Morgenausgabe Nr 499 A 251 47.Iahrgang WSchesSch SVVf» movaMch».60 V. tm voraus zahlbar. Postbezug 4LZ M. einschließlich 60Pfg.PostzeituugS' uud TLPfg- Postbestellgebühren. Auslands» abonuemenl 6.— M. pro Monat. » Der.Vorwärts�«richetm wochentSg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für BerUn und an Kandel mit dem Titel.Der Abend-, Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit- und.Äinderfreund*. Ferner Frauenstimme- Technit-..Bllck in Bücherwelt-..Äugend-BorwärLs" und»Stadtbeilage�. .ffr tut: Verltner SolkSblatt Freitag 24- Ottober 1930 Groß-Serlin HP Pf. Auswärts IS pf. LI«» I a I»» I» t g» NonpareMezeNt A Pfennig- NeNameiell« 5.— Reich». mnrt-„Kleine Aazetge« druckt« Won ii Pfennig dn»«ttge» ,„ lässig zwei fettgedruckte fflone). lede» weitere Don 12 Pfennig Stellengesuche dos erste Won IS Pfennig, t«des weiter» Wort U> Pfennig Wone üb« 15 Puchflaben zählen tllr zwei Wotte- Arbeitsmarkt Zeile 50 Pfennig. Famifienonzeigen Zeil« <0 Pfennig- Anzeigenannahme imKaupt. gefchäft Lindenstroße 3, wochentäglich von S'/j bis 17 Uhr. Äentvalorgan der GozialdemoSvaMchen Partei Deutschlands Revaktion und Verlag Berlin SW 68. Lmdenslratze 3 fterntvreckier Dönbot» 292—297 Telearainm.Ädr. Sonaldemokrai Sellin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonw: Berlin 37 53ö-— Bankkomo: Bank der Arbeuer, Angestellten und Beamten, Wall str 6Z Dt B-U.DiSc.-Ge!-, Deposttenkosse, Jern!alemerStr-k5/6L. Wieder vertagt! Die Verhandlungen im Metallkonflikt bisher ergebnislos. Amtlich wird gemeldet: In dem Lohnitreit in der Berliner Metall» Industrie fanden am 23. Oktober im ReichsarbeitS» Ministerium Rachverhandlungcn über den Antrag auf Berbindlichkeitserklarung des Schiedsspruches vom 10. Oktober 1930 statt. Die Verhandlungen zogen sich dich in die späten Abendstunden hin. Schliestlich wurden die Verhandlungen vertagt, sie sollen jedoch in Kürze fortgesetzt werden. «- Di« Derhandlinigt-n sind gestern in später Abendstund« ergebnis- los abgebrochen worden- Ministerialdirigent Dr. M e v e s. der die Verhandlungen im Zluftrage dos Rcichsarbestsministeriums führt«, gab bekannt, daß sie in Kürze fortgesetzt werden sollen. lim S Uhr nachmittags begannen bereits die Berhandlungen, die schließlich nach sechsstündiger Dauer abgebrochen wurden. Die sogenannten Nachoerhandlungen über den Lohnabbau« Schiedsspruch des Sonderschlichters Dr. Boelkers vom 10. Oktober waren nur von kurzer Dauer. Der Vorsitzende des Metallkartells Genosse U r i ch begründete noch einmal mit wenigen Worten die ablehnende Stellungnahme der Metallarbeiter zu dem Schiedsspruch Die Ablehnung erfolgte aus dem einfachen Grunde, weil die Lohnsenkung wirtschaftlich ni6>t gerecht- fertigt sei, was durch das Material der Gewerkschaften über di> sstentabitität der Vet riebe, die Geschästsabschlüsse usw. llär erwiesen worden ist. lieber die-s o.z i ol e Ungerechtigkeit, hie der Abbau der ohnehin sehr geringen Löhne der Berliner Metallarbeiter in der jetzigen Zeit darstellt, noch Ausführungen zu machen, lehnten die Gewerkschaftsvertreter ab. Der Syndikus des Verbandes Berliner Mctollnwustriellcn, Rechtsanwalt Oppcnheimer, mochte sich die Begründung des Antrages der Unternehmer auf Vcrbindlichkeitserklänmg des Lohn- abbau-Schiedsspruches ganz leicht. Er rekapitulierte einfach die Ve- gründung des Sonderschlichters Dr. Boelkers zu dem Schiedsspruch, in der von der Notwendigkeit des Lohnabbaues zur Senkung der Gestehungskosten der Wirtschast gesprochen wird. Da der Schiedsspruch nicht voll den Wünschen der Berliner Metallindustrielle» entspricht, sei der Lohnabbau bestimmt nicht ungerecht. Der Schicds- spruch könne daher ohne Bedenken entsprechend der Bestimmung der «bieitie der SkreiHieitwiden! Heute, Freitag, 13 Uhr, Sitzung in der Kulturableilung, Linienstr. 195 Stietkaiuwef* und die für diese SUzung aatgeitelUen Legitimationskarlen sind an der Kon rolle vorzuzeigen Schlichtungsordnung, die von her Berbindlichkeitserklörung nach ge- rechter Abwögung der Interessen beider Teile und der Billigkeit spricht, für rechtsverbindlich erklärt werden. Ministerialdirigent Dr. M�ves mochte im Anschluß an die kurzen Bnrbejprechungen sasnrt den Bersuw, eine Annäherung zwischen den Parteien herbeizuführen. Zu diesem Zweck bildete er eine kleine Berhondlungskommisfion, die sich aus je fünf Unternehmern und Arbeitervertretcrn zusammensetzte. Die Arbeiter waren in der Komission vertreten durch die Genossen Urich,.Eckert» Ortmann. Bredow und Tost; von der Unternehmerseite gehörten ihr an Generaldirektor Dr. Koet-tgen oom Siemens-Konzern, Generaldirektor Kremmener, Ernst von A o r s i g, Dr. Lötz vom Gesamtoerband Deutscher Metallindu- strieller und Rechtsanwalt Oppenheimer. Do noch fünfstündigen Beratungen keine Verständigung zwischen den Parteien erzielt werden tonnte, verkündete der Vertreter des Reichsarfceüsministe- riums den Vertagungsbeschluß. Agrarische Herausforderungen. Organisierte Mache zum Erlaß neuer Roiverordnungen. Bor wenigen Tagen hat der Reichsiandbund vom Reichs- Präsidenten und vom Reichskanzler mit der Behauptung, daß die diesjährige Ernte„in vollem Umfange verloren" fein werde, Not- Verordnungen zugunsten der Landwirtschaft auf Grund des Artikels 48 oerlangt. Gestern wurden drei �andoolkführer in Gegenwart des Reichsernährungsministers Schiel« vom Reichspräsidenten empfangen, die ebenfalls fvfortige außerparlamentarische Maßnahmen forderten, da sonst die „Beunruhigung bis zu einem die Ruhe gefährden- den Ausmaße" zwangsläufig gesteigert werden müsse. Die Hugenberg nahestehende Telegrapcnunion will wissen, daß das Reich skobinett sich berests in der ollernächsten Zeit mit dein Erlaß landwirtschaftlicher Notverordmingen beschäftigen werde. Es handelt sich um ein« politische Stimmungsmache, die gefahr- liche Dimensionen annimmt und der entgegenzutreten es allerhöchst« Zeit geworden ist. Der Reichskanzler hat in seiner Programmrcde, die Reichsregierung hat In ihrem W i r t s ch a f t s- und Finanz- Programm bereits außerordentlich weitgehend« Maßnahmen zugunsten der Landwirtschaft vorgesehen. Bon eurem Zusammenbruch der Landwirtschast ist nur in dem Schreien der Landbund- und Landooltsührer, nicht aber in Wirklichkeit die Rede. Was Reichstag und Reichsregierung an landwirtschaftlichen Maßnahmen noch für notwendig erachten, wird aus parlameiüari- schem Wege geschehen und wird auch nicht zu spät kommen. Das organisierte Verlangen nach landwirtschaftlichen Notverordnungen entsprangt demselben staatsgefährdendcn Geist, der in den jetzigen Königsberg er Prozessen als offene Auflehnung gegen die Staatsgewalt und als offener Ausruhr erkennbar ist! Der Kurs im Reichslandbund, dem offenbar die Land- volkorganisation nicht nachstehen will, geht scharf nach rechts. Der jetzt zum Präsidenten des Landbundes gen-ählte Graf von K a l ck r e u t h repräsentiert die schärfste Richtung des Groß- vgrariertums, die heute schon kaum mehr als konservativ im ze- wöhnlichen Sinn« bezeichnet werden kann, sondern wie Hitler und ijugenberg dip offene Auflehnung gegen die Staatsgewalt will. Solchen Kräften und Möchten gegenüber, die sich mit ihren Forde» rungen gegenseitig überschreien, ist die Verteidigung der Staats- autoritöt wichtiger geworden als die Diskussion ihrer sogenannten „Notsorderungen" durch die Reichsregierung. Es ist Zeit, daß sich die Reichsregierung über den Ernst dieser Situation klar wirb! Trauerrede des Lutten tm'tiisiers Wirth. Reichsrats-Kundqebung zum Aachener llnqlück. Die gestrige öffentliche Sitzung des Reichsrots wurde mit einer Trauerkundgebung für die Opfer des Aachener Grubenunglücks eingeleitet. Der Berhandlungsleiter, Reichsinnenminister Dr. Wirth, hielt folgende von den Mitgliedern stehend angehörte Rede: Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, ist es unsere Menschen- und Staatsbürgcrpslicht, der großen Katastrophe und der fast 2Z0 auf der Totenbahre liegenden Opfer zu gedenken, die vott dem Bergwerksunglück zu Alsdorf dohingerasst worden sind. Es ist wohl eine der schwersten Bergwerkskotastrophen, die dos deutsch« Bolk je betroffen hat. Wir gedenken auch jener Helden, die unter Einsag des Lebens in die Grube gefahren sind, um ihren bedrängten Kameraden zu helfen, und die diesmal in so großer Zahl vom Unglück selbst ersaßt worden sind, wie niemals bei einer früherei, Rettungsattion. Wie ich höre, find 25 der Rettungs- mamüchaften bei der heldenmütigen Hilssarbeit ums Leben ge- kommen. Indem wir in dieser Stunde der Opfer gedenken, darf ich auch im Namen des Reichsrats zu gegebener Zeit den dortigen Behörden und den Stellen, die dos Unglück zu meistern haben, das tiefe Mitgefühl von Ihnen allen übermitteln. !?emeamnestie wird rechtskrästia. Der Reichsrat stimmte dann den vom Reichstag angenommenen Gesetzentwürfen über die Schuldentilgung und zur Durch- führung der Entschädigung cnif Grund des deutschpolnischen LIquidationsabtommens endgültig zu, ebenso der Ergänzung zum Handelsabkommen mit Finn- l a n d. Auch bezüglich der vom Reichstag beschlossenen Amnestie wurde gegen die Stimmen der Provinzen Hessen-Nossau und Sachsen von der Einlegung eines Einspruches ab- gesehen. Ehrenwort bei Hitler. Die Nationalsozialisten und die politische Moral. Vori Dr. Wilhelm Hoegner, M.d.E.. Der deutsche Philosoph Kant stellt in einer Whandlung über die Mihhelligkeit zwischen der Moral und der Po» l i t i k den Grundsatz auf: „Die wahre Politik kann keinen Schritt tun, ohne vorher der Moral gehuldigt zu haben, und obzwar Polstik für sich selbst eine schwer« Kunst ist, so ist doch Bereinigung derselben mit der Moral gar keine Kunst." Die Nationalsozialisten von Deutschland preisen sich als Crben des deutschen Idealismus an. Bon einer moralischen Politik, wie sie Kant fordert, scheinen sie aber himmelweit entfernt zu sein. Zwei Tatsachen der letzten Zeit sind es, die das deutlich beweisen: Die Einstellung der Nationalsozialisten zum Ehrenwort und ihre Haltung gegenüber den Deutschen in S ü d t i r o l. Das Ehrenwort hat in der noch jungen Geschichte der Nationalsozialisten schon eine erhebliche Rolle gespielt. Nach dem Zeugnis des früheren bayerischen Innen- Ministers Dr. S ch w e y e r hat H i t l e r ihm bei einer Unterredung vor dem 8. November 1923, bei der er vom Sitz auf- sprang und mit der rechten Hand auf die Brust schlug, in erregtem Tone wörtlich erklärt: „Herr Minister, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich werde nie in meinem Leben«inen Putsch machen." Ais dann Minister Dr. Schweyer am 8. November 1923 noch dem Hitler-Putsch im Münchcner Bürgerbräukeller ge- fangen saß, erinnerte er Hitler an diesen Vorgang. Nach seiner Schilderung geriet der Führer der Nationalsozialisten dabei„in eine gewisse Verlegenheit". Auch der bayerische Staatskommissar v o n K a h r berief sich noch unmittelbar vor dem Hitler-Putsch ollen Warnern gegenüber auf das„W ort" von Ludendorff und Hitler, daß sie„nichts unternehmen würden, ohne ihn vorher zu verständigen". Kohr wurde natürlich nicht ver- ständigt, sondern tappte am 8. November 1923 in die ihm gestellte Falle im Münchener Bürgerbräukeller hinein. Im Reichstag habe ich am 18. Oktober das Ehrenwort des nationalsozialistischen Oberführers Gregor Straßer erwähnt. Damit hat es folgende Bewandtnis: Die Nationalsozialisten und andere„vaterländische" Ber- bände hatten für den 1. Mai 1923 beschlossen,' die Mai- feierumzüge der freien Arbeiterschaft in München mit Waffengewalt zu verhindern. Sie wollten, wie es im amtlichen Bericht des damaligen Münchener Polizeipräsi- deuten heißt,„die einzelnen Straßen und Stadtviertel ab- sperren, um dann die Roten wie tolle Hunde niederzu- schießen". Der militärische Befehl zur Durchführung dieses Planes ist im Untersuchungsausschuß des Bayerischen Land- tags bekanntgegeben worden. Die Nationalsozialisten hatten zur Vorbereitung des blutigen 1. Mai die Führer ihrer aus- wärtigen Sturmabteilungen am 28. April 1923 nach München kommen lasten. Bei der Besprechung wurde für den 1. Mai Bereitschaft angeordnet und befohlen, die Sturm- abteilungen auf ein eingehendes Telegramm nach München zu schicken. Als Zweck der Maßnahme gab man den Unter- führern die Notwendigkeit der Unterdrückung linksradikaler Unruhen— die gar nicht in Aussicht standen— und Schutz der Regierung(H an. In Landshut erzählte Herr Gregor Straßer seinen Sturmtruppleuten, um sie anzufeuern, wahr- heitswidrig. daß die Kommunisten am 1. Mai die Regierung stürzen wollten. Die auswärtigen Sturmtruppführer wurden dann am 39. April 1923 durch das mit dem Oberkommando vereinbarte Alarmtelegramm„Sämtliche Mützen so- fort schicken" nach München berufen. Herr Gregor Straßer holte seine Getreuen aus Niederbayern mit folgen- dem Decktelegramm herbei:„Tante gestorben, Be- erdigung hier heute." In Landshut luden dann seine Sturmabteilungen in aller Oeffentlichkeit an 149 Militär- gewehre und einige leichte Maschinengewehre auf Lastkraft- wagen auf. Von der inzwischen verständigten Lands- huter Polizei wurden jedoch die Waffen für beschlag- nahmt erklärt, und ein Kommando der Landespolizei suchte die Abfahrt der Nationalsozialisten nach München zu ver- hindern. In dieser Lage verlegte sich Herr S t r a ß e r aufs Verhandeln und gab dem Polizeileutnant Nieder- mayer sein Ehrenwort, die Waffen in die Landshuter Reichswehrkaserne zu fahren. Darauf erhielt er dorthin freie Fahrt, fuhr jedoch mit dem Lastkraftwagen an der Reichs- wehrkaferne vorbei nach München und nahm dort an den: Aufmarsch auf Oberrmesenfeld teil. Nach semer eigenen Aus- sage vor dem Staatsanwalt vom 4. Juli 1923 hatte er diese .L i st", d. I d e n B r u ch d e s E h r e n w o r t s. von vornherein vor. Herr Straßer hat sich gelegentlich auch über die Leute lustig gemacht, die so unklug ge- weseu seien, auf sein Ehrenwort hereinzu- fallen. Im Reichstag hat er auf meine ausdrückliche An- frage erklärt, daß er„dies am System gegenüber immer sein Ehrenwort brechen werde", und daß der Ehrenwortbruch nach dem Satze„Der Zweck heiligt die Mittel" politisches System für ihn fei. Dieses Geständnis ist außerordentlich bemerkenswert. Man weiß damit, daß die Nationalsozialisten sich in der Politik aller, auch der ver- werflichsten Mittel bedienen, wenn sie zur Erreichung ihrer politischen Ziele geeignet sind. Das Verhalten der Nationalsozjalisten gegenüber den Deutschen in Südtirol ist ebenfalls weit entfernt von jeder politischen Moral. Ueber S'idtirol sprach chitler auf einem Haidhäuser Sprechabend am November 1922: „Mit Italien, das sein« nationale Wiedergeburt erlebt und eine große Zukunft hat, muß Deutschland zusammeirgehen..Dazu ist nötig«in klarer und bündiger Verzicht Deutschlands auf die Deutschen in Südtirol. Das Geschwätz über Südtirol, die leeren Proteste schaden uns nur, da sie uns Italien entfremden. In der Politik gibt es keine S«ntim«nts, sondern nur .?altschnauzigkei f." Am 30. März 1927 erklärte Hitler dann abermals: „Was hat man gegen Italien? S ü d t i r o l! Damit be- ginnen sofort alle Spießer lebendig zu wenden." Ein andermal meinte er, daß die Südtiroler Frage nur im Rahmen der für Deutschland möglichen europäischen Bündnispolitik die richtige Lösung finden könne. Damit ist auf ein deutsch-italienisches Kriegsbündnis gegen Frankreich angespielt. In den Auslassungen Hitlers über Südtirol ist der wegwerfende zynische Ton am meisten verurteilt worden. S ü d t i r o l ist seit dem 6. Jahr- hundert von Bayern bewohnt und hat seitdem niemals zu Italien gehört. Seine landschaftliche Schönheit und seine reichhaltige deutsche Kultur machen den Verlust für uns Süddeutsche besonders schmerzlich. Die 230 000 deutschen Südtiroler haben sich auch nicht, wie etwa die Elsässer, frei- willig einem fremden Staat angeschlossen, sondern sie wider- streben hartnäckig der italienischen Herrschaft und sind trotz der Unterdrückung ihrer Sprache sogar auf Grabsteinen, trotz gewaltsamer Verwelschung ihrer alten deutschen Namen bis heute nicht gebrochen. Der intellektuelle Verrat ihres Landes und Volkstums durch die Nationalsozia- l i st e n an die Italiener hat den leidenschaftlichen Wider- ipruch aller Tiroler hervorgerufen; m Innsbruck z. B. wird es Adolf Hitler kaum wagen können, eine Versammlung abzuhalten. Der deutsche Philosoph Kant hat seiner Morallehre die Forderung vorangestellt:„Handle so, daß du die Mensch- heit sowohl in deiner Person, wie in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst." Die angeblichen Erben des deutschen Idealismus aber sehen in den deutschen Südtirolern nur ein H a n- delsobjekt» nur ein Mittel, die Gunst Italiens zu er- kaufen und damit andere politische Zwecke zu erreichen. Diese ..Kaltschnäuzigkeit" in der Politik erinnert sehr stark an die Auffassungen Macchiaoellis. den geistigen Nährvater des faschistischen Staats systems, der gemeint hat,„das Staatsinteresse nötige oft, der Menschenliebe, der Menschlich- keit und der Religion entgegenzuhandeln, well der Pöbel sich nur an den äußeren Schein hält und die Dinge nur nach ihrem äußeren Erfolg rechtfertigt, in der Welt aber fast nichts anderes als Pöbel ist". Man beleidigt das deutsche Volk, wenn man ihm ansinnt, sich nach solchen Staats- maximen„erneuern" zu lassen! Lieber Krick als Severins? Die Kommunisten an der Seite Hugenbergs. Die Kommunisten haben nach deutschnationalem Vor» bild im Landtag«inen Mißtrauensantrag gegen Severing eingebracht. Sie haben ihre Solidarität mit den Rechtsputschisten gegen den Verteidiger der politischen Rechte der Arbeiterschaft abermals unterstrichen. Wer sich zum Kampf gegen den Faschismus anschickt, dem fallen sie in den Rücken. Lieber Frick als Severing auf dem Posten des preußischen Innenministeriums, das ist ihr Wahlspruch! Gerüchte und Kombinationen. An die Crnenming Severing? zum preußischen Innen- minister werben von verschiedenen Seiten endlose Kombinationen geknüpft. So wird vor allem behauptet, daß die Ernennung ohne ied« vorherige Fühlungnahme mit der Zentrumssroktion des Preußi- ichen Landtag? erfolgt sei und die Zentrumomimster im preußischen Kabinett von der Ernennung völlig überrascht worden seien. Die eine Behauptung ist so falsch wie die andere. Die maßgebenden Persönlichkeiten der Zcntrumsfrattion des Preußischen Landtags hatten von der bevorstehenden Ernennung Severing? ebenso Kenntnis wie die Zentrumsminister. Das gleiche gilt von den maß- gebenden Instanzen der sozialdemokratischen und auch der demo- kratsschen Fraktion des Preußischen Landtags. Die Nachricht von der bevorstehenden Ernennung des früheren preußischen Innenminister? Grzestnski zum Polizeipräsidenten von Berlin hat«in Teil der Presse mit der Bemerkung o«rseh«n, daß gleichzeitig personelle Aenderungen im Kommando der Berliner Schutzpolizei geplant seien. Diese Nachricht ist frei erfunden. Abschiedsfeier für Minister Waentig. Gestern verabschiedete sich der bisherig« preußische Minister de? Innern. Professor Dr. W a e n t i g, von dem Kreise seiner engsten Mitarbeiter. Namens des Innenministeriums dankte der Staatssekretär dem Minister nach einem kurzen ilebcrblick über dessen Tätigkeit im Ministerium für die vertrauensvolle und persönlich liebenswürdig« Zusammenarbeit. Der Minister erwiderte mit Worten de? Dankes und der Anerkennung für die hingebende Mitarbeit der gesamten Arbeiter. Angestellten und Beamten de? Ministeriums. Berufsbeamtentum an» Volksstaat. Ein Vortrag des Reichsinnenministers Or. Wirth. Auf dem 7. Bundestag des Deutschen Beamtenbundes sprach gestern der Reichsminister de? Innern Dr. Wirth über.je? deutsche Berufsbeamtentum im V o l k s st a q t der Gegenwart". Er legte dar:„Ueber die Ausgabe des Berussbeamten, in der Erscheinungen Flucht der treusorgend« und unbestechliche Diener der Gesamtheit zu sein, ist soviel geschrieben und gesprochen, daß ich es als bekannt voraussetzen darf. Darüber hinaus möchte die Beamtenschaft«ine besondere Stellungnahme zum Berufsbeamtentum beim Antritt einer neuen Reichsregierung nicht vermissen. Sie erwariet sogar, offen gesagt, ein ausdrückliches Bekenntnis zum Beruis- beamtentum. Die gegenwäriige Regierung hält am Berufs- beamtentum jest und steht wie ihre Vorgängerinnen in chr ihre Hauptstütz«. Sie vertraut, daß auch die Beamtenschaft an dem Glauben an diesem Standpunkt der Regierung festhält. Gewiß, der Beamtenschaft wird in dieser Zeit reichlich viel zugemutet. Aber wo die Gesamtheit in ihren Lebensbedingungen erschüttert wird, kann nicht ein einzelner Berussstand unberührt davon bleiben, am wenigsten der Beamtenstand, der am stärksten in der Gesamtheit wurzelt. Durch unser Volk geht, wie es die letzten Reichstagswahlen zeigten, eine starke Well« des Radikalismus. Die kommu» nistische und die nationaliozialistische Bewegung hat erheblich zu- genommen. Demgegenüber muh sich ein« überlegene, überzeugende Staatssührung zur Geltung bringen. Jedes Unficherwerden beschwört verhängnisvolle Auswirkungen herauf. Der Radikalismus lauert auf den Augenblick der Schwäche. Unvermögen des Parla» ments würde eine ungeheure Rechisunsicherheit herbeiführen. Zm Znieresse eines jeden loyaldenkcnden Beamten liegt eine starke Staatsauioriiät. Im deutschen Parlament ist in den letzten Iahren in der Aufgabe einer festen Willensbildung melleichi manches unterlassen worden. Aber«s ist kein Zweifel, daß wir aus dem Schaden gelernt haben und uns mit Energie und Erfolg bemühen, die Autorität der zur Führung der deutschen Politik berufenen Instanzen neu zu stärken und zu sichern. Ich zweifle nicht, daß der gegenwärtig« Staat trotz aller Schwierigkeiten am Beamtentum eine seiner stärksten Stützen hat. Wir haben schon schwere Zeiten durchgeinacht, wie den K a p p- P u t s ch, als nicht zuletzt die Beamten die junge Deutsche Republik stützten. Ich bin überzeugt, daß die Dogen des Radiko- lismus an dem politischen Sinn unserer Beamlenichaft einen im- besiegbaren Widerstand finden werden.