Morgenausgabe Nr. 491 A 250 4?. Jahrgang D>Sche»llIch SSW» M. tm oorau» zahlbm, Lostbezug anlassen. Im Gegenteil habe sich der Reichstag selbst— einer Anregung der Reichsregiernng entsprechend— bis zum 3. Dezem- b e r vertagt. Die Reichsregiernng habe sich jedoch bekanntlich in ihrer Regierungserklärung vom 16. d. Mts. für die Notwendig- lest weiterer Maßnahmen zur Behebung der londwirtfchastlichen Not ausgesproä>eil und die hierzu erforderlichen Vorarbeiten seien sofort in Angriff genommen worden. Konflikt im Reichslandbund. Krach um die Nachfolge SchieleS. Die Pressestelle des Reichslandbundes kellt mit: Im Verfolg des Rücktritts des Ministers Schiele vom Amt des vorsitzführenden Präsidenten des Reichslandbundes trat der Bundesvorstand des Reichslandbundes zur Regelung der Präsidial- frage heule im Bundeshause zusammen. Nachdem die beiden anderen bisherigen Präsidenten Bethke und Hepp und der vorübergehend in das Präsidium eingetretene Freiherr von W i im o w s k i ihre Aemter dein Bundesvorstand zur Verfügung gestellt hatten, wurden zu Präsidenten neu gewählt die Herren Bethke, Hepp, Graf von K a l ck r e u t h. Zu dem fatzungs- gemäß vom Bundesvorstand zu bestimmenden, den Vorsitz i ii h r e» d e» Präsidenten wurde alsdann Graf von Kalckreuth gewählt. Präsident Hepp legte darauf- bin sein Amt nieder. Die dadurch von neuem erforderliche Wahl eines dritten Präsidenten soll bei der nächsten Bundesvor- stondssitzung erfolgen. Der Bundesvorstand war einmütig der An- sichi. daß hierfür nur ein Bcrtrctcr des bäuerlichen Besitzes aus dem Westen in Betracht komme. Internationaler Pressekongreß. sZeilungsbesih soll nichi anonym sein. Im Anschluß an den Bortrag von Professor Dooisat über die Konzentration in der Pr«ss« entspann sich eine angeregte Diskussion über das Problem der Wahrung öffentlicher und juristischer Interessen gegenüber den häusig verschleierten Besitzoerhältnissen großer Pressekonzerne. Di«s« Diskussion, an der sich Dr. Stern-Riibarth(Deutschland), Alexander Stern (Oesterreich) und Richardson(England) bewiliglen, führte zur ein- stimmigen Annahme einer Resolution, durch die die Prüfung dieses Problems in Gemeinschaft mst dem Internationalen Arbeitsamt als eine der nächsten Arbeiten der FJJ. festgelegt wird. Der jugoslawische Reichsonwoll hat die Verfolgung des ehemaligen mindcrheitsdeutschen Abg. Dr. Neuner und die deutsch« Schriftstellerin Isolde Reiter eingestellt. Man erinnert sich der landesüblich schändlichen Behandlung Fräulein Resters in der Polizeihaft. Das Unterfuchnngsverfahre,, wegen der Katastrophe des K tili beginnt am nächsten Montag unter dem Borsitz von Sir John Simon.— Am Mittwochnachmittog stürzte in der Nähe van London <,n Privalftuazeug ab. Der Pilot und sein Mitfahrer wurden gelötet. Braunschweig, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Dre Sozialdemokratie des Landes Braunschweig führt zur Zeit mst Flugblättern und Plakaten einen großen Kampf gegen den Hatentreuzminister Franz« n. Franzen hat sich dagegen jetzt mit folgender Bekanntmachung zur Wehr gesetzt: „Wie mir bekannt geworden ist, wurden im ganzen Freistaat in den letzten Tagen Flugblätter verteilt und Plakate zum Anschlag gebracht, die in verleumderischer und beleidigender Weise unrichtige Angaben über die Lorgänge bei der Verhaftung des Landwirts Guch durch die Berliner Polizei bringen. Dieselben Vorgänge sollen auch in gleicher entstellter Form zum Gegenstand einer großen Kundgebung des Reichsbonners Schwarz-Rot-Gold am kommenden Freitag gemacht werden. Hierdurch wird die öffentliche Ruhe, Sicher- heit und Ordnung aufs schwerste gefährdet. Ich verbiete daher bis auf weiteres alle Umzüge und öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und ordne die f o f o r- tige Beschlagnahme der oben näher bezeichneten Flugblätter und die sofortige Entfernung oder Unkenntlich- machung der Plakate a n." Nazibonze im jüdischen Klub. Pech in Politik und Spiel. In G l e i w i tz wurde von der Polizei ein S p i e l k l u b aus- gehoben, dem verschiedene jüdisch« Einwohner der Stadt und als einziger Christ bzw. reinrassiger Arier ausgerechnet der bei den Nazioten hauptamtlich mit Iudenhetze befchäf- ttgte Hauptmann Müller angehören. Besagter Hauptmann a. D. Müller war, wie der„Leipziger Polkszeitung" geschnebeii wird, noch vor kurzem hauptamtlicher Kreisloster der Deutschnationalen, wobei er«inen kleinen politischen Betriebsunfall erlitt. Cr„vergaß" nämlich, rechtzestig dl« Kreistogswohlvorschläge bei den Komnmiwlwahlen einzureichen, so daß die Deutschnationalen im Kleiwitzer Kreistag überhaupt nicht vertreten find. Später ging er zu einer aussichtsreicheren Firma der gleichen Branche über: er ließ sich bei den Nazis an- stellen und war anscheinend im Nebenberuf als Ecart-sspieler in einem netten Kreis von„Fremdstämmigen" betriebsam tätig. Wie verlautet, hatte er, wie in der Politik, auch im Spiel aus- gesprochenes Pech, denn er verlor meist, was sscherlich wesent- (ich zur inneren Festigung seines Antisemitismus beigetrogen hat. Dieser Hauptmann Müller, der nazistische Porteiangestellte, in Reihe und Glied mit seinen jüdischen Kl u b k o ll« g e» auf der Anflagebnnk wegeiz verbotenen Glücksspiels, das Die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung ist in Braun- schweig nicht gefährdet. Bedroht ist lediglich die Rtche Franzens. Aus diesem Grunde erfolgte die Anordnung zur Unterbindung der sozialdemokratischen Kritik, die sich ausschließlich auf amtliche Dokument« des Berliner Polizeipräsidiums stützt. e- Ein Mitglied der nationalsozialistischen Braunschweigcr Landtagsfraktian mußte fein Mandat niederlegen, weil es wegen Diebstahl und Einbruch vorbestraft ist. Herr Franzen, der der Begünstigung schul- d i g ist, gedenkt sein Amt nicht niederzulegen, er mißbraucht es vielmehr zur Vergewaltigung der Wahrheit. Er scheint aus der Niederlage Fr ick s, der auch Zeitungen ver- bieten wollte, nichts gelernt zu haben. Herr Franzen, der der Begünstigung schul- d i g ist, vertraut auf seine Immunität. Es besteht in Braun- schweig also der Zustand, daß ein Rechtsbrecher, der sich hinter die parlamentarische Immunität verkriecht, Innen- minister ist. ist entschieden ein sehenswerter Anblick, der den Gleiwitzern demnächst bevorsteht. Ehrlich-Haia«V6 hfi Das Hakenkreuz ist schon vor dem Kriege als Schutzmarke beim Patentamt eingetragen worden, und zwar für Ehrlich-Hara öl» (Saloarfan). Ehrlich war ein Jude, Hata ein Japaner, beide deckten ihre groß- Entdeckung mit dem Hakenkreuz, dos feit undenklichen Zeiten m China und Japan als Glückszeichen gilt. Viel Vergnügen, Herr Hiller! Belagerungszustand in Kairo. König F u a d bereitet die Per- fündung setner Vsrfassungereform vor. indem er den kleinen B«- lagerungszustand über die Hauptstadt verhängt hat. Polizei und MUitor patrouillieren in den Straßen. Sin besseres Aushängeschild hätte Fuod seinen sogenannten Reformen nicht ver- leihen können. In Wahrheit bedeutet sie die Aushebung aller parlamentarischen Rechte»nd die Alleinherrschaft des Diktators. 7lus Cliina meldet Reuter Kommunistengrenel, besonders ous der Stadt K i' A n:«in Schweizer Abbe v. A r x sei hingerichtet, Krankenschwestern gefangen genommen. Die Attacke des Ianuschauers. �eichswehrminisicr Sroener:«.llm Gotteswillen, Herr von Oldenburg was machen Sie denn Oer Zanuschauer:„Ich kämpfe für Disziplin und Geschlossenheit der Reichswehr!'" Wieder Kriegsbrot?- Tiein! Aniräge an den Reichstag— Sozialdemokratie lehnt ab. Tardleu und Briand. Oer Außenminister krank, der Ministerpräsident wartet ab- Varis� 22. Oktober.(Eigenbericht.) Die Regierung Tardieu hat am Dienstag in einem Ministerrat als Datum für den Wiederzusammentritt des franzö- iifchen Parlaments den 4. November ins Aug- gefaßt. In politischen Kreisen aber rechne: man bereits mit der Möglichkeit einer weiteren Hinausfchiebung. Tardieu will schon in den ersten Tagen die groß« außenpolitische Debatte liquidieren und dabei der Kammer ein„masswes Vertrauensvotum" entreißen. Leider zeigt sich aber täglich deutlicher, daß Außenminister Briand Hs zum Anfang November von seiner Grippeerlrantung kaum wiederhergestellt sein wird. Obwohl die Krankheit durchaus normal verlaufen ist, hat sie bei dem Patienten einen Schwäche zu stand zurückgelassen, der es rotsam erscheinen läßt, den kaum Äenesenen nicht schon gleich wieder einer schweren Parlamentsschlacht aus- zusetzen. Die französische Rechtspresse hat es für notwendig gehalten, schon jetzt ein wildes Trommelscuer gegen Briand w eröffnen. Namentlich Pertinax im„Echo de Paris" beschuldigt ihn, Frankreich van aller Welt isoliert zu haben. Der Völkerbund liege im Sterben, der Locarno.Pertrag sei«in riesiger Volks- betrug, schreibt er, und dazu stehe Frankreich der Koalition" zwischen Deutschland, Rußland, Italien, Oesterreich, Ungarn und selbst Bulgarien vollkommen allein gegenüber, da es im Ernstfälle nicht einmal auf die Unterstützung Englands rechnen könne. Tardieu scheint sich gegenüber diesem patriotischen Uebcreiser der Reaktion noch nicht endgültig entschlossen zu haben, ob er Briand einfach fallen lassen oder sich, den: Drängen seines Herzens folgend, ins Lager der Rechten schlagen soll. So hält er einstweilen in seil- tänzerischer Taktik die Waage zwischen rechts und links. Immerhin muß man die erfreuliche Tatsache feststellen, daß noch den patriotischen Reden Herriots in Grcnoble im Loger der Linksparteien auch wieder andere Stimmen laut geworden sind. In der radikalen„Rspublique" veröffentlicht am Mittwoch de Jouvencl einen Artikel, in dem er die Frage aufwirst, ob Frankreichs selbst- genügsame Politik nicht doch zum großen Teil an der Wahl- kotastrophe in Deutschland schuld sei. Der Artitelschreiber, der zu den aktivsten Elementen des jungraditalen Parteiflügels gehört, hat sogar den kühnen Mut, zu erklären, daß es für Frankreich sicherlich klüger wäre, wenn es die Initiative zu einer vernünf- � t i g e n Revision der Friedensverträge selbst ergreife, anstatt sich weiter taub zu stellen und sich die notwendigen Konzessionen schließ- lich mit Gewalt oder gar mit einem neuen blutigen Krieg entreißen zu lassen. Gine neue Nationalistenpartei. pari«. 22. Oktober.(Eigenbericht.) Der imtional istische Führer der„patriotischen Jugend". Pierre Taittinger, zeigt am Mittwoch in der„Libertä" die Gründung einer neuen Partei der„notional-sozialen Republikaner" an. die die Ausgabe haben soll, alle jene Elemente zu gemeinsamer Aktion zusammenzufassen, die gewillt sind, Frankreich vor den„ihm von allen Gesten drohenden Gefahren zu stützen". Der Pariser Abgeordnet« bedient sich in seinem Programm dersekben großsprecherischen Phrasen wie Tardieu, dem er übrigens für hi« nächsten Wahlen, die im Jahre 1siS2 stattfinden, eine „homogene Mehrheit" verspricht Das famose Schlagwort vom„Einigunzs-Koesfizienten". das Tardieu in seinen letzten Raden zur Mode gemacht hat. dient auch Taittinger zum Hauptprogrammpunkt seiner neuen Partei. In dem Hustend der Uneinigtait, in dem sich zurzeit die nationalen Parteien Frankreichs befänden, tonn« man sie nicht in die Wahlen von 13S2 schicken. Das wäre die komplette Niederlag«, das wäre ein gestärktes Kartell, beherrscht von den Sozialisten. Taittinger schlägt deshalb vor. zur rechten Zeit noch jene Millionen von harmlosen Bürgern einzufangen, die bisher dem politischen Getriebe ferngeblieben sind, und die durch ein„neues und modernes" Programm zu aktiven Faktoren am vaterländischen Werk heran- gebildet werden müßten. Der neue Siorihing. ManVotSverwst der Arbeiterpartei. Oslo, 22. Oktober.