erscheisttizllchaußerSesat«,«. Zugleich Abendausgab« des.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3.60M.»rv Monat. Redaktion und Emdition-, Berlin SWSs,Lindenstr.S Sfialautyaße xlei iMrtufoffa» «lelgenrrels; Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Rcklamejeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheck kouto: Dorwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7 536..Fernsprecher: Dönhoff 2v2 bis 297 veiu.n« Sonnabend 18. Offober 1930 10 Pf. Nr. 490 B 244 47. Jahrgang Nazi-Schlacht in Bernau Lteberfall auf Kommunisten-Versammlung/ Acht Personen durch Schüsse verletzt Manöver der Llntemehmer Irreführende Meldungen- Verbindlichkeitserklärung doch beantragt In den gestrige» späten Abendstunden wurde in Verna« bei Berlin ein offenbar regelrecht vorbereiteter llebersall nationalsozialistischer Sturmabteilungen auf Alil. gliedcr einer öffentlichen kommunistischen Versammlung verübt. In der Dunkelheit entspann sich ans der wandliher Chaussee, unweit de, Wasserturme«, ein erbitterte« Handgemenge. Acht Kommunisten blieben mit Schubvcrlehungen auf dem Platze. Glücklicherweise handelt e« sich in den meisten Fällen um leichte Ar«, und Veiuschüste. Einer der Getroffenen hat ein«» Lungen. und Rückensteckschutz davongetragen, so dotz für sein Auskommen Vc- sürchtungen gehegt werden. Die Kommunistische Partei hielt gestern abend inr Restaurant „Bellevue'«in« öffentliche Versammlung ab, die von einigen hundert Anhörern besucht war. Die Kundgebung verlief völlig störungslos. Zu derselben Zeit hotten sich im Restaurant„Elysium" in der hujsitenstraße in Bernau die Nationalsozialisten— es handelt sich vermutlich um eine SA.-Sitzung— versammelt. Kurz noch 10 Uhr formiert« sich die Horde und marschierte durch die Stadt in Richtung des Restaurants„Belle tme". Die nationalsozialistischen Rorvdies hatten zweifellos beabsichtigt, die kommunistische Kundgebung, die auch von vielen Foouen besucht war, zu sprengen. Unweit des Restaurants„Bellevue", an der Wandlitzcr Chaussee, trafen die an- rückenden haken kreuzler mit den Kommunisten, die nach Beendigung der Versammlung den Heimweg noch dem Stadtinnem antreten wollten, zusammen. Auf ein Kommando prasselte aus die Kommunisten ein Stein- Hagel nieder. Laute Hilferufe ertönten in der Dunkelheit, einig« Frauen waren von den Steinen getroffen und leicht verletzt worden. Das heillose Durcheinander, dos im Augenblick entstand, war für das verbrecherische Wert der hakenkreuzler noch besonders günstig. Mit Schlagringen und Stahlruten schlugen die Angreiser auf ihre lintsradikalen Gegner ein. Einige Kommunisten wurden durch«in« Handvoll Pfeffer geblendet. Als auf die Meldung von dem feigen, völlig unerwarteten Uebersall aus dem Restaurant kommunistische Verstärkung anrückt«, zogen sich die Rationalfften langsam zurück and eröffneten aus ihre Verfolger ein wilde» Pistolenfeuer. Auf der Landstraße wurden später ollein 20 bis 25 leergefchassene Patronenhülsen gesunden. Acht der Mörderkugeln erreichten ihr Ziel. Es ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, daß von den Kommunisten niemand tödlich verletzt worden ist. Bei ihrem Rück- zug durch die Stadt übte die faschistische Bande noch einen heillosen Terror auf mehrere Bürger, die friedlich ihre? Weges gingen, wurden mißhandelt: einige kommunistische Stadtverordnete wurden über- fallen und zn Boden geschlagen. Leider wurde die Polizei zu spät alarmiert. Alle zur Der- fllgung stehenden Polizeikräfte wurden daraufhin in aller Eile zu- sanimengezogen und gegen die Nazis misgebole». Leider gelang es einem Teil von ihnen zu entkommen, nur zehn konnten festge- nommen und in Gewahrsam gebracht werden. In Bernau herrscht über diese neueste faschistisch« Heldentat Empörung. Es besteht die Vermutung, daß an dieser„Aktion' auch auswärtig« Nationalsozialisten, vielleicht sogar Berliner, teil- genommen haben. Die Untersuchung, die von Beamten der Landes- kriminalpolizei geführt wird, wird darüber näheren Aufschluß geben.__ Vor der Vertagung. Abstimmung über die Mißtrauensanträge- dannVertagung. Oer Aeltestenausschuß des Reichstags tagt« heut« vormittag, An den Dispositionen des Reichstages wurde nichts geändert. Man hoffte, die Abstimmungen über die Mißtrouensanträg«, die nach Wunsch der Regierungsparteien durch Uebergang zur Tages- ordnung erledigt werden sollen, und die dritten Lesungen des Schuldenttlgungsgesetzes(Ueberbrückungskredit) und des Zusatzes zum finnischen Handelsabkommen in der heutigen Voll« s i tz u n g zu erledigen. Di« Anträge auf Aufhebung und Aendeoung der Notverordnungen sollen dem Haushaltsausschuß zur weiteren Beratung überwiesen werden. Dann tritt ein« Paus« in den Beratungen des Reichstages ein, über deren Länge noch nicht Beschluß gefaßt wurde. Wie wir vom vletallarbeiler verband erfahren, haben die V e r- liner vlclallindustriellcn nicht nur den Lohnabbau- schiedssprvch des Sonderschlichters Dr. v o e l k e r s angenommen, sondern noch gestern nachmittag beim Reichsarbeilsmmisterium seine Verbindlichkeilserklärung beantragt. Das Reichs- arbeitsministerium hat zu dem Antrag bis jetzt noch nicht Stellung genommen. Sein« Entscheidung über den Antrag der Unternehmer ist kaum vor Zsiontag zu crwarteu. Der Verband Berliner Metallindustrieller teilt hierzu mit, daß er dje VerbinÄicherklärung des Schiedsspruches bei dem Reichs- arbeitsmimsber bereits mit Schreiben vom 16. Oktober beantragt Hot. Erst gestern nachmittag, also einen Tag später, ließ der VBMI. die Mitteilung verbreiten, daß er den Schiedsspruch angenommen hat. Dem Metallarbeiterverband übermittelte er die Abschrift eines Schreibens an den Reichsaroeitsmimster, worin lediglich die An- nahm« des Schiedsspruches erklärt wird, nicht aber dessen Verbind- lichieit beantragt wird. Gestern abend verbreitete WTR. die Meldung, daß der VBMI. zwar den Schiedsspruch angenommen, dessen VerbiiÄichcrklärung jedoch nicht beantragt habe. Ob diesem Spiel bestimmte Absichten zugrunde lagen, läßt sich leider nicht genau feststellen. Sympathiekundgebung. Die Leunawerk-Arbeiter gegen NGO,-Treiberei. Der Zenlralstreikleilung der Berliner ZNelallarbeiter ist heute von der Arbeiterschaft der Leuna-Werke in Merseburg folgendes Telegramm zugegangen: ..Leuna-Velegschastsversammlung beschließt heule einstimmig: Sendet streikenden Metallarbeitern brüderlich! Grüße, wünscht voll- ften Kampfersolg. verurteilt verräterisch« Treiben der RGO-, die bei Schwächung der Kampffront Hilfsdienst leistet für Unternehmer. Kampffnhrnng durch Gewerkschften verbürgt allein den Sieg." (Weitere Streiknachrichten 2. Seite,) Noch heute Abstimmung Negierung verlangt Llebergang zur Tagesordnung über alle Mißtrauensanträge Die Reickssiagssitzung begann heute 11 Uhr mit einer neuen Mahnung Lobes. Der Präsident spricht väterlich, wie ein Lehrer und seine geduldige Erziehungsarbeit scheint nicht ohne Erfolg. Ganz ohne Krach vollzieht sich die dritte Lesung des deutsch-finnischen Handelsvertrages. Dann sieht man plötzlich Herrn Molden- Hauer auf der Tribüne. Er ist aber nicht etwa wieder Finanzminister, sondern spricht nur als Berichterstatter über den Ueberbrückungskredit. Es folgt Herr Q u a a tz in Firma Hugenberg mit einer Rede über den Boung-Plan, die man bestimmt schon einmal irgendwo gehört hat. Leicht über- raschend wirkt nur eine plötzliche Liebeserklärung des Vertreters des Großkapitals an die K o m m u n i st e n, sie seien eben in wirtschaftlichen Dingen viel einsichtiger als die Sozialdemokraten. Sodann erscheint schon wieder der unvermeidliche Feder und hält eine Agitationsrede gegen die großen Schieber, gegen die kleinen des eigenen Formats sagt er aber gar nichts. Dann kommt Herr F r i ck und überreicht den drei Lieb- lingen der Nazis in Form von motivierten Mißtrauens- antragen ihre Zensuren. C u r t i u s hat in Genf versagt. W i r t h ist ein Schrittmacher des Marxismus, G r o e n e r hat eine wehrmachtfeindliche Einstellung und züchtet De- nunzianten. Da rührt Lobe leise die Glocke. Und der grim- mige Frick erklärt verbindlich, das mit den Denunzian- ten könne ja noch geändert werden. Für die Deutschnatio- nalen erhebt sich nun G o t t h e i n e r und verliest auch drei Mißtrauensanträge. Emen gegen Wirth, einen gegen Cur- tius und einen— gegen Treviranus.' „Weitere Mißtrauensanträge sind für den Augenblick nicht gestellt", verkündet Löbe verbindlichst und leise animierend. Die Heiterkeit schwindet und der Saal wird leer, als Herr D ö b r i ch vom Landvolk emporsteigt, um über die Regierungserklärung zu sprechen. Interessant ist es jetzt nur noch hinter den K u- l i s s e n. Es wird nämlich ein Antrag vorbereitet, wonach der Reichstag die Regierungserklärung einfach zur K c n n t- n i s nimmt und über alle acht oder zwölf Mißtrauensanträg« (die Zahl steht noch nicht fest) zurTagcsordnung über- geht. Findet dieser Antrag Annahme, so ist für ein paar Wochen Luft geschaffen, die Krise zunächst vermieden. Inzwischen spricht im Saal Herr Simpfendörfer vom Christlichsozialen Lolksdienst und dann mit großer Selbstgefälligkeit der Iungdomann Abel. Ein paar ver- lorene Demokraten sitzen als trauernde Hinterbliebene weit im Hintergrunde. Ruhe im Reichstag. Mißtrauensanträge gegen Eurtius, Wirth, Groener und Treviranus, Zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung um 11 Uhr teilt Präsident Löbe mit, daß Abg. Dr. Leber(Soz.) sein Bedauern darüber ausgesprochen hat, daß er gestern in der Erregung einen unparlamentarrschen Ausdruck gebraucht habe. Der Präsident bc- grüßt diese Erklärung und bittet die Abgeordneten, die Ordnung?- maßnahmen aller Präsidenten nicht durch Erregungsousbrüche über den Anlaß solcher Maßnahmen zu stören. Alle Fraktionsführcr bemühen sich, das Haus vom Toben zur sachlichen Arbeit zu brinyen. (Beifall.) Es folgt die dritte Lesung der Abänderung des deutsch-finnischen Handelsvertrages. Abg. Kah(Komm.) erklärt den Vertrag für«ine Schädigung der Kleinbauern und«ine Verhöhnung der um ihr« Lebenshaltung kämpfenden Metallarbeiter. Die Nationalsozialisten unterstützen diese Ausbeuterpolitik.(Geschrei der Nationalsozialisten, Beifall der Koni- mumstcn.) Abg. Dr. Agcna(Dnat,): Die Schweinemast wird künstlich über» entwickelt durch den Preissturz des Roggens, der im Osten Deutsch- lands oerfüttert werden muß. Die Futtermittelzölle erhöhen die Kommunisten l-genSchmelzöfen still Schwere Gefahrdung der Arbeiieriniereffen Futiermittelprcis« lücht, sie müssen noch erhöht werden. Qualitüts- Verbesserung der Agrarprodukte kann nur durch den Anreiz hoher Preise erzielt werden. Die S ch l u ß a b st i m m u n g wird amEnde derSitzung vorgenommen werden. Es folgt die dritte Lesung des Schuldcntilgungsgcsehes. Abg. Dr. Qaaalj(Dntl.) bezeichnet diese Zanierungsaktion als rinen Versuch mit untauglichen Mitteln an einem untauglichen Objekt. Die amtliche Schätzung der Wohlfahrtskosten für Erwerbs- lose ist ebenso falsch wie die der Reichsbahneinnahmen. Di« Entlastung der Reichsbahn durch Aufhebung der Beförderungssteuer wird wiederum auf unbestimmt« Zeit.vertagt. Deutschland i st erwacht— Regierung erwache!(Beifall rechte, mitleidige Heiterkeit links und in der Mitte.) Abg. Aeder(Nat.-Soz.) spricht etwa im gleichen Sinne und ver- liest«inen Gesetzentwurs aus Deckung der schwebenden Schuld des Reiches durch Heranziehung der Börsengewinns 1926/29: diese Börsengewinner sollen, soweit ihre Gewinne nicht schon versteuert wurden, sie anmelden und darin sieht Feder die Erläuterung des Begriffs„Bank-.und Börsenfür st« n*. Da man ihm gestern unqualifizierbare Vorwürfe gemacht habe(Heiterkeit links), so oerweise er aus die sozialdemokratischen Parteimitglieder Sklarek, Barmat, den Proleten Brolat(Rufe rechts: Heilmonn) und andere, die gar nicht wüßten, wohin mit ihrem Geld, weiter auf die Zentrumsleute Lange-Hegermann, den im Gefängnis verstorbenen Minister Höfle und andere, zum Beweis, daß Feders Gegner alle Ursachen hätten, ihren Mund zu halten. Er schließt mit dem Frick- Gebet, das er und seine Freunde jeden Tag beteten: Herr, mach »n» frei von Betrug und Verrat.(Begeisterter Nazi- Beifall.) Damit schließt diese Debatte, die Abstimmungen crjolgen später. Es wird nun die poliiische Debatte sortgesetzt. Die Mißtrauensaniräge. Abg. Dr. Frick(Ralsoz.) verliest weitere Mißtranens- anträgc seiner Fraktion, und zwar zunächst gegen Minister Dr. Cu r t i u s, weil er auf der letzten Völkerbundstagung nichts getan habe, um die insolge des Ausfalls der Reichstagswahl sich an- bahnende günstige Entwicklung(Große Heiterkeit links und in der Mitte) auszunutzen, weiter gegen Minister G r o e n e r wegen feiner wchrfcindlichen Einstellung, wegen Züchtung des Denunziantentums in der Reichswehr und wegen der Unterdrückung des Wehrwillens durch Disziplinarmaßnahmen und den Leipziger Prozeß(Präsident Löbe ersucht, den Ausdruck Denunziantentum aus dem Antrag zu entfernen), schließlich gegen Minister W i r t h wegen rechts- und verfassungswidriger Sperrung der Polizeizuschüss« an Thüringen und weil der Minister durch seine Stellungnahme gegen das thürin- gische Schulgebet sich als Schrittmacher marxistischer Parteipolitik erwiesen habe.(Große Heiterkeit links und in der Mitte, die Nazis applaudieren frenetisch der großartigen Aktion Fricks.) Abg. Gotlhciner(Dnat.) bringt gleichfalls Mißtrauensanträge ein gegen Curtius, Wirth und— Treviranus.(Großes Hallo.) Präsident Lobe: Weitere Mißtrauensanträge sind einstweilen nicht gestellt.(Heiterkeit.) Wir fahren fort. Zunächst spricht Abg. Döbrich von der Christlichnationalen Bauernpartei, also ungefähr im Sinne Stroßer-Hugenberg. Es fei ein Skandal, daß der Sozialdemokrat Breitscheid, ein Gegner der biirgcrlichen Politik, Deutschland auf internationalen Kongressen vertritt.(Beifall rechts, Zurufe der Sozialdemokraten: Unerhört.) Die versprochene Abrüstung ist eine Farce, unsere Ma- növer mit Holzkanonen und Spielzeugtanks sind eine nationale Schmach.(Sehr richtig! rechts.) In einer Interpellation verlangen wir Wehrfreiheit für uns, wenn das Ausland nicht abrüstet. Das sozialistische Maschinenevangelium: weniger Arbeit und mehr Lohn ist endgültig zusonlmengebrochen.(Zurufe links: Richtig ist die alte Bauernregel: Hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt.) Abg. Dr. Neubauer(Komm.): Sie haben gesagt: Für den Bauern ist eine gute Ernte ein Unglück. Döbrich: Das habe ich nie behauptet!' Abg. Dr. Neubauer: Jawohl, das hat Döbrich gosagt. Präsident Löbe: Herr Abg. Neubauer, Sie können doch hier leine Zengenvernchmung veranstalten.(Heiterkeit.) Zur Gejchüstsordnnng erklärt Abg. Torgler(Komm.), daß seine Fraktion für die deritschnationalcn Mißtrauensanträge stimmen werde, aber nicht für die Nazi-Anträg«, die mit einer Begründung versehen sind, welche sich die Kommunisten nicht zu eigen machen: sie bringen einen begründungslosen Mißtrauensantrag gegen Groener«in. Abg. Simpsendörser(Christl.