Morgenausgabe �244 �r.Iahrgang Wöchentlich 85 monatlich 8,60 5L im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 W. einschließlich 60 Pfg.PostzeitunZS- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»« abonnement 6.— VJt pro Monat. * Der„Sormärts* erscheint wvchentög» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner „Frauenstimme" Technik"..Blick in die Bücherwelt"..Iugend-Borwärte" und„Stadtbeilage". � W-Wf» Nerttnee VolSsblatt Donnerstag 16. Oktober 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklame �eUe 5.-, Reichs« mark.„Kleine Anzeigen* das ettge« druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Siellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« geschäft Lindenf�ahe 3. wochentäglich von N/, bis 17 Uhr. Jentvawvsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Redaktion und Verlage Berlin SW 68, Uindenstraße 8 sternlvrecheri Dönbos» 292—297 Telekromm-Adr; Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 536�— Bankkonto: BankderArbeiter.Angestelltenund Beamten. Wallst: � 65. Dt.B.n.Disc.. Riederlassungeu der indische» vereimgungen und das Haus des Kongresses wurden von großen Polizei- und Militärkrästen umzingelt, besetzt und ausgehoben, vom Kongreßlokal wurde die allindische Klogge heruntergeholt: an ihre Stelle wurde die englische Kahne gehißt. Gleichzeitig erschien eine Extraausgabe der omttichen Rachrichten, die 38 Kongreßorganisationen verbietet. 125 in den Büro» weilende Kongreßbeamte wurden verhaftet, den Gerichten zugettihrt und sofort verurteilt. Die Strafen bewegen sich zwischen drei und vier Monaten Kerker. Unter den verhafteten bcsindet sich auch der Kührer der Lombayer ZugenMiga. der Swarajist Rariman. Die Aktion ist als Antwort der Regierung auf die neu ein. feheude Voykotlbewegung io I adieu za werten. Die Wahl des Michstagspräsidiums. Widerlicher Radau der Partei des ersten Vizepräfidenten. Zur jmeften Sitzung des neuen Reichstags waren die chaken- kreuzler in Zivil erschienen, was den Kommunisten Anlaß zu höh- nischen Zurufen gab. Unbekümmert darum eröffnete Alterspräsident Herold am Mittwoch nachmittag 3 Uhr die Sitzung, erteilte einige Urlaube, machte von einigen Entschuldigungen Mit- teilung und oerlas die Vorschrift der Eeschäftsordnung über die Wohl des Präsidenten und seiner Stellvertreter. Abg. Dillmann sSoz.): Die sozialdemokratische Fraktion schlägt den bisherigen Reichstagspröfidenten, den Abg. Paul Löb«, zur Wahl als Präsidenten vor.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten und iin Zentrum.) Abg. Rippel(Chr.-Soz.) gibt ein« Erklärung ab, daß seine Fraktion mit einein großen Teil des Reichstags der Auffassung sei, daß das Wahlergebnis eine Machtoerschiebung nach rechts bedeute und dies« Tatsache im Kurs und in der Zusammensetzung der Reichs- regierung beachtet werden müsse. Dann fährt er fort: Wir sind aber der Meinung(Aha!-Rufs rechts), daß die Zusammensetzung des Präsidiums gemäß den§§ 8 und 9 der Geschäftsordnung vor- zunehmen ist. Dir bedauern, daß die durch vieifällige Hebung vorgeschriebene Znsaminenselzung des Präsidiums zu einer Parleifragc gc- stempelt wird. (Beifall in der Mitte, Lärm rechts.) Unsere rein sachliche Stellung gebietet uns, dem Wortlaut der Geschäftsordnung Rechnung zu tragen; wenn auch Unterschiede der Weltanschauung und der poli- tischen Ueberzeugung bestehen, so folgen wir doch dem Gebot der Gerechtigkeit und Billigkeit.(Bestall in der Mitte und links.) Abg. Dr. Dauch(D. Vp.) schlägt den Abg. Dr. Scholz zum Präsidenten vor. Abg. Torgler(Komm.): Bei diesem Wettrenen um den Präsi- dcnienposten handelt es sich darum, wer der geeignetste ist, in diesem Voung-Reichstag die arbeiterfeindlichen Gesetze durchzupeitschen. Wir als die einzige antikapitalistische Partei(höhnisches Gelächter der Nationalsozialisten) schließen keine Koalition, weder mit den Bürger- lichen, noch mit den Sozialdemokraten, sondern schlagen für alle Posten unseren Genossen Pieck vor.(Händeklatschen der Kommu- nisten.— Heiterkeit der übrigen.) Für die Nationalsozialisten ist es überaus bezeichnend, daß sie nach all ihrer Wahldemagogie gestern in der Besprechung der Fraktionsführer durch Frick und Stöhr er- llärt haben, selbstverständlich diese Geschäftsordnung mit all ihren Strangulienrngsbestimmungen zu respektieren.(Hört, hört! links.) Und nun wählen diese Nationalsozialisien auch noch den Vertreter der schwerkapitalistischen Interessen, Dr. Scholz, zum Präsidenten! Heimkrieger Krick wird frech. Abg. Frick(Natsoz.), mit langandaucrnden feindlichen Zurufen der Kommunisten begrüßt, führt aus, der Wahlausfall bekunde den Bolkswillen zur Blldung einer antimarxistischen Front, das Volk habe besonders der SPD. eine vernichtende Absage erteilt, es wäre eine Verfälschung des Volkswillens und würde vom deutschen Volk nicht verstanden werden, wenn der Reichstag trotzdem wieder einen Marxisten zu�inem ersten Präsidenten wählen würde. Mir erheben Einspruch gegen die Mahl eines Marxisten wegen seiner volks. und staatsfeindlichen Einstellung. Der Kriegs- di-nstoerweigerer Löbe... (Händetlastchen der Nationalsozialisten, die sozialdemokratischen Ab- geordneten springen empört aus, die weiteren Ausführungen des während des Krieges als„imnbkömmlich"«nlhobsnen Redners gehen in den stürmischen Empörungsrufen der Linken, die das Heimkrieger- tum Fricks gebührend unterstreichen, vollständig unter.) Nunmehr beginnt die Stimmenabgabe auf Namensaufruf. Jedes aufgerufen« Mitglied begibt sich an den Tisch des Hauses und wirft dort den verdeckten Stimmzettel in die Urne. Dieser zweite Namens- aufruf im neuen Reichstag beginnt mit dem Buchstaben B, der Sozialdemokrat Dr. Baad« wird als erster ausgerufen. Das Er- gebnis ist: Abgegebene Stimmen... 556 davon für Löbe......... 266 Scholz......... 179 Pieck......... 68 Grös-Thüringen..... 41 leer......... 2 Somit haben die Deustchnationalen für den bisherigen Dize- Präsidenten Gräf gestimmt. Da die beiden leeren Zettel ungültig sind, beträgt die Mehrheit, nämlich die Halste der abgegebenen aülligen Stimmen plus eins 278. Keiner der Kandidaten hat die Mehrheit erreicht, es wird darum zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen, Löbe und Scholz, die engere Wahl vor- genommen. Diese Berkündung des Alterspräsidenten wird von den Hakenkreuzlern aus nicht«rkepnbaren Gründen mit Beifall aus- genommen: vielleicht freuen sie sich darüber, daß Scholz nicht schon im ersten'Dahlgang durchgefallen ist! Auch der zweite Wahlgang wird mit oerdeckten Stimmzetteln aus Namensaufruf durchgeführt. Stimmzettel für andere als die beiden genannten Kandidaten sind jctzi ungültig. Das Ergebnis ist: Löbc. Scholz ungültig 269 209 77 Alterspräsident Herold: Somit ist Herr Abg. Löbe zum Präsidenten des Reichstags gewählt.(Stöhr, Straßcr und ander« Hakcnkreuzler schreien etwas von Minderheit, Kriegsdienstverweigerung usw. Die Sozialdemo. kraten erheben sich und begrüßen das Wahlergebnis mit lang- andauerndem Händeklatschen und Bravo-Rufcn, so daß man das Ge- schimpf« und die Pfui-Rufe der Hakenkreuzler erst wieder oernimmt, als die begeisterte Kundgebung vorüber ist. Auf die Frage des Alterspräsidenten, ob er die Wahl annehme, antwortet Lobe..Jawohl-. Das bübische Gebrüll der Hakentreuzburschxn, das die Zusage ihrer Derlrcker im Aelkestcnrat. die Geschäftsordnung inaezuhallea, (o lrcfstich illustriert, geht in einer neuen Beisallskoudgebüng der Sozialdemokraken unter. Man hör« nur. während Präsident Löbe ans die Aufforderung des Alterspräsidenten sich auf den Präsidenten. platz begibt, daß die hatcukrruztcr andauernd.36 000 Mark- schreien. Präsident Löbe übernimmt unter einem Händedruck vom Alterspröftdenten Herold den Vorsitz und hält unter dem Geschrei der Hakenkreuzler, die dem Präsidenten das Reden außerordentlich erschweren, folgend« An- spräche: Erlauben Sie trotz der Gegensätze, die eben hervorgetreten sind. daß ich zunächst denjenigen herzlich danke, die mir ihre Stimme ge- geben haben. Sodann aber danke ich dem verehrten Herrn Alters- Präsidenten(lebhafter Beifall des größten Teiles des Hauses), der trotz seines hohen Lebensalters die Mühewaltung dieses Amtes auf sich genommen hat. Wir wünschen unserem Herrn Alterspräsidenten Herold, der eine 41jährige parlamentarische Tätigkeit hinter sich hat. noch viel« Jahre gleicher Rüstigkeit..(Beifall.) Auch diejenigen. die«inen anderen Leiter der Verhandlungen vorgezogen lzötten, wissen, welch schweres Amt mir übertrogen ist.(Gelächter äußerst rechts und ständiges Papagciengefchrei: 36 000 Mark!) Dieser Reichstag steht vor Problemen, die die schwerste» Ent- scheidungen der Nachkriegszeit erfordern. Am sie zu lösen, wird es die erste Ausgabe sein, unbedingt die Arbeitsfähigkeit des Reichstags zn sichern. (Neues Geschrei der Hitlerianer, besonders des Goebbels.) Herr Abg. Goebbels, ich werde jetzt sehr wenige Reden halten, aber sehr viele Reden von Ihnen anhören müssen, also hören Sie jetzt mich an! Ich wollte nämlich gerade einen Appell an Sie(nach rechts) richten, nämlich die Arbeitsfähigkeit des Reichstages nicht zu ver- eiteln. Dazu bedarf es der Mithilfe aller Gruppen des Hauses, und ich glaube, daß wir damit die Erwartungen der Wähler am ehesten erfüllen.(Ein Nazi schreit: 30 Mandate habt ihr verloren!) Das Volk erwartet von uns ernste Arbeit. Ich bin überzeugt. daß solche Arbeit herbeizuführen auch im Znleresse Ihrer Wähler liegt, daß dazu aber auch eine unparteiische Leitung der Geschäfte erforderlich ist, wie ich sie stets geführt habe und auch weiter üben werde. Ich bitte Sie, die unvermeidlichen Gegensätze in Foruzcn auszutragen, die die Arbeitsfähigkeit des Hauses nicht bedrohen.(Geschrei rechts.— Stöhr ruft: Die Lyrik verfängt nicht bei uns!) Nach dieser. Ansprache des Präsidenten, die unausgesetzt von den Hakenkreuzlern durch Gebrüll unterbrochen und gestört, von der Linken und der Mitte mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, beginnt die Wahl des ersten Vizepräsidenten. Abg. Dr. Frick(Natsoz.) schlägt für diese Stell« seinen Partei- genossen Stöhr vor. Abg. Ditlmann(Soz.) erklärt, die sozialdemokratische Fraktion werde nicht für Stöhr, sondern für Esser(Z.) stimmen', da die Nationalsozialisten das Recht der stärksten Partei mißachtet hätten. Abg. Rippel(Chr.-Soz.): Gemäß unserer vorhin abgegebenen Erklärung werden wir bei dieser Wahl für den Kandidaten der zweitstärksten Fraktion, Herrn Stöhr, stimmen,. Abg. Torgler(Komm.): Wir stimmen für Pieck. Aber noch ein Worti mein« Herren Nattonassozwlisten.-Jbr Kandidat Scholz war einzige- SPnds Mher d«.. Hake-rkrauz�.«Hchterkeit links und irr der Miti«) Die Hakenkreuzler setzen mit einem Dauer- gebrüll ein, das. Torglers weitere Worte verschließt. Lobe als Erzieher. Mitten in den tobeirden Lärm zeigt der neugewahlte Präsident seine ruhigen und sicheren Dispositionen. Mit vollendeter Liebens- Würdigkeit wandte er sich an das Haus mit folgendem Borschlog: „Ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen, um die Wa hl zu vereinfachen. Dieser Vorschlag kann nur dann angenommen werden, wenn keiner von Ihnen widerspricht. Ich schlage Ihnen vor: alle Abgeordneten sollen den Saal verlassen und am Eingang den Schriftführern ihren Sttmm- zellel abgeben. Da rem die Schriftführer zu sehr überlastet sind, schlage ich weiter vor, daß vier weitere Schrift- führcr ernannt werden. Dieser Vorschlag kann aber nur angenommen werden, wenn keiner aus dem Hause widerspricht." Die eben noch lärmenden Radikalinskis sind durch diese ruhige Art der Geschäftsbehandlung so verlegen geworden, daß sie wirklich vergessen, Widerspruch zu erheben. Das Haus, einschließlich der Nazis und ihrer Antipoden, folgt also ein- mutig dem Vorschlag« des„marxistischen" Präsidenten, der auch die schlimmsten Schreier durch seine Sachlichkeit entwaffnet. Nach der.Kampfwahl- der erste offene Erfolg Löbes. den selbst die Zungen Leute des Hitler-Heerbanns nicht zu leugnen wagen. Oer Nazi als Dize. Das Ergebnis der Wahl des ersten Vizepräsidenten ist folgendes: Gewählt ist Abg. Stöhr(Ratsoz.) mit 288 Stimmen; Esser er- hält 171, Pieck 67, ungültig sind 8. Etöhr nimmt die Walzl an. Als dritten Vizepräsidenten schlägt Abg. Dr. Hergt(Dnat.) seinen Parteigenossen G r ä s- Thüringen vor, Abg. Dittmann(Soz.) dagegen den Abg. Dr. P fl e g e r(Bayer. Vp.). Abgegeben werden für Gräf 227, Dr. Pfleger 176, Pieck 66, von Kardorff(D. Lp.) 26- zersplittert 2. In der engeren Wahl wird Gros mit 231 Stimmen gewählt. Pfleger erhält 290. 