BERLIN Mittwoch 15. Oktober 1930 Lesch eint tSglich avber Sonntags. Zugleich Abendausgabe bei.Vorwärt«'. BezugSprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BcrlinSW68,!indtnstr.S J'«Ret 10 Pf. Nr. 464 B 242 41. Jahrgang nteigeoprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile Pf., Rcklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkonto: VorwärtStler l92Z in München gab, keine Putsch« zu machen und dos den Hitler. Putsch nicht verhinderte.(Zustimmung bei den Regierungsparteien. Großer Lärm rechts. Minutenlange Unterbrechungen durch Zurufe von rechts.) Wir stützen uns hier ober nicht auf Aussagen, sondern ich begnüge mich damit, Ihnen Ihr« eigenen Anweisungen an die Funktionäre vorzulesen, wie sie in den sogenannten Führerbriefen niedergelegt sind. Da heißt es zum Beispiel: „Alles, was der bestehenden Ordnung der Dinge schädlich ist, indet unsere llnlerstülzung. Alles, was geeignet ist, diesen jetzigen Staat zu erhallen, lehnen wir ab. Mit einem Wort: wir treiben katuslrophenpolitik, weil nur die Katastrophe den jetzigen Staat beseitigen kann!" (Stürmisches Hört, hört! bei den Regierungsparteien, Lärm rechts.) In einem anderen Führerbrief heißt es:„Wir müssen den jetzigen Staat bekämpfen, ruinieren, zerfetzen, vernichten!"(Zuruf rechts: Sind das Beweise?) Und nun verlangen die National- soziolistcn von demselben Staat, den sie am diese Weise gewaltsam stürzen wollen, daß er Mitglieder der stoatsstürzlerischen Parteien in seine Dienste nimmt. Ein Staat, der so handeln wollte, würde sich 'clbst ausgeben. Art. 130 der Reichsverfassung gibt den Beamten politische Meinungsfreiheit und nach Art. 118 ist jeder Staatsbürger vor dem Gesetz gleich. Den Staatsbürgern sind aber Grenzen ge- zogen durch die allgemeinen Gefetze und das preußische Disziplinar- g-setz bedroht den Beamten mit Straf«, der sich des D e r t r a u e n s unwürdig erweist, das sein Amt erfordert Ein Beamter, der einer Partei angehört, die den Staat vernichten will, hat kein Recht, weiterhin Beamter zu sein(Stürmische Zustimmung bei den Regierungsparteien. Rufe: Wie war es beim M u n i t i o n s- a r b e i t e r st r e i k!). Ich glaube nicht, daß bei diesen: Streik Beamte mitgewirkt haben. Es wäre ihnen unter dem alten System auch außerordentlich schlecht bekommen. Der Antrag aus Aufhebung der preußischen Durchführungsbestimmungen zur Notoerordnung des Reichspräsidenten kann gleichfalls nicht angenommen werden. Die Notverordnungen sind R«ichsges«tz; die preußischen Erlasse dazu sind lediglich Anweisungen an die Gemeinden, die aus Grund ihrer Selbstver- ivallung allein die ihnen in der Notverordmmg gegebenen neuen Einnahmequellen ausschöpfen können. Wenn die Kommunisten meinen, man könnte diese Quellen vermeiden und die Wohlfahrts- Streikparole wird befolgt! In allen Metatlbetn'eben ruht die Arbeit Wie uns vom Deutschen Metallarbciterverband mitgeteilt wird, ist die Streikparole des Berliner Mctallkartclls durchweg bcsolgt. worden. In allen Betrieben des Verbandes Berliner Metall- industriellen ruht die Arbeit. Insgesamt befinden sich IZSOOO Ar- Aus dem Inhalt: Banditen Überfall in Kaulsdorf..... Seile 2 Ein neues Josttzdrama........ Seile 3 Kein Haftbefehl gegen die Fensferhelden!........ Seile 3 Dammbruch einer Seele....... Seile 5 Museum in der Fabrikhalle...... Seile 8 heiter und Arbeiterinnen im Streik. Ja den meisten Betrieben haben daraufhin die Fabrstleilungen die Tore schließen lassen. Der große Abwehrkampf in der Berliner Mclallindustri« hat begonnen. In mustergültiger Disziplin und Solidarität haben die Arbeiter und Arbeiterinnen im Lause der ersten Vormittagsstunden die Betriebe verlassen. Heute früh gingen die Belegschaften zur ge- wohnten Stunde noch einmal an die Arbeitsplätze, um in den einzelnen Werken selbst die letzten organisatorischen Vorbereitungen für den Kampf zu treffen. So zeigten noch in der achten und neunten Morgenstunde die Fobrikbezirke Groß-Berlins äußerlich das übliche Bild der Arbeit, was Uneingeweihten mitunter Ver- anlassung gab, von einer Nichtbesolgung der Streikparole zu reden. Räch der Frühstückspause um 9 Uhr änderte sich jedoch das Bild gründlich. In langen Kolonnen verließen in allen 276 Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustriellen die Arbeitsstätten. Besonders die Siemens st adt sah wie ausgestorben aus. Groß« Heiterkeit bei den abziehenden Arbeitern lösten die anfahrenden Bäckerjungen aus, die Backmarcn für die Werkskontinen liefern wollten. Ebenso wie in Siemensstodt sind die Moabiter Straßen zwischen Osram, der AEG.-Turbincnfabrik und L ii d« i g-L o e w e- Gesfürel leer, die Gegend zwischen den AEG.-Fabriken in der Brunnen, und Acker st raß« und dem Werk von Schwartzkopff am Humboldthain zeigt ein sonntög- liches Bild. Angesichts dieses einmütigen ui»d geschlossenen Einsetzens des Abwehrstreiks haben unter anderem die AEG.-Fabriken kurzerhand die Werktore geschlossen und abgesperrt. Trotzdem stehen überall Streikposten, um den Kampf der Berliner Metall- a bester vor einer wohl nicht zu erwartenden, aber unter Umständen doch im Bereich der Möglichkeit liegenden Uaberrafchung durch ge- wisse, den scharfmachenden Industriellen nahestehende Kreise zu sichern. Höchst überflüssigerweife stehen vor vereinzelten Betrieben neben den Streikposten der sreigewerkschaftlichen Streikleitungen noch besondere Poston der sogenannten Die Leitung der„REO." hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, die streikenden Siemensarbeiter mit geschmacklosen Trans- parcnten zu„begrüßen", auf denen es hieß:„Nieder mit den Ausbeutern und ihren Lakaien!" Die disziplinierten Siemens- arbeiter zeigten jedoch diesen Albernheiten gegenüber einfach die kalte Schulter. Ein Vorstoß der kommunistischen„NGO.", bei der Knorrbremse einen wilden„Kampfausschuß" zu wählen, wurde von den Arbeitern kurzerhand abgelehnt. Bor den Bergmann- Merken in Rosenthal, dem Betrieb von Werner in Marienfelde und vor der Eisengießerei C. Schöning in Reinickendorf suchten Gruppen von Kommunisten die Fabrikeinzänge zu besetzen und die Belegschaften an dem heute früh noch einmal erfolgten Betreten der Werk« zu hindern. Den überall patrouillierenden Polizeistreifen gelang es jedoch, alle Zusammen- stöße im Keim zu ersticken. Gegenwärtig liegen die weiten Fabrikhöfe der VB MI.-Betriebe verwaist da, die letzten Arbeiter haben die Werke verlassen. Der große Metallorbeiterkampf hat begonnen. ch Di« Meldungen in verschiedenen Berliner Blättern, daß in dem Berliner Metallarbeiterstreik der Ministerialrat Mewcs vom Arbeitsministerium mit neuen Verhandlungen eingreifen soll, werden vom Reichsarbeitsministerium dementiert. Das Reichs- «rbeitsmmiperium beabsichtige vielmehr, den normalen Ver- I lauf, der durch die Schlichtungsgefctzc gegeben ist, abzuwarten und die Erklärungen beider Parteien zur festgesetzten Frist entgegen- zunehmen. Angefiellie Berlins! Kollegen der Berliner Metallindustrie! Die sreigewerkschaftlichen Angcstelltenorganisationen Berlins veröffentlichen folgenden Aufruf zu dem Metallorbeiterkampf in Berlin: Brutaler Machtwille und kalte Profitgier haben die Berliner Metallindustriellen, diesen scharfmacherischen Bortrupp dos deutschen Unternehmertums, dazu getrieben, Lohnabbau zu fordern und damit den offenen Kampf zu provozieren. Dieser Kamps ist nicht ollein entscheidend für die Arbeiterschaft der Berliner Metallindustrie— er hat in seinen Endergebnissen Bedeutung für die Arbeitnehmerschasi ganz Deutschlands. In dieser Erkenntnis gilt es insbesondere für die An- gestellten der Berliner Metallindustrie, aber auch für olle Berliner Angestellten, vor allem, soweit sie sreigewerkschasllich organisiert sind, durch einwandfrei kameradscha st liches verhallen den erwarteten günstigen Kampfausgang mit vorzubereiten. eingedenk der vorbildlichen Haltung der Arbeiter beim großen An- geftelllenstreik im Frühjahr 1919. Von allen Angestellten der Berliner Metall- industric muß die Wahrung strengster Solidarität erwartet werden! Kollegen der Metallindustrie! Zeigt euch der gegenwärtigen ernsten Situation gewachsen! Gebt euren kämpfenden Arbeitskameraden deutliche Beweise gewerkschaftlicher Treue! In besonderen Fällen, die eilige Entscheidungen nötig machen. sind sofort die zuständigen Berliner AfA-Gewerkschasten anzurufen. Allgemeiner freier Angestelltenbuud. Ortskarlell Berlin. F l a l a u. Petersdorfs. Zenlralvrrband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Berlin. Gottsurcht. Lange. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Gau Brandenburg. Günther. Deutscher werkmeisterverband, Bezirk X. Z a c g e r. „Atiier revolutionärer Führung." Kommunistische Quertreiberei. Die vernichtende Abfuhr, die der RGO. am Dienstagfrüh von der Berliner Metallarbeiterschaft erteilt wurde, als sie schon gestern den Streik ausrief, um die Maßnahmen des Metallabeiter- Verbandes zu stören und sie zu durchkreuzen, hält die„Rote Fahne" nicht ab zu renommieren:„Zahlreiche Betriebe haben gestern unter Führung der RGO. den Streik begonnen." Roch jetzt, mitten im Kampfe, versteigt sich das KPD.- Blatt zu der Lächerlichkeit:„R G O. und selbstgewählte Streik- lcikungcn als einzige Führer." Man könnte darüber hinweg- sehen, wenn nicht die Absicht des ganzen Treibens deutlich erkenn- bar wäre, der Organisation der Metallarbeiter in diesem schweren Kampfe in den Rücken zu fallen und die Verhetzung der Streikenden untereinander fortzusetzen. „Benutzt schon die erste Streikversammlung, um den Massen- eintritt der Metallarbeiter in die RGO. durchzuführen." Der Ab- wehrkampf der Berliner Metallarbeiter soll also nach den Anweisun- gen der KPD. von ihrer armseligen und jämmerlichen RGO. mißbraucht werden, um im trüben zu fischen. Die KPD. stellt ihr A gi ta t i o n s b e d ü rf n i s höher als die Einmütigkeit und Geschlossenheit der Streikenden. „Unter revolutionärer Führung zum Siege!" Wer sich einer solchen„Führung" unterstellt, der ist von vornherein verloren. Die Berliner Mewllarbeiterschaft hat g« st e r n s ch o n der kam- munistischen REO. di« Antwort gegeben. Sie wird ihr noch deutlicher zu erkennen geben, daß jetzt nicht die Zeil ist zu Quer- kreibereien, zur Schürnng der Uneinigkeit und sie wird jeden, auch di« Maulhelden der RGO., beiseite schieben, der sich ihr an die Rockschöße hängen will. Die Führung hat die Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die gewertfchostliche Ora-i-i sation! mittel dadurch erlangen, daß man die Auzgrrben für militärische, kirchliche, polizeiliche und Justizzwcckc streicht, so kann ich nur erklären: Wenn selbst Sowjelrußland nicht die militärischen, politischen und Jnsilzausgaben streichen kann, ist der Staat Preußen dazu noch viel weniger in der Lage. (Lebh. Zustimmung b. d. SlegicruiigszKuteien;— Lärm b. d. Korn- muniften.) Aber wir könnten z. B. die Polizeikosten und die Justiz- kosten ganz erheblich geringer l>alten, wenn Sie(zu den Komm.) in Ihrem öffentlichen Austreten sich endlich einmal diejenige Zurück- Haltung angewöhnen wollten, die jeder verniinstige Staatsbürger nun einmal zeigen muß.(Lebh. Zustimmung.) Das Stellen solcher Anträge heißt geradezu die Rotleidenden verhöhnen, denn Sie wissen ganz genau, daß durch solche Anträge tatsächlich gar nichis erreicht werden kann. Die schwere Stot zu hemmungsloser Demagogie auszunutzen, bedeutet ein Verbrechen am Volke. Dos zeigt die Stellung- nahm« des Auslandes zum Ausgang der Reichstagswahl. Der Rech- ten scheinen noch nicht genug Millionen ins Ausland geflossen zu sein. Jede Million, die au- dem Lande geht, vermehrt die Arbeits- lvsigkeit und die Not in Deutschland.(Sehr richtig! links und in der Mitte.) Zu alledem kommen nun noch die Anslösungsanträge. Die deutsche Wirtschast hat jetzt sicherlich genug an den Folgen der Reichstagswahl. Vom Parteistandpunkt aus würde mich diese Sache nicht berühren, denn durch Ihre Demagogie können Sie nur vor- übergehend einen Stillstand meiner Partei erreichen, aber nie einen Niedergang, wie er den Nationalsozialisten schon nach wenigen L-chren beschert sein wird.(Rufe rechts: Klammern Sie sich doch nicht an den Ministersessel!) Ohne mich überheben zu wollen, bin ich der Meinung, daß der Umstand, daß ich so lang« aus meinem Ministersessel„geklebt" habe, zum Besten des deutschen Volkes gewesen ist.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Regierungsparteien. Großer Lärm bei den Kommunisten und rechts.) Es sähe in Deutschland viel schlimmer aus, wenn wir in Preußen ebenso viele Regierungskrisen gehabt hätten wie im Reiche. Ich kann deshalb nicht begreifen, wie sich heute jemand überhaupt zur Verantwortung eines Ministers drängen kann. Jeder, der heute Minister ist, wird keinen angenehmeren Augenblick kennen als den, an dem er von seinem Ministersessel weggehen kann. Der Posten eines Mülldirektors bringt erstens mehr ein und dann hat er nicht mit so viel Schmutz zu tun wie ein Ministerpräsident mit der Politik. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Es ist ein groteskes Bild, wenn sich jetzt die Feinde der Der- sassung als Hüter der Demokratie hinstellen. Aber so klug die Leute von rechts auch sein mögen: von der Demokratie verstehe ich mehr als sie.(Fortgesetzt« Unterbrechungen rechts.) Demo- kratie ist nicht sortgesetztes Wählen. Bei der letzten Landtagswahl haben die Wähler dahin ihren Willen bekundet, daß der Landtag in seiner Sitzungsperiode von vier Jahren ruhige und sachliche Aufbauarbeit leistet. Hier kommt es zu stürmischen Unterbechungen von rechts und links und Präsident Bartels fordert die Abgeordneten, die dicht gedrängt das Rednerpult umstehen, auf, die Plätze einzunehmen.