Morgenausgabe Tit. 493 A 248 47.I/, bis 17 Uhr. Jstttealovsan der Gozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag! Berlin SW 68. Uindenstraße 2 kverniprecher: Dönbok» 292—297 Telegromm-Adr Sonaldemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 53(1— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten nni» Beamten, Wallstr. KS. Dt.B.u.DiZc.-Ges.,D«posttenkasIe,JerulalimerStr.6o/K6. Frieden und Sozialismus. Aufruf an die Arbeiter Frankreichs. Paris. 20. Oktober. tEigenbencht.) Der BorftonÄ der sozialistischen Partet Frankreichs richtet einen Friedensappell an die Arbeiterschaft. Der russische Bolschewismus, der italienisch« Faschismus und die deutsch-völkijch« Hetzpropaganda, beißt es darin, treiben gemeinsam zum Kriege. Ueberoll halten die Nationalisten den Augenblick für gekomnten, um ein« Propaganda für ein neues R ü st u n g s w e t t r e n n e n zu unternehmen, überall aber erscheint die sozialistische Arbeiterklasse als der sicherste Hort des Friedens. Gerode die Tatsache, daß die ganze Welt ihr Vertrauen in die deutsche Sozialdemotrakie seßi, daß sie gegen die Nationalisten und die Kommunisten die sung« deutsche Republik verteidigt, ist der deutlichste Beweis, daß der Sozialismus allen Friedensfreunden am meisten Vertrauen einfloß«. Der Kapitalismus ist außerstande, eine neu« Katastrophe zu ver- bindern. Keine bester« Antwort gibt es auf die Provokationen der italienischen Faschisten und der Deutschvölkstchen als die Fortsetzung der Politik schneller Abrüstung, die zur Ausrichtung eines mohl organisierten Friedens in einer wirklich abgerüsteten Weit sühren muß. Für den Frieden kämpfen, heißt für den Sozialismus kämpf eu. Alle französischen Sozialisten müssen ihr« ganze Kraft daran setzen, daß Frankreich bei der nächsten allgemeinen Ab- rüstungskonsercnz in Genf ein genaues konkrete? Projett vorlege, durch sofortige und gleichzeitige Maßnahmen aus dem Bc- blele der Abrüstung und der obligmorstchen Schiedsgerichtsbarkeit aus der augenblicklichen gefährlichen Stagnation herauszukommen. Frankreich und die?eichsiagsenischeidung. .. Paris. 20., Oktober. Zum Ausgang des ersten Togungsabschnitts des neuen'Reichs- togs schreibt her„Temps": Die Schlacht ist mit einem völligen Fiasko der Taktik der Extremisten zu Ende gegangen. Die Partei, die ubbestreitbor am meisten zur Rettung des Kabinetts Brüning beigetragen hat, ist die Sozialdemokratisch« Partei. Die Mehrheit von 82 Stimmen ist größer, als die größten Optimisten zu hoffen wagten. Zlber es wäre ein Irrtum, daraus zu folgern. daß der Weg für den Kan.zler nun frei sei. Wenn der Reichstag am 3. Dezember wieder zusammentritt, wird die parlamentarische Schlacht unter den gleichen Bedingungen abermals anheben, und Brüning wird fein« Position erst endgültig befestigen können, wenn er die Ergebnisse ausroeiscn kann, vor denen alle Mittelparteien sich werden beugen müssen.—„I n t r a n s i g« a n f will eine Entspannung der Lage in Deutschland und außerhalb Deutsch- lands feststellen können. Die Groß« Koalition habe sich dank der entschlösse- nen Haltung des Regieningschefs und dank auch dem Präsidenten von Hindenburg gewissermaßen wieder gebildet. Der Berliner Korrespondent des„Petit Parisien" erklärt, angesichts der außerordentlich schwierigen parlamentarischen Lage, die durch die letzten Reichstagswahlen entstanden sei. könne man das Abstim- mungsergebni» als einen sehr großen Erfolg sür den Reich.» konzler Snisprechen. Dev Regierung seien die Fehler, die ihr« Gegner seit Beginn der Parlamentstagung gemacht hätten, zustatten- gekommen.'Die Bernunft hob« obgesiegt, weil auf der anderen Seite die Torheiten zu sehr überhandgenommen hätten. Der Berliner Korrespondent des„Journal" sagt, die Sozial- dernokroten hätten dadurch, daß sie zahlreich für die Regierung stimmten,,• i den Rechtsextremisten eine prachtvolle Lehre staatsbürgerlicher Gesinnung gegeben. Das„Oeuvre" schreibt, die Ehre des Tages gebühre voll und ganz der Sozialdemokratie, die durch ihren Mut und chre Klugheit den Abenteurern den Weg versperrt habe.— In der„E r e Pouoelle" heißt es, man habe den Eindruck, daß es im Reichs- tag«ine Mehrheit für vernünftige Lösungen gebe. Rur die F el n de'd e r B c r st ä n di g u n g FrankreichDeiitsch laich äußern keine Freud« über den Ausgang der parlmnen- tarischen Schlacht. Englische Anerkennung. London, 20. Oktober.(Eigenbericht.) „Nur mit Hilfe der Sozialdeniakraten wurde der gemeinsame Angriffs der Extrervisten gegen.dos Kabinett Brüning abgewehrt", schreibt der sozialistische„Da il g Herold". Dieses Moment wird von allen Blättern als das' ipesentlichste unterstrichen. So erklärt „Time„Die verhältnismäßig großen Mehrheiten von fast 00 Stimmen waren der Solidarität zu verdanken, welche oll« in dem Kabinett vertretenen Parteien, bis auf eine, nach so langem Zögern zeigten, sowie der Unterstützung der Sozialdemokraten, die sür die Regierung stimmten, nicht weil sie diese Politik billigten, sondern weil sie überzeugt waren, daß unverantwortliche Opposition sofort zum Ehaos sühren, die deutsche Demokratie und Republik gefährden würden." Der„Daily Herold" schreibt: Es ist wahr, daß mehr als eine Mehrheitspartei oersucht hat. dem Kabinett in allgewohnter Weise ihre Bedingungen aufzuzwingen. Aber sie sind einer neuen. Festigkeit begegnet, und es ist vor ollem wichtig, daß der starke sozialdemokratische Block die Regierung in den kritischen Mo- menten der letzten Woche unterstützt hat, mit der offen zugegebenen Begründung, daß das Ueberleben des Kabinetts die einzig« Mög- lichkest sei. um den Zusammenbruch des verfassungsmäßigen Regierens zu vermeiden." „Landvolk" kündigt. Brüning„in roten Ketten".— Keine Regierungsmehrheit in den Ausschüssen. Die Reichstagsfrattion Deutsches Landvolk läßt über ihre gestrige Sitzung berichten: In der Fraktion herrschte vollst« Einmütigkeit In der Auffassung, die?lbhängigk«it des Kabinetts Brüning von der Sozialdemokratie sei nunmehr in aller Oesfentlichkeit er- wiesen. Die Fraktion sehe infolge der verstärkten Verbindung des Kabinetts Brüning mit der Sozialdeinvkratischen Partei die Lösung her außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Aufgaben im Sinn« der Landvolkauffassung als unmöglich an. Die Landvolkpartei bringt daher unter Aufrechterhaltung ihres Vertrauens zu Minister Schiele ihre Forderung nach einer grundsätzlichen Um- bildnng des Kabinetts unter Berücksichtigung des Wahl- crgebnisses zum Ausdruck. Zugleich beschloß die Fraktion, Einspruch gegen die Ver- tagung des Reichstagsplenums zu erheben. Das wird ihr wenig helfen, da der Reichstag durch Mehrheitsbeschluß für die Vertagung entschieden hat. Gestern tagte auch— zum erstenmal unter dem Vorsitz des hakenkreuzgeschmückten Frick— der Auswärtige Ausschuß. Seine Sitzung dauerte von 3 bis 8 Uhr abends: am 29. d. Mts. soll die Beratung fortgesetzt werden Bei dieser Gelegenheit bemerkte man, wie übel es um die Regierung in den Ausschüssen bestellt ist. So gehören dem Auswärtigen Ausschuß an: 7 Sozialdemokraten. 6 Nazi, 4 Kommunisten, 3 Zentrum. 2 Deutschnationale, 2 Landvolk, J Polkspartei, 1 Wrtschaftspartei. 1 Christlich-Sozial Konservativer, 1 Bayerische Lolkspartei, zusammen 28. Von diesen 28 gehören zum eigentlichen Heerbann der Regierung ganze 4 Mann, nämlich die drei Zentrumsleut« und der Bayer. Der fünfte von der Volkspartei ist schon nicht mehr ganz, sicher. Die Parteien, die bisher die Außen- Politik der Regierung unterstützt haben, also die genannten plus 7 Sozialdemokraten, stehen mit 12 Stimmen gegen 12 der„nationalen Opposition". Die 4 Kommunisten entscheiden! Im Haushaltsau sschuß steht es für die Regie- rung noch fataler, da sie hier mit sozialdemokratischer Unter- stützung viel weniger rechnen kann als im Auswärtigen Ausschuß. Hier zählt man S Sozialdemokraten, 7 Nazi, 5 Kommunisten. 4 Zentrum. 3 Deutschnationale, 2 Voltsparteiler, 2 Landvolk, 1 Wirtschaftspartei, 1 Christlich-Sozial Konservativer, 1 Bayer. Das sind im ganzen 33, die Mehr- heit beträgt 18. sichere Stimmen hat die Regierung aber nur fünf! Mit der Bolkspartei kommt sie auf 7, mit den Sozial- demotraten auf 16, dann muß sie aber noch zwei rechts von der Voltspartei dazu bitten. Wird das gehen?__ Die klage der Kühlhausindustrie gegen das Reich. Der Verhandlungstermin über die M i l l i n n e n t l a g e, die der Reichs- verband der deutschen Kühlhausindustrie gemeinsam mit den anderen Interessenten gegen das Reich angestrengt hat, weil durch das Gefrier fleische! nfuhruerbot die Kühlhausbetriebe unrentabel geworden seien, ist am gestrigen Montagmittag in letzter Stund« vertagt worden, da der Anwalt des Reiches, Justizrat Brod- mtz. erkrankt ist. Der neue Termin ist auf den 1. Dezember fest, gesetzt worden. Fünf schwere Tage.| Ein Rückblick auf die letzten Reichstagskämpfe. Von Paul L6bc. Als am Morgen des 15. September die Resultate der Wahlen in ihren wichtigsten Umrissen bekannt waren, über- wog bei den politisch Urteilenden im Lande der Eindruckt Dieser Reichstag wird überhaupt nicht zu ordnungsmäßiger Arbeit kommen, sondern für die Dauer ver Hand- lungsun fähig sein. Zwei starke Fraktionen, die das Parlament selbst bekämpfen und verächllich machen wollen, in seinem eigenen Schöße dazu weitere Parteigruppen, die dieses Spiel mit unverhohlener Freude betrachten, ja be» günstigen,— das Todesurteil fei gesprochen, ehe dieser Reichstag zu seiner ersten Sitzung zusammentritt! Selbst die Optimisten trösteten sich nur mit dem Spruch, daß es„ganz so schlimm" nicht werden würde. Es ist nicht ganz so schlimm geworden, aber gerade schlimm genug. Die Arbeit des Reichstags konnte nicht lahmgelegt werden, aber sie wurde unter äußeren Um- ständen und Szenen verrichtet, die nichts weniger als „Würde" zeigten, um einen Ausdruck des Reichspräsidenten Hindenburg beim Empfang des Präsidiums zu gebrauchen. Manchmal scheint es wirklich so weit zu sein, daß die Bcr- Handlungen unter der Flut unparlamentarischer Kund- gebungen unterbrochen werden mußten. Schon die Umstellung des Parlaments- gcbäudes mit starken Polizeikräften war eine ebenso ungewöhnliche, wie unerwünschte, aber leider not- wendige Vorsichtsmaßnahme. Sie hing zusammen mit dem im voraus angekündigten Uniformeinmarsch der Nationalsozialisten., der sowohl Neugierige wie Sympathisierende der Braunhemden in großer Zahl heran- gerufen hatte, die durch laute Kundgebungen die Polizei zum Einschreiten zwangen. Oder hätte die Polizei warten sollen, bis auch im Hause der Volksvertretung die'Scheiben ein- geschlagen werden? Aus der Mitte des Reichstages ist sofort nach meiner Wahl die Frage an mich gestellt worden, o t» das Erscheinen in Uniform überhaupt ge- duldet werden solle. Sie wird in den kommenden Wochen gelöst werden müssen. Aber es ist kein Zweifel, daß diese Uniformierung im höchsten Grade uner- wünscht ist. Sie teilt schon im voraus das Parlament in feindliche Armeelager und das muß unerträglich werden, wenn das Beispiel von anderen Gruppen nachgeahmt wird- Der Sinn der Parlamentsarbeit ist es doch schließlich, in erster Linie Gründe gegen Gründe, Ueberzeugung gegen Ueberzeugung zu setzen, sie vor. dem Hause darzulegen und dann Entscheidungen zu fällen. Schon die äußerlich sichtbare Abgrenzung erschwert es, sie läßt minde- stens den Anschein zu, daß der eine Teil bald hier, bald drüben oersichert: ich will Gründe gar nicht hören, ich.bi« fertig, ehe der Gegner beginnt. Ganz abgesehen von der gesteigerten Gefahr der Zusammenstöße, die sich aus solchen uniformierten Gruppen im Hause des Reichstags ergeben- Die eigentliche parlamentarische Auseinandersetzung wird aber auch durch den Umfang, den Zurufe und Demonstratio- nen während der Debatte erreicht haben, aufs äußerste ge- fährdet. Das minutenlange Händeklatschen, früher nicht üblich, die Sprechchöre, die massenweisen Schlußrufe und organisierten Störungen, ganz gleich von welcher Seit« sie kommen, sind mit dem Prinzip der freien Aussprache nicht vereinbar, sie hindern den Redner, geordnete Gedanken- gänge vorzutragen. Störungen dieser Art wurden im vergangenen Reichs- tag zuerst von den Kommuni st«n geübt, die ja auch dos Uniformtragen hier und da vereinzest eingeführt haben. Kommunistische Redner griffen in zügelloser Weise andere Parteien an, oft über die Grenze des parlamentarisch Er- laubten, setzen aber sofort mit Sturmszenen ein, wenn einer der Angegriffenen antworten wollte, so daß schon deshalb oft auf die Antwort verzichtet wurde. Was damals eine vereinzelte Erscheinung war, droht jetzt regelmäßig wiederzukehren und richtet sich bei der jetzigen Stärkeverteilung der Parteien gerade gegen die. die es früher allein ausübten. Der erste Sturm richtete sich gegen Herrn Dr. Frick, als er in der ersten Sitzung unter dem Alterspräsidenten das Wort ergriff. Der zweite aber kam dann gegen Herrn Torgler bei der Redeschlacht um den Vizepräsidenten. Was die Kommunisten früher selbst praktizierten, machte jetzt ihrem eigenen Sprecher das Weiter- reden unmöglich. Schließlich griff diese Methode der Ver- geltung auch auf andere Parteien über. Am letzten Tage wurde es gegen den sozialdemokratischen Redner, Abgeordneten Dr. Hoegner. geübt, worauf sich dte Sozialdemokraten bei der Rede des Herrn v. Reventlow zu revanchieren versuchten. Beide Redner hatten die Behauptung vom Empfang ausländischer Gelder für den politischen Gegner aufgestellt. Solche Behauptungen können widerlegt, aber nicht durch Schreien aus der Welt geschafft werden. Zur Widerlegung aber ist«ine geordnete Debatte und ruhiges Anhören nötig. Wem schon das An- hären unerträglich erscheint, der muß sich dem durch Abwesen- heit entziehen. Er darf aber den Redner nicht hindern, son- dern muß es dem Präfidenten überlassen, einzugreifen, falls die parlamentarischen Grenzen überschritten werden. Es ist ja überhaupt ein charakteristisches Zeichen dieses Reichstags, daß Unarten, wie sie früher von den Kommunisten geübt wurden, ihnen jetzt von einer stärkeren Fraktion heimgezahlt werden, zugleich ist es aber ein Beweis, daß diese Störungen nicht ge- duldet, sondern unter allen Umständen unterdrückt werden müssen. Sprechchöre, Gesangs- Vorführungen, Schimpfkanonaden hindern das Parlament, seine Aufgabe zu erfüllen und niemand kann sich über'Per- tagungen beklagen, wenn er sich vorher selbst bemüht hat, das Parlament arbeitsunfähig zu machen. Es ist trotz aller dieser Störungen, trotz aller finsteren Prophezeiungen gelungen, die Lahmlegung des Reichstags zu verhindern. Er hat die ihm zunächst gestellten Fragen in ordentlichen Abstimmungen erledigt, wenn auch unter vielen Hindernissen und bei Anspannung aller Rervenkraft. Mehrfach haben die Führer der obstruierenden Parteien selbst versucht, ihre unbändige Gefolgschaft zur Ruhe zu bringen. Herr Straßer sprach in der letzten Geschästsordnungs- debatte die unbegründete Behauptung aus, der Reichstag werde nicht am 3. Dezember, er werde überhaupt nicht mehr zusammentreten. Zu solchen Behauptungen liegt keineBeranlassung vor. Solange der Reichstag sich nicht selbst umbringt, wird er zusammentreten, wird er seine Entschlüsse fassen, wird er seine Rechte wahrnehmen können. Dafür zu sorgen ist meine Aufgabe und Pflicht. Eine andere Entwicklung könnten die Dinge nur nehmen, wenn diejenigen die Voltsvertretung zur Arbeit un- fähig machen, die jetzt am lautesten von den Rechten des Volkes reden! Ich nehme an, daß die Mehrheit stark genug und gewillt ist, das zu verhindern, was sie in den ersten fünf Tagen dieses Reichstags verhindert hat. Gteinwürfe auf Hörfing. 7l«i und Kozi in Roheit vereint. kiel, 20. Oktober.(Eigenbericht.) Am Sonntag fand in Kiel eine Gantonferenz de« Reichs- banners Schwarz-Rot-GolS» statt, an der der Bundesoorfitzenbe Oberpräsident Hörsing-Maqdeburg teilnahm. Hörsing traf am Sonn- abendabend in Kiel ein und wurde vom Reichsbanner, das geschloffen dm Bahnhos ausmarschiert war, begrüßt. Die Ankündigung bes Reichsbanners, daß es zu einem Unizuq aufgerufen hatte, de- antworteten die Nationalsozialisten und Kommunisten damit, daß sie ihre Anhänger gleichfalls nach dem Bahnhof dirigierten und daß Ksfonbers die Kommunisten aufforderten,„gebührend zu begrüßen". Als Hörsing den Bahnhof verließ, wurde er stürmisch vom Reichsbanner begrüßt und sofort setzte ein ohrenbetäuchender Lärm der Kommunisten und Nationalsozialisten ein. Da« abmarschierend« Reichsbanner übertönte mit feiner Musik sofort den Lärm, und nun begann ein mustergültiger Umzug durch die Stadt nach dem Gewerk- fchaftshaus. Die Kommunisten und Nationalsoziali st en vereinigten sich jetzt und marschierten an beiden Sellen des Reicfysbanncrzuges, die wüstesten Beschimpffingen und Beleidigungen gegen Hörsing ausstoßend. Das Reichsbanner reagierte auf diese Provokationen nicht. Deshalb gingen die vereinigten Kommunisten und Nationalsozialisten zum Angriff über und begannen mit Steinen zu werfen, und zwar auf H ö r s i n g und den neben ihm marschierenden Gauvorsitzenden Hansen. Nunmehr war die Geduld des Reichsbanners zu Ende. Der Angriff wurde tatkräftig abgewehrt und die Kommunisten und Nationalsozialisten wurden in kurzer Zeit in die Flucht geschlagen. Der Reichsbannerzug konnte dann ungestört weitermarschieren. Stur an einigen Straßenecken erfolgten neu« wüst« Beschimpfungen und Beleidigungen. Ganz ohne jede Ursache wurde ein Reichsbonner- niann kurz vor dem Gewerkschaftshaits durch einen Messerstich in den Rücken schwer oerletzt. Er mußte ins Krankenhaus ge- bracht werden. ?m Garten des Gewerkschoftshause» sprach Hörsing vor vielen tausend Menschen über die politisch« Lage und kennzeichnet« die ganze Roheit der Kommunisten und Nationalsoziqlfften. Auf der Gaukonferenz am Sonntag erklärte Bundesoorsitzender Hö r s i n g unter stürmischem Beifall, das Reichsbanner werde niemals angreifen, es sei ober gerüstet und werde die nationalsozialistischen und kommunistischen Angreifer zurück- schlagen, und zwar mit denselben Mitteln, mit dem der Angriff auf dos Reichsbanner selbst oder auf die Republik erfolgt. Die Gau- konfevenz zeigt« aufs neu«, daß dos Reichsbanner die politische Lage durchaus kennt, daß es stark im Wachsen ist, und daß e» für den Schutz der republikanischen Bersassung Und der geiamten republikanischen Front notwendiger denn je ist. Nazi-Llmgang mit Mimstern. Kupp und die Ruppigen. Die Regierung hat setzt das Bergnügen, auf Reichweite direkt den 107 Nazis gegenüberzusitzen. Di« springen manchmal auf und «eisen mit dem Finger auf den oder jenen Minister, der dann den Kops zurückbiegen muß. um seine Nase in Sicherheit zu bringen. Schon ist der Abg. L« y— von dem man behauptet, er habe ein v aus seinem Namen gestrichen— wegen Belästigung der Minister zur Ordnung gerufen worden. Am Sonnabend begab sich folgendes: W i r t h sah einen jungen Mann und sprach ihn an:.Sagen Sic. sind Sie nicht der Sohn meines atten Londtagskollegen R u p p?* Kaum hatte das der Angesprochene bejaht, als sich«in Dritter dazwischen schob:.Du— mit d em(auf Wirth weisend) darfst du nicht sprechen! Das ist überhaupt kein Mensch!" Besprechungen über den(sinanzausgleich Reichskanzler Dr. Brüning und Reichssinenmnimster Dr. Dietrich werden am Dienstag zu einem kurzen Äusenthalt in Stuttgart eintreffen und mit Un Ministern von Württemberg, Baden und Heffen über die Fragen des Finanzausgleichs und der Gestaltung der Fiiwnrn in Reich, Landern und Gemeinden Besprechungen sichren. Bitte Farbe bekennen! Wie stellt sich die Kommunistische Partei die Zukunst vor? W-e zu erwarten, stimmt die„Rote Fahne' das üblich« Ber- wtgefchrei gegen die Sozialdemokratie an. Sie hat sogar entdeckt. daß die Abstimmung vom Sonnabend„der größte Berrat seit 1914" gewesen sei, wobei ihr offenbor entfallen ist, daß sie das gleiche schon rund zwei Dutzend Mal behauptet hat. Wollt« man die Kraftworte wie„Schandtat",„Betrug" usw. zählen, die das kommunistische Organ in wenigen Zeilen anbringt, man käme nicht zu End«. Rur über eins schweigt sich die„Rote Fahne" aus: wie nämlich »ach einer ihr genehmen Abstimmung der Sozialdemokratie die Sache hätte weitergehen sollen. Di«„Rote Fahne" schuldigt die Sozialdemokratie zwar an, daß sie für die„halbfaschistische Regie- rung Brüning" gestimmt habe(was nicht der Fall ist), aber sie äußert sich nicht darüber, aus welche Weise die Kommunisten nach einem Sturze der Brüning-Regierung eine ,g a n z- f a s ch i st i s ch e" Regierung hätten oerhindern wollen, eine Regierung mit national- soziqsistischem und deutschnationalem Reichswehr- und Innenminister, die ihre Hauptaufgabe darin erblickt hätten, den Staat in saschisti- schcm Sinne sturmreif zu machen und die Reichswehr dahin zu dirigieren, wohin die wegen Hochverrats verurteilten Ulmer Reichs- wehroffizier« sie haben wollten: daß sie nämlich im Falle eines Puffches die Reichswehr auf Rechts nicht schießen würde. Die Kommunisten sind auf die Frage, warum sie eine Regie- rung Frick-Hugenberg-Oldenburg-Ianuschau im Reich« der Regierung Brüning vorziehen, um so mehr eine klar« Antwort schuldig, als sie auch in Preußen alle? in ihren Kräften stehende getan haben, um einer faschistischen Diktaturregierung im Reiche freie Bahn zu schaffen. Erst vor wenigen Tagen hat die Kommunistenfraktion des Preußischen Landtages sich die redlichste Mühe gegeben, im Inter- esse der preußischen Rechtsparteien die Regierung Otto Braun aus dem Sattel zu heben. Bis zum letzten Mann haben die Kommunisten Schulter an Schulter mit den Nazis und den Deutschnationalen für das Mißtrauensvotum gegen Otto Braun gestimmt. Sie werden ohne Zweifel am Dienstag auch für die Auf- lösungsanträge der Rechten stimmen, die daraus abzielen, einer Rechtsregierung in Preußen die Bahn sreizu- machen. Was ist also das praktische Ziel der kommunistischen Politik? Die kommunistische Politik erstrebt im Reiche wie in Preußen Rechtsregierungen unter bestimmen- dem nationalsozialistischem Einfluß. Di« Sozialdemo. kratie verhindert diese Rechtsregierung und wird von den Kommu- nisten deswegen beschimpft. Die Arbeiterschaft hat aber ein Anrecht daraus, von den Kommunfften zu erfahren, wie dies« sich das Weitere eigentlich vorstellen, wenn die Sozialdemokratie etwa wirklich so töricht wäre, der KPD. ihren Willen zu hm und auch ihrerseits den