(Eigenbericht.) In den neuen Storching wird die norwegische Sozial- k � m o k r a t i e mit 47(1027: 61) Abgeordneten als stärkst« politische Gruppe einziehen. Die Sammelliste der Rechtsparteien und Frei- sinnigen erzielte 41(30) Mandate. Die sogenannte Linke brachte es auf 33(30), die Bauernpartei auf 26(26) und die Unabhängige Freisinnige Partei auf 3(1) Sitze. Die Arbeiterdemokraten erhielten 1(1) Sitz. Die K o m m u n i st e n. die im alten Parlament einen Vertreter hatten, sind jetzt nicht vertreten. Friedensgesellschast und �ote Kahne". Gtatt Llrieil— Wiedereintritt in die Beweisaufnahme. Gestern sollte der Einzelrichter Berlin-Mitte in der Beleidigungs- klage des Geschäftsführers der Deutschen Friedensgesellschast gegen die„Rote Fahne" das Urteil verkünden. Statt dessen verküiibele der Richter einen Beschluß über den Wiedereintritt in die Beweisaufnahme. Angesichts des großen Aufsehens, das der Prozeß in der Oeffenllichkeit hervorgerufen Hab«, hieß es in der Begründung des Beschlusses, sei«» für ein« objektiv« Entscheidung erforderlich, noch die von dem Beklagten genannten Zeugen Prot. Wilhelm Förster, den Schriftsteller F r i tz Rötger, wie dessen Frau und den Schriftsteller Mathieu Schwand zu oernehmen. Die schmutzige Wäsche der Deutschen Friedensgesellschast wird also noch einmal und diesmal ganz besonders gründlich in aller Oesfentlichkeit gewaschen werden! Ende der Operngemeinfchast? Kombinationen der bürgerlichen presse. Bürgerlich« Blätter bringen zum Teil in sensationeller Auk- machung und mit ausführlicher Kommentierung die Nachricht, daß die Stadt Berlin im Begriff steh«, die Operngemeinschaft mst dem Staat zu kündigen bzw. nicht mehr zu erneuern. Das würde in unmittelbarer Folg« bedeuten, daß die Jntendanzgemeinschast aufgehoben und Generalintendant T> c t j e n von seinem Posten als städtischer Intendant abberufen werden mürdc. Wie wir hierzu erfahren, handelt es sich bei alledem um w.ll- türliche Kombinationen, denen zur Stunde jede tatsächliche Unter läge sehlt. Die Grüne Frank hat dem Reichslog ein Ermöchtigungsgeseh vorgelegt, das der Regierung erlauben soll, mit Zustimmung des Reichsrals und eines Reichsiagsausschusies die Beimahlung von 25 Praz. Roggenmehl zum Weizenmehl anzuordnen. Der Sinn der Sache ist sehr einfach. Zwölf Jahr« nach dem Krieg, sechs Jahre nach der Inflation fallen Kri«gsbrot und Kriegsbrötchen und sollen die Schiebermethaden der Kriegs- und Inflationszeit wieder eingeführt werden. Sie fallen eingeführt werden, weil man wieder einmal den Roggen bauenden Großagrariern, obwohl der Staat dafür schon Millionen und Mil- lionen gegeben hat, obwohl ein lückenloses Zollgebäude dazu auf- gerichtet wurde, mit folsch-m. der Landwirtschaft schädlichen Mitteln helfen will. Die Sozialdemokrat iewirddasGesetzimReichs- tag ablehnen. Von Zwangswirtschaft aus dem Gebiet der Er- nährung haben wir in Deutschland wahrlich genug. Den Roggen- oerbrauch künstlich steigern zu wollen, obwohl die Menschen in der ganzen Welt immer mehr zum Welzenverbrauch übergehen, ist dazu eine Illusion. Das Ergebnis wird nur sein, daß der Brot- und Mehlverbrauch in ganz Deutschland überliaupt zurückgeht und daß nicht nur die Großagrarier, sondern mich die Weizenbauern betröge:: sein werden. Am wenigsten ober kann die Soziakdemokrotic ihre Hand dazu reichen, daß dem Schleichhandel und der Schwarzbäckerei wieder Tor und Tür geöffnet wird, daß feines Mehl für die Reichen urtd schlechtes Wehl für die Armen da sein soll. Mst solchem llnsiig darf in Deutschland nicht wieder angefangen werden. Oer Verzicht Llnd die Schm Warschau, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Die„Verzichtertiärung" des verhasteten sozialistischen Führers Dr. Hermann Liebermann auf«ine Wiederwahl.in den Sejm ist, wie wir erfahren, in Liebermanns Schristzügen geschrieben und trägt seine offenbar eigenhändige Unterschrift. Da Liebermann jedoch noch vor seiner Verhaftung die vorgeschriebene Erklärung, ein« Wahl anzunehmen, niedergeschrieben hat, so muß dies« Verzichterklärung von ihm von den Schergen Pilsudskis in der Festung Brest-Lilowss erpreßt worden sein. Liebermann hat übrigens dies« erzwungene Verzicht- crtlärung doch noch s o fassen können, daß die oberste Wahlbehörde nicht anders konnte, als diese Derzichterklärung nicht anzuerkennen. Die Verhaftung und die ganze Behandlung Liebermanns erweist die ganz besondere persönlich« Niederträchtigkeit Josef Pilsudskis. Als immlich 1917 das deutsche vberkommaiido gegen Pilsudski beim österreichisch-ungarischen Oberkommando, dem die Legionen unterstellt waren,«ine Hochoerratsanzeige erstattete, mußte das habsburgische Oberkommando den Prozeß einleiten, der gegen Pilsudski und zahlreiche seiner Mtikämpser vor dem Kriegsgericht in Marmarns Sziget geführt wurde. Es war Dr. lliebermann, der in jenem Prozeß die Angeklagten pilsudski und Genossen verteidigte mit dein Erfolg, daß sie vor den furchtbaren Strafen des altöstcr- reichischen Militärstrafgesetzbuches bewahrt blieben. Und so dankt Pilsudski seinem Retter! Ein amerikanischer Protest. Warschau, 22. Oktober.(Eigenbericht.) Dia amerikanisch« Botschaft hat an das Außenministerium ein« Note gerichtet mst der Bitte um Aufklärung der während der letzten Strafexpedition in Ostgalizien erfolgten Der- Haftung eines Ukrainers namens Fe der oschin, der sich als Bürger der USA. erwiesen hat. Federoschin wurde von der Polizei o e r p r ü g e l t und hat daraufhin die Botschaft um Sönitz angerufen. Protest der britischen Arbeiterschaft. London. 22. Oktober.(Eigenbericht.) Der Generalrot der britischen Gervertschasten hat im Nomen der englischen Zlrbeiterschaft einen scharfen Prot« st an die polnische Regierung gesandt. In dem Schreiben heißt es u. a.: Mit Entrüstmu, sehen die britischen Gewerkschasten, wie die polnischen Gewerkschaitsorganisationcn ausgelöst. ihre Kassen beschlagnahmt, ihre Presse zerstört und ihr« Mitglieder terrorisier: werden. linier den soden scheimqsten Vorwänden sind hundcrte Gewerkschaftsführer und Liebermanns. Funktionäre, darunter Abg. Zuiawsti, der Vorsitzende des polnische:: Gewerkschoftsbundes, ins Gefängnis geworfen morden. Faschistisch« Organisationen werden geduldet und ge- fördert zu dem Zweck, den Weg zur Z e r stö r u n g aller demokratischen Institutionen des Landes zu ebnen. Die polnische Regierung wird schließlüh aufgefordert, die ner- hafteten Gewerkschaft!« in Freiheit zu setzen und dem polnischen Volke unverzüglich die ihm durch die Verfassung gewähr- l e i st e t e n Rechte zurückzugeben. Die Ukrainesverfolgung. Lemberg, 22. Oktober.(Osl-Expreß.) Im Parteilokal der linksraditalen Ukrainischen Bauern- und Arbestervereinigung„Selrob"(„Bauern und Arbeiter") in Lern- berg sind Haussuchungen vorgenommen worden, worauf ein Abge- ordneter dieser Partei im letzten Dejm, Putko, verhaftet wurde. Es wird damit gerechnet, daß die Partei verboten werden wird. » Gvinhufoud wird et�rgifch. Hohe finnische Offiziere verhaftet. H c l s i n g f o r s, 22. Oktober. Zusammenhang mit der Entführung des früheren Staatsprästbenten Stahlberg wurde« der Generalstabschef Wallcnius, der Ehef des Mobili- sationsbüros, Kuussaari und der Beamte im Wehr- Ministerium. Rechtsanwalt Toivonen. verhaftet. Man erwartet, daß die Herren Mörder sich melden. Helflngsors. 22. Oktober. Es haben sich wester« 12 Lappo-Leute aus verschiedenen Testen des Landes bei der Polizei verschiedener Gefetzesoerletzungen he- zichtigt. Auch mehrere Damen der„besten Gesellschaft Finnlands" meldeten sich in diesem Zusammenhang. Der Landshöoding(Landes- Hauptmann) in Tavastphus meldet, daß das Verbrechen in Forssa, wo«in Kommunist niedergeschossen worden war. bereit» ausgetlärt sei. Man er wart«, daß sich die Schuldigen frei» willig melden! Wester soll festgestellt worden sein, daß die Orte Jdensalmi und Ioensuu Zwischen st ationen für die Der- s ch l« p p u n g von Kmvmunisten von Helsingsors nach Rußland waren. Dort standen stets Kraftwagen und Mannschaften für Transporte nach der russischen Grenze zur Verfügung. lln einer veraluug der Präger Üinobejitzer wurde von maß« gebender Seite erklärt, daß die deutschen Tonfilme in Prag wieder gespielt werden müssen. Zm Prozeß Fritz Msler gegen„Rote Fuhne ha! Zeuge. Dr. Kurt Hille:' geäußert, seiner Ueberzeugung nach babe die„Deutsche Liga sür Menschenrechte" ausländische Regicrungsgewer empfangen. Die Liga erklärt diese Behauptung sür vollkommen unwahr. Theater, Lichtspiele usw. Winrer * Qarren* 8.13 Ohr— Raudiitfl erianm Tiffany Twlns. Oora Kasan u. Nester. Prof, Pallos 8 singen» deLadies. Brown u.LaHartus« Tlgl. 2VorsL• sbdLS. U. 30 PL— X* IL JedenNacbBi.4�D-30Pt-I.50H. r Bei diesen Preisen: W Nadunltla�s den Kiudern der Circusü Volüsbtttine Theater an Bülowplat!. 8 Uhr Die Weber v. C. Hauptmann Regie: K. H. Martin. Theater am schiflDauardamtn «>/, Uhr Jud SüOI Staat!. 5diiIler-Tli. 8 Uhr ierr Sektor, haben Sie zu essen? M\m TüeaiEf 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachistraum Regie: Hai ReiohanII. Kammerspleie 8'h Uhr Elsa von Ge/hart Hauptmann. Regie�Custa» Härtung. Die Hömödie 8% Uhr Der Schwierige voo Hugo von HofmanDStba'. Regie; Hai flainhantt. BAnlMtr Dönh 625,626. Täglich S Uhr Alexander Moissi in „Der Idiot" v. Dottofewkif Deutsches KQnstler-Theal. Tel Barbarossa 3937 H'h Uhr Jim undJill Grete Mnsbein, Harald PaulseL Renaissance- Theater Stein platz 6780. Vi* Uhr Ziehuno t. Kl. 24. u. 23. Oktob. »■/.uhr CASINO-THEATEB (.oihriniter Strafe 37 Unwidcrnillich n a r bis 30. Okiober Hurrah, ein Junge! IIIIIIIIIIMIIIIliniUllilllllllllUIIIIIIIIIIHKIIUMIIIUJIIHNIIIimil Am I. November 1930 zum 1. MaIc: Ann wie eine Kirchenmaus Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: Parkett 75, Rang 60 Pfg. Reichshallen-Theater Abends(X| Sonnlag nadtm. I S>?l (iu halben Preisen) Stettiner Singer Zum SchluB: '„Wir ollen Berliner" lianlt. ll-Z, Itautt. aii. Nr. II?« 'Dönhoff- Brettl; Ga�rMcpw�i!�� von Max Aisberg und O E. Hesse metropoi-Theater Täglich S1/« Uhr Sentalloneller Operetiener folg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar KFelnes TiTeaL Merkur 1624 Täglich 8';» Uhr Wassersdieu Uapoldios Konstantin, Ralph. Chlul Garbe. Dunke. Siegel, de Kowa. Kömische Oper 8'., Uhr Das Mädel am Steuer Operette v. Gilbert __ Prenß. Süddeuisdie Staatslotterie Hauptgewinne und PrSmien «xSOOOOOi 2.300000, 2 2OOOO0 <2x100000 f/a tu t'q tu Dopp�Los ~sZ 707- 20% 5öTT oo� RM Staatliche Lotterie- Einnahme BEKCtN WS Friedricdstraße 83 twiseßen Behrenstr a Uni. den Linden Postschetkkonio Berlin 4022t Theater am smüfbauerdamm Täglich S'/i Uhr Jud Süß! von Paul Kornfeld. Ibsl; leop. Jeüner mit Ernst Deutsch Neues Theater m» am ZOO mmmm ÄiiiBaliDh.Zno. StpL6554 Täglich 8>/« Uhr Theater am Kottb. Tor Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 Tägl. 8'.'» U.. Sonnt. aoth 3' s Uhr Clile- Sänger Präsideot Zankel Cr. iTauotpid- boiinka Söiorsm Buselii Max Adalbert in Hasenklein MORGEN Ziehung 1» Klasse»4. n. 25. Oktober Prent Staatslotterie Gesamtgewinne in 5 Klassen über 113 NUlionen RM. Höchstgewinn im gl. Falle: Eine Nilllon Hauptgewinne; 500000 300000 200000 fOOOOO Deppd- V, V, V, Ixnt SB SO.» 40.- 20.- 10. 6.- M Porto und List« 30 Pf. extra. Schwan Berlin Neue Königstr. 86 PosUcheck-Konto: Berlin 311 50 Telegramm- Adresse: GLÜCKS GOTT, Bcrbm Lustspieihaus Dir.: Hans LOpsMi Täglich 8>ii Uhi meine Scüiuesier und ich Musikvon Benatzky Lor, Leux. Kurt Ton Möllcndorf! Ausschneiden! Zentral-Tbeat. Täglich S'te Uhr Sonnt auch äV» Uhr| Eins Freundin so goldig wieou{ Operette r.Meisel. Inn. für Parkett M statt!.- IL nur I•" gültig nm 22.-25. DkL Sonntags 3 Uhr RotKappcheti Rose• Theater Rr.FranWurlerStr.i.L'{ Tel. Alex 3422u. 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Halden. Ginsberg, Lessing-Theat. 91t Uhr Premiere Elisabeth, Königin von England von Lenormand Höflidi, Rehmann. So. 11 1/2 Uhr: Naditvoßleliung Gruppe junger Schauspieler FludU nadi Sdiandbal \mmm Tb. In Wmiralspalast S'/. übr; Csärdäslürstin in Freslsrenliaietping Sonntag 2 Vorst. Sni 8", llhr »Zchw. die ganze Vont. tu haineu Preisen BlUles Frei,«; II.Bang I.