-Soz.) wendet sich gegen das Schlagwort Antimarxismus, dem er z. B. entgegenhält, daß der historische Materialismus ein Bestandteil des Marxismus ist, aber zum geistigen Besitzstand sehr vieler Bürgerliche» gehört. Eine geschlossene bürger- liche Front gibt es heute nicht. Der Redner spricht auch gegen vor- zeitigen Lohnabbau. Bei Schluß des Blattes spricht Abg. Abel(Volksnational). Börse macht Geschäfte. Steigende Kurse auf der ganzen Linie. Die heutige Börse ist fest: es ergaben sich Kurssteigerungen auf der ganzen Linie und zwar unterschiedlich von 1 bis 4 Proz. Die Kurssteigerungen sind die Folge der günstigeren Beurtei» lung der politisch en Lage: aber auch der Tatfache, daß die letzten Goldverkäufe der Reichsbank nicht mehr zur Befriedigung der Devisennachfrage nötig waren, sondern zur Auffüllung des Devifen- Vorrates bei der Reichsbank dienten. Auf dem Geldmarkt ist die Lage eine Kleinigkeit leichter geworden, aber nur für Tngesgeld, Monatsgeld wird zu hohen Sätzen weiter stark gesucht. Vor der Kammereröffnung. Sofort außenpolitische Debatte im französischen Parlament. Paris. 18. Oktober.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Tardicu läßt am Sonnabend durch sämtliche offiziösen Blätter verkünden, daß er dem Parlament sofort nach seinem Zusammentritt ein„massives Bertraucns- votum" abzwingen wolle. Er habe unter den vorliegenden 98 Interpellationen, die meistens lokaler Art feien, die des Abg. Franklin-Bouillon über die Außenpolitik ausgewählt, um chre sofortige Diskussion schon am 4. November, dem Tage der Parlamentseröffnung, zu verlangen. Di« Ankündigung Tardieus muß um so mehr überraschen, als gerade die Außenpolitik den schärfsten Kritiken innerhalb der Regierungsmehrheit selbst aus- gesetzt ist, und als Außenminister Briand sich von seiner schweren Grippe nur sehr langsam wieder erhall. Es ist vor- läufig noch keineswegs sicher, ob er bis zum 4. November wieder auf dem Posten jein kann. Die streikenden Berliner Metallarbeiter haben allen Grnnd, in ihrem Kampf, der zu seinem Gelingen die strengste gewerkschaftlich« Kampsdisziplin erfordert, sich genau an die Weisungen ihrer Gewerkschaften und deren Zentralstrerkleitung zu halten. Der KPD., die sich unter dem Deckmantel d«r NGO. der Bewegung bemächtigen und sie zu politischen Geschäften sür stch mißbrauchen möchke, sind bisher in diesem Kampf noch keine Erfolge beschicden gewesen. Abgesehen von einigen kleineren Betrieben, wo die komnm- nistische Gewerkschastsopposition schon vor dem Streik dominierte und wo die REO. auch jetzt während des Streikes herumfputt, ist festzustellen, daß die Streikenden sich nichi im geringsten um die Parolen der kommunistischen Ouerlreiber kümmern. Daß die RGO.-Strategen in gewerksthastlichen Dingen' Ai»alphabeten sind, ist an sich nichts Neues und durch die von ihr inszenierten Streiks mehr als einmal bewiesen worden. Daß aber selbst noch ein sogenannter„revolutionärer" Arbeiterrat wie der im Maschinen- glaswerk von Osram sich zum Marionettenspiel der KPD. hergibt und die von ihm vertretene Belegschaft zu Handlungen verleitet, die sie crufs schwerste schädigen müssen, ist der Gipfel des Arbeiter- verrats. Der famose kommunistische Arbeiterrat des Maschincnglaswcrks von Osram hatte am 14. Ottober an die Direktion des Werks das einstündig befristete Ultimatum gestellt, die Forderungen der RGO. auf 29 Pf. Lohnerhöhung, Einführung der 4l)<>Stunden- Woche bei vollem Lohnausgleich usw. zu akzeptieren. Dem Arbeiter- rat mußte von vornherein klar sein, daß sich die Betriebsdirektion eines Konzerns nicht in einer Stunde über die Annahme oder Ab- lehnung dieser weittragenden Forderung entscheiden konnte, auch nicht die Vollmacht zur Entscheidung darüber hatte und schließlich auch nicht bereit sein würde, dies« Forderungen anzuerkennen. Es kam' dann auch zur A r b e i t s e i n st e l l u n g. Der Arbeiterrot war aber in seinem„revolutionären" Feuereifer so kurzsichtig, daß er nicht die Folgen sah, die durch die restlose Arbeitsniederlegimg in allen Produktionsstätten des Werks für die Gesamtbelegschaft noch Beendigimg des Streiks entstehen würden. Es wurden auch die Glasschmelzöfen skillgelcgk. was für«inen solchen Betrieb die gleichen Folgen hat wie für ein Hüttenwerk, dos Ausblasen der Hochöfen. Mit Ausnahme weniger Reparaturarbeiter wind mithin die Be- legschaft des Mafchinenglaswerks von Osram nach Beendigung des Streiks noch 6 bis 8 Wochen feiern können, bis die durch das Einfrieren belriebsunfähig gewordenen Schmelzöfen wieder neu ausgebaut sind. Die Arbsilerschaft kann sich dann während dieser Zeit bei der NGO. oder der IAH. mit Bettelsuppcn speisen lassen, vorausgesetzt, daß die IAH.-Küchen dann auch nicht eingefroren sind. Aicht geführte Verhandlungen. Streikleiwng der KPD. abgeblitzt. Den„reformistischen" Gewerkschaften wird es von den„Revo- lutionärcn" geradezu als«in Verbrechen angekreidet, wenn sie— gleichviel in welchem Stadium— über die Beilegung eines Streiks verhandeln. Die KPD.-Presse tut so, als ob ihr die„Geheimnisse" solcher Verhandlungen schon lange vorher bekannt sind, und ohne Rucksicht daraus, daß sie bei ihren„Enthüllungen" unter Umständen die Taktik der Gewerkschaften schwer gefährdet, was schließlich der Herr Franzen, der braunschweigische Ministerpräsident, hat die Kühnhell besessen, uns eine„Berichtigung" auf Grund des Presse- gesetzes zn schicken. Diese Berichtigung ist in allen Punkten das Gegenteil von der Wahrheit. Herr Franzen läßt in Braunschweig unwahre Dar- stellungen seines Falles verbreiten. Der nationalsozialistische Präsident des Braun schweigifchen Landtages, Zörner, hat in einer öffentlichen Versammlung«ine Erklärung abgegeben, mit der Herr Franzen sich herauszulügen oersucht. Diese Erklärung lautet: „Der Minister deckt die Erklärung, die«r in der Presse gegeben hat, vollinhaltlich, obgleich man in Berlin bestrebt ist, das Gegenteil in die Oeffentlichkeit zu bringen. Die vor dem Reichstag verhafteten 46 Nationalsozialisten sind nicht perfonen- gleich mit den in der Leipziger Straße verhafteten Kommunisten. Das verschweigt der marxistische Polizeipräsident. D i e marxistischen Polizeioffiziere haben die Angelegen- heit des Ministers Dr. Franzen anders dargestellt. Der Minister hat sich wohl für einen Parteigenossen eingesetzt, der einen Fehler begangen hatte. Er hat aber nicht ein Wort von dem gesagt, was in der soziatdemokratischen Presse veröffentlicht ist. E r h a t nicht gefordert, den Fe st genommenen wegen der Immunität freizulassen, sondern er hat sofort er- klärt, nachdem er die Bilder gesehen hatte, daß es sich um zwei verschiedene Personen handele. Er hat sich auch dafür verbürgt, daß der Festgenommene sich am anderen Tage dem Gericht gestellt hätte. Die Meldungen, die der„Volksfreund" verbreitet, ent- sprechen nicht der Wahrheit. Sie sind ein Zeichen dafür, ijiit welchen Mitteln die sozialdemokratisch« Presse arbeitet." Auch diese ErNärung ist in jedem Wort« unwahr! Wie wir erfahren, sind nunmehr auch alle Beamten des Reviers amtlich ver- nommcn worden, auf dem sich die Affäre Franzcn-Guth ab- spielte. Sie sagen übereinstimmend aus: daß Franzen den Gulh persönlich gesehen hat. daß Franzen dem Gulh ins Gesicht hinein behauplel hak, das sei der Landtagsabgeordnele Lohse. daß er nnler Berufung aus die Immunität die Freilasiung des Gulh gefordert hat. daß er seine falschen Behauptungen so lange aufrechkcrhalien hak, bis die Kraftdroschke zum Abirauspori des Gulh vorgefayren war. Alles Leugnen in Brau»schweig und sonstwo—, und alle Zweck ihrer Sttlübungen ist, schreit sie über„Verrat", sobald auch nur die winzigsten Anzeichen von Verhandlungen vorliegen. In ihrer hilflosen Verlegenheit über die Einslußlosigkeit ihrer RGO. im Metallarbciterstreik ist nun die KPD. auf den Einfall ge- kommen, mir de r Reichsregierung zu verhandeln, bevor noch die Gewerkschaften zu irgendwelchen Verhandlungen kommen. Zu Verhandlungen gehören aber bekanntlich zwei Partner, die zusammen verhandein wollen. Die„Zentrale Streik- leitung" der KPD. schickte Freitag vormittag eine Delegation zur Reichsregierung. Ueber den Mißerfolg ihrer Krastanstrengung berichtet diese Delegation: „Der Vertreter der Reichsregierung, der Rcichsarbcitsminister Stegerwald, lehnte eine Verhandlung mit den Vertretern der Zentralen Streikleitung der Berliner Metallarbeiter o b. Er erklärte, daß die Reichsregierung nur Verhandlungen mit Vertretern der Gewerkschaften führen werde und nicht mit der Massenorganisation de? Revolutionären Gewerkschastsopposition." Jeder blamiert sich so gut wie er kann. Die Gewerkschaften sind eine Macht, die„Revolutionäre" möchten gern eine sein. Weil sie keine andere Rolle spielen können, spielen sie die des Clown. „Gireik" der Kraftdroschkenführer. 120 Mann machen einen Spaziergang. Der von der KPD. inszenierte Streik der Kraftdroschkensührer nahm folgenden Verlauf: Im Lustgarten an der Schloßseite kamen heute früh etwa 190 bis 129 Droschkenführer zusammen— von annähernd 19 999 Krascdrojchensührern— und überließen ihre Wagen der Obhut der Polizei. Don der Polizei begleitet, bildete sich«in Umzug von 129 Mann. die unter Protcstruf und Gesang einen halbstündigen Spaziergang durch die Kaiser-Wilhclm-Straß« machten. Nachdem schon zuvor einige Fahrer zurückgekommen und weitergefahren waren, kam auch „die Masse" wieder zurück. Die Chauffeure setzten sich wieder ans ihre Fohrzeuge, um nach ihren Standorten zur Zlrbeit zuriickm- fahren. Aus dem Streik ist nichts geworden. Lteberfälle auf Botte-Wagen. Oie kommunistische„Solidaritäts"- Aktion. Auch in der letzten Nacht ist es wieder zu Ausschreitungen gegen das Personerl der Meierei Boll« gekommen. In der A l t o n a e r Straße wurde ein M i l ch w a g e n von etwa 29 Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren, als er gegen ö Uhr morgens die Zentrale verlosten hatte, mit Steinen beworfen. Ein Mitfahrer erlitt dabei eine leichte Verwundung am Kopf. Di« Polizei mußte eingreifen. Zu größeren Ausschreitungen ist es dann in der Zeit zwischen und 6% Uhr in der Bendastraße in Britz ge- kommen. Dort befindet sich ein Depot der Meierei Boll«, vor dem sich schon in der Dunkelheit etwa 199 Personen oersammell hatten, die zunächst die Arbeiter am Betreten des Hofes zu verhindern suchten. Als dann die ersten Wagen die Meierei ver- ließen, stürzten sich die Demonstranten, durchweg ganz junge Burschen, auf die Fahrzeuge und verprügelten die Fahrer und die Miffahrer. Die Polizei, die rechtzeitig zur Stelle war, mußt« den Fahr- zeugen den Weg freimachen. 31 der jungen Lärmmacher wurden festgenommen. falschen Berichtigungen schaffen die Tatsache nicht aus der Welt, daß Herr Franzen überführt und der Begünstigung hin- reichend verdächtig ist. Franzen-Lustiz. Verfassungsschutz als Ausreizung zum Klassenhaß! Braunschweig. 18. Oktober.(Eigenbericht.) Der Nazikurs der neuen Braunschwciger Rechtsregierung treibt immer tollere Blüten. Gegen den Lehrer Hedermann in Braunlage wurde wegen einer Red« in einer geschlossenen Mitgliederversammlung der dortigen� Ortsgruppe des Reichsbanners, worin zum verstärkten Verfassungsschutz aufgefordert und den Feinden der Republik bei etwaigen Putsch- gelüsten die Kampsbereitschaft der Arbeiterklasse angekündigt worden war, auf Grund des§ 139 des Strafgesetzbuches(Aufreizung zum Klassen haß!) ein Verfahren eingeleitet. Dieser Eifer der Braunschweiger Justiz, die unter dem Komnumdo des Naziministers Dr. Franzen steht, reiht sich würdig der Beschlagnahme eines Flugblattes mit dem amtlichen Bericht über das Verhalten Dr. Franzens auf einer Berliner Polizeiwache im Falle Guth-Lohse an. Gegen die Pogrom- und Mordhetze Braunschweiger Nazi- agitatoren ist dieselde Justiz bisher nie eingeschritten! ZS-Millionen-Beirug. Amerikanischer Finanzmann verschwunden.- Wesenverluste des Publikums. London, 18. Oktober. Wie aus New Aork gemeldet wird, stehen die amerikanischen Kapitalsanleger in Gefahr, etwa 26 Millionen Mark durch die Tätigkeit eines Finanzmanns zu verlieren, der fest de? vorigen Woche vermißt wird. Der stellvertretende Attorney- General bezeichnete der Berluste des Publikums als die größten je dagewesenen. Cr teilte mtt, daß gegen den vermißten Finanzmann das Verfahren wegen Meineids und Betruges eröffnet werden wird. Der Fall hat in Finanzkreisen größtes Aufsehen hervorgerufen. Der Finanzmann ist-in der vergangenen Woche im Flugzeug nach Chikago abgeflogen, und man hat seit- her mchts mehr von ihm gehört. Minister Kränzen überführt Oer Hakenkreuzminister leugnei vergeblich Nazi-Geldgeber mucken aus. Gegen den Berliner Metallarbeiter streik Am 16. Oktober tagte in Berlin der sogenannte Führer- ausschuß der Nationalsozialistischen Partei, in dem der indn- strielle Flügel dank seines ökonomischen Uebergewichts völlig dominiert. Jn> Mittelpunkt der Beratungen stand der Berliner M e t a l l a r b e i t e r st r e i k: hierzu hatte am 1ä. Oktober die Berliner Gouleitung der NSDAP, eine Erklärung erlassen, die einem Streikaufruf gleichkommt und die u. a. die Wendung enthält, daß der Streik berechtigt sei,«ine gesetzliche Grundloge habe, und die»üt der Aufforderung an die nationalsozialistischen Partcimit- glicder schließt, sich in den Dienst der Metallarbeiter zu stellen. Gegen dies« Erklärung einer offiziellen Stelle der Hitler-Partei wurde von der Mehrheit des Führerausschusses in s chä r fst« r Weiseprotestiertid«r Versuch des Vertreters von Goebbels— der bezeichnenderweise nicht persönlich erschienen war—, die Er- kiärung in ihren wesentlichen Punkten abzuschwächen und lediglich als„taktische Maßnahme"(!) hinzustellen, wurde zurückgewiesen. Schließlich gelangt« ein Antrag andie Parteileitung zur Siauss und Hitler Wirtschaftsprogramm und politische Praxis der Nationalsozialisten ,... ein selbstbewußter nationaler Staat kann nicht eine Ncbcnregierung von Bankiers dulden.. Gottfried Feder. M. d. R., im„Völkischen Beobachter" 14 Oktober 1930, zum nationalsozialistischen Wirt- schaftsprogramm. Einer der Direktoren der Deutschen Bank und der Diskonto- Gesellschaft, ch«rr von Stauh, neues Rcichstagsmitglied der Deut- sdjen Bolksportci, Hot am vorigen Sonntag für Hitler und andere nationalsozialistische sogenannte Führer ein Frühstück gegeben. Dort wurde der Plan besprochen, wie man die Sozialdemokraten aus dem Rcichstagspräsidium fernhalten und den Volksparteiler Scholz zuin Reichstagspräsidenten machen könne. Wer ist eigentlich Herr von Stauh, dieser Groß- finanzier mit den nationalsozialistischen Bedürfnissen? Dr. Emtl Georg von Staust ist jetzt 53 Jahr« alt. Als Sohn eines Lehrers trat er mit 21 Jahren bei der Deutschen Bank in Z)«« AUersheim in£idHenberg Im Ortstell Bi«sdors-Süd, Köpcnicker Straße 302, ist«in neues Altersheim des Bezirksamt«? Lichten- bcrg eröffnet. Wir zeigen das neue „Paradies der Att«n" im Bilde. v\ vW-; Annahm«, der fordert, daß die NSDAP, unter Wahrung ihrer tak- tischen Lage ein« solche Hallung«innimmt, die klar erkenntlich macht, daß für die Nationalsozialisten eine Einheitsfront mit den Gewerkschaften für heute und immer aus- geschloffen ist. Nicht uninteressant ist, daß von dem industriellen Flügel bei dieser Sitzung, die sich bis in die späten Nachtstunden erstreckte, vor allem mit dem Hitlerschen Argument operiert wurde,„der Unter- n e h m e r, der auf Grund seiner Tüchtigkeit, die nur die höhere Rasse(!) beweis«, an die Spitze der Wirtschaft gelangt sei, trag« die alleinige Verantwortung für die Produklion und sei es, der dem Arbeiter Brot schaffe". Staatstreue Polizei. Die Tagung des Verbandes preußischer Polizeibeamten. Der 6l Ordentliche verbandskag des Der- bandcs preußischer polizeibeamlen im Lehr«rvereinshaus gestaltete sich zu einem starken und rückhaltlosen Bekenntnis zu Republik und Verfassung. Schon der Verbandsvorsihende Schräder, der seine Rede mit einem hoch aus die Republik schloß, wies darauf hin, daß die preußische polizeibeamlenschast dem Voltsstaate in fester Treue verbunden ist und ihn gegen alle Angrisse schützen wird. Die oft von stürmischem Beifall unterbrochenen Begrüßung»- ansprachen des Ministerialdirektors Klaufenor vom preußischen Staatsministerium und des Polizeipräsidenten Z ö r g t e b e l waren eine ernste Warnung an die radikalen Elemente, die vergeblich hoffen, die Republik erschüttern und vernichten zu können.