BERLIN Mittwoch 22. Ottober 1930 10 Pf. Nr. 496 B 247 47. Jahrgang erschetnttSslichau Aagleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben«5 Pf. proWoche, 3,60 M. pro Monat. Ncdaktivn und Expedition; Berlin SW es, Liodenßr.s SfuUaubgaße xkl Avieigenprelt: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamcjeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwärtS-Verlaz G. m. d. H., Berlin Nr.37S3S. Fernsprecher: Dönhoff 232 bis 20? evering wiederInnenminister Minister Woentig zurückgetreten/ Severins zum Nachfolger ernannt Der Amtliche Prcuftischc Pressedienst meldet: Der preuftischc Minister deS Innern Professor Dr. W a c n t i g hat dem preußischen Ministerpräsidenten fein Rücktrittsgcsuch überreicht. Ministerpräsident Dr. Braun hat dieses Rücktrittsgcsuch an» genommen und Ttaatsministcr Dr. Wacntig mit dem Ausdruck des Dankes für die dem preußischen Staat gclcistctetcn wertvollen Dienste von seinen Amts- pflichten entbunden. Zum Nachfolger des scheidenden Innen- Ministers hat der preußische Ministerpräsident ge- maß 8 45 der Preußischen Bcrfassung den Reichs, und Staatsministcr a. D. Sevcring ernannt. Die Ernennung Karl Seve rings zum preußischen Innen- minister wird in allen Kreisen als Antwort aus die nationalsozia- Serering Itaentig im Landtag persönlich begründen hört«, konnte ein anschauliches Bild«m den tiefgründigen KemUnisscn Waentigs aus dem Gebiete des Verwaltungsrcchts gewinnen. Wenn Genosse Wäntig gleichwohl heute einem anderen seinen Posten einräumt, so geschieht dies nicht, weil auch nur der leiseste Borwurf gegen seine Amtsführuno zu erheben wäre. Aber die Situation erfordert, um es einmal grobschlächtig auszusprechen, heut« mehr den Polizeiminister als den Ver- waltungsminister an der Spitze des preußischen Innenministeriums. Rechts- und Linksradikale wetteifern in Angriffen auf den Staat und auf die öff«nt>ich« Sicherheit, im Klirren der Fensterscheiben und im Krachen der Revolverschüsse werden gleichermaßen wirtschaftliche Existenzen wie die G c s i n- nungssreiheit der Gesamtheit bedroht. Es ist nicht die Situation, in der fich dos Berwoltungstolent ruhig entfalten kann, es ist die Situation entschlossener Abwehr gewalt- tätiger Bestrebungen. Für diesen Zweck eignet sich aber kaum ein zweiter wie Karl Severing. der im eigentlichen Sinn« des Wortes als Schöpfer einer republikanischen Polizeigewalt und eines zuverlässigen Ver- waltnngsapparatcs, kurzum, als der Schöpfer des republikani- s-hen Preutzcns bezeichnet werden darf. Wechsel im Rerliner Polizeipräsidium. Wie wir hören, steht auch ein Wechsel im Berliner Polizei- Präsidium unmittelbar bevor. Es war schon vor längerer Zeit in der Presse davon die Rede, daß Polizeiprästdent Z ö r g i e b e l als Regierungspräsident für Wiesbaden auscrschen sei. Das war ein Irrtum. Richtig ist jedoch, daß Genosse Zörgicbel für ein anderes westliches Regierungspräsidium in Aussicht genommen ist. Als sein Nachfolger als Aerlfner Polizeipräsident dürfte der frühere preußische Staatsministcr, Gciwsse Albert Grzcsinsli in Frage kommen. QrsefinsM SCörgiebel Verhandlung beim Arbeitsminister Ltniernehmer und Gewerkschasten zu unverbindlichen Besprechungen geladen listischen Diktatur- und Staatsstreichdrohungen aufgefaßt werden. Mit Sevcring tritt der preußische Innenminister wieder ins Amt, der in sechsjähriger Tätigkeit die Schutzpolzci und den Berwab tungsopporat zu zuverlässigen Machtinstrumenten der republikanischen Regierung entwickelt hat, der jenes„System Severing" schuf, gegen das der ganze Zorn der entmachteten preußischen Junker und Re- aktionäre cmporgeifcne. Froiwillig, ohne jeden äußeren Anlaß, hat Sevcring noch sechsjährigem Wirken seine Tätigkeit anderen chänden übergeben, um nach zermürbender und aufreibender Gi- gontcnarbeit seine seelischen und gesundheitlichen Kräste wieder einsammeln. Jedermann wußte, daß dieser Abgang kein dauernder Verzicht aus politische Wirksamkeit bedeutete, wie das auch der Eintritt Sevcrings in das Kabinett Hermann Müller als Reichs- innenminister gezeigt hat. Nachdem aber diese Tätigkeit durch den Rücktrtt des Kabinetts Müller ihr Ende gefunden hatte, wäre es ein wahrhafter Verlust gewesen, hätte man— zumal in so ernster Zeit wie der jetzigen— eine Kraft wie die Karl Severings dauernd brgchliegen lassen. Wenn auch in den Reihen der Sozialdemokratie gewiß kein Mangel an Persönlichkeiten und Köpfen herrscht, so reich sind wir nicht, so reich ist keine Partei, daß sie sich den Luxus ge- statten kann, in ernstester Stunde ihre Besten feiern zu lassen. An Kopsen fehlt es nicht: Ebenso unbeschwert, ebenso unge- zwungen, wie Severing seinerzeit ging, verläßt heute Professor W a e n t i g seinen Platz als preußischer Innenminister, den er nur kurze Zeit, aber zur vollen Zufriedenheit der republikanischen Par- teien, verwaltet hat. Ihm den Dank der Parteigenossen auszusprechen, ist uns in diesem Augenblick inneres Bedürfnis. Als Oberprösident von Sachsen ist es ihm seinerzeit nicht leicht ge- fallen, diesen Posten an der Spitze seiner Hcimatprovinz gegen das umkämpfte Amt des preußisckjen Innenministers zu oertanschen. Er hat es auf Bitten der Parteigenossen getan, denen er in der damaligen Situation— Sevcring kam als Reichsinnenminister für Preußen nicht in Frage— als der Würdigste erschien, die Nach- solgerschaft des Genossen Grzesinsti in Preußen anzutreten. Ge- nosse Wacntig hat dieses Vertrauen nicht enttäuscht. Namentlich auf dem Gebiet der Berwaltungsarbeit hat er Wichtiges geleistet und die gesetzgeberische Reformarbeit ein gutes Stück vonan- gebracht. Wer ihn noch unlängst den Gesetzentwurf Groß-Berlin Der Reichsarbeitsminister hat heute morgen den Deutschen Metallarbeiteroerband davon verständigt, daß morgen Donnerstag um 11 Uhr vormittags im Rcichsarbcitsministeriuin die ersten Ver- Handlungen des Metallarbeitertonstikts stattfinden. Die � Verhandlungen hoben vorerst nur unverbindlichen Charakter. zumal der Reichsarbeitsminister zu dem Antrag des Verbandes Bcr- liner Metollindustrieller aus Verbindlichkeitscrklärung des Schied-- fpruchs vom 10. Oktober noch nicht Stellung genommen hat. Nach nunmehr achttägiger Streikdauer macht sich der Ausstand in der Großmetallindustrie im Wirtschaftslebens Berlins immer stärker fühlbarer. Bei der Zentralstreikleitung Hausen sich die An- träge auf Genehmigung von Notstandsarbeiten, die allerdings nicht direkt von den Metallindbstriellen gestellt werden. Di« Unternehmer schicken vielmehr ihre Auftraggeber vor, wie städtische oder gomeinwirtschaftliche Körperschiaflen, die dringende Arbeiten bei Reichsbahnbauten und dergleichen durchgeführt haben wollen. Die Zentralstreikleitung genehmigt nur in wenigen Ausnahme- fällen derartige fällen derartige Anträge. Es liegt in jedem ein- zelnen Fall an den Metallindustricllen, die Forderungen des Metallkartells zu bewilligen, dann steht einer Wiederaufnahme der Arbeit nichts im Wege. Im übrigen muß betont merden, daß es sich meist nicht im ent- serntesten um Rosstandsorbeiten im üblichen Sinne handelt, sondern lediglich um die Fertigstellung von Aufträgen, bei denen den Unternehmern das Feuer auf den Nägeln brennt. Gesondert zu werten sind die Machinationen des Lindströw- Konzerns, der steine dem VDMI. nicht angeschlossene Tochter- gesellschaften Streikorbeiten verrichten läßt. Die Zentral- strelkleitung beschloß deshalb in ihrer letzten Sitzung, ab heule mittag auch die Firma Frei-Hodst in den Streik elnzubeziehcn. Unterdessen tobt sich die Wut der R G O.- L e u t e über ihre völlige Einflußlosigkeit im Streik der VBMI.-Betriebe gegenüber den nicht zusammengeschlossenen Kleinbetrieben aus. Auch heute früh hoben Betriebssremde der Rollkommandos der NGO. in Weißenfee und im Südosten der Stadt lieber- fäll« auf zur Arbeit gehende Kollegen aus den Kleinbetrieben unternommen und Schlägereien provoziert. Dieses Vorgehen der RGO. ist in gewisser Beziehung ein Ab- lenkungsmanöver der kommunistischen„Kompfleiwng" gegen. über ihren rebellierendes Mitläufern, die heute nach einer Woche Streikdauer stürmisch die Auszahlung der versprochenen drei Mark Unterstützung verlangt haben. Hierzu sind natürlich die„revolistionären" Strategen nicht in der Lage: zum Ersatz hat man deshalb auch schon versucht, von der IAH. Küchen aufzustellen und die berühmten Suppen zu verteilen. Diese Suppen wurden jedoch unter anderem ausgerechnet in der K ö S l i n e r Straße, der koimnunistischen Hochburg, von den gcnasfiihrten RGO.-Anhöngern zurückgewiesen, und es wurde verlangt, daß man endlich die versrpochencn drei Mark Unterstützung aus- zahlen soll. Schlechte Geschäste der KPO. Bei einem Kampf«, wie er der Berliner Metallarbeitcrschaft aufgezwungen wunde, sind alle Kräfte auf den Erfolg dieses Kampfes zu konzentrieren. Ein selbstverständlicher gewerkschaftlicher Grundsatz. Die KPD. versucht jedoch auch in diesem Kampfe„die Kampsfront zu verbreitern", das Gegenteil dessen zu tun, was dem Streik der Metallarbeiter förderlich ist. Dazu fetzt sie ihre NGO. «in, die sich aus ausgeschlossenen G e w e r k s ch a f t s m i t- gliedern zusammensetzt, KPD.-Leuten, die auf Anweisung ihrer Partei den Ausschuß ans ihrer Gewerkschaft provozieren mußten. Die fanatische gcwerksck?astsstii�>liche Tendenn- der KPD. richtet sich gegen den Erfolg des Mctallarbeiterstreiks. Die Gegenaktion setzte bei den jugendlichen Arbeitern der Firma Bolle ein, die in einen wilden Streik gehetzt wurden. Die „Rote Fahne" muß heute berichten, daß diese unverantwortliche Streilmache am Montag abgebrochen wurde. Wie viele.der „B o l l e j u n g e n" dabei ihre Arbeit verloren hoben, verrät das Blatt nicht, das interessiert die KPD. auch nicht. Die An- kurbelung eines Streiks in den städtischen Werken wurde mit einer derart plumpen Lüge über das Kraftwerk Klingen berg versucht, daß sie im Keime ersticken mußte. Für einen allgemeinen Verkehrsstreik sind die Aussichten der KPD. wenig günstig, weshalb sie es mit einer Aktion der Kraftdrofchkenführer versuchte. Auch damit hotte sie kein Glück. Immerhin kann sie den zwciscl- haften Erfolg verzeichnen, 150 Mann aus der Arbeit gebracht zu haben, wofür sie den„Reformisten" die Schuld zuschiebt. Mit diesen Teilerfolgen bei Bolle und der„Kraftag" nicht zu- frieden, sucht die KPD. jetzt Kleinbetriebe mit Arbeite- rinnen aus, um„die Kampffront zu verbreitern", t I zweijähriges Kind, bns sie mit in den Tod nehmen wollte, liegen im Westcndkrankenhaus schwor danieder. Daß Mutter und Kind von dem einfahrenden Zug nicht völlig zermalmt wurden, ist größteiteils der Geistesgegenwart des Zugführers zu verdanken, der sofort mit allen Mitteln bremste. Di« Entfernung war aber nicht mehr groß genug, um das Unheil gänzlich zu ver- hüten. 