ßane»64.50«, Parkett ad3.. M. Dirett. K«!tni«lef, Merkur 9301 fiBOSS.SCHAUfPiELHADIS Nur noch 1 Wocb e! Lustige Witwe Hesterbergs Hansen, Arno. Scholl wer, Janhnhn.SchaeOers, Winkelstern, Desnl. REGIE: CHARELV« iheater 1. it. Behrenstr. 53-54 Direktion: Ralph Arthur Roberts v. oas häBilche Mädchen WM Metallarbeiter-VeM Vervaltunesstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser »ermsnv prutpv am IS. Oktober gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag. den 23. Oftobet. l.V- Uhr. von der Leichenhalle des Georgen-Kirchdofes in Weißensee, Roelckeftraße, aus statt. Ferner starb am IS. Oktober unser Kollege, der Former »oSust Mdrct geb. 1 November 1879. Die Einäscherung stndet am Freitag. dem 24. Oktober. 13 lldr. im Krema- toriunt Eerichtstraße statt. Ehre ihrem Bndenken! Rege Beteiligung erwartet via Ortsverwnltung. Englisch— Rodens— Jansson. EintielisverDanö lEiseoDalmsr DeatSdllanilS(OnsBmppe Berum ?lm 18. Oktober verstarb der Kollege Clemens Stach BadnunterhallungSarbeiter von der 81. Bahnmeisterei. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am 23 Okiober um 17", Uhr im Krematorium Baunrschulenweg statt. Wir erwarten rege Beteiligung. Die Ortsrerwaltang. Am 19. Oktober, früh, Uhr. ent- riß un» der Tod ploßltch und un- v erhofft meine liebe trensorgend, Frau und Mutter Marie Neumann geb. Bremer im 68. Lebensjahre Die» zeigen tielbetrstbt an Karl Neomann als Satte Richard Nenmann als Sohn. Berlin B.2. Mommfenstr. 6t Einäscherung am Sonnabend, dem 25. Okioder,'mittag» 12 Uhr. im Krematorium Wlimersdorf. Un>er IieberFreund und langjähriger Genosse Wsiter AcRermsiui verschied am 20. Ott im 48, Lebensjahr. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Frei- tag, dem 2t O'tober. 16'/, Uhr. im Kremaiorium WUmersdorj statt Der Vorstand der 81. Abt. SPD. UsnkASSijng Fiir die vielen Beweise herzlicher Debnahme beim Tode unserer lieben Mutter Auguste Schuld geh Orfcrt fugen mir allen Freunden und Be- rannten unseren herzlichsten Da»!. Ott« Wenxke und Frau geb Schulz Reinbold Pissors als Verlobter NO 55, Carmen- Sylva- Straße 51 Ruttsr sieh mal! 2 0» »» Hchm Gdelliköre, extra fein. FE Feinster Tafelaquavit, fuselfrei Liter Extra prima Nordhäuser Branntwein Echter Weinbrand Verschnitt***..»*, Echter reiner Weinbrand„Masno"..., Echter Jam-Rum Verschnitt 45% Tecrum.. M 29 er Niersteiner, Oppenheimer und 1 1/ Fl Liebfraumilch, guter Tafelwein i«,• j J1 Echter italienischer Vlno Vermouth..., Fl. 21 er roter Bordeaux„Chat, la Rose" Fl. Echter Lingarwein, süL........., r/, Fl. Echter süßer w. 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Die hinterbringen es dem leiblichen Bater der jetzt Siebzehnjährigen. Er erstattet Anzeige, nimmt die Tochter zu sich. Sie erzählt, der Stiefvater habe ihr dos erstemal Gewalt angetan. Sie bleibt dabei auch in der Gerichtsoerhandlung. Der Angeklagte bestreitet das. Di« Frau nimmt ihren Mann in Schutz: die Tochter habe ihr von Gewaltanwendung nichts erzählt. Der Sachverständige Dr. Hadann warnt davor, der jugendlichen Zeugin unbedi igien Glauben zu schenken: mit der Notzucht sei es eine eigene Sache. Das Gericht verurteilt den Stiefvater zu einem Jahr Ge- f ä n g n i s unter Zubilligung einer Bewährungsfrist nach Ver- büßung von 6 Monaten. Es wird aufgeräumt? Aus der Berliner AnschaffungSiGefellschast wird ein Musterbetrieb. Immer wieder auftauchende Angriffe gegen die Berliner An- schossungsgefellichask, die bekanntlich demnächst unter den» Name» »Berliner Beschassungsamt" in eine städtische vienslstclle umgewandelt wird, veranlahlen den sozialdemokratischen Stadtrat w u h k y und den neuen Direktor Genossen B r i tz k o w zu aufklärenden Darlegungen war den Vertretern der Berliner Presse. 3m „vorwärts" ist bereits ausführlich dargelegt worden(Sladtbeiloge vom 23. Zun! 1930), wie gründlich und energisch die beiden Sozialdemokralen ai» die Reorganisation der Anschassungs-Gefcllschast, die unter ihrer früheren Leitung oft unliebsam von sich reden machte, herangegangen sind. Direktor Vritztow gab offen zu, daß früher Fehler ge- macht worden sind. Er führte aber gleichzeitig den Nachweis, daß inzwischen rücksichtslos mit den allen Rlethoden aufgeräumt worden ist. Man darf mit Fug und Recht sagen, daß die Anschaffungsgesell- fchaft heute zum großen Nutzen der Stadt in den b e st e n Händen ist. Von Interesse sind einige Zahlen, die den Geschäftsumfang der Gesellschaft beleuchten: Im ersten Halbjahr 1930 wurden umgesetzt 2 927 451 Eier, 3 544 000 Kilogramm Kartoffeln, 202514 Meter H e m d« n t u eh. Uebcrall ist im Betrieb Rationalisie- r u n g und Typisierung an die Stelle von nutzlosem Leerlaus ge- treten. Alle Aufträge werden heute öffentlich ausgeschrieben. Besonders gu: hat sich die B« t r i e b s we r k ft ä t t e entwickelt, die die Wäsche für die städtischen Krankenhäuser und Anstalten an- fertigt. Jedes Kleidungsstück wird mit besonderer Sorgfalt nett und geschmackvoll hergestellt. Die anerkennenswerte Aufbauarbeit des neuen Leiters hat sich für die Gefellschaft bereits überaus segensreich ausgewirkt. Nach genauen Berechnungen hat man IZH Millionen Mark durch kluge Ausnutzung der Marktlage und dadurch be- dingten günstigen Einkauf und Z'A Millionen Mark auf Grund der besseren Cinkaui-bedingungen durch die öffentliche Ausschreibung erspart. Der Betrug an der Krankenkasse. Dr. Iischeder zu Gefängnis verurfeitt. Das Schöffengericht Berlin- Milte verurleille nach mehrstündiger Beratung den praktischen Arzt Dr. Friedrich F i s ch e d e r wegen Beihilfe zum sortgesehlen Betrug zu drei Monaten Gefängnis, den Kaufmann Rudolf Hefzky wegen forlgef atzten Betruges in Tateinheil mit Urknndensälschung zu sechs Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdircktor R ü ck c r aus: Wegen der Anklage, daß Dr. Fischcdcr an dem Betrug« Hefzkys gegenüber den Krankenkassen durch Scheinoperotioncn mitgewirkt hat, ist der Angeklagt« Dr. Fischeder nicht verurteilt worden. Allerdings ist in diesem Falle der Verdacht gegen ihn sehr dringend. lieberführt dagegen ist Dr. Fisckzeder der Beihilfe zu dem Betrüge gegen die Krankenkasie insoweit, als er bewußt für Heszty doppelte Liquidationen a u s g e st e l l t hat. Dr. Fischeder wußte, daß Heszky mit den Rechnungen Mißbrauch treiben würde, und er hat ihm bewußt dazu Gelegenheit gegeben. Während der Urteilsverkündung unterbrach der Angeklagte Dr. Fischeder mit den Worten:„Das Urteil ist ein Fehlspruch, i ch bin unschuldig." Der Borsitzende sagte sehr scharf:„Wenn Sie nur nach«in Wort reden, lasse ich Sie abführen." Dr. Fischcdcr verließ daraus den Saal. Keuermanöver im Warenhaus. In dem Riesenbau des Warenhauses am Hermannplatz wurde am Mittwach in aller Frühe in Anwesenheit des Berliner Oberbranddirettors Gempp und mehrere Vertreter der Baupolizei ein umfaiigeiches Feuermanöver durchgefüht. Sämtliche Maßnahn«m spielten sich im Innern des Gebäudes ab: die Angestelltensckast sollte u. a. de» Beweis dafür erbringen, daß es ihr in kurzer Zeit gelingt. den Woikcnkratzerbau vom Publikum zu cnilcerc». Da die Feuer- probe gewissermaßen unter Ausschluß der Oessentlichkeit vor sich ging, war zwar kein Publikum anwesend, aber die geladenen Znsckialier bekamen einen Ueberblick über die bis ins kleinste getroffenen Sicher- hcitsmaßnahmen im Fall« einer Gefahr. So haben in jeder Etage, ja in jeder Abteilung die Angestellten ihre besonderen Funktionen zu erfüllen. Auf bestinrmte Alarmzeichen werden die Ausgänge besetzt: die im Hause ständig anwesende Berufswehr tritt sofort in Tätigkeit, inzwischen hoben aber schon mehrere Angestellte mit Feuerlöschern die Bekämpfung des markierten Brandherdes aufgenommen. Für die Besetzung der Treppen und Balkonansgänge sind besonders ge- schult« und überlegte Kräfte vorgesehen,- die das Publikum, um jede Panikstimmung im Keime zu ersticken, aus dem Gebäude hinaus- Abends: Orckzesterwerke von Ketelbey, vom Komponisten selbst dirigiert. Das Funkorchester spielte. Alles zusammen: ein Genuß für die Freund« wirklich guter Unterhaltungsmirstk. Auch sonst manches recht Erfreuliche. An der Spitze Elles Koppen �Literarische Umschau", die keine Umschau, sondern eine Hineinschau wurde. Der Bericht über die Rheinische Dichtertogung war ein Bericht über Menschen, die nicht nur Dichter sein wollen, Bericht über ihre Nöte, aber auch über die Nöte ihrer Kuirst, ihrer Berufung. Ein paar literarische Neuerscheinungen wurden vorgeführt. Sie glitten rasch vorbei; doch man erkannte schon Forbc� und Elzaratter. Alfred Braun führte eine Stunde durch deutsche ocnbeftaiimien; für diesen Funktag sei es ihm gern zugestanden: in Berlin war es am besten. Auch die hübschen Volkslieder, die Annclies Abels fang, auch die nützliche Anregung zum Erlernen des„Rettungsschwimmens", die in"der Jugendstunde Paul Kellner gab, auch die sachlich-klore Reportage aus dem Materialprüfungsamt ist auf der Lobseir« dieses Tages zu verbuchen, lieber„Rundfunk und Strafvecht" sprach Kainimrgerichtsrat Dr. öttenen. Juristische Themen versteht Justizrat Heilfton volkstümlicher zu behandeln. Des. leiten. In diesem Zusammenhang sei aber noch daran«rarneri, baG das Warenhaus mit den modernsten icucrtcchnischen Sicherungen ausgerüstet ist. Allem annähernd 50 000 Meter Sprinkler- anlagen(Regenoorrichtungenl durchziehen in einem gewalligeli Rohrnetz die Hunderle von Äbiciluiigen. Die Anlage rritl bei Aus- bruch eines Brandes schon bei einem geringen Hitzegrad voi� selbst in Tätigkeit. Die Barftihrimg b.tt jedenfalls den Beweis erbracht, daß bei Feuersgefahr nach menschlichem Ermessen kaum etwas passieren kann._ Der Selbstmörder von Nedlitz. Vor einigen Tagen berichteten wir über das Verschwmden eines Berliner Kaufmanns, Er hatte in dem Restaurant„Römer- schanze" in Nedlitz, wohin er mit seinem Kraftwagen gekommen war, ein Ruderboot gemietet, um nach der gegenüberliegenden Insel zu fahren und war-nicht mehr zurückgekehrt. Die Vermutung, daß er seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht habe, hat sich jetzt be- stäligt. Di« Leiche des Kaufmanns K. Landsberg aus Lankwitz wurde am Mittwoch bei Fahrland geborgen. Der Lebens- müde hatte sich vor dem Sprung in das Wasser die Taschen mit Steinen gefüllt und Hände und Füße mit Bindfaden zusammen- gebunden. Die Leiche ist nach der Friedhofshalle gebracht worden. » Auf entsetzlich- Weise verübt« gestern nachnnttag der 46jährige' Hochbahnarbeiter Hermann W o d t k e aus der Hobrcchistraße 70 in Neukölln Selbstmord. Er entfernte sich aus der Wcrkstätte und kehrte nicht mehr zurück. Als einige Zeit später ein Arbeitskollege den Toilettenraum aiissuchte, fand er W. in einer Blutlache tat auf. Mit einem Rasiermesser hatt er sich die K« h l e d u r ch- schnitten._ Burstcnfnbrikation im Schaufenster. Wirtschaftswoche im Konsum! Dar den Schaufenstern des Konsumwarenhauses in der Oranienstraße staut sich das Publikum und besonders die Kzausfraucn liebäugeln mit diesem o.er jenem Gegenstand für die Wirtschaft, der gerade setzt so sehr preiswert zu erwerben wäre, wenn nicht... Ja, ja, dos beb« Geld! Eins der Schaufenster zeigt etwas ganz besonders Jntercsiautes, immlich die Herstellung von Bürsten. Die Bürstenrabnk der GEG. Deutscher Konsumvereine in Stützengrün i. Sa. entsandt« zwei ihrer Arbeiterinnen, die den Fabrikationsgang im Schaufenster anschaulich demonstrieren. Bei der maschinellen Herstellung werden die Borst«? in eine Vorrichtung getan, aus der sie die Kreisbogenmaschuie bündelt, knifft und init Draht umwickelt, worauf sie die Stanze in die vorgesehenen Borstennlöcher befördert. Auf der �Rasiermaschine werden dann die Borsten gleichgemacht und die Bürste ist fertiq. Hier bringt die Arbeiterin pro Tag 20 bis 25 Dutzend ferrig. Veim Handbetrieb werden die feinen Äoßhaarbarstcn mit der Hand gebündelt, umwickelt und in die Löcher eingeführt. Da» Fest der goldene- hockizeil seiern am St. Oktober unür langjöhriaer Abonnent Heinrich Labenz und seine Frau Hermine. Der Jubilar, der seit Jahrzebiiten Mitglied des Gemeinde- und«laatsmbeiter-Berbandes isl. Icbt jetzt, körperlich behindert, im städtischen Bürgerhause, Charloiten- bürg, Sophic-Charlolte-Itrahc 17Z. