BERLIN Dienstag 21. Oktober 1930 erschetnttSzlich außerSoontaz«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, Z.eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW KS, Lindenstr. 3 fflbwasfa 10 Pf. Nr. 494 B 246 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nolivareillezeil« so Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr.37üZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Grubenkatafirophe bei Aachen Schachtanlage durch Dynamit in die Lust gesprengt! Gegen 30 Tote geborgen—-150 Vermißte Aachen, 21. Oktober'. Der W i l h c l vr s s ch a ch t der Grobe Anna2 bei Alsdorf ist heute durch die Explosion eines unter Tage auf der 2stv-Mctcr- Sohle untergebrachten Dynanritlagcrs zerstört worden. Ucber die Auswirkungen der Explosion irn Innern des Bergwerks konnte noch nichts ermittelt werden. Die Explosion hat jedenfalls eine« derartig furchtbaren Umfang gehabt, daß auch auf der Erdoberfläche die Detonation große Verwüstungen anrichtete. Der Förderturm des Schachtes ist eingestürzt. Jede Verbindung mit dem Innern des Bergwerks ist unterbrochen. Mehrere hundert Bergleute von der Außenwelt abgeschnitten/ Die Zahl der Toten und Verunglückten steht noch nicht fest Auch die Verwaltungsgebäude in der Umgebung der Grube wurden zerstör t. Noch in entfernter liegenden Siedlungshäusern wurden Fenster eingedrückt und Dächer abgedeckt. Sanitätskolonncn und Feuerwehr aus dem ganzen Landkreis Aachen sind unterwegs zur Unqlücksstclle. Es find Versuche im Gange. � von cincm anderc» Schacht der Grube Anna 2 aus durch einen unterirdischen Vcrbindungsgang in das Revier des Wilhelms- fchachtes zu gelange». Mau ist zunächst damit beschäftigt, die über Tage befindlichen Verunglückten wegzuschaffen....... Die Detonation war in cincm Umkreis von viele« Kilometer» wahrnehmbar.. Ein Trümmerfeld. A a ch c n. 21. Oktober. Die Explosion auf der Grube Anna 2 in Alsdorf erfolgte um 7 Uhr 20 Minuten. Allem Anschein noch handelt es sich um eine Dynamitexplosion. Der gesamte Schachtbou und der dar- auf stehende Zörderlurm mit den in der näheren und weitere» Umgebung befindlichen Maschinenhäusern. Waschräumen usw. sind eingestürzt Unter den Bürogebäuden befand sich ein Ben- Zollager, das ebenfall» in die Luft flog und das ganze Ge- böud« mitriß. Zur Zeit der Explosion waren in dem Gebäude drei- hig Beamte tätig. Zur Stunde sind zwei Tote geborgen. Die übrigen Beamten find mehr oder weniger schwer oerleht. Da» Ausmaß der Katastrophe läßt sich zur Zeit noch nicht annähernd übersehen, weil der Schachteingang verschüttet ist. Im unterirdischen Betriebe war die ganze Frühschicht und noch ein Teil der Nachtschicht tätig, so daß 300 bis 400 Bergleute eingeschlossen sind. Ein Zugang zu den verschüllelen besteh» zur Zeil nicht. Man versucht, von den Nachbargruben Adolf in Streiffeld und Anna 1 in Alsdorf an den Unglücksherd heranzukommen. Im oberirdischen Betriebe ist die ganze Stätte ein wüstes Trümmerfeld. Die ersten Toten und Verletzten. Alsdorf, 21. Oktober. Auf dem Wilhelmsschacht waren bis 10% Uhr vormittags von den bei der schweren Grubenkatafirophe Vetrossenen etwa 5 0 Tote und Berichte geborgen. Die Trümmer des ZSrderkorbes sind seht zu einem kleinen Teil beseitigt, jedoch ist der Zugang zu dem Unglücksschocht noch nicht ganz freigelegt. Mit den aus der 430-Meter- Sohle eingeschlossenen Bergleuten besteht noch telephonische Verbindung. Die Verschütteten haben sich auf Anruf gemeldet. Das technische Büro, das ebenfalls eingestürzt ist, hat alle darin befindlichen Angestellten unter sich begraben, von diesen sind drei tot und mehrere verletzt worden. Nach Nachrichten über das Sprengftofsunglück im vchocht Anna 2, die dem Grubensicherheitsamt im preußischen Handels- Ministerium vorliegen, ist es bereits gelungen, die Wetterführung der betroffenem Schachtauloge wieder in Ordnung zu bringen. Rettungskolonnen find eingefahren, die Zahl der Toten und Verletzten ist nach Lage der Dinge zur Zeit noch nicht feststellbar. Die Belegschaften der Nachbargruben sind aus Sicher» heitsgründen sofort nach dem Unglück herausgezogen worden. Die Aachener Kohlenschächte Anna I und II sowie der Wilhelmsfchacht gehören dem Eschweiler Bergwerksverein. Die Gesamtbelegschaft dieser Schächte beträgt zur Zeit etwa 5000 Mann. Es wird in drei Schichten gearbeitet. Zur Zeit des Un- glucks können rund 200 Mann auf der Schachtanlage gewesen sein. Das Unglück hat sich aus der 200-Meter. Sohle, also 200 Meter unter �Fortsetzung auf der 2. Seite.) Geeckt fordert Aufrüstung Indiskretionen aus dem Auswärtigen Ausschuß- Landesverrat eines Hugenberg-Btattes Gestern war Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Diese Sitzungen sind nicht össentlich: das war gerade gestern, weil soviel Neulinge dabei waren, in einer Gcschästsordnungsdebattc noch aus- drücklich sestgestellt worden. Dennoch bringt der„Tag' es fertig, aus den Verhandlungen eine Mitteilung zu machen, die geeignet ist, nicht nur Sensation im Auslände hervorzurufen, sondern auch dle deutsche Außenpolitik schwer zu schädigen. Unter der Ueberschrist„Auch die Deutsche Vaikspartei für Aufrüstung" berichtet das genannte Blatt: Für die Deutsche Volkspartei sprach Generaloberst von Seeckt. Er behandelte sehr eingehend die Ab- rüstungsfrage und forderte eine Anfrüstung. da die Genfer Verhandlungen gescheitert seien und auch von der Locarnopolitik eine wesentliche Beruhigung der internationalen Lage für Deutschland nicht zu er» warten sei. Aachen Lad wieder mäht der Tod im Arbeiterheer... Die Mitteilung ist in dieser Form irresührcnd. Daß Herr v. Secckt persönlich für Aufrüstung eintritt, ist mindestens aus seiner Rede im Sportpalast bekannt; eine Stellungimhme der Volks- Partei in seinem Sinne ist jedoch nicht erfolgt. Der Außenminister C u r t i u s, der doch auch der Volkspartei angehört, ist in Genf bekanntlich nicht für Aufrüstung, sondern für allgemeine Ab- r ü st u n g cmgetrcten. Wer den Anschein erweckt, als stände die ganze Volkspartei zu den persönlichen Anschauungen Sccckis, der bringt den deutschen Außenminister in den ungerechtfertigten Verdacht, ein doppeltes Spiel zu treiben. Die Forderung Seeckts ist rein militärisch gedacht. Politisch ist sie— von jedem Standpunkt aus gesehen— U ns i n n. Innenpolitisch ist sie Unsinn, weil in dieser Zeit der Wirt» schasts- und Finanzkatastrophe die Milliarden, die man zur Ausführung brauchen würde, in keiner Weise zu beschaffen find und weil schon das bloße Fordern auf heftigsten Wider» stand stoßen muß. Abbau der Gehälter, der Löhn«, der Sozial- leistungen und dann noch neue Militärausgaben von ungeheurem Umfang, das ist doch einfach unmöglich und undenkbar. Außenpolitisch ist die Forderung des Herrn v. Seeckt ein noch viel größerer Unstnn. Wenn sich jetzt fiir die Forderung der Auf- rüstung gerade diejenigen begeistern, die am lautesten nach der Revision des Doung-Planes rufen, so zcigr sich darin, wie wenig diese nationalistische Demagogie mit ernster Politik zu tun hat. Wer glaubt denn, daß uns das Ausland etwas von unseren Zahlungen erlassen wird, da- mit wir dafür Tanks und Bombenflugzeuge kaufen? Auch die Journalisten des„Tag' können nicht so blind sein, diese Zusammenhänge nicht zu bemerken. Man muß ihnen den Vorwurf machen, daß sie ihre Indiskretion begangen haben aus Luft an der parteipolitschcn Intrige unter bewußter Schädi- gung deutscher Reichsintercsscn. Hauptverantwort- licher ist der Besitzer des„Tag', der Vorsitzende der Deutsch- nationalen Partei, Dr. Hugenbcrg. Hugenberg hat an der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses teilgenommen. Offenbar ist er selber Informator und Inspirator seines Blattes. Die Angelegenheit wird in der nächsten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses am 29. Oktober ihr Rachspiel haben. Die erste Woche Streik! Gegen das ierroristische Treiben der KPO. Die Grubenkatafirophe. (Fortsetzung von der I.Seite.) dem Erdboden, ereignet, allem Anschein nach durch Explosion eines Sprengstofflagerz. Solche Lager unter Tage tzu halten, ist wohl gestattet, es bestehen jedoch genaue Vorschristen über die zulässige Menge und über die Lagerung des Sprengstoffes. Die Schächte fördern hochwertige Kohle verschiedener Sorten. Von Bcrgunglücken sind diese Gruben in den letzten Jahren nicht mehr heimgesucht worden, als dem Durchschnitt im deutschen Steinkohlenbergbau entspricht. In den ersten Kriegsjahren ereignete sich auf Anna I eine größere Katastrophe, die rund 5li Menschen das Leben gekostet hat. Es war damals ein Grubenbrand, der durch eine Benzinlokomolioe verursacht war. Zinna I und Anna II stehen untereinander in Verbindung. Vor dem Llnglücksschachi. Aachen, 21. Oktober.(Eigenbericht.) Die Auswirkungen des Unglücks waren so stark, daß die gesamte Schachtanlage mit dem Förderturm in die Lust flog. Auch mehrere Bctriebegebäude, darunter das Bürohous, liegen in Trümmern. Der Umkreis des Schachtes bildet ein großes Trümmerfeld. Samt- liche Fensterscheiben im Umkreis des Bergwerks find durch den Luftdruck zerstört. Selbst in Mariadorf, das mehrere Kilo- meter von Alsdorf entfernt liegt, wurden Fensterscheiben«ingedrückt. Ueber die Zahl der Verunglückten liegen bis zur Stunde nur Teil- berichte vor. Bis 10.30 Ahr find 22 Tote geborgen und«ine große Anzahl von Schwerverletzten den umliegenden Krankenhäusern zu- geführt. Man muß indes bei der Schwere der Explosion leider noch mit einer ganz wesentlich größeren Anzahl der Verunglückten rech- neu. Der Förderturm Wilhelmsschacht ist vollkommen verschwunden und kommt für die Ausfahrt nicht mehr in Frage. Es besteht jedoch durch den zweiten Schacht eine Möglichkeit, an die Eingeschlossenen heranzukommen. Die Belegschaft der Grube Anna beträgt etwa LA) Mann, oberirdisch sind etwa IVO Mann beschäftigt. Es ist als ein Glück anzusprechen, daß die Katastrophe während des Schicht- Wechsels erfolgte, das Ausmaß wäre sonst sicher noch bedeutend er- höht worden. Der größte Teil der Belegschaft ist inzwischen durch die Schächte Anna I und III sowie durch die Grube Adolf aus- gefahven. Man versucht, sich an die dritte Sohle von einem Nach- barbergwerk aus heranzuarbeiten. Diese Arbeiten gestalten sich in- des außerordentlich schwierig, da die W a ss e r p u m p e n und die Luftzuführung gestört sind. Zu vielen Hunderten um- stehen die Angehörigen der Eingeschlossenen die Unglücksstelle und warten auf die in ununterbrochener Reihe herauskommenden Berg- leute. Sämtliche Feuerwehren der Umgegend sind mit ihren Rettungzapparaten zur Stelle. Die Werksführung und die Gruben- sicherungskommission sind am Unglücksort eingetroffen. Mttung durch die Aachbarschachte. Aachen, 21. Oktober. Bon der Bergbehörde erfahren wir noch, daß Art und Ort der Explosion auf eine Sprengstossentzündung schließen lassen. Soweit festgestellt werden konnte, ist die Wetterführung in Ordnung. Rettungsmannschaften und die Hilfsinannschasten der Feuerwehren der Nachbarschaft waren schon sehr früh zur Stelle. Die Einfahrt ist aber zur Zeit immer noch auf die benachbarten Gruben„Anna 1" und„Adolf" beschränkt. Aus diesen Gruben sind vorsichtshalber die Belegschaften zurückgezogen worden. Unterdessen fahren hier auch schon Mannschaften der vom Unglück betroffenen Grube zu Tage, die schon die Berbindung der Gruben untereinander erreichen konnten. Viele davon haben sich sogleich nach Hause begeben, so daß zur Stunde-» eine llebcrsicht über /die Zahl der Geretteken und der noch Eingeschlossenen fehlt. Es ist anzunehmen, daß die Hauptstätte das in der Nähe des Verwaltungsgebäudes liegende Spreng st offlager war, dessen Entzündung die ganze Anlage des Wilhelmsschachtes zerstörte. Der Förderturm knickte in sich zusammen und siel auf«inen Teil des Verwaltungsgebäudes. Hier wurden auch die ersten Toten ge- borgen, und zwar ein Bctriebsführer, ein Maschinensahrsteiger und eine im Verwaltungsgebäude beschäftigte Frau. Im Gegensatz zu einer früheren Meldung wird festgestellt, daß die Nachtschicht bereits ausgefahren war und daß von dieser Mannschaft nur wenige Leute, die in den Waschräumen zurückblicben, die gleichfalls zerstört worden sind, vom Unglück betrossen wurden. Die bisher genannte Zahl der Toten(dw Angaben schwanken zwischen 18 und 22), stammt von ausgefahrenen Bergleuten, ist aber zur Stunde noch nicht kontrollierbar. Nach einer weiteren Meldung hat sich die Zahl der bisher ge- borgencn Toten auf 30 erhöht. Man vermutet, daß an der Unglücksstelle selbst, zu der man bisher noch nicht hat vordringen tönnen, noch einige Tote geborgen werden. Die Zahl der verletzten hat bisher noch nicht annähernd festgestellt werden können, da ein größerer Teil Leichtverletzter sofort seine Wohnungen aufgesucht hat. Die bisher eingeschlossenen Bergleute sind durch die Nach- barschächle bereits zu Tage gefördert worden, so daß also für sie keine weitere Gefahr mehr besteht. Es sind nur noch einige Bergleute eingeschlossen, jedoch ist eine Gefahr für diese Leute noch Mitleilutig des Eschweiler Vergwerkvereins nicht vorhanden. Die Wetterführung aus den einzelnen Sohlen ist in Ordnung. Man nimmt an, daß nur diejenigen Leute verunglückt sind, die in der Mitte des explodierten Sprengstofilagers gearbeitet haben. 22 Tote, IS« vermißt«. Eschweiler, 2l. Oktober. Der Polizeifunk meldet um 11.30 Uhr: Bisher sind von den durch die schwere Grubenkatastrophe auf dem wilhelmschachk der Grube Anna 2 betroffenen Bergleuten 22 Tote und 30 Ver- letzte geborgen worden. Weitere 150 Bergleute werden noch vermißt. Die Rettungsmannschaften gehen jetzt durch einen Stollen der Grube Maria zur Grube Anna, um die verunglückten zu bergen. Wie bisher festgestellt wurde, ist weiter ein F a h r st e i g e r tot. Ein Betriebssührer und drei G r u b e nb e a m t e, die sich in Lebensgefahr befinden, sind ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Toten werden im Knapp- schasts-Ledigenheim aufgebahrt. Die Verletzten werden in die Knapp. schasts-Krankenhäufer in Vardcnberg und in die Krankenhäuser in Eschweiler und Aachen gebracht. 4- Noch ist das furchtbare, durch einen Kohlensäureausbruch her- vorgerufen« Bergwerksunglück vom 9. Juli im oberschlesischen Revier Neu rode in aller Erinnerung: Mehr als ISO Bergleute fanden den Tod. Schon wieder wird heute das deutsche Volk durch die Nachricht von einer wahrscheinlich noch schlimmeren Bergwerks- kokastrophe erschüttert. Die Grube„A n n a 2", in der heute inorgen das Unglück ae- schätz, getzöit zu den mächtigen Steinkohlenlagern der Jade-Wurm- Da die Berliner Melallarbciter nunmehr«ine Woche lang streiken, ohne sich groß um die Parolen der KPD. zu kümmern, Moskau aber anscheinend„Siegesberichlc" anfordert, geht man jetzt zum offenen Terror über. Man sucht sich die Betriebe heraus, die dem verband der Berliner Melallindu- striellen nicht angehören und in denen die Zahl der U n- organisierten und der RGO.-Anhanger die der sreigewerk- schastlich organisierten Arbeiter und Arbeilerinnen überwiegt. M i t Hilfe von Stoßtrupps betriebsfremder Elemente versucht man, die Belegschaften dieser Betriebe an dem Betreten der Fabriken zu hindern, wobei nicht vor Gewallatiwendung zurückgeschreckt wird. Die„Aktionen" werden von den Anhängern der RGO. in diesen Betrieben durch entsprechende„Aufklärung" der Belegschaften unterstützt, so daß also die Arbeiter, die sich diesem Ter- ror nicht fügen wollen, gewissermaßen unter zwei Feuer genommen werden. Erfolge sind diesen terroristischen Aktionen aber bisher nur in ganz wenigen Kleinbetrieben beschieden gewesen, vor allem nur in solchen, wo vorwiegend Frauen beschäftigt sind, die den Rohlingen gegenüber machtlos sind. In all den Betrieben, wo die Arbeiterschaft zum Selbstschuh gegen die Tcrroraklc überging, haben die„Verbreiterer der Kampffront" eiligst den Rückzug antreten müssen. Die freigewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft, die bisher mir einem Gegner, dem geschlossenen Unternehmertum, gegen- überstand, l>at sich nunmehr auch gegendie Gewerkschafts- feinde zu wehren, die eine unter Moskauer Einfluß stehend« un- verantwortliche Clique künstlich in der eigenen Klassenfront züchtet. Die streikenden Berliner Metallarbeiter— und das hat sich vor noch nicht zu langer Zeit bei dem wilden Rohrlegerstreik in Berlin gezeigt— werden sich auch gegen die Franktireure zu wehren wissen, die ein« angebliche Arbeiterpartei während eines Kampfes auf sie hetzt, in dem die einige Abwehrfront das dringendste Gebot der Stunde ist. Das ist der ein« Punkt, in dem sich die Situation im Streik der Berliner Metollarbeiter geändert hat. Irgendwelche Auswirkimgen haben diese Unterminieroersuche der RGO. jedoch nicht gehabt: werden sie auch nicht haben, weil d i e übergroße Mehrheit der Streikenden, aüch der Un- organisierten unter ihnen, nur zu gut weiß, daß jede Uneinigkeit in ihren Reihen die Kampfaussichten nur zugunsten der Unternehmer verschieben würde, die die Front der Streikenden mit Argusairgen überwachen und nach schwachen Stellen abtasten. « Die VBMJ.