BERLIN Somietttag 23. Oktober 1930 10 Pf. Nr. 498 B 24b 47. Lahrgang erscheiattSslichaußerGonntas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugirrei« beide Ausgaben 83 Pf. xr» Woche, 3,6oM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWes,!indeostr.S nVjfutwffa Anjeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf., Reklameteile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bi« 2»? Metattverhandlungen vertagt Erst nachmittags 5 Llhr Fortsetzung Die Verhandlungen über den Antrag der Metall- industriellen, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, die heule vormittag 11 llhr im Reichsarbeitsministerium beginnen sollten, sind auf nachmittag 5 llhr vertagt worden. Im Reichsarbeitsminifierium wird versucht, eine Stellungnahme zu dem Antrag der Unternehmer dadurch gegenstands- los zu machen, daß vorher zwischen den Parteien eine E i n i- g u n g erzielt wird. Es versteht sich von selbst, dast eine solche Einigung weder auf der Grundlage des Schiedsspruchs noch auf der Grundlage einer vielleicht geringeren Lohnkürzung irgendwie in 5rogc kommen kann. Ob es auf einer anderen Grundlage zu einer Einigung kommen kann, erscheint unS bei der Ein- stellung der Unternehmer sehr zweifelhaft. Notopfern sotten alle! Rede Paul Löbes vor dem Deutschen Beamtenbund. Auf der Tagung dos Deutschen Bcamtenbundes bc- grüßte heu�e morgen Rcichstagsprasidcnt Paul L ö b e di« Delegierten. Er sagte: Eine arbeitsfrcudige Beamtenschast, die dem Staate durch ihr Schaffen das wiedergibt, was sie erhält, ist not- wendig. Die Beamtenschaft ist opferbereit, aber drei Bedingungen sind zu erfüllen: die Beamtenschaft darf nicht unter Aus- n a h m e b e d i n g u n g e n gestellt werden.(Beifall.) Gerechtig- kcit in der Abstufung der Opfer nruh herrfchen(erneuter Beifall), und vor allen Dingen muß die niederste»schlechtest bezahlte Schicht geschüßt werden(anhaltende Zustimmung). Im Volke herrschen übertriebene Vorstellungen über di« Bezüge der Beamten. Denken wir an die Direktoren industrieller und kaufmännischer Unter- nehmungcn, die zehnmal so viel bekomnien als die höchst- bezahlten Beamten! Es ist keine Gerechtigkeit, die Großverdiener vom Notopfer frei zu lassen. Erwerbs- lose, Angestellte, Arbeiter, Mittelstand und Bauern leiden, und es wird oft erinnert an die Zeit nach 1806. Irl) kenne die Geschichte genau genug, um nicht zu wissen, daß damals nicht nur die erfaßt wurden, die lebenslang auf schmälste Ration gesehl find. Fichte sagte:„Es soll so lange keiner einen Pelz tragen, wie der andere leine Kleider und Schuhe l)at, es soll der eine solange keinen Luxus treiben wie der andere friert und hungert." Es muß zum Not- opfer auch an die hohen Gehälter der Privatindustri« herangegangen werden.(Lebhafte Zustimmung.) In Tagen großen Unglückes, wie wir sie heute unter dem Eindruck der Katastrophe von Aachen erleben, wird der Gedanke des Zusammenrückens be- sonders wach. An diesem Zusammenrücken zur Abwehr von Not und Elend wird sich auch di« deutsche Beamtenschaft beteiligen. In diesem Sinne wünsche ich Ihren Arbeiten Erfolg. (Anhaltender lebhafter Beifall.) Nach einer Begrüßungsansprache des Vertreters des Inter- nationalen Arbeitsamtes Regierungsrats Donau nahm das Wort Ministerialdirektor z. D. Prof. Dr. Wiedenfeld zu seinem Vortrag über das Thema„Der Weltmarkt und die Probleme der Unternehmungsgestaltung unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse". Tiani: sprach Reichsminister Dr. W i r t h über„Das deutsche Verussbeamtentum im Volks st aat der Gegenwart". Königsputsch in Aegypten. Sine Schandverfassung oktroyiert Kairo. 23. Oktober. König Fund hat durch Dekret das Parlament auf- gelöst, das neue Wahlrecht und die Verfassung in Kraft gesetzt. Die Wahl soll nach Fertigstellung der Wähler» listen erfolgen. Polizei und Militär durchreiten die Straßen, um jede Kundgebung zu verhindern. Amtsmißbrauch in Braunschweig Oer Aazi-Minister, der sich selber deckt Jahrelang haben sich di« Notionolsozialisten als die Reiniger Deutschlands und Hüter der öffentlichen Moral angepriesen. In allen Tonarten hoben sie gegen die Amtsführung linksstehender „Parteiminister" gehetzt. Was aber ihr Minister Franzen in Braunschweig sich geleistet Hot, geht weit über das hinaus, was natkonaksozialistische Erfindung je gegen einen sozialdemokratischen Minister zu behaupten wagte. Wie bereits mitgeteilt, hat Herr Franzen Plakate, Flugblätter, Versammlungen unter freiem Himmel, die sich mit seinem, des Ministers Fall beschäftigen, polizeilich verboten. Herr Franzen gebraucht— oder vielmehr mißbraucht— sein Amt, um sich selber für sein« strafrechtlichen Verfehlungen eine Polizei- liche Deckung zu schassen. Der Herr Minister hat durch Begünstigung eines verhafteten Partei- freundes, den er fälschlich als immunen Abgeordneten legitimierte, gegen den 8 257 des Strafgesetzbuchs verstoßen, der mit Geldstras? oder mit Gefängnis bis zu eineni Jahre den bestraft, der nach Begehung eines Verbrechens oder Vergehens dem Täter wissentlich Beistand leistet. Und nach vollbrachter Tat nutzt der gleiche Mini st er die in seinen Händen ruhend« Polizeigewalt im persönlichen Interesse aus, um eine öffentliche Erörterung seiner Handln ngs- weise zu verhindern. Die von Herrn Franzen für sein Verbot angegebene Bc- gründung, baß durch die öffentlich« Erörterung einer ministeriellen Straftat die öffentliche Ordnung, Ruhe und- Sicherheit des Landes Braunschweiz gefährdet werde, ist dergestalt an den Haaren herbeigezogen, daß ihrem Urheber der gut« Glaube nicht zugesprochen werden kann. Die Polizei hat lediglich den äußeren Bestand der Ord- nung zu wahren, nicht etwa das Herz irgendwelcher ministeriellen Parteigänger vor innerer Beunruhigung zu schützen. Es ist durch zahlreiche höchstinstonzliche Entscheidungen festgelegt, daß die Ge- sährdung der Ordnung von den Urhebern der betreffenden Kundgebungen selbst ausgehen muß, um ein Verbot zu recht- fertigen. Dagegen genügt nicht die Besorgnis, daß durch die De- Vraunsthtveigischer„Selbstschutz" Nozi-Mimster Kränzen verbietet Versammlungen, Klugblätter, Plakate usw, die sich mit seinem aktm- kundigen Verstoß gegen dos Strafgesetz befassen Ich befehle: Lm Interesse meiner Ruhe und Sicherheit haben alle Brounschweiger sich sechs Wochen lang die Ohrea mit Wachs zu verstopfen! mcmftration etwa Andersgesinnte, in diesem Falle also Parteigänger des Herrn Franzen, sich zu Gewalttätigkeiten gegen die Demonstrierenden würden hinreißen lassen. Ausdrücklich haben hierzu die höchsten Gerichte entschieden, daß es in solchem Falle gerade Aufgabe der Polizeibehörde sei, dos ocrsassungsmäßig gewährleistete Recht auf freie Meinungsäußerung gegen Gewalttätig- leiten zu schützen. Der Naziminiftcr Franzen hat nicht nur kein Recht, aus per- sönlicher Gereiztheit Plakate, Flugblätter und Demonstrationen zu verbieten, die sich mit seiner Angelegenheit beschäftigen: er hat im Gegenteil die Pflicht, diese Plakate, Zettelverteiler, Demonstranten usw. gegen GcivolltSNgteiten seiner Anhänger sorgfältigst zu beschützen. Wenn er das nicht tut, so handelt er gegen seine Amtspflicht, und wenn er die gegen ihn gerichteten Kundgebungen verbietet, so ist dos der denkbar krasseste Mißbrauch eines öffentlichen Amtes für per- fönliche Zwecke. Im Brounschweiger Nazilager ist ja noch allerhand anderes passiert. Erst jüngst teilten wir mit, daß der Naziabgeordnete Mader, Fraktionskallcge des Herrn Fran.zcn im Brannschwcigiichen Landtag, ein langes Vorstrascnrcgistcr wegen Diebstahls hat. Mit den, gleichen Recht oder Unrecht wie die Erörterung seines eigenen Falles könnte Herrr Franzen auch die öffentliche Bekanntgabe der Dieb stähl« seines Parteifreundes Mader polizei- lich verbieten. Im Interesse des Ansehens der republikanischen Stoatsform stellen wir fest, daß Verfassung und Gesetz nickst einem Minister das Recht geben, sich vermöge seiner eigenen Polizeigemalt begründeten Anschuldigungen zu entziehen und die Stimme der Anklage zu ersticken, wie Herr Franzen in Braunjchweig das tut. Massenprotest gegen Naziwirtschast. vrounschweig, 23. Oktober.