(Beifall und Widerspruch, Zuruf«:„Es gibt auch andere.") Reichsminister Wirth behandelte dann das geminderte Beamten- recht im faschistischen Italien und fuhr fort:„An solchen Zuständen wird natürlich niemand etwas aussetzen, der sich mit einer Diktatur innerlich identifiziert. Aber wenn es wirklich solche Fanatiker der faschistischen 3dcc in der deutschen Beamienschasi geben sollte, so muß ich sie doch bitten, soviel Mut und Ehrlichkeit auszubringen und soviel Achtung vor dem eigenen Selbst, daß sie die Stellung verlassen, in der sie durch ihren Eid gebunden sind, die Verfassung unter allen Umständen zu schützen. Für ein« Stimmung der Verzweiflung sind die poiitffchen Zeit- Verhältnisse kein genügender Anlaß, am allerwenigsten für die Beamtenschast. Die Regierung steh: fest auf ihrem Platz« und wird sich nicht scheuen, mit allen Machtmitteln, die ihr vcrsasjuiigsrcchliich zur Verfügung stehen, die Feinde des heutigen Staates nieder- zuhatten. Sie hält es für selbstverständlich, daß sie dabei in der gesamten deutschen Beamtenschast treue llnterstützung finden wird." (Stürmische Zustimmung.) Der Minister sprach dann über den geplanten systema- tischen Aufbau des deutschen Beamten rechts. Das Ziel muß die Kodifizierung des Beamtenrechts sein. Der Entwurf des Veamtenvertretungsgesetzes wird den: neuen Reichstag umgehend zur Beschlußfassung unterbreitet werden Die Reichsdiensisiraf- ordnung liegt mit Veränderungen, die, soweit sie erfüllbar sind, den Wünschen der Beamienorganisation entsprechen, dem Kabinett vor. Das Allgemeine Reichsbeamtengefetz ist im formulierten Entwurf fertiggestellt. Die Vorbereitungen der Ressorts für die Laufbahn- richtlinien sind hoffentlich bald abgeschlossen, so daß der Entwurf der Sachverständigenkommission zugeleitet werden kann. Der Minister schloß:„Das Berussbeamtenium ist Gegenstand heftiger Angriff« gewesen. Als Beamtenminister weise ich�diese ungerechten Angriffe mit Entschiedenheit zurück. An dieser«tellc spreche ich dem Berussbeainientum die volle Anerkennung der Regierung aus. Ich bin überzeugt, daß es, wenn es treu den Weg im Dienst« am Volksganzen weiter verfolgt, auch einmal wieder bessere Tage entgegensieht." Schafft Arbeit! Sin Arbeitsbeschaffungsprogramm der Preußenregierung. Die preußische Staatsregieruug beschäftigt sich schon seit mehreren Wochen mit Plänen znr Ver- Minderung der Arbeitslos! gk ei t. Die Be- rotnngen stehen kurz vor dem Abschluß. Ihr Ergebnis wird der Leffentlichkeit in de« nächsten Tagen in Form eines Arbeitsbeschaffn�,gsprogram«s mit- geteilt werden. Hilfe und Aufklärung gefordert. Ein Antrag der sozialdemokratischen Zieichstagsfraktion. Di« sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat folgende« Antrag zu dem schweren Unglück auf Grube Anna II«ingebracht: Die Reichsregierung zu ersuchen, aus Anlaß der großen Grubenkatastroph« auf der Grube Anna II in Alsdorf(Wurm- revier) 1. sofort mit ausreichenden Mitteln einzugreifen, um den An- gehörigen der Verunglückten in ihrer schweren Rot beizustehen: 2. eine eingehende Untersuchung über die Ursachen, die zu der Katastrophe führten, anzustellen und die etwa Schuldigen zur Ver- antwortung zu ziehen. Bayerns Etat wird saniert. Mit Hilfe der Sozialdemokraten. München, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Die mit Spannung erroartete Gesetzesvorlage zum Ausgleich des bayerischen Staatshaushaltes 1930, über die fett Wochen Verhandlungen der verfchiödensten Art geführt mupden, liegt nunmehr dem Landtag vor. Die Sozialdemo- kraten werden voraussichtlich dcr Sanierungsvorlag« zustimmen. Di« Zustimmung zum Gesetz ist den Sozialdemo- kraten vor allem ferner deshalb erleichtert, weil durch das Gesetz zum ersten Mol« in Bayern mit dem Grundsatz gebrochen wird, daß bei den notwendigen Einsparungen die freiwilligen Leistungen des Staates an die K i r ch e n g e s s l l s ch a s t e n unberührt gelassen werden. Dieser von den seit 10 Jahren in Bayern herrschenden Bürgerblockparteien aufgestellte hochpolitische Grundsatz, durch den di« sreiwillen Leistung«» des Staates an die Kirche auf fast 30 Mil- lionen angeschwollen sind, ist nunmehr endgültig durchbrochen, denn im Gesetz wird.zunächst für die letzten 5 Monate dieses Jahres an den Ausgaben für d!« Kirche 1 Million Mark gestrichen und für die Jahr« 1931 bis 1934 ist im Gesetz vorgesehen, daß diese Aus- gaben weiter o«r mindert werden. Die sozialdemokratisch« Fraktion wird darauf drängen, daß diese Versprechen noch sester umrissen und eingehatten werden. Das Gesetz wurde im Haushalisausschuß in erster und zweiter Lesung mit großer Mehrheit, deren Kern die BayerischeVolks- parte! unddieSozialdemokraten bildeten, angenommen. Voraussichtlich wird es schon am Montag nächster Woche im Plenum verabschiedet. Bestecbungsaffäre in Anhali. Zwei bürgerliche Abgeordnete der Korruption angeklagt. Oessau. 23- Ottober.(Eigenbericht.) Ein Bestechungsskandol. der bi, noch Berlin sein« Kreise zieht. wird augenblicklich in Dessau aufgerollt. Zwei Hauzbesitz«r- abgeordnete des Anhaltifchen Landtags, Marzahn und Günther mit Nam«n. werden beschuldigt, 10000 und 20000 Mark Bestechungsgelder dafür genommen zu Kaden, daß sie im vergangenen Jahr« der Verpachtung der?lnhaltischcn Salz werke an die Preußog zustimmten. Die Verpachtung der Salzwerte an die Preutzag hatte seinerzeit einen harten Kampf hervorgerufen, weil außer den Demokraten und den beiden genannten Abgeord- netev alle bürgerlichen Parteien die Salzwerke, deren Wkiterbetrieb in eigener Regie des Staates nicht mehr rentabel schien, an die Kali-Chemie-A.-G. verpachten wollten, die Sozialdemokratie jedoch einer Verpachtung an einen Privatkonzern nicht zustimmen tonnte. Die Bestechungsgeider sollen eittwcder von der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz, einem Haus, besitzerunternehmen, oder ihrer Tochtergesellschaft, der Deutschen. Reakkreditbank in Dessau, gegeben worden lein. Beide ge- nannten Banken sollen an der Abstimmung des Anhattifchen Land- tags in der Preußag-Angelegenheit insofern«in Interesse gehabt haben, als Preußen seine Zustimmung im Reichsrot zu der Reichs- konzessionierung der Realkredctbank von der Annahme des Preutzag- Vertrage» abhängig gemacht baden soll. Fest steht durch eigenes Geständnis der beichuldigten Abgeordneten bereits, daß sie d i s genannten Geldbeträge empfangen haben. Fraglich bleibt-der Vorwurf der Bestechung, der von den Beschuldigten be- stritten wirb. Zur Prüfung dieser Frage hat der Anhallffche Landlag in seiner letzten Sitzung einen Untersuchungsausschuß ein- gesetzt, der am Dienstag erstmalig zusammentrat und u. a. beschloß. den preußischen Ministerpräsidenten Braun und den Handels- minister Dr. Schreiber als Zeugen zu vernehmen. Die Vernehmung soll in Berlin geschehen, und zwar soll Zeit und Ort der Vernehmung mit den Ministern, neben denen auch die Direktoren Lotzc und Osterroch von der Preußog in Berlin vernommen werden sollen, vereinbart werden. Oer Oikiaior von Braunschweig. Franzen läßt durch„einstweilige Verfügung" die Wahrheit verbieten. Lraunschwcig, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Der Nazi-Minister F r a n z e n hat jetzt gegen den verantwon- lichen Redakteur der sozialdemokratischen„Volkswacht", den Landtags abgeordneten Thielemann, eine Klage angedroht und inzwischen gegen den Verlag Ricke u. Eo. und Thielemann eiro einstweilige Verfügung erwirkt, nach her bis zv'.' rechtskräftigen Entscheidung über den anhängig gemachten Haupt- prozeß bei Vermeidung einer vom Gericht festzusetzenden Geld- oder Haftstraf« es zu unterlassen ist, im„Bolksfreund", in össem, lichen Anschlägen, in Flugblättern oder in sonstiger Weise dem Wort. laut oder dem Sinn noch folgende Behauptungen aufzustellen oder sonst zu verbreiten: Der Antragsteller habe einen wegen Betruges, Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch oder anderer Straf- taten festgenommenen Landwirt Paul Guth, der sich der Berliner Polizei gegenüber auf Grund eines mit Lichtbild versehenen Eisenbahnau-weises als preußischer Landtagsabgeordnctcr Loh!« bezeichnet hatte, eb«nfalls als Lohse reklamiert und unter Hin» weis auf die aus der Landtagsabgeordneteneigenichast folgenden Immunität Lohses die Freilassung Guths zu erwirke» versucht. also einen Betrüger geschützt, die Polizei irregeführt, die Polizei und die Oeffentlichkeit belogen, sich selbst der Begünstigung strafbar gemacht, auch sei ein S t r a s o e r f a h r e n gegen den Antragsteller eingeleitet und dergleichen mehr. Verlag und Redakteur haben die noch vorhandenen Exemplare des Flug- blatte» mit der Ueberschrift„Polizsiministsr schützt Betrüger, führt Berliner Polizei irre und sagt die Unwahrheit" sowie de» An- schlagplgkates mit der glelchen Ueberschrijt zum Zwecke der Auf- b awahrung bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Hauptpro-ssses an«inen vom Antragsteller zu beauftragenden Notar in der Stadt Braunschweig herausgegeben. Franzsn hat gleichzeitig die Bc- fugnis erhallen, diese einstweilig« Verfügung in 9 Zeitungen Zu veröffentlichen. Gegen die«instwellige Verfügung haben die Antraggegner sofort richterliche Entscheidung beantragt. Di« Verhandlung des Braunschweiger Landtags über den Fall Franzen findei am Mittwoch kommender Woche statt. Groener an die Offiziere der Reichswehr. Der Reichswehr- minister hat an die Offiziere der Reichswehr eine» Erlaß gerichtet. in dem darauf oerwiesen wird, daß der Reichswehrminifter es als eine Beleidigung zurückweisen müsse, wenn ihm die nationale Ge sinnung abgesprochen würde. Weiterhin hat er in absolut ein deutiger Form die Offizier« noch einmal aus die unbedingte Pflicht zum Gehorsam hingewiesen. England und Palästina. 'Zur britischen Regierungserklärung. Ob die britische Regierung die panislomische Bewegung und all das. was man..Das Erwachen des Orients" nennt, als eine ernste Gefahr für das britische Weltreich bereits ein- schätzl, weiß man nicht; jedenfalls macht ihre Erklärung über ihre Palästinapolitik stark den Eindruck, daß sie damit der arabischen Agitation Wind aus den Segeln nehmen will. Mit dieser Agitation in Palästina ist es eine besondere Sache. Die arabischen Großgrundbesitzer, die Effendis, haben dem zionistischen Siedlungswerk unkultivierten Boden zu Preisen verkauft, wie sie felbst in großen Teilen Europas weder gefordert noch bezahlt werden; daß so mancher dieser Effendis das Geld durchgebracht hat, ist seine Sache. Arabische Kleinbauern sind durch die bisher geschehene Ansied- lung von rund 6000 jüdischen Familien in der Höchstzahl von 900 um ihr Land gekommen, natürlich auch nicht ohne Entschädigung; sie sind Arbeiter geworden. Aber auch die Fellachen, die ihren Boden noch haben, nehmen Arbeit an, wenn sie sich ihnen bietet, und lassen ihr Land von den Frauen und Kindern bearbeiten. Diese Landarbeit wird extensiv, ohne Bewässerung, ohne modernes Werkzeug be- trieben und bringt daher nur Erträge, die bei intensiver Landwirtschaft auf einem Teil der gleichen Fläche hervor- gebracht werden. Intensive Landwirtschaft treiben aber die „Chaluzim", die jüdischen Pioniere, und die schon länger an- gesiedelten jüdischen Kolonisten; bei ihnen und bei Straßen- bauten usw. finden die Fellachen Arbeit, in diefen Kolonien setzen die Fellacben ihre Agrarvrodukte ab, da der jüdische Arfcrbau den Eigenbedarf noch nicht deckt, vielfach zwar Orangen und andere Exportfrüchte baut, aber nicht Getreide. Palästinakenner berichten weiter, daß die Araberdörfer in der Nachbarschaft der Judensiedlungen schon viel kultivierter aussehen, viel mehr von moderner Technik usw. aufweisen als die Fellachendörfer weiter weg von ihnen. Ob bei diesem Stand der Dinge die europäischen Le- griffe von Arbeitslosigkeit auf die Fellachen angewandt werden können und darauf die von der britifchen Regierung angekündigte zeitweise Einwanderungssperre be- gründet werden kann, erscheint zweifelhaft. Es wird näm- lich die Einwanderung auch jetzt nur in dem Maß gestattet, als nach den Feststellungen der Mandatsregierung(Hixb Commissioner) die Existenzmöglichkeit gesichert ist; immer nur ein Teil der von der Zionistenzentrale beantragten Er- laubnisse wird erteilt. Die zionistische Organisation hat natürlich gor kein Interesse daran, die Einwanderung so zu steigern, daß die Einwanderer für das Massenelend in Polen, Rumänien, Litauen usw. ein ebensolches Elend in„Erez Israel" eintauschen. Die judische Besiedlung, die dem Lande bereits 30 Mil- lionen Pfund eingebracht hat, ist noch in der Türkenzeit unter unfäglichen Schwierigkeiten und trotz ausdrücklichem Verbot jüdischer Einwanderung und jüdischen Grunderwerbs, sozusagen unter völliger Rechtlosigkeit begonnen worden. Die Balfour-Dekloration von 1917, wenn auch mit aus kriegspolitifchsn Gründen bcrvorgegangen, der Friedens- schluß mit der Türkei, der Mandatvertrag und verschiedene Bölkerbundbeschlüsse sind die international anerkannte Rechtsgrundlage für Errichtung und Bestehen der jüdischen Heimstätte in Palästina. N Wenn nun die britische Regierung die bekannte Er- klärung veröffentlicht hat, so glaubt der Zionismus den Hauptgrund zu diesem alle West überraschenden Schritt in der antizionistischen Stimmung der brstischen Be- amten in Palästina zu finden. Man erzähst, diese Beamten kämen fast alle aus britischen Kolonien, wo sie patriarchalisch oder diktatorisch über Farbige geherrscht hatten. In Palästina haben sie es, außer mit den Arabern, mit Weißen zu tun. die aus Ländern mit stark entwickelten demokratischen, auch sozialistischen Ideen und Bewegungen kommen. Es handelt sich um Menschen von großer Intelligenz. die sich nun auf ihrem Boden fühlen und nicht beoätert, auch nicht von oben regiert sein wollen, sondern auf ihrem Recht bestehen. Also Beamten die aus ganz anderen Verhältnissen kommen machen das Leben nicht gerade angenehm. Diese Stimmung verpflanzt sich auch ins britische Kolonialamt. dessen Leiter Lord P a ß f i e l d zwar ebeitz'o wie der Außenminister Henderson und eigentlich die ganze Arbeiterpartei dem jüdischen Siedlungswerk aufrichtig freundlich gesinnt ist— aber der Einfluß und die Macht der Bürokratie sind niemals zu unterschätzen. Nun hagest es Proteste, aber nicht nur von den Zionisten. sondern auch von den Führern der Konservativen Partei Englands, die sich an die feierliche Zusage ihres verstorbenen großen Mannes Arthur Lalfour um so mehr gebunden fühlt, als doch die Mandatszuteilung für Palästina an Eng- land, offiziell wenigstens, erfolgt ist, damit die Balfour- Deklaration erfüllt werde. Die Konservativen stehen sowieso in Opposition gegen die Arbeiterregierung, aber die L i b e- r a l en braucht diese zur Mehrheit, ohne die es in England kein Regieren gibt. Gerade der liberale Führer Lloyd George war Premierminister, als Balfour seine Dekla- ratio» erließ, und Lloyd George ist bisher immer der stärk st e Parteigänger des Zionismus gewesen; von ihm liegt eine Stellungnahme zur Regierungserklärung noch nicht vor. Allerdings ist schon sehr lange eine britische Regierung über eine außen politische Frage nicht gefallen. Es ist deshalb auch kaum zu erwarten, daß es diesmal ein- treten würde. r. d. Araber und Luden unzufrieden. Loadoa. 2S. Oktober.(Eigenbericht.) Die Palästina-Erklärung der englischen Regierung bestiedigt weder die Zionisten. nach die Araber. Die einen wie die anderen beanspruchen die Alleinherrschaft und den Alleinbesitz de» Landes, ohne Anerkennung irgendwelcher Prioritäts. oder MinoritSterechte. Weder den Arabern noch den Zionisten behagt deshalb die von der englischen Regierung angekündigte gesetzgebende Versammlung, in der beide Nationalitäten entsprechend ihrer Bevölkerungszahl ver- treten sein sollen. In Jerusalem Hot der jüdische Nationalrat beschlossen, dieses kommende Parlament zu boykottieren; die Extremsten drohen kereits mit dem Boykott englischer Waren. Keiner der Proteste und der Protestler in England und Palästina hat jedoch bis setzt«inen besseren Weg aus der politischen und ökonomischen Krise Palästinas gewiesen. Deshalb wäre es gut. wenn beide Teile zunächst einmal die W i r k u n g e n der neuen Paläftina-Polmk abwarten würden Erst spater ist zu beurteilen, welcher Weg in Palästina der nchlige ist. In den allen Gleisen fortzufahren, konnte weder zum Nutzen der Araber und der Juden, noch zur ökonomischen Wohl- fahrt de? Landes fein. Severins. Er geht feinen Weg. TMi v/Kiz&mK&msmm Ostgalizien— geheim! Kanadischer Zonrnalisi verhastet. Warschau, 23. Oktober.(Ost-Exprcst.) Der„Expreß Poranny" erhält aus Lemberg die Mel- dung, daß die Polizei in einem Torf de» kanadischen Journalisten William Tay. den ukrainischen Rechts- anwalt Maritschak und den Arzt Makaruschka verhaftet hat. Tic Verhaftung erfolgte in einer Vaucrnhütte. wo der Arzt zu einer Konfultation sich aufhielt. Kurz vor» her warcu in diesem Torf polnische Ulanen vom 14. Re> giment zu einer„Bcfriedungsaktion" gewesen, es scheint also, daß der Arzt einem von den Soldaten mißhandelten Ukrainer Hilfe leisten wollte. Die drei Verhafteten wurden nach Lemberg gebracht, wo Day als ausländischer Pressevertreter auf Anweisung aus Warschau freigelassen wurde. Der polnischeBotschafterFelipowiczw Washington hat vor kurzer Zeit die amerikanisch« Presse dringend aufge- fordert, Ostgalizien zu besuchen, um sich von der Halt- l o s i g k e i t der Beschuldigungen gegen die polnischen Behörden wegen ihres Vorgehens gegen die Ukrainer zu Überzügen. Spotten ihrer selbst... Warschau. 23. Oktober.(Osr-Expreß.) Die polniiche Regierung beabsichngt ein„llnabhängigteitskreuz" einzuführen. Die Auszeichnung soll Personen erteilt werden, die vor dem Kriege in geheimen oder auch legalen Organisationen gegen die„Teilungsmächte" Rußlaich, Deutschland und Altösterreich gewirkt und gekämpft haben. In erster Linie sollen mehrere Teil- nehmer an der polnischen Bewegung 1905 mit dein neuen Orden cuegezeichnet werden 150 Jahre stand Polen unter fremder Herrschaft. Jetzt ist es wiederhergestellt, aber die es regieren, hausen schlimmer als jemals die Teilungsmächte und gleich einer feindlichen Besatzung.„Okkupanten" nennt denn auäz das„befreite" polnische Boll seine jetzigen Tyrannen. Zu denen, die gegen die russische Herrschaft gekämpft haben, gehört auch Joseph Pilsudski. Seine Kamps- gefährten hält er setzt in den Kasematten der Festung Brest unter schändlichsten� Rechtsbruch und schimpflichster BeHand- lung eingekerkert. Die politischen und gewerkschaftlichen Or» gamsationen der Arbeiter, an deren Aufbau auch Pilsudski mitgetan hat, verfolgt er in jeder Weise und läßt die Per- räter aus den eigenen. Reihen aus sie los. So schwer lastet der Regierungsterror auf Polen, daß jetzt, misten in der Wahlbewegung, die sozialistischen Parteien nur selten und mit größten Schwierigkeiten Ver» sammlungslokale bekommen. Alle Welt rechnet mit gewalliger Wahlfälschung nach Abschluß der Stimmenabgabe. Ge- lingt es der Regierung, die 300 Mandat« von den 440 ins- gesamt zu erlangen, die ihr nächstes Ziel sind, so wird man wissen, daß ungeheure Gaunerei am Werk ge- wesen ist. Kriegsireiber und Menschenräuber. Oer Herr Generalstabschef von Finnland. Helsingfors, 23. Oktober. tEigenbericht.) Tic Untersuchung der Entführung des früheren Staatspräsidenten Stahlberg hat auch ergeben, daß der Generalftabschef Walleniu» diese Aktion nach seiner Rückkehr aus Polen und Rumänien veranstaltet hat, wo er mit hohen Militärs, Politiker« usw. über eine« ge- meinsamen Angriff auf Rußland Berhandlungen ge- führt hat. Stahlberg stand diesem KriegSPlan im Wege und deshalb sollte er beseitigt werden. GeneralstabSchef Walleniu S und Oberstlentnant Kuufsaari, die auf Grund der Verhöre der Kriminal- Polizei verhaftet worden sind, haben die Mitschuld an den Vorbereitungen zur Entführung d«S früheren Staats- Präsidenten Stahlberg eingestanden. Walleniu» ist auf Vortrag des Armeebefehlshabers vorläufig feines Dienstes enthoben worden. Inzwischen hat die Lappo-Lcitung eine Liste mit 404 Unter- schritten von Personen veröffentlicht, die sich der Entführung sinnischer Staatsbürger und sonstiger Gewalttaten schuldig gemacht haben. Kosola hat die Liste den, Innenminister übemicht. In einem Anhang dazu sprechen die Entführer die Hoffnung aus, daß die öffentliche Meinung und die Gerichte die vaterländischen Motive der Entführer erkennen! Rumänische Spionage. Oer Polizeichef verhastet. Paris. LS. Oktober. Nach Meldungen auS Bukarest hat die Spionage- affäre eine ungeahnte Wendung genommen: die Polizei habe de« Leiter der allgemeine« Sicherheitspolizei. Se- bastia« PepeSco. und auch eine» höheren Offizier der rumänische« Armee, dessen Name noch geheimgehalten werde, verhaftet. Neu« umfangreiche Verhaftungen stünden bevor. Wie schon oft, hatte man in Rumänien wieder Massen- verhaftungen von Leuten vorgenommen, die für Rußland spioniert haben sollten. Es sind Techniker, Arbeiter und Frauen aller möglichen Staatsangehörigkeit. Die Zentrale soll in einem Radiogeschäst gewesen sein. Wenn nun der oberste Polizeichef und«in hoher Offizier verhaftet werden, so ist auch das schon dagewesen. Bor nicht allzu langer Zeit erst hat man angeblich ein Spionagenest im Generalstab aufgedeckt. Die„Allgemeine Sicherheitspolizei" aber ist jene be- rüchtigte„Siguranza". der man zu ihrem brutalen Terror und ihrer abgefeimten Spitzeleien sehr wohl auch Lock- spitzeleien zutrauen kann, die„russische Spionage" hervorruft, um durch ihre Aufdeckung die Unentbehrlichkeit der Siguranza nachzuweisen. Womit wir natürlich keineswegs ausschließen wollen, daß Rußland ebenso wie alle anderen Militärstaatem das größte Interesse für die Rüstung der anderen hat. Los vom Sowjeidienst! Oie Alucht der Aoslandsdeamten. Part». 23. Oktober.