-Betriebe haben jetzt der Form halber den Streikenden brieflich mitgeteilt, daß sie sich als g« k ü n di g t zu-be- trachten haben.»Ein Teil der Firmen, die bis jetzt noch mit Arbeits- willigen arbeiten, dürfte, wie BZ. erfährt, bei einer längeren Dauer der Bewegung die Werkstätten gänzlich schließen, da durch das Fehlen Nichtiger Arbeitergruppen eine rentable Produktion un- möglich ist. Was nun? Nachdem der VVMI. den Schiedsspruch der Lohnkürzung um 8 Proz. angenommen und sein« Verbindlichkeitserklärung beantragt hat, wird der Reichsarbeitsminister vor seiner Entscheidung über den Antrag des Verbandes Berliner Metall- industrieller zunächst beide Teile hören müssen. Die Befürchtung, daß der Reichsakbeitsmin-ifter seinem Programm bzw. den? Programm der Reichsregierung entsprechend die Verbindlichkeit ohne weiteres aussprechen und damit den Austakt geben würde zu einem allgemeinen Lohnabbau im ganzen Reiche, lag sehr nahe. Bereits vor acht Tagen sah sich daher derBnndesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- Mulde, die Grundlage der Metall- und Textiliirdustri« von Aachen, Efchweilcr und Düren bilden und hierdurch ein« besonders große Volksdichte— Alsdorf selbst ist eine Landgemeinde von 11000 Einwohnern nahe der belgischen Grenze— herbeigeführt haben. Das Revier wies vor dem Krieg« eine Iohresproduttion von rund 2 Millionen Tonnen auf, es ist geologisch als eine Fort- setzung der belgischen Kohlenablagerungen anzusehen. Das Unglück auf„Anna 2" erinnert in seiner Entstehungsart an die Katastrophe auf Zeche„Dorstfeld" bei Dortmund, durch die an? 16. Mai 1925 44 Bergleute getötet und 25 verletzt wurden. Auch damals handelte es sich um eine Explosion, deren Ausgangspunkt das Spreng st offmagazin rvar, wo rund 1080 Kilogramm Sprengstoff lagerten. Die Explosion hatte dann die in der Nähe gelegenen Strecken betroffen und. konnte in ihrer Fortpflanzung nur durch Gesteinsiaubftreuung aufgehalten werden. Auch damals, wie so oft zuvor, wies die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag und in? Landtag?nit aller Energie auf die Notwendig- keit erhöhter Schutzmaßnahmen im Bergbau hin. Das grauenvolle Geschehen in der Grube„Anna 2" ist auch deshalb von besonderer Tragik, als zum zweiten Male in kurzer Zeit gerade das befreite Rheinland von einer Massenkatastrophe heimgesucht wirb. Trauerkundgebung im Landtag. Die heutige Plenarsitzung des Preußischen Landtags begann mit Verspätung, weil vorher«ine Besprechung über das furchtbare Grubenunglück auf dem Wilhelm-Schacht der Grube Anna II bei Aachen stattfand. Auf der Regierungsbank ist der für die Bergbaufragen zu- ständig« Handelsminister Dr. Schreiber mit seinen Beainten erschienen. Bei Sitzungseröffnung gedentt Präsidenl Bartels. während sich die Abgeordneten von den Sitzen erheben, in einer kurzen, aber eindrucksvollen Kundgebung dieses schweren Unglücks. Er fügt hmzu, nach seinen Informationen sei die Zahl der Toten und Verwundeten nicht so groß, wie die ersten Meldungen wissen wollten. Dennoch bleibe das Erschütternde dieser Katastrophe be- stehen, und der Landtag spreche sein herzlihstes Beileid den davon Betroffenen aus. Handelsminister Dr. Schreiber nimmt hierauf das Wort, um der Teilnahme der Staatsregierung warmen Ausdruck zu geben. Er fügt die Mitteilungen an, die ihm amtlich zugegangen sind: Airt Schacht Anna II des Eschwcilder Berg we rk soerei n s iß um IB0 Uhr jrütz ein Sprengst oylager unter b u n d e s zu einer ernsten Warnung»eranlaßt. In seiner Entschließung p r o t e st i e r t e er gegen die Absicht, die staatliche Schlichtung einseitig zugunsten der Arbeitgeber gegen die Arbeiterschafi einzujehen. Gleich dem Deutschen Metallarbeitcrverband erklärten sich alle im Allgemeinen Deutschen Gcrverkschaftsbund vereinigten freie» Gcwerk- schaften einig in der entschiedenen Verurteilung eines solchen Miß- brauch? der Staatsgewalt ui?d erhoben im voraus Prolest dagegen, daß etwa durch Berbindiichkeils- erklärung dieses Schiedsspruchs versucht wird, der Arbeiterschaft den Lohnabbau aufzuzwingen. Der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald kennt als alter Gewerkschafter die Bedeutung der freien Gewerkschaften, mit denen er als christlicher Gewerkschaftsführer vielfach zusammengearbeitet hat, zu genau, um sich über den Ernst einer derart ungewöhnlichen Stellungnahme des ADGB., diktiert durch eine beispiellos« Situation, im klaren zu sein. Wollte er sich dennoch darüber hinwegsetzen, weil er einen Lohn- abbau im Interesse der Herbeiführung eines Preisabbaues, den er de» Unternehmern nicht durch einen ver- bindlichen Schiedsspruch diktieren kann, für notwendig erklärte, dang muß ihn in Verbindung mir der Eni- schließung des ADGB. der Beschluß des Reichstags davon abhalten. Der LIcichstag hat den Antrag der sozioldemo- lratischen Reichstagssraktion, den Reichsarbeitsminister zu ersuchen, den Schiedsspruch nicht für verbindlich zu erklären. angenommen. Was nun? Der Metallarb«iten>erband hat einen Ausweg gezeigt, um das zu erreichen, worauf es jetzt in allererster Linie ankomirrt: den Arbeitslosen wieder Arbeit zu geben durch Verkürzung der Arbeitszeit. Der Bundesausschuß des ADGB. ist dieser An- reaung gesoigt und fordert zu diesem Zwecke eine gesetzliche vierzigslündige Arbeitswoche so lange, bis der Arbeitsmarkt entlastet ist, unter gleichzeitiger Ein- sührung eines allgemeinen Zwanges zur Einstellung neuer Arbeits- kräfte im Ausmaße der Arbeitszeitverkürzung. Die Unternehmer sollen gehalten sein, die öffentliche Arbeitsvermittlung zu benutzen— die sie heut» noch vielfach umgehen— und jede offene Stelle zu melden. Di« Ueberstunden sollen auf die wirklich dringlichsten Aus- nahmefäll« beschränkt rverde:?. Was nun geschieht, bleibt abzuwarten, jedenfalls darf diescr Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt rvcrden. Wenn das KPD.-Blatt schreibt, der dahingehende Beschluß des Reichstags habe für den Kampf selbst gar nichts zu bedeuten, so entspricht diese Bemerkung lediglich dem kommunistischen Agitationsbedürsnis. 150 Krastdrosichkenführer brotlos. Ergebnis einer kommunistischen Mache. Der von der KPD. am Sonnabend unternommene Versuch, die im Tarifoertragsverhältnis stehenden Kraftdroschkensührer in einen wilden Äretk zu treiben, hatte für 65„Kraftag"-Fahrer das Nachspiel ihrer Entlassung. Weil nun diese K5 Mann entlassen wurden, hatte die KPD. einen neuen Grund gefunden,«inen Streit herbeizuführen, einen Proteststreik gegen die von ihr provozierten Entlassungen. Dieser Proteststreik sollte am Montagnachmittag einsetzen. Ii? ztnei Depots des Kraftdroschken-Großunternehmens traten mit den Entlassenen 85 Mann, insgesamt also 150 von 2300, in den Streik. Mit dem Resultat, daß außer den 65 Entlassenen noch »eitere 85 Fahrer entlassen wurden, zusammen 150 Mann, die sich jetzt bei der RGO. für ihre Entlassung bedanken können. Tage in der Nähe des Schachts detoniert. Die Explosion ist bis über Tage vorgedrungen. Das Schachtgerüst ist beschädigt. Die Grubenwehren sind eingefahren. Di- Wetterführung ist wieder in Ordnung, die Wasseclzaltung ist vorläufig zerstört. Eine zlveite Meldung gibt an, daß 17 Tote und 43 Verletzt» zu beklagen sind. Die Belegschaften der benachbarten Anlagen sind bereits aus dem Schacht herausgezogen. Man ist dabei, die Belegschaft des Schachts Anna II zutage zu bringen. lieber die nähereu Ursachen der Explosion ist noch nichts bekannt. Die Staatsregierung prüft, inwieweit eine besondere Fürsorgeaktion eingeleitet werden muß. Die Börse und das Llnglück. Kursverluste auf die Nachricht vom Bergverksunglück. Die heutige Börse war zunächst fest, doch ging es nicht so leb- Haft zu?oie gestern. Auf die Nachricht vom Eschweiler Berg- werksunglück trat eine stimmungsgemäße Abschwächung der Kurse um 1 bis 2 Prozent ein: diese Abschwächung kann aber auch mit der Mitnahme von Kursgewinnen durch die Speku- lation zusammenhängen. Später blieben die Kurse gehalten, auch bei den festverzinslichen Papieren. Auf dem Geldmarkt hat sich das Angebot etwas verstärkt, das Tagesgeld wurde wieder um% Prozent billiger: die besten Geldnehmer zahlten nur 3 Prozent. Kunst in Not! Werbe- Ausstellung der Deutschen Kunstgemeinschast. Der Ausstellungsraum eines großen Kaufhauses in der König- straße hat sich in einen kleinen Kunstsalon verwandelt, in dem Mit- glteder der Deutschen Kunstgemeinschast ihr« Werke an- bieten. Namen von Rang, wie Oppenheim er, Pechsteil?, Honigsberger, Ja ecket und viele andere sind vertreten: da grüßen farbenprächtige Stilleben, stimmuirgsvolle Landschaften von den Wänden, und in der Möbelausstellung, die cinen ivcitercn Teil der Bilder enthält, sind sie gleich richtig, dem Zin?n?ercharakt«r entsprechend, oerteilt. Der Borsitzende der Deutschen Kunstgemeinschast, Staatssekretär Genosse Schulz, schildert in bewegten Worten von der großen Rot der Künstlerschast. Künstler, deren Ruhm durch die ganz« Welt geht, sind oft dem Verhungern nahe. Die Deutsche Kunstgen?«inschast appelliert immer wieder an das Publikum, unsere I bedrängten Künstler durch Ankauf ihrer Werke, deren Bezahlung durch kleinste Raten ermöglicht wird, zu unterstützen. Vor allem soll damit immer wieder erneut der Kampf gegen jene fabrikmäßige Herstellung von Kttschbildern geführt werden, die den BUdcrmarkt überschwemmen und hie Wohnungen verschandeln. Schwarze Kahne vor Gericht Prozeß gegen osipreußische Landterwristen Königsberg. 21. Oktober. Wegen der Aueschreitungen, di« in Ostpreußen bei der Durch- führung von Zwangzvcrsteigerungen vorgekoimnen sind, stehen jetzt vor dem erweiterten Schösfengericht: Gutspächter Friedrich V ö p n e r- Snmelucken(Kr. Gumbinnen), Rittergutsbesitzer Herbert von Platen- Katzborn(Kr. Gerdauen), Gutsbesitzer Erich Thymian in Klein-Weißensee(Kr. Wehlau), Rittergutsbesitzer Otto von Weiß in Groß-Plauen(Kr. Wehlau), Landwirt Mar B u ch h o l z- achmilgen(Kr. Pillkallen), Besitzerssohn Hermann P a l t i n a t in Wolfsdorf(Kr. Niederung), Landwirt Wilhelm Wegerer in Pieraggen(Kr. Tilsit-Ragnit). Die Verhandlung, zu der bisher 75 Zeugen geladen sind, wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Den Vorsitz führt Landgcrichtsdirektor Ra ab e. Im Frühjahr 1930 unternahm die Bauernbewegung „Schwarze Fahne", die mit dem Landbund irgendwie zusammenhängt, eine anscheinend organisierte gewaltsame Verhinderung von Zwangsversteigerungen. Als am 30. April 1930 in Rag ni t zwei Güter zwangsversteigert werden sollten, waren mehr als 100 Besitzer erschienen, die in den Gerichts- saal eindrangen, das Gericht beschimpften, die Anwesenden bedrohten und die Amtshandlung des Gerichts störten. Am 24. Mai wiederholten sich diese Vorgänge in Insterburg, im Juni und Juli wieder in Ragnit. In Pil lallen stand am 23. Juni wieder«in Zwangssteigerungstcrmin an. Mit- glieder des„Landvolks" fuhren aus den Kreisen Niederung, Gumbinnen, Goldap und Treuburg auf Lastautomobilen hin. Es kam zum Ha ndg ein ende, der Tisch eines Anwalts wurde um- geworfen, der Anwalt selbst mit Tinte bespritzt, und Bieteirde wurden tätlich angegriffen. Bei einer weiteren Zwangsversteigerung am 12. Juli in Pilkallen kam es zu einem Tumult, als der Richter wegen der dauernden Störungsoersuche den Saal räumen ließ. Polizeibcamte wurden mißlzandelt und ihrer Seitengewehre beraubt? ein Polizeilzauptmann wurde gewürgt.- In Labiau mußte das Gericht in ein anderes Zimmer flüchten, da die Erschienenen Miene machten, handgreiflich zu roerden. Bei Beginn der Verhandlungen beantragte Rechtsanwalt K l u t k c Vertagung oder Unterbrechung der Sitzung bis Freitag, da der Hauptocrteidiger Dr. Luetgebrune- Göttingen noch beim Bombenlegerprozeß in Altona fei. Nach kurzer Beratung teilte der Vorsitzende mit, daß das Gericht den Antrag ablehnt. Dagegen protestierten Zuhörer so laut, daß der Vorsitzende zur Ruhe mahnen mußte. Rechtsanwalt Klutke erklärte, daß er die Ver- teidigung niederl.« gen müsse, da er sie nur in Gemeinschaft mit Dr. Luetgebrune übernommen habe. Das Gericht begann mit der Vernehmung des Angeklagten von Platen, der zunächst schilderte, wie«s zur Gründung der Baucrnnowewegung kam. Andere Angekla�e erklärten, ohne Anwesenheil des Bomben- Verteidigers Luetgebrune nichts aussagen zu wollen. Bei der Zeugenvernehmung ergibt sich aus fast völlig übcreinstim- wenden Aussagen, daß in fast allen Fällen Bauern in großer Zahl bei den Zwangsversteigerungen erschienen waren. Ein Gerichtsassessor G a p p a erklärt, die etwa 60 bis 80 erschienenen Mitglieder der Bauern-Notbewegung seien im Laufe der Sitzung unruhig geworden und hätten Zwischenrufe gemacht, durch Vermittlung des Führers der Bewegung sei dann aber zwischen den Parteien eine Einigung erzielt worden. Auf eine Frage hin- sichtlich der Zwischenfälle bei Versteigerungsterminen wird von dem als Zeugen geladenen Richter bekundet, daß, nachdem in den beiden ersten Polizei eingreifen mußte, der dritte völlig ruhig verlaufen fei. Ein Hilfswochtmeister sogt aus, daß er bei zwei Terminen im Gedränge von der Menge ver- letzt worden wäre. England nnd Palästina Die Regierungserklärung London, 21. Oktober.(Reuter.) Die Regierung veröffentlicht eine Erklärung, aus der die Ab- ficht deullich hervorgeht, Palästina gemäß Dölkerbundsmandat zu verwalten. Die Erklärung fügt hinzu, es fei zwecklos, daß di« jüdischen Führer die Regierung weiter ersuchten, ihre Politik hin- sichtlich der Einwanderung und der Bodenverteilung den Forde- rungen der radikalen Zionisten anzupassen. Es sei ebenfalls zweck- los, daß die arabischen Führer ihre Forderungen noch einer Ver- fassung aufrechterhielten, die die Regierung in die Unmöglich- keit setzen würde, ihre Verpflichtungen gegenüber Juden und Nicht- juden gleich einzuhalten. Das Ziel der Regierung fei, die Jnter- essen beider Gruppen in Uebereinstimmung mit den Mandatsbe- stimmungen zu schützen. Die Regierung beabsichtige, einen Gesetzgebenden Rat einzusehen. der der Erklärung Churchills im Jahre 1922 entsprechen und aus dem Obertommisiar, zehn amtlichen und zehn nichtamtlichen Mit- gliedern bestehen werde. Nur ein planmäßiger Betrieb der Landwirtschaft werde größere Ansiedlung jüdischer iandwirtschaft- licher Elemente erleichtern. Unmöglich sei es, vorauszusehen, wann die Ausgaben für die Verteidigung des Landes herabgesetzt werden könnten. Palästina befinde sich jetzt in einer kritischen Lage und nur die engst« Zusammenarbeit der Regierung und der jüdischen und arabischen Führer könne die Gefahr beseitigen, die beiden Teilen drohe. Die Regierung verlange von den Arabern Anerkennung der Tatsachen und von den Juden Zugeständnisse. In der Regierungserklärung heißt es u. a. noch: Gegenwärtig und bei den jetzigen Methoden des arabischen Lmidbaucs bleibt kein freies Land zur Ansiedtuog neuer Einwanderer als Bauern verfügbar. außer den unentwickelten Gebieten, die sich in den Händen der ver- schiedcnen jüdischen Agenturen befinden. Die jüdischen Ansiedler haben olle Vorteile gehabt, die Kapital, Wissenschast und Organisation ihnen geben konnten. Hierauf und auf die Tat- kraft der Ansiedler selbst ist ihr bemerkenswerter Fort- schritt zurückzuführen. Andererseits hat sich die arabische Be völkerung, die solch« Vorteile nicht genossen hat, durch den Ueber schuß der Geburten über die Todesfälle mit großer Schnelligkeit vermehrt, während das für ihren Unterhalt verfügbare Land sich ungefähr um eine Million Dönnüms(1 Dönnüm— 919,3 Oua- dratmeter) vermindert hat. Dieses Gebiet ist in jüdische Hände übergegangen. Es wäre aber Unrecht, sich die vorgebrachte Behauptung zu eigen zu machen, daß die Wirkung der jüdischen Ansiedlung aus die arabische Bevölkerung in allen Fällen schädlich für die arabischen Interessen war. Das ist keineswegs uneingeschränkt der Fall. Es ist aber in diesem Zusammenhang zwischen der Kolonisierung durch solche Körper- schaften wie die Kolonifationsvereinigung für Palästina und der Kolonisierung unter den Auspizien der Zionisten zu untersäzeiden. — Ueber die Einwanderungsfrage heißt es: Ein über- «ilter Beschluß in der Frage der unbeschränkten jüdischen Einwan- derung muß entschieden verurteilt werden, nicht nur vom Stand- punkt der Interessen der Veoölkerung Palästinas in ihrer Gesamt- heit, sondern auch vom speziellen Standpunkt der jüdischen Gemein- schast. Solange unter der arabischen Bevölkerung der Argwohn herrscht, daß die wirtschaftliche Depression, unter der sie zweifellos leidet, in erheblichem Maß« auf die übermäßige jüdische Einwände- rung zurückzuführen ist, und solange Gründe bestehen, auf die bei der Aeußerung solcher Gedanken hingewiesen werden kann, ist wenig Hoffnung auf eine Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Rassen zu entdecken. Auf einer solchen Besse- rung aber beruhen der künftige Frieden und die künftige Wohlfahrt Palästinas. Die Oppofiiion gegen Tardieu. Wachsende politische Aktivität. Paris. 