0_ Beamientagung. Kundgebung für die Alsdorfer Toten. Heute vormittag begann im großen Festsaal von Kroll zu Berlin der 7. ordentliche Bundestag des Deutschen LZcamtenbunde-. In seiner Eröffnungsrede gedachte der Bundesvorsiizcnde ülügel zuerst der Opfer der furchtbaren Grubenkatastrophe von Alsdorf in bewegten Worten, die der Kongreß mit ehrfurchts- vollem Schweigen stelzend anhörte. An den Bürgermeister der Stadt Alsdorf wurde ein Beileidstelegramm gesandt. Im weiteren Verlauf seiner Eröffnungsrede erinnerte der Vundcsvorsitzende Flügel bei der Begrüßung der Delegierten aus den ehemals besetzten Gebieten an die zielklar- Arbeit Rathenaus. Ebcrts und Stresemanns für die Befreiung der besetzten Gebiete, deren Erfolg leider keiner der drei Staatsmänner erleben konnte. Als Lerhandlungsleiter wählte der Bundestag ein- stimmig den Regierungsrat Dietrich- Kassel, der die Tagung des Deutsdzen Beamtenbundes nunmehr zum fünften Mal« leitet. Den Reigen der Begrüßungsansprachen eröffneten die Bor- treter der österreichischen Staats- und Gemeinde- beamten, Danzigs und des S a a r g e b i« t s, die ihre Ber- bundenheit mit den veichsdeutschcn bzw. den nicht vom Mutterlande abgeschnittenen Beamten betonten. Der Anteilnahme an dem Schicksal der Hinterbliebenen der Erubenkatastrophe von Alsdorf gab der Bundestag sichtbaren Aus- druck durch den emfummigen Beschluß, die Dundcsleitung anzu- weisen, den Hinterbliebene ir der verunglückten Bergleute zur Linderimg ihrer Not 10 000 Mark aus der Bundeskasse zu übennitteln. Der Nazi als v-Zugdieb. Ein würdiger Eproß am Hitie eingeflürslen UerttaUungsgebäude des WühelmSchachts In vkefeit Schwaden haben dann die Leute den Tob gefunden, b«i denen Erstickung festgestellt wurde. Die Ltrsache ein Räisel. Die Ursache der furchtbaren Satasirophe in Alsdorf ist noch nicht geklärt. Die Verwaltung teilt mit, daß alle Uluni- tiouslager unversehrt aufgesunden worden feien. Dem- nach komme eine Dynamitexplofion nicht in Betracht. Es kommen auch schlagende Wetter»der Sohlen st aubexplo- sioaen nicht in Frage, da die ausgefundenen Toten und Verlehlen alle in Richtung zum Schacht lagen. Bei solchen Katastrophen liegen nämlich die Toten in der vom Schacht abgewandten Richtung. Die Untersuchung der Wettccküren hat mich die Merkwürdigkeit ergeben, daß sie von außen nach innen gedrückt sind. Der Explosionsherd müßte also außerhalb der Grub« liegen. Dafür sprechen auch die oberirdischen furcht- baren Verheerungen. Dos Eindrücken der Wettertüren von außen nach imien soll übrigens den Vorteil gehabt haben, daß die Gruben- gase ziemlich gleichmäßig in die Revier« nach unten gedrückt und sc» verteilt wurden, daß sich schlagende Weiler nicht bilden konnten. Einwandfrei wird von Zeugen auch bestätigt, daß nur ein Schlag gehört worden ist. Das Merkwürdigste an dieser Katastrophe ist, daß eine aus noch unbekannten Gründen erfolgte Explosion im Förderfchacht oder in dessen nächster Umgebung neben der oberirdischen Zerstörung auch noch eine bis auf die M>-M«tsr- Sohl« gehende Wirkung hatte. Der ungeheure Verlust an Menschen- leben ist besonders«rauf zurückzuführen, daß in den unteren Sohlen verschiedene Revier« keinen uitmittelbaren zweiten Ausgackg nach dem Schacht„Anna I" hatten, so daß die dort eingeschlossenen Bergleute nach Zuschüttung ihres eigenen Schachtes sich nicht nach einer anderen Seite zurückziehen konnten.:, Kapphengst ausgeliefert. Der Bombenfabritant kommt zwangsweise zur Heimat. Lugano, 22. Oktober. Der im Alloaaer Bombenlegerprozeß Mitangeklagte klapp. Hengst wird heute von den Schweizer Behörden nach der deutschen Grenze gebracht, um dort den deutschen Behörden übergeben zu werden., Todessprung vom Balkon. Die Tragödie eines arbeitslosen Musikers. Zu der vergangenen Nacht spielte sich im Norden Berlins in der Graun st roße 15 die Tragödie eines Arbeits- losen ab. Im 3. Stockwerk des Vorderhauses wohnt der Musiker Erich Reimann, der feit langer Zeit beschäftigungslos ist. Dadurch geriet er mit seinen Angehörigen immer mehr in Not. Das Gespenst der weiteren Arbeitslosigkeit ließ in Rcimann den Gedanken reifen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. In der Nacht schritt er zur Ausführung der Tat. Unbemerkt begab er sich auf den Balkon und stürzt« sich auf die Straße hinab. Mit einem Schädelbruch und schweren inneren Verletzungen wurde der Lebensmüde ins Lazarus-Kranken- Haus gebracht, wo er heute morgen gestorben ist. Zu der T r a g ö d i e auf dem U-Bahnhof Knie, worüber wir im„Vorwärts" beresis kurz berichteten, erfahren wir noch, doß Eh«'t reit ig leiten das Motiv zu dem Verzwclflnngs- schritt der jungen Frau ivvren. Di« Lebensmüde und i h r ihnen doppelt gezahlt sind, denn dort sind 35 Männer» die von der Stichflamme so schwere Brand- wunden erlitten haben» datz sie noch nicht imstande find an sprechen und auch noch nicht identifiziert werde» konnten. Allgemeines Lob haben sich die an- ßiissise» Belegschaften erworben dnrch ihren ganz S&ie Vrünuiter des Sörderiurms hervorragenden Eifer und ihre unermüdliche Hilfe» leistung. Um 6 Uhr 45 früh war die Zählung der Opfer der Bergwerke- katastropl)« bis auf 134 Tote fortgeführt. Bis mittags gegen 12 Uhr aber hatte man bereits 165 Tote gezählt. In den Krankenhäusern waren um diese Zeit, nachdem schon einige Leute wieder entlassen wvUdcn waren, 99 Verletzte. Von unten kommende Mannschaften berichten, daß aus der vierten Sohle(460 Meier) die Zerstö- r u u g s a st vollkommen ist. Dort allem sind bisher 87 Tote geborgen. Die Aussichten, von der vierten Sohle noch Lebende zu erwarten. sind außerordentlich gering. Von anderen Sohlen werden aber noch lebend Geborgen« herausgebracht. Man darf annehmen, daß zur Zeit noch ins- gesamt 80 Leute eingeschlossen sind, von denen der größte Teil, wenigstens soweit er aus der vierten Sohle vom Unglück überrascht wurde, als verloren betrachtet werdest muh. Zur Frühschicht sind aus Anna I rund 70 Mann eingesahren. An der Triimmcrstätt: Unsere Arbeit im Reichstag Erklärung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Der Vorstand der sozialdemokratischen Rcichstagsjroktion schreibt uns: Die sozialdemokratische Fraktion des neuen Reichstags hatte in ihrer ersten Sitzung vom 3. Oktober 1S30 die Richtlinien für ihre politische Arbeit formuliert. Es wurde darin festge- stellt, daß die Demokratie von allen sozialreaktionciren Kreisen be- droht ist, die die Wirtschaftskrise zum Abbau der Sozialpolitik und zur Senkung der Löhne ausbeuten wollen. Die Demokratie ist aber auch bedroht durch die faschistische Bewegung der Nationalsozialisten und durch die Kommunistische Partei, die selbst in dieser gegen- revolutionären Situation die Arbeiterklasse spaltet und den Kampf gegen die Sozialreaktion und den Faschismus erschwert. Die Sozial- demokratie kämpft für die Demokratie, um die Sozialpolitik zu schützen und die Lebenshaltung der Arbeiterschaft zu heben.„Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion", so wird in der Entschließung betont, „entschlossen, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Arbeiterschaft mit größter Energie zu verteidigen, wird a u f dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung die Bc- seitigung der für die breiten Massen des Volkes unerträglichen Bestimmungen der Notverordnungen fordern und erwartet von allen Arbeiterorganisationen stärkste Akti- vität für die schweren bevorstehenden Kämpfe und die Bereit- schaft, ihren Kampi außerhalb des Parlaments mit allen geeigneten Mitteln zu unterstützen." Mit dieser Entschließung hat die sozialdemokratische Reichstags- fraktion zum Ausdruck gebracht, daß sie sich das, Gesetz deS Handelns nicht von den Gegnern der arbeitenden Klassen vorschreiben läßt, sondern den Weg zu gehen entschlossen ist, den das Interesse des werktätigen Volkes erfordert. Sie hat durch die Annahm« des Schuldeniilgungsgefetzes die Aufnahme eines Auslands- krcdits von 500 Millionen Mark ermöglicht und damit die Auszahlung der sozialen Unterstützungen, der Bcamtengehälter um) der Arbeiterlöhne gesichert. Sie hat der Ueberweifung der in der rcichstagsloscn Zeit erlassenen Notverordnungen zur Beratung im Haushaltsausschuß zugestimmt. Sie hat die Erklärungen der Regierung über ihr Programm zur Kenntnis genommen und ist über die von Nationalsozialisten, Kommunisten, Deutschnotionalen und Landbündlcrn eingebrachten Mißtraucnsonträge gegen die Regierung Brüning oder einzelne Minister dieser Regierung zur Tagesordnung über- gegangen. Die Fraktion hat sich bei dieser taktischen Stellungnahme, die keine Bertrauenskundgebun g für die Regierung in sich schließt, von folgenden Erwägungen leiten lassen: Dle Mehrheitsverhättnisse im neuen Reichstag Die Wahl vom 11. September hat die Mehrheitsverhällnisse im Reichstag vollkommen verändert. Im alten Reichstag hatte die sozialdemokratische Fraktion 152 Mandate bei einer Gesamtzahl von 4SI Mandaten. Sie bildete also f a st e i n 2 r i t t c l desRcichstags. 21 Monate lang regierte die ,:große Koalition", die mit rund 300 Mandaten eine sichere Mehrheit hinter sich hotte. Die Sozialdemokratie war allerdings auch im Kadinett der„großen Koalition" in der Minderheit gegenüber den bürgerlichen Parteien. Im neuen Reichstag besteht diese Koalitionsmöglichkeit nicht mehr. Die sozialdemokratische Fraktion bildet jetzt nur ein Viertel des Parlaments. Nationalsozialisten, Kommu- nisten und Deutschnutionale, die an Stelle der demokratischen Vcr- sassung irgendeine Diktatur setzen wollen, stellen allein 225 unter 577 Abgeordneten: zu ihnen muß man aber noch mehrere kleinere Rechtsgruppen zählen, deren Verfassungstreue äußerst zweifelhast ist. Ein- sozialdemokratische M i n d e r h e i t sr e g! c- rung scheidet von vornherein aus jeder Diskus- s i o n aus. Aber auch das Kabinett Brüning hat keine Mehrheit in diesem Reichstag. Es kann jeden Tag gestürzt werden. Die Frage ist also nicht, o b das gegenwärtig amtierende Kabinett, sondern wann es gestürzt werden soll. Für die Sozialdemokratie ergibt sich als Antwort auf diese Frage, daß die Zustimmung zu dem Antrag, über die von den verfassungsfeindlichen Parteien gestellten Mißtrauensanträg« zur Tagesordnung überzugehen, keine Pertrauenskundgebung für das Kabinett Brüning bedeutet. Nach einem sofortigen Stürz des Kabinetts Brüning. Wenn mit Hilfe der sozialdemokratischen Fraktion die Miß- lrauensanträge gegen das Kabinett Brüning angenommen worden waren, so hätten sich folgende politisch« Möglichkeiten ergeben: 1. Rücktritt des Kabinetts Brüning. Es erhält vom Reichspräsidenten Hindenburg die Vollmachten zur Weitecfüh- rung der Regierungsgefchäfte. Da dieses geschäftsführendc Kabinett keine parlamentarische Mehrheit für seine Mahnahmen findet und ein« erneute Auflösung von keiner Seite befürchtet wird, weil sie so bald nach der letzten Wahl noch keine Verbesserung verspricht, so müßte es gegen den Reichs- tag regieren. Das bedeutet, daß sich' eine solche Regierung nur unter Ausschaltung des Reichstags im Amt halten könnte. Der Dik- tatur-Artikel 48 der Reichsversassung würde dann dauernd auf alle Gebiete des wirtschaftlichen, sozialpolitischen und staatsbürgerlichen Lebens angewendet werden. Nicht nur der Reichstag, sondern auch jeder einzelne Staatsbürger würde feine durch die Berfassung garantierten Rechte verlieren. Wann sie wiedergewonnen werden könnten, ist ganz ungewiß. 