(Eigenbericht.) In einer großen, von 1200 Personen besuchten Mite glicderoersommlung der braunschwcigischen Sozial- demokratie fand nach einem Referat von Rudolf Wissel! und nach weiteren Ausführungen von Grothewohl und T h i e l e m a n ii solgende Entschließung gegen 3 Stimmen Annahme: „Die am 22. Oktober im großen Saal des Hofjäger stattfindende außerordentlich stark besuchte Mitgliederversammlung des Ortsvercins Braunschweig der SPD. billigt die Haltung der Reichs- tagsfraktion der SPD., und fordert sie auf, mit aller Ent- schiedenheit für die weitere Aufrechterhaltung des Parlamentarismus und die Verhinderung einer Rechtsdlktatur im Reiche zu kämpfen. Die ZNilgltederverfammlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen das brutale Vorgehen des braunschweigischen Roziministers Dr. Franzen und verfichcrl. alles daran zu setzen, um die Razi- regierung so schnell wie möglich wieder zu beseitigen." Es wird weiter geschwindelt. Eine neue Lesart zum Fall Franzen gibt jetzt der braun- fchweigische Nazieck-gcordnet« Bertram anscheinend im Austroge des Ministers selbst. Er behauptet in öffentlichen Persammlungen, daß „cm allen Anwürfen nichts Wahres" sei. Tatsache sc, nur, daß Dr. Franzen im ersten Augenblick seine Aussage verweigert habe, weil er in Anbetrocht der Presseleut« von Ullstein und Masse keine Aussage habe machen wollen. Zlls er mit dem Beamten allein gewesen sei, habe er seine Aussage gemacht und Aufklärung gegeben. Diese„neue Lesart" ist einfach erschwindelt. Bei dem Vorfall aus der Polizeiwache, wo Franzen sich seines Partei- freundes Euch so liebevoll annnahm, waren selbstverständlich keine Pressevertreter anwesend. Das hat Franzen bisher nicht einmal jelbst behauptet. Dazu braucht er seine„jungen Leute" in Braun- schweig. In einer„Berichtigung", die er dem Brounschweiger„Volks- freund" schickt, bestreitet er. daß ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet sei. Der„Justiz"mlnister des Freistaats Lraunschweig sollte von dem preußischen Oberstaatsanwalt in Berlin darüber aujgeklärt i»crb«it, daß er solche Bestreitungen im Interesse des Ansehens der Justiz nicht aussprechen oder gar schreiden darf. Ist es übrigens richtig, daß Franzen am gleichen Abend, da er zur Legitimierung des Guth zur Polizei gebeten wurde, die Ein- lndung gerade in Gesellschaft des Landtagsabgeordneten Lohsc erhielt, mit dem er im„Bayrischen Hof" kneipte? Und ist es richtig, daß als Dritter im Bunde vorher jener Guth mitgekneipt hatte, der sich dann als Lohse ausgab und als olcher von Franzen legitimiert wurde, unter dem ausdrücklichen Hinweis, daß der-Mann als Abgeordneter immun fei und deshalb freigelassen werden müsse? „14 Prozent gesichert!" Die Znteressengemeinschaff der Aktionäre. Wahrend die Kumpels tief in der Erde verbrennen, ersticken und erschlagen werden, während der Jammer der Witwen und Waisen alle Herzen erstarren macht, denkt der beteiligte deutsche K a p i- : a l i s in u s in vollkommener Seelenruhe an seine Sicher- h e i t. In der„B e r g w e r k s z e i t u n g", dem Hauptorgan der rheinisch-westfälischen Industrie, findet man am Mittwochmorgen eine lakonische Notiz, wonach die Kurse des Eschweiler Bergwerks- verein? infolge des Unglücks an der gestrigen Börse gestrichen worden seien. Dann aber wird gesagt: „Auf die Dividenden dürste das Unglück jedoch keinen Einfluß haben, da diese auf Grund der Interessengemeinschaft mit der Arbed bis zum Jahre l94Z in der höhe von l4 Prozent gesichert sind." Die„Arbed" ist die Bezeichnung für den Luxemburgischen Stahl- konzern. Die Dividenden sind gesichert! Ruhig darf der Zlktionär sein Haupt betten. Die Jnteressengeineinschaft sorgt für ihn. Damit ist sein Interesse an lebendigen Menschenwescn erschöpft. Die Geldnot der Gtadt. Die Steuervorkagen heute vor dem Stadtparlamenf. Die ständig wachsenden Ausgaben sür die D o h l f a h r t s- f ü r s o r ge und für die ausgesteuerten Erwerbslosen haben die finanzielle Lage der Stadt schwer erschüttert. Das Desizit, das bisher auf 60 Millionen Mark geschäht wurde, wächst von Tag zu Tag. Wie groß im Zlugenblick die Kassenschwierigkeiten der Stadt sind, zeigt die Tatsache, daß die Gelder für die Polizcikosten, die die Stadt laufend zu überweisen hat, nicht flüssig gemacht werden konnten. Die ordnungsmäßige Auszahlung der Beamten- und Angestelltengehälter tonnte in letzter Zeit nur durch hereinnähme von Kassenkrediten er- möglicht werden. Der Magistrat, der sich durch diese schwierige Situation gezwungen sah, die Erhebung neuer Steuern vorzuschlagen, wird dem Stadtparlament heute den Nachtragsetat vorlegen. Es wird allerdings noch nicht zu einer Beratung der Magistratsvorlage im Plenum kommen: voraussichtlich wird man die Vorlage, die eine umfangreiche Durcharbeitung erfordert, an den Haushalts- a u s s ch uß zur genauen Prüfung überweisen. Aber schon jetzt kann gesagt werden, daß die Stadtverordneten wenig Neigung verspüren, die neuen Steuern zu bewilligen. Während die Stadt Berlin sich in schwerster Not befindet, ist die Frage eines neuen Ober- Hauptes nach wie vor gänzlich ungeklärt, es ist auch noch nicht zu sehen, wer künftig Stadlkämmerer von Berlin sein wird. Die heutige Stadtverordnetensitz ung wird durch die Fortsetzung der nicht endcnwollenden Böß-Debatte eingeleitet werden. Für die Sozialdemokraten wird der Fraktionsvorsitzende Erich F l a t a u sprechen. Die Tagesordnung steht als einen der wichtigsten Punkte einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wegen der Wahrung der Interessen Berlins gegenüber dem Landcsplanungsverband Brandenburg-Mitte vor. Zu dieser Frage, die im„Vorwärts" bereits eingehend behandelt war- den ist, wird der Stadtverordnete Dr. Siegfried Weinberg das Wort nehmen. Lleberfall im Tiergarien. Grfolqreiche Abwehr des Angegriffenen. Mik welcher unglaublichen Frechheil die Gilde der in letzter Zeil� wieder überhandnehmenden Tiergartcnvcrbrecher vorgehl, beweist wieder einmal ein Aebersall, der gestern abend, bald nach Einbeuch der Dunkelheii, aus den ZZjäheigen Sekretär des GdA., Erich Kranz, in der Bähe des Großen Sterns verübt wurde. K- ging gegen 18 Uhr durch den Tiergarten. Plötzlich trat dem Spaziergänger ein Mann entgegen, der um Feuer für seine Zi- garetle bat. Als K, gleich nichts gutes ahnend, die Bitte ablehnrc, lmichtc aus-dem Dunkel unvermutet ein zweiter Mann auf, der sich auf Kranz stürzte und ihn niederzuschlagen oersuchte. Die beiden Burschen waren aber an den Unrechten geraten. Der Überfallene wehrte den einen Angreifer zunächst durch einen kräf- ligen B o x h i e b ab. Dabei war Kranz die Aktentasche entfallen, die der andere Täter an sich riß und damit zu flüchten versuchte. K. gelang es jedoch die Tasche wieder an sich zu bringen. Als die beiden Wegelagerer sahen, daß sie so nichts erreichen konnten, zog einer von beiden eine Pistole hervor und feuerte auf K. zwei S ch ü s s e ab. Die Kugeln trafen die Aktcnlasche und bliebe» glück- licherweise in einem Buch stecken. Die Täter entkamen leider »„erkannt: eine Polizeistreife blieb ohne Erfolg. Marsch auf Wien abgesagi. .Heimwehr bleibt zu Hause— oder im Gefängnis. Wien, 23. cktober.(Eigenbericht.) Für den 2. November lzatte die Heimwehr in Wien einen großen Aufmarsch angekündigt» zu dem aus gauz Oesterreich Zuzug angekündigt war. ES waren Eisenbahntransporte für 40 000 Heimwchrlcute in Aussicht genommen. Die Heimwehren waren auch bereits mit Dolchmessern und Revolvern ausgerüstet worden und sollten für zwei Tage Proviant mitnehme«. So- gar die Plakate für diese Kundgebung waren schon ge- druckt. Unter dem Eindruck der Enthüllungen, die Otto Bauer im ständigen Unterausschuß gemacht hat, und der zu erwartenden Gegenwehr der Arbeiter Wiens mußte jetzt die ganze Kundgebung abgesagt werden. Totenliste auf 248 angewachsen Man vermutet noch mehr Opfer über und unter Tage Alsdorf, 23. Oktober. Da nunmehr sämtliche«trecken freigelegt sind, wurden die Bergungs- und Aufräumungsarbeiten am Donners- tag um 1 Uhr früh für einige Stunden eingestellt. D i e Zahl der bisher geborgenen Toten bc- trägt insgesamt 24 8. 10 davon sind bei dem Ein- stürz des Förderturmes und Verwaltungsgebäudes ums Leben gekommen, vier sind in Krankenhäusern gestorben und 223 wurden tot aus dem«chacht zutage gefördert. Ob noch Bergleute im«chacht sind, läßt sich zur Zeit nicht scststellen, da von 223 aus dem«chacht geförderten Toten nur liv identifiziert sind. Nuch Angabe der Retstmgsmannschafien liegen auf der 460- Bieter- Sohle noch 15 Tole. die in den nächsten Stunden herauf- befördert werden sollen. Anter den Trümmern über Tage vermutet man noch fünf bis zehn Tole. Demnach wäre insgesamt mit 250 Toten zu rechnen. Das Revier 10 ist noch nicht ganz abgesucht, dort dürften sich ebenfalls noch Tote befinden. Ferner sollen auf der zweiten Sohle noch nicht olle Tote geborgen sein. Da außerdem noch mehrere Eingeschlossene versucht haben, den Schacht herauf- zuklettcrn, ist anzunehmen, daß einige von ihnen abgestürzt sind sich dann aber die verheerenden Wirkungen unter Tage nicht er- Hären. Die in den Schacht einströmende Luft hätte durch die Benzin- erplosion nach oben gerissen werden müssen. Demnach müsse es als ausgeschlossen gelten, daß die Explosion nach unten bis tief auf die Sohlen von 360 und 560 Metern Tiefe gewirkt habe. Dort unten seien aber die Folgen viel verheerender als oben. Zweitens unker Tage. 