21. Oktober.(Eigenbericht.) Je näher das Datum des Wi-derzusammentritts des französifchen Porlaments heranrückt, um so höher steigt der Tatendrang der Regierung Tardieu. In der Tat, wenn man dem Parlament schon in der ersten Sitzung ein„m a s si o e s Vertrauensvotum" entreißen will, wie dies Tardieu selbst an- gekündigt hat, so muß man zumindestens einige Aktiven aufzuweisen haben. So bemüht sich Tardieu im endlosen Redefluß zu beweisen, wie viel er bereits für die Landwirtschaft, den Handel, die Industrie, die Arbeiterschaft, die Kriegsteiln«hn:er und schließlich für seine engeren Wähler in Belforl geleistet hat. Sein eifriger Finanzminister ist dazu noch mit Polizei und Staatsanwalt gegen die Pariser Börse zum Kreuzzug ausgezogen. Es muß wirklich schlech: um die Regierung Tardieu stehen, wenn sie zu solchen armseligen Mitteln greifen muß. um den Wählern Sand in die Augen zu streuen. Dem Parlament wird Tardieu mit dieser billigen Demagogie nichts vormachen können. Jedermann weih es und erst vor acht Tagen haben es die Sozialisten des Seine- Departements in einer Entschließung festgestellt, daß die mit vieler ReName angekündigte Politik der Prosperität kläglich Schiffbruch gelitten hat. Gewiß, die Preise sind unermüdlich weiter in die Höhe geklettert, wie es am Sonntag wieder die sozia- listischen Gewerkschaften in einer Bersammlung in Bordeaux fest- stellen mußten. Davon profitiert nur ein kleiner Teil des kapita- listisch-n Bürgertums, während die große Masse der Arbeiter und Verbraucher di« Kosten zu zahlen hat. Wenn die Poriser Börse selbst, die Hochburg des Kapiia- livmus, die Politik Tardieus durch eine ununterbrochene Baisse deckt, so liegt auch das nur daran, daß sich in Frankreich ebenso sehr die Nachwirkungen der internationalen Wirtschaftsknse, wie die außenpolitische Unsicherheit und die Kapitalflucht aus Deutschland bemerkbar machen. Es ist bisher noch nicht einmal den puritanisch denkenden Amerikanern eingefallen, gegen den Börsenkrach in New Pork mit dem Büttel vorzugehen. Es war dem lateinischen, klaren, skeptischen Frankreich vorbehalten, diesen Dan-Ornchottc-Streich zu erleben. „Der blaue Expreß." Mozarisaal. Das starke politische Interesse, das die Sowjetrepublik an der Entwicklung Chinas nimmt, kommt auch in diesem Film des Sow- kinos zum Ausdruck. Diesmal ist eine Revolte chinesischer Kulis, die sich in einem zur russischen Grenze fahrenden Zug— eben dein blauen Erpreß— abspielt, der Inhalt der Handlung. Die stärksten amerikanischen Vorbilder solcher Zugabcnteuer, die dort aber in grotesk tomischer Weise ausgebeutet werden, sind hier überboten: ein geradezu rasendes Tempo jagt durch die Szenen, fällt über den Zuschauer mit einer Fülle im schnellsten Rhythmus wechselnder chi- nesischcr Köpfe über den Zuschauer her und läßt ihn erst am Ende wieder zur Besimrung kommen. In diesem Kaleidoskop durchein- anderwogender Begebnisse soll ein Bild des ganzen Chinas von heute gegeben werden. Der Regisseur I. Trauberg wendet die oft erprobte russische Technik, durch Einzelheiten und bezeichnende Ausschnitt« das Ganze zu charakterisieren, in größtem Maßstabe an. In diesem blauen Expreß hat sich ein Auszug aus dem ganzen China von heute versammelt. Der europäische Präsident einer chi- nesischcn Provinz, Ausbeuter und Abenteurer aus allen Ländern, ein chinesischer General mit seinem Gefolge, chinesische Soldaten und auf der anderen Seite chinesische Arbeiter und Kulis, die in dein gleichen Zug verfrachtet sind, um in irgendeiner Tcxtilfabrik als lebendige Ware abgeliefert zu werden. Es kommt zwischen einem weißen besoffenen Transportleiter und einem Chinesen, dessen Schwester jener vergewaltigen will, zum Kampf. Der Weiß« wird erwürgt, die Kulis bemächtigen sich der mitgeführten Waffen, es kommt zum Kampf in den Wagen und auf den Dächern unter den abenteuerlichsten Situationen. Die Revoltanten siegen, der Zug- führer ist mit ihnen im Bund«, und alle Bersuche, den Zug zum Halten zu bringen, werden vereitelt. Ein Weichenwärter, der ihn auf ein totes Gleis bringen soll, befolgt den Befehl nicht, so entkommt der Zug über die Grenze in die gelobte russische Freiheit. Lcr Film ist natürlich in Ruhland aufgenommen, aber er ar- bellet mit chinesischem Darstcllcrmaterial, das freilich in einigen Fi- guren nicht typisch chinesisch wirkt. Wie immer verstehen es die Russen, das aiwnyme Leben und Treiben der Masse prachtvoll leben- dig zum Ausdruck zu bringen und auch die Typen der„Kolonisa- loren" höchst charakteristisch zu gestalten. Edmund M ei sei hat, wie seinerzeit auch zum Potemkin, eine Begleitmusik komponiert, die dem Film wahrhaft kongenial ist? sie übersteigert noch seine rhythmischen Wirkungen und wurde von der L e w i s- R u t h- Band mit glänzendem Schmiß vorgeführt. Die ganze Ueberlegen- heit eines lebenden Orchesters kam dabei voll zur Geltung! v. Tardieu selbst aber scheint sich über den Erfolg all dieser Be- mühungen nur wenig Illusionen zu machen. Es ist in allen politischen Kreisen in Paris stark aufgefallen, daß er in seinen zahlreichen Sonntqgsrcden nirgends polemisch geworden ist. Auf die scharfe Kriegserklärung der Radikalen von Grenoble hat er bisher mit keinem einzigen Wort geantwortet. Es sei denn, daß er jenes neue Schlagwort von dem„Einigungs-Koeffizienten" in die Welt setzte, ein Wort, das außerordentlich sachlich und modern klingt, praktisch aber leider gor nichts besagen will. Ungestört vollzieht sich inzwischen der Aufmarsch der Regierungsgegner in der Kammer und im Senat. In der Kammer ist es ein Teil der bisherigen Regierungsmehrheit selbst, die der Regierung auf außen- politischem Gebiet in den Rücken fallen will. Im Senat ist es die Gruppe der demokratischen Linken, die schon im Sommer aus Ihrem Mißvergnügen gegenüber der Regierung keinen Hehl gemacht hat Schutz den Memeldeutschen! litauische Sozialdemokratie für das Ziecht. komno, 21. Ortober.(Ostexprcß.) Eine ebenso unerwartete wie energische Verteidigung hat die bekannte Beschwerde der Memelländer durch die litauische Sozial- demokratie gesunden. Der sozialdemokratische„Pirmyn" führt dazu aus, die Memelländer hätten Beschwerde erhoben gegen die An- Wendung diktatorischer Grundsätze, die der Mcmelkonvention wider- sprechen, und die öffentliche Meinung der Welt habe die Kownoer biktatorisähe Regierung gezwungen, sich demokratischen Rechtsprinzipien zu fügen. Wenn nun auch litauische Demokraten uird Volkssozialistcn gegen die Memelländer austreten, so müsse dos größtes Befremden erregen, denn damit vertrete ja die Links- o p p o s i t i o n gerade die diktatorischen Methoden, welche si« In Litauen selbst der Regierung immer zum Vorwurf macht. Wenn in Litauen selbst«ine demokratisch« Regierung bestände, so wäre es nicht zu Rechts brächen im Memelgebiet und nuch rncht zur Intervention des Auslandes gekommen. „Internationale Himalaia-Expediiion löäO" Professor G. Dyhrenfurth- Breslau hat in diesem Jahre eine schon seit langem vorbereitete Expedition in das östliche Himalajagebiet durchführen können; er hat dabei von englischer und indischer Seite alle mögliche Unterstützung gesunden. Das Ziel der Expedition war ursprünglich, den zweihöchsten Berg des Himalaja- gebiets, den Kangdjöndjunga, zu erobern. Es konnte zwar nicht durchgeführt werden, aber die international zusammengesetzte Forschergruppe konnte doch soviel interessantes wissenschaftliches und filmisches Material mitbringen, daß sie trotzdem in hob*"' Maße als gelungen zu bezeichnen ist. Als Vorläufer zu dem Fi.rn, der hoffentlich recht bald herauskommen kann, hielt Professor Dyhren- furth gestern im B a ch- S a a l einen Vortrag über die Expedllion und ihre Leistungen und führte ein reiches Lichtbildmaterial vor, das wunderbare Einblicke in das au Naturwundern unerschöpfliche höchste Berggebiet der Well mit den riesigsten Gletschern eröffnete. Am stärksten wirkten die rein bergsteigerischen Erfolge, die sich besonders um die Bezwingung des Jongfon-Peaks konzentrierten. Der Volkschor Akoabll gibt e,:n»2S.. 20 Ubr, im großen Koiizc'.lsaal Irr £* o ch j ch n: c f ü r M u I i k. ßaianenslr. 1, ein Konzert. r e i h e t t S- lieber alter und neuer Tendenz*. Eintritt 1 Alark. Vergangenes Indien. Jahrtausende hindurch lebte Indien in einem engumgrenzten Kulturtrcis. Auch die englische Oberherrschaft änderte daran wenig; sie rief als Reaktion bisweilen sogar ein besonderes Betonen indisch- nationaler Traditionen hervor. Selbst dieser Kampf, den das in- dische Volk heute um seine Freiheit führt— um das Recht also, gleichberechtigt in der Gemeinschaft der Weltvölkcr zu stehen—, selbst dieser Kampf wird noch zum Teil im Zeichen der allindischen Tradition gerührt. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß ihre Reste in einem freien Indien sehr rasch verfallen werden. Daß damit nickst nur ungesunde Lebensenge, sondern auch manches künstlerisch Wertvolle vergeht, ist eine Tatsache, die aber nur ein Narr beklagen könnte. Die Zcitcntwicklung hat den altindischcn Kulturkrets geschlossen. Nicht erst heute übrigens. Die indische Kunstblüte— wenigstens soweit die uns unmittelbar zugängliche bildelllie Kunst in Frage kommt— entfaltet« sich zwischen d«m vierten nnd achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, als die griechischen Kunsteinflüsse v«rgessen waren, nachdem die griechisch-persische Macht- welle verebbt war. In ganz Indien, im Norden wie im Süden des Landes, geben Skulpturen und Bauwerke von gewaltiger Pracht nnd starker Ausdruckskraft Kunde von diesem neuen eigenen Kunst- schaffen. Was spätere Jahrhunderte in Indien hervorbrachten, griff immer wieder auf die Motive jener Epochen zurück. Sie wurden virtuoser durchgestaltet, bereichert in der äußeren Form, aber ärmer im Ausdruck, weil sie ärmer waren an unmittelbarem Crlebtsein. Ein Lichtbildervortrag, den Dr. William Cohn für die Mit- glieder der Volksbühne im Hörsaal des Kunstgewerbe- m u s e u n: s hielt, vermittelte von dieser Kulturwelt der Vergangen- heit eine sehr gute Vorstellung. In einem zweiten Bortrag wird der Gelehrte sein« Ausführungen über„Die Hauptepochen der in- dischen Kunst" fortsetzen. Tcs. Theater-Alanwirtschast der Städte. Nicht nur in Theaterkreisen hat es unangenehm berührt, daß auf der letzten Tagung des deutschen und preußischen Städtetages in Dresden die Frage der städtischen Subventionspolitik für die Theater nicht behanixtt worden ist. Wie jetzt bekannt wird, haben sich innerhalb der vom Städtetage eingesetzten Kommission, die sich mit dieser Frage zu beschäftigen hatte, Differenzen ergeben, die zum Verzicht auf die Vorlage eines Berichtes geführt haben. Indessen wird di« vom Städtetag eingesetzte Kommission und di« zusammen mit Buhnenverain und Bühnengenossenschaft zusammenarbeitende Beratungsstelle für Theatersragen ihre Tätigkeit fortsetzen und ins- besondere versuchen, bestimmte Richtlinien für eine Theaterplan. wirffchaft der Städte auszustellen. Diese Richtlinien sollen für die Etatberatung der Städte«ine gewisse Grundlag« bieten, zumal sie von den Auffichtsorganen der städtischen Finanzen ausdrücklich ge- billigt werden sollen. 3m Mvseum für It-kürkunde.?nvo1ibenftr. 43, finden Mittwoch abend solgende unentzelllichr Vorträge statt:<5 tthr: Fliegende Fische, Lurche und Kriechtiere(Dr. Ahl). L Uhr: Vom Diamanten(Proj. Belowsch). Gtreikverbreiterungsmanöver. Abweisung„revolutionärer" Quertreiberei. Chemnitz. 21. Oktober.((Eigcnbcritht.) Die kommunistische Leitung der Ortsgruppe Limbach des Deutschen ZNetollarbeiter-Derbandez halte für Montag den Streik- beginn der Limbacher Metallarbeiter zur Unterstützung der streiken- den Berliner Metallarbeiter proklamiert. Die Kommunisten erlitten mit ihrer Parole in ihrer Hochburg eine grohe Pleite. Zu samtlichen Limbacher Betrieben wurde weitergearbeitet. Eine Stimmabgabe ergab 30 Prozent aller Arbeiter gegen den Streik. Der DMV. hatte sich gegen das Borgchen der Limbacher Ortsleitung ausgesprochen. Gegen die Beamtenhetze. Und gegen den GehattSabbau. Der Deutsch: Boamtenbiind tritt morgen, Mittwoch, zu seinem 7. Bundestag in Berlin zusammen. Während der erste Vcrhand- lungstag mehr den rein geschäftlichen Angelegenheiten gewidmet ist, wird Reichsminister Dr. W i r t h am zweiten Tage über das deutsche Berufsbeamtentum im Volksstaat der Gegenwart sprechen und Prof. Dr. Wiedcnscld, Leipzig, über das Thema: Der Weltmarkt und die Probleme der Unternshmungsgestaltung unter besonderer Be- rücksichtigung der deutschen Verhältnisse. Der Tagung wird ein 324 Seiten umfassender Geschäftsbericht für die Zeit von Oktober 1328 bis September 1333 vorgelegt. ?n einer Besprechung mit den Vertretern der Presse am Montag- abend wies der Bundesoorsitzende Flügel auf die gegenwärtig die Beamtenbewegung am stärksten berührenden Aufgaben hin: Die Abwehr gegen die Beamtcnhetze und die Gehalts- kürznngen und die Neuregelung des B c a m t e n r e ch t s. Auch bei dieser Gelegenheit betonte Flügel, dotz die Beamtenschast auf dem Boden der Weimarer Verfassung steht. Dieses Bekenntnis zur republikanischen Staats form wird im Anschluß an den Dortrag des Reichsimrcnminijters erneut zum Ausdruck gebracht werden. Der Deutsche Beamtcnbund zählte am 1. Oktober in seinen sieben Gruppen, Säulen benannt, 1 045 986 Mitglieder. Die Post- und Telegraphenbeamten bilden mit 234 365 Mitgiedern die stärkste Gruppe, der die Eisenbahnbeamtcn mit 173 000, die Lehrer mit 177 270 Mitgliedern folgen. Iniemaiionale der Krankenkassen. Generalversammlung in Dresden. Dresden, 21. Oktober. Am Montag begannen im großen Saal des Deutschen Hygiene-Museums.zu Dresden die Verhandlungen der 4. General- Versammlung- der Internationalen Zentralstelle sür Krankenkassen und hilfsvcrcine. lieber die Tätigkeit der Internationalen Zcntralstelle und die Lage der Krankenversicherung in den einzelnen Staaten berichtete Georges Petit(Lille). Helmut Lehmann, der geschäftsführende Vorsitzende des hauptoerbandcs Deutscher Krankenkassen in Berlin, sprach über die Kontrolle des kassenärztlichen Dienstes. Träger der Kontrolle müsse, je noch dem Arztsystem, der Versicherungsträger oder ein von der ärztlichen Organisation und vom Versicherungsträger paritätisch be- schicktcr Ausschuß sein. Di« Kantrollinstanz sei mit disziplinaren Befugnissen gegenüber dem Kassenarzt auszustatten. Den: Arzt wie dem Kranken sei die Anrufung einer Oberinstanz zu ermöglichen. Dr. P r o ch o z k o- Prag behandelte die Krankenversicherung im Kampfe gegen die sozialen Krankheiten. Als soziale Krankheit bezeichnete er jene Gruppe von Krankheiten, die durch unzureichende Pflege der Schwangeren, Mütter, Säuglinge und Kinder entstehen, weiter die Tuberkulose, Geschiechtskrantheiten, Alkoholismus und Rheumatismus. Er fo"d«rte für diese sozialen und sür die Berufskrankheiten eine gemeinsame Bekämpfung und Organisation ihrer Bekämpfung. Warum lügen Sie? Kommunistische Anfragen an Kommunisten. In der rechtskommuniftischen„Arbeiterpolitik* lesen wir folgende „OffcncAnsrageandenBcrlinerKorrespondenten der„Prawda": „W aru m belügen Sie die russischen Arbeiter in so schamloser Weise? Sie haben am 13. Oktober d. I., am Tage der Eröffnung des Reichstages, nach Moskau folgenden telephonischen Bericht übermittelt, den wir der„P r a w d a* vom 14. Oktober entnehmen. „Bon Beginn der Reichstagssitzuirg bis zum späten Abend waren in allen Teilen der Stadt ununterbrochene De monstra- tionen der Arbeiter und Erwerbslosen. Im Bezirk Tiergarten, in der Nähe des Reichstages der Bezirk, wo die De- monstrationen oerboten find), versammelten sich ummterbrochcn Mengen von Demonstranten, die revolutionäre Lieder singen. Die Polizei jagt die Versammelten mit dem Gummi- knüppel auseinander." Jeder russische Arbeiter muß aus Grund Ihres Berichtes zu der