— Abg. Loh sc(Natsoz.) kommt dieser Aufforderung nicht nach und wird von der Sitzung ausgeschlossen. Als er der Aussorderung, den Saal zu verlassen, nicht nachkommt, unterbricht der Präsident die Sitzung aus Z Miduten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erklärt Präsident Bartels, daß nach den Anweisungen der Geschäftsordnung Abg. Lohse (Natsoz.). da er der Aufforderung, den Saal zu verlassen, nicht nach- gekommen ist, aus acht Sitzungstage ausgeschlossen ist. Abg. kube(Natsoz.) stellt zur Geschäftsordnung den Antrag, die Sitzung zu vertagen und sofort den Aeltestenrat zusammenzu- berufen, der über den Ausschluß des Abg. Lohse entscheiden soll. Präsident Bartels erklärt einen solchen Aantrag für unzulässig. Hieraus beantragt Abg. K u b e(Natsoz.) zur Geschäftsordnung Ver- längerung der Redezeit für die Nationalsozialisten, die durch den Aeltestenrat auf eine halbe Stunde festgesetzt ist. Abg. Kasper(Komm.) schließt sich diesen, Antrag an und Abg. Borck(Dnat.) verlangt Vertagung der Sitzung. Die Anträge mit den Stimmen der Regierungsparteien gegen alle anderen Parteien abgelehnt. Ministerpräsident Otto Braun setzt hieraus unter großem Läm, seine Rede fort und schließt mit der Bemerkung, daß das deutsche Volt nur gesunden könne, wenn es aus dem jetzigen Fieberzustand herauskommt.(Stürmischer Beisoll bei den Regierungsparteien, großer Lärm rechts und Ruse der Kommunisten: Nieder mit der Braun-Regierung!) Hieraus erhält der Abg. Schwenk(Komm.) das Wort zur Be- gründung der kommunistischen Anträge. Aus seinen Aussuhrungen geht unter anderem hervor, daß die K ommunisten das nationalsozialistische Volksbegehren auf Aus- lösung des Landtags ablehnen, da es nur auf Befehl Hugen- bergs eingebracht wird und es lediglich der Aufrichtung einer saschistischen Diktatur dienen soll. Noch Schluß der Rede Schwenks beantragt Abg. Laden- dorss(Wp.) die Herbeirufung des Ministerpräsidenten, der nicht auf seinem Platz auf der Regierungsbank sitzt. Es kommt wiederum zu lärmenden Unterbrechungen, und schließlich wird unter stürmischer Heiterkeit festgestellt, daß der Ministerpräsident Otto Braun im Saal auf seinem Abgeordnctenplatz sitzt. Abg. Laden vorff zieht hierauf seinen Antrag mif Herbeirufimg des Ministerpräsidenten zurück.�_ Neue Steuerlasten für Berlin. Der Magistrat braucht Bürgersteuer und Getränlefleuer' Der Bi a g i st r a l beschloß heule der Skadlverordnelenversamm. lung unverzüglich eine Vorlage zuzuleiten, in der die Erhöhung der B i e r st e u e r, die Einführung einer Gemeindegelränke. st e u e r sowie einer Bürger st euer entsprechend der Rolver- ordnung des Reichspräsidenten vorgesehen ist. Der Magistrat sah sich zu diesem Beschluß durch die Entwicklung der Kassen- und Finanz- läge der Stadt gezwungen. Die Vermehrung der Lasken sür die Wohlfahrlserwerbslosen io Verbindung mit dem Rück- gang derjenigen Steuereinnahmen, die von der Wirtschasto. konjunklur in besonderem Maße abhängig sind, führen zwangsläufig zu eiuem erheblichen Fehlbetrag Im Haushalt. Dieser Fehlbetrag wird im Augenblick, wie der„vorwärts" bereits melden konnte, auf über sechzig Millionen Mark beziffert. Angesichts dieser Sachlage hält sich der Magistrat sür ver» pflichtet, diejenigen Einnahmequellen in Anspruch zu nehmen, die der Stadt Berlin durch die Notverordnung gegeben sind. Er glaubte sich nicht dem Vorwurf aussetzen zu dürfen, daß er nicht nlle Möglichleiten für einen wenigstens teilweisen Ausgleich des ins Wanken geratenen Haushalts erwogen habe. Die Einführung der G e m c i n d e g e t r ä n k c st c u e r hat die Banditenüberfall in Kaulsdorf Kassierer schwer verleht— 7000 Mark erbeutet Ein dreister Hebe es all wurde heute morgen in Kaulsdorf verübt. Ein Kassierer wurde nieder ge- schössen und schlver verletzt, der zweite durch Schläge mit dem Revolverkolben kampfunfähig gemacht und beraubt. Die Täter, die 7»00 Mark erbeuteten, sind mit ihrem Auto in Richtung Mahlsdorf entkommen. Wir erfahren dazu: Die Arbeiter Ernst Maske aus der Kuglerstraß« 142 und Karl Niehl aus der Mirbachstraße sind beim A r b e i t s a m t O st in der Boxhagener Straße als Geldträger an- gestellt. Beide sind vertrauenswürdige Männer die ihre Aufträge bisher stets zur Zufriedenheit erledigt haben. Ihr« Ausgabe besteht darin, an gewissen Terminen, so auch am 1Z. d. M.. größere Sum- men zu den Zweigstellen des Arbeitsamts in den Außenbezirken zu bringen. So mußten sie heute 7000 M. nach der Zweigstelle in der Karlstraße 6 in Kaulsdorf bringen. Um dorthin zu gelangen, benutzten sie einen Frühzug und trafen um 8.20 Uhr auf dem Bahn- Hof Kauldorf ein, damit die Auszahlung um 9 Uhr beginnen könnte. Zu Fuß gingen sie der Karlstrahe zu. An der Ecke der Karl- und Wilhelmstraße wurden sie plötzlich von einem Auto überholt. Dieses hielt etwa drei Schritte vor ihnen am Straßenrand, zwei Männer stiegen aus und kamen auf die Geldträger zu. Dicht vor ihnen zogen die Männer Pistolen heraus und gaben vor den Füßen der Arbeiter mehrere Schusse nach der Erde zu ab. Eine Kugel prallte ab und iras den Arbeiter Maske in das Knie. Schwer gelrossen brach er zusammen. Zugleich stürzten sich die Räuber auf seinen Kollegen Niehl und schlugen ihn mit dem Revolver ins Gesicht und auf den Kopf. Dem Taumelnden entrissen sie die L e d e r t a s ch e, in der sich das Geld befand, sprangen in ihr Auto zurück und jagten davon. Wenige Augenblicke vor de», Raubüdersall war eine Doppel st reife der Schutzpolizei die Straße«ntlanggekommen und hatte die beiden Geldtrager passiert. Die Beamten waren bereits weiter- gegangen, als sie die Schüsse hinter sich hörten. Sie eilten sofort zurück, konnten aber die Flucht der Räuber, die mit ihrem Wagen davonrasten, nicht mehr verhindern. Der Ueberfall hat sich in knapp zwei Minuten abgespielt. Die Räuber hatte» ihr Auto so geschickt zum Halten gebracht, daß die beiden Arbeiter ihnen ahnungs- los in die Hände laufen mußten. Das Auto soll ein Ehevvoletwagen gewesen sein und die Rummer I. A. 2597 gelragen haben. Bisher ist dieser Wagen noch nicht als gestohlen gemeldet worden. Es handelte sich um einen geschlossenen modsarben lackierten Wagen. Die Ueberfallenen sagen aus, daß sie vier Personen darin ge- sehen haben. Der Motor lief, so daß das Auto gleich wieder an- springen konnte. Die Räuber sollen rotbraune Mützen getragen haben und jüngere Leute gewesen sein. Der angeschossene Arbeiter Maske wurde nach dem Hubertuskrankenhaus gebrach:, wo die Aerzte einen Kniesteckschuß feststellten. Niehl hat Haut- nbschürfungen und Schwellungen im Gesicht davongetragen. Der Ueberfall ist zweifellos geplant und vorbereitet gewesen. Die Räu- der müssen ausgekundschaftet haben, an welchen Tagen und zu wel- che» Zeiten die Geldbeträge nach dem Arbestsamt gebracht wurden. An, heutigen 12. d. M. habe» sie sicherlich auch mit einer größeren Summ« gerechnet. Die Tatsache, daß die Straßen in Kaulsdorf zu dieser frühen Stunde noch verhältnismäßig leer waren, begünstig« e das Vorhaben der Räuber. Zur Untersuchung des dreisten Ueberfalls sind Beamte de Raubdezernats entsandt worden. Lns Auto gepackt und entführt Krüherer finnischer Giaaispräsident mit seiner Krau verschleppt Kopenhagen, 15. Oktober. wie aus Helsiugfocs gemeldek wird, ist dori am Dienstag auf geheimnisvolle Welse der frühere Prüsidenl, der ö5jährigc Professor Stahlberg, mit seiner Gattin, der bekannten sinn- ländischen Schriftstellerin Esther Slahlberg, von unbekannten Leuten enlsührt worden. Slahlberg gehört der Liberalen Fort- schriltsparlei an und war mit Hilfe der Sozialdemokralen 1919 Präsident von Finnland geworden. Er hatte am Dienstagvormittag wie gewöhnlich zu einer Morgen- spaziersahrt im Kraftwagen seine Villa in Berendö bei Helsingfors verlassen. Seine Gattin begleitete ihn auf der Spazierfahrt. Als das Paar am Nachmittag noch nicht nach Hause zurückgekehrt war, wandten sich die Familienangehörigen an die Polizei, die die Nach- sorjchungen aufnahm und das Jmienministertum und den Re- gierungspräsidsnten von dem Vorfall verständigte. Bis gegen Mister- nacht lag über das Verbleiben des früheren Präsidenten und seiner Frau bei der Polizei kein« Nachricht vor. Slahlberg zurückgekehrt. Helsingfors, 15. Oktober.(Eigenbericht.) Am Nüttwochmorge» gegen 3,30 Uhr erhielt man in Helsingfors die Nachricht, daß der Ex-Präsident und seine Frau in dem 000 Kilo- Nieter entfernten Joensüu, etwa 100 Kilometer von der russischen Grenze, sich befindet und mit dem nächsten Zug nach Helsingfors, zurückkehre. Ex-Prasident Stahlberg äußerte sich wie folgt über seine Eni- sührung:„Ich unternahm, wie gewöhnlich, meinen Morgenspazier- gang auf die Insel Brändo. An der Straße stand«in grüner Personenkraftwagen, der mit zwei verschiedenen Auwnummern versehen war. Plötzlich sprangen aus dem Kraftwagen vier Per- sonen heraus, faßten mich und meine Frau an den Armen und stießen uns beide in den Kraftwagen, der nun mit höchstein Tempo in Richtung Helsingfors abfuhr. Die Fahrt ging weiter durch Mittelsinnland nach Joensuu. Unterwegs verließen zwei Personen das Auto, während drei zurückblieben. Während der ganzen Reise saß mir gegenüber einer der Entführer mit einem Revolver in der Hand. In Joensuu gelangte der Wagen an, Morgen gegen 2 Uhr an. Hier sollte der Kraftwagen gewechselt werden. Der erwartete Wagen traf aber nicht ein. Inzwischen hatte man schon Nachricht bei der Polizeibehörde erhalten und c- gelang, uns aufzufinden." Ex-Präi!dent Slahlberg gehört der Liberalen Partei an. Mit seiner Entführung sind bis jetzt 135 Personen gewaltsar verschleppt worden, darunter der Soziaiisl Haapouen, der sc drei Wochen verschwunden ist. Das Gerücht, daß er von de, Loppo-Foschisten ermordet worden ist, scheint sich leider zu d stäilgem___ Zuchthausanirage gegen Bombenlege,. Die Anträge des Staatsanwalts in Altona. Altona, 15. Oktober.(Eigenbericht.) Im Allonaec Bonibenlegerprozeß brachte heule mitlag Oberstaatsanwalt Dr. B o l l n i ck die Strafanträge zur Der lcsung. Beantragt werden wegen Verbrechens gegen Paragraph< des Sprengstosfgesehcs. Verabredung zur Begehung van Sprengslos attcutaten für heim 10 Jahre Zuchthaus, Volk ö'/h Iah, Zuchthaus. Rickels 7 Zahre Zuchthaus. Schmidt ö I a h r Zuchthaus. Rathjen» 2 Zahre Zuchthaus. Behling 1 Zah Zuchthaus. Mborg 1 Jahr Gefängnis. Matches 3 Monate Gesängni Henning 6 Jahre Zuchthaus. VIck 8 Zahre Zuchlhau? Luhmann 7ZahreZllchthau», Becker 7JahreZuchthau Mammecke 5 Zahre Zuchthau». Rieter 5 Zahre Zuchthau». Pel Holländer 1 Zahr Zuchthau». Frau Holländer 70 Mark Geldslra' Bossen 6 Monate Gefängnis, Hampkens Z Monate Gesänge Bruno von Solomon Freispruch. Erhöhung der Biersteuer zur gesetzlichen Voraussetzung. Die Bier- sieuer soll erhöht welkten: Für Einfachbier von 1,12 aus 2,50 M. je Hektoliter, für Schankbier von 1,70 auf 3,75 M. je Hektoliter, für Nollbier von 2,25 auf 5 M. je Hektoliter, für Starkbier von 3,40 auf 7,50 M. je Hektoliter. Die Mehreinnahme für das laufende Rechnungsjahr wird auf rund 4 Millionen Mark geschätzt. Die Gemeindegetränke st euer soll mit einem Steuer- satz von 10 Proz. aus aile Getränke außer Milch erhoben werden, die zum Verzehr an Ort und Stelle abgegeben werden. Der Ertrag wind sür den Rest des Rechnungsjahres ebenfalls auf 4 M i l- lionen Mark geschätzt. Die Höhe der Bürgersteuer, der alle über 20 Jahre alten Personen unterliegen, ist in dem Entwurf des preußischen Durchführungsgesetzes auf die in der Notoerordnung vorgeschriebenen Mindestbeträg« festgesetzt worden und beträgt für Personen mit einem Jahreseinkommen von nicht mehr als 8000 M. 6 M. Sie weist eine Staffelung bis zu einem Einkommen von 500 000 M. auf. Der Reinertrag dieser Steuer beträgt 12 Millionen Mark, der voll sür das lausend« Recht, ungs- jähr eingesetzt werden kann, da es sich un, eine Jahrrssteuer handelt. Protest gegen den Blutterror. Sine Kundgebung gegen die Stalin-Methoden. Führende Männer aus Deutschlands Wissenschaft, Kunst und Technik veröffentlichen folgenden Aufruf: „Am 3. September meldete die amtliche sowjetrussische Press« die Verhaftung einer Reihe von hervorragende» Männern der Wissenschast, d,« ihr« ganze Kraft in den Dienst ihres Landes gestellt hatten. Die Tatsachen häufen sich, die zu beweisen scheinen, daß jede wissenschaftlich« Tätigkeit, d«e auch nur das bescheidenste Maß von Gedankenfreiheit für sich beansprucht, in der Svtvjetunion unmog- lich wird. Nach weiteren Meldungen der amtlichen sowsetrussischen Presse vom 22. und 25. September sind andere 48 Personen, an ihrer Spitze Professor Rjasanzew und Profestor Karatygin, ohne Gerichtsverfahren, lediglich auf Beschluß der QEPii.(Staatspolitischcn Ber- waltung) erschossen worden. Die imterzeichnetei, Vertreter von Wissenschaft, Technik. Literatur und Kunst halten es für ihre Ge- wissenspflicht, gegen ein solches Vorgehen, das den elementarsten Grundsätzen des inenschlichen Gemeinlebens widerstreitet, vor de, Oeffentlichkeit Einspruch zu erheben." Prof. 0. v o n Bergmann: Dr. h. c. Rudolf G. B i„ d i n g Prof. Fr. W. Freilzerr von Bissing. Oberaudorf a. Inn: Pros. Erich Brandenburg, Leipzig: Prof. Goetz Briefs, Berlin. Prof. Carl Brinkmann n, Heidelberg: Prof. Max D e s f o i r. Berlin: Prof. Hans Driesch, Leipzig: Prof Christian Eckert. Köln: Prof. Albert Einstein: Prof. Otto Frank«, Berlin Dr. Wilhelm Furtwängler, Berlin: Prof Fritz Haber. Berlin: Prof. Otto Hahn, Berlin: Dr. b. c. Siegmund von Hau» egger, München: Prof. Wilhelm Kahl, Berlin: Dr. h. c. Erwi» G. Kolbenheyer, Tübingen: Prof Ludolf v Krehl, Heid«!