2. An die Stelle des Kabinetts Brüning tritt ein vom Reichs- Präsidenten ernanntes Beamtenkabinett, das gleichfalls nur mit Hils« des Diktatur-Artikels regieren könnte. Die Folgen für das Volk wären die gleichen, wie sie oben aufgezählt worden sind. 3. Austrag an den deutsch nationalen Partei- sührer Hugenberg zur Bildung einer Rechtsre- gierung mit Einschluß der Nationalsozialisten. Dies« Regierung wäre nur eine verschleierte Hitler-Rc- g i e r u n g. Da auch die Rechtsparteien keine parlamentarische Mehr- h-it haben, könnt« sich eine solch« Regierung nur halten, wenn sie vom Zentrum toleriert wird. Die Nationalsozialisten wollen aber gar nicht parlamentarisch regieren. Sie wolle:, sich aller Machtmillel des Reiches bemächtigen, vor allem die Reichswehr und die Poli- zei unter ihr Kommando stellen und die maßgebenden Beamten- stellungen mit ihren Anhängern besetzen. Gin« verschleierte oder unverschleierte Hitler-Negie» rung hat die vollständige Ausschaltung des Neich-s- tages und darüber hinaus die Zerschlagung aller demokratijcheu Rechte des Volkes zum Ziel. Di« Folge einer Hugenberg-Hitler-Regierung wäre nicht etwa I eine Entlarvung der nationalsozialistischen Demagogie und auch nicht! die Zerschlagung der Nationaisozialistischen Partei. Eine Hitler-Re- gierunz würde sich die Wiederholung des italienischen Beispiels zum Ziel setzen, also Zertrümmerung aller Organisatio-! nen der Arbeiterschaft, dauernder militärischer Belage-' rungszustand, Aufhebung aller Presse-, Bersammlungs- und sonst!- gen politischen Freiheiten, ständige Gefahr des Bürgerkrieges im Innern und des Revanchekrieges nach außen. Damit wäre auch der wirtschaftliche Zusammenbruch Deutschlands und das Ende einer selbständigen deutschen Nation verbunden, mit all seinen furchtbaren Folgen für das arbeitende Volk. Die Wirkung auf Preußen. Wenn die sozialdemokratische Fraktion im gegenwärtigen Augenblick den Nationalsozialisten und den Kommunisten geholfen hätte, das Kabinett Brüning zu beseitigen, und somit an seine Stelle eine reaktionär« Beamten- oder ein« Hitler-Regierung zu setzen, so hätte das den sofortigen Zusammenbruch der Preutzenkoalition nach sich gezogen. In Preußen, dem größten der deutschen Länder. sind die Aemter des Ministerpräsidenten, des Innenministers und des Kultusministers mit Sozialdemokraten besetzt. Schon wiederholl konnte der Ansturm der Reaktion auf die republikanisch-demokratische Verfassung des Reichs nur durch die feste Haltung der Regierung in Preußen abegwiesen werden. Das wissen die Nationalsozialisten recht gut uiii) deshalb fordern sie nicht nur ihren Anteil an der Regierung im Reich, sondern zugleich auch die Zerschlagung der jetzigen Regierung in Preußen. Im Reich verlangen sie das Reichs- Wehrministerium, in Preußen das Innenministerium und dazu das Polizeipräsidium in Berlin, der Hauptstadt des Reichs. Mit anderen Worten, sie wollen sämtliche militärischen und Polizei- lichen Kräfte in ihre Hand bekommen, um an die Stelle der deniokratischen Selbstbestimmung des Volkes«ine brutale Gewaltherrschaft von oben zu setzen. Preußen soll wieder, wie vor dem Kriege, der 5)ort der Reaktion für das ganze Reich sein. Oer Kampf gegen die Noiverordnungen. Die von der Regierung Brüning nach der Auslösung des Reichstags erlassenen Notverordnungen enthalten nicht nur einige sozialpolitische Verschlechterungen, wie die Einsührung. einer Krankenschein- und Rezeptgebühr, einen Abbau der Leistungen in der Arbeitslosenversicherung und die Einengung der Renten- Versorgung: es befinden sich darin auch die Steuerzuschläge auf Einkommen über 8000 Mark und außerdem der gesamte Haushalt für das laufend« Rechnungsjahr. Tie vorbehaltlose und sofortig« Aufhebung der Rot- Verordnungen würde also einen Zusammenbruch der gesamten öffentlichen Finanzwirtschaft zur Folg- haben. Darüber hinaus müßte sie auch zu einer erheblichen Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung führen, denn durch die Notverordnung sind die Beitragserhöhungen in Kraft getreten, ohne die die jetzigen Unterstützungssätze nicht ousrechtzucrhalten sind. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion handelt also im Juteresse der Arbeiterklasse, wenn sie die sofortig« Aushebung der Notoerordnungen ablehnte und der Ueberweifung an einen Au ss chu ß zustimmte. In diesem wird sie den Kampf um die Indianerfilm„Rothaul". Marmorhaus. Amerika hat außer seinem Ncgerprodlcm auch noch seine Indianerfrage. Man komite gespannt sein, wie der Film sich mit der Sache des roten Mannes auseinandersetzen würde. Leider eul- täuscht die Art der Behandlung. Der Film benutzt den Anlaß, um allerlei interessant« Bilder aus der Indianerreservation in Ari- zona zu zeigen und die mannigfachen Schwierigkeiten vorzuführen, in die Jndianerkinder geraten, wenn sie die Erziehung der Weihen genießen, ohne doch zu vollberechtigten Weißen zu werden. Aber die Hauptsach« ist in ihm doch die Liebesgeschichte. Der Sohn des Navajostammes findet eine treue Kameradin in einer Tochter des ihm seindlichci, Pueblostammes, die ihn in der Schule tröstet, ihm auf die Universität folgt und nach mancherlei Abenteuern und Gc- fahren in ihrer Heimat schließlich die Sein« wird. Di« Feindschaft der beiden Stämme, der Kampf um die Petraleumquellen. die der zu seinem Stamme zurückgekehrte Navajo entdeckt, und das bappx enck mit der Versöhnung der beiden feindlichen Stämme sind oller- bester Filmkitsch. Der Film hat mit der Indianerfrage nur gespiclei und nicht den Mut gehabt, ihr ernsthaft ins Auge zu sehen. Das beste ain Film sind die Landschaftsbilder aus der roten Wüste, die mit dem Technicolorverfahren aufgenommen waren. Im übrigen war er stumm. Richard D i x gibt den Indianer wie ein zweiter Fairbanks als Meister in allen Körperkünsten. Das Jndianermädchen ist die hübsche Eladys Belmont. Wie weit echte Indianer mitspielen, entzieht sich der Kenntnis. r. „Pension Schökler." Atrium. Ein famoser Bühnenschwank ist zu einem langweiligen Film- Manuskript verarbeitet. Ist doch die Idee sehr nett, einem Onkel aus der Provinz, der seinem Neffen Geld für ein nie gekauftes Sanatorium gegeben hat, eine vornehm« Familienpeission als Irren- Haus vorzustellen. Bekanntlich hat ja jeder Mensch seinen Fimmel, und wenn man seinen lieben Nächsten mit dem nötigen Vorurteil betrachtet, fällt es wirklich nicht schwer, ihn für komplett verrückt zu halten. Der Regisseur Georg Iacoby leidet unter der Last, den Schwank als Tonfilm gestalten zu müssen. Seine Darsteller wer- den andauernd gezwungen, zu singen, ganz gleich, ob sie sich nun ein Marmeladenbrötchen streichen oder Kliffe« trinken. Selbst ein junges Paar darf sich nicht von Liebe unterhalten, sondern muß sich in Liegestühlen räkelnd einander ansingen. Zu allem Ueberfluh zeigt man auch noch die singende Trude Berliner in einer sehr schlecht zurechtgemachten Kabarettszene. Wenn nu« wenigstens die Sümme» noch gtd heran stämcn! Beseitigung der arbeiierfeindlichen Bestimmungen der Notveu nung führen, sie wird weiter dafür kämpfen, daß die Leistung� der Zlrbeitslosenversicherung ohne Mehrbelastung der Arbeiterklasi gesichert sind. Auch die ftomtnumsten haben grundjäklich nicht die Aufhebung der gesamten Notverordnungen verlangt, sondern nur einzelner Teile davon. In ihrem Antrag an den Reichstag sprechen sie mit keinem Wo, ve,n dem Reichshaushalt, sie geben also zu, daß eine geordnel Finanzwirtschast gesichert wenden muß, und das bedeutet nicht: anderes, als daß auch sie mit der Beratung der Notverordnungen in den Ausschüssen einverstanden sind und der Uebcrleiwng ihres Inhalts in gesetzliche Formen zustimmen. Damit wird die lhaltiinz der sozialdemokratischen Fraktion auch von dieser Seite her trotz allem Geschrei sachlich gerechtfertigt. Die Mßirauensanträge. Die Sozialdemokratie l)at den Wahlkampf mit der Front geg� das Kabinett Brüning geführt. Sie steht auch jetzt in« n t s ch i e- d e n st e r Gegnerschaft gegen diese Regierung. Trotz- dem hat sie keinen Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Brüning eingebracht, sie hat' auch die von Nationalsozialisten, Kommunisten imd anderen Parteigruppen eingebrachten Mihtrauensanträae abgelehnt. Diese Ablehnung bedeutet aber nicht, daß die Sozialdemo- tratie Vertrauen zu der jetzigen Regierung habe. Tiefe taktische Stellung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion besagt nichts anderes, als daß sie selbst den Zeitpunkt bestimmen wird, an dem sie zum Angriff gegen das Kabinett Brüning vorgeht, Eine solche Taktik ist in Ländern mit gefestigter parlamentarisch» demokratischer Versassung eine Selbstverständlichieit. So steht in England der Minderheitsregierimg der Arbeiterpartei ein« Mehrheit der kouservativen und liberalen Partei gegenüber. Dies« Mehrheit hätte schon Unzählige Mole dos Arbeiterkabinett Maedonald stürzen tonnen. Wenn sie das bisher nicht getan hat, ja ließ sie sich dabei von der Erwägung leiten, daß es weder für die kemservative noch für die liberale Partei und auch nicht für eine konservatio-liberale Mehrheit geraten sei, den Sturz des Arbeiterkabinetts herbei- zuführen und selbst die Regierung zu übernehmep. Die sozialdemo- kretische Fraktion ist jeden Tag in der Lage, mit Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalcn die Regierung zu stürzen, sie kam, aber unmöglich mit solchen Bundesgenossen gemeitisan, eine neue Regierung bilden. Deshalb und weil die Sozialdemokratie van dem Gefühl der Verantwortung für die arbeitende Klasse durchdrungen ist, lehnte sie jetzt die Zlustimmung zu den Mißtrauens- antrügen anderer Parteien ab. Und zwar solcher Parteien, die, wie die Nationalsozialisten und die Deutschnationaleii, offen arbeiterfeindlich sind oder, wie die Kommunisten, durch ihre Taktik zur Schwächung der Arbeiterklasse und zur Stärkung des Faschismus beitragen. Die Sozialdemokmtie und die freie« Gewerkschaften sind das Bollwerk gegen die Herrschaft des Faschismus in Deutschland. Die gesamte Arbeiterklasse muß den parlamentarischen Kampf