Rechtsparteien im Reich und in Preußen ans Ruder zu verhelfen. Glaubt die„Rote Fahne", daß die Arbeiterklasse besser fahren wird, wenn die Reichswehr Herrn F r i ck und die preußische Polizei Herrn Goebbels untersteht? Man hat doch wohl das Recht, van den Kommunisten eine präzis« Antwort— nicht irgendwelche allgemeinen Phrasen— auf die Frage zu hören, wie sie in einer solchen Sttuatton erfolgreich für die Arbeitsrklaffe zu operieren, namentlich die Gefahr einer Rechtsdiktatur zu verhindern gedenkt Die.Rot« Fahne" hofft auf innere Streitigkeiten, in denen der Sozialdemokratie„dos Genick gebrachen" werden könnte. Ber- gebliche Hoffnung! Die sozialdemnlratischen Arbeiter sehen erstaunt und entrüstet, wie die KPD. alles tut, um dem Faschismus zu helfen. Sie denken nicht daran, den Kommunisten gegen ihre eigene Partei Dienst« zu leisten. Amnestierie Mordlust. Dafür haben die Kommunisten gestimmt. Durch die in der Somrtognacht vom Reichstag beschlossene Amnestie wird der Landwirt Klapproth, der von den Feme- Mördern noch saß. aus dem Gefängnis entlassen werden. Er war an mehreren der Feinemordtaten beteiligt und sollte noch bis zum Jahr« 1940 Strafe verbüßen. Wie ein Gericht, das wirklich nicht in dem Devdadst stand, scharf gegen die Fememörder zu sein, sich über Klapproth geäußert hat, beweist die Urteilsbegründung des«schwur- gerichts Landsberg a. d. W. In den schriftlichen Urteil-- gründen heißt es u. a.: Bei der Tat hat Klapproth eine so unmenschliche Roheit an den Tag gelegt, daß dadurch alle M i lde r u ng e- gründe wettgemacht werden. Wenn er Büsching ver- hindert hat, Gröschke bereits in der Zelle niederzuschlagen, so ge- schah dos nicht etwa aus einer Regung de-Mit- l e i d s heraus, er wollte es lediglich vermeiden, daß die Zelle mit Blut besudelt imd die Tat sofort entdeckt würde. Dann schleppte klapprolh den zerschundcnen, kaum mehr seiner Sinne Mächtige» zum Tode, wie man ein Tier zur Schlachtbank schleppt. Nicht emen Augenblick kam ihm der Gedanke, daß die ganz unbe- stätigten Vorwürfe für die Derräterei, für die Gröschke den Tod erleiden sollte, vielleicht unbegründet sein könnten. Er dachte nicht daran, daß man dem Opfer noch eine letzt« Gelegenheit geben müßte, sein Gewissen zu erleichtern und nm Gnade zu stehen. Seine Mordlost war geweckt, und er wollte ihr frönen. Das Gericht hatte den Angeklagten Klapproth und Raphael auch die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Es begründete die- folgendermaßen: Es kann unerörtert bleiben, ob ein lediglich aus politischen Gründen begangener Mord jemals eine ehrlose öhandiung sein kann. Hier aber bei der Tötung eines wehrlosen Menschen hat jedenfalls die politische Erwägung nur«in« ganz geringe Rolle gespielt, vorherrschend war die unmenschliche Roheit und hemmungslose Mordlust. Deshalb hat das Gericht die Tat dieser beiden Angeklagten als ehrlos angesehen. Und so etwas läuft nun dank der kommunistischen Hilfe wieder in Freiheit herum! Die edle Entrüstung, die di« Kommunisten jahrelang über die Fememovd« gemimt haben, erweist sich als heuchlerffch« Komödie. Herr Klopproth ist Fleisch van ihrem Meisch! Ein kleiner Goebbels. Auch der»Herr Baron� von Ribbentropp ist krank. „Bor dem Gericht dieses Systems steht heut« der Pg. v. Ribbentropp, München. Ueber den Aus- gang dieses Prozesses spricht er und sein Verteidiger Pg. Rechtsanwalt Dr. Feister, Kassel, heut« abend 20 Uhr in den Stadthollen. Juden Zutritt verboten. NSDAP. Weißenfels." Mit diesen Handzetteln wurde an einem Vormittag der letzten Woche Weißenfels überschwemmt. Vor dem Großen Schöffengericht sollt« sich der berufsmäßige Naziogitator von Ribbentropp wegen Vergehens gegen dos Republikschutzgesetz verantworten. In einer Naziversammlung im August d. I. hatte er in unflätigster Weis« den Reichspräsidenten Ebert, den Reichsaußenmintsier Strese- m a n n und den preußischen Ministerpräsidenten Braun beschimpft. Von einem anwesenden Kriminalbeamten wurden seine gröbsten Gemeinheiten, z. B.„Stresemann habe sich totgefressen, während Millionen verhungerten", sofort notiert und Anzeige erstattet. Trotz der marktschreierischen Handzettel zog es der„Pg." Man- fred von Ribbentropp vor, den besseren Teil der Tapser- keit zu wählen. Er knisf. Nach berühmten Vorbildern schickte er dem Gericht aus einem oberbaycrischen Kurort ein ärztliches Attest, wonach er mit den Nerven derartig her- unter sei, daß er zur Verhandlung nicht erscheinen könne. Außer- dem habe er einen Grippeanfall. Merkwürdigerweise war trotz der Bombenreklame kein einziger Nazi als Zuhörer erschienen. Man hatte also gewußt, daß dieHandzettelDummensang waren. Oberstaatsanwalt Keßler beantragte den sofortigen Er- laß eines Haftbefehls. Das ärztlich« A t t« st sei sehr zweifelhast und unglaubwürdig. Ribbentropp, der als nationalsozialistischer Wanderredner in ganz Deutschland umHerreise, sei sehr schwer zu fassen und müsse endlich einmal festgesetzt werben. Nach kurzer Beratung entschied das Gericht:„Ribbentropp soll ein amtsörztliches Attest beibringen. Wenn das nicht geschieht, wird Haftbefehl erlassen." Aazi-Geld nach Dänemark! Hokenkreoz-Kapital flüchtet vor dem Hakenkreuz In einem Borrklontor einer dänischen Grenzstoht erschien unlängst— so erzählt der Kopenhagcner„Socialdemokroten"— ein deutscher Herr und verlangte dringend eine Unterredung rmt dem Direktor unter vier Augen. Vorgelassen öffnet« der Deutsch« seinen Rock, trennte das Futter auf und überreichte dem Direktor 3500 M. zwecks Verwahrung. Der seltsam« Vorgang gab dem Direktor Anlaß, mit dem Deutschen«in politisches Gespräch anzuknüpfen, in dem sich dieser als strammer Nationalsozialist bekannte. Das dritte Reich, versicherte er. werde bestimmt kommen. Bis dahin jedoch müsse man mit allen Eventualitäten rechnen. Damm bringe er jetzt fein Bißchen in Sicherheit. Groener gegen Oldenburg. Briefliche Antwort angekündigt. Der Reichswehrminister wird aus die Rebe des beutschnationalen Reichstaqsabgeordneten von Oldenburg. Ionuschou in der Sonnabendsitzung des Reichswgs brieflich antworte». In der Antwort, die nach der inzwischen erfolgten Ginsichtvahme des ReichsweHrministers in das amtlich« Protokoll der Red«, am Di«»-»- tag oder Mittwoch an Oldenburg-Januschau abgehen wird, werden die Angriff« des deutschnationalen Abgeordneten auf die Führung der Reichswehr entschieden zurückgewiesen und charakterisiert werden. Die Schiebung der parzivale. Demokratischer Schmerz um sechs Mandate. Der Ehescheidung zwischen Demokraten und Iungdeuffchen folgt die Vermögensauseinandersetzung auf dem Fuße. Die Iungdoleut« erklären kaltblütig: Wir zahlen nicht! Da die Demo- traten Bargeld nicht erhatten können, wollen sie Mandat«. Herr H ö p k e r- A s ch o f f hat di« Jungdo-Reichstagsabgeordneteu Abel, Adolph, Dornemann, Baltnttjch, Hesse und Prutz aufgefordert, ihr« Mandate niederzulegen und si« für die Staatspartei, will sagen für di« Demokraten frei zu machen. Indessen ist auch da nichts mehr zu holen. Einer der Aufgeforderten hat bereits höflich und entschieden abgelehnt. Er hat sich für die„wirklich aufopfernd« Wahlarbeit" der Demokraten für ihn bedankt— aber«r behält sein Mandat. Di« reinen Parzivale vom Iungdv entpuppen sich plötzlich als gerissene Jungen. Was sie mit de» Demokraten gemacht haben, ist ein« nett« Schiebung! Sozusagen politischer Heirat?- schwinden Moldenhauers neues Ami. Im Dersicherungsbeirat beim Reichsaufsichisamt. Der Reichspräsident hat den R«ichsminist«r a. D. Dr. Molden- Hauer und den Redakteur der„Frankfurter Zettung", Artur Lauinger, auf die Dauer von fünf Iahren zu Mitgliedern d«s Berficherungsbeirats beim Reich-ausstchtsamt für Privatversicherung ernannt. Moldenhauer kann kaum als unabhängiger Bersicherungsmonn gelten. Deshalb ist die Ernennung zu bemängeln. An sich sind im Beirat des Reichsaufsichtsamts solche Leute vertreten, dl« von den großen Bersichevungsdirektoren abhängig sind. In der Praxis kon- trollieren sich also di« Direktoren selbst. Wir bringen das Versagen des Reichsaufsichtsamts nicht zuletzt mit dieser Tatsache in Der- bindung. Die Forderung der Angestelltenorganisationen. Arbeit- nehmer in den Beirot zu delegieren, erhält dadurch ihre tiefere Be- deutung. Leider Hot man davon abgesehen. Damit kann die Angelegenheit natürlich nicht erledigt sein. Di« Angestellten. Organisationen werden weiter um ihr« Vertretung im Beirat kämpfen. Karneval und Aoi. Eine Mahnung des Oberprästdenien der Rheinprovinz. Koblenz, 20. Oktober.(Eigenlxricht.) In einem Aufruf«rsucht der Oberpräsident der Rheinprovinz die rheinisch« Bevölkerung, gefeltschaftliche Veranstaltun- gen, die zur Not der Zeit in stärkstem Gegensatz stehen, i m kommenden Winter in weite st en. Maße«inzu- schränken. Wenn Feiern nickt ganz oermieden werden könnien, dann sollten sie schlicht einfach und kurz fein. Die vereitelte Diktatur „Wer hat uns verraten?- Die Sozialdemokraten!� pilstidskis neuester Anfall. Er kann vom Abort nicht lassen. Lsnisrnehmerfolidarität. Vertrauliches Rundschreiben der Spitzenorganisationen. Wir sind in der Lag«, den Inhalt ein«? nertrau« lichenRundschreibensder Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zu veröffentlichen. Das Rundschreiben ist datiert vom 17. Oktober 1930 und trägt die Nummer 137. Zunächst werden die bekannten Vorgänge aufgezählt. Dann heißt es: Mit RüSfichi auf die allgemeine und grundsätzliche Bedeutung dieses Schiedsspruches für die Bekämpfung der Arbeitswflgkei« durch Senkung der Gellehungskosieu der deutschen BUrischast ist es selbstverständlich, dag das gesamte deutsche Unternehmertum gegenüber den Milgliedssirmen des Verbandes Berliner Met allindustrieller in jeder Einsicht Solidarität übt. Dazu gehört auch well. gehende Rücksichtnahme hinsichtlich der Ausführung von Ans. trägen, die an bestreikte Firmen bereits vergeben sind oder vergeben werden sollen. Ebenso wie in dem alten Absatz, und Kundenkreis der Berliner Metallindustrie während des Streik» nicht von dritter Seite unter uu'soltdarischer Ausnutzung der Streiklage eingegrlssen werden darf. Wir bitten umgehend iu diesem Sinne für weitestgehende Aufklärung in 2hren Mitgtiedskreisen Sorge zu tragen. Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber-Verbände. gez. Brauweiler. Reichs bund der deutscheu Industrie. gez. Sastl. Man sieht also: um die Löhne der schlecht bezahlten Ar- bester und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie noch mehr zu drucken, gibt es für das gesamte Unternehmertum nur«ine Parole: unbedingte Solidarität mit den Lohndrückern. An einer solchen Klassensolidarität, auch unter Opferung des eigenen Profits könnte sich mancher Arbeiter— von den Kommunisten gar nicht zu reden— noch ein Beispiel nehmen. Ueber die Streiklage selbst berichten wir in der zweiten Beilage. Die Affäre Aieniimp. Oer frühere Reichstagüabgeordnete noch Straßbarg geflüchtet. Bochum. 20. Oktober.(Eigenbericht.) Der frühere Reichstagsabgeordnete des Zentrums, Rientimp aus Bochum, gegen den in Dortmund ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Bestechung schwebt, soll, mi« es heißt, nach Straßburg geflüchtet sein. Verhandlungen Nientimps und seines Mitwissers, des früheren Geschästsjuhrers der Groheinkoussgenosienschaft der westfälischen Bäckerinnungen,.hundertmark mit dem Vorstand der Genossenschaft, durch Zahlung von 80 000 Morl den Schaden gutzumachen und dadurch einen Strafantraq zu verhindern, zerschlugen sich, weil hundertmark sich an der Aufbringung der Summ« nicht beteiligen wollle. Kein Kurswechsel in Güdiirol. Oer italienische Faschismus dementiert eine« Hitler« Schwindel. Aus die vor einigen Tagen tmrch di« deutlck« Prest« gegangene Meldung(i>. Jj. vor ollem durch den„Völkischen Beobachter", der diesen Schwindel zwecks St irnnnmgsma ch« für den Faschismus groß auftnachte. Red. d.„V-"), wonach der Präfekt von Bozen angeblich den deutschen Privatschulunterricht in vollem Umfang« wieder zugelassen habe, schreibt die Zeitung ,FZl Brenner o" wörtlich:„Es ist überflüssig zu sagen, daß diese Meldung absolut jeder Grundlage entbehrt und daß di« deutsch« Presie da» Opfer einer Ente geworden ist, deren Ursprung man sich leicht denken kann. Die direkte und gradlinige Politik der Herrschaft gegenüber Südtirol wie auch gegenüber allen anderen Gebieten Italiens läßt kcineUmtehrzu. Auch hinsichtlich der Aushebung der deutschen Schulen, die ein Herd des Anti-Italienerwms waren, gibt es keine Umkehr. Es genügt das Beispiel der kürzlichen Schließung der slowenischen Schule in Trieft, die ein wahres Infektions-entrum für die moralische Gesundheit der jungen Seelen war, um zu verstehen, wie gefährlich dergleichen Kutturoasen in dem ruhigen und ernsten Leben der italienischen Grenzprovinzen sind." Krise im Zionismus? Weizmann legt den Vorsitz nieder. Der Präsident der zionistischen Wellorganisation und der Iewlsh Agency in Palästina, Dr. Weizmann, bat dem englischen Kolonialminister in einem Schreiben mitgeteilt, daß«r seine Aemter niederlege und einen Kongreß der beiden zio. nisti sehen Organisationen einberufe. Dieser Entschluß dürste mit folgender Meldung aus London zusammenhängen:» Die englische Regierung wirb am Dienstag eine Erklärung über die Palästina-Politit veröffentlichen. Damit findet die Diskussion zwischen London und Genf über die Verwaltung de» palästinensischen Mandats durch England ihren Abschluß. D'e Erklärung der Regierung wird di« Richtlinien entHallen, die sich aus den Untersuchungen verschiedener englischer Kommis- sionen in Palästina über die arabisch-jüdische Frage, soivi« über die Einwanderungspolitik ergeben haben. In englischen zionistischen Kreisen herrscht bereits große Erregung über die pon der Regierung geplant« Einführung eines Parlaments in Palästina, in dam die Araber offenbar eine stark« Vertretung hab«n sollen. Die hrimwchrregierung vaugoin hat unter offenem Versassungs- bruch die ständige Parlomentssommission im Wehrmini- stzrium abgeschafft. Gegen den früheren Vundesbahnpräsidenten Dr. G ü n t h« r hat die Staat-anwallschaft wegen der Geheimfonds eine Untersuchung«ingelellet, ebenso gegen zwei frühere Direktoren, die hohe Zuwendungen erhallen hatten. Bei den Vertrauensmänner- mahlen im Bundesheer haben die sozialdemokratischen Soldaten leere Zettel abgegeben, da der amtliche Wahlschwindel ihnen doch kein« Erfolgsausstcht läßt, sie aber nach Maßregelungen aus Rache kein« Sehnsucht haben. Die Soldaten haben da» politische Wahl- recht und werden es am ü. November ausüben. In Ihelssngfor» ist für heut« ein großer Lappo-Aufmarfch an- gesagt. Man befürchtet einen Putschoersuch, zumal die Regierung die Entführer des Expräsidenten Stahlberg hat verhaften und den i'appo-Fiihrcr Ko j o l a zur Selbststellung hat auffordern lasse». Die Lappo-Leitung erklärt schon vorfichtshalber, dieser Aufmarsch gdfc utztzt poft Itzr anäi___________ w u d-j„ Marschau, 20. Oktober.(TU.) In einem treuen Sonntags-Interview spricht Pilsudski wieder non seinen augenblicklichen Arbeiten am Haushaltsplan für das kommend« Haushaltsjahr. Auch dieses Interview enthält die an Pilsudski in der letzten Zeit gewohnten drastischen Schi m psworte und gibt daher erneut zu bestimmten Bedenken Airlaß. U. a. erklärt er, das bisherig« System habe notgedrungen zu Betrügereien geführt. Er habe dem Iustizminister Ca r und dem Innenminister General Skladlowsli(die vom letzten Sejm am heftigsten bekämpften Minister) geraten, sie sollten sich wählen lassen, um im kommenden Sejm den Abgeordneten sagen zu können:„D u Dummkopf, ich bin gerade so«in inrobhängiger Abgeordneter wie auch du Trottel, daher schweige und stecke dein Maul in deinen Aborl!" Zu den letzten Vorgängen, wie dem geplanten Bombenanschlag und dem angeblichen Anschlag in Ezenstochau, di« ihn, Pilsudski, .nur wenig angingen", erklärte der Marschall, das feien die Folgen einer Zusallserjcheinüng und eines ziemlich stinkenden Größen- Wahnsinns der Sozialisten. Denn zunächst redeten di« Sozialisten von„Bewaffviivg des Volkes" und hätten hierzu dunkle und geistig wenig entwickelt« Elemente herangezogen, um dann von ihnen ad- zurück«» und die Schuld für di« Taten anderen in die ivchuh« zu schieben. Der Versuch, den Parlamentarismus mit dem Revolver zu verbinden, fei«in Rekord der Dummheit der polnischen Sozia- listen. Sobald die Mahlen vorbei seien, werde er. Pilsudski. jegliche Demonstrakionen endgüliig verbieten. » Der angebliche Anschlag auf Pilsudski, der ihn auf einmal„nur wenig angeht", stellt sich immer deutlicher als eilt« plumpe Pol». zeiaktianfpitzelaktion heraus, zu der sich ehemalig« Terro- risten aus der Zarenzeit und Freunde Pilsudski?, die in der PPS. nie eine Rolle gespielt haben, angegeben haben. Um aber die 'Wahrheit über diesen verbrecherischen Treiben seiner eigenen Organe zu unterbinden, hat Pilsudski den sozialdeinokratischen „R o d o t n i k" wieder einmal beschlagnahmen lassen!« Was ist mit Liebermann? Aus Warschau wird uns geschrieben: Zu der kürzlich durch die Press« gegangenen Mitteilung, wonach der Führer der polnischen Sozialdemokratie, Lieber mann, einen Mandatsverzicht unterschrieben habe, erfahren wir, daß das betreffende Schriftstück wicht von Liebermann selbst unterschrieben ist, sondern von drei polnischen Festungsosfizieren der Festung Brcst-Litowsk, wo Liebermann seit Auflösung des Sejm in Haft gehalten wird. Obwohl der Wahlkommissar diese „Berzichts'erklärung nicht anerkannt hat, herrscht in den Neuer Konflikt Rußland— Mandschurei. Rassische Ostbahner ermordet. Mio»tau äber Kowno. 20. Oktober.(£11.) Das Autzeukommtssartat btr Sowjetunion hat ein Telegramm von dem Leiter der chinesischen Lstbahn er- halten, worin dieser mitteilt, daß am 12. Oktober zwei sowjetrussische Angestellte der Ostbahn, Dakatin und Bogolebow, ermordet worden seien, zwei weitere Ange- stellte von Weißgardisten verhaftet worden seien. Der Letter der Ostbahn schreibt die Morde de« Weißgardisten zu. Von der Sowjetregierung werden Schritte verlangt, um die Angestellte« der Ostbahn vor Terrorakte» zu schützen. Das Außenkommissariat hat darauf de« rvssi- schen Generalkonsul in Eharbi« angewiesen, sofort eine Untersuchung einzuleiten. Eechswochenbilanz der Moskauer GM. «4 Todesurteiie, 2000 Verschickungen nach Sibirien. 736 Gefängnisstrafen. Nach amtlichen Moskauer Meldungen hal die GVll. im September v n d in der ersten Hälfte des Oktober rund ZflOO Skrasncrsohren gegen russische Bürger in Moskau durchgeführt, dl« beschuldigt waren, Gegenrevolution und Spekulation mit cebeusn'ittelu betrieben zu haben. 2000 der Ange- klagten wurden nach Sibirien verbannt. 738 wurden zu G c- täaznlsjlrafcn vernrteitt und 04 zum Tode. Kreisen der polnischen Sozialdemokratie lebhaste Beunruhigung über das Schicksal Liebermanns, von dem seit seiner Verhaftung keinerlei Lebenszeichen mchr vorliegen. Es wird sogar befürchtet, daß Liebermann dem Fanatismus der Pilfudfki-Leute zum Opfer gefallen fein könnte. Oer Tschenstochauer Mord. Aus Polen erfahren wir: Da sich der Mann, der drei leiteiche Funktionäre der Tschensio- chauer Krankenkasse durch Schüsse getötet hat, gleich darauf selbst das Leben nahm, ist der Grund oder Anlaß der Tat nicht feststell- bar. Es gibt keinen Anhalt dafür, daß der Täter Mitglied oder Anhänger der sozialistischen Partei war und daß die Zerstörung des Parteilokals durch Faschisten ihn zu seiner furchtbaren Tat veranlaßt hat: aber die Sozialistenhetze hat sich dieses Falles sofort bemächtigt und Dutzend« Tschenstochauer Sozialisten verhaftet. Gemeinsamer Mahlaufruf deutscher und polnischer Sozialisten. Marschau. 20. Oktober. Die Polnische Sozialistische Partei und die Deutsch« Sozialistische Arbeitspartei in Polen erklaren in einem gemein» famen Aufruf, daß der gegenwartge Kampf um di« Demo- fratic in Polen eine Zusammenarbeit des Sozialismus mit den Bauernparteien erfordere. Ans diesem Grund« hätten die beiden Parteien beschlossen, dem W a h l b l o ck der Links- und Mittelparteien beizutreten. Der Ausruf beschäftigt sich sodann in seinem Hauptteil mft der Minderheitenfrage, deren Losung die Verwirklichung dreier Grundsätze verlange:„Wirkliche und in jeder Hinsicht durchzuführende Gleichberechtigung der den nationalen Minderheiten angehörenden Staatsbürger mll Bürgern polnischer Nationalität: territoriale Autonomie für Minderheiten, welche geschlossene Siedlungsgebiete bewohnen: kulturelle und schul- politische Selbstverwaltung für sogenannte zerstreute Minderheiten." Der erste und dritte dieser Grundsätze, so heißt es im Aufruf weiter, umfassen die Gesamtheit der Bestrebungen und Bedürfnisse der deutschen Minderheit in Polen. Die beiden Parteien übernähmen di« Verantwortung dafür, daß im künftigen Sejm di« Interessen und gerechten Forderungen der deutschen werktätigen Massen in Polen verteidigt werden sollen. Die Solidarität mit sozialistischen Parteien der anderen nationalen Minderlieiten bleibe bestehen, obwohl diese Parteien(gemeint sind die ukrainischen und die jüdi- schen Sozialisten) in der gegenwärtigen Wahlkampagne«inen anderen Weg gegangen seien. Rußlands Spionage in Rumänien. 112 Verhaftungen. Bukarest. 29. Oktober.