- berg: Dr. h. c Max Liebermann, Berlin: Heinrich Mann Berlin: Prof. Friedrich Mein ecke, Berlin: Walter von Molo, Berlin: Prof. Hermann Oncken, Berlin: Prof. Bruno Paul, Berlin: Prof. Max Planck, Berlin: Prof. Hans P o e l z i z, Berlin: Prof. Erhard Schmidt, Berlin: Prof. Eduard S ch w a r tz, Münch«»: Prof Max S e r i n g, Berlin: Prof. Eduard Sprangsr, Berlin: Prof. Heinrich Triepel, Berlin: Prof. Ernst Unger, Berlin: Clara Dieb ig. Berlin: Prof. Alfred Vierkandt, Berlin: Prof. Walter Bogel, Berlin: Jakob Wassermann, Altaust'ee-Steiermark; Prof. Adolf We ber, München: Prof. Alfred Weber, Heidelberg: Pros. Robert Wil- b r a n d t, Tübingen: Prof. Heinrich W ö l s f l i n, Zürich: Dr. Leo- pold Z i e g l e r, Ueberlingen am See: Arnold Zweig. Zuversichtliche Börse. Aus, der heutigen Börse hat man die Wahrscheinlichkeit, daß Löb« das Reichstagspräsidium behalten wird, als ein gutes Vorzeichen für die kommende politische Entwicklung bewertet. Hinsichtlich des Metallarbeiter st reiks glaub« lmm deshalb nicht an eine lange Dauer, weil man es für unmöglist hält, daß die Regierung die Dinge treiben lassen könnte, nachdem ihr Wirtschastsprogramm letztlich als für den Streik verantwortlich angeschen werden mußt Sturmabteilung gegen Fensterglas Gefängnis gegen �adaujünglinge/ Aber Haftentlassung durch das SchneNgericht Um 2 Uhr 10 Minuten morgens certünbete das Schncllschösfcn- pectcht unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Ksstner gegen die 17 N.i- tionalsozialisten, die anläßlich der Reichstagseröffnung ihre Wze- ordneten durch Straßenkrawalle würdig unterstützt haben, solgendes Urteil: Die Angeklagten Krentz und Giero erlitten wegen Ver- gehens gegen das Bannmeilsngesetz und Widerstandes gegen die Staatsgewalt je sechs Monate Gefängnis, die Ange- klagten Tetzlaff, Wolfram und Urban wegen desselben Vergehens je drei Monate und zwei Wochen Gefängnis: der An- geklagte Bartoll wegen Widerstandes, Vergehen gegen das Bann- meilengesetz und öffentlicher Beleidigung sechs Monate Ge- s ä n g n i s, der Angeklagt« Schober wegen Widerstandes und Be- leidigung fünf Monate, der Angeklagte Glitzner drei Wachen Gefängnis, der Angeklagte Wipperlmg wegen Körperverletzung und Verstoß gegen die Notverordnung über Waffenbesitz drei Monate Gefängnis, der Angeklagte Eifenhart-Rothe wegen öffentlicher Beleidigung 100 M. Geldstrafe. Die Angeklagten Roesicke, fmth und Blohin werden freioesprottyea Das Verfahren gegen den Angeklagten Kühnennund wird eingestellt. Das Ver- fahren gegen den Angeklagten K o n ft a n t i n wird abgetrennt: zum nächsten Termin werden die von ihm gevannlen Zeugen geladen. Gegen den Angeklagten wird Untersuchungshaft angeordnet. Von Erlaß eines Haftbefehls gegen die übrigen Angeklagten wird Abstand genommen. * Man sah es den Angeklagten an: sie hatten es kaum erwartet, schon in dieser Nacht in ihren eigenen Betten schlafen zu dürfen. Sie waren überzeugt, daß den: Antrage des Staatsanwalts auf Erlaß eines Haftbefehls Folge gegeben würde. Durch die gütige Milde des Gerichts gerührt, machten einige von ihnen sogar eine dankende Bewegung zum Gericht hin. Die Freund« und Verwandt«,: im Zuhörerraum— er war bis zum letzten Augenblick, also bis um Mutz Uhr morgens, bis auf den letzten Platz gefüllt— durften den Gerichtssaal ausnahmsweise durch dieselbe Tür verlassen wie die Angeklagten. Sie schüttelten diesen, sie gewissermaßen zu neuen Taten aufmunternd, die Hände. Unten vor dem in nächtliches Dunkel gehüllten Portal des alten Kriminalgerichtsgebäudes verabschiedeten sich die.hoffnungsvollen'" Jünglinge mit„Heil Hitler" und„Deutschland erwache", es fehlte nur„Iuda verrecke". Auch höhnische Bemerkungen gegen die Polizei konnten die eben der Freiheit Wiodergegebenen nicht unterlassen. Die 5)erren sühllen sich: „Ihr könnt uns sonst was!" Die Polizeibcamten aber, die zwölf Stunden im G«- richtsfaal ausgeharrt hallen, begaben sich in ihren Polizeiautos in die Quartiere, um. kaum ausgeschlafen, heute wieder aus dem Posten zu sein. Sie werden sich wohl gefragt haben: Sind wir vor diesen Rowdys wirklich genügend geschützt? * Wenn das Schnellschöffengericht durch die beschleunigte Aburteilung der politischen Strahenrowdys feinen abschreckenden Zweck erfüllen soll, so kann«s die Verbüßung der Strafen nicht lange hinausschieben. Man wird dafür Sorge zu tragen habe», daß vielleicht eingelegte Berufungen unter Wahrung der gesetzlichen Fristen spätestens zwei Wochen nach Fällung des ersten Urteils ver- handelt werden. Dann wird das Schnellfchöffengwicht auch keinen Grund haben, vor Erlaß eines Haftbefehls zurückzuschrecken. Das gleiche gilt auch für den Schnelleinzelrichter. Wird es ober zur Regel, daß die politischen Krawallmacher trotz Ver- »rteilung sofort aus der Haft entlassen werden, so könnten sie mit Recht sagen: das Schnellgericht ist nichts anderes als eine Attrappe zur Vortäuschung einer Abschreckung. (Jlarl lllarx'Jtof in Wien In der Wiener Vorstadt Hriligenstadt wurde die größte Vauanlage der Gemeinde Wien eröffnet. Dieser gewaltige Wohnbau wird 5000 Bewohner in 1400 Wohnungen beherbergen. Sein« Front ist genau einen Kiloineter lang, die Größe der Gesamtfläche beträgt 150000 Quadratmeter. Bürgermeister Seitz, der die Einweihungsrede hielt, wurden Blumen überreicht. Sie wollen nicht zahlen? Nachdenkliches und Bedenkliches vom Arbeitsgericht Dies also ist das Gericht, mit dem die meisten Arbeiter zumindest einmal in ihrem Leben zu tun kriegen: Das Arbeitsgericht in der Zimmerstraßc. Alle Tage herrscht wimmelndes Leben auf seinen engen Korridoren. Für die Tenninszettel reicht manchmal eine Schreibmaschinenseite nicht mehr aus— und doch hört man von ihm viel zu wenig. Das ist schade, denn sicher ist es ebenso wichtig, hier einmal den berühmten„Geist der Rechtspflege"«in wenig zu kontrollieren, wie in den„Bagatellsachen" in Moabit, nach denen auch für gewöhnlich kein Hahn kräht und die doch sür uns eigentlich wichtiger sind, als viel«„Sensationsprozesse". Hier in der Zimmerstraße also findet sich zumeist auch nur für die„großen Kanonen" ein Berichterstatter. Aber da kommt man eines Tages in eines der kleinen, zweifenstrigen Zimmer, die sich ein wenig groß- spurig„Sitzungssaal" nennen und merkt, es lohnt sich schon, auch mal hier zuzuhören. Also hören wir mal zu. �Von mir kriegen Sie doch nischt"'. „Lehrling bei Kost und Logis gesucht." So inseriert Herr Bauschte, wenn er gerade mal wieder eine billige Arbeitskraft sucht. Herr Bauschte oder sein« Mutter— ganz klar wird das immer„im Interesse der Sack)«" nicht gestellt— haben bei Fichtenau eine Gärtnerei. Es wird den Eltern der Lehrlinge gegenüber auch ver- schiedenes andere nicht ganz klargestellt. Der Betrieb des 5ierrn Bauschte ist nämlich von der Landwirtschaftskammer nicht als Lehrbetrieb anerkannt, denn Herr Bauschte ist gar kein Gärtner, und weil er seinen Obergärtner entlassen hat befindet sich gar keine geeignet« Lehrkraft in seinem Betrieb. Das weiß vorerst freilich niemand, und so melden sich auf das verlockende Inserat immer reichlich Lehrling«. Don denen sucht sich Herr Bauschte dann einen heraus, der ihm körperlich am kräftigsten erscheint. Hat er sonst einen kleinen Defekt, um so besser, denn dann werden die Eltern gegenüber den Zuständen im Betrieb doch nachsichtiger sein, weil sie wissen, wie schwer es ist, so ein Kind unterzubringen. Auch der junge L. war so ein„Lehrling", der Vater hatte sich auf dasselbe Inserat hin um die gute Lehrstellung beworben. Die erste Enttäuschung war«s. daß der Herr Bauschte erklärte, Kost könne er dem jungen Mann erst geben, wenn der Lehrvcrtrag von der Landwirtschaftskammer genehmigt sei— bis dahin müßte er auf Vaters Kosten im Gasthaus essen. Auch darauf ging der Vater ein: als aber die Genehmigung immer länger aus sich warten ließ, stellte er schließlich Herrn Bauschk« zur Rede. Tja, das täte ihm leid, eitt- gegnete der. Die Landwirtschostskammer hätte nun nial so komische Vorurteile gegen seinen Betrieb. Aber arbeiten könne der Junge drum doch bei ihm— zu denselben Bedingungen natürlich. Das war dem Vater nun aber doch zu viel und so ging«r endlich zum Arbeitsgericht: Er wolle wenigstens das für seinen Sohn in diesen drei Monaten aufgewendete Kostgeld ersetzt haben, wenn schon von einem Lehrlingslohn nicht die Red« sein solle. Ungefähr hundertneunzig Mark macht die Summe aus. Das Gericht versucht, einen Vergleich zustande zu bringen: Und wirklich, es gelingt, die Forderung«« des Klägers weiter und immer weiter herunterzudrücken. Herr Bauschk« aber bleibt hart: Erstens habe der Kläger gar nicht bei ihm gearbeitet(im gleichen Atemzug aber nennt er eine Menge Arbeiten, die der Kläger nicht zu seiner Zufriedenheit erledig! habe), zweitens habe er überhaupt kein Geld, er sei unpfändbar— bei ihm könne man doch nichts holen— und drittens wolle er vom Kläger noch Schadenersatz. Jawohl! Das Gericht treibt den Kläger von einer Konzession zur anderen. Schließ- lich will er sich mit fünfundsiebzig Mark zufrieden geben, in drei Raten.„Ausgeschlossen!" sagt Herr Bauschte. Also handelt der Vorsitzende noch fünf Raten heraus.„Ausge- schlössen!"—„Na, würden Sie denn sechzig Mark nehmen. Herr L.?" — Diesmal aber läßt der gutmütige alte Mann sich nicht weiter- treiben: er schüttelt den Kopf. Also muß sich das Gericht zur Be- ratung zurückziehen. Urteil: Es bleibt bei den fünfundsiebzig Mark in fünf Raten— trotzdem der Vorsitzende selbst sagte, es nähme an, daß Herr Bauschte sich mit dem Versprechen des Lehrvertrages nur eine besonders billig« Arbeitskraft sichern wollt«! „Von mir kriegen Sie doch nifcht!" sagt Herr Bauschk« in der Beratungspause selbstzufrieden. Er ist Stammgast auf dem Arbeitsgericht, er kennt den Rummel. Merkwürdig aber, daß das Gericht mit einem so guten alten Bekannten so schonend »erfährt— wenigstens das ist in Moabit meist anders... Paragraphen gegen gebunden Menschenverstand. „Zieneck gegen Zieneck!" Eine merkwürdige Klage: denn die lung« Frau klagt gegen ihren Schwiegervater auf Zahlung eines Unterhaltsbeitrages von 15 Mark wöchentlich. Der Schwiegervater aber widerspricht: Sein Sohn verdiene gar nichts, er habe bei Ihm eben nur Kost, Wohnung und Kleidung im 5)ause. Er arbeite, ja, aber dazu sei er eben nach Sj 1617 des Bürgerlichen Gesetzbuches verpflichtet, denn er würde ja von ihm unterhalten— er habe ja auch die ganze Familie des Sohnes unterlialten, aber die Frau wolle eben nicht arbeiten, darum sei sie ja weggelaufen, ja...„Weil ich noch am Tage, wo der Junge geboren wu»de, aus'n Wagen mußte! Den Jungen hätte ich ja bald in die Markthalle jctricht!" Und dann erfährt man auch, warum eigentlich der Sohn noch immer„Kind im 5) aus«" ist: Da ist also noch ein alimentationsberechtigtes Kind, für das auf dies« Weise die Alimente gespart werden sollen: Wahrscheinlich fällt es nun der Wohlfahrtspflege zur Last... Die LerhanWung dauert nicht lange, das Gericht zieht sich bald zur Beratung zurück und ver- kündet das Urteil: Die jung« Frau sei mit ihrer Klage abzuweisen, denn für das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses sei nicht die tatsäch- l'.che Arbeiisleistung. sondern der Wille der Parteien maßgebend. Ein Arbeitsverhältnis aber habe nach der Erklärung des Sohnes wie des Vaters nicht bestanden: beide beriefen sich aus das Bürger- liche Gesetzbuch. Wenn auch das Gericht durchaus die Handlungs- weise des Mannes, der sich so seiner Unterhaltspflicht entziehe, ver- urteile— rechtlich bliebe nichts anderes übrig, als di« Klag« der Frau abzuweisen, denn si« hätte das Bestehe» eines Arbeilsverhält- nisses eben nicht beweisen können. Also siegen wieder einmal die j Paragraphen über den gesund«» V«nschenverstung". In. letzter Zeit haben die Bühnen einen Generalangriff auf die Methoden der Strasjustiz eröffnet. Die Dramatiker tasten sozu- sagen allmählich das Gefamtgebict des Strafrechts kritisch ab. Wir haben Schauspiele gegen die Todesstrafe, gegen den Indizienbeweis, gegen einzelne Paragraphen, gegen den Strafvollzug, gegen die Militärgerichtsbarkeit, gegen die Art des Wiederaufnahmeverfahrens gesehen. Jetzt wenden sich— im R e na i ss a n c e- T h ea t e r— der bekannte Strafverteidiger Max Alsberg und der Journalist Otto Ernst Hesse gegen eine Einrichtung der Strafprozeß- ordnung, deren Wert namhafte Juristen bezweifeln, gegen di« Vor- Untersuchung, die nicht öffentlich geführt wird und dem Unter- suchungsrichter daher das Schicksal des Verdächtigen auf Gedeih und Verderb in die Hände legt. An einem krassen Fall zeigen die Verfasser, wie ein an sich gewissenhafter Richter eigensinnig an einer vorgefaßten Meinung festhält, einen Unschuldigen durch die Methoden der Voruntersuchung körperlich und seelisch zerbricht und das zu erwartende Hauptoerfahren in eine Richtung drängt, die für den Angeschuldigten verhängnisvoll geworden wäre, wenn ihn nicht ein Zufall gerettet hätte. Eine Prostituierte, die einen Stu- deitten zum Geliebten hat, ist ermordet worden Da er am Mord- tage eine erregte Auseinandersetzung mit ihr gehabt hat, kommt er in Verdacht. Schwere Indizien sprechen gegen ihn. Er könnte sie entkräften, aber sein Mund bleibt verschlossen, denn mit seiner Aussage würde er einen Freund schwer belasten, der ihm einen Dienst geleistet hat. Er verwickelt sich in immer neue Widersprüche. Dieser Freund ist übrigens der Sohn des Untersuchungsrichters. Fast bis zur letzten Szene tippt das Publikum darauf, daß er der Täter ist. Endlich wird der wahre Mörder entdeckt und nur dadurch der Student frei. Der am meisten Erschütterte bleibt der Untersuchungsrichter. Trotz aller Objektivität hat er einen Unschuldigen zum Geständnis pressen wollen und ihn damit namenlos gequält. Wer die Vor- Untersuchung führt, setzt seine Ehre darein, den Fall sür die Haupt- Verhandlung so zu klären, daß das Urteil von vornherein