohol, und wenn die alte Frau, die„das Maul auch auf dem rechten Fleck hatte", gegen ihren Mann besonders heftig wurde, da drohte dieser, ihr die Pape zuzudrücken.„Erzählen Sie mal, wie« gewesen fragt der Vorsitzende. „Wie es gewesen ist. Als ich vom Markt nach Haus« kam, da ging die Stänkerei wieder los, da Hab' ich es gemocht. Das war am 9. Mai. Drei Tage später erhielt die Wirtin, die eben erst wegen der Miete gemahnt hatte, ein Schreiben:„Wenn Sie diesen Brief erhalten, dann finden Sie meine Frau als Leiche im Zimmer, mich werden Sie als Leiche aus dem Wasser ziehen. Wir haben beide das Leben satt. Markwardt und Frau." Man fand die Leiche der Frau in der V e r w e s u n g vor. Der Mann war nicht ins Wasser gegangen, sondern stellte sich beim Polizeirevier. Markwardt hatte am 9. Mai gegen 6 Uhr morgens die Wohnung verlassen, verschiedene Kneipen aufgesucht und war um 7 Uhr nach Hause zurückgekehrt. Die blinde Frau lag noch im Bett und begrüßte ihren Mann mit Vorwürfen.„Ich packte sie beim Grips und drückte zu." Dann nahm er noch einen Bindfaden und erdrosselte sie. Sie hat noch ein bißchen ge- quietscht, erzählt er auf die Frage des Vorsitzenden. Tagsüber irrte er in Berlin umher, abends kehrte er immer heim und schlief im Bett neben seiner toten Frau. Bis er am 12. Mai den Brief an die Wirtin richtete. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten fünf Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehroerlust. Dos Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Totschlags zu vier. Zahren Gefängnis. Der Haftbefehl wurde nicht aufgehoben._ Spanische Streikbewegung. Zusammenstöße in Sevilla. Madrid über Paris, 14. Oktober. Gestern bei Beginn des Generalstreiks in Murcia und Sevilla ist es zu ernsten Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei gekommen, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Ver- letzte gegeben habe. Di« Streikbewegung trägt rcvolutio- n ä re n Charakter. Aus zahlreichen Städten der Provinz wird gemeldet, daß die Streikbewegung andauert und es Zusammenstöße ergeben hat. Die südspanische Stadt Malaga ist vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Die Streikenden scheinen die Macht in den Händen zu haben. Die Gemüse- und Früchtehändler, die ihre Waren bisher in Gibraltar verkauften, sollen von heut« morgen an Verkaufsverbot erhalten. In Barcelona haben die Metallarbeiter ebenfalls den Streik beschlossen. Ergebnis der Memel-Landtagswahl: Bolkspartei 13 669 Stimmen (17 775 vorigesmol), Landwirtschaftspartei 15 214(18 355), Sozialdemokraten 6674(5502), Kommunisten 2063(3882), Litauische Landwirte 6616(7144), Litauische Beamte 1953(—), Wirtschaftspartei 1191(—). Sozialdemokraten und Litauer gewinnen je ein Mandat. PRO GRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. Okiober CDIOia Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9 uiir Stg ab 3 U Verlängert: Die grobe Schniudjt mit Camilla Horn und 36 deutsche rilmlieblinge jugendliche haben Zutritt Rheinstra�e 14(An der VV. 5.15, 7.15, 9.15 Kais.-Eiche) Stg, ab 5.15 W. 5, 7, 9 Uhr Verlängert " bf. Stg. ab 3 Uhr Bockhierfeit fein Tonfilmlustspiel) mit 1. Stöaacl, I, Wüst, H. A. von Sdhlcttow, M. Kupfer, Eugen Rex Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Stg ab3U Verlängert: Der Andere(ein Tonschauspiel) mit Fritz Korlner, Klihe v. Nagy, H. George, Ed. von Wtnienlein j Waaf w j Primus-Palast»VsVi'is Fotsdamer Str. 19 Ecke Margaretensn. .Morgen letzter Tag! Unter den Dädiern von Paria (Sous les toits de Paris) �'frieamn stadt fr Franziskaner CicorgcnsiraBe(Ecke Friedrichstrafie) 3-. Schlager- Programm II, 2. 