(Eigenbericht.) Rußland hat rn Rumänien fett Iahren«in« außerordentlich umfangreich« Spionageorganisation unterhalt«», mft der sich in den letzten Monaten ein Sonderdezernat der rumänischen Polizei Tag und Nacht beschäftigte. Als die Spione stch beobachtet suhlten und ihr« Tätigkeit umzustellen trachteten, griffen die rumäni» schen Behörden zu. Aus Veranlassung des Justizministers wurden in Bukarest, Kronstadt, Klausenburg, Iassy und zahlreichen anderen Städten über.Rächt 112 Personen verhaslel, die samtlich der Spionage zugmisten Rußlands überführt sein sollen. Samtliche Verhafteten wurden in das Militärgefängnis noch Bu. karest gebracht. Die russische Spionageorganisation verfügt« nach den bisherigen Ermittlungen über ungeheure Geldmittel. Der Loiteii der Organisation war ein r« j ch sd e u ts ch« r Inge» n i e u r, der direkt mit der Sowjetgesandtschast in Wien arbeitet« und von dort Geld und Instruktionen empfing. Bezeichnend für den Umfang der Spionageorganisation ist auch, daß st« in Bukarest einen Kurzwellensender unterhielt, der ständig mft Wi«» in Veidindung stand. Der Gegenapparat befindet sich in der Wiener Sowjetgesandtschaft. Gcncralkopilän Meyler gestorben. Der als Militärgouverneur non Kuba bekanntgewordene Generolkavitön und tpatere Chef des Generaljtabes Valeriana Weyler ist heute nachrnitofl im Alter von 91 Jahren gestorben. Weyler wurde als Gegner von Primo de Rivera noch vor vier Iahren auf die Insel Mallorra verbannt. Berlin soll reformiert werden. Das Eelbstverwaltungsgefetz für die Hauptstadt Verlin vor dem Landtag. Im Preußischen Saitbtog gab om Man tag nor Eintritt in die Ti-gesoodnuna Abg. Bugdodn(So�) eine Erklärung od. di« sich aiif die Behaupwng des Abg. Schubert(Komm.) bezieht, in der dieser dnnnn Mitteilung mochte, daß in einer Mitgliederyersonnnwng der SPD. in Altnno ein Anschluß und Zusammengeben mit der Kmnjmi- nistischen Partei beoiUrogt sei. An dieser Behauptung i st kein Wort wahr. Abg. Schubert stiiße sich auf einen Bericht eines in die Berfanunlung entsandten Spitzels, der ofsenbor seiner Ausgabe nicht gewachsen gewesen ist und in dem Bericht hinein- gebracht hat, was seine Austroggeber gerne hören. Einziger Punkt der Tagesordnung ist die erste Lesung des Eni- wurss eines neuen Seldstverwaltungsgeseßcs für die Hauptstadt verlin. Innenminister Dr. Waentig: Die Regicrungsnorlage ist der erste wichtige Anlaß für mich, vor den Landtag.pi treten. Ich kann nicht die Baterschast für diesen Entwurf übernehmen, aber ich erkläre, daß ich ihm ein guter Pflegevater sein will. Der Entwurf enthält, auch wenn dos behauptet worden ist, nichts von Präfektur oder von Diktatur. Präsektur ist unmittelbar Verwaltung durch den Staat und Uebernahme dcr�Berantwortung auf den Staat. Soll verhindert werden, daß eine Störung der Verwaltung eintritt und daß der Staat«ingreisen muß, so muß Vorsorg« getroffen werden. Di« Diktatur ist niemandem verantwortlich. Auch davon ist im Entwurf nicht die Rede. Die Verantwortlichkeit ist leßten Ende» von der Ktädtvertretung als dem Sladtparlomenl ,u trogen. isierin Unterscheidet sich der Entwurf von der deutschnationolen Bor. läge, der in der Zentralverwaltung keine Stadlveitretnng kennt. Zu der Frage, warum überhaupt eine schleunige Reform, holte ich nicht für notwendig, im einzelnen aus die Anlässe einzugehen, daß die breite Oef.fentlichkeit sich mit den Berliner VerhältNuien so eingehend heschästtgte. Zieht man aus der Summe der Einzels alle das Fazit, so ergibt sich für den obsektiven Beobachter, auch wenn man den einzelnen Fall auf Unzulänglichkeit oder Unzuverläfsigkeit einzelner Personen zurückführt, daß nn ganzen gesehen doch das S y st c m, d ie O rg o n i i o t i o n, die Schuld dafür trägt, wenn solche Fäll« in solcher Zahl sich ereignen konnten. Als man IsiM chroß-Berlin schuf, war man sich über die Konseguenzen nicht klar. Mat hat 8 Großstädte. 86 Landgemeinden und Gntsbezirk« zu einer E.inheitsgemeinde gemocht, nur Folgerungen hinsichliirh her Bezirks- enrteilung gezogen und dabei die Persossung der Stadt unverändert gelassen. vemerkenswert erscheint, daß das offizieste Verlin die vorge. schloqene Reform ablehnt. Es ist nichts ungewöhnliches, daß auch ein Patient einen seiner Ge- simdheit.zuträglichen operativen Eingriff ablehnt. Aber es ist erstaunlich. wenn man bei der Besprechung der Resnrm von jenem Lstgan, um dessen Reform es sich handelt, die Antwort bekommt, daß alles in schönster Ordnung sei. Die Staatsregierung will aus dem, was sich in Bertin ereignete, Konsequenzen ollgemeiner Art gegen die Selbstverwaltung on sich oder gegen die Berliner Seibstverwoltung nicht ziehen. Daß aber die städtischen Organe von Bcr Li n eine Reform oblehnen. halte ich für sehr bedauerlich. Daß die Berliner Stgdtoerordnetennerso-iwnlung den Entwurf einmütig ab- gelehnt hat, ist kein Beweis gegen die Zweckmäßigkeit der norgc- fchlagenen Rcfonn. Diese muß daher leider ohne Zustimmung oder Mitwirkung der Berliner in Angriff' genommen werden. Einzelheiten iverden im Ausschuß hinreichend erörtert werden. Di« er sie Frage von grundsätzlicher Bedeutung ist die der engeren örtlichen Gemoinschast in einer Großstadt von crtremem Ausmaß. Die nerschiedenon Formsn der dekonzentricrten Ver- roaltunq hoben in den letzten Jahren den Landtag off gemig be- schäitigt. Alles was nach den Erfahrungen gegen eine Zeirlrolisieriing und für Dekonzentrierima spricht, verwaltnngstechnische Verein- fachung. stärkere ehrenamtliche Betätigung der Bürger, gilt für Berlin im verstärkten Maße. Deshalb Höst auch der neue Entwurf die vezirkseinleilung aufrecht. In dem Bestreben, den Bezirken möglichst starken Anteil on der exekutiven Einzelnerwaltunq zu geben und sie möglichst selbständig zit steUcn, unterscheidet sich der Entwurs nicht wesentlich von dem Urontroq der Deutschnatianalen. Schwierig wirddic Frage, wie weit die Selbständigkeit der Bezirke gehen kann. An der Einheitsgemeiird« will der Entwurf nichts ändern. Ein Gemeinde verband könnte niemals das Ziel erreich-», daß die kommunale Vereinigung durch die Möglichkeit.gleichnmßiger Versorgung uird gleichmäßiger steuerlicher Belastung bringt. Wie die Zuständigkeiten zwischen Zentrale und Bezirken zu regeln sind, ist nicht Aufgabe des Gesetzgebers. Das muß der Verwaltungs. kirnst der Stadt überlassen bleiben. Grundsätzlich möchte ich sestslelleo. daß nur zentral verwaltet werden soll, was einheitlich verwaltet werden mutz. Was die Bezirk« zur Eigen Verwaltung bekommen, haben hoben sie grundsätzlich als Selbstnerwaltungsongelegenheiten letzt» verantwortlich zu bearbeiten. Der Entwurs will keinen Instonzenzirg in der Art, daß über jede Maßnahme des Bezirks die Zentral« als. zweite Instanz eiüscheidet. Ein« Sicherheit der Ein- heitsichkeit der Derwoltiiiig in der ganzen Stadt bedingt aber, daß gemisi« Ausgaben, auch wenn es sich um die Exekutiv« handelt, nach einheitlichen Grundsätzen verwaltet werden.- Die Le- stimmung solcher Richtlinien soll Sache der Zentral« bleiben. Diez weit« grundsätzlich« Frage ist diederDer« ontwortung. Dies« will der Entwurf klarstellen, aber nicht nur, wem gegenüber die Verantwortung.zu tragen ist, sondern wer sie zu tragen hat. Wer Verantwortung trögt, muß auch dementsprechend« Befugnisse bekommen. Die Tendenz de» Entwurfs, die verantwortliche Entscheidung van größeren Gremien aus kleinere und von kleineren Gremien aus einzelne Personen zu übertragen, widerspricht nicht dem demokratischen Prinzip. Es handelt sich dabei um eine Führer. auslese, ohne die die Demokratie nicht das ist. was sie sein soll und sein will. Unter diesem Gesichtspunkt soll zunächst die Organisation der Zcntroloerwaltunq geändert werden. Trotz der vorgesehenen Verminderung der Zahl ist die Stadt- ve'ro r d n et e n s a m m l u n g' immer noch ein sehr großes Gremium. Sie ist deshalb wenig geeignet, infolge beunruhigender, fachliche Arbeit störender Einflüsse von außen und durch den Nachteil der Oeffentlichkeit der Sißung, Berwaltungsorbest zir leisten. Deshalb wollen wir die Verliver Perfassung der Provinzial. Verfassung angleichen. Wir wollen ein periodisch tagendes Organ, den Stadtgemeinde- o u s s ch ü h. schassen, der von der Stadtverordnetenversammlung nach den? Berhältnlsroahlrecht in Stärke von 34 Mitgliedern gewählt wird, und der d i e Detailarbeit der Stadtoerordnetenversanun. lung abnimmt. Auch das widersricht nicht der Demokratie, denn dieser Ausschuß ist ein Spiegelbild der politisch zusammengesetzten Stadtverordnetenversaminlung. Er wird sich den Verwaltung-- arbeiten veirnbg« seiner struktur und infolge der RickstösserNlichkeit seiner Sitzungen in ganz anderer Weile widmen können, als es der Stadtverordnetenversammlung möglich wäre. Das heutige Zweikammersystem in verlin halte ich mit dem demokratischen Prtpzip nicht verträglich. Zur Bildung des G»- meindewillens sollte der Beschluß der Stadtverordnetensommlung genügen. Eilte selbständige Verantwortung de- Magistrots wäre nur denkbar, wenn die ehrenamtlich fletnählten Mitglieder nicht nach der stärke der Parteien'gewählt und nicht parteipolitisch aufs engste mit den Ftakiionen verbünden sind. Solange dos der Fall ist, muß das Verantwortungsbewußtsein der Stadtverordnetenversammlung qe- schwächt sein, da diese damit rechnet, daß bedenkliche Be- s chl ü s s« die Z üsti m m ung des Magistrats nicht er- kalten. Do» ander« Bedenken liegt darin, daß der Gemeinde- vorstand als exekutives Verwaltungsorgan eine kollegial« Struktur besitzt. Deshajlb erscheint uns eine solche Verwaltungsreform für Berlin von größter Bedeutung. Es gibt in Preußen fett über 70 Iahrtn ein« städtische Verfassung, die sogenannt« Bürger- ni e i st« r« i v e r i a s s u n g, die in beiden Punkten dos Gegenteil der Mogiftratsverfosiunq ist, und die im R h« i n l a n d und W e st- fälen zu Liouse ist. Sie verdient in ollem den Vorzug vor der Magistratsversossung. Ein ia Porbereitung befindliches ollgemeines Selbstverwaltung»- qesetz wird die obligatorische Einführung der vürgermeisterei- Verfassung vorschlagen. Di« heklaqens inerten Ereignisse des letzten Jahres beweisen, daß es in Berlin an e-iner einheitlichen Leitung ge- fehlt hat. Aber die Hauptschuld trägt dos ganz« System. Die leitende Persönlichkeit Niutz mch. solchen Befngnissen ausgestattet sein, daß sie die ihr aufgebürdet« Berantwortiing auch tragen kann. Deshalb ist es notwendig, für verlin die Mogistralsversassonq zu beseitigen. Der Oberbürgermeister soll der Gemeindevorstand und Dienstnor- gefetzte oller städtischen Beamten werden. Die ihm beigeg« denen Stadträte sollen nicht seine Kollegen, sondern seine Bei- geordneten sein. Diese Aenderung der Struktur beeinträchtigt nicht die«lellung der Stadträte. Für sie ist der �Fortfall ker kollegialen Befchzuhfässung ein Vorteil. Ilnbesoldele«lodträte soll es in Zukunft nicht geben. De Anforderungen eines Berliner Ber- waltüng-ziveiges sind zu groß, als daß sie im Nebenamt übernommen werden könnten. Einen Ausgleich dafür soll die ehrenamtliche Arbeit im S t a d t g e in e i nd« a u s schu ß und vertiefte und verstärkte Mitvrbeit an der Bezirken er wo l tu n g bringen. Dem neuen Oberbürgermeister soll die Verantwortung erleichtert werden dadurch, daß er den Vorsitz in der Stadtverordnetenversamin- lüna und im Stadtgemeindeausschuh führt. Dieser Punkt, in dem leider der Gegenentwurs �meiner eigenen Berliner Portejircundc sich von dem Entwurs der Staatsregierung iHtencheidet, wird mit Recht als Kernstück der ganzen Bürger- meistereiverfosiung bezeichnet. Wenn man glaubt, dem Magistrat die Stellung einer zweiten Kammer einräumen zu müssen, well er die Verwaltung leitet und die Stadtverordnetenbeschlüsse ouszu führen hat. so kann mgn umgekehrt dem Oberbürgermeister die Leitung der Vcrwaltilna und die Durchführung der Stadtverordnetenbeschlüsse überlassen, weil er der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung und in dieser Eigenschaft Giied der Dcrtretungskörperschoit ist. Für die praktisch« Verwäktunq ist es von großem Wert und bezeichnend für fein« Vertrauensstellung, wenn der lestende Beamte der Stadt den Stadtverordneten nicht auf der Regierirngstribün« gegenübersteht, sondern in ihrer Mitte den Präsidentenstuhl innehat. Für die�B c zi r k sv e r ia ss u n g soll das sogenamitc sü d- deutsche St a d t r o t S sy st e m gelten, das keinen Unterschied zwischen Bertretimqs. und Verwaltungsorgan kennt. Der Bezirks- rot soll sowohl beschließend« wie verwaltend« Funktionen hoben. Cr soll sich nicht mit Dingen beichäftigen, die nicht'zu seiner Zuständigkeit gehören. Di« exekutive Detailner. wallung soll den BezikkLbürgermeistern obliegen, denen Bezirks- beigeordnete in ähnlicher Weise beigegeben werden, wie dem Ober- bürgermeister die Stadträte. Im Bezirksrot führt der Bezirks- bürgermeister den Vorsitz und die Einheitlichkeit der gesamten Ver- maltuna wird dadurch sichergestellt, daß die Bezirksbürgermeister den Fachstadträten in der Zentral« gleichgestellt werden und daß der Oberbürgermeister regelmäßig« Konferenzen abzuhalten verpflichtet ist. Die Staatsaufsicht soll für Berlin kein« andere lein als Zander- wörts. Was vorgeschlagen wird, soll in Zukunft für die Staat?- aussicht ganz allgemein gelten. Sie soll nicht im Vordergrund, sondern in Reserve stehen. Nur mit diesem Entwurf wird es möglich fein, der Stadt Berlin zu erhallen, was sie selbst als ihr teuerste? Gut gepflegt sehen möchte: die selbstverantwortliche Selbstverwaltung. Abg. Kechner(Soz.): Wir glauben nicht, daß es im Augenblick zweckmäßig.ist, auf Einzelheiten des Entwurfs einzugehen. In dem, was darülvr ge- iprochen und geschrieben wurde, finden sich groß« Widersprüche. Di« Kommunisten haben.z. B. die Abschaffung der Bezirksparlamenls gefordert und im Gegensatz dazu wollen die Dcutschnationalen die Selbständigkeit der einzelnen Bezirke. Aber gerade die letzteren werden einsehen müssen, daß die.,Los-oon-Berlin"-Beivegung ein für allemal erledigt ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mr machen kein siehl daraus, daß wir es für außerordentlich bedenklich hallen, einen, solchen Entwurs in schwerster Srisenzeit einzubringen. In der Oeffentlichkeit spricht man mit Recht von einer Lex S klaret. Bei Annahme des Entwurfs würde der künstige Ober- bürgermeister in der Handhabung der Geschäfte nällig unbeichränkt sein, wir sehen darin eine starke Beeinträchtigung der Reckst« der Stadtnerordnelensammlung. Selbstverständlich kann nickt von der Regierung auf das Recht der Staatsaufsicht nerzichtct werden. In vieler Hinsicht ist der olle Staat aber liberaler als der jetzige gegenüber der Selbstverwalwnq gewesen. Das hat natürlich feine guten Gründe gehabi. Aber die öffentliche Kritik darf on dieser Frage nicht vorübergehen. Da» Scibstverwaltungsrecht darf nicht ousgeschaltel, sondern es mutz abgebaut werden. Es wäre bedauerlich, wenn aus der Sklarek-Psychrse heraus ein Sondergesetz für Berlin verabsch'edet werden sollle. Daß es in der Stadtverwaltung und in der Stadtverordnetenversammlung zu un> liebiamen Borkommmssen gekommen ist, muß zugegeben werden. Aber es soll auch andere Parlamente geben, bis hinaus zum Reichs- Parlament, wo auch nicht immer olles in Ordnung ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mit der Einheitsgemeinde Groß-Derlin hat man in vermaltixngs- technischer Beziehung in den zurückliegenden Jahren gute Ertahrun-- gen gemacht. Hieran knüpft der Entwurs der Berliner Organisation der Sozialdemokratischen Partei an. der den ichwierigsten Problemen durch die Schassung eines Einkourmersnitems beikommen will. In diesem Zusammenhang werfen wir wiederum die Frage aus, ob es nicht zweckmäßig ist, mit der Reform der Berliner Selbstver- wattung zu warten, bis das allgemeine Selbstverwollungsgesetz für Preußen kommt. Uns scheint jedenfalls die Ueberlegung dieser Frag« außerordentlich wichtig. Troß unserer großen vedenken ist die sozialdemokratische Fraktion ernstlich gewillt, an der vcrawaq des Eulwurss im Ausschuß latkräsliq giilzuarbeiteu.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Steinhofs(Dnat.) betont, daß die Beratung des Entwuris Gelegenheit gibt, dos Ansehen der Hauptstadt wieder herzustellen. Die Seibstverwaltilna beruhe auf Dezentralisation. Im Bürgermeisterei- snstem verberge sich die Präfektur. Sein« Fraktion fordere Selbit- Verwaltung durch Dezentralisation und Schassung lebensfähiger Be- zirkc. Den Entwurf lehne sie ab. Abg. Schwenk(Komm.) lehnt die Vortage eknmlalls ab. Abg. hallen-lcben(D. Vp.) bezweifelt, daß der vorliegende Eni- wiirf als ein Notgescß angesehen werden kann, dos Berlin reiomnert. Einzelheiten könnten erst beraten werden, wenn der Magistrat gut- achtlich gehört sei. Abg. Greßier(Dein.) erklärt, daß man Berlin nicht unter ein Ansnabinegeseß stellen, sondern erst das ollgemeine Gesetz für ganz Preußen abwarten soll. Abg. Isienß(Wp.) lehnt gleichfalls die Ersetzung der Magistrots- Verfassung durch die Bürgermeistereiverfaffimg für Berlin ab. Die Vorlage wird schließlich dem Gemeindeausschuß überwiesen. Angenommen wird ein Antrag der Deutschen Volk-partei, zuvor noch ein Gutachten des Berliner Magistrats einzu- holen. Nächste Sitzung Dienstag. 12 Uhr. Tagesordnung: Diäten- kürzung-ontrag. kleine Vorlagen, Abstimmungen über die in der großen politischen Debatte gestellten Anträge. Auswärtiger Ausschuß. Aussprache— aber keine Aeschlüsse. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages, der am Montag- nachmittag unter dem Borsitz des Abgeordneten Dr. Frick(Ratsoz) zusammengetveten mar, berichtet« Außenminister Curtius ausführlich über die Genfer Verhandlungen. Hieran schloß sich eine längere Aussprache, on der sich die Vertreter aller Parteien be- teiligtcn. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Am Mittwoch, dem '29. Oktober, wird sich der Ansmärtige Ausschuß mit den Anträgen über die Schutz- und Revisionsmoglichkeiten des Vbung-Planes befassen. B«ra>iw»«!tlich tttr Politik:«irtor Schill: Wirilchalt:® Sliaarlfcäfu- D-werksch-ftsoew-igung: Fr.«-tzlo:-: ffeuilleion Dr. Zohn Sch>iow«ti- Lokale»' und Sonfii««. Fri»»orvidt, Ameiarn: lb Sloite: sämtlich in Berlin L-ri-a: Bormärts-Berlag E. m. b. L>. Berlin Druck: Bormärts.Buchdruckerei und Berloasanlialt Poul Sin«.- u. Do.. Berlin SW A LWd-nl�-S.». Kierz» I Dcilozcn. WERTHEIM Fl»di«, Ob Ii und OornOf* nidii tufeiondl fleisch Gehackfes■— ftund 0.60 Suppenfleisch..«und 0.66 Kalbskamm u. Brust 0.92 Sdrwelner ücken0' d!' 0.94 Sdiweinekotelett pm. 1.06 Liesen 0.80 Gulasch 1.00 Kaisler mild g*Mlzan, Pfund 1.00 Hammel•Vorderfleiidt 1.06 Leber gefcwwi... Pfund 1»20 Ghst Um Semusa Kochbirnen?">«!». Pfund 0.22 Elp u. Kochäpfel*m 0.22 Amerik. Xpfel Pfd.««, 0.38 Zitronen«... outwnd 0.33 Bananen••..•. wund 0.38 Rot*, Weit}- i!°m'pw?d 0.03 Möhren pw. 0.04 Zwiebeln..... Pfund 0.04 Märk. RObchen 3"d. 0.25 &Cezse u, C a m e m b e rt nt n 0.70 Harzerkäse u 0.52 Tilsiter*oiu«i«, pw.*on«n 0.82 Edamer»»>»«-. Pfd.*..» 0.84 Dän. Schweizer Vwnd 0.64 Redest(Dienstag hllflige Hehenstnittel (t&wvstwa wen Münster Art voiiwh, pfd. 0.93 Lebend. Karpfen Dorsdi...Pfund von on 0.14 Dampf- u. Rotwurst Grüne Heringe 3 pw. 0.48 Schinkenpolnische BratschoHen.. 3 f«. 0.58 Landleberwurst Pfund 1 ,20 Mettwurst Ari)u?,f,pi;'9d 1.20 0.96 1.18 Margarine Pfund 0.48 0.58 Molkereibuffer pwnd 1.36 Tafelbutter p«und 1.46 1.60 gortudioH Filetwursf Feftbüdciinge Pfd. v..» 0.42,'�."7" ■_.. in swdren 4•) r Schmkenspedc Lacns Pfund von«n•«*'---- Aale v"an 0.25 VZ 2.20" p'd- 0.95 v.an VmT* .. Pfund � t Pfd-St. Pfund 50 1.70 frisch gebr. Pfund von an 1.90 Suppanhühner p'u"d KK von an PI. Enten GänSe Oderbruch. Puten ungarische PouietS ungar. PI. Pfund Sft?? von an WS Kakao Pfund SS Pf. t.• Nr. 493» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oiensiag, 24. Ottover 1930 Hinter den Mauern der PeiizeiKasernen Ohne Licht, um und sonne.- Der Kam(am von der necke. In weiten Kreisen der Bevölkerung ist die Ansicht verbreitet, daß der Polizeibeamte ein beneidenswertesDasein führe. Er spaziert auf der Straße herum. er bekommt sein gutes Essen. er hat seine Wohnung, er wird vom Staat ocrhätsdieltl Ist es nicht so? A ein, es ist nicht so. Der Schupobeamte hat in außerordentlich starker Weise unter der Finanznot des Staates zu leiden. Und es kann ganz klar ausgesprochen werden, daß die Republik ihm manches schuldig geblieben ist. Man muß in Zukunft mehr tun. Der Beamte, der in politisch unruhigen Zeiten aufs stärkste beansprucht wird, der sehr häufig um seinen freien Tag kommt und 4S Stunden hintereinander Dienst tun muß, hat Anspruch darauf, daß seine Wünsche nicht nur gehört, sondern gewissen Grade auch erfüllt werden. An drangroll fürchteriicher Enge bis zu einem Opfer des Raummangels Was macht der Bcreitschastsbeamte, wenn er nicht gerade Dienst hat? Wi« steht seine Unterknnst aus? Auf der Polizei- ausstellung bekamen wir neuerrichtet« Polizcibauten, Wohnungs- und Eiedlung-bauten für verheiratete- Beamte zu sehen. Wir sahen mustergültig eingerichteie Tages-, Aufenthalts- und Schlaf. räume. Es war sür Wohnungsuchende ein nciderwcckender An- Ä«» Stell am eisernen Ofen blick, Berliner Potizeibeamt« hoben aber diose modernen Räum« bis heute auch nur in der Ausstellung gesehen. Der Staat hat kern« Mittel, sie ihnen zu schaffen. Aber m den überfüllten Buden, in denen der Berliner Bereitschaftsbeamte heute haust, findet er nicht die nach dem Dienst so notwendig« Entspannung. Betrachten wir einmal die Unterkunstsräume der Pializeigruppe Alitte, Inspektion Prenzlauer Berg. Hier, in dieser ehemaligen Franzer. Kaserne, liegen auf jedem Zimmer durchschnitt- lich sechs bis acht Beamte. Aber wie sieht solch ein Zimmer au«? Man hat den Raum in sechs bis acht von Schränken umstellte Kojen oufgetellt, so daß in der Mitte nur ein schmaler Gang freibleib». Und eine solche Kos«, gerade so groß, dasi Bett und Stull? darin Platz haben—; das ist der Raum, wohin der Beamte sich zurück» ziehen kann, wenn er da« führen will, was man so Privatleben nennt. Das ist der Raum, in dem er seinen Besuch empfängt, das ist der Raum, den er aussucht, wenn er Ruhe haben will, eine Ruhe, die ständig gestört wird durch die zum Dienst gehenden oder vom Dienst kommenden' Kameraden. Mit wieviel Sorgsali haben die Beamten.djes« Kojen, aiisgejchuuckl, mm ihnen einen bcha�lichrn Anstrich' v-r geben! Tapeten an den Wänden'und an der Ruckseite der Schränke. Bilder. Bunte Kattunportieren vor den Ein- gängen. Aber schon dieses bißchen Behaglichkeit, das sich die Be- amten geschassen, haben sie aus eigener Tasche dezahlt. Vor dem Fenster ein lisch. Und an diesem Tisch wird das Koppclzeug ge- putzt. Hier sitzt ein Beamter und näht, dort liest einer Zeitung, ein dritter schreibt eine Karte,«in vierter macht sich zum Dienst fertig. Es ist einfach unmöglich, daß die acht Insassen des Zimmers zusammen an diesem Tische Platz nehmen können, ohne sich gegen- seitig zu belästigen. Einer öffnet sein Spind und zeigt hinein. Es ist ein altes Kommißschränkchen, das zum Platzen mit Kleidungs- stücken angefüllt ist.„Wo sollen wir unser Zivilzeug lassen? Die Schränke sind viel zu klein. Größere aber bekommen wir nicht: wir wüßten auch nicht, wohin wir sie stellen sollten." Ein anderer Beamter zeigt unter die Betten. Dort liegen Kartons und Kaiser. Di« Mäntel hängen außen an den Schränken. Fahrräder stehen umher.