feststeht. Diese Methode bekämpfen die Verfasser. Sie Hirtel» ihr Stück äußerst wirkungsvoll aufgebaut. Es ist ein knalliges Kriminaldrama geworden, das«ine gut« Tendenz veredelt. Wodurch die Voruntersuchung ersetzt werden soll, erfahren wir nicht. Wenn sie sür Menschlichkeit und tiefes Eingehen in die Seele des Beschuldigte» plädieren, so ist das schön, aber selbst- verständlich. Sie zeigen keim» Weg aus den bestehenden Schwierig, keilen. Wie schon der eine Verfasser, Hesse, in seinen: Drama „Wiederaufnahme beantragt", begehen sie den Fehler, das Schau- spiel durch andere ausgezeigte Probleme zu belasten und dadurch die einheitliche Linie zu stören. Aber es wird seinen Weg machen. Es ist von der ersten bis zur letzten Szene spannend, es vermittelt starke Eindrücke vor allem durch die glänzende Darstellung Hans Brausewettcr als Sohn des Untersuchungsrichters verkörpert die prächtig« heutige Jugend mit hinreißendem Temperament. Matthias Wie- mann erschüttert als beschuldigter Student, er gibt gewissermaßen ein Gemälde des allmählichen Zusammenbruchs einer bis zum Wahnsinn gequälten Seele. Eine unvergeßliche Leistung. Mar Paulsen, Julius Falken st«in, Ludwig Stößel, Ferdinand von Alten und viele andere tragen zum guten Zusammenklang das ihre bei. Ernst Oexner. „Brand in der Oper." Capitol. Die Handlung verfügt über keine besonderen neuen Reize. Der Privatsekretär ist eben scharmanter als der Trustdirigsni, der sich auch sonst recht blöd anstellt. Gustaf Gründgens gibt ihm die Hallung eines angetrottelten Dekadenten, der sich aber in Augen- blicken der Gefahr zur Heldengcste aufrappelt. Beide lieben eine kleine Opernsängerin— dritter Page im„Tannhäuser" und ähnliches ist ihr Fach— und der Scharmante geht schließlich als Sieger hervor. Die Rivalen stürzen ms brennende Bühnenhaus, und Gustav Fröhlich, gestrasst und gebändigt in seiner Jugendlichkeit, trägt die Geliebte ins Freie, während Gründgens sein Monokel sucht. Eine witzige Pointe bei der Kalastrophe, die übrigens keine ricjen- haften Dimensionen annimmt. Das Theater brennt bei einer Auf- jührung von„Hoffmanns Erzählungen", ein« Reminiszenz also an den großen Wiener Thectterbrand in den Wer Jahren. Trotzdem das Manuskript nicht reich an Einfällen ist, entsteht dank der Regie Carl Fröhlichs ein Film, der von der ersten Szene ab fesselt. Es ist ein leichtes, graziöses Spiel mit witzigen Arabesken, und auch der Theaterbrand verliert seine Schrecken, er wird wenigstens nicht darauf stilisiert. Der Hauptakzent der Regie liegt aber diesmal auf dem Musi- kalischen. Es fehlen die üblichen Schlager und Operettenmelodien. An ihre Stelle tritt die Oper. Da der Film hauptsächlich im Theater spielt, verflechten sich diese Ausschnitte aus„Tannhäuser" und „Hofsmanns Erzählungen" organisch mit der Handlung. Man hört den Schluß des Sängerkrieges und die Proben zu Ofsenbachs Oper, und hierbei erreicht die Regie ihren Höhepunkt. Es l)andelr sich um ein mittleres Provinztheater, und Fröhlich läßt in diesem Stil spielen mit den langen Barten, den wilden Schwimmbcwegungen und Gesten, und selbst Appels schlanker Tenor klingt dreiig, wie es bei provinziellen Heldentenören üblich ist. Nicht einmal als Persiflage kann man das Ganze ansprechen, sondern als das Bemühen, die Wirklichkeit der mittleren Provinz ins Filmische zu übertragen. Die Novotna, Alexa Engström. das Orchester der Städtischen Oper unter Seidler-Winkler sind ausge- boten. Klanglich treten die üblichen Tonverzerrungcn auf. Sieht man bei dem augenblicklichen Stand der Technik davon ab, so ist dieser Film nur zu bejahen. Die Emclka-Wochenschau zeigt Aufnahmen von der Reichs- bannerkundgebung.__ F. Seh. Nazi-Splitter (au« zerfchtaaenen Scheiben aeiogen). In der Leipziger Straße Haben di« Nationalsozialisten ihr Ar- bcitsbeschaffnngsprogramm in die Tat umgesetzt. » Jetzt endlich kennt man Hitlers Geldgeber: seine Bewegung wird von der G l a s e r: n n u n g finanziert. Minister Franz«». Ihm ruhen noch in: Zeitenschoße Die echten und die falschen Löhs«! Joe. Freibeuter in Konkurs Oer tote(Sozius als Lebemann— Oas Konto der teuren Gattin Jusatumolbruche von Industrie- und Handelsunternehmen gc- hären bei der Planlosigkeit des kapitalistischen Systems zu den täglichen Ereignissen im Wirtschaftsleben. Auch in söge- nannten„guten Zeiten" reißt der Strom der plötzlich zahlungsunfähig gewordenen und zusammengekrachten Unternehmungen nicht ab, aber in Krisenzeitcn führt die mächtig anschwellende Konkurswelle, die ja nicht nur die Schuldner, sondern oft genug auch die auf ihren Forderungen sitzengebliebenen Gläubiger mit in den Strudel hinein- zieht, zu schweren Erschütterungen in der Wirtschaft. Zu einer öffentlichen Gefahr aber werden die Zusammenbrüche der Firmen, deren Inhaber in gewissenloser Weise sich noch in letzter Stunde durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Kredite erschlichen und unmittelbar vor dem Zusammenbruch selbst noch ihr Schafchen ins trocken« ge- bracht haben. In derartigen Fällen, die sich besonders in Krisen- Zeiten häufen, entstehen für die Gläubiger oft Millionenoerluste, die auch gesunde und fest fundierte Unternehmen nicht aushalten können. Ein ganz besonders krasser Fall von geschäftlicher Unmoral hat sich jetzt wieder bei der großen Berliner Lederfabrik Solomon u. Co. ereignet, der für die Zersetzung der wirtschaftlichen Moral wahre Bände spricht. Bei dem Zusammenbruch dieses Uillernehmeits, dessen einer Inhaber, Dr. Otto Steven, in der Lederindustrie eine »ührende Roll« spielte und eine große Zahl von Ehren- ä intern bekleidete, war es den Inhabern noch gelungen, ein Ber- gleichsocrfahren bei den Gläubigern zu erreichen und den Konkurs zu vermeiden. Wie der jetzt dem Konkursrichter zugegangene Bericht des Gläubigcrausschusses aber zeigt, haben die Inhaber die Zeit benutzt, um möglichst viele Werte beiseite zu schaffen. Was der Bericht im einzelnen über die Zustände bei dem Unter- nehmen anführt, spottet tatsächlich jeder Beschreibung. In der Buch- Haltung und der gesamten inneren Geschäftsführung herrscht« ein derart heilloser Wirrwarr, daß die Kontrolle nahezu im- möglich gemacht wurde. Im Mittelpunkt der Enthüllungen des Gläubigerousschusics steht eine offenbar auf ganz großer Basis durchgesührle Kapitalslucht ins Ausland, die über zwei„holländische Beteiligungen" gelenkt wurde. Einer der beiden Inhaber hat noch die Zeit zwischen der Zahlungseinstellung und der Durchführung des Vergleichsverfahrens zu einer Reise nach Holland benutzt, deren Ergebnis das Verschwinden einer Anzahl wichtigster Geschäftsunterlagen war. Ueber die holländischen Zweigstellen des Unternehmens sind massenhaft Buchungen von Gutschristen und Belastungen vorge- nonimen worden, die jeweils den„besonderen Zwecken" dienten und mit allem anderen zu tun hatten, nur nicht mit ordnungsgemäßer Buchführung. Zu welchen Grotesken diese geschäftstüchtige Buch- Haltung führte, zeigt der vom Kontrollausschuß aufgedeckte Fall, wo ein bereits vor zwei Jahren verstorbener Mitinhaber noch lange Zeil nach seinem Tode große Summen aus dem Geschäft zur persönlichen Verwendung entnommen hat. Natürlich sollte auch über die teure Gattin noch soviel wie möglich„gerettet" werden. Die Ehefrau des einen Mitinhabers trat bei den Vergleichsverhandlungen plötzlich mit einer Forderung von über S00 000 M. auf, obwohl, wie sich jetzt herausstellt, ihr ganzes Guthaben bei der Firma sich auf 6,62 M. belief. Die Manipulationen der Geschäftsinhaber haben dazu geführt, daß bei dem jetzt verhängten Konkurs für die ungesicherten Forde- rungen von mehr als einer Million nur 3 Proz. in der Konkurs- »lasse vorhanden sind. Eine ganze Anzahl Fragen aus diesem Konkurs dürften wohl bald Aufklärung durch den Staatsanwalt erhalten. Hinter den Kulissen„angesehener Unternehmungen" geht es also recht lustig zu und auch dort, wo der Inhaber eine führende Rolle in seiner Industrie spielt und„Ehrenämter" in Menge auf ihm lasten, gedeiht geschäftliche Unmoral ganz prächtig. Es wäre kindisch, diesen Fall verallgemeinern zu wollen, aber die Herren der Privatwirtschaft, die immer auf sehr hohem Roß sitzen, wenn es gegen die öffentliche Wirtschaft geht, sollen erst einmal gründlich ihr eigenes Haus r e i n f e g e n, ehe sie mit dem Brustton der Ueberzeugung gegen die angebliche Korruption bei öffentlichen Betrieben und Verwaltungen loswettern. Oer lehie stumme Film. „Der Kuß" mit Greta Garbo. Der Tonfilm hat seinem Vorgänger, dem stummen Film, mit cinemmal den Garaus gemacht. Nicht, weil dieser die Bahn seiner Entwicklung durchlausen hätte oder weil jener ihm absolut überlegen märe. Im stummen Film ist gewiß sehr viel Schlechtes gegeben worden, aber der Tonfilm macht ihm zunächst olle seine Kinderlrank- heiten noch einmal nach, ohne doch bisher gleiche künstlerische Höhe- punkte erreicht zu haben. Aber was soll man machen, die Produk- tion im Bunde mit dem Apparatebau stellt nur noch Tonfilm« her, und nächstens wird man in der ganzen Welt nur noch aus den Filmarchiven die Kopien stummer Filme beziehe» können. Da ist es beinahe ein Ereignis, wenn wieder einmal ein stummer Film als Uraufführung herauskommt. Im„Theater am N o l l e n d o r f- p l a tz" wird uns Greta Garbos letzter stummer Film„Der Kuß" gezeigt und wieder einmal tritt auch ein eigenes Orchesters unter Leitung Otto Stenzeels in Funktion. Jogues F e y d e r ist der Regisseur dieses Films, für den Hans 5l r ä I y noch einer omerikanifäzen Novelle das Manuskript schrieb. Es ist ein Kammerfilm ohne Massenszenen, ohne das Aufgebot der allzu beliebten Filmreguisiten. Eine psychologisch vertiefte Liebes- gefchichte mit kriminalistischem Einschlag. F e y d c r, einer der feinsten französischen Regisseure, bleibt seinem Ruf treu. Er gibt ein« sehr gute Arbeit mit psychologischer Vertiefung und guten Ein- fallen. Mn» entbehrt das Alltagsgewäsch des Tonfilms durchaus nicht, wenn einen der stumme Film zunächst auch seltsam berührt. Es gibt freilich sehr viel Titel, darum ist dieser Film nicht das best« Vergleichsobjckt. Aber trotzdem zeigt er auf manchem Gebiete die Ilcbcrlegenheit des rem bildmüßigen Films und vor allem auch des stummen Spiels. Greta Garbo kann eine ganze Skala ihres nuanccrcichen Könnens entwickeln: die mit einem älteren brutalen Mann unglücklich verheiratete junge Frau, die sich von ihrem ge- liebten Anwalt trennen mußte. Sie hat einen harmlosen Flirt mit einem jungen Verehrer, ihr Mann überrascht sie, wie sie jenem beim Abschied einen Kuß gibt und hätte ihn getötet, wenn sie ihm nicht mit ihrem Revolverschuß zuvorgekommen wäre. In der höchst span- nenden Gerichtsoerhandlung gelingt es ihrem Freund, dem Anwalt, sie van der Mordanklage freizubekommen, weil er selber an ihre Unschuld glaubt. Aber auch als er den wahren Tatbestand erfährt (der auch im Film erst ganz zuletzt herauskommt), wahrt er ihr seine Liebe. Neben dem überragenden Star kommen doch auch die anderen Darsteller, besonders Konrod Nagel und Lew A y r c s (der junge Verehrer), zu ihrem Recht. r. Oie polowzer Tänze. Labans Debüt in ber EtaaiScper.' „F ü r st I g o r" von B o r o d i n ivurde Sonnabend zum ersten Male in der Linden-Oper gegeben. Für die Musiker. Die Tanzkritiker hatte man zur gestrigen ersten Wiederholung geladen. Denn diese Aufführung ist nicht nur ein musikalisches Tagesereignis, fondern auch ein Ereignis in der Entwicklungsgeschichte der Tanzkumt am Berliner Opernhaus: Die Aera Terpis ist beendet, Rudolf von Laban beginnt seine Tätigkeit als staatlicher Ballettnieister. Am Schluß des zweiten Aktes führt er die Polowzer-Tänzc auf. Wir kennen sie vom russischen Diagileff-Ballett her. Dort waren es kunstgerecht« Theatertänze alten Stils. Hier find sie aus russisch- tartarischen Motiven erivochjcne moderne Tänze. Dort trotz aller wilden Beweglichkeit kühle Artistik. Hier heißes, glutvolles, sprühendes Leben. Gruppen, die stets ein organisches Ganzes bilden, das als solches und auch in seinen einzelnen Gliedern lebt. Wie die Gruppen, die Reihen, die Einzeltänzer mit- und gegeneinander wirken: wie der Akzent des Mossenausdrucks bald durch die Beine, bald durch die Rümpfe, bald durch die Arm«, durch die Finger gegeben wird: wie bei klarster Staffelung und straffster Gliederung doch der Eindruck des Fessellosen, elementar Unge- bändigten erzeugt wird— das ist das Resultat einer großen, reisen, feinen Kunst. Bollkräftiges Leben in rein abstrakten Stilformen ge- staltet. Akrobatik als Frucht scheinbar urwüchsiger Temperament- äußerung. Strengste Gruppendifzipli», die leichte, fröhlich-freie Zufallswirkungen schafft. Die Männergruppen(unter Führung von Keith, Iunk, Kölling) stärker und gehaltvoller als die Mädchengruppen. Das Ganze einheitlich zusammenklingend zur Melodie des rhythmisch schwingenden Raumes. Zu einer Melodie, die nicht mit dem Gehör, sondern mit dem Körpergesühl auf« genommen wird. Und die dem Richtsalsmufiker unfaßbar zu sein scheint. Denn sonst wäre der peinigende Zwiespalt nicht zu erklären, der außerhalb der Laban-Tän.z« sich immer wieder aujtat zwischen dem Rhythmus der Musik und der Bewegung nainentlich der Massen auf der Bühne. Eine Tortur für jeden tänzerisch Empfindenden. Hier öffnet sich dem neuen Ballettnieister ein weites und fruchtbares Feld. Ein Regisseur tut not, der die Massen- und Einzeibewegung in streng« rhythmische Bahnen Zwingt. Wird es Herrn von Laban, dessen Debüt«inen starken, unbestrittenen Triumph brachte, gelingen, seine Autorität gegenüber den leitenden Musikern in dieser Hinsicht durchzusetzen?