(Eigenbenchtb Wie der sozialistische„Populaire" meldet, haben wieder einig« neue Sowjetbeamte und Diplomaten in Pari» den Sawjethienst verlassen: der Vertreter der russischen Staatsbank, Ravaschin, der Vorsitzende der Handelsabteilung. P o p o f f, der Präsident des Flachs, und Iutesyndikats, S a z a r k e w i ts ch, der juristische Berater der Sowjetbotschajt. Profestör Gruber, und der Direktor der nnrtschastliche» Nachrichtenabteilung, D o l s k i. Alle fünf sind zur Rechenschaft nach Moskau berufen worden, hatten aber vor- gezogen, zu meutern. Zu gleicher Zeit sind«in« ganze Reihe kleinerer Beamten Moskau untreu geworden. Tschiangkaischek hat sich taufen lassen. Aus politische« Gründen. Nanking. 23. Oktober.(Eigenbericht.) Tschiangkaischek, der Präsident der chinesischen Republik. ist zur Kirche übergetreten und am Mittwoch in aller Stille im Hause seiner christlichen Schwiegermutter in Schanghai g e t a y s t worden. Da auch der ginanzminister S u n g. der Schwager tze» Präsidenten, sowie der Minister des Aeußern, Wang, Christen sind, ist die Taufe des Präsidenten nicht ohne politischen Hinter. grund und nicht ohne potttische Bedeutung. Die Nordkoalition, die soeben geschlagenen Gegner der Nankingregierung, sind die Vertreter de? extremen chinesischen Nationalismus, wvs sich auch in deren Feindschaft gegen die christlichen Chinesen ausdrückt. D>« Taule de» Präsidenten Tschiangkaischek und die Tolerierung der Christen durch die Nankingregierung mtrd dadurch zu einer bewußten pol''' s ch» n Aktion gegenüber dem Au»lond. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt> Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz u* Sotmahcnd, sctveit(Verrat Hehcnsmittel Fische, Obsf u. Gemüse werden nicht zugesandt frisches fleisch Suppenfleisch..pfama 0.86 Rinderkamm und Brut 0.90 Schmorfleisch 1.12�1.26 Roastbeef mit Kn«*., ptd. 1.12 Hammel•Vorderflelsdi 1.02 Gehacktes u. Liesen 0.80 RÜCkenfett brattorilg. Pfd. 0.84 Kalbskamm u. Brust 0.92 Kalbskeule 1-00 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 frische Schellfisch Pfund von an 0.32 Rotbars ohnaKaptPfd.v.an 0.36 Kabeljau 0F�eKofc" 0.38 Seelachs 0.40 Fischfilet. Pfund von an 0.54 Grüne Heringe 3 Pfd. 0.68 Bratschollen.. 3 Pfd. 0.68 Zander gefroran, Pfd. v. an 0.69 Schweinerücken11'* d!4 0.94 Schweineschinken 4 nn und Kamm, mit Bailage»«UU Schweinekofelett Pfd. 1.06 Kahler mild ga»Isan, Pfund 1.00 Frische Rinderzunge 1.24 Fr. Bratwurst 1.16 Nierenfalg au,9*l"p?unnd 0.55 Gefrierfleisch Rinderkamm � Bp"nd 0.84 �jtaucherxvafen Fettbücklinge Pfd.% an 0.38 Schellfisch Pfund von an 0.40 Sprotten.. Pfund von an 0.42 Kieler Bücklinge™n 0.45 Flundern Pfund von an 0.48 Makrelen Pfund von an 0.48 Aale 0.25 � 2.30 Olsardinen.. 4 oosan 0.90 SuppenhUhnar irisch gf� Pfund S8 PI. von an•• {ßColcrtialware-n Bruchreis 0.18 0.24 Haferflocken.. Pfund 0.24 HartgriehO�O�" 0.32 Erbsen grüne 0.20 poliert 0.40 Erbsen poüart.ptd. 0.30 0.36 Spaghetti 0.65 0.78 Eier Schnittnudeln»»0.48 Eier-Fadennudeln'■* 0.52 Eier'Makkaroni Vfutd 0.50 Gem. Backobst p<,j2.m 0.46 Saure Kirsdien Pfund 0.48 Kalif. Aprikosen••««0.72 Kalif. Birnen Pfund#.* 0�2 Kalif. Pfirsiche Pfd. m« 0.72 Gänse frisch Pfund Q R von an Pia Enten irisch Pllten ungar. POUletS ungar. Pf. Pfund QSS von an Fasanen MOdc von an 2 io Hirschfleisch Pfund Jl€S von an pi. Hirschblatt Pfund O K von an PI. Hasen 98 pi. Pfund von an Karpfen no.. leb, Pfd. v. an•»» P'- Hechte ml25v;«60pf. Leb. Aale (stark), Pld. v. an (so Hering in Gelee, Rollmops, Bismarckheringe, Kronsardlnen, 48 pf. Ohst m. Setttüse {Konserven '/» Dose Kodiblrnen gro�. ptund 0 Musäpfel groije.. Ptund 0 Ehäpfel....... Pfund 0. Hasenköpfe..- Pfund 0. Amerik. Äpfel Pfd.«.« 0 Kranzfeigen.. Pfund 0. Weintrauben. Pfund 0. Bananen...... Pfund 0 Ananas frische, Pfd. von an 0 Rote Winferkarfoffeln ,20 Rot«, Weih- köhl,'"p,T 0.03 ,20 Sellerie.. Pfund 0.07 Ö.10 ,22 Möhren gevaschen, Pfd. 0.04 ,28 Zwiebeln..... 3 Pfd. 0.1 0 ,38 Rote Rüben— 4Pfd. 0.20 ,28 Märk. Rübchen 3 Pfd. 0.25 30 Rosenkohl.... Pfund 0.24 ,38 Grüne Bohnen iPfd. 0.38 ,78 Kartoffeln... iQPfd. 0.22 Zentner � 4C|* Zusendung n Gro�-Berlin von an per Ztr. OJW. Sackpfand 0.50 düursttoaren{Kdse m. frett Hausmacher-Sülze 0.58 Dampf- u. Rotwurst 0.98 Fleischwurst■.. Pfund 1.05 Schinkenpolnische 1.18 Landleberwurst Pfund 1.29 Mettwurst ftr'Ä 1.20 Pökelfleisch 1.30 Kümmel* u. Jagdwurst 1.45 Feine Leberwurst Pfd. 1.50 Teewurst 1.65 grobe 1.75 Speck vt an 0.98 mager 1 ,30 Schinkenspeck'Tuld 1.65 Nußschinken sdiwe�l� 1.80 Gekochter Schinken A.fi onn. Schwarte, geschnitt., Kfinigsir., Rosenthaler Str., Morlfzplalj; Sülze 0.50 Spedrwursf 0.85 Berliner Mettwurst 1.00 Ramadou halbfett, stüdc 0.22 Camembert vo schachi«! 0.35 Limburger 0.48 v°�' 0.90 Cmmenthaler Art n ohne Rinde« 6 PorL, Schachtel 4 Tilsiter ohn'hSÄ Ptund 0.72 Tilsiter vollfett, Pfdevonan 0*82 Dän. Schweizer Vtü'nd 0.84 Edamer voiitett.. ptund 0.86 Holländer voiifett, ptund 0.86 Stelnbuschervoiifeff.pfd. 0.90 Schweizer V�d� 1.18 Margarine Pfund 0.48 0.58 Kokosfett t-Ptund-Tafel 0.50 Molkereibutter Pfund 1 ,38 Tafelbutter Pfund 1.50 1.62 Dän. Butter... Pfund 1.78 Gemüse-Erbsen... D.54 Junge Erbsen..... 0.64 Haushaltgemüse... 0.70 Deiikatehgemüse 4 miltelfeln■«43 Abschnitfspargel.. 1.30 Stanzenspargel-«ark 2.50 Apfelmus oosa 2.95 0.58 Pflaumen 0.60 0.76 Preiselbeeren,«»« o, kg-cim«r 4.1 V V.y* Kirschen«ura 0 90 lt. 1»20 Kontltdre In'n Elmaro; Pflaumen........ 0.95 Orange, April(.,Johdnnisb. 1 15 Kindt, Erdbeer, Himbeer 1.30 e« Pfund von an 1-90 (tüein Prelsa för 1 1 Rasen«, ohne Glas 1929 Oaerhaardfer Tischw. 0.75 1928 Wöllsteiner Höllberg A � Rheinhoss« 0.95 San Antonio«pan. Rolweln 0.95 1922 Chat. Raba Bcrdaau» 1.40 1928 Liebfraumildt biauaK. 130 1927 Wehlener Rosenberg sehr spritzig 1924 Sauteme» wei> Bord. 2.00 11 Sorten vom Fa(r r. Bei Johannis beerwein..Ut«r 0.75 1929 Maikammerer.utar 035 Tarragona....... Utar 1.00 Muskateller u. Wermut Ltr. 1.10 Deutsch. Weinbrand i Kronen, Utar 430 OCaff � T kealet, Lidiispiele usw. j Theater l.d.Betirenstr. 53-54 Diiektion: Ralph Arlhor Robert. 8'.. Das naDiicha manchen Engliscn— Kobens— Jansson. CHans Rosq} ..Ii Iii Mailitadit" Sturmisches Lachen! Entzückende Musik! Traute, Hans u. Willi Rosa! Wochentags 81' Uhr; Sonnabends 7 und 10« Uhr Preise von 50 Pf bis 3.- M Programm u. Garderobe J« 25 PI (kein Zwang). Theater fOr die Kinder: Kommanden Mittwoch S Uhr; „HMnsel und Grete]'* Jeden Montag. Dienstag. Donnerstag und Freitag Ö.SO Uhr Familien- Nachmittage Das Lustspiel„Kukull" mit Traute Rose Prolsa von 30 Pf bis 1.50 M Gardsrobe und Programm je 1 0Pf Kaffee mit Kuchen 25 Pf Kommenden Sonnabend 4-Uhr ».DornrÖHchen" Bfllettkasse: Alex 3422 u. 3494 Gr. Frank tarier Str. 182 ROSE Theater WM! mtaier 8 Uhr Neueinstudierung Ein Sommernachistraum Regie: Mai Reinhaidt. Kammerspiele 8'o Uhr Elga von Geltet Hauptmann. Regie; Gustav Hartusg. Die Komödie S'Ä Uhr Der Schwierige von Hogo von Hofmannsthai. Regie; Max Relnhai«. CeuiseHes XGDStler-Tbeai. Tel Barbarossa 3937 b'/i Uhr Jim und Jill Greta Mosheim. Harald Paulsen. Renaissance- Theater Sternplalz 6780 8';. Uhr; von Max Alsberg und O E. Hesse meTroDoMheaier Täglich 81/« Uhr ScnsationeUer Oper etlener folg! Unter pers. Leitung des Komponisten Viktoria undlhrHusar 8" Uhr.— Zon ium 2819.— Rauchen erlaubt. Tifiany Twins eine Auo®nw»We Bedlni Tafany die derzeitige Sensation Doa ganze Programm hervorragend. Sonnab. u. Sonntag« Je 2 Vorstollungan 4 Uhr und 8.15.— 4 Uhr kleine Preise Das fahrende Variete Neues Theater fmmm am ZOO mmmm flui Balmh. Zoo. Stjil 6551 Hede zun 79. Mali; 8't, Uhr Oergrofie Lacberfoig! Max Adalbert in Hasenklein Bantowsky TUeater la der Siresemannsu. ruglich 8'/» Uhr Sturm im u/assergias Romödie von Frank. Komödienhau« 8V4 Täglich SVt Konto X von Eomaiier Mi Oesterniditr TheatJ. Westens SVt Uhr Brest Utowsk von Haus J. Rthfisch. Sonntag oadim.JDIir Pelerdiens Mondfahrt 5 Uhr Sdiwunwalilniiltl. Lessing-Theal. 8'/. Uhr Elisabsth, Königin vnn England von Lenormand Hötlidi. Bodman n. So. 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Reg« Beteiligung erwartet vi» vrtsverwnltung. QanRssgung Fitr dl« vielen Bewetle herzlicher Teilnahm» beim Tobe meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Hedwig Sdinapp geb. Gornaltkl sagen wir allen Freunden. Ber- wandten und Belannten unseren herzlichsten Dank. Fritz Sdinapp nebst Kindern. SOS6, Sch'estsche Str. Z7c SMelMelaüiiklieilel'Niiliiiij Roeiiipog 7» don streiKiokaien der Vämi.-Beiriebe Löwe.Radi», Siegliß. siesenweg! Berichtigung: Barchmann, Friebtnau. Rheinstr. 40. Bollai. E. Lind ström Sei wert, Schlestiche Str. 25 Automatisch« F«rnIpr«ch.A»lageu.Ba«.A.�.. Berlin SW., Eiukestr. 2: Keller. Sollmannstr. 17. vi« ertIvarwallung. 3Ir. 499» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 24. Oktober 4930 Ein absiurzsicheres Flugzeug Die Fockc-Wulf-..Eni€rr in Berlin In Tempelhof gab«s mal wieder etwas Neues zu sehen: eilt anscheinend r ii ck w ä r t s fliegendes Flugzcng. Es mar die Neu- konftruktion der Focke-Wulf-.,E n t e", ein zweimotoriges Kabinen- flugzci>g, das sich von dem heutigen Narinaltyp dadurch unter- scheidet, dah sich an der Spitze des Flugzeuges ein kieiner zur Höhensteuerung dienender Vorderslügel befindet. Der Rumpf, der sich zwischen Aorder- UNS Hauptslügel erstreckt, enthält den Führersitz und die für drei Personen berechnete Kabine. Unter dem Norderflügel liegt, weit vorn im Rurnps etwa 4 Meter vor dem Schwerpunkt, ein Vorderrad. In dem Vortrag, den Diplom-Jngenieur H. F o ck e vor den Vertretern der Presse und Behörden hielt, betonte er, daß die An- fange der in den Iahren 1926 und 1927 konstruierten und gebauten Ente bis in die ersten Zeiten der Fliegerei zurückgingen. 1908 wurde dem Bruder Fockes ein Patent erteilt, das das Grundpatent der Entenbouart wunde. Das damals gebaut« Flugzeug führte aber nur einige Sprünge aus und konnte aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht vervollkommnet werden. Später wurden sowohl in Frankreich von Boisin, als auch in Deutschland von Professor Reißner weitere Versuche mit„Eicken" gemacht. 1923 schlug die Focke-Wulf-Flug- zeugbaugesellschaft der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt den Bau eines neuen Entenflugzeuges vor, das 1926 bestellt und nach eingehenden Vorstudien im Göttinger Aerodynamischen Institut erbaut wurde. Dies« Maschine wurde im Herbst 1927 durch Direktor Wulf eingeslogen und in zahlreichen Flügen erprobt. Bei einem späteren Flug« verunglückte Wulf durch«ine unglückliche Verkettung von lUnständen. Die Focke-Wulf Flugzeugbau A.-G. entschloß sich daher, eine neue Ente zu bauen, die vor kurzem durch die DVL. geprüft und vom Reichsverkehrsministerium ohne Beschränkung zu- gelassen wurde. Die beiden grundsätzlichen Vorteile der„Ente" bestehen in U n- übcrschlogbarkeit am Boden und Unübetzieh- barteit in der Luft. Das Flugzeug kann beim Auslauf sehr scharf gebremst werden, was bei Notlandungen von großer Bedeutung ist. Die„Ente" erreicht eine Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern, hat 14 Meter Spannwelte und besitzt eine ßß* Länge von 10 Metern. Die Focke-Wulf-Flugzeugwerk« sind der feste» Ilcbcrzeugung, daß sich die„Ente" bei weiterer Bewährung durchsetzen wird. Es' ist bereits jetzt möglich, auf Grund. der bisherigen Erfahrungen auch Sportflugzeuge als Enten zu bauen. Die Chefpiloten Cdzard und von Köppen führten am Nachmittag die„Ente" im Fluge vor. Die Maschin« wirkte durchaus nicht plump, wie man zuerst vermutct hatte. Sie entwickelte eine gute Steigfähigkeit und ging sicher und elegant in die Kurven. Es ist nur zu begrüßen, daß die Focke-Wulf-Werke sich nicht darauf beschränkt haben, die heute übliche Flugzeugtorm zu ver- bester«, sondern daß sie von ihr abweichen und ihr Hauptaugenmerk aus Erzielung der S i ch e r h e i t im Lufwerkehr gerichtet haben. Auch die„Ente" steht erst am Anfang ihrer Entwicklung, und wahr- scheinlich werden sich, trotz der Vorzüge, die sie heut« schon besitzt, bald Verbesserungen als notwendig erweisen. 255/ Die Todesziffer wächst Das große Rätsel um die Explosionsursache Nach den neueste» Meldungen beträgt die Zahl der Toten deS Unglücks von Alsdorf bisher 255 einschließlich von 16 Bergleuten, die ttn Krankenhaus starben. Im Krankenhaus liegen jetzt noch 92 Verletzte. Die Zahl der Toten, die noch unter Tage liegen, dürfte gering sein. Wie die Untersuchung weiter ergeben hat, ist das kleine Benzinlager über Tage unversehrt; die Benzoltankwagen der Benzol-Lokomotive unter Tage sind unbeschädigt vorgefunden worden. Damit ist die Ursache der Explosion noch rätselhafter geworden als bisher. Zur Beevdiguug der Opfer am Sonnabendvormitwg,%10 Uhr, werden sich aus dem Preußischen Ministerium für Handel und Ge- werbe Minister Dr. Schreiber und Ministerialdirektor Flemming als Oberberghauptmann begeben. Am Donnerstag ereignete sich in der Leichenhalle ein er- greifende« Vorgang. Einer vöü den bereits als lot aufgebahrten knappen kam zum Leben zurück. Er rief seinen toten Kameraden zu:.Lameraden, wir wollen uns retten, ich spure frische Lust, koiNnck all« mit." Sammlung der Spenden. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Reichsregierung und preußische Staatsregierung bitten, alle Spenden, die aus Anlaß des Aachener Grubenunglücks gegeben werden, der Reichs- geschäfksstelie der deutschen Nothilfe, Berlin W. 8,«ms Postscheck- konto Berlin 136 000 oder aus das Konto Deutsche Nothilfe Gruben- Unglück Anna 2 in Alsdorf bei der Zentral« der Deutschen Bant und Disconto-Gesells chaft' in Berlin zu überweisen. Außerdem nehmen in Westdeutschland Spenden an das Oberborgamt in Bonn lPostscheckkonw Köln 87 418) und der Regierungspräsident in Aachen(Regieriingshauptbasfe Aachen, Postscheckkonto Köln 10 632). Nur dadurch, daß die Spenden diesen Stelle» über miesen werden, läßt sich stcherstellen, daß sie ein- h e i t l i ch und zweckmäßig oerwendet werden. Es ist be- absichtigt, sämtliche Spenden, einschließlich der von Reich und Preußen gegebenen, in einer Stelle zusammenzufassen und zu ihrer Verwaltung und Verwendung einen Zlusschnß einziisetzen, in dem namentlich Reichs- und Staatsbehörden, Bergarbeitcrfchaft und Wohlfahrtsoerbänd« vertreten fein werden. Den Vorsitz des Aus- fchustcs wird der Berahauptmann in Bonn führen. Dodurch ist gewährleistet, daß die Mittel entsprechend den Wünschen der Spender verwendet werden. Holländische Bergleute als Helfer. Das Unglückgrubenfeld liegt dicht an der holländischen Grenze. Holländische Bergleute sind nun in schlichter Selbstverständlichkeit herbeigeeilt, uin den Rettungskolonnen bei ihrer schweren Arbeit beizustehen und ihnen Hilf« zu leisten. Sie beteiligen sich an den schwersten Retwngsverfuchcn mit vorbildlicher Hingabe. Diese stille aber wirksame Hilfeleistung, die aus der natürlichen Solidarität der Arbeitcrinteresten entspringt, ist wert, inmitten der Beiieidskund- gedungen aus der ganzen Welt besonders registriert und anerkannt . z» werden. Racheakt gegen Frenze!? Wichtige Aussagen des Sohnes. Nach zweitägiger pause wurde die Zeugenvernehmung in dem Prozeß gegen Frenze! sortgesetzt. Zunächst wurde sehr eingehend der Sohn des Angeklagten. Arthur Frenze!, vernommen, der sich über die Beweggründe äußerte, die seine beiden Schwestern veranlaßt haben sollen, gegen ihren Vater auszusagen. Nach der Schilderung des Sohnes hätten alle drei Kinder dem Vater gegenüber eine feindliche Einstellung gehabt, die daraus entstanden sei, daß sie sich von ihrem Bater oernachiässigt gefühlt hätten. Während andere Eltern mit ihren Kindern ständig zu- sammengewcsen seien, Ausflüge gemacht und Vergnügungen besucht hätten, sei es so gewesen, daß die drei Geschwister das Gefühl gehabt hätten, kein Elternhaus zu besitzen. Di« Mutter habe stets allein zu Haus gesessen, viel geweint, während der Vater seinen vielen Geschäften und Aemtern nachgegangen sei. Auch an den Sonntagen habe der Augeklagte mit Feuerwehrbesichtigungen und ähnlichen Ehrenposten ständig zu tun gehabt, so daß die Kinder den Vater nur bei den Mahlzeilen gesehen hätten. Er und sein« Schwester hätten, als sie heranwuchsen, kieieS Mitleid mit der Mutter gehabt, während gleichzeitig ein glühender Haß gegen den Vater in ihnen erwacht sei. In den drei Geschwistern sei schließlich der Gedanke emporgestiegen, dem Vater für sein liebloses Verhalten gegenüber der Familie eins auszuwischen. Er habe jedoch nicht. geahnt, in welcher' Meise die Schwestern sich an dem Vater rächen rv-ollten, sonst hätte.er dieses. Vorgehen der Mädchen«nt- schieden verhindert. Bon den Beschuldigungen, die gegen seinen Vater erhoben seien, habe er nie etwas 4m Hause bemerkt. Oachstuhlbrand in Schöneberg. Im Dachstuhl des Hauses Händel st r aße 14 in Schöneberg brach gestern abend gegen 20.30 Uhr Feuer aus, das schnell größeren Umfang annahm. Die Feuerwehr war mit drei Löschzügen zur Stelle. Die Flammen wurden aus vier Schlauchleitungen bekämpft. Erst um Mitternacht waren die Ausräumungsarbeiten beendet. Die Entftehungsursache tonnte noch nicht geklärt werden. Eitze Frau wies auf das Emailleschild an der Wand: «Das Betreten der Kinderstationen ist wegen der Ueber- tragungsgefahr neuer Krankheiten nicht gestattet. Besucher dürfen die Kinder nicht berühren. Es ist untersagt. Sß- oder Spielwaren mitzubringen." „Ferdinand hat keine ansteckende Krankheit!" «Nein, Annie, aber wir könnten eine mitbrngcn oder irgend jemand. Deshalb mag das ja richtig sein." „Das ist kein Besuch, Bert, das ist gar nichts, gar nichts..." Während des halblauten Gesprächs waren sie Schritt um Schritt in der Reihe vorgerückt. Annie stand gleich an der Tür, die Pflegerin wartete mit gesenktem Kopf auf Nennung des Namens. „Werla..." sagte Bert schnell. Der weiße Kittel verschwand, für Minuten wurde die Tür gänzlich zugeschoben und dann schlug der Dunst des Krankenhauses den Wartenden wieder durch den Spalt ent- gegen. Einige Kinder weinten. Da war das kleine Gesicht des Jungen, ganz nahe— Annie wollte ihn streicheln, doch die Pflegerin ging einen Schritt zurück. „Darf ich nicht einmal das? fragte die Mutter.„Es ist doch mein Kind. Habt ihr es mir ganz fortgenommen? Er kennt uns nicht einmal mehr, er lacht nicht. Geht es ihm schlechter. Schwester? Kann ich ihn mitnehmen?" Sie hob die Hände, sprach überschnell, in großer Angst, diese Minute könne vorbei und dahin sein und sie müsse wieder gehen... «Wenn er entlassen wird, bekommen Sie Bescheid. Ich weiß nicht, wie«s ihm geht. Vielleicht ftagen Sie beim Stationsarzt oder bei der Oberschwester." Hinter ihnen drängte man vorwärts. Jemand sagte „Unerhört". Eine andere Stimme erwiderte streitlustig: „Es ist aber auch eine Schande, daß man sein eigenes Kind Vicht auf den Arm nehmen darf!" und dann noch eine und noch eine:„So? Nachher hat das Kind, das schon gesund wird, drei neue Krattkheiten, die unsaubere Leute mit- bringen..."„Oho, wenn Sie man alle Woche baden— das scheint aber nicht, meine Gute!" Mann und Frau traten zurück. Eine Reihe fkemder, kaster Gesichter passierte Revue. Fremde Mäntel streiften sie mit dem feuchten Geruch der Armut und andere mit par- fümiertem Pelzbesatz. Der Karbolgeruch der schweren Luft begleitete sie noch im Garten. „Wollen wir zutn Arzt?" fragte Werla draußen. „Wozu, Bert? Er wird noch weniger wissen als das Mädchen Er sieht das Kind zyieiwal am Tage. Verschiedene Menschen sehen auf verschiedenen Zetteln, was sie tun sollen. Ich fand das bei mir nicht schlimm damals— bas Kind wird aber oft weinen, denke ich.. und nach langer Pause:„was wird, wenn wir es nicht wiederbekommen, wenn es Nicht gesund wird? Wozu sollen wir dann leben?" „Daran darfst du jetzt nicht denken. Atmie— wirklich nicht. Doktor Marcus hat uns versprochen, daß Ferdinand gesund wird. Wir müsien warten..." „Wir müssen warten— gibt es denn noch etwas anderes? Immer warten wir auf irgendeine Besserung, und es wird nie etwas besser." Den Abend verbrächten sie sehr traurig— sie mochten nicht sprechen, denn worüber konnte man reden außer über den Jungen? Sie mochten nicht essen und nicht trinken, denn das Kind aß und trank nicht mit ihnen. Böse Ge- danken nahmen allen Platz ein. Gegen zehn Uhr wollte Annie ins Schlafzimmer hinüber- gehen. Es pochte, so ging sie öffnen. Werla blickte erstaunt über den Flur. Zum Teufel, die Guhlmann hat jetzt noch gefehlt! „Ach, Frau Werla, ich wollte Sie nur um etwas Salz bitten. Wir haben Rührei in der Pfanne und kein Korn Salz im Haus. Ich bin in den Iahren, wo man vergeßlich wird. Man soll sowas ja eigentlich nicht ausborgen, weil es dann bald«inen, Toten im Haufe gibt, aber sie kriegen es gleich morgen früh zurück— nanu, was haben Sie denn, um Gottes Willen—" Der Mann sprang hinzu und mußt« Annie mit leblosen Gliedern aus dem Arm der Verwalterin nehmen. «Scheren Sie sich weg!" brüllte er die Alte an,„müssen Sie immer die Here spielen? Haben wir nicht genug Unglück ohne Ihre Unkerei?" Annie kam zu sich. Mit weit geöffneten Augen sah sie in das plötzlich fremde Gesicht der Portierfrau und stützte sich an Berts Schulter. Die Guhlmann murrte bösartig vor sich hin:„So ein Kerl. Erst läßt er sich wahrsagen, dann schimpft er Hexe! Und ich Hab doch gar nichts Böses gemeint— jedes Kind weiß, daß man kein Salz ausborgen soll. Sie sollten nstt still sein, von Ihnen weiß man genug. Denken Sie nicht, daß ich Ihnen wieder einmal die Miete stunde, wenn es Streiken heißt oder Stempeln..." Die Tür schlug ms Schloß, Werla hatte sie der Be- sucherin vor der Nase zugeknallt und führte Annie in die Stube. „Was— meint— Frau Guhlmann damit: erst läßt er sich wahrsagen? Nichts? Willst du lügen? Sei wenigstens jetzt ehrlich gegen mich, Bert, es ist etwas mit dem Jungen, Ihr wißt es alle, nur ich nicht! Bitte, bitte, sag es!" In einem Tag wird ein Mensch alt, dachte Werla, und das schlimm« sind ihre Augen! Wenn die nur nicht so betteln wollten— ich darf es doch nicht sagen. Und wenn m«ine Ausreden nicht genügen? Die Alte wird nicht den Mund halten! Beide Hände ausgebreitet, als wolle sie alle Wahrheiten der Welt entgegennehmen und tragen, saß Annie. Hier mußte er bekennen. Und suchte' verzweiselt eine andere Deutung, die sie glauben würde. „Im Sommer machten wir den Ausflug. Da hat die Guhlmann meine Handlinien gelesen. Sie ist ja dafür im ganzen Hof bekannt. Ich wollte es nicht einmal..." „Bert, um Gottes Willen, so sag es doch!" „Nun, daß unser Kind noch einmal sehr krank werden müsie, ehe es die Magenschwäche ganz überwinde. In dieser Zeit müsse ich mich vor einem Betriebsunfall hüten— der könne, wenn er um diese Zeit eintrete, mein Leben kosten." Hatte er nun seine Sache gut oder noch schlimmer ge- macht? Wenn sie wenigstens wieder weinen wollte! Aber sie war wie ein Stück Holz, hart, gerade, reglos. „Also— du— auch. Wenn— das— kommt— dann — ist es aus. Dann lebe ich nicht weiter." Der Atem quälte sie, ihre Augen sahen nicht den Raum, die Unendlichkeit tat sich ihren Blicken aus und dorthin ver- zitterte ihre Stimme. „Ich sehe es. Es ist da— ganz weiß, Blumen, viele Blumen, das Kind liegt darin. Es schläft. Und du— wo bist du? Du bist auch fort— vielleicht— schläft—■ es gar nicht— vielleicht— vielleicht— ist es sckwn tot!" .