'Nach dieser Annahme habe im Revier eine Schlagwetter- explosion stattgefunden. Der gewaltige Lustdruck vrn unten habe oben das Faß Benzin zertrümmert und das auslousende Benzin sei durch irgendwelche noch nicht geklärte Einwirkung explodiert und habe das Gebäude in Trümmer gelegt. Der Schacht sei durch den Stoß von unten lustlcer geworden, und nun sei durch die Benzin- explosion ein Rückschlag der Flammen nach unten er- folgt. Wodurch die Schlagwetter entzündet worden seien, bleibe allerdings auch bei dieser Kombination noch ungeklärt. Ausländisches Beileid. Di« Aachener B c r g w e r k s k a tast r o p h e hat m der ganzen Welt lebhafteste Anteilnahme hervorgerufen, und dem SHe Auf bahrung der Todesopfer vor der Wafchkaue des Vluglücksfchachto und nur wenig« herausgezogen werden konnten. Es besteht daher die Möglichkeit, daß die Zahl der Toten noch steigt. Diese Be- rechmmgen können stch aber nur auf Vermutungen stützen, da die Angaben der Rettungsmannschasken, die heute schon zehn Stunden, ohne etwas zu essen, gearbeitet haben, nur mit großer Vorsicht aufgenommen werden dürfen. Vor der Zechenanlage harrt noch immer bis in die späten Nachtstunden«ine große Menschenmenge geduldig aus, um die neuesten Ergebnisse zu erfahren. Am Schacht II, wo die Toten heraus- befördert werden, stehen die Rettungsmamrschasten, Sanitäter und Feuerwehr in dumpfem Schweigen und warten aus jeden Förder- korb, der aus der Tiefe emporsteigt. Die Meldung, wonach eine aus einem Steiger und 20 Mann bestehende Rettungskolonne durch einen Zusammenbruch von Stollen völlig von der Außenwelt ab- geschnitten worden sei, entspricht nicht den Tatsachen. Das schwerste Unglück, dos vor der Katastrophe in der Grube Anna II den deutschen Bergbau traf, geschah im Jahre 1908 in der Zeche Radbod bei Hamm, bei dem 360 Tote zu beklagen waren. Weiterhin seien aus den letzten vier Jahrzehnten vermerkt: 1585; Eamphausen-Schacht bei Saarbrücken 180 Tote, 1891: Hi- berma-Schacht bei Gelsenkirchen 52 Tote, 1893: Karolinen-Grube bei Bochum 119 Tote, 1905: Zeche Borussia bei Bochum 39 Tote, 1907: Zeche Reden im Saarrevier 148 Tote, 1912: Zeche Lothringen bei Bochum 117 Tote, 1912: Grube Achenbach bei Dortmuni» 43 Tote, 1914: Grube Achenbach bei Dortmund 22 Tote, 1920: Kaiserstuhl II bei Dortmund 30 Tote, 1921: Zeche Mont Conis bei Herne 79 Tot«, 1923: Heinitz-Grube bei Beuten 112 Tote, 1925: Zeche Mmistcr Stein bei Dortmund 135 Tote, 1925: Zeche Dorst- seid bei Dortmund 45 Tote, 1929: Glückhelf-Friedens-Hoffnungs- grübe(Waldenburgrevicr) 33 Tote, 1929: Klein-Rossrl(Tieg) 24 Tote, 1930: Kurt-Schacht der Wenzeslausgrub« bei Neurode 151 Tot«. Eine furchtbare Statistik! Di« schlimmste Katastrophe im Bergwerk traf Frankreich: Bei der Kohlenstaubexplosion von Eourrieres im März 1906 fanden 1200 Menschen den Tod. Oas Exploflonsrätsel. Der Reichstagsobgeordnete S o l l m a n n hat den Unter- suchungen über die Ursachen der Krubenkatastrophe in Alsdorf bei- gewohnt. Er hat an den Beratungen des Unfallausschusses und der vierstündigen Befahrung der Grube Anna II sowie an dem Zeugen- verhör teilgenommen und mit sämtlichen Behördenvertretern über die möglichen Ursachen des Unglücks Rücksprache gehalten. Soll- mann legte seine Beobachtungen und Erfahrungen in einem Bericht der„Rheinischen Zeitung" nieder, der in mehreren Einzel- hellen von den bisher bekanntgegebenen Feststellungen abweicht. Es heißt darin u. a.: Die Untersuchung scheint mit zweiselssreier Deutlichkeit zu ergeben, daß die ursprüngliche Annahme, es habe eine Sprengstoffentladung stattgefunden, fallen gelassen werden muß. Wir fanden die drei Spreng st offlager intakt. Die Er- scheinungen werden von den Sachverständigen als einzigartig be- zeichnet und lassen einen Vergleich mit früheren Explosionskata- strophen kaum zu. Di« Arbeiter vermuten entgegen der Annahme mancher Fachleute doch eine Schlagwetterexplosion unter Tag«. Sie verweisen daraus, daß öfters die Wirkungen einer solchen Erplosion an ihrem H«rd selbst verhältnismäßig gering sind und sich erst auf weitere Entfernungen auswirken. Ueber die Ursachen der Explosion werden zur Zeit zwei Möglichkeiten erörtert: Erstens über Tage. Danach seien 150 Liter Benzin am Verwaltungsgebäude explodiert. Diese Menge Benzin habe an sich das große Haus in Trümmer legen und den Förderturm umwerfen können. Man könne Reichspräsidenten sind bereits von den verschiedensten ausländischen Staaten Beileidskundgebungen zugegangen. Im Gahmen dieser Beileidsbezeugungen fällt besonders auf, daß der englische König den britischen Botschafter in Berlin angewiesen hat, den Reichspräsidenten seiner persönlichen Anteil- nähme an dem schweren Unglück zu versichern. Da es im allze- meinen nicht üblich ist, daß Staatsoberhäupter bei' der- artigen Ungiücksiöllen persönlich ihrem Mitgiühl Ausdruck geben, ist diese Kundgebung des englischen Königs als ein Ausdruck der ganz besonders herzlichen Anteilnahm« des englischen Volkes auf, zufassen, das selbst vor wenigen Togen crst an den frischen Gräbern der Lustschissopfer getrauert hat. Hilfsfpenöe des parieivorstandes. An den Vorsitzende» des Bergarbeiteroerbandes in Bochum, den Reichstagsabgeordnetcn Huscmann, richtete der Poiteivorstond der Sozialdemok rati j chen Partei folgendes Telegramm: Der ParteivorstanÄ betrauert mit Euch die auf dem Schlachtfeld der Arbell gefältelten Arbeiter und ihre so schwer getroffenen An- gehörigen. Er überweist Euch zur e r st e n Hilfeleistung tele- graphisch 6000 Mark. Der Parteivorstand: Wels. Schachts Weisheit. Arbeiter und Reparationen. Herr Schacht hat in einer neuen New-Pcrkcr Rede erklärt: „Die deutsche Arbeiiersckjast beginne einzusehen, daß di« Auf- bringnng der Reparationslasten ihren Lebensstandard empfindlich beeinträchtige." Das„Berliner Tageblatt" hat recht, wenn es sage, daß die Slrbeiterschast das seit einem Jahrzehnt wisse, ober eben- sowenig wie Herr Schacht die Tatsache ändern kann, daß Deutsch- land den Krieg verloren hat. Herr Schacht hat offenbar vollkommen vergessen, wie er als Bankdirektor immer wieder die Fühlung mit Sozialdemo- k r a t en und anderen Politikern aufnahm, um die Notwendigkeit der„Erfüllungspolitik' und den Irrsinn des„Nichtzahlcnwollens" darzulegen. Herr Schacht hat offenbar auch ganz vergessen, daß er sich dabei auf seine engen Beziehungen zu französischen und amerikanischen Bantkreisen berief, die durchaus bereit seien, Deutschland entgegen zu kommen. Allerdings vergaß er dabei, nicht zu bekennen, daß dazu ein Mann an der Spitze der Reichs- dank stehen müsse, der im Auslande etwa das Vertrauen genieße wie er— Herr Dr. Schacht. Daß„die Reparationsleistungen letzten Endes nur aus deutschen Cxportgeschäfkn gedeckt werden können, ist keine Entdeckung des Herrn Schacht und der letzten Tage. Die sozialdemokratisch« Presse, die sozialldeniokratische Literatur, besonders aus der Zeit des Londoner llmtimatums, spricht davon, daß übersteigert« Reparationsleistungen zu einer Erl)öhung der deutschen Arbeitsleistung und Unterbietung seiner ausländischen Konkurrenten führen müßten, die den Charakter eines Dumpings tragen und Arbeitslosigkeit in den Ländern der Rcparationsgläubiger zur Folge haben müßten. In Sxa hat schon der verstorbene Genosse Otto H u e darauf hingewiesen, daß di« Lieferung so gewaltiger Mengen von Reparationskohle nach England oder Stellen, die sonst Ab- nehmcr englischer Kohle wären, den englischen Bergarbeiter arbeitslos machen würden. Die funkelnagelneuen Entdeckungen des Herrn Schacht sind also für die Sozialdemokratie längst Binsenwahrheiten. Daran ist auch nichts geändert durch die Kommerzialisierung der Reparationsschuld, denn alles, was Deutschland zahlen kann, muß es nach der Zerstörung aller Werte durch Krieg und Inflation erst erarbeiten. Es ist doch erstaunlich, was für ein kluger Mann Herr Schacht ist, daß er Dinge, di« jeder Sozialdemokrat längst als selbstverständlich erkannt hat, jetzt als WmÄcrmeisheit der staunen- den Mitwelt oerraten kann. Die finnische Generalsclique Das Verhör der verhasteien Chefs helsingfors, 23. Oktober. Das Verhör des Generalstabschefs W a l l e n i u s und der beiden mit ihm verhafteten Gencralstabsoffiziere wurde bis in die späte Nacht hinein fortgesetzt. Den Blättern zufoloe handele es sich weder um einen Putschversuch, noch uni eine militärische Re- volle, sondern darum, daß Wallenius die Entführung des Expräsidenten Stahlberg unterstützt oder zum min- besten davon gewußt Hobe. Wallenius war kurz vor der Eni- sührung Stahlbergs in Joensuu, wo man dadurch auf ihn aufmerk- sam wurde, daß sein Kraftwagen bei einem Flußübergang ins Wasser geriet. Unter dem Material, das angeblich den Behörden vorliegt, soll sich ein chiffriertes Telegramm in der Chiffre des Innenministeriums befinden, dos Wallenius am Tag« der En!