67 Stimmen sind ungültig. Gräf nimmt die Wahl an. Die Auszählung der nunmehr abgegebenen Stimmzettel für die 12 Schriftführer erfolgt auf Vorschlag des Präsidenten, nach Schluß der Sitzung; das Ergebnis wird heute bekanntgegeben werden. Der sozialdemokratisch« Antrag auf Herabsetzung der Abgeord- netendiäten. des Rcichspräfidentengehalts und der Mimstergehältcr wird auf Antrag des Abg. Esser(Z.) zusammen mit anderen ähn, lichen Anträgen einem Ausschuß überwiesen. Schluß 19?L Uhr. Heute 15 Uhr: Regierung s« e r k l ä r u n g. Kabine« Brüning von innen. Landvolk für Mißtrauensvotum. Die Fraktion Deutsches Landvolk erklärt, daß sie einem Mißtrauensantrag gegen die Regierung Brüning zustimmen werde. Sic kündigt eigene Mißtrauens- antrage gegen einzelne Kabinettsmitglieder an, vor allem getjen Außenminister C u r t i u s. Auf der Liste Deutsches Landvolk hat Reichsminister Schiele kandidiert. Er war der Führer dieser Partei im Wahlkampf. Wohl hat er sein Reichstagsmandat nieder- gelegt— aber daß er politisch der Exponent dieser Partei ist, läßt sich nicht bestreiten. Die Fraktion des Herrn C u r t i u s ist nur durch die Drohung des Gesamtrücktritts des Kabinetts von einem Fraktionsootum gegen Curtius abgehalten worden. Die Fraktion des Herrn B x e d t hat sich von der Regie- rung losgesagt und behält sich freie Hand vor. Die Fraktion des Herrn Schiele endlich wird gegen die Regierung stimmen. Das ist der innere Zustand des Kabinetts Brüning. NerVorsitz m den Reichsiagsausfchüsse Vorschläge des Aeltestenrats. Der Aelleftenrot des Reichstages trat nach der Plenarsitzunz unter dem Vorsitz des Präsidenten Löbe nochmals zu einer Sitzung zusammen, in der über die Bestellung der Vorsitzenden für die einzelnen Ausschüsse verhandelt wurde. Die Parteien haben geschästsordnungsmäßig je nach ihrer Stärke dos Recht, den Vorsitz in den Ausschüssen nach deren Wichtigkeit zu bc- anspruchen. Die Sozialdemotraten haben für sich den Haushaltsausschuh, den Handelspolitischen Ausschuh und den Volks- wirtschaftlichen Ausschuß in Anspruch genommen. Die National- s o z i a l i st e n den Auswärtigen Ausschuß und den Rechtsausschuß, die Kommunisten den Geschäftsordnungsaugschutz und den Beamtenausschuß, in dem sie schon im vorigen Reichstag den Vorsitz hatten, das Zentrum den Sozialpolitischen Ausschuß und den Ausschuß für Derkehrssragen; endlich die Deutschnationalen den Steuerausschuß, den sie schau bisher durch den Abg. Oberfohreu geleitet haben. Der Aeltestenrat wird in diesem Sinn« dem Plenum Borschläge machen. Die endgültige Entscheidung darüber steht dem Plenum zu. Der Nazi- Abgeorbneienausweis. »er bei den Naziwmutten verhaftete Landwirtc band. 1911. Früher 2, SO, jetzt Romain Rolland, Mutter und Sohn. Roman. 1927. Der erste historische Eoman über den Weltkrieg. Eleg. Leinen- �€>r band- 572 Seiten. Früher 8, 50, jetzt Sing-Song der Liebe. Ein buntes Euch von Liedern usw. Vorzügliches Vortrags- buch von Eob. Heymann. 1928. a qc 153 8. Kartoniert. Frh. 3,00. jetzt Max Liebcrmann, Zeichnungen. Herausgegeben von Hans Wölfl. 1922. Mit 100 Tafeln. Halbleinenband.?«c Früher 12,00................ jetzt und Weit, Herausgegeben voa tud. Arnheim u. a.— Btzäh langen— Abenteuer— Reisen— Ulk— Technik— Sport— Rätsel. 316 Seilen, reich illustriert. Mitarbeiter: Holltscher— Kisch— Feucht- wanger-Wasser mann u.v.a. Hübsch€>ir gebunden. Früher 5,00..... jetzt Jägerwege. JagderzSb langen heiteren und ernsten Inhalts von Arthur Sehn hart. 239 Seiten. Halbleinenband. i CA Früher 5,00............... jetzt»jpW In Buddhas Land. Ein Bummel durch Hinterindien. Von Alice Scbalek. 244 Seiten mit 48 Bildern nach eigenen Aufnahmen. Haibleinenband. i CA Früher 5,00.............. jetzt Georg riermann. Gesammelte Werke. Inhalt; Jette nea Gebert— Henriette Jaccby — Spielkinder— Kubinke— Nachbar Ameise— Dr. Hcrzteld— Novellen und Essays. 5 elegante Leinenbände. 1 q AA Frfther�45,00........... jetzt IQjwW Jagd buch. J.tgdgeschichten von Ludw. Hohl wein. 230 Selten mit 6 Bildtafeln. Halbleincnband. 1 CA Früher 6,00.............. jetzt■ Altdeufsdie Meister zur Zeit Dürers. 100 Zeichnungen. Ausgewählt und eingeleitet von Carl Koch. 1923. Halbleinenband. KlcinfolloformaL? or Früher 16, OO........... jetzt, Chemie für jungen. Ein hxperimenilor- und Lesebuch naoh Fahre, bearbeitet von Hanns Günther. 2 Haibleinenband« mit zus. 516 Seiten n.71 Textbildern.* ca Früher 10.40.......... jetzt Ij-JW Macoulay, Essays. Herausgegeben von Egon FriedclL 1924. 804 Seiten.(Machi- avclli— Bacon— Friedrich der Grosse— Byron). Gebunden. A OC Früher 4.50............ jetzt Wj> J Süsser als Gift. Roman von Fjodor 8 s o l o g n b. 1922. 527 starker H QA Leinenband. Früher 6,00....jetzt' i Cöoper, Lederstrumpf. Uebersetzi und bearbeitet von K. Kühlewein. Reich illustriert mit Bildern von Leo Bauer. 558 Seiten starker Leinen band.*% os Früher 6,00............... jetzt J Ein Frauenschicksal. Elisabeth Lön». Von Am. DI 1z er. 96 Seiten mitSBil- A TC dem. Leinenband- Früher 3,00, jetzt wj• Versandabteilung: Berlin SWI9, Leipziger Str. Scbrtftlldic Bestellungen werden prompt erledlgf. Bei Auftrügen nedi auswörtj vergüten wir für|e 20 M. 80 Pf� die nur für Porto bzw. Verpackung tat Anrvdmung gebracht werden. 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Es wird Ausgabe einer veranlworlungsbewußlen presse sein müssen, der Oesfenllichkeil vor Augen zu führen, daß es oberste Pflicht des Magistrats ist. den stark ins Wanken geratenen Haushalt einigermaßen zum Auslgeich zu bringen. Eine ander« Möglichkeit als die Durchführung der vom Reichs- Präsidenten»erfügten N o t o« r o rd nu ng besteht zur herbei- schoffung der dringend benötigten Mittel nicht. Es darf nicht ver- kennt werden, daß es die Sorge um die Bereitstellung der dauernd anwachsenden Mittet für die W o h l sah r t s e r we rb s l o s e n kst. die den Mogistrat zu seinem Beschluß veraniaßt hat. Wie sich das Stadtparlament zu der Magiftratsvorlag« stellen wird, ist noch völlig ungewiß. Wie der„B o r w ä r t s* erfährt, wird es kaum möglich sein, die Vorlage noch in der heutigen Sitzung den Stadtverordneten zuzuleiten. Der Beschluß bedingt eine «rmfangreich« Begründung und Klarstellung des NachttagshaushaUes, so daß die Vorlage wahrscheinlich erst in acht Tagen an das Plenum gelange» wird. Da die neuen Stenern ab 1. November in Kraft treten sollen, wird immerhin noch genügend Zeit zur Beratung ver- bleiben. Kommen die Stadtverordneten zu einer Ablehnung des Magistratsbeschlusses, so ist es durchaus möglich, daß erneut der Oberpräsident eingreifen wird Im Magistrat ist man der Meinung, daß die Erhöhung der Biersteuer keine Heraufsetzung des Bierpreises nach sich ziehen dürfe. Di« neue Steuer bedingt eine Erhöhung des Bierpreises um un- gefähr 2 Pfennig pro Liter. Man glaubt nun, daß dies« gering- fügig« Erhöhung von Ea st wirtschaften getragen werden müsie, weil bei der letzten Reichssestsetzung in den meisten Fällen bereits«in Aufschlag auf die Preise stattgefunden habe. Die großen Gast- Häuser werden die neu« Belastung sicherlich auch. leicht ertragen können, während sie für die Besitzer kleiner Wirtschaften, die be- reits jetzt schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben, um so folgenschwerer sein wird. Ruhe in Berlin. Der gestrig« Tag ist in Verlin völlig ruhig verlaufen. Sowohl der Reichstag wie auch die Umgebung des Landtages waren durch Schutzpolizei stark gesichert. Zu Zwischenfällen ist es auch in den Abendstunden nirgends gekommen. Gefährlicher Gänsebraten. paratyphnelerkrankungen im Kinderheim Westend.— Keine Lebensgefahr für die Erkrankten. Luter dem Pflege- und hausperfoncrl des Städtische» Kinder- »v d Müllerheimes i» der Rüsteraallee in Weste nd sind Erkrankungen aufgetreten, die als Mhrungsmittelinfektionen anzusehen find. Die bakteriologische Untersuchung hat das vor- handeuseia von Parakyphus-Enterlti«. Bazillen im Stuhl Erkrankter uod in Teilen von Gänsebraten ergeben, so daß der Gänsebraten als Infektionsquelle anzusehen ist. Di« Gänse wurden, wie das Bezirksamt Charlottenburg mit- teilt, bei der Lieferung als völlig einwandfrei abgenommen. Es sind bei weitem nicht alle Personen erkrankt, die von den Gänsen gegessen haben, so daß nur ein TeilderGäns« Trägerdes Bazillus gewesen ist. Auch bei vollständigem Durchbraten erner Gans werden die Paratyphusbazillen an den Knochenteilen «nd im Knochenmark nicht immer abgetötet. Eine Unachtsamkeit liegt weder bei der Beschaffung noch bei der Verwertung der Gänse vor. Erkrankt find 17 Schwestern von insgesamt 42 vorhandenen Schwestern, 7 Angestellte vom Hauspersonal und 3 Mütter. Einige Fäll« sind sehr leicht, die anderen verlaufen so, daß nach dem Urteil der Aerzte Lebensgefahr bei keinem Pa- tienten besteht. Der größte Teil der Erkrankten befindet sich in Behandlung im Krankenhause Westend. Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch liegt bei dieser Art des Paratyphus nicht vor. Die Kinder im Heim sind in keiner Weis« gefährdet. Die Deutsch»Zranzö fische Gesellschaft veranstaltet unter Leitung von Staatssekretär Dr. Wcismann am bcutigen IK. Oktober, abends 8 Uhr. bei Kroll einen Politischen Abend, aus dem wechselseitig über das Thema: ,Ba« Deutschland von Frankreich und Frankreich von Deutschland erwartet' der sranzösische Abgeordnete Pierre Cot vom Auswärtigen Ausschuß der Deputiertenkammer und der deutsche Zentrumsabgeordnete Joses JooS vom Auswärtigen Ausschuß dcS Reichstags sprechen werden. Karten zu M. 2.—, 4.— und 6.— in der aSeschSilSsteve der Dcntsch-Französischen Gesellschast, Haberlandstr. 2(Cornelius 0503). Wohnquartier in 200 jähriger fflamruine äNefes 200 fUhrlge, in feinem Oberflock bereits völlig verfallene Maus in Meivin a. X,(eltva SO hm hinler SSerlln), dient im Crdgefchoß noch als Itohmmp. Oer Raubüberfall in Kaulsdorf Das Auto der Täter gefunden.— 500 Mark Belohnung. Der Raubübcrsall in Kaulsdorf, über den wir bereits ausführlich berichteten, hat sich jetzt insofern geklärt, als das Auto, das die Täter benutzten, vor dem hause Prinz- Eitel-Straße 78 zu Lichtenberg aufgefunden und beschlagnahmt werden konnte. Es handelt sich um einen wan- dererwagen mit dem Kennzeichen l M! 25 297, der in Magdeburg beheimatet sein muß. Der Wagen stand herrenlos am Fahrdamm und erregte die Aufmerksamkeit von Passanten, bis jemand daraus kam, daß ein Auto mit ähnlicher Nummer zu dem bereits bekannten Raubüberfall benutzt worden war. Die Kriminalpolizei wurde in Kenntnis gesetzt und stellte den Wagen sicher. Es wurden auch Zeugen ermittelt, die gesehen haben, daß drei jünger« Leute aus dem Wagen stiegen und fortgingen. In dem Wagen wurde noch eine a b g c- schössen« Patronenhülse einer großkalibrigen Pistole ge- funden. Dieser Fund allein genügt schon, um festzustellen, daß es sich in der Tat um das Raubauto handelt. Nach dem U e b e r f a l l auf die beiden Geldträger des Arbeitsamtes Ost hatten Schupobeamte und Passanten versucht, die Verfolgung der schnell abfahrenden Räuber aufzunehmen. Aus dem wogen heraus wurde aber auf die Verfolger noch mehrmals geschossen und beim Absuchen der Straße wurden die Patronenhülsen entdeckt. Sic stimmen genau überein mit der, die noch im Wagen lag. Imincr mehr bestärkt sich die Vermutung, daß es sich um«inen vorbereiteten Plan handelt. Di« beiden Geldträger, die den Weg nach Kaulsdorf jede Woche viermal machen, sind von den Tätern sicher beobachtet und auf ihren Gängen verfolgt worden. Es müssen jüngere Leute, etwa im Alter zwischen 20 und 30 Iahren, gewesen sein. Einer hat am Tatort«ine Mütze verloren, die ebenfalls beschlagnahmt wor- den ist. Es ist eine violette, blaukarierte, fast neue Mütze mit hellem Futter. Zeugen erklären, daß auch die anderen Insassen des Autos derartige Mützen getragen hätten. Der Fundort des Autos ist in unmittelbarer Nähe der Endstation der Straßenbahnlinie 176. Möglicherweise haben die Täter nach Verlassen des Wagens die Flucht mit der Straßenbahn fortgesetzt. Für Mittellungen aus dem Publikum, die auf die Spur der Räuber führen können, ist von der Kriminalpolizei eine B c- lohnung von Süll Mark ausgesetzt worden. Auch die Stadt Berlin wird wahrscheinlich noch eine Sonderbelohnung ausschreiben. Um die Herkunft des Autos festzustellen, ist in Magdeburg angefragt worden, denn in den letzten Tagen ist in Verlin und seiner Um- gebung«in Wandererwagen nicht als gestohlen gemeldet. Alle Nachrichten, die zur Aufklärung und Festnahme der Täter führen können, werde» an das Raubdezernat.A 5 im Polizeipräsidium erbeten. Fünfzehnjährige Berlinerin vermißt. Seit Montag, den 13. Oktober, wird die löjährige Christel Metzdorf aus B e r l i n- W ibm e r sd o r f, Nassauische Straße 23, vermißt. Das junge Mädchen wohnte bei den Eltern. Es war mit seiner Mutter während der Ferien zu Besuch in Dan zig. Die Mutter begleitet« das junge Mädchen am 13. Ol- tober bis Marienburg und setzte sie dort in den Berliner V.Zug, der 12.22 Uhr abfährt. Die Mutter fuhr dann nach Danzig zurück. Die Ellern vermuten, daß ihre Tochter, trotzdem sie einen Paß bei sich hatte, im polnischen Korridor zurückgehalten wurde. Mitreisende, die über den Verbleib Auskunft geben tonnen, werden um schleunige Mitteilung an die Eltern unter Telephon Cornelius 4978 oder an die Vermißtenzentrale im Polizei- Präsidium Berlin gebeten. Das junge Mädchen war mit weiß-schwarz kariertein Mantel, gelber Baskenmütze, schwarzem Rock. rotem Wolljumper und modfarbenen Schuhen und Strümpfen be- kleidet. yitMvui.'