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß'verlin glnseodvncien f«r diese AnbrN aar<• M Zooexditdu»-� .-Vrlta e-3«.•Ctabeaftrob 5 einitittitatten für die Scoolalianofcici der Partei am f. Zlooember. 18 Uhr. in der Äulohollk am Kanerdamm. mittlen sofort von den Gruvpca abgeholt werden. Preis für Jugendliche 30 Pf.(fonft 60 Pf). Boll»hiihnen»arftcllung für SugenMidw von 14— 18 Jahren am 9. Rooem- ficc. Karten zu 80 Pf. find noch erhältlich, töcspiclt wird„Die Matrofen von Cattaro". Schauspiel oon Fr. Wolf. Pbteilungalciter, reicht umgehend den Berickitsbogen fiir dar Z. Quartal ein! Streichorchester Sroh-Kcrlin: Heute 19H Uhr Pflichtprob« und wichliac Pe. sprechung beim Genossen Lützel, Stolpische Sic. 21, 2. Aufgang, 4 Tr. Zloten- sländer und eutlieheue Noten mitbringen� Ael-cit-gemeinschaft Abeaham:„Wirtschastagefchichte" tagt heule in der Schule Kochstr. 13. heute. Donnerstag. 1914 Uhr. «ttmoalbet Platz II: Sxitn Rastenburger Str. 16:„Welche Bedeutung hat Karl Marc in der Gegenwart?"— Schjjnhauier Vorstadt: Schule Sonnenburgcr Straße 20. Elternabend:„Wir und da» Elternhaus".— Sallelchea Tor: Seim «lorckflr. II, Saum 2: Arbeitsgemeinschaft.— Kasel! Heid«: Seim Wafferlo-. strafte 9:„Otto s cuter".—«öpcnickcr viertel: Dollstänzer 20 Uhr im Seil». ___ i rn■ tzrft*. /TT r 4> ril« f rt J 1 1 /-vi«Mi»«*** X«»<"&» X hum> it/tn ff«* T f»«»«., Oktoberrevolution".— Zehlcndorf. Dahlem: Schule Dahlem. Lanzstrafte:„Sozia. Itstische Le Kensgestaltung".— Reinickendarf-Weft: Heim Seidelstr. 1:„Jugend- schlitz uni) Iugendrccht".— Wittenau: Heim Sasenthaler Str. 15:„Wie sieht es in meinem Betriebe aus?"— Südwesten: Heim Lindenstr. 4:„Der Siaal". Sä®. Lichtenberg: Heim Scharnweberstr. 29:„Der Faschismus als National- fozialismus". Wcrbebezirl Wedding: Schrader-Saus, Malplaguetftraftc. Iiingerenkursus: „Wirtschailssrogen". Referent Genosse Braunthal. Alle Genossen müsse» er- scheinen. «er bebe, Irl Prea,laner Berg, Tambonrlapevc: Heim Danziger Str. 62: llcben. Erscheinen aller Genosse» notwendig. Alle Genossen, die eine Flöte besitzen. miiisen unbedingt kommen. Genossen, die noch flöten und trommeln wollen, können sich noch melden.— Engere: Sonntag, 19 llbr. W..B.-Vorstands. sitznng im Heim Danziger Str. 62, B. 2; um 20 Uhr cbendort Borsstzcndcn- koilscrenz. Werbebezirk Schiineberg: 19 ei Uhr W.-B.�ildunqskursus. weltliche Schule, Feurigstrafte. 20 Uhr Bildungskursus der Partei, Lokal Will, Piarttn-Luther. Strafte. Thema:„Arbriterschost und Sozialgesetzgebung".— Die Zusammen, kunft der Erwerbslosen findet erst morgen, Freitag, 18 Uhr, im Heim Haup:- strafte lä, statt. Wcrbebezirl Neukölln i Beginn der Arbeitsgemeinschaft der Gen. Torhorst Uber„Geopolitik", Karl Marr-Schul«, Geographieraiim. Dauer 6 Abende. Teilnahm« kostenlos.— Tamdvnrtarellc: llcben im Helm Sahnfttafte, 20 Uhr. Erscheinen oller Genossen ist Pssicht. Montag, 27. Oktober, Beginn der An- fSngerkurs« silr Trommler und Floter. All« interessierten Genossen treffen sich um 20 Uhr Bhf. Neukölln Wcrbebezjrk Tiergarten: Morgen. Freitag. ltzZi Ilhr. Weräefcicr in der Aula des Kleist-Oberlnzeums, Levrtzowstr. 2. Positifchc N-wue: ,95;t schalten, am". «softnenstr. 4 Siimlicmt Seife LUMseifenflockem 'ä Wund Doppelstück... r 40'pfg., jeiM Pfg. Die große Doppelpackung V*.Jj'pfg., jeixt Pfg. Der große Würfe!......SsJ�Pfg., jetzt 25 Pfg DisMonraipodcuRg....."�0 Pfg., jetzt Pfg. praktische HandstOd-fg.. jetzt 12 Pfg. 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Wilmersdorf. Wir Iveisen nochmalz darauf hin, daß der kehr zeit. gemäße und belehrende Bortragskursus des Genossen Gregor Bienstock: „Was wollen die Sozialdemokraten" am Tonnerstag. 2Z. Oktober, Ig'.v Uhr, in der Biltorio-Luise. Schule, mittlerer Eingang, immer Zllil. Sasteincr Straße, stattfindet. >4. Krei« Reukölln. Heute. Tonnerstag, 23. Oktober, 19', 4 Uhr, beginnt im Jugendheim Bcrgstr. 29 die Arbeitsgemeinschaft des Genossen Mönchen über„Sowjetrnßiand". Anmeldungen bei Beginn des Kursus im Schul» lokal.— Die Sozialistisch« Arbeiterjugend veranstaltet an» Sonntag, 28. Oktober, im Gtadtlaal. Bergsir. 147, einen Zilmabend. S» wird der Film„Brrdun" gespielt. Dazu ein gutes Beiprogramm. Die erste Bor, stcllnnq beginnt um 17> Uhr, Einlaß 17 Uhr. Dir zweite Vorstellung beginnt»m 2«'.s Uhr. Einlaß 19-ti Uhr. Eintritt 60 Pf.. Kinder M Pf. zur ersten Borftcllnag. 20. Krci» Reinickendorf. Heute, Dounerstag, 23. Oktober, pünktlich I9VS Uhr. im kleinen Sitzungssaal des Rathauses in Wittenau. Bortrag:„Kultur und Klasse". Referent Professor W. Ldramowitsch.— Der Krcisbildungs- ausschuß. heuie. Donnerstag, 23. Oktober: 95. Abt. Reukilln. Bon Keil, Prinz. Handiern-Str. 38. holen die Bezirks. führer Handzettel ab. Morgen, Freitag, 24. Oktober: 98. Abt. Reuiölln. 92., 9Z., 95. bis 9«. Gruppe lGruppe 27 und 28 der Frei. »«nker>: W/j Uhr im Städtische» Kino, Bergstr. 147. großer Filmvortrag: „Slreuzzug des Wethes". Motto:„Heraus ans der Kirche". 124a. Abt. Zllahlsdorf-Sud. 20 Uhr bei Traber. UHIandstr. 18, Funktionär. sitzung mit der Wohlsahrtsiommission. 128JI50. Abt. Pankow. Die Mitgliederversammlung am Freitag fällt umstände, halber ans. Sonnabend. 25. Oktober: » W 33. Abt. 2« Uhr Herbstsest zugunsten der arbeitslosen Partei, und .s Zugendgenosse» in ber Alten Tavcruc, AltzZtralau 28. Berliner Ulk» M ! Tri». Arbeiler. Sport verein Stralau u. a. muv von sllon so-islclsnksn6«n �rounrion der Arbeiterklasse nach besten Kräften beigesteuert werden, wenn wir auch nur die allergröBte Not der Erwerbslosen lindern wollen.— Freiwillige Zahler, denen keine Sammelliste vorgelegt werden sollte, senden bitte Geldbeträge auf Postscheckkonto Berlin, Nr. 48 743, an Alex Pageis, Berlin SW68, Lindenstraße 3. Thema und Referent«erden daselbst bekanntgegeben. Bestimmt und pünktlich erscheinen. Gruppe Prenzlauer Berg: Gruppenabend fällt ans. Wir beteiligen uns am Kursus der Arbeitcr-Bildungsschule:..Rationalismus»nd Bolschewismus" im Dezirksamt. Iungordner: 2« Uhr Boiksspeisehalle. Glcimstr. 39. Kundgebung gegen de« Faschismus! Am Donntag. 28. Oktober, 19'4 Uhr, im Llchtfpieltheaicr„Elysinm", Prenz. lauer Allee 5«. Referent Genosse Maz Eeybewitz, M. b. R. Film:„Sturm über Afieu". Musik. Austrete» des rote» Kollektiv». Parteigevoss«», Seuossc» der SAI. und der freien Scwcrkschoftsjngend sind herzlich eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der Siuderfreunde. strei» Kreuzbeeg. Die Areishelfersitzung findet nicht heute, Donnerstag. sondern Montag, 27. Oktober, 20 Uhr. im Hein: Porckltr. Ii. statt. Gruppen. Helfersitzung der Gruppe Südwest daselbst od 18b- bis 29 Uhr.— Freitag Gnmnastikki-rsus mit Martin Gleisner. Sonnabend, 2S. Oktober, von 17 bis 19 Uhr Instiges«reistresfen für alle südwestlichen Gruppen im Heim Belle. Alliance-Blatz.— Gruppe Südwest: Zu der Kinovorstellung, die am Tonners. tag, 23. Oktober, von 18 bis 29 Uhr stattfindet, treffen wir UNS um 1714 Uhr im Jugendheim. Krci« Rruköl». Helserkrei«: Heute, Donnerstag, um 29 Uhr. in ber Baracke Ganghokerstraße, wichtig« Kelfersitznng. Genossen, werbt für unseren Film. abend am Sonntag, 29. Oktober, im Saolbau Bergstraße um 1714 Uhr. Er. wachsen« 89 Pf., Jung- und Rote Falken 39 Pf. Gruppe Pankow, Restsalkeu: 17 bis 19 Uhr Sichtbildernachmitiaa. Jugend, heim Kissingstraße, Zimmer 5.— Zungsalke»: Bastelkeller.— Store Falk«»: 18 bis 19 Ubr Zimmer 3, 19 bis 39 Uhr Zimmer 5. Hohenschönhausen: Heute sind wir in der Freienwalder Straße von 17 big 19 Uhr und basteln. Seid pünlllich. Geburtstage, Jubiläen usw. 18. Abt. Unserem verehrte» Genossen Hermann Sudwig, K»lk«-g«r Straße 28, hem Mitbegründer de,«'d-lter.Bthlrte».»u»de». zu seinem heuiigen 85. Geburtstag« die hcrzlichftea Glückwünsche. 38. Abt. Unterem Genosse» Franz Jaeckel unk Fron, Höchste Str. 14, die herzlichstrn Glückwünsche zne Sirberhochzeit. Der Zahlabend und die Abieilungsleitung. 97. Abt. Renkolln. Unlere« langjährigen Genosse» Vit» Breitkrentz, Sarthestr. 11, zu jeiaem 50. Geburtstoge die herzlichste» Slückwünlche. stihrer»»ud an der Kasse. i l.«"i�i I! i-! I 4 ii! r Karten bei alle» Bezirk» Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation'� EzFri-l I I J-lli Frauenveranstaltungen. 2. Krei« Tiergarten. Heute. Donnerstag, 23. Oktober, 1914 Uhr, bei Sandow. Fiensbnrger Str. 3. poliliscke Funktionärinnensitzung. 8. Krei, ltreuzberg. Die für heute vorgesehen« Führung durch die ständige Ausstellung im Neichsarbsitsniinisterium findet nicht statt. Ter genaue Termin wird noch mitgeteilt. l.. 5.»nd 8. Abt. Freitag. 24. Oktober, 18 Uhr. gemeinsame Besichtigung des Frauenkundemuscums. Eharlottcnburg. Berliner Str. 137. Treffpunkt 1784 Uhr vor dem Museum. Wir werden durch da» Museum von einer Aerztin geführt. 99. Abt. Britz. Freitag, 24. Oktober. 29 Uhr. bei Becker. Ehansseestraße, Funktionärsttzung. Lezirksausschust für Arbeitenvohlfahrt. 14. Krei, Neukölln. Freitag. 24. Oktober. 29 Uhr. im Parteibüro. Fulda- llraße dkl, Sitzung der Arbciterwohlfahrt mit de» Abieilunasleitern Uich den 'M 14. Berwaltungsbezirk beschäftigte n Fürsorgern und Fürsorgerinnen, jede Abteilung muß vertreten sein, da gleichzeitig die Ausgab« her Lose erfolgt. 29. Krei» Reinickendorf. Freitag. 24. Oktober, im Perwartnngsgebäilde, Reinickendorf, Haupistr. 46, Zimmer 69, 5. Kursusa hend. Thema:„Jugend, aerichtshilfe". Referenrin Genaffin Lemke. Alle in der Wohlfahrjspslcge stehenden Genossen und Genossinnen müssen daran teilnehmen. Arbeiter-Lildungss6,ule. 19. Krei» Zehlenbors. Der für den 24. Oktober angekündigte Kursus„Die -Arbeiter Deutschlands im Kampf um Demokratie, wirtschaftliche und politisch- Macht"(Valentin Hartig) beginnt erst am 31. vltober im Jugendheim Bahn- hofftiaße i. Jungsozialisten. Eharlottenburg: Dir perwcisen unsere Mitglieder ausdrücklieh ans den heute um 29 Uhr statlsindenden Kursus„Krise und Arbeitsmarkt". Referent Fritz Lrwn.. Jugendheim Rosincnsir. 4. Wir bitten nochmals um stärkste Beteiligung. Gruppe Pankow: Am Donnerstag. 23. Oktober, 29 Uhr, im Jugendheim Gorfchstr. 14, Vortrag des Genossen Franz Lepinfki. Thema:„Geschichte und Aufgaben der Jungsozialisten". Alle jüngeren Parteimitglieder sind hierzu ein» geladen. Am Sonntag, 26. Oktober. 9 Uhr. Treffpunkt Pankow, Marklplatz, zur Demonstration zur Gesarntveran staltung im Eltlsium, Danziger Straße. Gruppe Friedrichshain: Um 29 Uhr Gruppenabend Tilsitcr Str. 4— ö I. 42. Abt. Unser ältester Genosse Friedrich Lutz ist im Alter van 84 Jahren nersiorlit». Der Partei gehörte er 33 Jahre an und war stets bis ins hohe Alter hinein tätig. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken he. wahren. Die Traucrfeier slndet am 24. Oktober, 17 Uhr, im Krematorium Dcrichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. 8l. Abt. Friedenau. Unser lieber Genosse und Freund Walter Anger. man» ist im 48. Lebensjahre verstorben. Ehre seinem Andenken! Ein- äscherunq am Freitag, 21. Oktober, 1814 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. Aus der Partei. Der Dorftand der Sozialistischen Partei Frankreichs wählt« den Generalsekretär der Partei, Paul Faure, d«r dieses Amt schon ieil der Abspaltun? der Kommunisten verroaitet, einstimmist wieder. Juni Parteikommissär sör die internationale Aktion wurde der Abg. Grumbach, zum Parteischlichter der Abg. Le Trog u er bestimmt.___ Vortrage, Vereine und Versammtungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gaid". Gefchäftsstell«: Berlin s. 14. TebaManstr 37—38, Kok 2. Tr. Donnerstag. 