(Fortsetzung folgt.) Berlin ehrt die Toten von Alsdorf Traucrkundgebong im Siadiparlamcni— Gedenkrede des Vorsiehers Tie gestrige Tikung der Stadtverordneten begann mit einer eindrucksvollen Trauerknndgebung für die Lpfer der entsestlichcn Grubenkatastrophc von Als- dorf. Ter Vorsteher, l�enostc Hast, sprach den schwer- geprüften Hinterbliebenen in, Namen der Berliner Stadtvertrcter in bewegten Worten das M i t g e f ü h l und die Mittrauer der Neichshauptstadt aus. Dann wurden die Beratungen aufgenommen: Der Dringlich- kcitsoorlage des Magistrats wegen der Einführung der Vier- und Gelränkesteuer wurde von allen Fraktionen die Dringlichkeit versogt. Die Vorlage wird nun geschäftsordnunzsmäßig aus die Tagesordnung gesetzt werden. Dagegen hatte schon der Aeltesten- ausschuß die Dringlichkeit der Vorlage des Magistrats wegen der Bewilligung von Nolstandsarheilcn auf dem Gebiele des Slrahen- bones in höhe von l3,S5 Millionen Mark anerkannt. Die Vorlog« wurde ohne Debalte an den houshaltsausschutz überwiesen. Ein- stimmig angenommen wurde ein D r i n g l i ch k e i t s a n t r a g der f a z i a l d e in o k r a l i s ch e n Fraklion, der den Magistrat ersucht, sofort eine ausreichende Summ« für die Unkersiützung der Hinterbliebenen von Alsdorf bereit Zu stellen. Dem haushaltsausschuß überwiesen wurde gleich- falls ohne Debatte die Vorlage, die das neue Bauprogramm der Bewag behandelt. An den Ausschutz sür die Angelegenheiten der städtischen Arbeiter, Angestellten und Beamten verwiesen wurde ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der zunächst seststclll, datz, entgegen einem vorliegenden Beschluß der Stadt- verordneten, Angestellte entlassen wurden� nachdem ihr Arbeits-' Pensum als Dauerpcnsum erklärt wurde, für das Beamte beschäftigt werden müssen. Es wurde daher verlangt: Bei. der Festsetzung von Dauerpensen soll das Tarifvertragsamt mitwirken. Angestellte, die länger als drei Jahre in Dauerstellen mit obrigkeitlichen Funktionen waren, bleiben bei ihren Pensen. Diese Bestimmung soll rück- wirkende Kraft haben. Eine längere Debatte entspann sich bei der vom Magistrat verlangten Erhöhung der stur- und Verpfiegungsjähe in den städtischen Krankenhäuser» aus 7 Mark. Die Berpslegungs- fäize in den heil- nnd Pslegcanstalten sollten bestehen bleiben. Stadtverordneter Büchner(Soz.) betonte, datz auch die sozial- demokratische Fraktion Bedenken habe, in der jetzigen Zeit die Kur- sätze zu erhöhen. Aber ein früherer Beschlutz der Stadtverordneten sieht die Festsetzung der Sätz« auf zwei Drittel der Selbstkosten vor nnd so mutzte die Erhöhung um A> Pf. ans 7 Mark oorgeoomme» werden. Die Behauptung d«r Kounnunisten, die unbemittelte Be- välkerung meide die Krankenhäuser sei unwahr: bei der herrschenden Wohnungsnot und der fortsck�eitenden Ausgestaltung der Krankenhauseinrichtungen suche gerade die arbeitende Be- völk«r:iiig die Krankenhäuser aus, wo«ine viel bessere Versorgung möglich ist. Die Sozialdemokraten werden der Borloze zustiinmen. Die D e u t s ch n a t i o n a l e n beantragten die Sätze auf 7chä Mark für Krankenhäuser, aus 6,50 Marl für cheilanstaiten und aus 5 Mark für Hospitäler zu erhöhen. Die Kommunisten wallten«ine Ermätzigung der Sätze. Diese Anträge wurden abgelehnt. An- genommen wurde der Ausschutzbeschlutz, die Einkommensgrenze iür die Ermäßigung der Sätze auf 3600 Mark zu erhöhen: z u g e- st i.m in t wurde aus der Erhöhung der Pflegesätze nach der Vorlag« des Magfftrals.' In schneller Folge würden schlstßlich sie Jahresabschlüsse und Bitdnzen einer großen Anzahl städtischer Geselljchaslen und Betriebe, darunter der Städtischen Oper, der Stadtbank, Spartasse, teils ange- Nammen, teils zur„Kenntnis genommen". Immer noch Böß-Oebatie. Dann wurde die Böß-Debatie fortgesetzt. Für die sozialdemo- kratisch: Fraktion sprach der Fraktioiisvoriitzendc. Genosse Flalau, sehr oft von ungeheurem Lärm der Teutschnationalen und der Kommunisten unterbrochen. Flatau führte ans: lieber den Koinpetsnzstreitigkeiten, ob die Stadtverordneten- verfanimiung oder nur der Magistrat das Recht hat, Pensionierungen von Wahlbeamten vorzunehmen, steht die Frage: Kann die Be- Handlung der ollerpersönlicbsten Angelegenheiten des Oberbürger- Meisters so weitergehen, wie es bisher geschehen ist? Müssen nicht vielmehr gerade in der jetzigen schweren Zeit stabile Ber- Hältnisse in der Stadtverwaltung geschassen werden? Wer das bejaht, muß der Pensionierung des Oberbürgermeisters znstiinmen. Richt alle� Deutschnarionalen haben über Bötz so geurteilt, wie es »n dcr etiadivcrordnetenversammlung zum Ausdruck kam. Der deutschnationale üandtagsabgeordnete Dr. Steiniger, der auch Mitglied dcr Berliner Stadtverordnetenversammlung ist, hat im Staatsrat anerkannt, datz der Oberbürgermeister oft zu Unrecht ver- unglimpft worden ist. Steiniger ober l>ot weiter erklärt: Einen Ab- wesendcn derart monatelang hcrunterzureißen, ohne daß er sich verteidigen kann, das ist nicht in der Ordnung. Diese Sache wäre mir zu schi- geeignet, unsere ganze Bclstirdmautoritist zu schädigen. (Lebhaftes Hält, hört! bei den Soz.) Unwidersprochen tonnte der Oberbürgermeister im Oilndlagsunlersuchnngsausschuß feststellen, daß sownhl Parteigänger der Deutschnaiionalen wie der ftommu- nis.cn ans feinen Fonds untersiüht wurden.(Ungel)«ur«r Lärm bei den angegriffenen Parteien, der Vorsteher erteilt mehrere Ordnungsruf« wegen des Zurufs: Verleumder.) Um diese ganzen personellen Dinge bereinigen zu können, wird die sozialdemokratische Fraktion alle Anträge, die sich gegen die Pensionierung von Böß richten, ablehnen. Genosse Flatan kam dann noch eimnal auf das „Giückwuvschi.elcgramm", das der Magistrat dem Lberbiirgermeister bei dem Freispruch durch das Oberverwaltungsgcricht gesandt hatte, zu sprechciv Der Redner dankte dem sozialdemo kratischen Stadirar W iiiz k y für die Offenheit, mit der er die Stellung der deutsch- nationalen-Stadtrate in der Telegranunangelegenheit in der letzten Stadtverordne-ienversammlung zur Sprache gebracht hatte. Wulzky habe ganz außerordentlich zur Reinigung der Atmosphäre beigetragen. Er(Flatau) sreue sich darüber, daß Wutzky die deutsch- nationalen Demagogen Demagogen genannt habe. Die versteckten Drohungen. des deutschnationalen Stadtrats Glaser verfangen bei uns nicht. Er sagte, wir sollten noch etwas erleben! Nun, hoffentlich erleben wir'nicht noch etwas in seinem Ressort. Herr Fr uz Lang« von den Koinniunisien hat vor einer Woche in seiner Rede die Ding« in seiner bekannten Manier behandelt:� er hat geglaubt, besonders den Begrisf„Würde der Versammlung" ironisieren zu sollen. Die alten proletarische» Barkämpfer des Parlamentarismus Bebel und Singer iMben diesen Begrisf niemals gcring gcachtei, si« hatten allerdings cuich den rcchlcn Sinn für die Würde eines proletarischen Massenkämpjers (Sehr richtig! bei den Soz.) Genosse Flatau verteidigt« dann den soziaidemökrattschen Stadtverordneten, Rechtsanwalt L o e w y, gegen Angriff« des Lange und betonte dabei, daß Loewy aus seinen Einnähmen hohe Bviräae an«Tie städtischen und proletarischen WodlsahitseinrichtuNgen abführe. Der deutschnationol« Stadtverordnete Pfundtner habe von geheimen Abmachungen wegen der Ober bürge/meiste rwv hl gesprochen. Ihm sei gesagt, daß so geheim« Sachen eben nur ein Gebe im rat herausbekommen könne. Die Sozialdemokraten könnten ihm aber in Vertrauen eines verrsteru Wr wähleu als Oberbürgermeister den deutschnationalen Pfarrer Koch und als Kämmerer wegen ieiner finanzpolitischen Fähigkeit, die er allerdings bisher nur auf privatem Gebiet« gezeigt hat, den früheren deiitschnotionalen Stadtrat Wege.(Große Heiterkeit bci den Soz., Lärm und Gebrüll bei den Deutsch- nationalen.) Neue Verleumdungen der Neutschnationalen. Nach den Reden der Vertreter dcr Wirtschaftspartei, des Zentrums, des Bürgermeisters Scholtz und des Stadtv. Steiniger(Dnat.) oerlas unter stürmischer Heiterkeil dcr Versammlung Stadtv. Pfundtner(Dnat.) ein« lange Erklärung, in der er die Dar- lcgungen des Stadtrates Wutzky(Soz.) vor acht Tagcn als u n- wch h r bezeichnete(Stürmische Zurufe bci den Svz.) Nach den Feststelliinoen der Deutschnationalen hätten ihre Stadtrate im Magi- strat der Äbsendung des Glückwunschtelegramms an Bötz wider- sprachen.(Zuruf bei den Soz.: Woher wissen'sie das?— Schweigepflicht der Magistratsmitglieder!) Die Erklärung unterschiebt dem sozialdemokratischen Stadtrot A-ußerungcn, die er nie gemacht hat: die sozialdemokratische Fraktion protestiert sehr lebhast dagegen, Stadtrat Wuhky verläßt protestierend den Saal. Dann nahm Bürgermeister Scholtz dos Wort: Der Magistrat sei nach wie vor der Ueberzcngung, das Recht Ziir Pensionierung des Oberbürgermeisters Bötz zu haben. Ich kann nicht zulassen, sagt« Schultz mit erhobener Stinime. datz gegen Mitglieder des Magistrats im allgemeinen und gegen Stadtrat Wutzky im besonderen Bor- würfe erhoben werden, die nicht zutreffen. Jch verlange von einem Ehrenmann, daß er seine Behauptungen beweist.(Sehr wahr! bci den Soz., Gebrüll bei den Dnat.) Ich werde aber auch feststellen, woher die Mitteilungen itammen, die Pfundtner eben vortrug. Soviel könne er, Scholtz, schon jetzt sagen: wutzky ha» nichls von einem Blumenstrauß und nichts von einem„Glückwunsch'stelegramm gesagt. Das ertstiert nur in der Phantasie der Deutschnationalen.— Der Nationalsozialist Dr. Loepelmann erntete mit seinem Schluß- wort stürmische Heiterkeit und mehrere Ordnungsruie. Die Abstimmungen. Um 21.30 Uhr tritt dos Haus in die Abstimmungen ein, die über drei Anträge namentlich sind. Die jjon den Kommunisten beantragte pensionslos« Dienstentlassung des Oberbürgermeisters Böß und chr Protest gegen dos Urteil des Oberverwaltungsgerichts wurde mst 97 gegen 59 stimmen abgelehnt.— Die Nationalsozialisten halten«inen Zusatzantrag eingebracht, in dem die Aus- segung der Pensionierung gefordert wird, bis neu vorgebrachte Anschuldigungen gegen Boß geklärt sind. Der Antrag wurde eben- falls abgelehnt, es waren 142 Stimmen dagegen und 59 dafür.— In der dritten Abstimmung wurde über hie Forderung der Deutsch- nationalen nach einer Vorlag« wegen dcr Pensionierung ab- gestimmt. Mit 101 gegen 95 Stimmen wurde dieser Antrag a n- genommen. Tragödie einer Gelähmten. Tragischer Gastod als Folge des Gelbstmordes einer HausaugesteNten. Eine Hausangestellte öffnete die Gashöhne der Küche, um den Freitod zu suchen. Die gelähmte Frau des Hauses, die sich mühselig aus Krücken bewegt, betritt die Küche, bricht von der Einatmung des Gases betäubt zusammen und findet gewaltsam den Tod, dem die Selbstmörderin bereits erlegen war. Zlm Donnerstagvormittag bemerkt« die gelähmt« Gattin des früheren Polizeioberinspektors Steinhau«r in Potsdam. deren Rtann zur Zeit verreist ist, daß dem Küchenraum Gas«ut- strömte. Die Gelähmte begab sich auf zwei Krücken zur Küche. Die Unglückliche stolperte und blieb hilflos liegen: stundenlang mußte die Unglücklich« das tödliche Gas einatmen. Die Polizei fand Frau Steinhauer unb auch die Hausangestellte tot auf. Die Hausangestellte, eine gewiss« Jaenicke, hatte am Mittwochabend di« Gnshähne in dcr Küche geöffnet und Selbstmord verübt. Die Villa des Reichsbahndirektors. Wegen schwerer Vestechunq zu Gefängnis verurteilt. Nach mehrwöchiger Verhandlung wurde gestern nachmittag in dem Bcstechungsprozeß gegen den Reichsbahndirektor Wilhelm N e u m a n n und hen Zioilingenieur Dr. D a o i d K ä m p f e r von der Großen Strafkammer des Landgerichts i als Berufungsinstanz das Urteil gesprochen. Neumann war in der ersten Instanz wegen einfacher Bestechung zu 2500 Mark Geldstrafe verurteilt worden, während Dr. Kämpfer sreigesprochen worden war. Aus die Be- rusung der staatsanwe-ltschast verurteilte die Strafkammer beide Angeklagte wegen fortgesetzter schwerer Bestechung zu je zwei Monaten Gefängnis. Der Wert der empfangenen Zu- Wendungen wurde auf 5000 M. festgesetzt und dem Staat für ver- fallen erklärt. Bekoiinrlich hatte Dr. Kämpfer dein mit ihm besreun- deten Reichsbahndirektor Ncuniann, der Beschaffungsdezerncnt im Reichsbahnzentralamt war, eine Villa bei Neubabcls- berg erbaut und sie ihm zu einem Preise vermietet, der ettva acht Goldmark im Monat ausmachte. Dr. Kämpfer hatte vom Reich-- bahnzentralamt als Leiter von Schmelzhütten'Altmaterial zur Per- Wertung dauernd zugewiesen erhalten. Auf der Flucht erschossen. ' Gestern nachmittag sollte der 45jährige Albert Körner, der wegen mehrerer Diebstähle von der Polizei gesticht wird, in seiner Laube iu Heinersdorf in der Malchower Siedlung s e st g e n o vi- men werden. K. hatte die Polizeibeamten schon von weitein kommen sehen und um sich seiner Verhaftung zu entziehen, ergriü er die Flucht Die beiden Schupobeamten fuhren auf Rädern hinter dem Flüchtigen her, der querfeldein in Richtung Blankenfeld lief. Die Polizisten jeuerten mehrere Schreckschüsse ab, aus die Körner jedoch nicht reagierte. Als die Beamten am Krankenhaus Blankenfelde bis auf etwa 50 Meter an den Flüchtigen heran- gekommen war«n, seuerte einer-der Schupobemnten abermals zwei Schüsse ab; von einer Kugel in die Brust getroffen, brach Körner zusammen. Der Schwerverletzt« wurde durch die sreiwillige Feuerwehr Blankenburg nach dem Staatskrankenhaus in der Scharnhorst- straße gebracht, wo er bei seiner Einlieferung bereits g e st o r b e n war.— Es wird streng untersucht werden müssen, ob tatsächlich die Notwendigkeit vorlag, auf den Mann scharf zu schießen. Im all- gemeinen gelten Diebstähle ja noch nicht als todeswürdig« Ver- brechen. Warum also hier so leicht mit der Schußwaffe hantieren? Archiv der Wohlfahrt. Verlin besitzt die größte soziale Fachbibliothek. Das Archiv für Wohlfahrtspflege macht in seinem neuen Arbeitsbericht wichtige Angaben über die Entwicklung dieser Forschung?- und Austunstsstell« aus dem Gebiet der Wohlfahrt-- pflege. In dem Archiv besitzt Berlin die größte soziale Fach. bibiiothek Deutschlands, die zur Zeit über 22 000 Bände und 200 000 Materialftücke verfügt. Das'Archiv stellt eiu« Art Zentral« für die Information auf dem Gebiet dcr Wohlfahrtspflege dar, indem es allen an dieser Arbeit Beteiligt«»(Behörden, ausübenden Kräften, Wissenschaftlern und Wohlsahrtsschülcrn sowie auch den Kreisen der Wirtschaft und der Wissenschast) weitgehende'Auskunft über alle Gebiet« der Wohlsahrtspftege im In- und Auslande vermittelt. Das Archiv dient mit seinen theoretischen Matcrialsaminlungcii vor allem der Praxis, indem«s die Ersahruiiigen, die aus den verschiedensten Gebieten in dcr Organisation und in der Forschung gemacht werden, in weite Kreise hineinbringt, um sie der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Bibliothek steht jedem Intercsientcn zur Verfügung. Es Hot im letzten Jahr aus seinen Beständen etwa 18 000 Stück entliehen und etwa 20 000 Auskünfte erteilt. Die neuen Räume mit Bibliothek und Studiensaal(Berlin C. 2, Nene Friedrichstroße 36, 2. Hof, 5. Aufgang, 3 Treppe») sind täglich von 9 bis 17 Uhr, sonnabends von 9 bis 14 Uhr geöfstiet. Immer noch Hebbelstraße 17. Wann wird dos Haus endsich gtraumt? Das Unglückshaus H e b b e l st r a h c 17 in Eharlottcnbnrg beunruhigt wieder einmal die Gcinütcx. Es wird endlich an dcr Zeit, daß die Baupelizei das Haus, wenn auch gegen den Wid«:'- stand der Mieter, räumen läßt, nm den ewig«» Alarm- Meldungen, di« sich monatlich regelmäßig wiederholen, ein Ende zu bereiten. Es mutz scUUßlich möglich sein, in der 4'/«-Millionenstadt für Sie weiftgen in Frage kommenden Mictsparteien eins einw-uid- freie Wohnung zu beschaffen. In einer Wohnung im 4 Stockwert des bekannten auf Moor- grund erbauten Hauses lösten sich gestern von der Decke einige K altstücke, es zeigten sich auch Riffe, was wieder einmal Anlaß zu alarmierenden Nachrichten über„den neuen drohenden Haus- einsturz" gab. -Richtig ist, daß sich einige Bewohner, denen feit langem andere Wohnungen zur Verfügung gestellt worden find, wegen mehrerer Risse in der Decke in Unruhe fühlten und die Baupolizei von dem Borfall in Kenntnis setzten. Dabei stellte sich dann heraus, daß dcr Schaden, wenn man den Zustand der Hausruin« berücksichtigt, recht ger'mgsügig war. Die Berliner Feuerwehr, von der es hieß, daß sie„Ausräumungsarbeiten" vorgenommen habe, ist über- Haupt nicht in Tätigkeit getreten. Oer Kettenhund soll es besser haben. Ein Herfreundlicher Veschluß. Die steuerfreien Wachhunde in den Laubenkolonien ent- behren im Winter oftmals der erforderlichen Wartung und Pilcge.' Obgleich die Hunde nach der Vorschrift nur am Tag« im Frei«n an der K«tte liegen müssen, werden sie vielfach dauernd bei Tag und Nacht angekettet gehalten. Manche Besitzer kümmern sich oft' tagelang nicht um ihre Hunde. Um das Los diescr vcrnochlüssigtcn Kettenhunde zu bessern, hat die Finanz- und Steuerdeputation des Magistrats folgenden Beschluß gefaßt:„Bci steuerfrei cP Wach. Hunden in Kleingärten gilt die Borschrist, daß der Hund„am Tag« im Freien an der Kette liegt" als erfüllt, wenn«r auf dem Grund- stück so sicher untergebracht wird, daß er es nicht verlassen kann." Danach brauchen die Hunde nicht mehr angekettet zu werden, sondern können auch in dcr Laube, im Stall oder Schuppen untergebracht werde». Sie dürfen auch in dem Kieingarlen s r c i umherlaufen, wenn dessen Un, wehrung derart beschaffen ist, datz dir Hund das Grundstück nicht oerlassen kann. Mafsenchöre im Saalbau �ricdrichshain. In der Bortragsfolge des ausschlicßlich aus Masse nchörcn bestehenden Bormittagskonzertcs, das die Ehormeister Hans Schreiber(Männcrchöre) und Roseberg d'Arguto(r.e- mischt« Ehörc) leitet«», waren die Höhepunkte, dcr Rotgardisten- marsch s ch e r ch c n s und das Arbeiterlied Klaus Prings- heims, letzteres trotz des lda-cupo-Erfolges, keincsivcgs hinreißend, wenn auch gut vorbereitet. Die Kra-ft und die Mass« muß da oft Beschwinztheit und Feuer ersetzen, so im letzleren Chor, oder die große Linie� in der Steigerung fehlt, wie im ersteren. Einig« Gesamiproben mehr hätten nichts schaden können. Im ganzen hatte Hans Schreiber mit seinen Männerchörcn tüchtig gearbeitet. Eine besonders angenehme Ueberrajchung aber mar dos Wiedererfcheinen d'Argutos noch johrlonger Pause. Dieser berufenste Chorpädagnge zeigt« in seinem„Der srei« Mann"(nach Beechoven) und namentlich in der ganz großen Leistung des„Erlöse Dich" von Lendvoi, welche lebendig« Krast von ihm ausgeht. Armin L l« b« r ma n n gab teils mit zwei Triogenosjcn ldrei Celli), teils als Solist wieder w'« so oft glänzende Proben jeiner cigeuen, delikaten Bortragskunst. VORWÄRTS Der Wedding auf der Wacht! Auf Vorposten für die Partei �Als der„Alte" noch einmal in den Kerker mußte Bebe! mahnt:„Nun erst recht! Mit doppelter Kraft!" Hie das rote Neukölln wurde, hat uns unser aller Freund Paul Feiler im„Vormäris" kürzlich erzähl i. Heute plaudert Karl Leid iiber� ernste und heitere Episoden aus den schweren Kämpfen der Weddinger Arbeiter in der Vorkriegszeit. Fr erinnert uns an jene sdimacboulle Zeit, die den greisen, heinahe siebzigjährigen Wilhelm Liebknecht, den Freund aller Schutzlosen und Annen, wegen..Majestäls- beleidigung" noch einmal in die Gefängniszelle wandern sah. Die Zeit der Reichstagsmahl von 1007 wird lebendig. Viele der Ireue-ten Genossen Hellen damals den Kopf hängen. Aber des allen Bebels Augen leuchteten, als er ausrief:'„Nun fängt die Arbeit, erst recht an! Nun an die Arbeit mit doppelter Kraft!" Dieses I! ort unseres groflcn Toten hat heule Geltung wie damals. Es beseelt unseren Kampf, der uns trotz alledem und alledem dereinst den Sieg für Völkerbefreiung und Sozialismus bringen wird. * Im Frllhirchr 1884 tmirbc der„Arbeit«r-Bezirksi?«rein der > Oranienburger Borstadl und des Weddings" gegründet. Noch heute befinden sich unter den Genosse» des 3. Kreises„Wedding" Mit- glieder, die diese Gründung mitgemacht und 4 6 Jahre hindurch treu zur Fahne des Sozialismus gestanden haben. Was mag es schon gegenüber solchem Heldentum, solcher vorbildlichen Solidarität und der in Stürmen �gereisten Erfahrung unserer Genossen bedeuten, wenn sie mittlerweile wie überall auch auf dem Wcdding ein Maulheldentum. breit macht, das heute„Hell Maskau" und morgen„Heil chitler" schreit. Von einer so herrlichen Schöpfung des kommunalen Gsmeinsinns, wie sie die Anlagen der Reh berge darstellen, die wohl der schönste Erholungspark Deutschlands, viel- leicht gar Europas sind, muh auch der grimmigste Gegner der Sozialdemokratie den Hut ziehen. Der Wedding war immer V o r p o st e n im Kampfe gegen die Reaktion von links und rechts. Lassen wir darüber den Genossen 5tar! Leid, jetzt tüchtiger Vezirksbürgermeister des Wcddings, über frühere Zeiten erzählen: Ein aiier„VoTwäTis�-Redakteur erzählt... Es ist die grosse Tradition, die die Sozialdemokratie des Wcddings stark geniachi hat. Hier ist der Kern des 6. Wahlkreises, der die ersten Abgeordneten in den Reichstag, Landtag und ins Stadtparlament entsandte. Aufs innigste verbunden waren die Genossen init ihrem Führer und Abgeordneten, unserem unvergess- lichen Wilhelm Liebknecht. Ter„Alte fühlte sich hier heimischer !Uid wohler als in seinem Wahnbcziri Charlottcndurg. Eine solche Popularität hat wohl nur noch einer bei seinen Wählern, Genosse Sradthagen im Wahlkreise Niederbarnim besessen. Di« kleinsten persönlichen Beschwerden wurden Liebknecht vorgebracht, und er sann auf Abhilfe. Im Kreise der Genossen sucht« und fand er auch Erholung und Befreiung von der Last der grofzen Verantwortung Wilhelm Liehknecht, der„Alte" vom Wedding Noch immer trägt keine Straße Berlins seinen Namen. Wann endlich ehrt die Arbeiterstadt ihren großen toten Führer? Als Liebknecht 1895 wieder einmal wegen Majestätsbeieidigiing, ein Jahr vor seincin 70. Geburtstag, zu vier Monaten Gefängnis oer- urteilt wurde, die er im Winter 1897/98 verbühle, war die Anteil- nahm« an seinem Geschick einmütig, und groß. 