„Preußen war in den letzten zwölf Jahren," sagte Klausener„der Hort der Ruh« und Ordnung m Deutschland. Kluge, unbeirrt« Staatspolitik erhielt die Einheit des Deutschen Reiches. Di« Regierung stützte sich auf die preußische Polizei, nicht auf ihre Bajonette, sondern auf ihre ständig« Bereitschaft. Bereitschaft ist für uns nicht Form, sondern Inhalt unseres Schafsens. Nicht Schwarzseherei, sondern gesunder Optimismus tut not. Wenn w i r ansangen, mies zu machen, ist die Sache aus. Wir müssen Nerven beholten und Nerven haben. Das gilt auch für einen Teil der Press e. Ihre Aufgabe ist nicht, Ueberschristen zu erfinden, sondern zu beruhigen. schützen die Verfassung, wo sie angegrisscn wird. Wir brauchen keinerlei Schutz und Hilfe, sondern tun unsere Pflicht in aller Ruhe." Z ö r g i e b e l erklärte:„Die preußische Polizei ist in der Lage. ihre Slufgcbe restlos zu erfüllen. Fort mit der Panik- st i m m u n g! Not und Elend sind groß, Millionen Erwerbsloser leiden. Aber was in der Leipziger Straße und vor dem Reichstag am Montag geschah, hat mit Rot und Elend nichts zu tun. Wir erfüllen unsere Pflicht und lassen uns auch dadurch nicht irre machen, daß wir von«inigen Zeitungen nach den Borgängen vom Montag in unerhörter Weise angegriffen worden sind. Wir , verden mit den Exzessen fertig. Wir kommen üb«r die Schwierigkeiten hinweg uiü> erweisen dadurch Preußen und dem ganzen deutschen Volke den besten Dienst." Auch die Ansprachen des Abgeordneten Meier- Herford, des Ministerialdirektors Menzel vom Reichsimienministerinin und des Bundespräsidenten Flügel vam Deutschen Beamten-Bu»d zeugten von dem festen Vertrauen, in treuem Einstehen für die Republik der Schwierigkeiten der Gegenwart Herr zu werden. Be- sonderen Beifall fand die Ansprache des Vertreters des sranzäsijchcn Polizeibeamtenoerbonde», Vi dal. Um die Mittagsstunde trat man in die Beratungen über die bcamtenpoli tische Lag« ein. Spanien wählt wieder. Oer Wahltermin festgesetzt. Madrid, 18. Oktober. Nach Zeitungsnachrichten soll die Regierung die Absicht haben, den Zeitpunkt der Wahlen möglichst vorzulegen. Das Dekret über die Wahlen fall im Staatsanzeiger vam 2. Dezember erscheinen. Der 14. und 21. Dezember sollen als Wahltag bzw. als Tag der Prvklcmnerung der Kandidaten vorgesehen sein. Berlin ein. Später wurde er der junge Mann des Herrn von Siemens und danach des Herrn von Gwinner. Seine ersten großen Geschäfte inachte Stauß mit dem Petroleum. Die Pctroleumtransaktionen der Deutschen Bank waren in der Vorkriegszeit nicht nur wegen ihrer Großzügigkeit berühmt, sondern auch wegen ihrer amerikanischen Rücksichtslosigkeit berüchtigt. Als Helfferich im Jahre 1915 aus der Deutschen Bant ausschied, um in den Reichsdienst überzutreten, wurde Dr. von Stauß im Direktorium der Deutschen Bank sein Nachfolger. Neben dem Auslandsgeschäft begann er sich stärker in der deutschen Industrie zu betätigen. Dabei hat er sich häufiger als ein Mann gezeigt, der kein Verständnis für die wirt- schaftliche Entwicklung und falsches Urteil über bis Reali- täten des Lebens hat. Die große Pleite der Ufa. die dann zu ihrem Verkauf an Hugenberg sührte, ist im wesentlichen unter der Leitung von Stauß verursacht worden. Die K o st e n seiner wirtschaftlichen Kurzstchtigkell in Höhe von vielen Millionen trug die Deutsche Bank. Den persönlichen Adel hat Stauß zuerst von Bayern erhalten, er bekam später noch unter Wilhelm Ik. den erblich«» Adel von Preußen. Heute gehört von Stauh zu den reaktionären Großfinanziers, die sich einbilden, etwas von Politik zu verstehen. In der Direktion der Deutschen Bank und der Diskonto-G«sellschost sitzt er neben Oskar Wassermann, dem bekannten Vorkämpfer des Judentums und finanziellen Förderers der Zionisten. Die Nationalsozialisten, die erst in diesen Togen wieder ein- mal ihr Wirtschastsprogramm zu erläutern bemüht waren, haben dabei erneut erklärt, daß sie die Bonkiers verstaatlichen wollen, da ein selbstbewußter nationaler Staat nicht eine Nebenrcgierung von Bankiers dulden könne. Die bürgerlichen Parteien, so erklärten sie dabei, stünden schützend in törichter Verblendung vor jener Zins- kncchtschaft„schmunzelnd und mit gicrfunkelndcn Augen reibt sich der Welljude die Hände. Das satanische Prinzip triumphiert über die Arbeit". Zur Orientierung zählen wir nachfolgend noch die Aussichtsratsmandatc des neuen oolksparteilichen Freundes der Nationalsozialisten auf. Herr von Stauß ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Balzerischcr Lloyd Schiffahrts-A.-G., Regcnsburg, Bayerische Motoren-Werke A.-G., München, Bergmann-Elcktrizitätswerke A.-G., Berlin, Daimler-Benz A.-G., Berlin-Stuttgart, Deutsche Luft-Hansa A.-G., Berlin, Deutscher Aero-Lloyd A.-G., Berlin, Rütgerswerke A.-G., Berlin, Tempelhofer Feld A.-G. für Grundstückverwertung. Berlin-Tempclhof, stellvertretender Borsitzender des Aufstchtsrales der Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft, Dessau, Jnteressengemeins6)as.t Ostwcrke-Schultheih-Patzenhostr G. m. b. H., Berlin, Rhein-Main-Donau A.-G., München, Siemens-Planiawerke Akt.-Gcs. für Kohlefabrikate, Berlin, Universum-Film Aktiengesellschast, Berlin, Mitglied des Aussichtsrates der Allianz' und Stuttgarter Lebensoersichernngsbank A.-G., Stuttgart, Allianz und Stuttgarter Berein Versicherungs-A.-G., Berlin, Baumwollspinnerei am Stadtbach, Augsburg, Bayerische Braunkohlen-Jndustrie Zl.-G., Schwandors, Berlinische Bcden-Gesellschost, Berlin, Deutsche Petroleum?l.-G., Berlin, Bayerische Stickstoss-Werkc A.-G., Bcrlin-München, Deutsche Asbest-Zement Aktiengesellschaft, Berlin, Fernschreiber Aktiengesellschaft, Berlin, Gesellschaft Urania, Berlin, Gebrüder Junghans A.-G., Schrambcrg, Carl Lindström A.-G., Berlin, Maschinenfabrik Eßlingen, Eßlingen, Mechanische Baumwoll-Spinncrci und-Weberei Augsburg, Augs» bürg, Mitropa, Mitteleuropärfclze Schlafwagen- und Speisewagen-A.-G., Berlin, Neckar-Aktiengesellschaft, Stuttgart, Norddeutsche Heseindustrie Aktiengesellschaft, Berlin, Osram G. m. b. H., Kommanditgesellschaft, Berlin, Ostwcrke A.-G., Berlin, I. D. Riedel— E. d. Haan— A.-G., Berlin-Britz, Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, Düsseldorf, Schultheiß-Patzenhofer Brauerei A.-G.. Berlin, Siemens u. Halske A.-G., Berlin, Württembcrgischc Cattunmanufaktur, Heidenheim a. d. Brenz, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Anatolische Eisenbahn-Gescllschoft, Konstantinopel, Mitglied des Zentralausschusses der Bank für Orientalische Eisenbahnen, Züriäz, Hauptbank für Tirol und Vorarlberg, Innsbruck, Mitglied des Grubeiworstandes der Gewerkschaft Westfalen, Mitglied des Zentral-Ausschusses der Reichsbank, Berlin. Der Ordnung halber sei außerdem noch registriert, daß der volls- parteiliche Abgeordnete Scholz, den die Nationalsozialisten zum Reichstagspräsidenten machen wollten, nicht nur eine jüdische Frau hat. Er sitzt auch als Aufstchtsratsmitglied in der Internationalen Handelsbank fast ausschließlich mit solchen Leuten zusammen, die nachher nationalsozialistischen Meinung zu„verrecken" haben. Es sind das die Bankiers, Konsuln, Direktoren usw. Schlesinger, Deinuth, Grasenstein. Hirsch, Marsop und Wainstein. Man ficht, wohin der Versuch der nationalsozialistischen Führer führt, das dritte Reich vorzubereiten. Sie frühstücken bei„Juden- freunden" und wählen„Rassenverschlechterer", während draußen ihre Anhänger Fensterscheiben einschlagen, die zuletzt das Volk doch wieder bezahlen muß. Das Erdbeben in Chile. Drei Tote, zweihundert Verletzte. Rem A o r k, IS. Oktober. Räch den letzten Meldungen hat das Erdbeben an der chilenischen Küste größeren Schaden angerichtet, als zuerst angenommen. Am schwersten wurde die Orischast L l a i l l a i heimgesucht, in der kein haus verschont blieb. Da» Postamt wurde völlig zer- stört. Die Hauptstraße de» Orte» ist durch Trümmer vollständig versperrt. In Eallao stürzten mehrere Häuser ein. Die Bahnlinie Santiago— Valparaiso ist unterbrochen. Heber das Ausmaß der Raturtataftrophe In den Landesteilen südlich Eoncepcion liegen Einzelheiten noch nicht vor. Die Zahl der Opfer wird bisher mit drei Toten und zweihundert verletzten angegeben. Gerichte gegen Lappo. Die Untersuchung wegen der Entführung Stahlbergs. Weitere Verhaftungen in Finnland. Stockholm, 1«. Oktober. Die drei an der Entführung des früheren sinnländtfchen Staats- Präsidenten Stohlberg beleiUglen Personen wurden am Freilag von Zoensun noch tjelsingsors übergeführt. Zäune, der Führer de» Kraftwagens, in dem Stahlberg entführt wurde, hat inzwischen«ingestanden, den Auftrag zu der Enlsührung von dem Sekretär der Organisation..Suomcn Lntto"(Finnlands Schloß). Milko Zascari. erhalten zu haben. Zascari, der Rechtsanwalt beim hofgericht ist, wurde daraus sofort verhafte«. Er soll bereits zugegeben haben, den Auftrag zur Entführung Slahlbergs gegeben zu haben. Dem vorstand der genannten Organisation gehören n. a. der Lappo- Führer Sosola und der frühere Mlnisler Manner an. Die flnnländischen Behörden gehen nunmehr auch entschieden gegen die Urheber aller anderen Gewalttaten in der letzten Zeit vor. Unter anderem soll die vechaftnng von zwei Personen bevorstehen, die in der Lappo-Bcwegnng eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Es Hondell sich hierbei um den Sekretär des Schuhkorps Buorimaa und den ehemaligen Detektiv Eerolalnen, der an der Entführung zweier kommunistischer Reichslagsabgeordnrter beteiligt war. Tod bei der Rachimusik. Einödshofer vor dem Mikrophon vom Schlage ereilt. Aus tragische weise ist der bekannte Berliner Kapellmeister Zulins Einödshofer mitten in feiner künstlerischen Tätigkeit vor dem Mikrophon des Berliner Senders vom Tode ereilt worden. Einödshofer dirigierte das gestrige Rachlkonzert der Ber- liner Funk stunde, als er plötzlich einen Herzschlag erlitt. dem bald darauf der Tod folgte. Einödshofer, von Geburt Wiener, kam als junger Kapellmeister nach Berlin, wo er sich bald durch eine Reihe wirkungsvoller Kompositionen einen Namen machte. Seinen Ruhm be- gründete er in Bert!» mit den Vertonung der Posse„Eine tolle Nacht", die im Programm des alten Berlin«in Zugstück bildete; außerdem schrieb«r viele Operettenmusiken, er war unter anderem Hauskomponist im Berliner Admiralspalast, wo er die seinerzeit so beliebten Eisballettrevuen unter Musik setzte. Durch seinen Schmiß wurde er bald einer der beliebtesten Ballkapellmeister. Er gründete ein eigenes Orchester, nüt dem er vielfach auf Gastspielreisen ging und auch in der Berliner Funkstunde war er ein gern gehörter Künstler. Das tragische Ende des beliebten Musikers, der während seines langjährigen Wirkens vielen Menschen frohe Stunden schuf, wird vielen Berlinern nah« gehen. Der brastliaiüsche Ausstand. Bundesregierung und Revolutionäre melden beiderseits unentwegt militärische Erfolge Bei der un. geheuren Ausdehnung des Landes ist es möglich, daß beide Teile die Wahrheit sagen. Di« Bundeshauptstad, Rio de Janeiro kst nach wie vor in der Hand der Regierung. Flugzeuge der Revow"-'-" erschienen über der Stadt und warfen Flugblätter ab. Lilauischcr Zersehungsprozeß. Das Kownoer K r i eq sg« r i ch t hat den Soldaten Kcsbellis wegen Verteiluno kommuniftiselzer Ausrufe in Kasernen zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt und die Lehrerin Lankaite wegen kommunistischer Propaganda unter Gym- nasiasten m Wariampol zu 6 Jahnen Zuchthans. Oer Llr-Göh im �Geschichte Gottfried Es mag stimme», daß die erste Fassung des„Gütz* die Ursprung« uchste ist. Es wäre also die Möglichkeit gegeben, heute, mit den Mitteln eines technisch vollkommenen Theaters, daraus Unmittelbares zu gestalten. Dos Feuer, das im jungen Goethe brannte, als er sich für Gottfrieden von Berlichingen, dem Ritter von Gestern, gegen das Heute einsetzt, war ein heiliges Feuer der Empörung. Empörung gegen jene Maulhelden der Freiheit, die das Beste zerschlagen, um Raum zu schaffen für das Neue, das sie nicht kennen, noch wahrhaft ersehnen. Ein Mann der Freiheit sieht hier die Gegner neuer Epochen, die mit besudelten Fingern geknetet wurden. Nicht durch simrlosen Mord wird die Zukunft aus der unbekannten Ferne her- angeholt,— in der Gegenwart gährt der Most zukünftigen Weines, wer die Gegenwart zerschlägt, vernichtet die Zukunft. Aus dem Gesicht Gottfrieden von Berlichingens, des einsamen, durch das Gestrüpp einer neuen, verwirrenden Zeit tappenden Helden, leuchtet die Qual großer Liebe, die im Heute keinen Raum mehr findet, sich zu verschenken, und verwunden muß, wo sie liebkosen möchte. Alles— möchte der junge Goethe hineinzwängen in das Werk, alle Qual einer Zeitenwende, alle Empörung gegen die Mächtigen, die im Dunkeln stehen und fiir die ein Edler verbluten muß— an Schauspielhaus ns von Berlichingen" Leib und Seele. Berlichingen. Sein«„eiserne Faust* hält eine Hölle von Eigennutz, Rachsucht und Verblendung nieder. Die Sintflut bricht hinter ihm herein. Das Werk eines jungen Dichters, in dessen Herz starke Feuer brennen. Kein Wunder, wenn er grelle Farben verwendet. Was Ernst Legal uns am Gendavmenmarkt bot, war ein Schauerdramo. Willkür in der Inszenierung haben wir im ver- gangencn Jahrzehnt oft erlebt, sie ist— gegen den Dichter— nie berechtigt, weil Diebstahl— aber, wenn ein Könner sie übte— manchmal interessant gewesen. Ernst Legal ist dieser Improvisator (der Jeßner unbedingt war) nicht. Er zerschlägt das Werk nicht, aber er raubt ihm den Ernst der jungen Dichtung. Aus Angst vielleicht— nicht„modern* genug zu sein? Eine häßliche, schale Parodie entsetzt so, ohne inner« Wahrheit und Gesetz. Ein Affentheater, janimer- voll und klein, frech und aufgeblasen im Dröhnen hohler Worte. Arme Schauspieler. Herrlicher Georg«! Brave Maria Koppenhöscr! Alle, die ihr mit Ernst und Fleiß am Werke ward: Genschow, Donath, Kraußneef, P a t r y, Granach, Fl o ra t h und die anderen: Was hat man euch angetan! -Alexanäer von SacKer-Masocli. Das Rauch-Museum» (Sine