23. Oktober. Treptow(Srtsvereint. Jungbanner: 29 Uhr im Jugendheim Baumschulenweg. Ernststr. 16. Oetsvereins- iugendsitzung.— Zr«Itag, 24. Oktober. Krenzberg: Erweiierte Boestandssitzung findet am Freitag bei Krüger. Grimmst:. 1, statt. Prenzlauer Berg, Zung- banner: Jeden Freitag Badcabcnd im Stadtbad Oderberger Straße. Mitglieds. .hllchcr müssen mitgcbrachr werden. Lichtenberg(Ortsverein): Kameradtchaits. Versammlungen um 29 Uhr: Rummrlsburg bei Brunn. Türrfchmidtstr. 49? Traveplatz bei Seipks. Echarnweberftraße: Gustav Tempel bei Rodegnst. Nor- manncnstr. 38. Bortrag. Erscheinen aller aktiven und passiven Kamerad»» ist Pflicht.— Sonnabend, 25. Oltober. Renkölln.Pritz: 5. Stiftungsfest des Tom bourtorps in Kliems FeNfälen.�Hascnhcid«. Kameraden und Gäste herzlich willlommen. Eintritt 1 M._ StorltB«« Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, r. B. Sitzung am Dienslag. 28. Oktober. 29 Uhr, im Hvgicnifchcn Institut der Universttät. Berlin. Dorotheenftr. 28-. Herr Dr. J. ikroner, Leiter der Rheuma-Beratungsstelle Berlin. Friedrichshain:„Ueber soziale Rheuma-Fürforge". Gäste willkommen. Frei« Arbcrter.Elperanto. Bereinigung. Gruppe Ofton: Donnerstag. 23. Okla. ber. 29 Uhr, im Jugendheim Am Ostbalnrhoi 17, Gruppe und Knrius im rechten Zimmer, Hochparterre.— Gruppe Zentrum: Freitag, 24. Oktober. Er. öffnung des neuen Kursus im Metallarbeiter-Berbandshaus, Linicnstr. 83—35. Portal I, Bibliothekzimmer. Kursus von 1914—21 Uhr. Sonntag. 28. Oktober, Fahrt zum Blumcnthal. Treffpunkt 714 Uhr Wriezcner Bahnsteig(Schlcsifcher Bahnhof). Spractililud„The English Speakers": Meetings on every Thursday at 20 p rn in the restaurant„Stephanplatz", NW 21, Stendaler Str. 12.— Topics and debates of gencral inieresb Ouests— ladies and gentlemcn, cordially welcome!_ Wetteraussichten für Berlin; Meist stärker bewölkt, aber Nachlassen der Regenfälle, ziemlich kühl.— Für Deutschland: Im Nord- osten noch regnerisch, im Westen wieder langsame Eintrübung, im' übrigen Reiche vorwiegend wolkig, allgemein ziemlich kühl. Sport. Rennen zu Grunewald am Mittwoch, dem 22. Oktober. l. Rennen. 1. Koerner(Genz), 2. Saharet, 3. Scrvatrix. Toto: 93:10. Platz: 37, 79, 49:10. Ferner liefen: Soravia. Lysander, Khedive, Puppenspieler. Gasrlle, ftriederile, Doralide. J.Rennen. 1. Caligueen(Murphy). 2. Maust, 3. Waisernvinvbe. Toto: 62:10. Platz: 22, 15, 25:10. Ferner liefen: Berenice, Rialto, Ealo, HonestuS, Limburg. 3. R e n n e n. 1. Frei weg II(Nastenberger), 2. Wenhos. 3. Ledon. Toto: 29:10. Platz: 16, 18, 18:10. Ferner liefen: Blanker HanS, Miz> griff. Linz, Heroine. 4. Rennen. 1. VolumniiiS(F. Pinter), 2. TarcfUininS SuPerbuS, 3. Walzertraum. Toto: 38:10. Platz: 13, IS, 12:10. Ferner liefen: Chantillo, Meifterpolter, Napoleon, Sterneck. 5. Rennen. 1. AuloS(O. Schmidt), 2. Me, 3. Kerner. Toto: 33: 10. Drei liefen. 6. Rennen, l. Sanda(Sauerland), 2. Tarnkappe. 3. Willkomm. Tolo: 66:10. Platz: 18, 29, 28:10. Ferner liefen: Vialla, Frowalt, Marbod, Sauerkirsche. Tana. Ostlind, Aka, Pretonio. 7. R e n n e n. 1. Steinfeld(Buschke)', 2. Jazzo, 3. Tpinellh, 4. Fiametla. Toto: 62:10. Platz: 23. 56, 63, 21:10. Ferner liefen:.Rhenus. Faretra, tHasienjmige, Morgenwind, Harold. Lalai, Hochdruck. Trianon. Ratatesta. Eleazar, Tannenberg N, Esparsette, Genista, Ping Pong, Sterns uhrl. wEliii53E5 a-ütuns i Funktionäre Donnerstag, den 23. Oktober 1930, 17 Uhr, in der stullnr-Ableilung, Berlin 37.54, Linienstraße 197, Sitzung der Obleute der Streikleitungen. Streikausweise und für diese Sihung besonders ansgestellle Ausweise sind nm Eingang zur Kontrolle vorzulegen. Nachtrag zu den StreiKloHalen dtr Evmi.-Betriebe A»l«»i».Week, Fried« nou, jtoiseeallec 87—88! Klab«, Friedenau, Sendjern. stiaße 69.> Homocvrd, Weifonf««. St:«».. Ecke Langhaniftraß«: Joses Eharnie»!. f k i. Rölckcstr. 173. Otto Zachman». Dolsigwatde: Borfigwalder Fe st säte. Pollok, Berlin SO. 36, B-ncheftroße: S e i w c r t, Schlesische Str. 23. Bereinigte Signaliu», Blockwerl Siemen,: Sommer. Nonnkndammollce. Stoßl- und Walzwerk Hennigsdorf:„Drei Linden". Kabelwerk Bogel. Köpenick: Berichtigung: Goldener Hirsch/ Köpenick. Friedrichshagener Straße. S-rman» Walter, Belfortee Str. 13: Adam. Belforter Str. 21. ASS., Kabelwerk Obcrfchöncweid«: Bürgcrpark, Oocrfchöneweide. Beiß- Für Frtodr�hshagen: Hoppe. Friedrichstr. 123. Für Eichwald«: L i n d n e r, Bahnhofstraße. H. Gassen, Reinickendorf-Ost: Glaubitz. Graf-Rödcrn-Allee. Pictfch, Zlotouicstr. 8: Senkel. Utrechier, Ecke Turiner Straße. Venvsttungsinitglavkter l Am Irelkag, dem 24. Oktober, keine Sitzung der Mittleren Verwaltung. o�„srwsNung. 5A«itkN Zlt AOUR, dann FAHREN SIE SICHERI Qenken Sie vor allem an Ghre persönliche Sicherheit! Sparen Sie beim Autokauf« wenn es sein muß, auf Kosten der Größe« der Stärke, der Zylinderzahl oder der Ausstattung«— ober sparen Sie nicht auf Kosten Ihrer persönlichen Sicherheit!— In diesem Punkte darf es keine Kompromisse geben... Sicherheit zuerstl Die Adlerwagen aller Größen und Preisklassen sind noch dem gleichen Grundsatz der Sicherheit konstruiert: Bruchsichere Ganzstahl-Karosserie— hydraulische Vierradbremsen —patentierter Antishimmybock—E i n druck-Zentralschossisschmie- rung— stabiles Fahrgesteil— niedrige Schwerpunktlage— hoho Bodenfreiheit— gute Massenverteilung— größte Kurvensicherheit— finden Sie in gleicher Weise: beim sparsamen Vierzylinder— beim großen Sechszylinder— beim machtigen Adler-Standard 8 ADLER PTLTALE BERLIN, BELLE- ALLLANCE�STRASSE 6, UNTER DEN LINDEN 12-13 UND ADLER-SALON AM ZOO, HAHDENBERGSTRASSE 2Y,-e ▼ Weitere eigene Werksfilialen; BRESLAU/ HAMBURG/ HANNOVLB/ K ARLSRUHL i.B./ KÖNIGSBLBG LPr./ LEIPZICy MÜNCHEN/ NÜRNBERG/ STUTTGART Jlndreas Wagy: Odl (Schluß.) 2IBer, um aufrichtig zu sein, ist es mir anfangs so. Wenn man sich erst etwas daran gewöhnt hat, wird man zutraulicher und fühlt sich hier in der großen Einsamkeit sicherer, als um die Mittagszeit vor dem Piccadillizirkus, wo dreißig Schupos auf die Fußgänger achtgeben Denn hier in dieser dumpfen, glühenden Atmosphäre sprießt Leben in so jubelnder Füll«, daß sich in den Urbewohnern des Waldes keinerlei bös« Triebe entwickeln können. Die seltsam geformten übergroßen Frücht« purzeln gereist von d«n Bäumen, vermengen sich mit den Blättern, Stengeln, Pilzen, Kadavern zu einem einheitlichen fauligen Grundstoff. Pflanzenfressende Tiere können überall nach Herzenslust ihren Hunger stillen, und die reißenden Bestien brauchen nur ihre Tatze auszustrecken, um eine feiste Gazelle zu töten. Träge, zerfließende Still« charalterisiert den Urwald. Um ein Beispiel zu nennen: Ich wäre fast auf einen Pancher getreten, der vollgefressen und kugelrund unter einem Baum schnauft« und er blinzelte mir gerade nur träge zu, als ich an ihm vorbeikam. Jetzt begriff ich, daß der biblische Garten Eden nur nach dem Beispiel solcher Urwälder erfunden werden kannte. Ich begann vor Freude zu pfeifen, so glänzend war meine Laune. Aber im nächsten Augenblick ging mein Pfeifen in einem erschrockenen Seufzer unter. Ich hatte mich durch ein dichtes Gestrüpp hindurchgearbeitet und trat auf eine kleine Lichtung hinaus. Auf der anderen Seite der Lichtung bemerkte ich oben im Laubwerk eines großen, glatten Baumes ein geschickt geflochtenes Nest und vor dem Nest ein splitter- nacktes Menschenpaar, das mich halb erschrocken, halb drohend an- grinste. Sie gehörten einer unbekannten Menschengathing an; sie waren niedrig gebaut, hatten Blähbäuche, dünne Gliedmaßen; ihr Gesicht war ähnlich, wie man es auf den Rekonstruktionen des Neanderthaler Menschen sehen kann. Beide, sowohl das Männchen wie dos Weibchen, schwangen schwere Keulen über den Köpfen. Nun, ich mit meinen guten Repctierpistolen hatte ja keine große Angst vor ihnen. Ich nahm sie nicht weiter ernst, genau so, als fletschten mich zwei kleine Affen mit ihren Zähnen an. Ich hatte nicht Angst um mich, sondern um sie. Denn, wie häßlich und ver- wahrloft diese beiden Geschöpfe auch schienen, schließlich waren es doch Menschen, und mir ist es nie gelungen, das große Gefühl menschlicher Solidarität zu verleugnen. Es fiel mir ein, daß ich zum Photvgraphieren eine Rolle Magnesium bei mir führte. Ich brach schnell ein Stück davon ab und entzündete es. In der Dämmerung des abendlichen dichten Waldes flammte es auf, wie ein Blitzschlag. Diese kleine Vorstellung hatte mächtigen Erfolg. Beide be- gannen gurgelnd zu ächzen, liefen auf mich zu und warfen sich vor mir mit dem Antlitz zur Erde nieder. „Ma.. ma... kaala... ma!" flüsterten sie, wo» in der Sprache der Roger bedeutet: Herr Gott, erbarme dich unser. Es ist klar, daß sie mich für einen Gott hielten, und ich empfand keine Luft, ihnen diesen Glauben zu nehmen. Ja, um meine Po- fition noch mehr zu verstärken, schoß ich zweimal in die Luft, dann brüllte ich sie an, sie mächten mir zu essen geben. Sie liefen zu ihrem Nest zurück und legten ihr Opfer zitternd vor meine Füße: Kokosnüsse, Bananen und Datteln. Ich aß nach 5zerz«n&lust und sie sahen mir in stummer Andacht zu, während auf ihren Gesichtern überirdische Glückseligkeit glänzte, als sie sahen, daß ich ihr Opfer gnädig annahm. Dann legte ich mich in ihr Nest und befohl ihnen, für sich selbst auf dem anderen Baum ein neues zu bauen. Ichs sehe ein, daß dies nicht sehr höflich von mir war, aber es schien mir die einzig« Möglichkeit zu sein, übermüdet wie ich war, mich im Urwakde ruhig auszuschlafen. Ich wußte, daß ich hier sicherer schlafen würde, als wenn ich mir in der Stahlkammer der Londoner Bank ein Bett hätte richten lassen. Meine zwei frommen Gläubigen würden mich wie ihr Augenlicht behüten. Denn der primitive Mensch hält sich nur einen Gott, um für ihn sorgen zu dürfen. Als ich mich auf dem weichen Moosteppich ausstreckte, überdachte ich meine Lage noch vor dem Einschlafen. Di« Sache war die, daß ich jene Urmenschengattung gefunden hatte, auf die unsere Gelehrten in ihren Hypothesen so oft verwiesen, ohne daß man je einen davon gesehen hätte. Wenn das der Garten Eden war, dann waren die beiden Adam und Eva dieses Paradiefes. Sie konnten wirklich nichts dafür, daß gerade ich, ein Glücksritter ohne Namen, dazu be- stimmt war. ihr Herrgott zu werden. In meiner Nachbarschaft stand ein Baum mit dunkelroten, apfel- ähnlichen Früchten beladen. Und auf dem einen Ast dieses Baumes ruhte eine mächtige Boa constrictvr, in derem aufgeblähten Bauche man die Hörner einer verschluckten Gazelle bemerken tonnte. Da- mals sah ich, daß die Riesenschlange der leichtfertigste Bohemien der Schöpfung ist, denn sie oerschlang erst die Gazelle und dachte erst dann darüber nach, was sie mit den Hörnern und Knochen beginnen sollte. Dieser Apfelbaum mit der Schlange wirkte auf mich plötzlich mit der Kraft einer Vision. Es bot sich mir die Möglichkeit eines Spieles, das sicher wenige Sterbliche erleben durften. Ich würde vor diesen unverdorbenen, reinen Seelen ein paar Tage lang das Alte Testament abrollen. Ich freute mich schon im voraus darauf, welch unschätzbare Notizen ich über dieses Abenteuer meinem großen Meister, Herbert Spenzer, übersenden würde. Mit diesem erfreu- lichcn Gedanken schlief ich ein. In der frühen Morgendämmerung erwachte ich und bemerkte, daß meine zwei Anbeter mit aufgesperrten Mäulern in frommer Verzückung lauschend vor dem Nest kauerten. Ich wußte gleich, daß sie mein Schnarchen belauscht hatten. Es stimmt ja, daß ich ein welt- berühmter Schnarcher bin. Zwar habe ich selbst— leider— nie Gelegenheit gehabt, mein Schnarchen zu hören, aber ich wurde von Leuten davon unterrichtet, deren Objektivität keinen Zweifel zu- läßt. Ich schnarch« so laut, daß ich einmal, als ich in einem dünn- wandigen Pariser Hotel übernachtete-, gezwungen war, eine Hut- schachte! als Dämpfer über meinen Kopf zu stülpen. Mein« Anbeter lauschten dem Schnarchen so verzückt und er- schüttert, wie ich einst dem betäubenden Brausen des Viktoriasalles gelauscht habe. Das beruhigte mich sehr, denn ich erlah daraus, daß meine göttliche Roste die unerläßlichen Funktionen meiner Körper- lichkeit nicht behindern werde. Die prinütiven Völker oerehren ihren Gott um so mehr, je menschlicher er sich gibt. Ich wußte, daß ich als Gott unerbittlich streng sein mußte. Ich brülle sie also an, so laut als ich konnte: „Mensch, Mensch! Ich bin dein Herr und Gebieter! Ich bin der heilige Bimbam!