„Und dann sehen Sie sich mal die Beleuchtung an." Ja, es ist wirklich übel. In der Mitte des Zimmers hängt eine fünfundzwanzigkerzige Birne und über dem am Fenster stehenden Tisch befindet sich ebenfalls eine nur schwachkerzige Lampe. Unmöglich» bei diesem Licht zu schreiben oder zu lesen. Alle anderen Zimmer bieten dasselbe Bild. In einem Raum steht das Bett eines Beamten dicht neben dem Ofen „Ja. dies« alten Oese». Die fressen eine Menge Feuerung und wärmen doch nur die engste Umgebung. Bis ans Fenster oder an die Tür dringt die Wärm« gar nicht." Einer hockt in einer dieser verdunkelten Kojen, auf dem Stuhl liegen Wörterbücher, aus den Knien das Schreibheft. Und während die anderen Kameraden iin Zimmer schwatzen, sich zum Dienst fertigmachen, büffelt dieser Un» glückliche Vokabeln. Ohne Zweifel wird der Drang zum Lernen, zur Fortbildung in vielen Beamten durch diese Wohn-- Wenig JCuH, aber etwas Sonne Verhältnisse erstickt. Die Wechlscchrtsrimme in der Jnspckßon Prcnz- lauer Berg? Es sind zu. ebener Erde liegende, unfreundliche Kcm» tiiienräume. All« zu klein. Von- der. Straße aus kann man her- einblicken. Hat der Beamte gegessen, nimmt er sein Besteck, taucht es in eine Schüssel heißen Wassers und wischt es an einem ver» dreckten Handtuch ab. Es wäre wohl sicher nicht mit großen Un- kosten verknüpft, wenn das„Schanzzeug" nach Gebrauch durch die in der Kanttne beschäftigten Frauen einer gründlichen Reinigung unterzogen würde. Ein freundlicheres Bild Kommt man von hier aus in die gegenüberliegenden Unker. kunftsräume der Inspektion Linden(Unterkunft Minister Grzesinsti), fällt einem sofort ein großer Gegensatz aus. Hier hat man in den Zimmern eine andere Raumeintellung getrofsen als in der In- jpektion Prenzlauer Berg. Man hat, um die Beamten mehr zum Gemeinschaftsleben zu erziehen, aus einem Zimmer zwei gemacht, einen Aufenthalts- und einen Schlafraum. Die Bette» stehen dicht zKS- UnBctcdtf. Nachdruck verboten. Gustav Kiepenhauer Verlag A.-G., Vertricbsabt. Annie hetzte erschreckt und nervös durch die Straßen. lieber Berlin hing eines jener späten Gewitter, und kaum hatte sie das Haus erreicht, als der Re-gen sich in Wolken- brächen entlud. Das Licht der Blitze und der Lärm des Donners lähmte Annie vollends. Noch wich die Dumpfheit des Tages nicht aus der Wohnung. Fenster durfte man nicht öffnen. Der Junge weinte vor sich hin, aber vielleicht fürchtete er sich nur. Seine kleinen Fäuste gingen unruhig auf und ab, als suchten sie nach Schmerzen. Schließlich nahm Annie ihn auf den Schoß, jetzt ver- mochte sie nicht, in der Küche Ordnung zu schaffen. Das Kind wimmerte wie ein Tier, die Augen redeten hilflos zu ihr hinauf und immer noch formte sein Mund Silben, die weh taten. Werla kam nach dem Wetter, gegen acht Uhr, angeheitert heim. Donnerwetter, der lange Klettwurm, ja. der Kerl, in dessen Maul der Rand eines ganzen Halbliterglases Platz fand ein vielbewundertes Kunststück— der und noch zwei hatten ihn zum Versaufen ihres letzten Streitgeldes einge- laden. Und dann mußte man das Gewitter abwarten. Ein hübsches Stück Geld war Klettwurm losgeworden. Er redete viel heut abend, es mußte wohl allerlei zu trinken gegeben haben, und so viel Lustiges war passiert. Schließlich mußte Annie seine Rede eindämmen.„Bert", sagte sie. sehr leise, und eben darum wurde er sofort still,„Bert, sieh den Jungen an!" Werla legte die triefende Jacke und die Mütze ab und beugte sich über das Kind Seine Hand zuckte vor der heißen Stirn Ferdinands zurück, er schüttelte den Kopf und blieb mit hängenden Armen stehen, wo'er war. Sie saßen eng beisammen, niemand dachte ans Essen. Werla hatte die Hand des Jungen genommen und strich mit vorsichtigen Fingern über die dünne Haut. Das Baby schloß endlich die Augen und schlief mit heftigen Atemzügen. Trotz- dem wagte Annie nicht, es in den Wagen zu legen, aus Furcht, schon durch die vorsichtigste Bewegung den Schlaf zu stören. Sprechen mochten sie nicht. Der Bater mußte an die Worte Frau Guhlmanns denken: zehn Monate und drei Tage— nein, soweit war es ja immer noch nicht! Roch hatte man Zeit und— Hoffnung. Dies war vielleicht die Krise, die, weil sie aber eintrat, schneller überstanden sein würde. Darum wollte er auch jetzt Annie noch nichts davon erzählen. Der Junge muß gesund werden, grübelte er, ich weiß nicht, ob es nützt, aber ich will endlich Annie gegen- über, die mir immer geholfen hat, ein anständiger Mensch sein. Auch heute, wo sie hier mit dem kranken Balg sitzt und auf mich wartat, hat sie über mein spätes Kommen kein Wort verloren. Selbst der Hüne zitterte ja vor feiner Allen, aber er säuft trotzdem wie ein Loch! Es begann, in der Küche kalt zu werden. Schwerer, runder Regen prasselte mit harten Fingern gegen das Fenster, im Hof fing sich Wind, sauste irr an den Hauswänden her- unter, und setzte sich im leeren Herd heulend fest. Dann wieder lachten Leute irgendwo hinter dünnen Wänden, schlugen hallend Haustüren zu, drehten sich mit dumpfem Ge- räusch Schlüssel. Ein Köter heulte, hungrig oder liebeskrank. Annie fuhr zusammen— wenn Hunde heulen, schreien sie nach Toten, sagt der Volksmund. Sie preßte, selbst fiebernd, den Körper in ihrem Schoß noch fester, als könne ihr warmer, lebendiger Leib alles von ihm abwenden, ihm noch einmal alle Lebenssäfte geben. Der Junge war vierzehn Tage vor der Zeit gekommen — etwas hatte er also weniger als andere Kinder. Und wenn ihm dieses Etwas fürs ganze Leben fehlte? Wenn ihm dadurch ein Teil Kraft und Mark vorenthalten geblieben war? Dann mußte er immer krank fein, vielleicht ein langes und schweres Leben, zwanzig, dreißig verkrüppelte Jahre, vielleicht nur noch Tage oder Wochen, und dann würde es aus sein. Diese klaren, klugen Augen sollten viel- leicht nie mehr zu ihr aufblicken! Aber war das nicht besser als ein Leben, erfüllt von unüberwindlichen Krankheiten? Solange sie mar, mochte es gehen, sie konnte sich mit ihrem Herzen und mit der Kraft ihrer Arme schützend vor seinen Körper stellen— aber später einmal, wenn auch sie nicht mehr wäre. Alles Dasein um sie her erzählte, daß Mattheit und Kraftlosigkeit �um Untergang, zum Bettel und zur Ab- hängigkeit vom Mitleid anderer verurteilt waren. Krüppel und Dumme finden in der Welt nur Hohn und Prügel. Das durfte nicht Ferdinands Schicksal werden— aber noch weniger würde sie es ertragen können, wenn ihr das Kind jetzt ge- nommen wübde. Dann wäre es aus, das wußte sie bestimmt. Und dem Mann würde sie noch überflüssiger erscheinen als zu der Zeit ihrer Krankheit— ihre Tage Hütten keinen Sinn mehr, ihr Dun kein Ziel und keine Freude. Wenn Annie Werla mit den Möglichkeiten ihres eigenen Lebens je das Wort Liebe begriff, dann geschah es um ihres Kindes willen— der Liebe zum Manne war sie so wenig fähig, wie Tausende ihrer Art, die bereit sind, sich zu opfern um des Opfers willen, die für einen Mann hungern und betteln, stehlen und sorgen können und doch nicht wissen: ist es ans Liebe? Es mochte zwei Uhr geworden sein, schlafend saß Annie auf dem Stuhl— sie Mief weiter, als Bert sie auf das Bett legte und das Kind, das sich nicht rührte, warm im Wagen verpackte. Er kroch endlich selbst übermüdet unter die Decke. Annie erwachte im ersten Schimmer des Tages, dessen Licht sich leise hinter den angeschmutzten Vorhängen verriet, sie mußte eine Weile mit suchenden Pupillen gegen die Decke starren, ehe sie sich ihres Atems bewußt ward— dann sprang sie schnell mit bloßen Füßen zum Wagen hinüber und fand das Kind wimmernd, tränenüberströmt, in Abständen von Minuten grünliche Galle erbrechend. Es sah furchtbar aus, die Frau schrie, kopflos geworden, und wußte nichts zu tun, als den kleinen Kopf des Jungen in ihre Hand zu stützen. Sie schrie, als fühle sie wieder jene Schmerzen, die sie ein- oder zweimal im Krankenhaus zwangen, anhaltende wehe Laute auszustoßen. Jetzt wurde Werla wach, verschlafen wollte er fragen:„Aber Annie, es ist doch nicht..." Mitten im Satz kam er zur Besinnung, erhob sich und blickte nicht weniger ratlos auf das Baby, dessen Körper sich in Stößen wand, es hob und senkte die Arme. Im Dämmcr- schatten des Zimmers schienen sich kleine Totenarme so zu be- wegen, hilfeflehend. Ein irrsmniges, grauenhaftes und un- menschliches Spiel wurde mit dem hilflosen Geschöpf getrieben. „Soll ich zum Arzt..." Die Mutter verstand langsam und nickte unter heftigem Weinen:„Ja, ja doch, so lauf.. ..............(Fortsetzung folgt.) erlin schafft Arbeit. 13�,55 Millionen für Stra�enbauten/ Lichtblick für die Ausgesteuerten. Der M a g i sk r a i hat der Stadtverordnetenversammlung eine Dringlichkeitsvorlage zugehen lossei». In der er um Zustimmung zu der Äussührung von Äolstandsarbeiten auf dem Gebiete des Straßenbaues in höhe von tZ.SS Millionen Mark biltcl. Jin Hinblick auf die außerordentlich große und immer nach steigende Arbeitslosigkeit in Berlin hält es der Magistrat für not- wendig, daß auch von der Stadt geeignete Maßnohmen gelrofsc» werden, die Arbeitslosigkeit zu lindern. Die Zahl der Arbeitslosen betrug in Berlin im Monat Sepiember rund Z4ö cw0. Besonders schwierig liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete des Straßenbaues, weil im letzten Jahre nur ein geringer Betrag für Straßcnncu- und-umbauten zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Folgen dieses Rückganges an Aufträgen haben eine k o t a- ftrophale Arbeitslosigkeit für Facharbeiter im Straßen- bau nach sich gezogen. Zirka lZ000 Steinsetzer. Rammer und Asphalteure haben- seit Rovember lg?? nicht einen Tag gearbeitet, sind deshalb ausgesteuert und fallen der össentlick)cn Wohlsahrts- pflegc, d. h. also der Stadt Berlin, zur Last. Dieses Schicksal teilen noch rund 4000 andere Arbeiter, die sonst neben den Facharbeitern als Hilfsarbeiter im Straßenbau Verwendung fanden. Die Versuche des Reiches, den Straßenbau in Gang zu bringen. versprechen für dieses Jahr kaum Erfolg. Schnelle Hilfe ist aber notwendig. Der Magistrat hat deshalb von der Tiesbaudeputation ein Notstandsprogramm für den Straßenbau aufstellen lassen, das mit einer Summe von 13, Sä Millionen Mark abschließt. Finanzierung geht in Ordnung. Die Finanzierung soll in folgender Weise geregelt wer» den: Bei einer Leistung von 350 000 Arubeitslosentagewerken de- trägt der verlorene Zirschuß der Rcich-anstalt für Arbeitsloscnver- sichcrung rund 1 Million Mark. Als verstärkte Förderung werden von Reich und Staat je 2 Millionen Mark, im ganzen also 4 Mil- lionen Mark durch Darlehen gedeckt. Dieses Darlehen ist nach den heutigen Bestimmungen mit 5 Praz. zu verzinsen und in 23 Jahren zu tilge». 1,0 Millionen Mark sollen gedeckt werden aus Mitteln, die in gleicher Höhe im außerordentlichen Haushalt für 1930 für die Brücke im Messegelände und Meliorationen zur Verfügung stehen, die aber für diese Zwecke nicht verausgabt werden. Der Restbetrag von 7 Millionen Mark soll durch die Verbände der Straßenbau- firmen in der Weise beschafft werden, daß sie die Bezahlung der von ihnen geleisteten Arbeiten bis zur höhe dieses Betrags stunden. Die Leistungen werden nach Fertigstellung der einzelnen Aufträge mit 7 Proz. pro Jahr verzinst. Die Bezahlung der gestundeten Beträge soll in gleichen vierteljährlichen Raten am 15. April 1932 beginnen, spätestens am 15. Januar 1937 beendet sein. Die Ar- beiten werden zu den ortsüblichen Preisen vergeben. nebeneimmder, die Schränke sind zusammengerückt morden, und man hat auf dies« Weis« günstigere Wohnverhältnisse erzielt, obgleich auch hier die Stuben im Durchschnitt mit sechs bis sieben Beamten belegt sind. Die Zimmer machen einen freundlichen, sauberen Ein- druck. Blumen vor den Fenstern. In den meisten Zimmern Heller Oclfarbenanstrich. Aber auch hier die Klage über die sehlende ttochgolegenheit, auch hier der Wunsch nach besicrer Heizung und Warmwasser. Die Wohlfahrts- und Küchenräum« sind groß und hell. Was bekommt nun der Polizeibeamte für die eine Mark und zwanzig Pfennige, die man ihm für die Verpflegung in Abzug bringt? Cr bekommt täglich zwei Schrippen und vierhundert Gramm Brot, er bekommt sein Mittagessen und wöchentlich ein Biertelpfund Kaffee, ein halbes Pfund Butter und ein halbes Pfund Wurst. Das Mittagessen in der Inspektion Linden ist gut und reichlich. Der Speisezettel wird von einer Kommission zusammen- gestellt, die sich stets nach den Wünschen der Beamten richtet. Das schlechteste Quartier. Den uixingenehmsten Anblick bei unserer Wanderung aber bot zweifellos die Kaserne in der Wrangelstraße, wo die Inspektionen Friedrichshain und Lichtenberg liegen. Hot man die ausgetretenen und gefährlich glatten Steinstufen glücklich erklommen, steht man im Innern des Gebäudes, fühlt man sich in ein abbruchreifes Gefängnis verseht. Das ist keine Ucbertreibung. In diesen Gängen n»uß nachts der Geist des Gefangenen von der Insel d'Jf umher- gespenstern. Muffige Lust. Lange, düslere Korridore. Risse in den Wänden. Ueberall Flickstellen von Gips und Kalk. Erschreckend das Aussehen der Zinnner. Verräucherte Wände und Decken, schlecht: Beleuchtung. Und überall Wanzen. Scharen von Wanzen. Genau wie in der Franzcrkoserne bei der Inspektion Prenzlauer Berg. Die Wanzen sitzen überall fest, man bekommt sie nicht raus. Wirf: man die Tür zu, fällt in den Zimmern der Mörtel von der Decke Vor kurzer Zeü wurden Türen und Fenster repariert. Es war eine Pfuscherorbeit. Di« Löcher, die durch das herausreißen der verfaulten Fensterrahmen entstanden, wurden nicht wieder zuge- schmiert, die neuen Leisten, die man in den Türen einsetzte, wurden nicht gestrichen. In diesen Räumen kann sich niemand wohlfühlen. Jeder Bereitschaft steht als Waschgelegenheit eine Wasserleitung zur Verfügung. Friert sie im Winter ein— runter auf den Hof! Will ein Beamter nachts austreten un-d ist das auf dem Korridor befind- liche Kabinett besetzt— runter auf den Hof, in die Latrine, durch die der Wind pfeift. Finsterster Kasernenbetrieb. Mitten auf dem Hof liegen Berge von schönen, neuen Mauersteinen. Will man noch eine Latrine bauen oder vielleicht ein Einsamilienhäuschen? Nein, man baut einen Schießstand für Kleinkaliberwaffen. Wollt ihr hören, was die Beamten sagen?„Ja, wir wollen nachher alle in den Schießstand ziehen und aus den Buden die Schießübungen veranstalten." Das sagen die Beamten, lind es ist ihnen verdammt nicht ums Lachen zu tun. Plötzlich öffnet sich eine Tür und man prallt erstaunt zurück. Es ist eins der beiden Zimmer, die vor kurzem„probeweise" reno- viert wurden. Schränk« und Wände gestrichen. Alte Tische neu aufgearbeitet. Erträglich. Vom Kostenpunkt dieser Renovierung wird ez abhängen, ob auch die anderen Zimmer in absehbarer Zeit wohn- lich gestaltet werden können. * Wir haben nur einige Unterkünfte gesehen. Wir haben die beste und die schlechtesten gesehen. Und es ist durchaus bewundernswert, daß der Polizeibeamte trotz all dieser durch die Finanznot bedingten Mißstände, trotz all seiner Sorgen in vorbildlicher Weise seine Pflicht tut. Das muß anerkannt werden. Es muß anerkannt werden, indem man den Wünschen der Beamtenschaft Rechnung trägt. Es lassen sich gerade in der Frage der Unterkunftsräum« mit einfachen Mitteln Erfolge erzielen, die die Lebensverhältnisse der Beamten«in wenig angenehmer gestalten können. Opfer des weißen Giftes. Irrungen und Wirrungen eines Anwalts. Das Schöffengericht in Charloltenburg sprach den früheren Berliner Anwalt Dr. Theodor Ahrens auf Grund des§ 51 StGB.(Unzurechnungsfähigkeit) von der Anklage des Be. lrugcs frei. Seine Mitangeklagten Frau T. und der Kauf- mmin G. wurden gleichfalls freigesprochen. Der Fall des freigesprochenen Anwalts, der, jetzt geheilt und wieder vollkommen normal, zur Zeit ein Rechtsbüro unterhält und Syndikus' zweier Unternehmen ist, ist jo beachtenswert, daß wir in Ergänzung des Prozeßbevichts in unserer Abendausgabe noch ein- mal darauf zurückkommen. Als Referendar wurde Ahrens von einem Zahnarzt in einen Spioltlub eingeführt und lernte dort Spielen und Kokain- schnupfen. Nacht für Nacht ergab er sich diesen beiden Leiden- schaften. Mit der Zeit erlag er der Sucht vollkommen. Er bedurfte schließlich des weißen Giftes, um überhaupt arbeiten zu können. Nur so bestand er sein Assessorenexamen. Seine Praxis als Rechtsanwalt wuchs von Jahr zu Jahr. Aber im ständigen Rausch blieb er wachen- lang seinem Büro fern und vernachlässigte seine Anwaltspflichten. Beschwerde auf Beschwerde lies bei der Anwaltskammer ein. Schließ- Lch war er gezwungen, seine Wohnung aufzugeben und zu seinen Eltern zu ziehen. Sein Vater, dem der wahre Grund des Nieder- ganges seines Sohnes verborgen blieb, beabsichtigte, chn zu ent- mündigen. Zweimaliger Aufenthalt in Sanatorien blieb erfolglos. A h r e n s verkam immer mehr. Er bewegte sich in Kreisen von Morphinisten und Kokainisten und kehrte oft abgerissen und ausgeplündert heim. Seine letzte Zuflucht war ein Arzt, ein fast unzurechnungsfähiger Atorphinift. Wochen hindurch lebte er hier fast bewußtfeinsgctrüdt, von Halluzinationen vetfolgt. In diese Zeit fällt der ihm zur Last gelegte Automobilbetrng. Ahrens Stammlokal war die C h a r l i e- B a r. Die Mit- Inhaberin dieser Bar, Frau F., gleich ihm dem Kokain ergeben, hatte mit ihm gemeinsam das Autogefchäft abgeschlossen. Die 1750 M. Anzahlung für den Wagen, der 11000 M. kostete, hatte der Auto- makler vorgeschossen. Als das Auto für 5000 M. weiterverkauft werden sollte, weigerte sich Ahrens, dies zu tun. Am nächsten Tag- rief er den Käufer an. Der erschien aber in Begleitung des Ber- Küfers und der Polizei. Der Verkäufer erhielt dos Auto zurück und behielt die 1750 M. Es erfolgte Ahrens' polizeiliche Dernch- mung, seine Ladung zum Termin, der Gerichtsbeschluß, ihn in der Charit- auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Mil seinem letzten Honorar in Höhe von 25 000 M. floh er nach der Türkei, und nun begannen feine Irrfahrten durch die Türkei, Angara und Griechenland. Im Frühjahr dieses Jahres entschoß er sich, non Venedig ms sich den Berliner Behörden zu stellen. Zlhrens ist jetzt volbkommen gesund..Er war ein Glück," sagt« « vor Gericht,«daß ich ins Ausland gegangen bin. Hier wäre ich vor die Hund« gegangen." Auch der psychiatrische Sachverständig« bezsichnet« ihn nun als»ollkommen geheilft damals zur Zeit der Tat, sei er als Rauschsüchtiger unzurechnungsfähig gewesen. Eine geheimnisvolle Bluttat. Oer Mord am Berawerködireltor Kramer vor Gericht. H a l b e r st a d t. 20. Oktober. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der große tzndizienprozeß gegen den Heilgehilfen Otto koch aus hoym, der beschuldigt wird, am l?. Februar d. 3. in 7l a ch l e r. sl e ds auf den Bergwerksdirektor kramet einen Todesschuß aus dem Hinlerhall abgegeben und ihn ermordet zu haben. Wie wir seinerzeit berichlel haben, blieben die Bemühungen, den Mörder zu entdecken, lange Zeil ohne Erfolg und die Verhaftung des Ange- klagten koch konnte erst erfolgen, als feine Frau sich als Mit. w i f f e r i n an diesem verbrechen bei der Polizei meldete. Der Ermordete war eine in der Kaliindustrie sehr bekannte Persönlichkeil, galt aber feinen Angestellten und Arbeitern gegenüber als ungeheuer sireng. In der heutigen Verhandlung erklärt der Angeklagt«, daß er nicht schuldig fei. Er habe weder jelbst geschossen, noch war . er an der Tat mitbeteiligt. Ueber sein Verhältnis zur Ehegattin, die als Krön- und Hauptbelastungszeugin fungiert, befragt, erklärt der Angeklagte, er habe die Frau aus Liebe geheiratet, aber das Ehe- Verhältnis wurde sehr bald getrübt, weil seine Frau liederlich war. Er erklärt die Enthüllungen seiner Frau als Racheakt einer Hysterikerin. Ueber Direktor Kramer sagt der Angeklagt« aus, daß er von der ganzen Belegschaft sehr gefürchtet wurde, es gab oft im Betrieb Konflikte und allein in einem Jahr, in dem Direktor Kramer die Geschäfte führte, wurden bO Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht abgehalten. Unter Direktor Kramer wurden von den 2600 Mann Belegschaft 1200 entlassen. Bor f.;■ Glauben Sie, daß Direktor Kramer diesen Abbau verschuldet hat? A n g e k l.: � Die Belegschaft hat ihn persönlich dafür verantwortlich gemacht. Wenn Direktor Kramer auf der Grube erschien, sagten die Arbeiter:„Der Aus- kramer ist da." Vorl.: Hatten Sie persönliche Differenzen mit Direktor Kramer? Angekl.: Rein. Bors.: Warumsind Sie denn entlassen worden? Angekl.: Man hat mir gesagt, wegen einer Veamtenbeleidigung. Vors.: Sie sollen Ihre Frau sehr schlecht behandelt haben. Während sie selber gut aßen, mußte die Frau hungern. Angekl.: Morgen werden Sie, Herr Vorsitzender, mein« Frau sehen und sich selbst überzeugen, ob diese Frau jemals gehungert hat. Ich hatte unter ihrer Eifersucht surchtbar zu leiden und auch der Badebetrieb, den ich führ«, hat darunter gelilten. Denn der Badebetrieb hat natürlich auch Damenbesuch und dos war Grund genug für meine Frau, um Eifersuchtsszenen zu machen. Vors.: Haben Sie Ihre Frau jemals geschlagen. Angekl.: Niemals! Ich habe ihr wohl mit Prügel gedroht, weil ich wollte, daß sie sich bessern solle, aber ich habe sie nie geschlagen. Die Verhandlung geht fort. Sladlral Genosse Emil Lüdke begeht am 22. Oktober seinen 5 0. Geburtstag. Seit über 30 Jahre ist er Mitglied der Partei und der Gewerkschaft. Er war stets einer der eifrigsten Genossen bis auf den heutigen Tag. Bor dem Kriege gehörte er viele Jahre dem Zentralvorstand des Kreises Teltow-Beeskow an, wo er mit feinem Schwiegervater, dem Genossen Zubeil, den Kreis mit be- arbeitete. Wir wünschen ihm auch fernerhin Gesundheit und Erfolg in seinem Wirken und daß er sein« Schlaqsertigkeit als Redner und feinen Witz noch recht lang« im Interesse öer Partei behalten möge. Am Sonntag berichtete Professor Dr. Günther D y r e n- f u r t h über die von ihm geleitet« Internationale Hima- layaepedition 1930. In einer halben Stunde erfuhr man eine Fülle interessanter— und nicht nur rein wissenschaslich inter- essanter— Tatsachen. Trotzdem hörte man die Ausführungen mit leisem Bedanern: Wie viele Hörer mochte der leider im Anfang etwas unanschaulich wissenschaftliche Stil des Vortragenden verscheucht haben?— Gut zusammengestellt war wieder das Musik- Programm des Tages. In der Märchsnstunde erwies sich Lisa T e tz n e r wieder als sympathische Sprecherin. Montag abend hörte man Musik aus Oe st erreich. Es wurde aus Wien ei» Konzert des Wiener Sinfonieorchesters unter Leitung von Profesior Dr. Oswald Kawasta übernommen. Es war schön, daß die Funkstunde dieses wertvolle Konzert mit einem Freu�idschaftsgrutz an das Bruderland einleitete.