5, 8, II Uhr Zweimal Lux 1215. 3.15. 615, 9.15 Uhr Illusion(3 um eine Frau) m. C. Veit 1, 4, 7. 10 Uhr Die Frau, die teder Hebt, bist du Neueste Kaltnr-' n. Wodhenscfaaa K I N O-T A F E L Frauen am Abgrund m. Elga Brink« Gustav Diesel, Paul Hftrbiger Abenteuer in 7 Akten Der Flieger von Kalifornien Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5. 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Verlängert; Richard Oswalds Dreyfni m. Fritz Korlner, Heinrldb George. Albert Bawermann Jugendliche haben Zutritt Turmstra�e 12 PicHKamcra 3. s'Muhr Unter den Linden 14 The Pllgrlm mit Charlie Chaplin Der General mit Butter Keaton Jugendliche haben Zutritt • Moabit U Artushof-Lichtspielc Perleberger Straße 29 FÜm- und Btlhnenschan Wir ballench- ab 630 Uhr /unamora sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 lOOproz. Tonfilm; Mach' mir die Well zum Paradies TSnende Woche und Btlhaenschau �~Heu-Llch«enbera Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg. Lückstraße 70 W 5, 7, 9 U-, Stgs. 5, 7. 9 U Der große Tonfilmerfolg: Unter den Dächern von Paris T onbcf programm W PrturtrtcMenKtu W Kino Busch M.Ä Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Der Ruf des Nordens m L. Trenker Wer wird denn weinen mit Dina Gratia, Harry Halm W WelOcnz—> Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206— 210 Stg. Vs3 Jgd.-V. Seltsame Vergangenheit der Thea Carler Kriminalist von Scolland Yard. a womun» Alhambra Ecke"«sfraße36' lOOproz. Tonfilm: Mach mir die Welt zam Paradies mit A. Dorrls Beiprogramm PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. Okiober Casino-Lichtspiele Brunnenstraße 1 54 W. 6,30, Sbd. 5 Stg. 4.30 Das sehenswerte Programm Die ausgezelcknete Bfihnensdiaa Mila-Lichtspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W. S'/j, S. 3'fs Wegen Riesenerfolges verlängert Lohubuckhalter Krcmke Woche— Kultur— Lustspiel Nene Btlhnenschan Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. y/s U� Tonoperette: Ein Tango für dich mit Fee Malten Bühne: Kabarett Pharus-Licfatspiele Müllerstraße 142 W.5,7,9U. Stg. ab 3 U. IOO proz, Tonfilm: Rosenmontag mit Llen Deren, M. Wlemann Tonbeiprogramm . Jugendliche haben keinen Zutritt Marga-Lichtspiclc Schulstraße 29 LohnbuchhalterKremkef arbeitslos) Die Dame aus Moskau m. P. Neeri Btlhnenschan Pratcr-Lichlspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5. Stgs 3'/, U- Bühnengastspiel Elite-S Filmpalast Tegel ��e°f' Stgs. 2 U Jgd.-Vorst.\V. 6, Stg. 4'« U Toniilm: Nor am Rhein mit Tr. v. Allen, Igo Syra* Teddy Bill Lastiget Beiprogramm Tobif' Apparat «Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Be.g. 6 Uhr, 8,30 Uhr Tonfilm; Ein Bursckenlicd aus Heldelberg Beiprogramm Union-Theater Haupistz.3 W 6, 8>,i Stg. 2 J gd.-V. Stg. 4-/4. 6-6. 8». U. Llebcsmarki m. E. Morcna, Paalig Prinxessin Tralala mit Harvcy, Gratia c Hannlgsdorr Metro-Palast J'J Chaussecstraße 30 lOOproz Tonfilm Filmpalast s.g. 4"%*;$"! Berliner Straße 59 Stg. 2 U.)ug.-VorsL Nur noch Mittwoch und Donnerstag Tonfilm: Dreyfns mit F. Kortnev, George, Grete Mosheim jRflrntitfrhf Mbcu ZufMüt