* Sie stürzten zu Boden und flüsterten verzückt: „Ehre, Ehre! Er ist der heilig« Bimbam 1* „Mensch, Mensch, hör' auf meine Worte! Ich gebe dir den Wald, die Banane, die Dattel, die Kokosnuß!* Sie reichten sich die Hände, begannen vor Freude zu tanzen und riefen jauchzend: „Dank, Dank! Unjer ist die Banane, die Dattel, die Kokosnuß!' als ffleirrgoU „Ich gebe dir die Gazellen, die Antilopen und Wachteln!* Die Narren freuten sich so, als hätte ich sie mit etwas Neuem beschenkt. „Dank, Dank! Unser sind die Gazellen, die Antilopen, die Wachteln!* „Mensch, Mensch! Achte auf meine Worte, also spricht zu dir der heilige Bimbam! Bon den Bananen, Datteln und Kokosnüssen des Beste, von den Gazellen, Antilopen das Hintere, von der Wachtel die Brust lege als Opfer auf den Tisch des heiligen Bimbam, damit fein Gaumen sich daran erfreue!* An der Art, wie das Mädchen die Lippen bewegt«, sah ich, daß es im stillen meine Worte aufmerksam wiederholte, um ja keine Silbe zu vergessen. Das schmeichelte— sozusagen— meinem Autorenstolz. Ich empfand ähnliches wie der Dichter, der sieht, wie fleißig die Schauspieler seine Szenen büffeln. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, daß diese guten Leutchen nieine Wort« von Generation zu Generation weiter vererben würden. Was wurde daraus erst nach ein paar taufend Iahren! Ich erhob mich, rollte wild die Augen und zeigte auf den Apfelbaum. „Mensch, Mensch, achte auf mein« Worte, also spricht zu dir dein Herr und Gebieter, der heilige Bimbam! Ich schenke dir den Wald mit all seinen Früchten, diesen einen Baum ausgenommen. An jenem Tage, an dem du von der Frucht dieses Baumes kostest, mußt du eines furchtbaren Todes sterben!* Ich sah das Entsetzen auf ihren Gesichtern und beschlaß für heute mit dem Religionsunterricht Schluß zu machen. Ich zog mich in mein Rest zurück, sie aber gingen Obst pflücken, jagen, spielen,— leben. Anfange hatte ich geplant, nur zwei, drei Tage hierzubleiben, aber immer stärker reifte der Entschluß in mir, für immer hierzu- bleiben. Nach vielen Abenteuern und Leiden hatte ich wahrlich Anspruch auf Ruhe, und es bestand kaum Aussicht, einen besseren und geruhsameren Posten zu finden, als diesen hier. Die vielen Schicksalsschläge hatten meine Weisheit entwickelt: ich wußte be- rests, daß es am vernünftigsten war, kleine Ansprüche zu haben. Denn wenn sich auch die wildesten Wünsche des Menschen verwirk- lichen könnten, so ist er über dem engen Kreis hinaus seiner Sinne ja doch unfähig, sie zu genießen. Hier war ich Herrgott geworden, und das ist schon etwas, wie ihr zugeben werdet. Nicht viel, aber etwas. Sicher gibt«s viele, die mir auch diesen Beruf neiden würden. Meine Verpflegung war für ewig« Zeiten gesichert: jede meiner Handlungen war Vollkommenheit, jedes meiner Worte Gesetz: was immer ich aus mir herausgab, wurde als wertvolle Reliquie aufbewahrt. Hier war ich der Größte, der Weiseste, der Schönste. Zwar hatte ich nur zwei Anbeter, aber wahrscheinlich lebten im Urwald noch ähnliche Wesen, und mein Ruf würde auch sie bekehren. Und dann gab es«ine natürliche Fortpflanzung... Wer weiß? Mit der Zeit konnte mir ein« beträchtliche Herde dienen. Vorerst sah ich keinen Grund, meinen Entschluß zu ändern. Wenn ich ein wenig spazieren ging, um meine steifen Beine zu rühren, sahen sie mir mit verzweifeltem Jammern nach. Die Idioten fürchteten, daß ich sie oerlasien könnte! Und es war mir ein ganz besonderes Vergnügen, zu hören, wie das Männchen dem Weibchen ganze�Tap� lurranmeine Weisheit eintrichterte. Einmal erteilte er ihr mit dem Knüppel eine tüchtige Lektion, weil sie eii; Wort ausgelassen hatte. Zwischendurch blickten sie mit scheuem Eni- setzen zum Apelbaum hinüber. Wohin sie auch gingen, sie machten stets«inen weiten Bogen um ihn. Einmal— ich denk«, es war am dritten Tage—'ging dos Männchen zur Jagd, und das Weibchen beschäftigte sich allein zu Hause. Sie fegte mein Nest und baut« aus ausgewählten Früchten ein schönes Stilleben vor dem Eingang auf. Manchmal schielt« sie zu mir herüber, wie ein Schulkind, das auf die Blick« des Lehrers achtet. Und als sie glaubte, daß ich sie nicht beachte, warf sie lange, Winemaiograph-Erfinder verfchollen! Um den Ruhm, den ersten brauchbaren Kinematographen her- gestellt zu haben, oder wenigstens die Grundbewegungen des„leben- den Bildes* zuerst richtig erkannt und technisch gut ausgenutzt zu haben, streiten sich augenblicklich erne ganze Reihe von Nationen. Der noch in Berlin lebende Erfinder Skladonowski hatte bisher immer noch die meisten Aussichten, als Sieger in diesem Wettstreit um die Erfinderehre anerkannt zu werden, da sein Berliner Patent schon im Jahre 1836 erteilt wurde, und die von ihm um diese Zeit aufgenommenen Filme„Berlin, Alexanderplatz*,„Ein Feuerwehr- alarm* und einige andere kleine Filmstreifen sind sogar heute noch vorhanden und auch spielbar, wie eine Vorführung in der letzten Zeit bewies. Aber, wie jetzt ein englischer Techniker nachweist, hat es schon zehn Jahre vorher einen Mann gegeben, der brauchbar« Film« hergestellt hat, ihm sind auch mehrere Patent« in verschiedenen Ländern erteilt worden, und der geheimnisvolle Tod des Erfinders läßt die Vermutung aufkommen, daß er von rivalisierenden Technikern beseitigt wurde, die nachher auf seineu Patenten weiter- bauten. Dieser bis jetzt erst« Erfinder des Kinematrgraphen war L. A. Augustin Le Prince, der am 28. August 1842 im französischen Metz geboren wurde. Sein Vater war Offizier und mit Daguerre befreundet, dessen um das Jahr 1860 aufkommenden Daguerretopisn die Welt in Erstaunen versetzten. Von Daguerre hat wohl auch der junge L« Prince die ersten photographischen Anweisungen bekommen. Le Prince studierte dann in Leipzig und eröffnete nach dem Deutsch- Französischen Krieg 1370/71 in Paris eine Malerakademie, daneben betätigte er sich als Kunstkritiker. Er hatte Malerei und Kunst- geschichte studiert und weite Reisen nach Italien, Spanien, Süd- srankreich und England unternommen. Die gemeinsam mit seiner Frau betriebene Malschule gab ihm einen gewissen finanziellen Rück- halt, und Le Prince verwandt« alle freie Zeit auf seine photo- graphischen Ideen. 1881 siedelte Le Prince dann nach Amerika über, immer noch mit seiner Erfindung beschäftigt. Er hatte mittler- weile schon gelernt, Bilder recht schnell aufzunehmen, was unbedingt «in Fortschritt war, denn die ersten photographischen Aufnahmen von Daguerre dauerten manchmal bis zu zchn Minuten. Als es Le Prince gelang, 18 Bilder in einer Sekunde aufzunehmen, war bereits viel getan, man hatte schon ein reichgegliedertes Bild einer Bewegung, nur konnte man es noch nicht gut auf eine weiße Wand projizieren. Im November 1886 wurde Le Prince ein amerikanisches Patent erteilt, und als nach 1888 der Filmstreifen als lichtempfind- liche und dabei doch sehr beweglich«„Platte* auskam, stellte Le Prince seine ersten Filme her, die natürlich kurz waren, aber doch die Bewegungen des oder der Objekte wiedergaben. In mehreren Ländern wurden die Patente erteilt, und bestimmt mär« Le Prince die Frucht seiner Arbeiten zuteil geworden, wenn er nicht im sehnsüchtige Blicke zum Apfelbaum hinüber. Ich faß neben de» Apfelbaum im weichen Gras« und rauchte meine Pfeife. Nun, während ich dort rauchend sitze, kommt plötzlich das Weibchen angeschlichen, faltet die Hände und sieht mich furchtsam und unterwürfig an. Ich rief zornig: „Was willst du!?' Sie seufzte erschrocken: „Eine Frucht von diesem Baume... Nur«ine einzige!* „Was sagt der hellige Bimbam?* fragte ich sie strafsns. Sie richtete sich auf und sagte gehorsam, so wie ein Kind sein,. Lektion aufsagt: „Und also sprach mein Herr und Gebieter, der heilige Bimbam: Ich schenke dir diesen Wald mit all seinen Früchten, den cinen Baum ausgenommen. An jenem Tage, an dem du von der Frucht dieses Baumes kostest, mußt du eines furchtbaren Todes sterben!" „Na also! Wehe dir, wenn du dennoch davon kostest! Das sogt dir der heilig« Bimbam!* Ihr Körper zuckte hysterisch, sie kräuselte die Lippen und lispelte weinerlich: „Neu Appel will ich! Ein Aeppelchen!* Sie quietschte und quäkte wie eine schlechte Naive. Ihre Be- kleidung bestand aus einem Palmenblatt, das sie hinten trug, diese- Blatt schob sie in bewußter Koketterie ein wenig beiseite „Neu Appel will ich! Ein Aeppelchen!* Erstaunt sah ich sie an. Was wollte die Gans eigentlich? Aber da geschah etwas Unerwartetes. Mit beiden Händen begann sie mich zu streicheln, drückte ihren Körper ganz dicht an mich und begann zu schaukeln wie eine er- fahren« Baiichtänzerin im„Folie Vergöre*. „Neu Appel will ich! Ein Aeppelchen!* Hier muß ich in meine Erzählung etwas«inflechten. Ich will nicht entschuldigen, was geschah, schließlich ist mein Benehmen, jetzr, wo ich die Rolle eines Gattes übernommen hatte, unentschuldbar; aber ich will, was ich getan, mit menschlichen Motiven erklären. Diese- Weibsbild war nach europäischen Begriffen nicht schön zu nennen, eher ausgeprägt häßlich. Sie hatte dünne Beine, einen Kartoffelbauch, großen Schädel und so längliche Brüste wie eine Ziege. Aber erstens ist weibliche Schönheit ein sehr relativer Be- griff. Ich habe in dem Kaffee Ehantant in Bagdad sturmzerzaus«« Französinnen gesehen, die noch häßlicher gewesen wären, wenn man die Unmengen von Seide. Spitzen und Schminke von ihnen ent- kernt hätte, und doch war die ganz« Jugend verrückt nach ihnen. Und dann, der menschliche Geschmack paßt sich den Möglichkeiten an, so wie die Pupille einer Katze dem Vicht. Es gibt elementare Regungen, die bewirken, daß all« individuellen Züge völlig ver- schwinden und nur die Art lebendig bleibt, in ihrer großen Ber- allgemeinerung. Mit einem Wort... ich begann mich komisch M fühle». Ich versuchte mein Ansehen zu verteidigen, spürte jedoch gleich, daß wir nns hier auf ein Gebiet begeben hatten, wo diese» dumme kleine Weibchen mir geistig tausendfach überlegen war. Sie bemerkte mein Zögern sofort, umsonst sprach ich mit meiner lautesten Redner- stimme, umsonst rollte ich die Augen, sie griff mich nur«n so leidenschaftlicher an, und ich— wurde besiegt. Als ich zu mir kam, sah ich zu meiner große» Ueberrafchang, daß das Männchen die ganze Zeit über in unserer Nähe war und jubelnd im Kreise um uns herumtanzte. Im ersten Augenblick dachte ich an ein ernstes Ehebruchsdrama mit allem, was dazugehört, aber davon war nicht die Red« Das Weibchen schüttelt« sich«in wenig, dann trat sie schamvoll mit gesenktem Kopf und Überirdischem Lächeln zu ihrem Gatten, der fromm vor ihr niederkniete, ihre Knie küssend. Nicht so sehr die Unverschörnthett des Weibchen», als«her diese unglaubliche und umvürdige Berbohrthett erzürnte mich so, daß mir oll« Lust zu einem wetteren Debüt als Herrgott»erging, und ich das Paar einfach sitzen ließ. (Hier schwieg Milosch Lokitsch und sah träumerisch in die Ferne. In dieses Schweigen tönte die Stimme eines Zuhörers:„Es ist das erstemal, daß ich dir«ine Eroberung ohne weitere» glaub«.