- sührung noch Joensuu abgeschickt haben soll. In diesem Telegramm wurden zwei Krankenplätzc bestellt. Weiter soll einer der Entführer an Wallenius telegraphiert haben:»Wir haben Kranke bei uns." Als besonders belastet wird Oberst Kuussaari angesehen. Er soll dem Generalsekretär Iaskari den Auftrag zur Entführung Stahlbcrgs gegeben haben. Wallenius ist erst 37 Jahre alt. Er hol seine Ausbildung in einem preußischen Iägerbataillon, in dem zahlreich« finnische Freiwillige dienten, erhalten. Präsident Geländer gegen die Terroristen. helsingsors, 23. Oktober. Bei der feierlichen Eröffnung des neugewählten Reichstags hielt der Präsident des Freistaates Finnland, Relandcr, eine Rede, in der er ausführte, während die verantwortlichen Männer sich be- mühten, das Land durch gesetzliche Maßnahmen von umstürzlerischen Elementen zu befreien, begönnen gewiss« Leute, der Gesetze spottend, Ausschreitungen gegen Mitbürger und terrorisierten die Zlllgemeinhcit. Es seien Taten begangen worden, deren sich die ehrenwerten Partioten schämten, und das An- sehen der Nation fordere die Beendigung der Aus- schreitungcn und eine Bestrafung der llebeltäter. In der ersten Sitzung gab Ministerpräsident Svinhufvud cinen Uebcrblick über die Tätigkeit der Regierung seit der Auslösung des.vorige» Reichstags. Die 5)auptaufgabe der Regierung sei gc- gewesen, die gesetzliche Ordnuirg zu stärken und normale politische Bedingungen wiederherzustellen. Manche hätten gefordert, die Regierung solle außerordentliche Zwangsmaßnahmen ergreifen, um die allgemeine politische Erregung und Unruhe zu unterdrücken. Die Regierung sei aber überzeugt gewesen, daß Zwangs maß- nahmen in dieftr Lage zu unberechenbaren Folgen geführt hätten. Der neue Reichstag fei von Kommunisten b e s r« i t und nunmehr imstande, sür die Stärkung des Landes und die Einigung der Nation zu arbeiten. Die Regierung erwarte, daß der Reichstag ihr das Vertrauen aussprechen werde.. Lappo. Oer wahre Charakter öer Bewegung. helsingfors im Oktober. Der Senatsplatz in chclsingfors war schon wiederholt eine Stätte hochpolitischer Ereignisse. 1904 wurde auf der Freitreppe des Senats- gebäudes der russische Generalgouvcrneur B o b r i t o w von dem jungen Finnen Eugen Schaumann erschossen. Vierzehn Jahre später feierte man auf dem Senatsplotz den Sieg über die Bolsche- wistcnarmec, den man mit Hilfe deutschen Militärs erfochten hatte. Aus-dem russischen Großsürstentum war das selbständige unabhängige Finnland mit einer demokratischen Verfassung geworden. Und im vergangenen Juni versuchte auf dem gleichen Pflaster ein finnischer Grundbesitzer Geschichte zu machen. K o s o l a, der Lappoführer, kopierte Musiolinis„Marsch auf Rom". Zwölftausend Bauern standen in glühender Sonnenhitze auf dem weiten Platz. Revolutionäre? Sie sangen keine Freihcitschöre, sondern einen Choral und lauschten wie Kirchgänger dem Propst, der von der Treppe der Nikolaikirche über Hcsckiels Worte„Und ich will Gericht halten über Aegypten, daß sie erfahren, daß ich der Herr sei" predigte. Zwölftausend lutherische Bauern glaubken für eine neue protestantische Reformation zu demonstrieren. Als Kofola dem Bibelspruch die Auslegung gab: es gilt Gericht zu halten über die Kommunisten und sie aus Finnland zu vcr- treiben— zollte man ihm fanatisch Beifall. Die zwölftaufend bi- gotten, nationalistischen Lappoleute erblicken im Kommunismus den „Antichrist", zugleich aber auch den Feind der Unabhängigkeit Finn- land», der daran arbeitet, das finnisch« Reich wieder Rußland anzugliedern. Kosola hatte verstanden, sich die Glaubensscligkeit und die Bater- landsliebe jener Bauern dienstbar zu machen. Er leugnete jeden faschistischen Charakter seiner Bewegung, bestritt soziale und wirt- schaftlich Hintergriinde und behauptete, die Lappos nur zur Ver- teidigung der kulturellen und nationalen Belange aufgerufen zu haben. Nieder mit dem Kommunisinus, sei seine einzige Parole. Was sich aber in den letzten Monaten abgespielt hat, straft Kosola der L ü g e. Sein„Freiheitskampf" richtete sich nicht nur gegen die schwachen kommunistischen Organisationen und deren Mit- glioder, sondern auch gegen die sozialdemokratische Ar- beiterbewegung. Blutiger Terror traf Kommunisten und Sozialdemokraten. Man versuchte nicht nur den Rücktritt der kommunistischen, sondern auch der sozialdemokratischen Gemcindevertreter zu er- zwingen. Man trieb bei Nacht Kommunisten und Sozialdemokraten über die russische Grenze, nachdem man sie halbtot prügelte. Ueber 200 solche Terrorsälle wurden gezählt. Noch immer ist ein s o z i a l- demokratischer Gemeindevertreter vermißt und kein Mensch in Finnland zweisclt daran, daß er im Wald ermordet und ver- scharrt worden ist. Jetzt hat Kosola endlich die Maske fallen lassen. Cr gesteht offen von den Versammlungstribüncn seine Beziehungen zu Martti P i h k a l a ein. pihkala ist einer der prominenten Führer und Agilationsleilcr de»„Suomen tukko", der finnischen faschistischen Zentrale. Ein Günstling der Unternehmer, den das Volk als„Streik- brechergeneral* bezeichnet. Ein wütender gehässiger GegnerderGewerkschaften. Pihkala versendet geheime Rundschreiben an die Unternehmer und fordert von ihnen die Ausstellung„schwarzer Listen" und bje Entlassung kommunistischer Arbeiter. Selbstverständlich werden durch solche Maß- regelungen auch Sozialdemokraten getroffen. Man rodet davon, daß man„den kommunistischen Terror auf dem Arbeits- platz" unmöglich machen müsse und versucht natürlich jeden, der für die Gewerkschaften wirbt, als Kommunistenhetzer zu verdächtigen. Ein widerwärtiges Spitzeltum kommt auf. Pihkala geht so weit, von den Hausbesitzern Mieterlisten zu verlangen, in denen die politische Gesinnung der Mieter vermerkt werden soll. Angst vor Drangsalicrungen treibt manchen zur Verleugnung seines poli- tischen Bekenntnisses. Als Kosola kürzlich in Ruehimacki erklärte, die Lappos würden nicht eher Ruhe geben, bis der letzte Kommu- nist vertrieben sei, sekundierte sofort Pihkala in seinen Zeitungen und schrieb, man solle die Koinmunisten nicht mit Messer und Dolch, sondern mit der weichen Rute, der Weidengerte, attackieren,«das sei ein gerechtes und humanes Kampfmittel. Sie haben die Ragaika der Kosaken noch nicht vergessen! Die Gewaltmaßnahmen, die die Führer predigen, werden von den Lappofaschisten erfüllt. Draußen auf dem Lande sind die schwachen Polizeikräfte nicht fähig, dem Treiben der Kosolo-Ban- diten Einholt zu gebieten. Die von den Lappos erzwungene Ab- reise des schwedischen Rechtsanwalts Branting, der in Abo als Verteidiger für 17 Kommunisten auftreten wollte, war«in beut- licher Beweis der Schwäche der Behörden. Aber man wundert sich nicht mehr darüber, denn selbst bürgerliche, fortschrittliche Blätter, die doch die Lappobewegung bekämpfen, schreiben, daß man für die von Kosola entfachte Bewegung„Verständnis" aufbringen müsse. „Die Lappobewegung ist eine Wallung unter der primitiven bäuerlichen Bevölkerung. Sie wird abebben, aber die Reaktion wird bleiben..." sagte dieser Tage ein sozialdemokratischer Führer in Helsingfors! er wies darauf hin, daß die Lappos mit ihren Versammlungen wirksame Zcrsetzungsarbeit im Bürgertum treiben. Ob- wohl sie nicht als Partei im Wahlkampf auftraten, haben sie einen Wahlerfolg buchen können: Im finnischen Reichstag gibt es keine Kommunisten mehr, und diese selbst verschuldeten durch ihre u n- sinnige Taktik, indem sie ihre Stimmen nicht geschlossen auf die sozialdemokratische Liste vereinigten, daß nicht genug So- zialdemokraten in das Parlament gewählt wurden, um die rsak- tionär Verfassungsänderung sicher verhindern zu können. Die Bürger- lichcn haben die Zweidrittelmehrheit, wenn auch nur mit cinei Stimme. Die Sozialdemokratie muß schon heute damit rechnen, daß die Lappofaschisten ihren„Freiheitskampf" demnächst unter der Parole„Gegen den Marxismus" verbreitern. Die wirtschaftliche Lage gibt ihnen demagogische Agitationsmöglichkeitcn. Schwere Krise lastet auf der Holz- und Papierindustrie, die den Hauptexport stellt. In diesem Jahre können nur 60 Prozent des Vorjahres exportiert werden, weil die russische Kon- k u r r e n z den finnischen Absatzmarkt einengt. Rußland verschleudert sein Holz, um Geld flüssig zu«achei. berechnet bei seinen Verkaufspreisen nicht die Substanz, sondern nur Arbeits- und Transportlöhne und kann mit dieser Schleuderkonkurrenz durchhalten, weil die Forsten Staatsbesitz sind. Finnlands Holz dagegen ist in der Hauptsache in privaten Händen. Man kann die Preise der Russen nicht unterbieten. So kommt es, daß die Holzstapel im Hasen von K o t k a nicht mehr wie früher abgetragen werden. 