ßbtsidi. JXnitrebt Zlachtrvck verboten. Eustao Äiepcnboutr Verlag A.-D., Bertriebsabt. Die Frau durfte nicht denken. Sobald sie sich das Gs- fchehen jener Nächte vergegenwärtigte— und Mangsweise muhte sie sich jede Einzelheit der Liebschaft der Rothaarigen vorstellen— stieg ihr Ekel in den Mund. Der Widerwille ging an manchen Tagen so weit, daß sie sich abwenden mußte, wenn Werla ruhig seine Mahlzeiten beendete. Aber auch in ihrem Körper kreisten Säfte. Zelle um Zelle, Kraft und Blut, die sie dem Kind gegeben hatte, er- neuerten sich. Ueber der Stadt brausten die ersten Winde des Frühjahrs, deren flatternder Abfall noch in den Hinterhof quoll wie«ine Hoffnung, und es gab schon Tage, da ließ man eine halbe Stunde Sonne ins offene Fenster hinein, und es gab Augenblicke herrlicher Mütterlichkeit, wenn das Kind mit den kleinen Blitzen des Gestirns zu spielen begann und gurrend lachte. Bald wartete Annie wieder an ihrem gewohnten Platz auf das Kommen des Mannes. Es war zum Feierabend nicht mehr dunkel, seine breite, ein wenig nach links gebeugte Gestalt kam durch eine heimatliche Dämmerung auf das Haus zu und er winkte oft, so daß es unmerklich geschah, daß sie freudig wie einst die Tür öffnete und ihn empfing mit Lächeln. An solchen Tagen wußten sie nichts vom Ver- gangenen, die Welt bewegte sich richtig und das Leben war eine schöne Wohnung. Hob Berts Hand dann aber einmal nur ein Messer ungewohnt, lachte er etwas fremd vor sich hin, war sogleich das Gespenst des Gewesenen wieder be- schworen: ein Frauenkopf schien sich aus dunstigen Massen zu formen und dem Manne zuzuwenden und Annie sprach, chm nun Rätsel und Anklage zugleich, kein Wort mehr. Es war schwer, für ihn und für sie, sich nach solchen Be- gebenheiten zurechtzufinden. Wie oft ging man schlafen, ohne sich«in gutes Wort zu gönnen! Aber doch kam der Tag, da solche Stiminungen seltener wurden— und jene Nacht, in der sie wieder miteinander schliefen und in der Annie seine Wärme und er ihre lautlose Zärtlichkeit spürte, die alles hinwegnahm. Die Welt bewegte sich wieder im Takt. Andere Dinge machten ein wichtiges Gesicht, die beiden Menschen konnten abends in der Küche sitzen, Annie nähte, der Mann betrachtete mit Stolz den Jungen, und der erste Sommer kam mit Dust und Staub in abendlichen Spaziergängen. Daß man im Dunkelwerden heimkehren mußte, weil der kleine Ferdinand unnachsichtig seine Nahrung verlangte, erfüllte mit Stolz, Erwartung und Dank. Die Tagessonne warf Ballen Hitze auf Dächer und in Fenster, kochte Menschen, zermürbte die Stadt, aus der Ferienkolonnen in Bäder flohen. Das Volk schuftete, faulenzte, belagerte die Wohlfahrtskassen weiter, kehrte Straßen, addierte und subtrahierte in Büros, feuerte Gaskessel und Elektrizitätsöfen, ließ Straßenbahnen staubwirbelnd klingeln. Es würde schnell so heiß, daß man glaubte, die Schlüssel schmölzen in den Hosentaschen. Ledern hing das Laub, die Männer in den Fabriken arbeiteten halb nackt, die Büro- angestellten trippelten mit flatternden Schlipsen auf ihren Oberhemden bedrückt und träge durch die Räume... An einem dieser Vormittage ließ sich die alte Hanek bei ihrer Tochter sehen, es ging besser mit ihren Beinen und sie wollte Sonntag in den Grunewald. Frau Guhlmann war ihr begegnet und hatte sie auf die Idee gebracht. Sie meinte, auch für Annie sei das eme gute Ablenkung. Man vergesse allerlei Uebles bei so einem netten Ausflug. Ob sie damit Bestimmtes sagen wolle? erkundigte sich Annie. Frau Hanek wehrte mit gesteigertem Nachdruck ab Eine Frau, die sich mit Sorgen uin Essen, Trinken und Gesund- heit des Kindes plage, könne so einen Tag wirklich oertragen. Bert hätte sicher nichts dagegen... Sonntag früh versammelte sich die Marschkolonne auf dem Hof, bespitzelt von den Köchinnen der Vorderhäuser. Frau Melanie Hanek hatte sich in ein phantastisches Kleider- bündel aus Voile und Chiffon verwandelt. Als Zug- ordnerin ließ Frau Guhlmann alle ihre Würde spielen, zu der sie sich als Gattin sowohl aus repräsentativen Gründen verpflichtet fühlte, wie aus erzieherische!, berechtigt hielt. Eine ihrer Nichten, eine kleine Perion mit runden Beinen und neugierigen Augen, tänzelte albern umher: endlich standen auch Werlas bereit, den neulackierten Kinderwagen, an dem er zwei Feierabende mühsam und eifrig gepinselt hatte, vor sich. Die Eroberung des Grunewalds konnte beginnen. Noch war ein Hauch der Sprengwagen in den Straßen, Menschen gab es kaum, Autos wenig, die Stadt lag frisch zu ihren Füßen, man kam gut vorwärts und pendelte schon nach einer guten Stunde über eine Chaussee, zeitwellig von den Schmutzwolken der Tourenwagen gänzlich eingehüllt. Ein Restaurant an einem teichähnlichen Gebilde aus Morast und Wasser erklärte mittels Rundschrift auf einer Tafel: Hier können Familien Kaffee kochen! Das war das rechte!„Links schwenkt marsch", kommandierte Werla, der langsam aus den Geschmack der Sache kam. Ein Köter bellte und ein Kellner empfing sie. Tische wurden gerückt, die Frauen stürzten in den Küchenraum und die Männer bauten Vorräte von solcher Fülle auf, daß eine Polarexpedition Monate mit diesem Proviant vor Hunger geschützt gewesen wäre. „Achtung. Achtung— hier Berlin, Stettin, Magdeburg, Königswusterhausen— meine Damen und Herren, wir bringen ihnen jetzt unser Sonntagsfrühkonzert.. „Mensch", brüllte Guhlmann. der schweigsame Omnibus- führer und Hausverwalter, den keiner seiner Mieter je reden gehört hatte,„das ist vielleicht ein geriebener Halunke, der Wirt! Hat sich hier in die Wand'n ganze Lautsprecheranlage einbauen lassen..." Ueber die frenetische Konstatierung dieses Wunders hin- aus reichte sein Mut nicht. Er ließ die andern über drohen- den Streik, die Hitze und ein Tortenrezept reden. Nichts brachte ihn aus der Ruhe, ein Stück Kuchen nach dem andern verschwand zwischen seinen staunenswerten Kiefern, bis seine Frau ihm den Teller fortnahm. „Schad' nlscht— eine Zigarre ist auch nicht zu ver- achten, wie?" Werla reichte die Tüte hinüber und beide stießen den Rauch in spitzen Kringeln in die Luft. Die Gesellschaft saß in einer natürlichen Laube, durch deren Blätter das Licht festlich schimmerte. Brummer und Libellen kreisten über dem Tümpel und Bienen um die Köpfe der Frauen. Bert nahm den Kleinen auf den Schoß und ließ ihn mit einem Birkenzweig spielen. Dünne Melodien aus dem Lautsprecher übersprudelten das Reden der Frauen, die Nichte kicherte und drängte unter dem Tisch ihr Bein sehr nahe an Werlas Sonntagshose. Er war ein netter Kerl, für ihre Begriffe: gegen ihren Onkel wirkte er in seinem hellgrauen. Anzug mit dem gestreiften Oberhemd bei- nahe wie ein Weltmann. Werla rückte ein Stückchen weiter, überließ sich der Ruhe des Tages und freute sich, wenn das Kind einmal das Gesicht verzog, was nach Meinung der ver- ständigen Frauen als Lachen zu deuten mar. (Fortsetzung folgt.) Das Werk von Beelitz. Gin neues chirurgisches Krankenhaus.- Insgesamt-1400 Betten. Die der Landesversicherungsanstalt Berlin unterstehenden Beelitzer Heilstätten, die bekanntesten und volkstümlichsten dieser Art im Berliner Wirtschafts- und Kultur- be reich, haben soeben ihren seit 1902 bestehenden Anstalten eine neu«, ungemein wichtige angegliedert, nämlich«in neue» Kranken- haus für die chirurgische Behandlung der Tuber- k u l o s e. Die seit einigen Jahren durch chirurgisch« Behandlung auch bei schweren Formen der Lungentuberkulose erzielten Erfolgs veranlatzten die Landesverstcherungsanstalt Berlin, ein b e s o n- deres Krankenhaus für diese Zwecke und für die Behandlung der Knochen- und Gelenktuberkulose zu er- richten. Daß man nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Haus«? erkannt, sondern trotz aller Wirtjchaftsnöt« und trotz aller Kritik über in Deutschland angeblich zu weit gehende Sozialhygiene den Bau tatkräftig gefördert und durchgeführt hat, verdient unbedingte Anerkennung. Mit seiner der warmen Südseite zugerichteten Front von IN) Meter Länge macht das inmitten eines riefigen kreisrunden Rasenplatzes liegende, von Sandesbaumeister Schulz errichtete Gebäude nicht nur einen stattlichen, sondern auch«inen behaglichen Eindruck. Sämtliche für die Unterbringung von krauten bestimmten Räume mit 55 Betten gehen nach Süden. Bequeme Liegeveranden sind allen Zimmern vorgelagert. Di« Krankenzimmer selber sind aus das zweckmäßigst« eingerichtet. Um den einzelnen Kranken«in Höchstmaß an Ruhe zu gewähren, sind sämtlich« Zimmer untereinander schalldicht gemocht worden. Elektrische Glocken, die nachts die Kranken erschrecken und stören, gibt es nicht mehr; sie wurden durch ein sinnreiches System von Lichtsignalen abgelöst. Sämtliche Räum« des Hauses weisen Kachelung auf, eine Einrichtung, die praktisch und hygienisch und keineswegs, wie immer vermutet wird, teuer ist. Be° sonders gediegen sind die Herzkammern des neuen Baues, die Operationsräume. und das groß« und wahrhast großartig anmutende Röntgen- Institut eingerichtet. Um Aerzte, Pfleger und Pflegerinnen jeder- zeit zur Hand zu haben, hat man das gesamte Personal im Haus selber untergebracht. Das bedeutet für die Kranken eine große Be- ruhigung, bedeutet aber für das Personal auch eine ungewöhnlich starke Beanspruchung. Es war also selbstverständlich, daß man den Aerzte- und Schwesternzimmern eine gewisse Behaglichkeit und Freundlichkeit verlieh. Mit dem Neubau verfügen jetzt die Beelitzer Heilstätten über insgesamt 1400 Betten, von denen nmd 1000 für Tuberkulöse bestimmt sind. Das Kesamtareal der Heilstätten umfaßt 800 preußische Morgen. Der Ausbau des ganzen großen Werkes hat seit 1902 22 Millionen Mark erfordert, so daß jedes Bett etwa 15 700 Mark kostet. Um die insgesamt in den Heilstätten befindlichen 2000 Menschen(einschließlich Personal) zu verpflegen, mußt« man eigene Bäckerei und Fleischerei errichten. Mit den Abfällen werden 40 0 Schweine in eigener Mästerei gefüttert. Ebenso sind eigene Elektrizitäts-, Wasser- und Kanalisationswerke vorhanden. Das Werk von Beelitz mit dem Schlußstein, dem neuen Krankenhaus, ist ein Ruhmestitel für die deutsche so- zialhygienische Kultur. Ein ungetreuer Hilfsbeamter. Auf dem Arbeitsamt Mitte ltSOOO Mark unterschlagen. Durch einen ungetreuen Hilfsbeamten ist das Arbeits- amt Berlin- Mitte am Mittwoch um 18 000 Mark ge- schädigt worden. Der Täler ist flüchtig. Es handelt sich um den Hilfsbeamten Maly, der in der Schönhauser Allee 168a wohnte. M. war erst vor wenigen Monaten in der Zweigstelle des Arbeitsamtes Mitte, die ihre Räume in der Lothringer Straße hat, angestellt worden. Gegen 12 Uhr mittags trafen in der Zweigstelle 18 000 Mark ein, die zur Gehaltszahlung für die Beamten bestimmt waren. Maly wurde beauftragt, die Summe nach einer anderen Dienststell« zu bringen. Er benutzt« das Vertrauen dazu, mit dem Geld« unbemerkt aus dem Büro zu ver- schwinden. Die Polizei fahndete bisher vergeblich nach dem De- fraudanten. Durch die Unterschlagung konnte den Beamten gestern nur ein Teil des Gehalts ausgezahlt werden. Wie es heißt, soll der Flüch- ttge berests wegen anderer Betrugsfälle vorbestraft sein, ohne daß die Behörde davon Kenntnis erhielt. LteberfaN im Arbeitsami. Wieder ein Angestellter schwer mißhandelt. Am Dienstagmittag wurde der auf dem Arbeitsamt Nord in der Pankstraßs 47 beschäftige Angestellt« L« y s e r von einem Unter- stützungsempfänger überfallen und durch Schläge mit einem harten Gegenstand erheblich oerletzt. Der Täter, ein gewisser Fritsch, war mit seiner Frau im Arbeits- amt erschienen, um mit dem Beamten über die abgeänderten Unter- stützungsbezüg« zu verhandeln. Sowohl der Mann wie auch die Frau waren Unterstützungsempfänger. Als der Beamte dem Mann« klarzumachen oersuchte, daß nach der Notverordnung die Unter- stützung gekürzt werden müsse, geriet Fritsch