neue Attraktion des Charlottenburger Schlosses. Lange hat dos Rauch-Museum ein Wanderdasein geführt. Ms dem Atelierhaus des Altberliner Meisters in der Klosterstraße ist es durch sinnlosen Abbruch vertrieben worden, auf dem Gelände der Technischen Hochschule war seines Bleibens auch nicht sehr lange, weil der Platz für den Erweiterungsbau gebraucht wurde; Bildhauerei genießt ohnedies nicht erstklassige Beliebtheit, und so ist den Berlinern ihr größter Plastiker(neben Schadow) so ziemlich aus den Augen gekommen. So populär er vor hundert Iahren war und lange ge« blieben ist: heute zehrt sein Ruhm wohl einzig noch vom Friedrichs- Denkmal Unter den Linden und von seinem ersten Meisterstück, dem Grabmol der Königin Luise im Charlottenburger Schloßpark: und dieses ist leider noch durch einen pietätlosen Umbau des Mausoleums und grauenhaste Kitschbeleuchtung, aus den 1880er Iahren stammend, um seine künstlerische Wirkung betrogen worden. Als Ludwig Iusti mm daran ging, für die Rauchschen Modelle eine würdige und bleibend« Heimstätte zu suchen, kam ihm die leere Orangerie des Charlottenburger Schlosses zu recht. Die Nachbarschaft des Luisen-Mausoleums und die große Beliebtheit von Schloß und Park, für Fremde wie für Einheimische, arbeitet in günstigstem Sinn« der Abgelegenheit dieser Stelle cnt- gegen. Wenn man den Rundgang durch das Schloß beendet hat, und wenn man den Park besuchen will, immer passiert man den Durch- gangsraum, der links in die Orangerie führt. Diese wird als Rauch- museum fortan Bestandteil der Schloßbesichtigung werden und wahr- fchcinlich sehr bald ihren guten und verdienten Ruf gewinnen. Denn dieser langgestreckte eingeschossige Raum zu ebener Erde, mit Seiten- licht von Norden wie von Süden, mit seinem Doppelausblick in den entzückenden Park, von Eosander v. Goethe noch ganz im Schlüterfchen Geiste erbaut(um 1700), ist der schönste und geeignetste Aufenthalts- ort für die Modelle Christian Rauchs geworden. Man muß sich nicht von anderen oerfehlten Beispielen von Skulpturensammlungen ab- schrecken lassen. Ein Blick in die Galerie genügt, um hineinzutreten und völlig überzeugt zu werden. Iusti hat den Geschmack besessen, die Abgüsse der großen, an Berliner Straßen und Plätzen stehenden Denkmäler Rauchs in das Depot der Nationalgalerie zu verbringen (Stadtbahnbögen am Lehrter Bahnhof, wo sie Interesientcn jederzeit besichtigen können) und dem Charlottenburger Rauch-Musemn ,mir die Modelle zu belasten, die meist kleineren Formats sind, oft in be- wundernswert feiner, vom Künstler nachziselierter Durchführung. Di« Büsten natürlich sind in Lebensgröße aufgestellt, und zwar im vorderen und im Hinteren Drittel: der Mittelteil gehört den großen Denkmälern, den Biktoriender Walhalla usw. Dieser drcigeteilte Rhythmus belebtdie lange Halle in geistreicher und angenehmster Weise und verlockt zu genauerem Eingehen auf die Dinge selbst. Das Wesen Rauchs als unseres größten Bildhauers klassizistischer Zeit tritt mit Lebhaftigkeit und großer Liebenswürdigkeit hervor. So schön der Gesamteindruck des Saales ist, so liebevoll ist von Iusti und seinem Assistenten Dr. R a v e(der den ausführlichen und lesenswerten Katalog gc- schaffen hat) das Künstlertum von Rauch herausgearbeitet worden. Laul F. Schmidt. phowgraphierte Tiersprache. Sichtbarmachung von Lauten. Prof. Dr. Bastian S ch m i d aus München hat einen Teil seiner Lebensarbeit an die Erforschung der Tiersprache gesetzt. Durch seine wissenschaftlichen Arbeiten ist er weitesten Kreisen bekannt und die Urania, die den Professor im Langenbeck-Dirchow-Haus sprechen ließ, fand eine zahlreiche, sehr stark interessierte Zuhörer- ichaft für ihre Veranstaltung. Schmid, der Gelehrte, ist exakt, aber nicht pedantisch, er ist forschungslustig, jedoch quält er nie ein Tier, er ist ein deutscher Profestor und kommt in seinein Vortrag ohne lateinische Wörter aus. Mithin hat er die Eignung, volks- tümlich fein zu können. Viel« Bilder unterstützen die eigene Beobachtung des Zuhörers, daß bei Tieren der Ausdruck der Aufmerksamkeit oft durch den ganzen Körper geht. Hund und Katze reagieren auf optisch« und akustische Zeichen mit Augen, Ohren, Nase, ja, mit einem Vorschieben der Sinnesorgane. Die Tiere stoßen instinktiv Laute aus, genau wie wir Menschen, und die Tiere haben nicht nur Laute und Ge« bärde, sie haben auch die L a u t g e b ä r d e. Etliche Tierlout« als Ausdrucksform sind uns gut bekannt, man denk« nur an die ver- .schieden«» Bellformen des Hundes, an das Locken des Hahnes, an die Warnrufe geängstigter Vögel. Den Tieren sind,, das wurde besonders bei Brutofenküken beobachtet, die Laute angeboren. Die Tier« haben die Elemente der Worte, das hat Prof. Schmid durch die Sichtbarmachung der Tiersprache bewiesen. Ein Hund hatte beispielsweise ein reineres U, als«in gut ausgebildeter menschlicher Sprecher. Und der Hahn einer bayerischen Landhuhnrasse kräht in einer so wunderbaren Kurve, wie sie wohl ein gefeierter Tenor nicht singen kann. Das Ueberraschende ist, daß der Kehlkopf sich als sehr wandlungsjähig erweist, was man an Kreuzungen bemerkt. Die Sichtbarmachung der Laute der Tier- spräche, die man sowohl in Lichtbildern wie im Film verfolgen kann, hat uns augenblicklich noch nicht viel weiter gebracht, doch kann sie bei kommenden Untersuchungen Ausnutzungsmöglichkeiten in sich haben, die wir heute noch gar nicht ahnen. Erna Eüsing. «aaemarie Heise zeigt im Salon Grötel, Passauer Str. 2, Aquarelle.Japanisches Theater'. Geöffnet von 9.M bis lg Uhr. Vis gestattende Krau. Keine Ausnahmeerscheinung mehr. Der Deutsche Staatsbürgerinnen-Berband C. 23. eröffnete im Kaufhaus W« r t h« i m am Leipziger Platz«ine Ausstellung unter dem Titel„Die gestaltende Frau". Es werden künstle- rische und kunsthandwerkliche Produktionen aller Art gezeigt. Reichskunstwart Dr. R e d s l o b eröffnete die Ausstellung mit einer Ansprach«. Er führt« aus, welchen wesentlichcn Einschnitt in die Erkenntnis des Kunstschaftens der Frau unsere Zeit bedeutet. Wir sehen heute die schöpferische Frau nicht mehr als Ausnahme- erscheinung an, nicht mehr als gelegentliche Rivalin des männlichen Künstlers, sondern wir begreifen, daß künstlerisch« Produktion der Frau sehr natürlich und durchaus ihrem Wesen als Frau gemäß ist. Selma Lagerlöf, Käthe Kollwitz. Ricarda Huch. Frauen, die unumstritten in der erst-» Reihe der großen Geister unserer Zeit stehen, haben ihre Künstlerschast aus ihrem Frauentum heraus entfaltet._ lz- welker für Berlin: Zeitweife leicht bewölkt, im Lanzen etwas kühler, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Südosten Fort- bestand des heiteren Wetters, im Übrigen Reiche Bewölkungs- zunähme, jedoch noch meist trocken, allgemein etwas kuhler. 102. Ml. Baum schulen weg. Die Parteigenossen und Genossinnen treffen sich am morgigen Sonntag zur Besichtigung der Konsumbetriebsanlagen in Lichtenberg morgens um �8 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg. Konfumauswefte bitte mitbringen. Im Iheai« w der Skefemmmstraße ist die für den Id., IS Uhr, ange- setzte Ausführung von.Winnetou' auf den 26. verschoben. Gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. volksbShne..Tie Ehe' von Alfred Döblm mit Musik von Karol Rathaus wird-in« der nächsten Inszenierungen von Karl-Heinz Martin sein. Die Erslaussührunz findet für die Sonderableilirngen der Volks- bühne statt. l*U�oOA//r J'i fBf/vo Sonntag, 19. Oktober. Neri!». 6.30 Funksyrnnastik. 7.00 Hamburs:: Hafenkonicrt. 8.00 Für den Landwirt. 8.59 MorEcnfeler. 10.05 Wettervorbersase. 11.30 Volksbühne: Konrert. Diritent: Generalmusikdirektor Hermann Scherebeii. Solisten: Marjot Hinnenbers-Lefdbre. Ida Harth jur Mieden. Jose Riaver. I. Schönberr: Verklärte Nacht, Sextett, op. 4.—?. Schreker: Vom ewisen Leben(nach Gedichten von Walt Whttmann). für eine Sinc- stimme und tcroßes Orchester,— 3. Mahlert Das Lied von der Crde, für Tenor, Alt und Orchester(Funkorchester). 14.00 Norbert Leberminn;„Der Dummkopf von Cypcrn".(Sprecher: Lisa Tetrner.) 14.30 Cborxcsänxe. 15.00 Mandolinenorchester-Konrert. Als Einlage; 15.15 etwa: Qruoewald-Renobahn; Groter Preis dtr RepnbKk. 16.10 Wilhelm von Scholz liest ans eigenen Werken. 16.35 Unterhaltungsmusik. 18.30 1. Bach: Präludium und Fuge A-Moll.— 2. Bach: Caprlcdo über die ..Abreise des vielgeliebten Bruders".— 3. Händel; Suite D-Moll(Konrad Hansen, Flügel). 18.50..Der Narr mit der Hacke." Ein Hörspiel nach japanischen Motiven von Eduard Reinacher. Regie: Allred Braun. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Dajos Biila spielt. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 22.10 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. AnschlieBcnd bis 0.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.00„Biichtr um das Kind."(Am Mikrophon: Oberstudiendirektor Dr. Goldheck.) 11.30 Reichstag; Kundgebung anläSlich des 200. Gebnristages mn General Steuben.(Festrede des RcichsauEenministers Curtius.) 18.00 Prof. Dr. Günther Dyhrenfurth; Meine Himalaja-Expedition. 18.30 H. K. Heiland: lagderlcbnisse in Kaschmir. 19.00 Wilhelm von Scholz liest zwei unveröffentlichte Novellen. 20.00 Stuttgart: Konzert. 21.05 Breslan: Militär-Sinfonie. SeronitnorlL für die Rcheftion; Sfranj«läh», Berlin: Anzeigen: Th.«locke, Beelin. Lceiag: Loewärts Verlag 05. m. b. S.. Berlin. Bruck: Lorwärfs Bud). druckerei und Derlagoanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 638 68. Lindenftratzr 3. Kirrzn 1 Beilage. Sonnab., 18. 10. Staats-Opsr Unter d. Linden A..V. 48 20 Uhr Fflrsllgor Ende 22 Uhr Staats-Opsr In Bah 1er RspuMik. 81. R.-S. 20 Uhr OifMI. Kirtrawki:' Ende g. 22'/j U. Sonnnb, 18. 10. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 19 Uhr Tannnauser (lUabdK Fasses� Ende 23 Uhr Stosph. daraeoraarkt). Staatl. (in Gmdinuonari 42. A.-V. 20 Uhr Prinz Friedridi von Bombarg Ende g. 22% Uhr Staatl. Sctiiller-IlieatEr.üiarltög. 20 Uhr Sdien. Sattr«, Ironie und Meiere Bedentmid _ Ende gegen 22ls Uhr_ Tägl. 5 u.B1!, Uhr. 0 5 Hart). 8256 Pr. 1— 6 M.— Nachm. halbe Preise. CROCK Tägl. 5 u.©13 Seint. 2. 3 e. 8" Alex. E 4. 8066 Sylvester Schäffer Charley-Wllllanis-Bono usw. Jie Komoöie SV» Uhr Der Schwierige nt Kail ng HifBnotihal. "m: Mn hinlntt. Kammerspiele 8'fc Uhi Elga voa Derbait Bauptmana. Rij!»; üssiaT itartM}. Winfer * uarren* 8.1J mir— Biodmo«rfeehi Tirinny Twlns. Dorn Knonn u. Nwstwr. Prof, Pallas 5 singen- deLsdlos. Brown u.LaHart usw. Sonnnhmd u. Sanntag ja 2 Voratelluagen 4 und S" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. mwm 81/4 Th. Im Admlrairptlast 81/4 Csärdäsffürstln Regte: Herrn. Haller Auflst.: Und w. Kainer All» er«, Bollmann, Ehrlich, Staffel, Arn- »taedt, Gebauer, Bnry, Cramer, Mona Leee Sonntag 2 Tl'TV" Nachmittag die ganze Vorstellung zu halben Rreissn. Keine Organigation«- Billett»! Kein Bosuchor wird 6eiÄ.em Nachbar gegenüber benachteiligt. Preiset II. Eg. ab l.-PH, L Bang ab 4.50 M. Park, ab 3.. M. Park.-Fautl, ab 9.50 M. Direktes Kassentel.: Markur 9901 WM«- 6B0IS.tCHADSPIBiBADf S Nur noch 2 Wochen! Lustige Witwe Hesterberg. Hansen, Arno. Seholl wer, Jankahn3cbaeflcrs, Winkelsie rn, Oesni. BEOIEs CHARECoE Vollu&tUine nwitv is aioviiiiti. Täglich 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Staatl. Sdrilier-Tli- 8 Uhr SSerz, Satire. Ironie n. liefere Dedeoiuog Deotsdies Tratet 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachtstraum aqie: Mii Beinbanlt. Neoes Tbeater mm am Zoo mmmmm ImtotsilLZoo. SlpL 655i Täglich SV. Uhr Max Adalbert in Hasenklein Theater am Sdüffhaoerdamm Täglich SV. Uhr Jud SußS von Paul Kornfeld 1kl: Uop. Jrtiiei mit Ernst Deutsch Sonntag 3Vj Uhr Theat. d. Westens 8V. Uhr Brest Lllowsk TOQ ÜIIR J. Rchfiufi. Rilllir. ÜMoSia. Biklt. lus. Hirt Sagau, taiS Lessiiig-Tiieat Tägl. 8 Uhr Heute IIA. Du Haditvanlalluog Sennteg P/2 Uhr Dadimittagsvonlellg. Japainlldies Thealer Dienstag, 21. 10. Promloro Elisabeth, Königin von England MntrTMet Dflnh 625,626. Täglich 8 Uhr Alexander Moissi „Der Idiot" ▼. Dostafewskil Sonniag nachm. 4 Dhr Volksvorsicllnisg Der Uetter aus Dingsda OfURtte. Praisa 0.50-3.— Komische Oper 8>Ä Uhr Das Mädel am Steuer Operette T. Gilbert Llo dn Maindf 1 Störmiscbes Lachen I Entzückende Mnsik! Traute, Hans a. Willi Rose! I Heute 3 mal! Um 2». 6« uod 9 Dhr Wochentage 8'» Tbr; j Sonnabends 7 uud lO�Ühr. I Preise ron 50 Pi bis 3.— M. Programm u. Qardsrebs Jt 25 Pf (kein Zwang). Theater fQr die Kinder Kommenden Mittwoch 5 Uhr: |„Hftnael und Grete!»* I Kommenden Donnentsg und Freitag, 5» Uhr: Familien- Nachmittage Da. Lustapi. 1„Knknll" mit Traute Ro.e Preis» von 30 Pf bis I.SO M Oerderob« und ProoMinm Je 1 0Pf. K.Bm mit Kacfa.B 25 PI. Komin.ndenSennebend«»Uhr; „Dar Bronchen" BltUttkui»; Alm 3422 u. 3484 Gr.FrBnkf ort erst r. 132 ROSE Theater VSBlIeb 2 Vorstell.• Tel. Weidend. 38« nachm.4< jUbr: 30Pts--L50 Kk. abends 8', Uhr 30PtB.- 3.