_ John Schikowsld. Racheakt eines Liebhabers. Tragödie in einer Laubenlolonie in Berlin NO. In einer Laubenkolonie an der Landsberger Chaussee spielte sich in der vergangenen Nacht eine Tragödie ab, die in ihren Einzelheiten noch der Störung bedarf. In einer geräumigen Laube wohnt dort die 30jäHrig« Frau Minna A. Gegen 6 Uhr früh wurden Nachbarn durch ein leises Wimmern aufmerksam, das aus dem Inneren des Häuschens drang. Als die Leute nachforschten, sahen sie Frau A. mit einer schweren Kopfverletzung auf dem Boden liegen. Alles deutete darauf hin, daß die Frau überfallen und niedergeschlagen worden war. Die alarmierte Kriminalpolizei nahm den Befund auf, und dabei stellte sich dann heraus, daß Frau A. zunächst niedergeschlagen worden war und der Täter auf die am Boden Liegende noch mit einem stumpfen Gegenstand, vermutlich mit einem Hammer, ein- geschlagen hatte. Als die Schwerverletzte für wenige Augenblicke die Besinnung wiedererlangte, bezeichnete sie den 35jährig«n Monteur K. B. aus der Seumestraße in Lichtenberg als den Täter. Die Beamten eilten daraufhin nach Lichtenberg, wo sie B. in feiner Wohnung mit einem Schläfenfchuß bewußtlos auffanden. Der Täter und fein Opfer fanden im Lichtenberg«? Krankenhaus Aufnahme. Beider Zustand ist sehr bedenklich. Nach den bisherigen Ermittlungen hat B. die blutige Tat aus Rache begangen. Er unterhielt mit Frau A., die von ihrem Manne getrennt lebt«, länger« Zeit ein Verhältnis. Bor wenigen Tagen söhnte sich die Frau mit ihrem Mann wieder aus, und sie gab B. zu erkennen, daß sie nichts mehr von ihm wissen wolle. Streckenwärters Tod. Im U-Bahntunnei zwischen den Stationen Hallcsches Tor und Belle-Alliance-Siraße wurde in der vergangenen Nacht der Strecken- wärtcr Gustav R a in b o w aus der Chodowieckistraße 9 von einem Zuge erfaßt und viel« Meter mitgefchlcift. Mit furchtbaren Ver- letzungen wurde der Verunglückte geborgen, wenige Minuten später trat bereits der Tod ein._ Die Gesavgsgemeinschast Männer- u. Gemischter Chor Friedenau-Stezlitz und Volkschor TcmpelhoJ-ZNoriendors gibt am IS., 18 Uhr, ein Herbst-Konzert jm Große» Saal des Parkrestaurents Südcnde. Die Herbstausstellung de» Vereins Berliner Künstler, Bcllcvuestraße 3, wird am 19., Ii! Uhr, eröffnet. welter für Berlin: Noch ziemlich heiter, tagsüber wieder sehr mild: südliche Winde.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche Fort- dauer des beständigen Wetters. Veraniwortl lllr dir Redaktion: Wollgang Schwor,. Berlin: Anzeigen: Th.«l-ckr. Berlin. Berlag! Borwärts. Verlag ffi. m. b. s.. Berlin. Bruck: Vorwärts Buch. bruckerei und Beriagsanslalt Paul Singer§e Co.. Berlin EW K8, LindenstraKe i. Hierzu 1 Beilage. Ihcalec, LiJtLspiele usw. Iheaten. n. Belirenstr. 53-5I! Direktion Ralph Arthur Robert» «>/. Das naBSicne ma�ctien Cn�ilsc— Kübels— Ricmann. i Sonnias; nachrn Uhr kleine P eise Arm wie eine Kirchenmaus mli Luc f En lUch. SBOSS.SCBAUSPlELHADSS NurnochlWocen iMSüge Witwe Hesforborf:. f�au.sen, Arno. Seliollwer, JataliuIJO.Scliaefler», WiokelstorB» l>esnl. K E C> I F: CJ H A REFF ROSE -Thomt«r Gr. Frankfurter Streß« tja Ale* 3422 u. 3494 Täglich 8.15 Uhr fFonn-ib. T» u. lO�ü-Sann- t-,5» 2«, u. 9« Uhr) In der Johannisoacht Mn»ikaliBche« liustspirl von Robort und Joan Gübort Regie; Hant Rosa Ausstattung: Waltor Flschar Orchester: Max Schmidt In dau Hauptrollen: Traute. Hans und WUti Rott, Hilde Hoter. Amanda Lrndner, Ditters, Kanisch und Wild«. Theater für die Kinder: Jed. Mittwoch 5 ü.; Häusel u. firejcl Jed. Sonnebd. 4� 17.: Dornröschen (Preise von 30 Pf. bis 1.50 M) "Vornngelyei Ab 23. Oktober jeden Montag, Dienstag, Dnpnerstag, Freitag 5� Uhr: Fnmillen-NaclimltfaKe- Zur Aufführung gelangt mit Traute. Hans. ra-ra-ETin Rosa, Amanda lindner, Hafer. K&nlsch e. Wilde. Preise von 30 Pf. bis 1.50 M Garderobe u. Progr. je 10 Pf. 20 Minut. Kaffeepause Kaffee und Kuchen 25 Pf Kinder haben Zutritt. Dm V r vor kauf i-r Täa. S u. Ol 5 ionni. 2. Sa tp" Alex. E 4. 8066 Heaic letzter Ta�! BeSla Siris in ihren Demonstraiionen .Wie bleibe ich jlliiz. sdilank end elasfisth?««■ Ab morgen! Sylvester Schäffer und vollständig neue Attraktionen Rose- Theater Gr.rninklnrt8rSlr.iJ2 Tel. Alex 3422 U. 3494 S Uhr Blnsei uud Grete! S.IS Uhr In der Inhannisnadjf metropoi-iheater Täglich 8'/« Uhr SensailoDcller Operettenerfolg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Lustspieihaus Dir.; Hins LDpsdiütz Täglich 8>l, Uhr meine Schwester und ich Musik von Benatzky Lory Leux. Kurt von.Viöllendorl Tiieat. d. Westens SV, Uht Brest LKo sk von Hans L Rebfisü. HayBIar. Homoika, BW. Inns. Bart. Sayan. ReaB Lessing-Tiieai. Mittw und Do geschlossen Ab Freitag 8U (ananifdie« ' TUeakr Diensiag, 21. 1 Premiaro Elisabeth, Königin im England LICHT Die Sehenswürdigkeit Berlins— Die führende Varietd- und Filmbühnc Direktion: Luis Gutman Berlin• Gesund brunnen Von Dienstag, 14. Okiober bis Moniag, 20. Ok ober Lichiburg-Orchester: Franko Fedeii Var{et6» Tonfilm. Hermann Picha mit Hella Tornegg in derhumor. Szene Knalscfakes Fahrt ins Glück Ferner treten auf: Jolly, Jonny, Jones& Comp., d Drahtseilwundtr der komische Balanceski Borelli-Brothers o. die entzridceiile ßeltlna Und in neuen Tänzec. Komm' za mir zum Rendez-vous Regie: Carl Boess, Dialoge: Walter Hasenclever. mit Alexa Engström, Walter Riifa, Ralph Arth. Roberts, Fritz Scholz. Szöke Szakall, Lude Englisch, Trade lieske, Pan�MorjaMJaroaRt�Ra�fem� Achtung! Achtung! Sonntag. 19. Oktober, mitt 12 Uhr Eianaliges Hkskoniert v. Inireas Weissgerir Dettschlands bester Geigen-Virtuos:. Preis» der- lätze:—.80, 1.—. 1.20. Logen 1,50 H. Wochentags: 4. S1�, Uhr Sonntags: 3, 51'2, 8'.« Uhr Eintn tspreise: RM 1,—, 1,20. 1.50 (L gen 2,—), Sonntags3Ui rtinheits- preis RM. 1,— Vorve- kauf ab 12 U. unumerh ochen für 7 Ta. e m voraus Reichshailen-Theater AJ>ends|_8j Sonnfag nachm. I 3. i Steltiner Singer Das wunderrolle Oktober- Programm. 'Nachm. ermäßigte Preise! Tel. Zentrum 11263. TRI Dönhoff- Brettl: Variete. Tanz. Kapelle Hans Sixtus. BarnowskHQhnen Theater In der uiresemaonsir. Täglich 8Vt Uhr Sturm im Wasserglas Hmlillii von Frank. Komödienhaus S1« Täglich S1« Konto X von Bernauer rnill Oeslemidier Komische Oper ß'.a Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV* Uhr Max Adalbert in MöRers Centselies KuDSlIer-Iheai. Tel Bar&arosta 3932 SV» Uhr Jim und Jih ögcrtile». Vivian tllis Renaissance- l beater Steinplatz 6780 ienstag, 1.4. Okt. 71 2 Uhr Dsufsdie HrzMliwiiz! foruntetiiidiiiDü von Max Alsberg und O. E. Hesse MWNNI WZM Neues Theater "i am Zoo mm» HmBatuih.ZuD. Stpl. 6554 Täglich SVa Uhr Letzte 3 Vorstellg. Lommel in der Posse Paul und Pauline Rundfunkhöre i halbe Preise. jgMfttr Dönh. 625, 626. Täglich» Uhr Alexander Moissi in „Der Idiot" v. Postofcwkil Uiealer am Kottb. Tor Kottbusser Str. 6 F.8. Oberb. 6070 iägl. r. U., Sorni auch 3V- Uht Eilte- Sänger Präsident Zunkel Sr. Traemspic!- httlrke Sdiorsdi Ruselll ".vde CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37_ Für unsere Leser: Gutschein 1—4 Personen. Fauteuii 1,25 M. i es sei 1.75 M, Parken 0.75 M Rang 0,60 M Nor vom I. bl» 31. Oktober 1030 Oer Schlager all erPossen. Hurrah, ein Junge! II»IUNI»llIttI»«Nt»«tt>lI»UUlUI«NttttMN»«»tt»»"«»II«I>N und ein erstkl. buntes Programm Slrumpfe wasche Gardinen Kaulhaus Emil Moses Haiti. Blrkenstr. 29(Eibe Potlitistr.) Aeifoge Mittwoch, 15. Oktober 1930 SprÄbimd StinJnnkgnße Jti VoYvtäfto Vorfloß im wilde Xafiflan Siaifan und die fünf Treiber Oefpenflifche llachiirache Sonderbares Pech verfolgt mich bei meinen Wachen. Letzte Nacht hatte ich von tl> bis 12 Uhr aufzupassen. Als ich kaum einge- schlafen war, stößt mir mein Vormann in die Rippen:„Möller, es ist Zeit, zweite Wache." Langes Gähnen meinerseits.„Draußen am Strand ziehen verdächtige Gest alten herum," damit wollte er mich ködern. Jedenfalls erreichte er auch damit, daß ich mich langsam aus meinem Schlafsack bewegte, die Lampe in Empfang nahm, mich draußen aus einen der niedrigen türkischen Hocker setzte und eine Zigarette rauchte. Mit dumpfem Krachen schlagen die langen Wellen ans Ufer. Vorher aber, wenn sie über die angeschwemmten Steine rasseln, wird es zu einem immer näher kommenden Geknatter, das langsam wieder verschwindet. Es hört sich an wie Moschmengewehrfeuer und ferner Geschützdonner. Ein unheimlicher Spuk in dem fahlen Mondlicht einer tropischen Nacht. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Di« Laterne habe ich ausgemacht, um auch in die Fern« sehen zu können. Nun begebe ich mich aus die Runde ums Lager. Rollendes Schnarchen ertönt aus dem großen Gruppenzelt. Das Proviantzelt ist noch in Unordnung von dem großen Abschiedsschmaus am Abend, dessen Zuberettung sich so lange hinzog, daß uns die ungewöhnlich schnell hereinbrechende Dunkelheit überrascht hatte. Sonst ist nichts Verdächtiges zu bemerken. Ich setze mich ruhig auf eine Bant am Strand und schaue in die silbern glänzende Brandung. Da, bei einem zufälligen Blick habe ich es bemerkt, regt sich dort hinter der Mauer nicht etwas? Richtig, es schlürft leise durch den Sand, als schleiche sich jemand heran. Ebenso vorsichtig taste ich mich an die Zeltwand und wäre dabei beinah« noch üb«r die Schnüre gestolpert. Wieder erscheint hinter dem Schatten der Mauer ein heller Punkt im M o n d l i ch t, der gleich daraus wieder verschwindet, gerade, als blicke jemand über die Mauer. Nein, vorher muß ich mich erst genau orientieren. Ich schleiche mich also an das andere Ende der Mauer, krieche im dunklen Schatten hinaus und schaue, auf dem Bauche liegend, auf die andere Seite. Das nächste war, daß ich einen Stein aushebe und unter mächtigem Fluchen in die Gegend feuere. Ich selbst pollcre hinter- her, ein ganzes Rudel großer Hunde in die Flucht jagend, die sich die Reste des gestrigen Essens in dem Sande ausgegraben hotten! Verdammte Köter! Mit der Schönheit der Nacht ist es aus, doch die zwei Sttinden sind gleich herum und der Nächste mag genau so eingehen. Jlufhrucii Endlich ist alles richtig verpackt. Jeder hat sein Anteil Gepäck für die Pferdelast abgegeben. Dazu kommen zwei große Säcke mit Brot und Fladen sowie ein hoher Stapel von dem runden, scharsen B e r g t 8 s e, den wir in der Stadt aufgetrieben haben. Die Zinnkisten mit dem Rest des Proviants: Maggi, Tee, Zucker und alles mögliche HöHensutter, nebst den Ausrüstungsgegenständen, alles zusammen ergibt fünf schwere Pfcrdelasten, zu je etwa 40 Kilo. Nachdem die Pakete gleichmäßig verpackt und geschnürt sind und mit dem Laden begonnen werden soll, sällt unseren braven Treibern erst ein, daß sie für die steinigen Wege die Tiere ja vo r h e r b e- schlagen müssen. In aller Gemütlichkeit holt der Schmied seine Eisen hervor, die den ganzen Huf bedecken, und schlägt sie kunst- gerecht ein. Währenddessen steigt die Sonne immer höher, die Hitze wird immer unerträglicher. Gegen Mittag geht die Karawane los. Die Treiber in ihren schweinsledernen Opanken und bunten Ziegenhoarsockcn jagen die Pferde an, die die schweren Lasten wieder abwerfen wollen und die mühsam gezogenen Stricke in Unordnung bringen. In demselben langsamen Tempo wie die Tiere steigen wir mit Eispickel, schweren Bergstiefeln und dem Rucksack mit den not- weifbigsten Dingen hinterher. D i e Frauen drücken sich an den Straßenrand, wenn sie uns kommen sehen und decken ihr Tuch übers Gesicht. � In den engen Basargassen der Stadt umdrängen uns die Männer, fragen unsere Treiber über unser seltsames Vorhaben aus und bestaunen die komischen Geräte, die wir mit herumschleppen. Am meisten nmüsicren sie sich über unsere Leica- Photoapparate. Die eifrigen Knipser unserer Gesellschaft reißen die winzigen Klein- kameras zum Visieren an die Augen und ehe die Leute aufniecksam geworden sind, ist das Bild gemacht. Nun lausen sie hinterher und wollen auch durch diese seltsamen Kästen sehen. Als wir ihnen be- grcifilch machen, daß es Photoapparate sind, wollen sie gleich die Bilder sehen und siird enttäuscht, daß wir das nicht machen können. Unten am Strand bei ihren Photographen mit den urollen, riesigen Kästen können sie ja sogar aus die Abzüge warten und sie lassen sich gerne und oft photographieren. Auf dem großen Platz vor der Moschee, wo der Vorhos mit den Waschbecken steht, der allgemeine Treffpunkt der Mohammedaner. hoben sich zum Abschied unser« Freunde vom türkischen Klub ein- gefunden. Hier gesellt sich auch Hassan unser junger Ueberseger, mst einem riesigen Vorderlader bewaffnet, zu uns An den offenen Basarständen werden schnell noch Zigaretten, türkischer Honig und Obst eingehandelt, dann heißt es: alles fertig, Abmarsch. 