Ueberzeugung gelangen, daß es sich um k o m m u n i st i f ch e De- monstrationen handelt, da andere als kommunistische Demonstranten wohl kaum„revolutionäre Lieder" singen. Wenn wir Ihnen auch zugute rechnen wollen, daß die klein- bürgerlich-nationalistischc Phraseologie der der- zeitigen deutschen kommunistischen) Parteiführung auch bei Ihnen allerhand Verwirrungen angerichtet haben mag, so scheint es doch so gut wie ausgeschlossen, daß Ihnen nicht bekannt war, daß es sich um Demoirstrationen nationalsoziali st i» scher Sturmabteilungen handelte. Noch weniger scheint es glaubhaft, daß Ihnen bis zum „späten Abend" völlig entgangen sein soll, daß diese„rcvolutio- näre Lieder" singenden Lumpenproletorier und Studenten schon in den Nachmittagsstunden die Schaufensterjüdischer Waren- Häuser einschlugen. Außer Ihnen, verehrter Genosse ch a r t m a n n, hat bis heute nur«ine Presse die Behauptung ausgestellt, daß es sich um revolutionäre bzw. kommunistische Demonstranten handelt, das ist die Presse der N a t i o n a l i st e n. Zhr Bericht kann nach allem, was vorliegt, nur den einen Zweck verfolgen, die russischen Arbeiter grob und bewußt zu belügen." Der„verehrte Genosse" chartmann wird sich freilich den Kuckuck um die Wahrheit künnnern, die er der russischen„Wahrheit" (= Prawda) zu melden hätte. Ihm kommt es, wie der ganzen kommunistischen„Führer"gescllschcist nur darauf an, den russischen Sowjetgtäichigen den roten Sand in die Augen zu streuen, der er- forderlich ist, um sie an das„sieghafte Vordringen" des deutschen Kommunismus glauben zu lassen. Lehrlingsenilassungen bei Siock-Marienfelöe. Wegen der Mitgliedschaft im Metallorbeiterverband. Die im Deutschen Metallarbeitcr-Vcrband organisierten Lehr- linge der Firma Stock- Marienfelde kamen Freitag noch- mittag, nach Schluß des Betriebes, zu einer Lehrlingsversainmlung zusammen. Der Betriebsleiter ließ am Sonnabend die öllesten Lehrlinge zu sich kommen und beschimpfte sie nach Strich und Faden. Van den Lehrlingen der Firma wurden 23 Lehrlinge entlassen, weil sie der Iugendabteilung des Metaltarbeiter-Der- b andes angehören, ohne zuvor die Firma um Erlaubnis gefragt zu haben, dem Metallarbesterverband beitreten zu dürfen. Bei Stock-Marienfeldc ist man offenbar über den Metallarbeiter- streit verärgert. Das ist jedoch kein Grund, den Aerger an den Lehrlingen auszulassen. Der Deutsche Metallarbeiterverbond wird sich dieser entlassenen Lehrlinge in jeder Beziehung annehmen und die Firma Stock durch dos Arbeitsgericht zwingen, ihre Eni- lasiung rückgängig zu machen. Berichtigung. In der Landiagsred« des Genossen Fe6)ncr über das neue Verwaltungsgesetz für Berlin ist beute früh folgender Satz enthalten:„Das Selostverwaltungsrecht darf nicht ausgeschaltet, sondern es muß abgebaut werden." Dos ist selbstverständlich, wie unsere Leser ohnehin sicher gcanerkt hoben, ein Druckfehler. Es muß natürlich„ausgebaut" heißen, wie ja simigemäß aus der Gegenüberstellung zu„nicht ausgeschaltet" schon hervorgeht. Welter für Berlin: Zeitweise aufklärend ohne nennenswerte Niederschläge. Ziemlich kühl bei leichten südwestlichen Winden.— Für Deutschland: Im Westen wechselnd wolkig und vereinzelt« leichte Regenfälle. Im Osten vielfach nebelig, sonst zeitweise heiter und überall ziemlich kühl. V-roittwortt. filr die R-dottinn: 3»«»» SILli», �Wrlin; Anzeiqen: Zh. SJcrlin. Verla«: Borwärt» Verla« G. m. t>. b.. Berlin. Druck: Vorwärts Bult!» dtyxferei und Verla lisanstolt Paul Singer S- Co.. Berlin SW 68, Lindcnftraftc 3. Hierzu 1 Beilage. TUealet, LicUlspiele usw. ___ u.. i; Dienstag, 21. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 51 20 Uhr Die EatiiDrong ans dein Serail Ende 22� Uhr Dienstag, 21. 10 städt. Oper Bisrnarchstr. Turnus 1 19>2 Uhr Pique Dame Ende g. 23 Uhr Staats-Oper ta Pliti to Bepiitii. V-B. 20 Uhr Oer Sarin Sevilla Oettntl. Kertuivknf Ende 22».« Uhr Staat!. Im Cndjraunijrkt), 44. A-V. 20 Uhr Bürger Schippe! Endeg.22'/sUhr Staati.Sclier-Ilieater.Oiaritlis. 20 Uhr Ein Doktor, boboa Sie n essen? Ende 22V4 Uhr CROCK Tigl. 5 u.8'1, Uhr.« 5 Barl). B2SB Pr. 1— S M.— Nachm. halbe Preise. BS.« Volks btthne Tbeiter am BDIowolatr. 3 und 8 Uhr Die Weber v. C. Hauptmann Regie: K. H. Martin. meater am smilDauepflamm 8»/. Uhr Jud Süß I ttaatüdiiiler-Tii. 8 Uhr Herr Doktor, haben Sie zu essen? Staatsoper AmPl.d.Republijt 8 Uhr Oer Barbier von Sevilla MBetTtelti Dönh 625,626. Täglich 8 Uhr lexander Moissi in „Der Idiot" «. Dodofcvdcif Deotsdies TDeater 8 Uhr Neueinstudierung Ein sommer- nscMstraum Regie; Mai RehMt. Kammerspiele 8-Ä Uhr Elga voo Cerbait Havtrtmain. Regie; Desto? Hartonj. Die Komödie 8v- Uhr Der Scbwierige m hg« m Hefmnosliui. Regie: Hei Reinbanlt. Oeglsebes KBDSller-The»i. Tel Barboma 3931 8»/. Uhr Jim und iill Dtete Mosheim, Honlii Paalses. Renaissance iheater Steinplatz 6780 ii'i. Uhr: von Max Alsberg und O. E. Hesse Theat. d. Westens SV« Uhr Brest Lltowsk voo Eeos J. Rehfisdi. ReyBIef, Romolka. Wl. Leos, Sdntt, Halden. Diitsborg. Lesslng-Tbeat Heute geschlossen Mittw. Vh Uhr: Pramlor« Elisabeth, Rkigia voo Englond fnetropoi-iheater Täglich 8>l« Uhr SeaoaikiBeller Operettencrfolgl Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Ausschneiden! Zentral-Theat. Täglich 8'd Uhr Sonnt auch 5'/« Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Meisel. Von. fUr Parken M statu.- Ii. orn I s gMüj»■ I8.-21L Ät (.Hans Rose} J Sil JiaisUt" Stürmisches LctcbeD! Entzückende Musik! Traute, Hans u. Willi Rose Wochentags 8� Öhr; Sonnabends 7 und 10-sCbr Preise von 50 Pf bis 3.— U. Programm u. Gardsrob« Ja 25 Pf (kein Zwang). Theater für die Kinder: Kommenden Mittwoch 5 Uhr: and Gretel" Kommenden Donnerstag und Freitag, S» Uhr: Familien- Nachmittag» Da» Lustspiel„Kakati mit Traute Rose Preise von 30 Pf bis 1.50 M Garderobe und Programm Je 1 0 Kaffee mit Kuchen 25 1 Kommenden Sonnabend �Uh 9, Dorn röschen** Billettkasse: Alex 3422 u. 349 Gr. Frankfurter Str. 131 KOSE Theater Lustspielhaus Dir.; Haos IHsckiitt Täglich 8'/« Uhi meine Schwester und ich [ Musik von Benatzky Lory Leiut. Kurt tou.Möllendorf Theater am Sdiiffhaaerdamni Täglich SV« Uhr Jud SQß! von Paul Kornfeld- losi.: Uop. JeBser mit Ernst Deutsch Bamowsky-SDhoep Theelsr In det Siresemtmnsir. räglich 8*U Uhr Sturm im Wasserglas Koraödio m Frank. Komödienhaus 8Vs Täglich SVe Konto X «00 Bernauer und Ottteneidier MO»—— Komische oper 8>a Uhr Das Hädel am Steuer 1 0perette v. Gilbert 8.13 Uhr— Raofflen erioght Tlffany Twin*. Dor* Kasan n. Nester. Prof. Pailes 5 singen- deLaeUea. Brown u.LaHart usm. sv. uhr CASIN0-T9EÄTER 41 _ Lothringer Strsge 37. Unwlder rötlich n u r bis 30. Oktober Hurrah,..... ein Junge! Tlieaterl. d.Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Axihar Roberts Heute ram 50. Male: V/. Das häoticiie mädchen Engliscn— Kobens— Jansson. 6B0tS. SCHAUSPIEL BADSS Nur noch 1 Woche! Lustige Witwe Hesterbcrgr. Hansen, Arno. Seh oll wer« Janknhn.Sehacfiers, Win kol stern, Oesnl. REGIE: CHAREEL Refchshcllen-Theater Abends Sonntag nachm. j 31 2 1 Siettiner Sänget1 Zum Schluß: „Wir ollen Berliner" Nachm. ermäßigte Preist Dönhoff- B retti; Das gr. Vat ietä-Programm. Tanr.» Kapetle Hans Sixtus. ................................."IMIIIinillllllHMUUllllllDlUiriUm Am I. November«930 zum I. Msle: Arm wie eine Kircbenmans Gutschein t-4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: __ Parkett 75. Rang 60 Pfg. Rose Ibeater Br.rrankknrterstr.iaa Tel. Alex.3422 u 3494 8.15 Uhr In der Johannisnacht Neues Theater ■ am Zoo, llmBalinb.Zoo. Stpl. 655* Täglich S>l. Uhr Max Adalbert in Hasenklein Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/. Uhr Wasserscbeu leopoldin? Ronstaatia. Ralph. CblDl baibt, Dorake, Sinei, de Xowa. rtelleoangalißte I I finden in Tnrwärti| WksteMW. Theater an Kotlb. Toi Konbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl.»>/, U, Sornil loch 3';a Dbr Eine- Singer Präsident Zankel Cr. Trecnspie!- borltske Sdiorsdi Ruselii itamant »BM4NN BETRIEB/ KEMPINSKlV 3)as neue SlnappichaHshaus Jn SSerlin W hat die Stcichgknappfchafl durch den bekannten JlrciiH.'III a x Tatil ein neues Terivallungsgcbäudc errichten lassen, das nir unten im Stüde bringen. Oben: Vlaletifcher Winkel im ünnenhof. üiellogc Dienstag, 21. Oktober 1930 ShcUaulCciße Aei boyu>tLS& Dr. Seeling: Kritik am Heilpädagogischen Kongreß Mehr als 1000 Teilnehmer hatten sich zum V. Heilpädagogischen Kongreß in der Zeit vom 7. bis 10. Oktober in Köln eingefunden, obwohl die Veranstalterin dieser Kongresse, die Hcilpädagogischc Gesellschaft, erst seit dem Jahre 1922 besteht. Sie wurde von dem Munchener Heilpädagogen Egen berger gegründet. In überraschender Weise wurden die Kongresse der Gesellschaft von der Oeffentlichkeit beachtet und gefördert. Daß die Veranstaltungen trotz des Zuspruches jedoch gründlicher Reformen bedürfen, zeigte in eindringlichster Weise der letzte Kongreß. Tic Vortragenden Zunächst der Name der Veranstaltung! Die Tagung war olles andere als ein pädagogischer Kongreß. Man hatte, wie früher, den Acrztcn und Juristen und reinen Verwallungsbcamten einen solchen Raum eingeräumt, daß für die Pädagogen keinerlei Platz zur Entfaltung am Rednerpult noch in der Diskussion vorhanden ivar. lind man weiß heute, daß die Heilpädagogit wohl der Medizin als Grundlage theoretischer Art nicht entbehren kann, be- sonders in der Vorbereitung von Normalschulpädagogen auf die Hilfsschullehrerprüsung, ober niemals kann eine pädagogische Gesellschaft auf einer nach ihr benannten Tagung drei Viertel oller Referate an Berussfremde vergeben. Di« Folge war ja denn auch, daß von der Alltagsarbeit in der Klasse, wo die vielen Milieu- geschädigten oder auf andere Weise nach der Geburt defekt Ge- wordenen aus dem Proletariat sitzen, nicht die Rede war. Da, wo andererseits der Versuch gemacht wurde, in manchmal deutlich be- lehrender Weise eine S p r e chstu n d e n erfahrung auf die Praxis des Erziehers zu übertragen, da kam wie im Falle des Dr. med. K r a uß nichts Brauchbares heraus. Arbeit am laufenden Band Die Tagung litt sodann unter der geradezu ungeheuerlichen, oder vielleicht besser gesagt, lächerlichen Ueberfülle von Vor- trägen. Täglich gingen etwa— ohne die Diskussionen— 15 bis 16 Vorträge an dem Ohr des geduldigen Zuhörers vorüber, ja, sie gingen tatsächlich an den meisten in wahrem Sinne des Wortes ,.v o r ü b e r�I Die Bewältigung einer solchen Unsumme von Worten setzte eine Spezialtechnik voraus, nämllch die unsinnige schematische Beschränkung der Referate auf 15, in manchen Fällen auf 30 Minuten. Die Diskussionsredner durften in jedem Falle sogar nur drei Minuten sprechen, also so lange, wie ein Ferngespräch für den Grundbetrag dauern darf! Daß bei einem solchen Nachahmen der geisttötenden„Arbeit am laufen- den Band" eine Tagung ziemlich wertlos bleiben muß, weiß jeder, der einmal versucht hat, mehr als drei bis vier Stunden fließende „W i s f e n s ch a f t im K a t e ch i s m u s st i l" zu verdauen. Man hörte auch auf dem Korridor in Pausen den Ausdruck des Unmutes besonders bei solchen Tagungsteilnehmern und Teil- nehmerinnen, die für die meisten der durch Aerzte vorgetragenen Materien blutige Laien waren und nun das doch recht beträchtliche Reisegeld ohne rechten Segen ausgegeben hatten. Es fei erinnert an Krankenschwestern und Fürsorgerinnen usw. Am Rednerpult war ein Rotlicht angebrachr, das in dem Augenblicke von der Kongreßleitung eingeschaltet wurde, wenn die letzten drei Minuten von der vorgeschriebenen Zeit eben angefangen hatten. Nach Ablauf dieser Frist wurde Rotlicht dauernd eingeschaltet, bis der Redner aufhörte, oft beinahe mitten im Satze, mindestens aber in vielen Fällen, lange vor Schluß der Gedankengänge. In einem Falle, wie in dem des Prof. Dr. med. Schröder aus Leipzig wurde das Referat geradezu zu einem Zerrbild, denn der Redner, der über die Grundlagen der Leichterzichbarkeit sprechen sollte und schließlich auch wollte, kam über eine vom Problem ziemlich weit abliegende und die Hörer stark enttäuschende Einleitung nidst hinaus. Man muß sich wundern, daß die Redner auf einen solchen Apparat eingegangen sind. Zwei weitere Fehler. Nun wurde man von feiten der Veranstalter auf das Pro- grammheft mit den„V o r b e r i ch t e n" verwiesen. Damit auck' hier eine gründliche Reform einsetzt, muß freimütig Kritik geübt werden. Voraus sei bemerkt, daß die Kongreßleitung allem An- schein nach die Vorträge ihrem Wortlaut bzw. ihrem Gedankengang nach gar nicht kannte, denn sonst wären die zahlreichen Wieder- balungen vermieden worden und die sogenannten„Leitsätze" in sauber überarbeiteter Form gleichmäßig von allen Rednern ein« gereicht worden. Mit dem jetzt vorliegenden Heft, das für 1 Mark den Teilnehmern verkauft wurde, kann selbst der Fachmann nichts anfangen. Manche Vortragende hatten überhaupt keine Leitsätze oder irgend etwas von dem Referate eingesandt, wodurch natürlich der Verwirrung weiter Vorsckiub geleistet worden ist. Eigenartig ist das Zustandekommen der R e d n e r l i st c. Die Gesellschaft zahlt an die Redner keinerlei Honorar, wählt anderer- leits nur aus der Bewerberliste aus, die so zustande kommt, daß alle diejenigen dort eingetragen werden, die bei dem Münchener Vorstande einen Vortrag anmelden. Diesnial waren es 134 Redner, van denen beinahe 50 Proz. auf später vertröstet werden mußten. Zu den Rednern, die sich zum heil pädagogischen Kongreß an- gemeldet hatten, gehörte auch der aus seiner Tätigkeit im Frcnzel- Prozeß in der Oeffentlichkeit bekannt gewordene junge Arzt Plaut. Auch seine Leitsätze sucht man im Vorbericht vergeblich.— Teils hatte die Kongreßleitung auch ohne jede Nachfrage zu einem Redner gegriffen, der auf keinen Fall auf einem so groß aufgezogenen Kongreß irgend Raum zu beanspruchen eine ausreichende sachliche Berechtigung hatte. Es sei erinnert an Z e ß l e r- V i t a l i s, der ein- fichtsvollerweise nach der Debatte auf zede Erwiderung verzichtete. An der Kritik ändert auch der Umstand nichts, daß ein Teil der Zuhörerschaft ohne Gradunterschied nach jedem Referat Beifall klatschte, ja. nach jedem Debatteredner sogar. Diese Beobachtung gab dem kritischen Teil der Zuhörer zu denken. Verlauf der Tagung Nun kn kurzen Worten wenigstens ewiges aus der Fülle. Die ersten Vorträge waren dem sprachgestörten Kinde gewidmet. Hervorragend war das Referat von W. F r o h n- Brühl. Er zeigte, wie verheerend sich das Fehlen der Kultursprache im Denken der Taubstummen auswirkt und in jedem Falle auswirken muß. G i e s e- Stuttgart warnte davor. Fragebogen zu überladen, also den Befragten zu übersragcn! Dann folgte ein Kongrehabschnitt, der besser die Ucberschrift getragen hätte: Fortbildungskurs für Psychiater und psychotherapeutisch arbeitende Aerzte. Man stritt sich z. B. darüber, ob Beziehungen zwischen Schizophrenie und jdinbesalter vorhanden seien, oder ob in jedem Fall« die schrecklich« gdmuHuufl, die in Publldml noch immer unter dem aufgegebenen Medizin, die der Schönheit dient (Sonderbericht von Dr. R. Arnersbach- Heidelberg, Korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft.) In Paris fand soeben ein Kongreß statt, der ein Adoptivkind der Fachmedizin sozusagen legalisierte: die„französische Wissenschaft- lid)e Gesellschaft für Pia st ischeundä st hetische Chirurgie" hielt unter lebhafter internationaler Beteiligung ihre erste Tagung ab. Der Präsident der Gesellschaft, Dr. L. D a r t i g u e s, präzisierte den Begriff der„ästhetischen Chirurgie", der sich mit „Schönheitschirurgie" nur unvollkommen und zweideutig übersetzen läßt, als die Gesamtheit aller Operationen, die dazu dienen, an- geborene oder erworbene Körperfehler zu beseitigen, die den Betroffenen in seinem persönlichen oder beruflichen Dasein beeinträchtigen. Daß solche chirurgische Korrekturen in einer Zeit des versd>ärften Dofewskampfes eine große soziale Bedeutung erwerben können, ist heute wohl allgemein anerkannt: die Gesellschaft wird sich deshalb ganz besonders um die soziale Seite ihres Arbeitsgebietes be- mühen. Durch Austausch der Erfahrungen, Veröffentlichung von Neuerungen und Resultaten auf Kongressen und in eigenen Berichten soll die Fortentwicklung der plastischen Opcrationsmethoden auf einer einwandfrei wisienfdzaftlichen Basis gesichert und ihre Fortschritte— bisher häufig das Geheimnis Weniger— weitesten Kreisen nutzbar gemocht werden. Vor allem aber will die Gesellschaft als eine Ver- einigung von Wissenschaftlern, wissenschaftliche Pionier. dienstc für. einen noch um st ritte nen Teil der moder- nen Chirurgie leisten und zugleich