— Mt SonnlagsS Vorst, Sie sind baff--!! was wir bisten können 14 Internat Attraktionen, die von der ganzen Welt bewundert wurden Ii föelloge Sonnabend, 18. Oktober 1930 ShZlauMaCe. Aa Du hast ja keine Ahnung.. Aus einem Brief an Marie-Therese Hemmer, New York Glück oder Amüsement? .. prodlcmotisch, wenn du das wissen willst, und das ist ja das moderne Ucbel, daß man aus der natürlichsten Sache der Welt: dem Verbringen der übrig gebliebenen, hart eroberten freien Zeit auch noch ein Problem macht. Der Mensch(der Grohstadtniensch nicht minder) hat ein Anrecht aus Glück— nach all den schweren An- sprüchcn, die das Leben an ihn stellt. Er hat aber über den Härten des Daseins dos natürlich« Gefühl für Glück verloren, ist zufrieden damit, sich nur einfach zu unterhalten, und fragt sich, wie er jetzt mit dem Gelde, das er hat, mit der Zeit und den Kräften, über die er noch verfügt, und der Laune, die er nach tausend Wechselsällen des auf die Wesensart der Person keine Rücksicht nehmenden Er- werbslebens anfangen soll, um sich wieder als freier und ganzer Mann zu fühlen, um das weggenommene Selbst durch ein Uebermaß an künstlicher Daseinsfreude zu ersetzen. Glück ist eine einfache, sich als Selbstverständlichkeit einstellende, jedem Lebewesen zukommende, zumeist kostenlose Sache. Unter- Haltung wird mit tausend komplizierten, immer wechselnden und niemals befriedigenden, meist kostspieligen, zu Geldausgaben reizen- den Mitteln geschaffen. Glück liegt im Persönlichkeit-., im Familien- und Naturgefühl: in einem betauten Grashalm, einem neugeborenen Kinde, einem glücklichen Gedanken, einem wohl- erworbenen Verdienst, in der Gesundheit, in einfachen elementaren Dingen... Glücklich sind aber in dieser hastigen Zeit zumeist nur mehr Menschen mit Muhe, d. h. mit Rente(wenn sie innerlich dazu sähig sind). Mit der Schwer« des Verdienstes und der Leere, die mecha- uijche Arbeit hinterläßt, erhebt sich dagegen für die nicht restlos Er- Ichöpsten immer eindringlicher die Frage: was kann ich für das schwerverdiente Geld haben von den Dingen, die das immer kom- plizierter werdende, leider nur hauptsächlich technisch sich vervoll- kommende Leben bietet, was, was, damit ich mich sür den un- erhörten Persönlichkeits- und Energieverlust schadlos halte? Sich unterhalten oder unierhalten sein. Wir, Cnergiebrüder, die am meisten„ackern": die(Berliners Deutschen und die Pankees machen uns auch die meisten Sorgen, wir wir das sauer Erworbene wieder auf die genußreichste Weise los werden. Drüben ist(bei einem frischeren, reicheren Privatleben) das Amüsement standardisierter, normalisierter. Für soundsoviel Geld bekommt man soundsoviel(nach allgemeinen amerikanischen Begriffen) Sehenswertes, Hörenswertes, Greifenswertes, Bauchfellerschüttern- des vorgesetzt. Schluß. Hier, in Berlin, zerfällt die Eigenart des Privatlebens der Gesellschaftsschichten, der Geselligkeitsnüancen, die sich in Amerika immer mehr herausbildet, zusehends. Man hört immer öfter, was ist heute(gute) Gesellschaft, wer ist(gute) Gc- sellschaft— Namen und Dinge, die man in USA. in jeder Zeitung bei jeder' Gelegenheit'rubriziert findet: da und dort hat das statt- gefunden, d i e und die waren dabei, und so waren sie angezogen. Hier gibt es augenblicklich keine allgemein bewunderte Ge- sellschaftsschicht. Was man aber in Berlin an Buntheit der Ver- onstaltungen sieht, ist beispiellos in der Weltgeschichte. Der Ver- gnügungsanzeiger einer Berliner Zeitung ist einfach atemraubend. Das Paradies ist eine scheinbar vollkommen rückständig«, längst über- lebt« Angelegenheit gegen die Genüsse, die man angepriesen sieht in Berliner Annoncen, auf Berliner Plakaten, Berliner Handzetteln — die man ins Ohr geflüstert bekommt, ausposaunt hört... „Waren Sie eigent'ich schon im Etablisiemcnt Sow>eso... Rein? Und S i e wollen noch mitzählen, in diesem Jahrhundert leben?" Man versinkt vor Scham, daß man etwas nicht mitgemacht hat(weil Pinke-Pinke sehlt), was im Grunde alles eher als «in Vergnügen ist, ivas nur wieder ein neuer Modus ist, Geld loszuwerden, und nichts in Tausch gibt, nicht einmal den wirk- lich erhaschbaren erhöhten Lebensgenuß der fliehenden Stunde, die Freude des Zusanrnrengehörens, sich untereinander durcheinander gcistig-scelisch angeregt Fühlens... Freude einfach, wirk- tichc Freude, Fröhlichkeit des Herzens. Nein, man unterhält sich hier(im allgemeinen) in der kälteren, die Natur ausschließenden Jahreszeit immer weniger und läßt sich statt dessen für sein Geld unterhalten. Man geht nicht dort hin, wohin einen das Herz drängt oder die Laune, sondern wo etwas geboten wird. Wo Betrieb ist. Nach den Betrieben, in die uns das Erwerbsleben Zwingt, die uns leer und müde machen, wiederum„Betrieb", der uns noch leerer und müder macht. Aber manchen Leuten Nutzen bringt. Die sich erfolgreich besassen: � Vergnügungsindustri«. Es ist die einzige absolut überflüssig«,«ine manchmal lahme, sich verspekulierend«, aber eine sich den Verhältnissen anpassende, wandelbar«, einem großen Teil der Großstadtbevölkerung ein leeres Gepräge, eine wertlose Slampigli« aufdrückende, rücksichtslose, vielfach perniciöje Industrie, die weit« Schichten der Bevölkerung um ihrer Interessen willen zu beherrschen sucht und beherrscht. Es gibt bereits genug Berliner und nicht wenige hierher kommende Provinzler, die den W e r t d e r H a u p t st a d t nach dem gebotenen Amüsicrquantum einschätzen, die ihr Hauptaugeu- nierk darauf lenken, was zur Zeit an Zerstrcuungsmöglichkeiten geboten wird. Deren Kardinalinteresse für ihr« freie Zeit die Frage bildet: was ist heute los, und die von der unheimlichen Fülle des Gebotenen ein ungeheures Quantum vertragen, ja zu benötigen scheinen. Paris bietet, als Vergnügungszentrum natürlich, mehr des Extravaganten für wshlgesüllte Börsen(an dem die— relativ wenig vergnügungssüchtigen, leicht zu unterhallenden— Pariser selber kein Teil hoben), und in New P o r k ist, den Landesverhältnissen ent- sprechend, die Vergnügungsindustrie als solche mächtiger, man amü- stert sich dort mit noch mehr Gewalt, aber Berlin ist unzweifelhaft auch in Punkto Amüsement die„tüchtigste", alles überflügelnde Stadt, der Berliner kann längst nur mehr in Berlin sich wirklich austoben: nirgends auf der Welt ist so viel los, ziehen allabendlich so viele los und machen so viel„Klamauk" wie in Berlin. Wien, Wien, nicht nur du allein, sondern auch alle anderen Städte mit Fröhlichkeitslroditionen... ibr seid allesamt in den Schatten ge- st-MU, das war Großvaterglückjeligkeit, so amüsiert man sich heule nicht mehr. Di« Stadt der Ileber-Portiers. Der Portier ist das Typische am Amüsier» Berlin, am Kepröseutanzdraag, am Ser»e-St:»b-T»t»«nd Sraß» t u n- W o l l e n... nirgends auf der Welt gibt es so viele, so prächtige, beschnürte, betreßte, pompöse Portiers... es sind die Generalfeldmarschall« der Vergnügungsschlachten, und mir stockt der Atem, wenn ich, die Hand in der leeren Westentasche, vor so einem Machthaber stehe, der breitspurig die Well von draußen und drinnen trennt... Denn, ach, ich schlüpfe ja nur manchmal hinter seinem Rücken durch, gucke ein wenig und fühle«in wenig, was sich da drinnen tut, in den Räumen viel und laut annoncierter„Glückseligkeit". Aber im Kämmerlein, mir gegenüber, wohnt ein kleiner(Wiener) Straßen- Händler, der mit einem gekrausten Haarbüschel an einer Straßen- ecke steht und kleine Fläschchen selbstfabrizierten Kräuselwassers ver- kauft, und, hol mich der Teufel, dieser Mann macht alles mit, trinkt sich durch alle Bors, tanzt durch alle Cafös und Bälle... Soeben habe ich ihn interviewt— um zu sehen, was die anderen, die Großen und Gernegroßen mit ihrer freien Zeit anfangen. Da ist also in erster Linie die Dielzahl der Tanzcafes: so ziemlich jedes Cafe mit Selbstrespekt ist ein Tanz cafe und hat Musike, Jazz. Vorne sitzt man enggedrängt(Raum ist beinahe so kostbar wie in New Park), starrt einander an, richtet einander aus, trinkt schlechten Kaffee aus Silberkannen und rückt noch enger aneinander, wenn der Geschäftsführer findet, daß für die sich schon zum Gehen wendenden Neuankömmlinge noch Platz vorhanden ist, immer noch Platz. Also vorne sitzt man(ich weiß nicht, zu welchem Zwecke, jedenfalls nicht zum Zeitunglescn, Plaudern, Geschäfte- abschließen) still eingeklemmt— aber hinten schwingt man sich unter lautem Jazz-Krakcele auf der Diele herum: das soll sehr genußreich sein. Nur ganz ungebildete Mensihen, wie ich, können das Tanzcasö nicht von der Tanzbar unterscheiden: welches eigentlich keine Bar ist, sondern nur(außer vielen anderen Dingen) überdies noch über speziell ausgestattete und speziellen Zwecken dienend« Bars versügt. Ein« Tanzbar ist eigentlich«in Theater, in dem sich ein Teil des Publikums sowie einige„Nummern" im Parterre tanzend produ- zieren und der Rest essend, rauchend, trinkend, slirtend und Bekannt- ichaften machend von der Galerie und Bühne zusieht. Wenn in diesen sich rasch vermehrenden und mit immer neuen Effekten aus- gestatteten„mondänen" Instituten einer oder eine keine Bekanntschaft macht: dann helfe ihm oder ihr Gott— die Direktion trifft keine Schuld, sie hat alles getan, um die Geschlechter ohne jeden Zeit- oerlust und ohne alle(ich glaube doch nicht ganz überflüssigen) Um- stände in direkten Kontakt zu bringen. Für jeden inneren Impuls die äußeren Hemmungen wegzuräumen. Leider ist hier nicht Platz genug, alle Möglichkeiten des Tischtelevhons und der häuslichen Rohr- post zu entwickeln, und ich kann nur konstatieren, daß eine so unverblümt«, plötzliche, brutale Annäherung überall sonst auf der Welt empörter Abweisung begegnen würde. Noch Krasseres bieten die Nacht-(sprich Nackt) Bars, die Nepplokole und die Bars der Perversitäten, während die Varietes und Bälle ein« Welt für sich bilden. Dann gibt es aber noch die Welt derer, die sich selber unterhalten: in vielen kleinen Wirtschaften, Konditorei-Cascs oder Restaurationsstübchen, in denen sich das wahre Berliner Herz erschließt, oft laut und stürmisch, aber frank und frei und sehnsüchtig nach immer neuen, endlich einmal wieder besseren Zeiten.. Heinrich Hemmer. Risse im Erdreich! Auffällige Formen der Erdoberfläche Jeder Berliner, der Sonntags hinauswandert, kennt die vielen Seen der Mark, die in den Seen Mecklenburgs ihre Fortsetzung finden. Wem ist nicht schon aufgefallen, daß diese Seen zumeist lang und schmal sind, tief in das Land«ingebettet? Zur Freude der Wassersportler stehen sie weitgehend miteinander in Verbindung, ein Fluß oder ein wasserführender, oft versumpfter Graben läßt den Paddler immer weiter. Diese Seen haben nun, wie jede Aus- fluaskarte der Mark deutlich zeigt, fast all« eine bestimmte L ä n g s« r st r c ck u n g. Die meisten verlausen von N o r d o st nach Südwest(NO.— SW.), wie die Kette der Grunewaldseen einschließlich Tegeler See, wie die Kette vom Großen Zug und Seddinsee bis zu den Strausberger Seen im Blumenthal oder wie der Scharmützelsee. Eine zweite Längserstreckung geht hierzu bei- nahe rechtwinklig von Nordwest nach Südost(NW.— SO.), wie die Havelseen bei Werder oder der Ruppiner See. Nur wenige Seen machen von dieser Regel eine Ausnahme und sind ohne be- sondere Längserstreckung oder verlausen in Nordsüdrichtung. Diese auffällige Erscheinung ist mit den Formungskräften der Eiszeit erklärt worden. Unsere Mark ist ja wie das ganz« norddeutsche Tiefland von riesigen Gletschcrmassen überflutet ge- wesen, ähnlich wie heute noch Grönland von einem gewaltigen Eis- Panzer bedeckt ist. Mit dem Eis sind bcrgcwclse Sandmassen und abgesprengte Fclsbläcke von Skandinavien hertransportiert und bei uns aufgeschüttet worden, als das Eis hier allmählich abschmol.z. In dieses lose aufgehäufte Material, glaubt man nun, hätten die letzten Ausläufer der Gletscher, die Gletscherzungen, tiefe und schmale Rinnonseen ausgcschürft. die von den Schmelzwassern der Eismassen noch weiter ausgearbeitet seien. Und weil, wie wir wissen, die Ver» eisung von Nordosten zu uns kam, hätten unsere Seen dies« NO.— SW.-Richtung. Auch ein« zweite ausfällige Erscheinung des norddeutschen Tief- landes wird mit den Kräften der Eiszeit erklärt: die Wegrich- tung unserer großen Flüsse. Ein Blick auf die neben- stehende Skizze zeigt, daß sie alle— Elbe, Oder, Weichsel— eben- so wie die mittelgroßen— Aller, Spree, Havel— in einem Teil, ja man kann sagen im größten Teil ihres Laufes, von Südost nach Nordwest fliehen. Sie haben also mit einem Teil der Seen die NW.— SO.-Erstreckung gemeinsam. Weil sie zugleich ein viel brei- tcres Bett aufzeigen, das heute gar nicht vom Wasser ausgefüllt ist, hat man die Theorie der Urstromtäler aufgestellt. Man glaubt, daß jeweils am Rande der großen Eisdecke— wir haben drei Vergletscherungen in der Mark gehabt— das Schmelzwasser zusammenströmte und abfließen wollte. Weil nun da« Land nach Norden abfällt, im Nordosten aber der Eisrand den Wog versperrte, mußte das Wasser in breiter Straße nach Nordwests« sich einen Weg suchen. Diese Weg« sind demnach die drei Urstromtäler, in denen heute als kleine Reste die großen Flüsse ins Meer eilen oder Nebenflüsse und Rinnenseen di: vorgegraben« Richtung beibeholten haben. Diese Erklärung wäre sehr glücklich und befriedigend, wenn es nicht noch eine dritte auffällig« Erscheinung in der Erdoberfläche gäbe. Jeder Atlas zeigt noch genauer als die neben» stehende Skizze es kann, daß auch die Gebirge die gleiche Rich- tung der Längsachs« haben wie die Seen und Flüsie der Mark oder ganz Norddeutschland. Entweder verlausen sie NO.— SW. wie dos Erzgebirge oder wie Taunus— Hunsrück am Rhein, oder sie ver- laufen NW.— SO. wie der lange Strich Thüringer Wald— Böhnrer Wald oder wie die Sudeten mit ihren vielen Kämmen. Bei den Gebirgen ist noch besser als bei Flüssen und Seen zu erkennen, daß diese Richtungen sich auch des öfteren schneiden. Dann entstehen, weil Gebirge feste Massen sind, scharfe, oft rechtwinklig umrandet« Landschaften, wie als schönes Beispiel Böhmen zu nennen ist. Oder ein Gebirgsrand bricht rechtwinklig ab, wie der Nordostrand des Harzes. Ueberall sieht man dies« Linien des Erdaufbaues, diese geo- logischen Leitlinien, wie ein Gitternetz über die Erde gespannt. Italien ist ein NW.— SO. erstrecktes Gebirgsland, die Gebirge des Balkans zeigen das Gittersystem sehr ausgeprägt, in kühnem Schwung« biegen die Karpathen von einer Richtung in die andere um, selbst in den Alpen, dem größten Sammelgebirge En- ropas, das aus mehreren Zügen ausgebaut ist, kehren die beiden Richtungen immer wieder, wenn auch die Gesamtheit des Gebirges keine ausgesprochene Leitlinie zeigt. Eine geheimnisvolle Gesetzmäßigkeit scheint also den Ausbau der Erde zu beherrschen: ob man in Nordamerika die Rocky Maun» tains(NW.— SO.) oder das Alleghany-Gsbirge(NO.— SW), in Afrika den Einbruch des Roten Meeres mit den holzen Rand- gebirgen(NW.— SO.) oder das Atlas-Gebirge oder die Insel M a- dagaskar(NO.— SW.). in Vorderasien die Gebirgsmelt Per- s i« n s(NW.— SO.) oder Afghani stans(NO.— SW.) nimmt, bleibt sich gleich. Di« Lelllinien kehren wieder in den Gebirgen, den großen Meereseinbrüchen, den Seen, Flüssen uird Küsten. Und als Krone gilt auch hierfür das Dach der Welt, das P a m i r- G c» birg« in Asien, von dem in beiden Leitlinien die Gebirge ausstrahlen. Wie ein Riese hat die große Landmasse Innerasiens in diesen beiden Linien die vielen Gebirge ausgetürmt in dauernder Parallelität und Ueberschneidung. In Hinterasien werden sie dann in Nordsüdrichtung zusammengerafft und ins Meer gestoßen, gleich- sam als ob diese Nordsüdrichtung ein bitteres Kompromiß nach hartem Kampf, ein Ausgleich der beiden Hauptrichtungen wäre. Desgleichen ist Südamerika nordsüd aufgebaut, wie auch in kleineren Formen in Europa, selbst in der Mark diese Richtung austritt. Dieser klein« flüchtige Blick um die Erde.zeigt nun eindringlich. daß die te klonischen Kräfte, die Kräfte innerer Erd- bewegung also, die durch Aufwölbung unsere Gebirge bauten und durch Einbrüche und Risse dem Wasser Raum schufen, Seen und Flüsse und Meer« zu bilden, noch fest vorgezeichneten Richtungen wie nach mathernatisch-physikalischen Gesetzen arbeiten. Und weil wir im norddeutschen Tiefland überall, selbst auf dem Grunde der Ostsee die gleichen Linien, wenn in dem losen Material auch schwächer, wieder vorfinden, sind Zweifel laut geworden an der Theorie, die die Borgänge bei uns mit den Kräften der Eiszeit erklären will, wäh- rend die gleichen Formen im Gebirg« aus tettornsche Kräfte zurück- gehen. Zwar kann man sich bei uns in dem weichen Schutt tek- tonische Bewegungen nur schwer vorstellen. Aber unter diesem Schutt steht auch bei uns festes Gestein an, das in früheren Perioden Zuckungen und Bewegungen unterworfen gewesen sein muß. Es find erkennbare Gebirge kaum aufgewölbt(der Hohe Fläming wäre zu nennen), dafür ober Risse im Erdreich entstanden, die auf Zusammenhänge weisen, denen wir bisher vergeblich beizukommen suchten, lind die letzten E rd b e b e n m e l d u n g c n aus Süd- d e u t s ch l a n d haben wieder einmal bewiesen, daß unsere Mutter Erde selbst da noch nicht zur Ruhe gekommen ist, wo keine Rauch- sahnen ständig auf tätige Kräfte im Inner» hinweisen. Vkilbalm Tfctgens VGA/ wumoolf Copyright 1930 by„Der Büdicrkrei» G. m. b. H.", Berlin