300 Sägewerke liegen still. Die Ar- beitslosigkeit steigt von Woche zu Woche. Der finnische Boden ist nicht sehr ertragreich. Der Bauernhof ernährt nicht Eltern und Kinder. Bauernsöhne ziehen in die Industrieorte, ober sie finden keine Arbeit. Genau wie bei uns wächst die Erbitterung unter den Arbeitslosen und unter ollen-denen, die durch die Krise leiden; sie werden Treibholz auf dem faschistischen Fahrwasser. Selbstverständ- lich, daß der Faschismus von den finnischen Konservativen, von Kapitalisten und Unternehmern, die nach Lohnkürzung, und Groß- ograriern, die nach Schutzzöllen schreien, gefördert wird. Viele protestantische Geistliche marschieren in den Reihen der Lappos. 08 Prozent der Bevölkerung sind protestantisch. Die sozialdemokratischen Arbeiterorganisationen wissen, daß die Flinten der„überparteilichen, patriotischen" Schutzkorpsleute leicht gegen die Arbeiter gerichtet und daß die Soldaten, die man auf der Västra Allc'n in Helsingfors nach deutschem Vorbild Griffe kloppen sieht, im gegebenen Falle Instrument der faschisti- schen Reaktion werden können. Mehr als je ist die Geschlossenheit der sozialistischen Bewegung und intensive Auftlärungsarbcii notwendig. Finnland zählt nur eine Bevölkerung von I.S Millionen. Es ist ein gutes Zeugnis für die Schwungkraft der sozialistischen Ideen, wenn die Sozialdemokratische Partei über 40000 Mitglieder aufweist. Die Organisation ist intakt. Man ist für schwere Kämpfe gerüstet und durch das positive, auf- bauende Wirken der 66 Reichstagsabgeordneten und der zahl- reichen sozialistischen Vertreter in den Kommunen wird gegen den finnischen Faschismus ein fester Damm errichtet und die Demokratie erhalten bleiben. Ruckolk Bims. ft H.N.Lenormand:„Cllsabeih von England Lessing-Theater. Schlechtes Pathos, nichtssagende Prochtphrasen, sadistische Ueber- Psychologie, die den Zieschauer zum Lächeln verleitet, und ein Bündel ähnlicher Gewürze machen diese Tragödie unerträglich schal. Sie ist ein Musterbeispiel des schlechten Geschmacks. Und ein anspruchsvoller Bühncnklimbim in zehn Bildern, van denen jedes tiefernst gemeint ist, von denen jedes aber unendlich parodistisch wirkt. Die„jungfräuliche" Kömoin Ellsabeth, die ihrem Günstling Esser und der katholischen Maria Stuart den Kops abhacken ließ, die mit 60 Jahren ihre jungen Offiziere ins Schlafzimmer kam- inandierte und außerdem die heute nach unerschütterliche Weltmacht Großbritanniens gründete, die Heldin Schillerfchcr und Laubefchcr Trauerspiele, soll heute niit der mikroskopischen Sexualerotik abge- häutet werden. Dieser französischen Elyabcth soll noch eine Brucknersche psychoanalytisch- vertiefte folgen. Vorläufig erwarten wir mit Angst die Hausse dieser Stücke und hoffen nur, daß Bruckner mehr bei Verstand und Talent war. Das Lessing-Theotcr, offenbar fern ven jeder draimiturgischcii Einsicht und stocktaub vor dem kindlichen Unsinn, salz nur die Elisaoeth-Rolle für Frau Höflich. Aber es war auch«in Ver- gehen gegen diese vorzügliche Menschendarstellerin, ihr solche Air- tuosenvcrrenkungen zuzumuten. Das Lessing-Theater ließ Heinz Dietrich K« n t e r Regie führen, rnrd der junge Künstler griff ebenso fehl wie sein Dichter und sein Direktor. Er zergrübelte das Stück, das gor nicht Bcgrübelns- wertes enthielt, sondern nur durchaus des schleunigen Begräbnisses wert ilt. Er zwang seine Hauptspieler und Chargen zu Posen und Bewegungen, die Grauen einflößten. Keiner war dieser Gestelzt- heit und dieses Wortmischmaschs Herr. Man fragt« sich beständig und betrübt, warum denn eigentlich Kenntnis, Takt, Einfall, Logik und ähnliche nicht.zu unterschätzende Namen vollkanmien aus dem Lessing-Theater verbannt werden sollen. iVlax Hochdorf. Ein jahrlicher Film-Friedenspreis. Für Völkerverständigunci. In Paris hat sich ein internationaler Ausschuß zur Förde- rung der Völkerverständigung auf dem Wege des Tonsilms gebildet. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind ihm beigetreten. Das Komitee setzt jährlich einen Film-Friedens-Preis von 150 000 Fr. aus für das beste Manuskript zu einem wissenschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen Spiel- oder Lehrfilm, der geeignet erscheint, das gegenseitige Berständnis und die Annäherung der Vö-ter zu fördern. Die Preisverteilung erfolgt jährlich am 2. Dienstag des Dezember, für 1930 also am 9. Dezember. Außer dem Preise von 150000 Fr. stehen der Jury 25 000 Fr. zur freien Verfügung für die Auszeichnung nur teilweise geeigneter Werke. Das mit dem Film-Friedens-Preis ausgezeichnete Manuskript wird in verschiedenen Sprachfassungen verfilmt. Die W e l t- U r- aufführung des Films findet jeweils in Genf vor den Dele- gierten des Völkerbundes statt. Die Auswahl der an das Komitee einzusendenden Manuskripte erfolgt in jedem Lande durch«inen„Landesausschuß für d e n Film-Friedens-Preis". Jeder Landesausschuß wühlt aus den bei ihm eingehenden Film- Manuskripten bis zu drei geeignete aus und sendet sie in französischer Sprache an die internationale Jury. „Die unvollkommene Ehe." Universum. Buster Kaeton bleibt beim stummen Film, denn„Di« unvollkommene Ehe" ist nur mit Geräuschen und Musik Zweifel- hafter Art synchronisiert. Dos Wort erscheint wirklich nicht not- wendig, denn die Komik liegt allein im Visuellen. Das ist bei Kcaton, Lloyd und Chaplin von ausschlaggebender Bedeutung, und trotzdem fühlt der Zuschauer an diesem Film gewisse Mängel, die vorher nicht in die Erscheinung traten. Keaton, der Mann mit dem tot�rnsten Gesicht, der instinktmäßig immer das Richtige tut, wenn auch auf langen Umwegen, ist hier ein kleiner Flickschneider, der eine bekannte Schauspielerin liebt und sie nach einer Serie abenteuerlicher Begebenheiten schließlich heiratet. Der Film verfügt über wundervolle Stellen. Dd ist eine Theatervorstellung, die zu den tomischsten gehört, die man bei Keaton erlebt hat, da gibt es kleine Nuancen, grotesk übersteigert, die mit Ironie überladen sind, aber das Ganze ist nicht so konzen- triert wie etwa„Der General" oder„Der Cowboy". Vielleicht scheint es auch nur. Der Tonfilm mit ollen Mängeln, die ihm anhaften, hat eine Umstellung im Zuschauer herbeigeführt. Man verlangt in bestimmten Szenen, die länger ausgespielt werden, nach dem Wort. Die Texte, wenn sie auch pointiert und witzig sind, genügen nicht mehr. Die Szenen laufen im Grunde leer. Die Filme Keatons haben Tempo, doch daneben auch Situationen, die breit ausgesponnen sind, und hier liegt heute ein Bruch. Der stumme Film, will er sich halten, muß sich stark konzentrieren, vor allem aber das Tempo noch mehr beschleunigen. Das gilt in erster Linie für die Grotesken. R. Lcli. Um die Zukunft der Republik-Oper. Das„Berliner Tageblatt" wußte in seiner gestrigen Abendausgabe überraschenderweise zu melden, daß die Republik- Oper mit Ende dieser Spielzeit ihre Pforten schließen wird und fährt fort:„Alle Gerüchte, wonach noch immer oder wonach wieder einige Hoffnung auf ihre Erhaltung bestehe, sind eitel Schaum und Rauch." Demgegenüber sind wir in der Lage, mit aller Bestimim- heit zu versichern, daß über das küirftigc Schicksal der Republik- Oper noch nichts entschieden ist. Einstwellen liegt das bc- kannte Angebot der Staatsregierung an die Stadt Berlin vor, daß diese die Volksvorstellungen der Republik-Oper in ihr Haus in der Bismarckstraße übernehme. Mit der Prüfung dieses Angebots, das auf einen bürgerlichen Antrag im Landtag zurückgeht, ist vom Auf- fichtsrat der Städtischen Oper ein Ausschuß betraut, dessen Be- rotungen noch nicht abgeschlossen sind. Es läßt sich heut« weder voraussagen, welches Ergebnis dies« Beratungen haben werden, noch, welche weitere Entwicklung die Berliner Opernsroge nehmen wird, falls das Angebot des Staates bei der städtischen Behörde keine Mehrheit findet. Oos Ehodowiecki-Oenkmal. In der Vorhalle von Schinkels Altem Museum am Lustgarten ist dieser Tage in der Reihe der Standbilder von Männern, die im Kunstschaffen Berlins und in der Kunstforschung sich heroorgctan haben,«in Denkmal Daniel Ehodowieckis aufgestellt worden, ein Werk des Berliner Bildhauers Martin Müller. Das Marmor- ftandbild steht an der Schmalseite der Halle nach dem Dom zu, als Gegenstück zu dem Standbilde Menzels, der die Schmalseite nach dem Kupfergraben zu schmückt. Und im Gegensätze zu der Zwergen- figur des großen Berliner Meisters des 19. Jahrhunderts ist Chodo- wiecki in der Formung, die der junge, auf den Ausstellungen der Berliner Sezession bekanntgewordene Plastiker ihm gegeben hat, als jugendlich schlanke Figur im Zeitkostüm des 18. Jahrhunderts dar- gestellt: so etwa mag der junge Chodowiccki, der frühere Danziger Drogistenlehrling, ausgesehen haben, als er um 1750 die Bühne der Berliner Kunst betrat und seine«igemlich fruchtbar« Schajsenszcit als Maler und als Zeichner hatte. Müllers Marmorstandbild gibt so eine wesentlich andere Chodowiecki-Figur als das bekannte große Bild Adolf Menzels aus dem Besitz des Vereins Bcvliner Künstler, das ihn auf der Waisenbrücke zeichnend darstellt, 1859 gemalt, also etwa 100 Jahre früher als das schöne Werk, das den Berliner Meister nun in die Reihe der Schlüter und Knobelsdorft.44 „Der Idiot V. Do.tojcw.ktj Deotsdies Tiieater 8 Uhr Neueinstudierung Ein sommer- nachtstraum Regie: Mn Beinbardt. Kammerspiele 8'- Uhr Elga von Oertnit Hauptmann. Regie; Costa» Härtung. Die Komödie S'/i Uhr Der Schwierige >gi Hugo ng Holnuniitlul. Regie: Mai HoindM. Deulsches KODStler-Tbeai. Tel Barbarossa 3937 8V« Uhr Jim und Jili (trete Mosheim. Harald paoiseo. Renaissance- Idealer SteinplaV 6780 8'/. Uhr: VoniDtersDdüDg von Max Alsberg und O. E. Hesse Tbeat. d. Westens 8','. Uhr Brest Litowsk von Hans J. Rebüsdi Kassier. Hamolka. Bildt. Uns, Scholl. Halden, Cinsberg. Lessing-Tbeat 8"/« Uhr Premler* Elisabeth, Königin von England vonLenormand Höilich. Heitmann. So. UV. Uhr: Haditvo:ste!luog Gruppe junger Schauspieler flDdil nadi Sduuutbai Tboater am Hottb.Tor Kottbusser Str. 6 F. 8. Oberb. 