Zluswüchse auf dem Gebiet sogen, kosmetischer Operationen Un- berufener bekämpfen. Eine besonders wichtige Ausgabe wird es ferner sein, die Er- fahrungen der ästhetischen Chirurgie auch bei lebensretten- den Operationen, also bei der Arbeit der heilenden Chirurgie an- zuwenden. Die Narbenbildung, der Sitz der Operationswundc, kurz das, was äußerlich sichtbar von der Operation zurückbleibt, soll mehr als bisher nach Gesichtspunkten oehondhabt werden, die auch dem ästhetischen Moment, das heißt aber: den seelischen Bedürfnissen des Kranken, gerecht werden. Unter den sehr zahlreichen und interessanten Vorträgen, Demo». strationen. Filmen, photographischen Belegen seien besonders er- wähnt: Künstliche Nase aus Fingerhout, Tierhaut. Überpflanzungen bei großen entstellenden Schäden des Gc- fichtes, der Nase, Ohren und anderer Körperpartien nach schweren Verletzungen oder zerstörenden Krankheiten. So konnte man die erstaunliche Reparatur eines Armes nach Deckung einer schweren Verbrennung durch Haut des Oberschenkels sehen und die gehemmte Funktion dieses Gliedes beobachten. Zur Behebung eines tief- greifenden Verlustes der Nase wurde Fingerhaut verwandt(natürlich unter Erholtuno des Fingers) wodurch entstellende Narben, wie sie bei Entnahme des Dcckmaterials aus der Stirn entstehen, ver- mieden werden. Ein großer Schaden der Ohrmuschel wurde durd? Gewcbsmatenal ersetzt, das die Kopfpartie hinter dem Ohr hergeben mußte, mit ausgezeichnetem kosmetischem Resultat. Sogar ent- stellend« Gewebsvcrluste des Augapfels konnten durch Gewebs- Überpflanzung ausgeglichen werden. Besonders interessant sind die z. T. schon erfolgreichen Bemühungen, die Haut von Tieren zu. überpflanzen. Wundheilung ohne Narben, d. h. eine möglichst un- sichtbare Narbe ist für den plastisch arbeitenden Arzt von sehr großer Bedeutung, namentlich die Vermeidung der seine Resultate sehr beeinträchtigenden erhabenen Narbe, des sogen. Kella id. Ein- gehende Studie der normalen Wundheilungsvorgänge und der Kelloidbildung haben neue Wege gezeigt. Durch vorbeugende vor- sichtig dosierte Röntgenbestrahlung gelingt eine fast narbenlose Ver- Heilung. Bei bestehendem Kelloid bringt Exzision oder Aetzung bzw. Röntgen-Radiumbcstrahlung Heilung. Neue Schönheitsoperationen wurden hinsiihtlich ihrer Indikation, der erreichbaren Resultate und chrer BerechngHng eingehend diskutiert. Zum Beispiel die Operation der Hängebrust unter Berücksichtigung ihrer inneren Sekretion. Korrektur unsäzöner Nasenformen ohne sichtbare äußere Narben. Die operative Behand- lung der Krampfadern kann bei richtiger Technik ersetzt werden durch gefahrlose oerödende Injektionen in die erweiterten Venen, ohne Berufsstörung während der Behandlung. Die Entfernung lästiger Haarentwicklung wird erreidst durch elektrische Derkochung, wodurch Verfärbungen der Haut und Narbenbildung ausgeschaltet werden, wie sie bei Röntgenbestrahlung und anderen Behandlungs- arten nicht immer vermieden werden können. Neue Erfahrungen über die Entstehung der entstellenden„Tränensäcke" unter den Augen haben neue Behandlungswcge gezeigt. Nicht alle Formen fordern Operation, oft genügt eine Einspritzung. Einen größeren Raum bei den Verhandlungen beanspruchten die Vorträge über Korrektur an- geborener Kieserdeformitäten, Untcrentwicklung derselben u. a. m. Interessant und eindrucksvoll für alle Teilnehmer war neben der Vervollkommnung und Sicherheit der Technik besonders der Einfluß derartiger Operationen und Behandlungen auf die Psyche der Kranken und die segensreiche und dankbar empfundene Aus- Wirkung in gesellschaftlidier, beruflicher und sozialer Hinsicht. Auch diesen von Natur aus Benachteiligten oder durch Krankheit oder Unsall Entstellten kann so wieder der Platz im Leben zurückgewonnen werden, auf den sie dank ihrer sonstigen körperlichen oder geistigen Einstellung Anspruch haben. Uli<)UD- eine sozialpolitische Frage Erhaltung und Schutz der menschlichen Arbeitstrast ist nicht nur eine nationale Zlufgabe, sondern auch notwendig im Interesse der Betriebe. Diese Erkenntnis hat die Schastung des Acht- stundentages oder doch zumindest seine Proklamierung als Grundsatz des Wirtschaftslebens ebenso gefördert wie die politische Macht des Arbeitnehmers. Es genügt zur Erhaltung der Arbeitskraft aber noch nicht, das regelmäßig« Stundenmaß der Arbeitsleistimg festzusetzen, «ine wirklich zielbewußte Arbeiterschutzpolitik muß darüber hinaus neben der täglichen Ruhezeit eine alljährlich wiederkehrend«— den Urlaub— festlegen. Beide sind vom psychologischen Gesichts- punkte aus gesehen gleich erwünscht, wenn nicht Raubbau mit der Arbeitskrast getrieben werden soll. Die Urlaubspolitik ist also Ergänzung jeder Arbeitszeitpolitik. Das ist eine Binsenwahrheit, wenn man sich die Dinge klar macht. Was zeigt aber dos Leben? Man braucht nicht weit zu gehen, um sich auf Schritt und Tritt zu überzeugen, daß die Praxis noch weit davon entfernt ist, die wirkliche Bedeutung der Urlaubsfrag« anzu- erkennen. Gewiß sind die Fälle heute bereits selten, in denen Arbeitnehmer— wenn nicht besondere Umstände vorliegen— ohne jede Urlaubsunterbrechung mehrer« volle Arbeitsjahre hindurch arbeiten müssen. Zwischen„Urlaub" und„ausreichendem" oder bescheidener ausgedrückt,„angemessenem" Urlaub ist aber noch Namen der Dementia pröcox, des Jugendirrcfeins, bekannt ist, in kemein Falle vor der Reifezeit auftritt. Der zweite Tag beschäftigte sid) zunächst vorwiegend mit dem Hilfsschulkinde vor Gericht. Einleitend sprach K! o p s e r vom Zentralinstitut über die Notwendigkeit einer„h e i l p ä d a g o- g i s ch e n Z u s a tz b i l d u n g" für. alle Berufe, die sich irgendwie mit Fehlentwicklungen van Menschen zu befassen haben. Seine klaren Ausführungen fanden reidjen Beifall und Zustimmung und bedeuteten«inen wertvollen Absdinitt der Tagung. A ß m a n n- Köln forderte die Zulassung von Heilpädagogen als ordentliche Sack)- verständige vor Gericht in jedem Falle, wo ein schwachsinniges Kind oder ein debiler Jugendlicher angeklagt seien. Aus der Versammlung heraus wurde die Forderung Aßmanns stark unterstrichen und bedauert, daß z. B. Plaut die Pädagogen als Sachverständige für psychopathologische und ähnliche Fragen in einer seiner Schriften grundsätzlich ablehne, während Sachsen die Lehrer in starkem Grade im Verfahren gegen Jugendliche verwende. Landgerichtsdirektor Dr. Weiß- Mannheim stellte an diesem Tage einen weiteren Höhepunkt dar, als er in treffenden Worten zeigte, daß in keinem Falle ein Kind in einem Sittlichkests- prozeß irgendwie klastischer Zeuge sein könne. Di« sexuelle Sphäre stelle eine solche Welt für das Kind dar, daß es auch bei gestillter sexueller Neugier niemals zu einer objektiv brauch- baren Vorstellung kommen könne. Auf allen anderen Gebieten seien Kinder dagegen sehr oft gute Zeugen. Der dritte Kongrehtag brachte Fragen der Fürsorge- crzichung zur Erörterung. Hier gab es zwei Richtungen. Die einen wollten frühzeitige Anstaltserziehung, während die anderen die schlechteste Familienerziehung einer Anstaltserziehung vorzogen. Etwas nach betonter Pädagogik sah der vierte Kongreßtag aus. Hier wurden u. a. die Möglichkeiten geprüft, in welcher Weise man defekt« Kinder schon vor dem Beginne der Schulpflicht in entsprechende heilpädagogische öder ärztlich« Behandlung nehmen kSnne. Dr. Seelinz. ein weiter Unterschied. Wie liegen die Dinge heut«? Ein Quer- schnitt durch die Urlaubssystcme der Wirtschaft zeigt eine solche Verschiedenartigkeit der Regelungen, daß es schwer ist, überhaupt ein durchdachtes, sinnvolles System zu entdecken. Die Utlaubsfrage ist zur Zeit meist noch tariflich geregelt, ihre gesetzlich« Regelung steht nod) bevor. Bei dieser Sachlage ist der Schutz der Arbeitskraft mit von der Stärke des gew«rksd)aftlichsn Einflusses in den einzelnen Wirtschaftszweigen abhängig. Für all« Urlaubsregelungcn gilt gegenwärtig der Grundsatz, daß die Dauer der Urlaubszeit der Länge der„Dienstzeit", der Zahl der „Dienstjahre" oder der Dauer des„Dienstalters" anzupassen ist. Ein absolut med)anisches Urlaubsprinzip also! Zwei Grundformen sind dabei erkennbar: zugrundegelegt wird entweder die Dienstzeit inner- halb des einzelnen Betriebes oder die Zeit der Be- fchäftigung innerhalb eines Berufes. Von dem Standpunkt aus, daß der jährlid)« Urlaub eine Art individuelle„Belohnung" für oie Arbeitnehmer eines Betriebes ist, lassen sich beide dicier Grund- formen verteidigen. Wenn aber der A r be i te r s d) u tz, die Er- hckltung der Arbeitskraft, das Leitmotiv für die Urlaubsregclung wird, wird klar, daß diese„individualistische" Betrachtuno?wc''e des Problems in ein« Sackgasse führt. Sie Übersicht den eigentlichen Kern des Problems, indem sie verkennt, daß die Urlaubsfrag« eine sozialpolitische Frage ist und deshalb mit anderen Maß- stäben als der einer individuellen Billigkeitsfrage zu messen ist. Die„U r la u b s k o st e n",— das heißt die Lohn, oder Ge- Haltszahlungen für beurlaubte Arbeitnehmer eines Betriebes— sind als Soziallasten zu werten, wie die Aufwendungen für die vec- jchiedenen Zweige unserer Sozialversicherung, die heute nicht mehr aus unserem Wirtschaftssystem lveggedadst werden können. Ein „G e sa m t interesse" der Wirtschoit an dem Urlaub besteht ebenso wie dieses Gefamtinteresje in der Sozialversicherung anerkannt ist. Das bedeutet aber, daß im heutigen Wirtsd)astssystem die Urlaubs- regelnng oder Urlaubspolitik, genau wie die seit Jahrzehnten an- erkannten Zweige der Sozialversicherung allein aus der Notwendig- keit des Zlrbeitsschutzes ihr Gesetz entnehmen mußt«. Den natürlichen Rohmen hierfür bietet das Arbeits! diutzgesetz. Freilich sind die Schwierigkeiten recht erheblich, die sich einer derartigen aus sich selbst geborenen Kodifizierung eines Urlaubsredsts entgegenstellen. Wie überall, wird aber auch hier«in Weg zu finden sein, wenn erst einmal der Will« dazu da ist. Er muß dahin orientiert sein, daß er schnell den Schutz der Arbeitskraft im n o t w e n- digen Ausmaß bewirkt. Die Antwort hierauf weicht recht wesentlich von dem„mechanischen" Prinzip der Urlaubsregelung ab, wie es bisher fast überall in Geltung ist, wo die Anpastung des Urlaubs an die Dienstzeit besteht. Bei jugendlichen und bei alten Arbeitnehmern ist die Notwendigkeit eines ausreichenden jährlichen Urlaubs besonders groß. In diesen beiden Kategorien— also etwa bis zum 21. und nach dem 40. Jahre— muß deshalb Vorsorg« getrosten werden, daß die Bemessung des Urlaubs auch bei Aenderungen der Arbeitsstelle nicht von der Dienstzeit im einzelnen Handelsbetriebe abhängig gemacht werden darf. Eine volkswirstchoftlich effektive„Urlaubskurve" ist deshalb nicht eine gleichmäßig ansteigende gerade Linie, sie muß vielmehr zunächst für die Jugendlichen ziemlich hoch einsetzen, kann dann absallen und hat dann wieder zu steigen, bis sie schließlich an der oberen Alters- grenze(etwa bei 40 Jahren)«och einmal mit einer jähen Aufwärts- bsvegung abschließt. Wiks? Cofan-HalberstaA, Warenhambesttzer. JWmLF Copyright 1930 by„Der Blldicrkreis G.m.b.H.", Berlin SW 61. (13. Fortsetzung.) „Seid mir nicht böse, Vederala. Sluf wessen Hilse können wir noch zählen, wenn Ihr nicht mehr wollt. Wir sind erschöpft von der Wallfahrt und sehr bekümmert. Wie können die Weiber im chause schweigen, wenn der Bruder und der Doter im Sterben liegen? Wenn ich töricht geredet habe, verzeiht mir meine Worte." Punchirala saß schweigend da und ließ chinmhami nicht aus den Augen. Das Mädäien weint«. Die Erinnerung an den mäch� tigen Gott, den sie im Fackelschein, umbraust von Rufen, auf dem Elefanten hatte vorbeiziehen sehen, an den wilden Gott, den Herrscher des Dsungels, vor dem in diesem Augenblick Männer in Blumen- und Laubkränzen tanzten, an den Gott, den sie am Abend vorher so leidenschaftlich angefleht hatte, war entschwunden; die Erregung und Berzückuna war verloschen, als sie die höhnenden Worte Pun- chiralas hörte. Sie Hatzte ihn, wie sie ihn früher gehaßt hatte, als er sich ihr zu nähern versuchte; aber als sie ihn zu Korlinahami sprechen hörte, beschlich sie eine unsagbare Angst, Angst vor unbe- kannten Gefahren. Sie weinte hilflose Tränen, und Punchirala lächelte, während er sie beobachtete. Karlinahami sah ihn ängstlich und erwartungsvoll an. Endlich begann der Vederala langsam zu reden:„Wie das Mädchen weint. Um ihren Vater! Ich glaube, ihr könntet doch noch etwas versuchen. Ich bin ein armer Vederala und kann nicht viel. Aber es ist ein Mann hier, ein großer und«in frommer Mann, der ein Meister in der Medizin und der Magie sein soll und den Willen Gottes kennt. Er ist ein Saniassi10) von jenseits des Wassers aus Indien, und sein Haar ist zehn Ellen lang. Vielleicht wird er euch, wenn ihr Silindu zu ihm bringt und ihn um Rat fragt, den Willen des Gottes künden. Aber ihr müßt ihm Geld mitbringen." „Aiyoh! Ihr wißt, daß es nutzlos ist, mit uns von Geld zu reden." Punchirala suchte in den Falten seines Sarongs") und zog seine Beteldose hervor. Aus dieser nahm er einen sehr schmierigen Lappen, in dem eine Anzahl Kupfer- und Silbermünzen einge- wickelt waren. Er zählte fünfundneunzig Cents zusammen und reichte sie Karlinahami hin. „Hier hast du«ine Rupie. Auch die Götter wollen bezahlt sein. Du kannst mir drei Schilling in Kurakkan zurückgeben, wenn die Ehenaerntc herein ist. Der Saniassi sitzt hinter dem kleinen Tempel unter einem Banianbaum. Führe deinen Bruder heute hin, weni die Sonne untergeht, und frage ihn um Rat." Punchirala stand auf und entfernte sich, während Korlinahami ihm Segenswünsche und Dankesworta nachrief. Die beiden Frauer eilten zum Tempel zurück. Sie fanden Silindu und Babun in Gs sellschaft des alten Mannes und des Fischers mit seiner Fraü.'AIK waren der Ansicht, daß man unter allen Umständen den Saniassi befragen müsse. Sie verbrachten den heißen Nachmittag mit Schlascn und Schwätzen und erwarteten die Stunde, die der Vederala ihnen bezeichnet hatte. Als die Sonne hinter dem Djungel versank und die langen Schatten der Bäume über den Tempelhof fielen, gingen sie zu- sammen zu den Banianbäumen. Der Saniassi saß da, den Rücken gegen den Stamm gelehnt, eine Sehale aus Messing neben sich. Er war ganz anders als die Saniassis, die sie bisher gesehen hatten. Ein langer schwarzer Bart hing über den Gürtel hinab; er hatte eine große, krumme Nase und kleine schwarze Augen. Bekleidet war er mit einein langen, unbeschreiblich schmutzigen Baumwollhemd und einem riesigen schmutzigen weißen Turban. Als sie sich näherten, wickelte er gerade den Turban los und zeigte der staunenden Menge sein Haar. Es war in zwei dünne Zöpfe geflochten, die auf dem Scheitel zusammengerollt logen. Punchirala halle ihre Länge keineswegs übertrieben. Der Saniassi redete in einer Sprache, die den Tamulen und Singalesen in der Menge unoerftändlich war, aber neben ihm stand ein alter Tamule, der seine Worte übersetzte. Babun führte Silindu zu dem Saniassi und warf das Geld in die Schale. Er erklärte dem alten Tamulen, was er wollte. Die Umherstehcndcn drängten sich heran, um zu hören. Der Saniassi sprach mit dem Dolmetscher. Darauf wandte sich der alte Mann an die Menge und erklärte, der fromme Mann könne den Gott nicht befragen oder eine Antwort geben, wenn er so bedrängt werde. Man redete aufgeregt durcheinander, aber schließlich wurde ein großer Kreis frei gemacht und die Menge bewogen, außer Hörweite zu gehen. Die meisten setzten sich nieder und verfolgten, obwohl sie kein Wort verstehen konnten, die Lorgänge aufmerksam, in der Hofs- nung, etwas Aufregendes zu erleben. Babun und Silindu hockten vor dem Saniassi nieder. Karlina- hami, Hinnihami und die anderen standen hinter ihnen. Zum ersten- mal seit vielen Tagen nahm Silindu; wenn ez: auch schwach und niedergeschlagen war, Anteil an dem, was um ihn vorging. Man war übereingekommen, daß Babun dein Saniassi ihr Anliegen vor- tragen sollte.' „Willst du dem fromnien Mann sagen", begann er zu dem Dolmetscher,„daß wir geringe Leute sind und ihn um Entschuldi- gung bitten. Der Mann hier ist der Vater meiner Frau, ein Jäger, ein armer Mann. Dann ist ein Pakka da, der in deck Banian- bäumen im Djungel drüben lebt." Babun machte mit seinem Arm eine Bewegung nach Westen zu.