derart in Er- regung, daß er plötzlich aus der Tasche ein Sch l ü s s e l b u n d hervorzog und auf den ahnungslosen Beamten einschlug. Leyser erlitt dabei so schwer« Gesichtsverletzungen, daß er zu einem Arzt gebracht werden mußte. Der rauflustige Unterstützungsempsänger. offenbar handelt es sich um einen Epileptiker, wurde nach dem ge- meinen Ueberfall von Krämpfen befallen. Durch einen herbeigeholten Polizeibeamten einer Streif« wurde er zur Rettung- wache gebracht. Das Kommunistenblatt nimmt diesen Borfall, bei dem ein An- gestellter des Arbeitsamtes erheblich verletzt worden ist, als Anlaß zu einer wütenden Hetze gsgen„sozialdemokratische Arbeitsamts- bürokraten". In einer kaum mehr zu überbietenden Verlogenheit wird der Fall so dargestellt, als ob sich mehrere Beamte über Fritsch gestürzt und ihn hinausgeworfen hätten. An der ganzen Schil- derung ist nicht ein wahres Wort. Die Unterftützungs- empfänger werden von der kommunisttfchen Presse eben systematisch mit lügenhaften Berichten gegen die Arbeitsamtsangestellten aus- gehetzt, so daß Szenen, wie die oben geschilderten, fast alltäglich ge- worden sind. Wege in den Freitod. Gestern nachmittag vergiftete sich der 45jährige Apotheker Karl B u r i u s aus All-Moabit vermuttich durch Einnehmen von Bero- nal. B. war im Auto zu seinem Testamentsvollstrecker gefahren und hatte dort mit dem Bevollmächtigten noch alles geordnet. Später wurde er am Steuer seines Wagens, der an der Ecke Parkplatz und Hebbelstraße m Charlottenburg hielt, bewußtlos aufgefunden. B. fand im Westendkrvnkenhaus Aufnahm«, wo er bald nach der Aufnahme gestorben ist. Der Tote ist eine in den Kreisen der Tierfreunde bekannt« Persönlichkeit. Unter anderem gehörte chin auch das Terrain, das er in Stahnsdorf zur Anlage eines Hundefriedhofes zur Verfügung stellte. Das Motiv zu dem Lerzweiflungsschritt soll Krankheit sein. * Das rätselhafte Verschwinden eines Berliner Kauf- manns beschäftigt zur Zeit die KriminiÄpolizei. Derschieden« Anzeichen deuten darauf hin, daß der Bcrschwundene seinem Leben durch Ertränken ein End« gemacht hat. Im Restaurant„Römer- schanze* in Nedlitz bei Potsdam traf mtt einem Privatauto •in Mann ein, der sich Kaufmann Kurt Landsberg aus Berlin- Lankwitz nannte. Er ließ das Auw in der Wirtschaft zurück und mietete sich ein Ruderboot, um nach der gegenüberliegenden Insel zu fahren. Don dieser Fahrt ist er nicht zurückgekehrt. Ob der Autofahrer personengleich war mit dem Zigarreng rohhändler K. Landsberg aus der Kaiser-Wilhelm-Straß« 76 zu Lankwitz, ist gegenwärtig noch Gegenstand der triminalpolizeilichen Untersuchung. Das Auw ist vorläufig sichergestellt. Arbeiterbildungsschule In der Woche vom 20. bis 25. Oktober beginnen in der Arbeiter- bildungsschule, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen rechts. Zimmer 11, folgende zentrale Kurse: Montag, 2V. Oktober, 19 � Uhr: Alfred Braunthal:„Grund- sätze sozialistischer Wirtschaftspolitik*.— Rudolf Abraham:„Ein Gang durch die Reichsverfassung*. Dienstag, 21. Oktober, 19'A Uhr: Dr. Siegfried Bernseld: „Psychologie und Kulturpsychologie*.— Käthe Kern:„Die or- ganisatorischen und programmatischen Grundlagen der Partei*. Donnerstag, 23. Oktober, 19% Uhr: Alexander Stein:„Kapi- talismus, Proletariat und Arbeiterbewegung*. Freitag, 24. Oktober, 19� Uhr: Paula Kurgotz:„Die Frau in Wirtschast und Politik*. Jeder Kursus umfaßt 20 Abende. Die Hörgebühr für den ganzen Kursus beträgt 5 Mark. Anmeldungen an unser Büro oder bei Beginn des Kursus im Schullokal. Handwsrks-Zubiläen. Berlin hat dieser Tage gleich zwei Handwertsjubiläen zu»er- zeichnen. So hielt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Optiker- Verbände, die rund 2000 Mitglieder im Reiche zählt, aus Anlaß des Löstchrigen Bestehens der Berliner Opttkerorganifatwn ihre Reichstagung in Berlin ab. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bildete aus Anlaß des Jubiläums die Festsitzung im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses. Der erste Vorsitzende Brennecke- Verlin hielt die Festrede und der Syndikus der Interessen- und Arbeitsgemeinschaft Deutscher Optiker-Verbände Dr. H u m m- Würz- bürg sprach über„Die rechtliche Stellung des Optikers im Rechts- und Wirtschaftsleben*. Das letzte Referat hielt Prof. Dr. von P f l u g k- Dresden über„Leittinien zur Geschichte der Brille*. Die Berliner Silber- und Goldschmiedeinnung feierte in den Kammersälen das 375jährige Jnnungsjubiläum. Der Obermeister der Innung, Emil Eichendorff, gab in seiner Festrede einen kurzen Rückblick und betonte, daß die Innung in den schweren Zeiten für die Meister eine gute Stütze war. Fast alle Berliner und märkischen Innungen waren durch ihre Obermeister und viele Fahnen- deputattonen vertreten, die die Innung durch Ucberreichung von Fahnennägeln ehrten. Außer dem Vertreter der Stadt waren zwanzig Vertreter des Dänischen Silberfabrikantenverbandes er- schienen.- Rose-Theater:„Zn der Johannisnacht*. Ein nettes, handfestes Lustspiel von Robert Gilbert, zu dem Jean Gilbert eine flotte, leicht ins Ohr gehende Musik schrieb. Ein entlaufenes Bräutchen schafft allerhand Ungemach und verzwickt« Situationen im Herzen des Bräutigams und der ganzen näheren Verwandt- schaft, bis die dolmerndc, aber wohlmeinende Schwiegermama alles wieder zum Kappz- end führt. Traute Rose, stimmlich glänzend wie immer, fand für die Herzensbrecherin süß-schmeichelnde Töne, Der Wissenschaftler Professor Dr. Götz-Briefs referiert über „Der deutsche Arbeitsmarkt der Gegenwart*. Ein knapper sachlicher Bericht, aus dem jeder Laie ersehen kann, daß der Konjunkturrückgang nicht so katastrophal ist wie die Zunahme der Arbeitslosigkeit annehmen ließ. Rationalisierung der Wirtschaft ist dafür ein Hauptmoment. Rückgang auf dem Baumarkt, einem der wichtigsten Zweige des Jnnenkonsums, ha' das Sinken anderer Produktionszweige, z. B. der Eisen- und der Maschinenindustrie zur Folge. Dieser Ausfall ist weder durch die Landwirtschaft noch durch den Export ausgeglichen. Professor Briefs glaubt nicht an den bal- digen Konjunkturaufschwung. Ungenügende Auflockerung des Ko- pitalmarktes, die Ungewißheit und Unsicherheit der politischen und sozialen Situation lasten eher das Gegenteil vermuten. Die In- duitrialisierung früherer Agrarländer und die Gefmntlage des Welt- arbeitsmarktes verschärfen dazu die deutsche Wirtschaftslage. Briefs skizziert nur die gegebenen Tastachen.— Alice Ehlers spielt auf dem Cembalo Komposttionen aus dem 18. Jahrhundert u. a. von Bach. Haydn und Rameau. Die Klangfarbe des Cembalo, spitziger und weniger pastos als die des Klaviers, kommt im Rundfunk gut heraus und entspricht dem Geist diefer tänzerifch-kapriziösen Werke. die für dieses Instrument gefchakfen worden find. Ein« neue Reihe „Die deutsche Landschaft m der Dichtung* setzt mit den Rheinlanden ein. Fritz Worm, der Sprecher, wendet sich zuerst gegen die Butzen- scheibenlyrit und die verlogene Rheinromantik, er will das Land in der Spiegelung großer Dichtung zeigen. Brentano. Goethe. Keller und andere werden rezitiert und darauf erklärt Worm den Gehalt, die Geisteshaltung, aus der die Dichtung entsteht. Eine ante Ver- aitstaltuny, wenn auch etwas dozierend gehalten.?. Zck. das Brüderpaar Willi und Hans Rose assistteren ihr mtt Laune und Humor. Hilde Hofers bewährte komische Ader verhalf dem knurrigen Hausdrachen zu seinem Recht. Sehr nett und drollig das Vauernpärchen Vabette und Peter(Dolly Ditters und Edgar Kanijch). Das Publikum unterhielt sich glänzend, und das ist doch schließlich der Zweck der Uebung. Allgemeine Wetterlage. Bei leichten südlichen Winden herrschte am Mittwoch größtenteils heiteres und sehr mildes Wetter. Mittags wurden fast überall 18 Grad erreicht, am Rhein sogar 20 Grad überschritten. Das Hoch- druckgebiet, unter dessen Einfluß unser Wetter in den letzten Tagen stand, wandert jetzt langsam nach Osten ab, und es muß angenommen werden, daß wir allmählich in den Bereich der südwestlich von Island liegenden tiefen Depression kommen werden. Wir haben daher am Donnerstag zeitweise mit leichter Bewölkung zu rechnen. * Wetteraussichlen für Berlin: Zeitweise leicht bewölkt, sonst ziem- lich heiter, sehr mild, südliche Winde.— Für Deutschland: Lanzsame, von West nach Ost fortschreitende Bewölkungszunahme. parieinachrichien fürGroß-Berlin Einsendungen fü» diese Rudril find V« r l t»<£33«8, Lindenstraß» 3. stet»«n da» Be>irk»fekre»eria> i.Hos, 3 Trennen recht», zn richten. Notopfer für Erwerbslose. Achtung, Funktionare! Die Sammellisten zur Unterstützung der sich in besonderer Not befindlichen erwerbslosen Mitglied.er sind allen Abteilungskassiercrn bereits zugestellt worden.— Die politischen Vertrauensleute der'Betriebe und die Bezirksführer werden hier- durch ersucht, die notwendige Anzahl Listen sofort bei den Kassierern abzuholen und mit dem größten Eifer daraus zu sammeln. I. A.: Alex Pagels. * t, greis Mitte, beute, Tonnerstag, 16. Oktober, 19% Uhr, im Rosenthaler Kos,'liosenthaler ött. 11—12, ssrridenl-rmitgliederoersammlung. Alle ßreidenkergenoilen müssen erscheinen.— Freitag, 17. Oltober, 19% Ahr, nrci-delcgierteuverlammlung im Hcckeschea Has, Rosenthaler Str. 43/11. Vortrag!.Die politische Lage". Refercntia: Clara Bohm-Schach, M. d. 9t. 2.»rci» Tiergarten. Freitag, 17. Oktober, 19% Uhr, findet in der Aula der Schul« Waldrnserfir. 20 eine Elternversammlung beider Schulen stait. Zu dieser Versammlung sind auch Stimpathisierend« ans anderen Schulen eingeladen. Es spricht Professor Dr. Adramowic über:..Kultur und Klasse". Die Sinqegemeinschaft der Schulfreunde wird mitwirken. 3. Krei» Wedding. Der Kursu» der Arbeiterbildungsschule:„Die Wirtschafte- geschichte Europa» vom Altertum bi» zur Gegenwart". Lehrer: Genvss« I. P. Mauer. Beginn heute, 19% Uhr, in der weltlichen Schule. Pank. Ecke Wiesenstraße. Hörgebllhr» Abende zusammen 2 Mark. Erwerbslose Genossen haben freien Zutritt bei Vorlegung des Ausweis«».— Deutscher Freidenkerverband, Zahlgruvpen S, 6, 7 und 8. Freitag, 17. Oktober, 19% Uhr, Mitgliederversammlung in den Atlantic-Säün(Lichtdurg), Bahnhof Gesundbrunnen. Mitgliedsbuch legitimiert 3. Krei» Friedrichs Hain. Achtung! Freitag. 17. Oktober, 19% Uhr, in Sein- richs Festsälen. Große Frankfurter Str. 30, Funktionär, und Heike rfißung aller Freidenkergenossen. 16. Krei» Köpenick. Bildungsausschuß. Freitag, 17. Oktober, 20 Uhr, Beginn de» diesjährigen Winterkursus der Arbeiterbildnngsschnle:.Die Arbeiter und der neu« Staat". Abschnitt»):„Da» Wesen de» neuen Staates". Re» ferent: Gregor Bienswck. Kursusteilnehmer werden noch am Tag« der Er- ösfnnng angenommen. Hörgebühr für 8 Abend« 2 Mark, für erwerbslose Patteigenossen frei. Kursuslokal: Kdpenick, Echlvßfir. ZI, I. Bibliothrl. heule, Donnerstag, 16. Okkober: 88.«bt. Lichtenrade. Heute, so Uhr. Sitzung des Bild-ngs-nsschuffe» beim Genossen Lcnz, Saifer-Wilhelm-Str. 73. 119, Abt. Lichtenberg. Die Gruppcnkasfierer haben fich umgehend in einer sehr wichtigen Angelegenheit beim Genossen Sroppler zn melden. Abt. Rönigental-Zepernick. A Uhr Mitglied erversammwng bei Meißel, Bahn- Hosstraße. Vortrag:„Die politisch« Lage und die Aufgaben der Sozial- demokratie". Referent: Adolf Wuschick. M. d. L. Alle Genoffinnen und Genossen, sowie.VorwStts"-L«ser und Enmvathifierend« sind dazu«in- geladen. Morgen, Zreilag. 17. Oktober: 74b. Abt. gehlendors-SSd. 20 Uhr wichtige FllnkttonSrfitzung im Lokal Zie- mann, Karlfir. II. 13«. Abt. R-inäendirs-Ofi. Sämtliche neugewählten Slternbeiratmnitglleder der 136. Ahieilung müsse» am Freitagabend zu her EUernbeiratsversamm. Inng nach Reinickendorf-West. Volkshaus. Scharnweberstvaße. kommen. Tagesordnung: Wahl des Obmannes. Arauenveranstalkung. 5. Kreis Friedrichshain. Di« Funktionärinnewsttzung findet nicht am 16. Oi» tobcr, sondern am 2g. Oktober, slott. Nähere» wird noch mitgeteilt. Zungsozialistm. Gruppe Friedrich» Hain. Heute, 18% Uhr, im Jugendheim Tilsiter Str. 4, Diskusssonsabend. Jüngere Parteigenossen und allere SAZ.-Mitglieder find eingeladen. Werbe bezitt Westen. Morgen, Freitag, findet w Schöneberg, Hauptstraße IS(Jugendheim),«ine Werbeveransialtung der dorttgen Gruppe sss statt. Di« Genosstn Mari« Torhorst spricht über:„Der 14. Sep-> i tember und die Jungwähler". Die Genossen de» Werbe bezirk» werden tj aufgefordert, dies« Veranstaltung zu besuchen. Darüber hinaus sind H die jungen Patte ige iwssen und die SAJ. eingeladen. Beginn 20 Uhr. W Achtung, Gruppenleiter de» Werbebezirk»! Dieselben kommen am nächsten Mittwoch im Jugendheim Rosinenstt, 4, Eharlottendurg. zusammen. Betrifft: „Roter Rummel". Gruppe Prenzlauer Beetz. Gruppenabend fällt aus. Wir btteiNgen uns am«uttu» der«rbeiterbildungsschule:„Faschismus und Bolschewismus". Re- ferent: Genosse Schlesinger. Srnpp« Lichtenberg. Wir perweisen schon beut» aus uns«, Werbeperan- staltung am Montag, dem 29. Oktober, im Zugendheim, Sunterstr. 