'Bei seiner Rüikkehr bereiteten ihn, die Berliner Genossen, m der„Tonksalle" in der Friedrichstrahe einen so stürmischen Empfang, wie ihn an L'ebe und Begeisterung kein Mächtiger dieser Zeit zu oerzeichnen hatte. Die Einheit über alles? Es war eine grohe Zeit, die den proletarischen Kämpfer mit stärkerem Verantwortungsbewuhtsein erfüllte als die heutige. Von Bebel ging die Forderung aus, jedes Mitglied hat sich durch fleißige Kleinarbeit erst die Ehre zu erkämpfen, um für voll angesehen zu werden. Höher als politische Meinungsverschiedenheiten stellten die Genossen die Einheit der Arbeiterklasse. Sie waren die ersten, die die Vereinigung der gespaltenen Partei am Ende des Krieges wieder herbeiführten. Die führenden Genossen jener Zeit. vor dem Kriege, sie treffen sich oft noch im Bezirk Wedding, ober meist bei einem Anlaß, der sie mehr traurig als froh mastzt. Immer, wenn es heißt, von einem der alten Kämpfer und Freunde Abschied zu nehmen, im Krematorium in der Gerichtskraßc, sehen sie sich wipdcr. Man hört gern zu, wenn Karl Leid als alter Funktionär der Partei aus dem großen Schatz ssiner Erlebnisse auspackt Einige kleine Anekdoten mögen hier salgen: Karl Leid als langjähriger „Verantwortliäzer" Redakteur des„Vorwärls" hi.tt« jür einen Majestätsbeleidigungsortikel aus der Feder von Kurt Eisnsr ein Jahr Gefängnis aufgebrummt erhalten, das er 1904/0? absaß. Ein „V o r w ä r t s"- W i l l k o m w e n begrüßte am Tage der Eni- lassung den Heimkehrenden. Das gefiel dem Staatsanwalt nicht, der eine Wallfahrt der Genossen nach Tegel befürchtete. Schon ein- inal während der Strafhaft an Leids Geburtstag hasten sich mehrere Hundert Genossen vor dem Gefängnis eingesunden, und hatten ihm ein Ständchen gebracht. Karl Leid hatte keinen anderen Gegenstand zur Hand, sich den Genossen hinter den vergillertcn Fenstern bemerk« bar zu machen, als ein Exemplar der„umstürzlerischen"„Tarne Boß", das er tüchtig schwenkte.- Der Staatsanwalt also bestimmte, daß Leid nicht in Tegel entlassen werden sollte, sondern vom Polizeipräsidium am Alcxanderplatz abends 5 Uhr. Sogar die Droschke bezahlte man großmütig, da Leid sich weigerte, in der „Grünen Minna" zu fahren. Abends war darum auch niemand da, der unserem Leid die Hand hätte zum Wulkommensgruß drücken können. Aber schon unter der Unterführung am Prälaten stürzt« ihm Paul Singer, mit einem Blumenstrauß bewaffne!, en!» gegen. Im Parteilokal in der �Kolbergsr Straße ober warstne August Bebel, um den entlassenen Freund zu begrüßen. „Wie kann man nur den Kopf hängen lassen?'" Am Abend der Reichstagsw.rhl von 1907, die viel Aehnlichkeit mil unserer letzten Reichstagswahl hatte, war in der Redaktion des „Vorwärts" eine recht unbehagliche Stimmung, als eine H i o l> s- b o t s ch a f t»ach der anderen eintraf. Plötzlich erschien auch Bebel, um sich nach den erste.» Mstimmungs-resultaten. zu erkundigen. Er sah die bestürzten Gesichter seiner Freunde und hob abwehrend die Hand:„Kinder, ihr braucht mir gar nichts, zu sgge», ich sehe schon, was los ist" Aver dann, nach einem Wetidlsfr, strahlten feine Augen wieder im alten Kampfesnmi:„Das haben wir doch mehr als einmal erlebt, wie kann man nur den Kops hangen lassen. Run fängt die Arbeit erst recht für uns an! Nun erst recht und gerade deshalb mit d o p p e l t e r- K r a s l!'" Die Berliner Genossen sind diesem Führerwort gefolgt und werden ihm immer folgen. Die F re i h c i t s b a t a i! l o n c d:s roten Wedding und der anderen Bezirk« der Ardeiterstadt Berlin werden die Söldnertruppen der Reaktion wie die Hasen jagen, wenn sie es ernsthaft wagen sollten, der unter so vielen Opiern und Erst- behrungen erkämpften demokratischen Republik den Garaus mach-:» zu wollen. IE GROSSE MARKEJ Fragt sich der Raucher jedesmal beim Kauf einer Zigarette, warum er gerade dieser den Vorzug gibt? Wer wirklich von einer Zigarette das vorzügliche Aroma erwartet, das den köstlichen Genuß des Rauchens gewährt, sollte unsere hochwertigen Marken- SOZ I AM-tPBRKKf S f versuchen, die den Raucher durch ihren Duft und ihr liebliches Aroma fesseln. liAAKEDON. ZIGARETTENFABRIK G. M. ß.H., MAINZ A. RH. KONZERNFRII Gdn#raivertratung: Carl Sudol/ Borlin NW 6, LuissnstreiSo 30, Tsl, D 2, Woidondcmim 3354 Revolte im Lcdigeelieim. Das„Volkshotel" in Charlottenburg/ Der Verwalter als Unruhestifter Die„Dolfßfjofcl A.-G.". 1908 unter tatkräftiger Mitwirkung der Stadt, die das Grundstock spendete, begründet, war viele Zahre unter einsichtsnoller Leitung ein Wahrzeichen sozialer Dvhnuugssürsorge und Vorbild für ähnliche Einrichtungen an anderen Orten. Die Finanznöte der letzten Zahre waren Üuelle mancher Mängel, die durch da» herrische Austreten de» neuen Verwalter» fühlbar wurden. Bei der geänderten Zusammensetzung de» Mieierbestandes— neben Znoaliden der Arbeit sind unter den etwa ZSO Bewohnern meist junge Arbeiter und Werkstudenten— führte das zu Beschwer- den und Zusammensibszen. Die jungen Mieter haben sich dabei nicht immer die richtigen Berater gewählt, so den prozctzfreudigen Syndikus eines bürgerlichen Mietervereins und die zur Schürung jedes Jevers stets bereiten Parteisuppentöche der KPD. Aber, was sie in der Hauptsache sor- derten: Beseitigung offenbarer Mißstände(so mußte für jedes Fahr- rad monatlich ein Standgeld von 1 M. gezahlt werden, ohne Haftung für Diebstahl!) und Anerkennung einer Mieteroertrelung kann vom Standpunkt des sozialen Mietrechts nur gutgeheißen werden. Leider hat jedoch die Leitung der Gcsellschait, deren Uncigennützig'keii nicht zu bezweifeln ist(Begrenzung der Dividende auf 4 Proz., ehrenamtlich waltender Borstand und Aufsichtsrat), nicht den rechten Weg zur Verhandlung gefunden. Der„patriarchalische" Standpunkt, den greise Almoscnempfänger sich noch gefallen lassen, ist gegenüdek arbeitenden jungen Menschen, die ein Mitbestimmungsrecht fordern, nicht am Platze. Die Anerkennung der Mleterverlretung wurde verweigert. So kam es statt sachlicher Verhandlungen am runden Tisch zu unschönen persönlichen Auseinandersetzungen. ?n der Charlottenburger Bezirksversammlung war der sozial- demokratische Bezirksverordnete Gebert mit Wärme und Sach- künde für die Heiminsasscn eingetreten. Ein Antrag seiner Fraktion, der das Bezirksamt aufforderte, auf Abstellung begründeter Be- fchwerden hinzuwirken, wurde angenommen. Seitdem hat sich aber leider der Zwiespalt sehr erweitert. Von der Verwaltung wurde etwa 20„Unruhestiftern" die Wohnung gekündigt. Davon hat einer, der schon arbeitslos war, Selbstmord begongen. Kürzlich fand«ine Versammlung im Heim start, zu der alle Fraktionen der Brztrksversommlung eingeladen waren. Die schon geladene Atmosphäre war durch Erscheinen radauiustiger kommunisti- scher Elemente von draußen nicht ruhiger geworden, so daß alle Hetzereien einiger Redner freundliches Echo fanden. Doch ist dos ruhige Verhalten der Masse der Mieter, deren Vertreter,«in Werk- studeitt, seine Sache mit musterhafter Sachlichkeit vortrug, zu rühmen. IN der lebhaften Aussprache wurde der Rechtsstandpunkt von allen Seiten erörtert, wobei der Vorsitzende des Mieteinigungs- amts, als Vertreter des Bürgermeisters, recht schlecht abschnitt, während Genosse K S tz e N st e i N bei der rechtlich zweifelhaften Lage vom Prozessieren abriet und das Gewicht auf die soziale Seite des Mietverhältnisses legte. Er versprach unparteiische Prüszing der Einzelheiten und Vertretung aller berechtigten Forderungen der wahrlich nicht beneidenswerten Mieter(eine Kammer von 6 Quadrat- meter kostet mit Heizung und Beleuchtung monatlich 18,50 M. Die im ganzen ruhig verlaufene Versammlung schloß mit der Annahme einer Entschließung, die u. a. Zurückziehung der Kün- digungen, Entfernung des Verwalters, Anerkennung der Mieter- Vertretung und— übers Ziel hinausschießend— Rücktritt der Stadträte im Heimoorstand fordert. Die Bezirksversammlung beschloß auf Antrag der Sozialdemokraten die Einsetzung eines sofort zu- sammentretenden Ausschusses, der das GesaMtoebiet der Fragen unter Heranziehung der Mieteroertrelung prüfen und eine Neurege- lunz vorbereiten soll. Die ausgesprochenen Kündigungen sollen bis zur Klärung des Sachverhaltes zurückgezogen werden. Hoffen wir, daß das Eingreifen der Bezirksvertretung ein an- nehmbares Ergebnis, wie es den Zwecken des 5>eims entspricht, zeitigen wird! Aus der Arbeit der Bezirke. Die Waldschule bewährt sich. I. Bezirk— Charlottenburg. Die Sitzung vom 22. Oktober erledigte zunächst, einem Dringlichkeitsantrag der sozialdeutotratischen Fraktion folgend, den Streit im Ledigenheim durch Einsetzung eines Ausschusses (siehe besonderen Bericht). Die Kommunisten hatten Entfernung des Polizei schutzes aus dem Grundstück des Arbeits- n a ch w e i s e's an der Spreestraße gefordert. Stadtrat P a n i ch o w wies die unhaltbaren Zustände nach, die kommunistische Heißsporne dort mit ihrer terroristischen Propaganda geschaffen halten. Selbst vor Bedrolping des fast liOfährigen Stadtrats war man nicht zurück- «v�chent.- Genosse Weidlich billigte aus eigener Kenntnis der Ber- hältlnsse die Schutzmaßnahme, die durch fast einstimmige A b- t e H n u n g des Antrags von der Versammlung qnlgeheißen wurde. Vie Lorbeeren der Münzenberg-Presse im Verdächtigen der städtischen Hilfsaktion bei den sinkenden Gebäuden der H e b b e l st r a ß« hatten.. die Nazikönkurrenz nicht ncheti laßen. Die pöbelhafte Form der Antrage veranlaßie die Bersaminlung auf demokralischeu Antrag, ihr die Ehr« der Verlzandlung zu verweigern. Dafür würde das ganze Gebiet dieser Fragen zur genauen Erörterung einem besonderen Ausschuß überwiesen. Grundsätzlichen Wert halt« nur die Vorlage betreffs Unterbringung von 30 Kindern in der städtischen Waldschule durch die Landesversicherungs- anstalt Berlin: die erste Frucht der Arbeitsgemeinschaft von Gemeinden und Versicherungsträgern, die von Genossen Dr. Joffe freudig begrüßt und einstimmig genehmigt wurde. Feues Altersheim in Ali-Gtienicke. TS. Bezirk � Treptow. Die Bezirksoersammlung Treptow nahm tn ihrer letzten Sitzung davon Kenntnis, daß die Berliner Städtischen Wasser- werke nicht beabsichtigen, in der Wllhlheide weitere Tiefbrunnen anzulegen. Die Auslösung der Wohnungsdeputation wurde abge- lehnt, nachdem unser Genosse L i e d e l den Stairdpunki der sozial- demokratischen Fraktion zum Bortrag gebracht hatte. Der 5)aus- haltsooranschlag 1931 wurde durch den Genossen Bürgermeister G r u n o w eingebracht und begründet. Er wies darauf hin, daß neben allen wichtigen Bauprojekten vor allem die Fertigstellung der S ch u l- neubauten in Baumschulenweg und Johannistlzal erfolgen müsse. Die seit vielen Iahren projektierte Badeanstalt in Niederschöne- weide wird immer dringlicher: leider wird dieses Projekt durch den Magistrat neuerdings nicht mehr so eilig berrachtet wie früher. Gerade der Bezirk Treptow mit seiner starken Arbgiterbevölkerung und schlechten Wohnverhältnissen habe ein Recht, diese Badeanstalt schnell- slens ju erhalten. Für den Neubau eines Altersheimes in Alt-Glienicke sind 495 000 M. angefordert. Das Bezirksamt hat den Wunsch, hier ein Heim zu errichten, das mit dazu beiträgt, die oft dunklen und trostlosen Tage der Allen erträglich z» machen. 300 000 Mark sind für die Errichtung eines G e s» n d h e i t s h a u s e s, dessen Verwirklichung lebhaftes Jnteresse der Vevölkerung auslösen wird, vorgesehen. Von den größeren Bauvorhaben ist noch das neue Feuerwehrdien st aebäud e in Nisderschöneweide zu nennen. Als erste Baurate smo hiersür zunächst 150 000 M. in den Etat ein- gesetzt. Insgesamt betragen die Kosten für die einmaligen Zlnsord«' rungen 4 476100 M. Trotz größter Sparsamkeit beträgt der Etar ansag für 1931; 13 597 570 M. gegenüber 12534170 M. für 1930. Der Bedarf nach Abzug der Bezlrkseinnahmen beträgt 10 722 350 M. Der Löwenanteil wird für die Wohlfahrt benötigt. Fraglich ist es jedoch noch, ob die Ansätze bei weiterer schlechter Wirtschaftslage und damit notwendig verbundener Inanspruchnahme des Wohlsahrts- amtcs ausreichen werden. Im Augenblick läßt sich hier noch keine endgültige Zahl nennen. Für das Schulwesen werden 3 685 600 M. angefordert. Der Bürgermeister bat, dem Voranschlag zuzustimmen und für die Verwirklichung unserer Bauprojette durch die Zentral- instanzen mit zu sorgen. Namens des RechnuNgsaUsschusjes er- stattete Genosse Strieder den Bericht über die Beratungen des Haushaltsvoranschlages 1931. Genosse Becker ersuchte das Be- zirksamt, sich mit aller Kraft für die Ausführung der dringlichen und nun schon seit Jahren zurückgestellten Bauvorhaben einzusetzen. Gegen die Stimmen der Kommunisten und Deutschnationalen würde der Voranschlag schließlich angenommen. Die Versammlung erklärte sich mit der Einlegung eines dritten Markttages, und zwar in Bau ml ch u l e n w e a am Sonnabendnachmittag von 15 bis 19 Uhr und In u.reptow>Nord am Montagvormittag von 8 bis 13 Uhr einverstanden._ Siedler lehnen Moskaujünger ab. T6. Bezirk— Köpenick. Die notwendige energisch« Geschäftshandlrabung des Vorsteher» löste natürlich bei den Komnmitiste» einen Antrag auf Mißtrauens- ootum und Amtsenlsetzung des Vorstehers aus, der aber abgelehnt wurde. Aus den mehrstündigen Debatten ist als erwähnenswertes Ergebnis die Feststellung unseres Fraktiousredner,. Genossen K l a t t zu erwähnen, wonach bei Erörterung von Siedlung?- fragen die Siedler wiederhost schriftlich zum Ausdruck gebracht haben, daß sie Kominunislen nicht als Vertreter ihrer Interessen betrachten.(Einstimmig befürwortete die Versammlung die Einrich- lung einer pädagogischen Akademie in Köpenick. ZuM Schluß fand ein Antrag gegen Erhöhung der Bicrsteuer und Einführung einer Getränkesteuer für Berlin einstimmige'Annahme:— Die nächste Bezirksverordnelensißung muß sich nach einer Vorlage des Bezirks- amts mit der Vornahme der Wahl eines unbesoldeten Bezirks- amtemitgiiedes befassen.___ Starker Bevölkerungszuwachs. 20. Bezirk- Reinickendorf. In der letzten Bezirksverjammlung wurde der Haushaltsplan für düs Jahr 1931 beraten. In der Aussprache überschritt der kom- munistssche Redner bei weitem die Redezeit und wurde mehrmals ausgefordert. zur'Sache zu reden. Nach mehrmaliger Ausforderung entzog der Vorsteher dem Redner das Wort; dieser sprach aber demonstrativ weiter, ivorauf die Versammlung aus 10 Minuten ver- tagt wurde. Bereits vor Unterbrechung der Sitzung hatte der Bor- steyer dem Genossen(Elpe! Las Wort gegeben. Als deshalb ein Kommunist, der sich zur Geschäftsordnung gemeldet hatte, nicht das Wort erhielt, mimten die Kommunisten Entrüstung. Di« Rüpels mußten schließlich mit Gewalt aus dem Sitzungssaale entfernt werden. Dann ging die Beratung in Ruhe welter, und der Etat, in dem 24 Millionen Mark Ausgaben gefordert werden, wurde an- genommen. Unter den Ausgaben stehen für die verschiedenen Gc- bitte in der Gesundheiropflege über 3 Millionen Mark, sür die Schulen über KU- Millionen und sür das Wohlfahrtswesen fast 7 Millionen Mark, also über löt- Millionen Rlark sür soziale Zwecke. Das find mehr als zwei Drittel der gesamten Ausgaben. Wenn sich die Ausgaben von Jahr zu Jahr erhöht haben, so liegt das auch zum Teil daran, daß die Einwohnerzaht des Bezirkes sich dauernd vergrößert hat. Bon 92 000 Einwohnern nach der Bildung Groß-Bertins ist die Zahl setz- auf 151 000 angewachsen. Der Friedhof in Berlin-Tegel reicht nicht mehr aus, deshalb wurde die Erweiterung desselben beschlossen. Zum Schlüsse wurde noch die Umgestaltung des W o h l f a h r t s w e f« n s im 20. Bezirk vorgenommen, um sich den anderen Bezirken anzupassen. Nach dieser Neuordnung erhält unser Bezirk 31 Wohifahriskommifsionen. Neue Brücke am Krögel. Im Zuge per Klosterflraße/ Stralauer Str. wird verbreitert Der Magistrat läßt der Stadtverordnetenversammlung eine vor. läge zngehen, nach der er beabsichtigt, das Grundstück Strataner Straße 47/51, Kleine Slralauer Straße t/S von der Leonhard Tieh A.-G. zu e r w e r b e n. Es ist beabsichtigt, die S t r a 1 a u e r Straße aus 32 Meter zu verbreitern. Das zu kaufende Grundstück liegt im Zuge der geplanlen Ringstraße Kloster- siraßc— Wallstraße, und der Erwerb würde den Neubau der Mühlendam in schleuse sehr erleichtern und verbilligen, weil der Berkehr während der Bauzeit über die im Zuge der ver. iängerten Klosterstrahe zu bauende Brücke geleitet werden könnte. Di« Leonhard Tietz A.-G. will auf chrem Grundstück ein Geschäftsgebäüde errichten. Sie hat der Baupolizei bereits ein Bauvorhaben für den gesamten Grundstücksbiock eingereicht und für den Fall der Ablehnung ihres Kaufangebots um beschleunigte Be- arbeitung gebeten. Da die Stadt bei einer späteren Enteignung keinesfalls unter günstigeren Bedingungen in den Besitz des Grund- stücks, für das jetzt ein Kaufpreis von 2 200 000 Mark verlangt wird, kommen wird und die Zahlungsbedingungen günstig sind, hat der Magistrat entsprechend dem Beschluß des Grundeigentums- ausschusses dem Ankauf bereits zugestimmt. Vcrllntworllich nie?!i>lltir.- Oitta» Schiff! jglrttchalt:®. Wiwerllch-ftüvew.-guilg: Fi. Clitociii ff-uillkion Dr. Zstz» Schilxwrli; Lokales! und Sonsliaes! Frift»arlladt: Annciaeni Tb. Slorfc: fimitlich in Berlin. Kerl«»! K«ri»»rt,.K,ria»®. m. b.$>., Berlin Druck: Borwärls-Buchdruckere! und Berlaasanftalt Boul Sinner u. Co.. Berlin SW. 6», Lindenfttafie I. Hierzu 3 Beilanen. E S S E N• W E N I G ER DAFÜR AUS GEBEN DUR C U K A R S T A DT- L E B ENS MI TT IE L KONSERVEN KOLONIALWAREN OBST UND GEMUSE *KONFiTUREN WEINE/SPIRITUOSEN JSkg.-Spargel mi»»l,>/, o«. 2.44 Stg.-Spargel ckünn,>/, 0»». 1.90 Brechspargel...-/. o«. 1.29 Spargelabschn..>/. v«. 1.39 .Ig. Erbsen min»if»in,. 0.7Z Gemüseefbsen.>/. o»». 0.68 lg. Erbsen«. ic--ron»«>/, o,. 0.50 Jg.Wachsbohnen 0.53 Jg. Brechbohnen>/, o«. 0.39 Spinat 3 Pfd. Ds. 0.60,,, v«. 0.95 Pflaumenmus». ZNck..kim. 0.95 Apse|..l«»ii..d»<»«,.ea.ZPM..kIin. 0.95 Apfel-Gelee».im.-Gi« 0.50 Bruchreis........ Rtd. 0.18 Burma-Reis..... pw. 0.20 Weizenmehl 000. pw. 0.22 Wiener Auszug Victoriaerbsen. Grüne Erbsen.. Linsen Eierbandnudeln Mischobst..... Aprikosen.... . 5 Pfd. 1.25 .. Pfd. 0.22 .. Pfd. 0.20 «n Pfd. 0.22 .. Pfd. 0.48 an Pfd. 0.46 an Pfd. 0.72 Kurtrauben..»...... Pfd. 0.30 Kochäpfci.......... Pfd. 0.20 Tiroler Edelbohmer.... Pfd. 0.30 Californische Tafeläpfoi. Pfd. 0.38 Kochbirnen große.... Pfd. 0.20 Sellerie große Knollen. Pfd. 0.1 0 Rosenkohl........... Pfd. 0.24 Bohnen Pfd. O.20 Rot-, Weiß-, Wirsingkohl Pfd. 0.03 Kartoffeln....... 10 Pfd. 0.22 Rhein. Spekulatius Pfd. 0.50 Dominosleine, Dopp.-Füll. Pfd. 1.40 SpitzkuchenjSdiok)Pfd. 1.00 Herrenkringel.. Pfd. 1.00 Malzbonbon... Pfd. 0.50 Hustenmelange. Pfd. 0.80 Haushalt Kakao. Pfd. 0.58 Burgm. Kakao.. Pfd. 1.20 Burgm.Pral.Mschg.200gr 0.50 Burgm. Volim. Sdiok.fifl. 0.25 Bowlenwein i ur. s.« ur. 0.80 Wintringer sur. 4.75 ur. 1.00 Niersteiner sitr. 8.00 Kr. 1.25 Oppenheim.s ur.«.» rn. 1.30 Utiel Rotw. s ur.«so ur. 0.95 Tarragona 10 ur.«um i»r. 1.05 Samos... 10 i»r.«u# üt. 1.10 Maiaga.. 10 Ur. 11.00 ur. 1.15 Wermut.. 10 Ur.«jm Ur. 1.25 DeuroPortW. 10 Ur. 10.00 Ur. 1.30 Reiner Weinbrand 1«. 4.50 Weinbrand Vorrdmi« Ur. 4.00 27erSauternes»/4Ur.m.H. 2.00 Montag ne...•i,ur.m.a 0.95 Frankenweiler i/jUr.m.n. 0.80 WU R STW AR E N WILDUNDGEFLUGEL Berl. Mettwurst... Pfd. 0.98 Schinkenpolnische Pfd. 1.18 Streichmettwurst., Pfd. 1.20 Zervelat u. Salami Pfd. 1.68 Zervelatim Fettd.. Pfd. 1.85 Landleber Hau»«. Art, 1.10, 0.95 Bauernleberwurst. Pfd. 1.38 Feine Leberwurst. Pfd. 1.28 Jagdwurst....... lfd. 1.15 Filetwurst....... Pfd. 1.88 Schinkenecken... Pfd. 0.98 Schinkensped�.... pfd 1.58 Gek. Schinken..>/. pfd. 0.50 Suppenhühner friKfmnPfd. 0.88 Jg. Gänse.. m,» an Pfd. 0.05 Jg. Enten... fris» an Pfd. 0.98 Gänsebrust.. i.-Or. Pfd. 1.40 Gänse Stückenfl. 