— Josef Soyka sprach über den Dichter Anton Wildgans so klug und liebenswürdig, daß er diesem trotz seiner anerkannte» Bedeutung so sympathisch unaufdringlichen deutschösterreichifchcn Dichter sicher neue Freunde in Rorddeutschland warb.— Walter Stöltings Berichte aus Ueberseeländern haben«in eigenes Gesicht. Es sind keine schön geschliffenen, rouiinierten Relsefeuilletons, j andern sachliche, zweck- bewußt« Darlegungen.„Argentinien— wi« wir es nicht kennen" schilderte er diesmal. Er führte m ein Land, m dem sich der Lebenskampf für den Besitzlofsn unter grausamen Formen od- spielt, oft allerdings hinter der ängstlich aufrecht gehaltenen Kulisse geordneter Bürgerlichteir. Denn der Arme, der»Mann ohne Bügel- falte", verfällt mit Sicherheit dem Untergang. Tes. Tankboot explodiert. Mehrere Personen getötet.— Eine ganze Stadt erbebt. New Bork. 20. Oktober. Lim Montag flog auf dem Hudson-Fluß in der Rahe der«tadt Trotz ein Tankboot, das mit Gasolin ge- füllt war, in die Luft. Durch die Explosion wurden mehrere Personen getötet. Zwei in der Nachbarschaft liegende große Boote fingen Feuer. Die ganze Stadt Trotz erbebte. Tausende von Fensterscheiben gingen in Trümmer. An einem GZasknöpschen erstickt. Tragischer Tod eines kleinen Mädchens. vor den Augen der hilflosen Mutter ist in Karlshorst ein kleines Mädchen ejnes furchtbaren Todes gestorben. Im Hause Wilden st einer Straß« 14 zu Kar4s- Horst wohnt eine Familie M., die ein siebenjähriges Töchter che» Luise hat. Gestern nun hatte die Mutter für den Bater ein frisches Hcrrenoberhemd herausgenommen, in dein kleine Glas- k n ö p f ch e n befestigt waren. Das Kind nahm die Knöpfchen zun, Spielen und, wie Kinder ja oft tun, eines in den Mund. Plötzlich nahm die Mutter wahr, daß das Mädchen mit einem E r- stickungsanfall rang. Ihre und der Nachbarn Bemühunge», der Kleinen zu helfen waren ganz erfolglos. Auch ein rajch herbei- geholter Arzt konnte den Fremdkörper nicht mehr entfernen. Unter schrecklichen Qualen verstarb die Klein«. Es zeigte sich später, daß der Glasknopf durch den Schlund bis in die Lunge hiimntergeglitten war. � Dos beklagenswerte Geschick der kleinen Luis« sollte Eltern und Erzieher wieder veranlassen, sorgfältig darauf zu ochlen, laß die Kinder nicht alles, was ihnen in die Hände fällt, auch in den Mund nehmen. Eine Hilfe kommt in solche» Fällen fast stets zu spät. �eichswehrgefreiter tödlich verunglückt. Stendal, 20. Oktober. Tödlich verunglückt ist der Gefreite Beer von der vierten Schwadron des Reiterregiments 3. Infolge eines Unwohlseins wollte er sich aus einem Fenster des dritten Stocks herausbeugcn. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte auf den Hof. Während einer sofortigen Operation im Stendaler Johanniter- Krankenhaus oerschied Beer an den erlittenen Verletzungen. Bürgermeister Dr. Herz klagt gegen„Lokal-Auzeiger" Im„Abend" vom 16. Oktober hatten wir die lügenhafte Be- richterstattung des„Lokal-Anzeigers" über die legte Sitzung der Bezirksversammlung Kreuzberg gekennzeichnet. In dem Artikel wird die Behauptung aufgestellt,„das unglaublich provozierende Berhalten der SPD.-Mitglieder des Bezirksamtes" trage die Schuld daran, daß die Bezirksversammlung„unter Lärm aufgeflogen" sei. Der Artikel enthält eine derartige Entstellung des offenkundigen. allen Beteiligten bekannten Tatsachenzusanmtenhangcs, daß vom Bürgermeister, Genossen Dr. Herz, zur Aufklärung der Oeffentlich- keit gegen den verantwortlichen Redatteur des �Lokal-Anzeigers" Strajantrag gestellt wird. Wildererdrama im Rheingaugebirge. Zwei Brüder aus dem Orte Stephanshaufei» im Rheingaugebirge wurden von dem Förster aus Johannisberg und einigen Jagern dabei überrascht, wie sie ein Reh aus der von ihnen gestellten Schlinge nehmen wollten. Auf den Anruf des Försters ergaben sich die beiden und ließen sich abführen, wahrend d!« Jäger auf einen, anderen Weg« zur Ortschaft zurückkehrten. An einer engen Stelle des Waldwegs umklammerte plötzlich einer der beiden Wilddieb« den Förster und versuchte, ihm ein Messer in den Rücken zu stoßen. Der Förster erschoß daraus den Wilderer in der Notwehr. Sein Bruder ließ sich willig abführen. Donnerskag wieder Stadiverorduefensißung. Die nächste Stadtverordnetenversammlung findet am Donners- tag, dem 23. Oktober 1930, statt. Begim, der Beratungen um 16)4 Uhr. Wetteraussichlen für Berfln: Wechselnd wolkig, zeitweise heiter, ohne wesentliche Niederschläge, etwas kühler, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten des Reithes noch heiter: im übrigen Deutschland wechselnd wolkiges und etwas kühleres Wetter und nur stellenweff« leichte Niederschläge. i........ iiBonrniMTr"fmwnTw i iiiiimpiiiiibwuimmbiiiiiihwimb i—■■■mwmmi-niiMnr An Zuckers p a r e n, g r u n d v e r k e h rt! Der Körper braucht ihn Zucker nährt! ...X?■..■_....._ Pfnfcnbnugen f«r dies« Ziubril sind «, r l i- LWS«. Lind-nirr-h- Z. G parieinachn'chien für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkssesretanai i. Hol. 2 Treppen recht», zu richten �um Nlttopf�r für die(?rit>erl'sloscn tmirtwit»ort der Stadracrordnctcnfroftinn 500 M. inrd von Sein P. H. 100 M. an die Bezirkskosse einocschickt, worüocr hierdurch nnt bestem Dant quittiert wird. I. Zl.: A l e x P a g e l s. » Konferenz d?r Abtcilun»istnictervcrtrcter sowie aller sonst im Auel- und Wohnungswesen f öligen parieigenossen üjn Dieustaa. 2!.!>kwber, ID'a Ahr, im Gewertlchaftshaus, Enzelufer 24—25, cafll 1.— Tagesordnung: 1. Unsere nächsten Aufgaben, 2, Me Lockerung des Aüeterfchuitcs sttr die Pfärtnermahnungcn. Ziefercnt stienosse Leube vom ?entschen Porticrverband. 3. Deschluhsassunq über die Einführung eines Mi!» teilnngsblattes lPrvbenumrncr liegf vor). 4. Verschiedenes. Ter Vorsiar.t. I. A.: E r n st' R u b c n. Berlin SW. Ii, Hafenplat) 5. » 2. Jtrf'« Tiergarten. Abteisungsrnietervortreier: Dir Abteilungsmieterver. Irrtrr u>erdcn ersucht, unbeding' an der heute, Dienstag, 191» Ahr, im E>en'äulfishaus, Sngeluter Ä— 25, Eaal I, stattiindenden Konferenz teil» tttnehmen, da sie in ihren Abteilungen Bericht im erstatten haben. t sirei» Prenzlauer Berg. Bildungsansschuß: Heute. Dien- tag, 20 Uhr, im Eaalbau Friedrichshain, Ztonzert de» BachOrchcfters, Unter Solv-Zstit- tvirinng voll Harsc, Zlöte und Cembalo. Ciutritt Z« Pf., sür Zugendlich« 25 Pf. il>. irre'« Köpenick. Büdunosansschusi: Miitwoch, 2N Übe. Sitzung des«reis- «usschusies. Echlotzstr. 27. i Tr.. Bibliothe!. Erscheinen' oller Krcisans- schusimitgsiedcr ist dringend er>ordei!!ch. 19. Kreis Pantow. lllliitwoch. 22. Oliodcr, um 20 Uhr, Sitzung des Btldmigs- ausschnsscs im Lokal Bstrgerporl. heute. Dienstag, 21. Oktober: IC. Achtitna. Funktionäre? Ausgabe j>er Eammellisten für das Rot- opfer der Crwcrbssoseu sowie der Karten Kur Revolutionsfeier am 9. No- vcmder erfolgt ad heute von 17—15 Ilhr beim Genossen Wenzel, Wiclef- strafte S9. 2S. Abti. 20 Ilhr bei Beinlich, Weiftenburger Str. 1. Vorstandssttzung. Die MitKliedcrvercammlung am 22. Oktober' fällt aus, da das Lokal Hoff- mann gesperrt ist. Äbt. Sy 1?hr bei Valentin. Krautstr. 30a, Funktionärsttzung. 44. Abt. � Vczirt 92: AI Uhr �ahlabend im Reichenderger Hof, Reickzenberger Strafte 147. Neuwahl der Vezirksführer. 4S. Abt. A) Ilhr bei Prafke, Prinzenstr. 23, Funktionärsttzung. Am HJlftt- troch, 32. Oktober, 20 Uhr, �ahlabcnd im Lokal Präfk«, Vrinzenstr. 23: .Keller, Filrftenstr. 1; Ehemann, Brandenburgstr. 1; Zimmerling. Branden- burgstr. 50; Tetzlaff, Rittcrstr. 33. Tagesordnung:„Die politische Lage". S.>. Abt. Neukölln. Die Vorstandsmitglieder und Vezirksführer beteiligen sich beute, Dienstag, 20 Ilhr, am wissenschaftlichen Vortrag bei Grieger, Lesstngstr. 9. 134. Abt. Buch. Z9 Uhr wichtige Besprechung mit dem Vorstand und den Funktionären bei Göpfert, am Bahnhof. Die Mitglieder des Bildungs- ausschusses nehmen ebenfalls daran teil. Mtaliederversammlungen und Zchlabende morgen, Mittwoch, 22. Okiober, in nachstehenden Lokalen. Thema in allen Versammlungen: „vis poiitisLks Sstua&ion." >. Abt. 30 Uhr im Vorbandshaus-Restaurant, Rungcstr. 30, Bezirisvcrsamm- lungen der Bezirke Packhoier, Gcrwien, Zleumanu, Rothenburger und Schulz. Zohlabend der Bezirk» Krümmel, Mollsteia und Zimmermann im Lokal von Simon. Michaclkirchplatz 19. 4. Abt. ISVi Uhr bei Brandis, Stralaucr Sir. 10. 7. Abt. illltz Uhr Friedrichstadt. Kasino, Friedrichstr. 123. Referent Robert Breuer. 3. Abt. 1S'4 Uhr Mitgliederversammlung im„Rationalhof. Biüomstr. 37. Referent: Ernst Heilinonn. Thema:„stzegeu dir Kalaslrophenpolitir." 9. Abt. 1911 Uhr bei Fader, Siephanstr. 11, Zahl- und Distulierabcnd. Bortrag:»Reichsbanner und Partei". Refereni Dr. Richart Mischlcr. I«. Abt. 20 Uhr bei Sandom, Flcnsburger Str. 3, Diskusstonsabend. 14. Abt. 19:7 Uhr Twinemunder Ecsellschafisliaus, Swincmiinbcr Str. 42. Rrserent Mar Sillmeistcr. 15. Abt. IS',1 Uhr im Lokal Müsch, Brunnenstr. 140 lEngelhardt-Ausschank). Referent Stadtverordneter Sons Woywod. Gäste haben leinen Zutrüt. 13. Abt. 20 Uhr in der Löwcnhrauerei, Hochstr, 2, Referent Hans Bauer. 19. Abt. 1917 Uhr in der Roten Schule, Gotenburger Straße. Rcferentin Klara Bohm-Schuch. M. d. R. 29. Albt. 20 Uhr bei Äeude, Koloniestr. 147. Bortrag: Rückkehr zum Bgrar- . staot als Läsung des Arbeitslosenproblems?" Llefcrcut Dr. Waldheim. 21: Abt. 1911 Uhr im Cchraderhaus, Malplaguetstr. 14—15. R-ferrnt Gotilieh Reese. 22. Abt. I9'-7 Uhr in der Hochschulbrauerei, Secstratze Ecke Amrumer Straße, Bortrag:.Stellung der Sozialdemokratie zum Staat." Referent Bürger- Meister Dr. Dstromfki. 23. Abt. 191» Uhr im Lokal Steinacker, Seestraße Ecke Müllerstraße, Vortrag: ..Preußen und die Ralionalsozialisten." Referent Dr. Homburger, M. d. L. 24. Abt. tblß Uhr im Altcr-heim. Danziger Sie.»2. Mitglied eroer. s: fommlung. verbunden mit Bannern, eihe. Redner Jockel Meier. Künstle. rische« Programm. Alle Genossinnen und Seuosfcn sind freundlichst ei», geladen. 25. Abt. 20 llbr im Bvrdcnaal des Soalbau Friedrichshain, Portrag:»Kulwr ünb Klaffe." Retcrcnt Professor Abramowitsch. Mitgliedsbuch dient als Ausweis 27. Abt. 1917 Uhr in den Schönhauser Festsälen, Schönhauser Allee 129. Referent Ernst Reumann. Die Bczirksführcr treffen sich bereits um 19 Uhr ebendor». 23. Abt. 19,7 Uhr in den Bcrolina.Fcstsälen, Schönhauser Allee 28. Referent Kurt Heinig. M. d. R. 29. Abt. 30 Uhr in solaenden Lokalen: Klaus. Prenzlauer Allee 51. Klug. Danziger Str. 71. Richter, Schliemannftr. 39. Buchholz, Prenzlauer Allee Ecke Stargordcr Straße. Der gahlabend von Riebe findet bei Garas, Dunckcrftr. 71, statt. 30. Abt. 19' 7 Uhr in den Casino.Festsälen, Pappelallce 13. Referentin Kiitc Kern. Die Bezirksfiihrer treffen sich bereits um 19 Uhr ehendort. 31. Abt. 19'1 Uhr in ber Schulaula, Schönfließcr Sir, 7, Barlrag:„Der Kampf um die sozialen Errungenschaften." Referent Ministerialrat Richard Joachim. 32. Abt. 20 Uhr in Schmidts Gcsrllschaflshau», Fruchtstr. 35a. Mitgliedervcr. sommlung, 33. Abt. l9si Uhr in der Schulaula, Hohenlohestr. 10. Genosse Hermann Erünzcl, Mitglied des Reichswirtschastsrats, spricht Uber:„Die Wirtschaft- ArdsltsrdtteiungssHlHuIs. Die in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" vcröfsentlichtcn Kurse: K..Nreis Kreuzberg. Gesundheitshaus, Am Urban 10/11, Marie Torhorst:„Die geistigen Strömungen in der sozialistischen Gesellschaft": 10. 5lreis Zehlendorf. Iugenjcheim Bahnhafftr. 3, Valtin Hartig:„Die Arbeiter Deutschlands im Kampf um Demokratie, wirtschaftliche und poütischc Macht": 12..Kreis Ztegliti. Stadtbücherei, Grunewaldstr. 2, Arthur Goldstcin:„Glauben und Wissen": beginnen nicht, wie irrtümlich angegeben, am Donnerstag, dem 23. Oktober, sondern erst Areitag, den 24. Oktober, 19 Ii Uhr" lichen Auswirkungen der Reichsiogswahl." Borher um 19 Uhr treffen sich alle Vorstandsmitglieder und Bezirisführrr bei Wertavn, Hohenlohostr. 3. 34. Abt. 1917 Uhr in der Schulaula, Litauer Str. 13. Referent Redaktenr Wolfgong Schwarz. 35. Abt. Die Abteilnngsvrrsommlung findet nmständkhasber erst am Donners- tag. dem 23. Oktober, 19'7 Ubr, im Kleinen Enal des Lolals Frankfurter Hof, Frankfurter Allee 313, statt. Eingang durch das Restaurant. 35. Abt. 191» Uhr in der Schulauto, Eiraßmanusir. 6. Rekercntin Gertrud channa Rt. d. L.. spricht über:.Sozialversicherung und Rotverordnungen." Obne Mitglikdsdnch lein Zutritt. 37. Abt. 19'» Uhr in der Patzenhofer Brauerei, Landsberger Allee 24,'S?. Refc- rent Mar Henbenrann. 38. Abt. 19'7 Uhr in Schmidts Gescllschastshaus, Fruchtstr, 300. Referent Emil Barth. 39. Abt. 191» Ubr im Bangewcrksbuud. Grvßbeerenstr. 95. Bortrag:»Das Pro- ornnnn ber Partei." Referent Dr. Max Schütte. 13'/, Uhr Funktionär- fitzung ebendort. «1. Abt. 1917 Uhr Frirfenschlößchen, Friesenstr. 14. Referrnt Dr. Fritz Schön- bcrr. 42. Abt. 1917 Uhr Blüchersäle. Blücherstr. 61. Referent Max Brinitzer. Gleichzeitig Abrechnung der Bezirkssührer. 43. Abt. 1917 Uhr bei Rabe. Fichteftr. 29. Referent Thevbor Kotzur. 45. Abt. 19 Uhr in der Echulaula, Reichcnbergrr Ecke Forster Straße. Rescrent Karl Dreffel. ,, 4«. Abt. 191t! Uhr bei Burckhordt, Eörlitzer Str. 52. Referent Franz KSitstler, M. d. R. 47. Abt. 19'4 Ubr!m Saal I des Sewarkschaftshause«, Engelufer 24/25. Refc. rent Lorenz Breiniig. Eharlottenbnrg. 53. Abt. Die Mitgliederversammlung am 22. Oktober fällt aus, dafür Funkiionärsttzung hei Lux, Huttenstr. 25, 19?', Uhr. Pünktliches Erscheinen erbeten.— 54. Abt. 19>7 Uhr in der Aula, Gucrickestr. 32, Bortrag des OVv.offcn Artur Erispien, M. d. R. Es läuft der Film„Mutter".— 55. Abt. 20 Ubr bei Inskowiack, Holtzendvrffstr. 20. Thema:»Nationalsozialismus." Referrnt Dr. Seligsohn. 57. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr große öffentliche«ersammlnng im __..llcr-Pestaurant, Bismarckstr. 110. Tbema:.Unser Kamps um Freiheit' und Recht." Redner Karl Lille, M. d. R.«nschließend freie Auesprache. g E Arbeiter, Angestellte und Beamte, sorgt für Massenbesuch. H Schiller 98. Abt. Halen see. 20 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42. Referent Paul Bernstein. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr im Desellschaftszimmeik des Ratskeller Friedenau, Arn Lantervlatz. Re'erent Dr. Ernst Falck. 32. Abt. Steglitz. Fortsetzung der letzten Mitgliederversammlung um 20 Uhr bei Schellhase, Nhornstr lös. Die Borstandsmitglieder trrffcn sich bereits um 19 llbr ebenbort. 83. Abt. Lichterfelde. Alle Bezirksführer und sonstigen tätigen Parielaenvssinncn und Genossen treffen sich zur erweiterten Abtcilungs-Borstandssitzung heim Genossen Willi Fritzsch, Berliner Str. 123b, um 20 Uhr. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht Billettobrechnung. 85. Abt. Martendorf. 20 Uhr in der Echulaula, Königstraß«. Refercntin Stadt- verordnete Dr. Köte ssrankenthas. 92. Abt. Neukölln. 20 Uhr bei Wolfs, Kaiser.Frtedrich.Str. 173, Funktionär. sitzung. 193. Abt. Oberschöneweid». 19' 7 Uhr Ertra-Zahlabende in den bekannten Lokalen. U5. Abt. Reinickendorf. Ost. 20 Ubr im Schützenhau», Rcsidenzstr. 1. Referent Otto Meier, M. d. L. Bbtcilungsangelcgenheiten. * 11. Abt. Mittwoch, 191-1 Uhr, Funktionärkonferenz bei Birger, Levetzowstr. 21. Doiin?rstaq, 23. Oktober. 74. Abt. Zehlendor« Mitte und West. 20 Uhr im Lokal Schneider. Potsdamer Straße, Mitgliederversammlung. Bortrag:»Di« politisch« Lage." Referent Dr. Ernst Frankel. Jrauenveranstalkungen. 8. Krri, Spandau. Donnerstag, 23. Oktober, 20 Uhr. im Turm, immer des Na!skell:rz. Krelsfranenabend. Bartrag der Genossin Gertrud Bodin. 1. Abt. Freitag, 24. Oktober, beteiligen sich die Senössinnen an der Be. sichtiguna d-. Franenkundemusenms. Eharlottenburg, Berliner Str. 137. Treffpunkt um 18 Uhr vbr dem Museum. 29. Abt. Stute. Dienstag. 21. Oktober. 1917 Uhr. bei Zache, Schulstr. 71: »Dringendste Ausgaben des Reichstages". Rekerent Mar Brinitzer. Charlatteuburg. 52. Abt. Donnerstag. 28. Oktober, 1917 Ubr. bei Bade. Kaiserin.Auqusta-Allee 52;»Die politischen Folgen der Wahl". Referent Mar Brinitzer.— 56. Abt Heute, Dienstag. 21. Oktober, 1917 Uhr, bei Lierich, Kantstr. 62!»Was lehren uns die Wahlen?" Referentin Dr. Dora Fabian. 109. Abt Friedrichshag«». Mittwoch. 22. Oktober, 20 Uhr, im Siadtlheater. am Marktplatz:»Borbeuwng und Früherkennung von Frauenleiden". Referentin vr. meä. Alice Goldmann-Bollnhal». ZuugsoziaKftev. Gruppe Bahnodarf: Dienstag. 21. Oktober, 1917 Uhr. bei Heimann(nicht im Jugendheim!), sprichr ber Genosse Hans Seigewaffer über„Reichsbonner oder proletarischer Srlbstichutz?" Alle jüngeren Parteigenossen, die Kameraden des Iungdonners und andere inicressterte Parteigenossen sind»u dieser aktuell- n Veranstaltung eingeladen. Wir weisen noch darauf hin, daß die gemeinsam mit der SAF, geplante Werbkfeier im Gcmeinschastshaus Fallenderg auf Sonn- abend, 25. Oktober, verschoben wurde. Werbcbezirl Westen:»Kampf gegen den Faschismus" ist die Parole pj M für die Kundgebung, die am kommenden Sonntag, 26. vkwber, im k. •: Lichtspielhaus»Elnsium", Prenzlauer Allee 55, stattfindet Genosse Mar he p! Sendewitz. M. d. R., spricht Der Film„Sturm Uber Asien" gelangt s-- sisi zur Aufsührung. Außerdem Musik und Auftrete» einer Spieltruppe. Ö Es ist Pfliätt eines jeden Genossen, diese Dcransialiung zu besuchen und W sie darüber hinaus, miierhalb der Partei und SAI. dte Karten für die f? Kundgebung restlos abzusetzen. Eintritt 60 Pf, Beginn 101» Uhr. g. Heute abend Rnbet in Wilmerzdorf, Wilhelmsan« 124 tAug»nbh«im) eine Berbeveranstoltung der dortigen Gruppe statt. F. Leon spricht über„Deutsche Republik und wo» dann?". Für die Genossen der Gruppe Eharlottenburg ist der Besuch dieser Bcranstaltung Pflicht Beginn 20 Uhr. Gruppe Moabit! Heute. Dienstag, im Iugenbbeim, Lehrter Str.>8/19, Dis. lufsionsabend mit den anderen Jugendorganisationen:„Proletarische Wehr. haftigkeit." Die Mitglieder aller Organisationen stnd eingeladen. Zutritt nur grgrn Ausweis, Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grvh-Veriin. �roft. Berlin: Alle Helfer, die am Zeltlager S6)u>eiz l' teilgenommen haben, kommen zur Aussprache Donnerstag, 23. Oktobci-, in der Schule Kaiser. Friedrick-Straßc 4, Neukölln(am 5?srmannplatz), Z9..'w Ahr zusammen. Erweiterte Vorstandssitzung. Freitag, 24. Oktober, 20 Uhr. Geschäftsstelle Lindenstr. 3. Tagesordnung: Zeltlager INI." Bierteliahresprogramm. Jeder Kreis muß vertreten sein. Helferschnlnng...Psychologie." Dr. Vernfe.ld. Erster Abend Dienstags 28. Oktober, 49.3» Uhr, Arbsiterbildungs schule, Lindenftr. 14tügig. Chorleiter und Instruwentalisten. Freitag, 24. Oktober, Schule Neukölln, Kaiftr-Friedrich-Ltr. 4, 20 Uhr, Stägig. Leitung: Fritz Hofftnann und Rudolf Barthel. Wairdertechnik Basteln. Knrsusbeginn Donnerskag. 43. November. 14tägiz. Nestfalkenkursus und Bewegungschor wird noch bekanntgegeben. Gruppe Tempelhof: 17 bis 19 Uhr Baftelnackimittag. Material mitbringen. Kreis Wedding: Sonnabend. LS. Oktober, veranstalten wir einen Filmabend im �ochnlkmo. Wiesen- Ecke Pankstraße. Es laufen:„Rote Jugend auf roter Erde" und„Simba". Karten K 3» Pf. sind nur bei den Helfern au haben. Gruppe Schillerpark: Iungfalten. Dienstag, 17-2 Uhr, im Iugendheiin« MM« inttMRBaaM IKMKrM 23 den nriMKMin m Bmi-mnm AEG., Bahnwerlstatt, Piinzeuallee«2—43: Karl Bock, Soldinerstr. 17. AEG., Brunnenstraße: E a r u s, Boltastr. 19. AEG.. Schalttafcldau, Ruwmel-burg, Aöpenicker E Hausse?: Lichtenberg. Köpe- nicker Chaussee 69, «EG., Treptow: George, Elsenstraße, AEG-, Abteiluug Z und Stabtabtoilung, Friedrichstr. 119: W e i n h o l z, Gips. straße 3. Kabelwerk, Wilhclutiueuhol: Hand Brefair, Obcrfchöneweide, Siemen», straße. Die Auskuuftslokale für die Hcmiigsdorscr Dedmebe befinden ftdi: Pntbusser Straße 24 bei G o t t s ch a l k; Riüllerstr. 26 bei E. H e r m s i Kronprinzen, straße 47 bei Scipke(Nähe Dahnhof Frankfurter Allee); Echillerstr. 59 iTegel) bei E h r i st e n f e n: Spandau, Pichelsdorfer Str. 5», bei H o p l- n» r: Velten, G r u n o w s Hotel, Wilhelmstr. 19; Kremmen, Lokal K Ii S f e I. Berogeodetic, Zehlendorf: L a b j o h n, Teltow. Schützenplatz. Deutsche Kobel-Zrdustrie, Riedersiböneweid«, Berliner Straß«: Otto Kind. Riederschönewride, Grünauer Str. 8. Deutsche Messingwerke. RiederschSneweid«, Eweking: Berichtigung:„Zur B r ü ck e n k l a>: s e", Niederschöneweide, Brückenstraß« 15. O. Dietrich, EH-rloUcnburg, Potsdamer Str. 35: Gamrotek, Ehartotten. bürg, Potsdamer Str. 35. Chrich u. Graetz, Berlin SO. 35, Els-nstr. 95—98: Derichttgnng: Döh- l i n g, Elsenstr. 100. Ludwig Loewc, Gessürel A.-»., Snttenstr. 17—19: Sturz, Huttcnstt. 9. Binffch B.-G., Andrcasstroße: Zange, Lange Sit 90. Massei, Wildau: D u b i a n, Wildau. Mix u. Genest. Schönederg, Geueftstraß«: Podzius, Sachsendamm, Ecke Reichartstraße. Roeder n. Ren. Rittcrstr. 123: Berichtigung: Winter, Ritter., Ecke Fllrftenstraße. � � Rotaprint. Rciilickendorfer Str. 45! Berichtigung: Kluwe, Berlin, Reinickendorfer Str. 74. Ludwig Spitz n. So., T-mpclhof, Eresburgstr. 22—23: P o d z i u,, Sachien. dämm. Eck« Reichartstraß«. Fritz Werner, R-ri«us-ld«: Wildgrube, Maricntfelbk, Kiepertplatz. 8sz«vLP?2ll0pN UNkl Werke Wildau Die am Streik beteiligten Kollegen der Betrieb« Bchwartzkovff und M-ffe!- Sckiwartztopsf in Bilda», die in Berlin wohne», werden von der Stieittoutroile Schwortzkoyis-Schcringstraße, im Lokal»Regeuberg". Gartcustr. 75, kontrolliert. Die Kollegen haben sich am Freitag, dem 24. d. M., vorunttaq» dort ein- zufinden uud ihre Bücher und Ouittuugeu l» Empfang ,» nehmen. Ihr Streikgcl» wird dan« im Verbaudshausc, Liuieustr. 83-85, ausgezahlt. Für die Wildoner Kollege» wirb am Souuabeud. dem 23. d. M.. ad 19 Uhr. im Kasino gezahlt._ Li« Streit«itung. n Connerskag, den 23. Oktober. neiftn-. 41/s Ahr. In Givalds Vereins ' Hans. Skotiher Strafte 12L lekipiMsvei�LMmlung sllsk' llraveur- u. Ziseieur- ieürünge Tagesordnung: 1. Unsere Wirtschattslage. Referent: Kollege Karl Asch ecker 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Jeder Sravrur- und Fiseleurlehrling muß zu dieser Versammlung erscheinen. Donnerstag, den 23. Oktober, abd». 