der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion für die Verbesserung der Wirtschaftslage. für die Drdnung der öffentlichen Finanzen, für die Er- Haltung der Sozialgesetzgebung und für die Sicherung der politischen Freiheiten des Volles mit allen verfügbaren Kräften unterstützen. Aber ob gesungen oder gesprochen wird, es ist alles nur ein Ge- krächze. Trotzdem wird das Publikum nicht allzu stark verärgert und der Film reißt zu wahren Lachstijrmen hin. Das liegt an der guten Schwankidee und dem hervorragenden Spiel von Jacob Tiedke, Hedwig Mangel, Fritz Kampers, Paul Heide- mann und Kurt Bespermann. Der gern gesehene Fritz Schulz kommt diesmal um seine Bombenrolle, obwohl er den für den Tonfilm begeisterten Jüngling mit dem Sprochfehler ganz ausgezeichnet spielt. Bei einer derart schlechten Wiedergabe darf der Tonfilm nämlich gar nicht ein« solche Karikatur herausstellen. e. d. Amerikanisch« Stipendien für die Einslein-Forschung. Die Josuan-Maey-Stiftung in New Port, welche vor kurzem mit einem Kapital von 5 Millionen Dollar gegründet wurde, Hot dem Dozenten an der Wiener Universität Dr. Walter Mayer, einem Mitarbeiter Professor Albert Einsteins,«inen laufenden Beitrag zur Deckung der gesamten Kosten seiner missenschastlichen Forschung bewilligt, die zum Ausbau der Einsteinschen Theorien beitragen sollen/ Kepler-Gedächtnisfeier. Der 300. Todestag des großen Astro- nomen und Mathematikers Johannes Kepler, der am 15. November 1630 in Rsgensbura gestorben ist, wurde in seinem Heimattand Württemberg durch Gedenkfeiern in Stuttgart und in Keplers Ge- burtsstadt Weilderstadt festlich begangen. klejst.Preis 1030. Der für dieses Jahr bestellte Vertrauens- mann der Kleist-Stistung Dr. Ernst Heiib orn hat den Prei, in Höhe von 1500 Mark ungetejlt Reinhard G o e r i n g für sei» Schauspiel„Die Südpolarexpedition des Kapitän Scott" zuerkannt. Gralis-Opernvorstellungen für Erwerbslose. Das Königs- b erger Opernhaus hat eine städtische Subvention unter der Bedingung erhalten, daß für di« Erwerbslosen Eratisvorstellungen veranstaltet werden. Die Generalproben werden zu diesem Zweck ununterbrochen durchaespiolt, und die Erwerbslosen haben dazu kostenfreien Zutritt. Man hat mit dieser Einrichtung außsrordeni- liche Erfolge erzielt. Keine Irrenhäuser mehr— leider nur dem Namen nach. Die Schweiz, deren Irrenanstalten wegen ihrer vorbildlichen Einrich- tu Ilgen Weltruf besitzen, beseitigt die Bezeichnung Irrenhaus. Die Irrenanstallen in der Schweiz heißen von jetzt ab offiziell: Kantonal« Heil- und Pslegeanstallen. Ebenso hat man bei der Anstalt Bellelay das Wort„unheilbar" fallen lassen.(Uebrigens ist Hamburg mit dieser Reform der Bezeichnung längst vorangegangen: die Ham burger Irrenanstalt heißt Staatskrankenanstalt.) VIe vallelljchulc Eduacdowa gibt ibre diesjährige Tanzmatinee an 96., U'l, Uhr, im Theater am Rollendorfplatz. Dle Akademie- Ausstellungen. Die zn Ehren des Schöpsers der Mn- scumsbaupläne Allred M e l s c l in der Akademie der Künste veranstaltete Ausstellung ist noch bis einschließlich Freitag geöffnet. Der Eintritt ist im- entgeltlich. Die in den grohcit üluSstcllungSränmcn der Akademie gezelgie Ausstellung von Meisterwerken aus de» Preußischen Schlösser» bleibt noch bis Ende Zlopembcr geötznct., Italiens Arbeiterelend Daheim arbeitslos— Auswanderung gesperrt! Genf, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Dns Elend der italienischen Arbeitslosen ist durch die Freigabe der Ausmandenmg nun noch verschärft worden. Im Augenblick, wo die faschistische Regierung plötzlich die Auswandcrungspässe freigab, strömten ganz« Heersäulen von Arbeitern nach der Schweiz und Frankreich. Der Dammbruch war so stark, daß er die 'Arbcitsmärkte mit einem Ucberongcbot von Arbeitskräften über- schwemmt hätte, deren verzweifelte Lage auch die niedrigsten Schondlöhn« unterboten hätte. Zuerst schloß Frankreich seine Grenzen diesem gefährlichen Strom! täglich werden lange Züge voll Emigranten über die italienisckze Grenze znrückgcschassst. Rur die ganz wenigen Italiener, die einen„Arbeitsschein" für Frank- reich haben, können die Grenze überschreiten. Besonders der elsässischc Bahnhof in Basel ist täglich der Schauplatz erschütternder Szenen. Trotzdem wurde die Flucht aus Italien mit jedem Tag« stärker. Da griff die Schweiz zum gleichen Selbstschutz wie Frankreich, auch hier werden die Auswandererbataillone rücksichtslos wieder über die Grenze abgeschoben. Aber die Verzweiflung der italienischen Arbeiter will nicht an das Bcrsogen der einzigen Hoffnung glauben; an ollen Grenzstationen versuchen die Aermsten. die meist ihre letzten Ersparnisse oder den Erlös aus dem Deckaus ihrer kümmerlichen Habseligkeiten für die Fahrkarten ausgegeben haben, aus geheimen Wegen über die Grenze zu kommen. Betrüger, die sich als Führer anbieten, nehmen ihnen noch das Letzte ab. Kommen sie wirklich über die streng bewacht« Grenze, dann werden sie dahinter meist doch noch abgefangen, llm nun die gc- fährliche Ansammlung der durch die strengen Maßnohmen der Schweiz und Frankreichs abgeschobenen Arbeitslosen, die dazu meist aller Mittel entblößt sind, in Oberitalien zu vermeiden, hat Mussolini eben so plötzlich die Auswandererpässe wieder sperren lassen. Wiederum kann kein irgendwie verdächtiger Italiener legal über die Grenze, und sofort beginnt auch schon wieder der wetllous mit dem Tode über die im Reuschnee liegenden Alpeir. Denn nichts mehr kann den verarmten Proleten Italiens schrecken, der Faschismus hat sein Heimatland so grauenhaft verwüstet, daß auch die geringste Chance, dem Hungertode zu entgehen, immer noch als besser empfunden wird als der Schrecken und Hunger ohne Ende in Italien. Schließlich hat sich die Regierung gezwungen gesehen, für öffentliche Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit ini Winter nochmals 1ZS Millionen Lire zu bewilligen und Kredit- erleichterungcn für den Wiederaufbau der Erdbebengebiete zu be- schließen. Viktor Emanuels palästinafahrt. Haifa. 22. Oktober.(Eigenbericht.) Der bevorstehende Weihnachtsbesuch des italienischen Königs in Jerusalem gilt der Förderung der faschistischen Orient- Propaganda in Palästina. Diese Propaganda sucht die Diffe- renzcn zwischen Christen und Mohammedanern auszunützen, um Italien statt Frankreich als katholische S ch u tz m a ch t in empfehlend« Erinnerung zu bringen. Dahinter steht die Hofs- nung, italienische Mandatswünschc verwirklichen zu können. Phrasen statt klarer Antwort. Die kommunistische Politik führt geradeswegs in den Faschismus. „Glaubt die„Rote Fahne*, daß die Arbeiterklasse bester fahren wird, wenn die Reichswehr Herrn Fr ick und die preußische Polizei Herrn Goebbels untersteht? Man hat doch wohl das Recht, von den Kommunisten eine präzise Antwort— nicht irgendwelche ollgemeinen Phrasen— auf die Frage zu hören, wie sie in einer solchen Siwation erfolgreich für die Arbeiterklasse zu operieren, namentlich die Gefahr einer Rechtsdiktatur zu verhindern gedenken." So haben wir am Dienstag geschrieben, als wir der Kam- munistischen Partei die Frage vorlegten, wie sie sich dos Weiter« vorstelle, wenn mit ihrer Hilfe im Reich und in Preußen Nazi- rcgicrungen ans Ruder gekommen wären. Die Antwort ist heute da. natürlich niäit die von uns verlangte präzis« Antwort, sondern die erwarteten Allerweltsphrosen. Zunächst sucht die „Rote Fahne" den klaren Tatbestand zu vertuschen, indem sie dreist und gottcsfürchtig behauptet: „Es ist eine niedrige Verleumdung, daß die Kommunistische Partei eine offene Faschistenregierung erstreb«. Auch uns Kommunisten ist es nicht gleichgültig, welche Re- gier ii ng herrscht. Wir wissen: Wenn Braun und W a c Ii t i g das Proletariat brutal unterdrücken, daß F r i ck und Goebbels das noch zchmnol blutiger tun werden." Unsere Erwiderung: Was bedeutet« alsdann der kommumsusche Versuch, in Preußen in Gefolgschaft und im Jnterest« der Rechts- porteien die Regierung Braun— Waentig zu stürzen? Er bedeutele da» gradlinige Bestreben, das preußische Proletariat an die— nach den Worte« der«Boten Fahne"— „zehnmal blutigeren" Frick u«d Goebbels«mszvliefern! Es ist nicht nur keine Verleumdung, sondern, wie Preußen beweist, nockteste Tatsache, daß die koumunistische Politik dahin strebt, an die Stelle sozialdemokratischer Mini st er Nationalsozialisten zu setzen. Wie sich alsdann die Kommunistisch« Partei das Schicksal des Proletariats unter natioinrlsozialistiseh-faschistischer Dilta- wr vorstellt, war der Kern unserer Frage. Die„Rote Fahne" weiß darauf nur zu erwidern, daß alsdann der Arbeiterklasse ein „schwerer, ernster und erbitterter Kampf" bevorstehe: „Aber wir wissen, daß es keine Regierung in Deutschland g�ben kann, die gegen die revolutionär« Masse nkrast der Arbeitermillionen auch nur eine Stunde re- gieren kann, wenn die Sturmflut der kämpfenden proletarischen Cinhertssront gegen sie anbraust." Unsere Erwiderung: Auch wir halten den Faschismus keines- Wegs für eine ewige und unüberwindliche Macht, sondern sür eine— aus historischen Perspektiven gesehen— vergängliche Zeiterscheinung. Aber all« bisherige Ersahmng zeigt, daß die Vertreibung des einmal an die Macht gelangten Fasthis- mus, sobald er sich in dieser eingewurzelt und fe st gesetzt hat, alles andcre als«in Kinderspiel ist. Wenn die „Rote Fahne" meint, daß der Faschismus in Deutschland nicht „auch nur eine Stunde" werde regieren können, so erlauben wir uns, daraus hinzuweisen, daß der italienische Faschismus bereits acht volle Jahre, das ungarisch« Horthy-Rcgiment bereits elf volle Jahre besteht und daß, so gewiß auch einmal diesen Systemen ihre Stunde schlagen wird, die- nicht durch«ine� beliebig herbeizuführende Revolte geschehen' kann, nachdem es der Fofchis- mus verstanden hat, alle physische, staatlieh« und rechtliche Macht in de? Hand seiner Anhänger zu vereinigen. Die„Rote Fahne" meint einen Trumpf auszuspielen, wenn sie von den Sozialdemo- k reiten schreibt: „Darum meinen sie(die Sozialdemokraten), dos Proletariat müsse tatenlos, kraftlos, wehrlos einen Frick oder Goebbels an der Spitze des Staates erdulden." Das meinen wir keineswegs, ober wir meinen, daß in Thüringen ja tatsachlich Herr Frick an der Spitze des Staates steht und die KPD. das Mittel zu seiner Beseitigung trotz'alle? großspurigen Worte bisher noch nicht gefunden hat. Wir stellen also fest, daß die„Rote Fahne" über die Beseitigung der Faschisten, nachdem ihnen einmal der Staat ausgeliefert worden ist, nichts weiter als Phrasen zu sagen weiß. Damit erledigt sich auch ihre Gegenfrage, ob die Sozialdemokratie ihre eigene Politik als„Verrat" anerkenne?