6070 tägl.«Vi U-, Sonnt aieh 31/2 Ol» > EUte- MSSoSer Präsident |W Zankel Hl Cr. ImmjW- bgrieik« Sdmrsdi Ruselli CHans Rose} „Ii 1h MailnAt" Störmisches Lachen! Entzückend« Musik! Traute, Hans u. Willi Ros« Wochentags 8« Uhr; Sonnabends 7 und lO�ühr Preise tob 50 Pf bis 3.— M. Programm u. Garderobs le 25 Pf (keip Zwang). Theater für die Kinder: Kommenden Mittwoch B Uhr: „BMnsel und Gretel" Kommenden Donnerstag und Fraltag. 53« Uhr: Familien- Nachmittag« Daa Lustspiel„Kakall* mit Traate Rone Preis« von 30 Pf bis 1.50 M Oerderobs und Programm Je 1 0K Kaflee mit Knchen 25 Fi Kommenden Sonnabend 4�Uhr „DornrÖBchen" Billettkassa: Atex 3422 u. 3494 Gr.PrankfartcrStr.132 ROSE Theater Eesfauiaiif ÄM4NN m EBBBBB Tb. In AdnlralspaSast 8'/« Chr: CsärdfefOntio Ii Prenlereotnetzoiig Sonntag 2 Torst. 3 und»i/. Ol» litdim. dh ganze Vorst, n bat en Preisen BMIIga Pretu; II.Rang.OI.-M. T.Baug ib4.50M, Parkett jbS.-M. Direkt. Kulte tetet Merkur«801 xomisdie Oper 8iÄ Uhr Das Midel rlara Steaser v. Gilbcr* GBOSS.SCHADSPIGIHADSS N u r noch 1 W och e! Lustige Witwe Uestorborg. Hansen« Arno, Schollwer, Janhuhn,8chaeflor*« Winkelstern, Desnl. RROIK: C H A K K Ta T» »./.Uhr CASISIO-THEATER SUUbt Lothringer Strafe 37._ Un widerruf lieh nur bis 30, Okiober Hurrah, ein Junge! iiiMiiiiiHiMiMiiiiimiiiiniiuiiiiiiiiittmiiMimiiiniMMomimm Am 1, November 1930 zam 1. Male: Arm wie eine KircbeDmans Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M.— Sonstige Preise: _ Parkett 75. Rang 60 Plg._ Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 81/* Uhr Wassersmeu Leopoldine Konstantin, Ralpb, Cblud, Barbe. Oumbe. Siegel, de Kowa. metropoi-Theater Täglich 8i/. Uhr ScuMtlooeller Operettenerfolg I Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undihrHusar Reichshallen-Theater Abend.|T} Sonntag nadim. I 3- i (zu halben Preisen) stettiner Singer Zum Schluß: „Wir ollen SerlineT" Tunk. 11-7, 7». 117» Dönhoff- Brettl; Das or. O'di.-Prngreinni I Tanz. RaeHo iians Sittes 8.15 Hilf— Raoaen erlaoDi Tlffany Twlna. Dora Kasan u. Nester. Prof. Pallos 5 aIngen- deLadies. Brown u.LaHart usa. Bamovsky-fiöhneB Thntor in 8er Slrcsemannsir. Täglich 8./. Uhr Sturm im Wasserglas Komödie von Frank. Komödienhaus 8V« Täglich SV* Konto X von Beroaner und UestarreWier Ausschneiden! Zentral-Theat. Täglich 8./, Uhr Sonnt auch S'/. Uhr Eine Freundin so goldig wie du Operette v. Meisel. Von. für Parkett U itattk.-*. diu I■* gültig vom 22.-25. Ort. Sonntags 3 Uhr ftotttäppenen Lustspielhaus Dir.; Haas Lüpsdlütz Täglich 81/« Uhr meine Scbwester und leb Musik von Benatzky Lory Leux. Kurt vonMöllcndorf Thealer am Sdiitf Hauer dämm Täglich 8'/4 Uhr Jud Süß! von Paul Kornfeld. lim.: Loop. JeBotr mit Ernst Deutsch Neues Theater am Zoo— RmBabilLZoo. StpL 6554 Täglich 81/. Uhr Max Adalbert >n Hasenklein �ettane KSpAKMÄ Doonerstag, 23. Oktober 1930,' WT/ Sf-nlntiJ�Jnß� Je* VotioJ�4l 25 Zahre Berliner Vcrufslchulc V. vom 16. November 1628" wird hiermit aufgehoben und ist zu vernichten. gez. Erocner." Diesen Beschluß begleitete das Ministerium mit folgendem Schreiben: Der Reichswehrminister. Berlin, W. 16, 8. August 1636. 3067/30 W la. Königin-Augusta-Straße 38/42. An die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege. Berlin W.S7. Bülowstraße 29. In der Anlage iibcrsende ich Ihnen einen Erlaß, durch den Ihre Organisation als politisch im Sinne des§ 36 des Wchr- gefetzes erklärt ist, zur Kenntnis. Diese Politischerklärung be- deutet in erster Linie eine militärische Anordnung sür die An- gehörigen der Iiiehrmacht. Sie stellt lediglich sür diese klar, daß eine Mitgliedschaft bei Ihrer Organisation mit dem 36 des Wchrgeseyes nicht vereinbar ist. Sie nimmt gegen Ihre Organi- sation und Ihre Bestrebungen keine Stellung, enthält sich also jeglichen Werturteils. In diesem Zusammenhange mache ich ferner darauf aufmerksam, daß die Teilnahme an Veranstaltungen Jhrcp Organisation, die lediglich wissenschaftliche, sportliche, :n Arbeitersport Sportplätze entzogen gesellschaftliche oder kameradschaftliche Zwecke verfolgen,, zulässig ist. Allerdings dürfen derartige Veranstaltungen sich nicht nnt den Zwecken Ihrer Organisation oder den Mitteln zu ihrer Durch- . fühnmg befassen. Ferner muß dabei die Gewähr gegeben sein, daß eine Werbung für politische Ziele ausgeschlossen ist und politische demonstrative Ansprachen und ähnliches unterbleiben." I. A.: gez. Götting. Nach diesem Schreiben konnte angenommen werden, daß das Wchrministerium nicht die Absicht habe, den Vereinen der Zcntralkonnnission die Mitbenutzung der militärischen Sportplätze vorzuenthalten. Denn die Inanspruchnahme der Plätze erfolgte doch zu rein sportlichen Zwecken. Wie der Dresdener Vorgang beweist, herrscht jedoch im Reichswehrmimsterium' immer noch die früher schon unter Geßler beliebte Auffassung vor, die Hergäbe der Plätze zu sportlichen Zwecken falle unter die im Z 36 der Rcichswehr- ordnung ausgesprochenen Verbote. Dagegen hat die Jentrab kommiffion, die nicht bestreitet, daß sie dem Sport auch staats- politische Bedeutung beimißt und in diesem Sinne arbeitet, bereits gegenüber Minister Dr. Geßler protestiert. Geßler sagte damals zu, in eine Prüfung über diese Meinungsoerschieden- hcit eintreten zu wollen: es blieb aber alles beim alten. Im Gegen- sah dazu hak Minister Groener die unker Geßler erfolgte Politisch- erklär, mg im Oktober 1928 ausgehoben, um jetzt wieder zu dem früheren Zustand zurückzukehren. Die Zentralkommission vertritt auch heute noch die Aufsassung, daß die lleberlassung der Reichswehrübungsplätze zu rein spart- lickzen Zwecken— ganz gleichgültig an welche Sportrichtung— durch§ 36 der Reichswehrordnung nicht untersagt werden sollte. Sie ist der Meinung, daß die Reichsregierung die Initiative er- greifen sollte, um der irrigen Auslegung des Z 36 ein Ende zu machen. Alle Parteien des Reichstages müßten daran gleicher- maßen interessiert sein. Vielleicht geben di« vorstehenden Aus- sührungcn dazu den Anstoß. F. Wildung. Sport oder— Das kommunistische Sportblatt„Arbciier-Fußball" gibt wieder einmal ein ergötzliches Bild über„faires" Spiel der Spitzenkönner der kommunistischen„Märkischen Spielrereinigung". Wir geben kommentarlos einen Bericht und eine Berichtigung wieder, die in dem genannten Blatt Nr. 42 und 43 veröffentlicht waren: „Adler 68— Bonisiia 4:4<1:3) abgebrochen!— Die sehr guten Platzvcrhältniste, das gute Wetter und zwei Gegner voll Temperament versprachen eine Delikatesse. Doch groß war die Eni- täuschung! Das Gruseln stak in den Gliedern der Außenstehenden, denn das Spiel wurde zur Katastrophe, wie sie noch nie da war. Und wer gab die Veranlassung? Nicht etwa diejenigen Genossen, die unserer Bewegung aus Ueberzcugung angehören, nein, die, di« man aus dem bürgerlichen Lager wegen ihrer gemeinen Spielart hinausgeworfen hat. Und so etwas findet dann bei„Adler 08" als„willkommene Gäste" Unterschlupf. Solch« Mißstände wurden bisher viel zu wenig beachtet, denn sonst hätte bei uns so ein Geschehnis nie vorkommen können, und muh für uns die Aufgabe sein, diesen eingreifenden Mißständen ein cncr- gischcs„Halt" zu bieten. Darum soll unsere Devise sein: Raus mit den bürgerlich verpesteten Individuen, die nur danach streben, die Harmonie unserer Bewegung zu zersprengen... Jetzt beginnt schon eine Spielweise, die weit über den Rahmen des Erlaubten geht, so daß sich der Schiri gezwungen sieht, Adlers linken Läuscr vom Platz zu weisen... Nach der Pause wurde von seilen Adlers noch härter gespielt. Nachdem Borussias Mitlclläuser längst nicht bferbstlairf im 1. Bezirk der Arbeüersporller Am Sonntag veranstaltet der I.Bezirk seinen Herbstwald. lauf in Erkner. Ausgeschrieben sind: 5066 