SW 61. (11. Fortsetzung.) Des Abends, wenn nach der erbarmungslosen Glut und jem scharfen Winde des Tages die Luft milde und kühl wurde, und sie am Wegesrande um ihre Feuer saßen, wenn die großen Bäume sich hinter ihnen schwarz in den Nachthimmel reckten, wenn über ihnen die Sterne zwischen den Blättern funkelten, wenn den Weg hinauf und hinab die Feuer anderer Pilger flackerten und der würzige Duft von brennendem Holz in der Luft hing, wenn die ungeheure Stille des Djungcls sie auf allen Seiten umfing, wenn sie den fremden, nur halb verstandenen Worten über den Herrn Buddha und seinen Weg zum Nirwana lauschten,— dann waren die Leiden des Tages vergessen, und Friede und Heiligkeit und fromme Zuversicht kchrten bei ihnen ein. Eines Mittags, als sie heiß und fußmüde waren, teilte sich plötzlich die Wand von Bäumen, und sie kamen auf eine große, fruchtbare Ebene. Grüne Reizfelder mit zahllosen Wachhütten breiteten sich vor ihnen aus, und überall lugten aus Kokospalmen- Hainen rotdachige Häuser hervor. Dahinter leuchteten die gewaltigen Kuppeln von mehreren Dagobas�) weiß in der Sonne. Auch der schöne Stausee war zu sehen, der diese lachenden Fluren aus dem Djungel ins Leben gerufen hatte; noch ragten einzelne schwarze Baumspitzen aus dem Wasser, und große, weiße Vögel saßen auf den nackten Aestcn oder strichen, heiser rufend, mit langsamen Flügelschlägen hin und wieder; die Obersläche des Sees war wie bestickt mit roten Lotosblumen. Dahinter lag der Djungel als ein dunkler Streifen, über dem sich wiederum die fernen Berge des Nordens blau am feuerfarbenen Himmel abzeichneten. Das war der Staudamm und das Dorf von Maha Potana, und als die er- schöpften Pilger sich so plötzlich aus der endlosen Dürre des Djungcls an diese Füll« von Wassern versetzt sahen, die grünen Felder und di« weißen Kuppeln der Dagobas erblickten, die Könige in grauer Vorzeit über den Reliquien des Herrn Buddha errichtet lzaben, er- hoben sie die Arme, salaamtcn und riefen laut:„Sadhü! Sadhü!" Sic pflückten Lotosblumen und besuchten die große Dagoba, die nach einem der alten Könige genannt ist; dort legten sie die Blumen als Opfcrgabe nieder, gingen unter„Sadhü"-Rufen dreimal um das Monument und erwarben so Verdienst. Dann gingen sie in den Basar, der von Pilgern wimmelte, von Hindus und Buddhisten, indischen Fakiren und Mohren. Ochsenwagen ohne Zahl standen auf Wegen, Pfaden und freien Plätzen; auf allen Seiten erklangen die Glocken der Ochsen, die gemächlich am Stroh rupften, das man für sie an den Wagendeichseln aufgesteckt hatte. Der alte Mann, der bemerkt hatte, wie arm Silindu und seine Begleiter waren, kaufte ihnen Reis, Currys) und Bananen. Damit saßen sie dann im Schatten eines großen Bobanmes�) und hielten ein Mahl, wie Hinnihami es noch nicht erlebt hatte. Ihre Augen wanderten verloren hin und her; sie waren benommen von dem un- aufhörlichen Kommen und Gehen der Menge und von diesem Lärm, in dem das Gerede der Menschen, das Husten der Ochsen und der Scholl der Glocken verworren zusammenklangen. Abends gingen sie zu einer anderen Dagoba und kanten dann zu ihrem Bobaum zurück, unter dem sie ihr Feuer entzündeten. Ueberall ringsuni brannten diese Feuerchen, und um ein jedes saß«ine Gesellschaft wie ihre eigene und verzehrte das Nachtmahl. Sie aßen wieder Reis und Kuchen. Hinnihami wurde sehr müde; friedvoll und still hörte sie der Erzählung Karlinahamis von einer Pilgerfahrt zu, die sie früher einmal hierher zu dem großen buddhistischen Fest gemacht hatte, an dem sich Zehntausende von Andächtigen versammeln. Der alte Mann erzählte von einer Wallfahrt noch der heiligen Stadt Anuradhapura, wo an dem großen Poya-Tag« Hunderttausende um das Heiligtum ziehen; von dem Verdienst, das man erwirbt, wenn man den Adams- Peak besteigt oder die heiligen Stätten von Situpalhuwa besucht, die der Djungel verschlungen hat, so daß in den Höhlen bei den großen aus dein Felsen gemeißelten Buddhafiguren Bären und Leoparden hausen. Die Luft war schwer von Esscnsdunst und beizendem Holzrauch; die Wort« des alten Mannes klangen, als ob sie aus weiter Ferne kämen. Sie zog ihr Tuch über den Kopf und legte sich auf der bloßen Erde nieder. Zum erstenmal wich die Nacktheit, die Angst und die Unbändigkeit ihres Lebens von ihr. Wohlig und stiedlich im Bewußtsein ihrer guten Werke schlief sie ein. Am nächsten Morgen mußten die Pilger zu ihrem größten Bedauern diesen hübschen Ort und Rastplatz verlassen und von neuem die Widerwärtigkeit und Trostlosigkeit des Djungels auf sich nehmen. Zwei Tage lang führte der Weg durch niedriges Dornengestrüpp, das keinen Schutz gegen die Sonne bot. Der Pfad wurde kiesig und felsig, und in dem dichten Gestrüpp lagen überall große Blöcke von grauem, flechtenbedecktem Gestein. Am ersten Nachmittag« konnten sie für einen Augenblick den heiligen Berg von Veragama mit seinen drei Kuppen sehen, der sich hinter dem Dorf und dem Tempel erhebt. 'Am nächsten Tage gegen Abend erreichten sie den Hochwald, der den Berg beinahe bis zu seinen Spitzen bedeckt. Wiederuni teilte sich ganz unerwartet der Dsungel. und sie standen an einem großen Strom. Di« Ufer waren steil und von gewaltigen Kumbuk- und wilden Feigenbäumen beschaltet. Infolge der Trockenheit war der Wasserlaus sehr schmal und seicht und wand sich in der Mitte des weiten Bettes zwischen blendend weißen Sand- flächen dahin. Stromauf und stromab standen zahllose Pilger, die in den heiligen Wassern den Staub ihrer Fahrt und die Makel ihres Lebens hinwegspülten, ehe sie den Ort betraten. Sie folgten dem Beqpiele der anderen und nahmen di« gebotene Waschung vor; dann legten sie reine, weiße Tücher an und stiegen am anderen Ufer den steilen Pfad empor, der sie in das Dorf führte. Sie sahen sich in einer langen, sehr breiten Straße, an deren Seiten sich Buden, Häuser und weitläufig gebaute Pilgerquartiere hinzogen. Auf ihr drängten sich Pilger, die müßig umhcrstandcn, Einkäufe machten oder nach dem Tempel eilten. Es war kurz vor der Zeit, daß die Prozafsion den Tempel verließ. Das Fest dauerte vierzehn Tage lang, und an jedem Abend wurde der Gott in feier- lichem Aufzuge durch den Ort geführt; der Höhepunkt war die große Prozession in der Vollmondnacht des vierzehnten Tages und die !:) Dagsba: grw-Ntig? r-rnTinc Serfflcinfiou'fn tan kuprNiSrmiqrr Scffalt, dir über Strliquint drs(golonia rrrichict werden und lPaqedu). ") Curry, eine sehr scharf, Gewürzmischung, dir in einer Sivile it-u Sri« suaefdtt wird. ") Bebaum; lieu» reKgksa, der herli» 25cum der Buddhiften. Wasserzeremonie am folgenden Morgen, wenn der Kapurala, von allen Pilgern begleitet, in das Flußbett hinabsteigt, um das Wasser mit einem goldenen Messer zu„schneiden". Silindu und seine Be- gleiter kamen am neunten Festtage an, so daß sie sechs Tage bleiben und an sechs Prozessionen teilnehmen konnten. An jedem Eirde der geraden, breiten Straße war ein Tempel. Der am Nordends stehende gehörte dem Deoiyo von Veragama; das eigentliche Heiligtum, die Dewala, war ein kleiner, rechteckiger Bau, über dessen Stirnseite sich, wie gewöhnlich bei Hindutempeln. eine stumpf«, mit phantastischen Götterbildern oerzierte Pyramide erhob. Ringsum lag«in gewaltiger, von einer Mauer aus roten Ziegeln eingefaßter Hof. Gleich außerhalb der Mauer stand nach Osten zu«in kleinerer Tempel, die Wohnung der rechtmäßigen Gemahlin des Gottes. Am südlichen Ende der Straße befand sich ein drittes Heiligtum: es bestand aus einem tubischen, schmutzigweißen Gebäude, das keinen Borhof hatte, aber ringsum von einer Säulen- halle umgeben war, in der sich zwischen zerbrochenen Möbelstücken und allerhand Gcrümpel zahlreiche Pilger häuslich niedergelassen hatten. Der einzige Zugang zum Innern war durch die Tür in der Hauptfront, die von einem großen, mit grob gezeichneten Götter- bildern bestickten Vorhange verdeckt war. Nur den Kapuralas war es erlaubt, hinter den Vorhang zu treten; denn dieses war der Tempel der Geliebten des Deviyo von Beragama. Für Silindu, Karlinahami und die anderen Pilger, die ja auch einfache Dörfler waren, wurde die fromm« Fahrt ganz besonders feierlich und eindrucksvoll gemacht durch den geheimnisvollen Schleier, der den Gott umgab. Aus dem Marsche, abends am Lager- fever, tn den Straßen des Wallfahrtsortes, ja noch im Hof« des Tempels hörten sie Erzählungen und Legenden, die, ohne Zögern und Bedenken als wahr hingenommen, sie fühlen ließen, wie sehr dieser Gott ihnen näher war als der Buddha der Viharen und Dagobas. Wer war dieser Gott, der hier in der Wildnis lebte, von dem die Tomulen sagten, er sei kein anderer als Kandefwami, der ge- waltige Hindugott? Diese buddhistischen Dörfler glaubten ihn de- sonders gut zu verstehen, denn waren die Teufel in den Bäumen und im Djungel, die sie ja gur kannten, nicht von seiner Art? Einst- mals hatte er auf der mittleren der drei Spitzen gewohnt, die den hohen Berg krönen; von hier aus hatte er das unendliche Meer von Bäumen beherrscht, das zu seinen Füßen wogte und im Norden an die Berge brandete, im Süden im Sande der Küste verlief. Das war der Grund dafür, daß während des Festes allnächtlich ein Feuer von dem Berge ins Land leuchtete. Eines Tages, als er auf seinem nackten Felsen saß und sein Blick aus den kühlespcndeirden Fluß mit seinen schattigen Ufern fiel, kam ihm der Wunsch, hinabzuziehen und in der Ebene jenseits des Flusses zu leben. Er rief also eme Schar von Tamulen an, die gerade vorbeizog und bat sie, ihn zu holen und über den Fluß zu tragen. Die Tamulen antworteten:„Herr, wir sind sehr arm und weit hergekommen, mn in den Lagunen Salz zu sammeln. Wenn wir uns aufhalten, könnte inzwischen ein Regen dos Salz zerstören, und unser« Resse wäre umsonst gewesen. Wir bitten Euch, laßt uns jetzt gehen, und auf dem Rückwege wollen wir Euch holen und über den Fluß tragen, wohin Ihr wünscht." Die Tamulen zogen weiter, und der Gott war sehr böse über die Miß- achtung, die man Ihm gezeigt hatte. Nach einiger Zeit näherte sich eine Schar von Singalesen, die ebenfalls auf dem Wege zur Küste war, um Salz zu holen. Di« rief der Gott an und bat sie, ihn über den Fluß zu tragen. Die Singalesen erstiegen den Berg, trugen den Gott hinab und über den Fluß und setzten ihn ani Ufer unter den schattigen Bäumen nieder, dort, wo jetzt sein großer Tempel steht. Da schwor der Gott, in Zukunft sollten ihm in seinem Tempel keine Tamulen mehr dienen und Singalesen die Hüter der Zere- monien sein; deshalb sind noch heute, obwohl der Gott ein Gott der Tamulen und der Tempel ein Hindutempel ist, di« Kapuralas aus- nahmslos Buddhisten und Singalesen. Der Gott ist also ein Gott des Dsungels; er ist ein gewaltiger Dämon, der Gutes tut. wenn man ihm zu rechter Zeit und in rechter Art naht; er ist eine Macht, die man als Zeuge anruft, denn er rächt den Meineid, der bei feinem Berg geschworen wird, eine Macht, die die Gelübde der Kranken und der Unfruchtbaren erhört, eine Macht, die den Menschen gegen di« Teufel zu schützen vermag. di« ihn ständig umlauern.(Forlletzung folgt.) 'e Buch 3)ikla{ur inJugoflawien*) Selbst wenn in ihrem Schatten nicht Untaten wie die oichifch« Mißhandlung der Schriftstellerin Isolde Hilde Reiter vorkämen, wäre die Diktatur in Jugoslawien als Diktatur bekämpfenswert. Aber auch der Kampf gegen eine Diktatur mutz 5)ond und Fuß haben, und der Bund„Freier Balkan", anscheinend ein« Vereinigung deutscher Intellektueller, in Wirklichkeit eme der vielen Tarnungen der Moskauer Internationale, macht es sich allzu leicht. Schon daß der Waschzettel der der Broschüre beigegeben ist, von„saschistbscher Willkürherrschaft" in Jugoslawien spricht, läßt stutzen und staunen, denn mit Faschismus hat das Regime im vormaligen Königreich der Serben, Kroaten und Slo- wsnen nicht mehr zu tun als der aufgeklärte Despotismus des alten Fritzen; Träger der Diktatur ist keineswegs eine fafchistssche Organisation— soweit sie im Keim vorhanden war. verfiel sie sofort der Auflösung!—, sondern D y n a st i e und Of s i z i e r k o r p s. Das Heft bemüht sich auch gar nicht, Würzet und Wesen der jugoslawischen Diktatur historssch bloßzulegen und politisch zu be- leuchten, sondern enthält nichts als«ine wahllose Zusammenstoppe- lung meist von Zeitungsartiteln, auch von ein paar Prozeßberichten *) Diktatur in Jugoslawien. Dokumente, Tatsachen. Bund „Freier Balkan". Berlin W 15. und Protokollen. Darunter sind ohne Zweifel„Dokumente und Tat- fachen", die erschüttern, ober leider auch Phantasien, die skeptssch stimmen und so dem Zweck des Ganzen schaden. Aus einem Wiener Blatt etwa ist der Bericht eines ungenannten„lettischen Geschäftsreisenden" über seine schlimmen Erfahrungen in Iugo- slawicn abgedruckt, wo man ihn für einen sowjetistischen Emissär nahm und im Gefängnis, um Geständnisse herauszupressen, miß- handelte und marterte. Das ist durchaus möglich. Aber der Glaube an seine Aussag« gerät ins Wanken, wenn besagter Kronzeuge gegen die jugoslawssche Diktatur sortsährt: Am 19. Mai endlich erklärt« man mir, daß man mich aus Jugoslawien abschieben werde. Man gab mir einen oer- siegelten Brief mit. Von Maribor wurden wir zu Fuß in die Nähe der Grenze geführt und dort einem ollen Gendarm übergeben. Der Mann öffnete den Brief und wir konnten mit ihm lesen, was darinnen stand. Der Brief enthielt den Befehl, uns auf einem verbotenen Weg zur Grenze zu führen und dort zu sagen, wir mögen über die Grenz« laufen. Sobald wir laufen, möge man uns nachschießen. Nun sind solche Erschießungen„ans der Flucht" im Jugoslawien der Diktatur so gut vorgekommen wie im Deutschland des Bürger- kriegs, aber hält der Bund„Freier Balkan" wirklich«ine selbst balkanische Polizeibehörde für so unheilbar blöd, daß sie solch heiklen und bloßstellenden Befehl schristtich niederlegt und obendrein dem ausersehenen Opfer mit auf den Weg gibt? Gar nicht davon zu reden, daß die bei den Kommuinstcn be- liebt« grundreaktionär« Tendenz, die 200 000 rcinblütigen Serben in Montenegro als besondere„montenegrinische Ration" hinzustellen, auch durch dies« Broschüre durchschimmert. Hermann Wendel. Rätsel-Ecke des„Abend" Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Jim- meroorsprung, 5. Stadt im Ruhrgebiet, 8. Naturerschei- nung, 9. Vogel, 10. Dünge- mittel, 12. Gesprochene Wart» folge, 13. Geographischer Be- grisf, 14. Niederschlag Senkrecht: 2. Blume, 3. Wildschwein. 4. Bad in Thü- ringen, 5 Gestalt aus„Don Carlos", 6. Handwertzeug. 7. Mob Komponist, 11. Weiblicher Vorname. 12. Weinstock. ekr. Worträtsel Im Wort der Erde Schätze bringt Der Mensch ans Tageslicht: Auch wer gemütlich Kassee trinkt Auf ihn nicht gern Verzicht.* Silbenrätsel 2tus den Silben cn bau bel der chai chi dal de del del der dir» dru e e eis en crn est«u fei frei fü gel gcr grim gung ha hard hcn i i i il im in ka ke la la lauf l« je ler me me na na na n« noch nord ran rei rich rie rik rm rus sa schütz s« se see sig t« tein tri tu umph va oer zei zi sind 31 Wörter zu bilden, deren erst« und vierte Buchstabenreihe, von oben nach unten aelesen, ein Zitat aus Schillers Macbeth er- geben.