44, hin. Agitiert in den Abteilungen. Arbeitsgemeinschaft der üinderfreunde. 10. Krei, Zehlendors. Gruppe Ott» Braun. Unsere Winterorbeit beginnt am Donnerstag, dem 16. Oktober. An jedem Donnerstag von 16 bis 18 Uhr Selmabend für Nestfallen. An jedem Freitag von 18 bi» 20 Uhr Seimabend für Falken und Note Falken. Die Seimabende finden immer in der Nord- schul« in der Potsdamer S'raße statt._ Kreis Reukölln. All- Musikanten sind heute, Donnerstag, ob 17 Uhr, in der Karl-Marx-Schule zum Ueben für die Zeltlagerve ranstallung.— Gruppe Falke. Wir sind ab morgen, Freitag, wieder in der Schule Hertzbergplotz Nestfalke» von 16 bi- 18 Uhr, Jungfalken und Rote Falken wichtige Gruppen. desprechung von 17 bi» 19 Uhr. Keei, Mitte. Gruppe Liebknecht. Slternversammlunq heut«. 20 Uhr, Seim Waifenstr. 19. Keiner darf fehlen.— Achtung. Kinderfreunde. SAJ. und Jung- soziolistrnl Alle Genossen, die zutn Kreisvertrete: tag des Kreises Mitte dele, giert sind, treffen sich morgen, Freitag, schon um 19 Uhr im Hackeschen Ho' zu einer kurzen aber sehr wichtigen Besprechung. Geburtstage, Jubiläen usw. 8. Abt. Unserem Genossen Karl Lehrer, der seit Jahrzehnten einer der ttick- tigsten Parteigenossen ist, bringen wir an dieser Stelle zu seinem S0. Ge- buttstage die derzlichsten Glückwünsch« dar. 24. Abt. Unserem Senossen Engen Slvsemaan nnb seiner Sattin, Ja- blonskistr. 3, zum 2S>Shrigen Cbejubilöum die herzlichsten Glückwünsche. 89. Abt. Brift, Buckow. 135. Bezirk. Unserem liebe» Genossen Otto Günther zum»0. Geburtstage herzlich« GlLSwünsch«. Oer Orientteppich bei Herrmann Gerson. Der Teppich hat als Kunsterzeugnis sein« Heimat im Orient Von hier aus sind alle die wunderbaren Muster und Farben auf die heutige Teopicyindustrie überkommen, und es ist natürlich, daß die allen Ortginale zu den begehrtesten Dingen gehören. 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Werbeabend.— Nord- ostc« II: Heim Danzigcr Str. 82, v. 8.„Neue Nusscnlitcratur."— Schönhauser Vorstadt: Schule Connenburger Str. 20.„Sexuelle Fragen", II. Teil.— Sallesches Tor: Srm Porckstr. 11, Beginn der Arbeitsgemeinschaft.— S-sen. beide: Leim Wassertorstr. S. Probe.— Köpenicker Biertel: Schule Wrangcl- straßc 128,„Schund und Schmutz."— Kottbufler Tor: Seim Britzer Str. 27/30. „iSiifllitdK Arbciterreqierung und indischer Freihcitckamvf."— Südwest: Keim Lindcnstr. 4,„SAI. und KII."— Schöneberg ll: Keim Sauptstr. 1?. Bildnngs» turfus.— Schöuebeig III: Heim Kauptstr, Ib. Praktische Werbearbeit.— Zcblendorf-Dahlem: Schule Bahlem. Lanxftraße.„SAI. und Körperkultur."— Wittenau: Keim Nosenthalcr Str. 15. Tagespolitik.— Westend8.- an fabrikneue Radio-NeizanscliluD- Empianger alle: Systeme. Sie Arbeiten somit von uns einen Netz» anschlußempfänger bereits gegen eine Leihgebühr von M. 4. für den Monat. Bei späterer käufftcher Uedernahme wird die gezahlte Leihgebühr voll an- gerechnet. 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Für den heutigen Donnerstag find für alle bestreikten Betrieb« Streik Versammlungen angesetzt worden, in denen neben der Behandlung organisatorischer Fragen Bericht über die Gefamtlag« des Streiks erstattet werden soll. Di« Bersammlungen finden größtenteils schon am Bormittag statt, so daß am Nachmittag um 3 Uhr die Oblsut« der DBMI.- Betriebe im Verbandshaus der Berliner Verwaltungsstelle des DMV. zusammentreten können. Gegenüber den von Unternehmerseit« in Umlauf gesetzten Nach- richten über die Nichtbefolgung der Stveikparole des Metollkartells in einzelnen Abteilungen des Siemens-Konzsrns erklärt die zentrale Streikleitung, daß nach den übereinstimmenden Meldungen der ge- werkschoftlichen Vertrauensleute die Werkstätten des Siewens-Konzern» stilliegen. Der einstimmig« Beschluß des Berliner Metallkartells, ab Mittwoch den Streik zu erklären, hat den Drahtziehern der sogenanmen „RGD.*, die im Karl-Liebknecht-Haus sitzen, vollkommen überrascht. So ist es unter anderem schon zu schweren Differenzen im Lager der„R G 0." gekoinmen. Man hatte nämlich zur Verstärkung der Berliner„NGO.", die zugestandenermaßen ein mehr als bescheidenes Dasein führt, Kräfte aus dem Nheinland und dem Ruhrgebiet hinzugezogen. Auf einer Sitzung der„NGO.'-Leitung, die am vergangenen Montag unter Vorsitz des Kommunisten Hermann Braun statt- fand, ist es jedoch zu hefttgen Angriffen der westdeutschen„RGO.'- Leute gegen den Berliner Zleferenten Peschke gekommen. Die aus- wärtigcn Agitatoren der„RGO.' bezeichneten die Maßnahmen der Berliner Leitung der„NGO." als völlig konfus und verwirrend. Sa würde z. B. kein Arbeiter verstehen, wie man von Woche zu Woche den Tennin des Streikbeginns ändern konnte. Erst sollte die„wilde Kiste' der„ROG.' am 6. Oktober beginnen, dann einige Tage später, schließlich am 14. Ottober, und der Effekt wäre, daß die„ROG." jetzt jämmerlich hinter dem Metollkartell h e r h i n k e n müsse. Peschke erwiderte darauf, daß man am Mitt- woch alles daransetzen werde, um von kommunistischer Sett« aus die Führung des Metallorbeiterftreiks in die Hand zu bekommen. Dieser Mittwoch ist inzwischen oerstrichen und die sagenhafte „RGO.', von der ihre Führer selbst kein« recht« Vorstellung haben, läuft buchstäblich hinter den streikenden Massen her. Di« aus- wärtigen„RGO.'-Leute hoben also mit ihrer Kritik vollkommen recht behalten. Denn nichts verabscheut die kämpfend« Metall- arbetterschaft im gegenwärtigen Augenblick mehr als die nieder- trächtigen Zersetzung smanöoer der Kommunisten, die ganz klar erkenntlich um ihr Parteisüppchen kochen wollen. Wer jedoch nicht hören will, muß fühlen. Im jüngsten Maus- selber Kampf hat die„RGO." die gleichen Methoden angewandt, wie heut« in Verlin. Im Monsseldischen wurden betrieb?- fremd«, kommunistische Rollkommandos gegen die Organisierten«ingesetzt, genau wie am Mittwoch früh in Reinicken- dorf, in Rosenthal und in Marienseld«. In Mansfeld stellten sich neben die Streikposten der Zentralleitung noch besondere RGO.- Gruppen: es wurden Feldküchen mit den Bettelsuppen der IAH. aufgestellt und schließlich Listen der„RGO." aufgelegt, in die sich die Streikenden einzeichnen konnten: nur wußte keiner, wozu und warum. Die Streikenden zuckten schließlich über diesen Mumpitz der „Opposition' die Achseln. Genau so in Berlin. Roch keine zwei Stunden hatte gestern der Streik gedauert, da wurden schon die Klingelbeutel der Münzenbergschen IAH. hervorgeholt und Sammelkolonnen' gebildet. Als ob die organisierte, disziplinierte kämpfend« Berliner Metallarbeiterschast eine derartig« Bettelei nötig hätte! Die Streiken- den vertrauen vielmehr rückhaltlos der bewährten Führung ihres Metollkartells. Geschlossene gewerkschaftliche Abwehrfront. Die Arbeiter in den Betrieben des Berbandes Berliner Metoll- industrieller, die dem Hirsch. Dunckerschen Gewerk- verein Deutscher Metallarbeiter angehören, stehen mit den freigewerkschaftlich organisierten Metallarbeitern in einer Abwehrfront, was durch folgende Entschließung be- stätigt wird: „Die am 14. Oktober 1930 im Verbairdshause versammelten Mitglieder des Gewcrkvereins Deutscher Metallarbeiter(HD.) Groß- Berlins erklären, den durch den Schiedsspruch des Sonderschlich- tungsausschusses den Berliner Metallarbeitern auferlegten Lohn- abbau in Höhe von 8 bzw. 6 Proz. für untragbar. Die Versammelten sind der Auffassung, daß durch den Lohn- abbau die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung weiter geschwächt wird und dadurch die gegenwärtige Wirtschaftskrise ein« weitere Verschärfung erfährt. Die Arbeitgeber und die Staatsregierung sind für die schweren wirtschaftlichen Folgen, die«in Streik von solchem Umfange aus- löst, verantwortlich.' Lohnbewegung in den Wurstfabriken. Wurstrezepte sind Betriebsgeheimnisse. Der Verband der Nahrungsmittel- und Gctränkearbeiter hat an die nicht organisierten Meister und Vorarbeiter in Wursffabriken ein Rundschreiben versandt, worin er sie auffordert, der Meistersektion des Verbandes beizutreten und ihnen gleichzeitig einen Beschluß der Sektion mitgeteilt, der dahin geht, dem Verband« Kalkulattonen und Wurstrezepte der betreffenden Fabriken mitzuteilen, damit sie als Material bei der Lohnbewegung benutzt werden können. Der Verband der Berliner Fleischwaren- fobriken mag wohl fürchten, daß die Arbeiterorganisation beabsichtigt, dem Publikum Geheimnisse des Wurstkessels bekannt- zugeben. Er hat also beini Arbeitsgericht den Erlaß einer einst- weiligen Verfügung beantragt, die dem Verband der Nahrungsmittel, und Getränkearbeiter aufgeben soll, Rundschreiben der gedachten Art nicht zu verbreiten und bei Zuwiderhandlungen in jedem Einzelsall 300 M. Strafe zu zahlen. Der Vertreter der Unternehmer führte zur Begründung seines Antrages aus, die Wurstrezepte seien Betriebs- g e h e i m n i s s e, die Meister würden zum Bruch des Betriebs- gehehnnisses aufgefordert, was nicht geduldet werden könne. Schulz vom Verband der Nahrungsmittel- und Getränke- orbeiter betonte, die Arbeitgeber machten sich anscheinend ganz falsche Vorstellungen davon, was mit den Rezepten beabsichtigt werde. Es handele sich lediglich darum, zu erfahren, welch« Fleisch forte n zu den verschiedenen Wurstsorten ver- arbeitet werden. Daraus sollten dann die Her- stellungskosten errechnet und durch Vergleich mit den Ver- kausspreisen festgestellt werden, welche Löhne die Arbeitgeber zahlen können. Dieses Material sollt« dem Schlichtungs- o u s s ch u ß bei den Verhandlungen am Freitag unterbreitet werden. Ander« Absichten habe der Verband mit dem Material nicht gehabt. Das Gericht kam zu der Entscheidung, daß der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter das erwähnte Rundschreiben bei Vermeidung einer Strafe von 300 M. in jedem Einzelfall« nicht zu verbreiten hat, weil in dem- selben N i ch t in i t g l i e d e r des Verbandes aufgefordert werden, dem Verband Material zu liefern, über das nur die Kläger ein Verfügungsrecht haben. Ein weiterer Antrag der Wurstfabrikanten auf Ersatz eines Schadens, der ihnen aus der Verbreitung des Rund- fchreibens entstehen könnte, wurde abgewiesen. Krisenfürsorge auf Abbruch? Nur noch ein Zusah zur Wohlfahrtspflege. Di« Krisenfllrsorge ist durch den Aushöhlungserlaß des Reichs- orbeilsministers derart verschlechtert worden, daß in Kürze das Problem der Unter st ützung der langfristig Erwerbs- losen unbedingt von neuem aufgerollt werden muh. Was nach der in diesen Tagen erfolgten kläglichen Neuregelung von der Krisen- Unterstützung noch übrig blieb, ist im Grunde genommen nicht mehr als«in« taub« Nuß. Künftig erhall in der Mehrzahl der Fälle, um nur ein Beispiel herauszugreifen, selbst ein zum Personenkreis AM MMrvsrcsniniiünQ dar iMMsirie Morgen. Freitagabend pünktlich 19"/, Uh r. in den Musi ker- Festsälen. Berlin C. Kaiser-Wilhelm-Straße 31. Versammlung der Funktionäre der für die Berliner Metallindustrie zuständigen Berliner Af A- Qeweikschaften Pflicht jedes AfA-Funktionärs der Berliner Metallindustrie ist es, bestimmt zu erscheinen Thema: Oer Kampi in der Berliner imeiaiiindostrie Redner: MAX URICH vom Deutschen Metaliarbeiterverband sowie ERICH FLATAU vom Af A-Onskartell Berlin Als Ausweis gilt der Af A- Funknonär-Ausweis zugleich mit dem gültigen Mitgliedsbuch der zuständigen Af A-Gewerkschaft Allgemeiner freier AngeitclUcnboad/ Ortekartell Berlin FLATAU PETERSDORFF Zcnfralrerband der Angeslellfen/ Ortegranne Grok Berlin OOTTFURCHT LANGE Dcnbdier Wcrkmetefer-Verband/ Bezirk X J A E G E R Bond d. tedmUcben Angeslellfen o. Beamten/ Gau Brandenbarg GÜNTHER der Krisenunterstützten zugelassener Arbeitsloser, der ein« Frau und fünf Kinder zu ernähren hat, keine Unter st ützung, wen« in der Familie sich ein Sohn befindet, der vielleicht 30 bis 40 Mark verdient. Ein« rigoros« Bedürftigkeitsprüfung, die allgemeine Senkung der Leistungen, die Verkürzung der Unterstützungsdauer von 39 auf 32 Wochen, die Herausnahm« der Kurzanwärter, d. h. der Leute, die keine 26 Wochen Anwartschaft aufzuweisen haben, aus dem Kreis der Unterstützten— und das sind 17 Proz. der bisherigen Gs- lamtzohl der Krisenunterstützten—, all das zeigt zur Genüge, daß von einer„wirklichen Fürsorge für Bedürftig« eigentlich nicht mehr gesprochen werden kann. Nach dem Erlaß des Reichsarbeitsministers stellt die Krisen- fürsorge nur noch eine Art