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War es schon ein Wagnis, trotz der großen Arbeitslosigkeit den Kampf aufzunehmen, so verdient das solidarische Verhalten der Unorganisierten um so mehr Anerkennung, als sie sich mit dem Eintritt in den Streik dem finanziellen Nichts gegenübergestellt haben, während die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes auf ihre Streikunterstützung rechnen können, auf die sie durch die Zahlung ihrer Vcrbandsbeiträge ein moralisches Recht erworben haben. Das Verhalten der U n o r g a n i s ie r t e n in diesem Streik zeigt, daß die bedauerliche Organisatidnslosigkeit nicht auf n> angelnde Aufklärung und mangelndes Soli- daritätsgefühl zurückzuführen ist. Sehen wir uns die streikenden Unorganisierten näher an, dann finden wir darunter einen großen Teil von Metallarbeitern, die durch die Schule der gewerkschaftlichen Organisation gegangen sind, früher organi- s i e r t waren. Auf die Frage, warum sie es jetzt nicht mehr sind, bekommt man verschieden« Antworten. Teils sind es rein persönlich« Gründe, meist aber eine gewisse Verärgerung, die durch die Linksradikalen fest Kriegsende systematisch geschürt wurde. In einer so großen Organisation wie dem Deutschen Metall- arbeiterverband ist Raum für verschiedene Auffasiungen und T emperomente. Ausschlaggebend aber muß der Wille der Mehrheit sein, genau wie bei dem Streik so auch im Organi- sationsleben. Wer mit seiner Meinung nicht durchdringt, kann sie zwar verfechten und versuchcn ihr Geltung zu verschaffen, doch muß er sich wohl oder übel der Mehrheit fügen und ihren Beschlüssen. Wer von dem Streben beseelt ist, für seine Organisation zu arbeiten, wird kaum mst ihr in Konflikt kommen. Das aber Muß von jedem Gewerkschaftsmitglied verlangt werden, daß«r für und nicht gegen seinen Verband arbeitet. Vielen Unorganifierten ist inzwischen klar geworden, daß ihr Ableitsstehen vom Verbände verkehrt ist, und mancher bedauert es heute besonders, daß er nicht längst wieder Mitglied geworden ist. Mancher, der im Unmut über seinen Verband geschimpft hat, hat nicht die Courage ihm wieder beizutreten. Jeder vernünftige Unorganisierte muh zugeben, daß auch heul« noch das Wort gilt: ." Emlgkest macht stark! -Das zeigt dieser Streik wieder. Vesser wäre zweifellos, wemi es durch eine geschlossene Organisation zum Ausdruck käme. Nach oll der gewerkschaftlichen Aufklärungsarbeit, nach all den Beweisen, die die Gewerkschaften für die Notwendigkeit und die Erfolge ihrer Existenz geliefert hoben, müßte es unmöglich sein, daß auch mir ein einziger Metollarbeiter, auch nur eine einzige Arbeiterin in einer Stadt wie Berlin zumal, noch oder wieder unorganisiert ist. Die Metallarbeiterschaft wie die deutsche Arbesterschaft überhaupt tonn ohne gewerkschaftlich« Organisation nicht existieren. Prinzipielle Gegensätze ober bestehen nur zwischen den festen Anhängern der K P D. und dem Gros der Gewerk- schaften. Die KPD. begeht durch ihre Wühl- und Zersplitterungs- arbeit ein großes verbreche« an den deutschen Gewerkschaften, das sich in ihren eigenen Reihen noch einmal schwer rächen muß. Besonders deutlich zeigt sich bei diesem Streik, daß das „revolutionäre" Gewe und Gerede zweck- und sinnlos ist. Nicht nur dies, es ist schädlich. Die Streikenden haben Zeit zu Ueberlegimgen und zu Ver- gleichen. Besinnen die Unorganisierten sich wieder auf sich selbst, dann müssen sie zu dem Entschluß kommen, ihre Absonderung aufzugeben und sich ihrer Organisation wieder anzuschließen. Stände die Berliner Metallarbeiterschost so geschlossen da wie das Unter- nehmertuni im VBMI., dann wäre es zu diesem Streik, zu der Spekulation auf mangelnde Solidarität der Unorganisierten nickst erst gekommen. Zum Glück haben die Unorganisierten die Erwartungen eist- täuscht, die die Unternehmer ihnen zutrauten Die logische Konsequenz ihrer wackeren Haltung muß in dem Anschluß an ihre Organisation bestehen. Die„Unorganisierten" müssen sich wieder in Reih und Glied stellen, msthelfen, den Widerstandsfonds ihres Verbandes zu stärken und sich für alle künftigen Fälle die gehörige Rückendeckung im Kampfe sichern. Außer den RGO.-Leuten etwa, darf es nach dem Ende dieses Kampfes in der Berliner Metallindustrie keine Un organi« fierten mehr gebest. Berlin ohne Brikettverbilligung! Gestern wurde hier die Hoffnung ausgesprochen, daß auch für Berlin die Brikettprcise herabgesetzt werden. Berlin werde in der Hauptsache vom Mitteldeutschen und vom O st elbischen Braunkohlensyndikat beliefert. Daß der Hausbrand im Budget der Arbcster-, Angestellten, und Beamtonsamilie eine ziemliche Summe ausmacht, weiß jeder. Ebenso ist bekannt, daß in den mitteldeutschen und ostelbischen Braunkohlengruben nicht nur bei der Brikellproduktion, sondern auch beim Brikcstgroßhandel der Braunkohlenkonzern« außerordentlich gut verdient wird. Die Preis- senkung wäre also möglich. Ein« erhebliche Preis» senkung wäre notwendig, weil der Markt sowieso schlecht ist, weil die Voreindeckung für den Winter nur in sehr geringem Umfange erfolgt ist und weil schließlich, nachdem die Industrie nach Berbilligung der Produktionskosten schreit, der Lebens- Haltungsindex bei einer ausreichenden Berbilligung des Haus- brande- nach unten beinflußt werden könne. Aber die mitteldeutschen und ostelbischen Braunkohlercherrcn scheinen noch viel harthöriger zu sein als die Herren von der Stein- kohle. Für Steinkohle, ist eine Preissenkung zum 1. Dezember wenigstens versprochen. Die oberschlesischc Kohle soll nach Möglichkeit noch vor dem l. Dezember verbilligt werden. Di« Broun-� kohlenindustrie vom Rhein hat eine sofortige Preissenkung verkündet. In Mittel- und Ostdeutschland aber denkt man nicht daran. Die Kürzung der Arbeitszeit. Der teilweise Lohnausgleich.— Ltntemehmer sparen durch die Versicherung. Rührend ist die Begründung, die man dafür in einem bürger, lichen Blatte lesen kann. Für ein« Vrikettverbilligung in Berlin sei nämlich der Umstand erschwerend, daß für das mitteldeutsche und ostelbische Braun- kohlengebiet keine neue Lohnverhandlungen möglich seien. Ganz rücksichtslos wird hier also eine Preissenkung für den Berliner Hausbrand verweigert, well man, obwohl Produktion und Handelsgewinne groß sind und im Winter möglicherweise i n Berlin eine schwere Lzeiznot einireten wird, eine Senkung der Brikctipreise nicht auf di« Bergarbeiter der Braunkohlenindustrie abwälzen kann. Haben sich die Berliner Melallindustriellcn schon für die Frage inleressierk. daß die hochhallung der Brikeltpreisc die kiampslagc in Berlin erschweren muß? Werden sie das ihren Braunkohlen- kollegen begreiflich machen? Di« Berliner Metallarbeiter haben aus Solidarität mit den Arbeitslosen eine kürzere Arbeitszeit, die freien Gewerk- schaften haben eine gesetzlich« Streckung der Arbeit verlangt. Wir zeigen in, folgenden, wie die Arbeitgeber von der Arbeitslosenversicherung profitieren, wo- die Frage eines tellweifen Lohnausgleichs in neuem Lichte erscheinen läßt. Der Brauch, Arbeitnehmer in tu r z e n Abständen zu entlassen und im gleichen Betrieb wieder ein zu- stellen, gewinnt mehr und mehr an Umfang. Als Grund der Kündigung werden stockende Auftragseingänge, jahreszeitliche Schwankungen usw. angegeben. Bei dem nächsten größeren Auf- trag werden die entlassenen Leute wieder eingestellt, um nach Er- ledigung der Lieferung auszuscheiden. Zn der Zwischenzeil hält die Arbeitslosenversicherung den be- treffenden Betrieben die vollkommen eingearbcilelen Leute so- zusagen aus Lager. Di« Versicherung gleicht die wechselnde Konjunktur, oft auch die ungeschickte Geschäftsführung, aus. Durch die Versicherung können so die Lagerbe stände geringer gehal- ten werden, als sie bei normaler Loge des Arbeitsmarktcs wären und große.E r s p a r n i s f e an Zinsen erzielt werden. Gleichzeitig können mit dieser Methode kurzfristige Zlusträge ausgeführt weiden, die über die Lelstungssähigkest des Betriebes, gemessen am investierten Kopital, hinausgehen, und zwar ohne alles Risiko. Den Arbestsvermittlungs- und Dersicherungsämtern ist der Gebrauch als„Rückruf" und„kurzfristige Arbeit" nur zu gut bekannt und macht diesen Stellen viel Schwierigkeiten. Di« Aussicht— in der Hoffnung für längere Zeit— wieder im alten Betrieb Arbeit zu finden, läßt den Bcrsicherten oft andere Arbeit ablehnen, um so mehr, als er oft beim Ausscheiden direkt auf- gefordert wird, möglichst keine andere Stelle an- zutreten. Der Umfang dieser„Rückrufe" ist ein außerordentlich großer. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Industrie und Handel wurd' in einer. mitteldeutschen Großstadt em durchschnittlicher Anteil von 25 bis 30 P r o z. jestgestellt. In einzelnen Industrien, be- sanders bei Spezialarbeiten, die in kleineren Betrieben ausgeführt werden, ist die Zahl weit größer. Die Belastung der Arbeitslosenversicherung er- gibt sich von selbst. Bei normaler Lag« des Arbeitsmarktes— früher war dos überhaupt die Regel— würde sich der betreffende Unternehmer natürlich hüten, seinen Stamm eingearbeiteter Leute bei rasch wechselndem Auftragseingang zu entlasicn; er würde durch entsprechende Lieserfristen, Lagerhaltung und Kundenwerbung diese selbstverständlichen Schwankungen ausgleichen. Wenn jedoch eine Postkarte genügt, uiii die mit dem Betrieb vertrauten Leute zurückzurufen, wenn jeder Leerlauf durch Anlernen oder neue un- geeignete Kräfte ausfällt, glaubt man auf gesunde Gcschästspolitik verzichten zu können, z» Lasten der Arbeitslosenversick)erung. Für den Arbeiter bedeulel kurzfristige Entlassung und Wieder- cinslellung eine erhebliche geldliche Einbuße durch die vlcrzehn- lägige warlcsrisl bei der Erwerbslosigkeit. Einer Kurzbeschästigung von sechs W o che n mit vorhergehender und solgender Arbestslosigkcit entspricht danach ein vier- wöchiges Ausfallen jeder Entschädigung. Don der Bedrückung durch dos dauernd wiederholte Gefühl, zwischen Tür und Angel zu sitzen, mst jedem gefertigtem Werkstück der Arbeitslosigkeit wieder näherzukommen, wallen wir hier nach gar nicht reden. Für die Pelamtwirtfchoft bedeutet die Methode der kurz- fristigen Ciitlassungen und Rückrufe eine künstlich in die Höhe gedrückte A r b c i t s> o f« n z i f f e r. der Gewinn der Betriebe durch Erniedrigimg der Seibstkosten stellt eine Bereiche- rung aus Kosten der Allgemeinheit und besonders der Arbeitnehmer dar. Eine-sefetzliche Handhabe gegen die kurzfristigen Eiillossungen und Rückrufe gibt es so gut wie nicht, den» die in der letzten Notverordnung vorgesehene Maßnohme, daß Arbeitgeber, die für ihren Betrieb die Arbeitslosenversichelung mehr als gewöhnlich in Anspruch nehmen, zu erhöhter Beitrogszahlung heran- gezogen werden„können", bleibt ohne praktische Bedeutung. Die materiellen Vorteile der Arbeitgeber aus dem Eharakter der Arbeitslosenversicherung als fast kostenloser Lager- halrer für auf Abruf entlassene Arbeiter legen ober den Gedanken eines mindestens teilweisen Lohnausgleichs bei all- gemeiner Arbeitszeitverkürzung auf Kosten der Arbeitgeber sehr nahe. Die Gelben gegen den Schiedsspruch. Aach der Wurm krümmt sich... Wie die Telegraphen-ilmon berichtet, waren die Gelben vm Mittwoch im Kriegervereinshaus versammell, um zum Metall- arbeiterstreik Stellung zu nehmen. Nach dem Bericht sagte der Häuptling der Gelben, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Wiedemann:„Die Herabsetzung der Gehälter und Löhne sei erfolgt, nun wqrtc alles auf die Herabsetzung der Preise. die ober noch niemand sehe... Man müsse verlangen, daß auch die Arbeitgeberseite etwas Sinn für die entsetzliche Lage der Arbeitnehmerschaft habe." Der nächste Redner, Heß, erklärte im Auftrage des Reichstags- abgeordneten Wilhelm Schmidt(Konkurrent des Wiedemann). die wirtschaftliche Metollarbeitcrbewegung habe richtig gehandelt, wenn sie keine Streikparole ausgegeben habe.„Die nationalen Arbeiter müßten selbst darüber entscheiden, ob ihre Familien etwas zu essen haben sollten oder nicht." Der letzte Redner Bart eis vom Rcichsbund vaterländischer Arbeiterverci.ie saßte seine Ausführungen in einer Entschließung zusammen, in der umcr Hinweis darauf, daß der größte Teil der deutschen Arbeiter» schast schon lange unter dem Lebenstandard anderer Kulturländer iehe,„jede Verschlechterung der Lebenshaltung durch Lohn- abbau abgelehnt wird, solange nicht ein nennenswerter?l b» bau der Lebensmittelpreise folge. Regierung und Par- lament müßten alles daransetzen, der furchtbaren Notlage unseres Bolkes Einhalt zu gebieten." Haben die Siemens, Borftg und Genossen deshalb soviel Geld für die Gelben ausgegeben, um im entscheidenden Augenblick statt der erwarteten Strestbrecherdiensle so ummgenehme Dinge an den Kopf geworfen zu bekommen?— Wenn etwas die Unmöglich» kcit des Schiedsspruchs erweist, so ist es diese Haltung der Gelben, AEG. verteidigt Lokomotivenbau. Die Reichsbahn beabsichtigt bekanntlich für di« nächsten drei Jahre vorwiegend nur die fünf großen Lokamotinfahriken Henschel, Borsig. Schwartzkopss. Krupp und Hanömäg mit Reichs- bahnaufträgen zu versehen. U. a. soll auch die AEG. ausfalle n. EiltschädigungsoerhondUingen mit der AEG. sind gescheitert. Die AEG. will keinem Druck weichcn, von welcher Seite er auch kommen werde. Sie will in den nächsten drei Iahren, auch wenn sie keine Reichsbahnouftröge erhält, die Lokomotioabteilung durchhalten und sich inzwischen am Auslandsgeschäst schadlos halten. Achtung! VeTeWe„ Zeughosttraße. DMB.-Mitglieder! Am Montag, dem 27. Okiober, Mitgliedsbücher und Zahlquittungen ab- holen im Streiklokal Lehmann, Muskaucr Straße l, Ecke Zeug. Hofstraße. 'Auszahlung der Streikunterstützung Dienstag mittag, Bor- bandshaus, Linienstraße 83/8-5, Parterresaäl. D ie Streikleitung. Siemens- Schuckert, Abt. Bau Halle. Autobau AB. ö B. Neues Streiklokal ab 2i Oktober in der Bolksbadeanstalt Jungferuheide, wo heute um 12 Uhr Versammlimg. iure Kinder gedeihen prächtig... wenn Sie innen Milch mit Kaffee Hag geben! 5116000 Arbeitslose. ?!eue Belastung des Arbeitsmarktes bis Mitte Oktober. Ifclch den Ermittlungen der R c i ch s a n fl a l l stellte sich in der listen Okloberhälfle die Zahl der hanplunlerstühungs- c m p f ä n g e r auf 1 431 000. also 2000 weniger als Ende September, dagegen war bei den Srisenunlerstühlen eine Zunahme vm 16 000 auf 488 000 Personen festzustellen. Die Gesamt- b e l a st u n g der Arbeitslosenversicherung betrögt demnach 1 980 000 Personen, verfügbare Arbeitsuchende waren Mille Ottober 3184 000 vorhanden, von denen etwa 3 116 000 als tat- sachlich arbeitslos zu gellen haben. Die starke Zunahme der Arbeitsuchenden um 112 000 in den ersten beiden Oktobcrwochen, gegen einen Zuwachs von nur 21000 Arbeitsuchenden in der Zwesten Septeinberhälfte, ist wesentlich dadurch bedingt, daß die Statistik der Arbeitsämter die von den Gemeinden unterstutzten Wohlfahrtserwerbslosen jetzt inehr erfaßt als in den vorhergehenden Wochen. Auch der Zustrom entlassener Angestellter dürfte, wie dies häufig beim Quartalswechsel zu beobachten ist, die Entwicklung des Arbeits- marttes ungünstig beeinflußt haben. Im allgemeinen zeigt sich aber bei dieser überraschend starken Zunahme der Erwerbslosigkest, daß weder die Arbeitsbeschassungsinaßnahmen noch das Wohnungsbau- Programm der Reichsregierung in der Loge sind, die steigende Flut der Arbeitslosigkeit abzudämmen. Diese Ataßnahmsn haben sich in der gegenwärtig so zugespitzten Situation als ein Schlag ins Wasser erwiesen. Keine neue Eisenpreissenkung. Erst sollen die Bergarbeiterlöhne gekürzt werden. In der Sitzung der Deutschen Rohskahlgemeinschasl, die gestern in Düsseldorf slaltsand, wurde festgelegt, daß keine neue Senkung der Eisenpreise erfolgen wird. Nur wenn den Ruhrzcchen auch eine Senkung der Selbstkosten, d. h. eine Kürzung der Bergarbeiler- löhne, ermöglicht werde, könnten sich auch für die Eisenindustrie günstigere Auswirkungen ergeben.. Das Kommunique der Eisen- Herren macht sogar die Reichsbahn für eine Lohnsenkung scharf mit der falschen Behauptung, daß die Reichsbaholöhne noch über 200 proj. der Vorkriegslöhne liegen. Die Eisenherren verschärfen damit die Gesamiwirtschaslskrise erheblich in Denlschland, obwohl für den September ein weiterer Rückgang der Rohstahlerzeugung seslgeslellt wurde, womit der Zwang zur Preissenkung von neuem bewiesen ist. Angesichts der furchtbaren Wirtschaftslage und der Gefahren de» kommenden Winters Ist das Verhallen der Elsenherren geradezu provokatorisch. Warnungen in letzter Stunde. Oevtfcher Städtetag gegen die verschärfie Anleihedrosselong der Kommunen. Wenige Tage vor den Verhandlungen � des Reichsfinonz- ministeriums mst dem Unterausschuh der Länderkonferenz über die neuen Richtlinien für die Anlecheberatungsstelle hat der Deutsch« Stqdtetag auch seinen Präsidenten Dr. M u 1 e r t noch einmal seine warnende Stimme erhoben. Präsident Mulert weist eindringlich darauf hin, daß ine im Juli vom Reichsfinanzministerium veröffentlichten neuen Richtlinien die Macht SowjetrußlandLnflation? Aach Einstellung der Arbeitslosenunterstützung auch Aufhebung der Kreizügigkeii. Der Papiergeldumlauf hat in Sowjetrußland in den letzten Moncuen eine bedenkliche Entwicklung genommen. An Papiergeld laufen in Rußland Staatskassen scheint und Tscherwonzennoten um. Nach dem Ausweis des Finanz- kommisiariats der Sowjetunion vom 1. September 1930 Hot de: Umlauf an Staatskasienschemen in den zwei Monaten Juli und August um 421 Millionen Rubel und der Tfcherwonzenumlauf um 317 Millionen Rubel zugenommen. Der russische Papiergcldumlaus ist also im Lause von Z Monaten um 738 Millionen Rubel erhöht worden. Da» sind nicht weniger als 20 Proz. des Ende Juli umlanseuden Betrages. Diese sprunghafte Vermehrung des umlaufenden Papiergeldes kann nicht mehr anders denn als Jnflationstisch bezeichnet werden. Für den mflationistffchen Charakter dieser Entwicklung spricht die Tatsache, daß ein Dekret des ZentraU£xekutiv-Äomit«es und des Rates der Volkskommissare vom 18. September die ch ä ch st g r e n z e für den Umlauf von Staatsnoten erhöhen mußte. Diese chöchstgrenze betrug nach dem Gesetz von 1924 50 Proz. des Tscherwonzenumlaufs, wnrde aber schon im cherbst 1928 auf 75 Proz. erweitert und setzt unter dem Druck der Verhältnisse auf 100 Proz. erhöht. Offenbar ist ein« ganz außergewöhnliche Erschwerung der russischen Finanzlage die Ursache für dies« Entwicklung. Die außerordentlichen Schwierigkeitven kommen in der Tatsache zum Ausdruck, daß durch ein Dekret des Arbcitskommissariats der Sowjetunion vom lt. Oktober die Einstellung jeder ArbeitswseuualerfiStzung verfügt wurde. Jetzt hat eine Verordnung des Zentral. komilees der Sammuuistischeu Porte! praktisch auch die Aus. Hebung der Freizügigkeit der russischen Arbeiter verfügt. Di« Verfügung geht sogar so weit, daß bei der Verweigerung der von den Arbeitsbörsen angebotenen Arbeit alle den Werk- tätigen zustehenden Vergünstigungen verloren gehen, daß in der Zukunft alle gelernten Arbeitskräfte die freie Wahl ihrer Arbeitsgelegenheit verlieren und das Arbeitskommissariat das Recht erhält, sie je nach Bedürfnis v o n c i n e m Unter- nehmen auf das andere durch das ganz« Land zu werfen. Es sieht nicht gut aus im ArbelUrparadies der Kammunistca. Ob es einen deutschen Arbeiter gibt, der in Deutschland solche Zustände ertragen wollte? Außland muß deutsche Schweine kaufen Die Kollektivierung der russischen Landwirtschaft hat am ver- heerenMten auf die Viehbestände gewirkt. Rußland hat jetzt in Deutschland(Ostpreußen, Lüneburger cheide und Mark Brandenburg.» rund 20000 Zuchtschweine gekauft, die trächtig sein müssen. uin die furchtbaren Lücken in der russischen Ernährungsfrage wenigstens ein bißchen aufzufüllen. Di« Russen leisten ei»« 20prozentige Anzahlung, für den Rest der Kaufsumme hat das D eutschc Reich die Exportkreditgarantie über- nommcn. Anleihepolitik der deutschen Kommunen in eins Zwangssystem hineinpreßten, dessen Folgen gar nicht abzusehen wären. Dadurch, daß man neben den Auslandsanleihen auch die Inlandsanleihen und neben den langfristigen mich die kurz- fristigen Anleihen, ja selbst auch die Versorgungsbctriebe der Gemeinden mit eigener rechtlicher Selbständigkeit den Richtlinien der Beratungsstelle unterwerfen will, würde auch der letzte Rest einer Selbständigkeit in der Anleihcpolitik der Gemeinden beseitigt. Dabei sei es immer das Bestreben des Städtetoges gewesen, die Selbst- Verantwortung derGemeinden in jeder Hinsicht zu stärken und zwar besonders auf finanziellem Gebiet. Die von den Gemein- den und Gemeindeverbändcn eingesetzten Kreditausschüsse hätten ganz ausgezeichnet funktioniert und es sei wohl auch dem Reichsfinanzministerium bekannt, daß in den früheren Richtlinien der Beratungsstelle überhaupt keine Kreditausschüsse vor- gesehen gewesen seien. Präsident Mulert, der sodann noch im einzelnen die in den neuen Richtlinien vorgesehenen Dvosselungsmaßnahmen gegen die Gemeinden kritisierte, erklärte sodann, daß es dem Deutschen Städte- lag nicht möglich sei, den ihnen aagebolenea kommunalen Vertreter- fitz in der Beratungsstelle für Zatandsanlethen zu besehen, wenn es zu etaer unveränderten Durchführung dieser Richmuten käme. Unter solchen llmftändeu könne der Deutsche Slädtekag die Verantwortung für die volkswirtschaftlichen Folgen dieser Polillk nicht mit über- nehmen.. Sanierung in der Schuhindustrie. Betriebsverluste uno BelegschastSabbau. Die Erfurter Mechanische Schuhfabrik, die aus dem Lingel-Konzern hervorgegangen ist, muß jetzt zur Sanierung des Unternehmens das Kapital nn Verhältnis 2: 1 von 0,50 auf 0,28 Millionen Mark zusammenlegen. 