— Wir werden niemals eine Politik als Verrat an der Arbeiterklasse bezeichnen, die be- strebt ist, dem Proletariat die Leiden der faschistischen Unterdrückung, die Torturen eines Musiolinischen Gewaltregiments, die demütigende und qualvolle Situation des wasfenlofen Unterlegenen zu ersparen! Aeuer Lohnkürzungs-Gchiedsspruch. Für die Herrenwäsche-Industrie Verlin und Bielefeld. Bielefeld, 22. Oktober.(Eigcnberichi.) Für Berlin und Bielefeld hat der Arbeitgcbcroerband den Manteitarisoertrag nebst Lohnabkommen gekündigt, um eine zehn- prozentig« Lohnkürzung und weitgehende Verschlechterungen des Manteltaris Vertrags in den Ferien- und samtigen Bertragsbestim- münzen durchzusetzen. Die Parteiverhandlungen waren ergebnislos, worauf ein vom Reichsarbeitsmimster«ingesetztes Sondcrichicdsgericht unter Vorsitz des Schlichters Kl o st e r ma n n- Dortmund in Bielefeld zusammentrat. Nach zweitägiger Verhandlung wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Der G e s a m t l o h n der im Akkord Beschäftigten wird von der nächsten Lohnwoche ob um 4,5 Pro,, ermäßigt, desgleichen die Löhne der im Zeitlohn Beschäftigten um Z.5 Proz. Es bleiben bestehen die Löhne der Lehrlinge in Berlin und Bielefeld, des- gleichen werden die Löhne sür die ungelernten Hilsskräste nicht reduziert. Ausgenommen von dieser Regelung sind die Arbeit- nchmer am laufenden Band in Bicleseid. Die Rahmen- tarisverträge bleiben in der bisherigen Form und Fassung weiterbestehen, soweit nicht zwischen den Parteien über einzelne Punkte eine Einigung eerzielt wird. Die Neuregelung sür den Mantel- und Lolintaris ist gültig bis zum 31. März 1031 mit einer einmonatigen Kündigungsfrist. Die Branche nversammlungen in Berlin und Bielefeld werden in den nächsten Tagen zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. dessen Erklärungsfrift bis zum 29. Oktober läuft. Die Arbeitnehmer- jchast steht auf dem Standpunkt, daß jeder Lohnabbau bei dem gegenwärtigen Tarisstand unerträglich ist. Es ist daher bestimmt damit zu rechnen, daß sie den Schiedsspruch ablehnt.__ Zluchi aus den Vereinigten(Staaten. Arbeitslose wollen abgeschoben werden. San Franziska, 22. Oktober. Der hiesige Bundcskommissar sür Einwanderung erklärte, daß Ausländer in solchem Umfang um Abschiebung durch die Einwandcrungsbehörden ersuchten, daß die vorhandenen Mittel Nicht ausreichten und nur ganz unerwünschte Elemente abgeschoben wer- den könnten. Der Massenandrang zu der sonst so gefürchtet«« A b- schiebung wird der großen Arbeitslosigkeit Zuge- schrieben._ Bekordsluq England— Singapur. Der durch seinen Flug um die Welt betanntgewordenc australisch« Flieger K i n g s f o r d Smith, der sich zur Zeit auf einem Flug nach'Australien besindet, ist am achten Tage nach seinem Ausstieg in England in Singapur ein- aetroften und hat damit den bisherigen Rekord für die Strecke England— Singapur um fünf Tage unterboten. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt, ohne e che Wiche Niederschläge, Temperaturen wenig verändert, südwestliche bis westlich: Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Osten noch vielfach leichte Regensälle. sonst wechselnd bewölkt, im ganzen etwas kühler als heute. Dmntwartl. Mr dir Redaktion: F-an»»lSd«, Berlin: Anzeigen: Th.«locke, Berlin. Verlag: Bonnäris Berlaa®. ni. b. f>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 6333 88, Lindenstrake 3. Kirr»» 1 Beiloge. .Mittwoch. 22.10. Staats-Oper Unter ä. Linden A.-V..32 lO'/s Uhr FfirsflSAr Ende 22','j Uhr Mittwoch, 22. 10. Stadl Oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Tosca Ende 22 V» Uhr Staats-Oper la Nati der üiaatiit. V-B. IBä Uhr Roflmonns ErzfiPlungeD Oeftentl. kartrmrtwf Ende 22-4 Uhr Staat). Steph. do CndanMomirtt). 45. A.-V. 20 Uhr tadiidit! Gritfrit- mitileTeUeriieiiHasd Ende 2Z>/- Uhr M.Miiilet-Wer.Qiarltlig. 20 Uhr NORA. Ende 23 Uhr "'vvr CASINO-THEATER 8v'Uh' coihrin�er Strafe 37_ UnwidermiUcb nur bl» SO. Okiober Hurrah, ein Junge I miiiiiiiiiiiitumiiiiinMMuiiiiuniiMiMiimii Am 1. November 19S0 zum U Maies Arm wie eine fiirchenmaos Gutschein 1— t Pers. Fauteuil 1,25 M. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75. Rang 60 Pfg. Lustige Witwe Hesterberg. Hansen, Arno, Sehollsrer. JanUnhn.Seliaeaci*. Winkelstern, DesnL RBGIKt O H A R K T, I, Volks bttlue Tlieitir an BSIorplati. 3 und 8 Uhr Die Weber v. G. Hauptmann Regie: K. H. Martin. TMater an SdiittbausniBimn 8V4 Uhr Jud Süß! Staatl.Sdriller-ft- 8 Uhr Nora Staatsoper Am PI. d. Republik Vh Uhr Hoflmanns Erzamuntien Rose• 1 beater Gr.FrBo Starter Str.i32 TeI.Alex.3422u.340t 5 Uhr ainsei nnd Grete! 8.15 Uhr In der Jobannlinacbl Wim st» Dönh 625,626. Täglich S Uhr Alexander Moissi „Der Idiot" ▼. DettofenddJ WM Theater 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachtstraum ütgit: Hin üiiiilunlt. ßammerspiele S'a Uhr Elga »im Sirhart Haaptam Dcait: teln Hartiinj. Die Komödie 8Vi Uhr Der Schwierige m Hgji nn Hctsnnilkil. Reg«: Mu leintanlt. Oeulsehes KOnstier-Tbeal. Tel. Baraaressa 3937 i>>/4 Uhr Jim und Jili Ente Mosbeiiii, laraia Pauian Renaissance- Theater Steinplatz 678 8-/4 Uhr. von Max Alsberg und O E. Hesse DaiMvskHlllioeii Thtaler in der Stresemnnnslr. Täglich 8-, 4 Uhr Sturm im Wasserglas butUit vob FraiHr. Komödienhaus 8V« Täglich 8 V« Konto X »M Bcnmier Ulli Destsfrekher Neues Tbeater ' am Zoo—— tni Balmh. Zoo. StpL 6554 Täglich 8-/4 Uhr Max Adalbert in Hasenklein mmz TE In Unlrtlsgilut S-/. ühr: Csärfldsianün In PraaUruluttping Komische Oper 8-/- Uhr Das Mädel am Steuer Operette» Gilben Bullös Fralte: n.Esngtbl.-M. I.Rang t64.50M, Parket! ab 3.- M. DlrttL Earaeatclet. Mirkur 9S01 Kleines Theai. Merkur 1624 Täglich S>/4 Uhr Wassersdien Uopaldnn Kmstaotnv, Ralph. CM. tobt taute. Lq-l. Im- Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Direktion; Ralph Arihnr Roberts s;« Das träSHcho madchen Englisch— Roberls— Jansson. (Hans Rose3 „Ii in ManiiffidU" Stärmischos Lachen! Entzückende Musik! Traute, Haas u. Willi Rose Wochentaifs 8* Chr; Sonnabends 7 und 10« Uhr Preise voa 50 Pf bis 3.— M. Programm u. Gardsrobe je 25 PI (kein Zwang). Theater für die Kinder: Kommenden Mittwoch 5 Uhr: „Üftnsel und Gretel" Kommendon Donnerstag und F roitag, 5* Uhr; Familien-Nachmittage Daa Lustspiel„Kuknli' mit Tränte Rose Preise von 30 Pf bis 1.50 M Garderobe und Progremm je 1 0l. Kaffee mit Kuchen 25 Pi Kommendon Sonnabend 4'-Uhr „DorDröMchcn" Billettkasse: Alex 3422 n. 3464 GT.FrankfurterStr.132 Theater Lustspieihaus Bit.: Uns UpsHtz Täglich 8U4 Uhi meine Schwester ond ich Mpsikvoa Benatzky Lory Leux. Kurt von M5llendorf "ThMlßram SdriStösaer flamm Täglich 8V4 Uhr Jud Süß! von Paul Kornfeld. Ikl: Uop. JeSnr mit Ernst Deutsch Ausschneiden! Zentral-Theat. Täglich SV» Uhr Sonnt auch S1!* Uhr Eine Freundin so goldig wie Du Operette v. Meisel. Von. für Pirtett at statt4.- H. im I■" gültig nm 22.-21 OkL Sonntags 3 Uhr Rotnappcnen «WM R�tourant Berlins BETRIEB, KEHPINSKlt PfcAZA Tagt. 5 o. S" SS8flI.2, So. 8" Alex. E 4, 8066 Sylvester Schäffer Charley-Willlaros-Boiso usw. Theat. d. Westens SV. Uhr Brest Litowsk toi Um J. Rehfisdi, KayGler. Horcolka. Bllilt. Low. Sdicft, teldeo, üinsberg. Lessing-Theat. Heute 7Va Uhr Promiere Elisabeth, Königin von England von Lenormand Höflidi, Eehnunn. So. II Va Uhr: HoditvoiTtilliing Gruppe junger Schauspieler FluAt nadt Sdtandliai meiropol-Theater Täglich 8'/. Uhr SensAiloBClIer Operelteaer folg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Theator am Kotti Tor Kottbusser Str. 6 F.8. Oberb. 6070 rägI.8V»U, Soest, auch 3>Ä Dkr Eiue- Sünder Präsident Zunkel Cr. TraaBspie!- barltslu Söiorsöi ßBseiii Reichshallen-Theater Abends|7| Sonntag naefam.[ 3;| stettiner ssnsep Zum SchluB. „Wir ollen Berliner" Nachm. ermäBigte Preise Dönhoff- Brettl: Das gr. Variete-Programm. Tanz.• Kapelle Hans Sixtus. 8.15 Uhr- Baaffin crlanhi Ttffany Twin». Dora Kasan u. Nester. Prof. Pntlos 5 singen- doLadlos. Brown u.LaHert usa. [| Donnerstag, d. 23. Oktbr. naebmittags 3 Uhr Strample wasche KhI&iu Eieil Moses Ml. Birkenstr.29(Eike PalUlzstr.) ■■■■■■■■■■BBaraKwi Berliner Fahnenfabrik Fischer 4 Co..Walistr.84 U-B. laselbrlckB, AD Herkor 45C0-82 #4.1. Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! (üeilo�e Mittwoch, 22. Oktober 1930 SprÄbimi StialaukCetße jI& Im Narrenhaus des Kaiserreich Zu Fürst Bütows Denkwürdigkeiten 1, Der Kanzler Wenn Hegel in seiner„Philosophie der Geschichte" neben den „wahren historischen Meisterwerken" dieser Gattung solche politische Memoiren erwähnt, die,„von geistreichen Kopsen über kleine Zu- somnienhänge geschrieben", soviel Anekdotisches enthalten,„dah ihnen ein dürstiger Boden zugrunde liegt", so sollen F ü r st Bülows Denkwürdigkeiten, deren erster Band im Verlag Ullstein. Berlin, soeben erschienen ist, unbedingt in dieses Fach. Hingeplaudert, spielerisch, flach, geistreichelnd, voller Anekdotenkrom, deshalb oft amüsant, und dennoch ist es ein erschreckendes Buch, ge- eignet, wenigstens die denkfähigen unter den sich nach dem alten Regime sehnenden Gamaschenknöpsen, Kriegervereinsvorsitzenden und Hoflieferanten zu strammen Republikanern zu bekehren. Denn als welches Narrenhaus enthüllt sich d a s Kaiserreich in der Schilderung dessen, der über ein Menschenolter hinter olle Kulissen guckte und ein Jahrzehnt lang der politische Geschäftsführer der Firma Wilhelm II. u. Co. war! Eine Suimne von Unfähigkeit, Eigennutz und Spiegelfechterei an den führenden Stellen, Ränke, Verleumdungen, Wegbeißerei des einen durch den anderen an der Tagesordnung, entscheidend immer die unsachlichsten Gründe! Das einzig uneingeschränkte Lob des Buches:„Ich habe selten tüchtigere, bravere, ausgezeichnetere Menschen gekannt", gilt es Diplomaten? Generälen? Würdenträgern? Hofschranzen? Nein, so anerkennend äußert sich Bülow nur über die Kanzleidiener im Auswärtigen Ami. Selbst Bismarck, vor dessen Standbild sein Nachfolger den Fußboden mit der Stirn berührt, erscheint in diesen Erinnerungen mehr als einmal in merkwürdigem Licht. Die Kolonialpolitik etwa leitete er nicht ein, weil er glaubte, daß Deutschland überseeische Be- sigungen brauche, sondern nach verzwickten Erwägungen nur, um zwischen Deutschland und England künstliche Reibungsflächen zu schaffen, damit Friedrich III. und Wilhelm II., damals noch Kronprinz und Prinz Wilhelm, beide als Englandfreunde bekannt,„uns nicht zu sehr in die englische Intimität und damit zugleich in die englisch« Abhängigkeit führen könnten, was vom Standpunkt der auswärtigen Politik ebenso be- dcnklich märe wie im Hinbück auf unsere inneren Verhältnisse". Aber am schlechtesten kommt Bülow selber weg, dem grenzenlose Eitelkeit bei diesem Werk die Feder geführt hat: wie ein alter Mime sich die vertrockneten Kränze vergangener Triuniphe an die Wand hängt, reiht der Kanzler Wilhelms II. die oft