— 1. Europäisches Meer; 2. Insekt; 3. efiatifches Reich; 4. Seeschaden: 5. Siegesjubel: 6. Fabelname des Wolfes; 7. Hilfs- mittel für die Maniküre; 8. junges Mädchen; 9. weiblicher Bor» nan«; 10. Wintersport: 11. Oper von Weber; 12. Vater Methusa- lems; 13. weibliches Reh; 14. Baumart; 15. männlicher Vorname; 16. Teil einer Uhr; 17. gepflasterter Fußboden; 18. Nebenfluß der Donau; 19. italienische Stadt; 20. amtliche Anordnung; 21. Nacht- vogel; 22. Lärm; 23. Fremdsprache; 24. griechische Sagengestalt: 25. Zierpslanze; 26 dürres Holz; 27. landwirtschastlichcr Begriff; 23. Zauberin; 29. Asiat«: 30. halboerdecktcr Wagen; 21. Federvieh.' »k, Königszug Kapselrätsel Aus den nachstehenden Wörtern sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt, den Anfang eines Freiheitsliedes ergeben: Kimono, Aster, England, Buehnc, Halde, Arbeiterjugend, Singer, Werktag,(ü— 2 Buchstaben.) ak. (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Galle: 5. Gin; 6. ein; 8. Tag: 10. Sie; 12. eu; 13 Wal; 15. el; 16 Nagel; 17. Es; 19. See; 20. ie- 21. lau; 23. irr; 24 Ulm; 26. Ade; 27. Manna.— Senkrecht: 1. Gig: 2. an; 3. le; 4. Eis; 5. Gau: 7. nie; 8. Tegel; 9. Lager: 11. Elger; 13. was; 14. Lee; 18. Sau; 20 Ire; 22. Ulm: 23. Ida; 25. MA; 26. an. Aus dem Tierreich: Lamm: Hamm; Halm; Helm: Held; Huld; Hund.— Kalb: Halb: Hals; Hans: Hand; Rand; Rind.— Made; Male; Malz: Milz; Pilz: Pelz: Petz. Diagramm. 1. F: 2. Fis; 3. Falte; 4. Filiale; 5. stamm; 6. Elm; 7. E. Echerjrätjel; Erta; teer._J Nr. 490 m Iw M mJT* 47. Jahrgang W 18. Oktober 1930 Immer wieder liest man in den Zeitungen von Todesfällen, die durch Gasvergiftung hervorgerufen werden. Nur selten haben Wiederbelebungsversuche Erfolg. Aber auch dann, wenn ein Gas- vergifteter durch schnelle Hilfe gerettet wird, folgt oft ein monote- langes Krankenlager, ja ein lebenslängliches Siechtum einem solchen Unfall. Die Gasanstalten versuchen seit Jahren, durch Bild und Schrift AufNärung unter ihren Gasbeziehern zu verbreiten. Bekannt sind die Bemühungen der Wissenschast, das Gas so zu entgiften, daß es nicht mehr tödlich wirken kann. Die meisten Gasunfälle entstehen durch mangelhaft« Gasanlagen. Selten trifft den Handwerker die Schuld, der die Gasleitung angelegt hat, denn die Anlagen werden vor ihrer Abnahme von Beamten der Gasanstalten sorgfältig kontrolliert. Fast immer ist das Unglück auf die Un- bedachtsamkeit und Gleichgültigkeit der Woh. Robrverschlussei Richtipl ihimMiininiimimrimii nungsillhaber zurückzuführen, die der Undichtigkeit eines Gas- rohres nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkten oder versucht hatten. den Fehler selbst abzustellen. Die ausziehenden Mieter haben ihre Lampen selbst abgenommen und die offene Leitung einfach mit einem Korken statt mit einem Eisen st öpsel verschlossen. Der Korken, der durch Eintrocknen oder bei Erschütterung leicht aus dem Ver- Fd/sc/i ScbläuMJemmen-- schkuß herausfällt, ift dann oft die Ursache großer E x p l o- s i o n e n geworden, die selbst größere Hauser zerstörten. Es ist darum polizeilich verboten, die Rohrverschlüsse durch Gummi-, Holz- oder Gipspfropfen zu schließen. Die Gewindepfropfen, die man in jeder Eisenhandlung passend beziehen kann, werden auch dann nicht dicht schließen, wenn man sie nicht gut abdichtet. Der Handwerker umwickelt das Absperrhdhn: �Richtig- MM Fälsch!f Absperrhahn fehlt! Gewinde des Pfropfens vorerst noch mit einem Wergfaden, der in Bleiweiß oder roter Mennigefarbe getränkt ist. Ein böses Kapitel sind auch die Schlauchverbindungen vom Gasrohr bis zum Gasherd. Meist sind sie überhaupt nicht befestigt, sondern der Gummischlauch ist einfach über den Hohn und das Der- MlrtMytift g-WA Bochchttse Houspamsn binde» oft«m» Bindfaden um beide Schlauchenden. Diese Vorrichtung genügt so lange, als der Gummischlauch noch neu und elastisch ist. Wenn er ober spröde wird und wenn sich die beiden Enden durch häufiges Abnehmen weiten, ist die Gefahr der Undichtigkeit gegeben. Zu- Falsch! >a Richtig! MMMMWMwuml� Luftreguh'erungsmg weilen hat auch der Gashahn eine zu kurze Tülle, die dos Abgleiten des Schlauches begünstigt. Die Gasanstollen und Jnstallations- geschäste liefern kleine praktische Klemmen, die sich leicht um das Schlauchende legen lassen und auch das Abgleiten vom offenen Gasrohr verhindern. Neuerdings benutzt man an Stelle des ge- fährlichen Gunnnischlauches elastische Aluminiumrohre zu diesen Berbindungen. Das Fehlen des Absperrhahnes vor dem Gasherd, wie man dies meist bei veralteten und eingebauten Gasherden an- trifft, ist ebenfalls ein Mangel, der nicht gering eingeschätzt werden sollt«. Zeigen sich Undichtigkeiten an der Brennerzusührung, so bemerkt man diese nicht, solange das Gas brennt. Wäre ein Absperrhahn vorhanden, so kann man die Gaszufuhr nach jedem Gebrauch schließen. Das sollten sich vor allem Eltern mit Kindern gesagt sein lassen, da Kinder bekanntlich gern am Gasherd herum- spielen. Atan muß den Kindern die großen Gefahren klarmachen, um ein Unglück zu verhüten. Am Brenner selbst beachte man, daß dieser nicht von allzu veralteter Form ist. Die Technik hat sich weiter entwickell und man benutzt heute ganz andere Konstruktionen als Ann-o dazumal. Die Ersparnisse im Gasverbrauch bei ncuzeitigen Gasherden sind oft erheblich. Bekanntlich wird das zugeleitete Gas mit Luft vermischt, die durch die Oesfnungen der Mischkmnmer einströmt. Ein« prak- tische Hausfrau hat bald herausgesunden, wie sie durch Lustregu- lierung die Brennflamme günstiger beeinflußt, indem sie mit dem Regulierungsring die Luftkamnrer öffnet oder schließt. An den alten Brennern fohlen aber durchweg diese Regulierungsringe. Biel« Frauen behelfen sich dadurch, daß sie Papier oder Lappen über die Oesfnungen winden oder gar Korken in die Luftlöcher hineintreiben. Aber der Korken kann sich entzünden, das Papier verbrennen! Außerdem verstopft sich das Zuführungsrohr und der Herd funktioniert nicht mehr. Biel praktischer ist es, eine solche alte Anlage durch eine neu« zu ersetzen, die die meisten Gasgesellschaften ihren Kunden in moderner, einwandfreier Konstruktion auch auf Abzahlung liefern. Der geringe monatliche Ausschlag auf die Gas- rechnung wird durch die Ersparnis an Gas ausgeglichen. Man hüte sich ober vor den Anpreisungen xbelicbigcr Händler oder Firmen, die mit sogenannten„Sparbrennern' hausieren gehen. Reparaturen von Gasanlageschäden sollte man grundsätzlich nicht selbst vornehmen. Die wenigen Groschen, die man einem Handwerker für deren Ab- stellung bezahlt, überwiegen b«i weiten» das Gefühl, daß man für sich Cdsbrmer- und seine Angehörigen nicht das Beste zu ihrer Sicherheit getan hat. Niemals leuchte man eine undichte Gasanlage selbst ab. Auch ver- meide man es, einen Raum, in dem es nach Gas riecht, mit osfencnr Licht zu betreten. Man sorge in solchen Fällen vor allem für frische Luft und benachrichtige schleunigst das Gaswerk, das sicherlich zur sofortigen Hilfe bereit ist. Aitonatbdie Auto-Parkmatchine Mit einem ebenso überraschenden wie vielversprechenden Vor- schlag zur Lösung des Parkproblems sind in Amerika soeben Ingenieure der Westinghoufe-Gesellschaft an die Oeffentlichteit ge- treten. Sie haben nämlich eine selbsttätige Parkmaschine gebaut, die es dem Autofahrer ermöglicht, seinen Wagen im Handumdrehen unterzubringen und ebenso schnell und mühelos jederzeit wieder her- beizuholen. Bei der Einfahrt in die maschinell arbeitend« Garage zieht er nämlich, auf einer Plattform angelangt, einfach einen Hebel und erhält eine Kontrollkarte ausgehändigt: im selben Augenblick entschwindet der Wagen aber seinen Blicken und geht schleunigst nach oben, wiihreitb gleichzeitig im Erdgeschoß eine neu« Plattform in Aktion tritt. Wünscht derselbe Fahrer seinen Wagen zur Weiterfahrt, so braucht er nur auf einen, seinem Kontrollschein entsprechenden, Knopf zu drücken: dann wird der Wagen durch einen ebenso automatischen Vorgang fast augenblicklich nach dem Erdgeschoß wieder zurückbeför- dert. Das sonst so lästige Warten in der Garage fällt vollkommen fort, und der ganze Hergang spielt sich wie in der Garderobe eines öffentlichen Lokals ab, der man seine Sachen zur Aufbewahrung übergibt, um sie bei Bedarf jederzeit wieder abholen zu können. Die neue Parkmaschine nimmt nicht mehr Bodenraum ein als eine kleine private Garage für zwei Wagen: sie kann aber eine fast beliebige Anzahl Wagen aufnehmen und läßt sich in jedes alte und neu« Haus einbauen, ebenso wie sie sich aber auch auf kleinen freien Baustellen installieren läßt. Ans der Vereinigung mehrerer Maschinen gleicher Art ergibt sich eine ultramoderne Großgarage. Die Parkmaschine besteht aus zwei endlosen Ketten, die unten und oben auf Räder laufen und zwischen Plattformen hängen, die für je ein Auto Raum bieten und dieses so lange behalten, bis der Fahrer die Weiterfahrt antreten will. Derartig« automatische Garagen wären mit Vorteil in Geschäfts- Häusern, Hotels, Theatern und anderen öffentlichen Gebäuden unter- zubringen. Ebenso würden sie aber, wie schon erwähnt, auch aus unbebauten Stellen Platz finden können. Sie würden Verkehrs- reiche Straßen durch den Wegfall der dort parkenden Wagen erheb- lich entlasten und dadurch einen schnelleren und sichereren Straßen- verkehr ermöglichen. In vielen Fällen würde dann auch die Not- wendigleit einer Straßenverbreiterung vermieden werden. In den amerikanischen Großstädten ist ja das Parkproblem besonders brennend: aber auch in Europa dürfte man bei weiter zunehmender Verkehrsdichte eines Tages so weit sein, daß jedes Haus für die Unterbringung der den Mietern gehörenden Wagen ebenso wie für die der Mieter selbst wird sorgen müssen. Würden solche automattsche Garagen in kurzen Abständen voneinander errichtet, so brauchten die Fahrer sür Bau und Unterhaltung von Privatgaragen keine Auf- Wendungen zu machen. Demi ferner j. B. jede» Theater und jedes TSoxeefym Anzahl derartiger Parkmafchinen hätte, so könnte der Besitzer eines Wagens von feiner Wohnung aus direkt einfahren. Wichtig ist serner, daß sich die neu« Vorrichtung auch als Münzautomat konstruieren und sich dann sogar der sonst erforderliche Zlufseher ersparen läßt. Auch die Anlag« einer Zentralstelle, von der aus mehrere der- artige Maschinen tclephonisch bedient werden können, würde in vielen Fällen wünschenswert sein. Die Verwendbarkeit der automatischen Garagen geht aber auch noch viel weiter: bei etwas schwererem Bau und größeren Abmessungen kann man nämlich in ihnen auch Straßenbahnwagen unterbringen, eine Möglichkeit, die vor allein an wichtigen Knotenpunkten des Verkehrs in Bettacht kommen würde. Man brauchte dann während der hauptsächlichsten Verkehrsstunden keine den Verkehr erschwerenden Leerwagen laufen zu lassen, sondern könnte diese Wagen in automatischen Garagen in Reserve halten. Ebenso würden derartige automatische Garagen für die Endstationen von Autobussen und— in kurzen Abständen— für Autodroschken m Betracht kommen, die dann nicht mehr leer hin und her zu fahren brauchten. Dr. Kurt Gradenwitz. Das„plastisih-knelbare holz" wird in pastenartigem Zustand geliefert, in weicher Form verarbeitet und erhärtet innerhalb kurzer Zeit an der Luft. Durch eine Reihe hervorragender Eigenschaften ist sein Verwendungsgebiet sehr ausgedehnt. Es kann nahezu in jedem Betriebe seine Anwendung finden. Die hohe Bindekraft er« möglicht einen festen Verband mit Holz, wie aber auch mit Glas, Metall, Porzellan und ähnlichen Stoffen. Voraussetzung für diese Haftfähigkeit ist eine reine, fettfreie Oberfläche. Nach der Erhärtung hat das plastische Holz die gleichen Eigenschaften wie das natürliche Holz. Es läßt sich wie Naturholz hobeln, sägen, bohren, nageln, schleifen und raspeln. Es nimmt Beize jeder Art(Wachs-, Spiritus-, Säurc-Beize), Lack rmd Farbe an Wasser-, wärme- und wetterfest. Durch Einkneten in eingefettet« Hohlformen rann � es plastisch ver- arbeitet werden(Möbelverzierungen). Vermöge all dieser vorteil- hasten Eigenschaften ist das plastisch« Holz«in unentbehrlicher Helfer für fast alle Gewerbezweige. Besondere Verwendung findet es jedoch in der Modellindustrie zur Ausbesserung von schadhaften Stellen und zur Herstellung vi�n komplizierten Modellen. Beschädigte Stellen lassen sich, dem Objekt entsprechend(im Farbton z B), einwandfrei mit dem Kunststoff ausbessern. Durch Auflegen von plastischem Holz aus Maschinenteile kann man Modelle herstellen. In Karosserie-, Waggon-, Flugzeugfabriken und Bootswersten wird der Kunststoff zur Herstellung von gewölbten Flächen, Ausrundungen sowie als Füllmaterial oerwendet. Schäden irgendwelcher Art können hier mit Hilfe des plastischen Holzes ausgebessert, geebnet wie lackiert und poliert werden Ein Aufführen der großen Zahl der Vcrwendungs- Möglichkeiten ist hier kaum möglich. Man ersieht, daß die Technik im„plastisch-knctbaren Holz' ein hervorragendes Hilfsmittel besitzt, so daß diesem Kunststoff eine Zukunft nicht abgesproche«; werde« lara, — �fßGrtunoloJflLel Sport am Sonntag Das Kunstturnen der Arbeitersportler aus Leipzig. Eberswalde und Verlin wird morgen die besten Geräteturner aus diesen Städten zusammenführen. Sie wollen den Beweis erbringen, dah tatsächlich das Gerätelurnen immer noch im Arbciker-Turn- und Sportbund seiner Bedeutung gemäst gepflegt wird. Die Veranstaltung findet um 1l Uhr im Konkordiapalast, Andreasstr. 64, am Schlesischen Bahnhof, statt. Zehlendorf wirbt! Ain heutigen Sonnabend um 20 Uhr ver- anstaltet die Freie Turn- und Sportoereinigung Zehlendorf im .Lindenpark", Potsdamer Straße, eine öffentliche Werbever- f a m m l u n g, in der der Vorsitzende des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund, Reichert- Spandau, über das Thema: „Arbeitersport und Sozialdemokratie" spricht. Turnerische Vorsüh- rungen der Frauen und Jungmädchen und der Männer werden den Vortrag umrahmen. Der Eintritt ist frei. 3n Weißensee bieten die Naturfreunde der dortigen Abteilung heute abend 7)4 Uhr auf einem Werbeabend Gesang, Musik, Volkstänze, ein lustiges Variete und Schattenspiele. Zu der Ver- anftaltung, die in der Aula des Lyzeums Pistoriusstraße stattfindet, wird ein Unkoftenbeitrog von 3l) Pf. erhoben. S Jahre Arbeitersport im Südosten Berlins. Der Bezirk Südost- Treptow der Freien Turnerschaft Groß-Berlin begeht heute, Sonn- abend, 20 Uhr im Gewerkschaft-Haus die Feier seines achtjährigen Bestehens. Ausschnitte aus dem modernen Arbeitersportbetrieb zeigen die Vorführungen der Mädchen-, Jugend-, Frauen- und Männerabteilungen.- Der Arbeiter-Rad- und krastsahrerbund„Solidarität" feiert am heutigen Sonnabend im Saalbau Friedrichshain das Stiftungsfest der Ortsgruppe Berlin, mit dem der Austrag der Bezirksmeifter- fchaften verbunden ist. Anfang 20 Uhr. Sonntagssport bei der Freien Turnerschaft Groß-Berlin. In der Turnhalle Schreiberhauer Straße in Lichtenberg werden am morgigen Sonntag 14), Uhr die Kinderabteilungen des Bezirks Lichtenberg mit einem Schauturnen an die Oeffentlich- kcit treten. Es gilt unter den Eltern und Kindern für die Teilnahme an dem Kinderturnen bei der FTGB. zu wirken, deshalb sind alle herzlichst eingeladen, die ein Interesse daran haben.