Zusatz zur Wohlfahrtspflege dar. Der Name„Krisenfürsorg«' hat keinen rechten Sinn mehr, da der Rest an Krisenfürsorg«, der noch verblieben ist, mit ihrem Grundgedanken, d. h. mit einer ausreichenden Unterftützungseinrich- tung zwischen Wohlfahrt und Arbeitslosenversicherung kaum mehr etwas gemein hat. Es ist daher zu überlegen, ob nicht«ine g«- meinsame Unter st ützungseinrichtung für die von der Krisen- i»ie von der Wohlfahrtssllrsorge zu erfassenden Erwerbs- losen geschaffen werden muß. An einer Reform des durch die Neuregelung geschaffenen un- möglichen Zustandes haben auch die Gemeinden ein sehr starkes Interesse, da der Erlaß des Reichsarbeitsministers ihnen die erhoffte Entlastung nicht gebrocht hat. Jedenfalls werden die freien Ge- werkschasten bald wieder zu dem Problem der Versorgung der lang- fristigen Arbeitslosen Stellung nehmen. Abfuhr der JUSO, bei Tietz. Einen glänzenden Reinfall mußten die Drahtzieher der RGO. in einer überfüllten Velegschastsversammlung der Firma Hermann Tietz erleben. Trotz wochenlanger Bearbeitung mit Flugblättern, Sprechchören und trotz fortgesetzter Presseangriffe gegen die frei- gewerkschaftlichen Mitglieder des Angestelltenrats haben die Arbeit- nehmer mit überwälllgeuder Mehrheit eine aus der bekannten Pa- rolenschmiede stammende Resolution abgelehnt. Die Darlegimgen der VetrlekrsraizniNgsi eder Helft, Harke nnd Johanna KrNger sowie der Genossin Ellert, als Vertreterin des ZdA„ brachten die Arbeiter und Angestellten zur Erkenntnis des unehrlichen und egoistischen Spiels, da» die Regisseure der sogenannten„Roten Gc- werkschastsopposition' mit ihnen vorhatten. Daran konnten auch nach Bersammlungsschluh einige Redner der RGO. nichts mehr ändern, die im übrigen den Eindruck machten, als seien sie dem Romanischen Cafe entsprungen. Zahlreiche nach Schluß der Ber- sammlung erfolgt« Beitritte zum ZdA. beweisen, daß die An- gestellten auf dem besten Wege sind, die Notwendigkeit und den Wert der freigewerkschaftlichen Organisation mehr und mehr zu er- kennen._ Wahlvorspiel in Oesterreich. Ein bedeutsamer Erfolg in der Steiermark. Am vergangenen Sonntag ist es den sozialdemokra» tischen Kaufleuten und Gewerbetreibenden der Steiermark zum erstenmal gelungen, eine größer« Anzahl Mandate bei der Handelskammerwahl zu erobern. Vierzig Prozent aller Stimmen wurden für die sozialdemokratische Liste abgegeben und auch in dem Terrorgebiet der Zllpinen Montangesellschast, wo durch schamlose Erpressung viele Arbeiter in die Heimwehr hinein- gezwungen worden sind, haben viele Kausleute und Gewerbe- treibende sozialdemokratisch gestimmt. Die herrschende Partei der Christlichsozialen hatte vorher hochmütig abgelehnt, den sozialdemokratischen Benissgenossen freiwillig ein« Vertretung«inzuräumeiL Der Kampf hat unseren Genossen einen desto größeren Erfolg ge- bracht. In der grünen Steiermark, wo die Heimwehr besonders entwickelt und aggressiv ist, bedeutet dieser Erfolg ein sehr günstiges Vorzeichen für die Nationalrats wähl am 9. November. Achtung Siemensarbeiter! Lohnzahlung. Di« Lohnzahlung für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Werner-Werke findet heut« Donnerstag wie folgt statt: Werner- Werk' Keller. Erdgeschoß. 1 und 2 Treppen und �.-Werkstätien (Schuppen), von 12 bis 14 Uhr im Keller des Hochhauses(WW. X), 3, 4 und 5 Treppen: von 14 bis 16 Uhr im Keller des Hochhauses (WW. X). werner-Werk„V": von 12 bis 14 Uhr im Werner- Werk V, Eingang Lohnstelle. Flumo und Spandau Word: van 12 bis 14 Uhr. Ort wird durch Sonderanschlag beim Pförtner bekanntgegeben.— Garten-seld— holzwerk: von 12 bis 14 Uhr: Pförtnerloge.— Werner- Werk„M". Zahlstelle: Eingang Brunne»- straße, gegenüber der Feuerwache. Betriebsgruppe: Bardelle 10.30 Uhr: Betriebsgruppe Tzschacksch 11 Uhr: Bctriebsgruppc Fesk« 11.30 Uhr: Betriebsgruppe Mylo 12 Uhr: Betriebsgruppe Suckow 12.30 Uhr: Betriebsgruppe Bollinger 13 Uhr: Betri-bs- gruppe Ulfers 13.30 Uhr: Betriebsgruppe Wenzel 14 Uhr; Betriebs- gruppe Schmidgen 14.30 Uhr: Betriebsgruppe Sasse 13 Uhr. Der Rest 13.30 Uhr.— VCS. Blockwerk: 14 Uhr im Arbeiterspeisesacl. Achlung, Bauarbeiter! Die Sperre über die Firma Wilhelm W« n t e, Baustell« Lichtenberg, Kubornstraße und Rudolf-Reusch- Strohe, ist aufgehoben, da die tariflichen Bedingungen erfüllt sind. Baugewerkschast Berlin. Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. Berliner Gewerkschaftsschule. Stufe, Eonnftsfag, 19 Ufit, beginnen folgende Kurse: So. I. Wo» muß dez Betrieb, ml und dez Sewezfschaffsfunltion-z«■)« Betrieb nnb von btt Wirtschaft wiffenf Lehrer: Richard Sdnrlze. Unterridrto- raunt: Sibungssaat des Buchbinderverdandes, Engelufer— 95, Auig. C, Nl. C. 8.«ebeitsrecht fät Zlnlönger. Lehrer: Dr. gritz Schönbed. Unterrichts. ort: Sonhien-Lmeum. Weinmeisterftr. 18-17. SO. U. Sie dentsche und die internatron-le SernerffchafUberoegting. Lehrer: Hermann Schlimme. Unterrichtsort: Leib»i,.f des?entra>verbandes der Anseffettien kSyjf Die Sruppenoeranstaltunge» fallen heute»u». sämtliche Zügen dbezfrke beteilig«» st» geschloffen an der allgemeinen Mitgliederuersammlnr.g in der Hasrnheid«. Tresfpunft 19 Vi Uhr im Garten der.Reuen Seit",»ringt eure Wimpel und Fahne» mich Berantwartlich für Politik: Vieto» Schiff! Wirfschaff: G. Kliugelhöferz Gewerkschaitsvewegung: Fr. Gtzlar»! Feuilleton Dr. Iah» Dchilowsf i: Lokales: und Sonlliaes Fei» Karstädt: Anreraen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verla» S. m b. H. Berlin Druck: Barwärts-Budidruckeref und VerlaasanÜalt Paul Sinaer u. En. Berlin SB. 68. Lindenstrosie 6 Hierzu! Beilagen. Bei ScttvIndsIsnkAIlSfl, schwerer Unruhe, Nervenkrämpten usw. nehmen Sie Baldrnment Reichel, das nolürllche Sedaüvum von prompter Wirkung.- Fl,Mk. 1.5Ö und 3.50, In Drogerien und Apotheken, sonst durch Otto Reiehel, Berlin 43 SO, Elsenhahnstr. 4. rBöucle'.Teppiche moderne Jacquordmusrer �36.- idedren Shlmuster imiSl-i �*au�nurSo Rk., also um 40 Proz., Herausgesehl halte, wurden einschließlich Fracht und Zoll von Polen sür lö,75 Rl. angebolen, und die Flaschen, deren Preis vom Kartell von 15,75 aus 23.25 Iii. also um 50 Proz., erhöht worden war, wurden einschließlich Fracht und Zoll sür 10,60 2R. angeboten. Die polnischen Angebotspreise lagen also noch ganz erheblich unter den Fabrikpreisen vor der Kartellgründung. In der Eingabe, die der genannte Verbraucher an den Reichswirtschastsrat gerichtet hat, heißt es zum Schluß:„Ich wäre also durch das Syndikat gezwungen, meinen Bedarf in Flaschen, der außerordentlich groß ist, nicht mehr in Deutschland zu decken, sondern im Ausland, was unbedingt wiederum z»r Beuachtestigung der deutschen Arbeiterschaft führt: wiederum treibt mich der Preiswucher des Syndikats zu einem Verholten, welches der deutscheu Volkswirtschaft ungünstig ist." Wenn die von dem Verbraucher aufgestellten Behauptungen richtig sind, so liegt hier ein kartellpolitischer Skandal allerer st er Ordnung vor. Es ist von den Regicrungs- stellen zu verlangen, daß den Dingen sofort nachgegangen und von den gesetzlichen und verordnungsmäßigen Befugnissen der Re- gierung Gebrauch gemacht wird. Der Fall selbst beleuchtet in klassischer Weise den Geist, der die deutschen Unter- nehmer beherrscht, wenn sie Kartellpolitit machen. Das ganze Gerede von dem volkswirtschaftlichen Nutzen der Kartelle sind Weisheiten, die nachher ersunden werden, um Angriffe gegen die Politik der Kartelle abzuwehren. Die Kartelle sind und bleiben eine Gefahr sür die Volkswirtschaft. Die Schaffung eines Kartellamtes, die Einführung einer volkswirksamen Kartellkontrolle ist dringender als je. Das beweist auch dieser Fall. Endlich Kohlenpreissenkung? Der l�eichsregisrung wird vor ihrsr einseiiigen Lohnabbaupolitik bange. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt folgendes mit: In der Presse ist hinsichtlich der Prcissenkungsattion von einein Schritt der preußischen Regierung gegenüber der Reichsregiening Mitteilung gemacht worden. Wie der Amt- lichc Preußische Pressedienst hierzu von zuständiger Seite erfährt, verhält es sich tatsächlich so, daß her mit der Leitung des Reichs- wirtschaftsministcriums betraute Staatssekretär T r e n- d�c l c n b u r g am Montag den preußischen Handelsminister Dr. «chreiber aufgesucht hat, um die preußische U n t e r st Ü tz u n g bei der Senkung der Produktionskosten, insbesondere bei der Preissenkung der Kohle, zu erreichen, lieber das gesamte Vorgehen wurde in der Besprechung volles Einverständnis erzielt. Aus dieser Mitteilung ergibt sich, daß endlich auch von arnt- liehen Stellen Schritte unternommen werden, um eine Senkung der Kohlenpreise, die von uns fast täglich gefordert worden ist, herbeizuführen. Es ergibt sich serner, daß diese Schritte nicht von der preußischen Regierung ausgegangen find, sondern von Staatssekretär Trendelenburg, also von der Reichsregie- r u n g. Wir haben Grund zu der Annahme, daß dieser Schkitt der Reichsregierung kein zuiälliger ist und mit der Zuspitzung der Der- hältnisie im Berliner Metallarbeiter streik in Zusammen- hang steht. Im Rcichskabinclt hat man osfenbar einzusehen be- gönnen, daß es mit ivr bisher vertretenen Politik, Lohnsenkungen vorzunehmen und die Unternehmer erst dann zu Preissenkungen einzuladen, ebeniowenig geht wie mit der beim Oeynhausener Schiedsspruch oersoigtcn Taktik, Lohnsenkungen und Preissenkungen zugleich zu dekretieren. Man scheint zu der E r- tenntnis gekommen zu sein— diese Auffassung wird auch rem„Berliner Tageblatt" vertreten—, daß es nicht gerechtfertigt i>'t, in jenem Falle von der Arbeiterschaft Voraus- l c i st u n g e n auf einen Preisabbau durch vorherige Lohnsenkung zu verlangen. Die Auft'assung scheint sich durchzusetzen, daß min- bestens bei den kartellierten Industrien eine Vorausleistung bei den Unternehmern durch Preissenkung zu erfolgen babe. Obwohl wir aus dem Standpunkt stehen, daß nur die Senkung der allgemeinen Lebenshaltungskosten— und das auch nur in so schweren Krisen- zelten wie jetzt— Lohnvcränderungen diskutierbar machen, stellen wir fest, daß die R e i ch s r c g i e r u n g ihre bisherige u n h a l I- bare Auffassung zu revidieren geneigt zu sein scheint. Das ist zu begrüßen. Der vom Staatssekretär Trendelenburg beim preußischen Handelsminister unternommene Schritt soll dahin abzielen, von Preußen die Unterstützung einer Reichsaktion zur Senkung der Kohlenpreise zu erlangen. Merkwürdig scheint der Hinweis, daß diese Unterstützung durch eine preissenkende Politik der preußische» For st Verwaltung erfolgen soll, denn cininal sind die f)olz- preise schon nicht unerheblich zurückgegangen, zum anderen wird für die Zechen vielfach ausländisches Grubenholz bezogen. Endlich ist der Holzanteil an den Kosten des Bergbous relativ gering. Preußen hat, wenn die privaten Zechenunternehmer sich einer Kohlenprcissenkung versagen, in seinen eigenen Zechen eine sehr viel schärfere Waffe, um eine Kohlenpreiesenkung im unbestrittenen Ge- biet, auf die es zunächst aus allgemeinen Kulturgründen ankommen würde, zu erzwingen. Auch im bestrittenen Gebiet könnten durch billigere Angebote, der die privaten Zechen folgen müßten, Export- vorteile für die deutsche Kohle erlangt, und damit die Voraussetzungen geschaffen werden, den deutschen Kohlenabsatz überhaupt zu er- weitern. Selbstverständlich würde es dabei zunächst ohne Erlös- Verluste nicht abgehen— die 7 Millionen Tonnen Haldenkohlen brächten kleinere Verluste—, aber in der Lage wie der heutigen bleibt kein anderer Weg. Selbstmordpoliiik der Zechenherren. Die Umlage wieder erhöht. Wie das R h e i n i s ch- W e st s ä l i s ch e Kohlensyndikat mitteilt, wird die Kohlenumlage je Tonne, mit der der Konkurrenz- kämpf im bestrittenen Gebiet, d. h. außerhalb des unbestrittenen Monopolgebietes in Deutschland geführt wird, im September a u f 2,63 Mark je Tonne festgesetzt gegen nur 2,39 im Au- g u st. Die Heraufsetzung ist die Folge der verschlechterten Erlöse im bestrittenen Absatzgebiet, die sich aus Preisunterbietungen der ausländischen Kohlenindustrie ergeben. Die Erhöhung der Kohlenumlage ist ein neuer Beweis für die Selb st mordpolitik, die die Zechenherren an der Ruhr, um hohe Listenpreise für bessere Konjunkturzeiten ausrechl- zuerhalten, ohne ejoliche Rücksichtnahme auf die deutschen Verbraucher und die deutsche Eesamtwirtschast zu treiben für richtig halten. Eine bessere Ausnützuug der Zechen, eine erhebliche Kostensenkung wäre bei den heutigen Verhältnissen nur durch billigere Belieferung des Inlandes möglich, die zugleich eine Berbrauchssteigcrung durch Auffüllung der Lager und auch eine Erweiterung des unbestrittenen Gebietes zur Folge hätte. Durch zu hohe Preise bleibt der Inlands- absatz gedrosselt, man senkt die Inlandsbruttoerlösc molgedessen, die Konkurrenzfähigkeit im Ausland wird erschwert, weil die Kosten nicht im gleichen Ausmaß zurückgehen, dann erhöht man wieder die Umlage und macht die Voraussetzungen noch schlechter, unter denen sich eine Preissenkung im Inland bezahlt machen würde. In diesem ruinösen Zirkel bewegt sich die Ruhr- kohlenindustrie mm schon seit vielen Monaten. Die Verschlechterung ihrer Lage ist einzig allein die Folge dieser Selbstmordpolitik der Unternehmer, die dann in Hellem Ehor die Welt mit dem Rufe er- füllt, daß die hohen Löhne sie ruinieren! Wieder Gold nach Krankreich. Kapitalflucht von der Reichsbank als Llrsache bezeichnet. Gefahr neuer Diskonterhöhungen. Wie gemeldet wird, hat die Reichsbank gestern noch einmal Gold nach Frankreich versenden müssen. Aus dem Kölner Depot wurden neue 35 Millionen Gold nach Paris gesandt. Die Reichsbank hat zu diesen Goldversendnngen eine wichtige Erklärung abgegeben. Tatsackze sei, daß die Entwicklung der Kapital- flucht die Reichsbank zu erheblichen Goldabgaben genötigt habe und weiter nötigen wird. Es sei auch mit gröhler Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Reichsbank in kurzer Zeil neue Diskonlerhöhun- gen vornehmen muß. um der Kapitalflucht entgegenzuwirken, wenn sie auch in kurzer Zeit noch nicht zu Kreditrestriktionen schreiten werde, krcditrestrittionen sei das letzte Mittel, seien die Eltima ratio. Die Reichsbank halte die Zeit noch nicht für gekommen, zu solchen letzten Mahnahmen zu schreiten. 