7 Ahr. im iSewertschnftshan», Engelufer 24 25(Srofter Saal) uersammEung der Rchrleser und Helfer Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollege» Brandes. 2. Verbands» und Branchenangelegen- betten 3 Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Wegen der Wichligleit der Tagesordnung muß jeder Kollege erscheinen. ßemung. Einrichter und Keuisoreni Die Vertrauensmänner■ Konferenz unserer Braach« jällt im Oktober aus. Lonuerslag, den 23. Ottober. abend» 7 Ahr. im Stftnngsfnal de» verdandshanse», LInienstrah««3,93 3. Portal. 2 Trepven Homeren? der wenn, uertreuenspersonen und Beiriebsrgte Tagesordnung: 1. Rezitatwn ernster und beilerer Dichtungen Vortragende: Echanspieleri» Fricdel Hat! 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um den FunktionSrinnen Gelegenheit zu geben, proletarische Dlchtuug kennen zu lernen, ist dieses Thema gewäbit worden. Mir bitten, rege Propaganda für deu Besuch dieser Beranstalwna zu machen. Organisierte Kolleginnen' sind als Gäste willkommen. vonuarstag, den 23. Oktober, abds. 7 V: Ahr, inltvewcrksohastvhon» Engelufer 24,23(Saat III) vrenehen-vereemmiur.z der vremervener Dl« Tagesordnung wird in der Ber- sammluug bekanntgegeben. Zahlreicher Besuch wirb erwartet Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt! VI« Ortsvervallnug. Mit wenigen Mitteln haushalten- das ist heute eine schwierige, aber dankbare Auf gäbe für die Hausfrau Verwende deshalb MAGGI5 Erzeugnisse; sie helfen Dir sparsam zu wirtschaften." \ ÄÄ Ä| 5\A/l I r~r r\'«boei wenige Tropfet» veHsenern Suppen, Soßen. » B V V VJ I aL Gemu««, Salat« usw. In Fläschchen von 20 Pfg. an Wurf«! für 2 T«I>ef Suppe nur J3 Pfennig Sorten bieten reiche Abwechtlgng MAGGI' Suppen MAGGr flsiscli4>sü!is drüb«. I Würfe) ftir gut�lt• 4 ff J. Turincr(Jde Seestraß«, Liederabend. Liederbücher mitbringen. Dt« Musst ist zur Zeit da. Rote Falken bringen am Donnerstag Zeitungen mit in« Heim, llirechier Straße. strei» Renkvll»: Alls Zeltlagerteilnehmer finden sich morgen, Mittwoch, um 17 Uhr, zum Uebcn in der«arl.D!arx.Schule ein. Alle Gruppen müssen mit den Zeltlagerteilnchmcrn(Schweiz) oertreten sein. Zur Filmveranstaltung am Sonntag müssen die Gruppen dafür sorgen, daß die Karten bestimmt spätestens am Freitag im Saalbau abgerechnet werden.— Gruppe Eturmfalke: Gruppen. Veranstaltung ist Dienstags und Freitags von 17 bis lg Uhr in der Karl-Marp. Schule.— Gruppe Falke: Die Gruppe ist heute wieder in der Baracke Ganechofcr. straße von 17 bis 19 Uhr.— Gruppe Lichtkämpfer: Rote Falken heute, Dicns- tag, von 17 Mi bis 19 Mi Uhr in der Baracke Ganghofcrstraße Liederabend. Prenzlauer Berg. Gruppe Viktor Adler: Heute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim, Danziger Str. K2, Baracke S, Elternversammlung. Geburlstage. Zubiläea usw. 8. Abt. Unserem Genossen Wilhelm Ring zu seine» 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 12. Abt. Unserem Genossen Wilhelm Triller, Derlichingenstr. 7, zn seinem 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Wir hosseu, unseren alten Kämpen noch recht lange in unseren Reihen zu sehen. 2.1. Abt. Unserem Genossen Karl Pade und seiner Ehefrau, Lüderißstr. 7, zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 11. Abt. Unserem Äreisvorstandsmitglicd Gcnosfiu Anna Parrsch zum bvjäh. regen Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation «Z. Abt. Am Sonntag, dem 19. Oktober, verstarb unsere Genossin Hedwig Schnapp. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Mittwoch, dem 22. Oktober, li'As Uhr, Baumschulriuocg. Wir bitten um rege Beteiligung. » Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin otwsendungen für diese Rubril mu an da« Fugendsetrewrl» »erlw SW 68. XlnbaiBrafi« 3 Abteilungsleiter, reicht umgehend den Berichtsbogen für das Z. Quartal und das Rovcmbcr.Programm ein. Bollsbühnen.Sonderoorstellnng für Ingendlich« von 14—18 Iahren für Sonnabend, 8. November, sind Karten zu 80 Pf. im Sekretariat erhältlich. heute, Dienstag. IS'/a Ilhr. Arkonaplatz: Schule Elisabethkirchstr. 19:„Tagespolitik".— Köllnischer Park: Heim Waisenstr. 18:„Franzäsischc Rcoolutwn".— Rosentheler Vorstadt: Schule Elisabethkirchstr. 19: Werbe- und Einsiihrungsabend.— Zentrum: Heim Landsberger Str. SO:„Das gute Buch".— Vrunncnplaß: Schule Wiesen. Ecke Panl- straße:„Zweck und Ziele der SAI."— Humboldthain: Schule Putbusser Str. 3: Einfllhrungsabend.— Leopowplaß: Schule Utrechtcr Ecke Turiner Straße:„Bor dem Arbeitsgericht".— Wetding-Rord: Heim Turiner Ecke Seestraße:„Der Kampf um die Jugend".— Wedding Zi. F.! Schule Lütticher Str. 4, 2. Hof rechts:„Bursche und Model in der SAI.", 1. Teil.-«ckilerpork: Schule Schöningstr. 17: �agespolitisch« Fragen".— Arnswalder Platz 1; Heim Rasten. bürget ott. 16:„Soziales Wandern".— Balkan: Schuir Mandelstraße:„Was will die SAI.?"— Nordosten I: Heim Danziger Str. 62, B. 3:„Warum freie Gewerkschaften?"— Weißens«: Heim Porlstr. 36:„Tagespolitik".— Hasen. Heid«: Heim Wassertorstt. 9: Einführungsabend.— Süden: Heim Borckftr. 11, Z. b:„China-Revolutwn".— Schoueberg I: Heim Hauptstt. 15: Polilisch-satiri. scher Abend.— Schöneberg II: Heim Haupistr. 15:„Rundfunk dem Werktätigen". Schönebcrg III: Heim Haupistr. 15: IN-Minuten. Referate.— Schüneberg I?: Heim Haupistr. 15:„Fahrtcntcchnik".— Eharlottenburg: Heim Rosinenstr. 4: „Unsere Gruppe auf Fahrt".— Eharlottenburg-Süd(Aeltcre): Heim Wallstraße: Arbeitsgcmcinschafi.— S>cmen»stadt: II. Polksfchule, Schulstraße:„Tage' Heim straße 48:„Kunst und Proletariat".— Neukölln 1; Heim Sander- Ecke Höbrecht. strage:„Freikörperkultur".— Neukölln II: Herrn Steinmetzstr. 94, Hof:„Der italienische Faschismus".— Reukölln III: Heim Ziethenstr. 58:„Frcitörper- kullur".— Neukölln IV:(Acltere): Heim Kanner Straße:„Tagespolitik".— RculWu VI: Heim Treptower Str. 95:„Komeradschofi zwischen Bursche und Mädel".— Reuköll» VII: Karl-Marx-Schule:„Wir wollen, daß Arbeit Freude werde".— Reukölln X: Heim Bergstr. 29, Raum 2;„Tagespolitik".— Köpenick I; Heim Grünauer Str. 3:„Das neue Wien".— Köpenick II: Heim Dohlwrtzcr Straße 15:„Empörer, empor!"— Schön ewei de: Schule Berliner Str. 31:„Soges- Politik".— Hrrmsdorf: Heim Roonstraßc:„Aus unserem Berufsleben".— Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15:„Alt-Berliner Humor".— RiederschZu» hausen: Schule Blankcnburger Str. 79:„Unsere Parteipresse".— Pankow I und II: Heim Görschstr. 14: Iv-Minuten-Reserate.— Mattenbors 1: Alte Schule, Dorfstr. 7, Lichtbilder:„Geschichte der Arbeiterjugend". Werbebeziri Osten: Kursus der Arbeiter-Bildungsschul« 19)4 Uhr Heim Tilflter Str. 4—5:„Geschichte der deutschen Republik". Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner»Schwarz-Rol-Gold". Seschäktsstell«! Berlin S. 14. Sebastianstr. 37-38. Hok 2. Tr. Fttedttchshaiu, Kameradschaft Stralau: Dienstag, 21. Oktober, 29 Uhr, Kameradschaftsvcrsammlung bei Wertolla, Hohen lohe str. 3. Referat.— Marineobteilung: Mittwoch, 22. Oktober, 29Mi Uhr. theoretischer Unterricht. ZOMi bis 22 Uhr Turnen in der Albrechtstr. 29. Reuanmeldungen werden dort entgegengenpuimen.— Ruderrieg« Berlin: Donnerstag, 23. Ottober fällt das Kaftenrndern aus. Dafür Generalversammlung um 29 Uhr bei Schmitz. Kommandanten. Ecke Beuthstraße.— Eharlottcnburg, Kameradschast Rathaus: Dienstag, 21. Oktober, 29 Uhr, kamerabschastsversammlnng bei Reimers, Wilmersdorfer Str. 2i. Mttwoch, 22. Oktober. 19)4 Uhr, Alttreten in Bannerkleidung Sapignyplatz Ecke Earmcnstraße. Esperauioknttu«. Ein zehnstündiger Einfilhrungskursus in die Welthilfs. i'vroche Esperanto wird Mittwoch, 22. Oktober. 19M) Uhr. im Dorotheenstädti. schen RealgiMnasium eröffnet. Kursusieiter der Berbandsvorsitzende und Ge. schäftsfllhrer der Esperantolchule Berlin, Direktor I. Glück. Interessenten' willkommen. Ocsscntlich« Porträg« über moderne Reeresforschung. Das Institut wr Meereskunde veranstaltet vom 28. Oktober ab regelmäßig Dienstags(29 Uhr) öffentlich« Führung» und Lichtdildervorträg« über moderne Meeres» fprfchung. Di« erste Reih« wird eingeleitet mit einer Führung des Btto. Doz. Dr. W ü st durch die neu eröffnete Museumsabteilung„Deutsche Atlantisch« Expedition". l.ongtelIov Enelisb Defcatirc Club: Mittwoch, 29 Uhr, Zahnärztehaus BDlow- straße 104, Quttmannsaal: Mr. I. Bulmann Smith, M. A.;„Fear and iis Antidotes".________ Sport. Rennen ja Mariendorf am Montag, dem 20. Oktober. 1. R e n n e n. 1. Blaustrumvf(Neuenseld), 2. Fechtmeister. 3. Emmenz. 4. Nordpol. Toto: 114:10. Platz: 19. 13, 18, 24:10. Ferner liefen: Hagol(t. o. W.). Mimose, Goldin. Osterprinz. Hildegund. Imperator, Goldussy. Guy de Val, Natur, Herzblatt, Eitelkeit, Alma mater, Eoelein, Bergamotte. 2. Rennen. 1. Adio sJanß fr.), 2. Pedouia. 3. Billy Bell. Toto: 14:10. Platz: 15, 21. SS: 10. Ferner liefen: Lisette, Celano so. W.), Medicull(o. W.f, Alter Ego, Dattel, Musica, Mikofch, Lady Nelly, Flieder, Huberta, Constantin Frisco. 3. Rennen. 1. Mikes(Höhne). 2. Orsoy, 3. Esst. Toto: 25:10. Platz: 13, 23. 23: 10. Ferner liescn: Teuselsbua. Raphta. Halma. Champion Goud, Silberpappel, Esther Prwzejfiu, Bergsex. Tamerlan, Flaggenlicd. 4. R c n n e n. 1. Lindowgold(Reuenfeld). 2. Leuchte, 3. Lanzette. Toto: 88:10. Platz: 23.«9. 53:10. Ferner liefen: Lucie Watts, Pracht. mädels Tochter. Dawson Watts, Cilly Dillan, Florian, Goudster jr., Bronze, Königsadler, Franlct. 5. Rennen. 1. Cara Bella(Jauß jr.). 2. Enzian, 3. Satire, 4. Jenny Lind. Toto: 64:10.- Platz: 22, 15, 17, 21:10. Ferner liefen: Friesin. Selamlik, Teuselsbursch, Barrabas, Zldressc, Padrel, Siegesadler, Hallore, Herenmeister. 6. R e n ne n. 1. Dahlie(Ch. Mills), 2. Justice Humsast, 3. Freund Edelstein. Toto: 36:10. Platz: 15, 11:10. Ferner liejen: Don Jose, Monarch I, Britton. 7. R e n n e n. 1.?lbt. t. Pirna(I. Mills), 2. Chklame, 3. Costa Rica, 4. Agina. Toto: 28:10. Platz: 18, 18, 11. 12:10. Ferner liefen: Schenleu- dorff, Natator, Hennh Äiltyschor, Rena Bell. Elsriede, Iris B., Harvesl, Fala Morgana, Allmacht.— 2. Abt. Deliia(E. Treuherz), 2. Königsborn, 3. Tullia. Toto: 21:10. Platz: 12. 15. 17: 10. Ferner Uesen: Schwester- söhn, Peraiuo. Ovation. Cyklon, Peschkesch, Schloßrose, Ilse R., Morgen- grüß I, Landskrone/, Uhr, im Krematotium Baum- schulenweg. Deiilsdier Meiallarbeiter-lleiliaB!! I Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeise Den Mtigliedern zur Rachrtchi, daß unser Kollege, der Schmied Hermsim Gerlach geb. SL Juli 1873, am 18. ONober gestorben ist. Ehre seinem Audeukeu! Die Einäscherung findet am Mit- wo-b, dem 22. Ottober, 18 Uhr, im Krematorium Gettchtstraße statt. Rege Beteiiigung erwattet Die Drtsverwaltung. Am 19. Ottaber, vormittags 9 Uhr, verschieb nach längerem Leiben meine treue Lebensgeiährtin und innigst- getiebte Frau, unsere gute Mutter Ejfoö Kirsche geb. Braun In tiefster Trauer Faden Kirtcfae und Söhne Gerhard und Dietmar. Die Beisetzung findet am Mittwoch, dem 22 Ofiobcr. von der Halle des Reuen Iafodtfttedhoies Neukölln, Her- mannstr. 199, aus statt. Hautjucken, Flechten Ks offenen Füßen, Krampfadern auch veralteten Wunbeu ist die milde und wohltuende San.-Rat Nr. Strahl's Sausfalbe fett Jahrzehnten ärztlich empfohlen und bewährt. In Ottgtz-Dosen ä 1.25, 2,30 und 4.30 Zu Huden in Apotheken, wenn nicht vorrätig, Versand spesenfrei durch Slefanten-Apothele, S« Vier Augen sehen mehr als zwei, aber Hühneraugen zählen dabei nicht mit. Deshalb:„Lehewohl** darauf. *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Htthceraugen-Ltbewohl und Lebe- wohl-Ballens«beibeB, Bleciidose(8 Pflaster; 75 Pf., Lcbewohi-Ful�bad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bader) 50 Pf, erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das edüe Lebewohl in Blechdosen und weisen andere, angeblich„ebensoguie" Mittel zurück. *....»,». 2. Beilage des Vorwärts Oiensiag, 2i. Oktober 1930 Metallarbeiterkampf und Wirtschastskrife. Die Macht der Gewerkschaften erwiesen.— Aus den Reallohn kommt es an! Der Abwehrkampf der Arbeiter und Arbeiterinnen der Serlincr Metaltindustrie steht heute fester als je. Wenn die Unternehmer darauf gehofft hoben, daß angesichts der Krise die Streikparnle der Ge- werkschasten mir teilweife befolgt werden würde, so werden sie inzwischen eines besjenr belehrt worden sehr Sie Macht der freien Gewerkschaften ist u n e r s chü t t c r t. Ihr moralischer Einfluß ist heute größer denn je. Die Arbeiterschaft fühlt instinktin, daß in diesen Zeiten einer katastrophalen Arbeitslosigkeit, die vom Unternehmertum rücksichtslos auszunützen nersiicht wird, die Gewerkschaften das feste Bollwerk sind, das sie gegen die Verelendung schützt. In der Berliner Metallindustrie gibt es viele Großunternehmer, die es sich ein Stück Geld hoben kosten lasten, um die Gelben groß- zuziehen und die chakenkreuzler zu begünstigen. Diese Unter- nehmer können jetzt feststellen, daß sie ihr Geld zum Fenster hinaus- geworfen haben. Auch die Kommunisten haben geglaubt, und zwar auf Grund ihres Wahlerfolges vom 14. September, daß die Arbeiterschaft sich unter ihre Führung begeben würde. Obwohl gerode in der Metallindustrie die sogenannte revolutionäre Gewerkfchafts- oppnsition ihre festen Stützpunkte hat, ist die Aktion der KPD. in nichts zerstoben. Vergebens hat sie ihre beliebten Stoßtrupps vor die Betriebe gesandt. Vergebens hat die KPD. in Betricbsvcrsamm- lungen versucht, di« Führung an sich zu reißen. Der Einfluß der KPD. ist mft jedem Streiktag geringer geworden: er ist jetzt voll- ständig ausgeschaltet. Der Streik der 130 000 ist eine überwältigende Demonstroklon der Macht der Gewerkschaften. In der Presse wird jetzt viel donan gemunkelt, daß die freien Ge- wcrkfchaften, daß der Deutsche Metallarbeiterverband bereit seien, sich mit einer, wenn auch etwas geringeren Lohnkürzung obzu- finde». Der Deutsche Metallarbeiteroerbaird hat«in derartiges An« sinnen schon vor dem Streik entschieden abgelehnt. Er hat jetzt erst recht keinen Grund, diesen Weg zu beschreiten. Alle Gerüchte und Behauptungen dieser Art sind aus der Luft gegtissen. Es wird auch davon geredet, c.ventttcll die bisherigen Löhne kurzfriftig.zu verlängern und dann erst die Lohnkürzung taKUmg, Obleute der Betriebe des Verbandes Berliner Metall« Industrieller! Heute, Dienstag, nachmittag 4 Uhr: KONFERENZ im Verbandshaus des DMV., UnlenstraBe 83/85, eintreten zu lassen. Es wird dies damit begründet, daß die Preis- senkungsoktian der Regierung bis dahin sich misgewirkt haben werde und daß auch bei einer nominellen"Lohnkürzung die Reallöhne nicht gekürzt werden würden. Dazu ist zu sagen, daß die Preissenkung bislaug den Arbeiter- Hausholl noch nicht erreicht hat. Angekündigt ist eine sechsprozentige Senkung der Ruhrkohlenpreste. Die Berliner Metallarbeiter, soweit sie selbst Kohl« verbrauchen, brennen Braunkohlenbriketts, von deren Preissenkung man noch nichts weiß. Man hat bisher die Eisenpreise, die Linoleumpreise und die Preise einiger Markenartikel gesenkt, dagegen di« Eisenbahntorife erhöht. Wieviel Linoleum und Eisen die Bertiner Metallarbeiter für sich verbrauchen, ist leicht auszurechnen. Gewiß kann sich die Preissenkung auf Kohle und Eisen, wenn sie verallgemeinert wird, auch auf di« Kleinhandelspreise auswirken. Vorläufig ist aber davon noch nichts zu spüren. Wenn einmal die Fleisch- und Butterpreise, die Preise fiir Kartoffeln, Margarine, Kaffee, Gemüje und Fett auch im Einzelhandel sich in fühlbarer Weise gesenkt haben werden, wenn vielleicht. gar die. Tarife des Personenverkehrs, die Sazialbeiträge durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit, wenn sich die Preise für den ganze» Bedarf des Arbeiterhaushalts auch im Einzelhandel fühlbar gesenkt haben werden, dann werden auch die Arbeit« mit sich reden lasten. Es versteht sich von selbst, daß es den Arbeitern nicht darum geht, einen hohen N o in i n a l l o h n, sondern«inen hohen Reallohn zu haben. Es kommt dem Arbeiter darauf au. za wissen, was er sich für jßjven Lohn kaufe« kann. Es muß jetzt, schon dabei bemerkt werden, daß auch bei sinkenden Einzelhandelspreisen der Reallohn nicht in vollem Ausmaße der Preissenkung folgen darf. Im Interesse der Gesamt- Wirtschaft muß auf ein« StärkungderKaufkraft hingearbestet werden. Wir kommen von der katastrophalen Arbeitslosigkeit nicht herunter, menn es uns nicht gelingt, den Absatz auf dem Innenmarkt zu heben. In Deutschland ist nun einmal die Industrieardeiterschaft. di« Basis des Innenoerbrauchs. Es ist für die deutsch« Wirtschaft nicht gleichgültig, ab die 130 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie eine gesteigerte oder ein« geschmächtc Kaufkraft be» sitzen. Rur wenn man so das Interesse der Gefamtwirtschast im Auge behält, wir des möglich fein,«in« Lösung des Konflikts zu finden, der auch die Arbeiterschaft zustimmen kann. Tränen über Fords Lohnerhöhung �Lohnabbau" bei Borsig-Oirekioren!- Preissenkung mii Borficht! Daß Henry Fort» nicht nur in Berlin, sondern in der ganzen Welt, mitten in der Krise demonstrativ Lohnerhöhungen um 7 bis 12 Proz. und gleichzeitige Preissenkungen v an 15 Proz. angeordnet Hot, war im Unternehmerloger ein Schlag ins Kontor. Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung-, dos sich ernst gebende schwerindiistrielle Scharf macherblatt in Berlin, weint dicke Tränen über den Knüppel, den Henry Ford den Unternehmern zwischen die Bein« geworfen hat. Freilich wind flugs wieder ein Schwindel zubereitet, um Fords Aktion bedeutungslos zu nwchen. Der Lohnsaktor spiele bei Ford keine Rolle, weil Ford„nur" Montagcbetriebe habe. Daß Ford mehr als doppelt so hohe Löhne zahlt mir beispielsweise RAG- und Daimler und deshalb der Lohnfaktor auch in feinen Mantagebetrieben entscheidend ist, wird verschwiegen. Daß Ford auch in Berlin SO P r o z. deutsches Material verarbeitet, in dem die gleichen deutschen Löhne stecken, daß Ford in Köln zu- künftig 8 5 Proz. deuiiches Material verarbeiten wird, das wird auch verschwiegen. Daß Ford dieselben Sozial- und Steuerlasten trägt, wie die Berliner Metallindnstriellen, natürlich ebenfalls. Der„DAZ." ist bei ihrem Schwindel auch nicht wohl zumute, und sie muß, ob sie will oder nicht, doch ihrem Tränen» ström freien Lauf lassen. Es sei unerfindlich, heißt es im Leibblatt der Siemens, Thyssen und Vogler, warum Ford „snst den jetzigen Zeitpunkt auswählt, um der im wohlverstandenen Zateresic der deutschen Wirtschaft liegenden Politik nnserer helmi- schen Industrie so schross entgegenzuhandeln-. Peinlich, peinlich! Daß Fords Dorgshen ein neuer Beineis für die Gerechtig» keit des Berliner A b w e hr ka m pf e s gegen den Lohn» abbau ist, daran beißt kein« Maus einen Faden ab. Die Krokodils. tränen der„D?lZ.- können es mir noch unterstreichen. Borfig will Eindruck machen. Auch Borsig-Teg°l ist schnell in die Front derer emgeschwenkt. die mit dem Versprechen der Preissenkung den Reichsarbeitsminister beeindrucken wollen. Sie hat ihren Vsrkaufsbüros Anmeisungen gegeben, im Falle des Inkrafttretens des Schiedsspruchs über die Lohnsenkung eine „entsprechend«- Herabsetzung der Preise vorzunehmen. Gleich- zeitig wird mitgeteilt, daß schon vor«inigen Monaten die leitenden Angestellten der Finna Borsig freiwillig auf zehnt Prozent ihrer Einkommen verzichtet haben. Wenn Borsig nicht handelt wie Henry Ford(siehe oben), so nehmen wir das nicht übel. Auch daß er keinen Deut besser handelt als die altgewohnten Scharfmachep in der Schwerindustrie, das muß man von dem Präsidenten in k« Schwerindustri« hm- nehmen. Wir hoffen aber, daß sich die Oeffentlichkeit nicht durch seine Versprechungen täuschen läßt. Im übrigen sind wir neugierig. Wieviel hoben die zehn Prozent ausgemacht, die die leitenden Beamten mif ihr Ein- kommen sich haben abhandeln lassen? War es das gesamte Ein- kommen, wie es scheinen könnt«, oder waren es nur die G e- hält er, wie es wahrscheinlich ist, die nur einen Bruchteil des Einkommens ausmachen? Wir bitten mich hier um Antwort. Scheinheilige Kronleuchierfabn'knnien. Die Bereinigung de.r Beleuchtungskörper- fa b ri ko'n ten, die in Bertin auch Tausenden die Löhn« kürzen möchte, hat ihr« Lohnabbau wünsche nach mit einer besonderen Soße ähergosftm Labn- und Preissenkung sei>'me der wichtigsten Maß- ■nahmen zur Bejunduvg der Wirtschaft. Di« Bereinigung habe chr« Preise teilweise bis zu 20 Proz. gesenkt und seien der jetzt beabsichtigten Lohnsenkung- weit vorausgeeilt. Komme ober die Lohnsenkung nicht, so könnte die Preissenkung nicht aufrecht- erhalten werden, weil ein« ganze Reihe van Firmen sonst zu- sammenbrechen. Diesen Wink mit dem Zäunpfahl oerstehl sogar der Arbeiter, geschweige der Reichzarbeitsminister,'der ihn von Slmtz wegen verstehen muß. Aber wieviel ist wohl an der Rationalisierung und in der Glanzkonsunktur vorweg verdient worden, bis man die Preise„vorweg- senkte? Wer hat von der Preissenkung so- viel gemerkt, ol5 20 Praz. ausmachen? lind im übrigen: ist nicht Kupfer un, 2 9, Zinn um 3 7, Blei um 19, Zink um 43 Proz. gesunken, was etwas mehr ist als 20 Proz.? Warum weinen also die Herren? Darum, die Löhne sollen herunter, di« Gewinne hinauf! Braunkohle billiger, wenn... Das Ostelbische Braunkohlensyndikat will am 28. Oktober m einer Sitzung„erwägen-, die Preise für Braunkohlen und Briketts herabzusetzen. Man spricht von 6— lO Prozent. Auch diese Preis- senkung gehört zu den Kapiteln der Lohn, und Preisschaukelei, wo man die von der Krise ohnehin erzwungenen Preissenkungen durch eine Lohnsenkung für den Profit nicht fühlbar machen will. Christliche Sorgen. Verkennung des Schlichtungswesens. Der„Deutsche- ist in Sarge wegen des Reichstagsbeschlusje der die Regierung auffordert, den Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie nicht für verbindlich zu erklären. Dos Blatt verwechselt Schlichter und Arbeitsminister mit unob. bängigen Richtern und kommt daher zu abwegigen Schlußfolge- rungen. Die Berbindlichkeitserklärung ist ein politischer Akt. Die Schlichter sind keine Richter, sondern staatliche Organe. Das Schlichtungswesen ist«ine politische Einrichtung. Zu dieser Auffassung haben sich von jeher die freien Gewerkschaften b«- könnt, und deshalb kann selbstverständlich der Reichstag, wenn es sich um einen wichtigen Arbeitskonflikt handelt, seine Stimme erheben und seinen Einfluß geltend machen. Immer wieder haben die freien Gewerkschaften betont, daß das Schlichtungswesen als Ausfluß des Artikels 165 der Reichsverfasiung ein« st a a l s« politische Aufgabe ist. Es ist daher völlig absurd, zu l", baupten, der sozialdemokratische Antrag rüttle an den Grundfesten staatlicher und rechtlicher Ordnung. Lohnsragen sind Machtfragen. Ohne die Wirtschaftskrise wöra es nie zu dem Schiedsspruch gekommen. Herrscht« nur G e r c ch t i g. keit, dann würde der Schlichter den Arbeitern ein« Lohn» erhöhung zugesprochen haben. Die Argumentation des „Deutschen- kommt daraus hinaus, daß die Arbeiter ihren Einfluß nicht geltend machen dürfen. Die Bezirksdelegiertenversammlung der Berliner Thealer wählte Werner Bernhardy als Obmann, Kammersänger Fritz Saat rnrd Otto Laubinger als Beisitzer. Vorfeldkämpfe der Bergarbeiter Ltniernehmer lehnen?