sehr inhaltslosen Glückwunschbriefe und-dcpeschen zu einer Beförderung oder einer Reichstagsrede säuberlich in seinem Buche auf. Auch bleibt der Band die„Gerechtigkeit und Objektivität", die die Vorrede ankündigt, fast immer, schuldig.. Er gibt sich subjektiv bis zur Gehässigkeit, aber es ist eine kleine, schäbige, hämische Gehässigkeit, nichts von jenem Groll des gereizten Löwen, der Bismarck gestehen ließ:„Ich habe diese ganze Nacht gehaßt!".Wenn Bülow den Professor Hans Delbrück, der ihn nicht nur an Geist und Einsicht turmhoch überragte, mit Mätzchen vor dem Leser lächerlich zu machen sucht oder wenn er den„aus Galizien über Berlin nach München verschlagenen Avcnturier. Kurt E i s n er" erwähnt, so sogt das ebensoviel gegen den Schreiber dieser Denkwürdigkeiten aus wie die Verunglimpsung des freisinnigen Abgeordneten Dr. Struve, der in Marinesragcn ungewöhnlich gut Bescheid wußte und deshalb den Tirpitz-Mumpig-Machern ein Dorn im Auge war: von ihm spricht Bülow als einem„Arzt für Haut- und Harnleiden in Kiel, der seine nautischen Kenntnisse aus Spazier- gangen am Kieler Hafen erwarb und aus Gesprächen mit Matrosen und Marineinsanteristen, die, von den Pfeilen der Venus getroffen. bei ihm ärztliche Hilfe suchten". Wer so unvornehm zu polemisieren versteht, hat bei allein„weltmännischen" Gehaben, aus das der von Wilhelm Gefürstete etwas emporkömmlingshaft stolz ist, eine schmierige Stelle in seinem Charakter: ein Gentleman ist er nicht. Nur steht der Politiker Bülow noch hüllenloser, noch enthüllter da als der Mensch Bülow. Die Denkwürdigkeiien schrieb er nach Weltkrieg und Ausainnienbruch, aber an diesem sorgfältig gescheitelten Kops waren die furchtbarsten Lehren der Zeit spurlos vorbeigegangen: er hatte nichts gelernt und nichts vergessen. Auf den mehr als bOll Seiten seines Wälzers sah er in der Rückschau sein Werk an und siehe: es war sehr gut. Bülow hatte alles richtig beobachtet, olles richtig berechnet, alles richtig gemacht— speist Bülow auf dem Prytoneion! Dabei genügt der Fall Holstein, ihn aufs Schwerste zu belasten. In diesem einfluß- reichsten Manne des Auswärtigen Amtes, der nach unersorschlichen Ratschlüssen, zum Teil zugunsten seiner Börsenspekulationen, hohe Politik auf eigene Faust trieb, und durch seine sogenannten Privat- telegramme die Botschafter und Gesandten des Reiches oft anders als der verantwortliche Chef inspirierte, sah der Staatssekretär mit Recht„einen unverbesserlichen, weil von pathologischem Mißtrauen erfüllten Ränkeschmied": der in Bismarcks Hause nur„die Blind- schleiche hieß, erschien auch Bülow„wie ein tückischer Wolf, der hinter das Gitter gehört, nicht ins Freie". Nichtsdestoweniger ließ er Holstein aus geheimnis- vollen Gründen durch Jahr und Tag seine unheilvolle Neben- regicrung weiter ausüben. Stieg zu Zeiten auch aus der liberalen Presse Weihrauch zu Bülow auf, so erweist dieses Buch klipp und klar, wie sehr er den Mächten der Vergangenheit verhaftet war. Wischiwaschi ist, was er als sein politisches Ideal angibt:„Verbindung altpreußisch- konservativer Tatkraft und Zuckst mit deutschem, weitherzigem und liberalem Geist." Denn das hieß: für die stramme Zucht des junkerlichen Obrigkeitsstaates eingenommen, besaß er keinen Nerv für die verantwortungsbewußte Freiheit des Volksftaats D i e Sozialdemokratie gar? Mit einem verdächtigen Eifer wendet er sich bei jeder Gelegenheit gegen das Kannegießern des deutschen Stammtischs, ober das Zerrbild, das er sich und anderen von der Arbeiterpartei eniwars, kommt auf die Zwangsvorstellungen des ordinärsten Kannegießers heraus. Der Ehrentitel eines Staatsmannes gebührt ihm nicht, ober auch als Diplomat war er weit eher ein Zeitgenosse T a l l c y- rands, als den wirkenden Kräften des.zwanzigsten Jahrhunderts verbunden und ließ sich von seinen reaktionären Grundtrieben leiten, wenn er ein intimes Verhältnis zu Rußland für lebens- stächt! yr hwlt als eine Lerftändigmig out Englaod; an den Zaris- MUS kettete die Berliner Politik die Spießgesellenschaft beim Raube an Polen, während eine Bindung an London die Wünsche noch Einführung des parlamentarischen Systems in Deutschland beleben konnte. Vor allem aber war, trotz geschniegelter und gebügelter Weltanschauung, hypnotisiert durch den brutalen Machtstaats- gedanken, der„Kanzler der Weltpolitik" auf den Flottenwahnsinn des Admirals T i r p i tz eingeschworen und blind dafür, was sogar der Geheimrat H o l st e i n erkannte, daß nur eins oder das andere möglich war: entweder Ausbau einer gegen England gerichteten Schlachtflotte oder Freundschaft mit England. In seiner leichtherzigen Rosaseherei glaubte Bülow beides erreichen zu können und schlug, im Grunde nur, um die Flottenpläne nicht einschränken zu müssen, das ernste Bündnis- angebot Chamberlains in den Wind. lieber diesen Kardn. fehler der deutschen Republik tänzelt der Memoirenfchreiber m ein paar unverbindlichen Redensarten hinweg, um zugleich oll Schuld am Ausbruch des Weltkriegs seinen unfähigen Nachfolgen aufzuhalsen. Aber System, Logik, Leitgedanken steckten, wie die Denkwürdig keften klärlich zeigen, in der Politik Bülows überhaupt nicht Seine Taktik beschränkte sich aufs Lavieren, aufs Durchfrettcn, aus ein Von-derHand-in-den-Mund-Leben, wie er selber ein Plauderer und Plätscherer, ein Schmuser und Schaumschläger, ein Seiltänzer und Jongleur war oder, wie es der Staatssekretär Gras Posa- dowski-Wehner faßte, der jämmerlichste Windbeutel, der ihm je begegnet sei. Hermann Wendel. In Lasistans Bergen Vormarsch durch unbekanntes Gebiet Das paradiesische Asferostal So ähnlich habe ich mir den Garten Eden vorgestellt, wie dieses in paradiesischer Schönheit strahlende Hochtal in den Dorbergen L a s i st a n s. Es ist fast von der Außenwelt abgeschlossen. Nur ein schmaler Saumpfad über einen Paß führt zu der Küste des Schwarzen Meeres, nach dem Städtchen Riza. Unsere mit Nahrungsmitteln und Ausrüstungsgegenständen noch vollbeladenen Pferde sind aus dem allzu langsamen Tempo des Lasttieres nicht herauszubringen. Die Treiber wollen sie vor den Strapazen des Anstiegs auch nicht überanstrengen. Von allen Seiten kommen die Männer aus den Häusern gelaufen, setzen sich an den Wegrand und lassen diesen selssamen Zug an sich vorbeimarschieren. Immer wieder begegnen wir kleinen Gruppen verschleierter Frauen, die schwerbepackt vom Felde heimkehren oder von Ort zu Ort ziehen. In den Kaffeehäusern am Wege sitzen Soldaten, Händler und Bauern, nichtstuend, spielend und erzählend. In den Wiesen am Bache liegen lange Streifen frischgesponnener Leinwand, die in der Sonne bleichen sollen und deshalb von Männern mit langen Schaufeln dauernd bespritzt werden müssen. In den Feldern wächst sonst fast nur Mais, zweimannshoch, oft drei bis vier Kolben tragend. Wenn der Weg durch die Gärten der schönen Türkenhäuser führt, dann ist kühlespendender Schatten. Wilder Wein rankt sich über unsere Köpf« hinweg. Brombeer- und Himbeersträucher blei- ben ungepflückt und geben für uns eine reiche Ernte ab. An den hochgewölbten Brücken stehen primitive Wassermühlen. Ein be- siebter Platz für einen Schwatz der Männer. Verschleierte Sennerinnen Nun geht es ernstlich bergauf. Die letzten, großen Bauern- Häuser liegen hinter uns. In steilen Serpentinen windet sich der schmale Saumpfad durch den subtropischen Wald. Die Hitze macht uns jetzt ernstlich schlapp. Ein schwüler Dunst liegt schwer auf den Lungen. Das schon seit Wien geschluckte Chinin wird uns hoffentlich vor der Malaria bewahren. Blühende Rhododendron- sträucher, wild wucherndes Lorbeergestrüpp und reiche Früchte tragende 5?eidelbeerbäume von«in bis zwei Meter Höhe geben dem Urwald etwas besonders Fremdartiges, fast tropisch anmutendes Aussehen. Doch mit der steigenden Höhe verschwinden allmählich die Laub- bäume. Wie in den Alpen geht es nun durch eine Region Nadel- w a l d, bis schließlich nur noch das Rhododendrongestrüpp übrig bleibt. Dieses, unseren Latschen ähnliche Gewächs reicht hinauf bis zu einer Höhe von 2500 Metern und gibt gutes Brenn- holz ab. Ebenso wechselt natürlich auch das Klima. Mit Freude legen wir uns auf der Anhöhe in den erfrischenden Wind, der so kalt wird, daß wir die bis jetzt nur als unnötiges Gepäck angesehenen, dicken Jacken herausholen müssen. An der ersten H o l z h ü t t e auf der weiten Almwiese machen wir Mittagsrast. Die Pferde werden abgepackt, wälzen sich vor Freude am Boden hin und her und suchen sich selbst ihr Futter. Aus vier gekreuzten Eispickcln ist schnell ein Fe u erstand ge- zimmert. Aus den Zinnkisten tauchen dicke Paket« mit Maggisuppcn auf, unsere Dauernahrung für die nächsten Wochen. Durch den niedersteigenden Nebel hören wir das Gebimmel weidender Kühe. Unsere Bergsteiger fühlen sich wieder stark, sie riechen heimatlichen Boden: die Nähe des' Hochgebirges. Jetzt tauchen auch Menschen aus der Hütte aus. Doch nicht die„hübschen" Sennerinnen unserer Berge, mit großen Füßen und fast ebenso langen Händen, sondern klein«, in bunte Tücher verwickelte Gestalten, ihr Gesicht bis an die Augen zuhaltend, so daß ich darüber leider keinen Vergleich mit den bayerischen Mädels anstellen kann. Weisse Flecken in der Karte Die Freude an der herrlichen Höhensonn« sollte nicht lange dauern. Noch ehe wir unser Mittagslager abbrechen, kommt dichter Nebel von den Höhen herab. Die Händler, die gelegent- sich mit einer Karawane ins Innere reisen, hatten uns schon in Rize von diesem undurchdringlichen Dunst erzählt, der elf Monate im Jahr die Berge einhüllt. Keiner von denen, die schon oft die Paßroute über den Demir Dag, unserem nächsten Ziel, gemacht hatten, konnten jemals den Gipfel„unseres" Berges, des K a t s ch- gar Dag. oder Darsambek. wie er hier genannt wird, erblicken. Zudem wird unser Weg jetzt unbestimmt. Vorläufig folgen wir zwar noch einer Route, die in unserer Karte eingezeichnet ist und von russischen Offizieren schon vor dem Kriege begangen wurde. Später ober müssen wir nach den Angaben des türkischen Klubs abbiegen und uns der Führung der Treiber anvertrauen. Auf der Karte ist das Gebiet noch nicht eingezeichnet: ein großer, weißer Fleck der uns gerade angezogen hotte. Hinzu kam die Empfehlung von Rickmer-Rickmers, der uns diese, von Europäern ganz selten besuchten Berge des Transkaukasus als Exkursionsgebiet geraten hatte, nachdem das Hochland von Pamir durch die Weigerung der Russen ausgeschlossen war. Und nun waren wir noch all den Vorbereitungen endlich dort. Vor uns liegt«ine Welt der Geheimnisse, der Romantik, des Un- erforschten. Wir sind nur«ine kleine Gruppe, völlig aus uns selbst gestellt, von uns selbst finanziert. Trotzdem ist der Eifer groß, mit dem gearbeitet wird.. Die verknipsten Filmrollen