*) (Uefenfefct»mt Alexander»ob&rf)tt4Biafi«Sz Jahre 1890 auf geheimnisvolle Art spurlos verschwunden wäre. Er hatte in den letzten Jahren in England gelebt und war kurz nach Vollendung seiner Erfindung nach Frankreich gefahren, um Verwandte zu besuchen. Das englisch« Ehepaar Wilson aus Leeds sah Le Prince zuletzt; es war am 16. September 1890, als der Erfinder gerade den Zug nach Paris bestieg. Hier ist er nie ange- kommen, und jede Spur fehlt von ihm. Bei seinen englischen Freunden, von denen einige in hohem Atter noch leben, hat sich immer die Meinung erhalten, daß technische Rivalen den glücklichen Erfinder verschleppt und beseitigt hätten, um dadurch in den Besitz seiner Aufzeichnungen— die Le Prince in einem Koffer während der ganzen Reise mit sich führte— zu kommen. Der Erfinder und seine Papiere blieben verschollen. Als aber die Schutzfrist, damals sieben Jahre, für seine Patent« abgelaufen war, schössen in fast allen Ländern der Erde die neuen„Erfindungen* wie Pilz« ans der Erde hervor, und über Le Prince würde niemand mehr reden, wenn nicht einer seiner alten Mitarbeiter in England jetzt ein kleines Werk über ihn veröffentlicht hätte, in dem er gleichzeitig zur Errichtung eines Gedenksteins für den(wahrichelnlich) erste« Erfinder des lebenden Bildes auffordert.__ B. K. Line reisbare 9>flanse Auf Java hat F. L. von Faber ein« reizbare Pflanze gefunden, die der allbekannten Mimose nicht nachsteht. Sie heißt Biopbzärnn apodiscias und ist ein« Verwandte unseres Sauerklees. Wird an ihr ein Endblättchen durch Stoß oder noch besser durch eine Ver- wundung gereizt, so hebt sich nach kurzer Zeit die ganze Blattspindel in die Höhe, ebenso auch die benachbarten Spindeln. Indem sich so alle Spindeln im Umkreis erheben, schließt sich die Blattrosette nach oben zusammen, dir Blüte zwischen sich bedeckend und schützend. Nach einiger Zeit kehren die Blätter in ihre ursprüngliche Lage zurück. Diese Bewegung ist also der Mimofenbewegung gerade entgegengesetzt; denn dort handelt es sich ja um ein Senken der Blättchen und Blattstiele. Eine ähnliche Stellung wie nach einem Wundreiz nimmt die Pflanze auch im Schlaf ein; sehr empfindlich ist sie ferner auch für Feuchtigkeitsunterschiede. Andere Arten der Gattung waren schon längere Zeit als„sensttioe* Pflanzen bekannt. Absolute Monarchien, bei denen der Monarch unumschränkt herrscht, gibt es in Europa nicht mehr. Man findet dies« Staats- form noch in kleinen oder doch bedeutungslosen Ländern, wie zum Beispiel in Siam, Abessinien, Afghanistan und Tibet. verantwortlich wr Politik: Sictor Schisl! Wirtschaft: soll WirtjchafwxMjk sein, wem, die Zölle nicht erhöht werden? Dann wäre also Zollerhöhung bis zur Verhinderung jeder Einfuhr gute kapitalistische Politik? Wahrlich, wir beneiden die„Berliner Börsen-Zeitung" nicht um ihre Wirtschaft- liche Logik. Aber wir können uns beim besten Willen diese Logik nicht zu eigen machen. Marschiert der Preisabbau? Oberschlesische Steinkohle und Rheinische Braunkohle.— Für Berlin noch nichts. Daß in den Berliner Metallbetrieben auch der letzte Unorganisierte die Arbeit verlassen hat, war für alle deutschen Unternehmer eine sehr peinliche Ueber- r a s ch u n g. Aber dies« mustergültige Solidarität und die durch sie bewiesene Kampfentschlosienhett der deutschen Arbeiterklasse hatte gute Folgen. Die Einsicht bei den Unternehmern w ä ch st, daß man nicht einfach den Lohnabbau diktieren kann gegen ein Versprechen, später die Preise zu senken. Natürlich wird die neue Erkenntnis nur mit Vorsicht geübt, eine Preissenkung soll in der Regel erst dann durchgeführt werden, wenn ein Lohnabbau mindestens versprochen wird. Aber immerhin, die Unter- nehmer haben die Grenzen ihrer Willkür erkennen müssen, und sie kommen mit der Ankündigung von Preissenkungen jetzt stärker heraus. Die oberschlesische Steinkohlenindustrie Hot dem Reichswirtschaftsministerium mitgeteilt, daß sie wie die Ruhrzechen ein« Senkung der Kohlenpreis« um 0 Proz. vornehmen will und daß sie es begrüßen würde, wenn man es ihr ermöglichte, die Ver- billigung noch vor dem 1. Dezember eintreten lassen zu können. Dieses„Ermöglichen" heißt freilich, daß hier— wie an der Ruhr— sozialpolitische und Lohnzugeständnisse gemacht werden sollen. Das Rheinische Braunkohlensyndikat Hot dem Reichswirtschoftsministerium mitgeteilt, daß es mit sofortiger Wirkung ein« Preisermäßigung für Hausbrandbriketts— je nach den Absatz- und Frachtverhältnissen von 80 Pf. bis 2 Mk. pro Tonn- eintreten lassen wolle. Hier scheinen keine Bedingungen gestellt worden zu sein. Die rheinische Braunkohle handelt aber vernünftig, da sie mit der sofortigen Preisermäßigung die Nachfrage nach Briketts sofort steigern kann und die Voreindeckung für den Winter damit fördert. Freilich ist die Preisermäßigung viel zu gering — das gilt auch für die Steinkohle— denn erst im November vorigen Jahres ist der Britettpreis im Durchschnitt um eine Mark je Tonne erhöht worden. In beiden Fällen werden Reichsregicrung und Oeffeittlich- keit darauf dringen müssen, daß die Preissenkung im größeren Aus- maße erfolgt. Das Mitteldeutsche und das Ostelbische Braunkohlcnsyndikot haben sich aber zur Frage der Brikettverbilligung noch nicht geäußert. Für Berlin ist also die Winterversorgung noch immer gefährdet. Oer schlechte Baumarki. Wie der Deutsche Baugewcrksbund uns mitteilt, war die Bautätigkeit Ende September gitt iinch'l% Proz. schlechter als zum Septemberanfang. Im ganzen waren 38 Proz. weniger Arbeiter beschäftigt als im vergangenen Jahre. Im Bau- nolumen ist bis Ende September ein Zlusfoll von nind 24 Proz. zu verzeichnen, was einem Umsatzausfall von 1,8 bis 1,6 Milliarden entspricht. Der Rückgang der Baittötigfeit machte sich auf ollen Gc- bieten geltend, besonders ober im Bau für die Rechnung der Behörden. Löbliche Llnternehmerabfichien. Oer Reichsverband der Oeuifchen Industrie gegen Subventionen. Der Reichsoerband der Deutschen Industrie hat an die Reichs- rcgierung ein Schreiben gerichtet, in dem er sich o s s i z i e l l g c g e n die Politik industrieller Subventionen durch Reich, Länder und Geinciiidei, ausspricht. Er findet dafür eine Reihe von Gründen: Mit Steuermitteln würde bei solchen Subventionen in den Wettbewerb«ingegnsf'en. Das erfolge oft zu Losten der eigenen Berufsgenossen, di« ja die Steuerzahler für diese Subventionen seien. Der Ansporn zur SelbsthUf« müsse durch Subventionen nachlassen. Ost werde die öffenlliche Hand zur Uebernahmc subventionierter Betriebe gezwungen. Je mehr Suboeationen. desto geringer werde die Zahl der Steuerträger, die diese Subventionen aufbringen. D'c oft bei den Gemeinden festzustellende Politik, Industrieniederlossungen durch steuerliche Vorteile in ihrem Gebiet zu fördern, gehör« zu demselben Kapitel. daß auch Die Oeffentlichkeit wird mit Genugtuung feststellen. der Reichsverbond der Deutschen Industrie etwas gelernt hat, von der Sozialdemokratie, die die Parlamcntskontrolle bei der Gewährung von Subventionen verschärft und damit die Möglich- keit von Jndustriesubventivncn selbst sehr eng begrenzt hat. Wir sind aber der Meinung, daß der Reichsverbond ssch nicht in erster Linie an die Reichsregierung zu wenden braucht, um der Subventions- Politik ein Ende zu machen, sondern an seine Mitglieder. bei denen dies« Erziehungsarbeit besonders vonnöten ist. Wenn etwa der in der letzten Zeit so gern diskutierte Fall der Schi chau werke in E l b i n g besonderes Mißfalle» be« den deutschen Unternehmern erregt habe» sollte, so soll sich der Reichs» verband es überlegen, ob er, wie er es jo gern tut, seine Verbunden» heit Wtt den ostÄbjscheu Agrariern weiterhin so unterstrailhen darf. 7>id Agrarier sind nämlich die allergefährlichsten Subventionistem Der Fall Schichau ist im übrigen dar Privatwirtschost deshalb so un> cmgeirehm, weil hier mehrfach die Ringbildung deutscher Unteruehmer zur Ausbeutung ösfentlicher Stellen im praktischen Erfolg durchkreuzt worden ist. Außerdem gibt es Subventionsfolle, für die es zweckmäßig wäre. wenn der Reichsverband der Deutschen Industrie klare Wege zu ihrer Bermeidung aufzeigen würde. Wir erinnern nur an Monsfeld und an das Sieger Land, wo plötzlich Zehntausend« von Familien vor das Nichts gestellt worden wären, wenn man den Dingen ihren Lauf gelassen hätte. Aber, wie gesagt, wir begrüße» die Einsicht des Reichsverbanda« sehr. Wir hoffen nur. daß sie in den eigenen Kreisen recht viel fruchtet und daß man beispielsweise erkennt, daß auch die Verschiebung der S t e u e r l a st o n vom Ä c s i tz auf die arbeitenden Mo s s e n eine privatwirtschafiliche Subvention im großen darstellt, über die etwas nachzudenken sich lohnt. Verbraucher gegen Kartelle. Vorstellungen des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs beim Zieichswirtfchastsminister. Der Allgemeine Deutsche A u t o m o b i l- C l u b hat sich bereits vor ewiger Zeit als Jntercssenvertreter der Verbraucher mit einer Eingabe gegen die Höhe der Reifenpreise an das Reichzwirtschoflsministeriuin gewandt. Jetzt haben die Vortreter des Präsidiums«inen neuen Vorstoß in dieser Frage unternommen und sind erneut beim Meichswirtschaftsniinister vorstellig geworden. In der Eingabe wird betont, daß die lOprozentige Preissenkung durchaus ungenügend sei und wenn auch für den 1. Januar mit einem weiteren Preisabbau zu rechnen sei(?), so müsse doch im Interesse der Kraftfahrer iimner wieder verlangt werden, daß endlich die Preisbindung für die Händler aufhöre, und daß ihnen die Möglichkeit gegeben werde, ihre Reifen auch zu einem Preise abzugeben, der unter den jetzigen Kartellpreisen liege. Metallgewinne bleiben günstig. Oer Abschluß der Oonabrücker Kupfer« und Orahtwerke. Die Mehrsachen schweren Preiseinbrüche auf dem Welt- tupfermarkt scheinen den deutschen Matallwalz werten gut bekommen zu sein. So kann dieOsnabrückerKupser, und D r n h t w c r k A.- G., die von der Gutehoffnungshütte beherrscht wird, einen Rohgewinn von ggf) 000 M. ausweisen, der den Vorsahrsertrag von 650 000 M. wesentlich übersteigt. Wenn i>er Reingewinn mit rund S80 000 M. unter dem Ergebnis des vorhergehenden Jahres bleibt, so ist dies nur auf einen erheblich geringeren Gewinnoortrag aus dem vorhergehenden Jahr zurtick- zuführen. Die Dividendentürzuno von 6 auf S Proz. ist offenbar auch nur als eine Wirkung nach außen hin gedachi, da über 200 000 M. vom Gewinn, die weiteren 2 Proz. Dividende entsprechen, im Betriebe zurückbehalten werden. Die Höhe dieses Gcwinnabschlusies wird erst dadurch richtig gekennzeichnet, daß das Unternehmen in ihrem letzten Betriebsjahr durch einen schweren Brandschaden in seiner vollen Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt worden ist. Hierdurch sind natürlich die Umsätze und damit auch die Gewinnergebnisic in Mitleidenschaft gezogen worden. Jedenfalls läßt dieser Abschluß er- kennen, daß die Preiseinbrüche auf dem Weltkupiermarkt den Metallwalzwerten und der metallverarbeitenden Industrie nur in den Fällen geschadet haben, wo eine falsche Geschaftspölitik zu spekulativen Verlusten geführt hat. Klöckners Maschinenfusion. Verschmelzung von Humboldt-Oeuh-Oberursel durchgeführt Auf den Generalversammlungen der drei zum.Klöckner-Konzern gehörenden Maschinenbetriebe, der Maschinenfabrik Humboldt. Motorensabrik Deutz und der Motorenfabrik O b« r u r s e l, wurde die völlige Verschmelzung dieser drei Betriebe beschlossen. Die ausnehmende Gesellschaft ist die Maschinenfabrik Hum- boldt A.-G., die zu diesem Zweck ihr Kapital von 12,78 auf 28 Will. Mark heraussetzt. Nach dem sehr günstigen Abschluß der drei bisher schon durch Interessengemeinschaft verbundenen Werke, der bei Humboldt und Deutz«ine Divido udenerhöhung von 3 aus S Proz. und bei Oberursel wieder eine Dividende von 10 Proz. brachte. viurde die weitere Entwicklung von dem Vorsitzenden des Aufsichts- rate», Peter Klöckner, durchaus optimistisch angesehen. Nach seiner Meinung bringt die Fusion derartige Vorteil« mit sich, daß di« Kosten der Verschmelzung in kurzer Zeit verdient sein werden.