-Stundenschicht ab.— Oer Kampf um die Preissenkung. Bochum. 20. Oktober.(Eigenbericht.) Die Verhandlung«» im Ruhrbergbau, die am Montag in Essen stattfanden. Verliesen ergebnislos. Die Bergarbeitcrvertreter forderten die wiedereinfüh- rnng der Siebenfiuudeaschicht. da die Ariedensleistung nicht nur erreicht, soodern weit überschritten sei. Damit sei die Voraussetzung für die Siebenstundcn-Arbeitszeil gegeben. Die riesige Arbeitslosigkeit im Bergbau zwinge zur Arbeits- befchasfuug durch Verkürzung der Arbeitszeit. Die Unternehmer vertraten de« Standpunkt, daß ihuen unter den gegenwärtigen Verhältnissen das Recht auf Verfahren von Ueberfchichlen über die bisberige Arbeitszeit hinaus gegeben werden müsse. Eine Behebung der Arbeitslosigkeit sei nur durch Senkung der Selbstkosten und verschärslem Wettbewerb möglich. Demgegenüber betonten die Vertreter der Gewerkschaften, daß die Absatzmöglichkeiten aus weltwtrtschastlichen Gründen begrenzt seien: die strikte Durchführung des llnternehmerstandpunktes müsse zur Verelendung der Bergarbeiterschaft führen. Zu beachten sei, daß in dem größten kohlenansfuhrland der Welt, in England. die Arbeitszeit im Bergbau ab Dezember verkürzt werde. Die Unternehmer verhielten sich gegenüber den Argumenten der Gewerkschaft vollkommen ablehnend. Sic wollen durch Anrufung des Schlichlers für Ansang Rovember neue ver- handlnugen in die Wege leiten. Auch bei den Ruhrkohlenherren fehlt angesichts der Wirtschasts- krrs« die Dernunst. 76000 Bergarbeiter wurden in Jahresfrist entlassen, im Verhältnis viel mehr als der Förderrückgang. Preissenkung und Schichtkurzung allein konnten besseren Zlbsatz und Mehrbeschäftigung bringen. Man konnte die Ursachen der Absatznot, ober man sperrt sich gegen die Verminst. Die„DAZ-, das Organ der Vogler, Thyssen und Kirdorf, berichtet folgendermaßen über die Lage: �----..... �Der Ruhrbergbou hat im Jahr« 1930 nach und»ach 7 0000 Arbeiter(es sind jetzt schon 76 000. D.%) entlassen müssen. Welche Hemmungen bei dieser kmrten Maßregel die Werksleitungen hotten, davon legen besser als lang« Reden die riesigen Kohlen» und Koksmengen Zeugnis ob, welch« die Herren, die zu dieser Tagung aus Berlin und anderswoher noch dem Revier gefahren sind, auf ihrer Reise zwischen Hamm und Essen gesehen lwben. Hinter den Kaksbergen verfchwinden bald di«. großen Anlogen und di« hochragenden Schachttürme. Wir war die Entwicklung? Erst kam di« Absatzstockimg, und da man die Förderung nicht drosseln wollte, schritt man zur Lagerung. Dan« kamen Beurlaubungen und Feierschichten, und erst als trotzdem die Loger jeden Monat um eine Million Tannen, dos sind zwanzig Mit- lianen Zentner, anwuchsen, wurden mehr und mehr Leute entlassen. Die Lagerung dieser Brennstoffmengen frißt nicht nur groß« Zinsen auf, sondern erfordert darüber hinaus Millionenbeträg« für Erstellung neuartiger Transportgeräte, durch die man die Qualität des Lagergutes einigermaßen zu retten sucht. Man kommt zu einer Vorstellung van der Größe der Opfer, die hier erforderlich werden, wenn man sich überlegt, daß die Lagerholden insgesamt nun schon fast gleichkommen dem riesigen Iahresbedars der Reichsbahn, und daß sie einen Wert von beinahe 200 Millionen Mark haben." Also Verluste über Verluste! Warum, weil man trozs der Weltkrise auf den hohen Listenpreisen im Inland sitzen blieb und kein« Krisenverlust«, obwohl der erste Verlust immer der kleinste ist, auf sich nehmen wollt«. Die Kohlenindustrte hat sich daran gewöhnt, eine Staatsrentnerindustrie zu sein. Weil mir ein Kohlcwirtschaftsgesetz haben, deshalb soll es im Berg- Iwi kein Kopitalrisiko mehr geben. Mit solchen An» schauungen muh jede Industrie im Weltmarktkampf ins Hinter» treffen kommen, auch wenn di« Rätionolisierungerfölge noch so groß sind.-~■' Auch die Kahlcnherren müsse» lernen, daß eine Krise von hfn Unternehmern kouftnönniscke Vernunft in ft« VreispoMk verlangt. Es ist keine kaufmännische Vernunft, wenn man nur um !"e letzt«, an sich schon unvernünftige Preiserhöhung von 1928, jetzt heruntergehen will, wenn man selbst biesez Linsengericht noch von e-ner Lohnsenkung abhängig macht und in ber Arbeitszeit hie Arbeftsintenswierung nicht zum Ausdruck kommen lassen will. Da- gegen würbe eine wirklich fühlbare Kohlenpreissenkung— urtb nicht erst zum J. Dezember— in der ganzen Wirtschaft wahrscheinlich eine starke Preissenkungswelle in Gang bringen, die sich am alJVrschnellsten für den Bergbau bezahlt machen würde. Die Entwicklung an der Ruhr. Im Monat September ist die Kohlenförderung im Ruhr- reoier von 8,SZ auf 8,(31 Mill. Tonnen leicht gestiegen. Die Ke lserzeugung Hot jedoch ihren Rückgang noch fortgesetzt und stellte sich auf 2,1? gegen 2,28 Mill, Tonnen im Vormonat, Trotz der Steigerung der Förderung ist die Belegschaft gegenüber dem August "an 318 440 aus Zll lll Mann weiter gesunken. Damit sind seil dein September vorigen Tahres 7b 000 Bergarbeiter entlassen morden. Der arbcitstägliche Absatz des Rhemisch-Westsälischcn K ohlenchndikats ist mit 303 359 Tonnen um fast 2 Proz. gegenüber d.-m Vormonat gesunken und liegt um 2 2 Proz. unter den Äosatzzahlen des September 1929. In den ersten sechs Monaten d's lausenden Wirtschaftsjahres(April bis April) hat sich der Syndikatsabsatz um 21,4 Proz. verringert. Der Syndikatsabsatz, aitsschließlich Zechenselbstverb rauch, stellte sich auf 48,2 Proz. der Beteiligung und 68 Proz. der Förderung. ?m Brannkohlenbergbau stieg die Förderung im mitteldeutschen Revier im Berichtsmonat von 8,29 auf 8,52 und die Brikettproduktion von 2,16 auf 2,28 Mill. Tonnen. Im Rhein- I.md ist noch«in Rückgang der Briketterzeugung eingetreten. Reichsbank kaust wieder Gold. Nach dem Londoner Goldauswcis wurde Barrengold im Werl« von über 3 Millionen Mark nach Deutschland aus- geführt. Dieser Posten wurde für deutsche Rechnung in der ver- gangenen Woche aus südafrikanischen Goldsendungen erworben. Schon in der Woche zum 15. Oktober hat die Reichsbant mit Teilen ihrer Goldexporte auch Devisen angekauft. Da die Devisen- kaufe in Deutschland stark nachgelassen haben, scheint der Sturm auf die DMvorröte der Reichsbant vorüber zu sein. Zechenferngas- ein Fiasko. »Ein trauriges Ergebnis." Seit 4 Iahren hat der Ruhrbergdau um die Durchsetzung einer Ferngasversorgung von den Zechen aus für ganz Deutschland ge- kämpft. Di« Kohlenkrise sollt« durch das Ferngas gelost, die Kohlen- fnrderung und die Beschäftigung von Bergarbeitern dadurch ver- mehrt werden. Wir haben die Möglichkeit dazu bestritten, wir haben die Pläne bekämpft. Aus der in der vorigen Woche beendeten 3. Technischen Tagung des Ruhrbergbaus wird bestätigt, daß das Ergebnis der Kampagne im ganzen ein Fiasko war. Das„Berliner Tageblatt"' schreibt in einem Spezialbericht darüber folgendes: „Interessant war die Diskusston, in der von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen wurde, daß— vom Standpunkt der Zechen selbst aus gesehen— der„Kohlenminderverbrauch" ein „trauriges Ergebnis' der Ferngasversorgung sei: man beziffere den Förderungsaussall auf täglich 6000 Tonnen Gasslammkohle und Magerkohle, die mittlere Tagesleistung von zwei Zechen. Demgegenüber betonte Dr. Pott(Direktor der Ruhrgas-A.-G. Die Red.), auf die Dauer müsse die Gasabgabe zu einem Kohlenmehrverbrauch auf den Zechen sechst führen. Im ganzen klang in der Diskussion«ine gewisse Ent- täuschung über die Entwicklung der Ferngasver- f o r g u n g durch. Sie Hot sich bisher im wesentlichen nur entwickeln können durch die Abgabe an Konzernwerke, also an Aktionäre der Ruhrgas-A.-G. selbst. Zurzeit geht das Ferngas zu 90 Proz. an die Industrie und nur zu 10 Proz. an kommunalen Verbrauch. Dr. Pott empfahl aber ausdrücklich vorläufige Zurückhaltung. Man soll« lieber sich zunächst mit der heimischen Industrie begnügen, als jetzt mit Kommunen zu Preisen abschließen, die— wörtlich—„später sehr weh tun würden". Angesichts der Gestehungskostenoer- gleiche, die man bisher für Ferngas einerseits und Kommunalgas anderseits aufgemacht hat, muß diese Haltung der Ferngasinter- essenten sigenUich überraschen. Jedenfalls war sie«in deutliches Eingeständnis, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen." Deutlicher kann das Fiasko nicht zugestanden werden: die Kohlenförderung zurückgegangen, die von den Kommimen er- zwungen« Preisstellung ruinös. Ein« neue Fehlleistung deutscher Wirtschaftsführer! Kündigung der Gtaatsangestellien? Vi« AfA-Verbände lehnen Stellungnahme ab.. vom Zenlralverband der Angestellten wind mitgeteilt: Wie bekannt, hat das Reichsfinanzministerium durch einen Erlaß die Kündigung oller Reichsangestellten zum M. März 1931 angeordnet. Der Zweck dieser Maßnahme ist, als Folg« der beabsichtigten Kürzung der Beamtengehälter auch die An- gestelltenbezüge mit gleichzeitiger Wirkung kürzen zu können. Pr e u ß e n sieht sich mit Rücksicht aus diese Reichsmaßnahme veranlaßt, das gleich« zu tun. Es hatte jedoch, um sich über die Art der Durchführung des Gehaltsabzuges zu beraten, olle am preußischen Angestelltcntarif beteiligten Organisationen geladen. Die Vertreter der AfA-Verbände(Zentralverband der Angestellten, Allgemeiner Verband der deutschen Bankangestellten und der Tech- nischen Angestellten und Beamten und Deutscher Werkmeisterver. band) haben die Erklärung abgegeben, daß sie mit Rücksicht ans die ungeklärten Verhältnisse der beabsichtigten Kürzung der Bemnlengehältcr jede Stellungnahme zu der Ab- ficht der Staotsregierung ablehnen müssen. Di« Verantwortung für die von der preußischen Regierung beabsichtigten und vom Reich bereits durchgeführten Maßnahmen treffe allein die Regierungen. Die Vertreter der übrigen Ge- wertfchaftsrichtungen haben sich dieser Erklärung onge- schlössen._ Stillegung der Horchwerke. -> Dresden. 20. Oktober. Die Horchwerk« haben beim Arbeitsministeriuni die vollständige Stillegung des Zwickouer Werkes beantragt. Bereits heute, Dienstag, sollen die vom Arbeitsministerium angesetzten Per. hondluygen stattfinden.» Die Angestellten zum Kampf. Solidarität mit den streikenden Metallarbeitern. Im überfüllten großen Saal der„Reuen Well' nahmen am Donnerstag die Mitglleder der Ortsgruppe Groß-Berlin des Zentral- verbände« der Angestellten Stellung zu der gegenwärtigen Wirtschaft- liehen und politischen Lage. Ueber 4000 Mitglieder waren dem Rufe der Organisationsleitung gefolgt. Zum Beginn der Veranstaltung zog in geschlossenem Einmarsch die Iugendgruppe mit dem Absingen eines Kampfliedes ein. Der Sprech- und Vewegungschor der Iugendgruppe unter Leitung von Otto P o l e m a n n sprach einleitend sinngemäß« Dichtungen zmn Thema des Abends. Genosse Fritz N a p h t a l i hielt«in Referat über das Thema „Deutschland in der Weltwirtschaftskrise'. Seine großangelegte Rede, die wir leider ans Raumgründen nicht wiedergeben können, wurde nüt langanhaltendem stürmischen Beifall von der Versammlung auf- genommen, ebenso die oftmals mit Beifall imterstrichenen Aus- führungen des Genossen Gottfurcht, der über das Thema ,,G«- werkschaftspolitische Schlußfolgerungen' referierte. Genosse Gott- furcht führte aus, daß sich diese Schlußfolgerungen orgeben aus der vom Genossen Naphtali geschilderten Situation. Wir haben uns vor allem zu unterhalten über die uns zur Verfiigung stehenden Kampf. mittel innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft. In Krisenzeiten will jede Gruppe die entstehenden Lasten auf die andere Gruppe abwälzen. Das zeigt sich durch den Druck der Unternehmer auf Ab- bau der Löhn« und Gehäller und in ihrem Kampf gegen die sozial- politischen Einrichtungen. Der Kampf in der Berliner Metall- industri« sst Beweis hievfür. Wir wollen ausdrücklich be- tonen, daß der Kampf der Berliner Metallarbeiter auch unser Kamps ist. den wir mit allen unseren Kräften ideeller und materieller Art zu unterstützen haben. Gewiß ist die Torifarbeit nicht die Hauptaufgabe der Gcwerk- schaft. Wenn ober der für die materielle Lage der Arbeitnehmer so wichtig« Tarifvertragsgedanke angegriffen wird, dann haben wir den Kampf um die Erhaltung unserer Tarifpositwn zu führen. Gegenwärtig gibt es in Deutschland rund 700000 Erwerbslos«, die keine periodische Unterstützung mehr erhallen. Darum muß unser Kampf um die Erhaltung der Arbeitsloseuoersiche- ru n g gehen. Wir müssen ihn fuhren für die Erhaltung der sozialen »nd materiellen Position der in Arbeft Stehenden. In engstem Zusamnienhang« hiermit steht das Problem der Arbeitszeit. Die Gewerkschaften müssen sich bewähren als die geschlossen« Einheit der Angestellten und Arbeiter. Wir können uns nur b«> währen, wenn wir energisch und mutig zusammenstehen. Bei wich- tigen Entscheidungen wird die Mitgliedschaft dem Ruf« der Organi- safton folgen. Die Gewerkschaft ist nicht die Lohnpolftikmaschine. sie ist die feste Zusammenfassung der Mitgliedschaft, eil« fest ge- fügte Formation im Befreiungskampf der Menschheit. Die eindrucksvolle und von großer Begeisterung und Kampf- entschlossenheit getragene Massenveranstaltung, wio sie in diesem Ausmaß noch nicht erlebt worden ist, hat gezeigt, daß auch die srei- gewerkschaftlichen Angestellten entschlossen sind, in gemeinsamer Front mit den freien Arbeitergewerkschaften den Kampf aufzunehmen gegen di« Krise und die Reaktion. Für die streikenden Meiallarbeiier! Sie Allgemeine Freie Lehrergewerkschast. In seiner letzten Mitgliederversammlung beschloß der Provinzial- oerband Berlin-Brandenburg der AFLD.: 1. Der Provinzialverband Berlin-Brandenburg der AFLD. erklärt den streikenden Metallarbeitern Berlins seine Sympathie und wünscht den deutschen Metallarbeiterverband einen vollen Erfolg in der Durchführung seines Abwehrkampfes. 2. Der Provinzialverband Berlin-Brandenburg der AFLD. beschließt für den Monat November einen einmaligen Sonderbeitrag von einer Mark zur Unterstützung der streikenden Metallarbeiter. Der Betrag ist dem DMA. zur Unterstützung in besonderen Rot- fällen zu überweisen. Sechsstundenschicht durchgeführt! Ln den Harburger Oelfabriken.- Es gehi, wenn man Witt. In der Oelfabrik Brinkmann n. Mergell In har- burg-wilhelmsbnrg ist om Montag auf Grund der ver- Handlungen zwisckien der Firma und dem freigewerkschastlichen Fabrikarbeiter-Verband die b. Stunden- S chlcht eingeführt worden. ZOO neue Arbeiter wurden eingestellt. Auch die Firma Roblee u. Thörl ist bereit, die S-Stnudeu- Schicht durchzuführen, wodurch zunächst 50 Arbeiter eingestellt werde«. Bei der Firma Thörl» Vereinigte velsabriten. werden 500 bi, 600 Arbeitslose durch di« Einführung der S-Stuyden. Schicht wohlfahrtsempsänger und Ausgesteuerte berücksichtigt. Der Anfang mit der S-Stunden-Schichl ist hier gemacht. Die freien Gewerkschaften haben ine Aenderung mit vereinbart und der Preußische Staat Hot sich ebenfalls eingesetzt. Statt dreimal acht werden jetzt viermal sechs Stunden gearbeitet. Mau fleht, es gehl, wenn man willt Die 4v-stündige Arbeitswoche. In gemeinsamer Sitzung des Betriebsvorstandes und des B«- triebsrats mft der Gejchästsleitung der Glaserhütt« G.m.b.H. wurd« vereinbart, die 40stündige Arbeitswoche einzuführen, um zu versuchen, möglichst viele Kollegen in Arbeit zu beholten. Die Glaserhütte hofjt mft. dieser Maßnahme, die für die älteren Kollegen«in großes Opfer bedeutet, für ihren Teil nach besten Kräften bei der Bekämpfung der Arbcitslosigkeft mitzuwirken. Reue Streikparolen der RGO. Verkehrsstreik gelingt nicht, deshalb Verkehrsstörung. Nachdem am Sonnabend, d«m 18. Oktober, die RGO. trotz des bestehenden Tarifvertrages versucht hat, allerdings vergeblich, die Berliner Kraftdroschtenführer vor ihren Wagen zu spannen, gibt sie jetzt eine neue Streikparole aus. Einer der größten Betriebe im Kraftdrvschkengewerbe hat, wie nicht anders zu erwarten war, eine ganz« Reihe von Entlassungen vorgenommen. Diese Opfer genügen der RGO. noch nicht, und sie fordert nun in einem Flug- li l a t t die Belegschaft dieses Betriebes auf, in den Streit zu t r e te n, um di« Wiedcreinstellung der Entlassenen zu erzwingen. Die freigewerkschaftlichen Betriebsräte sind davon überzeugt, daß solch« Aktionen die so notwendige Einheit der Belegschaft unter- graben und nur weitere nutzlos« Opfer fordern. Um Klarheit zu schaffen, haben di« freigewerkschaftlichen Betriebsräte folgende E r- klärung verösfentlitht: Berlin, den 20. Ottober 1930. Kollegen! Di« unterzeichneten freigewerkschaftlichen Betriebs- rät« bedauern die in unserem Betriebe«ingetretenen Ereignisse. Wir sind der Auffassung, daß der immer noch gültige Tarifvertrog von uns sowie von den Unternehmern beachtet werden muß. Wir warnen die Kollegen, in einen Kamps einzugreifen, der nur ein Konkurrenzkampf der kleinen Betriebe gegen Großbetriebe ist und der von unverantwortlicher Seite inszeniert wurde. Unser« Organisation, der Gesamtoerband, wird zu gegebener Zeit zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen Stellung nehmen. Wir erwarten von unseren Kollegen, daß alle Streit- parosen von Nichttarifkontrahenten abgelehnt werden. Wir bedauern die bereits eingetretenen Entlassungen und sind bereit, dieselben, soweit es in unseren Kräften liegt, rückgängig zu machen. Die ftcigewerkschastlichcu Betriebsräte. Benecke Hesse Papst. Llnier der roien Fahne. Di« Jugend des Asa-Bundes hatte zu einem geselligen Abend«ingeladen. Es soll hier gleich bestätigt werden, daß ihr Bemühen, ihre Gäste gut zu unterhalten, von Erfolg gekrönt war. Ein Iugeridorchester musizierte ausgezeichnet, ein paar imtzipe : Typen auf der Bühne mischten Glohbrennerschen Mt-Berftner ' Humor und Zeitglossen zu einem schmackhaften Gericht. Als Ein- leitung des Abends sab man ein paar Filme: zuerst eine schön« und lehrreiche Aufnahm« von einer«chüelrwanderunz durch den Harz. Das Orchester begleftete mft Wanderliedern, die von den Zuschauern fröhlich mftgeiungen wurden. Dann folgt« ein lustiger stummer Film. Zum Schluß betrat der Sprech- und B e- wegungschor des AfA-Bundes dos Podium. Wuchtig klang sein Bekenntnis zur Arbeiterschaft, zum Sozialismus, das er ablegie. um eine rotleuchtends Fahne geschart. Dann wurde das Lied „Wenn wir schreiten Seit' an Seit" gemeinsam gesunoen, und d'« Veranstaltung klang aus in dem schönen Iugendgruß: Freundschosl. Berliner Gewerkschastsschule. Arbeiter« und Angestellten-Detriebsräte! H«ute, Dienstag, abends 7 Uhr. beginnen wieder die regelmäßigen Arbeitsrechtlirken Znsormationsabende für Betriebsräte im Saal 3 bzw. Saal 5 des Gewerkschastshauses. Engel. user 24/25. Die Leitung dieser Abend« haben namhafte Arbefts rechtler übernommen. Leiter des ersten Abends ist der Genosse Dr. Bröcker oomVorstanddes ADGB. Die Jnformationsabcnde stehen ollen Berliner freigewerftchastlich organisierten Betriebsräten offen. Vorherige Anmeldung dazu ist nicht'notwendig. Die Kollegen können ohne weiteres an jedem Abend teilnehmen, auch wenn sie nicht imstande sind regelmäßig zu kommen. Di« Teiinohme ist k o st e n l o s. An diesen Abenden werden wichtige akiiielle arbcitsrechtliche Fragen von dem Referenten besprochen. Die Hörer selbst haben Ge- legenheit, alle in ihrer Praxis auftauchenden arbeitsrechtlichen An- gelegenheiten zur Besprechung zu stellen. In freier Aussprache, ohne kursmäßigc Systematik, ohne jeden Zwang, soll den Betriebsräten di« Möglichkeit aegeben werden, sich für ihr« Praxis zu informieren und ständig mit der Arbeitsrechtsprechung auf dem laufenden zu bleiben. Der Besuch kann daher allen interessierten Kollegen nur angelegentlichst einpfählen werden. E. Lorenz A..G. Arbeiter! Streikversannnlung beute, 11 Uhr, vorm. Lokal Birkenwäldchen. Bis 14 Uhr werden Listen auslisgen, um die freiwillige Mitgliedschaft der Ortskrankenkosse Tempelhof zu beantragen. Ausweis des Betriebs legitimiert. «pi»»st»ft. Fabrik und«rmit, g-HIeab-rf. Tonn-rsta-, 1« Ubr. f-" im Lokal M-urer. S«ihof. Waldschlößchen, wicht!»« Bersammlung-Il°r« Parteig-nossen und Sqmpathisilrenden. Bichttn« Tagesordnung. $et Sw!tioB»oütfiac3). SPD.-Metallarbeiter! Ära Donner dem 75. OWofcer, abend« 7 Uhr, In den Sopblens&len, Sopbiensira�e 17/1® Fraktionsversammlun�! Wichtige Tagesordnung.— Eintritt nur gegen Vorzeigung de« Mitgliedsbuches der Partei und des Metallarbciter- verbandes. Der Fraktfonsrorrtasd Fripuwerke! Di« Stlcli-nde« wo.?«» sich tzcut« zwischen g und 1» llbr im Strriklolal melden SM«.gelung ftMnIenkofseninrrl�cmchciUn. Zwiekusch-Mekallarbeiter und-arbeiterinnen! wSZi wUumi. Str.,k>>°rsam--I--g w Lokal riergarlenh--,. dtrol. # Freie Gewerkfchafis-Zugend Berlin rZyffH8, J9J4 Uhr, tagen die Gruppen: Treptow: sruppenh'im (Sottjimmtt). 7. Gidurtetaz der Gruppe. Graun. Gcke LorLingstraße. Hsmll komm! Bunt»�b.nd- Ändanuferl. ratmciiiajaiittt-.—«»u-uilyleubcra: chunterstr. 44.„Elne Ardcit�crichlsoertzandlung— Pankow..' Grupprn- heim Pankow,»issingengr.«chachlchr-b-nd._ Südosten:«em-rkschasn. Haus. Cngelufet 24— r.,. Saal U des Fadrikardcitenoerbandcs. Lortrag:. Ausgaben der Gewerkschaften�. 14' @Z>uaendorupve SeS'ZenirakverbandeS der Anqesteltten Heule Tienstag, finden folgend« Veranstaltungen statt� Roidwe.i«: Ougtnbltfim Lehrter Str. 15,-19. Lhcnd eigen«: Ausgestaltung,— Limtenberg: Iugendh-im Gunterstr. 44.„Au» Hiin-chen wird San»»Fort- lehung).— Sprech, und Bewegungochor: Uevungsadend pünktlich 20 Uhr in der Turnhalle der Schule Baruther Slr. 20. Leitung Otto Polemanu. Am 9. Nooenrber findet die nächst« iZuzentworstellung der Volksbühne stall, itarlen tzrerkllr sind IM Ingendsetretariat erhältlich. Jlrmin T>. Wegner: du der Stadl des Briedern Ich gehe durch Bagdad, die Stadt des Friedens.