4 Milliarde Ausfuhrüberschuß. Deutschlands Außenhandel Ianuar/Sepiember 49Z0. Die Aktivität des deutschen Außenhandels ist nach dem jetzt vorliegenden Bericht im September weiter gestiegen. Der Aussuhrüberschuß hat sich gegenüber dem August von 175 auf 264,6 Mill. Mark erhöht. Dieses Anwachsen des Ausfuhrüber- schusses beruht zun, Teil auf einem Ansteigen der Ausfuhr selbst, die um 39,3 Mill. auf 1991,1 Mill. Mark gewachsen ist, zum anderen aber auch an einer Senkung der Einfuhr, die im Berichte- monat von 795,5 auf 736,5 Mill. Mark fiel. Einfuhr 1gZ0 Ausfuhr Igzo Warengruppen September Ian.-Sept. September Iau-Scpi. in Ivo» M. An der Zunahme der Ausfuhr im September sind hauptsächlich die Fertigwaren beteiligt, deren Auslandsabsatz gegenüber dem August um 22,3 Mill. angewachsen ist. Der Hauptanteil ent- fällt hiervon auf Textilwaren mit einer Exportsteigerung von 19,3 Mill. Mark, während elektrotechnische Erzeugnisse eine Mehrausfuhr von 5,4 Mill. Mark, Wasserfahrzeuge von 5,6 und Pelzwaren von 3,8 Mill. Mark aufweisen. Dagegen ist der Export des allgemeinen Maschinenbaues um 7,7 Mill. Mark gesunken und um annähernd den gleichen Be- trag auch die Ausfuhr der chemischen Industrie. Neben der Fertigwarenausfuhr haben auch die Exporte von Rohstoffen und Halbfabrikaten sich um rund 19 Mill. Mark erhöht, woran Steinkohle mit 5,1 Mill. Mehraussuhr und A m m o n i a k mit 3,5 Mill. Mark beteiligt sind. Der Rückgang der Einfuhr geht vor allem zu Lasten der Rohstoffe und Halbfabrikate, die eine Mindereinfuhr von 41,1 Mill. aufweisen. Da die Rohstofseinsuhr ein wichtiger Maß- stob für den Beschäftigungsgrad der Industrie in Deutschland ist, muß dieser weitere Rückgang der Rohstofsimporte konjunktur- politisch ungünstig gewertet werden. Für die ersten neuen Wonale dieses Zahres ergibt sich im reinen Warenverkehr bei einer Gesamteinfuhr von S,1 und einer Ausfuhr von 9,1 Milliarden Mark ein Aussuhrüberschuß von rund 1 Milliarde Mark. Gegenüber der gleichen Zeil des vorhergehenden Jahres, wo die Handelsbilanz mit einem Ein- fuhrüberschuß von 140 Mill. Mark abschloß, ist der Werl der Einfuhr um 2 Milliarden und der Wert der Aussuhr um S90 Mill. Mark gesunken. Der Wertrückgang bei der Einsuhr wie auch bei der Ausfuhr beruht jedoch nur zum geringeren Teil auf ein Zusammenschrumpfen des deutschen Außenhandels in diesem Krisenjahr. Bielmehr ist b e i der Einfuhr der Wertrückgaug zu 57 Proz. und bei der Ausfuhr sogar zu 62 Proz. durch den Abbau der Preise bedingt. Wenn also der Einfuhrwert von Januar bis September 1939 gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres um 29 Proz. gesunken ist, so ist der Umfang der Einfuhr infolge der Preissenkung doch nur um 9 Proz. geringer ge- worden. Der Wert der deutschen Zlusfuhr hat sich in der gleichen Zeit absolut um 9 Proz. gesenkt, jedoch bleibt der Umfang der deutschen Warenausfuhr gegenüber dem Vorjahr nur u m 3,4 P r o zurück, was bei dem internationalen Charakter der Wirtschaftskrise für die Exportsähigkeit Deutschlands außerordentlich viel besagen will. Angst vor Konirolle. Die Reifenkonzerne verdoppeln ihre Preissenkung. Der Beschluß des Gummireifen-Kartells, die Preise für Per- sonenwagenreisen ab 1. Oktober nur um 5 Proz. herabzusetzen, war in der Oessentlichkeft auf schärfste Kritik gestoßen. Hatten doch die Reifcnfabrikanten von dem Preissturz auf den Rohstossmärkten profitiert, wie kaum eine zweite Verarbeitungsindustrie in Deutschland. Allein im laufenden Jahr sind die Rohgummipreise um rund 53 Proz. und die Preise für Baumwolle, einen gleichfalls wichtigen Rohstoff, um 49 Proz. gesunken. Seit 1925 hat das Reifenkarle ll die Preise künstlich hochgehallcn, obwohl die Rohgummipreise in den letzten Iahren auf weniger als ein Sechstel gesunken sind und Baumwolle sich um mehr als die Hälfte verbilligt hat. Auch dag R e i ch s w i r t s ch a s t s m i n i st c r i u m hat sich der Tatsache nicht verschließen können, daß bei dieser Entwicklung der sünsprozcntige Preisabbau für personnenwagenreifen gänzlich ungenügend sei und hat eine Untersuchung über die De- rechtigung der hohe» Reifenpreise angekündigt. Die Angst vor d e r K o n t r o l l e hak das Reifenkartell jetzt veranlaßt, mit Wirkung vom 1. Okiober die preise sür Personenwagen nochmals um 5 pro;. herabzusehen, so daß die Preissenkung jetzt, wie bei den Reifen für Lastwagen, 10 Proz. beträgt. Es geht also, wenn der notwendige Druck hinter die Kar- telle gesetzt wird. Wir erwarten allerdings, daß das Neichswirl- ichaftsministerium die angekündigte Untersuchung der Reifenpreise jetzt mit möglichster Beschleunigung durchführt, denn bei dem eingetretenen PPeissturz auf den Rohstossmärkten darf mit einer zehnprozentigen Preissenkung für Gummireifen das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Apoth. u. Drog. zu 20, 25 u30Pfg. 3)as§eUelmms meines Srfolgg Ton Qroch fficoä alias Adrian Wettach, der bedeutendste Musikal-Ckwn der Welt, ist zur Zeit auf einer Tournee durch Deutschland begriffen. Angeblich auf seiner letzten, da cr sich von der Bübne zurilckziehen will. Worin das Geheimnis seiner großen Kunst besteht und wie er zu seinen Tricks gekommen ist, davon wird cr im nachfolgende» Artikel felbst erzählen. H. L. Neuen Ideen und Tricks gegenüber bin ich sehr mißtrauisch, und wenn mir mein Partner etwas von einer Idee zuflüstert, srage ich zunächst:„Tut es weh?" Ein Artist muß Einfälle bekommen, wie ein gewöhnlicher Sterb- [icher zufällig Geld auf der Straße findet. Nur häufiger. Ein Trick ist nicht in beschaulicher Nuhe„auszudenken", sondern er kommt von selbst, fast immer bei der Arbeit, auf der Bühne. Oft werden mir gewissermaßen„patentierte" Tricks angeboten, durchaus nicht aus Edelmut, aber ich lehne imnier sofort ab. Es kann sein, daß dies oder jenes brauchbar ist, doch was soll ich damit ansangen? Ich glaube auch, daß der Trick eines anderen mir nicht in Fleisch und Blut übergehen kann. Meine Tricks Hab« ich stets dem Zufall, der bekanntlich der beste Helfer ist, zu verdanken. Ich erinner« mich solch eines„Zu- falls". Es war vor 20 Jahren. Ich war damals noch am Zirkus, in Madrid. Mein Flügel wurde dort all« Abende auf eine Estrade in der Manege gestellt. Das ging recht gut. Eines Abends jedoch hatte sich mein Klaviersessel zwischen Fußboden und Podium ein- geklemmt. Es sah toll aus, weil die hinteren Sesselbeine tiefer als die vorderen standen., Ich zog und zog, nur nicht den Stuhl heraus(die Leute lachten, weil sie dachten, das alles gehöre„dazu"). Die Sache wurde mir schließlich peinlich— was sollte ich tun? Ich dachte: kommt der Prophet nicht zum Berg, muß eben der Berg zum Propheten kommen. Ergo krempelte ich die Acrmel hoch und versuchte, den schweren Flügel zum leichten Stuhl zu schieben. Es ging und--- mein Publikum schrie vor Lachen! Und als ich auf dem„tiefen Stuhl" vor nieinem Flügel saß, der durch die eingesunkenen„Hinterfüße" meines Sessels viel zu hoch für mich war, ließ ich meine Hände die Tastatur„erklettern". Das wurde belacht und von mir— beibehalten. Dem Flügel habe ich übrigens viel zu danken, oder besser ge- sagt seinen Tücken. Einst spiele ich nichtsahnend, da fällt mir der Deckel auf die Finger, ich bekomme Angst vor Wiederholungen und den Einfall, meine Hand nach jeder Note zurückzuziehen. Man freut sich, wenn eine Gefahr plötzlich gefahrlos wird; das Publi- kum auch. Einst konnte ich den Deckel nicht wieder festmachen, ich lehnte ihn daher gegen den Flügel und setzte„zufällig" meinen Zylinder darauf. Der vertrug die schiefe Ebene nicht und kam, wie so mancher Mensch, auf ihr ins Rutschen. Kann ich weniger als mein Zylinder? Ich rutscht« ihm nach— sogar bis zum heutigen Tage. Die Tücken dieses Objekts hätten meine harmlosen improvi- sicrten Rodelpartien beinahe unterbrochen. In Wien hatte ich«inst einen gräßlichen Partner, noch heute kann ich mich über ihn ärgern. Wir hatten uns eines Abends vor unserem Auftritt hinter der Szene mächtig verkracht. Als wir dann„einträchtig" nebeneinander, aber mit höchst gemischtem Gefühl auf der Bühne standen, benutzte mein Partner die Gelegenheit, mir eins auszuwischen. Bei unserem komischen Disput rief er irgendeine Gemeinheit über mich ins Publikum. Ich kochte vor Wut, wußte nicht, was ich tat, und packte den nächstliegenden Gegenstand: den Flügeldeckel. Mein Partner sah, daß es Ernst wurde, und flüchtete über die Bühne: ich mit drohend geschwungenem Klavierdeckel ihm nach. Das Publikum brüllte, niemand hielt es für ernst. Ein Wut- onfall hatte mich auf einen neuen Trick gebracht. Und wieder lachte mein Publikum, als ich einst>m Wintergarten durch den Stuhlsitz fiel, was ich ebenfalls einem Zusall zu danken habe: ich könnte noch viel erzählen, wie ich zu meinen Tricks und den damit verbundenen Erfolgen gekommen bin. Mit meiner Miniaturgeige wußte ich eine Zeitlang nichts anzufangen, bis ich sie hilflos und winzig eines Tages in einem Riesenkoffer fand, in den sie irgendwer hineingeworfen hatte. So schleppe ich sie seitdem im Koffer auf die Bühne. Ganz zufällig kam ich zu einem Abgangstrick. Ich verdanke ihn der Drehbühne des Londoner Colofseums. Nach meinem Austritt ging ich mit hochgeschlagenem Rockkragen und heruntergezogener Perücke über die Bühne, als plötzlich der Vorhang wieder aufging. Ich rannte natürlich von der Bühne, aber die Bühne rannte mit. Wir rannten beide, was wir konnten, ich kam doch nicht vom Fleck. Und weil das wie alles anscheinend zum Programm gehört«, schrie das Publikum und ich wiederhole auf jeder Drehbühne(beim Variete sind sie sehr selten) meinen Dauerlauf. Daß es meistens auf den Raum, in dem man arbeitet, ankomm:, beweist unser Durchfall bei unserem Debüt im Berliner Wintergarten Sälnno 1911. Unsere Nummer„Grock and Antonet" war einfach ein« Katastrophe. Unser Direktor kündigte uns am ersten Tage, und wir konnten es ihm nicht einmal übelnehmen. Er hatte recht, denn was bisher in der Manege gewirkt hatte, lief sich auf der Varietebllhne einfach tot. Das Publikum beteiligte sich mit sehr schrecklichem Ernst an unserer Begräbnisfeier. Antonet und ich waren uns einig, daß wir umlernen müßten: nach acht Tagen eifriger Beobachtung unseres Publikums und Er- probung und Durcharbeitung unserer Tricks umarmte uns der Di- rcktor und zog die Kündigung zurück. So begann meine SLarietelaufbahn. Früher, als ich noch einfach Adrian Wettach hieß, schwänzte ich schon als Schuljunge ini Berner Oberland die Schule, wenn ein SlVanderzirkus bei uns einzog. Die Iugenderlebnisse in diesen Zirkussen waren ausschlaggebend für mich. Mit 15 Jahren war ich Klavierspieler in Kaffeehäusern, ohne eine Note zu kennen, dann wurde ich beim Vetter des ungarischen Ministerpräsidenten, Graf Vethlen. in Siebenbürgen Hauslehrer, war«Seiltänzer, Jongleur, Klavierstimmer, vierter Mann, nicht beim Skat, sondern beim Wanderquartett, Mufikverieger und endete als Elown. Und das bin ich heut« noch. Die Staggerfchiene