— Für die nächsten Mvnot« sind die Werke noch mit Aufträgen versehen. Auiokrise drückt auf Metallindustrie. Schlechtes Geschäft für Iahrzeugzubehör. Die W e st f ä l i s ch e M e t a l l- I n d u st r i« A.-G. i n L i p p- st a d t, ein SpezialUnternehmen, das in der Hauptsache Vcleuchtungs- und Zubehörteile für die Automobil-, Motorrad- und Fahrradindn- strie liefert, weist für das Geschäsisjahr 1020/30 einen V c r l u st »Oii 10 648 M. aus. Im vorhergehenden Jahr wurde bei einem Reingewinn von über IIS 000 M. eine DividendcvonSProz. ausgezahlt. Nach dem(Seschästsberichi hat im letzten Jahr sowohl der Absatz bei den Automobilsabriken, wie auch der Verkauf von Ersatz- und Zubehörteilen bei der Händlerschaft stark nachgelassen. Der Export ist von dieser Entwicklung allerdings nicht betrofsen worden und konnte trotz der internationalen Wirtschastsschwierigk«lt«n sogar gesteigert worden. Die Bilanz ist erheblich besser geworden, denn es konnten nicht nur 170 000 M. Bankschulden zurückgezahlt, sondern auch die übrigen Schulden von 090 000 bis auf SSO 000 M gesenkt werden. Die Forderungen werden mit 1,02 gegen 1,66 Mill. Mark ausgewiesen. Da die Gesellschaft außerdem noch in der Lage war, ihre Anlogen aus laufenden Betriebsgcwinnen weiter auszubauen, so dürfte trotz des bilanzmäßig ausgewiesenen Verlustes das tat- fächliche Ergebnis dieses Geschäftsjahres noch keine Unterbilanz ergeben haben. Demokratie und Löhne. Lage und Kampf der polnischen Arbeiterschast. Ebenso wie in Deutschland, führt zur Zeit auch die polnische Arbeiterschaft«in«n verzweifelt«» Kampf gegen wirtschaftlich«, sozial« und politische Reaktion. Daß dieser Kampf auch um die gleichen Problem« geht, ergibt sich aus der vor kurzem ge- faßten Resolution des Zentraloorstandes der G e w e r k- s chn f te n, in der«in interessantes sozialwirtschaftliches Fazit des Pilsudski-Regimes gezogen wird: „Die erste Vorbedingung für di« Hebung der Lage der Arbeiter- jchaft ist die FreiheitderDemokratieundder sozialen Einrichtungen. Dieser Grundsatz sindet eine klare Bestätigung schon während des zwölftährigen Problems des polnischen Staats. Während die Arbeiterklasse i» den ersten sieben Jahren der parlamentarischen Demokratie, in einer Zeit, da Krieg und Geldinilation das Land heimsuchten, reale Vorteile in Gestalt der 48stündigen Arbeitswoche, der Kranken- und Unfallversicherung, bezahlte Urlaube, de» Arbeitsschutzes sür Frauen und Kinder, der Arbeitslosemmterstützuna usw. hat erlangen können,— hat die Diktatur während ihres fünfjährigen Bestehens. der Arbeiterklasse nichts gegeben, außer Versprechungen und einigen Verordnungen meist formaler Natur. Die wirtschaftliche Lage der ArbeiterklassehatvielmehreineDerschlechterung erfahren. Es ist interessant, daß auch der amerikanische Finanz- berater der polnischen Regierung Charles Dewey, der sich sanft in seinen Wirtschoftsberichten eines ungerechtfertigten Optimismus zu befleißigen pflegte, m seinem jüngsten Bericht die obigen Fest- stellungen der Gewerkschaften vielfach b e st ä t i g t. Dewey führt zwar„einige Arbeite-rkotegoriei," an, in denen ein« Lohnausbesserung in den letzten Iahren stattfand(in Zloty für einen Arbeitstag von acht Stunden): 1027 Bergarbeiter(Steinkohle). 0.34 .(Petroleum). 10.50 Mechaniker...... 7 25 Weber........ 7.65 Maurer....... 10 26 Dazu ist jedoch zu bemerken, daß teilweise, wie e» z. B. für die Webar des Lodzer Bezirks im 14. Band der Arbeiten der„Kommissirrn zur Prüfung der Kosten in der Industrie* festgestellt wurde, die Löhn« seit 102S durchschnittlich um 23 Proz. zurückgegangen waren. Aber auch hier bestätigt sich die Erfahrung, daß Lohnerhöhungen mit erhöhter Produktivität«inhergehen. So hat sich die Kohlenförderung pro Arbeiter und Schicht noch Dewey in den Iahren 1925 bis 1928 von 038 auf 1267 Kilo gehoben. In der Baumwollindustrie bedient der Weber heute fünf bis zwölf Webstühle gegen früher. Daß ferner im Sinne des Reallohns die Feststellung der Gewerkschaften, der polnische Arbeiter sei der niedrigst bezahlte tn Europa sich bestätigt, geht aus den Untersuchungen des Sozial- wirtschaftlichen Instituts in Warschau hervor. Das Institut stellte fest, daß der polnische Arbeiter 61 bis 60 Proz. des Familienbudgets lediglich für Lebensmittel ausgeben muß, während di« Quote in der Tschechoslowakei z. B. 54,4. in der Schweiz 48.1 Proz. beträgt. Für die polnische Arbeitslosigkeit führt Dewey folgende Zahlen an, die sich auf den Monats- durchschnitt beziehen: 1028 1920 1930 Beschäftigte.... 874583 869898 754 882 Arbeitslose.... 125552 131081 256158 Kurzarbeiter... 60 787 83310 113555 Prozentual, d. h. im Verhältnis zu den Vollbeschäftigten, ist die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter noch größer als in Deutschland. Im ganzen hat sich unter dein Pilsudski-Regüne bei gleichzeitiger Senkung der Löhne die Beschäftigungsmöglichkeit außer- ordenllich verringert. Deutschland kann wahrlich von Polen nichts lernen. Die deutschen Unternehmer scheinen frellich ein Interesse daran zu haben, eine„polnische Wirtschaft* auch in Deutschland aufzurichten. Der Kamps der deutschen Arbeiterklasse sür Demokratie und Sozial- politlk muh das oerhindern. SPD.-Metailarbeiterl Am Donncrilai, dem 25. Oljdobcr, abends 7 Uhr, in den SophiensXlen, Sophlenstra�e 17, IS Frakftionsversammlung! Wichtige Tagesordnung.— Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches der Partei und des Metallarbeiterverbandes. Der Fraktiomvorst.nd 3m„Arbeiterparadies" Nußland. Ein Enttäuschter klagt beim Arbeitsgericht. Der Betonpolier B. wurde von einer Berliner Finna, der Aktiengesellschaft für Bauausführungen, sür Arbeiten, die sie in R u ß l a nd ausführt, angenommen. In Berlin wurden die Arbeitsbedingungen mit ihm vereinbart. Sie schienen dem Polier so günstig, daß er glaubt«, er werde das von komoni- nistischer Seite vielgerühmte„Arbeiterparadies* auf seiner russischen Arbeitsstätte tatsächlich finden. Wer die Wirtlichkeit stimmte mit den Vorstellungen des Poliers B. und mit den Zusicherungen, die ihm beim Abschluß des Arbeitsvertrages gemacht worden waren, durchaus nicht ü b e r e r n. Die erste Enttäuschung war, daß B. in Moskau und nicht, wie vereinbart mar, auf einer Arbeitsstelle im Ural beschäftigt wurde. Hier hätte er nämlich mit seinem Lohn gut aus- kommen können, denn die Lebensmittel sind hier im freien Handel zu erschwinglichen Preisen zu haben. In Moskau durfte B. seinen Lebensmittelbedars zwar im freien Handel decken, aber er mußte Preise dafür zahlen, die seinen Lohn um das INehrjache überstiegen. B. forderte deshalb von seiner Finita eine Teuerungszulage, weil er ja nicht für das teure Moskau, sondern für den erheblich billigeren Ort im Ural angenommen sei. Durch diese Forderung hat sich B. bei der Vaulettung in Moskau unbeliebt gemacht. Man fand an seiner Arbeit allerlei ouezusetzen, bezeichnete sie als Schweinerei und entließ ihn fristlos. Nach Berlin zurückgekehrt, klagt« B. beim Arbeitsgericht gegen die Aktiengesellschaft sür Bauausführungen. Er forderte für Teuerungszulagen, Ueberstunden und Lohn für die Kündigungszeit in, ganzen 2430 M.— Die beklagte Firma suchte sich durch alle möglichen Winkelzüge dem Urteil des Gerichts zu entziehen. Zunächst behauptet« sie, der Kläger sei nicht von ihr angenommen, sondern von einer russischen Firma„Gaso*, die einen Raum im Büro der Beklagken innelxtbe.— Es stellte sich jedoch heraus, daß die„Gaso'' nichts anderes ist, als die russische Filiale der Beklagten.— Rachöcrn dieser Winkelzug der Firma mißglückt war, bestritt sie die Zu- st S n d i g k e i t des Gerichts und die Anwendbarkeit des deutschen Rechts und verlangte, daß der Streitfall nach russischem Recht beurteilt werbe.— Als sich das Gericht hieraus nicht eingelassen hatte, behauptete die Firma, der Kläger fei gar nicht fristlos ent- lassen, sondern er habe selber ausgehört, was durch ihre Angestellten in Moskau bekundet werden könne. Auch auf diesen Einwand ging das Gericht nicht ein, weil der Firma die Klage seit einem Monat bekannt sei, ohne daß sie den Einwand, der Kläger habe selbst aufgehört, gemacht und ohne die Zeit zum Antritt des Beweises benutzt zu haben.— Die Firma wurde verurteilt, dem Kläger die geforderten 2430 M. zu zahlen. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Washington. 22. Oktober.(Eigenbericht.) Die Plön« der Bundesregierung zur Bekämpfung der Arbeits. lnsigkeil scheinen mit dem Beginn der Tätigkeit de» vor kurzem eingesetzten Sonde rrales nunmehr konkret« Formen anzunehmen. Der ehemalige Rew-gorter polizetchej Zt. Woods ist zum Leiter einer besonderen Organisation berufen worden. Wood» wird als eine Art Arbeltsloseudittalor vor allem wohlfahrlsarbeilen zur Bekämpfung de» Massenelends leiten und durchführen. Reben den össentllchen Arbeiten soll auch durch Verkürzung der Arbeitszeit die Arbeitslosigkeit cingedämml werden. Die Arbeitszeit soll allgemein auf die Hälfte herabgesetzt werden. Man will dadurch die Einstellung einer doppelt so hohen Zahl der Arbeilskrästen ermöglichen. Englischer Protest gegen polenierror. Der Generalrat der britischen Gewerkschaften hat am Mittwoch im Namen der«nglisch«» Arbeiterschaft«inen scharfen Protest an die polnische Regierung gesandt. In dem Schreiben heißt es unter anderem: .Mit Entrüstung sehen di« britischen G«wertschaft«n, wie die polnischen Gewerkschaftzvrganisationen von den Behörden aufgelöst. ihr« Kossen beschlagnahmt," ihre Press« zerstört und ihre Mitglieder terrorisiert werden. Unter den fadenscheinigsten Vorwänden sind Hunderte von Gewerkschaftsführer» und Funktionären, darunter der Vorsitzend« d«« polnischen Gewerks chastsbundes, ms Gefängnis geworfen worden. Faschistische Organisationen werden geduldet und gefördert zu dem Zwecke, den Weg zur Zerstörung aller demokrass- schen Instttutionen de» Landes zu ebnen.* Die polnische Regierung wird in dem Schreiben schließlich aus- gefordert, die verhafteten Gewerkschaftler in Freiheit zu setzen und dem polnischen Volk unverzüglich die ihm durch die Verfassung ge- währleisteten Rechte zurückzugeben. Achtung Zimmerer! Der sogenannte Verband der Zimmerer Berlin»(Reppschlager- Verband) hat oerschieden« unserer Mitglieder zu«in« am Donnere- tag stattfindenden Zimmereroersammlung eingeladen. Der Repp- jchläger-Verband versucht mit allen Mitteln die Berliner Zimmerer gegen ihre sreigewcrkschastlich« Organisation, den Zenttolverband der Zimmerer aufzuhetzen und sie dem Reppschläger-Verband zuzu- führen. Wir fordern deshalb unsere Mitglieder auf, diese Der- sammlung nicht zu besuchen. Zcntroloerband der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. «v ; i tlmto«, ltrag«, zur R«at«ru»g I Vtfn.(JtfcDjintn«llrr legen find ring, laden. Hertiampf, l. Vorsitzender ................-w.w-wmuu. viue on>tomn*. mmlung. T-g«»ordnung! 1.®i» Einstellung der Scklning. 2.«Udsprachr. si. ltz-aktinnLana, legen. ler Genossen Ist Pflicht. Snivpatzlsierend« Ag!. »oser. I. SchriflMrer. �reie Gewerkschafts-Lugend Berlin Donneretog. um 1«H Uhr, tagen die Sruppen:«ipeniSi beule, !H«i.-______....... Gruppenhelm«rUnouer Sir. 5. Vortrag:„Die russisch, Oltoderreoplu. lüm von 1917'.—«rfttndbrunnep: Jugendheim Zloti SMuü a-ren. burger Str. si Unser erster filh-sikabend-«Ldosten: Grup�W.'-Wn. berget ctr. fifi sffeueeioehrbausl. Korlchen�ttlinger-Adend... Temo-lhos: «euppenhetm Lnzeum�Geimaniastr. 4—6. Geburtstag der Grupve.— Moabit; strotze. Kabarett auf Schallplatte».—* zuallattet �«nee- sirankfurter Allee 307 sWolter-Ratbenau-Zimmerl. Heimabend— To«! Iutzdnb�elm Tiechtr. 18. Unterhaltungsah M Jugendheim To«: Iuaenbbeim Tlrclstr. 18. Unterheätunssahend"—" "— chiesielmepetftt. J. Slegreifspleladend. ugendheim .chönhouser Landsberger Platz: Tsuaenvarupp« V«s?eptra'verl'anpe6 der Anaestellten Se�Tt ÄÄr&.S- *•.'-"''■'.;..•'..;'..V'.-"-* 1.''''s•«-:"s£-V<-'7• -Jf �' Als erste Hilfe sei zur Hand stets .i s*■'' r.an.