unserer Leicaapparote häufen sich in den Blechdosen. Die e r st« n H ö h« n» Messungen sind gemacht und eingetragen, dos Gelände auf- gezeichnet und die Namen werden den Eingeborenen durch oll« möglichen Lockmittel: Zigaretten, Schokolade, alte Rasierklingen usw. herausgeholt. Der Weg ist gleichförmig, ziemlich eben. Durch den dichten Nebel sieht man kaum zehn Schritte. Ausfällig ist die stark rot gefärbte Erde, nach den Angaben unseres Sachverständigen ist es Eisenton. Wir sind bei der Diskussion über die Methoden Kemal Paschas bei der Vertreibung der Armenier und der Bestrafung der früher hier zahlreichen Räuberbonden in eine schärfere Gangart geraten als die langsamen Tiere. Plötzlich merken wir, wie der Weg vor uns von der Höhe steil abwärts geht, was nach unseren Vorausbestimmungen kaum richtig sein kann. Möglich ist nur, daß es sich um die Umgehung eines am Wege liegenden Berges handelt, den man in der Undurchsichligkeit des grauen Nebels nicht bemerken kann. Wir warten also. Niemand kommt. Schreien—— Pfeifen-- Nichts ist zuhören, nur das Blöken einer nahen Schafherde. Da stürzt aus der' Dunkelheit von oben eine verdächtige Gestalt mit riesigem Kopstuch, einer zerrissenen Jacke und einer engen Militärhose. Am Gürtel prangen die doppelten Lasenmcsser und ein kleiner Browning. Wir sind zwar zu viert, aber ohne Waffen und wissen nicht, was um uns herum ist. Anscheinend ist es ein Hirte, den»-er hat einen langen Stock in der Hand, mit dem er nun lebhaft herumfuchtelt und noch oben deutet. Nach dem Metoula-Sprachsühxer«ragen wir ihm: „Wo geht der Weg?" Er kommt ebenso ängstlich wie wir näher. Wir bieten ihm Schokolade an, doch er verlangt mit Gebärden von unserem spärlichen Zigorettenvorrat. Dann geht er den Weg zurück und ohne besseres Wissen müssen wir ihm schon folgen. Auf unsere Zeichensprache, ob er solche Leute wie wir ge- sehen hat, schüttelt er lebhaft den Kopf, was hier Zustimmung be- deutet. Wenn die Türken verneinen wollen, so biegen sie energisck) und entrüstet den Kopf nach hinten und schnalzen mit der Zunge, so ähnlich wie wir es tun, wenn wir vor einer scheinbar unabänder- lichen Tatsache stehen. Wir hatten diese Mimik deutlich genug beim Handeln kennen gelernt. Er führt uns immer weiter durch den jetzt unangenehm feucht werdenden Dunst, fast ist es schon ein leichtes Geriesel. Unsere Stimmung wird dadurch nicht erhöh!. Eine schön« Situation: von den Freunden versprengt, ohne Proviant und Ausrüstung einem fremden Menschen ins Unbekannte zu folgen! Im Han(Ruhehaus)... Endlich hören wir eine Glocke, wie sie unser Leitpferd trägt, und aus den ziehenden Wolken erscheinen die schwachen Um- risse eines Holzhauses. Grinsend kommen uns die Treiber ent- gegen, das Gepäck ist schon abgeladen und oben in dem Schlafraum sitzt die übrige Bande und lacht uns frech aus. Unser Führer drückt sich scheu in eine Ecke und bespricht sich mit einem Treiber, der ihn auch nach uns ausgeschickt hatte, als er erzählte, daß wir einen anderen Weg gegangen waren. Dieses Ruhehaus für vorbeiziehende Karawanen und Militär ziehen wir trotz der Ungeziefergesahr dem aufgeweichten Wiesen- boden vor und schlagen aus den Bretterpritschen unser Nachtlager auf. An dem offenen Kamin in der Wirtsstube kocht der stets sorgende Hassan das Nationalgericht: Maisbrei mit ge- riebenem Käs«. Eine dicke, allzu nahrhafte Speise, von der wir nur kosten können, um dann zu der überall gleichen guten Dickmilch zurückzukehren. Doch Hassan will sich vor seinen Landsleuten aufspielen und prahlt mit seinem neuen Schießeisen, das zu seinem Leidwesen nun gerade versagen muß. Natürlich kommt er zu dem für ihn allwissenden Professor gerannt und läßt sich das Ding reparieren Hätten wir nur vorher die Folgen gewuß«. Bald darauf setzt draußen eine wilde Schießerei ein. Sicher«in edler Wettbewerb der stolzen Schützen, die in kindlicher Freud« irgendeinen alten Top zusammenknallen. Irgendwo in einem fernen Gemach sind auch Frauenstimmen zu hören, doch zu sehen>st von ihnen nich'! Wieder habe ich Nachtwache, diesmal erst am Morgen. Es hat sich aufgeklärt. Unter mir hänge» die schneeweihc Wolken, jenseits des Tales stehen dunkle, bewaldete Bergk-lossc und darüber die helleren Zacken der fernen Felsen. Bis die anderen wach werden, ist schon wieder alles im Nebel. Natürlich glaubt man mir nicht und doch hofft jeder auf Sonnenschein, sobald wir an die Dreitousendmeter-Grenze kommen. Mit dieser Zuversicht marschieren wir wefter in den düsteren Tag... Karl Moellcr. VOM j.hmoif Copyrijbl 1930 by„Der ßüdicrkrcis G. m. b. H.", Berlin SW 61. (14. Fortsetzung.) Der Eindruck auf die anderen Zuhörer war gleichfalls gewaltig gewesen. Der fromme Mann hotte gewußt, was Babun verschwiegen hatte; sie waren überzeugt, durch ihn die Antwort Gottes erhalten zu haben. Auf dem Rückweg zum Tempel unterhielten sie sich mit leiser Stimme. Keiner von ihnen hatte auch nur den leisesten Zweifel, was zu tun war. Selbst Silindu hatte nachgegeben. Der Gott hatte gesprochen: es war Schicksal, unentrinnbares Schicksal. Das Mädchen mußte hingegeben werden. Die letzten Tage des Festes gingen für sie sehr langsam dahin. S!« nahmen an jedem Abend an der Prozession teil und riefen den Gott an, aber keine Hoffnung, ja kein Zweifel erfüllte sie mehr mit Leben. Silindu wartete bedrückt auf seine Erlösung; Hinnihami war von ihrer Verzweiflung ermattet und betäubt. Ein Abend folgte dem anderen und der Morgen nach dem Vollmond war da; getreulich gingen sie zum Flusse hinab, um zugegen zu sein, wenn das Wasser„geschnitten" wurde. Sie waren ein trauriger kleiner Kreis in der fröhlichen, scherzenden Menge, die knietief im Flusse stand. Und als der große Augenblick kam und der Kapurola mit dem goldenen Messer das Wasser berührte, als die Pilger unter Geschrei das Wasser, das ihnen im kommenden Jahr« Glück bringen sollte, hoch über sich und ihre Nachbarn spritzten, stand Hinnihami weinend unter ihnen. Das Fest war zu Ende, und sofort begannen- die Pilger in einer dichten 5kette über den Fluß heimwärts, nach Westen, zu wandern. Der alle Mann und das Fischerchepaar verabschiedeten sich von ihnen, denn sie hielten es nicht für richtig, als Fremde bei dein zugegen zu sein, was auf dem Heimweg vor sich gehen sollte. Dann machten sie sich selbst auf den Weg. Sie kamen an diesem Tage nur langsam vorwärts— beim Silindu war sehr schwach— und wechselten kaum ein Wort. Als die Bäume längere Schatten warfen, wurde der Djnnzel lichter und der Boden steiniger. Sie wußten, daß sie sich dem Orte näherten. Der Weg wand sich durch dichtes Gestrüpp; die Luft war sehr ruhig. Sie kamen um eine Ecke, und vor ihnen stand unter einigen Palubäumcn der Vederala. Sie blieben stehen und sahen sich an. Karlinahami berührte Silindus Arm. Er faßte Hinnihami an der Hand und ging auf Punchirala zu. Seins Augen schienen Punchirala nicht zu sehen; er sagte ganz langsam: „5)ier ist das Mädchen, nehmt es." Punchirala sah Hinnihami an und lächelte. „Es ist gut", sagte er. Silindu wandte sich ab und ging mit Babun und Karlinahami weiter. Keiner von ihnen blickte zurück. R. Kapitel. Schon am nächsten Morgen wurde es allen offenbar, daß der Saniassi den Willen des Gottes richtig gedeutet hatte und daß der Teufel von Silindu gefahren war. Seine Augei, l)attei, nickst mehr das glasige Aussehen., das Zeichen der Besessenheit. Er aß heiß- hungrig von dem kärglichen Frühmahl und wanderte, trosz seiner Schwäche, mit einer Energie, die er nicht mehr gekannt hatte, seit er unter dem Baniantzaum im Djungel zusammengebrochen war. Mehr und mehr kehrten ihm auf deni Heimwege Kraft und Gesund» heit zurück, und als sie ihr Dorf erreichten, zeigte die Farbe seiner Haut, daß er wieder der alte war. Obwohl sie langsam, gewandert warqi, hatten sie den Vederala und Hinnihami nicht wieder gesehen. Punchirala hotte keine Eile nach dem Dorfe zurückzukehren und taliichte erst zwei Tage nach Silindus Heimkehr aus. Er zeigt« keinerlei Genugtuung über seinen Triumph und war nachdenklicher und ruhiger als sonst. Sein« Mutler glaubte bei ihm ein wenig AnA vor Hinnihami zu be- merken. Das Mädchen hatt« sich ihm schweigend hingegeben. Auf dem langen, einsamen Heimwege durch den Djungel hatte er ohne Erfolg alle Mittel versucht, ihren Willen zu brechen oder zu biege». Ver- gebens: seinem Hohn und seiner Ironie, seinen Wutausbrüchen und seinen Liebkosungen begegnete sie mit verdrossenem Schweigen. Er würde sie einfach als ein stumpfsinniges Dorfmädchen eingeschätzt haben, wenn er nicht ein böses Funkeln in ihren Augen und das Erschauern bemerkt hätte, das jedesmal, wenn er sie berührte, über ihren Körper ging. Am Morgen nach ihrer Ankunft war Hinnihami allein in Punchirala« Hos; der Vederala war ausgegangen und seine Mutter im Hans. Sie sah Silindu den Psa-d entlang kommen und lief ihm freudig erregt entgegen. Unter eiiKim Tamarindenbaum neben dem Törchen des Hofzaunes setzten sie sich nieder. „Der Pakka hat mich verlassen", sagte Silindu.„Der Gott hat ihn ausgetrieben, als der Vederala dich nahm. Aber, was nun? Das Haus ist leer ohne dich, Kind." „Ich muß zu dir zurück, Appochi. Ich kaiin in diesem Haus nicht leben." „Aber wie kannst du das? Wird er nicht wieder Unheil über dich bringen? Der Gott hat gesagt, daß«in Opfer gebracht werden müsse, wenn ich dich zurücknehme, wird er dich nicht umbringen?" „Der Gott sagte, es müsse ein Opfer gebracht werden, und das ist geschehen. Ich bin hingegeben worden, und der Mann l>at mich genommen. Sicherlich, die Götter sind nicht treulos. Du bist von dem Bösen erlöst; den Man» fürchte ich nicht." „Sieh da", sagte die spöttische Stimm« des Vederala hinter ihnen,„den Mann fürchtet man nicht. O nein, die Teufel wohl auch nicht?" Silindu und Hinnihami standen auf; die alte Angst packte Silindu, als er Punchirala sah, aber das Mädchen wandte sich so scharf gegen den Vederala, daß dieser über ihre Heftigkeit ganz bestürzt wurde. „Punchirala""), sagte sie,„ich fürchte dich nicht. Der Gott hat nicht gesagt, daß ich mit dir leben sollte. Du solltest mich nicht ernähre» und kleide». Ich bin dir gegeben worden, damit der Teufel von meinem Vater abließ. Haben wir nicht dem Gölte gehorcht? Ich bin dir hingegeben worden, du Hund; der Teufel ist Äininbami rrdet Punchirala mit sdincm Ram«» an, um ihm zu b«> bmtrn, dag fic(ich nicht als irint Gattin bctrachlrt, fort; der Gott hat uns in Beragama erhört, er wind nicht zulassen, daß du uns noch einmal Unheil bringst." „Mutter, Mutter, komm heraus! Höre die Frau, die ich ins Haus gebracht habe, sie ist jetzt eine Vederala. Ich glaube, sie ist auf der Pilgerfahrt eine Saniassi geworden, ein« Seherin, eine möchtige Zauberin." „Behatte deine Worte für die Frauen in deinem Hause. Ich gehe." „Und gibt es denn keinen anderen Zauber, Silindu? Kein« anderen Teufel auf den Bäumen? Wahrhastig, du l>ast deine Weis» heil von einer weisen Frau." „Höre nicht auf ihn, Appochi. Er kann uns nicht mehr schaden. Uns hat der Gott geholfen." Sie wandte sich Punchirala zu.