„Der Pakka ist in diesen Mann gefahren, und nun will das Leben ihn verlassen. Warum der Pakka in den Mann gefahren ist? Im Dorfe lebt«in anderer Mann, ein Zauberer und Magier, der ist böse aus diesen Mann und hat den Pakka dazu gezwungen. Gut, als das geschehen war, ging die Frau zu ihm und bat ihn, den Teufel wieder auszutreiben. Darauf ant- wartete er:„Gehe mit deinem Bruder zu dem großen Feste nach Deragama und bitte den Gott um Hilfe." So sind wir viele Tage- reisen weit mit dem tranken Mann hergekommen. Wir sind auch mit der Prozession gegangen und haben den Gott angerufen, aber er hört uns nicht, und dem Manne schwindet das Leben dahin. Die Frau ging wieder zu dem Manne, dem Zauberer— er ist nämlich hier— und klagte ihm unsere Not, aber er sagte:„Ich kann nichts tun, gehe mit ihm zu dem frommen Mann, der unter dem Banianbaum fitzt und frage ihn um Rat." Wir haben also eine glückliche Stunde abgewartet und ihn hergebracht." Der Dolmetscher redete in der fremden Sprache mit dem Sa- niassi und sagte dann zu Babun: „Der fromme Mann sagt, die Gabe sei zu klein." „Vater, wir haben nicht mehr. Wir sind sehr arm. Auf unser« Felder fällt selten Regen, und wir haben kein Reisland. Wir bitten ihn, uns zu helfen." Wieder wurde halblaut verhandelt, worauf der Dolmetscher sagte: „Es ist sehr wenig für soviel. Aber der fromme Mann will euch helfen." Die kleine Gesellschaft wurde sehr still. Alle beobachteten ge- spannt den Saniassi. Er murmelte vor sich hin, sah starr auf den Boden, machte mit den Fingern Zeichen in den Sand und bewegte den Oberkörper rhythmisch hin und her. Dann fixierte er Silindu und hielt eine fließende Ansprache. Silindu sah ihn— vollständig gefangen— an. Endlich war der Saniassi zu Ende, und der Dol- mctscher sprach solgendermatzen zu ihnen: „Der fromme Mann hat gesagt: Es ist richtig, daß ein Teufel aus dem Djungel in diesen Mann hier gefahren ist, ein sehr böser Teufel. Wie ist das zugegangen? Dieser Mann ist ein Tor. Der fromme Mann hat das Bild eines anderen Mannes vor Augen, einäugig und mit Narben gezeichnet. Er ist ein Vederala, ein großer Zauberer. Ihr habt nicht gesagt, warum der einäugige Mann böse ist, aber der fromme Mann ist so heilig und so weise, daß er es weiß. Der einäugige Mann kam und sagte:„Gib mir deine Toch- tcr", aber dieser Mann hier, Tor, der er ist, sagte: nein. Hierüber wurde der einäugige Mann ärgerlich, ging fort und zwang den Teufel, in den Mann zu fahren. Als er den Teufel besprach, sagte er zu ihm:„Du sollsh ihn nicht verlassen, bis er mir seine Tochter gegeben hat." Hinnihami stieß einen unterdrückten Schrei aus; die Hände vor das Gesicht schlagend, warf sie sich auf den Boden nieder. Der Dolmetscher beachtete sie nicht. „Deshalb kann jetzt der einäugige Mann den Zauber nicht lösen und hat euch geraten, hier den Gott um Hilfe zu bitten. Der hat euer Flehen vernommen und dem Teufel befohlen, aus dem Mann zu fahren. Der Pakka aber wehrt sich und antwortet:„Mir ist von meinem Meister befohlen worden, den Mann nicht zu verlassen, wenn er das Mädchen nicht hergibt. Soll ich wegen der Dummheit dieses Mannes zugrunde gehen? Darauf sagt der Gott:„Also gut, ein Opfer soll gebracht werden— entweder der Mann oder dos Mädchen." Das alles weiß der fromme Mann und rät euch zu tun, was ich jetzt sagen werde. Ihr müßt hierbleiben und jeden Abend, Eis der Mond voll ist, mit dem Mann in der Perahera gehen; am Morgen nach der Vollmondnacht müßt ihr euch auf den Heimweg machen, und wenn ihr auf ein« steinige Lichtung kommt, werdet ihr den einäugigen Mann unter zwei Palubäumen stehen sehen. Dann müßt ihr zu ihm hingehen und sagen:„Hier ist das Mädchen, nehmt es." Er wird das Mädchen nehmen, und der Teufel wird den Mann verlassen. Wenn ihr das aber nicht tut, wird der Mann sterben, denn e i n Opfer muß gebracht werden,— entweder der Mann oder das Mädchen. Merkt euch aber, daß das Mädchen nicht -während des Festes hingegeben werden darf." Mit trockenen Augen, die Hände ineinander verkrampft, starrte Hinnihami ins Leere. Sie war gebrochen, betäubt von Angst und Verzweiflung. Instinktiv, wie ein wildes Tier in der Falle, hatte sie gegen den Gedanken gekämpft, sich Punchirala hinzugeben. Wenn sie sich vorstellte, daß er sie berührte, wurde sie von Entsetzen ge- schüttelt. Aber Silindu war ihr alles, und sie wußte jetzt, was sie für ihn bedeutete. Sie hatte gleich im Anfang gefühlt, daß sie sich würde opfern müssen, nur hatte sie das, was Karlinahami über die Wallfahrt zu sagen wußte, als sie von Punchirala zurückgekommen war, mit etwas Hosfnung erfüllt. Auch die Mühseligkeiten und Aufregungen der Reise, die fromme Begeisterung, die der Gott in ihr erweckt hatte, hatten sie das erste Gefühl der Verzweiflung ver- gessen lassen. Beim Anblick Punchirala? war sie aber gleich wieder von der alten Angst gepackt worden, und als sie seine Unterhaltung mit Karlinahami hörte, war ihr die Zukunft wieder sehr dunkel er- schienen. Jetzt wußte sie, daß sie sich unter allen Umständen opfern mußte. Hatte nicht der Saniassi den wahren Sachoerhalt gekannt, den Babun ihm verheimlichen wollte? Nicht einmal der Gott konnte ihr Helsen; sie hatte seine Worte gehört„Gut, e i n Opfer muß ge- bracht werden— entweder der Mann, oder das Mädchen." Wieder eimnal war aus dem Djungel Unheil gekommen. (Fortsetzung folgk.) 'ßJMiäk Sbie großen Chemiker*) Zu dem auf zwei Bände berechneten Werk haben sich unter der Redaktion von Günther B u g g e- Konstanz i. B. eine Reihe her- vorragender Gelehrter zusammengetan— es seien von den vielen nur Max B l o ch- Leningrad, Ernst D a r m st ä d t e r° München, Eduard F ä rb e r- Heidelberrg, Wilhelm O st w a l d- Grostbooihen, Julius R u s k a- Berlin, Franz S t r u n tz- Wien, Paul W a l d e n- Rastock genannt. Die Absicht des Herausgebers und seiner Mit- arbeiter war:„Eine einheitliche Samnilung von innerlich zusammen- hängenden Biographien(Lebensbeschreibungen) zu schaffen, die dem Leser— möglichst ohne ihn durch Wiederholungen zu langweilen— durch die ganze Geschichte der Chemie führen soll." Die Entwicklung des Wissens vom Stoff und des Könnens mit dem Stoff— das ist eben die Chemie— zieht sich ja als einer der wirkungsvollsten Fäden durch die Geschichte der gesamten Mensch- heitsentwicklung. Das Buch, von dem erst der erste Band vorliegt, läßt uns das Wirken und Schaffen der großen Chemiker der Ver- gangenheit erleben, so daß wir in ihnen den Geist ihrer Zeit oer- spüren und das Entstehen und Vergehen der verschiedenen Lehr- Meinungen nicht nur verfolgen, sondern auch mis den Zeitumständen und dem Zustand der Wissenschaft begreifen. So hält es in starkem Maße, was es versprochen oder doch beabsichtigt hat, und erschließt auch dem der Chemie ferner Stehenden eine ihm unbekannte Wel, läßt ihn einen Blick tun in Forschermühe und Forschernot, aber auch in das Schöpferglück des Forschers. Der vorliegende erste Band reicht von Z o s i ni o s(etwa 350 bis 420) bis zu Schönbein(1799—1868), umfaßt also die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts geborenen großen Chemiker. Es läßt sich wohl kaum vermeiden, daß die Auswahl nicht jeden restlos befriedigen wird, daß der eine oder andere vielleicht einen Namen vermissen wird, für den er lieber einen anderen wcggelasse hätte. Mir scheint die Auswahl und die Durchführung durchaus gc- lungen, und jedenfalls kann man dem schon für dieses Jahr ve- sprochenen Erscheinen des zweiten Bandes, der bis zur Gegcnw. t führen soll, mit den besten Erwartungen entgegensehen. Der bei der Art des Werkes und der ihm vorn Berlage ge gebenen guten Ausstattung nicht zu vermeidende hohe Preis wir viele verhindern, sich das Work anzuschaffen; in den Bibliochekei sollte es nicht fehlen, zumal ein ausgezeichnetes Register es auch zur Nachschlagewerk geeignet macht. Dr. Bruno Borchardt. *) Das Buch der großen Chemiker, ilnter Mitwirkung nam hafter Gelehrter herausgegeben von Dr. Günther B u g g Band 1. 508 Seiten mit 62 Abbildungen. Verlag Chemie. Berti. Brosch. 21 M.. geb. 24 M. WAS DER TAG BRINGT WHi>iiiiiii!iiiiiii!nniiiiiiiiuuiiiiii!iniiiinuiiiiiuiiuimii!;iiiiimiuiiiiiuimiuiuiuiuiiuiiuiumiuuiiuuiiiiuiuuiiiminiiiiiiiigimniDiiiiiimiiiiunni',iumiii»iiiiiiiiiiiifliiiinuia «•) Caiii-lssl: frommet hinduistischer B eitler. S5) tiaronfl: Tuch, bas um dl« HiNtc grschlinigen wird und säst bis«uf die Zlige mcht. ISO Jahre meteorologische Wissenschaft In diesem Sommer sind es 150 Jahre, daß die Meteorologie als besonderer Wissenszweig der Mannheimer Akademie angegliedert und damit offiziell als Wissenschaft anerkannt wurde. Zwar war auch vorher schon von Unwettern, Stürmen, Ueberschwemmungen u. dgl. berichtet worden, aber die zahlreichen darüber erhalten ge- bliebenen Flugschriften sind mehr vom Standpunkt des erschreckten Laien, als von dem eines wissenschaftlich erprobten Beobachters verfaßt worden. Zu gründlicher wissenschaftlicher Pflege waren Instrumente und vor allem zahlreiche Wetterstationen nötig, die mit- einander in Verbindung standen. Solche Vorbedingungen kossnte ein Privatmann oder ein privater Kreis von Gelehrten nicht schaffen, dies konnte nur aus öffentlichen Mitteln geschehen. So wurde denn im Jahre 1780 in Mannheim das erste meteorologische Institut, die societas meteorologiea Palaltina begründet, die 39 Stationen an- legte und deren Instrumente, Tabellen u. dgl. auf Kosten des Kur- fürsten Karl Theodor angekauft wurden. Ein Uebelstand war die langsame Uebermittlung der Nachrichten von einer Station zu andern, da jene Zeit ja die technischen Hilfsmittel unserer Tage nicht kannte. Im allgemeinen wurden damals die Beobachtungen eines jeden Jahres gesammelt und erst im Laufe des folgenden Jahres in Kalendern und Annalen veröffentlicht, so daß also von einem Wetter- dienst im heutigen Sinne noch keine Rede war. Diese meteorologische Anstalt bestand in der Pfalz bis zum Jahre 1300, dann ging sie unter dem Einfluß der Kriege am Rhein wieder ein. Erst 1847 ver- anlaßt« Alexander von 5)umboldt die Anlage eines meteorologischen Instituts in Preußen, das 24 Stationen umfaßte und ein Zweig des statistischen Amtes war. Schon vorher(1840) hatte Humboldt den Kaiser Nikolaus I. von Rußland für seine Ideen auf diesem Gebiet einzunehmen oerstanden, so daß auf dessen Befehl in Rußland ein meteorologisches Institut angelegt wurde, dessen Bcobachtungs- stationen bis weit nach Sibirien hinein reichten. „Die zwanzig ersten Kapitel" Ein Pariser Verleger ist aus den originellen Gedanken ge- kommen, unter dem Titel„Die zwanzig ersten Kapitel" ein Buch herauszugeben, das aus den ersten Kapiteln von zwanzig Romanen hesteht, deren Verfasser bisher keinen Verleger finden konnten. Jedem Exemplar dieses Buches wird beim Verkauf ein bereits mit einer Marke versehener Briest-mischlag beigelegt, der ein Formular mit zahlreichen einzelnen Rubriken enthält. In diese Rubriken sollen nun die Leser der„zwanzig ersten Kapitel" Ihre Meinung über jedes einzelne von diesen eintragen, wie etwa über den Charakter der handelnden Personen, den vermutlichen Verlauf des Ganzen, die Spannung, die der Beginn des Romans hervorruf! und dergleichen. Am Schluß sollen sie dann das Kapitel bezeichnen, dessen weitere Fortsetzungen sie am liebsten losen wollen. Diese ausgefüllten Formulare werden sodann an den Verleger zurück- geschickt, und das Werk des Schriftstellers, dessen Romananfang den größten Beifall gefunden hat, wird von ihm unter entsprechender Honorierung gedruckt. Den übrigen Schriftstellern, die sich erfelglo.3 an diesem Wettbewerb beteiligt haben und bei der Leseprüfung „durchgefallen" sind, wird eine kleine Summ« als Trostpreis aus- bezahlt. Allen Lesern aber, die für das zum Druck gelangte Werk ihre Stimme abgegeben haben, wird der neue Roman ohne weitere Kosten als Geschenk übersandt. Um die Ehre der Frau In einer Pariser Gerichtsverhandlung forderte vor einigen Tagen ein unschuldig Angeklagter, ein reicher Pariser Fabrikant, seine Verurteilung. Den Namen der eigentlichen Schuldigen, einer Frau, wollt« er nicht preisgeben. Als er sich nämlich eines Tages mit seiner Bekannten auf einer Autofahrt befand, überfuhr der Wagen, der von der Dam« gesteuert wurde, den Sohn eines hohen Beamten. Vor Gericht erklärt« aber der Autobesitzer:„Ich bin der allein Schuldige. Ich bin bereit, die Strafe auf mich zu nehmen und Schadenersatz zu leisten." Der Verteidiger war anderer An- ficht. Cr plädierte für den Frcispruch seines Klienten. Dieser nehme nur die Schuld auf sich, weil sowohl er als auch di« Frau, die am Steuer saß, verheiratet sind und er sie nicht bloßstellen wolle. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Die Folg« dieses Freispniches war, daß der Verletzte nun nicht in der Lage ist, seine Schaden- ersatzansprüche geltend zu machen und obendrein noch die Gerichts- kosten tragen muß. Vielleicht wäre es doch richtiger gewesen, den Fabrikanten zu verurteilen, der sein Auto von Unbefugten steuern ließ, anstatt es selbst zu tun. Ein Schwefelwasserstoff-Meer � Diesen Namen könnte— wenn die neueren Untersuchungen sich bestätigen sollten— das Schwarze Meer für sich in Anspruch nehmen. Das Schwarz« Meer soll nämlich so eigenartige Strö- nningsoerhältnisse haben, daß der durch verwesende Pflanzen am Meeresboden entstehende Schwefelwasserstoff nicht entweichen kann. In einer Tiefe von über 400 Metern soll das Schwarze Meer des- halb vollständig mit SchVefelwasserstofs geschwängert sein, tierisches Leben fei darin nicht mehr möglich. Moskau arbeitet Der Auftrag lautet; Zerschlagt den deutschen Arbeitersport! Die„Interessengemeinschaft zur Wieder- Herstellung der Einheit im Arbeitersport"— im folgenden kurz JG. genannt— läht ihre von der kommunistischen Parteileitung bezahlten Agenten im Lande umher. reisen, allerdings nicht zu dem Zweck, die Einheit im Arbeiter. sport zu fördern, sondern sie zu zerschlagen. Icht hat man sich Pommern zur Bearbeitung ausgesucht. In K ö s l i n mußte«in Zlrdeitersportvercin wegen seiner be- harrlichcn Weigerung, die Beschlüsse des Zlrbeiter-Turn- und Sport- bundes anzuerkennen, aus dem Bund ausgeschlossen werden. Das war für die roten Drahtzieher aus Berlin der Anlaß, nunmehr alle Krast auf diesen Bezirk zu werfen. Wie das gemacht wird, zeigt ein Schreiben, das uns der bekannte günstige Wind zuslattern ließ und aus dem mit aller Deutlichkeit hervorgeht, daß ganz syste- matisch die Einheit in der deutschen Arbeitersport- bewegung zerschlagen werden soll zur höheren Ehr« der Moskauer Geldgeber. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Betr.: F./E1. Berlin, den 15. Oktober 1930. An Freie Turnerschaft Köslin zu chänden Emil Krcy W. G.l Mit großer Freude haben wir Dein Schreiben vom 14. d. M. erhalten und beeilen uns, umgehend zu antworten. Wir haben schon lange darauf gewartet, daß sich entsprechend der revolutio- nären Tradition eures Vereins die Opposition durchsetzen wird, was, offen gesagt, ziemlich lange auf sich warten ließ. Wir haben jeht in Pommern mit ollen Kräften die Arbeit begonnen und sind überzeugt, daß der Erfolg nicht ausbleiben wird. Zwei Genossen der Reichslcitung weilen zur Zckt in Pommern und organisieren eine oppositionelle Versammlungekampagne. Auch Euch wird einer dieser Genossen besuchen. Nun zu Eurer Taktik, die Ihr eingeschlagen Habt, folgende Vorschläge: 1. Wir werden Euch mit der heutigen Post ausführliches Material zusende».(Folgt statistisches Materials In Pominern sind wir noch schwach. Die Landesleitung ist erst provisorisch ge- wählt. Landcslcitung: O. Schreiber, Frauendorf-Stcttin, Herren- wieser Str. 59. �..... 2. Ihr könnt und sollt den Anschluß an die JG. beschliehen, auch wenn Ihr bestimmte Gründe zu haben glaubt. Wir betonen nochmals, daß der Anschluß an die ZG. keinesfalls den Austritt aus dem Bund bedeutet.(Die Leute aus der IG. irren da ge- waltig, der Verein fliegt nach den Beschlüssen des Arbciter-Turn- und«portbuudes im großen Bagenl Red. d.„Abend".) Wir übersenden Euch auch heute juriltiiches Material, um auch gegen gerichtlich« Angriffe der Reformisten Euch zu schützen. Wir stehen in jeder Hinsicht mit Auskünften in Rechtsfragen durch unseren bewährten juristischen Berater, Rechtsanwalt Samtcr, Euch zur Verfügung. 3. Organisiert sofort eine öffentliche prokestversammlvng in Köslin, wozu Ihr alle revolutionären Organisationen der Partei, NGO., IAH., RH., Freidenker-Opposition usw. mobilisiert. Ein Referent wird aus Stettin gestellt. Wenn Ihr dazu Handzettel braucht und selbst nicht herstellen könnt, sind wir bereit, von Berlin oder Stettin Euch welche zu schicken. 4. Mobilisiert die kleineren Vereine, die um Köslin und Umgebung liegen, daß sie sich mit Euch solidarisieren. Sofern Ihr dazu Iir der Lage seid, fordert diese vereine aus. mit Euch weiter Sport und Spiel zu treiben. 5. Wählt Delegierte zu der in Stettin am 15. und 16. Ro- vember stattfindenden Landeskonferenz der Opposition. 