'Als Ursache der Verluste im letzten Jahr und des dadurch ent- standcnen Zwanges zur Sanierung, wird die amerikanische prohibitive Zollerhöhung auf Schuhwaren an- gegeben, die das Unternehmen um so schärfer betroffen haben, als dadurch bereits festgelegte größere Verträge init amerikanischen Importeuren hinfällig geworden seien. Es scheinen außerdem ober auch noch andere Gründe für die Sanierung mitgesprochen zu haben. Die Produktion am laufenden Band ist in der Schuhindustrie sehr heftig um. st r i t t e n, und auch der E n q u e t e a u s s ch u ß ist bei der Unter- suchung der Schuhindustrie in Deutschland zu dem Ergebnis gelangt, daß sich bei der häusig schwankenden Mode dem Fließsystem in der Schuhindustrie größere Hindernisse als in anderen Fabrikations- zweigen entgegenstellten. So ist man auch in der amerikanischen Schuhindustrie von dem Fließsystem wieder abgekommen. Da die Erfurter Mechanische Schuhfabrik zu den wenigen Unternehmen gehört, die sich völlig auf fließende Produktion um- g e st e l l t haben,, dürften auch hier bei der geringen Ausnutzung des Fließsystems im letzten Krisensahr neu« Verlustquellen entstanden sein. ,. Bitte-nach ein Ramahrat! Welche Mutter hört es nicht gerne? Jede Mutter ist glücklich, wenn es ihrem Kinde schmeckt, wenn es mehr verlangt. Aber nicht nur des Wohlgeschmacks wegen streicht sie sein Brot reichlich mit Rama Margarine, sondern vor allem der nährenden und wärmebildenden Eigenschaften wegen. Auch weil Rama die Verdaulichkeit der Speisen erhöht, ist sie für kleine und große Menschen so gesund, daß kluge Hausfrauen nichts anderes mehr verwenden. Mit Rama kochen heißt hygienisch kochen. Denn Rama besitzt die Reinheit und garantierte Frische, durch die Jedes Essen schmackhaft und bekömmlich wird. Lohnpolitik der Unternehmer. Die Geheimnisse der Vereinigung der Arbeiigeberverbände. ..D s r Arbeitgeber", die Zeitschrift der Vereinigung der deutschen Arbeitgebervcrbande, brcichie in seiner Oktoberausgabe einen Aussatz von Dr. Jürgen Frk>r. von Orgies-Autenberg, der darin gegen Ausfiihrungen von A u f h ä u I e r polemisierte, die der„Vorwärts" in Nr. 444 vernftentlichte. Genosse Auf« Häuser hotte erllärt, datz die jetzige Regelung der Sozialoersiche. rung und der Steuern in Verbindung mit der Lahnpolitik des Reichsarbeitsministeriuins eine gewaltsame Kürzung der Arbeitseinkommen bedeute und eine höchst unverdient« Vergrößerung der Profitrate. Der Herr von Orgies« Rutenberg machte es sich zur Ausgabe, diese Behauptungen zu widerlegen. Den Haupttrumpf spielt er dabei aus mit einer Gegenüber- ftellung der Tarifstundenlohne für gelernte und ungelernte Ar» beiter, den Reichsindexziffern für die Lebenshaltungskosten, der Großhandelsinderziffern. der Sozialauszaben der Arbeitgeber und der Zahl der Arbeitsuchenden in den Jahren von 4925 bis August 1930. Er kommt dabei zu einer Lohnsteigerung von 86,2 auf 111,9 Pf. für gelernte, einer solchen von 60,6 auf 84 Pf. für ungelernte Arbeiter. Die Sozialausgaben, die die Arbeiter- fchast aufgebracht hat. interessieren den Mann nicht. Er saßt die Zahlen zu einer graphischen Darstellung zusammen, in der er unter Ausschaltung der Konjunktur und Saisonschwankungen die Grundrichtung der Entwicklung seit Januar 1925 aufzeigt, durch einige Linien, in der Weise, wie wir sie wiedergeben: Die Graphit des Herrn von Orgies-Rutenberg. -me Hierzu sei bemerkt: Ein« summarisch« graphische Darstellung der Gründlich- tung von mehreren an. und für sich un gl eich w e rti gen ver« schiodenartigcn Schwankungen unterliegenden Elementen, zumal für eine längere Zeit, ist wisfenschaft- lich unhaltbar und kann lediglich zu tendenziösen Zwecken benutzt werden, wie dies durch einen Vergleich zwischen der erste» und der zweiten richtigen untenstehenden Graphit zum Ausdruck gebracht wird. Der Großhandelsindex hängt von den Weltmarktspreisen ab, die Höh« der sozialen Lasten bedingt die Lag« des inneren Arbeits« marktes. Eine zumal geringe Steigerung der Tariflöhne kann bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitslosigkeit bzw. Perminderung des Beschäftigtengrades eher eine Verringerung des effektiven Ar- bqftsverdienstes fein, wie dies jetzt in den meisten Gewerbegruppen in Deutschland auch tatsächlich der Fall ist. Speziell in der deutschen Metallindustrie, in der seit Ansang 1930 sowohl die Zahl der Arbeitslosen als auch die der Kurzarbeiter nicht nur ständig gestiegen ist, sondern Ende September dieses Jahres eine bis jetzt nie beobachtete Höhe von 22,7 Proz. bzw. van 24,4 Proz. der Gewerkschastemitglieder erreicht hat, ist trotz der geringen Tarislohnerhöhiing, ta-u noch bezogen auf einen weit na. 160. »9 m 130. 110 110. 100 i 90 »0. M. 60, 50 00 30 M 10 0 .«v . ♦-O■»-<>-•.0.--C1 J A 1 9 • 1■' QroftKendelsinde* b'''*" L eben sKaltunf sind ex '»" TVinfsiundenloltn d. fei. Arbeiten «« ,, ***** H»u�iunierikäitgn|8empfiv|er 3 OJAJ OJAO OJAJ 0 16 1927 1928 1929 J A J 1930 zurückliegenden besonders ungünstigen Zeitpunkt, der tatsäch- liche Verdienst gonz bedeutend geringer geworden. Es ist auch bedenklich, bei einer seit zwei Jahren anhaltenden Weltwirtschaftskrisis, unter der Deutschland am meisten zu leiden hat, den Sktsgongspunkt nach so viel Jahren zurückzulegen, um einen für den verfolgten Zweck möglich st günstigen Verlauf zu erzielen, wie dies in der Graphik des Frecherrn der Vereinigung deutscher Arbeitgebervcrbänd« geschehen ist. Wird jedoch der Ausgangspunkt nur«in Jahr später genommen, dann verschiebt sich das graphische Bild voll- ständig. So einfach wie in seiner graphischen Darstellung sucht unser Freiherr seine Linien auch im Text. Die Entwicklungslinie zeichnet er so: „Lohnerhöhungen— Rationalisierung— Arbeitslosigkeit— weitere Lohnerhöhungen— Bekämpfung der Arbeitslosigkeit jmrch er- höhte Sozialbeiträge— neue Rationalisierung— weitere Arbeitslosigkeit." Selbstverständlich hält er dann— was er zu beweisen hatte— eine Lohnkürzung für notwendig, will sie ober mit einer Preis- senkung nicht verbunden wissen. Er schreibt von der bisherigen Preissenkung bei steigenden Selbstkosten als Vorleistung, fordert«ine„Auflockerung des Lohnschematismus" durch die staatlichen SchUchtunzsinftanzen und wendet sich natürlich auch gegen ein« Verkürzung der ArbeitsKt, wie st« schon istsölge'der Rationali- sierung notwendig geworden ist. Selbst«in« Arbellszeitvevkurzunz ohne Lohnausgleich erscheint dem Arbeftgeb«rverbandsgelehrten als ein neuer Zwang zur Rationalisierung, weshalb er sie abgelehnt wissen will, um ein« weitere Vergrößerung der Arbeitslosigkeit zu vermeiden, und glaubt vor allem, die Ausführungen von Aufhäufer als wirtschaftlich und sozial gleichermaßen rücksichtslos ge> kennzeichnet zu haben. Wir sind rücksichtsvoll genug, um die Rücksichten ,zu würdigen, hie die Vereinigung der deutschen Arbeftgeberoerdänd« von chren Lohiftheoretikern verlangt. Doch hindert uns diese Rücksicht nicht, die Rationalisierungs- und Lohntheoricn des Herrn von, Orgie?- Rutcnberg als falsch und irreführend zu erklären. Ferdinand Vender 60 Lahre. Heute feiert unser. Genosse Reichsiagsabgeordneter Ferdi- nand Bender seinen sechzigsten Geburtstag. Unser Jubilar blickt aus eine mehr als vierzigjährige erfolgreiche Tätigkeit in der Arbeiterbewegung zurück. Gcnoffe Bender erlernt« das Schluiferhaudwerk und fand mit 18 Jahren den Weg Zur gewerkschaftlichen Organisation. 1901 Leiter der Verwaltungsstelle Magdeburg des damaligen Transport- arbefterverbandes, 1907 in Elberfeld Gauleiter für den Bezirk Rheilftand-Westsalen, 1919 in Berlin Lefter der Reichsobteilung. „Post und Telegrophie". In der Eigenschaft als Rcichsabteiiungs-' leiter und Vorstandsmitglied ist Genosse Bender heute noch im Gesamtverbond totig. In Wort und Schrift, am Verhandlungstisch und im Verfammlungssaal, unermüdlich in vorbildlicher Pflichterfüllung und mft seltenem Geschick hat Ferdinand Bender ein Menschenalter hindurch gewirkt. Seine Lebensarbeit gehörte im gleichen Maße auch der Sozial- demakratischen Partei. Im Jahre 1912 wurde Bender zum ersten Male in den Reichstag gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehört. In Ausübung seiner parlamentarischen Tätigkeit widmete sich Bender während der letzten Jahre im besonderen der Vertretung der Beamtenschaft und der Reichs- und Staatsarbeiter. Unser Jubilar hat immer mit Temperament und Begeisterung für die großen Ziele der Arbeiterbewegung gefachten. Der Obrigkeitsstaat hafte aber für diese Begeisterung kein Verständnis und schickte Bender wegen„Aufreizung zum Klassenhaß, Derächtlichmachung von Staatseinrichtungen, Streikvergehen und Polizeibeleidigung'' auf 32 Monate ins Gefängnis. An seinem sechzigsten Geburtstage, den Genosse Bender m voller geistiger und körperlicher Frische feiern kann, wünschen mir dem Jubilar noch viele Jahre erfolgreichen Wirkens im Dienste der Arbeiterbewegung. Konzentration in England. Eine Union der Bauindustrie. Die bisher in zahlreiche Verbände zersplitterten G e w e r k- s ch a s t e n der Bauindustrie haben in einer gemeinsamen Vor- standskonferenz beschlossen, sich zu einer gemeinsamen Union zu verschmelzen. Dieser neue vereinigte Gewerk- schastsverband wird rund eine halbe Million Mitglieder umfassen. Der. Borstandsbeschluß bedarf noch der Zustimmung der Angehörigen der einzelnen Organisationen. Die Urabstimmung wird jedoch nur eine Formalität bedeuten, da der Wunsch zu einer Union bei allen Angehörigen der verschiedenen Verbände leben- big ist. Achtung, Bauarbeiter! Die Sperre über die Firma Paul Fleiß u. Schünemann, Baustelle Onkel Toms Hüfte und Britz, Trese- burger Straße, ist hiermit aufgehoben, da die tariflichen Vc- dingungen erfüllt sind. Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. f Kreie Gewerkfchatts-Lugend Berlin ttarteii für dir niAst» Zu orrnber um IVi Uhr im 2 von 80 Pf. in dir Zugii lendvsrftiüuna der Voltiidübne am 9. No- . deatre am Bulowplatc lind noch zum Prrifi Zuzevbzentrale zu haben. Zur Aufführung getan .,$>« MatroftzN von(Eattoto-' von Friedrich Wvlfb— Heute, ssrektag. HNfT tauen die chruvpen. Rochrina: Zusmidne-m- rSchule Sonnenburscu. Sir iBerbeabend.— Heiuannpjotz! Grupmnhcim. Landerftr. 11. eck- Hoorecht- ftraß«. Sie Wider.—«öden. Suinnefteu;(Btüppcicheim Wasser'orstr. 9, vorn vart. Bortrag:„Dr. Elelluna der Frau im Want«I der Zeit".— ähar« lottendwrg: Iuaenbheim Svrcestr. SS. Borlefungsn aus llpton Sinclair.- geppelinplatz! Zugcndheim Turwer Ecke lZeeitrahe«kinganz Turner Slrahi). Sinfllhrunzsadend.— Wedding: Gruppenheim Schule Pank- Ecke Wicfcnsiroßi. Ärstizer Heimabend. Inoendaruppe des Zentralverbandes der Anqestellten Heute, tzreitag. finden folgende Veranstaltungen statt: stöpenick: Zugendheim Dahlwider Str. IS(Sasanstalt am Bahnhof Nüven ick). Bortraa: fugend und Gesellschaft". Referent Heinz Mann.— Südwest: Jugenheim Porckstr. 11(2. Hos, Quergebiiude 1 Treppe. Zimmer 5), Vortrag: .Altes luftiges Berlin". Refersntin Zriedcl Hall.— Norden: Zugendheim Lortzingstr. 1l>. Vortrag:.Zier Zugendlick)- im Betriebe". Referent Nurt Iftcouft.— Am 9. November findet die nächste Zuoendvorftellung der Velks- hühne statt. Saiten hierfür sind im Iugendsetretariat erhältlich. 21 der p reis wB/fe, moderne Eweirohren� Empfäna0r � & Siemens 21 ist ein klangreiner Zweiröhrenempfänger, der noch den neuesten Gesichtspunkten als Gleichstrom- und als Wechselstromtyp entwickelt worden ist. 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Pfd. 0,03 kolkohl.............. ptd. 0,03 Möhren gewaschen... Pfd. 0,04 Rote Rüben........ ptd. 0,05 KürbiS im ganzen..,.Pfd. 0,04 Grünkohl........... p«. 0,10 Salaf- Sellerie...... Pfd. 0,10 Mark. Rübchen..spfd. 0,25 Grüne Bohnen..2Pfd. 0,38 Kartoffeln......... io ptd 0,22 KOLONIALWAREN Bruchreis............ Pfd. 0,18! Fa<;onnudeln...... pm. 0,55 Moulmain-Reis....Pfd. 0,28 Birnen......... �....Pfd. 0,68 Polierte Erbsen....Pfd. 0,30 Viktoria-Erbsen...Pfd. 0,22 Linsen................Pfd. 0,22 Eierbandnudeln...pm. 0,48 Harlgriess-Stücken Backobst............ pfd 0,54 Krümel- Schokoladepulverpfd. 0,85 Gerste od. Roggen, geeist, Pfd. 0,22 ' Kakao................ Pfd. 0,58 Makkaroni .Pfd. 0,48 Kaffee........... Pfd. von 1,90 KÄSE UND FETTE Harzer in ceiiophan.EoUe 0,1 5 Holländer 40°.'»...... Pfd. 0,86 Romadour....... stück 0,22! 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Die Sozialistische Arbeiierwgert, unseres Kreises fülirt Iieute ihre Werbefeier in der Aula de» Kleist-Oberliizeums, Levehowftr, 2. durch, I•' y.-•, h. X«a �1, � u �.r.1:.. r J._>. �,_.. �. 2,, e;:'„- evr..' teil am Mittvoch,!«. Oktober, 20 Uhr, bei Albert Sarqai!, llferstr. 12.«ele 'iiartin-Opig, Strohe. Vortrag des Kerossen Dr. Valetta über»Unsere SieHnngnahme zu dem Verein für da, Deutschtum im Auslandes Elte,» diirlen durch Denossen eingeführt werden. lt. Ztrei» Neukölln. Sountoq, 26. Oktober, von 9 bis 12 Uhr, Besichtigung der Konkuntgenossenschaft. Lichtenberg, Aittergutstr. 16—24, Rege Beteiligung der Parteigenossen erwünscht 16. Abt, Köpenick. Bildungsousschuh: ssreitag, 24, Oktober. A Uhr, Schloft, strage 22, 1 St., Bibliothek, Kursus:»Die Btcheiter und der neue Staat", »ieserent Geuosse Dr, Arkardn Kurland. Kursusteilnehmer werde» no6> angenommen. Die Katsierer und llnlerkassierer werden dringend gebeten. die Dintrittskarlen sür die Veranstaltung der Kleinkunstbühne beim Ke- Nossen Robert Dinse, Köpenick, Sürnagelstr. 22, abzurechnen. Hcuke. Zreitag. 24. Oktober. 91. Abt. Neukölln. 20 Uhr Vorstandssihung im Lokal Mahlower Str. 10. ZNorgen, Sonnabend, 2b. Oktober. 6. Abt. 20 Uhr Zsunktsoniirsihung bei Dobrohlaw,, Swinemünder Str. II. 26. Abt. ID'.b Uhr ssuniiionärslhung bei Nein I ich, Weihenburger Str. l, 64. Abt. Lankwitz. Die chenvssinnen und Senossen werden gebeten, das 10. StisUingsiest der sTrcien Schwimmer Berlin am Sonnabend in dr» Zehlendorfer ssestsalen. Lichterfelde, Zehlendorfer Strohe, zu besuchen. Sin- tritt 1,2b R. SpD.'Araktion der Arbeiter, Angestellten und Beamten im Bezirksamt Wilmersdorf. Hni'e, Zreitag, 19'4 Uhr, im Lokal Lau. Wilmersdorf, Hildegaodstr. 14, Scke Schrammstrahe, Fraktionsversammlung mit Sympathifierenden. Thema: . Die Stellungnahme der Sozialdemokratie zur Regierung Brüning". Referent Max De ,d mann. Erscheinen aller Genossen Pflicht. Enmpathisierende herzlich cingeladen. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl. 11, krcis Schöneberg. Wir machen aus die Beranstaltnng der Arbeits, aeweinschaft der Kinterfreunde am Sonntag, 26, Oktober, Uhr. im Tiiania» : ichtspielhaus, Haupt. Ecke Mühlenstrohe, aufmerksam und fordern unsere Helsersehast zum Besuch auf. karten an de? Kusse. Iungsozialisten. Zu der Elysmm-Kuudqebung am Sonntag, 26. Oktober, müssen alle vor. handenen Transparente sowie alle Gruppensahnen mitgebracht werden. Am gleichen Tage ab 9 f., Uhr Abrechnung der»erkausten Eintrittskarten im Bor- räum des Theater,. Wir bitten olle Gruppenleiter um Rückgabe der bUhrr nicht veriaufteu Okiobei. Blätteraftsirisen". Alle jungen und interessierten Parteigenossen sind ein- geloben. Gru-ipe Wedding-Gesundbrunncn! Heute. Zreitag. pünktlich 1944 Uhr, findet unser Eruppenadend wie üblich in der weltlichen Schule Pank. Ecke Wiesen- sirahe stot», Thema:»Polilisehe Zeilnugsschan". Kurzreferate. Jung« Partei- imd SAZ,. Genossen Nnd hierzu herzlich eingeled'n. Werlxbezirk Norden: Am Sonntag, 26. Oktober, beteiligen wir uns an der Iss-Dahr-Zeier im Elpssum, Prenzlauer Aller rfi. Kundgebung gegen den gaschiemns. Referent Max Serdemitz. Musik, Zilm, Rezitation. Wilmersdorf: Schon heute machen wir anf den. gm Dienstag, 26, Oktober, 19P! Uhr, im Zug-ndheim Bilhelmeaue 124 stattfindenden Anskpracheabend: .Partei und sZugend" aufmerksam und bitten d e Parteigenossen sowie SA?.. Zreie Kürner«114 zuidfrtz sozialistischen Iugendorganisat onen um ihr Er- sehouirir........... Gruppe Südost? Wir tagen am heutigen Zreitag nicht, wie üblich, in der Wrangeliieahe, sondern beteiligen uns geschlossen am Kursus der Genossin Torborft im Zugendheim Porckstr. 11. Thema:»Die geistigen Strömungen in der sozialistischen Bewegung". Gruppe Sckineberg: Heut,. Zreiiag. 20 Ubr. im Jugendheim Hauptste, 15, Refera':»Geisssae Strömungen in der Arbeiterbewegung". Referent Genosse Zaknbowiez, Jüngere Parteigenossen und ältere der TAI, sind herzlich dazu eingeladen. Grnppe Bohuadors: Morgen, Sonnabend, neranstallen wir gemeinsam mit der SAI. im Oiemeinschaktshou» Zalkenderg, Gutsliof, einen Werbeadend. Au» dem Programm: Zilmvorfllhrung: ,, Stacheldraht", Musik. Rezitationen, An- spräche, die Eröffnungssitzung des Deutsche» Reichstags usw. Beginn 7',!- Uhr, Eintritt 50 Pf. Sozialistische Skudenlenschaft. Orksgruppe Berlin. Radsahet nach Ehoein am Sonnabend, 26. Oktober, und Sauuiag, 26, Okto- Der, Tresspnnlt am Sonnabend B«z>rt,amt Prenzlauer Berg, Danziger Sir. 64, 15 Uhr. Uebernachien in de, Iugeudh»«b«rge Ehaein. Rachzüale« sahren 172» Uhr vom Ltettiner Bahnhos bis Eberswalde, dort gus«mmeni»«ssen mit b-n übrigen Rodfahrern. Arbeiksgemeinschask der Kindcrfreunde. Gruppe Mariendors: Schuitzelsahrt nach dem Grunewald am 26, Oktober, Tressen um 6>z Uhr an der Roten-Zallen-Ccke stir sämtliche Gruppen. Zahl. geld hin und zurück Elektrische, Geburtskage. Jubiläen usw. 21. Abi. Unserem Genossen August Ehrhorbi und seiner lieben Gattin, Malplaquetstr. 41, zu, Silberhochzeit die Herzlichsien Klückwünsch«. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 41. Abt. Unser Genosse Bruno W a I! h e r ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Zreitag. 24. Oktpber, um 17 Uhr, im Krcmchorim» Wilmcredors. Wir fcitt«-» um rege Betettigi-ng 64, Abt. Unser Genosse A l s r e d Z r l 1 sä,. Ehirfotteiihurger Ufer 18, ist noch schwerer Krankheit im Aitch: von 4« fahren am Dienstag verstorben, Ehre 'einem Andenken! Einäscherung Soinadend, 13 Uhr, kter.ta'orium Wilmersdorf. Um reg» Beteiligung wird gebeten. Kampf tfam FaxUiHiw»! Werbt rar den „VORWÄRTS" Er EeEmgsfft für Freiheit unei Brett Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für dies« ikutett uu,< Z'eeltn SW«6, rindenstraSe! i da« Zugendieleetoriat Werbebezirk Tiergarten t ihr 2, Werbeseier. üirvue. Um rege Beteiligung wird gebeten. � �. Aula des Klcist-Oberlnzeums, Levetzow- t straße 2, Derbefeier. iiiovue:»Wir schalten um". Beginn IP- Uhr. f Streichorchester GrrÄ-Beilin: Morgen, Sonnabend, 1754 Uhr, Treffe» Ring- bahnhof Stralau-Rummelsburg, Eingang Hauptstrasie, zum Wochenendkursus Klaus Prmgsheim, Instrumente und Siotenpulte mitbringe». Arbeitsgemeinschaft Abrahon:: Zabrt nicht am 26. Oktober, sondern am 2. November. Treffpunkt 7'-j Uhr Stettiner Bahnhof. Zahlt nach Melck:ow, Eintrittekarten für die Renolntionsseier der Partei am 9, November, 18 Uhr, in der Avtohallc am Kaiierdamm mllssen fvfvtt von den Gruppen abgehört werden, Preis für Jugendliche 60 Pi. tsonst 60 Pf,>, Abteilungsleiter, reicht umgehend den Berich, tsbogen für das 3, Quartal ein! BolksWihnen. Sondervorstellung für Ingeudliche, 9. November, Karten zu 80 Pf. sind noch zu haben, heute, Aceilag. 19 y2 Uhr. Sewerischaftshau»: Seim Köpenicker Str. 92:„Anarchismus",— vranien. buroer Tor: Heim Tiechstr. 18:„Ein Tag im Gefängnis",— Rosenthaler Bor. stadl: Heim Elisabethkirchstr. 19:„Meine Erlebnisse als politischer Gefangener". — Arnimplatz! Heim Connenburger Str. 20:„Tagespolitik".— Helmholtzplatz: Heim Rastenburger Str, 18:„Iugendberatung".— Arnswalder Platz l: Heim Rastonburger Str. 16: Literarischer Abend,— Hohenschönhausen: Heim Zreicn. walder Sir, 6:„Stellung der SAI, zu Gewerkschaft, Betrieb und Schule".— Humannplatz: Schule Schercnbergstr, 7:„Einführung in den Sozialismus".— Weihensee: Heim Parkstr, SO:„Eiusührung in den Sozialismus".— Andreas- Platz: Heim Brommnssr.!:„Tagespolitik".— Zrankfurter Viertel: Heim Zrank- furter Allee S07:»Politische Lag« in Deutschland".— ZriedrichahaiN! Heim Diestelmenerstr. 5-6: lO-Minuten-Neferate.— Stralauer Vftriel: Sckiule Eosilerstr, 6t:„Zriedrich Engels".— Warschauer Viertel: Heim Litauer Straße 18:„Tagespolitik".— Warschauer Viertel R. F.: Heim Litauer S>r. 18: „Sozialistengesetz— Rote Feldpost".— Schöneberg I: Heim Hauptstr. 15: »Arbeiter und Polizei".— Schöneberg V: Heim Hauptstr. 15:„Jugend im Beruf und im Elternhaus".— Charlottenburg: Heim Rosinenstr, 4: Arbeit». gemeinschaft.— Wilmersdorf«rcl: Seim Wilhelmsarn: 123:.Lenin und die russische Oktoberrevolution".— Steglitz R. jf.: Heim Zlemmingstr,}4h, Z. 23: »«artenlesen",— Tempelhos: Heim t�ötzstratze, Lickftbildervortrag:»Ziele der Arbeiterjugend".— Neukölln IL R, Z.: Heiin Schierkestrasie: Kurzreferaie.— Neukölln VIl: Karl-MarpUrchule: Kurzreferate,— Johannisthal: Rathaus: , Kapp-Vutsch".— Schöncweide: Schule Berliner Str, 31:„Warum bin ick) Sozialist?"— Treptow: Heim Elienstr. 3:„Unsere Lieder",— karlshorst: tnimnasium Treskowallre: Arbcitsgcmeinschaft,— Kaulsdorf und Mohlsdorf: Arbeitsgemeinschaft in Mahlsdorf,— Lichtenberg-Rerdwestt Heim Dossestr 22: Satirischer Abend,— Rctnickendars.Ost: Heim Lindauer Straße: Arbeiter- bewcgung Indiens",— Riederschönhausen: Clödt. Heim:„Geschichte der Gc- werkichaften", 2. Teil,— Zallenbetg: Heim auf dem Gutshoi:„Zreikörper- kultur".- Mariendorf II: Siedlung Doheim 159tt20:„Jugendgericht".— Rorb- osten: Heim Danziger Str 62:„Zeeiiörperkultur",— Deizöneberq IV: Heim Hauptstr, 15: Bunter Abend,— Pankow R, Z,: Jugendheim Kisiinaenstr, 48: Liederabend und Aussprasste Uder Denrons!ra>.io»en und Eeländespiele.— Balkan: Schule Mgndelstrgste:. BunZcr Abenh.. Werbe bezirk Wedding!AeIt>rengruppe>:" Zork'setzltng dos" Kursus, Helm Utrechter Slroße, Werbebezirk Kreuzderg: Beginn de» Aelterenkursu»:»Die geistigen Strömungen innerhalb der sozialistischen Bewegung", Heim Porckslr, 11. Werbebezirk Neukölln: Beginn der 71rhs,ilsgemeinschoft mit der Genossin Sartoch, Heim Bergstr, 29.„Die Familie in der Gesellschaft." Dauer 6 Abende. Teilnahme kostenlos, werbebezirk Weste»: W.-P,-Mitgliederversammlung. Heim Nosinenstr, Vortrage, Ver�tne und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-. « e s ch» k t s N e l I?:»erlin S 14., Sebastianltr 37-38, Kok 2, Tr. Zveitag, 24. vltober, R ünickendors.Oft: 20 Uhr bei«iehne, Rest. denzstr, 9,»ameradschastsversgmnilung. Dir besonders geiadeneir Kameraden erscheinen bereils um i» Uhr, ebenso die Borsiandsmttglieder,— Sonnabend, 25. Okiober. Zehlcndois, Iungbanncr: 20 Uhr Heimabend bei Schneider, Potsdamer Str. 25. Wcißeusee', Ortsverein: 19 Ubr Vorstands, sitzung im Veriincr Lok, Schöileweide Johannisthal: 20 Uhr Mitgliederversammlung In der„Brüekenklatsse", Brücken. Ecke Spreestraße,— Sonntag, 26. Oktober. Kreis Norden: 13 Uhr vor der Lichtburg am Bahnhof Eiojuud» brunucu. Alle Ortsvereinc treten mit Spielleulcn»ud Orlsveretnsfah»« an, Iungbanncr um 1l Uhr, Reukölln-Britz! 9 Uhr Alttreten Eväths Bnumfchul« zum technischen Dienst, Spielleu!« ohne Iuslrnmcule, Treptow lOrtovercin): 9 Uhr Antrete:! aller aktiven»omeraden Zorsthaus Kanne, Rtrdorfer Straße. Reioickendors lOrtsvereins: 13 Uhr Antreten am Bahnhof Gesundbrunnen (Lichtburg). Iungbauuer 11 Uhr daselbst. Reich«k»rtcll Republik. Sportplatz Feiedriihsselbe: Souual'cnd, 25, Ot'o- der, allgemeiner Ardeilsdieust ab 15 Uhr. Sonntag. 2>>. Oktober, ob 9 Uhr i allgemeines Uebungsschiesirn aller beleiligte» O, l. vereine nqch den neuen i Kartellbedingunaeu,— Renlölln, Britz: Uebungsschießen jeden Sonntag von t4— 16 Uhr auf dem Schießstand Hoieuheide, Der i» der letzlel' Vcrsamm, lung beschlossene Monatsbeilrag>'0I> ,6 Pf, ist ab Oktober z» entrichlen, Neichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieg, ehinter. blicbencn, Bezirk Zentrum.- Sonnabend, 25. Otloocr, findet unser Herbstver» gnügen im großen Saal der Hackeschen Zestsäle, Nofenthaler Sir, lO- 41, statt. Ansang 20 Uhr. Gäste willkommen. Sozialwissenschafilich« Bereinigung, Berlin. Freiing. 