Meter Einzellauf, 3666 Meter Einzellauf, 2066 Meter Sprinter-Einzcstauf, sowie Läufe sür ältere Sportler und Sportleriimen, sür Schwimmer und Turner, für Spielermonnschafte», sür Jugend usw. Die Meldungen sind bisher gut eingelaufen, so daß ein vorzügliches Ergebnis zu erwarten ist. Der Start ist um 15 Uhr an den Löcknitztcrrassen. Das gewählte Gelände ist sehr abwechslungsreich und dürste nicht nur dem Läufer zusagen, sondern auch dem Begleiter. Eine Abendveranstaltung im rorl>ergcnannten Lokal wird die Veranstaltung beschließen. ASV. Neukölln, Südost, Lichtenberg und Proles werden etwas aus ihrem Uebungsbstricb zeigen. Berufsfutjball euch im Süden? Di« führenden süddeutschen Bezirksligavereinc werden am Sonnabend in W ü r z b u r g eine Besprechung abhalten, die ursprünglich deshalb einberufen worden war, um über die vom Dresdner Bundestag bewilligten Spescnsätze zu beraten. Nachdem sich die Lage inzwischen dadurch wesentlich verschärfte, daß in West- deutschland ein Berufsspielerocrband gegründet wurde, hat auch die Tagesordnung ein anderes Gesicht belommen. Die Aussprache soll sich nun in erster Linie darum drehen, ob die Einführung einer Professionalliga in Süddeutschland an- gebracht erscheint. Man will in den einzelnen Vereinen Profi- abteilungen gründen und diese der Aufsicht des süddeutschen Ver- bandes unterstellen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der süddeutsche Verbandsvorstand in der Angelegenheit verhalten wird. Konknrse im Sport Der Kreis Sachsen des bürgerlichen Deutschen S ch w i m m o e r b a n d c s steht endgültig vor dem Konkurs. hcioorgerusen durch Fälschungen und Unterschlagungen seines ehemaligen Vorsitzenden Dr. Bunner. Das punkhafte Schwimmerkreisheim in Dresden wird unter den Hammer kommen, nachdem der Krcisvorstond den Vcrgleichsantrag vor dem Amts- geeicht in Dresden am lä.Oktober zurückgezogen Hat. Die Schuldenlast beträgt: 1. Hypotiickengläubiger 260 666 SR., 2. Vorpslichtuogcn an der Sächsisckzen Wohlsahrtshilse 265 660 M., 3. Kontokorrent, und Bankschulden 116 066 SR., 4. Sächsischer Lande sausschuß sür Leibes- Übungen 25 666 M., in Summa: 666 666 M. RoteHLnde oder brennend rotes Gesicht wirlcn unfein. Ein wirksames Mittü dagegen ist die Mhlend«, reizmlldernd« und lchneeig-weih« Creme I�odor. auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. U-berr-schender Erfolg. Tube 1 Mi-, wirksam unterstützt durch Leodor- Sn-ls-ise, Stück SO Ps. Ob allen Ehlorodont-Berlausistellen zu haben. Bürgerkrieg? mehr spielsähig war, erhöhte Adler das Resultat auf 4: 4. Zehn Minuten vor Schluß kam dann das Unglück: Ein Leinbruch des Halbrechten' von Borussia! Borussia machte einen erbitterten Ein- druck, und in einem waren sich alle einig, daß sie aus das zweite Spiel gegen Adler verzichten, denn ihnen ist die Gesundheit ihrer Genossen wichtiger als die Punkte." Für das schöne Deutsch sind wir nicht oeraniworllich: es ist di« Sprache des„Arbeiter-Fußball", also wahrscheinlich deutsch-russisch. In der nächsten Stummer des„Arbeiter-Fußball" erschien folgende Berichtigung des Fußballvercins Adler ÖS: „Wir stellen erstens fest, daß das„verpestete Individuum" aus unserer Jugend hervorgegangen ist, unserem Verein lediglich ans persönlichen Differenzen den Rücken kehrte und nach kurzer Zeit den Weg zu uns zurückfand... Eine Frechheit ist die Behauptung, Rohlinge anderer Vereine finden bei uns als„willkommene Gäste" Unterschlupf. Denn eine Behauptung ohne Beweis ist eine Lüg«... Wir sind erstaunt über die Erbitterung Borusiias, wo wir doch auch aus unserer Seite mehrere verletzte hatten. Ist dem Herrn Berichterstatter entgangen, daß unser Torwart durch.?uß- triite derartig am Kops verletzt wurde, daß er während der restlichen Spielzeit nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte war und sich in ärztliche Behandlung begeben mußte?" Es kann also festgestellt werden, daß im kommunistischen Fuß- ballsport dieselbe lebensgefährliche Holzerei wie beim bürgerlichen Fußballsport statfindct. Das gehört wohl zum revolutionären Elan. Dieser Gesamtschuldsumme von 666 666 M. stehen noch nicht einmal 16 Prozent an Aktiven gegenüber. Mehrere sächsische Schwimmvereine wurden bereits durch die Gläubiger zur Zahlung herangezogen. Der Bantrott steht auch diesen Vereinen bevor.— Die DFB.-Ligaoereine VfB. und Schwarz-Weiß Erfurt haben ihre Sportplätze aufgeben müssen. Schwarz-Weiß hat beim Gericht seine Liquidation beantragt, ebenso bat sich der VfB. aufgelöst. Der Beschluß des letzten Deutschen Fußballbnndestages, der eine Spefenerhöhung für die Spieler der ersten Mannschaften zuläßt, soll den Vereinen den letzten Rest ge- geben haben._ ADAC-Siratjen-Hilfsdienst In den Jahren seines Bestehens hat sich der St r a ß e n- Hilfsdienst des Allgemeinen Deutschen Automvbil-Club e.V. zur vollen Zufriedenheit der Straßenbenutzer entwickelt. Welche großen Leistungen der Straßenhilfsdienst mit seinen eigenen Patrouillcnfahrzeugcn auch im obgelaufencii Geschäftsjahr wieder auszuweisen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß nach den mm- mehr vorliegenden Zahlenunterlogen aller Gaue des ADAC, die Straßenhiifsdienstwagen km letzten Gefchöstsjahr, also in zwölf Monaten 665 813 Kilometer P a t r o u i l lc n d i e n st zurückgelegt und hierbei in 68 46 Fällen technische und sanitäre Hilfe geleistet haben. Seit Ji>betriebnahme der ADAE.-Straßenhilfsdienstfahrzeuge wurden insgesamt 1 446 532 Kilometer Patrouillendienst zurückgelegt und in 14 856 Fällen technische und sanitäre Hilfe geleistet. Die Hilfeleistungen köminen nicht nur eigenen Klubmitglicdern, sondern allen Motoristen, ohne Rücksicht auf Klubangehörigkeit, zugute. Meiner Sport von überall Iilmabend des Lezirkskarlells fireuzbcrg. Der heute im Saale des Bezirksamts Kreuzbcrg stattfindende Filmabend soll den Mit- qliedern der Kartellvereine, namentlich den Jugendlichen und Kin- dem, genußreiche Filmvorführungen bieten. Außer dem vicraktigen Eskimofilin„Jnmiit" werden zwei Sportfilme abgerollt. Eintritt dazu 46 Pf., für Kinder 15 Pf., Arbeitslose frei gegen Ausweise nur zur ersten Darstellung, beginnend pünktlich 18 Uhr(Einlaß 17 Uhr). Die nichtverkauften Karten müssen sofort abgerechner werden. Der Boxsportklub Oberspree führt Freitag, 24. Oktober, 26 Uhr, im Blumengarten, Obcrschönewcide, Ostendstr. 11/13, einen lokalen Kampfabend durch. Sport im Berliner Rundfunk. Slus dem Programm der Funkstund« sür die Scndewoche vom 26. Oktober bis 1. November sei auf einen Vortrag hingewiesen, der dem Sport gewidmet ist: Mitt- wach, 29. Oktober, spricht Joachim Beck von 4.63 bis 4.25 Uhr über das Thema:„Eine Spvrtsiadt im Grunewald". Radwellmeisler VUchard wird am 26. Oktober auf der Bahn in Algier in Gemeinschast mit seinem Landsmann Faucheux weitere Weltrekordversuchc unternehmen, nachdem er bereits am letzten Sonntag, allerdings ohne offizielle Kontrolle, den Weltrekord über den Kilometer mit stehendem Start um zwei Zehntclsekundcn unter- boten hatte. Eine Radrennbahn, aus der auch Motorrodrenacn veranstaltet werden sollen, wird in Görlitz errichtet. Die notwendigen Mittel werden durch Ausgabe von Anteilscheinen ausgebracht. Der Internationale Ringerverband bittet um Aufnahme fol- gender Erklärung:„Die Pressemeldung, wonach ein Tumiertei!- nehmer an einer Ringkampfkonkurrenz in München einem Be- kamiten auf dem Heimwege einen todbringenden Kinnhaken verabfolgte, gibt den Vorstand des„Jiitcrnotionalen Ringerverbandes" E.V., Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß an dem gegenwärtigen Ringerwettstreit in München kein Mitglied des bezeichneten Ver- bandes teilnimmt." Ardcitersdisch Am Sonnlag, 26. Oktober, 16 Uhr vormittags, spielen in der zweiten Runde der �-Gruppe folgende Monnschastcn: Abt. Prenz- lauer Berg— Kreuzbcrg bei Pohft, Stargarder Straße 19; Abt. Weißeisiee— Friedrichs Hain bei Gallas, Berliner Ecke Lehderstroße: Abt. Neukölln— Wedding bei Grimm, Boddinstraßc 16; Abt. Mitte-— Treptow bei Stkbba, Kastanienallee 63.— Resultate der ersten Runde der /t-Gruppe: Kreuzbedg— Westend 7:3; Wedding— Weißensee 7:3; Treptow— Neukölln 4:4 und 2 H.; Friedrichshain— Prenzlauer Berg 4)4:5/4. Freie Ruderer-D« rei»igu»g IIIS. Winlrrtroining jeden Montag von 2n bis 22 UI>r in der Ruderanlage des RealgiMnafwms m Treptow. Reue Krug- allec Ii— IS. llebungs. und Dadeadeud Ilde» Mittwoch ab Ml- Uhr im Etad.» bad Mitte. In der Frauen-, Jugend- und Miinnerabteilnng werden noch Mitglieder aufgenommen. Anschrift: Horm. Madsaek, Oberfchöneweide- Groß- strotze 22. Freie Sport- und Echützenucreiuigung Mitte. Scuto, tg',: Uhr, Turnhallen- abend in der Turnhalle Köpenicker Str. I2b, neben der Feuerwehr. Gäste willkommen. Freie Schwimmer Charlotte» bürg, Slanuabteilung. Sonntag, 2G. Ottober, treffen sich alle Kannfahrer um 8 Uhr im Vootohaus»um Arbeusdieust. Sportverein Moabit und Kartell für Arbeitersport, 2. Dezirk Tiergarten. Heute, 20%— 2Z Uhr. Bodeobend im Etadtbad Tnrmstrahe. .Solidarität-, Radfahrer. Eammeiftart zur Schmugglerfahrt 10 Uhr Lokal „Alter Finkenkrug". Es starten: 1. Abt.: 7>,h Uhr BiUowstr. Sä.