3)ie erfle 3töhe Hell klingt das Geklopper der neuen Hufe auf den glatten Steinen. Di« spitzen Raudnägel der Allgäucr Bergbeschläg« graben dick« Kratzer in die Marmorplatten und die frischgeschlifsenen Spitzen der Pickel stechen tiefe Löcher in die weiche Erde. Der Schweiß läuft in Strömen über die eingefetteten Gesichter. Jeder Schritt aufwärts, jeder Zenttmeter Höhe öfinet aufs neue die Poren. Schon dringt die Feuchtigkeit durch das Unterzeug in die Hemden, wo es von der glühenden Sonne sofort wieder aufgetrocknet wird. Bedotta* fpriiHgen klar» Quellwalser üb« den Weg. Brunnen, an denen die Frauen schwatzend stehen und Wasier in ihre kühlen Tonkrüge füllen, werden zum Verhängnis. Selbst der kleiirste Schluck des köstlichen Naß rächt sich bitter durch doppelt starkes Schwitzen und zunehmende Ermattung. Dabei gehen wir immer noch im Schatten der Gärten. Wein- reben und Lianengewächse überdachen den schmalen Pfad. Große Bauernhäuser liegen versteckt hinter übermannshohen Maisfeldern. Sie sind alle in der gleichen Weise gebaut; vier- eckig, mit überstehendem Dach, als Schutz vor der Sonne. Wieder begegnen uns die Frauen mit den Lastkörben. Di« Männer sitzen oben auf der Höhe im Kaffeehaus und spielen Korten. Der Freudenschrei des ersten, als er aus dem Uebergang ange- langt ist, spornt uns zu einer letzten Anstrengung an. Von hier aus haben wir endlich den ersehnten Ausblick auf d a s ferne Hochgebirge. Leider sind die Gipfel vollständig in dicke Wolken, die durch die mittägliche Hitze auffteigen, eingehüllt. Deutlich aber kann man schon die zerklüfteten Vorberg«, große Ge- röllhalden und in den Rinnen versteckte Schneeflecken unterscheiden. Der schönere Blick ist rückwärts hinunter zum Meer. Tief unten sieht man unseren Lagerplatz, dos Kasfeehaus, die langen Reihen der Basare und das große, weiße Gebäude des türkischen Klubs. Noch immer liegt unser Dampfer vor Anker. Wie kleine Punkte erscheinen die ihn umkreisenden Ruderboote. In weißschäumender Linie rollt die Brandung über den glatt nivellierten Sand des Strandes. Blauer Himmel und blaues Meer mischen sich in der Ferne. Steil liegt die Sonne über den Gärten am Fuße des Berges. Wie kleine Villen leuchten die Häuser aus dem Grün der Bäume und Maisfelder. Nirgends ein freier, unbebauter Fleck- Nun erscheinen auch Hassan und die fünf Treiber mit den schönen Namen: Abdulla, Achmed, Hemsir, Mehmed und Ali auf der Höhe. Ein kleiner Trunk Eiran(Dickmilch) im Schatten des Kassee- Hauses, dann geht der Marsch weiter nach Süden, hinunter in dos breite Asferostal. I�arl Mölicr. äDammbruch der Seele! 3)ie Qefchichfe eines Wördes Auf der Anklagsbank sitzt eine der vielen Proletarierfrauen, die trotz ihrer Not und des ewigen Schuftens doch die heldische Kraft l)aben, immer sauber und„zusammcngerasst" zu erscheinen und dieses Streben auch ihrer Umgebung mitzuteilen. Sie ist vorsätzlicher Tötung ihrer Stiestoä�er beschuldigt. Im Zuhörerraum richten sich zahllose Augen nach der Angeklagten, der man„so etwas eigentlich gar nicht zutraut". Es herrscht lautlos gespannte Stille, als der Vorsitzende die sichtlich bedrückte Frau auffordert:„Nun erzählen Sie uns mal ihr Leben." Schon nach den ersten Sätzen, die fließend, wohlgesetzt, doch auch heftig und von Erregung durchzittert gesprochen werden, spürt man das unglückselige Erbgut, das die Frau aus ihrem Elternhaus« mitbrachte: Di« Mutter z.e i t w e i s e g e i st-e s g e st ö r t— der Vater hemmungslos jähzornig. Beide Erscheinungen finden sich, wenn auch gemildert, bei der Angeklagten wieder, lind je weiter sie erzählt, desto deutlicher erscheint ein anderer Faktor auf der An- klagcbant: die sozialen Verhältnisse, die unbewußte große Schuld aller derer, welche gleichgültig die heutigen Zustände dulden oder in gedankenlosem Genuß nicht nach dem Schicksal derer da unten fragen. Die„himmlischen Mächte", welche den Armen schuldig werden lassen, sind höchst realer und irdischer Natur. Sie beginnen hier zu spielen mit dem entwürdigenden Dasein des Dienstmädchens, das die Angeklagte jahrelang getragen hat, ohne zu murren. Nur ein einziges Mol ist ihr die Galle über- gelaufen bei einer Herrschaft, welche dein Mädchen die Holzscheite zum Feueranmachen stückweise zumißt und hart schimpft, als das ge- plagte Wesen sich einmal die vorschriftsmäßige Zahl gleich für die ganze Woche mitbringt. Da schmeißt sie ihr den Krempel vor die Füße und verläßt den Dienst. Die Sehnsucht nach dem eigene» Haus st and wächst. Mit 32 Jahren heiratet die Frau einen Witwer, der drei Kinder mit in die Ehe bringt. Sie muß fortdauernd mitarbeiten. Der Mann vernachlässigt sie bald, als er ihr Bargeld geringer sieht, wie er sich das dachte Er steht ihr ganz feindselig gegenüber, da sie sich Mutter fühlt. Alles Fraulich« in ihr bleibt unbefriedigt; sie über- rascht den Mann mit einer anderen, bei der er sich unter falschem Namen eingeführt hat. Bestrebt, ihm selbst zu zeigen, wie so was tut, besucht sie mit einer Freundin ein Vergnügen; der Mann folgt, schwärzt ihr Gesicht und Kleider. Die Nacht über traut sie sich gar nicht nach Hause aus Furcht vor den Mißhandlungen d«s Mannes, denen sie schon sortdauernd ausgesetzt ist. Zu den Kindern kommt sie unter diesen Spannungen in kein lichtiges Vcrlstiltnis; sie möchte Liebe und Anerkennung als Mutter erzwingen, versucht dabei den Widerstand der ältesten Tochter, die schon an die zwanzig heran ist, mit Schlägen und Schimpsworten zu brechen. Selbst ihren eigenen Jungen behandelt die Nervöse nicht anders; sie schlägt oft hart, obwohl es ihr nachher wieder leid tut. Mit der Aeltesten kommt es zu gegenseitigen Schimpfe- rcien und Schlägereien: die Familie stellt sich auf feiten der Tochter. Man ißt nicht mehr an, gemeinsamen Tisch, geht sich aus dem Weg, Spiegel werden verhängt, dos Betreten dieses oder jenes Raumes untersagt und was dergleichen Schikonen mehr sind. Mtt aller Kraft haßt die Angeklagte in der Stieftochter die junge Frau, verdächtigt sie sogar unerlaubter Beziehungen zum eigenen Dater. Obwohl ihre Abneigung letztlich diesen Urgrund hat, will sie Immer noch die Anerkennung als Mutter erzwingen, den„eigenen Willen" der Stieftochter brechen. Alles, was sich an Leid und Erniedrigung sammelt, kommt eines Morgens/ als die Familienmitzlieder bereits zur Arbeit gegangen sind, zu grausigem Ausbruch. Es mag zwischen den beiden Frauen einen kurzen Streit gegeben haben; die Mutter hält einen schmalen Leinenstreifen aus dein Flickkorb in' der Hand und erdrosselt die verhaßte Stieftochter. ihrer Sinne selbst nicht mehr mächtig. Sie legt Feuer an, ver- läßt die Wohnung und wird nach planlosem Herumirrcn in der Nacht aufgegriffen. Die große Zahl der weibiichen Zeuge» scheint mitzufühlen; sie zeigt geschlossen ihre Solidarität. Die Angeklagte war ihnen Bor- bild, immer freundlich, gefällig, arbeitsam. Niemand vermag der Tochter ein schlechtes Zeugnis auszustellen, so daß man sich ver- wundert fragt, ob denn die Menschen sich gerade innerhalb ihrer vier Wände und des täglichen Zusammenlebens am wenigsten zur Beherrschung verpflichtet fühlen oder ob man nach außen so meistcr- Haft zu heucheln versteht. Im übrigen entrollen die Aussagen der Hausbewohner ein trübes Bild des Behorchcns, der Kritik dessen, was der lieb« Nachbar wt oder getan haben soll, des Klatsches. Hörbar und deutlich rückt die bisherige Familie von der „Mörderin" ab; daß sie je etwas Gutes für sie alle getan hat, weiß man erst nach energischen Vorhaltungen durch die Angeklagte selbst oder nach dem merkllchen Widerspruch von der Zeugeilbank, wenn die Schilderung der„Schlechtigkeit der Stiefmutter" gar zu sehr übertreibt. Der eigene Junge scheint sich ein wenig als Held einer ungewohnten Situation zu fühlen, lächelt Vekannten zu, erklärt nach eindringlicher Belehrung durch den Vorsitzenden, nicht aussagen zu wollen, und geht mit dem gleichen Lächeln des zehnjährigen Kindes wieder aus dem Saal. Ein Augenblick, der des Erschütternden ni-ht entbehrt: die Mutter hak er nicht angesehen. Das Bild der Geschehnisse steht klar: man blickt tief in die seelischen Hintergründe. Aus ihnen will der Staatsanwalt m i l- dernde Umstände nicht herleiten. Ihn interessiert nur die Tat und der Umstand, daß zur Zeit ihres Geschehens zufällig und scheinbar„Frieden" in der Familie herrschte. Unbedachte Aeuße- ningen der Angeklagten im Verlaufe häuslicher Auseinandersetzungen werden zur schweren Anklage des vorsätzlichen Verbrechens. Man sagt solche Dinge nicht ungestraft:„Hütt ich ihr nur eins gegeben, daß sie gleich liegen geblieben wäre; die paar Jahre knastert man ab und wenn man gearbeitet hat, bringt man noch einige Pfennige gespartes Geld mtt heraus." Auch hysterische Menschen dürfen solche Aeußerungen nicht tun. Wie ein hartep greller Peitschenschlag fällt der Strafantrag in die Stille:„Achteinhalb Jahre Zuchthaus und dauernden Ehrverlu st." Die Ange- klagte trägt noch eine Bluse, welche ihr von der Getöteten zum Ge- schenk gemocht wurde; so schlecht kann die Tochter nickst gewesen sein! Das Gericht denkt milder; es spricht sich für vier Jahre acht Monate Zuchthaus aus und fordert fünfjährigen Ehrverlust. Auf der Zeugenbank fitzt der Mann der Angeklagten und schüttelt den Kopf; er, der„selbst- verständlich ungehalten war, daß seine Frau ein Kind erwartete, nachdem sie ihm versprochen hatte, keine zu bekommen", versteht nicht, wie noch irgendein Wort zugunsten seiner Frau gesprochen iverdcn kann. Die Ehescheidungsklage ist eingeleitet. In später Abendstunde verläßt das Publikum den Sa cl des Schwurgerichts: am nächsten Tag meldet«ine Pressenotiz, daß sich die Angeklagte bei dem milden Urteil beruhigt und gebeten habe, ihre Strafe bald antreten zu dürfen. Rudolf Zimmer. l'in inlereffaules Meilbad Im Ponzgau, gleichwcit entfernt von Zell am See und Krimml, liegt ein seit rund 500 Iahren im Lande Solzburg bekanntes Mi- neralbod: Burgwies, Haltestelle der Lokalbahn Zell am See— Krimml. Alte Urkunden nennen als ersten Besitzer den„Pader" (Bader) Ehristian Plenkh(ums Jahr 1400). Der„Badeort" besteht aus insgesamt 3 Häusern: einem Gasthaus an der Landstraße, dem Badehaus mit Wohngelegenheit für 25 Gäste und einer modernen Pension für ebensoviel« Gäste. Dicht hinter dem uralten, zum Teil modernen Ansprüchen keineswegs entsprechenden Badehause kommt die Eisenquelle aus der Erde, 10 Grad Celsius warm. Sie enthätt als«rdig-alkalischer Säuerling unter anderem- neben Kalziumkarbo- not und Magnesium Eifenkarbonat und Eisenoxyd. Die 150 Meter entfernte Schwefelquelle hat 11 Grad Celsius über Null und ent- hält neben freiem Schwefelwasserstoff unter anderem Chlorsalze, Eisenoxydat und Kieselsäure. Das Bad ist wohl vom Großkapital noch nicht entdeckt; denn da die neuesten Untersuchungen auch starke Radioaktivität festgestellt haben, dürste bei„günstiger Gelegenheit" das Idyll, das dos Bad für die werktätige Schicht heute noch dar- stellt, bald vorüber sein. Beide Quellen dienen auch zu Trinkkuren. J.WOOLF "opyrigbt 1930 by„Der Bndierkreis G. m. b. H.", Berlin SW 61. (8. Fortsetzung.) l£s lag Babehami nicht, längere Zeit mit jemand m offener anbfchaft zu leben. Sein verschlagener Charakter neigte und eignete pch mehr zur Intrige. Er wußte, um wieviel leichter— und amüsanter— es ist, einem Feinde zu schaden, der sich für einen Freund hält. Vertragen tonnte er sich mit Babun nicht, dazu war seine Empörung zu groß. So mußte er seinen Aerger verbergen, und obwohl er nie auf Babuns Hof oder Babun auf den seinen kam, sprachen sie miteinander, wenn sie sich auf den Dorfpfaden trafen, als ab nichts zwischen ihnen vorgefallen sei. Aber oft dachte er an die Abrechnung, die er sich für später, für eine passende Gelegenheit, vorgenommen hatte: Silindu und seine Familie sollten büßen— dazu war er fest entschlossen. Er gehörte zu den Menschen, die niemals eine Unbill, oder was sie als eine solche ansehen, ver- gcssen können. Er wartete geduldig, bis er sie zurückzahlen konnte: die Wege waren mannigfach, nie aber war er zufrieden, als bis alles mit Zins und Zinseszins zurückgegeben war. Mit der Zeit reihte sich Silindus Familie wieder in dos all- gemeine Leben des Dorfes ein. Es war deshalb zu verstehen, daß die Bedenken, die ein Dörfler gehabt haben könnte, eine Frau aus dieser Familie zu nehmen, durch Babuns Beispiel zerstreut wurden. Punchi Mcnika und Babun waren auch noch nicht lange ver- heiratet, als man von Anträgen zu reden begann, die chinnihami gc- macht worden waren. In einer der chütten lebte mit seiner alten Mutter ein Mann mit Namen Punchirala. Er war hager, dunkel und groß, aber sehr von Parangi heimgesucht. Der Ausdruck von Ver- fchlagenheit, den sein Gesicht von Natur aus hatte, war durch einen Unglücksfall verstärkt worden. Als junger Mann war er im Djungel mit einem Bären zusammengeraten, der, wie er, im Gestrüpp nach einem Stock von wilden Bienen suchte. Der Bär hatte ihn ange- nommen und die Spuren seiner Krallen auf Stirn und Wangen hinterlassen, wobei das rechte Augenlied zerrissen worden war. Man hatte daher, wenn man mit ihm sprach, immer den Eindruck, als zwinckere er einem verstohlen mit den Augen zu. Cr besaß im Dorfe einen gewissen Ruf als Vedcrala oder Arzt, aber auch als Meister in der Herstellung von Zaubcrmitteln. Durch den Ausgang eines Streits mit seinem Bruder war er zu einer gefürchteten Persönlichkeit geworden. Sie hatten gemeinsam«ine Chena bebaut und waren über die Verteilung der Ernte in Streit geraten. Punchirala glaubte betrogen worden zu sein. Er ging in den Djungel und suchte gc» wisse Kräuter, Blätter und Früchte. Zusammen mit einer Limone tat er sie in eine Kokosnußschale und stellte sie abends in eine. Ecke von seines Bruders Hof. Am nächsten Morgen wurde sein Bruder, unfähig sich zu bewegen oder zu sprechen, aufgefunden. Seine Frau und seine Mutter kamen zu Punchirala und flehten ihn an, die Behexung zu lösen. Er leugnete, irgend etwas davon zu wissen, und nach drei Tagen war sein Bruder tot. Der Anteil des Bruders an der Chenaernte wurde Punchirala ausgehändigt, denn niemand hatte Lust, mit dem Zauber in Berührung zu kommen, der daran zu hängen schien. Punchirala war achtunddreißig Jahre alt. Di« Frau mit der er zusammen gelebt hatte, war vor etwa einem Jahre gestorben, und durch die Heirat Babuns war er auf Hinnihami aufmerksam ge- worden. Seinen ersten Antrag machte er dem Mädchen selbst. Er war sehr erstaunt über die Empörung, mit der er abgewiesen wurde, ließ sich aber nicht entmutigen. Er wartete auf eine günstige Gc- legenheit, und einige Tag« darauf, als Hinnihami fortgegangen war, kam er auf Silindus Hof. Silindu faß im Schatten feiner Hütte. �„Ich habe gehört," sagte er zu ihm,„daß du einen entzündeten Fuß hast. Zeig« ihn einmal her. Aiyoh! Das ist«in giftiger Dorn gewesen. Ich Hobe hier einige Blätter mitgebracht. Si« werden dir guttun." Silindu war mehrere Tage durch die schmerzhafte Entzündung am Gehen verhindert gewesen. Er war froh, dem Vederala den Fuß zeigen zu können. Punchirala hockte nied«r, um die schlimme Stelle zu untersuchen, und Karlinahami und Babun kamen herbei, um zuzusehen. Das gerade hatte Punchirala gewollt. Er ließ sich von Karlinalzami heißes Wasser bringen und erwärmte die Blätter. Nachdem er sie dann unter allerlei Zeremonien auf den Fuß ge- bunden hatte, hockte die ganze Gesellschaft nieder, um zu schwätzen. „Dieses Mittel kenne ich von meinem Vater her", erzählte er ihnen.