24. Otloliee, 20 llhti im Nesta»ea»t„Map und Moritz", Oranienstr, 162, 1 Treppe, Porirgg:„Gibt es«ineu Ausweg aus der Krise?" Berlin und Köniqswusterhousen meldeten um 21 Uhr aus Alsdorf 2öb Tote.„Man glaudt, daß man im Laufe der Nacht noch weitere Tot« l>crstcn tann.- Das dlicb als einzisse armlelisi«, schreckliche choffnung. Man brauchte nicht besonders sentimcnial zu sein, um nach dieser Mitteiiunst den„3)eiteren Opernquerfchnijt", den Berlin im Anschluß sandte, als nicht sierade gut ss« wählt zu empfinden.— War es Zufall— war es Absicht: das„Musikalische Mapazin" Walter Kronostaiis verzichtete diesmal auf Schlager, brachte nur seriöse Musik.— Köln sandte an Stelle des„Musika- tischen Durcheinander" eine e r n st e A b e n d s e i e r, die auch der Deutschlandscnder übernahni.— Von den sonstigen Darbietungen bleibt festzustellen: die'.Leitberichte" von Aktualis zeigten wieder ein neues Blatt aus diesem politischen chärbilderlexikon.„Die Seplembertagung des Völkerb.unc«s in Genf, Diskussion über die 'Abrüstungssrage": kein timstvolles Gemälde, ein lehrreiches Bild, dis in vercinsichten Ilmrissen das Typische hervorhob.— Eine seüll« belangloser Plattheiten ergoß Zinna Kapp sie in mit ihrem Aortrag„Gastsreundschaft und Sparsamkeit" über die chürer, Tos. LZ-lZM-. 4930!,ahds. Q Madrid Mio Oft o 0 8 „®7 ,16>>„1�>j3-M,lkenloE.O heieer.d'ialbbedeokr ® wolkig,® bedeskb'ReseiW-Grabpeln SchM35fieb8l,'stG6wlit()f@Wiiiicraturen allgemein unter diesen Werten. Bon einer neuen isländischen Depression ist ein Ausläufer bis zur Nordsee gelangt und bewegt sich jetzt scheinbar nach Osten, Unter seinem Einfluß wird die Zufuhr feuchter, maritimer Luftmassen nach Deutschland anhalten. * Wetleraussichlen sür Berlin: Meist trübe mit leichten Regen- fällen, Teinperaturen wenig verändert,— Jüt Deutschland: Ueberall stark bewölktes, vielfach regnerisches Wetter. .>£o.c�ß69e* IWg&cc Er sorgt für gutes Funktionieren des Stoffwechsels und hält Leber und Nieren in Ordnung EBMIW�BIWWmfWJrowcaSBgiiWIllBHIII llllk I■ IIIW Packungen von Mk. 1.25»n; Wacholder-Schokolade, der naturelle Wacholder- Extrakt in Schokoladen-Üborzug, die bequeme Taschenpackung Mk.—.90. 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Denn dl« Gefahren in fremden Ländern und Völkern sind meist wie di« Anwesenheit eines Geistes. Bielleicht wa� einer da? Im Jahre 1913 zum Beispiel ging ich einmal in der Nähe von Namatanei aus Neu-Mecklenburg in den Busch hinein, dem Innern der Insel zu. Die Männer in den Dörfern dieser Südseeinsel waren nicht unfreundlich zu mir, auch nicht besonders entgegenkommend. Aber wenn mich dürstet«, kletterte einer einen Palmstamm hinauf und schlug mir mit seinem Buschmesser ein« Kokosnuß herab. Sie ließen mich ungehindert in ihre Hütten eintreten und schauten untätig und gleichmutig allem zu, was ich verrichtet«. Ich hatte dos Gefühl einer Gefahr nicht stärker, als wenn ich etwa am Rande einer autodurchrasten Stadtstroße über den Steig gehe, schließlich kann in jedem Augenblick die Steuerung eines der Wagen versagen und dieser sich über mich wersen. lind drei Monate später wurden auch in cmsm dieser selben polynesischen Dörfer, durch die ich scheinbar ungefährdet gegangen war, zwei deutsche Forscher ermordet. Der Geist dieser Todes- gejahr hatte wohl ebenfalls schon an jenem Tag im Busch gelegen, an dem ich dort gewesen war. Aber ich hatte ihn und er hatte vielleicht auch mich nicht gesehen. In diesen Zusammenhang gehört die Geschichte der Begegnung mit dem Uankeeschoner auf 22 Grad Nord und 42 Grad West. Das liegt fast auf dem Wendekreis des Krebses und ist eine Stelle etwa halbwegs Antwerpen, von wo ich ausgefahren war, und Westindien, wo auf einer Fahrt von 3COO Seemeilen nichts anderes besteht, als die Höhe des Himmels über den Masten und die Tiefe des Ozeans unter dem Schiff. Es geschah an lenem Tag, der mit dem Sonnenuntergang endete, in dem die ganze westliche Welt vPe in Gold und Blut verwabern zu wollen schien. Das Schiff war ein kleiner Frachtdampfer, der Platz für 3900 Tonnen Ladung und für sechs Reisende hatte. Das heißt, der Raum für die Reisenden war karg zugemessen und ging nicht um den Platz für eine» Klappstuhl über das Allernotwendigste hinaus. Man hatte dann Stunden, in denen man diese Beengung nicht er- trogen zu können glaubt. Man sucht noch einer Tätigkeil, in der man sich vor ihr rettet und die wunden Nerven sänftigt. Da rief der Kapitän:„Dort gehen Haie mit uns!" lind mit diesem Ausruf hatte ich die Art der ersehnten Be- schäftigung gefunden. Ich sah den Haien zu, die in einer Entfernung von vielleicht 300 Meter vom Schiff durcheinander schneidend mit dem Lauf des Schiffes mitgingen. Ich werde auf sie schießen! Schiff an Steuerbord! hörte, ich die Wache in dem Augenblick melde», wo ich mir den Bootsmann nahm, um mir den Gepäck- räum aufschließen zu lassen. Ich packe das Geivehr hervor, eine Schachtel Munition. Schon hatte mich eine fast fieberhaft« Un- geduld erfaßt, zu schießen, von der scheußlichen Beute etwas'unter- gehen zu sehen., Als ich an Deck zurückkam, ging ich nicht wieder auf die Brücke hinauf, sondern wollte mich hinter der Kombüse bei Ladeluke 2 oufstellen. Dort war man nach vorn gegen den Fahrtwind geschützt, befand sich wenig hoch über dem Wasser und in der Mitte des Schifies in den besten Schießverhältnissen. Den Kapitän hatte die Neugier herabgerufen. Cr stand neben mir. Da sagte ich:„Das Schilf ist doch Steuerbord gemeldet worden. Auf einmal ist es Backbord." „Sie zuckeln herum", antwortete der Kapitän,„als wüßten sie nicht wohin, weiß der Teufel! So'n aller Schoner." Ich zog das Magazin des Gewehres heraus und hatte die Augen gierig auf der Schar der Haie liegen, die in wildem Eifer das Wasser durchschnitt. Jetzt waren sie, wie eine fahrende Unterboots- sormation, einer hinter dem anderen. Nur die starken, nach vorn steilen Dreiecke der Rückenflossen jagten außerhalb des Wassers, wie grausige breite Messer. Aber bald warfen sich di« ersten Flossen um, die folgenden keilten sich zwischen die plötzlich umgekehrten, ein schlagendes, jumpendes Spielen begann. Bald schoß aus dem Bündel ein Kopf, bald weit und hoch ein Hinterleib heraus.. Jetzt hineinpfeffcrn! Hölle und Himmel, da gab's Fetzen! Ick? stoße das Magazin geladen wieder ein. Es war eine Winchefterbuchje mit zwölf Schuh, richtiges Kaliber. Es wird singen. Etwas trillerte in mir wie eine eisern« Lerche, ein grausames, blnt- rünstiges Jagd- und Zerstörungsgefühl, Gegenkraft gegen di« unter Vereinsamung und einengendem Zwang zerflotternden Nerven. Ich hatte nur eine Angst auszustehen, das Bündel käme aus- einander und nehme seinen Wettlauf mit dem Schiff, einer hinter dem anderen, wieder auf, bevor ich schießsertig war. Aber sie überkugelten sich nach wie vor, mit der Fahn des Schiffes mit- strebend, während ich das Gewehr an die Schulter setzte. Ich zielte und druckt« ab. Ein wenig zitterten mir die Ellbogen in der Gier. Aber die Zunge des Abzugs gleitet ohne Widerstand unter meinem Finger, der nicht weniger gespannt war, als meine Phantasie, kraftlos zurück. Das Schloß war in Unordnung geraten. Bei allem Fluchen war nichts zu machen. Ick) drohte mich in der Flamm« des Jagdgefllhls zu verzehren. „Haben Sie nicht«in Gewehr an Bord?" fragte ich ungeduldig und unglücklich den Kapitän. „Nein, nur'n ollen Revolver, der verrostet ist, und ich weiß nicht einmal, wo er liegt. Aber der Maschinist kann doch mal Ihre Büch'« nachsehen." Ich lieferte diesem also das Gewehr ans, und als ich zurückkam a» di« Stelle, wo ich de» Kapitän verlassen hatte, sah ich, daß des vorhin gemeldete Schiff nahe vor uns mar und den Union Jack hvchfierte. „Bkl will der olle Jänti?" knurrte dyr Kapitän. Denn das Hochziehen der Nationalflagge bedeutet, daß das Schiff einen Wunsch lun. Es war ein alter Dreimastschoner. Der Kapitän ließ stoppen. Der Schoner war jetzt etwa dort. wo auch di« Haie gewesen wären Cr hatte sich in unlere Fahrt- richtniig gedreht und durchs Glas erkannte ich sehr deutlich, daß auf dein unordentlich gehaltene» Deck drei Männer, lange Stangen, faul ani Boden ausgestreckt lagen und sich mit dem Rücken gegen eine Ladeiukc stützten. Sie waren barfuß und trugen nur Hose und ein Leibchen. Einer harte einen ölten Hut auf. Zwei andere zogen ein Segel ein. Drei Fock'agel und das Großsegel standen. Ei» Mann arbeitete an der Flagg« nlcine und zog Signaliloagcn hoch. die sich nicht auseinander lasen wollten. Sic blieben oben in einem Ballen hängen. Da sah ich, wie dieser Mann, der ebenfalls barfuß mar. nach Afienort an dem Mast kochkletterte, indem er mit beiden chönden an gestreckten Zinnen sich vorän.zog und mit den Fußsohlen sich hinten nach am Baum hochstemmte. Die Flaggyi kamen auseinander und flatterten geordne: unter- «inander in dem leichten Nordost. Es waren zwei Zeichen. Dos erste hieß R 2, gelbes Kreitz in rot und schwarzgeld, blauroi in quergeteiltem Feld. Dos bedeutet: wo bin ich? „Kannst du haben, Danki!" hörte ich meinen Kapitän neben mir sagen. Er rief zur Brücke hinauf dem Steuerniaim zu:„Gib ihm Bescheid!" Bald höre ich, daß der Steuermann durch ein Sprachrohr hinüberrief: 22 Grad Nord, 42 Grad West! Und als dann auch das zweite Signal sich an der Flaggenlein« erkennbar machte, sagte der Kapitän:„Dunnerkiel! Tot auch! Dat hält' ich nu nicht gedacht,'n Geschäft auf hoher See zu machen." Denn dieses Zeichen hieß Y O und bedeutete: Haben un- verzüglich Lebensmittel nötig. Die kleinen blauen Augen des Kapitäns leuchteten gierig und glücklich. Wir haben beigedreht. Der Schoner kommt rasch heran. Der Kapitän schaut mit seinen Aeuglcin verzückt zu, rechnet wohl, was aus der Begegnung herausschauen wird. Wir hören, wie der Leib des Schoners an unser Schiff sich anreibt. Der Kapitän schaut nach dein Bootsmann oder nach einem Maat aus um Befehl zu geben, ein Tau zu werfen, an dem der Schoner festmachen kann. Da kommen auf einmal die drei Männer, die ich durch das Glas vorhin an der Luke auf dem Segler hatte liegen sehen, durch den Außendeckgang zu uns heran. Niemand van uns hotte gesehen, daß oder wie sie an Bord gekommen waren. Sie kamen heran, nebeneinander, mit einer merkwürdigen Verbundenheit ihres vaga- bundcnhaften Aussehens... Meervagobunden. Langbeinige Stecken und braun wie ein alter Pfeifenkopf. Barfuß, in schäbigen, verflickten und verwetzten Hvsen, die Haare strohtrocken, verwühlt, ausgelaugt von Wind und Regen, rötlich wie abgegriffenes Leder. Der Hut, den der eine auf hatte, war ein alter verblitzter Panamahut. Das erste, was mir auffiel, war, daß alle drei in einer be- troffen machenden einmütigen Art die recht« Hand in der Hofentafchc hatten, sterf, als hielten sie sich dort an etwas fest, was noch un- sichtbar ivar, aber gleich in der nächsten Minute in Erscheinung treten könnte. Ein unklarer Verdacht zuckt« mir ins Herz und faß aufgeregt drin, wie ein Karpfen in einem Netz. Ich erschrak ein wenig, ohne zu wissen wovor. Dann schaute ich den Kapitän an. Der stand da,»«m, blaß, hatte die Zähne aufeinandergebiffen, hielt die Fäuste geballt etwas zurückgehalten an den Schenkeln Und dann raste es durch mein Blut und ließ es wie in Eis und Feuer erstarren. Mein Herzschlag gerann. Wir sollten überfallen werden! Die drei kainen näher, nickst hastig, ober mit einer unaufholtsam drohenden Gleichartigkeit.. wie drei Räuber in einem Traum zu eins verschmolzen. Der mit dem Hut inachte höhnische Augen. Die anderen schauten starr und verbissen her auf den tleinen Kapitän... wie sie die Hände so verflucht gefährlich immer in den Taschen festhielten! Ein leichtes Zittern kam in meine Kniekehlen Eins Leere wie nach einem Sandsturm log mir im Hirn. Da sah ich, wie mit einer heftigen Plötzlichkeit all« sechs Augen vom Kapitän forkflogen und über meine linke Schulter hinweg an uns vorbei sich irgendwo seitlich und höher von mir hefteten. Ich l)att« den Mut nickst, die drei aus dem Blick zu lassen und den: Weg ihrer Augen nachzuschauen. Aber da lüftete der eine den Hut«in wenig, ünd die anderen schlugen mit einem Finger an. „Ich danke Ihnen, Käpten", sagte er näselnd,„Goccl bye, Sirl Wir haben die Lebensmittel doch nicht notwendig." lind mit dem schwangen all« drei, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, über die Reeling und waren auf einmal wieder unten in ihrem Schiff, zwischen der Unordnung und dem Schmutz ihres verkrätzten Decks. Ich schaue unseren Kapitän an, zweifelnd und fragend,»och gestört und von der Plötzlichkeit der Begebenheit und ihrer Aui- lösung. Da wies der Kapitän mit den Augen hinter mich und wie ich mich umdrehe, sehe ich den Lauf meiner Winchesterbückstc sich durch eines der Ochsenaugen der Kombüse herousstrecken,. gerade in der Richtung, aus der die drei gekommen waren. Kein« Angst, sie kann kein Bumbum machen, sagte lochend der Maschinist, dessen Gesicht hinter dem Lauf erschien Ein Federchen ist aus dem Schloß herausgefallen. „Volldampf voran", schrie der Kapitän zur Brücke hinauf. Der Maschinentelegraph rappelte los. Der Segler löste sich rasch zurück. Die drei lagen wieder an der Luke auf dein Boden gestreckt, drei ander« setzten Segel, einer halte di« Signalflaggen ein, nachdem er wieder wie ein Affe mit Händen und Fgßsohlen am Mast hinaufklettert«. „Was war das nun?" fragte der Kapitän, schaut mich an und geht rasch aus die Brücke. * Ich werde nie wissen, ob der Scherz des Maschinisten mit meiner Büchse uns vor einem Ueberfoll gerettet hat oder ob olles nur ein Spiel dummer kleiner Zusainnienhänge war. Die Stunde mündete in den Sonnenuntergang, in dem sich in einer fernen Schönheit am Himmel die blutigen Ereignisse vollzogen, die vielleicht verborgen geblieben und verronnene Absichten des Schicksals uns zugedacht hatten. Der Kapitän hat die Begebenheit mit keinem Wort mehr er- wähnt,«in Zeichen, wie stark sie auch ihn berührte. Siran ateilbul: der StüV Im Zlicattr in der Strrscmanngraße bildet der Sund Paule den Mittelaunlt des«tiickes„Lwrin im Sasserglas". Was diesen Schauspieler von allen übrigen unterscheidet, ist, äußerlich gesehen, seine Fähigkeit, ans vier Beinen zu gehen. Näher betrachtet, ist dies ein Merkmal seiner vollkommenen Bescheidenhett. Kein Mensch,>iub am wenigsten der Fachmami, würde einem An- fänger aul der Bühne, de? mit dem furchtbaren Fluch der.Vcs.chsiden- heit behaftet wäre, eine Karriere voraussagen f'zumal in einer Zeit, da diese, komische Eigenschafi auch in der übrigen Welt höchstens noch in einer Gogolschen Novelle zu finden ist.— Paule jedoch setzt sich spielend durch. Er kann was— und damit ist die Sache zur Hälfte gut: er weiß nickt? davon, welch ein Geniiis in ihm steckt— und hiermit ist die Leistung fertig. Ja, dies ist feine eigentliche Leistung: er ist der Darsteller des Unbewußten. All feine Pointen und Höbepunktc find unberechnet, find nichts als das sichtbare Spiel seiner Natur und seiner sehr großen Verwunderung über die däm- liehe Situation, in die er sich hineinversetzt sieht. Um ihn herum. ist viel Buntheit und Licht, die Leute gehen, laufen, quasseln, schweigen, haben sichtbar Konflikte miteinander, tragen einen Bier- ernst zur Schau, den Paules unverdorbenes. Hundcgebirn für echt und aufrichtig halten muß. Ihm gegenüber aber klafft ein unge- beurer, dunkler Rannt, aus dem zweifellos Visagen zu ihm hinauf- starren, aus dem sehr oft etwas Dumpfes, Brausendes kommt.— „Bin ich dämlich?" fragt Paule sich selber,„oder was ist?" Antwort- heischend wendet er den langen und eckigen Kops mit der haar- bewachsenen Nase seiner Führerin zu— und in seinen großen glänzenden Augen spiegelt sich die Ubschuld seiner erstaunten Seele so leuchtend deutlich, daß wiederum das Brausende an sein erschreckt zuckendes Ohr dringt und seine Empsindung'wieder nach vorn lenkt. Freilich, er ist dressiert, so daß er nicht in einem großartigen Satz über die Lichter hinweg in die Anhäufung der Smokings und kost- baren Toiletten fegt: freilich haben ihn Proben halbwegs an diesen mcrkwürdloen Auftritt gewöhnt: aber zum Kapiere» konnte der Regisseur ihn nicht bringen. Und Paul« beruhigt sich immer wieder durch einen Blick auf die handelnden Personen über seinen Zweifel, ob hier auch olles richtig sei. Er sieht, daß sie sich in der gewohnten Weile wichtig nehmen, daß sie ihn immerhin als Hund behandeln, er fühlt sein Fell hin und wieder gekraut— und dos genügt ihm. Wenn diese Schauspieler und ihr Regisseur nicht so tüchtig in ihrer Sache wären, so müßten sie fürchten:„Hier stinken wir ab."— Sie wissen es auch ganz genau, daß der Beifall am Ende zum große» Teil Herrn Paule gilt. Sie stellen ihn allein ans die Bühne. und wenn der Vorhang dem Applaus nachgibt— wer steht da? Er, der Star. Er hat gelernt, allein auf der Bühne z» stehen, sein plumpes Schwänzlein aber perpsndikelt criegt hin und her— in Erwartung des Endes dieser Tortur. Die Sache geht ihm ein kiein wenig ans Gediir.ni, aber er kann sich beherrschen— er hat es gelernt.— Dann wird er endgültig in die Kulisse abgeführt und nach Hause. Er bellt einmal— es läßt sich nicht einwandfrei be- stimmen, ans welchem Gefühl. Wahrscheinlich aus Erleichterung, vielleicht aber auch ans Protest. Nicht als ob er nach seiner Gage verlangte. Cr hat seinen Löhn bereits in Form von Kosenamen, Streicheln und Wurst dahin. Aber er wünscht dennoch dringend, nicht noch einmal in«ine so unklare Lage versetzt zu werden. Die Schauspieler aber fragen sich: Mein Eoit, wie hat dieser Hund die Routine weg! Er ha: vor seinem Auftritt nicht einmal in den Spiegel gesehen, auch trägt er nicht neueste Kleider von Michels, im Gegenteil, ausgesprochen doof ist dies Tier... Und dennoch die Raserei im Parkett und in den Rängen? Un, ober die volle Wahrbett zu sagen: Es fli1» hin und wicdcr Menschendarsteller, das der Leistung dieses Hundes annähernd Großes, mitunter auch Glaichllvrtiges an die Seite zu setzen hoben. Durch Aitsscholtung des sonst so überaus gesohätzten Verstandes täiisck?en sie ein« Unschsüd vor, die dos Publikum felbstverständtich begeistern muß, denn einmal liebt man, was man längst nicht mehr ist, und zweitens fühlt man sich vor dem Dummkopf da oben voll- kommen sicher. Eine Backpfeife, eiirc moralische, von dem da? Aus- geschlossen. Man braucht ihm nur in di« Augen zu sehen... Dem Schauspieler, der die Rolle des Dummen spielt, sind gut- inütigcs Gelächter und. wohlwollender. Beifall willkommen: im �Hintergrund steht seine Gage. Derjenige Teil der Menschheit aber, der das Gelächter, das Wohlwollen— ohne die Gage empfänot, sieht fett.eimger Zeit: den Fall anders an.. Sa. als ob Paule xir«" Abends mitten in der Vorstellung aus dem Traum seines Hm, des � leben? erwachte und jählings begriffe, daß er der Unentbehrlichste' in dieser Welt und gleichzeitig der am schäbigsten Entlohnte wäre. Da beginnt er zu bellen, er will den Direktor sprechen, hau, hau...' Seine großen Augen sunkeln wütend, sein Gebiß drolst hinunter, er duckt sich zum Anlauf, zum Sprung ins Parkett. Niemand lacht, das Publikum ist erbleicht, der Direktor zittert, die Kasse flüchtet. Denn Paule hat aufgehört, doof zu sein. föoiiian eines einfaehen lllannes. H i o b. Von Josef Roth. Verlag Gustav Kiepen- heuer. Hiob, der Mann ans dem Lande Ur, ist nach der Bibel der Gerecht«, den Gott schlägt, um die Festigkeit seines Giaubens zu erproben. Noch langen Gesprächen, deren Tief- und Widersinn uns Heutigen ziemlich unverständlich ist gelangt Hiob, der anfänglich Murrende und Klagende, zur Unterwerfung unter Gott, und dieser ersetzt ihm alle Verlust« doppelt, nicht nur Rinder, Schafe und Kamele, sondern auch die erschlagenen Söhne und Töchter. Roths ,F)iob" ist im Gegensatz zu seinem von Haus aus reichen biblischen Vetter ein armer, ukrainischer Jude aus irgendeinem Nest in Wolhynien. Schlicht und anschaulich wird dos arbeitsreiche und j kummervolle Leben dieses Mannes erzählt, der sich an die sechzig Jahre plagt, ohne Lohn zu finden. Seine Familie, für ihn seine Welt, geht ihm verloren. Die Kinder werden den Eltern fremd. Der Aelteste— unbegreiflich für oscjüdische Denkart— geht mit Lust und Liebe zu den Soldaten, der zweit« desertiert noch Amerika, die Tochter, ein vernunftloses Bündel Sinnlichkeit, gibt sich den Kosaken hin. und der Jüngst« bleibt«in lallender Krüppel ohne einen Funken Erleuchtung. Einen Augenblick scheint das Glück zu lächelte, V.s der nach Amerika ausgewanderte Sohn, dort zu Wohl- stand geidnat, die Eltern nachkommen läßt. Aber Amerika bleibt dem Alten eine fremd«, unheimlich« LLelt, und obendrein bricht der ! Weltkrieg aus, unter der Lawine des C'.euds auch diese Einzel- j schicksale begrabend. Mendel Singer(sa heißt Roths Hiob) ist nun ganz von Gott gefchlogc!:. ohne Frau, ohne Kinder, ohne Vermögen und Verns— ein lächerlicher Greis. Er hadert mit seinem Göll, den er doch nicht mts dem Herzen reißen kann: sein Entschluß. Gebetriemen und Gebetmantel, die Attribute jüdischer F.öminigkctt, zu verbrennen, bleibt unausgeführt. Aber gerode da erscheint das Glück: der als Krüppel in Rußland zurückgelassene Sohn tritt ein, geheilt, ein aus Dumpfheit und Betäubung erwachtes muflkaiischc» Genie. � Roth, in sein-en früheren Romanen Skeptiker und Zeitkritikcr von unerbittlichem Scharfblick, hat sich in das Mysterium der Legende geflüchtet. Er verlangt von uns, nicht nur das Wunder der Heilung des Krüppels zu glauben(das nicht notwendig em Wunder zu sein braucht), sondern auch seine Voraussage schon bei der Geburt des Krüppels durch den Wundcrrabbi von Kluczylk. Aber merkwürd'g: man glaubt. In dieser Atmvspharc schlichter, e>:>> sältiger und gottgläubiger Menschen erscheinen Wunder beinahe möglich Beinahe... Aber das ist nicht dos Weseykliche. Wesentlich ist, wie hier die Seele des Ottjuden unter seinem lächerlichen und verachteten Aeußcren. unter der Hüll« von Dürftigkeit und Armut, erfoßt und dargestellt wird. Wir wissen nicht, wie es geschieht: plötzlich ist alles Lächerliche abgetan und wir sehen vor uns biblisch« Gestalten— biblische Gestalten mitten im 20. Jahrhundert. E. K— r,