6. Sendet uns umgehend ausführliches Material für unsere geplant« Pommernausgabe von„Sport und Spiel". Wir glauben in: Augenblick das Wichtigste Euch gesagt zu haben und bitten Dich, mit uns und der Landcsleitung Stettin laufend Fühlung zu nehmen. Inzwischen begrüßen wir die neuen Streiter in der Roten Sportlerfront mit einem kräftigen Rot Sport! Interessengemeinschaft für rote Sporteinheit. gez. Friedmann. � Wir haben mit der Veröffentlichung dieses Briefes«inen Be- weis dafür erbracht, daß von gewissenlosen Elementen plan- mäßig versucht wird, die einige und geschlossene Arbeitersportbewegung zu zerschlagen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß es nur dieses 5)inweises bedarf, um den kommunistischen Provokateuren und Berufsspaltern in Pom- niern das schmutzige Handwerk zu legen. Die Arbeitersportbewc- gung ist zu schade, zu parteipolitischen Zwecken mißbraucht zu werden. Schmeling war„gut zu gebrauchen" Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenheit, einen hier auf der Durchreise befindlichen amerikanischen Boxunternehmer. der zu der Jack-Curley-Gruppe gehört, über die Verhältnisse im amerikanischen Boxsport zu befragen. Seine Aeuße- rungen lassen das amerikanische Interesse für Schmeling doch in einem wesentlich anderen Lichte erscheinen. Der Betreffende bestätigt, daß es auch in Amerika heut« ein großes Risiko ist, Boxkämpfe zu veranstalten, weil es an populären und zugkräftigen Boxern fehlt, abgesehen von den Lokalmatadoren. Die Zeit der großen Börsen ist denn auch endgültig vorbei, die pro- zentuale Beteiligung der Boxer ist vorherrschend. Auch Schmeling hat die Erwartungen, die man bei seinem Erscheinen auf ihn setzte, nicht restlos erfüllt, da Schmeling aber sür das amerikanische Geschäft gut zu ge- brauchen war (wegen seiner Aehnlichkeit mit Dempsey), wurde er nach vorn ge- bracht. Es gibt in Amerika genug Schwergewichte, die Schmeling mindestens ebenbürtig sind, mit denen aber noch kein Geschäft zu machen ist. Man hat ihm auch ruhig den Weltmeistertitel belassen, weil man weiß, daß er ihn doch bald wieder los sein wird. Die Rew-Dorker Garden-Co. geht jedenfalls mit großen Sorgen in die neue Saison, es ist' nichts Besonderes in Aussicht und man rechnet schon jetzt mit einem weiteren Rückgang des Geschäfts. Gute Einnahmen bringen immer noch die kämpfe der Zreislil-Ringer. namentlich, wenn die Deutschen Schickat und Steinke daran beteiligt sind. Wenn diese Ringer antreten, sind gewöhnlich 20000 Personen und mehr zur Stelle. Sie erhalten zwar nicht die großen Börsen der Boxer, halten sich aber länger auf der Höhe als diese und können sich mit der Zeit auch ein schönes rundes Bankkonto schaffen. Kleiner Sport von überall Vreiteusträler» Boxprogramin. Der am 31. Oktober im Sport- palast unter der Regie von Hans Brcitenströter stattiindende Groß- kampfobend steht in seinen Einzelheiten minuiehr fest. Neben den bereits feststehenden Paarungen zwischen 5)albschwcrgewiästsineister Ernst Pistulla und dem Engländer Harry Croßley, sowie Hans Seifried-Bochum und dem schnellen Präger Franz Nekolny gibt es noch zwei weitere Begegnungen, die recht interessanten Sport ver- sprechen. Weltergewichtsmeister Gustav Eder-Dortinund wurde mit dem Münchencr Conrad Stein zusammengestellt, der vor kurzem von einer erfolgreichen Südamerikareise zurückkehrte, und weiter sollen Harry Stein und Paul Noack zeigen, wer von beiden der Bessere ist. hinzmann gegen vischosf im Spichcrnring. Der frühere Amaieurschwergewichtsmeistcr von Deutschland. Horst Hinzmann- Berlin, hat bei seinem Erstauftreten als Professional im Spichern- ring so gut gefallen, daß er am Freitag. 24. Oktober, an gleicher Stelle bereits den Hauptkampf bestreitet. Sein Gegner ist der starke Dortmunder Bischoff. Otto Lauer-Saarbrücken trifft auf den Berliner Paul Vogel-/ Walter Lietz erhält den Leipziger Gebstedt zum Partner; Fritz Kichn-Hirschberg boxt mit Brilka-Hamburg, und endlich begegnen sich die beiden Berliner Voguhn und Volkmar. Tod eines deutschen Amateurboxers im Ring. Der deutsche Amawurboxer Karl Batdus aus Recklingl>aus«n mußte nach der 3. Runde_ eines Boxkampfes in New Bork mit einem berufs- mäßigen Schwergewichtler tot aus den, Ring getragen werden. Der Tod ist anscheinend auf schwere Körperhieb«'zurückzuführen. Der Kampf war bis zur 3. Runde unentschieden. Europameisterschaften im Gewichtheben. Am Donnerstag und Freitag finden im Münchener Löwenbräukeller die Europameister- schaften Im Gewichtheben statt, die alles versammeln, was im Kraft- spart einen Namen hat. Neun Nationen: Deutschland. Oesterreich, Frankreich, die Schrveiz, die Tschechoslowakei, Luxemburg, Polen, Italien und Aegypten entsenden die Elite der starken Männer, so daß man mif manch große Leistung gefaßt sein darf. Das meiste Interesse beansprucht natürlich der Kampf der Schwergewichtsklasse mit den beiden Weltmeistern Straßberger-Münche» und Nosseir- Aegypten, sowie dem starken Wiener Schilberg. England— Irland 5: 1. In Sheffield lieferten sich England und Irland den vereinbarten Fußballländcrkampf, der bei regnerischem Wetter stattfand und deshalb nur 40 000 Zuschauer angelockt hatte. Die Engländer siegten überlegen mit 5: 1(5: 0) Toren. Bis zum Seitenwechsel war England jederzeit tonangebend und legte durch Burgeß(2), Hampson. Crooks und Houghton fünf Tore vor, während Irland nach dcr Pause nur den Ehrcntresfer schießen konnte. Den Verletzungen erlegen. Di« schweren rnneren Verletzungen, die sich Leutnant von Ziegler am letzten Sonnabend in Karlshorst bei dem Sturz mit Franzia im Mortimer-Ingdrcunen zuzog, haben jetzt zum Tode geführt. Leutnant von Ziegler gehörte dem 4. Reiterregiment in Potsdam an und betätigte sich mehrfach als Herrenreiter, dich«? allerdings mir mit befheidnem Erfolge. Das Wintersportprogramm des Deutschen Wintersportverbandes Der Deutsche Winters portverband, die Spitzen- organssation der republikanischen Wintersportler, hat auch für dieses Jahr ein umfangreiches Sportprogramm vorgelegt. Der Verband hat, obwohl er erst im schnecarmen Winter des Dorjahrcs gegründet wurde, einen großen Aufschwung genommen. Nach den erfolg- reichen Wiutersportrcisen des Vorjahres hat sich dcr Verband die Aufgabe gestellt, den Wintersport zum Volkssport zu machen und auch den minderbemittelten Schichten des Volkes durch billige Reifen Gelegenheit zu geben, den Wintersport einmal in den deutschen Mittel- und Hochgebirgen auszuüben. Zunächst einmal beginnen in Berlin in den nächsten Wochen eine Anzahl Skitrockenkurse sowie Kurse für alpinen Skilauf und Seiltechnik des Skiläufers. Das SportprogrMun beginnt mit den Weihnachtsfeiertagen: vom 24. bis 28. Dezember wird eine Fahrt in den Harz unternommen mit Tanne-Hochharz als Standquartier. Die Reise kostet mit allen Fahrpreisen, Verpslegung und Logis 55 M. Voin 20. Dezember bis 4. Januar wird gleichfalls ein« Ski- fahrt in die Zillertaler Alpen unternommen. Di« Fahrt ist so ein- gerichtet, daß sowohl Anfänger wie Fortgeschrittene und hochalpine Skiläufer Möglichkeiten zur Ausübung ihres Sportes haben. Ein Teil der Reiseteilnehmer hat sein Standquartier in Ginzling-Dornau- berg und wird von dort Touren unternehmen. Unkosten 165 M. Die Fortgeschrittene» haben ihr Standquartier auf dcr 1900 Meter hochgelegenen Gschößwandhlllte und unternehmen von dort Touren in das Penkonjochgebiet; Unkosten 125 M. Außerdem wird eine hoch- alpine Skifahrt von Hütte zu Hütte unternommen. Für Vits« Fahrt muß mit einem Preis von 145 M. gerechnet werden. Bei allen Preisen sind außer den Fahrpreisen ab Berlin sämtliche Ber- pflegungs- und Logisunkosten eingerechnet. Am 7. und 8. Februar wird in Frauenwald Schiniedefeld in Thüringen das Verbandssportfeft des Verbandes durchge- führt. Außer Langlaufkonturrenzen werden auch Meisterschaften iin Skispringen ausgetragen. In der Woche vor diesem Fest werden am gleichen Ort praktische Skikurse veranstaltet. Der Verband hat dann noch«ine Reise nach Norwegen angesetzt, die In das Gebiet der Bergenbahncn führen soll und am 6. bis 23. März durchgeführt wird. Diese dreiwöchige Reise mit Aufenthall in Bergen, Oslo und Kopenhagen kostet mit allen Unkosten für Fahrt,. Verpflegung und Logis nur 265 M. Mitglied im Deutschen Winiersportoerband können alle rcpu- blikanischen Wintersportvereine und Wüitersporiler werden. Der Verband liefert sür jedes seinen Verbandsvereinen angeschlossene Mitglied eine reich illustrierte Zeitschrift„Der Deutsche Wintersport' kostenlos, außerdem find alle Mitglieder für den geleisteten Beitrag versichert. Ehrenvorsitzender des Verbandes ist Reichsminister a. D. Karl Scvering. Verbandsaufnahmen sowie Meldungen zu den Wintersportreisen nimmt die Geschäftsstelle des Verbandes in Berlin SW. 68, Markgrafenstr. 22, eutgegeu. Die FTCiB. rudert ab Di« Mitgiiederversommlung hatte beschlossen:„Ai» 19.'Okober wird abgerudert", und nun, wo der Tag ran war, da war das Wetter zu schön, um schon die Rudersaison zu beschließen. Am frühen Morgen schon herrschte auf dem Bootssteg reges Treiben, um die Boote zur letzten Fahrt des Jahres klar zu machen. Am zahlreichsten waren die Familienfahrer eingetrudelt, die ihre Boote mit Decken vollpackten, als wollten sie eine Eismeerfahrt machen. Die Mannschaftsfahrer mit ihren Stullen waren am schnellsten zu Wasser; wichtig brüllten die Steuerleute ihr Kommando;„Achtung, fertig, los!" Das Ziel der Abschlußfahrt war Krampenburg. Das feudale Stullenfrühstttck vereinigte die Ruderer der Freien Turnerschaft Groß-Berlin in dcr Krampcnburg. Bald war alles auf dcr Wiese vereint und ein lustiges„Dritten- abschlagen" begann. Zu schnell verging der schöne Tag und heim- wärts gings dem Bootshaus, das schon festlich geschmückt wartete, entgegen. Nun wird der Crgänzungssport das fehlend« Rudern leichter vermissen lassen. Wer das Rudern erlernen will, hat jetzt Gelegen- heit dazu; jeden Montag ist Training im Bootshaus„Vorwärts". Auskunft erteilt Oskar Noack, Berlin-Neukölln, Nogatftr. 42. Vorwärts bei den Schachspielern Aus dem Bericht des Vorstandes bei der letzthin abgehaltenen Jahresversammlung der Freien Arbeiter-Schach- Vereinigung ging hervor, daß die Vereinigung auch im ver- gangenen Geschäftsjahr sich in erfreulicher Weife weiterentwickelt hat, wenn auch Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit nicht ohne Ein- fluh geblieben sind. Die Vereinigung besteht aus 18 Abteilungen in den verschiedensten Stadtgegenden, die alle bemüht sind, durch Lehrkurse und Vorträge das Schachspiel unter der Arbeiterschaft zu verbreiten. Auch verschiedene Werbeveranstaliungen in der Provinz, so in Fürstenwalde, Grünau, Potsdam, Luckenwalde, Brandenburg und Nquen, sowie das Fest der Arbeit in dcr Großsiedlung Britz wurde von den einzelnen Abteilungen besucht. Ebenso konnte das Oftertunner in Aschersleben von einer Jugend- und einer Männermannschaft bestritten werden. Der Vorsitzende wies besonders darauf hin, daß die Abteilungen alle Kräfte anspannen müssen, um den erwerbslosen Mitgliedern den Besuch dcr Spielabcnde und sonstigen Veranstaltungen zu ermöglichen. Der Vorstand wurde «instimmig wiedergewählt.— Anfragen in allen Verelnscmgelegen- Helten an Georg Werwinski, Berlin S.ö9, Planuser 91. Lüge und Verleumdung Vom Arbeiter-Athletenbund wird uns geschrieben: Niederträchtiger und gemeiner ist wohl nie gegen«ine Arbeiterorga- nisation und ihre Leitung gewütet worden, als gegenwärtig gegen den Bund. Es hagelt in der KPD.-Presse von Verdächtigungen, daß Unterschlagungen begangen wurden und von persönlichen Ver- leumdungen schlimmster Art. Alles ist erlogen und nur zu dem Zweck in die Welt gesetzt, um unter allen Umständen das Miß- trauen dcr Mitgliedschaft gegen die Bundesleitung wachzurufen. Trotz alledem werden wir nutzlose Klagen nicht anstrengen, weil wir die verantwortlich Zeichnenden als Reichstagsabgeordneie nicht fassen können. Wir sind dcr KPD.-Presse keine Rechenschaft schuldig, sondern allein unserer Mitgliedschaft. Wir bitten alle anständigen Genossen, solchen wilden Gerüchten keinen Glauben zu schenken und Erkundigungen bei der Bundes- und den Kreisleitungen ein- zuziehen. FTSS». Ucbunflsofanb der graue« med Znngmädchrn wir Bubtaggfeier am Donnerstag, dem 23. Oltober, in der Turnhalle Pankstr. 18.— Bezirk Südea. Die neue ssrauenabteilung übt regelnioßig Dicnslags von 2« bis 22 Uhr in dcr Turnhalle Kneisenaustr. 7. grauen über 25 Jahre, auch iiinqcre, können aufgenommen werden.— Bezirk Rordriug. Mittwoch, 22. Oktober, Bezirksvcrsammlung bei tzimcr, Diincnstr. 14. Anfang 21 Uhr.— Bezirk llhartotteudurg. Zugeudabteiluug. Donnerstag, 23. Oltober, 20 Uhr, treffen wir uns am U-Bahnhof Wilhelmplati zum Spaziergang durch Ait-Bcrlin. Gäste willkommen, Sonnabend, 25. Oktober, 20 Uhr, Miiglicdcrversamm. lung bei Jamln, Potsdamer Ecke Sophie-Charlotte�traße.— Bezirk Rcukölln. Die Eportabtcilung turnt heute nochmal» in der Lessingstraß«, da die Turn- Halle Sertzbergstraße noch gesperrt ist. Touristcnoerci»„Die Rakurirrur.de", gcutralc Wir«. Dienstag, 21. Dt- toder, 20 Uhr. Abt. Friedrich-Hain: ssrankfurter Allee 307. Borirag:.Prolc, tarifches Denken".— Abt. Friedenau: Offendacher Etr. So. Siiiallplattrnadend. — Abt. Rorden: Eounenlnirger Eir. 20.„Unser neuer Reichstag- iGenosic Madcrhalz).— Abt. Reutoll II lIuacndgrnppe): Islughafenstr. 08. Musikabcnd. — Abt. Wedding: Turincr Ecke wecstraßr.„Ehe und Recht" sRcfcrent: Dr. Wolfi.— Abt. Hnmboldthain: Orthstr. 10.- Abt. Etidoft(Iugendgruppe): Wrangelstr. 128. Bunter Abend.— Mittwoch, 22. Oktober. Osten iZuaend- gruppe): ssrankfurter Allee 307. Heimabend.— Pdatogemeinschaft. Abt. Mitte: Iohannisstr. 15.— Knmboldthai« II(Iugendgruppe): Tnriner Ecke Eeestraßc. Grnppenfragen, Liederabend.— Donnerstag, 23. Oktober, 20 Uhr. Abt. G«. Sindbruitnen: Pankstraße Ecke Wiefcnstraße. gerienwandernngen 1330,— bt. Lichtenberg: Guntcrftr. 44. Liederabend.— Photsgemeinschast, Abt. Norden: Pank- Ecke Wicsenstraße.— Ratnrknndlich« Abteilung: Johannis- straße 15. Ausstellung fränkischer Versteinerungen.— Rufikgeweinschaft: Io- hannisstr. 15.— Abt. Prcnzlauer Berg: Danziger Str. S2, Baracke U. ssahrtencrlcbnisse.— Abt. RrukiM«: Bergstr. 20. Lichtbildervortrag:„Arbeiter. Photographie".— Abt. Südvrst: Heimabend fällt aus. Beteiligung am Film- abend des Sportkartells im Sitzungssaal, Porckstr. 11.— Abt. Spandau: Lindenufcr 1.— Abt. Tiergartrn: Lehrter Str. 18—19. Kunst und proletarische Fcsckultur.—«bt. Weißens«: Piswriusstr. 24. Frei« Schwimmer«roß. Berlin S. V.«ruppr Lichtenberg,«rrsammlung Sonnabend, 25. Oktober, 20 Uhr. bei Wegcner, Frankfurter Allee 230,— Gruppe Mitte: Dorstandssitzung Freitag, 24. Oktober, 20 Uhr, in dcr streis- geschästostrlle, Gruppenverfammlung Dienstag, 28. Oktober, 20 Mir, ebenda. ADE., Hockeh.AbtrIlnna. Sitzung 22. Oktober, 20 Uhr, bci vuschkat, Goßler- Ecke Hohcnlvhestraße. Interessenten willkommen. vieastax, 21. Oktober. Berlin. 16.05 Dr. Anton Mayer: Die deutsche Landschaft. 16.30 Leipzig: Stimmungssbilder. 17.00 Kurzgeschichten von Fritz Michel. 17.30 Lieder.(Hclfra Stjcrna und Hetc Mex, Sopran. Flügel: Julius Bürger.) 18.00 Bücher um das Kind.(Am Mikrophon: Heinrich Bachmann.) 18.30 Arnold Ebel: Lieder.(Minna Ebel-Wilde, Sopran. Flügel: Der Komponist.) 18,55 Arbeitsmarkt. 19.00 Interview der Woche. 19.30 Albert W. Ketelbey. Dir.: Der Komponist, Chontcslnge.(Funkchor. Leitung: M. Albrccht, Funkorchestcr.) 21.10„Der Strich durch die Rechnung." Rennfahrer-Komödie in drei Akten von Fred A. Angermcycr. Reglei Alfred Braun. 22.30 Dr. Josef Rluscher; Politische Zeitungsschan, Königswustcrhauscn. 16.00 Martin Schumacher; Landschule und Wirtschaft 16.30 Leipzig: Konzerl. 17.30 Mersmann: Einführung in die neue Musik. 18.00 Pfarrer Otto Eckert: Die evangelische Kirche w der Gegenwart. 18.30 Prof. Dr. Dessoir: Philosophie der Gegenwart. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Dr. H. Roon: Die Kunst zu inserieren. 20.00 Dresden; Konzert 21.00 Hanbitrg; Mozart- Kaoaert Großfeuer in Köpenick. Zwei Personen bei Rettungsarbeiten verletzt. Durch eia Großfeuer wurden in der vergangenen Jladff auf dem Gelände in der Lindenskraße ZS in ft ö p e n i ck inchrere Schuppen und ein Slallgcbäude einer kohlengroß. Handlung vernichtel. Dos Feuer ist�oerinuttich durch unvorsichtiges Hantieren mit offenem Licht im Strohlager entstanden. Kurz nach 4 Uhr loderten aus dem etwa 40 Meter langen Schuppen die Flannnen empor und griffen mit großer Schnelligkeit um sich. In wenigen Minuten brannte der Schuppen in seiner ganzen Länge lichterloh. Das Feuer griff auf die angrenzenden Stallungen und die Wagenhalle über. Im letzten Augenblick gelang es, zahlreiche Pferde aus dem brennenden Stallgebäude zu retten. Dabei er- litten zwei Angestellte der Kohlenfirma erhebliche Brandwunden. Die Verletzten erhielten von den Feucrwehrsamaritern erste Hilfe. Die Feuerwehr nvar mit vier Zügen und dem in Köpenick stationierten Feuerlöschboot zur Stelle. Die Löscharbeiten waren erst gegen 8 Uhr früh beendet. Der Schaden ist sehr hoch. Schneestürme in Amerika. Rew ffork versinkt im Schnee.