„Soll ich in dem Hause bleiben? Ja, es gibt noch Teufel auf den Bäumen. Komme ich nicht auch ans dem Djungel? Ich werde in deinem Hause eine Pakkini süir dich sein, du Hund. Mit Recht nennen die Weiber im Dorfe mich eine Pakkini. Ich will bei dir bleiben. Sieh meine Arme an! Sind sie nicht so stark wie die eines Mannes? Ich will bei dir bleiben, aber wenn du im Haus« bei mir liegst, werde ich dich erwürgen, Punchirala." Punchirala trat irnwillkürttch einen Schritt zurück, imd Hinnihami lachte. „Aha! Hast du Angst, Punchirala? Der Meister der Pakkas hat Angst vor der Pottini! Man soll sie daran erkennen, daß ihre Augen rot sind und nicht blinzeln und daß sie weder Furcht noch Liebe kennt. Es ist besser für dich, wenn ich gehe— zu den Bäumen, von denen ich gekommen bin, großer Vederala. Ich würde dich sonst in deinem Hause erwürgen und ausfressen. Komm, Appochi, wir wollen zusammen in den Djungel gehen, wie früher.— Aijah! Das ist lange her. Ein kleines Ding war ich— und die Schwester. Komm Appochi, fürchte dich nicht vor diesem Rodiya- Hund; er hat Angst, und jetzt wollen wir immer beisammenbleibcn." Punchirala hatte wirklich Angst. Er sah dem Mädchen nach. wie es langsam mit Silindu den Pfad hinabging. Es war nicht ganz so gekommen, wie er erwartet und gehofft hatte. Seinen ersten Triumph über das Mädchen hatte er ausgekostet, ober es waren ihm bald Zweifel gekommen, ob ihre Gegenwart zu seiner häus- liehen Bequemlichkeit beitragen würde. Er hatte gefühlt, ohne fi? zu verstehen, daß die Hingabe ihres Körpers ihren Starrsinn nur verstärkt hatte. Selbst auf dem Heimwege von Bercgoma hatle er sich in ihrer Gesellschaft unruhig lind unbehaglich befunden. Er war wütend über seine'Niederlage und ihre höhnenden Worte, ober mit einem Gefühl der Erleichterung sah er sie seine» Blicken cnt- schwinden. Der Vederala machte keinen Versuch mehr, Silindu zu be- lästigen, und die nächsten neun Monate wurden eine Zeit unge- wohnten Wohllebens und Glückes für die„Veddah"-Fa»>ili<:. Gegen Ende Oktober türmten sich große Wolken im Nordosten auf, und schwere Regen brachen über den Djungel herein. Tagelang siel gleichmäßig und unaufhörlich der Regen. Das Staubecken füllte sich und lief über. Die versandeten Kanäle wurden zu Sturzbächen, in denen große, modernde Baumstämme durch den Djungel ge- schwemmt wurden. Nebel stieg aus der Erde und hing in grauen Schwaden auf den Bäumen. Plötzlich wurde der Boden grün, und bald stand das Gras ellenhoch im Unterholz. Die Erde hatte sich endlich satt getrunken; nach immer strömte der Regen, die Flüsse traten aus, und das Wasser stand überall blank unter den Bäumen, (Fortsetzung solgi.) �Ilfchoaimtyle Die Lehren Siegmund Freuds und Alfred Adlers find heute nicht nur für den Nervenarzt von Bedeutung. Psychoanalyse und Individualpsychologie üben aus vielen Lcbensgebieten einen entscheidenden Einfluß aus. Besonders wichtig ist der Nutzen, den jeder Erzieher aus der Beschäftigung mit diesen Lehren gewinnt. Die Pädagogik unserer Tage ist stark von den psychologischen Ent- dcckungen fceeinslußt. Deshalb muß auch der Laie von diesen Bestrebungen Kenntnis nehmen. Eine sehr brauchbare Darstellung gibt Dr. Alfred Brauchte in seiner Schrift„Psychoanalyse und Individualpsychologie", die soeben in Reclams Univcrsalbibliothsk erschienen ist. Dos kleine Buch ist leicht verständlich und doch gründlich. Es hält sich von jeder Kritik und Lobpreisung fern; der Leser lernt die Ansichten Freuds und Adlers sowie ihre Behandlungs- Methode kenne». Ein Verzeichnis der wichtigsten Fachausdrucke und ihrer Verdeutschung ist dem Buche angehängt. Der billige Preis (40 Pfennig) der.Schrift sei besonders hervorgehoben. Dr. S. W. .Meddn lluUher: llluller und Wind Von H e d d a W a l t h e r, deren Lichtbildfammlungen„Tiere sehen dich an",„Tierkinder" und„Zirkus" bekannt find, ist im Verlag Dietrich Reimer, Berlin, unter deni Titel„M u t t o r und K i n d" eine neue Studienreihs erschienen(Preis 5,30 Mark). Wie ihre bisherigen Photographien, vermitteln auch diese 48 Bildnisse einen hohen Kunstgenuß. Darüber hinaus sprechen sie das Gefühl md den Verstand an, das heißt, sie erschüttern durch die Erlebnis- iähe, in die das Mutter-Kind-Problem gerückt wird, und sie geben überraschende psychologische Ausschlüsse über die Gefühlswelt von Mutter und Kind. Ich wüßte weder in der bildenden, noch i» der Dichtkunst ein Werk, das die Innenwelt von Mutter und Kleinkind mit derartiger Tiefe darstellt. Wenn man es als den Wesenskern des Kunstwerks ansieht, daß es über den äußeren Umriß hinaus dos hinter den Dingen Geschaute und Seelenzustände osfcnbart, ist Hedda Walthers Lichtbildncrci als reine Kunst und nicht als Kunst- Handwerk zu bezeichnen. Die Begleitworte Ina von Kardorffs stören neben dieser Leistung, weil sse bei weitem weniger«rlebnis- und persönlichkeitsstark wirken. Depäre. 3te, Woiahen! „He, Kosaken!", ruft der Oberkosak, wenn es„Aitteit" für seine Leute gibt. Und es gibt viel Arbeit und vielerlei Arbeit für sie: Sie schuften aus dem Feld, leisten Fuhrmannsdienste, Helsen bei der Bahn, liegen dem Fischfang ob, sprengen Felsen mit Dynamit. Vor allem aber raufen und schlagen sie sich mit den Slowaken, mit den Ungarn, mit den Gendarmen, mit den Geometern, die das Land unrichtig vermessen. Und wo sie zupacken, da gibts blaue Flecken, zerstauchte Knochen und blutige Schädel, auch wenn sie selbst nur ihrer drei und die anderen ihrer hundert sind. Untereinander hatten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Gegen die übrige Welt aber tragen sie einen bohrenden Haß im Herzen: gegen di« Verwalter, gegen di« reichen Inden, gegen die Faulenzergrafen... Die „Dorwärts"°Leser kennen Johann Komaromi» lebens- warme, vom Ruch derben, harten Landlebens durchdrängte Er- Zählung«He, Kosaken"(aus dem Ungarischen übertragen von Alexander von Sacher-Masoch, Büchergildc Gutcnbcrg, Berlin,) bereits aus dem Romanteil. Der Buchausgabe ist eine kürzere, ebenfalls!m migarische» Dorfmilieu spielende Erzählung des Autors beigefügt, die den Titel trägt:„Haus an der Landstraße." Hans Lauer. Rätsel-Ecke des„Abend" «ituiuiumiiiuuiitiuiiiiimiiiiiiiniiiiin:iuiiiiiiuiiiiiinuiiimmiiuiUiimuuumuuiuuiiiuuiüuiiiir,ii»i;uuiWiuuiuimuiuiiiiiKiuiiuuuiuiuiiniiiiiimnuniiiiiuinuiiii!t Silben- Kreuzworträtsel Waagerecht: 2. Rohr- stück; 4 Farbe; S. Zeitpunkt; 7 Teekraut; O.Gebirgszug in Böhmen: 41. Pferderennen; 13. deutscher Komponist; 14. Stoffkunde.— Senkrecht: I.Weideland; 2 Angestelltenberus: 3. ausl. Fruchtbaum: 4. Wasserjungfer; S.wbl.Vor- name; 8 Zahlwort: 0 beut- scher Dramatiker: 10 Kohlen- wagen; 12. Doppelehe; 13. Lehranstalt: 14. engl. Stadt. (y--i). aß. Silbenrätsel Aus den Silben co bi der gold groß ha ko kre la la laach le la lump ma mar mo mo mus mut ni n> ri rii ro(n schon fpi su ta tis ur war za zeit sind 12 Wörter zu bilden, deren dritte und letzte Buchstaben, hintereinander von oben nach unten gelesen, die stärkste Partei im neilen Reichstag ergeben,(ch gibt als«in Buchstabe.)— Die Wörter bedeuten: 1. Weiblicher Vorname: 2. Zeit des Jagdverbots: 3. italienischer Proletarier: 4. Geisterglaube; S. berühmtes Kloster: 0. Gestalt aus Grimms Märchen: 7. Schimpfwort für Zänker; 8. Insel südlich von Griechenland: 9. russische Teemaschine: 10. edle Eigenschaft; Is. fahr- bare Dampfmaschine; 12. Ersindec der Funkentelegraphie. jw, Kapselrätsel Aus den Wörtern Drama, Echo, Eile, Gast. Nobel, Bauer. Sund, Unruh. Hecht, Achtel sind je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt,«in Sprichwort«r- geben.-Ic. Aus- und Inland Ich bin ein Staat in Südamerika. Wirst du das Anfangs- und die andern Zeichen Grad' bis auf vier aus meinem Worte streichen, Sitzt«in bekannter Wasservogcl da.— cttr.— Kapselrätsel Es nennet, lieber Leser, dir Das Wort ein Bögelein, Gar flink und zierlich und doch schließt Ein Riesentier es ein: Ein Säugetier, das aber lebt Im weiten, tiefen Meer, Wie heißt der Vogel, wie das Tier? Denk nach, es ist nicht schwer. Visitenkartenrätsel biarl Viemt REIMS Was ist der Herr? (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Erker; 5. Essen: 8. Ebbe: 9. Rabe: 10. Kali; 12. Rede: 13. Insel: 14. Regen. Senk- recht: 2. Ras«: 3. Eber; 4. Berka; 5. Eboli; 6, Nudel: 7. Reger: 11. Inge: 12. Rede. Worträtsel: Stollen. Silbenrätsel: 1. Nordsee: 2. Zmme; 3. China:'4. Havarie; 5. Triumph: ö. Zsegrimmi 7. Nagelfeile: 8. Dirndel: v. Isabella: 10. Eislauf: 11. Freischütz: 12 Enoch: 13. Ricke: 14. Nadelbäume: 15. Eberhard: 16. Zeiger; 17. Estrich; 18. Iller; 19. Turin: 20, Verfügung: 21. Eule; 22. Randal: 23. Latein; 24. Ikarus: 23, Enzian: 26. Reisig: 27.(Ernte; 28, Drude: 29. Inder: 30. Ehalst: 31. Henne.— Nicht in die ferne Zeit verliere dich, d«n Augenblick ergreif«, der ist deinl Königszug. Jüngst lagerte sich eine Fliege Auf«Ines Hirsch? Geweih: „Wenn ich zu lästig auf dir liege", Sprach sie,„so rede frei". „Ei sieh doch!" rief der Hirsch,„mein Liebchen � Bist du auch in der Welt?" So geht es manchem stolzen Bübchen, Das sich für wichtig hält. kl. 1�. Plellel. Kapselriitjel: Im Osten glüht ein junger Tag,., Hakenkreuz auf der Badehose Führer der bürgerlichen Schwimmer schwimmen im Nazi-Fahrwasser Das Wahlglück Adolf Hitlers hat in manchem bürgerlichen Kopf allerlei Blütenträume zum Keimen gebracht. Leute, die sich nie in ihrem Leben um Politik gekümmert haben, wittern plötzlich Konjunktur und versuchen mit der Politik Goschüfte zu machen. Zu ihnen gehört auch der Porsitzende des Deutschen Schwimm- Verbandes,.?!Z o«?»» G.m.b.N. VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT OEQRÜNDET 1912 N018rLANDSBERGERALLEE38-39 FERNSF'R.: E A ALEXANDER 5628—30 ALLE MALERARBEITEN 186 MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Droge», Ciiemlft&lien, ledm. Oele Paul Rehfeldt B. 1« Berlin SW. 6B, Hollmannslraße 15 wasche nach Gewicht Dampfwäschcrei Merkur, Berlin O 112 Frankturier Allee 307 Ferntpr.: Andreas 2820 Inh. Aut). Baehmann Mitgl. d. SPD. I Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiffbauerdamm IS Sämtl. Elektromaterial| Spezialität: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf nur an zugelassene Installateure!j|r BUHMaBMBBMilllll PH IIIHBgn—BB— B—■" Max Frankenbach Berlin S 14, WallstraBe 76-79(231 Spezial-N ieder läge der Gruschwitz Textil A.-G., Bindfäden::;: Cordel f August Wollschläger& Co.&.h. I TcmDClhol. 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