— Unter der Leitung des Bezirks Kreuzberg veranstaltet die FTGB. am Sonntag im Stadtbad in der Baerwaldftraße punkt 10 Uhr ein E ch w i m m f e st. Das Meldeergebnis gestattet die Abwicklung Zu diesem Theina schreibt lins ein führender Arbeitersportler: In der Arveitersportpresse beschäftigt man sich sehr stark mit dem Beschluß des bürgerlichen Deutschen Fußballbundes, wonach den Spielern bei bestiinmten Spiele» Spesen gewährt werden können. Ich muß sagen, daß mir die Betrachtung der Frage in unseren Reihen nicht gefällt. Wir distanzieren uns doch sonst in seder Hinsicht von den Bürgerlichen, warum inachen wir uns in dieser Frage die typisch bürgerlichen Auffassungen der Opposition im gegnerischen Lager zu eigen? Ich vertrete die Meinung, daß der aktive Sportler, der»au seiner Organisation bestimmt wird, an einer Veranstaltung teilzunehmen, wodurch thin Zehrkosten und sonstige Auslagen verursacht werden, ei» Recht hat, den Ersatz dieser Kosten grundsätzlich zu fordern. Das würde nicht im geringsten seine Amateurcigenschaft berühren. Wir sind es doch gewöhnt, unseren geschäftlichen Funktionären die ihnen mif Reisen entstandene» Kosten zu ersetzen. Wir haben dafür je nach Maßgab« des finanziellen Ver» mögens der Organisation sogar feste Sätze geschossen. Warum, in oller Welt, soll den aktiocnSportlern und S p i t l e r n nicht 1 eines sehr vielgestaltigen Programms. Besonders interesiant sollte das nur Turner ausgeschriebene Stafselschwimmen sein. Eintritt 73 Pf., für Erwerbslose und Jugendliche 30 Pf. Potoltämpse des Freien Keglerbundes. Am Sonntag gehen drei weiter« Gruppen in die Entscheidung. Es treten zum Endkamps an: Gau 1 Gruppe C, Rot-Weiß 19, Solide 22, Türkei. Atlanta, Gau 2 Kruppe L, Um Ihn 18/19, Bück Dich, Freiweg 23, Lustige Sieben, Gau 2 Gruppe C, Schemel, Blau-Weiß, Bundestreue, Fra- ternitas. Beginn der Kämpfe um 9 Uhr in der Berliner Kegler- sporthalle, Alexändrinenstr. 107. Auf der Grunewaldrennbahn wird morgen Deutschlands wert- vollstes Rennen, der große Preis der Republik über 2800 Meter gelaufen. Es ist mit Preisen im Werte von 103 000 M. ausgestattet und wird von den besten drei- und vierjährigen Pferden bestritten. — Die Trabrennen in Mariendorf am Montag beginnen um 15 Uhr. Im Sportpalast hat der Bund deutscher Radfahrer am Sonntag 20 Uhr«in Radrennen angesetzt, das ein Fliegerhouptfahoen, ein Punktefahren über 73 Runden und ein Mannschaftsrennen über 73 Kilometer zur Entscheidung bringt. Windhundrenaen veranstaltet morgen, Sonntag, der Deutsche Windhundklub um 14)4 Uhr auf dem Poloplotz in Frohnau. Neben dem Hunderennen umfaßt das Programm auch Vorführungen des berühmten Polizeihundes„Greif". Ein Schönheitswettbewerb„Dos Kind und der Windhund" schließt sich an. Eintritt auf allen Plätzen 1 M. Lebhafte„Zwei Stunden" im Sportpalast Die zweite rodsportliche Veranstaltung des Berliner Sport- palastes vom gestrigen Freitag stand wiederum im Zeichen eines guten Publikumerfolges und vermittelte den Besuchern in dem Zweistunden-Mannschaftsfahren den Genuß eines überaus jagdenrsichen Rennens. Die ausgezeichneten Belgier Charlier-Deneef waren die ersten, die einen ernstgemeinten Vorstoß mit Geschick und Bravour durchsetzten, nur gefolgt von der Mannschaft Tietz-Chmer, die den Rundengewinn dank eigener„Taktik", oder was sie dafür hielten, mitvollziehen konnte. Auch Rausch-Hürtgen schließen zur Spitze auf, die bald Zuwachs durch drei weitere Mannschaften— Schwemmler-Kantorowicz, MartiHey-Mieche und Preuß-Resiger— erhält. Nach einigen kleineren, doch erfolglosen Plänkeleien, gehen recht sein, was den geschäftlichen und technischen Funktio- nären billig ist? Eine Frage ist es meinem Erachten nach, od die Mittel aufge- bracht werden— vielleicht darf man«inschränkend sagen: heute schon aufgebracht werden können. In den ersten Jahren der Arbeiter» bewegung hat es für niemanden Diäten gegeben, weil einfach kein Geld da war. Wo das heute ebenso der Fall ist, können weder im einen noch im anderen Falle Vergütungen gezahlt werden. Aber grundsätzlich vermag ich keine» Unterschied zwischen Funktionär und Sportler zu machen. Das kann natürlich nur für Veranstaltungen gelten, an denen der Sportler zur aktiven Teilnahme von seiner Organisation verpflichtet wird, nicht aber für solche, zu denen er sich aus eigener Entschließung meldet. Ich schrieb diese Zeilen, weil es mir nicht in den Kopf will, daß ich als geschäftlicher Funktionär in geldlichen Dingen höher eingeschützt werde als die Masse unserer aktiven Genossen, denen es wirtschaftlich meist nicht gut geht, die aber aus Liebe zu ihrem Sport große Opfer auf sich nehmen. Sollt« ich irren, dann klärt mich bitte auf. Wenn nicht, dann macht euch aus dem Schlepptau der bürgcr- lichcn Amoteurnutznießer frei. Santhey-Miethe noch ernrnol kos, ohne von Felde«rnfkllch«ow folgt zu werden. So holen die beiden«in« Rund« auf, find also allerniges Spitzenpaar. Die weiteren Rundengewirme und Ausreißversuche einiger Mannschaften können die Position Manthey- Miethes nicht gefährden. Im Omniummatch der Steher Sawall, Möller«nd K r e w e r gewann Möller das Hauptfahren und das Verfolgungs- rennen, Sawall das Zeitfahren, während im Punktefahren Krewer Sieger blieb. Der Wettbewerb der Amateure siel an Dasch. vmnium-Ratch: geitfahrc»: Cawoll tWU Möller 11; Stnpet 11,4 Sei.— K-oMahre»: 1. Möller; 2. Sawall; 3. Krewer.— Puilkte fahren: Krewer 10; Sawall 3; Möller>i.— Vrrsolnnag-rennen: Möller holt Krewer nach 36 Runhen; 3. Sawall. Gesamt; 1. Möller. 9 Punkte; 2. Sawall, 8 Punkte; 3. Krewer, 7 Punkte— zweistunhen-Maallschaftafahrrn: 1. Miethe.Manthen. 20 Punkte, 85-440 Kilometer; eine R u n ö- zurück: 2. CH-rlicr.Dcn-ef 53: 3. Ehmcr. Steh 50: 4. Preub-Refiger 28; 5. Rausch-Hllrtacn 25; 6. L-uet-Mouton 24: 7. Schenk�Stilbeckc 5: zwei Runden zurück: 8. Echwemmler-Santorv. wicz 7; drei Runden zurück:». Porn-Marozyniki 8; vilr Runden zurück: 10. Linari-Lazzarrtti, 0 Punkte. 5te»ii— 5chiHer unentschieden! Im Spichcrn-Ring Di« auch gestern abend wieder sehr gut besuchten Box- kämpfe im Spich ernring brachten als Hauptkamps die Be- gegnung zwischen Harry Stein- Berlin, dem Anwärter auf die Meisterschaft im Federgewicht, und S ch i l l e r- Hannover, der erst kürzlich, wie an dieser Stelle berichtet, im Ständigen Boxring sehr gute boxerische Anlagen verriet. Bei unbestreitbar knappen Vor- teilen für Schiller endete das technisch auf Hoher Stufe stehende Tressen nach Ablauf von acht Runden unentschieden. Schiller dürste in diesem Kampf seinem Gegner, einem alten Ringfuchs, vieles abgesehen haben. Gegen Albert' L e i d m a n n- München trat als Ersatz für Anklom-Berlin dessen Landsmann Walter Peter an. Der Ber- liner gab keine gute Figur ab, er wirkt« reichlich untrainiert. Peter wurde nach Punkten geschlagen. Ein wenig rühmliches Ende nahin der Kampf der Schwergewichte B ö h m e- Hannover uird Bau- m a n n- Magdeburg. Was beide zeigten, hat mit Boxen noch herzlich wenig zu tun; schließlich sah sich der Ringrichter gezwungen, die„Kämpfer" in der vierten Runde wegen Unfähigkeit aus dem Ring zu weisen und den Kampf„ohne Entscheidung" abzubrechen. Nach Punkten waren fernerhin erfolgreich Nörtemann-Berlin über Willi Bolz-Berlin, und Seißler-Berlin über den schwachen Ungarn Baumgartner. Hertha und Berliner Spori-Clnb getrennt. Die seit langem er- wartet« Trennung zwischen dem Berliner Sport-Elub und seiner Fußballabteiluna Hertha-BSE. ist nun Tatsache geworden. In der gemeinsamen außerordentlichen Generalversammlung hat sich der deutsche Fußballmeister wieder selbständig gemacht, nachdem er vor sieben Jahren die„Ehe" mit dem Berliner Sport-Elub«ingegangen war. Der Fußballmeister wird jedoch den Doppelnamen„Hertha-BSE." auch in Zukunft weiterführen. Httitt Kör»«rkuU»rI«i»»««zbem- Sonnias, 19. Oktober, lhohrt nach Strausberg. Treffpunkt Kauptcingang Schlelifcher Bahnhof 7 Uhr. TV„Die Raturfrennde",«bt. Prenzlauer Berp. gahrt Sonn ton. 19. Otio- ber. Ronnenflics.«»fahrt Ti Uhr Stcttincr �crnbahnhof. Fahrkarten bis Melchow.__ Theater der Woche. Dom 19. bis 22. Oktober. Volksbühne. Theater a« Biilowplatz: Die Weber, is., lllj Uhr: Konzert. Staaksihealer. Staatsoper Unter den Linden: 19. Aida. 20. Rofenkavalier. 21. Die Sn!- führuna aus dem Serail. 22. Fürst Igor. 23. Tristan und I'olde. 2«. Die Macht des Schicksals. 25. Der Postillon von Lougumcau. 26. Carmen. 27. Reu. «instndicrung: Der König— Iiervuppen. Staat»» per am Plafc der Republik: 19., 12 Uhr: Beethooen-Matin'-. Der Barbier von Sevilla. 29. Erwartung. Der arme Matrose. Angelique. 21. Der Barbier von Sevilla. 22. Hoffmanns Erzählungen. 23. Rigoletto. 24. Neues vom Taoe. 25. Der ssreischii�. 26. Die Stumme von Portiei. 27. ffibeho. Städtische Oper Eharlottendurq: 19. Die WaltUre. 20. Die Hochzeit des ffigoto. 21. Pique.Dame. 22. Tosea. 23. ssidelio. 24. Vertauschte Pollen. 25. Aiba. Äi. Der Prophet. 27. Tiefland. �. Staatliches Schauspielhaus: 19., 20.. 22., 24. 25. und 27. GeschMe Gott. friedcns von Berlichingcn mit der eisernen Hand. 21. Bürger S6)ippel. 23. Liebe auf dem Lande. 33 Minuten in Grüneberg. 26. Prinz Friedrich von Homburg.. � � � Schiller'Theater: 19., 20., 22. A., 25. und 27. Nora. 21. und 28. Herr Doftor, haben Sie zu essen? 26. Der Traum ein Leben. Theater mit festem Spielplan: Theater am Schiffb-uerdamm: Iud Süß.— Deutsche, Theatee: Eiu Sommcr. nachtotraum.— KaMmerspiele: Elga.— Di« Kam»die; Der Schwierige.— Theater in der Strefemunustrahe: Sturm im Waficrglao.— Komödleuha»»: Da» Konlo R—«rohe» Schaufpiclhau»: Di« lustig- Witwe.— Theater dc» Westen»: Brest-Lit-wsk.— Komische Oper: Da» Mädel am Steuer. Vi. Tribüne: Etienne.— Walhalla-Theater: Wiener Blut.— Rafe.Tdeatcr: In der Johannisnacht.— Kasino-Theater: Hurra— ein nunge.— Schlohpark. Theater Tleglitz:... Vater fein, dagegen sehr!— Theater m der Behren. (hafte 53- 54: Des häßliche Mädäten.- Biutergarten. Plaza,«eala: Inlcr- nationales Parict«.- Reichehallen-Theater: Stettiner Sänge».— Theater am Kattbusser Tor: Elite-Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan: Telfias-Theater: Bis 20. Iapanifel�s Dastlpiel. Ab 21. Elisabeth. Königin von England. 2.',. Rochtvorstellung: Flucht nach Schanghai.— Theater in her Klofteestrafte: 19. Büchse der Pondora. 20. bis 20. Spiel im Schloß. 27. Ein. beuch ansgeschlossen. Ikachmilkagsveranskallungen Polkibübne, Theater am Bulowplaft: 19. Die Weber.— Theatee am Schifsbauerdamm: 19., 20. Die Dreigroschenopcr.— Kamme rfpiel«:!9. 25., 20. Die Schule der Frauen.— Theater IN der Stresemaunftrafte: 20. Winnetou.— «omöbienhau»; 20. Dos Konto 9E.—«omrsche Oper; 19., 20. Das Model am Steuer.- Berliuer Theater: 19. Der Vetter aus Dingsda.- gentral-Theater: 19. 20., 15 Uhr: Hänfel und Kretcl: 1711 Uhr: Eine Freundin so goldig wie Du.— Metropol-Thealer: 19., 20.. 14',ü Uhr: Das Land des Lächelns: 17 Ilbr: Friederilc.— Walhalla-Theater: 19., 141, Uhr: Hansel und Grclel: 17 Uhr: Wiener Blut. 20.. UM Uhr: Tischlcin deck dich: 17 Uhr: Wiener Blut.- Rose. Theater: 22. Hansel und Grctel. 23.. 24 Kukuli. 25. Dornröschen. 20.. 141h Uhr und 171» Uhr: In de- IvHanmsnachl.— Schloftpark-Theater Stegliß: 19. Karl Mari-Winnetou. 22.. 25. Hänfel und Gretel. 20. Ma» und Morik.— Theater in der Behrcuslr. 53—54: 19., 20. Arm wie eine Kirchenmau». — Wintergartea: 19., 25., 20. Internationales Variete.— Plaza. Seal«: ti rtnrt Tr ft 9�47? 92etc&slftaHett,9rFi<4at�»»* 1 o oc— V-» r»__ Erstaufführungen der Woche: Di«-»tos. L-fsing. Theater: Elisabeth. Königin von England.— Donnerstag. Rose. Theater: Kukuli snachmittag, 5� Uhr).— Freitaz. Städtische Oper: Bertauschte Rollen. Kommunistenzauber Gro�mäuligkeit Die Mannen der kommunistischen Jnteressengemeinfchast zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport sollen nun auch noch der knieschwachen Revolutionären Gewerkschastsopposition aus die Beine helfen. In einer Versammlung der kommunistischen Sport- funttionäre, in der der Allerwelts„doktor" Bergmann referierte, trat auch ein Vertreter der Gewerlschastsopposiiion auf und apostrophierte die geplagten Leute wie folgt:„Seit Kämpfer der RGO., seid solidarisch mit den Metallarbeitern, seid Streikhelser im Kamps um Lohn und Brot!" Diesen Sermon bringt die„Rote Fahne" in Fettdruck. Aus der Episode kann man ersehen, wie weit die Äute durch die Führung der kommunistischen Sportbeauftragten heruntergekommen sind. Sie gehen nicht nur mit den Gewerkschasts- zerftörern durch dick und dünn, sie lassen sogar dos ohnmächtige Geschwätz der RGO.-Bonzen ohne Widerspruch über sich ergehen. Viel tiefer geht es nun nicht mehr! 5ie glauben noch an Deutschland Die sogenannte Rote Sportinternational« will im nächsten Jahre in Berlin eine„Spartakiade" abhalten. Da nichi anzunehmen ist, daß die Herrschaften daran glauben, daß bis dahin in Deutschland die Sowjetrepublik eingeführt sein wird, scheint ihnen der Bestand der Republik doch noch einigermaßen gesichert zu sein. Daß sie unter der Herrschaft ihrer Kampfgenossen, den Nazis, in Berlin sich mausig machen dürfen, werden sie auch nicht annehmen wollen. Also wird das Fest wohl unter der Schutz- und Schirmherrschaft des Polizeipräsidenten Zorgiebel gedacht sein. Da ist es auch sicher gut aufgehoben! 5ie Icriegen Iceine Ruhe Im Lager der kommunistischen Sportler will keine Ruhe ein- kehren. Dieselben Methoden, die einst von den Berg- und Fried- männern gegen den Bund angewendet wurden, bekommen sie jetzt von ihren Gegnern im eigenen Lager zu spüren. Bor kurzem kracht« es wieder einmal im Verein„Ficht e", dessen 11. Abteilung gegen die Sowjetgeistlichkeit aufsässig wurde. Eine Strasexpedition war die Folge. Nachdem man für die nötige Komparserie gesorgt hatte, mußte die Abteilung eine Friedmannsche Rcdeattacke über sich ergehen lassen, die alle jugendlichen Gemüter in Ekstase versetzte. So etwas kann der Friedmann, er versteht es. den vollendetsten kommunistischen Swß mit einer Brutalität vorzutragen, daß jedes Kindergemüt das Gruseln ankommt. Die Opposition hatte sich Hilsc in dem nicht der Abteilung angehörenden Erwin Budde verschrieben. Da dieser über«in gutes Mundwerk verfügt, ließ man ihn nicht zu Wort kommen. Der Oppositionsführer der Abteilung. Czerny, wurde nieder gebrüllt, so daß feine Ausführungen wirkungslos blieben. Dennoch erhielt bei der Abstimmung die Opposition 24 Stimmen. Den„Bidünsten" steht in Fichte noch ein breites Feld für ihr« Tätigkeit offen, es gibt noch große Abteilungen, die nur aus Mangel an Entschlußkraft und aus alter Fichteanhänglichkeit bisher ruhig geblieben sind. Es gibt für die bundestreue Bewegung noch vieles zu ernten. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Sitranlceift-«iiüd Stferbekasse für das Deufsdhe ISeicS® ■m* VOS4 tfetfrUndeit cm (■.■«SarierfeKder Eraackstsacae) • na JaallaB-e tfasda-Und«* die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Berlin N 24, Oranienburger Stfr. 6? und SOO Verwaltungsstellen im Reich Soll es Spesen geben? Eine andere Meinung zur Amateurfrage