— 2. Abt.: 8 Uhr Dieffenbachstr. 36.— 3. Abt.: 7 Uhr Mariannenplatz- - Abt. Moabit: 8 Uhr Wielefstr. 17.— Ab». Charlottenbiieg: 814 Uhr Wilmer:.. dorfer Ecke Kanalstraße.— Abt. Schoneberg: 8 Uhr Ebersstr. 18.— Abt. Treptow-Baumschulenweg: 8 Uhr Bahnhof Treptow.— Abt. Lichtenberg: 71a Uhr bei Wegner.— Abt. Weihensee: 7 Uhr Antonplatz.— Bas Vorsainm- lungslokal der Äbleilung Cchöneberg befindet sich jetzt bei R. Thiele, Ebers- straße 18. „Solidarität", Kraftfahrer. Touren fllr Sonntag, 26. Oktober. Echnitzeljogd des 1. und 2. Bezirk» Start: 10 Uhr in Grotz-Ziethen. Fiel gcgrn 12 Uhr Rudow (Lindengarten). Fllr Bahnfahrer mit der Straßenbahn 17 bis Endstation. Es starten die Abteilungen: Rorden: 81) Uhr Sparrstr. 3, vor dem Bereinsiokal.— Abt. Ehorlottenbnrg: 814 Uhr Wilmersdorfer Str. 21. Die Bundesgcnoffen aller anderen Abteilungen melden stch 014 Uhr bei ihren Abteilungsleitern»i Groß- Ziethen. 13. Bezirk Tonopelhof. Freie? Fußballklub Union 28. Sitzung jeden Don- nerstaq um 20 Uhr im Lokal„Weißer Hirsch", Mariendorf, Ehauifeestr. 37, Ecke Kaiserstraße. Das Berkehrslokcl der Arbeiter-Somariter ist bei Lindisch, König. Ecke Rathausstraße. Der Kursus:„Erste Hille bei Unglücksfälle»" findet jeden Montag in der Schule Kurfstrstenstraße, Mariendorf, von 10'4 bis 22 Uhr, statt. — Der Arbeiter-Radfahrer-Bnnii„Solidarität" tagt bei Lindisch, Mariendorf. König. Ecke Rathausstraß«.— FTSD., Bezirk Tempelhos-Mariendors, turnt jetzt wieder regelmäßig Montags und Donnerstags von 18 bis 22 Uhr in den Turn- Italien der 1.»nd 5. Gemeindeschule in Tempelhof, Alarichplatz. Es turnen von 18 bis 26 Uhr Madchen- und Knaben sowie die Spielabteilung der Kleinsten lAlter von 3 bis 8 Jahren), von 20 bis 22 Uhr Frauen, Männer und Jugend. Altersturner und Alterstnrnerinnen nin: Donnerstag von 20 bis 22 Uhr. Am 2. November Hallensportfest Im Sportpalost. Rcgc Beteiligung oller Vereine ist notwendig. Karten sind olle Tage von 17 bis 20 Uhr bei Biebrich, Te:npelhof, Werderstr. 10, Sit haben. Die Teilnehmer an den Fcstfrciüdungc» müssen jeden Turnabend anwesend sein. Internationaler Arbeitersport Engländer über deutschen Fußball Im August dieses Jahres war eine Fußball-Auswahl- Mannschaft des englischen A r b« i t« r s p 0 r t b u n d e z Gast beim deutschen Arbeiter-Tnrii- und Sportbund. Die Engländer gewannen gegen die deutsche Arbeiier-Ländermannschaft zwei Spie!« (5:1. 6:5), verloren 1(2:3) und spielten einmal 4:4. M. B u» y a n, der Geschäftsführer des englischen Verbandes und Mannschaftsleiter hat im„The Railway Service Journal", dem Organ des englischen Eisenbohnarbcitcr-Verbandes, feine Eindrücke geschildert: „Der gewaltige Fortschritt in der Spielstärke aus dem Festland", schreibt Bunyan,„macht es zur zwingenden Notwendigkeit, daß nur bestmögliche Mannschaften hinübergesandt werden. Fußballrcisen, unternommen in.Ferienstimmung", sind geeignet, vom spielerischen Gesichtspunkt vernichtend für die reisenden Spicker zu wirken und gleichzeitig das Ansehen des britischen Sportes im Auslaiide zu untergraben. Vorbei sind die alten Tage der Vor- kricgszcit, wa Amateur-Fuhballer ins Auslan.d fuhren, von einer .schönen Zeit" berichteten und leicht ihre Gegner schlagen konnten." Ueber die Zwecke der Spielreise der englischen Arbeiter-Fußball- mannschast schreibt M. Bunyan:„Diese Reisen haben nach unserer Auffassung einen zweifachen Zweck. An erster Stelle sollen sie unseren ehemaligen„Feinden" zeigen, daß wir von der britischen Arbeiterklasie uns in keinerlei Illusionen wiegen hinsichtlich der Losung„Krieg zur Beseitigung des Krieges", daß wir vielmehr als Boten des Friedens kommen. Zweitens wollen wir unseren Genossen vom Festland zeigen, daß die Arbeiter Groß- britanniens in der Lage sind,«ine Mannschaft auszustellen, die einen mehr als günstigen Vergleich aushält mit jeder bisher ins Ausland gesandten." Gewerkschaft und Sport in Luxemburg Der luxemburgisch« Gewerkschaftskongreß hak m der Frage der Gründung und Förderung von Arbeitersport- organisationen nachstehenden Antrag angenommen: In Anbetracht, daß die meisten der bestehenden Sportoereini- gungen einen verwerflichen Sportkultus großziehen und bewußt oder unbewußt die Ausmerksamkcit der Arbeiter von ihren vitalsten Interessen ablenken, bekundet der Kongreß, daß er den Sport als Körpererziehung bejaht, jedoch verhindern will, die Arbeiter von der Erfüllung ihrer Pflichten als Arbeiter abzuholten, und legt dieserhalb der Gewertschastskommission nahe, alles zu unternehmen, damit in Luxemburg eine reine Arbeitersport- bewegung ins Leben gerufen wird. >» Aus Anlaß der am 9. November in Oesterreich stattfindenden Nationalratswahlcn wird die deutsche Ländermannschast am 1. und 2. Skovember in Wien gegen die Auswahlmannschaft des östec- reichijchen Arbeiter-Fußballocrbaudes jpieleu. Die RGO. berichtigt. Zu unserem Artikel am Sonntag„Die tote Siemensstadt" er- halten wir zwei Berichtigungen der NGO. Die«ine bestreitet, daß die Streikposten der NGO. über die arbeitswilligen blinden Frauen wie die Wilden hergesallen sind und sie blutig geschlagen haben, und behauptet überdies, daß blinde Frauen dort überhaupt nicht beschäftigt werden. Dazu stellen wir fest, daß erstens blinde Frauen beschäftigt werden und zweitens, daß dies« Frauen in Gegenwart unseres Berichterstatters ihre Aussagen gemacht haben. Die zweite Berichtigung schicken uns die kommunistischen Mit- gliedcr der Streikleitung der Eisengießerei Siemens. Sie haben diese Berichtigung beschlossen, ohne unseren Genossen, die in der Streikleitung sitzen, davon Kenntnis zu geben. Diese Berichtigung bestreitet, daß der Arbeiter B., als er zur Arbeit ging, von den Leuten der NGO. niedergeschlagen wurde, dann in das Lokal der NGO. getragen und dort gegen Abgabe von 20 Pf. in die NGO. aufgenommen worden ist. Die Mitgliedskarte des B., ausgestellt von der NGO., hat uns vorgelegen und befindet sich im Besitz der Zentralstreikleitung des Siemens-Konzerns. 5m»eigen erklären diese braven Konnnunfften selbst, daß der B.„proletarisch zurechtgewiesen" worden ist. In welcher Form die Rollkommandos der KPD. Andersdenkende„prole- tarisch zurechtweisen" ist bekannt. Wenn diese RGO.-Leute zum Schluß erklären, daß die„Rote Fahne" ihr Publikotionsorgon ist, so findyi wir das ganz in Ordnung. Der„Vorwärts" würde es entschieden ablehnen, solchen Leuten als Publikationsorgan zu dienen. vonoerstsx, 23. Oktober. Berlin. 16.05 K. W. Goldschmidt: Umwertung der Technik. 16.30 Musik der Troubadoure(Harlan-Lucas-Duis-Trio: Harlan, Lucas, Duis. Instrumente: Vielle(Fiedel), dreisaitig, Violen(rünf- bis scchssaitig), Blockflöten, doppelchörige Laute, Gesang). tT.tfl Ifcidoft Peters, 1 Pve? PrUadtea, op. 19.« t. Föcf op. 11(der Komponist am Flügel). Dr. W. Bcnjaman: Die Zigeuner. H. Zucker und W. Scliultzc: Redakteur und Leser. Querschnitt durch musikalische Neuerscheinungen. G. Kapp: Adalbert Stifter. Chorgesänge. Zeitbericht. Unterhaltungsmusik. „Der tolle Kapellmeister", Heitere Oper in drei Teilen von Benno Bardi. Dirigent: Dr. Benno Bardi. den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Werner Pleistcr: Schul- und Laienspiel. 16.30 Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Dr. E. Schmidt-Großwelsbach: Auswandcrungsmöglichkelten für Landwirte in USA. und Canada. 18.30 Prof. Dr. E. Leschke: Leib und Seele. 19.00 Lothar Erdmann; Bernard Shaw als Sozialist. 19.30 Oberforstmeister Rechtern: Anbauwürdigkcit der Eiche. 30.00 Köln: Musikalisches Durcheinander. 17.30 17.50 18.15 19.05 19.25 19.40 20.30 21.10 Nach Wetter für Berlin: Meist bewölkt mit etwas Regen, Tempera- turen wenig verändert.— Für Deutschland: Allgemein trübes und ziemlich regnerisches Wetter. *(Ikfchäfts-JbtSrigßr tfiezirfc Jtordcn- Cfien FEUEUBTATTUNttttREWWtot UNTBf�REICHSAUF&CW Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlich 1R. 141 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haüpt- Geschäftssteile: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Fernruf: D1 Norden 6881 J Gaststätte' Hosentlialer Platz Inhaber: Max Hundert AI 24, Elsässer Straße 80—86- Am Rosenthaler Platz Empfehle meine neu eingerichteten Räume Anerkannt vorzügliche Küche Gutgepflegte Getränke Berliner Kindl Molle 25 Pfennig MUndtener Psdiorrbräu Pilsener Drnueil Behaglicher Aufenthalt Emil Heinrich Bin.-Nledersdiöniiausen.Gerinanenstr.36 Telephon Pankow 1S8Ö Bauscitlosserei, Tür- u. 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