— Oer kälteste Oktober. New York. 21. Oktober. Schwere Schneestürme wüten in 12 Staaken, namentlich in» Osten und im Vörden. Vcw Jork ist seilweise unter Schncemassen begraben. Es ist der kälteste Oktober feil ZUenfchengedcnken. Das Thermometer sank stellenweise auf Z5 Grad Frost. Der Verkehr auf den Landstraßen ist vollkominen zum Stocken gebracht. Wie gemeldet wird, sind mehr als 1000 Autos unterwegs eingeschneit. Die Straßen sind durch hohe Schneeverwehungen un- befahrbar geworden. Die Temperaturen im New Dort betragen knapp zwei Grad Celsius über Null. preisfrisieren im Zoo. Dieser Tage verairstoltete die Haarformerinnung von 1737 im Zoo vor einer internationalen Jury kws Preisfrisieren um den Großen Industriepreis— bestehend in einem Auto— sowie um die Europalneisterschaft. Gegen 50 Teilnehmer aus Deutschland, Oesterreich und Italien hantierten geschäftig mit Kaimn und Ondulier- schere, um vor einer gestrengen, internationalen Jury bestehen zu können. Der erst« Tag zeigte die Herstellung von Postiche- und historischen Frisuren; da nickten kokette Rokokoköpfchen und Biedcrmcierlocken gefällig ihrem Spiegelbild und dein sie be- wundernden Publikum zu. Der zweite Tag brachte die Frisur von heut«, einmal mit Eisenondulation, das andere Mal mit Wafferwelle hergestellt. Strengstens kontrolliert crstmal vom Unparteiischen, dann von der Jury, und einem sachverständigen Publikum, bombardiert von Fotographenlinsen und Opernguckern, mußten all diese haarsorinerifchcn Kunstgebilde im Zeitraum von ungefähr einer halben Stunde aufgebaut sein. Dafür winkten neben den großen Houptprcifen noch verschiedene Geld- und Ehren- preise für die Höchstpunktierten. Bewertet wird die Leistung nach 15 Punkten, wovon je 5 Punkte auf Wellung, Form und Gesamt- cindruck entfallen. Die M od« fr i für 1930 weist keine großen Veränderungen auf. Das Haar wird iin Nacken wieder etwas kürzer getrogen, Locken und Rollen sind passe, die Frisur selbst zeigt große, leichte Wellen, die sich iveich um den Kopf legen. Zur Modefarbe»vard hoselnußbraun erkoren. Die Preisträger sind: Das gestiftete Auto durfte der Berliner Friseurgehilfe Sperling heimführen; ebenso fiel die Europalneisterschaft und 1. und 2. Preis auf die Berliner Friseure Sudar und Jost. Filmregisseure sind Oiktaioren! Zum Streit um die„Oreigroschenoper". Der Streit um die Verfilmung der„D r c i g r o s ch c n o p e r", der am Montag die Urheberrechtskainrner des Landgerichts I, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Weigert, wiederum bis in die Nachmittagsstundcn hinein beschäftigte, ist noch nicht entschieden »vorden. Der Vorsitzende setzte den Termin für die Verkündunz des Urteils auf den 4. November fest. Während fast den ganzen Vormittag über die Klage Bert Brechts gegen die Nero-Filmgef ellschaft verhandelt wurde, wobei es zu stürmischen Auftritten des Autors kam, der fchließlich zum Protest den Saal verließ, beschäftigte man sich an- schließend mit der Klage des Komponisten Kurt W e i l l gegen die Fimgesellschast. Für den Kläger vertrat Rechtsanwalt Dr. Joseph den Standpunkt, daß es sich auch bei diesein Streit um die grund- sätzliche Frag« handelte, ob der Autor Aenderungen seines Werkes zulassen müsse. Der Prozeß richte sich gegen die Diktatur der Re- gisseure. Weill wendet sich dagegen, daß seine Arbeit von Personen ohne künstlerische Legitimation entstellt werde. Ein Beispiel dafür, was bei derartigen Verfilmungen herauskomme, seien die„Zwei Krawatten", die jetzt einen großen Durchfall erlebt hätten. Das Reichsgericht habe sich bereits im Jahre 1909 auf den Stand- punkt gestellt, daß der Künstler durch die schlechten Nachbildungen seines Werkes in seinem Ruf geschädigt werde und dos Recht habe, dagegen Einspruch zu erheben. Die Vertreter der Nerv- Filmgesellschaft stellten sich dagegen auf den Standpunkt, daß Brecht und Weill ihren Vertrag nicht erfüllt hätten. Hungerstreik in Ostgalizien. Vezweiflungskampf der eingekerkerten Ukrainer. Lemberg, 21. Oktober. Wie„Dilo", das führende Blatt des ostgalizifchen llkrainertums, meldet, sind am 15. d. M. die 141 politischen Gefangenen des pol- nifchen Gefängnisses Brzczany in den Huirgerstreik getreten; sie verlangen Einsetzung eines neuen Untersuchungsrichters, da für die große Zahl der Gefangenen e i n Richter nicht genügt. Weiter for- dern sie, daß jene Gefangenen freigelassen werden, für die die Untersuchung keinerlei Schuldbewcise geliefert hat. Im ostgalizifchen Dorf Wjerzbize wurde gegen die Wohnung des Dorfschulzen eine Handgranate geworfen, weil der Gemeinde- Vorsteher das Eigentum der ukrainischen Genossenschaft an die Be- Hörden ausliefern ließ._ Wieder einer. KPO.- Stadtverordneter kehrt der Partei der Korruption den Rücken. Chemnitz. 21. Oktober.(Eigenbericht.) In der Stadt Keinichen bei Chemnitz ist der kommunistische Stadtverodnete M c h n e r t aus der KPD. ausgetreten. In der letzten Stadtvcrordnetensitzung erklärte er, daß es unmöglich sei, mit der KPD. für die Interessen der Arbeiterschaft zu kämpfen. Cr verlasse die Partei der Korruption, da er ihre Sudeleien nicht mehr mitmachen könne. Abstimmung im Landtag. Dann wahrscheinlich Vertagung. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Preußischen Landtags, die um 12 Uhr beginnt, stehen außer der Beratung der Diätenkürzungsanträge umfangreiche Abstimmungen. Abge- stimmt wird u. a. über die Anträge auf sofortige Au f l ö s u n g des Landtags, auf Einstellung der Poung-Zahlungen und gegen die preußischen Erlasse wegen der parteipolitischen Betätigung der Beamten. Die Abstimmungen beginnen um 14 Uhr. Nach der herrtigen Sitzung wird sich der Landtag voraussichtlich bis zum 4. Noveinber vertagen. lür ll!e Zeit vorn 21, bis 23. Oktober K I N O-T A F E l »ROG RAM M für die Zeit vorn 21. bis 23. Okiober ©lOlG m Potsdamer Strafe 38 W. 5. 7, 9 Uhr Stg 3, 5, 7, 9 U BockbSerfosi(Tonfilmlustpiel) mit L. SIÖmcI, I. Wüst, H, A. ▼on Schlettow, M. Kupfer, E. Rex Rhcimtralje 14 W. 5.15, 7.15, 9.15 Stg. ab 5.15 Die Lindcnwirlin am Rhein mit Maly Dclschaft/ Carl de Vogt Der Geisterzag(6 Akte) mit Ilse Bois, Louis Ralph Odcon, Potsdamer Sh*. 75 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3, 5, 7, 9 Uhr Der Andere mit Fritz Korlner. Käthe ▼. Nagy, H. George, Eduard yon Winterstein Turmstra$c 12 W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3,5, 7,9 Uhr Richard Oswalds„Dreyfus" mit Kortner, George, Basscrmann Jugendliche haben Zutritt Aiexandcrstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet; Stg ab3 U Tonfilm: Komm zn mir zum Rendczrons mit R. A. Roberls, Lucic Englisch Zinnsoldaten g Westen E Primus-Palast Viis Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Lraufiührung des Tonfilms; Das alte Lied mit Lil Oagover, Igo Sym � FriectrachEtadt M Franziskaner Ocorgcns'.raßo(Ecke FriedrichstraBe) Kulturprogramm II, 2. 5. 8, II Uhr Unter den Indianern SQdamerlkat (Schönheitspflege brauner Mädchen) 12, 3,«, 9 Uhr Neueste Kultur- u. Wocfacnsdiau Farbentonfilm: Kinderrevue 12 30. 3.30, 6 30, 9.30 Uhr Wunder d. Schr.r cschuhes, I. u.II.T. Fcdufad auf Skiern G Charlottenburg M Kant-Lichtspiele Kamsir. 54,(an derWilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9.05 Uhr Stg 3, 5. 7, 9.05 Uhr Die drei von der Tankstelle mit Lilian Harvey, Willy Fritsch Beiprogramm jugendliche haben Zutritt Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 5, 7, 9 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr(Jugend Vorstellung) Ich glaub nie mehr an eine Frau mit Richard Tauber Frauen am Abgrund m. H. Brink Fox tönende Woche W Wilmersdorf Atrium Beba-Pala� Sonnabends u. Sonntags 5, 7, 9,15 Uhr Kaiserallee, Ecke Berliner Allee Uraufführung: Tonfilmposse: Pension Sdiöller mit Kampcrs, Schulz, Heidemann, Tr. Berliner D Schöneaerg Titania Schönebg. stgilil fiauptstraße 49 lOOproz Tonfilm: Unter den Dächern von Paris Beiprogramm Die Kamera Tä8 ich Unter den Linden 14 3, 5, 7. 9 Uhr Zweite Woche verlängert: Tbc Pilgrim mit Charlie Chaplin Der General mit Boiler Kcaion Orgelsolo Jugendliche haben Zutritt ■ Moabit 1 Artushof-Lichtspiele Perleberger Straße 29 Film- und BOhnenadiau Et gibt eine Frau, die dich nie malt vergibt mit LH Oagover Beiprogramm Bühne; Grobe« VarieiFprogramm W 6.45, 9.00, U. S u. Stg. ab 4 45 U. Welt-Kino Alt-Moabit 99 100 pros. Tonfitmschwank Der keu»che Joaaph m. FL Liedtke, Oed Orvalda, P."-'J-- Beiprogramm ÄlllAmhrA Wchtgs. 7 u.9 Uhr mnamora stgs. ab 3 um Hauptstr. 30 100 proz. Tonfilm: Komm zn mir zum Rendezvous mit R, A. Robert«, Lade Englisch Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W, 7,9, So. ab 5 Uhr Kriminaltonfilm: Va banque mit Olga Tsdiecfaowa, Verebcs, Grfindgens Fox tönende Wochenschau Beiprogramm steaiit» B Titania-Palast JgÄ'u. Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Outsmuthsstr. lOOproz. Tonfilm: Da» alte Lied mit Lil Dagower, Igo Sym, IdaWQti Beiprogramm— Tön. Wochcnscfa. Ab Donnerstag: Da« Lied!»l au« mit Liane Haid, WU.y Forst Tonwodie g gehiandorF-Mitta A Wochentags 7, 9 Uhr „, Sonntags 5, 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg,2.30 Jug.-Vorst Tonfilm: Der Andere mit Kortner, George, K.». Nagy Beiprogramm Mariendorf Mm- 1 1 Marlendorfer Wothentg, l LiX L,i Udnipielc ab 7 Uhr Chausseestraße 305 109 proz. Tonoperettc: Der Liebeswalzer-mit L. Harvcy, W. Fritsch Beiprogramm ff Tempeiho?"b Tivoli Berliner Str. 97 lOOproz. Tonfilm: Krimlnaltonfilm: Oer OreUtr mit Hans Alben SOdwcsten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5, So. 3 U. Gehetzte Mädchen m. Lien Dcycr* Drei Freunde mit W, Boyd Ton woche Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5, 7. 9. Stg. ab 3 Uhr lOOproz. Tonlustspiel: Der Lampenball m Fritz Kampcrs Beiprogramm > S»«««n■ Primus-Palast Am Hermannpiatz, Urbanstr. 72/76 Wochent. 6.45, 9. Sonnt ab 3, 5, 7, 9.1 5 U. Der größte und herrlichste Tonfilm Unter den Dächern von Paria (Sous les toits de Paris) Bühne; ZigennerkSnlgin Irene Berseeny die berühmte Cimba-Virtuosin Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonfilm: Gigolo, der schöne, arme Tanzleutnant Grobes Beiprogramm W wemeauw B Mercedes- Palost Hermannstraße, Ecke Jägerstraße Anfang: Wchtgs. 6.45, 9. Stgs. 3,5,7.9 U. lOOproz. Tonfilm: Die Lindcnwirlin mit Käthe Dorsch BQhncnschaa Kukuk Wochent. 6,45, 9 U. Sonntags 5, 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 lOOproz Tonfilm: Der Sohn der weihen Berge mit Lais Trenker Micky Maas Jugendliche haben Zutritt __ Wochent 6.45, 9 U. bxceisior Sonntags 5. 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonqperette: Die Drei von der Tanksielie mit Lilian Harvey, Willy Fritsch Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstrahe 49 Wochentags 6 45 u. 9, Sonntags 5,7, 9 U. lOOproz Tonoperette; Die Drei von der Tanksielte mit LUlan Harvey. Willy Frisch Jugendliche haben Zutritt SO* oaten Filmeck Skalitzer Straße, am Göriitzcr Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr. Verlängert: Der große Tonfilmerfolg: Unler den Dächern von Paris (Sous les toits de Paris) Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W: 6 30 u.9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. Zweimal Hochzelt (Eine schwache Stunde) BOhnenschaa Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 6.30, 9 U. Sonnt 3, 5,7,9 U Verlängert: Der große Kriminal-Tonfilm: Der Greifer mit Hans Albcrs, Charlotte Susa Regie: Richard Eichberg: BQhnenschau— Beiprogramm I TwAniA Tonfilm-Varieii urama w. 6 45, stg 3 u Wrangelstraße 11(a. d. Köpenicker Str.) Die Geheimnisse d. Zlrku» Jordan (beide Teiler Gro�c Varieiäsdiau Sternwarte— Treptow Di 21 10. 8 Uhr: Die Sonne nnd ihre Kinder(Vortrag mit Lichtbilder von Dir Dr. Archenhold) Mi. 22. u. Do. 23. 10. 8 Uhr: Roab-Roah, der Schrei der Sehnsucht (Ein Großtierfilnraus Süd-Georgien) > NordpAtew � Plvrciiin*� FU,n nnd Btthne Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9 15 Uhr Tonfilm: Die gro£c Schnsncht mit Camilla Horn und 36 Filmlieblingen B ü h n e: Lotte Werkmeister Tönende Wochenschau Jugendliche haben Zutritt 1 Osten 1 Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen; Wochentg. 6 30, Sbd.5, Stg 3 Uhr Der große Kriminal-Tonfilm: Der Greifer mit Han« Albers, Charlotte Susa (lOOproz. Tonfilm) Auf der Bühne: Dunlo nnd Partner (Zigeunervirtuosen) Lima-Filmpalast wfiij: Gr. Frankfurter Str. 121 Die große Sehnsucht m. Camilla Horn u. 36 Prominenten Bühne: Gnstl Beer mit Ensemble Schwarzer Adler Xi™« Woch. 5, 7. 8.45, Stg.3. S. 7. 8.45 U. Tonfilnr: Der Sohn der weiten Berge mit Lais Trenker lugendliche haben Zutritt Comenius-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6 39, 9. S ab 5 U Tonfilm; Skandal um Eva mit Henny Porten Tönende Woche Beiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 5 U.. Stg. ab 3 U. lOOproz. Tonfilm: Der Greifer mit Haas Alben. CharL tasa BclprgoraauB-»Gr. Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Tonfilm.' Woch. 5, ca 7, 8.45, Stg. 3, ca. 5. 7. 8.45 U. Die Linden wirtin m. Käthe Dorsch, Bollmann, Schatzendorf Beiprogramm AlltAmKwA Woch. ab 6 30 Uhr AlnamDra Sonnt, ab 4 Uhr Koppenstraße 29 Tonfilm l Rosenmontag Tönende Woche Beiprogramm— Bühncnsdban �"""He�-Licrttenbera""fe Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 W 5, 7, 9 U., Stgs. 5, 7, 9 U Va banque(Alles oder nichts) mit Lil Dagover Tönendes Beiprogramm Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogramm Hinter Harcmsmancrn mit Gr. Nissen, Ch. Farell Tom Mix; Texasreiter W WciOenaeR» Schloßpark FOm- Bühne Berliner Allee 206—210 Stg.>/z3 Jgd.-V. Tonfilm: Bockbierfest mit Ida Wüst, Marg. Kupfer Bühne: 1 Stunde Kabarett « worden» &lViAmhrA MüMersfraße ,zs. /Vinamora Ecke Scssiraß«: 100"o Kriminaltonfilm: Der Greifer mit H. Albers, Cbarl. Susa Beiprogramm Micky Maus bei der Fenenrehr Pharus-Lichtspielc Müllers traße 142 W. 5, 7, 9 U. Stg. ab 3 U. 100 proz. Tonfilm! Tonoperettc; Wie werde ich reich and glficklldt— Flock nnd Flicky Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 Nur drei Tage lOOproz. Tonfilm! Westfront 1918 mit Fritz Kampcrs Naditgestallen(Nur ein Gassenmädel) Sittenfilm in 8 Akten Prater-Lichispiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 5, Stgs 3'/, U. Erstauf führ.: Der Deserteur Arras Die grtlne Laterne mit Lux BQ: Evl Eva: Manona Brautnadst Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Beginn 5 Uhr lOOproz Tonfilm: Die vom Rommclplaiz m AnnvOndra.Arno Beiprogramm— Bflhnensdiau Metro-Palast Chausseestraße 30 100 proz. Krimmaltonfilm: Der Greifer mit H. Alber, Casino-Lichtspiele Brunnenstraße 154 Beginn 5 Uhr Kriminaltonfilm. Der Greller mit Hans Albers Beiprogramm Mila-Lichtspiel-Palast Schönhauser Allee 130 W.S1� S. 3' 2 Rafah, das Herz des Maharadscha Raaber der Unterwelt Bühnenschaa Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 3V2 U. Tonfilm: Zörtlichkcit mit Carola Nehcr, Paul Otto Varieteschau Colosseum stgf�bVvÜ Schönhauser Allee 123 lOOproz. Tonfilm Unier den Dächern von Paris Bühne; Prof. Mendelson mit 9 CcIUzteo Panko E=3 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 6J0, 9, Stg. 4. 6 30. 9 Tonoperette: Die Drei von der Tankstelle m. L, Harvey, W. Fritsch Beiprogramm— BQhnenschau Jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 5J0, 9 U, Stg. ab 4 U lOOproz. Tonfilm: Bockbierfest m.M. Kupfer, K. Lilien Große Bühnenschau > HleelertchönhauteH B Film-Palast Blankenburger Str. 4 So. ZVa Jgd.-V. Wochtg 6 30, 9 U, So. 4 30, 6 45,9 U Tonfilm: D. Kabinett d.Dr. Larifari mit M. Hansen, P, Morgan, Jökcn Chaplin anf dem Lande Beiprogramm > Te3«' � Filmpalast Tegel Stgs. 2 U Jgd.-Vorst. W. 6, Stg. 4>/« U. Der große Kriminal-Tonfilm: Der Greifer mit Hans Alben Lustiges Beiprogramm T obis- Apparat «Kosmos" FUmböhne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr,-.30 Uhr Tonlustspiel: Die zärtlichen Vei wandten mit R. A. Roberts Beiprogramm Union-Theater Hauptsu. W 6,81/5 Stg.2Jgd.-V. Stg. 4t/«. fh. SVi U. Mädchen in Gefahr, der große Sittenfilm Pfadfinder Filmpalast stg. ÄÄ8 u? Berliner Straße 50 Stg. 2 U. Joge-Vortt. Mitvoeh, Donnerstag;