*) Zwölf Jahre lang habe ich die Stadt nicht wiedergesehen. Ws ich ihre Hauptstraße das letztemol betrat, war sie ein vollkommener Trümmerhaufen. Noch im Ansang des Krieges konnte man Bagdad nur durch die engen Gangs des Basars durchschreiten � selbst für die türtischen Truppen gab es keinen anderen Weg alz dieses Gewirr finsterer und gebogener Gassen. Um der unerträglichen Verkehrs- Hinderung ein Ende m setzen, ließ Hallil Pascha, der türkische Ober- befehlshaber des Irak, den neuen Weg mitten durch die Stadt brechen. Man riß Basargänge nieder, hieb die alten Paläste indischer Koufleute wie«inen Holzklotz mit der Axt entzwei und fand sein« Genugtuung darin, die neue Straße quer durch den Garten des englischen Konsulats zu legen. Aber was zu rück blieb, war»in einziger Haufen von Staub, Sonne, Mörtel und Schutt, in dessen Vertiefungen die wilden Hunde schliefen und der immer mehr die Glut und den Staubdunst der Wüste annahm. Heute ist die schnurgerade Straß« mit Asphalt gepflastert. Die Wände und Balkons neuer Backsteinhäuser erheben sich an den Seiten. Zahlreiche Hotels: New-Carlton-Hotel, Maude-Hotel, New- Imperial-Hotel erinnern an die Herrschast der neuen Besitzer. Die Stadt hat ihr« Verkehrspolizisten wie heut« jede Großstadt der Welt, Automobil« jagen vorüber, Pferdedroschken klappern, Krafträder lassen fauchend Ihren Benzinschweif hinter sich. Der Motor donnert, die Hupe brüllt. Wenige Schritte abseits sitzen am Fluß noch immer Scharen von Arabern, um in der süßen Ruhe des Nichtstuns untätig aus das Wasier zu starren. Aber man glaube nicht, daß der Mohamme- daner der Maschine seindlich gesinnt ist. Er, der jede Anstrengung scheut, die nicht die Lebensnot unentweichbar von ihm fordert, hat ein« besondere Vorliebe für jenes geheimnisvolle Zauberwerk, dos die Menschen des Westens erfunden haben, um es für sich arbeiten zu lassen. Doch er sieht nicht ein Mittel darin, mit ihrer Hilfe seine Arbeit zu vervielfältigen: für ihn ist sie ein Wunsch und eine Hoffnung— ihm die Arbeit abzunehmen. Immer hat er«s ausgezeichnet verstanden, andere oder seine Frauen und Kinder sich für ihn rühren zu lassen, um Geld oder Nahrung für ihn zu gewinnen. Lieber verzichtet« er oft auf einen besseren Verdienst, wenn es ihn keine Mülhe kostete. Ein deutscher Kaufmann erzählte mir, wie er sich kurz vor dem Kriege einen Wächter mietete, um sein Boot aus dem Tigris bewachen zu lassen. Als Entgelt hatte er die Sumnie von einem türkischen Pfund dafür vereinbart. Als er einige Tage später an den Bootsplatz kam, fand er statt des gemieteten Wächters«inen anderen. „Wo ist mein Wächter?� fragte er erstaunt. „Du irrst, Sohib,'ich bin dein Wächter", erwiderte der andere. „Ich bin der Stellvertreter jenes Mannes, den du gemietet hast. Er sitzt im Eafehaus und gibt mir für mem« Arbeit monatlich ein halbes Pfund. Sei beruhigt, deinem Boote wird nichts geschehen." Dos nächste Mol fand der Deutsche statt des Stellvertreters «tuen zwölfjährigen Knaben bei seinem Boote. „Wo ist mein Wächter?" „Du irrst, Sahib, ich bin dem Wächter. Ich bin der Stell- nertreter des Stellvertreters jenes Mannes, den du gemietet hast. Er sitzt im Casöhau» und zahlt mir für mein« Arbeit im Monat drei Piaster. Sei beruhigt, deinem Boot« wird nichts geschehen." Diese Geschichte kann man in das Endlose fortsetzen. Manche lbaufleut« erzählen, daß st« es bis zu zehn Stellvertretern gebracht haben. Muß diesen Menschen die Maschine nicht als der angenehmste „Stellvertreter" erscheinen? TL Der Araber ist ein ausgezeichneter Automobilist: aber Wagen und Maschine halten nicht sehr lange in seinen Händen, und die Zündungsleitungen seiner Fahrzeuge pflegen nach geraumer Zeit ein unenträtselbores Gewirr von zerrissenen und wieder geflickten Kabeln zu sein, die er mit Kupferdrähten ausbessert, wie er einst die zerbrochenen Federn seiner Pilgerwagen mit Bindfaden stickte. Hätte er mehr Vermögen, er würde, die Pfeife rauchend, nichts» tuend auf der Erde inmitten eines Gartens von Maschinen liegen, di« dem Orientalen dos schönste Wunder von Tauscndundein« Nacht sind. Bagdad ist nach dem Kriege auf dem besten Wege, seine Sehn- sucht zu erfüllen. Es besitzt heute drei Bahnhöfe, hat zahlreiche Automobile. An den Straßenecken stehen die großen sauberen Tankstellen der CHanckin-Oil-Eompany. Mächtige Motorpumpen strecken längs des Flusses die Eisenrohre ihrer breiten schwarzen Saugrüssel in die gelbe Tigrisflut. Vor den Toren der Stadt «ehebt sich die erste Baumwollfabrik. Seit dem letzten Jahre besitzt Bagdad sogar ein Museum, in dem die goldblinkenden Schätz« der neuen Ausgrabungen von Ur, der Heimatstadt Abrahams, sorgfältig in hellen Räumen ausgestellt sind. Ja, die Stadt hat sogar idr Kriegerdenkmal, eine geschmacklos« Bronzefigur des Generals Maud«, des hier gestorbenen Eroberers von Bagdad, ein laute» und haßschürcndes Zeugnis der englischen Herrschast. Immer mehr nimmt ivs östliche Bagdad westlich« Züge an. Es besitzt seine arabischen Fußballklubs, seine Vereinigungen arabischer Pfadfinder. Selbst Pferderennen finden in Bagdad statt-, denn nirgends dürsten sie mit größerem Rechte zu Haus« sein als in einem Land«, das die schönsten Pferde der Welt besitzt. Auf den Straßen begegnet man zahlreichen jungen Arabern in wsißen Anzügen, mit schwarzen Koppen, die halb an die alte persische Kula, halb an die englische Tonmiymützo erinnern. Es sind die Kopfbedeckungen, die von allen Beamten getragen werden, di« im englischen Dienst« stehen. Geht man die Neu« Straße entlang, könnte man fast glauben, daß di« Bevölkerung Bagdads nur noch aus solchen Beamten besteht: denn da di« Eitelkeit der Araber groß ist, der Besitzer einer solchen Kappe gewisse Vorteile gemeßt, wird sie auch von vielen getragen, die nicht in einem Ainte tätig sind. Ueberall längs der Straße bewegen an den Decken der Räume die breiten Flügel der elektrischen Ventilatoren wie große Insekten ihre surrenden Flügel, und zwischen all dem tönt aus den Cafe. Häusern die näselnde Stimme arabischer Grammophone. Im Krieg« sangen sie noch„Long, long is the way to Tipperary". Seitdem hat der aus Beirut stammende und in Berlin ansässig« Araber Beda den ganzen Orient mit Spielplatten mit arabischen Liedern versorgt. Er hat die besten Volkssänger, Musikanten und Sängerinnen im Lande dafür ongeworbcn und in kurzer Zeit ein Millionenoermögen damit verdient. Di« ollen Märchenerzähler sucht man in den Trinkhallen ver- gebens. In seinen wellen Mantel gehüllt, sitzt her Araber Bagdads Kopf an Kopf In den Eafähäusern, die Füße hvchgezvgen. und und über seinen Halbschlummer tönt lauter und lauter der ge- quetscht?, uns Nordländern so fremde arabische Gesang des Grammophon», während er schweigend den kalten Rauch seiner *) Bagdad ist die Hauptstadt de» kürzlich von den Engläirdern al» selbständig erklärten neuen Irakstaates. Wasserpfeife vor sich hinbläst. Er braucht keine Pferd« mfc Ochsen mehr, um dos Wasser in seine Patmengärten zu pumpen, kein« Kamele fiir Karawanen, keine Luftföchler und Musikanten. Die Maschin« tut olles für' ihn. Sie singt sogar. III. In Bagdad habe ich während des Krieges dos schwerst« Jahr meines L«l>ens verbracht. Di« Häuser, die Kaufhollen. di« Trag- tier«, alle Menschen erschienen mir damals sinnvoll und zauberhaft. ?kun gehe ich in den Straßen uncher und frage mich, woher es kommt, daß dies alles mich nicht mehr mit aller Stärke anrührt? Was Bagdad noch im Kriege seinen besonderen Reiz verlieh, war nicht di« Erinnerung an Tausendundeine Nacht. Von jenen Zellen, wo vor zwölfhundert Jahren die Kalifen hier ihre Glanz- Herrschaft führten, war auch damals nichts mehr zu erkennen. Die prunkvollen Paläste, die Moscheen, die Festungsmerke, die Kanäle und Brücken waren seit Jahrhunderten zerfallen. Bagdad war auch im Kriege nicht mehr als ein ausgedehntes Dorf, in dessen Kauf- straßen die städtischen Händler und die Beduinen der Wüste sich begegneten. Aber gerode durch diese geheimnisvolle Urspriiirglichkeit ihres orientalischen Wesens gewann die Stadt einen besonderen Reiz. Durch ihre engere Verknüpfung mit der westlichen Erde, ihr« Autostraßen und Eisenbahnen, hat sie den farbigen Glanz ihrer Träume verloren. Und doch ist es dies nicht allein, was mich bei ihrem Wieder» sehen enttäuschte. An der Hauptstraße von Bagdad liegt eine Buchhandlung, in der englische Bücher ausgestellt sind. Auf einem las ich den Titel„TKe Leeret of Kuttite. An authontic Story of Knt, Adventurcs in captivity and Stambul intrigne". Ich kaufte «? Sein Beissasser E. O. Mousley,«in englischer Suballerrwffizier der Feldartillerie, hat den Fall von Kut el Amara und die türkische Gefangenschaft miterlebt. Wieder standen die abgemagerten Gestallen der gefangenen Engländer und Inder vor meine» Augen. wie sie in der Gluthitze des mesopotamischen Sommers in Bagdad einzogen, mit ihren dünnen Hälsen, auf denen der Kopf mit dein schweren Tropenhut wie die Frucht einer Mohnstaude schwankte. Von den zwölftaufend englischen und indischen Soldaten, die nach dem Fall von Kut el Amara in die Hönde der Türken fielen, er- lebten nur dreitausendsechshundert dos Ende der türkischen Gefangenschaft. Die Mehrzahl starb auf ihrem furchtbaren Todes- wege durch die Wüste nach Konstantinopel. Unterwegs sielen sie vor Schwäche nieder, die kranken Inder zogen den Turban über das Geficht. Ein Sterbender erzählt«, daß er den Schritt des Kismet neben seinem Belle höre. Sie all« wanderten im Schatten des Todes, und zu müde, ihn zu fürchten, nahmen sie ihn ruhig hin. Auf einmal beim Lesen dieser Zeilen begriff ich, was jenen Tagen in Bagdad fiir mich ihren wunderbar traurigen un>d unvergeß- lichen Glanz verlieh. Es war die Nähe des Todes. Noch dem unscheinbarsten Gegenstande der Welt schenkte er Schönheit und Bedeutung bei dem Gedanken, von ihr Abschied nehmen zu müssen. Vor meiner Erinnerung stand plötzlich ein kleines mondbefchienenes Grasbüjchel auf dem lehwge härteten Daä) eines Hauses in Bagdad, das ich wenige Augenblicke später erblickte, nachdem ich das Sterbe- bctt eines Kameraden verließ. Damals war mir, als hätte ich nie im Leben etwas Schöneres gesehen als diese kümmerlichen, halb verdorrten Halme. Ich sehnt« mich plötzlich, dieses Grasbüschel wieder zu berühren. Unwillkürlich griff ich in der Erinnerung mit den Händen danach, aber da loste sich alles in Rauch auf. Die helle Luft zitterte um mich. Unschön«, eilige Gesichter bewegten sich an mir vorüber. Alles bebte von Lebenslust und Unrast auf den Straßen. Enttäuscht und ernüchtert blickte ich mich um, und ich begriff— daß die Weit nur im Tode schön ist. £oia£mdau: Die Spinnftoffährik Weit draußen an der Peripherie der Großstadt liegt die Spinn- stosfabrit. Hinter dem Kanal, zwischen freien Feldern, recken sich die Schornsteine des Gebäudes wie lange Finger hoch Hier arbeiten siebenhundert Frauen. Jeden Morgen um 6%. Uhr, wenn die Fabriksirene heult, strömen sie hier aus den verschiedensten Teilen der Stadt zusammen: manche brauchen anderthalb Stunden von der Wohnung bis zur Arbeitsstelle. Siebenhundert Frauen, vier- zehnhundert Hände, aber nur Hände. Denn im Gehirn des Werkes, in der Organisation sind ausschließlich Männer beschäftigt. „Aus Zellulose, aus Fichtenholz," erklärte mir der Betriebs- leiter im Büro, indem er mir ein Stück meiße Pappe und einen silberglänzenden Faden herüberreichte,„wird die Kunstseide ge- wonnen." Erstaunt betrachtete ich die wunderbare Verwandlung. „Ja, wunderbar," wiederholte mein Führer.„Aber dies« künst- liche Metamorphose ist viel mühsamer als die Arbeit der Natur, welche die Seidenraupe zwingt, sich in ihren flockigen Kokon ein- zufpinnen. Wenn die Zullulos« in Säuren getaucht, mit Schwefelkohlenstoff vermischt, als brondgelbes Pulver wiedererschein!, so ist sie immer noch im Larvenstadium. Noch einmal aufgelöst und durch feine Brausen in neue Säuren, gepreßt, scheidet, sie erst den Zellstoff als festen Körper aus, die unzereinigte Seid«.. Bis dahin lassen wir di« chemische Arbeit in der Fabrik von Männern oerrichten Aber sobald der seidene Faden erscheint, übergeben wir die Arbeit der Frau, die mit ihren feineren und geschickteren Fingern das Material besser behandelt als der Mann" „Sind die Frauen für diese Tätigkeit besonders vorgebildet?" „Nein," war di« Antwort,„wir lernen sie selber an Zwei Monate ungefähr dauert es, bis sie die vollkommene Fertigkeit erlangen" Wir hatten den Hof durchschritten und schon von ferne dröhnt« uns das stampfende Geräusch der Maschinen entgegen In der riesenhaften Halle standen klein und wie verloren in weiten Zwischen- räumen die Frauen vor den Maschinen. Ihr« Gestalten wirkten seltsam winzig, ja, zwergenhaft»nd erweckten das Gefühl einer sonderbaren totenhasten Einsamkeit des Menschen inmitten einer fremden Well. Je eine lange Moschinenbahn, auf der sich vielleicht fünfzig m?ißglänzende Spulen drehten, wurde von einer Arbeiterin bedient. Mit schweigendem aufmerksamen Gesicht auf und abschreitend, prüfte sie den Gang der Maschine, nahm die vollen Spulen ab und ersetzte sie durch leere Hülsen. Plötzlich blieb die Maschin« automatisch stehen, ein Faden war gerissen. Die Arbeiterin eilte hinzu, knüpfte geschickt den neuen Knoten und haspelle die schlechten Fäden wie ein loses Spinngewebe herunter. Mit feinstem Tastgefiihl, da» sich durch di« Hebung immer mehr ausbildet, drehte die Frau die zarte Seide zwischen ihren Fingern. Ihre Hände, deren Haut für diese Tätigkeit niemals rauh oder rissig sein darf, schienen mit einem neuen Sinn begabt, die leiseste Unebenheit des Fadens zu erkennen» wissend wie Blindenhände. Trotzdem muhten die Augen mithelfen. Denn unaufhörlich lief ihr Blick, dieser besonder« weibliche Blick für die Einzelheiten, die Reih« der kreisenden Spulen herunter, die sich wie helle, silberne Tänzerinnen bewegten, in ihrer Leichtigkeit «in phantastischer Gegensatz zu der schweren und monotonen Arbeit der Frau. Denn wie sehr muß das Auge nach einer gewissen Zeit ermüden, wie sd>wer werden die Fühc nach dem stundenlangen Stehen. Aber nicht die kleinste Unregelmäßigkeit darf der Arbeiterin entgehen, wenn die Scidcmoll« in reinster Qualität vollendet werden soll. Unwillkürlich mußte ich an die Spinnstuben der Frauen in der vergangenen Zeit denken, wie sie das Spinnrad tretend, bei der Arbeit plauderten, Lieder fangen oder ihren Träumen nachhingen. Bei der Arbeitsweise in einer Fabrik ist eine Flucht in andere Gedanken unmöglich, und hier wird jeder menschliche Laut von dem Dröhnen der Maschinen verschlungen. An anderen Tischen sind Frauen damit beschäjtigt, die seriigen Scidenjxulen einzupacken. Sie heben jede einzeln sorgsam an das Licht und bettachlen sie genau, ob sich kein Fehler im Gewebe zeigi. ehe sie die Spule in Papier hüllen und verkleben. Die Finger krümmen und sttecken sich in unheimlicher Geschwindiglest wie kleine Maschinenteile. Aber unmittelbar vom Auge zur Hand rollte dieie Arbeit in unermüdlichem Kreislauf: niemals kann das menschliche Auge durch die Maschin« vollkommen ersetzt werden. Die Hand- arbeit ist hier nicht überwunden. In einem anderen Raum wird die Seide von den einfachen Rollen auf Spulen vor größerem Umfange durch Maschinen ab- gewickelt. Ein Netz seidener Fäden ist zwischen den zierlichen Spindeln und den breiten Walzen ausgespannt: der Apparat sieht aus wie eine Klaviatur, die mit zarten silbernen Soften überzogen ist. Doch auch hier ist die Musik nur dröhnendes Maschinengerassel. Eine Frau überwacht dieses Instrument, auf dem vielleicht vierzig Spulen laufen..Hin und wieder greift sie in das Netzwerk, um fchlechie Fäden wie Mißklänge zu entfernen, die kleinste Unordnung zu be- festigen, die Harmonie herzustellen. Ihre Arbest wie die aller anderen verlangt acht Stunden angespannter Aufmerksamkeit und blitzschnelle Beobachtung der winzigsten Störung. Während die Spindeln im Kreise tanzen, strömt von ihnen ein fremder Glanz in die kahle Halle, ein Vorleuchten oll der schimmernden Stoffe, die festliche Menschen schmücken werden. Aber wer weiß denn, ans welcher Mühe und eintönigen Geduld dieses schöne Glänzen entstand. Wer nur einmal den rastlosen Händen zusah, wird mst Ehrfurcht den Siosf berühren, den die Arbeit aus einem Stück unscheinbarer Pappe in blitzende Seide verzaubert hat. Wülfer mii 200 dlindern In den südrussischen Steppen, auf dem Balkan und in der Ungarischen Tiefeben« gibt es eine noch wenig be- kannte Spinne mit merkwürdigen Brutgewohnhesten, von der der bekamst« Mü nchener Tierpfychologe Prof. Bastian S ch m i d erzählt. Es ist die größte Spinne Europas, di« mit dem wissenschaftlichen Namen Trocbesa«ingoriensis heißt. Der Gelehrte beobachtete diese Spinn« verschiedentlich auf der Plastensee- Halbinsel T i h a n y, und zwar besonders Weibchen, die ihre Jungen auf dem Ruückcn trugen. Bei einer Spinne zähste er über 200 Junge, bei einer mrderen weniger, da beim Einsangen des Tieres viele von den Kleinen entschlüpften. Im Terrarium waren die Jungen zunächst sehr unruhig, sammelten sich dann aber wieder auf dem Rücken ihrer Mutter und verließen diesen Hochsitz erst häufiger, als sie heranwuchsen und täglich Nahrung aufnahmen. Besonders interessant ist die Art, wie di« Jungen aus dem Rücken ihrer Mutter Platz nehmen. Di« zu unterst sitzenden Kleinen ziehen ihre Beine vollständig ein: je höher sich aber diese Pyramide von Spinnensprößlingen auftürmt, um so stärker ändert sich die Stellung der Gliedmaßen. Dei oberen greifen immer wester mit den Beinen aus, um sich aus den unteren festzuhalten, und die, welche ganz oben auf der stumpfen Pyramide sitzen, spreizten die Beine völlig von sich. irm dadurch das Ganze festzuhalten. Die von Schmid beobachteten Mutterspinnen gingen nach 14 Tagen ein, nachdem sie vorher immer weniger Nahrung zu sich genommen hatten und von Zest zu Zeit in den Zustand völliger Bewegungslofigkest verfallen waren. Die Mütter sterben nach der Zwesten Häutung der Jungen. Als er einem kinderlosen Weibchen einige Junge beigab, konnte er beobachten, wie dies« mis die fremde Spinne genau so wie auf die eigene Mutter hinauftletterien. Die alle Spinne tat ihnen nichts, trotz der sprich- wortlichen Feindschaft, die sonst unter Spinnen herrscht. In der fteien Natur leben diese Spinnen in senkrecht in die Erde gehenden Röhren, di« bei onmm Durchmesser von etwa ß,5 Zentimeter 10 bis 30 Zentimeter tief sind. Die Spinne tapeziert die Röhrenwände mst einem feinen Gespinst aus, um einem Einsturz dieses Schachtes vorzubeugen. Di« Jungtiere legen ihre Wohnungen zunächst in ganz bescheidenen Ausmaßen an. Dt« Erde, di« sie Krümelcheu uin Krümelchen herausheben, verstreuen sie ringsumher. Alle gatanlen Sdümpanfcn Jung« Schimpansen sind in zoologischen Gärten viel häusiger als di« Jungen anderer dem Menschen nahestehender Affen, weil sie unser rauheres Klima besser als Orang-Utans, Gorillas oder Gibbons vertragen können. Leider ist auch den Schimpansen bei uns ein frühes Ziel gesetzt, immerhin bleiben sie bei sorgsamer Pflege monatelang, in günstigen Fällen 2, ja bis 14 Jahre am Leben und ergötzen die Besucher durch ihr menschenähnliches Gebaren und allerlei erlernt« Kunststückchen. Sehr gelehrig zeigt« sich ein junges Schimpanscugeschwistcrpaar im Londoner Zoologischen Garten. Wenn Besucher in das Affenhaus kamen, schloß der Wärter den Käsig von außen ans, worauf sie die Tür öffneten. Aus sein« Be- grüßung kletterten sie auf«in Brett, setzten sich nebeneinander und führten die rechte.Hand an di« Stirn. Dann erhielt der Bruder eine Tasse Milch und«inen Löffel mit der Weisung, die Schwester zu füttern. Hatte sie genug, so wurde ihm besohlen, sich selbst zu ver- sehen und dann die Tasse auszutrinken, was er auch tat. Dann erhielt er zwei Aepfel oder Bananen von verschiedener Größe und gab regelmäßig der jüngeren Sdpoester das größere Stück. Ebenso verfuhr er einem Herrn und einer Dame gegenüber: stets erhielt die Dame das besser« Teil, ohne daß es eines Winkes vom Wärtsr bedurft hätte. Was erfunden wird. Oft im Jahre 1930 zum Patent angemeldeten Eriindungen beschäftigten sich zum größten Teil mit Äladio, Fernsehen, Film und farbiger Photographie.' Das Wort„Pyjama" stammt aus dem Hindostanischen, wo«s ftwei wie„Beinbekleidung" bedeutet. Dienstag, 21. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 51 20 Uhr Die EDtf&bniDs aus dem M Ende 22*fc Uhr Staats-Oper An Plitz der Sepabtü. V-B. 20 Uhr DerBarbira Sevilla OcfleetL Kirtamkuf Ende 22'/« Uhr Dienstag, 21. IS Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus 1 19', i Uhr Pique Dame Ende g. 23 Uhr Staat!. Schaasph. (am Cnänimimirlril. 44. A.-V. 20 Uhr Burger Schippe! Endcg. 22,/5Uhr Siaati.Stbiller-Tbeäter,[barltbg. 20 Uhr am Drtlor. haben Sie m etxn? Ende 22'/. Uhr Tägl. 5 u.S'/j Uhr. B 5 BarD. 9258 Pr. 1—6 M.— Nachm. halbe Preise. CROCK M«in Kapiftän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! B.Ii Ohr— Bteaen eriaabi THfany Twin«. Dorn Kasan u. Nester. Prof. Pallos S slngen- deLadies. Brown u. La Hart us». volKsbOhne Tbettn an BOlownlalz. 3 und 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie; K. H. Martin. Theater am SchittDauerdamm 8>/. Uhr lud sani Staad. Sdiiller-Di. 8 Uhr Herr Doktor, habon Sie zo essen? Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der Barbier von Sevilla Deotsdies Ibeaier 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachtstraum Regie: Max Reinhardt. Kammerspiele 8% Uhr Elsa Ion Oerhgrt Hauptmann. Regie: Oastav Härtung. Die Komödie 8'/« Uhr Der Schwierige ton fijj« ton Uofstnosihr. Regie: Mai fleinbardt. Komische Oper 8-/- Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert Theater i.d.Behrenstr. 53-54 Direktion; Ralph Arihar Roberls Heaic zum 50. Male: 8 Fadritgobände 1', Oranicnftroftc 138. GotzZowsfyltraftc 27. Ecke Alt. Moabit. Sicheren Kunden weitgehendste fiab- lungscrlcichterunz ohne Preisaufschlag. Möbefkäufer merte Kredit und bar Röbetdazar. grofte Auswahl. Neine Preise! Beilpielsweüc: Sdtlakzimmer 455—. Speisezimmer 517,—, Hcrrcnzimmcr389.—, Spiegeilchränte 118,—, Dielcngarni. tur 38.—. Anrichte» küche, 99,—. Messing- bettstell« 88,—, Klei- berschränke 48,—, Chaiselongues 28,—, M-tallb-ttNcllelb,—. Auflegcmalraftc 13,—, Sonstige Mö- bei angcmcstcue Preise,-reiizahiunq aufschlagsre!.. 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