„Es hat sehr große Kräfte. Die Hitze und die schlechten Säfte werden in die Blätter ziehen, und morgen wirst du laufen können." lieber die Wirkung von Arzneien und Zaubcrmitteln konnte sich Karlinahami stundenlang unterhalten. „Ich habe gehört, daß euer Vater ein großer Mann war: von überallher sollen damals die Leute gekommen sein, um sich bei ihm Slrzneien zu holen." „Ja, gewiß war er ein großer Mann, und alles, was ich weiß, habe ich von Ihm. Jetzt baut die Regierung Hospitäler, zu denen die Leute gehen sollen- und gibt ihnen Regierungsarzneien, die nichts helfen. Uns wird die Arbeit fortgenommen, und die Leute sterben an diesen ausländischen Arzneien. Ja, mein Vater war ein großer Mann. Er kannte viele Zaubermittel, auch eins, durch das man jede Frau einem Manne in die Arme treiben kann. Von diesem Zauber gibt es eine Geschichte. Damals lebte an der Küste ein Korala Mohatmaya, ein älterer, dickbäuchiger Mann, der als ein großer Weiberfreund bekannt war. Etwas von seinem Dorfe cnt- fernt, lag am Meer« ein anderer Ort, der nur von Malaien bewohnt mar. Die Malaiinneu übertreffen alle anderen Frauen an Schön- heit: ihre Haut ist ganz hell, und sie lyaben Augen, die geformt sind wie die Samen des Granatapfels. Sie sind Mohammedaner, imd kein Singalese kann sich ihren Frauen nähern, denn die Männer Und scbr eiiersilcktig und dabei furchtlos und stark. Es sind schlechte Menschen Der Korala Mahatmaya hatte in dem Dorfe oft zu tun, und jedesmal, wenn er durch die Straßen ging und die seltsamen Aimen''er Frcnien sah. die Himer den Bfosten der Haustüren hervor- ruckten, wi-rd« er ranz verstört und von Verlangen nach einer M-Viienirau gepackt. Endlicki konnte er es nicht länger ertragen, er'eate sich in seinem Hause hin und ließ me'nem Vater sagen, er möge sofort zu ihm kommen: er sei sehr krank. Mein Vater machte also die dreitägige Reise zum Hause des Korala. Als er angekommen war, schickte der Korala Mahatmaya alle Frauen fort, hieß meinen Vater sich zu ihm setzen und sagte:„Vederala, ich bin sehr krank. Ich kann nicht mchr schlafen. Tag und Nacht quält mich das Der- langen nach einer Frau aus dem Malaiendorfe, das hier weiter unten an der Küste liegt. Ich habe nichts mehr von meinen eigenen Frauen. Aber wenn man nur sähe, daß ich mit einer Malaiin redete, würden die Männer in dem Dorfe sich zusammenrotten und mich totschlagen. Das Verlangen bringt mich um. Nun weiß ich, daß ihr viele Zauberkünste kennt. Ihr müßt mir«inen Zauber machen, der eine Malaicnfrau an den Ort bringen wird, den ich euch zeigen werde." Darauf antwortete mein Vater:„Hamadoru, das wage ich nicht. Ich mutz ja die Beschwörung im Hofe des Hauses vornehmen, in dem die Frau wohnt. Ich kenne diese Malaien: sie sind sehr schlecht. Wenn sie mich dabei fassen, werde ich totgeschlagen." Aber der Korala Mahatmaya sagte:„So gefährlich ist die Sache nicht. An einem Ende des Dorfes steht ein Haus etwas für sich allein. Darin wohnt ein junges Mädchen, die Tochter von Tuan Abdid. Ich werde euch in einer der nächsten Neumondnächte hin- führen, und ihr könnt ganz leicht die Beschwörung vornehmen. Wenn das Mädchen dann in der folgenden Nacht zu mir kommt, gebe ich euch fünfzig Rupien." Da dachte mein Vater: Wenn ich mich sperre, wird der Korala Mahatmaya böse und macht mir llngelegeicheiten: tue ich aber seinen Willen, so bekomme ich fünfzig Rupien— ein Menge Geld—, vielleicht allerdings auch Prügel von den Malaien. Ich will die Gefahr der Prügel auf mich nehmen. Er erklärte sich also bereit, in der nächsten dunklen Nacht die Be- zauberung zu unternehmen. Der Korala gab aus. daß er sehr krank sei und von dem Vederala behandelt werde. Mein Vater macht« in den drei Tagen, die er in dem Hause wohnte, seine Zauber zurecht. Am vierten Tage brachen der Korala Mahatmaya und mein Vater auf, unter dem Vorgeben, daß die Behandlung in dem Hause meines Vaters fortgesetzt werden müsse. Nachdem sie eine kurze Zeit in der Richtung auf meines Vaters Dorf zu gewandert waren. bogen sie von dem Wege ab und gingen heimlich quer durch den Djungel nach einer Höhle, die in der Nähe des Maloiendorfcs war. Sie lag ganz versteckt im Djungel, und hier warteten sie, bis es Nacht wurde. Als es ganz dunkel war, kamen sie heraus, und der Korala zeigte meinem Vater das Haus. Mein Vater ging in den Garten, nahm die Beschwörung vor und vergrub den Zauber in die Erde. Dann kehrte er mit dem Korala Mahatmaya in die Höhle zurück. Den ganzen nächsten Tag hindurch lagen sie in der Höhle und hatten nur den kalten Reis zu essen, den sie mitgebrocht hatten. Der Korala Mahatmaya erzählte viel von den Frauen der Malaien und von ihren Augen, die dieselbe Form hätten wie die Samen eines Granatapfels. Und abends, um die Zeit, wenn die Frauen mit ihren Krügen zum Brunnen gehen, kam das Mädchen in die Höhle und legte sich zu dem Korala Mahatmaya. Als sie wieder fortge- gangen war, rief er meinen Bater, der draußen im Djungel saß, und meinte, das Mädchen sei scheeläugig und häßlich und keine fünfzig Rupien wert gewesen— höchstens zehn. Er gab meinem Vater zehn Rupien und versprach, die anderen vierzig gelegentlich zu geben:— mein Vater hat sie aber nie bekommen. Am nächsten Tage kamen sie zu dem Hause des Korala zurück und schwindelten, der Korala sei auf dem Wege zu meines Vaters Dorf plötzlich ge- sund geworden, und deshalb feien sie wieder unigekehrt. So wäre alles gut gewesen, wenn nicht eines Tages das Mädchen in das Dorf des Korala gekommen wäre und seinen dicken Bauch und sein schwarzes Gesicht erkannt hätte. Da erzählte sie ihrer Mutter, wie sie durch einen Zauber in die Höhle gelockt worden sei. Die Mutter sagte es den Männern wieder, und die wurden sehr böse. Als der Korala Mahatmaya das nächste Mal in das Dorf kam, fielen sie über ihn her und schlugen ihn mit dicken Prügeln halbtot. Dann setzten sie ihn in einen Ochscnkarren, banden seine Jjände über dem Kopfe an das Gerüst des Wagendaches und sührten ihn so in sein Dorf zurück. Es gab eine groß« Gerichtsverhandlung, und der Richter glaubte dem Korala Mahatmaya. der viele Zeugen bringen konnte, die ihn an demselben Tage, an dem das Mädchen in der Höhle gewesen sein wollte, auf dem Wege zu meines Vaters Dorf gesehen hatten. Die Malaien wurden alle ins Gefängnis gesteckt. Mein Vater aber bekam einen großen Namen, denn das ganze Land, mit Ausnahme des Richters Hamadoru, wußte von dem Zauber, mit dem er das Mädchen zu dem dicken Korala in die Höhle gc- bracht hatte." „Hat euer Vater euch den Zauber gelehrt?" fragte Karlinahami. „Bin ich nicht ein Vederala und der Sohn eines Vedcrala? Dieses Wissen vererbt sich immer vom Vater auf den Sohn." „Ja, ich erinnere mich, daß meine Mutter von ihm sprach. Nie- mand, weit und breit, so sagte sie, war so erfahren mit Arzneien und Zaubern, wie euer Vater."(Fortsetzung folgt.) & Buch 3)er Sterbende Jldel Im Verlag Albert Langen, München, ist ein neuer Roman von Hanns Iohst erschienen, ein Roman vom sterbenden Adel:„S o gehen sie hin." Der Grundton des Buches ist darauf gestimmt, um Verständnis für die Nöte der alten Adelsgeschlechter zu werben. Hanno Iohst, bekannt als einer von den immerhin nicht allzu zahl- reichen wirklichen Dichtern, die gelegentlich zu erkennen gegeben haben, daß sie politisch rechts stehen, will sagen: ich kenne sie, sie sind nicht so, wie ihr denkt: keine Volksfeinde, keine Hochmutspinsel, sie sind ganz vernünftige Menschen, die allerdings einer Tradition anhängen und denen es nicht leicht fällt, sich in das profane Er- werbsleben einzugliedern. Ein Prinz,«in Fürst, ein Baron samt weiblichem Anhang treten als Hauptfiguren auf, reden ununter- brachen sehr gebildete und geistreiche Sachen und sehen im übrigen ihre von der Inflation schon gehörig angeknabberten Besitzwerte rettungslos dahinschwinden. Die Armut hängt über ihnen allen, aber sie reden sich mit viel schönen und wohlgepflegten Worten ein, daß die Wohlhabenheit, das Schloß und die Reitpferde, es ja nicht allein war, die das Wesen des Adels ausmachte: das Innerliche, die Manieren und die Kinderstube könne ihnen niemand nehmen. In politischer Hinsicht sind Johts Adelige, bis auf eine nur sehr nebenher«ingeführte Figuren, die aber auch nur in der Betrunken- heit sich fanatisch gebärden, ziemlich inaktiv. Sie beschränken sich auf ein mildes Räsonieren oder sind im Grunde gar liberal, und bringen sogar dem Sozialismus,„der im Recht sei, aber leider seine Sonderinteressen mit der Politik der gesamten Nation verwechsele", ein gewisses Maß dilsttierenden Verständnisses entgegen. Die Atmosphäre des Buches ist Hoffnungslosigkeit. Ein müder, ab- gekämpfter, kraftlos gewordener Stand, der an sich selbst nicht mchr glaubt und sich mit Witzen über sich die Zeit vertreibt, ringt seinen gesellschaftlichen Todeskampf. Ein� Untergangsidyll. Iohst müht sich, ein paar verklärende Schimmer darauf zu werfen: aber selbst er, der es gewiß gut meint, kommt nicht ganz ohne Skepsis und ein paar böse Kennzeichnungen aus. Haus Lauer. Edouard'Merriol: SSeethoren Herriots Buch(Rütte» u. Loening, Frankfurt a. M.) ist mit viel Liebe und Verehrung geschrieben: kein Geniekult mit der über- ragenden Persönlichkeit Beethovens, sondern leise- Einfühlen in das Zeitbedingte dieses tragischen Lebens, Klarheit über die geistigen und politischen Strömungen, die diesen Menschen und sein Werk sor- wen halfen. Nicht nur ein Buch für musikwissenschaftlich Gebildete, sondern für die Vielen, denen Beethoven mehr ist, als bloß ein Name. Von einem Politiker geschrieben, der auch Sinn für Kunst und kulturelle Werte hat, von einem Franzosen mit einem reichen Wissen von dem politischen und geistigen Leben in Deutschland und Oesterreich um die Wende des vorigen Jahrhunderts. Wir erleben Beethoven im alten Wien, das er lieble und verfluchte, in seinen wirtschaftlichen Nöten, seine» meist erfolglosen Licbesaffären, seinen Schaffens-Ekstasen und in der Taubheit, von der die Konversations- hefte ein erschütterndes Zeugnis ablegen. Herriot will mit seinem Buche das Zustandekommen einer„idealen Gemeinschaft" fördern: „Welch ein Forlschritt wäre es schon, wenn überall, wo die neunte Sinfonie«in Echo findet, die Anhänger Beethovens sich in der Brüderlichkeit eines gemeinsamen Kultes geeint fühlten." Das scheint mir ein« gefährliche Ueberschätzung solcher„idealer Gemein- schaften" zu sein. L. Lcppcr. (6 Rät seh Ecke des„Abend «iuumuiiiuiiiiiiiiininiiuuiuiiuiuiiiiujiiiiHniiiiuiuiuiiiiRiJ!iuiuuuuyiuniiiiauiuuiiMU!iiifuuiin!uiiiiiUii.z bis 22 Uhr. IZreie Echnnimner Charlottenbum. Stadt bat» Friedrichs Hain, SchiNingbriicke. Montags und isreitozs große und kleine Halle von 20 bis 21'- Uhr. Frei« Schmimnxr wroß.Bcrlin, Abt. Frlcdrichshäin, Obersprec und Köpenick, B. S. Union, E. 85. Müggelsee. Friedrichshagen. Stadtbad Krenjbcrg, Bgerwaldstraß«. Mantags von A>hz bis 22 Uhr, Mittwochs von I» bis A'f Uhr, Freitags von 18 bis 22 Uhr. FTEB., Cchlpiminbeziri Kreutberg, 85. 6. Union. 6. 35. Möwe. Balksiad Lichtenberg, Hubertusftraße. Dienstags und Freitags von 20 bis 21 Uhr. F. s. Groß.Berliu, Abt. Lichtenberg. Lichtcrfelder Schwimmhalle. Staatliche Bildungsanstalt. Donnerstag, von 18?1 bis 21 Uhr. ssr. S. Berlin XII. Stadtbad Zlcutölln. Ganghoferstrahe. Montags von IS bis 20Zi Uhr, Dienstags von 20 bis 21h> Uhr, Mitt- wochs von 1Z bis AZh Uhr. F. E. Sroß.iSerlin. Abt. RcuUMn. S. 35. Bköwe. Stadtbad Mitte. Sartenstrah«. Montags und Mittwochs von LllZh bis 22 Uhr. F. E. Sroß-Berlin, Gruppe Mitte und Kartell. Stadt had Prenzlauer Berg, vdcrberger Straße. Moirtags. Dienstags, Donnerstags und Freitags von 1954 bis 205 Z Uhr S. 85. Freiheit. A. E. B. Neptun, Weißsnsee, und Fr. T. Groß-Berlin. Stadtbad Schäneberg, Hauptstraße. Dienstag« von 19 bis 2054 Uhr. Freitags von 2054 bis 2154 Uhr. A. E. 85. Schönebcrg. .Hallenbad Spaudau, Radelandstraße. Mittwochs von 19 bis 21 Uhr und Donnerstags von 2V5H bis 22 Uhr. Fr. S. Spandau. Fr. E. Falkcnsce, Fr. T. Groß-Berlin, Abt. Siemensstadt. Stadt bat Steglitz, Bergstraße. Moniag- von 20 bis 2254 Uhr. Fr. S. Berlin XU. Stadtbad Weddiug. Serichtstraße. Dienstags van 2V54 bis 22 Uhr, Donnerstags und Freitags von 1954 bis 2054 Uhr. A. s. 83. Hellas. A. S. B. Tegel. Soziologie de» Wandcrns. ist das Thema, das Engelbert Gros in der Berliner Gesamtveranstaliung des Touristenvereins„Die Naturfreunde" heute, Mittwoch, 20 Uhr, in der Schulaula Wein- ineisterstr. 16/17 behandelt. Gäste sind herzlich willkommen. Un- koftenbeitrag 20 Pf. Lundesmcifter.Turlh siegt über München. Den Höhepunkt des Kraftsportwerbefcftes des Arbeitersportkartells München bildete der Städtekampf im Ringen, Rtünchen gegen den B u nde s m e i st« r 1929/30 Fürth. Das äußerst harte Treffen endete mit einem Sieg von 7:5 für Fürth.— Mit einem Punkt- gleichstand von 7: 7 trennten sich die Boxmannschasten München und Augsburg.— Den Iiu-Jitsu-Mcrnmchaftskampf gewannen die Ver- treter des T- u. S.-V. München-Oft mit 7:5 gegen den Iuiklub Freiheit. Frei, Faltbovtfahrer Berlin. Donnersta», 1«. Oktober, Mitglicderper- kammlung im Hackeschen Hos. am Hackeschen Markt. Sonntag. 