Sieben Studenten arbeiten in der Braunkohlcngrube. Sie wollen in den Ferien einen Teil des Studiengeldes verdienen. Außerdem soll alle komplizierte Geistigkeit für einige Monate' von ihnen fern sein. An der klaren gesunden Ursprünglichkeit der Ar- bciterseele wollen sie sich erholen. Freunde, Kameraden der Ar- beiter wollen sie werden. Doch zwischen ihrem heißen SKemühcn und der Arbeiterseele steht eine unsichtbare Mauer: sie sind ja Studenten. Kalt und ab- lehnend, voller Mißtrauen stehen die Arbester den Vertretern der „ausbeutenden Klasse" gegenüber, die womöglich nur, um zu spionieren, ins Bergwerk gekommen sind. Di« Studenten verstehen dieses Mißtrauen. Es sind keine von denen mit SVond und Mütze. Bald wissen sie, daß sie nur als Sälrbeiter an ihr Ziel kommen können, und täglich auf Schicht tun sie das möglichste, um den Arbeitern zu zeigen: seht, wir sind zwar Studenten, aber wir sind doch auch Kerle, sind Arbeiter Jeder vergossene Schweißtropfen läßt einen Stein aus der Trenmmgsmaucr verschwinden. Nach drei Wochen können sich Studenten und Arbeiter üb«r die Mauer hinweg ins Auge sehen. Die Studenten gehören zu einer Baukolonne. Die Kolonne hat Gleise herzustellen, auf denen die großen S&aggcr, die Sand und Kohle graben, transportiert werden. Eines Nachmittags sind dreißig oder vierzig Baggerschienen eine Böschung hinaufzutragen. Oben werden sie dann auf Loren weiterbefördert. Eine solche Schiene ist zwanzig Meter lang. Jedes Meter wiegt einen Zentner, die ganze Schien« zwanzig Zentner oder eine Tonne. Achtzehn bis zwanzig Mann heben die Schiene auf die Schulter, und ihrer geeinten Kraft gelingt es, die Schiene, die jeden einzelnen zerquetschen würde, zu bewältigen. Bei jeder Schiene gilt es, eine Krise zu überwinden: da, wo Böschung und Plateau eine Kante bilden. Wenn die Mehrzahl der Träger sich nach auf der Böschung befindet, die Vordermänner schon auf dem Plateau sind, ragt der vordere Teil der Schiene in die Lust. Die Leute vorn können ihre Kraft nicht mehr einsetzen und die, die gerade an der Kante sind, sind doppelt und dreifach belastet. Ebenso wenn die Schieue fast oben ist und nur der letzte Teil noch über der Böschung schwebt. Die Schlußleute kommen mit der Schulter nicht mehr an die Schiene, und wieder haben die an der Kante ein schweres Mehr zu tragen. Da heißt es: die Zähne auf- «inander, das Kreuz durch und weiter, Schritt für Schritt, dis das erlösende Kommando die Schiene in den Sand fliegen läßt. Es ist kurz vor Feierabend. Die Hälfte der Schienen ist oben. War die Ruhepause nach der vorletzten Schiene zu kurz? Oder ist jemand gestolpert? Diesmal wird die Krdse nicht überwunden. Oben an der Kants werden die Träger in die Knie gezwungen. Die Schiene gleitet von den Schultern. Mit erlahmender Kraft wird sie in den Armen gehalten. Plötzlich ein stirchtbarer Schrei. Einer der Studenten läßt los. springt aus der Reihe.„Ich werde mich doch nicht erschlagen lassen!" brüllt er. Die Solidarität der anderen bringt die Schiene dann doch ganz nach oben. Gleich darauf ist Feierabend. Am nächsten Morgen begannen sechs Studenten von neuem, die Trennungsmaucr abzubauen, die über Nacht zur alten Höhe und höher emporgewachsen war. Der siebente war noch ani Abend nach Haufe gefahren. Er hatte die Probe nicht bestanden. Er war kein Kamerad. Georx Hayd«. SofSilienarten aus der ICüfte Qobi Nach 5 Monaten, die der Erforschung der Wüste Gobi gewidmet waren, ist die amerikanische Expedition von Roy Chapman An- drews nach Peking zurückgekehrt: sie brachte eine große Sammlung von vorgeschichtlichen Fossilien mit, im ganzen gegen 190 ver- schieden« Arten, von denen viele der Wissenschaft noch ganz un- bekannt sind. Sein Hauptziel, die Auffindung von Fossilien des Urmenschen, ist Andrews freilich nicht geglückt, aber er erklärt, daß das nichts gegen feine Anschauung beweise, nach der das mittel- asiatische Plateau die langgesuchte Wiege der Menschenrasic ist. Er hofft, daß die chinesischen Behörden es ihm gestatten werden, im Jahre 19Z1 seine Nachforschungen fortzusetzen. Mans Friedrich SStunch: SiHVeM Auf einmal— monatelang haben sie unser Dach gemieden— sind die Stare zurückgekommen. Das bedeutet Herbstzeit, letzten Abschied vorm großen Flug. Es hat etwas Rührendes, daß die älteren von ihnen, die im frühen Sommer unter unserem Dach nisteten und uns wochenlang durch die aufgefangenen Liedfetzen aus allen SWeisen des Waides freuten, uns nun noch einmal eine Schlußmusik pfeifen. Kaum hatten sie nämlich im Sommer die bräunlichen Jungen flügge— und das ging in zwei, drei vorfrühen Morgen, man war es kaum gewahr geworden—, da waren sie eines Tages husch und ohne Abschied davon. Die Dachpfannen blieben leer, und was noch vom Besuch nachgeblieben war, wischt ein Sturzregen hinweg. Man hat im Sommer viel zu wn, man konnte die fröhliche Laune des Nachbarn entbehren: der Wald war voll tausendfältigen Schalls, mochte der undankbare Gast nur ausbleiben. Mitunter sah man die Stare, Alte und Junge, wohl zu Tausenden im fernen Röhricht niedergehen, mitunter sah man sie wie dunkle Wolken im SO 9iühe MGs für ein Auge Ton Fridtjof Tlunjen Von ss r i« d t i o f Nansen liegt jetzt das letzte Werk vor. Das mit ausgezeichneten Illustrationen versehene Buch betitelt sich„Durch den Kaukasus zur Wolga"(Verlag?. A. Brockhaus, Leipzig) und ist ein neuer Beweis tilr die giihigteit Nansens, eine» Raum und feine Bewohner in ihren Beziehungen zueinander als Ganzes zu sehen. Wir entnehmen UM das nachfolgende Kapitel. Westlich vom Tat des Weißen Aragwa erstreckt sich das Land der Osseten. Es reicht nördlich bis zum oberen Terektal über Wladikawkas hinaus. Oestlich vom Weißen Aragwa wohnen georgische Stämme, die Pschawer, und in den nordöstlichen Hoch- tälern die Chewsuren. Sie sprechen noch immer ihre altgeorgischen Dialekte, besonders die etwa 8999 Chewsuren führen offenbar seit langer Zeit in ihren Gebirgsschtupswinkeln ein von aller SWelt abgeschlossenes Dasein. Ihr Name stammt von dein georgischen Wort Chewi, das heißt Schlucht. Kluft. Noch heute bewegt sich ihr Denken im Dunstkreis mittelalterlicher Sstten und Gebräuche und uralten Aberglaubens. Sie tragest noch Helm, Ringpanzer, stählern« Arm- und Beinschienen, Schild und Schwert, kurz, sie sind wie Kreuzritter gerüstet. Die Helme sind runde Kuppeln aus Stahl, Stahlnege hängen über Nacken, SWangen und Stirn herab, jo daß nur die Augen und der untere Teil des Gesichtes frei bleiben. Bei Festen, Kampfspielen und Turnieren tragen sie ihre volle Rüstung, desgleichen, wenn sie Blutrache fürchten oder wenn eine Blutfehde zwischen zwei Sippen oder Dörfern durch Vergleich beigelegt werden soll. Wahrscheinlich haben sich die alten Rüstungen und SWasfen gerade deshalb solange gehalten, weil diese Stämme ununterbrochen in Geschlechterfehden, in Kämpfen zwischen einzelnen Siedlungen und mit benachbarten Stämmen lebten. Streitbare Mannen sind das, allezeit gehen sie in SWasfen, auch zur Feldarbeit nehmen sie Schild, Schwert, Dolch und Gewehr mit. Unter ihnen herrscht die wunderliche Sitte, daß die Männer am Daumen der rechten Hand einen dicken, mit starkem Dorn versehenen Eisenring tragen. Er dient als Schlagring bei Prügeleien. Wohl jeder erwachsene Mann trägt Narben, die von diesen Schlagringen stammen, die Gesichter sind oft schlimmer zerhauen als die SWangen eines übel zugerichteten deutschen Studenten.' Aehnliche Ringe sollen früher auch im Schwarzwald und in Oberbayern gebraucht worden sein. Raufereien sind häufig, und der Dolch sitzt locker in der Scheide. Sälber Verwundungen und Verstümmelungen müssen durch genau festgesetzte Bußen gesühnt werden. Ein ausgelaufenes Auge kostet 39 Kühe, ein Loch im Kopf 3 bis 16 Kühe, Lähmung eines SBeines 25 Kühe usw. Eine Kuh gilt 19 Rubel, etwa 23 Mark. Die Läng« einer SWunde wird mit einem Faden gemessen, auf diesen Faden werden dann Buchweizen- oder Weizenkörner abwechselnd längs und quer in einer Reihe gelegt, die Körner werden gezählt, und der Täter muß so viele Kühe bezahlen, als zwei Drittel der Körner ausmachen. Die Blutrache ist bei den Chewsuren und Pschawcrn wie bei den meisten kaukasischen Stämmen geheiligter Brauch. Die Sippe des Erschlagenen muß durch Tötung des Täters oder eines SNit- glicdes seiner Sippe oder seines Dorfes Rache uh�n. So können zwei ganze Dorfsiedlungen in Blutrache verstrickt werden. Doch kann der Totschlag auch durch Vergleich und Zahlung einer Buße gesühnt werden. Für einen Mann sind 89, für eine Frau 69 Kühe zu zahlen. Tötung der eigenen Frau fordert keine Blutrache, sondern der Gatte bezahlt an die Sippe der Erschlagenen 5 Kühe. Die Beendigung einer Fehde wird durch ein großes lversöhnungsiest gefeiert. Man schlachtet Opfertiers und trinkt Bier und Schnaps in großen Mengen. � Di« Berichte von den Kämpfen und Schlägereien dieser Volks- stamme erinnern uns in vieler Hinsicht an die SZZergangenheit der nordischen Völker und an die Schilderungen des isländischen Ge- schlechtersagas. Auch bei den norwegischen Gebirgsbewohnern steckte ja noch bis in die jüngste Zeit hinein das feststehende Messer locker in der Scheide. Abend vor der Sonne entlangfahren. Die Leute rissen dann die Augen auf und meinten, die Stare sammelten sich schon zum Herbst. Sie fahren meist erst dicht vorm ersten Schnee. Aber es sind wohl- erzogene und höfliche Tiere— fröhlich wink« ich ihnen zu— sie fahren eben doch Nie von dann«», ohne im Herbst einige Abschieds- tage bei ihren alten Nestwirten zu verbringen und ihnen ihren Dank vorzusingen. Da sitzen sie nun oben auf einem Spanndraht, vier Paar« hoch, die Männchen weißlich gefleckt, statt schillernd grün und schwarz wie zur Brautzeit. Aber lustig sind sie, einerlei, welchen Rock sie anhaben, und erzählen mir, wie das SLlaukehlchen schluchzt und wie der Pirol singt, wie die Enten schnattern und sogar wie die Hohl» taube rukuut. Alles, was sie gehört haben, wiederholen sie mir wie einen herrlichen Spaß und wollen sich so recht beliebt machen — vielleicht, weil ich ihnen im folgenden Frühling wieder Woh- nung geben soll? Sie verlangen aber auch Aufmerksamkeit für ihren Vortrag. Sobald ich mich umwende, schreiten und knarren si« wie die Besenbinder hinter mir her: kehre ich mich wieder zu ihnen, lassen sie mich die zärtlichsten und freundlichsten SWeistn hören. Aber die Wolken ziehen dunstig tief, vorm Wald steht Nebel. seht ihr es denn nicht? Ich habe nicht viel Zeit, wir müssen ein- packen, liebe Freundin: wollte auch, wir hätten es mit dem Herbst- umzug so leicht wie ihr. Und daß wir aste Freunde sind, brauche ich euch ja nicht erst zu versichern. Oft meine ich noch, einer von euch mußte der immer fröhlich« Herr Starmatz sein, den in meiner Jugend ein Vetter hielt und um dessentwillen allein man als Junge so gern auf Herbst- fori«» fuhr. Was wußte das Tierchen nicht alles auswendig: das scheußliche Lied von den Dollarpttnzessinnen wie das fröhliche vom Mai, der gekommen, die Frag- nach dem SW«tt«r und„Was fangen wir heute an?" Auf alles, was er nicht verstand, aniwortete' er einfach:„jaja" oder„nein, nein", das war am bequemsten. Aber sage ich es nicht, der Herbst ist schon kalt und naß! Wäh- rend man drunten im Gras steht und die Nase zu den acht Un- crn, üblichen aufhebt, zieht es einem von der Hacke das Rückgrat hinauf und über den Nacken in die Nasenwurzel zu einem kräflinen — wie, bitte—„Hapischah!" Einen Augenblick haben die acht Stare oben auf dem Draht mitten im Singen und Schwatzen innegehalten. Dann kling: es ganz deutlich von einem Künstler da oben zurück:„Hapijckzah'" Und im nächsten Augenblick wollen sich all« acht ausschütten vor Lachen ich komme überhaupt nicht mehr zu Wort und wende mich weg:„Litte. nichts für ungut!" Und beginnen wieder zu singen und zu pfeifen, und einer zieht gerade vor mir zum Zeichen von Nützlichkeit und guter Gesinnung aus dem eben aufgewühlten Karloffelland einen n.sig grauen Engerling heraus. Nun ja, ich weiß, wir sind gute Verbündete, und weg«n der Kirschen bleibt es bei unserem Vertrag: ihr beim Nachbarn und ich in meinem Garten. Aber meinetwegen zum Frühling auf Wieder- sehen!„Wiedersehen," sage ich nach einmal laut und höflich. Und der B.such Hai verstanden, das tschirrt und redet achtfach durchein- ander, wünscht mir zum Winter gute Gesundheit— man soll solche Wünsche nicht unterschätzen— und ist heihi von bannen. Starenabschied! Di« Wolken scheinen mir noch tiefer und analmiger, die Büsche tropfen und der Dunst, den man aufatmet, schmeckt feucht und rauchig. Eine letzte Dahlie verblättert vor meinen Augen, die Ohren sind leer.