19. Oktober. erste Ausfahrt der Radsahrergtuppe. Treffpunkt 8 Uhr vor 35ahnl>of Straus» bcrg, dann Fahrt durch den Blumcnthal nach Tiefensee und zurllck. «rbeiter-Ltchtbild-Dund. Arbeiter-Zatogild« Berlin. Freitag. 21. Oktober. 20 Uhr. Friedrichstv. 2Z7. im eigenen Atelier, Bortrag:..Phoiographischg Optik".--«rbeiter-Lichtbildner Spandau: i0!ontaa, 20. Ollober. 20 Uhr, Jugendheim Lindenufer 1, Zusamiueukuiift.— Ratursreunbe.Fotogrnppe». St-mmgrnppc: Montag, 20. Oktober, 20 Uhr, Iohanniestr. lo:..Ucbcr Bc- teiligung bei Ausstclliiiigen und Wettbewerben".— Fotoabteilung Osten: Freitag, 17. Oktober. 20 Uhr. Jugendheim Frankfurter Allee 307, Friedrich- Ebcrt-Saal:„Die Porlrätphotographic". Versuche mit der Seimlampc. Apparate mitbringen.— Totogruppe Norden: Donnerstag. 1«. Oktober, 20 Uhr. Pnnsik. Ummer der weltlichen Schule, Pank- Ecke Biesenstraßc:„Aufnahmen bei kiinst- lichem Licht".— Fachgruppe Nentölln: Freitag. 17. Oktober, 20 Uhr, Jugend- heim ZR-rgstr. 29, Fimmer I. „Solidarität", Krastsabrer. Touren sät Sonntag. 19. Oltober. Abt. Neukölln: Katertour. Start 13 Uhr Hohenzollernplaß.—?Ibt. Lichlrnbrrg: na!!- berge. 9 Uhr Oder. Ecke Finowktraßo.— Abt. Friedrichshain: Roch schöner. linde, 12 Uhr Landsbergcr Platz.~ Abt. Pankow: Eparrnbuslh, 12 Uhr Wisbnc? Straße Eck« Schönhauser Allee.— Abt. Kreutberg: Liepe— Nicderfinow sHotei Deutsches Hau»), 19 Uhr fflaltenplatz.— Abt. Norden: Potsdam, 12 Uhr Sparrstr. 2.— Abt. Eharlottenburg: Fiel am Start 13 Uhr Willncrsdarfer, Siraße.—»eriamwlungrn finden statt: Abt. Lichtenberg: 18. Oktober. 2» Uhr, bei. Senkel, Oder- Ecke Finowstraße.— Abt. Charlottenburg: 18 Oktober. 29 Uhr. bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21.— Abi. Oberschöneweide: 19. Okiober. 15 Uhr, Fahrrsgeneralvertammlung bei Emmerich. Willielmineuhof- straße 81.— Abt. Pankow: 22. Oktober. 20 Uhr, Generalversammlung bei Kober. Berliner Str. 88. FT»»., Bezirk Osten. Heimabende stnb wieder Mittwochs von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Litauer Str. l«. Mittwoch. 15. Oktober. Vortrag: Ein fiihrun« in Arbeiterdichtungen: Rezitationen auf Grammophon Ruder»«rein„Eollegia". Freitag. 17. Oktober. 2« Uhr, bei Shunok. Wie, lantstr. 1, Mitgliederversammlung. Mittwoch. 15. Oktober. 20 Uhr. Iugend- versammlunq. Eprecsir. 30. Freie Schwimmer»roß-Berlin, e. 85.«tappe Renlölln: Versammlung Sonntag, 19. Oktober, 18 Uhr, Sommerbad.—»rnppe Fricdrichshain: Ver- fammlpng Mittwoch. 15. Oktober, 20 Uhr, Miihlcnslroße. bei Lrhnigl.— Gruppe vberspree: Sonnabend. 18. Oklober, 20 Uhr, Elsencck.— Gruppe Köpenick: Donnerstag, 1«. Oktodir, Zo Uhr- bei Seen«. Gartenstraße. Arbcitcrschützcn-ricistcrschaft Lichtertcldc dreifacher Gaumeisler Nachdem die lmndestreuc Arbeiter-Schützcn-Bewc- tz u n g nach der Spaltung wieder erstarkt ist, konnte zum ersten Male die G a u m e I st« r s ch a f t im Gau Brande Iburg durch- geführt werden. Das ist das beste Zeichen für den Aufschwung der jungen Bewegung, denn selbst in früheren Jahren, als die Oppa- fitlon noch mit von der Partie war, konnte keine Gaumeisterfch.ist veranstaltet werden. Die Meldungen waren über alle Erumliingen zahlreich cin- geloufen, die Wettkämpse selbst verliefen außerordentlich spannend. Mit seltener Zähigkeit wurde um den Sieg gerungen und jeder einzelne kämpfte mit größter Energie, bedeutete der Sieg doch die Berechtigung zur Teilnahme an der Bnndesmeislcrschift. Am heißesten umstritten war der Sieg der 1. Mannschaften in der Kleinkalibermeifterschaft, den schließlich die junge Mann- ichaft von Lichterfeld« herausholte. Wie schwer der Kampf und wie ausgeglichen die Kräfte waren, geht daraus hervor, daß der Sieg nur mit 1223: 122l Punkten gegen den heißen Favoriten Grünefeld errungen werden konnte. Als die vorletzten Leute antraten, lagen die Grünefelder schon mit 43 Punkten in Front! Zug um Zug holten die Lichterselder Schlußleutc dann auf. um den Gegner schließlich noch ganz knapp abzufangen. Der Favor.t reo.in stierte sich dafür in der Klasse der 2. Mannschaften, wo Grllneseld einen haushohen Sieg landete. Bei der L u f t b ü ch f e n in e i st e r s ch a f t, in der die Lichter- 'elder mit den meisten Aussichten starteten, konnten sie ihren schärfsten Widersacher Grünefeld ganz klar mit 1419: 1356 Punkten distanzieren. In der Klasse der Jugcndmnnnscstisten war der Küstrincr Jugend der Sieg mit 1221 Punkten nicht zu nehmen. Ihren dritten Sieg in der Gaumeistcrschoft holte die in glänzender Verfassung angetretene 1. Lichterselde? Mannschaft im Logen- schießen heraus, das sie mit 22 Treffern und 66 Punkten gewann. Die G a u- E i n z e k m e i st« r s ch a f t auf der Sauscheibe eroberte F. Rock(Grünefeld), während Demloff(Berlin-Mitt«) sich die Freunds chaftsscheib« holte. Die besten Schützen des Tages waren im Kleinkaliberschießen: Römer(Grünefeld) mit 235, Demloff tBerlin) und Maschke(Lichterselde) mit 231 bzw. 230 Punkten: im Luftbüchsenschießen: Wendland(Lichterselde) 257. Ga.stieftcr (Lichterfelde) 254, Maschke(Lichterfeldc) und Fürstenberg(Küstrin) je 247 Punkte. Der Austrag der Gaumeisterschaften hat bewiesen, daß ee auch im Gau 9 des Arbeiter-Schützen-Bundes stetig aufwärts geht. Inter- cssenten. die den Schieh-Sport betreiben wallen, können ihre An- schrist an W. Maichke, Berlin-DaHlem, Unter den Eichen 5—10, jeuden, von wo jede gcw-üujchte Ausinnjt erteilt wird. ver Arbeiter- Lichtbild-Bund als Dachorganisation Phoioamaieur« gibt es in den Reihen der Arbeiterschaft feit langem. Nur haben die meisten von ihnen noch nicht begriffen, daß ihre Liebhaberei auch zum Dienst an der Arbeiterklasse werden kann. In der Motiogestaltung hat sich in diesen Kreisen in den letzten Jahren«in gewaltiger Wandel vollzogen. Gruppenbilder — gestellt oder nicht gestellt— spiele» zwar noch eine große Rolle, ebenso Landfchastsaufnahmen, aber mich aus dem Arbeitsleben wird bereits bildtechnifch gut berichtet. Rur ist das noch nicht genügend 2. November: Hallensportfcsi Für das große hallensportfest der Arbeiter- s p o r t l e r'im Sportpalast am 2. Tkovember hat der Vor- verkauf begonnen, karten zu ermäßigten Preisen sind bei allen verein»-, Bezirks-, Gruppen- sowie Abteilnngssunktionären zu haben. Außerdem in wegeners Vereinshaus, Frankfurter Allee Z3S. FTGB.-Gefchästsstelle, tichtenberger Straße 3, Sporlzentrale, königsberger Straße S/6, und in der kretsgeschüftsstetle, Elsasser Straße 86/ SS. bekannt. Das erwiesen sogar die an sich guten Photoausstellungen der Naturfreunde, die in erster Linie das schöne Bild, das ruhe- atmende Landschoftsmotio, das wundervolle Wtnterbild oder Schön- heften aus dem Städtebau alter Zeiten beherzigten. Wir benötigen aber vor allem der Bildreportage aus dem ösfentlichen, aus dem sozialen Leben. Und das ist keine Angelegenheit des einzelnen, der Liebhaberei, das ist etwas, was die ganze Arbeiterschaft angeht. Deshalb wenden sich die Arbeiterlichtbildner gegen die Arbeit im verstecklen Raum oder fürs eigene Album und stellen die Notwendig- kcit der gemeinsamen Arbeit für die Arbeiteröffcntlichkeit voran. Diesem Ziele kann man nur in der Zusammensassimg dienen. Des- halb wurde die Gründung des Arbeitcr-Lichtbild- Bundes so nötig. Gewiß oereinigen sich die Photogruppen der Natur- freunde zu gemeinsamer Arbeit, gewiß wurden st« domft an manchen Stellen zum Fundament der Tätigkeit im ALB. Aber ebenso wichtig�ist die Feststellung gutarbeitender Gruppen in len verschiedenen Sport- und Jugendverbänden, die gleichfalls zur ge- meinfamen Arbeit heranzuziehen waren. Und die darüberhinaus einzeln Wirkenden wurden noch in Photogilden zusammen- gefaßt, die keine„Kampfansage" gegen die Naturfreundephoto- gruppen bedeuten. Sie bilden.nir eine Erweiterung der Zusammen- fassung, die vor allem auch in den Kreisen der Arbeiterjugend und älteren Parteigenossen Wurzel geschlagen hat. Jeder von den Natur- freunden zum Arbeiter- Lichtbild- Bund Stehende ist zu allen Zeiten Das Museum in der Fabrikhalle Die Ausgrabungen von TeN-Halaf Die Kultur der ältesten Menschheit ist von einem Zouber des ie.ätselhffften und Mystischen umgeben; sie besitzt außerdem den Lorzug, daß alle ihre bisher ans Tageslicht getretenen Kunst- äußerungen von einer außerordentlichen Größe des Stils sind. Nie wieder hat die Menschheit eine so bezwingende Einfachheit der Form, eine solche ethische Hoheit des Ausdrucks erreicht wie in den ältesten Bildsäulen der Aegypter und Babylonier, in den Kult- bronzen des frühesten China, in den mittel- und südamerikanischen Tempeln und Skulpturen; wobei man von der schlichten Natürlich- keit der prähistorischen Höhlenzeichnungen in Europa und Afrika absehen kann, die noch keine zusammengeschlossene Volkskultur aus- drücken. Der erste frühlingshafte Aufschwung der volks- und staaten- bildenden Menschheit hat überall auf der Erde Kunstdenkinäler von überwältigender Eindruckskraft hinterlassen. Zu den unzweifelhaft ältesten Offenbarungen des menschlichen Genius gehören die Kul- turen Mesopotamiens; man kann mit einigem Recht behaupten, daß von dem Zweistromland des Euphrat und Tigris die höhere soziale und staatliche Gesittung der Erde ihren Ausgang genommen hat. Di« ältesten Teile der Bibel spiegeln diese Erkenntnis noch aufs deut- lichste wider, und jede Ausgrabung bestätigt sie. Max Freiherr von Oppenheim, eine Entdeckernatur von dem Schlage Schliemanns, hat durch seine unermüdlich fortgesetzten Grabungen im oberen Mesopotamien diese Erkenntnis bestätigt. Mit der genialen Intuition des 5kulturentd«ckers fand er schon 1893 im Oirellgebiet des Euphrat, am Chabur(im heutigen Nordostzipfel des französischen Mandots-Syrie»), den Ruineiihllgel von Tell-Halaf als Hauptstötte eines uralten vorderasiatischen Staatcnsystems, das gleichzeitig und gleichbedeutend mit den ältesten Kulturen Babyloniens und Aegyptens emporgestiegen ist. Dieses Gebiet, dessen Spuren man auch anderwärts aufgefunden hat, er- streckte sich vom westlichen Persien bis nach Kleinasien hinein und ist unter dem Namen S u b e r t u den Gelehrten, wiewohl nicht den Laien geläufig. Wir haben hier ein drittes Quellsystem ältester Kultur zu sehen, das mit dem sumerischen Reich die meisten Vc- rührungs punkte hat, dessen Ureimoohner, die Subaräer, von nach- drängenden Indogermanen unter dem Namen der Hettiter unter- jocht worden sind..Die Hettiter übernahmen wohl vollständig die vorhandene Kultur, deshalb wird diese die subaräisch-hettitische ge- nannt. Ihrerseits ist sie wieder von den Aramäern und endlich von den alles zerstörenden Assyrern zugedeckt worden: man muß diese komplizierten Ablagerungen historischer Völkerschichten kurz skizzieren, um das sehr Komplizierte dieser Kunstepochen und das Verdienst der ältesten Bewohner herauszuheben. Andererseits wieder ist bewundernswert, wie unsere sprachoergleichende und kunsthistorische Erkenntnis durch Ausgrabungen überall auf die ur- sprünglichcn Zusammenhänge stößt. Das ungemeine Verdienst des Barons von Oppenheim besteht nun darin, diese subaräisch-hettitische Kultur des 4. bis 3. Jahr- tausends v. Chr. klargestellt zu haben durch seine außergewöhnlich glücklichen Ausgrabungsresultate von Tell-Halaf. 1911 bis 1913, 19S7, 1929 hat er dort die Ding« herausgeholt, die wir in dem merkwürdigsten Museum Berlins anstaunen können. Seit kurzem sind in einer verlassenen Fabrik- h a l l e an der Grenze von Moabit und Charlottenburg, Frank- linfiraß« 8, die RefuSate zu sehen; und man darf sagen,» sind ganz unerhörte und höchst sehenswert« Werk« einer Urmensch- heit dort versammelt. Vielleicht konnten sie keinen passenderen Raum finden, als es diese halb verfallenen öden Hallen sind, un- persönlichste Stätte für die Majestät der urgcwoltigen Reste. Man sieht vor allem Göttersiguren: ein« Dreiheit von Natur- wesen, übermenschlich groß, auf ihren geheiligten Tieren stehend, als Träger des Tempeleingangs; andere Darstellungen derselben mythischen Natursymbole, sitzend aber stehend, und Reliefs von Tieren und Menschen in großer Zahl, ursprünglich zu Hunderten gereiht an Außenwänden: ein wahrhaft überwältigender Olymp. Man denkt hinüber zum Pergamonfrics und zum assyrischen Ischtar- tor des neuen Museums, das soeben eröffnet wurde, und findet hier, in Tell-Halaf, eine unvergleichlich großartigere und über- zeugender« Darstellung des Naturmythos der Menschheit, lieber- lebensgroß, klotzig und geschlossen stehen sie da, überlegen und weltenfern vor uns Epigonen; in einer klaren und«infachen Ab- straktion, Fabelwesen von unwiderstehlicher Kraft des Ausdrucks und der vereinfachten Formbildung, vergleichbar den stolzen ägypti- scheu Götterstatuen, weit überlegen allen später von ihnen obge- leiteten Kunstwerken der Babylonier, Assyrer und Perser. Da ihre Mächtigkeit nicht beschrieben werden kann, ihre Suggestivkraft noch auf uns-Heuttge ungebrochen wirkt, muh man sie selber in der Fabrikhalle der Franklinstraßc aufsuchen, um sich von der künst- lerischen Ueberlegenheit dieser primitiven Götterfiguren zu über- zeugen. lieber die Resultate dieser Ausgrabungen hielt Baron von Oppenheim einen Vortrag, der durch die frische und unbekümmerte Art, wie er Entdeckung und Entdecktes darstellt, und durch die herrlichen Lichtbilder dos Publikum der überfüllten Singakade- m i e zur Begeisterung hinriß. Er wird mit Grabungen fortfahren. Er ist ein Mann, der weiß, was er will, und der dos seltene Glück hat, seinen Willen zum Wohl der Menschheit restlos durchzuführen. Deal kcrck. Schmidt. �(Bsfdiäft#-Jbtsäger t föezirfe füden-Wefien CariPletfsdi Inhaber: Gustav Sauer Haus- u. KiichengerSHe— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 107;: Tel.: Dönhoff 3070 Franz Schönherz Rln"NeMllrfilln KaUer-Friedrldi-Sta-. 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